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dicrv&gt;t

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
12. Juni 1996

12

AUSSENPOLITIK

NATIONALE SICHERHEIT IM
21. JAHRHUNDERT
Rede von Anthony Lake

NATO

DIE DOPPELTE ERWEITERUNG DER NATO
von Senator Richard Lugar

USA-DEUTSCHLAND

50 JAHRE AMERIKA HAUS FRANKFURT
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

SPORT

WARUM SPORT DAS SPIEL MACHT
von Wilfrid Sheed

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AUSSENPOLITIK
12. Juni 1996

Nationale Sicherheit im 21. Jahrhundert
Rede von Anthony Lake

CHICAGO - (AD) - Nach Ansicht des Nationalen Sicherheitsberaters, Anthony Lake, schafft die ClintonAdministration die Grundlage für eine Welt nach dem Kalten Krieg, in der die amerikanischen Interessen
geschützt sind und es den Bürgern gut geht.
Nachfolgend veröffentlichen wir den unwesentlich gekürzten Text der Rede, die Lake am 24. Mai 1996 vor dem
Chicago Council on Foreign Relations hielt.

Gegen Ende der ersten Amtszeit der Clinton-Administration möchte ich über die wichtigsten außenpolitischen Herausforderungen sprechen, denen sich

Erstens die Bewältigung von Krisen, wenn sie auftreten. Sei es der Ausbruch von Gewalt in Liberia, der
Versuch zur Sicherung des Waffenstillstands im Nahen

Amerika in den kommenden Jahren gegenübersieht.

Osten oder die Reaktion auf eine Katastrophe wie das

Politiker mögen sich bei Wahlen verändern, aber die
Interessen der Vereinigten Staaten tun das nicht. Die
Art und Weise, wie diese Herausforderungen bewältigt
- oder ignoriert - werden, beeinflußt das Leben jedes
einzelnen Amerikaners und unsere Aussichten für das
kommende Jahrhundert.

Erdbeben von Kobe - der Umgang mit Krisen erfordert
schnelle, hochwertige Arbeit. Sein Erfolg - oder
Scheitern - sind leicht sichtbar und oftmals in den
Schlagzeilen zu finden.

Auf halbem Weg zwischen dem Ende des Kalten
Krieges und dem Anbruch eines neuen Jahrhunderts
lebt unsere Nation in Frieden. Unsere Wirtschaft ist
stark. Die Welle von Demokratie und Marktwirtschaft
breitet sich auf der ganzen Welt aus und beschert
mehr Menschen als je zuvor Freiheit und Wohlstand
und uns neue Chancen.
Diese vielversprechende neue Ära ist jedoch nicht frei
von Risiken. Alte Bedrohungen wie Aggression
verbrecherischer Staaten haben neue und gefährliche
Dimensionen angenommen. Eine Vielzahl moderner
Bedrohungen - von Terrorismus über Drogenhandel
bis zu vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen - machen vor Grenzen nicht halt und unterminieren unsere Sicherheit.
In dieser neuen Welt der Chancen - aber auch der
Gefahren - ist die globale Führungsrolle der Vereinigten Staaten wichtiger denn je. Um wirksam eine
Führungsrolle zu übernehmen, muß unsere Nation
zwei Dinge gleichzeitig erledigen.

AMERIKA DIENST 12

Sie wissen, daß derartige außenpolitische Herausforderungen nicht geordnet und zyklisch alle vier Jahre
auftreten. Jede Administration erbt Probleme, die sie
meistern muß. Bei uns war das nicht anders. Drei der
drängendsten waren die Repression in Haiti, der Krieg
in Bosnien und die Eindämmung des Irak. Da wir die
Diplomatie mit Macht untermauerten, gibt es in Haiti
keine Diktatoren mehr, der Strom verzweifelter Flüchtlinge ist versiegt und dieses Jahr fand die erste
demokratische Machtübergabe statt.
Das letzte
Mitglied der amerikanischen Friedenstruppe kam - wie
versprochen - rechtzeitig nach Hause zurück. Da wir
1994 unsere Truppen unverzüglich und entschlossen
an den Persischen Golf entsandten, zog der Irak seine
an der kuwaitischen Grenze massierten Truppen
wieder ab - und wir bewahrten Frieden und Stabilität in
der Region.
Da wir für den Frieden in Bosnien eintraten, wurde das
Gemetzel beendet. Amerikanische Truppen und ihre
Partner in der IFOR helfen dem bosnischen Volk, sich
den Freiraum zu schaffen, den es zum Aufbau des von
ihnen gewählten Friedens benötigt.

Seite 1

�Ich bin stolz darauf, daß unsere Administration bei der
weltweiten Reaktion auf diese Probleme eine führende
Rolle übernahm. Wichtig war jedoch ebenfalls, daß wir
beim Umgang mit diesen Notfällen auch die Projekte
weiterentwickelten, die über die momentäre Krise
hinausgehen und für die Gestaltung der ersehnten
Zukunft unerläßlich sind.
Das ist der zweite Aspekt der Führungsrolle: Zukünftige Probleme zu antizipieren, Investitionen zu tätigen,
die größeren Nutzen bringen oder größere Kosten in
der Zukunft verhindern sowie das Fundament für
Frieden und Wohlstand von morgen zu legen. Selbst
beim Umgang mit den tagtäglichen Ereignissen
müssen wir uns den wichtigsten Sicherheitsbelangen
widmen, die den Alltag der amerikanischen Bürger
beeinflussen.
Meines Erachtens schaffen wir die Grundlage für eine
Welt nach dem Kalten Krieg, in der unsere Interessen
geschützt sind und es unseren Bürgern gut geht. Wer
in den nächsten vier Jahren an der Spitze dieses
Landes steht, wird die Chance und die Pflicht haben,
auf dieser Grundlage aufzubauen.
Welche "Bauprojekte" stehen denn an? Eines ist die
Stärkung und Erweiterung unserer wichtigsten Bündnisse, während wir das Fundament für den Frieden im
21. Jahrhundert legen. Bei der Reise des Präsidenten
nach Asien letzten Monat unterzeichneten wir eine
neue Sicherheitscharta mit Japan. Gemeinsam mit
Südkorea starteten wir eine wichtige Initiative, die
hoffentlich zu einem dauerhaften Frieden zwischen
dem Norden und dem Süden führt und schließlich die
letzte verbleibende Grenze aus der Zeit des Kalten
Krieges beseitigt. Diese Errungenschaften sowie
unsere Bestrebungen, China in einen produktiven
Dialog einzubeziehen, zielen auf die Verwirklichung
der Vision des Präsidenten von einer friedlichen
asiatisch-pazifischen Gemeinschaft auf der Grundlage
gemeinsamer Bestrebungen und Vorteile ab.
Da unsere Asienpolitik derzeit Schlagzeilen macht,
möchte ich drei andere "Bauprojekte" ansprechen, die
für die nächsten vier Jahre geplant sind: Schaffung

eines ungeteilten, demokratischen Europas, Vorbereitung auf die militärischen Bedrohungen der
Zukunft sowie Aufbau eines neuen Welthandelssystems.
Schaffung eines ungeteilten Europas. Die Geschichte
lehrt uns, daß Amerika darunter leidet, wenn in Europa
Unruhe herrscht, und es Amerika gut geht, wenn
Europa in Frieden und Wohlstand lebt. Heute liegt
nach dem Ende des Kalten Krieges ein friedliches,
demokratisches und ungeteiltes Europa in Reichweite.
Wir haben hart an der Realisierung dieser Vision
gearbeitet, indem wir den europäischen Integrationsprozeß unterstützten.
Wir haben den Nationen

Seite 2

Zentraleuropas und der ehemaligen Sowjetunion bei
der Schaffung von Vorbedingungen für Demokratie
geholfen: faire Wahlen, freie Medien, eine unabhängige Justiz. Wir unterstützten sie beim Wiederaufbau
ihrer zerrütteten Volkswirtschaften.
Diese Bestrebungen zahlen sich aus. Viele Nationen
Zentraleuropas werden von Hilfsempfängern zu
Handelspartnern. Einige - wie Polen und die Tschechische Republik - zählen zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas. Amerika ist heute
der größte Privatinvestor in Rußland, und unser
gesamter Handel mit Rußland ist in den letzten drei
Jahren um 65 Prozent gewachsen. Verstärkter Handel
mit den neuen europäischen Demokratien und ihren
Millionen neuer Verbraucher sowie erhöhte Investitionen in diesen Ländern bedeuten mehr Arbeitsplätze
und höhere Löhne und Gehälter im eigenen Land.
Femer vertiefen wir unsere sicherheitspolitische
Zusammenarbeit mit allen, die unsere Werte und
unsere Vision vom Frieden teilen. Ein wesentlicher
Bestandteil dieses Prozesses ist die NATO-Erweiterung. Die NATO kann für Osteuropa das leisten, was
sie vor 50 Jahren für Westeuropa erreichte: Verhinderung erneuter örtlicher Rivalitäten, Stärkung von
Demokratie gegen zukünftige Bedrohungen, Schaffung
von Bedingungen für das Prosperieren schwacher
Marktwirtschaften.
Vor zwei Jahren legten die Vereinigten Staaten durch
die Gründung der Partnerschaft für den Frieden den
Grundstein für ein neues Europa. Von Rumänien am
Schwarzen Meer bis zu den Sümpfen von Louisiana
bauen PFF-Mitgliedstaaten und NATO-Verbündete
Brücken der Zusammenarbeit. Für einige Länder stellt
die Partnerschaft für den Frieden den Weg zur NATOMitgliedschaft dar, für andere ein aktives Bindeglied
zum Bündnis. Für alle repräsentiert sie eine wirkungsvolle Initiative zur Stärkung von Demokratie, Errichtung
ziviler Kontrolle des Militärs und Entwicklung zu
verantwortungsbewußten Mitgliedern der internationalen Staatengemeinschaft.
Wir sehen bereits die Ergebnisse. Derzeit stehen in
Bosnien Soldaten aus mindestens 13 Mitgliedstaaten
der Partnerschaft für den Frieden Seite an Seite mit
NATO-Truppen. Einer dieser Partner - Ungarn - bietet
den Hauptbereitstellungsraum für den amerikanischen
Beitrag zur NATO-Truppe.
In den kommenden vier Jahren müssen wir diese
Errungenschaften für das 21. Jahrhundert konsolidieren. Das bedeutet eine Weiterentwicklung der NATOErweiterung auf dieselbe stetige und transparente
Weise wie seit Beginn. Das bedeutet, Forderungen
nach allzu schnellem Vorgehen zu widerstehen, die
unser Ziel unterminieren könnten, indem sie den
NATO-Konsens über die Aufnahme neuer Mitglieder
aufs Spiel setzen. Es bedeutet aber auch, daß die

AMERIKA DIENST 12

�Nationen, die einen Beitrag zur Stärkung des Bündnisses zu leisten bereit sind, nicht im ungewissen
gelassen werden dürfen. Ein Aufschub der Erweiterung würde die geschaffene Dynamik zerstören und
die neuen Demokratien entmutigen, die so hart für
Reformen gearbeitet haben. Wir werden solche
Verzögerungen nicht zulassen.
Im Zuge der Erweiterung müssen wir uns auch dafür
einsetzen, die Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland zu einer echten Partnerschaft zu entwickeln.
Unsere Teamarbeit in der Kontaktgruppe sowie unter
unseren Truppen in Bosnien hat gezeigt, daß eine
solche Partnerschaft sowohl möglich als auch produktiv ist. Sie ist der Vorläufer eines ungeteilten Europas,
das vor uns liegt, wenn wir alle über die Vision und
Entschlossenheit zu seiner Erlangung verfügen.
Die Vorbereitung auf die militärischen Bedrohungen
der Zukunft - unser zweites "Bauprojekt" - besteht in
der Vorbereitung auf die realen militärischen Bedrohungen im Zeitalter nach dem Kalten Krieg. Die
Konfrontation der Supermächte ist vorüber. Aber viele
bislang schwelende ethnische und religiöse Konflikte
sind ausgebrochen. Früher konnten verbrecherische
Staaten von denjenigen in Schranken gehalten
werden, die sie bewaffneten und unterstützten. Jetzt
ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, daß sie zur
Erlangung ihrer Ziele den Einsatz von Gewalt wagen.
Die Vereinigten Staaten nehmen diese Entwicklungen
ernst - und wir stärken unsere Verteidigungsfähigkeit
für eine Welt, die gefährlich bleibt. Tatsächlich gelingt
es uns wahrscheinlich besser, uns auf die Bedrohungen einer neuen Ära vorzubereiten als den Nachkriegsgenerationen vor uns. Sie werden sich erinnern,
daß fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg der Abzug
amerikanischer Truppen so weit fortgeschritten war,
daß wir fast von der koreanischen Halbinsel vertrieben
wurden. Fünf Jahre nach Vietnam gab der Stabschef
des Heeres bekannt, wir hätten eine "ausgehöhlte
Armee".
Jetzt, fünf Jahre nach dem Beginn des Abzugs nach
dem Kalten Krieg, hat das amerikanische Militär einen
außergewöhnlichen Transformationsprozeß durchlaufen. Unsere militärische Führungsrolle hat viel
zuwenig Anerkennung für einen der größten Verwaltungserfolge der Geschichte erhalten - den umfangreichen Personalabbau ohne Verlust von Moral
oder erforderlichen Kapazitäten. Ich besuchte heute
morgen das Marineausbildungszentraum im Gebiet der
Great Lakes und war sehr beeindruckt von der Moral
der Marinerekruten, die jetzt Seeleute werden.
Nach der grundlegenden Überprüfung unseres Militärs
- einer Analyse beispiellosen Umfangs - wurden
unsere Streitkräfte zur Bewältigung der Herausforderungen umstrukturiert, denen wir heute und
möglicherweise morgen begegnen. Die Einsatzbereit-

AMERIKA DIENST 12

schaft der Vereinigten Staaten war nie höher - und
unsere Streitkräfte sind für den Umgang mit potentiellen Krisen weltweit vorbereitet und ausgerüstet.
Unsere Strategie verlangt von unseren Streitkräften die
Abschreckung und den notfalls gleichzeitigen Kampf in
zwei großen regionalen Konflikten gleichzeitig. 1994,
als der Irak Kuwait bedrohte, die Spannungen in Korea
wuchsen und die Unruhen in Haiti außer Kontrolle
gerieten, stellten wir unter Beweis, daß unsere Streitkräfte der Aufgabe gewachsen waren - und noch mehr.
Die schnelle, professionelle Dislozierung unserer
Truppen schreckte mögliche Aggression im Nahen
Osten und Asien ab - und gab den Menschen in Haiti
die Chance für eine bessere Zukunft. Ferner führen
sie die Art von neuen Missionen für Frieden und
Freiheit durch, die unser Zeitalter fordert - wie wir in
Haiti, Ruanda und Bosnien gesehen haben.
Zur Wahrung der Überlegenheit unserer Truppen ging
die Clinton-Administration die unerschütterliche
Verpflichtung ein, unseren Soldaten die erforderlichen
Mittel zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieser
Verpflichtung nehmen wir unter veränderten Umständen Anpassungen vor und stellen Mittel bereit. In
den letzten zwei Jahren stockten wir den Militärhaushalt zur Deckung der Kosten unerwarteter Missionen
um nahezu vier Milliarden Dollar auf. Vor dem Hintergrund einer klaren Bestandsaufnahme dessen, was für
Einsatzbereitschaft und Modernisierung erforderlich ist,
entschied Präsident Clinton im Dezember 1994, die
Mittel für unseren langfristigen Verteidigungsplan im
Laufe von sechs Jahren um 25 Milliarden Dollar zu
erhöhen. Der Präsident hat mehrfach erklärt, daß die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten die am besten
ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und einsatzbereitesten der Welt sind - und wir werden die Mittel
bereitstellen, damit das auch in Zukunft so bleibt.
Ebenso wie sich die Administration für die Wahrung
unseres Vorsprungs im konventionellen Bereich
einsetzt, sind wir entschlossen, die Bedrohung für das
amerikanische Volk durch Massenvernichtungswaffen
zu verringern. Als der Eiserne Vorhang fiel, wurden
Chancen für die Schaffung einer Welt eröffnet, die vor
chemischen, biologischen und atomaren Waffen
sicherer ist.
Somit haben wir die ehrgeizigste Rüstungskontrollund Nichtverbreitungsagenda der Geschichte aufgestellt und halten uns daran.
Aufgrund unseres stetigen Engagements in Rußland
und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion sind keine russischen Raketen mehr auf
amerikanische Städte und Bürger gerichtet. START I
und START II - den die russische Duma hoffentlich
bald ratifiziert - sehen die Kürzung der Nuklearwaffenarsenale um zwei Drittel vor, die wir und die Sowjetunion auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges unterhielten. Ferner setzen wir uns für die Stärkung der

Seite 3

�Konvention über biologische Warfen ein und drängen
auf die Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention. Wir
fordern den Senat auf, diesen lebenswichtigen Vertrag
unverzüglich anzunehmen.
Wir haben die unbegrenzte und bedingungslose
Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags sichergestellt. Wir hoffen, daß noch in diesem Jahr ein
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot unterschrieben werden kann - und wir damit die Entstehung
der nächsten Generation von Nuklearwaffen verhindern. Und wir setzen uns dafür ein, daß alle Nationen
die Bestimmungen des Raketentechnologie-Kontrollregimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
befolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit fand eine Debatte über den
Wert von Rüstungskontrollverträgen statt. In der Welt
nach dem Kalten Krieg ist die Antwort klar: Diese
Errungenschaften - das Ergebnis entschlossener
Diplomatie von Administrationen der Demokraten und
Republikaner gleichermaßen - sind real und haben die
Sicherheit des amerikanischen Volkes erhöht.
Aber durch Diplomatie allein erhalten wir keine echte
Sicherheit. Die Beibehaltung unserer Streitkräfte zur
Abschreckung - konventioneller und nuklearer - bleibt
der beste Weg, alle Staaten davon abzuhalten, uns mit
Massenvernichtungswaffen herauszufordern. Jeder
potentielle Feind muß wissen, daß unsere Reaktion auf
einen Angriff mit diesen Waffen absolut überwältigend
und vernichtend sein wird. Auf diese Weise haben wir
bereits 50 Jahre den Frieden gewahrt - und es ist
unsere beste Garantie für die nächsten 50 Jahre und
darüber hinaus.
Wir müssen jedoch auch auf die unwahrscheinliche
Möglichkeit vorbereitet sein, durch unsere militärische
Macht, Rüstungskontrollvereinbarungen und nukleare
Abschreckung nicht verhindern zu können, daß
verbrecherische Nationen einen Raketenangriff gegen
die Vereinigten Staaten oder unsere Streitkräfte
starten. Unsere Administration gibt jährlich 3 Milliarden
Dollar für die Entwicklung und Dislozierung von
Raketenabwehrsystemen aus. Unser Ansatz basiert,
wie der Präsident diese Woche bei der Coast Guard
Academy erklärte, "auf realen Bedrohungen und
pragmatischen Antworten". Er fußt auf der vernunftgemäßen Auffassung, daß wir uns über die Bedrohung
im klaren sein müssen, bevor wir eine Raketenverteidigung aufbauen.
Heute - und in den kommenden Jahren - besteht
unsere größte Bedrohung aus Angriffen mit Kurz- und
Mittelstreckenraketen gegen unsere Truppen oder
unsere Verbündeten. Und die am stärksten gefährdeten Regionen sind der Nahe Osten und Asien. Aus
diesem Grund haben wir die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr zu unserer obersten Priorität
gemacht. Wir haben modernisierte Patriot-Raketen in

Seite 4

Südkorea disloziert. Wir arbeiten mit Japan an der
Modernisierung seiner Abwehrsysteme.
Und wir
schlössen kürzlich ein Abkommen mit Taiwan, um dem
Land Raketenabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu
stellen. Wir arbeiten mit Israel an kriegsschauplatzgebundener Abwehr zusammen. Wir treiben die
Entwicklung einer Reihe moderner Kurz- und Mittelstreckenraketenabwehrsysteme voran, beispielsweise
die Patriot PAC-3, Navy Lower Tier und Army THAAD die 1998 eingesetzt werden können - sowie die
leistungsfähigere Navy Upper Tier, die einige Jahre
später eingesetzt werden kann.
Es ist sinnvoll, die gefechtsfeldgebundene Raketenabwehr an erste Stelle zu setzen. Sie befaßt sich mit
jetzt existierenden Bedrohungen. Wir müssen uns
jedoch auch auf vor uns liegende Bedrohungen
vorbereiten. Obwohl unsere Nachrichtendienste nicht
der Ansicht sind, daß verbrecherische Staaten innerhalb der nächsten 15 Jahre die Fähigkeit zur
Entwicklung von Langstreckenraketen beschaffen,
setzen wir uns für die Einführung eines nationalen
Systems der Verteidigung gegen einen Raketenangriff
möglichst bis zum Jahr 2000 ein, das notfalls 2003
disloziert werden kann.
Dies ist eine rationale Reaktion auf eine Möglichkeit,
die zwar in weiter Ferne liegt, deren Konsequenzen
jedoch schrecklich wären.
Die Alternative zu unserem Plan - die letzten März von
Senat und Repräsentantenhaus unterbreitete Gesetzesvorlage - würde von uns verlangen, daß wir uns
heute für ein Raketenabwehrsystem entscheiden, das
2003 disloziert wird.
Das ist nicht die richtige Art und Weise, Amerika zu
verteidigen. Sie würde uns an den heutigen Stand der
Technologie binden - und uns die Vorteile zukünftiger
Weiterentwicklungen verwehren. Wenn irgendein
Diktator in Zukunft skrupellos werden sollte, wollen wir
nicht mit einer Betamax erwischt werden, wenn wir uns
der neuesten Technologie bedienen könnten.
Dieses Gesetz würde auch die Rüstungskontrollabkommen verletzen, die unsere Sicherheit erhöhen.
Es könnte viele Technologien des gescheiterten
Schemas "Krieg der Sterne" wiederbeleben - einschließlich weltraumgestützter Raketen und Laserwaffen sowie antiballistischer Raketenabwehrsysteme seegestützt oder mit mehreren Standorten. Diese
Systeme würden allesamt den ABM-Vertrag verletzen.
Der ABM-Vertrag bleibt der Grundstein unserer
Rüstungskontrollerrungenschaften - und ihn in Frage
zu stellen würde die derzeitige Verringerung des
russischen Nuklearwaffenarsenals gefährden. Den
Abbau Tausender von Gefechtsköpfen aufzugeben,
um sich vor einer noch nicht existierenden Bedrohung
zu schützen, wäre ein schlechtes Geschäft. Es ergibt
einfach keinen Sinn. Wir können den Vertrag beibehal-

AMERIKA DIENST 12

�ten und gleichzeitig die erforderlichen Verteidigungssysteme einsetzen.
Ein solcher Ansatz wäre nicht nur eine schlechte
Strategie, sondern auch schlechtes Haushalten.
Vergangene Woche schätzte das Haushaltsbüro des
Kongresses, das im Gesetz vorgesehene Programm
würde bis zum Jahr 2010 zwischen 31 und 60 Milliarden Dollar kosten. Zu diesem Preis würde es für
unsere Nation sehr schwierig, die erforderliche
Modernisierung unserer konventionellen Streitkräfte
durchzuführen. Daher ist es nicht erstaunlich, daß die
Sponsoren des Gesetzes ihre Vorlage zurückzogen,
als ihnen diese Veranschlagung vorgelegt wurde obwohl seine Befürworter im Senat entschlossen zu
sein scheinen, es durchzubringen.
Es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, um
Amerika und seine Bürger gegen einen Raketenangriff
zu verteidigen. Ich hoffe, wir können uns überparteilich auf den richtigen Weg einigen. Den praktischen
Weg. Den klugen Weg. Wie Verteidigungsminister
Perry gestern in einem Interview erklärte, sollten wir
bei dieser Frage gemeinsames Terrain finden, beispielsweise im Tenor des Zusatzes zur nationalen
Politik der Verteidigung gegen einen Raketenangriff,
den der Kongreßabgeordnete John Spratt aus South
Carolina vorlegen möchte, wenn das Repräsentantenhaus über die Gesetzesvorlage zur Verteidigung der
Vereinigten Staaten berät. Auf diese Art und Weise
wird unsere Nation über die erforderliche Verteidigung
mit Raketen gegen Bedrohungen verfügen, die sich
entwickeln könnten ... und unsere Streitkräfte erhalten
das beste Gerät und die beste Ausbildung für alle
Missionen, mit denen sie sich unweigerlich konfrontiert
sehen - konventionell und nuklear. Die von mir bisher
erörterten "Bauprojekte" - die Schaffung eines ungeteilten Europas und der Aufbau der richtigen Verteidigung
gegen militärische Bedrohungen, denen wir uns
tatsächlich gegenübersehen - werden offensichtliche
Auswirkungen auf die Sicherheit des amerikanischen
Volkes haben. Aber wir definieren "nationale Sicherheit" im Hinblick auf das tägliche Leben der
Menschen - und das bedeutet nicht nur die militärische
Sicherheit unserer Nation, sondern auch das wirtschaftliche Wohlergehen unserer Bürger, die Grundlage für ihre persönliche Sicherheit. In einem Zeitalter, in
dem Waren und Ideen auf der ganzen Welt gehandelt
werden und in dem Millionen Dollar mit einem Tastendruck auf dem Computer über den Planeten verschickt
werden, ist es offenkundig, daß unser wirtschaftliches
Wohlergehen mit der übrigen Welt verknüpft ist.
Aus diesem Grund haben wir so hart gearbeitet, um
ein neues globales Handelssystem aufzubauen.
Durch sorgfältige Verhandlungen und realistische
Überzeugungsarbeit öffnen wir Märkte für amerikanische Waren und Dienstleistungen und schaffen neue
Chancen für amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer. Mit regionalen Bestrebungen wie NAFTA,

AMERIKA DIENST 12

APEC und dem gesamtamerikanischen Gipfel, internationalen Verhandlungen wie der Uruguay-Runde sowie
harten
bilateralen
Verhandlungen
wie
dem
amerikanisch-japanischen Abkommen über Autoteile
werden Hemmnisse abgebaut und unsere Exporte
erhöht - und wurden allein in den vergangenen drei
Jahren mehr als eine Million gute, hochbezahlte
Arbeitplätze geschaffen.
Sie können die Ergebnisse unserer Strategie an den
Fortschritten bemessen, die wir in Japan erzielt haben.
Es liegt noch weitere harte Arbeit vor uns, aber in den
letzten drei Jahren haben unsere beiden Nationen 21
separate Handelsabkommen unterzeichnet, die alles
von medizinischen Gütern bis zu Computern abdekken. Unsere Exporte in diese Sektoren sind um rund
85 Prozent gestiegen - das bedeutet mehr Arbeitsplätze und bessere Bezahlung für amerikanische
Arbeitnehmer sowie niedrigere Preise und größere
Auswahl für japanische Verbraucher.
Wir haben auch die erste nationale Exportstrategie der
Vereinigten Staaten eingeführt, damit unsere Unternehmen die Chancen nutzen können, die wir durch
Handelsabkommen eröffnet haben.
Mit unserer
Unterstützung konnten amerikanische Firmen seit
November 1993 ausländische Geschäftsverträge im
Wert von über 57 Milliarden Dollar abschließen.
Um diese Leistungsbilanz aufrechtzuerhalten und den
Wohlstand bis ins 21. Jahrhundert zu wahren, muß
unsere Nation bestehende Handelsabkommen
durchsetzen, darunter die mehr als 180 von der
Clinton-Administration geschlossenen. Wir müssen
unsere Vision von freiem Handel auf dem gesamten
amerikanischen Kontinent in konkrete Ergebnisse
umsetzen, auch durch die Erweiterung des NAFTA um
Chile. Und wir müssen auf unserer Blaupause für
freien Handel in der asiatisch-pazifischen Region
aufbauen - dem am schnellsten wachsenden Markt der
Welt.
Schlußfolgerung
Selbst während wir die Grundlagen für das neue
Jahrhundert schaffen - die Bewältigung der Krisen von
heute sowie die Schaffung eines Rahmens für Stabilität, Sicherheit und Wohlstand von morgen - greifen wir
auf dieselben Instrumente wie stets zurück: Diplomatie
wenn möglich, Gewalt wenn nötig. Zusammenarbeit
mit anderen wenn möglich, Alleingang wenn nötig. Die
Bewahrung eines starken Militärs während wir unsere
Bündnisse an neue Anforderungen anpassen. Die
Aufrechterhaltung konstruktiver Beziehungen zu den
Großmächten der Welt - den Nationen mit den größten
Fähigkeiten, uns bei unseren Bestrebungen behilflich
zu sein oder uns zu behindern. Und wir müssen die
erforderlichen Ressourcen zur Durchführung effektiver
Diplomatie zur Verfügung haben, unsere Hilfsprogram-

Seite 5

�me zur Abwendung künftiger Krisen nutzen und unser
Militär unterstützen.

Verträge eingehalten werden, ebenso wie das Schlaglicht der freien Medien zur Aufdeckung von Korruption
beiträgt.

Ebenso wie wir auf im Lauf der Zeit erprobte Instrumente zurückgreifen, erfüllen wir eine zeitlose
Mission. In vielen Regionen sind die Wurzeln der
demokratischen Gesellschaft - Pluralismus, Toleranz,
Freiheit - noch nicht tief. Wie bisher besteht auch
heute unsere besondere Rolle in der Welt im Schutz
und der Stärkung der Gemeinschaft von Demokratien
und offenen Märkten.

In den nächsten vier Jahren haben wir die Chance,
den Weg zu einem vielversprechenden neuen Jahrhundert zu ebnen - in dem Zentraleuropa, wo zwei
Weltkriege begannen, zu einem Anker der Stabilität in
einem ungeteilten, demokratischen Europa wird. In
dem wir mit unseren Verbündeten und Freunden in der
asiatisch-pazifischen Region zusammenarbeiten, um
unsere Sicherheit zu bewahren und eine Zukunft
wachsenden Wohlstands aufzubauen. In dem die
dunkle Wolke der nuklearen Vernichtung dem Sonnenschein des Friedens weicht. In dem offene Gesellschaften gedeihen, verknüpft und gestärkt durch
offene Märkte. In dem unsere Kinder und Kinder
überall auf der Welt deshalb ihre Talente am besten
zur Verwirklichung ihrer Träume nutzen können.

Die Erweiterung der Demokratie ist ein zentrales
Element aller von mir heute erwähnten Herausforderungen. Ein demokratisches Europa wird wahrscheinlich eher den Frieden bewahren und ein starker
Partner bei Diplomatie, Sicherheit und Handel sein.
Demokratische Nationen werden weniger wahrscheinlich Krieg gegeneinander führen - und wahrscheinlich eher gemeinsam mit uns Rüstungskontrolle
fördern, die Weiterverbreitung sowie die Kräfte der
Zerstörung bekämpfen. Und Demokratie unterstützt
die freien Märkte, die Wohlstand fördern, weil die
Rechtsstaatlichkeit zur Gewährleistung beiträgt, daß

* *

Seite 6

Das ist Amerikas Herausforderung an der Schwelle
zum Jahrtausend. Amerika kann - und muß - sie
meistern. Ich denke, es wird uns gelingen.

*

AMERIKA DIENST 12

�NATO
12. Juni 1996

Die doppelte Erweiterung der NATO
von Senator Richard Lugar

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Senator Richard Lugar am 29. Mai 1996 vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn gehaltene Rede in gekürzter Version.

Es ist ein Privileg, Ihnen meine Gedanken über die
Zukunft der Atlantischen Allianz vermitteln zu dürfen.
Dies ist eine besonders wichtige Zeit für eine Bestandsaufnahme des Bündnisses. In den vergangenen zwei Jahren hat die Allianz zahlreiche Themen
erörtert und analysiert, die von der Erweiterung über
die Reform der Kommandostruktur bis zu umfassenderen strukturellen Reformen des Bündnisses reichen,
damit es neue Missionen durchführen kann.
Die Zeit der Erörterungen und Analysen geht jetzt zu
Ende. In den kommenden zwölf Monaten muß die
NATO in drei Schlüsselbereichen Entscheidungen
treffen, die im nächsten Jahrzehnt die europäische
Sicherheit und die transatlantischen Beziehungen
entscheidend beeinflussen werden.
Angefangen mit dem Ministertreffen in Berlin müssen
die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses
folgendes entscheiden:
1.

Wird die NATO ihre Mitgliederzahl erweitern,
und welche Maßnahmen, Anerkennung und
Sicherheit sollte sie den Ländern gewähren,
die nicht unter die erste Wahl fallen?

2.

Wie wird sich die NATO intern reformieren, um
neue Missionen durchzuführen? Dazu zählen
die Verteidigungsverpflichtungen unter Artikel
5 sowie andere nicht in Artikel 5 enthaltene
Missionen wie Krisenmanagement über die
Grenzen des Bündnisses hinaus.

3.

Wie sollten die Beziehungen zwischen der
NATO und Rußland während des Erweiterungsprozesses aussehen? Sollte die NATO

AMERIKA DIENST 12

eine parallele kooperative Partnerschaft mit
Moskau ausbauen?
Wie gute Arbeit die NATO bei diesen Themen leistet,
wird weitreichende Auswirkungen haben. Wir sprechen über das Legen von Grundsteinen einer neuen
europäischen Friedensordnung und den Aufbau einer
neuen NATO, die diesen Namen nicht nur in der
Theorie, sondern auch in der Praxis verdient. Wenn
wir Erfolg haben, werden wir die Grundlage für Jahrzehnte des Friedens und Wohlstands in Europa
geschaffen haben. Wenn wir scheitern, könnten
Historiker auf die Zeit unmittelbar nach dem Ende des
Kalten Krieges als Zeit tragisch verpaßter Chancen
zurückblicken.
Vor allem müssen wir uns bewußt machen, daß eine
historische Debatte über die Zukunft der NATO vor uns
liegt, die auf Jahre hinaus Auswirkungen haben wird.
Es ist eine Debatte, die öffentlich und kontrovers sein
wird - wie es einem Bündnis von Demokratien gebührt,
das sich mit so wichtigen Themen befaßt. Ein Großteil
der Diskussion über das Für und Wider der Erweiterung und anderer Fragen war auf Eliten und Experten
begrenzt - und den einen oder anderen Senator oder
Minister. Auch das wird sich ändern.
Ich sehe diesen öffentlichen Diskussionen erwartungsvoll entgegen. Meines Erachtens haben wir die
historische Chance, Schritte zu unternehmen, die
Frieden und Stabilität in Europa sichern und die bei
den Revolutionen von 1989 und dem Zusammenbruch
des Kommunismus gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit festschreiben werden. Meiner Ansicht
nach werden wir in dieser Debatte den Sieg davontragen - sowohl im amerikanischen Senat als auch im

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�Bündnis - vorausgesetzt, wir folgen einigen vernünftigen Richtlinien.
Bevor ich diese Richtlinien darlege, möchte ich die
grundlegenden Fragen aufwerfen, mit denen wir uns
im amerikanischen Senat, den Parlamenten der
NATO-Verbündeten sowie in den beitrittswilligen
Ländern konfrontiert sehen.
Die Vision
In den Vereinigten Staaten werden die Politiker häufig
über das befragt, was wir als die "Vision" bezeichnen.
Was wollen sie erreichen und warum? Was ist ihre
Vision und wie werden einzelne Maßnahmen in ein
Gesamtgefüge von Zielsetzungen passen?
Als
amerikanischer Senator werde ich oft von meinen
Kollegen und Wählern gefragt, warum ich mich so
intensiv mit der NATO und Themen wie NATO-Erweiterung befasse, nun, da der Kalte Krieg vorüber ist.
Je weiter wir uns von den berauschenden Tagen
entfernen, in denen die Berliner Mauer fiel und der
Kommunismus zusammenbrach, desto klarer wird,
daß wir in ein neues Zeitalter eingetreten sind. Im
Europa der Nachkriegszeit sind noch immer reichlich
Gefahren vorhanden. Die Revolutionen von 1989
führten nicht nur zum Zusammenbruch des Kommunismus, sondern auch zum Ende der nach zwei
Weltkriegen geschaffenen Friedensordnung. Auf dem
Spiel stehen Ordnung und Stabilität in ganz Europa.
Und aus diesem Grund sind amerikanische Interessen
im Spiel.
Die NATO kann nicht allein alle Probleme Europas
lösen. Aber ohne einen stabilen Sicherheitsrahmen
gehen wir das Risiko ein, daß Reform und Demokratie
im Osten Europas nicht andauern, sondern von
destruktiven Kräften des Nationalismus und der
Unsicherheit unterlaufen werden. Das Scheitern der
Demokratie im Osten würde unweigerlich auch
tiefgreifende Auswirkungen auf die Demokratie in der
westlichen Hälfte des Kontinents haben. Wenn uns die
Geschichte irgend etwas lehrt, dann, daß die Vereinigten Staaten immer in solche europäischen
Konflikte gezogen werden, weil wir mit unseren vitalen
Interessen letztlich, wenn auch verspätet, engagiert
sind.
Das ist ein Grund, warum ich stets für die NATOErweiterung war. Aber das ist nur ein Grund und ein
Teil meiner Vision, die aus dem besteht, was ich
verhindern und was ich aufbauen möchte. Ich möchte
einen neuen transatlantischen Handel mit einem
geeinten und integrierten Europa eingehen - "ungeteilt
und frei" - in einem permanenten Bündnis mit den
Vereinigten Staaten. Es ist eine Vision der Vereinigten
Staaten und Europas in einer gleichberechtigten
Partnerschaft, die sich der Verwaltung der Sicherheit
Europas sowie der Verfolgung gemeinsamer Inter-

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essen über Europa hinaus verschrieben hat. Der alte
transatlantische Handel, der den Europäern eine Form
von amerikanischem Schutz als Gegenleistung für
amerikanischen Einfluß bot, muß durch eine neue
transatlantische Vereinbarung ersetzt werden.
Dies ist eine Vision für das Bündnis, die nicht länger
zwangsläufig auf Europa konzentriert oder darauf
begrenzt ist. Es ist auch eine Vision für das Bündnis,
die über die logische Begründung des Kalten Krieges
hinausgeht, das heißt, einen sowjetischen Angriff auf
Westeuropa abzuschrecken und das Land gegebenenfalls dagegen zu verteidigen. Es ist eine Vision für
ein neues Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten
und Europa als Kraft zur Förderung westlicher Werte
und Interessen in Europa und darüber hinaus. Wir
benötigen eine neue und sehr viel umfassendere
transatlantische Tagesordnung und einen Dialog, der
sich darauf konzentriert, wo und wie die Vereinigten
Staaten und Europa gemeinsam handeln können und
sollten.
Wie viele von Ihnen wissen, war ich einer der frühesten Befürworter der NATO-Erweiterung in den
Vereinigten Staaten. Ich habe jedoch immer von der
Erweiterung nicht getrennt von, sondern vielmehr als
Teil einer neuen Sicherheitspartnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und einem geeinten Europa
gesprochen. Die Vereinigten Staaten sind eine globale
Macht, ein Land mit Interessen in Europa und darüber
hinaus. Sie sind auch ein Land, das zunehmend
gleichgesinnte Verbündete und Partner zur Bewältigung dieser internationalen sicherheitspolitischen
Tagesordnung benötigt. Wenn die Amerikaner sich
umblicken, sehen sie keinen besseren Kandidaten als
ihre europäischen Verbündeten in der NATO als
diesen Partner.
Wenn das die Vision ist, wie verwirklichen wir sie
dann? Mir gefällt der Begriff "doppelte Erweiterung",
um auch den Prozeß der Reform einzubeziehen, die
meiner Ansicht nach stattfinden muß. Die NATO muß
sich nach Osten erweitern, um die neuen Demokratien
zu integrieren, und sie muß ihre Mission über die
Verteidigung von Grenzen ausdehnen, um Krisenmanagement und vielleicht Friedenssicherung über die
Grenzen des Bündnisses hinweg einzubeziehen. In
beiden Fällen muß das Bündnis entscheiden, wie weit
es gehen möchte, sowohl im Hinblick auf neue Mitglieder als auch bezüglich neuer Missionen. Man kann
sich der Tatsache nicht entziehen, daß die NATO
gleichzeitig Reformen in beiden Bereichen vornehmen
muß, wenn sie die Herausforderungen bewältigen will,
denen wir uns in den kommenden Jahren wahrscheinlich gegenübersehen. Es ist ein grundlegendes
amerikanisches Interesse, daß das Bündnis nicht nur
zur Stabilisierung Osteuropas erweitert wird, sondern
auch, daß die Erweiterung integraler Bestandteil einer
umfassenderen Umgestaltung ist, die Europa zu einem
zunehmend effektiven strategischen Partner der Ver-

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�einigten Staaten auf dem Kontinent und darüber
hinaus macht.

retten, indem wir Reformen in Osteuropa aufschieben
oder verzögern.

Rußland

Das Bündnis kann und sollte enge strategische
Beziehungen zu Rußland haben. Die NATO und
Rußland sind Verbündete bei der IFOR in Bosnien.
Wir hoffen, daß dies keine einmalige Sache ist,
sondern vielmehr der Beginn langfristigerer und
stabilerer Beziehungen. Ich hoffe, eines Tages zu
erleben, daß die Grenzen zwischen einer erweiterten
NATO und ihren östlichen Nachbarn, einschließlich
Rußlands, ebenso stabil und sicher sind wie alle
anderen in Europa.

Jetzt möchte ich das Thema Rußland ansprechen. Wir
sind uns bewußt, wie wichtig die Zukunft Rußlands für
die Zukunft der europäischen und internationalen
Sicherheit ist. Aber wie paßt Rußland in die Vision der
von mir dargelegten transatlantischen Beziehungen?
Meine Vision des Bündnisses ist nicht von der Existenz
oder dem möglichen Entstehen einer neuen russischen Bedrohung im Osten abhängig. Wir wollen
keine NATO, deren Lebensfähigkeit und Erfolg vom
Scheitern in Rußland abhängt. Wir wollen ein Rußland, das erfolgreich Reformen durchführt und dessen
Erfolg bei den Reformen es zu einem interessanteren
und nützlicheren strategischen Partner für das Bündnis
macht.
Die Vereinigten Staaten und Europa haben enormes
Interesse am Erfolg des Reformprozesses in Rußland.
Ein stabiles und reformiertes Rußland kann ein aktiver
Partner bei der Wahrung der Sicherheit in Europa, der
Lösung regionaler Konflikte und der Bekämpfung der
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen
sein. Wir wollen eine strategische Partnerschaft mit
Rußland gründen, die der Stellung Rußlands in Europa
Rechnung trägt - eine Partnerschaft, die zu formalisierten Beziehungen zum Bündnis führen könnte und
sollte.
In meiner Vision ist der Platz Rußlands klar. Ich sehe
Rußland nicht als Kandidat für eine Bündnismitgliedschaft. Rußland ist einfach zu groß und zu verschieden. Kein Bündnismitglied wird heute oder in
absehbarer Zukunft bereit sein, eine Garantie gemäß
Artikel 5 bis zur russisch-chinesischen Grenze auszudehnen. Und die Russen sind im Gegensatz zu den
Osteuropäern nicht wirklich daran interessiert, die mit
einer NATO-Mitgliedschaft einhergehenden Pflichten
zu übernehmen. Gleichzeitig wird Rußland in diesem
neuen und erweiterten Bündnis unweigerlich mehr sein
als bloß ein Nachbar. Wir hoffen, daß es zu einem
Partner wird - zu einem Land, mit dem wir eine privilegierte Partnerschaft pflegen.
Die von mir ins Auge gefaßte NATO garantiert Stabilität in Zentraleuropa - eine Stabilität, die ebenso im
Interesse Rußlands liegt wie in unserem eigenen. Die
Russen sollten sich bewußt werden, daß sich die
Erweiterung nicht gegen irgend jemanden richtet, und
ganz sicher nicht gegen sie. Die Stabilisierung der
Demokratie in Osteuropa bedroht nicht die Demokratie
in Rußland. Für Rußland ist es besser, wenn Polen in
der NATO ist anstatt außerhalb. Ein Polen, das im
Bündnis sicher ist, wird weniger antirussisch und
interessierter an Zusammenarbeit und Brückenbau
sein. Wir können nicht die Reformen in Rußland

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Aber dazu gehören zwei. Moskau hat sich in zunehmendem Maße gegen eine Erweiterung ausgesprochen, und einige russische Kommentatoren stellen
bereits eine Liste realer oder erdachter "Gegenmaßnahmen" auf, die Moskau angeblich ergreifen muß.
Solches Gerede ist kontraproduktiv.
Ich gehöre zu denjenigen, die nicht nur von Anfang an
die NATO-Erweiterung befürwortet haben, sondern
auch der Ansicht waren, das Bündnis hätte sich
schneller und entschlossener auf eine Ausweitung
zubewegen sollen. Die Clinton-Administration sowie
das Bündnis als Ganzes wählten einen langsameren
Ansatz, als ich ihn bevorzugt hätte. Sie taten das in
der Hoffnung, daß der Umgang mit Moskau in der
Frage der Bündniserweiterung mit der Zeit einfacher
würde, da Rußland die wahre Motivation der NATO
verstehen würde. Trotz meiner eigenen Zweifel war
ich bereit, im Zweifelsfall der Administration und dem
Bündnis recht zu geben.
Jetzt ist es jedoch meiner Ansicht nach kristallklar, daß
eine Politik, die wichtige Entscheidungen aufschiebt,
unser Leben nicht vereinfacht. Einige in Rußland
haben die Geduld des Westens als Zeichen der
Schwäche und Mangel an Entschlossenheit des
Bündnisses fehlinterpretiert. Einige Russen glauben
immer noch, sie könnten die Erweiterung aufhalten und einige verspüren immer noch die Versuchung, es
zu probieren. Während immer deutlicher wird, daß die
Russen die NATO-Erweiterung nicht unterstützen,
erscheint ihnen unsere Politik zunehmend wie eine Art
chinesischer Wasserfolter.
Über mehrere Jahre
hinweg gab das Bündnis häufig Erklärungen über
seine Erweiterungsabsichten ab, und Moskau fühlte
sich daraufhin verpflichtet, seine Ablehnung einer
Erweiterung kundzutun. Wenn nichts geschieht,
könnten Beobachter in Moskau zu dem Schluß
gelangen, sie hätten den Bündniszug verlangsamt
oder sogar zum Stehen gebracht.
Es ist jetzt zu spät, umzukehren und die politischen
Entscheidungen über den Zeitplan rückgängig zu
machen. Wichtig ist jetzt, daß die NATO sich nicht
beirren läßt, sondern sich an ihren vereinbarten
Zeitplan hält und die ursprüngliche Entscheidung über

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�eine Erweiterung voranbringt - ungeachtet des russischen Wahlergebnisses.
Schlußbemerkung
Ich möchte meine Ausführungen zusammenfassen.
Es gibt viele andere Faktoren, die ebenfalls die
amerikanische Politik der NATO-Erweiterung beeinflussen könnten. Sollten die demokratischen Reformen in den beitrittswilligen Ländern ins Stocken
geraten, könnte der gesamte Erweiterungsplan auf Eis
gelegt werden. Ferner wird wichtig sein, wen der
nächste Präsident in Schlüsselpositionen wie die des
Außen- und Verteidigungsministers ernennt. Insgesamt kann man jedoch sagen, daß zwar die Ratifizierung der Aufnahme neuer Mitglieder viele Hindernisse und Fallstricke impliziert, es jedoch wenige
Beweise für die Behauptung gibt, sie sei politisch nicht
möglich.
Die Auswirkungen dieser Schlußfolgerung reichen
über die NATO oder sogar die transatlantischen
Beziehungen hinaus. Sie legt nahe, viele Beobachter
würden den politischen Willen Amerikas unterschätzen, nach dem Kalten Krieg im Ausland zu handeln.
Es ist wichtig, solche Fehleinschätzungen zu korrigieren. Der Prozeß, durch den die Großmächte ihre
Rolle auf der Weltbühne definieren, war stets undurchsichtig. Das gilt insbesondere für die Vereinigten
Staaten, wo der Kongreß so viel unabhängige Entscheidungsgewalt im Bereich der nationalen Außenpolitik hat. Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle:
Kriegsausbruch im Ausland, Erfolg oder Scheitern ei-

*

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ner amerikanischen Militäroperation, Basisbewegungen wie die für Menschenrechte oder Rüstungskontrolle, umfassende Tendenzen bei der öffentlichen
Meinungsbildung und selbstverständlich die Stärke
und der Stil der von unseren Präsidenten und ihren
wichtigsten Mitarbeitern übernommenen Führungsrolle.
Heute ist die Haltung Amerikas gegenüber der Welt
äußerst mehrdeutig. Wir zogen uns schnell aus
Somalia zurück, gingen aber schließlich nach Bosnien.
Der Kongreß nahm das NAFTA an, weigerte sich aber,
Beistand zur Rettung des mexikanischen Peso zu
leisten und Chile in das NAFTA aufzunehmen. Die
Amerikaner sind stolz auf unsere Führungsrolle im
Nahen Osten oder Südafrika, sehen jedoch untätig zu,
wie die Geldmittel und andere für die amerikanische
Diplomatie erforderlichen Instrumente gekürzt werden.
Die sich abzeichnende Debatte über die NATOErweiterung bietet eine wichtige Chance zur Demonstration der anspruchsvollen und konstruktiven
Führungsrolle der Vereinigten Staaten sowie zu solider
Zusammenarbeit dieser Führung mit den Nationen, die
unsere gemeinsamen Grundwerte teilen und sie
schützen wollen.
Wir müssen dieser Debatte oberste Priorität einräumen.
Die Lebensqualität in allen von der Zukunft des
Bündnisses beeinflußten Ländern hängt davon ab, ob
wir rechtzeitig Erfolg haben.

* * *

*

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�USA-DEUTSCHLAND
12. Juni 1996

50 Jahre Amerika Haus Frankfurt
Rede des Gesandten J. D. Bindenagel
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 22. Mai 1996 zum 50jährigen Bestehen
des Amerika Hauses Frankfurt gehaltene Rede.

Vielen Dank, daß Sie alle gekommen sind. Am
heutigen Abend feiern wir das 50jährige Bestehen des
Frankfurter Amerika Hauses. Seit fünf Jahrzehnten ist
diese Institution - ebenso wie die anderen Amerika
Häuser in Deutschland - eine Begegnungsstätte für
unsere beiden Völker, ein Ort für freie, offene und
ehrliche Gespräche.
Während dieser 50 Jahre war das Haus Zeuge
dramatischer Veränderungen, die Frankfurt und
Deutschland wandelten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Vereinigten Staaten mehr als 50 Amerika Häuser in ganz
Westdeutschland. Einige von Ihnen werden sich
erinnern, daß dies eine unglaublich harte und leidvolle
Zeit war. In jenen Tagen der Unruhe und Unsicherheit
waren die Amerika Häuser Stätten der Zuflucht für den
Geist - und vielleicht auch für die Seele.
Anfangs waren es kleine Leseräume, in denen Filme
gezeigt wurden, Vorlesungen, Ausstellungen und
Konzerte stattfanden. Die Deutschen entdeckten
schnell, daß es Orte waren, an denen freie Männer
und Frauen ihre Meinung austauschen, voneinander
lernen und das gegenseitige Verständnis vertiefen
konnten.
Schriftsteller von William Faulkner bis Toni Morrison,
Musiker von John Cage bis Lionel Hampton, Künstler
und Architekten von Edward Steichen bis Mies van der
Rohe - sie alle kamen im Laufe der Jahre ins Frankfurter Amerika Haus.
Als sich die Welt wandelte, wandelte sich auch
Deutschland. Es baute seine eigenen Bibliotheken
und Kulturinstitutionen wieder auf. Es schuf eine

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stabile Demokratie. Frankfurt gewann seine historische Stellung als Kultur- und Handelszentrum wieder.
Während dieser gesamten Entwicklung spielte das
Amerika Haus weiterhin eine bedeutende Rolle. Und
natürlich trugen das Amerika Haus und seine loyalen,
talentierten Mitarbeiter - Deutsche und Amerikaner
gleichermaßen - dazu bei, diese Veränderungen zu
ermöglichen.
Wir sind der Stadt Frankfurt und dem Bundesland
Hessen dankbar für ihre dauerhafte und tatkräftige
Unterstützung des Amerika Hauses.
Ein besonderes Wort des Dankes gilt heute abend
auch den Organisationen und Einzelpersonen, die im
Lauf der Jahre einen so großen Beitrag zum Amerika
Haus geleistet haben.
Unsere Amerika Häuser haben seit ihren bescheidenen Anfängen einen langen Weg zurückgelegt. Die
ursprünglichen Leseräume sind schon lange durch
CD-ROMs ersetzt worden. Durch Investitionen in neue
Dienstleistungs- und Technologiekonzepte bieten die
Amerika Häuser jetzt mehr Einblick in die Vereinigten
Staaten als je zuvor. In ganz Deutschland sind sie
durch ein elektronisches Netz verknüpft, das neueste
Informationen über Amerika anbietet.
Das Frankfurter Amerika Haus ist wie alle Amerika
Häuser in Deutschland in die institutionelle Landschaft
des deutschen Lebens eingefügt. Die Amerika Häuser
reflektieren die Vielfalt unserer beiden Länder: Sie sind
föderalistisch, wie wir föderalistisch sind, und regional,
wie wir regional sind.
Diese regionale Betonung ist für unsere Aktivitäten in
den neuen Bundesländern von besonderer Bedeutung.

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�Das neue Amerika Haus Leipzig und das erweiterte
Amerika Haus Berlin engagieren sich für die große
Aufgabe, den Nachholbedarf von Bürgern der fünf
neuen Bundesländer nach nahezu sechs Jahrzehnten
der Isolation vom Westen zu decken - einer durch
ständige Propaganda verstärkten Isolation.
Ich habe darüber gesprochen, was wir in der Vergangenheit getan haben und was wir hoffentlich in Zukunft
unternehmen können. Aber all diese Aktivitäten finden
vor dem Hintergrund jahrhundertealter gemeinsamer
Geschichte und Erfahrungen statt. Wir, die wir am
heutigen Abend hier versammelt sind - Deutsche und
Amerikaner gleichermaßen - wissen, daß unsere
beiden Völker über Jahrhunderte einzigartige Beziehungen entwickelt haben - entstanden durch die
Einwanderung, zerrissen durch Kriege, geheilt und
gepflegt durch Wiederaufbau und Bündnisse, aufrechterhalten durch zwischenmenschliche Kontakte.
Wir wissen, daß die Geschichte uns auf Gedeih und
Verderb miteinander verbunden hat und das Wohlergehen des einen vom Wohlergehen des anderen
abhängt. Wir wissen auch, daß eine unserer vordringlichsten Aufgaben darin besteht, diese Beziehungen zu
pflegen und Treuhänder ihrer Zukunft zu sein.
Unsere beiden Gesellschaften befinden sich inmitten
eines dynamischen Wandels auf der Suche nach
Lösungen zur Bewältigung der neuen Herausforderungen zunehmend komplexer, multikultureller Gesellschaften. Die Notwendigkeit der Anpassung an neue
Gegebenheiten bleibt bestehen - sei es an das
Informationszeitalter, an ein immer vereinteres Europa
oder an die Forderungen einer wirklich globalen
Wirtschaft.
Das Amerika Haus wird weiterhin unsere Positionen in
glaubwürdiger und bedeutender Weise erklären und
befürworten - Informationen über die offizielle Politik
der Vereinigten Staaten und über die Menschen, Werte
und Institutionen bereitstellen, die diese Politik gestalten und dem deutschen und amerikanischen Publikum
gleichermaßen die Vorteile des internationalen Engagements vermitteln.
Zu dieser Zeit im vergangenen Jahr verlieh die American Chamber of Commerce in Germany in der Paulskirche hier in Frankfurt ihre höchste Auszeichnung den Dr. Leo M. Goodman Award - an alle Amerika
Häuser in Deutschland für ihre über die Jahre erbrachten Leistungen.
An demselben historischen Ort sprach Präsident John
F. Kennedy eine Generation zuvor folgende Worte, die
meines Erachtens noch heute von Bedeutung sind:
"...Denn wir leben in einer Welt wechselseitiger Abhängigkeiten sowie der
Unabhängigkeit - einem Zeitalter des

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Internationalismus sowie des Nationalismus... Heute gibt es keine
ausschließlich deutschen oder amerikanischen oder sogar europäischen
Probleme.
Es gibt internationale
Probleme, und unsere beiden Länder
und Kontinente sind bei den Aufgaben
des Friedens ebenso wie im Krieg
untrennbar miteinander verbunden."
Wir waren außerordentlich erfolgreich bei unseren
gemeinsamen Unternehmungen. Gemeinsam haben
wir Gegner zu Verbündeten und Diktaturen zu Demokratien gemacht. Wir haben Institutionen aufgebaut,
die unsere Sicherheit und wirtschaftliche Stärke
gewährleisteten. Wir standen Seite an Seite und
haben den Sieg im Kalten Krieg davongetragen.
In Bosnien ist heute der Weg zum Frieden der dramatischste Beweis, daß die transatlantische Partnerschaft
unerläßlich bei dem Streben nach einem friedlichen,
wohlhabenden und ungeteilten Europa ist. Zum ersten
Mal dienen Soldaten jedes Landes und jeder Region
Europas bei der gleichen militärischen Operation.
Russen und Litauer, Griechen und Türken, Polen und
Ukrainer, Briten, Deutsche und Franzosen tragen
gemeinsam mit Amerikanern und Kanadiern die
gleichen Risiken unter der gleichen Flagge zur Erlangung des gleichen hehren Ziels. Während wir zur
Überwindung der Spaltungen in Bosnien beitragen,
tragen wir auch zur Überwindung der Spaltung
Europas bei.
Seit 50 Jahren fördert das Amerika Haus Frankfurt das
Beziehungsgeflecht, das die deutsch-amerikanische
Partnerschaft zu einem der größten Erfolge der
Geschichte gemacht hat.
Heute spielt das Amerika Haus weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung der lebenswichtigen menschlichen Bande, die die Stärke und
Widerstandskraft unserer Beziehungen sicherstellen.
Es bringt uns als Menschen zusammen und bewahrt
die Bedeutung und Lebenskraft unserer gemeinsamen
Werte in diesen Zeiten des Wandels. Und mit all dem
schafft das Amerika Haus die Grundlage für eine
integriertere, wohlhabendere Weltgemeinschaft.
Mehr denn je zuvor liegt heute das Schicksal von
Nationen in der Hand der informierten Öffentlichkeit,
auf offenen, transparenten Märkten von Ideen und
Waren, auf den Autobahnen und Nebenstraßen des
immer weiter expandierenden Informationszeitalters, in
freien bürgerlichen Institutionen und freiwilligen
Zusammenschlüssen engagierter Einzelpersonen. In
Anbetracht dieser Aufgabe sehe ich der vielversprechenden Zukunft des Amerika Hauses Frankfurt
erwartungsvoll entgegen.
Ich danke Ihnen.

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�SPORT
12. Juni 1996

Weshalb Sport das Spiel macht
von Wilfrid Sheed

(AD)- Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die faszinierende Interaktion zwischen Sport und
Gesellschaft.
Wilfrid Sheed ist Kritiker, Essayist und Romanautor. Zu seinen Werken zählen unter anderem The Boys of
Winter (1987) und Basebali &amp; Lesser Sports (1991). Sein neuestes Buch In Love With Daylight wurde letzten
Winter bei Simon &amp; Schuster verlegt.
Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von The Wilson Quarterly, Winter 1995.
Copyright (c) 1995, Wilfrid Sheed.

Man kann kaum noch genau sagen, wann das neue
Zeitalter anbrach, doch geschah es wohl irgendwann
inmitten der Rauchschwaden des 19. Jahrhunderts,
daß der Sport sich von einer offiziell als schlecht
bezeichneten Sache zu einer wirklich guten wandelte,
quasi zu einer Säule des Staates. England, wo alles
seinen Anfang nahm, war als imperiale Großmacht in
die Jahre gekommen, und die industrielle Revolution
sorgte dafür, daß Jungen vom Land über Nacht zu
Großstadtjungen wurden. Die Wächter der Gesellschaft begannen, jegliche Form der Unterhaltung im
Lichte dieser Entwicklungen zu betrachten, und das
galt insbesondere für den Sport.
So kam es, daß die Prediger, die zuvor den Sport als
Teufelswerk, als offene Einladung zu Brutalität und
Spielsucht verurteilt hatten (wie sich doch die Zeiten
ändern!), nach und nach erkannten, daß man durch
den Sport Rettung und Läuterung im Dienst für den
Herrn erlangen könnte - und was gut für Gott war, war
auch gut für England. Gleichermaßen entschlossen
sich die Schulmeister, die einstmals das unnütze Spiel
bestraft hatten, dem Beispiel zu folgen und nicht länger
Abwehr zu leisten; und so begannen sie damit, den
organisierten Sport mit einer solchen Schärfe durchzusetzen, daß so manches Kind allein schon den
Begriff "körperliche Ertüchtigung" zu verabscheuen
und zu fürchten lernte.

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Und schließlich überlegten es sich auch die letzten
unter den Beharrlichen, die ja am meisten zu verlieren
hatten - Dickens legendäre Fabrikbesitzer, gemeinsam
mit den etwas humaner veranlagten Geschäftsleuten -,
wobei die Grundlage ihres Sinneswandels die Überlegung war, daß die Arbeiter, wenn sie denn schon
arbeitsfreie Zeit brauchten, diese auf üblere Weise als
im regelgebundenen, vom Schiedsrichter kontrollierten
Wettstreit um Fähigkeiten und Stärke unter freiem
Himmel verbringen konnten.
Aber vielleicht liegt der größte Nutzen überhaupt darin
- wenn man von dem Wirbel ausgeht, der darum
gemacht wird - daß der Sport nicht nur das Mogeln
ächtete, sondern die Anhänger sogar darauf trainierte,
Mogeleien untereinander aufzudecken und zu verachten und dieses Prinzip auch auf sich selbst anzuwenden. Das war von entscheidender Bedeutung.
Eine Nation an der Schwelle zu großen Unternehmungen - gleichzeitig auch eine Nation inmitten einer
Bevölkerungsexplosion, durch welche sie über Nacht
auf Dritte-Welt-Status, oder doch zumindest auf das
Niveau von Downtown Los Angeles hätte zurückgeworfen werden können - brauchte eine Bürgerschaft,
der sie vertrauen konnte. In der Tat erhoben die
Engländer das Konzept des Fair Play zu einem
Fetisch, über den man sich auf der ganzen Welt lustig
machte. Dennoch wurde das Empire durch diesen
Fetisch zumindest genauso aufrecht erhalten wie
durch Gewalt, und bis zum Schluß hat das Talent der

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�britischen Sportsfreunde, Gerissenheit und Anständigkeit miteinander zu verbinden, zynischere Nationen
immer wieder aufs Neue verblüfft und frustriert.
Doch durch die derartig begeisterte Förderung des
Sports haben die Mächtigen unabsichtlich ein kleines,
selbst geschaffenes Untier von der Kette gelassen,
wenngleich es sich hierbei um eine gesunde Bestie
handelte. Der Kult um den Sport hat sich bis in die
neunziger Jahre dieses Jahrhunderts weiter verbreitet
und eine Eigendynamik entwickelt, die bei weitem das
übertrifft, was Thomas Arnold (1795-1842), der
englische Rektor einer Public School, den man als
Gründervater der Bewegung "Sport und Charakter"
bezeichnen kann, sich in seinen kühnsten Träumen
vorgestellt hatte. Und die Bildungseinrichtungen, die
ihren Zöglingen in aller Ergebenheit den Sport eingetrichtert haben, müssen nun irgendwann aussetzen,
um ihnen - und sich selbst - zu sagen, daß es ja nur
ein Spiel ist, und dann müssen sie ihnen das auch
beweisen - oder aber dabei zusehen, wie der Sport
immer weitere Auswüchse hervorbringt, bis sowohl
das Establishment als auch seine Schulen darunter
begraben werden: Eine Macht, die gegen Sex antritt,
kann mit Leichtigkeit auch das Bildungswesen niederwalzen. Der Rektor einer großen Universität schrieb
vor einigen Jahren in einem Leserbrief an die New
York Times, daß er den akademischen Fächern an
seiner Universität den gleichen Rang wie dem Sport
einräumen wollte, was als röchelnder Aufschrei zu
verstehen ist und vermuten läßt, daß das Untier bereits
auf seinem Brustkorb hockte und ihm die Luft abzudrücken drohte.
Infolgedessen müssen sich die Geistlichen auch über
den Götzendienst und die Sünde der Verehrung von
Abgöttern Sorgen machen, so wie die reine Zeitvergeudung und die Verschwendung emotionaler
Energien durch den Sport der Geschäftswelt Anlaß zur
Sorge bietet. Ein Fan kann - vielleicht sogar in noch
stärkerem Maße als der Sportler selbst, der ja durch
die Ausübung des Sports einen Teil seiner zwanghaften Energie umsetzen kann - psychologisch so in den
Sport verstrickt werden, daß er den Rest des Lebens
nur noch wie einen langweiligen Traum erlebt, den
man irgendwie durchstehen muß. Wer davon überzeugt ist, kann als Schlafwandler nahezu alles überstehen, sei es ein öder Job, ein unterdrückerisches
Regime oder eine Ehe, der möglicherweise etwas
mehr Aufmerksamkeit gut angedeihen würde.
Die guten und die schlechten Seiten des Sports
gleichen sich auch in den besten aller Zeiten auf das
Vorzüglichste aus. Sieg und Niederlage lösen ein
Gefühl der Freude oder der Verzweiflung aus, das
jenseits der normalen menschlichen Erfahrung liegt.
Äußert ein Politiker, daß er etwas bis ins Mark verabscheut - gleichgültig, ob es sich hierbei um John
Major und sein Verhältnis zum Terrorismus oder um
Senator Windbag und seine Einstellung gegenüber

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dem Verbrennen von Nationalflaggen handelt - so hat
man doch Zweifel, ob seine Knochen tatsächlich davon
betroffen sind: wie Dr. Samuel Johnson vielleicht
sagen würde, wird die Markklößchensuppe zum
Abendbrot sicher nach seinem Geschmack sein.
Aber ein Sportanhänger, der miterlebt hat, wie ein
sicherer Baseball-Sieg am Ende der neunten Runde
aus den Händen gleitet oder wie die Arbeit einer
ganzen Saison durch eine Entscheidung des Schiedsrichters in der Verlängerung zunichte gemacht wird, ist
unsagbar verzweifelt. Dieses Gefühl ist nicht in Worte
zu fassen, obwohl Sophokles ihm in seinen Beschreibungen recht nahe kommt. Im Jahr 1942 grämte
sich der Verfasser dieses Textes angesichts der
Niederlage der Dodgers im Spiel gegen die Cardinais
in einem Maße, wie man es keinem 11jährigen abverlangen sollte. Fügte ein Erwachsener einem Kind
vergleichbare Schmerzen zu, so würde er sofort im
Gefängnis landen.
Aber ich kam darüber hinweg und engagierte mich
mehr als je zuvor. Ich erholte mich soweit, daß ich die
Mannschaft der Cardinais in ihrem Spiel gegen das
verhaßte Team der Yankees in der World Series
anfeuerte. Dieser Kreislauf der vorgetäuschten Tode
und Wiedergeburten kann in der Tat das Gesundeste
am Sport überhaupt sein, oder aber auch das Gefährlichste, je nachdem, wie man damit umgeht. Im
schlimmsten Falle führt das zu Aufständen und Tod,
aber im günstigsten Falle kann der Schmerz der
Niederlage reinigend und lehrreich sein, eine sehr gute
Übung für das Leben.
Bei der Lektüre des zweiten Bandes von William
Manchesters Biographie über Winston Churchill mit
dem Titel The Last Lion (1988) beeindruckte mich die
Tatsache, daß der Löwe Churchill sich wunderbar
unerschütterlich zeigte, wenn es um Fragen wie den
Aufstieg Hitlers oder den Niedergang Polens ging,
aber völlig demoralisiert reagierte, wenn seine Eitelkeit
angekratzt wurde, wie zum Beispiel durch eine Niederlage bei einer Nachwahl oder wenn ihm ein bestimmter
Kabinettsposten nicht zugestanden wurde. Wenn man
jedoch vom Sport etwas lernen kann, dann daß
weniger wichtige Dinge mehr weh tun können als die
wichtigen - aber dennoch sind sie genau das: Weniger
wichtig, und es gibt ein paar Kniffe, wie man mit ihnen
umgehen kann, nämlich, indem man den Schmerz
auffängt und ins richtige Licht rückt, fast schon in einer
Art Reflexhandlung.
Eine der angenehmen Seiten der menschlichen
Vorstellungskraft ist die Fähigkeit, sich eine alternative
Wirklichkeit zu schaffen und das Leben anderer
Menschen in seiner Emotionalität vollständig nachempfinden zu können, gleichgültig, ob es sich dabei
um Ödipus oder die Mannschaft der Chicago Cubs
handelt (und darin liegt ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für das zivilisierte Individuum - die Kunst zum

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�einen und der Sport zum anderen). Wenn man jedoch
nicht lernt, daß eine Sache nicht dadurch wichtig wird,
daß man wegen ihrer weint - wenn man allzulang
vergißt, auf welcher Realitätsebene man sich bewegt,
oder wenn man sich nach dem Spielende in Gedanken
nicht vom Stadion in Wrigley Field entfernen mag dann wäre man möglicherweise besser beraten
gewesen, hätte man nie im Leben den Sport zur
Kenntnis genommen.
Das "Kennenlernen von Triumph und Katastrophe"
(Rudyard Kipling hätte einen, sagen wir mal, interessanten Football-Trainer abgegeben: "Ich will, daß ihr
Männer da raus geht und es den beiden Hochstaplern
mit gleicher Münze heimzahlt, habt ihr gehört?") ist nur
eines der vielen Dinge, die der Sport lehrt, und die er
besser lehrt als sonst ein Medium. Die Schwierigkeit
besteht darin, daß in der Schule, wo viele der sportlichen Lektionen gelernt werden, der Sport immer
häufiger mit anderen Lektionen kollidiert, die ebenfalls
gelernt werden müssen.
Die Disziplin eines Trainers ist ganz anderer Art als die
eines normalen Lehrers, denn der Trainer will dasselbe wie die Klasse - den Sieg! Für einen normalen
Lehrer gibt es kein so deutlich definiertes Ziel. Es
hängt größtenteils von ihm ab, ob ein Schüler im
Unterricht aufmerksam ist oder nicht. Das ist ausschließlich eine Angelegenheit zwischen dem jeweiligen Schüler und dem Lehrer, wobei der Schüler im
Vorteil ist, weil er von Verbündeten umgeben ist, von
denen die Mehrzahl kein besonderes Bedürfnis
verspürt, dem Lehrer zu folgen, und das Tempo nur zu
gerne drosselt.
Der Trainer hingegen kommt erst dann zur Klasse,
wenn diese bereits am Siedepunkt ist: Diese Kinder
werden sich in einem Maße für ihn einsetzen, das in
einem Klassenzimmer unvorstellbar wäre, und sie
werden einen Eifer und eine Begeisterung an den Tag
legen, die im normalen Schulunterricht nur die kreativen Kinder erleben. Ein Englischlehrer muß, wenn er
beim Football-Training zuschaut oder einer Veranstaltung beiwohnt, auf welcher seine Schüler die
Schulmannschaften anfeuern, neidvoll anerkennen,
daß seine Schüler zum nationalen Wunder erklärt
würden, könnte er nur einen Bruchteil ihrer Energie für
seinen Lyrikkurs mobilisieren. Im Klassenzimmer ist
der Lehrer jedoch der einzige, der einen derart starken
Einsatz zeigt, vergleichbar einem Trainer, der Liegestütze und Kniebeugen vormacht, während die
Schüler müßig zuschauen und darauf warten, daß ihr
Interesse geweckt wird.
Trotzdem ist der Sport nicht notwendigerweise der
natürliche Feind des Lehrers. Schließlich haben die
jungen Sportler ihre Disziplin ja irgendwo lernen
müssen, und unter den Sportlern arbeitet niemand
härter als die Cracks oder die ehemaligen Cracks,
wenn es gelingt, ihnen den Sinn der Sache genauso

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nahe zu bringen wie den Sinn des Sports. Der große
afroamerikanische Tennisspieler Arthur Ashe sagte
einmal, wenn die Aufnahme in eine Schulmannschaft
ausschließlich von den Zensuren abhinge, würden
diese auf die eine oder andere Art durch den stark
ausgeprägten Wettkampfgeist erreicht.
Vor allem wissen aber alle Sportler etwas, das viele
andere Schüler niemals erfahren werden, nämlich, daß
man ohne Disziplin gar nichts lernen kann. Und beim
Streben nach den Dingen, die sie wünschen, gewöhnen sich die Athleten ein strenges Regime gegenüber
sich selbst und, sofern nötig, auch gegenüber anderen
an.
Jetzt brauchen die Schulen also scheinbar nur noch zu
zeigen, daß ihrer Meinung nach Bildung genauso
wünschenswert ist wie Siegen, selbst wenn sie das
lediglich dadurch zu erkennen geben, daß den Sportlern unter den Schülern genügend Zeit gegeben wird,
sich Bildung anzueignen. Die Wettkämpfe selbst
stellen eigentlich kein Problem dar, da sie ja ein
gottgegebenes Zuckerbrot sind, ein natürlicher Anreiz,
der dazu beiträgt, mit der Schule zu kooperieren, was
immer sie auch von ihren Schülern fordern mag. Das
eigentliche Problem, das wie ein schlimmer Zahnschmerz immer wieder auftritt, besteht darin, daß
jegliche Mäßigung oder objektives Urteilsvermögen
abhanden kommen, sobald man sich für eine der
großen Sportarten anmeldet. Dann muß man sich
entweder hilflos gemeinsam mit den anderen weiterentwickeln, oder aber die ganze Sache über Bord
kippen, wie es Robert M. Hutchins vor über 50 Jahren
an der University of Chicago getan hat, als er seine
Universität aus der Liga der Big 10 (einer stark wettbewerbsorientierten Liga der Universitäten im Mittelwesten der USA) für immer herausnahm, was eine Flut
von Schlagzeilen nach sich zog. Die einsame Größe
dieser Geste zeugt davon, wie unrealistisch es wäre,
weitere Zeichen dieser Art zu erwarten.
Wenn es schon anno 1939, als man nichts weiter als
die finanziellen Zuwendungen einiger ehemaliger
Studenten zu verlieren hatte, schwierig war, sich
einfach zurückzuziehen, so wäre es nahezu unmöglich, dasselbe heute zu tun, da allerorts so viele
Fernsehgelder in Form von Gebühren für die Übertragungsrechte wichtiger Sportveranstaltungen an
Bildungsinstitutionen gezahlt werden. Die Fernsehgelder sind darüber hinaus daran schuld, daß es schwieriger geworden ist, im Training der jungen Sportler
wahre moralische Weisheiten oder spirituellen Ausgleich unterschwellig anzubringen. Weil die Spieler zu
der Auffassung neigen, daß die Uni bereits viel Geld
an ihnen verdient, ohne daß sie selbst etwas dafür
bekommen - wenn man einmal von unterbewerteten
Abschlüssen absieht - ist ihre Hochschule der letzte
Ort, an dem sie nach einer moralischen Richtschnur
suchen.

Seite 3

�Vor vielen Jahren sagte ein berühmter Trainer an der
Yale University seiner Mannschaft, daß das an diesem
Tag stattfindende Spiel gegen die Mannschaft der
Harvard University das Wichtigste sei, das sie jemals
in ihrem Leben tun würden; und seit diesem Tag ist der
Trainer für diesen Ausspruch verlacht worden.
Subjektiv gesehen war er jedoch im Recht: In dem Teil
der Psyche, die einem vormacht, daß Spiele wichtig
genug sind, um sich für sie zu schinden und für sie zu
leiden, war dieses Spiel tatsächlich die allerwichtigste
Sache und würde es auch immer bleiben. Zumindest
bis zum nächsten großen Spiel.
Aber welche Lesart man auch immer bevorzugen mag,
gibt es keine Geschichte, die den Unterschied zwischen dem Sport damals und heute so gut veranschaulichen könnte wie diese. In jenen Tagen wurden
die Spieler mit nichts anderem als Ruhm belohnt, und
so überschütteten die einflußreichen Autoritäten ihre
Sportler förmlich damit.
Einem Trainer von heute
würde es nicht einmal im Traum einfallen, seinem
Team zu erzählen, es solle für die Alma Mater auch
noch das Letzte geben, denn er weiß ja, daß einige der
Spieler nicht gut auf die Uni zu sprechen sind, und es
wäre in der Tat etwas viel verlangt, sein Leben für eine
Institution zu geben, an der man keinen einzigen
ernstzunehmenden Kurs erfolgreich absolviert hat oder
auch nicht einen einzigen Freund gewinnen konnte,
der nicht aus der Welt des Sports kommt, oder wo
nicht einmal genug Zeit für die Teilnahme an den
Proben des Unichors blieb.
Wenn der einzige Gewinn, den die frischgebackenen
Athleten aus dem College erwirtschaften, in dem
Privileg besteht, die Farben der Schule zu tragen und
dafür zu sorgen, daß diese gut zur Geltung kommen,
dann ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, daß sie für
ihre Leiden in barer Münze bezahlt werden, wie heute
vielerorts gefordert wird. Wenn das große Spiel nichts
anderes als ein weiterer Zahltag und das wichtigste
dabei der Talentsucher auf der Tribüne ist, und wenn
die Kampfeshymne einfach nur nach Katzenmusik
klingt, dann sollten die Spieler in der Tat bezahlt
werden.
Aber dieser Ratschlag wurde aus der Verzweiflung
geboren. Zusätzlich dazu, daß wir einen Reinfall mit
den Lohntabellen, konkurrierenden Geboten und
anderen nichtuniversitären Disziplinen erleben würden,
käme es zu einer Öffnung. Eine Professionalisierung
würde der Isolierung des einzelnen Sportlers einen
offiziellen Charakter geben: Ob man in Zukunft zu ihm
als Profisportler aufblickt oder als bezahlte Kraft auf ihn
herabblickt (was wohl vom Wert des jeweiligen
Spielers für die ganze Mannschaft abhängt) - ganz
sicher wird er nie mehr ein normales Mitglied der
Studentenschaft sein, das ganz offensichtlich nicht für
die Dinge bezahlt wird, die es zwischen den Vorlesungen unternimmt. Die Klassenunterschiede, welche die
Universitäten unter großen Anstrengungen abzublok-

Seite 4

ken versuchen, treten sofort wieder auf, sobald eine
Lohnauszahlung institutionalisiert wird.
Daraufhin könnte ein Kritiker natürlich unverzüglich
einwenden, daß Sportler nun schon eine ganze Weile
keine normalen Mitglieder der Studentenschaft
gewesen sind und es auch in näherer Zukunft nicht
sein werden, und wenn man sie dann als Universitätssportler bezeichnet, so ist das die pure Heuchelei,
unter deren Deckmäntelchen sich die Tatsache
verbirgt, daß man den Sportlern den ihnen zukommenden Anteil nicht ausbezahlt. Eine derartige Kritik wäre
gerechtfertigt. Aber wenn es denn nun so ist und wir
uns von dieser Kritik veranlaßt sehen, von der Möglichkeit Abschied zu nehmen, daß es Gelehrtensportler
geben könnte, dann sollten wir uns vorher ganz genau
bewußt machen, was wir damit aufgeben.
Eine Universität, die ihre Studenten dafür bezahlt, daß
sie für sie an Wettkämpfen teilnehmen, verliert nicht
nur einen Teil ihrer Integrität als Bildungsstätte (d.h. als
unabhängiger Umschlagplatz für akademische Waren
und Dienstleistungen, Vorstellungen und Werte),
darüber hinaus trifft sie auch eine klare Aussage über
das Wesen der Wettkämpfe und ihr Verhältnis zu einer
Vielzahl anderer universitärer Freizeitbetätigungen.
Beispielsweise käme so zum Ausdruck, daß die Band,
die zur Halbzeit die Zuschauer unterhält, das aus Spaß
tut (noch nie hat jemand den Vorschlag gemacht, die
Band zu bezahlen), aber daß jemand, der einen Ball
wirft oder fängt, Arbeit leistet - wobei es von der Art
des dabei verwendeten Balles abhängt, ob diese
Betätigung als Arbeit eingestuft wird oder nicht. Ein
Football steht für Arbeit, ein Volleyball steht für Vergnügen. Was im Fernsehen übertragen wird, fällt
natürlich unter Arbeit, aber auch hier gibt es noch
Unterschiede: Die Spieler arbeiten, die Cheerleader
amüsieren sich. Körbe zu machen ist Arbeit, hinterher
beim Aufräumen zu helfen, ist schon eine Belohnung
an sich.
So würde sich die größte überhaupt denkbare Kluft
zwischen dem Sport und der gesamten restlichen Welt
studentischer Betätigungsfelder auftun, einschließlich
solch aufreibender Dinge wie wochenlanger Nachtschichten zur Fertigstellung der Jahreschronik der
Universität am Stichtag, Proben für Theateraufführungen, bis man vor Erschöpfung schielt, oder auch die
Notwendigkeit, im Labor Überstunden zu machen.
Sämtliche Torturen dieser Art werden als unentbehrlicher Teil der Universitätsjahre betrachtet, so daß man
die Institution sogar dafür bezahlt, das alles zu erleben.
Aber Basketball ist etwas ganz anderes. Für Basketball wird man von der Uni bezahlt.
Ich habe mich nicht nur deshalb so ausführlich mit
dieser hypothetischen Bedrohung auseinandergesetzt,
weil man mancherorts dazu lautstarke Warnungen
vernimmt, sondern weil das Unheil schon so nah ist.

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�Universitätssportler sind schon jetzt eine Kaste für sich
und führen ein behütetes, aber auch ein gefährliches
Leben, das dem der Angehörigen eines Kommandotrupps in Kriegszeiten nicht unähnlich ist, die sowohl
besser als auch schlechter als der Rest der Truppe
dran sind, aber auf alle Fälle immer von ihm getrennt.
Universitätssportler haben oftmals bereits ein gespaltenes Verhältnis zur Verwaltung. Es braucht nicht viel,
um aus einer Mannschaft eine Gewerkschaft zu
machen, die mit einer Beschwerdestelle und dem
fortwährenden Gefühl, Anfeindungen ausgesetzt zu
sein, ausgerüstet ist.
Und die jüngsten Fernsehpräsentationen scheinen zu bestätigen, daß man nicht
mehr weit davon entfernt ist.
Unter diesen Umständen wäre es vergebliche Liebesmüh, von moralischer Unterweisung sprechen zu
wollen, wenn man davon absieht, daß moralische
Unterweisung unvermeidbar ist. Sport ist Unterweisung, das liegt in der Natur der Sache. Er lehrt
Fairneß oder Mogeln, Teamwork oder Egoismus,
Mitgefühl oder Kälte. Ein Trainer, der im Spiel gegen
einen schwachen Gegner dafür sorgt, daß der Punktevorsprung in die Höhe schnellt, hat seiner Mannschaft
viel beigebracht. Und genau das trifft auf den oft
verleumdeten Lou Holtz zu, der am Vorabend eines
Football-Spiels um den Orange Bowl zwei starke
Spieler aus der Aufstellung der Mannschaft von Notre
Dame strich, weil sie seiner Meinung nach ihre
Verachtung für das Team ausgedrückt halten, indem
sie nicht zum Training erschienen waren. Natürlich
kann es aber auch sein, daß die beiden Spieler die Zeit
zum Lernen gebraucht haben, wobei ich nicht sagen
möchte, daß es einfache Lektionen für sie gewesen
sind.
Schulen und Universitäten lehren auch durch die ihnen
eigene Wesensart, und zwar, daß man jetzt für eine
ganze Gemeinschaft und nicht nur für sich selbst
spielt, und wenn man gewinnt, dann wird d&gt;e Gemeinschaft mit einem zusammen eine irrsinnige kollektive
Freude erleben, die früher mehr als nur ein Ausgleich
für die fehlende Bezahlung war. Obwohl es heutzutage anachronistisch und sentimental wirken muß,
auch nur davon zu reden, hat im Laufe der Jahre
gerade diese Erfahrung gleichberechtigt neben
weiteren Faktoren dazu beigetragen, den Stil des
amerikanischen Sports zu definieren, und zwar durch
die simple Tatsache, daß selbst die großen Cracks
ursprünglich vor den und für die ihnen zujubelnden
Kameraden gespielt haben, die sie am nächsten
Morgen im Unterricht wiedersahen.
In dem Maße, in dem wir das verlieren - wenn es denn
zutrifft -, verlieren wir eine Quelle wahrer natürlicher
Rohstoffe und bringen uns um eine Menge Spaß.
Aber die Möglichkeit, daß wir die Athle'en wieder
zurück in die Gemeinschaft werfen könnten, ohne den
Moloch des Universitätssports zu stören, entfernt uns
zu weit vom Sport und bringt uns zum Verhältnis der

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Rassen zueinander. An vielen Universitäten ist den
Schwarzen anscheinend sowieso nicht sehr an der
Gemeinschaft der Weißen gelegen, Sport hin oder her,
und in der Tat ist die Rassenintegration an der Universität wohl in den Sportmannschaften am weitesten
fortgeschritten. Der nächste logische Schritt wäre
dann also, daß die Sportler den Studenten die Werte
vermitteln, die sie im Sport gelernt haben - aber ich
habe Zweifel, ob der Moloch seine Athleten für diese
Zeit entbehren kann.
Wie dem auch sei und was auch immer die Akademiker addieren oder subtrahieren, die Lehre des Sports
pflanzt sich fort und ist dabei wie eine Maschine, die
nicht mehr ausgeschaltet werden kann. Das wirkt sich
auf die gesamte Gesellschaft in einer Weise aus, die
ihr selbst nicht einmal bewußt sein mag. In diesem
Zusammenhang fällt mir ein Erlebnis im Ausland ein,
das ich als ersten Beweis anführen möchte.
Vor einigen Jahren flog ich mit meinem Vater nach Port
of Spain in Trinidad, um dort ein Cricket-Spiel zwischen Australien und der Mannschaft der westindischen Inselstaaten zu sehen. (Wenn ihm der Sinn
danach gestanden hätte, wäre mein Vater sogar zum
Mars geflogen.) Das Match war frühzeitig entschieden,
so daß uns drei Tage blieben, an denen wir nichts mit
uns anzufangen wußten, und deshalb entschlossen wir
uns dann, diese Zeit im Gericht zu verbringen, dem
einer unserer Bekannten zufällig als Richter vorsaß.
Das Klima im Gebäude war drückend, und die großen
Ventilatoren an den Decken machten das Ganze nur
noch schlimmer, indem sie die feuchte Luft in den
Räumen langsam verteilten. Dennoch trugen sowohl
der Richter als auch die Anwälte Perücken und Roben
aus dicken Winterstoffen, und das Gesetz, das sie
Stunde um Stunde in der schwülen Hitze vollstreckten,
war genauso höllisch scharf und gewunden wie alles,
was man an einem kalten Tag im Gericht von Old
Bailey in London zu hören bekommen kann. Man
konnte nicht anders als eine geistige Verbindung
zwischen der sittsam-geziemenden Aggressivität des
Gerichtshofs und den weißgekleideten Figuren zu
ziehen, die wir am Vortage in der gleichen schwülen
Hitze beim Cricket-Spiel erlebt hatten, wie sie ihre
eigene Art von höflicher Härte demonstrierten.
Oberflächlich betrachtet besteht Cricket aus genauso
feingekämmter Seide wie die Regeln bei Gericht oder
der Beginn eines klassischen Kriminalromans: Die
Stimmen sind gedämpft, die Kleidung ist makellos.
Aber innerlich ist die Atmosphäre mörderisch gespannt. Während Amerikaner es bevorzugen, den
Gegner durch Krach und Unverschämtheiten einzuschüchtern, bedienen sich die Engländer und die
Bewohner ihrer ehemaligen Kolonien der Stille und
Höflichkeit eines Tyrannen, so daß der Schlagmann
bei seinem Gang zum Ausgangsmal glaubt, sein
Leben stünde auf dem Spiel.

Seite 5

�Natürlich ist dieser Zusammenhang kein Zufall, es
handelt sich vielmehr um eines der großen Klischees
des Britischen Empire. Zuerst zeigen wir euch unsere
Spiele (sagt Colonel Blimp), und dann werdet ihr
vielleicht auch unsere anderen Institutionen begreifen.
Was mich an den oben beschriebenen Episoden so
beeindruckt hat, ist die Tatsache, daß Trinidad Jahre
zuvor die britische Herrschaft triumphierend abgeworfen hatte, aber sowohl das Spiel als auch die Institutionen uneingeschränkter als je zuvor aufrecht
erhielt.
Wer die Bewohner Trinidads oder Jamaikas oder
Barbados' kennengelernt hat, dem wird ein ganz
eigener Stil aufgefallen sein - höflich, ironisch, hart -,
ein Stil, der nichts mit Rasse und sehr viel mit Kultur zu
tun hat. Und während nur ein Fanatiker behaupten
würde, dieser Stil sei vollständig aus dem Cricket
übernommen, würde ein anderer Fanatiker aus dem
gegnerischen Lager eine Aktivität vollständig ignorieren, auf welche die kleinen Leute in der Gegend mehr
Zeit verwendet haben als sie jemals in der Kirche
zubrachten und der sie mehr Aufmerksamkeit gewidmet haben als sie jemals in der Schule aufbrachten.
Als ein einheimischer Muslim vor ein paar Jahren
Amok lief und versuchte, eine Geiselnahme als
Zeichen des Protestes zu inszenieren, wie wir das aus
der übrigen Welt ja gut kennen, stellte ein ortsansässiger Professor fest: "Wir tun so etwas nicht in Trinidad.
In unserem Land wird schließlich Cricket gespielt."
Einen solchen Satz hat man in England in den letzten
50 Jahren nicht gehört.
In gewisser Weise war Cricket der Vorzeigesport des
gesamten Viktorianischen Ethos: Das Spiel, das die
meiste Geduld und die meiste Disziplin lehrte und das
während längerer Zeitspannen den wenigsten Spaß
vermittelte und am ehesten der Arbeit glich. Die
Tatsache, daß Cricket heute am besten und am
ursprünglichsten im Land des Calypso und der Sonne
gespielt wird, ist deutlicher Beleg für die Kraft des
Sports, der sich auf die ihm eigene Art durchsetzen
kann und, wo immer er Fuß faßt, seinen Stil zum
Tragen bringt, sofern ihm keine andere Sportart
zuvorkommt.
Diese letztgenannte Tatsache hat in ihrer Umkehrung
kürzlich globale Bedeutung erlangt, da sich ja die
Märkte allerorts öffnen wie Blumen im Frühling, und auf
jedem dieser Märkte werden Tausende neuer Fernsehgeräte eingeschaltet um herauszufinden, was die
übrige Menschheit die ganze Zeit so getrieben hat und
welchen Themen ihr Interesse gilt. Die aktuellsten
Botschaften aus Amerika stammen aus der Welt des
Sports, und das in einem Ausmaß, das nicht sportinteressierte Mitmenschen erstaunen mag, die wahrscheinlich denken, daß es immer noch Dinge wie
Spielfilme, Rockmusik und Fast Food sind, die auf
diese Art verbreitet werden.

Seite 6

Jedes dieser Elemente hat seine Zeit gehabt, um
Amerika anzupreisen, im Guten wie im Schlechten,
aber unsere Filme gibt es jetzt bereits so lange, daß
die Ausländer fast schon glauben, sie hätten sie selbst
gedreht. Rockmusik kann weitestgehend auch vor Ort
produziert werden, und McDonald's ist bereits zum
Klischee geworden. (Der wahre Durchbruch wäre,
wenn es genügend Nahrungsmittel für alle gäbe, egal,
wie lange die Zubereitung dauert.) Die amerikanische
Kultur hat einen derart gründlichen Triumph erlebt, daß
die Menschen kaum noch das Amerikanische daran
wahrnehmen.
Aber was immer noch neu und anders an Amerika ist,
sind die Meisterschaften des Super Bowl, die dank der
außergewöhnlich telegenen Anziehungskraft des
American Football mit der Kraft einer neuen künstlerischen Bewegung oder zumindest mit dem Schwung
eines neuen Modetanzes um den Erdball fegten. Die
Menschen in Europa und Australien bleiben die ganze
Nacht auf, um das Spektakel am Bildschirm mitzuverfolgen, und die Wettbüros in London nehmen
Wetten auf das Ergebnis an.
So öffnet sich ein weiteres Fenster der amerikanischen
Seele, und möglicherweise ist es das aufschlußreichste seit dem Jazz, durch den in den zwanziger Jahren
die schwarzen Amerikaner der übrigen Welt als etwas
anderes als Sklaven präsentiert wurden, nämlich als
wahre Meister, die ihre Kunst beherrschen. Der Sport
wird genau dasselbe tun. Aber durch die Bekanntmachung schwarzer Musiker hat der Jazz auch das
Problem der Schwarzen bekannt gemacht, und der
Sport wird das ebenfalls tun. Wenn Ausländer zum
ersten Mal unsere Mannschaften beim Football oder
beim Basketball beobachten, dann wundern sie sich
über die große Anzahl schwarzer Mitspieler, die in
diesem Land anscheinend eine Universitätsausbildung
erhalten können. Unsere Probleme müßten demnach
also gelöst sein, nicht wahr?
Nun ja, nicht ganz. Der Sport dient dazu, die Welt
daran zu erinnern, daß es in Amerika sehr viele
Schwarze gibt. Aber er erinnert sie auch daran, daß
man in der übrigen Zeit nicht so viel von ihnen mitbekommt. Wer zusieht, wie schwarze Amerikaner einen
großen Teil der amerikanischen Musik und so viele
amerikanische Korbleger machen, muß sich fragen,
was diese Menschen in der Zwischenzeit sonst noch
so tun.
Aber das Rassenproblem ist noch nicht einmal das
Entscheidende. Wie eine Nation spielt, kann Aufschluß darüber geben, wie sie lebt. Hitlers Weltbild,
sein ästhetisches Verständnis und, daraus abgeleitet,
auch seine Absichten sind nirgendwo vielsagender
und eindringlicher zum Ausdruck gebracht worden als
bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin oder in
Leni Riefenstahls Film "Olympia" (1936). Ein Blick auf
die ostdeutsche Schwimmerriege in den letzten Jahren

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�des Bestehens ihrer Nation, wie sie, steroidverquollen
und lustlos, auf ihren Sprungbrettern hockte, zeigte
uns, wie leicht der Kommunismus in eine Form des
Nationalsozialismus zurückgeglitten ist (wenn er sich
überhaupt jemals daraus befreit hatte), wo der Sieg als
das einzig Wahre galt, noch jenseits dessen, was der
theatralisch veranlagte Football-Trainer Vince Lombardi vor Augen hatte.
Ein für uns näherliegendes Beispiel der Perversion des
Sports ist der ekstatische Anarchismus britischer
Fußballfans, welche die Gewalt nach ganz Europa
trugen und aufgrund ihres Verhaltens Ende der
achtziger Jahre wie eine schlimme Krankheit oder ein
tollwütiges Tier vom Festland verbannt wurden. Ein
Land, in dem die Wiege des Parlamentarismus und
des Cricket steht und wo derartiges geschehen kann,
gibt zu denken und ist Anlaß dafür, genauere Betrachtungen anzustellen, denn es zeigt, wie sich ein anderer
Zweig des großen viktorianischen Sportabenteuers
entwickelt hat.
Das Rowdytum der Hooligans im Sport ist kein neues
Entwicklungsphänomen. Vielmehr handelt es sich um
eine Rückentwicklung oder auch einen Atavismus.
Gemäß der Legende entwickelten sich Fußball, Rugby
und damit auch American Football aus einem urzeitlichen Spiel, bei dem sich die Bewohner eines
Dorfes ohne Rücksicht auf Verluste - die Legende
berichtet über keine Regeln - bemühten, einen Gegenstand (der, wie ich vermute, nicht so ausgeklügelt wie
ein Ball war) bis ans hinterste Ende eines anderen
Dorfes zu bringen. Das war der totale Krieg, und jeder
warf sich dafür ins Zeug, und obwohl sich das heutzutage recht kurios ausnimmt, wissen wir aus historischen Aufzeichnungen, daß auch die ersten Schulwettkämpfe in England schlichtweg brutal waren und
immer wieder aufs neue entschärft werden mußten beginnend bei der Regel, nur oberhalb des Knies
zutreten zu dürfen, über die Erlaubnis, auch unterhalb
des Knies zuzutreten, bis hin zum völligen Tretverbot bevor das fromme Werk angegangen werden konnte,
das seinerzeit Thomas Arnold vorgeschwebt hatte.
(Wenn die Schlacht bei Waterloo wirklich "auf den
Spielfeldern Etons" entschieden wurde, dann ist das in
gleichem Maße auf die dort erlernte Brutalität wie auf
sportliche Fairneß zurückzuführen.)
Interessanterweise klingt die Beschreibung einer Wahl
in einem Dorf in Charles Dickens Pickwick Papers
(1837), welche die Politik in dieser Zeit veranschaulicht, wie ein nicht zu weit entfernter Cousin der
legendären Dorfspiele: rauh, korrupt und selbstverständlich heiter, immer heiter.
In dieser Phase ging es beim Cricket tatsächlich
kultivierter als bei den Wahlen zu, wie man der
Beschreibung eines Spiels in demselben Buch entnehmen kann. Cricket war der Sport der Landbewohner,
so wie Fußball der der Stadtbewohner war, doch im

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Laufe des Jahrhunderts gewannen beide Sportarten
ebenso wie die Wahlen an Differenziertheit und
Popularität; beide Bereiche stimmten ihre Schritte
aufeinander ab und paßten gut zueinander. Der Sport
lehrte die demokratischen Tugenden der Fairneß und
des Mannschaftsgeistes, und die Demokratie lehrte im
Gegenzug ihre eigenen Lektionen: Was auch immer
man euch erzählen mag, dieses Spiel gehört euch,
den Spielern. Die Regeln, so rätselhaft sie manchmal
auch erscheinen mögen, wurden euch nicht von oben
aufgezwungen, sondern sind dem Sport selbst entwachsen und so gemacht, daß das Spiel jedes Mal
möglichst gut verläuft, und so liegt es ganz einfach in
eurem Interesse, die Regeln zu beachten. (Die Idee,
die Regeln am Interesse der Zuschauer und schließlich an dem der Fernsehkameras auszurichten, kam
erst sehr viel später auf.)
Man kann den Nutzen des Sports für die Demokratie
übertreiben, was auch viele getan haben. Nirgendwo
werden aber die radikal verschiedenen Auswirkungen
desselben Spiels an unterschiedlichen Schauplätzen
so deutlich wie bei einem Vergleich zwischen Indien
und der westindischen Inselgruppe. Als Rudyard
Kipling über "in Flanell gekleidete Idioten am Mal und
schlammverkrustete Flegel im Tor" schrieb, hat er
vielleicht in einem gewissen Maße die Verzweiflung
eines kurzsichtigen, unsportlichen Mannes kundgetan,
aber es war ebenso völlig legitim, mit dem Finger auf
die selbstgefällige Engstirnigkeit der Engländer zu
zeigen, die von allen Seiten mit ihren Spielsachen
umgeben waren, mit Cricket und Football und dem
übrigen Zeug. Seine ersten Erfahrungen hiermit muß
Kipling in Indien gesammelt haben, wo die britischen
Kolonialherren es gewohnt waren, ihre Male zu
markieren und endlose Zeit dem Cricket zu widmen.
Vermutlich erlernten ihre Bediensteten die Demokratie
dadurch, daß sie für ihre Herrschaft die Fänger
spielten.
In Barbados, das sich Schritt für Schritt zur wohl
besten Cricket-Nation der Welt entwickelte, diente das
Spiel in der Tat dazu, die Sklaven ihren Herren
vorzustellen und dafür zu sorgen, daß man auch in
den Stürmen der Emanzipation noch miteinander
redete und auch danach noch freundlich zueinander
war. Ein pensionierter Lehrer, den ich im Bridgetown
Cricket Club kennenlernte, versicherte mir - nur von
Schwarzen umgeben - daß der Übergang von der
weißen zur schwarzen Herrschaft so schmerzlos
vonstatten gegangen war wie nur eben möglich, und
wenn es überhaupt so etwas wie eine farbenblinde
Gesellschaft gäbe, dann in Barbados. Und beide
Seiten sind sich darüber einig, daß Cricket daran nicht
ganz unbeteiligt war.
Das ist ein weiterer Beweis - wenn es denn noch
eines weiteren Beweises bedarf -, daß man den Sport
nicht einfach sich selbst überlassen sollte, sondern
man allerorts Intelligenz und Weitblick walten lassen

Seite 7

�muß, damit überhaupt etwas dabei herauskommt. In
Barbados hat die weiße Minderheit im Laufe der Jahre
ihre Lektion gelernt: Eine Gesellschaft, die zusammen
spielt, sollte tunlichst auch ein paar andere Dinge
gemeinsam machen, gleichgültig, ob es sich bei dieser
Gesellschaft um eine ehemalige Kolonie oder eine
amerikanische Universität handelt.
Aber letztlich liegt alles an dem, was eine Gesellschaft
von den Spielen erhofft. Die Engländer, die sich in
Barbados niederließen, wollten einen Anteil an dem
neuen Land haben, und so wurde das Spiel zu einer
Art vorläufiger Bürgerversammlung; die Angloinder
hingegen hockten quasi am Rand eines großen
Landes und setzten alles daran, nicht zu weit hineinzugeraten: Ein Kolonialbeamter, der allzu indisch
wurde, war völlig nutzlos. Deshalb war das Spiel
lediglich eine Transaktion, ein Händeschütteln, eine
einsame Begegnung am Nachmittag, wenn man so
will. Hinterher zog man sich in den Club zurück, um
das Englischsein neu zu ordnen.
Als in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts
schließlich der Himmel über ihnen einstürzte, wußten
viele Angloinder noch beinahe genauso wenig über
das Land, in das sie eingefallen waren, wie seinerzeit
bei ihrer Ankunft. Wird ein Sport zu ausschließlich
betrieben, so kann dadurch die Vorstellungskraft
eingeengt und die Neugier geschwächt werden. Am
Ende eines guten Tages fühlt man sich dann erschöpft
und befriedigt und ist sicherlich nicht in der richtigen
Stimmung, um noch etwas zu lernen, geschweige
denn, Reformen anzubringen, und die angloindischen
Cricketspieler hatten kaum Zeit gefunden, das Land
kennenzulernen, geschweige denn, sich damit wirklich
auseinanderzusetzen.
In diesem Sinne enttäuschte der Sport sogar die gute
alte Mutter England. (Auch dem Sport sind irgendwo
Grenzen gesetzt.) Die herrschende Klasse Britanniens
glaubte, die eigene Bevölkerung zu kennen, wie auch
die Kolonialbeamten geglaubt hatten, die Einheimischen zu kennen, weil sie mit ihnen gespielt hatten.
Aber sie hatten ja nur mit einigen Menschen aus der
eigenen Bevölkerung gespielt, und sie hatten nur auf
eine bestimmte Art und Weise gespielt.
Cricket spiegelte weder den Rest Englands wider noch
das Jahrhundert, in dem es angesiedelt war. Mit
wenigen Ausnahmen betrachteten britische Jungen
aus der Arbeiterklasse Cricket gar nicht als ihr Spiel,
sondern - wenn überhaupt - als Symbol im Klassenkampf. Während meiner Zeit in England in den frühen
fünfziger Jahren schienen sich die Massen am Lord's
Cricket-Spielfeld im Ton so sehr von den Massen in
Queen's Park und im Fußballfeld Fulham abzuheben
wie ein Eisenbahnabteil erster Klasse von einem Abteil
der dritten Klasse, oder die Bar in einem vornehmen
Salon von dem Tresen in einer Wirtschaft. (Die
Engländer haben ein Talent, einfach alles in Klassen

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aufzuteilen.) Der Sport löste nicht das Klassenproblem,
sondern - falls er überhaupt etwas zu der Frage beitrug
- verfestigte es, und Fußball bleibt von seinem Ansatz
her der Sport der Ablehnung, der Sport der Außenseiter.
Sport ist deshalb also nicht notwendigerweise eine
Kraft, die Gutes hervorbringt, sondern einfach nur eine
Kraft, und sein Wert als Barometer liegt darin, daß er
nicht wie die Wachablösung vor dem Palast oder ein
anderes überkommenes Ritual ist, das einem alles,
was man über ein Land von vor 300 Jahren wissen
muß, sagt. Sport ist eher wie ein Küchenfenster zur
Gegenwart, das zeigt, was die Nachbarn unternehmen, um zu bekommen, was sie in diesem Moment
wollen, wenn sie ganz heiß auf etwas sind und sich
gleichzeitig den schärfsten Wettbewerbsbedingungen
aussetzen, die zu erdenken sie in der Lage sind.
Andere Länder, andere Botschaften.
In seinem
geistreichen und unterhaltsamen Buch You Gotta
Have Wa (1990) beschreibt Robert Whiting eine Art
des Baseball, die so mühsam und beladen mit
schmerzhaften Möglichkeiten ist, daß man sich fragt,
warum sich überhaupt jemand darum schert und es
spielt - wenn man in diesem Fall von Spielen reden
kann.
Whiting vergleicht nämlich eine typische
japanische Besprechung am Wurfmal mit einer
Vorstandssitzung bei Mitsubishi.
Was dort am Wurfmal in nervenaufreibender und die
Dynamik zerstörender Ausführlichkeit besprochen
wird, ist das absolute Gebot, eine Schande persönlicher und kollektiver Art zu vermeiden. Keiner will eine
Entscheidung treffen, durch die er oder seine Kollegen
bloßgestellt werden, und außerdem vermeiden sie,
solange sie sich dort draußen aufhalten, nicht nur das
Schlimmste, sondern sie zementieren und propagieren
ihr Wa, den Mannschaftsgeist, der noch viel kostbarer
als der Sieg ist. In diesem Sinne setzen die Japaner
auch eine Prämie für diejenigen aus, die regelmäßig
zum Training erscheinen, an dem sie in voller Länge
festhalten, auch wenn das Training wegen Regen
verzögert wird und das eigentliche Spiel verschoben
werden muß.
Es war schon immer leicht, sich über japanische
Gebräuche lustig zu machen, die Amerikaner heutzutage ohne weiteres zu verstehen nicht in der Lage
sind, und es wäre falsch, anzunehmen, daß diese
groteske Beschreibung schon die ganze Wahrheit
beinhaltet. In Japan sind Schein und Sein immer zwei
Paar Schuhe. Bisher hat sich die Baseball-Philosophie
der Japaner gegen amerikanische Mannschaften
jedoch nicht behaupten können.
Baseball ist die individualistischste aller Mannschaftssportarten, so daß es durchaus geschehen kann, daß
eine Mannschaft, in der jeder nur für sich selbst spielt,
mit Leichtigkeit ein Team schlägt, das ausschließlich

AMERIKA DIENST 12

�für das Kollektiv arbeitet. (Wieviele der selbstaufopfernden Bunt-Schläge kann man denn schon
verwandeln?) Mit anderen Worten, unser Nationalsport
ist passenderweise genau auf Amerikaner zugeschnitten: Individualismus mit einer Prise Kooperationsbereitschaft und einer Menge Toleranz gegenüber anderen
Individualisten, die einem das Herz brechen können.
Und es bleibt wohl ein Rätsel, warum die Japaner mit
all ihrer Fähigkeit zur oberflächlichen Imitation den
Wert dieser Sache scheinbar nicht erfassen können
oder wollen.
Aber Satire-Themen gibt es sicherlich auch in einem
Land wie dem unsrigen, wo die Spieler über derart
wenig Wa verfügen, daß sie eine Weltmeisterschaft
nicht dazu nutzen, ein neues Wa zu schaffen, sondern
ganz einfach dafür, ihren eigenen Preis in die Höhe zu
treiben. Obwohl jeder einzelne einen Beitrag zur
Weltmeisterschaft in einer Geisteshaltung leistet, die
leicht für Wa gehalten werden könnte, bricht die
eingeschworene Bande meist schon am nächsten Tag
auseinander, und jeder beeilt sich, seinen Anteil an der
Trophäe zu Geld zu machen. Mit anderen Worten, es
handelt sich um eine reine Ad-hoc-Zusammenarbeit.
Niemand möchte sich jedoch darin verzetteln.
Das ist wie ein Witz mit doppelter Pointe oder auch ein
Sketch, bei dem der Japaner die Tugend der Zusammenarbeit bis ins lächerliche Extrem steigert,
während der andere Sketchpartner die Regeln in das
entgegengesetzte Extrem ausdehnt und seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit verwirklicht. Die
Amerikaner haben von jeher das Bild des Freischaffenden vergöttert, der als bezahlter Killer zur rechten Zeit
erscheint und wieder geht, bevor die Zivilisation sprich die Teamarbeit - ihn einholt, und unser Herz
schlägt für denjenigen, der sich auf sich selbst verläßt.
Der Spieler, der einfach nur geduldig abwartet, riskiert
Herz, Nerven und sein Talent, denn wenn er sein
Team nicht voranbringt, kann er sich mit dem Geld
nicht einfach in einer Ecke vergraben; er muß jeden
Tag raus und vor Tausenden von lärmenden und leicht
zu verärgernden Fans, deren Sympathien er so
bereitwillig verspielt hat, seine Position im Feld einnehmen.
Die Amerikaner lieben den Ausgestoßenen, aber es
muß ein Ausgestoßener erster Klasse sein, der sich
um der Herausforderung willen dem Haß aussetzt. Die
Hälfte aller amerikanischen Situationskomödien
scheint darum zu gehen, daß die Mächtigen in irgendeiner Form erniedrigt werden - so die Berühmtheit, die
nicht erkannt wird oder der Vater, der am Ende nicht
recht behält. In einer Demokratie ist das ein Quell
endlosen Vergnügens. Deshalb spielt also ein Sportler, der die Zuschauermassen anzieht, indem er mit
einem solchen Vergnügen lockt, seine Rolle in einem
rituellen Spiel, das für Amerika genauso traditionsreich
ist wie die Teezeremonie in Japan.

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Aber wie bei allen Ritualen gibt es eine richtige und
eine falsche Art der Ausführung. In der letzten Zeit
sind derart viele aufgeblasene Angeber und falsche
Champions auf den Plan getreten, daß es schwerfällt,
sich an die mit einer wahren Herausforderung verbundene Aufregung oder an die kleine Prise des Besonderen, die so einem Ereignis hinzugefügt werden
kann, zu erinnern, wie beispielsweise ein hoher
Wetteinsatz in letzter Minute. Mohammed Alis erfundene Fehden und Prahlereien, die eines Falstaff
würdig waren, füllten nicht nur die Zuschauerränge,
sondern wirkten sich auf das innere Wesen seiner
Kämpfe aus: Seine Gegner kämpften stets gegen
einen Mythos an, gegen seinen Mythos, der von ihm
geschaffen und gelenkt wurde, was bereits beim
Namen anfing.
Heute sollte jedermann an die verrückten Tänze, die
nach einem Touchdown vollführt werden, und die
wilden Umarmungen und das Füßetrampeln, das die
meisten Football-Begegnungen begleitet, gewöhnt sein
- sind sie doch Ergüsse einer Hochstimmung, die
teuflisch ablenken und die Symmetrie des Spiels außer
Kraft setzen können, ähnlich wie Blechdosen in einem
Sinfoniekonzert, die uns aber gleichzeitig daran
erinnern, daß die eigentliche Grundlage des Spiels der
Spaß ist und die schwer gerüsteten Maschinen-Menschen auf dem Spielfeld doch noch eine Spur
Leben in sich tragen. Es ist ein gerechter Tausch Vollkommenheit gegen Menschlichkeit - geradewegs
so, wie wir es heute nun einmal tun.
Aber dieses Schauspiel hat auch eine weniger schöne
Seite zu bieten, die ebenfalls etwas über uns aussagt,
und das ist das Ausmaß, in dem sogar die Mannschaftssportarten zum Instrument der Selbstbehauptung und -Vermarktung geworden sind. Manchmal
scheint jeder einzelne Spieler da draußen sich selbst
zu verkaufen, was viele von ihnen seit ihrer Mittelschulzeit in der Tat getan haben. Wie ja auch große
Flöhe von kleineren Flöhen befallen sind, gibt es
heutzutage keine Ebene des sportlichen Wettkampfs,
die zu niedrig wäre, als daß nicht ein Zuschauer aus
einer etwas höheren Ebene als Talentsucher aufträte
und ad infinitum nach neuen Begabungen suchte. Auf
diese Weise wird das Leben zu einer langen Suche
nach dem kritischen Blick des geheimnisvollen
Talentsuchers.
In Diskussionen über den Sport muß man fortwährend
der Versuchung widerstehen, das als böse zu titulieren, was ganz einfach nur dumm ist. Ausländer
werden wohl nie das Ausmaß begreifen, in dem
Amerikaner Spaß haben und sich gleichzeitig verkaufen können. Sich verkaufen kann natürlich jeder, aber
das so überschwenglich und ohne deutlichen Zynismus oder die geringste Spur von Nuttigkeit zu tun,
das können nur wir.

