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&#13;
Herausgeber U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
08&#13;
&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
NATO&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHEN VORTEILE&#13;
DER NATO-ERWEITERUNG&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
MARSHALLPLAN&#13;
&#13;
DER MARSHALLPLAN - EINE VISION VON&#13;
SICHERHEIT, WOHLSTAND UND&#13;
PARTNERSCHAFT&#13;
Rede von Staatssekretär Peter Tarnoff&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
EINE FUHRUNGSROLLE BEI DER&#13;
BEKÄMPFUNG VON BESTECHUNG&#13;
von Alan P. Larson&#13;
&#13;
MENSCHENRECHTE&#13;
&#13;
US-DELEGATION: MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN DAUERN AN&#13;
Rede von Nancy Rubin&#13;
USA: GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG&#13;
IST SCHUTZ DES KINDES&#13;
Rede von Gere Smith&#13;
&#13;
MEDIEN&#13;
&#13;
DIE ROLLE DER MEDIEN IN EINER&#13;
DEMOKRATIE&#13;
von George A. Krimsky&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�NATO&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
Die wirtschaftlichen Vorteile der NATO-Erweiterung&#13;
Rede des Stellvertretenden Finanzministers&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die sicherheitspolitischen Vorteile einer NATO-Erweiterung gehen nach Ansicht des&#13;
Stellvertretenden US-Finanzministers Lawrence Summers mit den wirtschaftlichen Vorteilen für Europa und die&#13;
Vereinigten Staaten einher. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Summers am 11. April 1997 vor der&#13;
U.S. Chamber of Commerce hielt.&#13;
&#13;
Guten Morgen. Ich freue mich außerordentlich über&#13;
die Gelegenheit, wieder im International Forum der&#13;
Chamber of Commerce zu sein und die herausragenden Vertreter der Wirtschaft und des öffentlichen&#13;
Lebens zu treffen, die dieses Forum regelmäßig&#13;
zusammenbringt.&#13;
Heute möchte ich über die Zukunft der amerikanischen&#13;
Unternehmen in Europa und die Zukunft der amerikanischen Unternehmen weltweit sprechen. Insbesondere möchte ich mich auf eine Initiative der Administration&#13;
konzentrieren, die vielen Vertretern der amerikanischen Geschäftswelt vielleicht nicht unbedingt&#13;
bekannt ist, es jedoch sein sollte: Das Bestreben der&#13;
Administration, beim Aufbau eines ungeteilten, demokratischen, friedlichen und prosperierenden Europas&#13;
zu helfen und als Bestandteil dieses Ziels die Erweiterung des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses zur Aufnahme neuer Mitglieder aus Zentraleuropa anzustreben.&#13;
Sie können sich fragen, warum sich der Stellvertretende Finanzminister mit der NATO-Erweiterung&#13;
befaßt. Die Antwort lautet, daß diese Frage elementare ökonomische Auswirkungen hat. Die Wahl des&#13;
Themas meiner heutigen Ausführungen soll unterstreichen, welch großes wirtschaftliches Interesse wir&#13;
und unsere Verbündeten an der NATO-Erweiterung&#13;
haben. Unsere in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg&#13;
gewonnenen Erfahrungen zeigen, daß wirtschaftlicher&#13;
Wohlstand und Sicherheit untrennbar miteinander&#13;
verbunden sind. Die Führungsrolle der Vereinigten&#13;
Staaten beim Wiederaufbau Europas nach dem Krieg&#13;
durch unilaterale Maßnahmen wie den Marshallplan&#13;
und multilaterale Institutionen wie die Internationale&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung halfen, die&#13;
Grundlagen für den Frieden zu schaffen. Aus dem&#13;
gleichen Grund half das von uns in Europa gebildete&#13;
Sicherheitsbündnis bei der Schaffung der Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche&#13;
Erholung. Jetzt, nach dem Ende des Kalten Krieges,&#13;
haben wir eine Chance, diesen Kreis von Sicherheit&#13;
und Wohlstand zu erweitern.&#13;
Wie Präsident Clinton seit seinen ersten Tagen im Amt&#13;
erklärte, bietet uns das Ende des Kalten Krieges eine&#13;
einzigartige Gelegenheit zum Aufbau eines umfassenderen Europas, das erstmals in der Geschichte durch&#13;
demokratische Praktiken und freie Märkte geeint ist.&#13;
Zur Erlangung dieses Ziels haben wir während der&#13;
vergangenen fünf Jahre eine Reihe von Maßnahmen&#13;
entwickelt und verfolgt, die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Belange verbinden. Diese reichen von&#13;
unserer Unterstützung für die politischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland und den anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten bis zu einer Vielzahl&#13;
sicherheitspolitischer Maßnahmen - beispielsweise&#13;
unsere Politik zur Beschränkung konventioneller und&#13;
nuklearer Waffen in Europa.&#13;
Auf wirtschaftlichem Gebiet waren die internationalen&#13;
Finanzinstitutionen wie der IWF und die Weltbank&#13;
wichtige Katalysatoren für Wirtschaftsreformen,&#13;
Finanzstabilität und Entwicklung. In den Schwellenländern haben sich die internationalen Finanzinstitutionen&#13;
auf die Stärkung der Institutionen des Privatsektors&#13;
konzentriert, damit diese Stütze für Wachstum und&#13;
Stabilität werden. Dementsprechend ist es dem&#13;
Präsidenten zufolge von elementarer Bedeutung, daß&#13;
wir unsere Rechnungen bei diesen Institutionen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�begleichen um sicherzustellen, daß sie stark bleiben&#13;
und unsere Führungsrolle unbeeinträchtigt bleibt.&#13;
Als Teil dieser umfassenden Strategie internationalen&#13;
Engagements besteht eine der obersten Prioritäten&#13;
des Präsidenten in der Anpassung der NATO - dem&#13;
erfolgreichsten Bündnis in der Menschheitsgeschichte&#13;
- an die neuen Erfordernisse eines neuen Europas.&#13;
Diese Bestrebungen beinhalten Veränderungen bei&#13;
den Missionen der NATO sowie die Anknüpfung neuer&#13;
Beziehungen zwischen der NATO und dem im Prozeß&#13;
der Demokratisierung befindlichen Rußland. Ein&#13;
anderer wesentlicher Bestandteil dieser Bestrebungen&#13;
umfaßt die Aufnahme neuer zentraleuropäischer&#13;
Mitglieder in das Bündnis - ein Schritt, den sowohl der&#13;
Präsident als auch die NATO 1994 befürworteten und&#13;
1999 beim 50. Jahrestag des Bündnisses realisieren&#13;
wollen.&#13;
Diejenigen unter Ihnen, die der Geschäftswelt angehören, mögen sich fragen, was das mit Wirtschaft zu tun&#13;
hat. Meine Antwort lautet: Eine ganze Menge. Eine&#13;
größere, modernere NATO wird bei der Bewahrung&#13;
eines Sicherheitsumfelds in Europa helfen, das eine&#13;
Vorbedingung für Wirtschaftswachstum ist. Sie wird&#13;
dazu beitragen, Zentraleuropa in die Praktiken marktwirtschaftlicher Demokratien und Versöhnung zwischen Nachbarländern zu integrieren - Praktiken, die&#13;
diese Region zur am schnellsten wachsenden in ganz&#13;
Europa gemacht haben. Und sie wird unsere Bestrebungen ergänzen, ein demokratisches, in mehr&#13;
Wohlstand lebendes Rußland zu fördern.&#13;
Vor allem wird die amerikanische Entscheidung, die&#13;
NATO-Erweiterung fortzusetzen, ein starkes Signal&#13;
hinsichtlich unserer Rolle in Europa und der Welt&#13;
senden. Es wird nicht nur eine Entscheidung über die&#13;
Aufnahme neuer Mitglieder in das Bündnis, sondern&#13;
eine Bekräftigung unseres aktiven Engagements in&#13;
Europa und unserer Entschlossenheit sein, unsere&#13;
Sicherheit und Wirtschaftsinteressen im Ausland aktiv&#13;
zu verfolgen.&#13;
Lassen Sie mich etwas detaillierter erklären, warum&#13;
diese Initiative nicht nur für das Außen- und das&#13;
Verteidigungsministerium, sondern auch für das&#13;
Finanzministerium von großer Bedeutung ist.&#13;
Zunächst einmal ist die zentrale Bedeutung Europas&#13;
für die Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft zu&#13;
nennen. Ich weiß, daß ich nicht lange brauche, um&#13;
dieses Publikum davon zu überzeugen. Sie wissen,&#13;
daß unsere Beziehungen zu Europa der Kern unseres&#13;
wirtschaftlichen Kosmos sind. Europa und die Vereinigten Staaten produzieren zusammen mehr als die&#13;
Hälfte der Waren und Dienstleistungen weltweit.&#13;
Unser jährlicher bilateraler Handel mit Europa übersteigt die 250 Milliarden Dollar-Marke. Unsere Direktinvestitionen in Europa betragen ebenfalls mehr als&#13;
250 Milliarden Dollar und sind größer als in jeder&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
anderen Region der Welt. Obwohl wir nicht immer bei&#13;
jeder wirtschaftlichen Frage mit unseren europäischen&#13;
Partnern übereinstimmen, bleibt die Tatsache bestehen, daß unsere gemeinsamen Werte und Ansichten&#13;
uns zu den wichtigsten Partnern bei Bestrebungen von&#13;
der internationalen Koordinierung der Währungen über&#13;
die Verhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde&#13;
des GATT bis zur Gründung der Welthandelsorganisation gemacht haben. Und die Entwicklung Europas zu&#13;
einem integrierten Markt im Rahmen der Europäischen&#13;
Union ist ein Projekt, das wir unterstützen und von dem&#13;
wir profitieren.&#13;
Zentraleuropa ist auch für unsere wirtschaftliche&#13;
Zukunft von elementarer Bedeutung. Obwohl es&#13;
gemessen an der gesamten europäischen Wirtschaft&#13;
nur einen kleinen Prozentsatz darstellt, ist es wohl die&#13;
aktivste Region Europas. Seit Beginn dieses Jahrhunderts, als die durch kommunistische Herrschaft und&#13;
Kommandowirtschaft verursachte Zerstörung mutigen&#13;
marktwirtschaftlichen Reformen Platz machte, ist die&#13;
Region zwischen Elbe und Ural Zeuge schneller&#13;
Erneuerung und soliden Wachstums, insbesondere in&#13;
Zentraleuropa, wo die Reformen am weitreichendsten&#13;
und tiefgehendsten waren.&#13;
Die Volkswirtschaften Zentraleuropas, einschließlich&#13;
der Baltischen Staaten, wachsen jährlich real um vier&#13;
bis fünf Prozent, und alle Anzeichen deuten darauf hin,&#13;
daß sie ihre beeindruckende Leistung fortsetzen. Die&#13;
amerikanischen Exporte in die Region verzeichnen&#13;
zweistellige Wachstumsraten. Obwohl die westeuropäischen Märkte für die meisten Gebrauchsgüter&#13;
großenteils saturiert sind, verzeichnet Osteuropa eine&#13;
starke Nachfrage nach Autos, Fernsehern, Videorekordern, Kühlschränken und Inneneinrichtungsgegenständen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die&#13;
Autoverkäufe in Polen stiegen 1996 um 41 Prozent an.&#13;
Riesige Chancen werden auch durch die Bestrebungen dieser Länder eröffnet, staatliche Betriebe zu&#13;
privatisieren, die antiquierte Infrastruktur zu verbessern&#13;
und Umweltschäden zu beheben, die eine der zahlreichen dunklen Vermächtnisse des Kommunismus sind.&#13;
Die Beispiele reichen von den Bestrebungen der&#13;
Tschechischen Republik in Höhe von 3 Milliarden&#13;
Dollar zur Modernisierung ihrer Stromversorgungseinrichtungen bis zur Modernisierung des Telekommunikationswesens im Wert von einer Milliarde Dollar in&#13;
Polen. Zentraleuropa als Wirtschaftsstandort bietet&#13;
auch ein eifriges und gut ausgebildetes Arbeitskräftepotential mit hervorragendem Zugang zum&#13;
riesigen Markt der Europäischen Union. Infolgedessen&#13;
wurden seit dem Fall der Berliner Mauer in diesen&#13;
Staaten ausländische Direktinvestitionen im Wert von&#13;
nahezu 40 Milliarden Dollar getätigt - ungefähr ein&#13;
Viertel von Seiten der Vereinigten Staaten - und wir&#13;
erwarten weitere 40 Milliarden Dollar in den letzten vier&#13;
Jahren dieser Dekade. Heute, nur acht Jahre nachdem sich diese Länder dem Westen geöffnet haben,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�liest sich die Liste amerikanischer Firmen, die in der&#13;
Region prosperieren, wie das Who's who von Fortune&#13;
mit seinen Wirtschaftsgiganten und Kleinunternehmen&#13;
gleichermaßen.&#13;
Unsere Administration ergreift eine Vielzahl von&#13;
Initiativen um sicherzustellen, daß Zentraleuropa sich&#13;
weiterhin dieses starken Wachstums der Märkte&#13;
erfreut und amerikanische Unternehmen auch in&#13;
Zukunft einen beträchtlichen Anteil daran haben. Im&#13;
Januar 1995 veranstaltete das Weiße Haus eine&#13;
Konferenz über Handel und Investitionen in Zentraleuropa, um die Chancen für amerikanische Firmen in&#13;
der Region herauszustellen. Wir eröffneten im Wirtschaftsministerium ein Business Information Center für&#13;
Zentral- und Osteuropa einschließlich einer Einrichtung&#13;
zur Unterstützung kleiner Unternehmen um zu gewährleisten, daß kleinere amerikanische Firmen&#13;
ebenfalls vom Wachstum dieser Region profitieren&#13;
können. Im Rahmen der Gesamtstrategie der Regierung zur Erschließung der großen, neuentstehenden&#13;
Märkte entwickelten wir ein Programm für den großen&#13;
neuentstehenden Markt Polen. Und wir setzten&#13;
beträchtliche Zeit und Mittel für die Unterstützung der&#13;
Wirtschaftsreformen in Rußland und den anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten ein, weil sie ebenfalls ein&#13;
Bestandteil Europas sind. Unsere Unterstützung für&#13;
diese Länder im Rahmen des Freedom Support Act&#13;
umfaßte mehr als 2 Milliarden Dollar zur Finanzierung&#13;
von Initiativen des Privatsektors, die Entwicklung von&#13;
Unternehmensfonds wie dem "Investitionsfonds USARußland" und dem "Fonds für kleine russische Unternehmen" sowie andere Programme zur Förderung der&#13;
wirtschaftlichen Umstrukturierung dieser Volkswirtschaften. Ferner stellten wir Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten mehr als 7 Milliarden&#13;
Dollar an Garantien, Darlehen und Sicherheiten der&#13;
Export-Import Bank und der Entwicklungsgesellschaft&#13;
OPIC zur Verfügung.&#13;
Wenn unser Ziel in der Unterstützung amerikanischer&#13;
Unternehmen besteht, damit sie von dem starken&#13;
Wachstum in Europa und Zentraleuropa profitieren,&#13;
müssen Sicherheitsfragen ein unerläßlicher Bestandteil unserer Strategie sein. Für Unternehmen und&#13;
Staaten gleichermaßen ist Sicherheit wie Sauerstoff:&#13;
Man denkt nicht viel darüber nach, aber wenn er fehlt,&#13;
kann man an nichts anderes mehr denken. Fragen Sie&#13;
nur einmal die Unternehmen in Zaire oder in Afghanistan - wenn Sie welche antreffen. Die EU ist ein&#13;
wichtiger Bestandteil der transatlantischen Sicherheit,&#13;
aber wir benötigen auch die NATO - für die Gewährleistung von Sicherheit und Wohlstand. Ohne Sicherheit und Stabilität auf dem europäischen Kontinent&#13;
- die großenteils der NATO zu verdanken sind - hätten&#13;
sich unsere starken Wirtschaftsbeziehungen zu&#13;
Europa während der vergangenen 50 Jahre nicht&#13;
entwickeln können. Und ebenso wie das ursprüngliche Bündnis Westeuropa ein halbes Jahrhundert&#13;
Sicherheit und Wachstum bescherte, kann eine neue&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
und größere NATO die für Wohlstand erforderliche&#13;
Sicherheit bieten und von Westeuropa auf den Osten&#13;
ausweiten.&#13;
Lassen Sie mich kurz erklären, wie weit wir mit der&#13;
NATO-Erweiterung gekommen sind. Seit dem Ende&#13;
des Kalten Krieges hat sich die NATO an ein stark&#13;
verändertes Sicherheitsumfeld angepaßt. Nach dem&#13;
Verschwinden der sowjetischen Bedrohung stellte die&#13;
NATO ihre Stolperdraht-Strategie der Vornestationierung von Truppen an der Front im Osten ein, verringerte ihre Truppenstärke, erklärte, daß sie Rußland nicht&#13;
mehr als Feind betrachtet und begann die Bewältigung&#13;
einer Reihe neuer Sicherheitsherausforderungen - von&#13;
Out-of-area-Missionen wie der in Bosnien bis zu&#13;
aufkommenden Bedrohungen wie der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen.&#13;
Ein Schlüsselelement dieses Anpassungsprozesses ist&#13;
die Aufnahme der zentraleuropäischen Demokratien in&#13;
das Bündnis. Im Juli wird Präsident Clinton in Madrid&#13;
gemeinsam mit den anderen Staats- und Regierungschefs der NATO die ersten Staaten benennen, die zur&#13;
Aufnahme in das Bündnis eingeladen werden. Nach&#13;
den Aufnahmegesprächen mit den neuen Staaten wird&#13;
der Präsident den Senat um die Ratifizierung der&#13;
Ergänzung des Nordatlantikvertrags von 1949 durch&#13;
diese Staaten bitten. Sowohl er als auch die NATO&#13;
haben erklärt, es wäre wünschenswert, wenn diese&#13;
Staaten bis 1999 ihren Platz als Mitglieder einnähmen.&#13;
Diese neuen Verbündeten werden Vollmitglieder und&#13;
profitieren von denselben feierlichen Sicherheitsverpflichtungen, die die derzeitigen NATO-Verbündeten&#13;
eingehen, stimmen jedoch auch der Übernahme der&#13;
Verantwortung zu, Sicherheit zu schaffen und sie für&#13;
sich in Anspruch zu nehmen.&#13;
Die Strategie der NATO-Erweiterung beinhaltet ebenfalls Schritte zur Gewährleistung, daß wir keine neuen&#13;
Trennlinien schaffen, wenn wir die von Stalin vor einem&#13;
halben Jahrhundert durch Europa gezogenen illegitimen Trennlinien ausradieren. Aus diesem Grund hat&#13;
der Präsident ferner erklärt, daß die NATO-Erweiterung ein Prozeß sein wird, nicht eine einmalige&#13;
Angelegenheit - ebenso wie die wirtschaftliche Umgestaltung Europas ein andauernder Prozeß ist - und die&#13;
erste Gruppe der in die NATO aufgenommenen&#13;
Staaten nicht die letzte sein wird. Während die NATO&#13;
neue Mitglieder aufnimmt, baut sie auch tiefere und&#13;
konstruktivere Beziehungen zu Rußland, der Ukraine&#13;
und anderen Staaten auf, die noch nicht die Aufnahme&#13;
in das Bündnis anstreben. Das ist ein Grund, warum&#13;
der jüngste Helsinki-Gipfel so wichtig war - weil er&#13;
demonstrierte, daß die NATO mit der Aufnahme neuer&#13;
Mitglieder unseren Beziehungen zu Rußland auch eine&#13;
tiefere Dimension hinzufügen kann, wenn sie unerschütterlich und entschlossen ist.&#13;
Der Präsident, Außenministerin Albright und die&#13;
anderen Mitglieder des nationalen Sicherheitsteams&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�des Präsidenten haben häufig die sicherheitspolitischen Vorteile unterstrichen, die eine NATO-Erweiterung mit sich bringen wird. Sie wird die Stabilität&#13;
in Zentraleuropa gewährleisten - einer Region, deren&#13;
bisherige Instabilität zum Ausbruch der beiden Weltkriege in Europa und des Kalten Kriegs beigetragen&#13;
hat. Und sie wird der NATO wertvolle neue Mitglieder&#13;
bescheren, die bereits ihre Bereitschaft unter Beweis&#13;
gestellt haben, zur Sicherheit des Westens beizutragen, indem sie beispielsweise Streitkräfte zu der&#13;
Militärmission in Bosnien entsenden.&#13;
Aber mit den sicherheitspolitischen Vorteilen der&#13;
NATO-Erweiterung gehen auch wirtschaftliche Vorteile&#13;
einher - für Europa und die amerikanischen Unternehmen. Indem sie das heute in Zentraleuropa bestehende stabile Sicherheitsumfeld bewahrt, wird die NATOErweiterung vor allem die Fortsetzung des soliden&#13;
Wirtschaftswachstums sicherstellen. Aus diesem&#13;
Grund sollten amerikanische Unternehmen die NATOErweiterung nicht nur als die Garnierung auf dem&#13;
Teller des zentraleuropäischen Wirtschaftswachstums&#13;
sehen. Sie ist ein Teil der Grundlage, auf der dieses&#13;
Wirtschaftswachstum ruht.&#13;
Ich möchte kurz vier spezifische Aspekte darlegen, wie&#13;
das europäische Unternehmensklima und die amerikanischen Unternehmen von der NATO-Erweiterung&#13;
profitieren werden. Erstens hat die Aussicht der&#13;
NATO-Erweiterung bereits dazu beigetragen, die&#13;
zentraleuropäischen Praktiken der marktwirtschaftlichen Demokratie zu konsolidieren, die für Wirtschaftswachstum unerläßlich sind. Die dem Übergang von&#13;
Plan- zu Marktwirtschaften inhärenten politischen&#13;
Unruhen haben den politischen Entscheidungsprozeß&#13;
und die Staatsführung in Osteuropa außerordentlich&#13;
erschwert. Aber der über das gesamte politische&#13;
Spektrum hinweg weithin gehegte Wunsch, den&#13;
europäischen Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen einschließlich der NATO - beizutreten, hat starken&#13;
Einfluß auf den politischen Entscheidungsprozeß&#13;
ausgeübt und den Ländern geholfen, auf dem Kurs&#13;
des politischen und wirtschaftlichen Übergangs zu&#13;
bleiben.&#13;
Die NATO hat beispielsweise explizit zum Ausdruck&#13;
gebracht, daß die Praktiken einer demokratischen&#13;
Marktwirtschaft die Voraussetzung für die Mitgliedschaft sind, und die Staaten in der Region haben&#13;
bemerkenswerte Anstrengungen unternommen, um&#13;
diese Qualifikation zu erfüllen. In Ungarn hat die&#13;
Aussicht auf die NATO-Mitgliedschaft die politischen&#13;
Extremisten geschwächt und die Zentristen gestärkt,&#13;
die eine zweite Runde der Privatisierung eingeleitet&#13;
haben. Rumänien hat seine wirtschaftlichen Maßnahmen radikal geändert und zeigt Offenheit für&#13;
ausländische Investitionen.&#13;
Die Regierung von&#13;
Estland hat wiederholt erklärt, daß es die Aussicht auf&#13;
den Beitritt zu Institutionen des Westens - sowohl der&#13;
NATO als auch der EU - ist, die das Land auf dem&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Kurs radikaler Freihandelsmaßnahmen gehalten hat,&#13;
einschließlich außerordentlich niedriger Zölle. Und als&#13;
die neue reformistische Regierung Bulgariens die alten&#13;
Betonköpfe aus dem Amt vertrieb, die das Land&#13;
zugrunde gewirtschaftet hatten, taten sie zweierlei - sie&#13;
kehrten den Wirtschaftskurs um und erklärten ihr&#13;
Interesse am NATO-Beitritt - und sagten uns, für sie&#13;
seien diese beiden Schritte miteinander verbunden.&#13;
Der zweite spezifische wirtschaftliche Vorteil der&#13;
NATO-Erweiterung ist, daß sie die zentraleuropäischen Staaten zur Beilegung alter Grenzstreitigkeiten&#13;
und zu einer fairen Behandlung ethnischer Minderheiten ermutigt. Viele dieser Dispute hatten das Potential,&#13;
die Wirtschaftsbeziehungen in der Region zu schädigen und sogar zu destruktiver und hochexplosiver&#13;
Gewalt zu eskalieren. Aber diese Staaten wissen, daß&#13;
sie die Streitigkeiten mit ihren Nachbarn beilegen&#13;
müssen, wenn sie für eine Bündnismitgliedschaft in&#13;
Erwägung gezogen werden wollen. Und selbst für die&#13;
Staaten in der Region, die nicht sofort für eine Mitgliedschaft in Frage kommen, haben die Vereinigten&#13;
Staaten die zentrale Bedeutung der Beilegung ihrer&#13;
Streitigkeiten unterstrichen. Eine unvollständige Liste&#13;
der teils infolge der amerikanischen Bestrebungen&#13;
geschlossenen Abkommen enthält Vereinbarungen&#13;
zwischen Polen und Litauen, Ungarn und Rumänien,&#13;
Italien und Slowenien, Griechenland und Mazedonien,&#13;
der Tschechischen Republik und Deutschland. Diese&#13;
und andere Abkommen haben die grenzüberschreitenden Beziehungen, die Stabilität der Region und das&#13;
Unternehmensklima verbessert - weil regionale&#13;
Stabilität für Unternehmen so wichtig ist wie für den&#13;
Frieden.&#13;
Der dritte Grund, warum diese Strategie von Vorteil für&#13;
die amerikanischen Unternehmen ist, betrifft Rußland.&#13;
Wie Sie vielleicht wissen, habe ich einen Großteil&#13;
meiner Zeit im Finanzministerium damit verbracht,&#13;
Wege zur Stützung der russischen Wirtschaftsreformen und der Ermutigung der Integration des Landes in&#13;
die multilateralen Wirtschaftsinstitutionen auszuarbeiten, damit es eine konstruktive und produktive&#13;
Rolle bei globalen Wirtschaftsangelegenheiten übernehmen kann. Ein wohlhabendes, demokratisches&#13;
Rußland ist für die Sicherheit Europas und der Vereinigten Staaten ebenso unerläßlich wie eine erweiterte NATO. Und im Gegensatz zu den Äußerungen einiger russischer und amerikanischer Kritiker&#13;
schließen sich die beiden weder gegenseitig aus noch&#13;
sind sie inkompatibel.&#13;
Es stimmt, daß Präsident Jelzin und andere russische&#13;
Politiker ihren Widerstand gegen die NATO-Erweiterung unterstrichen haben. Dennoch bin ich der festen&#13;
Überzeugung, daß diese Politik zusammen mit den&#13;
anderen Maßnahmen, die wir im Hinblick auf Rußland&#13;
in der Region ergreifen, die Sicherheit Rußlands und&#13;
seine Integration in den Westen verbessern kann.&#13;
Schließlich wird die NATO-Erweiterung demokratische&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Stabilität entlang Rußlands Westgrenze fördern - einer&#13;
Region, die häufig der Nährboden für Bedrohungen&#13;
von Rußland selbst waren. Und sie wird das Vertrauen vertiefen und deshalb umfassendere Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und Zentraleuropa ermöglichen. Die Zentraleuropäer wissen, daß&#13;
sie einen sicheren, wohlhabenden Nachbarn in ihrem&#13;
Osten haben wollen. Darüber hinaus stellen Fragen&#13;
über die Zukunft der NATO kein Kernstück der Beziehungen unseres Landes zu Rußland dar - das Kernstück sind die Bestrebungen, die Rußlands wirtschaftliche und politische Entwicklung betreffen. Teils&#13;
aus diesem Grund werden wir bei der Erweiterung des&#13;
Bündnisses umfassende Bestrebungen zur Unterstützung der andauernden Reformen in Rußland einleiten&#13;
und außerdem unsere Bemühungen zur Einbeziehung&#13;
Rußlands in Institutionen wie den G-7-Prozeß, die&#13;
OECD, den Pariser Club und die WTO fortsetzen.&#13;
Präsident Clinton unterstrich seine Verpflichtung zu&#13;
diesen Schritten in Helsinki, und sie können dazu&#13;
beitragen, Rußland davon zu überzeugen, daß unser&#13;
Ziel nicht darin besteht, Rußland zu bedrohen oder zu&#13;
isolieren, sondern es in einem umfassenderen,&#13;
demokratischen und wohlhabenden Europa willkommen zu heißen.&#13;
Schließlich müssen die Unternehmen sich bewußt&#13;
machen, daß die Abstimmung der Vereinigten Staaten&#13;
über die NATO-Erweiterung nicht nur eine Entscheidung darüber ist, ob man einer militärischen Gruppe&#13;
einige Mitglieder hinzufügt. Sie wird auch eine Aussage über unsere Rolle in der Welt sein. Sie wird hier&#13;
und im Ausland als Zeichen dafür gesehen, ob wir die&#13;
Absicht haben, andere beim Streben nach Wohlstand&#13;
und Sicherheit einzubeziehen, oder ob wir nach dem&#13;
Ende des Kalten Krieges beabsichtigen, uns von&#13;
unserer Verantwortung zur Förderung der Prozesse&#13;
der globalen Sicherheit, Marktreformen und Handelsliberalisierung zurückzuziehen.&#13;
Tatsache ist, daß dies eine der ersten Debatten nach&#13;
dem Ende des Kalten Krieges sein wird, die die&#13;
Menschen zu der Frage veranlaßt, warum wir eine&#13;
NATO haben, warum wir in Europa sind und warum&#13;
Europa wichtig für unseren eigenen Wohlstand und&#13;
unsere Sicherheit ist. Aus diesem Grund wird die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Ratifizierung der NATO-Erweiterung im nächsten Jahr&#13;
den amerikanischen Unternehmen Auftrieb verleihen.&#13;
Sie wird die Unterstützung unserer Nation für nach&#13;
außen gerichtete Maßnahmen bekräftigen, nicht nur im&#13;
Hinblick auf die NATO, sondern auch im Hinblick auf&#13;
Handel und alles andere, was wir im Ausland tun.&#13;
Wenn diese Bestrebungen jedoch scheiterten, würden&#13;
sie die Stimmen in Amerika ermutigen, die sagen, wir&#13;
sollten uns um die Bedürfnisse im Inland kümmern und&#13;
nicht um unsere Pflichten im Ausland - als ob wir das&#13;
eine ohne das andere erreichen könnten. Unsere&#13;
Unternehmen haben ein Interesse daran, einen&#13;
amerikanischen Rückzug aus der Welt zu verhindern,&#13;
und im weitesten Sinne ist es das, worum es bei der&#13;
Abstimmung über die NATO-Erweiterung geht.&#13;
Auch sollte sich niemand der Illusion hingeben, daß die&#13;
NATO-Erweiterung leicht oder automatisch erfolgen&#13;
wird. Sie ist ein Schritt, der von den Regierungen aller&#13;
16 NATO-Partner ratifiziert werden muß. Hier in&#13;
Washington erfordert sie zwei Drittel der Stimmen im&#13;
Senat und die Mehrheit in beiden Kammern für die&#13;
Bereitstellung der notwendigen Finanzierung. Und&#13;
außerhalb von Washington benötigt die NATO-Erweiterung die eindeutige Unterstützung einer informierten Öffentlichkeit, weil dies ein Teil dessen ist, was&#13;
unseren Sicherheitsgarantien in der NATO Bedeutung&#13;
verleiht.&#13;
Die amerikanischen Unternehmen können eine&#13;
Schlüsselrolle bei der Aufklärungsarbeit übernehmen,&#13;
die wir zur Erlangung dieser Art von Unterstützung&#13;
benötigen. Sowohl hier als auch im Ausland hören die&#13;
Menschen auf das, was wir in der Regierung zu sagen&#13;
haben, aber sie beobachten, was Sie als Unternehmer&#13;
tun. Die Unternehmen haben ein einzigartiges Ansehen in der Öffentlichkeit und der Presse, und Sie&#13;
können erklären helfen, warum diese Art von aktiver,&#13;
internationalistischer Strategie gut für Amerikas&#13;
Eigeninteressen ist. Ich hoffe, daß die amerikanischen&#13;
Unternehmen dieser Initiative die uneingeschränkte&#13;
Aufmerksamkeit und Unterstützung gewähren, die sie&#13;
verdient - denn bei dieser Frage sind Ihre wirtschaftlichen Interessen, unsere umfassenderen nationalen&#13;
Interessen und unsere transatlantische Zukunft ein und&#13;
dasselbe.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�MARSHALLPLAN&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
Der Marshallplan - eine Vision von Sicherheit,&#13;
Wohlstand und Partnerschaft&#13;
Rede von Staatssekretär Peter Tarnoff&#13;
&#13;
PARIS - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Staatssekretär im US-Außenministerium, Peter&#13;
Tarnoff, am 15. April 1997 vor dem französischen Senat hielt.&#13;
&#13;
Herr Senatspräsident, verehrte Abgeordnete, meine&#13;
Damen und Herren,&#13;
&#13;
zu können, die durch die Vision und Bestrebungen der&#13;
Generation von Botschafterin Harriman möglich wurde.&#13;
&#13;
es ist für mich ein bewegender Moment, hier im Senat&#13;
zu stehen - einem der ältesten und herausragendsten&#13;
Volksvertretungsorgane der Welt. Hier spüre ich, daß&#13;
die Menschenrechtserklärung und die Verfassung der&#13;
Französischen Republik ein wertvoller Bestandteil des&#13;
demokratischen Erbes der Menschheit sind.&#13;
&#13;
Es gibt kein besseres Beispiel für die Zusammenarbeit&#13;
der Alliierten beim Streben nach Frieden und Wohlstand als den Marshallplan, dessen 50. Jahrestag wir&#13;
dieses Jahr feiern. Die Landung in der Normandie&#13;
stellte die Freiheit auf dem europäischen Kontinent&#13;
wieder her, der Marshallplan gab neue Hoffnung.&#13;
Europa ergriff diese Gelegenheit und begann einen&#13;
bemerkenswerten Integrationsprozeß, der immer noch&#13;
andauert und bis weit in die Zukunft fortgesetzt wird.&#13;
&#13;
Wie Sie wissen, sollte eigentlich die verstorbene&#13;
Botschafterin Pamela Harriman diese Rede halten.&#13;
Und ich weiß, wie sehr sie sich darauf gefreut hatte.&#13;
Es wäre für sie eine Ehre gewesen, die ihrem großartigen Dienst an den Vereinigten Staaten, Europa,&#13;
den transatlantischen Verbindungen und vor allem den&#13;
amerikanisch-französischen Beziehungen und der&#13;
Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern&#13;
entsprochen hätte. Botschafterin Harrimans plötzlicher&#13;
Tod war für uns alle ein Schock. Heute ist es für mich&#13;
sowohl eine Ehre als auch ein trauriger Anlaß, statt&#13;
ihrer vor Ihnen zu stehen.&#13;
Als Thomas Jefferson 1785 als Gesandter für Frankreich in Paris ankam, sagte er über seinen Vorgänger&#13;
Benjamin Franklin: "Ich trete seine Nachfolge an, aber&#13;
niemand kann ihn ersetzen." Auch ich kann heute&#13;
Botschafterin Harriman nicht ersetzen. Ich kann nur&#13;
versuchen, ihrem brennenden Wunsch nach intensiven und engen transatlantischen Beziehungen Ausdruck zu verleihen. Ein Großteil dessen, was ich&#13;
ansprechen werde, hat sie persönlich erlebt. Meine&#13;
Generation und jüngere Generationen genossen das&#13;
Privileg, in einer freien, stabilen, prosperierenden und&#13;
demokratischen transatlantischen Gemeinschaft leben&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Botschafterin Harriman erlebte, welchen Stellenwert&#13;
der Marshallplan in der Geschichte hat. Sie war&#13;
Anfang der fünfziger Jahre in Paris, sah das Elend der&#13;
Menschen und erlebte dann das neugewonnene&#13;
Vertrauen, das der Marshallplan erweckte. Wer 1948&#13;
verzweifelt war, hatte 1952 Hoffnung. Das war das&#13;
Ziel von Außenminister George Marshall - "das&#13;
Vertrauen der Europäer in die wirtschaftliche Zukunft&#13;
ihres eigenen Landes und Europas als Ganzem"&#13;
wiederherzustellen.&#13;
Lassen Sie uns kurz an jene Jahre unmittelbar nach&#13;
dem Krieg und die damit einhergehenden furchterregenden Herausforderungen erinnern. Nach sechs&#13;
Jahren Krieg war Europa erschöpft. Die Städte waren&#13;
zerstört, die Kirchen nur noch Ruinen. 1947 hatte sich&#13;
das Leben noch nicht verbessert. Der Winter war der&#13;
schlimmste des Jahrhunderts. Europa befand sich in&#13;
einer großen Wirtschaftskrise. Die demokratischen&#13;
Werte in Westeuropa waren bedroht, als Stalin ein&#13;
zentraleuropäisches Land nach dem anderen unterwarf.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Es mußten schnell drastische Maßnahmen ergriffen&#13;
werden. "Der Patient verfällt zusehends", äußerte&#13;
Marshall, "während sich die Ärzte beraten." Präsident&#13;
Truman und Außenminister Marshall beschlossen, daß&#13;
koordinierte Wirtschaftshilfe in nie gekanntem Ausmaß&#13;
in Verbindung mit weitreichenden Wirtschaftsreformen&#13;
in Europa die beste Chance boten, den Patienten zu&#13;
retten.&#13;
Marshall machte deutlich, daß die europäische&#13;
Erholung auch im besten Interesse der Vereinigten&#13;
Staaten läge. Er bekräftigte: "Unsere Politik richtet&#13;
sich nicht gegen irgendein Land oder irgendeine&#13;
Doktrin, sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung&#13;
und Chaos. Ihr Ziel sollte die Wiederbelebung einer&#13;
funktionierenden Weltwirtschaft sein, um das Entstehen politischer und sozialer Bedingungen zu&#13;
gestatten, unter denen freie Institutionen bestehen&#13;
können." Schließlich bestand Marshall noch darauf,&#13;
daß die Bestrebungen in Zusammenarbeit erfolgen&#13;
sollten.&#13;
Ein Großteil Europas reagierte schnell. Ernest Sevin&#13;
erklärte: "Wir ergriffen den Rettungsring mit beiden&#13;
Händen", und Präsident Vincent Auriol kündigte an:&#13;
"Heute geschieht etwas Neues im Leben der Franzosen." Vertreter von 16 europäischen Ländern trafen im&#13;
Juli 1947 in Paris zusammen und beschlossen, sich an&#13;
dem Plan zu beteiligen und die wirtschaftliche Erholung durch den Ausschuß für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit zu koordinieren. Vier Jahre und&#13;
13,3 Milliarden Dollar später war der Marshallplan mit&#13;
den Worten von Avereil Harriman "erfolgreicher als&#13;
sich irgend jemand hätte erträumen können". Der&#13;
Ausschuß wurde schließlich zur Organisation für&#13;
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung&#13;
(OECD), die von ihrer Zentrale in Paris aus weiterhin&#13;
eine wertvolle Rolle bei der Förderung von Wohlstand&#13;
in Europa und auf der ganzen Welt spielt und die&#13;
Feiern zum Gedenken an den Marshallplan zu Recht&#13;
als Feiern aus Anlaß ihres eigenen Geburtstages&#13;
betrachtet.&#13;
Der Vorschlag von Truman und Marshall war von einer&#13;
Vision geleitet: Die Vereinigten Staaten würden bei der&#13;
Schaffung eines neuen Europas helfen. Das neue&#13;
Europa würde dem wirtschaftlichen und politischen&#13;
Nationalismus den Rücken zuwenden, der die Ursache von einem Krieg nach dem anderen war. Die&#13;
Länder Westeuropas, einschließlich Deutschlands,&#13;
würden ihre Volkswirtschaften öffnen und einen&#13;
europaweiten Markt aufbauen. Das neue Europa wäre&#13;
dynamisch und demokratisch, und es wäre auch ein&#13;
enger Verbündeter der Vereinigten Staaten.&#13;
Mit Unterstützung des Marshallplans und angeregt von&#13;
ihrer eigenen Vorstellung von einem modernen,&#13;
integrierten, in Frieden lebenden Europa machten sich&#13;
herausragende Franzosen wie Robert Schuman und&#13;
Jean Monnet zusammen mit anderen europäischen&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Politikern an die Arbeit, diese Vision in die Praxis&#13;
umzusetzen. Die Ergebnisse waren beeindruckend&#13;
und beinhalteten den Europarat, die Montanunion und&#13;
die Römischen Verträge, deren 40. Jahrestag wir&#13;
dieses Jahr ebenfalls feiern.&#13;
Diese wirtschaftlichen und politischen Fortschritte&#13;
hingen wiederum von einem sicheren Umfeld ab, das&#13;
Westeuropa, die Vereinigten Staaten und Kanada&#13;
durch eine ebenso visionäre Initiative, den Nordatlantikvertrag, boten.&#13;
Das waren Heldentaten. Sie basierten auf einer&#13;
einfachen, aber weitreichenden Erkenntnis, die von&#13;
Europäern und Amerikanern aus Pamela Harrimans&#13;
Generation geteilt wurde und durch jahrzehntelange&#13;
gemeinsame Prüfungen durch Krieg und Wirtschaftskrise entstanden war: Europas und Amerikas Schicksal ist eng verflochten, und wenn wir nicht zusammen&#13;
Fortschritte machen, machen wir wahrscheinlich gar&#13;
keine Fortschritte.&#13;
Die Errungenschaften dieser "Gründergeneration"&#13;
haben uns dorthin gebracht, wo wir heute stehen: zu&#13;
einer gleichberechtigten Partnerschaft.&#13;
Unsere&#13;
gemeinsame Pflicht besteht darin, ihre Vision von&#13;
einem ungeteilten und freien, Amerika partnerschaftlich&#13;
verbundenen Europa zu erfüllen und diese Partnerschaft zur Förderung unserer gemeinsamen Interessen auf der Welt zu nutzen.&#13;
Trotz all unserer früheren Erfolge bleiben in Europa&#13;
Herausforderungen bestehen, die vor mehr als 50&#13;
Jahren bereits erwartet wurden. 1948 äußerte der&#13;
Staatssekretär im Außenministerium Robert Lovett&#13;
gegenüber Avereil Harriman:&#13;
"Unser Ziel sollte&#13;
weiterhin die immer engere wirtschaftliche und politische Integration des derzeit freien Europas und&#13;
letztlich aller befreiten Teile Europas sein."&#13;
Wir sollten uns daran erinnern, daß die Vision von&#13;
George Marshall und Jean Monnet den gesamten&#13;
Kontinent umfaßte. Bedauerlicherweise hinderte Stalin&#13;
die Sowjetunion und mehrere zentraleuropäische&#13;
Länder daran, unsere Einladung zur Beteiligung am&#13;
Marshallplan anzunehmen, was dazu führte, daß der&#13;
Sowjetblock von der dramatischen wirtschaftlichen&#13;
Erholung isoliert wurde, die 1949 begann. Heute liegt&#13;
es in unserem gemeinsamen Interesse, die Integration&#13;
Europas zu vervollständigen - dieses Mal ohne&#13;
Ausnahmen.&#13;
Der Kalte Krieg mag vorüber sein, aber die Trennungen bleiben bestehen. Sie werden offenkundig im&#13;
wirtschaftlichen Ungleichgewicht zwischen Ost und&#13;
West, dem Gefühl der Unsicherheit, das immer noch&#13;
das Vertrauen der neuen demokratischen Nationen&#13;
unterminiert, an der Umweltverschmutzung, die das&#13;
Leben der Menschen in Teilen Zentral- und Osteuropas verkürzt, an der Unterdrückung und Gewalt,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�die Familien zur Flucht aus ihrer Heimat veranlaßt.&#13;
Aber bedenken Sie, wieviel wir den Europäern schulden, die 1980 im Namen der Freiheit eine polnische&#13;
Schiffswerft besetzten, den Europäern, die die Berliner&#13;
Mauer niederrissen, den Europäern aus 14 zentralund osteuropäischen Nationen, die uns heute in&#13;
Bosnien zur Seite stehen, den Europäern, die in&#13;
ehemals kommunistischen Ländern freie Institutionen&#13;
aufbauen. Zum ersten Mal in der Geschichte kann und&#13;
muß dieser Kontinent ungeteilt, prosperierend und frei&#13;
sein.&#13;
Die Strukturen, auf denen ein integriertes Europa&#13;
aufbaut, werden vielfältig und beeindruckend sein. Im&#13;
Bereich der Sicherheit begann die Partnerschaft mit&#13;
der NATO, einem Bündnis, das jetzt an die heutigen&#13;
Herausforderungen angepaßt ist. Präsident Clinton&#13;
erklärte: "Ich bin überzeugt, daß die NATO für Osteuropa das leisten kann, was sie für Westeuropa&#13;
geleistet hat - die Verhinderung des Wiederauflebens&#13;
lokaler Rivalitäten, Stärkung von Demokratie gegen&#13;
zukünftige Bedrohungen und Schaffung der für&#13;
Wohlstand erforderlichen Bedingungen."&#13;
Gemeinsam schaffen wir eine neue NATO mit neuen&#13;
Fähigkeiten zu neuen Aufgaben und einer erweiterten&#13;
europäischen Rolle. Wir öffnen ihre Türen für die&#13;
aufstrebenden Demokratien Europas. Und wir bauen&#13;
starke Beziehungen auf der Grundlage der Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland sowie der&#13;
NATO und der Ukraine auf.&#13;
Im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden hat die&#13;
NATO bereits kooperative Beziehungen zu 27 Nichtmitgliedstaaten aufgebaut. Die PfF ist zu einem&#13;
dauerhaften Bestandteil des transatlantischen Sicherheitssystems geworden. Wir werden dieses&#13;
Programm weiterhin fördern und es bald durch den&#13;
neuen Atlantischen Partnerschaftsrat stärken.&#13;
Wir werden auch das Bündnis selbst erweitern. Beim&#13;
Gipfeltreffen im Juli in Madrid wird die NATO ein oder&#13;
mehrere zentraleuropäische Länder zur Aufnahme der&#13;
Beitrittsverhandlungen einladen. Wir wollen die NATOErweiterung, um die veralteten Trennlinien des Kalten&#13;
Krieges auszuradieren, Sicherheit und Stabilität in&#13;
einer Region zu konsolidieren, in der sich häufig&#13;
Konflikte ausgebreitet haben, sowie demokratische&#13;
und Marktreformen in den jungen Demokratien zu&#13;
unterstützen. Präsident Clinton vertritt die Auffassung,&#13;
daß die erste Gruppe von Ländern 1999 als vollwertige&#13;
Mitglieder beitreten sollten.&#13;
Die NATO-Erweiterung ist gegen niemanden gerichtet.&#13;
Außenministerin Albright hat erklärt: "Denjenigen, die&#13;
sich Sorgen machen, daß die Erweiterung Europa teilt,&#13;
sage ich, die NATO sollte den Eisernen Vorhang nicht&#13;
als seine östliche Grenze erhalten. Die NATO muß die&#13;
Tür zur Mitgliedschaft für jede europäische Nation&#13;
offenhalten, die die Pflichten des Bündnisses überneh-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
men kann und gleichzeitig eine starke und dauerhafte&#13;
Partnerschaft mit allen Demokratien Europas aufbaut."&#13;
Die Zusammenarbeit mit einem wohlhabenden,&#13;
demokratischen, vollständig in regionale und internationale Organisationen integrierten Rußland ist unerläßlich für die Schaffung eines wirklich sicheren&#13;
Europas. Unseres Erachtens können die NATO und&#13;
Rußland vollwertige Partner bei der Gewährleistung&#13;
der Sicherheit Europas werden. Das derzeit verhandelte Abkommen zwischen der NATO und Rußland&#13;
wird klare Prinzipien und Arrangements für Konsultationen, Zusammenarbeit und wenn möglich gemeinsame Aktionen bei einem breiten Spektrum von&#13;
Themen von beiderseitigem Interesse festlegen.&#13;
Ebenso wie der Marshallplan ist die neue NATO eine&#13;
Investition in langfristigen Frieden.&#13;
Die NATO paßt sich auch intern an die uns konfrontierenden neuen Herausforderungen an. Wir&#13;
arbeiten zusammen, um Europa im Bündnis eine&#13;
stärkere Rolle zu verleihen und passen die Bündnisstrukturen an, um auf die neuen Bedrohungen der&#13;
europäischen Sicherheit zu reagieren. Wie wir in&#13;
Bosnien gesehen haben, werden Militäraktionen über&#13;
die integrierte militärische Struktur der NATO durchgeführt. Präsident Chiracs historische Entscheidung&#13;
zugunsten einer stärkeren Beteiligung Frankreichs an&#13;
der NATO wird nicht nur unsere Fähigkeit zur Bildung&#13;
von Koalitionen stärken, sondern die NATO zu einer&#13;
noch effektiveren Friedensstreitmacht machen.&#13;
Die neue NATO ist nicht nur ein wichtiger Rahmen für&#13;
die amerikanisch-europäische Zusammenarbeit. Die&#13;
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in&#13;
Europa (OSZE), die alle Nationen Europas und der&#13;
ehemaligen Sowjetunion sowie Kanada und die&#13;
Vereinigten Staaten einschließt, bietet ein umfassendes Sicherheitskonzept. Ihre Verpflichtung zu demokratischer Entwicklung, wirtschaftlicher Zusammenarbeit, sicherheitspolitischen und humanitären Rechten&#13;
definiert im Großen und Ganzen die neue atlantische&#13;
Gemeinschaft, die unser Ziel ist. Jetzt benötigt die&#13;
OSZE unsere praktische Unterstützung, während sie&#13;
sich der Herausforderung der Konfliktbewältigung in&#13;
Bosnien, Albanien und andernorts stellt.&#13;
Die Europäische Union ist eine weitere Schlüsselinstitution in dem neuen Europa. Sie hat sich eine&#13;
ehrgeizige Tagesordnung der Liberalisierung der&#13;
Märkte aufgestellt, während sie größere Integration bis&#13;
zum Ende dieses Jahrhunderts anstrebt. Die Vereinigten Staaten unterstützen diesen Prozeß ebenso&#13;
enthusiastisch wie die möglichst schnelle und umfassende Erweiterung der Union, damit sie die neuen&#13;
Marktwirtschaften Europas einbezieht. Die enormen&#13;
Vorteile der Union und die Pflichten, die sie auferlegt,&#13;
sollten auf die seit kurzem freien Nationen Europas&#13;
ausgedehnt werden.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Eine erweiterte Union ist gut für Europa und gut für die&#13;
Vereinigten Staaten. Je zuversichtlicher und wohlhabender ganz Europa ist, desto besser. Ich möchte&#13;
es so klar wie möglich formulieren: Eine starke und&#13;
erweiterte Europäische Union wird ein willkommener&#13;
Partner für die Vereinigten Staaten sein. Es liegt in&#13;
unserem Interesse, daß Europa auf dem Kurs der&#13;
Integration und Erweiterung bleibt, um die Arbeit zu&#13;
vollenden, die Nationen in das europäische Haus&#13;
einzubeziehen, deren Hoffnung auf Freiheit und ein&#13;
besseres Leben zu lange enttäuscht wurde.&#13;
Unsere kollektiven Bestrebungen in Bosnien haben&#13;
sowohl die Möglichkeiten als auch die Dringlichkeit des&#13;
Aufbaus einer neuen atlantischen Gemeinschaft&#13;
demonstriert. In vieler Hinsicht steht Bosnien dort wo&#13;
Europa 1947 stand. Eineinhalb Jahre lang wurde&#13;
Sarajevo belagert. Die Menschen zerhackten Parkbänke und verbrannten Bücher, um heizen zu können.&#13;
Auf den Märkten waren keine Waren erhältlich, und&#13;
Naturerzeugnisse wurden in Stadtparks angebaut.&#13;
Heute ist der Krieg vorüber, und es wurde ein in&#13;
Dayton formulierter und in Paris ratifizierter Weg zu&#13;
Demokratie, Gerechtigkeit und Integration gefunden.&#13;
Gemeinsam haben wir den Frieden gesichert. Jetzt&#13;
müssen wir gemeinsam die bosnischen Politiker auf&#13;
die Erfüllung ihrer Verpflichtungen drängen und allen&#13;
Nationen des ehemaligen Jugoslawiens helfen, Europa&#13;
wieder beizutreten.&#13;
Am Vorabend eines neuen Jahrhunderts muß jedoch&#13;
eine neue Welt gestaltet werden - mit Herausforderungen, die nicht geringer sind als diejenigen, mit denen&#13;
sich unsere Amtskollegen vor einen halben Jahrhundert konfrontiert sahen. Terrorismus, internationales Verbrechen, aggressiver Nationalismus und&#13;
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen&#13;
bedrohen unsere Sicherheit. Globale Probleme wie&#13;
Umweltzerstörung, untragbares Bevölkerungswachstum und Massenbewegungen von Flüchtlingen&#13;
unterminieren aufstrebende Demokratien und das&#13;
Wohlergehen aller Nationen. Krankheiten, die in&#13;
früheren Zeiten eine örtlich begrenzte Heimsuchung&#13;
geblieben wären, haben jetzt globale Ausmaße.&#13;
In diesem globalen Zeitalter hängt unsere Sicherheit in&#13;
beispiellosem Maße von effektiverer und umfassenderer wirtschaftlicher, politischer und diplomatischer&#13;
Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union,&#13;
ihren Mitgliedstaaten und den Vereinigten Staaten ab.&#13;
Wir sind unerläßliche Partner bei der Lösung von&#13;
Problemen auf der ganzen Welt, vom Nahen Osten bis&#13;
zum Herzen von Afrika, von den Bevölkerungs- und&#13;
Umweltproblemen bis zu Terrorismus und nuklearer&#13;
Weiterverbreitung.&#13;
Aus diesem Grund haben wir eine neue transatlantische Tagesordnung aufgestellt, die uns zu einem&#13;
ehrgeizigen Rahmen für gemeinsame Aktionen zur&#13;
Förderung von Frieden und Demokratie, zur Reaktion&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
auf neue globale Herausforderungen, zur Unterstützung des transatlantischen und des internationalen&#13;
Handels und zur Stärkung der Bande zwischen&#13;
unseren Menschen verpflichtet.&#13;
Diese neue Welt gemeinsamer Herausforderungen ist&#13;
bereits Realität. Für einige kam sie zu schnell. Sie&#13;
argumentieren, das verbindende Element der gemeinsamen Bedrohung gebe es nicht mehr. Sie vertreten&#13;
die Auffassung, zunehmende wirtschaftliche Herausforderungen und divergierende nationale Interessen&#13;
würden nahezu unweigerlich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa schwächen.&#13;
Europa und Amerika durchlaufen eine schwierige&#13;
soziale und wirtschaftliche Anpassung.&#13;
Unsere&#13;
Unternehmen sind starke Wirtschaftskonkurrenten.&#13;
Wir müssen hart - sehr hart - arbeiten, um die wirtschaftlichen Spannungen zwischen den führenden&#13;
demokratischen Marktwirtschaften einzudämmen,&#13;
während sie sich an die Erfordernisse eines neuen&#13;
Wirtschaftszeitalters anpassen.&#13;
Das sind ernsthafte Anliegen, und sie sollten ernsthaft&#13;
behandelt werden. Ich muß jedoch sagen, daß ich&#13;
nicht mit diesen pessimistischen Vorhersagen übereinstimme. Jede gründet sich auf die Annahme: "Ich&#13;
gewinne, du verlierst." Sie bieten uns die falsche&#13;
Wahl.&#13;
Größerer Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks&#13;
bedeutet neue Märkte für amerikanische und französische Unternehmen und neue Arbeitsplätze für amerikanische und französische Arbeitnehmer. Die Verbraucher in beiden Ländern können aus einem&#13;
breiteren Spektrum kostengünstiger und qualitativ&#13;
hochwertiger Waren wählen. Jedes Jahr tätigen&#13;
amerikanische und französische Firmen transatlantische Geschäfte in Höhe von mehr als 50 Milliarden&#13;
Dollar. Amerikanische Investitionen in Frankreich&#13;
bieten gute Arbeitsplätze für über 400.000 Männer und&#13;
Frauen, während die französischen Investitionen in&#13;
den Vereinigten Staaten äußerst vielfältig sind - von&#13;
Hightech-Golfanlagen in Kalifornien bis zu Pharmaund Biotechnologie in Iowa.&#13;
Sicherlich gibt es Zeiten, in denen wir bei Wirtschaftsund anderen Themen nicht einer Meinung sind.&#13;
Beispielsweise haben wir manchmal Differenzen&#13;
darüber, wie wir mit Nationen umgehen sollen, die&#13;
unsere Lebensweise bedrohen. Wenn Meinungsverschiedenheiten auftreten, muß man sich vor Augen&#13;
führen, daß es diese dauerhaften Qualitäten sind, die&#13;
Frankreich und Amerika gemeinsam haben, die unsere&#13;
Freundschaft manchmal trüben. Wir sind beide&#13;
unerschütterlich in unserer Überzeugung und offen bei&#13;
unseren Meinungsverschiedenheiten.&#13;
Wir haben&#13;
beide globale Interessen und weigern uns, sie eng zu&#13;
definieren. Ob das Thema Krieg oder Frieden, Armut&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�oder Menschenrechte ist - Frankreich und Amerika&#13;
schrecken nicht zurück. Wir sind da - auf jedem&#13;
Kontinent, voller Vertrauen in unsere Fähigkeit zur&#13;
Gestaltung einer besseren Welt. Und so sollte es sein.&#13;
Abschließend möchte ich sagen, wenn wir an die uns&#13;
heute konfrontierenden Probleme denken - ethnische&#13;
Konflikte, Umweltzerstörung, Drogenhandel, Terrorismus, Armut - ist es offensichtlich, daß wir den Geist der&#13;
Zusammenarbeit des Marshallplans benötigen. Weder&#13;
die Vereinigten Staaten noch Europa können diese&#13;
Probleme alleine lösen.&#13;
Wir bevorzugen ein zuversichtliches Europa, ein&#13;
starkes, stabiles und vereintes Europa. Präsident&#13;
Clinton hat erklärt: "Wenn Europa im Frieden lebt, wird&#13;
unsere Sicherheit gestärkt. Wenn Europa prosperiert,&#13;
dann prosperieren auch die Vereinigten Staaten."&#13;
Meines Erachtens liegt der Schlüssel für ein weiteres&#13;
Engagement der Vereinigten Staaten in der Übernahme einer Führungsrolle, wenn sie es sollten, und&#13;
einer echten Verpflichtung zur Rollenteilung. Der&#13;
Schlüssel für Europa liegt in der Beendigung der Arbeit&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
der Vereinigung, der weiteren Verpflichtung zu offenen&#13;
Volkswirtschaften und dem politischen Willen zur&#13;
Übernahme einer größeren sicherheitspolitischen&#13;
Rolle. Ich habe immer wieder gesehen, daß wir&#13;
Großartiges leisten könne, wenn wir zusammenarbeiten.&#13;
Vor fünfzig Jahren sprach George Marshall zu einer&#13;
von Krisen geschüttelten Welt.&#13;
Die Vereinigten&#13;
Staaten unternahmen damals große Anstrengungen,&#13;
zur Schaffung eines neuen Europas und einer neuen&#13;
Partnerschaft beizutragen. Jetzt müssen die Vereinigten Staaten und Europa einen Schritt nach vorne&#13;
machen, nicht als Siegermacht und am Boden liegender Kontinent, sondern - und ich freue mich, dies&#13;
sagen zu können - als gleichberechtigte Partner in ein&#13;
neues Jahrhundert der Sicherheit und des Wohlstands. Denn unsere Partnerschaft ist immer noch die&#13;
unerläßliche Partnerschaft der Welt. Botschafterin&#13;
Harriman war stolz, Teil dieses historischen Prozesses&#13;
zu sein - ihr Vermächtnis und die Erinnerung an sie&#13;
sollten uns zur Ausdauer anregen.&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
Eine Führungsrolle bei der&#13;
Bekämpfung von Bestechung&#13;
von Alan P. Larson&#13;
&#13;
(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wie einen vom Abteilungsleiter für wirtschaftliche und unternehmerische&#13;
Angelegenheiten im US-Außenministerium und ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten bei der&#13;
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Alan P. Larson, verfaßten Artikel über&#13;
Wirtschaftskorruption.&#13;
&#13;
Der Geschäftsführer eines großen europäischen&#13;
Telekommunikationsunternehmens&#13;
besucht&#13;
den&#13;
Minister für öffentliche Arbeiten eines Landes mit&#13;
einem pulsierenden, neu entstehenden Markt. Er&#13;
schließt ein Abkommen, das seinem Unternehmen zu&#13;
einem Vertrag im Wert von einer Milliarde Dollar&#13;
verhilft. Normalerweise wäre das ein für beide Teile&#13;
gewinnbringendes Ereignis in unserer sich immer&#13;
mehr ausweitenden Weltwirtschaft, aber in diesem Fall&#13;
gibt es ein Problem.&#13;
Er zahlte ein Bestechungsgeld. Kurzfristig verbesserte&#13;
diese illegale Zahlung die Bilanzen seiner Firma und&#13;
die Besitzverhältnisse des Ministers. Sie verwehrte&#13;
dem Entwicklungsland jedoch den Zugang zum&#13;
kostengünstigsten Anbieter und zweigte Gelder ab, die&#13;
besser für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung&#13;
sowie die korrupten, instabilen demokratischen&#13;
Institutionen hätten ausgegeben werden können.&#13;
Ferner korrumpierte sie den Geschäftsführer, sein&#13;
Unternehmen und die Regierung seines Heimatlandes.&#13;
Der Geschäftsführer und sein Unternehmen begingen&#13;
eine illegale Handlung im Land des ausländischen&#13;
Regierungsvertreters, da jedes Land die Bestechung&#13;
seiner Beamten verbietet. Bestechung fördert ein&#13;
Klima der Korruption, das die Rechenschaftspflicht der&#13;
Unternehmen unterminiert. Wenn Bestechung und&#13;
Korruption auf einigen Märkten toleriert oder ermutigt&#13;
werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß sie auch&#13;
andernorts stattfinden. Darüber hinaus hätte der&#13;
Geschäftsführer, wenn er aus Frankreich oder&#13;
Deutschland gekommen wäre, seine Regierung zum&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Komplizen dieser illegalen Aktivität gemacht; beide&#13;
Länder sowie verschiedene andere OECD-Mitgliedstaaten gestatten weiterhin die steuerliche Absetzung&#13;
von Schmiergeldern, wodurch Korruption tatsächlich&#13;
subventioniert wird.&#13;
Man könnte meinen, dieses Szenarium sei selten, aber&#13;
es ist im internationalen Geschäftsleben allzu verbreitet. Jeder Vertreter des internationalen Wirtschaftslebens weiß, daß es ein größeres Problem ist.&#13;
Bislang gilt nur in wenigen Ländern die Zahlung von&#13;
Schmiergeldern als Straftat.&#13;
Entwicklungs- und Schwellenländer streben die&#13;
Unterstützung der großen Exportnationen bei effektiven Aktionen zur Beendigung dieser illegalen Praktiken an. Vor einem Jahr verabschiedeten alle Mitglieder der Organisation Amerikanischer Staaten die&#13;
Interamerikanische Konvention gegen Bestechlichkeit.&#13;
Diese Konvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, die transnationale Bestechung von Staatsbeamten&#13;
unter Strafe zu stellen, macht transnationale Bestechung zu einem Auslieferung nach sich ziehenden&#13;
Vergehen, bietet gegenseitigen gesetzlichen Beistand&#13;
bei Ermittlungen gegen Korruption und fordert die&#13;
Beschlagnahme und Einziehung illegaler Gewinne.&#13;
In der Generalversammlung der Vereinten Nationen&#13;
verabschiedeten vergangenen Dezember Entwicklungs- und Schwellenländer gemeinsam mit den&#13;
Vereinigten Staaten die Erklärung über Korruption und&#13;
Bestechlichkeit bei transnationalen Geschäftstransaktionen. Diese politische Entschließung beinhaltet,&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�daß Bestechung nicht mehr an der Tagesordnung sein&#13;
darf und fordert konzertierte internationale Aktionen zu&#13;
ihrer Bekämpfung.&#13;
In den Vereinigten Staaten haben das Gesetz über&#13;
ausländische korrupte Praktiken und damit in Zusammenhang stehende Gesetzesbestimmungen zur&#13;
Bekämpfung von Bestechung zur strafrechtlichen&#13;
Verfolgung Dutzender amerikanischer Unternehmen&#13;
geführt, die beträchtliche Bußgelder und Gefängnisstrafen nach sich zogen. Oftmals sind wir von anderen&#13;
Regierungen abhängig, die uns mit den nötigen&#13;
Informationen versorgen müssen, damit wir Anklage&#13;
gegen der Bestechung verdächtigte amerikanische&#13;
Unternehmen erheben können. Diese Abschreckung&#13;
wird zu einem dominierenden Faktor für Verhalten und&#13;
Kultur von Unternehmen und setzt höhere Maßstäbe.&#13;
Unserer Ansicht nach sollten in den Ländern ähnliche&#13;
Gesetze erlassen werden, in denen internationale&#13;
Wirtschaftsbestechung praktiziert wird. Es ist von&#13;
elementarer Bedeutung, daß die wirtschaftlich führenden Länder der Welt - wie die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Partner in der OECD - sich zur Übernahme einer&#13;
Führungsrolle in dieser Angelegenheit verpflichten.&#13;
Im Mai werden die OECD-Minister die Chance haben,&#13;
unverzüglich zu handeln. Die meisten OECD-Länder&#13;
sind fest zur Verabschiedung nationaler Gesetze&#13;
entschlossen, die Wirtschaftsbestechung im Ausland&#13;
und die steuerliche Absetzbarkeit solcher Schmiergelder strafbar machen. Ein Abkommen über einen&#13;
gemeinsamen Standard als Richtlinie für die nationale&#13;
Strafgesetzgebung sowie einen detaillierten und&#13;
effektiven Überwachungsmechanismus zur Sicherstellung der wirklichen Durchführung und Umsetzung&#13;
ist in greifbare Nähe gerückt.&#13;
Das verbleibende Hindernis für frühzeitige Aktionen ist&#13;
die Einstellung einiger europäischer Länder - darunter&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Frankreich und Deutschland -, die nationale Aktionen&#13;
bis zum Zeitpunkt einer "OECD-Konvention" verschieben wollen. Dies ist bestenfalls Zeitverschwendung, schlimmstenfalls eine Hinhaltetaktik.&#13;
In Kürze wird die Europäische Union ein Abkommen&#13;
schließen, das Bestechung innerhalb der EU unter&#13;
Strafe stellt. Unternehmer aus der EU könnten dann&#13;
für die Bestechung von Angehörigen des öffentlichen&#13;
Dienstes eines anderen EU-Mitgliedslandes strafrechtlich verfolgt werden. Dies wird ein kleiner Schritt nach&#13;
vorne sein, jedoch einen unhaltbaren Zustand fortsetzen: Dieselben Unternehmer aus der EU sind weiterhin&#13;
gegen Strafverfolgung immun - und können ihre&#13;
Bestechungsgelder vielleicht sogar steuerlich absetzen&#13;
- wenn sie einen nichteuropäischen Beamten bestechen!&#13;
Jede Nation hat die Pflicht zur Bekämpfung von&#13;
Wirtschaftskriminalität. Es ist an der Zeit für solche&#13;
konzertierten Aktionen im Rahmen nationaler Gesetze.&#13;
Handelt man nicht, wird die Demokratie in den Entwicklungsländern unterminiert, und unsere eigenen&#13;
Institutionen und Werte werden auf gefährliche Weise&#13;
ausgehöhlt.&#13;
Schließlich ist Korruption ein gefährlicher Kurs.&#13;
Zweifelsohne korrumpiert die Bestechung durch&#13;
Unternehmen von OECD-Mitgliedern im Ausland diese&#13;
"anderen" Beamten und Institutionen. Es trifft jedoch&#13;
ebenso zu, daß unsere eigenen Unternehmen und&#13;
Institutionen korrumpiert werden, wenn wir diese&#13;
Praktik tolerieren - und sogar subventionieren. Der&#13;
amerikanische Dichter Carl Sandburg formulierte es&#13;
folgendermaßen: "Beim Umgang mit Honig, Teer und&#13;
Dung bleibt etwas davon an den Fingern kleben."&#13;
Bestechung korrumpiert beim Händedruck beide&#13;
Seiten.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
US-Delegation: Menschenrechtsverletzungen&#13;
dauern an&#13;
Rede von Nancy Rubin&#13;
&#13;
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß "internationale Menschenrechtsnormen wie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert - ein gemeinsamer Standard für alle Nationen&#13;
sind", erklärte die Leiterin der amerikanischen Delegation bei der Menschenrechtskommission der Vereinten&#13;
Nationen, Nancy Rubin, am 9. April 1997.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Rubins Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, dreimal im Jahr geben die Vereinigten Staaten offizielle Erklärungen über die Menschenrechtssituation in den Ländern der Welt ab. Die&#13;
erste Erklärung erfolgt anläßlich der Veröffentlichung&#13;
der Jahresberichte Ende Januar. Die zweite bei der&#13;
Erörterung von Punkt 10 hier in der Kommission und&#13;
die dritte bei der Sitzung des Dritten Ausschusses der&#13;
UN-Generalversammlung.&#13;
Das sind keine zufälligen Anlässe, sondern Gelegenheiten, die wir sehr ernst nehmen. Unsere Regierung&#13;
arbeitet hart an der Zusammenstellung verläßlicher&#13;
Informationen um zu entscheiden, in welchem Maße&#13;
Menschenrechte in den Ländern der Welt respektiert&#13;
oder verletzt werden.&#13;
Dabei erheben wir nicht den Anspruch der Perfektion.&#13;
Aber es gibt Gründe für unser Vorgehen. Vor allem die&#13;
Tatsache unserer Auffassung, daß internationale&#13;
Menschenrechtsnormen - wie in der Allgemeinen&#13;
Erklärung der Menschenrechte verankert - ein gemeinsamer Standard für alle Nationen sind. Diese grundlegenden Rechte und Freiheiten gelten nicht nur für&#13;
Amerikaner, sie gelten für alle in allen Ländern. Diese&#13;
tiefe Überzeugung verpflichtet uns, Menschenrechtsverletzungen anzuprangern.&#13;
Unsere Verpflichtung zu Menschenrechten und ihrer&#13;
Anwendung auf alle Menschen hat tiefgehende und&#13;
dauerhafte Wurzeln in unseren nationalen Institutionen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
und unserer Identität. In der Tat wurden die Vereinigten Staaten auf den Prinzipien gegründet, daß alle&#13;
Menschen gleich geschaffen und mit den unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und das&#13;
Streben nach Glück ausgestattet sind.&#13;
Die Geschichte dieses Jahrhunderts hat eindeutig&#13;
bewiesen, daß Nationen, die die Menschenrechte ihrer&#13;
eigenen Bürger achten, die Rechte ihrer Nachbarn&#13;
respektieren. Respektierung der Demokratie, Grundfreiheiten und Rechtsstaatlichkeit im eigenen Land&#13;
bedeutet auch ihre Respektierung im Ausland - zum&#13;
Nutzen aller Nationen und aller Menschen.&#13;
Diejenigen, die das nicht akzeptieren oder verstehen&#13;
können, sollten über die dunklen Kapitel der Geschichte dieses Jahrhunderts nachdenken - von den&#13;
schrecklichen Greueltaten des Ersten und Zweiten&#13;
Weltkriegs bis zum sowjetischen Gulag und der&#13;
chinesischen Kulturrevolution, von den Feldern des&#13;
Todes in Kambodscha bis zu den Grausamkeiten der&#13;
Apartheid und den Tragödien im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda und Burundi - die Lektionen sind&#13;
gleich. Die Kosten einer Tolerierung von Menschenrechtsverletzungen sind immens hoch.&#13;
Und dennoch kommen Nationen hierher, die Menschenrechte nicht verteidigen, sondern aushöhlen,&#13;
Menschenrechtsverletzungen nicht aufdecken, sondern die Aufmerksamkeit davon ablenken wollen.&#13;
Einige dieser Nationen möchten wir heute zusammen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�mit denen erörtern, die Lob für die von ihnen erzielten&#13;
Fortschritte verdienen.&#13;
In unserer Hemisphäre war der überwältigende Trend&#13;
im vergangenen Jahrzehnt die Konsolidierung der&#13;
Demokratie und Institutionen einer bürgerlichen&#13;
Gesellschaft. Es überrascht nicht, daß dies sehr viel&#13;
Gutes bewirkt hat: Gesündere Volkswirtschaften und&#13;
gesündere Gesellschaften. Dennoch gibt es einen&#13;
Staat, der weiterhin die Realität mißachtet und gleichzeitig seinen Bürgern die äußerst greifbaren Vorteile&#13;
der Demokratie verweigert. Ich beziehe mich natürlich&#13;
auf Kuba, die einzige verbliebene Diktatur der Hemisphäre - das Land, das nach wie vor Menschenrechtsaktivisten und Verfechter der Demokratie, die es&#13;
als Bedrohung ansieht, verhaftet, inhaftiert, bedroht&#13;
und schikaniert. Bedauerlicherweise hat Fidel Castro&#13;
klargemacht, daß er parallel zu den von seiner Regierung in den vergangenen Jahren eingeführten begrenzten Maßnahmen zur wirtschaftlichen Liberalisierung keine politische Öffnung beabsichtigt.&#13;
Im Gegensatz dazu schloß das Ende Dezember von&#13;
der Regierung Guatemalas und den URNG-Guerillas&#13;
unterzeichnete endgültige Friedensabkommen ein&#13;
Jahr beträchtlicher Verbesserungen im Hinblick auf die&#13;
Respektierung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit in diesem Land ab. Die guatemaltekische&#13;
Regierung hat ihren politischen Willen unter Beweis&#13;
gestellt, daß keiner ungestraft davonkommen darf. In&#13;
einer offensichtlichen Abkehr von der Praxis vorheriger&#13;
Jahre verurteilten die Gerichte Angehörige der Sicherheitskräfte, denen Menschenrechtsverletzungen&#13;
vorgeworfen worden waren. Darüber hinaus wurden&#13;
paramilitärische Streitkräfte entlassen, die Guerillas&#13;
sind dabei, sich zu demobilisieren und das Militär wird&#13;
abgebaut und umstrukturiert, um seine angemessene&#13;
Rolle innerhalb einer demokratischen Gesellschaft zu&#13;
übernehmen.&#13;
Die Regierung von Kolumbien kämpft um die Verbesserung der Menschenrechtssituation im Land,&#13;
während sie sich gleichzeitig mit gewalttätigen Guerillagruppen, paramilitärischen Einheiten und Drogenhändlern auseinandersetzen muß. Während der&#13;
Sitzung der Kommission im vergangenen Jahr stimmte&#13;
die kolumbianische Regierung zu, ein Büro des UNHochkommissars für Menschenrechte in Bogota&#13;
einzurichten, um die Menschenrechte zu fördern und&#13;
zu schützen, Menschenrechtsverletzungen zu überwachen und analytische Berichte für den Hochkommissar&#13;
für Menschenrechte vorzubereiten. Dennoch muß die&#13;
Regierung weiterhin den politischen Willen zeigen, die&#13;
Menschenrechtssituation anzusprechen, indem sie&#13;
Menschenrechtsverletzer in den Sicherheitskräften&#13;
verhaftet und verfolgt sowie illegale Kollaboration&#13;
zwischen dem Militär und den paramilitärischen&#13;
Einheiten aufdeckt und bestraft.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin zutiefst besorgt&#13;
über die explosive Situation auf dem Balkan. Die&#13;
Verschlechterung der Bedingungen in Albanien stellt&#13;
nach wie vor eine große Bedrohung für die Menschenrechte der Bürger dieses Landes dar, und wir&#13;
unterstützen uneingeschränkt die Bestrebungen der&#13;
OSZE, der EU und der von Italien geleiteten multinationalen Streitmacht zur Eindämmung dieser potentiellen humanitären Krise.&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten die Tatsache begrüßen, daß die serbische Regierung endlich der demokratischen Opposition die Übernahme der Kontrolle&#13;
über die von ihr bei den Wahlen im November gewonnenen Kommunen gestattet hat, sind wir weiterhin&#13;
besorgt über die mangelnde Verpflichtung der serbischen Regierung zu demokratischen Reformen und&#13;
unabhängigen Medien. Die Vereinigten Staaten sind&#13;
außerdem nach wie vor äußerst besorgt über die&#13;
andauernde Verweigerung grundlegender Menschenrechte für die albanische Minderheit im Kosovo und die&#13;
Weigerung der serbischen Regierung, dieses Thema&#13;
anzusprechen. Darüber hinaus hält Belgrad die&#13;
entscheidenden Bestimmungen des Daytoner Abkommens nicht ein und gewährt weiterhin einer Reihe&#13;
von Personen Schutz, die vom internationalen Kriegsverbrechertribunal der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind.&#13;
Bei seinem Bestreben, Teil der Gemeinschaft demokratischer Nationen zu werden, ist es für Kroatien&#13;
wichtig, weiterhin umfassend mit der UN-Übergangsverwaltung für Ostslawonien zusammenzuarbeiten, um&#13;
die friedliche Wiedereingliederung Ostslawoniens zu&#13;
garantieren und gleichzeitig die Respektierung der&#13;
Menschenrechte aller Bürger, zurückkehrenden Vertriebenen und Flüchtlinge sicherzustellen. Die Vereinigten Staaten drängen Kroatien nach wie vor, alle&#13;
durch das internationale Kriegsverbrechertribunal&#13;
Verurteilten festzunehmen und auszuliefern, Pressefreiheit zu garantieren, der serbischen Volksgruppe vor&#13;
Ort eine Vertretung auf allen Regierungsebenen zuzusichern und die legitimen und bürgerlichen Rechte der&#13;
Serben unter kroatischem Gesetz zu schützen.&#13;
In Osteuropa steht das jüngste Verhalten der Regierung von Belarus bedauerlicherweise in starkem&#13;
Kontrast zu den positiven Errungenschaften der&#13;
Nachbarländer Polen, Tschechische Republik und&#13;
Ungarn. Die Vereinigten Staaten sind zutiefst besorgt&#13;
über das sich beschleunigende Abrutschen in den&#13;
Autoritarismus in Belarus. Die von der Regierung&#13;
Lukaschenko verhängten strengen Beschränkungen&#13;
von Wirtschaftsreformen, demokratischer Opposition&#13;
und den Medien mindern zwangsläufig die Hoffnungen&#13;
des Landes auf Entwicklung.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin äußerst besorgt&#13;
über die Menschenrechtssituation und das Potential für&#13;
Gewalt zwischen einzelnen Volksgruppen auf Zypern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Wir rufen die griechische und die türkisch-zypriotische&#13;
Gemeinschaft auf dieser Insel zur Schaffung eines&#13;
Klimas auf, in dem eine gerechte Lösung für ihre&#13;
Differenzen gefunden werden kann.&#13;
Die afrikanischen Staaten insgesamt werden häufig&#13;
aufgrund der Menschenrechtsprobleme in einigen&#13;
dieser Länder kritisiert. Die Vereinigten Staaten haben&#13;
nicht diese stark vereinfachende Sicht der Dinge,&#13;
stellen aber mit Zufriedenheit fest, daß viele afrikanische Staaten im vergangenen Jahr Fortschritte&#13;
gemacht haben. In Ghana beispielsweise waren die&#13;
jüngsten Wahlen frei und fair. Gleichzeitig machte das&#13;
Land bemerkenswerte Fortschritte im wirtschaftlichen&#13;
Bereich sowie bei der Stärkung seiner bürgerlichen&#13;
Institutionen. Auch Mali unternimmt positive Schritte&#13;
auf seinem Weg zu weiterer Demokratisierung.&#13;
Nach mehreren Fehlschlägen gibt der Waffenstillstand&#13;
in Liberia Anlaß zu der Hoffnung, daß der lange&#13;
Abstieg des Landes ins Chaos endlich beendet ist und&#13;
der Heilungsprozeß bald mit nationalen Wahlen&#13;
beginnen kann. Und in Südafrika wird der Prozeß der&#13;
nationalen Versöhnung durch die kluge Vorgehensweise der Regierung von Nelson Mandela und die&#13;
vorsichtigen Verhandlungen der National Truth&#13;
Commission fortgesetzt.&#13;
Gleichzeitig ist die Menschenrechtssituation in Nigeria&#13;
sehr schlecht. Das Regime von General Abacha stützt&#13;
sich weiterhin auf willkürliche Festnahmen, Inhaftierungen sowie ständige Schikanen, um die zahlreichen&#13;
Kritiker zum Schweigen zu bringen. Die Sicherheitskräfte nehmen standrechtliche Erschießungen vor,&#13;
foltern und schlagen Verdächtige und Häftlinge und&#13;
verfolgen Menschenrechtsaktivisten und Demokratieverfechter. Diese und zahlreiche andere Übergriffe&#13;
finden in einem Klima ernsthafter Verletzungen der&#13;
Rede-, Reise- Versammlungs- und Koalitionsfreiheit&#13;
sowie der Arbeitnehmerrechte statt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin äußerst besorgt&#13;
über die Situation in Zentralafrika. Wir fordern die&#13;
Rebellen unter Laurent Kabila eindringlich dazu auf,&#13;
mit der derzeitigen Regierung ein Abkommen zu&#13;
schließen, um weiteres Blutvergießen und Leiden in&#13;
Zaire zu verhindern. Außerordentlich bedauern wir&#13;
den Tod der Menschenrechtsinspektoren in Ruanda&#13;
vergangenen Herbst und fordern die dortige Regierung&#13;
und die Burundis dazu auf, alles ihnen Mögliche zu&#13;
unternehmen, um die massiver Menschenrechtsverletzungen und des Völkermords Schuldigen vor Gericht&#13;
zu stellen.&#13;
Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges am Persischen Golf weigert sich die Regierung des Irak immer&#13;
noch, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu&#13;
befolgen und seine Massenvernichtungswaffen&#13;
vollständig zu zerstören. Gleichzeitig hat die Unterdrückung des irakischen Volkes durch Saddam&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Hussein nicht nachgelassen - trotz der großen Härten,&#13;
die er seinem Volk zumutet.&#13;
Zwischenzeitlich hat sich auch die Menschenrechtsbilanz der iranischen Regierung nicht verbessert. Ihre&#13;
systematischen Menschenrechtsverletzungen beinhalten standrechtliche Erschießungen, Massenexekutionen, das Verschwinden von Personen, weitverbreitete&#13;
Folterungen, willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, Mangel an fairen Prozessen sowie Beschränkungen der Rede- und Pressefreiheit. Ferner beklagen wir&#13;
die fortgesetzten Übergriffe gegen praktizierende&#13;
Bahaiisten. Und es ist uns unverständlich, daß die&#13;
iranische Regierung nicht handelte, um die iranischen&#13;
Bürger zurückzuhalten, die eine Prämie auf den Tod&#13;
von Salman Rushdie ausgesetzt haben.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin äußerst besorgt&#13;
über die von den Taliban gegen afghanische Frauen&#13;
und Mädchen verhängten lähmenden Beschränkungen. Es ist zweifelsohne eine grausame Menschenrechtsverletzung und darüber hinaus eine unkluge&#13;
Politik, den Frauen die Teilnahme am Arbeitsleben zu&#13;
verbieten, wenn viele von ihnen die einzige Unterhaltsquelle für ihre Familien sind. In ähnlicher Weise kann&#13;
es nur zur geistigen Verarmung eines Landes beitragen, wenn Mädchen der Schulbesuch verboten wird.&#13;
Die gravierende Unterdrückung der Menschenrechte&#13;
in Burma gibt weiterhin Anlaß zu großer Sorge, da die&#13;
Militärmachthaber der SLORC umfassende Beschränkungen der grundlegenden Rede-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit aufrechterhalten.&#13;
Die politische Tätigkeit der bekanntesten Bürgerrechtlerin des Staates, der Nobelpreisträgerin Aung San&#13;
Suu Kyi, unterliegt weiterhin starken Beschränkungen.&#13;
Ferner stellten wir eine besorgniserregende Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Sri&#13;
Lanka fest. Ein besonderes Anliegen sind das ungeklärte Verschwinden von mehr als 700 Personen in&#13;
Jaffna sowie die langsamen Fortschritte der Regierung&#13;
bei der strafrechtlichen Verfolgung von an Menschenrechtsverletzungen beteiligten Sicherheitskräften.&#13;
Ferner sind wir besorgt über das Vorgehen der&#13;
Streitkräfte und der LTTE-Rebellen, entsprechend dem&#13;
Ausmaß des Konflikts Kriegsgefangene zu nehmen, da&#13;
angeblich beide Parteien die Politik verfolgen, keine&#13;
Gefangenen zu machen. Daher fordern wir die&#13;
Regierung und die LTTE auf, die internationalen&#13;
Menschenrechtsnormen zu befolgen.&#13;
Wir suchen zwar nicht die Konfrontation mit China über&#13;
Menschenrechtsfragen, sind aber fest davon überzeugt, daß die Volksrepublik China für die Einhaltung&#13;
der internationalen Normen zur Rechenschaft gezogen&#13;
werden sollte, die das Land selbst befürwortete - und&#13;
zweifelsohne ist das in dieser Kommission der Fall.&#13;
Die chinesische Gesellschaft hat sich seit der Einführung von Wirtschaftsreformen beträchtlich gewan-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�delt, was zu größerer individueller Entscheidungsfreiheit führte. Trotzdem macht sich die chinesische&#13;
Regierung weiterhin weitverbreiteter und nachgewiesener Menschenrechtsverletzungen schuldig und&#13;
beschränkt gravierend die grundlegende Rede-,&#13;
Presse, Versammlungs-, Koalitions- und Religionsfreiheit unter Verletzung der international akzeptierten&#13;
Normen.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender, kein Land sollte sich dem prüfenden&#13;
Blick dieser Kommission entziehen können, noch&#13;
sollten die Bestrebungen derjenigen, die Fortschritte&#13;
gemacht haben, unserer Aufmerksamkeit entgehen.&#13;
Unser Ziel in der Kommission sind Schutz und Förderung der grundlegenden Rechte und Freiheiten&#13;
jedes einzelnen. Durch Offenheit und Ehrlichkeit&#13;
können wir das erreichen. Denn Schweigen ist der&#13;
beste Gefährte des Bösen, und Licht der größte Feind&#13;
dunkler Machenschaften. Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
USA: Größte Herausforderung ist Schutz des Kindes&#13;
Rede von Gere Smith&#13;
&#13;
GENF - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Leiters der amerikanischen&#13;
Delegation bei der 53. Sitzung der UN-Menschenrechtskommission vom 14. April 1997.&#13;
&#13;
Herr Vorsitzender,&#13;
wenige Themen betreffen die Zukunft unserer Nationen so direkt wie die Belange der Kinder. Dennoch&#13;
haben Kinder mit die geringsten Befugnisse auf&#13;
unserer Erde, und viele der Versuche, ihre Rechte zu&#13;
stärken und durchzusetzen, sind gescheitert. Wenn&#13;
wir heute die Rechte von Kindern ansprechen, wollen&#13;
wir einige der unseres Erachtens wichtigsten Herausforderungen bei den internationalen Bestrebungen&#13;
zum Schutz der Kinder auf der Welt darlegen.&#13;
Kinderarbeit zählt zu den herausragendsten Problemen, wenn es um die Rechte von Kindern geht. Wenn&#13;
wir dieses Thema in Angriff nehmen, sollte die Kommission den Unterschied zwischen allen Formen der&#13;
Kinderarbeit und der Ausbeutung von Kindern im&#13;
Auge behalten. Nicht alle Arbeiten, die Kinder verrichten, sind notwendigerweise schlecht für sie oder&#13;
ihre Familien. In der Tat können Kinder, die auf dem&#13;
Bauernhof der Familie oder in Familienbetrieben&#13;
arbeiten oder nach der Schule einen Teilzeitjob haben,&#13;
von dem Gehalt und der Erfahrung profitieren und zum&#13;
Wohlergehen der Familie beitragen. Diese Art von&#13;
Arbeit abzuschaffen, wäre kontraproduktiv.&#13;
Andererseits sind Jobs, die Kinder vom Schulbesuch&#13;
abhalten oder sie gefährlichen Bedingungen aussetzen, Ausbeutung. Solche Arbeit schadet sowohl&#13;
den Kindern als auch den Ländern, in denen sie leben.&#13;
Bildung ist ebenso der Schlüssel zur Zukunft eines&#13;
Kindes wie zur Zukunft einer Nation. Beraubt man das&#13;
Kind seiner Chancen, sich zu verbessern, beraubt man&#13;
auch das Land dieser Chance.&#13;
Wenn wir uns dies vor Augen führen, müssen wir die&#13;
Entscheidung der Nationen in Frage stellen, in denen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
es weder eine Schulpflicht für den Besuch der Grundschule gibt noch die Schulbildung vom Staat angeboten oder durchgesetzt wird. Erwarten solche Nationen,&#13;
daß das nächste Jahrhundert weniger gebildete&#13;
Bürger als heute erfordert? Sind die wenigen Cents,&#13;
die ihre Söhne und Töchter heute verdienen, wichtiger&#13;
als die Dollars, die sie nach der Schule verdienen und&#13;
die Beiträge, die sie für ihr Land leisten werden?&#13;
Viele der schätzungsweise 250 Millionen Kinder&#13;
zwischen 5 und 14 Jahren, die arbeiten, sind dazu&#13;
gezwungen - manchmal unter entsetzlich grausamen&#13;
Bedingungen und zu so niedrigen Löhnen, daß sie&#13;
kaum der Rede wert sind. In den tragischsten Fällen&#13;
werden Kinder als Leibeigene und sogar als Sklaven&#13;
gehalten. Das geht über Ausbeutung hinaus. Es ist&#13;
barbarisch und muß ein Ende haben.&#13;
Kinder, die arbeiten, benötigen Schutz vor Ausbeutung&#13;
und Mißbrauch, einschließlich Schutz vor übermäßig&#13;
langer Arbeitszeit, Kontakt mit schädlichen Chemikalien, beengten und unhygienischen Arbeitsplätzen und&#13;
Nähe zu gefährlichem Gerät. Auch hier ist der kurzfristige Vorteil der Feind des gesunden Menschenverstands und langfristiger Planung. Kinder, die schädlichen Bedingungen oder emotionaler Belastung ausgesetzt sind, können ihre geistigen und körperlichen&#13;
Fähigkeiten nicht voll entfalten. Infolgedessen können&#13;
sie wenig zum Wachstum des Landes beitragen. Statt&#13;
Waren und Dienstleistungen zu produzieren, benötigen sie diese.&#13;
Aber es werden Fortschritte erzielt. In Bangladesch&#13;
unterzeichneten die Bekleidungshersteller des Landes&#13;
vor zwei Jahren ein Abkommen mit der UNICEF und&#13;
der Internationalen Arbeitsorganisation. Daraufhin&#13;
wurden minderjährige Arbeiter aus ihren Fabriken&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�entfernt und in ein speziell entworfenes Bildungsprogramm eingegliedert. Inzwischen wurden über 285&#13;
solcher Schulen gegründet, und es sollen noch mehr&#13;
werden.&#13;
Ein anderes positives Beispiel ist Pakistan, wo sich&#13;
UNICEF, die IAO und Save the Children gemeinsam&#13;
mit der Sportartikelbranche um den Abbau von&#13;
Kinderarbeit bei der Herstellung von Fußbällen&#13;
bemühen. In Nepal versuchen die Teppichhersteller&#13;
im Rahmen des Rugmark-Programms, Produktherstellung ohne Kinderarbeit zu gewährleisten und&#13;
Schulen für arbeitende Kinder zu finanzieren.&#13;
Solche Kombinationen von Initiativen des öffentlichen&#13;
und Privatsektors • die Suche nach realen Lösungen&#13;
für reale Probleme - zeigen, daß bei Vorhandensein&#13;
von Anreizen und Bereitwilligkeit ein Weg zur Beendigung mißbräuchlicher Praktiken gefunden werden&#13;
kann. Herr Vorsitzender, die Einstellung der Ausbeutung von Kindern würde in der Tat einen Sieg für&#13;
uns alle darstellen.&#13;
Bewaffnete Konflikte sind ein anderer bösartiger Feind&#13;
der Kinder. Sie treten deren Rechte mit Füßen und&#13;
hinterlassen oft Narben fürs Leben. Und dennoch sind&#13;
wir immer wieder Zeuge von Kriegen, bei denen&#13;
Jungen, die nicht älter als 12 Jahre sind, eingezogen&#13;
und in den Kampf geschickt werden.&#13;
Mädchen droht der Horror von Vergewaltigungen, die&#13;
allzu oft Begleiterscheinung von Krieg und inneren&#13;
Unruhen sind. Die Vereinigten Staaten verurteilen&#13;
entschieden jeden Fall von Vergewaltigung, umso&#13;
mehr, wenn sie systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird. Es gibt keine Entschuldigung für die&#13;
internationale Staatengemeinschaft, solche Praktiken&#13;
zu tolerieren, und wir rufen alle Nationen auf, ihre&#13;
Verpflichtungen unter den Gesetzen des bewaffneten&#13;
Konflikts zum Schutz von Nichtkombattanten vollständig zu erfüllen.&#13;
&#13;
Ein drittes großes Anliegen ist Kinderprostitution und&#13;
-pornografie. Obwohl wir noch nicht Mitglied der&#13;
Konvention über die Rechte des Kindes sind, zählen&#13;
unsere Gesetze über diese Fragen zu den stärksten&#13;
und effektivsten der Welt und haben unsere Entschlossenheit genügend unter Beweis gestellt, unsere&#13;
Kinder vor sexueller Ausbeutung zu schützen.&#13;
Allein in den letzten Jahren haben die Bundesregierung und die einzelnen Bundesstaaten umfassende&#13;
Gesetze erlassen, um Kinderpornografie, den Handel&#13;
mit Kindern zum Zweck ihrer sexuellen Ausbeutung&#13;
und Sexualverbrechen an Kindern zu bekämpfen.&#13;
Zusätzlich haben die Vereinigten Staaten, wie in der&#13;
Rede über Frauenfragen bereits angesprochen,&#13;
Schritte unternommen, um die Teilnahme unserer&#13;
Bürger am sogenannten Sextourismus zu verhindern.&#13;
Herr Vorsitzender, abschließend möchte ich nochmals&#13;
betonen, daß die Vereinigten Staaten Kindern betreffenden Fragen große Bedeutung beimessen. Das&#13;
Interesse an Problemen im Zusammenhang mit&#13;
Kinderarbeit wächst in unserem Land, und die Verbraucher bemühen sich in zunehmendem Maße,&#13;
Produkte zu kaufen, die nachweislich ohne Mitwirkung&#13;
von Kindern hergestellt wurden. Wir spielen eine&#13;
aktive Rolle dabei, die Länder für Kinderarbeit zur&#13;
Rechenschaft zu ziehen und ihnen bei der Beendigung&#13;
dieser Praktiken im Rahmen multilateraler Institutionen&#13;
wie der Internationalen Arbeitsorganisation zu helfen.&#13;
Ferner werden wir den Kampf gegen die sexuelle&#13;
Ausbeutung von Kindern fortsetzen. Unsere Gesetze&#13;
und unser Gefühl für menschlichen Anstand erfordern&#13;
es.&#13;
Wir versprechen, daß die amerikanische Regierung&#13;
weiterhin nach praktischen Lösungen für diese&#13;
Probleme suchen wird und fordern andere Regierungen dazu auf, sich uns bei diesem Bestreben anzuschließen. Wir werden nicht nachlassen, diejenigen&#13;
ins Auge zu fassen, die Kinder ausbeuten, und den&#13;
Kampf gegen sie erst beenden, wenn wir gewonnen&#13;
haben.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�MEDIEN&#13;
23. April 1997&#13;
&#13;
Die Rolle der Medien in einer Demokratie&#13;
von George A. Krimsky&#13;
&#13;
(AD) - In einer marktwirtschaftlichen Demokratie trifft das Volk letztlich die Entscheidung, wie die Presse handeln&#13;
sollte, erklärt George Krimsky, der ehemalige Leiter von Associated Press World Services und Verfasser von&#13;
Hold the Press (The Inside Story on Newspapers). In dem nachfolgenden Artikel erläutert Krimsky die&#13;
Geschichte der amerikanischen Medien und zeigt die Herausforderungen auf, mit denen sie sich im&#13;
elektronischen Zeitalter konfrontiert sehen.&#13;
&#13;
Es sind Bände über die Rolle der Massenmedien in&#13;
einer Demokratie geschrieben worden. Die Gefahr bei&#13;
all diesen Ausführungen besteht darin, sich bei der&#13;
Behandlung dieses Themas in einem Sumpf von&#13;
Platitüden zu ergehen. Die Frage, ob eine freie Presse&#13;
die beste Kommunikationslösung in einer Demokratie&#13;
ist, hat am Ende dieses Jahrhunderts äußerst große&#13;
Bedeutung und muß sachlich geprüft werden.&#13;
Vor der Behandlung des Themas ist eine Definition der&#13;
Terminologie hilfreich. Im weitesten Sinne umfaßt die&#13;
Fernseh- und Filmunterhaltungsindustrie eine Vielfalt&#13;
von regelmäßig veröffentlichtem gedrucktem Material&#13;
sowie Public Relations und Werbung. Die "Presse"&#13;
soll ein ernsthaftes Mitglied dieser Familie sein, sich&#13;
auf das reale Leben statt auf Phantasie konzentrieren&#13;
und einem möglichst breiten Publikum dienen. Ein&#13;
guter Oberbegriff für die Presse im elektronischen&#13;
Zeitalter ist "Nachrichtenmedien". Die Betonung bei&#13;
dieser Definition liegt auf dem Inhalt, nicht der Technologie oder dem Übermittlungssystem, weil die Presse zumindest in Industrienationen - in diesen Tagen im&#13;
Internet, Fax oder dem Äther anzutreffen ist.&#13;
Per definitionem muß eine autonome Gesellschaft ihre&#13;
eigenen Entscheidungen treffen. Das kann sie nicht&#13;
ohne durch einen offenen Gedankenaustausch&#13;
aufgelockerte konkrete Informationen.&#13;
Abraham&#13;
Lincoln formulierte dieses Konzept in höchst treffender&#13;
Weise mit den Worten: "Gebt dem Volk die Fakten,&#13;
und das Land wird sicher sein."&#13;
Einige mögen Lincolns Sichtweise angesichts der&#13;
Komplexität und Technologien des 20. Jahrhunderts&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
als etwas naiv erachten, aber die Notwendigkeit&#13;
öffentlicher Nachrichten war praktisch von Anfang an&#13;
ein Eckpfeiler des amerikanischen Systems.&#13;
Thomas Jefferson setzte sich so vehement für das&#13;
Prinzip der Redefreiheit ein, daß er etwas sagte, das&#13;
Nichtdemokraten als Absurdität ansehen müssen:&#13;
"Wenn mir die Entscheidung überlassen bliebe, ob wir&#13;
eine Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne&#13;
eine Regierung haben sollten, würde ich keinen&#13;
Moment zögern und das Letztere vorziehen." Diese&#13;
Worte implizieren, daß Selbstverwaltung essentieller&#13;
ist als die Regierung selbst. Das klingt vielleicht nicht&#13;
so absurd, wenn man gerade einen Krieg gegen eine&#13;
Diktatur geführt hat.&#13;
Nach Amerikas erfolgreichem Unabhängigkeitskrieg&#13;
wurde die Entscheidung getroffen, daß es in der Tat&#13;
eine Regierung geben sollte - jedoch nur, wenn sie&#13;
dem Volk gegenüber Rechenschaft ablegte. Das Volk&#13;
wiederum konnte die Regierung nur zur Rechenschaft&#13;
ziehen, wenn es wußte, was diese tat und sich gegebenenfalls - beispielsweise mit seiner Wählerstimme als Fürsprecher einsetzen konnte. Diese Rolle des&#13;
öffentlichen "Wachhunds" wurde daher von einer&#13;
Presse der Bürger übernommen, und infolgedessen&#13;
wurde die Regierung der Vereinigten Staaten aus dem&#13;
Nachrichtengeschäft herausgehalten. Die einzigen im&#13;
Besitz der Regierung befindlichen oder von ihr kontrollierten Medien in den Vereinigten Staaten sind&#13;
diejenigen, die in Übersee senden, wie die Voice of&#13;
America. Per Gesetz darf dieser Nachrichtendienst&#13;
nicht im Inland senden. In den Vereinigten Staaten&#13;
werden das öffentlich-rechtliche Fernsehen und der&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Hörfunk zum Teil staatlich subventioniert, aber Sicherheitsbestimmungen schützen sie gegen politische&#13;
Einflußnahme.&#13;
Weil die Verfassung das oberste Gesetz des Landes&#13;
ist, sind alle Versuche von Gerichten, Gesetzgebern&#13;
und Strafverfolgungsbeamten, geschützte Freiheiten&#13;
wie die Redefreiheit einzuschränken, im allgemeinen&#13;
vermeidbar.&#13;
Ziemlich einfach in der Theorie, aber wie hat das alles&#13;
funktioniert?&#13;
Generell gesprochen, ziemlich gut, obwohl das&#13;
Konzept einer freien Presse jeden Tag in der einen&#13;
oder anderen Gemeinde im ganzen Land vor eine&#13;
Herausforderung gestellt und verteidigt wird. Die&#13;
amerikanische Presse war immer einflußreich, häufig&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
mächtig und gelegentlich gefürchtet - aber sie wurde&#13;
selten geliebt. In der Tat rangieren Journalisten heute&#13;
in den unteren Rängen der öffentlichen Popularität.&#13;
Einerseits werden sie als zu mächtig, andererseits als&#13;
nicht vertrauenswürdig angesehen.&#13;
In ihren Anfängen war die amerikanische Presse wenig&#13;
mehr als eine Flugblätter verfassende Industrie im&#13;
Besitz konkurrierender politischer Interessen und mit&#13;
einem konstanten Propagandakrieg befaßt. Vertrauen&#13;
war kein Thema. Es war die Vielzahl der Stimmen, die&#13;
bewirkte, daß die Presse zu einem Instrument für&#13;
demokratische Entscheidungsfindung wurde. Irgendwie gelang es der allgemein anerkannten Wahrheit,&#13;
aus dieser chaotischen Fülle von Informationen und&#13;
Fehlinformationen hervorzugehen. Das Streben nach&#13;
Objektivität war die Folge.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen Vorteile der NATO-Erweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Marshallplan&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marshallplan - eine Vision von Sicherheit, Wohlstand und Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Peter Tamoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Führungsrolle bei der Bekämpfung von Bestechung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Alan P. Larson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegation: Menschenrechtsverletzungen dauern an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Nancy Rubin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Größte Herausforderung ist Schutz des Kindes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Gere Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Medien in einer Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von George A. Krimsky&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>23. Mai 1979

