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11. J u l i 1973

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Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli
-Wortlaut-

INFORMATION:
Aktion "Rettet die Meere"
-UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor«
Von Barrett McGurn

WIRTSCHAFT:
US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung
Von Eugene Brake
US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft
Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Industrie und Umweltschutz
US.Wissenschafts-und Energiepolitik:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen WissenschaftsstiftungMühlen im Golfstrom?
-Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
EnergiequelleImmunotherapie für schwere Lepra-Fälle

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1973

REDE DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER KSZE AM 5. JULI
- Wortlaut -

HELSINKI --(AD)— Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hielt
am 5. Juli auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Buropa
(KSZE) eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
"Ich möchte mich meinen Kollegen anschließen und den Dank der amerikanischen Regierung an die Regierung von Finnland für ihre vielfältigen
und wesentlichen Beiträge zum Ausdruck bringen, die das Zustandekommen
dieser Konferenz ermöglicht haben.
Diese Konferenz bietet den hier vertretenen Nationen eine historii

sehe Gelegenheit. Ob die Konferenz selbst jedoch historische Bedeutung
gewinnen wird, hängt davon ab, wie wir - die hier anwesenden Außenminister
und die 35 Regierungen, die wir vertreten - diese Gelegenheit nutzen.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Konferenz bisher unseren Erwartungen entsprochen hat. Wir sind auf freundliche und konstruktive Weise zusammengekommen und haben mit der - wie wir es bezeichnen . allgemeinen Debatte begonnen - eine Debatte jedoch mit nur sehr wenig Meinungsverschiedenheiten. Ich bin der 21. Redner, und wenn ich nicht etwas verpaßt habe,
dann hat jeder meiner Vorredner überlegt und respektvoll von den Gesichtspunkten anderer gesprochen, ohne streitsüchtige Formulierungen zu gebrauchen. Vielleicht sollten wir das nicht als einen Erfolg an sich bezeichnen
- aber sicherlich dürfen wir es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.
Aber

�Aber über das von Anfang an herrschende freundliche Klima hinaus
haben wir schon zu Beginn eine Entscheidung von bedeutsamen Ausmaßen getroffen - sozusagen routinemäßig. Nach sorgfältiger Prüfung durch unsere Regierungen nahmen wir einstimmig die •Schlußempfehlungen der Konsultationen
von Helsinki1 an.
Diese stellen in der Tat ein bemerkenswertes Dokument dar. Hierbei
handelt es sich nicht lediglich um die Tagesordnung für eine Konferenz. Es
enthält eine lange Liste vereinbarter Grundsätze sowie ein detailliertes
und sorgfältig entworfenes Arbeitsprogramm, das dazu dienen soll, die friedliche Entwicklung in Europa in den kommenden

Jahren zu fördern.

Dieses Dokument stellt eine Verpflichtung dar,neue und zivilisierte
Wege im Umgang miteinander zu finden. Ich möchte den Punkt unterstreichen,
daß die Zusagen, die wir hier gemacht haben, feierliche Verpflichtungen bedeuten, umfassende und spezifische Maßnahmen zur Förderung unserer Beziehungen in diesem Gebiete zu entwickeln.
Ich glaube, Präsident Kekkonen hat das Wesentliche unserer Entscheidung getroffen, als er sagte: »Sicherheit gewinnt man nicht, indem man
Zäune errichtet - Sicherheit gewinnt man, indem man Pforten öffnet.'
Ein Viertel Jahrhundert lang ist die Spaltung das dominierende Merkmal
Europas gewesen. Wir alle sind uns darüber im klaren, daß diese Konferenz
nicht die Schranken bestätigen darf, die Europa noch immer spalten. Wir
haben uns vielmehr durch unsere Unterstützung der Schlußempfehlungen ausdrücklich verpflichtet, diese Schranken abzubauen. Wir haben erklärt, Koexistenz alleine genüge nicht. Ja das Dokument, auf das wir uns geeinigt
haben, verlangt konstruktive Änderungen auf breiter Front, damit wir im Laufe
der Zeit in viele wahrhaft kooperative und beiderseits nützliche und friedliche Beziehungen eintreten können.
Die entscheidende Herausforderung für diese Konferenz wird also sein,
ob wir das durchhalten können.
Wir

•2-

�Wir haben hier über den zeitlichen Rahmen für die Lösung dieser Aufgabe
gesprochen. Mir scheint, daß wir die Entscheidung darüber noch später treffen können. Wenn wir Erfolg haben - und ich bin überzeugt, daß wir erfolgreich sein können - dann wird die Festlegung des zeitlichen Ablaufs keine
Schwierigkeiten bereiten. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann wird der zeitliche Ablauf ohnehin von geringer Bedeutung sein.
Zyniker haben erklärt, das Ziel einer internationalen Konferenz sei, sie
zum Abschluß zu bringen. Ich bin sicher, daß keine der hier vertretenen Nationen diese Auffassung hegt. Diese Konferenz sollte nach meiner Überzeugung
so rasch wie möglich vorankommen - jedoch ohne unziemliche Hast. Was wir
wollen, ist Fortschritt. Fortschritt resultiert aus praktischen Schritten.
Praktische Schritte sind nicht leicht - aber sie sind von entscheidender Bedeutung, da wir unsere Arbeit nicht einfach damit abschließen wollen, daß wir
bekannte Grundsätze wiederholen.
Wie schon einige meiner Vorredner festgestellt haben, kommt diese Konferenz zu einem günstigen Zeitpunkt. Viele der hier vertretenen Nationen haben in augerfälliger Weise dazu beigetragen, die Bedingungen zu schaffen, die
diese Konferenz ermöglicht haben.
Vor viereinhalb Jahren hat Präsident Nixon verbindlich erklärt, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sein werde, in allen Gebieten der Welt
von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Er hat prompt gehandelt,
um seine Politik zu verwirklichen, und als Ergebnis wird heute allgemein anerkannt, daß wir jetzt in einer viel friedlicheren Welt leben. Dieses neue
Klima des Friedens kommt der ganzen Menschheit zugute. Aber es bleibt noch
s

ehr viel mehr zu tun. Die weltweite Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden,

die diesen Saal erfüllt, kann durch die an dieser Konferenz teilnehmenden
Staaten wesentlich gestärkt werden. Wir vertreten die meisten Industriestaaten der Welt. Unsere Volkswirtschaften produzieren rund 75 Prozent der Güter
der Welt. Und auf uns alle entfallen insgesamt etwa 85 Prozent der militärischen Ausgaben der Welt. Es muß unser langfristiges Ziel sein, durch eine
gemeinsame Willenserklärung unsere riesigen Hilfsquellen zur Lösung der

�der gemeinsamen Probleme, vor denen wir stehen, wie auch für die Hilfe für
andere weniger vom Glück begünstigte Länder einzusetzen. Darüber hinaus
können wir jetzt unmittelbar zu einer verbesserten internationalen Atmosphäre beitragen, so daß ein Abbau der Rüstungen auf der Welt ganz gewiß im
Bereich des Möglichen liegt.
Wir alle wissen, und viele haben dies schon gesagt, daß die beiden Weltkriege in Europa begonnen haben. Wir alle haben aus diesen Konflikten gelernt. Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Erfahrung gelernt, daß die
Sicherheit Europas untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit verbunden ist.
Die Anwesenheit meiner Delegation hier unterstreicht diese grundlegende Tatsache - die Tatsache, wenn Sie so wollen, unseres Engagements in
Europa.
Die Amerikaner sind der Ansicht, daß wir während der letzten Generation
eine konstruktive und erfolgreiche Verpflichtung für Frieden und Stabilität in Europa übernommen haben. Und heute möchte ich hier namens meiner Regierung unterstreichen, daß wir fest entschlossen sind, sowohl diese Verpflichtung fortzusetzen als auch unsere Beziehungen zu allen hier vertretenen Staaten zu stärken.
Lassen Sie mich kurz auf einige der spezifischen Fragen eingehen, die
zu erörtern diese Konferenz vereinbart hat.
Nichts ist wichtiger als das Prinzip, daß die Länder sich jeder Anwendung oder Androhung von Gewalt enthalten. Dies ist der entscheidende Punkt
für jeden dauerhaften Frieden. Und wir haben dies als ein grundlegendes Prinzip für die Beziehungen zwischen den Ländern akzeptiert. Dies besagt natürlich, daß Grenzen nicht durch Gewalt oder Androhung von Gewalt verletzt
werden dürfen. Gleichzeitig schließt dies aber - und ich unterstreiche dies friedliche Änderungen von Grenzen nicht aus, wenn solche Änderungen sich
auf dem Willen der Bevölkerung begründen und im beiderseitigen Einvernehmen
der Staaten erfolgen. Ganz gewiß kann niemand rechtens etwas anderes be-

-4-

�behaupten, denn jede solche Behauptung wäre eine Verletzung der beiden zusammengehörenden Prinzipien: Souveränität und Recht auf Selbstbestimmung.
Ein weiteres Prinzip, das diese Konferenz bereits bekräftigt hat, ist
das Prinzip der weltweiten Achtung des Rechtes aller Länder auf Unabhängigkeit und auf eine eigenständige innenpolitische Entwicklung ohne jede ausländische Einmischung, ungeachtet seines politischen, wirtsehaftlichen oder
sozialen Systems. Wir haben praktisch erklärt, daß keinem Lande diese Rechte
aus irgendeinem Grunde verwehrt werden dürfen. Daher haben auch wir Außenminister dem Ausschuß das Mandat übertragen, daß 'er die Entschlossenheit der
Teilnehmerstaaten bekunden soll, diese Prinzipien zu respektieren und in allen ihren Aspekten gerecht und unvoreingenommen auf ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre Zusammenarbeit anzuwenden, um sicherzustellen, daß alle Teil nehmerstaaten.in den Genuß der Vorteile gelangen, die sich aus der Anwendung
dieser Prinzipien durch alle ergeben.•
Dieser von uns getroffene Beschluß ist ganz eindeutig, und es ist von
äußerster Wichtigkeit, daß dieses Mandat in internationalen Fragen strikt eingehalten wird.
Ein weiteres wichtiges Mandat in diesem Dokument besagt, daß wir Wege
und Möglichkeiten prüfen sollten,wie zwischen den Ländern sich ergebende
Probleme frühzeitig auf einer friedlichen Basis gelöst werden können, um
einen späteren Konflikt zu vermeiden. Der Ausschuß könnte bedeutsame Ergebnisse auf diesem Gebiet erreichen, wenn er sorgfäLtig Pläne für frühzeitige
Konsultationen und eine mögliche Schlichtung ausarbeitet, um Konfrontationen
zu vermeiden.
Der Ausschuß ist ferner angewiesen worden, der Konzeption einer Verminderung der Spannungen auf militärischem Gebiet besondere Bedeutung beizumessen, wie dies in Paragraph 23 der Schlußempfehlungen festgelegt ist.

Daher

�Daher unterstützen wir:
1) die Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver;
2) den Austausch von Beobachtern auf Einladung bei militärischen Manövern
zu allseits akzeptablen Bedingungen und
3) die Prüfung der Vorausbenachrichtigungen über größere militärische Bewegungen.

Wir haben diese Maßnahmen unterstützt, weil wir der Auffassung sind,
daß die Übermittlung solcher militärischen Informationen größeres Vertrauen
schaffen kann, so daß der Spielraum für Überraschungen wesentlich eingeengt
wird.
Ein grundlegender Aspekt unserer Verpflichtung ist in Teil III dargelegt. Ich meine damit den Abbau der Schranken für den freieren Fluß von Menschen, Informationen und Ideen zwischen den Teilnehmerstaaten. Dieser Aspekt
unserer Arbeit beruht auf der Bedeutung, die wir den Menschenrechten und
den grundlegenden Freiheiten beimessen. Es gibt nur wenige Worte, die so
voller Bedeutung sind - und von den Völkern überall so voller Ehrfurcht aufgenommen werden. Aber Teil III könnte zu einer traurigen Fußnote in den
künftigen Geschichtsbüchern werden, wenn der Ausschuß nicht konkrete Wege
zur Verwirklichung der in diesem Teil enthaltenen Konzeptionen findet, so
daß das tägliche Leben der Menschen positiv beeinflußt wird.
Ich denke hier zum Beispiel an Vorschläge für Vereinbarungen, die die
Wiederzusammenführung von Familien gestatten - an regelmäßigere Besuche
zwischen Angehörigen getrennter Familien; an neue Wege für einen Erfahrungsaustausch bei den auf verschiedenen praktischen und wissenschaftlichen Gebieten durchgeführten Programmen und an die Förderung engerer Beziehungen
zwischen unseren jungen Menschen - unsere Jugend sollte mehr über einander
und über die anderen Staaten und Systeme erfahren. Die künftige Entwicklung
unserer Beziehungen kann nur davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig
versteht.
Wir

-6-

�Wir haben hier ferner vereinbart, Reisen aus persönlichen oder beruflichen Gründen zu erleichtern. In verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel
dem unsrigen, steht es den Bürgern frei, ohne jede Beschränkung oder Einmischung überall in der Welt hinzureisen. Ich weiß natürlich, daß jedes
Land seine eigenen Bestimmungen hat. Aber dieses Mandat zielt in erster
Iinie darauf ab, die Staaten zu ermutigen, ja anzuspornen, ihre Reisebeschränkungen abzubauen und die menschlichen Kontakte zu fördern, die für
die Verständigung und die gegenseitige Achtung in der heutigen Welt so
wichtig sind.
Es wird ferner wichtig sein, unserer Vereinbarung spezifischen Inhalt
zu geben, die Weitergabe der von den verschiedenen Medien verbreiteten Informationen und den Zugang zu ihnen sowie die Bedingungen zu verbessern,
unter denen Journalisten ihren Beruf in unseren Ländern ausüben können.
Das Recht der Menschen, voll und ganz zu erfahren,was auf der Welt geschieht, gehört zu den grundlegenden Menschenrechten und ist ein Grunderfordernis für Verständigung und Wissen.
Wir haben ferner vereinbart, die Hindernisse für die Entwicklung des
Handels abzubauen, indem wir unter anderem spezifische Maßnahmen prüfen, um
geschäftliche Kontakte und den Austausch von Informationen über Handelsmöglichkeiten zu erleichtern.
Wir haben anerkannt, daß der Prozeß der Aussöhnung, unabhängig von
der Arbeit dieser Konferenz, auf einer breiteren Front voranschreiten muß.
In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß die sich immer
stärker zusammenschließende Europäische Gemeinschaft hier einen besonderen
Beitrag zu leisten hat, während sie die Mitgliedsstaaten, deren Streitigkeiten in der Vergangenheit häufig Ursache eines Krieges in Europa waren,
zu einer wirtschaftlichen und politischen Union zusammenschweißt. Und durch
die Schaffung engerer Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen Ländern
bauen die Mitglieder der Gemeinschaft und andere Westeuropäische Länder die
Schranken ab, die Europa zu lange geteilt haben.
Die

-7-

�Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit ihren Verbündeten in
der Atlantischen Allianz zusammenarbeiten, die nicht nur zur Sicherheit und
Unabhängigkeit ihrer Mitglieder beiträgt, sondern auch nach neuen Wegen zur
Verbesserung der Beziehungen in Europa sucht.
Mit den Ländern Osteuropas haben die Vereinigten Staaten eine neue Ära
verbesserter Beziehungen eingeleitet. Wir befassen uns mit jedem einzelnen
Land in Osteuropa gesondert - wir legen unsere Politik im Einklang mit der
spezifischen Politik und den spezifischen Maßnahmen jedes dieser Länder
fest, und wir rechnen mit umfassenderen und konstruktiveren Bindungen zu
allen Ländern dieses Raumes.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und kooperativen Europa zu leisten. So wie die Konfrontation zwischen unseren beiden Ländern zur Spaltung des Nachkriegseuropas beigetragen hat, so hilft die Verbesserung unserer Beziehungen in
jüngster Zeit mit, Europa wieder zusammenzubringen. Gleichzeitig sind wir
uns aber auch darüber klar, daß die Frage der europäischen Sicherheit und
Zusammenarbeit von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht allein
gelöst werden sollte und gelöst werden kann - und daß beide daher positiv
in dieser Konferenz mitarbeiten müssen.
Zum Abschluß ihres Treffens in Washington im letzten Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew bekräftigt, daß »die Gewährleistung
eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik
ist*. Das von ihnen unterzeichnete Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ist ein Meilenstein in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
und sollte sich ebenfalls positiv auf die europäische Sicherheit auswirken.
Und durch das Festlegen der Grundprinzipien für eine weitere Begrenzung der
strategischen Rüstungen sowie durch den Abschluß verschiedener anderer Abkommen über gemeinsame Programme haben die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten weiter zu dem Ziel beigetragen, das allen von uns auf dieser Konferenz gesetzt ist - der Stärkung der Stabilität und der Sicherheit in
Europa.
Die

�Die Vereinigten Staaten sind ferner erfreut über den Fortschritt, der i
den Gesprächen der verschiedenen Foren über die Begrenzung der Waffen und
Rüstungen gemacht wird. Wir sind besonders erfreut darüber, daß viele von
uns hier Übereinstimmung darüber erzielt haben, daß die Verhandlungen über
beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen sowie damit zusammenhängende Maßnahmen in Mitteleuropa am 30. Oktober beginnen werden. Diese
Gespräche werden in Wien zu der gleichen

Zeit stattfinden wie die zweite

Phase dieser Konferenz in Genf. Die Wiener Gespräche sollen unsere Bemühungen auf dieser Konferenz um eine Stärkung von Stabilität und Sicherheit in
Europa ergänzen.
Wenn jetzt die erste Phase der Konferenz zu Ende geht, dürfte es angebracht sein, kurz das zu umreißen, was, wie wir hoffen, während der zweiten
Phase erreicht werden kann.
Die Konferenz sollte:

1) Die vereinbarten allgemeinen Prinzipien so präzise ausarbeiten, daß
sie direkt und ganz speziell die Probleme der an der Konferenz teilnehmenden
Staaten ansprechen;
2) Übereinstimmung über spezifische militärische Fragen, unter anderem
über den Austausch bestimmter wichtiger militärischer Informationen und über
einen geeigneten Austausch von Beobachtern, erreichen, um so das Vertrauen
zu stärken und den Argwohn zu zerstreuen.
3) Verfahren für eine frühzeitige und friedliche Beilegung von Streitfällen, die möglicherweise zu einer Konfrontation zwischen irgendwelchen
Teilnehmerstaaten führen könnten, ausarbeiten;
4) Vorschläge zum Abbau der Schranken für eine Ausweitung des Handels
und für eine Verstärkung des Handelsaustausches, der industriellen Zusammenarbeit sowie der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vorlegen; und

1)

�»

l
5) was von überragender Wichtigkeit ist, spezifische und bedeutsame
Maßnahmen ausarbeiten, um menschliche Kontakte, die freiere Verbreitung von
Informationen und die Erweiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Kultur und des Bildungswesens zu erleichtern.
In der zweiten Pbase müssen wir die Ergebnisse unserer Arbeit in dynamische Programme umsetzen, die den von uns angestrebten Beziehungen spezifische Bedeutung verleihen, und die Vereinigten Staaten werden hierzu konkrete Vorschläge unterbreiten. Schließlich müssen wir uns während des ganzen
Prozesses in allen unseren Schritten an den Geist der Aussöhnung halten.
Denn dies ist der Geist, der all unsere Hoffnung auf eine neue Ära des Friedens in Europa und überall auf der Welt hat aufkommen lassen.
Unser Ziel sollte ein Kontinent sein, auf dem sich kein Land bedroht
fühlt; ein Kontinent, der für den freien Fluß von Menschen und Ideen offen
ist; und ein Kontinent, der durch seine politische und kulturelle Vielfalt
bereichert und nicht gespalten wird. Ein solches Europa läßt sich nicht da-

"

durch schaffen, daß man es lediglich herbeisehnt. Nur die Zeit wird zeigen,
ob wir etwas erreicht haben oder nicht. Aber etwas ist sicher: wir müssen

&gt;

in den kommenden Tagen mit großem Fleiß und großer Sorgfalt vorgehen und unser
Ziel in den kommenden Jahren geduldig, verständnisvoll und entschlossen verfolgen. Wenn in einem solchen Geiste Übereinstimmung zwischen uns besteht,
dann können wir stolz auf die wenigen Tage sein, die wir in dieser gastfreundlichen Stadt Helsinki verbracht haben."

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26/1973

AKTION "RETTET DIE MEERE"
UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor
Von Barrett McGurn

--(AD)- - Die vernünftige Erschließung und Nutzung der Weltmeere ist das
Thema der diplomatischen Gespräche, die Ende vergangener Woche in Genf begannen. Nur wenige internationale Konferenzen müssen sich mit einer so komplizierten Materie befassen und haben gleichzeitig so weitreichende Auswirkungen auf die friedlichen Beziehungen aller Länder untereinander. Der
Meeresbodenausschuß der Vereinten Nationen, in dem 90 Länder vertreten sind,
trifft derzeit weitere Vorbereitungen für die große Internationale Seerechtskonferenz, die im April und Mai 1974 in Santiago de Chile abgehalten
wird.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, ob die Weltmeere,
die ja zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken, rationell und von allen
Ländern gleichberechtigt genutzt werden, oder aber ob sie zu einem Tummelplatz unkontrollierten Ausbeutens werden, wo Ansprüche einzelner miteinander kollidieren. Sollte letzteres sich durchsetzen, ist es völlig klar, daß
alle Länder, reiche wie arme, Verlierer sein werden.
Die

-1-

�Die Gespräche von Genf sind das vorläufig jüngste Glied in einer ganzen
Kette von Konferenzen, von denen einige formell und auf diplomatischer Ebene
wie jetzt, andere informell und auf wissenschaftlicher Ebene durchgeführt
wurden. Für die letztgenannte Kategorie mag das "Seerechtsseminar" ein Beispiel sein, das während der letzten zwei Juniwochen 1973 von der Universität Rhode Island abgehalten wurde. Fachleute aus 40 Ländern, unter anderem
der Volksrepublik China und der Sowjetunion, nahmen daran teil.

Veraltetes Se3recht

i

Kernpunkt aller Schwierigkeiten ist die Tatsache, daß das Seerecht, so
wie es heute besteht, weder dem technischen Fortschritt noch den vielfältigen Bedürfnissen der Nationen gerecht wird. Beispielsweise erhielt durch
die Sonar-Technik die Fischerei ein ungemein wirksames Hilfsmittel an die
Hand, um Fischschwärme aufzuspüren und die Fangquoten zu erhöhen. Neue Bohrverfahren ermöglichen es, Öl in großer Entfernung von der Küste aus dem Meeresboden zu fördern. Verbesserungen der Bergbautechnik werden es bald zulassen, vom Boden der Tiefsee wertvolle Mineralien zu bergen. Das alles macht
vertragliche Regelungen darüber, wie die zweifellos enormen Reichtümer an
Nahrung und Rohstoffen in den Meeren aufgeteilt werden sollen, zu einer vordringlichen Angelegenheit.

Wenn es nicht zu einer allgemeinen Verständigung kommt, könnte sich
ein verheerender Wettlauf um Besitz an den Meeren entwickeln. Anstelle der
traditionellen Drei-Meilen-Zone in nationalen Hoheitsrechten wird bereits
von vielen Ländern die Zwölf-Meilen-Zone beansprucht. Manche Länder in Lateinamerika und Afrika wollen sogar einen Bereich der Landeshoheit unterstellen, der 200 Seemeilen oder gar noch weiter ins Meer hinausreicht.

Solche

�Solche Eigenmächtigkeiten müssen zu anarchischen Zuständen führen und
alle Bemühungen unterbinden, die Rohstoffe der Meere zum Vorteil aller zu
nutzen und der Verschmutzung der Meere entgegenzuwirken. Von nicht geringerer Bedeutung wäre die Gefährdung der traditionellen "Freiheiten der Meere"
wie unbehinderte Schiffahrt, Handel und Nachrichtenwesen. In der extremsten
Form, dem Bestehen auf der 200-Meilen-Zone, würde dies bedeuten, daß^ ein
Drittel Meeresraum von den Anliegerstaaten, d.h.den Küstenländern , gesperrt
werden könnte.
Verständigung über die maximale Hoheitszone ist deshalb auch einer der
Hauptpunkte auf der im November und Dezember dieses Jahres von den Vereinten
Nationen in New York veranstalteten Konferenz und auf der Seerechtskonferenz von Santiago. Die Vereinigten Staaten sind bereit, von der Drei-MeilenZone zur Zwolf-Meilen-Zone überzugehen, aber unter einer Bedingung: In diesem Fall muß es allen Hochseeschiffen und Flugzeugen gestattet werden, internationale Schiffahrtsstraßen und Meerengen ungehindert zu passieren. Es
gibt 116 solcher internationalen Straßen,von 10 bis 70 km Breite (auch Gibraltar, Dover und Singapur gehören dazu). Vor allem Entwicklungsländer mit Zugang zum Meer dürften auf zusätzlichen Seerechten in bezug auf Fischerei und
Rohstoffgewinnung bestehen, wenn es zu einer Einigung über die Zwölf-MeilenZone kommt. Die Konferenzteilnehmer von Genf und Santiago werden deshalb eine
Flut von Vorschlägen zu begutachten haben. Einer davon befürwortet die Schaffung einer neuen internationalen Behörde, die den marinen Bergbau in Bereichen jenseits der SchelfZonen am Kontinentalabfall überwacht. Wie allgemein
bekannt, gibt es dort große Mengen von Nickel, Kupfer, Kobalt und anderen Metallen. Die Internationale Ozeanbehörde könnte bestimmte Abschnitte der Hochsee für Zwecke der Exploration und Ausbeutung verpachten. Die Vereinigten
Staaten haben bereits vorgeschlagen, die daraus resultierenden Einkünfte,
die sich jährlich auf Millionen von Dollar belaufen dürften, für internationale Aufgaben, insbesondere für solche Projekte zu verwenden, die den Entwicklungsländern weiterhelfen.
Eine

-3

�Eine weitere Frage ist die des Anrechts auf Meeresgebiete zwischen der
Zwölf-Meilen-Zone oder anderen Hoheitsgrenzen und dem Ende bezw. Übergang
des Kontinentalabfalls zur Tiefsee. Bekanntlich ist gerade der Kontinentalabfall reich an Öl. Manche Experten sind der Meinung, daß dort nicht weniger Öl zu finden sei als auf dem Festland. Wie vor der Küste von Texas oder
des Iran zu beobachten ist, rücken die Bohrtürme immer weiter ins Meer
hinaus. In Genf und in Santiago wird man sich darum bemühen, über die Anrechte an der Schelf2one und den Zuständigkeiten der Küstenanliegerstaaten
einerseits und der neuen Ozeanbehörde andererseits eine Einigung zu erzielen.

Die UN-Vo11Versammlung hat sich den Grundsatz zu eigen gemacht, daß das
Meer jenseits der Hoheitsgrenzen allen gehört und somit jede Vereinbarung,
die getroffen wird, auch die Rechte der Binnenstaaten zu beachten habe. Entweder haben diese Länder, wie Bolivien oder Afghanistan, keinen eigenen Zugang zum Meer, oder ihre Hoheitsgewässer erstrecken sich, wie im Fall der
Niederlande oder von Singapur, nur auf Flachmeer.

Die Liste der Streitfragen ist lang. Auch das Problem fällt darunter,
wie die Durchführung weitreichender Forschungsprojekte und die Teilhabe an
wissenschaftlichen Ergebnissen garantiert und wie die Meere gegen ökologische Schäden und (Tberfischen geschützt werden können.

+++

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26/1973

US-NOTENBANK VERFÜGT ÜBER BETRÄCHTLICHE MITTEL ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)«- Während amerikanische Regierungskreise nach wie vor
jede Stellungnahme zu etwa möglichen Interventionen auf den Devisenmärkten
ablehnen, hat der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - am
10. Juli bekanntgegeben, daß sich die ihr für eine etwaige Stützung des
Dollar-Kurses verfügbaren Mittel beträchtlich erhöht haben.
Die auf der Sitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) am Wochenende in Basel getroffenen Vereinbarungen sehen eine Aufstockung der für eine mögliche Dollar-Stützung vorgesehenen Swap-Kredite
um 6 250 Millionen Dollar auf 17 980 Millionen Dollar vor. Darüber hinaus
könnten die USA aber auch Geld beim Internationalen Währungsfonds ausleihen
oder eigene Reserveguthaben wie Geld und IWF^Sonderziehungsrechte zur
Stützung des Dollar-Kurses einsetzen, falls eine solche Maßnahme erforderlich werden sollte. Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die
ausländischen Notenbanken, falls notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von
17 980 Dollar für etwaige Interventionen aufnehmen.
In den letzten Tagen ist von amtlichen amerikanischen Stellen weder
eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten ausgeschlossen worden,
noch ist angedeutet worden, daß Washington etwa zu intervenieren beabsichti-

�beabsichtige. Sprecher des US-Finanzministeriums wie auch des Federal Reserve Board erklärten lediglich, daß die auf der Tagung der Finanzminister
am 16. März niedergelegten Prinzipien weiterhin Gültigkeit hätten, Damals
hatten die Finanzminister festgestellt, daß offizielle Interventionen auf
den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein könnten, und jedes Land
hatte erklärt, daß es auf eigene Initiative zu Interventionen bereit sein
werde, falls dies notwendig und erwünscht sein sollte, und daß es dabei
flexibel entsprechend der Marktsituation und in enger Konsultation mit den
Währungsbehörden des Landes vorgehen werde, dessen Währung

angekauft

oder verkauft werden sollte.
Diese gleichen Prinzipien sind jetzt erneut in dem zum Abschluß der
BIZ-Tagung herausgegebenen Kommunique1 bekräftigt worden. In dem Kommunique1
haben die Notenbankpräsidenten ferner ausdrücklich festgestellt, daß die erforderlichen technischen Mittel zur Verwirklichung der am 16= März festgelegten Prinzipien zur Verfügung stehen.
Nach dem Stande vom 9. März dieses Jahres ~ also vor der jüngsten Auf=
Stockung der Swap-Kredite - standen den USA im Rahmen der bestehenden Swap-*
Vereinbarungen folgende Beträge - in Millionen Dollar umgerechnet - zur Verfügung:
Österreich

200

Belgien

600

Kanada

1 000

Dänemark

200

Großbritannien

2 000

Frankreich

1 000

Bundesrepublik Deutschland

1 000

Italien

1 250

Japan

1 000

Mexiko

130

Holland

300

Norwegen

200
Schweden
-2-

�Schweden

250

Schweiz

1 000

BIZ in Schweizer Franken

600

sonstige europäische Währungen

1 000

Gesamtbetrag am 9. März

11 730

Aufstockung am 10. Juli

6 250

Gesamtbetrag ab 10( Juli

17 980

Nach den neuesten Berichten des US-Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board haben die Vereinigten Staaten in der Zeit vom September 1972
bis zum 9. März 1973 lediglich Ende Januar und Anfang Februar, also kurz
vor der zweiten Dollar-Abwertung, mit geringen Beträgen auf den Devisenmärkten interveniert. So wurden für 318,6 Millionen Dollar Deutsche Mark
und außerdem für 20,4 Millionen Dollar Holländische Gulden verkauft..

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26/1973

US-HANDELSMINISTER UNTERSTREICHT STÄRKE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
NEW YORK --(AD)-- Die grundlegende Stärke der US-Wirtschaft hat der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent erneut unterstrichen. Auf
einer Pressekonferenz betonte Dent am 9. Juli in New York, daß die amerikanische Wirtschaft ständig weiter expandiere und sich selten zuvor in
einer besseren Verfassung befunden habe. Der Minister verwies in diesem
Zusammenhang auf die hohe Rate der Kapitalinvestitionen in der Industrie,
die ständig zunehmenden Ausstoßzahlen, den jetzt erreichten Rekord-Beschäftigtenstand sowie die rückläufige Arbeitslosenquote, die im Juni
den niedrigsten Stand seit Jahren zu verzeichnen hatte, und erklärte, daß
zahlreiche andere Länder eine weit höhere Inflationsrate als die USA aufwiesen.
Der Kursrückgang des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten
läßt sich nach Ansicht Dents nicht mit der derzeitigen Verfassung der amerikanischen Wirtschaft begründen, die völlig gesund sei. Hier handele es
sich, wie Dent betonte, vielmehr um psychologische Trugschlüsse. Der
Dollar sei seinerzeit abgewertet worden, um die Wettbewerbsposition der
USA auf den Weltmärkten zu stärken, und dies sei durch die Abwertung erreicht worden. Die US-Exporte in den ersten Monaten dieses Jahres hätten
das Ergebnis des Vergleichszeitraumes 1972 weit übertroffen, und die Handelsaussichten für den Rest des Jahres seien noch besser.
Trotz

-1-

�Trotz des Kursrückganges des US-Dollar, so betonte Dent, setze das Ausland ganz erhebliches Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Ausländische Geschäftsleute seien heute weit eher als früher zu Investitionen in den
USA geneigt. Die Beteiligungen ausländischer Firmen an amerikanischen Unternehmen stiegen ständig an, und vielfach würden ganze Produktionsanlagen von
ausländischen Unternehmen gekauft.
Dent verwies weiter auf die von der US-Regierung unternommenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung. So seien, wie der Minister betonte,
1973 über 16 Millionen Hektar Land neu in die Bestellung genommen worden,
und die diesjährige Ernte werde bei Anhalten der günstigen Witterung eine
ausreichende Versorgung der amerikanischen Bevölkerung sowie die Bereitstellung beträchtlicher Mengen von Agrarerzeugnissen für den Export gewährleisten. Auf diese Weise werde die Regierung in die Lage versetzt, dem Preisauftrieb bei Lebensmitteln zu begegnen.
Dent unterstrich die Notwendigkeit einer ständigen Ausweitung des Exportes und forderte die Unternehmen auf, sich nicht nur um den amerikanischen
Markt, sondern auch um die Auslandsmärkte verstärkt zu bemühen. Auf die Frage, ob die Regierung weitere Exportbeschränkungen wie bei Sojabohnen und
Baumwollsaaten im Sinne habe, meinte Dent lediglich, daß die Situation bei
Mais und auf dem Getreidesektor ganz allgemein beobachtet werde.

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26/1973

EBERLE RECHNET MIT TERMINGERECHTER VERABSCHIEDUNG DES NEUEN
HANDELSGESETZES

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, rechnet damit, daß das amerikanische
Repräsentantenhaus das neue Handelsgesetz noch vor der am 3. August beginnenden Sitzungspause des Kongresses verabschieden wird. Damit, so betonte
der Botschafter am 2. Juli in einem Interview, sei die Möglichkeit gegeben,
daß der Kongreß seine Beratungen über das Gesetz noch vor Ende des Jahres
abschließen und die endgültige Vorlage dem Präsidenten zur Unterschrift
vorlegen könne, so daß der ursprüngliche Zeitplan der Regierung eingehalten
werde.
Eberle zeigte sich hinsichtlich der Beratungen über das Gesetz optimistisch und meinte, wenn auch verschiedene Änderungen noch vorgenommen würden, so dürfte die Regierungsvorlage doch in ihren wesentlichen Punkten
erhalten bleiben. Selbst wenn das Repräsentantenhaus vor der Sitzungspause
die Vorlage nicht mehr verabschieden sollte, so werde dies die für den
10. September nach Tokio einberufene GATT-Ministertagung nicht davon abhalten, eine neue umfassende Runde von Handelsverhandlungen einzuleiten. Aller«
dings sei es sehr zu wünschen, wenn auch nicht absolut notwendig, daß zu
Beginn der Tagung in Tokio bereits die erforderlichen Vollmachten vorliegen,

-1-

�vorliegen, damit die amerikanische Delegation dort nicht Verfahren zustimme,
die dann mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren seien. Kernpunkt des neuen Handelsgesetzes sei die Ermächtigung, daß die Regierung an Verhandlungen über
Zollsenkungen teilnehmen und bei den nicht-tarifären Handelsschranken ad
referendum-Abkommen abschließen kann, die lediglich einer nachträglichen
Billigung durch den Kongreß bedürfen. Der US-Kongreß, so sagte Eberle, sei
sich darüber klar, daß wirklich bedeutsame Verhandlungen sich auch mit
den nicht-tarifären Handelsschranken befassen müssen. Seines Erachtens werde der Kongreß eine ähnliche Formel wie die der Nixon-Administration billigen, die ihm bei allen in den Verhandlungen erreichten Abkommen über nichttarifäre Handelsschranken ein Veto-Recht innerhalb von 90 Tagen einräumt.
Nach Ansicht Eberles werden die Aussichten auf schnelle Verabschiedung
des neuen Handelsgesetzes durch den Kongreß wesentlich durch das Ergebnis
der gegenwärtigen Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft über die
Auswirkungen der Erweiterung der EG auf den Welthandel beeinflußt werden. Er
sei, was die bisherige Haltung der Vertreter der EG anbetreffe, sowohl enttäuscht wie auch optimistisch. Bisher, so betonte Eberle, habe die EG der
amerikanischen Auffassung noch nicht öffentlich zugestimmt, daß sie den
Vereinigten Staaten für die durch die Erweiterung der Gemeinschaft entstandenen Handelsnachteile Kompensationen schulde. Sie bezeichne es vielmehr,
zumindest in ihren öffentlichen Erklärungen, als ihre Aufgabe, darzulegen,
wie durch einzelne Zollerhöhungen und Zollsenkungen das gegenwärtige Gleichgewicht beibehalten werde. Diese Auffassung könne von den USA so nicht akzeptiert werden, zumal zu viele Faktoren zu berücksichtigen seien. Trotzdem,
so betonte Eberle, sei er optimistisch, denn die Verhandlungen dauerten an
und die Unterhändler der EG begännen seines Erachtens zu begreifen, daß
die amerikanischen Besorgnisse berechtigt seien. Gleichzeitig gab der Botschafter der Hoffnung Ausdruck, daß der EG-Ministerrat auf seinen
Sitzungen im Juli seine Verhandlungsdelegation in Genf ermächtigen werde,
geeignete Konzessionen zu machen. Damit würden sich dann auch die Aussichten
auf eine schnelle Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes verbessern,
da sonst die protektionistischen Kräfte Auftrieb erhalten würden.
Eberle

�Eberle betonte weiter, daß die amerikanischen Kontrollen für den Export von Sojabohnen und Baumwollsaaten die Notwendigkeit von Verhandlungen
über den Agrarhandel noch unterstrichen. Die Pflichten der Käufer und der
Verkäufer von Agrarerzeugnissen müßten auf internationaler Ebene klargestellt
werden, und hierzu böten gerade die bevorstehenden Handelsverhandlungen eine
günstige Möglichkeit. Eberle bezeichnete die amerikanischen Kontrollen als
Teil der Bemühungen um eine Eindämmung der weltweiten Inflation und wies darauf hin, daß die Verknappung bei einzelnen Erzeugnissen die USA gezwungen
habe, vorübergehende Kontrollen einzuführen. Diese Kontrollen seien in jedem
Fall nur vorübergehender Natur und würden lediglich so lange beibehalten werden, bis die neue Ernte auf den Markt komme. Diese jüngsten Entwicklungen
zeigten jedoch, daß der amerikanische Standpunkt richtig sei, nämlich daß
die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der kommenden Verhandlungen
sein müsse und daß Wege gefunden werden müßten, um den internationalen Handel
mit Agrarerzeugnissen auszuweiten.

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26/1973
INDUSTRIE UND UMWELTSCHUTZ

--(AD)-- In Zusammenarbeit mit der "National Audubon Society", die sich
dem Naturschutz in allen seinen Aspekten verschrieben hat, wird in der
Umgebung von Detroit (Michigan) ein Komplex von drei Großkraftwerken gestaltet werden. Die Edison Company, eines der größten Elektrizitätsunternehmen der Vereinigten Staaten, errichtet in ca. 15 km Abstand vom HuronSee zwei neue Atomkraftwerke mit je 1 100 Megawatt und ein Heizölkraftwerk
mit 800 Megawatt Kapazität. Die Anlage, die den Namen "Greenwood Energy
Center" bekommt, soll bis 1981 auch als Erholungspark fertiggestellt sein.
Die Edison Company plant, ein völlig geschlossenes Kühlsystem zu
schaffen, das eine thermische "Verschmutzung" des Huron-Sees ausschließt.
Zu diesem Zweck wird ein umfangreiches Kanalnetz in Verbindung mit zwei
künstlichen Seen angelegt, um an Stelle der sonst üblichen Kühltürme, die
außerdem die Landschaft verschandeln, die Abwärme zu beseitigen. Anstatt
der für Kühltürme erforderlichen Wassermenge von 3 800 Tonnen pro Minute
werden nur 34 Tonnen pro Minute vom Huron-See erforderlich sein. Fußwege
um die künstlichen Seen, durch Marschland, Wiesen und Wald werden auf
einem insgesamt fast 100 Hektar großen Gelände angelegt, von wo aus die Besucher Gelegenheit haben, Wild und Wasservögel zu beobachten.

Die Edison

Company wird außerdem eine Forschungsstation einrichten, in der sich Wissenschaftler mit den Auswirkungen der Kraftwerke auf die Pflanzenwelt
befassen.
Die

-2-

�Die U.S.-Atomenergiekommission läßt diesen Aspekt der Atomtechnik besonders gründlich beobachten. Wie sie Ende 1973 bekanntgab, sind die
neuesten Erkenntnisse über die Toxizität von chemischen Verbindungen, die
beim Betrieb von Atomkraftwerken entstehen, für Flora und Fauna im Wasser
in dem Bericht "Toxicity of Power Plant Chemicals to Aquatic Life" zusammengefaßt. Der Bericht ist unter der Kennnummer WASH-1249 beim "Superintendent
of Documents" (U.S.Government Printing Office, Washington, D.C. 20502) zu
beziehen.

Abwasserreinigung
i

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,

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,.

Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts von Woods Hole
(Massachusetts) arbeiten an einem Reinigungsverfahren für städtische Abwässer, das gleichzeitig die Produktion von Muscheln, Garnelen und anderen
Meerestieren im Stil einer Meeresfarm ermöglicht. Zur Reinigung des Wassers
wird Phytoplankton, d.h. winzige pflanzliche Algen, benutzt, das seinerseits
dem Meerestier

zur Nahrung dient.

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26/1973
US-WISSENSCHAFTS-UND ENERGIEPOLITIK:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der
Nationalen Wissenschaftsstiftung-

--(AD)»- Die Einrichtung einer Abteilung für Wissenschafts-u.Technologie-Politik (Science and Technology Policy Office - STPO) innerhalb der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten wurde von Dr. H.Guyford
Stever bekanntgegeben. Gleichzeitig ernannte Dr. Stever, der Direktor der
NSF, Dr. Russell C. Drew zum Leiter der neugeschaffenen Abteilung, die
die Aufgaben des ehemaligen Präsidialamtes für Wissenschaft und Technik
übernimmt.
Dr. Drew, von Hause aus Physiker, war bereits von 1966 bis 1972 als
Beauftragter für Technik im Amt des Wissenschaftsberaters des US-Präsidenten tätig. In dieser Eigenschaft organisierte und leitete er eine Anzahl
von Gremien, die sich mit den verschiedensten Spezialthemen befaßten- von
der Überwachung des Luftverkehrs, Raumfahrtwissenschaft und -Technik über
biomedizinische Forschung und Entwicklung auf dem Raumfahrtsektor bis zur
Fernmeldetechnik. Für die Entwicklung von internationalen Projekten, insbesondere solchender Zusammenarbeit im Weltraum, arbeitete er außerdem eng
mit den zuständigen Stellen des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates zusammen.
Das

-1-

�I

l
Das neue Aufgabengebiet von Dr. Drew als Direktor der Abteilung
Wissenschafts-und Technologiepolitik, der ein Stab von Spezialisten verschiedener Fachgebiete zugeordnet ist, umfaßt u.a.:
- Beratung, Konsultation und Empfehlungen zu Fragen nationaler Politik auf dem zivilen Sektor von Wissenschaft und Technik;
- Entwicklung technischer Alternativen bei der Lösung nationaler
Probleme auf dem zivilen Sektor;
- Bewertung der allgemeinen Effektivität laufender nationaler Forschungs-und Entwicklungsprojekte, einschließlich solcher der Bundesregierung, und Empfehlung der einzuschlagenden Politik

und Programme, mit denen

nationale Ziele durch zivile Projekte von Wissenschaft und Technologie er«
reicht werden können;
- Funktion als zentrale Stelle für die Koordinierung von Bundesforschungs-und Entwicklungsprogrammen (die Abteilung STPO stellt u.a. dem Bundesbeirat für Wissenschaft und Technik - FCST - Spezialisten zur Verfügung);
- Zusammenarbeit, mit Wissenschaftlergruppen an Universitäten und in
der Industrie bei einem breiten Spektrum von Fragen der Wissenschaftspolitik, um deren Mitwirkung bei der Stärkung von Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten weiter zu fördern;
- Beratung und Unterstützung

zur Förderung internationaler Ziele der

US-Regierung auf den Gebieten Wissenschaft und Technik.
Dr. Russell C. Drew, der 1961 das Studium der Physik mit der Promotion
an der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) abschloß, arbeitete zunächst
bei Dr. Walter Gordy am Mikrowellen-Institut der Duke-Universität.Als Mitarbeiter einer amerikanisch-britischen Kommission befaßte er sich von 1963
bis 1966 mit Problemen des Wiedereintritts von Raumflugkörpern in die Erdatmosphäre im Zusammenhang mit dem POLARIS-Programm. Während seiner Tätigkeit im Präsidialamt für Wissenschaft und Technik war er maßgeblich an der

-2-

�der Vorbereitung und Ausarbeitung von Berichten zum APOLLO-Nachfolgeprogramm,
den biomedizinischen Grundlagen des bemannten Raumflugs und zu künftigen
Raumflugprojekten beteiligt. Bis zur Aufnahme seiner neuen Funktion in
Washington leitete

Dr. Drew zuletzt die Verbindungsstelle des US-Marine-

forschungsamtes in London, das Projekte technischer Zusammenarbeit mit ver~
bündeten Nationen in Westeuropa, Afrika und dem Nahen Osten entwickelt und
wissenschaftliche und technische Kontakte zu den entsprechenden Stellen im
Ausland unterhält.

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26/1973

MÜHLEN IM GOLFSTROM ?
Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
Energiequelle

— ( A D ) — Dr. Harris B. Stewart und Dr. John R. Apel von den Umwelt-Laboratorien des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmospährenforschung (NOAA)
sowie Dr. William S. von Arx (Woods Hole-Institut für Meeresforschung)
schlagen vor, daß sich Spezialisten der Meerestechnik, der Elektrotechnik und verwandter Gebiete zusammensetzen, um die wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten zur Nutzbarmachung der Energie des Golfstroms zu
sondieren. Die Wissenschaftler verweisen darauf, daß schon allein der
Florida-Strom vor Miami, der einen wesentlichen Teil des Golfstromes bildet, mehr als das 50fache der Wassermengen aller Süßwasserflüsse der Erde
transportiert.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen Florida und der südöstlich
vorgelagerten Insel Bimini beträgt durchschnittlich 3,2 km pro Stunde,
in oberflächennahen Wasserschichten jedoch bis zu 8,8 km/st. Berechnungen
hätten ergeben, wie Dr. Apel hervorhob, daß mit diesem Wasser pro Quadratmeter Fläche 0,8 Kilowatt Strom erzeugt werden könnten, wenn man technische Möglichkeiten fände»

diese Energiequelle anzuzapfen. Die Ausbeute

wäre zehnmal höher als bei der Verwendung von Sonnenzallen auf entsprechend
gleichgroßer Fläche (1 qm), um z.B. im Raum von Südflorida das Sonnenlicht
für die Energiegewinnung nutzbar zu machen.
Aus

-l-

�Aus ökologischen Gründen sei es jedoch nach Meinung der Wissenschaftler
nicht ratsam,die gesamte Strömungsenergie zu nutzen, die ca. 25 000 Megawatt
Strom ergeben könnte. Das entspricht der Leistung von 25 Großkraftwerken.
Vielmehr sollten die Energiewandler - große, langsame Turbinen, deren Blätter
ähnlich wie bei einem Windrad um einen zentralen Schaft arrangiert sind vorerst nur etwa vier Prozent der verfügbaren Strömungsenergie in elektrische Energie umsetzen. Andernfalls bestehe möglicherweise die Gefahr, daß
der Weg des GolfStromes verändert werde, was einschneidende klimatische Auswirkungen in anderen Teilen der Welt zur Folge haben könnte. Das müsse auf
jeden

Fall vermieden werden.

Um mit vier Prozent der Strömungsenergie ca. 1 000 Megawatt elektrischen Strom zu erzeugen, seien etwa 200 solcher "Windradu-Turbinen erforderlich. Sie würden in der Meerenge zwischen Florida und Bimini in 30 bis 130 m
Wassertiefe quer zur Strömung über einen etwa 20 km breiten Bereich stationiert. Jede Turbine, deren Gehäuse nur zur ankommenden Strömung offen ist,
hätte ihren eigenen Generator, wobei die Verankerung gleichzeitig als Kabelführung für den so erzeugten Strom zu dem am Boden verlegten Hauptkabel dienen
könnte. Der Schiffsverkehr würde bei einem solchen Arrangement nicht gestört,
und ebensowenig könnten die Wellenbewegungen des Oberflächenwassers an den
Ausrüstungen Schäden anrichten.
Die technischen und wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projektes
müßten, wie Dr, Apel hervorhebt, zuvor gründlich untersucht werden. Jedoch
sei die mit der Strömung verfügbare Energiemenge groß genug, um das Interesse
von Ingenieuren und Wirtschaftlern zu rechtfertigen. Falls der so erzeugte
Strom nicht direkt im Raum von Miami verbraucht werde, könne er zur Elektrolyse von Wasser benutzt werden. Die so gewonnenen Produkte Wasserstoff und
Sauerstoff sind transportabel und könnten - über Brennstoffzellen - andernorts Strom produzieren. Als Nebenprodukt fällt dabei sogar noch sauberes
Wasser an. Der besondere Vorteil einer Nutzbarmachung des Golfstromes ist
nach Dr. Apel in der Tatsache zu sehen, daß dieser Tag und Nacht, Sommer
wie Winter Energie liefern würde.
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26/1973

IMMUNOTHERAPIE FÜR SCHWERE LEPRA-FÄLLE

--(AD)-- Etwa zehn Millionen Menschen auf der Erde leiden an Lepra. Mit
Hilfe der modernen Chemotherapie ist es in vielen Fällen möglich,die

,

Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Bei den schweren Erkrankungsformen
jedoch, in denen durch Knoten-und Geschwürbildung nicht nur im Haut- und
Unterhautbereich, sondern auch an inneren Organen mehr und mehr Gewebe
zerstört wird, reicht diese Behandlung nicht aus. Der Körper ist nicht
mehr in der Lage, Abwehrkräfte gegen die Erreger (Mycobacterium leprae)
zu mobilisieren.
Diese Schwäche versuchen zwei Ärztegruppen in den USA, die für
ihre Studien erhebliche Zuschüsse der medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) erhielten, durch künstlich hervorgerufene immunologische
Reaktionen zu überspielen. Das Unvermögen des Körpers, Abwehrreaktionen
trot'z möglicherweise sogar vorhandener Antikörper in Gang zu setzen,
läßt sich durch einen Hauttest mit dem antigenhaltigen Lepromin an einer
gesunden Hautstelle leicht nachweisen.
Bei solchen Kranken fehlen, obgleich sie hohe Antikörperspiegel aufweisen, die Lymphozyten, die normalerweise der Körper auf Lepromin ansetzen würde. Außerdem findet sich eine enorm große Menge von Makrophagen,
die sehr viele Lepra-Bakterien enthalten. Aus noch ungeklärten Gründen
sind bei lepromatösen Kranken die Makrophagen, die die Mikroben aufnehmen und zerstören sollen, nicht in der Lage, Lepra-Bakterien zu"er-

-1-

�"erkennen" und zu vernichten.
Auffallend gute Erfolge hatte nun eine Reiztherapie, bei der die LepraKranken einmal pro Woche - und dies bis zu 16 Wochen lang - eine hochdosierte Lymphozyten-Infusion erhielten. Dafür wurden absichtlich Spenderzellen benutzt, die den bei Gewebeübertragungen üblichen Kompatibilitätsanforderungen nicht entsprachen. Die Kalkulation der Wissenschaftler, auf
diese Weise eine begrenzte Reaktion des Fremdgewebes gegen den Wirtsorganismus hervorzurufen, erwies sich als richtig. Diesen Überlegungen lag die
Theorie zugrunde,daß Immunzellen

von einem Spender, die nicht kompatibel

sind, nicht nur das Gewebe des Empfängers, sondern auch die Lepra-Bakterien als "fremd" erkennen müßten. Deshalb war zu erwarten, daß die Lymphozyten die Makrophagen soweit mobilisieren, daß diese ihre' Schmarotzer, die
Lepra-Bakterien, zerstören.
Diese Therapie, die Prof. Soo Duk Lim (Universität Seoul, z.Zt. Gastprofessor für Pathologie an der Staatsuniversität von Minnesota in Minneapolis) zusammen mit Dr. Robert A. Good, Präsident des Sloan=Kettering-Instituts für Krebsforschung in New York, entwickelt hatte, war bei allen 14 Pa- '
tienten, an denen sie erprobt wurde, erfolgreich. Die Bakterienkonzentration im Gewebe wurde immer stärker reduziert, und die äußeren, für die Krankheit

charakteristischen Läsionen bildeten sich zurück. Das traf nicht

nur für den Schweregrad, sondern auch für ihre Ausdehnung zu. Alle 14 Patienten konnten nach 16 Wochen auf die herkömmliche Chemotherapie umgestellt werden. Auch nach mehr als einem Jahr ist es bei keinem von ihnen zu
einem Rückfall gekommen.

i.

Prof. Lim macht allerdings darauf aufmerksam, daß weitere Versuche
und Überprüfungen erforderlich seien, ehe zur Behandlung hartnäckiger LepraFälle auf dieses Verfahren übergegangen werden könne, auch wenn es, wie die
bisherigen Ergebnisse zeigen, für solche Lepraformen und vielleicht auch andere Krankheiten, bei denen die konventionelle Chemotherapie versagt, angewandt werden könnte.
In

-2-

�In einer ausführlichen Studie beabsichtigt nun Prof. Lim, die Wirkung
der neuen Therapie unter den verschiedensten Aspekten mit jenen der Chemotherapie sowie einem zweiten neuen Verfahren zu vergleichen, das Dr. W.
Bullock, Dr. James P. Fields und Dr. Michael Brandriss von der Universität
Rochester (New York) ausgearbeitet haben. Die drei Wissenschaftler versuchen
dabei unter Ausnutzung des sogenannten Transfer-Faktors, durch sensibilisierte Lymphozyten von Gesunden bei lepromatösen Patienten eine Immunreaktion in Gang zu setzen. Bei den auf diese Weise behandelten Patienten war
die Reaktion allerdings nur relativ schwach und von kurzer Dauer. Das Verfahren beruht auf der Tatsache, daß die Fähigkeit zu Abwehrreaktionen auf
die dazu unfähigen Personen übertragen werden kann, wenn sie Lymphozyten
von einer Person bekommen, die gegen ein spezielles Antigen eine Überempfindlichkeit entwickelt hat.

+++

3-

�</text>
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18 . Juli 1973

27

Inhalt

DOKUMENTATION:

Rogers gibt weltpolitischen Überblick
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16. JuliRush: USA eindeutig gegen einseitige Truppenreduzierungen in Europa
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers&lt;
S

Schlesinger fordert glaubwürdige Abschreckung
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Finanzminister erörtern noch offene Währungsfragen
Von Eugene Brake
USA rechnen für 1973 mit wesentlich höheren Ernteerträgen
Von John Uhler

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Materialpolitik - Schlüsselelement einer neuen "Umweltethik"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mansch,
Materialien und Umwelt"
SKYLAB-Radar mißt Sturmwellen
-Synchronbeobachtungen von Bord eines ForschungsflugzeugesEinfacher Bluttest auf Bleivergiftung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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27/1973

ROGERS GIBT WELTPOLITISCHEN ÜBERBLICK
-Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16.Juli-

TOKIO—(AD)— Der amerikanische Außenminister William Rogers hat auf dem
neunten Treffen des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Kabinettsausschusses in Tokio am 16. Juli eine Rede gehalten, in der er neben amerikanisch-japanischen Angelegenheiten auch eine Reihe von weltpolitischen
Fragen behandelte. Die wesentlichen Teile der Ausführungen Rogers haben
folgenden Wortlaut:
.

•

'

.

.

•

Europa
Zu Anfang dieses Monats nahm ich zusammen mit 34 weiteren Außenministern aus Europa und Nordamerika an einer Ministersitzung der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teil. Dieses Treffen fand in
einer Atmosphäre der Zurückhaltung und der Konzilianz statt, was dazu beitragen sollte, daß die sich jetzt anschließende Konferenzphase in Genf
einen echten Beitrag zur Entspannung in Europa leistet. Dennoch wurde klar,
daß es wesentliche Meinungsunterschiede zwischen Ost und West hinsichtlich
der Gestaltung der Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten sowie dem
freieren Fluß von Menschen, Informationen und Gedanken innerhalb Europas
gibt. Eine bis ins einzelne gehende Einigung über diese Fragen ist notwendig, wenn diese Konferenz ein sichereres und kooperativeres Europa näher
bringen soll..,
Bei

-1-

�Bei den Gesprächen in Helsinki und bei den bevorstehenden Gesprächen in
Genf war und ist es das Ziel der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen
Verbündeten, die Spannungen auf dem europäischen Kontinent zu vermindern,
ohne daß dadurch in irgendeiner Weise die europäische Sicherheit geschwächt
wird. Zusammen mit unseren europäischen Verbündeten sind wir überzeugt, daß
die Stärke des NATO-Bündnisses ein wesentliches Element des Fortschritts in
Richtung auf eine Entspannung darstellt.
Wichtig ist ferner, daß einige Länder der NATO und des Warschauer Paktes sich am 30. Oktober offiziell in Wien treffen, um nach Wegen für eine
Reduzierung der in Mitteleuropa stationierten Streitkräfte

zu suchen.

Wahrscheinlich werden sich solche ersten Truppenreduzierungen auf die in
diesem Gebiet stationierten amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
konzentrieren.

Die Beziehungen der USA zu Moskau und Peking
Im vergangenen Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew
Maßnahmen ergriffen, die zu einer stabileren und sichereren internationalen
Lage führen sollen. Wir hoffen, daß solche Treffen zu einem regulären Bestandteil der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen werden, auf denen beide
Lände sich darum bemühen, die Möglichkeiten einer Konfrontation zwischen
ihnen zu vermindern und dafür ein Netz kooperativer Beziehungen zu schaffen, von denen ein stabiler Friede abhängt. Das vom Präsidenten und vom Generalsekretär unterzeichnete Abkommen über die Verhinderung eines Nuklearkrieges war von besonderer Bedeutung für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Dieses Abkommen sollte ebenfalls wesentlich dazu beitragen, daß
die Gefahr eines nuklearen Krieges überall auf der Welt vermindert wird,
ohne daß dadurch unsere anderen Verpflichtungen und Zusagen beeinträchtigt
werden....
Die

-2-

�J

Die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China nehmen
weiterhin einen ordentlichen Verlauf. In der Tat hat sich der Handel schneller als erwartet entwickelt, und der Handel in beiden Richtungen dürfte
dieses Jahr die 700-Millionen-Dollar-Grenze erreichen, was mehr als das
Zweifache früherer Schätzungen ist. Wir rechnen mit einem weiteren Anwachsen, sobald die damit verbundenen Fragen der privaten amerikanischen Ansprüche gegen die Chinesen und der in den USA eingefrorenen chinesischen
Guthaben gelöst sind. Die Verhandlungen über diese Fragen dauern an, wir
hoffen jedoch, daß eine endgültige Einigung zu einem baldigen Zeitpunkt
erreicht werden kann.
Als von besonderer Bedeutung sehen wir die beiderseitigen Verpflichtungen an, die von China gegenüber Japan und den Vereinigten Staaten eingegangen worden sind, auf Hegemonieambitionen in Asien zu verzichten und
sich allen Versuchen anderer, eine solche Hegemonie aufzuzwingen, zu wideri

setzen. Das neue Verhältnis zwischen uns und Peking hat uns nicht veran»

laßt, unsere Freundschaft zur Republik China oder unsere Entschlossenheit
zur Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber diesem Land zu vermindern. . ..

«
Die Veränderungen,die sich in den Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und China sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollzogen haben, haben wesentlich zu einer sichereren und kooperativeren Welt beigetragen. Wir sind uns darüber im klaren, daß die Fragen,
von denen Frieden und Zusammenarbeit abhängen, nicht zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Gegnern alleine geregelt werden können. Die Beiträge und die Zusammenarbeit unserer Verbündeten sind von entscheidender Bedeutung. Und im Zuge der Verbesserung unserer Beziehungen zu Moskau und Peking haben wir nichts unternommen und werden wir auch nichts unternehmen,
wa

s die Interessen unserer Verbündeten beeinträchtigen oder unsere Bünd-

nisse schwächen könnte.
Der

-3-

�Der Nahe Osten
Auf dem Gipfeltreffen wurde auch die Situation im Nahen Osten erörtert...
Die Sowjets und wir stimmten darin überein, daß eine Regelung in Übereinstimmung mit den Interessen aller Staaten dieses Gebietes

sowie in Über-

einstimmung mit deren Unabhängigkeit und Souveränität stehen und die legitimen Interessen des palästinensischen Volkes berücksichtigen sollte.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein gerechter und dauerhafter Friede im Nahen Osten nur durch einen aktiven Verhandlungsprozeß erreicht werden kann, der direkt oder indirekt zwischen den direkt betroffenen
Parteien durchgeführt werden sollte. Obwohl Fortschritte in dieser Richtung
enttäuschend langsam waren, herrscht weiterhin eine Waffenruhe, und wir hoffen, daß alle Parteien sich auch künftig Zurückhaltung auferlegen werden. Wir
sind uns über die in der derzeitigen Situation bestehenden Risiken im klaren
und verfolgen sie mit aktiver Aufmerksamkeit.

Ostasien und der Pazifik
Mit Interesse haben wir den Vorschlag von Ministerpräsident Tanaka zur
Kenntnis genommen, eine allgemeine Konferenz der asiatischen und pazifischen
Nationen einzuberufen. Wenn wir in die Zukunft blicken, so könnte eine Konferenz überaus nützlich sein, die auf die Entwicklung der Prinzipien und der
Mechanismen abzielt, durch die die interessierten Länder den Frieden, die Zusammenarbeit und den Abbau von Spannungen in diesem Gebiet fördern könnten....
Der Friede in Indochina ist weiterhin ein bedeutsames Anliegen für uns.
Wenn auch noch eine Reihe von Problemen gelöst werden müssen, so sind doch
die Kampfhandlungen und der Verlust an Menschenleben glücklicherweise sehr
viel geringer geworden. Das Verhandlungsklima hat sich sehr verbessert.