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�Aber letzten Endes ist das alles sinnlos. Ein Stadion
voller Verkäufer, voller Marktschreier, die ihre Ware
anpreisen, wird nicht nur dafür sorgen, daß es nicht
das beste Football-Spiel (oder welches Spiel auch
immer) wird, sondern auch dafür, daß nichts verkauft
wird.
Denselben Rundumschlag haben Angeber ä la Joe
Namath mit leeren Versprechungen vorgenommen, vor
allem mit der Mega-Prahlerei schlechthin, daß ein
Spieler die höchste Summe in der Geschichte des
Sports verlangt, um für ein bestimmtes Team zu
spielen. Zunächst lautete das Geschäft wie folgt: "Gib
mir dein Geld, und ich werde beweisen, daß ich der
Beste bin." Dieser Satz ist nun aber entartet und heißt:
"Wenn ich das Geld kriege, dann muß ich ja wohl der
Beste sein, und beweisen muß ich euch gar nichts."
Die einzige Lücke in dieser Argumentation, die groß
genug ist, um eine ganze Sportart aufzunehmen,
besteht darin, daß der Marktwert sich dadurch bestimmt, auf die breiten Massen eine Anziehungskraft
auszuüben, und neben den Fähigkeiten sind es eine
Menge anderer Dinge, die Massen anziehen.
Mit unseren Sportlern offerieren wir der Welt also eine
bunte Mischung, was auch auf unsere Werte im
allgemeinen zutrifft. Die Figur eines schöntuerischen
Größenwahnsinnigen hat nicht mehr das Geringste mit
dem sportlichen Ideal des 19. Jahrhunderts zu tun,
oder auch mit dem Grund, warum wir überhaupt
Wettkampfspiele veranstalten. Ein solcher Sportler
oder eine solche Sportlerin ist auch irgendwie eine
Karikatur und eine Warnung. Die Tatsache, daß wir
noch vergleichsweise wenig Größenwahnsinnige
haben, ist ein Tribut an die dem Sport innewohnende
gesunde Natur unter dem unglaublichen Druck des
Persönlichkeitskultes.
Eine Sportmannschaft ist ein kleines Parlament, das
auf der Grundlage einer Kriegserklärung arbeitet. Es
wird durch den oft schlechtgemachten Siegeskult
zusammengehalten und am Leben erhalten. Senator
Bill Bradley, ein Demokrat aus New Jersey und
früheres Mitglied der Profi-Basketballmannschaft der
New York Knicks, wurde einmal von einem Journalisten gefragt, ob er nicht meinte, daß die Siegesmanie
bei uns übertrieben wird, wobei er offensichtlich
erwartete, daß der liberale Bill ihm aus vollstem
Herzen zustimmen würde. Aber Bradley wußte zu gut
Bescheid, er hatte ja selbst auf dem Schlachtfeld
gestanden, wo falsches Mitleid genauso wenig bringt
wie in einem richtigen Krieg, und so sagte er: "Nein denn wenn man das Siegen nicht über alles andere
stellt, neigen die Spieler dazu, egoistisch zu werden."
Eine Mannschaft, die gewinnen will, wird sich wie eine
Katze von allem befreien, das ihr Tempo mindert. Will
ein Sportler also angeben und sich selbst darstellen,
so muß er einen Weg finden, das zwischen einzelnen

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Pässen oder zwischen einzelnen Spielen zu tun, und
zwar so, daß er das Rampenlicht nicht vollständig
absorbiert und die Mannschaftskameraden, von denen
sich ja vielleicht auch der eine oder andere in Szene
setzen möchte, nicht im Dunkeln stehen läßt. Damit
gelangen wir nun zu einer Gattung disziplinierter
Exhibitionisten, allesamt umgängliche Egotisten, die
nichts so sehr lieben wie abgelichtet zu werden,
während sie gerade ihren Mannschaftskameraden
gratulieren, oder auch interviewt zu werden ("Ich
schätze, keiner kannte Babe Ruth so gut wie ich.") - in
der Tat eine bunte Mischung.
Aber diese Spieler sind ein vereinzeltes Phänomen
unter völlig normalen jungen Leuten, die ihr Land im
Zeitalter des Sports wahrscheinlich genauso einnehmend und korrekt vertreten wie alles, das die Welt
von uns seit den Gls im Zweiten Weltkrieg zu sehen
bekommen hat - und das ebenfalls eine bunte Mischung war. Aber was an ihnen so einnehmend wirkt,
ist eben jene weder von Geld noch vom Fernsehen
verdorbene Kernsubstanz, oder was davon übrig
geblieben ist - eine volkstümliche Eigenart, die der
Sport trotz aller Widrigkeiten aufrechterhält wie eine
alte Religion in einem modernen Land. Das Fernsehen verändert vielleicht das äußere Erscheinungsbild
und auch die Kosten oder sogar die Art und Weise, wie
einige Sportler darüber denken, aber wer das Glück
hatte, mitzuerleben, wie die amerikanische Eishockeymannschaft 1980 in Lake Placid die Russen das
Fürchten lehrte und wie diese Leistung den Spielern
und Fans erst allmählich bewußt wurde, war bei einer
Stemstunde des amerikanischen Sports dabei, die vor
hundert Jahren genauso ausgesehen hätte und sich
auch morgen so ereignen könnte, wenn wir keine
Fehler machen - und wogegen ein Parteitag inzwischen gänzlich gestellt und künstlich sowie im Widerspruch zu seiner eigenen Wesensart erscheint.
Es ist eine große Versuchung zu sagen, daß das, was
der Sportler dem Sport abgewinnt, und was er aus
seinem Leben macht, seine Privatangelegenheit ist
und niemanden etwas angeht. In der Tat ist es aber
ein Anliegen von beträchtlichem öffentlichen Interesse,
daß er so viel wie möglich aus beidem herausholt, weil
der Grat zwischen dem, was ein erfüllter Sportler vom
Leben haben kann und der kaputten Welt des schienbeintretenden Rowdy-Sportlers gefährlich schmal ist,
und zur Zeit wandeln mehr junge Mitbürger darauf als
jemals zuvor in der Geschichte, sei es unsere eigene
oder die der anderen.
Ein Spieler, der über sein Tun nicht nachdenkt, ist wie
ein ungesichertes Gewehr, selbst für seine eigene
Sportart. Da er nicht ganz sicher ist, warum er das
alles tut, tendiert er zur naheliegenden Erklärung: Es
muß am Geld liegen. Und warum auch nicht? Aus
diesem Grund macht es ja auch der Trainer, der
nebenbei einen Vertrag mit dem Sportschuhhersteller
hat, in dessen Produkten unser Spieler jeden Abend

AMERIKA DIENST 12

�antreten muß. Und aus diesem Grund macht es ja
auch die Uni, die danach schielt, an den großen
Ausscheidungen teilzunehmen und im Fernsehen
übertragen zu werden, wofür im Notfall auch die
Unterrichtszeit des Spielers auf null Stunden herabgesetzt wird.
Zu unser aller Glück ergibt sich die beste Gelegenheit
für den Spieler, Geld zu verdienen, aus der Chance,
das Spiel so gut zu spielen, wie er eben kann. Und
das ist auch der Grund, weshalb das System trotzdem
noch zu funktionieren scheint. Aber, wie ich bereits
sagte, ein Spieler mit einer derartigen Motivation ist wie
ein ungesichertes Gewehr. Denn bekommt er kein
Geld oder irgendeine Art von Belohnung neben der
reinen Freude am Spiel, dann kann man bestenfalls
auf seine Unzufriedenheit hoffen, schlimmstenfalls auf
Mogelei und im Normalfall auf Rückzug.
Der Sport in Amerika ist in immer stärkerem Maße
darauf ausgerichtet, den Anschein zu erwecken, daß
alles, was man tut, an etwas anderem orientiert ist das Spiel am Wettkampf, der Wettkampf an einem
wichtigeren Wettkampf im nächsten Jahr, an einer
besseren weiterführenden Schule, einer Universität,
der Profimannschaft, Siege mit der Profimannschaft,
mehr Geld in der Profimannschaft (sonst gehe ich zu
einer anderen, egal welcher), Vertragsklauseln,
Manager, Verdienstmöglichkeiten - so daß man nur
schwerlich zu einem bestimmten Zeitpunkt sagen
kann, das wäre jetzt der Grund. Der Amerikanische
Traum stellt sich derzeit wie ein Befehl dar, sich
weiterzubewegen, bis man von der Kante des Kontinents kippt, und auf gar keinen Fall aufzuhören zu
träumen.
Eine Konstante in dem Ganzen ist natürlich das Geld,
das in jedem Kapitel wie Woody Aliens rätselhafte
Figur des Zelig erscheint und dem Träumer wenigstens etwas Kontinuität gewährleistet. Die psychologische Bedeutung dieser Figur kann man vielleicht nach
der Intensität beurteilen, mit der Ballsportler um
bedeutungslose Zuschläge auf ohnehin schon hohe
Grundgehälter handeln, um aus ihrer jeweiligen
Position das meiste herauszuholen: Wenn man immer
nur wegen des Geldes gespielt hat, dann kann man
jetzt nicht aufhören, obwohl derjenige am meisten
erhält, dessen Vertrag am neusten ist, so daß es
niemals eine Pause gibt.
Die andere Konstante, die sich durch alle Phasen der
Sportabteilung des Amerikanischen Traumes zieht, ist
das Spiel selbst - Baseball, Football, was auch immer
- das, wie eine einsame Heldin des 18. Jahrhunderts,
für gewöhnlich aus dem Labyrinth der Versuchung und
Korruption mehr oder weniger unbeschadet ihrer
Tugenden herausfindet, wenn auch nur, weil bisher
niemand eine gewinnträchtige Art ersonnen hat, es zu
korrumpieren. Im Gegensatz zu Spielfilmen und
anderen Künsten sind Mannschaftssportarten nie

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kommerzieller als wenn sie genau nach Regel gespielt
werden. Selbstverständlich wird das, wenn eine
Kleinigkeit dazu beitragen könnte, den Wettkampf noch
kommerzieller zu machen - dieses entfernen, jenes
kürzen, ein ernannter Schlagmann hier und eine
24-Sekunden-Uhr da - auch getan, aber das Herz des
Sports bleibt rein. Ein Turner, der die rutschige Stange
hinaufklettert, wird dort oben an ein ähnliches Spiel
erinnert, das er als Kind immer gespielt hat - und das
wird für seine Unschuld dort oben garantieren, wenn
sie überhaupt durch irgend etwas gewährleistet
werden kann.
Für Frauen stellt sich hier unter Garantie eine neue
Frage - zu neu, um sie zu beantworten, aber nicht zu
neu, als daß man nicht darüber reden sollte. Wenn
nämlich bestimmte Sportarten in gewisser Weise eine
Lehrzeit zur Vorbereitung auf die Welt der Politik und
der Unternehmen sind sowie eine Flucht daraus, dann
könnte man argumentieren, daß eine große Zahl
Frauen auch diese Sportarten betreiben wollen, wobei
es dahingestellt sei, inwieweit die Spiele ausschließlich
von Männern für Männer geschaffen worden sind beispielsweise Football, wo die wöchentliche Statistik
über Verletzungen wie eine abgemilderte Variante der
Inschrift eines Kriegerdenkmals anmutet.
Deshalb können wir also möglicherweise in Kürze mit
einigen neuen Regeln rechnen, oder sogar auch mit
einem ganz neuen Spiel - doch was ist hierfür die
Richtschnur? Die Frauen waren bisher nur wenig
erfolgreich in ihrem Bemühen, die Geschäftswelt oder
die Politik "freundlicher und sanfter" zu gestalten, weil
die Materie selbst das nicht gestattet: Man kann mit
Aktionärsgeldern nicht freundlich umgehen oder zu
Saddam Hussein sanft sein; man kann ja nicht einmal
sanft gegenüber Margaret Thatcher auftreten, wenn in
ihrem Land etwas nicht stimmt.
Wird sich jedoch der Sport als deutlicher formbar
erweisen? Wieviel Reform ist tragbar, ohne daß die
ursprüngliche Absicht verlorengeht? Die Sachlage läßt
bisher erkennen, daß der Trend üblicherweise in die
entgegengesetzte Richtung geht, so daß der Sport die
Spieler ändert, lange bevor sie den Sport verändern
können. Die meisten Spiele, gleichgültig, ob sie am
Spieltisch oder im Stadion gespielt werden, bestimmen
auf unerklärliche Art nicht nur ganz genau, wie gespielt
werden soll, sondern auch, mit welcher inneren
Einstellung, so daß selbst der sanfteste aller Zeitgenossen plötzlich sein wutverzerrtes Gesicht Stirn an
Stirn mit dem des Schiedsrichters wiederfinden kann,
ohne daß er sich bewußt wäre, wie es dazu kommen
konnte. Und das scheint immer zu gelten, egal, ob
man Andre Agassi oder Martina Navratilova heißt.
Derartige protokollarische Fragen können jedoch
durchaus geklärt werden. Was allerdings nicht geklärt
werden kann, ist das andere, was der Sport bestimmt,
nämlich, daß man die jeweilige Sportart immer so hart

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�wie möglich spielen wird, da Gewalt das unvermeidliche und oftmals berauschende Nebenprodukt ist, das
entsteht, wenn man den Fuß von der Bremse nimmt
und zusieht, zu was der Körper imstande ist. Und das
ist ein Bestandteil des Sports, den man nicht wegnehmen kann, ohne den Punkt dahinter zu verlieren.
Wenn man möchte, kann man Boxsportlern Helme
aufsetzen, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren,
und man kann den Star der Mannschaft von der
Quarterback-Position auf die Strafbank schicken, um
so den Spielstand niedrig zu halten, was man jedoch
nicht tun kann, ist, diesen Sportlern zu sagen, die
Sache leicht zu nehmen oder "ein Einsehen zu haben".
Und das, und nicht der körperliche Schmerz, ist
sicherlich der für viele Frauen am schwersten zu
schluckende Aspekt des Wettkampfsports, nämlich die
absolute Unversöhnlichkeit und das eiskalte Beharren
auf den Regeln, das einem das Herz brechen kann,
selbst wenn man sanftestes Touch-Football in einer
Ritterrüstung spielte.
Sport ist tatsächlich genauso gefühlskalt wie das
Leben selbst. Der Schiri erteilt Strafstöße gegen die
Mannschaft, selbst wenn sie mit 50 Punkten im
Rückstand ist, und die Punktetabelle zeigt auch
nachträglich kein geschöntes Ergebnis an, das es
gestattete, sich besser zu fühlen. Es gibt keinen
besseren Ort als das Spielfeld, um die Selbstachtung
gründlichst zu zerstören - und das gilt ebenso für das
Schachbrett, wo ein "Schachmatt in drei Zügen"
schlimmer schmerzen kann als ein Angriff von hinten,
bei welchem der Football-Spieler eine Fraktur beider
Beine erleidet. Was man als Gegenleistung für die
rituellen Erniedrigungen bekommt, ist ein Fingerhut
voller Selbsterkenntnis, einen kleinen, aber kostbaren
Eindruck davon, wie das wirkliche Leben funktioniert,
und soviel an Selbstachtung, wie man sich mittels

*

Seite 12

Schweiß und Muskelarbeit verdienen kann - und
hierbei zeigt sich der Sport etwas nachgiebiger: Er
verleiht Nieten, die sich ernsthaft anstrengen, fast
genausoviel Selbstzufriedenheit wie den Champions.
Auf diese Art haben sich die Männer der Moderne in
den zurückliegenden 150 Jahren auf das Leben
vorbereitet. Wenn eine bedeutende Anzahl von
Frauen sich dazu entschließen würde, denselben Weg
einzuschlagen - und es gibt Anzeichen dafür - so wird
das, wenn schon nichts anderes dabei herauskommt,
die unerschütterlichste aller Binsenwahrheiten auf die
Probe stellen, nämlich daß die Männer von Natur aus
gerecht und die Frauen gnädig sind. Es scheint nur
rechtens anzunehmen, daß Männer nicht im eigentlichen Sinn als Gerechte geboren werden, doch wird
ihnen das aufgedrängt, sobald sie zum ersten Mal
jemanden beschummeln wollen, oder wenn jemand sie
beschummeln will und ihnen dann klar wird, daß
Gerechtigkeit die größte Liebenswürdigkeit ist, die man
zwei Menschen mit auseinanderstrebenden Interessen
zur gleichen Zeit gewähren kann. Nachdem man
lange genug einen Sport gespielt hat, wird die dann
noch verbliebene Liebenswürdigkeit in der Tat sehr
stabiler Natur sein - und natürlich ist die Großzügigkeit
der Athleten gegenüber ihren Mannschaftskameraden
legendär, was auf die Gegner beinahe im gleichen
Maße zutrifft. Worauf man hoffen könnte, wäre, daß
die Frauen oder sonst jemand dieses Kirchturmdenken
aufbrechen, damit der Rest der Welt daran teilhaben
kann.
Wenn das jemals geschehen sollte, bleibt mir nur noch
festzustellen, daß es um ein Vielfaches leichter wäre,
als Fürsprecher der Segnungen des Sports aufzutreten, als es mir in diesem Beitrag möglich gewesen
ist.

*

AMERIKA DIENST 12

�</text>
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dienet&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
26. Juni 1996&#13;
&#13;
SONDERDIENST&#13;
&#13;
ARBEIT&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
DIE SCHAFFUNG VON ARBEITSPLATZEN&#13;
UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN&#13;
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten&#13;
1993-1996&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�Die Schaffung von Arbeitsplätzen und&#13;
Beschäftigungschancen:&#13;
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten 1993 -1996&#13;
&#13;
Ein Bericht des&#13;
Rats der Wirtschaftsberater im&#13;
US-Arbeitsministerium, Büro des Chefökonoms&#13;
23. April 1996&#13;
&#13;
�Zusammenfassung&#13;
Seit Januar 1993 hat die Beschäftigungsrate rapide - um netto 8,5 Millionen&#13;
neue Arbeitsplätze - zugenommen. Anhand vergleichbarer Daten war das&#13;
Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten stärker als bei allen&#13;
anderen unserer G-7-Partner.&#13;
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung&#13;
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 entfielen auf Industriezweige/Berufsgruppen mit überdurchschnittlichen Einkommen. Mehr als die Hälfte&#13;
des Nettozuwachses fand bei den obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor&#13;
entstanden, entsprachen sie nicht den Stereotypen.&#13;
Die Fakten legen nahe, daß die große Mehrheit des Nettozuwachses an neuen&#13;
Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Sowohl die Haushalts- als auch die&#13;
Betriebserhebungen verweisen darauf, daß die Zunahme an Arbeitplätzen auf&#13;
Ganztagsstellen konzentriert war.&#13;
Der Anteil von Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung blieb seit Ende der&#13;
achtziger Jahre ungefähr konstant. Der Haushaltserhebung ist zu entnehmen,&#13;
daß der Anteil von beschäftigten Personen mit mehreren Arbeitsplätzen weiterhin bei rund 6 Prozent liegt.&#13;
Die Gesamtzahl der Entlassenen machte 1991-92 ungefähr denselben Anteil&#13;
an der Erwerbsbevölkerung aus wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der&#13;
achtziger Jahre gravierender war als die Anfang der neunziger Jahre. Es ist&#13;
jedoch schwierig genau festzustellen, welcher Prozentsatz der Entlassenen auf&#13;
die Konjunktur zurückzuführen ist. Die offiziellen Daten über Entlassungen&#13;
nach 1993 stehen noch nicht zur Verfügung, aber eine alternative Zählweise zu&#13;
Arbeitsplatzverlusten zeigt, daß sie seitdem gesunken sind.&#13;
Die Charakteristiken der Entlassungen haben sich etwas verändert. Die Entlassungen von älteren, besser ausgebildeten Büroangestellten haben zugenommen, obwohl sie verglichen mit denen bei jüngeren und weniger gut&#13;
ausgebildeten Arbeitern weiterhin relativ niedrig sind.&#13;
Trotz einiger jüngster positiver Anzeichen bleiben langfristige Herausforderungen bestehen. Zwischen den siebziger und frühen neunziger Jahren stagnierten die Reallöhne und -gehälter, und das Einkommensgefälle wurde größer.&#13;
Aber 1994 stieg das reale durchschnittliche Familieneinkommen zum ersten&#13;
Mal seit fünf Jahren, und die Armutsgrenze sank. Wir müssen weiter auf diese&#13;
Errungenschaften aufbauen, um den Lebensstandard zu verbessern und das&#13;
Einkommensgefälle zu verringern. Und obwohl sehr viel mehr Arbeitsplätze&#13;
geschaffen als abgebaut werden, erlegt eine dynamische Wirtschaft einigen&#13;
1&#13;
&#13;
�Arbeitnehmern unweigerlich Kosten auf. Daten von 1981 bis 1993 legen&#13;
beispielsweise den Schluß nahe, daß diejenigen, die ihre Stelle verloren, eher&#13;
auf Dauer (statt vorübergehend) entlassen wurden, daß ältere Arbeitnehmer&#13;
ein größeres Risiko der Entlassung hatten und der durchschnittliche Verlust&#13;
des Reallohns aufgrund von Entlassung beträchtlich und andauernd war. Um&#13;
alle Vorteile einer dynamischen Wirtschaft zu erlangen, müssen wir diese&#13;
Angleichungskosten verringern.&#13;
&#13;
Einleitung&#13;
Das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten war seit Januar 1993 solide,&#13;
wobei die Beschäftigungsrate im nichtlandwirtschaftlichen Bereich um 8,5 Millionen&#13;
zunahm.&#13;
Anhand vergleichbarer Daten war das Beschäftigungswachstum in den&#13;
Vereinigten Staaten stärker als bei allen anderen unserer G-7-Partner. Der Hauptzweck dieser Studie besteht darin, das Material zu sichten, um ein detaillierteres Bild&#13;
zu entwickeln, wo das Beschäftigungswachstum stattfindet und welcher Art die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind.&#13;
Die Nachrichten sind ermutigend: Die Beschäftigung bei den Industriezweigen/Berufsgruppen mit überdurchschnittlich hohen Löhnen und Gehältern ist unverhältnismäßig gestiegen. Selbst in der traditionell niedriger bezahlten Dienstleistungsindustrie war die Mehrheit des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen bei leitenden Positionen und solchen mit einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil zu&#13;
verzeichnen, die normalerweise überdurchschnittlich bezahlt werden. Im Gegensatz&#13;
zur herkömmlichen Überzeugung sind die neuen Arbeitsplätze nicht unverhältnismäßig viele Teilzeitstellen, die geringe berufliche Qualifikation erfordern.&#13;
Der zweite Zweck dieser Studie ist die Prüfung der Entlassungen. Obwohl die Volkswirtschaft einen Nettozuwachs von Millionen neuer Arbeitsplätze bewirkt, ist es offenkundig, daß die Geschwindigkeit der Umgestaltung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt viele Amerikaner besorgt über ihre wirtschaftliche Zukunft macht. Ein dynamischer und wachsender Arbeitsmarkt kann sowohl Kosten auferlegen als auch&#13;
Chancen bieten, und Maßnahmen für Arbeitnehmer zur Bewältigung eines Arbeitsplatzwechsels sind entscheidend zur Reduzierung dieser Angleichungskosten.&#13;
&#13;
Schaffung von Arbeitsplätzen&#13;
Einer Betriebserhebung des Bundesamts für Arbeitsstatistik zufolge nahm die Zahl der&#13;
nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen Januar 1993 und März 1996 um&#13;
8,5 Millionen (7,8 Prozent) zu. Im Privatsektor stieg die Zahl der Beschäftigten (um&#13;
8,7 Prozent) noch schneller, wohingegen die Zahl der Bundesbediensteten (mit&#13;
Ausnahme des Postdienstes) tatsächlich um 11,4 Prozent abnahm und die der bei&#13;
2&#13;
&#13;
�bundesstaatlichen und kommunalen Regierungen Tätigen zusammengenommen um&#13;
nur 5 Prozent (siehe Abbildung 1) stieg. Der Anteil des öffentlichen Dienstes an der&#13;
Beschäftigung nimmt daher ab.&#13;
Die Arbeitslosenquote fiel von über 7 Prozent im Januar 1993 auf 5,6 Prozent im März&#13;
1996 und lag 19 aufeinanderfolgende Monate unter 6 Prozent. Angesichts der aktuellen demographischen Trends prognostiziert das Bundesamt für Arbeitsstatistik, daß&#13;
die Erwerbsbevölkerung zwischen 1994 und dem Jahr 2005 jährlich um rund 1,1&#13;
Prozent zunimmt. Um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten, muß die Volkswirtschaft&#13;
daher durchschnittlich einen Nettozuwachs von ungefähr 120.000 neuen Arbeitsplätzen pro Monat verzeichnen. Die Beschäftigung expandiert jetzt in einer Geschwindigkeit, die im Einklang mit stetigem, tragfähigem Wachstum und niedrigen&#13;
Arbeitslosenquoten steht.&#13;
Figure 1&#13;
Private Sector and Government Employment Growth&#13;
January 1993 - March 1996&#13;
State &amp; Local&#13;
&#13;
Private Sector&#13;
&#13;
Federal&#13;
&#13;
Government&#13;
&#13;
Note: Federal employment excludes the postal Service.&#13;
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, establishment survey.&#13;
&#13;
Internationaler Vergleich. Die Vereinigten Staaten konnten einen schnelleren&#13;
Beschäftigungszuwachs verzeichnen als alle anderen G-7-Nationen. Nur Kanada&#13;
beobachtete eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung, während die anderen G7-Mitglieder unerhebliche Zuwächse an Arbeitsplätzen oder eine tatsächliche Abnahme hatten. Die Leistung des amerikanischen Arbeitsmarkts ist besonders beeindruckend aufgrund der Tatsache, daß sie in einer Periode stattfand, in der das Defizit&#13;
des Bundeshaushalts von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr&#13;
1992 auf schätzungsweise 1,9 Prozent im Haushaltsjahr 1996 reduziert wurde.&#13;
&#13;
3&#13;
&#13;
�Die Qualität der Arbeitsplätze&#13;
Daten der laufenden Bevölkerungserhebung zufolge fanden 38 Prozent des Nettozuwachses bei der Beschäftigung zwischen Februar 1994 und Februar 1996 in den&#13;
"Dienstleistungsindustrien" statt.1 Dieser Abschnitt befaßt sich daher zunächst mit der&#13;
Qualität der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dann wird eine detailliertere&#13;
Analyse aller Sektoren der Wirtschaft vorgenommen.&#13;
Höher bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Der "Dienstleistungssektor" ist sehr vielfältig. Dazu zählen viele schlecht bezahlte Positionen, aber auch&#13;
zahlreiche hochbezahlte bei Finanzdienstleistungen, Kliniken sowie Computer- und&#13;
Buchhaltungsdiensten. Aus diesem Grund ist es wichtig festzustellen, ob der Beschäftigungszuwachs innerhalb der Dienstleistungen vornehmlich in den hohe Qualifikationen erfordernden leitenden Positionen und bei Berufen mit einem speziellen Anforderungsprofil oder bei schlecht bezahlten Arbeitsplätzen stattfand. Die laufende&#13;
Bevölkerungserhebung bietet Fakten bezüglich des Beschäftigungszuwachses je nach&#13;
Beruf.&#13;
Die Daten belegen, daß der jüngste Nettozuwachs bei der Beschäftigung im&#13;
Dienstleistungssektor vorwiegend in leitenden Positionen oder solchen mit&#13;
einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil stattfand (Abbildung 2).&#13;
Hierbei handelt es sich um relativ gutbezahlte Arbeitsplätze.&#13;
&#13;
Figure 2&#13;
Service Industry Occupations&#13;
February 1994 - February 1996&#13;
co 1000&#13;
w&#13;
_°&#13;
&#13;
800&#13;
&#13;
Higher Wage Occupations&#13;
Based on data from the Bureau of Labor Stalistics, Current Population Survey.&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
�Die herkömmliche Überzeugung, der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor&#13;
sei unverhältnismäßig in schlecht bezahlten Arbeitsplatzkategorien konzentriert, ist&#13;
daher falsch.&#13;
Zuwachs bei höher bezahlten Arbeitsplätzen nach Industriezweig und Berufsgruppe. Ein noch detaillierteres Bild der Art der neugeschaffenen Arbeitsplätze bietet&#13;
eine nach Industriezweig und Berufsgruppe aufgeschlüsselte Untersuchung. Anhand&#13;
von Daten der laufenden Bevölkerungserhebung von Februar 1994 bis Februar 1996&#13;
ordneten wir die Ganztagsstellen 45 bestimmten Berufsgruppen in 22 großen Industriezweigen zu. 25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie neben ihrer Beschäftigung in den angegebenen Industriezweigen und Berufsgruppen noch zusätzliche&#13;
Einnahmen hatten. Obwohl viele der Felder für 990 Industriezweige/Berufsgruppen&#13;
ziemlich klein waren, fanden sich nur 6 Prozent der Untersuchten in Feldern mit 10&#13;
oder weniger Befragten wieder, die für beide Erhebungen Daten über ihre Einkünfte&#13;
angaben. Um die mit einer unzureichenden Zahl von Befragten einhergehende große&#13;
Schwankungsbreite der Erhebung zu vermeiden, strichen wir die kleinen Felder aus&#13;
unserer Analyse. Nach Streichung der Felder mit 10 oder weniger Befragten blieben&#13;
287 Berufsgruppen jährlich übrig.2&#13;
Der erste Schritt bei unserer Analyse bestand darin, die 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem durchschnittlichen Wocheneinkommen der Vollzeitbeschäftigten zu ordnen. Ungefähr die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Februar&#13;
1994 befand sich in Feldern mit einem wöchentlichen Einkommen von durchschnittlich&#13;
480 Dollar (Dollarstand von Februar 1996). Das Beschäftigungswachstum bei diesen&#13;
hochbezahlten Arbeitsplatzkategorien kann dann mit dem Gesamtbeschäftigungswachstum verglichen werden. Unsere wichtigste Bemessungsgrundlage für die&#13;
Arbeitsplatzqualität ist der Prozentsatz des gesamten Beschäftigungswachstums&#13;
innerhalb der Industriezweige/Berufsgruppen mit überdurchschnittlichen Löhnen und&#13;
Gehältern im Februar 1994. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.&#13;
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung&#13;
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 fand bei Arbeitsplätzen mit überdurchschnittlichen Löhnen und Gehältern statt.3&#13;
Eine andere Art und Weise, die Ergebnisse unserer nach Industriezweig/Berufsgruppe&#13;
aufgeschlüsselten Analyse zusammenzufassen, ist in Abbildung 3 zu sehen. Wir&#13;
ordneten 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem durchschnittlichen Wochenlohn der Vollzeitbeschäftigten und sortierten sie dann entsprechend ihrem Einkommen&#13;
in 10 Gruppen ein - jede mit 10 Prozent der Beschäftigten im Februar 1994. Hätten&#13;
alle 10 Gruppen proportional zu ihrem Anteil an der Beschäftigung im Februar 1994&#13;
zugenommen, wäre auf jede 10 Prozent des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen&#13;
entfallen. Die obersten drei Zehntel entsprachen nicht nur ihrem proportionalen Anteil&#13;
am gesamten Beschäftigungswachstum (30 Prozent), sondern lagen weit darüber&#13;
(über 50 Prozent).&#13;
&#13;
5&#13;
&#13;
�Mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Beschäftigungszuwachses fand in den&#13;
obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt.&#13;
&#13;
Figure 3&#13;
Shares of Net Employment Growth&#13;
February 1994 - February 1996&#13;
Higher paying job categories&#13;
68 percent of growth ^ -&#13;
&#13;
Lower paying job categories&#13;
32 percent of growth&#13;
Council of Economic Advisers analysis of Bureau of Labor Statistics data.&#13;
&#13;
Detailliertere Daten über Beschäftigung. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik gibt&#13;
auch eine jährliche Veröffentlichung über Löhne und Gehälter sowie Beschäftigungswachstum für eine äußerst detaillierte Reihe von Beschäftigungskategorien auf der&#13;
Grundlage von Ergebnissen der Bevölkerungserhebung eines Jahres heraus. Die&#13;
Erhebung umfaßte 488 Kategorien mit Daten für 1994 und 1995 (die jährlichen Schätzungen für 1996 stehen erst nächstes Jahr zur Verfügung). Die Ergebnisse dieser&#13;
Datensammlung sind eine Erhärtung der obengenannten Erkenntnisse. Zu den&#13;
Kategorien mit den größten Zuwächsen bei der Beschäftigung zählen "Verkauf und&#13;
Inhaberschaft", "Elektriker", "leitende Positionen bei Marketing und Werbung" sowie&#13;
"Elektroingenieurwesen". Im Einklang mit den obengenannten Überlegungen entfielen&#13;
auf die einzelnen Berufsgruppen in der oberen Hälfte der Einkommenspyramide 70&#13;
Prozent des Nettozuwachses an Beschäftigung, während die obersten 10 Prozent ein&#13;
Drittel des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen hervorbrachten.&#13;
&#13;
6&#13;
&#13;
�Die Beschäftigung in den "Hamburger-Flipping-Jobs"4 sank zwischen 1994 und&#13;
1995.&#13;
Insgesamt geben die Daten folgende Hinweise auf die Art des jüngsten Beschäftigungswachstums:&#13;
Zwei Drittel der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen Ganztagsstellen entfallen auf Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit überdurchschnittlichen Löhnen und Gehältern.&#13;
Mehr als die Hälfte der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen&#13;
Ganztagsstellen fallen in Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit noch&#13;
höheren Löhnen und Gehältern (die obersten 30 Prozent).&#13;
&#13;
Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind großenteils Ganztagsstellen. Daten aus&#13;
der laufenden Bevölkerungserhebung und der Betriebserhebung des Bundesamts für&#13;
Arbeitsstatistik legen den Schluß nahe, daß der überwiegende Teil des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Die laufende Bevölkerungserhebung enthält auch Daten über Teilzeitstellen. Abbildung 4 zeigt den Anteil der&#13;
Beschäftigten, die als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung sowohl "wirtschaftliche" als&#13;
auch "nichtwirtschaftliche" Gründe angeben. Trotz einer Verlagerung bei beiden&#13;
Kurven aufgrund der Umgestaltung der Erhebung im Januar 1994 ist der Anteil der&#13;
Teilzeitbeschäftigten tatsächlich leicht gesunken. Der Rückgang war bei denjenigen,&#13;
die aus "wirtschaftlichen" Gründen teilzeitbeschäftigt sind - die oft als "unfreiwillig&#13;
Unterbeschäftigte" bezeichnet werden - sogar noch größer.&#13;
Die Daten der Betriebserhebung erhärten indirekt die Schlußfolgerungen der Haushaltserhebung. Wenn der Nettozuwachs an neuen Arbeitsplätzen in unverhältnismäßig starkem Maße aus Teilzeitstellen bestünde, würden wir ein Absinken der&#13;
durchschnittlichen Arbeitszeit pro Stelle erwarten.5 Die Beschäftigungsdaten zeigen&#13;
jedoch, daß die durchschnittliche Arbeitszeit aller Stellen (einschließlich der neugeschaffenen) ungefähr konstant blieb: Die Anzahl der nicht im landwirtschaftlichen&#13;
Sektor Beschäftigten und die Gesamtzahl der Arbeitsstunden steigen in den letzten&#13;
drei Jahren beide ungefähr in gleichem Maße an (siehe Tabelle). Dies weist darauf&#13;
hin, daß die neuen Arbeitsplätze nicht in unverhältnismäßig hohem Maße Teilzeitstellen waren.&#13;
In Haushalten und Unternehmen erhobene Daten belegen, daß der Großteil&#13;
des in den letzten drei Jahren erfolgten Nettozuwachses an Arbeitsplätzen&#13;
Ganztagsstellen waren.&#13;
&#13;
7&#13;
&#13;
�Figure 4&#13;
Part-Time Workers&#13;
16&#13;
14 -&#13;
&#13;
. .--'\&#13;
|&#13;
&#13;
12&#13;
&#13;
Non-Economic Reasons&#13;
&#13;
Q-10&#13;
&#13;
CPS redesign&#13;
/&#13;
&#13;
LU&#13;
&#13;
'S 8&#13;
c&#13;
9&#13;
&gt;(D&#13;
&#13;
Economic Reasons&#13;
&#13;
6&#13;
&#13;
Q4&#13;
&#13;
— • • •&#13;
&#13;
v&#13;
&#13;
Jan.1990 Jan.1991 Jan.1992Jan.1993Jan.1994Jan.1995 Jan.1996&#13;
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.&#13;
&#13;
Beschäftigung und Arbeitsstunden außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors&#13;
Januar&#13;
&#13;
1993&#13;
&#13;
März&#13;
1996&#13;
&#13;
Prozent&#13;
Veränderung&#13;
&#13;
Beschäftigung (Millionen)&#13;
&#13;
109,5&#13;
&#13;
118,0&#13;
&#13;
7,8&#13;
&#13;
Arbeitsstunden (jährlich, Milliarden)&#13;
&#13;
202,2&#13;
&#13;
217,8&#13;
&#13;
7,7&#13;
&#13;
Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik&#13;
&#13;
Wenig Veränderung bei Mehrfachbeschäftigung. Manche Amerikaner haben mehr&#13;
als eine Stelle, um für ein Haus sparen oder unerwartete Ausgaben finanzieren zu&#13;
können. Eine Mehrfachbeschäftigung gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der&#13;
Qualität der Arbeitsplätze, wenn immer mehr Amerikaner zwei oder drei Stellen haben&#13;
müssen, um mit ihren Einkünften auszukommen. Ein frustrierter Arbeitnehmer soll auf&#13;
die Nachricht, daß 8,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, mit der&#13;
Äußerung reagiert haben: "Ja, und ich habe drei davon." Die Daten zeigen jedoch&#13;
keine nennenswerte Bewegung im Bereich der Mehrfachbeschäftigung. Der Anteil&#13;
derjenigen, die mehrere Stellen haben, liegt seit den späten achtziger Jahren bei&#13;
ungefähr 6 Prozent.&#13;
8&#13;
&#13;
�Auswirkungen auf Löhne und Gehälter sowie Einkommensgefälle. Zwischen den&#13;
siebziger und den frühen neunziger Jahren verlangsamte sich das durchschnittliche&#13;
Wachstum der Reallöhne, und das Einkommensgefälle wurde größer. In den letzten&#13;
Jahren gab es jedoch einige ermutigende Anzeichen, daß sich bei diesen Herausforderungen des Arbeitsmarktes das Blatt wendet. 1994 - das letzte Jahr, für das&#13;
Daten vorliegen - stieg das durchschnittliche Familieneinkommen, und zum ersten Mal&#13;
seit fünf Jahren sank die Armutsgrenze. Eine verbesserte Arbeitsplatzqualität kann&#13;
diese jüngsten Errungenschaften stärker zur Geltung bringen, auch wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit erkennbar sein werden. Wie bereits erwähnt, fand&#13;
der jüngste Nettozuwachs an Arbeitsplätzen bei Berufen und in Industriezweigen statt,&#13;
die normalerweise überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter zahlen. Die Vergrößerung der Beschäftigtenzahl hatte jedoch nur geringfügige Auswirkungen auf die&#13;
gesamten Lohn- und Gehaltsdaten, da der Nettozuwachs bei der Beschäftigung&#13;
lediglich einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesamtbeschäftigung des Arbeitskräftepotentials der Vereinigten Staaten ausmacht. Dennoch sind die Nachrichten&#13;
über die Qualität des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen ermutigend und versprechen&#13;
Gutes für die Zukunft. Obwohl noch viel zu tun bleibt, zeigen die neuesten Trends,&#13;
daß sich der Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg befindet.&#13;
&#13;
Die Herausforderungen eines dynamischen Arbeitsmarkts&#13;
Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt schafft genug Arbeitsplätze für eine&#13;
wachsende Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig verlagern sich jedoch in einer dynamischen Volkswirtschaft fortwährend Arbeitsplätze von bestimmten Bereichen auf&#13;
andere mit mehr Wachstumschancen. (Beispielsweise wurde der Abbau der Stellen&#13;
für Bundesbedienstete durch den Beschäftigungsanstieg im Privatsektor mehr als&#13;
ausgeglichen.) Inzwischen führen von der Federal Reserve Bank of San Francisco&#13;
veröffentlichte Untersuchungen Robert Vallettas zu der Schlußfolgerung, daß&#13;
- konjunkturell bereinigt - der Prozentsatz der auf dauerhafte (statt vorübergehende)&#13;
Entlassungen zurückzuführenden Arbeitslosigkeit gestiegen ist - insbesondere zwischen 1980 und 1993. Ein höherer Anteil Arbeitslose kann daher keine erneute&#13;
Einstellung bei ihrem alten Arbeitgeber erwarten. Infolge dieser Veränderungen auf&#13;
dem Arbeitsmarkt fühlen sich viele Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beschäftigungsaussichten weniger sicher.&#13;
Obwohl die Besorgnis vieler Arbeitnehmer real und bedeutend ist, muß man sich auch&#13;
objektiv mit den Fakten befassen. Nicht alle Quellen zeigen verstärkte wirtschaftliche&#13;
Besorgnis. Beispielsweise lagen die statistischen Erhebungen des Michigan and&#13;
Conference Board über Verbrauchermeinungen kürzlich über ihrem historischen&#13;
Durchschnitt. Die im Rahmen dieser Erhebung Befragten erachten die Beschäftigungsaussichten offensichtlich nicht als schlecht. Dennoch deutet eine erhebliche&#13;
Zahl von Aussagen darauf hin, daß viele Amerikaner sich wegen einer möglichen&#13;
Entlassung Sorgen machen - einige sogar große Sorgen. Um auf diese Besorgnis&#13;
optimal reagieren zu können, benötigen wir eine präzisere Einschätzung der Natur des&#13;
Entlassungsproblems. Ist die Zahl der Entlassungen tatsächlich angestiegen?&#13;
9&#13;
&#13;
�Betreffen sie eine andere Kategorie von Menschen als vor zehn Jahren?&#13;
Abschnitt des Berichts befaßt sich mit solchen Fragen.&#13;
&#13;
Dieser&#13;
&#13;
Fakten aus einer Erhebung über Entlassungen. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik&#13;
erstellt alle zwei Jahre eine Erhebung über entlassene Arbeitnehmer, wobei die&#13;
neuesten Daten vom Februar 1994 stammen. Die nachfolgende Tabelle faßt die&#13;
Entlassungsraten (definiert als Zahl der entlassenen Arbeitnehmer pro 100 Beschäftigte) für die Zeiträume 1981-82 und 1991-92 zusammen.&#13;
Der prozentuale Anteil der Entlassenen an der Erwerbsbevölkerung war 1991-92&#13;
ungefähr so groß wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der achtziger Jahre&#13;
weitaus gravierender war als die zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist jedoch&#13;
schwierig genau festzulegen, wie sich der Konjunkturzyklus auf die Entlassungsquote&#13;
auswirkt. Ein Vergleich der Entlassungsquoten insgesamt verschleiert auch den&#13;
grundlegenden Wandel bei der Häufigkeit der Entlassungen. Die Tabelle zeigt, daß&#13;
ältere Büroangestellte 1991-92 viel entlassungsgefährdeter waren als während der&#13;
vorherigen Rezession. Und weitere Analysen belegen, daß die Entlassungsquote bei&#13;
besser ausgebildeten Arbeitnehmern gestiegen ist. Diese Veränderungen bei der&#13;
Häufigkeit von Entlassungen mögen ein Grund für die Berichte über zunehmende&#13;
Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer&#13;
Entlassung bei Arbeitern und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern größer ist, stieg&#13;
die Entlassungsquote eindeutig bei den Arbeitnehmern an, die vorher großenteils&#13;
immun gegen die Gefahr eines Arbeitsplatzverlusts waren.&#13;
Die Entlassungsquoten für ältere und besser ausgebildete Arbeitnehmer, die sich&#13;
großenteils nicht mit einem solchen Risiko auseinandergesetzt hatten, stiegen&#13;
zwischen 1981-82 und 1991-92.&#13;
&#13;
Veränderte Häufigkeit von Entlassungen&#13;
Entlassungsquoten*&#13;
&#13;
Gesamt&#13;
Beruf&#13;
Bürotätigkeit&#13;
Fabrikarbeit&#13;
Alter&#13;
25-34 Jahre&#13;
35-44 Jahre&#13;
45-54 Jahre&#13;
55+&#13;
&#13;
1981-82&#13;
3,9&#13;
&#13;
1991-92&#13;
3,8&#13;
&#13;
2,6&#13;
7,3&#13;
&#13;
3,6&#13;
5,2&#13;
&#13;
5,0&#13;
3,8&#13;
3,0&#13;
3J5&#13;
&#13;
3,8&#13;
3,9&#13;
3,8&#13;
4,3&#13;
&#13;
Als Prozentsatz der Arbeitnehmer, die drei oder mehr Jahre in ihrer derzeitigen Stelle beschäftigt&#13;
sind. Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik&#13;
&#13;
10&#13;
&#13;
�Indikatoren für Entlassungen neueren Datums. Wie bereits erwähnt, wird die&#13;
Erhebung über Entlassungen alle zwei Jahre durchgeführt, wobei die jüngsten Daten&#13;
vom Februar 1994 stammen und sich auf den Zeitraum 1991-93 erstrecken. Bedauerlicherweise stehen die offiziellen Entlassungszahlen für die Zeit nach 1993 noch nicht&#13;
zur Verfügung.6 (Die Ergebnisse der im Februar durchgeführten Erhebung über&#13;
Entlassungen 1996 sollten Ende des Sommers vorliegen.) Bis die offiziellen Entlassungszahlen zur Verfügung stehen, kann man mit Hilfe anderer Statistiken Hinweise&#13;
auf den Wandel des Arbeitsmarktes seit 1993 erhalten.&#13;
Ein Indikator sind die Daten über diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.&#13;
Abbildung 5 zeigt die Arbeitsplatzverlustrate, definiert als Prozentsatz derjenigen, die&#13;
vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben - die aufgrund eines Arbeitsplatzverlusts&#13;
Arbeitlosen (im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben&#13;
oder zu den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt), die weniger als fünf Wochen&#13;
Unbeschäftigten sowie die nicht vorübergehend Entlassenen - an der Gesamtbeschäftigtenzahl gemäß der laufenden Bevölkerungserhebung. Diese Arbeitsplatzverlustrate&#13;
entspricht annähernd dem netto-"Abgleiten" in die Arbeitslosigkeit aufgrund eines&#13;
Verlusts des Arbeitsplatzes, da sie nur diejenigen erfaßt, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben. Abbildung 5 zeigt, daß die Arbeitsplatzverlustrate seit 1992 fällt.&#13;
&#13;
Figure 5&#13;
New Job Losers&#13;
1.2 |&#13;
Unemployed new job losers&#13;
&#13;
1&#13;
&#13;
1&#13;
&#13;
excluding temporary layoffs&#13;
&#13;
"&#13;
&#13;
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Q.&#13;
&lt;D 0.8 O&#13;
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l&#13;
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I&#13;
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I&#13;
&#13;
I&#13;
&#13;
I&#13;
&#13;
U&#13;
&#13;
1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995&#13;
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Offizielle Daten über Entlassungen nach 1993 sind noch nicht erhältlich. Aufgrund der Zahlen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die&#13;
Arbeitsplatzverlustrate seitdem jedoch gefallen.&#13;
&#13;
11&#13;
&#13;
�Die Kosten der Entlassungen. Die Erhebung über entlassene Arbeitnehmer liefert&#13;
Informationen über die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf Arbeitnehmer. Die&#13;
Ergebnisse sind ernüchternd. Einer Analyse des Bundesamts für Arbeitsstatistik&#13;
zufolge hatte ungefähr ein Viertel der zwischen 1991 und 1992 Entlassenen entweder&#13;
die Stellensuche eingestellt oder bis zum Zeitpunkt ihrer Befragung im Februar 1994&#13;
noch keine Arbeit gefunden. Und obwohl die Erfahrungen sehr unterschiedlich waren,&#13;
deutet die von Henry Farber von der Princeton University durchgeführte Untersuchung&#13;
darauf hin, daß der reale Einkommensverlust für aus einer Ganztagsstelle Entlassene&#13;
und wieder auf einer Ganztagsstelle Beschäftigte Anfang der achtziger und neunziger&#13;
Jahre im Durchschnitt bei 10 Prozent lag. Laut einer Studie von Ann Huff Stevens von&#13;
der Rutgers University sowie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung sind&#13;
Einkommensverluste als Folge von Entlassungen ein dauerhaftes Phänomen. Sechs&#13;
oder mehr Jahre nach der Entlassung liegen die Einkünfte eines entlassenen Arbeitnehmers ungefähr 10 Prozent unter dem, was er sonst hätte verdienen können.&#13;
In einer Marktwirtschaft, die sich auf nationaler und internationaler Ebene wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, ist ein gewisses Maß an Entlassungen&#13;
unvermeidlich. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen. Neue Unternehmen werden gegründet, einige alte schrumpfen oder schließen. Da der Wandel für&#13;
die Arbeitnehmer teuer weden kann, müssen Maßnahmen zur Unterstützung der&#13;
Arbeitnehmer bei der Bewältigung dieses Wandels ergriffen werden. Die Mitnahme&#13;
von Renten- und Krankenversicherungsansprüchen, effektive Wiederbeschäftigungshilfe, angemessene Arbeitslosenversicherung sowie Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen können allesamt zur Senkung der zwischen zwei Arbeitsstellen anfallenden&#13;
Angleichungskosten beitragen. Zusätzlich ist wichtig, daß es keine unnötigen Entlassungen gibt. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld mit Vollbeschäftigung wird die&#13;
Notwendigkeit vorübergehender Entlassungen auf ein Minimum reduzieren und die&#13;
Chance für eine schnelle Wiederbeschäftigung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz&#13;
verloren haben, vergrößern.&#13;
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist teuer. Wenn amerikanische Arbeitnehmer mit&#13;
dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert werden, müssen sie über die erforderlichen Mittel verfügen, schnell eine neue Stelle zu finden.&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem starken Aufschwung, in dem seit Januar 1993&#13;
8,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nachdem wir die letzte Rezession&#13;
überwunden haben und uns auf stetige, nachhaltige Weise entwickeln, wächst die&#13;
Beschäftigung in den Arbeitsplatzkategorien am schnellsten, die die am besten&#13;
bezahlten Stellen anbieten. Unsere Analyse belegt, daß mehr als zwei Drittel des&#13;
jüngsten Beschäftigungswachstums in Beschäftigungskategorien/Industriezweigen mit&#13;
überdurchschnittlichen Löhnen und Gehältern stattfand, daß die überwältigende&#13;
Mehrheit neugeschaffener Arbeitsplätze Ganztagsstellen sind und der Anteil der&#13;
Arbeitnehmer, die mehrere Stellen haben, seit Ende der achtziger Jahre mehr oder&#13;
&#13;
12&#13;
&#13;
�weniger konstant geblieben ist. Ein dynamischer Arbeitsmarkt baut jedoch unweigerlich einige Arbeitsplätze ab und schafft andere neu. Die Kosten eines Arbeitsplatzverlusts sind beträchtlich und dauerhaft. Um die Vorteile einer dynamischen Volkswirtschaft umfassend genießen zu können, müssen wir diese Angleichungskosten&#13;
senken.&#13;
&#13;
Fußnoten&#13;
1.&#13;
&#13;
Eine umfassende Umstrukturierung der Erhebung im Januar 1994 erschwert langfristige&#13;
Vergleiche. Da die Daten der Haushaltserhebungen häufig nicht saisonbereinigt sind,&#13;
versuchen wir darüber hinaus denselben Monat in verschiedenen Jahren zu vergleichen.&#13;
Der hier vorliegende repräsentative Zeitraum ist daher Februar 1994 bis Februar 1996.&#13;
&#13;
2.&#13;
&#13;
Die verbleibenden Felder für Industriezweige/Berufsgruppen umfaßten 331 Befragte und&#13;
enthielten Einkommensdaten für 70 Stichproben.&#13;
&#13;
3.&#13;
&#13;
Aufgrund der Schwankungsbreite bei den monatlichen Erhebungen könnten die präzisen&#13;
Zahlen von den Vergleichsmonaten beeinflußt werden. Ferner haben wir dieselbe&#13;
Vorgehensweise unter Einsatz von Stundenlöhnen und -gehältern für eine Kombination&#13;
von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten gewählt. Die Ergebnisse sind ähnlich.&#13;
&#13;
4.&#13;
&#13;
Diese werden definiert als Stellen in Imbißstuben, Getränkekiosken, in der Küche sowie&#13;
in verschiedenen Bereichen der Nahrungsmittelzubereitung. Die Ergebnisse gelten für&#13;
Vollzeitbeschäftigte und andere Arbeitnehmer (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung&#13;
kombiniert).&#13;
&#13;
5.&#13;
&#13;
Hierbei ist Voraussetzung, daß sich die durchschnittliche Arbeitszeit bei bestehenden&#13;
Stellen nicht ändert. Bedauerlicherweise können wir anhand der existierenden Statistiken&#13;
nicht feststellen, ob diese Annahme zutreffend ist.&#13;
&#13;
6.&#13;
&#13;
Aufgrund früherer Erfahrungen liegt die Entlassungsquote&#13;
Erhebungsdaten für 1996 wahrscheinlich unter der für 1994.&#13;
&#13;
13&#13;
&#13;
für&#13;
&#13;
1993 in den&#13;
&#13;
�</text>
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UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN&#13;
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten&#13;
1993-1996 </text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
10. Juli 1996

13

NATO

PERRY: NATO-ERWEITERUNG IM
21. JAHRHUNDERT
Bündnis muß Verteidigungsfähigkeit beibehalten

DAS INTERESSE DER USA AN EINER
NATO-ERWEITERUNG
von Botschafter Donald Blinken

AUSSENPOLITIK

DIE USA: DIE EINSAME SUPERMACHT AUSSENPOLITISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE
HERAUSFORDERUNGEN
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

4. JULI

220 JAHRE UNABHÄNGIGKEIT
Proklamation des Präsidenten zum 4. Juli

DATENAUTOBAHN

GRUNDPRINZIPIEN FÜR DIE BESCHLEUNIGTE
ENTWICKLUNG DER GLOBALEN INFORMATIONSINFRASTRUKTUR
von Vizepräsident AI Gore

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�RASSISMUS

KOMMENTARE ZU BRANDANSCHLÄGEN AUF
KIRCHEN IN DEN USA
Verurteilung in den meisten Zeitungen

DROGEN

NEUE DROGENBEKÄMPFUNGSKAMPAGNE
ZUR UNTERSTÜTZUNG JUGENDLICHER
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

•

�NATO
10. Juli 1996

Perry: NATO-Erweiterung im 21. Jahrhundert
Bündnis muß Verteidigungsfähigkeit beibehalten

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Perry erklärte am 27. Juni 1996, die "Erweiterung vollzieht sich wie
geplant" und mit den Nationen der Partnerschaft für den Frieden (PFF), die an einem NATO-Beitritt interessiert
seien, würden intensive Konsultationen geführt, "um sie auf die Erfüllung der Kriterien und Pflichten der
Mitgliedschaft vorzubereiten".
Dem Verteidigungsminister zufolge müssen die Streitkräfte prospektiver neuer Mitglieder "zu effektiven
Operationen mit den NATO-Streitkräften fähig sein". Darüber hinaus müssen potentielle neue Mitglieder "für
Demokratie und freie Marktwirtschaft eintreten", die Menschenrechte innerhalb und die Souveränität außerhalb
ihrer Grenzen respektieren, und "ihre Streitkräfte müssen demokratischer, ziviler Kontrolle unterstehen".
In einer Rede bei dem vom Obersten Alliierten Befehlshaber Atlantik in Norfolk (Virginia) veranstalteten Seminar
stellte Perry fest, die NATO-Vertreter begrüßten die Beteiligung Rußlands an der PFF und hofften, das Land
werde in der Partnerschaft eine führende Rolle im Einklang mit seiner Bedeutung als Großmacht übernehmen.
Er äußerte ferner, die kooperativen Beziehungen der NATO zu Rußland "sollten die Beteiligung Rußlands an der
PFF ergänzen und davon unabhängig sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Perry im Wortlaut.

Im Juni 1995, vor nur einem Jahr, nahm ich am
Verteidigungsministertreffen in Brüssel teil. Ohne
Frage war dies das bedrückendste NATO-Treffen, an
dem ich je teilgenommen habe. Diejenigen unter
Ihnen, die dort waren, werden meine Meinung wahrscheinlich teilen. Bosnien wurde von unaussprechlichen Greueltaten heimgesucht. Die Vereinten Nationen wurden gedemütigt, als ihre Soldaten an ein
bosnisch-serbisches Radar angekettet wurden. Die
europäischen Nationen und die Vereinigten Staaten
hatten sich völlig überworfen. Bei dieser Zusammenkunft drängten die Vereinigten Staaten auf entschlossene Luftangriffe, um die Serben für die Verletzung der
UN-Sanktionen zu bestrafen, und die europäischen
Nationen, die Truppen auf dem Boden stationiert
hatten, fürchteten, solche Aktionen würden ihre
Soldaten in Gefahr bringen.
Infolgedessen erwies sich die NATO - die wie gelähmt
schien - als unfähig zur Bewältigung der bosnischen
Krise. Bei dem Treffen stellten wir zu Recht kritische
Fragen. Wenn die NATO nicht relevant für Bosnien -

AMERIKA DIENST 13

die größte Sicherheitskrise in Europa seit dem Ende
des Zweiten Weltkriegs - ist, wofür ist sie dann relevant? Mit anderen Worten, bei dem Treffen schien mir,
als befände sich die NATO in einem Prozeß des
Verfalls.
Was für einen Unterschied ein Jahr bewirkt. Vor zwei
Wochen nahm ich am Verteidigungsministertreffen in
Brüssel teil. In diesem Jahr war es eine von Stärke
und Hoffnung geprägte Zusammenkunft. Das Bündnis
strotzte vor Vitalität und Selbstbewußtsein.
Die
Vereinigten Staaten und die europäischen Nationen
arbeiteten harmonisch zusammen, und die NATO
führte mit großem Erfolg ihre erste militärische Operation durch.
In dieser berauschenden Atmosphäre kamen die
Verteidigungsminister zusammen - nicht 15, sondern
16. Minister aus 26 Nationen der Partnerschaft für den
Frieden, einschließlich Rußlands, waren ebenfalls
anwesend. Wir alle waren uns bewußt, daß 1996
bereits ein Jahr wirklich historischer Veränderungen

Seite 1

�für die NATO war. Wir setzten den Prozeß des
Wandels bei dieser Zusammenkunft fort, indem wir
Aktionen in die Wege leiteten, mit denen eine NATO
aufgebaut wird, wie sie Europa zur Bewältigung der
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts benötigt.
Auf der Grundlage des Brüsseler Treffens möchte ich
Ihnen daher heute sechs Postulate darüber darlegen,
wie die NATO des 21. Jahrhunderts aussehen wird.
Das erste Postulat lautet, daß die NATO selbst stärker
und geeinter sein wird.
Die IFOR ist die erste größere Militäraktion in der
Geschichte der NATO und hat das Bündnis wiederbelebt. Sie hat bewiesen, daß die NATO-Nationen,
die auf jahrzehntelange Erfahrungen mit gemeinsamen
Übungen und Ausbildung zurückblicken sowie gemeinsame Doktrinen und Standards haben, zusammen
operieren können - und zwar mit großer Effektivität.
Aufgrund der durch die IFOR umgesetzten Bestrebungen der NATO erleben die Nationen des ehemaligen
Jugoslawiens das erste friedliche Frühjahr seit fünf
Jahren. Trotz aller noch bestehenden Probleme in
Sarajevo und Mostar kann man heute dorthin reisen
und Leute in Straßencafes Kaffee trinken sehen, statt
vor Grananten und Artilleriegeschossen Schutz zu
suchen. Dieser Geist der Solidarität beflügelte das
Treffen in Brüssel, bei dem wir auch zum ersten Mal
seit 30 Jahren die uneingeschränkte Beteiligung
Frankreichs an einer offiziellen Zusammenkunft der
NATO-Verteidigungsminister begrüßen konnten.
Das zweite Postulat lautet, daß die NATO durch die
Partnerschaft für den Frieden weiterhin eine Zone der
Stabilität auf dem gesamten Kontinent aufbauen wird.
Die Partnerschaft für den Frieden, die ich kurz PFF
nennen möchte, ist jetzt richtig in Schwung gekommen.
Allein im Jahr 1996 werden wir 15 größere Übungen
und vielfältige andere Aktivitäten im Zusammenhang
mit der PFF durchführen. Diese Übungen und Aktivitäten sind uns nicht nur dabei behilflich, solche militärischen Missionen der Zeit nach dem Kalten Krieg
wie Friedenssicherung, humanitäre Hilfe sowie Suchund Rettungsübungen in Angriff zu nehmen, sondern
auch dabei, Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen
Ost und West sowie unter den Partnernationen selbst
hervorzubringen.
In Brüssel haben wir versucht, die PFF zu stärken und
sicherzustellen, daß sie ein permanenter Pfeiler der
europäischen Sicherheitsarchitektur wird. Wir vereinbarten die verstärkte Beteiligung der Partner an der
Planung von Übungen, selbst für den Spannungsfall.
Und aufbauend auf den Erfahrungen der PFF-Nationen in der IFOR stimmten wir der Erhöhung der Anzahl
und Komplexität der PFF-Übungen zu.

Seite 2

In meinen Ausführungen vor meinen Kollegen habe ich
die Notwendigkeit unterstrichen, daß einige NATOLänder als Mentor für einzelne Partnerländer fungieren
sollten, insbesondere für diejenigen, deren Ressourcen ihr Vorgehen in der Partnerschaft begrenzen
könnten. Ich habe beispielsweise vorgeschlagen, daß
ein NATO-Land oder eine Gruppe von Ländern das
polnisch-ukrainische Friedenssicherungsbataillon in
derselben Weise sponsern sollte wie die Dänen das
baltische Friedenssicherungsbataillon sponsern. Andere könnten der Mentor der südlichen Balkan-Nationen bei der Umsetzung von Zielen sein, die das
Ergebnis des jüngsten Treffens der Minister des
südlichen Balkans waren, oder Partnerländern bei der
Erstellung des Verteidigungshaushalts und strategischer Planung besondere Hilfe leisten. Diese Aktivitäten "im Geiste der PFF" stärken nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die NATO und die Sicherheit
Europas.
Das dritte Postulat lautet, daß die NATO größer sein
wird.
Die Erweiterung vollzieht sich wie geplant. Im Herbst
vergangenen Jahres beendete die NATO ihre Studie
über das "Wie" und "Warum" der Erweiterung, und wir
befinden uns jetzt in der zweiten Phase - intensiven
Konsultationen mit den Partnerländern, die an einem
NATO-Beitritt interessiert sind - um sie auf die Erfüllung der Kriterien und Pflichten der Mitgliedschaft
vorzubereiten. Ich möchte kurz auf diese Kriterien
eingehen.
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß die
NATO kein sozialer Verein ist. Sie ist keine Zunft. Sie
ist ein Militärbündnis. Daher müssen ihre potentiellen
Mitglieder zur Verteidigung des Bündnisses bereit sein
und über die hierzu erforderlichen professionellen
Streitkräfte verfügen. Die NATO muß ihre Arbeit
weiterhin auf Konsens aufbauen, ungeachtet dessen,
ob sie 16, 18 oder 20 Mitglieder hat. Die neuen
Mitgliedstaaten müssen diese Tradition respektieren,
die sich in der Vergangenheit als so wirksam erwiesen
hat.
Die Streitkräfte der neuen Mitglieder müssen zu
effektiven Operationen mit den NATO-Streitkräften
fähig sein. Das bedeutet nicht nur eine gemeinsame
Doktrin, sondern auch Interoperabilität der Ausrüstung,
insbesondere bei der Kommunikation. Die potentiellen
neuen Mitglieder müssen auch für Demokratie und
freie Marktwirtschaft eintreten, die Menschenrechte
innerhalb und die Souveränität außerhalb ihrer Grenzen respektieren. Ihre Streitkräfte müssen demokratischer, ziviler Kontrolle unterstehen.
Immer wenn ich mit Vertretern einer Partnernation
zusammentreffe, die eine Bündnismitgliedschaft
anstrebt, sage ich ihnen: "Dies streben Sie an. So
werden Sie beurteilt, wenn die NATO-Minister zu-

AMERIKA DIENST 13

�sammentreffen und entscheiden, welche Anwärter für
einen Beitritt in Frage kommen." Diese Grundsätze
sind keine Hürden für eine NATO-Mitgliedschaft,
sondern vielmehr Garantien dafür, daß das Bündnis
auch in den nächsten 50 Jahren so effektiv und
leistungsfähig bleibt wie in den vergangenen nahezu
50 Jahren. Viele Partnernationen haben bereits große
Fortschritte erzielt, diesen Grundsätzen zu entsprechen, und die derzeit geführten intensiven Konsultationen werden ihnen helfen, noch mehr zu erreichen.
Mein viertes Postulat ist, daß die NATO kooperative
Beziehungen zu Rußland aufbaut.
Rußland ist seit mehr als 300 Jahren eine Schlüsselfigur für die europäische Sicherheit und wird das auch in
den kommenden Jahrzehnten bleiben. Die Frage ist
nur, ob das Land eine positive oder eine negative Rolle
spielen wird. Natürlich wünschen wir, daß Rußland
eine positive Rolle übernimmt. Rußland tat den
richtigen Schritt, als es sich für eine Teilnahme an der
Partnerschaft für den Frieden entschied. Wir begrüßen die Beteiligung Rußlands und hoffen, daß es im
Einklang mit seiner Bedeutung als Großmacht eine
führende Rolle übernehmen wird.
Die kooperativen Beziehungen des Bündnisses zu
Rußland sollten die Beteiligung Rußlands an der PFF
ergänzen und davon unabhängig sein. Ironischerweise entstammt der Entwurf für diese kooperativen
Beziehungen der Zusammenarbeit in Bosnien. Vor
kurzer Zeit besuchte ich die amerikanische Division in
Bosnien, die auch eine russische Brigade umfaßt, und
traf mit allen Brigadekommandeuren, einschließlich
des russischen Brigadekommandeurs zusammen. Ich
kann berichten, daß die Operation reibungslos vonstatten geht und die Brigadekommandeure - aus
Amerika, Rußland, den nordischen Ländern und der
Türkei - alle gemeinschaftlich zusammenarbeiten.
Nächste Woche, wenn ich unsere Truppen und die
anderer Nationen an unserem Unabhängigkeitstag am
4. Juli in Bosnien besuche, werde ich eine weitere
Gelegenheit haben, mir einen Eindruck von den
Operationen zu verschaffen.
Durch seine Beteiligung an der IFOR demonstriert
Rußland sein Engagement für die Teilnahme am
Aufbau der künftigen europäischen Sicherheitsarchitektur. In Brüssel bauten wir auf diesem Engagement auf, als die Verteidigungsminister der NATOMitgliedstaaten mit dem russischen Verteidigungsminister zu 16-plus-1-Gesprächen zusammentrafen.
Bei diesem Treffen einigten wir uns im wesentlichen
darauf, russische Truppen im Obersten Hauptquartier
der Alliierten Streitkräfte in Europa (SHAPE) zu
stationieren und dem NATO-Befehl zu unterstellen.
Und Rußland stimmte zu, daß wir NATO-Offiziere zum
russischen Generalstab nach Moskau entsenden.
Diese Vereinbarungen institutionalisieren im wesentlichen das bereits ad hoc geschlossene Abkommen

AMERIKA DIENST 13

über Zusammenarbeit bei der Durchführung der IFOROperation.
Mein fünftes Postulat zur NATO im 21. Jahrhundert
lautet, daß das Bündnis flexibler und effizienter wird.
Während die NATO das Szenarium einer einzigen
Bedrohung hinter sich läßt, das nahezu 50 Jahre lang
ihre Reaktionsfähigkeit und Befehlsstruktur bestimmte,
macht sie sich einen Mechanismus zu eigen, der ihre
neue Flexibilität bei der Reaktion auf neue Herausforderungen widerspiegelt - die alliierten Streitkräftekommandos (Combined Joint Task Force - CJTF). Wir
arbeiten hart an der Vervollständigung des CJTFKonzepts, haben es in Bosnien jedoch bereits in die
Tat umgesetzt. Somit brauchen wir nicht zuviel Zeit mit
theoretischen Überlegungen zum Wesen alliierter
Streitkräftekommandos verbringen. Eines funktioniert
heute bereits in der Praxis, und unsere Arbeit besteht
jetzt lediglich darin, eine bereits erfolgreich operierende CJTF auf eine allgemeine Formel zu bringen.
Die NATO wird nicht nur flexibler, sondern ist sich
auch der Notwendigkeit einer Effizienzsteigerung
bewußt. In vielerlei Hinsicht war die Struktur der
NATO für die Bosnien-Mission nicht geeignet. Unsere
Befehls- und Entscheidungsfindungsstrukturen waren
fast ausschließlich auf die Durchführung eines bekannten Plans mit bereits bestimmten Streitkräften konzentriert, der sich gegen einen bekannten Gegner richtete.
Die IFOR wiederum beinhaltete weitaus mehr Unsicherheit und unterstrich die Notwendigkeit einer
Umstrukturierung und Modernisierung des Bündnisses. Im Herbst werden unsere Militärbehörden
einen Bericht mit Empfehlungen veröffentlichen, wie
die Befehlsstruktur reaktionsschneller und flexibler
gestaltet und die Verteidigungsplanungsprozesse
angepaßt werden können.
Ferner ergreifen wir
Maßnahmen zur Vereinfachung und Beschleunigung
des gesamten Entscheidungsfindungsprozesses durch
die Schaffung einer politischen Koordinierungsgruppe
sowie der Kapazitätenkoordinierungszelle. Ich muß
sagen, daß ich einige Zweifel an der Fähigkeit dieser
bürokratischen Organisationen hege, das Bündnis zu
modernisieren. Aber denken Sie einmal kurz darüber
nach. Das Ziel ist klar, selbst wenn der Mechanismus
zur jetzigen Zeitpunkt noch etwas unsicher ist.
Ich möchte eindeutig klarstellen, daß das Ziel des
Bündnisses, flexibler und effizienter zu werden, allen
Verbündeten eine effektivere Zusammenarbeit erlauben soll. Es wird nicht angestrebt, dies ohne die
umfassende Beteiligung der Vereinigten Staaten zu
erreichen. Wir müssen zunächst mit 16 Mitgliedern
besser operieren können, bevor wir auch nur in
Erwägung ziehen, mit weniger als 16 besser zu
operieren.

Seite 3

�Dies führt mich zu meinem sechsten und letzten
Postulat zur Zukunft der NATO. Die NATO wird ein
wahrhaft transatlantisches Bündnis bleiben.
Meines Erachtens haben wir in Bosnien die klare
Lektion gelernt, daß die NATO als transatlantisches
Bündnis am besten operieren kann, wenn wir alle
zusammen sind. Ich hoffe, daß alle auf beiden Seiten
des Atlantiks diese Lektion gelernt haben und die
NATO weiterhin bei allen größeren Missionen geschlossen vorgeht. Die Sicherheit Europas ist auch in
Zukunft von elementarer Bedeutung für die Sicherheit

*

Seite 4

der Vereinigten Staaten. Und Amerikas Engagement
in Europa bleibt entscheidend für die Sicherheit
Europas. Vor 49 Jahren legte George Marshall eine
Vision für das Europa der Zukunft dar - ein vom
Atlantik bis zum Ural in Frieden, Freiheit und Demokratie geeintes Europa. Es ist an uns, diese Vision
Realität werden zu lassen. Diese Vision kann nur
durch eine starke, lebensfähige, transatlantische
Partnerschaft verwirklicht werden.
Ich danke Ihnen.

*

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�NATO
10. Juli 1996

Das Interesse der USA an einer NATO-Erweiterung
von Botschafter Donald Blinken

BUDAPEST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
in Ungarn, Donald Blinken, verfaßten Artikel.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal, © 1996 Dow Jones
&amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Am Neujahrstag erhob der ungarische Präsident Arpad
Göncz sein Glas und brachte einen geistreichen und
amüsanten Toast auf 1995 aus als "das Jahr, in dem
die NATO Ungarn beitrat". Er verlieh damit natürlich
dem starken Wunsch Ungarns und seiner Nachbarstaaten nach einer NATO-Mitgliedschaft Ausdruck.
Aber er wies auch darauf hin, daß das Bündnis durch
die Stationierung seiner Truppen für den BosnienEinsatz im südlichen Ungarn tatsächlich bereits den
Erweiterungsprozeß begonnen hatte.
Die NATO-Erweiterung ist sowohl für Amerika als auch
für die neuen Demokratien in Zentraleuropa von
elementarer Bedeutung. Die Vereinigten Staaten
lernten mühsam die Lektion, daß sie keine Kontrolle
darüber haben, wann und wo auf dem europäischen
Kontinent Konflikte ausbrechen. Die NATO erwies sich
als die politisch am stärksten zusammenhängende,
kostengünstigste und vor allem in militärischer Hinsicht
reaktionsfähigste Institution, die es je gab - die Stütze
eines stabilen, demokratischen Europas. Zweifelsohne ist es für die Vereinigten Staaten von Vorteil, die
Grenzen von Stabilität und Demokratia weiter nach
Osten zu erweitern.
Die Prioritäten der neuen Demokratien Zentraleuropas
sind ein Spiegel der strategischen Interessen Amerikas. Niemand ist sich der Gefahren politischer und
militärischer Instabilität stärker bewußt als die Menschen in dieser Region, in der zwei Weltkriege begannen. Nach ihrem Sieg im Kalten Krieg haben die
Vereinigten Staaten eine moralische Verpflichtung, den
Satellitenstaaten der ehemaligen Sowjetunion beim
Übergang zu einer stabilen Demokratie Beistand zu

AMERIKA DIENST 13

leisten. Die Osterweiterung der NATO würde diesen
seit kurzer Zeit freien Nationen dieselben Vorteile
gewähren, die das Bündnis den westeuropäischen
Nationen vor nahezu einem halben Jahrhundert bot:
Die für Demokratie, freie Marktwirtschaft und Frieden
unerläßliche Sicherheit. Die Menschen in Zentraleuropa wissen, daß Sicherheit mehr ist als nur ein
Militärbündnis. Sie hat auch politische, wirtschaftliche,
soziale, umweltpolitische und Menschenrechtskomponenten.
Mit anderen Worten: Sicherheit
beinhaltet die umfassende Beachtung westlicher
Werte.
Aber obwohl es nicht schwer ist, triftige Gründe für
eine NATO-Erweiterung vorzulegen, stellt die tatsächliche Vorbereitung neuer Mitglieder eine Herausforderung dar. Vergangenen September schloß die
NATO eine Studie über die mit einer Erweiterung
zusammenhängenden Fragen ab, in der die grundlegenden Voraussetzungen für eine Bündnismitgliedschaft definiert werden. Obwohl es keine offiziellen
Kriterien sind, wurden diese Erfordernisse de facto zu
einem Maßstab, an dem potentielle neue Mitglieder
gemessen werden. Um für eine NATO-Mitgliedschaft
in Frage zu kommen, muß ein Land folgendes erreicht
haben oder bekunden:
Ein wirklich demokratisches Regierungssystem mit entsprechenden Institutionen, ein
stabiles politisches System sowie Achtung der
Menschenrechte.
Umfassende marktwirtschaftliche Reformen,
einschließlich Privatisierung, eine funktionie-

Seite 1

�rende Marktwirtschaft sowie Strukturreformen.
Zivile Kontrolle des Militärs auf rechtlicher
Grundlage.
Die Absicht zur Pflege guter - wirtschaftlicher,
politischer, militärischer und kultureller Beziehungen zu seinen Nachbarn.
Die Fähigkeit zu enger und effektiver Zusammenarbeit mit der NATO bei allen Aspekten der Militärdoktrin und ihrer Umsetzung.
Ungarn erfüllt heute die ersten vier Kriterien und ist auf
dem Weg, dem fünften Punkt gerecht zu werden. In
Ungarn herrscht nach den freien Wahlen von 1990 und
1994 Demokratie. Die Institutionen sind stabil, und die
Rechtstaatlichkeit hat Fuß gefaßt. Über 70 Prozent
der ungarischen Wirtschaft sind jetzt in privater Hand.
Ausländische Investitionen sind willkommen: Rund 15
Milliarden Dollar aus dem Ausland wurden in Ungarn
investiert.
Strukturreformen, insbesondere des
Sozialwesens, werden durchgeführt.
Die zivile
Kontrolle des Militärs - ein neues Konzept in Zentraleuropa - wird eingeführt, während sich die Zivilisten
über militärische Fragen informieren. Und Ungarn
unterhält gute Beziehungen zu allen sieben Nachbarstaaten, von denen fünf in ihrer jetzigen Staatsform
noch vor fünf Jahren nicht existierten.
Ebenso wie ihre zentraleuropäischen Nachbarn
müssen die Ungarn noch die "Interoperabilität" der
NATO einführen: Den Lehrplan ihrer Militärakademien
überarbeiten, mit der Modernisierung des militärischen
Geräts beginnen und eine militärische Struktur aufbauen, die nach dem westlichen Modell funktioniert.
Die von der Clinton-Administration geförderte Partnerschaft für den Frieden, ein zwei Jahre altes Programm,
das den Nationen des ehemaligen Ostblocks militärische Ausbildung und andere Verbindungen zu

NATO-Mitgliedstaaten bietet, hat sich für Ungarn und
seine Nachbarn als äußerst hilfreich bei der Festsetzung praktischer, greifbarer Ziele und bei der Schaffung der dafür erforderlichen Wissensgrundlage
erwiesen.
Wenn den zentraleuropäischen Nationen im nächsten
oder übernächsten Jahr die NATO-Mitgliedschaft
angeboten würde, ohne daß sie die Vorteile der
Beteiligung an der PFF genossen hätten, wäre ihre
Fähigkeit zur Übernahme aller Pflichten einer NATOMitgliedschaft äußerst fraglich. Statt dessen ist es
eher wahrscheinlich, daß Ungarn ebenso wie Polen
und die Tschechische Republik bald bereit sein
werden. Und die Evolution der PFF wird sicherstellen,
daß selbst Nationen, die der NATO nicht frühzeitig
oder überhaupt nicht beitreten, starke und dauerhafte
Bande zum Bündnis entwickeln können.
Die NATO-Erweiterung geht wie geplant vonstatten.
Außenminister Warren Christophers Rede vom März in
Prag spiegelte den soliden Konsens unter den NATOVerbündeten wider, daß die Erweiterung stattfinden
sollte und wird. Und einige russische Politiker, darunter Boris Jelzins nationaler Sicherheitsberater
Alexander Lebed, haben offensichtlich ihren Widerstand aufgegeben.
Jede europäische Nation sollte die Chance zur
Gewährleistung ihrer Sicherheit innerhalb einer
kooperativen Struktur haben, die nicht nur eine
wiederbelebte NATO beinhaltet, sondern auch eine
erweiterte Europäische Union, eine gestärkte Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa,
konstruktive Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland sowie eine dauerhafte Partnerschaft für den
Frieden. Für die Vereinigten Staaten ist ein solcher
Ansatz das beste Mittel zum Schutz ihrer Interessen
und Werte in einer unberechenbaren und häufig
gefährlichen Welt.

* *

Seite 2

*

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�AUSSENPOLITIK
10. Juli 1996

Die USA: Die einsame Supermacht Außenpolitische und wirtschaftliche Herausforderungen
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland am 12. Juni 1996 im Auswärtigen Amt gehaltene Rede.

Sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich, heute Gelegenheit zu haben, mit Ihnen
als angehende Kollegen aktuelle Fragen der amerikanischen Außenpolitik zu diskutieren.
Ich werde mich in meinen Ausführungen nicht nur auf
die anstehenden Herausforderungen konzentrieren,
sondern auch auf die Wertmaßstäbe zu sprechen
kommen, die unsere Politik prägen.
Doch bevor ich mit Ihnen über die amerikanischen
Vorstellungen zur Öffnung der NATO nach Osten
diskutiere, unsere Überlegungen zu einem konstruktiven Verhältnis zu Rußland erörtere und über die
Zukunft der transatlantischen Zusammenarbeit
spreche, möchte ich einige Worte zur Ausbildung
amerikanischer Diplomaten sagen.
Im Gegensatz zu der ein- beziehungsweise zweijährigen Ausbildungszeit in der Bundesrepublik werden
bei uns die Nachwuchsdiplomaten nach einer
mehrmonatigen Orientierungsphase ins kalte Wasser
geworfen. Mit dem "on the job training" am ersten
Verwendungsort fängt die diplomatische Karriere an.
Von der Pike auf lernt man dann, was es bedeutet,
sein Land zu vertreten. Und sie müssen sich anstrengen bei einer vierjährigen Probezeit! Mich hat
man nach Korea versetzt. Ein Posten mit Potential:
Dort habe ich die Grundlage für meine berufliche
Karriere gelegt.
Vielleicht sollte ich auch noch eine weitere Besonderheit des Auswärtigen Dienstes erwähnen. Bei uns
müssen sich die angehenden Diplomaten entscheiden,
ob sie lieber politische und wirtschaftliche Fragestel-

AMERIKA DIENST 13

lungen in ihrem Berufsleben bearbeiten wollen oder
aber sich mit Fragen der "public diplomacy" und den
kulturellen Beziehungen beschäftigen möchten.
Erstere gehen zum State Department, letztere zu
USIA, dem amerikanischen Informationsamt.
Die Umgestaltung unseres außenpolitischen Apparats
ist eine Facette eines größeren Transformationsprozesses. Man könnte sie auch als einen Prozeß der
Neuorientierung betrachten. Eine Neuorientierung,
nachdem das politische, militärische und ideologische
Korsett des Kalten Krieges von uns abgefallen ist.
Wie andere Staaten auch stehen die Vereinigten
Staaten nach dem Ende des Ost-West-Konflikts vor
der Aufgabe, ihre Rolle als "global player" neu zu
definieren.
Die Rollendefinition ist ein mühsames Geschäft. Die
Nachwirkungen des Kalten Krieges sind noch zu
spüren. Wir alle hatten uns geistig an die Bedingungen des Kalten Krieges gewöhnt; nun aber - und dies
schon seit geraumer Zeit - stehen wir vor komplexen
Herausforderungen. Herausforderungen, die durchaus mit den profunden Fragestellungen vergleichbar
sind, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu
beantworten waren. Wie damals werden wir auch jetzt
wieder erfolgreich sein!
Warum ich mir so sicher bin, werden Sie sich vielleicht
fragen?
Abgesehen davon, daß wir Amerikaner in der Regel
eine optimistische Ader haben, bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine

Seite 1

�machtvolle, verantwortungsbewußte und vorausschauende Außenpolitik betreiben werden.
Sie sollten sich nicht durch die kritische Berichterstattung in den Medien verunsichern lassen: Die
Transparenz der politischen Auseinandersetzungen im
amerikanischen Regierungssystem verleitet viele
Kommentatoren zu der Annahme, die Vereinigten
Staaten wären nicht mehr in der Lage, eine ihrer
Bedeutung angemessene Politik zu betreiben.

Nun werden einige von Ihnen sicherlich denken, daß
dieser Aspekt unseres Verständnisses von Außenpolitik nur eine Seite der Medaille ist. Die andere Seite
ist die Tendenz zu Isolationismus - oder was dafür
gehalten wird.

Diese Bewertung übersieht den nach wie vor bestehenden überparteilichen Konsens, was die philosophischen Grundlagen unserer Außenpolitik angeht.

Einen klassischen, reinen Isolationismus gab es nie.
Was es gab, waren isolationistische Phasen. Die
Frage nach unserem außenpolitischen Engagement
muß immer auch in Bezug zu den innenpolitischen
Notwendigkeiten gesetzt werden. Und es ist offensichtlich, daß sich in einer interdependenten Welt die
innenpolitischen Interessen nicht von den außenpolitischen trennen lassen.

Nach wie vor gilt, daß es unveräußerliche Rechte des
einzelnen gibt, die bedauerlicherweise nicht überall auf
der Welt respektiert und geachtet werden. Die Freiheitsrechte sind - wie Sie wissen - der Kern der
amerikanischen Verfassung.
Damals galten die
Prinzipien, die Thomas Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 festschrieb, als geradezu
revolutionär: "... all men are created equal".

Auch der Kongreß hat kein Interesse an einer Schwächung der amerikanischen Führungsrolle. Auch der
Kongreß weiß, wie wichtig unsere auswärtigen Beziehungen sind, um unsere außenwirtschaftlichen
Interessen zu verwirklichen. Es besteht beispielsweise
kein Disput darüber, daß der Aufbau eines freien und
fairen Welthandelssystems an erster Stelle unserer
außenpolitischen Prioritätenliste steht.

Die Grund- und Menschenrechte spielen seit der
Staatsgründung eine nicht zu unterschätzende Rolle in
der amerikanischen Gesellschaft. Sie prägen auch
unsere Auffassung, was die Zielsetzung unserer
Außenpolitik angeht.

Wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann über
Fragen der richtigen Vorgehensweise, wie unsere
Führungsrolle auch in Zukunft angemessen und
wirkungsvoll vertreten werden soll. Ob stärker in
einem multilateralen Rahmen, wie es der Präsident
befürwortet, oder eher in einem bi- oder unilateralen
Rahmen, wie es Teile des Kongresses wünschen.

Mit missionarischem Eifer wurden die philosophischen
Glaubenssätze verinnerlicht und verbreitet.
Die
konfliktreichen Begleitumstände der Staatsgründung angefangen von der Vertreibung marokkanischer
Piraten vor der amerikanischen Küste bis zu den
Auswirkungen der Napoleonischen Kriege sowie dem
Krieg mit Mexiko - wurden zum Prüfstein der amerikanischen Überzeugungen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Außengrenzen gesichert, der innenpolitische Konflikt über die
Sklaverei beendet und die demokratischen Prinzipien
zum Leitmotiv politischen Handelns im Inneren wie im
Äußeren erhoben.
Nur widerstrebend nahmen die Vereinigten Staaten am
Ersten Weltkrieg teil; nicht zuletzt, um die eigene
Sicherheit zu bewahren, aber auch, um den Prinzipien
der Selbstbestimmung und der Demokratie in Europa
zum Durchbruch zu verhelfen. Präsident Woodrow
Wilsons "to make the world safe for democracy" traf
den Kern des amerikanischen Engagements, das nicht
idealistisch war, sondern amerikanische Ideale
verfolgte.
Angesicht dieser beständigen Überzeugungen ist es
leicht nachzuvollziehen, warum die amerikanische
Regierung die Demokratisierung in den Staaten Mittelund Osteuropas nachhaltig unterstützt.

Seite 2

Diese Auseinandersetzungen sind keine Neuauflage
einer Debatte über Isolationismus, wie viele glauben.
Der Isolationismus reflektierte eine außenpolitische
Periode im ausgehenden 19. Jahrhundert, die spätestens mit der Kriegserklärung Deutschlands und
Italiens an die Vereinigten Staaten am 11.12.1941 ihr
Ende fand.
Wenn man sich heute die Diskussionen über eine
Neuordnung der europäischen Staatengemeinschaft in
der unmittelbaren Nachkriegszeit betrachtet, kann man
ganz deutlich erkennen, wie sich die amerikanische
Regierung zu einem europäischen Akteur entwickelt
hat. Eine Abwendung von Europa war nach den
leidvollen Erfahrungen der beiden Weltkriege nicht
mehr denkbar.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie unser ausgeprägtes Engagement zum Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa nach dem Ende des Kalten
Krieges betrachten. Deshalb finden Sie in den Vereinigten Staaten die treibende Kraft für eine Öffnung
der NATO nach Osten.
Es scheint mir in diesem Zusammenhang fast überflüssig darauf hinzuweisen, daß es im ureigensten
Interesse der Vereinigten Staaten liegt, wenn Europa
zusammenwächst, Ost und West eine institutionelle

AMERIKA DIENST 13

�Einheit bilden und für die Vereinigten Staaten ein
verläßlicher und starker Partner werden.
Im Nachkriegseuropa fiel es vielen schwer, sich
vorzustellen, daß Deutschland friedlich mit seinen
Nachbarstaaten zusammenlebt. Fünfzig Jahre nach
Kriegsende unterhält Deutschland zu seinen Nachbarstaaten überaus freundschaftliche Beziehungen
und ist voll in die europäische Staatengemeinschaft
integriert.
Diese Entwicklung sollte all jene inspirieren, die heute
mutlos in die Zukunft blicken, voller Zweifel über die
Tragfähigkeit der neuen Strukturen sind und sich nicht
vorstellen können, wie sich Europa zu einem starken
Machtfaktor im Geflecht der internationalen Beziehungen entwickelt.
Die Vereinigten Staaten setzen große Hoffnungen in
die Fähigkeit der deutschen Außenpolitik, die europäische Integration voranzutreiben. Mit der Erlangung
der uneingeschränkten Souveränität im Verlauf der
friedlichen Vereinigung hat Deutschland an politischem
Gewicht und Verantwortung gewonnen.
Das Ende der Teilung Europas bestätigte den Erfolg
der westlichen Politik gegenüber den Staaten des
Ostblocks; die Defizite der kommunistischen Regime in
den Bereichen persönliche Freiheit, Rechtsstaatlichkeit
und wirtschaftliche Chancen für den einzelnen haben
sich im Laufe der Zeit als übermächtig erwiesen.
Amerikas Einstellung gegenüber Europa am Ende des
20. Jahrhunderts ist nicht nur von diesen erfreulichen
Veränderungen geprägt, sondern basiert natürlich
auch auf der soliden Grundlage der transatlantischen
Partnerschaft.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin
Streitkräfte in Europa unterhalten. Und dies sowohl
aus militärischen Gründen, als auch wegen der
politischen Symbolik. Die Vereinigten Staaten verstehen sich, wenn es um Europa geht, als eine
europäische Macht.
Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit.
Das klingt sehr einfach, entspricht aber den historischen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Vereinigten Staaten werden deshalb nicht weniger
als 100.000 Soldaten in Europa stationiert lassen;
davon etwa 75.000 allein in Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Institutionen entstanden, die Stabilität und Sicherheit, Frieden und
Wohlstand in Europa begünstigt haben. Das transatlantische Verteidigungsbündnis - die NATO - ist für
uns Amerikaner das wichtigste Bindeglied über den
Nordatlantik.

AMERIKA DIENST 13

Für uns ist die Allianz aber weit mehr als nur ein
Verteidigungsbündnis, in dem wir eine gewichtige
Rolle spielen. Auch wenn dies vielfach in Vergessenheit geraten ist - zu Beginn der transatlantischen
Partnerschaft war ein breites Themenspektrum an
Zusammenarbeit vorgesehen.
Ein Blick in den
Washingtoner Vertrag zeigt, daß die NATO nicht als
reines Verteidigungsbündnis konzipiert war. Nur - im
Laufe der Zeit haben andere Organisationen bestimmte Aufgaben übernommen, und die weltpolitische
Lage im Kalten Krieg machte es erforderlich, daß sich
die NATO-Mitgliedstaaten auf die Bewahrung ihrer
Sicherheit und Freiheit konzentrierten.
Aus unserer Perspektive ist es konsequent, wenn wir
nun Staaten Mittel- und Osteuropas an dieser Sicherheitsgemeinschaft, den bewährten Verfahren der
Zusammenarbeit und den politischen Konsultationen
teilhaben lassen. Die politischen wie auch moralischen Argumente für eine Beteiligung dieser jungen
Demokratien sprechen eindeutig für die Aufhebung der
durch den Kalten Krieg bedingten Ausgrenzung.
An zweiter Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht folglich der Aufbau einer stabilen Friedensordnung in Europa. Lassen Sie mich die wichtigsten Bestandteile dieser Sicherheitsarchitektur kurz
ansprechen:
Der erste Aspekt zielt auf die ökonomische Dimension.
Die Erfolge der Europäischen Union seit ihren Anfängen sind beachtlich. Die amerikanische Regierung
unterstützt die europäische Integration ohne Vorbehalt.
Die wachsende Interdependenz zwischen West- und
Osteuropa führt früher oder später zu einer Osterweiterung der EU, was wir begrüßen werden. Politische Stabilität in Europa ist nicht ohne wirtschaftlichen
Wohlstand bei allen Beteiligten denkbar!
Die Europäische Union ist nicht die einzige Institution,
die wir unterstützen, um in Europa Stabilität und
Sicherheit zu bewahren. Angesichts unserer außenwirtschaftlichen Interessen versteht es sich von selbst,
daß wir der neuen Welthandelsorganisation (WTO)
große Bedeutung beimessen. Auch die OECD ist zu
nennen, die eine entscheidende Rolle bei den Wirtschaftsreformen in Mittel- und Osteuropa spielt. Sie
stellt wichtige Informationen und Fachwissen für die
neuen Demokratien bereit.
Der zweite Aspekt zielt auf Verfahren ab, die stabilitätsfördernd sind. Wir befürworten eine Stärkung der
OSZE und deren Mandat. Die KSZE hat eine wichtige
Rolle bei der Überwindung der politischen Systeme im
Osten gespielt. Heute ist die Nachfolgeorganisation
dazu prädestiniert, "präventive" Diplomatie zu betreiben.
Das ist zwar ein überaus schwieriges Thema, aber
gerade deshalb kann es nicht ignoriert werden.

Seite 3

�Präventive Diplomatie erfordert Fachwissen über Land
und Leute, deren Geschichte, traditionelle Konfliktlösungsverfahren und natürlich couragierte Voraussicht.
Eigenschaften, die Sie als angehende Diplomaten
noch brauchen werden.
Wir wollen aus der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ein wirkungsvolles Instrument zur Beilegung von Streitigkeiten und Friedenserhaltung machen. Friedenserhaltende Maßnahmen, mit oder ohne Truppen, ob in Tschetschenien
oder andernorts, können einen wichtigen Beitrag
leisten, um Konflikte zu lösen oder sie erst gar nicht
entstehen zu lassen.
Dem dritten Aspekt einer stabilen europäischen
Friedensordnung wird die größte Aufmerksamkeit
geschenkt: Der Öffnung der NATO nach Osten. Für
die potentiellen Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa stellt die NATO die Möglichkeit sicherheitspolitischer Stabilität und Aufnahme in die westliche
Staatengemeinschaft dar.
Ich brauche Ihnen nicht darzulegen, daß die NATO
keinen Staat bedroht. Und es versteht sich von selbst,
daß eine Öffnung der NATO ostwärts nicht geplant ist,
um Rußland zu isolieren.
Der Prozeß der Öffnung der NATO erfolgt in parallelen
Schritten. Das Programm "Partnerschaft für den
Frieden" ist der institutionelle Rahmen, in dem potentielle Mitgliedstaaten an das Bündnis herangeführt
werden. Alle interessierten OSZE-Mitgliedstaaten
können sich daran beteiligen und den Umfang der
militärischen Zusammenarbeit selbst bestimmen. Es
gibt, wie Ihnen bekannt ist, keine Rangordnung unter
den beteiligten Staaten. Alle werden gleich behandelt.
Jeder Staat muß individuell unter Beweis stellen, daß
er bereit und in der Lage ist, mit der NATO zusammenzuarbeiten. Dies ist ein wichtiges Element im Aufnahmeprozeß.
Es wird kein Vetorecht geben, aber wir haben ein
überaus großes Interesse, die Osterweiterung im
Einvernehmen mit Rußland zu realisieren.

Zum Dialog mit Rußland gibt es keine Alternative und
ich sehe positive Zeichen, daß Rußland zunehmend
bereit ist, die Argumente für eine Ostöffnung der NATO
als Stabilitätsfaktor für ganz Europa - Rußland inbegriffen - anzunehmen.
Denken Sie nur an das nach wie vor enorme Nuklearwaffenpotential, das zuverlässig gesichert sein muß,
um keinen Schaden anzurichten. Wie Sie wissen,
befindet sich der Themenkomplex "Nonproliferation"
an vierter Stelle der außenpolitischen Prioritätenskala
der Clinton-Administration.
Nur in kooperativer
Zusammenarbeit wird es möglich sein, die Gefahren

Seite 4

einer unkontrollierbaren Weitergabe von Massenvernichtungswaffen zu reduzieren.
Wo ich gerade beim Komplex "Nonproliferation" bin,
möchte ich Sie auf die Ernsthaftigkeit hinweisen, mit
der meine Regierung das Problem der regionalen
Proliferation angeht. Präsident Clinton hat gegen den
Iran ein vollständiges Handelsembargo verhängt.
Amerikanische Unternehmen sind davon betroffen.
Der Iran versucht durch den Kauf russischer Atommeiler eine Nuklearkapazität aufzubauen, die längerfristig zu einer ernstzunehmenden Bedrohung des
Nahen Ostens wie auch Europas führen wird.
Was die Angelegenheit aus unserer Sicht verschärft,
ist die iranische Unterstützung von Terrorgruppen, die
gegen Israel Anschläge verüben. Wie man an den
unzähligen Missionen Warren Christophers ablesen
kann, ist es ohnehin schwer genug, in dieser Region
Frieden zu stiften. Terrorismus, Bombenanschläge
und die Störung der öffentlichen Ordnung tragen nicht
dazu bei, den Friedensprozeß zu fördern. Der Iran
muß sein Verhalten ändern und sich wie ein zivilisierter
Staat verhalten.
Wirtschaftssanktionen haben sich zwar in der Vergangenheit nicht immer als wirksam erwiesen. Im
Rahmen einer präventiv angelegten Diplomatie sind
sie aber geeignet, ein Zeichen unserer Mißbilligung zu
setzen.
Jetzt kommt es darauf an, unseren Bündnispartnern zu
verdeutlichen, welche langfristigen Implikationen eine
weitere Nuklearisierung des Nahen Ostens hat.
Unsere Verbündeten in Europa sollten dieses sicherheitspolitische Problem nicht auf die leichte
Schulter nehmen! Kurzfristige Handelsvorteile sind
zwar verlockend, aber die Sache ist zu ernst, um
leichtfertig darüber hinwegzugehen.
Ich nehme an, daß sich die Bundesregierung unserer
Position annähern wird. Wir müssen auch dann
zusammenarbeiten, wenn wir unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einige Sätze zum
transatlantischen Verhältnis sagen. In letzter Zeit kann
man oft die These hören, die Allianz verliere ihren
Zusammenhalt, nachdem der Kalte Krieg zu Ende
gegangen und die Bindewirkung der externen Bedrohung weggefallen ist.
Ich für meinen Teil kann nicht erkennen, daß die
Allianz vor dem "Aus" steht. Das Gegenteil ist richtig:
Wir stehen vor großen Aufgaben und Herausforderungen. Ohne einen institutionellen Rahmen wie das
Bündnis können sie kaum in Angriff genommen
werden. Oder können Sie sich vorstellen, wie Europa -

AMERIKA DIENST 13

�und ich meine dabei Ost und West - seine Friedensordnung ohne das transatlantische Bündnis gestaltet?
Letzte Woche in Berlin haben alle 16 Mitgliedstaaten
der NATO eine klare Antwort auf diese Frage gegeben.
Die NATO-Außenminister entschieden sich für die
Schaffung eines flexibleren Verteidigungssystems, in
dem Europa eine größere Rolle übernehmen soll.
Bosnien hat bewiesen, wie die Vereinigten Staaten und
Westeuropa bei einer ungewohnten Aufgabe effektiv
und flexibel zusammenarbeiten können, solange der
Wille stark genug ist. Die unglückliche Erfahrung der
UN-Mission in dieser Region hat auch demonstriert,
wie negativ die Konsequenzen sein können, wenn die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten aus dem
Tritt geraten. Diese Lektion haben wir beide gelernt.
Aber die NATO ist nicht alles.
Im Dezember vergangenen Jahres unternahmen die
Vereinigten Staaten und Europa in Madrid bedeutende
Schritte zur Erweiterung und Vertiefung dieser Beziehungen, indem sie eine neue Tagesordnung der
politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
vereinbarten.
Diese neue transatlantische Tagesordnung unterstreicht das breite Spektrum der Beziehungen und
befaßt sich nicht nur mit traditionellen Handelsfragen,
sondern auch mit einer großen Bandbreite politischer
und wirtschaftlicher Initiativen auf der ganzen Welt.

Wir haben uns bezüglich der andauernden Notwendigkeit geeinigt, Brücken über den Atlantik zu schlagen,
die bessere Kommunikation zwischen unseren
Bürgern, Wissenschaftlern, Lehrern, Forschungsinstitutionen und unseren Gesellschaften fördern.
Insgesamt gesehen hoffen wir, daß diese neue
transatlantische Tagesordnung den Rahmen und die
erforderliche Disziplin bietet, um unsere Zusammenarbeit effektiver und kohärenter zu gestalten. Sie wird
die EU für amerikanische Politiker transparenter
machen und das erste Mal markieren, an dem wir uns
umfassend mit der Europäischen Union auseinandergesetzt haben, nicht nur als politische Kraft mit
dem Potential, als Partner an der Seite der Vereinigten
Staaten bei einer Vielzahl außenpolitischer und
diplomatischer Initiativen zu stehen.
Wir glauben, daß eine Vertiefung der Zusammenarbeit
über den Atlantik hinweg sowohl für die Europäische
Union wie auch für die Vereinigten Staaten von Vorteil
ist.
Es gibt - wie Sie sehen - eine ganze Palette von
Themen, die sich schwerlich "national" lösen lassen.
Folglich werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin
eine internationale Macht bleiben und gemeinsam mit
ihren Verbündeten ihre Interessen wahrnehmen.
Ich danke Ihnen.

* * *

AMERIKA DIENST 13

Seite 5

�4. J U L I
10. Juli 1996

220 Jahre Unabhängigkeit
Proklamation des Präsidenten zum 4. Juli

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton forderte in seiner Proklamation zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli
seine Mitbürger dazu auf, gemeinsam ein Amerika zu schaffen, "das weltweit die stärkste Kraft für Frieden,
Gerechtigkeit und Freiheit bleibt".
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text.

Ich freue mich, zusammen mit meinen Mitbürgern im
ganzen Land und auf der ganzen Welt den Unabhängigkeitstag zu feiern.

Chancen - wir halten diese Werte immer noch in Ehren
und müssen sie auch in Zukunft jeden Tag erneut
bekräftigen.

Jedes Jahr kommen wir an diesem Tag mit unseren

Amerika entwickelt sich immer noch weiter,

Familien und Freunden zusammen, um den Jahrestag
der Unterzeichnung unserer Unabhängigkeitserklärung
zu feiern. Mit Weitblick und Mut erklärten unsere
Gründerväter der Welt gegenüber unmißverständlich:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: Daß alle Menschen gleich geschaffen sind,
daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, daß dazu
Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Das waren wahrhaft revolutionäre Gedanken, die den
Verlauf der menschlichen Geschichte grundlegend
veränderten.

während Jahrzehnten der Herausforderungen und des
Wandels waren wir bestrebt, das zu verwirklichen, was
sich unsere Gründerväter an unserem ersten Unabhängigkeitstag vorstellten.
Auch bei unseren
weiteren Bestrebungen wollen wir zusammenarbeiten,
um ein Amerika zu schaffen, das weltweit die stärkste
Kraft für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit bleibt. Wir
wollen uns für ein Amerika einsetzen, das nicht durch
Verschiedenartigkeit getrennt, sondern vielmehr durch
gemeinsame Werte und die Achtung unserer Vielfalt
geeint ist. Wir wollen uns für ein Amerika einsetzen, in
dem jeder einzelne ungeachtet seiner Rasse, seiner
Religion, seines Geschlechts oder seiner gesellschaftlichen Stellung seine Träume verwirklichen kann.
Auf diese Weise bezeugen wir am besten unsere
Hochachtung für diejenigen, die vor 220 Jahren ihr
Leben, ihr Hab und Gut und ihre Ehre für unsere
Freiheit gaben.

Heute durchleben wir wieder eine Zeit tiefgreifenden,
historischen Wandels im Hinblick darauf, wie wir
arbeiten, leben, miteinander und mit der übrigen Welt
verbunden sind. Die in unserer Unabhängigkeitserklärung niedergelegten Wahrheiten sind jedoch
unabänderlich und weisen weiterhin unseren Weg zu
den Herausforderungen und Chancen der Zukunft.
Gleichberechtigung, Rechte des einzelnen, Freiheit,

und

Mit den besten Wünschen für einen schönen 4. Juli.

* * * * *

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�DATENAUTOBAHN
10. Juli 1996

Grundprinzipien für die beschleunigte Entwicklung
der globalen Informationsinfrastruktur
von Vizepräsident AI Gore

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Vizepräsident AI Gore, der erstmals in
der Sonderbeilage zu Telekommunikation in Die Welt vom 13. Juni 1996 erschien.

Die globale Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - Gll) - ein dichtes Netz von Kommunikationsnetzen - verändert für immer die Art und
Weise, in der Bürger auf der ganzen Welt leben,
lernen, arbeiten und kommunizieren.
Dieses globale Netz gestattet auch dem entlegendsten
Dorf, in der modernsten Bibliothek zu stöbern. Es
erlaubt Ärzten auf einem Kontinent, Patienten auf
einem anderen zu untersuchen. Es kann einer Familie
in der nördlichen Hemisphäre helfen, mit ihren Verwandten in der südlichen Hemisphäre in Verbindung
zu bleiben. Und es schärft das Bewußtsein der Bürger
überall auf der Welt, daß wir alle Hüter unseres kleinen
Planeten sind.
Industriestaaten und Entwicklungsländer haben bei
einer Reihe verschiedener internationaler Zusammenkünfte den Konsens erarbeitet, daß das beste
Informationsnetz auf fünf Hauptprinzipien gründen
würde: Privatinvestitionen, Wettbewerb, flexiblen
Bestimmungen, offenem Zugang und Universalität der
Dienste. Ziel dieser Leitlinien ist die beschleunigte
Entwicklung der Gll sowie die Gewährleistung ihrer
Langlebigkeit.
Diese Prinzipien wurden vor zwei Jahren in Buenos
Aires bei der Konferenz der internationalen Fernmeldegewerkschaft angenommen und vergangenes Jahr
beim Ministertreffen der G-7 über das Telekommunikationswesen in Brüssel bestätigt. Ferner wurden sie in
einer Vielzahl regionaler und multilateraler Foren
erneut bekräftigt - der Zusammenkunft des Forums für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(APEC), dem gesamtamerikanischen Gipfel, und sie

AMERIKA DIENST 13

wurden bei der Konferenz über Informationsgesellschaft und Entwicklung festgehalten.
Alle fünf Grundsätze sind eng miteinander verknüpft
und voneinander abhängig. Wir sollten uns darüber
Gedanken machen, wie sie sowohl den Interessen
einzelner Nationen als auch den gemeinsamen
Interessen aller Bürger der Welt förderlich sein können.
Ich möchte auf die wichtigsten Grundsätze eingehen.
Privatinvestitionen und Wettbewerb. Präsident Clinton
unterzeichnete 1996 das Gesetz über die Reform des
Telekommunikationswesens, das unsere Kommunikationsmärkte für Wettbewerb zwischen einer Vielzahl
von Unternehmen öffnet. Unseres Erachtens hat freier
Wettbewerb zwischen Privatunternehmen sich immer
wieder als die beste Methode erwiesen, Kreativität zu
fördern, Arbeitsplätze zu schaffen, Gewinne zu
erhöhen und den Verbrauchern ein breites Spektrum
neuer Dienste anzubieten.
Dies ist eine enorme Chance für den Privatsektor - wie
wir in Südamerika, Asien und jetzt in Teilen Afrikas
sehen. Aber Privatinvestitionen - wo immer sie auch
getätigt werden - müssen von gesundem Wettbewerb
begleitet sein.
In den Vereinigten Staaten haben wir diese Lektion
gelernt. Als ein Bundesrichter das weltweit größte
Telefonmonopol von AT&amp;T aufbrach, überraschte das
Resultat selbst die vehementesten Verfechter der
Deregulierung. Die Kosten für ein Ferngespräch
sanken drastisch. Neue Unternehmen mit neuen
Arbeitsplätzen schössen wie Pilze aus dem Boden.

Seite 1

�Und AT&amp;T wurde letzten Endes ein stärkeres Unternehmen - konkurrenzfähiger und innovativer.
Die Entwicklung in Chile stellt ebenfalls die Vorteile
von Privatinvestitionen und offenem Wettbewerb unter
Beweis. 1994 führte Chile stark wettbewerbsfördernde
Bestimmungen ein. Die Zahl der Fernmeldegesellschaften in Chile stieg von einer auf zwölf. Der Anteil
der Haushalte mit Telefonanschluß erhöhte sich um
mehr als 50 Prozent. Und die Preise sanken von etwa
zwei Dollar pro Minute auf ungefähr 20 Cents pro
Minute. Die Einnahmen der Branche stiegen ebenfalls
- ungefähr doppelt so schnell wie die der gesamten
Volkswirtschaft.
Privatinvestitionen und Wettbewerb sind für die
Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur von
unerläßlicher Bedeutung.
Dasselbe gilt für vernünftige, flexible Bestimmungen.
Damit Investoren Risiken eingehen und der Wettbewerb Fuß fassen kann, müssen die Bestimmungen
Stabilität, Freiheit und Flexibilität gewährleisten und
gleichzeitig den Verbrauchern faire Preise und eine
große Auswahl bieten.
In den Vereinigten Staaten lenken wir viele Branchen
im Kommunikationsbereich durch eine unabhängige
Fernmeldebehörde, die Federal Communications
Commission (FCC). Dieses Expertenforum verfügt
über das Wissen, die Technik betreffende Entscheidungen zu fällen. Und zusammen mit anderen
Gremien im Justiz- und Wirtschaftsministerium verfügt
die FCC über die Fähigkeit zur Überwachung sich
wandelnder Marktbedingungen.
Ebenso wie diese neuen Technologien die alte
Wirtschaftsordnung radikal verändern, müssen wir in
der Regierung die veralteten Bestimmungen abschaffen und gleichzeitig den ihnen zugrundeliegenden Werten und Idealen treu bleiben.
Ein weiteres, eng mit den Grundsätzen Privatinvestitionen, Wettbewerb und Flexibilität der Bestimmungen
verbundenes Kernprinzip ist offener Zugang. Alle
Nationen und alle Parteien müssen mit der Gll vernetzt
werden können.
Der Grund wird zum Teil durch ein Prinzip illustriert,
das in der Computerwissenschaft als Metcalfes Gesetz
bekannt ist. Metcalfes Gesetz besagt, daß sich ein
Computernetz ungefähr im Quadrat im Verhältnis zur
Anzahl der Menschen vergrößert, die an ihm arbeiten.

Aus diesem Grund wächst das Internet so schnell. Je
mehr Menschen sich einloggen, desto mehr Menschen
verspüren den Wunsch dazu. Verdoppelt man die

Seite 2

Anzahl der Menschen online, vervierfachen sich die
Möglichkeiten, Menschen miteinander zu verbinden
und ihre Begabungen und Ideen zu kombinieren.
Aus diesem Grund ist offener Zugang so wichtig.
Wenn man die Menschen von den Netzen fernhält,
verlieren sie ihren Wert. Wenn die Menschen Zugang
erhalten, steigt der Nutzen für jeden einzelnen.
Deshalb müssen die Besitzer von Netzwerken nichtdiskriminierende Preise für den Zugang zu ihren
Netzen berechnen. Der einzige Weg, das echte
Versprechen der Gll zu verwirklichen, besteht darin
sicherzustellen, daß jeder, der sich einloggt, Zugang
zu Tausenden unterschiedlicher Informationsquellen
hat - von der Videoprogrammierung über elektronische
Zeitungen bis zum Computer-Bulletin-Board - Menschen aller Nationen und jeder Sprache.
Der fünfte und letzte Grundsatz ist vielleicht am
wichtigsten - Universalität der Dienstleistungen.
Unseres Erachtens können universelle Dienste eine
natürliche Folge der ersten vier Grundsätze sein. Die
Kombination von offenem Zugang, flexiblen Bestimmungen, Wettbewerb und Privatinvestitionen wird
uns zweifelsohne in diese Richtung ziehen. Jedes
Prinzip für sich wird uns jedoch nicht ganz zu diesem
Ziel bringen.
Daher haben Präsident Clinton und ich den Privatsektor unserer Nation aufgefordert, bis zum Ende
dieses Jahrzehnts zur Vernetzung jeder Schule in
Amerika mit der Datenautobahn beizutragen. Und
deshalb wiederhole ich meine Forderung zur Einrichtung einer globalen digitalen Bibliothek, damit alle
Bürger der Welt schnelleren und besseren Zugang zu
allen Informationen der Welt haben.
Natürlich werden sich die genauen Konturen der
universellen Dienstleistungen in allen Nationen
unterscheiden. Ihre Grundzüge sollten sich jedoch an
den meisten Orten ähneln: Beispielsweise die Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen zu Preisen,
die sich Menschen aller Einkommensschichten leisten
können, die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger
Dienste unabhängig vom Wohnort oder den physischen Fähigkeiten einer Person sowie die Unterrichtung der Anwender in der effektiven Nutzung dieser
Technologien.
Die Gll ist ein historisches Unterfangen. Sie wird
gestärkt durch Beteiligung, unterstützt durch Offenheit
und untermauert durch starke Nationen und talentierte
Menschen, die den Traum von einer besseren Zukunft
verwirklichen wollen.
Helfen Sie mir, die erste große Leistung des 21.
Jahrhunderts zu erbringen.

AMERIKA DIENST 13

�RASSISMUS
10. Juli 1996

Kommentare zu Brandanschlägen
auf Kirchen in den USA
Verurteilung in den meisten Zeitungen

WASHINGTON - (AD) - Landesweit verurteilten die Zeitungen in Amerika die jüngsten Brandanschläge auf
vorwiegend afroamerikanische Kirchen im Süden der Vereinigten Staaten. Während die Leitartikel die Täter
öffentlich brandmarkten, erwähnten sie lobend, daß religiöse, philanthropische und kommunale Gruppen
zusammengekommen seien, um die Kirchen wiederaufzubauen und den von den Brandanschlägen betroffenen
Gemeinden zu helfen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Leitartikeln.

The Christian Science Monitor
Im Zusammenhang mit der Serie von Brandanschlägen auf Kirchen der schwarzen Bevölkerung im Süden
der Vereinigten Staaten äußerte der Überlebende des
Holocaust und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel:
"Es sollte einen Aufschrei der Entrüstung geben, der
diese Menschen zum Schweigen bringt."
Bis jetzt ist den Tätern noch nicht das Handwerk gelegt
worden. Es gab jedoch einen "Aufschrei der Entrüstung" seitens der Regierung, der Kirchen und der
Öffentlichkeit. Während der Präsident und der Kongreß zahlreiche Schritte unternommen haben, um den
Brandanschlägen auf die Kirchen Einhalt zu gebieten,
gab es auch konkrete Hilfsangebote anderer, zum
Beispiel:
Der nationale Kirchenrat, das amerikanischjüdische Komitee und die nationale Konferenz
katholischer Bischöfe haben gemeinsam
Spenden in Höhe von 4 Millionen Dollar für
den Wiederaufbau der niedergebrannten
Kirchen aufgebracht.
Sieben führende philanthropische Gruppen
taten sich zusammen und spendeten 2,5
Millionen Dollar für den Wiederaufbau der
Kirchen.

AMERIKA DIENST 13

Wenn das Land bei der Verurteilung dieser
Akte mit einer Stimme spricht, ist dies ein
entscheidender erster Schritt. Wie der Stellvertretende Justizminister Deval Patrick
erklärte, könnte "dies der Triumph sein, der
dieser Tragödie folgt".
The Commercial Appeal (Memphis, Tennessee)
Eines der ermutigendsten Zeichen dieser langanhaltenden Empörung ist, daß viele Amerikaner, schwarze
und weiße, zusammengekommen sind, um die
Brandanschläge zu verurteilen und den Betroffenen
beim Wiederaufbau zu helfen.
Die vorwiegend aus Weißen bestehende Christliche
Koalition, die für gewöhnlich mit konservativen politischen Belangen in Verbindung gebracht wird, die nicht
viele der Betroffenen teilen, kündigte eine Spendenkampagne an, um 1 Million Dollar für den Wiederaufbau der von Brandstiftern niedergebrannten Kirchen
aufzubringen.
"Wir hoffen, vertrauen und beten, daß Gott unsere
beim Kampf gegen diesen Terror geschaffenen
Beziehungen und unser Vertrauen nutzen wird, um
neue Chancen der Zusammenarbeit bei zahlreichen
anderen Problemen zu eröffnen", äußerte Ralph Reed,
der Anführer der Koalition vor einer kleinen Versammlung schwarzer Pastoren und Bürgerrechtler in Atlanta.

Seite 1

�Die Reaktionen innerhalb der betroffenen Gemeinden
berühren jedoch am meisten.
Nachdem zwei Kirchen der schwarzen Gemeinde in
Kossuth (Mississippi) niedergebrannt wurden, kamen
die Einwohner einer multirassischen religiösen Gruppe
zusammen um bekanntzugeben, daß sie über 22.750
Dollar aus Spenden der Gemeinde für einen Wiederaufbaufonds gesammelt hatten.
Rund 50 Beauftragte der Bundesbehörden werden
nach Corinth (Mississippi) und Kossuth kommen, um
Beweise in der Asche der niedergebrannten Kirchen
zu sichern und mit möglichen Zeugen zu sprechen.
James Cavanaugh vom US-Büro für Alkohol, Tabak
und Feuerwaffen, der die Ermittlungen bei den 13
Brandanschlägen in Mississippi und Alabama leitet,
appellierte jedoch an die mächtigste Waffe: Die Hilfe
der Öffentlichkeit.
"Wir brauchen Informationen der Öffentlichkeit",
erklärte Cavanaugh. "Jeder Amerikaner muß darüber
nachdenken, was hier vor sich geht. Es ist empörend."
Eine weitere Erklärung wurde von Senator Thad
Cochran (Republikaner aus Mississippi) abgegeben,
der den Senat zur Verabschiedung einer Gesetzesvorlage drängte, die der Bundesregierung die Ermittlungen bei den Brandanschlägen erleichtert. Das
Repräsentantenhaus stimmte seiner Version des
Gesetzentwurfs mit 422 zu 0 Stimmen zu.
Post-Gazette (Pittsburgh, Pennsylvania)
Die Bürgerrechtsbewegung erreichte ihren Höhepunkt
vor drei Jahrzehnten, aber die seitdem erzielten
Fortschritte an den Frontlinien des Rassenkampfes in
Amerika reichten nicht aus. Die Brandanschläge auf
Kirchen der schwarzen Gemeinden im Süden sind
Beweis der noch vorherrschenden Intoleranz. Der
Kongreß unternimmt zu Recht Schritte zur Verbesserung der Befugnisse der Bundesregierung bei der
Ermittlung solcher Greueltaten.
Wie kein Geringerer als der Verfechter der Rechte des
Staates, der Sprecher des Repräsentantenhauses
Newt Gingrich, bemerkte, treffen diese abscheulichen
Akte den Kern eines Bundesrechts. Die amerikanische Verfassung garantiert religiöse Freiheit. Die
Zerstörung von Kirchen verletzt dieses Recht.
Haßverbrecher haben immer die schwarzen Gemeinden angegriffen, indem sie ihre Kirchen zerstörten. Was die für diese Brandanschläge Verantwortlichen nicht verstehen, ist, daß solche Empörung
verbindet, statt eine belagerte Gemeinde auseinanderzureißen. Wenn die Absicht dieser Anschläge darin
besteht, die schwarze Gemeinde hilflos zu machen, ist
sie bereits zunichte gemacht worden.