19
I N H A L T

DOKUMENTATION
Botschafter Young erläutert Standpunkt der USA auf der Welthandelskonferenz
- Botschaft Carters an die UNCTAD-Delegierten in Manila Präsident Carter zum Reaktorprojekt "Clinch River"
- Kommerzielle Anwendung schneller Brüter nur bei besserer
Technologie WIRTSCHAFT
Der Nationale Energieplan II der USA
- Auszüge aus dem Bericht Carters an den Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen zu Begriffen im Rahmen der SALT-Verhandlungen
Aktive Forschung für sichere Energiezukunft
- Ein US-Wissenschaftler berichtet über Projektvielfalt WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Konkurrenz für den Benzinmotor?
- Aluminium-Luft-Batterie mit 30 kW Stromleistung möglich Neue Serienmodelle für Gasohol-Kraftstoff geeignet

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

23. Mai 1979

BOTSCHAFTER YOUNG ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA AUF DER WELTHANDELSKONFERENZ
- Botschaft Carters an die UNCTAD-Delegierten in Manila -

MANILA - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Andrew Young, hat am 11. Mai auf der Welthandelskonferenz
(UNCTAD V) in Manila den Standpunkt der USA zu den anstehenden Fragen dargelegt. Gleichzeitig verlas er eine Botschaft Präsident Carters an die
Delegierten der Konferenz.
Die Rede Youngs hat folgenden Wortlaut:
...Es ist mir ein Vergnügen, zu Beginn meiner Rede eine Botschaft
Präsident Carters an die Delegierten der fünften UNCTAD-Konferenz zu verlesen:
"Die Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, die meisten anderen
Länder gestehen sich die wachsende gegenseitige Abhängigkeit unserer Volkswirtschaften ein.

Bei dieser und anderen internationalen Konferenzen und

Verhandlungen sollten wir auf eine leistungsfähigere und gerechtere inter-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�internationale Wirtschaftsordnung hinarbeiten.

Ich sehe deutlich, daß

dieser Weg unsere Nationen in einen Wandlungsprozeß verwickelt, der das
Leben unserer Völker tiefgreifend beeinflussen wird.

Aber ich glaube, daß

es ein Weg ist, den zu verfolgen deutlich in unserem Interesse liegt.
Wir alle brauchen den Mut zu denjenigen Entscheidungen, die unsere gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Weltwirtschaft widerspiegeln.
Unsere natürlichen und finanziellen Mittel sind begrenzt.

Wir müssen

unsere gemeinsamen Bemühungen sorgfältig planen und unsere Prioritäten
erkennbar setzen.

Meiner Ansicht nach muß für uns an erster Stelle die

Beseitigung der Armut stehen, unter der die ärmsten Völker dieser Erde
leiden.

Wir sollten unsere Anstrengungen auf erhöhte weltweite Nahrungs-

mittelproduktion richten und auf die verbesserte Verteilung an diejenigen,
die zu wenig haben.

Wir sollten den Entwicklungsländern bei der Steigerung

ihrer Energieproduktion helfen, die für ihr Wohlergehen so wichtig ist.

Wir

sollten uns darum bemühen, daß das gesundheitliche Wohlergehen eines jeden
sichergestellt wird und jeder Zugang zum Erziehungssystem hat.

Wir müssen

nach besten Kräften versuchen, jedem die Gelegenheit zur Verbesserung
seiner wirtschaftlichen Lage zu geben.

Wie schon seit vielen Jahren werden

die Vereinigten Staaten auch weiterhin zur Verwirklichung dieser Ziele
beitragen.

In den letzten Jahren ist der Fortschritt auf diese Ziele be-

trächtlich gewesen, aber dennoch unzureichend.

Wir alle müssen noch mehr

tun.
Die Aufstockung der Mittel der Entwicklungsbanken, die Beendigung der
Tokio-Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen und die Gemeinsamen
Fonds sind hervorragende Beispiele für den Fortschritt innerhalb der
internationalen Wirtschaftsinstitutionen, die die Beziehungen zwischen
den Entwicklungsländern verstärken werden.
Das ständige Streben nach Erfüllung der wirtschaftlichen sozialen
und politischen Wünsche unserer Völker erfordert Hingabe, Mut und Geduld.

- 2 -

�Geduld.

Aber ich glaube fest, daß dies erreicht werden kann.

Sie, die Delegierten dieser Konferenz, haben eine einzigartige Gelegenheit, zu diesen Anstrengungen beizutragen, indem Sie die Aufmerksamkeit
der ganzen Welt auf die entscheidenden Themen der Entwicklung lenken.

Ich

wünsche Ihnen allen Erfolg."
Verehrte Kollegen, als ich davon erfuhr, daß ich an dieser Konferenz
teilnehmen würde, dachte ich daran, welch eine lange Strecke wir schon
seit der 6. außerordentlichen Sitzung der UN-Vollversammlung zurückgelegt
haben. Jenes Treffen endete in Uneinigkeit, aber es brachte uns zugleich
ein tieferes Verständnis für die dringenden Probleme, die unsere Aufmerksamkeit
und unser Handeln erfordern. Auf der 7. außerordentlichen Sitzung waren
Industrie- und Entwicklungsländer in der Lage, diese Themen konstruktiver
und in besserem Einvernehmen zu diskutieren. Als unmittelbare Folge wurde
auf der UNCTAD IV-Konferenz ein ehrgeiziges Arbeitsprogramm verabschiedet.
Seither haben wir unsere Höhen und Tiefen gehabt, wie dies in jedem längeren
Gedankenaustausch der Fall ist, bei dem die Parteien von ihren gegenseitigen
Problemen und Bedenken erfahren. Dennoch wurden beträchtliche Fortschritte
erzielt. Die Übereinstimmung in den meisten der wesentlichen Punkte
eines Gemeinsamen Fonds ist dafür das jüngste Beispiel.
UNCTAD V ist die erste in einer Reihe von Konferenzen und Treffen zum
Thema der Entwicklung und der Weltwirtschaft. Andere werden sich mit der
Weltgesundheit, der Agrarreform, mit Wissenschaft und Technologie sowie mit
den erneuerungsfähigen Energiequellen beschäftigen. Die außerordentliche
Sitzung ier Vollversammlung im Jahre 1980 wird den erzielten Fortschritt
kritisch betrachten und die dritte Entwicklungsdekade einleiten. UNCTAD V
gibt den Grundton für diese Treffen. Die Konferenz wird die Stimmung
bereiten für unsere Beziehungen im kommenden Jahrzehnt.
Diese

�Diese Beziehungen sind in eine neue, mehr pragmatische Phase eingetreten.

Industrie- und Entwicklungsländer sind sich der Zwänge wie

der Notwendigkeiten bewußter geworden.

Wir sehen deutlicher, in welchem

Maße wir voneinander abhängen und daß Wachstum in einem Teil der Weltwirtschaft das Wachstum in anderen fördern kann,ja, es tatsächlich fördern
wird, und daß das Gegenteil ebenfalls eintreten kann, ja, eintreten wird.
Im ARUSHA-Programm zum Beispiel erkannten die Entwicklungsländer die Notwendigkeit, echte Interessengegenseitigkeit bei den strukturellen Änderungen
zu fördern, die ihrer Meinung nach im internationalen Wirtschaftssystem
nötig sind.

Sie brachten ihre Bedenken nicht nur hinsichtlich der fort-

dauernden Armut in ihren eigenen Ländern zum Ausdruck, sondern auch über
Zahlungen und Zahlungsbilanzungleichgewichte sowie über das anhaltende
hohe Niveau der Arbeitslosigkeit und der Inflation in den Industrieländern.
Wir sind auch zu einem Verständnis unserer Verschiedenheit und Vielfalt
gelangt. Genauso wie wir viele Gesellschaften und Kulturen sind, so haben
wir viele und verschiedene Wirtschaftsformen. Auch sind wir uns bewußt,
daß eine günstigere und gerechtere internationale Wirtschaftsordnung
nicht mehr durch die Macht irgendeines einzelnen Landes oder einer Gruppe
von Ländern einfach verliehen werden kann. Wir sind von der in Arusha eingegangenen Verpflichtung der Entwicklungsländer beeindruckt, wirkungsvolle
und bedeutungsvolle Lösungen für ihre akuten sozialen und wirtschaftlichen
Probleme zu finden. Schließlich besteht nahezu völlige Übereinstimmung
bei der internationalen Staatengemeinschaft darüber, daß Ziel und Zweck
von Entwicklung und Wohlstand ein solches Leben für jeden Menschen ist,
das sich unserer gemeinsamen Menschlichkeit würdig erweist. Denn sonst
kann die Verwirklichung der Menschenrechte, die -darin stimmen wir alle
überein - eine wirtschaftliche genauso wie eine politische Dimension
haben muß, letztlich nicht erreicht werden.
Nunmehr müssen wir auf dem größeren Verständnis aufbauen, das wir
erreicht haben, um unseren Diskussionen und Entscheidungen neue Kraft und

- 4 -

�und eine neue Richtung zu geben.

Wir können das Mißtrauen vermindern und

das Gefühl der Vergeblichkeit mildern, die unsere Konferenzen belasten.
Wir brauchen weniger Energie für die Rhetorik zu verschwenden und können
mehr Energie der echten Anstrengung dafür widmen, Maßnahmen zu finden,
die praktische Wirkung haben.

Wir können versuchen, Resolutionen zu

vermeiden, die nur Differenzen verdecken, statt sie zu lösen.

Und wir

können echten Fortschritt erzielen.
Dazu gehört Realismus und Hingabe auf allen Seiten. Die Industrieländer sind sich in wachsendem Maße bewußt, daß ihr wirtschaftliches
Wohlergehen von der Prosperität der Weltwirtschaft als ganzes abhängt;
deshalb werden sie weiterhin zu ihrer Verpflichtung stehen, den Transfer
von Hilfsmitteln in die ärmeren Länder zu erhöhen und ihre offenen Märkte
beizubehalten, die wachsende Möglichkeit für die Exporte der Entwicklungsländer bieten. Die Entwicklungsländer müssen die fortdauenrde Verpflichtung
eingehen, die Hilfsmittel, die sie von außen erhalten, wirkungsvoll in
Verbindung mit ihren eigenen Entwicklungsplänen einzusetzen, um verbesserte
Lebensbedingungen für ihre Völker zu erreichen und um eine Verantwortung
in der Weltwirtschaft zu übernehmen, die ihrem Entwicklungsstand entspricht. Entwicklung ist eine gemeinsame Verantwortung. Alle Länder
werden eher einem Ruf nach gemeinsamer Aktion folgen als den Forderungen
eines einzelnen Landes.
Die Industrieländer müssen sich ebenfalls zu einer Politik verpflichten,
die stabiles Wachstum ohne Inflation bei gleichzeitigem Anwachsen des Finanzstromes in die weniger begünstigten Länder fördert. Ihre innere wirtschaftliche Lage kann keine Entschuldigung für Nachlässigkeit sein.
Vielmehr müssen sie die weltweite Entwicklung als eine mögliche Antwort
auf Inflation und Rezession sehen. Was ihren Teil betrifft, müssen die
Entwicklungsländer sich zu einer stabilen, langfristigen und wirkungsvollen
inländischen Entwicklungspolitik verpflichten. Wir alle müssen uns vor
der Versuchung hüten, die Schuldftirdiejenigen Schwierigkeiten auf das

- 5 -

�J

das internationale System abzuwälzen, mit denen man eigentlich am besten
im eigenen Land fertig werden müßte.
Im Verlauf dieser neuen Phase unserer Beziehungen müssen auch die
Institutionen unserer Weltwirtschaft fortfahren, sich anzupassen und sich
zu ändern.

Wenn ich zurückschaue, so meine ich, daß die meisten dieser

Institutionen gut auf die veränderten Umstände reagiert haben.

Die

Bedingungen heute unterscheiden sich ja grundlegend von denen vor 30
Jahren, als die Vereinten Nationen und viele der bestehenden internationalen
Wirtschaftsinstitutionen gegründet wurden.

Der Internationale Währungsfonds,

die Weltbank und GATT meisterten erfolgreich die ihnen ursprünglich übertragenen Aufgaben:

den Wiederaufbau der durch den Zweiten Weltkrieg ver-

wüsteten Volkswirtschaften und die Schaffung eines Rahmens für dauerhafte
wirtschaftliche Stabilität und Fortschritt.

Seither ist die Weltwirtschaft

gewachsen und gediehen - trotz der vielen grundlegenden Änderungen, die
die Gründer unserer internationalen Wirtschaftsinstitutionen nicht vorhersahen.

Dennoch haben sich die von ihnen gegründeten Institutionen -

und die vielen spezialisierten Institutionen, die seither geschaffen .
wurden, UNCTAD eingeschlossen, gut angepaßt.

Wir müssen sicherstellen,

daß sie dies auch weiterhin tun.
Vor dieser Liste der Leistung und der Anpassung unseres internationalen
Wirtschaftssystems, für die UNCTAD zusammen mit anderen internationalen
Institutionen verantwortlich zeichnet, sollten wir sorgfältig überlegen,
wie gut das internationale System der Befriedigung unserer gemeinsamen
und individuellen Bedürfnisse dient. Wenn es ihnen nicht gut genut
dient, ist es nicht nur angebracht, sondern entscheidend, unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen und zusammenzuarbeiten, um gegenseitig
zufriedenstellende Lösungen zu finden. In diesem Sinn sind die Vereinigten
Staaten zur Errichtung einer neuen Weltwirtschaftsordnung entschlossen wie
alle anderen Nationen. Ein Wechsel muß jedoch wohlüberlegt sein. Er
darf nicht so unüberlegt vor sich gehen, daß er zerstört, was unserem

- 6 -

�unserem gemeinsamen Interesse dient.

Änderungen müssen entworfen werden,

um die weltweite wirtschaftliche Effizienz und Gleichheit zu erhöhen.
Sie müssen den wachsenden Einfluß der Entwicklungsländer auf die Weltwirtschaft widerspiegeln und ihre wichtigere Rolle und Verantwortung im

•'

internationalen Wirtschaftssystem.
Die Leistungen der Entwicklungsländer sind eindrucksvoll. Mitte
der siebziger Jahre überstanden die Entwicklungsländer die Schocks der
ölpreiserhöhungen, die Mißernten und die Rezession in den Industrieländern bessern, als wir es uns erträumt hätten. Der tatsächliche Zuwachs an Bruttosozialprodukt in den Entwicklungsländern als Gruppe genommen
ist größer als der der industrialisierten Länder, und einige Entwicklungsländer hatten beim Aufbau ihrer Industriesektoren, bei der Versorgung der
Weltmärkte und beim Heranziehen von Investitionen spektakulären Erfolg.
Es gibt bereits zehn Entwicklungsländer, von denen jedes mehr als eine
Milliarde Dollar an Fertigprodukten im Jahr exportiert. Unsere Wirtschaftsinstitutionen haben erheblich zu diesen Leistungen beigetragen.
Nichtsdestoweniger sind die Probleme noch immer riesig, denen die
Entwicklungsländer gegenüberstehen. Die Dimensionen unserer jetzigen
Aufgabe sind klar und deutlich: noch immer leben 800 Millionen Menschen
in absoluter Armut, leiden an Unterernährung, Analphabetentum, Krankheit,
hoher Kindersterblichkeit und geringer Lebenserwartung. Die wirtschaftlichen
Zuwachsraten in den ärmsten Ländern, wo die meisten dieser Menschen leben,
sind deutlich niedriger gewesen als in den Ländern mit mittlerem Einkommen und in den industrialisierten Ländern. Die Wohltaten des Wachstums
müssen besser verteilt werden.
Es besteht ein gewaltiger, unerfüllter Investitionsbedarf im Bereich
der Infrastruktur, der Industrie und der Landwirtschaft.

Doch bleiben

private Gesellschaften und die Regierungen vieler Entwicklungsländer
mißtrauisch hinsichtlich der gegenseitigen Motive.

Als Folge davon finden

mögliche Investitionen, vor allem bei Rohstoffen, nicht statt oder werden

- 7 -

�werden von anderen Angeboten in den Industrieländern angezogen.
Obwohl entwickelte ebenso wie Entwicklungsländer Wege gefunden
haben, um sich den öl Preiserhöhungen der letzten Jahre anzupassen, so
wurde die weltweite Entwicklung dennoch ernstlich verzögert sowohl durch
die direkte Auswirkung auf die Entwicklungsländer als auch durch die
Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft.

Mit grausamer Ironie

fiel dabei die schwerste Last auf die am wenigsten entwickelten Länder,
die am wenigsten in der Lage sind, sie zu tragen.

Derzeitige und künftige

Preissteigerungen werden wahrscheinlich die gleichen Auswirkungen haben.
Die Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern wächst
ledigleich mit einer Rate von 2 Prozent, das ist nur etwa die Hälfte
der von der Welternährungskonferenz festgesetzten Ziel rate. Währenddessen
beträgt die Wachstumsrate der Bevölkerung in jenen Länder etwa 2,4 Prozent.
Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um 70 Millionen - eine Rate, die
die Gesamtbevölkerung von derzeit 4 auf 6 Milliarden zur Jahrhundertwende
ansteigen lassen wird. Diese Tatsachen und Herausforderungen liegen auf
der jetzigen Konferenz und den anderen, die ihr folgen werden, vor uns.
Auf diesem Treffen haben wir eine umfangreiche Tagesordnung, die nahezu
alle Seiten der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten und
den Entwicklungsländern berührt. Ich möchte nunmehr einige der wesentlichen
Themen diskutieren.
Handel wird eine der wichtigsten Angelegenheiten auf dieser Konferenz
sein.

Wir haben gerade die Verhandlungen der Tokio-Runde beendet - die

siebente Verhandlung dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg.

Sie war

zweifellos die umfassendste und weitreichendste seit der Errichtung des
GATT.

Mehr Nationen und mehr lebenswichtige Handelsfragen waren durch

sie erfaßt als jemals vorher.

Zusätzlich zu den Zollsenkungen erbrachten

die Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) bemerkenswerte Reformen
bei einigen der grundlegenden Regeln und Verfahrensweisen zur Lenkung des

�des internationalen Handelssystems in den kommenden Jahrzehnter..

Dies

ist eine herausragende Leistung, die umso bemerkenswerter ist, als sie
vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unruhe erzielt wurde.
Natürlich haben diese Verhandlungen die Entwicklungsländer nicht
völlig zufriedengestellt. Das gleiche gilt für die Industriestaaten,
bestimmt für mein eigenes Land. In einer echten Verhandlung erreicht
man nie alle Ziele. Trotzdem gibt es eine Reihe von Ergebnissen, die
sowohl für die Entwicklungsländer als auch für die Industrieländer von
Nutzen sein werden. Die neuen Kodizes in bezug auf nichttarifäre Handelshindernisse werden die staatliche Politik und Verfahrensweisen,die den
Handel berühren, unter strengere Aufsicht stellen und den internationalen
Prozeß zur Schlichtung von Streitigkeiten verbessern und verstärken.
Die neuen Regeln und die Rahmenvereinbarung werden auch ein faireres und
klareres Gleichgewicht zwischen den Rechten und Pflichten der Entwicklungsländer herstellen, die am Welthandelssystem teilnehmen. Die aktive Beteiligung aller Länder am reformierten GATT-System wird sicherstellen,
daß die durch die MTN-Vereinbarungen sich bietende Gelegenheiten voll
ausgeschöpft werden und daß sich das Handelssystem in einer Weise fortentwickelt, die den Bedürfnissen und den Interessen der Entwicklungsländer
und der Industrieländer zugleich gerecht wird. Die UNCTAD-Konferenz kann
einen wichtigen Beitrag zu diesem evolutionären Prozeß leisten, indem sie
ihre Arbeit zur Verbesserung des internationalen Verständnisses für die
besonderen Handelsprobleme und -bedürfnisse der Entwicklungsländer fortsetzt.
Gleichzeitig werden alle Länder erneut ihrer Verpflichtung nachkommen
müssen, der Versuchung zu widerstehen, alte Unternehmen oder neue und ums
überleben kämpfende Firmen zu sorgsam vor den Unbilden des internationalen
Wettbewerbs zu schützen. Bestimmte Leute und Unternehmen werden vielleicht
unter der Anpassung an sich ändernde weltweite Verhaltensmuster leiden.
Aber die langfristigen Kosten des Protektionismus sind sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht für die Regierungen zu hoch, um
- 9 -

�&gt;

um sich diesen Luxus leisten zu können.
Lange Zeit sind Rohstoffe für UNCTAD von besonderer Bedeutung gewesen.
Auch hier scheinen wir in der internationalen Debatte auf eine neue Ebene
zu gelangen.

Der Zeitraum vor und nach UNCTAD IV war der Überprüfung der

Rohstoff-Frage gewidmet sowie der Suche nach einer allgemeinen Entscheidung
über die Einrichtung eines Gemeinsamen Fonds.

Diese Stufe haben wir hinter

uns, und unsere Arbeit hinsichtlich der Rohstoffe wird sich nun fast
ausschließlich auf die Ausfuhrebene konzentrieren, wobei die Probleme einzelner
Rohstoffe behandelt und die noch ausstehenden Punkte zum Gemeinsamen Fonds
geklärt werden.

In dieser Hinsicht hoffen wir, daß UNCTAD in der Lage sein

wird, auch weiterhin eine nützliche Rolle bei der Unterstützung der Anstrengungen der Produktions- und Verbraucherländer zu spielen um die
Handelsbedingungen der Weltwirtschaft auf dem Rohstoffsektor zu verbessern.
Hinsichtlich einzelner Rohstoffe sind wir erfreut darüber, daß vor
einigen Wochen Übereinstimmung über eine allgemeine Rahmenvereinbarung
für ein neues Gummi abkommen erzielt wurde und daß die Arbeit für ein neues
Kakaoabkommen vorangeht. Wir sind auch der Meinung, daß die von den
Vereinigten Staaten vorgebrachten Vorschläge für den möglichen Abschluß
eines Kupferabkommens die Grundlage für weitere Diskussionen bieten. Wir
haben auch ein Zuckerabkommen, das noch zwecks Zustimmung beim Kongreß
anhängig ist.
Was den Gemeinsamen Fonds angeht, so hoffen wir, daß alle Länder
in der Lage sein werden, die zur Klärung der letzten noch ausstehenden
Fragen notwendigen Kompromisse zu machen. Die Vereinigten Staaten sind
zur Zeit noch nicht in der Lage, zum Zweiten Fenster beizutragen. Wir
glauben jedoch, mit dem Zweiten Fenster arbeiten zu können, indem wir
seine Ziele unterstützen.
•

Vor einem Jahr schlug Präsident Carter ein neues Amerikanisches Institut

- 10 -

�Institut für Wissenschaftliche und Technologische Zusammenarbeit vor,
das bei der Stärkung der wissenschaftlichen und technischen Kapazitäten
zur Problemlösung der Entwicklungsländer behilflich sein und die erhöhte
Aufmerksamkeit der Welt auf Entwicklungsprobleme lenken sollte. Die
Gesetzgebung zur Errichtung des vorgeschlagenen Instituts liegt nun beim
Kongreß.

Wenn es wie geplant beginnt, wird das Institut im nächsten Jahr

bis zu 100 Millionen Dollar an Mitteln verwalten.

Es wird bereit sein,

in Verbindung mit dem Zweiten Fenster spezifische Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu organisieren, das Personal dafür zu stellen und zu finanzieren,
die mit der Rohstoff-Frage zusammenhängen.
•

Da wir hier die Mobilisierung von inneren und äußeren Mitteln für
die Entwicklung überdenken, dürfen wir nicht vergessen, daß diese Hilfsquellen das Mittel sind, um spezifische Entwicklungsprobleme zu lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt, daß die internationale
Gemeinschaft diese Probleme sowohl hier als auch detaillierter während
unserer Verhandlungen über eine neue internationale Entwicklungsstrategie
angehen muß. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, daß wir die Tatsache
anerkennen müssen, daß die Außen- genauso wie die Binnenmittel rar sind
und so wirkungsvoll und gerecht wie möglich zur Lösung dieser Probleme
eingesetzt werden müssen.

In dieser Hinsicht stimmen wir zu, daß die

ärmsten Länder, jene, die nur Zugang zu den wenigsten Hilfsmitteln haben,
überhaupt die entgegenkommendste Hilfe erhalten sollten.
Die amerikanische Entwicklungshilfe verdoppelte sich nahezu zwischen
den Finanzjahren 1975 und 1979. Wir sind der größte einzelne Beitragszahler zu den multilateralen Entwicklungsbanken.

Wir nahmen aktiv an den

kürzlich abgeschlossenen Verhandlungen zur Aufstockung der Mittel der
regionalen Entwicklungsbanken teil, was alles zu einem echten Wachstum
der Darlehen durch diese Institutionen beiträgt. Darüber hinaus nehmen
die Vereinigten Staaten zur Zeit an Verhandlungen für die Mitgliedschaft
von nichtregionalen Ländern bei der afrikanischen Entwicklungsbank, für
die Verdoppelung des Kapitals der Weltbank und für einen deutlichen Anstieg
- 11 -

�'

Anstieg der Hilfsmittel der Internationalen Gesellschaft für Entwicklungshilfe teil.
Die Darlehen der multilateralen Entwicklungsbanken werden sich in
den nächsten vier Jahren auf insgesamt über 60 Milliarden Dollar belaufen.
Die Aufstockung von Geldmitteln, die kürzlich beschlossen wurde oder
gerade verhandelt wird, wird sich in Transfers von etwa 90 Milliarden
Dollar an zinsverbilligten Krediten sowie Krediten zu banküblichen Bedingungen niederschlagen.
So bedeutsam anwachsende zinsverbilligte Kredite für einige Entwicklungsländer sind, so wichtig oder noch wichtiger ist für andere die Zusicherung,
daß die Verfügbarkeit privater Geldquellen in den kommenden Jahren größer
wi rd.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Kapitalmarkt für diese Länder
offenhalten und wollen andere Industriestaaten ebenfalls dazu ermuntern.
Wir ermutigen die Entwicklungsländer dazu, den Vorteil unserer Märkte voll
auszuschöpfen. Wir gehen Vorschlägen nach, die es den Regierungen der
Entwicklungsländer erlauben würden, größeren Gebrauch von festverzinslichen
Wertpapieren zu machen,und die zu einer gemeinsamen Finanzierung zwischen
privaten Geldgebern und multilateralen Entwicklungsbanken anreizen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen auch zwei einfallsreiche Wege, auf
denen internationale Hilfsquellen und Fachwissen durch die Entwicklungsländer selbst eingesetzt werden:

wirtschaftliche und technische Zusammen-

arbeit zwischen Entwicklungsländern.

Während eine solche Kooperation

hauptsächlich in Eigenverantwortung der direkt betroffenen Länder liegen
wird, haben die Vereinigten Staaten dennoch in der Vergangenheit oft
ihre Unterstützung gewährt und werden diese Unterstützung auch in Zukunft
anbieten.

- 12 -

�Die Forderungen nach Unterstützung dieser Zusammenarbeit zwischen
den Entwicklungsländern durch die Industriestaaten sowie die Bedeutung
dieser Zusammenarbeit für unsere Weltwirtschaft verdienen die aufmerksame
Erörterung durch die gesamte internationale Gemeinschaft.

Für die Vereinigten

Staaten ist es selbstverständlich, daß UN-Organisationen wie UNCTAD aufgrund
ihrer weltumspannenden Mitgliedschaft der richtige Platz sind, um solche
Fragen zu beantworten.

Dies kann natürlich nur dann geschehen, wenn solche

Körperschaften ihre Universalität sowohl im Prinzip als auch in der Praxis
beibehalten.
Schließlich müssen wir sorgfältige Aufmerksamkeit darauf verwenden,
daß UNCTAD noch wirkungsvoller arbeitet.

Das geschulte Personal inter-

nationaler Organisationen sollte als ein gemeinschaftliches und wertvolles Hilfsmittel mit größtmöglicher Wirksamkeit eingesetzt wird.
Häufig verschwenden wir die Fähigkeiten und die Energie des UNCTADPersonals, wenn wir bei unseren Beratungen zur Vermeidung von Sackgassen
zu Verfahrenslösungen Zuflucht nehmen.

Es ist leider oft einfacher, nach

einem anderen Treffen oder einer weiteren Studie zu rufen, als sich die
Tatsache einzugestehen, daß wir bei einem bestimmten Thema keine Möglichkeit haben, zu einer Einigung zu kommen.

Wir sollten darin übereinstimmen,

daß wir nicht übereinstimmen, sollten das Thema vorerst beiseitelegen und
uns auf andere konzentrieren.

Wir haben viele dieser Probleme schon

lange genug durchdiskutiert und respektieren unsere gegenseitigen Ansichten
gut genug, so daß es möglich sein sollte, dies ohne Bitterkeit zu tun.

Auf

diese Weise bedienen wir uns des UNCTAD-Personals am wirkungsvollsten,
indem wir seine Anstrengungen auf Theman konzentrieren, bei denen wir
realistischerweise auf das Zustandekommen einer Einigung hoffen können.
Es gibt viele Probleme, bei denen diese Konferenz zu dem Entschluß
kommen wird, daß eine erhöhte UNCTAD-Tätigkeit notwendig ist. Wir brauchen
nicht anzunehmen, daß eine solche erhöhte Aktivität eine Anhebung der
Gesamtmittel von UNCTAD erfordert.

Vielmehr sollten wir herausfinden, wo

- 13 -

�wo Einsparungen im Budget gemacht werden können, um Erhöhungen auszugleichen.
Dies wird diejenigen, die das Geld für UN-Haushalte bereitstellen müssen,
davon überzeugen, daß wir ernsthaft eine Organisation haben wollen, die so
realistisch, tüchtig und leistungsfähig wie möglich ist.
Herr Vorsitzender, als ich zu Beginn dieser Darstellung von einer
neuen, mehr pragmatischen Phase der internationalen Diskussion und Aktion
in bezug auf die Entwicklungsländer sprach, meinte ich nicht, daß die uns
gestellten Herausforderungen weniger dringlich geworden seien.

Als ich

den Fortschritt erwähnte, den wir zusammen hinsichtlich des gegenseitigen
Verstehens gemacht haben, meinte ich nicht, daß die Leidenschaft verschwunden
sei aus dem, was unsere Bürokraten und Gelehrten zu einfach und oft steril
als den "Nord-Süd-Dialog" bezeichnen.

Mein Leben hat mich gelehrt, daß

Leidenschaft, durch den Verstand gewappnet und geleitet, innerhalb einer
Nation eine neue Gemeinschaft zustande bringen kann - und auch innerhalb
einer Welt von Nationen.

Mein Land begrüßt die Anstrengungen dieser Konferenz.

Sie werden unsere volle und konstruktive Beteiligung haben.

+ + + + +

- 14 -

�PRÄSIDENT CARTER ZUM REAKTORPROJEKT "CLINCH RIVER"
- Kommerzielle Anwendung schneller Brüter nur bei besserer Technologie

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden bringen wir den Wortlaut eines Schreibens,
das Präsident Carter Ende April an Thomas O'Neill, den Sprecher des US-Repräsentantenhauses, richtete und das vom Büro O'Neills am 4. Mai 1979 veröffentlicht
wurde. Der Präsident erläutert darin die Gründe, weshalb er auch weiterhin
die Fertigstellung des SchneiIbrüter-Projekts Clinch River (CRBR) in Tennessee
ablehnt:
"Seit meiner Amtsübernahme habe ich mich gegen den Bau des Clinch RiverBrutreaktors ausgesprochen. In letzter Zeit habe ich diese Angelegenheit erneut
überprüft und bin nach wie vor überzeugt, daß die Fertigstellung dieses Projekts
nicht im nationalen Interesse liegt. Meine Gründe für diese Überzeugung sind
folgende:
- Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es zu früh, den Bau einer ersten großen
Brüteranlage fortzusetzen, weil aufgrund vorsichtiger Schätzungen von Angebot
und Bedarf an amerikanischem Uran noch viel Zeit vergehen wird, bis sich der
Einsatz von Brütern in den Vereinigten Staaten lohnen würde.
- Seit

�- Seit der vorläufigen Einstellung der Arbeiten am Clinch RiVer-Projekt
haben wir umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt.

Es stellt

heute nicht mehr das bestmögliche Modell dar, das für den ersten großen Brutreaktor zur Verfügung steht.
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir auch in der Lage sein, einen
Reaktor zu konstruieren und zu bauen, der technisch fortschrittlicher, leistungsfähiger und sicherer ist und eher jenen Brutreaktoren entspricht, die eines Tages für die kommerzielle Nutzung in Frage kommen.

Aus diesem Grund sind die

Lernprozesse und Erfahrungen, die wir mit der Fertigstellung des CRBR-Projektes
gewinnen würden, die Kosten einfach nicht wert.
Eine Fortsetzung dieses Projektes würde die Bemühungen der USA schwächen,
andere Länder zu überzeugen, die Verwendung von Plutonium und anderen Nuklearmaterialien, aus denen Kernwaffen hergestellt werden können, zu begrenzen und
strikten Kontrollen zu unterwerfen. Wenn die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Brutreaktortechnologie führend sein sollen, brauchen wir ein aufs
beste fundiertes Programm, das den Stand der Technik fortlaufend verbessert.
Das wird uns in die Lage versetzen, zu geeigneter Zeit einen Reaktor nach
neuesten Konzeptionen zu bauen.
Ich möchte betonen, daß meine Ablehnung des CRBR-Projekts nicht eine generelle Ablehnung von Brutreaktoren oder von Kernkraft bedeutet. Neben der
Erschließung unserer erneuerungsfähigen Energiequellen auf der Basis von Sonnenenergie und Kernfusion verheißen auch Brutreaktoren eine im wesentlichen unerschöpfliches Versorgung mit elektrischer Energie. Wir müssen ein energisches
Forschungs- und Entwicklungsprogramm für Brutreaktoren verfolgen, damit diese
Art der Energieproduktion kommerziell verfügbar ist, wenn bzw. falls wir sie
brauchen. Ich habe mich stets für ein solches Programm ausgesprochen und tue dies
auch heute. Meine Haushaltsvoranschläge für das Finanzjahr 1980 enthalten Anforderungen von 504 Millionen Dollar für die Entwicklung des Brutreaktors mit
Flüssigmetall-Kühlung und von 86 Millionen Dollar für Zusatzentwicklungen bei
Leichtwasser- und Gaskühlung. Im Etat für 1981 wird diese Festlegung auf ein

�ein umfangreiches und vielseitiges Technologie-Programm beibeha'.cen - das
größte, das überhaupt ein Land durchführt.
Außerdem bin ich überzeugt, daß wir weiterhin auf den Leichtwasser-Reaktortyp mit einmaligem Kernbrennstoff-Durchsatz als eine wichtige Quelle für
die Stromerzeugung jetzt und in Zukunft angewiesen sind. Wir müssen auch
künftig die Sicherheit, Zuverlässigkeit und die Brennstoffausnutzung verbessern
und mit der sorgfältigen, wohlüberlegten und dennoch raschen Lösung des Problems der Abfall-Lagerung vorankommen. Ich lege sehr großen Wert auf alle diese Dinge. Und meine Haushaltsvoranschläge für 1980 gewährleisten, falls der
Kongreß sie billigt, starke Programme auf jedem dieser Gebiete.
Auch international werden wir unsere Anstrengungen fortsetzen, andere •
Länder zu überzeugen, die Vorteile der nuklearen Energieproduktion wahrzunehmen, ohne gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit zu vergrößern, daß nukleare
Technik und nukleare Materialien in Kanäle zur Herstellung von Kernwaffen gelangen. Diese beiden Ziele halte ich für vereinbar, und wir werden auch künftig
mit anderen Ländern zusammenarbeiten, damit sie es in der Praxis werden.
Der unterschiedlichen Meinung im US-Kongreß zur Frage des CRBR-Projekts
bin ich mir natürlich bewußt. Die Kontroverse über diesen wichtigen Aspekt
des amerikanischen Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms existiert seit
langem und spaltete den Kongreß in verschiedene Lager. Sie hat die Aufmerksamkeit von den übrigen Bereichen eines wohl ausgewogenen und wirksamen Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms sowie von anderen wichtigen Energieproblemen auf nuklearem wie nicht-nuklearem Gebiet abgelenkt.
überdies haben wir, während die Debatte fortdauert, monatlich etwa 15 Millionen Dollar für das Clinch River-Projekt aufzubringen.

Ein Teil dieser Mittel

ist für Komponenten bestimmt, die ich fertigentwickelt sehen möchte; ein großer Teil aber wird vergeudet.

Das können wir uns eigentlich nicht leisten.

Schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar ließen sich einsparen, wenn das Projekt
endlich eingestellt werden könnte.

Meines Erachtens ist es Zeit, diesen toten

- 3 -

�toten Punkt zu überwinden, um Lösungen für die Deckung unseres langfristigen
Energiebedarfs zu finden.
Ich halte es für möglich, diese Angelegenheit in einer Form zu lösen, die
sowohl für die Regierung als auch für den Kongreß annehmbar ist. Die wesentlichen Elemente einer solchen Lösung umfassen:
- ein starkes Energieforschungs- und Entwicklungsprogramm für Brutreaktoren mit Flüssigmetallkühlung, das 1980 mit 504 Millionen Dollar finanziert
wird.

Dieses wird unsere Fähigkeit zum Bau einer ersten Anlage, sobald wir

sie benötigen, und schließlich die Kommerzialisierung der Technologie gewährleisten, falls wir uns zu diesem Schritt entschließen;
- eine Entwurfsstudie für eine große Brüter-Testanlage, die dem entspricht,
was sich die nukleartechnische Industrie und die Versorgungsunternehmen unter
der ersten Brüter-Anlage vorstellen, welche die gesamte heute verfügbare Technologie einbezieht und einen flexiblen Versuchsbetrieb zuläßt. Ein Bericht
über diesen Entwurf wird dem Kongreß im März 1981 unterbreitet;
- Fertigstellung eines derartigen Systementwurfs für den Clinch RiverBrutreaktor;
- Beschaffung und Erprobung bestimmter Komponenten aus dem Clinch RiverProjekt, um die bestmögliche Ausnutzung bisheriger Investitionen zu gewährleisten;
- Abwicklung des restlichen Teils des Clinch River-Projekts.
Ich habe Energieminister Schlesinger angewiesen, dem Kongreß Gesetzesvorlagen für die Durchführung dieser Abwicklung zuzuleiten.

Sie setzen die

Verabschiedung per 1. Juni 1979 voraus, ein Zeitpunkt, durch den weitere unnötige Aufwendungen für dieses Projekt so gering wie möglich gehalten werden,
während gleichzeitig dem Kongreß eine ausreichend lange Frist zur Verfügung

- 4 -

�Verfügung steht, d io Angelegenheit umfassend uno sorgfältig z~ erwiigen.

Ich habe gebeten, den Mitgliedern des Kongresses und ihren Mitarbeitern
detaillierte Informationen über alle Aspekte des Nuklearprogramms meiner Regierung und über die Rolle von Brutreaktoren in unserer künftigen Energiepolitik baldmöglichst zukommen zu lassen.

Ich habe außerdem das Energieministerium

und meinen eigenen Mitarbeiterstab instruiert, keine Mühe zu scheuen, um alle
Details oder Informationen, die Kongreßmitglieder und ihre Mitarbeiter auf diesen Gebieten anfordern, zu beschaffen.

Ich hoffe auf gute Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Lösung dieses
wichtigen Problems und ersuche den Kongreß dringend, die Gesetzesvorlage rasch
zu verabschieden, die Ihnen in Kürze zugehen werden."

- 5 -

�I

Ulirt/choft

rp

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Mai 1979

19

DER NATIONALE ENERGIEPLAN II DER USA
- Auszüge aus dem Bericht Carters an den Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat davor gewarnt, daß die
wichtigsten ölverbraucherlander hinsichtlich ihrer Versorgung mit weiteren Erschütterungen durch Kriege, Handelsembargos, Streiks und politischen Unruhen
zu rechnen habe und die öl preise in einem Jahrzehnt auf 30 Dollar je Barrel
steigen könnten.
In dem Bericht unter dem Titel "Nationaler Energieplan II", den Präsident
Carter dem Kongreß vorgelegt hat und der am 8. Mai 1979 veröffentlicht wurde,
heißt es jedoch weiter, daß "die Verbraucher nicht machtlos sind". Wichtig
seien weiterhin Sparsamkeit und alternative Energiequellen.
In dem Energieplan wird weiter unterteilt, daß eine Sonderkommission eine
eingehende Studie des Three Mile Island-Unfalls erstellt habe, damit das Land
Sicherheitsmaßnahmen entwickeln könne, die es ermöglichen, die Kernenergie für
den wachsenden Bedarf von Elektrizität auch weiterhin einzusetzen.
Kurzfristig bis 1985, so heißt es in dem Bericht, werde die Welt mit Glück
einer zweiten radikalen öl Preiserhöhung entgehen.

Dazu müßten die Vereinigten

Postfach 20 03 00
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Vereinigten Staaten allerdings Ihre Verwundbarkeit dem ausländischen öl gegenüber herabsetzen, Indem sie neue Wege der Energieproduktion und der Energieverwendung finden und öl und Benzin zu deren wirklichem Wert, d.h. zu höheren
Preisen einstufen.
Mittelfristig, bis zum Jahr 2000, werde
und teurere Energie umzustellen.
sentlich niedriger liegen.

die Welt anfangen, sich auf neue

Der Zuwachs des Energieverbrauchs dürfte we-

Kohle und Sonnenenergie werden ihre Marktanteile

vergrößern.
Langfristig, nach 2000, rechnet der Bericht mit der Anwendung extremster
Technologien, wie etwa Sonnenenergie und fortgeschrittener Nukleartechnologie.
Diese Entwicklung sollte durch "aggressive Forschung und Entwicklungsprogramme"
unterstützt werden.
Der Bericht enthält jedoch keine neuen Vorschläge, sondern soll den amerikanischen Kongreß mit Informationen für kommende Entscheidungen versorgen.

i

Im folgenden Auszüge aus der einleitenden Zusammenfassung des Berichts:
Die Vereinigten Staaten und die anderen wichtigen ölverbraucher dieser Welt
müssen an anderen Orten und zu anderer Zeit mit weiteren Unterbrechungen ihrer
Ölversorgung als Ergebnis von Kriegen und Unruhen im Ausland, politisch motivierten Embargos, Streiks, Sabotage und anderen Störfallen rechnen. Langfristig
wird die Ölversorgung grundsätzlich durch die Kapazitäten und Förderentscheidungen jener weniger Länder begrenzt werden, in denen sich die ölreserven der Welt
konzentrieren. Wenn der Produktionsanstieg zu den derzeitigen Preisen nicht
mehr mit der wachsenden weltweiten ölnachfrage Schritt halten kann, werden die
Preise steil ansteigen, um die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Während
die weltweite Versorgungslage sich ohnehin unter dem bestehenden Langzeitdruck
verschärft, droht den Vereinigten Staaten durch die Unsicherheit der Versorgungsquellen noch zusätzlicher ökonomischer und politischer Schaden. Dies alles
wird den Obergang zu der kommenden Epoche rarer und teurer Energiequellen weiter
erschweren.

-„
Das
- 2 -

�Das Sicherheitsproblem
Man läßt sich nur zu leicht von der augenblicklichen Krise ablenken, und
man reagiert leicht zu stark, verliert die fundamentalen Probleme aus den Augen,
um die es in dieser Krise geht.

Ebenso einfach wäre es, die langfristigen Trends

auf der Basis der heutigen Schlagzeilen zu interpretieren.

Schon geringfügige

Veränderungen in Produktion und Verbrauch können über Nacht ein Oberangebot oder
eine Verknappung auf den ölmärkten hervorrufen.

Auch die öffentliche Meinung

hinsichtlich der Dringlichkeit des Energieproblems kann sich ändern.

Aber die

Gefahren für die politische und wirtschaftliche Sicherheit der Nation sind heute
deutlich geworden.
Diese Gefahren hat der rasche und massive Übergang zum Verbrauch von ausländischem Dl in Amerika mit sich gebracht. Im Jahr 1971 führten die USA 3,9
Millionen Barrel öl am Tag ein und bezahlten den ausländischen Produzenten dafür nur 4 Milliarden Dollar. Im Jahre 1979 werden die Vereinigten Staaten
wahrscheinlich 8,5 bis 9 Millionen Barrel pro Tag einführen und dafür aufgrund
der diesjährigen Preisflut, hervorgerufen durch den Ausfall der 3&gt;e«nischen Lieferungen, eine Importrechnung von über 50 Milliarden Dollar bezahlen.
Die Ursache dieser plötzlichen Verwundbarkeit liegt in der hergebrachten
Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft von einem anhaltenden Fluß billiger
Energie. Die Energiepreise sind in diesem Jahrhundert in den Vereinigten Staaten
real fast ständig gesunken. Sinkende Energiepreise aber ermunterten zu immer
stärkerer und sogar verschwenderischer Verwendung der'eigenen öl- und Erdgasreserven. Doch die öl- und Erdgasquellen unseres Landes waren nicht unerschöpflich. Diese mächtigen Kräfte prallten erst Ende der sechziger Jahre aufeinander.
Die Inlandsölförderung erreichte 1970 ihren Höhepunkt und ging seither zurück.
Die Förderung von Erdgas in den Vereinigten Staaten erlebte diesen Höhepunkt
1973. Trotzdem hat sich die Nation an einer Politik und an Gewohnheiten festgehalten, die die Vergangenheit wiederherstellen wollen, nämlich die Preise
niedrig zu halten und mit der gewohnten Verschwendung weiterzumachen. Viele
haben nur langsam erkannt, daß der wirkliche Preis für jedes neue verbrauchte

�verbrauchte Barrel Ol mehr importiertes öl ist, das den Inlandsverbrauch ersetzen muß.
Im Verlauf der letzten fünf Jahre bestand der Preis fUr diese Abhängigkeit
von einigen wenigen öl produzierenden Ländern in einer Reihe von sehr unangenehmen wirtschaftlichen Schocks.

Die erste OPECrPreiserhohung von 1973/74

vervierfachte den öl preis, trug zu einer Rezession in den Vereinigten Staaten
bei und erforderte schmerzvolle Anpassungen, von denen sich das Land erst langsam erholt hat.

öleinfuhren haben den Preis von all den Gütern hochgetrieben,

die öl oder ölersatz benötigen, und waren dadurch direkt oder indirekt eine
Ursache der Inflation in Amerika.

Außerdem haben sie zu den hohen Handelsbi-

lanzdefiziten der Jahre 1977 und 1978 in den Vereinigten Staaten beigetragen,
die zu der jüngsten Abwertung des Dollar-, geführt haben.
Schließlich haben die Preiserhöhungen für das öl auch den Lebensstandard
eines jeden Amerikaners beeinflußt.

Die amerikanische Wirtschaft mußte immer

mehr Güter und Dienstleistungen aufgeben, um die gleiche Menge ausländischen
Erdöls kaufen zu können.

Die Amerikaner sind einfach nicht so reich, um einen

so lebensnotwendigen Rohstoff wie das Erdöl zu solchermaßen gewandelten Bedingungen zu kaufen.
Diese Abhängigkeit von ausländischem Erdöl hat auch zu einer neuen Ära
politischer Instabilität geführt. In der heutigen Welt kann eine Revolution,
ein Krieg oder ein politisches Embargo im Nahen Osten ohne Vorankündigung die
amerikanische Wirtschaftstätigkeit rasch und heftig unterbrechen. Die politische und militärische Sicherheit einiger weniger öl produzierender Länder in
der Welt ist für alle ölverbrauchenden Länder von höchster Bedeutung. Wie die
Vorgänge im Iran gezeigt haben, können innere Unruhen in jedem wichtigeren
OPEC-Land schlagartig Probleme auf dem Erdölmarkt mit sich bringen. Die
Schließung des Persischen Golfes könnte die Vereinigten Staaten und die anderen
Industrieländer in eine weltweite Wirtschaftskrise stürzen.

�In den nächsten zehn Jahren könnten sich die Probleme der Sicherheit auf
dem Energiesektor für die Vereinigten Staaten verschlimmern. Der unterschwellige Druck hin zu starken Preiserhöhungen für das Erdöl wird in den achtziger
Jahren sicher groß sein. Alle zusätzlichen Förderkapazitäten, die einzelne
OPEC-Länder in den letzten Jahren vielleicht entwickelt haben, werden sicher
bis Mitte der achtziger Jahre verschwinden, wahrscheinlich sogar eher. Die
Regierungen der Förderländer mit begrenzter Möglichkeit, die riesigen Einnahmen
zu verwenden, haben guten Grund, die Förderung unter den technisch möglichen
Höchstgrenzen und ihr Angebot auf den Weltmärkten knapp zu halten.
Wenn es keine größeren Veränderungen hinsichtlich der vorhergesagten
Energiegewinnung und den Verbrauchertendenzen sowie der Anstrengungen der Regierungen gibt, könnten die Weltmarktpreise für Erdöl im Jahr 1990 30 Dollar
pro Barrel betragen. Paßt man diesen Preis der Inflation an, so könnte er 1990
bis zu 55 Dollar pro Barrel betragen. Diese Preiserhöhungen werden ziemlich
sicher nicht allmählich und vorhersehbar kommen. Die bisherige Erfahrung
lehrt vielmehr, daß die Preise ruckartig anziehen werden, in dem Maße, wie die
Märkte verspätet oder verfrüht, absichtlich oder unabsichtlich, sich den neuen
Gegebenheiten anpassen. Dieses unberechenbare Verhalten wird wahrscheinlich
die Rezessionsschläge und die schmerzhaften Anpassungen an höhere Preise nur
noch verschärfen.
Je weiter die Preise für das Rohöl langfristig steigen, desto mehr werden
sie das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamen, neue Investitionen dämpfen,
die Beschäftigungslage verschlechtern und die Inflation anheizen.
Entwicklungsländer könnten sogar größere direkte Schäden erleiden als die
fortgeschrittenen Industrieländer; trotzdem bleibt die Verwundbarkeit im Energiebereich bei der wachsenden wechselseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - der
Weltwirtschaft eine Gefahr für alle.
Die Vereinigten Staaten und die Regierungen der anderen Verbraucherländer,
die jetzt schon durch die Internationale Energieagentur (IEA) miteinander ver- 5 -

�verbunden sind, sind jedoch nicht völlig machtlos bezüglich der Beeinflussung
der Energielage.
Wahl.

Wegen ihrer eigenen Sicherheit haben sie gar keine andere

Sie können den durch höhere Dl preise hervorgerufenen wirtschaftlichen

Schaden 1n Grenzen halten,und sie können auch Preiserhöhungen in Grenzen halten.
stoffe

Durch eine Politik der Einsparung und der Verwendung alternativer Brennkönnen die Verbraucherlä'nder den Nachfragedruck vermindern, der zu hö-

heren öl preisen auf den Weltmärkten führen würde.

Ebenso können sie die Ent-

wicklung neuer, teurer Energietechnologien und -quellen fördern, die zu gegebener Zeit zur Begrenzung weiterer Preiserhöhungen eingeführt werden können.

Es

wird wesentlich sein, bei solchen Preiserhöhungen zu gewährleisten, daß diese
Ersatzenergien dann rasch und in den benötigten Mengen zur Verfügung stehen.

Planung fürs Ungewisse
Die Vereinigten Staaten können keine zufriedenstellende Energiepolitik entwickeln, bevor sie nicht die Notwendigkeit erkannt haben, für eine ganze Reihe
von Ungewißheiten zu planen. Trotz einer Flut von Energievorhersagen und -Prognosen innerhalb der letzten Jahre kann niemand mit Gewißheit die zukünftige
Energielage der Nation voraussagen. Aber es ist möglich, diejenigen Kräfte
besser zu verstehen, die diese Zukunft gestalten werden.
Der erste Bereich von Ungewißheiten betrifft die Versorgung. Die Welt besitzt noch ausgedehnte öl- und Erdgasreserven. Der grundsätzliche Zweifel geht
jedoch dahin, ob noch genug Erdöl zum jetzigen Preis entdeckt und gefördert
werden kann, um wenigstens ein langsames Wachstum der weltweiten Erdöl nachfrage
zu befriedigen. Immer mehr Erdöl wurde in letzter Zeit unter teuren und feindseligen Umweltbedingungen gefördert. Viele Geologen glauben, daß die meisten
größeren öl fei der bereits entdeckt worden sind und daß künftige Entdeckungen
weitaus kleiner sein werden. Da die Förderung in den jetzigen ölfeldern abnimmt, müßten erfolgreiche Neuentdeckungen in einem bisher nicht erlebten Tempo
erfolgen, wenn sie größere Preissprünge bei den ölpreisen verhindern sollen.
Inzwischen

�Inzwischen werden einige der Länder, in denen sich die ölvorrä'te der Welt
konzentrieren, höchstwahrscheinlich nicht mit höchster technisch möglicher
Förderleistung arbeiten.

Vielmehr werden sie versuchen, ihre ölvorrä'te zu

strecken und zugleich ihre Einnahmen so zu gestalten, daß sie den Erfordernissen
der innenpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung am besten gerecht werden.
Diese Angebotsfaktoren könnten sich natürlich ändern, wenn die verstärkte ölsuche außerhalb der OPEC-Länder zu einer höheren Förderung führt.
Der zweite Bereich von Ungewißheiten betrifft die weltweite Nachfrage nach
Energie. Der Appetit auf Erdöl wird in den nächsten zwei Jahrzehnten vom Wirtschaftswachstum abhängen, das nur sehr schwierig vorauszusagen ist. Einsparung
kann sicher das Anwachsen der Energienachfrage bremsen, aber Ragierungspolitik,
Verbraucherverhalten und der Energieverbrauch neuer Kapital guter und Baulichkeiten sind bekannterweise schwierig abzuschätzen und schwer vorherzusagen.
Von diesen Faktoren wird es abhängen, ob und wie schnell die weltweite ölnachfrage die Grenzen der OPEC- und Nicht-OPEC-Förderkapazität erreicht. Eine Vielzahl anderer Ungewißheiten wird ebenfalls das Preisverhalten des ölmarktes beeinflussen. Dazu gehörander technologische Wandel ebenso wie die Politik der
Regierungen in den Verbraucherländern, um Ersatzstoffe für öl zu entwickeln,
und die Rolle, die kommunistische Regierungen auf dem Weltmarkt als exportierende oder importierende Kraft - oder als beides - spielen werden.
Kurz gesagt, sowohl hinsichtlich des Zeitpunktes als auch hinsichtlich des
Umfangs sind die Preissteigerungen in Ungewißheit gehüllt. Vor der ganzen
Bandbreite von durchaus vernünftigen Annahmen, die sich hier ergeben, ist es
nahezu unvermeidlich, daß die Nachfrage zu derzeitigen Preisen irgendwann in
den achtziger Jahren das Angebot zu solchen Preisen weit Übersteigen wird. Es
wäre vorschnell, diese Ungewißheiten zu ignorieren, sich durch vorhandene optimistische Voraussagen trösten zu lassen oder sie dazu zu benützen, Untätigkeiten zu rechtfertigen. Die Vereinigten Staaten müssen für eine optimistische
ebenso wie für eine pessimistische Zukunft planen und die Schwierigkeiten und
Vorteile vorwegnehmen, die daraus entstehen können.
Dabei

�Dabei ist der Preis nicht der einzige Maßstab für eine "gute" oder "schlechte" Energiezukunft.

Niedrige ölpreise bringen zwar kurzfristige wirtschaftliche

Vorteile, führen aber zu höheren Einfuhrzahlen und langfristig zu größeren politischen Unsicherheiten sowie zu wirtschaftlicher Verwundbarkeit durch Einfuhrstörungen.
Hohe ölpreise können zu niedrigeren Importen führen, obwohl für erhöhte
Inlandsangebote nicht mit dem Markt zusammenhängende Beschränkungen auftreten
könnten, die weiterhin hohe Importe zur Folge hätten. Die Vereinigten Staaten
müssen eine Politik entwickeln, die Ausgleich

und Schutz vor den Risiken höherer

Preise, höherer Importe oder bei dem bietet.
*

Auf dem Wege zu einer amerikanischen Energiestrategie
Seit der ersten OPEC-Preiserhöhung der Jahre 1973/74 hat sich die amerikanische Energielage laufend verschlechtert.

Während zunehmender Nachdruck auf Ein-

sparung gelegt wurde und die Zuwachsrate der Nachfrage zurückging, blieb die
Inlandsproduktion von Energie fast ein Jahrzehnt auf der Stelle.
D^e Nation steht an der Schwelle zu einem großen Wechsel ihrer Energiequellen.
Im Laufe der nächsten 20 Jahre werden die Vereinigten Staaten den Zuwachs an
künftiger Nachfrage nicht nur mit Erdöl und Erdgas befriedigen, sondern in zunehmendem Maße mit Kohle, Kernenergie, sich erneuernden Energiequellen und mit
teuren unkonventionellen Energiequellen. Das Land wird nicht mehr, wie bisher,
einfach zu importiertem Erdöl greifen können, um die Versorgungslücke zu schließen.
Ausländisches öl wird nicht länger billig und leicht verfügbar sein. Außerdem
wenden die politischen Kosten der Abhängigkeit noch deutlicher und noch unannehmbarer werden»
Die Herausforderungen dieser Übergangsperiode sind ihrer Natur nach unangenehm. Die Entwicklung neuer Übergangsangebote und die Entwicklung neuer Märkte
für diese Angebote werden viele Jahre brauchen und ungeheure Investitionen über

- 8-

�über einen langen Zeitraum hinweg benötigen.

Dennoch ist diese Anstrengung

entscheidend und, abgesehen von den Vorteilen hinsichtlich der politischen
Sicherheit, würden die potentiellen Kosteneinsparungen beträchtlich sein. Zu
lange verzögerte Maßnahmen könnten katastrophale Folgen haben.
Zur Zeit ist der endlose Konflikt über die Zukunft der Energiepolitik eine
der lähmendsten Ungewißheiten für die Energiezukunft dieses Landes. Erst durch
die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April 1979 kommt das Land nun zu
einer ölpreispolitik, die Schluß macht mit den Zuschüssen für ausländisches öl.
Oft genug haben Unternehmen gezögert, wegen Verzögerungen und Ungewißheiten
der Regierungspolitik neue Projekte in Angriff zu nehmen.
Die Debatte über die Energiepolitik während der letzten Jahre hat mit am
meisten Zwietracht gebracht. Die Energiepolitik berührt alle wirtschaftlichen
Interessen, berührt jede Gruppe der amerikanischen Gesellschaft. Sie führt in
ein komplexes Gewirr manchmal sich widerstreitender nationaler Ziele, wie Markteffizienz und höhere Produktion, Gleichheit zwischen Einkommensklassen und Regionen, Umweltschutz, nationale Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Inflationszwang. Es wird schwierig, manchmal sogar unmöglich sein, diese Ziele in Einklang zu bringen.
Eine Energiestrategie muß auf dem Nationalen Energiegesetz des Jahres 1978
aufbauen.

Sie muß Übereinstimmung zu Themen entwickeln, die in diesem Gesetz

noch nicht behandelt wurden, und zu neuen Fragen, die seither aufgetaucht sind.
Sie muß den regionalen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden eine aktivere
Rolle zuweisen, um die Vielzahl von Energieproblemen anzupacken, die auf nationaler Ebene nicht gelöst werden können. Sie muß neuen Einfallsreichtum beweisen,
um die Auswirkungen der höheren Energiepreise auf Wohlstand und Gleichzeit zu
mildern.

Sie muß festlegen, wie ein Gleichgewicht erreicht werden kann zwischen

den Kosten einer kurzfristigen Inflation und den Vorteilen einer langfristigen
Beherrschung der Inflation.

Es gibt keinen anderen Weg, als sich den schwieri-

gen Entscheidungen, die vor uns liegen, zu stellen.
Die
- 9 -

�Die nationale Energiestrategie
Eine Energiestrategie muß ein Gleichgewicht herstellen zwischen jenen Maßnahmen, die die langfristige Sicherheit der Nation verbessern und denen, die es
ermöglichen, mit einer plötzlichen Krise fertig zu werden.

Sie muß die verschie-

denen Probleme auseinanderhalten, die in drei Zeitperioden auftreten können:
dem vor uns liegenden Zeitraum (bis etwa 1985), dem mittelfristigen Zeitraum
(von 1985 bis 2000) und dem langfristigen Zeitraum (2000 und danach).
Die Nation kann nicht all die Energieprobleme lösen, denen sie heute oder
irgendwann gegenübersteht.

Jede Entscheidung muß sorgfältig aus der Erkennt-

nis heraus getroffen werden, daß mehr Wissen später klügere Entscheidungen ermöglichen wird.

Die Hauptziele der Strategie müssen jedoch sein, in einer un-

gewissen Zukunft ständige politische Führung anzubieten.

Die unmittelbare Zukunft (1979-1985)
In den nächsten Jahren werden die Vereinigten Staaten und die übrige Welt
glücklich sein, einem zweiten radikalen Anstieg der ölpreise zu entgehen.
Anpassungsprozeß wäre erneut äußerst schmerzhaft.

Der

Der größte Teil der energie-

produzierenden und der energieverbrauchenden Ausrüstungen, die in diesem Zeitraum wichtig sind, befindet sich bereits an Ort und Stelle.
Selbst mit den Auswirkungen des Nationalen Energiegesetzes vom vorigen
Jahr sind die Importe noch immer unannehmbar hoch und könnten ohne weitere Maßnahmen im Jahr 1985 sogar noch höher liegen.
Als unmittelbares Ziel, das in Zukunft sicher noch größere Bedeutung erlangen wird, muß die Nation ihre Abhängigkeit von ausländischem Erdöl verringern
und ihre Verwundbarkeit durch Versorgungsunterbrechungen herabsetzen.

Die

�Die unmittelbare Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, daß Investitionen für neue Energiegewinnungs- und Energieverbrauchs-Ausrüstungen in einem
Maße und auf eine Art durchgeführt werden, die den neuen Gegebenheiten Rechnung
trägt, und daß die vorhandenen Vorräte und die vorhandenen Ausrüstungen auf
wirkungsvollste Weise genutzt werden.
Preisbewegungen für Erdöl und Erdgas hin zu einem echten Marktwert werden
die amerikanischen Verbraucher besser auf langfristige Preiserhöhungen vorbereiten und schon jetzt größere Produktion und Einsparungen bewirken. Die Beseitigung von Hindernissen für neue Produktion wird übertriebene administrative Verzögerungen abschaffen, die heute noch den: Bau neuer Raffinerien, Ölleitungen und
anderer Energieprojekte behindern. Die Auffüllung der Strategischen ölreserve,
die Aufschlüsselung der weltweiten Ölversorgung und andere Schritte werden die
wirtschaftlichen Auswirkungen einer Unterbrechung mildern. Alle diese Maßnahmen
können als Vorbereitung dienen für weitere Maßnahmen, die mittelfristig noch mehr
Energiesicherheit erkaufen können.