In

�In Vietnam ist das Erbe aus Jahrzehnten der Feindschaft nur sehr schwer
zu bewältigen, aber die beiden Parteien sprechen doch direkt miteinander. In
ähnlicher Weise haben in Laos die militärischen Operationen fast aufgehört,
und die Aussichten auf eine baldige politische Regelung sind vielversprechend. In Kambodscha ist die Situation besonders kompliziert. Wie Präsident
Nixon jedoch im vergangenen Monat versichert hat, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um am Zustandekommen eines Friedens dort mitzuwirken. Die verminderten Feindseligkeiten in diesem Raum ermöglichen es uns,
unsere Aufmerksamkeit der wichtigen Aufgabe des Wiederaufbaues und der Entwicklung zuzuwenden...
Nicht weniger als die Regierung hat auch der Kongreß klargestellt, daß
er dem kooperativen Beitrag anderer Länder zum Nachkriegs-Wiederaufbau und
zur Entwicklung große Bedeutung beimißt... Wir unsererseits hoffen, daß wir
mit den Wiederaufbau-und Entwicklungsprogrammen vorangehen können, die ein
entscheidender Faktor für den Frieden in diesem Gebiet sein können. Lassen
Sie mich schließlich noch auf unsere starke Unterstützung der konstruktiven
Vorschläge hinweisen, die Präsident Park zum weiteren Abbau der Spannungen
auf der koreanischen Halbinsel unterbreitet hat... Unsere Sicherheitsverpflichtungen in Korea haben zu einer Situation beigetragen, in der die Koreaner bereit sind, auf normalere Beziehungen hinzuarbeiten. Wir werden
auch weiterhin fest zu unseren Verpflichtungen stehen.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Wenn wir uns diesen multilateralen Fragen zuwenden, dann tun wir dies
unter stärkerer Beachtung der veränderten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den großen Handelsnationen... Die Wirtschaftsordnung nach dem Kriege
baute sich auf der dominierenden wirtschaftlichen Position der Vereinigten
Staaten auf. Heute hat kein Land eine derartig überragende dominierende
Position. Alle Länder werden in zunehmendem Maße interdependent.
Im

-5-

�Im Hinblick auf wirtschaftliche Fragen müssen die entwickelten Demokratien, insbesondere Japan, die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft, eine konstruktive Führungsrolle übernehmen. Die industrialisierten Demokratien haben mit Handels-und Währungsverhandlungen begonnen oder
werden es bald tun.
Wenn wir und unsere Partner nun in diese Verhandlungen eintreten, so
ist es von größter Bedeutung, daß wir im Interesse des Wachstums und der
Stärke von uns allen auch für uns alle denken und handeln. Sollten wir unsere gemeinsamen Interessen - unsere Interdependenz - aus dem Auge verlieren,
dann werden wir alle Schaden davontragen.

Die Entwicklungswelt
Die Schaffung einer stärker prosperierenden, sichereren und kooperativeren Welt, die uns vorschwebt, dürfte nicht gelingen, wenn die Entwicklungswelt kein stetiges wirtschaftliches Wachstum erreicht. Während die ärmeren
Länder die Hauptverantwortung für eine gesunde Entwicklungspolitik tragen
müssen, können sowohl Japan als auch die Vereinigten Staaten einen nützlichen Beitrag zu deren Bemühungen um ein besseres Leben für ihre Bürger
leisten.
Wir stimmen darin überein, daß unsere Leistungen auf dem Gebiete der
Entwicklungshilfe verbessert werden können und sollten. Dies ist das Ziel,
das wir uns gesetzt haben....
Ausländische Privatinvestitionen können einen überaus wichtigen Beitrag
zum beschleunigten wirtschaftlichen Wachstum der ärmeren Länder leisten.
Sollen

solche Investitionen prosperieren, dann müssen wir gemeinsam darauf

hinwirken, daß unsere Privatfirmen gewiß sein können, im Falle einer Enteignung eine gerechte und effektive Entschädigung zu erhalten. Um das Vertrauen

-6-

�I

Vertrauen zu fördern und unsere Investoren zu schützen, sind die Vereinig•
ten Staaten weiterhin an der Entwicklung multilateraler Methoden interessiert, die bei Investitionsstreitigkeiten zum Tragen kommen...

-7-

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27/1973

RUSH: USA EINDEUTIG GEGEN EINSEITIGE TRUPPENREDUZIERUNGEN IN EUROPA
-Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Kenneth Rush, hat am 10. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses mit allem Nachdruck erklärt, daß die Nixon-Administration sich "eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzt." Rush machte im wesentlichen folgende Ausführungen:
"Um jeden etwa bestehenden Zweifel zu beseitigen, möchte ich versichern, daß wir uns eindeutig jeder einseitigen Verringerung der amerikanischen Streitkräfte in Westeuropa widersetzen und daher auch jenen Vorschlägen, die Ihrem Ausschuß vorliegen und die den Kongreß zu einer solchen Maß«
nähme verpflichten oder die Administration an eine solche Maßnahme binden
würden.
Darf ich damit beginnen, daß wir uns durchaus der veränderten Umstände bewußt sind, die die NATO, unsere Verteidigung und unser Verhältnis zu
Europa berühren.
- Erstens, wir stehen in einer Periode aktiver Verhandlungen - SALT,
KSZE und MBFR - von denen jede in einem direkten Zusammenhang mit der Sicherheit unserer Verbündeten und unserer eigenen steht. Zusammen mit den

-1-

�den Gipfeltreffen bilden sie einen Teil unserer allgemeinen Anstrengung, ein
normaleres Verhältnis zwischen Ost und West zu schaffen. Obwohl wir glauben, daß ein Fortschritt erzielt worden ist, so hat dieser Prozeß doch
erst begonnen, und in der nächsten Phase werden wir uns mit den schwierigeren Fragen der Verringerung militärischer Spannungen befassen müssen.
- Zweitens, dieser Prozeß findet in einer Zeit statt, da in jedem der
verbündeten Länder, nicht nur in den Vereinigten Staaten, ein wachsender
Druck zu spüren ist, Mittel für innenpolitische Aufgaben abzuzweigen.
- Drittens, unsere Verbündeten sind heute wirtschaftlich stärker als
je zuvor und machen bedeutsame Schritte zu größerer politischer und wirtschaftlicher Einheit. Gleichzeitig kennzeichnet ein beachtliches Bündel
gemeinsamer Handels-und Währungsprobleme unsere wirtschaftlichen Beziehungen.
Letztens, wir stehen vor einer strategischen Nuklearsituation, in der
an die Stelle der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten gegenüber der
UdSSR mehr oder weniger ein Gleichgewicht getreten ist, das einer konventionellen Abschreckung erhöhte Bedeutung verleiht.
Ich halte es für wesentlich, daß sich der Kongreß völlig im klaren
darüber ist, was getan wird, um die NATO und unsere Präsenz in Europa diesen Realitäten anzupassen.
Wir packen diese Aufgabe auf dreifache Weise an:
1. Wir streben in diesem Jahr Europas danach, unser

Verhältnis zu un-

seren Verbündeten neu zu bestärken und einen Rahmen zu schaffen, innerhalb
dessen wir die Fragen des Handels, der Finanz und der Sicherheit produktiv
behandeln können.
2. Als Ergebnis der jüngsten Tagungen der Außen-und Verteidigungsminister der NATO arbeiten wir Programme aus, die darauf abzielen:
- die Verteidigungsposition der NATO zu verbessern;
- einen multilateralen Mechanismus für eine gerechtere Verteilung der
Lasten und eine Erleichterung unserer militärischen Zahlungsbilanz-2-

�Zahlungsbilanzp'robleme zu entwickeln; und
- einige der grundlegenden Verteidigungskonzeptionen hinsichtlich
der Spezialisierung und der wirksameren Nutzung knapper Verteidigungsmittel zu revidieren.

3. Wir haben ein Übereinkommen erzielt, daß in etwas mehr als 90 Tagen,
am 30. Oktober, eigentliche Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen werden. Wir arbeiten gegenwärtig einen
Bündnisstandpunkt aus, der zu amerikanischen und sowjetischen Verringerungen führen könnte.
Alles in allem sind wir mit unseren Verbündeten dabei, das Nachkriegs-,
Handels-und Währungssystem zu verbessern; wir sind in der NATO dabei,
eine gerechtere und effektivere Sicherheitsposition aufzubauen, und wir
sind mit der Sowjetunion dabei, Mittel und Wege zu suchen, um die Verteidigungslasten unserer Völker ohne Verlust unserer fundamentalen Sicherheit zu erleichtern.
Dies ist ein Unterfangen von beispielloser Größe und Bedeutung für das
künftige Wohlergehen Amerikas. Es dürfte auf der Hand liegen, daß wir in
all diesen Anstrengungen einen Fehlschlag riskieren, wenn wir:
- Erstens, unseren Verbündeten erklären, daß wir ohne Rücksicht auf
ihre Wünsche, sich unseren gegenseitigen Erfordernissen anzupassen, unseren
Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung einseitig kürzen werden, und
- zweitens, unseren Gegnern erklären, daß wir unsere Streitkräfte einseitig reduzieren werden, obwohl wir beiderseitige Reduzierungen wollen.
Praktisch würden wir unseren Verbündeten erkl ären, daß wir wollen,
daß sie in Handel, Finanz und Sicherheit mehr für Amerika tun, und wir dafür weniger tun werden. Und wir würden den östlichen Ländern erklären, daß
sie etwas umsonst erwarten können.
Darüber

-3-

�Darüber hinaus gibt es drei spezifische Gründe, die nach meiner Überzeugung von fundamentaler und entscheidender Bedeutung sind. Nämlich:
Die Unabhängigkeit und Sicherheit Westeuropas ist für jeden Amerikaner lebenswichtig wegen ihres entscheidenden Einflusses auf seine Sicherheit, sein wirtschaftliches Wohlergehen und den Fortbestand seiner demokratischen Lebensweise.
Die Unabhängigkeit Westeuropas hängt von der Aufrechterhaltung einer
glaubwürdigen Abschreckung und Verteidigung gegen einen Angriff ab, und
in einer solchen Verteidigungsposition spielen amerikanische Streitkräfte
eine lebenswichtige Rolle.
Der Prozeß der Aufrechterhaltung einer verläßlichen Verteidigungsposition würde in einer Zeit der Verhandlungen über eine geordnete und ausgewogene Verringerung der sich in Europa gegenüberstehenden Streitkräfte
durch eine einseitige Verringerung unserer Streitkräfte in katastrophaler
Weise unterlaufen.

-Amerikas lebenswichtiges Interesse an Westeuropa•

r

Unser Lebensinteresse an Westeuropa ist keineswegs nur eine Sache der
Geschichte oder der Gewohnheit. Ohne Westeuropa gäbe es für uns keine
Prosperität. Es ist in der Tat ein immer mächtigeres Zentrum der Weltwirtschaft geworden. Es ist unser wichtigster Markt und unser wichtigster Versorger. Amerikanische Firmen haben in Westeuropa über 28 Milliarden Dollar
investiert, die amerikanischen Investoren fast drei Milliarden Dollar im
Jahr einbringen. Wollen wir uns keinen Täuschungen hingeben. Unsere Prosperität und die Prosperität der ganzen Welt werden von Westeuropa zutiefst beeinflußt. Das bedeutet Arbeitsplätze für Amerikaner, Dividenden für Amerikaner und Lebensstandard für Amerikaner.
Gerade

�Gerade weil wir und unsere westeuropäischen Verbündeten uns unserer
Interdependenz so voll und ganz bewußt sind, unternehmen wir gegenwärtig gemeinsame Anstrengungen, um unsere gemeinsame Wirtschaft durch globale Handelsverhandlungen und durch eine Reform des Weltwährungssystems zu stärken.
Weder ein erweiterter Welthandel noch eine Währungsreform können ohne ein
volles Maß an westeuropäischer Mitarbeit Zustandekommen.
Die Verteidigung Westeuropas hängt von drei Bedingungen ab:
Erstens, sie hängt von dem Willen der Europäer ab, unabhängig zu sein
und sich selbst zu verteidigen..Zweitens, sie hängt von der Verpflichtung
der Vereinigten Staaten gegenüber ihren europäischen Verbündeten ab, daß
sie angesichts der eindrucksvollen militärischen Mittel ihrer Nachbarn im
Osten zu ihnen stehen werden, um vor einer Aggression abzuschrecken und unsere gemeinsamen Interessen zu verteidigen, sollte die Abschreckung nicht wirken. Drittens, sie hängt von der Existenz eines Verteidigungssystems ab,
dessen Kapazität nicht nur für die osteuropäischen Staaten überzeugend ist,
sondern auch für unsere NATO-Verbündeten und auch für uns selbst.
Die Erfüllung dieser drei Bedingungen erfordert eine unablässige Anstrengung seitens der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten...
Geschichtlich gesehen war es die Hauptfunktion der NATO - und ist
auch heute noch ihre wichtigste Funktion -,ihre Mitglieder vor einem Angriff
oder einem Druck von Außen zu beschützen. Ich weiß, daß sich die Beziehungen
der Sowjets zu ihren Nachbarn in Europa und auch zu uns in den vergangenen
Jahren wesentlich verbessert haben. Wir begrüßen diese Verbesserung . Ich
weiß aber auch, daß die Sowjetunion immer noch weitaus mächtiger als irgendein anderer Staat oder eine Staatengruppe in Europa ist. Ich weiß, daß es
keine Gewißheit dafür gibt - und eine solche auch nie wird geben können -,
daß die sowjetische Macht niemals dazu benutzt werden wird, die Interessen
der NATO-Mitgliedstaaten zu bedrohen. Eine derartige Macht könnte zu einem
konstanten politischen Druck auf die westeuropäischen Staaten werden, sich

-5-

�sich der sowjetischen Politik anzupassen, sofern ihr in der NATO nicht weiterhin ein Gegengewicht gesetzt wird.
Die Staaten des Warschauer Paktes sehen keinen Widerspruch zwischen
Verhandlungen zur Verringerung der Spannungen in Europa und der Beibehaltung, ja Verstärkung ihrer militärischen Macht. Es besteht auch notwendigerweise kein Widerspruch. Die sowjetischen Verhandlungen von einer Position
der Stärke aus haben unsere Bemühungen um bessere Beziehungen zum Osten
nicht behindert. Ja, diese Position hat wahrscheinlich sogar die eigentliche Basis für die Entwicklung der sowjetischen Politik in ihrer jetzigen
Form ergeben. Die Länder des Ostens werden zweifellos auch weiterhin von
dieser Basis aus verhandeln. Wichtig ist dabei, daß sie niemals Grund zu
der Annahme bekommen, daß wir es anders tun würden.
An dieser Stelle möchte ich mich mit einem nach unserer Auffassung
trügerischen Argument befassen, das vorgebracht wird, um einen einseitigen
amerikanischen Truppenabzug zu rechtfertigen. Es besagt:
- Die NATO verfügt nur über eine Art Stolperdrahtverteidigung, so daß
wir im Falle eines Angriffs innerhalb weniger Tage, wenn nicht Stunden,
unsere Zuflucht zu nuklearen Waffen nehmen müßten. Daher - so argumentiert
man - sei es nicht notwendig, daß die Vereinigten Staaten 300 000 Mann an
Truppen in Europa stationiert hielten, um als eine Art Stolperdraht zu
dienen.
Die Prämisse von der Stolperdrahtverteidigung ist falsch, und so ist
auch der aus ihr gezogene Schluß. Jedoch könnte eine größere Reduzierung
der amerikanischen Truppen und ihre Auswirkung auf die Moral und Bereitschaft unserer Verbündeten sehr leicht eine Stolperdrahtsituation herbeiführen, bei der die Anwendung von Gewalt in Europa automatisch die Gefahr
eines Nuklearkrieges für jeden Amerikaner heraufbeschwören könnte.
Die

�Die Doktrin von der •massiven Vergeltung» wurde sinnlos, als die
Sowjetunion sich zu einer wirklichen nuklearen Macht entwickelt hatte, die
in der Lage war, entsprechende Vergeltungsschläge auszuteilen. Aus diesem
Grunde ist es erstaunlich, Vorschläge zu vernehmen, daß man Westeuropa verteidigen könne, indem man sich einzig auf die Kernwaffen verläßt. Diese
sozusagen durch die Hintertür erneut zur Geltung kommende Doktrin von der
massiven Vergeltung fällt zeitlich zusammen mit dem Entstehen einer Art Parität in den strategischen Waffensystemen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Aber eine nukleare Parität läßt eine massive Vergeltung als
Mittel zur Abschreckung aller Formen von Aggression in Kuropa noch weniger
glaubhaft erscheinen. Der Vorschlag einer Rückkehr zu diesem Konzept, ob
man es nun »massive Vergeltung» oder 'Stolperdraht* nennt, an Stelle der
von der NATO vereinbarten Kapazität einer flexiblen Antwort, läßt nur zwei
Rückschlüsse: Entweder es handelt sich um ein Mißverständnis über die mit
der strategischen Parität verbundenen Implikationen oder aber um ein elegantes Sichdrücken um die Möglichkeit, daß es zu weniger als einem totalen Krieg
in Europa kommen könne.
Eine absolute Sicherheit kann es niemals geben. Aber ich bin über ein
so simples Urteil doch bestürzt: Daß der Krieg in Europa wahrscheinlich auch
weiterhin auf allen Ebenen abgewehrt werden könne durch dieselben Mittel,
mit denen man seit über einem Jahrzehnt vor ihm abgeschreckt habe. Die NATO
plante in den sechziger Jahren voraus, um eine eventuelle strategische Parität zwischen Ost und West hierbei einzubeziehen. Man traf die Entscheidung,
die konventionellen Waffen aufzustellen, die notwendig sein würden, um den
konventionellen Möglichkeiten des Warschauer Paktes entgegentreten zu können, militärische Mittel in vielfältiger Form einzusetzen, ohne direkt zu
einem strategischen Krieg überzugehen. Jetzt in den siebziger Jahren sehen
wir uns genau den Verhältnissen gegenüber, für die diese Pläne gemacht wurden. Es erscheint absurd, wollte man die so erfolgreich getroffenen Vorbereitungen zur Begegnung der vorausgesagten Gefahr, die nunmehr existiert,
aufgeben.

Kurz
-7-

�Kurz gesagt, die Notwendigkeit eines überzeugenden konventionellen
Potentials zur Verteidigung Westeuropas und zur Abschreckung vor einem
Krieg ist größer als je zuvor. Und heute haben unsere Verbündeten wie auch
wir Programme und Maßnahmen, die unseres Erachtens auch weiterhin ein
solches Potential für die Zukunft gewährleisten.
Der...Grund, warum einseitige Truppenreduzierungen unklug wären, ist,
daß ein solcher Schritt unsere behutsamen Bemühungen, beiderseitige Trupreduzierungen auszuhandeln, stark beeinträchtigen würde.
Wir stehen jetzt im Begriff, eine Serie von Verhandlungen aufzunehmen,
die sich als die bedeutungsvollsten der Nachkriegszeit erweisen könnten.
Es wäre unvorstellbar, daß wir solche Verhandlungen durch einseitige
Maßnahmen gefährden. Ein solcher Schritt würde das Führen von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhandlungen nahezu unmöglich machen. Allein schon
die Möglichkeit eines solchen Schrittes würde den Staaten des Warschauer
Paktes den Anreiz nehmen, überhaupt zu verhandeln.
Außerdem würde eine einseitige Reduzierung der amerikanischen Truppen
die NATO-Allianz ernstlich spalten. Da die USA ihre Truppen ohne Rücksicht
auf die militärischen Konsequenzen reduziert hätten, würden unsere Verbündeten unter dem politischen Druck ihrer Parlamente stehen, entsprechende einseitige Truppenkürzuingen vorzunehmen. Das gesamte System unserer gemeinsamen Beschlußfassung könnte zerfallen. Und während die Regierung wahrscheinlich jede weitere Truppenreduzierung - ob auf Gegenseitigkeit beruhend
oder nicht - ablehnen würde, wäre der Prozeß einer Auflösung der Verteidigung des Westens in Friedenszeiten doch im Gange und würde von den Vereinigten Staaten selbst begonnen worden sein.
Wir wissen jetzt noch nicht genau, wohin die Bemühungen um beiderseitige Truppenreduzierungen schließlich führen werden. Gleich SALT verspricht
dies ein Prozeß zu werden, der nicht nur beträchtliche militärische Ergebnisse zeitigen, sondern auch zu einem ständigen politischen Gespräch führen

-8-

�führen wird, das für uns durchaus wertvoll sein könnte. Bei SALT haben unsere offenen Gespräche mit der Sowjetunion viel dazu beigetragen, falsche Auffassungen auf beiden Seiten zu zerstreuen. Die gleichen Möglichkeiten ergeben
sich für uns bei MBFR. Ich ersuche Sie alle dringend, den Beitrag nicht zu
unterschätzen, den MBFR zu unserer Sicherheit und zu einer Verringerung der
internationalen Spannungen leisten könnte.
Die vielversprechenden Aussichten dieser umfassenden Verhandlungen würden jedoch durch einen einseitigen Beschluß der Vereinigten Staaten, ihre
NATO-Streitkräfte zu reduzieren, zunichtegemacht. Ein solcher Abzug würde
die NATO sprengen, das bestehende Ost-West-Gleichgewicht untergraben und den
Prozeß einer beiderseitigen Truppenreduzierung abrupt zu einem Stillstand
bringen.

Einseitige Truppenreduzierungen unnötig -

Unsere Haushaltsansätze für die Stationierung unserer 300 000 Soldaten
in Europa, und dies schließt auch den Mittelmeerraum ein, belaufen sich für
das Finanzjahr 1973/74 auf 4 Milliarden Dollar. Dies sind die Kosten, die
durch Gehälter und Unterbringung dieser Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa entstehen.
Wenn wir jedoch die Kosten der Nachschubeinrichtungen für diese Truppen
in den Vereinigten Staaten und die Kosten für Waffen und Ausrüstung einbeziehen, so erhöhen sich die Gesamtkosten für das Finanzjahr 1973/74 auf 7,7
Milliarden Dollar. Hierin ist auch die oben genannte Zahl von 4 Milliarden
Dollar eingeschlossen. In diesen Zahlen sind die Mehrkosten für die Stationierung unserer Truppen in Europa - im Vergleich zu den Kosten entsprechender Truppen in den Vereinigten Staaten - enthalten. Sie belaufen sich auf
rund 400 Millionen Dollar pro Jahr und setzen sich weitgehend aus solchen
Ausgaben wie Transport usw. zusammen.
Dies

-9-

�Dies sind also die haushaltsmäßigen Kosten für die Stationierung der
300 000 Soldaten und ihrer Familienangehörigen in Europa. Wenn Sie diese
Soldaten nach den USA zurückbringen und unsere NATO-Verpflichtungen einhalten wollen, dann müssen Sie sie unter Waffen halten, es ergeben sich zusätzliche Transportkosten, und es muß eine Zweitausrüstung an schweren Waffen in Europa belassen werden, damit die Truppen schnell bei einem Einsatz
dorthin zurückgebracht werden können. In diesem Falle würden die jährlichen
Haushaltskosten über den gegenwärtigen liegen.
Der entscheidende Punkt ist, daß die Stationierung unserer Truppen in
Europa zwar bescheidene Mehrkosten bringt, diese Mehrkosten aber nicht dadurch eingespart werden können, daß wir diese Truppen nach Hause zurückbringen, wenn es uns gleichzeitig damit ernst ist, das Nötige zu tun, um
weiterhin unseren Verpflichtungen nachzukommen.
Ein zweiter Punkt hier sind die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz.
Das Ergebnis der Stationierung von 300 000 Soldaten und ihren Familienangehörigen in Europa war im Finanzjahr 1971/72 ein Defizit in unserer militärischen Zahlungsbilanz von 1,5 Milliarden Dollar. Aber dieses Defizit in
unseren militärischen Konten von 1,5 Milliarden Dollar macht nur einen relativ kleinen Teil unseres Zahlungsbilanzdefizits aus. Im Jahre 1972 belief
sich unser Defizit in der Grundbilanz auf 9,2 Milliarden Dollar. Und hiervon entfiel nur ein Sechstel (das sind 1,5 Milliarden Dollar) auf unsere
militärischen Ausgaben in Europa, bei denen unsere Truppenstationierung
mit einem wesentlichen Teil zu Buche schlägt.
Es ist ganz klar, daß die Vereinigten Staaten nicht auf unbegrenzte Zeit
ein Defizit von 9 Milliarden Dollar in ihrer Grundbilanz verkraften können.
Wir können jedoch dieses Defizit nicht einfach dadurch beseitigen, daß wir
die einzelnen Punkte wie die militärischen Konten anpacken. Die Ursachen
des Defizits sind grundlegender Natur, und es bedarf grundlegender Änderungen, um sie zu beseitigen. Aus diesem Grunde sind wir so energisch vor-

-10«

�vorgegangen, um dieses Problem durch eine Abwertung des Dollar sowie durch
das Bestehen auf einer konstruktiven Reform des internationalen Währungssystems zu korrigieren.
Die Ergebnisse unserer monetären Maßnahmen beginnen sich auszuwirken.
Unsere Zahlungsbilanz begann sich zu bessern, nachdem die Wende sich als konstant erwies. Die Statistiken des Handelsministeriums für das erste Quartal
dieses Kalenderjahres zeigen einen Rückgang des Defizits in unserer Grundbilanz von 3,8 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 auf 1,2 Milliarden in
diesem Jahr. Das ist eine sehr eindrucksvolle Verbesserung. Unsere Wirtschaftler sind der Ansicht, daß der Trend zurück zu einem Ausgleich trotz
einiger anfänglicher Schwächen weiter anhalten und daß sich dabei das Tempo
beschleunigen wird. Wir müssen unsere Verbündeten weiter drängen, einen größeren und gerechteren Teil der Kosten der Verteidigung Europas zu tragen.
Wenn ich unsere Verbündeten auffordere, einen größeren Teil der Verteidigungslasten zu übernehmen, so möchte ich damit nicht bei Ihnen hier den
Eindruck erwecken, sie würden nicht bereits erheblich zur Verringerung unseres militärischen Zahlungsbilanzdefizits beitragen....
Die Bundesregierung hat nicht nur beträchtliche Waffenkäufe in den Vereinigten Staaten vorgenommen, sondern auch für 621 Millionen Dollar mittelfristige Schuldverschreibungen der amerikanischen Regierung übernommen, für
die sie Zinsen zahlt, und sie hat 186 Millionen Dollar für die Renovierung
amerikanischer Unterkünfte in Deutschland aufgewandt, wovon sowohl unsere
Zahlungsbilanz wie auch unser Haushalt profitieren. Der Gesamtwert dieses
Offset-Abkommens für den Zweijahres-Zeitraum beläuft sich für die USA auf
2 065 Milliarden Dollar. Wir verhandeln jetzt über ein neues Offset-Abkommen
mit der Bundesrepublik.
Darüber hinaus - und das ist langfristig von Bedeutung - haben die
NATO-Verteidigungsminister im vergangenen Monat eine Prüfung des Problems
vereinbart, wie weitere multilaterale Wege gefunden werden können, um die
von den Vereinigten Staaten als Folge ihrer Truppenstationierung in Europa

-11-

�Europa getragenen nachteiligen wirtschaftlichen Auswirkungen zu verringern.
Wir betrachten dies als einen wichtigen Schritt, der die zusätzlichen haushaltsmäßigen Belastungen und die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz verringern kann, die sich dadurch ergeben, daß Streitkräfte im Ausland statt
im Inland stationiert werden."

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27/1973

SCHLESINGER FORDERT GLAUBWÜRDIGE ABSCHRECKUNG
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — D e r amerikanische Verteidigungsminister James R.
Schlesinger hat am 11. Juli vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses die Notwendigkeit einer glaubwürdigen NAT0=
Abschreckung unterstrichen, um der Sowjetunion nicht die Möglichkeit eines
Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und um die Möglichkeit eines Nuklearkrieges auszuschalten. Die wesentlichen Teile der Erklärung Schlesingers haben folgenden Wortlaut:
"... Wir haben früher schon das Argument gehört, daß die NATO kein
direktes Gegengewicht gegen die überlegenen konventionellen Streitkräfte
des Warschauer Paktes brauche, weil sie ja eine Überlegenheit hinsichtlich
der taktischen und strategischen Kernwaffen besitze. Das mag in den fünfziger Jahren noch richtig gewesen sein, heute aber befinden wir uns in
einer Periode einer ungefähren nuklearen Parität. Das heißt ganz sicher
nicht, daß es von nun an keinen nuklearen Krieg mehr geben kann. Auch besagt es nicht, daß die amerikanische nukleare Verpflichtung gegenüber unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten von der Entwicklung überholt worden ist. Unsere Verpflichtung ist fest und unerschütterlich. Es bedeutet jedoch, daß unseren nuklearen Streitkräften nicht länger das gleiche

-1-

�gleiche entscheidende Gewicht in der Balance der Abschreckung zukommt, wie
sie es zu einer früheren Zeit besassen, und dies weist den konventionellen
militärischen Kapazitäten der NATO einen höheren Wert zu.
Sollte es in einem früheren Zeitabschnitt nicht so wichtig gewesen
sein, so ist es heute doch für die Staaten der NATO ganz sicher von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, daß wir über eine glaubwürdige Abschreckung - nuklearer und nicht-nuklearer Art - über das ganze Spektrum
der Risiken hinweg verfügen, um für die Sowjetunion nicht die Möglichkeit
eines Wagnisses zu minimalen Kosten zu bieten und die Möglichkeit eines
Nuklearkrieges auszuschalten. Niemand will einen Krieg. Und wenn wir die
geeigneten Schritte tun, dann ist ein Krieg auch nicht zu erwarten. Aber
jedenfalls ist ein Krieg weniger wahrscheinlich, wenn wir sowohl über eine
nukleare wie eine nicht-nukleare Abschreckung verfügen. Und in einer Zeit,
in der die Folgen

eines Krieges weltzerstörerisch sein könnten, scheint

mir die durch angemessene Abschreckungsstreitkräfte gewährte Sicherheit
doch wohl ihre Kosten wert zu sein.
Wir haben auch die Behauptung gehört, daß die NATO kein Gegengewicht
an konventionellen Streitkräften gegen den Warschauer Pakt zu in Friedenszeiten irgendwie auch nur annehmbaren Kosten erstellen könne. Zwar sind
im mittleren Raum Europas die Streitkräfte des Warschauer Paktes denen der
NATO zahlenmäßig etwas überlegen, doch ist dies weder hoffnungslos noch besonders beruhigend..Tatsache jedenfalls ist, daß die NATO bereits über einen
großen Teil der Kapazitäten verfügt, die für eine starke konventionelle Verteidigung notwendig sind. Während bedeutsame Verbesserungen in der Tat notwendig sind, kann die NATO doch die bei ihr vorhandenen Mängel mit begrenzten zusätzlichen Anstrengungen überwinden, wenn die NATO-Staaten, einschließlich der Vereinigten Staaten, darauf achten, daß unsere Verteidigungsanstrengungen sich ergänzen, wenn wir gewährleisten, daß unsere Hilfsquellen
dort eingesetzt werden, wo sie am meisten benötigt werden, und wenn wir

-2-

�wir klug und entschlossen sind, eine ständige Verteidigungsanstrengung zu
unternehmen.
Es gibt keinen eigentlichen Grund, warum die NATO gegenüber dem Warschauer Pakt eine Unterlegenheit hinsichtlich der konventionellen Streitkräfte akzeptieren müßte. In den grundsätzlichen Positionen ist die NATO
dem Warschauer Pakt ganz erheblich überlegen. Die Bevölkerungszahl des
Bündnisses liegt um 54 Prozent höher. Unsere vereinten Bruttosozialprodukte sind um über das Dreifache größer. Was wir jetzt tun müssen, ist, die
Hilfsquellen der NATO, die für die konventionellen Streitkräfte in Europa
eingesetzt werden, genauer auf den Charakter der von den Staaten des Warschauer Paktes ausgehenden Bedrohung abzustellen,, Und - auf einer grundsätzlicheren Ebene - wir müssen der Tatsache entgegensehen, daß die Alternative für ein angemessenes konventionelles Potential der NATO in Europa
ein schnellerer Rückgriff auf Kernwaffen wäre, mit all den Risiken, die
eine solche Politik in unserer Ära der nuklearen Parität mit sich bringt.
Es ist ferner gesagt worden, daß unsere Verbündeten sich keine Gedanken über ihre eigene Verteidigung machten oder daß sie nicht gewillt seien,
einen fairen Teil der Lasten zu tragen. Diese Behauptung wird den in den
letzten Jahren gemachten beträchtlichen Anstrengungen nicht zur Genüge gerecht. Der frühere Verteidigungsminister Richardson hat im März 1973 in
seinem Jahresbericht an den Kongreß auf die in den letzten drei Jahren vorgenommenen Erhöhungen der Verteidigungsausgaben der Verbündeten verwiesen
- die Verteidigungshaushalte der Verbündeten liegen um 30 Prozent höher als
1970, wobei weitere beträchtliche Erhöhungen in dem britischen und dem
deutschen Verteidigungshaushalt für dieses Jahr geplant sind. Der stellvertretende Außenminister Rush, der vorher selbst stellvertretender Verteidigungsminister war, hat Ihnen gestern über einige der europäischen Modernisierungsprogramme berichtet. Ich kann Ihnen versichern, daß diese erhöhten Ausgaben und die neuen Programme sowie die bereits für die Zukunft geplanten Programme einen beträchtlichen Beitrag zu dem Potential der NATOStreitkräfte darstellen.
Ferner

3-

�(
\

Ferner trägt die Bundesrepublik Deutschland, wie Sie wissen, dazu bei,
durch beachtliche Maßnahmen einen Ausgleich für die Kosten unserer Truppen
in Deutschland zu schaffen. Das derzeitige Abkommen zwischen unseren beiden
Ländern beläuft sich für die Jahre 1972 und 1973 auf über zwei Milliarden
Dollar. Ein neues Abkommen für den nächsten Zeitraum wird jetzt ausgehandelt. ..
Dies soll nicht besagen, daß die gegenwärtige Stärke der amerikanischen
Truppen in Europa nicht verändert werden kann. Dies soll nur besagen, daß
wir - bei den konventionellen wie auch bei den strategischen Streitkräften die Stärke unserer Truppen in einer Relation zu den gegnerischen Truppen
festlegen sollten und zwar unter voller Berücksichtigung der Kapazitäten
unserer Verbündeten...
Alles in allem stehen unsere Truppen nach über 20 Jahren immer noch in
Europa - nicht aufgrund einer schlechten Politik; nicht aufgrund von Untätigkeit; nicht, um unseren europäischen Verbündeten die Mühen und Kosten
ihrer eigenen Verteidigung zu ersparen; nicht, um lediglich eine amerikanische 'Präsenz8 aufrechtzuerhalten, und nicht, um lediglich als •Stolperdraht* zu dienen. Unsere Truppen stehen vielmehr in Europa, weil die Stärke
der von der Sowjetunion und deren Verbündeten dislozierten Truppen nicht
verringert worden, ja in Wirklichkeit ständig erhöht worden ist; weil eine
vorgeschobene Verteidigung gemeinsam mit unseren Verbündeten für die Vereinigten Staaten die bestmögliche Verteidigungsposition bedeutet; weil unsere
Truppen wesentlich zu dem konventionellen

militärischen Gleichgewicht zwi-

schen der NATO und dem Warschauer Pakt beitragen - ein Gleichgewicht, das
in einer Zeit der nuklearen Parität von größerer und nicht von geringerer Bedeutung ist- und weil die kollektive militärische Stärke des Bündnisses zur
Gewährleistung der politischen Stabilität sowie zur Stärkung der Aussichten
auf eine Entspannung zwischen Ost und West ohne nichtakzeptierbare Risiken
beiträgt.
Ich

-4-

�Ich bin mir voll im Klaren darüber, daß viele im Kongreß eine umgehende Reduzierung der amerikanischen Truppenstärke in Europa wünschen. Aber ich
kann Ihnen nicht guten Gewissens eine einseitige Reduzierung zu diesem entscheidenden Zeitpunkt empfehlen. Zum ersten Male seit dem zweiten Weltkrieg
hat die Sowjetunion ein ernsthaftes Interesse an einer Verhinderung der
Spannungen in Europa sowie an Verhandlungen über beiderseitige Truppenreduzierungen gezeigt. Es wäre in der Tat unbesonnen, wenn wir diesem Prozeß,
der so gut begonnen hat, nicht eine Chance geben würden. Ferner sollten Sie
sich darüber im klaren sein, daß, falls der Kongreß einseitige Reduzierungen der konventionellen Truppen beschließen sollte, die einzig mögliche Alternative zu einer anfänglichen konventionellen Verteidigung ein frühzeitiges Zurückgreifen auf den Einsatz von Nuklearwaffen wäre - eine Alternative,
die, wie Sie wissen, andere Administrationen abgelehnt haben. Meines Erachtens steht für uns politisch zu viel auf dem Spiele und sind die potentiellen Folgen für unsere Sicherheit viel zu groß, als daß wir die sich aus einseitigen Truppenreduzierungen ergebenden unvermeidbaren Risiken akzeptieren könnten.
Was ich empfehle, sind engere Konsultationen zwischen Kongreß und Exekutive mit dem Ziel, eine konventionelle Truppenstärke in Europa zu unterhalten, die unserem Interesse an Europa Rechnung trägt, die dem Fortschritt
der Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt entspricht und die die Möglichkeit
einer größeren Aufteilung der Lasten innerhalb des Bündnisses berücksichtigt.
Dies ist der Weg, der meines Erachtens für die Vereinigten Staaten größte
Sicherheit und maximalen Vorteil bringen würde. Aus diesem Grunde ersuche ich
Sie nachdrücklich, Vorschläge für einseitige
sitiv zu entscheiden."

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-5-

Truppenreduzierungen nicht po-

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27/1973

FINANZMINISTER ERÖRTERN NOCH OFFENE WAHRUNGSFRAGEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON «.-(AD)-« Nachdem die technischen Experten alle im Rahmen ihrer
Vollmachten liegenden Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um einen gemeinsamen
Weg zur Errichtung eines neuen internationalen Währungssystems zu finden,
werden sich nunmehr die Finanzminister, die letztlich ohnehin die politisch
delikaten Entscheidungen zu treffen haben, mit den noch verbliebenen Problemen befassen.
Das Ergebnis der dreitägigen Beratungen des Stellvertreterausschusses
in Washington hat sein Vorsitzender Jeremy Morse zusammengefaßt, als er am
13. Juli betonte, die soeben beendete Konferenz sei insofern von besonderem
Interesse gewesen, als in den Sitzungen wie auch außerhalb des Verhandlungsraumes eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden seien, um die noch verbliebenen Probleme durch Kompromisse, durch eine Kombination bereits vorliegender Vorschläge oder auch durch neue Vorschläge zu lösen. Zwar sei nur eine
geringe weitere Annäherung der Standpunkte erzielt worden, aber die schon
früher für den 30. und 31. Juli nach Washington einberufene Ministersitzung des Zwanziger-Ausschusses sei genau zu dem richtigen Zeitpunkt anberaumt worden.
Morse

�Morse zeigte sich hinsichtlich der Fortschritte bei den Reformgesprächen keineswegs pessimistisch und wies darauf hin, daß jetzt ein entscheidendes Stadium erreicht worden sei, in dem Entscheidungen getroffen werden
und die Stellvertreter hierzu Anweisungen von den Minister erhalten müßten.
In dem Ministerausschuß wie auch im Stellvertreterausschuß der ZwanzigerGruppe sind praktisch alle Mitglieder des Internationalen Währungsfonds
(IWF) -entweder direkt oder indirekt- vertreten.
Verschiedene, in einem engen Zusammenhang miteinander stehende entscheidend wichtige Fragen harren immer noch einer Lösung. Wie strikt sollen
zum Beispiel die Bestimmungen für eine Anpassung von Zahlungsbilanzen gehandhabt werden? Und wie einschneidend dürfen die Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem sein?
Alle Stellvertreter stimmen offensichtlich darin überein, daß in dem
künftigen internationalen Währungssystem Länder mit großen und ständigen
Zahlungsbilanzüberschüssen und Defizitländer gemeinsam dafür verantwortlich •
sind, daß ein Ausgleich der internationalen Geldtransaktionen gewährleistet
ist - entweder durch Anhebungen der Wechselkurse der betreffenden Währungen
oder durch andere wirksame Maßnahmen. Die Frage ist lediglich, wieviel Druck
seitens der internationalen Völkergemeinschaft auf ein Überschußland ausgeübt werden und wieviel Handlungsfreiheit einer Regierung eines solchen Landes bleiben sollte.
Der amerikanische Vorschlag enthält objektive Indikatoren, die aussagen, wann ein Überschußland handeln muß. Es war unter anderem angeregt worden, daß die Höhe der Reserven eines Landes den besten Indikator abgeben
würde. Nach den Worten von Morse hat sich eine beträchtliche Annäherung der
Ansichten auf diesem Gebiet vollzogen, seit die Vereinigten Staaten im vergangenen September erstmalig diesen Gedanken vorgetragen haben.
Die

-2-

�Die USA haben von Anfang an klarzustellen versucht, daß die Art der
Maßnahme - Wechselkursanpassung, Handelsliberalisierung, Erhöhung der Auslandshilfe usw. - der betreffenden Regierung überlassen bleiben sollte. Es
besteht jetzt weitgehende Übereinstimmung darüber, daß andere Indikatoren
als eine Art Gegenprobe ebenfalls beobachtet werden sollten - vor allem
die Grundbilanz eines Landes, die den Zu-und Abfluß von Geldern aufgrund
der meisten nicht unter den Kapitalverkehr fallenden sonstigen internationalen Transaktionen ausweist. Ferner wurde allgemein akzeptiert - selbst von
denen, die zunächst skeptisch waren -, daß Indikatoren in dem neuen System
eine gewisse Rolle zu übernehmen haben.
Die entscheidende Frage ist jetzt: Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß - sobald ein Indikator einen bestimmten Punkt erreicht hat und eine
internationale Lagebeurteilung nicht zu dem Schluß führt, daß der Indikator
ein falsches Signal gesetzt hat - davon ausgegangen werden muß, daß das betreffende Land zu handeln hat, sofern nicht ein internationales Gremium eine
gegenteilige Entscheidung trifft. Andere Verhandlungsteilnehmer würden es
jedoch lieber sehen, wenn die Indikatoren nur generell auf die Notwendigkeit
hinweisen, daß ein Land handeln sollte.
Was die neuen Bestimmungen über Konvertierbarkeit und das Ausgleichssystem anbetrifft, so wird es das wichtigste Ziel sein, sicherzustellen, daß
keine nationale Währung in einem Ausmaß als Reservewährung benutzt wird, die
es dem betreffenden Lande ermöglichen würde, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite auszuweisen. In der Vergangenheit sah sich zum Beispiel
der amerikanische Dollar in einer solchen Position.
Es besteht auch allgemein Übereinstimmung darüber, daß die Sonderstellung des Dollar beendet werden sollte und keine andere nationale Währung an
seine Stelle treten dürfe. Aber offensichtlich gehen die Meinungen immer
noch weit darüber auseinander, wie streng die Bestimmungen über eine weitere
Anhäufung nationaler Währungen für Reservezwecke gehandhabt werden sollen.
Ein

3

�Ein anderer noch offener Punkt ist die künftige Rolle der IWF-Sonderziehungsrechte. Alle Konferenzteilnehmer waren sich darüber einig, daß das Gold
wie auch der Dollar in dem künftigen internationalen Währungssystem eine geringere Rolle spielen sollten. Doch hinsichtlich der Rolle der Sonderziehungsrechte, die an deren Stelle treten würden, blieben zahlreiche Fragen
offen.
Auch hinsichtlich der gegenwärtig im Ausland vagabundierenden US-Dollar
wußte die Konferenz noch keine endgültige Antwort zu geben. Diese Frage kann
praktisch erst im Zusammenhang mit einer Entscheidung über Sonderziehungsrechte gelöst werden. Und bei der Frage, in welchem Zusammenhang die Zuteilung von Sonderziehungsrechten und die Hilfe an die Entwicklungsländer zu
sehen sei, die auf der Tagung erörtert worden war, gehen die Ansichten noch
weit auseinander. Zahlreiche Entwicklungsländer wünschen direkte Sonderzuteilungen von Sonderziehungsrechten als Entwicklungshilfe. Andere Länder möchten
den internationalen Finanzierungsgremien Sonderziehungsrechte zugeteilt wissen. Und wieder andere Länder sind gegen jede derartige Bindung, weil sie be?fürchten, daß dadurch die Rolle der Sonderziehungsrechte als internationale
Reservewährung beeinträchtigt wird.
I

Die Stellvertreter werden die offenen Fragen nunmehr am 30. und 31. Juli
ihren Ministem vortragen, die sie erörtern, aber über die sie noch nicht
entscheiden werden. Auch ist im Anschluß an die Ministertagung nicht mit einem
Kommunique zu rechnen. Doch werden die Finanzminister unmittelbar vor der Jahrestagung des IWF in Nairobi, wahrscheinlich am 22. und 23. September, erneut
zusammenkommen, und auf dieser Sitzung hoffen sie dann, die meisten der anstehenden Fragen lösen zu können. Doch auch dann, wenn auf dieser Septemberkonferenz der Finanzminister eine allgemeine Übereinstimmung erzielt wird,
dürfte es noch eines weiteren Jahres technischer Vorbereitungen bedürfen, bis
die Verträge abschlußreif sind. Doch können zahlreiche wichtige Punkte bereits
lange vor der offiziellen Bestätigung in Kraft gesetzt werden. Morse konnte
also am 13. Juli mit Recht sagen, daß die Verhandlungen nunmehr in ein wichtiges Stadium eintreten.

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27/1973
USA RECHNEN FÜR 1973 MIT WESENTLICH HÖHEREN ERNTEERTRÄGEN
Von John Uhler

WASHINGTON — ( A D ) — Die diesjährige Ernte in den Vereinigten Staaten
wird bei den meisten Agrarprodukten weitaus höhere Erträge als 1972 erbringen. Nach Ansicht maßgebender Regierungsstellen ist es jedoch noch zu
früh, jetzt bereits sagen zu können, ob die tatsächlich erzielten Ernteerträge ausreichen werden, um den einheimischen Bedarf wie auch die inter»
nationale Nachfrage voll befriedigen zu können. Eine Entscheidung darüber,
inwieweit nach dem Einbringen der Ernte die Exportbeschränkungen noch beibehalten werden müssen oder ob sie voll aufgehoben werden können, ist kaum
vor dem 9. August zu erwarten. Zur Zeit sind die Exporte von Sojabohnen
und Sojabohnenerzeugnissen Beschränkungen unterworfen, und bei 48 weiteren
Agrarerzeugnissen sind die Exporteure gehalten, alle Exportaufträge zu
meiden.
Nach den am 10. Juli vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium veröffentlichten neuesten Ernteschätzungen wird für Mai bei einer um neun Prozent größeren Anbaufläche mit rund 150 Millionen metrischen Tonnen ein
um sechs Prozent höherer Ertrag als 1972 erwartet. Bei Sojabohnen ist die
Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent und gegenüber 1971 sogar
um 31 Prozent erweitert worden, während die Erträge mit rund 43 Millionen

-1-

�43 Millionen metrischen Tonnen um 24 Prozent über der vorjährigen Ernte
liegen dürften. Dagegen ist bei Upland-Baumwolle die Anbaufläche um sechs
Prozent zurückgegangen; sie liegt aber immer noch um sechs Prozent höher
als 1971. Bei Weizen wird eine Ernte von 47 Millionen metrischen Tonnen
erwartet; 13 Prozent mehr als im Vorjahr und 8 Prozent mehr als 1971.
Auch Tabak dürfte bei einer um 5 Prozent erweiterten Anbaufläche mit rund
520 000 Tonnen einen um 13 Prozent höheren Ertrag als im Vorjahr erbringen.
Die nächste Erntevoraussage des US-Landwirtschaftsministeriums wird
für den 9. August erwartet. Die Landwirtschaft selbst hat die diesjährigen
Ernteaussichten, wie eine Umfrage vom 1. Juli ergab, zwischen gut und ausgezeichnet bezeichnet. Und ein führender Vertreter des Landwirtschaftsministeriums meinte dieser Tage, trotz Überschwemmungen, Treibstoff»und Düngemittelverknappungen sowie Transportengpässen hätten die Optimisten wieder
die Führung übernommen. Der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll Brunthaver, erklärte am 10. Juli sogar, "wenn das Wetter weiter gut bleibt, werden wir eine Rekordernte haben".
Aber auch bei Fleisch und Molkereierzeugnissen wird sich nach Ansicht
des Landwirtschaftsministeriums aufgrund der positiven Ernteschätzungen
eine Entspannung anbahnen. Bei einer sofortigen Aufhebung des Preisstopps
für Lebensmittel, so wird allerdings eingeräumt, dürften die Fleischpreise
gleich ansteigen. Längerfristig werde jedoch der inflationistische Druck
nachlassen, und eine gute Ernte dürfte dann mit Sicherheit auch eine Lockerung des Preisstopps in der Phase IV zulassen.
In diesem Zusammenhang wird von Seiten des Landwirtschaftsministeriums
erneut unterstrichen, daß die Sojabohnenexporte im laufenden Erntejahr
- trotz der gegenwärtigen, vorübergehenden Exportbeschränkungen - im 14.
aufeinanderfolgenden Jahr wieder einen neuen Höchststand erreichen werden,
wobei die Zuwachsrate gegenüber dem Erntejahr 1971/72 rund 19 Prozent betragen werde. Die Sojabohnenexporte würden sich auf 13,3 Millionen metrische Tonnen - 11,3 Millionen metrische Tonnen im vorangegangenen Erntejahr -

-2-

�Erntejähr - und bei Sojabohnenschrot auf 4,3 Millionen metrische Tonnen
- gegenüber 3,5 Millionen metrische Tonnen im letzten Erntejahr - stellen.
Dabei wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Nachfrage nach Sojabohnenschrot in den USA um 7 Prozent hinter dem letzten Jahr zurückgeblieben
sei. Aufgrund des gegenwärtigen Nachfragestosses aus dem Ausland, so wird
betont, hätten jedoch zur Sicherstellung des eigenen Bedarfs Exportkontrollen
verfügt werden müssen. Im Augenblick sei nicht ganz klar, ob ein Teil der
Auslandsnachfrage nicht spekulativer Natur sei, da sich der Handel angesichts der steigenden Preise rechtzeitig habe eindecken wollen. So seien
die Preise für Sojabohnenschrot von 100 Dollar pro metrische Tonne im Oktober 1972 auf 365 Dollar im Juni angestiegen und bis zum 10. Juli wieder auf
184 Dollar zurückgegangen. Gerade bei Sojabohnen, Weizen und Mais seien
aber Auslandskontrakte in einer beträchtlichen Größenordnung bisher noch
nicht realisiert worden. Es könne also theoretisch durchaus der

Fall ein-

treten, daß bei weiterer Ausweitung der Anbaufläche in den USA und steigenden Ernteerträgen bereits in einem Jahr wieder bei verschiedenen Agrarprodukten in den Vereinigten Staaten beträchtliche Überschüsse anfielen.

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27/1973

MATERIALPOLITIK - SCHLÜSSELELEMENT EINER NEUEN "UMWELTETHIK"
-Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mensch,
Materialien und Umwelt"— ( A D ) — Ein umfassender Bericht mit Empfehlungen zur Material-und industriellen Produktionspolitik, den die Arbeitsgruppe Umweltstudien des Nationalen
Forschungsrates der USA zusammengestellt hat, wurde kürzlich von der "National Commission on Materials Policy" in Washington veröffentlicht. Der Report mit dem Titel "Man, Materials and Environment" (Mensch, Materialien
und Umwelt) versucht unter Berücksichtigung internationaler, wirtschaftlicher, gesundheitlicher und versorgungstechnischer Aspekte der Probleme von
Umweltschutz und Rohstoffversorgung Richtlinien für eine Neuorientierung der
nationalen Politik auf Regierungs-und Wirtschaftsebene zu geben. In dem 227
Seiten starken Bericht wird eine "neue Umweltethik in bezug auf die Innenund Außenpolitik und bei öffentlichen und privaten Entscheidungen" gefordert, da "Energie, Materialien, Land, Wasser, Bevölkerung, Qualitätsminderung und Verschmutzung der Umwelt ein Geflecht ineinander verwobener Elemente darstellen, von denen keines gesondert und schon gar nicht im Zusammenhang mit politischen Grenzen betrachtet werden kann...".
Die Verfasser fordern u.a. eine Regierungspolitik, die der Verschwendung von so wichtigen chemischen Rohstoffen wie Mineralöl und Erdgas als
Ausgangsmaterialien für die Energieproduktion ein Ende bereitet. Als Energie-

-l-

�Energiequelle stehe z.B. Kohle, deren Aufbereitung zu sauberen Brennstoffen vorangetrieben werden müsse, ausreichend zur Verfügung. Die Vereinigten Staaten und die anderen Industrieländer müßten gewisse Vorstellungen
aufgeben oder zumindest ändern, die lange Zeit als richtungweisend galten;
1) Verwendung natürlicher Hilfsquellen entsprechend der Nachfrage
der Öffentlichkeit nach Waren und Dienstleistungen und dem Bestreben der
Produzenten, die Märkte auszuweiten;
2) die Vorstellung, daß steigende Produktionsziffern, Mehrverbrauch
pro Kopf der Bevölkerung von Industrieprodukten sowie höherer Verbrauch an
Materialien und Energie ein Maßstab für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse seien;
3) daß technologische Entwicklungen so wie bisher auch künftig zum
pro Kopf-Materialbedarf beitragen und ihn sogar beschleunigen müßten.
Vielmehr sollten sich Regierung und Wirtschaft darauf konzentrieren,
Produkte von größerer Lebensdauer auf den Markt zu bringen anstatt ihr Veralten

schon von vorneherein einzuplanen. Sie sollten ferner durch die Ver-

wendung bestimmter Materialien und Produktionsverfahren den Einsatz von Gebraucht-und Altmaterial erleichtern und die Interessen der Konsumenten auf
Produkte lenken, die zu einer Verringerung der Umweltbelastungen führen können. Die Kosten für den Umweltschutz sollten bei allen Industrieprodukten
von vorneherein einkalkuliert werden. Die mit einer solchen Neuorientierung
einhergehenden Veränderungen der Produktionsmaschinerie, die Abkehr von der
bisherigen Konzentration auf knappe Rohstoffe und von dem rapide steigenden
Energieverbrauch sowie die Anpassung an Normen, die der Umweltschutz einfach
verlange, seien nicht gleichbedeutend mit sinkendem Lebensstandard, Rückgang der Produktion und der Beschäftigtenzahl. Wirtschaftliches Wachstum sei
so betont der Bericht, auch unter diesen neuen Aspekten gesichert, vor allem
auf den Sektoren, wo Umweltschutz gebührend berücksichtigt werde. Allerdings
sei im Laufe der Zeit mit erheblichen Schwerpunktverlagerungen auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.

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27/1973

SKYLAB-RADAR MISST STURMWELLEN
-Synchronbeobachtungen von Bord eines Forschungsflugzeuges--(AD)-- In einer bisher einzigartigen "Versuchsanordnung" wurde der
Hurrikan Ava, der erste Wirbelsturm der diesjährigen Saison, im Ostpazifik, von Bord einer als fliegendes Laboratorium ausgerüsteten
C-130 und aus der SKYLAB-Raumstation gleichzeitig beobachtet. Das Forschungsflugzeug flog ca. 500 km südwestlich von Acapulco (Mexiko) in
das Sturmgebiet ein und führte eine Anzahl von Messungen in Höhen zwischen 150 und 3 000 m durch. Gleichzeitig passierte SKYLAB in 435 km
Höhe mehrmals diese Region.
Den Wissenschaftlern des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmosphärenforschung ging es vor allem um die Klärung der Frage, in welchem Umfang
es möglich ist, aus dem Weltraum mit Radar und anderen Spezialinstrumenten den Seegang zuverlässig zu messen und Sturmgebiete auch unter diesem
Gesichtspunkt ausmachen zu können. Deshalb war die C-130 mit ähnlichen
Meßinstrumenten ausgerüstet, wie sie sich auch an Bord der SKYLAB-Raumstation befinden und bei den bevorstehenden Missionen SKYLAB II und III
zur Erdbeobachtung eingesetzt werden sollen. Das Flugzeug gelangte in
150 m Höhe in die Sturmfront, flog dann weiter bis zu einem Bereich, in
dem 65 Knoten Windgeschwindigkeit gemessen wurden

und stieg anschlies-

send auf 3 000 m, um in das kreisrunde "Auge" des Orkans vorzustoßen.

-l-

�vorzustoßen. Über die kurze Strecke von nur 16 km steigerten sich die
Windgeschwindigkeiten von 60 auf 130 Knoten.
Der Hurrikan Ava, der weder Land berührte noch irgendwelchen Schaden
anrichtete, machte sich am 2. Juni ca. 350 km südlich von Salina Cruz in
Mexiko zum ersten Mal als Wirbelsturm bemerkbar. Er wanderte bis zum 8. Juni
in westlicher Richtung, um anschließend nach West-Nordwest zu drehen, wobei er sich immer weiter abschwächte. Am 6. Juni registrierte ein Wetterflugzeug der US-Luftstreitkräfte im Sturmzentrum (Durchmesser 27 km) den
extrem niedrigen Druck von 915 Millibar. Als maximale Windgeschwindigkeit
wurden 140 Knoten gemessen. Ava zählt demnach zur Kategorie der Superhurrikane.
Bei den Radar-und Laserausrüstungen zur Höhenmessung an Bord des Flugzeuges und von SKYLAB handelt es sich um aktive Sensoren. Als Wellenlänge
werden 1,4 Gigahertz und 13 Gigahertz benutzt ( 1 Gigahertz=l Milliarde
Schwingungen pro Sekunde). Für Funkwellen im 1,4-Gigahertz-Bereich sind mit
Wasser beladene Sturmwolken völlig, für 13 Gigahertz begrenzt "durchsichtig",
so daß durch Abtasten der Wasseroberfläche die Höhe der Wellenberge und
die Rauhigkeit der See ermittelt werden kann. Die Messungen ergaben im offenen Meer maximale Wellenhöhen von 12 m in etwa 160 km Abstand vom "Auge"
des Hurrikans. Auffallend war eine unerwartet starke Schaumbildung an der
Wasseroberfläche, die ein passives Mikrowellen-Meßinstrument ausmachte. Dieses Phänomen ist nach Meinung der Wissenschaftler für die bei einem Wirbelsturm auftretenden Wechselwirkungen zwischen Meer und Atmosphäre besonders
aufschlußreich.

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27/1973
EINFACHER BLUTTEST AUF BLEIVERGIFTUNG
--(AD)-- Wegen der verhältnismäßig großen Menge an venösem Blut, das für
eine Untersuchung auf Bleivergiftung erforderlich ist, bereitet es bei
Kindern, vor allem bei Kleinkindern, oft große Schwierigkeiten, die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen. Toxische Industrieabgase oder auch
Bleifarben, wie sie als Anstrich in den Wohnungen von alten Stadtvierteln
noch angetroffen werden, sind die Ursachen für solche Vergiftungen, die
beispielsweise allein im Staate New York 380 000 Kinder im Alter zwischen
1 und 5 Jahren gefährden.
Um Massenuntersuchungen an diesen Kindern durchführen zu können, entwickelten Dr. Douglas G. Mitchell, Dr. Kenneth M. Aldous und Dr. Gordon
B. Patrie vom Gesundheits-Department des Staates New York einen neuen,
gegenüber früheren Verfahren erheblich vereinfachten Bluttest auf Blei.
Und da dafür nur ein paar Blutstropfen aus der Fingerspitze genügen, sind
nicht nur die technischen, sondern auch die psychologisch bedingten Schwierigkeiten wesentlich geringer als bei der Anwendung des bisherigen Verfahrens. Denn die Angst der Kinder vor der Prozedur der Blutentnahme bewog
manche Eltern, die Untersuchung zu meiden.
Mit Hilfe eines Analysenautomaten und der Auswertung der Ergebnisse
durch einen Computer wird bei dem neuen Verfahren der Bleispiegel im Blut
schnell, zuverlässig und mit geringeren Laborkosten als bei allen bisher

-1-

�bisher angewandten Meßverfahren bestimmt. Für die Vorarbeiten leisteten die
Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (N1H) erhebliche Zuschüsse.
Da bei Kindern leicht die Gefahr besteht, daß das Analysenergebnis
bei einer Blutabnahme an den Fingerspitzen trotz vorausgegangener Reinigung
durch Schmutz-oder Fremdstoffe auf der Haut verfälscht wird, gingen die
New Yorker Ärzte dazu über, zuvor eine Schicht Kollodium aufzusprühen. Nachdem diese getrocknet ist und einen Film gebildet hat, ist es überaus einfach, mit der Blutlanzette diesen Film und die Haut zu durchstechen und ein
paar Blutstropfen aus der Fingerspitze zu drücken, ohne daß dabei Fremdstoffe in die Blutprobe gelangen. Der Test wurde sowohl an Erwachsenen
als auch an Kindern von ein bis sieben Jahren erprobt, wobei sich die oben
beschriebene Technik als die günstigste erwies.
Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit, in der die Analyse im
Laborautomaten durchgeführt wird. Von der Verdampfung der Probe bis zum
ausgedruckten Ergebnis vergehen nur 10 Sekunden. Das Verfahren soll jetzt
im gesamten Staat New York angewendet werden. Wie die bisherigen Ergebnisse von Tests auf Blei zeigen, war bei 10 Prozent aller untersuchten Kinder der Bleispiegel gefährlich hoch.

+++

-2-

�BERICHTIGUNGEN

In der Nummer 26/1973 muß es in dem Beitrag von Eugene Brake
"US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung"
im zweiten Absatz letzter Satz richtig heißen: "Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die ausländischen Notenbanken, falls
notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von 17 980 Millionen Dollar
für etwaige Interventionen aufnehmen."