Seite 2

The Atlanta Journal and Constitution
Die Agitatoren und Feiglinge, die Anschläge auf
Kirchen verüben, wollen den in diesen Gotteshäusern
herrschenden Geist der Nächstenliebe und Brüderlichkeit zerstören. Sie wären enttäuscht zu sehen,
welchen Zusammenhalt der Gläubigen ihre skrupellosen Brandanschläge hervorrufen.
Die Antidiffamierungsliga veröffentlichte Zeitungsanzeigen, in denen sie ihre Anhänger bat, die Wiederaufbauarbeit ganz besonders zu unterstützen. "Wir
werden alle ein Raub der Flammen des Hasses", heißt
es in der Anzeige in The New York Times. "Helft uns,
es jetzt zu löschen." Obwohl die Antidiffamierungsliga
sich meistens für Anliegen der jüdischen Gemeinde
einsetzt, ist sie auch ein standhafter Verfechter von
Religionsfreiheit für alle.
Bei ihrem jährlichen Treffen führte die Southern Baptist
Convention eine Sonderkollekte für den Wiederaufbau
der zerstörten Kirchen durch. Es war die erste Kollekte bei einer Jahresversammlung seit 1986. "Die
afroamerikanische Gemeinde muß wissen, daß wir ihr
zur Seite stehen", erklärte Richard Land, der Präsident
der Southern Baptist Christian Life Commission.
Diese Unterstützung aus vielen Kreisen ist eine
bemerkenswerte Geste der Ablehnung der erbärmlichen und entarteten Feiglinge, die Kirchen niederbrennen. Sie sollte auch als Erinnerung daran dienen,
daß jeder einzelne von uns die Pflicht hat, sich den
Stimmen des Hasses und der Spaltung entgegenzusetzen.
The State Journal-Register (Springfield, Illinois)
Rationale Menschen erörtern Fragen wie berufliche
Gleichstellung, illegale Einwanderung, Reform des
Sozialwesens und Rechte von Homosexuellen. Die
Amerikaner haben hierzu unterschiedliche Meinungen,
und der daraus resultierende nationale Dialog ist
wichtig für die Gestaltung der Politik.
Für einige Irrationale besteht die Antwort auf diese
Fragen jedoch in Gewaltanwendung gegen alle, die sie
hassen. Die öffentliche Debatte wird für sie zu Zündstoff, der ihre konfusen Überzeugungen schürt und sie
zu gewalttätigen, gesellschaftsfeindlichen Akten wie
Brandanschlägen auf Kirchen veranlaßt.
Natürlich muß der nationale Dialog über soziale
Fragen fortgeführt werden. Aber rationale Menschen
auf allen Seiten müssen jeden gewalttätigen Akt der
Intoleranz lautstark verurteilen. Die wenigen irrationalen Menschen, die Kirchen niederbrennen,
müssen wissen, daß ihr Haß für alle Amerikaner
inakzeptabel ist. Sie dürfen keine Zuflucht finden.
Haß, Selbstgerechtigkeit und Intoleranz müssen von
allen als unmoralisch erachtet werden.

AMERIKA DIENST 13

�Die Brandstifter des Hasses werden scheitern.
Tatsächlich werden sie schwarze Gemeinden inmitten
von Vielfalt stärken und den Amerikanern beim
Umgang mit Vorurteilen helfen. Es wird ihnen lediglich
gelingen, die Opposition gegen die Feuer der Intoleranz zu stärken.
The San Francisco Chronicle
Die Brandanschläge auf Kirchen schwarzer Gemeinden senden eine allgemeine und erschreckende
Botschaft des Schreckens und der Intoleranz.

Die Zerstörung dieser heiligen Strukturen ist kein
Haßverbrechen. Sie ist ein feiges Verbrechen.
Es reicht nicht aus, die Brandstifter zu finden und zu
verurteilen. Die Gesellschaft muß angesichts solch
feiger Akte genug Entschlossenheit zeigen, damit der
nächste Verrückte, dem es in den Sinn kommt, mitten
in der Nacht mit einer Gasflasche und Streichhölzern
in eine Kirche zu schleichen, von zwei mächtigen
Gefühlen überwältigt und letztlich abgeschreckt wird:
Angst. Und Sinnlosigkeit.

Dieser Botschaft muß man sich zornig widersetzen.

The Baltimore Sun

In dieser Nation ist nichts heiliger als die Fähigkeit von
durch Glauben und ein Gemeinschaftsgefühl verbundenen Menschen, Gotteshäuser zu bauen.

Präsident Clinton hat das Justiz- und Finanzministerium angewiesen, eine gemeinsame Arbeitsgruppe
"Brandanschläge auf Kirchen" zu bilden, die ihm direkt
Bericht erstattet. Justizministerin Janet Reno traf mit
vielen Pastoren der zerstörten Kirchen zusammen und
versicherte Ihnen, daß die Behörden alle erforderlichen
Mittel einsetzen werden, um diese Fälle zu lösen und
die Brandstifter vor Gericht zu bringen. Einige Pfarrer
waren aufgebracht, weil Mitglieder ihrer Gemeinden
befragt wurden, als wären sie Verdächtige. Aber sie
sollten sich mit dem Wissen trösten, daß die Behörden
bei ihrer Suche nach Antworten nichts unversucht
lassen.

Die Kirchen geben ihren Gemeindemitgliedern - sogar
ganzen Städten - ein Gefühl von Kontinuität und
Stabilität. Die Gemeinde verkörpert ihre Arbeit, ihr
Geld und ein übergeordnetes Gefühl für Aufgabe und
Gottheit.
Insbesondere für viele afroamerikanische Gemeinden
ist die Kirche weitaus mehr als ein Ort des Glaubens.
Sie ist eine Institution, die auch außerhalb der Kirchenmauern unschätzbare geistige und materielle
Unterstützung gewährt.

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

*

Seite 3

�DROGEN
10. Juli 1996

Neue Drogenbekämpfungskampagne
zur Unterstützung Jugendlicher
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsministerin Donna Shalala rief eine ehrgeizige Drogenbekämpfungskampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit und Eindämmung des jüngsten Anstiegs beim Marihuanakonsum
Jugendlicher ins Leben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Gesundheitsministerin Shalala aus Anlaß
des 100. Jahrestages des Eltern-Lehrer-Verbands (Parent-Teacher Association - PTA) am 24. Juni 1996.

Es ist mir eine große Ehre, aus Anlaß Ihres 100.
Jahrestages mit Ihnen zusammenzutreffen.
Seit 100 Jahren ist die PTA eine der wichtigsten
Basisorganisationen in Amerika. 100 Jahre lang
rettete sie Leben, förderte Bildung und eröffnete
Zukunftsperspektiven. Und 100 Jahre lang führte sie
Eltern, Lehrer und Gemeinden bei der Aufgabe
zusammen, unsere größte Ressource zu schützen unsere Kinder.
Das war nie wichtiger als heute.
Denn jeden Tag sterben in Amerika 16 Kinder bei mit
Schußwaffen verursachten Unfällen, durch Mord und
Selbstmord.

Ein Bericht jüngeren Datums an den Präsidenten
belegte, daß jede Stunde mindestens ein
amerikanischer Teenager mit HIV infiziert wird.
Ferner ist ein erneuter Anstieg des MarihuanaKonsums bei den 12-17jährigen zu beobachten - der
monatliche Konsum hat sich seit 1991 nahezu
verdoppelt.
Wir sollten uns nichts vormachen: Wenn wir nicht
schnell handeln, könnten wir eine ganze Generation
verlieren.

Jeden Tag bekommen mehr als 1.000 Jugendliche
uneheliche Kinder.

Das war die Botschaft eines umfassenden Berichts der
Carnegie Corporation in New York von letztem Herbst,
der die Schlußfolgerung enthielt, daß mindestens die
Hälfte unserer Teenager aufgrund riskanten
Verhaltens gefährdet ist, das ihr Leben ernsthaft
verkürzen könnte.

Jeden Tag fangen über 3.000 junge Menschen das
Rauchen an.

Das sind nicht anderer Leute Kinder, das ist nicht
anderer Leute Problem.

Jeden Tag brechen mehr als 1.000 Jugendliche die
weiterführende Schule ab.

Dies ist unser Problem - ein amerikanisches Problem,
das das Leben jeder Familie beeinflußt, ungeachtet der
Rasse, Religion, Region und finanziellen Situation.

Und über 2 Millionen 12-17jährige nehmen mindestens
fünf alkoholische Getränke zu sich.

AMERIKA DIENST 13

Aberglauben Sie mir nicht einfach, wenn ich sage, daß
etwas getan werden muß. Wir wollen es aus erster
Hand, von den Experten selbst hören:

Seite 1

�Eine 16jährige erklärt: "Ich möchte Fotomodell werden.
Rauchen verbrennt eine Menge Kalorien."

Ich brauche wohl keinem von Ihnen zu erzählen, unter
welchem Druck Eltern heute stehen.

Ein College-Student äußert: "Ich bin kein starker
Trinker, aber jedes Mal, wenn ich etwas trinke,
betrinke ich mich."

Eltern arbeiten länger an unsichereren Arbeitsplätzen
und haben weniger Zeit für Ihre Kinder. Es ist für sie
schwieriger, die Lebenshaltungskosten zu bestreiten
und gleichzeitig für die Ausbildung ihrer Kinder zu
sparen. Es gibt mehr Alleinerziehende, mehr Familien,
in denen beide Eltern berufstätig sind, und immer mehr
Familien, die sich nicht einer starken, sie
unterstützenden Gemeinde zugehörig fühlen. Und die
Aufmerksamkeit unserer Kinder wird von immer mehr
Seiten beeinträchtigt.

Ein Schüler im ersten Jahr an der High School stellt
fest: "Mir gefällt Gewalt. Ich sehe gerne Gewalt. Es
gefällt mir wirklich, Zeuge von Gewalt zu sein, vor
allem bei Videospielen."
Warum kommen junge Amerikaner, die jahrelang auf
dem rechten Weg waren, vom Kurs ab und vergeuden
ihr Leben? Es gibt viele Gründe.
Teilweise sind es Armut und Mangel an Chancen Frühindikatoren für die künftige Gesundheit eines
Kindes und seine künftigen Lebenschancen in diesem
Land.
Teilweise sind es die gefährlichen Botschaften, die
unsere Kultur den jungen Menschen sendet,
beispielsweise: "Rauchen ist toll." "Marihuana ist
cool." "Jeder hat Sex." "Eine Waffe verschafft Dir
Respekt."
Teilweise ist es darauf zurückzuführen, daß wir eine
bessere Aufklärung brauchen und jede neue
Generation dazu anleiten müssen, ein gesundes
Leben zu führen. Damit dürfen wir nie aufhören.
Noch etwas anderes ist ebenfalls von entscheidender
Bedeutung.
Ich habe eine aus Teenagern
zusammengesetzte Beratungsgruppe - 17 junge
Menschen aus allen sozialen Schichten, mit denen ich
mich einmal monatlich treffe. Und ob wir über die
Verhinderung von Drogenkonsum oder Depressionen,
über Rauchen oder Sex reden - sie sagen alle
dasselbe.
Sie sagen, ihre Eltern seien bei weitem die
einflußreichsten Menschen in ihrem Leben.
Sie sagen, Eltern und Familien könnten das meiste zu

Kindererziehung wird folglich für Eltern immer
schwieriger - genau zu dem Zeitpunkt, an dem Kinder
ihre Eltern - und andere fürsorgliche Erwachsene mehr denn je brauchen.
Kein Wunder, daß so viele Eltern solche Angst haben.
Eine Mutter in einem Vorort von Virginia formulierte es
am besten: "Früher wollte ich, daß mein Sohn den
Nobelpreis bekommt. Heute will ich nur noch, daß er
überlebt."
Als Gesellschaft müssen wir im Schuiterschluß dieser
Mutter und allen Eltern helfen. Aus diesem Grund
haben wir eine neue Strategie für die öffentliche
Gesundheit Heranwachsender mit dem Namen
"sicheres Geleit" entwickelt.
"Sicheres Geleit" ist unser umfassender Ansatz zum
Umgang mit schwierigen Herausforderungen wie
Suchtstoffmißbrauch,
Tabakkonsum,
TeenagerSchwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten,
Gewalt, Ernährung und Sport.
Es geht hierbei um partnerschaftliche Zusammenarbeit
mit der PTA und allen anderen Erwachsenen und
Institutionen, die im Leben Jugendlicher eine Rolle
spielen, um ihnen dabei zu helfen, unsere wertvollen
jungen Menschen durch die bisweilen felsigen Wasser
der Jugend zu geleiten.

ihrer Rettung unternehmen.

Und trotz der Aura der Unabhängigkeit, die Teenager
so gut vermitteln, erklären sie, die meisten jungen
Menschen brauchten und wünschten sich jeden Tag
Liebe, Aufmerksamkeit, Einbeziehung und tatsächlich
auch Strenge von Seiten ihrer Eltern.
Wir alle wissen, daß meine Teenager-Berater recht
haben: Die Familie ist die wichtigste Institution in
diesem Land, und dennoch haben wir uns zu einer
Gesellschaft entwickelt, in der schwierige Umstände
Mütter und Väter daran hindern, ihre Kinder so zu
erziehen, wie sie gerne möchten.

Seite 2

Das ist nicht der alte, von oben gelenkte, allzu
programmatische Ansatz der Bundesregierung zur
Lösung von Problemen.
Statt dessen definieren wir die staatliche Rolle klarer:
Sie soll unsere jeweiligen Partner zusammenhalten
und ihnen Befugnisse verleihen sowie Lücken füllen,
die ohne unsere kollektiven Bestrebungen ein
klaffendes Loch würden.
Was bedeutet "sicheres Geleit" also im einzelnen?
Es bedeutet die Verbesserung unserer Fähigkeit zur
Unterstützung umfassender Forschung in allen
Bereichen der Gesundheit
und
Entwicklung

AMERIKA DIENST 13

�Jugendlicher - von HIV-Infektion bis zu Gewalt und von
der Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften
bis zum Verständnis der sich abzeichnenden
Bedürfnisse
besonders
anfälliger
Bevölkerungsgruppen.
Es bedeutet die Finanzierung wichtiger nationaler
Kampagnen zur Gesundheitsfürsorge in Bereichen wie
Rauchen, Verhinderung von Drogenkonsum, Sport
und Nahrungsmittelkennzeichnung - um Teenager und
ihre Eltern mit den für eine gesunde Lebensführung
entscheidenden Informationen zu versorgen.
Ich freue mich, heute eine neue nationale
Aufklärungskampagne der Öffentlichkeit bekanntgeben
zu können, mit der der zunehmende Konsum von
Marihuana unter Teenagern bekämpft werden soll, der
seit 1991 zu beobachten war.

das Rauchen aufzunehmen - im Namen der
öffentlichen Gesundheit und im Namen unserer Kinder.
Ich bin stolz darauf - und ich weiß, daß auch Sie stolz
darauf sind.
Insgesamt besteht unser Ziel darin, binnen sieben
Jahren den Zigarettenkonsum von Kindern und
Jugendlichen um die Hälfte zu reduzieren.
Und um das zu tun, hat der Präsident einige der
mutigsten Vorschläge im Bereich der öffentlichen
Gesundheit unterbreitet, die es je in diesem Land
gegeben hat.

Es ist an der Zeit für eine Bestandsaufnahme - und so
nennen wir diese neue Kampagne.

Um die Anziehungskraft des Rauchens für Kinder
einzuschränken, schlagen wir vor, ihnen den Zugang
zu Zigaretten zu erschweren, Zigarettenreklametafeln
mindestens 300 Meter entfernt von den Schulen
unserer Kinder anzubringen, den Malboro-Mann und
Joe Camel aus den Zeitschriften zu verbannen, die
von Millionen Kindern gelesen werden und den
Zigarettenunternehmen zu verbieten, als Sponsor von
Veranstaltungen
die
Anziehungskraft
ihres
Markennamens einzusetzen.

Von neuen öffentlichen Bekanntmachungen bis zu
neuen Unterrichtsmaterialien geht es bei dieser
Kampagne darum, den Eltern Informationen
zu
vermitteln und sie anzuregen, häufig und frühzeitig mit
ihren Kindern über Suchstoffmißbrauch zu sprechen.

Vom Küchentisch über die Fußballfelder bis zu den
Kinos müssen wir den Kindern die gegen das Rauchen
gerichtete Botschaft senden - dort, wo sie leben, wo
sie lernen und wo sie ihre Freizeit verbringen - in
Worten und Bildern, die sie verstehen.

Wir wollen ihnen behilflich sein, ihren Kindern zu
verdeutlichen, daß Drogen illegal, gefährlich und
schlecht sind.

Aus diesem Grund arbeiten wir mit der nationalen
Frauenfußballmannschaft zusammen und setzen
wichtige Bekanntmachungen ein, um Millionen von
Kindern eine deutliche Botschaft zu senden: Rauchen
und Fitness passen ebensowenig zusammen wie Öl
und Wasser.

Zu viele Teenager denken heute, Marihuana würde
nicht ihre Gesundheit oder ihr Leben ruinieren.

Wir wollen den Eltern behilflich sein, sich mit ihren
Kindern an den Küchentisch zu setzen und ihnen
klarzumachen, daß sie gegen deren Konsum von
Drogen, Alkohol oder Zigaretten sind.
Ein Schlüsselelement der Bestandsaufnahme ist die
Publikation Eine drogenfreie Jugend, die dank der
PTA Millionen von Familien erreicht, die Kinder im Alter
zwischen 7 und 13 Jahren haben.
Wenn Sie diese Broschüre aufschlagen, werden sie
keine tollen Statistiken und Graphiken finden. Sie
werden jedoch folgendes vorfinden: Praktische
Ratschläge und praktische Informationen, um Ihre
Kinder zu erreichen, bevor es der Suchtstoffmißbrauch
tut. Und mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.
Die Bestrebung der Administration, die unsere
Strategie des "sicheren Geleits" vielleicht am
deutlichsten widerspiegelt, ist unsere Initiative "Kinder
und Rauchen", bei der es letztlich darum geht, den
Eltern die Befugnisse zurückzugeben.
Nie zuvor in der Geschichte hat ein Präsident den Mut
und die Überzeugung besessen, den Kampf gegen

AMERIKA DIENST 13

Aus diesem Grund treten wir an Führungskräfte der
Medien und der Unterhaltungsindustrie heran - und
stellen sie vor die Herausforderung, Charaktere zu
entwerfen, die in und cool genug sind, nicht zu
rauchen.
Und aus diesem Grund möchte ich Ihnen allen für die
Arbeit danken, die sie zusammen mit uns für das
Video-Aufklärungsprogramm "Stoppt den Verkauf verhindert die Sucht" geleistet haben.
Mit der Verteilung von Tausenden Videos für PTAVersammlungen im ganzen Land klären Sie die Eltern
und Lehrer über das Problem des Rauchens bei
Jugendlichen auf - und was sie tun können, um es zu
beheben.
Einige mögen sagen: "Können sich die Eltern nicht um
ihre Kinder kümmern?" Die Antwort lautet, natürlich
können sie. Das ist genau der Punkt, auf den unser
Vorschlag abzielt - sicherzustellen, daß die Kinder die
Informationen über das Rauchen von den Eltern und

Seite 3

�anderen fürsorgenden Erwachsenen erhalten - nicht
von Joe Camel.

Es gibt keine schwierigere, wichtigere und forderndere
Aufgabe als die Erziehung unserer Kinder.

Aus diesem Grund stehen wir den Eltern zur Seite und
sagen: "Ja, wir helfen Euch, Eure Kinder zu schützen."

Und es gibt kein besseres Sicherheitsnetz in diesem
Land als Eltern, die ihre Kinder lieben, leiten und
unterstützen.

Ja, wir werden unsere
Eigeninteressen stellen Zigarettenindustrie.

Interessen
nicht nur

vor
die

die
der

Wir sind ein sichereres Land wegen des BradyGesetzes über das Verbot von Handfeuerwaffen - und
der Präsident wird nicht zulassen, daß es abgeschafft
wird.
Wir sind ein gesünderes Land, weil wir unseren
Standpunkt behauptet und die historische Garantie von
Medicaid - Gesundheitsfürsorge für unsere anfälligsten
Kinder - durchgesetzt haben.
Und wir werden ein klügeres Land sein, wenn die
Eltern die Vorteile einer Vorrichtung zur Sichtung von
Fernsehsendungen
und
des
mit
der
Unterhaltungsindustrie ausgearbeiteten freiwilligen
Kontrollsystems nutzen können, um das Ausmaß an
Gewalt zu kontrollieren, dem unsere Kinder im
Fernsehen ausgesetzt sind.

Es mag einfach klingen - aber das gilt für die meisten
Dinge, die man mit gesundem Menschenverstand tut.
Die Eltern müssen die Zeit finden - sich die Zeit
nehmen - wirklich mit ihren Kindern zu sprechen, ihnen
bei den Hausaufgaben zu helfen und ihnen vom ersten
Tag an die Unterscheidung zwischen Gut und Böse
beizubringen.
Und wir brauchen Eltern, die ihren Kindern das
Vertrauen geben und ihren Charakter prägen, damit
sie die richtigen, die klugen - die gesunden Entscheidungen bezüglich des einzigen Lebens treffen
können, das sie je haben werden.
Wenn wir das tun, werden wir ein Ergebnis erzielen,
das
kein
anderes
Regierungsprogramm
je
hervorbrachte: Die Eltern werden ihre Stimme in
diesem Land weit über die Lautstärke von CDs, Filmen
und Fernsehsendungen erheben. Es sind die Eltern,
die gehört werden.

Aber die Regierung kann dies nicht alleine tun.
Wir alle müssen uns beteiligen - die Medien, Eltern,
Großeltern, ältere Geschwister, Ärzte und Lehrer,
Trainer, Berater und Kirchenvertreter, Angehörige des
öffentlichen Gesundheitswesens und Unternehmer.

Franklin D. Roosevelt hat einmal gesagt: "Wir können
nicht immer die Zukunft für unsere Jugend gestalten,
aber wir können immer unsere Jugend auf die Zukunft
vorbereiten."
Und genau das werden wir gemeinsam tun.

Offen gesagt, Sie müssen sich beteiligen.
Ich danke Ihnen.
Denn der richtige Weg zu Gesundheit und Hoffnung für
unsere Kinder muß immer an demselben Ort beginnen
und enden - bei den Eltern.

*

Seite 4

* * *

*

AMERIKA DIENST 13

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perry: NATO-Erweiterung im 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bündnis muß Verteidigungsfähigkeit beibehalten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Interesse der USA an einer NATO-Erweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Donald Blinken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA: die einsame Supermacht - außenpolitische und wirtschaftliche Herausforderungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Gesandten J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. 4.Juli&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;220 Jahre Unabhängigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten zum 4. Juli&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grundprinzipien für die beschleunigte Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Vizepräsident Al Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rassismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommentare zu Brandanschlägen auf Kirchen in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verurteilung in den meisten Zeitungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Drogenbekämpfungskampagne zur Unterstützung Jugendlicher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;^°?^

amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
24. Juli 1996

14

AUSSENPOLITIK

SCHUTZ DER AMERIKANISCHEN INTERESSEN
IST ABHÄNGIG VON FÜHRUNGSROLLE
Rede von Außenminister Warren Christopher

USA-KUBA

AUSSETZUNG VON TITEL III DES
HELMS-BURTON-GESETZES
Erklärung von Präsident Clinton

USA-RUSSLAND

DEMOKRATIE, FREIHEIT UND
WOHLSTAND ALS VERMÄCHTNIS
Ansprache von Vizepräsident AI Gore

AMERIKA MUSS DIE ÄRMEL HOCHKREMPELN
UND SICH AN DIE ARBEIT MACHEN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

TERRORISMUS

NEUE TERRORISTISCHE BEDROHUNG IN
DER GOLFREGION
Erklärung von General John M. Shalikashvili

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�CIVITAS

STAATSBÜRGERKUNDE KOMMT ALTEN UND
NEUEN DEMOKRATIEN ZUGUTE
von Penn Kemble

DEMOKRATIE

MALAISE UND FLEXIBILITÄT
von Seymour Martin Lipset

OLYMPIADE

OLYMPIONIKEN BEWEISEN, WAS IN
FREIHEIT ERREICHT WERDEN KANN
Radioansprache des Präsidenten

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

�AUSSENPOLITIK
24. Juli 1996

Schutz amerikanischer Interessen
ist abhängig von Führungsrolle
Rede von Außenminister Warren Christopher

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede, die Außenminister Warren Christopher am
18. Juli 1996 vor mehr als 100 Rundfunk- und Fernsehjournalisten im Rahmen einer politischen
Veranstaltungsreihe der Regierung in mehreren Städten zum Thema amerikanische Außenpolitik hielt.

Ich begrüße Sie im US-Außenministerium. Wir alle
waren heute morgen entsetzt und äußerst betroffen
über den Absturz des TWA-Flugzeugs über Long
Island. Ich möchte den Familien und Freunden aller
Opfer dieser schrecklichen Tragödie mein aufrichtiges
Beileid aussprechen.
Die erforderlichen Untersuchungen wurden umgehend und gezielt eingeleitet.
Sie werden verstehen, daß ich zum jetzigen Zeitpunkt
keinen Kommentar zu dem Thema abgeben kann. Es
wäre unverantwortlich, Spekulationen über die
Ursache dieser Tragödie anzustellen.
Das heutige Treffen ist Bestandteil eines umfassenden
Informationsprogramms für die Öffentlichkeit, das wir
vor drei Jahren eingeleitet haben. Allein in diesem
Jahr organisieren wir 23 Veranstaltungen in Städten
von Anchorage bis Boston. Dabei spricht jeweils eine
Gruppe hochrangiger Regierungsvertreter über die
entscheidenden Herausforderungen, mit denen sich
die Vereinigten Staaten weltweit konfrontiert sehen um sicherzustellen, daß die amerikanische Außenpolitik den Amerikanern nicht fremd ist. Bei diesen
Zusammenkünften sind wir auch ganz besonders
bestrebt, die regionalen Medien einzubeziehen, denn
sie sind die Hauptinformationsquelle für die Mehrheit
der Amerikaner.
Bei jeder Veranstaltung ist das Echo überwältigend.
Das bestätigt meine Überzeugung, daß sich die
meisten Amerikaner an einer ernsthaften Diskussion
über die Rolle Amerikas in der Welt beteiligen möchten
- einer Diskussion, die nicht nur an der Oberfläche
bleibt. Ferner wird dadurch bestätigt, was viele

AMERIKA DIENST 14

Meinungsumfragen belegen: Das amerikanische Volk
ist einer zielgerichteten und prinzipientreuen Führungsrolle der Vereinigten Staaten verpflichtet. Bei
einigen Fragen ist die Öffentlichkeit den Politikern in
Washington bereits voraus.
Das amerikanische Volk mißt den Erfolg der
Außenpolitik der Administration auf einfache Weise:
Hat sie unserer Nation zu mehr Sicherheit und
Wohlstand verholten als noch vor dreieinhalb Jahren?
Hat sie unsere Werte gefördert? Meiner Überzeugung
nach lautet die Antwort Ja. Ich möchte Ihnen darlegen,
was wir auf vier Gebieten erreicht haben, die für die
Vereinigten Staaten von zentraler Bedeutung sind.
Damit biete ich hoffentlich einen Rahmen für
nachfolgende Diskussionen.
Erstens bin ich der Ansicht, daß wir beim Streben nach
Frieden und Stabilität in den Regionen effektiv waren,
die für die Vereinigten Staaten von elementarem
Interesse sind.
Durch den Einsatz von Gewalt
unterstützte amerikanische Diplomatie setzte dem
Töten in Bosnien ein Ende, beseitigte die daraus
resultierende Bedrohung der europäischen Stabilität
und bekräftigte die Stärke der NATO sowie unserer
Partnerschaft mit Europa. Die uns heute in Bosnien
konfrontierenden Herausforderungen sind die Herausforderungen des Friedens, nicht des Krieges. Die
von uns gebildete Koalition, der auch Truppen aus
Rußland und Zentraleuropa sowie NATO-Soldaten
angehören, hilft uns bei der Weiterentwicklung unserer
Strategie zur Verhütung künftiger Konflikte in einem
integrierteren Europa.

Seite 1

�Diese Strategie hat enorme Fortschritte gemacht. Die
Partnerschaft für den Frieden (PFF) bringt bereits die
Staaten Europas einander näher. Die Pläne für eine
Erweiterung der NATO wurden schon beachtlich
weiterentwickelt, seit Präsident Clinton 1994 den
Vorschlag dazu unterbreitete. Das von uns bei der
Schaffung eines integrierten Europas Erreichte sollte
jedem Amerikaner Zuversicht einflößen - Zuversicht,
daß Konflikte wie der im ehemaligen Jugoslawien
abgeschreckt werden können, daß die Demokratiebewegung in Zentral- und Osteuropa von Dauer ist,
daß unsere Truppen nie wieder in einem großen Krieg
auf dem Kontinent kämpfen müssen, von dem die
beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts ausgingen.
In der asiatisch-pazifischen Region fördern wir mit
starker Unterstützung unserer asiatischen Verbündeten Frieden und Stabilität durch die weitere
Stationierung von 100.000 Soldaten. Wir haben für
unser wichtiges Bündnis mit Japan eine noch stabilere
Grundlage geschaffen.
Das nordkoreanische
Nuklearprogramm, das beim Amtsantritt unserer
Administration eine unmittelbare und furchtbare
Bedrohung darstellte, wird eingestellt.
Die
Entscheidung des Präsidenten zur Entsendung von
Seestreitkräften in die Straße von Taiwan im März
führte zum Abbau der gefährlichen Spannungen
zwischen Taipeh und Peking.
Im Nahen Osten trug die amerikanische Diplomatie zur
Veränderung der Lage bei. Die Palästinenser im
Gazastreifen und in den meisten Städten des
Westjordanlandes haben jetzt eine Selbstverwaltung,
und ihre gewählten Politiker arbeiten mit Israel bei der
Bekämpfung des Terrorismus zusammen. Israel hat
mit Jordanien Frieden geschlossen und mit
zahlreichen
Ländern
der
arabischen
Welt
diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen
geknüpft. Die bereits erzielten Abkommen stellen für
die Vereinigten Staaten und die Länder in der Region
einen strategischen Gewinn dar. In einer Zeit des
Übergangs und der Herausforderungen sind wir zur
Zusammenarbeit mit Israel und unseren arabischen
Partnern entschlossen, um das bereits Erreichte zu
erhalten und darauf aufzubauen.
Auch in unserer Hemisphäre waren die Vereinigten
Staaten eine wirksame Kraft für Stabilität. Unsere
Truppen kamen friedlich nach Haiti und verließen das
Land rechtzeitig nach der Wiederherstellung der
demokratischen
Herrschaft,
Eindämmung des
Flüchtlingsstroms und Verteidigung des Grundsatzes,
daß Demokratie nicht ungestraft zerstört werden kann.
In Südamerika trug unsere Diplomatie zur Beendigung
des Konflikts zwischen Peru und Ecuador sowie zur
Bekämpfung von Bedrohungen der Demokratie in
Guatemala und Paraguay bei.
Jetzt möchte ich ein zweites Gebiet ansprechen, auf
dem wir viel erreicht haben: Wir haben der Pflege

Seite 2

konstruktiver Beziehungen zu den Großmächten der
Welt hohe Priorität eingeräumt. Ich erwähnte bereits
Europa und Japan, aber wir verstärken auch unsere
Zusammenarbeit mit Rußland und China zu einem
Zeitpunkt, an dem sich beide Länder inmitten eines
gewaltigen und schwierigen Übergangsprozesses
befinden.
Vor zwei Wochen passierte Rußland bei seiner
Entwicklung zu einer stabilen Demokratie einen
wichtigen Meilenstein. Wir wissen seit langem, daß
Rußlands Weg zu Reformen lang und steinig sein
würde. Die Wiederwahl Präsident Jelzins bedeutet
jedoch, daß das russische Volk trotz der erlittenen
Härten zu weiteren Fortschritten entschlossen ist. Der
demokratische Prozeß bewirkt eine Umgestaltung
Rußlands. Mit jedem Tag macht er eine Rückkehr zu
der repressiven Vergangenheit weniger wahrscheinlich
und eröffnet unseren beiden Ländern enorme
Chancen. Wir nutzen diese Chancen beispielsweise
zur Verringerung unserer Nuklearwaffenarsenale,
Bekämpfung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
und dem Schmuggel damit sowie für die Arbeit am
Frieden in Bosnien und im Nahen Osten.
Wir haben auch unserem Verhältnis zu China neue
positive Dynamik verliehen, nachdem wir in unseren
Beziehungen schwierige Zeiten durchlebt haben. Wir
schlössen nützliche Abkommen zur Kontrolle der
nuklearen Weiterverbreitung und zum Schutz geistigen
Eigentums der Vereinigten Staaten. Wir werden diese
mächtige Nation zu einer Fortsetzung ihrer
Modernisierung auf eine Art und Weise ermutigen, die
einen Beitrag zu Sicherheit und Wohlstand der Region
leistet.
Drittens. 1993 erklärte der Präsident, wir würden die
Wirtschaftspolitik zum Mittelpunkt unserer Außenpolitik
machen, und das ist geschehen. Das Ergebnis war
eine Reihe bedeutender Handelsvereinbarungen und
-Verpflichtungen, die für jedes exportabhängige
amerikanische Unternehmen und die Millionen dort
Beschäftigter von Vorteil sind. Die Liste umfaßt das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA),
die Uruguay-Runde des GATT, die Verpflichtung von
Miami zur Erlangung von freiem und offenem Handel in
unserer Hemisphäre bis zum Jahr 2005 sowie die
Verpflichtung des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC), dasselbe Ziel
bis zum Jahr 2020 zu erreichen. Ferner beinhaltet sie
21 Abkommen mit Japan über Marktöffnung. Die
Entscheidung des Präsidenten, Mexiko bei der
Erholung von seiner Wirtschaftskrise zu helfen, war ein
deutliches Beispiel für die vom Präsidenten im
Alleingang übernommene Führungsrolle und meines
Erachtens eine seiner besten Entscheidungen.
Ebenso wichtig ist aber auch unsere Fähigkeit, unser
wirtschaftliches Haus in Ordnung zu bringen.
Während meiner ersten Monate als Außenminister

AMERIKA DIENST 14

�erinnerten uns unsere Verbündeten beständig an die
Notwendigkeit, etwas zur Bekämpfung unseres
Haushaltsdefizits und seiner negativen Auswirkungen
auf die Weltwirtschaft zu unternehmen. Wir haben
riesige Fortschritte gemacht. Beim Wirtschaftsgipfel
der G-7 in Lyon vergangenen Monat wurde deutlich,
daß wir von der ganzen Welt um unsere Wirtschaft
beneidet werden, und das stärkte spürbar unsere
Glaubwürdigkeit. Es ist eine anschauliche Illustration,
wie nahtlos Innen- und Außenpolitik ineinander
übergehen.
Viertens hat der Präsident erkannt, daß die
zunehmende Offenheit und Interdependenz des
internationalen Systems, das uns so große Vorteile
bringt, auch eine Reihe neuer Gefahren hervorbringt Gefahren wie internationales Verbrechen, Terrorismus,
Drogenhandel,
Umweltzerstörung
und
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Präsident
Clinton hat die Bekämpfung dieser Bedrohungen ins
Zentrum unserer Außenpolitik gestellt. Ich persönlich
habe die Bekämpfung des Terrorismus - und der
Terrorismus fördernden Staaten - an die oberste Stelle
der Tagesordnung des Außenministeriums gesetzt.
Wir haben eindeutig klargestellt, daß sich die
Vereinigten Staaten nicht durch Terroranschläge
einschüchtern lassen. Auf Initiative des Präsidenten
wurde beim Lyoner Gipfeltreffen ein Paket mit 40
spezifischen Empfehlungen zur Bekämpfung von
internationalem Verbrechen und Terrorismus verabschiedet.
Ich habe auch die Integration der umweltpolitischen
Zielsetzungen der Vereinigten Staaten in die Arbeit des
Außenministeriums und unserer Diplomaten im
Ausland zu einer persönlichen Priorität erklärt.
Unter der Führung des Präsidenten schützen wir das
amerikanische Volk vor der Bedrohung der nuklearen
Weiterverbreitung.
Die
letzten
nuklearen
Gefechtsköpfe haben jetzt im Rahmen unseres
trilateralen Abkommens mit der Ukraine und Rußland
die Ukraine verlassen. Die in Rußland verbliebenen
Gefechtsköpfe sind nicht länger gegen unsere Städte
und Häuser gerichtet. Im vergangenen Jahr trugen die
Vereinigten Staaten zur unbegrenzten Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) bei. Da jedes
Land der Welt zum N W seine Stimme abgeben

konnte, mußten unsere Diplomaten in jeder Hauptstadt
der Welt präsent sein, um dieses Ziel zu
erreichen, was uns nachdrücklich die Notwendigkeit
zur Beibehaltung unserer globalen Präsenz vor Augen
führt. Heute arbeiten wir auf die Erlangung eines
umfassenden Vertrags über die Ächtung von
Atomtests hin und erfüllen damit ein von Präsident
Kennedy vor drei Jahrzehnten gesetztes Ziel.
Ich habe Ihnen das breite Spektrum amerikanischer
Interessen auf der Welt dargelegt. Ich möchte jedoch
auch betonen, daß wir diese Interessen nicht ohne die
Beibehaltung unserer Führungsrolle schützen können.
Natürlich ist es leicht, über Führung zu sprechen. Der
Prüftein wird jedoch sein, ob wir die erforderlichen
Ressourcen zur Erfüllung unserer Versprechen
aufbringen können. Bloße Rhetorik ohne Ressourcen
projiziert Schwäche, nicht Stärke.
Um zu führen, müssen die Vereinigten Staaten auch
die Unterstützung ihrer Verbündeten, Freunde und der
internationalen Institutionen zur Erlangung gemeinsamer Ziele mobilisieren. Einige sagen, wir können es
uns leisten, unsere vor einem halben Jahrhundert
eingegangene Verpflichtung gegenüber internationalen
Institutionen wie den Vereinten Nationen und der
Weltbank einzuschränken. Aber wir können nicht den
Institutionen den Rücken kehren, die uns die Kosten
der Führungsrolle tragen helfen, es sei denn, wir
wollen ein Amerika, das der einzige Weltpolizist,
Rettungsdienst und die einzige Kreditanstalt ist.
Amerika wird im Alleingang handeln, wenn es seine
Interessen verteidigen muß. Wir sollten uns jedoch
nicht der Fähigkeit berauben, Lasten zu teilen, wenn
wir können.
Bei meinen Reisen ins Ausland wird mir überdeutlich
klar, warum Amerika immer noch die vorherrschende
Macht der Welt ist. Die Nationen der Welt blicken auf
uns als
verläßliche Führungsmacht mit hohen
Grundsätzen. Sie sehen uns als optimistisches Volk,
das durch seine Interessen motiviert und von seinem
Potential geleitet ist.
Sie folgen uns, weil sie
verstehen, daß Amerikas Kampf für Frieden und
Freiheit der Kampf der Welt ist. Wenn wir unsere
Führungsrolle erhalten wollen, müssen wir weiterhin
gemäß den besten Traditionen unserer Nation und
unseres Volkes handeln.

* *

AMERIKA DIENST 14

*

Seite 3

�USA-KUBA
24. Juli 1996

Aussetzung von Titel III des Helms-Burton-Gesetzes
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton beschloß die Aussetzung des Rechts amerikanischer Staatsbürger und
Unternehmen, ausländische Firmen zu verklagen, die Geschäfte mit durch das Castro-Regime in Kuba
verstaatlichtem amerikanischem Eigentum machen. Gleichzeitig riet der Präsident die Verbündeten der
Vereinigten Staaten dazu auf, gemeinsam mit Amerika konkrete Schritte zur Förderung der Demokratie in Kuba
zu unternehmen. Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Präsident Clinton am 16. Juli 1996
abgegebenen Erklärung.

Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich mich einer
überparteilichen Politik verpflichtet, die den friedlichen
Übergang zu Demokratie in Kuba fördert. Im Einklang
mit dem Cuban Democracy-Gesetz und den Bestrebungen meiner Vorgänger halte ich ein hartes Wirtschaftsembargo gegen das kubanische Regime
aufrecht und unterstütze gleichzeitig das kubanische
Volk bei seinem Kampf für Freiheit und Wohlstand.
Die Vereinigten Staaten waren in diesem Kampf oft auf
sich selbst angewiesen, da unsere Verbündeten und
Freunde der Ansicht waren, es sei falsch, Kuba zu
Veränderungen zu zwingen.
Vor fünf Monaten wurde der Welt eine harte Lektion
erteilt, warum wir mehr Druck auf Kuba ausüben
müssen. Am hellen Tag und ohne Rechtfertigung
schössen kubanische Militärflugzeuge über internationalen Gewässern zwei unbewaffnete amerikanische
Zivilflugzeuge ab, wobei vier Amerikaner und ExilKubaner ums Leben kamen. Ich ergriff sofort Maßnahmen, um meine Entschlossenheit zu demonstrieren, in Kuba den Wandel zu fördern. Diese
umfaßten auch die Unterzeichnung des Gesetzes
Cuban Liberty and Democratic Solidarity (LIBERTAD),
das die Sanktionen verschärft, die Sache der Freiheit
in Kuba fördert und die Interessen amerikanischer
Staatsbürger schützt, die vom kubanischen Regime
enteignet wurden. Und ich rief die internationale
Staatengemeinschaft auf, die kubanischen Aktionen zu
verurteilen.
Jetzt ist es an der Zeit, daß unsere Verbündeten und
Freunde gemeinsam mit uns konkrete Schritte zur

AMERIKA DIENST 14

Förderung der Demokratie in Kuba unternehmen. Aus
diesem Grund gebe ich heute eine Maßnahme bezüglich Titel III des LIBERTAD-Gesetzes bekannt, die
unsere Verbündeten zur Zusammenarbeit mit uns und
Beschleunigung des Wandels in Kuba ermutigen soll.
Titel IM gestattet amerikanischen Staatsbürgern,
ausländische Firmen zu verklagen, die Geschäfte mit
vom kubanischen Regime beschlagnahmtem amerikanischem Eigentum machen. Ferner gibt das Gesetz
mir die Befugnis, entweder die Inkraftsetzung von Titel
IM auszusetzen oder die Frist zu verschieben, bis zu
der Amerikaner das Recht zu solchen Klagen haben,
wenn mir das für unsere nationalen Interessen erforderlich erscheint und den Übergang zu Demokratie
in Kuba beschleunigt. Ich habe beschlossen, kraft der
mir vom Kongreß verliehenen Befugnisse die Wirksamkeit von Titel III zu maximieren, indem ich unsere
Verbündeten zur Zusammenarbeit mit uns bei der
Förderung der Demokratie in Kuba ermutige.
Ich werde die Inkraftsetzung von Titel III zulassen.
Infolgedessen werden alle in Kuba tätigen Unternehmen hiermit in Kenntnis gesetzt, daß sie bei Geschäften mit enteignetem amerikanischem Besitz mit einem
Prozeß in den Vereinigten Staaten rechnen müssen
und dort haftbar gemacht werden. Dies wird als
Abschreckung von solchen Geschäften dienen - ein
wichtiges Ziel des LIBERTAD-Gesetzes.
Gleichzeitig setze ich das Recht, Klage zu erheben,
ein halbes Jahr aus. Während dieser Zeit wird meine
Administration darauf hinarbeiten, die Unterstützung

Seite 1

�der internationalen Staatengemeinschaft bei einer
Reihe von Schritten zur Förderung der Demokratie in
Kuba zu gewinnen. Diese Schritte beinhalten folgendes: Verstärkung des Drucks auf das Regime zur
politischen und wirtschaftlichen Öffnung, Unterstützung
der Kräfte des Wandels auf der Insel, Aussetzung von
Auslandshilfe für Kuba und Förderung von Geschäftspraktiken, die Demokratie an den kubanischen Arbeitsplatz bringen.
Am Ende dieses Zeitraums werde ich entscheiden, ob
die Aussetzung teilweise oder vollständig aufgehoben
wird - abhängig davon, ob andere sich uns bei der
Förderung der Demokratie in Kuba anschließen.
Unsere Verbündeten und Freunde werden einen
starken Anreiz zu wirklichen Fortschritten erhalten,
denn bei Gültigkeit von Titel III können auch während
der Zeit der Aussetzung unumkehrbare Urteile über
Haftbarkeit gefällt werden, und es könnte sofort nach
der Aufhebung der Aussetzung Klage erhoben werden.
Und aus demselben Grund werden ausländische
Unternehmen einen starken Anreiz erhalten, Geschäfte mit beschlagnahmtem Besitz umgehend
einzustellen - die einzige sichere Möglichkeit, in
Zukunft Prozesse zu vermeiden.
Unsere Verbündeten und ausländischen Geschäftspartner wissen aufgrund unserer Aktionen während
der vergangenen vier Monate, daß meine Administration zur nachdrücklichen
Durchsetzung des
LIBERTAD-Gesetzes entschlossen ist. Beispielsweise
verbietet Titel IV den Personen die Einreise in die
Vereinigten Staaten, die mit beschlagnahmtem
Eigentum amerikanischer Staatsbürger Geschäfte
machen. Meine Administration hat bereits mehrere
Ausländer benachrichtigt, daß sie nicht mehr in die
Vereinigten Staaten einreisen dürfen. Um das zu
vermeiden, hat sich bereits eine beträchtliche Anzahl
ausländischer Unternehmen zum Verlassen Kubas
entschlossen, wodurch der Ressourcenzufluß verringert wird, den das Regime zur Aufrechterhaltung
seiner Macht nutzt.
Die heutige Maßnahme stellt den besten Weg zur

Seite 2

Erlangung unserer gemeinsamen, parteiübergreifenden Ziele dar: Isolierung der kubanischen Regierung
und Ausübung starken internationalen Drucks auf die
kubanische Führung bei gleichzeitiger Wahrung der
sehr realen Möglichkeit einer vollständigen Inkraftsetzung von Titel III, falls das nötig erscheinen sollte.
Indem wir mit unseren Verbündeten vorgehen - nicht
gegen sie - vermeiden wir eine Spaltung, die das
kubanische Regime zweifelsohne ausnutzen würde.
Die Bildung eines internationalen Konsenses vermeidet Handelsstreitigkeiten, die amerikanischen Arbeitnehmern und Unternehmen schaden sowie Arbeitsplätze im Inland zerstören würden. Und er wird zur
Wahrung unserer Führungsrolle bei internationalen
Organisationen beitragen.
Wir werden wenn möglich mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten. Sie müssen jedoch verstehen,
daß Länder und ausländische Unternehmen, die
Vorteile aus verstaatlichtem Besitz ziehen, vor eine
klare Wahl gestellt werden: Sie können ihre Geschäfte
mit diesem Eigentum einstellen. Sie können sich
unseren Bestrebungen zur Förderung des Übergangs
zu Demokratie in Kuba anschließen. Oder sie können
das Risiko einer vollständigen Inkraftsetzung von Titel
IM eingehen. Wie unsere Verbündeten von unserer
Durchsetzung anderer Bestimmungen des Gesetzes
während der vergangenen vier Monate wissen, nimmt
meine Administration diese Verantwortung sehr ernst.
In den letzten vier Jahrzehnten haben sich Administrationen von Republikanern und Demokraten gleichermaßen für den Übergang zu Demokratie im letzten
nichtdemokratischen Regime unserer Hemisphäre
eingesetzt. Die internationale Staatengemeinschaft
sollte bereit sein, das zu ihrem Anliegen zu machen.
Bei einer Durchsetzung entsprechend der heutigen
Entscheidung bietet Titel III des LIBERTAD-Gesetzes
uns ein wirksames Instrument für die Bildung einer
stärkeren internationalen Koalition für Demokratie in
Kuba, falls möglich - und starkes Rüstzeug zur Führung dieses Kampfes im Alleingang, falls nötig. Das
liegt im besten Interesse unseres Landes und im
besten Interesse des kubanischen Volkes.

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�USA-RUSSLAND

24. Juli 1996

Demokratie, Freiheit und Wohlstand als Vermächtnis
Ansprache von Vizepräsident AI Gore

MOSKAU - (AD) - Nach Ansicht von Vizepräsident AI Gore haben die Mitglieder der amerikanisch-russischen
Kommission für wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit eine "einmalige Chance, nachfolgenden
Generationen die Gaben der Demokratie, Freiheit und des Wohlstands als Vermächtnis zu hinterlassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Vizepräsident AI Gores vom 15. Juli 1996 bei der Plenarsitzung der
Kommission, deren Vorsitz er sich mit dem russischen Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin teilt.

Herr Ministerpräsident, auch im Namen meiner
Kollegen möchte ich Ihnen für Ihre aufmerksame und
bewegende Geste danken, eine Schweigeminute für
Ron Brown einzulegen.
Ich freue mich sehr, wieder in Moskau zu sein und
mich erneut der bedeutenden und historischen
Aufgabe unserer Kommission zuzuwenden, produktive, dynamische und vor allem normale Beziehungen
zwischen unseren Nationen und unseren Völkern
herzustellen.
Wie Rußland der Welt vor wenigen Tagen bei den
Wahlen zeigte, sind unsere Nationen und unsere
Völker durch weitaus mehr verbunden als nur geographische Gegebenheiten und gegenseitige Interessen.
Wir teilen auch den elementaren Glauben an die Ideale
der Freiheit, die Macht der Demokratie und das Recht
jedes einzelnen Bürgers, ungeachtet seiner gesellschaftlichen Stellung oder seiner Wirtschaftslage
gehört zu werden und eine bessere Zukunft in Aussicht
gestellt zu bekommen. Am 3. Juli hatte das russische
Volk die Wahl. Es entschied sich für die Gestaltung
einer vielversprechenden eigenen Zukunft. Im Namen
aller Amerikaner - und vielleicht darf ich im Namen
aller Menschen sprechen, die sich für Demokratie
einsetzen - möchte ich dem russischen Volk gratulieren.
Dies ist wirklich ein ganz besonderer Augenblick für
unsere Nationen. Es ist wahrhaft ein Scheideweg für
die Zukunft Rußlands als freie Nation. Die Geschichte
hat dem russischen Volk diese Chance nur einmal in

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einem Jahrtausend geboten. Wir hier haben jetzt als
Mitglieder dieser Kommission die gleiche Chance,
dauerhafte gewohnheitsmäßige Zusammenarbeit,
Freundschaft und Freiheit zu schaffen, die ein weiteres
Jahrtausend überdauern. Aus diesem Grund ist die
von dieser Kommission geleistete Arbeit von elementarer Bedeutung.
Bei sieben Gesprächsrunden während mehr als drei
Jahren harter Arbeit sind die besten und klügsten
Staatsbeamten unserer Nationen für eine gemeinsame
Sache hier in Moskau und in Washington zusammengetroffen, um die Strukturen zu vervollkommnen, auf
denen langfristig die Zukunft der russisch-amerikanischen Beziehungen ruht: Freie Marktwirtschaft und
freie Gedanken sowie Gesetze und Institutionen, die
im Bereich von Handel und Investitionen zwischen
unseren Nationen freies Unternehmertum ermöglichen.
Die gemeinsamen Bestrebungen erstrecken sich auch
auf die Vertiefung des Wissens über unseren Planeten
und die gerechte und sichere Welt, die wir gemeinsam
aufbauen müssen. Von gemeinsamen Weltraumprojekten bis zu innovativen Partnerschaften in
größerer Nähe zur Erde bahnt die Zusammenarbeit
unserer Länder inzwischen einen Weg zu einem
neuen Zeitalter des Friedens und Wohlstands für
unsere Nationen und unsere Bürger.
Jetzt ist es an der Zeit, diese Strukturen zu vervollkommnen. Jetzt ist es an der Zeit, daß wir uns mit
Herz und Verstand für den Abschluß der Revolution
einsetzen, die wir begonnen haben. Ich weiß, daß wir

Seite 1

�gemeinsam die Tür zu Investitionen und Handel öffnen
können. Wir können die Hindernisse im wirtschaftlichen Bereich beseitigen und an ihrer Stelle Chancen
für unsere Bürger eröffnen, die so grenzenlos sind wie
der Ideenreichtum und die Ausdauer unserer Unternehmer.
Gemeinsam können wir Schritte zur Ausrottung von
Krankheiten wie Diphterie unternehmen, die keine
Grenzen kennen. Gemeinsam können wir die Sicherheit und sichere Lagerung des auf unserem
Boden verbleibenden Nuklearmaterials fördern.
Gemeinsam können wir uns auf so unterschiedlichen
Gebieten wie Weltraumforschung, Energiewirtschaft,
Rüstungskonversion, Landwirtschaft, Wissenschaft
und Technologie auf die großen Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts vorbereiten. Dabei werden wir
die Fähigkeiten dieser Kommission auf die Probe
stellen, denn wir können unsere Ziele nur durch die
Vergrößerung unseres Aktionsradius erlangen.
Wir können unsere Fähigkeit zur Beseitigung von
Hindernissen nur testen, wenn wir uns den Herausforderungen unseres Zeitalters stellen. Nur durch
offenen und ehrlichen Dialog werden wir die Partnerschaft und Freundschaft zwischen unseren großartigen Nationen vertiefen. Ich bin stolz auf die von
uns geleistete gemeinsame Arbeit und sehe den vor
uns liegenden Chancen erwartungsvoll entgegen.
Die ganze Welt hat großen Respekt vor den vom
russischen Volk in den vergangenen fünf Jahren
erzielten enormen Fortschritten. 60 Prozent der
Produktion entfallen jetzt auf den Privatsektor, in dem
bereits mehr russische Bürger arbeiten als in verschiedenen anderen westeuropäischen Nationen.
Rußland hält die Inflationsrate unter Kontrolle, hat die
Preise freigesetzt, entwickelt Kapitalmärkte und läßt
seine Bürger Erfahrungen mit Privatbesitz machen.
Diese Veränderungen sind wahrhaft revolutionär, aber
zweifelsohne wird sich in unseren beiden Ländern
noch weitaus mehr wandeln.
Wir müssen kühnere, konkretere Schritte unternehmen
um sicherzustellen, daß Russen und Amerikaner
miteinander Geschäfte abwickeln können. Wir müssen
dynamischer zusammenarbeiten, um übereinstimmende und kalkulierbare Steuer- und Investitionskodizes,
Zollstrukturen und Vorschriften für Unternehmen zu
entwickeln, die den Wirtschaftsbeziehungen förderlich
sind. Noch wichtiger ist jedoch, daß sie von Vorteil für
das russische Volk sind und ihm die angestrebten
Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Sicherheit vermitteln. Diese Kommission leistet harte Arbeit zur
Erlangung dieser Ziele.
Wir machen echte Fortschritte. Ich bin überzeugt, daß
jedesmal, wenn ein Amerikaner ein russisches Labor

Seite 2

betritt, jedesmal, wenn ein Russe eine amerikanische
Universität besucht, jedesmal, wenn Russen und
Amerikaner sich im Weltraum die Hände reichen, der
Austausch von Wissen die Zukunft unserer Länder
weiter sichert. Wir haben bei unseren sieben Gesprächsrunden viele Fortschritte gemacht. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, diesen Prozeß zu beschleunigen
und das Versprechen von beherzten Reformen in
Rußland zu erfüllen.
Rußland hat ganz offensichtlich großes Interesse
daran, daß wir dies tun. Aber es ist auch ein großes
Interesse der Vereinigten Staaten, denn Fortschritte
beim weiteren Vorgehen lassen Rußland zu einer
stabileren, stärkeren Großmacht werden, die Offenheit
und Konkurrenzfähigkeit auf den russischen Märkten
schafft, was eindeutig im Interesse Rußlands liegt. Wir
werden die Unterstützung für Demokratie und Reformen konsolidieren, die die russischen Wähler am 3.
Juli auf so eloquente und historische Weise an der
Wahlurne bekundeten. Das ist der Kern der vor uns
liegenden Chancen.
Wir dürfen bei unserer Aufgabe nicht scheitern. Wir
dürfen uns nicht durch Unsicherheit oder Angst
entmutigen lassen. Wir dürfen nicht diese außergewöhnliche Chance verpassen. Es ist eine einmalige
Chance, nachfolgenden Generationen die Gaben der
Demokratie, Freiheit und des Wohlstands als Vermächtnis zu hinterlassen.
Viktor Stepanowitsch, liebe Freunde, ich bin sehr stolz
und fühle mich geehrt, gemeinsam mit Ihnen an
diesem großartigen Unterfangen teilzuhaben und freue
mich auf unseren Erfolg. Gestatten Sie mir, die
Mitglieder der Kommission auf unserer Seite vorzustellen: Leon Fuerth, Botschafter Thomas Pickering,
der Stellvertretende Wirtschaftsminister Barry Carter,
Wirtschaftsminister Mickey Kantor, Energieministerin
Hazel O'Leary, Gesundheitsministerin Donna Shalala,
die Direktorin der Umweltbehörde Carol Browner, der
Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten Dr. Jack Gibbons, der Stellvertretende
Landwirtschaftsminister Rieh Rominger, Kommissar
Isaac Hunt vom Ausschuß für Effekten und Wechselverkehr, NASA-Direktor Dan Golden, Staatssekretär
Jim Baker vom Nationalen Amt für Ozeanographie und
Meteorologie (NOA), der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott, der Stellvertretende Finanzminister Larry Summers, der Vizepräsident der
Entwicklungsgesellschaft OPIC, Dan Riordan, Botschafter James Collins, Botschafter Richard Morningstar sowie der Leiter unserer Behörde für kleine und
mittelständische Unternehmen, Phil Lader.
Herr
Ministerpräsident, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und allen unseren russischen Freunden.

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�USA-RUSSLAND
24. Juli 1996

Amerika muß die Ärmel hochkrempeln
und sich an die Arbeit machen
Rede des Stellvertretenden Außenministers

WASHINGTON - (AD) - Nachdem das russische Volk zum ersten Mal in seiner tausendjährigen Geschichte das
Staatsoberhaupt gewählt hat, werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten die Ärmel
hochkrempeln und sich mit den Russen an die Arbeit machen, äußerte der Stellvertretende Außenminister Strobe
Talbott in einer Rede vor dem amerikanisch-russischen Unternehmensrat am 11. Juli 1996.
Die Vereinigten Staaten werden sich bei der Zusammenarbeit mit dem russischen Volk auf drei umfassende
Bereiche konzentrieren: Sicherheit, regionale Kooperation sowie Wirtschaft und Handel.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Stellvertretenden Außenministers in wesentlichen
Auszügen.

Die amerikanisch-russischen Beziehungen:
Die nächste Phase
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, heute hier sein zu
dürfen. Ich kann mir kein geeigneteres Publikum für
eine Rede über die amerikanisch-russischen Beziehungen vorstellen. Die amerikanische Regierung und
der amerikanische Privatsektor sind in sehr realer
Weise Partner bei dem gemeinsamen Unternehmen,
die Reformen in Rußland zu fördern, daran teilzuhaben
- und davon zu profitieren. Sie haben ein geschäftliches Interesse daran, daß Rußland beim Übergang
vom Sowjetkommunismus zu Demokratie und Marktwirtschaft sowie der vollständigen Integration in die
übrige Welt Erfolg hat - und wir haben ein nationales
Sicherheitsinteresse daran. Von unseren unterschiedlichen Standpunkten aus und mit unseren
unterschiedlichen Ressourcen arbeiten wir bei der
Unterstützung dieses Übergangs zusammen.
In den vergangenen Jahren und insbesondere in den
letzten Monaten haben wir die Höhen und Tiefen, die
Ecken und Kanten der russischen Politik erlebt.
Gemeinsam haben wir sie erlebt - mit einem unterschiedlichen Maß an Skepsis. Die herkömmlichen
Meinungen über Rußland vermischten sich - wie schon
so oft - mit Pessimismus, sogar Panik und verzweifelten Ratschlägen. Seit Januar haben wir Experten

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gehört, die zunächst im Brustton der Überzeugung
prognostizierten, daß Boris Jelzin die Wahl verlieren
würde; dann, daß er sie absagen würde; dann, daß er
Wahlbetrug begehen würde; dann, daß er sie nicht
überleben würde. Von Anfang an und im gesamten
Verlauf dieser langen Periode der Spannung, Tumulte
und Kontroversen stellten Präsident Clinton und
Außenminister Christopher sicher, daß wir für jedes
Ergebnis gerüstet waren. Sie bewahrten sich jedoch
auch das Vertrauen in die Demokratie und die kluge
Politik eines aktiven, geduldigen Engagements für ein
sich reformierendes Rußland. Mit der Entscheidung
für diese Strategie und ihrer Beibehaltung wiesen sie
die Ratschläge der Niedergangspropheten zurück, die
tatsächlich eine Rückkehr zur Politik der Eindämmung
und Konfrontation aus der Zeit des Kalten Krieges
forderten.
Und dies ist unsere Sichtweise der Ereignisse der
letzten Woche in Rußland. Für das russische Volk war
die Wahl eine Chance, seine Hoffnungen und Ängste
bezüglich einer Reihe von Themen zum Ausdruck zu
bringen: Von Kriminalität und Korruption über Tschetschenien und Privatisierung bis zu sozialer Sicherheit
und Unsicherheit. Aber im umfassendsten und tieferen
Sinne war es eine Abstimmung darüber, ob man den in
den vergangenen fünf Jahren eingeschlagenen

Seite 1

�schwierigen Kurs beibehalten oder die Uhr zurückdrehen sollte.
Präsident Clinton hat die Entscheidung vor zweieinhalb
Jahren präzise formuliert. Während seines ersten
Besuchs in Moskau als Präsident im Januar 1994
stellte er dem russischen Volk eine grundlegende
Frage. "Wie werden Sie Ihre Rolle in der Welt als
Großmacht definieren?", fragte er. "Werden Sie sie
anhand der Bedingungen von gestern oder der von
morgen definieren?"
In der vergangenen Woche beantwortete eine eindeutige Mehrheit der Russen diese Frage mit ihrer
Stimme für Reformen, für die Zukunft und gegen einen
Kandidaten, der eine Partei repräsentiert, deren Name
schon ein Synonym für die Vergangenheit ist. Und als
die Russen zum ersten Mal in ihrer tausendjährigen
Geschichte ihr Staatsoberhaupt wählten, stimmten sie
auch entschieden für die Demokratie selbst. Über 72
Millionen Bürger, über 67 Prozent der in Frage kommenden Wähler gingen in die 96.000 Wahllokale von
Kaliningrad bis Wladiwostok über die elf Zeitzonen der
Russischen Föderation hinweg. Diese Zahlen sind
ebenso beeindruckend und bedeutend wie der Wahlsieg mit 14 Prozent Vorsprung.
Die russische Demokratie und die amerikanische
Unterstützung der russischen Demokratie haben also
beide eine wichtige Probe bestanden. Aber es war
natürlich kein endgültiger Test - ganz und gar nicht.
Die Reformen sind schwierig und noch im Gange. Sie
werden eine Generation oder länger dauern. Sie sind
von Unzulänglichkeiten und dem, was die Marxisten erinnern Sie sich an sie? - als "interne Widersprüche"
bezeichnen würden, gekennzeichnet. Viele Russen
setzen Reformen immernoch mit Härten und Gefahren
gleich. Schließlich stimmten 40 Prozent für Sjuganow.
Und nicht alle, die Boris Jelzin wählten, sind mit dem
Leben heute zufrieden.
Dennoch wird Präsident Jelzin, wenn er seine zweite
Amtszeit beginnt, einen bedeutenden neuen Aktivposten zur Bewältigung der ihn konfrontierenden
beängstigenden Herausforderungen haben. Er hat
jetzt ein klares Mandat des russischen Volkes zur
Fortsetzung seines Reformprogramms. Während er
dieses Mandat nutzt, kann er mit unserem kontinuierlichen Engagement rechnen. Er kann auch mit unserer
vollständigen Offenheit bezüglich der Bedingungen
dieses Engagements rechnen. Unsere Unterstützung
für Rußland ist nicht bedingungslos. Das war nie der
Fall. Wie Präsident Eisenhower einmal sagte: "Ich
habe eine Meßlatte, mit der ich jedes Problem teste: Ist
es gut für Amerika?" Präsident Clinton wendet dieselbe Meßlatte an. Jedes Mal, wenn wir uns einem
neuen Problem gegenübersehen oder ein altes
wiederauftaucht, messen wir es an unseren eigenen
Interessen und wägen unsere Politik entsprechend ab.

Seite 2

Die erste große Chance unseres Engagements für die
Jelzin-Administration der zweiten Amtszeit bietet sich
an diesem Wochenende, wenn unser Vizepräsident
zum siebten Treffen der Gore-TschernomyrdinKommission nach Rußland reist. In Begleitung des
Vizepräsidenten befinden sich Verteidigungsminister
Perry, Wirtschaftsminister Kantor, Energieministerin
O'Leary, Gesundheitsministerin Shalala und eine
Reihe weiterer hochrangiger Regierungsvertreter.
Dazu zählen zwei Kollegen, die diesem Publikum gut
bekannt sind: Jim Collins und Dick Morningstar, die
dank der jüngsten Aktionen des Senats jetzt als
Botschafter angesprochen werden, oder - wenn Sie
dies bevorzugen - als Ihre Exzellenz. Wie Sie alle
wissen, hat sich diese Kommission als unschätzbarer
Mechanismus erwiesen. Die starken persönlichen und
beruflichen Bande, die der Vizepräsident mit dem
Ministerpräsidenten entwickelt hat, waren eine Kraft für
Stabilität in den amerikanisch-russischen Beziehungen
und für Fortschritte bei den russischen Reformen.
Wir erachten es als bedeutend und ermutigend, daß
Präsident Jelzin die Bildung seiner neuen Regierung
damit begonnen hat, Herrn Tschernomyrdin zu bitten,
als sein Ministerpräsident im Amt zu bleiben. Viktor
Stepanowitsch hat sich als unerschütterlich in seiner
Befürwortung der Reformen und effektiv bei ihrer
Umsetzung erwiesen. Er hat eine Schlüsselrolle bei
der Umgestaltung einer autoritären, zentral gelenkten
Wirtschaft, der Privatisierung des industriellen Sektors,
Bekämpfung der Inflation, Entwicklung von Kapitalmärkten sowie dabei gespielt, den Russen erste
Erfahrungen mit Privatbesitz zu verschaffen. Er hat
sich effektiv mit der Führung des Industriemanagement-Programms und führenden Vertretern unserer
eigenen Regierung auseinandergesetzt.
Es bleibt jedoch noch viel Arbeit zu tun. In den
kommenden Monaten werden wir die GoreTschernomyrdin-Kommission und andere Foren
nutzen, um unsere Ärmel hochzukrempeln und uns mit
den Russen an die Arbeit zu begeben. Wir werden
uns auf drei umfassende Bereiche konzentrieren:
Sicherheit, regionale Kooperation sowie Wirtschaft und
Handel. Ich möchte kurz auf jedes Gebiet unter
besonderer Berücksichtigung des dritten eingehen.
Erstens Sicherheit - die wirklich an erster Stelle
kommen sollte, da sie das grundlegendste aller
Probleme betrifft: Unsere Sicherheit, in der Tat unser
Überleben als Nation. In den vergangenen dreieinhalb
Jahren haben wir bereits unsere jeweiligen Nukleararsenale um 9.000 Gefechtsköpfe reduziert. Wir werden
auf weitere Reduzierungen drängen und zusätzliche
3.000 Gefechtsköpfe zerlegen. Wir werden weiterhin
mit den Russen bei der Verringerung der Waffenarsenale, der Einstellung von Atomtests und der
Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und Massenvernichtungswaffen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten.

AMERIKA DIENST 14

�Zweitens arbeiten wir - wann immer und wo immer
möglich - in den Krisenregionen der Welt zusammen,
anstatt miteinander zu konkurrieren.
Das beste
Beispiel ist Bosnien, wo amerikanische und russische
Soldaten Seite an Seite Dienst tun. Verteidigungsminister Perry wird bei seinen Gesprächen in Moskau
kommende Woche Fragen der Sicherheit und regionalen Zusammenarbeit ansprechen.
Jetzt möchte ich mich dem Gebiet zuwenden, das für
Sie von unmittelbarem Interesse ist. Der Ausgang des
russischen Reformprozesses im allgemeinen hängt
tatsächlich insbesondere davon ab, was mit den
russischen Wirtschaftsreformen geschieht.
Die
Erhöhung von Sicherheit, Stabilität und Wohlstand, die
Millionen Russen vergangene Woche mit ihrer Stimme
bei den Wahlen forderten, bleibt außer Reichweite,
wenn Rußland nicht der Übergang von einer Kommandowirtschaft zu einer offenen Marktwirtschaft gelingt.
Die amerikanischen Unternehmer müssen eine
entscheidende Rolle übernehmen, damit Rußland
diesen Übergang vollziehen kann. Sie, meine Damen
und Herren, besitzen die erforderlichen Ressourcen
und das Fachwissen.
Boris Jelzin weiß das. Bei seinem Telefongespräch
mit Präsident Clinton vergangenen Freitag übermittelte
er eine wichtige Botschaft. Er bat die Vereinigten
Staaten eindringlich, bei der Mobilisierung von Privatinvestitionen in großem Umfang zu helfen. Präsident
Clinton erwiderte, die Vereinigten Staaten würden alles
in ihrer Macht Stehende unternehmen, um Rußland bei
der Erlangung dieses Ziels behilflich zu sein. Dabei
erwähnte er insbesondere zwei Institutionen: Erstens
wird die amerikanische Regierung im Rahmen der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission vorgehen und
zweitens werden die amerikanischen Unternehmer bei
einer Verbesserung der Investitionsbedingungen ihr
Engagement auf zahlreichen Ebenen intensivieren,
von denen eine der amerikanisch-russische Unternehmensrat ist.
Ich bin sicher, daß alle hier Anwesenden realistisch
hinsichtlich der verbleibenden Herausforderungen
sind. Und wir werden durch die jüngsten Entwicklungen ermutigt. Wir in der Regierung wissen, daß wir
bei einer Vielzahl äußerst schwieriger diplomatischer
und sicherheitspolitischer Fragen harte Arbeit vor uns
haben. Sie als Unternehmer haben Hindernisse zu
bewältigen, die dauerhafte, feste Bestandteile der
russischen Landschaft zu sein scheinen. Der Vizepräsident wird nächste Woche mit Vertretern von über 600
amerikanischen Unternehmen zusammentreffen, die
Büros in Moskau haben. Er weiß, daß nur ungefähr
ein Drittel von ihnen in den Bereichen Handel und
Investitionen tätig ist und nur die Hälfte nennenswerte
Investitionen tätigte. Und er kennt den Grund dafür.
Obwohl Rußland beeindruckende Fortschritte dabei
machte, die Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat
zu beenden, muß das Land noch die Institutionen und

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gesetzlichen Strukturen schaffen, die seiner sich
entwickelnden freien Marktwirtschaft Ordnung und
Effizienz bringen.
Der Vizepräsident weiß auch, daß den Möglichkeiten
von Ministerpräsident Tschernomyrdin und seiner
Regierung, diesen Übergang zu beschleunigen und zu
leiten, Grenzen gesetzt sind. Mein Freund und Kollege
beim Finanzministerium, Larry Summers, erklärte: "Die
Schaffung eines sicheren Wirtschaftsklimas, das den
Investoren Vertrauen gibt, erfordert nicht nur von der
Regierung eingeleitete Reformen, sondern auch vom
Volk ausgehende Veränderungen. Es geht nicht nur
darum, neue Vorschriften zu erlassen, sondern darum,
daß sie angewendet werden und wer dafür zuständig
ist."
Dennoch ist das heute in Rußland herrschende Klima
diesen vom Volk ausgehenden Reformen förderlicher
als noch vor zehn Tagen. Direkt nach den Wahlen
waren auf den russischen Finanzmärkten bereits
Anzeichen für ein neues Leben zu beobachten. Die
Aktienkurse steigen stetig an, und die Kurse für
festverzinsliche Wertpapiere sind ein Zeichen für
größeres Vertrauen in die Regierung. Präsident Jelzin
und Ministerpräsident Tschernomyrdin sind sich voll
und ganz bewußt, daß dieser Trend fortgesetzt werden
muß. Sie wissen, daß Investitionskapital nicht nur aus
dem Ausland ins Inland zurückkommen muß, wo so
viel Kapitalflucht stattfand. Es muß auch im Land
bleiben, Arbeitsplätze schaffen und den Lebensstandard des Durchschnittsbürgers erhöhen.
Das ist sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft
ein Thema. Denn nur wenn sich die Wirtschaft so
entwickelt, daß sich das Leben der russischen Bürger
spürbar verbessert, können die Politiker in Rußland
zuversichtlich sein, daß bei den nächsten Wahlen
weniger, und nicht mehr Russen gegen Reformen
stimmen.
Aus genau demselben Grund - nämlich weil es ein
Gebot des politischen Überlebens sowie eine Selbstverständlichkeit guter Regierungsführung ist - müssen
Präsident Jelzin, Ministerpräsident Tschernomyrdin
und ihre Kollegen die Epidemie von Verbrechen und
Korruption unter Kontrolle bringen. Die weitverbreitete
Gesetzlosigkeit in Rußland ist heute eine große
Bedrohung für das Vertrauen der Öffentlichkeit in die
Regierung, eine Bedrohung der Reformen sowie eine
Bedrohung des politischen Geschicks der Reformer.
Das gute Abschneiden von General Lebed bei der
ersten Wahlrunde spiegelt diese Besorgnis der
Öffentlichkeit wider. Ich brauche vor diesem Publikum
wohl kaum hinzuzufügen, daß Verbrechen und
Korruption auch eine Bedrohung der Bereitschaft und
Fähigkeit Ihrer Unternehmen darstellen, hier geschäftlich tätig zu werden.

Seite 3

�Lassen Sie mich zusammenfassen, was wir unsererseits unternehmen werden, um die Verpflichtung
Präsident Clintons zur Unterstützung der Wirtschaftsreformen in Rußland in Taten umzusetzen. Vizepräsident Gore wird kommende Woche in Moskau die
Regierung Jelzin-Tschernomyrdin dazu auffordern, die
notwendigen Gesetze, Vorschriften und Institutionen
zu schaffen, damit die Investoren das für die Ausweitung ihrer Aktivitäten erforderliche Vertrauen
gewinnen. Er und andere Mitglieder der amerikanischen Delegation werden sich auf vier Fragen
konzentrieren, die für die Weltwirtschaft von besonderer Bedeutung sind.
Die erste ist die Besteuerung. Das derzeitige System
ist verwirrend, schlecht kalkulierbar und oftmals
übertrieben und irrational. Es werden keine Unternehmen in Rußland investieren, wenn sie keine Gewinne
machen können, und sie können keine Gewinne
machen, wenn ihre Einnahmen beschlagnahmt
werden. Aus diesem Grund muß Rußland in seinem
eigenen Interesse unverzüglich einen neuen Steuerkodex entwickeln, der Investitionen ermutigt.
Zweitens wird der Vizepräsident Rußland zur Annahme neuer Gesetze und Vorschriften für den
Energiesektor auffordern. Die derzeitige Gesetzgebung beinhaltet zu viel Konfliktstoff sowie unzureichende Schlichtungsmittel. Ein stabiler Gesetzesund Steuerrahmen würde die 50 bis 60 Milliarden
Dollar nicht realisierter Investitionen im Öl- und
Gasbereich freisetzen.
Drittens wird bei der siebten Gesprächsrunde der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission
erstmals
die
wachsende Besorgnis über Wirtschaftskriminalität
angesprochen. Die Russen haben mit der jüngsten
Annahme eines Strafgesetzbuches bereits Fortschritte
in diesem Bereich erzielt. Gestern versprach Präsident Jelzin in einer Grundsatzrede, daß der Reformprozeß fortgesetzt wird und "die Bekämpfung der
Korruption auf allen Ebenen ein äußerst wichtiger
Bestandteil meiner Arbeit sein wird". Vizepräsident

*

Seite 4

Gore wird den Ministerpräsidenten dazu ermutigen,
eine Strafprozeßordnung zu erlassen, Gesetze zur
Bekämpfung von Korruption und Geldwäsche sowie
andere Schlüsselbestandteile der Gesetzgebung im
Bereich der Verbrechensbekämpfung zu verabschieden. Nach den Sitzungen der Gore-TschernomyrdinKommission in Moskau werden wir weiterhin mit den
russischen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um eine nachdrückliche Umsetzung dieser
neuen Gesetzgebung zu gewährleisten.
Und schließlich wird der Vizepräsident unser Engagement zur engen Zusammenarbeit mit dem
Industriemanagement-Programm und multilateralen
Entwicklungsbanken bekräftigen. Seit 1993, als die
Vereinigten Staaten die Bestrebungen zur Mobilisierung von Unterstützung der Reformen durch die
internationalen Finanzinstitutionen in der gesamten
ehemaligen Sowjetunion leiteten, haben diese Organisationen beim Entwurf und der Finanzierung von
Programmen geholfen, die für Wachstum und Stabilität
erforderlich sind. Dazu zählen auch die beängstigende aber unerläßliche Aufgabe der Stabilisierung
der Währung und Aufrechterhaltung niedriger Inflationsraten sowie die Fortsetzung von Strukturreformen wie Privatisierung, Reform des Bankwesens und
Milderung der Auswirkungen industrieller Verschlankung.
Abschließend möchte ich unterstreichen, daß die
Wahlen in der vergangenen Woche ein großer Schritt
für Rußland waren - ein Schritt in die richtige Richtung.
Ferner waren sie eine Bekräftigung - ich bin sogar
versucht zu sagen, eine Rechtfertigung - der Politik
unserer Administration, den russischen Reformprozeß
engagiert zu unterstützen. Sie waren für uns ein
Anreiz, den Kurs der russischen Reformen einzuhalten, solange Rußland ihn hält. Und schließlich waren
sie ein neuer Anreiz für die amerikanische Regierung
und den amerikanischen Privatsektor, ihre Zusammenarbeit - und ihr gemeinsames Unterfangen - zu
verstärken, um Rußland um seinet- und um unseretwillen zum Erfolg zu verhelfen.

* * *

*

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�TERRORISMUS
24. Juli 1996

Neue terroristische Bedrohung in der Golfregion
Erklärung von General John M. Shalikashvili

WASHINGTON - (AD) - Der Schutz der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten am Persischen Golf ist dem
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General John M. Shalikashvili, zufolge aufgrund der "signifikanten
neuen terroristischen Bedrohung" zu einer äußerst schwierigen Herausforderung geworden. Nachfolgend
veröffentlichen wir die am 9. Juli 1996 bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des US-Senats
abgegebene Erklärung von General Shalikashvili.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
normalerweise freue ich mich immer, mit Ihnen zu
sprechen. Heute erörtern wir jedoch ein für uns hier
und alle Angehörigen unserer Streitkräfte sehr
schmerzliches Thema. Wir sind uns alle bewußt, daß
wir zusammengekommen sind, weil zum zweiten Mal
innerhalb von sieben Monaten Terroristen einen
Anschlag auf unsere Streitkräfte in Saudi-Arabien
verübt haben. Dabei starben 19 Angehörige der
Luftwaffe, und das Sicherheitsumfeld in dieser für die
Vereinigten Staaten äußerst wichtigen Region wurde
verändert.
Ich möchte nochmals den Familien der tapferen
Flieger, die ihr Leben verloren, mein Beileid aussprechen. Den Verletzten wünsche ich eine baldige
Genesung.
In den vergangenen anderthalb Jahren stieg die
terroristische Bedrohung in der Region am Persischen
Golf von einem relativ niedrigen auf ein sehr hohes
Maß an. Heute besteht unsere Herausforderung in
dieser Region daher im weiteren Schutz unserer
vitalen Interessen angesichts einer signifikanten neuen
terroristischen Bedrohung. Es ist jetzt eine viel
schwierigere Herausforderung, bei der wir die Gefährdung unserer vitalen nationalen Interessen gegen die
Gefährdung unserer Streitkräfte abwägen müssen.
Dieses Abwägen von Risiken ist ein integraler Bestandteil meiner Arbeit. Als höchster Militärberater des
Verteidigungsministers, des Nationalen Sicherheitsrats
und des Präsidenten leite ich die strategische Planung,

AMERIKA DIENST 14

überwache die Spannungsfalloperationen und unterstütze den Präsidenten und den Verteidigungsminister
bei der strategischen Führung unserer Streitkräfte.
Von allen meinen Aufgaben ist keine wichtiger für mich
als die angemessene Definition von Missionen und die
Strukturierung unserer Streitkräfte, wenn unsere
Männer und Frauen in Uniform sich in Gefahr begeben
müssen. Gleichzeitig möchte ich sicherstellen, daß wir
ständig nach neuen Möglichkeiten suchen, den Schutz
unserer Streitkräfte bei der Durchführung ihrer vielfältigen, unterschiedlichen Missionen im In-und Ausland
zu verbessern.
Bei meinen Reisen um die Welt werde ich ständig
daran erinnert, wie wertvoll unsere Männer und Frauen
in Uniform für unser Land sind und wie kostbar ihr
Leben für ihre Familien und für das amerikanische
Volk ist.
Der Schutz der Truppe und ihrer Gesundheit, die
Gewährleistung der physischen Sicherheit unserer
Männer und Frauen in Uniform und ihrer Familien sind
jedesmal für mich das wichtigste Anliegen, wenn ich
die Annahme eines Plans empfehle oder dem Verteidigungsminister den Befehl für eine operative Dislozierung zur Unterschrift vorlege.
Das war der Fall, als wir unsere Truppen nach Haiti
entsenden mußten, und das ist der Grund, warum wir
in der Sommerhitze Bosniens Kevlarhelme und
Flakwesten tragen. Einzelheiten im Zusammenhang
mit dem Schutz unserer Truppen - von Spezialausbildung über Richtlinien für die Gefechtseröffnung und

Seite 1

�Fortführung bis zu operativen Verfahren - haben
immer oberste Priorität, sei es bei der Evakuierung von
Nichtkombattanten aus Liberia oder bei Operationen
von saudiarabischem Gebiet aus, die Saddam Hussein
von einer erneuten Invasion Kuwaits abschrecken
sollen.
Das Wissen, daß wir unser Bestes tun werden, um sie
in Gefahrensituationen zu schützen, ist ein wichtiger
Grund dafür, daß unsere Soldaten, Seeleute, Flieger
und Marineinfanteristen so viel geleistet haben und so
viele operative Erfolge verbuchen konnten. Das galt
für die Operation Wüstensturm und trifft heute in
Bosnien, in Korea und am Persischen Golf zu.
Während meiner Reise in die Golfregion Ende Mai
stellte ich fest, daß dort überall ein starkes Bewußtsein
für die terroristische Bedrohung und großes Verständnis für die Bedeutung des Schutzes der Truppe
vorherrschte. Angesichts der erwarteten Bedrohung
hatten alle Einheiten, die ich besuchte, umfassende
Maßnahmen für den Schutz der Truppe ergriffen sowohl im Hinblick auf die physische Sicherheit als
auch bei der Aufklärung und Ausbildung auf dem
Gebiet der Terrorismusbekämpfung. Da Aktionen zur
Abschreckung von Terroristen von Dauer sein müssen
und wir uns nie zufriedengeben dürfen, waren zusätzliche Maßnahmen zur weiteren Erhöhung der Sicherheit
in Vorbereitung.
Weniger als einen Monat vor dem Bombenanschlag
sprach ich auf dem Luftwaffenstützpunkt King Abdul
Aziz in Dahran mit einigen dieser Flieger, die in den
Khobar Towers lebten. Wie all unsere jungen Männer
und Frauen in Uniform, die ich überall auf der Welt
besuche, waren sie eine äußerst beeindruckende
Gruppe. Ihre Moral war sehr gut, und sie waren sich
bewußt, daß ihre Arbeit wichtig für unsere Nation ist
und in hohem Maße Frieden und Sicherheit dient.
Sie wußten in der Tat, daß sie eine lebenswichtige
Mission erfüllen. Sie wußten, daß das 4404. Composite Wing täglich Flüge über irakischem Gebiet absolvierte, um Saddam Hussein von einem erneuten
Einmarsch bei seinen Nachbarn und einer Gefährdung
der weltweiten Energieversorgung abzuschrecken.
Und sie verstanden auch folgendes: Wenn sie nicht
dort wären, müßten wir eines Tages vielleicht wieder
kämpfen, um unsere regionalen Verbündeten zu
verteidigen, und das geschähe wahrscheinlich auf
Kosten des amerikanischen Steuerzahlers und
amerikanischer Menschenleben.
Die Angehörigen des 4404. Composite Wing, mit
denen ich sprach, waren auch über Terrorismus und
die Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit informiert.
Ich bin überzeugt, sie wußten, daß die terroristische
Bedrohung real war und daß aufgrund zahlreicher
Verbesserungen im Sicherheitsbereich und dank der

Seite 2

Wachposten auf dem Dach der Khobar Towers viele
Menschenleben gerettet wurden.
Zwar müssen alle unsere Streitkräfte weltweit mit
Terroranschlägen rechnen, aber die Soldaten in SaudiArabien waren nach der Explosion einer Autobombe
vor dem Büro des Programmanagers für die Modernisierung der saudiarabischen Nationalgarde, dem
sogenannten OPM SANG-Gebäude, besonders
wachsam. Bei diesem Terroranschlag in Riad wurden
5 Amerikaner und 2 Mitarbeiter aus Drittstaaten
getötet.
Dieser tragische Verlust an Menschenleben war in der
Tat ein Weckruf für unsere Nation. Plötzlich sahen wir
uns in Saudi-Arabien mit einer anderen terroristischen
Bedrohung konfrontiert und mußten unsere Anstrengungen zur Verstärkung unserer Verteidigung
verdoppeln:
Als erste Maßnahme ordnete der Verteidigungsminister am 14. November, dem Tag nach dem
Anschlag auf das OPM SANG-Gebäude, an, daß das
Verteidigungsministerium alle Sicherheits- und Terrorismusbekämpfungsverfahren im In- und Ausland
überprüft. Der Zweck dieser Überprüfung bestand
nicht nur in der Schärfung unseres Bewußtseins
bezüglich Sicherheitsbedrohungen und unseres
Einsatzkonzepts, sondern auch der Förderung einer
Einstellung, mit der die Chancen eines erfolgreichen
Terroranschlags auf Amerikaner und amerikanische
Einrichtungen in Zukunft verringert würden.
Zweitens gründeten der Verteidigungsminister und ich
eine Einsatztruppe des Verteidigungsministeriums zur
Terrorismusbekämpfung. Im Rahmen dieser Bestrebungen entsandten wir ein Team mit Offizieren im
Generalsrang zu jedem gemeinsamen Kommando im
Ausland, um die Sicherheitserfordernisse und Terrorismusbekämpfungspraktiken unter besonderer Berücksichtigung der Gebiete mit hohem Sicherheitsrisiko zu
prüfen.
Die Einsatztruppe sollte politische Empfehlungen
erarbeiten, dank derer die Antiterrorbestrebungen des
Verteidigungsministeriums gestärkt werden sollten. Im
vergangenen Monat bestätigte der Verteidigungsminister die Erkenntnisse der Einsatztruppe, und die
Arbeit an ihren Empfehlungen hat begonnen. Der
Bericht der Einsatztruppe zur Terrorismusbekämpfung
wurde vor kurzem veröffentlicht.
Der Plan der Einsatztruppe verwies auf unverzüglich
und kurzfristig vorzunehmende Änderungen, um den
Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums eine neue
Denkweise über terroristische Bedrohungen und die
Reaktion darauf zu vermitteln. Zu den zahlreichen
Empfehlungen des Berichts zählen:

AMERIKA DIENST 14

�Die Entwicklung eines separaten, vom Büro
des Verteidigungsministers verwalteten Programmelements für Antiterrorprojekte hoher
Priorität.
Zahlreiche Veränderungen der nachrichtendienstlichen Verfahren und die Einführung von
Bedrohungsanalyseverfahren des Verteidigungsministeriums.
Die Einbeziehung von Terrorismusszenarien
in militärische Übungen aller Art und
die Entwicklung von Ausbildungshilfen für das
gesamte Verteidigungsministerium, darunter
ein neues Handbuch zur Terrorismusbekämpfung und ein Video mit Kommandoinformationen.
Die Teilstreitkräfte wurden auch angewiesen, Antiterrormaßnahmen in ihren Haushalten oberste Priorität
einzuräumen und sie bei allen Inspektionen durch den
Generalinspekteur zu einem Punkt von besonderem
Interesse zu machen.
Da das OPM SANG der Zuständigkeit des amerikanischen Botschafters in Saudi-Arabien untersteht,
haben wir darüber hinaus im Überprüfungsgremium für
Rechenschaftspflicht des US-Außenministeriums
mitgearbeitet, dessen Zweck es war, die sicherheitsbezogenen Aspekte des Anschlags zu prüfen sowie
über die Erkenntnisse und Empfehlungen zu berichten.
Wir arbeiten weiterhin Hand in Hand mit dem Außenministerium bei der Umsetzung der Empfehlungen des
Berichts. In Anbetracht der Tatsache, daß viele der
hier aufgedeckten politischen Probleme die interministerielle Zusammenarbeit im Ausland betreffen,
klärt der Bericht die Verantwortungsbereiche des
Außen- und Verteidigungsministeriums im Ausland und

*

AMERIKA DIENST 14

wird eine engere Koordinierung zwischen den Missionschefs in den einzelnen Ländern und den regional
orientierten gemeinsamen Befehlshabern sicherstellen.
Und natürlich gewähren wir General Downings Bericht
jegliche Unterstützung. Es sollte hier nicht unerwähnt
bleiben, daß General Peay, der regionale Oberbefehlshaber, selbst um diese Überprüfung gebeten hat.
Aber angesichts des allgegenwärtigen und sich stets
verändernden Charakters des Terrorismus müssen
Terrorismusbekämpfungsmaßnahmen ein kontinuierlicher Prozeß sein. Wir können es immer noch besser
machen, und wir werden nie aufhören, es zu versuchen. In der Zukunft müssen wir uns jedoch einer
harten Tatsache stellen: Es wird mehr Terroranschläge
geben.
Terrorismus wird immer ein schwaches Glied suchen
und den indirektesten Ansatz für seine Zwecke
wählen. Terrorismus wird alle Anstrengungen unternehmen, an der entscheidenden Stelle zuzuschlagen
und statt militärischer Nützlichkeit einen Schockeffekt
und Schlagzeilen anstreben. Die Terroristen werden
weiterhin geduldig und zerstörerisch vorgehen.
Niemand, nicht einmal die Israelis, die über mehr
Erfahrung als jedes andere Volk bei der Bewältigung
des Terrorismus verfügen, haben einen Weg zu seiner
entschiedenen Bekämpfung in absehbarer Zukunft
gefunden.
In den Bereichen, in denen wir großes Interesse
haben, müssen wir dieses Risiko akzeptieren, während wir gleichzeitig konsequent und methodisch auf
die größtmögliche Verringerung des Risikos für unsere
Männer und Frauen in Uniform hinarbeiten. Der
Downing-Bericht ist ein weiterer Schritt in diesem
kontinuierlichen Prozeß. Aber letztlich können wir
nicht zulassen, daß Akte des Terrorismus uns von der
Verfolgung unserer vitalen Interessen abhalten.

* * * *

Seite 3

�CIVITAS
24. Juli 1996

Staatsbürgerkunde kommt alten und neuen
Demokratien zugute
von Penn Kemble

WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Stellvertretender Direktor des US-Informationsamts (U.S. Information
Agency - USIA). Der Artikel basiert auf seiner am 9. Juli 1996 vor der Interamerikanischen Entwicklungsbank in
Washington gehaltenen Rede.

Staatsbürgerkunde ist unerläßlich für den Bestand der
Demokratie in den Vereinigten Staaten, für die großen
Demokratien in Lateinamerika und für die Beziehungen
zwischen diesen Staaten, während die Welt an der
Schwelle zu einem neuen Jahrtausend steht.
Als die Mauern der Tyrannei zu fallen begannen und
die Diktaturen auf der ganzen Welt zusammenbrachen, wurden sich die Menschen in den entwickelten
Demokratien der Verpflichtung bewußt, den aufstrebenden Demokratien bei der Handhabung der
Mechanismen der Demokratie behilflich zu sein. Wir
wissen, wie die Parlamente arbeiten, wie Wahlen
abgehalten werden, wie Gerichte Recht sprechen, wie
die verschiedenen anderen Instrumente einer demokratischen Gesellschaft und Regierung operieren. Und
so haben wir eine Vielfalt von Hilfsprogrammen in die
Wege geleitet, die den neueren Demokratien halfen,
die Funktionsweise einer Demokratie zu erlernen.

können wir beobachten, daß diese Mechanismen in
einigen Fällen fast wie ein fremdes Organ transplantiert wurden, das nur arbeiten kann, wenn es nicht
abgestoßen wird.
Mit Demokratie geht eine Fülle überlieferten Guts
einher - kleine Dinge, die Menschen nicht verstehen,
wenn sie nicht die Erfahrungen gemacht haben. Wie
strengt man einen Prozeß an, wenn man sich in einem
zivilrechtlichen Streitfall ungerecht behandelt fühlt?
Wie geht man mit dem ordnungswidrigen Verhalten
eines Polizisten um? Wie meistert man einen Streit in
der Nachbarschaft?
Wir in entwickelten Demokratien haben diese Probleme die ganze Zeit. Aber unsere Kulturen haben mit
derzeit gelernt, wie sie mit Hilfe der Mechanismen der
Demokratie bewältigt werden können.

Wir stellten jedoch schnell fest, daß Demokratie mehr
als ein Mechanismus ist - in Wirklichkeit ist sie eine
Kultur. Um Freiheit zu fördern und zu stabilisieren,
muß man nicht nur den externen Apparat von Gesellschaft und Regierung verändern, man muß eine Art
subjektiver Transformation durchmachen. Die Menschen müssen aufhören, passive Untertanen des
Staates zu sein - die Anweisungen entgegennehmen und verantwortungsbewußte Bürger mit Rechten in
einer freien Gesellschaft werden.

Dennoch gehen wir dieses Studiengebiet in den
Vereinigten Staaten nicht mit dem Gefühl an, alle
Antworten parat zu haben. In der Tat war unser
Engagement für Staatsbürgerkunde unter anderem
von der wachsenden Erkenntnis geleitet, daß wir den
Geist der Staatsbürgerschaft erneuern müssen. Wir
haben die Probleme der Apathie, Kriminalität und den
Niedergang einer gemeinsamen Kultur, der an Balkanisierung grenzt. Wir haben Schwierigkeiten mit der
Funktionsweise unserer Institutionen. Die Regierung
ist nicht vor Korruption gefeit.

Mit anderen Worten: Sie erhalten Befugnisse. Und nur
wenn man diese subjektive Transformation in einer
Gesellschaft hat, können die Mechanismen der
Demokratie effektiv funktionieren. Auf der ganzen Welt

Und lange Zeit haben wir selbst die Staatsbürgerkunde
vernachlässigt. Die vor 1980 an den amerikanischen
High Schools gelehrten Kurse in Staatsbürgerkunde
wurden zu trockenem Unterricht in Geschichte oder

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�den grundlegenden Funktionen der Regierung, weil es
den Lehrern zu schwerfiel, die großen Kontroversen
der letzten Generation in der Klasse anzusprechen Krieg und Frieden, Rassentrennung, Gerechtigkeit,
Armut, Klassenkonflikte, Religion.
Aber in den achtziger Jahren begann die ganze Nation
zu erkennen, daß wir etwas sehr Wichtiges vernachlässigt hatten - daß wir ein gemeinsames Gefüge
von Institutionen, eine gemeinsame staatsbürgerliche
Praxis und eine Fülle von Werten haben, die jeder
Generation vermittelt werden müssen, wenn unsere
Demokratie überleben soll. So begannen wir genau zu
dem Zeitpunkt der Umgestaltung, die zum Zusammenbruch der Sowjetunion führte und die geballte demokratische Energie nach Lateinamerika brachte, eine
Wiederbelebung der staatsbürgerlichen Erziehung.
Das US-Informationsamt stellte fest, daß Menschen in
anderen Ländern es ständig darum baten, bei der
Beschaffung von Lehrmaterial behilflich zu sein, wie
Demokratie funktioniert und wie ein Student in einer
offenen Wirtschaft arbeiten kann. Bei der Erfüllung
dieses Bedarfs merkten wir, daß die Menschen in den
neuen Demokratien manchmal bessere Ideen hatten
als wir, wie diese Fächer unterrichtet werden können.
Zusammen mit einer Reihe nichtstaatlicher Organisationen und dem Europarat haben wir im vergangenen
Jahr ein Treffen in Prag veranstaltet. Die Teilnahme
war überwältigend. Die Dozenten, die kamen, wollten
keine Reden von Leuten wie mir hören. Sie wollten
miteinander reden. Wir hatten eine Materialbörse, zu
der Lehrbücher und Videokassetten gebracht wurden.
Der Stand war die ganze Zeit besucht von Leuten, die
Lehrmaterial austauschten und sich das Material des
anderen anschauten. Und wir erkannten, daß im
Bereich der Staatsbürgerkunde eine internationale
Staatengemeinschaft geboren wurde, die enorme
Auswirkungen haben wird.
Wir schufen eine neue, Civitas genannte Gruppe, die
gerade als nichtstaatliche Organisation eingetragen
wird. Sie ist mit dem Europarat und einer Reihe
anderer Gruppen assoziiert. Beispielsweise werden
ungefähr 40 Lehrer nach Sarajevo zu einem Treffen
mit Lehrern aus ganz Bosnien reisen, um ihnen bei der
Erarbeitung von Material behilflich zu sein und Lehrer
im Demokratieunterricht auszubilden.

Wir haben darüber hinaus eine internationale Webseite
für Staatsbürgerkunde eingerichtet. Alle beteiligten
Länder beginnen, ihr Material einzugeben.
Nach dem Erfolg von Prag traf sich im Oktober vergangenen Jahres eine kleine Gruppe in Bonn, um einen
Ansatz zu erarbeiten, wie man die Unterstützung der
internationalen Staatengemeinschaft gewinnen könnte.
Im Anschluß daran unterzeichnete Präsident Clinton
beim Gipfeltreffen der Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union in Madrid die transatlantische
Initiative. Die Initiative beinhaltet die Förderung
kooperativer Programme für Staatsbürgerkunde.
Alle diese Themen werden eingehend bei der bevorstehenden Konferenz Civitas Panamericano erörtert,
die vom 29. September bis 2. Oktober 1996 in Buenos
Aires stattfindet. Sie steht unter der Schirmherrschaft
von USIA, der Interamerikanischen Entwicklungsbank
und Conciencia Argentina, einer argentinischen
nichtstaatlichen Organisation, die sich Staatsbürgerkunde widmet.
In Buenos Aires und überall, wo wir Staatsbürgerkunde
fördern könnten, wollen wir auch Materialien für junge
Menschen entwickeln, damit sie das Wirtschaftsleben
verstehen können - was sie benötigen, wenn sie sich
auf Arbeitssuche begeben, ein Geschäft gründen, ein
Haus kaufen oder ein Handwerk lernen wollen - Dinge,
die zum Überleben in einer Volkswirtschaft unerläßlich
sind. Das muß nicht auf herablassende Weise
geschehen. Man kann Menschen sogar höhere
Ökonomie beibringen, indem man sie zuerst auf der
Ebene anspricht, an der sie ein direktes Interesse
haben.
Wo es politische Stabilität sowie größeres öffentliches
Verständnis der Regierung und staatsbürgerlichen
Praxis gibt, kann unseren Interessen bezüglich
nationaler Sicherheit, Wirtschaftswachstum, sozialer
Gerechtigkeit, der Umwelt und so weiter nur gedient
sein.
Wir in den Vereinigten Staaten werden davon profitieren, weil wirtschaftliche und soziale Entwicklung gut für
uns ist. Wir sind der wichtigste Handelspartner
Lateinamerikas, und wir leben in der gleichen Hemisphäre. Unserer Ansicht nach ist der wirtschaftliche
und gesellschaftliche Handel in der Neuen Welt kein
Nullsummenspiel, bei dem es Gewinner und Verlierer
gibt. Wir denken, wir können alle Gewinner sein.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 14

�DEMOKRATIE

24. Juli 1996

Malaise und Flexibilität
von Seymour Martin Lipset

(AD) - Dem Soziologen Seymour Martin Lipset zufolge engagieren sich Amerikaner aktiver in Freiwilligenverbänden und sind eher bereit zu Spenden für nichtstaatliche Organisationen als die Bürger anderer Länder.
Lipset, dessen Gedankengut das Studium der Bedingungen, Werte und Institutionen der Demokratie in den
Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt maßgeblich beeinflußt hat, bestätigt, daß die Amerikaner immer
noch die stärksten Repräsentanten des unabhängigen Sektors sind, trotz offenkundiger Anzeichen eines
politischen Disengagements. Der nachfolgende Beitrag basiert auf einem Artikel mit demselben Titel, der in der
Ausgabe vom Juli 1995 des Journal of Democracy veröffentlicht wurde.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Johns Hopkins University Press. Copyright
© 1995. Aus Journal of Democracy, Juli 1995.

Der Harvard-Politologe Robert Putnam behauptet, daß
das herkömmliche Gefüge, das Amerikaner mit
gemeinsamen Ansichten und Interessen zusammenführte und zum Bestand der politischen Parteien und
der politischen Beteiligung beitrug, in den vergangenen
Jahrzehnten an Bedeutung verloren hat.
Obwohl das Postulieren einer Beziehung zwischen der
abnehmenden Mitgliedschaft in Verbänden und dem
Rückgang der politischen Beteiligung logisch ist, legt
eine genaue Betrachtung der Fakten den Schluß nahe,
daß die bürgerliche Gesellschaft in den Vereinigten
Staaten nach wie vor einigermaßen gesund ist.
Vergleichende Daten bestätigen beispielsweise immer
noch de Tocquevilles Erkenntnis, daß die Amerikaner
sich stärker für staatsbürgerliche Belange engagieren
als die meisten anderen Völker der Welt. Der World
Values-Umfrage aus dem Jahr 1990 zufolge verzeichnen die Vereinigten Staaten beträchtlich höhere
Mitgliederzahlen bei Freiwilligenorganisationen als
jede andere Nation. 82 Prozent der Amerikaner
gehören mindestens einer der 16 verschiedenen
Kategorien von Freiwilligenorganisationen an, verglichen mit 53 Prozent der Deutschen, 39 Prozent der
Franzosen, 36 Prozent der Italiener und 36 Prozent
der Japaner. Darüber hinaus haben die Amerikaner
die höchste Mitgliederzahl bei allen 16 verschiedenen
Organisationsformen, wobei die Gewerkschaften die
größte Ausnahme darstellen. 1990-91 waren 49

AMERIKA DIENST 14

Prozent der Amerikaner im karitativen oder sozialen
Bereich tätig, verglichen mit 13 Prozent der Deutschen
und 19 Prozent der Franzosen. Ein höherer Prozentsatz der Amerikaner - 73 Prozent - spendete Geld für
solche Belange, im Vergleich zu 43 bis 44 Prozent der
Franzosen und Deutschen. Die Amerikaner spendeten auch pro Kopf mehr. Der Anteil der erwachsenen
Bevölkerung in den Vereinigten Staaten, der sich
freiwillig an Gemeindearbeit beteiligt, stieg einer
Gallup-Umfrage zufolge von 27 Prozent im Jahr 1977
auf 54 Prozent im Jahr 1989, bevor er 1994 auf 46
Prozent fiel.
Religiöse und sonstige Gruppen
Die Amerikaner sind zweifelsohne das religiöseste
Volk der christlichen Welt, mit Ausnahme einiger
weniger Länder wie Irland und Polen, wo Religion und
Nationalismus Hand in Hand gehen. Es gibt jedoch
widersprüchliche Angaben über die Trends. Im
Hinblick auf kirchliche Gruppen berichtet das nationale
Meinungsforschungszentrum
(National
Opinion
Research Center - NORC) einen Rückgang von 42
Prozent im Jahr 1974 auf 35 Prozent im Jahr 1993,
wobei der größte Rückgang Ende der siebziger Jahre
zu verzeichnen war. Andererseits belegt eine Studie
von Gallup, daß die Mitgliedschaft in Kirchen und
Synagogen sich kontinuierlich bei zwei Dritteln hielt
und die Rate der wöchentlichen Kirchenbesuche nur

Seite 1

�gering fluktuierte, wobei die Zahlen für 1994 (38
Prozent) praktisch identisch mit denen für 1950 (39
Prozent) und 1987 (40 Prozent) waren.
Zwischen 1974 und 1993 führte das NORC regelmäßige Umfragen zu den zwischenmenschlichen
Beziehungen der Amerikaner durch und stellte drei
verschiedene Fragen bezüglich der Häufigkeit von
Besuchen bei Verwandten, Nachbarn und Freunden.
Der Prozentsatz der Amerikaner, die angaben, sie
besuchten ihre Nachbarn "täglich bis mehrmals im
Monat" fiel von 44 Prozent im Jahr 1974 auf 33,5
Prozent im Jahr 1993. Im gleichen Zeitraum ging der
Prozentsatz derjenigen, die "regelmäßig Zeit mit
Verwandten verbringen" sehr viel weniger zurück - von
57 auf 52 Prozent. Der Prozentsatz derer, die "sich
regelmäßig mit Freunden treffen", stieg hingegen von
40 auf 45 Prozent.
Daten über die Mitgliedschaft in sonstigen Gruppen
sind hier offenkundig relevant. Robert Wuthnows auf
einer Gallup-Umfrage, persönlichen Interviews und
eingehenden Fallstudien basierende, 1990 durchgeführte Studie über kleine Gruppen belegte, daß 40
Prozent der Amerikaner über 18 Jahren regelmäßig in
kleinen Gruppen zusammenkommen, in denen sie
gegenseitige Fürsorge und Unterstützung erfahren.
Die für den Beitritt zu diesen Gruppen angegebenen
Hauptgründe sind "ein Gefühl der Gemeinschaft zu
erhalten" und "Anregungen zu bekommen". Im
Einklang mit der pragmatischen Ausrichtung dieser
Gruppen gibt es keine umständlichen Aufnahme- und
Austrittsvertahren, und an die Mitglieder werden keine
hohen Anforderungen gestellt. Trotz der Flexibilität
dieser "Regeln" bestehen drei Viertel dieser Gruppen
seit über fünf Jahren, und die meisten sogar länger.
Wuthnows Schlußfolgerung lautet, daß diese Gruppen
den Mitgliedern zwar ein Gefühl der Geborgenheit
vermitteln, von den Mitgliedern aber nicht fordern,
einen maßgeblichen Beitrag für andere oder die
gesamte Gemeinde zu leisten.
Die These, daß die sich im Grad der Beteiligung an
Freiwilligenorganisationen widerspiegelnde Lebensfähigkeit der bürgerlichen Gesellschaft an die Stärke
der Demokratie gebunden ist, ist nahezu 200 Jahre alt.
Sie impliziert, so Putnam, daß die beiden wie ein
Tandem funktionieren. Ein Großteil der verfügbaren
Fakten über Trends erhärtet Putnams Schlußfolgerung, daß die Beteiligung der Amerikaner an Freiwilligenorganisationen abgenommen hat.
Dennoch
stehen genügend gegenteilige Daten zur Verfügung,
um das schottische Urteil "Schuldbeweis nicht erbracht" zu rechtfertigen - dem man ein "aber wahrscheinlich" hinzufügen würde. Offenkundig ist mehr
Forschung in diesem Bereich erforderlich.

Seite 2

Das Überleben des Amerikanischen Traums
Was erklärt die kontinuierliche Stabilität des amerikanischen politischen Systems angesichts der schlechten Nachrichten über die Einstellung zur Regierungsführung in den Vereinigten Staaten? Warum ist die von Ross Perot angeführte - wichtigste Protestbewegung im Grunde politisch in der Mitte angesiedelt,
sogar konservativ im Hinblick auf die Wirtschafts- und
Sozialpolitik? Die Antwort liegt zum Teil in der beständigen, wenn vielleicht auch etwas verringerten Stärke
der amerikanischen staatsbürgerlichen Kultur. Wie
oben ausgeführt, haben Freiwilligenarbeit für karitative
Zwecke, einige Arten organisierter Mitgliedschaft und
religiöse Aktivitäten zugenommen oder sind konstant
geblieben, und die Vereinigten Staaten stehen immer
noch an der Spitze der Nationen bei der Beteiligung
der Bürger an Freiwilligeninstitutionen. Noch wichtiger
ist vielleicht die Tatsache, daß die meisten Amerikaner
nicht unglücklich mit ihrem Leben oder ihren Zukunftsaussichten sind - in der Tat sind sie ziemlich optimistisch bezüglich ihrer Zukunft. Sie sehen die Vereinigten Staaten immer noch als ein Land, in dem sich
persönliche Integrität und harte Arbeit bezahlt machen,
als eine Nation die - abgesehen von Regierung und
Politik - immer noch "funktioniert".
Der Amerikanische Traum existiert noch, selbst wenn
die Regierung und andere Institutionen als korrupt und
ineffizient angesehen werden. Eine auf einer Umfrage
von 1994 basierende, für das Hudson Institute durchgeführte Studie ergab, daß über vier Fünftel der
Amerikaner, oder 81 Prozent, der Aussage "Ich bin
optimistisch bezüglich meiner persönlichen Zukunft"
zustimmten. Drei Viertel, oder 74 Prozent, teilten die
Meinung, "Wenn man in Amerika hart arbeitet, kann
man es zu etwas bringen." Es überrascht daher nicht,
daß über drei Viertel, oder 76 Prozent, sich bei der
Wahl zwischen "der Chance zu Erfolg" und "der
Sicherheit vor einem Scheitern" für die erste Option
entschieden, und nur ein Fünftel Sicherheit vorzog.
Eine 1994 für Times Mirror durchgeführte GallupUmfrage gelangte zu ähnlichen Ergebnissen. Über
zwei Drittel der Befragten, oder 67 Prozent, antworteten, sie erwarteten, daß sich ihre finanzielle
Situation "sehr" oder "etwas" verbessern würde; nur 14
Prozent gaben an, sie würde schlechter werden.
Große Mehrheiten wiesen die Aussage zurück, "Erfolg
im Leben wird größtenteils durch Kräfte außerhalb
unserer Kontrolle bestimmt." Die meisten bekräftigten
die traditionelle amerikanische Laisser-faire-ldeologie,
88 Prozent stimmten dem Satz zu, "Ich bewundere
Menschen, die durch harte Arbeit reich werden", und
85 stimmten überein, daß "Arme zu abhängig von
staatlichen Hilfsprogrammen geworden sind." Am
ausschlaggebendsten ist jedoch vielleicht, daß 78
Prozent die Ansicht teilten, "Die heutige Stärke dieses
Landes gründet sich vor allem auf den Erfolg amerikanischer Unternehmen."

AMERIKA DIENST 14

�Einkommensgefälle
Solche Meinungen herrschen trotz der offenkundigen
Tatsache vor, daß das Einkommensgefälle zunimmt
und in den Vereinigten Staaten größer ist als in den
meisten europäischen Nationen und Japan. Die
Erklärung dafür könnte in der Betonung der Leistungsgesellschaft und des sozialen Aufstiegs in den Vereinigten Staaten liegen. Und in den Vereinigten
Staaten steigen mehr Menschen in die privilegierteren
Schichten der Gesellschaft auf als in anderen Ländern.
Angesichts dieses Dranges überrascht es nicht, daß
Amerikaner eher geneigt sind, hohe Gagen für "Stars"
in der Unterhaltungsbranche, Sportler und auf dem
Markt im allgemeinen gut zu heißen - also für Erfolgreiche auf allen Ebenen. Vergleichende Forschungsstudien belegen, daß die Amerikaner beträchtliche
Einkommensunterschiede sehr viel leichter hinnehmen
als die Europäer oder die Japaner. Die Unterstützung
des Systems insgesamt wird auch durch eine relativ
geringe Arbeitslosenrate verstärkt - zur Zeit zwischen
fünf und sechs Prozent. Zweifelsohne besteht eine ge-

*

AMERIKA DIENST 14

wisse Unzufriedenheit mit der Wirtschaftslage und der
Einkommensverteilung in den Vereinigten Staaten, die
wiederum andere Gründe für die politische Malaise
verstärkt, aber sie ist entschieden weniger offenkundig
als andernorts.
Offensichtlich ist das amerikanische politische System
- obwohl ihm mißtraut wird und es ineffektiv bei der
Bewältigung größerer sozialer Probleme ist - nicht
wirklich in Gefahr. Die meisten Amerikaner sind nach
wie vor höchst patriotisch und religiös, glauben, daß
sie in der besten Gesellschaft der Welt leben und
denken, daß ihr Land ihnen - trotz seiner Probleme immer noch Chancen und gute Aussichten für wirtschaftliche Sicherheit bietet. Obwohl die Auswirkungen der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre in den
Vereinigten Staaten gravierender waren als im größten
Teil Europas, ging Amerika daraus mit seinem Parteiensystem, staatlichen Institutionen und intakten
materiellen Werten hervor. Der Staat wird ohne
Zweifel auch die derzeitige Welle der politischen
Malaise überstehen.

* * *

*

Seite 3

�OLYMPIADE
24. Juli 1996

Olympioniken beweisen, was in Freiheit
erreicht werden kann
Radioansprache des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - In einer Rundfunkansprache am 20. Juli 1996 erklärte Präsident Clinton, die Mitglieder
des amerikanischen olympischen Teams "sind lebende Beispiele für das, was mit Frieden und Freiheit, Chancen
und Verantwortung und der Verpflichtung zu einer Gemeinschaft erreicht werden kann, die zusammenwächst
statt auseinanderzubrechen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache im Wortlaut.

In dieser Woche forderte der tragische Flugzeugabsturz der TWA-Maschine das Leben von 230
Menschen. Meine Frau und ich möchten den Familien
und Freunden gemeinsam mit unserer Nation unser
aufrichtiges Beileid übermitteln. Wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um die Ursache der Katastrophe zu ermitteln, und wir werden sie herausfinden.

gearbeitet haben, um ihr höchstes Potential zu erreichen und ihre Träume Realität werden zu lassen.
Unsere Sportler werden bis an die Grenzen ihrer
Leistungsfähigkeit gehen. Und dabei werden sie
Menschen aller Altersgruppen inspirieren, aber ich
hoffe, insbesondere junge Menschen werden aus
ihrem Beispiel lernen.

16 der Opfer waren Schüler aus einer kleinen Stadt in
Pennsylvania auf dem Weg nach Paris, um etwas von
der Welt zu sehen und ihr Französisch zu verbessern.
Indem sie aufbrachen, um ihren Horizont zu erweitern
und ihr Wissen zu vertiefen, versuchten diese Schüler,
ihrem von Gott gegebenen Potential zu entsprechen.
Mehr können wir von unseren Kindern nicht erwarten.

Denn sei es im Sport oder im täglichen Leben - man
kann etwas aus dem lernen, was unsere Olympioniken
geleistet haben und wie sie es geleistet haben. Sie
sind Menschen, denen die Chance zum Erfolg geboten
wurde, aber sie haben sie auch voll und ganz genutzt.
Sie haben die persönliche Verantwortung übernommen und die harte Arbeit geleistet. Für einige bedeutete es, vor Tagesanbruch aufzustehen und Laufen oder
Schwimmen zu gehen, oder Übungen auf dem Schwebebalken zu machen. Für andere war es noch härter.