Die mittelfristige Zukunft (1985-2000)
Mittelfristig werden die Vereinigten Staaten und die übrige Welt von der
Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas auf neue und teuerere Energieformen übergehen.
Der Anstieg des Energieverbrauchs dürfte dann weit langsamer sein als Ursprung^
lieh angenommen. Direkte Kohleverwendung, Elektrizität und dezentralisierte
sich erneuernde Quellen werden ihren Marktanteil vergrößern. Die Ungewißheiten
- besonders jene, die mit der Versorgung durch öl und dessen Preis zu tun haben sind für diesen Zeitraum viel größer als für die nahe Zukunft. Diese Ungewißheiten werden den Vereinigten Staaten die große Möglichkeit bieten, ihre eigene
Energiezukunft unmittelbarer zu beeinflussen.
Mittelfristig muß unser Land versuchen:
1) die

�1) die Einfuhren möglichst niedrig zu halten, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten und um den Zeitraum hinauszuschieben,
an dem die weltweite Nachfrage nach öl die Grenzen der Produktionskapazität erreicht; und
2) die Fähigkeit zu entwickeln, neue teurere

"Ersatz"-Technologien zu ver-

wenden, wenn die Weltölpreise steigen.
Wegen der Ungewißheiten im mittelfristigen Bereich können es sich die Vereinigten Staaten nicht leisten, ein starres Handlungs- und Programmschema zu verfolgen.

Niemand kann sicher sein, wie schnell oder wie langsam die Erdölpreise

steigen werden.

Die Vereinigten Staaten müssen jene Maßnahmen vorantreiben, die

jetzt angemessen sind. Sie müssen jetzt mit der Entwicklung für den Gebrauch solcher neuer Technologien beginnen, die sich auf einheimische oder nicht von der
OPEC abhängige Quellen stützen und die man nur dann verwendet, wenn sie mit teurerem eingeführtem Erdöl konkurrenzfähig sind.

Die Einführung solcher fortge-

schrittener Technologien wird darüber hinaus neue schöpferische Lösungen in Anlage und Verwendung erfordern, um die Übereinstimmung mit Umweltzielen sicherzustellen.

Die langfristige Zukunft (2000 und danach)
Die Vereinigten Staaten stehen vor zwei wesentlichen Veränderungen auf
den Energiemärkten zwischen huete und der Mitte des 21. Jahrhunderts. Die erste
wird im Verlauf der mittelfristigen Periode stattfinden, wenn die Vereinigten
Staaten sich von einem Energiesystem, das von unkonventioneller Versorgung abhing, lösen. Diese "übergangs"-Energieversorgung wird einige sich erneuernde
Technologien umfassen sowie gesteigerte ölförderung, Ölschiefer, unkonventionelles Erdgas und Produkte auf Kohlebasis.
Da sogar diese Vorkommen endlich sind, wird nach dem Jahr 2000 ein zweiter
Übergang stattfinden.

Eine Reihe von fortgeschrittensten Technologien, ein- 12 -

�einschließlich aller sich erneuernden und neuesten Nukleartechnologien, werden
anfangen, die traditionellen Brennstoffe und nicht ersetzbaren Konventionellen
Rohstoffquellen zu ersetzen.
Das langfristige Ziel unseres Landes besteht darin, ersetzbare und im wesentliche unerschöpflische Energiequellen zu bekommen, um eine gesunde Wirtschaft aufrechtzuerhalten.
Manche der vielversprechenden Technologien werden sich als äußerst kostspielig herausstellen. Umwelt- und Sicherheitsprobleme werden andere undurchführbar machen. Immer auch besteht die Gefahr, daß verfrühte und überwiegende
Unterstützung der Bundesregierung für eine bestimmte Gruppe von Technologien
attraktivere Möglichkeiten verdrängt. Die heutige Generation kann und sollte
nicht den kommenden Generationen ihr eigenes Urteil und ihre eigenen Werte aufzwingen. Diesen muß die endgültige Wahl hinsichtlich der Verwendung der verschiedenen Technologien selbst überlassen bleiben.
Eine tragfähige Energiezukunft kann nicht über Nacht erreicht werden.
Die Vereinigten Staaten können keine schlagartigen technologischen Durchbrüche
erwarten, um ihre Energieprobleme zu lösen.

Die auftretenden technischen Fort-

schritte werden am ehesten durch sorgfältige und aktive Forschung ermutigt sowie durch Entwicklungsprogramme für die ganze Palette von Optionen.

+ + + + +

- 13 -

�3

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Mai 1979

19

ERLÄUTERUNGEN ZU BEGRIFFEN IM RAHMEN DER SALT-VERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(ACDA) hat Erläuterungen zu einigen Fachbegriffen veröffentlicht, die im Zusammenhang mit den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen (SALT) immer wieder auftauchen. Das Amt hat jedoch betont, daß die nachstehend aufgeführten Definitionen nicht im vertragsrechtlichen
Sinne bindend sind, sondern lediglich dem besseren Verständnis der Materie dienen sollen. Die deutsche Obersetzung hat keinen amtlichen Charakter.
ABM-TREATY - ABM-VERTRAG.offiziell "Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten
von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme" - ist eines der beriden am 26. Mai
1972 in Moskau unterzeichneten Abkommen, die zusammen als SALT I bekannt sind.
Der Vertrag über die Abwehrraketen (Anti-Ballistic-Missiles - ABMs) trat am
3. Oktober 1972 in Kraft und hat eine unbegrenzte Laufzeit. In seiner ursprünglichen Form beschränkte er beide Seiten auf je zwei ABM-Dislozierungsräume - ein
Gebiet um die Landeshauptstadt und ein weiteres um die Bunkerzone für die Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic Missiles - ICBMs) und verfügte
ferner Begrenzungen bezüglich der Dislozierung von ABM-Startrampen (ABM Launchers),
Abfangraketen (Interceptors) - je 100 in jedem Dislozierungsraum - und ABM-Radar-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�ABM-Radaranlagen in diesem Räumen. Ein im Jahr 1974 unterzeichnetes Protokoll
zu dem Vertrag reduzierte die Zahl der ABM-Dislozierungsräume auf nur einen
für jede Seite.
AGGREGATE - GESAMTZAHL DER ZULÄSSIGEN WAFFEN BESTIMMTER KATEGORIEN. Das
SALT II-Abkommen sieht numerische Begrenzungen bei verschiedenen strategischen
Offensivwaffen vor. Der Begriff "Gesamtzahl" wird vor allem auf die Summe der
Zahlen der Startrarapen für Interkontinentalraketen (ICBM Launchers), der Startgeräte für Unterseebootgestutzte Ballistische Raketen (SLBM Launchers)» der
schweren Boiaber und der Ballistischen Luft-Boden-Raketen (Air-to-Surface
Ballistic Missiles ASBMs) angewandt. Das SALT II-Abkommen setzt für beide Seiten als Gesamtzahl eine anfängliche Höchstziffer von 2400 fest und sieht eine
spätere Reduzierung auf 2250 vor» die Anfang 1981 beginnen und bis Ende des
gleichen Jahres beendet werden soll. Innerhalb der Gesamtzahl bestehen für einzelne Kategorien Höchstgrenzen; sie belaufen sich für Startrampen für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBM Launchers), Startgeräte für Unterseebootgestützte Ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed SLBM Launchers), Luft-Boden-Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVed ASBMs) und Schwere Bomber mit Marschflugkörpern (Cruise Missiles - CMs)
mit einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern auf zusammen 1320; für Startrampen für ICBMs und SLBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen sowie ASBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen auf zusammen 1200; und für Startrampen für ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen bis zum Jahre 1985 auf 820.
AIR LAUNCHED CRUISE MISSILES (ALCMs) - LUFTGESTÜTZTE MARSCHFLU6KDRPER sind
Marschflugkörper» die von Flugzeugen aus gestartet werden.
AIR-TO-SURFACE BALLISTIC MISSILES (ASBMs) - BALLISTISCHE LUFT-BODENRAKETEN werden von Flugzeugen aus, gegen Ziele auf der Erde abgeschossen. Im
Sinne von SALT II zählen zu den Ballistischen Luft-Boden-Raketen alle von Flugzeugen aus zu startenden Raketen mit einer Reichweite von mehr als 600 km.
AIR-

�AIR-TO-SURFACE MISSILES (ASM) - LUFT-BODEN-RAKETEN werden alle aus der
Luft gegen Bodenziele einzusetzende Raketen genannt.
ASBM CARRIER - ASBM-TRÄGER werden die Träger für den Start von Ballistischen
Luft-Boden-Raketen gegen Bodenziele mit einer Reichweite von mehr als 600 km
genannt. Gemäß SALT II dürfen nur Bomber mit Ballistischen Luft-Boden-Raketen
ausgerüstet werden. Derart ausgerüstete Bomber sind als Schwere Bomber' anzusehen und fallen als solche nicht unter die im Vertrag festgesetzten Gesamtzahlen - sofern sie nicht auch mit Ballistischen Bomben (Gravity-Bombs) oder
Luftgestützten Ballistischen Weitstreckenraketen (ALCMs) bestückt sind - während die Ballistischen Luft-Boden-Raketen selbst unter die Gesamtzahl rechnen.
BACKFIRE - NATO-BEZEICHNUNG FÜR DEN MODERNEN ZWEIMOTORIGEN SCHWENKFLÜGELBOMBER DER SOWJETUNION. Er wird gegenwärtig zum Zweck des Einsatzes im Gefechtsfeld oder im Rahmen von Operationen der Seestreitkräfte als Ersatz für sowjetische Mittlere Bomber älterer Bauart operativ disloziert. Die besonderen Merkmale des Backfire-Bombers bedingen seine Einstufung zwischen den üblichen
Schweren und Mittleren Bombern. Unter bestimmten Flugbedingungen soll der Backfire-Bomber interkontinentale Reichweite haben.
BALLISTIC MISSILES - BALLISTISCHE FLUGKÖRPER sind alle Raketen, die einer
Flugbahn folgen, die sich vornehmlich aus der Einwirkung der Schwerkraft und
des ärodynamisehen Widerstands auf sie nach dem Aussetzen des Schubs der Brennstufe ergibt.

Ballistische Raketen operieren im Regelfall während eines Teils

ihrer Flugbahn außerhalb der Atmosphäre und legen den größten Teil ihrer Flugstrecke ohne Antrieb zurück.
BOMBER - BOMBER sind alle Flugzeugtypen, die nach ihrer Konstruktion zum
Abwurf von Bomben und zum Start von Raketen fähig sind.
CIRCULAR ERROR PROBABLE (CEP) - ZIELGENAUIGKEIT EINES WAFFENSYSTEMS.
CEP bezeichnet den Radius des Kreises um einen Zielpunkt, innerhalb dessen eine
50prozentige Trefferwahrscheinlichkeit besteht.
COOPERATIVE
- 3 -

�COOPERATIVE MEASURES - KOOPERATIVE MASSNAHMEN, die in dem Bestreben ergriffen werden, die Fähigkeit der Gegenseite zu verbessern, die Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens zu verifizieren.

Derartige Maßnahmen können freiwillig

oder vereinbart sein.
CRUISE MISSILES (CMs) - MARSCHFLUGKÖRPER sind Lenkflugzeuge, die den aerodynamischen Auftrieb zur Oberwindung der Schwerkraft und einen Antrieb zur Oberwindung des Luftwiderstandes benutzen.

Die Flugbahn von Marschflugkörpern ver-

läuft innerhalb der Atmosphäre.
CRUISE MISSILES CARRIERS (CMCs) - MARSCHFLUGKÖRPER-TRÄGER
von Marschflugkörpern ausgerüstete Flugzeuge.

sind zum Starten

Die Beschränkungen von SALT II

gelten für CMCs, die für den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite
von mehr als 600 km ausgerüstet sind.
CRUISE MISSILES RANGE - REICHWEITE VON MARSCHFLUGKÖRPERN. SALT II bestimmt,
daß die Reichweite eines Marschflugkörpers die größte Strecke darstellt, die er
in der Standardausführung bis zur Erschöpfung des mitgeführten Brennstoffvorrats
zurücklegen kann; sie bemißt sich durch Projektion des Flugwegs vom Startpunkt
bis zum Punkt des Auftreffens auf der Erde. Somit stellt die Reichweite die von
dem Marschflugkörper maximal zu überwindende Entfernung dar.
DATA BASE - DATENBASIS. In einem Anhang zum SALT II-Abkommen haben die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in einer schriftlichen Einverständniserklärung die Zahlen der zulässigen strategischen Offensivwaffen beider Seiten
nach Kategorien aufgeschlüsselt aufgeführt, die den im Vertrag vereinbarten Beschränkungen unterliegen. Diese Datenbasis soll in periodischen Abständen durch
die Ständige Beratende Kommission (Standing Consultive Commission - SCC) auf den
jeweils neuesten Stand gebracht werden.
DELIBERATE CONCEALMENT - VORSÄTZLICHE VERHEIMLICHUNG.

Das SALT II-Abkommen

verfügt, daß die Verifizierung der Einhaltung seiner Bestimmungen durch Nationale
Technische Mittel (National Technical Means - NTMs) zu erfolgen habe.

Die Ver-

�Vertragsstaaten sind übereingekommen, keine Maßnahmen zur vorsätzlichen Verheimlichung eigener Projekte zu ergreifen, die die Verifizierung der Einhaltung
der Vertragsbestimmungen durch NTMs behindern könnten.

Der Begriff vorsätz-

liche Verheimlichung umschließt alle Maßnahmen, die vorsätzlich zu dem Zweck
getroffen werden, die Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen
durch Nationale Technische Mittel zu verhindern oder zu erschweren.

Eine vor-

sätzliche Verheimlichung wäre beispielsweise Maßnahmen zur Tarnung, zur Vertuschung oder zur Verweigerung des Zugangs zu telemetrischen Informationen - beispielsweise durch die Verschlüsselung telemetrischer Daten -, sofern ein derartiges Vorgehen die Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen behindert.
DEVELOPMENT - ENTWICKLUNG ist das erste Stadium des Prozesses der Herstellung eines Waffensystems. Die späteren Stadien schließen die Erprobung
(Testing) oder Flugerprobung (Flight-Testing), Produktion und Dislozierung
(Deployment) ein.
ENCRYPTION - VERSCHLÜSSELUNG von Mitteilungen zum Zweck der Verheimlichung
von Informationen.

In SALT II wird dieser Terminus auf eine Praxis argewandt,

durch die eine Seite die Übermittlungsmethode telemetrischer Meßdaten (Telemetry) von in der Erprobung befindlichen Waffen vorsätzlich dahingehend verändert, daß diese Mitteilungen für die Gegenseite unentzifferbar werden.
FIXED ICBM LAUNCHERS - FESTINSTALLIERTE STARTRAMPEN FÜR INTERKONTINENTALRAKETEN (INTERCONTINENTAL BALLISTIC MISSILES - ICBMs).
von ICBM-Startanlagen: festinstallierte und mobile.

Es gibt zwei Kategorien

Unter den festinstallierten

ICBM-Startanlagen wiederum unterscheidet man "weiche" - bei denen die Rakete
und der größte Teil des Startgeräts an der Erdoberfläche verbleiben - und "harte"
- bei denen die Rakete und der größte Teil der Startausrüstung in betongeschützten unterirdischen Bunkern (Silos) untergebracht sind.

"Bei weichen"

und "harten" Startanlagen sind die Geräte, die die Rakete starten, an einem bestimmten Ort fest installiert.
FLIGHT

- 5 -

�FLIGHT-TEST - FLUGERPROBUNG.

Im Sinne von SALT II bedeutet Flugerprobung

eines Flugkörpers (im Gegensatz zu dessen statischer Erprobung - Static Test)
den tatsächlichen Start desselben zu einem bestimmten Zweck, einschließlich dem
der Entwicklung, der Demonstration und der Ausbildung von Bedienungsmannschaften.
FRACTIONAL ORBITAL BOMBARDMENT SYSTEM (FOBS - FLUGKÖRPERSYSTEM ZUM BOMBENWURF MIT PARTIELLER UMLAUFBAHN heißt eine Waffe, die in ein« Erdumlaufbahn verbracht wird und vor Vollendung ihres ersten Umlaufs eine Reihe von Bremsraketen
zündet, um ihre Geschwindigkeit zu verringern, wieder in die Atmosphäre einzutreten und den mitgeführten Gefechtskopf auszustoßen und in Richtung auf sein
Ziel hin in eine ballistische Bahn zu lenken.

Während eine normale ballistische

Interkontinentalrakete vom Start- bis zum Zielpunkt eine bogenförmige, elliptische Bahn beschreibt und durch Radarbeobachtung leicht auszumachen ist, kann
eine Waffe in einer erdnahen Flugbahn - in bis zu 160 km Höhe - rasch auf ein
Ziel herabstoßen, was die Radarvorwarnzeit erheblich verkürzt.

Eine FOBS-Bahn

besteht demnach aus dem Aufstieg in eine erdnahe Umlaufbahn, einem Kreisbogen
Richtung Bodenziel und dem steilen Sinkflug in dasselbe.
FRACTIONATION - FRAKTIONIERUNG bedeutet die Verteilung der Wurflast einer
Rakete auf mehrere Gefechtsköpfe beispielsweise mehrere unabhängig voneinander
ziel gesteuerte Flugkörper, sog. Wiedereintritts-Tochtergefechtsköpfe (MIRVs).
Der Terminus "Fractionation Limit", Fraktionierungshöchstgrenze, wird in SALT II
für die im Vertrag festgelegte Höchstzahl der von einer Rakete mitzuführenden
Tochterflugkörper (Gefechtsköpfe) für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre
benutzt.
FUNCTIONALLY RELATED OBERSERVABLE DIFFERENCES (FRODs) - FUNKTIONSBEZOGENE
ERKENNBARE UNTERSCHEIDUNGSMERKMALE werden in der SALT-Terminologie die Merkmale genannt, an Hand derer zwischen Flugzeugen zu unterscheiden ist, die im
SALT-Abkommen eingeschränkte Funktionen auszuüben vermögen, und solchen, die
dazu nicht fähig sind. FRODs sind Unterschiede in den erkennbaren Charakteristika von Flugzeugen, die entscheidend dafür sind, ob sie als Schwere Bomber
oder als für den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als
600 km und Ballistischen Luft-Boden-Raketen (Air-to-Surface Ballistic Missiles

�Missiles - ASBMs) ausgerüstete Bomber eingesetzt werden können.
GROUND LAUNCHED CRUISE MISSILES (GLCM) - LANDGESTÜTZTE MARSCHFLUGKÖRPER
sind Flugkörper, die von festiinstallierten oder mobilen Abschußrampen am-Boden
aus gestartet werden können.
... ,.;,i

IM

HEAVY (BALLISTIC) MISSILES - SCHWERE (BALLISTISCHE) RAKETEN. Im,'$ALT II
wird nach Wurf- und Startgewicht zwischen zwei Kategorien von ballistischen
Raketen unterschieden: leichten und schweren. Schwere Raketen - Interkontinentalraketen (ICBMs), Unterseebootgestützte Ballistische Raketen .(SLBMs) und
Ballistische Luft-Boden-Raketen (ASBMs) - sind Raketen mit einem größeren Startoder Wurfgewicht als dem Start- oder Wurfgewicht der sowjetischen Interkontinentalrakete vom Typ SS-19.
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HEAVY BOMBER - SCHWERE BOMBER im Sinne von SALT II sind alle Flug*eugtypen
angesehen, die in die Gesamtzahl der im Abkommen beschränkten Waffen einzubeziehen sind. Man unterscheidet bei den Schweren Bombern vier Kategorien: ..
a) die vorhandenen Bombertypen B-52 und B-l auf amerikanischer, und die Typen
TU-95/NATO-Bezeichnung Bear) und Byasishchev(NATO-Bezeichnung ;Bison) auf
sowjetischer Seite; b) künftige Bombertypen, die als Schwere Bomber den:vorstehend genannten Typen ähnlich oder überlegen sind; c) Bombertypen, die für
den Start von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km ausgerüstet sind; und d) Bombertypen, die für den Start von Ballistischen LuftBoden-Raketen (ASBMs) ausgerüstet sind.
.:•.-•:
ICBM SILO LAUNCHER - VERBUNKERTE STARTRAMPEN FOR INTERKONTINENTALRAKETEN
(ICBMs) sind festinstallierte "harte" unterirdische Startanlagen - normalerweise durch stahlarmierten Beton geschützte Bunker, auch Silos genannt -, in
denen jeweils eine Interkontinentalrakete mit dem dazugehörigen Startgerät
untergebracht ist.
INTERCONTINENTAL BALLISTIC MISSILE (ICBM) - Der Begriff INTERKONTINENTALRAKETE umfaßt alle landgestützten und von festinstallierten oder mobilen Startanlagen aus zu startenden Raketen, die einen Gefechtskopf in ein Ziel in inter-

�interkontinentaler Entfernung verbringen können. Interkontinentale Raketen
fliegen ihr Ziel nach Verlassen der Erdatmosphäre auf einer elliptischen Flugbahn an. ICBMs bestehen aus der Antriebsstufe, einem oder mehreren Wiedereintritts-Tochtergefechtsköpfen, Abwehr-Durchbruchshilfen (Penetration Aids PENAIDs), und - im Falle von mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen
- einem Muttergefechtsköpf (Post-Boost Vehicle - PBV). Im Sinne von SALT II
gelten als Interkontinentalraketen alle landgestützten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 km.
INTERFERENCE - STÖRAKTIONEN. Im SALT II-Abkommen ist vereinbart, daß
sich beide Vertragsparteien zur Verifizierung der Einhaltung der Vertragsbestimmungen der ihnen zu Gebote stehenden Nationalen Technischen Mittel (NTMs)
bedienen. Die Parteien haben sich verpflichtet, jede Störung der Nationalen
Technischen Mittel der Gegenseite zu unterlassen. Das besagt, daß keine Seite
die Nationalen Technischen Mittel der Gegenseite zerstören oder versuchen darf,
diese in ihrer Funktion unwirksam zu machen, beispielsweise durch Blendung
von Luftbi1d-Aufklärungssatel1iten.
INTERIM AGREEMENT - INTERIMSABKOMMEN bedeutet das "Interimsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über gewisse Maßnahmen in bezug auf die Beschränkung strategischer Offensivwaffen" - eines der beiden Abkommen, die am 26. Mai 1972 in
Moskau unterzeichnet wurden und zusammen gewöhnlich als die SALT I-Abkommen
bezeichnet werden. Das Interimsabkommen, das am 3. Oktober 1972 in Kraft trat,
ist formell am 3. Oktober 1977 erloschen. Im September 1977 versicherten jedoch die USA und die UdSSR in getrennten Erklärungen, daß sie bis zum Abschluß
der damals schon laufenden SALT II-Verhandlungen keinerlei Maßnahmen zu treffen beabsichtigen, die den Bestimmungen des Interimsabkommens zuwiderlaufen
würden.
JOINT STATEMENT OF PRINCIPLES (JPS) - GEMEINSAME GRUNDSATZERKLÄRUNG.
Das SALT II-Abkommen umfaßt drei Teile: den Vertrag, der bis zum Jahre 1985
gilt; ein Protokoll, das bis 1981 befristet ist; und eine Gemeinsame Erklärung der Prinzipien und Richtlinien für Anschlußverhandlungen, in der die Ziel-

�Zielsetzungen für die SALT II-Verhandlungen aufgeführt sind.
LAUNCH - RAKETENSTART.

Nach SALT II bedeutet Raketenstart jeden Start,

einer Rakete zu deren Erprobung, zur Ausbildung von Personal oder zu anderen
Zwecken.

Ausgeschlossen hiervon sind Tests des Start- und Ausstoßmechanismus

auf dem Prüfstand, sog. Kaltstarts.

• /•

LAUNCHER - STARTGERÄT. Dieser Begriff schließt alle Arten von Geräten
ein, die Raketen zu starten vermögen. ICBM-Startanlagen sind bodengestützte
Startrampen festinstallierter oder mobiler Art. SLBM-Startgeräte sind die Raketenrohre auf Raketen-Unterseebooten. ASBM-Startanlagen sind Trägerflugzeuge
einschließlich der erforderlichen Geräte. Startanlagen für Marschflugkörper
können auf Flugzeugen, Schiffen oder Fahrlafetten montiert oder festinstallierte Anlagen sein.
LAUNCH-WEIGHT - STARTGEWICHT ist das Gewicht der vollbeladenen Rakete zum
Zeitpunkt ihres Starts. Es ergibt sich als Gesamtgewicht aller Antriebsstufen,
des Muttergefechtskopfes (Post-Boost Vehicle - PBV) und des Wurfgewichts.
LIGHT (BALLISTIC) MISSILE - LEICHTE (BALLISTISCHE) RAKETE. Im Sinne von
SALT II werden die ballistischen Raketen nach ihrem Wurf- oder Startgewicht
in zwei Kategorien unterteilt: leichte und schwere Raketen. Die sowjetische
Interkontinentalraketen des Typs SS-19 gelten als die schwersten unter den vorhandenen leichten ICBMs.
MOBILE ICBM LAUNCHER - MOBILE ICBM-STARTANLAGEN werden die auf Fahrlafette
montierten Anlagen zum Start von ICBMs mit der Möglichkeit zur Standortsveränderung mittels Eigen- oder Fremdantrieb genannt. Mobile ICBM-Startanlagen
können als Gelände-, Straßen-oder Schienenfahrzeuge ausgebildet sein oder anderweitig von Startpunkt zu Startpunkt bewegt werden - gleichgültig ob dieser
"hart" oder "weich" ist.
MODERNIZATION

�MODERNIZATION - MODERNISIERUNG umfaßt den gesamten Prozeß der Modifizierung eines vorhandenen Waffensystems insoweit Merkmale oder Komponenten in
der Absicht verändert werden, dessen Einsatzfähigkeit zu verbessern. Gemäß
dem SALT II-Abkommen ist, soweit darin keine anderweitige Verfügung getroffen
wird, die Modernisierung und der Ersatz strategischer Offensivwaffen durch
andere zulässig.
MULTIPLE INDEPENDENTLY-TARGETABLE RE-ENTRY VEHICLE (MIRV) - Von Ballistischen Raketen mitgeführte Wiedereintritts-Lenkflugkörper bzw. Mehrfachgefechtsköpfe, von denen jeder unabhängig von den anderen auf ein gesondertes Ziel an
jedem beliebigen Ort angesetzt werden kann. MIRVed Missiles, mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattete Raketen, sind mit einem Muttergefechtskopf (PostBoost Vehicle - PBV) odermeinem anderweitige^ Mechanismus für den Ausstoß
der Gefechtsköpfe ausgerüstet. Der Ausstoß- und der Zielmechanismus bringen
die Rakete auf die Position und Geschwindigkeit, die für die Ausstoßung der
einzelnen Tochtergefechtsköpfe für den Wiedereintritt in die Atmosphäre (ReEntry Vehicles - RVs) und deren Verbringung auf eine Flugbahn in das ausersehene Ziel erforderlich sind, sofern sich die einzelnen Flugkörper nach ihrem
Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht selbst in ihr Ziel steuern. Im Sinne
von SALT.II gelten als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattete ICBMs, SLBMs
und ASBMs solche ballistische Raketen, die mit zwei oder mehr Wiedereintrittsflugkörpern an Bord flugerprobt wurden - gleichgültig, ob sie mit einem einzigen Wiedereintritts-Gefechtsköpf oder mit mehreren Wiedereintritts-Gefechtsköpfen flugerprobt wurden.
MULTIPLE RE-ENTRY VEHICLE (MRV) - Als Wiedereintritts-Flugkörper einer
ballistischen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen bezeichnet man WiedereintrittsFlugkörper, deren Trägerrakete nicht darauf eingerichtet ist, diese unabhängig voneinander auf ein Ziel zu programmieren - im Gegensatz zu den Wiedereintritts-Lenkflugkörpern (MIRVs).
NATIONAL TECHNICAL MEANS OF VERIFICATION (NTN) - NATIONALE TECHNISCHE
MITTEL sind alle der Kontrolle eines Landes unterliegenden Geräte zur laufenden

I

�laufenden Beobachtung der Einhaltung der Bestimmungen eines Mukommens.

Zu den

Nationalen Technischen Mitteln gehören Satelliten zur Luftbild-Aufklärung, flugzeuggestutzte Systeme - wie Radar und optische Systeme - und see- und bodengestützte Systeme - wie Radar und Antennen zur Sammlung telemetrischer Daten.
Gemäß SALT II sind Störungen der Nationalen Technischen Mittel der Gegenseite
und vorsätzliche Vertuschungsmaßnahmen zu unterlassen, die die Verifizierung
der Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens durch NTNs behindern.
NEW TYPE OF ICBM - NEUE ICBM-TYPEN, deren Entwicklung, wie die USA und
die UdSSR übereingekommen sind, für die gesamte Laufzeit des SALT II-Abkommens
für beide Seiten auf je einen Typ begrenzt wird. Das Abkommen setzt spezifische
technische Kriterien für,die Unterscheidung zwischen neuen und vorhandenen ICBMTypen fest. Zu diesen gehören physikalische Größen wie Raketenlänge, Höchstdurchmesser, Wurfgewicht, Startgewicht und Brennstoffart.
NON-CIRCUMVENTION - DIE UNTERLASSUNG VON VERSUCHEN ZUR UMGEHUNG DES VERTRAGES. SALT II verpflidhtet beide Parteien, jeden Versuch zu unterlassen, die
Vertragsbestimmungen - etwa durch Einschaltung von einem oder mehreren Staaten
oder auf andere Weise - zu umgehen. Diese Bestimmung macht lediglich die stillschweigende Verpflichtung deutlich, die jedes Land als Partner einer internationalen Vereinbarung auf sich nimmt, nämlich die Bestimmungen eben jenes Vertrages
nicht zu verletzen. Nicht hiervon berührt werden bestehende Formen der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten einschließlich der Zusammenarbeit bei der Modernisierung der Streitkräfte des Bündnisses.
OBERSERVABLE DIFFERENCES (ODs) - ERKENNBARE UNTERSCHIEDE sind äußerlich
erkennbare Konstruktionsmerkmale, die eine Unterscheidung zwischen existierenden Typen von Bombern gestatten, die im SALT-Vertrag eingeschränkte Funktionen
ausüben können, und solchen, die dazu nicht in der Lage sind. Derartige Konstruktionsmerkmale brauchen nicht funktionsbezogen zu sein, müssen aber äußerlich
erkennbar sein.
PAYLOAD

- 11 -

�PAYLOAD - TRAGLAST bedeutet das Gesamtgewicht der von einem Trägersystem
mitgeführten Waffen und Abwehrdurchdringungshilfen.

Im Falle von ballistischen

Raketen bedeutet es das Gewicht der von den Hauptantriebsstufen oder dem Muttergefechtskopf auf eine ballistische Bahn verbrachten Gefechtsköpfe und Raketenabwehrdurchdringungshilfen; im Falle von Bombern bezeichnet es die Bomben, Raketen oder Abwehrdurchdringungshilfen, die an Bord oder an den Tragflächen oder
am Flugzeugrumpf befestigt mitgeführt werden.

4

PENETRATION AIDS (PENAIDs) - ABWEHRDURCHDRINGUNGSHILFEN ist bei offensiven

Waffensystemen wie ballistischen Raketen und Bombern alles Gerät, das dazu dient,
die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Überwindung der gegnerischen Abwehr
zu erhöhen.

Sie simulieren oder tarnen meist ein Flugzeug oder eine ballistische

Rakete mit Gefechtskopf, in der Absicht, das gegnerische Radarsystem zu täuschen
oder die Flug- oder Raketenabwehr von ihrem eigentlichen Ziel abzulenken.
P0ST-B00ST VEHICLE (PBV) - MUTTERGEFECHTSKOPF, verschiedentlich auch "Bus",
bezeichnet man jenen Teil der Traglast einer Rakete, der die Gefechtsköpfe,
Steuersegment, Treibstoff und Zusatzaggregate für die Kurskorrektur der ballistischen Flugbahn trägt, die sicherstellen, daß die Gefechtsköpfe in der erforderlichen Reihenfolge und auf ihre jeweiligen Ziele gerichtet ausgestoßen werden.
Ballistische Raketen mit einem einzigen Gefechtskopf sind verschiedentlich ebenfalls mit einem Muttergefechtskopf ausgestattet, um die Zielgenauigkeit durch
eine exaktere Flugbahn zu erhöhen.
PRODUCTION - PRODUKTION ist die Serienfertigung spezifischer strategischer
Kernwaffenträger im Anschluß an deren Entwicklung und Erprobung.
PR0T0C0L - PROTOKOLL.

Das SALT II-Abkommen besteht aus drei Teilen: dem

Vertrag, der bis 1985 gilt; einem Protokoll, das bis 1981 befristet ist; und
einer Gemeinsamen Erklärung der Prinzipien und Richtlinien für Anschlußverhandlungen.

Das Protokoll beschränkt die Zahl der mobilen ICBM-Startanlagen, der

Land- und Seegestützten Marschflugkörper und der Ballistischen Luft-Boden-Raketen.
QUALITATIVE

- 12 -

�QUALITATIVE LIMITATION - QUALITATIVE BESCHRÄNKUNG heißt Begrenzung der
Einsatzfähigkeit eines Waffensystems im Unterschied zu quantitativen Beschränkungen, die die zahlenmäßige Begrenzung strategischer Trägersysteme bedeuten.
Im Sinne von SALT II schließen die qualitativen Beschränkungen unter anderem ein:
das Verbot der Entwicklung von mehr als einem neuen Typ von Interkontinentalraketen durch jede Seite sowie die Begrenzung der Start- und Wurfgewichte und
der Zahl der Gefechtsköpfe, die eine Rakete mitführen darf.
QUANTITATIVE LIMITATION - QUANTITATIVE BESCHRÄNKUNG heißt Begrenzung der
Zahl der Waffensysteme bestimmter Kategorien im Unterschied zu qualitativen
Beschränkungen, die die Einsatzfähigkeit der Waffen betreffen. Für Zwecke des
SALT II-Abkommens rechnen die vereinbarten Gesamtzahlen bestimmter Waffen zu
den quantitativen Beschränkungen.
RAPID RELOAD - RASCHE ERSATZBESTÜCKUNG bedeutet Startanlagen, die innerhalb kurzer Zeit nach dem Abschluß einer Rakete eine zweite Rakete starten
können.
RE-ENTRY VEHICLE (RV) - WIEDEREINTRITT-FLUGKÖRPER wird der Teil einer
ballistischen Rakete genannt, der den nuklearen Gefechtskopf trägt und in der
Schlußphase der Raketenbahn wieder in die Erdatmosphäre eintritt und dort sein
Ziel direkt anfliegt.
SEA-LAUNCHED CRUISE MISSILE (SLCM) - SEEGESTÜTZTE MARSCHFLUGKÖRPER werden
von Unterseebooten oder Schiffen aus gestartet.
STANDING CONSULTATIVE COMMISSION (SCC) - STÄNDIGE BERATENDE KOMMISSION,
aus Vertretern beider Seiten aufgrund von SALT I errichtet, hat sie die Aufgabe,
die Zielsetzungen und die Durchführung von Verträgen und Übereinkünften zu
fördern, die zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den SALTVerhandlungen zustande kommen.
Jahr zusammen.

Die Kommission tritt mindestens zweimal im

Sie befaßt sich mit allen Angelegenheiten, die die Einhaltung

der Vertragsbestimmungen berühren, und sie arbeitet Verfahren zu deren Ver- 13 -

�Verwirklichung aus.

Die SCC wird diese Funktion auch in bezug auf SALT II

erfüllen.
STRATEGIC ARMS LIMITATION TALKS (SALT) - VERHANDLUNGEN ÜBER DIE BEGRENZUNG
DER STRATEGISCHEN RÜSTUNG (SALT).

Eine Serie von Verhandlungen zwischen den

Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, die im November 1969 aufgenommen wurden.
Die Gespräche verfolgen das Ziel, sowohl die strategischen Offensiv- als auch
die strategischen Defensivwaffen zu begrenzen.

Die erste Gesprächsrunde - SALT I

ging im Mai 1972 mit dem Abschluß zweier Vereinbarungen zu Ende, dem ABM-Vertrag - "Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung von ballistischen Raketenabwehrsystemen" - und dem Interimsabkommen - "Interimsabkommen zwischen der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken und den Vereinigten Staaten von Amerika
über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen".

SALT II - begonnen im November 1972 - besteht aus einem Vertrag, einem

Protokoll und einer Gemeinsamen Erklärung zu den Grundsätzen und Richtlinien für
Anschlußverhandlungen.
SUBMARINE-LAUNCHED BALLISTIC MISSILE (SLBM) - UNTERSEEBOOTGESTÜTZTE
BALLISTISCHE RAKETE ist eine von einem Unterseeboot mitgeführte und gestartete
Rakete. Für Zwecke von SALT II sind SLBM-Startanlagen Anlagen, die auf AtomUnterseebooten oder Unterseebooten gleich welchen Typs für den Start moderner
ballistischer Raketen installiert sind. "Moderne" SLBMs bedeutet amerikanischerseits alle in ATom-Unterseebooten mitgeführten Raketen; sowjetischerseits Raketen des Typs, wie sie in Atom-Unterseebooten mitgeführt werden, die 1965 oder
danach in Dienst gestellt wurden; und für beide Seiten alle 1965 oder danach
erstmals flugerprobten Raketen, die in Unterseebooten gleich welchen Typs mitgeführt werden.
TELEMETRY - TELEMETRIE wird als Bezeichnung für Daten gebraucht, die in
Waffentests per Funk an das Test-Team übermittelt werden und an Hand derer sich
die Funktionen und das Verhalten im Verlaufe des Tests beobachten lassen.
TEST

�TEST AND TRAINING LAUNCHERS - STARTANLAGEN FÜR TEST- UND AUSilLDUNGSZWECKE
sind unter SALT II solche Startanlagen für Interkontinentalraketen (ICBMs) und
Unterseebootgestützte Ballistische Raketen (SLBMs), die ausschließlich für
Test- und Ausbildungszwecke benutzt werden.

Neue Startanlagen für Test- und

Ausbildungszwecke dürfen nur in Raketenversuchsstationen gebaut werden. Bei
solchen Startanlagen kann es sich sowohl um Nachbildungen und partielle Startanlagen ohne echte Startkapazität als auch um richtige Startanlagen handeln,
die ausschließlich für den Start von Raketen zu Test- und Ausbildungszwecken
benutzt werden.
TEST RANGE - RAKETENVERSUCHSGELÄNDE im Sinne von SALT II sind Anlagen zur
Flugerprobung von Raketen. Die beiden Vertragsparteien versichern im Vertrag,
daß derartige Versuchsgeb^utie nur an folgenden Plätzen bestehen: amerikanischerseits bei Santa Maria, Kalifornien, und Cape Canaveral, Florida", russischerseits in den Gebieten von Tyuratam und Plesetskaya. Jede zusätzliche zu errichtende Versuchsstation ist durch eine diesbezügliche Mitteilung an die Ständige Beratende Kommission (SCC) anzuzeigen.
THROW-WEIGHT - WURFGEWICHT ballistischer Raketen entspricht der Traglast,
die mittels der Antriebsstufen der Rakete in Richtung auf ein Ziel hin auf eine
Flugbahn verbracht wird. Im Sinne von SALT II wird Wurfgewicht als die Summe
aus den Gewichten a) des oder der Wiedereintritt-Flugkörper (Gefechtsköpfe RVs);
b) des etwaigen Muttergefechtskopfes oder ähnlicher Flugkörper (PBVs) nebst
der Geräte für die Ausstoßung oder Ziel Programmierung von einem oder mehreren
Wiedereintritts-Gefechtsköpfen; und c) aller Raketenabwehrdurchdringungshilfen
(PENAIDs) einschließlich derer Ausstoßgeräte,.
VERIFICATION - VERIFIZIERUNG der Einhaltung der Vertragsbestimmungen wird
das Verfahren genannt, durch das sich die eine Seite bis zu dem für die Gewährleistung ihrer nationalen Sicherheit erforderlichen Ausmaß Gewißheit verschaffen
darf, daß die Gegenseite die getroffenen Vereinbarungen einhält.

Die Beurteilung

dessen, was hierzu ausreichend ist, erfolgt unter Berücksichtigung der Beobachtungskapazität bestehender und künftiger Systeme zur Beschaffung von Nachrichten,

. i5 .

�Nachrichten, der analytischen Möglichkeiten und der Fähigkeiten der Gegenseite,
die Aufdeckung von Verstößen zu vermeiden, sollte sie solche beabsichtigen. Die
Beurteilung bezieht ferner die Bewertung des politischen und militärischer» Gewichts einer potentiellen VertragsVerletzung und der Kosten, Risiken und Vorteile
ein, die der Gegenseite aus der Täuschung erwachsen würden. Schließlich ist zu
erwägen, inwieweit Vorteile, die eine Bestimmung den Vereinigten Staaten verschafft, durch Nachteile aus der problematischen Beobachtung und Registrierung
aufgewogen werden.
WARHEAD - GEFECHTSKOPF ist jener Teil öines Flugkörpers, Projektils, Torpedos oder einer Rakete oder eines sonstigen Geschosses, das ein nukleares oder
thermonukleares System, hochexplosive Sprengmittel oder chemische oder biologische Kampfmittel oder anderweitiges Material enthält, das dem Zweck dient,
Schaden zu verursachen.
•

YIELD - DIE IN EINER EXPLOSION FREIGESETZTE ENERGIEMENGE. Die in einer
Detonation einer Kernwaffe freigesetzte Energiemenge wird generell in Kilotonnen (KT) oder Megatonnen (MT) von TNT (Trinitrotoluol) ausgedrückt, d.h.
der Menge des* herkömmlichen Sprengstoffs TNT, die erforderlich wäre, um die
gleiche Energiemenge freizusetzen.

+ + + + +

•

16

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Mai 1979

19

AKTIVE FORSCHUNG FÜR SICHERE ENERGIEZUKUNFT
Ein US-Wissenschaftler berichtet über Projektvielfalt

- (AD) - Immer mehr Einsatz von Elektrizität in Wirtschaft und Alltag,
verbreitete Anwendung ungewöhnlicher Brennstoffe und Energiewandler, unter
Umständen auch eine gewisse Verlagerung des Wohlstandes auf dieser Erde sieht
Dr. Glen Werth, leitender Physiker für Energie- und Rohstoffplanung am Lawrence
Livermore Laboratory (LLL) in Livermore (Kalifornien) voraus. In einem Exklusivinterview mit dem US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) erörterte
er Probleme und Möglichkeiten der künftigen Nutzung fossiler und nuklearer
Energiequellen, die Aussichten auf den Einsatz von Sonnenenergie und von sog.
Biomassen.
Von den Vereinigten Staaten als dem größten Energieverbraucher der Welt
- für die nächsten 20 Jahre sei von manchen Experten ein weiterer Verbrauchsanstieg um 30 bis 40 Prozent vorausgesagt worden - erwarteten andere Länder,
daß sie angesichts wachsender Energieknappheit auch in der Lösung von Energieproblemen den Vorreiter machten.

Als die attraktivste Alternative zu den da-

hinschwindenden fossilen Brennstoffen erscheine nach wie vor die Kernkraft,
"obgleich natürlich das gesamte amerikanische Atomenergie-Programm gegenwärtig
in Fluß ist".

Nach dem Vorfall im Atomkraftwerk bei Harrisburg überprüfe man

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�man eine ganze Reihe von Optionen, auch wenn feststehe, da3 er mehr die Folge
von menschlichem Versagen als von technischen Fehlern gewesen sei.
In den Vereinigten Staaten und vielen anderen Industrieländern gebe es
zahlreiche Gegner der Kernenergie, die ihre Meinung lautstark zur Kenntnis
brächten.

Nicht nur die Gefahr einer Strahlenemission und einer Explosion,

mit der bei den heute üblichen Kernreaktoren zu rechnen sei, sondern auch die
Proliferation nuklearer Technologie und deren mögliche Anwendung durch verantwortungslose militaristische und terroristische Gruppen bereite jetzt vielen
Menschen große Sorge.

Das gleiche gelte für die Suche nach Mitteln und Wegen

zu einer wirklich sicheren Entsorgung bei den radioaktiven Abfällen.
Dr. Werth betonte, daß das zweite Verfahren zur nuklearen Stromproduktion,
nämlich das der Kernverschmelzung statt der Kernspaltung, wesentlich größere
Sicherheit bieten würde, weil hier mit einer Explosionsgefahr nicht zu rechnen
sei, daß jedoch mit der technischen Entwicklung eine Vielzahl heute: noch sehr
schwieriger Probleme verbunden sei. Nicht einmal den günstigsten Schätzungen
zufolge wäre mit der technischen Reife des Verfahrens für eine kommerzielle
Anwendung vor der Jahrhundertwende zu rechnen.

In der gegenwärtigen Forschungs-

arbeit des Lawrence Livermore Laboratory spielten Fusionsexperimente sowohl unter Einsatz von magnetischen Kräften als auch mit Hilfe neuer Höchstleistungslaser eine wichtige Rolle.
Sollte die nuklearfeindliche Haltung die Oberhand behalten, würden die Vereinigten Staaten, wie Dr. Werth erklärte, für die Stromproduktion die zweite
bestmögliche Energiequelle in Anspruch nehmen - die Kohle. Das bedeute aber,
daß sehr viel mehr Kohle als bisher gefördert werden müsse. In den amerikanischen Oststaaten sei der Untertagebau sehr kostspielig - und gefährlich dazu.
Andererseits stelle der Transport billiger Kohle, wie sie im Westen der USA
im Tagebau gewonnen werde, zu den Ballungszentren der Oststaaten einen stark
verteuernden Kostenfaktor dar. Dennoch sei für die USA Kohle neben der Kernkraft im Hinblick auf die unmittelbare Zukunft die beste Lösung, erklärte der
Forschungsspezialist - selbst wenn die Kosten ca. 10 Prozent höher lägen als

- 2 -

�als die der Nuklearenergie, was sich zwangsläufig auf die Lebenshaltungskosten niederschlüge.
Ein sehr viel weiterreichender und einschneidender Effekt als der des
Kostenanstiegs sei aber zu erwarten, wenn überall in der Welt weiterhin fossile
Brennstoffe für die Energieerzeugung benutzt werden. "Am gesamten EnergieHorizont steigt eine mächtige Wolke auf", meinte Dr. Glen Werth, "und das ist
das Kohlendioxid-Problem«. Meßdaten zeigen, daß CO- weltweit in der Atmosphäre
zunimmt - am Äquator, an den Polen, auf fernen Inseln wie auf den Kontinenten und daß diese Zunahme eindeutig mit dem Verheizen fossiler Brennstoffe jeder
Art zusammenhängt."
Das führe zu einer immer mächtiger werdenden isolierenden Schicht in der
Atmosphäre, die zwar Sonnenlicht nach wie vor zur Erdoberfläche durchlasse,
aber die Wärmerückstrahlung in den Weltraum verringere, so daß es nahe der Erdoberfläche zu einem Wärmestau kommen könne, was einen allgemeinen Temperaturanstieg bedeute. "Extrapoliert man die gegenwärtige Menge des Verbrauchs an
fossilen Brennstoffen, könnten wir dieser Theorie zufolge sehr leicht schon im
Jahre 2025 einen Anstieg des Temperaturmittelwertes um mehr als fünf Grad haben",
betonte der Physiker. "Das ist eine bedenkliche Sache, denn schon wenige Grade
Temperaturunterschied führen zu Klimaänderungen." Kornkammern von heute könnten zu Wüsten werden, heute unproduktive Gebiete könnten sich zu neuen Anbauzentren entwickeln. "Damit würde auch der Wohlstand völlig neu verteilt",
meinte Dr. Werth; "wie die Welt ein derartiges Problem bewältigt, ist unmöglich
vorauszusagen."
Auch Katastrophen in der Form riesiger Überschwemmungen, die weite Gebiete
unter Wasser setzen, könnten eine direkte Folge des Abschmelzens der Eismassen
vor allem an den Polen sein.

Zwar "vermag heute niemand genau zu sagen, ob

das Kohlendioxid-Problem so auf uns zukommt, oder ob es Gegenkräfte zu seiner
Abschwächung gibt, die wir noch nicht in Rechnung gestellt haben", meinte Werth.
Aber nach bisheriger Kenntnis der Dinge sei eine ungute Entwicklung zu erwarten,
aus der noch niemand einen Ausweg kenne.
Auf
- 3 -

�Auf weite Sicht gehen die fossilen Brennstoffe sowieso zu Ende, so daß
immer intensiver nach anderen Energiequellen gesucht werden müsse.

Als best-

geeignete Kandidaten für die "erneuerungsfähigen" Quellen kämen Kernenergie
und Sonnenenergie in der einen oder anderen Form und, als Fliissigbrennstoff in
den Fällen, in denen sich Elektrizität als ungeeignet erweist, Methanol in
Frage.

Unter bestimmten Bedingungen sei geothermische Energie und Windenergie

verheißungsvoll.

In einigen Regionen würde es sich nach Ansicht Dr. Werths

auch lohnen, die Gezeitenkräfte zu nutzen.
Aber in jedem Fall sei sehr viel mehr Forschung als bisher notwendig, um
diese Energiequellen überhaupt einmal wirtschaftlich einsetzen zu können.
Als Ausnahme seien vielleicht bestimmte Solarenergie-Projekte anzusehen, wie
sie derzeit in Livermore zur Erzeugung von heißem Wasser und Dampf für Industriezwecke (in Verbindung mit Spezialanlagen aus dem LLL-Entwicklungszentrum) erprobt werden.

Gegenwärtig werde ein solches Solarheizsystem in Fort Benning

(Georgia) für die Wäscherei und die Beheizung der Kasernen installiert.

Es

arbeite nach dem gleichen Prinzip, das in Japan schon seit Jahrhunderten für
Warmwasserbereitung genutzt werde.
Anders sei es mit der direkten Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen
Strom. Der photovoltaische Prozeß (mit Solarzellen) ist sehr attraktiv. Aber
erst müßten neue Materialien und Verfahren entwickelt werden, um die Kosten
auf ein vernünftiges Niveau bringen zu können. Zwar seien gerade in letzter
Zeit in verschiedenen Forschungsinstituten Fortschritte erzielt worden. Aber
die Kosten für die Umwandlung müßten auf ein Zehntel bis ein Hundertstel gesenkt werden können, ehe die Stromproduktion nach diesem Verfahren als rentabel
anzusehen sei. Und darüber könnten noch gut zehn Jahre vergehen.
"Auf weite Sicht glaube ich, daß wir auf eine nahezu voll elektrifizierte
Wirtschaft zusteuern", meinte Dr. Werth. Wo es Elektrizität nicht gebe, sei
in Methanol eine äußerst attraktive, wenn auch noch ziemlich kostspielige Alternative zu sehen. Schon heute gehe man verschiedene Wege zur Herstellung
dieses geruchlosen, farblosen Flüssigkraftstoffs von überaus hohem Wirkungs-

- 4 -

�Wirkungsgrad, der chemisch dem Äther verwandt ist, und zur Zeit für Rennautos
benutzt werde.

Beispielsweise eigneten sich Algen, die selbst in Salzwasser-

teichen oder Bassins in WUstengebieten wachsen, als Ausgangsmaterial für die
Gewinnung von Methanol oder Methangas.

Mit Strom aus photovoltaisehen Zellen

sei es außerdem möglich, Wasser in seine Bestandteile zu zerlegen und den so
gewonnenen Wasserstoff zusammen mit Kohlendioxid in bekannten Verfahren zur
Herstellung von Methanol zu verwenden.
Grundsätzlich ließen sich Methanol und Methan aus allen Pflanzen gewinnen.
Aber Studienergebnisse zeigten, daß Agrarland und Dünger viel rationeller in
der Nahrungsmittel- und Holzproduktion eingesetzt werden - von einigen tropischen
Gebieten abgesehen, wo sich die Kultivierung von Pflanzen zur Verwendung als
Biomasse für die Brennstoffproduktion tatsächlich lohnen würde. Alles in allem
seien die Produktionskosten für Methanol noch lange nicht wettbewerbsfähig;
hier habe die Forschung noch viele Probleme zu lösen.
"Ober die Zukunft der Elektrofahrzeuge sind wir sehr optimistisch", meinte
der Wissenschaftler. Allerdings seien die heute üblichen Batterien noch nicht
leistungsfähig genug. Schon in zehn Jahren aber seien Elektroautos sehr gut
als Zweitautos denkbar. Gemeinsam mit der Lockheed Aircraft Company arbeite
das Livermore-Institut gegenwärtig an dem vielversprechenden Projekt einer sehr
leistungsstarken und langlebigen Aluminium-Luft-Batterie. An Wartungsstationen
müsse nur nach ca. 400 km Wasser nachgefüllt und nach ca. 1000 km der Satz von
Aluminiumplatten ausgetauscht sowie das Aluminlumhydroxid entfernt;
werden. Alles Aluminium wäre wiederzuverwenden, und alles in allem werde man
Leistungswerte erreichen, die jenen des heutigen Benzinmotors überlegen seien.
Dazu aber, meinte Dr. Werth, sei noch ein Jahrzehnt weiterer Forschung notwendig.
Er und seine Kollegen bauen auf die "Mitarbeit" der Großcomputer, die sich
bei der Energieforschung im Livermore-Laboratorium bereits so gut bewährt haben.

Energie werde dabei mit jeder anderen Art von Wirtschaftsgütern gleich-

gestellt, bei denen Produktionskosten und Kapitalerträge aus Investitionen eben-

- 5 -

�ebenso eine Rolle spielen wie die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung.
Mit Hilfe der Computer ließen sich, so Dr. Werth, Studien aller Art in kürzester Zeit durchführen und hypothetische Situationen durchspielen, deren Ergebnisse wiederum in die Forschungsplanung eingebracht würden. Immer wieder
zeige sich die Zuverlässigkeit von Trendvoraussagen, denen Analysen der Energiefluß- und Kostensituation in den fünfziger und sechziger Jahren sowie weitere
einschlägige Daten zugrundegelegt seien.
Dr. Werth gab auch einen kurzen Oberblick über die weltweiten Energieprobleme: Sowohl die Sowjetunion als auch China verfügten reichlich über
fossile Brennstoffe, wenn auch in China die Vorräte angesichts der hohen Bevölkerungszahl stark in Anspruch genommen werden dürften. Lateinamerika sei
ebenso wie Australien für die nächste Zukunft im allgemeinen gut versorgt,während in Europa, vor allem in Osteuropa, die Lage problematisch zu werden beginne; für Afrika seien die Aussichten ebenfalls düster. Japan verfüge selbst
über wenig Energiequellen, könne, aber durch weiterhin hochqualifizierte Exporte
an Fertigwaren Energie aus dem Ausland beziehen. Der Forscher ist überzeugt,
daß "die Antwort auf das Energieproblem in vielen Ländern der Welthandel sein
wird".

+ + + + +

�UUi//cn/choft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19

23. Mai 1979

KONKURRENZ FÜR DEN BENZINMOTOR?
Aluminium-Luft-Batterie mit 30 kW Stromleistung möglich

- (AD) - Das Elektroauto wäre ein ideales Fahrzeug - es macht keinen
Lärm, produziert keine schmutzigen und übelriechenden Abgase, und es ist
billig im Betrieb.

Aber:

die heute verfügbaren Batterien, die den

Betriebsstrom liefern könnten, sind viel zu groß und zu schwer und haben
eine zu geringe Leistungsdichte.

Sie geben dem Fahrzeug eine Reichweite

von bestenfalls 60 - 70 km und müssen dann ausgetauscht oder in einem langwierigen Prozeß neu aufgeladen werden.
In einer Reihe von Laboratorien wird daran gearbeitet, neue Batteriesysteme zu entwickeln, die nicht nur leichter, sondern auch unvergleichlich
leistungsfähiger, dauerhafter und einfacher zu handhaben sind als die heute
üblichen Blei-Akkus. Institute der amerikanischen Industrie und privater
oder gemeinnütziger Forschungsorganisationen experimentieren mit neuen,
manchmal recht "exotisch" anmutenden Chemikalien und Materialien, die die
Blei-Schwefelsäure- Batterie eines Tages ablösen sollen.
Eine

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�'-

Eine besonders vielversprechende Entwicklung scheint die "AluminiumLuft-Batterie" zu sein.

Mit diesem System befassen sich Forscher der

Lockheed-Werke in Palo Alto (Kalifornien) gemeinsam mit Kollegen vom
Lawrence Livermore Laboratory.

Dr. Ernest Littauer, ChefChemiker des

Forschungsinstituts der "Lockheed Missiles &amp; Space Company", über ihre
Vorteile:

"Die Aluminium-Luft-Batterie wäre extrem leicht, und es gibt

technisch gesehen keinen Hinderungsgrund, aus einem solchen Batteriesystem
von etwa 120 - 150 kg Gewicht eine Stromleistung von 30 kW herauszuholen."
Sie zählt zu einer Gruppe von Stromspeichern, die bei Lockheed als "mechanisch
wiederaufladbare Metall-Luft-Batterien für elektrischen Fahrzeugantrieb"
klassifiziert werden.
Littauer nennt die Alu-Batterie den logischen nächsten Schritt nach
der - viel kleineren - Lithium-Luft-Batterie aus seinem Institut, die eine
Art Nebenprodukt aus militärischen Entwicklungen war. Diese "Kleinbatterie"
mit 500 W Leistung demonstrierte ebenso wie andere, sehr viel größer ausge-,
legte Systeme für stationäre Anlagen, eine gute Funktionsfähigkeit. Bei
der Alu-Batterie wird an der negativen Elektrode, der Kathode, Aluminium
langsam aufgelöst; an der Anode, die der positiven tlektrode einer
Brennstoffzelle vergleichbar ist wird Sauerstoff reduziert. "Das Aluminium
kann sich", so Littauer, "in einem wässrigen Elektrolyten - in diesem Fall
Natronlauge - auf zweierlei Weise lösen. Dieäne Reaktion wäre eine
Korrosionsvorgang mit Freisetzen von Wärme. Damit würde nichts gewonnen.
Wenn man aber die elektrochemischen Prozesse in geeigneter Weise manipuliert,
löst sich das Aluminium unter Abgabe von Elektronen. Diese bilden den
Stromfluß, der über einen äußeren Stromkreis, in den beispielsweise ein
Elektromotor eingebaut ist, seinen Weg zur Kathode nimmt. Die dort
stattfindende Sauerstoffreduktion ist eine elektrochemische Ausgleichsreaktion."
Die Elektrizität ist gewissermaßen im metallischen Aluminium gespeichert,
denn die Aluminiumgewinnung aus Rohstoffen wie Bauxit erfordert hohen

- 2 -

�hohen Energieaufwand. Dies gibt umgekehrt der Aluminium-Luft-Batterie
ihre hohe Leistungsdichte. Während der Verbrennungsmotor mit nur 20
Prozent Wirkungsgrad arbeitet - d.h., 80 Prozent der Kraftstoffernergie
geht verloren -, könnte die Aluminium-Luft-Batterie auf einen Wirkungsgrad
von 60 Prozent kommen. Dr. Littauer ist überzeugt, daß in einigen Jahren
auf der Basis solcher Batterien ein elektrischer Fahrzeugantrieb präsentiert
werden kann, der es mit dem Verbrennungsmotor ohne weiteres aufnimmt. Er
kommt allerdings nur für Kleinwagen in Frage. Der besondere Vorteil der
Batterie liegt darin, daß sie augenblicklich und an jedem Ort "aufzuladen"
ist. Es genügt, alle 400 - 500 km Wasser nachzufüllen, und nach 1000 1500 km Fahrstrecke neue Aluminiumplatten einzusetzen. Das verbrauchte
Elektrodenmaterial in der Form von Aluminiumhydroxid wird wieder der
Produktion von metallischen Aluminium zugeführt.

+ + + + +

- 3 -

�31

I

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Mai 1979

19

NEUE SERIENMODELLE FÜR GASOHOL-KRAFTSTOFF GEEIGNET

- (AD) - Drei groBe Unternehmen der amerikanischen Automobilindustrie •
General Motors, Chrysler und American Motors - haben angekündigt, die
Betriebsgarantie für die von ihnen herausgebrachten neuen Serienmodelle
sowie für einige frühere Modelle auf die Verwendung von Gasohol-Kraftstoff
auszudehnen.

Dies ist ein wichtiger Schritt in den vielfältigen Bemühungen,

zusätzliche Energiequellen zu erschlieBen und zu nutzen.
Der dem Benzin zugemischte Alkohol ist aus nahezu allen stärke- und
zuckerhaltigen Rohstoffen zu destillieren. Als jedoch vor ca. zehn Jahren
Dr. William Schell er, Leiter des Departments für chemische Verfahrenstechnik der Universität Nebraska auf Ersuchen des Parlaments des Bundesstaates Nebraska mit Versuchen zur Mischkraftstoff-Produktion aus Getreide
begann, konnte Gasohol mit dem damals lächerlich billigen Benzin nicht
konkurrieren.
Die Experimente wurden vor allem deshalb in Angriff genommen, um
die Absatzchancen für das im amerikanischen Mittelwesten produzierte

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�produzierte Getreide nach Möglichkeit zu verbessern.
Die heutige Situation ist von Grund auf anders. Außerdem stellte
sich bei fortlaufender Verbesserung des Prozesses der Alkohol gewinnung
heraus, daß gewisse Nebenprodukte ein gutes Zusatzfutter für die Tierhaltung sind. Rinder, an die der einweißhaltige Zusatz verfüttert wurde,
erreichten nach kurzer Zeit 13 Prozent mehr Gewicht. Aus anderen GasoholNebenprodukten lassen sich, wie die neuesten Entwicklungen zeugen, Haushalt- und Industriebrennstoffe herstellen. Wenn sich die Gewinnung der
Nebenprodukte im großtechnischen Rahmen ohne zu hohen Energieaufwand durchführen läßt - definitive Aussagen dazu sind noch nicht zu machen -, würden
die Vorteile von Gasohol irgendwelche Nachteile mehr als aufwiegen. Die
Experten sind der Ansicht, daß mit Hilfe des Gasohol-Kraftstoffs in den
USA jährlich 40 Milliarden Liter Benzin eingespart werden könnten. Das
entspräche neun Prozent des gegenwärtigen Benzinverbrauchs.

++++++

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Young erläutert Standpunkt der USA auf der Welthandelskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Carters an die UNCTAD-Delegierten in Manila -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter zum Reaktorprojekt "Clinch River"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommerzielle Anwendung schneller Brüter nur bei besserer Technologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Nationale Energieplan II der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht Carters an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen zu Begriffen im Rahmen der SALT-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktive Forschung für sichere Energiezukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein US-Wissenschaftler berichtet über Projektvielfalt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konkurrenz für den Benzinmotor?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aluminium-Luft-Batterie mit 30 kW Stromleistung möglich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Serienmodelle für Gasohol-Kraftstoff geeignet&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>nu'ifiiiiiTHi

und
Dokumenlolio
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Mai 1984

21

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 22. Mai 1984
- Auszüge -

William P. Clark: Deutliche Fortschritte im amerikanischen
Umweltschutz
- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -

HINT5RGRUNDMAT5RIAL

US-Vizepräsident übergibt Scheck für Afghanistan-Flüchtlinge i n
Pakistan
USA setzen sich für Familie Sacharow ein
- US-Botschafter s p r i c h t vor dem ECOSOC -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gesundheit - auch eine Frage der Eigenverantwortung
- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz i n Genf

Um Über/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Dokumentation
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23. Mai 1984

21

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 2 . MAI 1984

- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm in einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 22. Mai 1984 zu
einer Reihe außenpolitischer Themen Stellung. Bezüglich des Verhältnisses zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vertrat
Reagan die Meinung, daß vor den amerikanischen Wahlen im November dieses
Jahres keine wesentlichen Änderungen eintreten würden. Der Präsident hob
hervor, daß nicht die Vereinigten Staaten den Verhandlungstisch verlassen
hätten und daß die USA weiterhin zu Rüstungskontrollverhandlungen bereit
seien.

Zu den sowjetischen Drohungen, daß mehr Raketen-Unterseeboote vor

den amerikanischen Küsten stationiert seien, meinte Reagan, diese Drohungen enthielten nichts Neues, und wenn es Grund zur Beunruhigung gäbe,
dann würde er sicherlich nicht weiterhin ruhig im Weißen Haus schlafen.

Reagan sagte ferner, die NATO sei heute geschlossener denn je, und
die Entscheidung über die Stationierung amerikanischer Marschflugkörper
in den Niederlanden sei eine Sache der dortigen Regierung und Bevöl-

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�und Bevölkerung.

Auf die hohen Zinsen - und die diesbezüglichen Vorwürfe aus Europa angesprochen, wies der Präsident darauf hin, daß die Zinsen heute effektiver seien als zu seinem Amtsantritt.

Zum Fall Sacharow wollte sich der Präsident nicht Öffentlich äußern,
da dies vertrauliche Bemühungen stören könnte.

Großen Raum auf der Pressekonferenz nahmen Mittelamerika und der Persische Golf ein. Der Präsident gab zunächst eine Erklärung zu Mittelamerika ab, die wir, wie die Fragen und Antworten zu diesem Thema, im Wortlaut wiedergeben; ebenso wie anschließend die Fragen und Antworten zum
Persischen Golf:

DER PRÄSIDENT:

Ich habe eine Erklärung abzugeben. Wir haben einen

wichtigen Besucher in Washington, Jose Napoleon Duarte, den gewählten Präsidenten von El

Salvador. Der gewählte Präsident und ich haben gestern

eine Erklärung herausgegeben, in der wir über drei Hauptziele in Mittelamerika übereinkamen: Stärkung der demokratischen Institutionen, Verbesserung des Lebensstandards und Erhöhung des Standes der amerikanischen Sicherheitshilfe zur Verteidigung gegen Gewalt von der extremen Linken wie
der extremen Rechten.

Die Wahl von Jose Napoleon Duarte ist das jüngste Kapitel einer Entwicklung zur Demokratie in ganz Lateinamerika.

In Mittelamerika stellt

sich jetzt El Salvador an die Seite von Costa Rica und Honduras mit demokratisch gewählten Regierungen. Demokratie in Mittelamerika ist ein
Grundziel unserer Politik in dieser Region. Aber anhaltender Fortschritt
auf dieses Ziel hin erfordert unsere Unterstützung.

Der größte Teil unserer Unterstützung - drei Viertel - besteht aus
Wirtschaftshilfe. Aber auch die Sicherheitshilfe ist wesentlich, um all
jenen zu helfen, die sich selbst gegen den wachsenden Export der Subversion durch den Sowjetblock, Kuba und Nicaragua schützen müssen.

Und, wie

�Und, wie ich in meiner Rede an die Nation am 9. Mai erklärt habe, wir
müssen die demokratischen Erwartungen und Wünsche der Bevölkerung von Nicaragua unterstützen und uns der sandinistischen Aggression gegen ihre
Nachbarn widersetzen und jene unterstützen, die echt demokratische Wahlen
in Nicaragua anstreben, wie sie die Sandinisten in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) 1979 versprochen haben.

Frieden in Mittelamerika kann nur erreicht werden, wenn die Kräfte
der Demokratie stark sind. Wir unterstützen nachdrücklich multilaterale
Bemühungen um den Frieden, vor allem den CONTADORA-Prozeß. Es kann jedoch keine dauerhafte Friedensregelung geben, solange nicht gleichzeitig
alle Ziele der CONTADORA-Gruppe verwirklicht werden, einschließlich echter demokratischer Wahlen in Nicaragua.

Die Freiheitskämpfer in Nicaragua haben versprochen, die Waffen niederzulegen und sich an echten demokratischen Wahlen zu beteiligen, wenn
die Sandinisten dies zulassen.

Unser Kongreß steht in dieser Woche vor einer historischen Entscheidung.

Jene, die überall für die Freiheit kämpfen, blicken auf uns, ob

man noch immer auf Amerika zählen kann, wenn es um die Unterstützung
ihrer Ideale geht. Die Bevölkerung von El Salvador blickt auf uns, die
Freiheitskämpfer in Nicaragua blicken auf uns, die bedrohten Nachbarn
Nicaraguas blicken auf uns - und die Feinde der Freiheit blicken auf uns.

Unsere ausgewogene Politik kann Erfolg haben, wenn der Kongreß die
notwendigen Mittel für alle Elemente dieser Politik bewilligt, wie sie in
den überparteilichen Empfehlungen der Kissinger-Kommission zum Ausdruck
kamen. Aber wenn der Kongreß zu wenig Hilfe bewilligt, dann wäre das
schlimmer als überhaupt nichts zu tun. Dieser übertriebene Kommunismus
in Mittelamerika stellt eine Bedrohung dar, daß 100 Millionen Menschen
von Panama bis zu unseren offenen Grenzen im Süden unter die Kontrolle
prosowjetischer Regime geraten könnten. Wir könnten einen massiven Exodus von Flüchtlingen nach den Vereinigten Staaten erleben.

Der Kongreß hat die Chance, unsere Verpflichtung gegenüber den tapfe-

- 3 -

�den tapferen Menschen zu bekräftigen, die ihr Leben für die Sache der
Freiheit und Demokratie in Mittelamerika aufs Spiel setzen. Der Kongreß
hat auch die Chance, unsere überparteiliche Tradition zu stärken, die der
Welt klar macht, daß wir einig sind, wenn es um unsere Lebensinteressen
geht.

Ich ersuche die Mitglieder des Kongresses, diese Verpflichtung

einzugehen.

+ + +

FRAGE: Sie haben gesagt, daß es in Mittelamerika um amerikanische Lebensinteressen geht. Was werden Sie tun müssen, wenn der Kongreß die
Sicherheitshilfe nicht bewilligt, um diese Drohung prosowjetischer Regime
in all den Ländern jenseits unserer südlichen Grenzen abzuwenden? Stellen Sie sich vor, der Kongreß bewilligt das Geld nicht, das für die Freiheitskämpfer, wie Sie sie nennen, gebraucht wird. Was würden Sie dann
tun müssen, um eine solche Entwicklung zu verhindern?

ANTWORT: Wir wären in einer sehr schwierigen Lage und sie ebenfalls.

Ich hege jedoch große Hoffnung, daß nach Präsident Duartes Besuch

hier und seinem Zusammentreffen mit vielen Mitgliedern des Kongresses einiger Grund zum Optimismus besteht.

FRAGE: Es gibt Berichte, daß die Administration den Kongreß umgangen
und die militärischen und geheimdienstlichen Tätigkeiten in Mittelamerika
erhöht habe, indem es Geld mittels Verschiebung auf Konten durch das Verteidigungsministerium an den CIA gegeben habe. Sie können zwar nicht
über verdeckte Tätigkeiten sprechen, aber können Sie dem amerikanischen
Volk wenigstens versichern, daß Sie nicht veranlaßt haben, daß diese Administration über den Willen des Kongresses hinausgeht und die Ausgaben
für militärische Tätigkeiten in Mittelamerika erhöht?

ANTWORT: Wir haben keine Verfahren angewandt, die sich irgendwie
von dem unterscheiden würden, was von früheren Administrationen angewandt
wurde, noch haben wir irgend etwas ohne Wissen des Kongresses getan.
FRME:

Können

�FR£GE: Können Sie also erklären,warum dem Kongreß vor etwa einem
Monat gesagt wurde, die vom CIA unterstützten Contras hätten bald kein
Geld mehr, würde der Kongreß nicht das Geld bewilligen?

Heute wird dem

Kongreß gesagt, daß der CIA genug Geld habe, um für den Rest des Sommers
durchzuhalten. Wie ist das möglich, ohne daß er geheimes Geld bekommt?

ANTWORT: Vielleicht haben sie (der CIA) sich in der ersten Erklärung
verschätzt - ich dachte, sie seien mit ihrem Geld eher am Ende als sie
offensichtlich sind - aber ich kann nur sagen, nichts dergleichen kann
ohne Wissen des Kongresses geschehen.

FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit erklärt, daß Sie keine Absicht
hätten, amerikanische Truppen nach El Salvador zu entsenden, und Präsident Duarte erklärte gestern, daß er nicht die Absicht habe, um die Entsendung amerikanischer Soldaten zu bitten. Aber trotz dieser Dementis
bleiben Zweifel. Walter Mondale behauptet, daß Ihre Politik zu einer
amerikanischen Verwicklung in Mittelamerika führen werde. Können Sie
heute abend eindeutig erklären, daß Sie keine Truppen nach El Salvador
entsenden werden, selbst wenn es so aussähe, daß El Salvador in die Hände der Kommunisten fallen könnte?

ANTWORT:

Zunächst einmal hat Präsident Duarte ganz eindeutig er-

klärt, daß El Salvador niemals um die Entsendung amerikanischer Truppen
ersuchen werde. Wir haben niemals derartige Überlegungen angestellt, wir
haben niemals an so etwas gedacht. Ich weiß nicht, wie ich jedermann
überzeugen soll; aber Sie brauchen nur auf unsere Freunde und Nachbarn in
Lateinamerika zu blicken - vielleicht ist all das noch ein Überbleibsel
aus der Vergangenheit. Wir würden unsere ganzen Freunde und Nachbarn
verlieren, wenn wir das täten (Truppen zu entsenden).
Hilfe.

Sie wollen unsere

Sie wissen, daß sie unsere Hilfe brauchen, wirtschaftlich - und

in der Art, wie wir militärische Unterstützung gewähren - durch Ausbildung, Nachschub und Ausrüstung usw; aber sie wollen keine
amerikanischen Soldaten dort.

FRAGE: Wenn El

Salvador klar an die Kommunisten fiele, würden Sie

�würden Sie meinen, daß es im amerikanischen Interesse läge, unsere Truppen dorthin zu entsenden und dem Einhalt zu gebieten, oder würden Sie zulassen, daß das Land kommunistisch würde?

ANTWORT: Sie stellen mir eine hypothetische Frage, und eine Frage,
die zu beantworten sehr töricht wäre.

Persischer Golf

FRAGE: Es wurde berichtet, daß Sie bereit wären, die amerikanische
Luftwaffe einzusetzen, um die Fahrt der Öltanker durch den Persischen
Golf zu sichern. Können Sie uns sagen, wie die Antwort der Saudis auf
Ihren Vorschlag lautete und unter welchen Umständen die Vereinigten Staaten in dieser Region militärisch verwickelt werden könnten?

ANTWORT:

Ich habe all diese Berichte gelesen und viele davon basie-

ren auf Spekulation. Nein, wir stehen im Kontakt mit den Golfstaaten und
mit unseren eigenen Verbündeten und tun dies auch weiterhin. Aber wir
haben keinen freiwilligen Einsatz vorgeschlagen und wir sind auch nicht
gebeten worden, zu intervenieren. Wir haben ihnen das mitgeteilt und bisher sieht es so aus, daß die GolfStaaten das alles selbst in die Hand nehmen wollen. Sie sind besorgt, und ich glaube, wir sollten alle besorgt
sein, daß dieser Krieg sich nicht ausweitet.

FRAGE: Haben wir einen Notstandsplan für den Fall, daß sie (die Golfstaaten) nicht selbst damit fertig werden können?

ANTWORT: Wir haben natürlich darüber nachgedacht, was wir tun könnten, wenn sie uns um Hilfe ersuchen.

Aber ich glaube nicht, daß das ein

Thema ist, über das ich sprechen sollte.

FRAGE: Sie haben vorhin gesagt, die Vereinigten Staaten würden die
GolfStaaten unterstützen, um die Straße von Hormus offen zu halten.
Gibt es irgendwelche umstände, unter denen amerikanische Interessen so
bedroht sein könnten, daß die Vereinigten Staaten einseitig oder ohne ein

- 6 -

�ohne ein Ersuchen der Golfstaaten handeln würden?

ANTWORT:

Ich kann nur wieder sagen, daß ich mir das nicht vorstellen

kann. Wir wären wahrscheinlich unter all den ölimportierenden Ländern
diejenigen, die durch eine solche Schließung am wenigsten betroffen wären. Es sind unsere Verbündeten - Japan, unsere Freunde in Westeuropa -,
die wirklich in Schwierigkeiten wären, wenn das Öl aus dem Mittleren
Osten nicht mehr fließen würde.

Praktisch kornnen - dank der Freigabe der Ölpreise und der Erhöhung
unserer einheimischen Förderung - nur drei Prozent unseres Öls aus dem
Persischen Golf. Und wir haben unsere Vorratslager an Öl um das Vierfache der Menge erhöht, die wir zu unserem Amtsantritt antrafen.

Ich

kann mir also keinen Notfall vorstellen, der ein solches Handeln bewirken würde.
Aber vergessen Sie nicht, daß wir auch in Konsultation mit unseren
Verbündeten stehen - mit jenen Ländern, die betroffen wären, weil wir uns
hier kein einseitiges Handeln vorstellen können. Das ist ein Problem,
das uns alle angeht.

FRAGE: Was würden die Vereinigten Staaten tun, um im Falle einer
Sperrung der Ölzufuhr ihren Verbündeten zu helfen? Würden wir ihnen Öl
aus unserer strategischen Reserve geben?

ANTWORT: Wir haben Leute, die in Konsultation mit unseren Verbündeten stehen, und sie haben sich getroffen, um über Notfälle dieser Art
zu sprechen. Wir würden nicht zögern, sofort zu unserer Reserve zu greifen, aber ich bin nicht bereit zu erklären, daß wir spezifische Pläne ausgearbeitet haben.

+ + + + +
- 7 -

�Dokumentation
United States Information Service
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23. Mai 1984

21

WILLIAM P. CLARK: DEUTLICHE FORTSCHRITTE IM AMERIKANISCHEN
UMWELTSCHUTZ

- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -

WIEN - (AD) - Der amerikanische Innenminister William P. Clark umriß
in einer Rede am 15. Mai 1984 in Wien Probleme und Leistungen des Umweltschutzes in den Vereinigten Staaten. Die wesentlichsten Auszüge aus der
Rede des Innenministers haben folgenden Wortlaut:

Mit der jüngsten Einbeziehung mehrerer neuer Naturparks in Alaska umfaßt das System der Nationalparks nunmehr 335 verschiedene Anlagen, zu
denen Naturparks, Naturdenkmäler, Gedenkstätten sowie historische Anlagen
und Schlachtfelder gehören.

Zu diesen Schätzen zählen der majestätische

Grand Canyon in Arizona ebenso wie die ehrwürdige Unabhängigkeitshalle in
Philadelphia, der schneebedeckte Gipfel des Mount McKinley in Alaska wie
die Sümpfe der Everglades in Florida und das Schlachtfeld des Bürgerkieges bei Gettysburg.

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�Heute umfaßt das Parksystem 32 Millionen Hektar - ein Gebiet von der
annähernden Größe Österreichs und der Bundesrepublik Deutschland zusammengenommen. Und natürlich kommt dies Gebiet noch zu dem Gelände hinzu,
das als Parks der Bundesstaaten und der Städte dient. Das System der
Nationalparks ist der Welt größtes Reservat an natürlichem oder fast
natürlichem Land. Und es ist einer der größten Schätze Amerikas. Im
vorigen Jahr kamen 336 Millionen Menschen - ein neuer Rekord - in diese
Parks, und viele dieser Besucher, alle stets willkommen, kamen aus dem
Ausland...

Derzeit unternehmen wir eine umfassende Anstrengung, um die Freiheitsstatue zu renovieren, die einer solchen Renovierung dringend bedarf.

Unser Ziel ist es, 230 Millionen Dollar an privaten Spenden zu

bekommen, um die Restaurierungsarbeiten rechtzeitig zum 100. Jahrestag
der Statue beenden zu können, der in zwei Jahren begangen wird, zumal die
Statue ja auch immer weiter an jene Millionen Einwanderer erinnern soll,
die zum Aufbau unseres Landes beitrugen. Die Verantwortung für die Beschaffung dieser Mittel haben der Aufsichtsratsvorsitzende der amerikanischen Automobilfirma Chrysler sowie andere Freiwillige übernamnen.
Erst vor zwei Wochen haben wir von der Firma "U.S. Tobacco Co." eine
Spende von 10 Millionen Dollar erhalten, und auch die amerikanischen
Schüler beteiligen sich: Bislang sind durch ihre Pfennige schon eine
halbe Million Dollar zusammengekommen. Mit dieser Unterstützung werden
wir unser Ziel erreichen, ohne daß der Bundeshaushalt zusätzlich belastet
wird.

In den 112 Jahren seit der Gründung des Yellowstone-Nationalparks hat
sich der Gedanke von Nationalparks in 140 verschiedenen Ländern verbreitet und gilt nunmehr für über 2000 Gebiete in der ganzen Welt. Eine weitere Fortentwicklung dieses Gedankens hat 1972 zur Unterzeichnung der
"World Heritage Convention" geführt, einer Konvention, die als erstes von
den Vereinigten Staaten und anschließend von 82 weiteren Staaten ratifiziert wurde. Diese Konvention ist eine Reaktion auf die Notwendigkeit
internationaler Zusammenarbeit zur Bewahrung unersetzlicher natürlicher
und kultureller Güter, die eine ganz besondere Bedeutung haben. Derzeit
gibt es eine Liste mit weltweit 165 solcher Orte, wobei 12 davon in den

- 2 -

�Vereinigten Staaten liegen.

Über die Jahre hinweg hat der Naturschutz in den Vereinigten Staaten
das ganze Land mit seinen Ressourcen einbezogen, einschließlich Boden,
Wälder, Tiere und menschliche Umwelt - und hier besonders die Qualität
des Wassers und der Luft. Und erst in jü'ngster Zeit wurden Gesetze verabschiedet, um die Küstengebiete, die Sumpflandschaften, Wildwasser und
landschaftlich besonders reizvolle Flüsse sowie Wildnisgebiete zu
schützen.

Dieser Gesetzgebung ging 1964 der "Wilderness Act" voraus, ein Gesetz, mittels dessen festgelegt wurde, daß bestimmte ursprüngliche Gebiete in einer völlig natürlichen Umgebung zur Erholung und Freude des Menschen belassen werden sollten. Das Gesetz definiert "Wildnis" als "ein
Gebiet, wo die Erde selbst und ihre Flora und Fauna vom Menschen ungehindert sind, wo der Mensch selbst nur ein Besucher ist und nicht
bleibt." Bislang sind auf diese Weise 32 Millionen Hektar als "Wildnis"
ausgewiesen worden. Der Kongreß behandelt derzeit mehrere weitere Gesetze, durch die weitere vier Millionen Hektar in dieses System eingegliedert werden könnten.