Lesen Sie bitte außerdem unter"Wissenschaft und Technik" die Überschrift des zweiten Artikels richtig:
US-Wissenschafts-und Technologiepolitik:

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers gibt weltpolitischen Überblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede in Tokio vom 16. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush: USA eindeutig gegen einseitige Truppenreduzierungen in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger fordert glaubwürdige Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Finanzminister erörtern noch offene Währungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen für 1973 mit wesentlich höheren Ernteerträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Uhler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Materialpolitik - Schlüsselelement einer neuen "Umweltethik"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Arbeitsgruppe des US-Forschungsrates veröffentlicht Bericht "Mensch, Materialien und Umwelt"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SKYLAB-Radar misst Sturmwellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Synchronbeobachtungen von Bord eines Forschungsflugzeuges -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einfacher Bluttest auf Blutvergiftung</text>
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28

2 5 .Juli

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. JuliDas neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten
-WortlautUSA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-WortlautVolcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche
-Auszüge-

HI NTERGRUNDMATERIAL :
Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend
ändern

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Vitamin Bft-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse

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28/1973

PRÄSIDENT NIXON GIBT NEUES STABILISIERUNGSPROGRAMM BEKANNT
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18.Juli-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 18. Juli die Maßnahmen der
Phase IV seines Programmes zur Stabilisierung von Preisen und Löhnen bekanntgegeben. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"Das amerikanische Volk steht jetzt vor einer äußerst wichtigen Entscheidung. Wir haben einen Preisstopp, um die Inflationswelle einzudämmen,
die ausbrechen würde, wenn die Kontrollen aufgehoben würden. Gleichzeitig
drückt aber der Preisstopp auch die Produktion herab und schafft so Verknappungen, die bei einem Anhalten des Preisstopps und der Kontrollen
immer schlimmer zu werden drohen und zu noch höheren Preisen führen koennen.
In dieser Situation sind uns zwei extreme Ratschläge angeboten worden. Der eine Vorschlag besagt, daß wir Preis-und Lohnkontrollen als ständigen Aspekt der amerikanischen Wirtschaft akzeptieren sollten... Der andere Vorschlag läuft darauf hinaus, jetzt den Schritt zur Freiheit zu tun
und alle Kontrollen sofort aufzuheben...
Wenn

-1-

�Wenn wir klug sind, dann entscheiden wir uns heute nicht für einen
dieser extremen Vorschläge, sondern bemühen uns um den bestmöglichen

Aus-

gleich zwischen unseren Interessen, indem wir die Inflationsrate auf der
einen Seite verlangsamen und die Produktion sowie Produktivität der USA
auf der anderen Seite erhalten.
Die Hauptelemente der von uns benötigten Politik sind folgende:
Erstens, das Kontrollsystem muß greifen...
Zweitens, das Kontrollsystem muß selektiv sein, Es muß eine Lockerung
der Beschränkungen zulassen, die die Produktion am stärksten beeinträchtigen. ..
Drittens, das Kontrollsystem muß eine ausreichende Gewähr dafür bieten,
daß es zu gegebener Zeit auslaufen wird, damit der Anreiz zu Investitionen
und zur Produktion erhalten bleibt und ein Schutz gegen Bestrebungen besteht, die Kontrollen zu verewigen.
Viertens, das Kontrollsystem muß durch entschlossene Maßnahmen zum
Ausgleich des Haushalts untermauert werden, so daß die Übernachfrage den
inflationistischen Druck nicht ständig nährt, der das Leben mit oder ohne
Kontrollen so erschwert.
Wir hatten 1973 ein ungewöhnliches Zusammentreffen von Umständen, die
zu einem schnellen Preisauftrieb führten. Die Binnenwirtschaft erlebte einen
Boom von ungewöhnlichem Ausmaß, der einesehr starke Nachfrage nach Gütern
und Dienstleistungen auslöste. Der Boom in anderen Ländern und die Dollarabwertung, so erwünscht diese von den meisten Gesichtspunkten her auch
sind, haben die Preise für Waren, die wir exportieren oder importieren,
steigen lassen.
Diese Kräfte lösten Anfang 1973 einen starken Preisanstieg aus. Der
Index der Verbraucherpreise erhöhte sich in der Zeit von Dezember 1972 bis
Mai 1973 - auf Jahresbasis - um rund 8 Prozent...
Ein

�Ein gewisser angestauter Druck für eine We!!e von Preiserhöhungen ist
für das Ende des Preisstopps zu erwarten. Abgesehen von dieser noch nicht
verkrafteten Welle von Preiserhöhungen bestehen die Bedingungen, die Anfang
1973 zu dem Preisanstieg führten, aber noch weiter, auch wenn es nicht mehr
so viele sind. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird weniger
stark als im ersten Halbjahr ansteigen. Das Lebensmittelangebot wird zunehmen, wenn

auch nicht schnell genug. Unsere Position im Welthandel wird sich

verbessern, und dies wird den Dollar stärken.
Alles in allem wird die Tendenz zu Preissteigerungen in den restlichen
Monaten des Jahres 1973 - eine Tendenz, die sich entweder in höheren Preisen niederschlagen oder durch Kontrollen unterdrückt wird - weniger stark
als im ersten Halbjahr, aber immer noch größer als erwünscht sein.
Vor allem gibt es keine Möglichkeit - mit oder ohne Kontrollen -, einen
beträchtlichen Anstieg der Lebensmittelpreise zu verhindern. Bis 1974 sollten wir jedoch eine wesentlich gemäßigtere Inflationsrate erreichen können.
Dann wird die für dieses Jahr zu erwartende gute Futtermittelernte zu einem
weit größeren Lebensmi.ttelangebot geführt haben, und die Gesamtnachfrage
dürfte dann weniger schnell als 1973 steigen.
Diese befriedigendere Situation auf der Inflationsfront wird erreicht
werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Erstens ... müssen wir ... Preise und Löhne niedrig halten.
Zweitens dürfen wir es nicht zulassen, daß die derzeitigen Kontrollen
1974 die Produktion stark herunterdrücken - ein Problem, das bei Fleisch und
Geflügel am deutlichsten auftritt.
Drittens dürfen wir es nicht zulassen, daß die Übernachfrage andauert
oder wieder auflebt, die neue inflationistische Kräfte auslösen wird. Aus
diesem Grunde ist die Kontrolle des Bundeshaushalts ein unerläßlicher Bestandteil der Gesamtanstrengungen...
Das

-3-

�Das Kontrollprogramm der Phase IV

Die Kontrollen werden bindend sein. Der Erfolg des Programms wird jedoch von einem hohen Maß an freiwilliger Einhaltung abhängen...
Trotzdem sind die von uns jetzt vorgeschlagenen Bestimmungen strenger,
und es ist nur fair gegenüber denjenigen, die sich freiwillig daran halten,
sicherzustellen, daß die anderen dazu gezwungen werden.
Mit Ausnahme der Lebensmittel wird der Preisstopp bis zum 12. August
in Kraft bleiben. Es werden jedoch Modifizierungen der Preisstoppbestimmungen vorgenommen werden, um die gröbsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Grundlegend für die Preisbestimmungen der Phase IV ist, daß die Preise
in dem Ausmaß steigen dürfen, wie sich die Kosten erhöhen, und zwar in
Dollar pro Einheit und ohne irgendeine Gewinnspanne auf die zusätzlichen
Kosten... Die Lohnbestimmungen der Phase II und III werden weiter in Kraft
bleiben. Bei größeren Belegschaften wird eine Benachrichtigung von Lohnanhebungen weiterhin erforderlich sein.
Dies sind, und das räumen wir ein, einschneidende Bestimmungen, in gewisser Hinsicht einschneidender als in der Phase II. Aber die Situation
ist ebenfalls in vieler Hinsicht schwieriger als in Phase II. Solange das
System jedoch als vorübergehend betrachtet wird, kann unserer Ansicht nach
die Wirtschaft weiter prosperieren, der Arbeitsfriede in der Industrie gewahrt bleiben und die Produktion im Rahmen dieser Bestimmungen sich weiter
ausweiten...
Die besondere Situation bei Lebensmitteln
Nirgendwo ist das Dilemma der Preiskontrollen deutlicher zu Tage getreten als bei Lebensmitteln. Zu Anfang des Jahres bildeten die steigenden Lebensmittelpreise den Hauptteil des Inflationsproblems, statistisch wie auch

�auch psychologisch. Wenn es irgendwo einer Zurückhaltung bei den Preisen bedurft hätte, so war dies bei Lebensmitteln der Fall. Aber seit für die Fleisch
preise am 29. März Höchstgrenzen festgesetzt wurden und besonders seit dem
am 13. Juni verfügten Preisstopp, hat sich bei den Lebensmitteln ganz deutlich gezeigt, wie schädlich Kontrollen für die Versorgung sein können. Wir
haben erlebt, wie Küken ertränkt und trächtige Schweine und Kühe, also praktisch im kommenden Jahr anfallende Lebensmittel, geschlachtet und Versandbetriebe geschlossen wurden...
Wir müssen sorgfältig einen Weg verfolgen, der zwischen einer Preispolitik für Lebensmittel,die so starr ist, daß die Erzeugung stark eingeschränkt wird

und die so zwangsläufig in einigen Monaten zu Verknappungen

führt, und einer Preispolitik für Lebensmittel liegt, die so locker ist, daß
sie uns einen unnötigen und untragbaren Preisauftrieb bringt. Auf dieser Basis haben wir für Lebensmittel die folgenden besonderen Bestimmungen erlassen:
1.

Ab sofort können Erzeuger und Verteiler von Lebensmitteln, Rindfleisch

ausgenommen, ihre Preise in Cent pro Stück in dem Maße erhöhen, wie die
Kosten für die landwirtschaftlichen Rohprodukte seit dem Basiszeitraum für
den Preisstopp (1.-8.Juni) gestiegen sind.
2.

Für die Rindfleischpreise gelten weiterhin die gegenwärtigen Höchst-

grenzen.
3.

Die oben genannten besonderen Bestimmungen laufen am 12. September

aus; nach diesem Zeitpunkt gelten für Lebensmittel die gleichen Bestimmungen
wie für andere Produkte.
4.

Landwirtschaftliche Rohprodukte bleiben von den Preiskontrollen ausge-

nommen.
Um

-5-

�Um eine Erleichterung bei den extrem hohen Preisen für Futtermittel
zu schaffen, die .sich stark auf die Preise für Fleisch, Geflügel, Eier und
Molkereiprodukte auswirken, haben wir Exportbeschränkungen für Sojabohnen
und verwandte Erzeugnisse eingeführt, bis die neue Ernte auf den Markt kommt.
Diese Beschränkungen werden bis dahin in Kraft bleiben. Ständige Exportkontrollen sind jedoch nicht die Politik dieser Regierung, und wir beabsichtigen im Augenblick keine Ausdehnung der Kontrollen über den derzeitigen
Stand hinaus. In gewissem Maße hebt sich die Wirkung von Exportkontrollen
als Antiinflationsmaßnahme von selbst auf. Eine Begrenzung unserer Exporte
verringert unsere Devisenerlöse, drückt den Wert des Dollar und erhöht die
Kosten der Waren,' die wir einführen, was sich wiederum auf die Lebenshaltungskosten der amerikanischen Familien auswirkt. Eine Begrenzung unserer
Agrarexporte läuft darüber hinaus auch unserer grundlegenden Politik zuwider,
Absatzmärkte für unsere Agrarerzeugnisse im Ausland zu erschließen. Sofern
die Ernteerwartungen bei uns nicht sehr enttäuschend sind oder die Auslandsnachfrage äußerst groß ist, werden Exportkontrollen nicht erforderlich
sein. Das Melden von Exportaufträgen für Agrarerzeugnisse wird jedoch auch
weiterhin notwendig sein. Unsere Politik muß stets davon ausgehen, daß die
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung im Inland von
grundlegender Wichtigkeit ist.
Die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft in den kommenden Monaten
und Jahren bedingt eine maximale Agrarerzeugung. Ich appelliere an die amerikanischen Farmer , so viel wie möglich zu produzieren. Es liegen Berichte
vor, daß Farmer zögerten, Vieh aufzuziehen, weil sie nicht sicher waren, ob
ihnen die Bestimmungen der Regierung einen fairen Ertrag ihrer Investitionen
gestatten würden, und vielleicht auch, weil sie die Einführung von Höchstpreisen für Lebensmittel ablehnten. Ich hoffe, daß diese Berichte nicht zutreffen. Im letzten Jahr ist das reale Nettoeinkommen pro Farm um 14 Prozent
gestiegen, fürwahr eine beachtliche Zunahme. Ich kann den amerikanischen
Farmern versichern, daß die Regierung nicht die Absicht hat, sie zu diskri-

�diskriminieren. Die heute bekanntgegebenen Bestimmungen sollten den Farmern
Vertrauen geben, daß die Regierung sie nicht daran hindern wird, einen
fairen Ertrag aus ihren Investitionen für die Lebensmittelerzeugung zu erzielen.
Der Landwirtschaftsminister... hat entschieden, daß es 1974 keine Reduzierung der Anbauflächen für Futtergetreide, Weizen und Baumwolle geben wird.
•«« •

Der Prozeß bei der Aufhebung der Kontrollen
Es besteht keine Notwendigkeit, daß ich meinen Wunsch,die Kontrollen
zu beenden und zu einem freien Markt zurückzukehren, erneut wiederhole. Ich
glaube, daß ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung, wenn ihm ein abgewogener Überblick über die Optionen gegeben wird, diesen Wunsch teilt...
Und trotzdem muß ich eine Politik der Geduld fordern. Ein Übergang zu
völliger Freiheit jetzt würde höchst wahrscheinlich auf Abwegen und in einem
Sumpf von noch viel länger dauernden Kontrollen enden. Ich bin beeindruckt
von der einstimmigen Empfehlung der führenden Vertreter von Gewerkschaften
und Wirtschaft im Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeirat, daß die Kontrollen Ende
1973 auslaufen sollten. Ich hoffe, da'ß dies möglich sein wird, und werde
alles in meinen Kräften stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ich halte
es jedoch nicht für klug, uns auf ein bestimmtes Datum für die Beendigung
aller Kontrollen zu diesem Zeitpunkt festzulegen...

Haushaltsausgleich
Den Schlüssel für den Erfolg unserer Anti-Inflationsanstrengungen bildet
der Haushalt. Wenn die Bundesausgaben anschwellen und das Defizit steigt,
dann wird das Kontrollsystem dem Nachfragedruck nicht standhalten können. Die
häufigste Ursache für einen Zusammenbruch von Kontrollsystemen war, daß £j&gt;

-7-

�es nicht gelang, die Haushalts-und Währungspolitik einzuschränken. Wir dürfen es nicht zulassen, daß dies auch bei uns geschieht.
Ich bin mir sicher, daß der Federal Reserve Board durch Verlangsamung
der Geld-und Kreditausweitung unsere Anti-Inflationsanstrengungen unterstützen
wird. Aber man sollte und darf nicht erwarten, daß die Währungspolitik alleine
die erforderliche Zurückhaltung übt. Auch ein weiterer Beitrag von der Haushaltsseite ist erforderlich.
Ich schlage vor, daß wir uns als Ziel für das laufende Haushaltsjahr
einen ausgeglichenen Haushalt setzen. In der Vergangenheit habe ich als Norm
für den Bundeshaushalt vorgeschlagen, daß die Ausgaben die Einnahmen, die bei
einer Vollbeschäftigung erzielt würden, nicht überschreiten sollten. Wir halten diese Norm ein. Aber unter den heutigen Umständen... können wir uns es
nicht mehr leisten, uns an diese Mindestnorm zu halten. Wir müssen unser Ziel
höher setzen und den Haushalt tatsächlich ausgleichen.
Dieses Ziel zu erreichen wird schwierig sein - schwieriger, als es dies
zunächst den Anschein hat. Meine Ausgaben waren ursprünglich für das Finanzjahr 1973/74 auf 268,7 Milliarden Dollar veranschlagt worden. Seit Vorlage
dieses Haushaltes haben die Expansion der Wirtschaft, die Inflation und andere Faktoren die Einnahmen auf die Höhe der ursprünglich veranschlagten Ausgaben ansteigen lassen. Während dies geschah, sind aber auch die voraussichtlichen Ausgaben gestiegen...
Es ist klar, daß bei den voraussichtlichen Ausgaben mehrere Milliarden
Dollar gekürzt werden müssen, wenn wir den Haushalt ausgleichen wollen. Das
wird schwerfallen, da mein ursprünglicher Haushalt bereits scharf kalkuliert
war. Ich erachte dies jedoch für notwendig und versichere Ihnen feierlich,
darauf hinzuarbeiten.
Wir sollten uns daran erinnern, daß ich es vor etwas mehr als einem Jahr
als das Ziel für das Finanzjahr 1972/73 bezeichnet habe, die Ausgaben unter

�unter 250 Milliarden Dollar zu halten. Damals war man deswegen sehr skeptisch,
und es fielen Andeutungen, daß diese Zahl nur politischen Zwecken dienen
sollte und nach den Wahlen vergessen sein würde. Aber ich habe dies so gemeint, die Bevölkerung stand hinter mir, und der Kongreß hat mich unterstützt.
Heute kann ich Ihnen berichten, daß dieses Ziel erreicht worden ist und daß
die Gesamtausgaben im Finanzjahr 1972/73 unter 249 Milliarden Dollar lagen.
Ich werde die administrativ möglichen Schritte ergreifen, um das Ziel
eines ausgeglichenen Haushaltes im Finanzjahr 1973/74 zu erreichen. Als Beginn werde ich anordnen, daß die Zahl der Zivilangestellten der Bundesregierung am Ende des Finanzjahres 1973/74 unter der jetzt im Haushalt angewiesenen
liegen muß...
Trotz der schwierigen Situationen und Entscheidungen, vor denen wir jetzt
stehen, ist die amerikanische Wirtschaft stark. Die Gesamterzeugung liegt um
6 1/2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Beschäftigtenzahl ist um drei
Millionen gestiegen, und die Realeinkommen sind höher als zuvor. Auch was die
Inflation anbetrifft, ist die Entwicklung bei uns besser als in den meisten
Teilen der Welt. So sollten wir ob unserer Lage nicht verzweifeln. Aber wir
haben Probleme, und sie sind zum Teil schwerwiegender Natur, denn wir und die
übrige Welt erwarten von der amerikanischen Wirtschaft eine optimale Leistung.
Wir können noch besseres leisten. Und wir werden dies in beiderseitigem Einvernehmen und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes tun."

+-H-

-9-

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28/1973
DAS NEUE WIRTSCHAFTLICHE STABILISIERUNGSPROGRAMM IN STICHWORTEN
-Wortlaut-

WASHINGTON —(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Juli eine Zusammenfassung
der wichtigsten Punkte des neuen wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
veröffentlicht, die folgenden Wortlaut hat:
"Das Ziel
Die Verringerung der in den ersten sechs Monaten des Jahres 1973 verzeichneten Inflationsrate bei minimalen nachteiligen Auswirkungen auf die
Versorgung.
Der Rahmen
- Die Phase IV ist gesetzlich bindend; sie umfaßt die meisten Sektoren der Wirtschaft, verlangt Vorausmeldungen und beschränkt den Preisanstieg, indem Kosten nur Dollar um Dollar weitergegeben werden dürfen.
- Der Preisstopp bleibt auf allen Gebieten bis zum 12. August in Kraft,
die Sektoren

Lebensmittel und Gesundheitswesen ausgenommen, für die so-

fort gesonderte Bestimmungen in Kraft treten.
- Für alle Wirtschaftssektoren - außer dem

Lebensmittelsektor -

werden mit Wirkung vom 12. August neue Bestimmungen in Kraft treten, die
jetzt zur Stellungnahme veröffentlicht werden. Stellungnahmen müssen bis

�I
bis zum 31. Juli erfolgt sein.
- Die während der Phasen II und III geltenden Richtlinien für Löhne
und Zuwendungen bleiben weiter gültig.
- Kleinbetriebe (60 Beschäftigte und weniger), die Sätze der öffentlichen Versorgungsbetriebe, Zinsen und Renten sowie Löhne und Preise bei
Holz und Sperrholz fallen ab 12. August nicht mehr unter die Bestimmungen.
- Es werden Verfahren für die Prüfung einer schrittweisen Aufhebung der
Kontrollen in der Industrie festgelegt.

LebensmittelSektor
- Die Preisbestimmungen der Phase IV werden in zwei Phasen, A und B,
unterteilt.

' •-'

,

Phase A (tritt sofort in Kraft)
- Die Höchstpreise für Rindfleisch bleiben bestehen.
- Bei allen übrigen Lebensmitteln dürfen die Preise nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis heraufgesetzt werden, die dem Kostenanstieg bei den
landwirtschaftlichen Rohprodukten entspricht.
Phase B

(tritt am 12. September in Kraft)

- Die Höchstpreise für Rindfleisch werden aufgehoben.
- Erzeuger und Verteiler dürfen alle Kostenerhöhungen auf einer Dollarum-Dollar-Basis weitergeben. ••••-'
- Andere Aspekte der Lebensmittelbestimmungen werden den Kontrollen auf
dem Industrie-, dem Dienstleistungs-, dem Großhandels- und dem Einzelhandelssektor angeglichen.
Industrie

-2-

�Industrie-utid Dienstleistungssektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden:
- von den Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen
Dollar verlangen, daß sie den Lebenshaltungskostenrat 30 Tage im voraus benachrichtigen, bevor Preiserhöhungen in Kraft treten dürfen;
- von Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Dollar die Vorlage von ViertelJahresberichten verlangen;
- von allen Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Millionen Dollar, aber mit mehr als 60 Beschäftigten, die Vorlage eines
Jahresberichtes verlangen;
- einen neuen Basiszeitraum für Preiserhöhungen und Kostennachweis festlegen - das letzte Quartal des vor dem 11. Januar 1973 abgelaufenen Finanzjahres. Vor dem neuen Basiszeitraum der Phase IV angefallene Kosten dürfen
nicht als Rechtfertigung für höhere Preise benutzt werden;
- die Weitergabe von Kosten nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis gestatten;
- die Begrenzungen für die Gewinnspanne beibehalten.

Einzel-und Großhandelssektor (ohne Lebensmittel)
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
-Am

�- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden verlangen:
- eine vorherige Billigung der Preisgestaltungspläne durch den Lebenshaltungskostenrat auf der Basis der einzelnen Warengruppen bei Gesellschaften
mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Dollar;
- Kontrolle der Bruttospannen bei diesen Warengruppen;
- Beibehaltung der Begrenzung der Gewinnspannen.
-

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Erdölsektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden vorsehen:
- Höchstpreise für Benzin, Heizöl und Dieselkraftstoff. Die Höchstpreise
setzen sich aus den tatsächlichen Kosten des Verkäufers der Produkte und dem
Aufschlag in Dollar und Cent zusammen, der im Einzelhandel für das gleiche
Produkt am 10. Januar .1973 galt;
- einen Höchstpreis für Rohöl;
- - Die Mehrförderung von Rohöl und die entsprechenden Mengen der alten
Förderung sind davon auszunehmen;
- Höchstpreise und Oktanzahl müssen an jeder Tankstelle angegeben sein.

Bestimmungen für besondere Sektoren
- Das Gesundheitswesen wird von dem Preisstopp sofort ausgenommen und
wieder den bindenden Kontrollen der Phase III unterworfen.
- Die vorgeschlagenen Bestimmungen für das Versicherungswesen werden jim

-4-

�am 19. Juli zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht. Die neuen Bestimmungen werden am 12. August in Kraft treten. Bis dahin bleibt der Preisstopp
in Kraft.

Löhne
- Die allgemeinen Normen der Phasen II und III für Löhne und Zuwendungen bleiben bestehen. Die Berichte müssen eingehendere Informationen über die
Erhöhung von Löhnen und Zuwendungen enthalten.
- Benachrichtigungen über eine Anhebung von Löhnen und Zuwendungen durch
die größten Verhandlungsgruppen werden weiterhin notwendig sein. Vorausbenachrichtigungen werden in besonderen Fällen verlangt.
- Innerhalb des Lebenshaltungskostenrates ist eine neue Organisation
zur Überprüfung einer Anhebung von Löhnen, Gehältern und Zuwendungen im Bereich der Bundesstaaten und der Kommunalverwaltungen geschaffen worden."

-H-+

�Gegenüberstellung der wichtigsten Bestimmungen der Phasen II, III und IV
(' .",!. f 'i

Phase II

Phase IV

Phase III

Industriesektor:
-•*----------—»«f&lt;

Kostensteigerungen Kostensteigerungen einschließlich Gewinnspanne werden voll- weitergegeben

Weitergabe auf Dcllar-um-Dollar-Basis ohne Gewinn-

if

spanne
Basis

Letzte Preiserhö-

Letzte Preiserhö-

Basiszeitraum

hung oder Stand

hung vor dem 11.

letztes Quartal des

vom 1. Jan. 1971

Jan. 1973

vor dem 11. Jan.
beendeten Finanzjahres

Gewinnspanne

Basispreis

Die 2 besten von

Die besten 2 der

3 Finanzjahren

nach dem 15. Aug.

vor dem 15. Aug.

1968 beendeten

1971

Finanzjahre

wie Phase III

Höchstpreis, der für 10 Prozent der

Durchschnittliche

Produktion 30 Tage lang vor dem Zeit-

Preis im letzten

raum vom 16.Aug. bis 13. Nov.1971

Quartal des vor dem

gefordert worden ist

11. Jan. 1973 beendeten Geschäftsjahres

&gt;i

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Verfahren

�.

Phase II

Phase III

Phase IV

Verfahren und Geltungs.

Alle Firmen mit

Ab 2. Mai 1973 von

Alle Firmen mit

bereich

Jahresumsatz

allen Firmen mit

Jahresumsatz

Vo vau sme1düng en

von über 100

Jahresumsatz von

von über 100

Millionen D o L

über 25 Millio-

Millionen Dol-

lar; 30 Tage vor nen Dollar, die

lar; 30 Tage

Preisanhebung;

Preisanhebungen

vor Preisanhe-

Zustimmung er-

von über 1,5 %

bung; kann er-

forderlich

des Indexes

folgen, sofern

durchgeführt

Lebenshaltungs-

hatten; 30 Tage

kostenrat sie

vor Preisanhe-

nicht aussetzt,

bung

ablehnt oder
kürzt. Recht zur
Überprüfung bereits erfolgter
Preisanhebungen

Kriterien für Aus-

Bedeutende Här-

Wenn sie sich

Bedeutende H ä r -

nahmen

ten oder Unge-

von selbst an

ten oder Unge-

rechtigkeiten

die Bestimmun-

rechtigkeiten un-

gen der Phase II

ter Berücksichti-

halten

gung etwaiger Störungen für die
Wirtschaft

Meldungen

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Jahresumsatz

Jahresumsatz

Jahresumsatz von

von über 50 Mil-

oder Einnahmen

über 50 Millionen

lionen Dollar

von über 250

Dollar viertel-

vierteljährlich

Millionen Dollar

jährlich; nicht

vierteljährlich

befreite Firmen
mit Jahresumsatz
darunter jährlich

«•7Ausnahmen

�Phase III

Phase II
Ausnahmen für Klein-

Weniger als 60 Angestellte

Phase IV
Wie Phase II, jedoch aufgrund neu-

betriebe

er Einschätzung

Andere Sektoren:

Lebensmittel

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen; in
2 Phasen unterteilt

Erdöl

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen

Versicherungen

Sonderbestimmungen, die vom allgeraeinen Preisniveau abhängen

Öffentliche Versor-

Bestätigung der

Besondere Krite-

gungsbetriebe

zuständigen Be-

rien

Revidierte Sonbestimmungen

Ausgenommen

hörden erforderlich
Gesundheitswesen

Besondere Bestimmungen

Wie Phase III bis
neue Bestimmungen
ausgearbeitet
sind

Renten

Sonderbestimmungen

-8-

Ausgenommen

Ausgenommen

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28/1973
USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die amerikanische Regierung hat am 18. Juli offiziell
bestätigt, daß die Vereinigten Staaten damit begonnen haben, auf den Devisenmärkten aktiv zu intervenieren mit dem Ziel, "geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten."
Die kurze gemeinsame Erklärung des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board enthält keine Einzelheiten, doch kann angenommen werden, daß
die Vereinigten Staaten unter den gegenwärtigen Umständen für eine Intervention

ausländische Währungen zum Ankauf von Dollar verwendet haben,

um so den Rückgang des Dollar-Kurses zu verlangsamen oder in sein Gegenteil umzukehren.
Aufgrund der kürzlich erweiterten Vereinbarungen mit den ausländischen Notenbanken kann der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - bis zu 17 980 Millionen Dollar in ausländischen Währungen für derartige Operationen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten könnten ferner ihre
Sonder-und ihre regulären Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder ihre Goldreserven einsetzen, um sich ausländische Währungen
zur Stützung des Dollar-Kurses zu beschaffen.
Die

�Die am 18. Juli veröffentlichte gemeinsame Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
"Der Vorsitzende des Federal Reserve Board und der Finanzminister

ha-

ben gemeinsam die folgende Erklärung herausgegeben:
•Auf der Sitzung der Finanzminister und der Notenbankgouverneure am
16. März 1973 in Paris wurde Übereinstimmung darüber erzielt, daß eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein
könnte, um die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse zu erleichtern. Angesichts der dem Dollar innewohnenden Stärke und nach Konsultationen zwischen dem Federal Reserve Board, dem Finanzministerium und den Vertretern anderer Länder wurde am 10. Juli mit Interventionen des Federal
Reserve Board an der New Yorker Devisenbörse begonnen. Aktive Interventionen werden auch künftig zu gegebener Zeit und in der erforderlichen Größenordnung erfolgen, um geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten.1"

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28/1973

VOLCKER VERWEIST AUF FORTSCHRITTE DER INTERNATIONALEN WÄHRUNGSGESPRÄCHE
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul Volcker, hat am 19. Juli vor einem Unterausschuß des
amerikanischen Repräsentantenhauses zu dem derzeitigen Stand der internationalen Währungsgespräche Stellung genommen, die bereits zu einer Übereinstimmung über zahlreiche Grundprinzipien, darunter die Notwendigkeit
eines besseren Mechanismus für die Anpassung von Zahlungsbilanzen, geführt
hätten. Die wesentlichen Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
"Ich glaube, daß jetzt, zum Teil durch Klärung der Auffassung aller
Seiten, ein besseres Verständnis für bestimmte Punkte besteht, die wir bei
Unterbreitung unserer Vorschläge hervorgehoben haben. Vor allem haben wir
darauf bestanden, daß die verschiedenen Elemente des monetären Systems
- Konvertierbarkeit, Wechselkurssystem, Anpassungsprozeß, Bereitstellung und
Art der internationalen Währungsreserven - als Teile eines ausgewogenen und
in sich geschlossenen Systems entwickelt werden müssen. Wir brauchen daher,
wenn ein System konvertierbarer Währungen wirklich funktionieren soll, eine
Technik, die gewährleistet, daß Anreize für Anpassungen nicht nur für Defizitländer mit schwindenden Reserven gelten, sondern gleichermaßen für
Überschuß-und Defizitländer. Die Toleranz, die wir für temporäre Ungleich-

-1-

�Ungleichgewichte im System zulassen wollen - und eine gewisse Toleranz
ist notwendig - muß im Einklang mit der Verfügbarkeit von Reserven zur Finanzierung von Ungleichgewichten stehen. Höhe der Reserven, die die einzelnen Länder in der Praxis halten möchten, und Verfügbarkeit solcher Reserven
im Rahmen dieses Systems müssen auf breiter Basis aufeinander abgestimmt
sein. Die als internationale Reserven benutzten Aktiva dürfen keinen spekulativen Verzerrungen ausgesetzt sein, und die einzelnen Länder müssen frei
und flexibel über sie verfügen können...
Meines Erachtens ist es fair, zu sagen, daß die Mitglieder des Zwanziger-Ausschusses bereits zu bestimmten, mehr oder weniger einstimmig gefaßten Schlußfolgerungen gelangt sind. Man schließt sich uns bei der Suche
nach wirksameren Mechanismen an, die zeitgemäßere

und effektivere Zah-

lungsbilanzanpassungen gewährleisten sollen und die sich in gleicher Weise
auf Überschuß-wie auf Defizitländer auswirken - ihr Fehlen hat ganz wesentlich zum Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods beigetragen.
Es besteht eine allgemeine Bereitschaft, die These zu akzeptieren,
daß Anreize und Druck erforderlich sein könnten, um den Anpassungsprozeß
zu 'disziplinieren». Gleichzeitig möchten die meisten Länder es den betreffenden Staaten weitmöglichst überlassen, wie die Anpassung vorgenommen
wird - während solche Anpassungsformen verhindert werden sollen, die für das
internationale Handels-und Zahlungssystem abträglich sind.
Wir haben vereinbart, daß das Wechselkurssystem auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basieren soll, wobei ein Floaten von Wechselkursen sich
in bestimmten Situationen als nützliche Technik erweisen könnte. Wir stimmten darin überein, daß die globale Liquidität besser gelenkt werden sollte
und daß modifizierte Sonderziehungsrechte (vielleicht mit anderem Namen)
zum Hauptreservemedium werden sollten. Wir waren uns einig darüber, daß
effektivere Mittel notwendig sind, um mit den Problemen der kurzfristigen

-2-

�kurzfristigen

Kapitalflüsse fertig zu werden, obwohl noch beträchtliche

Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der angebrachten Form der diesbezüg
liehen Kontrollen verbleiben.
Eine Übereinstimmung über diese Punkte ist wichtig und trägt zur Ermutigung bei. Ich lasse mich jedoch nicht dazu verleiten, etwa zu glauben, daß
das Maß an Übereinstimmung über diese Punkte, so wichtig jeder von ihnen im
einzelnen ist, ausreicht, um die Vereinbarkeit, die Ausgewogenheit und Kohärenz, von der ich sprach, insgesamt zu gewährleisten., Im besonderen haben
wir noch viel Arbeit zu bewältigen, um diese Prinzipien funktionsfähig zu
machen und zwar im Sinne spezifischer und festgelegter Verhaltensnormen, die
für alle akzeptabel sind.
Zum Beispiel möchten wir alle ganz allgemein ein besseres Verfahren für
die Anpassung von Zahlungsbilanzen. In der Praxis jedoch stellt der schwerfällige und abstrakte Begriff 'Zahlungsbilanzanpassungen» jede Regierung
vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen und delikate politische Probleme. Wer soll entscheiden, welche Maßnahme wann und von welchem Land getroffen werden soll?

Praktisch müssen wir praktikable Antworten auf diese Fra-

gen finden und zwar Antworten, die für alle Handel treibenden Länder in ihrer Gesamtheit wie auch für die einzelnen Staaten zufriedenstellend sind.
Wir müssen zum Beispiel den geeigneten nationalen Ermessensspielraum, die
Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das Ausmaß festlegen, bis
zu dem »objektive Indikatoren» nutzbringend angewandt werden können. Auf allen
diesen Gebieten ist eine volle Übereinstimmung noch nicht erreicht worden.
Das von uns im September letzten Jahres gesetzte Ziel war, bis zur
nächsten Septembertagung des IWF in Nairobi Übereinstimmung über die groben
Umrisse der Reform zu erreichen. Unser Ziel von heute bis zum September
bleibt weiterhin, ein weitmögliches Gebiet der Übereinstimmung zu erreichen,
so daß die Arbeit über die Durchführungsbestimmungen zur Verwirklichung

3-

�Verwirklichung dieser Prinzipien fortschreiten kann. Dies bedeutet, daß
Nairobi nicht das Ende der Reformarbeiten sein wird; selbst unter den günstigsten Aspekten wird noch eine Menge zu tun sein, um die Durchführungsbestimmungen abzufassen und die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen
vorzubereiten...
Seit März hat es bei einigen Wechselkursen, vor allem zwischen dem
Dollar und einigen europäischen Währungen, beträchtliche Bewegungen gegeben.
Ich, wie auch viele andere, glauben, daß die Bewertung bestimmter Währungen
gegenüber dem Dollar weiter gegangen ist, als dies gerechtfertigt oder erforderlich war, um das langfristige internationale Zahlungsbilanzgleichgewicht, und auch im besonderen den Ausgleich unserer eigenen Zahlungsbilanz,
wieder herzustellen.
Bei der Bewertung der letzten Wechselkursveränderungen möchte ich betonen, daß die starken Ausschläge sich fast ausschließlich auf die europäischen Länder beschränkten, die an einem gemeinsamen Floaten - an der sogenannten 'Schlange* - beteiligt sind. Ja, der Dollar war seit Monaten gegenüber den Währungen der Länder, auf die rund 75 Prozent unseres Handels entfallen, ziemlich konstant. Zu diesen Ländern gehören unsere wichtigen Handelspartner außerhalb Europas,Japan, Kanada und die meisten Entwicklungsländer, aber auch einige wichtige europäische Länder wie zum Beispiel Großbritannien und Italien.
Bei der Auswertung dieser jüngsten Erfahrungen möchte ich einige für
eine längerfristige Reform relevante Schlüsse ziehen:
- - Erstens, in einer Situation, die durch größere, während eines langen
Zeitraums aufgebaute Zahlungsungleichgewichte charakterisiert wird, mit
gleichzeitigen Unsicherheiten und spekulativen Strömungen, führen Versuche-,
feste Währungsrelationen aufrechtzuerhalten, zu wiederholten Spannungen und

�und Krisen. Solche Spannungen werden noch durch die Tatsache vergrößert, daß
die Ungleichgewichte sich nachhaltig auf die Hauptwährung des Systems - den
Dollar - ausgewirkt haben. In einer derartigen Situation bildete das Floaten
von Währungen, im Gegensatz zu den verfügbaren Alternativen, eine allgemein
akzeptable Arbeitsgrundlage für den Zeitraum bis zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts, und die derzeitigen Anzeichen deuten darauf hin, daß der
Handelsfluß und die langfristigen Investitionen nicht ernst beeinträchtigt
worden sind.
— Zweitens unterstreicht diese Erfahrung meines Erachtens, was die
Erzielung stabilerer Währungsrelationen anbetrifft, wie wichtig die Schaffung eines Ausgleichs der amerikanischen Zahlungskonten ist. Keine Reform
des internationalen Währungssystems kann einen Ersatz für dieses Erfordernis bilden. Wir können, als Teil des Reformprozesses, das Ausmaß, in dem
das System vom Dollar abhängig ist, reduzieren, aber wir können nicht der

Tatsache ausweichen, daß die Vereinigten Staaten weiterhin die größte Wirtschaftseinheit bleiben werden und daß es für andere Länder wie auch für uns
wichtig ist, daß der Dollar gesund bleibt.
-- Drittens, die jetzt in Kraft befindlichen Interimsvereinbarungen sind
kein Ersatz für eine langfristige Reform. Sie geben keinen Rahmen für vereinbarte und einigermaßen klare Bestimmungen, die notwendig sind, um den
längerfristigen Erfordernissen des Systems zu entsprechen. Dies ist die Aufgabe der Reform.
-- Viertens beweisen die von mir zu Anfang meiner Ausführungen aufgezeigten Schwierigkeiten, auf die wir gestoßen sind, welche Gefahren sich ergeben, wenn man einen Aufbau von Zahlungsbilanzungleichgewichten über einen
längeren Zeitraum hinweg zuläßt. Obwohl die Februarabwertung fast überall als
ausreichend betrachtet wurde, haben die unumgängliche Zeitspanne bis zu ihrem
Wirksamwerden und die hieraus resultierende Unsicherheit, bis diese Auswir-

-5-

�I
t

Auswirkungen voll durchschlagen können, zu den darauf folgenden Marktstörungen beigetragen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit wirksamer Anreize für
Länder - für die USA wie auch für andere -, sich entwickelnde Ungleichgewichte umgehend anzupassen. Dies wiederum ist die Aufgabe der Reform.
-- Fünftens, die Instabilität des privaten Goldmarktes mit dem starken
Hochschnellen der Preise hat erneut bewiesen, daß dieses Metall als zentrales Reservemedium eines neuen Systems ungeeignet ist.
-- Schließlich hat sich, während eine Reihe von Ländern vermehrt zur
Anwendung von Kontrollen für kurzfristiges Kapital griffen, um so den massiven
Flüssen beweglicher Gelder, wie sie sich in der heutigen Welt ergeben können,
zu begegnen, erneut gezeigt, daß die Wirksamkeit solcher Kontrollen begrenzt
ist. Derartige Kontrollen scheinen keine adäquate Lösung für das Problem der
Spekulationen und der Ungleichgewichte zu sein."
»

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28/1973

ALASKA-PIPELINE KÖNNTE SITUATION AUF DEM WELTÖLMARKT EINSCHNEIDEND ÄNDERN
Von John Uhler

--(AD)-- Die projektierte Ölleitung aus dem Norden des amerikanischen Bundesstaates Alaska zu den nächstgelegenen Häfen am Pazifik dürfte früher
Realität werden als zunächst erwartet, da der US-Senat jetzt wichtige Entscheidungen getroffen hat. Durch die Abstimmung vom 17. Juli 1973 wurde
eine Anzahl jener Hindernisse aus dem Wege geräumt,die eine Aufschiebung
des Baues der Pipeline verlangten, bis eine Studie zum Alternativprojekt
mit Verlegung der Trasse durch Kanada vorgelegen hätte. Der Senat entschied
u.a., daß die Beschränkung der Trassenbreite in den Gebieten in Regierungsbesitz auf je 7,5 m links und rechts der Rohrleitung zu entfallen habe,
weil andernfalls die erforderlichen Versorgungsstraßen nicht gebaut und
die Trassen nicht über Bergregionen geführt werden könnten.
In seiner Eigenschaft als Senatspräsident setzte sich Vizepräsident
Agnew auch für die Aufnahme eines Zusatzparagraphen in die Gesetzesvorlage
ein, in dem erklärt wird, daß die Erfordernisse des Umweltschutzgesetzes
von 1970 berücksichtigt seien und das Projekt durch Gerichtsurteile, die
unter Berufung auf das Umweltschutzgesetz gefällt wurden, nicht länger aufgehalten werden dürfe.
In

�In seiner Energiebotschaft an den Kongreß hatte Präsident Nixon bereits im April dieses Jahres um eine rasche Entscheidung ersucht, damit mit
den Bauarbeiten für die 1 280 km lange Rohrleitung begonnen werden könne.
Mehr als ein Jahr lang mußte sich die Regierung mit den Umweltschützern auseinandersetzen, die Schäden für die Tundra und die Tierwelt befürchteten.
Jetzt fehlen noch die Verabschiedung der Vorlage durch das Repräsentantenhaus
und

entsprechende Beschlüsse der Bundesgerichte im Hinblick auf mögliche

künftige Beschwerden.
Obgleich die Umweltschützer bereits wissen ließen, daß sie ihre Kampagne zur Blockierung des Baues der neuen Pipeline fortsetzen würden, besteht gute Aussicht, daß diese Streitfrage noch in diesem Jahr beigelegt
wird. Die Bauarbeiten könnten noch im Herbst in Angriff genommen werden,
so daß schon in etwa drei Jahren Öl durch die Leitungen fließt. Um 1980 dürf
te Alaska täglich etwa 286 000 Tonnen Erdöl liefern; das entspräche etwa
10 Prozent des amerikanischen Erdölbedarfs, der dann bei drei Millionen Tonnen pro Tag liegen dürfte. Der letztgenannten Zahl liegt die Schätzung zu»
gründe, daß die 1980 erforderlichen Importe der USA doppelt so hoch liegen
wie 1973. Die Explorationsbohrungen in Alaska dürften schon in Kürze wieder
aufgenommen werden, und es besteht Grund zu der Annahme, daß man durch sie
zusätzlich neue Vorkommen lokalisieren kann.
Die ersten abbaufähigen Öllager in Alaska wurden 1968 entdeckt. Große
Ölfirmen taten sich zusammen, um die Anlage einer Rohrleitung von 1,2m
Durchmesser zu finanzieren, durch welche heißes Öl zu dem eisfreien Hafen
Valdez an der Südküste Alaskas transportiert werden sollte. Von dort hätten
es Tanker zum Weitertransport in die amerikanischen Raffinerien an der Pazifikküste übernommen. Die Ökologen wandten sich jedoch gegen diesen Plan,
da sie befürchteten, daß Flora und Fauna in Alaska und im Golf von Alaska
allein durch die Existenz einer Leitung, in der heißes Öl fließt, und durch
die zahlreichen Tanker gefährdet seien, die eine mögliche Quelle für Öl-

-2-

�Ölverschmutzungen größten Stils darstellten. Die stärksten Bedenken verursachte die Tatsache, daß die Pipeline durch ein Erdbebengebiet in Alaska
führt, wo ein Bruch der Rohrleitung verheerende Folgen hätte. Das US-Innenministerium zog in Zusammenarbeit mit anderen Behörden zahlreiche Gutachter
hinzu, um Mittel und Wege zu finden, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
Schäden an der Pipeline zu verhindern. Bei der Überlandleitung sollen beispielsweise automatische Ventile eingebaut werden, die den Ölfluß sofort
unterbinden,sobald auch nur ein minimales Leck auftritt. Tägliche Patrouillenflüge über das gesamte Gebiet, in dem die Trassen verlaufen, und häufige
Inspektionen zu Lande sollen eine Gewähr dafür bieten, daß kein Öl in die
zahlreichen Flußläufe einsickert. Den Tankern im Golf von Alaska wird untersagt, Spill-Öl und Ballastwasser abzulassen.
Die Alaska-Leitung dürfte Kosten von insgesamt 3 Milliarden Dollar verursachen; weitere 2 Milliarden Dollar sind für den Bau zusätzlicher Öltan ker notwendig. Hätte man sich für den Verlauf einer Ölleitung durch Kanada
entschieden, bei der eine Strecke von 4 800 km zu überwinden wäre, würden die
Kosten doppelt so hoch sein - nämlich 6 Milliarden Dollar. Präsident Nixon
erklärte zu dem Projekt in seiner Energiebotschaft vom 8. April 1973 unter
anderem:
"In einer Zeit, in der wir wachsende Mengen von Rohöl importieren und
dabei unsere Zahlungsbilanz erheblich in Unordnung bringen, außerdem zu
einer Zeit, in der wir beachtliche Ölverknappungen erleben, sind wir eindeutig auf die 286 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, die Alaska liefern könnte - eine Menge, die ein volles Drittel unserer gegenwärtigen Importe ausmachen würde....
Ich appelliere an den Kongreß, diese Angelegenheit schnell zu behandeln, damit wir den Bau der Ölleitung so schnell wie möglich in Angriff nehmen können.
Ich

-3-

�\

Ich wende mich gegen jede weitere Verzögerung, die durch die nochmalige
Untersuchung der Frage entstünde, ob es ratsam sei, die Ölleitung durch Kanada zu verlegen. Unserem Interesse an einer raschen Steigerung unserer Ölversorgung wird am besten damit gedient, daß die Alaska-Leitung gebaut wird.
Sie könnte viel schneller fertiggestellt werden als eine Pipeline durch Kanada; ihre gesamte Kapazität würde für den Transport von Öl benutzt, das auf
amerikanischem Territorium gefördert wird und für amerikanische Märkte in
Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht wird. Außerdem würde der
Bau einer Leitung durch Alaska eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen
für Amerikaner in Alaska und in der Schiffbauindustrie schaffen..."
Einige Senatoren waren deshalb gegen den Bau der Alaska-Leitung, weil,
wie sie behaupteten, das Öl an Japan verkauft würde, während die Oststaaten
der USA in immer stärkerem Maße au*f Importe aus dem Nahen Osten angewiesen
seien. Im US-Innenministerium ist man jedoch der Meinung, daß schon im Jahre
1980 das gesamte in Alaska geförderte Öl in Alaska selbst, in Hawaii und den
drei Bundesstaaten der Westküste verbraucht würde. Befürworter des AlaskaProjektes im Senat schlugen außerdem vor, zwar an Japan Alaska-Öl zu liefern, jedoch mit der Auflage, daß dann Japan aus seinen Verträgen mit dem
Mittleren Osten die Lieferung der gleichen Mengen Öl aus diesen Ländern nach
den Vereinigten Staaten veranlassen solle. Auf diese Weise würden die Transportkosten auf einem.Minimum gehalten, weil das Öl auf den kürzesten Seewegen angeliefert werde.

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28/1973

VITAMIN B,-ZUSATZTHERAPIE BEI LANGZEITDIALYSE
o

--(AD)-- Etwa 12 000 Menschen in den Vereinigten Staaten werden durch regelmäßige Blutwäsche mit einer "künstlichen Niere" am Leben erhalten.
An einem der Dialyse-Zentren, den Kliniken der Stanford-Universität (Kalifornien), wurde bei Patienten, bei denen die Dialyse-Behandlung schon über
einen langen Zeitraum durchgeführt wird, ein auffälliger Mangel oder sogar das Fehlen eines wichtigen Enzyms festgestellt. Es handelt sich um
Aspartat-Transaminase, die eine Schlüsselrolle beim Gewebestoffwechsel
spielt.
Zunächst wurde vermutet, daß bei der Dialyse das für die Bildung des
Enzyms wichtige Vitamin B, (Pyridoxin) "ausgewaschen" wird. Auf einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Chemie (19. Juli 1973
in New York) berichtete nun eine Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität über ihre Erfahrungen und die Mutmaßungen zur Ursache des beobachteten Enzymmangels. Dr. Paul L. Wolf, der zusammen mit Dr. Norman Coplon,
Dr. Alan S. Coulson und Dorothy Williams (med.-techn.Assistentin) nach New
York gekommen war, erklärte in einem Interview, daß möglicherweise sogar
das Enzym selbst beim Dialyseprozeß "ausgewaschen" werde. In einer jetzt in
Angriff genommenen gründlichen Studie hoffe man, diese Frage zu klären.
Die Wissenschaftler neigen allerdings eher zu der Ansicht, daß nur das
Vitamin B,, das als Koferment für die Aktivität der Aspartat-Transaminase

-l-

�Transaminase (abgekürzt GOT) von Bedeutung ist, beim Blutwäsche-Prozeß reduziert werde.
Eine unzureichende GOT-Aktivität ist bisher nur als eine Begleiterscheinung in der Schwangerschaft bekannt. Keine der Patientinnen, die gegenwärtig am Dialysezentrum von Stanford behandelt werden, erwartet jedoch ein
Baby. Künftig sollen alle Patienten, die auf Langzeitdialyse angewiesen
sind, Vitamin B, als Zusatztherapie erhalten, um den Pyridoxin-Spiegel zu
normalisieren. Andernfalls ist mit Komplikationen wie Anämie, Nierensteinen,
Dermatitis, neurologischen Störungen und bei Frauen, die die Pille nehmen,
mit Depressionen zu rechnen.
Aufgrund der schon früher gemachten Erfahrung, daß bei Langzeitdialyse
Vitamin C und Folsäure ausgewaschen werden,verordnet man seit geraumer
Zeit den Patienten diese Wirkstoffe zusätzlich zur medikamentösen Therapie.
Dadurch sollen Störungen der Blutgerinnung und anämische Erscheinungen verhindert werden.

•H-f

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend ändern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse</text>
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1. August 1973

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Inhalt

DOKUMENTATION:

Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen
Integration
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optimistischer Atmosphäre
Von Eugene Brake
Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden
Von John Holway
US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt
-WortlautDie wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni
-Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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29/1973

BOTSCHAFTER GREENWALD BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG PER EUROPÄISCHEN INTEGRATION
-AuszügeDUBLIN --(AD)-- Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter Joseph A. Greenwald, hat am 27. Juli in einer Rede vor
der US-Handelskammer in Irland erneut die Unterstützung der europäischen In
tegration durch die Vereinigten Staaten bekräftigt. Die wesentlichen Teile
der Rede des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
"Meine Regierung hat von Anfang an die Schaffung, Stärkung und Erweiterung der europäischen Institutionen unterstützt. Pie Zusammenarbeit zwischen
den europäischen Ländern war ein unerläßliches Element für den Erfolg des
Marshall-Planes. Seit 25 Jahren haben die Vereinigten Staaten^- unter demokratischen wie auch republikanischen Regierungen, die europäische Integration
- die Kohle- und Stahlgemeinschaft, den Gemeinsamen Markt, EURATOM, das
Europäische Parlament und den Gerichtshof - als in ihrem eigenen wie auch
im gemeinsamen Interesse unserer Atlantischen Völkergemeinschaft liegend erachtet
Diese Unterstützung ist von Präsident Nixon bekräftigt
;

Ausführungen am 23 April zum Jahr Europas

worden. In seinen

hat Dr. Kissinger den Zusammen-

hang zwischen unserer seit langem befolgten Europa-Politik und den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Veränderungen aufgezeigt, die in
den letzten 10 oder 15 Jahren eingetreten sind. Er hat gemeinsame amerika
nisch-europäische Anstrengungen gefordert, um unsere gemeinsamen Absichten

-1-

�1
\

Absichten und Zielsetzungen neu zu formulieren. Eine solche auf den heutigen
Stand gebrachte politische Deklaration würde den Rahmen geben, in dem wir die
Meinungsverschiedenheiten leichter beilegen könnten, die sich zu einem großen
Teil aus den engen Wechselbeziehungen innerhalb der freien Welt ergeben.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin überzeugt, daß ein starkes,
geeintes Europa uns allen mehr zum Vorteil gereicht als ein schwaches gespaltenes Europa. Wir waren ermutigt durch den bedeutenden Schritt, den die Vertreter Irlands und der übrigen acht Länder der Europäischen Gemeinschaft im
Oktober letzten Jahres getan haben, als sie sich feierlich zum Fortschritt
in Richtung auf eine Europäische Union bekannten. In einer Würdigung der
Gipfelerklärung der Neun hat Präsident Nixon betont, daß die amerikanische
Regierung voll und ganz die Ziele der EG-Mitgliedsstaaten teile, auf eine
Reform des Weltwirtschaftssystems .. hinzuarbeiten, und zwar in einer Weise,
durch die eine Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme
der Entwicklungswelt erreicht werden4.

Handels - und Währungsreform
Damit komme ich zu der zweiten grundlegenden Politik. Die Vereinigten
Staaten haben während der gesamten Nachkriegszeit stets die Führung bei den
Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels und des Zahlungsverkehrs übernommen. Zum Teil als Folge der veränderten Position der USA in der Weltwirtschaft haben in Amerika die protektionistischen Strömungen zugenommen. Trotz
dieser Tendenz hat Präsident Nixon bei zahlreichen Anlässen immer wieder
unterstrichen, daß er sich weiterhin dem Ziel eines freieren Waren-und Kapitalverkehrs verpflichtet fühlt. Weit wichtiger noch, er hat den mutigen
Schritt getan und dem Kongreß ein umfassendes Handelsgesetz vorgelegt. Pie
von ihm geforderten Verhandlungsvollmachten werden die Vereinigten Staaten

~2~

'

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i

Staaten in die Lage versetzen, an der gemeinsam von den USA, der EG und Japan im Februar 1972 vorgeschlagenen neuen Runde von Handelsgesprächen teilzunehmen .
Obwohl es in der Vergangenheit Abweichungen und Warnungen gegeben hat,
und dies auch weiterhin der Fall sein wird, die Zweifel an der Beständigkeit
unserer europäischen und internationalen Wirtschaftspolitik aufkommen lassen
könnten, so glaube ich, ist auf lange Sicht die Richtung klar. Und unter der
Voraussetzung, daß wir zu einer neuen gemeinsamen Grundlage finden können,
wird nach meiner Auffassung die auf einer atlantischen Zusammenarbeit basierende Zukunft voller Verheißungen sein.

Landwirtschaft
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir von allgemeinen Formulierungen weg zu
te

konkreten Fragen übergehen. Ich habe das Thema Landwirtschaft

aus drei Grün-

den angeschnitten: einmal ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg
der multilateralen Handelsverhandlungen; zweitens ist es in Form einer gemeinsamen Agrarpolitik ein notwendiges Element - besonders für Irland der gegenwärtigen Europäischen Gemeinschaft; und drittens bedeuten die von
einigen in der letzten Zeit ergriffenen Schritte eine grundlegende Veränderung der internationalen Situation von Angebot und Nachfrage. Lassen Sie mich
diese Punkte jetzt der Reihe nach aufgreifen.

Multilaterale Handelsverhandlungen
Im weiteren Verlauf dieses Jahres werden die EG, die Vereinigten Staaten
und weitere Handelsländer eine neue wichtige Runde von Verhandlungen aufneh,
men,um im Rahmen des GATT die Handelsschranken abzubauen. Seit Ende der
Kennedy-Runde sind jetzt sechs Jahre verstrichen. In dieser Zeit haben sich

�sich Meinungsverschiedenheiten in Handelsfragen ergeben, und in einigen Fällen
sind sie zu echten Ärgernissen in unseren allgemeinen Baziehungen geworden,
weil es keine gemeinsamen Liberalisierungsanstrengungen gab. Die Teilnahme
an den multilateralen Verhandlungen sollte diese Situation korrigieren und
Meinungsverschiedenheiten in dem umfassenderen Rahmen beiderseitiger Konzessionen leichter lösbar machen. Neue Verhandlungen sind ferner deswegen notwendig, um zu vermeiden, daß einzelne Teilnehmer dem innenpolitischen Druck nach
Entliberalisierung nachgeben.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Verhandlungen gute Aussicht auf
Erfolg haben. Wir haben mit der EG und Japan vereinbart, daß die Verhandlungen auf Gegenseitigkeit basieren müssen. Für die großen Exportländer wie die
Vereinigten Staaten bedeutet Gegenseitigkeit, daß Gebiete, auf denen wir
einen Wettbewerbsvorteil halten - wie zum Beispiel die Landwirtschaft - in
einer wirklich bedeutungsvollen Weise einbezogen sind. Natürlich war der
Agrarsektor durch soziale und politische Erwägungen belastet. Aber andere politische - und wirtschaftliche - Faktoren fordern eine Verbesserung des
Agrarhandels.
»
Gemeinsame Agrarpolitik
In der gesamten industrialisierten Welt - und noch mehr in den Entwicklungsländern - wies das Problem der Landwirtschaft auf einen Wirtschaftssektor hin, der vernachlässigt worden war. Die landwirtschaftlichen Einkommen
waren im allgemeinen niedriger als die der städtischen Bevölkerung, und innerhalb der Landwirtschaft selbst gab es deutliche Einkommensunterschiede.
In zahlreichen Ländern, unter anderem auch in den USA, haben die Regierungen
besondere Programme für die Bauern durchgeführt. So überrascht es nicht, daß
einer der ersten Schritte der sich entwickelnden Europäischen Gemeinschaft
eine gemeinsame Agrarpolitik (CAP) war.
Ich möchte jedoch hoffen, wie auch Sir Ghristopher Soames dies kürzlich
in Straßburg sagte, daß die CAP nicht für alle Zeiten in ihrer gegenwärtigen
Form als eingefroren betrachtet wird. Wir haben aus unseren Fehlern in der

-4-

i

�der Agrarpolitik gelernt, und vielleicht kann die Europäische Gemeinschaft
von unseren Erfahrungen ebenfalls profitieren.
Die sozialen und politischen Ziele der amerikanischen Landwirtschaftsprogramme sind durch Stützung hoher Binnenmarktpreise nicht erreicht worden.
Marktkräfte und Druck der Verbraucher in jüngster Zeit wirkten sich auf den
Kongreß aus und beeinflußten die Haltung der Regierung wesentlich. Die hohen
Preise für Agrarprodukte beeinträchtigten ferner den amerikanischen Export
und schufen Probleme für die amerikanische Industrie. Unter diesen Umständen
sind wir von dem System der Preisstützung abgegangen.
Bis jetzt haben die Europäer zahlreiche ähnliche Erfahrungen gemacht
wie wir. Und es scheinen einige Zweifel an der Wirksamkeit der CAP zu bestehen. Wenn jetzt die europäischen Produzenten und Verbraucher immer mehr Erfahrungen mit der Praxis der gemeinsamen Agrarpolitik sammeln, wird die Europäische Gemeinschaft entscheiden können, ob die derzeitigen oder andere Vereinbarungen den europäischen Zielen am besten gerecht werden. Es gibt verschiedene Techniken, die gegenwärtig im Rahmen der CAP angewandt werden, unter anderem Direktzahlungen bei besonderen sozialen Problemen, und die Kommission
ist dabei, ihre eigene Bewertung und ihre eigenen Empfehlungen auszuarbeiten.
Obwohl es kein Geheimnis ist, daß wir nicht immer mit allen Aspekten
der die amerikanischen Interessen berührenden CAP einverstanden waren, so war
und ist es doch der eindeutig umrissene Standpunkt meiner Regierung, daß wir
nicht die gemeinsame Agrarpolitik zu Fall bringen wollen. Genauso wenig halte ich es für angebracht, irgend jemandem zu raten, welche Richtung dieses
Programm einschlagen sollte. Wenn ich jedoch sehe, welche überragende Bedeutung Weidewirtschaft und tierische Erzeugnisse für die irische Landwirtschaft
haben, so scheint es mir, daß eine Politik mit dem Ziele, die europäischen
Preise für Futtermittel niedrig zu halten, Irland großen Nutzen bringen
würde.
Die

-5-

�Die derzeitige Futtermittelkrise

Aufgrund der von den Vereinigten Staaten verfügten Exportkontrollen für
Sojabohnen und andere Produkte sind grundlegende Fragen aufgeworfen worden,
die die Handelsverhandlungen und vielleicht sogar die gegenwärtige Agrarpolitik überschatten könnten. Die sich schnell entwickelnde Proteinknappheit
hat zu einigen übereilten Schlußfolgerungen geführt - zum Beispiel, daß die
Vereinigten Staaten nicht mehr ein zuverlässiger Lieferant seien und Europa
nach Selbstversorgung streben müsse. Bevor ich zu diesen Fragen Stellung nehme,
möchte ich kurz aufzeigen, wie es zu dieser Situation kam und was wir zu tun
versuchen.
Unsere Prüfung der Situation bei Futtermitteln im Juni zeigte, daß bei
diesen Erzeugnissen Kontrakte über die Lieferung größerer Mengen aus der vorjährigen Ernte sowie aus Reservebeständen abgeschlossen worden waren, als
tatsächlich vorhanden sind. Zu der Verknappung und zu den höheren Preisen kam
es nicht aufgrund eines gestiegenen amerikanischen Verbrauchs, sondern aufgrund
verschiedener ausländischer Faktoren - eine starke Zunahme der Auslandsnachfrage nach proteinhaltigen Futtermitteln, die langfristige Bevölkerungszunahme,
die geringeren Fischfänge in Peru und die ungünstige Witterung in zahlreichen
Gebieten. Die vorjährige amerikanische Sojabohnenernte brachte einen Rekordertrag, doch der inneramerikanische Bedarf stieg nicht wesentlich. Praktisch
ging der gesamte Mehrertrag in den Export. Und im Rahmen der während der Sommer
monate bis zur Einbringung der neuen Ernte gültigen Zuteilungssystems werden
wir weiterhin unsere ausländischen Kunden bedienen. Wir sind uns unserer Verpflichtung durchaus bewußt, einen großen und wachsenden Weltmarkt mit Sojabohnen zu beliefern, und wir tun unser Bestes, um dieser Verpflichtung nachzukommen .
Im letzten Jahr hat die amerikanische Regierung für den Anbau von Getreide und Sojabohnen über 16 Millionen Hektar Land zusätzlich freigegeben, was
etwa der gesamten bestellten Landfläche in Frankreich entspricht. Die vom

-6-

�,t

vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium Anfang Juli veröffentlichten
Erntevoraussagen, die auf den Anfang Juni eingegangenen Berichten basieren,
deuten auf eine potentielle Ertragssteigerung der Sojabohnenernte im September hin sowie auf einen zwar nicht ganz so großen, aber doch beträchtlichen
Mehrertrag bei der Getreideernte. Wenn das Wetter weiter günstig bleibt,
werden die Aussichten recht gut sein. In der letzten Woche sind aus der amerikanischen Bodenreserve weitere 7,6 Millionen Hektar für die Bestellung
freigegeben worden, was etwa der gesamten bestellten Landfläche in der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Dieser Schritt wird 1974 zu einer weiteren Steigerung der verfügbaren Ernteerträge führen.
Nun zurück zu den Zweifeln, die angesichts der kürzlichen amerikanischen
Maßnahmen aufgekommen sind. Da die Launen des Wetters und die peruanischen
Fischfänge schlecht vorauszusehen sind, bezweifele ich es, daß irgend jemand
voraussagen kann, ob wir nun in eine Zeit chronischer Verknappungen in der

Landwirtschaft eingetreten sind oder nicht. Der stabilisierende Faktor in
der Nachkriegszeit scheinen die von den Vereinigten Staaten eingelagerten Vorräte gewesen zu sein. Wir glauben jedoch, daß die derzeitig offensichtliche
Verknappung

des Angebots kurzfristiger Natur sein wird. Wenn man über die

Zuverlässigkeit von Lieferanten spricht, so muß man auch die Zuverlässigkeit
der Kunden in Rechnung setzen. Beide Seiten müssen mit Vertrauen zueinander
arbeiten können.
Angenommen,wir sehen uns einer langfristigen strukturellen Veränderung
- auf kommerzieller Basis - von Angebot und Nachfrage auf der Welt gegenüber.
Meines Erachtens ist es dann Unsinn, wenn die heute hochindustrialisierten
Länder in der Landwirtschaft oder auf anderen Gebieten an eine neue Art von
Autarkie denken. Es scheint mir ganz unmöglich, die Uhr zurückzudrehen, selbst
auf der Basis einer erweiterten Europäischen Gemeinschaft, bis wir wieder
weit zurück in einer vor der Interdependenz liegenden Zeit sind. Ob wir es
gerne sehen oder nicht, unsere Volkswirtschaften sind so miteinander ver-

�verflochten, daß Selbstversorgung weder in der Landwirtschaft noch in der
Industrie, im Handel, auf dem Währungssektor oder bei Investitionen möglich
ist und daß es auf internationaler Ebene auch nicht möglich ist, sich bestimmte genehme Sektoren für einen langfristigen Schutz oder eine Selbstversorgung
herauszusuchen.