Wir wollen uns daher des Traums erinnern, den diese
Kinder hatten - den Traum, das Beste aus ihrem Leben
zu machen. Und als Nation sollten wir alle jungen
Menschen dazu ermutigen, so zu denken und sicherstellen, daß sie die Chance haben, ihre Träume zu
erfüllen. Unsere Kinder haben viele unterschiedliche
Stärken, Talente und Fähigkeiten, aber jedes Kind
kann etwas leisten, und gemeinsam können sie alle
eine vielversprechendere Zukunft für Amerika herbeiführen.
Wie diese Lektion mit Leben erfüllt wurde, konnten wir
gestern bei der Eröffnung der Jahrhundertspiele in
Atlanta beobachten. In den nächsten beiden Wochen
werden wir die heroischen Anstrengungen junger
Amerikaner beobachten und feiern, die ein Leben lang

AMERIKA DIENST 14

Ich werde nie den Tag vergessen, an dem Carla
McGhee ins Weiße Haus kam, um das olympische
Feuer von dort auf seinem Weg nach Atlanta zu
tragen. Carla wurde bei einem Autounfall schwer
verletzt. Damit schien ihre brillante Karriere als
Basketballstar beendet zu sein. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz hatte sie ein Comeback. Und jetzt
spielt sie für unser olympisches Basketballteam der
Frauen. Sie tat etwas, das kein anderer für sie tun
konnte - sie gab nicht auf.
Wir wissen aber auch, daß jeder unserer Olympioniken
nicht nur seine persönliche Leistung erbringt, sondern

Seite 1

�auch Mitglied einer größeren Gemeinschaft ist. Die
Sportler gehören vielen verschiedenen Rassen,
Glaubensrichtungen und Kulturen an, sind jedoch
durch gegenseitigen Respekt und gemeinsame Werte
miteinander verbunden. Denn selbst bei Einzelsportarten gewinnt niemand alleine. Im Hintergrund steht
immer die lebenslange Unterstützung durch Familie
und Freunde, Trainer und Fans, Lehrer und Vorbilder.
Immer wenn die Nationalhymne gespielt und einem
Sportler eine Goldmedaille umgehängt wird, kann man
sicher sein, daß die Gemeinschaft an seinem Triumph
teilhat.
Es geht uns allen besser, wenn wir zusammenarbeiten
und uns gegenseitig helfen, unsere Träume zu verwirklichen, unsere Herausforderungen zu bewältigen
und unsere Werte zu schützen. Diese Spiele erinnern
uns wirklich daran, daß wir trotz aller Unterschiede und
trotz unseres krassen amerikanischen Individualismus'
immer noch eine amerikanische Gemeinschaft sind.
Wir feuern unsere Sportler nicht wegen ihres Geschlechts oder ihrer Hautfarbe an - bisweilen verstehen wir nicht einmal alle Aspekte ihrer Disziplin - wir
feuern sie an, weil sie Amerikaner sind.
Diese Olympischen Spiele zeigen das Gute an Amerika. Und die herausragenden Bestrebungen Atlantas
bei der Veranstaltung der Olympiade zeigen das Gute
an Amerika. Meines Erachtens gibt es noch einige
andere Aspekte bei diesen Spielen, die Amerikas
positive Seiten zeigen. Beispielsweise haben dieses
Jahr 197 Nationen Mannschaften nach Atlanta geschickt, die unter anderem auch aus Regionen
kommen, denen die Vereinigten Staaten bei ihrem
Streben nach Frieden und Freiheit Beistand geleistet
haben. Und sogar dort, wo die Arbeit für Frieden und
Freiheit noch nicht abgeschlossen ist, wurden zumindest genügend Fortschritte erzielt, damit eine
Olympiamannschaft aufgestellt werden konnte.
Gestern traf ich einen jungen Mann aus Kroatien, der
mir für die Arbeit dankte, die wir zum Aufbau dieser

*

Seite 2

vom Krieg zerrütteten Region leisten. Und ich mußte
an Minister Ron Brown und die Wirtschaftsvertreter
denken, die ihr Leben opferten, um den Kroaten
Frieden zu bringen. Bosnien hat hier jetzt wieder eine
Mannschaft, was noch vor vier Jahren undenkbar
gewesen wäre. Haiti hat eine Mannschaft, ebenso wie
Südafrika. Ich traf ein Mitglied der irischen Mannschaft, das mir für den Einsatz der Vereinigten Staaten
für den Frieden dankte und mich bat, alles in meiner
Macht Stehende zu unternehmen, um den Frieden
wiederherzustellen. Und ich traf einen Palästinenser,
der zu mir sagte: "Herr Präsident, die Palästinenser
sind ein sehr altes Volk, aber sie hatten noch nie eine
Olympiamannschaft.
Ich danke Ihnen und den
Vereinigten Staaten für Ihren Beitrag zur Schaffung
des Friedens in unserer Region und bitte Sie, diese
Bestrebungen fortzusetzen."
All diese Menschen spiegeln auf ihre eigene Weise
das Gute an Amerika wider. In vielen anderen Ländern gibt es Sportler, die in den Vereinigten Staaten
studierten, an Wettkämpfen teilnahmen und eine gute
Ausbildung erhielten. Wir gaben Ihnen die Chance,
das Beste aus ihrem Leben zu machen, und jetzt
geben sie ihrem Heimatland etwas zurück. Auch sie
spiegeln das Gute an Amerika wider.
Und am wichtigsten sind die Mitglieder unserer
Olympiamannschaft. Wir jubeln ihnen zu, wenn sie
gewinnen, und weinen mit ihnen, wenn sie es nicht tun.
Aber wir sind immer stolz auf sie. Sie sind lebende
Beispiele für das, was mit Frieden und Freiheit,
Chancen und Verantwortung und der Verpflichtung zu
einer Gemeinschaft erreicht werden kann, die zusammenwächst statt auseinanderzubrechen.
Sie werden Amerika auf der Weltbühne von seiner
besten Seite zeigen. Wir sind sehr stolz auf sie und
wünschen ihnen das Allerbeste.
Ich danke Ihnen.

* * * *

AMERIKA DIENST 14

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                <text>Amerikadienst 24.07.1996</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Schutz der amerikanischen Interessen ist abhängig von Führungsrolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Warren Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Kuba&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aussetzung von Titel III des Helms-Burton-Gesetzes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Demokratie, Freiheit und Wohlstand als Vermächtnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Vizepräsident Al Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika muss die Ärmel hochkrempeln und sich an die Arbeit machen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Neue terroristische Bedrohung in der Golfregion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von General John M. Shalikashvili&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Civitas&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Staatsbürgerkunde kommt alten und neuen Demokratien zugute&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Penn Kemble&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demokratie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Malaise und Flexibilität &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Seymour Martin Lipset&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Olympiade&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Olympioniken beweisen, was in Freiheit erreicht werden kann&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>ciniGrikci&#13;
dienet&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
15&#13;
&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
ASEAN&#13;
&#13;
AMERIKANISCHES ENGAGEMENT FÜR&#13;
SICHERHEIT UND WOHLSTAND&#13;
UNERLÄSSLICH&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
DIE SICHERUNG DES FRIEDENS IN BOSNIEN&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
ISOLATIONISMUS WIRD AMERIKA SCHADEN&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHEN UND DIPLOMATISCHEN ZIELE DER VEREINIGTEN STAATEN&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
UMWELT&#13;
&#13;
DIE UMWELT ALS TAGESORDNUNGSPUNKT&#13;
FÜR DIE NACHRICHTENDIENSTE&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�ASEAN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Amerikanisches Engagement&#13;
für Sicherheit und Wohlstand unerläßlich&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
JAKARTA - (AD) - "Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung nahezu aller asiatischen Nationen, daß das&#13;
amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region ... nach wie&#13;
vor unerläßlich ist", äußerte Außenminister Warren Christopher am 23. Juli 1996 vor dem regionalen Forum des&#13;
Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Leiter der amerikanischen&#13;
Delegation beim dritten Treffen des regionalen Forums&#13;
des ASEAN (ASEAN Regional Forum - ARF) sein zu&#13;
dürfen. Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich&#13;
Außenminister Alatas von Indonesien für seine im&#13;
vergangenen Jahr geleistete harte Arbeit danken, um&#13;
den Erfolg unseres heutigen Treffens sicherzustellen.&#13;
Die Anwesenheit von 21 Nationen an diesem Tisch&#13;
steht für die durch das Ende des Kalten Krieges&#13;
herbeigeführten großen Veränderungen in der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Vor einem Jahrzehnt&#13;
wäre der Gedanke, daß wir uns alle hier versammeln,&#13;
um Sicherheitsbelange anzusprechen, wahrscheinlich&#13;
so weit hergeholt erschienen wie die Voraussage im&#13;
Jahr 1945, Asien würde die Welt beim Wirtschaftswachstum anführen.&#13;
Obwohl unsere Nationen nie eine größere Chance zur&#13;
Zusammenarbeit für Frieden und Stabilität hatten,&#13;
bleiben wichtige Herausforderungen bestehen. Das&#13;
Wirtschaftswachstum kurbelt Kooperation und Integration an, aber der Konkurrenzkampf um Ressourcen und Märkte schafft neue Spannungen. Viele&#13;
asiatische Nationen befinden sich in einem Prozeß des&#13;
Übergangs. Und wir alle müssen komplexe neue&#13;
Bedrohungen bekämpfen wie die Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Verbrechen&#13;
und Drogenhandel sowie die weitreichenden Konsequenzen der Umweltzerstörung.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung&#13;
nahezu aller asiatischen Nationen, daß das amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region in diesem&#13;
neuen Zeitalter nach wie vor unerläßlich ist. Präsident&#13;
Clinton hat erkannt, daß diese Region seit dem Ende&#13;
des Kalten Krieges wichtiger für unsere Interessen ist&#13;
als je zuvor. Es sollte absolut kein Zweifel daran&#13;
bestehen, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen,&#13;
weiterhin eine pazifische Macht zu bleiben. Während&#13;
der vergangenen drei Jahre hat der Präsident in&#13;
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und&#13;
Freunden eine Reihe wichtiger strategischer Entscheidungen zur Verstärkung unseres Engagements&#13;
getroffen - durch unsere Bündnisse, unsere vornestationierte Präsenz, unsere Verpflichtung zur weiteren&#13;
Stationierung von ungefähr 100.000 Soldaten im&#13;
Pazifik und unsere Beteiligung an regionalen Sicherheitsdialogen wie diesem. Unser Ziel ist, zum&#13;
Aufbau einer pazifischen Gemeinschaft beizutragen,&#13;
die auf unseren gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und dem Streben nach nützlicher&#13;
Zusammenarbeit für beide Seiten gründet.&#13;
Die Grundlage unseres Engagements in der Region&#13;
bilden nach wie vor unsere fünf Bündnisse, angefangen von unserer Partnerschaft mit Japan. Die von&#13;
Präsident Clinton und Ministerpräsident Hashimoto im&#13;
April unterzeichnete gemeinsame Erklärung wird die&#13;
Fähigkeit unseres Bündnisses zur Förderung von&#13;
Sicherheit und Stabilität für alle Nationen in der Region&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�stärken. Durch ihre gemeinsamen Bestrebungen zur&#13;
Lösung der atomaren Krise und der Erlangung eines&#13;
dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel&#13;
haben die Vereinigten Staaten und Südkorea ihre&#13;
Beziehungen verstärkt und ihre Zusammenarbeit&#13;
erweitert. Wir haben unsere starken Bande zu Thailand, den Philippinen und Australien bekräftigt, wohin&#13;
ich in zwei Tagen reisen werde, um Wege zur Vertiefung der amerikanisch-australischen Zusammenarbeit&#13;
zu sondieren. Wir haben unsere Sicherheitsarrangements mit unseren ASEAN-Partnern erweitert.&#13;
&#13;
Wir begrüßen die vom ARF im vergangenen Jahr&#13;
erzielten Fortschritte. Insbesondere in Bereichen wie&#13;
Vertrauensbildung, friedenssichernde Operationen&#13;
sowie Such- und Rettungsaktionen wird die Arbeit des&#13;
ARF die Sicherheit und Stabilität verbessern. Das&#13;
Engagement der Vereinigten Staaten im ARF wird sich&#13;
verstärken, vor allem während sich das ARF zu einem&#13;
Forum für präventive Diplomatie entwickelt. Wir wollen&#13;
die Fähigkeit des ARF zur Erörterung wichtiger&#13;
regionaler Sicherheitsfragen in einer bedeutenden&#13;
Weise gewährleisten.&#13;
&#13;
Ferner haben wir unser Engagement für andere&#13;
Nationen verstärkt und ein neues Kapitel unserer&#13;
Beziehungen zu Vietnam geöffnet, setzen unsere&#13;
Unterstützung der Reformen in Rußland fort und&#13;
erweitern unsere Zusammenarbeit mit Indien.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß&#13;
das ARF weiterhin eine konstruktive Rolle bei der&#13;
Entschärfung von Spannungen im Zusammenhang mit&#13;
territorialen Ansprüchen im südchinesischen Meer und&#13;
auf die Spratly-Inseln spielen kann. Die Sicherstellung&#13;
der Navigationsfreiheit in Wasserstraßen, auf denen&#13;
25 Prozent der Güter der Welt transportiert werden, ist&#13;
entscheidend für die Sicherheit und den Wohlstand der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Die Vereinigten Staaten&#13;
stehen zu den Prinzipien ihrer Erklärung vom 10. Mai&#13;
1995: Obwohl wir keine Position zu individuellen&#13;
territorialen Ansprüchen beziehen, werden wir keine&#13;
hinnehmen, die nicht im Einklang mit dem Völkerrecht&#13;
stehen, einschließlich dem Seerecht der Vereinten&#13;
Nationen aus dem Jahr 1992. Wir lehnen den Einsatz&#13;
oder die Androhung von Gewalt ab, fordern alle&#13;
Parteien zur Intensivierung ihrer diplomatischen&#13;
Anstrengungen auf und sind bereit, in jeder Weise zu&#13;
helfen, die eine klagende Partei als nützlich erachtet.&#13;
&#13;
Natürlich wird keine Nation eine größere Rolle bei der&#13;
Gestaltung der Zukunft Asiens spielen als China. Die&#13;
kontinuierliche Modernisierung und Entwicklung des&#13;
Landes ist unabdingbar für die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region und der&#13;
Welt. Wir haben hart gearbeitet, um ein breites&#13;
Spektrum gemeinsamer Interessen zu fördern und vor&#13;
kurzem mehrere wichtige Übereinkommen erzielt, die&#13;
unsere gemeinsame Verpflichtung zu Nichtverbreitung&#13;
sowie erweitertem Handel und Investitionen stärken.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß es weiterhin Meinungsverschiedenheiten geben wird, die wir konstruktiv beilegen müssen. Die Vereinigten Staaten sind fest von der&#13;
Notwendigkeit überzeugt, ein stabiles Umfeld für die&#13;
friedliche Lösung von Problemen zwischen der&#13;
Volksrepublik China und Taiwan sicherzustellen. Wir&#13;
ermutigen beide Seiten zu weiteren Schritten zur&#13;
Verringerung der Spannungen in der Straße von&#13;
Taiwan, darunter die Wiederaufnahme des Dialogs&#13;
über die Überquerung der Straße. Ich blicke weiteren&#13;
Fortschritten bei meinem Treffen hier mit Außenminister Qian Qichen erwartungsvoll entgegen unserem 14. seitdem ich Außenminister wurde.&#13;
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß&#13;
ihre Beteiligung am regionalen Forum des ASEAN,&#13;
dem nordostasiatischen Sicherheitsdialog und anderen&#13;
Mechanismen ihre bilateralen Bestrebungen zur&#13;
Förderung der Stabilität ergänzen. Im vergangenen&#13;
Jahr fanden über 130 multilaterale Treffen über&#13;
Sicherheitsfragen in der asiatisch-pazifischen Region&#13;
statt - ein Beweis dafür, daß Harold Macmillan nicht&#13;
der einzige war, der an den Satz "Reden ist besser als&#13;
Krieg" glaubte. Dieses neue Netz von Kontakten trägt&#13;
zur Verringerung von Spannungen und Mißtrauen bei&#13;
und fördert gewohnheitsmäßige Konsultationen. Das&#13;
ARF - der einzige regionale Sicherheitsdialog auf&#13;
Regierungsebene - hat den Weg durch Förderung des&#13;
Dialogs, Ermutigung von Transparenz und Erweiterung&#13;
der Zusammenarbeit geebnet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir begrüßen auch die kontinuierliche Unterstützung&#13;
der Bestrebungen zur Erlangung eines dauerhaften&#13;
Friedens auf der koreanischen Halbinsel durch das&#13;
ARF. Das mit Hilfe unserer Verbündeten und Partner&#13;
erzielte Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Demokratischen Volksrepublik&#13;
Nordkorea hat die Beseitigung einer verhängnisvollen&#13;
Bedrohung der regionalen Sicherheit eingeleitet. Das&#13;
nordkoreanische Nuklearprogramm ist unter internationaler Überwachung eingefroren. Die Umsetzung&#13;
der Bedingungen des Rahmenabkommens hat das&#13;
Konfliktrisiko dramatisch reduziert und den Weg zu&#13;
Fortschritten mit Nordkorea bei Problemen wie der&#13;
Nichtverbreitung von Raketen und Vermißten geebnet.&#13;
Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten, Südkorea und Japan ist stärker als je zuvor.&#13;
Und wir drängen Nordkorea weiterhin zu einer positiven Reaktion auf den von Präsident Kim und Präsident&#13;
Clinton unterbreiteten Vorschlag zu Vierparteiengesprächen zwischen den Vereinigten Staaten,&#13;
Südkorea, Nordkorea und China.&#13;
Jeder von uns hat ein großes Interesse an der Förderung dieser positiven Entwicklungen auf der Halbinsel. Ich darf Ihnen versichern, daß Präsident Clinton&#13;
sich der Sicherstellung starker Unterstützung des&#13;
Rahmenabkommens durch die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet hat. Aber während die zur Umsetzung des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Rahmenabkommens ins Leben gerufene Energieentwicklungsorganisation der koreanischen Halbinsel&#13;
(Korean Peninsula Energy Development Organization KEDO) Fortschritte macht, sieht sie sich mit einer&#13;
beträchtlichen Finanzierungslücke konfrontiert. Viele&#13;
der hier vertretenen Nationen sind der KEDO bereits&#13;
behilflich. Ich fordere diejenigen, die noch keine Hilfe&#13;
leisten, zu maßgeblicher und kontinuierlicher Unterstützung auf. Gemessen an den Kosten verschärfter&#13;
Spannungen - ganz zu schweigen von einem bewaffneten Konflikt - ist diese Unterstützung eine verantwortungsvolle Investition in die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region. Alle&#13;
unsere Nationen haben ferner ein Interesse an der&#13;
Wiederaufnahme des Nord-Süd-Dialogs, der zur&#13;
Beendigung der grausamen Teilung der Halbinsel&#13;
unerläßlich ist.&#13;
Seit seiner Gründung ist sich das ARF der Bedrohung&#13;
für regionale und globale Sicherheit durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bewußt. Jetzt&#13;
haben unsere Nationen die Chance, auf der letztes&#13;
Jahr ausgehandelten unbegrenzten Verlängerung des&#13;
Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) durch die Unterstützung des Abschlusses eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban&#13;
Treaty - CTBT) aufzubauen, der Nuklearexplosionen&#13;
für immer verbieten wird. Die aktuelle Version des&#13;
Vertrags ist ein konkreter und unerläßlicher Schritt zur&#13;
weiteren nuklearen Abrüstung, und wir fordern alle in&#13;
der Kommission für Abrüstung vertretenen Nationen zu&#13;
seiner Unterstützung auf.&#13;
Wir appellieren an die ARF-Teilnehmer, ihre Unterstützung für die globalen Nichtverbreitungsregime mit&#13;
einschneidenden&#13;
Exportkontrollmaßnahmen&#13;
zu&#13;
verstärken, die den destabilisierenden Transfer&#13;
sicherheitsempfindlicher Güter und Technologien&#13;
verhindern. Da moderne Rüstungsgüter das Potential&#13;
besitzen, alte regionale Rivalitäten zu schüren, sind die&#13;
Ermutigung von Transparenz und Zurückhaltung beim&#13;
Waffentransfer nach wie vor wichtig für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Stabilität. Wir sollten&#13;
uns weiterhin auf die Möglichkeit konzentrieren, unsere&#13;
Beteiligung am UN-Register für konventionelle Waffentransfers zu verbessern und im nächsten Jahr ein&#13;
regionales Register entwickeln.&#13;
Als Organisation, die sich dem "konsultativen Dialog&#13;
und Konsultationen über politische und Sicherheitsinteressen von gemeinsamem Interesse und Anliegen"&#13;
verschrieben hat, sollte das ARF auch die Auswirkungen der derzeitigen Gegebenheiten in Burma auf die&#13;
Region berücksichtigen. Die Weigerung der SLORC,&#13;
dem Wunsch der Mehrheit des burmesischen Volkes&#13;
nach demokratischer Herrschaft nachzugeben und die&#13;
zunehmende Schikanierung der demokratischen&#13;
Opposition verletzen nicht nur grundlegende, universelle Menschenrechte, sondern vergrößern auch&#13;
die Möglichkeit von Instabilität, Blutvergießen und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Migration innerhalb Burmas und über die Grenzen&#13;
hinaus. Die stetige wachsende Beeinträchtigung der&#13;
Rechtsstaatlichkeit hat die Bedrohung vergrößert, die&#13;
Burmas florierender Drogenhandel für die Bürger von&#13;
Bangkok bis Berlin und von Schanghai bis San&#13;
Francisco darstellt.&#13;
Der Ansatz unserer Nationen zu Burma mag unterschiedlich sein, wir haben jedoch ein gemeinsames&#13;
Interesse und ein gemeinsames Ziel: Einen bedeutungsvollen politischen Dialog, der zu größerer&#13;
Stabilität und Offenheit führt. Präsident Clinton hat vor&#13;
kurzem zwei Sondergesandte zu engen Konsultationen mit Freunden und Verbündeten in die Region&#13;
entsandt.&#13;
Es ist von Bedeutung, daß wir unser&#13;
Engagement für Burma zur Förderung konkreter&#13;
Ergebnisse nutzen, insbesondere nach diesen Treffen&#13;
in Jakarta. Burmas Beteiligung am ARF und die&#13;
engeren Beziehungen des Landes zum ASEAN&#13;
unterstreichen wie wichtig es ist, daß der Versöhnungsprozeß Fortschritte macht und nicht Rückschläge erleidet.&#13;
Die kontinuierlichen Fortschritte Kambodschas zur&#13;
Aussöhnung und beim Wiederaufbau sind ebenfalls&#13;
unabdingbar für die regionale Sicherheit. Die Vereinigten Staaten begrüßen Kambodschas Aufnahme&#13;
als Vollmitglied des ASEAN im Jahr 1997. Wir haben&#13;
uns zu Hilfe bei der stetigen Demokratisierung und&#13;
Entwicklung verpflichtet und sind der Auffassung, daß&#13;
starke internationale Unterstützung für kommunale&#13;
Wahlen im Jahr 1997 und nationale Wahlen im Jahr&#13;
1998 unerläßlich für die Erlangung dieser Ziele ist.&#13;
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein weiteres&#13;
Thema lenken: Die Bedrohung, die Terrorismus für&#13;
alle unsere Länder darstellt. Von Tokio bis Manila&#13;
wurde die Region Zeuge der grausamen Bedrohung&#13;
durch diese gesetzlosen Mörder. Wir fordern alle&#13;
Nationen dringend zur Ratifizierung der 11 bestehenden internationalen Abkommen zur Terrorismusbekämpfung und zur Verabschiedung praktischer&#13;
Maßnahmen für die Bekämpfung des Terrorismus auf,&#13;
die beim Treffen der P-8 im vergangenen Monat in&#13;
Lyon befürwortet wurden.&#13;
Wir sehen der Zusammenarbeit zur Erfüllung der&#13;
ehrgeizigen Ziele der Arbeitsgruppen des nächsten&#13;
Jahres erwartungsvoll entgegen.&#13;
Unsere sieben&#13;
Treffen zwischen den Sitzungsperioden bieten uns die&#13;
Chance zur Erweiterung unserer Kooperation auf&#13;
wichtige neue Bereiche, von Koordinierung der&#13;
Katastrophenhilfe bis zu gemeinsamen Bestrebungen&#13;
zur Entschärfung von Landminen. Wir sind besonders&#13;
erfreut über die Zustimmung Chinas, gemeinsam mit&#13;
den Philippinen Zusammenkünfte zu vertrauensbildenden Maßnahmen zu veranstalten. Um greifbare&#13;
Ergebnisse der ARF-Aktivitäten des nächsten Jahres&#13;
sicherzustellen, sollten wir die größere Beteiligung von&#13;
Vertretern des Militärs und der Rüstungsindustrie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ermutigen - ein entscheidender Schritt für das Ziel des&#13;
ARF von Vertrauensbildung und praktischer Zusammenarbeit.&#13;
In den vergangenen drei Jahren hat die Verpflichtung&#13;
des ARF zu Konsultationen und Konsens Früchte&#13;
getragen. Die Fähigkeit der ARF-Mitglieder zur&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Erörterung sicherheitsempfindlicher Themen mit&#13;
Offenheit und gegenseitigem Respekt wird entscheidend für den dauerhaften Erfolg dieses Forums sein.&#13;
Jetzt haben wir die Verantwortung, den Inhalt unserer&#13;
Treffen zum Symbol unseres Erfolgs zu machen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Sicherung des Friedens in Bosnien&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
(AD) - Der nachfolgende Artikel wurde vom Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium, John Kornblum, verfaßt und erschien erstmals am 14. Juli 1996 im Sunday Star-Ledger&#13;
von Newark. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Sunday Star-Ledger.&#13;
Copyright © 1996 The Sunday Star-Ledger.&#13;
&#13;
Sieben Monate nach seiner Unterzeichnung wird das&#13;
Abkommen von Dayton nahezu ständig einer Prüfung&#13;
unterzogen. In den Nachrichten finden wir abwechselnd Berichte über Erfolge und Konflikte. Die Kämpfe&#13;
wurden eingestellt - aber ist der Frieden wirklich&#13;
möglich? Die realistische Beantwortung dieser Frage&#13;
ist für die Zukunft Europas und die Rolle der Vereinigten Staaten auf dem alten Kontinent von elementarer Bedeutung. In diesem Zusammenhang könnten&#13;
einige Anmerkungen hilfreich sein:&#13;
Zuallererst hat das Friedensabkommen sehr erfolgreich zur Beendigung des Krieges geführt. Der IFORFriedenstruppe gelang eine nahezu reibungslose&#13;
Entflechtung der Kriegsparteien, bei der es keine Opfer&#13;
gab. Die meisten Militärexperten bezweifeln, daß die&#13;
Feindseligkeiten in vollem Umfang Wiederaufflammen&#13;
könnten, selbst wenn eine Seite das wünschte.&#13;
Dayton ist jedoch mehr als ein Waffenstillstand. Es ist&#13;
ein umfassender Plan zur Wiederherstellung des&#13;
normalen Lebens. Sein Ziel ist der Erhalt des Staates&#13;
Bosnien-Herzegowina unter freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Bedingungen. Hierzu müssen wir drei&#13;
Ziele erlangen: Alle Bürger müssen frei dort leben und&#13;
arbeiten dürfen, wo sie es wünschen. Es muß eine&#13;
demokratische Regierungsform geben, die eine&#13;
politische Beteiligung aller Bürger erlaubt.&#13;
Das&#13;
Wirtschaftsleben muß wiederaufgebaut werden.&#13;
Ein Besuch in Bosnien zum jetzigen Zeitpunkt konfrontiert uns mit den Widersprüchen eines vom Krieg&#13;
verwüsteten Landes. Es wurde bereits viel erreicht.&#13;
Die Normalität stellt sich wieder ein. Überall gibt es&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Anzeichen für Fortschritt. Gleichzeitig bestehen aber&#13;
auch Frustrationen und Probleme fort.&#13;
Die traumatisierten Gesellschaften der drei Volksgruppen sind weiterhin von gegenseitigem Mißtrauen&#13;
erfüllt. Die Angst und Gewalt des Krieges sind in ihren&#13;
Köpfen und Herzen noch tief verankert. Öffentlich&#13;
angeklagte Kriegsverbrecher wie die Führer der&#13;
bosnischen Serben, Radovan Karadzic und General&#13;
Ratko Mladic, üben weiterhin Einfluß aus und behindern die Durchsetzung des Friedens. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge geht nur langsam vonstatten, und der&#13;
Wiederaufbau gestaltet sich schwieriger als man&#13;
gedacht hatte.&#13;
Vor einem Jahr erschien die Schaffung gesetzmäßiger&#13;
staatlicher und politischer Strukturen für den Erhalt&#13;
eines unabhängigen und souveränen Bosnien-Herzegowina unmöglich. Heute trennt uns lediglich eine&#13;
Menge harter Arbeit von der Realisierung dieser&#13;
Vision.&#13;
Das Friedensabkommen enthält zwei starke Werkzeuge: Truppen mit einem klar definierten Mandat zur&#13;
Durchsetzung seines militärischen Teils (IFOR) sowie&#13;
ergänzend eine zivile Verwaltungsstruktur zur Durchführung eines über fünf Jahre laufenden Wiederaufbauprogramms.&#13;
Diese zwei Werkzeuge sollten nicht verwechselt&#13;
werden. Der Abzug der IFOR-Truppen wird nicht die&#13;
umfassendere Verpflichtung der internationalen&#13;
Staatengemeinschaft zum Wiederaufbau Bosniens&#13;
beenden.&#13;
Der Wiederaufbau Bosniens ist eine&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, keine&#13;
militärische.&#13;
Zur Wiederherstellung von Vertrauen und einer&#13;
lebensfähigen staatsbürgerlichen Gesellschaft stellten&#13;
die Verfasser des Daytoner Abkommens absichtlich&#13;
einen ehrgeizigen Zeitplan für seine Umsetzung auf.&#13;
Man sah vorher, daß die Dynamik für den Frieden nur&#13;
erhalten werden kann, wenn die Bewegung hin zu&#13;
einer geeinten Gesellschaft zügig und anhaltend&#13;
genug ist, um die Bestrebungen der nationalistischen&#13;
Kräfte zu vereiteln, die das Land immer noch spalten&#13;
wollen. Der Wiederaufbau der zivilen Strukturen der&#13;
Gesellschaft mußte schnell und geordnet erfolgen, um&#13;
den Aufbau separater Strukturen zu vermeiden, die zu&#13;
einer permanenten Trennung führen könnten.&#13;
Von zentraler Bedeutung bei diesem Bestrebungen&#13;
sind die für den 14. September anberaumten Wahlen&#13;
zur Wiederherstellung einer multiethnischen Regierung. Der Erfolg der Kommunalwahlen vom 30. Juni in&#13;
der krisengeschüttelten Stadt Mostar ist ein Hinweis&#13;
auf die Bedeutung der Wahlen für die Versöhnung der&#13;
entzweiten Volksgruppen Bosniens.&#13;
Eine neue, national gewählte Regierung wird ein&#13;
Partner beim Wiederaufbau des Landes und gleichzeitig das für die vollständige Erfüllung der im Daytoner&#13;
Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zuständige Organ sein. Im Herbst werden die Vereinigten&#13;
Staaten und ihre internationalen Partner die erforderliche technische und politische Unterstützung bereitstellen, damit die gewählte Regierung so bald wie&#13;
möglich funktionsfähig ist.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den eindeutigen Erfolgen der IFOR&#13;
verlaufen die Vorbereitungen für nationale Wahlen im&#13;
Zeitrahmen. Niemand würde behaupten, daß die&#13;
gespaltene bosnische Gesellschaft wieder zusammengewachsen ist, aber es werden stetige Fortschritte&#13;
gemacht.&#13;
Die Freizügigkeit wird verbessert, und täglich überqueren mehr als 10.000 Menschen die ehemalige Frontlinie. Die vom US-Amt für internationale Entwicklung&#13;
(USAID) gewährte Wiederaufbauhilfe hat jetzt das&#13;
Land erreicht. Diese Gelder, die äußerst schnell&#13;
bereitgestellt wurden, werden für den Hausbau, die&#13;
Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen sowie den Wiederaufbau der kommunalen&#13;
Infrastruktur verwendet. Alle diese Aktivitäten schaffen&#13;
Arbeitsplätze und bieten den Flüchtlingen damit einen&#13;
Anreiz zur Rückkehr in ihre Heimat.&#13;
Dieser Krieg hat tiefe Spaltungen hervorgerufen, deren&#13;
Überwindung vielleicht eine Generation dauert. Ohne&#13;
die von den Vereinigten Staaten übernommene&#13;
Führungsrolle hätte Bosnien jedoch nicht diese&#13;
Chance, sich wieder zu einer Nation zu entwickeln, die&#13;
im heutigen Europa wirksam funktionieren kann. Die&#13;
Umsetzung des Friedensabkommens stellt einen&#13;
vernünftigen und realistischen Einsatz der amerikanischen Macht dar. Unser Engagement hat sowohl&#13;
klare Ziele als auch ein definiertes Ende, womit es ein&#13;
Modell für die Ausübung amerikanischen Einflusses in&#13;
Abstimmung mit der NATO zur Entwicklung funktionierender Lösungen für die komplexen Gegebenheiten&#13;
der Welt nach dem Kalten Krieg ist.&#13;
&#13;
Hat diese Strategie kurzer Fristen und ständigen&#13;
politischen Drucks bisher funktioniert?&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Isolationismus wird Amerika schaden&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten "können es sich nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen" ihre Bestrebungen zum Abbau und zur Bekämpfung der Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen beeinträchtigen, erklärte der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
(U.S. Arms Control und Disarmament Agency - ACDA), John Holum, bei einer vom Rat für internationale&#13;
Beziehungen und dem US-Außenministerium in Kansas veranstalteten Treffen am 18. Juli 1996.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.&#13;
&#13;
Die Berliner Mauer ist in Trümmer und Memorabilien&#13;
zerfallen. Die Sowjetunion besteht seit langem nicht&#13;
mehr. Der Kommunismus ist eine gescheiterte Doktrin&#13;
mit einer schrumpfenden Basis. Was für eine großartige Gelegenheit, die Verschwendung von Ressourcen für internationale Angelegenheiten zu beenden und "Relikte des Kalten Krieges" wie Rüstungskontrolle&#13;
beiseite zu legen. Oder?&#13;
Ganz im Gegenteil. Präsident Clinton hat die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle im Ausland&#13;
vehement bekräftigt - was mit seinen Worten zum Teil&#13;
bedeutet, "die ehrgeizigste Tagesordnung zum Abbau&#13;
und zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen seit dem Anbruch des Nuklearzeitalters" umzusetzen.&#13;
Mit gutem Grund.&#13;
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge, wie Zivilisten&#13;
in der Tokioter U-Bahn mit chemischen Waffen&#13;
terrorisiert wurden. Wir sahen das Entsetzen der&#13;
Bombenanschläge auf das World Trade Center und&#13;
das Bundesgebäude in Oklahoma City. Und angesichts der Explosion einer Autobombe in Dhahran im&#13;
letzten Monat sehen wir uns erneut mit der Verletzbarkeit konfrontiert, vor der auch das mächtigste Militär&#13;
der Welt nicht gefeit ist. Dieser blanke Hohn hat das&#13;
dringende Gebot unterstrichen, auch die primitivsten&#13;
nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen nicht&#13;
in die falschen Hände gelangen zu lassen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Dennoch hätten jetzt über 40 Länder die&#13;
technischen und materiellen Fähigkeiten zur&#13;
Entwicklung von Nuklearwaffen, wenn sie sich&#13;
dafür entscheiden würden.&#13;
Mehr als 15 Nationen verfügen zumindest&#13;
über Kurzstreckenraketen - und viele von&#13;
ihnen streben den Besitz von Massenvernichtungswaffen an.&#13;
Ungefähr 20 Länder - von denen uns viele&#13;
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme; weitere 15 verfügen über&#13;
die Fähigkeit und Motivation.&#13;
Und der Irak führt uns vor Augen, daß biologische Waffen auch für geächtete Regierungen&#13;
und Gruppen attraktiv sind.&#13;
Unterdessen führen wir noch immer nicht beendete&#13;
strategische&#13;
Rüstungskontrollverhandlungen&#13;
mit&#13;
Rußland - dem Land, das eine verheerende atomare&#13;
Zerstörung in den Vereinigten Staaten anrichten&#13;
könnte.&#13;
Und während Verträge eingehalten und Waffen zerlegt&#13;
werden, wird Rußland auch zum zentralen Element bei&#13;
der Lösung des Problems, daß das Fachwissen und&#13;
Material zur Herstellung von Atomwaffen zu verbrecherischen Staaten oder Terrorgruppen durchsickern könnte.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Diese alten und neuen Herausforderungen auf meinem&#13;
Gebiet sowie in vielen anderen Bereichen machen&#13;
eine intensivierte amerikanische Führungsrolle für eine&#13;
Welt im Umbruch erforderlich. Denn die Vereinigten&#13;
Staaten führen seit über 40 Jahren mit Worten und&#13;
Taten die Bestrebungen zur Schaffung von Sicherheit&#13;
durch die Kontrolle von Waffen an.&#13;
Dank der Initiative von Präsident Kennedy und mit&#13;
Unterstützung von Präsident Eisenhower haben die&#13;
Vereinigten Staaten ein kleines, spezialisiertes,&#13;
unabhängiges Amt - bekannt als ACDA - ausschließlich für diese Sache ins Leben gerufen. Wir handeln&#13;
Abkommen wie den Vertrag über die Verringerung&#13;
strategischer Rüstungen mit Rußland und die globale&#13;
Chemiewaffenkonvention aus und setzen sie um. Wir&#13;
fördern regionale Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung, einschließlich der im Rahmen der Beilegung&#13;
des Bosnien-Konflikts vereinbarten Begrenzungen.&#13;
Wir beraten den Präsidenten und den Außenminister&#13;
direkt und ohne bürokratische Behinderungen oder&#13;
Kompetenzgerangel zur Rüstungskontroll- und&#13;
Nichtverbreitungspolitik. Und trotz des Endes des&#13;
Kalten Krieges - und in mancher Hinsicht wegen ihm sind wir in der Tat mehr beschäftigt als früher.&#13;
Es wird Amerika schaden, wenn wir in Isolationismus&#13;
verfallen oder die Außenpolitik vornehmlich als&#13;
Plattform für politische Selbstdarstellung im Inland&#13;
benutzen.&#13;
Zugegeben, die Politik bewegt sich seit einiger Zeit auf&#13;
Messers Schneide - und die Außenpolitik der Exekutive zu stören ist in keiner Weise eine Erfindung des&#13;
heutigen Kongresses. Aber jetzt drohen eine extrem&#13;
parteipolitische Gruppe und neue Rufe nach Isolationismus unsere nationale Sicherheit zu unterminieren.&#13;
Eine unserer wichtigsten Aufgaben im Bereich der&#13;
nationalen Sicherheit heute besteht in der Realisierung&#13;
der Vorteile des zweiten Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen START II. Damit&#13;
werden die ehemaligen amerikanischen und sowjetischen strategischen Nuklearwaffen auf ein Drittel&#13;
reduziert. Präsident Clinton und sein Amtskollege&#13;
Jelzin haben vereinbart, daß dieser Vertrag die Tür zu&#13;
Gesprächen über künftige Begrenzungen öffnen wird.&#13;
START II legt zwingende Gründe für Rüstungskontrolle&#13;
als Kontrolle der Bedrohung vor: In den siebziger und&#13;
achtziger Jahren waren einige Experten alarmiert&#13;
angesichts einer nuklearen "Lücke", die die Vereinigten Staaten im Falle eines sowjetischen Erstschlags verletzbar machte, der mit über 300 sowjetischen schweren landgestützten SS-18-Raketen&#13;
geführt würde, die mit je 10 Gefechtsköpfen mit&#13;
unabhängiger Zielerfassung bestückt waren.&#13;
Ein zur Zerstörung der SS-18 entworfenes amerikanisches Waffensystem würde optimistischen Schät-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
zungen zufolge viele Milliarden Dollar kosten, wäre&#13;
nicht 100 Prozent zuverlässig und könnte nur mitten in&#13;
einem Nuklearkrieg eingesetzt werden. Aber im&#13;
Rahmen von START II werden diese SS-18 völlig&#13;
zerstört - sicher und verifizierbar, ohne daß ein&#13;
einziger Schuß abgefeuert wird.&#13;
START II ist jedoch in Gefahr. Solche Begrenzungen&#13;
für strategische Offensivwaffen wurden seit langem in&#13;
Zusammenhang mit Begrenzungen bei defensiven&#13;
Rüstungen gestellt, wie sie der ABM-Vertrag von 1972&#13;
vorsieht. Der Grund liegt auf der Hand: Während die&#13;
Zahl von Offensivwaffen auf einer Seite reduziert wird,&#13;
nimmt die Bedeutung jeder Defensivwaffe auf der&#13;
anderen Seite zu bis zu dem Punkt, an dem das erste&#13;
Land sich über seine Fähigkeit zur Abschreckung&#13;
eines Angriffs Sorgen machen könnte. Aufgrund&#13;
dieser Logik haben die Russen, die START II noch&#13;
nicht ratifizierten, stets ein Junktim zwischen dem&#13;
Vertrag und der weiteren Gültigkeit des ABM-Vertrags&#13;
von 1972 hergestellt. Als sie START I ratifizierten - der&#13;
die erste Hälfte der SS-18 eliminiert - machten sie klar,&#13;
daß START I in der Tat vom ABM-Vertrag abhängt.&#13;
Einige Mitglieder des Kongresses haben jedoch&#13;
ausgerechnet diese Zeit - zu Beginn der offiziellen&#13;
Umsetzung von START I und mitten im Drängen auf&#13;
die Ratifizierung von START II durch die Russen - für&#13;
die Forderung gewählt, daß der ABM-Vertrag voll und&#13;
ganz ausrangiert wird und wir unverzüglich mit dem&#13;
Aufbau einer nationalen Raketenverteidigung an&#13;
mehreren Standorten beginnen.&#13;
Ich vermute, daß hier politischer Opportunismus am&#13;
Werk ist - denn Meinungsumfragen belegen, daß die&#13;
meisten Amerikaner der Ansicht sind, wir hätten bereits&#13;
eine solche Verteidigung und würden sie begrüßen.&#13;
Natürlich sind nicht die Umfragen die öffentliche&#13;
Rechtfertigung, sondern die Behauptung, daß wir einer&#13;
Bedrohung durch Langstreckenraketen begegnen&#13;
müssen - jetzt nicht von Rußland, sondern von verbrecherischen Staaten wie Iran, Irak oder Nordkorea.&#13;
Das ist eine potentielle Gefahr, aber die Nachrichtendienste erklären, jede Bedrohung für eine Stadt wie&#13;
beispielsweise Kansas City sei mindestens 10 bis 15&#13;
Jahre entfernt. Als Schutz entwickeln die Vereinigten&#13;
Staaten eine angemessene Verteidigung, die bereits in&#13;
sechs Jahren bereit sein könnte, wenn wir sehen, daß&#13;
sich eine solche Bedrohung abzeichnet.&#13;
Aber jetzt eine nationale Raketenverteidigung zu&#13;
erzwingen, ergibt weder militärisch, diplomatisch,&#13;
wirtschaftlich noch sicherheitspolitisch einen Sinn. Wir&#13;
wären den Technologien von heute verhaftet und&#13;
würden modernere und effizientere Ansätze ausschließen.&#13;
Das Haushaltsbüro des Kongresses&#13;
erklärt, es würde den Etat um bis zu 60 Milliarden&#13;
Dollar aufstocken. Und wie ich bereits ausgeführt&#13;
habe, würde damit alles aufs Spiel gesetzt, was die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�letzten drei Präsidenten bei den tatsächlichen Reduzierungen strategischer Offensivwaffen erzielt haben.&#13;
Dieser Plan wird als das "Gesetz zur Verteidigung&#13;
Amerikas" bezeichnet. Man könnte es genausogut das&#13;
"Gesetz zum Erhalt der russischen schweren Raketen"&#13;
nennen. Denn im Namen der Verteidigung gegen&#13;
Gefahren, die eines Tages Wirklichkeit werden, würde&#13;
es bestehende Gefahren verlängern, die wir sonst&#13;
beseitigen könnten.&#13;
Ich möchte mich nun einem zweiten Bereich zuwenden, in dem die Interventionen des Kongresses noch&#13;
schwerer zu erklären sind - Nordkoreas Nuklearwaffenpotential.&#13;
Nordkorea ist eine isolierte, verunsicherte, militarisierte, zunehmend verarmte und hungrige Nation. Wie&#13;
würde unser Sicherheitsumfeld aussehen, wenn&#13;
Nordkorea im Besitz von Atomwaffen wäre? Was&#13;
wäre, wenn das Land genug Nuklearmaterial oder&#13;
sogar Nuklearwaffen hätte, um sie an andere Staaten&#13;
wie Iran oder Libyen zu verkaufen - oder direkt an&#13;
Terrorgruppen?&#13;
Solche Aussichten mußten bis Ende 1994 nicht nur als&#13;
möglich, sondern als wahrscheinlich angesehen&#13;
werden - als wir ein Rahmenabkommen zu Abwendung des nordkoreanischen materiellen Potentials zur&#13;
Herstellung von über einem Dutzend Atomwaffen pro&#13;
Jahr unterzeichneten. Seit jenem Tag ist das nordkoreanische Nuklearprogramm eingefroren. Der zur&#13;
Verbreitung geeignete Reaktor wurde stillgelegt, und&#13;
der Bau von zwei größeren eingestellt. Die Wiederaufbereitungsanlage, mit der waffenfähiges Plutonium&#13;
aus verbrauchten Brennstäben gewonnen werden&#13;
konnte, ist geschlossen, und der erschöpfte Brennstoff&#13;
wurde in Kanistern versiegelt, die aus dem Land&#13;
transportiert werden. All dies geschieht unter kontinuierlicher internationaler Überwachung.&#13;
Dennoch ist auch dieses Abkommen in Gefahr.&#13;
Bei dem Abkommen von 1994 ging es um den Ersatz&#13;
verlorener Energiequellen. In der nächsten Zeit&#13;
werden zwei Leichtwasserreaktoren, die nicht für die&#13;
Herstellung von waffenfähigem Material geeignet sind,&#13;
die von Nordkorea stillgelegten ersetzen. Als Überbrückung wird in der Zwischenzeit Schweröl geliefert.&#13;
Japan und Südkorea werden zusammen über 4&#13;
Milliarden Dollar zum Bau der neuen Reaktoren&#13;
beitragen. Die Vereinigten Staaten werden im Vergleich dazu einen sehr viel geringeren Betrag für&#13;
Schweröl beisteuern, der sich in diesem Jahr auf rund&#13;
25 Millionen Dollar beläuft. Dennoch hat der Kongreß&#13;
in diesem Sommer diesen bescheidenen Beitrag&#13;
nahezu halbiert - auf 13 Millionen Dollar.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Ich kann nicht erklären, warum das Rahmenabkommen weiterhin solches Unheil anzieht - warum so viele,&#13;
die bei seiner Aushandlung nicht anwesend waren, so&#13;
zuversichtlich sind, sie hätten einen besseren Deal&#13;
abgeschlossen. Aber selbst sie würden sich hartem&#13;
Druck ausgesetzt sehen, Japan und Südkorea zur&#13;
Einhaltung ihrer Abmachung aufzufordern - oder&#13;
darauf zu bestehen, daß Nordkorea seinen Verpflichtungen nachkommt - wenn wir unsere nicht&#13;
erfüllen können. Und wenn dieses Abkommen für&#13;
ungültig erklärt werden sollte und wir uns erneut mit&#13;
den Gefahren eines atomar bewaffneten Nordkorea&#13;
konfrontiert sehen, frage ich mich, ob die Väter dieser&#13;
Kürzung in Höhe von 12 Millionen Dollar nach vorne&#13;
treten werden und die Verantwortung für die von ihnen&#13;
vorgenommenen großen Einsparungen übernehmen.&#13;
Vor kurzem hatten wir eine knappe Entscheidung im&#13;
Kongreß zu einem weiteren wichtigen Ziel - ein&#13;
umfassendes Verbot für alle weiteren Atomtests aller&#13;
Länder, an allen Orten und unabhängig von den&#13;
Gründen.&#13;
Eisenhower war unser erster Präsident, der einen&#13;
solchen Vertrag anstrebte. Präsident Clinton hat ihn&#13;
schließlich in greifbare Nähe gerückt - nicht nur durch&#13;
die grundsätzliche Unterstützung des Testverbots,&#13;
sondern auch, indem er ihn auf den Verhandlungsweg&#13;
brachte und einen wirklich umfassenden Vertrag ohne&#13;
Ausnahmen befürwortete, der die gleiche Behandlung&#13;
aller Länder vorsieht.&#13;
Das Atomtestverbot wird dazu beitragen, die Gefahren&#13;
und Kosten jedes weiteren qualitativen Rüstungswettlaufs abzuwenden und eine zusätzliche Barriere gegen&#13;
die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in mehr&#13;
Länder zu errichten. Heute lautet die Frage jedoch&#13;
nicht, ob das Testverbot in unserem Interesse, sondern ob es in Reichweite liegt.&#13;
Nach zweieinhalb Jahren harter Arbeit hätte das&#13;
Endspiel der Genfer Abrüstungskonferenz schon&#13;
längst stattfinden müssen. Die Konferenz hätte ihre&#13;
Arbeit vor der letzten Sitzungsperiode, die am 28. Juni&#13;
endete, abschließen sollen. Diese Frist hielt sie nicht&#13;
ein. Sollten die Mitgliedstaaten jetzt nicht am 29. Juli&#13;
mit der Bereitschaft zu einer umgehenden Einigung auf&#13;
den Vertragstext an den Verhandlungstisch zurückkehren, könnte der Abschluß des Vertrags über ein&#13;
umfassendes Atomtestverbot für dieses Jahr und&#13;
wahrscheinlich noch für viele weitere Jahre scheitern.&#13;
Bei den Verhandlungen waren zahlreiche Punkte&#13;
umstritten, einschließlich unseres Beharrens auf einem&#13;
soliden Verifizierungsregime mit gegenseitigen&#13;
Inspektionen vor Ort und dem Recht auf Verwendung&#13;
nationaler technischer Hilfsmittel - Satelliten und&#13;
anderen Technologien - zur Überwachung der Einhaltung. Andere waren stärker mit dem Schutz vor&#13;
einer Verifizierung beschäftigt.&#13;
Einige blockfreie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Länder drängten darauf, den Vertrag mit der Forderung übermäßig zu belasten, alle Nuklearwaffen bis zu&#13;
einem bestimmten Zeitpunkt zu vernichten und in der&#13;
Zwischenzeit lediglich für den Schutz und die Betriebssicherheit der Arsenale erforderliche Explosionen zu&#13;
gestatten. Die Verfahrensweise zur Inkraftsetzung des&#13;
Vertrags bleibt umstritten. Mit anderen Worten - die&#13;
Arbeit in Genf ist schwierig.&#13;
Auf dem Höhepunkt all dieser Entwicklungen wurde im&#13;
Juni im Senat ein Zusatzantrag vorgelegt, der die&#13;
Vereinigten Staaten zu einer Wiederaufnahme von&#13;
Nukleartests im Herbst ermächtigen sollte. Er hätte zu&#13;
keinem besseren Zeitpunkt kommen können, um&#13;
unsere Glaubwürdigkeit bei den Verhandlungen zu&#13;
unterminieren.&#13;
Glücklicherweise wurde in diesem Fall das Richtige auf&#13;
die richtige Art und Weise getan. Eine überparteiliche&#13;
Mehrheit - unter der Führung von Demokraten wie den&#13;
Senatoren James Exon und Sam Nunn und den&#13;
republikanischen Senatoren Mark Hatfield, John&#13;
Chaffee und Nancy Kassebaum - stimmte gegen den&#13;
Antrag. Im Senat gewannen die langjährigen Verfechter des Testverbots die Oberhand, und bei einem&#13;
Erfolg in Genf wird ihnen daher ein Großteil des&#13;
Verdienstes gebühren. Bleiben Sie am Ball.&#13;
Weniger erfolgreich waren wir mit dem Einsatz unserer&#13;
Mittel auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und&#13;
Nichtverbreitung. Die von den Vereinigten Staaten&#13;
übernommene Führungsrolle bei diesen Fragen wird&#13;
durch die uns vom Kongreß auferlegte Handlungsunfähigkeit gefährdet.&#13;
Präsident Clinton und Außenminister Christopher&#13;
erfüllten das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
mit neuem Leben, damit es die Speerspitze der&#13;
amerikanischen Bestrebungen zur Rüstungskontrolle&#13;
und Nichtverbreitung wird. Vergangenes Jahr wurden&#13;
wir mit dem Versuch des Kongresses konfrontiert, uns&#13;
aufzulösen - das Amt ganz abzuschaffen. Bislang&#13;
haben wir das überlebt.&#13;
Jetzt sehen wir uns jedoch andauernden Bestrebungen zur Abstumpfung des Speers gegenüber - indem&#13;
man uns die Mittel verweigert, die wir für die Erledigung der uns vom Präsidenten zugewiesenen Arbeit&#13;
benötigen. Der Haushalt des ACDA ist seit mehreren&#13;
Jahren real geschrumpft, während unsere Arbeit&#13;
zugenommen hat. Einen Großteil dieses Jahres&#13;
operierten wir mit einer erlaubten Ausgabenquote, die&#13;
53 Prozent unter dem Antrag des Präsidenten liegt.&#13;
Meine Sorge geht jedoch weit über den Haushalt des&#13;
ACDA hinaus. Als kleine Behörde verlassen wir uns&#13;
zusammen mit 37 anderen Ämtern darauf, daß die&#13;
Botschaften und Missionen des Außenministeriums&#13;
unserer Stimme im Ausland Gehör verschaffen. Bei&#13;
Fragen, die anhaltende bilaterale Diplomatie erfordern,&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
beispielsweise das Rahmenabkommen mit Nordkorea,&#13;
übernimmt das Außenministerium oft die Führung und&#13;
ACDA bietet technische und politische Unterstützung.&#13;
Daher bin ich äußerst besorgt, daß die Finanzierung&#13;
internationaler Bestrebungen insgesamt, einschließlich&#13;
des Außenministeriums, jetzt nur noch die Hälfte der&#13;
Summe von vor 12 Jahren beträgt - bei konstantem&#13;
Dollarkurs. Einige Vorschläge des Kongresses sehen&#13;
jedoch Kürzungen um ein weiteres Drittel in den&#13;
nächsten fünf Jahren vor. Das würde unsere diplomatische Struktur wirklich erschüttern.&#13;
Hans Morgenthau, der kein Wilsonscher Idealist war,&#13;
machte die Beobachtung, daß die Qualität der Diplomatie einer Nation "die wichtigste" Komponente ihrer&#13;
internationalen Macht ist. Man braucht damit gar nicht&#13;
vollkommen übereinzustimmen, um die große Gefahr&#13;
in der Vorstellung zu sehen, daß wir bei internationalen&#13;
Angelegenheiten mit wenig mehr als Renomiergehabe&#13;
durchkommen könnten.&#13;
Ich wäre weniger insistent, wenn diese Arbeit nur&#13;
marginale Auswirkungen hätte.&#13;
Aber unsere&#13;
Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungsbestrebungen&#13;
sind großartig vorangekommen.&#13;
Zusätzlich möchte ich noch folgende Anmerkungen&#13;
machen:&#13;
Der START I-Vertrag wurde in Kraft gesetzt,&#13;
was erst möglich war, nachdem die Ukraine,&#13;
Kasachstan und Belarus sich auf den Verzicht&#13;
auf alle nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen geeinigt hatten.&#13;
Die letzten werden Ende dieses Jahres abgezogen.&#13;
Unter der Führung Präsident Clintons und&#13;
trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurde der&#13;
Nichtverbreitungsvertrag - unter dem verbotene Nuklearprogramme ausfindig gemacht und&#13;
bestraft werden können - unbegrenzt verlängert und hat jetzt mit 182 Mitgliedern nahezu&#13;
universellen Charakter.&#13;
Wir vereiteln die irakischen Bestrebungen zur&#13;
Umgehung von UNO-Sanktionen solange, bis&#13;
das Land die Wahrheit über seine Massenvernichtungswaffen sagt.&#13;
Aufgrund unserer mit dem Irak gemachten&#13;
Erfahrungen haben wir internationale Bestrebungen für neue internationale Techniken und&#13;
Regeln geleitet, um das Abzweigen von&#13;
Material aus friedlichen Zwecken dienenden&#13;
Nuklearprogrammen für Waffenprogramme zu&#13;
verhindern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Der Senat wird bis Mitte September einen&#13;
einstimmigen Beschluß über die Chemiewaffenkonvention fassen, die Präsident Bush&#13;
1993 abschloß. Das bedeutet, daß dieses&#13;
bahnbrechende Abkommen - das eine ganze&#13;
Waffengattung verbietet und über das einschneidendste Verifizierungssystem verfügt im kommenden Frühjahr in Kraft treten wird.&#13;
Erstmals werden in der Zeit nach dem Kalten&#13;
Krieg konventionelle Waffen in gemeinsame&#13;
Exportkontrollen einbezogen, die sicherheitsempfindliche Technologien von verbrecherischen Staaten fernhalten sollen.&#13;
Und dieses Jahr gibt es eine globale Übereinkunft über das Verbot langlebiger, nicht aufspürbarer Antipersonenminen, die nach einem&#13;
Krieg noch jahrelang scharf sind und unschuldige Zivilisten töten und verstümmeln.&#13;
Mit anderen Worten: Wir verfolgen wichtige Ziele, und&#13;
trotz großer Hindernisse machen wir bei ihrer Erlangung große Fortschritte. Dies ist nicht die richtige&#13;
Zeit, sich zurückzuziehen.&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Die Realität ist, daß wir immer noch in einer gefährlichen Welt leben - die aufgrund der Überrüstung aus&#13;
der Zeit des Kalten Krieges noch von Waffen starrt und uns neuen Gefahren gegenübersehen wie&#13;
Weiterverbreitung,&#13;
fanatischem&#13;
Nationalismus,&#13;
Terrorismus, Umweltzerstörung, Drogenhandel und&#13;
vielen anderen, uns direkt betreffenden Problemen. In&#13;
einer solchen Welt können es sich die Vereinigten&#13;
Staaten nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen ihre ohnehin enormen&#13;
Aufgaben noch erschweren. In Anlehnung an den&#13;
bekannten chinesischen Fluch können wir sagen, daß&#13;
die Zeit, in der wir leben, bereits interessant genug ist.&#13;
Wir müssen jetzt vielmehr auf ernsthafte internationalistische Politiker beider großen Parteien blicken,&#13;
die - selbst wenn unsere Regierung uneinig ist - eine&#13;
einheitliche Außenpolitik machen, wie sie einer&#13;
Großmacht in einer gefährlichen Welt ansteht. Nur&#13;
dann wird sich die Geschichte so entwickeln, wie wir&#13;
es anstreben - hin zu Demokratie, Entwicklung und&#13;
Frieden.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die wirtschaftlichen und diplomatischen&#13;
Ziele der Vereinigten Staaten&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die wirtschaftliche Komponente der amerikanischen Diplomatie gewinnt zunehmend an&#13;
Bedeutung, während die Vereinigten Staaten die Förderung ihrer langfristigen Ziele - Frieden, Wohlstand und&#13;
Stabilität in der Welt nach dem Kalten Krieg - anstreben, erklärte die Staatssekretärin für wirtschaftliche und&#13;
landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Joan Spero, am 18. Juli 1996 vor Vertretern&#13;
regionaler Medien. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Staatssekretärin im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute mit Ihnen über die wirtschaftliche&#13;
Dimension der amerikanischen Außenpolitik sprechen&#13;
zu können. Außenminister Christopher und wir alle im&#13;
Außenministerium schätzen diese Gelegenheiten zur&#13;
Erörterung außenpolitischer Angelegenheiten mit&#13;
Ihnen, zur Darlegung der Ziele unserer Politik und&#13;
Beantwortung Ihrer Fragen.&#13;
Präsident Clintons Außenpolitik verfolgt ein einfaches,&#13;
aber großes Ziel: Die Förderung von Sicherheit und&#13;
Wohlstand des amerikanischen Volkes. Wir leben&#13;
heute in einer Welt ohne einen eindeutigen gemeinsamen Feind, einer Welt mit drängenden globalen&#13;
Problemen wie Terrorismus, Bedrohungen unserer&#13;
Gesundheit und Umweltzerstörung - einer Welt, in der&#13;
nationale Grenzen aufgrund wirtschaftlicher Interdependenz zunehmend verwischt werden.&#13;
Unsere&#13;
heutige außenpolitische Herausforderung besteht in&#13;
der Anpassung unserer dauerhaften Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an die Welt nach dem Kalten Krieg.&#13;
Wie Außenminister Christopher heute bereits erwähnte, kommt der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik&#13;
in dieser neuen Welt eine zentrale Rolle zu. Wir&#13;
verfolgen wirtschaftliche Ziele um ihrer selbst willen weil sie von Vorteil für amerikanische Unternehmen,&#13;
amerikanische Arbeitnehmer und die amerikanische&#13;
Wirtschaft sind. Ferner bedienen wir uns der Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung der traditionellen&#13;
außenpolitischen Ziele Frieden und Sicherheit. In&#13;
Bosnien, Haiti, Rußland, den neuen unabhängigen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion und im Nahen&#13;
&#13;
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&#13;
Osten haben wir gesehen, daß die Mehrung des&#13;
Wohlstands den Frieden und die demokratische&#13;
Entwicklung fördert. Somit setzen wir traditionelle&#13;
wirtschaftliche Hilfsmittel ein. In dieser Zeit der&#13;
Haushaltskürzungen konzentrieren wir uns auf die&#13;
Förderung von Wirtschaftsreformen im Inland, regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Auslandsinvestitionen und Handel.&#13;
Ein ebenso bedeutendes Ziel unserer internationalen&#13;
Wirtschaftspolitik ist die Wahrung des amerikanischen&#13;
Einflusses in den Schlüsselregionen der Welt. Historisch gesehen hat uns die NATO militärisch in Europa&#13;
verankert, und das amerikanisch-japanische Sicherheitsbündnis ist der Pfeiler unserer Sicherheitspräsenz in Asien. Heute bieten Wirtschaftsbeziehungen und die daraus hervorgegangenen neuen wirtschaftlichen Institutionen - beispielsweise die Welthandelsorganisation (WTO) und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) - ebenso&#13;
wichtige Verankerungen für die Projizierung des&#13;
politischen Einflusses der Vereinigten Staaten in die&#13;
ganze Welt.&#13;
Unterstützung von Frieden und Demokratie&#13;
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, wie wir uns für&#13;
die Verfolgung der zunehmend verflochtenen&#13;
Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen unserer Nation&#13;
einsetzen. Erstens nutzen wir, wie bereits erwähnt, die&#13;
Wirtschaft zur Unterstützung unserer diplomatischen&#13;
Ziele Frieden und Demokratie. In den letzten Monaten&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�haben wir beachtliche Fortschritte zum Frieden in den&#13;
lange Zeit von Streitigkeiten geplagten Regionen&#13;
beobachtet - vom Nahen Osten bis zum Balkan. In&#13;
Südafrika, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion&#13;
und Haiti errichten von den Bürgern gewählte Regierungen die Grundlage für eine stabile, demokratische&#13;
Herrschaft. Die amerikanische Diplomatie ist für diese&#13;
Entwicklungen von elementarer Bedeutung, wirtschaftliche Sicherheit ist entscheidend für ihren Erhalt.&#13;
Lassen Sie mich mit dem Nahen Osten beginnen einem Modell wirtschaftlicher Unterstützung von&#13;
Frieden und Sicherheit. Die Tatsache bleibt bestehen,&#13;
daß Frieden und Sicherheit im Nahen Osten heute in&#13;
größerer Reichweite liegen als zu jedem anderen&#13;
Zeitpunkt in der neueren Geschichte, und wirtschaftliche Hilfsmittel haben in diesem Prozeß eine wichtige&#13;
Rolle gespielt.&#13;
Die Vereinigten Staaten bleiben&#13;
optimistisch, daß der Friedensprozeß weitere Fortschritte machen wird, und dabei wird Wirtschaftsdiplomatie auch in Zukunft bedeutende Impulse und&#13;
Beistand geben.&#13;
Heute wählten die Palästinenser einen Palästinensischen Nationalrat, und sie haben in Gaza und den&#13;
meisten Städten des Westjordanlands Selbstverwaltung. Der Wirtschaftsboykott Israels gehört der&#13;
Vergangenheit an.&#13;
Israel und Jordanien haben&#13;
Frieden geschlossen. Nur wenigen Menschen ist&#13;
bewußt, daß wirtschaftliche Zusammenarbeit eine&#13;
zentrale Rolle bei der Weichenstellung für den Friedensvertrag zwischen diesen beiden Ländern spielte.&#13;
Tatsächlich enthält das Friedensabkommen zwischen&#13;
Israel und Jordanien eine Vielzahl von Wirtschaftsklauseln - ebenso wie das Abkommen zwischen den&#13;
Israelis und den Palästinensern.&#13;
Eine der bemerkenswertesten Veränderungen im&#13;
Nahen Osten während der letzten Jahre ist die veränderte Einstellung - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Entwicklung und enge, grenzüberschreitende&#13;
Handelsbeziehungen von entscheidender Bedeutung&#13;
sind, wenn der Frieden in der Region Fuß fassen soll.&#13;
Israelis und Araber gleichermaßen wissen die Ausweitung des Handels, das Wirtschaftswachstum und&#13;
den höheren Lebensstandard zu schätzen, die mit&#13;
regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit einhergehen können. In der Tat hat sich der Friedensprozeß&#13;
als Segen für die Wirtschaft erwiesen, da er die Region&#13;
für ausländische Investoren attraktiver machte.&#13;
Ferner entwickelten wir neue Arten von Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung des Friedensprozesses.&#13;
Im Mittelpunkt dieser Bestrebungen stehen die jährlichen Wirtschaftsgipfel des Nahen Ostens und&#13;
Nordafrikas, die 1994 in Casablanca begannen. Diese&#13;
Gipfeltreffen führten hochrangige Regierungs- und&#13;
Wirtschaftsverteter aus dem Nahen Osten und der&#13;
ganzen Welt zusammen, um die wirtschaftliche&#13;
Entwicklung in der Region zu unterstützen. Die&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Zusammenkünfte fördern die regionale wirtschaftliche&#13;
Integration und bringen Privatkapital direkt in den&#13;
Friedensprozeß ein. Das möchte ich jetzt näher&#13;
erläutern.&#13;
Zweifellos sind die Unternehmen - nicht die Regierung - der wirkliche Motor für Wirtschaftsentwicklung.&#13;
Vor zwei Jahren trafen in Casablanca Regierungsund Wirtschaftsvertreter aus der gesamten Region&#13;
- Araber und Israelis - ungehindert zusammen und&#13;
sprachen über geschäftliche Dinge. Letztes Jahr in&#13;
Amman wurden Abkommen unterzeichnet. Israel und&#13;
Jordanien einigten sich auf die gemeinsame Entwicklung des Senkungsgrabens des Jordan - eine strittige&#13;
Grenzfrage. Sie wollen in der Region Elat/Aqaba&#13;
gemeinsam einen internationalen Flughafen bauen.&#13;
Und amerikanische Unternehmen unterstützen die&#13;
regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beispielsweise schloß Amoco ein Abkommen über ein Jointventure für den Bau einer Pipeline zur Beförderung&#13;
von Erdgas aus Ägypten nach Israel.&#13;
Wir setzen große Hoffnungen in weitere Fortschritte&#13;
beim nächsten Nahostgipfel in Kairo Ende des Jahres.&#13;
In Kairo werden Investitionsmöglichkeiten in der&#13;
Region sowie die Unterstützung von Unternehmen bei&#13;
der Beteiligung an potentiellen Infrastruktur-,&#13;
Tourismus- und anderen Projekten im Mittelpunkt&#13;
stehen.&#13;
Ein bedeutender Aspekt unserer Wirtschaftsdiplomatie&#13;
ist die Schaffung neuer regionaler Institutionen zur&#13;
Förderung regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.&#13;
Dies sind dauerhafte Institutionen zur Ermutigung und&#13;
Unterstützung intraregionaler Integration sowie zur&#13;
Gewinnung ausländischen Kapitals. Diese Institutionen haben bereits eigene Dynamik entwickelt und&#13;
setzen sich jetzt zunehmend für die Beschleunigung&#13;
und Förderung des Friedensprozesses ein.&#13;
Die Nahostentwicklungsbank ist für diese Bestrebungen von elementarer Bedeutung. Die Bank verfolgt&#13;
drei bestimmte Ziele: Unterstützung des Privatsektors,&#13;
Förderung regionaler Projekte sowie des regionalen&#13;
Wirtschaftsdialogs. Die relativ kleine Kapitalbasis der&#13;
Bank wird eingesetzt, um existierende Mittel im&#13;
Privatsektor, bei der Weltbank und anderen Institutionen freizusetzen.&#13;
Während seiner jüngsten Reise nach Washington rief&#13;
Ministerpräsident Netanjahu die Administration und&#13;
den Kongreß entschieden zur schnellen Finanzierung&#13;
und Einrichtung der Nahostentwicklungsbank auf. Es&#13;
wurden bereits mehr als 75 Prozent der neuen Aktien&#13;
der Bank von 19 Ländern gezeichnet, und wir planen&#13;
die offizielle Eröffnung der Bank, die ihren Hauptsitz in&#13;
Kairo haben wird, beim dortigen Gipfel in diesem Jahr.&#13;
Der Friedensprozeß wird natürlich noch auf zahlreiche&#13;
Herausforderungen stoßen. In Syrien und im Libanon&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�gibt es viele Unwägbarkeiten, und die Gespräche über&#13;
den endgültigen Status Palästinas mit den Palästinensern haben noch nicht begonnen. Ferner müssen wir&#13;
Israel zugestehen, daß es nach seinen Wahlen eine&#13;
Bestandsaufnahme vornimmt. Diese Herausforderungen und Unwägbarkeiten machen es jedoch noch&#13;
wichtiger, daß wir beim Aufbau von Wirtschaftsinstitutionen zur Förderung wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Integration Fortschritte machen.&#13;
Die neue Wirtschaftsarchitektur&#13;
Ein zweites wichtiges Ziel unserer Außenwirtschaftspolitik ist die Gestaltung und Modernisierung der&#13;
Wirtschaftsarchitektur - der globalen und regionalen&#13;
Wirtschaftsinstitutionen - für die Welt nach dem Kalten&#13;
Krieg. Wir arbeiten auf globaler und regionaler Ebene&#13;
- sowie im Rahmen bilateraler Bestrebungen - an der&#13;
Förderung eines offeneren Handels- und Investitionsklimas sowie der Reform und Stärkung internationaler&#13;
Wirtschaftsinstitutionen. Diese neue Architektur bietet&#13;
eine wichtige Grundlage für Einfluß und Führungsrolle&#13;
der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt.&#13;
Auf globaler Ebene haben wir uns für die Gründung&#13;
der Welthandelsorganisation eingesetzt und bereiten&#13;
deren erste Ministerkonferenz vor, die diesen Dezember in Singapur stattfinden soll. Dort hoffen wir auf&#13;
einen weiteren Abbau von Handelshemmnissen sowie&#13;
die Aufnahme neuer Fragen wie Handels- und Arbeitsnormen und Transparenz bei der staatlichen Beschaffung in die Tagesordnung der WTO.&#13;
Ich möchte eine andere multilaterale Institution in&#13;
unserer Wirtschaftsarchitektur erwähnen - die Gruppe&#13;
der 7. Es gibt eine - in meinen Augen gesunde Tendenz, die anhaltende Bedeutung der G-7 in Frage&#13;
zu stellen. Ich habe als Sherpa an den letzten vier G7-Gipfeltreffen teilgenommen und war vor kurzem bei&#13;
dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Lyon&#13;
anwesend. Meiner Ansicht nach sind diese Zusammenkünfte zu einem wichtigen Mechanismus für&#13;
multilaterale Aktionen zu einem breiten Spektrum von&#13;
Themen geworden. Rußland beteiligt sich beispielsweise jetzt am außenpolitischen Teil des Gipfels, und&#13;
die Gipfeltreffen konzentrieren sich mehr auf globale&#13;
Themen wie Terrorismus, Verbrechen und die Umwelt.&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich hat die G-7 eine Führungsrolle beim Streben nach offenerem Handel und&#13;
Investitionen übernommen. In Lyon drängten die&#13;
Staats- und Regierungschefs der G-7 spezifisch auf&#13;
die uneingeschränkte und effektive Umsetzung der&#13;
Zusagen der Uruguay-Runde. Die G-7 befürwortete&#13;
auch einen amerikanischen Vorschlag, daß Bestechungsgelder im kommerziellen Bereich künftig&#13;
steuerlich nicht mehr absetzbar sein und als Verbrechen geahndet werden sollen. Solche Bestrebungen werden nicht nur die wirtschaftliche Effizienz und&#13;
gute Regierungsführung verbessern, sondern auch die&#13;
&#13;
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&#13;
Kosten geschäftlicher Transaktionen verringern und&#13;
die Wettbewerbschancen für amerikanische Unternehmen verbessern.&#13;
In diesem Jahr wurden bei der globalen Sitzung der G7 zahlreiche von Präsident Clinton hervorgehobene&#13;
Themen angesprochen. Die acht Staats- und Regierungschefs verabschiedeten 40 konkrete Empfehlungen zur Bekämpfung von transnationalem Verbrechen und Terrorismus und zur Überbrückung der&#13;
Kluft bei der internationalen Strafverfolgung. Die&#13;
Politiker bekräftigten ihren Ruf nach einer durchgreifenden Reform multilateraler Institutionen. Im&#13;
Hinblick auf die Reform der Vereinten Nationen&#13;
ermöglichten die weitere Verschlankung, Kostendämpfung und bessere Managementsysteme es der&#13;
Institution, in diesem Jahr erstmals in ihrer Geschichte&#13;
einen wachstumsneutralen Haushalt zu verabschieden. Auch bei den internationalen Finanzinstitutionen&#13;
wurden bedeutende Reformen vorgenommen: Zu den&#13;
seit Halifax unternommenen Schritten zählen verbesserte Überwachung und eine Verdoppelung der&#13;
durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur&#13;
Bewältigung der Finanzkrisen bereitgestellten Ressourcen.&#13;
Unsere Bestrebungen zum Aufbau einer regionalen&#13;
Wirtschaftsarchitektur waren ebenso erfolgreich. Wir&#13;
knüpfen neue Wirtschaftsbeziehungen durch regionale&#13;
Bestrebungen in Europa, Asien und auf dem amerikanischen Kontinent. Diese Arrangements ermöglichen&#13;
uns die uneingeschränkte Beteiligung an den Wirtschaftsaktivitäten dieser Regionen sowie die Stärkung&#13;
unserer politischen und sicherheitspolitischen Bande.&#13;
Hier in der westlichen Hemisphäre wollten wir neue&#13;
und in manchen Fällen noch auf tönernen Füßen&#13;
stehende Demokratien unterstützen und zur Konsolidierung des in der Region bereits eingeleiteten&#13;
wirtschaftlichen Reformprozesses beitragen. Daher&#13;
veranstaltete Präsident Clinton im Dezember 1994 den&#13;
gesamtamerikanischen Gipfel in Miami, an dem 34&#13;
demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs&#13;
teilnahmen. Dort haben wir uns zu neuartiger Zusammenarbeit verpflichtet, um die Demokratie zu&#13;
stärken, die Armut auszumerzen, Wohlstand durch die&#13;
Konsolidierung der Wirtschaftsreformen zu fördern und&#13;
die Umwelt zu schützen. Wir vereinbarten ferner einen&#13;
neuen Rahmen für regionale Zusammenarbeit,&#13;
darunter die Schaffung einer "gesamtamerikanischen&#13;
Freihandelszone" bis zum Jahr 2005.&#13;
Auch unsere Partnerschaft mit Europa mußte umgestaltet werden, um sie an die heutigen Zeiten anzupassen. Aus diesem Grund reiste Präsident Clinton&#13;
im Dezember vergangenen Jahres nach Madrid, um&#13;
zusammen mit den Staats- und Regierungschefs der&#13;
Europäischen Union eine neue transatlantische&#13;
Tagesordnung zu entwerfen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet das Kernstück der neuen trans-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�atlantischen Tagesordnung, welche die Schaffung&#13;
eines neuen transatlantischen Marktes fordert, auf&#13;
dem Handels- und Investitionshemmnisse abgebaut&#13;
oder abgeschafft werden.&#13;
Der transatlantische&#13;
Untemehmensdialog, an dem über 200 Geschäftsführer amerikanischer und europäischer Firmen&#13;
beteiligt sind, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Maßnahmen von praktischem und greifbarem Vorteil für die&#13;
Unternehmen.&#13;
Zum Abschluß möchte ich mich Asien zuwenden. Der&#13;
asiatisch-pazifische Raum ist die dynamischste&#13;
Wirtschaftsregion der Welt. Sie zeichnet für die Hälfte&#13;
der Weltproduktion verantwortlich. Bis zum Ende&#13;
dieses Jahrhunderts wird die Hälfte des Welthandels und zwei Drittel des gesamten amerikanischen&#13;
Handels - in der asiatisch-pazifischen Region abgewikkelt.&#13;
In Asien hat das starke amerikanische Engagement für&#13;
die Sicherheit der Region ein der wirtschaftlichen&#13;
Entwicklung, wachsenden Märkten und florierendem&#13;
Handel förderliches Umfeld geschaffen. Der Wohlstand wiederum hat die Grundlage für die Förderung&#13;
unserer strategischen Interessen gelegt: Demokratische Werte, Nichtverbreitung, Umweltschutz und&#13;
Menschenrechte.&#13;
Wir haben uns an das Forum für asiatisch-pazifische&#13;
wirtschaftliche Zusammenarbeit APEC gewandt, um in&#13;
der asiatisch-pazifischen Region Fuß zu fassen. Das&#13;
APEC wurde 1989 als lockerer Zusammenschluß für&#13;
Konsultationen gegründet, in dem die dynamischsten&#13;
Volkswirtschaften der Welt vertreten sind. 1993&#13;
erreichte das APEC einen Wendepunkt, als Präsident&#13;
Clinton zum ersten Mal die 18 APEC-Vertreter in&#13;
Seattle zusammenbrachte. Hier umrissen die Politiker&#13;
eine Vision für das APEC: Sie forderten eine pazifische&#13;
Gemeinschaft, die sich der Suche nach kooperativen&#13;
Lösungen für die Herausforderungen unserer sich&#13;
rasch wandelnden regionalen und globalen Wirtschaft&#13;
widmen sollte.&#13;
1994, als das APEC erneut in Indonesien zusammenkam, verpflichteten sich die Politiker zu freiem und&#13;
offenem Handel sowie Investitionen in der asiatischpazifischen Region bis zum Jahr 2010 für Industrienationen und bis zum Jahr 2020 für Entwicklungsländer.&#13;
Im November vergangenen Jahres wurde in Osaka&#13;
eine konkrete Tagesordnung zur Erlangung der&#13;
Handels- und Investitionsliberalisierung bis zu diesen&#13;
Daten verabschiedet, und die Mitgliedstaaten kündigten die sogenannten "Abschlagszahlungen" für die&#13;
Liberalisierung an. Im Herbst dieses Jahres werden&#13;
die APEC-Mitglieder in Manila ihre nationalen und&#13;
regionalen Aktionspläne vorlegen, um mit der Umsetzung unserer Liberalisierungsbestrebungen zu&#13;
beginnen.&#13;
&#13;
seite 4&#13;
&#13;
Die Unternehmen sind ein besonders aktiver Teilnehmer am APEC. Die Unternehmensvertreter beteiligen&#13;
sich direkt an den zehn Arbeitsgruppen des APEC, in&#13;
denen die tägliche Problemlösung für Unternehmensbelange vornehmlich stattfindet. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs gründeten im letzten Jahr in Osaka&#13;
eine APEC-Unternehmensberatung - ABAC - um die&#13;
entscheidende Rolle der Unternehmen am APEC&#13;
institutionell zu verankern und sicherzustellen, daß die&#13;
Unternehmen ein direktes Sagen auf der politischen&#13;
Entscheidungsebene haben.&#13;
Schließlich möchte ich betonen, daß das APEC&#13;
zusätzlich zur Erleichterung der Unternehmensaktivitäten und der Förderung einer Liberalisierung&#13;
eine bedeutende geopolitische Rolle spielt. Durch das&#13;
APEC sind die Vereinigten Staaten in der am schnellsten wachsenden Region der Welt verankert. Es dient&#13;
auch in beträchtlichem Maße als Instrument, um China&#13;
- die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der&#13;
Region - in die regionale Wirtschaft und die asiatische&#13;
politische Gemeinschaft einzubeziehen. Die erfolgreichen Bemühungen des APEC, solch unterschiedliche&#13;
Volkswirtschaften zusammenzubringen - und ein&#13;
Gefühl gemeinsamer Zielsetzungen unter ihnen zu&#13;
vermitteln - verleiht ihm über seine wirtschaftliche&#13;
Mission hinaus politische Bedeutung.&#13;
Das Amerikabüro - Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen&#13;
Das dritte - und letzte - Grundprinzip unserer Außenwirtschaftspolitik besteht in der Unterstützung der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen&#13;
Wirtschaft. Außenminister Christopher hat die Förderung amerikanischer Wirtschaftsinteressen zur&#13;
Hauptfunktion des modernen Außenministeriums&#13;
erklärt. Er hat dafür ein "Amerikabüro" eingerichtet.&#13;
Unsere Botschaften auf der ganzen Welt arbeiten&#13;
härter als je zuvor, um amerikanischen Firmen behilflich zu sein, Chancen auszumachen, Investitionen&#13;
zu sichern, Handelsgeschäfte abzuschließen und&#13;
allgemein zu gewährleisten, daß unsere Firmen aus&#13;
den durch offene Marktsysteme geschaffenen Chancen Vorteile ziehen können. Wir üben weiterhin Druck&#13;
auf ausländische Regierungen aus, Gesetze zum&#13;
Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum zu verabschieden und umzusetzen; wir handeln bilaterale&#13;
Investitionsverträge aus, die eine faire Behandlung&#13;
unserer Unternehmen vorsehen, und wir helfen&#13;
unseren Firmen bei der Beilegung von Investitionsstreitigkeiten.&#13;
Das positive Feedback, das wir erhalten, zeigt, daß wir&#13;
bereits etwas bewirken. Unser Ziel besteht jetzt darin,&#13;
Washington dieselbe Perspektive zu vermitteln, die&#13;
Unternehmen dem Außenministerium näherzubringen&#13;
und ihre Belange zum zentralen Element des politischen Entscheidungsprozesses zu machen. Wenn wir&#13;
wirklich die Wirtschaft ins Zentrum unserer Außen-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Politik stellen, müssen wir intensivere Konsultationen&#13;
mit den Unternehmen führen, während wir ihre Interessen betreffende Maßnahmen erarbeiten.&#13;
Unsere Tagesordnung bei der Verfolgung unserer eng&#13;
miteinander verknüpften Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen ist daher ehrgeizig. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat in keiner Weise die Notwendigkeit einer&#13;
amerikanischen Führungsrolle und des Engagements&#13;
geschmälert. In einer zunehmend interdependenten&#13;
globalen Wirtschaft hängen unsere Sicherheit und&#13;
unser Wohlstand immer mehr von unseren diplomatischen Investitionen im Ausland ab. Wir müssen&#13;
gewährleisten, daß wir die erforderlichen Ressourcen&#13;
zuweisen, damit unsere Behörden für auswärtige&#13;
Angelegenheiten effektiv Frieden und Sicherheit auf&#13;
der ganzen Welt - und ein stabiles Klima für amerikanische Exporte und Investitionen - fördern können.&#13;
Eine weitere Kürzung unseres bereits schmalen&#13;
Haushalts für auswärtige Angelegenheiten - wie einige&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
im Kongreß vorschlagen - wird unweigerlich beträchtliche politische und wirtschaftliche Kosten für unsere&#13;
nationale Volkswirtschaft und unsere vitalen Interessen&#13;
im Ausland nach sich ziehen.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Abschließend möchte ich feststellen, daß das wirtschaftliche Können der Vereinigten Staaten und die&#13;
amerikanische globale Führungsrolle untrennbar&#13;
verbunden sind. Wir leben in einem Zeitalter, in dem&#13;
die Vereinigten Staaten in einzigartiger Weise zur&#13;
Übernahme dieser Führungsrolle geeignet sind.&#13;
Indem wir die Volkswirtschaften an die vorderste Front&#13;
dieses Prozesses rücken - und durch unser Verständnis der Art und Weise, in der wirtschaftliche&#13;
Instrumente unsere diplomatischen und politischen&#13;
Ziele unterstützen - haben wir einen großen Schritt in&#13;
die richtige Richtung getan.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�UMWELT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Umwelt als Tagesordnungspunkt&#13;
für die Nachrichtendienste&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Direktor des amerikanischen&#13;
Nachrichtendienstes CIA, John Deutch, am 25. Juli 1996 vor dem World Affairs Council in Los Angeles hielt.&#13;
Darin beschreibt Deutch, wie der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für den Umweltschutz dem Militär&#13;
zu verbesserter Entscheidungsfindung verhilft, zur Einschätzung von Naturkatastrophen und Notfallsituationen&#13;
sowie zur Prognostizierung des globalen Klimawandels beiträgt.&#13;
&#13;
Die Umwelt ist ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Nachrichtendienste. Heute möchte ich&#13;
Ihnen erläutern, was wir unter Umweltarbeit der&#13;
Nachrichtendienste verstehen, warum die Nachrichtendienste an dieser Arbeit mitwirken und warum unsere&#13;
Beteiligung für die Bürger der Vereinigten Staaten und&#13;
der Welt bedeutend ist. Ferner möchte ich zeigen, daß&#13;
der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz kein neues oder kostspieliges&#13;
Bestreben der Nachrichtendienste darstellt.&#13;
Die Aufgabe der Nachrichtendienste besteht darin&#13;
sicherzustellen, daß unsere hochrangigen Politiker und&#13;
Befehlshaber objektive Informationen erhalten, die&#13;
ihnen eine bessere Entscheidungsfindung ermöglichen. Auf der Grundlage unserer Ermittlungen und&#13;
ihrer Analyse verfassen wir nachrichtendienstliche&#13;
Berichte, die der Führung unseres Landes Einblick&#13;
gewähren, wie sich Ereignisse in allen Teilen der Welt&#13;
entwickeln und wie sie sich auf unsere nationale&#13;
Sicherheit auswirken.&#13;
Entwicklungen im Bereich der Umwelt - sowohl&#13;
natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte zählen zu den unterschwelligen Kräften, die in einem&#13;
Land die Volkswirtschaft, soziale Stabilität, das&#13;
Verhalten auf den Weltmärkten sowie das Verhältnis&#13;
zu den Nachbarländern beeinflussen.&#13;
Ich möchte betonen - die Umwelt ist ein Faktor. Es&#13;
wäre unüberlegt, Konflikte in Somalia, Äthiopien oder&#13;
Haiti allein auf umweltpolitische Ursachen zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
zuführen. Aber es wäre auch töricht, außer acht zu&#13;
lassen, daß in jedem dieser Staaten das Land auf eine&#13;
Art und Weise ausgebeutet wird, die die Ernährung der&#13;
zunehmenden Bevölkerung unmöglich macht.&#13;
Umweltzerstörung, Ausbreitung der Wüste, Erosion&#13;
und landwirtschaftliche Übernutzung zerstören weite&#13;
Teile des Ackerlandes. Diese Kräfte vertreiben die&#13;
Menschen aus ihrer Heimat und schaffen Spannungen&#13;
zwischen ethnischen und politischen Gruppen,&#13;
während der Kampf um die knappen Ressourcen&#13;
immer härter wird. Es besteht eine enge Verbindung&#13;
zwischen Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum&#13;
und Armut, die regionale Analysten in Betracht ziehen&#13;
müssen.&#13;
Nationale Aufklärungssysteme, die Panzerbewegungen in der Wüste verfolgen, können gleichzeitig auch&#13;
die Bewegung der Wüste erkennen - wie der Sand sich&#13;
auf ehemals produktive Felder ausbreitet oder Hügel&#13;
aufgrund von Entwaldung und Erosion brachliegen.&#13;
Satellitensysteme gestatten uns eine schnelle Einschätzung der Größenordnung des Schadens. Die&#13;
Einbeziehung dieser umweltpolitischen Dimension in&#13;
die traditionelle politische, wirtschaftliche und militärische Analyse verbessert unsere Fähigkeit, die&#13;
Politiker vor möglicher Instabilität, Konflikten oder&#13;
humanitären Katastrophen zu warnen und Situationen&#13;
auszumachen, die amerikanisches Engagement&#13;
erfordern könnten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Bestimmte Ereignisse haben bereits die Aufnahme von&#13;
Umweltfragen in unsere nachrichtendienstliche&#13;
Tagesordnung erforderlich gemacht. Als Moskau&#13;
anfänglich irreführende Informationen über den Unfall&#13;
im Atomkraftwerk Tschernobyl veröffentlichte, wandten&#13;
sich amerikanische Politiker an die Nachrichtendienste, um den Schaden und seine Auswirkungen auf die&#13;
ehemalige Sowjetunion und ihre Nachbarstaaten&#13;
einzuschätzen.&#13;
&#13;
Die weltweite Debatte über Umweltfragen betrifft&#13;
unsere Diplomatie in zunehmendem Maße. Außenminister Christopher erklärte im April, daß "unsere&#13;
Fähigkeit zur Förderung unserer globalen Interessen&#13;
untrennbar mit der Art und Weise verbunden ist, in der&#13;
wir die natürlichen Ressourcen der Erde verwalten".&#13;
Er betonte, daß wir die Umwelt "zu einem wesentlichen&#13;
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik" machen&#13;
müssen.&#13;
&#13;
Während des Golfkriegs, als Saddam Hussein Umweltzerstörung als Waffe einsetzte, forderten Politiker&#13;
und Militärs die Nachrichtendienste auf, die Bewegung&#13;
des Rauchs von brennenden Ölfeldern und den Fluß&#13;
des in den Golf abgelassenen Öls zu verfolgen. Sie&#13;
fragten, ob die Beschädigung des irakischen Nuklearkomplexes Tuwaitha eine Gefahr für die Truppen und&#13;
örtliche Bevölkerung beinhalte.&#13;
&#13;
Die Nachrichtendienste haben die Diplomatie auf&#13;
diesem Gebiet seit langem unterstützt, insbesondere&#13;
im Hinblick auf wichtige internationale Umweltverträge&#13;
und -abkommen. Ich möchte hier eine Analogie zur&#13;
Rolle der Nachrichtendienste bei der Aushandlung von&#13;
Rüstungskontrollverträgen herstellen. Solche Verträge&#13;
könnten nicht unterzeichnet und ratifiziert werden,&#13;
wenn die Nachrichtendienste nicht ihre Einhaltung&#13;
kontrollieren würden.&#13;
&#13;
In jedem dieser Fälle konnte die Antwort auf diese&#13;
Fragen nicht lauten "Umwelt ist keine Angelegenheit&#13;
der Nachrichtendienste", und sie lautete auch nicht so.&#13;
Unsere Antworten bestanden aus klassischer nachrichtendienstlicher Arbeit: Analysen auf der Grundlage&#13;
von Daten, die wir durch unsere Ermittlungen und aus&#13;
offenen Quellen gewonnen hatten. Wir konnten das&#13;
Ausmaß des Unfalls von Tschernobyl einschätzen.&#13;
Wir konnten amerikanischen Soldaten sagen, wie sie&#13;
den durch brennende Ölquellen hervorgerufenen&#13;
tödlichen Schwefelwasserstoff meiden können, und wir&#13;
konnten den Militärplanern mitteilen, daß eine Beschädigung des Reaktors keine Bedrohung darstellte.&#13;
&#13;
In ähnlicher Weise überwachen die Nachrichtendienste die Einhaltung von Umweltverträgen wie das&#13;
Montrealer Protokoll über die Ozonschicht schädigende Substanzen und die Londoner Konvention, welche&#13;
die Verklappung radioaktiven und anderen Mülls ins&#13;
Meer regelt. Ferner sollte die nachrichtendienstliche&#13;
Unterstützung beim Verhandlungsprozeß beginnen,&#13;
damit amerikanische Diplomaten über die besten&#13;
Informationen verfügen, um in Zukunft effektive und&#13;
durchsetzbare Verträge auszuarbeiten.&#13;
&#13;
Ich möchte betonen, daß die Umwelt für die Nachrichtendienste kein neues Problem ist. Wir haben seit&#13;
Jahren Mittel für das Verständnis umweltpolitischer&#13;
Fragen aufgewandt. Ein Großteil der Arbeit, der jetzt&#13;
unter die Bezeichnung Umwelt fällt, wurde früher unter&#13;
anderen Namen geleistet - Geographie, Ressourcen&#13;
oder Forschung.&#13;
&#13;
Der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz wird auch Bestandteil unserer&#13;
Unterstützung für die Wirtschaftspolitiker sein. Sie&#13;
müssen beispielsweise wissen, ob sich ausländische&#13;
Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber&#13;
amerikanischen Unternehmen schaffen, indem sie sich&#13;
über Umweltbestimmungen hinwegsetzen.&#13;
Die&#13;
Nachrichtendienste können wertvolle Informationen&#13;
bieten.&#13;
&#13;
Beispielsweise setzen wir seit langem Satellitenbilder&#13;
ein, um den Ernteertrag in Nordkorea oder andernorts&#13;
einschätzen zu können. Das gestattete uns die&#13;
Prognose von möglicherweise zu Instabilität führenden&#13;
&#13;
Mit anderen Worten: Der Bedarf nach von den Nachrichtendiensten bereitgestellten Informationen zu&#13;
Umweltfragen steigt. Da die Weltbevölkerung immer&#13;
weiter anwächst und Ressourcen wie sauberes&#13;
&#13;
Engpässen sowie die mengenmäßige Bestimmung der&#13;
&#13;
Wasser und Ackerland immer knapper werden, erhöht&#13;
&#13;
Agrarprodukte, die eine Nation möglicherweise&#13;
importieren muß - für das US-Landwirtschaftsministerium und die amerikanischen Landwirte wertvolle&#13;
Informationen. Ferner prüften wir das Vorkommen&#13;
natürlicher Ressourcen wie Öl, Gas und Mineralien.&#13;
&#13;
sich die Wahrscheinlichkeit, daß die Aktivitäten eines&#13;
Landes über seine nationalen Grenzen hinausreichende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Die amerikanischen Politiker müssen vor Problemen gewarnt&#13;
werden, die wahrscheinlich die amerikanischen&#13;
Interessen und regionale Stabilität beeinflussen.&#13;
&#13;
Wir versorgen das Militär seit Jahren mit Informationen&#13;
über das Terrain und örtliche Ressourcen. Wenn&#13;
unsere Streitkräfte militärische, friedenssichernde und&#13;
humanitäre Operationen in entlegenen und unbekannten Gebieten beginnen, brauchen sie noch bessere&#13;
Informationen über Umweltfaktoren, die ihre Gesundheit, Sicherheit und Fähigkeit zur Durchführung dieser&#13;
Operationen beeinflussen könnten.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Wahrung der Fähigkeit zum Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse beim Umweltschutz wird uns&#13;
die Beantwortung wichtiger Fragen gestatten, die&#13;
unsere Verbraucher in Zukunft wahrscheinlich stellen&#13;
werden. Beispielsweise werden das schnelle Bevölkerungswachstum in China und die prosperierende&#13;
Wirtschaft zu einem enormen Anstieg der Nachfrage&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�nach den natürlichen Ressourcen der Welt&#13;
einschließlich Erdöl und Nahrungsmitteln.&#13;
Auswirkungen wird das auf die Weltmärkte&#13;
Ebenso wie in der Vergangenheit müssen&#13;
Beantwortung solcher Fragen bereit sein.&#13;
&#13;
führen,&#13;
Welche&#13;
haben?&#13;
wir zur&#13;
&#13;
Ferner sollten wir Daten aus unseren Ermittlungssystemen bereitstellen, um den Experten bei der&#13;
Beantwortung von weniger traditionellen Fragen zu&#13;
helfen, beispielsweise: Welche Konsequenzen hat die&#13;
zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe für die&#13;
globale Umwelt?&#13;
Wie ich bereits erwähnte, haben die Nachrichtendienste einzigartige Aktivposten, darunter Satelliten,&#13;
Sensoren und Fernerkundungsgeräte, die der Wissenschaft eine Fülle von Informationen über die Umwelt&#13;
liefern können. Ferner können diese Informationen&#13;
durch verschiedene Mechanismen an Experten von&#13;
außerhalb weitergeleitet werden. Diese Bestrebungen&#13;
werden die Fähigkeit unserer Nation zur Verhinderung&#13;
von Umweltkrisen beträchtlich erhöhen.&#13;
1991 forderte der damalige Senator Gore die Nachrichtendienste zur Gründung einer Arbeitsgruppe auf,&#13;
die Wege sondieren sollte, wie nachrichtendienstliche&#13;
Aktivposten zur Unterstützung der Umweltforschung&#13;
eingesetzt werden könnten. Diese Initiative führte zu&#13;
einer Partnerschaft zwischen den Nachrichtendiensten&#13;
und der Wissenschaft, die sich für beide Seiten als&#13;
außerordentlich produktiv erwies.&#13;
Die Arbeitsgruppe Umwelt kam zu dem Ergebnis, daß&#13;
die von den Nachrichtendiensten über Satellit oder mit&#13;
anderen Mitteln gesammelten Daten entscheidende&#13;
Informationslücken der Umweltforschung füllen&#13;
können. Ferner können diese Daten zur weiteren&#13;
Untersuchung freigegeben werden, ohne etwas über&#13;
Quellen und Methoden zu verraten.&#13;
Beispielsweise können von den ersten Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste - die lange Zeit vor den kommerziellen Systemen ins All geschickt wurden - aufgenommene Bilderden Wissenschaftlern zeigen, wie sich die&#13;
Grenzen von Wüsten, die Vegetation und das Polareis&#13;
mit der Zeit verändert haben. Diese historischen&#13;
Bilder, die jetzt nicht mehr als geheim eingestuft&#13;
werden, stellen wertvolle Indikatoren für regionalen&#13;
und globalen Klimawandel dar.&#13;
Einige der Wissenschaftler, die an der Arbeitsgruppe&#13;
Umwelt teilnahmen, haben eine Gruppe namens&#13;
MEDEA gegründet. MEDEA arbeitet mit den Nachrichtendiensten an der Einführung eines sogenannten&#13;
"globalen Treuhandprogramms". Im Rahmen dieser&#13;
Initiative werden wir während des kommenden Jahrzehnts regelmäßig Aufnahmen ausgewählter Orte von&#13;
umweltpolitischer Bedeutung machen.&#13;
Dadurch&#13;
werden die Wissenschaftler laufend Aufzeichnungen&#13;
von Veränderungen auf der Erde erhalten, wodurch ihr&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Verständnis für Umweltentwicklungen verbessert wird.&#13;
Noch wichtiger ist, daß dadurch ihre Fähigkeit entscheidend erhöht wird, bei möglichen katastrophalen&#13;
Bedrohungen der Gesundheit und des Wohlergehens&#13;
unserer Bürger ein strategisches Alarmsignal zu&#13;
geben.&#13;
Gleichzeitig wollen wir nicht, daß die Nachrichtendienste zum Zentrum für Umweltforschung werden oder&#13;
Forschung auf diesem Gebiet direkt unterstützen. In&#13;
diesem Fall besteht unsere Arbeit darin, Daten zu&#13;
sammeln und den Wissenschaftlern zur Verfügung zu&#13;
stellen. Ihre Arbeit wird von anderen gesponsert - von&#13;
der Nationalen Stiftung für Wissenschaft, dem Nationalen Amt für Ozeanographie und Meteorologie, der&#13;
NASA sowie akademischen Einrichtungen.&#13;
Wir&#13;
werden weiterhin mit Umweltexperten zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß sie ihr Wissen in&#13;
die Daten einbringen, die wir sammeln oder aus&#13;
unseren beträchtlichen Archiven abrufen.&#13;
Unsere Interaktion mit MEDEA ist nicht nur wertvoll für&#13;
die Umweltschützer, sondern hat auch direkte Vorteile&#13;
für die Nachrichtendienste. MEDEA arbeitet eng mit&#13;
unseren Analysten an der Entwicklung von Technologien zusammen, die unsere Fähigkeit zur Sammlung&#13;
und Auswertung von Daten aus unseren Ermittlungssystemen erhöhen.&#13;
Die Kombination von Daten und Fachwissen der&#13;
Nachrichtendienste mit wissenschaftlichen Erkenntnissen kann den Politikern ein besseres nachrichtendienstliches Produkt liefern. Wissenschaftler von&#13;
MEDEA haben mit unseren Analysten zusammengearbeitet, um Bedarf an Informationen über Umweltfragen und -probleme decken zu können - beispielsweise über eine Reihe von Lecks in Ölpipelines in der&#13;
russischen Region Komi. Das Ausströmen von Öl in&#13;
Komi ist nur ein Beispiel dafür, wie Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste und Sensoren nach natürlichen&#13;
oder vom Menschen hervorgerufenen Katastrophen&#13;
umgehend wertvolle Informationen bereitstellen&#13;
können. In diesem Fall konnten wir feststellen, daß&#13;
keine großen Ölmengen in die arktischen Flüsse&#13;
gelangten.&#13;
In den Vereinigten Staaten unterstützen die Nachrichtendienste das Bundesamt für Katastrophenhilfe&#13;
und andere staatliche Einrichtungen im Falle von&#13;
Naturkatastrophen. Mit Hilfe von Daten aus einer&#13;
Vielzahl von Quellen können wir wenige Stunden nach&#13;
einer Katastrophe Art und Umfang des Schadens&#13;
einschätzen und melden - den Zustand von Straßen,&#13;
Flughäfen und Krankenhäusern sowie von Staudämmen und Nukleareinrichtungen, die eine potentielle&#13;
weitere Bedrohung darstellen. Ich möchte hier zwei&#13;
Dinge anmerken:&#13;
Erstens leisten wir diese Art von Unterstützung nur auf Anfrage. Wir brauchen eine&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erlaubnis, um Aufnahmen über dem Territorium der Vereinigten Staaten zu machen.&#13;
Zweitens schaffen wir aus geheimzuhaltenden&#13;
Informationen nicht als geheim eingestufte&#13;
Produkte. Wir haben ein Katastrophen reaktionsteam, das umgehend nicht geheime&#13;
Landkarten und Diagramme erstellen kann,&#13;
die durch Erdbeben, Brände, Überschwemmungen, Wirbelstürme, Ölkatastrophen oder&#13;
Vulkanausbrüche hervorgerufene Schäden&#13;
zeigen.&#13;
Ich möchte Ihnen ein Beispiel dafür geben, wie gut&#13;
dieses System funktioniert: Vor wenigen Wochen (am&#13;
5. Juni) bat die Bundesforstverwaltung uns um Hilfe bei&#13;
der Bekämpfung des in Alaska wütenden verheerenden Feuers. In jenem Fall hatten wir nicht genug&#13;
Flugzeuge, um das Ausmaß der Brände angemessen&#13;
feststellen zu können. Innerhalb von 24 Stunden nach&#13;
der ersten Anfrage erstellten wir eine Landkarte, die&#13;
Reichweite der Feuersbrunst, schwelende Feuer sowie&#13;
die Feuerwand zeigte. Diese Informationen waren&#13;
umfassender und detaillierter als die durch das&#13;
Überfliegen mit Zivilflugzeugen gewonnenen und&#13;
standen auch viel schneller zur Verfügung.&#13;
Ferner können wir unsere Fähigkeiten einsetzen, um&#13;
vor Katastrophen ein Alarmsignal zu geben. Wir leiten&#13;
diese Informationen auch an ausländische Regierungen weiter. Als beispielsweise 1995 auf der Karibikinsel Montserrat ein Vulkan wieder aktiv wurde,&#13;
beobachteten wir starke Veränderungen und alarmierten Hilfsorganisationen und Militärbehörden der&#13;
Westindischen Inseln, damit sie sich auf eine mögliche&#13;
Evakuierung der Inselbewohner vorbereiten konnten.&#13;
Vor kurzem registrierten wir eine Veränderung im&#13;
Krater des Vulkans - ein Spalt war entstanden, was&#13;
darauf hinwies, daß sich die Gefahr eines Ausbruchs&#13;
dramatisch erhöht hatte. Wir gaben schnell ein&#13;
Alarmsignal, das den Behörden auf Montserrat die&#13;
Evakuierung von 4.000 Menschen in weniger gefährdete Gebiete auf der Insel gestattete.&#13;
Diese Aktivitäten liegen außerhalb unserer traditionellen nachrichtendienstlichen Mission, aber unseres&#13;
Erachtens ist es wichtig Hilfe zu leisten, wenn die&#13;
entsprechenden Fähigkeiten anderweitig nicht verfügbar sind. Diese Bestrebungen kosten uns sehr wenig,&#13;
sind jedoch für Hilfsorganisationen, Katastrophenopfer&#13;
und potentielle Opfer, deren Leben durch die rechtzeitige Warnung gerettet werden konnte, von enormem&#13;
Nutzen.&#13;
Vizepräsident Gore ist ein führender Verfechter des&#13;
Einsatzes von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen&#13;
zur Vertiefung des Wissens über die Umwelt auf&#13;
internationaler Ebene, beispielsweise zur besseren&#13;
Erkennung von Ölkatastrophen und dem Verklappen&#13;
von Chemiemüll auf internationalen Wasserstraßen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Die amerikanisch-russische gemeinsame Kommission&#13;
für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit&#13;
- die Gore-Tschernomyrdin-Kommision - hat einen&#13;
produktiven Informationsaustausch zwischen den&#13;
Vereinigten Staaten und Rußland in die Wege geleitet.&#13;
Dank dieses Austauschs verfügen wir über einzigartige&#13;
und wertvolle Daten aus den nachrichtendienstlichen&#13;
Programmen Rußlands. Die Russen haben beispielsweise umfassende Daten über das Nördliche Eismeer&#13;
gesammelt. Diese Informationen sind entscheidend für&#13;
unser Verständnis ozeanographischer und atmosphärischer Prozesse, die wiederum entscheidend für&#13;
unsere Fähigkeit zur Vorhersage globaler Klimaveränderungen sind. Zusammen mit Rußland haben wir&#13;
einen CD-ROM-Atlas des Nördlichen Eismeers&#13;
produziert. Er enthält mehr als zwei Millionen zwischen 1948 und 1993 von wandernden russischen&#13;
Forschungsstationen, Eisbrechern und Flugzeugexpeditionen zusammengetragene Einzeldaten sowie&#13;
auf amerikanischeil Bojen durchgeführte Beobachtungen. Diese einst geheimgehaltenen Daten sind jetzt&#13;
über das World Wide Web auf den Internet abrufbar&#13;
und werden den amerikanischen Wissenschaftlern zur&#13;
Verfügung stehenden wissenschaftlichen Bestand an&#13;
ozeanographischen Daten mehr als verdoppeln.&#13;
Die arktischen Daten sind nicht nur für wissenschaftliche Studien des Klimawandels entscheidend. Sie&#13;
können uns auch die Bewegung von Schadstoffen&#13;
aufzeichnen helfen. Die großen Ströme Rußlands&#13;
fließen nach Norden in die Arktis. Sie führen viele&#13;
Rückstände aus russischen Industrieanlagen mit sich,&#13;
darunter Chemikalien, Schwermetalle und organische&#13;
Substanzen sowie radioaktive Stoffe aus dem russischen Verteidigungsprogramm. Zum Beispiel sind 3&#13;
Millionen Curie radioaktiven Mülls aus Chelyabinsk, die&#13;
vor Jahren im Techa entsorgt wurden, im Nördlichen&#13;
Eismeer - mehr als 1.500 Kilometer von dem Kraftwerk&#13;
entfernt - gelandet. Die russischen ozeanographischen Daten können den Russen und uns dabei&#13;
behilflich sein festzustellen, wohin radioaktive Materialien und Schadstoffe gelangen werden, wenn sie das&#13;
Nördliche Eismeer erreicht haben, und ob amerikanische und kanadische Gewässer davon betroffen sein&#13;
werden.&#13;
&#13;
Anfang dieses Jahres tauschten Rußland und die&#13;
Vereinigten Staaten nicht mehr der Geheimhaltung&#13;
unterliegende, über einen Zeitraum von 25 Jahren&#13;
gemachte Bilder von Umweltschäden auf dem Luftwaffenstützpunkt Eglin in Florida und dem Yeysk-Luftwaffenstützpunkt in Südwestrußland aus. Dieser andauernde Austausch wird unseren beiden Ländern bei&#13;
der Beseitigung ihrer toxischen und radioaktiven&#13;
Altlasten auf den Standorten behilflich sein. Die zur&#13;
Herstellung dieser Karten verwendete Technik könnte&#13;
uns helfen, in der Zukunft potentielle Quellen für&#13;
Verschmutzung zu identifizieren. Ein solcher Informationsaustausch hat sich als kostengünstiger und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�höchst effektiver Weg zur Schaffung guten Willens und&#13;
Stärkung internationaler Beziehungen erwiesen. Wir&#13;
sollten neue Möglichkeiten für den Austausch von&#13;
Informationen mit anderen Ländern sondieren.&#13;
&#13;
Politik und Militär, benötigen - und bitten um Unterstützung bei Umweltfragen und -Problemen.&#13;
Die Nachrichtendienste verfügen über einzigartige technische Ressourcen zur Sammlung&#13;
von Daten und analytisches Fachwissen, die&#13;
entscheidende Informationslücken für Umweltforscher füllen oder Hilfsorganisationen bei&#13;
der Bewältigung von Naturkatastrophen&#13;
behilflich sein können.&#13;
&#13;
Ich möchte noch einen weiteren wichtigen Punkt&#13;
bezüglich unserer Arbeit an Umweltthemen anschneiden - die Kosten sind gering und die potentiellen&#13;
Vorteile enorm. Die für nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt zugewiesenen&#13;
Ressourcen sind bescheiden und machen vielleicht ein&#13;
Zehntel des Budgets für Datensammlung und -analyse&#13;
aus. Wir nutzen die bereits vorhandenen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten.&#13;
Diese wichtige Arbeit&#13;
erfordert keine neuen Kapitalinvestitionen.&#13;
Die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auf dem&#13;
Gebiet der Umwelt machen es auch nicht erforderlich,&#13;
daß wir Systeme zur Sammlung von Daten von&#13;
unseren wichtigsten Zielen abziehen oder in Bereichen&#13;
tätig werden, wo wir nicht hingehören. Die Darstellung&#13;
von Standorten im Rahmen des globalen Treuhandprogramms kann beispielsweise während der nicht&#13;
stark genutzten Stunden des Satelliteneinsatzes&#13;
erfolgen. Sie wird die Sammlung von Daten über&#13;
unsere Ziele von höchster Priorität nicht stören,&#13;
darunter die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Drogenhandel und die Aktivitäten&#13;
verbrecherischer Staaten.&#13;
Mit anderen Worten: Die Umwelt wird weiterhin einen&#13;
bedeutenden Platz auf der nachrichtendienstlichen&#13;
Tagesordnung der Vereinigten Staaten einnehmen.&#13;
Umweltfaktoren beeinflussen die internen und&#13;
externen politischen, wirtschaftlichen und&#13;
militärischen Aktionen von Nationen, die für&#13;
unsere nationale Sicherheit wichtig sind.&#13;
Die Abnehmer unserer nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, darunter die Vertreter von&#13;
&#13;
Durch eine produktive Partnerschaft mit den&#13;
Wissenschaftlern können wir strategische&#13;
Alarmsignale über Umweltschäden geben, die&#13;
eine Gefahr für unsere Gesundheit und unser&#13;
Wohlergehen sein könnten.&#13;
Diese Aktivitäten stellen keine Bedrohung&#13;
unserer traditionellen Aufgaben dar.&#13;
Die von mir beschriebene elementare Arbeit&#13;
erfordert nur eine geringe Zuwendung von&#13;
Ressourcen.&#13;
Meines Erachtens wäre das Ignorieren von Umweltfragen kurzsichtig von uns, während wir versuchen, die&#13;
Entwicklungen in der Welt nach dem Kalten Krieg zu&#13;
verstehen und vorherzusagen sowie Bedrohungen&#13;
unseres nationalen Wohlergehens auszumachen.&#13;
Ebenso wie Außenminister Christopher versprochen&#13;
hat, "Umweltfragen zu einem wesentlichen Bestandteil&#13;
der amerikanischen Außenpolitik zu machen", beabsichtige ich sicherzustellen, daß nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der nachrichtendienstlichen Aktivitäten der Vereinigten Staaten sind. Selbst&#13;
in Zeiten der Haushaltskürzungen werden wir die&#13;
Politiker und das Militär bei der Bewältigung dieser&#13;
bedeutenden Umweltfragen unterstützen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>&lt;strong&gt;1. ASEAN&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisches Engagement für Sicherheit und Wohlstand unerlässlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sicherung des Friedens in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Isolationismus wird Amerika schaden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretärin Joan Spero&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Umwelt als Tagesordnungspunkt für die Nachrichtendienste&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor John Deutch&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. ASEAN&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisches Engagement für Sicherheit und Wohlstand unerlässlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sicherung des Friedens in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Isolationismus wird Amerika schaden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretärin Joan Spero&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Umwelt als Tagesordnungspunkt für die Nachrichtendienste&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor John Deutch&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
16

2 1 . August 1996

.

TERRORISMUS

DIE SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
Rede von Präsident Clinton

USA-ISRAEL

FRIEDENSPROZESS KONNTE ISRAEL ZUM
"ASIATISCHEN TIGER" DES NAHEN OSTENS
MACHEN
Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat

WAHLEN

REPUBLIKANER HOFFEN AUF BELEBUNG
DES WAHLKAMPFS DURCH DOLE-KEMP-TEAM
Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten

BEIM PRASIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
WIRD AMERIKA DER SPIEGEL VORGEHALTEN
Rede von Bob Dole beim nationalen Parteikonvent
der Republikaner

LITERATUR

REGIONALE AMERIKANISCHE LITERATUR
ZUM KENNENLERNEN
Rede Michael J. Bandler

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�TERRORISMUS
21. August 1996

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten
in einer sich wandelnden Welt
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der George Washington University erklärte Präsident Clinton am 5.
August 1996, 'Terrorismus ist der Feind unserer Generation" und betonte, es sei eine Priorität im Bereich der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten, die Kräfte der Zerstörung auf der ganzen Welt zu bekämpfen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sehen sich die
Vereinigten Staaten mit drei großen Herausforderungen konfrontiert: Den Amerikanischen Traum für
diejenigen am Leben zu erhalten, die darauf hinzuarbeiten bereit sind; unser Land zusammenzuführen, nicht zu spalten, und sicherzustellen, daß Amerika
die stärkste Kraft für Frieden und Freiheit, Sicherheit
und Wohlstand auf der Welt bleibt.
Die weltweiten Veränderungen bei der Arbeitsweise,
im Leben und der Kommunikation der Menschen
untereinander vollziehen sich mit ungeahnter Geschwindigkeit und sind vielleicht die tiefgreifendsten
der Geschichte. Die meisten dieser Veränderungen
sind gut: Der Kalte Krieg ist beendet, unser Land lebt in
Frieden. Unsere Wirtschaft ist stark. Demokratie und
freie Märkte fassen auf allen Kontinenten Fuß. Die
Blöcke, Barrieren und Grenzen, welche die Welt
unserer Eltern und Großeltern definierten, verschwinden allmählich mit Hilfe einer neuen Generation
außergewöhnlicher Technologien. Jeden Tag benutzen Millionen von Menschen Laptops, Modems, CD
ROMs und Satelliten, um Ideen, Produkte und Geld in
Sekunden über den Planeten zu schicken. Die
Chancen zum Aufbau einer Welt mit mehr Sicherheit
und einer Zukunft mit mehr Wohlstand sind enorm.
Aber trotz all der Versprechungen unserer Zeit sind wir
nicht vor Gefahren gefeit. Faschismus und Kommunismus mögen gescheitert oder diskreditiert sein, aber
die Kräfte der Zerstörung leben weiter. Wir sehen sie
in der plötzlichen Explosion von ethnischem, rassi-

AMERIKA DIENST 16

schem, religiösem Haß und Stammesfehden. Wir
sehen sie in den rücksichtslosen Akten verbrecherischer Staaten. Wir sehen sie insbesondere in dem
gefährlichen Geflecht neuer Bedrohungen wie Terrorismus, internationalem Verbrechen und Drogenhandel
sowie der andauernden Bedrohungen, die Massenvernichtungswaffen über den Globus hinweg verbreiten
könnten. Diese Kräfte der Zerstörung können ihr Werk
eben wegen der Offenheit, Freiheit und Fortschritte
verrichten, die für uns so großen Wert besitzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß moderne
Technologien allein nicht eine neue Welt des Friedens
und der Freiheit für uns schaffen. Technologie kann
für Gutes oder Schlechtes eingesetzt werden. Die
amerikanische Führungsrolle ist erforderlich um
sicherzustellen, daß die Konsequenzen gut sind. Aus
diesem Grund haben wir so hart gearbeitet, um die
durch den Wandel geschaffenen Chancen zu ergreifen
und uns unverzüglich und unerschütterlich gegen die
neuen Bedrohungen zu stellen, die der Wandel
hervorgebracht hat.
Um die Chancen zu nutzen, stärken wir unsere
Bündnisse, verringern auf dramatische Weise die
Gefahr der Massenvernichtungswaffen, führen den
Marsch für Frieden und Demokratie auf der ganzen
Welt an und schaffen sehr viel größeren Wohlstand im
Inland, indem wir die Märkte für amerikanische
Produkte im Ausland öffnen.