Wie ich bereits sagte, beschränkt sich Amerikas Bemühen um die Umwelt
nicht nur auf den Boden und seine physikalischen Ressourcen. Unsere Sorge gilt zugleich dem Schutz von Flora und Fauna. Ergebnis dessen ist ein
umfassendes System nationaler Wildparks, um die sich der amerikanische
"Fish and Wildlife-Service" kümmert.

Im Jahre 1973 verabschiedete der Kongreß das Gesetz über die bedrohten Arten, eines der weitreichendsten Gesetze, die je von einem Land zur
Verhinderung des Aussterbens bedrohter Pflanzen- und Tierarten verabschiedet wurden. Durch dieses Gesetz wurde ein landesweites Programm
geschaffen, an dem heute unsere Bundesregierung, die Bundesstaaten, Naturschutzorganisationen, einzelne Bürger, private Firmen sowie schließlich Regierungen anderer Staaten in dem Bemühen beteiligt sind, gefährdete Arten nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen
Welt zu retten.

Zur Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen gehören nun-

- 3 -

�gehören nunmehr 300 in den Vereinigten Staaten zu findende Arten und
nahezu 500 weitere in der ganzen Welt. Bislang wurden Pläne zur Erhaltung von 110 gefährdeten Arten in Amerika ausgearbeitet - einschließlich des Singkranichs, des kalifornischen Kondors und des Weißkopfadlers,
unseres Nationalsymbols. Die Bemühungen um Erhaltung solcher Arten sind
bei einer Anzahl von Tieren bereits so erfolgreich gewesen - so etwa beim
amerikanischen Alligator -, daß diese Tiere nicht mehr vom Aussterben
bedroht sind.

Ein großer Teil dieser unserer Arbeit beinhaltet Bemühungen um die
Bewahrung oder Wiederherstellung unseres natürlichen Ökosystems, einschließlich der Einschränkung des Einsatzes von Pestiziden. Solche Einschränkungen sind auch Ergebnis unserer Sorge wegen der Umweltverschmutzung und ihrer Auswirkungen auf die menschliche Umwelt.

Mit wachsendem Bewußtsein der Gefahr, die die Umweltverschmutzung für
die Gesundheit des Menschen bedeutet, wurde auch immer deutlicher, daß es
eines stärkeren Bundesorganes bedurfte, um ein in weitem Maß uneinheitliches Bemühen um den Umweltschutz zu koordinieren und rechtlich durchzusetzen.

Daher wurde 1970 das Umweltschutzamt (EPA) gegründet. Die Zuständigkeiten dieses neuen Amtes kommen in einer Reihe von Bundesgesetzen zum
Ausdruck, die erlassen wurden, um eine ganze Bandbreite von Umweltproblemen anzugehen...

In großem Maße aufgrund dieser Gesetze ist die Luft

unserer Städte heute sauberer und sind unsere Seen und Flüsse weit weniger verschmutzt.

So gingen zum Beispiel zwischen 1970 und 1981 landesweit die Emissionen insgesamt um 63 Prozent zurück, die Schwefeldioxyd-Bmissionen um
25 Prozent und die Kohlendioxyd-Emissionen um 26 Prozent.

Obwohl die Kapazität der Stromgewinnung seit 1970 um 60 Prozent anstieg, fielen die Kraftwerksemissionen aufgrund der wirksamen Emissionskontrollen unter das Niveau von 1970 zurück.

- 4 -

�Desgleichen gab es im selben Zeitraum einen 40prozentigen Anstieg bei
der von Autos und Lastwagen gefahrenen Kilometerzahl. Dennoch ging in
dieser Zeit der Abgasausstoß von Motorfahrzeugen um fast 20 Prozent
zurück.

Außerdem wurden wir überall im Land Zeuge einer Verbesserung der
Wasserqualität.

Zwischen 1970 und 1982 verdoppelte sich die Zahl der

Kläranlagen nahezu:

fast 65 Prozent der Bevölkerung erhalten jetzt ihr

Wasser über Kläranlagen.

Infolgedessen kommen auch Lachse und Forellen

wieder in Flüsse zurück, wo sie seit Generationen nicht mehr gesehen
worden waren.

Es ist uns weiterhin gelungen, einen dramatischen Rückgang bei den
Spuren giftiger Chemikalien zu erreichen, die im menschlichen Körper gefunden werden. Sowohl DDT und Dieldrin wurden 1972 verboten, und seither
gingen die Überreste dieser Produkte - genau wie von Hexachlorbenzol - um
über die Hälfte zurück. Während etwa des gleichen Zeitraums erlebten wir
einen entsprechenden Rückgang von Giftrückständen bei Fischen. Die D D T —
Mengen gingen um zwei Drittel zurück, während die PCP-Anteile um über die
Hälfte sanken.

Diese Leistungen konnten durch die gemeinsamen Bemühungen der Bundesregierung und der Einzelstaaten erreicht werden. Während der Reagan-Administration wurde der Beteiligung des Staates noch größere Aufmerksamkeit geschenkt, und unser Fortschritt in all diesen Bereichen ist
gleichermaßen auf die Bemühungen der Einzelstaaten wie jener der Bundesregierung zurückzuführen.

Hinsichtlich der Gefahr, die das Blei für die Gesundheit der Bürger
in den Vereinigten Staaten darstellt, haben wir bereits die Bleiemissionen drastisch gesenkt, insbesondere jene bei den Automobilen. Die
Reagan-Administration hat zusätzliche Schritte unternommen, die praktisch
alles Blei im Benzin beseitigen werden.

Für den Haushalt 1985 hat der Präsident 640 Millionen Dollar vom
Kongreß gefordert, um verlassene Giftmülldeponien zu säubern. Über 500

- 5 -

�solcher Deponien sind bereits für eine solche Reinigung im Rahmen eines
1,6 Milliarden Dollar-Fonds ausgewählt worden, der über Steuern von
Gesellschaften finanziert wird, die im Erdöl- und Chemie- bereich tätig
sind.

Der Fortschritt, den Arierika auch weiterhin bei der Verbesserung seiner Umwelt macht, beweist, wie weit wir gekommen sind, seit wir Anfang
der siebziger Jahre mit diesem großen nationalen Experiment begonnen haben.

In seinem Verlauf haben wir sowohl Erfahrung als auch größere Ach-

tung für die Komplexität der Umweltfragen gewonnen, die wir mit anderen
Ländern teilen.

Selbstverständlich sieht die Reagan-Administration heute in der Giftmüllbeseitigung eine oberste Priorität. Um des Wohls unserer Bürger willen werden wir keine unsicheren Praktiken bei der Lagerung von Giftmüll
zulassen.

Die Vollmacht des Umweltschutzamtes zur Kontrolle von Giftmüll ergibt
sich aus dem "Resource Conservation And Recovery Act" und dem "Superfund
Law". Ersteres deckt alle vorhandenen Deponien ab. Umfassende Regelungen schreiben präzise die Bewegungen des Mülls vom Entstehungsort bis hin
zur letztendlichen Lagerung vor. Es gibt bei uns sehr strenge Lizenzbestimmungen für den Transport und Ablagerung sowie wirksame Mittel zur
Einhaltung der Vorschriften. Das Amt hat die Befugnis, Strafen zu verhängen, zu denen Bußgelder in Höhe von bis zu einer Million Dollar gehören.

Das "Superfund Law" bezieht sich auf verlassene Deponien. Bis-

lang hat das Amt landesweit über 567 Mülldeponien ausgemacht, die als
erste beseitigt werden sollen. Diejenigen Deponien, die auf der nationalen Prioritätenliste stehen, werden unter Verwendung eines 1,6 Milliarden Dollar umfassenden "Superfund"-Programms gereinigt.

Präsident Reagan

hat in diesem Jahr bereits den Kongreß davon in Kenntnis gesetzt, daß er
fest dazu entschlossen ist, eine Verlängerung des Superfond-Gesetzes herbeizuführen, wenn es im nächsten Jahr ausgelaufen ist.

Die Amerikaner sind zutiefst besorgt über die Umweltbelastung durch
Säureablagerung. Im Jahre 1980 hat der Kongreß das Gesetz zur Erforschung

- 6 -

�der Säureablagerung verabschiedet. Es handelt sich dabei um ein von der
Bundesregierung finanziertes interministerielles Forschungsprogramm. Der
Mittelaufwand für die Forschung, die Entlastung empfindlicher Ökosysteme
und die Entwicklung von Technologien, die uns bei der Eindämmung von
Umweltschäden helfen sollen wird sich in diesem Jahr auf 127,5 Millionen
Dollar belaufen. In seinem Bericht über die Lage der Nation hat Präsident
Reagan die Entschlossenheit seiner Administration bekräftigt, das Problem
der Säureablagerung ernsthaft anzugehen, und er hat die wohlerwogenen
Maßnahmen, die getroffen werden sollen, dargelegt. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Regierung, nachdem wir die uns vorliegenden neuen Forschungsergebnisse analysiert haben, rasche Schritte unternehmen wird, um
ein Programm zu entwickeln, mittels dessen wir diesem beunruhigenden
Phänomen wirksam begegnen können.

Es steht außer Frage, daß der saure Regen in den Vereinigten Staaten
ein Problem darstellt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wissen wir jedoch noch
nicht, welchen Umfang dieses Problems hat, mit welchem Tempo es um sich
greift und welche physikalischen und ökologischen Mechanismen am Werke
sind.

Mir ist klar, daß Sie wie auch andere europäische Nationen wegen der
Schäden, die Ihre Wälder erleiden, beunruhigt sind. Auch bei uns ist es
in den Waldgebieten im Osten in größeren Höhenlagen zu einem Waldsterben
gekommen. Aber wie schnell schreitet es fort ? Handelt es sich dabei um
das gleiche Phänomen, mit dem Sie hier in Europa konfrontiert sind ?
Welches sind die Ursachen ? Es könnte auf Schwefeldioxyd zurückzuführen
sein oder auf Ozon, auf Schwermetalle oder sogar auf Insektenbefall oder
Trockenheit. Wir wissen es einfach nicht.

Was wir jedoch wissen, ist, daß ein Programm zur Bewältigung der
Folgen des sauren Regens enorm aufwendig sein würde. Wir können es uns
ganz einfach nicht leisten, derartig umfangreiche Mittel auf der Grundlage fadenscheiniger Kenntnisse zu investieren. Es könnte damit enden,
daß wir ein äußerst kostspieliges Programm zur Eindämmung der Schwefeldioxydemissionen durchführen nur um dann später herauszufinden, daß dies
nicht den gewünschten Effekt hat. Die Administration wird daher kein
- 7 -

�größeres Programm zur Bewältigung des Problems des sauren Regens vorschlagen, bis wir mehr wissen.

Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, daß in den Vereinigten
Staaten die Emission der Schadstoffe, von denen man annimmt, daß sie bei
der Entstehung des Phänomens des sauren Regens eine Rolle spielen, im
Rahmen des Bundesgesetzes zur Reinerhaltung der Luft einschränkenden
Bestimmungen unterliegt. Die Emission all dieser Schadstoffe ist vermindert worden. Die Bestimmungen unseres Bundesgesetzes zur Reinerhaltung
der Luft sind in ihrer Art die komplexesten und umfassendsten der Welt.
Alle Hauptgruppen von Schadstoffen, die von dem Gesetz zur Reinerhaltung
der Luft erfaßt werden, unterliegen in dreierlei Hinsicht Beschränkungen.
Erstens müssen alle Bundesstaaten Richtwerte über die Reinheit der Luft
beachten, die so angesetzt sind, daß eine Beeinträchtigung der Gesundheit
und des Wohlergehens der Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Zweitens müssen alle neuen Industrieanlagen und alle neuen Kraftfahrzeuge mit technischen Einrichtungen ausgestattet werden, durch die die Luftverschmutzung
herabgesetzt wird. Drittens muß in den Teilen unseres Landes, in denen
die Reinheit der Luft gegenwärtig den gesetzten Richtwerten genügt, bei
der Errichtung neuer Anlagen bewiesen werden, daß ihr Betrieb die Luftqualität nicht verschlechtert.

All dies war nicht billig. Die technischen Einrichtungen zur Eindämmung der Schadstoffemission haben den amerikanischen Verbraucher mehr als
40 Milliarden Dollar gekostet. Seit 1970 haben die Einführung von schwefelarmem Benzin und die Betriebskosten der Einrichtungen zur Einschränkung der Luftverschmutzung die Gesamtkosten der Eindämmung von Schadstoffemissionen auf mehr als 150 Milliarden Dollar hochgetrieben. Die Vereinigten Staaten wenden heute jährlich über 60 Milliarden Dollar für die Eindämmung der Luftverschmutzung auf.

Die Luftqualität hat sich merklich verbessert. Die Emission von zwei
der Schadstoffe, von denen man annimmt, daß sie bei der Entstehung des
Phänomens des sauren Regens eine Rolle spielen - Schwefeldioxyd und KohlenwasserstoffVerbindungen - ist vermindert worden. Wie erheblich diese
SchadstoffVerminderung tatsächlich ist, wird besonders dann sichtbar,

- 8 -

�wenn man sie in Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum in unserem Lande
seit 1970 stellt. Seit 1973 beobachten wir eine Abnahme der Belastung
durch Schwefeldioxyd um 25 Prozent sowie eine Verminderung der Luftverschmutzung um 43 Prozent gegenüber dem Wert, den sie ohne einschränkende
Maßnahmen erreicht haben würde.

Ungeachtet der Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten zur Verminderung der Luftverschmutzung und zum Schutz der öffentlichen Gesundheit
bereits getroffen haben, und ungeachtet der bedeutsamen Leistungen, die
sie auf diesem Gebiet bereits vorzuweisen haben, sind wir doch der Meinung, daß eine Reihe von wissenschaftlichen Fragen beantwortet werden
muß, bevor wir zusätzliche milliardenschwere Ausgaben für die Umrüstung
der bestehenden Kraftwerke veranlassen können. Die vorliegenden Vorschläge aus dem Kongreß zur Verringerung der Emissionen von Schwefeldioxyd und
Stickstoffoxyd um 50 Prozent würden jährliche Ausgaben in Höhe von drei
bis sieben Milliarden Dollar erforderlich machen.

Wir begrüßen die in der jüngeren Vergangenheit in Europa in die Wege
geleiteten Schritte zur Verminderung der Belastung durch Schwefeldioxyd.
Wir sähen es gern, wenn alle Nationen in Ost und West Richtwerte für die
Luftqualität festlegen und auch praktisch durchsetzen würden, die den
Schutz der Gesundheit wie auch den der Umwelt gewährleisten könnten. In
den 14 Jahren, in denen unser Gesetz zur Reinerhaltung der Luft nun in
Kraft ist, haben wir umfangreiche Kenntnisse erworben über die Auswirkungen auf die Gesundheit, über die wirtschaftlichen Folgen von Maßnahmen
zur Verminderung der Schadstoffbelastung und über entsprechende Technologien, und wir möchten diese Kenntnisse von Herzen gern mit Ihnen teilen.

Am heutigen Nachmittag habe ich versucht, darzulegen, daß sich Amerikas Sorge um die Umwelt aus unseren Erfahrungen beim Aufbau einer neuen
Welt entwickelt hat. Ich habe auch versucht, Ihnen eine Vorstellung zu
vermitteln von der großen Spannbreite unserer Bemühungen im Bereich des
Umweltschutzes und von den Erfolgen, die wir auf vielen Gebieten errungen
haben. Ich habe mich auch bemüht, einige der schwerwiegenden Probleme, denen wir uns noch widmen müssen, in aller Offenheit darzulegen.

- 9 -

�Ich wünschte, ich könnte Ihnen versichern, daß die Antworten, die wir
suchen, einfach sein werden. Leider werden sie nicht einfach sein. Vor
allen Dingen müssen Lösungen gefunden werden, die die Spannung zwischen
Entwicklung und Erhaltung, zwischen Kosten und Nutzen sowie zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und der Freiheit des einzelnen in einer gerechten Art und Weise auflösen, wobei überdies stets den lebenswichtigen
nationalen Sicherheitsinteressen Rechnung getragen werden muß.

Für einen gerechten Ausgleich zu sorgen, ist die Pflicht von Staatsmännern. In diesem Falle ist dies ebenso sehr eine Frage der Klugheit wie
eine Frage der Wissenschaft. Es ruft uns den Rat des Aristoteles in Hinblick auf den idealen Staat in Erinnerung:

"Das Beste ist oft unerreichbar, und der Gesetzgeber und Staatsmann
sollte daher nicht nur wissen, was in einem abstrakten Sinne das Beste
ist, sondern auch, was unter den gegebenen Umständen das Beste ist."
(Politik, 4. Buch, 1. Kapitel)

Das ist die Art und Weise, in der wir in den Vereinigten Staaten zu
verfahren versuchen. Wenn wir Erfolg haben - und ich glaube, das haben
wir - so liegt es daran, daß uns allen die Sorge um unser nationales
Erbe, um unser Land und seine Tierwelt und um die Qualität seiner Unweit
gemeinsam ist. Den Amerikanern ist schon klar geworden, daß all dies
geschützt werden muß. Gemäß der besten Tradition unserer Republik arbeitet die Administration in diesen Fragen nicht gegen die Bürger, sondern auf eine überparteiliche Weise mit ihnen gemeinsam, wobei sie sich
gleichermaßen auf private Initiative, auf die Wirtschaft, auf die Regierungen der Bundesstaaten und auf die kommunalen Verwaltungen stützt. Was
diese Dinge anbelangt, sind wir wahrhaft ein einiges Volk.
Wie Präsident Reagan in seinem Bericht über die Lage der Nation vom
Januar dieses Jahres feststellte: "Der Schutz unserer Unweit ist keine
liberale oder konservative Aufgabe - der gesunde Menschenverstand fordert
ihn."

+ + + + +
- 10 -

�23. Mai 1984

21

US-VIZEPRÄSIDENT ÜBERGIBT SCHECK FÜR AFGHANISTAN-FUJCHTLINGE IN
PAKISTAN

ISLAMABAD - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat in
dem Lager für afghanische Flüchtlinge in Nasir Bagh in Pakistan einen
Scheck über 14 Millionen Dollar überreicht, um Menschen zu helfen, die
vor der sowjetischen Invasion geflohen sind.

In Pakistan leben über drei

Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan.

Vizepräsident Bush hielt am 17. Mai 1984 eine Ansprache in dem
Flüchtlingslager, die folgenden Wortlaut hat:
Meine lieben afghanischen Brüder

Ich möchte Ihnen für die Einladung danken, dieses Flüchtlingsdorf zu
besuchen. Den Vertretern der pakistanischen Regierung, Präsident Zia und
anderen sowie den Vertretern der Hilfsorganisationen möchte ich ebenfalls
Dank sagen, daß sie diesen unvergeßlichen Besuch ermöglicht haben.

Ich habe heute aus erster Hand die tragischen Folgen der Invasion
Ihres Heimatlandes erlebt.

Ich habe in der sehr kurzen Zeit, in der ich

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der ich hier bin, sehr viel Leid gesehen, viel Not und viel Schmerz.
Aber ich habe auch mutige und stolze Menschen gesehen, die trotz Mangel
gastfreundlich und großzügig bleiben - ein starkes und edles Vojlk,
dessen Hingabe an Freiheit und Glauben an einen liebenden Gott trotz
mißlicher Umstände ungebrochen ist.

Jenseits der Grenze wird ein brutaler Krieg gegen die Bevölkerung von
Afghanistan geführt. Aus diesem unglücklichen Lande kommen Berichte über
wahllose Bombardierungen der Zivilbevölkerung und eine Taktik der verbrannten Erde. Diese Taktiken verwüsten das Land und schaffen Millionen
heimatloser Menschen und Tausende von Toten.

Meine lieben afghanischen Brüder, Sie und Ihr Volk haben viel gelitten. Sie haben über das übliche Maß hinaus Mut und Kraft gezeigt. Sie
genießen meine ehrliche Bewunderung und die unserer Administration und
die des ganzen amerikanischen Volkes. Sie haben die Bewunderung aller
freier Menschen verdient.

Ich habe den unzähmbaren Geist der Freiheit erlebt, der in diesem
Flüchtlingslager herrscht. Sie können ihn hier und jetzt spüren. Ihre
Heimat, das tapfere Afghanistan, ist niemals erobert worden. Die Tapferkeit und Unabhängigkeit des afghanischen Volkes ist zur Legende geworden. Jene, die versuchen, Sie der Freiheit zu berauben und Sie in
Fesseln zu legen, werden, dessen bin ich sicher, erfahren, daß das Licht
der Freiheit, das in Ihrem tapferen Land so hell brennt, niemals
ausgelöscht werden kann.

Die Sowjets müssen ihre Militärmaschinerie zurückziehen und aufhören,
sich in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates Afghanistan
einzumischen. Wir wollen nicht, daß das Leiden andauert - wir wollen so
rasch wie möglich eine Lösung auf dem Verhandlungswege. Aber die entscheidende Frage ist und bleibt der Abzug der sowjetischen Streitkräfte.
Ich weiß, Ihr Widerstand wird anhalten, bis die Sowjets erkennen, daß sie
niemals in der Lage sein werden, Afghanistan zu unterwerfen.

Bevor ich Sie verlasse, möchte ich den Regierungsvertretern und den
- 2 -

�und den Bürgern Pakistans - von denen viele heute hier bei uns weilen und die über drei Millionen afghanische Flüchtlinge mit solchem Mitgefühl
und unter solchen Opfern in diesem Lande willkommen geheißen haben, meine
Anerkennung zollen.

Ich möchte auch den Mitarbeitern aus aller Welt

meine Hochachtung aussprechen, die im Auftrag der Hilfsorganisationen die
Flüchtlinge betreuen. Die Arbeit, die Sie alle hier leisten, ist sicherlich außergewöhnlich.

Ich bin stolz auf den Beitrag der amerikanischen

Regierung zu diesem Hilfsprogramm.

Ich freue mich, im Rahmen unserer anhaltenden Bemühungen, den afghanischen Flüchtlingen zu helfen, bekanntgeben zu können, daß ich einen
Scheck über 14 Millionen Dollar vom amerikanischen Volk an das afghanische Volk mitgebracht habe. Und gestern ist ein Transportflugzeug
eingetroffen, das Medikamente im Werte von einer Million Dollar für Sie
mitgebracht hat.
In diesem Dorf hier überlebt inmitten der Verzweiflung die Hoffnung.
Durch die Tyrannei aller materiallen Dinge beraubt, kämpft die Bevölkerung von Pakistan um den köstlichen Besitz - und das ist die Freiheit.
Sie kämpfen für die gerechte Sache.

Ich bin sehr stolz, Ihnen die Hand

schütteln zu dürfen. Wenn ich mit Ihnen zusammenkomme, dann bin ich
sicher, daß das stolze afghanische Volk eines Tages seine Heimat zurückgewinnen wird - daß die Sache der Freiheit den Sieg davontragen wird.
Sie stehen nicht allein.

Lang lebe Afghanistan.

Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

+ + + + +
- 3 -

�21

23. Mai 1984

USA SETZEN SICH FÜR FAMILIE SACHAROW EIN
- US-Botschafter spricht vor dem ECOSOC -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Vertreter im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), Botschafter Alan
Keyes, hat sich mit Nachdruck für den verbannten sowjetischen Nobelpreisträger
Andrei Sacharow und dessen Frau Elena Bonner eingesetzt.

Auch der amerikanische Kongreß hat am 16. Mai in einer Resolution die
Sowjetunion aufgefordert, der Frau Sacharows die Ausreise zur medizinischen
Behandlung außerhalb der Sowjetunion zu gestatten und den Sacharows zu erlauben, ihre innere Verbannung zu verlassen und "in dem Land ihrer Wahl zu
leben".

In seiner Rede vor dem ECOSOC am 16. Mai 1984 ging Keyes auf die Menschenrechtslage in der ganzen Welt und die Arbeit der 40. Sitzung der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen ein und forderte alle im Rat vertretenen Delegationen und Regierungen sowie alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf, die Sowjetunion zu einer positiven Regelung des Falles Sacharow zu

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sacharow zu bewegen.

Die diesbezüglichen Auszüge aus der Rede von Botschafter Keyes haben
folgenden Wortlaut:

...Wenn wir über die Arbeit der nicht regierungsamtlichen Organisation auf
dem Gebiet der Menschenrechte sprechen, dann müssen wir einsehen, daß Meinungs- und Ausdrucksfreiheit für diese Arbeit wesentlich sind. Der freie
Austausch von Informationen und Meinungen ist ein entscheidender Faktor, um zu
gewährleisten, daß die Opfer von Menschenrechtsverletzungen nicht einsam und
in Schweigen leiden. Die Stimme des Gewissens findet nur Gehör, die unglaublichen Ereignisse des physischen und psychischen Leidens können nur vor die
Augen der Welt gebracht werden, weil in manchen Ländern, einschließlich meines
eigenen, diese Grundfreiheit geachtet wird. Wir können es uns nicht leisten,
zuzulassen, daß die Regierungen, die die Menschenwürde mißachten, sich als legitime Schiedsrichter darüber aufspielen, ob solche Mißstände ans Tageslicht
gebracht und veruteilt werden oder nicht. Das ist der Grund, warum sich meine
Regierung so nachdrücklich dem restriktiven Konzept widersetzt, das der sogenannten neuen Internationalen Informationsordnung zugrunde liegt. Darum haben
wir zum Thema des Rechts auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit so gerne die Resolution 184/26 unterstützt, die auf Initiative der kanadischen Delegation von
der Kommission verabschiedet wurde. Trotz eines dreisten Versuchs der sowjetischen Delegation, den Inhalt dieser Resolution durch die Einführung beschneidender Abänderungen zunichte zu machen, hat sich ein Konsens ergeben,
der folgenden Wortlaut hat:

"Die Menschenrechtskommission...
aus der Besorgnis heraus, daß in vielen Teilen der Welt in großem Umfang
Menschen festgehalten werden, die das Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit ausüben, wie es in der allgemeinen Menschenrechtserklärung und im internationalen Vertrag über die zivilen und politischen Rechte niedergelegt ist;

appelliert erstens an alle Staaten, für die Respektierung und Unterstützung der Rechte aller Personen zu sorgen, die das Recht der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit ausüben, sowie dafür, daß jemand, der nur wegen der Ausübung

�der Ausübung des Rechts auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit, wie es im
internationalen Vertrag über die zivilen und politischen Rechte niedergelegt
ist, inhaftiert wurde, sofort freigelassen wird;

appelliert zweitens an die Staaten, die das bisher nicht getan haben,
Schritte zu unternehmen, um die volle Verwirklichung des Rechts auf Meinungsund Ausdrucksfreiheit zu erlauben..."
Herr Vositzender, nach Auffassung meiner Delegation weist diese Resolution
auf das entscheidende Element im Kampf um die Menschenrechte auf der ganzen
Welt hin. Alles in allem wären auf dem Felde der Menschenrechte keine Normen
oder Richtlinien, keine Tatsachen oder praktischen Maßnahmen möglich ohne die
tapferen Anstrengungen von Einzelpersonen und Gruppen, die inmitten der Unterdrückung ihre Karriere, ihr Eigentum, ihre Freiheit, ja selbst ihr Leben für
die Sache der Menschenwürde aufs Spiel setzen. Manche leben und sterben unbekannt - lebendig begraben in den schrecklichen Verliesen der Tyrannei - ohne
Zeremonie eingescharrt in den anonymen Gräbern der totalitären Unterdrückung.
Manche werden in der lebendigen Hölle politischer psychiatrischer Kliniken
eingesperrt, wo die Kunst, die den Geist des Menschen heilen soll, dazu angewandt wird, die natürliche Sehnsucht nach Freiheit zu zerbrechen.

Nicht alle bleiben jedoch unbekannt. Wir kennen sie zu Tausenden, ja zu
Millionen als die Führer und Mitglieder der polnischen Gewerkschaft Solidarität. Wir kennen sie als Genies, wie Alexander Solschenizyn oder Dr.
Koriagin, die die persönliche und gesellschaftliche Realität des totalitären
Alptraums ans Tageslicht bringen. Wir kennen sie wegen ihrer Leistungen,
wegen ihres Mutes, wegen ihrer Bereitschaft, alles zu opfern, um der Menschheit die Botschaft der Menschenwürde und der Freiheit zu bringen, die allein
uns aus dem dunklen Tal des Todes erheben wird, das das 20. Jahrhundert bisher
war.

Wir kennen sie beim Namen, wie Andrei Sacharow und seine Frau Elena

Bonner.

Niemand, der sich der jetzigen tragischen Lage der Sacharows bewußt ist,
kann überrascht sein, daß sich die sowjetische Regierung so nachhaltig einer
Resolution widersetzt hat, die darauf abzielt, die Rechte zu stärken und die
Verfolgung jener zu verurteilen, die "nur wegen der Ausübung des Rechts auf

�Rechts auf Melnungs- und Ausdrucksfreiheit...

inhaftiert wurden .

das "Vergehen" Sacharows gegen das Sowjetregime.

Das war

Nach den Bestimmungen der

MenschenrechtserklMrung der Vereinten Nationen und des internationalen Vertrages ist dies ein Recht, das die sowjetische Regierung zu achten verpflichtet ist.

Weil er es jedoch ausgeübt hat, wurde Dr. Sacharow - ein

hervorragender Physiker, ein herausragender Führer der internationalen
Menschenrechtsbewegung und Träger des Nobelpreises von 1975 - ins innere Exil
gezwungen, seine Karriere zerstört, seine Gesundheit gebrochen, sein Leben
sogar des Trostes des normalen menschlichen Kontakts mit seiner Familie und
seinen Freunden beraubt.

Ein Leitartikel in der heutigen "New York Times"

läßt das ganze tragische Schicksal der Sacharows erkennen:

"In der Stadt Gorki, 260 Meilen östlich von Moskau, stellt sich eine Tragödie der Menschheit dar.

Am 2. Mai begann Dr. Andrei Sacharow...

seinen

Hungerstreik, und erklärte, er werde 'bis zum bitteren Ende fasten', wenn die
sowjetische Regierung nicht seiner Frau, Elena G. Bonner, die Ausreise gestatten würde, um die dringend notwendige medizinische Behandlung vorzunehmen.

Am

12. Mai hat sich Frau Bonner trotz eines schweren Herzleidens dem Hungerstreik
ihres Ehemannes angeschlossen.

Die Regierung reagierte darauf, indem sie Frau

Bonner einer Untersuchung wegen 'Diffamierung des Sowjetsystems' aussetzte,
ihr verbot, Gorki zu verlassen, und ihr eine Anklage wegen Hochverrats androhte...

Dr. Sacharow und seine Frau sind in einem sehr schlechten Gesundheits-

zustand.

Wenn ihr Hungerstreik weiter andauert, dann werden sie in Gorki

sterben."

Sie werden in Gorki sterben.

Nichts könnte stärker und berechtigterweise

dem Ruf des Sowjetregimes schaden als die Maßnahmen der sowjetischen Regierung
selbst...

Letztlich muß die Arbeit der Menschenrechtskommission und auch dieses
Rates hier danach beurteilt werden, wie unsere Antwort auf die Realität des
banalen, sinnlosen Übels ausfällt, das die Verfolgung der Sacharows ist und
darstellt.

Meine Delegation und meine Regierung appellieren an alle hier ver-

tretenen Delegationen und Regierungen und an alle Mitglieder der Vereinten Nationen, denen die Menschenrechte mehr bedeuten als nur eine zynisch vorgetragene Abstraktion, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu versuchen, die

�versuchen, die sowjetische Regierung dazu zu bewegen, der Stimme des Gewissens
und den Geboten der Menschlichkeit zu folgen. Wir appellieren an diese Regierungen, so nachhaltig wie nur möglich und auf höchster Ebene gegen das Festhalten von Elena Bonner zu protestieren und die sowjetische Regierung aufzu
rufen, den durch den Hungerstreik Ausdruck gegebenen Forderungen Sacharows
nachzukommen.

Die Sowjetische Regierung sollte alle Anschuldigungen gegen

Elena Bonner fallen lassen und ihr ein Ausreisevisum erteilen, damit sie sich
außerhalb der Sowjetunion in medizinische Behandlung begeben kann...

+ + +++

5 -

�Wi//cn/chaft
und Technik

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Mai 1984

21

GESUNDHEIT - AUCH EINE FRAGE VON EIGENVERANTWORTUNG
- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz in Genf -

- (AD) - Vor einiger Zeit forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
"Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000".

Politiker und Fachleute aus allen

Bereichen der Medizin mußten inzwischen einsehen, daß dieses Ziel sehr schwer
zu erreichen sein wird.

Jedoch wären manche Hürden leichter zu nehmen, wenn

jedermann mehr Verantwortungsbewußtsein für die Erhaltung seiner Gesundheit
entwickelte und gesundheitsbewußter lebte. Dies ist einer der Punkte, die Dr.
C. Everett Koop, Chef des Gesundheitswesens der Vereinigten Staaten, in seiner
Rede vor der Jahreskonferenz der WHO in Genf erörterte. Die auf zwei Wochen
angesetzte Konferenz begann am 7. Mai. Mehr als 1000 Delegierte aus 163
Staaten nehmen an ihr teil.

Gesündere Ernährung, rechtzeitige Behandlung von Bluthochdruck und Ausschaltung von Risikofaktoren, Unfallverhütung, Vorsorgeuntersuchungen für
schwangere Frauen, für Neugeborene und Kleinkinder sowie Eindämmung und Verhinderung von Berufskrankheiten sind wichtige Schwerpunkte bei den gegenwärtigen Gesundheitskampagnen in den Vereinigten Staaten. Ein weiteres Ziel,
das bis 1990 erreicht werden soll, ist die Schutzimpfung von mindestens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von mindestens 95 Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter gegen Masern,
Mumps, Polio, Keuchhusten, Diphtherie, Röteln und Tetanusinfektion.

Innerhalb

von drei Jahren gingen dank der umfassenden Impfprogramme die Erkrankungen an
Infektionen dieser Art um 71 Prozent zurück - von unsgesamt 28 000 Fällen im
Jahr 1980 auf 8000 im Jahr 1983. Einige der genannten Infektionskrankheiten
mit ihren oft verheerenden Folgen bzw. Komplikationen seien in den Vereinigten
Staaten nahezu ausgerottet, erklärte Dr. Koop.

"Aber es gibt natürlich viele Gesundheitsprobleme wie z.B. Infektionen,
die nicht so rasch auf Präventivmaßnahmen reagieren. Heute sterben mehr
Amerikaner an Krebs und Herzkrankheiten als an irgendwelchen anderen Erkrankungen. Die Zahl der Personen, die wegen Krebs- oder Herzkrankheit nicht
mehr arbeiten können, ist enorm hoch. Wir haben begonnen, zurückzuschlagen."
Dr. Koop verwies in diesem Zusammenhang auf das von Margaret M. Heckler, der
amerikanischen Ministerin für das Gesundheits- und Sozialwesen, eingeleitete
Programm zur Vorbeugung gegen Krebs.

"Wir wissen", so Dr. Koop, "daß fast 80 Prozent aller Krebserkrankungen
auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind. Häufig haben sie mit persönlichen
Verhaltensweisen wie Zigarettenrauchen und Eßgewohnheiten zu tun. Deshalb
will diese Kampagne die Menschen vor allem mit Tatsachen vertraut und ihnen
klar machen, daß sie selbst viel dazu beitragen können, eine Erkrankung an
Krebs zu verhindern.

In diesem Jahr hat das Nationale Krebsinstitut (NCI) zum erstenmal ein
klar definiertes Ziel gesetzt - Verringerung der Krebssterbefälle um 50 Prozent bis zum Jahr 2000.

Dies würde die Erhaltung von 200 000 Menschenleben

bedeuten. Als der ranghöchste beamtete Arzt der Vereinigten Staaten muß ich
hinzufügen, daß allein die Reduzierung des Tabakgenusses um die Hälfte mehr
als ein Drittel dieser 200 000 retten könnte. Tatsächlich zeigen jüngste Umfragen, daß unsere Bemühungen um Einschränkung des Rauchens sehr erfolgreich
sind.

In den letzten 15 Jahren beobachten wir auch einen ständigen Rückgang der
Todesfälle durch Herzerkrankungen. Wir sind überzeugt, daß dieser Trend anhält und im Jahr 1990 Herzkrankheiten bei Personen unter 65 Jahren nicht

�Jahren nicht mehr an erster Stelle der Todesursachen stehen. Ein Hauptgrund
für diesen dramatischen Rückgang ist sowohl die Erkennung und Beherrschung von
Risikofaktoren als auch das persönliche Gesundheitsbewußtsein.

Grundlage für

unsere Ziele zur Vorbeugung gegen Krankheiten und für unsere Hoffnungen für
das Jahr 2000 ist die Bewußtmachung der Tatsache, daß unser Erfolg davon abhängt, inwieweit die Menschen unseres Landes fähig und willens sind, mit ihrem
Lebensstil zum Schutz gegen Krankheiten beizutragen."

Die beharrliche Mitarbeit von Institutionen und Personen aus allen Bereichen des sozialen GefUges sei dabei unerläßlich, sagte Dr. Koop.

Einer der

größten Erfolge von Gesundheitskampagnen der Verbraucherverbände der letzten
Jahrzehnte sei in der Durchsetzung von Angaben über den Salzgehalt auf allen
Lebensmittelpackungen zu sehen.

In der Zeit zwischen 1978 und 1982 stieg die

Zahl der Verbraucher, die zu hohe Mengen von Kochsalz und anderen Salzen vermeiden wollen, ohnehin schon von 14 auf 40 Prozent.

Zahl der älteren Bürger nimmt ständig zu

Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Anliegen alter Menschen
zu lenken, erklärte Präsident Reagan den Mai 1984 zum "Monat der älteren Amerikaner".

Die tiefgreifende Wandlung im Anteil einzelner Altersgruppen an der

Bevölkerungsstruktur werde dazu führen, so Dr. Koop, daß Anfang des nächsten
Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten 50 Millionen Bürger, d.h. 20 Prozent
der Bevölkerung, 65 Jahre und älter sind.

Das müsse bei den für das Gesund-

heitswesen gesteckten Zielen berücksichtigt werden.

Im amerikanischen Mi-

nisterium für das Gesundheits- und Sozialwesen werden gegenwärtig Programme
zur Zusammenarbeit mit einzelstaatlichen und kommunalen Behörden ausgearbeitet, die ältere Menschen durch Verbesserung ihres Gesundheitszustandes und
Erhaltung ihrer Unabhängigkeit mehr Lebensqualität sichern sollen. Unfallverhütung, bessere Ernährung, richtige Anwendung von Medikamenten und Ausschöpfung der Möglichkeiten für körperliches Training stehen dabei im Vordergrund .

Unverzichtbare Forschung

�Unverzichtbare Forschung

Ich darf hinzufügen, daß die Möglichkeiten unserer für das Gesundheitswesen arbeitenden Wissenschaftler zur Erweiterung von Erkenntnissen, die uns
allen helfen, unsere nationalen Ziele auf dem Gebiet der Gesundheit zu erreichen, durch Gedankenaustausch und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene
immens verbessert werden... So sollen auch alle Nationen Daten, an denen sich
unsere Anstrengungen orientieren, sammeln, analysieren und verwenden - können...

Jeder von uns hat sein Teil dazu beizutragen, Gesundheit für alle der

Verwirklichung näher zu bringen - auf nationaler wie internationaler Ebene.
Jedoch werden alle unsere Anstrengungen umsonst sein, wenn wir unseren Bürgern
nicht die Bedeutung von wichtigen Faktoren der individuellen geistigen und
körperlichen Gesundheit bewußt machen.

Ein Grundprinzip von 'Gesundheit für Alle' ist Eigenverantwortlichkeit
jedes einzelnen für seine Gesundheit. Das mag im einen Fall bedeuten, daß man
weiß, wie mit einer Lösung von Salzen und Zucker in Wasser Babies mit schwerer
Durchfallerkrankung zu helfen ist. Es bedeutet vielleicht im anderen Fall,
blutdrucksenkende Mittel weiterzunehmen, obgleich man sich gesund fühlt. Und
für wieder andere heißt es, zu erkennen, daß weniger Fett und Salz in der Nahrung, Verzicht auf Zigarettenkonsum und mehr körperliches Training der eigenen
Gesundheit und dem Wohlbefinden nur nützen können.

In den nächsten 16 Jahren können wir alljährlich hier zur Konferenz zusammenkommen. Aber wenn wir nichts anderes tun, als nur miteinander zu reden,
werden wir unser Ziel für das Jahr 2000 nie erreichen. Vielmehr müssen wir
wissenschaftliche Informationen austauschen und allen klarmachen, daß ein längeres, gesünderes Leben möglich ist... Die Menschen sollen wissen, daß ihr
Wohlergehen auch zu einem großen Teil von ihnen selbst abhängt."

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 22. Mai 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William P. Clark: Deutliche Fortschritte im amerikanischen Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Rede des US-Innenministers in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vizepräsident übergibt Scheck für Afghanistan-Flüchtlinge in Pakistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA setzen sich für Familie Sacharow ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Botschafter spricht vor dem ECOSOC -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gesundheit - auch eine Frage der Eigenverantwortung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. C. Everett Koop vor der Weltgesundheitskonferenz in Genf -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
&gt;&lt;*

23. Mai 1990

20

AUSSENPOLITIK

BUSH: DIE ZEIT DER DIKTATOREN
IST ABGELAUFEN
Auszüge aus einer Rede an der
University of Texas

USA - UDSSR

BAKER ERWARTET PRODUKTIVEN
GIPFEL BUSH-GORBATSCHOW
Erklärung in Moskau

VSBM

VSBM: NEUE VORSCHLAGE DES WESTENS
Rede des US-Delegationsleiters
John Maresca

OSTEUROPA

MOSBACHER: VIELVERSPRECHENDE AUSSICHTEN FÜR HANDEL MIT OSTEUROPA
Rede des US-Wirtschaftsministers

COCOM

MOSBACHER BEFÜRWORTET VORSICHTIGE
LOCKERUNG VON EXPORTKONTROLLEN
Rede des Wirtschaftsministers
im Kongreß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2366
Telex: 8-85432

�AUSSENPOLITIK
23. Mai 1990

BUSH: DIE ZEIT DER DIKTATOREN IST ABGELAUFEN
Auszüge aus einer Rede an der University of Texas

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede anläßlich der Abschlußfeier an der University of Texas erklärte Präsident
Bush am 19. Mai 1990 unter Verweis auf die Leistungen großer Persönlichkeiten in Osteuropa, die ihre Länder
zum Triumph der Freiheit über den Kommunismus geführt hätten, daß "die Zeit der Diktatoren abgelaufen ist".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede des Präsidenten, die außenpolitische Aspekte betreffen.

Außerhalb der Vereinigten Staaten schrumpfte damals (vor 42 Jahren) die Zahl der freien Staaten, und
Winston Churchills Prophezeiung, daß ein Eiserner
Vorhang Europa in zwei Lager spalten werde, wurde
schon bald wahr. Ein Eiserner Vorhang schnitt Osteuropa vom Westen ab und trennte die beiden Teile
Deutschlands voneinander. Und als jeder Mauerstein,
jeder Wachturm und jeder Meter Stacheldraht an
seinem Platz war, existierten zwei Welten. Eine Welt
freier Menschen mit der Freiheit der Wahl und eine
Welt der Tyrannei und Unterdrückung.
In der Folgezeit wurde Millionen von Männern und
Frauen gesagt, was sie zu denken und zu lernen,
welchen Arbeitsplatz sie anzunehmen und wo sie zu
leben hatten. Stellen Sie sich all diesen Mi ßbrauch und
diese Verschwendung von Elan, Talent und Phantasie
vor. Und doch hielten viele immer noch an ihren
Überzeugungen fest. Selbst im Angesicht des Todes
leisteten sie Widerstand.
Das war die Überzeugung des Andrej Sacharow, der,
wie Sie sich erinnern werden, Chruschtschow mit der
Wahrheit über überirdische Atomversuche konfrontierte. Das ist ein Grund, warum das sowjetische Volk
heute sein Andenken verehrt.
Das ist die Überzeugung eines Elektrikers aus Gdansk,
auf dessen Bekanntschaft ich stolz bin - Lech Walesa,
der das polnische Volk in die Freiheit führte.
Und das ist die Überzeugung von Vaclav Havel aus der
Tschechoslowakei, des inhaftierten Dramatikers, der
heute an der Spitze einer großen Nation steht.

AMERIKA DIENST 20

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte über Präsident Havel und einige andere mutige Persönlichkeiten
aus Osteuropa erzählen. Erst kürzlich hatte ich die
Ehre, diesen Mann in das Weiße Hause einzuladen
und ihm bei dieser Gelegenheit das Lincoln-Zimmer zu
zeigen. Präsident Havel war voller Ehrfurcht, denn er
wußte, daß dieses Zimmer wirklich das Arbeitszimmer
von Präsident Lincoln gewesen war. Es war die Stätte
gewesen, an der Lincoln arbeitete, diskutierte und
einen schrecklichen Krieg durchlitt. Aber Präsident
Havel wußte auch, daß dieses Zimmer aus einem
überragenden Grund ein heiliger Ort ist - es war der
Ort, an dem Präsident Lincoln die Emanzipationsproklamation unterzeichnete. In diesem Zimmer befreite
er ein Volk. Und in diesem Zimmer bemerkte ich, wie
Präsident Havel zu Tränen gerührt war in dem Wissen,
daß die Glocke der Freiheit endlich auch für seine
geliebte Tschechoslowakei erklungen war.
Was für den einen die Geschichte, ist für den anderen
die Musik. Präsident Landsbergis von Litauen, der
Beethovens Neunte zur Hymne der Bewegung seines
Volkes erklärte, wurde einmal gefragt, warum Beethovens Klänge in den Straßen und auf den Plätzen von
Wilna erklingen sollten. Er antwortete, der Grund sei,
daß die Neunte eine "Symphonie der Freiheit und des
Sieges über Sklaverei, Heimtücke und tiefsten Haß
ist".
Und was für den einen die Musik, ist für den anderen
das Wort. Betrachten Sie einmal den Fall eines
Mannes mit Namen Cestimir Suchy, eines tschechischen Journalisten, der sich weigerte, den sowjetischen Einmarsch von 1968 als Akt brüderlicher Liebe

Seite 1

�zu beschreiben. Suchy wurde wegen seiner Ehrlichkeit entlassen. Aber es wurde ihm gestattet, sich
seinen Lebensunterhalt in einem neuen Beruf zu verdienen - als Fensterputzer. Wenn man ihn heute um
seine Visitenkarte bittet, dann steht darauf immer
noch: Suchy, Fensterputzer. Das ist ein Beispiel für
den unerschütterlichen Humor dieses Mannes, der
heute einen anderen Arbeitsplatz mit einem neuen
Titel hat. Er ist der Dekan der Journalistenschule an
der Prager Karls-Universität.
An allen Universitäten des Ostens sind es heute die
Exponenten marxistischer Dogmen, für die es keine
Arbeit mehr gibt.
Ich möchte Ihnen noch eine letzte Geschichte erzählen - über Arpad Goncz aus Ungarn, der mich gestern
im Oval Office besuchte. Wie Präsident Havel ist auch
Präsident Goncz ein Dramatiker. Ich weiß nicht, wie es
kommt, daß Dramatiker Präsidenten großer Länder in
Osteuropa werden. Aber als ehemaliger Antifaschist
und Zeitungsredakteur wurde er während des Aufstands von 1956 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach
seiner Freilassung blieb er ein Dissident, und heute
steht er als amtierender Präsident an der Spitze des
ungarischen Volkes.
Die Entschlossenheit von freiheitsliebenden Männern
und Frauen erweist sich als härter als die Mauern, die
sie umgeben. Aufgrund ihres Mutes ist die freie Welt
heute größer als wir alle uns vorzustellen wagten.
Dies ist unsere erstaunliche neue Welt der Freiheit.
Größere Freiheit bedeutet aber auch größere Chancen - in Ost und West. Ob Sie nun Laufbahnen in
Geisteswissenschaften, Wirtschaft, Recht oder Naturwissenschaften einschlagen, dies kannfür Sie nureine
frohe Kunde sein.
Erst heute morgen habe ich in Houston die Stätte
unseres nächsten Weltwirtschaftsgipfels besichtigt,
an dem Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Japan und die Bundesrepublik Deutschland teilnehmen werden. Bei unserem Treffen werden wir mehr
tun, als unsere Bilanzen zu vergleichen. Es wird ein
Akt der Zusammengehörigkeit freier Nationen sein.

*

Seite 2

Diese Nationen haben uns in diesem langen Kampf zur
Seite gestanden, beim Aufbau solider Bündnisse und
den endlosen Vorbereitungen auf einen Krieg, der nie
stattfinden darf. Mit großen Anstrengungen und großen Opfern. Materiellen Opfern, die für schönere Ziele
hätten verwendet werden können. Und das ist der
Preis, den der kalte Krieg von Westeuropa und den
Vereinigten Staaten gefordert hat.
Dieses Opfer wurde jedoch mit der kostbarsten Gabe
von allen belohnt - der Morgendämmerung neuer
Freiheit und neuer Hoffnung für Millionen.
Heute beobachten wir an vielen wichtigen Fronten
Fortschritte. Wie Sie wissen, hat sich Außenminister
Baker diese Woche mit der sowjetischen Führung
getroffen, um das am 31. Mai beginnende Gipfeltreffen
zwischen mir und Präsident Gorbatschow vorzubereiten. Obwohl weitere Arbeit erforderlich ist, bedeuten
Bakers Treffen meines Erachtens einen Schritt nach
vorn. Dieser Durchbruch sollte es uns gestatten, das
von uns in Malta gesetzte wichtige Ziel zu erlangen die Einigung über wichtige, substantielle Elemente
eines historischen Vertrags zur Reduzierung strategischer Waffen.
Darüber hinaus werden wir mit den Sowjets andere
wichtige Rüstungskontrollmaßnahmen abschließen
können, darunter eine Vereinbarung über drastische
Reduzierungen der chemischen Waffen sowie technische und wirtschaftliche Vereinbarungen. Ich bin
zuversichtlich, daß die von uns erzielten Fortschritte
dazu beitragen werden, daß dieses Gipfeltreffen ein
weiterer solider Schritt nach vorn in dem entscheidend
wichtigen amerikanisch-sowjetischen Verhältnis sein
wird.
Heute, wie vielleicht nie zuvor in der Geschichte, setzt
sich die Freiheit in der ganzen Welt durch, weil die
Freiheit funktioniert. Freiheit ist nicht nur richtig, sie ist
praktisch. Sie ist nicht nur gut, sie ist besser. Und es
ist auf den unbezähmbaren Geist des Menschen zurückzuführen, daß die Zeit der Diktatoren abgelaufen
ist.

*

AMERIKA DIENST 20

�USA-UDSSR
23. Mai 1990

BAKER ERWARTET PRODUKTIVEN GIPFEL
BUSH-GORBATSCHOW
Erklärung in Moskau
MOSKAU - (AD) - Zum Abschluß viertägiger Gespräche mit Präsident Gorbatschow und anderen hochrangigen sowjetischen Vertretern hat Außenminister Baker am 19. Mai 1990 in Moskau erklärt, er erwarte ein
"produktives" Gipteltreffen zwischen den Präsidenten Bush und Gorbatschow in Washington. Vor Journalisten
verwies Baker darauf, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion "einige echte Leistungen" für die
Vollendung eines Vertrages über den Abbau strategischer Waffen (START) erzielt hätten, mit dem die nuklearen
Langstreckenraketen beider Seiten'um 30 Prozent reduziert würden.
Die Erklärung von Au ßenminister Baker, die er zu Beginn einer Pressekonferenz abgab, hat folgenden Wortlaut.

Wir haben soeben viertägige, lange und detaillierte
Gespräche mit Präsident Gorbatschow, Außenminister Schewardnadse und ihren Mitarbeitern beendet.
Dies waren einige der intensivsten Gespräche, die wir
in der Amtszeit dieser Administration mit unseren
sowjetischen Partnern geführt haben. Im Endstadium
von Verhandlungen ist es nur vernünftig, eine Zunahme von Intensität und Schwierigkeit der Arbeit zu
erwarten. Um es griffig zu formulieren: Wir haben
Schwerarbeit geleistet, um bis zum Gipfel zwischen
Präsident Bush und Präsident Gorbatschow Abkommen zu fixieren.
Unsere Gespräche haben einige echte Leistungen
hervorgebracht, und diese von uns erzielten Fortschritte stimmen mich optimistisch, daß wir in weniger
als zwei Wochen Zeugen eines produktiven Gipfels in
Washington werden.
In dem fünfstündigen Treffen mit Präsident Gorbatschowkamen eine Reihe von Bereichen zur Sprache,
darunter Rüstungskontrolle, die Lage im Baltikum,
insbesondere der Wunsch Litauens nach Unabhängigkeit, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten
und die sowjetische Wirtschaft. Wir hatten einen
umfassenden Meinungsaustausch zu diesen Themen.
Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, daß in meinen
Gesprächen über Litauen beide Parteien den Wunsch
zum Ausdruck brachten, einen Weg zum friedlichen
Dialog zu finden. Ich kann an dieser Stelle nicht sagen,
daß Sowjets und Litauer bereits eine gemeinsame
AMERIKA DIENST 20

Grundlage für das weitere Vorgehen gefunden haben.
Ich denke aber, daß sie sich jetzt aktiver darum bemühen, diese Basis zu entwickeln, aber sie haben sie
noch nicht gefunden.
Ich möchte nun kurz auf die Ergebnisse unserer
Gespräche eingehen und zum Stand unserer Beziehungen kurz vor dem Gipfel Stellung nehmen.
Bei START war unser Ziel, bis zum Gipfel Einigung
über die wichtigsten substantiellen Fragen zu erzielen,
und wir sind jetzt in der Lage, dies zu tun. Obwohl noch
einige Probleme gelöst werden müssen, haben wir uns
bei diesem Ministertreffen über die beiden komplexesten Fragen der START-Verhandlungen geeinigt: luftund seegestützte Marschflugkörper. Bei den ALCMs
haben wir eine komplizierte Formel vereinbart, die den
Bedürfnissen beider Seiten gleichermaßen gerecht
wird.
Bei den seegestützten ballistischen Raketen (SLCMs)
haben wir uns auf eine politisch bindende Erklärung
geeinigt, die unabhängig vom START-Vertrag ist. Die
Erklärung wird sowohl die strategische Stabilität als
auch die Berechenbarkeit verbessern, ohne daß dabei
einer der beiden Seiten Verifizierungsschwierigkeiten
entstünden.
Wir haben eine Reihe anderer Probleme bei START
gelöst und die Aufnahme der Arbeit an den Zielen von
Folgeverhandlungen über START vereinbart.

Seite 1

�Bei den chemischen Waffen haben wir uns auf ein
beispielhaftes Abkommen geeinigt. Meiner Ansicht
nach ist dieses Abkommen von großer Bedeutung, vor
allem, da es einen echten Weg für ein weltweites
Verbot dieser schrecklichen Waffen aufzeigt, die - wie
wir aus bitterer Erfahrung wissen - tatsächlich eingesetzt werden. Einfach ausgedrückt, ist dieses amerikanisch-sowjetische Abkommen eine bahnbrechende
Vereinbarung, mit der die Initiative des Präsidenten
über chemische Waffen verwirklicht wird.
Bei den Atomtests haben wir die Arbeit zu den Protokollen der Atomtestverträge beendet. Diese sind jetzt
soweit, daß sie beim Gipfel unterzeichnet werden
können.
Darüber hinaus haben wir uns auf eine gemeinsame
Gipfelerklärung über die Nichtweitergabe von Kernund chemischen Waffen sowie Raketentechnik geeinigt.
Ein Bereich der Rüstungskontrolle, bei dem wir weniger Fortschritte erzielt haben als wir erhofft hatten, ist
KSE. Wir hatten Ideen unterbreitet, mit denen dieser
Prozeß gefördert werden sollte, aber unsere Gesprächspartner waren offensichtlich nicht in der Lage, darauf
zum gegenwärtigen Zeitpunkt entsprechend zu reagieren.
Bei den regionalen Fragen haben wir eingehende
Gespräche über Afghanistan geführt. Meiner Ansicht
nach sind wir nahe daran, eine gemeinsame Basis zu
entwickeln, auf derfreie und faire Wahlen durchgeführt
werden können - der sicherste Weg zu Aussöhnung,
Frieden und rechtlich einwandfreien Verhältnissen in
diesem vom Krieg zerrütteten Land.

*

Seite 2

*

Bei Mittelamerika haben unsere Gespräche die Bedeutung der anhaltenden Befolgung des Abkommens
von Esquipulas und die Notwendigkeit erneut hervorgehoben, den Untergrundkampf in El Salvador zu
beenden und einen politischen Dialog auf den Weg zu
bringen.
Bei Menschenrechten und Demokratisierung haben
wir unsere anhaltende Sorge über die noch nicht
gelösten Auswanderungsfälle in der Sowjetunion und
die Notwendigkeit betont, diese sobald wie möglich zu
lösen. Darüber hinaus habe ich meiner Besorgnis über
Antisemitismus Ausdruck verliehen und der sowjetischen Führung nahegelegt, sich dagegen energisch
auszusprechen.
Es hat ein Austausch über Wirtschaft, grenzübergreifende und bilaterale Fragen stattgefunden. Wir haben
mehrere amerikanisch-sowjetische Wirtschaftsabkommen für die Unterzeichnung beim Gipfel vorbereitet,
einschließlich des langfristigen Getreideabkommens
und des Schiffahrtsabkommens.
Im Hinblick auf grenzübergreifende und bilaterale Fragen
sind wir bereit, Abkommen über Seegrenzen, ozeanographische Forschung sowie über die Eröffnung von
Kultur- und Informationszentren in Moskau und Washington sowie möglicherweise andere Abkommen zu
unterzeichnen. Femerwerden wir das Abkommen der
tausend Studenten - einen Austausch von tausend
Studienanfängern zwischen unseren Ländern - unterzeichnen.
Insgesamt haben wir den Weg bereitet, so daß unsere
Präsidenten Punkte beiderseitigen Vorteils festschreiben und institutionalisieren können.

*

*

AMERIKA DIENST 20

�VSBM
23. Mai 1990

VSBM: NEUE VORSCHLÄGE DES WESTENS
Rede des US-Delegationsleiters John Maresca
WIEN - (AD) - Bei der Plenarsitzung der VSBM-Gespräche am 18. Mai 1990 hat der Westen eine Reihe neuer
Vorschläge unterbreitet, die dem Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter John Maresca, zufolge, die
Arbeit und den Kurs der Verhandlungen um eine wichtige neue Dimension bereichern sollte. Maresca zufolge
hoffen die Vereinigten Staaten, daß die neuen Vorschläge "ohne Verzug in die Programme der einzelnen
Arbeitsgruppen aufgenommen werden können".
Botschafter Maresca verwies ferner auf die Möglichkeit eines Gipfeltreffens der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa Ende des Jahres und erklärte, "es könnte jetzt an der Zeit sein, eine Bestandsaufnahme des vorliegenden Materials vorzunehmen", damit im Falle eines Gipfels ein Dokument über vertrauensbildende Maßnahmen erarbeitet werden kann.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Marescas Rede im Wortlaut:

Ich möchte heute morgen das Wort ergreifen, um Sie
der Unterstützung meiner Regierung für die von meinem norwegischen Amtskollegen unterbreiteten Vorschläge zu versichern, die auch wir von Anfang an
gefördert haben.
Mit diesen neuen Vorschlägen haben wir die gegenwärtigen Maßnahmen des Westens zu Kommunikation, Zugang zu Informationen und militärischen Kontakten überarbeitet. Mit dieser Bilanz wird unser
Denken weiterentwickelt, und sie basiert auf der von
anderer Seite bereits geleisteten wertvollen Arbeit.
Meine Delegation sieht der Zusammenarbeit mit allen
Delegation entgegen, im Rahmen derer wir in den
nächsten Wochen gemeinsame Dokumente für den
Bereich Kommunikation und Kontakte erarbeiten werden.
Wir haben zusammen mit Gleichgesinnten vier völlig
neue Maßnahmen unterbreitet, die ich Ihnen im folgenden vorstellen möchte.
Maßnahme 16 betrifft zwei Bereiche der Vertrauensbildung, die meiner Ansicht nach etwas vernachlässigt
worden sind: erstens die Sicherheit des Personals bei
Ereignissen im Zusammenhang mit der Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) und zweitens
die Benachrichtung über gefährliche Zwischenfälle wie etwa erst vor kurzem mit dem führerlosen Flugzeug. Dies sind vernünftige Ideen zur Verhinderung
von Unfällen, die wir alle vermeiden wollen.

AMERIKA DIENST 20

Im Rahmen von Maßnahme 17 könnten offizielle
Beobachter die militärischen Stützpunkte der Teilnehmerstaaten besuchen. Das wäre das erste Mal in der
Geschichte der europäischen Rüstungskontrolle, und
damit könnte Vertrauen in einem Bereich geschaffen
werden, der bisher nicht in unsere Bestrebungen einbezogen worden ist. Mit Maßnahme 18 würden sich
einzelne Länder verpflichten, jährlich Informationen
über geplante Veränderungen ihrer militärischen Infrastruktur auszutauschen. Zusammen mit den bereits
vorliegenden Vorschlägen über Streitkräfte, Waffen
und neue Stationierungen und dem Vorschlag für den
Informationsaustausch über Militärausgaben könnte
die Infrastrukturmaßnahme dazu beitragen, eine nie
dagewesene Offenheit bei der militärischen Planung
aller Länder hervorzubringen.
Herr Vorsitzender, ich möchte mich nunmehr Maßnahme 15 zuwenden, die ich absichtlich als letzte anspreche, weil sie meiner Ansicht nach besondere Aufmerksamkeit verdient. Wir haben zusammen mit anderen
Teilnehmern heute die Einführung eines "Diskussionsmechanismus" für ungewöhnliche militärische Aktivitäten vorgeschlagen. Diejenigen von Ihnen, die das
Wiener Schlußdokument kennen, werden bemerken,
daß dieser "Mechanismus" dem Muster der damals
vereinbarten Verfahrensweisen bei der menschlichen
Dimension folgt. Wir hoffen, daß dieser Präzedenzfall
allen hier vertretenen Ländern die Zustimmung zu
unserem neuen Vorschlag erleichtert.

Seite 1

�Dieser neue Vorschlag hat für uns besondere Bedeutung. Im Februar vergangenen Jahres hat Präsident
Bush bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
Bundeskanzler Kohl potentielle Instabilität als mögliche neue Bedrohung der Sicherheit in Europa bezeichnet. Auf der Grundlage dieser Einschätzung haben wir
gemeinsam mit unseren Verbündeten Konzepte erarbeitet, mit deren Hilfe wir Mi ßverständnisse vermeiden
können, die zu einer solchen Instabilität beitragen.
Bei einer Pressekonferenz in Brüssel hat Außenminister Baker am 3. Mai 1990 erklärt, daß wir die Möglichkeit eines Mechanismus' erwägen, mit dem wir um
Klärung ungewöhnlicher militärischer Aktivitäten bitten, um damit den KSZE-Proze ß insgesamt zu stärken
und ihn besser an die heutige Situation in Europa
anzupassen.
Unserer Ansicht nach reagieren wir mit der Maßnahme
zu ungewöhnlichen militärischen Aktivitäten auf die
Notwendigkeit, Stabilität in einem Europa dramatischer Entwicklungen zu fördern und auch auf unseren
gemeinsamen Wunsch, die Institution der KSZE weiterzuentwickeln und zu stärken. Qiese Maßnahme
wird keine negativen Auswirkungen auf die Interessen
irgendeines Teilnehmerstaats haben. Sie wird im
Gegenteil einen Beitrag zur Sicherheit eines jeden
Landes leisten.
Herr Vorsitzender, meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das von den sechzehn Ländern heute
angebotene Material ohne Verzug in die Programme
der einzelnen Arbeitsgruppen aufgenommen werden
kann. Angesichts der Möglichkeit eines in diesem Jahr
bevorstehenden KSZE-Gipfels könnte es jetzt an der
Zeit sein, eine Bestandsaufnahme des vorliegenden
Materials vorzunehmen, damit noch vor dem Gipfel
eine Übereinkunft erzielt werden kann. Wenn sich die
an diesen Verhandlungen teilnehmenden Länder auf
einen KSE-Vertrag einigen können, wird der Gipfel
zustande kommen, und in diesem Falle werden wir uns
wünschen, ein VSBM-Abkommen in Händen zu halten.
Wenn wir ein solches Abkommen erzielen wollen,
müssen wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit

*

Seite 2

effektiv und flexibel arbeiten. Unsere Zeit ist knapp
und die für jeden einzelnen Punkt zur Verfügung
stehende Zeit äußerst begrenzt. Deshalb müssen wir
uns neue zusätzliche Arbeitsmethoden überlegen, wenn
wir unser gemeinsames Ziel erreichen wollen.
Herr Vorsitzender, die Regierung der Vereinigten Staaten
gibt sich keinen Illusionen darüber hin, was der KSZEProzeß leisten kann und was nicht. Es ist wichtig, sich
vor Augen zu führen, daß er - unserer Ansicht nach in einem Europa, wie es sich gegenwärtig darstellt,
kein System kollektiver Sicherheit liefern kann. Aber er
kann einen Beitrag für unsere Sicherheit, unser gegenseitiges Verständnis und unsere Fähigkeit leisten,
gemeinsam in Frieden und Freiheit zu leben.
Aus diesem Grund war und ist es eines unserer Ziele,
Wege zufinden,wie der KSZE-Prozeß effektiver werden,
besser auf die anstehenden Probleme reagieren und in
Situationen nützlicher sein kann, die wir uns vorstellen
können. Wir möchten dies auf eine Weise tun, die
einfach, praktikabel und funktionsfähig ist und in keiner
Weise die Sicherheit irgendeines Teilnehmerstaats
bedroht.
Mit der schnellen Entwicklung der Ereignisse in Europa gewinnen diese Anstrengungen größere Bedeutung als jemals zuvor. Und diese Entwicklung hat
Möglichkeiten für beherzte Schritte nach vorn eröffnet.
Wir sind bereit, Schritte zu erwägen, die wir verantwortungsbewußt unternehmen können. Gleichzeitig erkennen wir, daß die Stärke des KSZE-Prozesses darin
liegt, daß er Stein für Stein - und von Grund auf aufgebaut wurde.
Unserer Ansicht nach enthalten die heute von uns
unterbreiteten Vorschläge mutige neue Ideen, die einen
wichtigen und vernünftigen Beitrag zur KSZE-Struktur
leisten und uns positiven Abkommen einen Schritt
näherbringen können. Wir empfehlen all unseren
Kollegen, sie zu überdenken und hoffen, daß sie die
Basis für baldige Abkommen in diesen Bereichen
bilden können.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 20

�OSTEU ROPA
23. Mai 1990

MOSBACHER: VIELVERSPRECHENDE AUSSICHTEN
FÜR HANDEL MIT OSTEUROPA
Rede des US-Wirtschaftsministers
WASHINGTON - (AD) - Wie der amerikanische Wirtschaftsminister Robert Mosbacher bei einer Konferenz über
Ost-West-Handel am 21. Mai 1990 erklärte, sind die Aussichten für den Handel mit Osteuropa jetzt "günstiger
als je zuvor".
Die "Christoph Kolumbusse der Weltwirtschaft entdecken - endlich - Osteuropa", so Mosbacher. Im vergangenen Jahr hat der amerikanische Privatsektor zum Beispiel mehr als 500 Millionen Dollar in der Region investiert,
und die Geschäfte im Verhandlungsstadium versprechen "noch viele Millionen mehr". Mosbacher verwies in
diesem Zusammenhang auf sechs Prinzipien, von denen sich die Vereinigten Staaten bei ihrer Osteuropapolitik
leiten lassen.
Im Hinblick auf den Technologietransfer erklärte der Wirtschaftsminister, er vertrete ganz klar die Auffassung,
daß die Sowjetunion noch nicht denselben Zugang zu Hochtechnologieexporten aus den Vereinigten Staaten
haben sollte wie Osteuropa. Die Vereinigten Staaten werden insbesondere den Export in solche Länder
Osteuropas fördern, die zusichern können, daß die Technologie nicht an die UdSSR weitergegeben wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des US-Wirtschaftministers im Wortlaut.

Ich freue mich, in diesem Kreis über eine aufregende
und herausfordernde Region - über Osteuropa und die
Sowjetunion - sprechen zu können und möchte in
diesem Zusammenhang den Senatoren Gorton und
Daschle und den Abgeordneten AuCoin und Frenzel
für Ihre Arbeit am Zustandekommen dieser Konferenz,
die zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, danken.
Ihr Engagement ist sicherlich im Sinne der Woche der
Welthandels, die Präsident Bush diese Woche ausgerufen hat, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit
auf die entscheidende Rolle zu lenken, die der Handel
in unserer interdependenten Weltwirtschaft spielt.
Ebenso wie der erste Handeltreibende in Amerika,
Christoph Kolumbus, müssen wir mutig und phantasievoll ins 21 . Jahrhundert segeln. Ein wettbewerbsfähiges Amerika muß Wert auf Qualität seiner Waren
und Dienstleistungen, auf die Qualität der Investitionen und Qualität im Bildungswesen legen - und muß
durch aggressive Verhandlungen, altmodische harte
Arbeit und Erfindungsreichtum Märkte öffnen.
Im Jahr 1990 entdecken die Christoph Kolumbusse
der Weltwirtschaft - endlich - Osteuropa. Die Aussichten für den Osthandel sind günstiger als je zuvor. Was

AMERIKA DIENST 20

für eine bemerkenswerte Wende im Vergleich zur
Situation vor einigen Jahren.
Als Lech Walesa im November vergangenen Jahres
eine Rede im Kongreß der Vereinigten Staaten hielt,
rüttelte er das amerikanische Volk mit den Worten auf:
"Wir bitten nicht um Almosen, wir erwarten keine Akte
der Nächstenliebe... wir möchten, daß die Amerikaner
mit Vorschlägen der Zusammenarbeit zu uns kommen, die beiden Seiten Vorteile bringen."
Die Menschen in den Vereinigten Staaten zeigten sich
im Hinblick auf die Bedürfnisse Osteuropas großzügig.
Unser Privatsektor hat 1989 mehr als 500 Millionen
Dollar in Osteuropa investiert - wogegen sich die
Beträge der Vergangenheit verschwindend gering
ausnehmen - und bei den gegenwärtig ausgehandelten Geschäften könnten noch viele Millionen mehr
erzielt werden. Auf Wunsch von Präsident Bush
verabschiedete der Kongreß im vergangenen Jahrein
938 Millionen-Dollar-Paket zur Förderung von Wirtschaftswachstum und politischen Reformen in Polen
und Ungarn.

Seite 1

�Wir haben einen umfassenden Handels- und Wirtschaftsvertrag mit der polnischen Regierung - und ein
Handelsabkommen mit der Tschechoslowakei - unterzeichnet. Erst vor einer Woche hat der Präsident die
Gründung des Bürgerkorps Demokratie verkündet das Ressourcen des Privatsektors mobilisieren soll,
um die Entwicklung in Osteuropa zu fördern.
In seiner Rede hat Lech Walesa einen wichtigen Punkt
angesprochen: nur die Völker Osteuropas selbst können die Schäden beseitigen, die vierzig Jahre kommunistischer Mißwirtschaft verursacht haben.
Der Westen kann dem Osten keinen Plan für den
Fortschritt aufzwingen. Zur Modernisierung der Volkswirtschaften Osteuropas sind Millionen von Plänen
erforderlich, die von den mächtigsten Vertretern des
Fortschritts selbst konzipiert werden müssen - den
Verbrauchern und den Unternehmen.
Um ihre Bestrebungen zu unterstützen, müssen wir
alles in unserer Macht Stehende tun, um die Märkte in Ost und West - offenzuhalten. Westliches Knowhow und Investitionen können alle Ecken und Winkel
Osteuropas erreichen - wie Wasser, das sich seinen
Weg bahnt. Andersherum müssen auch Waren und
Dienstleistungen aus dem Osten freien Zugang zu
westlichen Märkten haben.
Unsere Osteuropapolitik gründet sich auf sechs Grundprinzipien:

Staaten können den Regierungen Osteuropas technische Hilfe anbieten - so daß termingerechte Statistiken
über Verbraucherpreise, Handel und Arbeitslosenquoten erstellt werden können.
Fünftens: Unser Engagement bei den Menschenrechten ist integraler Bestandteil unserer Handelspolitik.
Politische Freiheit und wirtschaftliche Freiheit gehen
Hand in Hand, und grundlegende Fortschritte im OstWest-Handel werden sich parallel zu Fortschritten bei
den Menschenrechten entwickeln.
Sechstens: Trotz der Priorität nationaler Sicherheitserfordernisse macht das neue Zeitalter die Lockerung
von Kontrollen bei Hochtechnologieexporten möglich insbesondere in die Länder Osteuropas, die mit den
Vereinigten Staaten beim Schutz westlicherTechnologie zusammenarbeiten. Präsident Bush und die
amerikanischen Verbündeten unternehmen Schritte,
um die Liste verbotener Güter und Technologien noch
im Sommer dieses Jahres zu straffen.
Diese - auf freier Marktwirtschaft und einer eingeschränkten staatlichen Rolle basierenden - Prinzipien
liegen unseren Handelsbeziehungen zugrunde. Natürlich sind die Bedingungen in den einzelnen Ländern
unterschiedlich. Erwartungsgemäß wird sich der Handel
in den fortschrittlicheren Ländern Osteuropas - wie
Polen - schneller entwickeln, da sich dort politische
Freiheit und wirtschaftliche Reformen schneller verbreiten.

Erstens: Der Ost-West-Handel muß auf gesunden
wirtschaftlichen Entscheidungen basieren. Wir können amerikanische Firmen nicht zur Geschäftstätigkeit in Osteuropa zwingen - und es ist an den dortigen
Regierungen, ein attraktives und profitables wirtschaftliches Umfeld zu schaffen. Bei dieser Art der Förderung können Realinvestitionen vorgenommen, Arbeitsplätze geschaffen, Gerechtigkeit hergestellt und der
Lebensstandard angehoben werden.

In einigen Regionen sind die Volkswirtschaften zentralisierter, und der Lebensstandard hinkt hinterher. Wir
beobachten die Entwicklungen in diesen Ländern
aufmerksam, um sicherzustellen, daß politische Freiheit und Handelsmöglichkeiten wachsen.

Zweitens: Investitionen, einschließlich Joint Ventures,
müssen bei der Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine zentrale Rolle spielen. Die effektivste langfristige Hilfe, die die Vereinigten Staaten anbieten können, sind Direktinvestitionen amerikanischer Firmen.

Der Devisenvorrat ist immer noch knapp bemessen und in einigen Ländern ist die Auslandsverschuldung
hoch. Wenn die Reformer Staatsbetriebe privatisieren
und Subventionen kürzen, könnte dies kurzfristig
Arbeitslosigkeit, neue politische Unzufriedenheit und
Schwierigkeiten auf dem Weg der Liberalisierung
verursachen.

Drittens: Um Investitionen zu ermutigen, müssen die
Länder Osteuropas ihr Rechts-, Rechnungs- und
Bankenwesen modernisieren. Gegenwärtig sind polnische Banken zum Beispiel nicht in der Lage, schnelle
Auslandstransfers für Unternehmen durchzuführen.
Geschäftsbanken, wie wir sie kennen, existieren nicht,
und das Rechnungswesen ist unvereinbar mit dem
internationalen System, wie es alle Industrieländer
anwenden. Die US-Regierung leistet in diesen Bereichen technische, wirtschaftliche und praktische Hilfe.
Viertens: Wenn Märkte aufgebaut werden sollen,
müssen Käufer und Verkäufer Zugang zu präzisen
Informationen und Statistiken haben. Die Vereinigten

Seite 2

Die Herausforderungen an die Wirtschaft Osteuropas
sind enorm. Insgesamt beträgt ihr Bruttosozialprodukt
nur ein Viertel dessen der Vereinigten Staaten.

Im großen und ganzen jedoch engagieren sich die
Staaten Osteuropas bemerkenswert stark für den
Wandel. In all diesen Ländern sind die Lohnkosten
sehr niedrig, und in den meisten gibt es ein großes und
gut ausgebildetes Arbeitskräftepotential. Dies sind
einmalige Chancen für das Wachstum in Osteuropa und für die Vereinigten Staaten.
Polen ist vielleicht von allen das ehrgeizigste Land. Es
stellt heute bereits den größten Markt für amerikanische Waren in Osteuropa dar. Unsere Exporte nach
Polen stiegen von 304 Millionen Dollar im Jahr 1988

AMERIKA DIENST 20

�auf 414 Millionen Dollar im Jahr 1989 - ein 36prozentiger Zuwachs. Im Dezember 1989 initiierte die von
Vertretern der Gewerkschaft Solidarität geführte
Regierung ihren berühmten "Big Bang" - ein tiefgreifendes Reformprogramm, das die überwältigende
Unterstützung der polnischen Bevölkerung genießt.
Ziel ist die Senkung der Inflation, der Abbau staatlicher
Subventionen und die Einführung eines freien Markts.
Die Inflation ging bereits von 80 Prozent im Januar auf
5 Prozent im März zurück. Der Preis dafür war hoch steigende Arbeitslosigkeit und ein Rückgang der Produktion. Aber sie müssen ihren Kurs beibehalten, und
ich bin sicher, daß sie es tun und noch rascher dazu
übergehen werden, Hindernisse für die private Unternehmenstätigkeit aus dem Weg zu räumen.
Auch Ungarn bietet gute Aussichten für den Handel mit
den Vereinigten Staaten. Die Ungarn haben heute mit
einer hohen Auslandsverschuldung und niedrigem
Wirtschaftswachstum zu kämpfen - aber ihre relativ
moderne Volkswirtschaft hat eine glänzende Zukunft
vor sich. Ungarn hat im Jahr 1989 seine Wirtschaft
erheblich liberalisiert und beispielsweise den 100prozentigen Besitz ungarischer Unternehmen durch
Ausländer zugelassen. Ein Ergebnis war der Zufluß
ausländischer Investitionen - darunter allein über 100
Joint Ventures mit amerikanischen Unternehmen.
General Electric investierte 150 Millionen Dollar in ein
Geschäft mit dem Lampenhersteller Tungsram, und
General Motors engagierte sich in der Automobilproduktion. Im Jahr 1989 stiegen die amerikanischen
Exporte nach Ungarn gegenüber 1988 um 56 Prozent
an.
Auch in der Tschechoslowakei werden Fortschritte
gemacht. Das Land beendete im vergangenen Jahr
die zentrale Planwirtschaft und wird - vorbehaltlich der
Zustimmung des Kongresses - von den Vereinigten
Staaten den Meistbegünstigungsstatus erhalten.
Das größte Potential für den Handel liegt jedoch in der
Sowjetunion. Hier kann es nur bergauf gehen. Unsere
beiden Länder erzielen zusammengenommen etwa
ein Drittel des Weltbruttosozialprodukts, und doch liegt
unser Jahreshandelsvolumen nur bei 4 oder maximal
5 Milliarden Dollar - bei nur 0,2 Prozent des gesamten
Welthandels.
Viel hängt von der Perestrojka des Präsidenten Gorbatschow ab - der Umgestaltung der sowjetischen
Wirtschaft, die bis jetzt unterschiedliche Resultate
erbracht hat. Einigen neueren Schätzungen zufolge
liegt das sowjetische BSP in Wahrheit wesentlich
niedriger als bisher angenommen - und es geht weiter
zurück.