Internationale Investitionen

Ich möchte mich jet;zt Zweifeln zuwenden, die hinsichtlich des freien Kapitalflusses über die nationalen Grenzen hinweg geäußert worden sind. Die bewährten Prinzipien, die für den Abbau der Handelsschranken, sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft, sprechen, gelten auch für den Kapitalverkehr. Dieser Faktor der Gütererzeugung wird am wirksamsten zum Tragen gebracht,
wenn ein freier Verkehr auf der Basis der Marktkräfte möglich ist. In dem
Maße, wie Regierungen den Markt für internationale Kapitalbewegungen verzerren,
gehen auch die Möglichkeiten zurück, die wirtschaftlichen Hilfsquellen für
alle auf die wirksamste Weise einzusetzen.
Aus politischen und sozialen Gründen müssen Regierungen in demokratischen Ländern manchmal von rein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten abgehen.
Auf dem Investitionssektor besteht ein Druck in beiden Richtungen. In unserem
Falle haben die Vertreter der Gewerkschaften versucht, amerikanische Firmen
von Neugründungen im Ausland abzuhalten mit der Behauptung, daß damit amerikanischen Arbeitern Arbeitsplätze verloren gingen. Dieses Argument wird von
der amerikanischen Industrie heftig bestritten, und die Regierung hat für
eine stetige und offene Politik zusammen mit Steuervorschlägen optiert, um
sicherzustellen, daß der Kapitalverkehr nicht aufgrund künstlicher Anreize
stattfindet.
Manchmal erachten es Regierungen für notwendig, Kapitalflüsse aus Zahlungsbilanzgründen zu unterbinden. So haben die Vereinigten Staaten mehrere
Jahre lang eine Zinsausgleichssteuer auf aus den USA nach anderen Ländern

-8-

�Ländern abfließendes Kapital erhoben. Diese Steuer gilt sowohl für amerikanischeswie auch für ausländisches Kapital. Dm den Anreiz zu steigern und um
den Investanten zu versichern, daß sie bei einer späteren Rückführung ihrer
aus den USA abgezogenen Gelder nicht bestraft werden, hat Finanzminister Shultz
im Februar dieses Jahres angekündigt, daß die Zinsausgleichssteuer Ende 1974
auslaufen wird.
Einige Regierungen haben die Bedingungen auf dem internationalen Investitionsmarkt auf andere Weise geändert, indem sie den eigenen und den ausländischen Geschäftsleuten beträchtliche Anreize boten. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es genauso wichtig ist, für internationale Investitionen eine gleiche Behandlung sicherzustellen wie beim Welthandel. Aus
diesem Grunde haben wir in der Organisation für Europäische Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) auf die Durchführung einer Studie über die verzerrenden
Auswirkungen der Investitionspolitik von Regierungen gedrängt, die zu Richtlinien für steuerliche und sonstige Anreize führen würde, die von den Regierungen beachtet werden müßten, wenn sie ausländisches Kapital anziehen und
lenken wollen.
Besondere umstände können besondere Lösungen erfordern. Ich möchte annehmen, daß, genauso wie die GATT-Bestimmungen außergewöhnliche Maßnahmen in
außergewöhnlichen Situationen vorsehen, bei den Verhaltensnormen für internationale Investitionen das gleiche gilt. Solange es solche internationalen Normen noch nicht gibt, steht jedoch der Weg für den Wettbewerb um ausländisches
Kapital offen. Bei einem solchen Wettbewerb können sowohl die Kapitalgeber
wie die Kapitalnehmer Schaden leiden. Regierungen werden vielleicht feststellen, daß die von ihnen gewährten Konzessionen größer als die erzielten Vorteile sind, während die privaten Investoren vielleicht feststellen werden, daß
ihre langfristigen Kalkulationen auf falschen Annahmen basieren.

Schlußfolgerungen

�Schlußfolgerungen
Ich sollte am Ende noch einen weiteren kontroversen Punkt anschneiden,
der

sich hinter dem Schlagwort 'Globalisierung' verbirgt. In unserer Umgangs-

sprache sind damit die angeblichen amerikanischen Bemühungen gemeint, alle
Aspekte unserer Beziehungen zu Europa in ein großes Verhandlungspaket zu
packen. Das ist jedoch nicht das, worauf sich Dr. Kissinger bezog, als er
betonte, daß der amerikanisch-europäische Handel, monetäre, politische und
Sicherheitsfragen aufgrund der Realitäten eng miteinander verknüpft sind.
Er hat nicht vorgeschlagen, daß sie alle in einer einzigen Verhandlungsrunde
behandelt werden sollten.
Die am meisten ins Auge fallenden Bindeglieder auf wirtschaftlichem Gebiet sind Handel und Geld. Handelsbilanzen wirken sich auf den internationalen
Wert der Währungen aus, und Änderungen der Wechselkursparitäten wirken sich
auf den Handel aus. Es ist ermutigend, daß unsere europäischen Partner diese
Konzeption nur 18 Monate später akzeptiert haben, nachdem wir den Gedanken
engerer Beziehungen zwischen Handels-und Währungsverhandlungen ins Gespräch gebracht hatten.
Ich habe einige weitere Bindeglieder angedeutet. Es ist nicht möglich,
ausgewogene und auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsverhandlungen ohne Einbeziehung des Agrarsektors zu führen. In gleicher Weise muß jedes lebensfähige
internationale Wirtschaftssystem vereinbarte Regeln über Maßnahmen einschliessen, die sich auf den Fluß von Investitionen auswirken.
Im größeren Rahmen lassen sich Frieden und Sicherheit auf der Welt -innerhalb oder außerhalb von Bündnissen - kaum ohne gleiche und praktisch durchführbare Bestimmungen für das Wirtschaftsgeschehen aufrechterhalten. In diesem Sinne ist 'Globalisierung* ein relevanter Begriff..."

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29/1973

KONFERENZ DES ZWANZIGER-AUSSCHUSSES ENDETE IN OPTIMISTISCHER ATMOSPHÄRE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Die zweitägigen Gespräche der Finanzminister und Notenbankpräsidenten der im Zwanziger-Ausschuß vertretenen Länder, die am 30
und 31. Juli in Washington stattfanden, haben alle Teilnehmer davon überzeugt, daß der Wille vorhanden ist, tragbare Kompromisse bei den entscheidenden Fragen zu finden, die noch den Weg zu einem neuen internationalen Währungssystem versperren.
Dies zeigen übereinstimmend erste Äußerungen einzelner Konferenzteilnehmer. So erklärte ein europäischer Notenbankpräsident, er sei mit sehr geringen Erwartungen zu der Konferenz gekommen, habe jedoch jetzt das Gefühl, daß
eine Beilegung der noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten möglich sei.
Damit könne dann mit der Ausarbeitung der Artikel eines neuen Abkommens bereits im kommenden Frühjahr begonnen werden.
Per Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, wollte sich nicht ganz so spezifisch äußern. Nach Abschluß der Konferenz sagte er vor Korrespondenten, unter den Teilnehmern habe allgemein
die Auffassung bestanden, daß es nunmehr möglich sei, weiter voranzugehen,
und daß für die Probleme, die in den bisherigen Verhandlungen aufgetreten
seien, praktikable Lösungen gefunden werden könnten.
Vor

�Vor allem bei zwei eng miteinander verbundenen Problemen, die für eine
Feform des internationalen Währungssystems von entscheidender Wichtigkeit sind
- der Anpassungsprozeß und die Konvertierbarkeit - , konnten Fortschritte in
Richtung auf eine Annäherung der Standpunkte erzielt werden. Offensichtlich
sind die einzelnen Delegationen jetzt befriedigt darüber, daß die Vereinigten
Staaten kein vollautomatisches Anpassungssystem vorschlagen - ein System, das
Überschußländer zu bestimmten Maßnahmen zwingen würde, sobald ihre Reserven
eine bestimmte Höhe erreicht haben. Diese Möglichkeit hat Volcker ganz ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde in immer stärkerem Maße die Nützlichkeit eines
objektiven Indikators anerkannt, der zur Korrektur von Ungleichgewichten in
den internationalen Zahlungsbilanzen beitragen soll. Und man war sich auch da~
rüber im klaren, daß eine Möglichkeit gegeben sein muß, auf Überschußländer
einen gewissen Druck ausüben zu können, wenn das System "symmetrisch" sein
soll.
Bei Defizitländern besteht, wie Volcker betonte, ganz naturgemäß ein
Druck, Maßnahmen zur Korrektur von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu ergreifen. Defizitländern bleibt keine andere Wahl, als Veränderungen ihrer Wechselkurse zuzulassen oder andere korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie
mit ihren Reserven oder Kreditmöglichkeiten am Ende sind. Nunmehr gehe es darum, einen Weg zu finden, um einen ähnlichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben. Den europäischen Vorschlag, eine Art Steuer auf Überschußreserven
eines Landes zu erheben, ist nach den Worten Volckers ein Versuch zur Lösung
dieses Problems.
Volcker unterstrich jedoch zugleich, daß weder die Vereinigten Staaten
noch irgendein anderes Land ein neues internationales Währungssystem wünschten,
das weitgehend auf Druck oder Sanktionen basiere. Das Ziel sei vielmehr, klar
umrissene Verhaltensnormen festzulegen, an die die Länder sich zu halten haben..
Nur wenn sie dies nicht tun, könnten Strafen angewandt werden, aber es sei
wichtig, wie Volcker sagte, daß die Möglichkeit eines internationalen Druckes

�Druckes im Hintergrund stehe.
Die Fragen der Konvertierbarkeit und der A n p a s s u n g stehen In einem engen
Zusammenhang zueinander und nach Auffassung der Vereinigten Staaten ist ein
striktes Konvertierbarkeitssystem

- bei dem die Vereinigten S t a a t e n zur Ein-

w e c h s l u n g v o n D o l l a r , die sich im Besitz anderer Notenbanken befinden, in a n dere R e s e r v e n m e d i e n bereit sein m ü ß t e n - für sie nicht tragbar, sofern nicht
auch der A n p a s s u n g s p r o z e ß so strikt gehandhabt w i r d , daß ein Entstehen

großer

Defizite oder Überschüsse in den Zahlungsbilanzen der einzelnen L ä n d e r verhindert w i r d . Die Konvertierbarkeitsfrage
jedoch ein anderes Gesicht, w e n n ein

erhält nach den W o r t e n V o l c k e r s

" M u l t i w ä h r u n g s s y s t e m " für I n t e r v e n t i o -

nen angenommen w ü r d e , bei dem die einzelnen R e g i e r u n g e n bei ihren M a ß n a h m e n
zur Stabilisierung der W e c h s e l k u r s e statt w i e bisher nur Dollar k ü n f t i g ein
Paket verschiedener W ä h r u n g e n benutzen w ü r d e n .
A u c h die Frage eines Zusammenhanges zwischen der Reform des internationalen Währungssystems und der E n t w i c k l u n g s h i l f e

ist auf der Sitzung eingehend er-

örtert w o r d e n . Nach den W o r t e n Volckers hat sich der amerikanische

Standpunkt

in dieser Frage nicht g e ä n d e r t . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n , so erklärte V o l c k e r ,
begrüßten und gewährten E n t w i c k l u n g s h i l f e , hielten jedoch eine Abgrenzung gegenüber M a ß n a h m e n für erforderlich, die das internationale

Währungssystem

funktionsfähig erhalten sollen.Die Entwicklungsländer w ü r d e n am m e i s t e n v o n
einem internationalen Währungssystem p r o f i t i e r e n , das w i r k s a m und

reibungslos

a r b e i t e , einen o f f e n e n Handel gewährleiste und eine Prosperität ihrer Volksw i r t s c h a f t e n ermögliche.
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29/1973
EBERLE: USA LASSEN ÜBER AGRARIMPORTE MIT SICH REDEN
Von John Holway
WASHINGTON -~(AD)~~ Die Vereinigten Staaten sind bereit, über eine Senkung
der Schranken für Agrarimporte zu sprechen, wenn dafür ein besseres "Management" ähnlicher Schranken in Europa und anderswo zugesagt wird. Dies erklärte der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William Eberle, am 25. Juli vor amerikanischen Landwirtschaftsattaches in Washington.
Eberle, der die amerikanische Delegation bei den internationalen Handelsverhandlungen führen wird, die im September in Tokio beginnen sollen,
gab in großen Zügen einen Überblick über seine Verhandlungsposition. Nach
den Worten Eberles zielen die Vereinigten Staaten auf eine Stärkung der
Marktmechanismen ab und wollen im Agrarhandel von Subventionen, Zöllen und
anderen verzerrenden Maßnahmen wegkommen. Wenn die Europäische Gemeinschaft
erkläre, daß ihre Gemeinsame Agrarpolitik (CAP) nicht Verhandlungsgegenstand sein könne, so sagte Eberle weiter, dann sei es nicht allzu schwierig
für die USA, das zu akzeptieren. Amerika verlange nicht von Europa, daß es
sein System aufgeben solle, aber es gebe genügend Spielraum, über die Anwendung des Systems zu verhandeln. Man müsse sich auf die Gebiete konzentrieren, auf denen die Anwendung der Gemeinsamen Agrarpolitik verbessert werden
könne .
Als ein weiteres Gebiet, über da^s man sprechen könne« nannte Eberle die
Exportsubventionen. Die beste Gelegenheit, diese Subventionen abzubauen, sei

-1-

�sei eine Zeit hoher Preise. Auch über die Abschöpfungen könne man verhandeln,
denn es sei immerhin bedeutsam, ob diese variablen Abgaben 100 Prozent des
Importpreises ausmachten oder nur 60 Prozent.
Wie Eberle betonte, würde ein Abbau der Schranken zur Bekämpfung der
Inflation beitragen und dem Verbraucher zugutekommen. Das gelte auch für Japan.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits prüfen nach den Ausführungen Eberles
Möglichkeiten, ihrerseits Schranken abzubauen. So habe das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Studie über mögliche Auswirkungen der Abschaffung
aller Restriktionen für die Einfuhr von Molkereiprodukten in den Jahren zwischen 1972 und 1980 erstellen lassen. Nach der Studie könnte dies zu einem
Rückgang der amerikanischen Milcherzeugung um zehn Prozent führen; dieser
Verlust würde jedoch durch die Steigerung der Produktion auf anderen Agrargebieten mehr als ausgeglichen. Diese Studie sei nur eine von vielen, die gegenwärtig durchgeführt würden. Sie sei, so betonte Eberle, "keine Verhandlungs
basis, aber wir suchen nach Ideen." Eberle wies weiter darauf hin,» daß Japan
mehr Orangen nach den USA verkaufen wolle, die Entwicklungsländer mehr tropische Früchte, Australien mehr Weizen und Wolle und Kanada mehr Früchte und
Gemüse. "Wir sind bereit, über diese Dinge zu sprechen in dem Sinne: Wie kommen wir zu einer besseren Handelsbilanz?", so betonte Eberle. ,
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten wies darauf hin, daß Europa über
hohe amerikanische Industriezölle sprechen wolle, und das sei durchaus legitim
Aber es müsse sowohl auf dem Industriesektor wie auch auf dem Agrarsektor ein
Fortschritt erzielt werden. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten Staaten
danach streben, das System der M^istbegünstigungsklausel auf das Sonderpräferenzsystem des Gemeinsamen Marktes angewendet zu sehen. Amerika begreife zwar,
daß es besondere kulturelle und historische Bindungen gebe, aber es sei zu
fragen, ob das für 55 Länder gelte.
Eberle

-2-

�Eberle räumte ein, daß auch über Exportkontrollen, wie etwa die amerikanische Kontrolle für die Ausfuhr von Sojabohnen und Schrott gesprochen werden müsse. Auf der anderen Seite brauche es die Welt nicht zu schockieren,
wenn ein Land bei Verknappungen einzelner Agrarprodukte ein System von Kontrollen benötige. Dies könne sogar vorteilhaft sein. Wenn manche Länder über
dieses Problem sprechen wollten, dann seien die USA jedoch nicht negativ eingestellt.
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten unterstrich ferner die Parallelität
der Handelsverhandlungen und der im September in Nairobi beginnenden Weltwährungsgespräche. Handels-, Währungs-*und Investitionssysteme machten zusammen ein besseres Gesamtwirtschaftssystem aus, so sagte er. Die Handelsgespräche sollten auf jeden Fall fortgeführt werden, auch wenn es noch kein Übereinkommen in den gegenwärtigen Gesprächen über Kompensationen der USA für Handelsverluste durch den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gebe. Er
hoffe jedoch,daß ein solches Übereinkommen bis September erreicht werde.

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29/1973

US-HANDELSMINISTERIUM GIBT WEITERE EINZELHEITEN DES LIZENZIERUNGSSYSTEMS
BEKANNT
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium hat am 27. Juli
weitere Einzelheiten des Lizenzierungssysteros für die 41 Agrarprodukte bekanntgegeben, für deren Ausfuhr aufgrund der Ankündigung vom 5. Juli vorübergehend Lizenzen ausgestellt werden müssen. Die Bekanntgabe des Handelsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Am 5. Juli hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für 41
Agrarprodukte, darunter eßbare Öle, tierische Fette und proteinhaltiges Viehfutter, bekanntgegeben.
Aufgrund der die 41 Agrarprodukte betreffenden Bekanntgabe vom 5. Juli
sind Lizenzen für Aufträge ausgestellt worden, die am oder vor dem 13. Juni
1973 für Exporte vor dem 1. Oktober 1973 angenommen worden sind. Heute
(27. Juli) hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für den Export
dieser Agrarprodukte aufgrund von Aufträgen bekanntgegeben, die nach dem
13. Juni angenommen worden sind, aber noch vor dem 1. Oktober ausgeführt
werden sollen. Es hat ferner die beschlossenen Verfahren für Erdnußmehl und
Baumwollsaatmehl, die Aflotoxin enthalten, verkündet.
Erstens werden für die neun Agrarprodukte, Sojabohnen und Baumwollsaatöl usw., Lizenzen für die Ausfuhr vor dem 1. Oktober zu 100 Prozent ausgestellt .solange noch ein Rest an nicht ausgeführten Aufträgen besteht, die

-1

�die am oder vor dem 20. Juli angenommen und gemeldet worden waren

Dies ist

der letzte Meldetermin für die bisherige Fortschreibung der Statistiken über
die veranschlagten Gesamtexporte.
Das Handelsministerium warnt die Exporteure davor, irgendwelche Schlüsse
bezüglich eines Lizenzierungssystems für Exportaufträge bei diesen neun AgrarProdukten zu ziehen, die nach diesem Termin gemeldet worden sind.
Zweitens werden Lizenzen für die 32 anderen Agrarprodukte ausgestellt
und zwar unter Berücksichtigung der Mengen, die jeder Exporteur von diesen
Agrarprodukten jeweils in den Monaten Juli bis September 1972 ausgeführt hat.
Praktisch wird der Exporteur eine Quote auf der Basis der bisherigen Ausfuhren
bei jedem dieser Agrarprodukte erhalten. Gegen diese Quote werden alle Exportlizenzen für Aufträge aufgerechnet, die am oder vor dem 13. Juni angenommen worden sind. Sofern diese Ausfuhren die Quote nicht übersteigen, kann für
den Rest eine Lizenz auf nach dem 13. Juni angenommene Aufträge für eine Ausfuhr vor dem 1. Oktober ausgestellt werden.
Für alle diese 32 Agrarprodukte, ausgenommen Talg, der nicht für menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote jeweils 100 Prozent der Exporte
in den Monaten Juli bis September 1972 betragen. Bei Talg, der nicht für den
menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote auf 90 Prozent der früheren
Ausfuhren des Exporteurs festgelegt. Es werden Lizenzen auf dieser Basis von
100 Prozent der nicht ausgeführten Aufträge, die nach dem 13. Juni angenommen wurden, solange ausgestellt, bis die Quotenhöchstgrenze erreicht ist.
Darüber hinaus hat das Handelsministerium bekanntgegeben, daß es die
noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Exportaufträge auf Lieferung von für den menschlichen Genuß geeigneten Erdnüssen zu 100 Prozent lizenzieren wird, gleichgültig wann diese Aufträge angenommen wurden. Allerdings muß der Exporteur bei der Ausfuhr der Zollstelle eine Bescheinigung des
US-

••;.' . "

-2-

�US-Landwirtschaftsministeriums vorlegen, daß es sich um Erdnüsse handelt, die
für den menschlichen Genuß geeignet sind.
Bei Erdnußmehl, das 25 ppm Aflatoxin enthält, wird das Handelsministerium
die noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Aufträge zu 100 Prozent
lizenzieren, gleichgültig zu welchem Zeitpunkt der Auftrag angenommen wurde.
Allerdings muß bei der Ausfuhr eine Bescheinigung des US-Landwirtschaftsministeriums über den Aflatoxingehalt vorgelegt werden.
Ferner teilt das Handelsministerium mit, daß zwar kein Lizenzierungssystem für aflatoxinhaltiges Baumwollsaatmehl geschaffen worden ist, daß jedoch
Exporteure, die eine Lizenz für solche Exporte erhalten wollen, diese unter Berufung auf die Härteparagraphen der Exportkontrollbestimmungen, die am 10.
Juli 1973 veröffentlicht worden sind, beantragen sollen."

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29/1973
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN USA IM JUNI
- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates WASHINGTON --(AD)— Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hat am 26. Juli
seinen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten im Juni dieses Jahres veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt:
Die im Juli veröffentlichten Statistiken für den Monat Juni und davor
zeigen ungewöhnlich scharfe Kontraste in der Wirtschaft.
1.

Die Inflation hat weiterhin rasch zugenommen bis zu dem Zeitpunkt, als

am 13. Juni der Preisstopp angeordnet wurde. Trotz der Inflation waren jedoch die Realeinkommen der Verbraucher nach Anpassung an die Preise hoch
und zeigten eine steigende Tendenz.
2.

Die Expansionsrate in der Wirtschaft hat sich verlangsamt, Produktion

und Beschäftigung waren jedoch hoch, und die Arbeitslosigkeit ging zurück.
3.

Unsere internationale Handelsbilanz hat sich verbessert, der Wert des

Dollar an den ausländischen Devisenmärkten ging jedoch zurück.
Das überragende Problem, was die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit und Regierung angeht, war die Inflation.
Die überragende Tatsache, was die Lebensbedingungen der amerikanischen
Bevölkerung angeht, war der hohe Stand der realen Einkommen und des realen
Verbrauchs.
Der
-1-

�Der Index der Verbraucherpreise stieg von Mai bis Juni um 0,6 Prozent.
Dieser Anstieg trat fast ausschließlich vor dem Preisstopp II ein. über das
Verhalten der Preise während des Preisstopps liegen noch keine statistischen
Unterlagen vor.
Der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni um 0,6 Prozent war der gleiche wie im April und im Mai. Die Zunahme während dieser drei Monate war etwas
geringer als in den vorangegangenen drei Monaten. Die Jahresrate der Zunahme
des Verbraucherpreis-Indexes ging von 8,6 Prozent in den ersten drei Monaten
des Jahres auf 7,4 Prozent im zweiten Quartal zurück. Diese leichte Verlangsamung der Inflationsrate war auf einen Rückgang der Inflationsrate bei den
Lebensmittelpreisen zurückzuführen, die jedoch selbst nach dem Rückgang außerordentlich hoch blieben...
Ziemlich weitverbreitet war die Zunahme der Verbraucherpreise außerhalb
des Lebensmittelsektors. Außergewöhnlich starke Zunahmen traten bei Benzin
und Gebrauchtwagen auf. Zu der Beschleunigung der Preisbewegung trugen auch
wesentlich Kleidung und Dauergüter für den Haushalt bei.
Ein wichtiges Element der Preissteigerungen in diesem Jahr war der scharfe Anstieg der Importpreise, was zum Teil auf den Weltboom und zum Teil auf
die Abwertung zurückzuführen war. Obwohl der Anteil dieses Faktors schwer zu
erfassen ist, läßt sich der Umfang aus der Tatsache ermessen, daß der Preisindex für Importe (in den Berechnungen des Bruttosozialproduktes) zwischen dem
ersten und dem zweiten Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 41 Prozent gestiegen ist. Die Preise der in den Großhandelspreisindex aufgenommenen
importierten Industriegüter stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einer Jahresrate von 39 Prozent...
Das zweite Quartal 1973 brachte eine deutliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz. Auf der Basis eines Indikators überstiegen die Exporte in diesem Quartal etwas die Importe, verglichen mit einem Importüber-

-2-

�Importüberschuß von 1,5 Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Auf der Basis
eines anderen Indikators war im zweiten Quartal 1973 noch immer ein Delizit
von rund 300 Millionen Dollar vorhanden gegenüber einem Defizit von 1,7
Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Nach den Statistiken des Bruttosozialproduktes änderten sich unsere Nettoexporte an Gütarn und Dienstleistungen
von einem Defizit auf Jahresbasis von 5,7 Milliarden Dollar vor einem Jahr
in einen Überschuß - auf Jahresbasis - von 1,7 Milliarden Dollar im zweiten
Quartal 1973. Diese BSP-Statistiken sind jedoch erst vorläufig...
Die Statistiken für das erste Halbjahr zeigen das Bild einer Wirtschaft;
mit großen Leistungen - in Produktion, im Realeinkommen, in der Beschäftigung
und in der Handelsbilanz.Es trat eine notwendige und wünschenswerte Verlangsamung der Expansionsrate ein, ohne daß jedoch irgendwelche Anzeichen von
Störungen sichtbar wurden. Die Wirtschaft kämpfte mit einem großen Inflationsproblem. Ein Element in diesem Kampf war die Anstrengung der Regierung, die
Ausgaben zu beschränken.
Im Finanzjahr 1972/73 betrugen die Bundesausgaben 246 Milliarden Dollar,
was wesentlich unter den ursprünglichen Haushaltsvoranschlägen lag. Die Zunahme des Geldumlaufs im ersten Halbjahr lag bei einer Jahresrate von rund
sechs Prozent, verglichen mit einer Jahresrate von acht Prozent im Jahre 1972.
Ende des ersten Halbjahres wurde eine Intensivierung der antiinflationären
Anstrengungen bekanntgegeben. Das System der Lohn-Preis-Kontrollen soll wesentlich verschärft werden. Eine Politik der monetären Zurückhaltung soll fortgesetzt werden. Das Ziel der Politik soll ein restriktiverer Haushaltsansatz
sein, um das Budget für das Finanzjahr 1973/74 auszugleichen. Auf diese Weise
will die Regierung versuchen, die Inflation einzudämmen und gleichzeitig den
Wohlstand des Landes aufrechtzuerhalten.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen Integration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optmistischer Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

8. August 1973

30

Inhalt

DOKUMENTATION:
Gemeinsames Kommunique des Treffens zwischen Nixon und Tanaka

•Wortlaut-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Bei der Suche nach Frieden kann es kein Moratorium geben
Von Dr. Henry Kissinger

WIRTSCHAFT:
Burns: Restriktionskurs zeitigt erste Erfolge
-Auszüge aus einer Erklärung vor dem Kongreß»
US-Wirtschaftsbeirat veröffentlicht Halbjahresbericht

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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30/1973

GEMEINSAMES KOMMUNIQUE DES TREFFENS ZWISCHEN NIXON UND TANAKA
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon und der japanische Ministerpräsident Tanaka
haben am 1. August zum Abschluß ihrer zweitägigen Gespräche folgendes gemeinsames Kommunique veröffentlicht:
"1.

Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31.Juli und am

1. August in Washington zu umfassenden und fruchtbaren Erörterungen einer
Vielzahl von Fragen beiderseitigen Interesses zusammen.
2.

Die Gespräche der beiden Staatsmänner fanden in einer Atmosphäre der Herz-

lichkeit und des Vertrauens statt, die dem Ton und Inhalt nach den umfassenden
und engen Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entsprach.
Das Treffen konzentrierte sich in erster Linie auf zahlreiche gemeinsame Zielsetzungen, die Japan wie auch die Vereinigten Staaten verfolgen, sowie die gemeinsame Verpflichtung der beiden Länder, in eine neue Ära dieser freundschaftlichen Beziehungen einzutreten. Sie unterstrichen, welchen hohen Wert sie der
bedeutenden Rolle beimessen, die jedem ihrer Länder zukommt, was die Sache
des Weltfriedens, den Wohlstand und den starken Wunsch anbetrifft, wo immer
möglich auf der Welt gemeinsam durch kooperative Bemühungen auf dieses Ziel
hinzuarbeiten.
3.

-1-

�3.

Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die Beständigkeit

der freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten, die auf einer gemeinsamen politischen Auffassung von den persönlichen Freiheiten und den offenen Gesellschaftssystemen sowie einem Gefühl
der Interdependenz beruhen. Sie betonten besonders, daß die Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern einen immer bedeutenderen globalen Aspekt haben und
einen wesentlichen Beitrag zu dem Bemühen um friedliche Beziehungen überall
auf der Welt leisten.
4.

Der Ministerpräsident und der Präsident haben ihre Befriedigung über den

anhaltenden Dialog bekundet, der seit ihrem Treffen auf Hawaii im September
1972 auf verschiedenen Ebenen über Fragen von beiderseitigem Interesse stattgefunden hat, und die Entwicklung der internationalen Situation erörtert. Sie
sprachen über den weltweiten Trend in Richtung auf Entspannung, der zum Ausdruck kommt in dem Fortschritt des Dialogs zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, den bevorstehenden Verhandlungen über die beiderseitige Reduzierung von Truppen und Rüstungen in
Mitteleuropa, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit, in Europa, der
Rückkehr der Volksrepublik China in die internationale Völkergemeinschaft und
der Unterzeichnung der Pariser Abkommen über eine Friedensregelung in Indochina.
Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Trend zur friedlichen Beilegung von
Meinungsverschiedenheiten überall auf der Welt führen werde.

5.

Der Ministerpräsident und der Präsident waren sich einig über die Notwen-

digkeit, auf dem Gebiet der internationalen Politik ständige Konsultationen
über Fragen von beiderseitigem Interesse zu führen. Sie gaben ihrer Genugtuung
über den Fortschritt Ausdruck, der auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sowie
bei der Vermeidung von Konflikten erzielt worden ist; dies schließt auch die
SALT-Abkommen und das amerikanisch-sowjetische Abkommen über die Verhinderung
eines Atomkrieges ein.
6.

�t

6.

Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Befriedigung von der

Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und der Volksrepublik China sowie der Entwicklung in Richtung auf normalere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China Kenntnis. Sie gaben ihrer starken
Hoffnung Ausdruck, daß es durch strikte Durchführung der Pariser Abkommen zu
einem stabilen und dauerhaften Frieden in Indochina kommen wird. Sie bekräftigten ihre Entschlossenheit, zum Wiederaufbau in Indochina beizutragen. Sie begrüßten die neuen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel und bekundeten
die Bereitschaft ihrer Regierungen, zur Förderung von Frieden und Stabilität
in diesem Räume beizutragen. Sie verpflichteten sich feierlich, weiterhin die
regionale Zusammenarbeit in Asien zu erleichtern, die einen wichtigen Beitrag
zur Gewährleistung eines dauerhaften Friedens überall in der Welt darstellt.
7.

Der Präsident verwies darauf, daß eine Grundsatzerklärung wünschenswert

sei als Richtlinie für die künftige Zusammenarbeit zwischen den demokratischen
Industriestaaten. Der Ministerpräsident bekundete ein positives Interesse
hieran. Der Ministerpräsident und der Präsident vereinbarten, daß Japan und
die Vereinigten Staaten enge Konsultationen hierüber führen werden, wenn die
Vorarbeiten für eine Deklaration voranschreiten, die für alle interessierten
Länder akzeptabel ist.
8.

Der Ministerpräsident und der Präsident waren sich darüber im klaren, daß

der bestehende Rahmen internationaler Beziehungen die Grundlage für den jüngsten
Trend in Richtung auf eine Verminderung der Spannungen in Asien bildete, und
bekräftigten, daß anhaltend enge und kooperative Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Rahmen des Vertrages über gegenseitige Zusammenarbeit und
Sicherheit einen wichtigen Faktor für die Erhaltung der Stabilität in Asien
bilden. Der Präsident bekräftigte die Absicht der Vereinigten Staaten, ausreichende Abschreckungsstreitkräfte in diesem Raum zu belassen. Die beiden Staatsmänner nahmen mit Befriedigung von den ständigen Bemühungen Kenntnis, die reibungslose und wirksame Durchführung des Vertrages sicherzustellen, und stimmten darin überein, daß weitere Schritte wünschenswert sind, um die Einrichtungen
und Standorte der amerikanischen Streitkräfte in Japan umzugruppieren und zu
konsolidieren.
-3-

�9.

Der Ministerpräsident und der Präsident haben in der Erkenntnis, daß der

stärkste transozeanische Handel zwischen zwei Ländern in der Geschichte der
Menschheit das Leben der Bevölkerung Japans und der Vereinigten Staaten ganz
wesentlich verbessert hat, zugesagt, sicherzustellen, daß dieser Handel weiter
zunehmen und zur Ausweitung sowie zur Prosperität der Weltwirtschaft als Ganzes
und der gesamten Beziehungen zwischen den beiden Ländern beitragen wird. Sie
befaßten sich mit Genugtuung mit den Gesprächen, die der Gemeinsame JapanischAmerikanische Ausschuß für Handel und Investitionen auf der Juli-Tagung in Tokio
geführt hat und über die der Präsident sich namens der Vereinigten Staaten erneut anerkennend äußerte. Sie sprachen über die deutliche Verbesserung der Handelsbilanz zwischen den beiden Ländern sowie über die Absicht beider Regierungen, eine Politik mit dem Ziele zu verfolgen, das Tempo dieser Verbesserungen
aufrechtzuerhalten. Sie erörterten die Förderung der Investitionen zwischen den
beiden Ländern und sprachen über die Absicht der Vereinigten Staaten, die vom
Präsidenten erneut bekräftigt wurde, alles in ihren Kräften stehende zu tun, um
Japan die erforderlichen Rohstoffe, einschließlich Agrarprodukte, zur Verfügung
zu stellen. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die auf dem
oben erwähnten Treffen erzielte Übereinstimmung, daß Japan und die Vereinigten
Staaten auf der Basis der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen mit neuen
Perspektiven bei der Ausgestaltung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen rechnen
könnten.
10.

Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen erneut die Bedeutung,

die sie einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen Verhandlungen auf den
Gebieten des Handels und der Währung beimessen. Sie bekräftigten das Ziel, einen
offenen und fairen Welthandel sowie Investitionen und ein reformiertes internationales Währungssystem zu erreichen, das den Erfordernissen einer immer
stärker voneinander abhängigen Weltwirtschaft entspricht. Sie gaben ihrer beiderseitigen Befriedigung darüber Ausdruck, daß im September in Tokio die Ministerkonferenz stattfinden soll, um die neue Runde von multilateralen Handelsverhandlungen in Gang zu setzen. Sie bekräftigten die feste Absicht ihrer Regie-

-4-

�(

Regierungen, auf der Jahrestagung des Weltwährungsfonds, die später in diesem
Monat in Nairobi stattfindet, auf ein möglichst umfassendes Abkommen über die
Prinzipien einer Währungsreform hinzuarbeiten. Sie versicherten, bei diesen
beiden Vorhaben kooperative Anstrengungen zu unternehmen, um zusammen mit den
übrigen Ländern der Welt baldige und konstruktive Ergebnisse sicherzustellen.
11.

Der Ministerpräsident und der Präsident vereinbarten, die koordinierten

Bemühungen fortzusetzen, um eine stetige Versorgung mit Energiequellen sicherzustellen, die dem schnell steigenden Bedarf ihrer Völker entspricht. In diesem Zusammenhang bekundeten sie ihre gemeinsame Absicht, gerechte und harmonische Beziehungen zu den Erdölländern aufrechtzuerhalten, die Möglichkeit zu
prüfen, ob im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) eine Vereinbarung über die Erdölverteilung in Krisenzeiten
ausgearbeitet werden kann, und den Rahmen der Zusammenarbeit für eine Erschliessung und Ausbeutung von Energiequellen sowie für die Erforschung und Entwicklung neuer Energiequellen wesentlich zu erweitern.
»

12. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die Bedeutung der
engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Regierungen, um eine stetige Versorgung mit angereichertem Uran sicherzustellen, wie auch der Zusammenarbeit bei
der notwendigen Forschung und Entwicklung. Sie vereinbarten, daß die beiden Regierungen alles in ihren Kräften stehende tun sollten, damit ein gemeinsames
japanisch-amerikanisches Programm zu diesem Zweck auf befriedigende Weise realisiert werden kann. In diesem Zusammenhang gab der Präsident bekannt, daß die
amerikanische Regierung eine Gruppe amerikanischer Firmen ermächtigt hat, mit
einem privaten japanischen Partner einen Kontrakt über die Durchführung einer
gemeinsamen Studie über die wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Faktoren abzuschließen, die beim Bau einer Anlage zui Anreicherung von Uran in
den Vereinigten Staaten, an der Japan beteiligt sein könnte, entstehen.
13.

-5-

�I
13.

Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß erweiterte Pro-

gramme für verbesserte Kommunikationen und ein besseres Verständnis von entscheidender Wichtigkeit für die Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden
Ländern sind. Der Ministerpräsident gab unter Hinweis auf die warme Aufnahme,
die die Japan-Stiftung in den Vereinigten Staaten gefunden hat, bekannt, daß
die japanische Regierung über diese Stiftung verschiedenen amerikanischen Universitäten Gelder in Höhe von 10 Millionen Dollar zur institutionellen Förderung
von Japanstudien, einschließlich der Einrichtung diesbezüglicher Lehrstühle, zur
Verfügung stellen wird. Der Präsident bekundete seine Absicht, die Unterstützung
solcher amerikanischen Projekte auf kulturellem Gebiet sowie auf dem Gebiet des
Erziehungswesens zu verstärken, die sich in der Vergangenheit als so erfolgreich
erwiesen haben, sowie den Kongreß in naher Zukunft um Bewilligung der Mittel,
die noch im GARIOA-Fondsvorhanden sind, für die Verstärkung des amerikanischjapanischen Austausches auf kulturellem Gebiet sowie dem Gebiet des Erziehungswesens zu ersuchen.

14.

Der Ministerpräsident und der Präsident gaben

ihrer Genugtuung über die

wachsende Zusammenarbeit zwischen Japan und den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet des Umweltschutzes Ausdruck. Sie würdigten die jetzt in Durchführung befindlichen kooperativen Programme, die die beiden Länder in die Lage versetzen würden, die Verschmutzung von Luft und Wasser sowie andere Umweltprobleme, unter
anderem die mit der Abwasserbeseitigung und der photochemischen Luftverschmutzung
zusammenhängenden Probleme, zu bekämpfen. Sie bekräftigten, daß solche kooperativen Programme zum Schutze der Umwelt und zur Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Verschmutzung in beiden Ländern beitragen würden.
15.

Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Befriedigung die Erfol-

ge der kooperativen Programme im medizinischen, wissenschaftlichen und technologischen Bereich zur Kenntnis, die während der letzten zehn Jahre zwischen den
beiden Ländern entwickelt wurden. Sie kamen überein, angesichts der umfassenderen

-6-

�i
umfassenderen Erfordernisse des kommenden Jahrzehnts eine Gesamtüberprüfung
der kooperativen Beziehungen auf diesen Gebieten durchzuführen.
16.

Unter Anerkennung der Tatsache, daß die Vereinten Nationen einen wichtigen

Beitrag zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit leisten und ein effektives Forum für kollektive Konsultationen darstellen,

stimmten der Minister-

präsident und der Präsident darin überein, daß Japan und die Vereinigten Staaten in vollem Umfange zusammenarbeiten sollten, um dazu beizutragen, daß die
Weltorganisation sich in einer konstruktiven Richtung bewegt. Der Präsident
brachte die Überzeugung zum Ausdruck, daß - wenn der Sicherheitsrat gemäß der
Charta der Vereinten Nationen seiner Hauptverantwortung für die Wahrung des
internationalen Friedens und der Sicherheit nachkommen solle - ein Weg gefunden werden müsse, um eine ständige Vertretung Japans im Sicherheitsrat sicherzustellen, dessen Hilfsquellen und dessen Einfluß von großer Bedeutung in weltpolitischen Fragen ist. Der Ministerpräsident brachte seine Genugtuung über
diese Erklärung zum Ausdruck.
17.

Der Präsident erneuerte die bestehende Einladung an ihre Majestäten, den

Kaiser und die Kaiserin von Japan, zu einem Besuch der Vereinigten Staaten
und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieser Besuch zu einem beiderseitig
genehmen Datum in naher Zukunft stattfinden werde. Der Ministerpräsident brachte seinen tiefempfundenen Dank für diese Einladung zum Ausdruck und übermittelte seinerseits eine Einladung der japanischen Regierung zu einem Japan-Besuch
des Präsidenten und Mrs. Nixon. Der Präsident nahm diese Einladung an und sprach
seinen herzlichen Dank für die aufrichtigen Gefühle (Japans) den Vereinigten
Staaten gegenüber aus, die durch diese Einladung symbolisiert würden. Man
hofft, daß der Japan-Besuch des Präsidenten, der auf diplomatischem Wege arrangiert werden soll, zu einem beiderseits genehmen Zeitpunkt vor Ende 1974 stattfinden wird.
18.

-7-

�I

i
18.

Der Ministerpräsident wurde von AußenministerMasayoshi Ohira, von dem

japanischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, Takeshi Yasukawa, und von
dem stellvertretenden Vizeminister für Außenpolitische Angelegenheiten, Koyohiko
Tsurumi, begleitet. Auf amerikanischer Seite nahmen ferner Außenminister William
P. Rogers, der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit,
Dr. Henry A. Kissinger, sowie der amerikanische Botschafter in Japan, Robert S.
Ingersoll, an den Gesprächen teil.

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30/1973
«

BEI DER SUCHE NACH FRIEDEN KANN ES KEIN MORATORIUM GEBEN
Von Dr. Henry Kissinger
Der Berater Präsident Nixons für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 2. August von der International Platform Association die Theodore
Roosevelt-Auszeichnung erhalten, die jedes
Jahr an den "hervorragenden Bediensteten
der amerikanischen Regierung" verliehen wird.
Der folgende Artikel basiert auf der Ansprache, die Dr. Kissinger bei der Entgegennahme der Auszeichnung gehalten hat.

Bei der Vorbereitung meiner Rede habe ich einige Zeit nach einem passenden Zitat von Theodore Roosevelt gesucht. Schließlich fand ich eines, das
eine Saite bei mir anklingen ließ, da ich einige Wochen zuvor von den jüngsten,
mir fast endlos erscheinenden Sitzungen mit Le Duc Tho (dem nordvietnamesischen Vertreter) zurückgekehrt war. Im Jahre 1905 hat Präsident Roosevelt bei
seinen Gedanken über den russisch-japanischen Krieg einem Freund anvertraut:
"Der Umgang mit Senatoren ist manchmal ein ausgezeichnetes Training für Geduld, aber Sie dürfen mir glauben, der Umgang mit diesen Friedensgesandten
ist eine noch härtere Aufgabe gewesen. Wenn man höflich und freundlich und

-1-

�und geduldig zum hundersten Male etwas erklären soll, was völlig auf der Hand
liegt, und ich doch lieber meinem Zorn Luft gemacht hätte und aufgesprungen
wäre und ihnen die Köpfe zusammengestoßen hätte - nun, ich kann nur hoffen,
daß die Selbstbeherrschung letztlich für meinen Charakter gut sein wird."
Etwas ernster formuliert enthält ein Satz aus einer Rede Roosevelts im
Jahre 1899 in Chicago im wesentlichen den Gedanken, über den ich heute mit
Ihnen sprechen möchte: "Es ist viel besser, große Dinge zu wagen, glorreiche
Triumphe zu feiern, auch wenn es gelegentlich Fehlschläge gibt, als sich in
die Reihen jener kleinen Geister einzuordnen, die sich weder stark freuen
noch stark leiden, da sie in dem grauen Zwielicht leben, das weder Sieg noch
Niederlage kennt."
Wenn die Geschichte nichts anderes lehrte, so zeigt sie doch eindeutig,
daß keine große Nation es sich leisten kann, den Moment zu verpassen, an dem
nach den Worten Teddy Roosevelts "große Dinge gewagt werden müssen." Ist die
Gelegenheit erst verpaßt, so ist sie mit allen vernünftigen Argumenten oder
Selbstrechtfertigungen nicht mehr zurückzuholen.
Die Vereinigten Staaten stehen nach meiner Auffassung vor einem solchen
historischen Moment. Dieser Moment ist für uns als Volk gekommen, nicht als
Parteigänger irgendeiner bestimmten Sache. Die Folgen eines Versagens werden
nicht von dieser Administration getragen werden muessen,sondern von ihren Nachfolgern in den kommenden Jahrzehnten - nicht von unseren heutigen Zeitgenossen,
sondern von künftigen Generationen.
In den internationalen Beziehungen unserer Nation sind in den letzten' vier
Jahren große Veränderungen zu verzeichnen gewesen.
- Wir haben den Krieg in Südostasien beendet. Wir suchen jetzt, Bedingungen
der Stabilität und der Anpassung zu schaffen, die es ermöglichen, daß der politische Wettbewerb an die Stelle des Blutvergießens und des Hasses tritt,die
seit über einer Generation Indochina zerrissen haben.
-Wir

�- Wir bauen ein neues Verhältnis zu einem alten Gegner auf - zur Volksrepublik China. Die Feindseligkeit zweier Jahrzehnte hat nachgelassen, wir nähern
uns normalen Beziehungen, und zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges
sind alle großen Nationen an dem internationalen System voll beteiligt.
- Wir haben unablässig daran gearbeitet, auf dem Varhandlungswege viele
der politischen Probleme zu lösen, die unser Verhältnis zur Sowjetunion so
strittig gestaltet und die so lange den Weltfrieden bedroht haben. Und was noch
wichtiger ist, eben dieser Prozeß der Verhandlung über einen weiten Bereich von
Fragen hat die Möglichkeit eines starken und dauerhaften gegenseitigen Interesses an Frieden und Zusammenarbeit geschaffen,
- Wir sind auf dem Wege, traditionelle Freundschaften mit unseren engsten
Freunden

und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan neu zu

beleben und zu stärken. Es ist ein Weg, der - wie wir hoffen - nicht einfach mit
einer Wiederholung bekannter Riten enden wird, sondern mit einer neuen Anerkennung der Tatsache, daß das, was eine Gemeinschaft freier Nationen eint, weit &gt;ber
die zweitrangigen Fragen hinausgeht, die uns trennen.
Wir lebten in einer Welt, die sich so an die Allgegenwart des Kalten Krieges gewöhnt hatte, daß selbst die einfachsten Routineangelegenheiten friedlicher Beziehungen zwischen Nationen im Schatten der globalen Konfrontationen abgewickelt wurden. Es gibt auch weiterhin fundamentale Probleme, aber sie
. . ' ..ich*: »Ihr

so durchdringend, daß sie den Ablauf aller internationalen Be-

ziehungen beherrschen. Die Geschichte der Nachkriegsära war eine nie endende Anstrengung, den Frieden durch Krisenbeherrschung aufrechtzuerhalten. Das Gebäude
des Friedens, das wir uns vorstellen, würde stattdessen durch eine wachsende Einsicht aller Nationen getragen, daß ihnen selbst an Stabilität liegen muß und daß
diese Stabilität gewährleistet ist, wenn man aus einem Gefühl der Gerechtigkeit
heraus und mit Mäßigung handelt. Die Welt beginnt zu begreifen, daß ihre Zielsetzungen nicht Gefangene ihrer Ängste zu sein brauchen, sondern daß diese Zielsetzungen gemäß ihren Hoffnungen und Träumen gestaltet werden können.
Aber
-3-

�Aber das sind alles nur Anfänge und keine vollendeten Tatsachen. Ob die
Schößlinge, die gesteckt worden sind, zur Reife kommen werden, wird in großem
Maße davon abhängen, wie wir uns als Nation im Laufe der nächsten Jahrzehnte verhalten werden. Und wo wir in zehn Jahren stehen werden, wird davon abhängen, was
wir heute tun, was wir nächste Woche tun und was wir in den kommenden Monaten
tun.
Unser Einfluß zum Guten oder zum Bösen wird nach dem Urteil der Welt an
unserer Beständigkeit und unserem Selbstvertrauen gemessen werden. Unsere Außenpolitik wird wenig bedeuten, wenn andere Nationen unsere Handlungen als sporadische Initiativen einer kleinen Gruppe sehen, die keine einheitliche nationale
Zielsetzung oder Übereinstimmung reflektiert* Keine Außenpolitik - so genial sie
auch sein mag - hat irgendeine Erfolgschance, wenn sie nur von dem Geiste einiger weniger und von niemandem im Herzen getragen wird.
Die Außenpolitik darf nicht zu einem Alibi oder zu einer Ablenkung von innenpolitischen Mißständen werden. Aber ebenso wenig dürfen innenpolitische Probleme als Ausrede benutzt werden, um unsere internationalen Verantwortlichkeiten
aufzugeben. Bei der Suche nach einer friedlichen Welt kann es kein Moratorium
geben. Und wenn wir dieser Suche nach Frieden nachgehen, dann müssen wir auf
die besten Köpfe unseres Landes zurückgreifen können - welcher parteipolitischen
Überzeugung sie auch sein mögen - nicht auf einer überparteilichen Basis, sondern auch einer unparteilichen Basis. Besonders in diesem Augenblick der notwen-,
digen Selbstprüfung müssen wir auch die Basis unserer nationalen Einheit bekräftigen.
Als einer, der als Flüchtling vor dem Totalitarismus in dieses Land kam,
bin ich mir ganz besonders bewußt, was Amerika noch immer für die Welt bedeuten
kann und wie ein Rückzug Amerikas aus der Welt die Menschheit der Hoffnung und
der Zielsetzung berauben würde. Darum bete ich, daß wir den Geist wiedererlangen
mögen, den Teddy Roosevelt so gut vertreten hat, und daß erneut eine Generation
von Amerikanern bereit sein wird, "sich stark zu freuen und stark zu leiden"
und gewaltige Anstrengungen in Bereichen zu unternehmen, die uns durch unsere
gemeinsamen Zielsetzungen gesteckt sind,

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30/1973

BURNS: RESTRIKTIONSKURS ZEITIGT ERSTE ERFOLGE
-Auszüge aus einer Erklärung vor dem KongreßWASHINGTON --(AD)— Der Vorsitzende des Federal Reserve Board

(die amerika-

nische Notenbank) Arthur Burns hat am 3. August vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des amerikanischen Kongresses den Restriktionskurs der Notenhank verteidigt und betont, daß diese restriktiven Maßnahmen nunmehr erste
Erfolge zu zeitigen beginnen. Die wesentlichen Teile der Ausführungen von
Burns haben folgenden Wortlaut:
"... Unser Inflationsproblem in diesem Jahr geht vorwiegend auf Ursachen
zurück, auf die die inneramerikanische Währungs-und Finanzpolitik keinen
Einfluß hat. Ein weltweiter Boom ist im Gange, der Dollar ist abgewertet worden, und sowohl bei Agrarprodukten als auch bei industriellen Grundstoffen
haben sich Verknappungen ergeben. Starke Preissteigerungen, die auf solche
Ursachen zurückgehen, lassen sich mit den üblichen Waffen der wirtschaftlichen
Stnbilisierungspolitik nicht schnell beheben...
Sowohl die Währungs- als auch die Haushaltspolitik haben im letzten Jahr
den richtigen Weg eingeschlagen. Zurückblickend scheint es jedoch, daß noch
etwas mehr Zurückhaltung hätte geübt werden sollen. Zugegeben, die Bemühungen,
das Limit der Bundesausgaben einzuhalten, waren erfolgreich. Im Gegensatz zu
den vielfach geäußerten Erwartungen ist das Ziel des Präsidenten, die Bundesauspahen unter 250 Milliarden Dollar zu halten, nicht nur erreicht, sondern

-1-

�sondern sogar noch übertroffen worden. Die tatsächlichen Haushaltsausgaben
in dem soeben abgelaufenen Finanzjahr lagen etwas unter 247 Milliarden Dollar.
Trotzdem ist ein Defizit von über 14 Milliarden Dollar immer noch sehr groß.
Es war gerade in einer Zeit rasch wachsenden

Wohlstandes besonders unange-

bracht, und es trug zur Belebung der privaten Ausgaben und zur Verstärkung
des Preisdrucks bei.
Die Währungspolitik begann im Frühjahr 1972 einen restriktiven Kurs einzuschlagen, als man es zuließ, daß der wachsende Druck auf den Finanzmärkten
sich in höheren Zinssätzen für kurzfristige Gelder niederschlug. Im Verlaufe
des Jahres zeigte sich, daß mit dem Zinsanstieg bei kurzfristigen Geldern
nicht in dem gewünschten Maße eine Mäßigung bei der Geld-und Kreditausweitung
insgesamt einherging. Der Federal Reserve Board (US- Notenjank) begann daher
im Herbst vorigen Jahres energischere Maßnahmen in Richtung auf eine restriktive Geldpolitik zu ergreifen...
Im Januar ...: billigte der Federal Reserve Board die erste einer Reihe
von Diskonterhöhungen mit dem Ziel, die Ausweitung der Reserven über den Diskont einzuschränken und die Geschäftsbanken zu einer Einschränkung der Kreditausweitung zu veranlassen. Insgesamt wurde in diesem Jahr der Diskont sechs
Mal bis auf seinen jetzigen Stand von 7 Prozent heraufgesetzt - ein Satz, den
unsere Finanzmärkte seit über 50 Jahren nicht mehr gehabt haben. Im Mai setzte
der Federal Reserve Board ferner die Mindestreserven für jede weitere Erhöhung
ausstehender großgestückelter Kassenscheine (Certificates of deposit - CD)
bei Mitgliedsbanken weiter herauf. Und der Federal Reserve Board tat noch
einen weiteren Schritt, wie es ihn meines Erachtens noch nie zuvor gegeben hat,
und ersuchte Nichtmitgliedsbanken sowie Filialen und Tochtergesellschaften
ausländischer Banken, freiwillig die den Mitgliedsbanken auferlegten Mindestreserven zu akzeptieren. Ende Juni wurden die Mindestreserven erneut heraufgesetzt - dieses Mal für Einlagen von Tagesgeldern bei Mitgliedsbanken.
Da

-2-

�J
Da diese restriktiven Maßnahmen in einer Zeit, ergriffen wurden, da die
Kreditnachfrage ungewöhnlich groß war, stiegen die Zinsen bei kurzfristigen
Papieren stark an und bei langfristigen Papieren folgten die Zinsen - wenn
auch in einem zeitlichen Abstand und in geringerem Maße. Die Rendite von
Dreimonatsschuldscheinen des Schatzamtes betrug kürzlich über 8 Prozent verglichen mit einem Satz von 5 Prozent Ende letzten Jahres und 4 Prozent zum
gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Und die Primarate für Bankkredite an erste
Adressen in der Wirtschaft ist seit dem 1. Januar von 5 3/4 auf 8 3/4 Prozent
angestiegen... Auf jeden Fall zeigen die Indikatoren..., daß unsere restriktive Politik im zweiten Quartal erste Erfolge zu zeitigen begann. Zum Beispiel ging die Jahreszuwachsrate der gesamten Bankausleihungen auf etwa
10 Prozent zurück gegenüber Zuwachsraten in den beiden vorangegangenen Quartalen von über 15 Prozent, die Zunahme der Bankkredite, vor allem der Kredite
an die Wirtschaft, verlangsamte sich wesentlich, je mehr sich die Kreditpolitik der Banken überall im Lande verschärfte.
Dies sind charakteristische Zeichen einer sich anbahnenden Zurückhaltung
auf den Geld-und Kreditmärkten, und ich rechne daher damit, daß sich die Zunahme der Versorgung mit jederzeit greifbarem Geld in naher Zukunft verlangsamen wird. Lassen Sie mich jedoch klarstellen, daß, falls die bereits vom
Federal Reserve Board ergriffenen restriktiven Maßnahmen die Geld-und Kreditexpansion nicht auf ein erträgliches Maß reduzieren!, weitere Schritte in dem
erforderlichen Umfang ergriffen werden....
Zeichen eines stärkeren fiskalischen Verantwortungsbewußtseins in den
Vereinigten Staaten würden wesentlich dazu beitragen, das Vertrauen in den
Dollar wiederherzustellen, das für die Stabilisierung der ausländischen Devisenmärkte so dringend notwendig ist. Bis Mai dieses Jahres war der durchschnittliche Dollarpreis von zehn wichtigen Währungen (der Währungen Japans,
Kanadas und acht europäischer Länder) um 20 Prozent über die Wechselkursparität angestiegen, die noch im Frühjahr 1970 galt. Ein solches Ausmaß der Neu-

-3-

�Neufestsetzung der Wechselkurse war von den Währungsbehörden allgemein als
notwendig und nützlich erachtet worden. Aber in den letzten zwei oder drei
Monaten hat die Währung unseres Landes eine weitere Abwertung hinnehmen müssen, wobei der durchschnittliche Dollarpreis der oben erwähnten zehn Währungen um 7 Prozent stieg, während sich der Dollarpreis der DM um 20 Prozent,
des französischen Franc um 10 Prozent und des Schweizer Franken um 12 Prozent erhöhte.
Diese jüngste Abwertung des Dollar läßt sich mit keiner realistischen
Bewertung des internationalen Preisniveaus oder irgendwelchen grundlegenden
Trends in unserer Wirtschaft, unserer Handels-oder unserer Zahlungsbilanz
rechtfertigen. Im Jahre 1972 hatten wir ein Handelsdefizit von fast 7 Milliarden Dollar - eine Situation, die korrigiert werden mußte und korrigiert worden ist. Im ersten Quartal dieses Jahres ging dieses Defizit auf eine Jahresrate von weniger als 4 Milliarden Dollar zurückjund im zweiten Quartal war
das Defizit praktisch verschwunden. Die Exporte werden wahrscheinlich in
den kommenden Monaten dieses Jahres und 1974 beträchtlich ansteigen, wenn sich
die Auswirkungen unserer verbesserten Wettbewerbsposition verstärken. Die
Verbesserung unserer Handelsbilanz wird daher immer größer werden, so daß
wir 1974 und 1975 zum ersten Male seit Mitte der sechziger Jahre wieder einen
beträchtlichen Handelsüberschuß haben werden.
Die kürzliche zu weit gehende Abwertung des Dollar gegenüber den kontinental-europäischen Währungen erfolgte trotz dieser günstigen Aussichten für
die Handels-und Zahlungsbilanz. Ihre Ursachen lassen sich nicht genau feststellen. Nach meinem eigenen Eindruck handelt es sich um einen Vertrauensschwund gepaart

mit einer wachsenden Furcht, daß die Inflation in den Ver-

einigten Staaten außer Kontrolle geraten sein könnte. Andere Faktoren spielten zweifellos auch eine Rolle - unter anderem die Verschärfung der Währungspolitik im Ausland,vor allem in Westdeutschland, das starke spekulative
Hochschnellen des Marktpreises für Geld, die zunehmende Ungewißheit, ob
unsere Regierung die wirtschaftlichen Probleme wirksam meistern würde, sowie wilde Gerüchte über eine weitere Dollarabwertung.
-4-

�Die unbeständige Haltung der Devisenmärkte seit Mitte Mai war für die
Währungsbehörden hier und im Ausland Anlaß zu ernster Sorge. Diese Sorge erreichte Anfang Juli einen Höhepunkt, als die Marktverhältnisse eine Zeit lang
zerrüttet waren und normale kommerzielle Transaktionen nachteilig beeinflußten.
Angesichts dieser Bedingungen und nach eingehenden Konsultationen mit den
Finanzministerien und den Vertretern anderer Länder begann der Federal Reserve
Board auf dem Devisenmarkt zu intervenieren. Wie am 18. Juli in einer vom
Federal Reserve Board und dem Finanzministerium gemeinsam herausgegebenen Erklärung betont wurde, werden auch künftig Interventionen stattfinden und zwar
zu einem Zeitpunkt und in einer Größenordnung, wie dies für die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse angebracht ist.
Vor etwas über einem Monat habe ich vor Ihrem Unterausschuß für Internationale Wirtschaftsfragen erklärt, daß ich Zweifel an der Wirksamkeit eines
allgemeinen Systems floatender Wechselkurse habe. Die Erfahrungen der letzten
Wochen haben meine Skepsis wesentlich bestärkt. Wenn wir auch nicht zu einem
System fester Wechselkurse zurückkehren sollten, wie es aus den Abkommen von
Bretton Woods hervorgegangen ist, so können wir uns aber auch nicht ein System
leisten, das einer jede Stabilität untergrabenden Spekulation ausgesetzt ist,
wie wir dies kürzlich erlebt haben.
Ein Hauptziel derzeitiger Verhandlungen über Währungs-und Handelsbeziehungen ist es, ein Wechselkurssystem zu entwickeln und einzuführen, das solche
Extreme vermeidet. Aber wir werden keinen Erfolg bei der Verwirklichung solcher Währungsvereinbarungen, unter denen internationaler Handel und internationale Investitionen wirklich gedeihen können, haben, wenn nicht hier und im
Ausland Maßnahmen ergriffen werden, um den fast chaotischen inflationistischen
Bedingungen ein Ende zu machen, die gegenwärtig in weiten Teilen der Welt bestehen.
Die

�Die vor uns liegenden binnenwirtschaftlichen und internationalen Aufgaben sind schwierig, aber sie lassen sich bewältigen. Sie müssen in der
richtigen Perspektive gesehen werden. Unser Land erfreut sich eines hohen
Wohlstandes. Aber es ist ein verderblicher und freudloser Wohlstand, und
dies wird weiter so bleiben, bis wir die Inflation wirklich unter Kontrolle
gebracht haben. Wir können dies nicht erreichen, bevor wir nicht finanziell
unser Haus in Ordnung gebracht haben. Ein wesentlicher Schritt in dieser
Richtung wäre getan, wenn der Kongreß dieses Jahr Vorschläge für eine Haushaltsreform verabschieden würde, wie sie kürzlich von dem Gemeinsamen Ausschuß zum Studium einer Haushaltskontrolle vorgelegt worden sind. Sein einstimmig angenommener Bericht spricht sich dafür aus, daß jedes Jahr ein
Ausgabenlimit gesetzlich festgelegt wird, das in einem organischen Zusammenhang zu den Einnahmen der Bundesregierung und der Einzelstaaten sowie
der Wirtschaftslage steht. Er verdient die volle Unterstützung dieses hohen
Ausschusses."
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30/1973

US-WIRTSCHAFTSBETRAT VERÖFFENTLICHT HALBJAHRESBERICHT

WASHINGTON -«•''AD)— Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons hat in seinem am
1. August veröffentlichten Halbjahresbericht an den amerikanischen Kongreß
eine deutliche Verbesserung auf zahlreichen Wirtschaftssektoren festgestellt,
"Die meisten Komponenten der amerikanischen Zahlungsbilanz", so heißt
es in dem Bericht, "zeigten im 1, Halbjahr 1973 eine wesentliche Verbesserung. Das Defizit in der amerikanischen Warenbilanz ging von 1,7 Milliarden Dollar im 4. Quartal 1972 ... auf praktisch null im 2 Quartal 1973 zurück. Bei Gütern und Dienstleistungen . ,. dürfte die Bilanz im 2. Quartal
1973 wahrscheinlich einen beträchtlichen Überschuß ausweisen."
Der Bericht weist weiter auf die neue Politik zur Stärkung der antiinflationistischen Maßnahmen hin, die aus drei Hauptelementen bestehen, Diese
sind einmal Zurückhaltung bei den Haushaltsausgaben, die sich in dem angestrebten Ziel eines ausgeglichenen Haushalts für das laufende Finanzjahr niederschlägt, eine gemäßigte monetäre Politik sowie ein schärferes, aber selektives und nur vorübergehendes Kontrollprogramm für Preise und Löhne.
Nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates haben vor allem sieben Faktoren zu
der hohen Inflationsrate im 1- Halbjahr 1973 beigetragen, die aber nur vorübergehender Natur seien. So rechnet der Beirat nicht mit einem weiter anhaltenden Rückgang der Agrarerzeugung, sonder vielmehr mit ihrer erneuten

~1-

�erneuten Zunahme. Auch der Dollarkurs wird nach Auffassung des Beirats nicht
weiter nachgeben, sondern eher wieder anziehen. Es wird nicht erwartet, daß
die gegenwärtige Inflationsrate in den übrigen Ländern unverändert anhält.
In der Privatwirtschaft - ohne Landwirtschaft - rechnet der Beirat mit einer
jährlichen Zunahme der Produktivität von nur 2,3 Prozent. Die in den letzten
18 Monaten verzeichnete monetäre Expansionsrate wird sich nach Auffassung
des Beirats nicht weiter fortsetzen. Bei einer klugen fiskalischen und monetären Politik hält es der Beirat durchaus für möglich, daß eine angemessene
Preisstabilität ohne irgendwelche Preis-und Lohnkontrollen erreicht werden
kann. Allerdings warnt der Beirat, daß in den kommenden Monaten weiterhin eine
starke Tendenz zu Preisanhebungen bestehen werde und es sich zur Zeit noch
nicht absehen lasse, wie lange diese Tendenz anhalten und wie stark sie sein
werde. Es sei versucht worden, der Bevölkerung klar zu machen, daß es weder
möglich noch wünschenswert ist, alle diese potentiellen Preiserhöhungen zu
unterdrücken. Doch sei es möglich und wünschenswert, sie zu verlangsamen und
herabzudrücken.
Der Beirat hält die Inflation weiterhin für "das große wirtschaftliche
Problem". Allerdings gebe es nur wenig Anzeichen dafür, daß die bisherige Inflation zu einer Schwächung der Wirtschaft geführt habe. Der Beirat weist in
diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Beschäftigtenzahl in den USA vom 4

Qu

tal 1972 bis zum 2. Quartal 1973 um rund 1,6 Millionen gestiegen ist.
Nach Ansicht des Beirats wird sich die Zuwachsrate der realen Gütererzeugung von - auf Jahresbasis - 5,6 Prozent im 1. Halbjahr 1973 allmählich verlangsamen. Gleichzeitig werde die Arbeitslosenrate unter den im Juni verzeichneten Stand von 4,8 Prozent absinken. Angestrebt werde eine Situation, in der
die Zunahme der realen Gütererzeugung etwa der normalen Wachstumsrate entspreche. Dieses angestrebte Ziel von 4,5 Prozent per annum werde voraussichtlich
1974 erreicht werden können.
-H-f

2-

�</text>
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T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer

15. August 1973

31

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:

Eine einflußreiche Stimme im amerikanischen Kongreß
-Interview mit Senator Jacob Javits aus New YorkDas neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz
-Gesicherte Ertrags-und EinkommensteigerungVon John J. Harter

INFORMATION:
"Moderne Krankenhausausrüstungen"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

WIRTSCHAFT:
Rückgang der Ernteerwartungen in USA läßt an Exportkontrollen denken
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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31/1973

EINE EINFLUSSREICHE STIMME IM AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Interview mit Senator Jacob J a v i t s

a u s New York -

Der r e p u b l i k a n i s c h e S e n a t o r J a c o b J a v i t s
a u s New York g e h ö r t z u d e n e i n f l u ß r e i c h s t e n
P e r s ö n l i c h k e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Kongreß
und i s t M i t g l i e d d e s w i c h t i g e n A u ß e n p o l i t i s c h e n Ausschusses des Senats. J a v i t s
s t u d i e r t e J u r a , w a r im z w e i t e n W e l t k r i e g
S o l d a t a u f dem e u r o p ä i s c h e n u n d dem p a z i f i s c h e n K r i e g s s c h a u p l a t z , w a r dann Gen e r a l s t a a t s a n w a l t d e s S t a a t e s New Y o r k ,
den e r a c h t J a h r e l a n g im R e p r ä s e n t a n t e n h a u s u n d dann a b 1956 a l s S e n a t o r v e r t r a t .
E r w i r d zum l i b e r a l e n F l ü g e l s e i n e r P a r t e i
g e r e c h n e t u n d h a t i n dem f o l g e n d e n I n t e r v i e w
m i t u n s e r e m I P S - K o r r e s p o n d e n t e n B a r r y Brown
s e i n e Auffassungen zu wichtigen w e l t p o l i t i s c h e n Fragen d a r g e l e g t .