Seite 1

�Unsere Bündnisse bilden das Fundament der amerikanischen Führungsrolle. Wie wir im Golfkrieg, in Haiti
und jetzt in Bosnien sehen konnten, werden viele
andere Nationen, die unsere Ziele teilen, auch unsere
Lasten teilen. In Europa haben wir die Kräfte der
Demokratie und Reform in der ehemaligen Sowjetunion und den Abzug der russischen Truppen aus dem
Baltikum unterstützt sowie den Weg zur Öffnung der
Türen der NATO für die neuen Demokratien Europas
durch die Partnerschaft für den Frieden bereitet,
während Europa, das größte Schlachtfeld für das
blutigste Jahrhundert der Geschichte, sich endlich in
Frieden zusammenschließt.
In Asien haben wir unser Sicherheitsbündnis mit Japan
wiederbelebt, mit Südkorea auf die Förderung eines
dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel
hingearbeitet und stets ein starkes, stabiles und
offenes China ermutigt. Das Ende des Kalten Krieges
hat uns auch gestattet, die dunkle Wolke der nuklearen
Angst zu vertreiben, die seit 50 Jahren über uns
schwebte. Heute ist keine einzige russische Rakete
auf unsere Bürger oder Städte gerichtet. Wir reduzieren die russischen und amerikanischen Arsenale um
zwei Drittel der Anzahl auf dem Höhepunkt des Kalten
Krieges. Wir haben der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verlagerung ihrer Nuklearwaffen geholfen,
die nach der Auflösung der Sowjetunion auf ihrem
Territorium verblieben waren.

im Ausland öffneten. Die wirkliche Meßlatte unserer
Sicherheit ist nicht nur physische Sicherheit, sondern
auch wirtschaftliches Wohlergehen. Jahrzehnte später
werden die Menschen auf diese Zeit zurückblicken und
die weitreichendsten Veränderungen im Welthandelssystem seit Generationen ausmachen. Veränderungen, die gut für das amerikanische Volk sind. Veränderungen, zu denen 200 neue Handelsabkommen
zählen, darunter GATT und NAFTA, der gesamtamerikanische Gipfel sowie die Verpflichtung der
Staats- und Regierungschefs des asiatisch-pazifischen
Raums zum Abbau der Handelsschranken. Aufgrund
dieser Veränderungen ist Amerika weltweit wieder der
Exporteur Nummer eins, und infolgedessen haben wir
eine Million neuer hochbezahlter Arbeitsplätze.
Keine dieser Errungenschaften ist von selbst gekommen. Sie wurden gemacht, weil wir mit anderen
bei der Teilung der Risiken und Kosten des Engagements zusammenarbeiten, weil wir die Macht unseres
Beispiels und gegebenenfalls das Beispiel unserer
Macht nutzen. Sie wurden gemacht, weil wir heute zu
harten Entscheidungen in dem Wissen bereit waren,
daß sie sich morgen für Sie bezahlt machen. Und vor
allem wurden sie gemacht, weil wir uns weigerten,
denjenigen Gehör zu schenken, die sagten, nach dem
Ende des Kalten Krieges sollte Amerika sich für
Wirklichkeitsflucht statt Engagement entscheiden. Mit
einer solchen Entscheidung hätten wir das Streben der
Welt nach Freiheit, Toleranz und Wohlstand geschwächt und unsere eigene Sicherheit und unseren
Wohlstand unterminiert.

Wir arbeiten mit Japan und Korea zusammen und
haben Nordkorea überzeugt, das gefährliche Nuklearwaffenprogramm einzufrieren, das von dem Land seit
über einem Jahrzehnt entwickelt wurde. Wir haben
den Kampf für Frieden und Freiheit vorangebracht.
Wenn die Menschen in Freiheit und Frieden leben,
haben wir größere Sicherheit, weil es weniger wahrscheinlich ist, daß sie auf Gewalt zurückgreifen oder
die Menschenrechte verletzen und wahrscheinlich
bessere Handelspartner und Partner in unserem
gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus, internationales Verbrechen und Drogenhandel sowie Zerstörung der Umwelt sind.

Tatsache ist, daß Amerika weiterhin eine unentbehrliche Nation ist. Es gibt Zeiten, in denen Amerika - und
nur Amerika - den Unterschied zwischen Krieg und
Frieden, zwischen Freiheit und Unterdrückung,
zwischen Hoffnung und Angst bewirken kann. Natürlich können wir nicht alle Lasten der Welt auf uns
nehmen. Wir können nicht der Weltpolizist werden.
Aber wo unsere Interessen und Werte es erfordern
und wo wir etwas bewirken können, muß Amerika
handeln und die Führungsrolle übernehmen.

Weil Amerika diese Risiken für Frieden und Demokratie auf sich nimmt, sind die Diktatoren aus Haiti
verschwunden. Die Demokratie ist zurückgekehrt und
der Flüchtlingsstrom hat aufgehört. In Bosnien sind die
Felder des Todes der Heckenschützen wieder zu
Kinderspielplätzen geworden. In Nordirland und im
Nahen Osten nähern sich Konflikte, die einst unlösbar
schienen, einer Beilegung, auch wenn Schwierigkeiten
bestehen bleiben.

Nirgendwo ist diese Verantwortung deutlicher oder
vordringlicher als beim Kampf gegen Terrorismus.
Niemand ist dagegen gefeit - sei es in einer U-Bahn in
Tokio oder einem Bus in Tel Aviv, beim Einkaufsbummel in London oder einem Spaziergang in Moskau, bei der Ausübung seiner Pflicht in Saudi-Arabien
oder seiner Arbeit in Oklahoma City. Terrorismus hat
sich mit uns auf eine Stufe gestellt und respektiert
keine Grenzen.

Keiner dieser Kämpfe ist leicht. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Aber wir werden weiter auf den Erfolg
hinarbeiten, und wir werden etwas bewirken.

Ob es uns gefällt oder nicht, auf gute wie auf schlechte
Weise, leben wir in einer interdependenten Welt. Aus
diesem Grund müssen wir die Mauern in unseren
Köpfen zwischen Außen- und Innenpolitik einreißen.
Die Realität ist, daß unser persönlicher, gemeinschaftlicher und nationaler Wohlstand von unseren

Wir haben die Chance ergriffen, um das Leben unserer
Bürger im Inland zu verbessern, indem wir die Märkte

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�wirtschaftlichen und handelspolitischen Maßnahmen
im In- und Ausland abhängt. Unser persönliches,
gemeinschaftliches und nationales Wohlergehen hängt
von unseren umweltpolitischen Maßnahmen im In- und
Ausland ab, und unsere persönliche, gemeinschaftliche und nationale Sicherheit hängt von unseren
Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung im In- und
Ausland ab. Wir können nicht das Allgemeinwohl im
Inland verbessern ohne auch das Allgemeinwohl auf
der ganzen Welt zu verbessern. Wir können nicht die
Bedrohungen unseres Volkes verringern ohne die
Bedrohungen der Welt jenseits unserer Grenzen zu
verringern. Aus diesem Grund muß der Kampf gegen
Terrorismus sowohl eine nationale Priorität als auch
eine Priorität im Bereich der nationalen Sicherheit sein.
Wir haben an drei Fronten eine konzertierte nationale
und internationale Strategie zur Bekämpfung des
Terrorismus verfolgt: Erstens jenseits unserer Grenzen durch verstärkte Zusammenarbeit mit unseren
Freunden und Verbündeten, zweitens im Inland durch
Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden mit den
wirksamsten Instrumenten zur Terrorismusbekämpfung und drittens auf unseren Flughäfen und in
unseren Flugzeugen durch Verstärkung der Luftfahrtsicherheit.
Es wird ein langer, harter Kampf, bei dem es auch
Rückschritte geben wird. Aber ebenso wie uns im
Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges
kein Feind von der Bewältigung unserer Herausforderungen und dem Schutz unserer Werte abhalten
konnte, lassen wir uns heute nicht von unserem harten
Kampf gegen den Terrorismus abhalten. Der Terrorismus ist der Feind unserer Generation, und wir müssen
uns dagegen behaupten.
An der internationalen Front erfordert die Eindämmung
des Terrorismus eindeutig gemeinsame Aktionen. Die
Vereinigten Staaten haben eine besondere Verantwortung zur Übernahme einer Führungsrolle bei
diesen Bestrebungen. Beispielsweise haben unsere
Nachrichtendienste in den letzten vier Jahren stärker
als je zuvor mit anderen Nationen zusammengearbeitet.
Das Entscheidende bei diesen gemeinsam mit anderen Ländern durchgeführten Bestrebungen sind nicht
Gespräche, sondern Taten. Immer mehr Länder
führen mit uns gemeinsame Aktionen durch. Immer
mehr Länder versprechen, Terroristen keine Zuflucht
zu bieten und handeln ihren Auslieferungsgesetzen
gemäß, damit Terroristen nicht in ihr Land flüchten
oder sich dort verstecken können. Immer mehr Länder
helfen uns bei der Schließung der grauen Märkte, die
Terroristen mit Waffen und gefälschten Papieren
versorgen.
Vergangene Woche in Paris einigten sich die G-7Staaten und Rußland auf einen umfassenden Maß-

AMERIKA DIENST 16

nahmenkatalog, um Terroristen das Handwerk zu
legen und sie zu ergreifen. Und wir stellten Zeitpläne
mit bestimmten Fristen auf, innerhalb derer Fortschritte
erzielt werden müssen. Ferner arbeiten wir mit SaudiArabien an der Erhöhung der Sicherheit unserer dort
stationierten Streitkräfte, damit wir weiterhin die
Aggression verbrecherischer Staaten abschrecken
und dem Terrorismus im Nahen Osten die Stirn bieten
können.
Obwohl wir enger denn je mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten und mehr Einigkeit über die
erforderlichen Maßnahmen besteht als jemals zuvor,
sind wir uns nicht immer einig. Wo wir verschiedener
Meinung sind, können und werden die Vereinigten
Staaten dennoch das ihres Erachtens Richtige tun.
Aus diesem Grund haben wir Sanktionen gegen den
Terrorismus fördernde Staaten verhängt oder verstärkt: Iran, Irak, Libyen und Sudan. Man kann keine
Geschäfte mit Staaten abschließen, die bei Tag mit dir
Handel treiben und bei Nacht die Terroristen finanzieren oder schützen, die dich und unschuldige Zivilisten
umbringen. Das wäre falsch. Ich hoffe und erwarte,
daß unsere Verbündeten diese grundlegende Wahrheit bald akzeptieren.
Heute morgen habe ich das Gesetz über Sanktionen
gegen Iran und Libyen unterzeichnet. Es baut auf dem
auf, was wir bereits zur Isolierung dieser Regime
unternommen haben, indem wir harte Strafen gegen
ausländische Unternehmen verhängten, die in Schlüsselsektoren neue Investitionen tätigen. Durch das
Gesetz wird ihnen das Geld vorenthalten, das sie zur
Finanzierung des internationalen Terrorismus oder
zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen benötigen. Es wird den Druck auf Libyen zur Auslieferung
der des Bombenanschlags auf Pan Am-Flug 103
Verdächtigten erhöhen.
Ich fordere den Senat erneut zur Ratifizierung der
Chemiewaffenkonvention auf, damit wir das Arsenal
chemischer Waffen beseitigen und unseren Strafverfolgungsbehörden neue Befugnisse zur Ermittlung
und strafrechtlichen Verfolgung derjenigen geben
können, die Angriffe mit solchen Waffen planen. Wir
haben die entsetzlichen, zerstörerischen Auswirkungen von Saringas in der Tokioter U-Bahn gesehen.
Innerhalb von einem Monat nach jenem Anschlag
ratifizierte das japanische Parlament die Chemiewaffenkonvention, was wir jedoch noch nicht getan haben.
Wäre die Chemiewaffenkonvention heute in Kraft, wäre
der Erwerb chemischer Waffen für Terroristen weitaus
schwieriger. Sie warten nicht, und wir sollten es auch
nicht tun.
Die dritte Front bei unserem
rismus sind Flughäfen und
näher zusammenbringen.
sicherste Beförderungsart.
schaften bieten statistisch

Kampf gegen den TerroFlugzeuge, die uns alle
Die Luftfahrt bleibt die
Und unsere Fluggesellgesehen die größte Si-

Seite 3

�cherheit in der Branche. Aber das ist nur ein geringer
Trost, wenn ein einziger Anschlag so viele Menschenleben kosten kann.
Verstärkte internationale Zusammenarbeit, strengere
amerikanische Strafverfolgung und mehr Sicherheit bei
der Luftfahrt - das sind die Fronten unserer konzertierten Strategie bei der Terrorismusbekämpfung. Ein
Großteil dieser von Strafverfolgungsbehörden, Nachrichtendiensten und dem Militär geleisteten Arbeit
findet wenig Beachtung, zeitigt jedoch Ergebnisse.
Ich möchte dem amerikanischen Volk klarmachen, daß
wir zwar Terroristen besiegen können, es jedoch noch
lange dauern wird, bis wir den Terrorismus besiegen.
Amerika bleibt eine Zielscheibe, weil wir in der Welt auf
einzigartige Weise präsent sind, weil wir uns für die
Förderung von Frieden und Demokratie einsetzen, weil
wir uns dem Terrorismus entschiedener entgegenstellen und weil wir die offenste Gesellschaft der Welt
sind. Das zu ändern - unsere Truppen aus den
Krisenregionen der Welt abzuziehen, denjenigen, die
um des Friedens willen Risiken eingehen, den Rücken
zu kehren, unseren Widerstand gegen den Terrorismus zu schwächen, die Freiheit zu verringern, auf die
wir von Geburt an ein Recht haben - würde bedeuten,
dem Terrorismus einen Sieg zu verschaffen, den er
nicht erringen darf und nicht erringen wird.
In diesem Kampf ist die amerikanische Führungsrolle ebenso wie bei zahlreichen anderen Herausforderungen auf der ganzen Welt - unerläßlich. Bei der Über-

* *

Seite 4

nähme unserer Führungsrolle im Kampf gegen den
Terrorismus dürfen wir weder zögerlich noch arrogant
sein, sondern benötigen Realismus, Entschlossenheit
und Selbstvertrauen. Und wir müssen verstehen, daß
wir in dieser Schlacht mehr einsetzen müssen als
Polizisten und militärische Ressourcen. Jeder einzelne von Ihnen zählt - jeder Amerikaner zählt.
Unsere größte Stärke ist unser Selbstvertrauen. Und
das ist die Zielscheibe der Terroristen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Bomben, die Unschuldige töten oder verstümmeln, sind nicht wirklich
gegen diese Menschen gerichtet, sondern gegen den
Geist unseres ganzen Landes und den Geist der
Freiheit. Daher beinhaltet der Kampf gegen den
Terrorismus mehr als die von mir bereits angeordneten
oder angestrebten neuen Sicherheitsmaßnahmen.
Letztlich erfordert er die zuversichtliche Bereitschaft
des amerikanischen Volkes, seinen überzeugten
Einsatz für Freiheit und Frieden beizubehalten und die
unerläßliche Kraft für die Schaffung einer besseren
Welt zu Beginn eines neuen Jahrhunderts zu bleiben.
Diese Verantwortung ist enorm, und ich bin mir
bewußt, daß sie schwer auf vielen Amerikanern lastet.
Aber wir sollten diese Verantwortung bereitwillig
übernehmen, weil zum gegenwärtigen Zeitpunkt
niemand außer uns dasselbe für die Förderung von
Frieden, Freiheit und Demokratie leisten kann - und
weil es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Frieden,
Freiheit und Wohlstand in unserem eigenen Land
erforderlich ist.

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�USA-ISRAEL
21. August 1996

Friedensprozeß könnte Israel zum "asiatischen Tiger"
des Nahen Ostens machen
Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat

TEL AVIV - (AD) - Der Staatssekretär im US-Wirtschaftsministerium, Stuart E. Eizenstat, erklärte in einer Rede am
6. August 1996 vor der israelisch-amerikanischen Handelskammer, man gehe davon aus, daß Israel das
Äquivalent eines "asiatischen Tigers" im Nahen Osten werden könnte, "falls Israel und seine Nachbarn auf dem
Weg zum Frieden bleiben".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede von Staatssekretär Eizenstat.

Die israelisch-amerikanischen Beziehungen haben
sich so weit entwickelt, daß die US-Regierung nicht
mehr nur Auslandshilfe gewährt oder ein strategischer
Sicherheitspartner ist - so wichtig das auch sein mag.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt auch die Rolle
eines strategischen Wirtschaftspartners übernommen,
der zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der israelischen Geschichte einen Beitrag zum Aufbau einer
stärkeren und gesunderen israelischen Volkswirtschaft
leistet. Erstmals können wir uns jetzt gegenseitig als
echte Wirtschaftspartner betrachten und unsere
handeis- und wirtschaftspolitischen Differenzen von
unseren politischen und diplomatischen Belangen
trennen - wie wir es mit anderen Ländern tun. Wir
haben florierende Handelsbeziehungen im Volumen
von 12 Milliarden Dollar - ein 12prozentiger Anstieg im
Vergleich zum Vorjahr - womit Israel auf der Liste
unserer weltweiten Handelspartner an die 18. Stelle
rückt und im Nahen Osten unser zweitgrößter Handelspartner ist. Amerikanische Unternehmen haben in
Israel Investitionen im Wert von 3 Milliarden Dollar
getätigt. Unser Freihandelsabkommen wurde jetzt
nach einer zehnjährigen Einleitungsphase vollständig
in Kraft gesetzt. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind
stark - könnten jedoch sogar noch besser sein. Eine
unserer obersten handelspolitischen Prioritäten ist der
Abschluß des Abkommens über die Landwirtschaft,
das den israelischen Agrarmarkt noch stärker für
amerikanische Produzenten öffnen soll.

AMERIKA DIENST 16

Über die Jahre hinweg haben die Vereinigten Staaten
Israel Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe
gewährt, was einen beträchtlichen Anteil

unserer

gesamten jährlichen Auslandshilfe ausmachte.
Ebenso wie in den vergangenen Jahren bleiben wir
einer Aufrechterhaltung unserer Wirtschafts- und
Militärhilfe für Israel verpflichtet. Gleichzeitig engagieren wir uns dafür sicherzustellen, daß Israel wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen kann. Daher
haben wir seit Anfang 1985 in systematischer partnerschaftlicher Arbeit mit Israel dem Land bei der notwendigen Reform seiner Wirtschaft geholfen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Israel historisch gesehen keine nennenswerte Tradition freier Marktwirtschaft. Eine große Partei war sozialistisch, die andere
populistisch, und es gab nur eine winzige Partei, die
sich für die freie Marktwirtschaft einsetzte. Im Laufe
der letzten 50 Jahre entwickelte sich die israelische
Wirtschaft jedoch beträchtlich weiter. Von 1948 bis
1973 befand sich der Staat Israel in seiner Aufbauphase - einer Zeit beträchtlichen Wachstums und der
Entwicklung, in der eine moderne Infrastruktur geschaffen und Militärtechnologie von Weltklasse
entwickelt wurde. Die jährlichen Wachstumsraten
betrugen zwischen 1960 und 1973 bei einstelliger
Inflationsrate im Durchschnitt real 9 Prozent. Nach
dem Jörn Kippur-Krieg und der enormen Erhöhung des
Ölpreises durch die OPEC durchlief Israel seine zweite
Phase, in der die Militärlast des Landes wuchs und
sich das Wirtschaftswachstum verlangsamte. 12

Seite 1

�Jahre lang verzeichnete Israel fortgesetzt niedriges
Wachstum sowie erst zweistellige, dann dreistellige
Inflationsraten. Bis 1985 stieg die Inflation explosionsartig an - bis zu 400 Prozent -, es gab eine große
Konsumwelle, einen gefährlichen Run auf Devisenrücklagen, ein Haushaltsdefizit von bis zu 15 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts sowie Auslandsverschuldung in Höhe von netto 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
In dieser Zeit wurde eine dritte Phase in der Wirtschaftsgeschichte Israels eingeleitet. Die Koalitionsregierung von Shimon Peres und Jitzhak Shamir führte
harte und wirksame Steuerreformen durch. Zum
ersten Mal waren die Vereinigten Staaten direkt an der
Gestaltung der israelischen Volkswirtschaft beteiligt.
Die Vereinigten Staaten und Israel gründeten die
Gruppe für gemeinsame Wirtschaftschaftsentwicklung
(Joint Economic Development Group - JEDG) und
leiteten damit eine neue Ära in der Wirtschaftsgeschichte Israels ein. Dies war eine äußerst erfolgreiche Initiative, obwohl sie unter der vorherigen Administration brachlag. Unter der Clinton-Administration
haben wir sie erneut belebt, und letzten Herbst feierte
sie ihr zehnjähriges Bestehen. Sie half Israel bei der
Durchführung bedeutender ökonomischer Strukturreformen. Femer schlössen die Vereinigten Staaten und
Israel in diesem Zeitraum (1985) das Freihandelsabkommen ab, das heute vollständig in Kraft ist.
Angesichts des Zustroms von Einwanderern aus der
ehemaligen Sowjetunion sowie aus Äthiopien erkannte
Israel, daß es eine große Zahl von Flüchtlingen
aufnehmen würde. 1990 beschloß die israelische
Regierung, die US-Regierung um Bürgschaften für
Geschäftskredite zu bitten. Das Bürgschaftsprogramm
in Höhe von 10 Milliarden Dollar verschaffte Israel den
dringend benötigten Zugang zu Kapital, ohne seine
Abhängigkeit von amerikanischer Auslandshilfe zu
erhöhen. Israel setzte das Kreditbürgschaftsprogramm
erfolgreich zum Ausbau seiner Infrastruktur ein - eine
große Leistung der Regierung Rabin. Im Rahmen des
Kreditbürgschaftsprogramms baute Israel Straßen und
leitete größere Infrastrukturprojekte ein, die das Land
auf den Zustrom von Investitionen aus dem Ausland
vorbereiteten. Ohne diese Infrastruktur hätte Israel
keine ausländischen Investoren ins Land bringen oder
dort halten können.
Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens
von 1993 mit den Palästinensern und des Friedensvertrags mit Jordanien im Jahr 1995 begann die vierte
Phase in der israelischen Wirtschaftsgeschichte.
Israel hatte eine der niedrigsten Quoten ausländischer
Direktinvestitionen pro Kopf der Bevölkerung, und auf
vielen Märkten wurde durch den sekundären und
tertiären Boykott der Araber der Absatz israelischer
Produkte wirksam verhindert. Der Friedensprozeß hat
das dramatisch verändert. Tatsächlich gab es eine
echte Friedensdividende für Israel. Israel öffnete sich

Seite 2

der Welt, und die Welt öffnete sich Israel. Ausländische Investitionen, darunter Geld asiatischer und
sogar amerikanischer Unternehmen, die Israel früher
gemieden hatten, flössen ins Land und stiegen von
300 Millionen Dollar im Jahr 1993 auf 2 Milliarden
Dollar im Jahr 1996 an. Gleichzeitig kamen Waren
aus aller Welt nach Israel. Es gab einen starken
Anstieg israelischer Exporte auf Märkten, die durch
den Friedensprozeß geöffnet wurden. Die Exporte
erhöhten sich insgesamt von 16,7 Milliarden Dollar
1989 auf 29,7 Milliarden Dollar 1995. Die Exporte in
den Femen Osten wuchsen seit 1993 um 80 Prozent von 2,5 Milliarden Dollar 1993 auf 3,8 Milliarden Dollar
im letzten Jahr. Japan ist jetzt der zweitgrößte Absatzmarkt Israels, und der Anstieg israelischer Exporte
dorthin ist verblüffend - von 769 Millionen Dollar 1993
auf 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 1995. Die israelischen
Exporte wuchsen auch auf anderen Märkten, beispielsweise Südamerika, wo sie von 319 Millionen
Dollar 1993 auf 454 Millionen Dollar 1995 anstiegen.
Israel ist für seine Hochtechnologieexporte von
Weltklasse bekannt, beispielsweise Computersoftware
und medizinisches Gerät.
Die Ergebnisse waren verblüffend.
Israel schuf
zwischen 1989 (1,6 Millionen Erwerbstätige) und 1995
(2 Millionen Erwerbstätige) eine halbe Million Arbeitsplätze und nahm während dieses Zeitraums noch
nahezu 730.000 Einwanderer aus der ehemaligen
Sowjetunion auf. Tatsächlich entspricht die Arbeitslosenrate der zwischen 1989 und 1991 Eingewanderten ungefähr der allgemeinen Arbeitslosenrate.
Insbesondere 1995 war ein bemerkenswertes Jahr, in
dem erstmals seit Jahrzehnten einstellige Inflations- (8
Prozent) und Arbeitslosenraten (6,1 Prozent) zu
verzeichnen waren. Israel hatte eine der höchsten
Wachstumsraten in den Industrieländern (7,1 Prozent)
- die höchste aller OECD-Staaten.
Ferner ist Israel der Nährboden für Ideen, die in
anderen Staaten Anwendung finden. Lange bevor
freier Handel modern wurde, lange vor dem NAFTA
und der Uruguay-Runde schlössen die Vereinigten
Staaten und Israel mit Blick auf die Zukunft ein Abkommen über die Beseitigung aller Zölle auf Produkte,
die zwischen den beiden Ländern gehandelt werden.
Nach einer zehnjährigen Einleitungsphase ist das
amerikanisch-israelische Freihandelsabkommen vollständig in Kraft, und unser bilateraler Handel stieg von
3,4 Milliarden Dollar 1984 auf nahezu 12 Milliarden
Dollar an.
Die konkrete Manifestation des israelischen Erfolgs
findet sich in den Zahlen. Die amerikanischen Direktinvestitionen in Israel belaufen sich jetzt nahezu auf 3
Milliarden Dollar, und mehr amerikanische Unternehmen als je zuvor betrachten Israel als ihr regionales
Hauptquartier im Nahen Osten. Über 200 amerikanische Unternehmen haben bereits in Joint-ventures
und 100prozentige Tochtergesellschaften in Israel

AMERIKA DIENST 16

�investiert. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin
Israels größter Handelspartner.
Im Energie- und Infrastrukturbereich sind die Chancen
besonders groß.
Beispielsweise beteiligen sich
amerikanische Unternehmen an allen Stadien des
Projekts zum Ausbau des Ben Gurion-Flughafens bis
zum Jahr 2000. Amerikanische Firmen (General
Electric und Babcock &amp; Wilcox) sind die Hauptlieferanten von Turbinen und Boilern an die israelischen
Elektrizitätswerke. Und amerikanische Unternehmen
nutzen die sich durch den Bau von Autobahnen,
Schmalspurbahnen sowie Hafenausbau und -entwicklung bietenden Chancen.
Auch im Technologiesektor, der in den kommenden
Jahren die treibende Kraft der Weltwirtschaft sein wird,
wurden die amerikanisch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen gestärkt. Israel schuf auf den Gebieten
Elektronik, Computer, Informationsaustausch, Energie
und Landwirtschaft eine technologische Basis, die
schnell weltweite Anerkennung fand. Amerikanische
Firmen streben verstärkt Joint-ventures im Technologiebereich mit israelischen Unternehmen an. Das
amerikanische Unternehmen Intel gab vor kurzem
Pläne für den Bau eines Fabrikationsbetriebs im Wert
von 1,5 Milliarden Dollar in Kiryat Gat bekannt. Und
das ist erst der Anfang. Vergangene Woche in
Washington hatte ich die Ehre und das Vergnügen, im
Rahmen der Zusammenkunft der amerikanischisraelischen Wissenschafts- und Technologiekommission mit Wirtschaftsminister Kantor meinen Freund,
den Industrie- und Handelsminister Natan Sharansky
zu treffen. Sein Werdegang - von einem Refusenik im
Gefangenenlager der ehemaligen Sowjetunion zum
Minister im israelischen Kabinett innerhalb eines
kurzen Jahrzehnts - ist ein Beweis für seinen Mut und
seine Entschlossenheit, für die von Israel geschaffene
offene Gesellschaft und für die Kraft der zionistischen
Vision.
Viele von Ihnen wissen, daß die
Wissenschafts- und Technologiekommission zu einem
entscheidenden Zeitpunkt im Entwicklungszyklus
neuer, wettbewerbsfähiger Produkte Gelder bereitstellt
und zusätzlich auch Privatkapital aufbringt. Ferner
kombiniert sie technologisches Fachwissen und
unternehmerischen Weitblick aus unseren beiden
Ländern, wodurch ein großes Potential für Wachstum
und Chancen geschaffen wird. Dies ist ein weiteres
Beispiel dafür, wie Israel Ideen hervorbringt und wie
die Vereinigten Staaten und Israel durch Zusammenarbeit Präsident Clintons Vision der Schaffung von
Arbeitsplätzen im Hochtechnologiebereich unserer
beiden Länder für das 21. Jahrhundert verwirklichen.
Zu den Planungen der Kommission gehören ein
Projekt zur Elektrizitätserzeugung mit Solarenergie, ein
Aquakulturprojekt sowie die Ausstellung verschiedener
israelischer Technologien im Biotechnologiebereich.
Bis heute hat die Kommission 48 Millionen Dollar für
diese Projekte ausgegeben.

AMERIKA DIENST 16

Ein von mir vorgeschlagenes, besonders interessantes
Projekt der Kommission war, daß meine Behörde - die
internationale Handelsbehörde ITA - bei der Initiative
zur Konversion der Rüstungsindustrie mitwirkt. Dies
beinhaltet die Vermarktung israelischer Technologien
in den Vereinigten Staaten von Firmen, die den
schwierigen Übergang von Rüstungs- zu ziviler
Produktion vollzogen haben. Das Fachwissen der ITA
im Bereich der Vermarktung und passenden Zusammenstellung wird ein wichtiger Bestandteil bei der
Vorstellung dieser Technologien in unserem Land.
Zusätzlich
zu Joint-ventures
unterstützt
die
Wissenschafts- und Technologiekommission eine
Reihe von Infrastrukturprojekten wie von der Lebensmittelbehörde veranstaltete Unterrichtsstunden für
klinische Praktiken, die sowohl von der amerikanischen als auch der israelischen Pharmaindustrie gut
angenommen werden. Diese Harmonisierung der
Standards - auf die wir mit der Europäischen Union
durch Abkommen über gegenseitige Anerkennung
hingearbeitet haben - könnte enorme Profite für Israels
Pharmaindustrie und die Hersteller von medizinischen
Geräten bedeuten.
Diese bemerkenswerten Fortschritte in Israels vierter
Phase ergaben sich aus dem Zusammenspiel interaktiver Maßnahmen - den Vorteilen makroökonomischer
Disziplin, Strukturreformen und der Fortsetzung des
Friedensprozesses - die alle für dauerhafte Fortschritte
in dieser vierten Phase unerläßlich waren und sind.
Der Friedensprozeß öffnete gleichzeitig den
israelischen Binnenmarkt für ausländische
Investoren und Märkte im Ausland und brachte so für Israel eine wirkliche Friedensdividende.
Makroökonomische Disziplin unter der festen
Führung der Bank von Israel und eine niedrigere Inflationsrate zu einer Zeit explosionsartigen Wachstums. Dies wird nun ergänzt
durch eine willkommene, diszipliniertere
Haushaltspolitik der Regierung, mit der die
Notwendigkeit behoben wird, daß die Geldpolitik allein die Last der Inflationsbekämpfung
trägt.
Strukturreformen wie die Stärkung der Unabhängigkeit der Zentralbank und die Abschaffung von Restriktionen bei Kapitalkontrollen, so daß der Schekel jetzt eine international konvertierbare Währung ist und Fortschritte bei der Privatisierung, mit der die
Wirtschaft liberalisiert, der israelische Unternehmergeist freigesetzt sowie amerikanische
und ausländische Investitionen ermutigt
wurden.

Seite 3

�Diese Fortschritte sollten nicht als selbstverständlich
erachtet werden. Der Ministerpräsident hat angedeutet, daß er das Abkommen von Oslo umsetzen und
Friedensverhandlungen mit Syrien und dem Libanon
führen will. Dies ist für die Bewahrung des positiven
Umfelds für Israels andauernden und gemehrten
Wohlstand unerläßlich.
Ungeachtet all dieser positiven Entwicklungen können
und sollten die amerikanisch-israelischen Handelsbeziehungen noch enger und vielfältiger sein. Aus der
Handels- und Investitionsperspektive der Vereinigten
Staaten beträgt der amerikanische Marktanteil in Israel
nur ungefähr 20 Prozent des israelischen Importmarkts
- selbst nach der vollständigen Verwirklichung des
amerikanisch-israelischen Abkommens über eine
Freihandelszone von 1995 und selbst angesichts der
zunehmenden Effizienz und Transparenz des Importregimes. Im Gegensatz dazu hatte die Europäische
Union im Jahr 1995 einen Marktanteil von über 52
Prozent in Israel. Im vergangenen Jahr verzeichnete
Israel ein Handelsdefizit in Höhe von 8,7 Milliarden
Dollar mit der EU und einen Handelsüberschuß von
239 Millionen Dollar mit den Vereinigten Staaten obwohl die Vereinigten Staaten in den ersten sechs
Monaten dieses Jahres einen Handelsüberschuß
haben. Wir glauben nicht, daß die amerikanischen
Produkte den Anteil des israelischen Markts erhalten,
der ihnen zukommt. Ich stelle einen positiven Trend in
den gerade veröffentlichten Handelszahlen für die
erste Hälfte des Jahres 1996 fest. Unseres Erachtens
sollte es jedoch eine beträchtliche Erhöhung der
amerikanischen Exporte geben, zum Teil wegen der
Kreditgarantie in Höhe von 10 Milliarden Dollar. Im
zweiten aufeinanderfolgenden Jahr wurden die
Vereinigten Staaten als wettbewerbsfähigstes Land
der Welt eingestuft. Unsere Produkte und Dienstleistungen sind so gut wie alle anderen der Welt in
praktisch jedem Bereich und auf vielen Gebieten die
besten. Sie haben einen konkurrenzfähigen Preis und
werden durch exzellente Dienstleistungen unterstützt.
Die Tatsache, daß ich dies behaupten kann, deutet auf
den gesunden Zustand unserer einzigartigen Beziehungen hin, die jetzt so fest verwurzelt sind, daß wir
Handelsprobleme ohne die Sorge ansprechen können,
daß sie unsere unanfechtbaren, unerschütterlichen
politischen, militärischen und diplomatischen Beziehungen schwächen könnten.
Meiner Ansicht nach tritt Israel unter Ministerpräsident
Netanjahu in die fünfte Phase ein - in der Steuerdisziplin neu bekräftigt, die Inflation eingedämmt und
die letzten Relikte des Sozialismus durch grundlegende wirtschaftliche Umstrukturierung und Liberalisierung
überwunden werden. Wir sind optimistisch und erfreut
über Ministerpräsident Netanjahus Vorschläge zur
Förderung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen sein Programm
zum Abbau des Haushaltsdefizits, für Steuerdisziplin,
Deregulierung und Privatisierung uneingeschränkt.

Seite 4

Wir wollen Israels Wirtschaftspartner in der vielversprechenden wirtschaftlichen Zukunft sein, die dieses
Programm unseres Erachtens nach seiner Umsetzung
herbeiführen wird.
Ministerpräsident Netanjahus Haushaltsvorlage für das
nächste Fiskaljahr wird zur Vermeidung einer Konjunkturüberhitzung beitragen - die bereits wieder abkühlt und ein stärkerer Partner der Geldpolitik bei der
Bekämpfung der Inflation sein. Die Verwirklichung
dieses Programms ist unerläßlich.
Die nächste Phase sollte eine sein, in der Israel
wirtschaftlich als Modell für Entwicklungsländer auf der
ganzen Welt dient. Israel hat eine besondere Chance,
den Weg im Hinblick auf wirtschaftliche Umstrukturierung und Disziplin zu ebnen. Ein kritischer Bereich, in
dem Israel weltweit etwas bewirken kann, bestünde in
einer beträchtlichen Verbesserung seines restriktiven
Angebots bei den Telekommunikationsverhandlungen
der WTO. Israels letztes Angebot sah keine Rechte für
zusätzlichen Marktzugang über den Bezek und IBS
gewährten hinaus vor. Für die Vereinigten Staaten
und die Welt ist kein Wirtschaftssektor wichtiger. Ein
verbessertes Angebot von Israel würde einen Anreiz
für andere sich rasch entwickelnde Nationen darstellen. Wenn Bezek in Indien und der ehemaligen
Sowjetunion konkurrieren kann, hält das Unternehmen
auch dem Wettbewerb hier in Israel stand. Die
Vereinigten Staaten hoffen, daß Israel Bezeks Monopol bei den inländischen Telefondiensten und der
Telekommunikationsinfrastruktur durch ein WTOAngebot aufheben wird, in dem ein festes Datum für
die Beendigung der Exklusivrechte für inländische
sowie internationale Dienste und Einrichtungen
gesetzt, eine Prüfung des wirtschaftlichen Bedarfs für
Zellulardienste abgeschafft und die zur Zeit in Genf
ausgehandelten Regulierungsprinzipien zugunsten
des Wettbewerbs unterstützt werden. Das amerikanische Angebot erlaubt 100prozentige ausländische
Direktinvestitionen über das gesamte Spektrum des
Markts für Ortsgespräche, inländische Ferngespräche
und internationale Telefondienste in den Vereinigten
Staaten hinweg.
Der Ministerpräsident ist sich Israels Potential zu einer
weltweiten wirtschaftlichen Führungsmacht bewußt,
und wir unterstützen seine Pläne zum Abbau der
bürokratischen und sonstigen Hemmnisse, die das
Wirtschaftswachstum in der Vergangenheit behinderten. Ungefähr 56 Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts kommen aus staatlichen oder vom Staat
kontrollierten Wirtschaftsunternehmen. Wir unterstützen auch uneingeschränkt den Plan des Ministerpräsidenten zur Privatisierung der Banken und anderer
größerer Unternehmen in staatlichem Besitz, um noch
größere Investitionen anzuziehen. Er hat die Privatisierung von 50 der 160 staatlichen Unternehmen
bis zum Ende seiner Amtszeit zugesagt. Wir stimmen
mit dem Ministerpräsidenten überein, daß dies ein

AMERIKA DIENST 16

�entscheidender Teil von Israels Zukunft und ein Mittel
zur Anhebung des Lebensstandards ist.
Diese
Maßnahmen werden nicht nur weitere ausländische
Direktinvestitionen fördern, sondern auch Arbeitsplätze
schaffen und von direktem Vorteil für den israelischen
Privatsektor sein. Zweifelsohne werden die Pläne des
Ministerpräsidenten zur Einschränkung der Rolle des
Staates in der Wirtschaft zu Israels Wirtschaftswachstum, der Schaffung von Arbeitsplätzen und zum
Wohlstand des Landes beitragen.
Es steht außer Frage, daß Israel für eine Führungsrolle
im kommerziellen Umfeld des 21. Jahrhunderts
geeignet ist. Israel muß die Gelegenheit zur Vertiefung
der bereits weitreichenden Wirtschaftsreformen
ergreifen, die in den vergangenen Jahren unternom-

men wurden, und Ministerpräsident Netajahus Verpflichtung zur Privatisierung und Deregulierung wird
diese Reformen konsolidieren. Dieser Kurs wird zur
Bewahrung des bemerkenswerten Wirtschaftswachstums beitragen, dessen sich Israel dank des Friedensprozesses erfreut. Während die Volkswirtschaften in
der Region offener und integrierter werden, kann das
Wirtschaftswachstum in Israel noch größere Chancen
für Wachstum in der Region bieten, das wiederum
Frieden und Stabilität fördert. Die uns und Israel
konfrontierende Herausforderung ist klar: Wir müssen
sicherstellen, daß unsere Bestrebungen an der
diplomatischen und der wirtschaftlichen Front fortgesetztwerden und unser gemeinsames Ziel von Frieden
und Wohlstand auch im 21. Jahrhundert vorangebracht wird.

* *

AMERIKA DIENST 16

*

Seite 5

�WAHLEN
21. August 1996

Republikaner hoffen auf Belebung des Wahlkampfs
durch Dole-Kemp-Team
Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten

SAN DIEGO - (AD) - In Amerika gibt es ein altes
Sprichwort, das besagt: "Die Politik bringt die verschiedensten Leute zusammen."
Wie sonst könnte man so ungleiche Teams wie
Präsident Kennedy und Vizepräsident Johnson im Jahr
1960 erklären? Oder Präsident Reagan und Vizepräsident Bush im Jahr 1980? Oder Bob Dole und Jack
Kemp im Jahr 1996?
All diese Teams waren bei vielen politischen Themen
entgegengesetzter Meinung, und dennoch sahen es
die Präsidentschaftskandidaten der jeweiligen Partei
als angebracht an, einen Mitkandidaten auf ihre
Wahlliste zu setzen, der Divergenz statt Kontinuität
versprach.
Am Vorabend des nationalen Parteikonvents der
Republikaner am 11. August 1996 kam der designierte
Präsidentschaftskandidat Dole an Bord einer Fähre in
Begleitung des Mitstreiters seiner Wahl, Kemp - einem
Mann, mit dem er sich seit 15 Jahren über Wirtschaftsfragen streitet - im Hafen von San Diego an.
Bis zur Ankündigung seines neuen Plans für Steuersenkungen in der vergangenen Woche führte Dole als
Führer der Republikaner im Senat den Kampf zum
Abbau des enormen Haushaltsdefizits an.
Kemp, der ehemalige Footballstar, der Politiker wurde,
ist seit langem ein Befürworter einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, die Steuersenkungen vor den
Defizitabbau stellt, in der Annahme, dies würde zur
Ankurbelung des Wachstums beitragen, mehr Arbeitsplätze schaffen und damit mehr Einnahmen bringen.
Im Jahr 1988, als beide erfolglose Herausforderer des
damaligen Vizepräsidenten Bush bei der Nominierung
des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
waren, äußerte Dole, daß Kemp sich so für die Gewerkschaften stark gemacht habe, ließe "einem die

AMERIKA DIENST 16

Haare zu Berge stehen", und Kemp sagte, für Dole
"gibt es keine Steuer, die er nicht erhöht".
An diesem Tag gab es jedoch nur Lächeln und
Einigkeit, als die beiden Männer der jubelnden Menge
erklärten, daß sie die Wahl im November zu gewinnen
dächten und Präsident Abraham Lincoln mit dem Satz
zitierten: "Gebt unserer Nation eine neue Geburt der
Freiheit", indem alle Steuern gesenkt werden und ein
ausgeglichener Haushalt angestrebt wird.
Die Delegierten des Parteitags kamen in San Diego
an, als Dole in seiner Heimatstadt Russell in Kansas
am 11. August offiziell seinen Entscheidung für Kemp
bekanntgab. Die Unterhaltungen in Hotelhallen und
Empfangsbereichen drehten sich kaum um ein anderes Thema. Der Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses Dick Armey äußerte: "Man konnte fast einen
spontanen Freudenausbruch im ganzen Land vernehmen."
Von vielen politischen Beobachtern wurde es als
gewagt und unerwartet genug angesehen, um Doles
Wahlkampf anzuheizen. Die Parteiführer begrüßten
die Entscheidung und brachten ihre Hoffnung zum
Ausdruck, sie möge den Parteitag beleben und die
Wähler anregen, sich Dole noch einmal genauer
anzusehen. Der ehemalige Mehrheitsführer des
Senats liegt bei öffentlichen Meinungsumfragen immer
noch 20 Prozentpunkte hinter Präsident Clinton, aber
zumindest bei einer von der Washington Post durchgeführten holte Dole zehn Punkte auf, nachdem
bekannt wurde, daß Kemp der Spitzenkandidat ist.
Die Medien hatten davor über eine Reihe von Gouverneuren der Bundesstaaten spekuliert, aber in der
letzten Minute konzentrierte sich die Aufmerksamkeit
auf Kemp als einzigem Mitstreiter mit nationaler
Anerkennung.

Seite 1

�Doles Sprecher Nelson Warfield bezeichnete Kemp als
den "eloquentesten, effektivsten und erfahrensten
Befürworter von wachstumsfördernden Maßnahmen"
mit "bemerkenswerter Popularität auf dem gesamten
politischen Spektrum".

Nachdem er der Quarterback der Footballmannschaften San Diego Chargers und Buffalo Bills gewesen war, wurde Kemp in einem von Demokraten
dominierten und von Arbeitern bewohnten Wahlbezirk
in Buffalo zum Kongreßabgeordneten gewählt.

Ein früherer Rivale Doles, der Unternehmer Steve
Forbes, äußerte, das "Dream Team" Dole-Kemp würde
Unabhängige und Demokraten ins Lager der Republikaner ziehen.

Er wurde als lautstarker Gegner von Kommunismus
und Abtreibung bekannt, bekämpfte aber auch Kürzungen der Sozialleistungen. Kemp erklärte, er habe
beim Profisport enge Beziehungen zu Afro- und
Hispanoamerikanern geknüpft, was seine Ansichten
über berufliche Gleichstellung beeinflußt habe Ansichten, die ihm oftmals Zwistigkeiten mit vielen
seiner Parteikollegen bescherten.

Einige mutmaßten, daß Kemp attraktiv für Frauen ist eine Gruppe, die Clinton gegenüber Dole bevorzugt.
Selbst die Anführerin der Abtreibungsbefürworter unter
den Republikanern, Ann Stone, fand nette Worte und
erklärte, auch wenn Kemp Abtreibungsgegner sei,
verfüge er doch über die Fähigkeit zur Überbrückung
von Meinungsverschiedenheiten und "erreicht Wähler,
die die Republikaner für gewöhnlich ignorieren Minderheiten, ethnische Gruppen und Gewerkschaftsmitglieder."
Aber obwohl Analysten einräumen, daß Kemp dem
Wahlkampfteam Energie und Schwung verleihen wird
und auch für die Bürger, die traditionell nicht republikanisch wählen, attraktiv ist, fragen sie sich, ob das
ausreicht.
Als Reaktion auf die Entscheidung Doles erklärte der
Wahlkampfsprecher Präsident Clintons, Joe Lockhart,
dies sei ohne Bedeutung, da der Vizepräsidentschaftskandidat "bei den meisten Wahlkämpfen keine klar
definierte Rolle" habe. Berichten zufolge war der
Präsident jedoch "schockiert" und erklärte vor Journalisten, er hätte erwartet, daß sein republikanischer
Rivale sich für einen anderen Vizepräsidentschaftskandidaten entscheiden würde.
Manche Beobachter sehen es als mögliches Problem
an, daß Kemp dafür bekannt ist, seine Meinung zu
sagen, obwohl er erklärtermaßen weiß, daß Dole im
Wahlkampfteam an erster Stelle steht. Mitglieder der
religiösen Rechten äußerten Besorgnis darüber, daß
Kemp zwar als Konservativer angesehen wird, jedoch
auch einige freiheitliche Tendenzen aufweist. In
Kalifornien verärgerte er viele Konservative gegen
Ende des Wahlkampfs 1994, als er Kritik an einem
örtlichen Volksbegehren äußerte, scharf gegen die
Inanspruchnahme von Sozialleistungen durch illegal im
Land lebende Ausländer vorzugehen.
Kemp erklärte, wenn die Republikanische Partei nicht
die "Partei von Reformen, Wandel, Fortschritt und
Zukunft" werde, geriete sie "in die Defensive" und
würde schließlich nur noch "auf den Zusammenbruch
der Clinton-Administration hoffen. Das ist keine Art,
einen Präsidentschaftswahlkampf zu führen."

Seite 2

Kemps Wirkung auf Afroamerikaner ist einer der
größten politischen Aktivposten, die er in den Wahlkampf einbringt. Traditionell wählt ein großer Teil
dieser Bevölkerungsgruppe die Demokratische Partei.
Kemp ist auch für seine umstrittenen Ideen bekannt,
beispielsweise eine 33prozentige Steuersenkung, die
1981 schließlich zum Kern von Präsident Reagans
erfolglosen Steuerplänen wurde.
1988 gab Kemp freiwillig seinen Sitz im Kongreß auf,
um sich erfolglos um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu bewerben und
beteiligte sich als "progressiver Konservativer" kurze
Zeit am Wahlkampf. Aber weder die Konservativen
noch die Progressiven seiner Partei fühlten sich
damals von ihm angesprochen.
Präsident Bush ernannte ihn später zum Minister für
Wohnungsbau und Stadtentwicklung.
In dieser
Eigenschaft verfolgte er energisch zwei Ideen: Städtische Unternehmenszonen zur Ermutigung von
Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in armen Wohngebieten sowie Eigentumsrechte der Mieter an Sozialwohnungen.
Eigenen Angaben zufolge begann Kemp während
seiner Zeit als Wohnungsbauminister in seiner Partei
auf die Einbeziehung von Minderheiten und Armen zu
drängen sowie Maßnahmen zum Wiederaufbau des
städtischen Amerika zu ergreifen.
1993 war Kemp eines der Gründungsmitglieder der
konservativen Denkfabrik "Empower America", die
freie Marktwirtschaft und Kapitalismus, Wachstum von
Arbeitsplätzen und sozialpolitische Maßnahmen
fördert, welche den Menschen und nicht der staatlichen Bürokratie mehr Befugnisse verleihen.
Jack Kemp wurde am 13. Juli 1935 in Los Angeles
geboren und erwarb am Occidental College sein
Bakkalaureat. Er hat mit seiner Frau Joanne vier
erwachsene Kinder und mehrere Enkelkinder.

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�WAHLEN
21. August 1996

Beim Präsidentschaftswahlkampf wird Amerika
der Spiegel vorgehalten
Rede von Bob Dole beim nationalen Parteikonvent der Republikaner

SAN DIEGO - (AD) - Der Präsidentschaftswahlkampf ist "mehr als ein Wettstreit zwischen Kandidaten, mehr als
die Auseinandersetzung mit entgegengesetzten Philosophien - beim Wahlkampf wird Amerika der Spiegel
vorgehalten", erklärte Bob Dole in seiner Dankesrede für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der
Republikaner am 15. August 1996.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Bob Dole im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, sehr geehrte Delegierte,
liebe Mitbürger,
ich möchte mit einfachen Worten klar und deutlich
sagen: Ich nehme Ihre Nominierung an, unsere Partei
erneut zur Präsidentschaft zu führen. Ich bin zutiefst
bewegt durch Ihr Vertrauen und Ihre Zuversicht und
sehe der Aufgabe erwartungsvoll entgegen, Amerika in
das nächste Jahrhundert zu geleiten.
Dies ist jedoch nicht meine Stunde. Es ist Deine
Stunde, Elizabeth. Es ist Deine, Robin. Es ist Eure
Stunde, Jack und Joanne Kemp.
Und denken Sie nicht, ich hätte vergessen, wessen
Stunde dies vor allem ist. Für das amerikanische Volk
stehe ich heute abend hier, das mir diese Gelegenheit
geboten hat. Und während meine Stimme in der
Dunkelheit und in der Wüste widerhallt, während sie in
Autoradios und auf Küstenstraßen vernommen wird,
und während sie über Ackerland und in die Vororte
getragen wird, tief in das Zentrum von Städten, die
heute nacht, aus dem All gesehen, einer Kette glitzernder Diamanten gleichen, kann ich Ihnen sagen, daß
ich weiß, wessen Stunde dies ist: Es ist Ihre Stunde.
Und wer steht vor Ihnen?
Ich wurde in Russell in Kansas geboren, einer kleinen
Stadt mitten in der Prärie, umgeben von Weizenfeldern
und Bohrtürmen. Wie meine Freunde und Nachbarn
aus Russell, die heute abend hier vorne im Saal sitzen,

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gut wissen, blickt Russell, obwohl es nicht der Westen
ist, auf den Westen. Wie die meisten Kleinstädte in der
Prärie ist es ein Ort, an dem niemand ohne gründliche
Kenntnis der Distanz aufwächst. Und das erste, was
man über die Prärie lernt, ist die relative Größe eines
Menschen im Vergleich zur Weite des Landes. Unter
dem unendlichen Himmel, unter dem ich geboren
wurde und aufwuchs, ist ein Mensch sehr klein - und
wenn er etwas anderes denkt, hat er unrecht.
Meine Eltern sind gute Menschen, sehr gute Menschen, und ich bin stolz darauf. Mein Vater heißt
Doran, meine Mutter Bina. Ich hatte sie sehr lieb - und
es gibt keinen Augenblick, an dem meine Erinnerung
an sie und meine Liebe für sie nicht hinter allem steht,
das ich tue - selbst hier heute abend. Es gibt keine
Höhe, zu der ich aufgestiegen bin, die hoch genug
wäre, mich sie vergessen zu lassen, zu vergessen, wo
ich herkomme, wo ich stehe und wie ich hier stehe nur ein Mensch, der Gnade Gottes ausgeliefert.
Diese Perspektive wurde durch das Wissen gestärkt
und verfestigt, das ich nicht meiner eigenen Leistung
verdanke, sondern den gütigen Segnungen des Alters.
Ich weiß, daß manche denken, ich müßte vor dieser
Wahrheit davonlaufen. Ich wurde 1923 geboren Fakten sind besser als Träume - und gute Präsidenten
und gute Kandidaten laufen vor der Wahrheit nicht
davon.
Ich brauche die Präsidentschaft nicht, um meine Seele
zu erneuern. Diesen Trugschluß werde ich gerne

Seite 1

�anderen überlassen, denn Größe liegt nicht in dem
Amt, das man innehat, sondern darin, wie ehrlich man
ist, wie man sich Mißgeschicken stellt und wie man
unerschütterlich die Härten des Lebens erträgt.

Geschichte zurückreichen, reißt die Grundpfeiler
dieser Werte - Gott, Familie, Ehre, Pflicht, Vaterland nicht nieder, die uns im gesamten Verlauf der Zeit
zusammengebracht haben.

Das Alter hat seine Vorteile. Lassen Sie mich die
Brücke zu einem Amerika sein, das nur die Unwissenden als Mythos bezeichnen. Lassen Sie mich die
Brücke zu einer Zeit der Ruhe, des Glaubens an das
Handeln und des Vertrauens darauf sein. Denjenigen,
die sagen, das war nie so, Amerika war nie besser,
sage ich, Ihr habt unrecht, und ich weiß es, weil ich
damals gelebt habe. Ich habe es gesehen. Ich
erinnere mich.

Denjenigen, die glauben, ich sei zu kämpferisch, sage
ich, wenn ich kämpferisch bin, dann aus Liebe zu
unserem Land. Ich bin es, um einen Standard aufrechtzuerhalten, den zu verteidigen ich geboren und
erzogen wurde. Und denjenigen, die glauben, ich sei
zu kompromißbereit, sage ich, in der Politik ist ein
ehrbarer Kompromiß keine Sünde, sondern das, was
uns vor Absolutismus und Intoleranz schützt. Man darf
jedoch nie Kompromisse bezüglich Gott, Familie, Ehre,
Pflicht und Vaterland schließen.

Obwohl verwundet und vernichtet, hat unsere Nation
den Unabhängigkeitskrieg, den Bürgerkrieg, die
Weltkriege, rassische Unterdrückung und wirtschaftliche Katastrophen überdauert. Wir haben auf praktisch
jedem Kontinent und auf praktisch jedem Meer gekämpft und überdauert. Wir haben sogar verloren,
aber wir haben überdauert, und wir sind immer
durchgekommen.
Was uns zu diesen Leistungen verholten hat, hat
wenig mit den heutigen Werten zu tun. Was haben wir
erreicht, was haben wir geschaffen, was haben wir nach Jahrzehnten der Angriffe auf das, was Amerika
zur Größe verholten hat, auf angeblich veraltete
Werte? Der Meinung vieler Amerikaner nach haben
wir Verbrechen, Drogen, uneheliche Kinder, Abtreibung, die Nichterfüllung der Pflicht und verlassene
Kinder. Und nach der sprichwörtlichen Zerstörung der
amerikanischen Familie, dem Fels, auf dem dieses
Land gegründet wurde, wird uns gesagt, wir benötigen
ein Dorf - das heißt das Kollektiv und damit den Staat um ein Kind großzuziehen.
Der Staat ist mehr als je zuvor mit der Erziehung von
Kindern befaßt, und Kinder werden heute mehr
vernachlässigt, mißbraucht und mißhandelt als zu
unserer Zeit. Das ist kein Zufall, und bei allem gebührenden Respekt stehe ich hier, um Ihnen zu sagen:
Man braucht kein Dort, um ein Kind großzuziehen.
Man braucht eine Familie.
Wenn ich durch ein Wunder jedem Kind, das keinen
Vater oder keine Mutter hat, diesen Vater oder diese
Mutter wiedergeben könnte, würde ich es tun. Und
obwohl ich das nicht kann, würde ich ihnen nie meinen
Rücken zukehren, und als Präsident werde ich
Maßnahmen fördern, die Familien zusammenhalten.
Ich stehe hier, um Ihnen zu sagen, daß tabufreies und
zerstörerisches Verhalten abgelehnt werden muß, daß
Ehre und Freiheit wiederhergestellt werden müssen
und die Rechenschaftspflicht des einzelnen wieder an
die Stelle der kollektiven Entschuldigung treten muß.
Ich stehe hier, um Amerika zu sagen, gebt die großen
Traditionen nicht auf, die in die Anfänge unserer

Seite 2

Ich bin hier, um einen Maßstab zu setzen, damit alle
wissen, daß man es in der Politik zu etwas bringen
kann, wenn diese Dinge fest im Kopf verankert sind ohne Konzessionen und nie aufgegeben. Denn die
alten Werte haben Bestand. Obwohl sie in Vergessenheit geraten sein mögen und obwohl sie aufgegeben
werden, haben sie Bestand. Ich weiß, daß es stimmt.
Und jedem, der glaubt, daß Zurückhaltung, Ehre und
Vertrauen in das Volk der Regierung nicht wiedergegeben werden können, sage ich, folgt mir.
Nur das richtige Verhalten unterscheidet eine große
Nation von einer, die nicht über sich selbst hinauswachsen kann. Das war nie anders. Richtiges
Verhalten, jeden Tag, auf jeder Ebene, in allen Facetten des Lebens. Die Entscheidung eines Kindes,
keine Drogen zu nehmen; eines Schülers, nicht zu
pfuschen; einer jungen Frau oder eines jungen
Mannes, zu dienen, wenn sie einberufen werden;
eines Drehbuchautors, den Bergen von Müll nicht noch
weiteren hinzuzufügen; eines Geschäftsmannes, nicht
zu bestechen; eines Politikers, eine Stimme abzugeben oder eine Maßnahme zu ergreifen, die sein
Amt oder seine Siegeschancen aufs Spiel setzen, die
jedoch richtig ist. Warum haben so viele von uns - und
ich schließe mich nicht aus, denn ich bin auch kein
Vorbild an Perfektion - so lange diesen Test nicht
bestanden?
Die Antwort ist kein Geheimnis. Sie ist im Gegenteil
sehr einfach und kann ganz einfach gegeben werden.
Es liegt daran, daß wir zu lange eine Führung hatten,
die nicht bereit war, die Wahrheit zu riskieren, ohne
Kalkül zu sprechen, sich zu opfern - eine Administration, die dies Tag für Tag vermittelt, bis es wie ein
Regen herniederprasselt. Und der Regen wird zu
einem Fluß und der Fluß zu einer Überschwemmung.
Was ist wichtiger - Reichtum oder Ehre? Es geht nicht
um "die Wirtschaft, Du Dummerchen", wie die Sieger
vor vier Jahren sagten. Es ist die Nation, die wir sind.
Es hängt davon ab, ob wir die Intelligenz und Entschlossenheit besitzen, uns mit vielen Fragen zu
befassen - einschließlich Wirtschaftsfragen, aber

AMERIKA DIENST 16

�sicherlich nicht ausschließlich. Reichtum oder Armut
sind nicht für alles verantwortlich. Das weiß ich aus
erster Hand und Sie ebenfalls. Alles ergibt sich
daraus, was richtig ist. Der Triumph dieser Nation liegt
nicht in ihrem materiellen Wohlstand, sondern in Mut,
Opferbereitschaft und Ehre. Wir tendieren dazu, dies
zu vergessen, wenn unsere Politiker es vergessen,
und uns daran zu erinnern, wenn sie sich daran
erinnern.
Das hohe Amt der Präsidentschaft erfordert nicht eine
kontinuierliche Vierjahreskampagne zur Wiederwahl,
sondern vielmehr umfassende Übersicht über drei
unerläßliche Bereiche und die Konzentration darauf das Überleben des Materiellen, der Moral und der
Nation, und zwar in dieser aufsteigenden Rangfolge.
Bei der letzten Präsidentschaftswahl wurden Sie - das
Volk - zutiefst beleidigt. Ihnen wurde gesagt, das
Materielle sei nicht nur das Wichtigste dieser drei,
sondern in der Tat das einzig Ausschlaggebende.
Diese Meinung teile ich in keiner Weise. Niemand
kann die Bedeutung des materiellen Wohlergehens
leugnen. Und in dieser Hinsicht ist es Zeit für die
Erkenntnis, daß wir zu viel unserer wirtschaftlichen
Freiheit aufgegeben haben.
Ich weiß den Wert der wirtschaftlichen Freiheit nicht so
sehr im Hinblick auf das zu schätzen, was sie getan
hat, um uns zu ernähren, sondern vielmehr im Hinblick
auf das, was sie getan hat, um unsere Freiheit zu
bewahren. Die Freiheit des Marktes ist nicht nur der
beste Garant unseres Wohlstands, sie ist der Hauptgarant unserer Rechte. Eine Regierung, die zum Wohl
des Volkes die Kontrolle der Wirtschaft übernimmt,
wird schließlich zum Wohl der Wirtschaft die Kontrolle
des Volkes übernehmen.
Unsere Gegner stellen das Recht auf den Genuß der
Früchte unserer Zeit und Arbeit als eine Art Egoismus
dar, den sie zum Wohle der Nation bekämpfen müssen. Sie haben jedoch zutiefst unrecht, denn wenn sie
sich selbst die Befugnis übertragen, dem Volk sein
Einkommen wegzunehmen und seine Aktivitäten zu
dirigieren, kämpfen sie nicht zu unserem Wohl,
sondern um die Macht, uns sagen zu können, was wir
tun müssen.
Sie arbeiten vom 1. Januar bis zum Mai, nur um Ihre
Steuern zu bezahlen, damit die Regierungspartei ihre
Prioritäten mit dem Schweiß Ihres Angesichts befriedigen kann, weil sie denkt, was Sie mit Ihrem Geld
machen würden, wäre moralisch und praktisch sehr
viel weniger bewundernswert als das, was sie damit
tun würde. Das muß einfach ein Ende haben. Es ist
erniedrigend für die Nation, daß innerhalb der ClintonAdministration ein Korps der Elite, die nie erwachsen
wurde, die nie wirklich etwas geleistet hat, die nie
Opfer gebracht hat, nie gelitten und nie gelernt hat, die

AMERIKA DIENST 16

Macht haben sollte, mit Ihrem Einkommen ihre dubiosen und eigensüchtigen Pläne zu finanzieren.
Irgendwo konnte eine Großmutter es sich nicht leisten,
ihre Enkelin anzurufen, oder ein Kind hatte kein Buch,
oder eine Familie konnte sich nicht ihr erstes Haus
kaufen, weil einfach nicht genug Geld da war, um den
Anruf zu machen, das Buch zu kaufen oder die
Hypothek zu bezahlen - oder, davon abgesehen, viele
andere Dinge zu tun, die man das Recht und häufig die
Pflicht hat zu tun.
Warum? Weil irgendein Genie in der Clinton-Administration das Geld zur Finanzierung einer weiteren
Theorie, eines weiteren Programms und von noch
mehr Bürokratie genommen hat. Kümmert sie sich um
Sie oder kümmert sie sich um sich selbst?
Ich habe mir diese Frage gestellt, und ich sage, laßt
das Volk frei sein.
Frei, soviel von dem zu behalten, was es verdient,
während die Regierung mit aller Macht bestrebt ist,
nicht zu nehmen, und nicht umgekehrt.
Ich vertraue dem amerikanischen Volk, daß es im
besten Interesse des Volkes arbeitet. Und ich glaube,
daß jede Familie, jeder Lohnempfänger und jedes
kleine Unternehmen in Amerika es besser machen
kann - wenn wir nur die richtige Politik in Washington
haben.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Mein Wirtschaftsprogramm ist die richtige Politik für Amerika.
Sie wird folgendes für Sie bedeuten.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der den Kongreß zur Verabschiedung eines
Verfassungszusatzes über einen ausgeglichenen
Haushalt und seine Weiterleitung an die Bundesstaaten zur Ratifizierung auffordert.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten und einen
Kongreß haben werden, die den Haushaltsausgleich
bis zum Jahr 2000 herbeiführen müssen.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der die Steuern für jeden Steuerzahler in
Amerika um 15 Prozent senkt - dazu zählt ein Steuerfreibetrag in Höhe von 500 Dollar pro Kind für einkommenschwache Familien und solche mit mittlerem
Einkommen. Die Steuern für eine vierköpfige Familie
mit einem Einkommen von 35.000 Dollar würden um
mehr als die Hälfte gesenkt - 56 Prozent, genau
gesagt.
Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der das Finanzamt, wie wir es kennen,
abschafft.

Seite 3

�Sie bedeutet, daß Sie einen Präsidenten haben
werden, der die Rentenkonten des einzelnen aufstockt,
Präsident Clintons Steuererhöhung auf die Sozialversicherung rückgängig macht, Erleichterungen bei
der Grundbesitzsteuer einführt, staatliche Bestimmungen abbaut, unser bürgerliches Gesetzbuch reformiert,
Stipendien im Bildungswesen und eine Reihe anderer
Vorschläge bereitstellt, die für alle Amerikaner bessere
Chancen schaffen.
Und das ist noch nicht alles. Im Zusammenarbeit mit
Jack Kemp und einem republikanischen Kongreß
werde ich mich nicht zufrieden geben, bis wir unser
gesamtes Steuersystem reformiert und es fairer und
einfacher gemacht haben.
Das Prinzip, um das es hier geht, ist altbewährt und
wahr: Es ist Ihr Geld. Sie sollten sich nicht dafür
entschuldigen müssen, daß Sie das behalten wollen,
was Sie verdienen. Im Gegenteil, die Regierung sollte
sich dafür entschuldigen, daß sie so viel davon
wegnimmt. Die Clinton-Administration versteht es
einfach nicht: Sie denkt, sie führe die Aufsicht über Sie.
Und deshalb muß sie gehen.
Der Präsident ist zufrieden mit der Lage der Dinge. Ich
nicht. Wir müssen uns zu einem sehr viel ehrgeizigeren Weg verpflichten, der Wachstum - erweiterte
Chancen, steigende Einkommen, vermehrten Wohlstand - zum Kernstück unserer nationalen Politik
macht. Wir müssen uns zu einer Handelspolitik
verpflichten, die nicht den Verdienst drückt und
amerikanische Arbeitsplätze bedroht. Die Handelspolitik der Clinton-Administration war in jeder Hinsicht
ein Desaster. Die Handelsdefizite steigen ins Unermeßliche und Familien mit mittlerem Einkommen
zahlen den Preis.
Meine Administration wird unsere Handelsgesetze
vollständig in Kraft setzen, effektive Handelsabkommen vereinbaren und nicht zulassen, daß unsere
nationale Souveränität durch die Welthandelsorganisation oder irgendein anderes Gremium beeinträchtigt
wird.
Meine Damen und Herren, Jack Kemp und ich werden
das Versprechen Amerikas wiederherstellen und die
Wirtschaft wieder in Gang bringen, und wir werden es
tun, ohne irgend jemanden zurückzulassen. Ich habe
im Verlauf meines Lebens und aus eigener Erfahrung
gelernt, daß nicht jeder Mann, jede Frau oder jedes
Kind es alleine schaffen kann. Daß in einer Zeit der
Not die Regierung selbst die Brücke zwischen Scheitern und Erfolg sein kann. Und angesichts all dessen,
was ich erfahren habe, werde ich mich immer an
diejenigen in Not erinnern. Aus diesem Grund habe
ich 1983 dazu beigetragen, das Sozialversicherungssystem zu retten und aus diesem Grund werde ich der
Präsident sein, der Medicare erhalten, geschützt und
verbessert hat.

Seite 4

Ich werde auch niemals den Mann vergessen, der im
Zug von Kansas nach Michigan reiste, um seinen
Sohn zu besuchen, der in einem Armeehospital im
Sterben lag. Als er ankam, waren seine Füße geschwollen und er konnte kaum laufen, weil er die Reise
von Kansas nach Michigan die meiste Zeit im Stehen
zurücklegte.
Wer war dieser Mann? Er war mein Vater. Mein Vater
war arm. Und ich hatte meinen Vater sehr lieb.
Können Sie sich je vorstellen, daß ich mein Versprechen gegenüber Amerikanern in Not nicht erfüllen
werde, während ich die Gesetze unterzeichne, die die
Wirtschaft von ihren Fesseln befreien. Sie können
sicher sein, daß ich das tun werde, denn etwas
anderes hieße, an denjenigen Verrat zu begehen, die
ich am meisten liebe und ehre, und ich will niemanden
im Stich lassen.
Jetzt möchte ich über Einwanderung sprechen. Das
Recht und die Pflicht einer souveränen Nation zur
Kontrolle ihrer Grenzen steht außer Frage. Wir dürften
keinen einzigen illegalen Einwanderer im Land haben.
Die Frage der Einwanderung ist jedoch umfassender,
und ich möchte spezifisch darauf eingehen. Eine
Familie aus Mexiko, die heute morgen - legal - hier
ankam, hat ebenso ein Recht auf den Amerikanischen
Traum wie die direkten Nachkommen der Gründerväter.
Die Republikanische Partei ist umfassend und bezieht
alle ein. Sie vertritt viele Meinungen und viele Gesichtspunkte. Wenn es jedoch jemanden gibt, der sich
fälschlicherweise in dem Glauben der Partei angeschlossen hat, daß wir nicht für Bürger jeder Rasse
und Religion offen seien, dann will ich Sie an folgendes
erinnern:
Heute abend gehört dieser Saal der Partei von Lincoln,
und die deutlich gekennzeichneten Ausgänge sind für
Sie da, damit sie hinausgehen können, während ich
hier stehe und diesen Boden verteidige - ohne Kompromiß.
Obwohl ich nur zu Washington und Lincoln aufsehen
kann, möchte ich Sie an ihre Sorge um die manchmal
zerbrechliche Einheit der Menschen erinnern. Der
Gedanke, daß wir ein Volk sind und sein sollten, statt
die "Völker" der Vereinigten Staaten, scheint so
selbstverständlich und offenkundig, daß ich mir kaum
vorstellen kann, ihn verteidigen zu müssen. Als ich in
Kansas aufwuchs, war für mich klar, daß mein Stolz
und mein Zuhause in Amerika sind, nicht in irgendeiner
Splitter- oder Untergruppe. Und damit bewahrte ich wie ich es bis zum heutigen Tag tue -Washingtons
eloquente Ablehnung von Parteigeist. Ich ehrte - wie
ich bis zum heutigen Tag tue - Lincolns Worte, sein
Leben und sein Opfer.

AMERIKA DIENST 16

�Das Prinzip der Einheit hat uns bei all unseren Erfolgen begleitet. Die 10. Gebirgsjägerdivision, bei der ich
in Italien diente, und die schwarzen Truppen der 92.
Division, die in der Nähe dienten, waren für mich ein
erneuter Beweis der Wahrheit, die ich hier zu vermitteln versuche. Der Krieg wurde nur eine Generation nach Amerikas größter und intensivster Einwanderungsperiode geführt. Und dennoch, als das Blut
der Söhne der Einwanderer und der Enkel der Sklaven
auf ausländische Schlachtfelder fiel, war es amerikanisches Blut. Darin konnte man nicht die ethnischen
Eigenheiten des Soldaten lesen, der neben einem
starb. Es war ein Amerikaner. Und wenn ich daran
denke, wie wir diese Lektion gelernt haben, frage ich
mich, wie wir sie je vergessen konnten.
Wird das Prinzip der Einheit, um das so hart und auf
Kosten so vieler Menschenleben gekämpft wurde, das
in unserer Geschichte immer wieder und zu solch
einem schrecklichen Preis umkämpft wurde, allmählich
dem Drang zu trennen geopfert? Müssen wir dem
sinnlosen Drang nachgeben, das auseinanderzubrechen, was schön, ganz und gut ist?
Ich fordere jeden Amerikaner auf, sich über all das zu
erheben, was uns trennen könnte und die Einheit der
Nation zu Ehren der vergangenen und um der kommenden Generationen willen zu verteidigen.
Die Verfassung der Vereinigten Staaten schreibt
gleichen Schutz im Rahmen des Gesetzes zwingend
vor. Das ist keine verschlüsselte Sprachregelung für
Rassismus - sie spricht sich eindeutig dagegen aus.
Und der Leitstern meiner Administration wird sein, daß
wir in diesem Land keine Rangordnung per Geburt,
keinen Anspruch auf Bevorzugung aufgrund der Rasse
und keine Erwartung eines Urteils haben können, das
anders als unparteiisch ist. Wir können das Ergebnis
nicht garantieren, aber wir werden die Chance garantieren.
Ich werde offen über ein anderes bedeutendes Thema
sprechen. Wir gewähren nicht allen Kindern Bildung.
Zu viele sind gezwungen, sich den Unbilden des
Augenblicks zu stellen. Nicht umsonst geben wir am
meisten für Bildung aus und zählen zu denjenigen mit
der geringsten Leistung in den führenden Industrienationen.
Die Lehrergewerkschaft nominierte Bill Clinton im Jahr
1992, sie finanziert jetzt seine Wiederwahl, und sie seine zuverlässigsten Anhänger - wissen, daß er den
Status quo aufrechterhalten wird.
Ich sage dies nicht den Lehrern, sondern ihren
Gewerkschaften: Wenn sich die Bildung im Krieg
befände, würden Sie ihn verlieren. Wenn sie ein
Geschäft wäre, würden Sie es in den Bankrott treiben.
Wenn sie ein Patient wäre, würde er sterben.

AMERIKA DIENST 16

Den Lehrergewerkschaften sage ich, wenn ich Präsident bin, werde ich Ihre politische Macht um unserer
Kinder, der Schulen und der Nation willen ignorieren:
Ich beabsichtige Ihr Vokabular um die Worte zu
erweitern, die Sie fürchten - freie Schulwahl, Wettbewerb und Stipendien - damit Sie wie wir alle rechenschaftspflichtig sind, während andere mit Ihnen um das
lobenswerte Prinzip konkurrieren, unseren Kindern
wirkliche Bildung zu vermitteln. Es gibt keinen Grund,
warum diejenigen, die an irgendeiner Straße in
Amerika leben, nicht dasselbe Recht wie jemand
haben sollten, der an der Pennsylvania Avenue 1600
wohnt - das Recht, sein Kind auf die Schule seiner
Wahl zu schicken. Wenn wir weniger Verbrechen,
Drogenmißbrauch oder Teenagerschwangerschaften
haben wollen, sollten wir damit anfangen, allen
amerikanischen Kindern eine Bildung erster Klasse zu
geben.
Ich möchte auch, daß diese Kinder ein Land erben,
das sehr viel sicherer ist als zur Zeit. Ich strebe für
unsere Kinder und Enkelkinder eine Welt an, die
offener ist und mehr Chancen bietet als je zuvor. Aber
wenn ich möchte, daß diese jungen Amerikaner das
Beste daraus machen können, dann möchte ich als
allererstes, daß sie sicher sind. Ich möchte den
Schatten lüften, der die Chancen für jede Frau, jeden
Mann und jedes Kind in Amerika verdunkelt. Wir sind
eine durch Verbrechen gelähmte Nation, und es ist an
der Zeit, das zu beenden.
Um das zu tun, werde ich die Ursache der Verbrechen
bekämpfen - die Verbrecher. Wenn unsere vielen und
unersättlichen Verbrecher, sagen wir um sechs Uhr
morgen früh, zu Bett gehen, beten sie besser darum,
daß ich diese Wahl verliere. Denn wenn ich gewinne,
wird das Leben für Gewaltverbrecher zur Hölle.
Unter der Reagan-Administration haben wir bedingte
Haftentlassungen auf Bundesebene abgeschafft. In
der Dole-Administration werden wir mit den Gouverneuren der Nation zusammenarbeiten, um bedingte
Haftentlassungen für Gewaltverbrecher in ganz
Amerika abzuschaffen. Und mit meiner nationalen
Initiative zur unverzüglichen Kontrolle werden wir keine
Pistolen in die Hände von Verbrechern gelangen
lassen.
Ich wurde gefragt, ob ich eine Feuerprobe für Richter
habe. Meine Feuerprobe für die Richter ist, daß sie
intolerant gegenüber Greueltaten sind, daß ihre
Leidenschaft nicht in der Änderung, sondern der
Auslegung der Verfassung besteht, daß sie zurückhaltend gegenüber denjenigen sind, die Gesetze befolgen
und strikt mit denen, die sie brechen.
Und für diejenigen, die sagen, ich sollte Bill Clintons
liberale richterliche Ernennungen nicht zu einem
Wahlkampfthema machen, habe ich eine einfache

Seite 5

�Antwort. Ich habe Ihre Argumente gehört: Der Antrag
wird als unbegründet abgelehnt.

Mit anderen Worten: Mischt Euch nicht ein, wenn Ihr
nicht bereit seid, die Konsequenzen zu tragen.

Ich respektiere die Verfassung, nicht diejenigen, die
sie ignorieren, brechen oder sie mit Gebilden ihrer
eigenen Phantasie ersetzen. Meine Administration
wird begierig die bürgerlichen und verfassungsmäßigen Rechte schützen und dabei nie vergessen,
daß unsere Hauptaufgabe der Schutz gesetzestreuer
Bürger ist. Ich habe nicht die Absicht, Gewaltverbrecher zu ignorieren, sie zu verstehen oder freizukaufen. Eine Nation, die sich nicht selbst gegen
Greueltaten verteidigen kann, verdient es nicht zu
überleben. Ein Präsident, der nicht die Führung
gegenüber denen übernehmen kann, die ihn berauben, verdient es nicht, Präsident zu sein. Ich bin
bereit, mehr politisches Kapital für die Verteidigung der
Ruhe im Inland aufzuwenden als jeder Präsident, den
Sie gekannt haben. Die Zeit für solche Risiken ist seit
langem reif.

Darüber hinaus war die Lektion stets klar und deutlich.
Wenn wir zur Verteidigung bereit sind - wenn wir bereit
sind, viele Kriege zu führen, größere Kriege und alle
Kriege, die kommen mögen - werden wir weniger
Kriege führen müssen, kleinere Kriege und vielleicht
überhaupt keine Kriege. Das war immer so und wird
immer so sein.

Bei der Verteidigung der Nation vor Bedrohungen von
außen kann das Überleben nicht einfach gedeichselt
werden. Es gibt keine Fehlerquote. Bei diesem
Thema muß der Präsident vielleicht mehr als bei jedem
anderen auf der gleichen Stufe wie das Volk stehen
und zur Übernahme politischer Risiken bereit sein. Ich
würde eher das in dieser Hinsicht Erforderliche tun und
nicht gewürdigt werden, als dies nicht zu tun und
universell gelobt zu werden. Es muß gesagt werden:
Aufgrund falsch gesetzter Prioritäten hat es massive
Kürzungen bei der Finanzierung unserer nationalen
Sicherheit gegeben. Meines Erachtens hat Präsident
Clinton nicht die angemessenen Mittel für unsere
künftige Verteidigung bereitgestellt. Was auch immer
die Gründe für sein Versagen sein mögen, es ist
unverantwortlich.
Ich bitte Sie, diese eindeutigen Unterschiede in
Betracht zu ziehen. Er glaubt, es sei akzeptabel,
unsere Streitkräfte zu bitten, mehr mit weniger zu tun.
Ich glaube das nicht. Seine Verteidigung besteht
darin, einem terroristischen Staat - Iran - grünes Licht
zu geben, um seinen Einfluß in Europa auszudehnen
und verläßt sich auf die Vereinten Nationen bei der
Bestrafung libyscher Terroristen, die amerikanische
Staatsbürger ermordet haben. Das werde ich nicht
tun. Er glaubt, die Verteidigung unseres Volkes und
unseres Territoriums gegen einen Raketenangriff sei
unnötig. Das glaube ich nicht.
Und an meinem ersten Tag im Amt werde ich Amerika
auf einen Kurs bringen, der unsere Verletzbarkeit
gegen Raketenangriffe behebt und unsere Streitkräfte
wiederaufbauen. Präsident Clinton hat sich geweigert,
diesen Kurs einzuschlagen. An meinem ersten Tag im
Amt werde ich auch eine Warnung an Terroristen
aussprechen: Wenn Ihr einem Amerikaner Schaden
zufügt, fügt ihr allen Amerikanern Schaden zu. Und
Amerika wird Euch bis ans Ende der Welt verfolgen.

Seite 6

Ich bin nicht der erste, der sagt, daß uns die Offiziere
von Westpoint nie enttäuscht haben - das haben sie
nie getan. Diejenigen, die beim Gedanken an Vietnam
zurückschrecken könnten, sollten dies überdenken,
denn in Vietnam haben uns die Offiziere von Westpoint nicht enttäuscht, wir haben sie enttäuscht. Der
amerikanische Soldat war nicht für die gleichgültige
und arrogante Behandlung gemacht, die ihm dort
widerfuhr, wohin er ohne klares Ziel oder Zweck
entsandt worden war, von Regeln gebunden, die den
Sieg verhinderten und wo er im Tal der Schatten des
Todes zehn Jahre lang in Wartestellung verharren
mußte, während die Nation die unumstrittene Frage
seiner Ehre erörterte. Nein. Der amerikanische Soldat
war nicht gemacht, ohne klares Ziel und Zweck in eine
Schlacht geworfen zu werden, nicht gemacht, auf dem
Schlachtfeld allein gelassen zu werden, nicht gemacht,
sein Leben für Indifferenz oder mangelnden Respekt
zu lassen.
Ich werde nie einen amerikanischen Soldaten ohne
Aussicht auf Sieg zu einem schweren Auftrag entsenden. Und wenn ich Präsident bin, werden unsere
Männer und Frauen in unseren Streitkräften wissen,
daß der Präsident ihr Oberbefehlshaber ist - nicht
Boutros Boutros-Ghali oder irgendein anderer Generalsekretär der Vereinten Nationen.
Das schulde ich nicht nur den Lebenden, sondern den
Toten, jedem Heldengrab, den Geistern von Valley
Forge, von Flanders Field, von Bataan, dem Chosin
Reservoir, Khe Sanh und dem Golf. Das schulde ich
den Männern, die vor nicht einmal drei Jahren in den
Straßen von Mogadischu starben, den Schatten der
Klippen der Normandie, den Infanteristen, die nie nach
Hause kamen, den Fliegern, die zur Erde fielen und
den Seeleuten, die für ewig auf See ruhen.
Das ist nicht eine Frage der Politik, sondern etwas
sehr viel Gravierenderes. Wie das Band des Vertrauens zwischen Eltern und Kind ist es das Herzblut
der Nation. Dies erfordert nicht nur Opfer, sondern
Anstand bei der Regierungsführung, die sowohl Mut
als auch Vorsicht verkörpert. Und das schulden wir
nicht nur uns selbst. Unsere Verbündeten fordern
Konsequenz und Entschlossenheit, die sie von uns
ebenso verdienen wie wir von ihnen. Aber selbst wenn
sie zögern, dürfen wir dies nicht, denn die Geschichte
hat uns zum Führer bestimmt, und wir sind von der

AMERIKA DIENST 16

�Geschichte verpflichtet, den höchsten Standard zu
wahren.

Regierung kann das Volk nicht dirigieren, das Volk
muß die Regierung dirigieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an das
erinnern, was die Nation den Präsidenten Nixon, Ford,
Reagan und Bush schuldet. Präsident Nixon engagierte China und die Sowjetunion mit genialem diplomatischem Geschick. Präsident Ford, der mir 1976 zum
Start verhalf, widerstand den Zeiten großer Schwierigkeiten unerschütterlich und mit größter Würde.

Das ist nicht die Sichtweise meines Gegners - und er
ist mein Gegner, nicht mein Feind.

Ohne Präsident Reagan würde es die Sowjetunion
heute noch geben. Er führte das Ende des Kalten
Krieges herbei, nicht - wie einige forderten - durch
Kompromisse und Kapitulation, sondern indem er
siegte.
Präsident Bush führte mit einer Meisterschaft, für die
es keine Worte gibt, die Koalition im Golfkrieg und ihre
Streitkräfte zum Sieg. Einen Krieg, der Jahre gedauert und das Leben Zehntausender Amerikaner gefordert haben könnte, ging so schnell vorbei und verlief
so reibungslos, daß die Geschichte immer noch Atem
holen und ihm den ihm gebührenden Tribut zollen
muß. So ist die Geschichte. Immer wenn wir ihre
einzigartige Präsenz vergessen, erteilt sie uns eine
Lektion in Anstand und Ehrfurcht.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe immer
weniger von mir selbst und immer mehr Geschichte diese von uns geschaffene Zivilisation, die Amerika
heißt. Ich bin zufrieden und werde immer damit
zufrieden sein, meine eigene Geschichte in großen
Ereignissen subsumiert zu sehen, und das größte
dieser Ereignisse ist der Weg nach vorne des amerikanischen Volkes.
Was für ein großes Privileg es ist, im Zentrum dieser
Zeiten zu stehen, und das verdanke ich Ihnen - dem
amerikanischen Volk. Ich verdanke Ihnen alles, und
um es richtig zu machen und den Kreis zu schließen,
werde ich mich so oft ich kann an Sie wenden. Es
obliegt mir, dies zu tun, es ist meine Pflicht und mein
zutiefst gehegter Wunsch.
Und so bitte ich heute abend ehrerbietig um Ihren
Segen und Ihre Unterstützung. Die Wahl wird nicht
von den Umfragen, den Meinungsmachern oder den
Gelehrten entschieden. Sie wird von Ihnen entschieden.
Ich bitte um Ihre Stimme, damit ich Ihnen eine Administration geben kann, die fähig und ehrlich ist und
Ihnen vertraut.
Denn im Grunde geht es nicht um Politik, sondern um
Vertrauen - nicht nur darum, ob die Menschen dem
Präsidenten vertrauen, sondern ob der Präsident und
seine Partei dem Volk vertrauen, seiner Güte und
seinem Genie zur Gesundung vertrauen. Denn die

AMERIKA DIENST 16

Obwohl mein Gegner in jüngster Zeit versucht hat, ein
guter Republikaner zu sein, gibt es bestimmte Unterschiede, die selbst er nicht verwischen kann. Es gibt
Unterschiede zwischen den beiden großen Parteien,
die in den nächsten 82 Tagen erörtert werden und
erörtert werden müssen.
Er und seine Partei, die uns die größte Steurerhöhung
der Geschichte beschert hat.
Wir sind die Partei niedrigerer Steuern und größerer
Chancen.
Wir sind die Partei, deren Entschlossenheit nicht ins
Wanken geriet, als der Kalte Krieg andauerte, wir
zitterten nicht vor einem sowjetischen Giganten, der
kurz vor dem Zusammenbruch stand, und wir mußten
nicht gebeten werden, die Waffen gegen Saddam
Hussein zu erheben.
Wir sind nicht die Partei, die nichts Böses hört, nichts
Böses sieht und einfach sagen kann: "Sag einfach
Nein", wenn der Drogenmißbrauch unter den Jugendlichen in die Höhe schnellt.
Wir sind die Partei, die dem Volk vertraut. Ich vertraue
dem Volk. Das ist das Kernstück dessen, was ich
Ihnen heute abend gesagt habe.
Meine Freunde, der Präsidentschaftswahlkampf ist
mehr als ein Wettstreit zwischen Kandidaten, mehr als
die Auseinandersetzung mit entgegengesetzten
Philosophien - beim Wahlkampf wird Amerika der
Spiegel vorgehalten. Er ist eine Meßlatte dessen, wer
wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen.
Denn soviel Anregungen wir auch aus einer glorreichen Vergangenheit schöpfen mögen, sehen wir
Amerika vor allem als das Land von morgen. Denn wir
sind hier von einer höheren Macht zu einem Zweck
vorgesehen. Jeder Soldat in Uniform, jedes Schulkind,
das vor der Flagge das Treuegelöbnis spricht, jeder
Bürger, der seine Hand ans Herz legt, wenn die Flagge
vorbeigetragen wird, ist sich unseres amerikanischen
Schicksals bewußt und reagiert darauf.
Optimismus liegt uns im Blut. Ich weiß das besser als
die meisten anderen. Es gab eine Zeit, in der ich an
der Zukunft zweifelte. Aber ich habe gelernt, daß
Hindernisse überwunden werden können, und ich
habe unbegrenztes Vertrauen in die Klugheit unseres
Volkes und die Zukunft unseres Landes.
Heute abend stehe ich vor Ihnen, erprobt durch
Widrigkeiten, durch Härten sensibel gemacht, ein

Seite 7

�Kämpfer aus Prinzip und der optimistischste Mann in
Amerika. Denn mein Leben hat mich gelehrt, daß
Amerika ein Land ohne Grenzen ist.

Mit beiden Beinen am Boden und einem von Hoffnung
gefüllten Herz setze ich mein Vertrauen in Sie und den
Gott, der uns alle liebt. Ich bin davon überzeugt, daß
die besten Tage Amerikas noch kommen. Möge Gott
Sie schützen, und möge Gott Amerika schützen.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 16

�LITERATUR
21. August 1996

Regionale amerikanische Literatur zum Kennenlernen
von Michael J. Bandler

(AD) - Der nachfolgende Artikel erörtert den Einfluß regionaler literarischer Werke, die kreative Arbeit in den
verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten und stellt einige führende Autoren vor, die örtliche Schauplätze
zum Leben erwecken.

Mit wenigen ausgewählten Sätzen in jedem seiner
Romane über das zeitgenössische Familienleben lüftet
der Romanschriftsteller Pat Conroy den Schleier über
dem Tiefland von South Carolina, das er seit seiner
Jugend kennt. E.L Doctorow beschreibt durch seine
beredten Bilder Schauplätze in New York und Erfahrungen aus früheren Zeiten, die für uns heute noch
Bedeutung haben. Ivan Doig aus der Gegend der
zerklüfteten Felsen im Westen der Vereinigten Staaten
öffnet mit seinen Satzgebilden dem Leser die Augen
für die Weite Montanas, während David Guterson das
Land durchquert und in seinen Büchern Einblicke in
das Leben an der Atlantik- und der Pazifikküste
gewährt.
Derzeit boomt die regionale Literatur in den gesamten
Vereinigten Staaten - von Stephen Kings Maine bis zu
Garrett Hongos Hawaii. Der Einfluß der Beiträge
Hunderter von Romanciers, Dichtem, Essayisten,
Naturalisten und Biographen ist augenfällig. Um ein
Gefühl für die Nation zu bekommen - ihre Landschaft,
ihren Geist, ihre Leistungen und ihre Herausforderungen - sollte man auf die Spezifizierungen von Reiseführern verzichten und sich einfach den Werken von
Literaten zuwenden - ebenso wie sich andere unter
anderen Umständen der Leinwand bildender Künstler
zuwenden.
Die regionale Überlieferung in der amerikanischen
Literatur ist nichts Neues. Sie ist ebenso alt wie die
Indianerlegenden und schildert Orte ebenso plastisch
wie die Werke von James Fenimore Cooper, Mark
Twain und Bret Harte aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist
ebenso lebensprühend wie die zu Beginn dieses
Jahrhunderts vom Romancier William Faulkner und
dem Dramatiker Tennessee Williams geschaffenen

AMERIKA DIENST 16

Welten und spiegelt die Gesellschaft ebenso stark
wider wie die Romane von Sinclair Lewis und Eudora
Welty. Heute haben diese und andere Schriftsteller
früherer Generationen moderne Gegenstücke, die ihre
Tradition fortsetzen.
Die regionale Literatur in den neunziger Jahren des
zwanzigsten Jahrhunderts ist umfassend und vielfältig.
Sie durchdringt Genres. Sie spiegelt sich in den
Werken von zeitgenössischen Amerikanern und den
Vertretern der neuen Ethik wider. Die speziellen
Eigenheiten bestimmter Regionen sind in Dichtung und
Drama, in Romanen und Sachbüchern schemenhaft
erkennbar. Regionale Literatur reflektiert - ebenso wie
in früheren Zeiten - nicht nur geographische Gegebenheiten, sondern auch Stimmungen und Sehnsüchte,
Dialekte und Idiosynkrasien. Sie umfaßt das Greifbare
und das Unbestimmte. Die Literatur eines bestimmten
Orts ist großenteils verwurzelt, persönlich, engagiert und hat oft den vom Naturessayisten Barry Lopez als
"hoffnungsvoll" bezeichneten Tenor in einem "Zeitalter
zynischer Gleichgültigkeit". Und sie verkündet - an
der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert - daß
amerikanische Kultur kreativ und bedeutungsvoll ist von einem Landstrich zum nächsten und auf allen
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen.
Das Interesse an regionaler Literatur und die Mitwirkung daran - die dem Kritiker Sven Birkerts zufolge
eine Reaktion auf die minimalistischen und postmodernen Romane der letzten Generation sind - haben
beträchtlichen Einfluß und finden großen Widerhall.
Beispielsweise führten sie zur Eröffnung verschiedener
Buchhandlungen - wie dem Globe in Boston und dem
Savvy Traveler von Chicago - die auf Romane und
Sachbücher über bestimmte, nach Regionen ge-

Seite 1

�ordnete Schauplätze spezialisiert sind. Folglich wird
ein Reisewilliger, der im Vorfeld seiner Reise in der
Buchhandlung auf das Regal "Südwesten der Vereinigten Staaten" zusteuert, wahrscheinlich Tony
Hillermans Krimis und Rudolfo Anayas Romane
vorfinden.
Ursache und Wirkung können verwischt sein. Beispielsweise ist es schwierig festzustellen, ob kleinere
regionale Verlagshäuser aufgrund der Vielzahl von in
einem Gebiet angesiedelten Autoren entstanden oder
ob ihre Gründung in der Gegend eine literarische
Explosion verursachte. Die Tatsache bleibt jedoch
bestehen, daß regionale Verleger und regionale
Schriftsteller einen sehr großen Beitrag zur amerikanischen Literatur leisten. Außerdem wächst zusätzlich
zum Aufstieg von Verlagen wie Algonquin Books in
Chapel Hill, die ihre Leser mit zahlreichen Schriftstellern aus North Carolina - beispielsweise Clyde Edgerton und Jill McCorkle - bekanntmachen, auch die Zahl
regionaler Literaturjournale. Dazu kommt noch die
bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert von der
nationalen Stiftung für die Künste gewährte Unterstützung für etablierte und neuentstehende Literaturworkshops, die landesweit neue Talente entdeckten. (Die
amerikanische Bundesregierung ist aufgrund haushaltspolitischer Engpässe zwar nicht mehr in der Lage,
dasselbe Quantum an Finanzmitteln wie in der Vergangenheit beizusteuern, aber Unternehmen und der
Privatsektor setzen ihre Unterstützung für diese
Aktivitäten fort.)
Das Gesamtbild ist folglich positiv, wovon Schriftsteller
und Leser gleichermaßen profitieren.
Wer sind diese Schriftsteller und wo findet man sie?
Und wie manifestiert sich das Gefühl für den "Ort"?
Eine Reise entlang der Seitenstraßen regionaler
Literatur könnte im Nordosten beginnen - in Bangor
(Maine), der Heimat von Stephen King, einem der
populärsten Schriftsteller der Nation. Er schrieb vor
der Kulisse dieses Bundesstaates eine endlose Zahl
Fantasie- und Horrorgeschichten, die alle Bestseller
wurden. Jenseits der Grenze von New England ist
Albany (New York) Brennpunkt der Aufmerksamkeit
eines seiner Einheimischen - des ehemaligen Journalisten und jetzigen Romanschriftstellers William Kennedy, dessen Geschichten vor dem Hintergrund der
Hauptstadt des Bundesstaates wehmütig, aber oftmals
rauh das Leben der Bürger auf den Straßen und in den
Saloons der Stadt beschreiben.
In New York wohnen vielleicht mehr Schriftsteller pro
Kopf der Bevölkerung als in jeder anderen Stadt der
Vereinigten Staaten - und möglicherweise der Welt aber die meisten schreiben nicht über ihre Stadt. Für
einen Ort, der sich im Gedächtnis von Touristen und
anderen Reisenden so unauslöschlich eingeprägt hat,
wurde New York nur von einigen wenigen ausgewähl-

Seite 2

ten Romanschriftstellern porträtiert, die sich in den
meisten Fällen der literarischen Form bedienen, um
soziale Belange herauszustellen. Tom Wolfe - der
überwiegend Sachliteratur verfaßt - könnte mit The
Bonfire of the Vanities den Inbegriff eines New
Yorker Romans geschrieben haben - einem lebensprühenden, ernst-komischen Werk über die enge
Verflechtung von Politik und Gesellschaft. Ebenso
stark auf New York ausgerichtet sind die Werke von
E.L. Doctorow, die das Leben in der Stadt in früheren
Zeiten beschreiben. Sie schildern die Stimmung in der
Stadt zu verschiedenen Augenblicken in den vergangenen 100 Jahren - die Spannungen im Amerika der
Jahrhundertwende, die Gesetzlosigkeit in den Jahren
der Prohibition, den durch die Weltausstellung von
1939 hervorgerufenen naiven Futurismus und die
nüchterne Realität des Kalten Kriegs - alle vor dem
Hintergrund der Stadt New York. Und um einen
Einblick in das Leben auf den Straßen im Stadtbezirk
zu erhalten, haben die Leser die Wahl zwischen den
arglosen Schilderungen nachbarschaftlichen Lebens
von Avery Corman, der in den Romanen von Richard
Price beschriebenen, stärker von Instinkten bestimmten und von Verbrechen heimgesuchten Welt sowie
dem rhythmischen Pulsieren des hispanischen
Stadtteils, den der Romancier Oscar Hijuelos so gut
kennt.
Wir lassen Pennsylvania, wo John Updike die peripatetische Reise von Rabbit Angstrom vor dem
Hintergrund von mehr als drei Jahrzehnten amerikanischer moderner Geschichte zurückverfolgte, hinter
uns und reisen nach Maryland. Dort beschreibt Anne
Tyler im Milieu von Baltimore mit sparsamen, ruhigen
Worten alltägliche und außergewöhnliche Ereignisse
im Leben ihrer Charaktere - und die introvertierte
Stimmung in der Region. Auf den Schiffahrtswegen
der Chesapeake Bay an der Ostküste des Bundesstaates, wo der Romanschriftsteller John Barth
jahrelang vorherrschend war, finden wir ein neues
Talent - Christopher Tilghman - der diese Wasserstraßen in den Mittelpunkt seines Oeuvre stellt.
Fährt man von Baltimore aus die Autobahn in Richtung
Süden, kommt man in die Hauptstadt der Vereinigten
Staaten. In Anbetracht der Vielzahl populärer politischer und globaler spannender Abenteuer, die entweder in Washington stattfinden oder im Laufe der
Erzählung dorthin führen, mögen Leser den Eindruck
haben, daß Washington in amerikanischen Romanen
einen besonderen Platz einnimmt. Das sind jedoch
nicht echte Washingtoner Romane. Diese Bezeichnung verdienen eher die Werke von Ward Just, einem
ehemaligen internationalen Korrespondenten, der eine
zweite Laufbahn einschlug und in seinen Romanen die
Welt schuf, die er am besten kennt - die von Journalisten, Kongreßabgeordneten, Diplomaten und Militärs
bewohnte Welt - und sich dabei nicht auf politische
Machenschaften oder weltweite Krisen, sondern
vielmehr auf emotionale Feinheiten und psychologi-

AMERIKA DIENST 16

�sehe Effekte konzentrierte. Jenseits von Richmond
(Virginia), dem Schauplatz der Verbrechen, in die die
Hauptfigur von Patricia Cornwells Kriminalromanen,
Kay Scarpetta, verstrickt wird, erreichen wir North
Carolina. Dieser Bundesstaat ist die Heimat von
Algonquin Books sowie einer reichhaltigen literarischen Tradition, die unter anderem Thomas Wolfe
aufzuweisen hat.
Kürzlich wurde Anne Taylers
Mentor, Reynolds Price, von einem Kritiker als überholter Vertreter eines von einer Universität eingeladenen "Gastautors" in den Südstaaten bezeichnet,
obwohl andere aus jener Zeit diesen Titel viel eher
verdient hätten. Price konzentrierte sich auf die
Menschen und das Land im Osten von North Carolina,
schrieb verschiedene Bücher über eine junge Frau
namens Rosacoke Mustian, ging anschließend auf
andere Themenschwerpunkte über und entschied sich
erst 1986 wieder für eine Protagonistin. Jill McCorkle,
die noch in den Dreißigern ist, vertritt die jüngste
Schriftstellergeneration North Carolinas. Ihre Romane
und Kurzgeschichten spielen großenteils in den
kleinen Städten dieses Bundesstaates und behandeln
hauptsächlich Themen, die von den Geheimnissen von
Teenagern im Herzen Amerikas bis zu den besonderen Empfindlichkeiten der Frauen von heute in den
Südstaaten reichen. Das Sagen- und Märchengut
sowie die Geschichte der in den südlichen Appalachen
lebenden Menschen stehen im Mittelpunkt der schlichten Romane von Lee Smith, während die empfindlichen Antennen von Clyde Edgerton - dem Mark Twain
unserer Tage - auf die Einwohner von Carolina
eingestellt sind, die reif für Satire erscheinen. Wenn
Edgerton aus demselben Holz geschnitzt ist wie Mark
Twain, dann ist T.R. Pearson der Faulkner seiner
Generation - wobei Neely (North Carolina) an die
Stelle von Yoknapatawpha County (Mississippi) tritt.
South Carolina wurde von Pat Conroy verewigt. Seine
erfrischenden autobiographischen Romane über seine
- von dem tyrannischen, häufig ausfallend werdenden
Vater dominierte - Familie sind voller Ambivalenzen,
während er den pessimistischen Ausführungen über
seine gestörte Familie die ausführlichen Beschreibungen der natürlichen Schönheit des Tieflandes an der
Ostküste der Vereinigten Staaten entgegensetzt.
Bevor er sich jedoch mit den Unbilden seines Familienlebens und der Schulzeit auseinandersetzte, schrieb er
das wunderschöne Buch The Water is Wide. Darin
berichtet er von seiner Zeit als junger, unerfahrener
Lehrer, der auf einer Insel vor der Küste von South
Carolina Kinder aus dem Armenviertel unterrichtet.
Der Mittelwesten im Herzen Amerikas bringt weiterhin
eine Fülle talentierter Schriftsteller hervor - Nachfahren
von Willa Cather und Eudora Welty - und auch wilder
städtischer Literaten wie Saul Bellow. Wenn auch die
städtische Literatur in diesen Tagen nicht viel von sich
reden macht, so lassen Chicagoer Schriftsteller wie
Scott Turow - dessen juristische Dramen einen
Standard für dieses Genre gesetzt haben - und Stuart

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Dybek - Autor von Romanen, die vom ethnischen
Umfeld der Stadt handeln - die Stadt nicht in Vergessenheit geraten. Jane Smiley, die Schriftstellerei an
der University of Iowa unterrichtet, ist eine prominente
Vertreterin städtischer Talente. Bevor sie das akademische Leben in ihrem jüngsten Buch Moo aufs Korn
nahm, gewann sie 1992 den Pulitzerpreis in Belletristik
für A Thousand Acres, eine Anpassung von Shakespeares King Lear an das zeitgenössische Amerika.
In dem Buch wird die bittere Familienfehde beschrieben, die ausbricht, als ein alternder Bauer die Entscheidung trifft, sein Land seinen drei Töchtern zu
vermachen. Nicht weit davon entfernt hat Louise
Erdrich, eine Halbindianerin von Stamm der Chippewa,
mehrere in North Dakota spielende eindrückliche
Romane geschrieben, die sich mit den Irrungen und
Wirrungen des Lebens indianischer Familien befassen.
Sie ist eine Vorläuferin einer jüngeren Gruppe indianischer Schriftsteller, die in den Ebenen und im
Westen leben, zu der Susan Power, Linda Hogan und
Sherman Alexie zählen.
In einem etwas populäreren Tenor hat Larry McMurty,
eine feste Größe auf den Bestsellerlisten, die
Geschichte von Texas vom Treck nach Westen bis
zum heutigen Freeway durchlaufen, und während
seine Charaktere Las Vegas und Hollywood verlassen,
verändert auch er seine Umgebung. In der Zwischenzeit hat sich Sandra Cisneros zur starken Fürsprecherin der ethnischen Gruppen in Texas gemacht. Ihre
Kurzgeschichten unter dem Titel Woman Hollering
Creek and other Stories über Amerikaner mexikanischer Herkunft in San Antonio und anderen Grenzgemeinden schließen nahtlos an ihre erste Anthologie
The House on Mango Street an, die von einem
jungen hispanoamerikanischen Mädchen in Chicago
handelt.
Ein anderer erwähnenswerter Schriftsteller, der sich
mit der Grenzproblematik befaßt, ist der viel zu wenig
gewürdigte Douglas C. Jones. Er hat den Treck nach
Westen und das Verschwinden der Grenze in einer
Reihe äußerst beziehungsreicher Romane meisterhaft
verfolgt, die sich hauptsächlich auf eine Familie
konzentrieren und deren Leben von der Mitte des 19.
Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts über einen Landstrich von Tennessee bis zur
Continental Divide in den Rocky Mountains beschreiben. Weitere Schriftsteller aus dem Süden, die nicht
unerwähnt bleiben sollten, sind Bobbie Ann Mason die Chroniken über das zeitgenössische Familienleben
im Bundesstaat Kentucky verfaßt - und Lewis Nordan
aus Mississippi, der von Algonquin Books entdeckt
wurde und dessen Romane vornehmlich vom Amerikanischen Bürgerkrieg und der beginnenden Integration
handeln.
Die Hochebene der Rockies ist zu einem fruchtbaren
literarischen Pfad geworden. Cormac McCarthy ist
hier zu finden, der den Südwesten der Vereinigten

Seite 3

�Staaten in mehreren seiner Bücher erkundet, nachdem
er selbst von Tennessee dorthin zog. Diesem zurückgezogen lebenden Schriftsteller mit grenzenloser
Phantasie wurde erst in den vergangenen Jahren
gebührende Ehre erwiesen. Allgemein als der rechtmäßige Erbe der "Southern Gothic Tradition" angesehen, ist McCarthy ebenso gefangengenommen von der
Wildheit der Landschaft wie von der Unzivilisiertheit
und Unberechenbarkeit der Menschen. Die in New
Mexico geborene und aufgewachsene indianische
Autorin Leslie Marmon Silko zieht mit ihren Romanen,
insbesondere The Almanac of the Dead ein breites
Publikum an. Dieses Buch gibt einen Überblick über
die Region von den frühen Stammesmigrationen bis zu
den heutigen Drogenhändlern und korrupten Landerschließungsgesellschaften, die Profite aus der
Ausbeutung des Landes schlagen (ein Thema, das
häufig auch von dem Krimiautor Carl Hiassen vor der
Kulisse Floridas abgehandelt wird). Es ist eine
perfekte Ergänzung zu den Kriminalromanen von Tony
Hillerman aus Santa Fe, dessen Detektivgeschichten
zwei zurückhaltende Navajo-Polizisten als Protagonisten haben. John Nichols hat das kulturelle Erbe
und die Empfindlichkeiten ethnischer Gruppen in New
Mexico mit Zuneigung, gutem Humor und Intelligenz in
einer vielgerühmten Trilogie beschrieben, zu der als
herausragendstes Buch The Milagro Beanfield War
zählt.
Der hispanoamerikanische Romanschriftsteller und
Dichter Rudolfo Anaya fügt der Literatur dieser Region
mystische und spirituelle Themen hinzu.
Montana im Norden muß etwas Besonderes haben,
um so viele und unterschiedliche schriftstellerische
Talente hervorzubringen. Die wilden fiktiven Erzählungen von Ivan Doig, darunter eine Familientrilogie,
handeln von "der Ausdehnung dieses Kontinents nach
Westen" - wie er es formuliert. Seine Bücher English
Creek und Dancing at the Rascal Fair werden
ergänzt durch die minimalistischen Sachbücher von
Rick Bass, die sich um Berge und Wildnis drehen, und
die unzufriedenen, entwurzelten Antihelden der
Romane von Thomas McGuane. Nicht unerwähnt
bleiben sollte auch der indianische Dichter und
Romanschriftsteller James Welch, der sich mit dem
Kampf der Angehörigen dieser ethnischen Gruppe
auseinandersetzt, einen Sinn in den historischen
Spannungen in ihrem Leben zu finden.
Seit Jahrzehnten personifizieren zwei Autoren den Far
West, insbesondere Kalifornien. Wallace Stegner,
gebürtig aus Iowa, verbrachte den Großteil seines
Lebens an unterschiedlichen Orten zwischen den
Rockies und dem Pazifischen Ozean. Schon bevor es
in Mode kam, hatte er eine regionale Sichtweise, und
viele Schriftsteller sehen heute in ihm ihren Vorfahr
und Mentor. Seine erste größere Arbeit, The Big
Rock Candy Mountain (1943), schildert das Leben
einer Familie, die nach dem Verschwinden der Grenze

Seite 4

im Westen die Erfüllung des Amerikanischen Traums
anstrebt. Das Epos umspannt das ganze Gebiet von
Minnesota im Mittelwesten bis zum Bundesstaat
Washington im Nordwesten und befaßt sich mit
"diesem Ort unglaublicher Schönheit, der eine ganze
Nation nach Westen zog", so Stegners Worte. 1972
erhielt er den Pulitzerpreis für Angle of Repose, eine
Betrachtung über das Gefühl für den Ort in der Persönlichkeit einer Illustratorin und Chronistin des Old West.
Stegners vorzeitiger Tod bei einem Autounfall im Jahr
1993 beraubte die amerikanische Literatur eines
Künstlers in der Blüte seiner Produktivität. Über die
Jahre hinweg ergänzte Joan Didion das Werk von
Stegner - eine Journalistin und Romanschriftstellerin,
die das zeitgenössische Kalifornien 1968 in ihrem
Sachbuch Slouching towards Bethlehem und in
ihrem bissigen, schockierenden Roman von 1971 über
die Ziellosigkeit der Szene Hollywoods, Play it as it
Lays, verewigte. In ihren jüngeren Büchern wandte
sie sich jedoch anderen Interessengebieten zu. Ihre
Rolle als kalifornische Schriftstellerin wurde zum Teil
von jüngeren Talenten übernommen, darunter Lisa
See - die die turbulente Geschichte der asiatischen
Migration nach Kalifornien und an die Westküste
schilderte - sowie zwei Krimiautoren, Sue Grafton, die
das Gefühl melancholischer Sehnsucht der Strandbewohner des südlichen Kaliforniens von heute vermittelt, und Walter Mosley, dessen afroamerikanischer
Held seine Fälle im Los Angeles der Nachkriegszeit
ermittelt. Auch andere ethnische Gruppen, insbesondere die Amerikanerinnen asiatischer Abstammung Amy Tan und Fae Myenne Ng sowie (an
der Ostküste) Gish Jen und Chang-Rae Lee verwenden den "Ort" als Hintergrund für die Erforschung ihrer
Herkunft.
Weit im Nordwesten, in Oregon und Washington,
herrscht das Gefühl für den Ort in den Werken des
Naturalisten Barry Lopez und des Romanschriftstellers
und Essayisten David Guterson vor. Guterson ist in
der Tat mit dem andauernden Erfolg seines ersten
Romans Snow Falling on Cedars zu einer Art Kultfigur geworden. Das Buch ist eine Studie der den
Mordprozeß gegen einen Fischer japanischer Herkunft auf einer kleinen Insel vor der Küste des Staates
Washington umgebenden Ereignisse. Und Sherman
Alexie, der große Freude und Vergnügen an seiner
indianischen Tradition findet, wird als einer der vielversprechendsten jungen Schriftsteller der heutigen Zeit
gefeiert. Weit vor der Küste ist die literarische Expansion Hawaiis in den Werken von Garrett Hongo
offenkundig - insbesondere in seinen Memoiren,
Volcano, und den ausgefallenen Romanen von LoisAnn Yamanaka.
Zwei heute in dem "Ort" verwurzelte parallele Literaturformen verdienen es erwähnt zu werden. Die Verbindung der einen - Dichtung - mit dieser Sensibilität ist
der Kunstform inhärent. Dichter haben äußerst wenig
Zeit, die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken - im

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�Gegensatz zu Verfassern von Romanen oder Sachbüchern, die den Luxus von Absätzen und Seiten
geniessen. Und daher kommt unweigerlich, wenn es
angebracht ist, ein Gefühl für den Ort ins Spiel. In der
Vergangenheit brüsteten sich die Vereinigten Staaten
mit Walt Whitman und Carl Sandburg. Heute zählen
zu den Dichtern, die sich mit dem "Ort" befassen, Amy
Clampitt, W.S. Merwin und Gary Snyder.
Dramen sind jedoch ein noch besseres Beispiel. In
beträchtlichem Maße kann die Erweiterung des
Gefühls für den Ort im zeitgenössischen Theater direkt
der zunehmenden regionalen Theaterbewegung
zugeschrieben werden.
Diese gemeinnützigen
institutionellen Firmen, die vor allem seit Mitte der
sechziger Jahre zu Kulturzentren in der städtischen
und vorstädtischen Szene wurden, sind der amerikanischen Stiftung für die Künste - und verstärkter
Förderung durch Unternehmen - zu Dank verpflichtet.
Und mit der Gründung erstklassiger Truppen außerhalb von New York - an Orten wie New Haven und
Hartford ( Connecticut) sowie Louisville (Kentucky) - ist
parallel eine Gruppe talentierter junger Dramatiker auf
die Bildfläche getreten. Man fragt sich, wie das
amerikanische Theater und die amerikanische Literatur heute ohne die brillant zersplitterte Gesellschaft

*

AMERIKA DIENST 16

aussehen würden, die in den Werken von Sam
Shepard dargestellt wird, dem einsilbigen, stakkatoartigen Chicagoer Straßenslang von David Mamet, der
Bandbreite des Lebens im 20. Jahrhundert der Helden
und Heldinnen von August Wilsons andauerndem
Spielzyklus, den introspektiven Einblicken in das
Leben im Mittelwesten und dessen tägliche Belange
bei Lanford Wilson, sowie den südlichen Exzentrizitäten von Beth Henley. Wo ihre Vorgänger Eugene O'Neill, William Inge und Tennessee Williams ihre Stücke an das zentralisierte Theaterpublikum von
New York richteten, wurden die neueren Dramatiker
durch ihre Regionen und andere geprägt, bevor sie
sich dieser fremden städtischen Bühne stellten.
So viele Schriftsteller bringen ihre eigenen ungewöhnlichen Impressionen in die amerikanische Literatur ein.
Sie sind leidenschaftlich bewegt, während sie für Leser
auf der ganzen Welt beschreiben und analysieren, was
sie auf der Oberfläche, hinter der Landschaft und
jenseits des Horizonts sehen. Literarisch wie im
übertragenen Sinne bringen sie neue Töne, neue
Perspektiven und eine neue Bedeutung - durch die
Literatur - an die Orte in ihrem Herzen über die
gesamten Vereinigten Staaten hinweg.

* * * *

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Sicherheit der Vereinigten Staaten in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Israel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Friedensprozess könnte Israel zum "asiatischen Tiger" des Nahen Ostens machen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Stuart E. Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Republikaner hoffen auf Belebung des Wahlkampfs durch Dole-Kemp-Team&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Präsidentschaftswahlkampf wird Amerika der Spiegel vorgehalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Bobe Dole beim nationalen Parteikonvent der Republikaner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Literatur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale amerikanische Literatur zum Kennenlernen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Michael J. Bandler&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dicrv&gt;t

Herausgeber U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
5. September 1996

17

&lt;&gt;

WAHLEN

CLINTON WILL BRÜCKE INS 21. JAHRHUNDERT BAUEN
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent
der Demokraten

DELEGIERTE RATIFIZIEREN WAHLPLATTFORM DER "NEUEN DEMOKRATEN"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

DEMOKRATEN FÜR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
Eröffnung des Parteikonvents

KUBA

EIZENSTAT WIRD SONDERGESANDTER FÜR
DIE FÖRDERUNG VON DEMOKRATIE IN KUBA
Erklärung von Präsident Clinton

FREIHEIT UND WOHLSTAND FÜR DAS
KUBANISCHE VOLK
Ansprache von Botschafter Eizenstat

PORTRÄT

STUART E. EIZENSTAT
Sondergesandterfürdie Förderung von Demokratie
in Kuba

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.
Fax
Internet

0228 - 339 23 72
0228 - 33 31 38
bbsbonn@usia.gov

�SOZIALES

BUNDESSTAATEN ÜBERNEHMEN SOZIALHILFE
Rede von Präsident Clinton

UMWELT

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG EINE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER
USA
von Timothy E. Wirth

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des, Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

-&gt;

�WAHLEN

4. September 1996

Clinton will Brücke ins 21. Jahrhundert bauen
Rede des Präsidenten beim Parteikonvent der Demokraten

CHICAGO - (AD) - In seiner Rede beim Parteikonvent der Demokratischen Partei am 29. August 1996 in Chicago,
die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen, stellte Präsident Bill Clinton seine Agenda für die nächsten vier
Jahre vor und erklärte, er wolle im Falle seiner Wiederwahl eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, um die
Herausforderungen zu bewältigen, die Grundwerte zu schützen und die Amerikaner auf die Zukunft
vorzubereiten.