*

AMERIKA DIENST 20

Andererseits scheint das Engagement Präsident
Gorbatschows für Wirtschaftsreformen von Dauer zu
sein - und die Mehrheit der sowjetischen Bevölkerung
hat eindeutig den Glauben an den Kommunismus
verloren. Die Sowjets sind unlängst der internationalen Staatengemeinschaft nähergerückt, indem ihnen
Beobachterstatus beim GATT eingeräumt wurde. Die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion verhandeln
außerdem über Möglichkeiten zur Ausweitung von
Handel und Investitionen - darunter den Meistbegünstigungsstatus für unsere beiden Länder.
Ich möchte meine Ausführungen mit einem Zitat eines
scharfsinnigen Beobachters der internationalen Szene beenden - Dr. Zbigniew Brzezinski, der als einer der
ersten Experten den dramatischen Umbruch in Osteuropa vorhersagte.
In der letzten Ausgabe des Magazins International
Economy sagte Brzezinski: "Ich bin ziemlich überrascht, wie relativ schleppend sich die amerikanische
Wirtschaft diese Chance zunutze macht. Ich denke,
diese Chance ist teilweise der Situation vergleichbar,
mit der die internationale Geschäftswelt vor 20 Jahren
in Spanien und Portugal konfrontiert war."
Ich unterstütze Brzezinskis Erklärung. Spanien und
Portugal haben in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht - und dasselbe gilt für die amerikanischen Unternehmen, die sich frühzeitig in diesen Ländern
engagiert haben.
Im Jahr 1990 steht die amerikanische Wirtschaft an
der Schwelle einer weiteren historischen Gelegenheit
- und wir haben einen wahrhaft einzigartigen Vorteil.
Unsere Nation war seit langem ein Symbol der Hoffnung in Osteuropa - nicht nur als Führungsmacht der
freien Welt in den vergangenen 45 Jahren, sondern
seit Jahrhunderten. Wellen von Einwanderern aus
dem Osten zogen nach Westen - von Polen nach
Pittsburgh, aus der Tschechoslowakei nach Chicago.
Sie haben starke ethnische Bindungen zwischen unseren
Ländern geschaffen.
Jetzt ist es für unsere Nationen an der Zeit, diese
besonderen Bindungen zu erneuern. Die amerikanische Geschäftswelt kann bei der Suche nach Möglichkeiten den Weg weisen - zur Schaffung einer neuen
Partnerschaft zwischen Ost und West, um eine bessere Welt hervorzubringen.
Mehr Chancen und eine bessere Welt. Haben unsere
Vorfahren nicht vor Jahrhunderten um dieser Ziele
willen den Ozean überquert - als sie kamen und diese
große Nation aufbauten?
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 3

�COCOM
23. Mai 1990

MOSBACHER BEFÜRWORTET VORSICHTIGE
LOCKERUNG VON EXPORTKONTROLLEN
Rede des US-Wirtschaftsministers im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor dem Unterausschuß für Telekommunikation und Finanzen
bezeichnete US-Wirtschaftsminister Robert Mosbacher am 17. Mai 1990 "unsere Beteiligung am Wiederaufbau
Osteuropas als absolut unerläßlich". Mosbacher würdigte Präsident Bushs Vorschlag für "erhebliche Veränderungen" bei den Exportbeschränkungen, wie sie die COCOM-üste für den Handel mit Telekommunikation und
anderen Geräten vorsieht. Er trennte jedoch scharf zwischen den aufstrebenden Demokratien Osteuropas und
der Sowjetunion. Dem Wirtschaftsminister zufolge sollte der Handel mit Telekommunikationseinrichtungen in
die Sowjetunion nicht so stark gelockert werden wie mit Osteuropa. "Wir müssen hier differenzieren," erklärte
Mosbacher.
Trotz der Tatsache, daß die Regierung eine Lockerung der Exportbeschränkungen befürwortet, betonte
Mosbacher die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen, "insbesondere das Recht auf Inspektionen". Er
erklärte, die Länder Osteuropas hätten im Gegensatz zur Sowjetunion solche Sicherheitsmaßnahmen akzeptiert.
Mosbacher wies den Vorwurf zurück, die Regierung unternehme nicht genug, um Osteuropa zu helfen. Ihm
zufolge leistet die Regierung nicht nur Finanzhilfe, sondern stellt auch eine Reihe von Ausbildungsprogrammen
für Osteuropäer bereit. Er verwies ferner auf einen Informationsdienst des Wirtschaftsministeriums, der
amerikanische Unternehmen über neue Märkte unterrichtet.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Wirtschaftsministers im Wortlaut:

Ich freue mich, Ihnen heute die gegenwärtigen Aktivitäten und Pläne des Wirtschaftsministeriums für den
Ausbau des Telekommunikationssektors in Osteuropa und der Sowjetunion darzulegen. Ich möchte dabei
auf den Bedarf dieser Länder im Telekommunikationswesen eingehen und Ihnen die Maßnahmen des Wirtschaftsministeriums und die Exportkontrollinitiative des
Präsidenten, insbesondere im Hinblick auf Telekommunikation, erläutern.
Hintergrund
Nach den dramatischen Ereignissen, die Osteuropa
verändert haben, gehen die politisch Verantwortlichen
dieser Länder jetzt pragmatisch daran, zu erörtern,
was in Vorbereitung auf die neue politische und wirtschaftliche Ordnung für die Infrastruktur ihres Landes
getan werden muß. Reformer in Osteuropa und der
Sowjetunion sind sich bewußt, daß ihre Infrastruktur
und insbesondere ihre Telekommunikationssysteme

AMERIKA DIENST 20

überaus unzureichend sind und im Hinblick auf ihre
Rentabilität modernisiert werden müssen.
Es besteht kein Mangel an Anekdoten und Statistiken,
die den beklagenswerten Zustand des osteuropäischen Telefonsystems belegen. Zum gegenwärtigen
Zeitpunkt beträgt die durchschnittliche Wartezeit für
den Anschluß eines Telefons 13 Jahre. In diesem
Augenblick liegen der dortigen Telefongesellschaft
über zwei Millionen Anträge auf einen Anschluß vor.
Und wenn ein Telefon angeschlossen wird, besagt das
noch nichts über seine Funktionsfähigkeit - weniger als
ein Drittel aller Telefongespräche können nicht zuende
geführt werden. Ein Regierungsvertreter aus Osteuropa hat es so formuliert: "Die Hälfte unseres Landes
wartet auf einen Telefonanschluß, die andere Hälfte
auf ein Freizeichen."
Natürlich beeinträchtigt das die Wirtschaft des Landes.
Heute kann man keine Geschäftsbeziehungen aufSeite 1

�rechterhalten, wenn sich die Kontaktaufnahme mit
potentiellen Kunden oder Lieferanten so schwierig
gestaltet. Westliche Firmen sind kaum daran interessiert, eine Filiale in einem Land zu eröffnen, wo es
lediglich 15 Telefone auf hundert Einwohner gibt, die
Anmeldung eines Auslandsgesprächs Stunden dauert
und Nebengeräusche eine Datenübermittlung unmöglich machen. Die Entwicklung einer ausgereiften und
funktionsfähigen Infrastruktur auf dem Telekommunikationssektor hat daher absolute Priorität und ist ein
wichtiger Schritt, um die effiziente Entwicklung einer
Marktwirtschaft zu gewährleisten. Und sie sollte eine
Kettenreaktion in allen Volkswirtschaften Osteuropas
auslösen.

reagieren. Prioritäten und Aufgaben mußten erarbeitet und Notwendigkeiten und beabsichtigte Maßnahmen abgeschätzt werden. Wir haben außergewöhnlich viele qualifizierte Helfer im Ministerium und im
Privatsektor zusammengerufen, um den dringenden
Bedarf und die Erwartungen der Region abzudecken all dies in einem Umfeld anhaltender Unsicherheit und
gelegentlicher Instabilität. Ganz Osteuropa wird erwartungsgemäß weiterhin dringend die besten Köpfe
aus Regierung und Privatsektor brauchen.

Zur Veränderung dieser Situation sind umfangreiche
Anstrengungen und Investitionen erforderlich. Sowohl
technisches und organisatorisches Know-how als auch
Kapitalinvestitionen werden dazu benötigt. Die Finanzierung dieser Entwicklung wird von einzelnen Unternehmen, durch Einnahmen und Auslandskapital sowie
internationale Kreditgeber geleistet. Die Weltbank
erarbeitet zum Beispiel gegenwärtig einen 120 bis 150
Millionen Dollar-Soforthilfekredit für Polen, mit dem die
Telekommunikation ausgebaut werden soll. Ein entsprechendes Programm für Ungarn ist in der Planung.

Bereits im September letzten Jahres habe ich mit einer
Gruppe amerikanischer Vertreter aus Regierung und
Industrie Polen besucht. Bei diesem Besuch bin ich
mit dem Postminister Kucharski und anderen Vertretern aus dem Telekommunikationssektor zusammengetroffen, um den dortigen Bedarf zu ermitteln.

Einige Länder der Region verfolgen ehrgeizige Pläne
zum Ausbau der Telekommunikation. Polen will zum
Beispiel die Zahl der verfügbaren Telefonanschlüsse
bis 1995 verdoppeln, und das wird schätzungsweise in
den nächsten zehn Jahren 10 Milliarden Dollar kosten,
während das Entwicklungsprogramm in Ungarn bis
zum Jahr 2000 wahrscheinlich einen Umfang von 5
Milliarden Dollar haben wird.
Positiv an dieser Situation sind natürlich die nunmehr
bestehenden Marktchancen. Da große Projekte zum
Aufbau der Telekommunikation gegenwärtig hohe
Priorität in Osteuropa haben, bemüht man sich auf
dem Sektor um westliche Erzeugnisse, Dienstleistungen und technische Hilfe. Möglichkeiten bestehen bei
Mobilfunk, Satelliten, Übertragungsgeräten, Teilnehmereinrichtungen und Datenübermittlung. Zahlreiche
amerikanische Telekommunikationsfirmen nehmen
bereits an aktiv an Ausschreibungen dort teil, und
einige haben auch bereits Zuschläge erhalten. AT&amp;T
gewann eine Ausschreibung in Polen für die Lieferung
einer Vermittlungsstelle für Auslandsgespräche. U.S.
West Cellular hatte Erfolg bei einer Ausschreibung der
ungarischen Regierung für ein Joint Venture, im Rahmen dessen ein Mobilfunksystem in Budapest eingerichtet werden soll. U.S. Sprint International unterzeichnete gerade einen Vorvertrag mit zwei sowjetischen Unternehmen für ein Joint Venture im Bereich
Telekommunikation mit der Sowjetunion.
Initiativen des Wirtschaftsministeriums
Das Wirtschaftsministerium mußte nahezu über Nacht
auf die dramatischen Veränderungen in Osteuropa

Seite 2

Im folgenden möchte ich Ihnen die Aktivitäten des
Wirtschaftsministeriums erläutern und das von uns
erarbeitete Programm vorstellen.

Bei meinem zweiten Besuch im November war ich
einer der Leiter der Polen-Delegation des Präsidenten,
die sich über wirtschaftliche Aussichten und initiativen
informieren sollten. Bei diesem Besuch haben wir ein
Abkommen geschlossen, in dem einzelne Schritte für
die Kooperation in der Telekommunikation dargelegt
sind. Dieses Abkommen hat eine Reihe von Entwicklungen und Initiativen im Wirtschaftsministerium eingeleitet.
Erstens haben im Februar dieses Jahres in Polen
Folgetreffen zwischen dem polnischen Postministerium und der nationalen Behörde für Telekommunikation und Information (National Telecommunications
and Information Administration - NTIA) stattgefunden.
Dabei wurden Pläne erarbeitet, um polnische Mitarbeiter an der US-Ausbildungungsstätte für Telekommunikation (United States Telecommunication Training
Institute - USSTI) auszubilden - einer privaten Organisation, die von amerikanischen Telekommunikationsfirmen sowie Rundfunk und Fernsehen gefördert wird
und an der die NTIA beteiligt ist. Zusätzlich zur finanziellen Förderung durch den Privatsektor haben wir
etwa 350 000 Dollar von anderen Bundesbehörden
zur Verfügung, um Personal aus Polen und anderen
Ländern Osteuropas am USSTI auszubilden.
Sowohl Polen als auch Ungarn haben bereits Kandidaten für USSTI-Ausbildungsprogramme nominiert, und
die ersten haben letzten Monat ihre Ausbildung in den
Vereinigten Staaten begonnen. Der Lehrplan umfaßt
technische und organisatorische Aspekte von Rundfunk und Fernsehen sowie Telekommunikation. Allein
für Teilnehmer aus Osteuropa sind in diesem Jahr elf
Kurse vorgesehen.
NTIA erörtert ferner mit Polen die Ausbildung für eine
Verwaltung von Rundfunkfrequenzen, die modernen
Ansprüchen genügen. Der Zustand des RundfunksyAMERIKA DIENST 20

�stems und die Verwaltung des Radiofrequenzspektrums in Polen und anderen Ländern Osteuropas
bedarf radikaler Reformen. Ein nicht unerheblicher
Teil der Frequenzen ist dem Militär und den Sicherheitsdiensten vorbehalten. Da nunmehr die zivile
Nutzung in den Vordergrund tritt, gewinnen die zeitgemäße Nutzung des Spektrums und Programme zur
Planung des Spektrums entscheidende Bedeutung.
Das Spektrum muß so gewählt werden, daß Mobilfunknetze eingerichtet werden und neue private Rundfunkkanäle demokratische Alternativen zu den bestehenden staatlichen Einrichtungen werden können.
Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, planen
die NTIA und die Bundeskommission für Kommunikation, eine gemeinsame aus Teilnehmern des öffentlichen und privaten Sektors bestehende Delegation
nach Polen und in andere osteuropäische Staaten zu
entsenden, um die Regierungen bei der Verwaltung
des Rundfunkspektrums zu unterstützen. Wir erwarten eine fortgesetzte Koordinierung im Bereich der
Spektrumverwaltung zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa und werden weiterhin die in diesem
Bereich erzielten Fortschritte beobachten.
Die NTIA und das polnische Postministerium sprechen
ferner über ein gemeinsames Programm zur Entwicklung des Telekommunikationssektors in den ländlichen Gebieten Polens. In dieser Hinsicht wird die
Telefonvereinigung der Vereinigten Staaten mehrere
Mitglieder nach Polen entsenden, um privaten Telefongesellschaften im ländlichen Bereich Orientierungshilfen zu geben.
Weitere Hilfe des Privatsektors wird von Bell Communications Research, auch als BELLCORE bekannt,
gewährt. BELLCORE hat sich bereiterklärt, eine gründliche Untersuchung von Bedari und Optionen im polnischen Kommunikationssektor durchzuführen. BELLCORE will Polen sodann helfen, Verbesserungen bei
der Netzplanung und Betriebsführung einzuleiten.
BELLCORE stellt diese Leistungen zur Verfügung,
ohne daß den Vereinigten Staaten oder Polen Kosten
entstünden.
Bestimmte Aspekte dieser Initiativen stehen unter
dem Vorbehalt der Verabschiedung des neuen Telekommunikationsgesetzes in Polen. Wir sind jedoch
zuversichtlich, daß die Richtung stimmt und wir in der
richtigen Position sind, um eine angemessene Entwicklung der Telekommunikations-Infrastruktur in Polen
und anderen osteuropäischen Ländern zu fördern.
Zweitens hat die Administration eine umfassende
Überprüfung der von den Vereinigten Staaten und dem
COCOM verhängten Beschränkungen für Exporte von
Spitzentechnologie nach Osteuropa und in die Sowjetunion durchgeführt.
Bis vor kurzem sträubten sich die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten im COCOM dagegen, das Telekommunikationswesen in den Staaten des WarschauAMERIKA DIENST 20

er Pakts zu modernisieren. Unserer Ansicht nach war
es aufgrund strategischer Sorgen im Hinblick auf die
potentielle militärische Bedrohung unklug, die Schaffung robuster Kommunikationssysteme zu erleichtern.
Der plötzliche Umbruch in Osteuropa hat uns und
unsere Verbündeten jedoch dazu veranlaßt, diese
Haltung zu überdenken.
Bei einer Zusammenkunft im Februar verständigten
sich die COCOM-Staaten auf eine beschleunigte
Überprüfung der Exportkontrollen fürTelekommunikationsausrüstung, Computer und Werkzeugmaschinen.
Diese technologischen Schlüsselbereiche wurden als
besonders wichtig für die Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Infrastruktur der sich neu formierenden Demokratien Osteuropas angesehen.
Seither hat der Präsident die Ministerien für Wirtschaft,
Äußeres, Verteidigung und Energie angewiesen, über
diese drei Schlüsselbereiche hinauszugehen, dabei
aber stets unsere strategischen Interessen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen wurden vor zwei Wochen vom Weißen Haus bekanntgegeben. Zur Zeit beraten wir mit unseren Verbündeten
im COCOM über die vorgeschlagenen Veränderungen.
Im Telekommunikationsbereich haben wir die Abschaffung der Kontrollen für Mobilfunkgeräte vorgeschlagen, einschließlich der analogen Zellenkommunikationssysteme, wie sie im zivilen Bereich in den gesamten Vereinigten Staaten eingesetzt werden. Einige
Funksysteme sowie sämtliche Mobilfunksysteme unterliegen gegenwärtig Exportkontrollen. Deren Abbau
würde Systeme etwa für Funkruf und Funktelefon
betreffen. Mobilfunksysteme werden es den osteuropäischen Ländern und der Sowjetunion gestatten, auf
einfache Weise und rasch einen effektiven, normalen
Telefondienst anzubieten. Sie werden nicht den langen, schwierigen und teuren Prozeß durchmachen
müssen, Leitungen zu verlegen, Pole und Kabel zu
installieren, bevor Anschlüsse bereitgestellt werden
können.
Um in der Region die Effizienz der Linientechnik für
Teilnehmerleitungen sowie der Querverbindungsleitungen - die zwischen den Büros der wichtigsten
Telefongesellschaften bestehenden Hauptleitungen zu steigern, haben wir die Abschaffung der Kontrollen
für faseroptische Kabel vorgeschlagen, die im normalen Telekommunikationsnetz eingesetzt werden. Damit
würden die osteuropäischen Länder in die Lage versetzt, ihr völlig unzureichendes Netz von Teilnehmerleitungen, das zur Zeit keinerlei freie Kapazitäten für
zusätzliche Teilnehmer hat, schnell und vollständig zu
erneuern.
Darüber hinaus schlagen wir die Abschaffung der
Kontrollen für Satellitenbodenstationen vor, die für die
zivile Fernseh- und Rundfunkübertragung und den
Femmeldeverkehr sowie für Wetter- und Erdbeobach-

Seite 3

�tungssysteme eingesetzt werden. Damit wird der
weltweite Informationsfluß nach Osteuropa erleichtert.
Des weiteren schlagen wir die Liberalisierung bei
Datenübertragungsgeräten vor, um die Kommunikation zwischen Computersystemen von Banken, Großhandel, Transportwesen und anderen zivilen Gewerbezweigen zu ermöglichen. Diese Liberalisierung
würde die Lizenzvergabe in diesem Bereich in das
Ermessen jedes COCOM-Mitglieds stellen, ohne das
zuvor ein Konsens im COCOM hergestellt werden
müßte.
Schließlich schlagen wir Veränderungen zur Vorzugsbehandlung solcher osteuropäischer Staaten vor, die
Sicherheitsvorkehrungen gegen die Umleitung von
Importen kontrollierter Güter getroffen haben. Aus
strategischen Gründen ist die Differenzierung zwischen Osteuropa und der Sowjetunion ein wichtiges
Element unserer Vorschläge für das Telekommunikationswesen. Wir haben eine Liberalisierung der Kontrollen für moderne Telefonübertragungsausrüstung sowohl faseroptische als auch Mikrpwellensysteme für diejenigen Länder Osteuropas vorgeschlagen, die
solche Sicherheitsvorkehrungen treffen. Damit könnten in allen osteuropäischen Ländern bedeutende
Verbesserungen im Fernsprechverkehr erzielt werden.
Die von uns erwarteten Sicherheitsmaßnahmen sollten eine nationale Verpflichtung beinhalten, wonach
strategische Güter und Technologie ausschließlich für
den zivilen Gebrauch und zivile Endverbraucher bestimmt sind. Ferner würden wir staatliche Endverbrauchsgarantien, die Erlaubnis zur Durchführung von
Vor-Ort-Inspektionen und andere Sicherheitsvorkehrungen erwarten.
Drittens reagiert das Wirtschaftsministerium auf den
ständig zunehmenden Informationsbedarf der amerikanischen Telekommunikationsindustrie im Hinblick
auf die aufstrebenden Märkte in Osteuropa und der
Sowjetunion. Die verantwortlichen Planer der USTelekommunikationswirtschaft möchten zutreffende,
zuverlässige und sachdienliche Informationen, um die
Chancen und Hindernisse besser verstehen zu können, die berücksichtigt werden müssen, wenn sie ihre
Geschäftsentwicklungspläne für die Region erarbeiten. Die Zahl der in den vergangenen Monaten beim
Ministerium eingegangenen Anfragen nach Information und Hilfe ist erheblich gestiegen. Die Zahl der an
die Telekommunikationsstelle der Internationalen
Handelsadministration gerichteten Anfragen zu wichtigen Telekommunikationsprojekten in Osteuropa liegt
heute dreimal so hoch wie für alle anderen Regionen.
Amerikanische Unternehmen möchten darüberhinaus
Hilfe bei der Herstellung von Kontakten mit den neuen

für das Telekommunikationswesen in diesen Ländern
verantwortlichen Kräften.
Seit Jahresbeginn hat das Wirtschaftsministerium der
Geschäftswelt eine Reihe von Gelegenheiten zur
Handelsförderung angeboten. Die Telekommunikationsstelle der Internationalen Handelsadministration
hat im Februar eine äu ßerst erfolgreiche Handels- und
Investitionsmission in Warschau durchgeführt. Dabei
wurde 16 amerikanischen Unternehmen der Telekommunikationsbranche die Gelegenheit geboten, mit
Entscheidungsträgern des polnischen Telekommunikationssektors zusammenzutreffen, darunter auch
neuemannte Mitglieder der polnischen Regierung. Eine
ähnliche Mission soll im Juni 1990 in der Tschechoslowakei und in Ungarn stattfinden.
Das Wirtschaftsministerium führt darüber hinaus selbst
oder in Zusammenarbeit mit anderen Stellen zahlreiche Marktstudien durch. Wir beobachten eingehend
das Telekommunikationswesen betreffende Entwicklungen in der Region, sammeln Informationen über
neue Pläne zur Entwicklung des Telekommunikationssektors, sich verändernde Organisationsstrukturen,
neue Gesetze und Vorschriften sowie über aussichtsreiche neue Projekte. Marketing-Berichte für das
Telekommunikationswesen sowie Sektorstudien für
die Region werden zusammengestellt. Ferner stellen
wir der amerikanischen Geschäftswelt Informationen
über amerikanische staatlich finanzierte Programme
zur Verfügung. Dazu gehören die Initiativen gemäß
dem Gesetz über die Unterstützung der Demokratie in
Osteuropa, wie etwa der Unternehmensfonds und
Exportfinanzierungsmöglichkeiten sowie das Ergebnis der vorläufigen Durchführbarkeitsstudien über das
Telekommunikationswesen in Polen und Ungarn im
Rahmen des amerikanischen Handelsentwicklungsprogramms.
Wir berücksichtigen bei unseren Verhandlungen über
Handelsabkommen die Belange der amerikanischen
Telekommunikationsindustrie. Der unlängst unterzeichnete amerikanisch-polnische Vertrag über unternehmerische und wirtschaftliche Zusammenarbeit stellt
einen Rahmen für die langfristige Entwicklung und
Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern in beiden Ländern bereit. Der Vertrag fördert Kontakte
zwischen der privaten Wirtschaft in Polen und den
Vereinigten Staaten und enthält Leitlinien für Investitionen amerikanischer Firmen.
Wir planen eine Verstärkung dieser Bemühungen, um
zutreffende Informationen über die Entwicklung im
Telekommunikationssektor dieser Region zu sammeln
und zu verbreiten sowie um der amerikanischen Geschäftswelt bei ihren Vermarktungsbemühungen Foren und Hilfe anbieten zu können.

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 20

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und
Dokumentation

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23. Juni 1976

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA 200
Das dritte Jahrhundert Amerikas
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag
Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen in New York

WIRTSCHAFT:
Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

US-Kongreß entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Materie-Teilchen entdeckt

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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USA 200
(5)
DAS DRITTE JAHRHUNDERT AMERIKAS
Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennedy-Raumflugzentrum

Eine Vorschau auf das Leben in Amerika im dritten Jahrhundert der Geschichte der Vereinigten Staaten soll eine von Präsident Ford angeregte Ausstellung vermitteln, die bis zum 7. September 1976 auf dem Gelände des John
F. Kennedy-Raumflugzentrums am Kap Canaveral in Florida zu sehen ist. Als
einzige der zahlreichen Ausstellungen, die anläßlich des 200. Geburtstages
der Vereinigten Staaten vorgesehen sind, ist diese ausschließlich von der
Regierung selbst ausgerichtet worden. Die gezeigten Objekte stammen aus Laboratorien von 16 Ministerien und anderen Bundesbehörden, von 10 führenden
Firmen der Industrie und von zahlreichen Universitäten des Landes.
15 Fuller-Kuppeln rund um die riesige Halle, in der einst die Mondraketen SATURN V und die APOLLO-Raumschiffe montiert wurden, beherbergen, wie
die Halle selbst und zwei der ehemaligen KontrollZentren für den Start der
Raumschiffe, für drei Monate die "Zukunftsschau". Sie vermittelt Einblicke
in die erwarteten Auswirkungen der Fortschritte von Wissenschaft und Technik
auf das tägliche Leben.
An der südlichen Peripherie sind die riesigen Stufen der Mondrakete
und ein APOLLO-Raumschiff horizontal aufgebaut.
- 1 -

Sie erinnern an die Großtat

�I

4
Großtat der sechziger Jahre - Landung von Menschen auf dem Mond.

In einem

Kontrollraum können die Besucher noch einmal die letzte Phase des Countdown
und den Start von APOLLO 11 an den Schaltkonsolen, Bildschirmen und mitsamt
dem Funksprechverkehr miterleben.

Eine Multi-Media-Schau erläutert das amerika-

nische Raumfahrtprogramm mit unbemannten Satelliten.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium präsentiert eine Ausstellung, die der Nahrungsmittel Versorgung und der notwendigen Steigerung der
Nahrungsmittelproduktion angesichts der rapide wachsenden Weltbevölkerung gewidmet ist» U.a. werden neue Verfahren der Bodenbearbeitung, des Schutzes vor
Erosion und Auslaugung demonstriert,, die gleichzeitig helfen, Zerit, Arbeitsaufwand und Traktortreibstoff zu sparen.
Die NOAA (US-Bundesbehörde für Meeres- und Atmosphärenforschung) zeigt
eine mit Instrumenten vollgepackte Boje (Gewicht 100 Tonnen,

Durchmesser 12 m ) ,

die automatisch meteorologische und meereskundliche Meßdaten sammelt und über
eine Weltraum-Relaisstation, d.h. einen Nachrichtensatelliten, zu Empfangsstellen an der Küste funkt.

Von dort aus werden sie zum Wetterdienst für die

täglichen Vorhersagemeldungen und an zentrale Informationsstellen für die
Schiffahrt weitergeleitet.
tung.

Etwa ein Jahr lang braucht die Boje keinerlei War-

Den Betriebsstrom liefern leistungsstarke Batterien.

Am Pavillon der Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) können
Besucher Probefahrten mit Turbinen- und Elektroautos unternehmen - mit Fahrzeugen, die umweltfreundlich sind und zur Reduzierung der Luftverschmutzung
beitragen könnten. Allgemeine und spezielle Probleme der Wasserversorgung,
Produktion und Verbrauch von Energie und Mineralien, ferner AbfallWirtschaft
und Recycling, Arbeit und Freizeit, Vermessung und Prospektierung der Schelfgebiete, Raumordnung und Bodennutzung sind.Themen, die das amerikanische
Innenministerium aufgegriffen hat.
"Freiheit von Abhängigkeit"
ministeriums.

lautet das Motto im Pavillon des Gesundheits-

Hier wird der Fortschritt'der medizinischen Technik in seinen

Auswirkungen für Diagnose und Therapie erläutert - Leistungen, die in Verbin- 2 -

�Verbindung mit medizinischer Vorsorge und vernünftiger Lebensweise die Gefährdungen durch Krankheit verringern und die Lebenserwartung erhöhen.

Viele der neuen Entwicklungen in der Medizin gehen direkt oder indirekt
auf die Raumfahrt zurück.
NASA.

Einige davon demonstriert auch die Raumfahrtbehörde

Von Besuchern ständig umlagert ist ein Stand, wo man nur die Handfläche

auf eine Platte zu legen braucht, um ein EKG (Elektrokardiogramm) zu bekommen.
Die Herzstromkurven erscheinen auf einem Bildschirm.

Blutdruckwerte und Herz-

dimension werden mit Hilfe weniger Meßpunkte ermittelt.

Röntgen- und Ultraviolett-Astronomie, Anwendung der Weltraumfotografie,
Atmosphärenforschung, Astrophysik, Planetenforschung und mikrobiologische
Untersuchungen fallen unter Projekte der Auftragsforschung, die die NASA an
amerikanische Universitäten vergeben hat.

In einem der Ausstellungspavillons

können sich die Besucher über interessante Einzelheiten informieren.

Nutzbarmachung der Sonnenkraft zur Stromerzeugung im großen Stil mittels
riesiger Sammlerplatten im Weltraum und auf der Erde, Kolonien und Industriezentren im Weltraum oder Bergbau auf dem Mond sind zwar noch Zukunftsmusik.
Aber eines Tages dürfte auch dies realisiert werden, wie Funk und Fernsehen
via Satelliten rund um die Erde längst selbstverständlich geworden sind.

Die NASA zeigt u.a. ein Modell des Anwendungssatelliten ATS-6, mit dem
vom 1. August bis zum 31. Oktober 1976 Demonstrationsprojekte für

30 Länder

in Südost- und Vorderasien, Afrika, Mittel- und Südamerika geplant sind.

Sie

sollen zeigen, wie mit Hilfe eines solchen Geräts, das in 36 000 km Höhe über
der Erdoberfläche "stationiert" werden kann, Verbesserungen im Bildungs-, Gesundheits- und Nachrichtenwesen, bei der Erfassung und Überwachung landwirtschaftlicher Anbauflächen und Waldgebiete, der Boden- und Wassernutzung, der
Städteplanung und Wetterbeobachtung zum Wohle der Allgemeinheit zu erreichen
sind.

Am 1. August läuft die Jahresfrist ab, für die die indische Regierung
ATS-6 von den USA gepachtet hatte, um über den leistungsstarken Nachrichten-

�Nachrichtensatelliten, der übrigens auch großflächige Wolkenfeidbilder aufnimmt, Schul Programme in 2400 abgelegene Dörfer auszustrahlen und der Bevölkerung zahlreiche andere Informationen zu geben.
Der Satellit wird nun langsam von seinem gegenwärtigen Standort über dem
35

Grad östlicher Länge zu einem Punkt über dem 130. Längengrad West "ver-

schoben", was drei Monate in Anspruch nimmt.

Die NASA stellt den Ländern in

deren unmittelbaren Bereich er dabei kommt, auf Wunsch Techniker zur Verfügung, die Sende- und Empfangsgeräte zur Übermittlung landeseigener Programme
über ATS-6 installieren.

Dabei können die Regierungen selbst Erfahrungen

über die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten dieser Technik für die Landesentwicklung sammeln.

Das Amt für Internationale Entwicklung (AID) ist gemeinsam

mit der NASA an dem Projekt beteiligt.

Von November 1976 an dient ATS-6 als

Weltraum-Relaisstation, über die versuchsweise Bildungsprogramme und medizinische Informationen in abgelegene Gebiete der Vereinigten Staaten ausgestrahlt
werden.

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U/1976
USA 200
US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag

Internationale Flottenparade und Segel schifftreffen 1n N?w York

— ( A D ) - - Mit einer Internationalen Flottenparade von 88 Kriegsschiffen aus
27 Ländern im Hafen von New York und einem Segelschiffkonvol aus 225 Seglern auf dem Hudson River erreichen die Feier der amerikanischen Marine aus
Anlaß des 200. Jahrestages der Proklamierung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten am 4. Juli 1776 Ihren Höhepunkt.
Die an der International Naval Review und der Operation Sail '76 auf dem
Hudson teilnehmenden Schiffe werden am frühen Morgen des 3. Juli im New Yorker
Hafen erwartet und sollen gegen acht Uhr Liegeplätze auf dem Hudson und in
der Upper Bay einnehmen. Am gleichen Tag sollen in New York auch Offiziersabordnungen aus 14 Ländern eintreffen, die keine Schiffe entsenden.
Die amerikanische Schiffsabordnung aus 2o Einheiten modernster Bauart
- darunter mit Fernlenkwaffen bestückte Kreuzer, Fregatten und Zerstörer sowie Versorgungsschiffen und Amphibienfahrzeugen wird von der USS F0RRESTAL,
einem 8 ooo-Tonnen Flugzeugträger angeführt. Die Bundesmarine entsendet den
Lenkwaffenzerstörer HESSEN, und das Segel schulschiff GORCH FOCK.
Am

- 1 -

�Am 4. Juli werden die Schiffe von Deck eines Lenkwaffen-Kreuzers der
amerikanischen Atlantikflotte aus durch Vertreter der Admiralität mit militärischen Ehren begrüßt.

Anschließend tritt der Segelschiffkonvoi von der

Verrazano-Brücke aus über The Narrows die Fahrt in die Upper Bay an der
Freiheitsstatue vorbei an. Der Konvoi wird nach rund sechsstündiger Fahrt
den Hudson River aufwärts am Manhattan Tower vorbei den Zielpunkt bei
Spuyten Duvil rund 3,5 km oberhalb der George Washington-Brücke erreichen.
Hauptattraktion werden die Marine-Segelschulschiffe aus acht Ländern sein.
An der Spitze segeln die EAGLE, ein Schulschiff der US-Küstenwache, und die
GAZEL PRIMEIRO aus dem Besitz des Marinemuseums von Philadelphia.

Die

Operation Sail '76 mit 16 Großschiffen und Hunderten von Seglern aller Kies*
sen kann als eine der spektakulärsten Veranstaltungen aus Anlaß des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Am 5. Juli werden alle an der International Naval Review und an der
Operation Sail '76 beteiligten Schiffe an Kais in Manhattan, Jersey City,
Port Newark, Brooklyn und Hoboken festmachen und zur Besichtigunc freigegeben.
Einen Tag darauf werden Abordnungen der Kriegsschiffe aus Offizieren und Kadetten in den Straßen von Lower Manhattan paradieren.

Die meisten Schiffe

werden am 7. Juli ihre Heim- bezw, Weiterreise antreten.

Ein Treffen von

Segelschiffen der Größenordnung der Operation Sail '76 hat es bisher noch
nirgends auf der Welt gegeben.

Die diesjährige internationale Flottenparade ist die vierte, die die Vereinigten Staaten veranstalten. Die erste derartige Veranstaltung fand im Jahre
1893 aus Anlaß des 400. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Columbus
statt. Die Hafenstadt Hampton Roads im Staate Virginia richtete dann 1907
und 1957 in Erinnerung an die Gründung der Siedlung Jamestown vor 300 bezw.
35o Jahren die zweite und dritte Flottenparade aus. Die einzige sonstige internationale Flottenparade dieser Größenordnung fand im Zusammenhang mit der
Krönung von Königin Elizabeth II von England im Juni 1953 statt.

XXX

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11/1976
WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG IN DEN USA OBERTRAF ERWARTUNGEN
Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords

WASHINGTON --(AD)-- Der Wirtschaftsaufschwung in den USA im ersten Halbjahr
1976 hat alle Erwartungen übertroffen. Dies stellt der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords, Alan Greenspan, in seinem am 10„ Juni veröffentlichten Halbjahresbericht an den amerikanischen Kongreß fest. Greenspan
zeigte sich nicht nur optimistisch hinsichtlich des weiteren Verlaufes der
Konjunktur, sondern auch hinsichtlich des Abbaus der Arbeitslosenquote, die
Ende des Jahres bei 7 Prozent liegen werde, und des weiteren Rückgangs der
Inflationsrate. Als tragende Kraft des derzeitigen Wirtschaftsaufschwungs
nannte Greenspan die Verbrauchernachfrage. Der Erfolg bei der Bekämpfung der
Inflation habe das Vertrauen der Verbraucher in die künftige wirtschaftliche
Entwicklung gestärkt und so zu einer Belebung der Nachfrage geführt.
In seinem Bericht führt der Wirtschaftsbeirat unter anderem aus:
" Ein Rückblick auf die erste Hälfte dieses Jahres zeigt, daß die Wirtschaft fast alle früheren Erwartungen - auch meine eigenen - übertroffen hat.».
In den letzten drei Quartalen ist das Bruttosozialprodukt real mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent gestiegen. Die Wiedererholung auf dem Arbeitsmarkt war
ebenso bemerkenswert. Die Arbeitslosenquote ist zwar immer noch hoch, ist

�4
ist jedoch schneller zurückgegangen, als dies die optimistischsten Beobachter noch vor einem Jahr zu hoffen gewagt hätten, da die Zahl der Arbeitsuchenden damals eine sehr starke Zuwachsrate aufwies.
Die Inflation ist nicht nur weiter zurückgegangen, auch die jüngsten
Anzeichen - unter gebührender Berücksichtigung der einer solchen Voraussage
innewohnenden Unsicherheite . - deuten darauf hin, daß die beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität erzielten Erfolge sich
nunmehr konsolidieren. Nach dem kürzlichen Rückgang wird sich jetzt möglicherweise zeigen, daß ein Anziehen der Preisindexe zu einem großen Teil nur auf temporäre Faktoren

.urückzuführen ist. Es mag auch sein, daß die Inflationsri-

siken jetzt unterschätzt werden. In ihrer Gesamtheit jedoch deuten die vorliegenden Zahlen darauf hin, daß die grundlegende Inflationsrate in den Vereinigten Staaten auf etwa 5 bis 6 Prozent abgebaut worden ist...
Der Anstieg der Produktion im ersten Quartal dieses Jahres wurde durch
die einsetzenden Bemühungen um eine Wiederaufstockung der Lagerbestände auf
einen normaleren Stand noch beschleunigt. Trotzdem ist die Nachfrage seitens
der Endverbraucher real rasch angestiegen, wobei dieser Anstieg in den letzten
drei Quartalen eine Jahresrate von 4,7 Prozent verzeichnet- Wir sollten jedoch nicht erwarten,daß der Anstieg der Produktion in den nächsten Quartalen
das Tempo der letzten neun Monate beibehalten wird.
Nicht nur die Wiedererholung der Wirtschaft hat an Schwung gewonnen, sondern die ihr innewohnenden grundlegenden Elemente hauen sich ebenfalls progressiv immer mehr gefestigt. Der Wiederaufschwung war gut ausgewogen, was
angesichts seines raschen Tempos überrascht...
Vielleicht am wichtigsten ist jedoch, daß der Abbau der zugrundeliegenden
Inflationsrate wie auch der Arbeitslosigkeit zu einer wesentlichen Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher wie auch der Unternehmer in die

�die Kraft dieses Wiederaufschwungs geführt haben. Nachdem man sich über die
inzwischen eingetretene wesentliche Wiedererholung klar geworden war, zeigten
sich die Verbraucher wieder eher geneigt, in größerem Umfang Kraftfahrzeuge,
Häuser und andere Dauergüter zu kaufen. Die Investitionen der Wirtschaft, obwohl noch zu niedrig, beginnen zuzunehmen. Die Absichten oder Pläne der Wirtschaft für künftige Investitionen werden nach oben hin revidiert. Daher liegen, obwohl mit einer geringfügigen Verlangsamung des Tempos des Wiederaufschwungs gerechnet werden sollte, keinerlei Anzeichen dafür vor, daß der Wiederaufschwung in naher oder ferner Zukunft sich abflacher oder gar auslaufen
könnte. Vielmehr lassen - nachdem keinerlei Ungleichgewichte bestehen - der
Erfolg beim Abbau der Inflation und der Überwindung der Inflationsmentalität, die jetzt zu verzeichnenden beträchtlichen Zunahmen bei Einkommen und
Beschäftigtenzahl sowie die starke grundlegende Nachfrage nach Kapitalgütern,
mit der wir für Ende dieses Jahres rechnen, vermehrt eine stetige und dauerhafte Wiedererholung erwarten.
Zur Jahresmitte hat es daher nicht den Anschein, als ob zwingende Gründe
wesentliche Veränderungen in der Gesamtvorschau auf das Jahr 1976 erforderlich machen, die der Wirtschaftsbeirat in seinem Wirtschaftsbericht im Januar
gegeben hat..., in der er von einer jährlichen Zunahme des Bruttosozialproduktes um real 6 bis 6,5 Prozent ausging. Unter Berücksichtigung der letzten
Entwicklungen wären wir allerdings heute geneigt, unsere Erwartungen etwas
höher anzusetzen,. Wir möchten annehmen, daß der von uns erwartete jährliche
Anstieg der Preise um 6 Prozent etwas, allerdings nur geringfügig, niedriger
ausfallen wird. Einige der Faktoren, die dazu beitrugen, daß der erwartete
Preisanstieg in den letzten Monaten etwas niedriger war, vor allem bei Nahrungsmitteln und Energie, dürften kaum länger Bestand haben»..
Die Kapitalinvestitionen der Wirtschaft haben im 1. Quartal 1976 mit
einer Jahresrate von real 1],9 Prozent zugenommen und uns somit in unserer
Auffassung bestärkt, daß die Kapitalinvestitionen für die Wiedererholung in
diesem Jahr zu einem wichtigen Faktor werden dürften...

- 3 -

�Zur Zeit sind wir der Ansicht, daß die in dem Bericht auf 5 bis 6 Prozent veranschlagte Zunahme der Kapitalinvestitionen immer noch eine angemessene Voraussage darstellt. Die verbesserte Wirtschaftslage und das bessere
Investitionsklima haben uns jedoch in der Auffassung bestärkt, daß die latente starke Nachfrage nach Kapitalgütern auch 1977 weiterhin zum Tragen kommen
wird...

Der Index der Verbraucherpreise ist im vorigen Jahr (April 1975 bis
April 1976) um 6,1 Prozent gestiegen, aber die Zuwachsrate betrug in den
letzten vier Monaten lediglich 3,5 Prozent. Der rasche und anhaltende Rückgang
der Inflation Anfang 1976 war

auf ein beträchtliches Nachgeben der Preise

für Nahrungsmittel und für Energie zurückzuführen....
Alle anderen vom Verbraucherpreisindex erfaßten Warengruppen hatten eine
Zunahme - auf Jahresbasis - von 7,5 Prozent zu verzeichnen. In den nächsten
Monaten ist mit einem mäßigen Anziehen der Nahrungsmittel preise zu rechnen...
Wenn die Ernte in den USA und in der übrigen Welt so ausfällt, wie dies vom
amerikanischen Landwirtschaftsministerium und privaten Organisationen vorausgesagt worden ist, dann wird die relative Preisstabilität bei Nahrungsmitteln
auch 1977 weiter andauern. Natürlich können wetterbedingte Änderungen der
Voranschläge für die diesjährige Getreideernte die Situation ändern.„.
In jüngster Zeit b estand eine gewisse Tendenz für
hen der Preise für sensitive Industrierohstoffe. Es ist
festzustellen, daß die Preise für Industrierohstoffe in
- saisonbereinigt - mit einer Jahresrate von noch nicht
sind.

ein zyklisches Anziedaher ermutigend,
diesem Jahr bisher
3 Prozent gestiegen

Die im 1. Quartal dieses Jahres ausgehandelten großen Kollektivabkommen
haben für das erste Jahr ihrer Laufzeit zu Lohnerhöhungen von durchschnittlich
8,8 Prozent geführt. Der durchschnittliche Stundenlohn der Arbeiter - ohne
Landwirtschaft - ohne überstunden-und Schichtzuschläge erhöhte sich von Dezem-

- 4 -

�Dezember 1975 bis Mai 1976 - auf einer saisonbereinigten Jahresbasis um 6,9 Prozent. Vor uns liegen schwierige Lohnverhandlungen, aber die bisherigen Erfahrungen in diesem Jahr sind in ihrer Gesamtheit ermutigend. Die Lchnabschlüsse entsprachen dem allgemeinen Preisverhalten, wie wir dies für dieses Jahr vorgeschlagen hatten.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Besserung auf dem Arbeitsmarkt
anhalten wird. Die Arbeitslosenquote ist fast ununterbrochen von 8,9 Prozent
im Mai 1975 auf 7,3 Prozent im Mai 1976 zurückgegangen...

Die Haushaltsansätze sind kritisiert worden, weil sie für die Aufrechterhaltung des Tempos des Wiederaufschwungs unzureichend seien, Das Hauptargument stützte sich auf die Auffassung, die Wiederbelebung der Nachfrage sei
schwächer, als in unseren Voraussagen angegeben, Daraus wird gefolgert, daß
der vorgeschlagene Abbau des Defizits im Bundeshaushalt für 1977 eine zu
starke Zurückhaltung bedeute und möglicherweise dazu führen könne, daß sich
der Wiederaufschwung totläuft,
Wir haben dieser Ansicht nicht beigepflichtet, sondern glauben, daß e&gt;ne
starke Wiederbelebung der privaten Nachfrage sowohl das wahrscheinlichste wie
auch das wünschenswerteste Ergebnis sein dürfte. Diese Auffassung bedingt jedoch eine deutliche und progressive Änderung der Finanzpolitik in Richtung
auf geringere fiskalische Anreize in den nächsten drei Jahren, beginnend mit
dem Finanzjahr 1977.
Bisher stützen die vorliegenden Fakten eindeutig die Auffassung, daß der
Wiederaufschwung weiterhin stark sein wird» Es hat jedoch den Anschein, als ob
es bei diesem Argument in Wirklichkeit um weit mehr geht als darum, welche
Voraussage richtig und welche falsch ist. Nehmen wir an, unsere Voraussage
sei zu optimistisch und die private Nachfrage entwickelt sich weniger stark
als vorausgesagt» Sollte dies eintreten, dann verfügen wir über Möglichkeiten,
durch Steuersenkungen und geringere fiskalische Zurückhaltung recht rasch

�rasch gegenzusteuern. Praktisch könnte ein solcher Fehler sehr leicht korrigiert werden, und er wäre daher weniger schwerwiegend als die Folgen eines Fehlers in anderer Richtung, Eine Politik, die sich praktisch auf der Erwartung
einer sehr bescheidenen Zunahme der privaten Nachfrage und dementsprechend auf
der Notwendigkeit stärkerer fiskalischer Anreize begründet, läßt sich nicht
so rasch korrigieren, falls sie sich als falsch erweisen sollte, Die Risiken,
unter einem solchen Plan ein neues Inflationsfeuer zu entfachen, wären sehr
groß, weil unsere Möglichkeiten, bei den Bundesausgaben zu bremsen oder die
Steuern zu erhöhen, stark begrenzt sind„,,
Unser Unvermögen, die Folgen einer zu expansionistischen Politik zu
meistern, beweist eindeutig, wie erwünscht ein größeres Maß an Vorsicht bei
der von uns befolgten Politik ist. Wir sind der Ansicht, daß die wirtschaftliche Entwicklung höchstwahrscheinlich eine fiskalische Zurückhaltung erfordern
wird» Die Wirtschaftsstatistiken der letzten Monate besagen recht eindeutig,
daß ein solches Vorgehen richtig sein dürfte".

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11/1976

US-KONGRESS ENTWICKELT ALTERNATIVPROGRAMM GEGEN DIE ARBEITSLOSIGKEIT

WASHINGTON --(AD)-- Die Erfahrungen der letzten Jahre, als die Vereinigten
Staaten und andere Industrienationen schwere Inflation und starke Arbeitslosigkeit gleichzeitig erlebten - man spricht heute von Stagflation - haben
die nie endende Debatte über "Vollbeschäftigungspolitik" in den USA tiefgreifend beeinflußt. Man glaubt nicht mehr daran, daß man nur die richtige
Kombination von geld oder haushaltspolitischen Maßnahmen zu finden und anzuwenden brauche, um ganz leicht die Vollbeschäftigung und ein nichtinflationäres Wachstum zu gewährleisten. Und wenn es jemals eine wesentliche Gruppe
von Amerikanern gab, die "ein bißchen" Inflation als sichere Kur gegen die
Arbeitslosigkeit betrachteten, dann ist auch dieser Glaube zutiefst erschüttert,
Und seit den schlechten Erfahrungen mit den Lohn- und Preiskontrollen vor
einigen Jahren sind die meisten Amerikaner jeder Art von "Einkommenspolitik"
- also jedem Versuch der Regierung, die Lohn- und Preisentscheidungen direkt
zu beeinflussen - gegenüber höchst mißtrauisch.
Man sucht daher nach neuen Kombinationen politischer Maßnahmen, die die
Arbeitslosigkeit auf einem möglichst niedrigen Stand halten, ohne gleichzeitig wieder eine unnannehmbar

hohe Inflationsrate zu bewirken.
Der

- 1 -

�Der amerikanische Kongreß hat sich mit der Behandlung des "Gesetzes
über Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum von 1976" aktiv in das Problem
eingeschaltet. Der "Füll Employment and Balanced Growth Act of 1976" oder,
nach seinen Hauptinitiatoren, Senator Hubert Humphrey und Abgeordneter
Augustus Hawkins, als Humphrey-Hawkins-Bill bekannt, wird in mehreren Ausschüssen und Anhörungen gegenwärtig heftig debattiert.
Die Vorlage kann als Alternativprogramm der demokratischen Mehrheit im
Kongreß betrachtet werden, und wird praktisch von allen Bewerbern um die demokratische Präsidentschaftskandidatur unterstützt. Bei der republikanischen Administration unter Präsident Ford hat das Programm allerdings keine Unterstützung gefunden. Aber auch von Seiten führender Vertreter der Demokraten
fehlt bisher noch die letzte Zustimmung in bezug auf Einzelheiten seiner
Durchführung. Man kann jedoch damit rechnen, daß der Gesetzesvorschlag nach
gründlichen Ausschußdebatten und entsprechenden Abänderungen und Verbesserungen den Demokraten als Alternativprogramm zur derzeitigen Binnenwirtschaftspolitik der Ford-Administration dienen und damit zu einem wesentlichen Punkt in
dem bevorstehenden Präsidentschaftswahl kämpf werden wird*
Faktisch vereint die Humphrey-Hawkins-Bill zwei Problemkomplexe: die
Frage, welche Politik die amerikanische Regierung einschlagen soll, und die
andere Frage, wie weit sich die Regierung in die Koordinierung der Wirtschaftstätigkeit der Nation einschalten sollo
Was die Arbeitslosigkeit anbetrifft, so fordert die Vorlage, daß die Bundesregierung das Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent bei den Erwachsenen
ansteuern solle, eine Zahl, die spätestens vier Jahre nach Inkrafttreten des
Gesetzes zu erreichen sei. Von der Regierung wurde gefordert, daß sie ihre
fiskalischen und monetären Werkzeuge auf die Erreichung dieses Zieles ansetzt,
daß sie aber zugleich ein ganzes Spektrum spezifischerer Maßnahmen entwickelt,
um die Zahl der Arbeitsplätze zu vermehren, und zwar vor allem auf dem priva-

- 2 -

«

�privaten Sektor. Sollte trotz dieser Maßnahmen die Zahl der Arbeitslosen
nicht rasch genug zurückgehen, so wäre die Regierung gehalten, yewissermas*en
als letztes Mittel, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu schaffen, um so
das gesetzte Ziel einer Arbeitslosenrate von 3 Prozent zu erreichen.
Was die Planung anbetrifft, so sieht das Gesetz einen sorgsam bis ins
Detail ausgearbeiteten Prozeß vor, vermittels dessen der Präsident, der Wirtschaftsbeirat, die Bundesbank, der Kongreß und eine Gruppe von Beratergremier,
alljährlich einen "Plan für Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum'
aufstellen würden. Dieser Plan wäre aber keine Direktive für alle Sektoren
der Wirtschaft, sondern würde nur soweit ins Detail gehen, daß er "eine umfassende Gesamtperspektive unserer Bedürfnisse und Kapazitäten liefert und
als weit voraus weisende Richtlinie ftlr optimale private, bundesstaatliche,
einzelstaatliche und lokale Maßnahmen dient".
Alle an den Debatten über die Gesetzesvorlage Beteiligten stimmen darin
überein, daß es eine äußerst schwierige Aufgabe sein werde, die Arbeitslosenziffer bei den Erwachsenen auf 3 Prozent herunterzubringen. Im gegenwärtigen
Stadium besteht auch noch keine Klarheit darüber, wie der Begriff der "Erwachsenenarbeitslosigkeit" aufgefaßt werden soll. Doch hat der Staatssekretär
im Arbeitsministerium, William H. Kolberg, dazu vor den Kongreßmitgliedern
folgende Erklärung unter den verschiedenartigen Voraussetzungen gegeben:
"Wenn sich das Ziel der 3 Prozent auf diejenigen bezieht, die 18 Jahre
oder älter sind, dann wäre dies gleichbedeutend mit einer Arbeitslosenziffer
von fast 3 1/2 Prozent für alle Erwerbstätigen, sofern man ihre derzeitige
Zusammensetzung zugrundelegt. Während der letzten 30 Jahre hat die Arbeitslosenziffer für die Gruppe von 18 Jahren und darüber nur in den Jahren 1952-53
und 1968-69 in der Nähe der Drei prozentmarke gelegen; dies aber waren Perioden, in denen die Zahl der bei den Streitkräften tätigen Männer bei über
3,5 Millionen lag... Bezieht sich die bei diesem Ziel angestrebte Arbeits-

- 3 -

�Arbeitslosenziffer aber auf die Altersgruppe von 21 Jahren und darüber, so
entspräche dies

nach unserem besten Wissen einer Arbeitslosenziffer für

alle zivilen Erwerbstätigen von annähernd 4,1 Prozent. Im Verlauf der letzten
3o Jahre ist eine solche Ziffer in den Perioden von 1947-48, von 1951-53 und
von 1966-69 erreicht worden". Kolberg und andere Gegner der Gesetzesvorlage
argumentieren, daß die stimulierenden Maßnahmen, die notwendig wären, um
eine solche Ziffer zu erreichen, mit Sicherheit einen gefährlichen inflationären Druck erzeugen würden.
Das auf 3 Prozent festgesetzte Ziel hat selbst bei liberalen Wirtschaftsexperten, die im allgemeinen die Ziele der Demokraten unterstützen, Kritik
hervorgerufen.
So verwies Charles Schultze von der Brooking Institution vor einem Senatsausschuß auf die Relation zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit während
der vier Inflationsperioden in den Vereinigten Staaten seit 1949. "Der zentrale Punkt", so sagte er, "ist klar - sowie die Arbeitslosenziffer bei den
Erwachsenen unter die 4,5 Prozentschwelle herabgedrückt wird, steigt die Inflationsrate über ihr anfängliches Niveau. Solange es keine neuen wirksamen
Instrumente für eine Inflationskontrolle gibt, würde das Herabdrücken der Erwachsenenarbeitslosenziffer auf das Drei-Prozent-Ziel mit Sicherheit zu beträchtlicher Inflation führen."
Die Leiterin des Budgetamtes des Kongresses, Alice Rivlin, hat warnend
darauf hingewiesen, daß "niemand sich mit der Möglichkeit einer Beschleunigung
der Inflation, sobald die Wirtschaft

sich der Drei-Prozent-Ziffer in der Ar-

beitslosigkeit nähert, unbesorgt abfinden könne."
Vor einigen Jahren, als die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten
weitaus niedriger lag als heute und auch niedriger als in den meisten anderen
Industriestaaten, wurde von vielen die Ansicht vertreten, daß die Vereinigten
Staaten gewillt sein müßten, eine höhere Inflationsrate zu akzeptieren, um

- 4 -

�*

um auf diese Weise menschliches Leid zu mildern und die sozialen Kosten zu
vermeiden, die sich aus einer hohen Arbeitslosigkeit ergeben. John Kenneth
Galbraith hat sich in seinen Darlegungen vor dem Bankenausschuß des Senats
der Auffassung anderer dort ihre Ansicht vertretender Zeugen angeschlossen,
wenn er warnend darauf hinwies, daß dieser Standpunkt heute niemals die politische Unterstützung finden würde, die für eine Verabschiedung des Gesetzes
notwendig wäre.
Da die fiskalische und monetäre Politik die Inflation bekämpft, ind*»sie Arbeitslosigkeit schafft, bleibt nach Ansicht von Galbraith nur die eine
Alternative, daß man der Regierunq die Macht gibt, durch Intervention die
Lohn- und Preissteigerungen zu bremsen.
Nicht jeder jedoch ist von der Wirksamkeit der Einkommenspolitik überzeugt, und auch andere Experten, die vor dem Ausschuß ihre Aussagen zu diesem
Themenkomplex machten, sind mit Schultze der gleichen Meinung, daß zusätzliche
Instrumente eingesetzt werden müßten, um die Arbeitslosenziffer zu senken,
ohne deshalb eine inflationistische Wirkung hervorzurufen.
In der Humphrey-Hawkins-Bill sind bereits mehrere Arten zusätzlicher Maßnahmen, die r?.n °r"reifen könnte, aufgeführt, darunter ein erweitertes Ausbildungsprogramm

für arbeitslose Jugendliche, Beschleunigung bei der Durch-

führung öffentlicher Bauvorhaben, die bei steigender Arbeitslosigkeit automatisch in Angriff genommen werden würden, und direkte Einstellungen im öffentlichen Dienst, um Arbeitsplätze für all diejenigen zu schaffen, die trotz der
anderen Maßnahmen keinen Arbeitsplatz gefunden haben.
In einem immer wieder gegen den Gesetzesvorschlag vorgebrachten Einwand
wird darauf hingewiesen, daß eben diese Bestimmung, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst als "letztes Mittel" zu schaffen, sich stark inflationär auswirken würde . Nach der Vorlage würde die Regierung gehalten sein, für diese

- 5 -

�*

diese Arbeitsplätze die "gängigen" Löhne zu zahlen. Viele Kommentatoren haben
nun hervorgehoben, daß diese "«ängigen" Löhne relativ hoch liegen und daß
manche, die dann Stellen mit niedrigen Löhnen haben, versucht sein könnten,
ihre derzeitigen Arbeitsplätze aufzugeben, für einige Wochen Arbeitslosenun*
terstützung zu beziehen, um dann Anspruch auf eine Stelle im öffentlichen
Dienst zu erheben, die ihnen mehr Geld einbringt, als sie an ihrem früheren
Arbeitsplatz verdienten.
An dem Gesetzentwurf sind, seit er im vorigen Jahr zum erstenmal eingebracht wurde, schon drastische Revisionen vorgenommen worden,und es spricht
vieles dafür, daß noch weitere Revisionen erfolgen werden. Senator Humphrey
bemerkte vor kurzem, daß die Gesetzesvorlage "während der Debatte, den Erörterungen und Hearings zweifellos noch poliert und verbessert werden wird."
Aber selbst eine drastisch revidierte Version dürfte kaum die Gunst der
derzeitigen Administration finden. Alan Greenspan, der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates von Präsident Ford, vertritt die Ansicht, daß die beste Antwort auf das Problem der exzessiven Arbeitslosigkeit in den USA wohl in einem
guten Arbeitslosenversicherungsprogramm zu liegen scheine - wie es die Nation
bereits hat - gekoppelt mit langfristigen Ausbildungs- und Umschulungsprogrammen .
Wie Greenspan hinzufügte, "wird das Fehlen an produktiven Arbeitsplätzen
für unsere Arbeiterschaft im privaten Sektor der Wirtschaft eine erhebliche
Steigerung an Kapitalinvestitionen erfordern." In diesen Ausführungen wird
seine Überzeugung deutlich, daß die Regierung nur dann Vollbeschäftigung erreichen kann, wenn sie eine Politik verfolgt, die solche Investitionen ermutigt.
Die Bundesregierung ist nach dem noch geltenden Beschäftigungsgesetz
von 1946 ohnehin verpflichtet, für Vollbeschäftigung zu sorgen. Danach muß
sie alles in ihren Kräften stehende tun, um Bedingungen zu schaffen, "die

- 6 -

�I
"die maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft fördern."

Durch

dieses Gesetz wurden unter anderem auch der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten
und der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß (beider Häuser) des amerikanischen
Kongresses ins Leben gerufen.
Das Gesetz aus dem Jahre 1946 wird jedoch heute von vielen Befürwortern
der Vollbeschäftigung als nicht mehr strikt genug betrachtet. Hier soll die
neue Vorlage von 1976 Abhilfe schaffen. Aber ob die Fachleute, und vor allem
die Öffentlichkeit, diese Vorlage als besser empfinden werben, solange sie
nicht neben dem Ziel der Vollbeschäftigung auch eine antiinflationäre Zielsetzung enthält, ist noch sehr die Frage.

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11/1976

NEUE MATERIE-TEILCHEN ENTDECKT

— ( A D ) - - Die Entdeckung eines "höchst exotischen Atoms" gab Ende Mai 1976
Professor Melvin Schwartz (Stanford-Universität) bekannt, der zur Zeit
mit einer Forschergruppe am Brookhaven National Laboratory (New York)
arbeitet. Es handelt sich um die Kombination eines geladenen Pi-Mesons mit
einem entgegengesetzt geladenen My-Meson, in der die beiden Partikel durch
elektrostatische Anziehung miteinander verbunden sind. Diese Objekte, die
von ihren Entdeckern als "Pionium-Atome" bezeichnet werden,

ähneln dem ge-

wöhnlichen Wasserstoffatom, sind aber hundertmal kleiner. Sie entstehen als
außerordentlich seltene Zerfallsprodukte des neutralen K-Mesons (K°. ), eines
Atomteilchens mit der Lebensdauer von 50 Milliardstel Sekunden.
Die Bausteine des Pioniums sind überaus instabile Teilchen, die normalerweise nur äußerst flücl.-ig bei der Kollision energiereicher Partikel wie
Protonen und Neutronen auftreten. Das Pi-Meson, auch Pion genannt, wird zur
Gruppe jener Teilchen gerechnet, die vermutlich den "Kitt" der Atomkerne darstellen. Im freien Zustand existiert es höchstens für die Dauer von 20
Milliardstel Sekunden, um dann in ein My-Meson (Myon) und ein Neutrino zu
zerfallen. Das Myon verhält sich ganz ähnlich wie schweres Elektron. Seine
Rolle beim Ablauf von Kernreaktionen ist eines der großen Rätsel in der Teilchenphysik. Mit einer Lebensdauer von ca. 2 Millionstel Sekunden gilt es
als eines der "langlebigen" Partikel.

DU

�Die eigentliche Motivation für die Durchführung der Experimente war
laut Professor Schwartz die Tatsache, daß das Pionium ein einzigartiges
empfindliches System für das Studium der Wechselwirkungskräfte zwischen einem
Pion und einem Myon darstellte Den heute gültigen Hypothesen zufolge ist diese
Kraft elektromagnetischer Natur« Deshalb seien, so wird daraus gefolgert, alle
Eigenschaften des Pioniums und seine Produktionsrate gut v-hersagbar. Jede
Abweichung von solchen Voraucsagen aber zeige eine - für die theoretische
Kernphysik interessante - Anomalie in der Pion-Myon-Bindung an, die möglicherweise Aufschluß über die Natur des My-Mesons geben könne.

Welche Schwierigkeiten diese Art von Experimenten bereiten, ist daraus
ersichtlich, daß nur etwa alle 10 Stunden ein Pionium-Atom nachzuweisen war«
Die errechnete Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen einer Bindung zwischen
einem Pion und einem Myon liegt bei 1:10 000 000. Man versucht jetzt, diese
auch experimentell zu bestimmen. Alles in allem wurden bisher erst 21 Pionium"Kandidaten" ermittelt» Professor Schwartz will durch weitere Experimente
mehr Informationen zu dem von ihm und seinen Mitarbeitern entdeckten Partikel
sammeln, dessen Existenz bisher nur postuliert, aber nicht beobachtet worden
war.
Ein ähnlich wichtiger Schritt gelang Wissenschaftlern vom Lawrence
Berkeley Laboratory (LBL) der Universität Kalifornien und des Linearbeschleuniger-Instituts (SLAC) der Stanford-Universität in Palo Alto (Kalifornien) mit
der Entdeckung eines Teilchens, das sich durch die seit langem vorausgesagten,
jetzt aber zum ersten Mal experimentell erfaßten "Charm"- Eigenschaften auszeichnet. Die Masse dieses Teilchens, dem seine Entdecker noch keinen Namen
gegeben haben, ist fast doppelt so groß wie die eines Protons (Atomkern von
einfachem Wasserstoff). Es ist von relativ langer Lebensdauer, bevor es in
leichtere, häufiger auftretende Partikel zerfällt.
Diese Eigenschaften und die Zerfallsreaktionen lassen darauf schließen,
daß es zu eine.r völlig neuen Familie subatomarer Teilchen mit "Charm"- Eiigen -

�Eigenschaften gehört. "Charm" hat in diesem Zusammenhang eine ähnlich große
Bedeutung wie zum Beispiel die elektrische Ladung.

Der Entdeckung gingen - ur^er Anwendung von Neutrino-Strahlen - langwierige Versuchsserien am Bronkhaven National Laboratory (New York), am FermiNational Laboratory (Chicago) und am Europäischen Kernforschungszentrum
(CERN) in Meyrin bei Genf voraus, in deren Verlauf die beteiligten Physiker
aufgrund ihrer Beobachtungen bereits zu der Vermutung kamen, daß "charmed
particles" existieren müßten. Aber sie vermochten weder die Masse noch die
Zerfallsreaktionen dieser Teilchen aufzuspüren.
Bei den Experimenten der Gruppen von Berkeley und Stanford wurden Elektroden- und Positronen-Strahlen frontal aufeinandergerichtet. Mit der Kollision
kirn es zu einer "Zerstrahlung" und gegenseitigen Auslöschung der Materiefeil chen, die in den Zustand reiner Energie übergingen. Daraus wiederum entstanden, bekannten physikalischen Gesetzen folgend, Materie-Partikel in verschiedenen Kombinationen. Auf diese Weise lassen sich Eigenschaften subatomarer Partikel unter kontrollierten Bedingungen studieren. Die Experimente
werden fortgesetzt.

XXX

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA 200&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das dritte Jahrhundert Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausstellung über Wissenschaft und Technik im Kennendy-Raumflugzentrum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Marine feiert Amerikas 200. Geburtstag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Flottenparade und Segelschifftreffen in New York&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsaufschwung in den USA übertraf Erwartungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Halbjahresbericht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress entwickelt Alternativprogramm gegen die Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Materie-Teilchen entdeckt</text>
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                    <text>23. Juni 1982
INHALT

1

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor der Abrüstungs-Sondervollversammlunq der UN
- Reagan lädt Sowjetunion zu umfassender Rüstungskontrolle ein Erklärung Präsident Reagans zu Polen
- Bedingungen für Wiederaufnahme der US-Hilfe an Polen unverändert Presseerklärung des amerikanischen Außenministers nach Bonner NATO-Gipfel
- Haig hofft auf Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens der
Sowjetunion HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Reagans Abrüstungsvorschläge
Worte und Taten der Sowjetunion und die sowjetisch-amerikanischen
Abrüstungsgespräche
Reagans Europa-Reise brachte die Welt dem Frieden näher
- Der Präsident ist mit den Ergebnissen zufrieden Sechs Monate Kriegsrecht in Polen
WIRTSCHAFT
Lohnverzichte helfen Arbeitsplätze sichern
- Ein Kommentar zu drei wichtigen Tarifabschlüssen in USA WISSENSCHAFT UND TECHNIK
COLUMBIA testet Bedingungen für Routineflüge
- Nächster Siebentage-Flug beginnt am 27. Juni Die Schutzhülle des Raumtransporters
- IsolierkachelSystem - eine Sonderleistung der Technik -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24

23. Juni 1982

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DER ABROSTUNGS-SONDERVOLLVERSAMMLUNG DER UN
- Reagan lädt Sowjetunion zu umfassender Rüstungskontrolle ein -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer
Rede vor der Sondervoll Versammlung der Vereinten Nationen für Abrüstung am
17. Juni 1982 die Sowjetunion eingeladen, sich den Vereinigten Staaten in einem
umfassenden Abrüstungsprogramm anzuschließen, um den Frieden in der Welt zu
sichern.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich spreche heute hier als ein Bürger der Vereinigten Staaten und als ein
Weltbürger. Ich komme mit den tiefempfundenen Wünschen meines Volkes nach
Frieden; ich bringe ehrliche Vorschläge mit, und ich strebe nach echtem Fortschritt.
Es ist diesen Monat 24 Jahre her, daß Dag HammarskjüJld (der damalige UNGeneralsekretär) gesagt hat: "Wir kommen in einer Zeit eines Friedens zusammen,
der kein Friede ist". Seine Worte gelten heute noch genau so wie damals. Mehr
als hundert Auseinandersetzungen haben seit dem Zweiten Weltkrieg den Frieden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�den Frieden unter den Nationen gestört, und heute hängt über dem Leben all
unserer Völker die Drohung einer nuklearen Katastrophe. Die Bibel sagt uns, ,
daß eine Zeit des Friedens kommen werde - aber in diesem Jahrhundert!ist es
der Menschheit nicht gelungen, sie zu finden.
Die Vereinten Nationen haben sich dem Weltfrieden verschrieben, und ihre
Charta verbietet klar und deutlich die internationale Anwendung von Gewalt.
Und doch steigt die kriegerische Flut weiter an. Der Einfluß der Charta ist in
den vier Jahren seit der ersten Sondersitzung für Abrüstung noch schwächer
geworden. Wir dürfen Aggression nicht nur verurteilen, sondern wir müssen auch
die Forderungen unserer Charta durchsetzen und den Kampf um den Frieden wieder
aufnehmen.
Die Geschichte zeigt klar und deutlich: Bürger der Vereinigten Staaten
nehmen nur zögernd Zuflucht zur Gewalt, und auch nur dann, wenn sie gezwungen
sind. Unsere Außenpolitik ist, wie Präsident Eisenhower einmal gesagt hat,
"nicht schwer darzulegen. Wir sind für den Frieden - an erster und an letzter
Stelle und immer, aus ganz einfachen Gründen". Wir wissen, daß Amerika nur in
einer friedlichen Atmosphäre, einem Frieden in Gerechtigkeit und einem Frieden,
auf den wir bauen können, gedeihen kann, so wie wir in der Vergangenheit
Prosperität kennengelernt haben; so Eisenhower.
All jene, die an der Wahrheit dieser Worte zweifeln, möchte ich darauf
hinweisen, daß wir am Ende des Zweiten Weltkriegs die einzige ungeschädigte
Wirtschaftsmacht der Welt waren. Unsere militärische Überlegenheit stand außer
Frage. Wir hatten das Atom gebändigt und besaßen die Fähigkeit, seine Zerstörungskraft überall auf der Welt freizusetzen. Kurz gesagt, wir hätten die Weltherrschaft erringen können, aber das lief dem Charakter unseres Volkes zuwider.
Stattdessen schrieben wir ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit.
Wir benutzten unsere Macht und unseren Reichtum, um die vom Krieg verwüsteten
Volkswirtschaften der Welt in Ost und West wieder aufzubauen, einschließlich
in jenen Ländern, die unsere Feinde gewesen waren. Wir übernahmen die Initiative

�die Initiative bei der Schaffung solcher internationaler Institutionen wie die
Vereinten Nationen, wo führende Menschen guten Willens zusammenkommen können,
um Brücken für Frieden und Wohlstand zu bauen.
Amerika hat keine territorialen Ansprüche; wir halten kein Land besetzt;
und wir haben keine Mauern gebaut, um unser Volk einzusperren. Unsere Verpflichtung zu Selbstbestimmung, Freiheit und Frieden entspringt dem innersten Wesen
Amerikas. Diese Verpflichtung ist heute so stark wie eh und je.
Die Vereinigten Staaten haben zu meinen Lebzeiten in vier Kriegen gekämpft.
In jedem von ihnen haben wir gekämpft, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen.
Wir waren niemals die Aggressoren. Die Stärke Amerikas und auch seine militärische
Macht sind eine Macht des Friedens, nicht der Eroberung; eine Macht der Demokratie,
nicht des Despotismus; eine Macht der Freiheit, nicht der Tyrannei.
Wenn man wie ich erlebt hat, daß immer neue Generationen junger Amerikaner
auf weit entfernten Schlachtfeldern ihr Leben hingegeben haben, um unsere Ideale
zu schützen und die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten, dann weiß man, wie
wichtig es ist, vor einem Konflikt abzuschrecken. Aber seit ich die Präsidentschaft übernommen habe, hat das ungeheure Maß an Verantwortung, das dieses Amt
mit sich bringt, meine Verpflichtung nur noch vertieft. Ich glaube, daß diese
Verantwortung von uns allen hier heute geteilt wird.
Auf unserer kürzlichen Reise nach Europa hat mir meine Frau Nancy von einer
fast sieben Meter hohen Bronzestatue erzählt, die sie auf einem Felsen an der
Küste Frankreichs gesehen hat. Der Strand am Fuße dieses Felsens heißt Saint
Laurent, aber in den Bibeln zahlloser amerikanischer Familien wird er als
"Omaha Beach" bezeichnet. Die friedliche Ruhe dieser französischen Landschaft
steht in deutlichem Gegensatz zu der blutigen Gewalt, die an einem Junitag vor
38 Jahren dort freigesetzt wurde, als die Alliierten den Kontinent erstürmten.
Und am Ende nur eines einzigen Tages dieser Schlacht waren über 10 500 Amerikaner
verwundet, vermißt oder gefallen in einer Operation, die als die Landung in der
Normandie bekannt wurde. Die Statue auf jenem Felsen trägt den Namen "Der Geist
.
f

�"Der Geist der amerikanischen Jugend den Wellen entsteigend". Das Bild des
Opfers, das sie darstellt, ist fast zu mächtig, als daß man es beschreiben
könnte.
Der Schmerz des Krieges ist in unserem nationalen Gedenken noch immer
lebendig. Er veranlaßt mich, zu dieser Sondersitzung der Vereinten Nationen
zu kommen - in dem Bestreben, dem Appell von Papst Paul VI gerecht zu werden,

,

der in diesem Saale hier vor fast 17 Jahren sagte: "Wenn ihr Brüder sein wollt,
dann laßt die Waffen aus euren Händen fallen".