Die "War Powers B i l l "

Frage: Senator J a v i t s ,

v i e l l e i c h t dürfen w i r u n s e r Gespräch m i t einem

Thema b e g i n n e n , m i t dem S i e , w i e i c h w e i ß , e n g v e r t r a u t s i n d , ü b e r d a s a l l e r d i n g s i n u n s e r e m Lande i n l e t z t e r Z e i t mehr a l s e i n e i n n e n p o l i t i s c h e F r a g e g e sprochen wird,

u n d zwar im Zusammenhang m i t dem K r ä f t e v e r h ä l t n i s

und d e r E x e k u t i v e im a m e r i k a n i s c h e n R e g i e r u n g s s y s t e m .

der Legislative

I c h meine d i e s o g e n a n n t e

"War Powers B i l l " . Wie s o l l t e man d a s n a c h I h r e r A u f f a s s u n g im A u s l a n d v e r -

-

1-

�verstehen? (Dem amerikanischen Kongreß liegen zwei Gesetzesentwürfe vor, die
sich ausdrücklich mit dem verfassungsmäßigen Recht des Präsidenten als "Oberster
Befehlshaber der Streitkräfte", und dem Recht des Kongresses "Armeen aufzustellen" und "Krieg zu erklären", befassen und eine eindeutige juristische
Klärung und Abgrenzung dieser Rechte, der "War Power", versuchen. Eine dieser
Vorlagen, nämlich die im Senat, wurde von Senator Javits - zum ersten Mal am
15. Juni 1970 - zusammen mit 60 anderen Senatoren eingebracht. Keine dieser
beiden Vorlagen ist bisher endgültig verabschiedet worden.)

Antwort: Ich meine, das sollte als eine Bekräftigung der amerikanischen
Verpflichtung angesehen werden, wenn eine solche Verpflichtung tatsächlich
eingegangen worden ist - es sollte keineswegs als ein Mittel betrachtet werden,
die amerikanische Position zu schwächen. Was wir in der "War Powers Bill" sagen,
ist, daß der Präsident zur Erfüllung einer Verpflichtung der Vereinigten Staaten
nur mit Zustimmung des Kongresses in den Krieg ziehen darf. Das bedeutet nämlich
nichts anderes, - wenn es erst einmal geschehen ist - als daß das ganze Land
engagiert ist. Wenn der Präsident aus seiner eigenen Vollmacht heraus in den
Krieg zieht - wie er dies in Vietnam sehr stark getan hat - dann ist das Ergebnis

Spaltung, eine Tendenz zur Zurückhaltung, die Unfähigkeit zu einer Ge-

samtanstrengung - alles Schwächen, die unsere Führung des Vietnam-Krieges gekennzeichnet haben. Vom Standpunkt anderer Nationen aus gesehen wären diese
also besser daran - viel besser daran - wenn die Vereinigten Staaten unter dem
"War Powers Act" operierten. Sie, die anderen, wüßten, daß wir, wenn wir einmal
in den Krieg ziehen, um eine nationale Verpflichtung einzulösen, ohne Einschränkung bis zum Ende gehen würden, weil die effektive politische Führung des amerikanischen Volkes geschlossen hinter einem solchen Kurs stehen würde.

Frage: Sie würden also die von Ihnen vorgeschlagene Gesetzgebung in keiner
Weise als einen Ausdruck des Neoisolationismus betrachten?

Antwort: Im Gegenteil, sie versucht die Vereinigten Staaten in die Lage
zu versetzen, das Übel anzupacken - unseren Verantwortlichkeiten in der Welt
als Nation total nachzukommen. Man kann eine solche Politik nicht dadurch verfolgen, daß man nur den Präsidenten den Kopf hinhalten läßt.
Entspannung
- 2-

�- Entspannung und Sicherheit -

Frage: Wird die Stabilität der amerikanischen Position, die Ihrer Ansicht
nach durch die von Ihnen befürwortete Gesetzgebung unterstrichen wird, durch
die Entspannungsatmosphäre geschwächt oder gefährdet?

Antwort: Die Entspannung ist meiner Auffassung nach gut, j* überaus
wünschenswert, da man durch sie lernt, mit Völkern zu sprechen, deren Ideoloqie
wir nicht teilen. Natürlich haben wir eine andere Ideologie als die Völker der
Volksrepublik China oder der Sowjetunion, und sie haben eine andere als wir.
Aber alle Völker der Welt haben doch ein gemeinsames Interesse an ihrer gemeinsamen Zukunft, was den Bereich der Wirtschaft, der Umwelt und der Gesellschaft
angeht. Wir müssen diese gemeinsamen Interessen erkennen, damit die Gefahr eines
Konfliktes geringer wird. Insofern befürworte ich nachdrücklich eine Entspannung.
Eine Entspannung bedeutet jedoch nicht, daß wir darüber die Bestrebungen
solcher Nationen oder den Druck vergessen, unter dem sie operieren. Im Falle der
Sowjetunion ist deren Motivation in erster Linie ideologisch bedingt; die Sowjets
sind immer noch der Meinung, daß die Welt kommunistisch sein sollte, daß das Ergebnis dann eine bessere Welt wäre. Wir sind diametral anderer Meinung. Die
Volksrepublik China hat ein gewaltiges Menschenpotential ; sie muß irgendetwas
mit sich selbst anfangen. Derartige Realitäten müssen wir in Rechnung stellen.

vir müssen also weiterhin einige notwendige Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Trotz unserer Hoffnungen gibt es immer noch keine Instrumente für eine Herrschaft des Rechtes statt einer Herrschaft der Gewalt in der Welt - nicht in
den Vereinten Mationen und auch nicht in irgendeinem anderen Forum. Solange
sich kein solcher Wandel vollzogen hat, müssen wir sicherstellen, daß Ach keine
Bedingungen entwickeln, die irgendeinen aggressiven Politiker verführen könnten,
sein Land in eine Aggression zu führen. Daher bin ich der Ansicht, daß das Bemühen um Sicherheit ein notwendiger Faktor der Entspannung bleibt, und dies
bedingt eine angemessene und ausreichende Verteidigungsposition. Die Hauptverteidigungsorganisation, der wir angehören, nämlich die NATO, gewinnt dadurch
besondere 3edeutung.
Die

�- Die amerikanische T r u p p e n s t ä r k e i n Europa F r a g e : Damit kommen w i r zu der Frage der A u f r e c h t e r h a l t u n g der amerikanischen Truppenstärke i n Europa. Man weiß, daß Sie auch i n d i e s e r Kontroverse
e i n e führende Rolle s p i e l e n . Könnten S i e I h r e Ansicht zu diesem Thema d a r legen?

Antwort: Es g e h t n i c h t darum, ob e i n S o l d a t oder g a r 10 000 S o l d a t e n aus
dem amerikanischen NATO-Kontingent abgezogen werden oder n i c h t , sondern es
geht vielmehr darum, daß d i e Größenordnung d e r amerikanischen S t r e i t k r ä f t e

in

Europa - rund 300 000 S o l d a t e n - 4 1/2 Divisionen - n i c h t r e d u z i e r t w i r d .
Meiner Meinung nach i s t d i e s zum gegenwärtigen Z e i t p u n k t aus zwei Gründen von
e n t s c h e i d e n d e r Bedeutung.

E r s t e n s , und das habe i c h b e r e i t s erwähnt, darf gerade i n e i n e r Z e i t der
Entspannung niemand zu dem Gedanken v e r l e i t e t werden, daß durch p o l i t i s c h e n
o d e r m i l i t ä r i s c h e n Druck mehr e r r e i c h t werden könnte a l s durch e i n e F o r t s e t z u n g
des Entspannungsprozesses. Der zweite Grund - und d i e s e r e r g i b t s i c h aus dem
e r s t e n - i s t , daß gerade d i e Russen am meisten wünschen, daß w i r w e i t e r h i n
Truppen i n Deutschland s t a t i o n i e r t haben, u n g e a c h t e t der Art und Weise, wie
s i e dagegen w e t t e r n . Wenn w i r nämlich d i e s e Truppen d o r t n i c h t

unterhielten,

dann wissen s i e , daß d i e s nur e i n e s t ä r k e r e deutsche Rüstung bedeuten würde,
und davor haben s i e mehr Angst a l s vor i r g e n d etwas anderem. Wir s i n d immerhin
e i n e Supermacht, mit d e r d i e Sowjetunion auf g l e i c h e r Ebene u n t e r g l e i c h e n Bedingungen v e r h a n d e l t . Unsere Präsenz macht es für s i e weniger notwendig,

sich

mit i h r e n f e s t g e f a h r e n e n V o r s t e l l u n g e n h i n s i c h t l i c h e i n e s deutschen Revanchismus
auseinanderzusetzen.
Würden wir unsere Truppen heute aus Europa a b z i e h e n , dann würde d i e s

ferner

b e d e u t e n , daß d i e Russen an einem Abkommen über e i n e b e i d e r s e i t i g e und ausgewogene Truppenreduzierung d e s i n t e r e s s i e r t würden. Darüber h i n a u s würde d i e s d i e
meisten w e s t e u r o p ä i s c h e n Länder dazu ermutigen, e i n e e r n s t h a f t e k o l l e k t i v e Vert e i d i g u n g s p o s i t i o n aufzugeben. Das i s t t r a u r i g , aber wahr und ich b i n f e s t davon ü b e r z e u g t .
Nun

�Nun können wir uns allerdings die zusätzliche Devisenlast nicht leisten,
und wir sollten sie auch nicht tragen - etwa eineinhalb Milliarden Dollar im
Jahr für die Stationierung unserer Truppen in Europa - zu einem Zeitpunkt, da
wir hinsichtlich unserer internationalen Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten
sind. Die Lösung sollte also darin bestehen, daß Europa die Devisenkosten für
unsere Präsenz in Europa und für unser Verbleiben dort bezahlt, und zwar in
einer Stärke, die der heutigen allgemeinen Größenordnung entspricht.

- Entspannung und Ideologie -

Frage: Sie haben von den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen gesprochen. Ferner wird im Rahmen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa verhandelt. Können Sie uns Ihren Standpunkt hinsichtlich der amerikanischen Position bei diesen parallel laufenden
Gesprächen darlegen?

Antwort: Hier ist es wichtig, daß wir darauf bestehen, daß jedes sich aus
diesen Verhandlungen ergebende Abkommen spezifische Bestimmungen beinhalten muß,
die den freien Austausch von Menschen und Ideen zwischen Ost und West fördern;
wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sowjetunion die Konferenz einfach dazu
benutzt, die Spaltung Europas zu bestätigen. Die einzige Gewähr, die wir dafür
haben können, daß die Russen ihre Macht nicht konsolidieren und eine aggressive
Präsenz in Mitteleuropa fortsetzen - daß sie beispielsweise nicht massive
Streitkräfte wieder direkt an die Grenzen Westdeutschlands zurückverlegen -,
besteht darin, daß wir die Möglichkeit haben, uns darüber zu informieren. Es
muß einfach einen Fluß an Wissen und Informationen sowie einen Austausch von
Ideen geben statt einer absoluten geschlossenen Gesellschaft.

Der einzige Grund für uns, den Russen einen gewissen Zugang zu unserer
eigenen Wirtschaft zu gewähren, und zwar im Rahmen der Weizenverkaufe und der
vorgeschlagenen industriell en Vorhaben, besteht darin, ihnen die Vorstellung zu
vermitteln, daß sie in dieser Welt leben können, daß die Außenwelt der Sowjetunion nicht verhärtet gegenübersteht. Die einzige Möglichkeit, ihnen dies ver-

�verständlich zu machen, besteht darin, daß wir irgendwie mit ihnen in Kontakt
kommen und daß wir sie in Kontakt mit uns bringen. Wir brauchen einen offenen
Austausch von Menschen und Ideen und Gütern, wobei das eine so wichtig ist
wie das andere.

Sollten die Russen meinen, der einzige Grund dafür, daß wir an einem
Handel mit ihnen interessiert sind, seien die Dollar, um die es geht, dann
irren sie sich sehr. Wir sind jahrelang hervorragend ohne irgend einen Handel
mit der Sowjetunion ausgekommen, und das könnte jederzeit wieder der Fall sein.
Der einzige Grund, warum wir Handel treiben, ist, daß dies Teil des dreifachen
Prozesses ist, Geist und Chancen der Völker zu erschließen und ihnen Zugang
zu unseren Waren zu vermitteln.

Frage: Besteht hier nicht eine gewisse Ungereimtheit zwischen der Vorstellung, daß eine offenere sowjetische Gesellschaft erreicht werden kann,
und dem Festhalten der Sowjetunion an der Tatsache - aus der Sicht der Sowjets daß es keine Koexistenz im ideologischen Bereich geben kann?

Antwort: Das ist sicherlich der Fall. Das ist eine völlige Widersinnigkeit, ein völliges Paradox, eine völlige Gabelung, aber dies bedeutet nicht,
daß wir nicht versuchen müßten, diese Barriere niederzureißen, daß wir darangehen müssen, jeden sichtbar werdenden Fortschritt zu nutzen. Wenn wir aufgeben und zu der Ansicht gelangen würden, die einzige Möglichkeit zur Beendigung
des ideologischen Antagonismus sei eine nukleare Vernichtung, dann könnten wir
genau so gut gleich Selbstmord begehen. Niemand ist dieser Ansicht, weder wir
noch die Russen. Die einzige pragmatische Methode, zu tatsächlichen Abkommen
zu gelangen und zu sehen, wie sie funktionieren - wobei man sich immer vor
Augen halten muß, daß man nicht einfach die Hände in den Schoß legen und das
beste hoffen kann - ist daher die Methode, die wir anwenden, und meiner Meinung
nach ist das eine gesunde Methode.

China

�- China und Japan i n der Atmsophäre der Entspannung Frage: Lassen Sie uns einen Augenblick auf die andere S e i t e der Welt
gehen. S i e haben auf die Tatsache hingewiesen, daß d i e Volksrepublik China
s i c h e b e n f a l l s an der Schaffung e i n e r Atmsophäre der Entspannung b e t e i l i g t .
Sie haben schon vor l a n g e r Z e i t e i n e Änderung d e r amerikanischen P o l i t i k
gegenüber China b e f ü r w o r t e t ,

n i c h t wahr?

Antwort: J a , schon s e h r früh. Ich g l a u b e , daß d i e s e i n e gesunde P o l i t i k
i s t . Man kann n i c h t einfach an 800 Millionen Menschen i n der Welt - etwa 20
b i s 25 Prozent d e r Weltbevölkerung - vorbeigehen, und es g i b t auch keinen Grund,
d i e s zu t u n . Die Chinesen s i n d e i n s e h r p r o d u k t i v e s Volk, e i n a l t e s Volk mit
e i n e r großen T r a d i t i o n . Wir können mit ihnen leben und w i r wünschen mit ihnen
zu l e b e n , und am b e s t e n können wir d a s , wenn w i r p r a k t i z i e r e n , was w i r p r e d i g e n .
Wir sagen, daß die M ö g l i c h k e i t , d i e Menschen zu einem Leben i n Frieden und z u r
g e g e n s e i t i g e n H i l f e i n der Entwicklung zu v e r a n l a s s e n , d a r i n b e s t e h t , s i e durch
den Austausch von Ideen und Gütern aufgeschlossen zu machen. Nun, wenn w i r das
sagen, dann s o l l t e n w i r das auch p r a k t i z i e r e n , wenn s i e uns d i e Möglichkeit dazu
geben. Und genau darüber verhandeln wir im Augenblick. Deshalb b i n i c h s t o l z
darauf, daß i c h b e r e i t s i n den J a h r e n 1969 und 1970 dafür e i n t r a t , daß d i e Vere i n i g t e n S t a a t e n s i c h dem Gedanken a u f s c h l i e ß e n s o l l t e n , b e s s e r e Beziehungen zu
der Volksrepublik China h e r z u s t e l l e n .
Frage: Ich nehme an, daß Sie g l e i c h z e i t i g anerkennen, daß das Bündnis mit
Japan genau so w i c h t i g i s t wie das NATO-Bündnis?
Antwort: Ohne jede Frage und aus dem g l e i c h e n P r i n z i p h e r a u s . Japan i s t
d i e p r o d u k t i v s t e Nation im O s t e n , was die T e c h n o l o g i e , d i e P r o d u k t i v i t ä t

seiner

W i r t s c h a f t und die A k t i v i t ä t s e i n e r Bevölkerung angeht. Die J a p a n e r haben ebenf a l l s e i n e t o t a l i t ä r e T r a d i t i o n , aber s e l b s t die T a t s a c h e , daß w i r im zweiten
Weltkrieg Feinde waren, was niemand vergessen kann, darf n i c h t v e r h i n d e r n ,

daß

Amerikaner und J a p a n e r gemeinsam für e i n e b e s s e r e Welt e i n t r e t e n . Wir können
mit einem so großen und e f f e k t i v e n Volk n i c h t i n einem k o n s t a n t e n Zustand der
F e i n d s e l i g k e i t leben. Die J a p a n e r können e i n e überaus w i c h t i g e Rolle b e i der Be-

7 -

�1
Befreiung Asiens von jahrhundertealten Übeln, Krankheiten und Armut s p i e l e n ,
und Japan kann auch wesentlich dazu beitragen, China zu helfen, weil es ihm
w i r t s c h a f t l i c h weit voraus i s t .
Ich erachte daher den gemeinsamen Sicherheitsvertrag mit Japan immer noch
als sehr wichtig - und in unterschiedlichem Ausmaß i s t dies auch der F a l l mit
unseren anderen Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit den Philippinen, mit
Australien und Neuseeland, mit Thailand usw. haben. Selbst was unser Verhältnis
zu Formosa a n b e t r i f f t , so schwierig dieses auch sein mag, so müssen wir doch
die Tatsache respektieren, daß dort 12 Millionen Menschen leben, die s e l b s t
bestimmen s o l l t e n , wie sie r e g i e r t werden wollen, und deren Zukunft nicht
durch Gewalt bestimmt werden darf.
Das a l l e s sind schwierige Probleme, aber ich bin der Meinung, daß wir
dabei sind, s i e weitaus i n t e l l i g e n t e r zu lösen, als dies jemals in unserer
Nachkriegsgeschichte der Fall gewesen wäre.

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31/1973

DAS NEUE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFTSGESETZ
-Gesicherte Ertrags- und EinkommensteigerungVon John J.Harter

WASHINGTON -«.(AD)— Das neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz, stellt in
Form und Inhalt eine bedeutsame Wende dar. Angesichts der weltweiten Verknappung an landwirtschaftlichen Erzeugnissen - vor allem an Futtergetreide und Naturfasern - wird der amerikanische Farmer ermutigt, die Produktion zu steigern, ohne dabei fürchten zu müssen, daß sein Einkommen wesentlich zurückgeht.
Das von Präsident Nixon am 10. August unterzeichnete neue Gesetz
- der "Agriculture and Consumer Protection Act of 1973"- ist von vorneherein
auf eine vierjährige Geltungsdauer abgestellt und wird für die Ernte 1974
ebenso verbindlich sein wie für die Ernte 1977.
Zunächst soll das Gesetz den Anbau von Weizen, Futtergetreide und
Baumwolle fördern. Der Anbauanreiz soll vor allem von den Marktpreisen ausgehen, jedoch sind bestimmte Sicherheitsklauseln eingebaut,die den Farmer
vor einem Preisverfall auf den Weltmärkten schützen sollen. Dabei wird die
maximale Ausgleichszahlung pro Farmer und Erntejahr jedoch auf 20 000 Dollar

-1-

�Dollar . gegenüber 55 000 Dollar in dem am 31. Dezember dieses Jahres auslaufenden Gesetz - festgelegt.
Für die Ernte 1974 und 1975 sind bereits Preisgarantien vorgesehen, die
jedoch beträchtlich unter den gegenwärtigen Weltmarktpreisen für Weizen,
Mais und Baumwolle liegen. Für die Ernten 1976 und 1977 sind bestimmte Faktoren für eine Erhöhung der garantierten Mindesterlöse eingebaut. So wird
der Garantiepreis 1976 von dem Garantiepreis 1975 plus den in dem Jahr angestiegenen landwirtschaftlichen Betriebskosten ausgehen und dazu entsprechend den jeweiligen Hektarerträgen eingependelt werden. Eine ähnliche Anpassung wird dann für 1976 vorgenommen werden.
Der amerikanische Landwirtschaftsminister Earl L. Butz sprach von einem
"historischen Wendepunkt" der amerikanischen Landwirtschaftspolitik, da
nach vierzig Jahren der Einschränkung und Schrumpfung wieder auf Expansion
umgeschaltet werde, um der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten
und in der Welt nachkommen zu können. Butz versicherte in diesem Zusammenhang, daß die Nixon-Administration auch weiterhin an einer liberalen Handelspolitik festhalten wolle. Er, Butz, sei überzeugt, daß die amerikanische Landwirtschaft der erhöhten Nachfrage gerecht werden könne. Er räumte ein, daß
ein wachsender Druck festzustellen sei, jedoch wird von anderen amerikanischen
Regierungsvertretern die Ansicht geäußert, daß das neue Gesetz eine Erhöhung
der landwirtschaftlichen Anbaufläche um zwei bis drei Prozent mit sich bringen werde.
Prinzipiell soll der Einfluß der Regierung auf die Landwirtschaft
- außer durch bestimmte Garantien und Anreize - so klein wie möglich gehalten
werden. Der einzelne Farmer soll ermutigt werden, das anzubauen, was nach
seiner Ansicht entsprechend der Leistungsfähigkeit seines Betriebes und der
Marktlage den höchsten wirtschaftlichen Ertrag bringt. Nur wenn die Preise
unter die gesetzlichen Richtpreise fallen, erhält der Farmer einen Ausgleich;

�Ausgleich; direkte Subventionen für unzureichende Ernteerträge - außer
bei katastrophalen Mißernten - sollen praktisch gestrichen werden. Landwirtschaftsminister Butz rechnet damit, daß die Ausgleichszahlungen der Regierung im Jahre 1974 unter 500 Millionen Dollar liegen werden - verglichen
mit Subventionen in Höhe von rund vier Milliarden Dollar im Jahre 1972.
Präsident Nixon hat in einer Erklärung anläßlich der Unterzeichnung
des Gesetzes dieses als einen "realistischen Kompromiß" zwischen den Auffassungen des Kongresses und denen der Administration bezeichnet. Die Verteilung von Lebensmitteln für Sozialfürsorgeempfänger, die von dem vorigen
Gesetz in verstärktem Maße übernommen worden ist, stößt beim Präsidenten
auf wenig Gegenliebe. Nach seiner Auffassung solle Unterstützung in Barund nicht in Sachleistungen erfolgen,und er wird in Kürze dazu eine neue
Vorlage unterbreiten.
Ebenso ist Landwirtschaftsminister Butz über die fünfprozentige Anhebung der Subventionen für Molkereiprodukte nicht begeistert. Allerdings
sieht das neue Gesetz eine Sonderstudie über den Einfluß erhöhter Einfuhren
von Molkereierzeugnissen auf die amerikanische Milchwirtschaft vor. Die
Subventionen für das laufende und das am 1. April 1974 beginnende Marktjähr
entsprechen dem gegenwärtigen Preisniveau und sollen die ausreichende Versorgung des amerikanischen Verbrauchers mit Molkereierzeugnissen sicherstellen.
Andere wichtige Aspekte des neuen Gesetzes sind eine umfassende Zählung
in der amerikanischen Landwirtschaft im Jahre 1974; ein Anreiz für private
Forstbetriebe zur stärkeren Aufforstung und eine verstärkte Exportförderung
für private Betriebe durch das Landwirtschaftsministerium. In diesem Zusammenhang müssen alle Exporteure von Weizen, Futtergetreide, Ölsaaten,
Baumwolle und bestimmten anderen Erzeugnissen dem Landwirtschaftsministerium
wöchentlich einen detaillierten Bericht über alle Exportverkäufe unterbreiten.
Das

�Das Gesetz ist - wie gesagt - ein Kompromiß, aber per Saldo sieht es,
wie Präsident Nixon erklärte, vor, "daß der Farmer den größten Teil seines
Einkommens auf dem Markt verdient.... Da die Auslands-und Binnenmärkte für
landwirtschaftliche Erzeugnisse expandieren, wird der amerikanische Steuerzahler der direkte Nutznießer dieser neuen Programme sein. Dieses neue Gesetz ist gut für den Verbraucher, gut für unsere wachsende Binnenwirtschaft
und nützlich für unseren Außenhandel."

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"MODERNE KRANKENHAUSAUSRÜSTUNGEN"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

--(AD)— Rund 25 amerikanische Hersteller zeigen vom 17.-21. September
1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet modernisierter und automatisierter Krankenhausausrüstungen.
Unter anderem werden Spezialeinrichtungen für folgende Sachgebiete zu
sehen sein:
Integrierte EDV-Systeme mit Peripherieeinrichtungen, darunter medizinische Datenbanken, Einrichtungen für die strahlentherapeutische Behandlung, rechnerunterstützte Dosimetrie, Datenverarbeitung bei der Herzkathe".irisierung

sowie Einrichtungen für die chirurgische Patientenüberwachung.

Ferner wird ein automatisiertes Testsystem für phyisi©logische Profile und
Anamnese einschließlich Datenspeicherung, -Verarbeitung und -ausdrucker
vorgestellt.
Moderne Behandlungseinrichtungen umfassen u.a. Spezialkrankenbetten
mit elektrischer Verstellmöglichkeit, tragbare Wiederbelebungsgeräte, elektrische Sedativsysteme zum drogenfreien Schlaf sowie diverse Rehabilitationseinrichtungen.

»
Aus

-1-

�Aus dem medizinischen und chirurgischen Bereich werden neben vielen anderen Produkten batteriegespeiste Leuchten und Instrumente für den Einmalgebrauch, Faseroptikleuchten und pneumatische Instrumente für die Mikrochirurgie zu sehen sein. Fernerhin sind Tucherzeugnisse aus nicht-gewebten, vernetzten, natürlichen oder künstlichen Fasern,einlagig oder laminiert,zu
erwähnen.
80 7o der Firmen sind zum ersten Mal auf dem deutschen oder europäischen
Markt und daher besonders interessiert an Verbindungen zu Lizenznehmern bezw.
Vertriebsgesellschaften.
Wegen des zu erwartenden Interesses wird das gleichzeitig mit der Ausstellung stattfindende Symposium von zwei auf drei Tage (18.,19.,20. September) erweitert.

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RÜCKGANG DER ERNTEERWARTUNGEN IN USA LÄSST AN EXPORTKONTROLLEN DENKEN
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

WASHINGTON — ( A D ) — Nachdem die diesjährigen Ernteerwartungen in den Vereinigten Staaten offensichtlich geringer sind als noch im vorigen Monat angenommen, räumt man in amtlichen Kreisen in Washington ein, daß die Möglichkeit der Einführung von Exportkontrollen für Getreide zumindest "geprüft"
wird, um dem starken Preisauftrieb zu begegnen.
Obwohl der Rückgang der geschätzten landwirtschaftlichen Erträge nicht
allzu groß ist und die Gesamternte bei den meisten Getreidearten sogar über
den Rekorderträgen des Vorjahres liegt, ist doch bereits ein Druck auf die
ohnehin knappe Versorgungslage zu spüren.
Zuständige Stellen in Washington erklären ohne Umschweif, daß entweder
der Verbrauch im eigenen Lande oder die Exporte gedrosselt oder gar die
- ohnehin niedrigen - Reserven weiter verkleinert werden müssen. Diese amtliche Stellungnahme erfolgte genau zu dem Zeitpunkt, da amerikanische Zeitungen mit Schlagzeilen die Erhöhung des Brotpreises - um 2 Cent pro Laib verkündeten. Der Stellvertretende Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, Richard Bell,
verhehlte nicht, daß die Bevölkerung mit weiteren Erhöhungen der Lebensmittelpreise rechnen müsse. Aber nicht nur der amerikanische Verbraucher wird

�wird mehr bezahlen müssen - auch der ausländische Käufer wird die rasch
steigenden Preise für Weizen, Mais und andere Erzeugnisse bezahlen - oder
darauf verzichten - müssen. Nach Auskunft von Bell haben bereits einige
- von ihm nicht genannte - Länder angekündigt, daß sie sich vom amerikanischen
Markt zurückziehen wolen. Damit dürfte eine Entlastung des Marktes und ein
Nachlassen des Preisdrucks eintreten.
Wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium erklärt, wird die Prüfung der neuen Statistiken noch "einige Tage" in Anspruch nehmen, während
der eine erneute Prüfung der Möglichkeit von Exportkontrollen vorgenommen
werde. Dabei werde man sich unter anderem mit der großen Zahl der "ungenannten" Exportkäufer befassen, bei denen es sich im wesentlichen um Spekulanten
handeln dürfte. Ein Großteil der von diesen aufgekauften Getreidemengen dürfte das Land gar nicht verlassen, sondern zu erhöhten Preisen an amerikanische
Kunden verkauft werden. Wie Bell ausführte, würde der tatsächliche Weizenexport nach Abzug dieser rund sechs Millionen Tonnen "ungenannter" Käufe nur
rund 35 Prozent des zu erwartenden Angebots betragen. Normalerweise führen
die Vereinigten Staaten rund 50 Prozent ihres Weizens (Erzeugung plus Reserven) aus. Daher, so sagte Bell, sei er über die jetzt vorliegenden Statistiken nicht "besonders alarmiert" . Es gebe auch keinen bestimmten Punkt, an dem
sein Ministerium "automatisch" Exportkontrollen empfehlen würde.
In diesem Zusammenhang erklärte Bell, daß die amerikanische Regierung
für den Fall, daß es zu Exportkontrollen kommen sollte, das für die Sojabohnen angewandte Modell nicht wieder benutzen würde. Künftige Systeme würden
sicher anders aussehen, und bestehende Kontrakte würden so weit wie nur irgend möglich erfüllt.
Am stärksten sind die Ernteaussichten bei Mais zurückgegangen. Obwohl
die amerikanischen Farmer sieben Prozent mehr Anbaufläche bestellt haben als
im Vorjahr, wird die Ernte nach den revidierten Schätzungen nur um zwei Prozent über dem Vorjahr liegen (nämlich bei 5 661 379 000 Bushel gegenüber
5 553 061 000 Bushel im Vorjahr). Der Hektarertrag ging wegen der großen

�großen Überschwemmungen im Frühjahr zurück, und die Ernteerwartung sank dann
wegen der Trockenheit in den Hauptanbaustaaten Iowa und Illinois in den
letzten Wochen. Wenn der jetzt einsetzende Regen weiter anhält, dürfte jedoch im September wieder eine leichte Verbesserung der Ernteerträge eintreten.
Die Verknappung an Mais bringt naturgemäß einen Preisdruck auf anderes
Futtergetreide mit sich. Dabei sind die Ernteerwartungen bei Hafer vom l.Juli
bis 1.August

von

716 615 000 Bushel auf 707 756 000 Bushel und bei Gerste

von 439 642 000 Bushel auf 430 181 000 Bushel zurückgegangen.
Bell versicherte im übrigen, daß die amerikanische Regierung weiterhin
plane, die Exportkontrollen für Sojabohnen im nächsten Monat wieder aufzuheben, und auch im nächsten Jahr sei nicht an die Wiedereinführung von Exportkontrollen für dieses landwirtschaftliche Erzeugnis gedacht.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine einflussreiche Stimme im amerikanischen Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Senator Jacob Javits aus New York -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gesicherte Ertrags- und Einkommenssteigerung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Moderne Krankenhausausrüstungen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückgang der Ernteerwartungen in USA lässt an Exportkontrollen denken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway -&lt;/em&gt;</text>
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32

2 2 . August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:

Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973
-Auszüge zu EuropaUSA werden Kambodscha weiterhin unterstützen
-Erklärung des Weißen Hauses-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklungen in der UdSSR
-Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom
17. August-

WIRTSCHAFT:
US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA
Die Erzhütte am Meeresboden
-Stärkste Anreichung im Zentralgraben des OzeanrückensLASER 73
-US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1973

ROGERS-PRESSEKONFERENZ VOM 20. AUGUST 1973
- Auszüge zu Europa -

WASHINGTON --.(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 20. August eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er zu einer Viel*

zahl von außenpolitischen Fragen Stellung nahm. Er gab ferner bekannt, daß
der Iran offiziell die Einladung angenommen habe, an Stelle von Kanada

*

Mitglied der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission in Südvietnam zu werden. Der amerikanische Außenminister befaßte sich ferner mit dem
"Jahr Europas" und betonte in diesem Zusammenhang, daß die Gespräche der
USA mit ihren europäischen Verbündeten über dieses Thema gut vorangekommen
seien.
Die Fragen und Antworten zu diesem Komplex haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Außenminister, dies ist das Jahr Europas- Nun ist in allen
möglichen Berichten davon die Rede, daß die Antworten der europäischen Regierungen ziemlich langsam eingingen. Sind Sie darüber besorgt, daß die
Antworten nicht termingerecht erfolgten?
Antwort: Nein, wir haben keine Sorge, daß sie etwa nicht termingerecht
geantwortet hätten. Unserer Meinung nach haben sie es sogar. Im übrigen gab
es überhaupt keine Termine für die Antworten, aber wir sind der Ansicht, daß

-1-

�daß die Gespräche, die wir mit unseren europäischen Freunden und Verbündeten
geführt haben, gut vorangekommen sind.
Lassen Sie mich noch etwas zu dem Jahr Europas sagen.
Erstens haben wir - das heißt Präsident Nixon - ausführliche Gipfelgespräche mit zahlreichen europäischen Staatsmännern geführt, die sich meiner Meinung nach gut ausgewirkt haben.
Zweitens haben wir gerade die erste Phase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hinter uns, die ganz anders verlief,
als viele erwartet hatten. Meines Erachtens war sie erfolgreich, und wenn
die zweite Phase der Verhandlungen dieser Konferenz gut verläuft, dann glaube ich, daß einige Aussichten für ein Nachlassen der Spannungen in Europa
gegeben sind.
Drittens haben wir uns auf ein Datum für die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen geeinigt. Diese Verhandlungen
werden am 30. Oktober beginnen. Am 24. September wird meines Wissens die
zweite Phase der KSZE anlaufen und im Herbst die zweite Phase der SALT-Gespräche. Die NATO prüft das Problem des Verhältnisses zwischen dem Bündnis
und den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Europäische Gemeinschaft befaßte sich ebenfalls mit diesem Problem. Wir haben ferner mit verschiedenen
Regierungen zahlreiche Gespräche über das Thema einer Grundsatzerklärung geführt.
Außerdem werden in diesem Herbst - im September - Handelsverhandlungen
in Japan beginnen. In Nairobi werden Verhandlungen über Währungsfragen aufgenommen werden. Und der Präsident plant noch in diesem Jahr eine Reise
nach Europa.
Alle diese Dinge lassen also eine große Aktivität im Zusammenhang mit
dem sogenannten Jahr Europas erkennen.
Wir

-2-

�Wir sind der Ansicht, daß der Meinungsaustausch mit unseren europäischen Freunden und die Gespräche mit Japan - ich habe ja gerade erst an dem
Ministertreffen in Tokio teilgenommen - über dieses Thema gut vorangekommen
sind.
Wir üben keinerlei Druck auf die europäischen Nationen aus; dies muß
ein koordiniertes und kooperatives Vorhaben sein. Wir sind jedoch der Meinung, daß das Zustandekommen dieser Deklaration wichtig ist und wir glauben
an ihren Erfolg.
Frage: Herr Außenminister, welche generellen Gedanken sollten nach Ansicht der USA in eine Grundsatzerklärung aufgenommen werden? Und glauben
Sie, daß es zu einer großen europäischen Gipfelkonferenz kommen wird, wenn
Präsident Nixon nach Europa reist?
Antwort: Was den letzten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich nicht
sicher. Die generellen Gedanken, die wir vorgebracht haben, sind die, die
man wohl erwarten konnte. Sie befassen sich mit der Wechselwirkung zwischen
Wirtschaftsfragen, Sicherheitsüberlegungen - Währungsfragen, politischen
Fragen, Sie befassen sich mit der Notwendigkeit, amerikanische Truppen in
Europa stationiert zu halten, und der Frage, auf welcher Basis sie dort
bleiben werden. Sie befassen sich mit der Frage der Lastenverteilung - was
das eigentlich heißt und was alles dazu gehören sollte -, mit der Haltung
der Vereinigten Staaten gegenüber der Gemeinschaft und mit der Haltung der
Gemeinschaft gegenüber den Vereinigten Staaten, mit einer Bekräftigung der
Respektierung der Souveränität aller Nationen, die diese Deklaration unterzeichnen, und gleichzeitig mit der Anerkennung der Bedeutung der kollektiven
Sicherheit.
Dies sind einige der Dinge. Selbstverständlich gibt es noch eine ganze
Reihe anderer Dinge, die hierher gehören, aber ich meine doch, daß Sie in
etwa eine Vorstellung davon haben, über welche Themen wir sprechen.
Wir

�Wir sind der Auffassung, daß dieses Verhältnis zu Kuropa wichtig ist
und daß es in irgendeinem Stadium - zumindest wahrscheinlich, wenn auch nicht
notwendigerweise gleichzeitig mit Japan - später dann im Lichte der gegebenen
Realitäten geklärt und neu bekräftigt werden muß.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben von der Wechselwirkung zwischen
wirtschaftlichen Fragen und Sicherheitsüberlegungen gesprochen. Wollen Sie da
mit ausdrücken, daß Sie sich in dieser Grundsatzerklärung darum bemühen werden, daß Europa die Verbindung zwischen diesen beiden Komplexen anerkennt und
daß beide Seiten die Probleme des jeweils anderen hierbei anerkennen müssen,
sowie die Tatsache, daß der eine von dem anderen abhängt?
Antwort: Nein, so nicht. Ich meine, daß hier langsam strittige Begriffe
ins Spiel kommen, die die Leute nicht mehr ganz verstehen. Worüber wir sprechen, ist unser Gesamtverhältnis, wie es sich im Lichte der gegenwärtigen
Realitäten darstellt, ohne irgendein Junktim und ohne irgendeinen Versuch,
das eine gegen das andere auszuspielen..."

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32/1973

USA WERDEN KAMBODSCHA WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Die Vereinigten Staaten werden die kambodschanische
Regierung auch weiterhin nachdrücklich gegen aufrührerische Kräfte unterstützen und Kambodscha mit einem Höchstmaß an vom Kongreß bewilligter Wirtschafts-und Militärhilfe versorgen. Dies geht aus einer am 15. August, dem
Tage der Einstellung der amerikanischen Luftunterstützung für kambodschanische Truppen, veröffentlichten Erklärung des Weißen Hauses hervor, in
der es weiter heißt, daß die USA auch in Zukunft auf einen ausgehandelten
Waffenstillstand in Kambodscha drängen werden. Präsident Nixon werde mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen,
sollte Nordvietnam versuchen, die Stabilität von Indochina zu gefährden.
Die Erklärung des Weißen Hauses, die von Pressesprecher Jerry Warren
verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Wie bekannt, ist die Kampftätigkeit amerikanischer Flugzeuge in Kambodscha eingestellt worden. Um unseren Standpunkt hinsichtlich dieser
Aktion unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen und alle Mißverständnisse
seitens anderer zu vermeiden, möchte ich die folgenden Punkte unterstreichen:
-- Wie

-1-

�--Wie der Präsident in seinem Schreiben an die führenden Politiker des
Kongresses vom 2. August mitgeteilt hat, beendet die amerikanische Regierung
die Kampftätigkeit in Kambodscha gemäß einer spezifischen, direkten und verbindlichen Anweisung des Kongresses. Der Präsident hat weiterhin ernste Vorbehalte hinsichtlich der Klugheit dieser Maßnahme der Legislative. Er ist
besorgt darüber, daß der Kongreß durch seine Maßnahme einen wichtigen Anreiz
für eine Regelung auf dem Verhandlungswege beseitigt,

die Sicherheit der

Nachbarn Kambodschas in Südostasien geschwächt und das Gebäude des Friedens
in Indochina,wie in den Abkommen vom 27. Januar dargelegt, unterminiert hat.
Vor allem aber unterminiert diese Maßnahme des Kongresses die Aussichten auf
einen Weltfrieden, indem nämlich bei Freunden und Gegnern gleichermaßen Zweifel hinsichtlich der Entschlossenheit und der Fähigkeit der Vereinigten Staaten wach werden, zu internationalen Abkommen zu stehen, wenn diese durch
andere Parteien verletzt werden.
-- Unter Hinweis auf die durch diese legislative Maßnahme hervorgerufenen Gefahren hat der Präsident nur überaus zögernd den 15. August als Datum
für die Einstellung der Angriffe al.s einen notwendigen Kompromiß akzeptiert,
um eine größere Störung der Tätigkeit der amerikanischen Regierung zu verhindern und der Khmer-Republik mehr Zeit zur Anpassung an die neue Situation
zu geben. Man wird sich erinnern, daß der Präsident zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieses Gesetzes vor der Alternative stand, entweder den 30. Juni
als Datum der Einstellung zu akzeptieren, oder durch ein Veto gegen das Bewilligungsgesetz, dem diese Gesetzesvorlage beigefügt war, jegliche Regierungstätigkeit lahm zu legen. Eine sofortige Einstellung aller Kampfunterstützung für die Khmer-Republik angesichts eines massiven Angriffs des Gegners wäre eine unverantwortliche Aktion gewesen, die die kambodschanische
Regierung der notwendigen Zeit beraubt hätte, Vorbereitungen für die Zukunft
zu treffen. Angesichts dieser extremen Alternativen war der einzig gangbare
Weg,das Datum des 15. August widerstrebend zu akzeptieren.
--Während

�-- Während der jetzt verstrichenen sechs Wochen hat unsere Kampfunterstützung aus der Luft zusammen mit den kambodschanischen Bemühungen um eine
Verbesserung und Verstärkung der kambodschanischen Streitkräfte die KhmerRepubjik in einen besseren Verteidigungszustand versetzt. Wir hoffen, daß die
Regierung in der Lage sein wird, sich selbst zu verteidigen und gegen die
aufrührerischen Kräfte und deren nordvietnamesische Protektoren zu bestehen.
-- Inzwischen werden die Vereinigten Staaten angesichts der gegenwärtigen Herausforderung fest zur Khmer-Republik stehen und ein Höchstmaß an
Wirtschafts-und Militärhilfe gewähren, so wie dies durch die gegenwärtigen
rechtlichen Beschränkungen möglich ist.
-- Wir werden weiterhin mit Nachdruck einen Waffenstillstand durch Verhandlungen zwischen den Khmer-Parteien unterstützen. Unsere Hauptziele in
diesem Gebiet sind eine Beendigung der Kampfhandlungen sowie die Respektierung der Souveränität und Neutralität Kambodschas. Trotz der Bemühungen
zahlreicher interessierter Parteien und des guten Willens der Khmer-Republik
lehnt die kommunistische Seite weiterhin unnachgiebig jeden Kompromiß ab.
-- Ich möchte ferner an die in seinem Schreiben vom 2. August enthaltene Warnung des Präsidenten erinnern, daß die nordvietnamesischen Führer einen
sehr gefährlichen Fehler begehen würden, sollten sie die Einstellung der amerikanischen Kampftätigkeit in Kambodscha als eine Einladung verstehen, in
Südostasien eine Politik der Aggression zu verfolgen. Hanoi sollte sich ganz
klar darüber sein, daß der Präsident mit dem Kongreß zusammenwirken wird, um
die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, sollte Nordvietnam eine Offensive
starten, die die Stabilität in Indochina gefährdet und die Regelungen außer
Kraft zu setzen droht, die nach so vielen Opfern seitens so vieler Menschen
nach so langer Zeit erreicht worden sind."

+++

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32/1973

SCHLESINGER BERICHTET ÜBER NEUE RAKETENENTWICKLUNGEN IN DER UDSSR
-Auszüge a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z

des US-Verteidigungsministers

vom 17.August-

WASHINGTON --(AD)-» Der amerikanische Verteidigungsminister James B.
Schlesinger hat bestätigt, daß die Sowjetunion in den letzten Wochen erfolgreich Raketen mit Mehrfach-Gefechtsköpfen (MIRV) erprobt hat. Die Chance,
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) eine Kontrolle dieser Waffensysteme zu erreichen,
bezeichnete Schlesinger als gering.
Zu Beginn seiner Pressekonferenz sagte Schlesinger unter anderem:
"Wir rechnen verstärkt mit einer Periode,in der sich das Hauptgewicht
der Tätigkeit des Verteidigungsministeriums von den Feindseligkeiten in Südostasien ur.d dieser Region auf die Aufgaben des Verteidigungsministeriums
in dem viel größeren Umfang verlagern wird, wie er in anderen Teilen der
Welt, vor allem durch die NATO, gegeben ist. Ich setze meine Gespräche mit
den Verteidigungsministern der verschiedenen europäischen Länder fort,und
diese Gespräche sind bisher recht gut verlaufen."
Der

-1-

�Der amerikanische Verteidigungsminister teilte dann mit, daß gegenwärtig Verhandlungen mit der thailändischen Regierung über eine Reduzierung der
amerikanischen Truppen in Thailand stattfinden und daß sein Voranschlag für
den Verteidigungshaushalt 1975 voraussichtlich unter sechs Prozent des Bruttosozialproduktes liegen werde„
Zu den strategischen Entwicklungen in der UdSSR sagte er wörtlich:
"Ich weiß, daß einige von Ihnen an der Frage der Entwicklung der strategischen Kapazitäten der Sowjetunion interessiert sind. In den letzten Wochen haben die Sowjets erfolgreich Flugversuche mit Mehrfach-GefechtskopfKapazität (MIRV-Kapazität) demonstriert. Zumindest zwei ihrer Raketen haben
eine MIRV-Kapazität gezeigt. Wie Sie wahrscheinlich wissen, haben die Sowjets
seit einigen Jahren ein aggressives Entwicklungsprogramm verfolgt.
In der Entwicklung befand sich nicht nur die SSNX-8 Rakete für die
Unterseeboote der Delta-Klasse, sondern auch vier Interkontinentalraketen
(ICBM). Zwei davon haben bereits eine MIRV-Kapazität demonstriert. Wir rechnen damit, daß auch die beiden anderen (Typen) mit MIRV-Kapazität ausgestattet werden."

Die Fragen und Antworten zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
l'Frage: Herr Minister, wann könnte die sowjetische MIRV-Kapazität realisiert werden? Sie sagen, sie wurde erprobt. Wann können wir damit rechnen,
daß sie (die Sowjets) sie in ihren Arsenalen haben werden?
Antwort: Ich glaube,man hat einen guten Maßstab,wenn man mit zwei Jahren
von den ersten Versuchsstadien bis zu dem Punkt der eigentlichen Dislozierung rechnet. Es kann etwas länger dauern, aber unsere frühere Schätzung
scheint durchaus angebracht, daß sie (die Sowjets) etwa im Jahre 1975 einsatzbereite,.mit MIRV ausgestattete Streitkräfte disloziert haben dürften.

Frage:

-2-

�Frage: Können Sie uns sage, daß sie (die Sowjets) tatsächlich MehrfachGefechtsköpfe erprobt haben?
Antwort: Ja.
Frage: Herr Minister, um was für Raketen handelt es sich?
Antwort: Die erste Demonstration der MIRV-Kapazität fand mit der SSX-17
statt; in jüngerer Zeit wurde sie mit der SSX-18 demonstriert, die, wie Sie
wissen, die große Rakete ist, die voraussichtlich an die Stelle der SS-9
treten soll.
Frage: Wieviele(Gefechtsköpfe) auf dieser SS»18, Herr Minister?
Antwort: Mindestens sechs.
Frage: Herr Minister, welche Bedeutung kommt dieser Zahl von Gefechtsköpfen auf der SS-18 zu?
Antwort: Mit einer bestimmten

Nutzlast - einer feststehenden Netto-

Nutzlast - sind die Sowjets gezwungen gewesen, die Zahl der Gefechtsköpfe gegen die Stärke der einzelnen Gefechtsköpfe abzuwägen. Das heißt praktisch
- das möchte ich unterstreichen - daß die Sowjets - eines Tages in der Zukunft - über ein Aufgebot an Gefechtsköpfen mit einer Stärke in der Größenordnung von einer Megatonne verfügen werden. Und wenn dann, wie anzunehmeit,
die Treffsicherheit steigen wird, dann kann sich das zu einer wesentlichen
bedrohlichen Gegenmacht zu den in den USA stationierten strategischen Vergeltungsstreitkräften entwickeln.
Frage: Herr Minister, um auf die sowjetische Raketenentwicklung zurück zukommen, wenn Sie von einer möglichen künftigen Bedrohung unserer landgestützten Raketenstreitmacht sprechen, dann klingt das ganz ähnlich wie das,
was Herr Laird (der frühere amerikanische Verteidigungsminister) vor einigen
Jahren gesagt hat, als er erklärte, die Sowjetunion strebe eine ErstschlagKapazität an. Wüerden Sie das, was sie (die Sowjets) jetzt getan haben, nach
solchen Begriffen interpretieren?
Antwort:

�i
Antwort: Ich meine, die Sowjets streben einen strategischen Vorteil an;
sie haben ein aggressives Programm.

Ob sia jemals einen strategischen

Vorteil erreichen werden, wird davon abhängen, ob die Vereinigten Staaten
auf Veränderungen in der sowjetischen Militärposition reagieren oder ob sie
es unterlassen, darauf zu reagieren.
Was nun die Erreichung einer Erstschlag-Kapazität angeht, so kann eine
solche Kapazität, wenn man sie im eigentlichen Sinne als die andere Seite
entwaffnend betrachtet, von keiner Seite erreicht werden, weder von den
Sowjets noch von uns.
Frage: Herr Verteidigungsminister, bedeutet dies, daß Sie sich jetzt
innerhalb Ihres Ministeriums mit Nachdruck für die 'Trident8 sowie für neue
Unterseeboote und neue Raketen einsetzen werden?
Antwort: ... Ich bin ganz allgemein der Ansicht, daß - wenn die Fakten
hinsichtlich der sowjetischen Entwicklungen oder der Entwicklungen irgendwo
sonst vollständig vor dem amerikanischen Volk und dem amerikanischen Kongreß
liegen - diese in angemessener Weise darauf reagieren werden und daß keine
Notwendigkeit für irgendeinen übermäßigen Nachdruck besteht.
Frage: Herr Verteidigungsminister, welche Chancen gibt es Ihrer Meinung
nach für irgendeine Art von MIRV-Kontrollen im Rahmen der gegenwärtigen SALTRunde?
Antwort: Sie haben sich wesentlich verschlechtert.
Frage: Wie meinen Sie das, was ist geschehen?
Antwort: Wenn die Sowjets erst einmal die Flugtestphase hinter sich gebracht haben, ist die Möglichkeit der Verifizierung von Kontrollen wesentlich unterminiert, und in den SALT-Verhandlungen haben wir immer wieder darauf bestanden, daß die Möglichkeit gegeben sein muß, alle Abkommen zu verifizieren, die die amerikanische Regierung eingeht. Wenn wir von der Tatsache
des Beginns der MIRV-Flugteste ausgehen, dann wird also unsere Fähigkeit der

-4-

/

�der Beobachtung schnell, sehr schnell unterhöhlt* Wie Sie wissen ist dieses
Thema bereits früher aufgebracht worden, und ich meine, es ist nur fair, zu
sagen, daß die Sowjets nicht besonders an MIRV-Begrenzungen, an umfassenden,
generellen MIRV.» Begrenzungen interessiert waren. ..
Frage: Herr Verteidigungsminister, wann ist nach den Feststellungen
Ihrer Computer der Punkt erreicht, an dem die Sowjets uns an Gefechtsköpfen
überholt haben werden?
Antwort: Das hängt natürlich von dem Tempo der Dislozierung seitens der
Sowjets ab, nachdem sie - wir wir einmal annehmen wollen - ihre Testperiode
beendet, haben. Wir würden sagen, daß 1975 ein annäherndes Datum für den Beginn, ihrer Dislozierung ist, aber hier würde es sich um InterkontinentalRaketen (ICBM) handeln« Vielleicht würden sie bis 1979 über eine gleiche Zahl
von Gefechtsköpfen für ihre Interkontlnental-Raketen verfügen., Zum gegenwär.»
tigen Zeltpunkt kann ich nicht voraussagen wie schnell sie ihre unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBM) mit MIRV ausrüsten werden, und
daher kann man die Gesamtzahl ihrer Gefechtsköpfe nicht vorhersagen. Wenn die
Sowjets jedoch ihr gegenwärtiges Programm fortsetzen, dann werden sie Anfang
der achtziger oder Mitte der achtziger Jahre über eine ungeheure Kräfte»
struktur verfügen,..
Frage: Vielleicht könnten Sie uns noch etwas über SALT sagen, und awar
hinsichtlich der von den Sowjets jetzt entwickelten MIRV-Kapazität?
Antwort: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gingen aus SALT I
jeder mit gewissen Vorteilen und gewissen Nachteilen hervor. Aber man war der
Ansicht, daß Vorteile und Nachteile sich auf beiden Seiten etwa die Waage hielten. Die Vereinigten Staaten besaßen eine klare und demonstrierbare Überlegenheit hinsichtlich bestimmter technologischer Aspekte - der Qualität der Gefechtsköpfe,, der Qualität der Leitsysteme und überhaupt der MIRV-Technologie im allgemeinen. Die Sowjets besaßen eine Überlegenheit, hinsichtlich der
Netto-Nutzlastkapazität und der Anzahl der ICBM=Abschußvorrichtungen„ Die
amerikanischen Vorteile - und darüber sollten wir uns meiner Meinung nach

-5-

�nach völlig im klaren sein - sind dahinschwindende Vorteile in dem relativen
Sinne nämlichs daß sich die Sowjetunion allmählich die Technologien aneignets
die bisher von den Vereinigten Staaten demonstriert wurden; folglich müßte
die Ausgangsbasis für das SALT I-Abkommen zu einem späteren Punkt überprüft
werden.
Wenn die Sowjets nun die technologische Lücke schließen und über eine
MIRV-Kapazitätä verbesserte Gefechtsköpfe und verbesserte Leitsysteme verfügen, sehen sich die Vereinigten Staaten nicht in der Lages die zahlenmäßigen
oder quantitativen Vorteile zu tolerieren*, die die Sowjetunion gegenwärtig
besitzt,
Ich glaube, das ist der Kernpunkt des Jaickson~Gesetzeszusatzes3 den der
Kongreß im letzten Jahr verabschiedet hat9 daß es nämlich ein in etwa ausgewogenes Gleichgewicht geben müsse.Wenn die amerikanischen Vorteile geringer
werden, dann müssen auch die sowjetischen Vorteile in gleicher Weise geringe!
werdav, so daß die quantitativen Diskrepanzen verringert werden müssens
wenn die Sowjets die qualitative Lücke schließen»

Worüber wir ohne Frage am

meisten besorgt. sindsist die Tatsache, daß die Sowjets ein unverhältnismäßig
hohes Maß an Netto-Nutzlast haben - ihre Netto-Nutzlast steht im Verhältnis
von vier zu eins. Sie verfügen über etwa fünfzig Prozent mehr Interkontinental-Raketena Wenn sie die Technologien, die sie sich jetzt erwerben, mit dem
Nutzlastgewicht verbinden, das sie aufgrund des Interimsabkommens - und ich
betone Interimsabkommen - besitzen, dann könnten sie ein klares Übergewicht
an Gegenschlagkapazität gegenüber den Vereinigten Staaten entwickeln.
Wir wollen es nicht zulassen, daß sich ein solches Ungleichgewicht hinsichtlich der strategischen Kräfte entwickelt; daher wird es Ziel und Zweck
der SALT II-Verhandlungen sein, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und die
Verbindung dieser neu erworbenen Technologien mit den bestehenden zahlenmässigen Vorteilen der Sowjets auszuschließen...
Frage:

-6=

�Frage: Herr Minister, in der Vergangenheit haben die Russen beispielsweise 15 Prototypen von Kampfflugzeugen entwickelt und dann nur zwei oder
drei davon in die Massenproduktion übernommen. Glauben Sie, daß sie alle
vier dieser neuen ICBM produzieren werden?
Antwort: Nein.
Frage: Gibt es irgendwelche Beweise, daß die Produktion von ein oder
zwei dieser Typen bereits aufgenommen worden ist?
Antwort: Es gibt keine Beweise für eine Produktion. Nach unserer Beurteilung sind zwei dieser Raketen (die SSX-17 und die SSX-19) als Nachfolger
für die SS-11 vorgesehen. Wenn diese Annahme stimmt, dann werden sie wahrscheinlich nicht beide dislozieren, sondern zwischen diesen beiden wählen.
Die SSX-18 ist offensichtlich der Nachfolger der SS-9. Der Zweck der
SSX-16 ist uns nicht klar. Die SSX-16 könnte die B asis für eine Dislozierung
mobilpr Raketen sein, aber wir kennen den Verwendungszweck nicht genau. Es
liegt also auf der Hand, daß die Pläne die Dislozierung mindestens zweier
der in der Entwicklung befindlichen Typen erfordern würden.
Frage: Herr Minister, Sie sprachen vorhin, wenn ich Sie richtig verstanden habe, von der Tatsache, daß keine Seite eine Erstschlag-Kapazität erreichen könne. Warum sind die Russen dann Ihrer Auffassung nach an einer Gegenschlag-Kapazität interessiert? Welches sind Ihre Beweggründe oder Absichten für den Besitz einer Gegenschlag-Kapazität mit ihren MIRV?
Antwort:Weil die Entscheidung, einen Schlag gegen Städte zu führen
- einen massiven Schlag gegen Städte - eine Entscheidung ist, die keine der
beiden Seiten ohne weiteres treffen wird. Daher könnte jede Seite in eine
Situation geraten, die genau die Umkehr jener Situation ist, die Verteidigungsminister McNamara in seiner Rede in Athen im Jahre 1962 beschrieben hat, die
dann später die Grundlage für seine Rede in Ann Arbor bildete.
Sie

�Sie werden sich erinnern, was er damals sagte. Er zeigte eine Reihe von
Umständen auf, bei denen die Vereinigten Staaten im wesentlichen mit einer
unverwundbaren Zweitschlag-Kapazität ausgestattet waren und gleichzeitig die
Möglichkeit besaßen, im einzelnen bestimmte sowjetische militärische Ziele
durch den Einsatz der amerikanischen strategischen Streitkräfte zu zerstören.
Die Höglichkeit, die den Sowjets erstrebenswert sein mag, ist die, diese Umstände umkehren zu können, und damit könnten die Sowjets in die Position
kommen, erstens eine unverwundbare Abschreckung zu besitzen, und zweitens
amerikanische oder verbündete militärische Konzentrationen eine nach der anderen zu zerstören. Dies würde insgesamt gesehen zu einem Ungleichgewicht
führen, und wir planen nicht, in eine Position zu geraten, in der wir vor
einem Gesamtungleichgewicht stehen."