Herr Vorsitzender, Herr Vizepräsident, liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger. Ich danke
Ihnen für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. Ich weiß nicht, ob es besonders schön formuliert ist - aber ich sage einfach, ich nehme die Nominierung an.

wachsendes Haushaltsdefizit, eine Vielzahl unbewältigter Herausforderungen und zunehmenden Zynismus
verzeichnen mußten, sprach ich zu Ihnen über meinen
Geburtsort - und ich sagte Ihnen, daß ich immer noch
glaube, daß es einen Ort namens Hope - Hoffnung gibt.

Es haben so viele Menschen einen Beitrag zu dem
geleistet, was wir für das amerikanische Volk bewirken, und hierbei ist an erster Stelle mein Partner,
mein Freund und der beste Vizepräsident unserer
Geschichte zu nennen - AI Gore.

Seit nunmehr vier Jahren haben wir zur Umsetzung
unserer Vision eine einfache aber tiefgreifende
Strategie verfolgt: Chancen für alle, Verantwortung
aller, eine starke, geeinte amerikanische Gemeinschaft.

Am heutigen Abend möchte ich der Stadt Chicago,
ihrem herausragenden Bürgermeister und ihren
wunderbaren Bürgern für diesen großartigen Parteikonvent danken. Ich liebe Chicago aus vielen
Gründen - wegen seines machtvollen Geistes, seiner
Sportmannschaften, seines lebhaften politischen
Lebens, aber vor allem wegen der Frau, die die Liebe
und das Licht meines Lebens ist - Chicagos Tochter,
Hillary.

Vor vier Tagen, als Sie hierher reisten, begann ich
meine Zugfahrt durch das Herz Amerikas nach
Chicago. Ich wollte die Gesichter derjenigen sehen
und die Stimmen derjenigen hören, für die ich in den
letzten vier Jahren gearbeitet und gekämpft habe. Und
ich sah sie.

Vor vier Jahren machten Sie und ich uns gemeinsam
auf die Reise, um unserem Land unsere Vision zu
bringen, um den Amerikanischen Traum für all jene am
Leben zu halten, die dafür zu arbeiten gewillt sind, um
unsere amerikanische Gemeinschaft zu stärken und
um Amerika zur weltweit stärksten Kraft für Frieden,
Freiheit und Wohlstand zu machen.
Vor vier Jahren, als wir eine hohe Arbeitslosenrate,
stagnierende Löhne und Gehälter, steigende Kriminalität und Inanspruchnahme von Sozialleistungen, ein

AMERIKA DIENST 17

Ich traf eine erfinderische Geschäftsfrau, die früher
einmal in West Virginia von der Sozialhilfe abhängig
war; einen tapferen Polizisten, der angeschossen
wurde, gelähmt ist und jetzt in Kentucky eine Bürgerinitiative leitet; einen Automobilarbeiter aus Ohio, der
früher arbeitslos war und jetzt stolz auf seinen Arbeitsplatz beim ältesten Automobilhersteller Amerikas ist,
der dazu beiträgt, Amerika erstmals seit 20 Jahren
wieder zur Nummer eins bei der Automobilherstellung
zu machen. Ich traf eine Großmutter, die um den
Erhalt der Umwelt für ihren Enkel in Michigan kämpft.
Und ich sah zwei wunderbare kleine Kinder, die stolz
aus ihrem Lieblingsbuch "The Little Engine That Could"
vorlasen.

Seite 1

�Bei jedem Zwischenstopp wurde ich von einer großen,
begeisterten Menge begrüßt, und noch wichtiger ist
vielleicht, daß in jeder kleinen Stadt Schulkinder ihre
amerikanischen Fähnchen schwenkten - alle im
Glauben an Amerika und seine Zukunft.
Um nichts auf der Welt hätte ich auf diese Reise
verzichten wollen, denn sie zeigte mir, daß es in
Amerika wieder Hoffnung gibt. Wir befinden uns auf
dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert.
Betrachten Sie sich nur einmal die Fakten: 4,4 Millionen Amerikaner leben zum ersten Mal in ihrem
eigenen Haus, Hunderttausende Frauen haben sich
selbständig gemacht. Mehr Angehörige von Minderheiten denn je besitzen ein Unternehmen. Es gibt
eine Rekordzahl von neuen Unternehmen und Exporten.
Betrachten Sie sich, was getan wurde. Wie haben die
geringste kombinierte Arbeitslosen-, Inflations- und
Hypothekenrate seit 28 Jahren. Betrachten Sie sich,
was getan wurde: Es wurden 10 Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen, mehr als die Hälfte davon
gutbezahlte. 10 Millionen Arbeitnehmer erhalten nach
dem Mindestlohngesetz ihre verdiente Lohn- oder
Gehaltserhöhung. 25 Millionen Menschen genießen
jetzt Krankenversicherungsschutz, weil das KennedyKassebaum-Gesetz besagt, daß man beim Wechsel
seines Arbeitsplatzes nicht mehr seine Krankenversicherung verlieren darf, selbst wenn ein Familienmitglied krank ist. 40 Millionen Amerikaner haben jetzt
sicherere Renten. Wir senkten die Steuern für 15
Millionen der am härtesten Arbeitenden - für die dem
stärksten Druck Ausgesetzten sowie für alle kleineren
Unternehmen. 12 Millionen Amerikaner profitieren von
dem Gesetz über Urlaub aus familiären oder gesundheitlichen Gründen und können dadurch gute Eltern
und gute Arbeitnehmer sein.
Zehn Millionen Studenten haben bei ihren Darlehen für
Collegegebühren Geld gespart. Wir sorgen dafür, daß
unsere Demokratie funktioniert.
Ferner haben wir politische Reformen durchgeführt,
das selektive Veto, das Motor-Voter-Gesetz und
strengere Registrierungsgesetze für Lobbyisten
eingeführt, dafür gesorgt, daß der Kongreß sich an die
von ihm erlassenen Gesetze für den Privatsektor hält
und nicht fundierte Mandate für die Regierungen der
Bundesstaaten und die Kommunalbehörden gestoppt
werden. Wir haben viel erreicht, und wir müssen noch
eines tun. Werden Sie mir helfen, in den kommenden
vier Jahren eine Reform der Wahlkampffinanzierung
durchzuführen?
Wir haben unsere Investitionen in Forschung und
Technologie erhöht. Wir haben die Investitionen für
die Brustkrebsforschung drastisch erhöht. Wir entwikkeln einen Supercomputer - einen Supercomputer, der

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innerhalb einer Sekunde mehr rechnen kann als ein
Mensch mit Hilfe eines Taschenrechners in 30.000
Jahren. Die beschleunigte Entwicklung von Medikamenten gegen HIV und AIDS und ihre schnellere
Markteinführung haben die Lebenserwartung der
Betroffenen in nur vier Jahren nahezu verdoppelt. Und
wir sehen in dieser Hinsicht noch keine Beschränkungen. Wir werden weitermachen, bis die Betroffenen
wieder ein normales Leben führen können.
Unser Land ist immer noch die stärkste Kraft für
Frieden und Freiheit auf der Welt. Bei Fragen, die uns
früher entzweiten, haben wir die alte Washingtoner
Politik geändert. Die Politiker in Washington haben
sich allzu lange gefragt, wer die Schuld trägt. Wir
haben jedoch gefragt, was wir tun werden.
Bei der Verbrechensbekämpfung: Wir stellen 100.000
zusätzliche Polizisten ein. Wer dreimal gefaßt wird,
muß ins Gefängnis - das ist das Gesetz. Wir verhinderten durch das Brady-Gesetz, daß 60.000 Schwerverbrecher, Ausreißer und Wilderer in den Besitz von
Handfeuerwaffen gelangen. Wir haben halbautomatische Waffen verboten. Wir unterstützten stärkere
Bestrafung und Präventionsprogramme, um unsere
Kinder von Drogen, Gangs und Gewalt fernzuhalten.
Seit vier Jahren - seit vier Jahren sinkt in Amerika die
Verbrechensrate.
Im Bereich der Sozialhilfe haben wir mit den Bundesstaaten zusammengearbeitet, um eine friedliche
Revolution einzuleiten. Heute gibt es 1,8 Millionen
weniger Sozialhilfeempfänger als am Tag meines
Amtsantritts. Wir verhelfen Sozialhilfeempfängern
wieder zu einem Arbeitsplatz.
Wir haben die Unterhaltszahlungen für Kinder um 40
Prozent aufgestockt. Die Zahl der Bundesbediensteten ist die kleinste seit John F. Kennedy. Und das
Haushaltsdefizit ist erstmals seit der Zeit vor dem
Bürgerkrieg vier Jahre lang ununterbrochen gesunken
- um 60 Prozent auf fast Null. Wir werden es schaffen.
Wir befinden uns auf dem richtigen Weg ins 21.
Jahrhundert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber
unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Was sollten wir
tun? Zuerst einmal sollten wir überlegen, wie wir
vorgehen wollen. Ich möchte nochmals betonen, daß
die Frage nicht länger lautet, wer die Schuld trägt,
sondern vielmehr, was wir tun sollten.
Ich bin überzeugt, daß Bob Dole, Jack Kemp und Ross
Perot unser Land lieben, und sie haben ihm mit harter
Arbeit gedient. Es ist nicht nur legitim, sondern sogar
notwendig, unsere Leistungen mit ihren zu vergleichen
und unsere Vorschläge hinsichtlich unserer Zukunft mit
ihren. Und ich erwarte von ihnen entschlossene
Bestrebungen, dasselbe zu tun.

AMERIKA DIENST 17

�Aber ich werde sie nicht angreifen. Ich werde sie
weder persönlich angreifen noch anderen in dieser
Partei gestatten, das zu tun, wenn ich es verhindern
kann.
Meine amerikanischen Mitbürger, dies muß ein
Wahlkampf der Ideen, nicht ein Wahlkampf der
Beleidigungen sein. Das amerikanische Volk verdient
es.
Die Hauptidee lautet folgendermaßen: Ich liebe die
großartige und stolze Geschichte Amerikas und halte
sie in Ehren. Und ich bin entschlossen, unsere besten
Traditionen in die Zukunft mitzunehmen. Aber mit
allem Respekt: Wir brauchen keine Brücke zur Vergangenheit. Wir müssen eine Brücke in die Zukunft
schlagen. Und dazu verpflichte ich mich Ihnen
gegenüber.
So wollen wir am heutigen Abend den Entschluß
fassen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu bauen,
unsere Herausforderungen zu bewältigen und unsere
Werte zu schützen. Wir wollen eine Brücke bauen, um
unsere Eltern bei der Erziehung unserer Kinder zu
unterstützen, um jungen Menschen und Erwachsenen
zu der erforderlichen Bildung und Ausbildung zu
verhelfen, um unsere Straßen sicherer zu machen, um
den Amerikanern zu Erfolg im Privat- und Berufsleben
zu verhelfen, um den Kreislauf von Armut und Abhängigkeit zu durchbrechen, um unsere Umwelt für
künftige Generationen zu schützen und unsere
weltweite Führungsrolle für Frieden und Freiheit
beizubehalten. Wir wollen den Entschluß zum Bau
dieser Brücke fassen.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend bitte ich
Sie alle, sich am Bau dieser Brücke ins 21. Jahrhundert zu beteiligen. In vier Jahren - in nur vier
Jahren, halten Sie sich das vor Augen - beginnt ein
neues Jahrhundert voll enormer Möglichkeiten. Wir
müssen dem amerikanischen Volk die Instrumente
geben, damit es das Beste aus seinem ihm von Gott
gegebenen Potential machen kann. Wir müssen für
alle Amerikaner, nicht nur einige wenige, die grundlegende Abmachung - Chancen gegen Verantwortung in greifbare Nähe rücken. Das ist das Versprechen
der Demokratischen Partei. Das ist das Versprechen
Amerikas.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir durch Bildung unsere Chancen erhöhen, in
dem Computer ebenso Bestandteil des Klassenzimmers sind wie die Tafel, in dem gut ausgebildete
Lehrer von unseren Schülern Spitzenleistungen
verlangen, in dem jeder Achtjährige ein Buch lesen
kann.
Bis zum Jahr 2000 ist das Entscheidendste, was wir
tun können, jedem Amerikaner, der das möchte, die
Chance zu einem Collegebesuch zu geben. Wir

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müssen innerhalb von vier Jahren dafür sorgen, daß
zwei Jahre auf dem College ebenso verbreitet sind wie
es heute schon der Besuch der High School ist. Und
wir können es schaffen. Wir können es schaffen, und
wir sollten zu diesem Zweck die Steuern senken.
Ich schlage einen jährlichen Steuerfreibetrag von
1.500 Dollar für Collegegebühren vor, ein HopeStipendium für die ersten beiden Jahre des Collegebesuchs, um jedem Amerikaner die typische
Collegeausbildung zu ermöglichen.
Meines Erachtens sollte jede Arbeitnehmerfamilie auch
bei der weiterführenden Ausbildung in der Lage sein,
jährlich bis zu 10.000 Dollar an Collegegebühren
steuerlich abzusetzen. Meiner Meinung nach sollten
die Familien dieses Landes auf einem steuerfreien
Rentenkonto Geld für das College sparen können; es
jahrein, jahraus sparen und für die Collegeausbildung
entnehmen können.
Wir sollten Angehörige der Mittelschicht keine Steuern
für das Geld bezahlen lassen, das sie fürs College
ausgeben.
Wir bekommen das Geld langfristig
gesehen vielfach zurück.
Ich möchte hier noch betonen, daß mein ausgeglichener Haushaltsplan diese und alle anderen von mir
heute abend erwähnten Steuersenkungen abdeckt Zeile um Zeile, Cent um Cent. Und diese Steuersenkungen konzentrieren sich auf die Billdung.
Viele unserer amerikanischen Mitbürger lernen, daß
Bildung nicht mit dem Tag der Diplomverleihung
aufhört. Ich habe ein neues G.l.-Gesetz für amerikanische Arbeitnehmer vorgeschlagen - ein Darlehen
von 2.600 Dollar für arbeitslose und unterbeschäftigte
Amerikaner, damit sie die Ausbildung und die erforderlichen Fähigkeiten erhalten können, auf einem
besser bezahlten Arbeitsplatz wieder ins Berufsleben
zurückzukehren - hochqualifizierte Arbeitskräfte für
eine gute Zukunft.
Wir müssen jedoch auf jeder Bildungsebene herausragende Leistungen fordern. Wir müssen darauf
bestehen, daß unsere Schüler und Studenten sowohl
die alten grundlegenden Dinge lernen, die wir schon
gelernt haben, als auch die neuen grundlegenden
Dinge, die sie im kommenden Jahrhundert wissen
müssen. Heute wollen wir uns ein klares nationales
Ziel setzen: Alle Kinder sollten ab der dritten Klasse
lesen können. Wenn 40 Prozent unserer Achtjährigen
nicht so gut lesen können, wie sie sollten, müssen wir
etwas unternehmen. Ich möchte 30.000 Leseexperten
und Mitglieder des National Service Corps mit der
Mobilisierung einer Freiwilligenarmee von einer Million
Lesetutoren für Drittkläßler in ganz Amerika beauftragen. Sie werden unseren Kindern das Lesen
beibringen.

Seite 3

�An unsere Eltern gerichtet sage ich: Sie müssen den
Weg weisen. Es wird sich vielfach zeigen, daß jede
Nacht es wert war, in der sie erschöpft ihren Kindern
vorlasen. Hillary und ich sprechen immer noch über
die Bücher, die wir Chelsea vorlasen, als wir vor
Müdigkeit kaum die Augen offenhalten konnten. Wir
erinnern uns immer noch an diese Bücher, und viel
wichtiger ist, daß auch sie es tut. Wir werden den
Eltern in diesem Land helfen, jedem Kind bis zum Alter
von acht Jahren, bis zur dritten Klasse, das Lesen
beizubringen. Glauben Sie, daß wir das können?
Werden Sie uns dabei helfen?
Wir müssen den Eltern - allen Eltern - das Recht auf
die Entscheidung geben, welche staatliche Schule ihre
Kinder besuchen sollen, und wir müssen den Lehrern
gestatten, neue Schulen zu gründen, in denen sie die
Anforderungen nur erfüllen, wenn sie gute Arbeit
leisten. Wir müssen unsere Schulen auch abends
noch offenlassen, damit unsere Jugendlichen einen
Ort haben, an den sie gehen können, den sie bejahen
können und damit von der Straße bleiben.
Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Schüler während ihrer Schullaufbahn harte Prüfungen ablegen. Ein
Schulabschluß muß etwas bedeuten. Wir sollten die
Lehrer belohnen, die gute Arbeit leisten, und diejenigen entlassen, die es nicht tun. Auf jeden Fall sollten
wir nie vergessen, daß ohne unsere Lehrer keiner von
uns heute abend hier wäre. Auf mich trifft das zu. Wir
sollten sie auf-, nicht abwerten.
Wir benötigen Schulen, die unsere Kinder ins nächste
Jahrhundert begleiten. Wir benötigen Schulen, die
wiederaufgebaut und modernisiert werden, mit einzigartigem Engagement von Seiten der Bundesregierung
zur Verstärkung des Baus von Schulen. Und bis zum
Jahr 2000 sollte jede Bibliothek und jedes Klassenzimmer in Amerika mit der Datenautobahn verbunden
werden.
Wenn wir so vorgehen, wird jeder Achtjährige lesen,
wird jeder Zwölfjährige sich ins Internet einloggen, wird
jeder Achtzehnjährige aufs College gehen können.
Und alle Amerikaner werden über das erforderliche
Wissen verfügen, diese Brücke ins 21. Jahrhundert zu
überschreiten.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem wir eine starke und wachsende Volkswirtschaft
schaffen und nachfolgenden Generationen Chancen
hinterlassen, in dem wir unseren Haushalt auf eine Art
und Weise ausgleichen, die unsere Werte schützt und
gewährleistet, daß jede Familie ein eigenes Heim
besitzen und dieses wichtige Kapital schützen kann.
Heute abend wollen wir dem amerikanischen Volk
mitteilen, daß wir den Haushalt ausgleichen werden.
Und wir wollen auch bekanntgeben, daß das auf eine
Weise geschehen soll, die Medicare, Medicaid,

Seite 4

Bildung, Umwelt, ungekürzte Renten und die Stärke
unseres Volkes bewahrt.
Im vergangenen Jahr übermittelte mir der republikanisch dominierte Kongreß einen Haushalt, der diese
Werte und Prinzipien verletzt, und ich legte dagegen
mein Veto ein. Das würde ich morgen wieder tun. Ich
könnte niemals Einsparungen zulassen, die die
Bildung unserer Kinder gefährden, unsere Umwelt
verschmutzen, die Krankenversicherung der Empfänger von Medicaid einstellen oder unsere Pflicht
gegenüber unseren Eltern durch Medicare beenden
oder verletzen. Das könnte ich einfach nicht tun.
Solange ich Präsident bin, werde ich das nicht zulassen.
Und es ist unwichtig, ob sie es wie schon früher erneut
versuchen und uns mit einer Schließung der Bundesbehörden erpressen wollen, um dem amerikanischen
Volk diese Dinge aufzuzwingen. Wir haben esvorher
nicht zugelassen, und wir werden es jetzt nicht zulassen.
Natürlich gibt es eine bessere Antwort auf dieses
Dilemma. Wir könnten die richtige Art von ausgeglichenem Haushalt mit einem neuen Kongreß haben einem demokratischen Kongreß.
Ich möchte den Haushalt mit echten Kürzungen bei der
Regierung, bei Verschwendung, ausgleichen. Ich
möchte einen Plan haben, der ebenso wie meiner
Investitionen im Bildungswesen tätigt - und im Bereich
der Forschung, was Christopher Reeve so überzeugend angemahnt hat.
Und mein Plan verschafft den Amerikanern Steuersenkungen, die zum Wachstum unserer Volkswirtschaft
beitragen werden.
Ich möchte die individuellen
Rentenkonten ausbauen, damit junge Menschen
steuerfrei sparen können, um sich ein Haus zu kaufen.
Heute schlage ich neue Steuersenkungen für Hausbesitzer vor, damit in diesem Land Familien mit
mittlerem Einkommen keine Kapitalertragsteuer zahlen
müssen, wenn sie ihr Haus verkaufen. Ich möchte,
daß jeder Amerikaner die wunderbaren Worte hören
kann: "Willkommen zu Hause".
Ich möchte es noch einmal betonen: Jede heute abend
von mir geforderte Steuersenkung ist gezielt, verantwortungsbewußt und innerhalb meines ausgeglichenen Haushalts finanziert. Meine Steuersenkungen
werden unsere Volkswirtschaft nicht aushöhlen. Sie
werden das Wirtschaftswachstum beschleunigen.
Wir sollten die Steuern senken - für die Familien, die
ihr Kind aufs College schicken, für die Arbeitnehmer,
die noch einmal aufs College gehen, für die Familien,
die für ein Haus oder die Pflege im Alter sparen. Und
wir sollten einen Steuerfreibetrag in Höhe von 500
Dollar pro Kind für Familien mit mittlerem Einkommen

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�einführen, die bei der Erziehung und späteren Ausbildung ihrer Kinder Hilfe benötigen. Das ist die
richtige Art von Steuersenkung - familienfreundlich,
bildungsfreundlich, wirtschaftsfördernd.
Unsere Gegner haben einen völlig anderen Plan
vorgelegt - ein riskantes Steuerprogramm in Höhe von
550 Milliarden Dollar, das sie zu noch größeren
Kürzungen bei Medicare, Medicaid, Bildung und
Umwelt zwingt als die von ihnen letztes Jahr unterbreiteten, gegen die ich mein Veto eingelegt habe.
Aber selbst dann werden die Kosten ihres Plans nicht
gedeckt, so daß dieser das Defizit explosionsartig
erhöhen würde, wodurch ihren eigenen Schätzungen
vom letzten Jahr zufolge die Zinssätze um zwei
Prozent steigen würden. Das würde riesige Kürzungen bei genau den Investitionen erfordern, die wir
für das Wachstum insgesamt benötigen und gleichzeitig die Konjunktur verlangsamen.
Wir wissen, was höhere Zinssätze bedeuten. Für Sie
heißt das höhere Hypothekenzahlungen, höhere
Abzahlungen für das Auto, höhere Gebühren für die
Kreditkarte. Für unsere Wirtschaft bedeutet es, daß
die Geschäftsleute nicht so viel Geld aufnehmen oder
investieren, weniger Arbeitsplätze und Wohlstand
schaffen, nicht so viele Lohnerhöhungen durchführen.
Wollen wir wirklich denselben Fehler wieder machen?
Wollen wir wirklich das Wirtschaftswachstum wieder
stoppen?
Wollen wir wirklich einen neuen Schuldenberg aufhäufen?
Wollen wir die Rezession von 1991 und 1992 zurückbringen?
Wollen wir unsere Brücke ins 21. Jahrhundert schwächen?
Natürlich wollen wir das nicht.
Wir haben die Pflicht - Sie und ich - unseren Kindern
Chancen, nicht Schulden zu hinterlassen. Unser
Haushalt wäre heute ausgeglichen, wir hätten heute
einen Überschuß, wenn wir nicht die Zinszahlungen für
die in den 12 Jahren vor der Clinton-Gore-Administration aufgehäuften Schulden zu leisten hätten.
Dies ist also einer der Bereiche, in denen ich bei allem
Respekt anderer Meinung bin als mein Gegenkandidat. Ich bin nicht der Meinung, wir sollten Haus und
Hof oder dieses Land aufs Spiel setzen. Wir sollten
auf dem richtigen Weg ins 21. Jahrhundert bleiben.
Chancen allein reichen nicht aus. Ich möchte ein
Amerika des 21. Jahrhunderts schaffen, in dem alle
Amerikaner die persönliche Verantwortung für sich,
ihre Familien, ihre Gemeinden und ihr Land überneh-

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men. Ich möchte, daß unsere Nation die Verantwortung übernimmt sicherzustellen, daß jedes Kind
morgens aus dem Fenster schauen und eine ganze
Gemeinde sehen kann, die aufsteht und zur Arbeit
geht.
Ich möchte, daß diese jungen Menschen die freudige
Erregung beim Erhalt des ersten Gehaltsschecks
erfahren, die Herausforderung einer ersten Unternehmensgründung, den Stolz darauf, in die Fußstapfen
der Eltern zu treten. Das von mir letzte Woche
unterzeichnete Gesetz über die Reform des Sozialwesens gibt Amerika eine Chance, aber keine Garantie
für diese Art von Neuanfang, für einen neuen Sozialvertrag mit den Armen, der Gesundheitsfürsorge,
Kinderversorgung und -ernährung garantiert, aber
auch von gesunden Eltern erwartet, sich ihr Einkommen zu verdienen.
Jetzt sage ich an Sie alle gerichtet - ob sie das Gesetz
nun befürworteten oder ablehnten - insbesondere
jedoch an die Adresse derjenigen, die es unterstützten:
Wir haben eine Verantwortung, eine moralische
Verpflichtung zu gewährleisten, daß diejenigen, die
arbeiten sollen, auch die Chance hierzu erhalten. Wir
müssen sicherstellen, daß es Arbeitsplätze gibt.
Bis zum Jahr 2000 sollten eine Million neuer Arbeitsplätze für Sozialhilfeempfänger geschaffen werden.
Unter diesem Gesetz können die Bundesstaaten das
Geld, das vorher für Sozialleistungen aufgewendet
wurde, jetzt für die Unterstützung von Unternehmen
bei der Schaffung von Arbeitsplätzen verwenden. Ich
fordere alle Bundesstaaten dazu auf, das bald zu tun.
Ferner schlage ich vor, Unternehmen einen Steuerfreibetrag für jeden Arbeitnehmer zu gewähren, der früher
von der Sozialhilfe abhängig war und auf Dauer
eingestellt wurde. Private Arbeitsvermittler sollten eine
Prämie für jeden Sozialhilfeempfänger erhalten, den
sie dauerhaft auf einem Arbeitsplatz unterbringen.
Und noch wichtiger ist, ich möchte den Gemeinden
dabei helfen, Sozialhilfeempfänger jetzt sofort - ohne
Aufschub - wieder zurück ins Arbeitsleben zu bringen,
wo sie Schulen reparieren und ihre Umgebung wieder
sauber und sicher gestalten. Es gibt dort draußen sehr
viel zu tun. Unsere Städte können Wege finden, den
Menschen wieder Arbeit zu geben und diesen Familien
dadurch ihre Würde und Stärke zurückzugeben.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich habe sehr viel
Zeit mit meinem guten Freund, dem verstorbenen Ron
Brown, mit Wirtschaftsminister Mickey Kantor und
anderen verbracht, weltweit Märkte für Amerika zu
erschließen. Und ich bin stolz auf jeden einzelnen,
den wir geöffnet haben. Aber wir dürfen nie vergessen, daß der größte unerschlossene Markt für amerikanische Unternehmen hier in Amerika selbst liegt - in
den Innenstädten, den ländlichen Gebieten, wo die
wirtschaftliche Erholung noch nicht spürbar geworden

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�ist. Durch Investitionen, Geschäftsabschlüsse und
Arbeitsplätze können sie unsere Partner der Zukunft
werden. Das ist eine großartige Chance, die wir nicht
verpassen dürfen.
Ich schlage neue Ermächtigungszonen vor, wie die
gerade hier in Chicago geschaffene, um arme Gemeinden für Unternehmen attraktiv zu gestalten. Ich
schlage die Gründung von weiteren Gemeindeentwicklungsbanken wie der South Shore Bank hier in Chicago vor, um den Menschen in diesen Gemeinden bei
der Gründung ihrer eigenen kleinen Firma zu helfen.
Mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und neue
Märkte für Amerika hier im eigenen Land tragen zur
Umsetzung der Sozialhilfereform bei.
Meine Damen und Herren, Sie haben mir applaudiert und ich danke Ihnen dafür - aber die Regierung kann
auch nicht alles leisten. Der Privatsektor muß die
meisten dieser Arbeitsplätze bereitstellen. Daher
fordere ich heute erneut jeden Unternehmer in Amerika, der sich einmal über das Scheitern des Sozialwesens beklagt hat, dazu auf, sich entschlossen um die
Einstellung eines Sozialhilfeempfängers zu bemühen.
Ich danke Ihnen.
Schließlich gibt es die Sozialleistungen, über die Sie
sich beschwerten, in dieser Form nicht mehr. Es stellt
sich nicht mehr die Frage nach dem Schuldigen. Jetzt
lautet die einzige Frage, was zu tun ist. Und wir alle
tragen Verantwortung, insbesondere diejenigen, die
früher an den Gesetzen Kritik übten, einen Wandel
forderten und in der Lage sind, armen Menschen eine
Chance zu geben, sich zu entwickeln und ihre Familien
zu ernähren. Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, damit es keine Unterprivilegierten mehr
gibt, die Armen unterstützt und aus ihrer Isolation und
ihrem Exil geholt und nicht mehr vergessen werden.
Ich danke Ihnen.
Ich möchte eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, in
dem unsere Kinder sich nicht mehr gegenseitig
umbringen, in dem ihr Leben nicht mehr durch Gewalt
zu Hause oder auf dem Schulhof bedroht ist, in dem
nicht mehr eine Generation junger Menschen auf der
Straße aufwachsen muß.
Aufgrund der Einstellung von mehr Polizisten, verstärkten Straf- und Präventionsmaßnahmen ist die
Verbrechensrate seit vier Jahren ununterbrochen
gesunken. Aber wir dürfen nicht ruhen, denn sie ist
immer noch zu hoch. Wir dürfen nicht ruhen, bis
Verbrechen nicht mehr an der Tagesordnung sind,
sondern lediglich eine schockierende Ausnahme von
unserem Alltagsleben. Werden Sie mir zur Seite
stehen, bis wir diesen guten Tag erreicht haben?
Meine amerikanischen Mitbürger, wir alle stehen tief in
der Schuld von Sarah und Jim Brady - und ich freue
mich, daß sie sich doch noch nach Chicago verirrt

Seite 6

haben. Das hat mich sehr gefreut. Ihnen verdanken
wir die gute Nachricht, daß 60.000 Schwerverbrecher,
Ausreißer und Wilderer aufgrund des Brady-Gesetzes
nicht in den Besitz von Handfeuerwaffen gelangen
konnten. Aber keinem einzigen Jäger in Arkansas,
New Hampshire, Illinois oder andernorts entging die
Jagdsaison.
Wir sollten das Brady-Gesetz ausweiten, denn keiner,
der sich zu Hause der Gewaltanwendung gegen einen
Ehepartner oder ein Kind schuldig gemacht hat, sollte
eine Waffe kaufen dürfen.
Und wir müssen jene Pistolenkugeln verbieten, die
unsere Polizisten töten. Sie sind nur zu einem Zweck
konzipiert - Polizisten umzubringen. Wir bitten die
Polizei um Schutz. Wir sind es den Polizisten schuldig,
zu ihrer Sicherheit beizutragen, während sie für uns
ihre Arbeit tun.
Wir sollten einen Verfassungszusatz über die Rechte
von Opfern verabschieden, weil Opfer ein Anrecht
haben, gehört zu werden und wissen müssen, wann
ein Angreifer freigelassen wird. Sie müssen es
wissen, und der einzige Weg, dies zu garantieren, ist
ein Verfassungszusatz.
Wir haben große Fortschritte erzielt. Selbst die
Verbrechensrate unter Jugendlichen nimmt endlich ab.
Um so schmerzlicher ist es für mich, daß der Drogenkonsum der Jugendlichen ansteigt. Drogen haben
meinen Bruder beinahe umgebracht, als er ein junger
Mann war. Und ich hasse sie. Er hat gekämpft. Heute
abend ist er mit seiner Frau hier, sein kleiner Sohn ist
hier, und ich bin wirklich stolz auf ihn.
Aber ich habe etwas gelernt - ich habe etwas daraus
gelernt, diesen langen Alptraum mit unserer Familie
durchzumachen. Ich kann Ihnen sagen, mit einigen
dieser jungen Menschen ist etwas geschehen - sie
denken auf einmal, diese Drogen seien nicht mehr
gefährlich, oder sie denken, das Risiko sei akzeptabel.
Angefangen mit unseren Eltern und unabhängig von
der Parteizugehörigkeit müssen wir unsere Energien
erneuern, um diese jungen Menschen die harte,
nackte Wahrheit zu lehren: Drogen sind tödlich,
Drogen sind falsch, Drogen können Euch das Leben
kosten.
General Barry McCaffrey, der Viersternegeneral, der
unseren Kampf gegen Drogen in Lateinamerika
anführte, leitet jetzt unseren Kreuzzug gegen Drogen
im Inland - mehr Drogen an unseren Grenzen abzufangen, scharf gegen diejenigen vorzugehen, die sie
verkaufen, und vor allem, eine nationale Drogenbekämpfungsstrategie zu verfolgen, deren Hauptziel
darin besteht, unsere Kinder nicht in Berührung mit
Drogen kommen zu lassen. Ich fordere den Kongreß
auf, ihm jeden Cent der Mittel zur Verfügung zu stellen,

AMERIKA DIENST 17

�die wir für diese Strategie beantragt haben, und es
jetzt zu tun.
Wir werden noch mehr tun. Wir sollten bedingt
Haftentlassenen sagen: Wir machen einen Drogentest
mit Euch. Wenn Ihr rückfällig werdet, schicken wir
Euch zurück ins Gefängnis. Wir werden den Gangs
sagen: Wir brechen Euch mit denselben Gesetzen
gegen organisiertes Bandentum das Genick, die wir
anwenden, um die Anführer des Mobs ins Gefängnis
zu bringen. Ihr werdet nicht länger unsere Kinder
umbringen oder Mörder aus ihnen machen, bevor sie
Teenager sind.
Meine amerikanischen Mitbürger, wenn wir diese
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, müssen wir unsere
Kinder befreien - sie aus dem tödlichen Würgegriff der
Waffen, Gangs und Drogen befreien, damit sie frei
sind, ein Leben der Hoffnung aufzubauen.
Ich möchte die Brücke ins 21. Jahrhundert mit einer
starken amerikanischen Gemeinde bauen, die mit
einer starken Familie beginnt. Ein Amerika, in dem alle
Kinder vor destruktiven Kräften bewahrt und geschützt
sind, ein Amerika, in dem die Eltern zu Hause und bei
der Arbeit Erfolg haben.
Wo immer ich in Amerika war, kamen die Menschen
auf mich zu und sprachen über ihren Kampf mit den
Anforderungen der Arbeit und ihrem Wunsch, sich
besser um ihre Kinder kümmern zu können.

Die

allererste Person, die ich je diesen Kampf führen sah,
war vor vier Jahren mit mir hier, und ich vermisse sie
heute abend sehr. Meine hart arbeitende, stets
optimistische Mutter, die sich nie unterkriegen ließ, tat
alles ihr Mögliche für meinen Bruder und mich, häufig
vielen Widrigkeiten zum Trotz. Von ihr habe ich
gelernt, welche Schwierigkeiten man mit Liebe und
Entschlossenheit überwinden kann.
Aber von ihr und unserem Leben habe ich auch
gelernt, daß kein Elternteil es alleine schaffen kann.
Und kein Elternteil sollte es alleine schaffen müssen.
Sie hatte die Hilfe, die alle Eltern verdienen - von
unseren Nachbarn, unseren Freunden, unseren
Lehrern, unseren Pastoren, unseren Ärzten und vielen
anderen mehr.
Als ich meine Karriere im öffentlichen Leben mit
zahlreichen meiner Freunde in der Delegation von
Arkansas begann, hörte man des öfteren den Ausspruch, daß jeder Mann, der für ein öffentliches Amt
kandidiert, behaupten wird, er sei in einer Holzhütte
geboren, die er mit seinen eigenen Händen erbaut
hatte. Nun, meine Mutter wußte es besser. Und sie
stellte sicher, daß auch ich es wußte. Lange bevor sie
Hillary kennenlernte, wußte sie, daß man ein Dorf
braucht, um Kinder großzuziehen, und sie war dankbar
für die Unterstützung, die sie erhielt.

AMERIKA DIENST 17

Wie Tipper Gore und Hillary am Dienstag sagten,
haben wir alle in unserer Administration hart gearbeitet, um die Familien bei der Erziehung ihrer
Kinder und erfolgreicher Arbeit zu unterstützen. Aber
wir müssen mehr tun. Wir sollten das Gesetz über
Krankenurlaub aus familiären oder gesundheitlichen
Gründen erweitern, um den Eltern mehr Zeit einzuräumen, ihre Kinder zu regulären Arztterminen zu
begleiten oder an Elternkonferenzen der Schule
teilzunehmen.
Wir sollten ein Gesetz über Gleitzeit verabschieden,
das den Beschäftigten die Entscheidung gestattet, sich
ihre Überstunden auszahlen oder mit Freizeit vergüten
zu lassen, abhängig davon, was besser für ihre Familie
ist.
Die Lebensmittelbehörde hat neue Maßnahmen
eingeführt, um die Werbung und den Verkauf von
Zigaretten an Jugendliche einzuschränken.
Der
Vizepräsident hat gestern abend eine sehr bewegende
Rede gehalten. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern,
meine amerikanischen Mitbürger, daß dies ein äußerst
wichtiges Wahlkampfthema ist, denn der Kampf ist
noch lange nicht beendet, und die beiden Kandidaten
haben unterschiedliche Meinungen. Ich verspreche
den amerikanischen Eltern, daß ich diesen Kampf zu
Ende führen werde.
In Zusammenarbeit mit der Unterhaltungsindustrie
bieten wir den Eltern einen Chip an, mit dem sie die
Fernsehsendungen kontrollieren können. Fernsehshows werden nach ihrem Inhalt eingestuft, damit die
Eltern entscheiden können, ob ihre kleinen Kinder sie
ansehen sollten. Und in Kürze werden drei Stunden
qualitativ hochwertige Kinderprogramme pro Woche
auf jedem Kanal gesendet.
Das Kennedy-Kassebaum-Gesetz legt fest, daß jeder
Amerikaner seine Krankenversicherung behalten kann,
wenn er den Arbeitsplatz wechseln muß, selbst wenn
jemand in der Familie krank geworden ist. Das ist sehr
wichtig. Aber heute abend sollten wir die nächsten
Schritte darlegen. Als erstes sollten wir die Leistungen
der Krankenversicherung denjenigen zugänglich
machen, die arbeitslos sind. In meinem Plan für einen
ausgeglichenen Haushalt schlage ich vor, daß arbeitslose Familien ihre Krankenversicherung bis zu sechs
Monate behalten können.
Ein Elternteil mag ohne Arbeit, aber kein Kind sollte
ohne ärztliche Versorgung sein. Und ich möchte
wiederholen, was die First Lady am Dienstag sagte:
Wir sollten Mütter und Neugeborene davor schützen,
in weniger als 48 Stunden aus dem Krankenhaus
entlassen zu werden.
Wir respektieren die persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei dem schmerzlichen
Thema Schwangerschaftsabbruch, vertreten jedoch im

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�Hinblick auf ein Gesetz die Auffassung, diese Entscheidung sollte der Frau, ihrem Gewissen, ihrem Arzt
und ihrem Gott überlassen bleiben. Schwangerschaftsabbruch sollte aber nicht nur sicher und legal
sein, sondern auch selten. Aus diesem Grund habe
ich von mir unterstützte nationale Bestrebungen in die
Wege geleitet, um die Zahl unehelicher Kinder von
Teenagern zu verringern. Und aus diesem Grund
müssen wir die Adoption fördern.
Das von mir in der vergangenen Woche unterzeichnete Gesetz über die Anhebung des Mindestlohns
enthielt einen Freibetrag in Höhe von 5.000 Dollar für
Familien, die Kinder adoptieren, und noch mehr, wenn
die Kinder behindert sind. Ich habe der Rassendiskriminierung beim Adoptionsverfahren ein Ende
bereitet. Das war gut für Amerika.
Meine amerikanischen Mitbürger, es gibt bereits
Zehntausende von Kindern dort draußen, die ein gutes
Heim mit liebenden Eltern brauchen. Ich hoffe, daß
mehr Kinder jetzt dieses Heim finden werden.
Ich möchte mit einer sauberen und sicheren Umwelt
eine Brücke ins 21. Jahrhundert bauen. Wir schützen
unsere Nahrungsmittel besser vor Pestiziden. Wir
schützen unser Trinkwasser und unsere Luft vor Gift.
Wir haben Bergbau im Yellowstone-Nationalpark
verhindert. Wir haben in der Mojave-Wüste in Kalifornien den größten Nationalpark südlich von Alaska
geschaffen. Wir arbeiten an der Erhaltung der herrlichen Everglades in Florida.
Und als die Führung dieses Kongresses die Umweltverschmutzer in die Hinterzimmer einlud, um 25 Jahre
des Umweltschutzes rückgängig zu machen, der von
beiden Parteien stets unterstützt wurde, sagte ich
Nein.
Aber wir müssen mehr tun. Heute leben 10 Millionen
Kinder nur vier Meilen von einer Giftmülldeponie
entfernt. In den vergangenen drei Jahren haben wir
197 dieser Deponien beseitigt - mehr als in den
vorherigen 12 Jahren zusammengenommen. In den
nächsten vier Jahren beabsichtigen wir die Beseitigung von weiteren 55 - zwei Drittel der noch vorhandenen, und es sind die gefährlichsten. Unsere Kinder
sollten in der Nähe von Parks aufwachsen, nicht in der
Nähe von Gift.
Wir sollten den bloßen Versuch der Umweltverschmutzung schon zu einem Verbrechen machen. Wir sollten
das Vermögen gravierender Umweltverschmutzer
einfrieren, bis sie die von ihnen geschaffenen Probleme behoben haben. Wir sollten es Familien erleichtern, Informationen über toxische Chemikalien in ihrer
Nachbarschaft zu beschaffen, so daß sie mehr zum
Schutz ihrer Kinder unternehmen können. Das alles
müssen wir tun, um diese Brücke ins 21. Jahrhundert
zu bauen.

Seite 8

Meine amerikanischen Mitbürger, ich möchte eine
Brücke ins 21. Jahrhundert bauen, die gewährleistet,
daß wir noch immer die Nation mit der stärksten
Verteidigung der Welt sind und unsere Außenpolitik
noch immer die Werte unserer amerikanischen
Gemeinde in der internationalen Staatengemeinschaft
fördert. Unsere Brücke in die Zukunft muß Brücken zu
anderen Nationen enthalten, weil wir immer noch
unverzichtbar als Nation für die Welt bei der Förderung
von Wohlstand, Frieden und Freiheit sind und unsere
Kinder vor den Gefahren des Terrors und der Massenvernichtungswaffen bewahren müssen.
Wir haben dazu beigetragen, Demokratie nach Haiti
und Frieden nach Bosnien zu bringen. Das auf dem
Rasen des Weißen Hauses unterzeichnete Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern
muß jetzt noch mehr Nachbarn Israels einbeziehen.
Der tiefempfundene Wunsch nach Frieden, den Hillary
und ich spürten, als wir durch die Straßen von Belfast
und Derry gingen, muß für alle Menschen Nordirlands
Realität werden. Und Kuba muß endlich der Gemeinschaft von Demokratien beitreten.
Nichts in unserem Leben war so ergreifend wie der
Tag, an dem das Volk der ehemaligen Sowjetunion
und Zentraleuropas die Fesseln des Kommunismus
sprengte. Wir waren bei diesem Prozeß behilflich, und
ich bin stolz darauf. Ich werde unsere starke Partnerschaft mit einem demokratischen Rußland fortsetzen.
Und wir werden einige der neuen Demokratien
Zentraleuropas in die NATO einbeziehen, so daß sie in
Zukunft niemals ihre Freiheit in Frage stellen werden.
Unsere amerikanischen Exporte befinden sich auf
einem Rekordniveau. In den nächsten vier Jahren
müssen wir noch weitere Schranken aus dem Weg
räumen und Lateinamerika, Afrika und andere Länder
in Asien einbeziehen um sicherzustellen, daß unsere
Arbeitnehmer und unsere Produkte - die besten der
Welt - in den Genuß der Vorteile von freiem und fairem
Handel kommen.
In den vergangenen vier Jahren haben wir das
Nuklearwaffenprogramm Nordkoreas eingefroren.
Und ich bin stolz zu sagen, daß heute abend keine
einzige russische Atomrakete auf ein amerikanisches
Kind gerichtet ist. Jetzt müssen wir unverzüglich
Maßnahmen umsetzen und ratifizieren, mit denen die
Nukleararsenale weiter reduziert, Giftgas verbannt und
Atomtests ein für allemal verboten werden.
Wir haben Investitionen in unser wichtigstes Verteidigungsgut getätigt - unsere herausragenden Männer
und Frauen in Uniform. Bis zum Jahr 2000 werden wir
unsere Mittel zur Modernisierung unserer Waffensysteme um 40 Prozent aufstocken. Mit diesen
Zusagen werden wir sicherstellen, daß unser Militär
weiterhin die am besten ausgebildete und am besten
ausgerüstete Streitmacht der gesamten Welt ist.

AMERIKA DIENST 17

�Wir entwickeln eine hochempfindliche nationale
Raketenverteidigung, aber wir dürfen - weder jetzt
noch bis zum Jahr 2000 - nicht 60 Milliarden Dollar für
ein nicht erprobtes, ineffektives Programm 'Krieg der
Sterne' verschleudern, das morgen veraltet sein
könnte.
Wir bekämpfen den Terrorismus an allen Fronten mit
einer dreigleisigen Strategie. Erstens arbeiten wir auf
eine internationale Koalition hin, die keinerlei Toleranz
für Terrorismus hat. In diesem Monat habe ich ein
Gesetz unterzeichnet, das ausländischen Unternehmen harte Sanktionen auferlegt, die in Schlüsselsektoren der iranischen und libyschen Wirtschaft investieren. Solange der Iran Terroristen ausbildet, fördert und
stützt, solange Libyen die Auslieferung derjenigen
verweigert, die für den Bombenanschlag auf Pan AmFlug 103 verantwortlich sind, werden sie einen von den
Vereinigten Staaten festgesetzten Preis bezahlen
müssen.
Zweitens müssen wir der Strafverfolgung die zur
Bekämpfung der Terroristen erforderlichen Instrumente
an die Hand geben. Wir benötigen neue Gesetze, um
hart gegen Geldwäsche durchzugreifen und diejenigen
zu verfolgen und zu bestrafen, die gewalttätige Akte
gegen amerikanische Staatsbürger im Ausland
begehen; um in Bomben verwendetem Schießpulver
chemische Markierungen oder Etiketten beizufügen,
damit wir die Bombenhersteller aufspüren können; um
den Polizisten dieselbe Macht zu verleihen, Leben zu
retten, indem die von Terroristen benutzten Telefone
angezapft werden - die Macht, die sie jetzt zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens haben.
Terroristen sind eine ebenso große - vielleicht noch
größere - Bedrohung unserer Zukunft wie das organisierte Verbrechen. Warum sollten wir zwei unterschiedliche Maßstäbe für eine gemeinsame Bedrohung der Sicherheit Amerikas und unserer Kinder
anlegen?
Mit anderen Worten: Wir benötigen die Gesetze, deren
Verabschiedung der Kongreß verweigert hat. Und ich
bitte den Kongreß erneut: Stimmen Sie diesen Gesetzen als Amerikaner, nicht aufgrund Ihrer Parteizugehörigkeit, jetzt zu.
Drittens werden wir die Sicherheit der Flughäfen und
der Flugreisen verbessern. Ich habe den Vizepräsidenten um die Gründung einer Kommission und
Berichterstattung gebeten, wie dies angegangen
werden kann. Aber jetzt werden wir in unseren
größten Flughäfen das modernste Gerät zum Aufspüren von Bomben installieren. Wir werden jedes
Flugzeug untersuchen, das aus einem anderen Land
nach Amerika oder von Amerika in ein anderes Land
fliegt - jeden Flug, jeden Frachtraum, jede Kabine, ein
jedes Mal.

AMERIKA DIENST 17

Liebe Parteifreunde, meine amerikanischen Mitbürger ich weiß, daß in den meisten Wahlkämpfen Außenpolitik bei den Diskussionen in Friseurgeschäften und
Cafes in Amerika, auf dem Betriebsgelände und den
Bowlingbahnen kein Thema von großem Interesse ist.
Aber es gibt Zeiten, in denen nur Amerika den Unterschied zwischen Krieg und Frieden, zwischen Freiheit
und Unterdrückung, zwischen Leben und Tod bewirken kann. Wir können nicht alle Kinder der Welt
retten, aber wir können viele von ihnen retten. Wir
können nicht der Weltpolizist werden, aber wo unsere
Werte und unsere Interessen auf dem Spiel stehen
und wir etwas bewirken können, müssen wir handeln
und eine Führungsrolle übernehmen. Das ist unsere
Aufgabe, und wir sind besser, stärker und sicherer,
weil wir es tun.
Meine amerikanischen Mitbürger, lassen Sie mich es
ein letztes Mal sagen: Wir können unsere Brücke ins
21. Jahrhundert nur bauen, wenn wir sie gemeinsam
bauen und wenn wir bereit sind, Arm in Arm zusammen über diese Brücke zu gehen. Ich habe in den
vergangenen vier Jahren so viel der Zeit, die Sie mir
gegeben haben, um Ihr Präsident zu sein, damit
verbracht, mich mit den Problemen in Bosnien, dem
Nahen Osten, Nordirland, Ruanda und Burundi zu
befassen. Was haben diese Orte gemeinsam?
Menschen bringen sich gegenseitig um und schlachten
Kinder ab, weil sie sich voneinander unterscheiden.
Sie teilen dasselbe Stück Land, aber sie unterscheiden
sich voneinander - sie hassen ihre Rasse, ihren
Stamm, ihre ethnische Gruppe, ihre Religion.
Wir haben den schrecklichen Preis gesehen, den
Menschen zahlen, wenn sie darauf bestehen, zu
kämpfen und ihre Nachbarn wegen Meinungsverschiedenheiten umzubringen. In unserem eigenen
Land haben wir gesehen, wie Amerika einen schrecklichen Preis für jede Form der Diskriminierung zahlte.
Und wir konnten uns stärker werden sehen, während
wir stetig einen Teil unseres Hasses und unserer
Ängste ablegten; während wir immer mehr Menschen
die Chance gaben, ihre Träume zu leben.
Aus diesem Grund wird die Fackel unserer Freiheitsstatue ebenso wie das von Tausenden von Helden
quer durch Amerika getragene Olympische Feuer
immer heller leuchten als die Feuer, die unsere
Kirchen, unsere Synagogen und unsere Moscheen
niederbrennen. Immer.
Blicken Sie und unsere vor dem Fernseher zuschauenden Mitbürger sich heute abend in diesem Saal um es gibt alle möglichen Unterschiede zwischen den hier
versammelten Menschen. Wenn wir diese Brücke ins
21. Jahrhundert bauen wollen, wenn Sie an die Werte
der Verfassung, der Bill of Rights und der Unabhängigkeitserklärung glauben, wenn Sie bereit sind, hart zu
arbeiten und die Regeln einzuhalten, sind Sie Teil
unserer Familie, und wir sind stolz, bei Ihnen zu sein.

Seite 9

�Sie applaudieren jetzt, weil Sie wissen, daß es wahr
ist. Wenn Sie aus diesem Saal gehen, denken Sie
darüber nach. Leben Sie danach.
Es gibt immer noch zu viele Amerikaner, die ihrer
Angst vor denjenigen nachgeben, die sich von ihnen
unterscheiden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden
Hakenkreuze auf die Tür von afroamerikanischen
Angehörigen unserer Spezialeinheit in Fort Bragg
gemalt. Für diejenigen unter Ihnen, die nicht wissen,
was Spezialeinheiten tun - sie sind genau das, was ihr
Name sagt - Spezialeinheiten. Wenn ich heute abend
von dieser Bühne trete, sie anrufe und ihnen sage, sie
sollen um die halbe Welt fliegen und ihr Leben für Sie
riskieren und morgen Mittag dort sein, werden sie es
tun. Sie verdienen es nicht, Hakenkreuze auf ihrer Tür
zu haben.
Blicken Sie um sich - alt oder jung, gesund oder mit
einer Behinderung, von der man sich nicht unterkriegen läßt, Mann oder Frau, Indianer, hier geboren,
Einwanderer, hetero- oder homosexuell - was immer.
Der Test sollte lauten, ich glaube an die Verfassung,
an die Bill of Rights und die Unabhängigkeitserklärung.
Ich glaube an religiöse Freiheit. Ich glaube an die
Redefreiheit. Ich glaube an harte Arbeit und die
Einhaltung von Regeln. Ich komme morgen früh zur
Arbeit. Ich baue diese Brücke ins 21. Jahrhundert. So
sollte der Test lauten.

Moment der Entscheidung . Wir werden den letzten
Präsidenten des 20. Jahrhunderts und den ersten
Präsidenten des 21. Jahrhunderts wählen. Aber das
ist nicht die Entscheidung, um die es geht. Es geht
darum, ob wir eine Brücke in die Zukunft oder eine
Brücke in die Vergangenheit bauen. Es geht darum,
ob wir glauben, daß unsere besten Tage hinter uns
liegen, ob wir ein Land mit Menschen haben wollen,
die alle zusammenarbeiten oder eines, in dem man
alleine ist.
Heute abend wollen wir uns verpflichten, uns der
Verantwortung zu stellen und die Brücke, von der wir
wissen, daß sie gebaut werden sollte, bis ins 21.
Jahrhundert bauen. Lassen Sie uns Vertrauen haben das Vertrauen der Amerikaner, daß wir unsere Größe
nicht hinter uns lassen. Wir werden sie mit uns in das
neue Jahrhundert nehmen - ein Jahrhundert neuer
Herausforderungen und grenzenloser Versprechen.
Mit anderen Worten: Lassen Sie uns die vor uns
liegende Arbeit erledigen, so daß wir, wenn unsere Zeit
hier zu Ende ist, wahrhaft sagen können, wir haben
unsere Kinder auf die Zukunft vorbereitet.
Meine amerikanischen Mitbürger, nach diesen vier
guten, harten Jahren glaube ich noch immer an einen
Ort namens Hope, glaube ich noch immer an Amerika.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie. Gute Nacht.

Meine amerikanischen Mitbürger, in 68 Tagen steht
das amerikanische Volk erneut vor einem kritischen

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AMERIKA DIENST 17

�WAHLEN

4. September 1996

Delegierte ratifizieren Wahlplattform
der "neuen Demokraten"
Auszüge aus dem Wahlprogramm

CHICAGO - (AD) - Seit der Nominierung von Lyndon
Johnson im Jahr 1964 war keine Präsidentschaftsnominierung der Demokratischen Partei so unumstritten wie in diesem Jahr.

Dokument unterstützt das Recht der Frau auf die
eigene Entscheidung, beinhaltet jedoch auch einen
Absatz, der eine unterschiedliche Sichtweise der Frage
respektiert.

Der Wortlaut der Wahlplattform - die praktisch ohne
Meinungsverschiedenheiten und einstimmig von den
Delegierten bei ihrem Parteikonvent in Chicago
verabschiedet wurde - deutet darauf, daß die Demokraten die Einheit wiedererlangen wollen, die sie
während Lyndon B. Johnsons Präsidentschaftswahlkampf vor über einer Generation unter Beweis
stellten.

Die neue Klausel lautet: "Die Demokratische Partei ist
eine Partei der Einbeziehung. Wir respektieren die
persönliche Gewissensentscheidung jedes Amerikaners bei diesem schwierigen Thema, und wir laden alle
unsere Mitglieder zur Beteiligung auf allen Ebenen
unserer Partei ein."

Die Delegierten verabschiedeten das 34 Seiten
umfassende Wahlprogramm am 27. August in mündlicher Abstimmung. Bei einigen früheren Parteikonventen war es über bestimmte Absätze der Wahlplattform
im Plenum zu Streitigkeiten wegen beabsichtigter
Änderungen gekommen. Aber dieses Mal wollten die
Demokraten Geschlossenheit vermitteln.
Das Dokument verwendet die Sprache der politischen
Mitte und bringt die Themen der "neuen Demokraten"
zum Ausdruck, die Präsident Clinton zu betonen
versuchte. Traditionelle demokratische Themen, wie
die Erhöhung des Mindestlohns und andere Maßnahmen zur Unterstützung der Armen, sind einbezogen. Die Wahlplattform wiederholt jedoch auch
Clintons Aussage in seinem Bericht zur Lage der
Nation von 1966, daß "das Zeitalter des 'Big Government' vorbei ist". In dem Dokument steht: "Das
amerikanische Volk möchte keine Lösungen einer
aufgeblähten Regierung, und es will keine leeren
Versprechungen."
Das Thema Schwangerschaftsabbruch, ein potentielles Problem für Demokraten und Republikaner gleichermaßen, da es unter den Demokraten wie Republikanern Abtreibungsgegner und -befürworter gibt,
wurde mit einer Toleranzklausel abgehandelt. Das

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Das Wahlprogramm ist in vier Hauptteile mit den Titeln
"Chancen", "Verantwortung", "Sicherheit, Freiheit und
Frieden" sowie "Gemeinschaft" untergliedert. Es
enthält eine lange Liste von Leistungen, die die
Administration für sich in Anspruch nimmt, insbesondere den Abbau des Haushaltsdefizits, die Senkung der
Verbrechensrate und den Umweltschutz. Es legt auch
die Tagesordnung für die nächsten vier Jahre dar, falls
der Präsident wiedergewählt wird.
Im Bereich der Außenpolitik unterstreicht das Dokument die Erfolge der Clinton-Administration bei Bestrebungen, die Konflikte in Bosnien, dem Nahen Osten,
Nordirland und Haiti friedlich zu beenden. Es enthält
auch den Satz: "Präsident Clinton und Vizepräsident
Gore haben die weitreichendste Tagesordnung der
Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der Geschichte festgesetzt." Bei der Bekämpfung von Terrorismus
und organisiertem Verbrechen stellt die Plattform fest,
daß die Clinton-Administration "die aggressivsten
Bestrebungen der amerikanischen Geschichte eingeleitet hat". Das Dokument verweist ferner auf die
starke Unterstützung der Administration für aufstrebende Demokratien auf der ganzen Welt und
kritisiert die Republikanische Partei wegen des
"drastisch gekürzten Haushalts".
Die Wahlplattform ist ein detailliertes Dokument, das
die Einstellung der Partei zu den einzelnen Themen

Seite 1

�widerspiegelt. Manchmal unterstützen die Präsidentschaftskandidaten die Parteiplattform, wie Clinton es in
diesem Fall getan hat. Sehr häufig stimmen die
Präsidentschaftskandidaten jedoch mit Schlüsselpassagen des Programms nicht überein, zum Teil, weil es
eine Kombination der Ansichten der Parteibasis, der
gewählten Vertreter der Partei im Kongreß sowie des
Präsidentschaftskandidaten ist.
Die Plattform der Demokratischen Partei für dieses
Jahr wurde im Juli von einem kleinen Ausschuß unter
Vorsitz des Gouverneurs von Georgia, Zell Miller, und
des Bürgermeisters von Detroit, Dennis Archer,
erarbeitet. Delegierten des Parteitags zufolge enthält
sie Eingaben von Clintons Wahlkampfteam, dem
nationalen Ausschuß der Demokraten und der demokratischen Führung im Kongreß.

Programm über Themen wie die Todestrafe und
Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Als der 186
Mitglieder umfassende Ausschuß jedoch am 5. August
in Pittsburgh (Pennsylvania) zur Verabschiedung des
Entwurfs zusammenkam, vertagte er sich bereits nach
einer Sitzung. Es gab nur vier geringfügige Änderungen.
Inzwischen wurde der Abschnitt der Wahlplattform
über die Reform der Sozialhilfe geändert, um der
Tatsache Rechnung zu tragen, daß Präsident Clinton
inzwischen ein Gesetz zur Reform der Sozialhilfe
unterzeichnet hat, das im Herbst in Kraft tritt. Der
umgeschriebene Absatz erklärt, daß das Gesetz zur
Reform der Sozialhilfe "bei weitem nicht perfekt" ist
und zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen zu
Verfügungen wie Kürzung der Leistungen für legale
Einwanderer vorgenommen werden sollten.

Vor der letzten Parteiversammlung der Demokraten im Jahr 1992 - gab es lange Debatten zum Wahl-

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�WAHLEN
4. September 1996

Demokraten für Verbrechensbekämpfung
Eröffnung des Parteikonvents

CHICAGO - (AD) - Der nationale Parteikonvent der
Demokraten begann mit einem Abend, der Emotionen
wecken und an drei Männer erinnern sollte - einer
wurde bei einem Attentat schwer verletzt, einer erlitt
ernsthafte Verletzungen bei einem Reitunfall, und der
dritte verlor sein Leben bei dem Versuch, den Menschen in Bosnien zu helfen.
Alma Brown, die Witwe des verstorbenen Wirtschaftsministers Ron Brown, der im April bei einem Flugzeugabsturz in Kroatien bei der Mission ums Leben kam,
zum Aufbau der vom Krieg zerstörten Region beizutragen, hielt nach einer Videoaufzeichnung zum
Gedenken ihres Mannes eine kurze Rede. Sie bat um
eine Schweigeminute für ihren Mann und die anderen
34 Opfer.
Der Schauspieler Christopher Reeves, zu dessen
zahlreichen Filmen "Superman" zählt, ist infolge eines
Reitunfalls im vergangenen Jahr gelähmt. Reeves, der
1992 Wahlwerbung für Präsident Clinton machte,
betonte, "Familienwerte" bedeuteten, sich um die
weniger Begünstigten einschließlich der Behinderten
zu kümmern. Er erinnerte an Präsident Franklin
Roosevelt mit den Worten: "Ebenso wie diese Administration glaube ich an das wichtigste Prinzip, das
Franklin D. Roosevelt uns gelehrt hat: Amerika
überläßt seine bedürftigen Mitbürger nicht ihrem
Schicksal. Amerika ist stärker, wenn wir uns alle um
den anderen kümmern."
Größten politischen Symbolgehalt hatte jedoch der
Auftritt von Sarah Brady, der Frau von James Brady,
dem Pressesprecher des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Reagan und Brady wurden
1981 bei einem Attentatsversuch auf den Präsidenten
verletzt.
Sarah Brady erklärte, "neun von zehn Amerikanern"
seien für die Wartezeit vor dem Kauf einer Waffe, die in
dem nach ihrem Mann benannten Brady-Gesetz
vorgeschrieben ist.
Sie zollte Präsident Clinton

AMERIKA DIENST 17

Anerkennung für sein "echtes Engagement, der
Waffengewalt ein Ende zu bereiten". Sie dankte auch
den Republikanern, die das Gesetz unterstützt hatten,
darunter Präsident Reagan.
Seit Inkrafttreten des Brady-Gesetzes im Jahr 1994
wurde "über 100.000 verurteilten Verbrechern und
anderen, denen der Kauf einer Waffe untersagt ist, das
Recht auf eine Waffe verweigert", fügte Brady hinzu.
Sie bat um die Unterstützung aller Amerikaner gegen
die sogenannte "Waffenlobby".
Seit Jahrzehnten ist die Kontrolle von Handfeuerwaffen
ein ständiges, kontroverses Thema in der amerikanischen Politik, teils aufgrund der Argumentation
einiger, das Recht, eine Waffe zu tragen, sei in der
amerikanischen Verfassung verankert. Der zweite
Zusatzartikel zur Verfassung lautet: "Da eine gut
ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien
Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes,
Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt
werden."
Die National Rifle Association (NRA), eine mächtige
Lobbygruppe, ist die treibende Kraft bei der Befürwortung von Waffenbesitz mit dem Argument, der
zweite Zusatzartikel verleihe Bürgern und Milizen das
Recht zu ungehindertem Waffenbesitz. In den letzten
Jahren haben sich jedoch die Kontrolle von Waffen
befürwortende Organisationen wie Handgun Control
Inc., deren Vorsitz Sarah Brady führt, stark gemacht
und argumentieren, der zweite Zusatzartikel schütze
nicht den uneingeschränkten Waffenbesitz von
Privatpersonen.
Am Eröffnungsabend des Parteikonvents hielten auch
andere Politiker Reden, darunter der Minderheitsführer
im Senat, Tom Daschle, und der Minderheitsführer im
Repräsentantenhaus, Dick Gephardt. Die Botschaft,
die die Politiker dem Millionenpublikum vor den
Fernsehern übermitteln wollten, war eindeutig: Die
Demokraten kümmern sich und den Durchschnitts-

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�amerikaner und seine Probleme. Alle Meinungsumfragen belegen, daß Verbrechensbekämpfung ein
Hauptanliegen der Wähler ist.

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AMERIKA DIENST 17

�KUBA
4. September 1996

Eizenstat wird Sondergesandter für die Förderung
von Demokratie in Kuba
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für internationalen Handel im
US-Wirtschaftsministerium und ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, zu
seinem und Außenminister Christophers Sondergesandten für die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten.

Zur Unterstützung unserer andauernden Bestrebungen, Demokratie nach Kuba zu bringen, habe ich den
Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, Stuart E. Eizenstat, zum Sondergesandten des Präsidenten und des Außenministers für
die Förderung von Demokratie in Kuba ernannt. Sein
Auftrag lautet, unsere Verbündeten in den nächsten
sechs Monaten für konkrete Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba zu gewinnen, während
wir Titel III des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba (Cuban Liberty and Democratic Solidarity Act - Libertad) in der von mir im vergangenen Monat dargelegten Weise umsetzen. Ich habe
ferner die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, und das ehemalige Mitglied des Repräsentantenhauses - den ehrenwerten früheren Vorsitzenden des Ausschusses für
auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses - Dante Fascell, gebeten, eine Beraterfunktion
zu übernehmen, wie dieses wichtige Ziel am besten
erreicht werden kann.
Am 16. Juli 1996 habe ich das Inkrafttreten von Titel IM
des Gesetzes für Freiheit und demokratische Solidarität in Kuba entschieden, mit dem Unternehmen, die
Geschäfte mit Kuba tätigen, davon in Kenntnis gesetzt
werden, daß ihnen wegen des Handels mit enteignetem Vermögen ein Prozeß in den Vereinigten
Staaten droht. Ich habe darüber hinaus das Recht,
Klage zu erheben, für sechs Monate ausgesetzt, um
uns Zeit zur Erarbeitung eines gemeinsamen Ansatzes
mit unseren Verbündeten und Handelspartnern zu
geben, damit wir den demokratischen Übergang in

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Kuba beschleunigen können. Die Verbündeten und
Freunde der Vereinigten Staaten teilen dieses Ziel seit
langem, wir waren uns jedoch nicht immer einig, wie
wir es erreichen können. Es ist jetzt an der Zeit,
gemeinsam konkretere Schritte zu unternehmen.
Damals habe ich auch angekündigt, daß ich einen
Sondergesandten ernennen werde, der internationale
Unterstützung für zunehmenden Druck auf Kuba zur
politischen und wirtschaftlichen Öffnung gewinnen, die
Kräfte des Wandels auf der Insel ermutigen, die
Auslandshilfe gezielter auf die Förderung demokratischer Ziele ausrichten und Geschäftspraktiken unterstützen soll, die Demokratie an den kubanischen
Arbeitsplatz bringen. In den kommenden Wochen und
Monaten wird Stu Eizenstat Konsultationen mit
kubanisch-amerikanischen Unternehmern und Mitgliedern des Kongresses hier in den Vereinigten
Staaten führen, bevor er nach Europa, Kanada und
Lateinamerika reist, um sich der Zusammenarbeit
verbündeter Regierungen, nichtstaatlicher Organisationen und der Unternehmen zu versichern.
Wie gesetzlich festgelegt, werde ich nach Ablauf
dieser sechsmonatigen Frist die von uns gemeinsam
mit unseren Verbündeten erzielten Fortschritte überprüfen, bevor ich entscheide, ob wir das Recht auf
Klage gemäß Titel III weiterhin aussetzen.
Ich bin zuversichtlich, daß die demokratischen Werte
und weitreichenden Interessen, die wir mit unseren
Verbündeten und Partnern teilen, uns die Überwindung
von Meinungsverschiedenheiten über einige Aspekte

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�des Libertad-Gesetze gestatten und unsere Aufmerksamkeit erneut auf das Wesentliche lenken - die
Förderung von Demokratie in der einzigen nichtdemokratischen Nation der Hemisphäre.
Kubas jüngste Aktionen unterstreichen die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten und die internationale
Staatengemeinschaft, hart auf einen Wandel auf der
Insel zu drängen. Im Februar haben kubanische MiGs
ohne Warnung zwei unbewaffnete amerikanische
Zivilflugzeuge im internationalen Luftraum abgeschossen und dabei vier unschuldige Menschen getötet. Die
kubanische Regierung unterdrückt systematisch

prodemokratische Aktivisten und unabhängige Journalisten.
Stu Eizenstat verfügt über eine einzigartige Kombination innen- und außenpolitischer Erfahrung als wichtigster ehemaliger innenpolitischer Berater von Präsident
Carter und Botschafter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union. Botschafter Eizenstat wird
weiterhin als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium
und Sondergesandter des Außenministeriums für die
Rückerstattung von unrechtmäßig angeeignetem
Vermögen in Zentral- und Osteuropa tätig sein.

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AMERIKA DIENST 17

�KUBA

4. September 1996

Freiheit und Wohlstand für das kubanische Volk
Ansprache von Botschafter Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Stuart E. Eizenstat, der neue Sondergesandte von Präsident Clinton für die Förderung
von Demokratie in Kuba, forderte die Verbündeten der Vereinigten Staaten in Europa und die Amerikaner auf,
gemeinsam mit Amerika den Wandel der letzten Diktatur der westlichen Hemisphäre herbeizuführen.
Vor Reportern im Weißen Haus erklärte Eizenstat am 16. August 1996, seine Ernennung und Aufgabe seien "ein
weiterer Beweis der Verpflichtung des Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und Wohlstand zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Eizenstat im Wortlaut.

Es ist mir eine Freude und Ehre, dem Präsidenten und

sidenten im vergangenen Jahr zur Unterstützung des

als Sondergesandter für die

kubanischen Volkes sollten denjenigen helfen, die auf

Förderung von Demokratie in Kuba dienen zu dürfen.
Das wird eine Herausforderung sein, aber ich bin
optimistisch, daß wir Fortschritte in Richtung auf das
Ziel des Präsidenten machen werden, effektive
internationale Kooperation für die Förderung eines
friedlichen Übergangs zu Demokratie in Kuba herbeizuführen. Ich möchte mit unseren Verbündeten
zusammenarbeiten, um kooperative Maßnahmen zur
Verwirklichung dieses Ziels zu sondieren.

einen friedlichen Wandel auf der Insel hinarbeiten. Als
kubanische Flieger im Februar ungerührt und unrechtmäßig ein unbewaffnetes amerikanisches Zivilflugzeug
abschössen, ergriff der Präsident eine Reihe einschneidender Maßnahmen, darunter die Unterzeichnung des Libertad-Gesetzes, um eindeutig klarzustellen, daß die Vereinigten Staaten ein solches
Verhalten nicht tolerieren. Meine Ernennung und
Mission sind ein weiterer Beweis der Verpflichtung des
Präsidenten, dem kubanischen Volk Freiheit und
Wohlstand zu bringen.

dem Außenminister

Ich werde eng mit Botschafterin Albright und dem
ehemaligen Kongreßabgeordneten Dante Fascell
zusammenarbeiten. Sie bringen einen reichen Schatz
an Erfahrung und Urteilsvermögen in dieses Unternehmen ein. Ich habe bereits begonnen, Mitglieder des
Kongresses und Politiker in der kubanisch-amerikanischen Gemeinde zu kontaktieren und werde dies
auch weiterhin tun, um mehr über ihre Ansichten und
Ideen in Erfahrung zu bringen.
Vor allem sehe ich der Arbeit für einen Präsidenten
erwartungsvoll entgegen, der seine Verpflichtung zur
Förderung eines demokratischen Wandels in Kuba
bereits unter Beweis gestellt hat. Der Präsidentschaftskandidat Bill Clinton war ein frühzeitiger und
starker Befürworter des Gesetzes für Demokratie in
Kuba. Als Präsident hat er entschieden und konsequent gehandelt, um den Druck auf die kubanische
Regierung zu verstärken. Die Initiativen des Prä-

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Ich arbeite bereits seit gut zwanzig Jahren mit der
kubanisch-amerikanischen Gemeinde zusammen und
sehe unserer Zusammenarbeit bei dieser neuen
Aufgabe erwartungsvoll entgegen. Daher beabsichtige
ich, Anfang nächster Woche nach Südflorida und New
Jersey zu einem Treffen mit kubanisch-amerikanischen Politikern zu reisen, um unsere Erörterung
meiner Mission fortzusetzen.
Ich werde ein breites Spektrum an Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und einen Partnerschaftsrahmen mit
unseren Verbündeten in Europa und vor allem in
unserer Hemisphäre erarbeiten, mit denen der Übergang zu Demokratie in Kuba gefördert werden soll.
Diese Partnerschaft sollte auch nichtstaatliche Organisationen, Privatunternehmen und Verbände einbeziehen. Bei meinen Gesprächen geht es darum, auf

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�grundlegende Veränderungen des politischen und
wirtschaftlichen Systems zu drängen und alle verfügbaren Druckmittel einzusetzen, engere Zusammenarbeit zwischen nichtstaatlichen Organisationen der
Vereinigten Staaten und der Verbündeten bei der
Stärkung der bürgerlichen Gesellschaft in Kuba durch
humanitäre Hilfe über nichtstaatliche Kanäle zu fördern
und freiwillige Geschäftsgrundsätze entsprechend der
Sullivan-Prinzipien in Südafrika einzuführen, damit
Investitionen - sofern sie getätigt werden - den Wandel
fördern. Ich sehe meine Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten nicht so, als ob ich sie "mit der Pistole auf
der Brust" zu Verhandlungen zwinge. Wir werden
vielmehr kooperativ auf Schritte hinarbeiten, die wir
alle unabhängig vom Libertad-Gesetz unternehmen
sollten.
In einer Zeit, in der die Welt sich unweigerlich zu
Demokratie hinbewegt, ist Castros Kuba ein Anachronismus. Kuba ist einer der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt. Die Vereinigten Staaten
haben die Führungsrolle bei der Verurteilung dieses
repressiven Regimes übernommen. Das werden wir
auch weiterhin tun.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß seine
Entscheidung über die Aussetzung des Rechts, gemäß
Titel III Klage zu erheben, von der Erlangung konkreter
Ergebnisse mit unseren Verbündeten und anderen
interessierten Regierungen abhängt. Es wäre nicht
klug, im Vorhinein zu erörtern, was genau das Resultat
unserer Diskussionen sein muß. Ich kann jedoch
sagen, daß wir konkrete, spezifische Maßnahmen
erwarten. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten teilen die grundlegende Überzeugung, daß die

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Seite 2

Demokratie in Kuba eingeführt und die Menschenrechte respektiert werden sollten. Meine Aufgabe besteht
in der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, um
unsere Aktivitäten gemeinsam auf diese Ziele auszurichten. Unsere Verbündeten haben diesen Kurs
bereits eingeschlagen. Ich hoffe, diese Verbündeten
ermutigen zu können, mehr zu tun, und andere,
diesem Beispiel zu folgen.
Ich weiß, einige sind skeptisch, ob die Vereinigten
Staaten und andere Demokratien ihre Meinungsverschiedenheiten bezüglich Kuba ausräumen können.
Ich verfüge über einige Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit unseren Freunden in Europa, und ich habe
größere Hoffnungen. Ich teile das Vertrauen des
Präsidenten, daß unsere gemeinsamen Werte und
engen Bande es den Vereinigten Staaten und unseren
Verbündeten gestatten werden, unsere Differenzen
über einige Aspekte des Libertad-Gesetzes zu überwinden und auf die Förderung von Freiheit in Kuba
hinzuarbeiten, wie wir es in anderen Teilen der Welt
getan haben. Die Vereinigten Staaten sind ein Partner
ihrer europäischen Verbündeten, den Ländern Zentralund Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion
beim Übergang vom Kommunismus zu freien Regimes
behilflich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind ein
Partner Europas bei der Beendigung des Krieges in
Bosnien und der Arbeit an einem stabilen Frieden auf
dem Balkan. Wie fordern unserer europäischen
Verbündeten und diejenigen in unserer Hemisphäre
zur Zusammenarbeit mit uns auf und bitten sie,
gemeinsam mit uns mehr zu tun, um den demokratischen Wandel des einzigen nichtdemokratischen
Regimes unserer Hemisphäre herbeizuführen.

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�PORTRAT

4. September 1996

Stuart E. Eizenstat
Sondergesandter für die Förderung von Demokratie in Kuba

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Biographie von Stuart E. Eizenstat, Staatssekretär für
internationalen Handel im Wirtschaftsministerium, der am 16. August 1996 zum Sondergesandten für die
Förderung von Demokratie in Kuba von Präsident Clinton und Außenminister Christopher ernannt wurde.

Am 5. April 1996 wurde Stuart E. Eizenstat als Staatssekretär für internationalen Handel im Wirtschaftsministerium
vereidigt.
Als Staatssekretär leitet
Eizenstat das internationale Handelsbüro des Wirtschaftsministeriums, das für die Förderung amerikanischer Exporte, Unterstützung amerikanischer
Geschäftstätigkeit im Ausland, die Umsetzung von
Gesetzen gegen unfaire Handelspraktiken und die
Entwicklung der Handelspolitik verantwortlich ist.
Botschafter Eizenstat behält auch weiterhin den Titel
und Aufgabenbereich als Sondergesandter für Vermögensansprüche in Zentral- und Osteuropa.
Vor seiner Verwendung im Wirtschaftsministerium war
Eizenstat Vertreter der Vereinigten Staaten bei der
Europäischen Union (der amerikanische Senat
bestätigte die Nominierung am 30. Juli 1993, und der
Botschafter wurde am 23. September 1993 in Brüssel
akkreditiert). Zum Zeitpunkt seiner Nominierung war
er Sozius und Stellvertretender Vorsitzender der
Rechtsanwaltskanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp;
Murphy, in die er 1981 eingetreten war, und Vorsitzender des Washingtoner Büros der Kanzlei. Gleichzeitig
lehrte Eizenstat als Gastdozent an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University in
Cambridge (Massachusetts) und an der Brookings
Institution in Washington.
Von 1977 bis 1981 war Eizenstat als Präsident Carters
Referent für innenpolitische Angelegenheiten und
Politik sowie als Leiter des Stabes für Innenpolitik im
Weißen Haus tätig. 1976 arbeitete er während Carters
Präsidentschaftswahlkampf hauptamtlich als Leiter für
aktuelle Fragen und Politik. Nach der Wahl wurde er
Leiter des Ressorts für Politik, Planung und Analysen
der Carter-Mondale-Übergangsplanungsgruppe.

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Von 1968 bis 1970 war Eizenstat in Atlanta als persönlicher Referent des Richters am Bezirksgericht des
nördlichen Bezirks von Georgia, Newell Edenfield, tätig
und von 1970 bis 1976 als Rechtsanwalt und Sozius
der Kanzlei Powell, Goldstein, Frazer &amp; Murphy.
Botschafter Eizenstat hat zahlreiche Beiträge für
führende Zeitungen, Zeitschriften und juristische
Publikationen verfaßt und war Mitherausgeber des
Buches The American Agenda. Zum Zeitpunkt seiner
Nominierung saß Eizenstat im Vorstand von gemeinnützigen Organisationen wie dem Weizmann Institute
of Science, The Jerusalem Foundation, Brandeis
University, Council on Foreign Relations, Council for
Excellence in Government Center for National Policy,
Overseas Development Council, International Management and Development Institute (Jerusalem), American
Jewish Committee, der UJA Federation of Greater
Washington und war Vorsitzender der Feinberg
Graduate School des Weizmann Institute. Darüber
hinaus war er Vorstandsmitglied von Hercules Inc., PSI
Energy, Inc. sowie der Israel Discount Bank of New
York.
Zur Beendigung seiner Tätigkeit als amerikanischer
Botschafter bei der Europäischen Union im Jahr 1996
verlieh Außenminister Warren Christopher Botschafter
Eizenstat den Foreign Affairs Award for Public Service,
die höchste Auszeichnung, die ein Botschafter erhalten
kann, der nicht Karrierediplomat ist.
Stuart Eizenstat wurde 1943 in Chicago geboren. Er
machte sein Examen in politischen Wissenschaften an
der University of North Carolina in Chapel Hill und
legte 1967 sein juristisches Staatsexamen an der
Harvard University ab. Seine herausragende Lauf-

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�bahn in der Regierung begann während seiner Zeit an
der Universität, als er im Sommer 1963, 1964 und
1966 als Praktikant für die Legislative und Exekutive
der Bundesregierung tätig war. Von 1967 bis 1968
war er unter Präsident Johnson Mitarbeiter im Weißen
Haus und 1968 Forschungsdirektor für Vizepräsident
Hubert Humphreys Präsidentschaftswahlkampf.
Botschafter Eizenstats Biographie erscheint in Who's
Who in America, Who's Who in American Lawyers,
Who's Who in American Jewry, Who's Who in World
Jewry, Who's Who Among Intellectuals, Who's Who in
American Politics und Who's Who in the World.
Während seiner Jahre im öffentlichen Dienst wurden

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ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter
der Export Enhancement Award, U.S. Coalition for
Employment Through Exports, 1993; Israel Bond
Award, 1992; Jewish Leadership Award, the Academy
of Jewish Religion, 1989; Man of the Year Award der
National Capital Association of B'nai B'rith Lodges,
1982; Department of Labor Award for Special Contributions to Youth Employment, 1980; Award from the
Washington International Business Council, 1978 und
der Young Man of the Year Award for Leadership,
American Association for Jewish Education, 1973-74.
Botschafter Eizenstat und seine Frau Frances Carol
haben zwei Söhne, Jay und Brian.

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AMERIKA DIENST 17

�SOZIALES
4. September 1996

Bundesstaaten übernehmen Sozialhilfe
Rede von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Am 22. August 1996 unterzeichnete Präsident Clinton einen Gesetzentwurf, der den
Bundesstaaten die Verantwortung für die Zahlung von Sozialhilfe an Bedürftige überträgt.
Das selbst von vielen Mitgliedern der Demokratischen Partei scharf angegriffene neue Gesetz bricht mit einer 60
Jahre alten Tradition, die mit Präsident Roosevelts New Deal begann und Präsident Johnsons Great Society
beinhaltete. Das Gesetz gestattet jetzt den Bundesstaaten die Entscheidung über die Bedingungen von
Sozialhilfezahlungen an Kinder, Alleinerziehende und ältere Mitbürger. Dem Gesetz zufolge müssen diejenigen,
die in der Lage sind zu arbeiten, eine Arbeit annehmen, und es setzt fest, wer für Sozialhilfeleistungen in Frage
kommt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Heute versuchen wir die Mängel des Sozialhilfesystems für diejenigen zu beseitigen, die darauf
angewiesen sind. Wir alle wissen, daß sich die heute
von Sozialhilfe abhängige typische Familie stark von
der unterscheidet, für die das Sozialhilfesystem vor 60
Jahren geschaffen wurde. Wir alle wissen, daß viele
Menschen nur eine gewisse Zeit von Sozialhilfe
abhängen, es jedoch eine beträchtliche Anzahl derer
gibt, die sehr lange darauf angewiesen sind, wodurch
sie aus der arbeitenden Bevölkerung ausgeschlossen
werden, die unserem Leben Struktur verleiht.
Vor nahezu 30 Jahren erklärte Robert Kennedy:
"Arbeit ist das, worum es in diesem Land überhaupt
geht. Wir benötigen sie als Einzelpersonen, wir
benötigen sie für unsere Mitbürger, und wir benötigen
sie als Gesellschaft und Volk." Er hatte damals recht,
und er hat heute recht.
Von jetzt an ist die Antwort der Nation auf diese große
soziale Herausforderung nicht mehr der unendliche
Zyklus der Sozialhilfe, sondern es wird die Würde,
Macht und Ethik der Arbeit sein. Heute ergreifen wir
eine historische Chance, Sozialhilfe zu dem zu
machen, was sie eigentlich sein sollte: Eine zweite
Chance, nicht eine Lebensweise.

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Wie ich häufig gesagt habe, ist das.Gesetz, das ich
jetzt unterzeichne, bei weitem nicht perfekt. Der
Kongreß hat mir vorher zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die meiner festen Überzeugung nach unsere
Kinder nicht schützten und zu wenig taten, um die
Menschen von der Sozialhilfe weg und zur Annahme
einer Arbeit zu bringen. Ich habe gegen beide mein
Veto eingelegt. Dieses Gesetz hatte breite überparteiliche Unterstützung und ist in beiden Bereichen sehr
viel besser.
Das neue Gesetz stellt die grundlegende Voraussetzung wieder her, indem Chancen angeboten werden
und im Gegenzug Verantwortung gefordert wird. Es
sieht 14 Milliarden Dollar für Kinderbetreuung vor, 4
Milliarden Dollar mehr als das bisherige Gesetz. Es ist
gut, weil es für eine Mutter mit kleinen Kindern ohne
die Gewährleistung der Kinderbetreuung unmöglich ist,
zur Arbeit zu gehen. Es erfordert von den Bundesstaaten, selbst die Ausgaben für die Sozialreform zu
tätigen und bietet ihnen starke Leistungsanreize, mehr
von Sozialhilfe abhängige Menschen zur Annahme
einer Arbeit zu bewegen. Es verleiht den Bundesstaaten die Fähigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen mit
dem Geld, das bisher für Sozialhilfe aufgewandt und
jetzt den Arbeitgebern als Anreiz zur Einstellung von
Leuten gegeben wird. Das Gesetz wird den Menschen
helfen, zur Arbeit zu gehen, damit sie nicht länger

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�einen Sozialhilfescheck, sondern einen Gehaltsscheck einlösen können.
Es ist auch besser für die Kinder. Es erhält das
nationale Sicherheitsnetz der Lebensmittelmarken und
Schulspeisung. Es hebt die tiefen Einschnitte und
verheerenden Änderungen beim Schutz von Kindern,
Adoption und der Hilfe für behinderte Kinder auf. Es
bewahrt die nationale Garantie der Krankenversicherung für arme Kinder, Behinderte, Ältere und die von
der Sozialhilfe Abhängigen - das ist die wichtigste
Klausel überhaupt.
Es beinhaltet die harten Maßnahmen für die Durchsetzung von Unterhaltszahlungen, die meines Wissens
jeder Kongreßabgeordnete, jeder in der Administration
und jeder denkende Mensch im Land seit über zwei
Jahren unterstützt.
Dieses Gesetz geht in schärfster - beispielloser Weise gegen schmarotzende Eltern vor. Es ist uns
gelungen, die Unterhaltszahlungen um 40 Prozent zu
erhöhen, aber in über einem Drittel der Fälle machen
sich die Delinquenten aus dem Staub und gehen in
einen anderen Bundesstaat. Für viele Frauen und
Kinder ist der einzige Grund ihrer Abhängigkeit von
Sozialhilfe, daß der Vater sie im Stich ließ, statt einen
Beitrag zum Unterhalt des Kindes zu leisten. Das ist
falsch. Wenn alle Väter die Unterhaltszahlungen
leisten würden, die sie rechtlich erbringen müssen,
könnten auf der Stelle 800.000 Frauen und Kinder von
der Liste der Sozialhilfeempfänger gestrichen werden.
Mit diesem Gesetz sagen wir, wenn Ihr nicht den
Unterhalt bezahlt, den Ihr schuldet, werden wir Euer
Gehalt pfänden; wir werden Euch den Führerschein
abnehmen; Euch über Staatsgrenzen hinweg aufspüren; wenn nötig, müßt Ihr abarbeiten, was Ihr
schuldig seid. Das Gesetz ist gut, und es wird zu einer
drastischen Senkung der Sozialhilfezahlungen beitragen, die Unabhängigkeit fördern und die elterliche
Verantwortung stärken.
Wie der Vizepräsident ausführte, sind wir mit einigen
Verfügungen des Gesetzes überhaupt nicht einverstanden. Unseres Erachtens sind die Einschnitte bei
den Lebensmittelzuwendungen zu tief, insbesondere
da sie einkommenschwache Arbeitnehmer mit Kindern
betreffen. Wir sollten nicht diejenigen bestrafen, die
bereits für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Wir sollten
alles in unserer Macht Stehende zu ihrer Unterstützung tun, dafür sorgen, daß sie ihren Arbeitsplatz
behalten und zur Unterstützung ihrer Kinder beitragen.
Wir sind auch der Auffassung, daß die Führung im
Kongreß auf Kürzungen von Programmen für legale
Einwanderer bestanden hat, die viel zu einschneidend
sind.
Diese Kürzungen haben jedoch nichts mit dem
grundlegenden Zweck einer Reform des Sozialwesens

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zu tun. Ich unterzeichne dieses Gesetz, weil es eine
historische Chance darstellt - Republikaner und
Demokraten setzten sich zusammen und erklärten, wir
werden diese historische Chance ergreifen, um die
soziale Absprache zwischen der Nation und den
Armen neu zu formulieren. Wir werden die Parameter
der Debatte ändern. Wir werden alles neu machen
und sehen, ob wir nicht ein System der Anreize
schaffen können, das die Arbeit, Familie und Unabhängigkeit stärkt.
Wir können das ändern, was falsch ist. Wir hätten
diese historische Chance nicht vergeuden dürfen, das
zu tun, was richtig ist. Und deshalb möchte ich Sie alle
- unabhängig von Ihrer Parteizugehörigkeit - bitten, die
Implikationen dieser anderen, nicht sozialen Themen
auf das amerikanische Volk zu überdenken und
gemeinsam guten Mutes und guten Glaubens zusammenzuarbeiten, um das zu beheben, was falsch
ist. Wir können den Haushalt ohne diese Kürzungen
ausgleichen, aber wir wollen nicht den Hauptzweck der
sozialen Verfügungen dieses Gesetzes vergessen, die
gut und solide sind und uns zumindest die Chance
bieten können, die schreckliche und fast physische
Isolierung enormer Zahlen armer Menschen und ihrer
Kinder vom Rest Amerikas zu beenden. Das müssen
wir tun.
Dieses Gesetz hat auch etwas wirklich Gutes. Wenn
ich es unterzeichne, müssen wir alle neu anfangen.
Und jedem wird Verantwortung übertragen. Nachdem
ich meinen Namen unter dieses Gesetz geschrieben
habe, wird Sozialhilfe nicht länger ein politisches
Thema sein. Die beiden Parteien können sich nicht
gegenseitig wegen dieses Gesetzes angreifen. Die
Politiker können nicht die Armen angreifen. Es gibt
keine eingefahrenen Gewohnheiten, verkrusteten
Systeme und Mängel, für die jemand anderem die
Schuld zugeschoben werden kann. Wir müssen neu
anfangen. Das ist nicht das Ende der Sozialreform, es
ist der Anfang. Und wir alle müssen Verantwortung
übernehmen.
Wenn wir jetzt sagen, daß wir mit diesem Gesetz
Arbeit erwarten, müssen wir sicherstellen, daß die
Menschen eine Chance haben, zur Arbeit zu gehen.
Wenn wir der Arbeit den ihr gebührenden Wert
beimessen, haben alle in dieser Gesellschaft - Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, religiöse
Institutionen, Einzelpersonen und die Regierungsvertreter - die Verantwortung sicherzustellen, daß die
Arbeitsplätze vorhanden sind. Wenn es jetzt nicht
funktioniert, ist es unser aller Fehler - meiner, Ihrer und
der aller anderen. Es steht nicht länger ein System im
Weg.
Ich habe in den vergangenen vier Jahren hart daran
gearbeitet, Arbeitsplätze zu schaffen und die Investitionen dorthin zu lenken, wo viele Menschen von
Sozialhilfe leben, weil es dort keine wirtschaftliche

AMERIKA DIENST 17

�Gesundung gegeben hat. Darum ging es bei dem
Programm der Übertragung von Befugnissen an
bestimmte Zonen. Darum ging es bei der Initiative
einer Gemeindeentwicklungsbank. Darum ging es bei
der Initiative, heruntergekommene Stadtviertel zu
sanieren - den Menschen die Mittel an die Hand zu
geben, in Wohngebieten ihren Lebensunterhalt zu
verdienen, die vernachlässigt worden waren.
Meines Erachtens müssen wir hier in Washington
mehr dafür tun. Ich möchte jedoch wiederholen, wir
müssen ein neues Arbeits- und Familiensystem
aufbauen. Und die Verantwortung dafür obliegt jetzt
allen. Die auf Sozialhilfe Angewiesenen sind Menschen. Und wir schulden es allen, ihnen eine Chance
zur Rückkehr zu bieten.
Ich möchte, daß sie alle darüber nachdenken, was wir
jetzt tun werden. Dies ist nicht das Ende, dies ist erst
der Anfang. Der Kongreß verdient unseren Dank für
die Schaffung einer neuen Realität, aber wir müssen
sie mit Inhalt füllen. Die Gouverneure haben um diese
Verantwortung gebeten, jetzt müssen wir ihr gerecht
werden. Es gibt Bürgermeister, die Verantwortung
haben, Vertreter der Landkreise, die Verantwortung
haben. Jeder Arbeitgeber in diesem Land, der je eine
abfällige Bemerkung über das Sozialhilfesystem
gemacht hat, sollte darüber nachdenken, ob er nicht
jemanden einstellt, der statt Sozialhilfe dann Arbeit hat.
Wenden Sie sich an den Bundesstaat und sagen Sie,
okay, gebt mir den Scheck, ich nutze ihn als Zulage,
ich bilde diese Menschen aus, ich helfe ihnen, ihr
Leben zu beginnen, und von da aus geht es weiter.
Jede einzelne Person muß nachdenken. Jede Person
in Amerika, die heute abend einen Bericht über diese
Veranstaltung sieht, die je eine abfällige Bemerkung
über das Sozialhilfesystem gemacht hat, sollte jetzt
sagen: "Okay, das ist vorbei. Welche Verantwortung
habe ich, es besser zu machen?"

schäftigten in mittelständischen Unternehmen erleichtert, eine Rente zu bekommen und zu behalten.
Gestern unterschrieben wir das Kassebaum-KennedyGesetz, das bis zu 25 Millionen Amerikanern den
Zugang zur Krankenversicherung erleichtert, von
denen viele schlecht bezahlte Arbeitsplätze haben,
was es für sie schwieriger macht.
Das Gesetz, das ich heute unterzeichne, bewahrt die
Aufstockung des Steuerfreibetrags für Arbeitnehmerfamilien. Jetzt ist es entschieden besser, zur Arbeit zu
gehen, statt weiterhin von Sozialhilfe abhängig zu sein
- entschieden besser. Aufgrund der vom Kongreß in
dieser Sitzungsperiode ergriffenen Maßnahmen ist es
entschieden besser. Und wir müssen diese Arbeit jetzt
zur Realität werden lassen.
Ich habe das schon viele Male gesagt - für die meisten
amerikanischen Familien besteht die größte Herausforderung in ihrem Leben darin, ihre Kinder gut zu
erziehen und gute Arbeit zu leisten. Einen Interessensausgleich zwischen Arbeit und Familie herzustellen, ist die Herausforderung, mit der sich die
meisten Amerikaner am Arbeitsplatz konfrontiert
sehen. Wir wollen, daß jeder wenigstens die Chance
hat, das richtige Gleichgewicht für sich herzustellen.
Heute schaffen wir die Sozialhilfe ab, wie wir sie
kannten. Ich hoffe jedoch, daß man diesen Tag in
Erinnerung behält, nicht wegen dem, was er abschaffte, sondern wegen dem, was er begann - einen
neuen Tag, der Hoffnung, Ehrgefühl und Verantwortung bietet, Arbeit belohnt und die Bedingungen der
Debatte ändert, so daß niemand in Amerika je wieder
das Gefühl hat, Menschen kritisieren zu müssen, die
arm oder von Sozialhilfe abhängig sind, sondern statt
dessen die Verantwortung fühlt, Männer und Frauen
und Kinder einzubeziehen, die isoliert sind, eine
Chance brauchen und die bereit zur Übernahme von
Verantwortung sind - ihnen muß man die Chance
geben und die Verantwortung übertragen.

Vor zwei Tagen haben wir eine Gesetzesvorlage
unterzeichnet, die den Mindestlohn erhöht und es Be-

*

AMERIKA DIENST 17

* * *

*

Seite 3

�UMWELT
4. September 1996

Nachhaltige Entwicklung Eine außenpolitische Priorität der USA
von Timothy E. Wirth

WASHINGTON - (AD) - Wirtschaftswachstum und Umweltschutz müssen "sich gegenseitig verstärken", erklärt
der Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy E. Wirth.
Timothy E. Wirth war von 1987 bis 1993 Senator von Colorado und von 1975 bis 1986 Mitglied des
Repräsentantenhauses. In seiner derzeitigen Funktion ist Wirth zuständig für Themen im Zusammenhang mit
Umwelt, Bevölkerung, Menschenrechten, Flüchtlingen, Drogen und Verbrechen.

Nachhaltige Entwicklung bedeutet im Grundsatz, daß
die Volkswirtschaften der Welt den Versuch unternehmen sollten, den Bedarf der heutigen Generation zu
erfüllen, ohne künftige Generationen einem Risiko
auszusetzen oder sie zu berauben. So verstanden
und verfolgt kann die Idee tragfähiger Entwicklung die
außerordentlich mächtigen wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Kräfte integrieren und harmonisieren, die in der Welt von heute am Werk sind. Es ist ein
in der Erkenntnis wurzelndes Konzept, daß wirtschaftliche und umweltpolitische Fortschritte sich
gegenseitig verstärken.
Ökosysteme sind die Grundlage der modernen
Gesellschaft - bei wissenschaftlicher, landwirtschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Planung. Auf lange
Sicht ist es eine ruinöse Wirtschaftsstrategie, von
unserem ökologischen Kapital zu leben. Gleichzeitig
streben die meisten Völker und Nationen Wirtschaftswachstum sowie wissenschaftliche und technologische
Fortschritte an, die wiederum unerläßliche Bausteine
des Umweltschutzes sind.
Bedauerlicherweise wurde die Sorge um die Umwelt
viel zu lange als ein peripheres, nicht brisantes Thema
angesehen, das im Kontext des Wohlstands als Luxus
behandelt werden kann. Viel zu viele werden mit dem
Kopf nicken und sagen: "Ja, ich bin für Umweltschutz solange das keine Arbeitsplätze kostet." Und in dieser
völlig falschen Analyse verbirgt sich die grundlegende
intellektuelle Herausforderung für nachhaltige Entwicklung.

AMERIKA DIENST 17

Eine mit der Umwelt verflochtene Wirtschaft
Das größte Hindernis beim Streben nach tragfähiger
Entwicklung - hier in den Vereinigten Staaten und
weltweit - ist die fälschliche Annahme, Umweltschutz
stehe im Widerspruch zu Wirtschaftsinteressen.
Tatsache ist jedoch, daß die Wirtschaft untrennbar mit
der Umwelt verbunden und völlig von ihr abhängig ist.
Fünf biologische Systeme - Ackerland, Wälder,
Weiden, Ozeane und Wasserstraßen - unterstützen
die Weltwirtschaft. Mit Ausnahme von fossilen Brennstoffen und Mineralien liefern sie alle Rohstoffe für die
Industrie und unsere gesamten Nahrungsmittel:
Ackerland liefert Nahrungsmittel, Tierfutter und
eine endlose Vielfalt von Rohstoffen für die
Industrie wie Fasern und pflanzliche Öle.
Wälder sind die Quelle für Brennstoff, Holz,
Papier und zahlreiche andere Produkte.
Weiden bieten Fleisch, Milch, Leder und
Wolle.
Ozeane und Wasserstraßen produzieren
Nahrungsmittel für den einzelnen und Ressourcen für die Industrie.
Im Unternehmerjargon ist die Volkswirtschaft eine
hundertprozentige Tochtergesellschaft der Umwelt.
Die gesamten Wirtschaftsaktivitäten hängen von der
Umwelt ab und sind die zugrundeliegende Ressour-

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�cenbasis. Wenn die Umwelt schließlich gezwungen
ist, den Bankrott zu erklären, weil ihre Rohstoffbasis
verschmutzt, abgebaut, zerstört oder unwiderruflich
aufs Spiel gesetzt wurde, dann geht die Wirtschaft mit
ihr bankrott.
Ist dies nur ein theoretisches Konzept? Natürlich nicht.
Es geschah in Zentral- und Osteuropa, wo wir die
tiefgreifende Umweltzerstörung erst jetzt entdecken
und verstehen. Tatsächlich geschieht es auf der
ganzen Welt, selbst in vielen Krisenherden der heutigen Zeit, die dauernd Schlagzeilen machen.
Ressourcenknappheit ist die Ursache der gewalttätigen Konflikte, die die bürgerliche Gesellschaft in
Ruanda, Haiti und Chiapas erschüttern. Diese Konflikte könnten sich intensivieren und ausweiten,
während sich immer größere Populationen um immer
weniger Land, Brennstoff und Wasser streiten.
Professor Tad Homer-Dixon von der University of
Toronto warnt, daß die Rohstoffe in den kommenden
Jahren "wahrscheinlich in einer Geschwindigkeit,
Komplexität und Größenordnung knapper werden, die
in der Geschichte ihresgleichen suchen".
Wir lernen, daß das Umweltkapital nicht einfach
gemessen werden kann, indem man Bäume, Fischbestände oder Weizenähren zählt. Es umfaßt auch
komplexe Ökosysteme, die Abfall filtern, Boden
regenerieren und Trinkwasservorräte auffüllen. Diese
Systeme, die wir verspätet zu verstehen begonnen
haben, bilden die Grundlage des Lebens auf der Erde.
Abbau der Ozonschicht, Verlust der Arten und der
zunehmende Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre
sind ein Beweis der Tatsache, daß die Ökosysteme
des Planeten einer großen Belastung ausgesetzt sind.
Unsere Defizitfinanzierung des Umweltkapitals hat
direkte, messbare Auswirkungen auf die menschliche
Sicherheit. Mit anderen Worten: Die lebenserhaltenden Systeme des gesamten Globus werden mit
rascher Geschwindigkeit aufs Spiel gesetzt, illustrieren unsere Interdependenz mit der Natur und verändern unsere Beziehung zum Planeten. Die Sicherheit unserer Welt hängt davon ab, ob wir ein
tragfähiges, ausgewogenes Gleichgewicht zwischen
der Zahl der auf der Erde lebenden Menschen und der
lebenserhaltenden Fähigkeit des Planeten herstellen
können:
Warum ist dieser neue Aspekt der Sicherheit erst jetzt
erkannt worden? Zwei Trends sprechen für sich.
Erstens das exponentielle Wachstum der menschlichen Bevölkerung. Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und liegt jetzt bei 5,6 Milliarden.
Jedes Jahr nimmt die Welt um weitere 91 Millionen
Bewohner zu - dem Äquivalent eines New York jeden
Monat, eines Mexiko jedes Jahr, eines China jedes
Jahrzehnt. 95 Prozent dieses Wachstums findet in
verarmten Ländern der Dritten Welt statt, die bereits

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darum kämpfen, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen
und ihre Bevölkerung zu ernähren.
Gleichzeitig hat die industrialisierte Welt Kapazitäten
und ein Konsumverhalten zur Nutzung von Ressourcen und zur Produktion von Abfall in einer in der
Geschichte der Menschheit beispiellosen Geschwindigkeit entwickelt. Obwohl in den Industriestaaten nur
ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, verbrauchen sie
zwei Drittel aller konsumierten Rohstoffe und erzeugen
vier Fünftel aller Schadstoffe und Abfälle.
Wir manövrieren uns in eine schreckliche Lage - die
Weltbevölkerung nimmt mit einer Geschwindigkeit zu,
der nur unsere zunehmende Fähigkeit, Rohstoffe zu
konsumieren und Abfall zu produzieren, entspricht
oder sie noch übertrifft. Das ist ein absolut nicht
tragfähiger Kurs.
Prioritäten der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung
Der Bevölkerung muß oberste Priorität auf der Tagesordnung der Vereinigten Staaten für nachhaltige
Entwicklung beigemessen werden. In der internationalen Bevölkerungspolitik haben die Vereinigten
Staaten wieder eine Führungsrolle übernommen, und
wir haben zur Erarbeitung eines 1994 in Kairo vereinbarten internationalen Plans beigetragen, der einen
umfassenden Ansatz zur Bewältigung des raschen
demographischen Wandels fordert. Der Plan sieht die
universelle Bereitstellung von Dienstleistungen in den
Bereichen Familienplanung und reproduktive Gesundheit vor, würde die Ausbildung junger Mädchen
drastisch verbessern und sich auf die Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Verantwortung des Mannes, starke
Familien und die Einbeziehung nichtstaatlicher Organisationen an der Basis konzentrieren.
Elementarer Bestandteil der amerikanischen Bevölkerungsstrategie ist die Förderung sozialer, politischer
und wirtschaftlicher Rechte von Frauen, die außerordentlich wichtige Ressourcen für Wachstum und
Mittler des Wandels sind. Die Dividende dieser
Initiativen - im Hinblick auf Stabilität, Qualität der
Umwelt und wirtschaftliche Produktivität - wird die
Kosten auf Generationen hinaus aufwiegen. Dies wird
zu einem generellen Thema der amerikanischen
Außenpolitik und unseres Erachtens ein erreichbares
Ziel im 21. Jahrhundert.
Eine zweite Priorität - die Bereitstellung grundlegender
Gesundheitsfürsorge - ist eine kluge Investition für die
internationale Staatengemeinschaft, die mit relativ
geringen globalen Kosten getätigt werden kann. Die
Ausrottung von vier verbreiteten, leicht vermeidbaren
Krankheiten - Masern, Tetanus, Keuchhusten und
Kinderlähmung - die Behebung von Jod- und Vitamin
A-Mangel und die weltweite Verfügbarkeit oraler

AMERIKA DIENST 17

�Rehydrationstherapien können allesamt Anfang des
nächsten Jahrhunderts verwirklicht sein.

scheidender Subpopulationen - insbesondere Frauen
- im Entwicklungsprozeß einzulösen.

Allein mit diesen Maßnahmen könnten jährlich 3 bis 4
Millionen Menschenleben gerettet, vielleicht 20
Millionen frühe Kindstode vermieden, unermeßliches,
unnötiges Leiden gemildert und ein maßgeblicher
Beitrag zur Erleichterung des Drucks auf größere
Familien geleistet werden. Bestandteil der globalen
Gesundheitsstrategie der Vereinigten Staaten ist auch
die Konzentration auf AIDS in der Erkenntnis, daß eine
Heilung vielleicht noch Jahrzehnte dauern wird, wir
jedoch mit aggressiven Präventionsstrategien in den
Teilen der Welt helfen können, wo die Verbreitung der
Infektionskrankheit epidemische Ausmaße angenommen hat.

Dieses Ziel der institutionellen Reform ist Teil der
sechsten und letzten Herausforderung - der Herausforderung der Regierungsführung im 21. Jahrhundert.
In dieser Welt nach dem Kalten Krieg machen unsere
Probleme vor traditionellen Grenzen nicht halt globaler Klimawandel, Abbau der Ozonschicht,
Artenvielfalt, Flüchtlinge, Drogen - all diese Themen
geben zur Sorge Anlaß, die uns vor eine Herausforderung stellt und mit Hilfe stärkerer multilateraler,
kooperativer Organisationen bewältigt werden muß.