*

Wir Amerikaner sehnen uns danach, sie fallen zu lassen.
Aber wir brauchen mehr als bloße Worte, mehr als nur leere Versprechungen,
bevor wir dies tun können. Wenn wir uns in der Welt umblicken, dann sehen wir
überall Konflikt und Aggression. Es gibt viele Ursachen für diesen Konflikt expansionistische Ambitionen, lokale Rivalitäten, das Streben nach Gerechtigkeit
und Sicherheit. Wir müssen alle daran arbeiten, solche Gegensätze durch friedliche
Mittel beizulegen und zu verhindern, daß sie eskalieren.
Im Nuklearzeitalter tragen die Großmächte eine besondere Verantwortung,
diese Ursachen des Konflikts zu beheben und von Aggression Abstand zu nehmen.
Das ist der Grund, warum wir über das Verhalten der Sowjets so tief besorgt
sind. Seit dem Zweiten Weltkrieg gehört zur Liste der Taten der Tyrannei die
sowjetische Verletzung der Jalta-Abkommen, die zur Beherrschung Osteuropas führte
- symbolisiert durch die Berliner Mauer, diesem bösen, grauen Monument der Unter- •
drückung, das ich vor einer Woche besucht habe. Dazu gehört die Machtübernahme
in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Afghanistan und die brutale Unterdrückung
des stolzen polnischen Volkes. Sowjetisch unterstützte Guerillas und Terroristen
sind in Mittel- und Südamerika, in Afrika, im Mittleren Osten, in der Karibik
und in Europa am Werk, die die Menschenrechte verletzen und die Welt durch Gewalt
in Unruhe versetzen. Kommunistische Greueltaten in Südostasien, Afghanistan und
anderswo sind weiterhin ein Schock für die freie Welt, wenn Flüchtlinge entkommen
und von ihren Schrecken erzählen.
Das Jahrzehnt

�Das Jahrzehnt der sogenannten Entspannung brachte den massivsten sowjetischen Aufbau militärischer Macht in der Geschichte. Die Sowjets erhöhten ihre
Verteidigungsausgaben um 40 Prozent, während die amerikanischen Verteidigungsausgaben im gleichen Zeitraum real zurückgingen. Sowjetische Aggression und
die Unterstützung von Gewalt Überall in der Welt haben das Vertrauen untergraben,
das man für Abrüstungsverhandlungen braucht.
Während wir einseitig Zurückhaltung übten, rüsteten sie weiter auf und
besitzen heute nukleare und konventionelle Streitkräfte, die weit über eine
angemessene Abschreckungskapazität hinausgehen.
Die sowjetische Unterdrückung ist nicht nur auf die Länder begrenzt, in
denen sie einmarschieren. Eben zu dem gleichen Zeitpunkt, da die Sowjetunion
versucht, die Friedensbewegung im Westen zu manipulieren, unterdrückt sie eine
aufkeimende Friedensbewegung im eigenen Lande. In Moskau werden Transparente
niedergetreten, Plaketten abgerissen und Demonstranten verhaftet, selbst wenn
nur einige wenige Menschen es wagen, ihre Ängste auszusprechen.
Eleanor Roosevelt, eine unserer ersten Botschafterinnen bei den Vereinten
Nationen, erinnerte uns, daß die hochtrabenden Worte von Tyrannen in einem
traurigen Gegensatz zu ihren Taten stehen. "Ihre Versprechen", so sagte sie,
"stehen in völligem Gegensatz zu dem, was sie tun".
Meine Landsleute haben in diesem Jahrhundert eine bittere Lektion gelernt:
Die Geißel der Tyrannei kann nicht durch Worte allein aufgehalten werden. Daher
haben wir eine neue Anstrengung unternommen, um unsere Stärke zu erneuern, die
so gefährlich abgesunken war. Wir lehnen es ab, schwächer zu werden, während
unsere potentiellen Gegner sich weiterhin ihren imperialistischen Abenteuern verschreiben.
Die Menschen meines Landes haben mich heute hierher entsandt, um für sie
als Weltbürger zu sprechen, die sie wirklich sind, denn wir Amerikaner stammen
von jeder der Nationalitäten ab, die heute hier in diesem Saale vertreten ist. Wir
begreifen, daß Männer und Frauen aller Rassen und jeden Glaubens für den Frieden
- 5 -

�den Frieden zusammenarbeiten können und müssen. Wir stehen bereit, die nächsten
Schritte auf dem Wege der Zusammenarbeit durch verifizierbare Rüstungsverminderung
zu gehen. Abkommen über Rüstungskontrolle und Abrüstung können nützlich sein
zur Stärkung des Friedens, aber sie sind kein Wundermittel. Wir sollten die
Unterzeichnung von Abkommen nicht mit der Lösung von Problemen verwechseln.
Einfach Abkommen zu sammeln, wird nicht den Frieden bringen. Abkommen stärken
den Frieden nur dann wirklich, wenn sie eingehalten werden. Sonst bauen wir
ein Kartenhaus auf, das von den Stürmen des Krieges hinweggefegt werden wird.
Lassen Sie mich wiederholen: Wir brauchen Taten, nicht Worte, um uns von der
Ernsthaftigkeit der Sowjets zu überzeugen, sollten sie sich uns auf diesem Weg
anschließen wollen.
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs standen die Vereinigten Staaten an der
Spitze mit ernsthaften Abrüstungs- und Rüstungskontroll vorschlagen.
- Im Jahre 1946 unterbreiteten die Vereinigten Staaten.einen Vorschlag zur
Kontrolle der Kernwaffen und der Kernenergie durch eine internationale Behörde;
ein Vorschlag, der als Baruch-Plan bekannt wurde. Die Sowjets lehnten diesen Plan
ab.
- Im Jahre 1955 legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"
vor, in dessen Rahmen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Pläne
militärischer Einrichtungen ausgetauscht und eine Luftaufklärung vorgesehen
hätten. Die Sowjets haben diesen Plan abgelehnt.
- Im Jahre 1963 trat der Vertrag über ein begrenztes Versuchsverbot in Kraft..
Dieser Vertrag beinhaltete das Verbot der Erprobung von Kernwaffen in der
Atmosphäre, im Weltraum oder unter Wasser durch die beteiligten Staaten.
- Im Jahre 1970 wurde der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen wirksam. Die Vereinigten Staaten spielten eine Hauptrolle bei dieser entscheidenden Bemühung, die Ausbreitung von nuklearen Sprengkörpern zu verhüten
und internationale Sicherheitsbestimmungen für zivile Nukleartätigkeiten einzuführen. Mein Land ist auch heute noch diesen Zielsetzungen zutiefst verpflichtet,

- 6 -

�zutiefst verpflichtet, ebenso wie der Stärkung des Rahmens für die Nichtweiterverbreitung. Das ist von wesentlicher Bedeutung für die internationale Sicherheit.
- Anfang der siebziger Jahre wurden - wiederum auf amerikanisches Drängen
hin - zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR Vereinbarungen erzielt, die
bei bestimmten Waffenkategorien Höchstgrenzen vorsahen. Dies hätte mehr Sinn
gehabt, wenn die sowjetische Verhaltensweise Zurückhaltung signalisiert hätte
und die Bereitschaft zu Stabilität auf niedrigerem Streitkräfteniveau.
Die Vereinten Nationen erklärten die siebziger Jahre zur ersten Abrüstungsdekade, aber gute Absichten allein reichten nicht aus. In Wirklichkeit gehörte
zu diesem Zehnjahreszeitraum eine militärische Aufrüstung von noch nie dagewesenem Ausmaß sowie das Aufflammen von Aggression und Gewaltanwendung in nahezu
jeder Weltregion. Jetzt befinden wir uns im zweiten AbrüstungsJahrzehnt. Die
gestellte Aufgabe lautet, ein zivilisiertes Verhalten der Nationen untereinander
zu gewährleisten und sich hinter der Tagesordnung für den Frieden zu vereinen.
In den vergangenen sieben Monaten haben die Vereinigten Staaten eine umfassende Serie von Vorschlägen unterbreitet, um das Kriegsrisiko zu vermindern. Als
Friedensplan haben wir vier ganz entscheidende Punkte vorgeschlagen:
- Beseitigung der landgestützten Raketen mittlerer Reichweite;
- Verringerung der Zahl der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen strategischer
Reichweite um ein Drittel;
- beträchtliche Verminderung der Land- und Luftstreitkräfte bei der NATO
wie beim Warschauer Pakt und
- neue Sicherheitsvorkehrungen, um das Risiko eines unbeabsichtigten
Krieges zu vermindern.
Wir fordern die Sowjetunion heute auf, sich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen. Wir haben dabei nicht nur für uns selbst zu handeln, sondern für die
gesamte Menschheit.
Am 18. November

�Am 18. November vergangenen Jahres kündigte ich die amerikanischen Zielsetzungen bei den RüstungskontrollVereinbarungen an. Sie müssen ausgewogen und
militärisch bedeutsam sein, sie müssen die Streitkräfte.auf niedrigerem Niveau
stabilisieren und sie müssen verifizierbar sein.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben konkrete, vernünftige
und ausgewogene Vorschläge unterbreitet.
Im Februar hat unsere Verhandlungsdelegation in Genf der Sowjetunion einen
Vertragsentwurf über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) unterbreitet.
Wir boten an, auf die Dislozierung der ballistischen Pershing II-Raketen sowie
der landgestützten Marschflugkörper im Gegenzug zu einer Beseitigung der sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen zu verzichten. Dieser Vorschlag würde mit
einem Schlag jene Systeme beseitigen, hinsichtlich derer beide Seiten ihre größte
Besorgnis zum Ausdruck brachten.
Die Vereinigten Staaten sehen erwartungsvoll den in weniger als zwei Wochen
beginnenden Verhandlungen mit der Sowjetunion über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START) entgegen. Wir werden hart daran arbeiten, diese Gespräche zu einer Gelegenheit für echten Fortschritt auf unserer Suche nach dem
Frieden zu machen.
Am 9. Mai habe ich eine schrittweise Verringerung der strategischen Waffen
vorgeschlagen. In einem ersten Schritt sollte die Anzahl der Gefechtsköpfe
ballistischer Raketen auf jeder Seite auf etwa 5000 verringert werden. Nicht mehr
als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe würde sodann von landgestützten
Raketen getragen werden. Alle ballistischen Raketen würden dann auf ein gleiches
Niveau von etwa der Hälfte der derzeitigen Anzahl amerikanischer Raketen abgesenkt.
In einem zweiten Schritt würden wir die Gesamtzerstörungskraft beider Seiten
auf ein gleiches Niveau absenken, einschließlich einer beiderseitigen Höchstgrenze
beim Wurfgewicht unterhalb des derzeitigen amerikanischen Niveaus. Wir sind zudem
bereit, auch über andere Elemente des strategischen Gleichgewichts zu sprechen.
Vor meiner

�Vor meiner Rückkehr aus Europa vorige Woche traf ich in Bonn mit den
Führern der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft zusammen. Wir kamen überein, in die Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen eine wesentliche neue westliche Initiative einzubringen. Sie fordert
sowohl für die NATO als auch für den Warschauer Pakt gleiche kollektive Höchstgrenzen. Nach sieben Jahren gäbe es insgesamt 700 000 Main Landstreitkräfte und
- kombiniert - 900 000 Mann Heer- und Luftwaffe. Zudem enthält die Initiative
ein Maßnahmenpaket, um zu Zusammenarbeit zu ermutigen und die Einhaltung zu
verifizieren.
Wir fordern die Sowjetunion und die Mitglieder des Warschauer Paktes auf,
unseren westlichen Vorschlag als Mittel zu betrachten, in Wien nach neun langen
Jahren ergebnisloser Gespräche zu einem Abkommen zu gelangen. Wir drängen außerdem
darauf, daß sie die Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahr 1975 über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa in die Tat umsetzen.
Lassen Sie mich betonen, daß beide Seiten in der Lage sein müssen, die
Einhaltung von Vereinbarungen zu verifizieren, damit diese funktionieren können.
Wachsendes gegenseitiges Vertrauen in die Einhaltung der Abkommen kann nur durch
größere Offenheit erreicht werden» Ich möchte die Sondersitzung über Abrüstung
dazu ermutigen, die Bedeutung dieser Prinzipien für die RüstungskontrollVereinbarungen zu unterstreichen.
Ich habe unsere Vertreter bei dem 40-Nationen-Abrüstungsausschuß der Vereinten
Nationen in Genf angewiesen, Verifizierung und Einhaltung erneut zu unterstreichen.
Auf der Grundlage eines amerikanischen Vorschlags wurde ein Ausschuß ins Leben gerufen, der diese Probleme und ihren Zusammenhang mit Einschränkungen bei Nuklearversuchen untersucht. Wir verweisen zugleich auf die Notwendigkeit wirksamer
Verifizierungsvorkehrungen bei Abkommen zum Verbot chemischer Waffen.
Der Einsatz chemischer und biologischer Waffen wird schon lange von den
zivilisierten Ländern mit Abscheu betrachtet. Keine Institution, die sich um den
Frieden bemüht, kann den Einsatz dieser tötlichen Waffen ignorieren und trotzdem

- 9 -

�und trotzdem ihrer Aufgabe gerecht werden. Die Notwendigkeit eines wirklich
effektiven und verifizierbaren Abkommens über chemische Waffen wurde durch die
Ereignisse der jüngsten Zeit wieder deutlich. Die Sowjetunion und ihre Verbündeten verletzen das Genfer Protokoll von 1925, die entsprechenden Regeln des
Völkerrechts und die Konvention über biologische Waffen aus dem Jahr 1972. Es
gibt schlüssige Beweise dafür, daß die sowjetische Regierung Gifte für den Einsatz in Laos und Kamputschea zur Verfügung stellt und selbst.chemische Waffen
gegen die Freiheitskämpfer in Afghanistan einsetzt.
Wir haben wiederholt bei der sowjetischen Regierung sowie bei den Regierungen
von Laos und Vietnam gegen deren Verwendung chemischer und toxischer Waffen
protestiert. Wir fordern sie jetzt auf, umfassenden und freien Zugang ihrer
Länder oder der von ihnen kontrollierten Territorien zu gewähren, damit die
Experten der Vereinten Nationen eine wirkungsvolle, unabhängige Untersuchung
durchführen und die Beendigung dieser schrecklichen Vorgänge verifizieren können.
Die Beweise für die Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen
unterstreichen die Notwendigkeit, jede Verhandlung über neue Abkommen mit Behutsamkeit anzugehen.
Die Demokratien des Westens sind offene Gesellschaften. Informationen über
unsere Verteidigung stehen unseren Bürgern, unseren gewählten Vertretern und der
Welt zur Verfügung. Wir zögern nicht, potentielle Gegner über unsere Streitkräfte
zu informieren und fordern umgekehrt dieselbe Information über die Stärke ihrer
Streitkräfte.
Umfang und Art der Militärausgaben eines Landes sind für die Welt wichtige.
Informationen als Maßstab seiner Absichten und der Bedrohung, die dieses Land
für seine Nachbarn darstellen könnte. Die Sowjetunion und andere geschlossene
Gesellschaften tun alles, um ihre wirklichen Militärausgaben nicht nur vor anderen
Ländern, sondern auch vor ihrem eigenen Volk zu verheimlichen. Diese Praxis trägt
zu Mißtrauen und Angst vor ihren Absichten bei.
Heute schlagen
- 10 -

�Heute schlagen die Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz über
Militärausgaben vor, um auf der Arbeit dieser Körperschaft bei der Entwicklung
eines gemeinsamen Systems von Rechnungslegung und Berichterstattung aufzubauen.
Wir appellieren insbesondere an die Sowjetunion, sich diesen Bemühungen in gutem
Glauben anzuschließen und die allgemein als unglaubwürdig diskreditierten
offiziellen Zahlen zu revidieren, die sie veröffentlicht, und sich uns dabei
anzuschließen, der Welt eine ehrliche Rechnungslegung der Mittel zu geben, die
wir für unsere Streitkräfte aufwenden.
Vorigen Freitag habe ich in Berlin gesagt, ich würde einen jeden Stein
umdrehen in der Anstrengung, den Frieden zu stärken und das Kriegsrisiko zu vermindern. Für mich ist klar, daß Schritte unternommen werden müssen, um das
gegenseitige Vertrauen und die gegenseitige Kommunikation zu verbessern und die
Möglichkeit einer Fehleinschätzung zu verringern.
Ich habe daher angewiesen, Wege zu erforschen, um Verständigung und
Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedenszeiten und in Zeiten der Krise zu erhöhen. Wir werden der Sowjetunion Vorschläge
für wechselseitigen Austausch in Bereichen wie Vorinformation bei größeren
strategischen Übungen unterbreiten, die ansonsten falsch interpretiert werden
könnten; desgleichen vorherige Benachrichtigung bei Abschüssen von ballistischen
Interkontinentalraketen innerhalb nationaler Grenzen oder über diese hinaus sowie
einen erweiterten Austausch von Daten über die strategischen Streitkräfte.
Während schon jetzt konkrete Informationen über die amerikanischen Aktivitäten
und Streitkräfte in diesem Bereich zur Verfügung gestellt werden, bin ich der
Meinung, daß ein gemeinsamer und regelmäßiger Informationsaustausch eine qualitative
Verbesserung im strategisch-nuklearen Umfeld darstellen und dabei helfen würde,
die Möglichkeiten eines Mißverständnisses zu verringern. Ich fordere die Sowjetunion auf, sich den Vereinigten Staaten bei der Auslotung dieser Möglichkeiten
anzuschließen, um dadurch Vertrauen zu schaffen, und ich bitte auch Sie um Ihre
Unterstützung unserer Anstrengungen.
Eines der
- 11 -

�Eines der wichtigsten Konferenzthemen hier ist die Entwicklung eines umfassenden Abrüstungsprogramms. Wir unterstützen die Bemühung, einen Kurs realistischer und wirksamer Maßnahmen für die Suche nach dem Frieden abzustecken.
Ich bin in diesen Saal gekommen, um eine neuerliche internationale Verpflichtung gegenüber der Grundeinstellung der Charta der Vereinten Nationen zu
fordern - daß alle Mitglieder Toleranz üben

und zusammen als gute Nachbarn in

Frieden unter der Herrschaft des Rechts leben und der bewaffneten Gewalt als
Mittel zur Lösung von Streitigkeiten zwischen den Nationen entsagen. Amerika
fordert Sie auf, die Tagesordnung für den Frieden zu unterstützen, die ich heute
dargelegt habe. Wir ersuchen Sie, die bilateralen und multilateralen Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen den Mitgliedern der NATO und des Warschauer Paktes
zu unterstützen, sich auch weiterhin der Aufrechterhaltung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit und der Beseitigung von Friedensdrohung zu widmen.
Wir, die wir die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet haben, haben
uns dazu verpflichtet, uns der Drohung oder der Anwendung von Gewalt gegen das
Territorium oder die Unabhängigkeit eines jeden Staates zu enthalten. In diesen
Zeiten, da immer mehr Akte der Gesetzlosigkeit ungesühnt begangen werden - und
da einige Mitglieder sogar dieser Körperschaft eine wachsende Geringschätzung der
Charta der Vereinten Nationen an den Tag legen -, müssen die friedliebenden
Staaten der Welt Aggression verurteilen und erneut geloben, auf eine Weise zu
handeln, die der Ideale würdig ist, zu denen wir uns verpflichtet haben. Erfüllen
wir endlich die Charta mit Leben.
Vor 37 Jahren versammelten sich gegen Ausgang des Frühlings die Vertreter
von 50 Staaten auf der anderen Seite dieses Kontinents, im Opernhaus von San
Franzisko. Der Völkerbund war zerbrochen und der Zweite Weltkrieg tobte noch
immer, aber jene Männer und jene Staaten waren entschlossen, den Frieden zu finden.
Ergebnis war diese Charta für den Frieden, die den Rahmen der Vereinten Nationen
bildet.
Präsident Harry

- 12 -

�Präsident Harry Truman sprach von der Neubelebung eines alten Glaubens der immerwährenden moralischen Kraft der Gerechtigkeit, die jene Konferenz der
Vereinten Nationen anregte. Diese Kraft ist noch immer in Amerika und jenen
Ländern vorhanden, wo es freie Rede gibt und wo die Bürger das Recht haben, sich
zu versammeln und ihre Meinung kundzutun.
Präsident Truman sagte: Wenn wir jenen begeisternden Idealen nur ein Lippenbekenntnis bringen und danach der schlichten Gerechtigkeit Gewalt antun, würden
wir den bitteren Fluch der noch ungeborenen Generationen auf uns laden. Diese
Worte von Harry Truman haben für uns heute eine ganz besondere Bedeutung, leben
wir doch mit der Möglichkeit der Zerstörung der Zivilisation.
Und er sagte weiter: Wir müssen lernen, in Frieden zusammenzuleben. Wir
müssen eine neue Welt schaffen - eine weit bessere Welt.
Welch eine bessere Welt wäre es, wenn die Waffen schwiegen, wenn niemand
mehr seinen Nachbarn mißbrauchte und alle Völker frei wären, die Früchte ihrer
Mühen zu ernten und ihr eigenes Schicksal und Regierungssystem nach eigener
Wahl bestimmen könnten.
Während meiner Audienz bei Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, überbrachte ich ihm die feierliche Verpflichtung des amerikanischen Volkes, alles
für Frieden und Abrüstung zu tun, was möglich ist. Das amerikanische Volk hält
die Schaffung eines echten und dauerhaften Friedens für seine geheiligte Aufgabe.
Lassen Sie uns nie vergessen, daß ein solcher Friede ein schrecklicher
Schwindel wäre, wenn die Welt nicht länger mehr gesegnet wäre mit der Freiheit
und der Achtung der Menschenrechte. Die Vereinten Nationen, so sagte Hammerskjtflld
einmal, wurden aus den Umwälzungen des Krieges geboren. Sie sollten die Opfer
all derjenigen rechtfertigen, die für Freiheit und Gerechtigkeit starben. "Es
ist unsere Pflicht gegenüber der Zukunft, auf diese Weise sowohl unseren Nationen
als auch der ganzen Welt zu dienen."
Lassen Sie
- 13 -

�Lassen Sie uns, die wir hier im Namen des Friedens versammelt sind, als
Patrioten unserer Länder und als Hoffnung der ganzen Welt unser Verständnis
füreinander vertiefen, unsere Verpflichtung gegenüber der Herrschaft des Rechts
erneuern und neue und mutigere Schritte unternehmen, um eine unsichere Welt zu
beruhigen. Kann irgendein Delegierter hier leugnen, daß ein solches Tun genau
das wäre, was sein Volk - was alle Menschen seines Landes - von ihm erwarten?
Ist es nicht an^der Zeit, daß wir wirklich die tiefsten und größten Sehnsüchte all unserer Völker zum Ausdruck bringen? Möge keine Nation dieses gemeinsame Verlangen nach Freiheit vor Furcht mißbrauchen! Wir dürfen unsere Völker
nicht dadurch manipulieren, daß wir ein Spiel mit ihren Alpträumen treiben; wir
müssen der Menschheit durch echte Abrüstung dienen. Mit Gottes Hilfe können wir
das Leben und die Freiheit der kommenden Generationen sicherstellen.
+++++

- 14 -

�23. Juni 1982

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS ZU POLEN
Bedingungen für Wiederaufnahme der US-Hilfe an Polen unverändert

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan betonte am 13. Juni 1982 in einer
vom Weißen.Haus veröffentlichten Erklärung, die an den Tag vor sechs Monaten
erinnert, an dem in Polen das Kriegsrecht verhängt wurde, daß die Vereinigten Staaten erst dann bei der wirtschaftlichen Gesundung Polens helfen werden, wenn die dortige Regierung "das Kriegsrecht aufhebt, alle politischen
Gefangenen freiläßt und wieder einen echten Dialog mit der Kirche und der
Solidarität beginnt."
Die Erklärung von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Heute vor sechs Monaten legte sich Dunkel über Polen, als die Warschauer
Regierung einen "Kriegszustand" über ihr eigenes Volk verhängte.

Aber auch

heute bleibt der Geist des polnisches Volkes ungebrochen und der Abgrund zwischen dem polnischen Volk und seiner Führung hat sich - wie die weitverbreiteten Massendemonstrationen Anfang Mai zeigen - seit dem 13. Dezember 1981 noch
weiter aufgetan.
Die große

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die große Bandbreite wirtschaftlicher Sanktionen, die wir vergangenen
Dezember gegen die Warschauer Regierung inkraft gesetzt haben, hatte auf die
polnische Wirtschaft starke Auswirkungen - eine Tatsache, die auch von polnischen Behörden eingestanden wird. Mit jedem Tag, der vergeht, verstärken
sich die Auswirkungen dieser Sanktionen, insbesondere angesichts der Tatsache,
daß die Verbündeten Warschaus nicht bereit sind, Hilfe in größerem Umfang zu
gewähren.

Wir stellten bei Verhängung dieser Sanktionen klar, daß sie rück-

gängig gemacht würden, wenn und sobald die polnischen Behörden die international anerkannten Menschenrechte des polnischen Volkes wiederherstellen.
Wir erklärten auch, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereit ist, einem
solchen Polen Hilfe zu gewähren und so seine wirtschaftliche Wiedergesundung
zu unterstützen.

Aber die Vereinigten Staaten können und werden diese Schrit-

te nicht unternehmen, solange nicht die polnische Regierung das Kriegsrecht
aufhebt, alle politischen Gefangenen freiläßt und wieder einen echten Dialog
mit der Kirche und der Solidarität beginnt.
Unsere Herzen sind mit dem tapferen polnischen Volk, das über die Jahre
hinweg so viel gelitten hat. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin
durch Organisationen wie den Katholischen Hilfsdiensten, CARE und Projekt
Hoffnung dem polnischen Volk humanitäre Hilfe gewähren.

Hoffen wir, daß die

staatlichen Stellen in Warschau das ihre tun, um einen echten Prozeß der Versöhnung in Polen in Gang zu setzen, bevor der Abgrund zwischen Staat und Volk
noch bedrohlicher wird.

- 2 -

�23. Juni 1982

24

PRESSEERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS NACH
BONNER NATO-GIPFEL
Haig hofft auf Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens
der Sowjetunion -

BONN - (AD) - Im Anschluß an das Gipfeltreffen der NATO-Mitgliedstaaten
in Bonn am 10. Juni 1982 informierte der amerikanische Außenminister Alexander
Haig die Vertreter der Presse.

In Erkenntnis der Notwendigkeit einer ausge-

wogenen Verteidigung, der Rüstungskontrolle und der "Integration der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktiva der westlichen
Welt" hätten die Vertreter der NATO-Staaten ein System für die achtziger
Jahre erstellt, das zu einer"Ära der Zurückhaltung und Verantwortung seitens
der Sowjetunion" führen könne.
Die wesentlichen Auszüge der Presseerklärung des Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Ich würde dies einen historischen Tag für das NATO-Bündnis nennen hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, aufgrund des formellen Beitritts Spaniens zur NATO.

Es handelt sich um einen Schritt von ganz entscher

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�ganz entscheidender Bedeutung - sowohl für das Bündnis als auch für Spanien.
Dieser Beitritt Spaniens ist ein deutlicher Beweis für die fortdauernde
Attraktivität und Lebenskraft des Bündnisses...
Dieses Gipfeltreffen und die heute auf dem Treffen veröffentlichten
Dokumente zeigen, daß die NATO die höchsten Werte der westlichen Welt widerspiegelt.

Besonders bin ich über das Kommunique und die begleitenden Doku-

mente erfreut, die zum Thema der Rüstungskontrolle und der Stärkung unserer
konventionellen Verteidigung herausgegeben wurden.

Sie spiegeln ein Jahr

der intensiven Arbeit innerhalb des Bündnisses auf einer Reihe der wichtigsten
Bereiche wider...
Wir haben hier vor uns ein System für das Jahrzehnt der achtziger Jahre,
zeitgemäß sowohl in seiner Anerkennung der Notwendigkeiten in dem Bereich der
ausgewogenen Verteidigung des Bündnisses, der Notwendigkeit der Rüstungskontrolle als auch der Notwendigkeit der Integration der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktiva der westlichen Welt, um das
zu erreichen, was wir uns als eine Ära der Zurückhaltung und der Verantwortung seitens der Sowjetunion in einem Gesamtrahmen erhoffen, der von allen
Mitgliedstaaten koordiniert, integriert und voll akzeptiert wird...
Ich möchte auch ein Wort zu der Gipfel-Erklärung selbst sagen, die der
Sowjetunion die dringlichste Botschaft der letzten Zeit sendet. Sie zeigt
auf das Deutlichste, wie grundlegend sich die NATO vom Warschauer Pakt unterscheidet. Unser Bündnis ist eine offene Partnerschaft, gegründet auf Konsens
und Demokratie. Seine Vielfalt ist zugleich auch seine Stärke. Der Warschauer
Pakt ist eine erzwungene Verbindung - eine Zwangsehe, die von einer einzigen
Regierung dominiert wird. Er ist in vieler Hinsicht unfähig, auf die Erfordernisse seiner Völker zu reagieren, die zu schützen er gedacht ist. Er
hat Angst vor Freiheit, Scheu vor Vielfalt. Wieder hat der Westen die UdSSR
aufgefordert, in ihrem Verhalten Zurückhaltung und Verantwortung zu zeigen
- und dies ist eine deutliche Botschaft und ein deutliches Signal, das sich
durch das gesamte Kommunique zieht.
Die Erklärung
- 2 -

�Die Erklärung zur Verteidigung - die wir als besonders bedeutsam und
wichtig ansehen - bekräftigt erneut die Strategie der NATO zu einer Zeit,
da es Mode geworden ist, etwas in Frage zu stellen, das den Frieden in Westeuropa, ja, im umfassenderen Ost-West-Sinn während der 33 Jahre, seit es das
Bündnis selbst gibt, erhalten und bewahrt hat.
Die Erklärung spiegelt auch Einverständnis auf höchster Ebene hinsichtlich der Notwendigkeit einer Verbesserung der konventionellen Verteidigung
der NATO wider, einschließlich der schnellen Eingreiftruppen und der Reservetruppen. Sie betont den umfassenden Einsatz neuer Technologien und die Notwendigkeit des Schutzes der technologischen Vorteile des Westens...
Sie unterstreicht die Bedeutung der wachsenden Zusammenarbeit unter den
Verbündeten zur Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in anderen kritischen Weltregionen... außerhalb der strikten geographischen Begrenzungslinien des Bündnisses selbst. Wir haben nunmehr einen Konsens hinsichtlich der
Übereinkunft erreicht, daß das Bündnis - wohl oder übel - in zunehmendem Maße
beeinflußt wird durch Ereignisse außerhalb der geographischen Grenzen des
Bündnisses und daß deshalb jene Staaten mit lebenswichtigen Interessen in gemeinsamer Koordination und Konsultation sich damit auseinandersetzen müssen nicht innerhalb des Bündnisrahmens, sondern im Rahmen der Beobachtung... und
des fortlaufenden Informationsaustausches.
Es gibt darüber hinaus noch eine wichtige Erklärung zur Rüstungskontrolle.
Sie stellt klar, daß es" das westliche Bündnis ist, das die Ideen und Initiativen hat, um in diesem so bedeutsamen Bereich zu einem Dialog mit dem Osten
zu kommen.
Das Dokument stellt deutlich die wesentlichen Aspekte des Friedensprogramms von Präsident Reagan heraus. Es unterstützt die amerikanischen Zielsetzungen bei den START-Verhandlungen und die amerikanische Haltung bei den
Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme, die sich auf dem
Doppelbeschluß vom Dezember 1979 gründen.
Es unterstreicht

�Es unterstreicht die westliche Bereitschaft zur Neubelebung der Wiener
Truppenabbauverhandlungen (MBFR), die sich nunmehr in ihrem neunten Jahr befinden, durch neue Gedanken» die auf niedrigere und ausgewogenere Streitkräfteniveaus in Mitteleuropa' abzielen... und es signalisiert das starke westliche
Interesse an den Möglichkeiten für einen konstruktiven Dialog, zu dem die Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung und andere Rüstungskontrollforen einladen.
Die Bedeutung dieser westlichen Initiativen unterstreicht auch der Appell,
den die NATO heute erneut an die Sowjetunion gerichtet hat, um deren Bekundungen friedfertiger Absichten Taten folgen zu lassen, die auch zu Ergebnissen
führen und ist, wie ich meine, ein höchst bedeutsames Thema des gesamten Verhandlungsspektrums ...
Die Bemerkungen von Präsident Reagan beim Abschluß dieses Treffens heute
nachmittag waren eine"spontane, persönliche Äußerung und brachten die Ansicht
des Präsidenten zu den Ost-West-Beziehungen gut auf einen Nenner, bekräftigten
sie doch in deutlichen Worten die Bereitschaft des Präsidenten zu einem echten Dialog mit den Sowjets, der sich allerdings auf sowjetische Zurückhaltung
gründen sollte...
Ich habe von unseren Erfahrungen der siebziger Jahre und von dem Begriff
Entspannung gesprochen, wie er 1970 verstanden wurde - einer Formel, die uns
Zeuge wachsender sowjetischer Intervention in weltweitem Rahmen werden ließ:
in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten, in den beiden Jemen, Afghanistan,
Südostasien und - einmal mehr - in der westlichen Hemisphäre...
Das Kommunique bezieht sich auf etwas anderes als die klassische Version
von 1970. Es hebt auf echte Entspannung ab. Es wird nicht das Dialogprinzip
aufgegeben und auch nicht der Wunsch, zu Abkommen und zu einem Meinungsgleichklang mit der Sowjetunion zu gelangen. Dies aber sollte nicht allein durch
Worte, sondern durch eine fortlaufende Bewertung der Taten geschehen, wobei
die Betonung eindeutig auf Wechselseitigkeit liegt...
Er (Reagan)
- 4 -

�Er (Reagan) malte ein deutliches Bild der Hoffnung für die Zukunft, indem
er die demokratische Aktiva unterstrich, die der westlichen Welt zur Verfügung
stehen, wenn sie nur angemessen integriert und orchestriert werden.

Er spiel-

te dabei auf die politischen' Aspekte dieser Aktiva an - unsere demokratischen
Werte -, auf die wirtschaftlichen - die gewaltige Überlegenheit der westlichen
IndustriegesellSchäften - und natürlich auf die sicherheitspolitischen Aspekte,
nämlich die Gemeinschaft" der Bündnismitglieder.

+ + + + +

- 5 -

�^^^^^^^^

Hintergrund
materiell
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23. Juni 1982

24

PRÄSIDENT REAGANS ABRÜSTUNGSVORSCHLÄGE
Eine Obersicht

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische
Präsident hat in den vergangenen sieben
Monaten eine Reihe von Abrüstungsvorschlagen
gemacht - sowohl was die nuklearen Waffen
als auch die konventionelle Rüstung angeht.
Nachstehend findet sich eine Obersicht über
diese Vorschläge und die Bereiche, die sie
berühren.

1. Verhandlungen zur Verringerung der strategischen Waffen (Strategie Arms
Reduction Talks - START)
Am 18. November 1981 schlug Präsident Reagan die Aufnahme amerikanischsowjetischer Verhandlungen über die strategischen Waffen "sobald wie möglich
im nächsten Jahr" vor.
Vor dem

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�Vor dem Nationalen Presseklub in Washington erklärte der Präsident in
einer Fernsehansprache, die über Satellit in die ganze Welt übertragen wurde,
er habe Präsident Breschnew darüber informiert,"daß wir uns bemühen werden,
wesentliche Verringerungen der nuklearen Rüstungen auszuhandeln, die zu einem
Stand führen würden, der gleichwertig und verifizierbar ist. Unsere Haltung
gegenüber der Verifizierung wird den Nachdruck auf Offenheit und Kreativität
legen - statt auf Geheimhaltung und Argwohn, die in der Vergangenheit das Vertrauen in die Rüstungskontrolle untergraben haben."
Reagan erklärte ferner: "Wir können und sollten versuchen, wesentliche
qualitative und quantitative Fortschritte zu erzielen. Nur solche Fortschritte
können die Hoffnungen unserer eigenen Völker und der übrigen Welt erfüllen.
Laßt uns sehen, wie weit wir gehen können, um wirklich wesentliche Verringerungen
in unseren strategischen Arsenalen zu erreichen.
Um diese fundamentalen Richtungsänderungen zu symbolisieren, werden wir diese
Verhandlungen START nennen - Strategie Arms Reduction Talks (Strategische
RUstungsverminderungsgespräche)."
Am 9. Mai 1982 regte der Präsident in seiner Rede vor dem Eureka-College
an, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten in der ersten Phase der
START-Gespräche ihre ballistischen Raketen-Gefechtsköpfe um mindestens ein
Drittel bei gleichen Höchstgrenzen vermindern. Um die Stabilität zu fördern,
würden wir, so sagte der Präsident, zu erreichen suchen, daß höchstens die
Hälfte dieser Gefechtsköpfe bodenstationiert sind. Die erste Phase von START
sollte das Schwergewicht auf die interkontinentalen ballistischen Raketen
(Intercontinental Ballistic Missiles - ICBM) legen, weil sie das System mit der •
größten destabilisierenden Wirkung sind.
"Was die nächste Zukunft anbelangt", erklärte er, "so werde ich unsere
Vertreter bei den START-Verhandlungen anweisen, ihren sowjetischen Verhandlungspartnern einen praktischen, schrittweisen Verminderungsplan vorzuschlagen. Unsere
Anstrengungen werden sich darauf konzentrieren, die destabilisierenden Systeme
- die ballistischen Raketen -, die Anzahl der Gefechtsköpfe, die sie tragen,
sowie ihr Gesamtzerstörungspotential beträchtlich zu verringern.
0

Ich hoffe,

�Ich hoffe, daß am Ende der ersten Phase der START-Verhandlungen die Gefechtsköpfe der ballistischen Raketen - der schwersten Bedrohung, vor der wir stehen auf einen gleichen Stand - mindestens auf ein Drittel des derzeitigen Stands vermindert werden. Um die Stabilität zu steigern, wäre mein Vorschlag, daß
nicht mehr als die Hälfte dieser Gefechtsköpfe landgestützt ist. Ich hoffe, daß
diese Verminderung der Gefechtsköpfe sowie beträchtliche Verminderungen bei den
Raketen selbst so rasch wie möglich erreicht werden können.
In einer zweiten Phase streben wir eine gleiche Obergrenze auch bei anderen
Elementen unserer strategischen Kernwaffen an, einschließlich einer Begrenzung
der Nutzlast der ballistischen Raketen auf weniger als das derzeitige amerikanische Niveau. In beiden Phasen werden wir auf Verifizierungsverfahren bestehen,
um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten wird."
In seiner Ansprache zum amerikanischen Heldengedenktag auf dem Nationalfriedhof Arlington, teilte Präsident Reagan am 31. Mai mit, daß die "START-Verhandlungen zwischen unserem Land und der Sowjetunion am 29. Juni beginnen
werden."
Er fügte dieser Ankündigung nachstehende Erklärung über vorausgegangene
strategische Verträge und Verhandlungen hinzu:
"Was die bestehenden strategischen Übereinkünfte angeht, werden wir uns
darin enthaltener Maßnahmen so lange enthalten, wie die Sowjetunion gleiche
Zurückhaltung wahrt."

2. Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (Intermediate-Range
Nuclear Missile Force - INF)
In seiner Rede vom 18. November 1981 schlug Präsident Reagan vor, die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten ihre Mittelstreckenraketen auf
Null reduzieren. Dieses Vorgehen wird als die "Null-Option

oder Null-Lösung

bezeichnet. Der Präsident erklärte: "Die Vereinigten Staaten sind bereit, auf

- 3 -

�bereit, auf ihre Dislozierung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper zu verzichten, wenn die Sowjets ihre SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen
abbauen. Dies wäre ein historischer Schritt."

3. Niedrigere und gleiche Stärken der konventionellen Streitkräfte
In seiner Rede vom 18. November 1981 schlug der Präsident ferner vor, daß
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten "etwas tun, um eine Gleichheit der
konventionellen Streitkräfte in Europa auf niedrigeren Ebenen zu erreichen."
Er fügte dem hinzu, daß "die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion es
wohl kaum nötig machen, daß sie heute in Ostdeutschland mehr KampfdiVisionen
unterhält, als die gesamte alliierte Invasionsstreitmacht hatte, die am
Invasionstag in der Normandie landete." Der Präsident fuhr fort, die Sowjetunion
"könnte keinen überzeugenderen Beitrag zum Frieden in Europa - und in der ganzen
Welt - leisten, als zuzustimmen, ihre konventionellen Streitkräfte wesentlich
zu reduzieren und das Potential für eine plötzliche Aggression zu beschränken."

4. Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
(Mutual and Balanced Force Reduction - MBFR)
Am 9. Juni 1982 schlug Präsident Reagan vor, daß die Nordatlantikpaktorganisation (NATO) und der Warschauer Pakt ihre Landstreitkräfte in Mitteleuropa auf insgesamt je 700 000 Mann und ihre kombinierten Land- und Luftstreitkräfte auf je 900 000 Mann verringern. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag
erklärte der Präsident, gestützt auf NATO-Konsultationen zur Frage der Überwachung der Einhaltung einer Obereinkunft über die beiderseitige ausgewogene
Verringerung der Streitkräfte, die "westlichen Vertreter bei den Wiener Gesprächen
werden demnächst einen Vorschlag einbringen, nach dem die beiden Bündnisse
beiderseitig ihre Landstreitkräfte in nachprüfbaren Phasen auf eine Gesamtstärke
von 700 000 Mann senken würden und die Kombination von Landtruppen und Luftwaffenpersonal auf 900 000."
Am 11. Juni

�Am 11. Juni bekräftigte Präsident Reagan dann in seiner Berliner Rede:
"Wir fordern die Sowjetunion, wie die NATO gestern vorgeschlagen hat, auf, die
konventionellen Landstreitkräfte des Warschauer Paktes und der NATO in Mitteleuropa auf jeweils 700 000 Mann zu verringern und die Gesamtstärke der Landund Luftstreitkräfte der beiden Bündnisse auf jeweils 900 000 Mann."
Er erklärte ferner, "eine positive Antwort der Sowjets auf diese ernsthaften, ausgewogenen Vorschläge - diesen Appell zur Versöhnung statt zur Konfrontation - könnte die Tür zu einer Konferenz über Abrüstung in Europa öffnen."

5. Vertrauenbildende Maßnahmen
In seiner Berliner Rede schlug der Präsident ferner mehrere vertrauenbildende Maßnahmen und Schritte zur Verbesserung der Kommunikation in Friedenswie in Krisenzeiten vor. Er erklärte:
"Wir werden der Sowjetunion in Kürze Vorschläge unterbreiten, auf solchen
Gebieten wie der Bekanntgabe strategischer Übungen, dem Abschuß von Raketen
und eines erweiterten Austausches von Daten über strategische Streitkräfte.
Zusammengenommen würden diese Schritte eine qualitative Verbesserung im nuklearen
Bereich darstellen. Sie würden ferner dazu beitragen, die Möglichkeiten der
Fehlinterpretation im Falle von Übungen und Raketenprobeschüssen zu verringern.
Und sie würden die Geheimhaltung und Zweideutigkeit verringern, mit denen militärische Tätigkeiten umgeben sind."
In seiner Ansprache auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen über
Abrüstungsfragen forderte Präsident Reagan am 17. Juni "größere Offenheit" als
eine vertrauenbildende Maßnahme.
Er rief die Delegierten der Abrüstungssondersitzung auf, die Bedeutung der
Grundsätze der Verifikation und der Erfüllung von Rüstungsbeschränkungsvereinbarungen besonders zu beachten und fügte dem hinzu: "Lassen Sie mich betonen,
daß beide Seiten in der Lage sein müssen, die Einhaltung von Vereinbarungen zu

- 5 -

�Vereinbarungen zu verifizieren, damit diese funktionieren können. Wachsendes
gegenseitiges Vertrauen in die Einhaltung der Abkommen kann nur durch größere
Offenheit erreicht werden."
Der Präsident schlug in der gleichen Rede vom 17. Juni ferner eine "internationale Konferenz über Militärausgaben" vor, um ein "gemeinsames System der
Rechnungslegung und Berichterstattung" aufzubauen.
"Umfang und Art der Militärausgaben eines Landes", so betonte er, "sind
für die Welt wichtige Informationen als Maßstab seiner Absichten und der Bedrohung, die dieses Land für seine Nachbarn darstellen könnte. ... Wir appellieren insbesondere an die Sowjetunion, sich diesen Bemühungen in gutem Glauben anzuschließen und die allgemein als unglaubwürdig diskreditierten offiziellen
Zahlen zu revidieren, die sie veröffentlicht, und sich uns dabei anzuschließen,
der Welt eine ehrliche Rechnungslegung der Mittel zu geben, die wir für
unsere Streitkräfte aufwenden."
+++++

�T

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24

23. Juni 1982

WORTE UND TATEN DER SOWJETUNION UND DIE SOWJETISCH-AMERIKANISCHEN ABRÜSTUNGSGESPRÄCHE
- Kommentar der Stimme Amerikas -

Was Präsident Reagan in seiner Rede vor der Abrüstungs-Sondersitzung der
Vereinten Nationen am 17. Juni in New York über die Sowjetunion sagte, wurde
von der Presse teilweise als barsch charakterisiert.
In der Tat zeigte der Präsident in seiner Rede die recht traurige Liste
sowjetischen Verhaltens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf - zum großen
Teil eine Chronik schöner Worte der Sowjets über die friedliebenden Absichten
Moskaus, eine Rhetorik, die leider nur zu oft durch Akte sowjetischer Aggression
widerlegt wurde.
Die Liste dieser sowjetischen Aggressionen ist lang. Sie reicht zurück bis
in die ersten Tage nach dem Zweiten Weltkrieg mit der durch das Militär unterstützten politischen Herrschaft über Osteuropa. Und sie geht bis in unsere Zeit
der Schaffung politischer Gewalt in weiten Bereichen der Dritten Welt, im
Mittleren Osten, in Mittel- und Südamerika, in der Karibik, in Afrika und in
Südostasien.
Nackte Tatsache

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�Nackte Tatsache ist, daß die Sowjetunion im praktizierten Imperialismus
in der heutigen Welt führend ist. Das können das afghanische wie das polnische
Volk bezeugen - um zwei Beispiele für die Auswirkung des sowjetischen Imperialismus auf die unmittelbaren Nachbarn der Sowjetunion zu nennen.
In der Tatsache dieses sowjetischen Imperialismus liegt eine besondere
Ironie. Während er sich in den Nachkriegsjahren ausdehnte, ging der ältere
westliche Imperialismus der Vorkriegszeit rasch seinem Ende entgegen, wurde
doch ein Land nach dem andern unabhängig, das einst von den Kolonialmächten
beherrscht worden war.
In einer Welt der Kernwaffen stellt das sowjetische Verhalten ein gewaltiges Hindernis auf dem Weg der Rüstungsverminderung dar. Denn die Sowjetunion fährt mit ihrer gegen Westeuropa gerichteten Aufrüstung, die weit über
gerechtfertigte Verteidigungserfordernisse hinausgeht, fort - gerade während
sie auf Verhandlungen und ein Nachlassen der Spannungen drängt.
Die Führung in Moskau kann bei ihrer Analyse Westeuropas und dessen Konzentration auf die wirtschaftliche Entwicklung kaum zu der Überzeugung kommen,
die Sowjetunion sei der Gefahr eines Angriffs aus dieser Ecke ausgesetzt.
Sie kann andererseits bei Analyse der amerikanischen Politik über die
Jahre hinweg auch nicht wirklich zu der Überzeugung gelangen, möglicherweise
einmal vor einem Angriff durch die Vereinigten Staaten zu stehen. Die amerikanische Politik war von einer Administration zur andern stets auf die Notwendig- •
keit einer Abschreckung ausgerichtet. Gleichzeitig unterstellte sie sich stets
dem Gebot des Dialogs - und tut dies auch weiterhin.
Warum ging Reagan dann so auf die sowjetische Vergangenheit ein? Aus dem
einfachen Grund, weil es nötig ist, die Natur und die Absichten eines potentiellen Gegners zu verstehen, um zu einer Kommunikation zu gelangen, die auch
Früchte trägt.
Der Dialog

- 2 -

�Der Dialog zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über die
Notwendigkeit echter Abrüstung ist von entscheidender Bedeutung. Er ist von
solch entscheidender Bedeutung, weil die Sicherheit der ganzen Welt davon abhängt, und weil beide Supermächte und deren Verbündete eindeutig Nutzen aus
echten Abstrichen bei den nuklearen und konventionellen Streitkräften ziehen
würden.
Klar muß allerdings auch sein - und dies war ein entscheidender Punkt,
auf den Reagan abhob -, daß die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion
nur in einem Kontext unbestrittener amerikanischer und westlicher Stärke auf
Rüstungsabbau drängen werden.
Es gibt keinen anderen Weg, um die Sowjetunion dazu zu bringen, ihrer
Friedensrhetorik auch neue und annehmbarere Formen des internationalen Verhaltens folgen zu lassen.
+++++

- 3 -

�23. Juni 1982

24

REAGANS EUROPA-REISE BRACHTE DIE WELT DEM FRIEDEN NÄHER
- Der Präsident ist mit den Ergebnissen zufrieden - Von unserem Korrespondenten Alexander Süllivan -

BONN - (AD) - Unweit des Rednerpults auf dem Köln-Bonner Flughafen Wahn
sah Präsident Reagan am 11. Juni 1982 eine Gruppe von Kindern, die zu einem
Abschiedsgruß gekommen waren und bezog sie, blitzschnell reagierend, in seine
Abschiedsbotschaft ein: Ihre Zukunft sei die Kernfrage, um die es ihm auf seiner
gesamten Europareise gegangen war. "Wir müssen ihnen", erklärte er, "eine Welt
der Chancen und des Friedens hinterlassen."
Der Präsident kehrt mit der Gewißheit aus Europa zurück, daß es ihm auf
seiner zehntägigen Reise gelungen ist, einen neuen Anfang zu machen; und so
erklärte er beim Abflug von Bonn "solche Konferenzen sind anstrengend ... aber
diese waren erfolgreich."
Die Ziele

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�Die Ziele der Europa-Reise Reagans waren sowohl substantieller als auch
symbolischer Natur, wie dies bei Reisen des Präsidenten der Fall zu sein pflegt.
Der Abstecher zur Berliner Mauer beispielsweise war die eindeutige und an Ost
und West gerichtete Botschaft, daß die Verpflichtung Washingtons gegenüber Berlin
zwei Jahrzehnte nach Errichtung der kalten und brutalen Mauer, jener offenen
Wunde quer durch die Stadt, noch als ein genau so helles Feuer brennt, wie in
den Tagen der Luftbrücke von 1948.
Aber die substantiellen Elemente überwogen die symbolischen bei weitem.
Nachdem der Präsident die demokratischen Industriestaaten zu einer einheitlicheren
Betrachtungsweise des Handels mit den Ländern des Sowjetblocks aufgerufen hatte,
unternahm er es, in seinen Reden vor dem britischen Parlament, vor dem Deutschen
Bundestag und vor der Bevölkerung von Berlin, eine umfassende und in sich geschlossene Strategie zur Verringerung des Risikos eines Krieges aufzuzeigen durch Begrenzung der Kriegsrüstungen und Beseitigung jener Verdachtsmomente, die
nationale wie ideologische Animositäten immer wieder neu schüren.
Ausgehend von den vor der Europa-Reise gehaltenen Reden über die Begrenzung
der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) und seiner Rede vom 18. November 1981
über die Verminderung strategischer Raketen als Vorleistung, benutzte Reagan
Europa als das Forum für die Entwicklung eines umfassenden physischen und
psychologischen Plans zur Beendigung der Konfrontation zwischen dem Sowjetkommunismus und der westlichen Demokratie.
Mit diesem Vorgehen präsentierte sich Präsident Reagan den Europäern als
ein ganz anderer Mann, als man vielerorts erwartet hatte. Die Europäer, berichtete
Edwin Meese, ein sehr enger Berater Reagans, "gewannen den Eindruck, daß Reagan
aufrichtig um die Erhaltung des Friedens besorgt sei, während man zuvor geglaubt
hatte, er sei ein allzu kriegsbereiter Mann."
Heute ist es erwiesene Tatsache, daß Reagan der Sowjetunion Verhandlungen
über praktisch jeden Aspekt der Beziehungen zwischen den beiden Blöcken anbietet.
In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag machte er das Angebot, das neuerliche

- 2 -

�das neuerliche Angebot, die konventionellen Rüstungen in Mitteleuropa zu vermindern - dergestalt, daß beide Seiten ihre Truppenstärken bei den Land- und
Luftstreitkräften auf je 900 000 Mann verringern, von denen höchstens 700 000 Mann
auf die Landstreitkräfte entfallen dürfen.
In seiner Rede vor dem Charlottenburger Schloß in Berlin ging der Präsident
noch einen Schritt weiter, als er für die Beseitigung aller Schranken für menschliche Kontakte zwischen Ost und West und für die restlose Verwirklichung der weitreichenden Bestimmungen der Schlußakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) eintrat.
Die Charlottenburg-Rede ließ ferner deutlich werden, daß Reagan zu jeder
nur denkbaren Anstrengung bereit ist, um die Sowjetunion davon zu überzeugen, daß
die Demokratien des Westens keinerlei sowjetisches Territorium für sich erstreben und daß sie auch keinesfalls anderen Völkern ihre Lebensweise aufdrängen
wollen. Er schlug darüber hinaus eine Übereinkunft über vertrauensbildende
Maßnahmen auf beiden Seiten vor - Maßnahmen, die geeignet sind, das Vertrauen
in die friedlichen Absichten der Gegenseite zu stärken, darunter einen Austausch
von Militärpersonen, ein Testverbot für gewisse Typen neuer Raketen und die
Verbesserung der Nachrichtenverbindungen zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml.
Der Präsident machte gleichzeitig eindeutig klar, daß der Wettbewerb
zwischen Ost und West weiter anhalten wird, allerdings auf einer ruhigeren und
friedlicheren Ebene. In seiner Rede vor dem britischen Parlament rief Reagan zu
einem neuen "Kreuzzug für die Freiheit" durch Stärkung der demokratischen
Institutionen überall auf der Welt und durch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen
dem staatlichen und dem privaten Sektor auf.
Meese betont, der Vorschlag des Präsidenten "zeigt deutlich ... worauf die
amerikanische Politik gerichtet ist: die gemeinsame Verteidigung und die Verpflichtung auf Verhandlungen mit der Sowjetunion." In den Reaktionen auf die diesbezüglichen Bemühungen des Präsidenten "macht sich", so folgert Meese auf
Seiten der Demokratien "ein Gefühl des Vorankommens

bemerkbar".
Wie Meese

- 3 -

�Wie Meese weiter zu berichten weiß, ist Präsident Reagan mit den Ergebnissen
seiner Reise sehr zufrieden. "Er erreichte, was er erreichen wollte. Die Botschaft, die zu vermitteln er nach Europa gereist war - daß Amerika eine ausgewogene Politik zwischen Verteidigungsbereitschaft und Rüstungsverminderung betreibt
- ist angekommen."
Wie von Meese weiter zu erfahren war, hat Präsident Reagan die Staats- und
Regierungschefs auf der Bonner NATO-Tagung mit einer nur zehn bis zwölf Minuten
währenden Darlegung am 10. Juni stark beeindruckt. Der amerikanische Außenminister«
Haig nannte Reagans Vortrag "eindrucksvoll" und wies gleichzeitig darauf hin, daß
er ein hoffnungsvolles Bild von den Beziehungen zur Sowjetunion in einer von
Spannungen freien Zukunft gezeichnet hat, sofern der Westen seinen wirtschaftlichen und technischen Vorsprung in konzertierter und koordinierter Art und Weise
zu nutzen versteht.
Nach Meese basiert Reagans Darstellung "der Aussichten für die Beziehungen zur
Sowjetunion" auf dessen Oberzeugung, daß die sowjetische Wirtschaft als Folge
staatlicher Eingriffe in die produktiven Sektoren stagniere, wenn nicht gar am
Zusammenbrechen sei.
Der Präsident gab den Europäern zu verstehen, so kommentiert sein politischer
Berater Meese die Europa-Reise, daß es nun Sache des Westens sei, der Sowjetunion
zu zeigen, daß es "einen besseren Weg, einen anderen Pfad jenseits von Konfrontation
und Wettrüsten gibt, sofern sich die Sowjets zu einer kooperativeren Haltung bereit finden."
Als Reagan auf dem Bonner Flughafen Wahn die dort versammelten Kinder sah, mag
er wohl an den langen Weg gedacht haben, den es noch zurückzulegen gilt, ehe
jemand diesen Kindern "eine Welt in Frieden übergeben kann". Den Blick auf die
strahlenden Gesichter dieser jungen Menschen gerichtet, erklärte Präsident Reagan:
"Und wenn das unser Ziel und unsere Inspiration ist, können wir nicht scheitern."
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- 4 -

�23. Juni 1982

24

SECHS MqNATE KRIEGSRECHT IN POLEN
- Kommentar der Stimme Amerikas -

- (AD) - Es ist sechs Monate her, daß die polnische Regierung das Kriegsrecht verhängte und die Reformbewegung Solidarität unterdrückte.
Seit nunmehr sechs Monaten ist Polen militärischer Herrschaft unterworfen, wird die landesweite Gewerkschaft Solidarität unterdrückt und die führenden Reformkräfte des Landes in den Untergrund gezwungen oder eingesperrt.
Und doch gibt es bisher nicht die geringsten Anzeichen dafür, daß der Geist
des polnischen Volkes gebrochen oder die Regierung Jaruszelski in der Lage
ist, das durch Gewalt zu erreichen, was bis dahin durch Verhandlungen nicht
erreicht werden konnte.
Ganz im Gegenteil: der vorhandene Widerstand ist unverkennbar. Er
scheint so plötzlich und so spontan aufzutreten wie ein Schauer von Flugblättern oder das kurze Entrollen eines Transparents mit der Aufschrift
"Solidarität". Er erscheint auch in der Form beredten Schweigens seitens
des Führers der Solidarität, Lech Walesa, der sich geweigert hat, seiner Regierung gegenüber Entgegenkommen zu zeigen, und nicht mit den Behörden auf

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�Behörden auf der Grundlage ihrer einseitigen Bedingungen verhandelt - trotz
des psychologischen Drucks, den sechs Monate Internierung mit sich bringen.
In gewissem Umfang kann die Welt draußen einen Unterschied dabei bewirken,
was innerhalb Polens vor sich geht. So haben die Vereinigten Staaten erklärt,
daß es zwischen ihnen und der polnischen Regierung kein Verhältnis "als ob
nichts geschehen wäre" mehr gibt, bis die politischen Gefangenen freigelassen,
die Beschränkungen des Kriegsrechts aufgehoben sind und der Dialog mit der Reformbewegung und der katholischen Kirche wieder aufgenommen ist.
Die amerikanischen Sanktionen sind unser kleiner Beitrag, Solidarität
mit den Forderungen des polnischen Volkes nach Freiheit zu zeigen - und wir
hoffen, daß auch andere Regierungen weiterhin Druck auf das Regime in Warschau
ausüben, bis der Reformprozeß in Polen wieder beginnen kann.
Die vergangenen sechs Monate müssen für die militärische Führung in Polen
eine Enttäuschung gewesen sein. Die Wirtschaft des Landes, die durch den
passiven Widerstand der Bevökerung praktisch zum Stillstand gekommen ist, läßt
keinerlei Zeichen der Erholung erkennen. Die Internierung der Führer der Solidarität hat deren Nachfolger nicht so eingeschüchtert, daß sie sich ergeben
hätten. Und die repressiven Maßnahmen, die seit nunmehr einem halben Jahr in
Kraft sind, haben Verurteilung durch Regierungen, Privatorganisationen und politische Parteien - einschließlich kommunistischer Parteien - überall außerhalb des Sowjetblocks hervorgerufen.
Es wird mit zunehmendem Maße deutlich, daß die wirtschaftliche wie die
politische Gesundung Polens von der Rücknahme der Kriegsrechtsdekrete abhängt.
Dies sollte sogar der Warschauer Führung und ihren Verbündeten in der Sowjetunion bewußt sein. Und es ist zugleich deutlich, daß die übrige Welt alles
in ihrer Macht Stehende tun muß, um denen in Polen treu zu bleiben, die die
Freiheit durch ihren passiven Widerstand verteidigen - und mit Lech Walesa,
der durch sein Schweigen mehr Führungskraft in Polen ausüben kann als die Obrigkeit des Kriegsrechts mit all ihren Panzern und Gewehren.
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Wift/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juni 1982

24

LOHNVERZICHTE HELFEN ARBEITSPLÄTZE SICHERN
Ein Kommentar zu drei wichtigen Tarifabschlüssen in USA
Von unserer Korrespondentin Mary Paul

WASHINGTON - (AD) - Drei der größten und wichtigsten amerikanischen Gewerkschaften brachen in diesem rezessionsüberschatteten Frühjahr mit einer
der ältesten Traditionen der Gewerkschaftsbewegung überhaupt: Sie verzichteten von sich aus auf Lohnerhöhungen, um zur Gesunderhaltung schwer betroffener Industriezweige und damit zur Sicherung der dort vorhandenen Arbeitsplätze
beizutragen.
Das Zurückstellen der sonst um diese Zeit fälligen Lohnforderungen angesichts hoher Arbeitslosenraten wird das Lohnniveau in den betroffenen Industrien stabilisieren, brachte den Gewerkschaften aber auf der anderen Seite
ganz beträchtliche und keineswegs unerhebliche andere Konzessionen ein.
Für die nächsten drei Jahre jedenfalls sichern die im Frühjahr ausgehandelten neuen Tarifverträge den Arbeitsfrieden zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen in diesen Industriezweigen in einem Ausmaß, wie es in der meist sehr
turbulenten Geschichte

der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen bisher selten

zu verzeichnen war.
Die in

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Telex: 08-85432

�Die in der Öffentlichkeit stark beachteten Tarifverhandlungen zwischen
der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers
of America - UAW) und den Ford-Werken, einem der "Großen Drei" der finanziell
schwer angeschlagenen amerikanischen Automobilindustrie, endeten mit Arbeitsplatzgarantien für die Arbeitnehmer als Gegenleistung für deren Verzicht auf
Lohnforderungen.

Die amerikanisch-kanadische Transportarbeiter-Gewerkschaft

(International Brotherhood of Teamsters, Chauffeurs, Warehousemen and Helpers
of America - IBT) und die kanadisch-amerikanische Gewerkschaft der Beschäftigten in der Nahrungsmittelbranche (United Food and Commercial Workers International Union) fanden sich zu ähnlichen Zugeständnissen bereit, um die Sicherheit der Arbeitsplätze im Transportgewerbe und in der Fleischkonservenindustrie
zu gewährleisten.
Die Beschäftigten im Transportgewerbe und in der Fleischkonservenindustrie werden die vor 1982 ausgehandelten Lohnerhöhungen und anderweitigen
Vergünstigungen voll und ganz erhalten, da die Gewerkschaften lediglich einer
Einfrierung künftiger Lohnanhebungen bis zum Jahr 1985 zugestimmt haben.
Die Speditionsfirmen, mit" denen die Transportarbeitergewerkschaft verhandelt
hat, sicherten zu, daß sie keine, nicht-gewerkschaftlich gebundenen

neuen

Tochtergesellschaften gründen werden, die die Arbeitsplätze gefährden könnten.
Die Gewerkschaften befanden sich angesichts der deutlich spürbaren Wirtschaftsflaute in einer ungünstigen Verhandlungsposition. Bei den Automobilarbeitern spielte auch der Wettbewerb ausländischer Konkurrenten, insbesondere
der Japaner, eine wichtige Rolle. Während die Automobilhersteller in Detroit
hoffen, daß die Lohnzugeständnisse der UAW ihre Wettbewerbsposition gegenüber
den japanischen Automobil Produzenten langfristig verbessern werden, deuten doch
verschiedene Anzeichen bereits jetzt darauf hin, daß die Bereitschaft der Gewerkschaften zu Lohnzugeständnissen nur die dreijährige Laufzeit der neuen
Verträge anhalten dürfte.
"Wir verhandeln seit jeher auf der Grundlage von Tatsachen," erklärte
Frank Wallich von der Automobilarbeitergewerkschaft "in der Vergangenheit
hatten wir es mit Unternehmen mit großem Absatz zu tun. Dieses Jahr war das
- 2 -

�war das anders.

Dabei meint Wal lieh, daß die Arbeiter schon in absehbarer

Zukunft wieder höhere Lohnforderungen an die Unternehmer richten können.
Seiner Auffassung nach haben die Automobilarbeiter auch mit dem Abschluß
des diesjährigen Tarifvertrages das bessere Geschäft gemacht.
Gewerkschaften und Management befanden sich bei Aufnahme der Verhandlungen
um den Abschluß 1982 im Frühjahr beide in einer recht schwachen Position:

Der

Automobilabsatz näherte sich einem neuen Tiefpunkt, die Gewinne schrumpften
und Hunderttausende Arbeiter wurden entlassen.

Die Automobilhersteller be-

durften der Lohnkonzessionen seitens ihrer Arbeitnehmer mindestens ebenso
dringend, wie diese einer Verbesserung der Sicherheit des Arbeitsplatzes.
So setzten die Gewerkschaften erst gar keine Lohnforderungen auf die Tagesordnung.

Als Gegenleistung für den Verzicht auf die fällige Anpassung der

Löhne an die gestiegenen Lebenshaltungskosten - in Zeiten der Inflation für
Arbeitnehmer besonders wichtig - erhielten die Gewerkschaften von den Unternehmern die Garantie, daß sie auf Betriebsstillegungen verzichten werden und
amerikanische Arbeiter auch dort einsetzen werden, wo sie an sich billigeren
ausländischen Arbeitskräften den Vorzug geben könnten.
Es überrascht nicht, wenn die Automobilarbeiter glauben, sie hätten bei
diesen Verhandlungen das"bessere Los gezogen. Noch vor Verhandlungsbeginn
war der Durchschnittslohn in der amerikanischen Automobilindustrie auf rund
20 Dollar (DM 4 8 , — ) die Stunde gestiegen - 8 Dollar (DM 19,20) mehr als in der
japanischen Automobilindustrie.

Einen weiteren inflationären Anstieg der

Automobil arbeiterlöhne während der dreijährigen Laufzeit des neuen Tarifvertrages zu unterbinden, schien den Automobilarbeitern ein entscheidender
Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen mit der japanischen Kraftfahrzeugindustrie.

Den amerikanischen

Automobil kaufern sicherte die Gewerkschaft zu, daß die solchermaßen erzielten
Einsparungen voll und ganz an die Verbraucher weitergegeben werden.

Als Ge-

genleistung für diese'Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition hinsichtlich Lohn
und Lohnnebenleistungen erklärten sich die Unternehmen bereit, mehrere ihrer mit
Verlust arbeitenden Werksanlagen weiter offenzuhalten, auch wenn dies wirtschaftlich ein sehr zweifelhaftes Unterfangen sei.
Brandon Branley,

�Brandon Branley, Mitarbeiter des amerikanischen Arbeitsministeriums und
anerkannter Fachmann in Fragen des Industrie-Managements und Kenner der japanischen Wirtschaft, vertritt die Auffassung, daß der neue Dreijahresvertrag
amerikanische Autos gegenüber den Produkten japanischer Hersteller nicht wettbewerbsfähiger machen wird.

Der ausgehandelte Vertrag "bietet die Möglichkeit,

mit den Problemen der Vergangenheit fertig zu werden, stellt aber noch nicht
einmal einen Anfang dar, was die Lösung der Probleme von heute angeht," sagte
er.
Binnenwirtschaftlich gesehen, darin stimmen die Fachleute weitgehend
überein, wird diese Haltung der Gewerkschaften wesentlich zur Dämpfung der
Inflation beitragen, so wie die Lohnforderungen der vorausgegangenen Jahre
den Preisanstieg gefördert haben. Die Tarifabschlüsse mit der Automobilindustrie schlagen seit jeher auf die ganze Wirtschaft durch, weil sie die Arbeitskosten in einem runden Drittel der Gesamtindustrie in den Vereinigten
Staaten - insbesondere in der Stahl-, der Glas- und der Werkzeugmaschinenindustrie sowie in der Teilfertigung - beetrrfiussen.
Erste Auswirkungen zeigen sich bereits: Es waren die Tarifabschlüsse
der Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Transportarbeiter und der Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie die die sogenannte .Lohninflation
im ersten Quartal 1982 erheblich abschwächten. In allen Industriezweigen,
in denen in diesem Zeitraum neue Lohnrunden ausgetragen wurden, belaufen sich
die vereinbarten Lohnerhöhungen für das erste Jahr der Laufzeit im Durchschnitt
deshalb auch nur auf 2,2 Prozent - weitgehend eine Folge der Mäßigung bei der
Automobilindustrie, im Transportgewerbe und in der Nahrungsmittel Verarbeitung.
Niemand rechnet aber damit, daß die inflationshemmende Wirkung des Lohnverzichts über die Drei-Jahres-Frist der Laufzeit dieser Verträge hinaus anhalten wird. Wenn die Wirtschaft wieder Tritt faßt und erstarkt, so erinnert
Frank Wallich von der UAW, "wächst die Bereitschaft, kräftigere Lohnerhöhungen
zu fordern."
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23. Juni 1982

COLUMBIA TESTET BEDINGUNGEN FÜR ROUTINEFLÜGE
Nächster Siebentage-Flug beginnt am 27. Juni

- (AD) - Der vierte und letzte Testflug des Raumtransporters COLUMBIA
beginnt am 27. Juni 1982 und soll sieben Tage dauern. Wie die Astronauten
Thomas Mattingly (Chefpilot) und Henry Hartsfield (Kopilot) kürzlich erklärten, ist das Programm darauf abgestellt, den Übergang von der Erprobungsphase zu den Routineflügen zu erleichtern.
Dazu gehört erneut die praktische Erprobung der Gesamtkonstruktion und
bestimmter Details unter verschiedener mechanischer und thermischer Belastung,
und ebenso die Sondierung von Möglichkeiten für eventuelle weitere Verbesserungen.

Gleichzeitig läuft das Dienstleistungsprogramm an:

Die COLUMBIA führt

im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums Meßapparaturen als Nutzlast mit,
ebenso das erste, noch für Forschungszwecke konstruierte Betriebsgerät zweier US-Firmen sowie ein kleines, mit acht Instrumenten bestücktes Experiment
einer Studentengruppe der Staatsuniversität von Utah.
Bei dem Betriebsgerät handelt es sich um den Prototyp einer automatischen
Apparatur zur Produktion von Materialien für den medizinisch-pharmazeutischen
Sektor, entwickelt von der McDonnell-Douglas Astronautics Corporation und der

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�und der Johnson &amp; Johnson Comp.

Nach dem Verfahren der kontinuierlichen

Elektrophorese werden Zellen und andere biologische Materialien in Flüssigkeiten unter der Einwirkung eines elektrischen Feldes voneinander getrennt.
Wenn sich Arbeitsprinzip und Apparaturkonzept beim Einsatz in der Schwerelosigkeit bewähren, könnten auf dieser Basis gebaute pharmazeutische Produktionsanlagen im Weltraum in Betrieb genommen werden.

Das Verfahren er-

möglicht die Gewinnung von völlig ungeschädigtem Zellmaterial, das anschließend für zellbiologische Untersuchungen, für Studien auf dem Gebiet der
Immunologie und für andere medizinisch-biologische Forschungsprojekte verwendet wird.

In der Schwerelosigkeit ergeben sich viel reinere Trennungs-

produkte sowie größere Mengen von Zellmaterial als unter irdischen Bedingungen.

Die erste halbtechnische Demonstrationsanlage dieser Art soll im Jahr

1986 im Weltraum erprobt werden.

Thomas Mattingly (46), der bereits beim Flug APOLLO 16 zum Mond dabei
war, umriß vor der Presse den Dienstleistungscharakter des Raumtransporters
als eines "Fluggeräts mit festem Fahrplan.

Die Kunden werden Fracht mitge-

ben, wie es heute bei den großen Frachtschiffen oder im Flugverkehr geschieht."
Astronauten und vor allem die Nutzlastexperten werden im Weltraum die Experimente und Apparaturen betreuen, sofern es sich nicht um die kleinen wartungsfreien Instrumente wie die der erwähnten Studentengruppe handelt.

Für solche

in Behältern von genormten Größen und mit vorgeschriebenem Gewicht untergebrachten Experimente werden je nach Verfügbarkeit des Raumes Plätze in der
Ladebucht des Raumtransporters zur Verfügung gestellt, wofür nur geringe
Mietgebühren entrichtet werden müssen.
An Forschungsausrüstungen von Universitäten und anderen Instituten sind
u.a. (wie schon beim zweiten COLUMBIA-Flug) Apparaturen zur optischen Beobachtung von Blitzentladungen in Gewitterfronten dabei. Filmaufnahmen aus der Erdumlaufbahn und die Erfassung elektronischer Signale von Blitzen und Gewittern
sollen wissenschaftliche Unterlagen dafür liefern, wie künftige Sensoren am
besten zum Aufspüren von Wetter- und Gewitterfronten und zur rechtzeitigen
Vorwarnung für die betroffenen Gebiete zu verwenden sind.
Der in

�Der in Kanada gebaute "Robotarm", ein vielseitig einsetzbares und überaus leistungsfähiges Arbeitsgerät, wird beim kommenden COLUMBIA-Flug erheblich mehr als bisher im "Außendienst", d.h. für Transporte von Meßinstrumenten
aus der Ladebucht zu Außenseiten des Raumtransporters und zurück, verwendet
werden.

Er hebt u.a. eine aus zehn Instrumenten bestehende Apparatur, den

"Monitor für induzierte Umweltbelastung (IECM)" aus dem Laderaum und hält sie
für gewisse Zeit an verschiedenen Meßpositionen bis zu 15 m über dem ORBITER
und an seinen Außenseiten.

Die Instrumente messen Umgebungsbelastungen und

die "Verschmutzung", die durch Ausrüstungen an Bord des Raumtransporters,
durch das Zünden von Lagesteuerungsdüsen und durch das Ablassen von Wasser
entstehen.

Gleichzeitig wird der Druck ermittelt, der sich beim Feuern der

Lagesteuerungsdüsen an bestimmten Punkten ergibt.

Diese Daten sind für künf-

tige Flugaufgaben wichtig - dann nämlich, wenn der Raumtransporter andere
Satelliten oder Nutzlasten im Weltraum ansteuern will.
Die Experimente der Studenten von Utah umfassen eine ganze Reihe von
Fachgebieten.

In einem Fall soll ermittelt werden, ob metallische Verbindun-

gen weniger Festigkeit aufweisen, wenn beispielsweise das Löten im Weltraum
erfolgt, in einem anderen der Einfluß der Schwerelosigkeit auf die Vermehrung
von Fruchtfliegen.

Einige andere Schüler- und Studentenexperimente sind Teil

von Langzeit-Forschungsprogrammen.

So befaßt sich Karla Hauersberger aus

Charlotte (Nordkarolina) mit den Auswirkungen von Langzeitflügen auf den
Stoffwechsel des menschlichen Körpers, Amy Russki aus Long Beach (Kalifornien)
mit der Frage, ob die Wirkung von Spannungs- und Bewegungsübungen auf den
Körper in der Schwerelosigkeit die gleichen sind wie an der Erdoberfläche,
unter Schwerkrafteffekt.

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�23. Juni 1982

24

DIE SCHUTZHÜLLE DES RAUMTRANSPORTERS
Isolierkachel System - eine Sonderleistung der Technik

(AD) - Wenn der Raumtransporter COLUMBIA zur Erde zurückkehrt, ist seine
Verkleidung mit ca. 32 000 Keramikplatten das einzige, was Fluggerät und Besatzung beim Wiedereintritt in die Lufthülle vor der Reibungshitze schützt. Es
ist ein sehr dünnwandiger Hitzeschild, jedoch so konstruiert, daß er weit mehr
als 50 Starts und Landungen aushä'lt. Schon beim Aufstieg in die Umlaufbahn ist
die Raumfähre enormen thermischen Belastungen ausgesetzt - von der Einwirkung
der Schallenergie, welche die von den Raketenmotoren ausströmenden Gase erzeugen,
und der aerodynamischen Kräfte auf die Kachel Verkleidung ganz abgesehen.
Das beim "Space Shuttle" angewandte Isolierverfahren, Ergebnis mehrjähriger
Entwicklungsarbeit von Wissenschaftlern der amerikanischen Industrie und der
US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, ist ein wesentlicher Faktor für-die Wirtschaftlichkeit des Raumtransporter-Projekts. Denn es schafft die Voraussetzung
für die Wiederverwendbarkeit des Fluggeräts. Demgegenüber war der kompakte Hitzeschild früherer bemannter Raumfahrzeuge eine höchst unrentable Angelegenheit.
Er leitete Wärme durch die sog. Schmelzkühlung ab. Die Kunstharzmassen, aus

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�Kunstharzmassen, aus denen er im wesentlichen bestand, wurden infolge der lokal
unterschiedlichen Aufheizung beim Eintauchen in die Lufthülle teilweise verflüssigt und abgebaut. Die Raumkapsel selbst wurde auf diese Weise ausreichend
geschützt, konnte aber nicht ein zweites Mal verwendet werden.
Die Abbremsung des Raumtransporters, der mit 26facher Schallgeschwindigkeit
in die Erdatmosphäre eindringt, durch die Luftmassen entlang der Abstiegsbahn
führt an der Außenseite zu einer Aufheizung mit stark unterschiedlichen
Temperaturwerten in den einzelnen Bereichen. Das ergaben bereits die Vorausberechnungen und Sensormessungen bei den ersten Flugtests; jedoch sind seit
der Beobachtung der Unterseite der COLUMBIA während der letzten 15 Minuten bei
ihrer Rückkehr vom dritten Flug im März 1982 mit empfindlichen Infrarotinstrumenten von Bord eines zum fliegenden Observatorium umgebauten Transportflugzeugs
vom Typ Lockheed C-141 noch Detail fragen zu klären. Sie betreffen einerseits
nicht erwartete Niedrigtemperaturen an Flügel kanten, und andererseits Hitze- .
flecke an der Unterseite von Tragflächen und Rumpf kurz vor der Landung.
Generell ist den bisherigen Erfahrungen zufolge die Wärmebelastung an der
Oberseite und den Längsseiten, an großen Teilen des Leitwerks, an der Verkleidung
für das Manövriersystem und an der Tragflächenoberseite mit 315 bis ca. 600 C
relativ gering, dagegen an der Unterseite von Rumpf und Tragflächen, an der Nase,
den Tragflächen und den Seitenkanten sowie im oberen Teil der Leitwerkskanten
stellenweise sogar extrem hoch. Dort kann sie bis 1250° C, an der Nase und den
vorderen Kanten der Tragflächen sogar auf 1650° C ansteigen - das sind Hitzegrade, bei denen Stahl schmilzt.
Für den Wärmeschutz im unteren und mittleren Temperaturbereich wurden zwei
Typen von Keramikplatten entwickelt. Mit diesen ist die Außenwand des Aluminiumkörpers zu 75 Prozent belegt. Weiße Kacheln vom Typ I, bis ca. 630° C belastbar,
schützen jene Bereiche, in denen es zu einer Aufheizung bis ca. 600 C kommen
kann. Typ II widersteht Temperaturen bis etwa 1300° C. Abgesehen von ihrer unterschiedlichen Dicke und Glasur der Außenseite bestehen diese beiden Typen von

�Typen von Schutzkacheln aus dem gleichen Grundmaterial - aus hochreinen
Silikatfasern, die aus gewöhnlichem Sand hergestellt werden.
Man setzt Chemikalien zu, um der Keramikmasse verschiedene Farben zu geben,
und, entsprechend der zu erwartenden thermischen Belastung, den Ablauf spezieller
Reaktionsmechanismen zur Wärmeableitung zu ermöglichen. Große Teile des Rückens
und der Längsseiten der Raumfähre sind durch die verhältnismäßig dünnen weißen
Kacheln des Typs I geschützt, während die Unterseite, bestimmte Partien des
Leitwerks und Bereiche um die Cockpitfenster mit schwarzen Kacheln vom Typ II
verkleidet sind. Wichtig ist auch die Reflexionsfähigkeit der Keramikplatten im
Sonnenlicht. Denn während des Fluges auf der Tagseite der Erde darf es nicht
zu einem Wärmestau kommen. Wie rasch die Kacheln Wärme ableiten, zeigen die
Qualitätsprüfungen: Schon wenige Sekunden, nachdem sie aus dem Ofen genommen
wurden, kann man sie mit der bloßen Hand berühren, obgleich sie im Innern noch
rotglühend sind.
Ein dritter Typ von Isolierplatten, aus zwei Arten von Kohlenstoff
"konstruiert", schützt die Nase des Raumtransporters sowie die vorderen Kanten
der Tragflächen und Teile der Seitenkanten. Dies sind die Bereiche, die in der
Lufthülle die stärkste Aufheizung (bis ca. 1650° C) erfahren. Das hellgraue
Material ist ein Verbundwerkstoff in der Form von Matten aus hochfesten Graphitfasern, die mit einer zweiten Art von Kohlenstoff imprägniert und dadurch miteinander verschweißt wurden. Durch die chemische Behandlung der Oberfläche mit
einer Siliziumverbindung werden sie feuerabweisend.
Das gesamte Isoliersystem ist so angelegt, daß Platten, die während einer
Flugmission beschädigt wurden oder verloren gingen, einzeln repariert oder ersetzt werden können. Dadurch wird das Neubelegen größerer Flächen überflüssig.
Von ganz besonderer Bedeutung ist das Glasieren. Feines Glaspulver wird in einem
sorgfältig vorbereiteten und überwachten Prozeß auf die Kacheln aufgeschmolzen.
Die nur 0,4 mm dicke Beschichtung besteht zu 90 Prozent aus Silikatglas und enthält außerdem Aluminiumoxid. Zur Zeit wird erwogen, Kacheln mit "reaktionsgehärtetem Glas" (RCG) beim dritten im Routinebetrieb eingesetzten Raumtransporter

- 3 -

�eingesetzten Raumtransporter (DISCOVERER) in bestimmten Bereichen durch ein
leichteres und wä'rmefesteres Verbund-Isoliermaterial zu ersetzen» Etwa zehn
Prozent der Oberfläche würden damit belegt« Es handelt.sich um eine Mischung
aus 78 Prozent Silikatfasern und 22 Prozent Aluminiumborsilikat. Der Boranteil
bewirkt eine sichere Verschweißung der Fasern an ihren Berührungsstellen, was
die Formfestigkeit und Bruchsicherheit verbessert» Außerdem wäre schon durch
die Verwendung von 3 000 Kacheln dieser Art eine Gewichtseinsparung von 544 kg
möglich.
Jede einzelne der zur Isolierung verwendeten Kacheln ist der Oberflächenkontur des Orbiter, wie die Raumfähre auch genannt wird, genau angepaßt. Obgleich
viele Platten gleiche Flächenmaße haben, gibt es praktisch keine, die mit einer
anderen identisch wäre - schon allein deshalb, weil sie an der Rückseite entsprechend der Oberflächenkontur an dem für sie vorgesehenen Ort ausgefräst ist.
Dadurch wird u.a. eine Beeinträchtigung der aerodynamischen Eigenschaften des
Fluggeräts durch seine Isolierverkleidung vermieden.
Die Glasur verbessert die thermischen Eigenschaften und verringert außerdem
die Porosität, somit auch die Fähigkeit des Fasermaterials zur Aufnahme von
Feuchtigkeit während der Zeit zwischen den Flügen. Da Feuchtigkeitsaufnahme zusätzliches Startgewicht bedeuten würde, wird das Keramikmaterial ohnehin mit
einer wasserabweisenden Silikonverbindung behandelt.
NASA-Ingenieure entwickelten inzwischen ein Verfahren zur Verbesserung der
Festigkeit der Kacheln durch "Verdichtung". Dazu wird ein "Naßzement" aus einer
chemischen Mischung mit Silikatteilchen auf der Rückseite der Kachel verrieben,
was ihre Festigkeit verdoppelt.
Bei schwarzen Kacheln ist noch mehr Festigkeitssteigerung durch eine Erhöhung
der Dichte des Silikatmaterials möglich. Während die meisten weißen und schwarzen
Kacheln 141 kg pro Kubikmeter wiegen, verwendet man in einigen Bereichen mit
stärkerer Beanspruchung Isolierplatten, die ein Gewicht von 353 kg/cbm haben.
Zur Abschirmung der Wärmeisolierschicht gegen Spannungskräfte am Aluminiumkörper,

- 4 -

�am Aluminiumkörper, beispielsweise infolge der Vibrationen beim Start oder von
Verlegungen unter dem Einfluß von Wärme oder Kälte im Weltraum, dienen Filzplatten an der Unterseite der Kacheln; diese Kachel-Filz-Kombination wird auf
das Metall aufgeklebt.
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�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

23. Juni 1993

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SOMAyAVBOSNIEN e #

CLINTON: MILITÄRISCHE OPERATIONEN
IN SOMALIA BEENDET
Pressekonferenz des Präsidenten in
Auszügen

VERTEIDIGUNG

USA ÜBERPRÜFEN REAKTION AUF
MILITÄRISCHE BEDROHUNGEN
Ausführungen Aspins vor der
National Defense University

FRIEDENSSICHERUNG

FRIEDENSSICHERUNG: EIN
ENTSCHEIDENDES INTERESSE
DER UNO
von Madeleine Albright

NATO

NATO FÜR USA WEITERHIN
VON BEDEUTUNG
Administration unterstreicht
Engagement der USA

RUNDFUNK

CLINTON UNTERBREITET VORSCHLAG
FÜR INTERNATIONALEN RUNDFUNK
Erklärung des Präsidenten

UMWELT

USA FORDERN GLOBALE
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede von Vizepräsident Gore

bitte wenden

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Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�AIDS

ERLASS VON SCHULDEN IM TAUSCH
GEGEN AIDSHILFE
von Dr. Craig Sarsony

RUTH BADER GINSBURG:
GEMÄSSIGTE WEGBEREITERIN
Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin

�SOMALIA/BOSNIEN
23. Juni 1993

CLINTON: MILITÄRISCHE OPERATIONEN
IN SOMALIA BEENDET
Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis, dem somalischen Clanführer General Aidid sei "das militärische
Rückgrat gebrochen" worden, gab Präsident Clinton am 17. Juni 1993 bekannt, die von den Vereinigten Staaten
unterstützte Militäraktion der Vereinten Nationen in Somalia sei erfolgreich beendet.
In einer im Fernsehen aus dem Weißen Haus übertragenen offiziellen Pressekonferenz fügte Clinton hinzu, die
Operation habe "das Ziel verfolgt, die Glaubwürdigkeit der Friedenssicherung in Somalia und auf der ganzen Welt
aufrechtzuerhalten". Von amerikanischen Luftstreitkräften unterstützte UN-Truppen hatten, seit 23 pakistanische UNO-Soldaten aus dem Hinterhalt getötet und mehr als 50 weitere verwundet wurden, die Stellungen von
General Aidid angegriffen.
Clinton ging in seiner Eingangserklärung ferner auf die Binnenwirtschaft ein und verwies auf vom Kongreß
eingeleitete Schritte zur Verabschiedung seines Planes, das Defizit in den nächsten fünf Jahren um 500
Milliarden Dollar abzubauen. Er stellte fest, das Land sei endlich dabei, "unser Haus wirtschaftlich in Ordnung
zu bringen", mahnte jedoch, es müßten "weiterhin viele Veränderungen" durchgeführt werden.
Auf Fragen von Reportern erklärte der Präsident unter anderem:
Im Hinblick auf die vorgeschlagene Teilung Bosnien-Herzegowinas, die den Serben erlauben würde,
gewaltsam erobertes Land zu behalten, bekräftigte Clinton seine Präferenz für einen "multiethnischen
Staat in Bosnien. Wenn jedoch die Parteien selbst, einschließlich der bosnischen Regierung, wirklich und
aufrichtig einer anderen Lösung zustimmen, müßten die Vereinigten Staaten dies sehr ernsthaft in Erwägung ziehen."
Zu Haiti stellte der Präsident fest, die Vereinigten Staaten drängten auf eine UNO-Resolution, "die
Sanktionen so zu verschärfen, daß nicht nur das Einfrieren von Vermögenswerten und die Annulierung
von Visa, sondern auch Ol davon erfaßt werden". Er fügte hinzu, seiner Meinung nach werde es dort "niemals eine Lösung des Problems geben", solange "die Hauptakteure bleiben, wer sie sind, solange es keine
multinationale Friedenstruppe gibt".
Im Hinblick auf die Aussichten des von der Arbeitsgruppe unter Leitung seiner Gattin Hillary Rodham
Clinton derzeit ausgearbeiteten Plans einer Reform des Gesundheitswesens äußerte Clinton, er prüfe
gegenwärtig die Optionen, die ihm dieses Gremium vorgelegt habe. Seines Erachtens könnte der Kongreß dieses Jahr sehr wohl ein Reformgesetz verabschieden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten.

Clinton: Meine Damen und Herren, zunächst möchte
ich zu Ihnen über eine Situation sprechen, die wir alle
in der vergangenen Woche sehr aufmerksam verfolgt
haben. Dabei handelt es sich um die Aktion der UNO
in Somalia.
General Powell hat mir heute nachmittag berichtet,
daß diese Operation beendet ist und ein Erfolg war.
AMERIKA DIENST 25

Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Streitkräfte des Clanführers Aidid in Mogadischu
kampfunfähig gemacht und sind weiterhin vor künftigen Provokationen auf der Hut. Aidids Streitkräfte
waren für die folgenschwersten Angriffe auf UN-Friedenstruppen seit dreißig Jahren verantwortlich. Wir
konnten dies nicht ungestraft lassen.
Seite 1

�Unsere Ziele waren klar: Die Vereinten Nationen
haben das Ziel verfolgt, die Glaubwürdigkeit der Friedenssicherung in Somalia und auf der ganzen Welt
aufrechtzuerhalten, die Nahrungsmittellieferungen
wieder in Gang zu bringen und die Sicherheit wiederherzustellen . Ich möchte den amerikanischen und den
UN-Truppen gratulieren, die an dieser Operation teilnahmen. In dieser Schlacht war Heldentum nicht von
nationaler Zugehörigkeit abhängig. Und in diesem
Zeitalter muß unsere Nation heute und künftig eine
weltweite Führungsrolle ausüben, wie wir es diese
Woche in Somalia getan haben.

es also nicht an der Zeit, die NATO aufzulösen. Sie ist
äußerst wichtig.
Frage: Sendet dieser Plan zur Aufteilung Bosniens
Separatisten in aller Welt, insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion, nicht die gefährliche Botschaft, daß
sich militärische Aggression auszahlt?