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32/1973

US-ZAHLUNGSBILANZ WESENTLICH VERBESSERT

WASHINGTON --(AD)-- Die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten hat sich
im zweiten Quartal dieses Jahres wesentlich verbessert, wie aus den
vorläufigen Schätzungen hervorgeht, die das amerikanische Handelsministerium am 15. August veröffentlicht hat. Diese Verbesserung wird auf
mehrere Ursachen zurückgeführt, darunter auch Transaktionen, über die
noch keine endgültigen Zahlen vorliegen.
Der Gesamtabfluß von Dollar - sowohl durch den Erwerb von Dollar
durch Privatpersonen im Ausland wie durch die Transaktionen von Zentralbanken - ging von 6,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal scharf auf
1,5 Milliarden Dollar im zweiten Quartal zurück (alles unter Berücksichtigung saisonbedingter Schwankungen)„ Damit ist das kleinste Liquiditätsdefizit seit 1970 erreicht worden.
Der Nettozufluß von kurzfristigen Geldern war im zweiten Quartal
nicht unbeträchtlich und hat Abflüsse ausgeglichen, die Anfang des Jahres
vor der zweiten Abwertung des Dollar und dem Floating der Hauptwährungen
eingetreten waren. Von großer Bedeutung auf lange Sicht ist die Tatsache,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz weiter verbessert und fast einen
Ausgleich erreicht hat. Auf dem Sektor Güter und Dienstleistungen ist im

-1-

�im zweiten Quartal sogar mit einem Überschuß von 706 Millionen Dollar zu
rechnen.
Nach einer heute häufig angewandten Bemessungsgrundlage der Zahlungsbilanz - nämlich nach den Veränderungen in den Reserven und Verpflichtungen
gegenüber ausländischen Währungsbehörden - haben die Vereinigten Staaten
im zweiten Quartal sogar einen kleinen Zahlungsbilanzüberschuß zu verzeichnen. Das amerikanische Handelsministerium hat jedoch vor einer Überbewertung
dieser Berechnung nach dem Stand der offiziellen Transaktionen gewarnt, da
sie durch das weitverbreitete Floating der Wechselkurse in Frage gestellt
werde. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die einzige
massive Intervention auf dem Devisenmarkt im zweiten Quartal von Japan
vorgenommen wurde, das Dollar verkaufte, um den Yen zu stützen. Insgesamt
nahm der Gesamtdollarbetrag in Händen ausländischer Währungsbehörden im
zweiten Quartal ab.

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32/1973

NEUE HÖCHSTGRENZEN FÜR FLUGZEUGABGASE IN USA

- (AD) - Die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) setzte
neue Maximalwerte für Flugzeugabgase fest. Gleichzeitig wurde ein Modifizierungsprogramm für Turbotriebwerke und ein Versuchsprogramm für Bodenkontrollausrüstungen angekündigt. Auf Grund der neuen Normwerte wird die
Emission von Rauch, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden
reduziert. Mit Ausnahme von Helikoptern sind alle

zivilen Flugzeuge davon be-

troffen - von der kleinsten einmotorigen Maschine bis zum größten Passagierflugzeug.

Die Bestimmungen gelten generell für alle Turbinentriebwerke, die nach
dem 1. Januar 1979 gebaut werden. Bei Flugmotoren, die nach dem 1. Januar 1981
zugelassen werden, sind die Abgasvorschriften noch strenger. Für FlugzeugKolbenmotoren, die nach dem 31. Dezember 1979 gebaut werden, gelten in bezug
auf die von ihnen freigesetzten Gas- und Rauchmengen neue Bestimmungen.

Die neuen Maximalgrenzen bedeuten, daß bei allen Turboproptriebwerken
sowie Turbofan- und Turbojet-Triebwerken mit weniger als 3630 kp Schubleistung
die Kohlenwasserstoffabgase um 80 Prozent, Xohlenmonoxid um 60 Prozent und
Stickstoffoxide um 20 Prozent zu reduzieren sind. Zu den Flugzeugen, die solche
Motoren benutzen, gehören z.?. Geschäftsflugzeuge wie Lear Jet, Grumman Gulfstream, Lockheed Jetstar, Lockheed Electra, Fairchild F27 und Convair 540.
Für

-

I

-

�Für Triebwerke über 3630 kp Schub wird ab 1979 eine Verringerung der Abgase um 60 Prozent für Kohlenmonoxid, um 70 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und um 50 Prozent für Stickstoffoxide verlangt. Davon werden die Flugmotoren
der meisten großem kommerziellen Passagierflugzeuge wie Boeing 707, 727, 737,
747 und DC-8 sowie DC-9 betroffen. Bei Kolbentriebwerken ist nach dem 31. Dezember 1979 eine Drosselung der Abgase um 30 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und 50 Prozent für Kohlenmonoxid vorgeschrieben; gleichzeitig wird verfügt,
daß die Mengen von Stickstoffoxiden nicht ansteigen dürfen. Zu dieser Gruppe
gehören die kleineren Geschäfts- und Privatflugzeuge wie Cessna 150, Piper
Cherokee 140 und Beechcraft Queen Air.

Die Hilfsaggregate sind von den Beschränkungen nicht ausgenommen. Bei
ihnen wird eine Reduzierung des Kohlenmonoxids um 30 Prozent und der Stickstoffoxide um 50 Prozent verlangt; die Menge der Kohlenwasserstoffe in den
Abgasen darf die gegenwärtigen Werte nicht übersteigen. Diese Aggregate werden
für den Betrieb von Bordsystemen benutzt, wenn sich die Maschine am Boden befindet und die Triebwerke nicht laufen.

Die EPA schlug außerdem vor, alle vor 1979 gebauten großen Gasturbinentriebwerke in den Herstellerwerken so umzubauen, daß die Abgase die für 1979
festgesetzten Höchstgrenzen nicht überschreiten. Bei der Bestimmung dieser
Grenzwerte wurden die zur Zeit laufenden einschlägigen Forschungsprojekte
innerhalb der US-Luftstreitkräfte und der Raumfahrtbehörde NASA berücksichtigt.
In deren Auftrag befassen sich derzeit Firmen wie General Electric und Pratt &amp;
Whitney damit, mit Hilfe der heute üblichen Triebwerkstypen bestimmte Teile
von Neukonstruktionen zu testen und auf diese Weise die Umrüstung auf
verbesserte Abgassysteme bzw. die Prüfung von deren Funktionsfähigkeit unter
den Gesichtspunkten der neuen Bestimmungen zu erleichtern.

Die EPA verbot jetzt auch das Ablassen von Treibstoff von Gasturbinentriebwerken; außerdem setzte sie für spezielle Triebwerke neue Höchstgrenzen
für Rauchgasmengen fest. So müssen beispielsweise die JT8D-Triebwerke der Maschinen vom Typ Boeing 727 und 737 sowie der DC-9 bis zum 1. Januar 1974 mit
Rauchkontrollen ausgestattet sein. Die entsprechende Umrüstung wurde bereits

�b e r e i t s durch f r ü h e r e Vereinbarungen der F l u g g e s e l l s c h a f t e n mit der Bundesr e g i e r u n g i n Angriff genommen und i s t nahezu a b g e s c h l o s s e n . Am 1. J a n u a r 1976
l ä u f t d i e F r i s t für d i e Triebwerke d e r Boeing 747, DC-10 und L-1011 a b . Da
es s i c h h i e r b e i jedoch um neue Flugzeugtypen h a n d e l t , wurde beim Bau d i e Abg a s r e d u z i e r u n g schon weitgehend b e r ü c k s i c h t i g t . Bei den Flugzeugen vom Typ
Boeing 707 und DC-8 muß d i e Umrüstung b i s zum 1. J a n u a r 1978 beendet
sein.
Die b i s 1990 a n f a l l e n d e n Kosten werden auf 141 Millionen D o l l a r g e s c h ä t z t .
Im Rahmen der m i l i t ä r i s c h e n P r o j e k t e und der Raumfahrtprogramme der Bundesreg i e r u n g d ü r f t e n jedoch Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Zusammenhang
mit diesem P r o j e k t mit 15 M i l l i o n e n D o l l a r Bundesmitteln f i n a n z i e r t werden.
A l l e s i n allem i s t anzunehmen, daß s i c h d i e s e Maßnahmen im F l u g p r e i s nur g e r i n g f ü g i g n i e d e r s c h l a g e n , nämlich mit e i n e r Erhöhung um kaum mehr a l s einem
zehntel Prozent.

-

3 -

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DIE ERZHÜTTE AM MEERESBODEN
S t ä r k s t e A n r e i c h u n g im Z e n t r a l g r a b e n d e s O z e a n r ü c k e n s

-

(AD) - An e i n z e l n e n S t e l l e n s c h e i n e n d i e M e t a l l a n r e i c h e r u n g s p r o z e s s e

in d e rTiefsee schneller abzulaufen,

a l s man b i s h e r v e r m u t e t e . D i e s i s t d a s

E r g e b n i s d e r A n a l y s e von M a n g a n k n o l l e n , d i e von Bord d e s

Forschungsschiffes

DISCOVERER d e r U S - B u n d e s b e h ö r d e f ü r M e e r e s - und A t m o s p h ä r e n f o r s c h u n g
im M i t t e l a t l a n t i k

(NOAA)

z u r Oberfläche g e h o l t wurden. S i e zeichnen s i c h durch

einen

u n g e w ö h n l i c h h o h e n G e h a l t an r e i n e m Mangan a u s , d a s s i c h h u n d e r t Mal s c h n e l l e r
a n g e s a m m e l t h a b e n muß a l s b e i j e n e n m a n g a n h a l t i g e n E r z k n o l l e n ,
a u s g e d e h n t e n T e p p i c h e n am M e e r e s b o d e n g e f u n d e n

d i e i n zum T e i l

werden.

Nach Meinung von Dr. P e t e r A. Rona (NOAA) b e r u h t i n d i e s e m F a l l d e r Anreicherungsvorgang vermutlich aufhydrothermisehen Prozessen.

Das Mangan-

knollen-Vorkommen i n d e r Z e n t r a l s p a l t e e i n e s T e i l e s d e s m i t t e l a t l a n t i s c h e n
Rückens i s t d a s e r s t e d i e s e s U r s p r u n g s t y p s ,

d a s man b i s h e r i n den g r o ß e n W e l t -

m e e r e n g e f u n d e n h a t . Nach Dr. Rona i s t anzunehmen, daß d u r c h ä h n l i c h e

Prozesse

d o r t auch A n r e i c h e r u n g e n a n d e r e r M e t a l l e z u s t a n d e kommen. H y d r o t h e r m i s e h e
t i v i t ä t n e n n t man e i n e n m i n e r a l b i l d e n d e n P r o z e ß , wenn h e i ß e
d i e M e t a l l e i n Lösung e n t h a l t e n ,

Ak-

Flüssigkeiten,

durch F e l s s p a l t e n strömen oder

zirkulieren

und d a b e i M e t a l l m i n e r a l e a b l a g e r n .

Der Vorgang s t e h t w a h r s c h e i n l i c h m i t dem

sogenannten "sea-floor

d e r Ausdehnung d e s T i e f s e e b o d e n s

spreading",

d e r " N a h t s t e l l e n " von E r d k r u s t e n s c h o l l e n ,
unaufhörlich

entlang

i n Zusammenhang. E r v o l l z i e h t

sich

an den m i t t e l o z e a n i s c h e n Rücken, d i e s i c h u n t e r W a s s e r i n e i n e r

- I -

�einer 76 000 km langen Berg- und Gebirgskette durch die großen Meeresbecken
der Erde ziehen. Der Zentralgraben des Mittelatlantikrückens wird als die
Nord-Südachse des Ausdehnungszentrums angesehen, wo geschmolzenes Gestein
aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringt und bei der Erstarrung neuen
Meeresboden bildet.

Die von Dr. Martha Scott und Dr. Robert B. Scott (Texas A&amp;M University)
vorgenommenen Analysen ergaben, daß die Zuwachsrate bei dieser Art von Manganknollen mindestens 180 mm in 1 000 000 Jahren betragen muß; demgegenüber
wachsen im gleichen Zeitraum bisher gefundene Knollen kaum 10 mm. In den
letzten paar Tausend Jahren scheint das Wachstum der Knollen im Zusammenhang
mit regionaler vulkanischer Aktivität noch erheblich beschleunigt worden zu
sein. Es sieht ganz so aus, als wirke sich dieses Phänomen gegenwärtig immer
stärker aus. Die Proben enthalten 40 Prozent ungewöhnlich reines Mangan.

- 2-

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LASER 73
US-Firmen auf d e r e r s t e n i n t e r n a t i o n a l e n Messe
für o p t o - e l e k t r o n i s c h e Geräte i n München

-

(AD) - Im Rahmen der i n t e r n a t i o n a l e n Messe LASER 73, d i e i n Verbindung

mit Fachvorträgen und Seminaren vom 4. b i s 7. September 1973 i n München abgeh a l t e n w i r d , p r ä s e n t i e r t e i n e amerikanische Firmengruppe e i n e Gemeinschaftsschau mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der L a s e r t e c h n i k i n den
V e r e i n i g t e n S t a a t e n . Die b e t e i l i g t e n Firmen aus den USA t r a g e n zu e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n V e r a n s t a l t u n g i n d e r Bundesrepublik b e i , d i e e r s t m a l i g nur dem Geb i e t der O p t o - E l e k t r o n i k gewidmet i s t .

Die i n den l e t z t e n J a h r e n e n t w i c k e l t e n o p t o - e l e k t r o n i s c h e n

Verfahren

haben b e r e i t s e i n Stadium e r r e i c h t , i n dem s i e a l s m a r k t f ä h i g anzusehen s i n d .
Eine optimale Anwendung i n der Forschung, Technik und I n d u s t r i e e r f o r d e r t

je-

doch e i n g r ü n d l i c h e s Studium d e r denkbaren Möglichkeiten, wofür Begegnung und
Gespräch zwischen Produzenten und I n t e r e s s e n t e n e i n e w e s e n t l i c h e Voraussetzung
bilden.
F e s t k ö r p e r - , Gas- und F l ü s s i g l a s e r ,
Laser s t e h e n

chemische»Ionen- und Metalldampf-

für d i e v e r s c h i e d e n s t e n Anwendungen wie das Schneiden von Mate-

r i a l i e n a l l e r A r t , für m e d i z i n i s c h e Ausrüstungen, für Analysen,

Verfahrens-

k o n t r o l l e , Landvermessung und Höhenmessung, für Nachrichtensysteme,

Datenver-

a r b e i t u n g s s y s t e m e , Warn- und S i c h e r h e i t s s y s t e m e , für m i l i t ä r i s c h e Ausrüstungen,

�Ausrüstungen, holografische und interferometische Systeme, für Schalt- und
Regelkreise mit Licht zur Verfügung. Spezielle Materialien in der Form von
Kristallen, Gläsern, Gasen, Chemikalien und Farben, Ausrüstungen für den
optischen "Pumpvorgang" und Zubehör verschiedenster Art, wie sie auf der Messe
gezeigt werden, stellen die Grundlage der modernen Lasertechnik dar. Sie verdankt ihren außerordentlich hohen Standu. a. Licht- und Strahlen-Detektoren
für den sichtbaren Bereich und die unsichtbaren Teile des Spektrums, Lichtund Strahlenquellen verschiedenster Art, Lichtübertragungssystemen mit optischen Fasern und Speziallinsen, Modulationssystemen, Abbildungssystemen,
elektrooptischen Analysensystemen, Spezialmikroskopen, holografischen Spezialausrüstungen und Kameras, Apparaturen für den Betrieb im Vakuum und in
bestimmten Gasmedien - alles Dinge, die zu den Exponaten der Messe LASER 73
gehören.

In Halle 2 auf dem Münchener Messegelände zeigen die 15 amerikanischen
Aussteller, die 19 US-Firmen vertreten, auch Instrumente, die zum ersten Mal
auf dem europäischen Markt erscheinen. Als Beispiel sei das Modell 3000 der
Firma AVCO EVERETT RESEARCH LABORATORY INC

(Everett, Mass.) erwähnt, bei

dem es sich um einen abstimmbaren Farbstofflaser handelt. Es ist ein kompaktes
Tischgerät mit dem neuesten AVCO-Stickstofflaser als optische Pumpquelle, das
einen außerordentlichen großen Spektralbereich erfaßt, äußerst variabel ist
und dank der Möglichkeiten für eine Einzelimpulsauslösung sehr exaktes Arbeiten
zuläßt.

Die Firma COHERENT RADIATION (Palo Alto, Kalifornien) zeigt u.a. ihr
neues Modell 90, einen einfachen 10 mW Helium-Cadmium-Laser, zu einem erstaunlich niedrigen Preis. Das Instrument arbeitet mit 10 mW Ausgangsleistung auf
der Wellenlänge 4416 8 und erzeugt hohe Lichtenergien für photochemische Experimente und Lichtstreuversuche. Die Wellenlänge 4416 fi (sichtbares Blau) liegt
in dem Bereich, in dem die Photomultiplier ihre größte Empfindlichkeit haben.
In der Datenverarbeitung benutzt man diese Wellenlänge, um Daten auf Film zu
speichern. Auch für die Fluoreszenzspektroskopie sowie holografische Aufzeichnung s verfahren hat dieses Gerät Bedeutung.
+ + + + +
- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden Kambodscha weiterhin unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklung in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom 17. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erzhütte am Meeresboden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stärkste Anreichung im Zentralgraben des Ozeanrückens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;LASER 73&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a
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DokumÖntotJOn

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29. August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Nixon gibt Wechsel Im US-Außenministerium bekannt
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. AugustSchriftwechsel zwischen Nixon und Rogers
-WortlautKissinger-Pressekonferenz vom 23. August
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Weltwirtschaftskonferenz in Tokio vor großen Aufgaben
-US-Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway
Amerikanische Vorstellungen über das Weltwährungssystem
-US-Finanzministerium veröffentlicht HintergrundmaterialUSA werden auf Modifizierung der EG-Agrarpolitik drängen
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungUS-Handelsbilanz verbessert sich weiterhin

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Spurenelemente
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss
SKYLAB-Beobachtungen
Zellen unter dem Protonen-Mikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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33/1973

NIXON GIBT WECHSEL IM US-AUSSENMINISTERIUM BEKANNT
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. August-

SAN CLEMENTE, Kalifornien —(AD).-- Präsident Nixon hat auf einer Pressekonferenz am 22. August den Rücktritt von Außenminister William P. Rogers mit
Wirkung vom 3. September bekanntgegeben und gleichzeitig mitgeteilt, daß
er dem Senat die Nominierung seines Berates für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, als Nachfolger von Rogers zur Bestätigung zugeleitet habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Nicht nur mit dem Ausdruck des tiefen amtlichen Bedauerns, sondern
auch des tiefen persönlichen Bedauerns, gebe ich den Rücktritt von Außenminister William Rogers zum 3. September bekannt. Ein Schreiben, das im Anschluß an diese Pressekonferenz veröffentlicht werden wird, läßt erkennen,
wie hoch ich seine Arbeit als Außenminister einschätze. Ich möchte heute nur
darauf hinweisen, daß er bereits nach den ersten vier Jahren, zurücktreten
wollte. Er willigte ein, weiter in seinem Amt zu bleiben, weil einige ungeheuer wichtigen Probleme anstanden, einschließlich der Verhandlungen, die
zur Beendigung des Krieges in Vietnam führten, des Moskauer Gipfeltreffens,
der Europäischen Sicherheitskonferenz, wie auch Probleme in anderen Gebieten

�Gebieten - Lateinamerika und Asien - wo der Außenminister, wie Sie wissen,
in den letzten acht Monaten sehr rege tätig war.
Wenn er jetzt ins Privatleben zurückkehrt, dann werden wir ihn nicht
nur in seiner amtlichen Eigenschaft vermissen, sondern ich werde ihn auch
persönlich vermissen, denn er ist mir im Laufe der Jahre ein sehr enger persönlicher Freund und Berater gewesen. Diese persönliche Freundschaft und Beratung wird mir, wie ich hoffe und wie ich weiß, jedoch erhalten bleiben.
Als seinen Nachfolger werde ich Dr„ Henry Kissinger nominieren, und die
Nominierung zur Bestätigung dem Senat zuleiten. Drc Kissinger wird Außenminister werden und sein Amt antreten, nachdem er vom Senat bestätigt worden
ist.
Ich hoffe, daß der Senat ohne Verzug mit den Anhörungen zur Bestätigung
voranschreiten wird, da

eine Reihe von Angelegenheiten von großer Bedeutung

ansteht.,

•

So liegen beispielsweise einige Aufgaben vor, die Auslandsreisen von
Dr. Kissinger verlangen; sie müßten verschoben werden, wenn der Senat mit
seinen Anhörungen in Verzug gerät. Die Eignungen Dr. Kissingers für seinen
Posten sind Ihnen, meine Damen und Herren, wie ich glaube ebenso gut bekannt,
wie all jenen, die uns jetzt an Rundfunk und Fernsehen zuhören und zusehen.
Er wird auch als Außenminister seinen Posten als Berater des Präsidenten für
Fragen der Nationalen Sicherheit beibehalten. Er wird mit anderen Worten eine
ähnliche Beziehung zum Weißen Haus haben wie George Shultz. Wie Sie wissen,
ist George Shultz Finanzminister und gleichzeitig Berater des Präsidenten für
Wirtschaftliche Angelegenheiten.
Der Zweck dieser Einteilung besteht darin, eine engere Koordinierung
zwischen dem Weißen Haus und den Ministerien sicherzustellen - in diesem Fall
zwischen dem Weißen Haus, dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Außenministerium, das die Hauptarbeit auf diesem Gebiet leistet. Ein weiterer Zweck

-2-

�Zweck besteht darin, die Arbeit den Ministerien zuzuleiten, in die sie
gehört, und ich bin überzeugt, daß diese Änderung in dieser Hinsicht - wenn
also Dr. Kissinger das Amt des Außenministers übernimmt und seinen Posten
als Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit beibehält nicht nur den Interessen einer besseren Koordinierung, sondern auch den Interessen einer effektiven Außenpolitik dient.
Ich möchte abschließend bezüglich Außenminister Rogers nur noch sagen,
daß er - und das mag jetzt wie Eigenlob klingen, aber ich sage es jetzt um
seinetwillen und nicht um meinetwillen - auf eine der, wie ich meine,

er-

folgreichsten Zeitspannen der Außenpolitik irgendeiner Administration in
der Geschichte zurückblicken kann - eine Ära, in der wir den längsten Krieg
in der Geschichte Amerikas beendet haben, eine Ära, in der wir darüber hinaus begonnen haben, ein Gebäude des Friedens zu errichten - vor allem im
Hinblick auf die beiden Großmächte, die Volksrepublik China und die Sowjetunion, wo wir zuvor nichts anderes vorfanden als eine häßliche und manchmal sehr, sehr schwierige Konfrontation. Wir haben immer noch einen weiten
Weg vor uns. Es gibt noch Unruheherde im Gebiet des Nahen Ostens und andere,
wie in Südostasien, auf die wir hier näher eingehen könnten. Aber wenn Außenminister Rogers auf seine Jahre - viereinhalb Jahre - im Amt zurückblickt,
dann darf er sehr stolz darauf sein, daß er einer der Hauptarchitekten einer
meiner Meinung nach sehr erfolgreichen Außenpolitik gewesen ist."

+-H-

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33/1973

SCHRIFTWECHSEL ZWISCHEN NIXON UND ROGERS
»Wortlaut-

WASHINGTON -«(AD)«"« Der Schriftwechsel zwischen Präsident. Nixon und dem ausscheidenden Außenminister William P. Rogers, der am 22. August vom Weißen
Haus veröffentlicht wurde, hat folgenden Wortlaut:
(Schreiben Nixons )
Lieber Bill:
Nur mit größtem Zögern und Bedauern nehme ich Ihren Rücktritt als
Außenminister an.
Ich kann es nicht, ohne dankbar an das Viertel Jahrhundert unserer persönlichen Freundschaft zurückzudenken, an gemeinsam geschlagene Schlachten
und gemeinsam durchgestandene Krisen und an Ihre unerschütterliche Zuversicht, Ihr gutes Urteil und Ihren klaren Kopf.
Ich erinnere mich noch lebhaft, daß Sie der erste waren, an den ich mich
um Rat und Beistand wandte, als ich 1955 die schreckliche Nachricht von Präsident Eisenhowers Herzanfall erhielt, und ich erinnere mich, wie viel mir
Ihre Ruhe, Ihr vernünftiger Zuspruch bedeutete, als ich in dieser Stunde der
Prüfung das Rechte tun wollte. Aber das war nur einer der vielen Fälle zuvor
und danach, bei denen ich mich instinktiv um Rat an Sie gewandt und mich in

-1-

�in jenen kritischen Momenten, die die wahre Bewährungsprobe nicht nur für
die Freundschaft eines Mitarbeiters, sondern auch für seinen Charakter sind,
so sehr auf Ihr Urteil verlassen habe.
Nur wenige Männer haben so viel von sich selbst für Ihr Land gegeben
wie Sie mit Ihren acht Jahren hervorragender Tätigkeit als Stellvertretender
Justizminister und Justizminister während der Eisenhower-Administration und
jetzt mit der viereinhalbjährigen Übernahme der schweren Verantwortung

als

Außenminister, und zwar in einer besonders entscheidenden Zeit in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik. Ihr Einsatz war immer von völliger Hingabe und Selbstlosigkeit gekennzeichnet. Die Nation schuldet Ihnen ein gewaltiges Maß an Dank.
Als Außenminister haben Sie unser Land im Ausland mit großem Geschick
vertreten..Sie haben eine historische Rolle in der Formulierung und Verwirklichung jener Politik gespielt, die nach meiner Überzeugung, und - wie ich
weiß m auch nach Ihrer Überzeugung, auf lange Sicht ein Gebäude des Friedens
in der Welt erstellen kann, das bis weit in die Zukunft Bestand haben und es
ermöglichen wird, daß Meinungsverschiedenheiten unter Nationen am Verhandlungstisch statt auf dem Schlachtfeld beigelegt werden. Das ist eine Leistung,
auf die Sie ungeheuer stolz sein können, so wie ich auf den entscheidend
wichtigen Beitrag unendlich stolz bin, den Sie dazu geleistet haben.
Nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in dem weiten Bereich anderer Fragen, in denen ich Ihren Rat suchte, ist mir dieser mit Offenheit und
Mut und mit beispielhafter Einsicht gegeben worden. Ich habe das außerordentlich geschätzt, und die Nation ist dank Ihres Dienstes weit besser daran
- einer Dienstleistung, die - wie ich weiß--.rr.it großen persönlichen Opfern
verbunden war.
Pat (Mrs. Nixon) wünscht Ihnen und Adele (Mrs. Rogers) ebenso wie ich
für die kommenden Jahre alles Gute, und wir hoffen, daß wir uns auch weiterhin recht oft sehen werden.
Mit herzlichsten Grüßen
hochachtungsvoll
gez. Richard Nixon
-2-

�(Schreiben Rogers')

Sehr geehrter Herr Präsident:
Ich erkläre

hiermit meinen Rücktritt vom Posten des Außenministers mit

Wirkung vom 3. September 1973.
Wegen unserer persönlichen Freundschaft, die sich über einen so langen
Zeitraum erstreckt hat, tue ich diesen Schritt mit einiger Trauer. Sie werden
sich jedoch erinnern, daß ich bei der Annahme des Amtes den festen Entschluß
gefaßt hatte, mit dem Ende Ihrer ersten Amtszeit in die private Anwaltspraxis
zurückzukehren. Aus verschiedenen dringenden Gründen jedoch, vor allem wegen
der Abschlußphase unseres Engagements im Vietnamkrieg, des unsicheren Waffenstillstandes im Nahen Osten, der Anfangsphase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa und wegen der Notwendigkeit, unseren Beziehungen
zur NATO, CENTO, zu Japan, Südkorea und unseren lateinamerikanischen Verbündeten unmittelbare Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wurde vereinbart, daß ich
noch eine Zeit im Amt bleiben sollte.
Jetzt, da die Vereinigten Staaten ihren langen Krieg in Indochina beendet
haben, da der Waffenstillstand im Nahen Osten auf seinen dritten Jahrestag
zurückblickt, da die erste Phase der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in befriedigender Weise zu Ende gegangen ist und unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten wie auch zur Sowjetunion und der Volksrepublik China auf einer guten Grundlage stehen, glaube ich, daß die Zeit für einen
Wechsel gekommen ist.
Es ist für mich ein großes Privileg und eine große Ehre gewesen, daß ich
der Nation während der vergangenen viereinhalb Jahre als Außenminister habe
dienen können. Unter Ihrer starken und wirksamen Führung ist der Kurs unserer
Außenpolitik außerordentlich erfolgreich verlaufen. Aufgrund Ihrer Politik,
Ihrer Initiative und

Entschlußkraft sowie der loyalen Unterstützung und Hilfe

von vielen anderen, darunter jene im State Department, mit denen es mir vergönnt war

zusammenzuarbeiten, ist die Welt zu einer weitaus friedlicheren

Stätte geworden,als sie es vor viereinhalb Jahren war.

-3-

�I
Unter Ihrer Führung sind wir auf dem Wege zur Errichtung eines Gefüges
internationaler Beziehungen, das die Hoffnung auf Frieden und Stabilität
für künftige Generationen bietet. Die Vollendung dieser Aufgabe vor allem
ist es, die für die gesamte Menschheit so wichtig ist und die weiterhin eine
große Unterstützung seitens der Öffentlichkeit während des Restes Ihrer
Amtszeit erfordert.
Nehmen Sie bitte meinen Dank und das tiefe Gefühl der Wertschätzung
dafür entgegen, daß Sie mir die Chance gaben, meinem Lande in diesen entscheidenden und wichtigen Jahren in der Geschichte unserer Nation dienen zu
können. Adele (Mrs. Rogers) schließt sich meinen herzlichsten persönlichen
Grüßen an Sie und Pat (Mrs. Nixon) an.

Hochachtungsvoll
gez. William P. Rogers

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33/1973

KISSINGEEUPRESSEKONFERENZ VOM 23, AUGUST
»Auszüge»

SAN CLEMENTE, Kalifornien ~.»(AD)~« Der designierte amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat am 23 August auf einer Pressekonferenz seine
Vorstellungen von der künftigen Amtsführung, dem Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative und den außenpolitischen Zielen der Vereinigten Staaten allgemein dargelegt,, Nach einer einführenden Erklärung nahmen Fragen
nach der Situation in Kambodscha und dem Einfluß innenpolitischer Probleme
auf die Außenpolitik einen großen Raum ein.
Wir geben im folgenden wesentliche

Auszüge aus der Eingangserklärung

und die Fragen im Wortlaut wieder, die sich mit Europa befassen.
"Zunächst möchte ich betonen, daß mir der Präsident mit meiner Nominierung eine große Ehre erwiesen hat...
Nun möchte ich etwas zu dem sagen, was vor uns liegt. Jede Administration möchte eine bessere Welt hinterlassen, als sie vorgefunden hat, und
die wichtigste Aufgabe, vor der unser Land auf dem Gebiet der Außenpolitik
steht, ist die Herbeiführung eines stabilen Friedens.
Während der ersten Amtsperiode des Präsidenten wurden viele wichtige
und revolutionierende Änderungen vorgenommen. Diese erforderten zu einem

-1-

�einem großen Teil Geheimdiplomatie, und sie wurden von einem recht begrenzten
Kreis durchgeführt. Heute sind wir jedoch in einer anderen Phase. Die Grundlagen, die gelegt worden sind, müssen jetzt zum Bau eines dauerhafteren Gebäudes führen. Das Begonnene ist noch immer sehr zerbrechlich.
Wenn Sie zurückdenken, dann ist es erst drei Jahre her, daß wir gleichzeitig Krisen im karibischen Raum, im Nahen Osten und in Berlin erlebten.
Es ist nur zwei Jahre her, daß wir die Beziehungen zur Volksrepublik China
anknüpften, und in der gleichen Periode haben die Beziehungen zu unseren
traditionellen Freunden einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht.
Was wir also versuchen werden, ist eine Festigung des Begonnenen, mehr
Nachdruck auf unsere Beziehungen zu Europa und Japan zu legen und während
dieser Amtszeit des Präsidenten den Aufbau eines Gebäudes abzuschließen, das
wir an nachfolgende Administrationen übergeben können, damit bei ihrer Amtsübernahme die Welt ein sichererer Ort sein wird.
Dies wird allerdings eine stärkere Institutionalisierung der Außenpolitik erfordern als bisher. Eine der Anforderungen bei der Übernahme des Außenministeriums wird in der Fähigkeit bestehen, mit den ausgezeichneten Fachleuten zu arbeiten,die noch da sein werden, wenn diese Administration ihre Amtszeit beendet hat, und die, wie zu hoffen steht, die wertvollen Traditionen
fortsetzen werden, die bis dahin geprägt sein werden...
Der Stab des Nationalen Sicherheitsrates wird weiterhin eine interministerielle Rolle spielen. Es wird einen stärkeren personellen Austausch zwischen dem Außenministerium und dem Nationalen Sicherheitsrat geben, als dies
bisher möglich war. Die Einzelheiten dazu möchte ich jedoch bis nach meiner
Bestätigung verschieben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Institutionalisierung der Außenpolitik
wird darin bestehen, den Kongreß in eine enge Partnerschaft zur Entwicklung,
Planung und Durchführung unserer Außenpolitik zu bringen.
Gestern

-2-

�Gestern habe ich jedes Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und wichtige Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses angerufen und ihnen all das dargelegt, was ich Ihnen, meine
Damen und Herren, heute vortrage.
Die Außenpolitik dieser Administration ist nicht auf parteipolitischer,
sondern auf nationaler Basis angelegt, und es ist von entscheidender Bedeutung, daß der Kongreß voll begreift, was wir zu tun beabsichtigen. Selbst in
meiner gegenwärtigen Stellung als Berater des Präsidenten bin ich regelmäßig
mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammengetroffen...
Es sind Fragen aufgetaucht, ob die doppelte Position des PräsidentenBeraters und Außenministers mich veranlassen könnten, das Exekutivprivileg
in Anspruch zu nehmen. Darf ich Ihnen heute darauf antworten: Der Zweck der
Kombination der beiden Positionen ist, wie der Präsident gestern betont hat,
ein Versuch, die Gestaltung der Politik vom Weißen Haus in das Außenministerium zu verlegen, und sie damit der Kontrolle durch den Kongreß und die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen.
Ich gehe daher davon aus, daß ich in allen Fragen (vor dem Kongreß) aussagen werde, in denen traditionsgemäß Außenminister ausgesagt haben... Ich
wäre jedoch nicht in der Lage, über persönliche Gespräche zwischen dem Präsidenten und mir oder über direkte Ratschläge auszusagen, die ich dem Präsidenten gegeben habe - aber ich könnte darüber ohnehin nichts aussagen, und bisher ist auch noch nie ein Kabinettsmitglied aufgefordert worden, etwas über
Gespräche mit dem Präsidenten auszusagen. Die Absicht des Präsidenten geht
auf jeden Fall dahin, die dem Kongreß verfügbare Information zu vermehren...
Die Absicht des Präsidenten und meine Absicht bestehen ferner darin, eine
neue und volle Partnerschaft mit dem Kongreß zu entwickeln, was die Gestaltung einer Politik angeht, die im nationalen Interesse liegt, und jetzt, da
der Vietnam-Krieg hinter uns liegt - und damit die Hauptursache der Spaltung
in diesem Lande über die Außenpolitik - wissen wir, daß wir in der Lage sein

-3-

�sein werden, ein solches Arrangement mit den Mitgliedern der Kongreßausschüsse
und mit all denen, die ich persönlich kenne und mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe, auszuarbeiten.
Und nun noch ein Wort über das Verhältnis des Außenministeriums und unserer Außenpolitik zur Öffentlichkeit. Wenn wir den dauerhaften Frieden erreichen wollen, den wir anstreben, und wenn wir eine außenpolitische Tradition
hinterlassen wollen, die in den nachfolgenden Administrationen von einer unparteilichen Basis getragen wird, dann haben wir die Pflicht, unsere Anschauungen und Zielsetzungen und politischen Entscheidungen der Öffentlichkeit zu
erläutern, und ich habe die Absicht, nach meiner Bestätigung führende Persönlichkeiten der meinungsbildenden Elemente in diesem Lande ins Außenministerium
einzuladen, damit sie uns beraten, wie wir diese Aufgabe am wirkungsvollsten
lösen können.
Wir werden unser Bestes tun, unsere Außenpolitik so offen zu führen,
wie es mit dem uns allen gemeinsamen Ziel vereinbar ist, nämlich einen dauerhaften Frieden herbeizuführen. Das über allem stehende Ziel einer jeden Administration muß,wie ich bereits zu Anfang gesagt habe, sein, die Fluktuationen der täglichen Schlagzeilen von den dauerhafteren Leistungen zu unterscheiden. Und jeder ernsthafte Mensch wird wissen und daran denken, daß das, an was
man sich bei jeder Administration erinnern wird, die Dinge sein werden, die
Bestand haben und zum Wohle unserer Kinder beitragen werden. Und ich kann nur
sagen, daß wir alle Anstrengungen machen werden, um eine friedlichere Welt zu
hinterlassen und ein besseres Amerika - und das ist alles, was ich heute sagen
möchte...
Frage: Herr Dr. Kissinger, ein Sprecher des französischen Staatspräsidenten sagte gestern, daß er zwar einen Besuch begrüßen würde, daß er aber
meine, daß es sich mehr um einen Informationsaustausch handeln würde und daß
es wirklich kein Abkommen auszuarbeiten gäbe und daß er ausdrücklich gegen die
atlantische Gipfelkonferenz sei, die Sie anstrebten. Wie beeinflußt das aus
Ihrer Sicht das Jahr Europas?
Antwort:

�Antwort: Die europäischen Außenminister kommen im September zusammen,
um eine europäische Antwort auf unseren Vorschlag auszuarbeiten. Ich glaube,
daß ich hier nicht Stellung nehmen sollte, bevor wir wissen, wie ihre Antwort aussehen wird, denn es gibt in Europa viele Ansichten.
Frage: Herr Dr. Kissinger, wann plant der Präsident nach Europa zu
reisen, und wie sind heute die Aussichten für eine Art von Grundsatzerklärung,
während er dort ist?
Antwort: Die Frage ist, wann wird der Präsident voraussichtlich nach
Europa reisen, und wie sind die Aussichten für eine Grundsatzerklärung, während er dort ist.
Die Entscheidung über den Zeitpunkt wird nach dem Treffen der europäiischen Außenminister getroffen werden, das im September stattfindet, und bei
dieser Gelegenheit wird er auch beantworten können, was sich ergeben wird;
aber wir gehen davon aus, daß eine Reise des Präsidenten nach Europa um eines
bedeutsamen sachlichen Ergebnisses wegen stattfinden muß und es sich nicht
einfach um eine Galatour handeln darf."

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WELTWIRTSCHÄFTSKONFERENZ IN TOKIO VOR GROSSEN AUFGABEN
-US~Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway

WASHINGTON —(AD)-- Wenn am 12. September in Tokio die Mitglieder des Allgemeinen Zoll~und Handelsabkommens (GATT) auf Ministerebene zusammenkommen,
um sich mit Problemen des Handels zu befassen, dann wird der Ausgang dieser dreitägigen Konferenz von entscheidender Bedeutung nicht nur für das
Verhältnis Europa-Amerika, sondern für die Zukunft der Weltwirtschaft
insgesamt sein.
Der amerikanische Chefdelegierte und Sonderbeauftragte Präsident
Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, sieht immerhin einen Lichtblick darin, daß eine Reihe schwieriger Fragen vorgeklärt
werden konnte - auch wenn noch zahlreiche tiefgreifende Meinungsverschieden™,
heiten herrschen. So hat man sich schließlich auf die Parallelität der Handelsverhandlungen und der Währungsverhandlungen (die am 24, September in
Nairobi beginnen) geeinigt. Zunächst hatte die Europäische Gemeinschaft unter Führung Frankreichs darauf bestanden, daß die Währungsreform zuerst
kommen muß. Mit der Erhöhung des Dollar waren jedoch Besorgnisse über eine
zu günstige Rate für die USA etwas zurückgegangen, und jetzt werden sogar
Stimmen laut, die fragen, warum die USA auf einer Handelsreform bestünden

-1-

�bestünden, da doch durch die Abwertung des Dollar ein kleiner Handelsüberschuß zu verzeichnen sei.
Botschafter Eberle hat hier in einem Interview ganz klar Stellung genommen: "Wir sind niemals davon ausgegangen, daß Handelsgespräche dem Hauptzweck dienten, die Zahlungsbilanz zu korrigieren; sie können dazu beitragen. Aber das beste WährungsSystem der Welt wird nicht funktionieren, wenn
die Mehrheit der Nationen Schranken um sich herum aufgebaut hat, die sie isolieren und die eine Ausweitung des Handels verhindern."
Seit 25 Jahren, so Eberle, hat die Welt Handelsschranken errichtet, die
zu gewaltigen Handelsüberschüssen Japans und anderer Nationen und zu einem
großen Handelsdefizit der Vereinigten Staaten führten. Dieses Ungleichgewicht
kann einmal durch einen Abbau der Handelsschranken und zum anderen durch eine
Reform der Wechselkurse korrigiert werden, aber diese beiden Dinge stehen in
einem inneren Zusammenhang und lassen sich kaum das eine ohne das andere lösen.
Eberle glaubt auch nicht, daß vor der Konferenz in Tokio noch das Problem
einer eventuellen Ausgleichsleistung der Europäischen Gemeinschaft an die
Vereinigten Staaten wegen der Erweiterung des Gemeinsamen Marktes gelöst werden wird. Man hatte sich in den USA eine gewisse Hoffnung gemacht, daß eine
Regelung (für die Einführung der Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen an Stelle der früheren im allgemeinen niedrigeren Einfuhrzölle)
noch vor Beginn der Handelsverhandlungen bekanntgegeben werden könne. Allerdings, so betont Eberle, muß diese Frage gelöst werden, ehe die USA im kommenden Frühjahr in die eigentlichen ernsthaften Verhandlungen eintreten.
Nach Auffassung Eberles braucht der Erfolg der Tokioer Konferenz nicht
durch die - an sich bedauerliche - Tatsache beeinträchtigt zu werden, daß
weder die Vereinigten Staaten noch die Europäische Gemeinschaft mit einem
vollen Mandat an den Verhandlungstisch kommen.
Beim

�*

Beim Gemeinsamen Markt wird es bis Ende dieses wenn nicht bis Anfang
nächsten Jahres dauern, bis die Parlamente der neun Mitgliedsstaaten und
die Europäische Kommission einen gemeinsamen Verhandlungsauftrag erteilt
haben werden . Und der amerikanische Kongreß wird sicherlich nicht bis zum
12. September das neue Handelsgesetz verabschiedet haben, das der Regierung
der Vereinigten Staaten die notwendigen Verhandlungsvollmachten erteilt.
Eberle ist jedoch keineswegs pessimistisch und rechnet damit, daß die
neue Handelsgesetzvorlage bis Ende September oder Anfang Oktober das Repräsentantenhaus passiert haben wird, nachdem sich der Haushaltsausschuß
bereits eingehend - wenn auch noch nicht abschließend - damit befaßt hat.
Bis Ende des Jahres - und damit zum ursprünglich vorgesehenen

Termin -

wird das Gesetz nach Auffassung Eberles auch vom Senat verabschiedet sein.
Offene Fragen im Kongreß sind die allgemeinen Zollpräferenzen für die Entwicklungsländer und die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für die
Sowjetunion. Die Chancen für eine Billigung der ersten Forderung sind nach
Meinung Eberles "gut", während die Annahme des zweiten in der Vorlage gestellten Antrages wegen der sogenannten Auswanderungssteuer für Juden in
der Sowjetunion "fraglich" erscheint.
Nach Auffassung Eberles werden die Vereinigten Staaten und die Entwicklungsländer - die von einer allgemeinen Zollsenkung ohne Frage profitieren
würden - im Laufe der Verhandlungen viele gemeinsame Punkte haben. Die USA
nehmen immerhin einen größeren Prozentsatz von deren Exporten auf als andere Industrienationen.
Die Europäische Gemeinschaft, so meint Eberle weiter, wird nicht auf
eine Erneuerung der umstrittenen Gegenpräferenzen für afrikanische und
andere Entwicklungsländer drängen, die zu einer Assoziierung dieser Länder
mit dem Gemeinsamen Markt und in einigen Fällen zu einem praktischen Ausschluß billigerer amerikanischer Erzeugnisse geführt haben. Diese Ankündigung bezeichnet Eberle als "einen guten Anfang". Allerdings habe die

-3-

�die Europäische Gemeinschaft auch mit anderen Regionen Präferenzen eingeführt, über die gesprochen werden müßte. Schließlich ginge es hier um eine
klare Schädigung des amerikanischen Handels.
Etwas anders betrachtet Eberle Sonderregelungen mit Norwegen, da es
hier ausschließlich um Europa ginge. Eine weltweite Sonderregelung sei
jedoch etwas anderes.

�• amerika dienst
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AMERIKANISCHE VORSTELLUNGEN ÜBER DAS WELTWÄHRUNGSSYSTEM
-US-Finanzministerium veröffentlicht Hintergrundmaterial -

WASHINGTON --(AD)-- Wie sich die Vereinigten Staaten die Reform des Weltwährungssystems in großen Zügen vorstellen, geht aus einer jetzt vom amerikanischen Finanzministerium veröffentlichten Dokumentation hervor. Die wesentlichen Gesichtspunkte dieser zwölfseitigen Darstellung wurden zwar bereits auf der vorjährigen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) bekannt, aber einige Punkte wurden jedoch jetzt im Hinblick auf die
kommende Jahrestagung des IWF im September in Nairobi näher definiert. Vor
allem sollen durch die Veröffentlichung des Finanzministeriums einige Mißverständnisse und falsche Vorstellungen hinsichtlich des amerikanischen
Standpunktes ausgeräumt werden.
Wesentliche Punkte des Papiers sind:
- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß die gegenwärtigen Vereinbarungen, nach denen die Kurse für den Dollar und einige an'»
dere Währungen an den internationalen Devisenbörsen frei nach Angebot und
Nachfrage floaten können, auf lange Sicht eine Reform oder einen Ersatz für
vereinbarte Regeln darstellen.
-Die

�- Die Vereinigten Staaten haben bereits im September vorigen Jahres vorgeschlagen, daß der Stand der internationalen Reserven eines Landes als objektiver Indikator gelten solle, ob ein Überschuß-oder Defizitland etwas zum
Ausgleich seiner internationalen Zahlungsbilanz tun müsse. Allerdings hat
Washington niemals von einem "automatischen" System gesprochen, bei dem auf
das "Signal" des Indikators hin eine Anpassung erfolgen "muß". Die internationale Gemeinschaft soll das Recht haben, das Signal des Indikators außer Acht
zu lassen, wenn es als unberechtigt oder falsch angesehen wird. Das Signal
sollte auf jeden Fall jedoch die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, wobei dem betroffenen Land die Wahl zwischen einer Wechselkursanpassung oder
anderen Maßnahmen zur Korrektur des Zahlungsungleichgewichts frei bleiben
soll.

,

- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß ein System,in
dem der Indikator lediglich Konsultationen auslösen würde, funktionsfähig
wäre. Entscheidungen über Anpassungsmaßnahmen sind für jede Regierung schwierig und unbequem, und es besteht die Tendenz, solche Entscheidungen immer
wieder hinauszuschieben, selbst wenn sie längst fällig gewesen wären. Ebenso sperren sich auch internationale Gruppen, schwierige und politisch heikle
Fragen wie Anpassungsmaßnahmen unverzüglich in Angriff zu nehmen. Nach ame"
rikanischer Auffassung besteht also ohne einen objektiven Indikator die Gefahr, daß die notwendigen Maßnahmen verschleppt oder überhaupt nicht ergriffen werden.
« Die Vereinigten Staaten akzeptieren das Argument anderer Länder, daß
"stabile aber regulierbare Nennwerte" - wie es in dem Kommunique1 des Zwanziger-Ausschusses Anfang dieses Jahres geheißen hatte • den Schwer=und Angelpunkt des neuen Systems bilden sollten. Man ist sich auch einig darüber, daß
die Bandbreiten für Schwankungen dieser Nennwerte größer sein sollten, als
dies vor 1971 zugelassen war. Auf der anderen Seite darf nach amerikanischer
Auffassung aber auch nicht zugelassen werden, daß die Nennwerte selbst in ein

-2-

�ein völliges Mißverhältnis geraten. Daher müßten

rechtzeitig Anpassungen

vorgenommen werden. Nach Ansicht der USA soll allen Ländern auch das Recht
zum Floaten zugestanden werden. Wenn das System von Bretton Woods als einen
seiner Kernpunkte eine Abwertung aus Wettbewerbsgründen verurteilte, dann
muß ein neues System nach amerikanischer Überzeugung eine Unterbewertung aus
Wettbewerbsgründen ebenso scharf verurteilen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es anderen Ländern
freigestellt sein sollte, Dollar oder andere Währungen als Teil ihrer Reserven zu halten, wenn sie dies wünschen. Eine solche freie Wahl würde "ein
wichtiges Element der Elastizität für das System" und die Möglichkeit bieten,
"mit starken kurzfristigen und umkehrbaren Kapitalflüssen fertig zu werden",
ohne daß die betroffenen Länder gezwungen wären, ungerechtfertigte Anpassungen vorzunehmen oder restriktive Maßnahmen einzuführen. Der zulässige Umfang
der angesammelten Devisen würde durch die Grenzen bestimmt, die nach dem amerikanischen Vorschlag für objektive Indikatoren für die Gesamtreserven gesetzt
werden.
- Die Vereinigten Staaten haben einen Vorschlag für ein Reserveausgleichssystem unterbreitet. Ein Vorschlag, der in einem Bericht des Direktoriums des Internationalen Währungsfonds (IWF) enthalten ist, würde vorsehen,
daß ein Land mit einem Zahlungsbilanzdefizit sofort Sonderziehungsrechte (SDR)
- eine vom IWF geschaffene Reservewährung - oder andere Primaerreserven abgibt. Die Vereinigten Staaten haben stattdessen ein System der Konvertibilität vorgeschlagen, bei dem jedes Land bereit wäre, seine von einem anderen
Land erworbene Währung zurückzukaufen und dafür mit Sonderziehungsrechten,
anderen Primärreserven (wie Gold) oder mit der Währung des Landes zu bezahlen,
das auf einen Ausgleich drängt - aber nur wenn das andere Land die Währung
zum Ausgleich anbot. Wenn also das Land, das die Währung erwirbt, diese eine
Zeitlang in seinen Reserven halten will, dann würde nach dem amerikanischen
Plan das Land, dessen Währung erworben wird, nicht sofort Reserven verlieren.
- Die

3-

�- Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß das Gold
nicht von heute auf morgen entmonetarisiert werden, d.h. völlig seiner Verwendung im Weltwährungssystem entzogen und völlig dem privaten Nutzer und
Halter überlassen werden kann. Die Rolle des Goldes sollte jedoch nach amerikanischer Auffassung mehr und mehr zurückgehen und die USA treten daher für
entsprechende Vereinbarungen ein, die jedoch das vereinbarte Ziel nicht gefährden dürfen, die SDR zur Hauptreservewährung zu machen.
- Die Vereinigten Staaten treten für ein Multiwährungs-Interventionssystem ein, d.h. alle Nationen sollen bei einer Intervention auf den Devisenmärkten zur Stabilisierung von Wechselkursen eine Reihe von Währungen kaufen
oder verkaufen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Fragen des Handels, der internationalen Währungsreform und der Investitionen eng miteinander zusammenhängen. Sie haben daher eine engere Zusammenarbeit der mit diesen Fragen befaßten internationalen Gremien vorgeschlagen. Sie sind jedoch
nicht der Ansicht, daß die Währungsverhandlungen das Ergebnis der detaillierten Handelsverhandlungen im GATT abwarten müßten - und umgekehrt daß die Handel sverhandlungen auf die Währungsreform warten müßten.
- Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) auf zweierlei Weise gestärkt wird: Erstens,indem er klarer gefaßte Statuten erhält und zweitens durch die Gewährleistung der Beteiligung
der Mitgliedsstaaten auf höherer Ebene. Nach amerikanischer Auffassung bieten sich mehrere Alternativen für eine strukturelle Verbesserung - so beispielsweise eine Umgestaltung des Executive Board (Rat der Exekutivdirektoren),
ein neuer Exekutiv-Ausschuß (Executive Committee) oder eine Beibehaltung des
Zwanziger-Ausschusses evtl. mit Stellvertretern.

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I II

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33/1973

USA WERDEN AUF MODIFIZIERUNG DER EG-AGRARPOLITIK DRÄNGEN
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungWASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden die Europäische Geraeinschaft drängen, die Handhabung ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik zu modifizieren, wenn vermutlich im März nächsten Jahres in Genf die eigentlichen
Handelsverhandlungen beginnen. Die USA würden jedoch nicht - wie dies mancherots angenommen wird - darauf bestehen, daß Europa seine Agrarpolitik
vollständig aufgäbe. Dies geht aus einem kürzlichen Interview des Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, hervor.
"Wir akzeptieren die Tatsache", so erklärte Eberle, "daß es eine Gemeinsame Agrarpolitik gibt". Schließlich hätten die USA ja auch Programme, die
das Einkommen der Farmer schützen sollten. Die Vereinigten Staaten seien
jedoch gegen die unvernünftig hohen Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die die Dollarabwertung praktisch unwirksam machten.
Dadurch werde es unmöglich, daß die preiswerteren amerikanischen Agrarerzeugnisse die Hürde des Europäischen Marktes überwinden könnten. Auch gegen
die Exportsubventionen wenden sich die USA nach den Worten Eberles. Er könne
sich eine Reihe von Möglichkeiten vorstellen, wie die Europäer ihre Gemeinsame Agrarpolitik ohne diese beiden Erscheinungen handhaben und doch die wesentlichen Ziele der bestehenden Politik wahren könnten.
Für

-1-

�Für den amerikanischen Sonderbeauftragten gibt es keinen Zweifel, daß
der Verbraucher in Europa durch die Abschöpfungsbeträge genau so getroffen
wird wie der amerikanische Farmer. Man könne es sich in Europa nicht leisten,
die Preise zu erhöhen, um die Bauern zu unterstützen. Dies würde nur zu
Lohnerhöhungen führen, was wiederum eine schädliche Auswirkung auf die Wirtschaft hätte. "Daher werden meiner Meinung nach sowohl die Regierungen als
auch die Verbraucher in Europa auf unserer Seite sein", meinte Eberle. Das
heiße natürlich nicht, daß es nicht in vielen Teilen Europas ernsthafte wirtschaftliche und politische Probleme gebe

und dort nach neuen Systemen ge-

sucht werden müsse. Wenn der Gemeinsame Markt eine Senkung der Abschöpfungsbeträge in Erwägung ziehe, so Eberle,dann seien auch die Vereinigten Staaten
bereit, über einen Abbau ihrer eigenen Einfuhrschranken zu sprechen.
Zur Frage, welche Folgen die amerikanischen Exportkontrollen für Sojabohnen auf die am 12. September in Tokio beginnende Welthandelskonferenz haben würden, meinte Eberle, er glaube nicht an größere Auswirkungen. Der
Sonderbeauftragte Präsident Nixons verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß
diese Kontrollen nur vorübergehender Natur seien und daß jedes größere Land
in der Welt sowie die meisten Entwicklungsländer ebenfalls Exportkontrollen
haben. Darüber hinaus hätten die Vereinigten Staaten ihre Agrarproduktion
vergrößert, und der gesamte Zuwachs sei in den Export gegangen. Im übrigen
sei das Problem bei Sojabohnen nicht durch die USA entstanden, sondern durch
ein weltweites Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage, bei dem die Handelspartner Amerikas eine Rolle spielten. "Wir sind immer ein guter, verantwortungsbewußter und verläßlicher Lieferant gewesen", so sagte Eberle. Andere Länder hätten jedoch ihren Bedarf unterschätzt und seien dann urplötzlich
mit enormen Bestellungen an die USA herangetreten. Wer seine Bestellungen
erst nach der Aussaat mache, gehe immer ein großes Risiko ein.
Eberle

�Eberle zog folgendes Fazit: "Wenn man sich mit anderen Nationen an einen
Tisch setzt und das Problem erklärt, dann verstehen sie offensichtlich, warum die Vereinigten Staaten so handeln mußten, wie es der Fall war. Natürlich
werden jene Leute, die uns in die Defensive zu drängen suchen, dies psychologisch gegen uns verwenden."
Das beste Argument,das für einen Abbau der Handelsschranken spricht,
so fügte er hinzu, sei die weltweite Inflation. "Die Menschen wünschen Qualitätslebensmittel zu einem niedrigeren Preis. Die einzige Stelle, von der
sie dies erhalten können, sind die Vereinigten Staaten."

-3-

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33/1973

US-HANDELSBILANZ VERBESSERT SICH WEITERHIN

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat in einer am 24. August veröffentlichten Erklärung darauf hingewiesen,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz im Juli weiter verbessert hat. Der
Außenhandelsüberschuß für den Monat Juli betrug 106 Millionen Dollar; dies
sei ein weiterer Hinweis für einen sich festigenden Handel.
Die Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Außenhandelsüberschuß für Juli in Höhe in 106 Millionen Dollar
läßt erkennen, daß die Verbesserung des grundlegenden Handelsverhältnisses
der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern anhält.
Nach zwei aufeinander folgenden Jahren großer Handelsdefizite wurde im
zweiten Quartal ein geringer Überschuß berichtet. Die Zahlen für den Monat
Juli stellen nun einen weiteren Beweis für eine Festigung der Handelssituation dar.
Dollar
Die Exporte für Juli in Höhe von 5,9 Milliarden/bedeuten einen Höchststand und zeigen eine Verbesserung in zehn aufeinander folgenden Monaten
an. Ein starkes Anwachsen der ausländischen Käufe an Maschinen und industriellen Gütern war die Hauptvariable. Die Agrarexporte nahmen trotz
Preiserhöhungen ab.
Im

-1-

�Im Jahre 1973 haben sowohl der Industrie-als auch der Agrarsektor zu
einer verbesserten Bilanz beigetragen. Wir sollten jedoch nicht die großen
Aufgaben unterschätzen, die für die amerikanische Industrie und Landwirtschaft
bei ihrer Konkurrenz auf den Weltmärkten weiterhin bestehen. Der Handel kommt
allen Ländern zugute, indem er den Lebensstandard erhöht. Dies ist ein dynamischer Prozeß, der die amerikanischen Firmen herausfordert,kreativ und produktiv zu sein, wenn sie voll an diesen wachsenden Märkten partizipieren
wollen.
Eine Ausweitung der Exporte wird zur Stärke unserer Wirtschaft beitragen und die Zahl der unseren Menschen zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze
vergrößern. Verstärkte Exporte werden uns ferner die Möglichkeit an die
Hand geben, für wichtige Importe wie Erdöl und Stahl sowie für attraktive
Verbrauchsgüter bezahlen zu können."