Die Artenvielfalt ist eine dritte Priorität - ein großer
Schild für die Aufgabe, Gottes Schöpfung zu erhalten,
das biologische Erbe, das alle lebenden Dinge umfaßt.
Diese riesige Quelle genetischer Informationen ist
entscheidend für unsere langfristige wirtschaftliche und
umweltpolitische Integrität, und wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um sie zu erhalten. Der
amerikanische Senat muß den beim Erdgipfel in Rio de
Janeiro 1992 verabschiedeten Vertrag über die
Artenvielfalt ratifizieren. Gemeinsam mit anderen
Signatarstaaten müssen die Vereinigten Staaten
weltweite Bestrebungen in die Wege leiten, diese
umfassende und großenteils unbekannte Informationsquelle zu katalogisieren, zu erkunden und nachhaltig
zu nutzen. Das nächste Jahrhundert wird zweifelsohne das Jahrhundert der Biologie, und wir müssen uns
engagieren, um diese bemerkenswerte Chance neuer
Quellen für Nahrungsmittel, Brennstoff, Fasern und
Pharmazeutika vollständig zu nutzen.
Die Integration umweltpolitischer und wirtschaftlicher
Gebote auf nationaler Ebene ist eine vierte Priorität.
Wir können nicht länger davon ausgehen, daß wir
keine Kosten für die Verschmutzung der Luft oder die
Erschöpfung unserer Ressourcen tragen müssen. Wir
müssen vielmehr diese Kosten internationalisieren und
dem Genie des Marktes gestatten, die effizientesten
Mittel zur Erlangung unserer umweltpolitischen Ziele
herauszufinden.
Die fünfte Herausforderung ist die Reform unserer
internationalen Institutionen zur besseren Förderung
nachhaltiger Entwicklung. Die Weltbank - der wichtigste öffentliche Motor für Entwicklung - wird eine
zentrale Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zu
tragfähiger Entwicklung spielen. Wir müssen härter
auf Veränderungen bei den Kreditvergabepraktiken
hinarbeiten, um das Versprechen einer verstärktenBetonung von kleineren, dezentralisierten Projekten zur
Förderung alternativer Entwicklung, zum Schutz der
Umwelt, zur Bewahrung der Rechte der lokalen
Bevölkerung und zur Anerkennung der Rolle ent-

AMERIKA DIENST 17

Wir müssen gewährleisten, daß unsere internationalen
Institutionen für die Aufgaben des 21. Jahrhunderts
geeignet sind. Das wird nicht leicht sein. Mauern
können an einem Tag niedergerissen werden, aber
einen Sinneswandel bei Einzelpersonen zu bewirken
und ein Gefühl für eine gemeinsame Sache unter
Institutionen zu vermitteln, ist sehr viel schwieriger.
Wir haben jedoch einen umfassenden, wenn auch
komplizierten Rahmen, auf den wir aufbauen können.
Meines Erachtens wird nachhaltige Entwicklung der
wichtigste logische Grund für unsere institutionellen
Arrangements im 21. Jahrhundert sein.
Ein neues Sicherheitskonzept
In der neu konfigurierten Welt ist die nationale Sicherheit eng mit der menschlichen Sicherheit verbunden. Die Sicherheit des Menschen ruht auf einem
Fundament von Frieden und politischer Stabilität,
physischer Gesundheit und wirtschaftlichem Wohlergehen. Die Hauptbedrohungen der menschlichen
Sicherheit sind nicht so leicht erkennbar wie beispielsweise das Nukleararsenal eines Gegners, aber sie
sind ebenso todbringend.
Es sind die Bedrohungen, die durch die elende Armut,
in der eine Milliarde der Weltbevölkerung lebt, entstehen; durch den Hunger, der 800 Millionen Männer,
Frauen und Kinder plagt; die Verbreitung von
HIV/AIDS, die bis zum Jahr 2000 30 bis 40 Millionen
Menschen infizieren, und die Kombination von Gewalt,
Armut und Zerstörung der Umwelt, die 20 Millionen
Menschen aus ihrer Heimat vertrieben hat.
In den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
beginnen wir die enge Verbindung zwischen Armut,
Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit zu verstehen. Diese
historische Umgestaltung erfordert, daß wir uns jetzt
von veralteten Maßnahmen, Annahmen und der
starren Sichtweise befreien, die gestern noch die
Kriterien unserer Politik waren.
Krisenverhütung und nachhaltige Entwicklung zählen
zu den größten Herausforderungen des nächsten
Jahrhunderts. Es ist an der Zeit, unseren Ansatz zur
nationalen Sicherheit in der Erkenntnis neu zu gestal-

Seite 3

�ten, daß unsere wirtschaftliche und umweltpolitische
Zukunft ein und dasselbe sind. Diese Herausforderun-

gen entscheiden die Zukunft, die wir unseren Kindern
und Enkelkindern hinterlassen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 17

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                    <text>Herausgeber. U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
18&#13;
&#13;
CTBT&#13;
&#13;
UN-GENERALVERSAMMLUNG BILLIGT&#13;
VERTRAG ÜBER EIN UMFASSENDES&#13;
ATOMTESTVERBOT&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
REDE DER HOFFNUNG&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes&#13;
am 6. September 1946&#13;
&#13;
EINE NEUE ATLANTISCHE GEMEINSCHAFT&#13;
FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag&#13;
der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
USA-KUBA&#13;
&#13;
USA STREBEN MULTILATERALE&#13;
ZUSAMMENARBEIT ZUR FÖRDERUNG&#13;
VON DEMOKRATIE IN KUBA AN&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
WAHLEN SIND ERSTER SCHRITT&#13;
BEIM WIEDERAUFBAU&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
FRAUEN&#13;
&#13;
DAS JAHR NACH DER PEKINGER&#13;
WELTFRAUENKONFERENZ - EINE&#13;
BESTANDSAUFNAHME&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�CTBT&#13;
&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
UN-Generalversammlung billigt Vertrag&#13;
über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
Erklärung von Präsident Clinton&#13;
&#13;
KANSAS CITY - (AD) - Präsident Clinton zufolge bringt der Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) die Welt der Erfüllung des jahrzehntealten Traums näher, "daß&#13;
nirgends auf der Erde Nuklearwaffen gezündet werden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vom Präsidenten am 10. September 1996 nach der Billigung&#13;
des Vertrags durch die UN-Generalversammlung abgegebenen Erklärung.&#13;
&#13;
Heute stimmte die UN-Generalversammlung in New&#13;
York mit überwältigender Mehrheit für die Annahme&#13;
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot&#13;
und seine Auslegung zur Unterzeichnung Ende dieses&#13;
Monats. Es wird mir eine Ehre sein, diesen historischen Vertrag im Namen des amerikanischen Volkes&#13;
zu unterzeichnen.&#13;
Mit unserer Unterschrift sowie der Rußlands, Chinas,&#13;
Frankreichs, Großbritanniens und der großen Mehrheit&#13;
der Nationen auf der ganzen Welt wird umgehend eine&#13;
internationale Sperre gegen Atomtests errichtet.&#13;
Mit diesem Vertrag stehen wir kurz vor der Erfüllung&#13;
des jahrzehntealten Traums, daß nirgends auf der&#13;
Erde Nuklearwaffen gezündet werden.&#13;
Dieser Traum amerikanischer Politiker geht auf die&#13;
Präsidenten Eisenhower und Kennedy zurück. Sie&#13;
setzten sich lange im In- und Ausland für eine sicherere Welt ein. Durch das dauerhafte Verbot sämtlicher&#13;
Nukleartests wird der Vertrag alle Nationen an der&#13;
Verbesserung ihrer existierenden Nuklearwaffenarsenale hindern, die Entwicklung moderner Nuklearwaffen beenden und zur Verhinderung ihrer Ausbreitung beitragen.&#13;
Wir unternehmen den nächsten entscheidenden&#13;
Schritt, um die dunkle Wolke nuklearer Angst zu&#13;
beseitigen, die seit 50 Jahren über der Welt hängt. In&#13;
den vergangenen vier Jahren haben wir den Nichtverbreitungsvertrag dauerhaft verlängert, unter den&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
beiden START-Verträgen existierende Nukleararsenale dramatisch verringert, die Ukraine, Belarus und&#13;
Kasachstan zum Verzicht auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen überredet und das&#13;
gefährliche Nuklearprogramm Nordkoreas eingefroren.&#13;
Und heute sind keine russischen Raketen mehr auf&#13;
unsere Städte und Bürger gerichtet.&#13;
Seit vier Jahrzehnten arbeiten visionäre Staatsmänner&#13;
wie der indische Ministerpräsident Nehru unermüdlich&#13;
daran, den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot in die Realität umzusetzen. Vor kurzem haben&#13;
der britische Premierminister John Major, Frankreichs&#13;
Staatspräsident Jacques Chirac, der russische&#13;
Präsident Boris Jelzin und der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin die mutige Entscheidung getroffen,&#13;
die Atomtestprogramme ihrer Länder einzustellen. Ich&#13;
möchte ihnen, dem australischen Außenminister&#13;
Downer sowie dem Vorsitzenden des CTBT-Verhandlungsausschusses und Botschafter der Niederlande,&#13;
Jaap Ramaker, für die von ihnen geleistete Arbeit&#13;
danken.&#13;
Ferner möchte ich im Namen meines Landes unserem&#13;
Botschafter bei der Abrüstungskonferenz, Stephen&#13;
Ledogar, sowie der gesamten US-Delegation meinen&#13;
Dank aussprechen. Sie haben in den letzten drei&#13;
Jahren sehr hart gearbeitet, um diesen glücklichen Tag&#13;
zu ermöglichen. Ich bin stolz, daß die von den Vereinigten Staaten übernommene Führungsrolle entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen hat.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Vereinigten Staaten und die Nationen der Welt&#13;
haben gemeinsam einen weiteren riesigen Schritt&#13;
unternommen, um unsere Welt sicherer zu machen. In&#13;
&#13;
diesem Geiste fordere ich alle Nationen auf, das&#13;
Abkommen zu unterzeichnen,&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Rede der Hoffnung&#13;
US-Außenminister James F. Byrnes am 6. September 1946&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die "Rede der Hoffnung" des damaligen US-Außenministers James F. Byrnes, die&#13;
eine historische Wende der amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem besetzten Deutschland darstellte, aus&#13;
Anlaß ihres 50. Jahrestages im Wortlaut. "&#13;
Einführung&#13;
Der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, General Lucius D. Clay (1897 - 1978) drängte&#13;
Byrnes, seine Rede in Stuttgart zu halten. Byrnes wollte ursprünglich in Paris sprechen, wo der Rat der&#13;
Außenminister (CFM) der alliierten Mächte von April bis Juni 1946 tagte. Außenminister Byrnes, der sowjetische&#13;
Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow (1890 -1986), der britische Außenminister Ernest Bevin (1881 - 1951)&#13;
und der französische Außenminister Georges Bidault (1899 -1983) nahmen daran teil.&#13;
Molotow hatte auf der Pariser Konferenz am 10. Juli 1946 ein vereintes Deutschland angeboten. Die Rede von&#13;
Byrnes wurde - seitens der USA - als eine Antwort auf diesen Vorschlag Molotows für notwendig erachtet.&#13;
Byrnes erteilte General Clay den Auftrag, den Entwurf einer Konzeption für die US-Politik in Deutschland&#13;
abzufassen. General Clays Entwurf wurde auf den 19. Juli 1946 datiert und bildete die Grundlage von Byrnes&#13;
"Rede der Hoffnung".&#13;
General Clay amtierte seit 1945 als Stellvertreter des US-Oberkommandierenden für Europa und Deutschland,&#13;
General Dwight D. Eisenhower. Er folgte dessen Nachfolger General Joseph McNarney zwischen 1947 und 1949&#13;
als US-Oberkommandierender in Europa und Militärgouverneur in der amerikanischen Besatzungszone&#13;
Deutschlands nach und betätigte sich als Mitinitiator und Organisator der Luftbrücke während der Berliner&#13;
Blockade. 1961/62 fungierte er als persönlicher Beauftragter Präsident Kennedys in der Berlin-Frage.&#13;
&#13;
Ich bin nach Deutschland gekommen, um mich an Ort&#13;
und Stelle über die mit dem Wiederaufbau Deutschlands verbundenen Probleme zu orientieren und die&#13;
Ansichten der Regierung der Vereinigten Staaten über&#13;
einige der vor uns liegenden Probleme mit unseren&#13;
Vertretern in Deutschland zu besprechen. Wir Amerikaner haben diesen Problemen beträchtliche Zeit und&#13;
Aufmerksamkeit gewidmet, weil von ihrer erfolgreichen&#13;
Lösung nicht nur das künftige Wohlergehen Deutschlands, sondern auch das Europas abhängt.&#13;
Wir haben wohl oder übel lernen müssen, daß wir alle&#13;
in einer Welt leben, von der wir uns nicht isolieren&#13;
können 2I: Wir haben gelernt, daß Frieden und Wohl-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ergehen unteilbar sind und daß Frieden und Wohlergehen in unserem Land nicht auf Kosten des&#13;
Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes&#13;
erkauft werden können.&#13;
Ich hoffe, daß das deutsche Volk nie wieder den Fehler&#13;
machen wird, zu glauben, daß das amerikanische&#13;
Volk, gerade weil es den Frieden liebt, in der Hoffnung&#13;
auf Frieden abseits stehen wird, wenn irgendeine&#13;
Nation Gewalt anwendet oder mit Gewalt droht, um die&#13;
Herrschaft über andere Völker oder Regierungen zu&#13;
erlangen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Im Jahre 1917 wurden die Vereinigten Staaten zur&#13;
Teilnahme am Ersten Weltkrieg gezwungen. Nach&#13;
diesem Krieg weigerten wir uns, dem Völkerbund&#13;
beizutreten.31 Wir glaubten, uns den europäischen&#13;
Kriegen fernhalten zu können, und verloren das&#13;
Interesse an europäischen Angelegenheiten. Dies&#13;
schützte uns aber nicht davor, zum Eintritt in den&#13;
Zweiten Weltkrieg gezwungen zu werden. Wir wollen&#13;
jenen Fehler nicht wiederholen. Wir sind entschlossen,&#13;
uns weiter für die Angelegenheiten Europas und der&#13;
Welt zu interessieren. Wir haben zur Organisation der&#13;
Vereinten Nationen beigetragen" und glauben, daß&#13;
dadurch Angreifernationen davon abgehalten werden,&#13;
Kriege anzufangen. Weil wir das glauben, wollen wir&#13;
die Vereinten Nationen mit unserer ganzen Macht und&#13;
allen unseren Hilfsquellen unterstützen.&#13;
Das amerikanische Volk will den Frieden. Es hat schon&#13;
seit langem nicht mehr von einem strengen oder&#13;
milden Frieden für Deutschland gesprochen.&#13;
Darauf kam es auch niemals wirklich an. Was wir&#13;
wollen, ist ein dauerhafter Friede. Wir werden uns&#13;
gegen zu harte und von Rachsucht diktierte Maßnahmen wenden, die einem wirklichen Frieden im&#13;
Wege stehen. Wir werden uns zu milden Maßnahmen&#13;
widersetzen, welche zum Bruch des Friedens einladen.&#13;
Als die Vereinigten Staaten in Potsdam 5| der Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands zustimmten&#13;
und als sie vorschlugen, dafür zu sorgen, daß&#13;
Deutschland für die Dauer einer Generation entwaffnet&#13;
und entmilitarisiert bleibt, waren sie sich der auf ihnen&#13;
und ihren Hauptverbündeten ruhenden Verantwortung&#13;
für die Aufrechterhaltung und gesetzmäßige Durchführung des Friedens wohl bewußt.&#13;
Die Befreiung vom Militarismus wird dem deutschen&#13;
Volke Gelegenheit geben, seine großen Kräfte und&#13;
Fähigkeiten den Werken des Friedens zuzuwenden.6)&#13;
Es braucht sie nur zu ergreifen. Sie gibt ihm die&#13;
Gelegenheit, sich der Achtung und Freundschaft&#13;
friedliebender Völker würdig zu erweisen und eines&#13;
Tages einen ehrenvollen Platz unter den Mitgliedern&#13;
der Vereinten Nationen einzunehmen.&#13;
Es liegt weder im Interesse des deutschen Volkes,&#13;
noch im Interesse des Weltfriedens, daß Deutschland&#13;
eine Schachfigur oder ein Teilnehmer in einem&#13;
militärischen Machtkampf zwischen dem Osten und&#13;
dem Westen wird. Zweimal in einer Generation haben&#13;
der deutsche Militarismus und der Nazismus die&#13;
Gebiete von Deutschlands Nachbarn verwüstet. Es ist&#13;
nur recht und billig, daß Deutschland sein Teil dazu&#13;
beitragen soll, diese Verwüstungen wiedergutzumachen. Die meisten Opfer der Naziaggression waren vor&#13;
dem Krieg weniger begütert als Deutschland. Deutschland darf nicht erwarten, daß diese Opfer ohne fremde&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Hilfe die Hauptkosten dieser Naziüberfälle tragen&#13;
sollen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind daher bereit, die in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen über die Entmilitarisierung&#13;
und die Reparationen niedergelegten Grundsätze in&#13;
vollem Umfange durchzuführen.7| Wenn Deutschland&#13;
jedoch nicht in der in den Potsdamer Beschlüssen&#13;
vorgesehenen und geforderten Weise als wirtschaftliche Einheit verwaltet wird, müßten an dem von der&#13;
Alliierten Kontrollkommission 8) genehmigten Industrieniveau Änderungen vorgenommen werden.&#13;
Die Grundlage der Potsdamer Beschlüsse war, daß im&#13;
Rahmen eines kombinierten Entmilitarisierungs- und&#13;
Reparationsprogramms Deutschlands Kriegspotential&#13;
durch Ausschaltung und Demontage seiner Kriegsindustrie und durch Verminderung und Beseitigung&#13;
schwerindustrieller Anlagen herabgesetzt werden&#13;
sollte. Es war vorgesehen, dies soweit durchzuführen,&#13;
daß Deutschland ein Industriepotential belassen&#13;
bliebe, welches ihm die Aufrechterhaltung eines&#13;
durchschnittlichen europäischen Lebensstandards&#13;
ohne die Hilfe anderer Länder ermöglicht.&#13;
Die auf diese Weise zu entfernenden Fabriken sollten&#13;
als Reparationen an die Alliierten abgeliefert werden.&#13;
Die aus der russischen Zone zu entfernenden Fabriken sollten der Sowjetunion und Polen zufallen,&#13;
während die aus den westlichen Zonen zu entfernenden Fabriken teilweise der Sowjetunion, in der Hauptsache jedoch den westlichen Alliierten zufallen sollten.&#13;
Ferner wurde eine Aufteilung des deutschen Vermögens im Ausland unter den Alliierten vorgesehen.&#13;
Nach langen Verhandlungen einigten sich die Alliierten&#13;
über den Stand, auf den die hauptsächlichsten deutschen Industrien zwecks Durchführung der Potsdamer&#13;
Beschlüsse herabgesetzt werden sollten. Auf diesen&#13;
Stand einigte man sich in der Annahme, daß Deutschlands einheimische Hilfsquellen für eine auf gerechter&#13;
Grundlage erfolgende Verteilung an alle Deutschen in&#13;
Deutschland zur Verfügung stehen sollten, und daß die&#13;
für den Verbrauch in Deutschland nicht benötigten&#13;
Erzeugnisse der Ausfuhr zur Verfügung stehen sollten,&#13;
um damit die erforderliche Einfuhr zu bezahlen.&#13;
Bei Festsetzung des zulässigen Standes der Industrie&#13;
wurden keinerlei Reparationsleistungen aus der&#13;
laufenden Produktion vorgesehen. Aus der laufenden&#13;
Produktion erfolgende Reparationsleistungen würden&#13;
mit dem nach den Potsdamer Beschlüssen festgesetzten Stand der Industrie völlig unvereinbar sein. Offensichtlich hätte ein höherer Stand der Industrie festgesetzt werden müssen, wenn Reparationen aus der&#13;
laufenden Produktion beabsichtigt gewesen wären.&#13;
Der Stand der Industrie, wie er festgesetzt worden ist,&#13;
reicht nur aus, das deutsche Volk in die Lage zu&#13;
versetzen, sich selbst zu versorgen und einen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, der den durchschnitt-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�liehen Lebensverhältnissen in Europa annähernd&#13;
gleichkommt. Dieser Grundsatz bedeutet erhebliche&#13;
Härten für das deutsche Volk, aber er verlangt von ihm&#13;
lediglich, die Härten zu teilen, die der Angriff der Nazis&#13;
dem Durchschnittseuropäer auferlegt hat.&#13;
Dem deutschen Volk wurde jedoch nicht die Möglichkeit genommen, sein Los im Lauf der Jahre durch&#13;
harte Arbeit zu verbessern. Eine industrielle Entwicklung und industrieller Fortschritt wurden ihm nicht&#13;
verweigert. Gleich den Völkern anderer verwüsteter&#13;
Länder sollte das deutsche Volk den Wiederanfang mit&#13;
einer Friedenswirtschaft machen, die nicht imstande&#13;
ist, ihm mehr als den durchschnittlichen europäischen&#13;
Lebensstandard zu gewähren. Dabei sollte ihm nicht&#13;
das Recht verwehrt bleiben, mögliche, auf Grund&#13;
harter Arbeit und einfacher Lebensweise erworbene&#13;
Ersparnisse für den Aufbau einer Industrie zu verwenden, die friedlichen Zwecken dient.&#13;
Dieses war der Grundsatz der Reparationen, wie&#13;
Präsident Truman ihm in Potsdam zugestimmt hat. Die&#13;
Vereinigten Staaten werden nicht ihre Zustimmung&#13;
geben, daß Deutschland größere Reparationen leisten&#13;
muß als in den Potsdamer Beschlüssen vorgesehen&#13;
wurde.&#13;
Die Durchführung der Potsdamer Beschlüsse ist&#13;
jedoch dadurch behindert worden, daß der Alliierte&#13;
Kontrollrat nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um es der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen, als Wirtschaftseinheit zu arbeiten. Die notwendigen deutschen Zentralverwaltungskörper sind nicht&#13;
geschaffen worden, obgleich die Potsdamer Beschlüsse sie ausdrücklich verlangten.&#13;
Die gerechte Verteilung der lebenswichtigen Güter&#13;
zwischen den einzelnen Zonen mit dem Ziel, eine&#13;
ausgeglichene Wirtschaft in ganz Deutschland herbeizuführen und den Einfuhrbedarf zu verringern, ist nicht&#13;
in die Wege geleitet worden, obgleich die Potsdamer&#13;
Beschlüsse auch dies ausdrücklich verlangten. Die&#13;
Vorbereitung einer ausgeglichenen Wirtschaft in ganz&#13;
Deutschland zur Beschaffung der für die Bezahlung&#13;
genehmigter Einfuhr erforderlichen Mittel ist nicht&#13;
erfolgt, obgleich auch dies die Potsdamer Beschlüsse&#13;
ausdrücklich verlangen.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,&#13;
daß Deutschland als Wirtschaftseinheit verwaltet&#13;
werden muß, und daß die Zonenschranken, soweit sie&#13;
das Wirtschaftsleben und die wirtschaftliche Betätigung in Deutschland betreffen, vollständig fallen&#13;
müssen.&#13;
Die jetzigen Verhältnisse in Deutschland machen es&#13;
unmöglich, den Stand der industriellen Erzeugung zu&#13;
erreichen, auf den sich die Besatzungsmächte als&#13;
absolutes Mindestmaß einer deutschen Friedenswirtschaft geeinigt hatten. Es ist klar, daß wir, wenn die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Industrie auf den vereinbarten Stand gebracht werden&#13;
soll, nicht weiterhin den freien Austausch von Waren,&#13;
Personen und Ideen innerhalb Deutschlands einschränken können. Die Schranken zwischen den vier&#13;
Zonen Deutschlands sind weit schwieriger zu überwinden, als die zwischen normalen unabhängigen&#13;
Staaten. Die Zeit ist gekommen, wo die Zonengrenzen&#13;
nur als Kennzeichnung der Gebiete angesehen&#13;
werden sollten, die aus Sicherheitsgründen von den&#13;
Streitkräften der Besatzungsmächte besetzt gehalten&#13;
werden, und nicht als eine Kennzeichnung für in sich&#13;
abgeschlossene wirtschaftliche oder politische Einheiten.&#13;
Das war der Gang der Entwicklung, wie er in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen vorgesehen war, und das ist&#13;
auch der Gang der Entwicklung, den die amerikanische Regierung mit ihrer ganzen Autorität verfolgen&#13;
wird. Sie hat offiziell ihre Absicht ausgedrückt, die&#13;
Wirtschaft ihrer eigenen Zone mit einer oder mit allen&#13;
anderen zu vereinigen, die hierzu bereit sind.&#13;
Bis jetzt hat sich nur die britische Regierung bereit&#13;
erklärt, mit ihrer Zone daran teilzunehmen. Wir begrüßen diese Zusammenarbeit aufs wärmste. Selbstverständlich soll diese Vereinigungspolitik nicht jene&#13;
Regierungen ausschließen, die heute noch nicht zum&#13;
Beitritt bereit sind. Die Vereinigung steht ihnen zu jeder&#13;
Zeit frei. 9|&#13;
Wir treten für die wirtschaftliche Vereinigung Deutschlands ein. Wenn eine völlige Vereinigung nicht erreicht&#13;
werden kann, werden wir alles tun, was in unseren&#13;
Kräften steht, um eine größtmögliche Vereinigung zu&#13;
sichern.&#13;
So wichtig auch die wirtschaftliche Vereinigung für die&#13;
Gesundung Deutschlands und Europas ist, so muß&#13;
das deutsche Volk doch einsehen, daß der Hauptgrund seiner Leiden und Entbehrungen der Krieg ist,&#13;
den die Nazidiktatur über die Welt gebracht hat. Aber&#13;
gerade, weil Leiden und Entbehrungen in Deutschland&#13;
unvermeidlich sind, lehnt die amerikanische Regierung&#13;
die Verantwortung für ein unnötiges Anwachsen der&#13;
deutschen Not ab, die dadurch verursacht wird, daß es&#13;
dem Alliierten Kontrollrat nicht gelingt, sich darüber zu&#13;
einigen, dem deutschen Volk Gelegenheit zu geben,&#13;
einige seiner dringenden wirtschaftlichen Probleme&#13;
selbst zu lösen: In vielen lebenswichtigen Fragen wird&#13;
Deutschland weder vom Kontrollrat regiert, noch&#13;
gestattet ihm dieser, sich selbst zu regieren.&#13;
Für einen erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands&#13;
ist eine gemeinsame Finanzpolitik wesentlich. Eine&#13;
unkontrollierbare Inflation, begleitet von einer wirtschaftlichen Lähmung, ist fast mit Sicherheit zu&#13;
erwarten, wenn keine gemeinsame Finanzpolitik zur&#13;
Steuerung der Inflation besteht. Ein Programm drastischer Haushaltsreformen ist dringend erforderlich, um&#13;
den Währungsumlauf und die Geldforderungen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�zurückzuschrauben, die Schuldenlast zu revidieren&#13;
und Deutschlands Finanzen auf eine gesunde Grundlage zu stellen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben große Anstrengungen&#13;
gemacht, um ein solches Programm zu verwirklichen,&#13;
wenn aber eine verheerende Inflation verhindert&#13;
werden soll, müssen völlig aufeinander abgestimmte&#13;
Maßnahmen beschlossen und in allen Zonen einheitlich angewandt werden. Um ein Programm dieser&#13;
Art wirksam durchzuführen, ist eine zentrale Finanzbehörde offensichtlich notwendig.&#13;
Es ist auch notwendig, daß ein Verkehrs-,&#13;
Nachrichten- und Postwesen in ganz Deutschland&#13;
ohne Rücksicht auf Zonenschranken eingeführt wird.&#13;
Der sich auf ganz Deutschland erstreckende Aufbau&#13;
dieser öffentlichen Einrichtungen war in den Potsdamer Beschlüssen beabsichtigt. Zwölf Monate sind&#13;
vergangen, und nichts ist geschehen.&#13;
Deutschland benötigt die ganzen Nahrungsmittel, die&#13;
es erzeugen kann. Vor dem Kriege konnte es nicht&#13;
genug Nahrungsmittel für seine Bevölkerung erzeugen. Das Gebiet Deutschlands ist verkleinert worden.&#13;
Die Bevölkerung Schlesiens zum Beispiel ist in ein&#13;
verkleinertes Deutschland zurückgedrängt worden.&#13;
Besatzungsarmeen und Zwangsverschleppte erhöhen&#13;
den Bedarf, während der Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen und Düngemitteln die Versorgungsmöglichkeit herabsetzt.10' Um die größtmögliche&#13;
Erzeugung und die zweckmäßigste Verwendung und&#13;
Verteilung der Nahrungsmittel, die erzeugt werden&#13;
können, sicherzustellen, müßte eine zentrale Verwaltungsstelle für Landwirtschaft geschaffen werden&#13;
und unverzüglich mit der Arbeit beginnen.&#13;
Ebenso ist die Schaffung einer zentralen deutschen&#13;
Verwaltungsstelle für Industrie und Außenhandel&#13;
dringend notwendig. Deutschland muß bereit sein,&#13;
seine Kohle und seinen Stahl mit den befreiten Ländern Europas zu teilen, die von diesen Lieferungen&#13;
abhängig sind. Deutschland muß andererseits in die&#13;
Lage versetzt werden, seine Fähigkeiten und Kräfte&#13;
der Steigerung seiner industriellen Produktion dienstbar zu machen und für die zweckmäßigste Verwendung seiner Rohstoffe Sorge tragen zu können.&#13;
Deutschland muß die Möglichkeit haben, Waren&#13;
auszuführen, um dadurch so viel einführen zu können,&#13;
daß es sich wirtschaftlich selbst erhalten kann.&#13;
Deutschland ist ein Teil Europas. Die Gesundung in&#13;
Europa und besonders in den Nachbarstaaten&#13;
Deutschlands wird nur langsam voranschreiten, wenn&#13;
Deutschland mit seinen großen Bodenschätzen an&#13;
Eisen und Kohle in ein Armenhaus verwandelt wird.&#13;
Nachdem die rücksichtslose Nazidiktatur zur bedingungslosen Kapitulation'" gezwungen worden war, gab&#13;
es keine deutsche Regierung, mit der die Alliierten&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
hätten verhandeln können. Die Alliierten mußten&#13;
vorübergehend die Aufgaben des zertrümmerten&#13;
deutschen Staates übernehmen, da sich die Nazidiktatur jeder wahren Rechenschaft dem deutschen Volke&#13;
gegenüber enthoben hatte. Die Alliierten konnten die&#13;
Führer und Günstlinge des Nazismus nicht in Schlüsselstellungen belassen, in denen sie ihren Einfluß&#13;
wieder geltend gemacht hätten. Sie mußten gehen.&#13;
Es war jedoch niemals die Absicht der amerikanischen&#13;
Regierung, dem deutschen Volk das Recht zu versagen, seine eigenen inneren Angelegenheiten wahrzunehmen, sobald es in der Lage sein würde, dies auf&#13;
demokratische Art und unter aufrichtiger Achtung der&#13;
Menschenrechte und grundsätzlichen Freiheiten zu&#13;
tun.&#13;
Die nur wenige Monate nach der Kapitulation gefaßten&#13;
Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte, die örtliche Selbstverwaltung wiederherzustellen und die Grundsätze einer gewählten Volksvertretung in den Verwaltungen der Bezirke, Provinzen&#13;
und Länder einzuführen, und zwar so bald wie es mit&#13;
der militärischen Sicherheit und den Zwecken der&#13;
militärischen Besetzung vereinbar ist.&#13;
Der Hauptzweck der militärischen Besetzung war und&#13;
ist, Deutschland zu entmilitarisieren und entnazifizieren, nicht aber den Bestrebungen des deutschen&#13;
Volkes hinsichtlich einer Wiederaufnahme seiner&#13;
Friedenswirtschaft künstliche Schranken zu setzen.&#13;
Die Nazikriegsverbrecher sollten für die Leiden, die sie&#13;
über die Welt gebracht haben, bestraft werden.12) Die&#13;
in den Potsdamer Beschlüssen enthaltenen Grundsätze für die Reparationen und die industrielle Abrüstung&#13;
sollten durchgeführt werden. Die Ziele der Besetzung&#13;
sahen jedoch weder eine lang anhaltende ausländische Diktatur über die deutsche Friedenswirtschaft&#13;
noch eine lang anhaltende ausländische Diktatur über&#13;
Deutschlands innerpolitisches Leben vor. Die Potsdamer Beschlüsse verpflichteten die Besatzungsmächte ausdrücklich, den Aufbau einer politischen&#13;
Demokratie von Grund auf zu beginnen.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse sahen nicht vor, daß&#13;
Deutschland niemals eine zentrale Regierung haben&#13;
sollte. Sie bestimmten lediglich, daß es einstweilen&#13;
noch keine zentrale deutsche Regierung geben sollte.&#13;
Dies war nur so zu verstehen, daß keine deutsche&#13;
Regierung gebildet werden sollte, ehe eine gewisse&#13;
Form von Demokratie in Deutschland Wurzel gefaßt&#13;
und sich ein örtliches Verantwortungsbewußtsein&#13;
entwickelt hätte.&#13;
Die Potsdamer Beschlüsse bestimmten in weiser&#13;
Voraussicht, daß die Verwaltung der deutschen&#13;
Angelegenheiten auf eine Dezentralisierung der&#13;
politischen Struktur und auf die Entwicklung örtlichen&#13;
Verantwortungsbewußtseins gerichtet sein sollte. Dies&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�sollte nicht die Weiterentwicklung zu einer zentralen&#13;
Regierung verhindern, welche die erforderlichen&#13;
Machtbefugnisse besitzt, um Angelegenheiten zu&#13;
behandeln, die einheitlich für ganz Deutschland&#13;
geregelt werden müssen. Dagegen bestand die&#13;
Absicht, die Bildung einer stark zentralen Regierung zu&#13;
verhindern, welche das deutsche Volk beherrschen&#13;
würde, ohne seinem demokratischen Willen zu&#13;
entsprechen.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß jetzt dem deutschen Volk innerhalb ganz&#13;
Deutschlands die Hauptverantwortung für die Behandlung seiner eigenen Angelegenheit bei geeigneten Sicherungen übertragen werden sollte.&#13;
Seit dem Ende der Feindseligkeiten ist mehr als ein&#13;
Jahr vergangen. Die Millionen deutscher Menschen&#13;
sollten nicht gezwungen werden, in Ungewißheit über&#13;
ihr Schicksal zu leben. Die amerikanische Regierung&#13;
ist der Ansicht, daß die Alliierten dem deutschen Volk&#13;
unverzüglich die wesentlichen Friedensbedingungen&#13;
klarmachen sollten, deren Annahme und Befolgung sie&#13;
vom deutschen Volk erwarten. Wir sind der Ansicht,&#13;
daß dem deutschen Volk Erlaubnis und Unterstützung&#13;
gewährt werden sollten, die notwendigen Vorbereitungen für eine demokratische deutsche Regierung zu&#13;
treffen, die in der Lage ist, diese Bedingungen anzunehmen und zu befolgen.&#13;
Die denkenden Menschen der Welt werden von jetzt&#13;
ab die Tätigkeit der Alliierten in Deutschland nicht nach&#13;
ihren Versprechungen, sondern nach ihren Leistungen&#13;
beurteilen. Die amerikanische Regierung hat die für die&#13;
Entnazifizierung und Entmilitarisierung Deutschlands&#13;
erforderlichen Maßnahmen unterstützt und wird dies&#13;
weiterhin tun. Sie glaubt jedoch nicht, daß große Heere&#13;
ausländischer Soldaten oder ausländischer Bürokraten, wie gut ihre Ansichten und Disziplin auch sein&#13;
mögen, auf Dauer die zuverlässigsten Beschützer der&#13;
Demokratie eines anderen Landes sind.&#13;
Alles, was die alliierten Regierungen tun können und&#13;
tun sollten, ist Richtlinien festzusetzen, nach denen&#13;
sich die deutsche Demokratie selbst regieren kann.&#13;
Die Zahl der alliierten Besatzungskräfte sollte so&#13;
beschränkt werden, daß sie genügt, um die Befolgung&#13;
dieser Richtlinien zu sichern.&#13;
Die Frage für uns ist, welche Kräfte notwendig sind,&#13;
um die Sicherheit zu schaffen, daß Deutschland nicht&#13;
wieder wie nach dem Ersten Weltkrieg aufrüstet. Unser&#13;
Vorschlag, einen Vertrag mit den Großmächten zu&#13;
schließen, um ihn für 25 oder sogar 40 Jahre beizubehalten, hätte eine kleinere Besatzungsarmee&#13;
möglich gemacht. Zu seiner Durchführung könnten wir&#13;
uns besser auf ausgebildete Überwachungsbeamte als&#13;
auf die Infanterie verlassen. Wenn zum Beispiel eine&#13;
Automobilfabrik den Vertrag verletzt und ihre Anlagen&#13;
auf die Herstellung von Kriegsmaterial umstellt, würden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
die Uberwachungsbeamten dies dem Alliierten Kontrollrat melden und dieser würde die deutsche Regierung auffordern, die Herstellung zu unterbinden und&#13;
den Schuldigen zu bestrafen. Leistet die deutsche&#13;
Regierung der Aufforderung nicht Folge, würden die&#13;
alliierten Nationen Schritte unternehmen, die Befolgung durch die deutsche Regierung zu erzwingen.&#13;
Unser Vorschlag für dieses Abkommen wurde nicht&#13;
angenommen.'31 Sicherungsstreitkräfte werden unglücklicherweise wahrscheinlich noch lange Zeit in&#13;
Deutschland bleiben müssen. Man darf mich nicht&#13;
mißverstehen. Wir wollen uns unseren Verpflichtungen&#13;
nicht entziehen. Wir ziehen uns nicht zurück. Wir&#13;
bleiben hier und werden unseren Anteil an der Last auf&#13;
uns nehmen. Solange die Anwesenheit von Besatzungskräften in Deutschland notwendig ist, wird die&#13;
Armee der Vereinigten Staaten einen Teil dieser&#13;
Besatzungsmacht bilden.'"&#13;
Die Vereinigten Staaten treten für die baldige Bildung&#13;
einer vorläufigen deutschen Regierung ein. Fortschritte&#13;
bei der Entwicklung der örtlichen Selbstverwaltung und&#13;
der Landesselbstverwaltungen sind in der amerikanischen Zone Deutschlands erzielt worden, und die&#13;
amerikanische Regierung glaubt, daß ein ähnlicher&#13;
Fortschritt in allen Zonen möglich ist.&#13;
Die amerikanische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die vorläufige Regierung nicht von anderen&#13;
Regierungen ausgesucht werden soll, sondern daß sie&#13;
aus einem deutschen Nationalrat bestehen soll, der&#13;
sich aus den nach demokratischen Prinzipien verantwortlichen Ministerpräsidenten oder anderen leitenden&#13;
Beamten der verschiedenen Länder zusammensetzt,&#13;
die in jeder der vier Zonen gebildet worden sind.&#13;
Unter Vorbehalt der Befugnisse des Alliierten Kontrollrats soll der deutsche Nationalrat für die sachgemäße&#13;
Erfüllung der Aufgaben der zentralen Verwaltungsbehörden verantwortlich sein, die ihrerseits angemessene Machtbefugnisse besitzen sollen, um die Verwaltung Deutschlands als eine Einheit, wie sie in den&#13;
Potsdamer Beschlüssen geplant war, zu sichern.&#13;
Der deutsche Nationalrat sollte auch mit der Vorbereitung des Entwurfes einer Bundesverfassung für&#13;
Deutschland beauftragt werden, die unter anderem&#13;
den demokratischen Charakter des neuen Deutschlands, die Menschenrechte und die grundsätzlichen&#13;
Freiheiten aller seiner Einwohner sichern soll. Nach&#13;
grundsätzlicher Genehmigung durch den Alliierten&#13;
Kontrollrat wäre die vorgeschlagene Verfassung einer&#13;
gewählten Versammlung zur endgültigen Formulierung&#13;
vorzulegen und sodann dem deutschen Volk zur&#13;
Ratifizierung zu unterbreiten.&#13;
Während wir darauf bestehen werden, daß Deutschland die Grundsätze des Friedens, der gutnachbarlichen Beziehungen und der Menschlichkeit befolgt,&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�wollen wir nicht, daß es der Vasall irgendeiner Macht&#13;
oder irgendwelcher Mächte wird oder unter einer inoder ausländischen Diktatur lebt. Das amerikanische&#13;
Volk hofft, ein friedliches und demokratisches Deutschland zu sehen, das seine Freiheit und Unabhängigkeit&#13;
erlangt und behält.&#13;
Nun ist es auch Zeit, die Grenzen des neuen Deutschlands festzusetzen. Österreich ist bereits als freies und&#13;
unabhängiges Land anerkannt worden.151 Seine&#13;
zeitweilige und erzwungene Vereinigung mit Deutschland war für beide Länder kein glücklicher Zustand,&#13;
und die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß es im&#13;
Interesse beider Länder und des Friedens für Europa&#13;
liegt, wenn jedes seinen eigenen Weg geht.&#13;
In Potsdam wurden, vorbehaltlich einer endgültigen&#13;
Entscheidung durch die Friedenskonferenz, bestimmte&#13;
Gebiete, die einen Teil Deutschlands bildeten, vorläufig&#13;
der Sowjetunion und Polen zugewiesen. Damals&#13;
waren diese Gebiete von der Sowjetarmee und von&#13;
der polnischen Armee besetzt. Es wurde uns gesagt,&#13;
daß die Deutschen aus diesen Gebieten in großer Zahl&#13;
flüchteten und daß es im Hinblick auf die durch den&#13;
Krieg hervorgerufenen Gefühle tatsächlich schwierig&#13;
sein würde, das wirtschaftliche Leben dieser Gebiete&#13;
wieder in Gang zu bringen, wenn diese nicht als&#13;
integrale Bestandteile der Sowjetunion beziehungsweise Polens verwaltet würden.&#13;
Die Staatsoberhäupter erklärten sich damit einverstanden, bei den Friedensregelungen den Vorschlag&#13;
der Sowjetregierung hinsichtlich der endgültigen&#13;
Übertragung der Stadt Königsberg und des anliegenden Gebietes an die Sowjetunion zu unterstützen.&#13;
Sofern die sowjetische Regierung ihre Auffassung&#13;
diesbezüglich nicht ändert, werden wir an diesem&#13;
Abkommen festhalten.&#13;
Was Schlesien und andere ostdeutsche Gebiete&#13;
anbetrifft, so fand die zu Verwaltungszwecken erfolgte&#13;
Übergabe dieses Gebietes durch Rußland an Polen&#13;
vor der Potsdamer Zusammenkunft statt. Die Staatsoberhäupter stimmten zu, daß Schlesien und andere&#13;
ostdeutsche Gebiete bis zur endgültigen Festlegung&#13;
der polnischen Westgrenze durch den polnischen&#13;
Staat verwaltet und zu diesem Zwecke nicht als Teil&#13;
der russischen Besatzungszone in Deutschland&#13;
angesehen werden sollten. Wie aus dem Protokoll der&#13;
Potsdamer Konferenz hervorgeht, einigten sich die&#13;
Staatsoberhäupter jedoch nicht dahingehend, die&#13;
Abtretung eines bestimmten Gebietes zu unterstützen.&#13;
Rußland und Polen haben schwer durch Hitlers&#13;
einfallende Armeen gelitten. Durch das Abkommen von&#13;
Jalta hat Polen an Rußland das Gebiet östlich der&#13;
Curzon-Linie'61 abgetreten. Polen hat dafür eine&#13;
Revision seiner nördlichen und westlichen Grenzen&#13;
verlangt. Die Vereinigten Staaten werden eine Revision dieser Grenzen zugunsten Polens unterstützen.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Der Umfang des an Polen abzutretenden Gebietes&#13;
kann jedoch erst entschieden werden, wenn das&#13;
endgültige Abkommen darüber getroffen ist.&#13;
Die Vereinigten Staaten finden, daß sie Frankreich, in&#13;
welches Deutschland innerhalb von 70 Jahren dreimal&#13;
eingefallen ist, seinen Anspruch auf das Saargebiet,,?l&#13;
dessen Wirtschaft mit Frankreich eng verbunden ist,&#13;
nicht verweigern können. Natürlich müßte Frankreich,&#13;
wenn ihm das Saargebiet eingegliedert wird, seine&#13;
Reparationsansprüche an Deutschland entsprechend&#13;
ändern.&#13;
Von diesen Veränderungen abgesehen, werden die&#13;
Vereinigten Staaten keine Eingriffe in unbestritten&#13;
deutsches Gebiet oder eine Aufteilung Deutschlands,&#13;
die nicht dem echten Willen der Bevölkerung entspricht, unterstützen.&#13;
Soweit den Vereinigten Staaten bekannt ist, wünscht&#13;
die Bevölkerung des Ruhrgebiets und des Rheinlandes, mit dem übrigen Deutschland vereinigt zu&#13;
bleiben, und die Vereinigten Staaten werden sich&#13;
diesem Wunsch nicht widersetzen.""&#13;
Obgleich die Ruhrbevölkerung dem Nazieinfluß als&#13;
letzte erlegen war, ist es eine Tatsache, daß die Nazis&#13;
ohne alle Hilfsmittel des Ruhrgebietes niemals hätten&#13;
die Welt bedrohen können. Nie wieder dürfen diese&#13;
Hilfsmittel für Zerstörungszwecke benutzt werden. Sie&#13;
müssen für den Wiederaufbau eines freien und&#13;
friedlichen Deutschlands und eines freien und friedlichen Europas Verwendung finden. Die Vereinigten&#13;
Staaten werden für solche Kontrollmaßnahmen für&#13;
ganz Deutschland, einschließlich des Ruhrgebietes&#13;
und des Rheinlandes, eintreten, die aus Sicherheitsgründen erforderlich sind. Sie werden helfen, diese&#13;
Maßnahmen durchzusetzen. Sie werden jedoch nicht&#13;
für solche Maßnahmen eintreten, die Ruhrgebiet und&#13;
Rheinland - unmittelbar oder mittelbar - einer politischen Beherrschung oder politischen Manipulation&#13;
seitens ausländischer Mächte unterwerfen.&#13;
Das deutsche Volk empfindet heute die verheerenden&#13;
Folgen des Krieges, den Hitler und seine Günstlinge&#13;
über die Welt gebracht haben. Andere Völker bekamen&#13;
diese verheerenden Folgen lange vor dem deutschen&#13;
Volk zu spüren. Das deutsche Volk muß einsehen, daß&#13;
es Hitler und seine Günstlinge waren, die unschuldige&#13;
Männer, Frauen und Kinder quälten und ausrotteten&#13;
und die versuchten, mit den deutschen Waffen die&#13;
Welt zu beherrschen und zu erniedrigen. Es waren die&#13;
gesammelten zornentbrannten Kräfte der Menschheit,&#13;
die sich den Weg nach Deutschland hinein erkämpfen&#13;
mußten, um der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden zu geben.&#13;
Das amerikanische Volk, das für die Freiheit gekämpft&#13;
hat, hat nicht den Wunsch, das deutsche Volk zu&#13;
versklaven. Die Freiheit, an welche die Amerikaner&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�glauben und für die sie kämpfen, ist eine Freiheit, an&#13;
der alle teilhaben sollen, die gewillt sind, die Freiheit&#13;
anderer zu achten.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben fast alle in ihrem Lande&#13;
befindlichen Kriegsgefangenen nach Deutschland&#13;
zurückgeschickt. Wir unternehmen unverzüglich&#13;
Schritte, um die in anderen Teilen der Welt in unserer&#13;
Hand befindlichen deutschen Kriegsgefangenen&#13;
baldigst zurückzusenden.&#13;
Die Vereinigten Staaten können Deutschland die&#13;
Leiden nicht abnehmen, die ihm der von seinen&#13;
Führern angefangene Krieg zugefügt hat. Aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben nicht den Wunsch, diese&#13;
Leiden zu vermehren oder dem deutschen Volk die&#13;
Gelegenheit zu verweigern, sich aus diesen Nöten&#13;
herauszuarbeiten, solange es menschliche Freiheit&#13;
achtet und vom Wege des Friedens nicht abweicht.&#13;
Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk&#13;
die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das&#13;
amerikanische Volk will dem deutschen Volk helfen,&#13;
seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen&#13;
Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der&#13;
Welt.&#13;
&#13;
" - Quellen:&#13;
Als amerikanische Fassung gilt der vom State Department veröffentlichte Text.&#13;
Vgl.: Byrnes Papers in the library of Clemson University, South Carolina;&#13;
"James F. Byrnes and The Origins of the Cold War";&#13;
ed. by Kendrick A. Clements&#13;
Deutsche Fassungen:&#13;
Stuttgarter Zeitung, 7. September 1946;&#13;
Europa-Archiv, Dezember 1946;&#13;
Diese Rede wurde in Deutschland unter der populären&#13;
Bezeichnung "Rede der Hoffnung" bekannt.&#13;
Vgl. die Textpassagen (unten S. 1) "ich hoffe, daß das&#13;
deutsche Volk"; S. 6 "das amerikanische Volk hofft"&#13;
und S. 6 "der Welt die Hoffnung auf Freiheit und&#13;
Frieden geben".&#13;
21&#13;
&#13;
Nach dem Ersten Weltkrieg praktizierten die USA&#13;
eine Politik der Isolation, indem sie sich aus der&#13;
europäischen Nachkriegspolitik weitgehend zurückzogen.&#13;
31&#13;
&#13;
Der Völkerbund (1920 - 1946) wurde auf Vorschlag&#13;
des US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson&#13;
gegründet. Die USA traten dem Völkerbund jedoch&#13;
nicht bei.&#13;
41&#13;
&#13;
Die UNO war - auf die Initiative des US-Präsidenten&#13;
Franklin D. Roosevelt hin - am 26. Juni 1945 in San&#13;
Francisco gegründet worden mit dem Ziel, nach dem&#13;
Scheitern des Völkerbundes und der Katastrophe des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Zweiten Weltkrieges, international Frieden und Sicherheit zu garantieren. Am 24. Oktober 1945 trat die&#13;
Charta der Vereinten Nationen (am "Tag der Vereinten&#13;
Nationen") in Kraft.&#13;
51&#13;
&#13;
Die Potsdamer Konferenz dauerte vom 17. Juli bis 2.&#13;
August 1945: Die drei Kriegsverbündeten (US-Präsident Harry S. Truman (1884 - 1972), UdSSR-Premier&#13;
Josef W. Stalin (1879 - 1953), UK-Premierminister&#13;
Winston L Churchill (1874 - 1965), nach den britischen&#13;
Wahlen von Clement R. Attlee (1883 - 1967) abgelöst)&#13;
einigten sich auf Vier-Mächte-Besatzungszonen (der&#13;
USA, des UK, der UdSSR und Frankreichs) für&#13;
Nachkriegsdeutschland sowie auf eine umfassende&#13;
Neuordnung der deutschen Wirtschaft und der deutschen Verwaltungseinrichtungen.&#13;
61&#13;
&#13;
Ein Beispiel für diese Politik war das am 5. 3. 1946&#13;
erlassene "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus in der US-Zone", in: "Gesetz der&#13;
Militärregierung und des Kontrollrats", 1/1, 7 (III).&#13;
7)&#13;
&#13;
Die bereits in Jalta vereinbarten Reparationszahlungen Deutschlands wurden im Potsdamer Abkommen näher modifiziert. In diesem Punkt hatten sich&#13;
Unterschiede zwischen den USA auf der einen Seite&#13;
und Frankreich und der Sowjetunion auf der anderen&#13;
Seite entwickelt. Die Sowjetunion und Frankreich&#13;
versuchten 1946 wiederholt, die Reparationszahlungen zu ihren Gunsten zu ändern.&#13;
8&#13;
&#13;
» Der am 5. Juni 1945 gebildete "Alliierte Kontrollrat",&#13;
dem am 8. August 1945 gebildeten obersten Regierungsorgan der Besatzungsmächte für Deutschland&#13;
(Frankreich, Großbritannien, UdSSR, USA), etablierte&#13;
sich am 30. August 1945 in Berlin.&#13;
&#13;
91&#13;
&#13;
Der Zusammenschluß der amerikanischen und&#13;
britischen Besatzungszone zum "Vereinigten Wirtschaftsgebiet", der sogenannten "Bizone", erfolgte am&#13;
1. Januar 1947. Durch den Beitritt der französischen&#13;
Besatzungszone zur Bizone am 8. April 1949 entstand&#13;
die "Trizone", welche nun die drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands umfaßte.&#13;
'0| Die sowjetischen und französischen Truppen lebten&#13;
aus ihrer jeweiligen Zone, weil ihr eigener dürftiger&#13;
Nachschub nicht ausreichte. Die Sowjets rechtfertigten&#13;
dies als eine Art von Reparationen, aber sie waren&#13;
auch selber in einer akuten Notsituation und konnten&#13;
keine Armee im Ausland unterhalten. Die Franzosen&#13;
nannten ähnliche Gründe, um große Materialmengen&#13;
aus ihrer Zone wegzuschaffen und ihre Besatzungsarmee einschließlich ihrer Angehörigen in Deutschland&#13;
zu versorgen.&#13;
"' Die Forderung zur bedingungslosen Kapitulation&#13;
des Deutschen Reiches wurde erstmals auf der&#13;
Konferenz von Casablanca (14. - 26. 1. 1943) erho-&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�ben, danach auf den Konferenzen von Teheran (28.&#13;
11. - 1. 12. 1943) und Jalta (4. - 11. 2. 1945) bestätigt.&#13;
'?l Zum Zeitpunkt der Byrnes-Rede beriet das Internationale Militärtribunal (IMT) in Nürnberg im Prozeß&#13;
gegen die Hauptkriegsverbrecher die Urteile.&#13;
,3&#13;
&#13;
&gt; Byrnes meinte damit das Scheitern seines Vorschlags für einen "Treaty for Disarmament and Demilitarization of Germany" während der Pariser Außenministerkonferenz im April 1946. Die Vorstellung von&#13;
Byrnes wurde von den Sowjets abgelehnt, in der&#13;
Hoffnung, ein längeres Engagement der USA zu&#13;
verhindern.&#13;
Vgl. Hermann Graml, Die Alliierten und die Teilung&#13;
Deutschlands, Konflikte und Entscheidungen 1941 1948, 1985, S. 150-158.&#13;
141&#13;
&#13;
General Clay hielt diese Textpassage für die wichtigste Feststellung der Rede.&#13;
,S|&#13;
&#13;
Nach der Vier-Mächte-Besatzungsherrschaft vom&#13;
April 1945 bis zum Januar 1946 wurde Österreich am&#13;
7. Januar 1946 eine eigene Republik innerhalb seiner&#13;
Grenzen von 1937 (sog. Zweite Republik Österreich).&#13;
Österreich blieb jedoch bis zum Abschluß des Staatsvertrags vom 15. Mai 1955 in vier Besatzungszonen&#13;
eingeteilt mit seiner ebenfalls in Sektoren aufgeteilten&#13;
Hauptstadt Wien. Die österreichische Neutralität wurde&#13;
im Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 festgeschrieben.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 8&#13;
&#13;
,6)&#13;
&#13;
Hier wird auf die Konferenz von Jalta vom 4. - 11.&#13;
Februar 1945 Bezug genommen: Die polnische&#13;
Westgrenze sollte in einem späteren Friedensvertrag&#13;
festgelegt werden, die Curzon-Linie setzte Stalin in&#13;
Jalta als polnische Ostgrenze durch. Sie wurde&#13;
erstmals im Dezember 1919 als polnische Grenze zur&#13;
Sowjetunion nach dem Ersten Weltkrieg vom britischen Außenminister Lord George N. Curzon (1859 1925) vorgeschlagen und von Polen nicht akzeptiert.&#13;
Nach dem polnisch-sowjetischen Krieg erfolgte die&#13;
tatsächliche Grenzziehung auf der Friedenskonferenz&#13;
von Riga am 18. März 1921; sie verlief wesentlich&#13;
weiter ostwärts. Die "Curzon-Linie" diente dann auch&#13;
der neuen polnisch-sowjetischen Grenze, die durch&#13;
den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 festgelegt&#13;
wurde, zur Orientierung.&#13;
'" Die "Saar-Frage" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst durch einen Sonderstatus des Saarlandes (wirtschaftlicher Anschluß an Frankreich)&#13;
geregelt.&#13;
1,1&#13;
&#13;
Diese Bemerkung richtete sich primär an Frankreich, dessen Politik beabsichtigte, die linksrheinischen&#13;
Gebiete von Deutschland abzutrennen und das&#13;
Ruhrgebiet zu internationalisieren.&#13;
(Die Fußnoten wurden von einer Historikerkommission&#13;
erarbeitet.)&#13;
&#13;
* • *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Eine neue atlantische Gemeinschaft&#13;
für das 21. Jahrhundert&#13;
Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag der "Rede der Hoffnung"&#13;
&#13;
STUTTGART - (AD) - Außenminister Christopher hielt am 6. September 1996 bei einem Festakt im&#13;
Württembergischen Staatstheater aus Anlaß des 50. Jahrestages der "Rede der Hoffnung" nachfolgende&#13;
Grundsatzrede. Wir veröffentlichen den vorbereiteten Text der Rede.&#13;
&#13;
Herr Ministerpräsident, Herr Außenminister, Herr&#13;
Bürgermeister, General Jamerson, Gouverneur&#13;
James, Herr Kongreßabgeordneter, meine Damen und&#13;
Herren,&#13;
bevor ich beginne, möchte ich ein besonderes Wort&#13;
der Anerkennung für meinen Amtskollegen Klaus&#13;
Kinkel aussprechen, der sich in hohem Maße für die&#13;
deutsch-amerikanischen Beziehungen eingesetzt hat,&#13;
der während meiner dreieinhalbjährigen Amtszeit als&#13;
Außenminister mein enger Freund und Vertrauter&#13;
gewesen ist, und der mich heute nach Stuttgart&#13;
eingeladen hat. Ich bin gekommen, um gemeinsam&#13;
mit Ihnen der "Rede der Hoffnung" zu gedenken, die&#13;
mein Vorgänger, Außenminister James Byrnes, heute&#13;
vor 50 Jahren hier in Stuttgart hielt. Ich bin gekommen, um an das halbe Jahrhundert der Fortschritte zu&#13;
erinnern, die wir gemeinsam seit dieser Rede erzielt&#13;
haben und zu erörtern, wie wir im nächsten Jahrhundert eine prosperierende Partnerschaft gewährleisten können.&#13;
Es wird niemanden überraschen, daß man Außenminister Byrnes - wie den meisten von uns - bei der&#13;
Vorbereitung seiner Rede behilflich war. Sein wichtigster Berater war John Kenneth Galbraith, der berühmte&#13;
Ökonom, Autor und Botschafter in Indien. Als ich&#13;
Professor Galbraith vor einigen Tagen anrief, um mit&#13;
ihm Erinnerungen an die Byrnes-Rede auszutauschen,&#13;
meinte er mit einem Lächeln in der Stimme: "Ich habe&#13;
niemals mit größerer-Zustirnmung einer—Rede gelauscht."&#13;
Natürlich hörte ganz Europa aufmerksam zu, denn die&#13;
Zukunft des Kontinents stand auf Messers Schneide.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten hatten sich mit ihren Verbündeten zusammengetan, um den Krieg zu gewinnen,&#13;
weil sie wußten, daß Amerika nicht frei sein konnte,&#13;
wenn Europa es nicht war. Aber im Jahr 1946 hatten&#13;
wir den Sieg noch nicht davongetragen. Die ersten&#13;
amerikanischen Care-Pakete kamen zwar im August&#13;
jenes Jahres hier an, aber ein deutscher Reporter, der&#13;
mit Außenminister Byrnes nach Stuttgart reiste, blickte&#13;
aus seinem Zugfenster und beschrieb "zahllose&#13;
Frauen mit zerschlissenen Rucksäcken ... einige&#13;
wenige Männer, die sich in der Dämmerung nach&#13;
Hause schleppten", ein Zuhause, in dem "die Kinder&#13;
keine Schuhe haben, die Tochter keinen Mantel, das&#13;
Haus weder Fensterscheiben noch Brennstoff im&#13;
Keller hat. Und der Winter kommt." Unterdessen&#13;
brachte die Befreiung im Osten nicht die Freiheit,&#13;
sondern neue kommunistische Tyrannei, die Familien,&#13;
Nationen und die Welt trennen sollte.&#13;
Außenminister Byrnes Rede wurde bekannt als "Rede&#13;
der Hoffnung", weil sie Amerika fest an die Seite derer&#13;
stellte, die an eine bessere Zukunft für Deutschland&#13;
und Europa glaubten. Die von ihm in der Rede&#13;
formulierten Prinzipien legten das Fundament für&#13;
unsere erfolgreiche Partnerschaft der Nachkriegszeit.&#13;
Sie schufen die Basis für das, was zu einer überparteilichen amerikanischen Strategie wurde, symbolisiert&#13;
durch die Anwesenheit des republikanischen Senators&#13;
Arthur Vandenberg bei der Rede von Außenminister&#13;
Byrnes. Diese Prinzipien gestalten unseren Ansatz zu&#13;
Europa bis-auf den heutigen Tag.&#13;
Erstens versprach Byrnes, daß die Vereinigten Staaten&#13;
eine politische und militärische Macht in Europa&#13;
bleiben würden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten wir&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�uns aus den europäischen Angelegenheiten zurückgezogen und einen schrecklichen Preis dafür bezahlt.&#13;
"Wir wollen jenen Fehler nicht wiederholen", erklärte&#13;
Byrnes. "Wir bleiben hier."&#13;
Zweitens bekräftigte Byrnes, daß unsere Unterstützung für die Demokratie der Schlüssel zu dauerhaftem&#13;
Frieden in Deutschland und Europa ist. "Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben", äußerte er. Wir&#13;
waren zuversichtlich, daß ein demokratisches&#13;
Deutschland unser Partner werden könnte.&#13;
Schließlich brachte Byrnes das Engagement der&#13;
Vereinigten Staaten für die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands zum Ausdruck. Die Vereinigten Staaten vertraten die Auffassung, daß&#13;
Deutschland vereinigt, demokratisch und frei sein&#13;
müßte, wenn Europa als Ganzes Stabilität und Integration erlangen sollte.&#13;
Byrnes weitblickender Ansatz ebnete den Weg für&#13;
George Marshall, Konrad Adenauer, Jean Monnet und&#13;
die bemerkenswerte Generation, die die Erholung&#13;
Europas anführte und uns 50 Jahre Frieden und&#13;
Wohlstand bescherte. Dank ihnen erkannten wir das&#13;
Versprechen der "Rede der Hoffnung". Amerika&#13;
behielt sein Engagement und seine Streitkräfte in&#13;
Europa bei. Das deutsche Volk wählte Freiheit und&#13;
erreichte die Vereinigung. Und gemeinsam behielten&#13;
wir Kurs im Kalten Krieg. Heute ist der Checkpoint&#13;
Charlie nur noch ein Museum für Touristen. Vor dem&#13;
NATO-Hauptquartier, wo wir einst die Verteidigung von&#13;
Berlin und Stuttgart gegen einen sowjetischen Angriff&#13;
planten, wehen heute die Flaggen von 43 europäischen Nationen, einschließlich der russischen.&#13;
Im vergangenen halben Jahrhundert haben die&#13;
Vereinigten Staaten und Deutschland Beziehungen&#13;
aufgebaut, die tiefer als die Bande sind, die ausschließlich von Soldaten und Diplomaten geknüpft&#13;
werden. Wir haben eine kulturelle und intellektuelle&#13;
Partnerschaft, die so ausgezeichnet durch das&#13;
Fulbright-Programm, die Goethe-Institute, den German&#13;
Marshall Fund und viele andere Institutionen repräsentiert wird. Wir haben eine wirtschaftliche&#13;
Partnerschaft: Amerika ist der größte ausländische&#13;
Investor in Deutschland und der Hauptnutznießer&#13;
deutscher Investitionen im Ausland. Wir haben auch&#13;
eine umweltpolitische Partnerschaft: Gemeinsam&#13;
kämpfen wir um die Beseitigung von Altlasten in&#13;
Ostdeutschland, gegen sauren Regen in Wisconsin&#13;
und die Entwaldung in Brasilien.&#13;
Vor 50 Jahren erklärte Außenminister Byrnes, Amerika&#13;
will "dem deutschen Volk helfen, seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien&#13;
und friedliebenden Nationen der Welt".&#13;
Unsere&#13;
gemeinsamen Leistungen sind atemberaubend. Heute&#13;
stehen diese Stadt und das sie umgebende Land für&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
das Europa, das uns allen vertraut ist: Ein Ort, an dem&#13;
Demokratie, Wohlstand und Frieden eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Deutschland ist das&#13;
vereinigte Herzstück eines zunehmend vereinten&#13;
Kontinents. Und dieser Kontinent blickt jetzt auf&#13;
Deutschland als Symbol und Katalysator für die&#13;
Integration, die er anstrebt.&#13;
Trotz all unserer Fortschritte haben wir jedoch in&#13;
Europa noch Herausforderungen zu bewältigen. Das&#13;
Ende des Kalten Krieges hat kein Ende der bewaffneten Konflikte auf diesem Kontinent mit sich gebracht.&#13;
Und obwohl die durch den Kalten Krieg in Europa&#13;
herbeigeführte Spaltung verblaßt, ist sie noch nicht&#13;
vollständig überwunden. Diese Spaltung ist immer&#13;
noch sichtbar in der wirtschaftlichen Kluft zwischen Ost&#13;
und West. Sie zeigt sich an der Umweltverschmutzung, die Menschenleben von der Ukraine bis nach&#13;
Schlesien verkürzt. Vor allem ist sie greifbar in dem&#13;
Wunsch nach größerer Sicherheit der Bürger vom&#13;
Baltikum bis zum Schwarzen Meer, über eine Region&#13;
hinweg, in der die beiden großen Kriege unseres&#13;
Jahrhunderts und der Kalte Krieg begannen.&#13;
In wenigen Jahren bricht ein neues Jahrhundert an.&#13;
Ich möchte Ihnen die Vision vermitteln, die Präsident&#13;
Clinton und ich für die Vereinigten Staaten und Europa&#13;
im Jahr 2000 haben. Es ist die Vision einer neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird&#13;
auf den von unseren Vorgängern geschaffenen&#13;
Institutionen aufbauen, aber sie wird die künstlichen&#13;
Grenzen Europas der Zeit des Kalten Krieges überschreiten. Sie wird Nordamerika eine tiefere Partnerschaft mit einem umfassenderen, integrierteren Europa&#13;
auf diesem Kontinent und der ganzen Welt bescheren.&#13;
Sie schreibt die von Außenminister Byrnes niedergelegten Prinzipien fort.&#13;
Während das nächste Jahrhundert in dieser neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft anbricht, werden unsere&#13;
gemeinsamen Anstrengungen uns das Vertrauen&#13;
gegeben haben, daß die demokratischen Bestrebungen von 1989 Bestand haben, Vertrauen, daß Kriege&#13;
wie der in Bosnien verhindert werden können, und&#13;
Vertrauen, daß jede neue Demokratie - groß und klein&#13;
- ihren rechtmäßigen Platz in Europa einnehmen kann.&#13;
In dieser neuen atlantischen Gemeinschaft werden die&#13;
Vereinigten Staaten in Partnerschaft mit unseren&#13;
Freunden und Verbündeten - und einer effektiveren&#13;
Europäischen Union, die neue Mitglieder aufnimmt vollständig in Europa engagiert sein. In dieser Gemeinschaft wird die NATO weiterhin der zentrale&#13;
Pfeiler unseres Sicherheitsengagements sein. Es wird&#13;
eine neue NATO sein, angepaßt an die Bewältigung&#13;
sich abzeichnender Herausforderungen, mit der&#13;
uneingeschränkten Beteiligung aller unserer derzeitigen Mitglieder und mehrerer neuer aus dem&#13;
Osten. Die Partnerschaft für den Frieden der NATO&#13;
und die OSZE werden uns die Instrumente zur Verhinderung von Konflikten an die Hand geben und die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Freiheit für alle Bürger unserer Gemeinschaft sicherstellen. In unserer Vision für diese Gemeinschaft wird&#13;
ein demokratisches Rußland unser vollwertiger Partner&#13;
sein. Unsere Volkswirtschaften werden zunehmend&#13;
integriert sein und florieren. Europa und Amerika&#13;
werden gemeinsam gegen die globalen Bedrohungen&#13;
vorgehen, die wir nur zusammen überwinden können.&#13;
Das ist die Art von Vision, die unserer Partnerschaft&#13;
Stärke und unserem Volk Hoffnung in den dunkelsten,&#13;
gefährlichsten Tagen unseres Jahrhunderts gegeben&#13;
hat. Vor zehn Jahren war sie noch ein Traum. In zehn&#13;
Jahren könnte die Chance vertan sein. Aber ich&#13;
glaube, wir können sie ergreifen, wenn wir in den&#13;
letzten Jahren dieses Jahrhunderts gemeinsam vier&#13;
Herausforderungen meistern.&#13;
Die erste Herausforderung besteht im Aufbau eines&#13;
sicheren und integrierten Europas, um die veralteten&#13;
Grenzen des Kalten Krieges für immer auszuradieren.&#13;
Die neuen Demokratien Zentraleuropas und der neuen&#13;
unabhängigen Staaten wollen unsere Partner sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, ihnen bei der Übernahme&#13;
unserer gemeinsamen Pflichten behilflich zu sein. Es&#13;
liegt in unserem Interesse, sie in die gleichen Wertestrukturen und Institutionen einzubeziehen, die&#13;
Westeuropa die Überwindung seines Erbes von&#13;
Konflikten und Teilung ermöglichten. Es liegt sicherlich&#13;
im Interesse Deutschlands, mit uns und unseren&#13;
anderen Verbündeten bei dieser Aufgabe zusammenzuarbeiten, denn damit kann Deutschlands östliche&#13;
Grenze zu dem gemacht werden, was seine westliche&#13;
seit langem ist: Ein Tor, nicht eine Schranke.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar 1994 schlugen&#13;
Präsident Clinton und unsere Verbündeten eine&#13;
umfassende Strategie für die europäische Sicherheit&#13;
vor. Präsident Clinton vertritt die Auffassung, daß ein&#13;
weiterer Gipfel zur vollständigen Umsetzung dieser&#13;
Strategie erforderlich ist. Ich erwarte, daß unsere&#13;
Staats- und Regierungschefs im Frühjahr oder Frühsommer 1997 zusammentreffen. Ihr Ziel sollte sein,&#13;
den internen Reformen der NATO zuzustimmen,&#13;
Erweiterungsverhandlungen in die Wege zu leiten und&#13;
die Partnerschaft der NATO mit Rußland und anderen&#13;
europäischen Staaten zu vertiefen.&#13;
Der Zweck der NATO-Reform besteht in der Gewährleistung, daß die NATO neue Herausforderungen in&#13;
einem Europa bewältigen kann, in dem keine Macht&#13;
eine Bedrohung für eine andere darstellt. In diesem&#13;
Jahr haben meine Amtskollegen und ich ein historisches Programm für den Aufbau einer neuen NATO&#13;
vereinbart. Es wird dem Bündnis die Übernahme einer&#13;
prominenteren und kompetenteren europäischen Rolle&#13;
gestatten und den besonderen europäischen Funktionen der Westeuropäischen Union Substanz verleihen.&#13;
Es wird die Fähigkeit der NATO verbessern, auf&#13;
Notfälle zu reagieren und es unseren Partnern in&#13;
Zentraleuropa und den neuen unabhängigen Staaten&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
erleichtern, uns zur Seite zu stehen, wenn wir es tun.&#13;
Unser oberstes Ziel ist eine neue NATO, in der alle&#13;
unsere Verbündeten, einschließlich Frankreich und&#13;
Spanien, Vollmitglieder sind.&#13;
Auch die NATO-Erweiterung verläuft planmäßig und&#13;
wird stattfinden. Im Augenblick befindet sich die NATO&#13;
in einem intensiven Dialog mit den interessierten&#13;
Ländern um herauszufinden, was sie und die NATO&#13;
als Vorbereitung für ihren Beitritt tun müssen. Auf der&#13;
Grundlage dieser Diskussionen sollten wir beim Gipfel&#13;
von 1997 mehrere Partner zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen einladen. Wenn die ersten neuen&#13;
Mitglieder durch die offene Tür der NATO treten, wird&#13;
sie für alle diejenigen offen bleiben, die unter Beweis&#13;
stellen, daß sie willens und bereit zur Übernahme der&#13;
Pflichten der Mitgliedschaft sind. Die NATO sollte in&#13;
eine neue Phase ihres intensivierten Dialogs mit&#13;
denjenigen eintreten, die eine Mitgliedschaft anstreben, nachdem die ersten Kandidaten zum Beitritt&#13;
eingeladen wurden.&#13;
Die Erweiterung wird sicherstellen, daß die Vorteile der&#13;
NATO nicht an der Linie halt machen, die ihre Bedeutung mit dem Fall der Berliner Mauer verlor. Die von&#13;
unseren Partnern als Vorbereitung auf die Mitgliedschaft unternommenen Schritte - Stärkung der Demokratie und Bildung von Vertrauen mit ihren Nachbarn haben Zentraleuropa bereits größere Stabilität verliehen als es in diesem Jahrhundert erlebt hat. In der Tat&#13;
war kein Bündnis effektiver bei der Verhinderung von&#13;
Konflikten als die NATO. Aus diesem Grund haben wir&#13;
sie geschaffen. Aus diesem Grund wollen unsere&#13;
Partner ihr beitreten. Aus diesem Grund ist die NATO&#13;
das Kernstück unserer europäischen Strategie.&#13;
Natürlich verdienen alle neuen Demokratien Europas unabhängig davon, ob sie der NATO früher, später&#13;
oder überhaupt nicht beitreten - gleiche Chancen, zur&#13;
Gestaltung der Zukunft Europas beizutragen. Aus&#13;
diesem Grund müssen wir den Geltungsbereich der&#13;
Partnerschaft für den Frieden ausdehnen.&#13;
Dank der Partnerschaft für den Frieden können wir&#13;
jetzt die ersten wirklich europaweiten militärischen&#13;
Koalitionen bilden, in denen Soldaten aus Rußland und&#13;
Amerika, Polen und der Ukraine, Deutschland und&#13;
Litauen Seite an Seite üben und jederzeit zum Schutz&#13;
unserer Sicherheit bereit sind. Zu diesem Zweck&#13;
sollten wir das Mandat der Partnerschaft über ihre&#13;
derzeitige Mission hinaus erweitern. Wir sollten&#13;
unsere Partner in die Planung und Durchführung der&#13;
NATO-Missionen einbeziehen. Wir sollten ihnen ein&#13;
größeres Sagen bei der Gründung eines Atlantischen&#13;
Partnerschaftsrats einräumen. Auf diese Weise bietet&#13;
uns die NATO die Grundlage zur Schaffung unserer&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft - in der ganz&#13;
Europa und Nordamerika beim Aufbau dauerhafter&#13;
Sicherheit zusammenarbeiten, und die Erfolg hat, wo&#13;
alle bisherigen Bestrebungen scheiterten.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa ist unerläßlich für diese sich abzeichnende&#13;
neue Gemeinschaft. Das ist klar ersichtlich aus ihren&#13;
wichtigen und mutigen Missionen in Bosnien, Tschetschenien und im Baltikum. Die Grundsätze von&#13;
Helsinki - Respektierung einer offenen Gesellschaft&#13;
und der Rechtsstaatlichkeit - waren der Wegweiser für&#13;
alles, was wir im letzten Jahrzehnt geleistet haben und&#13;
gestalten unsere Vision für die Zukunft. Beim OSZEGipfeltreffen im Dezember in Lissabon sollten wir auf&#13;
diesen Prinzipien aufbauen, um unsere Sicherheitszusammenarbeit im nächsten Jahrhundert zu definieren. In Lissabon sollten unsere Staats- und&#13;
Regierungschefs praktische Schritte unternehmen, wie&#13;
die Aufnahme von Verhandlungen zur Anpassung des&#13;
KSE-Vertrags an das neue Sicherheitsumfeld Europas.&#13;
Engere politische Zusammenarbeit in der Europäischen Union sowie ihre bevorstehende Erweiterung&#13;
werden zu Sicherheit und Wohlstand der neuen&#13;
atlantischen Gemeinschaft beitragen und die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten&#13;
festigen. Präsident Clinton ist ein entschiedener&#13;
Befürworter verstärkter europäischer Integration und&#13;
hat erneut die von Präsident John F. Kennedy eingegangene Verpflichtung bekräftigt.&#13;
Ein entscheidendes Ziel der neuen atlantischen&#13;
Gemeinschaft ist die Integration der Ukraine in Europa.&#13;
Die Ukraine hat Marktwirtschaft und Demokratie&#13;
eingeführt und auf Nuklearwaffen verzichtet. Sie strebt&#13;
enge Beziehungen zu Rußland und Zentraleuropa&#13;
sowie eine enge Partnerschaft mit westlichen Nationen&#13;
und Institutionen an. Wir wollen der Ukraine bei der&#13;
Konsolidierung ihrer Unabhängigkeit durch die Überwindung ihrer ernsthaften Wirtschaftsprobleme, durch&#13;
Zugang zu wichtigen Märkten und die Entwicklung&#13;
engerer Beziehungen zur NATO helfen.&#13;
Die von mir dargelegte Vision kann nur erfolgreich&#13;
sein, wenn wir die entscheidende Rolle Rußlands in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft anerkennen.&#13;
Während eines Großteils dieses Jahrhunderts haben&#13;
Angst, Tyrannei und Selbstisolation Rußland vom&#13;
europäischen Mainstream getrennt. Jetzt fassen&#13;
jedoch die neuen Muster von Vertrauen und Zusammenarbeit Fuß. Das russische Volk baut auf der&#13;
Grundlage der Ideale von Demokratie und freier&#13;
Marktwirtschaft eine neue Gesellschaft auf. Obwohl&#13;
sein Kampf noch lange nicht beendet ist, wie die seit&#13;
20 Monaten andauernden Angriffe auf Tschetschenien&#13;
demonstrieren, hat das russische Volk eine Rückkehr&#13;
zur Vergangenheit abgelehnt und unser Vertrauen in&#13;
die Demokratie bestätigt - dieselbe Art von Vertrauen,&#13;
dem Außenminister Byrnes hier vor 50 Jahren Ausdruck verlieh. Jetzt kann sich ein integriertes, demokratisches Rußland am Aufbau eines integrierten,&#13;
demokratischen Europas beteiligen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Heute möchte ich dem russischen Volk folgendes&#13;
mitteilen: Wir begrüßen Sie als unsere vollwertigen&#13;
Partner beim Aufbau eines neuen Europas, das frei&#13;
von Tyrannei, Teilung und Krieg ist. Wir wollen&#13;
zusammen mit Ihnen daran arbeiten, Rußland in die&#13;
Familie marktwirtschaftlicher Demokratien aufzunehmen. Wir wollen, daß Sie Interesse an den Institutionen europäischer Sicherheit und wirtschaftlicher&#13;
Zusammenarbeit entwickeln und eine Rolle darin&#13;
übernehmen. Aus diesem Grund streben wir grundlegend neue Beziehungen zwischen Rußland und der&#13;
neuen NATO an. Solche Beziehungen sind möglich.&#13;
Sie sind für uns alle wichtig. Und wir sind entschlossen, sie zu knüpfen.&#13;
Die Zusammenarbeit der NATO mit Rußland sollte in&#13;
einer offiziellen Charta ihren Ausdruck finden. Diese&#13;
Charta sollte dauerhafte Vereinbarungen über Konsultationen und gemeinsame Aktionen zwischen Rußland&#13;
und dem Bündnis enthalten.&#13;
Die NATO und Rußland benötigen eine Charta, weil&#13;
wir ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung&#13;
bewaffneter Konflikte haben. Wie werden gleichermaßen bedroht durch Proliferation, Nuklearschmuggel&#13;
und das Schreckgespenst von Katastrophen wie&#13;
Tschernobyl. Die Charta sollte uns einen dauerhaften&#13;
Mechanismus für Krisenmanagement an die Hand&#13;
geben, damit wir beim Auftreten dieser Herausforderungen umgehend zusammen darauf reagieren&#13;
können. Unsere Truppen sollten zusammen für&#13;
gemeinsame Operationen üben.&#13;
Das Potential&#13;
unserer Partnerschaft zeigt sich bereits in Bosnien, wo&#13;
unsere Truppen gemeinsame Lasten tragen und&#13;
gemeinsame Leistungen erbringen. Wir wollen den&#13;
nächsten logischen Schritt unternehmen.&#13;
Unsere Bestrebungen in Bosnien demonstrieren&#13;
sowohl die Chancen als auch die Dringlichkeit des&#13;
Aufbaus einer neuen atlantischen Gemeinschaft.&#13;
Bosnien steht heute in vieler Hinsicht dort, wo Europa&#13;
1946 stand. Die Grünflächen seiner Städte wurden zu&#13;
Friedhöfen. Seine Kinder haben Terror und Hunger&#13;
kennengelernt und die destruktive Macht des Hasses&#13;
gesehen. Das Land steht aber auch an der Schwelle&#13;
zu einer besseren Zukunft. Der Krieg ist vorüber und&#13;
der vor ihm liegende Weg klar: Er ist abhängig von&#13;
Demokratie, Gerechtigkeit und Integration. Vergangenen Monat war ich in Sarajevo und sah dort die&#13;
Fortschritte, die gemacht wurden, seit das Daytoner&#13;
Abkommen den Weg zum Frieden geebnet hat.&#13;
Deutschlands Diplomatie, seine Wirtschaftshilfe sowie&#13;
sein militärischer Beitrag sind hierbei allesamt von&#13;
entscheidender Bedeutung.&#13;
Bereits in einer Woche werden Wahlen abgehalten,&#13;
damit die Institutionen eines geeinten bosnischen&#13;
Staates gegründet werden können. Jede politische&#13;
Partei in Bosnien unterstützt diese Wahlen. Das&#13;
bosnische Volk möchte wieder seine Stimme zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�erhalten, die der Krieg ihm verweigerte. Unsere&#13;
Aufgabe besteht darin, ihm bei der Wahrnehmung&#13;
dieses Rechts unter angemessenen Bedingungen zu&#13;
helfen. Durch die Verschiebung der Kommunalwahlen&#13;
hat die OSZE bereits ein deutliches Signal gesendet,&#13;
daß grundlegende Normen erfüllt werden müssen. Wir&#13;
müssen Vertrauen in die Macht der demokratischen&#13;
Entscheidung in Bosnien haben. Wir müssen uns&#13;
auch vor Augen halten, daß Wahlen nur ein erster&#13;
Schritt sind. Wir müssen langfristig zusammenarbeiten, damit die führenden Politiker Bosniens ihren&#13;
Verpflichtungen nachkommen und wir allen Nationen&#13;
des ehemaligen Jugoslawien helfen können, sich&#13;
wieder an Europa anzuschließen.&#13;
Unsere zweite Herausforderung beim Aufbau der&#13;
neuen atlantischen Gemeinschaft besteht in der&#13;
Förderung von Wohlstand unserer Nationen und&#13;
seiner globalen Ausweitung. Die Vereinigten Staaten&#13;
und Europa haben die umfassendsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt aufgebaut. Sie erhalten 14&#13;
Millionen Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks.&#13;
Wir müssen uns auf einen freien und offenen transatlantischen Markt zubewegen, wie ihn die Vereinigten&#13;
Staaten und die Europäische Union letzten Dezember&#13;
anvisierten. Während die Schranken fallen und sich&#13;
die Dynamik erhöht, scheint immer mehr möglich. Wir&#13;
haben bereits ein Stadium erreicht, in dem wir die&#13;
echte Integration der Volkswirtschaften Europas und&#13;
Nordamerikas realistisch erörtern können. Wir können&#13;
jetzt praktische Schritte unternehmen, beispielsweise&#13;
den Abbau von beschränkenden Vorschriften, um&#13;
visionärere Ziele zu erlangen.&#13;
Unsere Vision für offenen Handel und Investitionen in&#13;
der neuen atlantischen Gemeinschaft muß ebenso&#13;
umfassend sein wie unsere Vision dieser Gemeinschaft selbst. Mit anderen Worten: Sie muß sich auf&#13;
Zentraleuropa und die neuen unabhängigen Staaten,&#13;
einschließlich Rußlands, erstrecken. Präsident Jelzin&#13;
hat beispielsweise der Öffnung Rußlands für ausländische Investitionen Priorität eingeräumt, und Präsident Clinton engagiert sich persönlich für die Erlangung dieses Ziels. Wir unterstützen entschieden&#13;
den Eintritt Rußlands in die WTO zu angemessenen&#13;
wirtschaftlichen Bedingungen. Wir sind uns bewußt,&#13;
daß in den neuen Demokratien Europas Stabilität von&#13;
Wohlstand abhängt - und von unserer Bereitschaft zur&#13;
Öffnung westlicher Märkte.&#13;
Das ist ein Grund dafür, daß wir ein umfassendes&#13;
Programm für die Erweiterung der Europäischen Union&#13;
unterstützen. Die Aussicht auf eine Mitgliedschaft in&#13;
der EU wird zur Durchführung demokratischer und&#13;
marktwirtschaftlicher Reformen in Zentral- und Osteuropa beitragen. Sie stellt die Weichen für einen&#13;
echten europäischen Binnenmarkt. Dabei sollten&#13;
rasche Fortschritte gemacht werden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Gemeinsam tragen wir auch die Verantwortung&#13;
sicherzustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem und seine Institutionen für das 21. Jahrhundert&#13;
gerüstet sind. Wir haben bereits gemeinsam an der&#13;
Reform des IWF und der Weltbank gearbeitet. Wir&#13;
schlössen die Uruguay-Runde ab und gründeten die&#13;
Welthandelsorganisation. Beim ersten Ministertreffen&#13;
der WTO kommenden Dezember in Singapur sollten&#13;
wir auf den Abschluß der unerledigten Themen der&#13;
Uruguay-Runde drängen, insbesondere bei den&#13;
Dienstleistungen, und damit beginnen, die Prioritäten&#13;
für das nächste Jahrhundert zu setzen. Ferner&#13;
müssen wir das unsrige tun um zu gewährleisten, daß&#13;
die ärmsten Nationen der Welt von offenen Märkten&#13;
profitieren.&#13;
Unsere neue atlantische Gemeinschaft wir nur sicher&#13;
sein, wenn wir gemeinsam am Umgang mit grenzüberschreitenden Bedrohungen arbeiten - Bedrohungen&#13;
wie Terrorismus, Weiterverbreitung von Nuklearwaffen, Verbrechen, Drogen, Krankheiten und Umweltzerstörung. Die Gefahren, die diese Bedrohungen für&#13;
unsere Sicherheit und unser Wohlergehen darstellen,&#13;
sind ebenso groß wie alle, mit denen wir während des&#13;
Kalten Krieges konfrontiert waren. Ihre Bewältigung&#13;
stellt unsere dritte Herausforderung dar, von der ich&#13;
heute zwei Elemente erörtern möchte: Terrorismus&#13;
und Umwelt.&#13;
Wir müssen gemeinsam dem Terrorismus die Stirn&#13;
bieten, wo immer er auftritt. Von den Nachtlokalen in&#13;
Berlin zu den Metrostationen in Paris, von den Bürgersteigen Londons zu den Bürotürmen in New York&#13;
haben gesetzlose Verbrecher unsere Bürger zu&#13;
Zielscheiben und unsere öffentlichen Plätze zu&#13;
Jagdgründen gemacht.&#13;
Präsident Clinton hat versprochen, internationale&#13;
Bestrebungen zur Bekämpfung dieses gemeinsamen&#13;
Feindes anzuführen. Die vom Präsidenten bei der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr vorgestellte Strategie zur Terrorismusbekämpfung war ein&#13;
deutliches Zeichen unserer Entschlossenheit. Die vor&#13;
zwei Monaten von den G-7-Staaten und Rußland in&#13;
Paris angenommenen 25 spezifischen Maßnahmen&#13;
sind ein Entwurf dafür, wie man Terroristen das&#13;
Handwerk legen und sie hinter Gitter bringen kann.&#13;
Ich fordere alle Nationen dazu auf, sie so schnell wie&#13;
möglich umzusetzen.&#13;
Die Zusammenarbeit gegen dem Terrorismus Vorschub leistende Staaten ist ein Gebot, keine Option.&#13;
Sie ist ein Anliegen, für das sich alle Nationen einsetzen sollten. Unser auf Prinzipien gegründetes&#13;
Engagement für freien Handel verpflichtet uns nicht,&#13;
Geschäfte mit aggressiven Tyranneien wir Iran und&#13;
Libyen abzuschließen. Wir müssen unsere Kräfte&#13;
bündeln, um durch wirksame multilaterale Maßnahmen&#13;
diesen verbrecherischen Regimen die Mittel zu&#13;
verweigern, nach denen sie streben.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Auch der Irak unterstützt den Terrorismus, und wie wir&#13;
gesehen haben, stellt er eine dauerhafte Bedrohung&#13;
des Friedens im Nahen Osten dar. Ich möchte&#13;
Bundeskanzler Kohl, Außenminister Kinkel und&#13;
Deutschland meinen aufrichtigen Dank aussprechen,&#13;
daß sie Präsident Clintons entschlossene Reaktion auf&#13;
Saddam Husseins erneute Aggression unterstützt&#13;
haben.&#13;
Bedrohungen der Umwelt respektieren ebenfalls keine&#13;
Grenzen. Sie schaden unseren Volkswirtschaften und&#13;
der Gesundheit unserer Bürger. Aus diesem Grund&#13;
haben Präsident Clinton und ich Umweltfragen zu&#13;
einem wesentlichen Bestandteil der amerikanischen&#13;
Außenpolitik gemacht.&#13;
Hier in Europa besteht unsere dringlichste umweltpolitische Herausforderung darin, die verheerenden&#13;
Auswirkungen jahrzehntelanger kommunistischer&#13;
Mißwirtschaft zu beseitigen. Von den verlassenen&#13;
Dörfern im Umkreis von Tschernobyl über die abgeholzten Wälder Sibiriens bis zu den riesigen verrosteten Fabriken in Zentraleuropa gehört Umweltzerstörung zu den verheerendsten Altlasten, mit denen&#13;
Europas neue Demokratien konfrontiert werden.&#13;
Weltweit können wir durch Zusammenarbeit 1997 zum&#13;
wichtigsten Jahr für die globale Umwelt seit dem Gipfel&#13;
von Rio machen. Wir können die Führung bei der&#13;
Erlangung realistischer, rechtlich bindender Verpflichtungen zur Verringerung der Emission von&#13;
Treibhausgasen übernehmen. Wir können uns auf&#13;
eine verantwortliche Verwaltung der Wälder der Erde&#13;
einigen - einer Ressource, der das deutsche und das&#13;
amerikanische Volk immer hohen Wert beigemessen&#13;
haben.&#13;
Alle heute von mir vorgeschlagenen Schritte erfordern&#13;
eine engere Zusammenarbeit unserer Regierungen.&#13;
Aber die Stärke unserer Beziehungen hängt letztlich&#13;
von den Banden zwischen unseren Menschen ab.&#13;
Das ist die vierte Herausforderung, die ich erörtern&#13;
möchte.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten Deutschland&#13;
und die Vereinigten Staaten Pionierarbeit bei kulturellen und akademischen Austauschprogrammen, die für&#13;
Amerikaner und Europäer heute so wichtig sind.&#13;
Aufgrund unserer Partnerschaft im Kalten Krieg haben&#13;
Millionen Amerikaner in Deutschland und Europa&#13;
gelebt und gearbeitet, und wir können praktisch davon&#13;
ausgehen, daß die Menschen sich gut kennenlernten.&#13;
Aber jetzt nach dem Ende des Kalten Krieges müssen&#13;
wir neue Bande knüpfen. Wir müssen auf den Banden&#13;
aufbauen, die täglich von unseren Unternehmen,&#13;
Universitäten, Parlamentariern und nichtstaatlichen&#13;
Organisationen geschmiedet werden.&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Im November werden die Vereinigten Staaten und die&#13;
Europäische Union in Washington eine Konferenz zur&#13;
Stärkung transatlantischer&#13;
Austauschprogramme&#13;
veranstalten. Ich möchte einen besonderen Vorschlag&#13;
unterbreiten. Wir wollen eine Hoffnungsgemeinschaft&#13;
-eine Fellowship of Hope - gründen: Einen Austausch&#13;
zwischen den für auswärtige Angelegenheiten zuständigen Behörden der Vereinigten Staaten, der EU und&#13;
ihrer Mitgliedstaaten, damit unsere jungen Führungspersönlichkeiten zusammen arbeiten und voneinander&#13;
lernen können. Auch der Privatsektor kann mehr tun.&#13;
Derzeit sind 500.000 Amerikaner bei deutschen&#13;
Unternehmen beschäftigt, und 600.000 Deutsche&#13;
arbeiten für amerikanische Firmen. Wir wollen alle&#13;
unsere Unternehmen dazu ermutigen, dem Beispiel zu&#13;
folgen, das einige Unternehmen bereits durch die&#13;
Ausweitung von Austauschprogrammen für ihre&#13;
Beschäftigten gesetzt haben.&#13;
Ich bin zuversichtlich, daß unsere Völker und unsere&#13;
Regierungen gleichermaßen die Partnerschaft vertiefen können, deren wir uns schon lange erfreuen.&#13;
Schließlich sind die dieser Partnerschaft zugrundeliegenden Prinzipien, denen Außenminister Byrnes&#13;
Ausdruck verlieh, dauerhaft. Im Westen hielten sie&#13;
dem Trauma des Zweiten Weltkriegs stand. Im Osten&#13;
überdauerten sie die Säuberungsaktionen und Propaganda der kommunistischen Herrschaft. Im letzten&#13;
Jahrzehnt ermutigten sie uns zur Zusammenarbeit bei&#13;
der Vereinigung Deutschlands, der Beendigung des&#13;
Krieges in Bosnien, der Unterstützung von Reformen&#13;
in Rußland sowie der Errichtung des offensten Welthandelssystems der Geschichte.&#13;
All dies begann hier, inmitten der Trümmer und&#13;
Verzweiflung des Jahres 1946. Und wenn wir heute&#13;
von großer Hoffnung beflügelt sind, liegt das an dem,&#13;
was Deutschland mit seinen Partnern seit damals&#13;
erreicht hat. Aufgrund des von uns gemeinsam&#13;
Geleisteten kann mein Land einer zukünftigen Partnerschaft mit einen neuen Deutschland und einen neuen&#13;
Europa erwartungsvoll entgegensehen - einem&#13;
Europa, in dem Grenzen einen statt zu trennen; einem&#13;
Europa, dessen Horizonte weiter als seine Grenzen&#13;
sind.&#13;
Wir haben mit Ihnen für den Aufbau dieses neuen&#13;
Europas gekämpft. Und jetzt möchte ich ebenso wie&#13;
mein Vorgänger es vor 50 Jahren tat im Namen&#13;
Amerikas sagen: Wir bleiben hier. Wir können die von&#13;
mir umrissenen Herausforderungen bewältigen. Wir&#13;
können eine freie, geeinte und wohlhabende atlantische Gemeinschaft gründen. Und wenn wir das tun,&#13;
werden Menschen auf der ganzen Welt von dem von&#13;
Europa und Amerika gegebenen Beispiel inspiriert,&#13;
ebenso wie wir von dem Beispiel Deutschlands&#13;
inspiriert wurden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�USA-KUBA&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
USA streben multilaterale Zusammenarbeit&#13;
zur Förderung von Demokratie in Kuba an&#13;
Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Stuart E. Eizenstat, dem Sondergesandten von Präsident&#13;
Clinton und Außenminister Christopher für die Förderung von Demokratie in Kuba, im Rahmen seiner&#13;
Europareise am 11. September 1996 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Ich freue mich sehr, wieder in Deutschland zu sein, um&#13;
mit hochrangigen Vertretern der Bundesregierung, der&#13;
Wirtschaft sowie von nichtstaatlichen Organisationen&#13;
zusammenzutreffen. Ich wollte Deutschland zu einem&#13;
frühen Zeitpunkt in diesem Prozeß besuchen, um die&#13;
Ansichten unserer engsten Verbündeten darüber zu&#13;
hören, wie wir zur Erlangung unseres obersten Ziels der Förderung von Demokratie in Kuba - am besten&#13;
vorgehen.&#13;
Der Schlüssel zur Erreichung dieses Ziels besteht in&#13;
der Ausarbeitung eines effektiven multilateralen&#13;
Ansatzes auf der Grundlage gemeinsamer Interessen&#13;
und gemeinsamer Anliegen. Präsident Clinton ist&#13;
diesen Bestrebungen entschlossen verpflichtet, und&#13;
meine Ernennung zum Sondergesandten reflektiert&#13;
und unterstreicht dieses Engagement. Die heutigen&#13;
Treffen in Deutschland lassen mich hoffen, daß eine&#13;
gemeinsame Basis gefunden werden kann und wir&#13;
trotz unserer Differenzen parallel und unabhängig an&#13;
der Beschleunigung eines friedlichen Übergangs zur&#13;
Demokratie in Kuba arbeiten können.&#13;
Die Zusammenarbeit zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba würde doppelten Nutzen bringen. Sie würde&#13;
dem seit langer Zeit unterdrückten kubanischen Volk&#13;
Hoffnung geben und den Anbruch des Tages beschleunigen, an dem Freiheit zur Realität geworden ist.&#13;
Und gleichzeitig würde sie zum Abbau von durch das&#13;
LIBERTAD-Gesetz hervorgerufenen Spannungen mit&#13;
unseren Verbündeten beitragen.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß unsere Freunde und Verbündeten, einschließlich Deutschlands, wegen be-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
stimmter Aspekte des Helms-Burton-Gesetzes äußerst&#13;
besorgt sind. Wir haben über diese Differenzen&#13;
gesprochen. Wir waren uns jedoch auch darüber&#13;
einig, daß wir Wege zur Förderung der Demokratie in&#13;
Kuba erörtern sollten - eine vom LIBERTAD-Gesetz&#13;
unabhängige Tagesordnung - denn das kubanische&#13;
Volk verdient unsere Hilfe.&#13;
Die Nationen der westlichen Hemisphäre, wie&#13;
Deutschland und seine Partner in Europa, haben sich&#13;
gemeinsam der Demokratie verpflichtet, denn sie ist&#13;
das einzige Regierungssystem, das einen angemessenen Schutz von Menschenrechten und Menschenwürde bieten kann. Kuba ist die einzige nichtdemokratische Nation auf dem amerikanischen Kontinent. Das&#13;
kubanische System stellt keine Alternative dar - es ist&#13;
ein unterdrückerischer Anachronismus. Ebenso wie&#13;
die Vereinigten Staaten, Deutschland und Europa zur&#13;
Förderung von Freiheit und Demokratie in der Sowjetunion und dem ehemaligen Ostblock, in Südafrika,&#13;
Mittelamerika und auf der ganzen Welt zusammengearbeitet haben, können und müssen wir das jetzt in&#13;
Kuba tun.&#13;
Heute habe ich freundschaftliche, konstruktive und&#13;
offene Gespräche mit Wirtschaftsminister Günter&#13;
Rexrodt sowie weiteren Regierungsmitgliedern,&#13;
Wirtschaftsvertretern und Angehörigen nichtstaatlicher&#13;
Organisationen geführt. Wir haben einen wichtigen&#13;
Dialog über diese Angelegenheit eingeleitet, der in den&#13;
kommenden Monaten fortgeführt wird. Die Bundesregierung wird einige unserer Ideen überprüfen, und&#13;
wir hoffen, daß sie auch ihren eigenen Input und Ideen&#13;
dazu unterbreiten wird, wie wir unsere gemeinsamen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ziele erreichen können.&#13;
Die Vereinigten Staaten streben multilaterale Zusammenarbeit an, die zu konkreten und spezifischen&#13;
Maßnahmen zur Förderung von Demokratie in Kuba&#13;
führt. Diese Bestrebungen sollten Regierungen, NGOs&#13;
und den Privatsektor einschließen. Wir wollen Fortschritte auf den folgenden Gebieten, jedoch nicht&#13;
darauf beschränkt, erzielen:&#13;
1.&#13;
&#13;
Förderung staatlicher Unterstützung für die&#13;
Demokratisierung in Kuba.&#13;
&#13;
2.&#13;
&#13;
Hilfe für unabhängige NGOs und verstärkte&#13;
Unterstützung für den unabhängigen Sektor.&#13;
&#13;
3.&#13;
&#13;
Ermutigung von Zusammenarbeit zwischen&#13;
nichtstaatlichen Organisationen zur Stärkung&#13;
des unabhängigen Sektors.&#13;
&#13;
4.&#13;
&#13;
Ich reise heute abend nach London ab, nachdem ich&#13;
gestern in Madrid war. Ich werde in nächster Zeit wohl&#13;
noch öfter nach Europa reisen. Ich sehe weiteren&#13;
Gesprächen mit der Europäischen Union, ihren&#13;
Mitgliedstaaten sowie anderen Partnern der Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten erwartungsvoll entgegen.&#13;
Ich verlasse Deutschland voller Hoffnung und Optimismus, daß unsere gemeinsamen Ziele und gemeinsamen Werte einen Geist der Zusammenarbeit&#13;
schaffen werden, während wir uns gemeinsam für die&#13;
Förderung von Demokratie in Kuba einsetzen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Entwicklung einer Reihe wirtschaftlicher&#13;
Prinzipien, damit Auslandsinvestitionen in&#13;
Kuba den Wohlstand und die Freiheiten der&#13;
Arbeitnehmer in Kuba erhöhen und nicht&#13;
einfach nur die kubanische Regierung stärken.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Wahlen sind erster Schritt beim Wiederaufbau&#13;
Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die für den 14. September 1996 anberaumten Wahlen in Bosnien werden ein&#13;
wesentlicher erster Schritt für den Wiederaufbau des Landes sein, teilte der Abteilungsleiter für europäische und&#13;
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, John Kornblum, dem Unterausschuß für europäische&#13;
Angelegenheiten des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten am 10. September mit. Nachfolgend&#13;
veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von John Kornblum.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für die Gelegenheit, zu diesem Ausschuß zu sprechen und die&#13;
derzeitige Situation in Bosnien sowie unsere Arbeit auf&#13;
dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens zu erörtern.&#13;
Wie Sie wissen, waren die Vereinigten Staaten führend&#13;
bei den Bestrebungen, dem jahrelangen blutigen&#13;
Konflikt in Bosnien ein Ende zu setzen. Die zum&#13;
Daytoner Abkommen führenden Friedensgespräche&#13;
waren nur das sichtbarste Beispiel für diese Führungsrolle. Sowohl vor als auch nach Dayton waren wir fest&#13;
entschlossen, bei der Schaffung eines gerechten und&#13;
dauerhaften Friedens in Bosnien und im gesamten&#13;
ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten.&#13;
Aus diesem Grund sind 16.000 amerikanische Männer&#13;
und Frauen als Teil der NATO-Friedenstruppe in&#13;
Bosnien. Aus diesem Grund sind Tausende amerikanischer Zivilisten führend bei den Bestrebungen zur&#13;
Veranstaltung demokratischer Wahlen, Mitwirkung bei&#13;
der Rückkehr der Flüchtlinge, Gründung offener&#13;
Medien, Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit&#13;
und Untersuchung von Kriegsverbrechen. Und aus&#13;
diesem Grund haben wir einen so großzügigen Beitrag&#13;
zu den internationalen Bestrebungen zum Wiederaufbau der zerstörten bosnischen Infrastruktur geleistet.&#13;
Obwohl wir zu Recht stolz auf die von den Vereinigten&#13;
Staaten übernommene Schlüsselrolle bei der Schaffung des Friedens in Bosnien sind, haben wir nicht nur&#13;
aus altruistischen Motiven so viel investiert. Unser&#13;
Engagement auf dem Balkan ist das Ergebnis einer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
nüchternen Analyse unserer nationalen Interessen und&#13;
Prioritäten.&#13;
Der Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens,&#13;
der zum Konflikt auf dem Balkan führte, stellte eine&#13;
beträchtliche Bedrohung der europäischen Stabilität&#13;
und somit unserer eigenen Sicherheit dar. Wären die&#13;
Kämpfe über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens hinausgegangen, hätten leicht unsere NATOVerbündeten sowie andere Länder in der Region&#13;
einbezogen werden können. Hätten wir auf dem&#13;
Balkan nicht entschlossen gehandelt, hätte das der&#13;
Glaubwürdigkeit des Bündnisses - dem Grundstein&#13;
unserer nationalen Sicherheit - großen Schaden&#13;
zufügen können.&#13;
Zusätzlich hätte das Virus von Intoleranz und ethnischem Haß, von dem das ehemalige Jugoslawien&#13;
befallen ist, leicht auf die noch auf tönernen Füßen&#13;
stehenden Demokratien Zentral- und Osteuropas&#13;
übergreifen können.&#13;
Schließlich ist das unerschütterliche Engagement für&#13;
Menschenrechte seit langem die wichtigste Säule der&#13;
amerikanischen Außenpolitik.&#13;
Tatsächlich unterscheidet uns dieses Engagement von anderen und&#13;
erhöht unsere Glaubwürdigkeit auf der ganzen Welt,&#13;
insbesondere in Zentral- und Osteuropa. Die ungeheuerlichen Verletzungen von Menschenrechten&#13;
und die verzweifelte humanitäre Situation in Bosnien&#13;
während des Krieges waren unerträglich und erforderten zum Erhalt dieser Glaubwürdigkeit, daß wir&#13;
handelten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Ich freue mich, berichten zu können, daß heute die&#13;
Vereinigten Staaten unvergleichliches Ansehen und&#13;
Einfluß in ganz Europa und der übrigen Welt genießen&#13;
- großenteils aufgrund der von uns übernommenen&#13;
Führungsrolle bei der Befriedung des Balkans. Die&#13;
durch unsere führende Rolle im Dayton-Prozeß&#13;
gewonnene Erfahrung zeigt eindeutig, daß nur Amerika über die militärische, diplomatische und wirtschaftliche Macht verfügt, die zur Bildung eines&#13;
Konsenses über scheinbar unlösbare Probleme wie&#13;
Bosnien erforderlich ist.&#13;
Europa und damit die Vereinigten Staaten sind aufgrund unserer Bestrebungen in Dayton zweifelsohne&#13;
sicherer geworden. Obwohl einige unser Engagement&#13;
für und in Europa in Frage stellten, besteht heute kein&#13;
Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten die herausragende europäische Macht sind und die Saat dieser&#13;
Position ernten.&#13;
Als ich Außenminister Christopher letzte Woche auf&#13;
seiner Europareise begleitete, sah ich aus erster Hand,&#13;
welch starke Position die Vereinigten Staaten auf dem&#13;
gesamten Kontinent einnehmen. Unsere langjährigen&#13;
Verbündeten wollen mit uns bei einer Vielzahl von&#13;
Fragen zur Erneuerung und Stärkung der transatlantischen Partnerschaft zusammenarbeiten. Die&#13;
neuentstehenden Demokratien Zentraleuropas, die ein&#13;
halbes Jahrhundert kommunistischer Herrschaft hinter&#13;
sich gelassen haben, erkennen die Vorteile der&#13;
Partnerschaft mit Amerika und sind jetzt weniger&#13;
versucht, für die sie konfrontierenden Probleme&#13;
extreme Lösungen zu suchen.&#13;
In ähnlicher Weise ist die NATO, deren Zukunft von&#13;
einigen vor nur einem Jahr noch in Frage gestellt&#13;
wurde, heute zweifelsohne die mächtigste und wirkungsvollste Militärorganisation der Welt.&#13;
Das heißt nicht, daß es keine Probleme gegeben hätte.&#13;
Angesichts der in vier Tagen stattfindenden Wahlen in&#13;
Bosnien kämpfen wir weiterhin mit den Dämonen, die&#13;
Bosnien in den letzten Jahren quälten. Mißtrauen,&#13;
Intoleranz und Gewalt, die wuchsen, während eine&#13;
Generation Bosnier zugrunde ging, werden nicht mit&#13;
der Unterzeichnung eines Dokuments oder der&#13;
Abgabe einer Erklärung verschwinden. Die Auswirkungen dieser Dämonen werden jedesmal deutlich,&#13;
wenn wir eine Zeitung in die Hand nehmen. Sie&#13;
werden nicht über Nacht verschwinden, aber das&#13;
bosnische Volk muß mit unserer Hilfe die Arbeit des&#13;
Wiederaufbaus seiner einst lebensprühenden Gesellschaft fortsetzen. Wahlen sind der erste Schritt in&#13;
diesem Wiederaufbauprozeß.&#13;
Diese Wahlen werden nicht perfekt sein. Es wird&#13;
Probleme geben, darunter auch gravierende. Es&#13;
könnten Menschen gewählt werden, die unsere&#13;
Verpflichtung zu den Idealen von Dayton nicht vollkommen teilen. Einige Wähler werden vielleicht&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
eingeschüchtert, es könnte Betrügereien sowie&#13;
organisatorische oder logistische Schwierigkeiten&#13;
geben.&#13;
Das sollte niemanden überraschen.&#13;
Schließlich&#13;
organisieren Bob Frowick und sein herausragendes&#13;
OSZE-Team die komplexesten Wahlen der Geschichte. Nationale, Kreis- und Kantonalwahlen werden in&#13;
einem Land abgehalten, das vom erbittertsten europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg zerrüttet&#13;
wurde.&#13;
Manche erklärten, diese Probleme seien so groß, daß&#13;
wir gar keine Wahlen abhalten sollten. Bosnien sei&#13;
noch nicht bereit für die Demokratie. Diese Menschen&#13;
haben nicht die Stimme des bosnischen Volkes gehört.&#13;
Bei einer jüngsten Umfrage des US-Informationsamts&#13;
(USIA) erklärten 90 Prozent der Bosnier aller ethnischen Gruppen, sie wollten Wahlen, da diese ein&#13;
wesentlicher Bestandteil des Wiederaufbauprozesses&#13;
und eine notwendige Vorbedingung für demokratisches Leben seien.&#13;
Es wird also Probleme geben. Aber nachdem ich mit&#13;
Vertretern des bosnischen Volkes zu Gesprächen&#13;
zusammengetroffen und im letzten halben Jahr 14 Mal&#13;
in die Region gereist bin, die Unterzeichner des&#13;
Daytoner Abkommens während desselben Zeitraums&#13;
mehr als 20 Mal getroffen und mit eigenen Augen die&#13;
laufenden Vorbereitungen gesehen habe, bin ich&#13;
zuversichtlich, daß diese Wahlen - so unvollkommen&#13;
sie auch sein mögen - den Willen des bosnischen&#13;
Volkes widerspiegeln werden.&#13;
Man muß auch daran denken, daß der 14. September&#13;
den ersten vorsichtigen Schritt Bosniens zu einer&#13;
demokratischen Gesellschaft nach jahrzehntelanger&#13;
kommunistischer Herrschaft und jahrelangem Krieg&#13;
darstellen wird. Dieser Prozeß wird sich fortsetzen&#13;
und weiterentwickeln, während gewählte Vertreter&#13;
zusammen mit der Bildung und Führung einer gemeinsamen Regierung beginnen. Das war der Kern ihrer in&#13;
Dayton eingegangenen Verpflichtung - ein einheitlicher&#13;
Staat mit einer einheitlichen Regierung. Danach&#13;
müssen sich diese Vertreter in zwei Jahren zur&#13;
Wiederwahl stellen.&#13;
Der amerikanische Beitrag zu den Wahlen ist beeindruckend. Mehr als 175 Amerikaner sind derzeit in&#13;
Bosnien, wo sie als Wahlbeobachter und Inspektoren&#13;
eingesetzt werden. 66 Amerikaner nehmen an der&#13;
OSZE-Mission in Bosnien teil. Die NATO-Friedenstruppe unter ihrem amerikanischen Befehlshaber hat&#13;
außerordentliche Arbeit geleistet, um ein sicheres&#13;
Umfeld für Wahlen zu schaffen. Die Mitarbeiter der&#13;
US-Botschaft, die in den schlimmsten Zeiten des&#13;
Konflikts buchstäblich im Büro übernachteten, setzen&#13;
ihre unermüdliche Arbeit fort, um die für die Veranstaltung dieser Wahlen notwendige diplomatische&#13;
Arbeit zu erledigen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Ich habe eine Reihe potentieller Herausforderungen für&#13;
den Wahlprozeß aufgeführt. Eine nicht von mir&#13;
erwähnte betrifft die Beteiligung von angeklagten&#13;
Kriegsverbrechern. Ich habe sie nicht erwähnt, weil&#13;
sie eine Möglichkeit darstellt, die wir keinesfalls&#13;
akzeptieren. Solche Individuen dürfen im Wahlprozeß&#13;
keine Rolle spielen. Zu diesem Zweck forderten und&#13;
erhielten wir die Zustimmung von Radovan Karadzic,&#13;
sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Er&#13;
hat sich großenteils an dieses Abkommen gehalten,&#13;
und wir erwarten nicht, daß er eine Bedrohung des&#13;
Wahlprozesses darstellen wird.&#13;
Vor diesem Hintergrund versichere ich Ihnen jedoch,&#13;
daß wir uns damit nicht zufrieden geben. Das Friedensabkommen ist klar - Angeklagte dürfen keine&#13;
Minute Ruhe haben, bis sie auf die vom Kriegsverbrechertribunal gegen sie erhobenen Vorwürfe reagiert&#13;
haben. Die Vereinigten Staaten haben für die Errichtung des Tribunals gekämpft, wir waren sein&#13;
stärkster Befürworter, und wir werden bei dieser Frage&#13;
keine Nichtbefolgung tolerieren. Karadzic und Mladic&#13;
müssen gehen.&#13;
In unserem Eifer zur Bewältigung der wichtigen&#13;
Probleme, mit denen wir täglich in Bosnien konfrontiert&#13;
werden, lassen wir allzu oft das Gesamtbild außer Acht&#13;
und übersehen die erzielten wirklichen Erfolge.&#13;
Bosnien ist heute ein ganz anderer und viel hoffnungsvollerer Ort als noch vor einem Jahr.&#13;
Vor einem Jahr hatte die amerikanische Friedensinitiative, die in Dayton gipfelte, gerade erst begonnen.&#13;
Die internationale Gemeinschaft stand noch unter dem&#13;
Eindruck der Plünderung Srebrenicas und der mörderischen Bombenanschläge auf unschuldige Zivilisten auf&#13;
dem Zentralmarkt von Sarajevo. Kriegsflugzeuge der&#13;
NATO beteiligten sich an der komplexesten Kampfoperation des Bündnisses in dem Bestreben, die&#13;
Beseitigung schwerer Waffen aus Sarajevo sicherzustellen.&#13;
Und wir mußten noch den Verlust unserer lieben&#13;
Freunde und Kollegen Bob Frasure, Joe Kruzel und&#13;
Nelson Drew bewältigen, die bei ihrer Suche nach dem&#13;
Frieden in Bosnien ums Leben kamen.&#13;
Heute herrscht in Bosnien jedoch Frieden. Ungeachtet&#13;
der anderen Implementierungsprobleme, ungeachtet&#13;
der Herausforderungen, die bisweilen auftauchen,&#13;
dürfen wir eine entscheidende Tatsache nie vergessen: In Bosnien herrscht Frieden.&#13;
Die Kinder Sarajevos können in den Stadtparks&#13;
spielen, ohne auf das Pfeifen der Kugeln eines Scharfschützen horchen zu müssen. Paare können die&#13;
Straßen der Altstadt ohne Angst vor Mörsergranaten&#13;
entlangschlendern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
Geschäfte wurden eröffnet, im Exil Lebende kehren&#13;
zurück, Sarajevo ist wieder zum Leben erwacht. Erst&#13;
letzten Monat konnte Außenminister Christopher sich&#13;
selbst ein Bild von den erzielten Fortschritten machen,&#13;
als ihm auf den Straßen der Stadt ein begeisterter&#13;
Empfang bereitet wurde. Die brutale Belagerung&#13;
Sarajevos wird bereits Geschichte.&#13;
Im ganzen Land wurden Soldaten demobilisiert und&#13;
arbeiten am Wiederaufbau ihrer zerrütteten Gemeinden. Die internationale Staatengemeinschaft hat&#13;
den mühsamen Prozeß des Wiederaufbaus der&#13;
zerstörten bosnischen Infrastruktur begonnen. Diese&#13;
Bestrebungen werden dem ganzen bosnischen Volk&#13;
die Vorteile des Friedens zeigen und eine Rückkehr&#13;
zum Blutvergießen unmöglich machen. Die Vereinigten Staaten werden hierzu einen Beitrag von fast&#13;
600 Millionen Dollar leisten, und der Präsident hat&#13;
seinen Sondergesandten, Richard Sklar, nach Sarajevo gesandt, um unsere Arbeit zu koordinieren.&#13;
Im militärischen Bereich wurden die schweren Waffen,&#13;
die während des Konflikts mit solch tödlicher Kraft&#13;
eingesetzt wurden, unter strenger Überwachung der&#13;
NATO eingelagert. Munitionslager, die das Friedensabkommen verletzen, wurden zerstört oder beschlagnahmt. Der Prozeß der Räumung Tausender von über&#13;
das ganze Land verteilten Minen hat begonnen.&#13;
Ferner gelang uns der Abschluß der komplexen und&#13;
umstrittenen Verhandlungen über ein Rüstungskontrollabkommen zwischen Bosnien, Kroatien, Serbien&#13;
und Montenegro sowie den bosnischen Serben.&#13;
Dieses bedeutende Abkommen, dessen Abschluß&#13;
viele für unmöglich gehalten hatten, wird nicht nur&#13;
Waffen, sondern auch Spannungen abbauen. Vor nur&#13;
zwei Wochen inspizierten Vertreter der bosnischen&#13;
Serben Militärgelände in der Föderation, was noch vor&#13;
kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre.&#13;
Obwohl&#13;
beträchtliche Probleme bei der Einhaltung des Abkommens bestehen bleiben, haben wir bereits die&#13;
Fähigkeit der Parteien zur Kriegführung verringert und&#13;
eine Rückkehr zum Blutvergießen weitaus schwieriger&#13;
gemacht.&#13;
Die internationale Einsatztruppe der Polizei ist an Ort&#13;
und Stelle und hilft mit ihren Ausbildungs- und Überwachungsprogrammen bei der Wiedereinführung von&#13;
Rechtsstaatlichkeit im gesamten Land. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge, eine emotionsgeladene und schwierige&#13;
Frage, ist langsam in Gang gekommen, und es gibt&#13;
einen regelmäßigen Transitverkehr zwischen der&#13;
Föderation und der Republika Srpska.&#13;
Die bosnische Föderation hat große Fortschritte&#13;
gemacht. Die Föderation wurde hier in Washington ins&#13;
Leben gerufen, und ich habe ihrem Erfolg oberste&#13;
Priorität eingeräumt. Durch das Föderationsforum&#13;
haben wir monatliche, hochrangige Konsultationen ins&#13;
Leben gerufen. Das Forum hat eine Reihe bemer-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�kenswerter Abkommen hervorgebracht, die die&#13;
Föderation gestärkt und zu einer lebensfähigen Säule&#13;
des Daytoner Prozesses gemacht haben.&#13;
Der&#13;
bosnisch-kroatische Ministaat Herceg-Bosna wurde&#13;
per Gesetz aufgelöst. Muslimische und kroatische&#13;
Militärs werden zusammengelegt. Die muslimische&#13;
und die kroatische Polizei werden in eine einzige&#13;
Einsatztruppe integriert. Die Zollsysteme werden&#13;
vereinheitlicht.&#13;
Die Annahme des Förderationsverteidigungsgesetzes,&#13;
das ein einheitliches Militär der Föderation vorsieht,&#13;
half den Weg für die Einleitung unseres Ausbildungsund Ausrüstungsprogramms zu ebnen. Jim Pardew&#13;
wird mit ihnen erörtern, daß dieses Programm, das die&#13;
Vereinigten Staaten koordinieren, gewährleistet, daß&#13;
beim Abzug der IFOR in Bosnien ein militärisches&#13;
Gleichgewicht herrscht. Dies ist ein weiterer Schritt,&#13;
den wir unternehmen um sicherzustellen, daß ein&#13;
erneuter Konflikt beider Seiten undenkbar erscheint.&#13;
Ich möchte noch etwas zur IFOR-Friedenstruppe und&#13;
unseren in Bosnien stationierten Truppen sagen.&#13;
Meine Kollegen vom Verteidigungsministerium werden&#13;
ausführlicher über die IFOR-Mission sprechen. Ich&#13;
möchte nur meinem Stolz auf die von unseren jungen&#13;
Männern und Frauen in Bosnien geleistete Arbeit&#13;
Ausdruck verleihen. Die IFOR spielt eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der Einhaltung des&#13;
Daytoner Abkommens. Es ist nicht übertrieben zu&#13;
sagen, daß der Frieden ohne sie unmöglich wäre.&#13;
Abschließend kann gesagt werden, daß der lange,&#13;
schwierige Prozeß, Bosnien wieder zusammenzufügen, begonnen hat. Die für dieses Wochenende&#13;
anberaumten Wahlen werden ein Meilenstein in&#13;
diesem Prozeß sein. In vier Tagen werden - hauptsächlich als Ergebnis amerikanischer Bestrebungen Bosnier aller ethnischen Gruppen das grundlegendste&#13;
Recht eines freien Volkes ausüben - den Urnengang.&#13;
Und wenn auch die einzelnen, täglichen Entwicklungen&#13;
nicht immer so sein mögen, wie wir es erhofft haben,&#13;
bin ich doch zuversichtlich, daß wir die Grundlage für&#13;
einen dauerhaften Frieden in Bosnien schaffen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Natürlich werden Erfolg oder Scheitern des Daytoner&#13;
Prozesses letztlich von den Parteien selbst abhängen.&#13;
Wenn sie den Frieden wollen und das Daytoner&#13;
Abkommen vollständig umsetzen, wird es Frieden&#13;
geben. Aufgrund meiner umfassenden und ständigen&#13;
Kontakte zu den Parteien setze ich Vertrauen in ihre&#13;
Entschlossenheit, das Daytoner Abkommen funktionieren zu lassen.&#13;
Ich bin aus mehreren Gründen davon überzeugt, daß&#13;
wir in Bosnien Erfolg haben werden. Der erste und&#13;
wichtigste ist die Tatsache, daß die Menschen in&#13;
Bosnien wirklich kriegsmüde sind. Sie haben die&#13;
Zerstörung ihres Landes, den Tod geliebter Menschen,&#13;
das Absinken ihres Lebensstandards miterlebt.&#13;
Während die Vorteile des Friedens immer offensichtlicher werden, erscheint eine Rückkehr zum Krieg&#13;
immer undenkbarer.&#13;
Der Frieden wird in Bosnien die Oberhand gewinnen,&#13;
weil er sinnvoll ist. Der Daytoner Prozeß stellt den&#13;
einzigen Weg dar, auf dem diese geschlagenen und&#13;
gebrochenen Menschen ihre Gemeinden wiederaufbauen, ihre Kinder versorgen und ein normales Leben&#13;
führen können. In wirtschaftlicher Hinsicht können die&#13;
einzelnen Gebietskörperschaften Bosniens nicht ohneeinander überleben. Ungeachtet der derzeitigen&#13;
Rhetorik bin ich davon überzeugt, daß die Führer der&#13;
ethnischen Volksgruppen in Bosnien das wissen.&#13;
Letztlich werden wir erfolgreich sein, weil die Vereinigten Staaten involviert sind. Vor Dayton unterstrich&#13;
jede einzelne Partei die Bedeutung des Engagements&#13;
und der Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Sie&#13;
machten deutlich, daß die Präsenz und Unterstützung&#13;
Amerikas ihnen das Zutrauen gab, die schwere&#13;
Entscheidung für den Frieden zu treffen. Die amerikanische Führungsrolle hat die Parteien so weit gebracht&#13;
und ist erforderlich, um die Arbeit der Schaffung eines&#13;
dauerhaften Friedens zu beenden. Wie ich bereits&#13;
erwähnte, können nur die Parteien einen dauerhaften&#13;
Frieden sichern, aber wir spielen ebenfalls eine&#13;
entscheidende Rolle.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�FRAUEN&#13;
18. September 1996&#13;
&#13;
Das Jahr nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz eine Bestandsaufnahme&#13;
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&#13;
&#13;
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Ein Jahr nach der 4. Weltfrauenkonferenz nahm Gesundheitsministerin Donna&#13;
Shalala, die ein hochrangiges Mitglied der US-Delegation in Peking gewesen war, im Rahmen einer&#13;
Sondersitzung bei den Vereinten Nationen eine Bestandsaufnahme des vergangenen Jahres vor und lenkte die&#13;
internationale Aufmerksamkeit erneut auf Frauenfragen und die bei der Weltfrauenkonferenz eingegangen&#13;
Verpflichtungen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Ministerin vom 9. September 1996.&#13;
&#13;
Als ich das letzte Mal hier in diesem herrlichen Saal&#13;
war, hielt ich eine Rede vor der UN-Generalversammlung im Jahr 1994, dem internationalen Jahr der&#13;
Familie. An jenem Tag machten wir deutlich, daß ein&#13;
Land nur stark sein kann, wenn seine Familien stark&#13;
sind, und Familien nur stark sind, wenn Frauen stark&#13;
sind.&#13;
Das war die Botschaft der 4. Weltfrauenkonferenz in&#13;
Peking. Und das ist der Grund, aus dem wir heute alle&#13;
hier sind. Mir fällt kein angemesseneres Thema für&#13;
diesen schönen Saal, für diese außergewöhnliche&#13;
Organisation ein.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinten&#13;
Nationen gegründet, um eine chaotische Welt zu&#13;
ordnen und einer in Aufruhr befindlichen Welt Frieden&#13;
zu bringen. Für Präsident Roosevelt und Eleanor&#13;
Roosevelt verkörperte die UNO einen Traum - einen&#13;
Traum, in dem die Nationen durch Zusammenhalt&#13;
stärker werden können, einen Traum, der hier seit&#13;
mehr als 50 Jahren gelebt wird.&#13;
Seit über 50 Jahren ist das hier der Ort, an dem&#13;
Nationen über geographische und rassische, religiöse&#13;
und kulturelle Grenzen hinweg unsere menschliche&#13;
Vielfalt würdigen und unsere gemeinsamen Ziele&#13;
anstreben. Dies ist der Ort, an dem wir Sanktionen&#13;
gegen Südafrika verhängten, um gegen die Ketten der&#13;
Apartheit zu protestieren. Dies ist der Ort, an dem wir&#13;
den Kriegsflüchtlingen aus Afghanistan und der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
ganzen Welt Schutz anboten. Dies ist der Ort, an dem&#13;
wir neue Wege zur Ausrottung von Pocken, zur&#13;
Bekämpfung des Hungers in Somalia und der Ausbreitung von Krankheiten in Zaire beschritten.&#13;
Und dies ist der Ort, an dem wir hier und heute den&#13;
Geist der Konferenz von Peking Wiederaufleben lassen&#13;
- und uns erneut zur Verbesserung des Lebens von&#13;
Frauen und Familien auf der ganzen Welt verpflichten.&#13;
Ich werde nie vergessen, was für ein Gefühl es war, in&#13;
Stärke und Solidarität mit den 40.000 Frauen und&#13;
Männern verbunden zu sein, die vergangenes Jahr in&#13;
Peking zusammenkamen - und von denen viele heute&#13;
hier anwesend sind. Wir waren Landwirte und Fabrikarbeiter, wir waren Wissenschaftler und Sozialarbeiter,&#13;
wir waren Eltern und Regierungsvertreter.&#13;
Aber wir waren geeint durch eine Überzeugung, der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton so beredt Ausdruck&#13;
verlieh, als sie vor der Konferenz und der Welt erklärte:&#13;
"Menschenrechte sind Frauenrechte. Und Frauenrechte sind Menschenrechte." Das Thema durchzog&#13;
die gesamte Konferenz und schuf die Grundlage für&#13;
unser Aktionsprogramm.&#13;
Achten Sie genau auf diese Worte: Ein Aktionsprogramm. Kein Programm für Gemeinplätze oder&#13;
Rhetorik. Kein Programm, um einen Ausschuß zu&#13;
gründen oder eine Studie in Auftrag zu geben. Ein&#13;
Aktionsprogramm. Und ein Mandat für Ergebnisse.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Warum? Weil allzu viele Frauen und ihre Familien&#13;
immer noch an vermeidbaren Krankheiten sterben.&#13;
Allzu viele Frauen und ihre Kinder werden immer noch&#13;
mit dem Terror und den Tränen häuslicher Gewalt&#13;
konfrontiert. Und allzu vielen Frauen wird immer noch&#13;
der Zugang zu Bildung, richtiger Ernährung, reproduktiver Gesundheit und wirtschaftlicher Sicherheit&#13;
verwehrt.&#13;
Wir fuhren nach Peking, um diese globalen Herausforderungen schlaglichtartig zu beleuchten. Und jede&#13;
Nation brachte das Versprechen mit nach Hause, sie&#13;
anzugehen. In den Vereinigten Staaten machen wir&#13;
unter der Führung Präsident Clintons gute Fortschritte&#13;
bei der Erfüllung dieses Versprechens.&#13;
Am Vorabend der Konferenz gab der Präsident die&#13;
Gründung eines behördenübergreifenden Rates für&#13;
Frauen bekannt, dem ich Vorsitze. Vergangenes Jahr&#13;
haben die Mitglieder des Rates jedes Bundesministerium und jede Behörde eingehend geprüft, um neue und bessere Wege - zu finden, Frauen und Kindern zu&#13;
helfen.&#13;
Aber wir haben uns nicht nur auf Untersuchungen&#13;
beschränkt, sondern auch andere einbezogen - wir&#13;
arbeiten mit nichtstaatlichen Organisationen (NGOs)&#13;
und anderen Partnern zusammen, die gestern die Saat&#13;
für Peking säten und stehen ihnen bei ihrer weiteren&#13;
Arbeit zur Seite.&#13;
Am 28. September veranstalten die Vereinigten&#13;
Staaten eine Satellitenkonferenz, um mit Frauen aus&#13;
dem ganzen Land über den seit Peking zurückgelegten Weg zu sprechen und zu überlegen, welche Berge&#13;
wir noch erklimmen müssen. Ich bin stolz darauf&#13;
sagen zu können, daß wir aufgrund der von Ihnen&#13;
übernommenen Führungsrolle eine gute Geschichte&#13;
erzählen können - eine Geschichte der Fortschritte.&#13;
Allein in unserem Ministerium machen wir Fortschritte,&#13;
indem wir darauf bestehen, daß Frauen an jedem&#13;
klinischen Forschungsprojekt teilnehmen. Wir machen&#13;
Fortschritte, indem wir unser Engagement für die&#13;
Erforschung, Behandlung und Verhütung von Brustkrebs dramatisch erhöhen. Wir machen Fortschritte&#13;
dabei sicherzustellen, daß alle Frauen Zugang zu&#13;
guter reproduktiver Gesundheitsfürsorge und umfassender reproduktiver Freiheit haben. Wir machen&#13;
Fortschritte mit neuen Bestrebungen in Höhe von 100&#13;
Millionen Dollar zur Entwicklung eines Mikrobizids für&#13;
Frauen - damit Frauen überall sich und ihre Familien&#13;
vor der Geißel von HIV und AIDS schützen können.&#13;
Und wir machen Fortschritte, indem wir unseren&#13;
jungen Mädchen beibringen, "Nein" zu Tabak, Drogen&#13;
und vorehelichem Geschlechtsverkehr und "Ja" zu&#13;
ihrer Gesundheit, ihrer Bildung und ihrer Zukunft zu&#13;
sagen. Das ist Fortschritt. Und er findet sich überall in&#13;
unserer Administration.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Es den Frauen zu erleichtern, ein eigenes Heim zu&#13;
haben und sich ein Stück vom Amerikanischen Traum&#13;
zu leisten - das ist Fortschritt. Die Einrichtung einer&#13;
gebührenfreien telefonischen Hotline, die Opfer&#13;
häuslicher Gewalt in ganz Amerika zu jeder Tagesund Nachtzeit in Anspruch nehmen können - das ist&#13;
Fortschritt.&#13;
Große und kleine Unternehmen zur&#13;
Verbesserung der Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen für amerikanische Frauen aufzufordern das ist Fortschritt.&#13;
Die Gewährleistung, daß Mädchen immer die Chance&#13;
erhalten, Mathematik und Naturwissenschaften zu&#13;
lernen und das in einem von sexueller Belästigung&#13;
freien Umfeld zu tun - das ist Fortschritt. Und Frauen&#13;
auf der ganzen Welt zu helfen, die Vorteile der Beteiligung am politischen Leben, von Rechtsschutz und&#13;
Bildungschancen kennenzulernen - das ist Fortschritt.&#13;
Ich möchte auf diesen Punkt näher eingehen.&#13;
Wir wissen, daß Frauen und Familien in den Vereinigten Staaten nur sicher sein werden, wenn sie&#13;
überall auf der Welt sicher sind. Und wir sehen unsere&#13;
Rolle als internationaler Partner darin, die Gesundheit&#13;
und Sicherheit unserer globalen Gemeinschaft zu&#13;
gewährleisten sowie gleichermaßen im Ausmerzen&#13;
von den Menschen befallenden Viren und Gewalt&#13;
gegen den Menschen, wann immer und wo immer sie&#13;
auftreten.&#13;
Manchmal ist es schwer, diese Themen in Angriff zu&#13;
nehmen. Manchmal ist es unpopulär. Aber es ist&#13;
immer richtig, es zu tun.&#13;
Aus diesem Grund standen wir mit Worten und Taten&#13;
an der Seite unserer Brüder und Schwestern auf der&#13;
ganzen Welt, um die schwierigen Themen anzusprechen und eindeutig klarzustellen, daß alle Frauen die&#13;
erforderlichen Instrumente haben müssen, um ihre&#13;
reproduktive Gesundheit zu bewahren und ihr reproduktives Schicksal zu kontrollieren.&#13;
Ob es unseren Töchtern hier oder andernorts auf der&#13;
Welt angetan wird - wir verurteilen die Grausamkeit&#13;
und absolute Unmenschlichkeit genitaler Verstümmelung und werden dies auch in Zukunft tun.&#13;
Wir haben klargemacht, daß Vergewaltigung als Waffe&#13;
des Krieges ein Verbrechen gegen die gesamte&#13;
Menschheit ist. Und wir haben erklärt, daß wir alles in&#13;
unserer Macht Stehende tun werden, um diejenigen zu&#13;
stoppen, die es wagen, Frauen und Kinder in die&#13;
Prostitution zu verkaufen. Das ist Gewalt. Das ist&#13;
Ausbeutung. Das ist eine Greueltat. Und es muß ein&#13;
Ende haben.&#13;
Aber es gibt noch etwas, das wir alle tun müssen.&#13;
Jeden Tag werden in den Gemeinden im In- und&#13;
Ausland diese Frauen und Familien betreffenden&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�Probleme diskutiert. Die Einzelheiten werden ausgearbeitet. Das Geschäft wird abgeschlossen. Und die&#13;
Entscheidungen werden unterzeichnet, mit dem Siegel&#13;
versehen und abgeschickt. Aber allzu häufig fehlt&#13;
etwas außerordentlich Wichtiges - die Stimme der&#13;
Frauen. In Peking haben wir es deutlich gesagt: Das&#13;
muß sich ändern.&#13;
In den Vereinigten Staaten machen Frauen 52 Prozent&#13;
der Bevölkerung aus - sie sind kein "spezielles Interesse" - sie sind 52 Prozent der Bevölkerung.&#13;
Wenn Entscheidungen über unsere Gesundheit,&#13;
unsere Familien, unsere Gemeinden und unsere&#13;
Länder getroffen werden, müssen wir am Tisch sitzen.&#13;
Es geht nicht darum, daß Frauen besser oder klüger&#13;
sind als Männer. Es geht darum, daß wir eine einzigartige Stimme haben, die gehört, für jede Entscheidung&#13;
gewertet und in sie eingearbeitet werden muß, die&#13;
unsere Familien und unsere Nationen betrifft.&#13;
Wir waren so erfolgreich, daß wir manchmal scherzen,&#13;
wir befänden uns endlich in dem Zeitalter, in dem ein&#13;
politisches Thema in einem Bundesministerium von&#13;
einer Analystin vorgebracht werden kann, über eine&#13;
Kabinettsministerin und eine politische Beraterin im&#13;
Weißen Haus weitergeleitet wird und auf den Schreibtisch des Präsidenten für seine Zustimmung gelangt.&#13;
Dieser Quantensprung hätte ohne die Führungskraft&#13;
und das Engagement dieses Präsidenten und dieser&#13;
First Lady nicht stattfinden können.&#13;
Und er hat sich sicherlich nicht über Nacht vollzogen.&#13;
Eine Frau auf ein hochrangiges politisches Amt&#13;
vorzubereiten, dauert Jahrzehnte.&#13;
Es erfordert&#13;
Jahrzehnte der Zusammenarbeit zwischen Frauen und&#13;
Männern, Jahrzehnte der Unterrichtung junger Mädchen, daß sie etwas anstreben und die Tür zu Chancen aufstoßen können - von der Grundschule bis zur&#13;
juristischen Fakultät und vom Praktikum als Jugendlicher bis zu Partnerschaften zwischen Senioren.&#13;
Der Frauensport ist so.&#13;
Im vergangenen Monat sah die Welt voll Ehrfurcht zu,&#13;
wie die weiblichen Olympioniken Atlanta - und die Welt&#13;
- im Sturm eroberten. Aber Champions wie Amy Van&#13;
Dyken, Gail Devers und Shannon McMillan fielen ihre&#13;
Goldmedaillen nicht einfach in den Schoß. Sie hatten&#13;
Jahre des Engagements, der familiären Zuwendung,&#13;
Talent, Charakter und natürlich Titel IX zur Seite.&#13;
Der vor über 20 Jahren verabschiedete Titel IX hatte&#13;
ein einfaches Ziel: Sicherzustellen, daß die für den&#13;
Schulsport zur Verfügung gestellten Ressourcen&#13;
gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt werden. Fairneß: Nicht mehr und nicht weniger. Dieser&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
schlichte Akt der Gerechtigkeit öffnete das Schleusentor der Chancen für Frauen im Sport. Zwei Jahrzehnte&#13;
später sehen wir die Ergebnisse - nicht nur bei der&#13;
Olympiade, sondern auf Baseballfeldern und Fußballplätzen und den Sportplätzen in ganz Amerika.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß die Frauen in diesem&#13;
Land - und in jedem Land - dieselben Chancen zur&#13;
Erfüllung ihrer Träume haben, was immer diese&#13;
Träume sein mögen.&#13;
Wenn ich zu einer Gruppe junger Frauen spreche,&#13;
möchte ich sie stets daran erinnern, daß sie die erste&#13;
Generation sind, die das werden kann, was sie werden&#13;
möchte - in jeder Hinsicht. Nicht nur Ärztinnen und&#13;
Rechtsanwältinnen. Nicht nur Mütter und Astronautinnen. Nicht nur Geschäftsführerinnen und Kabinettsministerinnen. Sondern Präsidentinnen und Ministerpräsidentinnen.&#13;
Ich glaube, daß es möglich ist.&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß jedes junge Mädchen&#13;
glaubt, es ist möglich. Wenn es will und wenn es&#13;
dafür zu arbeiten bereit ist, werden wir ihm alle Chancen geben, dieses Ziel zu erreichen.&#13;
Vor einem Jahr war ich auf dem Weg, um die Rede der&#13;
First Lady Hillary Rodham Clinton vor den nichtstaatlichen Organisationen in Hairou zu hören - eine&#13;
Rede, die sich als einer der Höhepunkte der Konferenz&#13;
erweisen sollte. Aber ich habe sie beinahe verpaßt.&#13;
Ich stand völlig durchnäßt im strömenden Regen, und&#13;
die chinesischen Wachleute waren entschlossen, uns&#13;
aus dem Auditorium fernzuhalten.&#13;
Ich glaube nicht, daß sie mit einem Wisconsin Badger&#13;
rechneten. Ich habe genug siegreiche Fußballspiele&#13;
von Wisconsin gesehen um zu wissen, wie man&#13;
effektiv abblockt. Als sie uns stießen, stießen wir&#13;
zurück. Und wir kamen rein.&#13;
Die Frauenbewegung hat sehr viel größere Hindernisse überwunden. Und das werden wir wieder tun.&#13;
Aber nur, wenn wir uns alle die Hände reichen - von&#13;
Regierungsbehörden bis zu nichtstaatlichen Organisationen und von der Unternehmensleitung bis zu den&#13;
Gemeindevertretern. Nur wenn wir trotz der Rückschläge und trotz der Hindernisse nach vorne drängen.&#13;
Und nur, wenn wir die Männer einbeziehen, insbesondere die jungen Männer, denn unser Kampf&#13;
kann - und sollte - nicht ohne sie gewonnen werden.&#13;
Und weil unsere Themen keine Frauenthemen sind.&#13;
Es sind Familienthemen. Es sind globale Herausforderungen, und wir müssen sie gemeinsam bewältigen.&#13;
Das müssen wir nicht nur um der Frauen willen tun,&#13;
sondern um jeder Person auf dieser Erde willen - für&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�jedes Kind, das eine Mutter hat, für jeden Mann, der&#13;
eine Tochter hat, für jede Familie, für jede Nation. Und&#13;
für unsere gemeinsame Zukunft.&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 18&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. CTBT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Generalversammlung billigt Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede der Hoffnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister James F. Bymes am 6. September 1946&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine neue atlantische Gemeinschaft für das 21. Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Christopher zum 50. Jahrestag der "Rede der Hoffnung"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Kuba&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben multilaterale Zusammenarbeit zur Förderung von Demokratie in Kuba an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Stuart E. Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahlen sind erster Schritt beim Wiederaufbau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter John Kornblum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr nach der Pekinger Weltfrauenkonferenz - eine Bestandsaufnahme &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. September 1996