Clinton: Dieser Plan zeigt meiner Meinung nach, daß
ein Bürgerkrieg, dessen Wurzeln Jahrhunderte zurückreichen - wirklich Jahrhunderte -, der auf ethnischen und religiösen Gegensätzen beruht, nicht so
gelöst worden ist, wie ich dies in der Tat gehofft hätte.
Frage: Werden die Vereinigten Staaten, daderVance Meines Erachtens ist die serbische Aggression in der
/Owen-Plan tot ist, einer Teilung Bosniens zustimmen, Hinsicht belohnt worden, daß die UN-Resolution den
wenn die drei Fraktionen, die in Genf zusammenkom- Serben die Lieferung von Waffen an die bosnischen
men, dem tatsächlich zustimmen? Und ist die NATO Serben erlaubte und den Kroaten, die sich in unmitteljetzt nicht wirklich überflüssig? Hat sie sich nicht barer Nachbarschaft von Kroatien befanden, gestatteüberlebt - sie kann dem Gemetzel in Europa nicht te, besseren Zugang zu Waffen zu haben als die
Einhalt gebieten, sie will nicht der Polizist Europas bosnische Regierung, die vorwiegend aus Muslimen
besteht. Und dies war meines Erachtens ein Fehler.
sein?
Ich glaube jedoch nicht, daß irgend jemand diese
Clinton: Das sind zwei verschiedene Fragen. Zu- Lektion zu großzügig interpretieren sollte. Jeder, der
nächst gilt, wie Sie wissen, meine Präferenz einem sich damit beschäftigt, räumt ein, daß es sich dabei
multiethnischen Staat in Bosnien. Wenn jedoch die vielleicht um das schwierigste außenpolitische ProParteien selbst, einschließlich der bosnischen Regie- blem handelt.
rung, wirklich und aufrichtig einer anderen Lösung
zustimmen, müßten die Vereinigten Staaten dies sehr Frage: Sie sagen, die Operation in Somalia sei
erfolgreich verlaufen. Bedeutet das, daß die amerikaernsthaft in Erwägung ziehen.
nischen und UNO-Truppen den somalischen ClanfühZweitens stimme ich nicht der Behauptung zu, die rer General Mohammed Farah Aidid und seine GefährNATO sei tot. Den Maßnahmen der NATO waren in ten, darunter Oberst Omar Jess, gefangengenommen
diesem Fall Grenzen gesetzt, weil erstens keine Einig- haben? Und wenn Sie sie nicht gefangengenommen
keit unter den NATO-Partnern bestand und weil jede haben, was planen Sie mit Ihnen zu tun, wenn Sie sie
Staatenorganisation auf die Regeln beschränkt war, gefangennehmen? Werden sie vor ein Kriegsverbredie von den Vereinten Nationen für das ehemalige chertribunal oder etwas ähnliches gestellt?
Jugoslawien verhängt wurden - beispielsweise im
Clinton: Nein, sie sind nicht festgenommen worden.
Hinblick auf das Waffenembargo.
Ziel der Operation war, die Fähigkeit Aidids zu schwäDas eindeutigste Beispiel, das ich Ihnen zum Beleg chen, in Mogadischu militärisches Chaos zu stiften. Er
dafür nennen kann, daß die NATO nicht tot ist, wurde hat 23 UN-Friedenssoldaten ermordet. Und ich möchvon den politisch Verantwortlichen all der osteuropä- te Sie daran erinnern, daß er vor der Einschaltung der
ischen Staaten gegeben, die früher kommunistisch Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen für
waren und das heute nicht mehr sind. Als sie vor den Tod unzähliger Somalier verantwortlich war einigen Wochen zur Einweihung des Holocaust-Mu- durch Hunger, durch Krankheiten und durch Tötung.
seums zu uns kamen, erklärte jeder dieser Präsidenten, seine erste Priorität sei die Aufnahme in die NATO. Das militärische Rückgrat Aidids wurde gebrochen.
Sie wissen, daß diese ihren Mitgliedern einen Schutz- Ein Haftbefehl wurde für ihn erlassen. Sollte er tatschild gibt. Und meines Erachtens müssen wir uns sächlich festgenommen werden, werden die Vereinten
Nationen über geeignete Maßnahmen entscheiden
weiterhin darin engagieren.
müssen. Diese Entscheidung überlassen die Vereinigten Staaten den Vereinten Nationen, und ich halte
Frage: Wer ist der Gegner?
dies auch für richtig.
Clinton: Nun, es wird verschiedene Gegner geben.
Der Gegner wird jeder sein, der die Sicherheit und den Frage: In Bosnien wollten die Europäer nicht handeln,
Frieden der Mitgliedstaaten bedroht, die Werte, die wir weil die Vereinigten Staaten dort keine Bodentruppen
für wichtig halten. In den kommenden Jahren wird es stationiert hatten. Obwohl wir in Somalia die Operatioalle möglichen Probleme geben, durch Terrorismus, nen vor rund einem Monat an die UN-Friedenstruppen
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und übergeben haben und es pakistanische Soldaten waren,
durch bisher unvorhergesehene Entwicklungen in die angegriffen wurden, bestanden die Truppen, die in
Ländern außerhalb der NATO. Meines Erachtens ist Somalia in Aktion traten, hauptsächlich aus Amerika-

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�nern, und die Feuerkraft war hauptsächlich amerikanisch. Sie sprachen gerade über eine multinationale
Friedenstruppe in Haiti. Werden die Vereinigten Staaten jetzt in die Rolle eines Vollstreckers für die Vereinten Nationen gedrängt? Und welche Prinzipien oder
Gedanken spielen für Sie eine Rolle, wenn Sie den
Einsatz amerikanischer Truppen zur Durchführung
von etwas in Erwägung ziehen, was strenggenommen
nicht allein im amerikanischen Interesse liegt, sondern
dem Willen der internationalen Staatengemeinschaft
entspricht?
Clinton: Wir müssen uns zunächst fragen: Welches
sind die Interessen des amerikanischen Volkes?
Zweitens: Welche Werte und humanitären Anliegen
stehen auf dem Spiel? Und drittens: Wie hoch ist der
Preis für das, was wir vielleicht tun müssen?

dieses Friedensabkommen garantieren müßten, sich
die Vereinigten Staaten daran beteiligen würden. Ich
glaube nicht, wir sollten die Bedeutung der Führungsrolle verringern, sondern wir sollten auch ein Beispiel
geben.
Es gibt noch viele andere Länder - der Präsident von
Namibia, einem sehr kleinen Land, war hier. Sein Land
hat Leute nach Somalia entsandt. Leute aus aller Welt
wurden unter sehr gefährlichen Umständen nach
Kambodscha entsandt. Es waren Pakistaner, die in
Somalia ermordet wurden. Deshalb ist das, was wir
tun, sehr gut.

Ja, Amerika kann die Führung übernehmen. Aber es
ist sehr bewegend, all diese anderen Länder zu sehen
- Irland entsendet Leute, die an vorderster Front stehen. Nicht nur Regierungsbeamte, sondern MenBei Bosnien liegt der Fall jedoch nicht so eindeutig. Es schen, die für andere Organisationen arbeiten, um zur
gab niemals eine einheitliche Haltung dazu, was die Lösung dieser Probleme beizutragen. Es gibt einen
Truppen tun sollten. Ich habe dem amerikanischen bemerkenswerten Einfluß von Leuten, die versuchen,
Volk im Wahlkampf des vergangenen Jahres verspro- Demokratie und Menschenrechte sowie Freiheit und
chen - und dies auch wiederholt bekräftigt -, daß die Marktwirtschaft zu fördern. Und wenn wir zu einem
Entsendung von Kampftruppen nach Bosnien meines akzeptablen Preis die Führungsrolle spielen können,
Erachtens fehl am Platze wäre. Ich habe ferner erklärt, liegt dies ebenso in unseren engeren Interesse wie
wenn es einen Waffenstillstand und ein echtes Frie- auch gewiß in unserem umfassenderen menschlichen
densabkommen gäbe und die Vereinten Nationen Interesse.

*

AMERIKA DIENST 25

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�VERTEIDIGUNG
23. Juni 1993

USA ÜBERPRÜFEN REAKTION AUF
MILITÄRISCHE BEDROHUNGEN
Ausführungen Aspins vor der National Defense University
WASHINGTON - (AD) - Bei der Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, um den Gefahren des
Zeitalters nach dem Kalten Krieg begegnen zu können, überprüfen die Vereinigten Staaten, wie sie auf den
Übergang von einem 'bekannten Gegner" zu einem Klima der Unsicherheit" in verschiedenen regionalen
Konfliktregionen reagieren, so US-Verteidigungsminister Aspin.
Die Bemühungen um den Entwurf einer neuen nationalen Verteidigungslinie werden als "gründliche Bestandsaufnahme" bezeichnet, so Aspin, und umfassen als Antwort auf das Problem der Eindämmung eines regionalen
Angriffs vier Komponenten, von denen sich die ersten beiden herkömmlicher Technologie, die anderen der
Spitzentechnologie bedienen.
Diese vier Komponenten sprach Minister Aspin in seinen Ausführungen vor Absolventen der National Defense
University in Washington am 16. Juni 1993 an.
Nachfolgend veröffentlichen wir seinen vorbereiteten Redetext.

Vielen Dank, General Cerjan. Es ist mir eine Ehre und
ein Privileg, heute den Absolventen gratulieren zu
können. Sie verkörpern die vielversprechendsten
Führungspersönlichkeiten unserer Nation in Militär
und Regierung. Und wir rechnen wirklich mit einer
Führungsrolle Ihrerseits. Wir brauchen Sie, um Amerika durch die dramatischen Änderungen zu führen, die
die Welt zur Zeit und bis in das kommende Jahrhundert
durchlaufen wird.

sein. Sie müssen mit neuen Gefahren umgehen
können.
Zweites Ziel: Die Aufrechterhaltung einer einsatzbereiten Truppe. Zur Zeit verfügen wir über die besten
und einsatzbereitesten Streitkräfte der Welt. Die
Operation Wüstensturm hat uns das bewiesen. Wir
müssen dieses hohe Maß an Einsatzbereitschaft aufrechterhalten.

Drittes Ziel: Ein klügerer Umgang mit unserem Verteidigungshaushalt. Kurzfristig hängt unsere nationale
Sicherheit von unserer Militärmacht ab. Langfristig
jedoch ist unsere nationale Sicherheit von einer starken Wirtschaft abhängig. Die Verteidigung kann in
zweifacher Weise zu einer starken Wirtschaft beitragen - einerseits durch geschickten Umgang mit unseren freigesetzten Verteidigungsressourcen und andeWie gestalten wir unser Militär, um den Gefahren des rerseits durch geschickten Umgang mit den im Verteineuen Zeitalters begegnen zu können? Unsere ge- digungshaushalt veranschlagten Geldern.
samten Aktionen werden von drei Zielen geleitet.
Das sind unsere drei Hauptziele. In den letzten WoErstes Ziel: Die für die heutige Zeit angemessenen chen habe ich viel über Einsatzbereitschaft gesproStreitkräfte aufzustellen. Wir können uns mit kleineren chen. Präsident Clinton und ich haben uns der AufStreitkräften verteidigen als währen des Kalten Krieges, rechterhaltung einer hohen Einsatzbereitschaft veraber sie dürfen nicht einfach eine kleinere Version pflichtet. Heute jedoch möchte ich über das erste Ziel
unsere Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges sprechen, die Aufstellung von der heutigen Zeit angemessenen Streitkräften.

Ihr Verständnis nationaler Sicherheitsfragen ist in dem
neuen Zeitalter nach dem Ende des Kalten Krieges
und dem Zusammenbruch der Sowjetunion von besonderer Bedeutung. Die Veränderungen in der Zeit
nach dem Bestehen der Sowjetunion sind tiefgreifend
und überwiegend positiv, aber die Welt ist immer noch
ein gefährlicher Ort.

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�Wie Sie vielleicht wissen, haben wir im gesamten
Verteidigungsministerium ein Projekt durchgeführt, das
den Kern unserer Bemühungen bildet, einen Kurs für
unsere nationale Verteidigung zu entwerfen. Wir
bezeichnen es als "gründliche Bestandsaufnahme".
Wir brauchen es, da wir nicht einfach die Streitkräfte
aus der Zeit des Kalten Krieges abspecken können.
Eine gegenüber der Zeit des Kalten Krieges verkleinerte Truppe würde unseren neuen Sicherheitsanforderungen nicht gerecht werden können.

gen werden, wodurch der Widerstand gegen den
Aggressor erheblich erschwert würde.

Und drittens, wie unsere Kriegsspiele und Analysen
wiederholt beweisen, ist der Preis der Rückgewinnung
umso höher, je mehr Fortschritte der Gegner erzielt
und je mehr Territorium er erobert. Die Anzahl der für
eine Gegenoffensive zur Bekämpfung einer Invasion
erforderlichen Divisionen kann sich um das Zwei- oder
Dreifache erhöhen mit entsprechend mehr Opfern,
abhängig von den Fortschritten, die die Invasoren
Wir benötigen andere Streitkräfte - die angemessenen machen.
Streitkräfte, um den neuen Gefahren begegnen zu
können. Die gründliche Bestandsaufnahme befaßt Den einmarschierenden Gegner aufzuhalten, ist daher
sich mit neuen Gefahren und damit, was wir zu ihrer entscheidend. Es ist natürlich nicht die einzige AufgaBewältigung benötigen. Sie prüft, wie wir unsere be. Wir müssen unsere Kampfkraft auf dem Gefechtsexistierenden Streitkräfte ändern müssen, um diesen feld aufbauen und seine schwächen. Und schließlich
müssen wir die Invasoren vertreiben und endgültig
Bedürfnissen gerecht zu werden.
besiegen. Wir schnell wir die Invasion aufhalten,
Während des Kalten Krieges wurde unsere Truppen- entscheidet, wie schwierig die nächsten Schritte sind.
struktur durch die Tatsache beeinflußt, daß wir uns Und wenn dies in einem Eventualfall wichtig ist, dann
den zahlenmäßig überlegenen Truppen des von der ist es wirklich entscheidend, wenn wir uns mit einem
Sowjetunion angeführten Warschauer Paktes gegen- zweiten, fast gleichzeitig stattfindenden Konflikt befasübersahen. Heute wird unsere Truppenstruktur von sen müssen.
der Wahrscheinlichkeit regionaler Konflikte und den
von uns getroffenen Entscheidungen bestimmt, wie- Die Fähigkeit zum raschen Aufhalten eines Angriffs zu
entwickeln, ist aus meiner Sicht in der Tat das entviele wir auf einmal bekämpfen müssen.
scheidende Element bei der Bewältigung vielfältiger
Während des Kalten Krieges wußten wir, wer unser Eventualfälle in einem Zeitalter, in dem wir erstens
potentieller Hauptgegner war. Im Falle eines Kampfes nicht wissen, wo der nächste Konflikt ausbrechen wird
wußten wir, wo wir zu kämpfen hätten. Wir konnten und zweitens nicht genügend Streitkräfte auf dem
unsere Truppen in Europa vorne stationieren und taten Boden stationiert haben, um ihm zu begegnen, wenn
dies auch. Wir lagerten Kriegsmaterial in Europa und er ausbricht. Meines Erachtens haben wir mit unserem
kalkulierten die benötigten Luft- und Seetransporte. Ansatz hier das Problemrichtiganalysiert, das wirklich
Mit anderen Worten, wir konnten eine Reihe spezifi- Wichtige isoliert und dann einige interessante Anworscher, gezielter Vorbereitungen treffen.
ten ausgearbeitet.
Jetzt sind wir mit ziemlicher Unsicherheit konfrontiert. Unsere Antwort auf das Problem, einen regionalen
Wir kennen die potentiellen Krisenherde von der ko- Angriff aufzuhalten, besteht im wesentlichen aus vier
reanischen Halbinsel bis zum Irak, Iran und Libyen. Komponenten. Zwei Komponenten mit herkömmliWir wissen jedoch nicht, wo die Krise zuerst ausbre- cher Technologie, zwei Komponenten mit Spitzenchen wird. Wirkönnen aber vorhersagen, daß wir nicht technologie.
genügend Streitkräfte disloziert haben, wo immer sie
Die beiden Komponenten mit herkömmlicher Technoausbricht.
logie sind Lufttransport und die Voreinlagerung von
Die Frage lautet also, wie antworten wir auf diese Kriegsmaterial. Dies sind Lösungen aus dem Zeitalter
grundlegende Verlagerung von einem bekannten Gegner des Kalten Krieges. Obwohl wir vorne stationierte
und einem bekannten Schlachtfeld zu einem Klima der Streitkräfte in Europa hatten, bildeten sie nur einen
Unsicherheit? Während wir diese Frage in der gründ- Bruchteil dessen, was zur Antwort auf den Warschaulichen Bestandsaufnahme erörtern, drängt sich eine er Pakt erforderlich gewesen wäre. Daher haben wir
zwingende Schlußfolgerung auf: Wir müssen die Gerät voreingelagert und geplant, in Kriegszeiten die
einmarschierenden Armeen des Gegners so rasch wie Truppen mit Lufttransporten zum Gefechtsfeld zu
verlegen.
möglich aufhalten.
Wir müssen dies aus drei Gründen tun:
Erstens, je schneller wir die Invasion aufhalten, desto
weniger wahrscheinlich wird die Einnahme entscheidender Einrichtungen wie Häfen, Ölfelder oder der
Hauptstadt unseres Verbündeten.
Zweitens, wenn die Invasion nicht schnell gestoppt
wird, könnte unser Verbündeter zur Aufgabe gezwunSeite 2

Diese Lösungen haben noch heute Gültigkeit, da die
meisten amerikanischen Streitkräfte in den Vereinigten Staaten stationiert sind und die meisten potentiellen Krisenherde Tausende von Meilen entfernt liegen.
Aus diesem Grund sind und bleiben Lufttransporte
eine wesentliche Komponente unserer Fähigkeit zur
Machtprojektion. Der Großteil unserer frühzeitig ein-

AMERIKA DIENST 25

�treffenden Feuerkraft wird in zukünftigen Konflikten
durch Lufttransporte verlegt und unterstützt.
Während des Golfkriegs haben wir durchschnittlich
2.400 Tonnen Material pro Tag auf dem Luftweg zum
Gefechtsfeld verlegt. Ein Großteil dessen wurde mit
C-5-Flugzeugen und der C-141 transportiert, dem
Arbeitspferd der Transportflugzeuge. Bedauerlicherweise nähern sich die C-141-Transportflugzeuge, die
erstmals Mitte der sechziger Jahre eingesetzt wurden,
dem Ende ihrer Lebensdauer und müssen ersetzt
werden. Der Sicherstellung ausreichender Lufttransportkapazitäten messen wir hohe Priorität bei.
Voreinlagerung. Wir arbeiten auf die Verbesserung
unseres Einsatzkonzepts für Operationen in Südwestasien und dem Fernen Osten hin, indem wir die
militärischen Bestände aufstocken, die wir auf diesen
Gefechtsfeldern voreingelagert haben. Auf See bereitgehaltenes Material hat den Marineinfanteristen
bei der Operation Wüstensturm gute Dienste geleistet.
Das Heer stationiert Gerät für den Einsatz einer Brigade auf Transportschiffen der Marine auf See. Wir
sondieren auch Möglichkeiten zur Lagerung von mehr
Material auf dem Festland, wenn die Aufnahmestaaten zustimmen.
Wir befassen uns also sowohl mit Lufttransport als
auch Voreinlagerung. Die echte Dividende in diesem
neuen Zeitalter wird jedoch von unseren beiden Spitzentechnologiekomponenten kommen. Wie ich bereits ausgeführt habe, ist die erste Aufgabe - das
unverzügliche Aufhalten der Invasionsarmee - die
entscheidendste, und dies bedeutet im Grunde, ihre
Panzer aufzuhalten. Wie wir unseren Kriegsspielen
und Analysen entnehmen konnten, wird die Schwere
der anderen Aufgaben davon abhängen, wie gut wir
dies bewältigen.

vernichten können. Das ist der Schlüsselfaktor. Zum
ersten Mal werden hochmobile und frühzeitig verfügbare Streitkräfte in der Lage sein, gepanzerte Einheiten schnell und in großer Zahl zu vernichten. Und es
scheint, als ob wir dies bei gleichzeitig geringen amerikanischen Verlusten tun können.
Dieses Thema umfaßt eine Reihe von Elementen.
Erstens die Waffen selbst. Mit Sensorzündern ausgerüstete Waffen, die selbständig ihr Ziel suchen, können in großer Zahl von Flugzeugen abgeworfen werden und massierte gepanzerte Kräfte anstatt einzelner
gepanzerter Fahrzeuge angreifen. Großflächig wirkende intelligente Minen können durch luftgestützte
oder andere Mittel abgesetzt werden, um den Aggressor zu bremsen, den Bewegungsspielraum seiner
Streitkräfte einzuengen und damit noch lohnendere
Ziele zu schaffen.
Nun zu den Plattformen, die als Träger dieser tödlichen
Munition zur Verfügung stehen. Der für konventionelle
Waffen ausgerüstete B-2-Bomber kann von den Vereinigten Staaten aus in Marsch gesetzt werden und am
ersten Tag des Krieges Panzerkolonnen angreifen.
Auf dem Gefechtsfeld könnten Flugzeuge der Typen
F-15E und F/A-18 pro Einsatz bis zu fünf bis zehn
gepanzerte Fahrzeuge zerstören anstatt solche Fahrzeuge einzeln anzugreifen.

Landgestützte Heeresflugkörper, die präzisionsgelenkte panzerbrechende Submunition verschießen, würden Artillerieeinheiten Angriffe auf Panzerkolonnen
über große Entfernungen gestatten. Ein ähnlicher
Ansatz könnte Reichweite und Effektivität von Marineeinheiten erhöhen. Diese Waffen und Plattformen
stellen neue Möglichkeiten zur Verfügung, die zuvor
nicht vorhanden waren. Wenn wirihr Potential verwirklichen können, werden wir eine Lösung für das Problem haben, wie eine Invasion rasch zunichte gemacht
Wir können nicht darauf zählen, vor dem Ausbruch der werden kann.
Feindseligkeiten die Zeit zur Dislozierung von zusätzlichen Streitkräften oder Material in bedrohten Gebie- Um diese Waffen vollständig auszunutzen, müssen
ten zur Verfügung zu haben. Und die Geschichte - von wir eine zweite spitzentechnologische Reaktion ins
Pearl Harbor bis Kuwait - ist voll von Fehlschlägen, Spiel bringen, nämlich die moderne Gefechtsfeldaufeinen Angriff zu antizipieren. Selbst wenn wir eindeu- klärung. Wir müssen in der Lage sein, die Hauptkontige Warnsignale eines bevorstehenden Angriffs erhal- zentrationen der gegnerischen Streitmacht aufzuspüten, könnten wir daran scheitern, die Streitkräfte aus ren, die Informationen zu verarbeiten und zu analysieTausenden Meilen Entfernung vor Ort zu stationieren. ren und sie danach an die "Schützen" weiterzugeben,
bevor sie überholt sind.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Aufhalten regionaler Invasionen bis vor kurzem eher als Wir hatten in diesem Bereich einige Erfolge zu verunlösbares Problem erschien. Unsere beiden, syner- zeichnen, aber es bleibt noch viel zu tun. Bei Operation
gistisch operierenden Spitzentechnologiekomponen- Wüstensturm hat J-STARS, unser neuestes luftgeten bieten uns eine sehr viel bessere Chance. Sie stütztes Aufklärungssystem, nicht nur Kolonnen im
enthalten Fortschritte bei intelligenter Panzerabwehr- Marsch befindlicher Fahrzeuge lokalisiert, sondern
munition und elektronischer Gefechtsfeldüberwachung. auch feste Ziele, die in Bodenstellungen eingegraben
waren. Die wenigen Male, daß die Iraker offensive
Betrachten wir die panzerbrechenden Waffen. Zum Aktionen durchzuführen versuchten, entdeckten wir
ersten Mal scheint es möglich zu sein, daß Luft- und sie und setzten rasch effektive Feuerkraft gegen sie
Raketenstreitkräfte große Mengen von gepanzerten ein.
Fahrzeugen rasch aus der Luft, von Land oder See aus

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�Wir sind entschlossen, gemeinsam mit anderen luftgestützten Aufklärungssystemen 19 J-STARS-Plattformen einzuführen. Wie ich bereits sagte, muß noch
wesentlich mehr getan werden. Die meisten unserer
Systeme zur Weitergabe von Aufklärungsbildern können nicht miteinander kommunizieren. Viele unserer
strategischen Aufklärungsmittel wurden vorrangig auf
die Überwachung der ehemaligen Sowjetunion abgestimmt und waren bei der Unterstützung taktischer
Missionen häufig überfordert.
Am wichtigsten ist jedoch, daß wir alle noch viel über
das Zusammenwirken des Einsatzes von Hunderten
hochmoderner Systeme bei einer einheitlichen Operation lernen müssen. Aber selbst angesichts dieser
Schwierigkeiten.bieten die Aussichten dieser Waffen
und die Aussichten neuer Gefechtsfeldaufklärungsfähigkeiten echte Möglichkeiten.

In diesem besonderen Fall liefert unser Ansatz zur
Bestandsaufnahme Einsichten zu den entscheidenden Aufgaben, die von unseren Streitkräften zu leisten
sind, und verweist auf Mängel bei unseren Fähigkeiten. Hier handelte es sich um ein ernsthaftes Defizit in
unserer Fähigkeit, eine Invasion gepanzerter Streitkräfte aufzuhalten.
Zweitens edaubte uns die Analyse, knappe Ressourcen auf Initiativen zu konzentrieren, die die größte
Wirkung zur Beseitigung dieser Defizite bieten.
Und drittens ergab die Analyse, daß Spitzentechnologie allein nicht die Antwort war. Sie mußte mit einer
Portion ziemlich gewöhnlicher aber unverzichtbarer
herkömmlicher Technologie verbunden werden. Wir
sind der Überzeugung, daß die gründliche Bestandsaufnahme der richtige Ansatz ist, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Obwohl diese Entwicklungen radikale Verbesserungen versprechen, erfordern sie keine radikalen Verän- Die korrekte Interpretation dieses neuen Zeitalters ist
derungen in der Streitkräftestruktur. Was wir benöti- kein einmaliger Vorgang. Wir werden diese enormen
gen, ist eine ausgewogene Streitmacht, die hochwer- Veränderungen und ihre Auswirkungen auf unsere
tige Technologie sinnvoll einsetzt, um uns effektiver zu nationale Verteidigung auf Jahre hinaus untersuchen.
machen. Einige dieser Systeme haben wir noch nicht Aus diesem Grund sind Sie und die National Defense
beschafft, und natüdich wurden sie noch nicht im University so wichtig für die Zukunft des Landes. Wir
Kampf erprobt. Es bleibt noch viel an operativer müssen erstklassige Leute mit der notwendigen AusErprobung, Übungsbetrieb und Ausbildung zu leisten. bildung und Vorstellungskraft haben, die uns helfen,
diese neue Welt zu verstehen. Dies ist einer der Orte,
Diese Fähigkeiten weisen jedoch den Weg zu der an dem wir sie finden werden.
richtigen Streitmacht für unsere Zeit. Und wir werden
die richtige Streitmacht für diese Zeit erhalten, und Wir stehen vor enormen Herausforderungen. Durch
zwar hauptsächlich durch das Instrument der gründli- Zusammenarbeit werden wir sie erfolgreich bestehen.
chen Bestandsaufnahme. Die Bestandsaufnahme Wir werden dafür sorgen, daß das amerikanische
beruht auf Zusammenarbeit, an der sich das Büro des Militär das beste der Welt bleibt. Und es wird die
richtigen, einsatzbereiten Streitkräfte haben.
Verteidigungsministers, die Teilstreitkräfte, der Führungsstab der Streitkräfte sowie die Oberbefehlshaber
beteiligen.

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 25

�FRIEDENSSICHERUNG
23. Juni 1993

FRIEDENSSICHERUNG: EIN ENTSCHEIDENDES
INTERESSE DER UNO
von Madeleine Albright
Die Verfasserin ist die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen. Der nachfolgende Artikel basiert auf einer kü rzlich von Albright bei der vom New York Council on Foreign Relations veranstalteten
Konferenz über kooperative Sicherheit und die Vereinten Nationen gehaltenen Rede.

Abgesehen davon, daß es sich um die positivste
Entwicklung des 20. Jahrhunderts handelt, hat uns der
Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus in
ein Dilemma geführt. Wir werden bestürmt - von
Verbündeten und ehemaligen Gegnern gleichermaßen - .unsere globale Führungsrolle im Bereich der
Sicherheit zu intensivieren in Zeiten, in denen der
Feind sehr viel schwieriger zu identifizieren ist, unsere
vitalen Interessen auf subtilere Weise und aus größerer Entfernung bedroht sind und unser Haushalt von
gravierenden Engpässen gekennzeichnet ist.

tion oder auf multilateraler Ebene, um die Lasten mit
anderen zu teilen."

Neben Egozentrik - mit verheerenden Konsequenzen
für die übrige Welt - und Hyperaktivität - mit ebenso
verheerenden Konsequenzen für uns und andere - gibt
es eine dritte Alternative - die sparsam mit amerikanischen Ressourcen umgeht sowie die amerikanischen
und globalen Interessen in einer gerechten und geordneten Welt fördert. Sie wird als multilaterale Aktion
bezeichnet. Um Außenminister Christopher zu zitieren: "Wir können nicht zulassen, daß jede Krise zu
einer Entscheidung zwischen Untätigkeit und amerikanischer Intervention wird. Die Welt blickt auf uns für
eine Führungsrolle. Daher reduzieren sich die Alternativen darauf, wie die Vereinigten Staaten diese Führungsrolle ausfüllen: allein, an der Spitze einer Koali-

Aus meiner Sicht übernehmen wir die Verpflichtung,
auf solch eine Staatengemeinschaft hinzuarbeiten,
nicht nur aus dem Willen heraus, Gutes zu tun, sondern weil sie uns durch mehrere Gebote auferlegt wird.
Ich möchte fünf nennen.

Eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen
Grundsätzen

Ich möchte einen Gedankengang an Ihnen erproben:
Eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen
Grundsätzen. Kollektive Sicherheit wird es uns ermöglichen, unsere gemeinsame Sicherheitslast zu
teilen. Der Gedanke der kollektiven Sicherheit ist
jedoch mehr als ein fiskalisches Hilfsmittel. Er ergibt
Die Herausforderung, mit der sich die amerikanische sich aus gegenseitigen Interessen - handelspolitischen,
Sicherheitspolitik heute konfrontiert sieht, stellt uns vor finanziellen, kulturellen, ökologischen, politischen und
ein Problem, das ich mit zwei Straußen vergleichen mit der Sicherheit in Zusammenhang stehenden - ,die
möchte. Ein Strau ß möchte lieber die Augen vor allen unser tägliches Leben betreffen. Mit anderen Worten,
Räubern verschließen und steckt den Kopf in den es liegt in unserem Interesse, eine Welt zu gestalten,
Sand. Der andere hört die Rufe der Freunde in Not und die mehr ist als eine Ansammlung von Staaten Elend nach Abhilfe und rennt gleichzeitig in alle Rich- nämlich in der Tat eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen Grundsätzen.
tungen.

AMERIKA DIENST 25

Das erste im Titel dieser Konferenz wiedergegebene
Thema ist das strategische Gebot zur Zusammenarbeit. Viele Bedrohungen sind geographisch so diffus,
daß deren Abwehr weit über die Ressourcen unserer
Verbündeten hinausgeht. Unterstützende Maßnahmen von einer Vielzahl von Ländern sind unabdingbar,
und genau dies haben die Sanktionsregime der Vereinten Nationen gegen den Irak, Libyen und Serbien-

Seite 1

�Montenegro bewirkt. Ohne das Tourniquet auf irakische Importe kann man meines Erachtens zweifellos
sagen, daß die Streitkräftestruktur des Irak und sein
Atomwaffenpotential in der Tat bald erneut Anlaß zu
ernsthafter Sorge bieten würden.
Das zweite Gebot ist Legitimität. Die meisten Länder
stellen meistens fest, daß die Kosten bei weitem den
Nutzen übersteigen, wenn sie das Völkerrecht wahren. Wenn der Sicherheitsrat daher eine zwingend
bindende Resolution verabschiedet oder die IAEO
gemäß ihres Statuts eine Inspektion veranlaßt, kommt
den daraus resultierenden Aktionen ein unvergleichlich hohes Maß an Legitimität zu.

und anderen Massenvernichtungswaffen auszulösen
oder den Genozid weiterzuverbreiten, ist inakzeptabel
für uns. Es gibt wirklich nur ein Gegenmittel. Es
besteht darin, allen Parteien das Versprechen eines
Wandels mit hohen Grundsätzen zu geben und die
sich weigernden hart zu bestrafen. Nur die internationale Staatengemeinschaft hat die kollektive moralische Befugnis sowie die physischen und finanziellen
Ressourcen für eine solch entscheidende Aufgabe.

Und fünftens sehen sich die westlichen Demokratien
mit dem konfrontiert, was ich als Gebot der "Fairness"
oder der 'Gerechtigkeit" bezeichnen würde. Das Gebot
der Gerechtigkeit lautet folgendermaßen: Wenn der
Sicherheitsrat im Namen der gesamten VölkergemeinEs wäre beispielsweise unvorstellbar, daß die Verei- schaft sprechen und handeln soll, darf er nicht auf die
nigten Staaten die Art von eingehenden Inspektionen Fragen mit den größten Auswirkungen für seine reihätten durchführen können, die routinemäßig von der cheren Mitglieder beschränkt bleiben. In der Tat
Überwachungskommission der Vereinten Nationen sendet auch das ehrgeizige Engagement der Vereinvorgenommen werden, ohne praktisch einen Großteil ten Nationen in Somalia - das aus humanitären Gründes Irak zu besetzen. Ebenso unvorstellbar ist, daß den so entscheidend ist - diese wichtige politische
die Frontlinienstaaten auf dem Balkan, insbesondere Botschaft: Wir müssen die Ressourcen der Vereinten
Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Albanien und jetzt Nationen gezielt und sorgfältig sparen, jedoch nicht die
Makedonien, sich ohne die durch die Sanktionsresolu- Tür des Sicherheitsrats verschließen.
tionen des Sicherheitsrats gebotene Kombination von
rechtlichem Druck und politischer Unterstützung für Die von mir dargelegten Faktoren verdeutlichen, daß
die Verhängung von Sanktionen gegen Serbien-Mon- der Prozeß, in dem wir uns befinden, nicht nur eine
tenegro entschieden hätten. Und es steht außer Übung in altruistischer Moral ist. Für mich gibt es
Frage, daß Saddam Hussein seine grauenhafte terro- desinteressiertes Engagement in der internationalen
ristische Bedrohung amerikanischer Soldaten, Zivili- Staatengemeinschaft nicht. Wir sind und bleiben
sten und Einrichtungen ohne die in der Resolution über engagiert, weil wir nach wie vor ein internationales
den Einsatz von Gewalt gegen den Irak zum Ausdruck System aufbauen müssen, in dem unser Experiment in
gebrachte politische Unterstützung hätte verwirklichen Demokratie und sozialem Pluralismus weiterhin gedeikönnen.
hen kann. Während wir Fortschritte machen, das
Unsere zu erhalten und zu schützen, sollten wir klarEin dritter Faktor ist das wirtschaftliche Gebot der stellen, wer wir sind und wofür wir eintreten. In der
Lastenteilung. Wir haben ein nationales Sicherheitsin- amerikanischen Außenpolitik wird es immer eine starteresse an der Eindämmung und - wo immer möglich ke ideologische Komponente geben. Wir wären un- Lösung regionaler Konflikte. Ob an Weiterverbrei- klug, sie zu unterdrücken. Dies unterscheidet uns von
tung, Flüchtlingen an unseren Küsten, der Destabil i- anderen, und dies bewundem andere an uns.
sierung von Verbündeten oder Verlust von Exporten,
Arbeitsplätzen oder Investitionen gemessen, die Ko- Gleichzeitig bedeutet das vorrangige Interesse der
sten ausufernder regionaler Konflikte lasten früher Vereinigten Staaten am Aufbau dieser neuen Gemeinoder später stets auf den Vereinigten Staaten. 1993 schaft nicht, daß Amerika die Verantwortung zur
werden die Vereinten Nationen über 3 Milliarden Dollar Behebung allen Übels auf der Welt obliegt. Statt
aufwenden, um diese Konflikte einzugrenzen oder zu dessen ist unser Ziel die Förderung der Entwicklung
beenden, und wir werden ein Drittel davon überneh- einer Gemeinschaft, die fähig ist, die erschreckenden
men. Ohne die Vereinten Nationen wären sowohl die Ungerechtigkeiten zu erleichtem, wenn nicht zu beseiKosten als auch der Konflikt bei weitem größer.
tigen, von denen die Zivilisation noch immer geplagt
ist. Denn nur in einer solchen Gemeinschaft können
In den vergangenen Jahren wurde jedoch ein viertes die Vereinigten Staaten prosperieren.
Gebot aufgestellt, das als das angemessene Gebot
zur Schlichtung von Streitigkeiten bezeichnet werden Wenn also tatsächlich eine internationale Staatengekönnte. Das Ende des Kalten Krieges hat eine Vielzahl meinschaft mit höheren Grundsätzen Gestalt annimmt,
unzufriedener Parteien - insbesondere in Europa und wo passen wir ins Bild? Weil diese internationale
Eurasien - freigesetzt, die wirtschaftliche, nationale, Staatengemeinschaft die amerikanischen Werte, Ideoethnische, rassische, religiöse und andere Konflikte zu logie und Wirtschaftsinteressen in solchen Maße wilösen versuchen. Unkontrolliert werden diese Kräfte derspiegelt, haben wir ein Motiv und eine Chance,
zweifellos einen Großteil Europas und Eurasiens in einige "Spielregeln" festzusetzen. Die Vereinten Naden Konflikt hineinziehen. Das Potential zur Destabi- tionen sind der beste Verwahrungsort dieser Regeln
lisierung der Mitte Europas, den Einsatz von Nuklear- und die Vereinigten Staaten ihr fähigster Schirmherr.
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AMERIKA DIENST 25

�Regeln sind jedoch keine Regeln, wenn sie nicht
durchgesetzt werden. Dies erfordert nicht, daß wir den
Wettpolizisten spielen, sondern nur, daß es Polizisten
geben sollte, und wir bei der Gewährleistung ihrer
Wirksamkeit zur Hand gehen.

gende Unterstützung für mehrere weitreichende Reformen aufzubauen, die in diesem Jahr durchgeführt
werden könnten.

Bevor ich einige der generellen Ideen darlege, möchte
ich Ihnen eine Art Diagnose präsentieren. Wenn ich
Ein zentrales au ßenpolitisches Ziel dieser Administra- ein einziges Wort auswählen müßte, um die Probleme
tion besteht daher darin, Schutzmechanismen für eine der UNO-Friedenssicherung zu schildern, würde ich
internationale Staatengemeinschaft mit hohen Grund- "Improvisation" wählen.
sätzen zu schaffen, die die Lasten ihrer Verteidigung
gerechter verteilt und gleichzeitig unsere Führungsrol- Vielleicht erstaunt es Sie - mich hat es auf jeden Fall
le erhält. Wir in den Vereinigten Staaten müssen also erstaunt - zu erfahren, daß die Vereinten Nationen
energisch auf die Stärkung der Fähigkeit der Vereinten jedesmal bei der Durchführung ihrer insgesamt 28
Nationen und anderer multilateraler Organisationen friedenssichernden Operationen seit 1948 wieder von
hinarbeiten, Friedenssicherung, präventive Diploma- vorne anfingen. Auf allen Gebieten zeigt sich eine Art
tie, Friedenschaffung, Verwirklichung des Friedens, programmierten Dilettantentums:
humanitäre Sicherheit und ähnliche Operationen durchin dem nahezu vollkommenen Fehlen einer
zuführen.
Planung für Eventualfälle,
Regelung der UNO-Friedenssicherung
in hastig rekrutierten, schlecht ausgerüsteten
und häufig unvorbereiteten Truppen und ZivilIn den vergangenen Jahren sind die Friedenssicheangestellten,
rungs- und andere verwandte Missionen der UNO in
schwindelerregendem Tempo angestiegen. 1987 gab
bei den Luftbrückenarrangements, die auf Imes fünf friedenserhaltende Missionen, von denen drei
provisation und Gebeten beruhen,
bereits seit Jahrzehnten bestanden hatten. Dafür
wurden weniger als 10.000 UNO-Soldaten oder Milibei den Beschaffungsprozessen, die lange
tärbeobachter zu Gesamtkosten von 233 Millionen
Vorlaufzeiten für dringend benötigte Ausrüstung
Dollar eingesetzt. Heute unterhalten wir 13 Missionen
erfordern,
und mehr als 75.000 Soldaten zu einem Preis von über
angesichts des fehlenden Wissens über verfüg3 Milliarden Dollar. Erstaunlicherweise verfügen wir
bare Streitkräfte und Fähigkeiten,
über nahezu dieselbe Zahl an ständigen Mitarbeitern
im Hauptquartier wie 1987.
angesichts des Mangels an Ausbildungsstandards für die Truppen oder standardisierten
Diese geringe Zahl von Mitarbeitern hat erstaunliche
Operationsverfahren fürsich im Feld oderunter
Arbeit geleistet, um sich an das Arbeitspensum und die
Beschuß befindliche Truppen,
konzeptuellen Änderungen bei den friedenserhaltenden Aufgaben anzupassen. Sie mußten sich jedoch
angesichts der fehlenden Zentralisierung von
auf Ad-hoc-Regelungen verlassen. Wir allen tragen
Kommando und Kontrolle,
einen Großteil der Verantwortung für diese Situation,
da es uns allen nicht gelungen ist sicherzustellen, daß
angesichts des Fehlens von standardisierten
die Vereinten Nationen über die Kapazitäten verfügen,
Haushaltsverfahren und Kostenfaktoren,
die ihnen von uns zugewiesenen großen und wachsenden Aufgaben zu erfüllen.
bei dem byzantinischen und langwierigen Entscheidungsfindungsprozeß für den Haushalt,
In seinem Bericht "Eine Agenda für den Frieden" von
und angesichts der fehlenden dauerhaften Fi1992 ebnete der Generalsekretär den Weg der UNnanzgrundlage für den Beginn und Erhalt frieStaatengemeinschaft zu einer Reform der Friedenssidenssichernder Operationen.
cherung. Und erhat bereitseine Anzahl von nützlichen
organisatorischen Schritten unternommen, die äußerst
begrüßenswert sind. Um jedoch die systematischen Im letzten Monat unternahm der Sicherheitsrat auf
Herausforderungen anzugehen, mit denen wir im Bereich Initiative der Vereinigten Staaten und Rußlands einen
der Friedenssicherung konfrontiert werden, benötigen extrem wichtigen Schritt, indem er den Generalsekretär um die Vorlage eines Berichtes im September
wir die aktive Hilfe der Mitgliedstaaten.
dieses Jahres mit spezifischen neuen ReformvorschläUnsere Regierung nähert sich der Beendigung einer gen bat. Zu den Vorschlägen des Rates zählten:
internen Überprüfung der amerikanischen Unterstütdie Schaffung eines Direktoriums für Planung
zung für die UNO-Friedenssicherung, und wir werden
und laufende Operationen,
bald in der Lage sein, unsere Vorschläge dem Generalsekretär und den anderen Mitgliedstaaten vorzuledie Unterrichtung der Vereinten Nationen über
gen. Diesen Sommer werden wir versuchen, grundledie Streitkräfte und Fähigkeiten, die die MitAMERIKA DIENST 25

Seite 3

�gliedstaaten für friedenssichernde und humanitäre Operationen zur Verfügung stellen könnten,
eine Reserve an üblicherweise benutzter Ausrüstung sowie
die Standardisierung friedenssichernder Verfahren.
Der vielleicht wichtigste Satz in der Erklärung des
Sicherheitsrates lautete, daß alle Mitgliedstaaten "die
Teilnahme an internationalen friedenssichernden
Maßnahmen und ihre Unterstützung zu einem Bestandteil ihrer Außen- und nationalen Sicherheitspolitik machen". Das ist der Schlüsselfaktor: Die Verhinderung und Schlichtung internationaler Konflikte ist
nicht eine Frage gelegentlichen Interesses; sie liegt im
entscheidenden Interesse unseres Landes und der
anderen UN-Mitgliedstaaten.

Wir untersuchen Möglichkeiten, um mit dieser bedrükkenden und gefährlichen Situation fertigzuwerden. Eine
mögliche Lösung ist die Schaffung eines einheitlichen
UN-Friedenssicherungsbudgets, das mit einem vergrößerten Kontingentfonds für unvorhergesehene
Missionen verbunden ist. Ein solcher Fonds müßte
eine jährliche Anpassung erfahren und würde dem
Generalsekretär eine bessere Grundlage für seine
Planung geben sowie die Notwendigkeit für die Mitgliedstaaten einschränken, zum Zwecke zusätzlicher
Finanzierung auf ihre Legislative zurückzugreifen.
Kontrolle der Kosten

Ebenso wie Anzahl und Umfang friedenssichernder
Missionen zugenommen haben, hat sich auch der
Finanzbedarf der Vereinten Nationen erhöht. Die UNO
verfügt jedoch nicht über die Mittel oder ausgebildeten
Mitarbeiter, um zunehmend komplizierte Budgets für
friedenserhaltende Missionen zu verwalten und zu
überprüfen. Die Vereinigten Staaten und andere groIch bin der Ansicht, daß es an der Zeit ist, das politiße Geberländer sollten zu diesem Zweck die Schafsche, intellektuelle und finanzielle Kapital zur Verfüfung eines Kaders hochqualifizierter Haushaltsexpergung zu stellen, dessen die UN-Friedenssicherung
ten befürworten sowie die Einführung spezieller Hausund unsere Sicherheit bedürfen. Ich möchte einige
haltsverfahren. Wir werden bei den Vereinten NatioGebiete aufzeigen, auf denen der Wandel Priorität hat.
nen ebenfalls darauf dringen, ihren Plan für einen
Inspekteurfriedenssichernder Missionen zur Kontrolle
Operationen
der tatsächlichen Ausgaben durchzuführen. Die VerDie Vereinten Nationen haben weder die Mittel noch einten Nationen müssen regelmäßiger und rechtzeitidie interne Organisation, um friedenserhaltende Mis- ger als bisher Verfahren zur Rechtfertigung der Kosten
sionen zu planen, vorzubereiten, zu organisieren, zu einführen, um einen vernünftigen Umgang mit ihren
stationieren, zu leiten und durchzuführen. Wir befür- Geldern sicherzustellen.
worten eine substantielle Vergrößerung und Reorganisation der Hauptquartiere für friedenserhaltende Finanzierung
Maßnahmen - sowie die Schaffung eines dauerhaften
Fundaments für eine schnelle Kommunikation rund Während die Kosten für die Friedenssicherung immer
um die Uhr, Nachrichtendienste, Lufttransport, Rekru- weiter ansteigen, weigern sich einige UN-Mitgliedstaatierung, Ausbildung und das gesamte Spektrum logi- ten, Gelder für neue Missionen bereitzustellen, während andere, beispielsweise Rußland, ihren bestehenstischer Gefechtsfeldunterstützung.
den Verpf lichtu ngen nicht mehr nachkommen können.
Als Folge davon nähern wiruns einer Krise, in der eine
Haushalt
aus politischen Gründen wünschenswerte IntervenDie Kosten für die Friedenssicherung werden von der tion der UNO aus finanziellen Gründen nicht stattfinMission in Rechnung gestellt - ein zeitaufwendiger den kann. Aus diesem Grund beabsichtigen wir in den
Prozeß, der nicht in Einklang mit unserem eigenen kommenden Monaten, mit anderen Mitgliedstaaten
gesetzlichen Haushaltsbewilligungsverfahren und dem zusammenzuarbeiten, um alle Möglichkeiten zu sonvieler anderer Länder steht. Das macht Planung dieren, die Friedenssicherung auf eine solide und
nahezu unmöglich und führt zu einer Krise bei der dauerhafte langfristige Grundlage zu stellen.
Geldversorgung - was verspätete Stationierung und
lange Verzögerungen bei der Vergütung der Beitragsgeber mit sich bringt.

* *

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AMERIKA DIENST 25

�NATO
23. Juni 1993

NATO FÜR USA WEITERHIN VON BEDEUTUNG
Administration unterstreicht Engagement der USA
WASHINGTON - (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags NATO bleibt für die Vereinigten Staaten
weiterhin das Hauptfonim, um ihrem Engagement für die europäische Sicherheit Ausdruck zu verleihen,
erklärten hochrangige Mitarbeiter Präsident Clintons am 18. Juni 1993 vor einem Kongreßausschuß.

"Wie Außenminister Christopher kürzlich in Athen
äußerte, sind wir der Ansicht, daß auch nach dem
Ende des Kalten Krieges die amerikanische Führungsrolle so bedeutend bleibt wie je zuvor - ein Punkt, den
der Präsident auf seiner Pressekonferenz am gestrigen Abend unterstrich", so Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter im Außenministerium für europäische und
kanadische Angelegenheiten.

ausschuß werde "neue Wege" für die multilaterale
Durchsetzung friedenssichernder Maßnahmen im
kommenden Jahr prüfen. "Nach Beendigung des
Kalten Krieges mu ß die NATO ihre Kommandostruktur
sowie ihre Strategie umstellen", fuhr Levin fort.
Slocombe wies darauf hin, daß die Organisation im
Laufe der vergangenen Jahre mehrere umfassende
Anpassungen vorgenommen, neue strategische Doktrinen angenommen, ihre Streitkräfte neu ausgerichtet
und sich auf die Übernahme neuer Rollen eingestellt
habe. "Aber es bleibt noch viel zu tun", fügte er hinzu.

"Die Vereinigten Staaten werden sich dieser Herausforderung weiterhin stellen", erklärte Oxman in einer
Anhörung im Streitkräfteunterausschuß des Senats
über die Verteidigungs- und Verstärkungsstreitkräfte
der Koalition. Auf seiner Pressekonferenz vom 17. Das deutlichste Anzeichen der kontinuierlichen BeJuni betonte Präsident Clinton, die NATO sei in der Zeit deutung der NATO für die Sicherheit des neuen Europas ist Slocombe zufolge die Tatsache, da ß die Länder
nach dem Kalten Krieg "äußerst wichtig".
des ehemaligen Warschauer Paktes ohne Ausnahme
"In den kommenden Jahren wird es alle möglichen den Wunsch nach einer Mitgliedschaft in dieser OrgaProbleme geben, durch Terrorismus, die Verbreitung nisation haben.
von Massenvernichtungswaffen und durch bisher
unvorhergesehene Entwicklungen in Ländern außer- Präsident Clinton äußerte sich auf seiner Pressekonferenz in ähnlicherWeise: "Sie wissen, daß diese ihren
halb der NATO", so Clinton.
Mitgliedern einen Schutzschild gibt. Und meines
Walter B. Slocombe, parlamentarischer Staatssekre- Erachtens müssen wir uns weiterhin darin engagietär für politische Angelegenheiten im Verteidigungsmi- ren."
nisterium, erklärte, die NATO sei das erfolgreichste
Bündnis in der Geschichte und für die Welt von heute Oxman zufolge beabsichtigen die Vereinigten Staaten, eine beachtliche Truppenstärke - ungefähr 100.000
nach wie vor relevant.
Mann - in Europa beizubehalten, damit sie ihre sicher"Die Gewährleistung der Sicherheit und Stabilität Europas heitspolitischen Verpflichtungen im Rahmen der NATO
bleibt für unsere Sicherheit und unseren Wohlstand gewährleisten können.
von entscheidender Bedeutung", erklärte Slocombe.
"Wir werden auch in Zukunft bei unseren Verbündeten
"Zu diesem Zweck engagieren sich die Vereinigten darauf dringen, daß sie ihren Verpflichtungen für unseStaaten weiterhin für einen kollektiven Verteidigungs- re gemeinsame Verteidigung nachkommen - dessen
Rückgrat die integrierte Militärstruktur der NATO ist",
apparat, dessen Hauptkomponente die NATO ist."
so Oxman.
Senator Carl Levin (Demokrat aus Michigan), der
Vorsitzende der Anhörung, ließ verlauten, der Unter- "Außenminister Christopher machte in Athen deutlich,
daß Präsident Clinton in der Lage sein muß, dem
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Seite 1

�Kongreß und dem amerikanischen Volk zu beweisen,
daß alle unsere Verbündeten die Lasten und Pflichten
unserer Partnerschaft sowie unsere Entscheidungen
mittragen", fuhr Oxman fort.

Lugar kritisierte die NATO für ihr mangelndes Engagement im ehemaligen Jugoslawien, obwohl ihm zufolge
die Regierungen der Mitgliedstaaten letztlich die Verantwortung tragen. Wenn die NATO jedoch "nicht in
der Lage ist, auf Situationen wie ihm ehemaligen
Admiral William D. Smith, der amerikanische Vertreter Jugoslawien zu reagieren, ist die NATO tot", äußerte
im Militärausschuß der NATO, stellte fest, militärische Lugar.
Überlegungen seien zwar von geringerer Bedeutung
als während der Spaltung Europas, die kontinuierliche Die neue Rolle der NATO würde die Vereinten NatioAufgabe des Bündnisses bleibe jedoch die Sicherheit nen im wesentlichen ergänzen, erläuterte Lugar. "In
ihrer Mitglieder.
der Welt von heute darf kein Kirchturmdenken vorherrschen", fügte er hinzu. Er verwies ausdrücklich auf den
In diesem Tenor führte Senator Richard Lugar (Repu- Balkan und den Nahen Osten als Bereiche, in denen
blikaner aus Indiana), der ehemalige Vorsitzende des die NATO eine nützliche Rolle spielen könnte. Auf die
Auswärtigen Ausschusses des Senats, am 21. Juni Frage, ob Deutschland in der von ihm vorgesehenen
1993 im Foreign Press Center aus, die NATO solle NATO eine entscheidende Rolle spielen sollte, erklärte
"eine neue Zielsetzung" erarbeiten, mit der die Organi- Lugar, "es sollte eine äußerst maßgebliche deutsche
sation zum Schutz globaler, nicht nur regionaler Si- Beteiligung geben".
cherheit verpflichtet würde. Die Notwendigkeit, daß
sich die NATO "beschleunigt mit ihrer neuen Mission Lugar sprach auch über Nordkorea und das Nordamebefaßt", sei vordringlich.
rikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Er führte
aus, er teile die Kritik der Clinton-Administration an
Lugar forderte ferner die Stärkung der NATO durch die Nordkorea. "Es ist ein sehr ernsthaftes Dilemma. Kein
"unverzügliche" Aufnahme neuer Mitglieder - insbe- Land ist je aus dem Nichtverbreitungsvertrag (NW)
sondere Polen, die Tschechische Republik und Un- ausgetreten und hat Inspektionen verweigert", stellte
garn. Auf die Frage nach der Haltung der Clinton- er fest. "Alle Nationen müssen wegen dieser InspekAdministration zu diesem Vorschlag erwiderte er, dies tionen Druck auf Nordkorea ausüben."
werde "noch erörtert".
Die Situation im Hinblick auf Nordkorea "ist sehr wichLugar wurde auch zur Aufnahme der Slowakei in die tig für die Sicherheit im Pazifik", fügte Lugar hinzu.
NATO befragt. Seine Antwort lautete, die Slowakei "Unsere Verbündeten müssen wissen, daß wir es
könne sicherlich zu einem Zeitpunkt beitreten, "aber ernst meinen."
ich kenne ihre Einstellung zur Sicherheit nicht".
Lugar unterstrich die Bedeutung der Verabschiedung
Lugar bekräftigte, er befürworte die Mitgliedschaft des NAFTA. "NAFTA ist ein Vorbote für ernsthafte
Rußlands und der Ukraine in absehbarer Zukunft, Gespräche über freien Handel auf dem gesamten
"abhängig von den politischen Entwicklungen". Der Kontinent", äußerte er.
Prüfstein für die NATO-Mitgliedschaft solle die Entwicklung von Demokratie und die Verpflichtung zur
Marktwirtschaft sein, fuhr Lugar fort.

* *

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�RUNDFUNK
23. Juni 1993

CLINTON UNTERBREITET VORSCHLAG FÜR
INTERNATIONALEN RUNDFUNK
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton unterbreitete am 15. Juni 1993 einen Vorschlag zur Verbesserung
internationaler Rundfunkprogramme, die ihm zufolge drei entscheidende Ziele der Außenpolitik unterstützen
werden: Förderung der Demokratie, Verbesserung der amerikanischen Sicherheit und Wiederbelebung der
nationalen Volkswirtschaft.
"Ich freue mich, bei diesen Bestrebungen vom Direktor des US-Informationsamts (United States Information
Agency - USIA), Dr. Joseph Duffey, und dem Vorsitzenden des Internationalen Rundfunkrats, dem Kongreßabgeordneten Dan Mica, unterstützt zu werden", äußerte Clinton in einer Stellungnahme.
Clinton umriß die drei Hauptkomponenten des vorgeschlagenen Plans:
Sicherung der Existenz von Radio Free Europe und Radio Liberty,
Erhaltung anderer wichtiger Sender wie Voice of America, Radio Marti und TV Marti,
Gründung eines neuen und unabhängigen Vorstands, der nicht nur als Aufsichtsrat für Radio Free Europe
und Radio Liberty fungiert, sondern auch für Voice of America und andere Auslandssender. Der im
Gebäude von USIA untergebrachte Vorstand wird fürden Internationalen Rundfunkrat ähnliche Aufgaben
ausführen oder diese ersetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, heute einen wichtigen Schritt zur Förderung der Demokratie unternehmen zu können, indem ich meinen Vorschlag zur Stärkung der effektivsten uns zur Verfügung stehenden außenpolitischen
Instrumente unterbreite - unserer internationalen Sender. Denn die Verbreitung unserer Werte, unserer
Ideen und unserer demokratischen Lebensweise kann
zur Stärkung unserer Sicherheit beitragen und andere
Menschen weltweit in ihrem Kampf für Freiheit unterstützen.
Ich bin erfreut, bei diesen Bestrebungen vom Direktor
des US-Informationsamts, Dr. Joseph Duffey, und
dem Vorsitzenden des Internationalen Rundfunkrats,
dem Kongreßabgeordneten Dan Mica, unterstützt zu
werden. Diese Programme waren ein wesentlicher
Bestandteil unserer Bestrebungen zur Förderung von
Demokratie sowie der amerikanischen Interessen im
Ausland und werden dies auch in Zukunft sein.
Unser Plan sieht eine stolze Wiedergeburt amerikanischer Sender vor, um diesem Zeitalter nach dem
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Kalten Krieg Rechnung zu tragen. Unser Vorschlag
sichert die Existenz von Radio Free Europe und Radio
Liberty, die eine so wichtige Rolle dabei spielen, die
Freiheit nach Mittel- und Osteuropa sowie in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu bringen. Er erhält
unsere anderen wichtigen Sender wie Voice of America, Radio Marti und TV Marti, die eine so entscheidende Rolle dabei gespielt haben, Wahrheit und Hoffnung
ins Ausland zu vermitteln. Und unser Plan organisiert
unsere Auslandssender neu, u m sie stärker, effizienter
und fähiger bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen dieses Zeitalters zu machen, Demokratie
und den Wiederaufbau bürgerlicher Gesellschaften zu
fördern.
Unser Sieg im Kalten Krieg war nicht nur auf die Stärke
unserer Streitkräfte zurückzuführen, sondern auch auf
die Kraft unserer Ideen. Während wir handelten, um
den sowjetischen Expansionismus einzudämmen,
versuchten wir auch, den Geist der Freiheit zu beflügeln, wo Unterdrückung herrschte. Voice of America
hat lange eine bedeutende Rolle bei diesen BestrebunSeite 1

�gen gespielt. Und um eben diese Sache voranzubringen, haben wir vor 40 Jahren einen Rundfunksender Radio Liberty - mit dem Ziel ins Leben gerufen, die
Verfechter der Freiheit mit freiheitsliebenden Amerikanern hinter dem Eisernen Vorhang zu vereinigen. Die
Gründer dieses und anderer amerikanischer Rundfunksenderwaren sich bewußt, daß die Wahrheit eine
unserermächtigsten Waffen im Kampf gegen Kommunismus und Totalitarismus ist.
Die Helden bei der Beendigung des Kalten Krieges zum Beispiel der polnische Präsident Lech Walesa
und der tschechische Präsident Vaclav Havel - haben
häufig auf die Bedeutung verwiesen, die sie Radio
Free Europe und Radio Liberty für ihre historische
Arbeit im Namen von Freiheit und Demokratie beimessen.
Zusammen mit unseren anderen Rundfunkanstalten
haben Radio Free Europe und Radio Liberty nachhaltig die Fähigkeit von Diktatoren auf die Probe gestellt,
die Geschichte zu verleugnen, die Wahrheit zu verzerren und den Geist zu manipulieren. Von Havanna bis
Ho-Chi-Minh-Stadt, von Pretoria bis Prag haben unsere Auslandssender dazu beigetragen, eine Lektion
unter Beweis zu stellen, die Amerikaner niemals vergessen dürfen: Eine informierte und aufgeklärte
Bevölkerung ist der mächtigste Gegner, den Tyrannei
je haben kann.
Heute haben sich die Herausforderungen für die Staaten gewandelt, die einst hinter dem Eisernen Vorhang
gefangengehalten wurden. Die Arbeit der Freiheit ist
nicht beendet. Die meisten dieser Staaten durchlaufen
einen schwierigen Prozeß, die Gewinne der Demokratie zu konsolidieren und die Fundamente für Wohlstand zu legen. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen und politischen Spannungen in zahlreichen dieser
Nationen haben Demagogen und Kriegsherren hervorgebracht, die die jüngsten Fortschritte der Demokratie umzukehren versuchen.
Diese und viele andere Staaten benötigen noch immer
eine Nachrichtenquelle, die zuverlässig nicht der
Manipulation durch ihre eigenen Regierungen unterworfen ist. Keine Nation besitzt größere Glaubwürdigkeit, solche Nachrichten zu liefern, als die Vereinigten
Staaten. Aus diesem Grund werden unsere Rundfunk- und anderen internationalen Sender weiterhin
eine lebenswichtige Rolle spielen während wir versuchen, zur Stärkung der neuen Demokratien und Förderung der Entwicklung demokratischer Institutionen
beizutragen, wo diese noch nicht existieren.

funksender und Voice of America, werden einige Änderungen in ihrer Struktur und beim Etat
vorgenommen.
Wir werden einen neuen und unabhängigen
Vorstand gründen, der nicht nur als Aufsichtsrat
für Radio Free Europe und Radio Liberty fungiert, sondern auch für Voice of America und
andere Auslandssender. Der im Gebäude von
USIA untergebrachte Vorstand wird für den
Internationalen Rundfunkrat ähnliche Aufgaben
ausführen oder diese ersetzen. Dieser neue
Vorstand, den der Präsident auf Empfehlung
und mit Zustimmung des Senats ernennen wird,
gewährleistet Unabhängigkeit, Kontinuität,
Qualität und journalistische Integrität bei unseren Surrogat- und anderen Sendern.
Dieser neue Vorstand wird eine wichtige Rolle
dabei spielen, die beste Mischung der Funktionen eines Senders herauszufinden: Der übrigen Welt die amerikanischer Pespektive näherzubringen, Gewährleistung objektiver internationaler Berichterstattung, Sendung wahrheitsgetreuer Inlandsnachrichten, wo es noch keine
freie Presse gibt, gelegentliche Hilfestellung bei
der Übermittlung der offiziellen Meinung unserer Regierung ins Ausland.
Dieser neue Vorstand wird auch eine Führungsrolle dabei übernehmen, bei der Gründung eines neuen Asian Democracy Radio behilflich zu
sein, um für die Menschen in Asien, deren
Regierungen noch immer die Wahrheit verschweigen, wahrheitsgetreue lokale und internationale Nachrichten zu senden.
Darüber hinaus werden wir weiterhin die gute
Arbeit unserer wichtigen Sender fortsetzen, die
die Freiheit für Kuba beschleunigt herbeiführen
sollen - Radio Marti und TV Marti. Die derzeitige
Struktur dieser Körperschaften und ihres Vorstands wird beibehalten.
Wir werden die Schaffung eines unabhängigen Nachrichtensammlungs- und Sendebetriebs in den Ländern
Osteuropas und den neuen unabhängigen Staaten
ermutigen, wo sie in das Gefüge des demokratischen
Lebens integriert werden können.

Indem wir die Ressourcen unserer Sender unter einem
Dach vereinigen, können wir beträchtliche Einsparungen vornehmen und verfügen gleichzeitig über größere Flexibilität, unsere Sender den sich wandelnden
Der von uns heute bekanntgegebene Plan wird diese internationalen Gegebenheiten und PublikumsinteresAnstalten stärken und sie besser an dieses Zeitalter sen entsprechend auszurichten und zu gestalten.
Darüber hinaus können wir die sich abzeichnende
anpassen:
bemerkenswerte technologische Entwicklung im weltWir werden den Betrieb von Radio Free Europe weiten Sendebetrieb besser nutzen.
und Radio Liberty aufrechterhalten. Bei vielen
unserer Sender, einschließlich dieser Rund- Der von uns heute unterbreitete Plan wurde dank der
harten Arbeit und Zusammenarbeit zahlreicher EinzelSeite 2

AMERIKA DIENST 25

�personen erstellt, ich möchte jedoch insbesondere die
Führungsrolle des Kongreßabgeordneten Dan Mica
und von Dr. Duffey würdigen. Ferner möchte ich das
hohe Maß an Professionalität und Engagement derjenigen nicht unerwähnt lassen, die so viel zu den
herausragenden Leistungen von Voice of America,
Radio Free Europe und Radio Liberty sowie unseren
anderen Sendern beigetragen haben. Sie haben Jahre
ihres Lebens geopfert und häufig sogar ihr Leben
riskiert, um den Menschen wahrheitsgetreue Nach-

richten und die Botschaft der Demokratie zu übermitteln, denen beides verweigert wurde, und wir werden
weiterhin auf ihre ausgezeichneten Dienste zurückgreifen.
Ich habe erklärt, daß sich meine Außenpolitik auf die
Förderung von Demokratie, die Verbesserung unserer
Sicherheit und die Wiederbelebung u nserer Wirtschaft
gründet. Der von uns heute unterbreitete Plan hilft uns
bei der Verwirklichung aller drei Ziele.

* * * * *

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Seite 3

�UMWELT
23. Juni 1993

USA FORDERN GLOBALE UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede von Vizepräsident Gore
WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident Gore hat Industriestaaten und Entwicklungsländer aufgefordert, eine
umweltverträgliche Entwicklung zu fördern, indem sie verantwortungsbewußter mit ihrer jeweiligen Umwelt
umgehen und bereit sind, Informationen und Technologie miteinander zu teilen.
In seiner Rede vor der UN-Kommission für umweltverträgliche Entwicklung definierte Gore am 14. Juni 1993
umweltverträgliche Entwicklung als "wirtschaftlichen Fortschritt ohne Umweltzerstörung" und bekräftigte, daß
wirtschaftliche Entwicklung und Verantwortung gegenüber der Umwelt Hand in Hand gehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Vizepräsident Gores Rede im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre, bei einem solch bedeutenden
Anlaß für alle Ihre Länder bei Ihnen zu sein - das gilt
auch für die Länder, deren Vertreter nicht hier anwesend sind.

Und dasselbe gilt auch heute. Wir kommen aus
verschiedenen Teilen der Welt. Meine Worte werden
in viele verschiedene Sprachen übertragen. In den
nächsten Tagen werden wir einige erhebliche Differenzen überwinden müssen.

Seit Rio ist ein Jahr vergangen und obwohl wir uns für
gewöhnlich auf die bei den offiziellen Veranstaltungen Aber wir sind vereint durch eine gemeinsame Prämisdes Erdgipfels vorgetragenen Ideen konzentrieren, se: daß menschliche Aktivität der globalen Umwelt
erinnere ich mich an wesentlich mehr.
unnötigerweise schwere und vielleicht irreparable
Schäden zufügt. Und wir müssen reagieren. Die
Denn der große Reichtum menschlicher Kreativität Gefahren sind uns allen klar.
wurde in Rio voll und ganz unter Beweis gestellt: jener
riesige "Baum des Lebens", auf dessen Blätter aus Die Wälder der Erde werden in einem Tempo zerstört,
Papier Kinder aus aller Welt mit Wachsmalstiften das der Größe eines Fußballplatzes pro Sekunde
Botschaften geschrieben hatten. Vertreter der Urbe- entspricht. Ein enormes Loch tut sich in der Ozonvölkerung wie der Kayapao, Yanomami, Inurt und schicht auf und verringert die Fähigkeit der Erde, das
Penan, die leidenschaftlich die gefährdeten Überbleib- Leben vor der tödlichen ultravioletten Strahlung zu
sel der Wildnis verteidigten, in denen ihre alten Kultu- schützen. Arten sterben in einem solch beispiellosen
ren ums Überleben kämpfen.
Tempo aus, daß über die Hälfte während unserer
Lebenszeit verschwinden könnten. Immer mehr cheWissenschaftler führten verblüffend schöne Compu- mische Abfälle versickern und vergiften das Grundterbilder von jedem Quadratzentimeter der Erde vor - wasser - und steigen in die Atmosphäre auf, um ihr
wie man sie aus dem Weltall sieht. Künstler schufen empfindliches Gleichgewicht zu zerstören. Die Degespektakuläre Plastiken, Gemälde, Musikstücke, Grafi- neration von Land, Wäldern und Süßwasser - sowohl
ken und Klänge.
isoliert als auch unter Synergiegesichtspunkten betrachtet - spielt eine entscheidende Rolle für die interUnd sie alle schienen mehr Ähnlichkeiten als Unternationale Instabilität. Riesige Mengen von an die
schiede aufzuweisen: der Ureinwohner und der KünstAtmosphäre abgegebenem Kohlendioxid, Methan und
ler, der Wissenschaftler und das Kind, der Tourist und
anderen Treibhausgasen halten die Wärme fest und
der Diplomat. Alle schienen ein tieferes Verständnis
steigern weltweit die Temperaturen.
gemeinsam zu haben - die Erkenntnis, daß wir alle Teil
von etwas sind, das wesentlich grö ßer ist als wir selbst, Sie wissen dies. Unser gemeinsames Gefühl der
einer Familie, die dem Blut nach nur entfernt, durch Dringlichkeit hat uns heute hierhin geführt. Ich wünschdas Engagement für die gemeinsame Zukunft aller te, jeder würde die Dinge ebenso sehen. Aber das trifft
jedoch eng verwandt ist.
nicht zu.

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�Vor wenigen Wochen faßte der Harvard-Professor
Edward Wilson in einem Beitrag für die New York
Times die Meinung der Andersdenkenden folgendermaßen zusammen:
"Bevölkerungswachstum? Gut für die Wirtschaft - also
laßt ihm freien Lauf. Landknappheit? Probiert Fusionsenergie zur Meerwasserentsalzung aus und
gewinnt danach die Wüsten der Welt zurück..., indem
ihr Eisberge bis zu Pipelines an der Küste schleppt..."

Er erwähnte die Bedeutung der Verringerung von
Treibhausgasemissionen und verpflichtete die Vereinigten Staaten, die Emissionen bis zum Jahr 2000 auf
das Niveau von 1990 zu senken - eine große Veränderung für mein Land.
Der Präsident gab eine Reihe von Präsidialerlassen
bekannt, die unsere Regierung zu einer führenden
Kraft bei der Verhütung von Umweltbelastungen und
bei der effizienten Energieausnutzung machen werden, denn sollten wir nicht unser eigenes Haus - die
Bundesregierung der Vereinigten Staaten - in Ordnung
bringen, wenn wir Veränderungen bei allen anderen
fordern?

"Artensterben? Macht euch keine Sorgen", sagen die
Skeptiker. "So funktioniert eben die Natur. Betrachtet
die Menschheit lediglich als das letzte Glied einer
langen Kette der Ausrottung in der geologischen
Geschichte. Ressourcen? Der Planet hat mehr als Und heute nachmittag - ich freue mich, Ihnen dies
genug Ressourcen, um unendlich lange zu bestehen." mitteilen zu können - werden wir eines der zahlreichen
Ergebnisse dieser neuen Hinwendung zur Umwelt in
Wilson bezeichnete diese Gruppe als "exemptiona- den Vereinigten Staaten bekanntgeben: den vom
lists", weil sie behaupten, der Mensch sei an Intelligenz Präsidenten eingerichteten Rat für umweltverträgliche
und Geist so überlegen, daß er "von den eisernen Entwicklung.
Gesetzen der Ökologie, die alle Arten miteinander
verbinden", ausgenommen (exempted) sei.
Dieser aus 25 Mitgliedern bestehende Rat wird eine
neue Partnerschaft zwischen Vertretern aus Industrie,
Die Menschheit ist nicht ausgenommen. Die Gesetze Regierung und Umweltgruppen aufbauen. Er wird
der Ökologie sind auch für uns verbindlich. Wir haben neue Ansätze zur Integration von Wirtschafts- und
uns in Rio verpflichtet, unseren Kurs zu ändern. Wir Umweltpolitik entwickeln.
haben uns verpflichtet, den Rat derjenigen auszuschlagen, die auf dem Weg der Ausrottung fortfahren Präsident Clinton wird den Rat bei einer Feier im
Weißen Haus heute nachmittag offiziell ins Leben
wollen.
rufen. Bis zum Jahresende wird der Rat einen ameriUnd wenn irgendwelche Zweifel an der Unterstützung kanischen Aktionsplan für umweltverträgliche Entwickder Vereinigten Staaten für diese Verpflichtung beste- lung vorgelegt haben. Dieser Plan wird Ihnen übermithen sollten, so möchte ich diesen ein Ende bereiten. telt werden.
Die Administration unterstützt nicht nur diese Verpflichtung - wir beabsichtigen, uns all denen anzu- Wir glauben an diesen Auftrag. Wir verpflichten uns,
schließen, die entschlossen sind, echte Führung zu ihm zum Funktionieren zu verhelfen. Aber gewiß ist
demonstrieren. Nehmen Sie nicht mich beim Wort. das, was wir bisher getan haben, lediglich ein Anfang.
Lauschen Sie den Worten Präsident Clintons am Tag Wir können die vor uns liegenden Schwierigkeiten
der Erde.
nicht überschätzen. Von dem breiten Spektrum der
Probleme, die einen in der Tat zum Pessimisten machen
"Wenn wir nicht handeln - und zwar jetzt", erklärte der können, möchte ich hier nur zwei erwähnen.
Präsident, "werden wir uns einer Zukunft gegenübersehen, in der wir erleben, wie 9 Milliarden Menschen Erstens, das Bevölkerungswachstum. Es ist ernüchunseren Planeten bevölkern, dessen Fähigkeit, Leben ternd, wenn man sich bewu ßt wird, was im Hinblick auf
zu gewähren und zu erhalten jedoch stark einge- die Weltbevölkerung im Lauf unseres Lebens gescheschränkt sein wird. Wenn wir nicht handeln, werden wir hen wird. Von den Anfängen der Menschheit bis zum
mit der Ausrottung ungezählter Arten konfrontiert, die Ende des Zweiten Weltkrieges, als ich geboren wurde,
... lebensrettend (sein) könnten. Wenn wir jetzt nicht bedurfte es mehr als 10.000 Generationen, um eine
handeln, werden wir mit einer Zukunft konfrontiert, in Erdbevölkerung von kaum über 2 Milliarden zu erreider uns die Sonne vielleicht verbrennt, anstatt uns zu chen. Aber allein in den letzten 45 Jahren wuchs diese
wärmen ... und in der unsere Kindeskinder einen von etwas über 2 Milliarden auf 5,5 Milliarden an, und
Planeten erben, der entschieden weniger gastfreund- wenn ich weitere 45 Jahre lebe, wird sie 9 oder 10
lich ist als der uns hinterlassene."
Milliarden betragen.
Präsident Clinton erwähnte die entscheidende Bedeutung der in Rio verabschiedeten Artenschutzkonvention - und gab bekannt, die Vereinigten Staaten würden
die Konvention nun unterzeichnen. Und dies taten wir
am 4. Juni 1993.

Seite 2

Die von dieser Explosion verursachten Veränderungen liegen nicht in femer Zukunft. Es handelt sich nicht
nur um ein Problem für unsere Enkel. Die Probleme
existieren bereits.

AMERIKA DIENST 25

�Bodenerosion. Verlust bewachsener Flächen. Ausrottung. Ausbreitung von Wüsten. Hungersnöte. Die
Abfallkrise.

Die Verringerung des Bevölkerungswachstums liegt
im ureigenen Interesse aller Regierungen. Es ist eine
Pflicht reicher und armer Länder gleichermaßen.

Die von tiefgreifenden technologischen Veränderungen begleitete Bevölkerungsexplosion beeinflußt jeden Aspekt unseres Lebens in jedem Teil der Erde.

Rasches Bevölkerungswachstum ist nur eine der
Ursachen einer tiefgreifenden Umgestaltung im Verhältnis zwischen der menschlichen Zivilisation und
dem Ökosystem Erde. Das Auftreten extrem mächtiger neuer Technologien, die die Auswirkungen vergrößern, die jeder von uns auf die globale Umwelt haben
kann, hat ebenfalls eine bedeutende Rolle gespielt.

Die Entwicklungsländer sind bisweilen der Auffassung, das Bevölkerungsargument werde von wohlhabenden Ländern vorgebracht, die ihre Fähigkeit zum
Wachstum einschränken wollten. Darauf möchte ich
antworten.

Am wichtigsten ist jedoch, daß viele Menschen heute
über unser Verhältnis zur Erde auf eine Art und Weise
Manchmal haben die Entwicklungsländer recht. Des- denken, die annimmt, wir brauchten uns nicht um die
halb sage ich zu den Bürgern der Industriestaaten: Wir Konsequenzen unseres Handelns zu kümmern - als ob
haben einen unverhältnismäßig großen Einfluß auf die die globale Umwelt auf ewig gegenüber den rasch
globale Umwelt. Wir stellen weniger als ein Viertel der zunehmenden Schädigungen ihrer Unversehrtheit und
Weltbevölkerung - aber wir verbrauchen drei Viertel ihres Gleichgewichts immun sei. Die Beweise für die
der Rohstoffe und produzieren drei Viertel aller festen Verschlechterung können wir jedoch überall feststelAbfälle weltweit.
len.
Eine Möglichkeit, dies zu erläutern, ist die folgende:
Ein in den Vereinigten Staaten geborenes Kind wird
während seines Lebens die Umwelt der Erde 30mal so
stark beeinflussen wie ein Kind, das in Indien geboren
wird. Die Wohlhabenden der Weh tragen Verantwortung dafür, daß sie ihren unverhältnismäßig großen
Einfluß in den Griff bekommen.

Denken Sie zum Beispiel an die Bedrohung für unser
Angebot an Süßwasser. Auf der Erde gibt es viel
Wasser. Aber es gibt nicht sehr viel Süßwasser lediglich rund 2,5 Prozent allen Wassers auf der Erde
ist Süßwasser, und das meiste davon besteht in Form
von Eis, etwa in der Antarktis, in Grönland oder anderen Gebieten.

Aber das Bevölkerungswachstum betrifft jeden. Bis
zum Jahr 2000 werden 31 arme Länder nicht in der
Lage sein, ihre Bürger mit den Ressourcen ihres
eigenen Landes zu ernähren. Beim zweiten Treffen
des Vorbereitungsausschusses der Internationalen
Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung versprachen die Vereinigten Staaten, zur Herstellung
eines internationalen Konsenses über das Ziel einer
Stabilisierung des Wachstums der Weltbevölkerung
beizutragen.

Darüber hinaus wird ein Großteil dieses Wassers
ineffizient verwendet. Ferner wird es durch toxische
Stoffe und vom Menschen verursachte Abfälle verschmutzt. Überdies werden bis zum Jahr 2000 18 der
22 größten städtischen Gebiete der Welt - mit mehr als
18 Millionen Einwohnern - in Entwicklungsländern
liegen. Bis zum Jahr 2025 werden 60 Prozent der
Weltbevölkerung in Städten leben - das sind mehr als
5 Milliarden Menschen. Sie werden dringend Süßwasser und die entsprechenden Versorgungssysteme
benötigen.

Wir haben einen umfassenden Ansatz gefordert, der
sich auf drei Bereiche konzentriert: Umwelt, Entwicklung - sowie die Rechte und Bedürfnisse von Frauen.

Und nicht nur für Trinkwasser. Wasser beinflußt die
industrielle Entwicklung. Es ist das Medium, das für
Ist das Bevölkerungswachstum lediglich ein Problem Wärmeaustausch, Verarbeitung und Transport benöder Geburtenkontrolle? Selbstverständlich nicht. tigt wird. Es beeinflußt die Fähigkeit der Welt zur
Paradoxerweise ist auch die Reduzierung der Kinder- Produktion von Nahrungsmitteln, denn 76 Prozent des
sterblichkeit wichtig. Vor mehreren Jahrzehnten legte weltweit verbrauchten Wassers wird in der LandwirtJulius Nyerere diesen Sachverhalt überzeugend fol- schaft eingesetzt. Eine bedeutende Veränderung in
gendermaßen dar: "Das mächtigste Verhütungsmittel der Verfügbarkeit von Süßwasser kann massive
ist das Vertrauen der Eltern, daß ihre Kinder überleben Wanderungsbewegungen auslösen.
werden."
Da wir wissen, wie kostbar Trinkwasser ist, sind unsere
In jüngerer Zeit äußerte sich ein Arzt in Indien etwas
anders, als er den Erfolg von Programmen in Kerala
erläuterte, die die Geburtenraten drastisch verringert
haben: "Das dauerhafteste Verhütungsmittel ist Bildung für Frauen", erklärte er. "Die Frauen erkennen,
daß sie eine bewußte Wahl haben und daß Hoffnungen und Träume für ihre Kinder nicht unrealistisch
sind."
AMERIKA DIENST 25

Methoden zu dessen Bereitstellung zu Recht als Triumphe menschlicher Genialität gefeiert worden, ob es
sich dabei um die ersten Bewässerungsnetze am Nil
oder das monumentale Tunnelsystem handelt, das
diese Stadt mit Wasser versorgt, damit Sie sich in
Ihrem Hotelzimmer heute morgen die Zähne putzen
konnten.

Seite 3

�Wir benötigen unsere gesamte Erfindungsgabe, um
eine Erschöpfung dieses Angebots zu verhindern.
Schnelles Wachstum ist an sich eine Bedrohung unserer Süßwasserversorgung, sei es in Mexiko-Stadt, wo
der Grundwasserspiegel mehr als 3,3 Meter pro Jahr
sinkt, oder in jeder der ungefähr 80 Städte, die bereits
unter ernsthafter Wasserknappheit leiden.

auszuüben, die uns bei der Bewältigung unserer Aufgabe behilflich sein können.
Zweitens haben die Industriestaaten kein Monopol auf
Ideen. Tatsächlich haben letztes Jahr in Rio viele
Entwicklungsländer den Weg gewiesen.