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33/1973

SPURENELEMENTE
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss

--(AD)— Es sind nur winzig kleine Mengen von Metallsalzen und anderen Mineralien, die der menschliche Körper neben den für die Ernährung wichtigen
Stoffen zur Aufrechterhaltung der normalen Lebensvorgänge braucht. Sobald
aber z.B. der Tagesbedarf von 20 Tausendstel Gramm Zink oder von zwei
Tausendstel Gramm Kupfer nicht gedeckt werden kann, treten schwerwiegende
Störungen am Nervensystem und im Stoffwechsel oder bei der Blutbildung
auf. Auf der anderen Seite ist jedoch auch ein Ansteigen des Kupferserumgehaltes über den normalen Wert hinaus ein Alarmzeichen - sie ist dann zu
beobachten, wenn z.B. eine Eisenmangelanämie besteht, wenn Infekte oder
Tumoren vorhanden sind. Die Kontrolle des Kupferserums hilft also mit,
Hinweise auf vielleicht noch gar nicht entdeckte Erkrankungen zu bekommen.
Vielen Wissenschaftlern, die sich mit der Natur und der physiologischen Bedeutung der sogenannten Spurenelemente befassen, ist es unverständlich, daß die klinische Medizin im allgemeinen so wenig Interesse für die
in den letzten Jahren gewonnenen neuen Erkenntnisse zeigt. Diese könnten,
wie Dr. Ross H. Seasly vom Kettering Medical Center (Kettering, Ohio) erklärt, schon für die Diagnose ungemein wertvolle Dienste leisten.
Aus

-l-

�Aus zahlreichen Laboratorien in aller Welt kommen immer wieder neue
Nachrichten über Beobachtungen, die beispielsweise Zusammenhänge zwischen
bestimmten Krankheitsbildern beim Menschen und speziellen Umweltbedingungen
wie geobotanischen oder industriellen Einflüssen erkennen lassen. Und Ergebnisse von Experimenten mit Tieren, an denen man die Auswirkung von Spurenelementen einzeln und kombiniert bei unterschiedlichen Konzentrationen untersucht, sind dazu angetan, Krankheitsbilder und Möglichkeiten zur Verhütung und vielleicht auch Heilung von Krankheiten mehr als bisher unter dem
Gesichtspunkt zu sehen: Welche Rolle spielen die Spurenelemente tatsächlich
bei den physiologischen Prozessen und bei pathologischen Vorgängen im menschlichen Organismus?
Daß für eine Beantwortung dieser Frage weitaus mehr in Betracht gezogen
werden muß als nur die bekannten Effekte der üblicherweise als wichtige
Spurenelemente angesehenen Stoffe wie Kupfer, Mangan, Kobalt, Jod, Fluor,
Zink, Bor, Eisen etc., zeigen eindringlich Forschungsergebnisse aus jüngster
Zeit. Viele wurden, wie Thomas H. Maugh von der amerikanischen Zeitschrift
"Science" in der Ausgabe Nr. 4096 (20. Juli 1973) berichtet, im Juni 1973
auf der 7. Jahreskonferenz der Universität von Missouri über "Spurenelemente
und Umweltmedizin" behandelt.
Die neuen Erkenntnisse gehen über Feststellungen wie z. B. jene weit
hinaus, daß Blei oder Methylquecksilber auch bei geringen Konzentrationen
schwerste Schädigungen - vor allem am zentralen Nervensystem - verursachen
können. Das Spurenelement Selen verwandelt sich innerhalb eines recht kleinen
Spielraums vom lebenswichtigen Stoff in ein Gift. Beryllium wirkt stark
karzinogen und ist außerdem in höherer Konzentration ein Kurzzeitgift, in
schwacher Konzentration ein Langzeitgift für ganze organische Systeme.
Nickelcarbonyl-Verbindungen spielen als Ursache von Lungenkrebs eine Rolle,
und Kadmium, Arsen, Selen und Yttrium rufen bei Labortieren Krebs hervor.
Alles

�Alles in allem scheinen viel mehr Spurenelemente, als bisher angenommen,
die Lebensprozesse aktiv zu beeinflussen. Und offenbar bestehen überaus komplexe Zusammenhänge bei den Wechselwirkungen von Spurenelementen im Organismus und in bezug auf ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Fred Loser (Eastman Dental Center in Rochester, New York) fand bei der Untersuchung menschlicher Zähne, die von Personen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten stammten, nicht weniger als 43 Elemente, die als reguläre Bestandteile beim Aufbau des Zahnschmelzes anzusehen sind. In manchen Zahnproben stellte er darüberhinaus noch weitere 25 Elemente fest. Dagegen traten 30 vornehmlich den schweren Elementen zuzurechnenden Substanzen in keinem einzigen Fall auf.
Die hier zur Debatte stehenden Spurenelemente wurden nicht, wie etwa
Fluor, mit dem Trinkwasser, sondern wohl in erster Linie mit der Nahrung vom
Körper aufgenommen. Obgleich die Mehrzahl von ihnen keinen Einfluß auf die
Entwicklung von Karies zu haben scheint, ist doch anzunehmen, daß Vanadium,
Bor, Strontium, Barium, Lithium, Titan und Aluminium Karies verhüten helfen,
während Blei, Kupfer, Zink, Selen und Chrom die Kariesbildung fördern. Durch
Versuche an Ratten fand Clive C. Solomons (Universität Colorado), daß Molybdän im Zahnschmelz die Zahnstruktur festigt - was auch mit

Berichten über

eine kariesverhütende Wirkung des Molybdäns übereinstimmt -, daß es sich
jedoch auf das Knochensystem ungünstig auswirkt. Bei Anwesenheit von Molybdän wird nämlich weniger Kalzium aufgenommen. Bei den so behandelten Ratten
entwickelt sich Osteoporose. Auch Kadmium hat einen entkalkenden Effekt»
In Volksgruppen, die beispielsweise Pflanzen als Nahrung verzehren, die
entsprechend den jeweiligen Bodenbedingungen mit bestimmten Elementen besonders angereichert sind, entwickeln sich typische, d.h. häufiger als normal auftretende Krankheitsbilder (z.B. Diabetes, Gallensteine, Darmgeschwüre, Bluthochdruck, Lungen- und Brustkrebs bei den Pirna-Indianern in Arizona).
Aber auch in Gebieten mit hohem Zivilisationsstandard sind regional auffäl-

-3-

�auffällige Krankheiten zu beobachten, die auf den Einfluß von Spurenelementen zurückgehen. Die sogenannte

Biertrinker-Kardiomyopathie,die in Omaha

(Nebraska), in Minneapolis sowie 1965 und 1966 in einigen Städten in anderen Ländern zahlreichen Menschen das Leben kostete, dürfte dadurch verursacht worden sein, daß die zur Schaumstabilisierung verwendeten winzigen
Mengen Kobalt die toxische Wirkung des Spurenelements Selen, das in den betroffenen Gebieten natürlichen Ursprungs ist, gesteigert haben. Dr. Robert E.
Burch vom Krankenhaus der Veterans Administration in Omaha fand bei Experimenten an Ratten, daß 10 ppm Selen (10 Anteile auf eine Million Anteile) in
einer eiweißarmen Nahrung das Wachstum der Tiere beeinträchtigten, zur Vergrößerung von Herz und Leber führten und die Konzentrationen von Magnesium,
Kupfer und Mangan in diesen und anderen Organen verringerten.
Blutanalysen auf Spurenelemente scheinen ein noch unausgeschöpftes Reservoir für Zustandskontrollen schwerkranker Patienten und für Frühdiagnosen
bestimmter Erkrankungen zu sein. Dr. A. Flynn (CaseWestern Reserve University
in Cleveland , Ohio) beobachtete ein Ansteigen der Zinkkonzentration im Blut
unter Stress, wie z.B. nach Operationen, Traumen und Verbrennungen, und zwar
proportional zur Schwere der Belastung. Der Zinkspiegel sinkt, wenn sich der
Patient erholt. Dr. M. Nosdrjukina (Institut für Geochemie und analytische
Chemie der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, Moskau) berichtet, daß
der Mangan- und Nickelspiegel im Blut unmittelbar vor einem Herzinfarkt rapide
ansteige, und daß Veränderungen der Normalkonzentration dieser Spurenelemente
schon im Frühstadium der Erkrankung als Kriterien für die Diagnose gelten
könnten.
44+

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SKYLAB-BEOBACHTUNGEN

--(AD)-- Eine riesige "Blase" in der Gashülle der Sonne konnten die
SKYLAB II-Astronauten Bean, Dr. Garriott und Lousraa am 21. August 1973
über längere Zeit beobachten und fotografieren . Das Gebilde erreichte eine
Größe von drei Vierteln des Sonnendurchmessers, der ca. 1,4 Millionen km
beträgt. Die Blase hatte sich an der Ostseite des Sonnenkörpers entwickelt
und stand in Zusammenhang mit einer ungeheuer starken Eruption auf der
Rückseite der Sonne.
Nach Meinung von Dr. Robert MacQueen vom Hochatmosphären-Observatorium in Boulder (Colorado) handelt es sich dabei um"das bemerkenswerteste
Naturereignis seit Beginn des Unternehmens SKYLAB II". Von der Auswertung
der Film-und Fernsehaufnahmen, die die SKYLAB-Besatzung gemacht hat - die
Fernsehbilder wurden sofort zur Erde übermittelt - sowie von den übrigen
Meßdaten im Zusammenhang mit diesem Phänomen auf der Sonne hoffen die
Wissenschaftler, neue Erkenntnisse zu den Wirkungen bzw.Wechselwirkungen
der von der Sonne bei einer Eruption ausgestoßenen Partikelmassen mit der
Sonnenatmosphäre zu erhalten. Daraus könnten sich z.B. auch wichtige Gesichtspunkte für eine detaillierte Erklärung der Vorgänge in der Erdatmosphäre nach heftigen Sonneneruptionen ergeben. Zwar sind manche Effekte
bekannt - z. B. vorübergehende totale Störung des Funkverkehrs, Beeinträch-

-i»

�*

Beeinträchtigung der Funkverbindungen rund um die Erde oder das farbenprächtige Schauspiel der Polarlichter. Von dem tatsächlichen Ausmaß samt
der "Bandbreite" der Wechselwirkungen von Partikeln, elektrischen und magnetischen Feldern mit der Lufthülle der Erde weiß man dagegen noch recht
wenig - ganz abgesehen davon, daß sie wohl auch die biologische Welt an der
Erdoberfläche beeinflussen.
Eine höchst interessante Beobachtung bei Sonneneruptionen machte bereits die SKYLAB 1-Besatzung, die sich vom 25. Mai bis zum 22. Juni 1973
an Bord der Station aufgehalten hatte. Die Sonnenaufnahmen im Röntgenlicht,
die die Astronauten zur Erde zurückbrachten, lassen nämlich vermuten, daß
eine starke Eruption, bei der gewaltige Massen von Sonnenmaterial ausgeschleudert werden, unter umständen zu einer Art Reaktionskette mit weiteren
Eruptionen

in großer Entfernung vom "Herd" führen kann. Sie wird offenbar

durch die auf die Sonne zurückfallenden Materiemassen in Gang gesetzt.
Neben der Beobachtung der Sonne widmen die SKYLAB II-Astronauten aber
auch viel Zeit und Aufmerksamkeit der Mutter Erde. Einer der Höhepunkte der
damit verbundenen Projekte war am 5. August 1973 eine Gemeinschaftsaktion
auf den verschiedensten Beobachtereben en — im Weltraum, an Bord von For—
schungsflugzeugen in der Luft und schließlich auf See im Nordosten des Golfs
von Mexiko durch Wissenschaftler an Bord von Forschungsschiffen, die Besatzungen von Sportfischereibooten sowie mit Hilfe von Meßbojen.
Beobachtungsgebiet war ein fast 10 000 qkm großes Dreieck im Nordosten
des Golfs von Mexiko, das der unbemannte amerikanische Wettersatellit NOAA-2
und SKYLAB mehrmals am Tage überflogen. NOAA-2 und die Raumstation hatten
die günstigsten Positionen, um aufgrund einer Vielzahl von Messungen Daten
zu liefern, die z.B. Aufschluß über Salz-und Chlorophyllgehalt, Temperaturen
und Farbschattierungen im Meerwasser

geben können. Daraus sind wiederum

Rückschlüsse auf den Zustand des betreffenden Meeresgebietes mit Strömungen,
Temperaturschichtungen, aufströmendem nährstoffreichen Wasser, Plankton-

-2-

�Plankton-Konzentrationen, klarem oder trübem Wasser und auf andere Faktoren
zu ziehen, die für die Lebensbedingungen der Fische eine wichtige Rolle spielen.
Neun der 138 beteiligten Seefahrzeuge waren Forschungsschiffe der USBundesbehörde für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA). Bei den übrigen
handelte es sich meist um die Boote von Sportfischern, die in dem betreffenden Seegebiet eine Art Wettfischen nach ganz bestimmten Regeln veranstalteten. Nur sieben Fischarten waren für den Fang zugelassen - unter anderem mehrere makrelenartige Fische und zwei Arten von Thunfisch.
Die Sportangler führten gleichzeitig Aufzeichnungen darüber, was sie an
Fischen gesichtet, aber nicht gefangen hatten. Nach der Rückkehr der SKYLAB IIBesatzung sollen die an Bord der Raumstation erzielten Meßergebnisse mit den
Daten des NOAA-2-Satelliten verglichen und zusammen mit den von den Schiffen
ausgemachten lokalen Beobachtungen ausgewertet werden. Auf diese Weise will
man einfach anzuwendende Meßgrößen erarbeiten, die die Beurteilung erleichtern, ob sich zu einem gegebenen Zeitpunkt in dem oder jenen Seegebiet Fischfang lohnt oder nicht.

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�»

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ZELLEN UNTER DEM PROTONEN-MIKROSKOP

— ( A D ) — Am Enrico Fermi-Institut der Universität Chicago arbeitet Prof.
Riccardo Levi Setti mit einigen Kollegen an der Entwicklung eines neuen
Verfahrens, das mit Hilfe von Protonen den Blick in das Zellinnere ermöglichen soll. Die Technik ähnelt der von Prof. Albert V. Crewe (Universität
Chicago) entwickelten Methode zur Verbesserung des Auflösungsvermögens
beim Raster-Elektronenmikroskop. Im Gegensatz dazu kann jedoch das Protonen-Mikroskop sowohl für Untersuchungen auf Zellebene als auch auf
Molekularebene benutzt werden.
Bei der Zelluntersuchung ergeben sich auf dem Betrachtungsschirm
des Protonen-Mikroskops Abbildungen, die Dichteunterschiede im Gewebe unvergleichlich besser herausheben, als dies mit den herkömmlichen RöntgenMikroaufnahmen möglich ist. Deshalb ist dies ein besonders vielversprechendes Verfahren beim Studium von Krebszellen, die im Vergleich zu gesunden Zellen anomale Dichteverteilungen aufweisen. Professor Setti, der aus
Mailand stammt und der Universität Chicago seit 1956 angehört, erklärt
die Arbeitsweise folgendermaßen: "Das Mikroskop arbeitet bei Energien um
100 Kilovolt. Schnelle Protonen sind im Gegensatz zu Elektronen und Röntgenstrahlen in der Lage, in Materie bis zu einer exakt definierten Tiefe
vorzudringen. Bei einer Beschleunigung auf 100 KV durchdringen sie etwa
1 Mikron, d.h. 1/1 000 mm biologisches Material. Bei einem Zellschnittpräparat von etwa 1 Mikron Dicke vermögen die Protonen gerade noch die

�die Wand zu durchdringen. Innerhalb der Zelle befindet sich der dichte Kern;
im Vergleich dazu weist das Zellplasma eine erheblich geringere Dichte auf.
Jene Protonen, die durch die Zone größter Dichte gehen, werden dort gestoppt. Nur die anderen Protonen, die die leichter durchlässige Zone passieren, sind auf der Rückseite des Präparates wieder zu erfassen."
Die "Geschosse" für das Protonenbombardement liefert ein Abtaststrahl,
der über das Präparat geführt wird. Aus den vom Präparat durchgelassenen Protonen ergibt sich ein Bild, das wichtige Rückschlüsse auf die Bedingungen im
Zellinnern zuläßt. Der besondere Vorteil des Abtastens mit Protonen besteht
darin, daß bei dieser Methode - im Gegensatz zur Untersuchung mit Röntgenoder Elektronenstrahlen - keine Vorbehandlung des Präparats durch Färben
oder Versetzen mit bestimmten Chemikalien zur Verbesserung der Kontraste erforderlich ist. Man untersucht also die Zellen in einem unveränderten Zustand.
Für Untersuchungen auf molekularer Ebene wird ein Auflösungsvermögen
bis zu wenigen Angström (1 A = 1 zehnmillionstel Millimeter) angestrebt, bei
dem Moleküle und sogar Atome sichtbar werden. Dann müßte es bei der Untersuchung einzelner organischer Moleküle beispielsweise auch möglich sein, die
Plätze ausfindig zu machen, wo sich Wasserstoff befindet. Für die biologische und physiologische Forschung hat dies große Bedeutung.
Nach Prof. Setti ist es günstig, mit einer kleinen Partikelquelle zu beginnen, wenn man Elektronen oder andere Partikel beispielsweise auf einen
Punkt von nur wenigen A Durchmesser fokussieren will. Die kleinsten Elektronenquellen sind feine Wolframspitzen. Wird um sie herum ein sehr starkes
elektrisches Feld aufgebaut, indem man die Spitze an eine negative Hochspannungsquelle anschließt, kommt es zur sogenannten Feldemission, umgibt
man aber die gleiche Spitze mit einer Wasserstoff-Atmosphäre oder irgendeinem anderen Gasmedium und kehrt nun das Feld um, so daß die Spitze, elektrisch positiv ist, kommt es zur sogenannten Feldionisation.
Mit

�Mit einer solchen Feldionisationsquelle arbeit Setti jetzt. Sie scheint
die besten Ergebnisse bei sehr tiefen Temparaturen zu liefern. Die Spitzen
müssen mit flüssigem Wasserstoff oder flüssigem Helium gekühlt werden.
Für das Arbeitsmodell ihres Protonen-Mikroskops entwickelten Prof.Setti,
William Escovitz und Thimothy Fox einen besonderen Kryostaten. Sie benutzten
ein von Prof. Crewe und seiner Gruppe gebautes Raster-Elektronenmikroskop
mit 30 Kilovolt Leistung und stellten es auf den Betrieb mit 100 Kilovolt
Spannung um.
Prof. Setti will in enger Zusammenarbeit mit Dr. William Steward die
Anwendungsmöglichkeiten des Protonen-Abtaststrahls für die Zellradiographie
sondieren. Dr. Steward, Assistenzprofessor für Pathologie und Direktor der
Neuropathologischen Abteilung an der Universität Chicago, besitzt bereits
reiche Erfahrung in der Makro-Abbildung von Krebsgewebe und Tumoren mit
energiereichen Protonenstrahlen, die von einem Zyklotron erzeugt werden. Das
neue Projekt Settis soll nun dieses bewährte Verfahren mit der Ausdehnung
dieser Untersuchungsmethode auf den Mikrobereich ergänzen und der Forschung
wie der Diagnose bei Krebs neue Möglichkeiten eröffnen.

+++

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 29.08.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon gibt Wechsel im US-Außenministerium bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schriftwechsel zwischen Nixon und Rogers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger-Pressekonferenz vom 23. August&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftskonferenz in Tokio vor großen Aufgaben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes auf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Vorstellungen über das Weltwährungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Finanzministerium veröffentlicht Hintergrundmaterial -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden auf Modifizierung der EG-Agrarpolitik drängen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eberle nimmt zu Agrarfragen Stellung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsbilanz verbessert sich weiterhin&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spurenelemente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätzt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gertrud Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SKYLAB-Beobachtungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zellen unter dem Protonen-Mikroskop</text>
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Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer 34

6 . S e p t e m b e r 1973

Inhalt
WIRTSCHAFT
Shultz rechnet mit baldiger Einigung über Währungsreform
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers Neuentdeckung des US-Marktes für ausländische Investoren
Von Sam Burks

HINTE RGRUNDMATE RIAL

*

Arbeitsreiche Wochen für den amerikanischen Kongreß
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei Von James S. Aldrich

•n
i
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Seerechtsvertrag vordringlich
Ultravioletteinstrahlung und Hautkrebs-Häufigkeit
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen
Mini-Apparatur soll Bauchspeicheldrüse ersetzen

Um Obersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1973

SHULTZ RECHNET MIT BALDIGER EINIGUNG ÜBER WÄHRUNGSREFORM
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
rechnet damit, daß bis zum Frühjahr kommenden Jahres eine Einigung über die
allgemeinen Grundsätze eines neuen Weltwährungssystems erzielt werden kann.
Shultz umriß am 30. August den Standpunkt der Vereinigten Staaten zur Reform
des internationalen Währungssystems in einem Exklusiv-Interview mit unserem
Korrespondenten Eugene Brake wie folgt:

"Frage: Herr Minister, was sollten nach Ihrer Auffassung die Endziele
der Reform des internationalen WährungsSystems sein? Mit anderen Worten,
welches sind die Kriterien für ein gut funktionierendes internationales Währungssystem?

Antwort: Ein Währungssystem dient dem Zweck, den Fluß des Handels und der
Investitionen und anderer finanzieller Transaktionen unter den Ländern zu erleichtern. Es hat keinerlei Selbstzweck, sondern es soll den Fluß der Dinge erleichtern, die sich in Geld ausdrücken - Handel, Investitionsprogramme, Hilfsprogramme usw.

Frage: Könnten Sie uns etwas darüber sagen, wie sich die amerikanischen
Vorschläge für eine internationale Währungsreform zu diesen Zielen verhalten?

Antwort:

�Antwort: Ein WährungsSystem sollte diesen Fluß des Handels, der Hilfe
und der Investitionen erleichtern, indem es sicherstellt, daß all diese Dinge,
wenn sie zusammenkommen und zusammen die Zahlungsbilanz darstellen, auch wirklich in einem echten Gleichgewicht sind. Das heißt, wenn Länder in ein großes
Defizit geraten, dieses System die Situation so im Griff hat, daß sie etwas
tun, um diese Defizite abzubauen. Auf der anderen Seite sollte das System in
derselben Weise die Korrektive an die Hand geben, die gewährleisten, daß ein
Land, das einen großen Überschuß ansammelt, etwas gegen diesen Überschuß tut.
Das System sollte also gewährleisten, daß insgesamt in dem Fluß des Handels
und anderer Transaktionen die Gesamtsummen in einem vernünftigen

Gleichgewicht

stehen - genauso wie in unserem persönlichen Leben, wo wir Geld verdienen und
Geld ausgeben und wo wir wissen, daß in einer gewissen Zeitspanne diese Dinge
so oder so ausgeglichen sein müssen.

Frage: Glauben Sie, daß unter den Ländern des Zwanziger-Ausschusses (des
IWF) für die internationale Währungsreform allgemeine Übereinstimmung über die
Ziele und die amerikanische Einstellung zu diesen Fragen herrscht?

Antwort: Es herrscht allgemeine Übereinstimmung über die Wichtigkeit der
Neugestaltung des Währungssystems sowie darüber, daß wir ein Währungssystem
brauchen, zu dem die Völker, die die Händler und Investoren der Welt sind, Zutrauen haben. Das ist das Ziel aller. Es wird viel darüber argumentiert, wie
dieses Währungssystem im einzelnen aufgebaut sein sollte. Wir haben eine Reihe
von Ansichten darüber dargelegt, und diese Ansichten sind, wie ich meine, begrüßt und sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft worden. Ich glaube, daß
zumindest einige Länder diese Ansichten überzeugend gefunden haben. Wir haben
auch die anderen angehört. Es hat im Zwanziger-Ausschuß ein guter Austausch von
Informationen und Ideen stattgefunden.

Frage: Haben die Vereinigten Staaten ihre Gedanken über die Währungsreform
aufgrund dieses Meinungsaustausches modifiziert?

Antwort: Wir haben an einem Gesprächsprozeß teilgenommen, wir haben zugehört, und wo wir gefunden haben, daß wir die Auffassung anderer akzeptieren
- 2-

�akzeptieren können, haben wir versucht, sie in unsere eigenen Gedankengänge
aufzunehmen. In diesem Sinne kann ich Ihre Frage mit Ja beantworten.
Frage: Der Zwanziger-Ausschuß hat in den Mittelpunkt des neuen internationalen WährungsSystems die Formulierung 'stabile, aber regulierbare Nennwerte' gestellt. Gibt es über diesen Begriff eine gewisse Übereinstimmung hinr
sichtlich seiner Bedeutung oder gibt es unterschiedliche Interpretationen?

Antwort: Als diese Formulierung eingebracht wurde, bedeutete dies - zumindest meiner Auffassung nach - mehr oder weniger, daß einige recht wesentliche Meinungsunterschiede sozusagen übertüncht worden sind, obwohl diese Formel
in Einklang mit der Vorstellung stand, daß wir von dem neuen Wechselkurssystem
erwarten, daß es weit flexibler sein wird als das alte und größere Möglichkeiten
bieten wird, die Kurse zu verändern. Aber zu jenem Zeitpunkt bestanden große
Meinungsverschiedenheiten darüber, wie der Anpassungsprozeß im einzelnen genau
funktionieren sollte und würde. Seither scheinen sich eine Menge dieser Meinungsverschiedenheiten mehr oder weniger von selbst gelöst zu haben. Heute herrscht
eine sehr viel größere Übereinstimmung darüber, was diese Formel in der Praxis
tatsächlich bedeuten könnte.

Frage: Könnten Sie uns etwas über die Art des sich offensichtlich abzeichnenden Konsenses darüber sagen, was stabil

und regulierbar bedeuten würde?

Antwort: Worauf es hinausläuft ist, daß wir mehr und mehr Arbeit eben dem
Problem gewidmet haben, wie Wechselkursveränderungen vorgenommen würden, wieviel Druck erzeugt würde, um Anpassungen zu erreichen und wie dieser Druck erzeugt werden sollte. Von unserem Standpunkt aus gesehen, war es sehr wichtig,
uns mit den Gedanken aller vertraut zu machen, daß es Veränderungen geben
würde und daß man sie sich symmetrisch -vorstellen müsse, d.h., daß sie sowohl
die Überschußländer als auch die Defizitländer betreffen müssen. Ich glaube,
daß dieser Punkt anerkannt worden ist. Es war interessant, daß die Franzosen,
die allgemein als im Gegensatz zu uns stehend geschildert wurden, einen Negativzins für übermäßig große Reserven vorgeschlagen haben, was ein hartes Korrektiv gegen Überschußländer wäre. Das ist genau die Art von Maßnahmen, auf die

�&lt;

die wir abzielten. Wir meinten, daß der französische

Vorschlag recht inter-

\

essant sei und haben ihn unterstützt.
Frage: Manche Leute haben in der Vergangenheit offensichtlich geglaubt,
daß sehr stabile Kurse oder sogar festgelegte Kurse notwendig seien, um den
Handel zu erleichtern. Die Vereinigten Staaten sind offensichtlich der Auffassung, daß wir mehr Flexibilität brauchen. Warum ist diese Flexibilität so
wichtig?

Antwort: Damit die Wechselkurse voraussagbarer werden, und damit sie einen
Stand erreichen, der dazu beiträgt, eine Anpassung in den Handels- und Investitionsflüssen - mit anderen Worten, der Zahlungsbilanz - herbeizuführen. Die
Welt nach dem zweiten Weltkrieg beruhte auf einem System sogenannter fester
Wechselkurse, aber in Wirklichkeit veränderten sich diese Wechselkurse recht
oft und zwar konvulsivisch. Jedermann verteidigte den Mythos, sie seien fest.
Noch am Abend vor einer großen Änderung pflegte der Finanzminister des betroffenen Landes laut zu erklären, daß er den Wechselkurs niemals ändern würde.

*

Am nächsten Tag pflegte er ihn dann zu ändern. Es gab sehr viel Bewegung,
aber sie war immer mit großen Schmerzen und großer Agonie verbunden. Und so

i

dachten wir also, daß die Notwendigkeit für Veränderungen der Wechselkurse auf
der Hand lag und daß wir eine Methode finden müßten, daß sie öfter und in kleineren
Spannen vorgenommen werden konnte, und vor allem ohne die konvulsivischen Auswirkungen, die sie vorher begleitet hatten.

Frage: Liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, ein Zahlungsbilanzdefizit zu haben, oder liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, einen Zahlungsbilanzüberschuß zu haben? Ich glaube, daß man in der Vergangenheit davon
ausgegangen ist, die Vereinigten Staaten hätten ihr Defizit gerne, und ich
glaube, man ist auch davon ausgegangen, daß einige Länder ihre Überschüsse aufrechterhalten wollten.

Antwort: Es gibt eine Art von neuem Marktantilismus in der Welt, der offensichtlich zu predigen scheint, daß Überschüsse wünschenswert seien. Nach meiner
Überzeugung ist ein Überschuß, der durch mehr Exporte als Importe geschaffen

�geschaffen wird, nicht unbedingt wünschenswert. Der Grund, warum man exportiert,
ist, daß man importieren will. Man arbeitet sozusagen, weil man ein Einkommen
haben möchte, das es einem ermöglicht, die Dinge zu kaufen, die man haben will.
Wenn sich also die Welt damit zufriedengäbe, uns auf ewig ihre Güter zu geben
und niemals die Gegenrechnung aufzustellen, dann wäre das eine große Sache
für die Vereinigten Staaten. Aber wir wissen, daß sich Menschen nicht über
einen längeren Zeitraum so verhalten. Früher oder später werden sie sagen, 'Moment mal, wir sollen Euch nicht immer unser gutes Erdöl und unsere Rohstoffe
und Automobile und Luxuserzeugnisse geben und nie etwas anderes als Bezahlung
erhalten als Papierdollar, die wir niemals einlösen. Wir wollen auch etwas dafür bekommen können'. Man kann also nicht auf ewig im Defizit leben.

Frage: Ich möchte sie gerne zwei Dinge fragen, die, wie ich meine, im Ausland immer ganz und gar mißverstanden wurden: das eine ist die 'Automatik'.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß der Stand der Reserven eines
Landes als 'objektiver Indikator' dafür beobachtet werden sollte, ob eine
Zahlungsbilanzanpassung notwendig ist. Aber soweit ich weiß, haben weder Sie
noch irgendein anderer Sprecher der amerikanischen Regierung je vorgeschlagen,
daß die zu treffenden Maßnahmen schon vorher genau vorgeschrieben und festgelegt würden, so daß die betroffene Regierung keine Freiheit der Wahl hätte.

Antwort: Das ist richtig. Wir haben in aller Deutlichkeit gesagt, daß es
nicht nur keine absolute Automatik geben würde, sondern daß das, was angezeigt
werden würde, die Notwendigkeit einer Anpassung wäre, und daß es wichtig wäre,
der einzelnen Regierung einen weiten Auswahlbereich zu lassen, wie sie mit dem
Problem fertig werden möchte.

Frage: Bei dem anderen, was ich Sie noch fragen möchte, handelt es sich
um das Problem der Konsultation als ersten Schritt zur Anpassung. Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß es wichtig sei, daß die Indikatoren, sofern sie einen bestimmten Punkt erreichen, zur berechtigten 'Annahme' für ein
Tätigwerden seitens des betroffenen Landes führen sollten - sei es im Sinne einer
Wechselkursanpassung oder einer anderen Maßnahme? Warum würden Konsultationen
nicht genügen?
Antwort:

- 5-

�Antwort: Wir halten es für wichtig, daß es Konsultationen gibt und wir

»

haben angeregt, die Ebene der Beteiligung der Länder im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, damit diese Konsultationen mehr Bedeutung gewinnen
können. Aber wir sind auch der Auffassung, daß wir darauf bedacht sein müssen,
nicht immer nur zu konsultieren und niemals Maßnahmen zu treffen. Wenn es ein
ernstes Problem gibt, dann ist es sehr leicht, eine Konferenz einzuberufen
und zu konsultieren und zu erklären, 'wir hatten ein gutes Gespräch1 und dann
auseinanderzugehen, wenn es eigentlich so hätte sein müssen, daß irgendetwas
getan worden wäre. Konsultationen sind schon recht, aber wir müssen so etwas
wie ein festes Gerüst in diesem Prozeß haben. Darum haben wir uns so intensiv
mit den Indikatoren befaßt - Indikatoren, die eine Voraussetzung dafür schaffen
würden, daß auch wirklich Maßnahmen getroffen würden, und darum hat uns der
französische Vorschlag eines Negativzinses für übertrieben große Reserven so
gut gefallen - weil diese Dinge wirklich Maßnahmen auslösen.

Frage: So wie ich es sehe, lassen die jüngsten öffentlichen Formulierungen
des amerikanischen Standpunktes erkennen, daß der Hauptindikator der Stand der
Reserven eines Landes wäre, daß jedoch einem Signal dieses Indikators nicht unausweichlich eine Anpassung folgen müßte. Aus einer Veröffentlichung des, amerika- »
nischen Finanzministeriums geht hervor, daß die internationale Gemeinschaft
die Vollmacht haben würde, den Indikator zu überstimmen, wenn er als falsch
angesehen würde. Wie würde das funktionieren? Wer würde die Entscheidung treffen,
daß in einem bestimmten Fall keine Maßnahme zu treffen wäre?

Antwort: Das wäre die Auffassung des Konsultativgremiums. Irgendein Gremium
des IWF würde sich mit dem Problem befassen - vielleicht die Exekutivdirektoren
oder wenn eine stärkere Beteiligung durch eine Gruppe auf höherer Ebene gegeben
ist, könnten es Fälle geben, in denen sich diese Gruppe damit befassen würde.

Frage: Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß die Überschußländer
ebenso aktiv an der Korrektur von Ungleichgewichten teilnehmen sollten wie die
Defizitländer? Würde das System nicht funktionieren, wenn einfach nur die. Defizitländer abwerten und keine Aufwertungen erfolgen?

&lt;

• n&lt;
••

•

• •

Antwort:
- 6 -

•'.

* i,.~

�Antwort: Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Wir sind der Auffassung,
daß eine Anpassung von beiden Seiten eine raschere Anpassung und eine gerechtere
Anpassung gewährleisten würde. Es könnte beispielsweise so sein, daß ein Land
einen Überschuß hat, weil es hohe Schranken gegen Importe errichtet hat und
seine Exporte sehr stark fördert. Hier muß vielleicht ein Druck ins Spiel gebracht werden, um einen Abbau dieser Importschranken zu erreichen. Das ist einer
der Wege, auf dem eine Anpassung stattfinden wird. Es ist ein Hauptmittel der
Anpassung und wir sollten es nicht wegwerfen.

Frage: Manche Leute scheinen der Ansicht zu sein, daß das oberste Problem
der internationalen Währungsreform die Konvertibilität sei, d.h. die Schaffung
eines Systems, in dem die Vereinigten Staaten nicht in der Lage wären, ihre
Defizite durch die Ansammlung von Dollar durch andere Länder zu finanzieren.
Welchen Standpunkt nehmen die Vereinigten Staaten zu dem Thema der Konvertibilität ein?

Antwort: Wir haben erklärt, daß wir durchaus bereit sind, an einem konvertiblen System teilzunehmen und den ßollar konvertierbar zu halten, wenn die Bedingungen in Ordnung sind. Wenn versucht werden sollte, uns heute konvertierbar zu machen, dann hätten wir nicht die Reserven,um alle die draußen stehenden
Dollar einzutauschen. Daher kann es nicht funktionieren. In einem gewissen Sinne
ist die Konvertibilität etwas, was am besten funktioniert, wenn man es nicht
braucht,und nicht funktioniert, wenn die Leute es verzweifelt herbeizuwünschen
scheinen. Ich möchte jedoch annehmen, daß, wenn man ein System erreichen kann,
das die Aussicht auf ein Gleichgewicht in sich trägt, die Konvertibilität mit
dazu hilft, ein wirksames Korrektiv einzuführen, das dieses Gleichgewicht aufrechterhält, wenn man es erst erreicht hat - wenn es einen echten Druck zur
Anpassung gibt und wenn die Forderung nach Symmetrie erfüllt wird, über deren
Notwendigkeit wir bereits gesprochen haben.

Frage: Im September vorigen Jahres haben Sie, wenn ich mich recht erinnere,
vom Floating als von etwas gesprochen, das man vielleicht auf einer doch eher
kurzfristigen Basis zu tun wünsche. Sind Sie jetzt, nachdem fast jeder seit
6 Monaten floatet, etwas gelassener bezüglich des Floating? Oder schätzen die
- 7-

�die Vereinigten Staaten heute die Nützlichkeit des Floatens anders ein als
vor einem Jahr?

Antwort: Unser Vorschlag sah zwei Arten des Floating vor: Das eine ist ein
zeitweiliges Floaten, bei dem ein Land einen Stand der Wechselkurse erreicht
hat, diese aber aus dem Gleichgewicht geraten sind und man nicht weiß, welches
der richtige Kurs für sie ist, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie
floaten also eine Zeit lang, mit anderen Worten, sie lassen ihre Wechselkurse
nach Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten sich frei bewegen - und durch
das Floating wird der Wechselkurs festgelegt.

Wir hatten auch das Konzept, daß ein Land über einen längeren Zeitraum
floatet, wie es beispielsweise Kanada und Großbritannien getan haben. Wir haben
beides in unserem Plan. Und ich glaube, daß die jüngste Erfahrung, nachdem
die Welt mehr auf der Basis eines floatenden Wechselkurses war, als es dies
seit langer Zeit gegeben hat, den Vorteil gezeigt hat,über diese Möglichkeit
zu verfügen.

Ich glaube, es ist bemerkenswert, daß bei all den Veränderungen und mit
all der Aufregung im WährungsSystem, die wir im letzten Jahr erlebt haben,
der Handel im Gegensatz zu den Voraussagen vieler sich weiterhin ausgeweitet
hat - und sich stark ausgeweitet hat. Das Floating-System scheint also ganz
gut funktioniert zu haben. Es hat den Handel nicht abgedrosselt. Die Leute
haben Mittel und Wege gefunden, sich aus der Affaire zu ziehen und mit einer
sehr viel flexibleren Situation fertig zu werden. Auf der anderen Seite haben
sich - wie ich meine - viele Leute bei der Floating-Situation etwas unwohl
gefühlt und haben die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es wichtig sei,
doch einige Spielregeln für das Floating festzulegen, wenn es denn ein solches
geben soll»und diese Regeln sichtbarer zu machen als bisher.

Frage: An was für Regeln würden Sie denken?
Antwort: Ich würde an Regeln für die Ansammlung von Reserven denken, sowie die Art und Weise und das Ausmaß einer Intervention. Man kann einen soge- 8-

�sogenannten floatenden Kurs haben, wenn es aber starke Marktinterventionen
um
durch das entsprechende Land gibt,/dafür zu sorgen, daß der Kurs sich nicht
wirklich ändert, sondern auf einem bestimmten Punkt bleibt, dann ist das in
Wirklichkeit kein Floating. Es erfüllt nicht den Zweck, den Kurs durch den
Markt beeinflussen zu lassen. Und daher braucht man gewisse Regeln, damit ein
Floating nicht irgendwie dazu benutzt wird, einen besonderen Vorteil aus einer
Situation zu ziehen.
Frage: Hat man daran gedacht, sich mit dem Euro-Dollar zu befassen, wie
etwa durch eine Regulierung des Euro-Dollar-Marktes?

Antwort: Das ist sicherlich ein großes Problem, das noch im Hintergrund
steht. Es steht ein großer Betrag an über die ganze Welt verteilten Dollar aus,
mit dem man, wenn es ein System geben soll, das auf einer internationalen Reserve beruht, wohl in irgendeiner Weise fertig werden muß. Dies stellt ein
Übergangsproblem dar, dem wir und andere uns stellen müssen, und es handelt
sich um ein recht schwieriges Problem.

Wir meinen, daß wir eine gewisse Konsolidierung der Dollar-Guthaben im
Ausland haben müssen, die zum Teil die Grundlage für den Euro-Dollar-Markt bilden.
Das würde darauf abzielen, diesen Markt bis zu einem gewissen Ausmaß auszutrocknen. Aber es ist die Frage, wieweit man diesen Markt austrocknen will.

Frage: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß es ausländischen
Regierungen gestattet sein sollte, Dollar in ihren Reserven zu halten, wenn sie
das wollen?

Antwort: Weil wir der Auffassung sind, daß es dem System etwas mehr
Elastizität geben wird, etwas mehr Raum für die Anpassung, etwas mehr Spielraum, als wenn man alles auf die Grundlage einer festen Zahl von Sonderziehungsrechten stellen würde, die periodisch ausgegeben werden, nämlich gerade einer
ganz bestimmten Zahl. Wenn man zuläßt, daß ein relativ kleiner fluktuierender
Betrag von Devisen in dem System präsent

ist, dann bringt das eine gewisse

Elastizität.
Wir
- 9-

�Wir haben vorgeschlagen, daß, wenn das ausgebende Land keine Einwände
erhebt, es für ein Land möglich sein sollte, Währungen in seiner Reserve
zu halten, wenn es dies wünscht. Andere sind nun wieder der Auffassung, daß
dies keine gute Idee sei und das ist ein gewisser Streitpunkt.

Frage: Gäbe es nach dem amerikanischen Plan eine gewisse Grenze für den
Betrag an Dollar, den andere Länder halten könnten?

Antwort: Nein, wir haben keine spezifische Begrenzung vorgeschlagen.
Selbstverständlich gäbe es schon per defihitionen in dem Plan eine Grenze,
und zwar in dem Sinne, daß wir oder jedes andere Land in der Lage wären, zu
sagen, 'nein, ich will nicht, daß Ihr mehr von meiner Währung haltet'. In
diesem Falle würden andere alle zusätzlichen Beträge, die sie erhalten haben,
zurückgeben müssen.
-

.

Frage: Würden Sie etwas zu dem Zeitplan von Monsieur M. Giscard d'Estaing
für die Verhandlungen über die internationale Währungsreform sagen?

Antwort: Nun, ich möchte sagen, es ist ein vernünftiger Zeitplan und es
ist ein Zeitplan, der viel erörtert wurde: daß wir in Nairobi zusammenkommen
werden, daß wir ein bestimmtes Pensum schaffen werden, daß wir wahrscheinlich
irgendwann im Spätherbst erneut zusammenkommen werden, und daß wir bis zum
Frühjahr ein vereinbartes Paket von Grundsätzen entwickelt haben werden, die
eindeutig genug sind, daß die Juristen die Sache übernehmen und damit beginnen,
Abkommen usw. zu entwerfen. Ich bin überzeugt, daß dies eine Art von Konsens
war, der sich aus der Ministertagung des Zwanziger-Ausschusses ergeben hat,
die wir vor etwa einem Monat in Washington abgehalten haben, und an der auch
Monsieur Gistard d'Estaing teilnahm. Dies stellt seitens vieler Leute ein neues
Denken dar, da viele glaubten, daß es länger dauern würde, diese Aufgabe zu
lösen. Es mag vielleicht länger dauern, aber gegenwärtig sind die Leute einigermaßen optimistisch, daß ein Abkommen erreicht werden kann.

Frage: Wie stellen sich die Vereinigten Staaten vor, daß diese Währungsvorschläge nicht durch Handeln oder Nichthandeln auf dem Gebiet des Handels und
- 10 -

&gt;

�(

und der Investitionen blockiert oder aufgehoben werden?

Antwort: Wir beginnen gleichzeitig mit einer neuen multinationalen Runde
von Handelsverhandlungen. Sie werden im September in Tokio beginnen. Ich bin
sicher, daß die Währungsfragen gelöst sein werden, bevor die Verhandlungsrunde
über Handelsfragen abgeschlossen ist, aber wir haben erklärt, daß diese beiden
Dinge zusammengesehen werden müssen und wir werden weiterhin diesen Punkt in
den GATT-Verhandlungen vorbringen und darauf achten, wie das Währungssystem
nicht nur in der Vereinbarung, sondern auch in seiner Durchführung aussehen
wird."

+ + + + +

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34/1973

NEUENTDECKUNG DES US-MARKTES FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN
Von Sam B u r k s

WASHINGTON - (AD) - Eine immer größere Zahl ausländischer Unternehmer
hat erkannt, welche günstige Investitionsmöglichkeiten der amerikanische Markt
ihnen heute bietet. Und wie in den Aufbaujahren der amerikanischen Wirtschaft
beginnen sie diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Nach Schätzungen eines namhaften Bankhauses in New York beliefen sich die
Aufwendungen ausländischer Unternehmer für den Kauf oder die Ausweitung von
Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten allein im ersten Quartal 1972 und
im ersten Quartal dieses Jahres zusammen auf 1,5 Milliarden Dollar, wobei etwa
zwei Drittel dieser ausländischen Investitionen mit ausländischen Mitteln finanziert wurden.

Die ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten haben
sich nach Angaben eines New Yorker Marktforschungsinstituts in den letzten zehn
Jahren nahezu verdoppelt und beliefen sich Ende 1972 auf rund 14 Milliarden
Dollar. Nach Ansicht des Instituts deuten alle Anzeichen darauf hin, daß diese
Entwicklung sich in den nächsten zehn Jahren noch beschleunigen wird. Unter
den Begriff Direktinvestitionen fallen nicht die Anlagen ausländischer Investoren
in amerikanischen Wertpapieren, die Ende 1972 rund 38 Milliarden Dollar betrugen.
Die von dem Institut - dem Conference Board - vorgenommenen Erhebungen zeigen
weiter, daß sich die Erträge aus diesen ausländischen Investitionen in den USA

- 1 -

�USA seit 1962 verdreifacht haben und daß etwa die Hälfte dieser Erträge von
den ausländischen Investoren abgezogen wurde.

In Kreisen amerikanischer Anlageberater ist man fast einstimmig der Auffassung, daß gerade im Augenblick der Erwerb amerikanischer Fertigungsunternehmen für Ausländer besonders attraktiv ist. Als Grund hierfür wird das Zusammenfallen einer Reihe besonders günstiger Faktoren angeführt. Einmal, so wird
betont, haben die beiden letzten Dollar-Abwertungen dazu geführt, daß für den
Erwerb amerikanischer Firmen oder die Übernahme einer Beteiligung weit weniger
Devisen erforderlich sind, als dies vor dem August 1971 der Fall war. Aber auch
das niedrige Kursniveau an der New Yorker Börse läßt den Erwerb größerer Aktienpakete und damit die Übernahme einer Beteiligung heute erheblich attraktiver
erscheinen.

Das britische Finanzmagazin "The Economist" stellt in seiner Ausgabe vom
14. Juli 1973 fest, daß die Kurse an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn um
rund 16 Prozent gefallen und Aktien, wie General Motors, Ford, Chrysler oder
andere führende Werte besonders günstig erhältlich sind. Für DM, so schreibt

die Zeitschrift, sind amerikanische Firmen heute um rund 30 Prozent billiger
erhältlich

als noch vor zwei Jahren und bei japanischen Yen um circa 25 Pro-

zent. Selbst bei Bezahlung mit britischen Pfund Sterling ergibt sich noch eine
Ersparnis von etwa sechs Prozent.

Ausländische Firmen sind, so betonen diese Kreise, aber auch deshalb am
Erwerb amerikanischer Fabriken interessiert, weil sie hoffen, so etwaige Zollmauern umgehen zu können, die bei einer eventuellen Zunahme protektionistischer
Strömungen in den USA zu Handelsbeschränkungen und damit einer Verschlechterung
ihrer Wettbewerbsposition führen könnten, die sich gerade erst aufgrund der
Dollar-Abwertungen erheblich verbessert hatte. Auch verfügten zahlreiche ausländische Unternehmen bereits vor diesen Dollar-Abwertungen über beträchtliche
Dollarbeträge, so daß sich jetzt für sie die Möglichkeit ergibt, die entstandenen
Abwertungsverluste durch Ankauf amerikanischer Wertpapiere auszugleichen, deren
Kursniveau augenblicklich relativ niedrig ist und bei denen mit einem erheblichen
Kursgewinn gerechnet werden kann, wenn der derzeitige Wirtschaftsaufschwung in
den USA anhält.
Em
- 2-

�Ein weiterer Anreiz für Ausländer zu Investitionen in den USA ist nach
Auffassung dieser Kreise die relativ niedrige Inflationsrate in den Vereinigten
Staaten. Wie die Organisation für Europäische Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) in ihrem Augustbericht betont hat, war die Inflationsrate in Amerika im
Juni trotz erheblicher Preissteigerungen immer noch eine der niedrigsten aller
nichtkommunistischen Ländern. Die von der OECD veröffentlichten Statistiken
zeigen weiter, daß die Vereinigten Staaten in den Jahren von 1968 bis 1972 im
Durchschnitt eine jährliche Inflationsrate von 4,5 Prozent aufzuweisen hatten,
während sie in der Bundesrepublik 5,9 Prozent und in Japan 4,8 Prozent betrug.

Ein weiterer, für ausländische Investoren interessanter Punkt ist die Tatsache, daß die Arbeitskosten in den USA in der letzten Zeit weit langsamer gestiegen sind als in den meisten anderen großen Industriestaaten. Sie erhöhten
sich zum Beispiel in Japan seit 1967 um 82 Prozent und in der Bundesrepublik
um 85 Prozent, während die Zunahme in den Vereinigten Staaten von 1968 bis
1972 lediglich 16 Prozent betrug. Zu einem großen Teil ist dies natürlich ebenfalls auf die Dollar-Abwertungen zurückzuführen.

Aber auch die Bemühungen der amerikanischen Regierung, durch Lockerung
einzelner Bestimmungen ein günstiges Klima für ausländische Investitionen zu
schaffen, haben ihren Zweck nicht verfehlt.

Diese und andere Entwicklungen haben eine Reihe großer ausländischer
Konzerne veranlaßt, sich entweder über Aktienkäufe oder durch direkten Erwerb
eigene Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. So haben eine
britisch-amerikanische Firma den Warenhauskonzern Gimbel Brothers, Lloyds die
Western Bank and Trust Company of Los Angeles, und die schweizer Firma Nestle
die Stouffer Foods, einen bedeutenden Hersteller von Tiefkühlnahrungsmitteln
übernommen. Der Erwerb der Texasgulf Inc. durch die kanadische Development
Corporation und die Übernahme der Ronson Corporation durch die italienische
Firma Liguigas stehen bevor und Michelin, Siemens, Sony sowie weitere bedeutende
Unternehmen haben angekündigt, daß sie eigene Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten errichten wollen. Aber auch zahlreiche andere holländische,

- 3-

�holländische, schweizer, italienische, kanadische und skandinavische Gesellschaften intensivieren ihr USA-Geschäft. Volvo wie auch die Volkswagen AG
haben ihr Interesse an eigenen Montagewerken in den Vereinigten Staaten bekundet.

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ARBEITSREICHE WOCHEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei -

Von James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der 93. Kongreß der Vereinigten Staaten, der am
5. September nach seiner einmonatigen Sommerpause wieder zusammentrat, steht
vor arbeitsreichen Wochen, die auch einiges an Konflikten bringen dürften.
Innenpolitischen Zündstoff enthalten vor allem die Fragen der Abgrenzung der
verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten und des Kongresses: das Recht des
Einsatzes amerikanischer Truppen, die Sperrung von Mitteln, die vom Kongreß
bereits bewilligt wurden, die Billigung von Abkommen, die nicht die Natur von
Verträgen haben, usw. Etwas kontrovers dürften auch geplante gesetzliche Bestimmungen für die Finanzierung von Wahlfeldzügen sein. Weitere innenpolitische
Vorlagen betreffen den Bau einer fast 1300 km langen Pipeline durch Alaska,
Massenverkehrsprojekte und schließlich die eventuelle Umstellung der USA auf
das metrische System. Großen Raum werden natürlich Verteidigungsfragen, die
Auslandshilfe und vor allem das neue Handelsgesetz einnehmen.

Von unmittelbarem und aktuellem Interesse werden jedoch die Anhörungen
und Beratungen über die Nominierung von Dr. Henry Kissinger zum Außenminister
der Vereinigten Staaten sein, die bereits am 7. September beginnen sollen und
sich bis in die kommende Woche erstrecken werden.

Auf

- 1-

�Auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung steht die Finanzierung wichtiger Projekte im Mittelpunkt, wie die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeuges,
des neuen B-1-Bombers, eines neuen Flugzeugträgers mit Nuklearantrieb und der
neuen Unterseeboote des Typs Trident.

Das Repräsentantenhaus hat sich bei der Verabschiedung eines Beschaffungsgesetzes in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar geweigert, eine Höchstgrenze für
im Ausland - vor allem in Europa - stationierte Truppen festzulegen. Der Senat
erwägt jedoch eine Kürzung der amerikanischen Streitkräfte in Übersee - wiederum vor allem in Europa - um 150 000 Mann. Die Frage der Stationierung im Ausland wird wohl das schwerste Hindernis für den Vermittlungsausschuß beider
Häuser darstellen, wenn er im Herbst eine gemeinsame Fassung beider Vorlagen
erarbeiten muß.

Auch eine Einigung beider Häuser in der Frage der Auslandshilfe wird
nicht ganz einfach werden. Das Repräsentantenhaus hat bereits eine Vorlage
verabschiedet, die von der Konzeption ausgeht, daß den Menschen selbst - bilateral - geholfen werden soll, während große Entwicklungsprojekte mehr Aufgabe der multinationalen Hilfsprogramme wären. Einige Senatoren - vor allem
der Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit, Mike Mansfield, und der einflußreiche demokratische Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses , William
Fulbright, - treten für eine stärkere amerikanische Beteiligung an multilateralen Hilfsprogrammen ein, während beispielsweise Senator Hubert Humphrey
eine Vorlage unterstützt, die sich den Vorstellungen des Repräsentantenhauses
nähert.

Präsident Nixon hat für das Hilfsprogramm 2,936 Milliarden Dollar angefordert. Die Vorlage des Repräsentantenhauses sieht 2,833 Milliarden Dollar
für diese Programme vor, von denen 1,046 Milliarden Dollar auf die Wirtschaftshilfe, 1,155 Milliarden Dollar auf die Militärhilfe und 632 Millionen Dollar
auf den Wiederaufbau in Indochina nach Beendigung des Krieges in diesem Jahr
sntfallen sollen. Es ist damit zu rechnen, daß der Senat diese Beträge noch
beschneiden wird.
Der

�1
I

/
L

Der Senat wird außerdem über eine Vorlage abstimmen, die 50,2 Millionen
Dollar für die Tätigkeit des Senders Radio Free Europe und Radio Liberty vorsieht, die die weitere Ausstrahlung von Programmen nach den osteuropäischen
Ländern und der Sowjetunion ermöglichen soll. Nach den Bestimmungen dieser
Vorlage soll ein fünfköpfiges Gremium eingesetzt werden, das die Tätigkeit
der beiden Sender überwacht und die Mittel für ihren Betrieb verteilt.

Senator Fulbright, dessen Ausschuß die Vorlage gegen seine Einwände
billigte, erklärte, daß er einen Zusatzantrag einbringen werde, wonach die
finanziellen Beiträge der amerikanischen Regierung mit Beginn des Jahres
1974 fünfzig Prozent der Ausgaben für die beiden Sender nicht übersteigen
dürften; die restliche Summe sei dann von den europäischen Regierungen und
privaten Quellen aufzubringen.

Das neue Handelsgesetz, das unter anderem Präsident Nixon und seinen Beauftragten die Vollmacht zu Verhandlungen über eine Senkung der Zoll- und
Handelsschranken geben soll, wird voraussichtlich diesen Herbst in der zweiten
Kammer verabschiedet werden. Der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses
hat seine Beratungen darüber schon fast abgeschlossen. Die endgültige Verabschiedung dürfte Anfang nächsten Jahres erfolgen. Das Haus wird in den nächsten
Wochen auch ein Gesetz über die amtliche Festlegung des Wertes des Dollar in
Gold und Sonderziehungsrechten, die Erlaubnis zum privaten Goldbesitz in den
USA, die Meldepflicht von Währungstransaktionen durch multinationale Firmen
sowie die Forderung nach einer internationalen Währungsreform behandeln. Auch
eine Vorlage über Exportkontrollen für knappe Erzeugnisse (Weizen, Sojabohnen
usw.) steht an.

Völlig umstritten ist eine Vorlage über die Bewilligung der Mittel für
das Außenministerium, da hier durch Zusätze ein Verbot künftiger Stützpunktabkommen mit anderen Ländern - es sei denn mit ausdrücklicher Billigung durch
den Senat - sowie eine Offenlegung der Akten für Kongreßausschüsse vorgesehen
wären. Sollte die Vorlage in dieser Form verabschiedet werden - die Chancen
im Repräsentantenhaus stehen 50 zu 50 - dann ist ein Veto des Präsidenten
sicher. Der Präsident wird sich das in der bisherigen Verfassungspraxis ge- 3-

�r
•\

J
geübte Recht des Abschlusses von Abkommen nicht nehmen lassen. Der Billigung
durch den Senat bedürfen nur feierliche internationale Verträge im Sinne des
Völkerrechts.
Ob verfassungsrechtliche Fragen oder finanzielle Fragen, Präsident und
Kongreß werden gemeinsam gangbare Wege finden müssen. Weniger Aufregung aber
sicherlich viel Mühe wird mit einer Vielzahl von Vorlagen verbunden sein, die
eine Verbesserung von Pensionsplänen, Wohnbauförderung für sozial schwache
Bevölkerungsschichten, die Schaffung eines Verbraucherschutzamtes, Massenverkehrsprojekte, Maßnahmen bei Rohölverknappung usw. vorsehen.

Was den "Anschluß" der Vereinigten Staaten an das metrische System angeht,
so

ist die

Ausschuß-Behandlung im Repräsentantenhaus praktisch abgeschlossen,

und die Befürworter hoffen auf eine baldige Debatte im Plenum. Der Senat hat
sich allerdings mit diesem Problem überhaupt noch nicht befaßt.

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34/1973

NEUER SEERECHTSVERTRAG VORDRINGLICH

- (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten dürfen die geplanten Verhandlungen über die Formulierung eines neuen internationalen Seerechts nicht
länger hinausgeschoben werden, nachdem am 24. August 1973 die sechste und
letzte vorbereitende Konferenz in Genf zu Ende gegangen ist. An dieser Tagung
des UN-Komitees für den Meeresboden nahmen die Vertreter von 91 Ländern teil.
Die eigentlichen Verhandlungen über den neuen Seerechtsvertrag sollen im April
*

1974 in Santiago de Chile beginnen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen
wird im November in New York eine Organisationssitzung abhalten, auf der auch
die zuständigen UN-Vertreter gewählt werden sollen.

Schon vor drei Jahren machte Präsident Nixon darauf aufmerksam, daß in der
Unzulänglichkeit des geltenden Seerechts die Wurzel zu möglichen internationalen
Konflikten liege. Der Meeresboden-Ausschuß der Vereinten Nationen, der sich
bisher mit den daraus erwachsenden Problemen befaßte, vermochte jedoch keine
Einigung über neue Formulierungen zu Fragen wie der Ausdehnung der Hoheitsgewässer, der Durchfahrt durch Meerengen, Navigation, Schutz der marinen Umwelt,
Meeresforschung, wirtschaftliche Anrechte von Küstenstaaten auf Gebiete jenseits der Hoheitsgrenze auf See oder eine internationale Verfügungsgewalt und
Behörde für den Meeresboden außerhalb nationaler Hoheitsgrenzen zu erzielen.
Dies veranlaßte eine Reihe von Nationen, vor Beginn der eigentlichen Konferenz
die Einlegung einer siebten Vorverhandlungsrunde zu fordern.

Damit

-

I

-

�Damit würden die allgemeinen Verhandlungen über ein neues Seerecht wieder
hinausgeschoben, was John R. S. Stevenson, der Leiter der US-Delegation für
die Meeresbodenkonferenz, wegen der dann zu erwartenden Fortsetzung der von
mancher Seite praktizierten Willkürhandlungen auf See und der unsicheren Situation für zahlreiche Staaten für gefährlich hält.

Schon während der sechsten Verhandlungsphase gab Mr. Stevenson zu verstehen, daß zwar die ganze Welt daran interessiert sei, wenigsten "Mindestvereinbarungen" über die wichtigsten Fragen zu erreichen, daß es jedoch "keine befriedigende Alternative zu einem internationalen Abkommen gibt." Dieses könne
nur funktionsfähig sein, wenn darin die Interessen aller Nationen im größtmöglichen Umfang berücksichtigt werden. Ein nur mit Stimmenmehrheit angenommener
Vertrag wäre wenig sinnvoll, weil sich dann möglicherweise einflußreiche Länder,
die ihn ablehnen, nicht an seine Bestimmungen halten.

Zu den noch ungelösten alten Problemen, die seit der letzten großen
Konferenz im Jahr 1960 mitgeschleppt werden, sind durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten für die Weltmeere weitere hinzugekommen. Etwa 50 Prozent der Erdölvorkommen der Welt werden im Meeresboden vermutet. Die wichtigsten Reserven
der Zukunft für Kupfer und Nickel sieht man in den Manganknollen-Teppichen, die
auf dem Grund der Tiefsee - außerhalb nationaler Hoheitsgewässer - liegen. Industrie- und Entwicklungsländer, seefahrende Nationen und Binnenstaaten sind
an ihrer Ausbeutung interessiert, für die nun ein für alle akzeptabler Modus
gefunden werden muß. Manche Entwicklungsländer fordern, daß einer internationalen
Behörde das ausschließliche Abbaurecht für die Tiefsee-Mineralien übertragen
werden und daß diese Behörde entscheidet, wer die Vorkommen in welchem Umfang
abbauen dürfe. Industrienationen wie die USA dagegen sind der Auffassung, die
Behörde solle im Rahmen eines Lizenzierungs- und Verordnungssystems die Abbauaktivität regeln und dafür Sorge tragen, daß die internationale Gemeinschaft
in erster Linie durch die Verteilung von Gewinnen und Angebote auf technische
Hilfe Nutzen davon habe.

Mit der starken Ausweitung des Schiffsverkehrs und der industriellen Aktivität im ozeanischen Raum nimmt die MeeresVerschmutzung und die Gefährdung der

�der marinen Umwelt zwangsläufig ernste Ausmaße an, wenn dieser Entwicklung
nicht durch Maßnahmen auf internationaler Ebene Einhalt geboten wird. Den
organisatorischen Rahmen dazu soll eine Konferenz von UN-Mitgliedstaaten erarbeiten, die am 4. September 1973 begann.

Auch die Hochseefischerei gibt immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten. Die
Vereinigten Staaten nehmen den Standpunkt ein, daß Küstenländer

das erste An-

recht an Fischbeständen in ihren jeweiligen wirtschaftlichen Interessengebieten
vor der Küsten haben. Bei Fischarten wie Lachs, die in küstennahen Flüssen
laichen, aber Wanderzüge über Tausende von Seemeilen unternehmen, sollten dem
Herkunftsland die Fangrechte vorbehalten sein, während für andere Spezies wie
Thunfisch, die ebenfalls Wanderzüge über große Entfernungen unternehmen, eine
internationale Kontrolle vorzusehen ist. Dies alles sind nur Einzelbeispiele
für die Unmenge von Fragen und Probleme, die mit der Formulierung eines neuen
Seerechts aus der Welt geschafft werden sollen.