SONDERDIENST

VEREINTE NATIONEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON FORDERT WELTWEITE
KAMPAGNE GEGEN TERRORISMUS
Rede des Präsidenten vor der
UN-Generalversammlung

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
26. September 1996

Clinton fordert weltweite Kampagne gegen Terrorismus
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede, die
US-Präsident Bill Clinton am 24. September 1996 vor der 51. UN-Generalversammlung hielt, nachdem er als
erster das Abkommen über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT)
unterzeichnet hatte.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Staatsund Regierungschefs, Außenminister, Botschafter,
Exzellenzen, verehrte Gäste.
Vor drei Jahren hatte ich die Ehre, als erster nach der
Gründung der Vereinten Nationen geborener amerikanischer Präsident zu Ihnen sprechen zu dürfen. In
ihrem 51. Jahr haben die Vereinten Nationen noch
nicht alle Bestrebungen ihrer Gründerväter in die Tat
umgesetzt, aber die Ideale der Charta der Vereinten
Nationen - Frieden, Freiheit, Toleranz, Wohlstand erreichen jetzt mehr Menschen in mehr Nationen als je
zuvor.
Wir befinden uns derzeit an einem Wendepunkt in der
Geschichte, an dem Blöcke und Schranken, die lange
Zeit die Welt definierten, einem Zeitalter bemerkenswerter Chancen weichen; einer Zeit, in der mehr
Kinder und mehr Nationen zur Erfüllung ihrer Träume
in der Lage sein werden als je zuvor.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter neuer Bedrohungen:
Bedrohungen durch Terroristen und ihnen Vorschub
leistende verbrecherische Staaten, Bedrohungen
durch ethnisch, religiös, rassisch und stammesbedingten Haß, Bedrohungen durch internationale
Verbrecher und Drogenhändler, die alle noch gefährlicher werden, wenn sie Zugang zu Massenvernichtungswaffen erhalten.
Vor uns liegt eine zweifache Herausforderung: Die
Chance zu ergreifen, mehr Menschen in den Genuß
von Frieden und Freiheit, Sicherheit und Wohlstand zu
bringen sowie entschieden und schnell die durch den
Wandel hervorgerufenen Gefahren zu bekämpfen.

AMERIKA DIENST

Diese Woche unternehmen wir an diesem Ort einen
riesigen Schritt.
Mit überwältigendem globalen
Konsens werden wir das feierliche Versprechen
abgeben, für immer auf sämtliche Atomtests zu
verzichten.
Bevor ich hierher kam, hatte ich die Ehre, als erster
den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot zu
unterzeichnen. Ich tat das stolz mit diesem Federhalter- demselben, den Präsident Kennedy vor 33 Jahren
zur Unterzeichnung des Vertrags zur Begrenzung von
Atomversuchen (Limited Test Ban Treaty - LTBT)
benutzte.
Der CTB-Vertrag wird dazu beitragen, die Atommächte
von der Entwicklung modernerer und gefährlicherer
Waffen abzuhalten. Er wird die Fähigkeit anderer
Staaten beschränken, in den Besitz solcher Waffen zu
gelangen. Er weist in ein Jahrhundert, in dem die
Funktion und Gefahr von Nuklearwaffen weiter verringert und letztlich beseitigt werden kann.
Ich möchte all jenen danken, die dazu beigetragen
haben, daß wir diesen Tag erleben, insbesondere dem
Vorsitzenden des Verhandlungsausschusses des
CTB-Vertrags, dem niederländischen Botschafter
Ramaker, und der australischen Regierung, die in den
Vereinten Nationen eine führende Rolle übernahm. Ich
danke dem Generalsekretär für seine Äußerungen
heute Morgen, in denen er die Kriterien, Maßstäbe und
Unterstützung der UNO als Hinterlegungsstelle für den
Vertrag festsetzte.
Die Unterzeichnung durch die erklärten Atommächte
der Welt - die Vereinigten Staaten, China, Frankreich,

Seite 1

�Rußland und Großbritannien - sowie die überwältigende Mehrheit der Nationen - wird umgehend eine
internationale Norm gegen Atomtests schaffen, noch
bevor der Vertrag offiziell in Kraft tritt.
Der CTB-Vertrag ist die aus harten Verhandlungen
hervorgegangene gemeinsame Arbeit.
Manche
beschwerten sich, er schreibe keine vollständige
atomare Abrüstung zu einem bestimmten Zeitpunkt
vor. Diesen Menschen würde ich raten, nicht die
Vorteile dieser Errungenschaft aufzugeben, indem sie
die zur Erlangung dieses Ziels gemachten enormen
Fortschritte ignorieren.
Heute sind keine russischen Raketen mehr auf
Amerika gerichtet und keine amerikanischen Raketen
mehr auf Rußland. Im Rahmen der START-Verträge
verringern wir unsere Nuklearwaffenarsenale um zwei
Drittel. Die Ukraine, Belarus und Kasachstan verzichten auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium verbliebenen Nuklearwaffen. Wir arbeiten mit den neuen unabhängigen
Staaten an der Verbesserung der Sicherheit von
Nukleareinrichtungen sowie der Konversion von
Nuklearwaffen zu friedlichen Zwecken.
Die Vereinigten Staaten und die anderen Atommächte
befürworten die nuklearwaffenfreien Zonen im Südpazifik und in Afrika. Die Hälfte des Landes auf der Welt
ist infolge internationaler Übereinkünfte atomwaffenfrei.
Und die Weltgemeinschaft verlängerte den Nichtverbreitungsvertrag unbeschränkt.
Dennoch haben einige der Veränderungen, die diese
Fortschritte ermöglichten, auch neue Gefahren
hervorgerufen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
hinterließ Nuklearmaterial auf dem gesamten Gebiet
der neuen unabhängigen Staaten. Während weltweit
die Grenzen fallen, steigt die Gefahr von Nuklearschmuggel. Wenn wir also die globalen Arsenale von
Massenvernichtungswaffen abbauen, müssen wir auch
die Gefahr verringern, daß tödliches Material in die
falschen Hände gelangt, und müssen gleichzeitig
effektive Verteidigungsmöglichkeiten für unsere
Menschen entwickeln, falls das geschehen sollte.
Die Vereinigten Staaten haben sechs Zielen oberste
Priorität eingeräumt, um die Bedrohung durch atomare
Zerstörung und die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen weiter zu verringern und um die
gefährliche Verbreitung dieser Waffen einzuschränken.
Erstens müssen wir unsere Menschen vor Angriffen
mit Chemiewaffen schützen und verbrecherischen
Staaten und Terroristen die Androhung eines Einsatzes von Giftgas erschweren, indem wir die Chemiewaffenkonvention so bald wie möglich in Kraft setzen.
Ich danke den hier vertretenen Nationen, die die
Chemiewaffenkonvention ratifiziert haben. Ich bedaure zutiefst, daß der US-Senat noch nicht über die

Seite 2

Konvention abgestimmt hat, möchte Ihnen und den
Menschen überall auf der Welt aber versichern, daß
ich diesen Vertrag nicht sterben lassen werde und wir
uns den Nationen anschließen werden, die zur
Verhinderung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen entschlossen sind.
Zweitens müssen wir das Risiko verringern, daß ein
geächteter Staat oder eine Organisation eine Nukleareinrichtung bauen können, indem wir einen Vertrag
über das Einfrieren der Produktion spaltbaren Materials für nuklearwaffenfähige Zwecke aushandeln. Die
Abrüstungskonferenz sollte sich umgehend dieser
Herausforderung widmen. Die Vereinigten Staaten,
Rußland, Frankreich und Großbritannien haben bereits
die Produktion spaltbaren Materials für waffenfähige
Zwecke eingestellt. Ich fordere die anderen Nationen
zur Beendigung der ungesicherten Produktion dieser
Materialien bis zur Fertigstellung des Vertrags auf.
Drittens müssen wir den Abbau unserer Nuklearwaffenarsenale fortsetzen. Wenn Rußland den START IIVertrag ratifiziert, sind Präsident Jelzin und ich bereit
zur Erörterung der Möglichkeiten weiterer Kürzungen
sowie zur Beschränkung und Kontrolle nuklearer
Gefechtsköpfe und Nuklearmaterials. Das wird dazu
beitragen, den Abbau irreversibel zu gestalten.
Viertens müssen wir unsere Bestrebungen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
intensivieren, indem wir den Nichtverbreitungsvertrag
stärken. Wir sollten der Internationalen AtomenergieOrganisation (IAEO) eine wichtigere Rolle und bessere
Mittel für die Durchführung weltweiter Inspektionen
geben. Unsere Strafverfolgungs- und Zollbehörden
sollten im Kampf gegen Nuklearschmuggel enger
zusammenarbeiten. Und ich fordere alle Nationen, die
das noch nicht getan haben, zur unverzüglichen
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags auf.
Fünftens müssen wir die Menschen besser vor
denjenigen schützen, die Krankheit als Waffe im Krieg
einsetzen, indem wir der Konvention über biologische
Waffen Mittel zur Verbesserung ihrer Einhaltung
beifügen, darunter Inspektionen vor Ort, wenn wir der
Ansicht sind, daß solche Waffen eingesetzt worden
sein könnten oder wenn sich ein verdächtiger Krankheitsausbruch ereignet. Wir sollten die Erfüllung
dieser Aufgabe bis 1998 anstreben.
Schließlich müssen wir dem durch Antipersonenminen
hervorgerufenen Gemetzel ein Ende setzen - den
versteckten Killern, die jedes Jahr mehr als 25.000
Menschen töten oder verstümmeln. Im Mai habe ich
eine Reihe von Aktionen bekanntgegeben, die die
Vereinigten Staaten zur Erlangung dieses Ziels
durchführen. Heute wiederhole ich meinen Appell für
die zügige Aushandlung eines weltweiten Verbots des
Einsatzes, der Lagerung, Produktion und des Transfers von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen.

AMERIKA DIENST

�Unsere Kinder haben Anspruch darauf, auf sicherem
Boden gehen zu können.
Vor 33 Jahren hielt Präsident Kennedy auf dem
Höhepunkt des Kalten Krieges eine Rede vor der
American University in Washington. Das Thema
seiner Ausführungen war der Frieden, jedoch kein
abstraktes Ideal des Friedens. Vielmehr rief er uns
dazu auf, sich auf einen "praktischeren, erreichbaren
Frieden" zu konzentrieren, "der nicht auf einer plötzlichen Revolution der menschlichen Natur basiert,
sondern auf der allmählichen Evolution menschlicher
Institutionen, auf einer Reihe konkreter Aktionen sowie
positiver, effektiver Abkommen, die im Interesse aller
Betroffenen liegen".
In derselben Rede gab er auch die baldige Aufnahme
von Gesprächen in Moskau über einen Vertrag über
ein umfassendes Atomtestverbot bekannt. Präsident
Kennedys Vision überstieg die damaligen Möglichkeiten. Aber seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Während wir unsere Namen unter den CTBVertrag setzen - den am längsten angestrebten und
am härtesten erkämpften Preis in der Geschichte der
Rüstungskontrolle - wollen wir die Zuversicht früherer
Pioniere aufbieten und die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts ins Auge fassen.
In den letzten drei Jahren haben wir bei der Bewältigung dieser Herausforderungen den richtigen Kurs
eingeschlagen. In Bosnien, wo der Krieg vorüber ist
und die Menschen vor zehn Tagen friedliche Wahlen
veranstalteten, haben wir den richtigen Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir Bosnien beim Aufbau
einer Zukunft in Einheit, Demokratie und Frieden
helfen. In Haiti, wo die Diktatoren verschwunden sind,
es wieder Demokratie gibt und die Abwanderung von
Flüchtlingen aufgehört hat, haben wir den richtigen
Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir dem haitianischen Volk helfen, die umfassenden Vorteile der
Freiheit zu genießen und eine Zukunft in mehr Wohlstand aufzubauen.
Im Nahen Osten und in Nordirland werden Fortschritte
zu einem dauerhaften Frieden gemacht, und wir sind
auf dem richtigen Kurs. Jetzt müssen wir weitere
Fortschritte zwischen Israel und den Palästinensern
fördern und den Kreis des Friedens erweitern, um
noch mehr Nachbarn Israels einzubeziehen. Wir
müssen dazu beitragen, daß die Kinder in Belfast die
Chance erhalten, ein normales Leben zu führen.
Die Tatsache, daß Demokratien Märkte öffneten und
der Frieden auf der ganzen Welt Fuß faßt, zeigt, daß
wir auf dem richtigen Kurs sind. Hier auf dem amerikanischen Kontinent hat mit einer Ausnahme jede Nation
die Flagge der Freiheit gehißt. In Zentraleuropa,
Rußland, der Ukraine und den anderen neuen unabhängigen Staaten verdienen die Kräfte der Reform
all unseren Respekt und werden weiterhin die Unter-

AMERIKA DIENST

stützung der Vereinigten Staaten genießen. Jetzt
müssen wir damit beginnen, die neuen Demokratien
Europas in die NATO aufzunehmen, die Partnerschaft
der NATO mit Rußland zu stärken und ein sicheres
und ungeteiltes Europa aufzubauen.
In Asien überredeten Südkorea, Japan, China und
Amerika gemeinsam Nordkorea zum Einfrieren seines
Nuklearprogramms unter internationaler Überwachung. Jetzt müssen wir nach den provozierenden
Aktionen Nordkoreas einen dauerhaften Frieden für
das gesamte koreanische Volk anstreben.
Unser Planet ist sicherer aufgrund unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Schließung von Tschernobyl,
zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels, zum Schutz der Wälder und Ozeane der
Welt. Jetzt müssen wir unsere Pflicht als Hüter
unserer Umwelt erfüllen, damit wir unseren Kindern
einen noch gesünderen Planeten hinterlassen können.
Wir alle müssen unsere historischen Bestrebungen
zum Aufbau eines besseren, globaleren Handelssystems für das 21. Jahrhundert fortsetzen. Wir haben
bemerkenswerte Fortschritte gemacht, aber es muß
mehr zur Öffnung von Märkten und Schaffung von
Millionen neuer Arbeitsplätze für all unsere Menschen
getan werden.
In dieser Zeit der Herausforderung und des Wandels
sind die Vereinten Nationen wichtiger denn je, denn
unsere Welt ist interdependenter denn je. Die meisten
Amerikaner wissen das. Bedauerlicherweise ignorieren manche Amerikaner in ihrem Bestreben sich der
Probleme der Welt zu entledigen und sich vielleicht
stärker auf unsere eigenen Probleme zu konzentrieren, was die Vereinten Nationen getan haben. Sie
ignorieren die Vorteile der Zusammenarbeit sowie
unsere wechselseitige Abhängigkeit bei der Gestaltung
einer besseren Zukunft. Sie ignorieren alles, was die
Vereinten Nationen unternehmen, um das Leben von
Millionen Menschen zu verbessern, indem sie den
Frieden bewahren, Kinder impfen, sich um Flüchtlinge
kümmern und die Vorteile des Fortschritts mit allen auf
der Welt teilen. Sie erschweren es den Vereinigten
Staaten, ihren Verpflichtungen gegenüber den Vereinten Nationen nachzukommen.
Ich möchte Ihnen allen jedoch versichern, daß die
überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Vereinten
Nationen unterstützt - nicht nur, weil sie unsere
eigenen Ideale widerspiegeln, sondern auch weil sie
unsere Interessen stärken. Wir müssen weiterhin
daran arbeiten, die Unterstützung der UNO durch
unser Volk offenkundig werden zu lassen.
Zum 51. Mal in Folge sind die Vereinigten Staaten der
größte Beitragszahler der UNO: Wir zahlen unsere
Schulden, und ich verpflichte mich zur Abzahlung
unserer angehäuften Verbindlichkeiten.
Jedoch

Seite 3

�unterstützen wir auch den Reformprozeß, in dessen
Rahmen großartige Arbeit zur Reformierung und
Verschlankung der Bürokratie und Kontrolle des
Haushalts geleistet wurde und der fortgesetzt werden
sollte.
Ferner sind wir der Ansicht, daß wir alle - die Nationen
der Welt - durch Zusammenarbeit mehr zur Bekämpfung des Terrorismus unternehmen sollten. Letztes
Jahr forderte ich die hier versammelten Nationen dazu
auf, sich der vollständigen Ablehnung von Aggression,
Terrorismus und gesetzlosem Verhalten zu verpflichten. Offen gesagt, haben wir das noch nicht
getan. Klare Ablehnung bedeutet, Terroristen, die
Unschuldige ermorden, und Drogenhändlern, die
unsere Kinder vergiften, keine Hilfe und keine Zuflucht
zu gewähren. Und sie bedeutet, alles in unserer
Macht Stehende zu unternehmen, damit Massenvernichtungswaffen nicht in die falschen Hände gelangen.
Klare Ablehnung verlangt von uns die Isolierung der
Staaten, die nicht die von uns allen akzeptierten
Regeln zivilisierten Verhaltens befolgen. Solange der
Irak seine Nachbarn und Menschen bedroht, solange
der Iran Terroristen hilft und ihnen Schutz gewährt,
solange Libyen die Auslieferung der für den Bombenanschlag auf Pan Am Flug 103 Verantwortlichen
verweigert, solange sollten diese Länder keine vollwertigen Mitglieder der Familie der Nationen werden.
Die Vereinigten Staaten verfolgen eine aus drei Teilen
bestehende Strategie zur Bekämpfung von Terroristen
- im Ausland durch engere Zusammenarbeit mit
gleichgesinnten Nationen, im Inland durch die Ausstattung unserer Strafverfolgungsbehörden mit den
härtesten verfügbaren Terrorismusbekämpfungsinstrumenten und indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, unsere Flughäfen und die uns
verbindenden Flugzeuge noch sicherer zu gestalten.
Ich habe unseren Kongreß zur Erfüllung dieser
Verpflichtungen um mehr als eine Milliarde Dollar
ersucht, und wir setzen den Plan des Vizepräsidenten
für Luftfahrtsicherheit in die Tat um, damit die in die
Vereinigten Staaten Ein- und Ausreisenden sowie die
innerhalb unseres Landes Reisenden sicherer sind.
Es gibt weitere Schritte, die wir zusammen unternehmen müssen. Im vergangenen Jahr habe ich darauf
gedrängt, daß wir zusammen gegen Geldwäsche und
Briefkastenfirmen vorgehen, daß wir die grauen Märkte
für Feuerwaffen, Explosivstoffe und gefälschte Papiere
schließen, weltweit mehr Zentren für Strafverfolgungsbehörden eröffnen und die Schutzvorrichtungen für
todbringendes Material erhöhen. Auf jedem dieser
Gebiete haben wir Fortschritte gemacht - im Rahmen
der UNO, beim Anti-Terror-Gipfel in Scharm el
Scheich, bei der Terrorismuskonferenz in Paris sowie
im Alleingang.

Seite 4

Jetzt sollten wir die von mir letztes Jahr vorgeschlagene Erklärung über Verbrechen und öffentliche Sicherheit annehmen. Sie beinhaltet die Verweigerung
von Schutz, damit wir den Terroristen, Verbrechern
und Drogenhändlern mit einer Stimme sagen können:
Ihr habt keinen Zufluchtsort und kein Versteck.
Ich rufe jedes Mitglied zur Ratifizierung der elf internationalen Konventionen auf, die zur Verhinderung und
Bestrafung von Terrorismus und zur Bestrafung des
Einsatzes von Explosivstoffen bei Terroranschlägen
beitragen. In jeder Nation, deren Kinder Opfer von
Drogen werden, und in jeder Nation, die Drogen
herstellt, müssen wir mehr unternehmen, um die
Nachfrage zu senken und illegale Drogen vom Markt
und von der Straße zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten werden das Ihrige tun.
Nächste Woche werde ich militärische Ausrüstung und
Ausbildung im Wert von über 100 Millionen Dollar für
Mexiko, Kolumbien sowie andere Staaten Südamerikas und der Karibik anvisieren. Diese Mittel werden
unseren Freunden bei der Unterbindung des Drogenflusses an der Quelle helfen. Jetzt fordere ich alle
Nationen, die zur Produktion illegaler Rauschmittel
erforderliche Chemikalien herstellen, zur Gründung
einer Arbeitsgruppe auf, deren Mitglieder sich dafür
einsetzen, daß die Drogenhersteller nicht in den Besitz
dieser Chemikalien gelangen.
Wir dürfen nicht
zulassen, daß noch mehr Drogen dunkle Schatten auf
den Anbruch des kommenden Jahrhunderts werfen.
Unsere Pflicht zur Bekämpfung all dieser Kräfte der
Zerstörung steht in direktem Zusammenhang mit
unseren Bestrebungen zur Verringerung der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Wir sind
uns alle bewußt, daß wir dagegen nicht immun sind.
Wir sahen sie, als unsere Freunde in Japan in der
Tokioter U-Bahn der mörderischen Macht einer kleinen
Phiole Saringas ausgeliefert waren. Wir wissen, daß
eine kleine Menge Plutonium für den Bau einer
Atombombe ausreicht. Wir wissen, daß angesichts
der diese Zeit kennzeichnenden schnellen Entwicklung
und offenen Grenzen mehr gefährliche Menschen
Zugang zu Materialien zur Massenvernichtung haben.
Das Streben nach der Lösung dieser Probleme in den
Waffenarsenalen dieser Welt und der Verhinderung
ihrer Verbreitung hat für uns alle eine neue und starke
Dringlichkeit angenommen.
Daher wollen wir unsere Entschlossenheit zur Bekämpfung verbrecherischer Staaten, Terroristen und
Verbrecher erhöhen, die unsere Sicherheit, unsere
Lebensweise und die Möglichkeiten unserer Kinder im
21. Jahrhundert bedrohen. Wir wollen uns erneut dazu
verpflichten sicherzustellen, daß sie nicht in den Besitz
von Massenvernichtungswaffen gelangen. Wir wollen
härter denn je dafür arbeiten, die nukleare Bedrohung
zu beseitigen, die die Weltbühne zu lange verdunkelt
hat. Wir wollen diese wichtigen Aufgaben zu unserer

AMERIKA DIENST

�gemeinsamen Verpflichtung machen. Wenn wir das
tun, werden wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf
eine bessere, sicherere Welt zusteuern - die bessere

und sicherere Welt, deren Aufbau die Vereinten
Nationen seit 51. Jahren anstreben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST

Seite 5

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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

2. Oktober 1996

VEREINTE NATIONEN

DIE PRIORITÄTEN DER USA BEI DER
51. UN-GENERALVERSAMMLUNG
Rede von Botschafterin Albright

NAFTA

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLATZEN UND
SCHUTZ DER UMWELT MÜSSEN HAND
IN HAND GEHEN
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WIRTSCHAFT

POLITIKER MUSSEN UNBESTÄNDIGKEIT
DES KAPITALFLUSSES BEKÄMPFEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers

ARBEIT

DIE SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN
UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten

1993-1996
- Überarbeitete Version -

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
2. Oktober 1996

Die Prioritäten der USA bei der
51. UN-Generalversammlung
Rede von Botschafterin Albright

NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen die 51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung als
Möglichkeit, bei wichtigen Fragen, die das Leben der Menschen überall auf der Erde beeinflussen, wirkliche
Fortschritte zu machen, insbesondere beim Schutz vor Terrorismus, Korruption und Verbrechen, Drogen und
illegalen Waffenverkäufen, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, am 18. September 1996. Bei einer Pressekonferenz im Zentrum für die
ausländische Presse des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA) legte Albright die fünf
Hauptziele der US-Delegation bei der 51. Generalversammlung dar, die am 17. September offiziell eröffnet wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Botschafterin Albright abgegebenen Erklärung.

Ich freue mich, heute Nachmittag hier sein und mit
Ihnen die Prioritäten der Vereinigten Staaten bei der
51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung
erörtern zu können.
Wir erachten dieses Jahr als Chance, echte Fortschritte bei der Erlangung der Ziele zu machen, die
Auswirkungen auf das Leben der Menschen überall
haben. Das historische Beispiel für die Fähigkeit der
Nationen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit für
das Gemeinwohl ist uns noch frisch im Gedächtnis.
Letzte Woche unterstützten Nationen jeder Größe und
aus jedem Kontinent den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Nuclear Test Ban
Treaty - CTBT) - einen Vertrag, der am Rande der UNGeneralversammlung nächste Woche zur Unterzeichnung ausgelegt wird. Wir hoffen, daß wir während der
ganzen bevorstehenden Generalversammlung auf
diesem Geist der zukunftsorientierten Zusammenarbeit
aufbauen können.
Der CTB-Vertrag soll die durch die nukleare Weiterverbreitung und die Möglichkeit eines Atomkriegs entstehenden Risiken für die Welt verringern. Diesen
Herbst wird die Generalversammlung gebeten werden,
auf andere Bedrohungen der Sicherheit und des
Wohlergehens unserer Bürger zu reagieren.

AMERIKA DIENST 19

Wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr erklärte,
ist internationale Zusammenarbeit von wesentlicher
Bedeutung, wenn alle Menschen vor den die moderne
Welt konfrontierenden Gefahren sicher sein wollen.
Wir werden alle - in unterschiedlichem Ausmaß und
auf verschiedene Art und Weise - von feindlichen
transnationalen Kräften bedroht, darunter Terrorismus,
Korruption und Verbrechen, Drogen und illegale
Waffenverkäufe.
Wir alle haben ein Interesse am Umgang mit den
globalen Herausforderungen der Linderung von Armut,
Eindämmung von Krankheit, des Erhalts einer gesunden Umwelt und der Vergrößerung der Chancen für
Frauen. Und unsere Menschen werden alle von den
Bestrebungen zur Bekämpfung von Intoleranz, Förderung der Respektierung von Menschenrechten und
Ausweitung der Rechtsstaatlichkeit profitieren.
Diesen Herbst werden sich die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Beratungen der Generalversammlung für
jedes dieser Ziele einsetzen.
Erstens suchen wir Unterstützung für eine Initiative
zum Entwurf, Aushandeln und Abschluß einer Konvention gegen Terroranschläge: Terrorismus ist eine
Plage, die sich bis in jeden Winkel der Erde ausgebreitet hat. Wir müssen uns gemeinsam für die Ab-

Seite 1

�schreckung, Verhütung und Bestrafung terroristischer
Aktionen einsetzen. Und wir müssen denjenigen, die
solche Aktionen in Erwägung ziehen, klarmachen, daß
die internationale Staatengemeinschaft sie geeint
bekämpfen wird, falls sie dieser bösartigen Versuchung nachgeben.
Zweitens werden wir weiterhin mit den Mitgliedstaaten
daran arbeiten, unserer Unterstützung für Bestrebungen zur Beilegung seit langer Zeit bestehender
regionaler Differenzen im Nahen Osten und andernorts
möglichst starken Ausdruck zu verleihen. Die Vereinten Nationen haben eine Verantwortung zur
Unterstützung von Anstrengungen zur Erlangung des
Friedens durch ausgewogene und konstruktive
Resolutionen, die diejenigen ermutigen sollen, die zur
Übernahme von Risiken um des Friedens willen bereit
sind.
Drittens werden wir einer Resolution sehr hohe
Priorität einräumen, die möglichst baldige Unterstützung für ein internationales Abkommen über das
Verbot der Nutzung, Lagerung, Produktion und
Weitergabe von Antipersonenminen fordert.
Ich
brauche denjenigen unter Ihnen, die aus von Bürgerkriegen heimgesuchten Ländern kommen, nicht zu
sagen, daß Landminen wahllos töten und sich unter
den Opfern mehr Kinder als Soldaten befinden. Minen
sind billig, im Überfluß vorhanden, langlebig, schwer
zu entdecken und tödlich. Gemeinsam können wir
dieser Geißel ein Ende setzen. Das wäre wahrlich ein
Geschenk für zukünftige Generationen.
Viertens werden wir uns für eine internationale Erklärung über Bürgersicherheit einsetzen, die weitverbreitete Entschlossenheit zur Bekämpfung transnationalen Verbrechens in all seinen Formen bekundet.
Fünftens haben wir die Verabschiedung einer Erklärung der Vereinten Nationen über Korruption und
Bestechung bei transnationalen Geschäftsaktivitäten
eingeleitet und streben ihre Annahme an.
Zusätzlich werden die erfolgreiche Leitung und
Durchführung der Friedenssicherungsoperationen der
UNO für die Vereinigten Staaten wie auch für die
meisten anderen Nationen hohe Priorität haben.
Die UN-Mitgliedstaaten müssen auch während dieser
Generalversammlung zusammenarbeiten, um die
Vereinten Nationen auf eine solidere Finanzgrundlage
zu stellen. Das erfordert eine Reihe von Schritten.
Erstens benötigen wir Haushaltsdisziplin. Die regulären Ausgaben für 1996-97 dürfen die vergangenen
Dezember gebilligte Zahl von 2,6 Milliarden Dollar nicht
überschreiten.

Seite 2

Zweitens befürworten die Vereinigten Staaten eine
Überarbeitung der Einstufungsmaßstäbe der UNO, um
fairere Lastenteilung, besseren Finanzfluß und ein
stärkeres Gefühl für gemeinsame Verantwortung
herbeizuführen. Unseres Erachtens ist es wichtig,
dieses Jahr die Überarbeitung abzuschließen, die
derzeitige Anomalien beseitigt und eine Obergrenze
von 25 Prozent für den Beitrag eines Landes zu
Friedenssicherungsoperationen festlegt.
Diese
Veränderungen würden die Abhängigkeit der Vereinten
Nationen von Beiträgen aus einer Quelle verringern
und gleichzeitig die dramatischen wirtschaftlichen
Veränderungen genauer widerspiegeln, die sich
während des letzten Jahrzehnts ereigneten.
Meine Regierung macht sich große Sorgen über die
Finanzlage der Vereinten Nationen, und wir sehen die
Probleme im Zusammenhang mit den jüngsten
Ausfällen amerikanischer Beitragszahlungen.
Dementsprechend arbeitet meine Administration mit
den Kongreßabgeordneten zusammen, damit wir
unseren Verpflichtungen nachkommen. In Anerkennung der von den Vereinten Nationen unternommenen
ersten Schritte und in Erwartung eines fortgesetzten
Engagements für Reformen stellte der Kongreß für
Zahlungen an die UNO im Kalenderjahr 1995 1,5
Milliarden Dollar zur Verfügung, einschließlich freiwilliger Zahlungen. Dieses Jahr haben beide Häuser des
Kongresses die geschätzten erforderlichen Gelder für
amerikanische Beitragszahlungen an die Vereinten
Nationen für Friedenssicherungsoperationen und den
regulären Haushalt vollständig bewilligt. Das Repräsentantenhaus billigte auch - unter der Bedingung
fortgesetzter Finanzdisziplin und Reformen - die
Zahlung eines Teils der noch ausstehenden amerikanischen Beiträge.
Mit Blick auf die Zukunft ist klar, daß eine Kombination
von Ausgabenbeschränkungen und gemeinsamer
Verantwortung erforderlich ist, wenn wir einen angemessenen und verläßlichen Finanzfluß für Aktivitäten und Programme der Vereinten Nationen gewährleisten wollen.
Schließlich werden wir mit anderen Mitgliedern
zusammenarbeiten, um Effektivität, Reaktionsvermögen und Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
zu verbessern. Im vergangenen Jahr wurden beträchtliche Fortschritte bei der Festlegung von Prioritäten der
Aktivitäten, bei der Abschaffung veralteter Mandate
sowie der Verringerung von Überlappung mit der
UNCTAD, den regionalen Ausschüssen und den
Sonderorganisationen gemacht. Es muß noch viel
mehr getan werden.
Zu diesem Zweck entwickelt die hochrangige Arbeitsgruppe zur Stärkung des UN-Systems (High-Level
Working Group on Strengthening the UN System HLWG) eine Reihe von Reformempfehlungen, an-

AMERIKA DIENST 19

�gefangen mit der Generalversammlung und dem
Sekretariat.
Die Vereinigten Staaten haben ein
Kompendium spezifischer Reformvorschläge zur
Prüfung durch die Arbeitsgruppe in Umlauf gebracht,
und wir befürworten eine Fortsetzung des Mandats der
Gruppe, damit sie ihre Arbeit beenden kann.
Zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben muß die
Generalversammlung ihre Bestrebungen zur Lösung
der äußerst schwierigen Frage einer Erweiterung und
Reform des Sicherheitsrats fortsetzen. Die amerikanische Position zu dieser Angelegenheit lautet, daß die
Effektivität des Rates gewahrt werden muß; Deutschland und Japan sollten ihm als ständige Mitglieder
beitreten; alle Regionen der Welt sollten gerecht
vertreten sein; die Gesamtzahl der Mitglieder sollte 20

*

AMERIKA DIENST 19

nicht überschreiten, und die Rechte der derzeitigen
ständigen Mitglieder sollten nicht verändert werden.
Zusammenfassend sind die Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß unsere kollektiven Bestrebungen in der
Generalversammlung in den kommenden Wochen auf
die Förderung der Ziele Sicherheit, Wohlstand und
Frieden ausgerichtet sein sollten, die im Mittelpunkt
der Arbeit der Vereinten Nationen stehen. Ferner
müssen wir weitere Fortschritte bei der Reform der
Organisation machen, damit die UNO einen geringeren
Prozentsatz ihrer Mittel für allgemeine Verwaltungskosten und mehr Geld für Programme und Dienstleistungen ausgibt, die Menschenleben retten oder
bereichern.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
2. Oktober 1996

Schaffung von Arbeitsplätzen und
Schutz der Umwelt müssen Hand in Hand gehen
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration engagiert sich für eine Beendigung des "Fehlverhaltens" der
Vergangenheit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen, erklärte der
Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth, am 18. September 1996 bei
einer Konferenz über die umweltpolitischen Auswirkungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(North American Free Trade Agreement - NAFTA). Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der
Erklärung des Staatssekretärs.

Vielen Dank. Ich freue mich, heute hier zu sein und
über die bedeutenden Fortschritte zu sprechen, die bei
der Verknüpfung der eng zusammenhängenden
Interessen freier Handel und Umweltschutz gemacht
wurden.
Wie Sie alle wissen, gab es in den letzten Jahren nur
wenige Dinge, die interessanter, fesselnder oder
komplexer waren als Handel und Umwelt. Bereits seit
Jahrhunderten befaßt man sich weltweit mit Handelspolitik, aber im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelte
sie sich im Zuge der Woge von Protektionismus, die
charakteristisch für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
war, zu einer Hauptaufgabe des internationalen
Engagements. Angesichts der negativen Auswirkungen des Protektionismus wurden das GATT und
ähnliche Mechanismen entwickelt, um ein offeneres
und freieres Handelssystem zu fördern, das weltweit
mehr Arbeitsplätze schaffen und einen höheren
Lebensstandard bieten kann.
In ähnlicher Weise haben wir erkannt, daß unser
Lebensstandard und unsere Lebensqualität von den
unsere Wirtschaft und unsere Welt umgebenden
Ökosystemen abhängen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden Gesetzesrahmen
geschaffen, um die Gesundheit des Menschen zu
schützen, die Artenvielfalt zu bewahren und die
Umwelt zu erhalten. Ebenso wie beim Handel ist auch
im Bereich der Umwelt unser Verständnis für die
Zusammenhänge gewachsen. Folglich sind wir zu der

Erkenntnis gelangt, daß internationaler Konsens und
gemeinsame Entschlossenheit das Beste sind, um die
Bestrebungen zum Schutz der Umwelt zu realisieren.
Dies führte zur Entwicklung einer Sammlung nationaler
und internationaler Umweltgesetze, die in ihrer Komplexität den Handelsgesetzen Konkurrenz machen.
Diese beiden Trends - die Betonung eines offeneren
Handelssystems im Dienste unserer gemeinsamen
wirtschaftlichen Zukunft sowie die Betonung erweiterter Bestrebungen, um mehr für unsere gemeinsame umweltpolitische Zukunft zu unternehmen überschneiden sich jetzt. Infolgedessen besteht breite
Übereinstimmung, daß wir bei der Rationalisierung
dieser beiden internationalen Prioritäten erfolgreicher
sein müssen, um globalen Fortschritt zu fördern und
tragfähige Entwicklung zu realisieren - das beim
Erdgipfel vor zwei Jahren verfochtene Konzept.
Daß diese beiden Politikbereiche sich gegenseitig
beeinflussen, ist offensichtlich. Die Handelspolitik
kann eine mächtige Determinante der Qualität der
Umwelt sein, indem sie den Fluß von Investitionen und
Gütern reguliert, die Auswirkungen auf die Umwelt
haben. Umgekehrt kann die Umweltpolitik bedeutende
Auswirkungen auf den Handel haben, beispielsweise
durch die Festlegung von Produktionsstandards oder
das Verbot der Verwendung bestimmter Güter.
In einer idealen Welt sollte es keinen inhärenten
Konflikt zwischen Handels- und Umweltpolitik geben.

AMERIKA DIENST 19

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\

�Ein gut funktionierender freier Markt - der alle Marktund anderen Kosten internalisiert - sollte das Verhalten
der Produzenten und Konsumenten so lenken, daß ein
Maximum an wirtschaftlichem Wohlergehen und
Umweltschutz erreicht wird.
Bedauerlicherweise
werden wir uns erst jetzt vieler der marktunabhängigen
Umweltkosten bewußt, während wir die Komplexität
und Zerbrechlichkeit der Natur besser verstehen
lernen. Und bis es uns gelingt, unsere Wirtschaftsund Umweltpolitik - im Inland und auf der Welt - stärker
zu integrieren, müssen wir uns alle an den internationalen Bestrebungen beteiligen - und dabei meines
Erachtens sogar eine führende Rolle übernehmen -,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Diese Administration trat ihr Amt mit der Verpflichtung
an, dem Fehlverhalten ein Ende zu setzen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen. Der Präsident und der Vizepräsident haben stattdessen versprochen sicherzustellen,
daß die beiden Hand in Hand gehen - wie das sein
muß. Es ist unsere Herausforderung und unsere
Absicht, eine führende Rolle bei den internationalen
Bestrebungen zu übernehmen, diese Fragen global zu
verbinden, um das Versprechen tragfähiger Entwicklung zu erfüllen.
Das beinhaltet bedauerlicherweise äußerst komplexe
Angelegenheiten, die schwierige Fragen über folgende
Themen aufwerfen:
Die Ratsamkeit und Möglichkeit der Annahme
internationaler Umweltschutznormen. Wie
können wir am besten die steigende Harmonisierung von Normen ermutigen, damit sie
einen effektiveren Umweltschutz gewährleisten?
Souveränität und die Beilegung von Streitigkeiten. Welche Mechanismen und Institutionen sind zur Beilegung von Streitigkeiten
erforderlich?
Analyse des Produktzyklus. Wie beeinflussen
Anforderungen an Etikettierung, Verpackung
und Recycling den Handel, und stellen sie
legitime Umweltstrategien oder versteckte
Handelsrestriktionen dar?
Subventions- und Investitionsmuster. Beeinflussen Subventionen, Investitionspolitik und
das Niveau von Produktnormen handeis- und
umweltpolitische Ziele?
Diese Themen werfen eine Reihe weiterer Fragen
darüber auf, wie tragfähige Entwicklung unter in
unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindlichen
Nationen gefördert werden kann. Im wesentlichen
fürchten die Entwicklungsländer, daß die steigende
Ermutigung umweltpolitischer Belange die Entwick-

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lungsmöglichkeiten einschränkt. Daher bleibt eine
breite Kluft zwischen Nord und Süd bestehen, obwohl
einige Fortschritte bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für die Bewältigung dieser Fragen
innerhalb der OECD gemacht wurden.
Aus diesem Grund nutzen wir das Aufkommen von
Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO,
dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO,
der Kommission für internationalen Handel mit gefährdeten Arten sowie einer Vielzahl anderer Foren zur
Förderung von Umweltschutz, sorgsam abgewogen
gegen das Wachstum des freien Handels und seine
Vorteile. Fall um Fall und Forum um Forum haben wir
Führungstellen geschaffen, die die enge Verbindung
zwischen Umweltschutz und Welthandel fördern.
Der eindrucksvollste Wegweiser, den wir haben, ist
auch der Hauptgegenstand der hier stattfindenden
Diskussionen - das drei Jahre alte Nordamerikanische
Freihandelsabkommen NAFTA. Einer der Gründe,
warum diese Administration das NAFTA und seine
Zusatzabkommen so entschieden unterstützte, waren
seine bahnbrechenden historischen Bestrebungen,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Das NAFTA unterstützte den entstehenden Konsens,
daß wir im internationalen Handelssystem dem
lokalen, nationalen, regionalen und globalen Umweltschutz Priorität einräumen müssen. Erstmals besteht
eines der Ziele einer bedeutenden Handelsvereinbarung in der Förderung tragfähiger Entwicklung. Zur
Erlangung dieses Ziels:
legt das NAFTA-Paket Investitionsvorschriften fest, die eine Senkung bestimmter Normen zum Zweck der
Anziehung von Investoren entmutigen
und stattdessen die Durchführung von
Umweltschutzmaßnahmen zur Regelung von Investitionsaktivitäten gestatten;
unterstützt und bevorzugt das
NAFTA-Paket ausdrücklich handelspolitische Maßnahmen, die in bestimmten internationalen Umweltabkommen gefordert werden - wie
dem Montrealer Protokoll über die
Ozonschicht schädigende Substanzen;
bewahrt das NAFTA-Paket die amerikanischen Umwelt-, Gesundheits- und
Sicherheitsstandards auf allen Regierungsebenen - ein wichtiges Anliegen.

AMERIKA DIENST 19

�Die BECC bestätigte die mögliche Finanzierung von 10 Projekten und entwickelte nach
längerer Vorlaufzeit neue Richtlinien, die jetzt
der Öffentlichkeit vorgelegt werden, um eine
effektivere Prüfung von Projekten und eine
aggressivere Förderung
von tragfähiger
Entwicklung zu erreichen.

Ebenso wichtig ist, daß das NAFTA verschiedene
bedeutende Institutionen ins Leben rief - einschließlich
der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit
(Commission for Environmental Cooperation - CEC),
dem wichtigsten Träger für die Überwachung und
Erlangung dieser Ziele; der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit an den Grenzen (Border
Environmental Cooperation Commission - BECC), die
mit den Kommunalbehörden an der Entwicklung von
Plänen für Umweltinfrastrukturprojekte und ihrer
Zertifizierung arbeitet; und der Nordamerikanischen
Entwicklungsbank (North American Development Bank
- NADBank), die Kapital aus dem Privatsektor zur
Finanzierung von durch die BECC zertifizierten
Projekten zur Verfügung stellt.
Es ist kein Geheimnis, daß diese Institutionen für ihren
Aufbau und ihr effektives Funktionieren Zeit brauchten
- mehr als erwartet. Insgesamt gesehen vertritt die
Administration jedoch die Ansicht, daß das NAFTA ein
Erfolg ist.
Bei seinem Treffen im letzten Monat gab der
Rat der CEC Aktionspläne für die Kontrolle
von vier hartnäckigen toxischen Stoffen
bekannt, die unsere Hemisphäre verschmutzen. Unsere trilaterale Zusammenarbeit wird
unseres Erachtens die Weichen für umfassendere internationale Verhandlungen über eine
globale Konvention über schwer zu beseitigende organische Schadstoffe stellen.
Die CEC stellt eine Liste über die Freisetzung
von Schadstoffen im nordamerikanischen
Raum auf, um die Öffentlichkeit über die
Herkunft der Schadstoffe und ihre Gefahren
zu informieren.
1997 wird der Umweltrat des NAFTA Empfehlungen zu grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungen aussprechen, um den
Informationsaustausch zwischen benachbarten NAFTA-Ländern über vorgeschlagene
Projekte zu fördern, die wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Umwelt eines benachbarten NAFTA-Landes haben.
Und wir entwickeln neue Mechanismen zur
Ermutigung regionaler Umweltschutzstrategien - beispielsweise das Aufspüren illegalen
grenzüberschreitenden Transports von Sondermüll, die Durchsetzung von Antischmuggelgesetzen der CEC und die Zusammenarbeit zur Durchsetzung der Bestimmungen
der Konvention über den internationalen
Handel mit gefährdeten Arten (Convention on
the International Trade in Endangered Species
- CITES).

AMERIKA DIENST 19

Unabhängig davon entwickelten die Vereinigten Staaten und Mexiko ihre bereits
eindrucksvolle bilaterale Zusammenarbeit in
der Grenzregion weiter. Ein neuer, umfassender Umweltplan für das Grenzgebiet, genannt
Border 21, soll als übergeordneter Rahmen für
Aktivitäten in diesem Bereich dienen.
Einige der signifikantesten Entwicklungen finden
angemessenerweise unter Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort statt. Beispielsweise einigten sich Anfang
des Jahres öffentliche und private Organisationen
sowie Regierungsvertreter aus Mexiko und den
Vereinigten Staaten auf die Förderung von Vorschlägen für den Umgang mit Problemen der Luftverschmutzung in der Region von El Paso-Juarez, die als
einheitlicher Luftraum betrachtet wird. Dieses neue
und vielversprechende Abkommen basiert auf der
Erkenntnis, daß Verschmutzung nicht vor Grenzen
Halt macht und dasselbe auch bei der Suche nach
Lösungen gelten sollte.
Über das NAFTA hinaus haben wir uns an einer
Vielzahl anderer Aktivitäten beteiligt, um den engen
Zusammenhang zwischen Handels- und Umweltpolitik
zu erforschen.
Diese Administration schafft eine
solide Grundlage für derartige Bestrebungen. Eine der
interessantesten - und umstrittensten - Fragen, mit
denen sich die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft befassen, ist das Verständnis der Umstände, unter denen handelspolitische
Maßnahmen für den Schutz der Umwelt außerhalb der
ausschließlichen Rechtsprechung eines Landes
angemessen sind. Es ist nicht einfach, von vornherein
die exakten Umstände zu definieren, unter denen der
Einsatz handelspolitischer Maßnahmen zum Schutz
der Umwelt angemessen erscheint.
Ich möchte noch kurz den von uns entwickelten
gedanklichen Rahmen ansprechen. Wir haben vier
allgemeine Kategorien von Fällen entwickelt, bei denen
unseres Erachtens handelspolitische Maßnahmen zur
Unterstützung umweltpolitischer Ziele gerechtfertigt
sind:
1.

Wenn handelspolitische Maßnahmen eine
Verpflichtung gemäß einem internationalen
Umweltabkommen darstellen, dem wir angehören - vorausgesetzt dieses sieht keine
Diskriminierung von NichtVertragsparteien vor.

Seite 3

�2.

Wenn die Auswirkungen einer Aktivität auf die
Umwelt teilweise innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs spürbar werden.

3.

Wenn eine Pflanzen- oder Tierart gefährdet
oder bedroht ist oder eine spezielle Vorgehensweise wahrscheinlich zur Gefährdung
oder Bedrohung einer Art führt.

4.

Wenn die Effektivität einer auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden internationalen
Umwelt- oder Naturschutznorm herabgesetzt
wird, vorausgesetzt die Norm ist spezifisch
genug, damit ein objektives Urteil über eine
mögliche "Herabsetzung" gefällt werden kann.

Ich möchte betonen, daß dies Beispiele für Fälle sind,
bei denen die Erwägung von handelspolitischen
Maßnahmen angemessen erscheinen mag.
Dies
hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab, zum
Beispiel ob es auch alternative Möglichkeiten gibt, ob
es Optionen zwischen verschiedenen Arten handelspolitischer Maßnahmen gibt und ob diese auf ihre
mögliche umweltpolitische Effektivität und ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen
überprüft wurden. Es könnte beispielsweise sein, daß
der Einsatz einer handelspolitischen Maßnahme in
einem bestimmten Fall vom Standpunkt des Umweltschutzes aus kontraproduktiv ist. Oder es könnte sein,
daß die Bekämpfung eines zugrundeliegenden
Umweltproblems mit den Mitteln des Umweltschutzes wie der Aushandlung eines internationalen Abkommens - der bevorzugte Lösungsweg ist. Tatsächlich
sind wir im allgemeinen der Ansicht, daß letzteres für
die internationale Staatengemeinschaft hohe Priorität
haben muß. Konsens ist ein wunderbares Gegenmittel
für Konflikt.
Es ist klar, daß das kein einfacher Prozeß sein wird.
Wir haben uns in der Uruguay-Runde um Fortschritte
bemüht, indem wir ein Arbeitsprogramm aufstellten
und anschließend einen ständigen Ausschuß damit
beauftragten, der internationalen Staatengemeinschaft
dabei zu helfen, Handels- und Umweltpolitik in Ein-

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klang zu bringen. Der WTO-Ausschuß für Handel
und Umwelt kommt allmählich voran und befaßt sich wie wir alle - mit diesen neuen Disziplinen und Geboten. Zusätzlich zu dem Ausschuß konnten unsere
GATT-Unterhändler Einigung über mehrere wichtige
Umweltbestimmungen in dem Vertrag herbeiführen einschließlich der sanitären und Planzenschutzbestimmungen, die Schutz vor jeglichen Bestrebungen
zur Unterminierung der amerikanischen Umweltnormen bieten.
Ferner arbeiten wir in anderen internationalen Foren wie der OECD - Grundsätze für die Entwicklung und
Verknüpfung von Handels- und Umweltpolitik aus.
Man kann sagen, daß sich die Vereinigten Staaten bei
diesen Bestrebungen zu einer treibenden Kraft für
Umweltbewußtsein entwickelt haben, und wir hoffen,
daß diese Analysearbeit die Unterstützung durch die
OECD-Mitglieder für unsere Umweltagenda verstärken
wird. Ferner hoffen wir, daß die Ergebnisse dieser
Arbeit die weniger entwickelten Länder davon überzeugen werden, daß das Streben nach tragfähiger
Entwicklung und größerer politischer Integration in
ihrem eigenen Interesse liegt.
Abschließend kann gesagt werden, daß die enge
Verbindung von Handels- und Umweltpolitik - im
Rahmen des NAFTA, des GATT und andernorts sowohl bewundernswert als auch unvermeidbar ist.
Die die Zukunft der Vereinigten Staaten gestaltenden
Kräfte - die wirtschaftliche Erneuerbarkeit mit globalem
Wettbewerb und Umweltschutz mit internationaler
Zusammenarbeit verbinden - sind offensichtlich. Es ist
unsere Herausforderung und unsere Chance, den
Wandel im Dienste unserer wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Bestrebungen zu begrüßen.
Ich bin zuversichtlich, daß uns das gelingen wird.
Diese Administration schafft eine solide Grundlage für
diese Bestrebungen. Wir sehen der Zusammenarbeit
mit Ihnen während dieses historischen Treffens zur
Erörterung handeis- und umweltpolitischer Prioritäten
zum Nutzen unserer Nation und der Welt erwartungsvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 19

�WIRTSCHAFT
2. Oktober 1996

Politiker müssen Unbeständigkeit
des Kapitalflusses bekämpfen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers Lawrence Summers

SINGAPUR - (AD) - Angesichts der zunehmenden Integration der Volkswirtschaften Asiens und der Vereinigten
Staaten müssen die Politiker sich auf nationaler und internationaler Ebene um eine Verringerung der
Unbeständigkeit des Kapitalflusses bemühen, erklärte der Stellvertretende Finanzminister, Lawrence Summers,
am 13. September 1996 vor Vertretern der Finanzwelt in einer Rede, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend
veröffentlichen.

Einleitung

I. Amerikas neue Wirtschaftspartner in Asien

Ich begrüße Sie alle und danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Es ist mir eine Freude, hier zu sein.
Ich möchte der Bankenvereinigung von Singapur, der
Vereinigung der Merchant bankers von Singapur, der
singapurischen Gesellschaft der Finanzanalysten
sowie der Amerikanischen Handelskammer in Singapur danken, daß sie es mir ermöglicht haben, vor
einem so hochrangigen Publikum zu sprechen.

Es steht außer Frage, daß das Wachstum der führenden Volkswirtschaften Asiens erstaunlich ist.

Sie alle wissen, daß das Ausmaß der Wirtschafts- und
Finanzbeziehungen der Vereinigten Staaten zu Asien
größer ist und schneller wächst als das unserer
Beziehungen zu den Industriestaaten Europas. Im
vergangenen Jahr betrug der Handel Amerikas mit
Asien das anderthalbfache unseres Handelsvolumens
mit Europa - 35 Prozent unseres gesamten Handels im
Vergleich zum 21prozentigen Anteil Europas. Wir
haben jedoch mit unseren asiatischen Partnern wie
Singapur nicht dieselben Möglichkeiten zum Meinungsaustausch über Wirtschafts- und Finanzfragen
wie mit unseren europäischen Partnern. Aus diesem
Grund messen wir der Entwicklung des Finanzministerprozesses des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) so große Bedeutung
bei. Wir benötigen jedoch auch die Chance eines
informellen Meinungsaustauschs. Und aus diesem
Grund bin ich hier.

Der Anteil der führenden Länder Asiens am Welthandel stieg von 9,6 Prozent 1981 auf 16,1 Prozent
1994 an.

Im vergangenen Jahr entfielen auf die führenden asiatischen Volkswirtschaften 24,4 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts,
gemessen auf der Grundlage der Kaufkraftparität.

Der Handel der führenden asiatischen Volkswirtschaften mit den Vereinigten Staaten Exporte und Importe - stieg so schnell an, daß
er sich jetzt auf 20 Prozent unseres gesamten
Handels beläuft.
Noch spektakulärer war jedoch vielleicht die Geschwindigkeit des Anstiegs von Kapitalfluß in die
führenden Volkswirtschaften Asiens.
Der Nettofluß an Privatkapital stieg 1995 auf
98,2 Milliarden Dollar an - die Krönung eines
Anstiegs um das 23fache innerhalb von sechs
Jahren.
Allein im vergangenen Jahr stieg der Nettofluß an
Privatkapital in die führenden Länder Asiens um 31

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�Prozent, während der nach Lateinamerika um 22
Prozent fiel.

sich an steigenden Inflationsraten oder Leistungsbilanzdefiziten zeigt.

Obwohl es stimmt, daß ungefähr drei Viertel der
Inlandsinvestitionen aus inländischen Ersparnissen
finanziert wurden und daher die hohen Wachstumsraten der führenden asiatischen Länder großenteils auf
ihre herausragende Spartätigkeit zurückzuführen sind,
war der internationale Kapitalfluß von immenser
Bedeutung für die Ankurbelung der Entwicklung der
Region.

Eine weitere Sorge ist die Abhängigkeit von
den Launen ausländischer Investoren, die
Risiken nicht einschätzen können, der breiten
Masse folgen, beim ersten Anzeichen von
Unsicherheit überreagieren und im Falle ihres
massenhaften Rückzugs eine Volkswirtschaft
zerstören. Wenn die Wirtschaft solchen
Investoren ausgesetzt ist, werden der Kreditkartenbesitzer in Bangkok oder der Hausbesitzer in Manila mit der Hypothek unakzeptabler Risiken belastet.

Wir in den Vereinigten Staaten erkennen zweifelsohne
den Wert großer Auslandsinvestitionen - sowohl für
Ihre Region als auch für unsere Wirtschaft.

IM. Schwere Entscheidungen der Politiker trotz
Entstehen eines grundlegenden Konsenses

Diese haben:
zu Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren Volkswirtschaften beigetragen;
den Handel mit der Region und innerhalb der
Region gefördert; ohne Ihren Zugang zu
Finanzmitteln würden Ihre Export- und Importmöglichkeiten verringert;
die Produktivität von Kapital in all unseren
Volkswirtschaften erhöht;
den grenzüberschreitenden Austausch guter
Ideen erleichtert und gleichzeitig die gesamte
wirtschaftliche Effizienz verbessert;
zu

einer

gesunden

Zunächst einmal gibt es keinen Ersatz für eine starke
makroökonomische Politik. Diese Wahrheit wurde
noch bekräftigt, als nach der Finanzkrise in Mexiko
schnell Kapital nach Asien zurückfloß. Die Notwendigkeit der Beibehaltung einer starken Politik besteht für
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten.

Risikodiversifizierung

Die wichtigste Leistung der amerikanischen

unserer jeweiligen Finanzanlagen beigetragen.

Politiker besteht unter Umständen darin, daß
wir unser wirtschaftliches Haus in Ordnung
gebracht haben. Dies trug zu weitaus günstigeren globalen Zinssätzen bei.

II. Auslandsinvestitionen: Zuviel des Guten?
Trotz der Vorteile, die dieser große und steigende
Kapitalfluß für all unsere Volkswirtschaften hatte,
machte sich nach der Krise von Mexiko in einigen
Kreisen die Besorgnis breit, die leichte Verfügbarkeit
grenzüberschreitender Finanzierung könnte zuviel des
Guten sein. Oder zumindest daß Kapitalflüsse nicht
nur Chancen, sondern auch Herausforderungen
bieten. Ich fordere alle, die sich Sorgen machen, dazu
auf, folgendes nicht zu vergessen: Es ist besser, in
einem Land zu leben, in das Kapital hineinfließt, als in
einem Land, aus dem es herausfließt.
Diejenigen, die bezweifeln, ob es klug sei, Volkswirtschaften einem großen Kapitalfluß auszusetzen,
führen eine Reihe potentieller Probleme an. Dazu
zählen:
Das Risiko, daß ein großer Kapitalzufluß zu
einer Überhitzung der Wirtschaft führt, was

Seite 2

Es wurde ein internationaler Konsens über mindestens
fünf Aspekte nationaler Politik geschmiedet, die für den
erfolgreichen Umgang der Regierungen mit Kapitalfluß
von entscheidender Bedeutung sind. Die Erfahrungen
dynamischer asiatischer Volkswirtschaften wie Singapur und einige seiner Nachbarn stellen wichtige
Lektionen dar, die zur Bildung dieses Konsenses
beitrugen.

Zweitens verringert eine starke Politik nicht nur das
Risiko und die Auswirkungen finanzieller Unbeständigkeiten, sondern schafft auch ein die Spartätigkeit
förderndes Umfeld.
Hohe inländische Sparquoten sind für eine
gesunde Entwicklung wesentlich. Obwohl ich
ein entschiedener Befürworter offener und
integrierter internationaler Kapitalmärkte bin,
bleibt die Tatsache bestehen, daß drei Viertel
der asiatischen Inlandsinvestitionen durch
inländische Ersparnisse finanziert wurden.
Drittens hilft eine solide makroökonomische Politik
auch bei der Eindämmung von Leistungsbilanzdefiziten.
Ich sagte bereits, daß Defizite von über fünf
Prozent des Bruttoinlandsprodukts besorgniserregend sind, obwohl es viele mildernde

AMERIKA DIENST 19

�Faktoren gibt, beispielsweise die Zusammensetzung von Importen, die Zusammensetzung
des Kapitalzuflusses sowie das fiskalische
Gleichgewicht.
Trotz alledem haben die
Defizite in einigen Ländern Asiens ein Niveau
erreicht, das eine genaue Beobachtung
erforderlich macht.
Somit sollten wir die mäßige Verlangsamung
des Wachstums in einigen asiatischen Volkswirtschaften lediglich als eine benötigte sanfte
Landung betrachten. Die Politiker sollten dem
Druck zur Wiederankurbelung der Volkswirtschaften widerstehen, die gemessen an
internationalen Standards immer noch mit
einer außerordentlichen Geschwindigkeit
wachsen.
Viertens haben wir in einer Welt unbeständigen
Kapitalflusses auch gelernt, daß Wirtschaften große,
starke, wohlgesteuerte und überwachte Finanzmärkte
benötigen.
Schwächen der inländischen Finanzmärkte
schränken die Fähigkeit einer Regierung ein,
angemessen auf das Risiko zu reagieren, daß
der Zufluß die finanzielle Instabilität erhöht.
Das könnte geschehen, wenn inländische
Finanzinstitutionen, insbesondere Banken,
nicht wirksam als Vermittler großen Kapitalflusses agieren und diesen in produktive,
langfristige Investitionen umwandeln können.
Die Überwachungsinstitutionen verfügen unter
Umständen nicht über die Kapazitäten zur
angemessenen Kontrolle von Bilanzentwicklungen. Infolgedessen könnten übermäßige
Kredite für Grundbesitzentwicklungen und
Tätigkeit auf dem Aktienmarkt gewährt werden. Bei einem solchen Szenarium ist das
Risiko von spekulativen Schwindelgeschäften
weitaus größer.
Schwache inländische Bankensysteme können auch die Fähigkeit der Politiker zum
rechtzeitigen und wirksamen Einsatz traditioneller Instrumente der Währungskontrolle
einschränken.
Wenn die Anpassungen
endlich stattfinden, sind sie oftmals weitaus
dramatischer und kostspieliger als notwendig
gewesen wäre. Aus diesem Grund hat die
Stärkung der Finanzmärkte und Intensivierung
der Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden eine ebenso hohe Priorität für die
APEC Finanzminister wie für die Finanzminister der G-7-Staaten. Dabei spielt die
internationale Zusammenarbeit zwischen
Finanzministern und Zentralbanken - in der
Funktion von Politikern und Kontrollinstanzen
gleichermaßen - eine wichtige Rolle.

AMERIKA DIENST 19

Fünftens stellt die Verbesserung der Qualität und
Verbreitung wirtschaftlicher und finanzieller Informationen eine wertvolle Schulung für Teilnehmer der
Finanzmärkte und Politiker gleichermaßen dar. Es ist
besser für die Märkte, die schlechten Nachrichten zu
kennen, als darüber zu spekulieren, wie schlecht die
Nachrichten sein könnten. Und es ist besser für die
Politiker, ihre Probleme schnell und entschlossen
anzugehen, als die Illusion zu hegen, sie würden durch
Nichtbeachtung verschwinden.
Singapur schätzt die Tugend der Offenheit
und hat sich den neuen Datenoffenlegungsnormen des IWF verpflichtet. Dasselbe gilt für
Malaysia, die Philippinen und Thailand.
Selbst die Länder, die diese fünf grundlegenden Ziele
umsetzen - wie es viele in dieser Region tun - sehen
sich angesichts des starken Kapitalzuflusses immer
noch mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. In
einer Welt des freien Kapitalflusses und integrierter
Märkte kann man nicht gleichzeitig eine unabhängige
Währungspolitik und feste Wechselkurse beibehalten.
Diesbezügliche Bestrebungen der Regierungen waren
kostspielig und könnten tatsächlich die Fähigkeit der
Wirtschaft zur Aufnahme und dem effizienten Einsatz
von Finanzmitteln behindern.
Nicht gewinnbringende Interventionen, die
darauf abzielen, eine aufgrund des Kapitalzuflusses mögliche Abwertung der Wechselkurse zu vermeiden, haben bisweilen nicht nur
eine beschränkte Wirksamkeit, sondern
schaffen auch einen Teufelskreis des immer
weiteren Anstiegs von Kapitalzufluß und
Zinssätzen. Der Grund ist, daß höhere inländische Zinssätze zu mehr anstatt zu weniger
kurzfristigem Kapitalzufluß führen.
Nicht gewinnbringende Interventionen sind
auch extrem kostspielig. Die Zentralbanken
zahlen den Haltern inländischer Wertpapiere darunter viele Ausländer - viel Geld, erzielen
jedoch relativ wenige Gewinne für die ausländische Währung, die sie somit anhäufen.
Ein vielleicht noch größerer Anlaß zur Sorge
ist, daß die Regierungen in ihrem Streben
nach einer Vermeidung von Wechselkursschwankungen den Investoren signalisieren,
daß Investitionen in inländische Währungen
nur einseitig sind - daß sie bei Investitionen in
inländische Währungen nichts verlieren
können. Als Resultat steigt die Begeisterung
noch weiter an, während in Wirklichkeit erforderlich ist, Investoren zu einer realistischen
Einschätzung ihrer Aussichten und Risiken zu
ermutigen.

Seite 3

�IV. Kapitalkontrollen sind nicht die richtige Antwort
Einige Länder haben mit Kapitalkontrollen als Ergänzung zu einer soliden makroökonomischen Politik oder
bisweilen sogar als Ersatz dafür experimentiert. Sie
versuchen durch Kontrollen oder Hindernisse, den
Kapitalzufluß zu bremsen und den Umfang der
darauffolgenden, unvorhersehbaren, schädlichen
Kapitalflucht einzuschränken.
Wir müssen uns jedoch bewußt werden, daß bisher die
Effektivität von Kapitalkontrollen nicht hoch war.
Selbst auf neuentstehenden Märkten mit
unterentwickelten Finanzmärkten wurden die
Kontrollen schnell umgangen, und diese
Unterminierung erzwang eine kontraproduktive Ausweitung der Kontrollen. Die Eskalation
der Kontrolle in Chile Anfang der neunziger
Jahre ist ein Beispiel. Die Einführung einer
Zinsausgleichssteuer in den sechziger Jahren
in den Vereinigten Staaten ist ein weiteres
Beispiel.
Es gibt auch zahlreiche negative Nebenwirkungen. Keine geringe ist, daß bei einer
erfolgreichen Reduzierung der Liquidität die
Kontrollen die Kapitalkosten für inländische
Produzenten erhöhen und damit das Risiko
einer Verringerung von Inlandsinvestitionen
und sogar Handel entsteht.
Wir können im Hinblick auf die Effektivität von Kapitalkontrollen viel lernen. Auch in diesem Bereich entsteht
ein Konsens.
Erstens. Falls Kontrollen eingesetzt werden,
sollten sie begrenzt und temporär sein und
eine Steuerbemessungsgrundlage haben. Die
Kontrollen sollten als vorübergehende Maßnahme betrachtet werden, während Maßnahmen zur Korrektur makroökonomischer
Defekte und Stärkung inländischer Finanzmärkte und ihrer Überwachung ergriffen
werden.
Zweitens. Es gibt keinen Ersatz für die Entwicklung der Finanzmärkte. Kapitalkontrollen
können ein Hindernis für die Evolution des
Finanzsystems werden, das sie überflüssig
machen würde.
Schließlich besteht das Risiko, daß die Politiker aufgrund ihrer Abhängigkeit von Kontrollen
selbstgefällig werden - und die von mir bereits
erwähnten weitaus wichtigeren Dinge übersehen, die sie beim Management ihrer Wirtschaft
in einer Welt finanzieller Unbeständigkeit
beachten sollten.

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V. Flexible Wechselkurse funktionieren besser
Angesichts der gravierenden Schwächen von Kapitalkontrollen als dauerhafter Antwort auf den Umgang mit
den potentiellen negativen Auswirkungen von Kapitalfluß ist die einfachste und wirkungsvollste Reaktion
eine flexiblere Wechselkurspolitik. Es ist kein Zufall,
daß einige der ansonsten gut gelenkten Länder mit
geringer Flexibilität der Wechselkurse am härtesten
um die Eindämmung inflationären Drucks kämpfen
mußten und dem Risiko von Spekulationen und
Schwindelgeschäften am stärksten ausgesetzt sind.
Der starke Zufluß, den die führenden asiatischen
Länder in den letzten Jahren erlebten, unterstrich die
Risiken und Kosten unzureichender Wechselkursflexibilität. Natürlich verstehe ich die Argumente für
unterschiedliche Wechselkursregime - um historischen
und/oder örtlichen Gegebenheiten zu entsprechen und ich trete hier nicht als Befürworter baldigen,
folgenschweren Wandels auf. Ich bin jedoch davon
überzeugt, daß größere Wechselkursflexibilität
langfristig den meisten Politikern mehr Mittel für den
Umgang mit Kapitalzufluß und -abfluß zu geringeren
Kosten als derzeit geben wird.
In unserem Fall halten wir es für das Beste, daß der
Dollar wirtschaftliche Grundprinzipien widerspiegelt.
Unsere Erfahrung war, daß die Kosten des Widerstands gegen Wechselkursschwankungen hoch
waren. Mit größerer Flexibilität der Wechselkurse,
wenn die Märkte grundlegende Veränderungen bei
den Aussichten Asiens verspüren, werden die Politiker
in der Lage sein, kostspielige, nicht gewinnbringende
Kapitalanlagen zu vermeiden. Zusätzlich signalisieren
die Schwankungen den Investoren, daß es keine
einseitigen Einsätze mehr gibt. Das sollte die Wahrscheinlichkeit von Spekulationen und untragbar hohem
Kapitalzufluß in Zeiten des Optimismus reduzieren.
VI. Die internationale Reaktion auf Unbeständigkeiten muß ebenfalls gestärkt werden
Ich habe hier der Bedeutung nationaler Politik gewisse
Aufmerksamkeit gewidmet - der entscheidenden Rolle
solider makroökonomischer Politik, den Vorteilen einer
Politik flexibler Wechselkurse, dem Gebot der Stärkung von Finanzmärkten und Intensivierung der
Kooperation zwischen Aufsichtsbehörden sowie den
möglichen vorteilhaften Auswirkungen höherer Standards von Informationsvermittlung auf die Wahrung
des Vertrauens der Investoren und Verhinderung von
Überreaktionen.
Es stimmt aber auch, daß die internationale Staatengemeinschaft eine wichtige Rolle zu spielen hat. Die
Verbindungen zwischen globalen Finanzmärkten
bedeuten jetzt, daß sogar gut gelenkte Länder von
Problemen in einem anderen Land infiziert werden

AMERIKA DIENST 19

�können. Somit ist eine koordinierte internationale
Antwort erforderlich.
Aus diesem Grund arbeitet die internationale Gemeinschaft das New Arrangement to Borrow aus, das die
existierenden General Arrangements to Borrow des
IWF verdoppelt und eine Reihe neuer Wirtschaftsmächte einbringt. Ich freue mich, daß Singapur,
Malaysia und Thailand prinzipiell zugestimmt haben,
einen Beitrag zu dieser bedeutenden internationalen
Initiative zu leisten.
Die internationale Staatengemeinschaft wurde sich
auch der Notwendigkeit verbesserter wirtschaftlicher
Kontrolle in multilateralen Foren bewußt.
Schließlich erkannten wir die Notwendigkeit der
Entwicklung angemessener Problemlösungsmaßnahmen, die Investoren nicht vor Risiken schützen
oder eine unangebrachte nationale Politik ermutigen.
Die Länder müssen das Prinzip akzeptieren, daß sie
ihre Gläubiger aus eigenen Mitteln bezahlen müssen.

*

AMERIKA DIENST 19

Und Schuldscheinbesitzer, die weitaus größere
Gewinne als das amerikanische Finanzamt machen,
sollten keinen Schutz vor Verlusten erwarten, wenn die
Politik des Landes nicht erfolgreich ist.
VII. Schlußbemerkung
Während unsere Wirtschaften immer integrierter
werden, müssen die Politiker parallel dazu handeln.
Wir haben größeres Verständnis für die Auswirkungen
unserer Volkswirtschaften und wirtschaftspolitischen
Maßnahmen auf das jeweils andere Land. Ferner
haben wir gelernt, wie wichtig es ist, daß wir unsere
Ansichten über wachstumsfördernde Maßnahmen, die
Vermeidung und Eindämmung von Finanzkrisen und
effektive Lenkung von Spartätigkeit austauschen.
Unsere Geschäftsleute haben Handels- und Investitionsverbindungen zu den schnell wachsenden
Volkswirtschaften Asiens geknüpft, die nie enger
waren. Politiker im gesamten pazifischen Raum
müssen dasselbe tun.

* * * *

Seite 5

�Die Schaffung von Arbeitsplätzen und
Beschäftigungschancen:
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten 1993 -1996

Ein Bericht des
Rats der Wirtschaftsberater im
US-Arbeitsministerium, Büro des Chefökonoms
23. April 1996

�Zusammenfassung
Seit Januar 1993 hat die Beschäftigungsrate rapide - um netto 8.5 Millionen
neue Arbeitsplätze - zugenommen. Anhand vergleichbarer Daten war das
Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten stärker als bei allen
anderen unserer G-7-Partner.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 entfielen auf Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern. Mehr als die Hälfte des Nettozuwachses fand bei den obersten 30
Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstanden, entsprachen sie nicht den Stereotypen.
Die Fakten legen nahe, daß die große Mehrheit des Nettozuwachses an neuen
Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Sowohl die Haushalts- als auch die
Betriebserhebungen verweisen darauf, daß die Zunahme an Arbeitplätzen auf
Ganztagsstellen konzentriert war.
Der Anteil von Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung blieb seit Ende der
achtziger Jahre ungefähr konstant. Der Haushaltserhebung ist zu entnehmen,
daß der Anteil von beschäftigten Personen mit mehreren Arbeitsplätzen weiterhin bei rund 6 Prozent liegt.
Die Gesamtzahl der Entlassenen machte 1991-92 ungefähr denselben Anteil
an der Erwerbsbevölkerung aus wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der
achtziger Jahre gravierender war als die Anfang der neunziger Jahre. Es ist
jedoch schwierig genau festzustellen, welcher Prozentsatz der Entlassenen auf
die Konjunktur zurückzuführen ist. Die offiziellen Daten über Entlassungen
nach 1993 stehen noch nicht zur Verfügung, aber eine alternative Zählweise zu
Arbeitsplatzverlusten zeigt, daß sie seitdem gesunken sind.
Die Charakteristiken der Entlassungen haben sich etwas verändert. Die Entlassungen von älteren, besser ausgebildeten Büroangestellten haben zugenommen, obwohl sie verglichen mit denen bei jüngeren und weniger gut
ausgebildeten Arbeitern weiterhin relativ niedrig sind.
Trotz einiger jüngster positiver Anzeichen bleiben langfristige Herausforderungen bestehen. Zwischen den siebziger und frühen neunziger Jahren stagnierten die Reallöhne und -gehälter, und das Einkommensgefälle wurde größer.
Aber 1994 stieg das reale mittlere Familieneinkommen zum ersten Mal seit fünf
Jahren, und die Armutsgrenze sank. Wir müssen weiter auf diese Errungenschaften aufbauen, um den Lebensstandard zu verbessern und das Einkommensgefälle zu verringern. Und obwohl sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaf1

�fen als abgebaut werden, erlegt eine dynamische Wirtschaft einigen Arbeitnehmern unweigerlich Kosten auf. Daten von 1981 bis 1993 legen beispielsweise
den Schluß nahe, daß diejenigen, die ihre Stelle verloren, eher auf Dauer (statt
vorübergehend) entlassen wurden, daß ältere Arbeitnehmer ein größeres
Risiko der Entlassung hatten und der durchschnittliche Verlust des Reallohns
aufgrund von Entlassung beträchtlich und andauernd war. Um alle Vorteile
einer dynamischen Wirtschaft zu erlangen, müssen wir diese Angleichungskosten verringern.

Einleitung
Das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten war seit Januar 1993 solide,
wobei die Beschäftigungsrate im nichtlandwirtschaftlichen Bereich um 8,5 Millionen
zunahm.
Anhand vergleichbarer Daten war das Beschäftigungswachstum in den
Vereinigten Staaten stärker als bei allen anderen unserer G-7-Partner. Der Hauptzweck dieser Studie besteht darin, das Material zu sichten, um ein detaillierteres Bild
zu entwickeln, wo das Beschäftigungswachstum stattfindet und welcher Art die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind.
Die Nachrichten sind ermutigend: Die Beschäftigung bei den Industriezweigen/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern ist unverhältnismäßig gestiegen. Selbst in der traditionell niedriger bezahlten
Dienstleistungsindustrie war die Mehrheit des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen bei
leitenden Positionen und solchen mit einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil
zu verzeichnen, die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne
und Gehälter bieten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Überzeugung sind die neuen
Arbeitsplätze nicht unverhältnismäßig viele Teilzeitstellen, die geringe berufliche
Qualifikation erfordern.
Der zweite Zweck dieser Studie ist die Prüfung der Entlassungen. Obwohl die Volkswirtschaft einen Nettozuwachs von Millionen neuer Arbeitsplätze bewirkt, ist es offenkundig, daß die Geschwindigkeit der Umgestaltung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt viele Amerikaner besorgt über ihre wirtschaftliche Zukunft macht. Ein dynamischer und wachsender Arbeitsmarkt kann sowohl Kosten auferlegen als auch
Chancen bieten, und Maßnahmen für Arbeitnehmer zur Bewältigung eines Arbeitsplatzwechsels sind entscheidend zur Reduzierung dieser Angleichungskosten.

Schaffung von Arbeitsplätzen
Einer Betriebserhebung des Bundesamts für Arbeitsstatistik zufolge nahm die Zahl der
nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen Januar 1993 und März 1996 um
8,5 Millionen (7,8 Prozent) zu. Im Privatsektor stieg die Zahl der Beschäftigten (um
8,7 Prozent) noch schneller, wohingegen die Zahl der Bundesbediensteten (mit

�Ausnahme des Postdienstes) tatsächlich um 11,4 Prozent abnahm und die der bei
bundesstaatlichen und kommunalen Regierungen Tätigen zusammengenommen um
nur 5 Prozent (siehe Abbildung 1) stieg. Der Anteil des öffentlichen Dienstes an der
Beschäftigung nimmt daher ab.
Die Arbeitslosenquote fiel von über 7 Prozent im Januar 1993 auf 5,6 Prozent im März
1996 und lag 19 aufeinanderfolgende Monate unter 6 Prozent. Angesichts der aktuellen demographischen Trends prognostiziert das Bundesamt für Arbeitsstatistik, daß
die Erwerbsbevölkerung zwischen 1994 und dem Jahr 2005 jährlich um rund 1,1
Prozent zunimmt. Um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten, muß die Volkswirtschaft
daher durchschnittlich einen Nettozuwachs von ungefähr 120.000 neuen Arbeitsplätzen pro Monat verzeichnen. Die Beschäftigung expandiert jetzt in einer Geschwindigkeit, die im Einklang mit stetigem, tragfähigem Wachstum und niedrigen
Arbeitslosenquoten steht.
Figure 1
Private Sector and Government Employment Growth
January 1993 - March 1996

Private Sector

Government

Note: Federal employment excludes the postal Service.
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, establishment survey.

Internationaler Vergleich. Die Vereinigten Staaten konnten einen schnelleren
Beschäftigungszuwachs verzeichnen als alle anderen G-7-Nationen. Nur Kanada
beobachtete eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung, während die anderen G7-Mitglieder unerhebliche Zuwächse an Arbeitsplätzen oder eine tatsächliche Abnahme hatten. Die Leistung des amerikanischen Arbeitsmarkts ist besonders beeindruckend aufgrund der Tatsache, daß sie in einer Periode stattfand, in der das Defizit
des Bundeshaushalts von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr
1992 auf schätzungsweise 1,9 Prozent im Haushaltsjahr 1996 reduziert wurde.

3

�Die Qualität der Arbeitsplätze
Daten der laufenden Bevölkerungserhebung zufolge fanden 38 Prozent des Nettozuwachses bei der Beschäftigung zwischen Februar 1994 und Februar 1996 in den
"Dienstleistungsindustrien" statt.1 Dieser Abschnitt befaßt sich daher zunächst mit der
Qualität der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dann wird eine detailliertere
Analyse aller Sektoren der Wirtschaft vorgenommen.
Höher bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Der "Dienstleistungssektor" ist sehr vielfältig. Dazu zählen viele schlecht bezahlte Positionen, aber auch
zahlreiche hochbezahlte bei Finanzdienstleistungen, Kliniken sowie Computer- und
Buchhaltungsdiensten. Aus diesem Grund ist es wichtig festzustellen, ob der Beschäftigungszuwachs innerhalb der Dienstleistungen vornehmlich in den hohe Qualifikationen erfordernden leitenden Positionen und bei Berufen mit einem speziellen Anforderungsprofil oder bei schlecht bezahlten Arbeitsplätzen stattfand. Die laufende
Bevölkerungserhebung bietet Fakten bezüglich des Beschäftigungszuwachses je nach
Beruf.
*

Die Daten belegen, daß der jüngste Nettozuwachs bei der Beschäftigung im
Dienstleistungssektor vorwiegend in leitenden Positionen oder solchen mit
einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil stattfand (Abbildung 2).
Hierbei handelt es sich um relativ gutbezahlte Arbeitsplätze.

Figure 2
Service Industry Occupations
February 1994 - February 1996

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*

Higher Wage Occupations
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

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�Die herkömmliche Überzeugung, der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor
sei unverhältnismäßig in schlecht bezahlten Arbeitsplatzkategorien konzentriert, ist
daher falsch.
Zuwachs bei höher bezahlten Arbeitsplätzen nach Industriezweig und Berufsgruppe. Ein noch detaillierteres Bild der Art der neugeschaffenen Arbeitsplätze bietet
eine nach Industriezweig und Berufsgruppe aufgeschlüsselte Untersuchung. Anhand
von Daten der laufenden Bevölkerungserhebung von Februar 1994 bis Februar 1996
ordneten wir die Ganztagsstellen 45 bestimmten Berufsgruppen in 22 großen Industriezweigen zu. 25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie neben ihrer Beschäftigung in den angegebenen Industriezweigen und Berufsgruppen noch zusätzliche
Einnahmen hatten. Obwohl viele der Felder für 990 Industriezweige/Berufsgruppen
ziemlich klein waren, fanden sich nur 6 Prozent der Untersuchten in Feldern mit 10
oder weniger Befragten wieder, die für beide Erhebungen Daten über ihre Einkünfte
angaben. Um die mit einer unzureichenden Zahl von Befragten einhergehende große
Schwankungsbreite der Erhebung zu vermeiden, strichen wir die kleinen Felder aus
unserer Analyse. Nach Streichung der Felder mit 10 oder weniger Befragten blieben
287 Berufsgruppen jährlich übrig.2
Der erste Schritt bei unserer Analyse bestand darin, die 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittlerem Wocheneinkommen der Vollzeitbeschäftigten
zu ordnen. Ungefähr die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Februar 1994 befand
sich in Feldern mit einem mittleren wöchentlichen Einkommen von mehr als 480 Dollar
(Dollarstand von Februar 1996). Das Beschäftigungswachstum bei diesen hochbezahlten Arbeitsplatzkategorien kann dann mit dem Gesamtbeschäftigungswachstum
verglichen werden. Unsere wichtigste Bemessungsgrundlage für die Arbeitsplatzqualität ist der Prozentsatz des gesamten Beschäftigungswachstums innerhalb der Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern im Februar 1994. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 fand bei Arbeitsplätzen mit über dem
mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern statt.3
Eine andere Art und Weise, die Ergebnisse unserer nach Industriezweig/Berufsgruppe
aufgeschlüsselten Analyse zusammenzufassen, ist in Abbildung 3 zu sehen. Wir
ordneten 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittleren Wochenlohn der
Vollzeitbeschäftigten und sortierten sie dann entsprechend ihrem Einkommen in 10
Gruppen ein -jede mit 10 Prozent der Beschäftigten im Februar 1994. Hätten alle 10
Gruppen proportional zu ihrem Anteil an der Beschäftigung im Februar 1994 zugenommen, wäre auf jede 10 Prozent des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen
entfallen. Die obersten drei Zehntel entsprachen nicht nur ihrem proportionalen Anteil
am gesamten Beschäftigungswachstum (30 Prozent), sondern lagen weit darüber
(über 50 Prozent).

5

�Mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Beschäftigungszuwachses fand in den
obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt.

Figure 3
Shares of Net Employment Growth
February 1994 - February 1996
Higher paying job categories
68 percent of growth

Lower paying job categories
32 percent of growth
Council of Economic Advisers analysis of Bureau of Labor Statistics data.

Detailliertere Daten über Beschäftigung. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik gibt
auch eine jährliche Veröffentlichung über Löhne und Gehälter sowie Beschäftigungswachstum für eine äußerst detaillierte Reihe von Beschäftigungskategorien auf der
Grundlage von Ergebnissen der Bevölkerungserhebung eines Jahres heraus. Die
Erhebung umfaßte 488 Kategorien mit Daten für 1994 und 1995 (die jährlichen Schätzungen für 1996 stehen erst nächstes Jahr zur Verfügung). Die Ergebnisse dieser
Datensammlung sind eine Erhärtung der obengenannten Erkenntnisse. Zu den
Kategorien mit den größten Zuwächsen bei der Beschäftigung zählen "Verkauf und
Inhaberschaft", "Elektriker", "leitende Positionen bei Marketing und Werbung" sowie
"Elektroingenieurwesen". Im Einklang mit den obengenannten Überlegungen entfielen
auf die einzelnen Berufsgruppen in der oberen Hälfte der Einkommenspyramide 70
Prozent des Nettozuwachses an Beschäftigung, während die obersten 10 Prozent ein
Drittel des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen hervorbrachten.

�Die Beschäftigung in den "Hamburger-Flipping-Jobs"4 sank zwischen 1994 und
1995.
Insgesamt geben die Daten folgende Hinweise auf die Art des jüngsten Beschäftigungswachstums:
Zwei Drittel der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen Ganztagsstellen entfallen auf Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit über
dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern.
Mehr als die Hälfte der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen
Ganztagsstellen fallen in Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit noch
höheren Löhnen und Gehältern (die obersten 30 Prozent).

Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind großenteils Ganztagsstellen. Daten aus
der laufenden Bevölkerungserhebung und der Betriebserhebung des Bundesamts für
Arbeitsstatistik legen den Schluß nahe, daß der überwiegende Teil des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Die laufende Bevölkerungserhebung enthält auch Daten über Teilzeitstellen. Abbildung 4 zeigt den Anteil der
Beschäftigten, die als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung sowohl "wirtschaftliche" als
auch "nichtwirtschaftliche" Gründe angeben. Trotz einer Verlagerung bei beiden
Kurven aufgrund der Umgestaltung der Erhebung im Januar 1994 ist der Anteil der
Teilzeitbeschäftigten tatsächlich leicht gesunken. Der Rückgang war bei denjenigen,
die aus "wirtschaftlichen" Gründen teilzeitbeschäftigt sind - die oft als "unfreiwillig
Unterbeschäftigte" bezeichnet werden - sogar noch größer.
Die Daten der Betriebserhebung erhärten indirekt die Schlußfolgerungen der Haushaltserhebung. Wenn der Nettozuwachs an neuen Arbeitsplätzen in unverhältnismäßig starkem Maße aus Teilzeitstellen bestünde, würden wir ein Absinken der
durchschnittlichen Arbeitszeit pro Stelle erwarten.5 Die Beschäftigungsdaten zeigen
jedoch, daß die durchschnittliche Arbeitszeit aller Stellen (einschließlich der neugeschaffenen) ungefähr konstant blieb: Die Anzahl der nicht im landwirtschaftlichen
Sektor Beschäftigten und die Gesamtzahl der Arbeitsstunden steigen in den letzten
drei Jahren beide ungefähr in gleichem Maße an (siehe Tabelle). Dies weist darauf
hin, daß die neuen Arbeitsplätze nicht in unverhältnismäßig hohem Maße Teilzeitstellen waren.
In Haushalten und Unternehmen erhobene Daten belegen, daß der Großteil
des in den letzten drei Jahren erfolgten Nettozuwachses an Arbeitsplätzen
Ganztagsstellen waren.

7

�Figure 4
Part-Time Workers
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2

Jan. 1990 Jan. 1991 Jan.1992 Jan. 1993 Jan. 1994 Jan. 1995 Jan.1996
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Beschäftigung und Arbeitsstunden außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors
Januar

März

Prozent

1993

1996

Veränderung

Beschäftigung (Millionen)

109,5

118,0

7,8

Arbeitsstunden (jährlich, Milliarden)

202,2

217,8

7,7

Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

Wenig Veränderung bei Mehrfachbeschäftigung. Manche Amerikaner haben mehr
als eine Stelle, um für ein Haus sparen oder unerwartete Ausgaben finanzieren zu
können. Eine Mehrfachbeschäftigung gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der
Qualität der Arbeitsplätze, wenn immer mehr Amerikaner zwei oder drei Stellen haben
müssen, um mit ihren Einkünften auszukommen. Ein frustrierter Arbeitnehmer soll auf
die Nachricht, daß 8,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, mit der
Äußerung reagiert haben: "Ja, und ich habe drei davon." Die Daten zeigen jedoch
keine nennenswerte Bewegung im Bereich der Mehrfachbeschäftigung. Der Anteil
derjenigen, die mehrere Stellen haben, liegt seit den späten achtziger Jahren bei
ungefähr 6 Prozent.

�Auswirkungen auf Löhne und Gehälter sowie Einkommensgefälle. Zwischen den
siebziger und den frühen neunziger Jahren verlangsamte sich das durchschnittliche
Wachstum der Reallöhne, und das Einkommensgefälle wurde größer. In den letzten
Jahren gab es jedoch einige ermutigende Anzeichen, daß sich bei diesen Herausforderungen des Arbeitsmarktes das Blatt wendet. 1994 - das letzte Jahr, für das
Daten vorliegen - stieg das mittlere Realeinkommen der Familien, und zum ersten Mal
seit fünf Jahren sank die Armutsgrenze. Eine verbesserte Arbeitsplatzqualität kann
diese jüngsten Errungenschaften stärker zur Geltung bringen, auch wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit erkennbar sein werden. Wie bereits erwähnt, fand
der jüngste Nettozuwachs an Arbeitsplätzen bei Berufen und in Industriezweigen statt,
die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne und Gehälter
zahlen. Die Vergrößerung der Beschäftigtenzahl hatte jedoch nur geringfügige
Auswirkungen auf die gesamten Lohn- und Gehaltsdaten, da der Nettozuwachs bei
der Beschäftigung lediglich einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesamtbeschäftigung des Arbeitskräftepotentials der Vereinigten Staaten ausmacht. Dennoch sind die
Nachrichten über die Qualität des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen ermutigend und
versprechen Gutes für die Zukunft. Obwohl noch viel zu tun bleibt, zeigen die neuesten Trends, daß sich der Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg befindet.

Die Herausforderungen eines dynamischen Arbeitsmarkts
Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt schafft genug Arbeitsplätze für eine
wachsende Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig verlagern sich jedoch in einer dynamischen Volkswirtschaft fortwährend Arbeitsplätze von bestimmten Bereichen auf
andere mit mehr Wachstumschancen. (Beispielsweise wurde der Abbau der Stellen
für Bundesbedienstete durch den Beschäftigungsanstieg im Privatsektor mehr als
ausgeglichen.) Inzwischen führen von der Federal Reserve Bank of San Francisco
veröffentlichte Untersuchungen Robert Vallettas zu der Schlußfolgerung, daß
- konjunkturell bereinigt - der Prozentsatz der auf dauerhafte (statt vorübergehende)
Entlassungen zurückzuführenden Arbeitslosigkeit gestiegen ist - insbesondere zwischen 1980 und 1993. Ein höherer Anteil Arbeitslose kann daher keine erneute
Einstellung bei ihrem alten Arbeitgeber erwarten. Infolge dieser Veränderungen auf
dem Arbeitsmarkt fühlen sich viele Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beschäftigungsaussichten weniger sicher.
Obwohl die Besorgnis vieler Arbeitnehmer real und bedeutend ist, muß man sich auch
objektiv mit den Fakten befassen. Nicht alle Quellen zeigen verstärkte wirtschaftliche
Besorgnis. Beispielsweise lagen die statistischen Erhebungen des Michigan and
Conference Board über Verbrauchermeinungen kürzlich über ihrem historischen
Durchschnitt. Die im Rahmen dieser Erhebung Befragten erachten die Beschäftigungsaussichten offensichtlich nicht als schlecht. Dennoch deutet eine erhebliche
Zahl von Aussagen darauf hin, daß viele Amerikaner sich wegen einer möglichen
Entlassung Sorgen machen - einige sogar große Sorgen. Um auf diese Besorgnis
optimal reagieren zu können, benötigen wir eine präzisere Einschätzung der Natur des
Entlassungsproblems. Ist die Zahl der Entlassungen tatsächlich angestiegen?

9

�Betreffen sie eine andere Kategorie von Menschen als vor zehn Jahren? Dieser
Abschnitt des Berichts befaßt sich mit solchen Fragen.
Fakten aus einer Erhebung über Entlassungen. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik
erstellt alle zwei Jahre eine Erhebung über entlassene Arbeitnehmer, wobei die
neuesten Daten vom Februar 1994 stammen. Die nachfolgende Tabelle faßt die
Entlassungsraten (definiert als Zahl der entlassenen Arbeitnehmer pro 100 Beschäftigte) für die Zeiträume 1981-82 und 1991-92 zusammen.
Der prozentuale Anteil der Entlassenen an der Erwerbsbevölkerung war 1991-92
ungefähr so groß wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der achtziger Jahre
weitaus gravierender war als die zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist jedoch
schwierig genau festzulegen, wie sich der Konjunkturzyklus auf die Entlassungsquote
auswirkt. Ein Vergleich der Entlassungsquoten insgesamt verschleiert auch den
grundlegenden Wandel bei der Häufigkeit der Entlassungen. Die Tabelle zeigt, daß
ältere Büroangestellte 1991-92 viel entlassungsgefährdeter waren als während der
vorherigen Rezession. Und weitere Analysen belegen, daß die Entlassungsquote bei
besser ausgebildeten Arbeitnehmern gestiegen ist. Diese Veränderungen bei der
Häufigkeit von Entlassungen mögen ein Grund für die Berichte über zunehmende
Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer
Entlassung bei Arbeitern und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern größer ist, stieg
die Entlassungsquote eindeutig bei den Arbeitnehmern an, die vorher großenteils
immun gegen die Gefahr eines Arbeitsplatzverlusts waren.
*

Die Entlassungsquoten für ältere und besser ausgebildete Arbeitnehmer, die sich
großenteils nicht mit einem solchen Risiko auseinandergesetzt hatten, stiegen
zwischen 1981-82 und 1991-92.
Veränderte Häufigkeit von Entlassungen
Entlassungsquoten*

Gesamt
Beruf
Bürotätigkeit
Fabrikarbeit
Alter
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55+

1981-82
3,9

1991-92
3,8

2,6
7,3

3,6
5,2

5,0
3,8
3,0
3,6

3,8
3,9
3,8
4,3

Als Prozentsatz der Arbeitnehmer, die drei oder mehr Jahre in ihrer derzeitigen Stelle beschäftigt
sind. Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

�Indikatoren für Entlassungen neueren Datums. Wie bereits erwähnt, wird die
Erhebung über Entlassungen alle zwei Jahre durchgeführt, wobei die jüngsten Daten
vom Februar 1994 stammen und sich auf den Zeitraum 1991-93 erstrecken. Bedauerlicherweise stehen die offiziellen Entlassungszahlen für die Zeit nach 1993 noch nicht
zur Verfügung.6 (Die Ergebnisse der im Februar durchgeführten Erhebung über
Entlassungen 1996 sollten Ende des Sommers vorliegen.) Bis die offiziellen Entlassungszahlen zur Verfügung stehen, kann man mit Hilfe anderer Statistiken Hinweise
auf den Wandel des Arbeitsmarktes seit 1993 erhalten.
Ein Indikator sind die Daten über diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Abbildung 5 zeigt die Arbeitsplatzverlustrate, definiert als Prozentsatz derjenigen, die
vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben - die aufgrund eines Arbeitsplatzverlusts
Arbeitlosen (im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben
oder zu den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt), die weniger als fünf Wochen
Unbeschäftigten sowie die nicht vorübergehend Entlassenen - an der Gesamtbeschäftigtenzahl gemäß der laufenden Bevölkerungserhebung. Diese Arbeitsplatzverlustrate
entspricht annähernd dem netto-"Abgleiten" in die Arbeitslosigkeit aufgrund eines
Verlusts des Arbeitsplatzes, da sie nur diejenigen erfaßt, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben. Abbildung 5 zeigt, daß die Arbeitsplatzverlustrate seit 1992 fällt.

Figure 5
New Job Losers
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Unemployed new job losers

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excluding temporary layoffs

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1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Offizielle Daten über Entlassungen nach 1993 sind noch nicht erhältlich. Aufgrund der Zahlen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die
Arbeitsplatzverlustrate seitdem jedoch gefallen.

11

�Die Kosten der Entlassungen. Die Erhebung über entlassene Arbeitnehmer liefert
Informationen über die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf Arbeitnehmer. Die
Ergebnisse sind ernüchternd. Einer Analyse des Bundesamts für Arbeitsstatistik
zufolge hatte ungefähr ein Viertel der zwischen 1991 und 1992 Entlassenen entweder
die Stellensuche eingestellt oder bis zum Zeitpunkt ihrer Befragung im Februar 1994
noch keine Arbeit gefunden. Und obwohl die Erfahrungen sehr unterschiedlich waren,
deutet die von Henry Farber von der Princeton University durchgeführte Untersuchung
darauf hin, daß der reale Einkommensverlust für aus einer Ganztagsstelle Entlassene
und wieder auf einer Ganztagsstelle Beschäftigte Anfang der achtziger und neunziger
Jahre im Durchschnitt bei 10 Prozent lag. Laut einer Studie von Ann Huff Stevens von
der Rutgers University sowie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung sind
Einkommensverluste als Folge von Entlassungen ein dauerhaftes Phänomen. Sechs
oder mehr Jahre nach der Entlassung liegen die Einkünfte eines entlassenen Arbeitnehmers ungefähr 10 Prozent unter dem, was er sonst hätte verdienen können.
In einer Marktwirtschaft, die sich auf nationaler und internationaler Ebene wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, ist ein gewisses Maß an Entlassungen
unvermeidlich. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen. Neue Unternehmen werden gegründet, einige alte schrumpfen oder schließen. Da der Wandel für
die Arbeitnehmer teuer weden kann, müssen Maßnahmen zur Unterstützung der
Arbeitnehmer bei der Bewältigung dieses Wandels ergriffen werden. Die Mitnahme
von Renten- und Krankenversicherungsansprüchen, effektive Wiederbeschäftigungshilfe, angemessene Arbeitslosenversicherung sowie Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen können allesamt zur Senkung der zwischen zwei Arbeitsstellen anfallenden
Angleichungskosten beitragen. Zusätzlich ist wichtig, daß es keine unnötigen Entlassungen gibt. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld mit Vollbeschäftigung wird die
Notwendigkeit vorübergehender Entlassungen auf ein Minimum reduzieren und die
Chance für eine schnelle Wiederbeschäftigung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, vergrößern.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist teuer. Wenn amerikanische Arbeitnehmer mit
dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert werden, müssen sie über die erforderlichen Mittel verfügen, schnell eine neue Stelle zu finden.

Schlußbemerkung
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem starken Aufschwung, in dem seit Januar 1993
8,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nachdem wir die letzte Rezession
überwunden haben und uns auf stetige, nachhaltige Weise entwickeln, wächst die
Beschäftigung in den Arbeitsplatzkategorien am schnellsten, die die am besten
bezahlten Stellen anbieten. Unsere Analyse belegt, daß mehr als zwei Drittel des
jüngsten Beschäftigungswachstums in Beschäftigungskategorien/Industriezweigen mit
über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern stattfand, daß die
überwältigende Mehrheit neugeschaffener Arbeitsplätze Ganztagsstellen sind und der
Anteil der Arbeitnehmer, die mehrere Stellen haben, seit Ende der achtziger Jahre

12

�mehr oder weniger konstant geblieben ist. Ein dynamischer Arbeitsmarkt baut jedoch
unweigerlich einige Arbeitsplätze ab und schafft andere neu. Die Kosten eines
Arbeitsplatzverlusts sind beträchtlich und dauerhaft. Um die Vorteile einer dynamischen Volkswirtschaft umfassend genießen zu können, müssen wir diese Angleichungskosten senken.

Fußnoten
1.

Eine umfassende Umstrukturierung der Erhebung im Januar 1994 erschwert langfristige
Vergleiche. Da die Daten der Haushaltserhebungen häufig nicht saisonbereinigt sind,
versuchen wir darüber hinaus denselben Monat in verschiedenen Jahren zu vergleichen.
Der hier vorliegende repräsentative Zeitraum ist daher Februar 1994 bis Februar 1996.

2.

Die verbleibenden Felder für Industriezweige/Berufsgruppen umfaßten 331 Befragte und
enthielten Einkommensdaten für 70 Stichproben.

3.

Aufgrund der Schwankungsbreite bei den monatlichen Erhebungen könnten die präzisen
Zahlen von den Vergleichsmonaten beeinflußt werden. Ferner haben wir dieselbe
Vorgehensweise unter Einsatz von Stundenlöhnen und -gehältern für eine Kombination
von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten gewählt. Die Ergebnisse sind ähnlich.

4.

Diese werden definiert als Stellen in Imbißstuben, Getränkekiosken, in der Küche sowie
in verschiedenen Bereichen der Nahrungsmittelzubereitung. Die Ergebnisse gelten für
Vollzeitbeschäftigte und andere Arbeitnehmer (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung
kombiniert).

5.

Hierbei ist Voraussetzung, daß sich die durchschnittliche Arbeitszeit bei bestehenden
Stellen nicht ändert. Bedauerlicherweise können wir anhand der existierenden Statistiken
nicht feststellen, ob diese Annahme zutreffend ist.

6.

Aufgrund früherer Erfahrungen liegt die Entlassungsquote für
Erhebungsdaten für 1996 wahrscheinlich unter der für 1994.

13

1993 in den

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 02.10.1996</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Prioritäten der USA bei der 51. UN-Generalversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NAFTA&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Schaffung von Arbeitsplätzen und Schutz der Umwelt müssen Hand in Hand gehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Timothy Wirth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politiker müssen Unbeständigkeit des Kapitalflusses bekämpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers Lawrence Slummers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Arbeit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schaffung von Arbeitsplätzen und Beschäftigungschancen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1933 - 1996&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Überarbeitete Version -&lt;/em&gt;</text>
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