Drittens müssen wir ein für allemal die Idee aufgeben,
daß
Wirtschaftsentwicklung und Verantwortung für
Mittlerweile fordert verseuchtes Wasser Schätzungen
unsere
Umwelt nicht miteinander vereinbar seien.
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge in
Wirtschaftliche
Entwicklung ist keine Entschuldigung
den Entwicklungsländern jährlich mindestens 15 Milfür
Vandalismus
an der Umwelt. Reiche Länder könlionen Todesopfer. Millionen weiterer Menschen leinen
den
armen
Ländern
keine Grenzen setzen oder
den unter schwächenden, mit dem Trinkwasser in
ihnen
das
Recht
auf
Schaffung
von Wohlstand verweiZusammenhang stehenden Krankheiten. Tatsächlich
gern.
Gleichzeitig
steigt
die
Erkenntnis,
daß die am
werden in den Entwicklungsländern ungefähr 80 Proschnellsten
wachsenden
Märkte
in
den
Entwicklungszent aller Krankheiten und mehr als ein Drittel aller
Todesfälle durch den Konsum von verseuchtem Trink- ländern zu finden sind - Ländern, in denen die Nachfrawasser verursacht. Allein 3 Millionen Kinder sterben ge nach umweltfreundlichen Technologien ebenfalls
jedes Jahr an Diarrhöe, die durch verseuchtes Trink- rapide ansteigt.
wasser und mangelhafte sanitäre Einrichtungen entWirtschaftlicher Fortschritt ohne Umweltzerstörung.
steht.
Darum geht es bei umweltverträglicher Entwicklung.
Was ist der Grund für die große Gleichgültigkeit des Bei unserem Bemühen um umweltverträgliche EntVolkes gegenüber diesen Krisen? Weshalb ist es so wicklung müssen wir uns von zwei Prinzipien leiten
lassen.
dringlich, darauf zu reagieren?
Erstens, dem Prinzip der nationalen Verantwortung.
Die Rolle dieser Kommission ist vor allem die eines
Katalysators. Sie kann als Forum für die Entwicklung
von Ideen und Plänen dienen. Sie kann Fragen lösen,
die entstehen, wenn die Nationen Fortschritte bei
ihrem Programm für umweltverträgliches Wachstum
machen. Sie kann den Fortschritt überwachen. Sie
kann dazu beitragen, die multilateralen Finanzinstitutionen und die bilateralen Hilfsangebote zu einer Tagesordnung für umweltverträgliche Entwicklung hinzuDie Moral von der Geschichte ist, daß wir anscheinend führen. Sie kann das System der Vereinten Nationen
Schwierigkeiten haben, den Wandel zu erkennen, wiederbeleben um sicherzustellen, daß umweltverwenn er langsam stattfindet. Unser aller Leben scheint trägliche Entwicklung zum zentralen Thema jeder
sich von Tag zu Tag nicht allzusehr zu ändern. Nur Organisation wird.
wenn wir unseren Blick auf die nächsten Tage oder
Diese Kommission kann durch ihre Konzentration auf
Jahre richten, sehen wir die Wahrheit.
umweltverträgliche Entwicklung tatsächlich die BemüIn ähnlicher Weise können wir von Tag zu Tag leben, hungen der UNO um eine Aufrechterhaltung von Frieohne mit dem stattfindenden rapiden Wandel konfron- den, Stabilität und Wohlstand in dieser Zeit nach dem
tiert zu werden, obwohl unsere Zivilisation weltweit mit Kalten Krieg verstärken.
einer nie dagewesenen Umweltkrise konfrontiert ist.
Wir müssen das Ausmaß erkennen, in dem wir unsere Die Kommission kann jedoch keines dieser Ziele erreiglobale Umwelt schädigen, und wir müssen neue chen, wenn nicht jedes Land die bindende VerpflichMittel und Wege finden, um zusammen an einer För- tung eingeht, seine eigene Politik zu ändern. Diese
derung des wirtschaftlichen Fortschritts zu arbeiten, Kommission wird einfach nur eine Konferenz über
Konferenzen sein, wenn es ihren Mitgliedern nicht
die nicht mit Umweltzerstörung einhergeht.
gelingt, einen ausgeprägten Sinn für die nationale
Wie können wir das bewirken? Dazu möchte ich einige Verantwortung mit an den Verhandlungstisch zu brinMythen entkräften. Ungeachtet dessen, was diese gen.
Kommission tut, kann sie nicht alles alleine bewirken.
Werden die Vereinigten Staaten dieses Pflichtgefühl
Archimedes sagte, wenn er den richtigen Hebel und haben? Das können wir und das werden wir. Und aus
einen festen Standplatz hätte, könnte er die Welt aus diesem Grund bin ich heute hier.
den Angeln heben. Diese Kommission sollte sich
bemühen, Hebelwirkung auf andere Institutionen Aus diesem Grund geben wir heute einen Plan bekannt, um bis zum August auf dem Gebiet KlimaveränIch erinnere die Menschen bisweilen gerne an das alte
wissenschaftliche Experiment mit einem Frosch. Wirft
man den Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser,
springt er direkt wieder heraus. Er erkennt die Gefahr.
Legt man denselben Frosch aber in ein Gefäß mit
lauwarmen Wasser und bringt dieses langsam zum
Kochen, bleibt er darin sitzen, bis er gerettet wird (ich
habe im Laufe der Jahre gelernt, daß es wichtig ist, den
Frosch während der Geschichte zu retten).

Seite4

AMERIKA DIENST 25

�derungen Fortschritte zu machen - einen detaillierten Schließlich gibt es auch diejenigen, die der Ansicht
Aktionsplan, der die Tendenz zu reduzierten Emissi- sind, nur der Staat könne die für diese Aufgabe erforonen überdie nächsten sieben Jahre hinaus fortsetzen derlichen Mittel aufbringen. Das ist nicht wahr.
wird.
öffentliche Politik, die von allen Seiten Beiträge erhält,
Aus diesem Grund werden wir eine nationale biologi- ist bessere öffentliche Politik. Tatsache ist, daß der
sche Bestandsaufnahme vornehmen, um unsere Ar- Privatsektor in Rio eine wichtige Rolle spielte. Wenn
tenvielfalt zu schützen. Aus diesem Grund bemühen diese Kommission Erfolg haben will, muß sie sich an
wir uns um die Reduzierung toxischer Emissionen in der Anknüpfung einer Partnerschaft zwischen der
Regierung und den nichtstaatlichen Organisationen
unseren staatlichen Einrichtungen.
beteiligen.
Aus diesem Grund kaufen wir energiesparende Technologien, einschließlich mit alternativen Treibstoffen Nationale Verantwortung. Partnerschaft. Können wir
betriebene Fahrzeuge für unsere staatlichen Fuhr- wirklich diese Ideen, diese Ansammlung politischer
parks. Aus diesem Grund werden wir in Kürze einen Rhetorik, in die Tat umsetzen? Ich kritisiere nicht
neuen Verwaltungsplan für die staatlichen Wälder diejenigen, die pessimistisch sind.
bekanntgeben.
Vor wenigen Monaten ging ich vor einer Gruppe von
Aus diesem Grund änderte Präsident Clinton an sei- Wissenschaftlern die Lösungen für unsere Umweltkrinem ersten vollen Arbeitstag im Amt die sogenannte se durch. Am Ende hob einer von ihnen die Hand und
"Mexiko-StadT-Politik und förderte den Zugang zur sagte: "Ich stimme mit allem überein, was Sie sagten,
ganzen Palette qualitativ hochwertiger Schwanger- aber ich weiß genug über Politik und die Vereinten
Nationen um Ihnen sagen zu können, daß es wahrschaftsmedizin für alle Frauen.
scheinlich nicht geschehen wird. Der Drang zu einer
Und das ist nur der Anfang.
Fortsetzung unserer gegenwärtigen Handlungsweise
ist einfach zu stark."
Aber ebenso wie jede Nation ihre nationale Verantwortung annehmen muß, müssen wir alle zusammen Das hat etwas für sich. Aber was wäre, wenn wir vor
handeln. Wenn umweltverträgliche Entwicklung eine vier oder fünf Jahren gesagt hätten, daß im Verlauf der
Realität werden soll, wird unser zweites Leitprinzip das nächsten Monate alle kommunistischen Länder Ostder Partnerschaft sein.
europas plötzlich Demokratien werden und sich für
den Kapitalismus der freien Marktwirtschaft entscheiEs wird immer noch mancherorts die Meinung vertreden würden?
ten, daß die wohlhabenden Länder auf diesem Planeten ein Monopol auf Technologie und Wissen haben. Was wäre, wenn wir gesagt hätten, daß alle StandbilDas ist Unsinn. Wir können alle voneinander lernen. der Lenins niedergerissen und wir die Chance erhalten
Aus diesem Grund muß diese Kommission die Part- würden, die Welt nach dem Kalten Krieg neu zu
nerschaft zwischen den Ländern fördern, insbesonde- gestalten?
re zwischen dem Norden und dem Süden.
Was wäre, wenn wir gesagt hätten, Nelson Mandela
Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben wir Fort- würde frei sein und F.W. de Klerk würde das Ende der
schritte bei der Schaffung einer Grundlage für globale Apartheid verkünden, und sie würden zusammen den
Partnerschaft gemacht. Die UNCED war ein Meilen- Weg zur Versöhnung in Südafrika einschlagen?
stein bei der Vereinigung von "Umwelt" und "Entwicklung" in dem Begriff "umweltverträgliche Entwicklung". Nichts davon erschien wahrscheinlich oder auch nur
Nun muß diese Einsicht im Rahmen der Politik jeder plausibel. Wir können annehmen, daß Wandel unRegierung mit Leben erfüllt werden. Handel, Wirt- möglich ist. Oder wir können an der Lösung teilhaben.
schaft, Landwirtschaft... alle Interessen müssen Teil
der Anstrengung sein, und deshalb muß diese Kom- Wir können annehmen, daß unsere Feinde zu mächtig
mission sich auch an der Schaffung von Partnerschaf- sind - oder wirkönnen annehmen, daß die Dringlichkeit
der Aufgabe mächtiger ist.
ten innerhalb eines Landes beteiligen.
Von einigen wird erwartet, daß wir uns für die Inkraftsetzung der Agenda 21 auf einen einzigen Finanzmechanismus verlassen, beispielsweise die Globale
Umweltfazilität(GEF). Aberdie Agenda 21 befaßt sich
für die GEF mit zu vielen und vielfältigen Fragen.
Daher muß diese Kommission eine Partnerschaft
zwischen der GEF und allen multilateralen Entwickiungsbanken anknüpfen. Sie müssen alle einbezogen
werden.

AMERIKA DIENST 25

Ich glaube, daß es allen Grund zur Hoffnung gibt. Ein
Grund dafür ist diese Gruppe, bestehend aus Mitgliedern aus jedem Teil unseres Planeten, die sich der
Idee umweltverträglicher Entwicklung verschrieben
haben. Aber das ist nicht der einzige Grund.
Denn es gibt Millionen, die derselben Ansicht sind.
Einige sind in der Regierung tätig und nehmen an
Treffen wie diesem teil. Aber es gibt zahllose andere,
deren Arbeit keine Beachtung findet.

Seite 5

�Eine Frau aus Kenias Grüngürtel-Bewegung pflanzt
einen Baum und organisiert dann ein Treffen über
Familienplanung. Ein Ingenieur in Detroit hat eine
Idee, wie man den Benzinverbrauch reduzieren kann.
Ein Wissenschaftler, der in der Antarktis das Eis
durchbohrt, findet Spuren der Geschichte unseres
Planeten. Ein Lehrer in Brasilien leitet eine Diskussion
unter den Schülern seiner Klasse über die Regenwälder.

Während wir in den nächsten Tagen die Zukunft dieser
Kommission planen, sollten wir uns des Geistes erinnern, der Tausende von Meilen weiter südlich vor
genau einem Jahr unser Treffen anregte.
Wir sollten daran denken, wie aus der Vielfalt ein
einheitliches Ziel entstand. Und die Erinnerung an
vergangene Erfolge sollte uns die Zuversicht geben,
daß wir in Zukunft Erfolg haben werden - für unsere
gemeinsame Zukunft.

Das sind die Männer und Frauen, die uns Hoffnung
machen. Ihnen liegen die Probleme am Herzen. Sie
schauen erwartungsvoll auf diese Kommission.
*

Seite 6

&gt;

*

AMERIKA DIENST 25

�AIDS
23. Juni 1993

ERLASS VON SCHULDEN IM TAUSCH
GEGEN AIDSHILFE
von Dr. Craig Sarsony
Der Verfasser ist leitender Verwaltungsangestellter der Debt-for-Development Coalition, Inc., in der Bundeshauptstadt Washington, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf die Umwandlung von Schuldtiteln
spezialisiert hat. Dr. Sarsony sondiert neue Strategien zur Finanzierung von Programmen für das öffentliche
Gesundheitswesen.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in Choices: The Human Development Magazine, United Nations
Development Program, Vol. 1. No. 3 (November 1992). Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung von Choices: The Human Development Magazine. Copyright (c) 1992.

AIDS betrifft nicht alle Nationen gleichermaßen.
Schätzungsweise zwei Drittel aller erfaßten HIV-Infektionen weltweit entfallen auf die Entwicklungsländer.
Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge könnte sich dieser Anteil bis zum Jahr 2020 auf 90 Prozent
erhöhen. Am härtesten von AIDS betroffen, können
sich die Entwicklungsländer seine Bekämpfung am
wenigsten leisten.
Obwohl die Mehrzahl der HIV-Infektionen unter Erwachsenen derzeit auf Afrika südlich der Sahara entfällt, warnen Experten, daß die HIV/AIDS-Fälle in Südund Südostasien mit einer Geschwindigkeit zunehmen, die an Afrika südlich der Sahara Anfang der
achtziger Jahre erinnert. Auch in Lateinamerika und
der Karibik wird in den nächsten 20 Jahren eine
dramatische Verbreitung von HIV/AIDS-Infektionen
erwartet.
Entsprechend der Eskalation von Todesfällen aufgrund von HIV/AIDS erfolgt die Zerstörung der nationalen Volkswirtschaften. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung bedeutet schrumpfende Produktivität,
Märkte und Investitionen. Fügt man die mit der Krankheit einhergehenden explodierenden Kosten hinzu, so
ist das Ergebnis eine größere Bedrohung der Entwicklungsaussichten zahlreicher Länder. Mit dieser Geißel
konfrontiert, suchen die Regierungen nach kreativen
Wegen zur Beschleunigung von Präventions- und
Kontrollprogrammen sowie zur Bewältigung der in die
Höhe schnellenden medizinischen Kosten.

AMERIKA DIENST 25

Eine Strategie, die vermehrte Aufmerksamkeit verdient, ist ein Finanzierungsmechanismus durch die
Umwandlung von Schuldtiteln, der sich in Bereichen
wie Umwelt, Bekämpfung der Kindersterblichkeit, Bildungswesen und Landwirtschaft bereits als erfolgreich
erwiesen hat. Derselbe Ansatz könnte angewandt
werden, um Entwicklungsländern beim Aufbringen des
so dringend benötigten Bargelds für die Bekämpfung
von AIDS behilflich zu sein.
Im Rahmen der Umwandlung von Schuldtiteln kauft
eine Entwicklungshilfeorganisation zunächst die unbezahlte Anleihe eines Schuldnerlandes zu einem
Vorzugspreis von einer Handelsbank. Die verschuldete Regierung erstattet dann dem Käufer (der Entwicklungshilfeorganisation) einen höheren Betrag als den
Kaufpreis mit der Vereinbarung, daß die gesamten
Mittel für Entwicklungshilfe ausgegeben werden. Die
von dem Entwicklungsland aufgebrachten Mittel werden in der Landeswährung bezahlt, wodurch Wechselkursgebühren vermieden werden. Das Entwicklungsland profitiert in zweifacher Weise: indem es sich von
einem unbezahlten Kredit befreit und gleichzeitig zur
Finanzierung eines notwendigen, aber ansonsten
unerschwinglichen Entwicklungshilfeprogramms beiträgt.
Dieser kreative Ansatz zur Finanzierung von Entwicklungshilfe hat in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen, weil die Handelsbanken zunehmend
bereit waren, überfällige Kredite der EntwicklungslänSeite 1

�der unter ihrem Nennwert zu verkaufen. Ein Abkommen zwischen Conservation International und der
Regierung von Bolivien aus dem Jahr 1987 zurZusammenarbert beim Erlaß von Schulden im Tausch gegen
Naturschutzmaßnahmen in Höhe von 650.000 Dollar
und ein andere im Wert von 1 Million Dollar zwischen
der World Wildlife Föderation und Ecuador sind zwei
der jüngsten Beispiele von Umschuldungsmaßnahmen, die den Weg für weitere geebnet haben. Beträge
in Höhe von 500 Millionen bis 750 Millionen Dollar
wurden seitdem mit diesem Mechanismus umgeschuldet, um die Finanzierung von Entwicklungs- und
Umweltschutzprogrammen in Afrika, Lateinamerika
und Asien zu gewährleisten. In Ecuador, Mexiko,
Nigeria und auf den Philippinen durchgeführte Umschuldungsmaßnahmen haben die Projektfinanzierung
um 25 Prozent auf bis zu 100 Prozent in einigen Fällen
aufgestockt.

Prozent des ursprünglichen Schuldtitels in nigerianischen Naira erstatten, womit die nationale IvermectinKampagne finanziert werden soll. Durch den Einsatz
dieses Umschuldungsmechanismus wird die Anzahl
der Nigerianer beträchtlich steigen, die dieses wichtige
Medikament erhalten. Die Regierung kann ihre Bücher zu einer ausstehenden Verpflichtung schließen,
und der Handelsbank wird zumindest ein Teil des nicht
bedienten Kredits erstattet.

Der Erlaß von Schulden zur Aufbringung von Mitteln
für Präventionsmaßnahmen und die Kontrolle von
HIV/AIDS würde ähnlich funktionieren wie die RBFInitiative. Durch die Umschuldung könnten sich die
hart von HIV/AIDS betroffenen Länder die Erweiterung
ihrer nationalen Gesundheitsfürsorgeprogramme leisten, die eine Eindämmung der Epidemie zum Ziel
haben. Dies könnte zu einer wachsenden Zahl sauberer Blutkonserven, besseren BehandlungseinrichtunEin aktuelles Beispiel ist eine zwischen der Regierung gen sowie weiterverbreiteten und effektiven Prävenvon Nigeria und der Stiftung Flußblindheit (River Blind- tionskampagnen führen.
ness Foundation - RBF) ausgehandelte Vereinbarung.
Die Umwandlung der Schulden wird rund 500.000 In zahlreichen von HIV/AIDS bedrohten Ländern gibt
Dollar erbringen, die zur flächendeckenden Verabrei- es ausgezeichnete Umschuldungsmöglichkeiten, wie
chung von Ivermectin erforderlich sind - einem zur etwa in Ecuador, Mexiko, Nigeria, den Philippinen,
Bekämpfung der Onkozerkose oder Flußblindheit Tansania und Sambia. In diesen und anderen Ländern
verwendeten Medikament, das von seinem amerikani- operierende Entwicklungshilfeorganisationen sollten
schen Hersteller, Merck &amp; Co., kostenlos zur Verfü- eine Aufstockung ihrer Ressou rcen für Programme zur
gung gestellt wird. Im Rahmen der Transaktion wird Bekämpfung von HIV/AIDS durch diesen Ansatz prüRBF einen nigerianischen Schuldtitel in Höhe von 1 fen. Die Regierungen von Ländern, die noch keine
Million Dollar zu rund 40 Prozent seines Nennwertes Umschuldungsprogramme haben, sollten die Vorteile
oder 400.000 Dollar von einer Handelsbank erwerben. dieser Strategie bei der Mobilisierung von Mitteln für
Die Zentralbank von Nigeria wird dann der Stiftung 50 HIV/AIDS-Aufklärungskampagnen sowie andere Prioritäten in Erwägung ziehen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25
'• ff!) !

�PORTRAT
23. Juni 1993

RUTH BADER GINSBURG:
GEMÄSSIGTE WEGBEREITERIN
Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton ist besonders beeindruckt von Ruth Bader Ginsburg, seiner
Kandidatin für das Amt einer Obersten Richterin am
Obersten Bundesgericht, da sie in juristischen Fragen
als "gemäßigt" und auch als "Wegbereiterin" gilt, deren
Leben, juristische Laufbahn und Karriere am Gericht
von harter Arbeit und Erfahrungen im Alltagsleben gekennzeichnet ist.
Mit diesen Worten gab ein hochrangiger Mitarbeiter
des Weißen Hauses die Meinung Clintons über Richterin Ginsburg wieder. Ihr kommt dem Beamten
zufolge das Verdienst zu, sich Ende der fünfziger
Jahre einen Weg in den Juristenberuf gebahnt zu
haben, als dieser noch fast ausschließlich eine Männerdomäne war.

daß sich Clinton schon seit langem der Tatsache bewußt war, jede Wahl eines neuen Obersten Bundesrichters werde eine "große und bedeutsame Entscheidung" sein , die ganz deutlich "Spuren" beim Obersten Bundesgericht hinterlassen werde und daher ein außerordentliches Maß an Überlegung erfordere und,
daß Clinton in jedem juristischen Kandidaten ein
"großes Herz (Mitgefühl), einen scharfen Intellekt und Erfahrungen mit dem wirklichen Leben"
sucht, damit der Kandidat mit den vielen Alltagsproblemen vertraut ist, mit denen die meisten
Amerikaner konfrontiert werden.

Der hochrangige Mitarbeiter bezeichnete die Wahl von
Frau Ginsburg als "ordentliche und begründete EntGinsburgs erste Stelle nach ihrem Abschluß an der scheidung", die nach der gründlichen Prüfung von
Juristischen Fakultät der Columbia University im Jahr mehr als 40 Kandidaten, 3.000 Rechtsgutachten und
1959 war die einer Referendarin. Anschließend ge- 5.000 Zeitungsartikeln über potentielle Kandidaten
langte sie schon früh in ihrer Laufbahn zu Berühmtheit, getroffen worden sei.
als sie als Juraprofessorin für die damals im Entstehen
begriffene, aber schnell wachsende Frauenbewegung Das Verfahren, das zu der Nominierung von Frau
Ginsburg am 14. Juni führte, begann dem hochrangijuristische Schlachten schlug.
gen Beamten zufolge am 19. März, nachdem BundesViele sind der Ansicht, die jetzt 60jährige Juristin habe richter Byron White das Weiße Haus über seine Penebensoviel für die Rechte der Frau bewirkt wie der sionspläne informiert hatte.
verstorbene Oberste Bundesrichter Thurgood Marshall für die Rechte der Afroamerikaner und Angehö- Der hochrangige Beamte bezeichnete die Wahl von
Frau Ginsburg als "eine positive Entscheidung des
rigen von Minderheiten.
Präsidenten" und steifte fest, daß Clinton "außerorAls Klägerin für das Frauenprojekt der US-Bürger- dentlich erfreut" ist. Ihm zufolge traf der Präsident
rechtsunion ACLU trat Frau Ginsburg in sechs Fällen seine Entscheidung am Abend des 13. Juni nach
vordem Bundesgericht gegen geschlechtsspezifische intensiven Gesprächen mit Frau Ginsburg im Weißen
Diskrimierung ein.
Haus im Laufe dieses Tages.
Bei der Aufzählung der Kriterien, die Präsident Clinton
zur Wahl von Ginsburg bewogen, wies der hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses auf zwei Dinge hin,
die noch auf den Präsidentschaftswahlkampf zurückgehen:
AMERIKA DIENST 25

Der Präsident hielt sein anderthalbstündiges Gespräch
mit Frau Ginsburg für "ziemlich bewegend", so der
Beamte, der hinzufügte, daß die beiden vor mehreren
Jahren zum ersten Mal zusammengetroffen waren, als

Sehe 1

�er Gouverneur von Arkansas war und sie in Little Rock Nominierung müsse vom Justizausschuß gebilligt und
dann vom gesamten Senat angenommen werden,
eine Rede hielt.
bevor Frau Ginsburg als Bundesrichterin vereidigt
Der Mitarbeiter des Weißen Hauses nannte einige werden könne. Der Beamte erwartet breite ZustimSchlüsselpositionen der juristischen Karriere Ginsmung für die Nominierung.
burgs, die sie für das Weiße Haus interessant machten:
Frau Ginsburg wurde in Brooklyn, New York, geboren
und 1980 von Präsident Carter an das BundesberuGinsburg ist "gemäßigt und moderat'' und stimm- fungsgericht in Washington berufen. 1954 machte sie
te bekannterweise sowohl liberal als auch konihren Abschluß an der Comell University, besuchte
servativ, um einen Konsens zu erreichen.
von 1956 bis 1958 die juristische Fakultät in Harvard
und legte 1959 an der juristischen Fakultät der ColumSie hat einen festen Charakter, ist aber keine
bia University ihr Examen ab.
Ideologin.
Sie ist ein "Arbeitspferd, kein Vorzeigepferd"
und hat sich als Richterin einen herausragenden Ruf erworben; zur Zeit ist sie im Bundesberufungsgericht in Washington tätig.
Sie hat sich große Verdienste in der Bürgerrechtsbewegung erworben.
Der Beamte fügte hinzu, Ginsburg sei eine klare Befürworterin des Rechts der Frau auf die Entscheidung für
oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch - eine
kontroverse Angelegenheit in den Vereinigten Staaten.
Im Hinblick auf die Bestätigung durch den Senat
erklärte der Beamte, Ginsburg werde bald bei inoffiziellen Treffen mit Senatoren zusammenkommen. Ihre

*

Seite 2

*

1961 kehrte sie nach zweijähriger Tätigkeit als Referendarin am Bezirksgericht des südlichen Distrikts von
New York als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach
Columbia zurück, wurde dann 1963 Assistentin an der
Juristischen Fakultät der Rutgers University und sechs
Jahre später Professorin.
Ginsburg kehrte 1972 als erste Professorin der juristischen Fakultät nach Columbia zurück. Sie nahm auch
die Aufgabe an, das Frauenprojekt der Bürgerrechtsunion ACLU zu leiten.
Im Falle ihrer Bestätigung wäre sie die zweite Frau in
der Geschichte, die an das Oberste Bundesgericht
berufen wird, nach Sandra Day O'Connor, die zur Zeit
dort tätig ist, und der erste Richter jüdischer Abstammung seit dem Rücktritt von Abe Fortas im Jahr 1969.

*

*

AMERIKA DIENST 25

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                <text>&lt;strong&gt;1. Somalia / Bosnien&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Clinton: militärische Operationen in Somalia beendet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;USA überprüfen Reaktion auf militärische Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen Aspins vor der National Defense University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Friedenssicherung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Friedenssicherung: ein entscheidendes Interesse der UNO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO für USA weiterhin von Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Administration unterstreicht Engagement der USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rundfunk&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton unterbreitet Vorschlag für internationalen Rundfunk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern globale Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erlass von Schulden im Tausch gegen Aidshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. Craig Sarsony&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ruth Bader Ginsburg: gemäßigte Wegbereiterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin&lt;/em&gt;</text>
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T*y

Information
und
Dokumentation

r»i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Parteiprogramm der Republikanischen Partei für
die Wahlen 1980
INFORMATION
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik
Wechsel an der Spitze der National Science Foundation
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VELA-SIGNAL: Kernexplosion unwahrscheinlich
- Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe Kohlereinigung auf magnetischem Wege
US-Krebsinstitut testet Laetril

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Juli 1980

34

AUSZÜGE AUS DEM PARTEIPROGRAMM
DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI FÜR DIE WAHLEN 1980

DETROIT

- (AD) - Der Nationalkonvent der Republikanischen Partei

nahm am 15. Juli 1980 in Detroit ein 75 Seiten umfassendes Wahlprogramm
an, das ihre Vorstellungen zu einer weitgesteckten Bandbreite von innenund außenpolitischen Themenkreisen ausführlich darlegt.
Das Wahlprogramm - die "platform" - einer politischen Partei in Amerika
dient traditionell als eine Art Wegweiser dafür, welche Politik die entsprechende Partei zu verfolgen gedenkt, sollte sie die Wahlen gew'nnen
Es hat jedoch nicht den verbindlichen Charakter wie die Parteiprogramme
deutscher Parteien. Wahl Programme sind außerdem traditionell besonders
kritisch gegenüber ihren politischen Widersachern - vor allem, wenn die
Partei in der Opposition steht. So gibt das Wahlprogramm der Republikaner
der Regierung Carter Schuld an einer schwachen Wirtschaft, an einer
verschlechterten internationalen Lage und an einem schwindenden Einfluß
der Vereinigten Staaten in der Welt. Es konstatiert: "Die Republikaner
sind sich einig in der Oberzeugung, daß Amerikas internationale Demütigung

Postfach20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�»

Demütigung und sein Niedergang allein durch starke Führung durch den
Präsidenten und eine einheitliche, weitsichtige Außenpolitik rückgängig
gemacht werden kann, die unterstützt wird durch eine umfassende Verstärkung
der Streitkräfte, durch eine Vertiefung unserer Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten und durch die Entschlossenheit, unsere nationalen
Interessen nachdrücklich zu schützen."
Im wirtschaftlichen Bereich tritt das Wahlprogramm für Steuersenkungen
und eine Politik des Freihandels ein, wobei allerdings die Förderung
amerikanischer Exporte stärker betont wird.

Auch wird mehr Wert gelegt

auf bilaterale Auslandshilfe für befreundete Länder als auf Hilfe über
multilaterale Organisationen.

Preiskontrollen für öl, Erdgas und öl-

produkte sollen aufgehoben wenden.
Nachstehend folgen im Wortlaut die wesentlichen Auszüge aus diesem
Parteiprogramm:

Steuern
—_____

... die Republikanische Partei setzt sich für eine generelle Senkung
der Einkommensteuer über drei Jahre hinweg ein; dies wird die Steuersätze
von der Größenordnung zwischen 14 bis 70 Prozent auf eine Größenordnung
zwischen 10 bis 50 Prozent senken

Energie
2
—

Um die Inlandsproduktion von Energie zu erhöhen, setzen sich die
Republikaner für eine Aufhebung der Preiskontrollen für Erdöl und Erdgas

- 2 -

�Erdgas ab Förderstelle ein. Wir sind der Meinung, daß die sogenannte
Sondersteuer auf Situationsgewinne (windfall profits tax), die in keinem
Verhältnis zum Gewinn steht, abgeschafft werden sollte, da sie Anwendung
findet auch auf Kleineigentümer, auf neugefördertes öl, auf Kleinstquellen,
auf drittklassige Gewinnung sowie auf Schweröl, und daß das Auslaufen der
Steuer für Altöl beschleunigt werden sollte. Diese Steuergesetzgebung sollte
durch den Einschluß einer Bestimmung hinsichtlich der Rückführung von
Gewinnen ergänzt werden. Wir werden die Aufhebung der Preisbindung bei
allen Erdölprodukten suchen und mit der Befugnis der Regierung Schluß
machen, ülvorräte zuzuteilen - ausgenommen im nationalen Notstand. Wir
sind auch der Meinung, daß alle Markthindernisse zur Verwendung von
Erdgas aufgehoben werden müssen.

Die Republikaner unterstützen ein umfassendes Programm zur Reform
der Bestimmungen für verbesserte Anreize und zur Revision der schwerfälligen und zu scharfen Bestimmungen des Gesetzes über Luftverunreinigung
(clean air act). Dieses Programm wird die Umstellung der Kraftwerke,
der Industrie und der großen kommerziellen Heizungen von öl auf Kohle im
größtmöglichen Umfang beschleunigen und dadurch unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl wesentlich verringern.
Kohle, Gas und Kernfusion bieten die besten Zwischenlösungen für
den Energiebedarf Amerikas. Wir unterstützen die beschleunigte Verwendung
der Kernenergie mit Hilfe von solchen Technologien, die sich als wirksam
und sicher erwiesen haben. Der sichere Betrieb genauso wie der Entwurf
von Kernkraftwerken wird bei uns höchste Priorität haben, um die weitere
Verfügbarkeit dieser bedeutsamen Energiequelle zu gewährleisten. Entwurf
und Betrieb dieser Anlagen kann in einer kürzeren Probezeit sichergestellt
werden als in den zehn bis zwölf Jahren, die derzeit für Lizenz und Bau
erforderlich sind. Wir sind der Meinung, daß der Lizenzierungsprozeß durch
Konsolidierung des derzeitigen Prozesses und durch die Verwendung standardisierter
Reaktorentwürfe beschleunigt werden kann und soll.
Der
- 3 -

�Der Vorfall von Three Mile Island weist auf die Notwendigkeit bestimmter
Reformen hin - wie etwa im Bereich der Ausbildung für die Bedienung -,
aber zeigt zugleich, daß angemessen entworfene und betriebene Kernkraftwerke die öffentliche Gesundheit oder Sicherheit nicht gefährden.

Weiterhin

ermutigen wir zur Forschung, Entwicklung und Demonstration des Brutreaktors
mit seinem Potential, auf sichere Weise zur Energieversorgung beizutragen.
Die Entwicklung der Kernenergie fordert solide Pläne für die Lagerung
von Atommüll und für die Wiederaufbereitung von Brennmaterial.

Technische

Lösungen für diese Probleme gibt es, und entscheidend ist nunmehr die
entschlossene Handlungsweise des Bundes zur Auswahl und Durchsetzung dieser
Lösungen....

Inflation
Wir sind der Ansicht, daß die Inflation und deren Auswirkung auf die
Arbeitsplätze die größte Bedrohung darstellen, vor der unser Land heute
innenpolitisch steht...
Die Republikanische Partei glaubt, daß die Inflation einzig durch
Steuer- und währungspolitische Zurückhaltung in Verbindung mit einer einschneidenden Verringerung der abschreckenden Steuer- und Durchführungsbestimmungen im Bereich der Spartätigkeit, der Investitionen und der Produktivität
unter Kontrolle gebracht werden kann. Aus diesem Grund lehnt die Republikanische Partei die Einführung von Lohn- und Präskontrollen sowie Kreditkontrollen ab...

•

Getreideembargo

4 -

�Getreideembargo
&lt;

Wir sind der Ansicht, daß landwirtschaft:&lt;vhe Embargos nur symbolischen
Charakter haben und unwirksame Werkzeuge der A SenpoV"
wir wahren
uns dagegen, die amei manischen Bauern dazu auszusuchen, die -asten von
Präsident Carters unbesonnenem, wirkungslosem und unangemessen durchgeführtem
Getreideembargo zu tragen. Das Cartersche Getreideembargo sollte sofort
aufgehoben werden....

Einwanderungs- und Fllichtlingspolitik
... Wir Republikaner sind stolz darauf, daß unser Volk seine Arme
und sein Herz für die Menschen aus dem Ausland geöffnet hat, und wir sind
für eine Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, die in Einklang mit dieser
Tradition steht. Wir sind der Ansicht, daß diejenigen Einwanderer in
größtmöglichem Maße aufgenommen werden sollten, die einen positiven Beitrag
für Amerika leisten werden, und die bereit sind, die grundlegenden Werte
und die Lebensweise Amerikas anzunehmen. ' Gleichzeitig muß die Einwaiderungsund Flüchtlingspolitik der Vereinigten Staaten die Interessen unserer nationalen
Sicherheit und unseres wirtschafltichen Wohlergehens widerspiegeln. Die
Immigration in dieses Land darf nicht einzig durch ausländliche Regierungen
bestimmt werden - nicht einmal durch die Millionen Menschen in der ganzen
Welt, die nach Amerika kommen wollen. Die Bundesregierung hat die Pt k h t ,
Einwanderungsgesetze zu erlassen und Überwachungsverfahren einzuhalten, die
die vom amerikanischen Volk gewünschte Einwanderungspolitik fair und
wirkungsvoll durchsetzt.
Die sofortige Annahme dieser Politik ist entscheidend für eine
ordnungsgemäße Lösung des gewaltigen Problems der unterdrückten Menschen,
die Einlaß suchen, damit diejenigen, die einen Anspruch haben, ohne zusätz-

�%

zusätzliche Leiden in Amerika aufgenommen werden können.
Das Flüchtlingsproblem ist ein internationales Problem und es
sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Pläne zur Aufnahme
von Flüchtlingen zu koordinieren; dies sollte auf weltweiter Grundlage in
Zusammenarbeit mit regionalen Körperschaften, wie etwa der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) und der Vereinigung Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) geschehen.

Nationale Sicherheit
... Die Republikaner verpflichten sich zu einer sofortigen Erhöhung
der Verteidigungsausgaben, die sinnvoll für die am dringendsten benötigten
Programme verwendet werden soll. Wir werden auf anhaltende Verteidigungsausgaben hinarbeiten, die ausreichend sind, um die Lücke zwischen uns und
den Sowjets zu schließen und um schließlich die Position militärischer
Überlegenheit zu erreichen, die das amerikanische Volk wünscht.

Kernwaffen
Kernwaffen sind der höchste militärische Garant amerikanischer
Sicherheit und der unserer Verbündeten. Dennoch haben sich die Vereinigten
Staaten seit 1977 im Bereich der strategischen Kernwaffen von einer Position
praktischer Gleichwertigkeit auf eine Position der Unterlegenheit gegenüber der Sowjetunion hinbewegt. Dieser Niedergang ergab sich aus Carters
Streichung oder Verzögerung strategischer Initiativen wie dem B-1-Bomber,
der MX-Rakete und der Programme für die TRIDENT II-Unterseeboot-Raketen
sowie aus seinen Entscheidungen zur Einstellung der MINUTEMAN Produktion

�Produktion und zur Nichtaufnahme der Produktion von Waffen mit verstärkter
Strahlenwirkung (Neutronenwaffe),
Mit zunehmender Disparität zwischen amerikanischer, und sowjetischen
strategischen Kernwaffen werden im Lauf der nächsten drei Jahre die meisten
der amerikanischen landgestützten Raketen, schweren Bomber und Unterseeboote in Häfen gegenüber einem sowjetischen Erstschlag verwundbar sein.
Eine solche Situation lädt im kommenden Jahrzehnt zu diplomatischer Erpressung der Vereinigten Staaten und zu Druck auf sie durch die Sowjetunion ein.
Um uns dem Problem der Verwundbarkeit der interkontinentalen ballistischen
Raketen (ICBM) zu stellen, werden wir eine Reihe von Initiativen vorschlagen, um die notwendige Überlebensfähigkeit der ICBM-Streitmacht auf
möglichst rasche und wirkungsvolle Weise sicherzustellen. Zudem werden wir
vorangehen mit:
-

der frühestmöglichen Dislozierung der MX-Rakete in umsichtiger
und überlebensfähiger Konfiguration;

-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung eines neuen
bemannten stretegisehen Bombers mit DurchdringsUnfähigkeit
(penetrating bumber). wodurch die bereits im B-i--...nber
investierten 5,5 Milliarden Dollar verwertet werden, während
gleichzeitig die fortgeschrittenste Technologie eingesetzt wird,
die zur Verfügung steht;

-

der Dislozierung eines Luftverteidigungssystems, bestehend aus
eigens hierzu entwickelten modernen Aufklärungsflugzeugen und
einem Unterstützungssystem zur Frühwarnung;
- der

- 7 -

�-

der beschleunigten Entwicklung und Dislozierung strategischer
Marschflugkörper zur Dislozierung auf Flugzeugen, zu Land, auf
Schiffen und auf Unterseebooten;

-

der Modernisierung des militärischen Kommando- und Kontroll Systems,
um die Reaktionsbereitschaft der amerikanischen strategischen
Nuklearstreitkrä'fte gegenüber dem Präsidentenbefehl in Frieden oder
Krieg sicherzustellen sowie

-

der tatkräftigen Forschung und Entwicklung eines wirkungsvollen
antiball istischen Raketensystems (ABM-System), wie es der Sowjetunion bereits zur Verfügung steht sowie modernerer ABM-Technologien.

Seit über 20 Jahren - seit Mitte der fünfziger Jahre - unterhalten
die Vereinigten Staaten taktische Kernwaffen in Europa zum Zweck der Verhinderung eines tiefen Vorstoßes der sowjetischen Streitkräfte nach
Westen.

Seit 1977 jedoch hat es die Administration zugelassen, daß

unsere ehemalige Überlegenheit bis zu dem Punkt ausgehöhlt wurde, an dem
wir nunmehr in einem Verhältnis von über 3 zu 1 im Nachteil sind.
Eine republikanische Regierung wird sich für eine frühzeitige
Modernisierung unserer nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) einsetzen,
damit ein nahtloses Abschreckungsnetz auf allen Angriffsstufen aufrechterhalten werden kann und unsere Glaubwürdigkeit bei unseren europäischen
Verbündeten wiederhergestellt wird. In gemeinsamer Konsultation mit ihnen
werden wir mit der Dislozierung von Mittelstrecken-Marschflugkörpern,
ballistischen Raketen, Gefechtsköpfen mit verstärkter Strahlenwirkung
(Neutronengefechtsköpfe) und der Modernisierung der Nuklear-Artillerie
vorangehen.

Konventionelle

�Konventionelle Streitkräfte
Wir sind der Meinung, daß es derzeit nicht machba" ist und auch
langfristig nicht durchführbar wäre, umfangreiche ?~eri vär,&gt;i;he Landstreitkräfte in Gebieten wie dem Persischen Golf auf permanenter Basis zu
dislozieren, wie wir dies in Europa und an anderen Orten tun.

Eine

wirkungsvollere Strategie muß sich gründen auf zwei Pfeiler: einmal
auf Unterhaltung einer begrenzten Anwesenheit auf Dauer in dem entsprechenden
Gebiet als glaubwürdiger Abschreckungskraft, verbunden mit der sichtbaren
Fähigkeit, diese Präsenz rasch durch die zum Sieg notwendigen Streitkräfte
zu verstärken; zuwanderen muß diese Strategie auch militärische Maßnahmen
an anderer Stelle ins Auge fassen - an Punkten, wo die Sowjetunion verletzbar
ist.

Das ist ein Ausdruck der klassischen Doktrin des globalen Manövers.

Die Streitkräfte, die zur Unterstützung einer solchen Strategie
nötig sind, müssen eine wesentlich verbesserte Marine umfassen, da sie
die Streitmacht ist, die zur Aufrecnterhaltung amerikanischer Präsenz in
bedrohten Gebieten und zum Schutz der Seeverbindungswege am geeignetsten
ist. Zudem werden wir eine umfangreiche Verbesserung der Streitkräfte
für die Mobilität zur Luft und der See sowie verbesserten Zugang zu
regionalen Anlagen fordern. Eine republikanische Regierung wird ihre
umfangreiche Verbesserung vorschlagen, einschließlich der permanenten
Stationierung einer Flotte im Indischen Ozean.

Amerikanisch-sowjetische Beziehungen
... Die Republikaner glauben, daß die Vereinigten Staaten mit der
Sowjetunion nur aus einer Position unbestrittener Prinzipien und unbestrittener
Stärke verhandeln können...
Da

- 9 -

�&gt;0&gt;'-

,-V\v

;(

Da die Sowjetunion an ihrem expansionistischen Kurs festhält, hat
das Potential gefährlicher Konfrontationen zugenommen.

Die Republikaner

werden sich darum bemühen, kritische Probleme durch friedliche Verhandlungen
zu lösen; aber wir erkennen, daß Verhandlungen, die aus einer Position
militärischer Schwäche geführt werden, nur zusätzlichen Schaden für die
amerikanischen Interessen mit sich bringen können.
Eine republikanische Regierung wird auch weiterhin versuchen, eine
Verminderung der sowjetischen strategischen Waffen auszuhandeln.

Beim

Umfang der Streitkräfte des Ostblocks in Mitteleuropa sowie in anderen
Bereichen,die für Verminderungen oder Begrenzungen geeignet sind, werden
wir hartnäckige Verhandlungen für ausgewogene, verifizierbare und durchführbare Abkommen führen.

Wir werden kein Abkommen nur um seiner selbst

willen schließen. . Und wir werden keine Abkommen akzeptieren, die nicht
unsere nationale Sicherheit grundlegend erhöhen.
Die Republikaner sind gegen den Transfer fortschrittlicher Technologie
in die Sowjetunion und deren osteuropäische Satelliten, wie dies in der
Vergangenheit geschehen ist, da dies die Entwicklung hochkomplizierter
militärischer Waffen ermöglicht, die die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten bedrohen...
Die Republikaner fordern, den Technologiestrom in die Sowjetunion
einzudämmen, der direkt oder indirekt zum Anwachsen ihrer militärischen
Macht beitragen könnte. Dieses Ziel wird von einer republikanischen
Regierung zusammen mit unseren Verbündeten und anderen befreundeten
Staaten verfolgt werden. Wir werden sicherstellen, daß die Sowjetunion
genau versteht, daß von ihr erwartet wird, all die kommerziellen und
diplomatischen Verpflichtungen zu erfüllen, die sie in ihren internationalen
Abkommen eingegangen ist...

Wir

- 10 -

�Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung, die Sowjetunion dazu
zu drängen, die Erklärung der Vereinten Nationen über die Menschenrechte
sowie die Übereinkommen von Helsinki in die Tat umzusetzen, die Rechte wie
etwa den freien Austausch von Information und das Recht zur Auswanderung
garantieren. Eine republikanische Regierung wird die Sowjetunion dazu
drängen, mit Verfolgung und Einkerkerung jener aufzuhören, die sich gegen
die offizielle Politik stellen, und die ihr eigenes religiöses Bekenntnis
ausüben wollen oder die verschiedene ethnische Minderheiten und Nationalitäten vertreten...
Als Mitunterzeichner der Schlußakte von Helsinki wird eine republikanische Regierung auf umfassender sowjetischerEinhaltung der humanitären
Bestimmungen der Übereinkommen bestehen.
Die Republikaner bieten ihre anhaltende Unterstützung auch dem
kubanischen Volk und den gefangenen Völkern in Mittel- und Osteuropa
in ihrer Hoffnung auf Selbstbestimmung.
Jugoslawiens.

Wir stehen ein für die Unabhängigkeit

Wir unterstützen die Selbstbestimmung und echte Unabhängigkeit

der geknechteten jungen Staaten in Afrika und Lateinamerika, die von der
wachsenden Herrschaft der Sowjetmacht bedroht sind.
Eine republikanische Regierung wird der fortdauernden Politik Carters,
nämlich seiner Irreführung des amerikanischen Volkes hinsichtlich sowjetischer
Politik und sowjetischen Verhaltens, ein Ende bereiten. Wir werden keine
Anstrengung scheuen, um der Welt die grundlegenden Unterschiede der beiden
Systeme klarzumachen, und wir werden Medien wiedas Amt für Internationale
Kommunikation (ICA), die Stimme Amerikas (VOA), Radio freies Europa (RFE)
und Radio Liberty aktiv dabei unterstützen, amerikanische Werte und Politik
zu artikulieren und die Schwäche des Totalitarismus zu beleuchten.
Wir verpflichten uns dazu, den von Carter verursachten sowjetischen
Verletzungen von SALT I und SALT II ein Ende zu bereiten, den Vertuschungen

- 11 -

�Vertuschungen der sowjetischen Verletzungen der Konvention über biologische
Kriegsführung und den Verheimlichungen des sowjetischen Einsatzes von Gas
und chemischen Waffen in Afghanistan und an anderen Orten.

NATO und Westeuropa
... Die Republikanische Partei weiß um die Tatsache, daß die NATO
dem lebenswichtigen Interesse der gesamten westlichen Welt dient, und wir
haben im Lauf der Jahre dem Bündnis stets unsere ungeschmälerte und überparteiliche Unterstützung gegeben...
Durch ihre ungeeignete Politik hat die Regierung Carter in großem
Maß zu der deutlichen Erosion der Sicherheit und des Vertrauens des Bündnisses
in die Vereinigten Staaten beigetragen. Daher wird eine republikanische
Regierung als eine ihrer obersten Prioritäten und in enger Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Partnern sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten in
einer konzertierten Anstrengung vorangehen, wieder ein starkes, zuversichtliches
Bündnis aufzubauen, um sich den Bedrohungen und Herausforderungen der
achtziger Jahre zu stellen...
Die Widersprüchlichkeiten der Regierung Carter haben Uneinigkeit
im Bündnis verursacht. Wir erkennen Verwirrung im Bereich der Handels-,
der Finanz- und der Energiepolitik. Der Mangel an enger Koordination
hinsichtlich des Iran, des Nahen Ostens, Afghanistans, des Olympiaboykotts,
der Weiterverbreitung von Kernwaffen, des Ost-West-Handels, der Menschenrechte, der Nord-Süd-Fragen und einer Vielzahl von weiteren internationalen
Problemen, die die Interessen des Bündnisses betreffen, hat die Bedenken
der Verbündeten verstärkt. Die Republikaner machen sich Sorgen darüber,
daß diese Maßnahmen der Regierung Carter die Versuchung der Verbündeten
erhöht, unabhängige Diplomatie zu betreiben und angesichts des Drucks seitens

- 12 -

�seitens der Sowjetunion auf Anpassung hinzustreben. In dieser Hinsicht
weisen wir kategorisch einseitige Moratorien über die Dislozierung von
nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF) durch die- Vereinigten Staaten und
die NATO zurück. Außerdem wenden sich die Republikaner gegen solche
Rüstungskontrollabkommen, die den Transfer von Militärtechnologie an unsere
Verbündeten behindern.
Indem sie sich zu erneuter amerikanischer Führung, zu Zusammenarbeit
und Konsultation verpflichten, bringen die Republikaner ihre Erwartung
zum Ausdruck, daß jeder der Verbündeten seinen fairen Anteil an der gemeinsamen Verteidigungsanstrengung übernehmen wird und daß sie zur Unterstützung der gemeinsamen Zielsetzungen des Bündnisses eng zusammenarbeiten
werden...

Naher Osten, Persischer Golf
Heute sind die Länder des Nahen und Mittleren Ostens und am Persischen
Golf wie nie zuvor von sowjetischen Beratern und Truppen eingekreist,
die ihre Stützpunkte am Hörn von Afrika, im Südjemen und in Afghanistan
haben. Darüber hinaus haben die Sowjets enge politische und militärische
Bindungen zu anderen Staaten und Regionen...
Die Republikaner sind der Auffassung, daß die Wiederherstellung
von Ordnung und Stabilität in dieser Region auf der Erkenntnis der inneren
Beziehung zwischen sowjetischen und radikalen palästinensischen Zielen,
den fundamentalen Erfordernissen einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung
und der Vermarktung der Ressourcen des Gebietes und der zunehmenden
Gärung unter radikalen islamischen Gruppen basieren muß. Die Republikaner
sind der Überzeugung, daß eine kluge und glaubwürdige amerikanische
Politik klarmachen muß, daß unser größtes Anliegen die langfristige friedliche

- 13 -

�friedliche Entwicklung aller Staaten der Region ist und nicht lediglich
eine Ausbeutung ihrer Ressourcen im eigenen Interesse.

Unser Ziel besteht

darin, im arabisch-israelischen Konflikt einen gerechten und dauerhaften
Frieden zu bringen.
Im Hinblick auf eine endgültige Friedensregelung lehnen die Republikaner
jede Forderung nach einer Einbeziehung der PLO als nicht im langfristigen
Interesse Israels und der palästinensischen Araber stehend ab.

Die Verleihung

von Legitimität an Organisationen, die noch nicht bereit sind, das
fundamentale Existenzrecht des Staates Israel anzuerkennen, ist falsch.
Wiederholte Hinweise der Regierung Carter, auch wenn sie später dementiert
wurden, auf eine Einbeziehung der PLO haben der Glaubwürdigkeit der
amerikanischen Politik im Nahen Osten schweren Schaden zugefügt und die
Position der Unnachgiebigkeit der PLO gestärkt.

Wir sind der Überzeugung,

daß die Schaffung eines palästinensischen Staates in der West Bank
(Westjordanien) destabilisierend und schädigend für den Friedensprozeß
wäre.
Unsere langfristige und kurzfristige Politik für das Gebiet muß in
Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten, Israel, Ägypten und anderen
Freunden in dem Gebiet entwickelt werden, und wir werden keine Mühe scheuen,
während des politischen Prozesses ihren Rat zu suchen, und nicht einfach
ihre stillschweigende Einwilligung in unsere Pläne fordern.
Die Souveränität, Sicherheit und Integrität des Staates Israel ist
ein moralisches Gebot und dient den strategischen Interessen der Vereinigten
Staaten. Die Republikaner bekräftigen unsere fundamentale und dauerhafte
Verpflichtung zu diesem Grundsatz. Wir werden die Verpflichtung unseres
Landes weiterhin durch politische, wirtschaftliche, diplomatische und
militärische Unterstützung honorieren...
Frieden

- 14 -

�Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn erfordert direkte Verhandlungen
der beteiligten Staaten,,

Dementsprechend wird eine republikanische

Regierung den jetzt im Gang befindlichen Friedensprozeß zwischen Ägypten
und Israel ermutigen, versuchen, ihn auszuweiten, und jene arabischen
Länder willkommen heißen, die bereit sind, in Frieden mit Israel zu
leben...
Wir begrüßen die Vision und den Mut des ägyptischen Präsidenten
Anwar Sadat und verpflichten uns, unser Verhältnis zu Ägypten in kulturellen
Angelegenheiten, in der wirtschaftlichen Entwicklung und der militärischen
Zusammenarbeit auszubauen, „ *
Während eine republikanische Regierung unsere Verpflichtung gegenüber
Israel erneut bekräftigen wird, wird sie auch enge Bindungen und die
Freundschaft mit gemäßigten arabischen Staaten anstreben. Wir werden den
wirtschaftlichen und militärischen Rahmen in Angriff nehmen, der eine
langfristige Stabilität in der inneren Entwicklung der Staaten oer Region
und einen geordneten Markt für die Ressourcen des Gebietes gewährleistet.
Wir werden klarmachen, daß jede Wiedereinführung eines ölembargos als
feindlicher Akt betrachtet würde. Wir werden uns gegen diskriminierende
Praktiken wenden, Boykotte eingeschlossen, und wir werden uns gegen Waffenverkäufe wenden, die zur Instabilität der Region beitragen.
Die Republikaner sind der Überzeugung, daß Jerusalem eine ungeteilte
Stadt mit weiterem freiem und ungehindertem Zugang zu allen heiligen
Stätten durch Menschen aller Religionen bleiber sollte.

Die westliche Hemisphäre
Wir bedauern die Machtübernahme in Nicaragua durch die marxistischen
Sandinisten und die marxistischen Versuche, El Salvador, Guatemala und

- 15 -

�und Honduras zu destabilisieren.

Wir sind nicht für eine amerikanische

Unterstützung irgendeiner marxistischen Regierung in der westlichen
Hemisphäre, und wir wenden uns gegen das Hilfsprogramm der Regierung
Carter für die Regierung von Nicaragua.

Wir werden jedoch Anstrengungen

des Volkes von Nicaragua unterstützen, eine freie und unabhängige Regierung
zu errichten.
Die Republikaner bedauern die gefährliche und unbegreifliche Politik
der Regierung Carter gegenüber Kuba...
Die Republikaner sind sich der Bedeutung unserer Beziehungen innerhalb dieser Hemisphäre bewußt und setzen sich für eine starke neue Politik
der Vereinigten Staaten in den beiden Amerikas ein. Wir werden fest zu
solchen Ländern halten, die bestrebt sind, ihre Gesellschaften zu entwickeln,
während sie gleichzeitig die Subversion und die Gewalt bekärrpfin, die Kuba
und Moskau exportieren. Wir werden zu dem grundlegenden Prinzip zurückkehren, wonach ein Freund als Freund behandelt wird, und derjenige, der
sich selbst zu unserem Feind erklärt, als Feind - ohne uns dafür zu
entschuldigen. Wir werden der Sowjetunion und Kuba klarmachen, daß ihre
Subversion und der Ausbau ihrer offensiven Streitkräfte unannehmbar sind.
Die Republikaner erkennen die besondere Bedeutung Puerto Ricos
und der amerikanischen Virgin Islands für die Verteidigung der Freiheit
in der Karibik. Wir sind der Ansicht, daß die Aufnahme Puerto Ricos in
die Union eine Demonstration unserer gemeinsamen Anliegen angesichts des
wachsenden sowjetischen und kubanischen Drucks in diesem Gebiet darstellen würde...
Wir werden uns dafür einsetzen, daß der Panamakanal offen, sicher
und frei von feindlicher Kontrolle bleibt.
Die

- 16 -

�Die Bedingungen und Übereinkommen der Panamakanal-Verträge, einschließlich derjenigen, die den Vereinigten Staaten die besondere Verantwortung
hinsichtlich des Schutzes und der Verteidigung des Kanals zusichern, sind
integraler Bestandteil dieser Verträge, und wir werden Panama zu strikter
Interpretation der Vertragssprache anhalten, die eindeutig durch den
gesetzgeberischen Prozeß festgelegt ist, in dem anläßlich der Zustimmung
des Senats zu diesen Verträgen die Ergänzungen, Vorbehalte und Abkommen
durch den Senat angenommen wurden...
Wir werden uns für ein Nordamerika-Abkommen einsetzen, das die enge
Zusammenarbeit und den gegenseitigen Nutzen für die Vereinigten Staaten,
Kanada und Mexiko fördert„

Asien und der Pazifik
Die Vereinigten Staaten sind eine Macht des pazifischen Raumes und
müssen dies bleiben. Es liegt in unserem vitalen Interesse, die von den
Vereinigten Staaten garantierte Stabilität in diesem Raum aufrechtzuerhalten. Die Republikaner erkennen die gefährlichen Machtverschiebungen,
die sich unter der gegenwärtigen demokratischen Regierung nur noch
beschleunigt haben. Das Gleichgewicht auf der koreanischen Halbinsel hat
sich auf gefährliche Weise zum Norden hin verschoben. Die sowjetischen
Seestreitkräfte in Asien und im Pazifik haben ständig zugenommen und
sind nunmehr mindestens ebenso stark wie die dortigen amerikanischen Seestreitkräfte. Die einseitige Aufkündigung des gegenseitigen Verteidigungsabkommens mit Taiwan durch die Vereinigten Staaten und die abrupte
Ankündigung des Abzugs amerikanischer Landstreitkräfte aus Korea haben in
den Ländern der gesamten Region dazu geführt, den Wert eines Bündnisses
mit den Vereinigten Staaten in Frage zu stellen.
Eine

- 17 -

�Eine neue, republikanische Administration wird in Asien und im
Pazifik wieder eine starke amerikanische Rolle spielen.

Wir werden klar- ,

stellen, daß jede militärische Maßnahme, die die Unabhängigkeit der
Verbündeten und Freunde Amerikas bedroht, eine Reaktion hervorrufen wird,
deren Kosten für einen potentiellen Gegner diesen davon abhalten werden.
Japan wird auch weiterhin eine Säule der amerikanischen Politik in
Asien sein.
Die Republikaner erkennen die besondere Gefahr, vor der unser Verbündeter
Südkorea steht. Wir werden die anhaltenden Anstrengungen zur Ausweitung
der politischen Beteiligung und der individuellen Freiheiten im Innern
des Landes unterstützen, werden uns aber auch mit den besonderen Problemen
befassen, die die Subversion und potentielle Aggression vom Norden her
mit sich bringen. Wir werden amerikanische Landstreitkräfte und Luftverbände in Südkorea beibehalten und werden unsere Präsenz nicht weiter
verringern. Unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Südkorea
werden wieder in eindeutigen Worten zum Ausdruck gebracht werden, und wir
werden den Prozeß enger Konsultation zwischen unseren Regierungen wieder
einführen.
Wir werden uns um die Schaffung von Bedingungen bemühen, die die
friedliche Entwicklung unserer Beziehungen zur Volksrepublik China fördern.
Hinsichtlich unserer eigenen lebenswichtigen Interessen - insbesondere
auf dem Gebiet zunehmenden Handels - werden wir angemessene Vorsicht
und Klugheit walten lassen - einschließlich des Transfers komplizierter
Technologie mit potentiell offensiver militärischer Verwendung. Die
Beziehung zwischen den beiden Ländern muß sich auf gegenseitigen Respek*
und Wechselseitigkeit gründen und in angemessener Weise die Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in Asien oerücksichtigen.
Gleichzeitig

- 18 -

�Gleichzeitig beklagen wir die Behandlung Taiwans, unseres alten
Verbündeten und Freundes, durch die Regierung Carter.

Wir geloben, daß

unsere Sorge um die Sicherheit und den Schutz der '7 Millionen Menschen
Taiwans von Dauer sein wird.

Wir würden jeden Versuch, Taiwans Status

mit Gewalt zu verändern, als eine Bedrohung des Friedens in der Region
betrachten.

Afrika
... In enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten wird eine
republikanische Regierung danach trachten, den Ländern Afrikas mit unserer
Präsenz, unseren Märkten, unserem Wissen und unseren Investitionen beizustehen. Wir werden auf die Schaffung eines Klimas der wirtschaftlichen
und politischen Entwicklung und des Vertrauens hinarbeiten. Wir werden
die Geschäftswelt dazu ermutigen und ihr dabei behilflich sein, eine
wichtige Rolle bei der Unterstützung regionaler industrieller Entwicklungsprogramme, Förderanlagen für Mineralien und landwirtschaftlicher Selbstversorgung zu spielen,„„
Eine republikanische Regierung wird eine Politik verfolgen, die die
vielfältigen Ursprünge der Konflikte in Afrika widerspiegelt, die unser
Wissen darum demonstriert, wo die amerikanischen Interessen liegen, und
die diese Interessen auf sinnvolle Weise unterstützt. Wir werden die
bedeutsame Rolle der wirtschaftlichen und militärischen Beistandstrogramme
anerkennen und werden umfangreiche Hilfsmittel zur Verfügung stellen, um
der Entwicklung und der Stabilität in Afrika beizustehen, wenn eine solche
Hilfe auf bilateraler Grundlage gegeben wird und direkt zu amerikanischen
Interessen auf dem Kontinent beiträgt.
Im

- 19 -

�Im südlichen Afrika muß eine amerikanische Politik von gesundem
Menschenverstand und von unseren eigenen humanitären Prinzipien geleitet
werden.

Wir Republikaner glauben, daß unsere eigene Geschichte für

Afrika dadurch Bedeutung hat, daß sie nachweist, daß eine vielrassige
Gesellschaft mit Garantien für individuelle Rechte möglich ist und
funktionieren kann.

Wir müssen gegenüber allen Parteien offen und hilfreich

sein - gleichgültig, ob im neuen Simbabwe, in Namibia oder in der Republik
Südafrika.

Eine republikanische Regierung wird keine Situationen oder

Verfassungen unterstützen - in welcher Gesellschaft auch immer -, die ihrem
Zweck oder ihrer Wirkung nach rassistisch sind.

Sie wird keine Wunder

erwarten, wird aber darauf drängen, daß es echten Fortschritt auf Ziele
hin gibt, die in Einklang mit den amerikanischen Idealen stehen.

Auslandshilfe und regionale Sicherheit
Die Vereinigten Staaten haben seit vier Jahrzehnten Auslandshilfe
und regionale Sicherheit als eines der wesentlichsten Elemente in ihre
Außenpolitik eingebunden. Angemessen verwaltet und ausgerichtet, kann die
Auslandshilfe ein wirkungsvolles Mittel zur Förderung der Zielsetzungen
amerikanischer Außenpolitik sein und der Erhöhung der amerikanischen Sicherheit
dienen, indem sie befreundeten Staaten dabei hilft, stärker und fähiger zu
werden, sich selbst und ihr Umfeld gegen ausländische Sib/ersion und
Angriffe zu verteidigen.
Die Bedrohung, der die einzelnen Staaten der Dritten Welt ausgesetzt
sind, ist weit größer, als daß sie sich ihr allein und einzeln stellen
könnten. Eine republikanische Regierung wird sich darum beirühen, regionale
Sicherheitsübereinkommen zwischen solchen Staaten zu unterstützen und zu
stärken, die bereit sind, die Last ihrer Verteidiugng auf sich zu nehmen.
Programme
- 20 -

�Programme der amerikanischen Auslandshilfe sollten nicht mehr länger
versuchen, die Übernahme amerikanischer Regierungsformen aufzuzwingen.
Die wesentliche Überlegung sollte sein, ob Hilfeleistung an einen Staat
oder eine Gruppe von Staaten Amerikas Interessen und Zielsetzungen fördert.
Der zielbewußte Versuch, amerikanische Werte und Demokratieverständnis
aufzuzwingen, hat verschiedene befreundete Staaten untergraben und in den
vergangenen vier Jahren das Vordringen sowjetischer Interessen in Asien,
im Mittleren Osten, Afrika und in der westlichen Hemisphäre ermöglicht.
Die Wirtschaftshilfe Amerikas im Ausland ist kein mildtätiges Unternehmen; Wohtätigkeit wird am wirkungsvollsten von privaten Körperschaften
ausgeübt. Stets wurde die Armut allein durch private Wirtschaftsentwicklung
und durch die Menschen der betroffenen Staaten Liberwunden. Die amerikanische
Wirtschaftshilfe im Ausland sollte vielmehr einen katalytischen Effekt auf
die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung haben und nur dann gewährt
werden, wenn sie im Einklang mit den außenpolitischen Interessen Amerikas
steht. Die amerikanischen Hilfsprogramme im Ausland sollten ein Mittel
sein, um die amerikanischen Wertvorstellungen zu exportieren.
Eine republikanische Regierung wird bilaterale Hilfsprogramme betonen,
wo immer dies möglich ist. Bilaterale Programme bieten die beste Gewähr
dafür, daß Hilfsprogramme dem amerikanischen Steuerzahler gegenüber eindeutig
erklärbar sind und in völligem Einklang mit unseren außenpolitischen
Interessen stehen.
Das Bemühen der Regierung Carter, die Rolle der amerikanischen
Militärhilfe und der militärischen Verkäufe ins Ausland in unserer Außenpolitik zu vermindern, hat mehrere negative Auswirkungen gezeitigt:
Viele Tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen gingen ans Ausland
verloren, indem die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich Lieferaufträge übernommen haben, die den amerikanischen Herstellern verboten waren;

- 21 -

�waren;
es hat die Fähigkeit befreundeter Staaten verringert, ihre Unabhängigkeit gegenüh2r von den Sowjets unterstützter Subversion zu verteidigen was in mehreren Fällen zu niederträchtigen Machtübernahmen durch offen
prosowjetische Regime geführt hat; und
es hat das Gewebe der amerikanischen Bündnisstruktur geschwächt, weil
dadurch die Vereinigten Staaten als unzuverlässiger Verbündeter erschienen ein Trend, der nur zu dem unerwünschten Versuch des Erwerbs eigener Kernwaffen durch Staaten führen kann, die um ihre Sicherheit besorgt sind.
Entscheidungen über die Vergabe von Militärhilfe sollten auf der
Grundlage der au3enpolitischen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten
gefällt werden.

Solcher Beistand an Staaten muß nicht unbedingt gänzliche

Zustimmung zur Innenpolitik einer Regierung beinhalten.

Die Republikaner

verpflichten sich zur Stärkung der Auslandspräsenz Amerikas durch wohlüberlegte Programme der Militärhilfe, um die nationale und regionale
Sicherheit zu fördern...

Welthandel und Wirtschaftspolitik
... Die Republikaner werden die internationale Wirtschaftspolitik
auf eine Weise betreiben, die den Wert des Dollar zu Hause und im Ausland
stabilisiert.
Die republikanische Partei ist der Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten eine aggressive Exportpolitik annehmen müssen. ,Zu lange schon
war unsere Handelspolitik darauf gerichtet, unseren ausländischen Handelspartnern zu helfen.

Wir müssen nunmehr die Vereinigten Staaten wieder au£

�auf die Weltkarte der Exporte zurückbringen.

Wir haben anderen Ländern

dabei geholfen, sich aus dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen; es ist Zeit, unsere eigene Krise in den Griff zu bekommen.
Handel - und insbesondere der Export - müssen auf der Liste unserer
nationalen Prioritäten ganz oben stehen.

Dorthin werden ihn die Republikaner

stellen und den Handel fördern, um die langfristige Gesundheit der
amerikanischen Wirtschaft zu sichern.
Exporte können eine Hauptrolle bei der Stärkung der amerikanischen
Wirtschaft, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und bei der Verbesserung
unseres Lebensstandards spielen.
... Die Förderung des Exports wird ein zentrales Ziel der Welthandelspolitik einer republikanischen Regierung sein.
Eine republikanische Regierung wird die Betonung auf eine Politik des
freien Handels legen, wird aber gleiches von unseren Handelspartnern
erwarten. Das Versagen der Regierung Carter, energisch solche Verhandlungen
zu verfolgen, die geeignet sind, um den Zugang der amerikanischen Exporte
zu den ausländischen Märkten zu verbessern, hat zum Teil zu der protektionistisehen Stimmung beigetragen.
Die Republikaner sind der Meinung, daß die internationale Handelsbilanz dieses Landes durch die Abschaffung der hemmenden Faktoren für unsere
Exporteure verbessert werden kann. Gesetzliche und regulative Erfordernisse,
die den Export behindern, sollten überprüft und, wo immer praktisch möglich,
beseitigt werden. Weiterhin sind wir der Ansicht, daß die Regierung eine
Rolle bei der Förderung des Welthandels spielen kann, indem sie Anreize
für Exporte bietet, besonders für die kleinen und die mittleren Unternehmen.
Wir verpflichten uns dazu, mit unseren Handelspartnern zusammenzuarbeiten,
um Exportzuschüsse und Dumping zu beseitigen.
+ + + + +

- 23 -

�Information

]

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23. Juli 1980

34

WISSENSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT MIT DER BUNDESREPUBLIK

- (AD) - Eine Vereinbarung über Zusammenarbeit in Grundlagenforschung und angewandter Forschung auf den Gebieten Natur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Ingenieurwissenschaften wurde zwischen der
Nationalen Wissenschaftsstiftung (National Science Foundation - NSF)
der Vereinigten Staaten und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
geschlossen. Das für fünf Jahre gültige Abkommen unterzeichneten Dr. Richard
G. Atkinson, der bisherige Direktor der NSF, und Dr. Carl Heinz Schiel,
Generalsekretär der DFG, in Washington am 24. Juni 1980. Die Max-PlanckGesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewdndten
Forschung sind in das neue Abkommen einbezogen. Vorgesehen sind gemeinsame
Forschungsprojekte, Austausch von Wissenschaftlern und Fachkräften, ferner
gemeinsame Seminare, Arbeitsgruppen und Tagungen.

+ + + ++

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34

23. Juli 1980

WECHSEL AN DER SPITZE DER NATIONAL SCIENCE FOUNDATION

- (AD) - Präsident Carter beabsichtigt, Dr. John B. Slaughter zum
neuen Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA (National
Science Foundation - NSF) zu berufen. Dr. Slaughter ist gegenwärtig
Akademischer Vizepräsident und Rektor der Staatsuniversität von Washington
in Pullman (Washington). Er ist als Nachfolger von Dr. Richard C. Atkinson
vorgesehen, der am 30. Juni 1980 ausschied, um Kanzler der Universität
Kalifornien in San Diego zu werden.
Dr. Slaughter, der bereits von 1977-79 die NSF-Abteilung für Astronomie,
Aeronomie, Geo- und Meeresforschung geleitet hatte, kam damals von der
Universität Washington in Seattle, wo er den Lehrstuhl für Elektrotechnik
inne hatte und als Direktor des Laboratoriums für angewandte Physik für
die Leitung und Organisation eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms
für die marine und ökologische Forschung und Technik verantwortlich war.
Er initiierte neue Programme zur sparsamen Nutzung und Erschließung von
Energie- Rohstoffquellen sowie auf den Gebieten Geophysik, Akustik und
Biotechnik. Zuvor war Prof. Slaughter Chef des "Information Systems

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T e l e x : 08-85432

�Systems Department" des zentralen Elektroniklaboratoriums der US-Marine
(NELC) in San Diego. Mit einem Stab von Mitarbeitern entwickelte er die
modernen Kommunikations- und Kommandokontroll-Systeme der U.S. Marine.
Unter seiner Führung wurden außerdem neue Programme auf dem Gebiet der
biomedizinischen Technik zu Schwerpunktprogrammen ausgebaut.

Das NELC, in

dem Slaughter von 1960 - 1975 tätig war, nominierte ihn 1965 zum "Wissenschaftler des Jahres".
Dr. John Slaughter, der 1934 in Topeka (Kansas) geboren wurde, studierte
an der Staatsuniversitä't Kansas, an der Universität von Kalifornien in
Los Angeles sowie in San Diego, wo er mit einer Arbeit aus der Elektrotechnik zum Dr. pil. promovierte.

Seine wissenschaftliche Arbeit fand in

zahlreichen Veröffentlichungen ihren Niederschlag.

Seit 1977 ist Prof.

Slaughter Herausgeber der Fachzeitschrift "International Journal of
Computers and Electrica! Engineering".
Auf bildungspolitischem Gebiet engagierte sich Dr. Slaughter vor allem
für die Förderung von Angehörigen der Minderheitengruppen, um diesen den
Weg zur Laufbahn eines Forschers und Praktikers in den Natur- und IngenieurWissenschaften zu ebnen. Seit 1976 ist er Mitglied des "Komitees für Minderheiten" der "National Akademie für Ingenieurwissenschaften".
Dr. Donald Langenberg, der seit dem Ausscheiden Dr. Atkinsons die
"National Science Foundation" kommissarisch leitet, wurde nach der
Bestätigung durch den US-Senat offiziell das Amt des Stellvertretenden
NSF-Direktors übertragen. Er löste Dr. George C. Pimentel ab, der als
Direktor des Laboratoriums für chemische Biodynamik an die Universität
von Kalifornien in Berkeley zurückkehrte.
Dr. Langenberg, der als Physiker seit 1960 dem Lehrkörper der Universität
von Pennsylvanien angehört, war dort Direktor des Laboratoriums für die
Erforschung der Materiestruktur und in seiner Eigenschaft als Konrektor für

- 2 -

�für das Graduiertenstudium sowie für Forschung verantwortlich.

Als

Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der NSF, Mitglied der Nationalen
Forschungskommission und Berater der Abteilung Kältephysik des "National
Bureau of Standards" (Bundesamt für Normung und Materialforschung) hatte
er bereits wichtige Funktionen in Regierungsinstitutionen wahrgenommen.
Er gilt als "Experte für die Physik der kondensierten Materie bei tiefen
Temperaturen", wie Dr. Lewis M. Branscomb, der Vorsitzende des Nationalen
Wissenschaftsrates der USA, hervorhob.

Die Ergebnisse seiner Forschung

finden bereits praktische Anwendung in der Supraleitertechnik und auf anderen
Gebieten.

+ + + + +

- 3 -

�I a

Wi//en/chaft
und Technik
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23. Juli 1980

34

VELA-SIGNAL: KERNEXPLOSION UNWARHSCHEINLICH
Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe

- (AD) - Das von einem amerikanischen VELA-Satelliten im September
1979 erfaßte Lichtphä'nomen stammte "vermutlich nicht von einer Kernwaffenexplosion". Zu diesem Ergebnis kam ein vom Weißen Haus bestelltes Gremium
von neun unabhängigen Wissenschaftlern, deren Bericht am 15. Juli 1980
veröffentlicht wurde. Ihre Schlußfolgerung steht im Widerspruch zu der am
gleichen Tag herausgegebenen Mitteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums, in der es heißt, bei dem "Vorkommnis" ("event") habe es
sich wahrscheinlich um eine Kernwaffenexplosion im Sudatlantik gehandelt.
Die neun Wissenschaftler - unter ihnen Physiknobelpreisträger
Dr. Luis Alvarez (Universität Kalifornien in Berkeley), Dr. Riccardo
Giaconni (Harvard-Smithsonian-Institut für Astrophysik), Dr. Jack Ruina
(Massachusetts Institute of Technology) und Prof. Wolfgang Panofsky
(Leiter des Linearbeschleunigerlaboratoriums der Stanford-Universität)
werteten in den letzten 10 Monaten alle verfügbaren Daten aus, um die
Frage zu klären, ob es sich bei dem am 22. September 1979 registrierten

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�registrierten Lichtblitz um eine nukleare Explosion gehandelt haben könne
oder nicht.

VELA-Satelliten die die Erde in großer Höhe umkreisen, sind

mit speziellen BeobachtungsInstrumenten zur Ermittlung von Kernwaffenexplosionen ausgerüstet.
Nach Auffassung des Wissenschaftlergremiums unterschied sich das
"Vorkommnis" vom 22. September 1979 von allen durch VELA-Satelliten in
den letzten zehn Jahren registrierten Kernexplosionen in einem ganz
wesentlichen Punkt - nämlich in der Lichtintensität, die von den zwei
Detektoren an Bord des Überwachungsgeräts gemessen wurde.

Sie entsprach

nicht der Intensität, "die bei einer nuklearen Explosion nahe der Erdoberfläche zu erwarten ist...

Ein derart anomales Verhalten wurde

bei

Bhangmeter-Daten (d.h. Detektor-Meßdaten) von früheren Nuklearexplosionen
niemals beobachtet.

Somit weicht das Vorkommnis vom 22. September, auch

wenn es viele Merkmale von nuklearen Signalen enthält, in einem ganz
wesentlichen Punkt davon ab".
Die Wissenschaftler verglichen das "event" vom 22. September mit
allen bekannt gewordenen nuklearen Detonationen. Zwar seien, so heißt
es in dem Bericht, einige ihrer Merkmale, u.a. ein typisches "Doppelmaximum", zu erkennen, jedoch enthielten die Daten so viele widersprüchliche
Charakteristika, daß ernsthaft bezweifelt werden müsse, daß das Signal von
einer nuklearen Explosion herrührte. Auch mit Tausenden anderer von
VELA-Satelliten registrierten "Vorkommnissen" wurden die in Frage stehenden
Signale verglichen - u.a. mit astronomischen Phänomenen, gewöhnlichen
Blitzen, Superblitzen, Reflexion von Sonnenlicht durch andere Satelliten,
Sonnenlichtreflexion durch Meteoriten in Nähe des VELA-Satelliten und
Sonnenlichtreflexion durch Partikel, die bei Kollisionen von Meteoriten
mit dem Fluggerät aus diesem herausgeschlagen wurden.
Das letztgenannte Ereignis könnte nach Meinung der Wissenschaftler
Ursache für das Lichtphänomen mit den gemessenen Lichtintensitäten am

- 2 -

�am nächsten kommen.

Denn im Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus,

daß früher nicht erklärbare Lichtblitze - ähnlich denen, die der VELASatellit registriert hatte - von der Sonde PIONIER 10 auf ihrem Weg zum
Planeten Jupiter beim Passieren des Asteroidengürtels registriert worden
waren.

Der Asteroidengürtel ist ein Ring aus Staub und Gesteinsbrocken

zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter auf ihrem Weg um die Sonne.
Meteoriten-Detektoren an Bord der PIONIER-Sonde registrierten Kollisionen
mit Staubpartikeln, die mit gleichzeitig erfaßten Lichtblitzen in Zusammenhang gebracht werden konnten. Mit einer Kollision dieser Art ist
Berechnungen zufolge bei einem VELA-Satelliten im Durchschnitt einmal in
zehn Jahren zu rechnen.
Die Forschergruppe berichtete ferner, daß weltweit geführte Untersuchungen keinen Hinweis erbracht hätten, der die Hypothese einer Nuklearexplosion hätte stützen können. Es wurden weder radioaktive Niederschläge
noch seismische Signale oder irgendwelche andere Daten beobachtet, die
gewöhnlich mit derartigen Detonationen einhergehen.

+ + + + +

- 3 -

�31
I

UUi//cn/choft
und Technik
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34

23. Juli 1980

KOHLEREINIGUNG AUF MAGNETISCHEM WEGE

- (AD) - Die Kohle erfährt ein massives Comeback - gibt sie doch
die Möglichkeit, einen Ersatz für das ständig teurer werdende Importöl
zu schaffen. Aber Kohle ist "schmutzig". Deshalb äußern Umweltschützer
auch erhebliche Bedenken gegen den Ausbau der Kohlenutzung, sofern der
zusätzlichen Belastung nicht durch verbesserte Filter- und Reinigungsverfahren begegnet wird.
Einen neuen Weg beschritten Wissenschaftler des Kernforschungsinstituts "Oak Ridge National Laboratory" mit dem Versuch, Schadstoffpartikel aus trockener, fein gemahlener Kohle magnetisch abzuscheiden.
Im gegenwärtigen Stadium der Erprobung des neuen Verfahrens ist bereits
anzunehmen, daß es auch im großtechnischen Rahmen durchführbar ist. Es
war möglich, mehr als 60 Prozent derasche-und schwefelhaltigen Mineralien
aus der Kohle herauszuholen, deren Heizwert zu mehr als 90 Prozent
erhalten blieb.

Das

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�Das Oak-Ridge-Verfahren gilt als Alternative zum gegenwärtig angewandten Naßreinigungsprozeß fein gemahlener Kohle. Der Trockenprozeß
basiert auf der Tatsache, daß anorganische (kohlenstoff-freie) Beimengungen
von Kohle von Magnetkräften angezogen werden, während rein organische Kohle
abgestoßen wird.

Die Trennapparatur besteht im wesentlichen aus einer

Serie von Behältern, die die fein gemahlene Kohle über Drahtnetze führen.
Die Netze, die wie Siebe wirken, sind magnetisiert.

Die Beimengungen

bleiben darin hängen, die Kohle dagegen fällt durch und wird auf diese
Weise abgetrennt.

Angrenzend an ein Kohlekraftwerk, in dem Heizverfahren

nach der neuesten Technik angewandt werden, soll nach Abschlußder Testserien eine Trennungsanlage gebaut werden, um dort das Verfahren unter
Industriebedingungen zu erproben.

+ + + + +

- 2 -

[

�I 3

Wi//en/chaft
wut Technik
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23. Juli 1980

34

US-KREBSINSTITUT TESTET LAETRIL

- (AD) - Unter der Leitung des Nationalen Krebsinstituts (NCI) der
Vereinigten Staaten begannen Anfang Juli 1980 erste klinische Tests
zur Klärung der Frage, ob das umstrittene Präparat Laetril ("Amygdalin"
ist die chemische Bezeichnung) in der Krebstherapie eingesetzt werden kann.
Entsprechende Versuche werden an vier amerikanischen Krebsforschungsinstituten durchgeführt, und zwar an der Mayo-Klinik in Rochester
(Minnesota) von Dr. Charles Moertel, am Memorial Sloan-Kettering Cancer
Center (New York) von Dr. Charles Young, am Jonsson Cancer Center der
Universität Kalifornien in Los Angeles von Dr. Gregory Sarna und am Health
Sciences Center der Universität Arizona in Tuscon von Dr. Stephen Jones.
In die vorläufig auf zwei Jahre befristete Studie werden etwa
200 Krebspatienten einbezogen, bei denen bisher keine andere Therapie
ansprach. Sie erhalten Laetril zusammen mit einer Spezialdiät und
Vitaminpräparaten. Amygdalin ist eine aus Pflanzen gewonnene Verbindung,
die Cyanwasserstoff freisetzen kann, wenn im Körper das Molekül aufgebrochen wird. Die Substanz ist beispielsweise in den Kernen von bitteren

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�bitteren Mandeln, von Aprikosen, Pfirsichen und Pflaumen enthalten.
Bevor die FDA (US-Bundesamt für Nahrungs- und Arzneimittel) die
Durchführung von Wirksamkeitstests mit Laetril genehmigte, mußte geprüft
werden, unter welchen Voraussetzungen mit möglichen toxischen Wirkungen
von Laetril zu rechnen ist.
statt.

Diese Untersuchungen fanden an der Mayo-Klinik

Dabei zeigte sich erneut, wie bereits in einer früheren Einzel-

studie f\ Kalifornien ermittelt, daß der Genuß roher Mandeln in unverhältnismäßig großer Menge Vergiftungserscheinungen auslöst.

Mandeln

scheinen, wenn sie während einer Laetril-Behandlung verzehrt werden,
die Cyanid-FreiSetzung anzuregen und mengenmäßig zu fördern.
In einer weiteren klinischen Studie, die in Kürze beginnt, soll
Laetril daraufhin getestet werden, ob durch das Präparat bei Krebskranken
bestimmte Symptome, z.B. Schmerzen, gemildert werden können

und ob das

Präparat Patienten, bei denen andere Therapiemöglichkeiten versagen,
hilft, mit den alltäglichen Dingen besser fertigzuwerden.

+ + + + +

- 2 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 23.07.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Parteiprogramm der Republikanischen Partei für die Wahlen 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wechsel an der Spitze der National Science Foundation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VELA-SIGNAL: Kernexplosion unwahrscheinlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlereinigung auf magnetischem Wege&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Krebsinstitut testet Laetril&amp;nbsp;</text>
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