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ULTRAVIOLETTEINSTRAHLUNG UND HAUTKREBS-HÄUFIGKEIT
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen

- (AD) - Seit langem wird vermutet, daß ein Zusammenhang zwischen Ultravioletteinstrahlung der Sonne und Hautkrebs besteht. Um diesen nach Möglichkeit auch beweisen und definieren zu können, installierten kürzlich Wissenschaftler der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) ein Netz
von Meßgeräten, mit denen die jeweilige Menge der ultravioletten Einstrahlung
ermittelt und die Ozonschicht in der Atmosphäre sondiert wird. Gleichzeitig
wird mit Hilfe besonders empfindlicher Dosimeter, die die Reaktion der Hautrötung beim Menschen unter Sonneneinstrahlung nachvollziehen, das Auftreten
und der Grad von "Sonnenbrand" in den von der Überwachungsaktion erfaßten Gebieten registriert. Denn der Verdacht, daß jener Strahlungsanteil des Sonnenlichts, der zu Sonnenbrand führt, auch die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt,
scheint nicht unbegründet zu sein.
Die NOAA-Wissenschaftler arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem Nationalen
Krebsforschungsinstitut, einer Abteilung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) sowie der Temple-Universität in Philadelphia (Pennsylvanien)
und dem Nationalen Wetterdienst zusammen. Die Studie wird z.T. vom US-Verkehrsministerium finanziert, das durch sein Sonderprojekt zur Bewertung klimatischer
Einflüsse ("Climatic Impact Assessment Program") die möglichen Auswirkungen von
Abgasen sehr hochfliegender Flugzeuge auf das Klima

und die normale Struktur

der Atmosphäre zu ergründen sucht.
Das
- 1 -

�Das US-Verkehrsministerium ist deshalb an der Studie besonders interessiert, weil immer wieder die Befürchtung geäußert wird, daß künftige Flotten
von Überschall-Transportflugzeugen und Passagiermaschinen, die zur Erreichung
von Überschallgeschwindigkeiten in großen Höhen fliegen müssen, die schützende
Ozonschicht "verdünnen" oder gar zerstören könnten. An der Erdoberfläche würde
man sehr viel größere Mengen von ultravioletter Strahlung empfangen, wenn diese
nicht von der Ozonschicht absorbiert würde.
Dr. Lester Macha, der Direktor des NOAA-Instituts für Atmosphärenforschung
in

Boulder (Colorado), erklärte in diesem Zusammenhang, daß man genau ermitteln

wolle, wie sich die Sonnenbrand verursachende Sonnenstrahlung mit der geographischen Breite, mit dem Ozongehalt der Luft, mit Staub- und Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre sowie mit verschiedenen meteorologischen Faktoren
verändert. Diese Informationen werden zu Daten in Beziehung gesetzt, die das
Nationale Krebsforschungsinstitut über Art, geographische Verteilung und Häufigkeit von Hautkrebs zusammenstellt.

Die Spezialinstrumente messen Ultraviolettstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 2800 und 3200 Sngström. Der Teil des Spektrums, der Hautkrebs
verursacht, ist allerdings nicht genau bekannt. Jedoch ist anzunehmen, daß
exakte Beobachtungen der unter bestimmten Einstrahlungsbedingungen auftretenden
Hautrötung (eine Folge von Überfüllung und Verstopfung der Kapillaren) und
gründliche Erhebungen zur Frage "Sonnenbrandreaktionen der Haut und Hautkrebs"
die Wissenschaft ein gutes Stück voranbringen werden.

Auffallend ist, daß in südlichen Breiten Hautkrebs häufiger vorkommt
als in den gemäßigten und polnäheren Breiten. Im allgemeinen sprechen diese
Formen von Krebs gut auf Behandlung an und sind nicht lebensbedrohlich. Dennoch
warnen der öffentliche Gesundheitsdienst der USA und die "American Cancer
Society" immer wieder vor dem ausgedehnten Sonnenbad, um einen der möglichen
Faktoren für die Entstehung von Hautkrebs auszuschalten.

Parallel zu den beschriebenen Untersuchungen laufen unter Verwendung der
'.', .eichen Instrumente verschiedene Studien, mit denen man eine Reihe anderer

�anderer biologischer Reaktionen auf Ultraviolettlicht untersuchen will.
Eines dieser Forschungsgebiete ist die Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen
Pflanzenwachstum und UV-Einstrahlung. An diesen Projekten sind jedoch keine
NOAA-Wissenschaftler beteiligt.

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MINI-APPARATUR SOLL BAUCHSPEICHELDRÜSE ERSETZEN

- (AD) - Wissenschaftler des "Joslin Research Laboratory" in Boston
(Massachusetts) entwickelten und erproben derzeit eine Apparatur, die wichtige Funktionen der Bauchspeicheldrüse übernehmen soll. Wie Dr. J. Stuart
Soeldner, Forschungsdirektor des Instituts, in einem Interview mit der "Stimme
Amerikas" erklärte, handelt es sich dabei um ein winziges, implantierbares
Gerät, das fortlaufend den Blutzuckerspiegel ermitteln und entsprechend des
jeweiligen Meßwertes eine Mikrodosis von Insulin in den Körper des Diabetikers
einschleusen soll.

Durch dieses neue Behandlungsverfahren versucht man die beim LangzeitDiabetes häufig auftretenden Komplikationen wie Nierenversagen, Herz- und
Gefäßleiden - oft verbunden mit einer immer stärkeren Beeinträchtigung der
Sehfähigkeit - zu mildern oder ganz auszuschalten. Sie ergeben sich im Laufe
der Zeit, weil der Diabetiker bei der herkömmlichen Behandlung mit InsulinInjektionen einfach nicht in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel ständig innerhalb der günstigsten, normalen Grenzwerte zu halten.

Das Projekt der Forschergruppe um Dr. Soeldner, an dem auch zwei Raumfahrtwissenschaftler (Dr. Chang und Dr. Eisenberg) beteiligt sind, befindet
sich noch im Experimentierstadium. Aber die Wissenschaftler sind sehr optimistisch, daß es ihnen gelingen wird, die "künstliche Bauchspeicheldrüse"
so klein zu halten, daß die Apparatur ohne Schwierigkeit im Unterhautgewebe
am Magen implantiert und ihr Insulinvorrat von außen regelmäßig ergänzt
werden kann.
Dr. Soeldner

�Dr. Soeldner verweist darauf, daß 2, 3 und selbst 4 Insulinspritzen pro
Tag keine Garantie dafür bieten, den Blutzuckerspiegel normal zu halten."Mit
der Funktionstüchtigkeit der gesunden Bauchspeicheldrüse, insbesondere ihrer
Beta-Zellen in den sogenannten Langerhansschen Inseln, konnte sich bisher auch
die beste Therapie mit einer stets aufs Sorgfältigste vorgenommenen Insulineinstellung nicht messen. Es habe, so Dr. Soeldner, den Anschein, als ob die
Beta-Zellen, die das Insulin produzieren, speichern und freisetzen, auch die
Fähigkeit hätten, kontinuierlich den Blutzuckerspiegel zu messen. Und entsprechend dem jeweiligen "Meßwert" geben sie ebenso kontinuierlich die Menge
Insulin ab, die zur Aufrechterhaltung des Normalwertes erforderlich ist.

Die fortlaufende Ermittlung des Glukose-Spiegels ist die eine Schlüsselfunktion der neuen Apparatur, die Freigabe der entsprechenden Menge Insulin
aus dem Nachfüllbehälter die zweite. Der dafür erforderliche Mechanismus wurde
von Dr. Chang und Dr. Eisenberg entwickelt. Er sollte ohne bewegliche Teile
und mit minimalem Energieaufwand funktionieren; außerdem durfte er keinerlei
toxische Verbindungen enthalten oder erzeugen. Das Nachfüllen, das vorläufig
einmal pro Tag erfolgt, soll mit weiterer Vervollkommnung der Apparatur später
auf einmal pro Woche beschränkt werden können. Der Blutzuckerspiegel des
Patienten soll auf diese Weise zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem Normalstand gehalten werden. Wahrscheinlich bedeutet das für ihn auch die Einhaltung
einer weniger strikten Diät - von der Befreiung von ernsten Komplikationen
einmal ganz abgesehen.

+ + + + +

- 2-

�</text>
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Nummer

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12. September 1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß
- Auszüge WIRTSCHAFT
US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus
- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies Von Sam Burks

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen,
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet Von John J. Harter

INFORMATION
Audio-Visuelle Geräte und Systeme
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technik für den Umweltschutz
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss
Schwefelmonoxid im interstellaren Raum

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35/1973

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN US-KONGRESS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 10. September eine Sonderbotschaft an den Kongreß gerichtet, in der dieser ersucht wird, die VorrangGesetzesvorlagen der Regierung vordringlich zu behandeln und zu verabschieden. Amerika, so unterstrich Nixon, "sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die noch gelöst werden müssen".
Die wichtigsten Teile der Botschaft des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Wenn der Kongreß jetzt für die letzten Monate der Legislaturperiode
1973 zusammengetreten ist, steht er erneut vor einer entscheidend wichtigen
Aufgabe.
Unser Land sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die
rasch gelöst werden müssen.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln im Kampf
gegen die steigenden Preise. Und sie wollen, daß jeder mögliche Schritt jetzt
getan wird - nicht erst in einem Jahr oder in der nächsten Sitzungsperiode
des Kongresses.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in
diesem Jahr, damit wir genügend Heizmaterial für unsere Wohnungen, genügend
Energie für unsere Fabriken und genügend Treibstoff für unsere Verkehrsmittel
haben.

�Sie fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in diesem
Jahr, damit Verbrechertum und Drogenmissbrauch bekämpft werden. Der
Prozentsatz schwerer Verbrechen geht zum ersten Male seit 17 Jahren auf
nationaler Ebene zurück, und die Amerikaner wollen, daß diese Entwicklung
anhält.
Es besteht ferner eine dringende Notwendigkeit, die Qualität unserer
Schulen zu verbessern, die Bundesprogramme für unsere Städte und Gemeinden
zu reformieren, eine bessere Berufsausbildung anzubieten, unsere Wohnungsbauprogramme zu reorganisieren, eine Reform unserer Wahlkampfpraktiken
durchzuführen, die Bestand hat, sowie unsere Position auf den Weltmärkten
zu stärken.
Von überragender Bedeutung ist die anhaltende Verpflichtung Amerikas,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten. Unser Volk
lebt jetzt zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in Frieden und
es erwartet von seinen Führern, daß sie alles Erforderliche tun, um den
Frieden zu wahren - unter anderem auch solche Maßnahmen, die die starke
Verteidigungsposition der USA

erhalten.

Gleichzeitig ist klar, daß zahlreiche Kongreßmitglieder

zu Beginn

der Herbstsitzung der Legislative den Wunsch haben, sich vermehrt in die
Regierungsarbeit einzuschalten. Sie möchten, daß das amerikanische Volk
mehr Respekt vor dieser großen Institution hat, und daß ihre Autorität
wächst.
Ich persönlich begrüsse eine solche Renaissance des Kongresses. Aber
ich glaube auch, daß der Präsident eine starke Position haben muß - und
ich werde mich weiterhin allen Bemühungen widersetzen, das Präsidentenamt
solcher Vollmachten zu entkleiden, die es haben muß, um wirksam arbeiten
zu können - doch glaube ich ebenso, daß der Kongreß eine starke Position
haben sollte.
Wenn ich dem Kongreß heute diese Botschaft unterbreite, so möchte
ich seine Aufmerksamkeit auf über 50 Gesetzesentwürfe lenken, die ich im
Laufe dieses Jahres bereits vorgelegt habe. Diese Entwürfe haben jetzt
zusammen mit meinen normalen Ermächtigungsgesetzen höchste Dringlichkeit,

�Dringlichkeit, wenn wir unserer Verantwortung nachkommen wollen.
Im Geiste einer verantwortungsbewußten Zusammenarbeit, die zwischen der
Exekutive und dem Kongreß bestehen muß, wenn wir in diesem Herbst einen
echten Fortschritt erzielen wollen, bin ich voll und ganz bereit, eng mit
den Mitgliedern des Kongresses zusammenzuarbeiten, soweit es um eine Abänderung dieser Gesetzesvorlagen geht ...
Es gibt natürlich beätimmte Prinzipien von entscheidender nationaler
Bedeutung, bei denen es keine Kompromisse geben kann - die Notwendigkeit,
Haushaltsdisziplin zu üben, eine starke nationale Sicherheitsposition zu
behalten und die erforderlichen Vollmachten der Exekutive zu erhalten.
Doch innerhalb diesen Grenzen bin ich bereit, wo immer möglich, praktikable
Kompromisse zur Lösung unserer nationalen Probleme zu suchen.
Keine Frage liegt der amerikanischen Öffentlichkeit heute mehr am
Herzen als die steigenden Verbraucherpreise. Der Kampf gegen die Inflation
muß für uns für den Rest dieses Jahres oberste Priorität haben.
Die Exekutive hat sich bereits aktiv in diesen Kampf eingeschaltet:
- Wir haben nachdrückliche neue Wirtschaftskontrollen verfügt, die zur
Reduzierung der Inflationsrate bis Ende des Jahres beitragen sollen.
- Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung des Lebensmittelangebots ergriffen, so daß die Erzeugung mit der wachsenden Nachfrage Schritt
halten wird. Das Landwirtschaftsgesetz, das den Kongreß im letzten Monat
passiert hat und unterzeichnet worden ist, wird wesentlich hierzu beitragen.
- Drittens hat das Federal Reserve System (US-Bundesbank) angemessene Kontrollen der Geldflüsse innerhalb der Wirtschaft ausgearbeitet, was
für die Eindämmung der Inflation unerläßlich ist.
Wir bewegen uns in der richtigen Richtung, aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir auch die
eine, wichtigste Waffe in unserem Arsenal einsetzen: die Kontrolle des
Bundeshaushalts. Jeder Dollar, um den wir das Defizit im Bundeshaushalt
verringern, ist ein weiterer Schlag gegen Preiserhöhungen. Und wir können
im Augenblick nichts Wirksameres im Kampf gegen die Inflation tun, als das

- 3 -

�das Defizit völlig zu beseitigen und den Bundeshaushalt auszugleichen.
Eines der wichtigsten, dem Kongreß gegenwärtig vorliegenden Gesetze
ist die von mir eingebrachte Vorlage zur Reform des Handels von 1973. Es ist
wichtig, daß dieses Gesetz in den kommenden vier Monaten verabschiedet wird.
Dieses Gesetz bringt die wohl bedeutsamste Reform unserer Einstellung
gegenüber dem Welthandel seit über einem Jahrzehnt. Aber es basiert auf
einer starken Tradition, die seit den Tagen Franklin Roosevelts stets gewahrt wurde, und es gibt der Exekutive die erforderlichen Vollmachten, damit
sie die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen mit anderen Ländern
wirksam vertreten kann.
Die vor uns liegenden Wochen und Monate sind eine besonders wichtige
Zeit für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dieser Monat bringt die
offizielle Eröffnung einer neuen und äußerst wichtigen Runde von Handelsverhandlungen in Tokio und die Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) und
der Weltbank in Nairobi. Die Tagung in Nairobi ist für die Verhandlungen
über eine Reform des internationalen WährungsSystems von größter Wichtigkeit.
Die aus diesen beiden Konferenzen erwachsenden Entscheidungen werden der
Weltwirtschaft auf viele Jahre hinaus eine neue Form geben. Die Vereinigten
Staaten können sich an diesen Gesprächen weit wirksamer beteiligen, wenn
der Kongreß die Hilfsmittel bereitstellt, die das von mir vorgeschlagene
Gesetz für eine Reform des Handels enthält.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine offenere Handelswelt
anstreben. Wir sind der Ansicht, daß künstliche Schranken für den Handel
zwischen den einzelnen Ländern oftmals Schranken für die Prosperität innerhalb dieser Länder selbst bilden. Das Handelssystem sollte jedoch nicht
nur offener sondern auch fairer sein. Der Handel muß für alle Länder nach
gleichen Spielregeln abgewickelt werden - er muß unseren Arbeitern, Farmern
und Geschäftsleuten die Möglichkeit bieten, solche Erzeugnisse, die sie am
billigsten produzieren nach anderen Ländern zu exportieren, sowie als Verbraucher die Güter zu kaufen, die ihre Partner in anderen Ländern am
billigsten herstellen. Für die Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Handelssystem müssen unsere Unterhändler mit Vollmachten ausgestattet sein, die denen ihrer Gesprächspartner aus anderen Ländern entsprechen.

Meine

�Meine Vorlage über eine Reform des Handels enthält eine Reihe solcher
Vollmachten und würde damit unsere Verhandlungsposition stärken. Ich betone
erneut, daß der Kongreß einen Mechanismus schaffen sollte, der ihm für engere
Konsultationen und eine engere Zusammenarbeit mit der Exekutive am besten geeignet erscheint, um sicherzustellen, daß seine Auffassungen angemessen vertreten werden, wenn die Handelsverhandlungen voranschreiten.

Gleichzeitig habe ich aber auch entsprechende Maßnahmen gefordert, um
sicherzustellen, daß die Vorteile eines expandierenden Handels auf faire Weise
allen Teilen unserer eigenen Bevölkerung zugutekommen und kein Teil unserer
Wirtschaft unfaire Lasten auf sich nehmen muß. Meine Vorschläge würden uns
größere Flexibilität für die Gewährung geeigneter Hilfe geben, wenn Importe
schwerwiegende binnenwirtschaftliche Probleme schaffen. Sie würden ferner
unsere Programme für Anpassungshilfe sowie andere

Formen von Kompensation

liberalisieren, um den aufgrund steigender Importe freigesetzten Arbeitern
zu helfen. Sie würden uns weiter in die Lage versetzen, uns besser mit den unfairen Handelspraktiken anderer Länder zu befassen und durch Ausweitung des
Handels einen Teil der zu hohen ausländischen Dollarkredite abzusaugen, die zu
Störungen auf dem Binnenmarkt führen könnten.

Andere in der Vorlage enthaltene

Vollmachten würden uns größere Flexibi-

lität für den Einsatz unserer Handelspolitik im Kampf gegen die Inflation
geben, für die Korrektur unserer Zahlungsbilanz, für die Ausweitung unserer
Exporte und für die Förderung unserer außenpolitischen Ziele. Eine Bestimmung
dieser Gesetzesvorlage würde den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigungsklausel auf solche Länder anzuwenden, die noch nicht in den Genuß dieses
Status kommen. Sie wäre besonders nützlich für die Ziele unserer Außenpolitik,
und ich werde diese Bestimmung weiterhin nachdrücklich unterstützen.

In seiner Gesamtheit stellt das vorgeschlagene Gesetz für eine Reform
des Handels von 1973 einen entscheidend wichtigen Baustein dar, wenn wir uns
jetzt um die Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens in der Welt
und seine dynamische und stabile Wirtschaft im eigenen Land bemühen. Bei den
vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen würde dieses Gesetz es uns ermög- 5 -

�ermöglichen, mehr Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, bessere Absatz-

i

markte für die amerikanischen Erzeuger, umfassendere Möglichkeiten für die
amerikanischen Investoren und niedrigere Preise für die amerikanischen Verbraucher sicherzustellen.

Gesetz zur Regelung des Exports

Die von meiner Regierung am 13. Juni vorgeschlagene Änderung des Gesetzes
zur Regelung des Exports (Export Administration Act) stellt eine weitere Waffe
dar, die im Kampf gegen die steigenden Preise nützlich sein könnte.

Eine der

wichtigsten Ursachen für den jüngsten inflationistischen Preisauftrieb waren
der ungewöhnlich starke Wirtschaftsboom im Ausland und die hieraus resultierende
zusätzliche Nachfrage nach unseren Erzeugnissen. Insgesamt gesehen sollte dieser
Boom als eine gesunde, langfristige Entwicklung für unsere Wirtschaft wie auch
i

für die übrigen Länder gewertet werden. Ich sagte jedoch bereits im Juni:
Wenn wir in den Vereinigten Staaten ernste Verknappungen haben und uns entscheiden müssen, ob wir den Auslands- oder den Inlandsbedarf decken sollen,
'dann muß der amerikanische Verbraucher Vorrang haben'.

Aus diesem Grunde habe ich um neue und flexiblere Vollmachten ersucht, um
bestimmte Kontrollen für Lebensmittel und andere Exportgüter verfügen zu können,
wann und wo sie erforderlich sind. Ich werde jedoch weiterhin ständige Kontrollen ablehnen, weil sie das gesamte Gefüge gesunder Handelsbeziehungen durcheinanderbringen und stören können und so den Kampf gegen die Inflation erschweren. Unsere begrenzten Kontrollen bei Sojabohnen sind am letzten Freitag
abgeändert worden, so daß neue Exportkontrakte voll erfüllt werden könnet;.
Dieser Schritt wurde getan, weil wir überzeugt sind, daß die Vorräte und die
Erträge der neuen Ernte für die Deckung unseres eigenen Bedarfs mehr als ausreichend sind.
Trotzdem ersuche ich weiterhin um die im Juni geforderte Vollmacht, um
sicherzustellen, daß wir notfalls neuen Gegebenheiten schnell entsprechen
können. Ich möchte ferner betonen, daß neue Kontrollen nur verfügt werden,
wenn sie absolut notwendig sind ...
Gesetz
- 6 -

�\.

Gesetz zur Verwertung von Lagerbeständen

Eine weitere wichtige Maßnahme, die der Kongreß im Kampf gegen die
steigenden Preise ergreifen kann, ist die Gewährung der erforderlichen Vollmachten, damit ein Teil unserer nationalen Bestände an strategisch wichtigen
Rohstoffen verkauft werden kann - Rohstoffe, die nicht länger aus Gründen
der nationalen Sicherheit benötigt werden. Ich habe im April um eine solche
Vollmacht ersucht, damit Waren im Wert von 4 Milliarden Dollar aus unseren
Beständen abgegeben werden können. Solche Verkäufe, die eine Steigerung des
Angebots an wichtigen Rohstoffen auf dem Markt ermöglichen, könnten dazu beitragen, dem hart bedrängten amerikanischen Verbraucher Erleichterung zu verschaffen. Weiter könnte dieses Gesetz dazu beitragen, Arbeitsplätze für Arbeiter zu erhalten und zu beschaffen, deren Arbeitsplatz davon abhängig ist,
daß genügend Grundstoffe wie Aluminium, Zinr,und Kupfer, bei denen das Angebot
knapp ist, zur Verfügung stehen.

Die Vorräte der US* an strategisch wichtigen Rohstoffen sind noch immer
auf die wirtschaftlichen und militärischen Realitäten der fünfziger Jahre ausgerichtet - praktisch wurden 95 Prozent der derzeitigen Bestände vor 1959 angekauft. In den siebziger Jahren haben sich jedoch unsere militärischen Erfordernisse geändert - und genauso hat sich unser Wirtschaftspotential, um
ihnen entsprechen zu können, geändert. Die von mir vorgeschlagenen neuen Richtlinien für die Bevorratung würden unsere nationale Sicherheit angesichts dieser
veränderten Realitäten peinlich genau schützen, gleichzeitig aber unsere wirtschaftliche Position wesentlich stärken. Ich bedaure es, daß diese Vorlage in
den letzten Monaten nicht schneller vorangekommen ist. Zwecks Verbesserung der
Wirksamkeit, Sparsamkeit und Preisstabilität ersuche ich erneut um seine
rasche und positive Verabschiedung ...

Vordringliche

- 7-

�Vordringliche Aufgabe auf dem Energie-Sektor

Ich habe schon früher betont, und möchte dies hiermit ganz ausdrücklich
wiederholen, daß die Lücke zwischen dem für Amerika vorausberechneten kurzfristigen Energiebedarf und den uns verfügbaren einheimischen Energiereserven
in einem Maße größer wird, das unsere unmittelbare Aufmerksamkeit erfordert.

Ich bin dabei, alle angemessenen Maßnahmen im Rahmen meiner Kompetenzen
zu ergreifen, um zu einer Steigerung unserer Vorräte und zu einer Abschwächung
unseres Bedarfs zu kommen. Für die weitere Zukunft habe ich Pläne für eine umfangreiche Ausweitung unserer Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen angekündigt, und ich habe Gouverneur John Love, meinen Chefberater in Energiefragen,
gebeten, in Zusammenkünften mit offiziellen Vertretern der Bundesstaaten sich
um eine vorübergehende Modifizierung der Luftqualitäts-Grenzwerte zu bemühen.
Solche Abänderungen würden helfen, im kommenden Winter den Brennstoffmangel

'

zu reduzieren. Darüber hinaus werde ich in Kürze mit Mitgliedern der US-Atomenergie-Kommission zusammentreffen, um zu ermitteln, ob wir Atomkraftwerke
rascher in Betrieb nehmen können. Aber das Energieproblem verlangt mehr als
nur Maßnahmen des Präsidenten. Es verlangt auch, daß der Kongreß handelt.

Es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß der Kongreß nicht auf den Anstoß
durch Energieverknappung wartet, um die Gesetze zu verabschieden, die zur
Deckung unseres Bedarfs notwendig sind. Wir haben regional in diesem Sommer
bereits Unzulänglichkeiten in bezug auf die Benzinversorgung erlebt, und im
kommenden Winter dürfen wir ähnliche Probleme in bezug auf Heizöl haben.

Langfristig gesehen sind die Prognosen für eine ausreichende Energieversorgung der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Wir besitzen die Hilfsquellen
und die Technologie, um unseren wachsenden Bedarf zu decken. Um jedoch den Anforderungen auf weite Sicht gerecht werden und kurzfristige ernste Probleme
vermeiden zu können, müssen wir eine konzentrierte Anstrengung unternehmen, die
die Regierung, die amerikanische Industrie und das amerikanische Volk gleichermaßen mobilisiert.
Ich
- 8 -

i

�Ich habe kürzlich um die Verabschiedung von sieben wichtigen, dem Kongreß
unterbreiteten Energie-Gesetzesvorlagen ersucht. Nicht alle von ihnen können
im gleichen Tempo behandelt werden. Vier sind jedoch von äußerster Dringlichkeit und verlangen eine Entscheidung noch vor Jahresende. Diese vier würden
den Bau der Alaska-Pipeline, den Bau von Tiefwasser-Häfen, die Freigabe der
Erdgaspreise und die Schaffung neuer Standardvorschriften für den Tagebau ermöglichen. Alle vier dieser Gesetzesvorlagen sind sowohl auf unseren kurzfristigen als auch auf unseren langfristigen Bedarf ausgerichtet.

Alaska-Ölleitung

Unser erstes Ziel in bezug auf gesetzliche Maßnahmen - ein Ziel, das noch
in diesem Monat erreicht werden sollte - ist die Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Alaska-Ölleitung. Der Bau der Pipeline würde uns mit zusätzlich 286 000 Tonnen Öl pro Tag versorgen, über die wir die volle Kontrolle
haben und die uns zur gleichen Zeit um drei Milliarden Dollar pro Jahr von notwendigen Importen entlasten würden. Ich habe eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen, um jede weitere Verzögerung im Bau der Alaska Ölleitung zu vermeiden,
und ich stelle mit Genugtuung fest, daß beide Häuser des Kongresses diesen Gesetzesvorschlag mit gewissen Abwandlungen bereits verabschiedet haben. Ich ersuche dringend darum, daß der Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus seine Aufmerksamkeit so bald wie nur irgend möglich diesen Vorlagen zuwendet, damit mit dem Bau der Pipeline begonnen werden kann.

Tiefwasser-Häfen

So lange die einheimischen Hilfsquellen nicht voll erschlossen sind und
der technologische Fortschritt an einem Punkt angelangt ist, an dem genügend
Energiequellen zur Verfügung stehen, sind wir auf die Einfuhr von ausländischem
Erdöl angewiesen. Gegenwärtig sind jedoch die Hafenanlagen unzureichend ausgestattet, um unseren Einfuhrerfordernissen gerecht zu werden.
Wegen
- 9 -

�Wegen unserer begrenzten Hafen-Kapazitäten können die Supertanker, die
gegenwärtig für den Erdöltransport dienen, nicht in beliebigen Häfen an unserer
Atlantikküste entladen werden. Ich habe deshalb Maßnahmen vorgeschlagen, die
zum Bau und Betrieb von Tiefwasser-Häfen ermächtigen, und zwar in einer Weise,
die mit unseren vordringlichen Umweltschutzmaßnahmen in Einklang steht und
die Rechte und Verantwortlichkeiten der betreffenden Bundesstaaten berücksichtigt.

Wir dürfen diese wichtigen Gesetze nicht hinausschieben. Würden wir dies
tun, so bedeutete dies eine weitere Verzögerung wirtschaftlicher Einfuhren von
Erdöl und erhöhte Kosten für den amerikanischen Verbraucher, eine unnötige Gefährdung unserer Küstengebiete und weitere Verluste an Einkünften zugunsten
kanadischer und karibischer Häfen, die bereits in der Lage sind, die Ladungen
großer Supertanker zu löschen.

Erdgas
i

Über mehrere Jahre haben Bestimmungen der Bundesregierung in bezug auf
Erdgas dazu beigetragen, den Preis für dieses Produkt künstlich niedrig zu
halten. Große Industrieverbraucher haben dieses System der Preisregulierung begrüßt - es half ihnen, ihre Brennstoffkosten niedrig zu halten, und da Erdgas
außerdem der sauberste unserer fossilen Brennstoffe ist, hat es sie auch in die
Lage versetzt, Umweltschutz-Vorschriften bei künstlich niedrigen Kosten einzuhalten. Dieses Vorschriftensystem hatte jedoch leider auch zur Folge, daß die
Produzenten entmutigt wurden, ihre Kapazität auszuweiten. Infolge des hohen Verbrauchs durch die Industrie und der gleichzeitigen Zurückhaltung der Produzenten,
neue Erdgasvorkommen zu suchen und zu erschließen, sehen wir uns jetzt einer
Erdgasverknappung gegenüber.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß wir bei Erdgas allmählich auf freie
Marktpreise hinarbeiten, indem wir zulassen, daß sich der Preis für Erdgas
aus neu erschlossenen einheimischen Vorkommen entsprechend dem Angebot und der
Nachfrage auf dem freien Markt einpendelt. Dieses Verfahren müßte zu einer

�einer sichereren Versorgung mit Erdgas zu einem Preis führen, der fühlbar
niedriger ist als der für andere Energiequellen. Obgleich es dabei kurzfristig
zu einer Erdgas-Preiserhöhung kommen kann, dürfte sich diese in engen Grenzen
halten.

Tagebau

Unsere am reichsten vorhandene Energiequelle ist Kohle. Wir müssen lernen,
mehr davon zu verwenden, und wir müssen lernen, dies in einer Weise zu tun,
bei der weder das Land, das wir bewohnen, noch die Luft, die wir atmen, geschädigt werden.

Tagebau ist einerseits die wirtschaftlichste Form von Bergbau, andererseits aber die Methode, mit der die meisten UmweltZerstörungen angerichtet
werden. Die durch Tagebau verursachten Schäden sind jedoch wieder gutzumachen,
das Land ist rekultivierbar. Meines Erachtens trägt die Bergbauindustrie die
Verantwortung dafür, solche Rekultivierungsmaßnahmen zu ergreifen, und ich
meine, man muß dies von ihr verlangen.

Ich habe einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der Normen für die Bodenreklamation festsetzt und Bestimmungen für den gesamten Bergbau über und unter
Tage in den Vereinigten Staaten enthält. Für die Einhaltung dieser Standardvorschriften hätten die Bundesstaaten zu sorgen. Ich ersuche erneut um die Verabschiedung dieser Vorlage, denn sie würde uns in die Lage versetzen, das Angebot
an einem höchst wirtschaftlichen Brennstoff zu steigern und dabei gleichzeitig
die ernsten Umweltschaden, die wir in der Vergangenheit als Preis in Kauf
nehmen mußten, zu verhindern.

Reorganisation der Bundesenergiepolitik

Die oben erörtertenvier Gesetzesvorlagen zum Thema Energie können und
sollten vom Kongreß in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Regierung hat
- 11 -

�hat drei weitere Maßnahmen vorgeschlagen, deren baldige Verabschiedung wichtig,

t

jedoch nicht so vordringlich ist, daß sie noch in diesem Jahr behandelt werden
müßte. Ich möchte hoffen, daß diese Maßnahmen weit oben auf der Liste der in
Zukunft zu behandelnden Gesetzesvorlagen stehen.

Eine dieser Vorlagen sieht eine Reorganisation der Bundesenergiepolitik
vor. Während Energie eines der akutesten Probleme unseres Landes ist, und
während die Erhaltung und effektive Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen
ein zwingendes Gebot unserer Politik darstellt, ist es gegenwärtig unmöglich,
diese miteinander in Beziehung stehenden Ziele in einem koordinierten Verfahren
anzugehen. Unsere Fähigkeit, Hilfsquellen zu bewirtschaften und für unsere Bedürfnisse Sorge zu tragen, darf nicht in den Fesseln alter administrativer
Formen und Institutionen verbleiben.

Ich habe wiederholt erfahren, wie notwendig gründliche Reorganisationen
.
.
.
bei der Exekutive in der Bundesregierung sind. Ich glaube, die Notwendigkeit

•

einer Reorganisation ist auf dem Gebiet der natürlichen Hilfsquellen besonders
akut. Ich habe bereits dringend ersucht - und ich erneuere dieses dringende Er- '
suchen - , ein Ministerium für Energie und natürliche Hilfsquellen zu schaffen,
das es uns erlaubt, mit diesen Fragen in einer umfassenderen und effektiveren
Weise fertig zu werden.
Ich ersuche den Kongreß außerdem, eine neue, unabhängige Behörde für
Energieforschung und

-entwicklung zu schaffen, damit wir in Zukunft den best-

möglichen Gebrauch unserer Forschungs- und Entwicklungsmittel sicherstellen
können. Unsere Anstrengungen auf den Gebieten Forschung und Entwicklung könnten
die ergiebigsten Lösungen für das Energieproblem herbeiführen. Aus diesem
Grunde gab ich kürzlich Pläne bekannt, in den nächsten fünf Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein entsprechendes Programm in die
Wege zu leiten. Der Kongreß braucht in diesem Jahr keine gesetzlichen Maßnahmen
zur Bereitstellung von Mitteln zu ergreifen; aber in den kommenden Jahren wird
es für den Kongreß erforderlich sein, eine solche Ausstattung mit Geldmitteln
zu genehmigen.
Da
:'
- 12 -

�Da die Vorschriften bei den Atomenergie-Hilfsquellen besser und gerechter
durchgeführt werden können, wenn sie nicht mehr mit dem Komplex Entwicklung
und Förderung gekoppelt sind, habe ich außerdem im Reorganisationspaket eine
eigene und unabhängige Atomenergiekommission für die Durchführung dieser bedeutsamen Aufgabe vorgesehen.

Standort von Kraftwerken
Eine der wichtigsten Energiefragen, denen wir uns 1973 gegenübersehen,
ist die, ob wir genügend Strom verfügbar machen können, um unsere Städte zu
beleuchten, Gebäude zu kühlen und zu heizen und unsere Industrie in den kommenden Jahrzehnten mit Betriebsstrom zu versorgen. Eine der Lösungen für dieses
Problem liegt in der gesteigerten Nutzung von Kernenergie. Man schätzt, daß
bis zum Jahr 2000 annähernd die Hälfte der Stromerzeugung in den Vereinigten
Staaten auf Kernenergie basieren wird.

Wir verfügen nunmehr über angemessene Sicherheitsbestimmungen und -maßnahmen, um zu gewährleisten, daß Kernkraftwerke sicher und in bezug auf Umweltschutz akzeptabel sind. Aber die Art und Weise, in der wir manchmal diese
Sicherheitsmaßnahmen anwenden, verursacht unvernünftig große Verzögerungen
beim Bau. In ähnlicher Weise kam es zu unverhältnismäßig langer Verzögerung
bei der Standortsuche für Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten
und noch immer - und dies auch für die nächsten drei Jahrzehnte - den Hauptanteil unserer Stromerzeugungskapazität stellen. Ich habe dementsprechend Gesetzes vorschlage vorgelegt, die den Prozeß der Standortermittlung für Kraftwerke und Stromleitungen vereinfachen, gleichzeitig aber weiterhin öffentliche
Gesundheit und Umwelt voll schützen. Diese Gesetzesvorlage wird seit zwei
Jahren geprüft, und mir liegt außerordentlich viel daran, sie aus den Ausschüssen herauszubekommen und als Gesetz wirksam werden zu lassen.

Wiederherstellung

�Wiederherstellung und Erneuerung unserer Umwelt

i

In meiner Botschaft vom 15. Februar dieses Jahres an den Kongreß konnte
ich berichten, daß unsere Nation aus einer Ära der Vernachlässigung der Umwelt
in eine Ära der Wiederherstellung und Erneuerung der Umwelt eingetreten ist.
Der 92. Kongreß half in den Jahren 1971 und 1972 mit der Verabschiedung einer
Anzahl wichtiger Maßnahmen, um diesen Prozeß in Gang zu bringen.

Leider hat der Kongreß 19 meiner Vorlagen zum Umweltschutz bisher nicht
behandelt, und die Regierung leitete sie deshalb im letzten Winter dem neuen
Kongreß wieder zu. Während die Mehrzahl dieser Maßnahmen noch immer auf Behandlung wartet, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß ihnen der Kongreß seine Aufmerksamkeit zuwendet.

Manche sagen, wir seien das Opfer unseres eigenen Erfolges - insofern
nämlich, als wir auf dem Gebiet des Umweltschutzes wichtige Gesetze verabschiedet haben, und viele nunmehr versucht sind, sich auf diesen Lorbeeren
auszuruhen. Aber eine solche lässige Haltung wäre gefährlich. Es gibt viele Ge- *
biete auf dem Sektor Umwelt, die noch behandelt werden müssen. Drei besonders
wichtige Fragen sind die nationale Politik der Bodennutzung, Vorschriften für
toxische Substanzen und die Gewährleistung der Sicherheit von Trinkwasser ...

Bekämpfung von Verbrechen und Drogenmißbrauch ...

Gesetz zum Heroinhandel

Trotz unserer ermutigenden Fortschritte bei der Ausschaltung der Quellen
für Drogenmißbrauch in Amerika haben wir bei dieser wichtigen Aufgabe noch
einen langen Weg vor uns. Der Schwerpunkt beim Drogenproblem in den Vereinigten
Staaten liegt bei den 'harten Drogen1 - mit Heroin an der Spitze. Heroinhandel
ist mit dem ganzen Spektrum von Kriminalität verflochten, vom international
organisierten Verbrechen bis zum Straßenraub. Der Heroinhandel ist eines der
- 14 -

�der einträglichsten Gebiete krimineller Aktivität, und wir werden niemals in
der Lage sein, damit wirksam fertigzuwerden, bis die Maßnahmen, die wir dagegen zum Tragen bringen können, so schwerwiegend sind, wie heute der damit
zu erzielende Gewinn attraktiv erscheint.

Untersuchungen aus der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß zehntausende jener,
die wegen Rauschgiftdelikten in Haft genommen wurden, sofort wieder für ein
Jahr und länger auf die Straße zurückkehren, wenn es ihnen gelingt, bei den
Gerichten bis zur Verhandlung Zeit zu gewinnen. Noch alarmierender ist die
Tatsache, daß viele Tausende rechtskräftig wegen Rauschgiftdelikten Verurteilter
ihre Gefängnisstrafe niemals antreten. Solche Tatsachen bedeuten, daß die
Strafen für den Handel mit harten Drogen eine unwirksame Abschreckung sind, wenn
man sie mit den möglichen Profiten aus dieser kriminellen Multi-MilliardenDollar-Aktivität vergleicht.
Die Schlußfolgerung ist einfach. Wir brauchen Gesetze, die uns in die
Lage versetzen, Heroinhändler von den Straßen weg zu bekommen. Ich habe einen
Gesetzesvorschlag unterbreitet, der genau das erreichen würde. Er sieht harte
neue Strafen für Heroinhändler vor, einschließlich eines Minimums an zwangsläufig abzubüßenden Gefängnisstrafen. Er würde auch einem Richter erlauben,
die Gefahr für die Allgemeinheit abzuwägen, die sich aus der Freilassung eines
in Haft genommenen Heroinhändlers gegen Kaution ergäbe.

Heroinhandel ist eine eindeutige und allgegenwärtige Gefahr, über deren
schlimme Auswirkungen sich alle vernünftigen Menschen einig sein können. Während zahlreiche Vorschläge, die ich dem Kongreß vorlegte, möglicherweise einer
längeren Zeit der Prüfung bedürfen, ist vernünftigerweise nicht anzunehmen,
daß sich darunter auch jene befinden, in denen es um die Notwendigkeit der
Zerschlagung des Heroinhandels geht. Deshalb ersuche ich darum, daß der Kongreß
sofort den Gesetzesvorlagen seine Aufmerksamkeit widmet,welche uns helfen,
diesen Markt des Elends auszuschalten.
Umstellung

- 15 -

�Umstellung auf das metrische System

Amerikaner halten an ihrer Tradition fest und tun Dinge gern auf ihre
eigene Weise. Nachdem wir von Kindheit an an die Vorstellung von Inch, Meile
oder Pfund (US-Pfund) gewöhnt sind, bereitet es uns begreifliche Schwierigkeiten, uns die Begriffe Zentimeter, Kilometer, Gramm oder Kilo vorzustellen.
Wenn wir uns jedoch überlegen, daß der übrigen Welt unser Maßsystem genau die
gleichen Schwierigkeiten bereitet, dann müssen wir, so traurig das ist, zu
dem Schluß kommen, daß wir außer Tritt sind.

In einer Welt des integrierten Handels und der wachsenden persönlichen
Kontakte ist es für uns nur klug, unsere Vorstellungen und Instrumente der
Maße

und Gewichte anzupassen.

Ich habe dem Kongreß empfohlen, die entsprechenden Gesetze über eine Umstellung Amerikas auf das metrische System zu verabschieden. Dies kann auf
vernünftige Weise geschehen, ohne abrupte oder alles störende Auswirkungen.
Ich freue mich, daß der Vorschlag der Administration gegenwärtig dem zuständigen
Unterausschuß des Repräsentantenhauses vorliegt. Ich bitte darum, daß der Senat
ebenfalls ohne Verzug die Maßnahmen für diese notwendige Umstellung erörtert.

Verteidigung - Außenpolitik - Auslandshilfe
Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt lebt Amerika im Frieden. Nun
müssen wir lernen, diesen Frieden zu erhalten - eine Aufgabe, die zumindest
genau solche Anforderungen stellt und in vieler Hinsicht sogar noch subtiler
ist als das Ringen um die Beendigung des Krieges.

Nach einem Krieg besteht stets die Versuchung, in eine Periode des Rückzugs und der Isolierung einzutreten. Aber gewiß haben wir aus den in der Vergangenheit mit der überstürzten Abrüstung gemachten Erfahrungen gelernt, daß
man dieser Versuchung widerstehen muß. Und sicherlich haben wir auch gelernt,
daß unser Fortschritt bei der Sicherung des Friedens in weitem Maße der Beibe-

�Beibehaltung unserer militärischen Stärke und der standhaften, verantwortungsbewußten Rolle, die wir in der Weltpolitik gespielt haben,zu verdanken ist.

In den letzten Jahren ist es schon beinahe Mode geworden, einfach zu erklären, daß man alles, was wir im eigenen Lande irgendwie an Extraprogrammen
haben wollen, ja mühelos dadurch finanzieren können, daß man das Verteidigungsbudget um fünf oder zehn oder auch zwanzig Milliarden Dollar beschneidet. Diese
Einstellung ist schlimmer als bodenloser Leichtsinn - sie ist selbstmörderisch.
Auch wenn wir das beste Angebot an innenpolitischen Programmen in der ganzen
Welt hätten, so würde dies doch nichts bedeuten, wenn wir unsere Freiheit verloren hätten oder wegen unserer Schwäche in den Abgrund eines nuklearen Krieges
gestoßen würden.

Die Hoffnung der Welt auf Frieden hängt von Amerikas Stärke ab - sie hängt
absolut davon ab, daß wir nie in die Position der zweitstärksten Macht der
Welt zurückfallen ...

Wir sind nun bereits seit Jahren in den langen und mühseligen Prozeß verwickelt, durch Verhandlungen zu einer beiderseitigen Begrenzung der strategischen
Nuklearwaffen zu gelangen. Abkommen von historischer Bedeutung sind bereits
erreicht und weitere stehen in Aussicht. Außerdem finden in diesem Jahr Gespräche statt, die auf eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa gerichtet sind. Aber der eigentliche Punkt, um den es bei all
diesen Verhandlungen geht, ist folgender: Wenn der Friede erhalten bleiben
soll, dann müssen die Begrenzungen und Reduzierungen auf beiden Seiten erfolgen.
Über das,was die eine Seite umsonst herzugeben bereit ist, wird die andere Seite
gar nicht erst verhandeln.

Wenn Amerikas Friede und Amerikas Freiheit wert sind, erhalten zu bleiben,
dann sind sie auch die Kosten wert, die mit dem für ihre Erhaltung jeweils
notwendigen Grad an militärischer Stärke verbunden sind. Wir dürfen nicht in
die Torheit verfallen, den Grad dieser Stärke herabzusetzen und damit unsere
Hoffnungen und die Hoffnungen der Welt auf eine friedliche Zukunft zu untergraben.
Obwohl

�Obwohl mein Budget für die Militärausgaben - gemessen in konstanten
Dollar - seit 1968 um fast ein Drittel herabgesetzt worden ist, droht der
Kongreß mit weiteren Verteidigungskürzungen, die die größten seit 1949 sein
würden. Eine solche einseitige Maßnahme - ohne die genau gleichen Konzessionen
von Seiten unserer Gegner - könnte die Chancen für weitere Rüstungsbegrenzungen
oder -reduzierungen unterminieren. Ich werde daher solchen Kürzungen aktiv
Widerstand entgegensetzen.

Das mit der Sowjetunion im vorigen Jahr unterzeichnete Abkommen über
Rüstungsbegrenzungen hat dem rapiden Anwachsen der Zahl der strategischen Waffen
endlich Halt geboten. Trotz dieses konkreten Erfolges bleibt noch viel zu tun,
um eine kontinuierliche Stabilität zu gewährleisten und unsere Verhandlungen
über ein ständiges Abkommen in bezug auf die strategischen Rüstungen zu unterstützen. Ein energisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm ist unerläßlich,
um die unbedingte Gewähr zu bieten, daß kein Gegner jemals einen entscheidenden
Vorteil durch einen technologischen Durchbruch erzielen wird und daß massive
Dislozierungsaufwendungen daher nicht erforderlich sein werden. Aber der Kongreß
ist dabei, die Mittel für die Forschung und Entwicklung bis unter die von der
Vernunft gebotenen Mindestgrenzen zu beschneiden, einschließlich unserer Programme für Raketen und Luftverteidigung. Auch die Trident- und B-1-Programme,
die für die Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Abschreckung entscheidend
wichtig sind, laufen Gefahr, völlig beschnitten zu werden.

Zu all dem hat der Senat auch noch eine tief einschneidende und unannehmbare Kürzung unserer militärischen Mannschaftsstärke um 156 000 Mann beschlossen. Eine solche Maßnahme würde uns dazu zwingen, die Zahl der Schiffe
unserer Seestreitkräfte zu verringern, während die Sowjetunion ihre Marine
weiterbin in einem bisher beispiellosen Ausmaß ausbaut, und die Stärke unseres
Heeres und unserer Luftwaffe zu reduzieren, während die Sowjetunion und die
Chinesen weiterhin weitaus größere Streitkräfte unterhalten.

Zu diesen Reduzierungen kommt ferner noch ein gewichtiger Vorschlag vom
Senat, der wesentliche einseitige Truppenabzüge aus Europa fordert - ein Fehler,
der eine gefährliche Auflösung des NATO-Bündnisses einleiten könnte. Die Ver- 18 -

�Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen
am 30. Oktober. In diesem Augenblick unmittelbar vor den Verhandlungen würden
Truppenkürzungen in Europa und die Reduzierung der militärischen Mannschaf t.sstärke unsere Chancen zerstören, mit den Staaten des Warschauer Paktes zu
einem Abkommen über die Verringerung der Truppenstärken in Europa auf einer
Basis der Gegenseitigkeit zu gelangen. Würde es dem Kongreß gelingen, diese
geplanten Kürzungen durchzusetzen, dann würden die Vereinigten Staaten weitreichende Konzessionen machen, noch ehe die eigentlichen Gespräche begonnen
haben.

Genau so unannehmbar sind Kürzungen bei anderen Verteidigungsprogrammen.
Es ist wider alle Logik, die Kapazitäten Amerikas in eben dem Augenblick zu
beschneiden, in dem die Sowjetunion ihre eigenen verstärkt. Und es würde
schwierig sein, die heiklen Situationen im Nahen Osten und Asien zu stabilisieren, wenn der Kongreß die wirksamen Mittel nimmt, die die Stabilität möglich machten.

Eine weitere Angelegenheit, die für mich allerersten Rang hat, ist unsere
Verpflichtung gegenüber einem gesunden Programm bilateraler und multilateraler
Auslandshilfe. Ich habe dem Kongreß im Frühjahr vernünftige und annehmbare Forderungen für unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme unterbreitet. Diese
Programme stellen ein zentrales Element in der Befähigung Amerikas dar, mit
seinen Verbündeten für die Erhaltung des Friedens und der Stabilität in der
Welt zusammenzuarbeiten. Unglücklicherweise hat der Kongreß meine Forderungen
nicht günstig behandelt.

Das Repräsentantenhaus hat das Militärhilfeprogramm bereits um 25 Prozent
gekürzt und der Senat hat es um die Hälfte reduziert. Nicht nur wurden die
Mittel in ungewöhnlicher Weise gekürzt, sondern außerdem wurden im Ausschuß
restriktive Zusätze eingebracht, denen im Plenum vielleicht noch weitere
folgen. Ich kann es nicht hinnehmen, daß diese entscheidend wichtigen Programme
in solcher Hast und Reaktion verstümmelt werden.

Die
- 19 -

�r

Die laufenden Hilfsprogramme werden mit Hilfe einer Übergangsermächtigung
finanziert, die am 30. September abläuft. Dieser Zustand ist unbefriedigend, vor
allem angesichts der Anforderungen, die sich aus den nordvietnamesischen Waffenstillstandsverletzungen in Kambodscha ergeben. Dabei will der Kongreß weiterhin
nicht nur geringere Dollarbeträge zur Verfügung stellen, sondern erhebt darüber
hinaus sogar noch die unsinnige Forderung nach Zugang zu heiklen Informationen
und verlangt entgegengesetzt wirkende Bedingungen bei bestimmten Programmen.
Diese Forderungen sind unannehmbar; sie würden unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Welt schwer beeinträchtigen.

Ich habe die Absicht, alles nur erdenkliche zu tun, um die Mittel für die
Sicherheitshilfe-Anforderungen im Haushalt 1974 zu erhöhen. Ich werde mich auch
nachdrücklich gegen alle Versuche des Kongresses wenden, unvernünftige Forderungen zur Beschränkung der notwendigen außenpolitischen Hoheitsrechte der Exekutive durchzusetzen. Ein Geist der überparteilichen Zusammenarbeit hat das
Stahlgerüst gebildet, das Amerika über den kalten Krieg und über Vietnam getragen hat. Wir dürfen die großen Möglichkeiten des friedlichen Fortschritts
in der Nachvietnam-Ära nicht durch den Verlust dieses starken überparteilichen
Geistes gefährden.

Wenn wir ein wirklich dauerhaftes Gebäude des Friedens bauen wollen,
dann muß unser Fortschritt bei der Reform des Handels- und WährungsSystems
der Welt von Anstrengungen begleitet sein, den ärmeren Ländern zu einem gerechteren Anteil an der wachsenden Prosperität der Welt zu verhelfen. Zu diesem
Zweck ersuche ich den Kongreß, unseren fairen Anteil an den Beiträgen zu den
multilateralen Entwicklungsbanken zu bewilligen - sowohl die anstehenden Beiträge, die jetzt dem Kongreß vorliegen, als auch andere Vorschläge, über die
ich gegenwärtig mit dem Kongreß berate und die in naher Zukunft offizell eingebracht werden. Unsere bilateralen Hilfsprogramme sind ebenfalls ein wesentlicher Teil unserer Anstrengungen, die Entwicklung in der Welt zu fördern,
und ich ersuche den Kongreß, diesen Programmen seine volle Unterstützung zu
geben.
All
- 20 -

�All diese Anstrengungen stellen kurzfristige Investitionen in Frieden
und Fortschritt dar, die von gewaltiger langfristiger Bedeutung sind. Wenn
wir versuchen, hier heute ein paar Dollar einzusparen, so kann uns das morgen
weit mehr kosten.

Wenn der Kongreß, die Administration und die Bevölkerung in den kommenden
Wochen zusammenarbeiten, können wir viele in dieser Botschaft aufgezeigte
Ziele erreichen. Und wir werden am wirksamsten zusammenarbeiten, wenn wir im
Auge behalten, daß unsere letztliche Verantwortung nicht gegenüber einer Partei
noch einem geistigen Standpunkt, ja noch nicht einmal gegenüber einem Regierungszweig besteht. Unsere letztliche Verantwortung besteht gegenüber dem
Volk - und alles was wir tun, muß von dessen besten Interessen geleitet sein."

- 21 -

�amerika dienst
&gt;
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35/1973

US-FINANZMINISTER ZEIGT VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat auf einer Pressekonferenz am 7. September im Weißen Haus einen vorsichtigen
Optimismus hinsichtlich der kommenden Handelsverhandlungen und der Reform des
internationalen Währungssystems an den Tag gelegt. Die wesentlichen Auszüge
der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:

"Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich (am 6. September) einige Zeit
allein mit Präsident Nixon verbracht, um die Reise nach Tokio, Nairobi, Moskau,
Bonn und Jugoslawien und die damit verbundenen Zwecke zu erörtern. Und dann
sprachen wir über den Großhandelspreisindex und was hier zu tun wäre ...

Zunächst über die Reise: Wie es der Präsident sieht - und wie wir es alle
sehen - kommen wir im Verlauf weniger Wochen mit unseren Handelspartnern zusammen - als erstes bei der Eröffnung wichtiger Verhandlungen, die mit der Gestaltung des Handels zu tun haben. Darunter fallen Zollschranken und nichttarifäre

Handelsschranken. Dazu werden Erörterungen von Schutzbestimmungen

und -Systemen und von vielen anderen Fragen gehören. Hier handelt es sich um
die Eröffnung eines langen und schwierigen Prozesses - eines Prozesses, der
nach unserer Auffassung für das amerikanische Volk fruchtbar sein wird und
ebenso für andere Völker in der Welt.

Es
- 1 -

�1
Es wird schwierig werden, aber bei der Erörterung von Handelsfragen

J|

sollte doch niemand vergessen, daß es sich im Grunde um eine Situation handelt,
in der jeder gewinnen kann. Wir werden die Interessen der Vereinigten Staaten
hart vertreten, aber in einem Rahmen, in dem jeder aus diesen Verhandlungen
einen Gewinn ziehen kann.

Zweitens werden wir als ein Team zu der Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank gehen, und wir werden an einer weiteren Tagung
des Zwanzigerausschusses teilnehmen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte auf
dem Gebiet der internationalen Währungsreform, und wir werden, das liegt auf
der Hand, auch die Probleme der Entwicklungsländer und der Gewährung von Hilfe
an diese Länder erörtern.

Wir werden dann weiter nach Rußland reisen. Diese Reise war zur Zeit
des Gipfeltreffens dort vereinbart worden. Es wird eine reguläre Sitzung der
Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission stattfinden und wir werden eine
Reihe von Fragen erörtern, die für die weitere Arbeit dieser Kommission grundlegend sind. Und dann werde ich über Bonn zurückreisen, um dort mit meinem
Freund Helmut Schmidt zusammenzutreffen und vor der Deutschen Gesellschaft
für

Auswärtige Politik zu sprechen. Anschließend werde ich einen Gegenbesuch

in Jugoslawien machen. Diese gsamte Reise ist ein Versuch, unsere internationale
Wirtschaftspolitik im Interesse einer friedlichen und aufblühenden Welt weiter
voranzutreiben.

Ich freue mich, im Zusammenhang hiermit - und das betrifft die Weltwirtschaft - in Namen des Präsidenten bekannt geben zu können, daß wir im Weißen
Haus eine Konferenz des Präsidenten über Exportausweitung veranstalten werden.
Diese Konferenz wird am 11. Oktober um 0145 PM (Ortszeit) im Ostzimmer des
Weißen Hauses beginnen. Wir rechnen mit einer Teilnahme von rund 250 Vertretern
führender Exportunternehmen aus allen Teilen der USA. Handelsminister Dent
wird auf dieser Konferenz federführend sein.

Ich möchte betonen, daß die Unternehmer nicht auf diese Weise zum Export
angehalten werden sollen, sondern es soll ihnen aufgezeigt werden, daß die

- 2 -

�die amerikanischen Erzeugnisse jetzt überall auf der Welt wettbewerbsfähig
sind. Es liegt nunmehr bei unseren Unternehmen, unseren Produzenten, diese
Tatsache zu nutzen und in das Exportgeschäft einzusteigen. Dadurch werden
Arbeitsplätze und die Voraussetzungen geschaffen, daß wir die benötigten wichtigen Importe bezahlen können.

Neben der Erörterung dieser Fragen werden wir uns natürlich auch mit all
den Punkten befassen, die vorgebracht werden und den Export erschweren könnten
und bei denen die Regierung helfen könnte ...

Einmal zeigen die statistischen Berichte über die Arbeitsmarktentwicklung ... daß die Wirtschaft stark ist und die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
niedrig bleibt ... Auf der anderen Seite erleben wir ein schreckliches Drama
- das Problem der steigenden Preise - das uns bedrückt und das durch den heute
veröffentlichten Index der Großhandelspreise noch dramatisiert wird ...
Wie Sie wissen, wurden diese Zahlen Mitte August zusammengestellt ... Greift
man verschiedene Agrarprodukte heraus und nimmt man die prozentuale Veränderung
gegenüber dem Höchststand bei dem betreffenden Produkt Mitte August ..., dann
ergeben sich folgende Zahlen: Sojabohnen minus 47 Prozent, Sojabohnenschrot
minus 56 Prozent, Sojabohnenöl minus 41 Prozent, Weizen minus 10 Prozent Weizen hat noch eine anziehende Tendenz -, Mais minus 30 Prozent, Rinder
minus 15 Prozent, Schweine minus 35 Prozent - allein gestern ein Rückgang um
5 Dollar pro 1O0 Pfund Lebendgewicht - Brathähnchen minus 27 Prozent ...

Frage: Wenn Sie jetzt die Statistiken über den Rückgang der Preise für
Agrarprodukte während der letzten Tage anführen, wollen Sie den Verbrauchern
damit sagen, wie Sie das in der Vergangenheit wiederholt getan haben, daß das
Schlimmste nunmehr hinter uns liegt?

Antwort: ... Dieser Rückgang hat praktisch ... Tag für Tag seit dem Höchststand, den die Großhandelspreise erreicht hatten, angehalten, und wenn die
Preise auf dem derzeitigen Stand bleiben oder noch weiter nachgeben, dann
dürfte das bedeuten, daß auch die Lebensmittelpreise zurückgehen werden. Und
natürlich hängt dies auch zu einem großen Teil von der Ernte, nicht nur hier,
- 3-

�hier, sondern auch im Ausland, ab. Die Ernte ist noch nicht eingebracht, die
Aussichten sind jedoch sehr gut, und natürlich bemühen wir uns sehr um eine erneute wesentliche Ertragssteigerung im kommenden Jahr. Das ist es, was wir zur
Lösung des Problems unternehmen ...

Frage: Herr Minister, die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr für
über eine Milliarde Dollar Weizen an die Sowjetunion verkauft ... Können Sie
uns sagen, ob hier ein Trugschluß hinsichtlich der Auswirkungen für die amerikanische Landwirtschaft vorlag und ob diese neue Konferenz zu weiteren Agrarexporten anspornen soll?

Antwort: Der amerikanische Weizen ist wettbewerbsfähig; allerdings ist
es interessant, daß wir aus anderen Ländern Beschwerden über zu hohe Preise erhalten, daß sie nicht so viel kaufen können, wie sie möchten, und ob wir nicht
ihre Käufe subventionieren könnten.

Und wir sagen: 'nein ... Ihr bezahlt genau den gleichen Preis, den die
Amerikaner bezahlen'. Und das wirkt sich natürlich meines Erachtens erheblich
auf die Auslandsnachfrage aus ... Zum Beispiel erhalten wir jetzt aufgrund
des vom Präsidenten im Juni angeordneten Programms im voraus Informationen
über die Exportpläne, und uns liegen Zahlen über das vor, was im August geschehen soll ... Ich glaube, die Größenordnung liegt etwa zwischen 3,2 uni
4,1 Millionen Tonnen ...

Nach dem Stand vor Beginn der letzten Augustwoche sind 2 177 Millionen
Tonnen exportiert worden. In der letzten Augustwoche dürfte es noch etwas mehr
geworden sein. Wir haben diese Zahlen noch nicht vorliegen, aber es ist klar,
daß die tatsächlich exportierten Mengen wahrscheinlich nicht mehr als zwei
Drittel der ursprünglich für den Export vorgesehenen Menge ausmachten. Es ist
viel Spekulation und viel Luft in diesen Zahlen, und dies wird meines Erachtens nunmehr erkannt. Das wirkt sich jetzt auf die Preise aus. Die Preisrückgänge, die ich Ihnen verlesen habe, sind enorm, und man beginnt sich jetzt
zu fragen, ob all diese Nachfrage wirklich echt war oder ob sie angesichts der
höheren Preise dahinschwindet ...
Wir

�r

Wir bemühen uns natürlich darum, in Gesprächen mit den Sowjets, mit anderen,
mit unseren Handelspartnern, eine Vorstellung darüber zu bekommen, wie groß der
Bedarf wirklich sein wird. Wir haben Sitzungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu diesem allgemeinen Thema angeregt
und wir sind der Ansicht, daß solche Konsultationen und Abkommen darüber, wie
groß die zu importierenden Mengen wirklich sein werden, sehr nützlich sein können.

Aber natürlich sind wir auch der Auffassung, daß die amerikanische Landwirtschaft ein Gebiet ist, auf dem wir einen erheblichen Wettbewerbsvorteil
haben und auf dem wir große Mengen exportieren können. Wir haben dies natürlich
in all den Jahren getan und glauben, daß wir das auch weiterhin tun können. Wir
möchten diese Märkte erschließen, die Erzeugung steigern und diese Produkte im
Ausland verkaufen ...

Frage: Herr Außenminister, der Präsident hat auf seiner Pressekonferenz
recht nachdrücklich betont, daß es durchaus gemeinsame Bemühungen seitens der
westlichen, Erdöl verbrauchenden Ländern geben könnte, um zu bestimmten Maßnahmen zu kommen, die die arabischen Erdölexporte aus dem Nahen Osten in die
USA im Falle unfairer Enteignungen oder Preisfestsetzungen herabdrücken würden.
Werden Sie mit irgend einem unserer europäischen Verbündeten auf Ihren Reisen
nach Nairobi und Tokio über dieses Problem sprechen?

Antwort: Ja, auf allen Konferenzen der Finanzminister, zu denen ich gekommen bin, sprachen wir über die Fragen, die anstanden, aber wir führten daneben während der Mittagspause und auf den Gängen auch Gespräche, und diese
befaßten sich auch mit Energie und Lebensmitteln sowie damit, wie wir diese
Probleme handhaben werden. Denn das Problem der Versorgung und das Problem der
sehr großen Preissteigerungen betrifft jeden. Praktisch sind wir wahrscheinlich
von den großen Industriestaaten am besten weggekommen. Diese Fragen beschäftigen
alle.

Abgesehen von dem, was auf der Basis von Gesprächen mit unseren Lieferanten
und den Konkurrenten auf diesem Gebiet erreicht werden kann, erscheint es mir
wichtig, daß wir uns hinsetzen, um unser Energieproblem hier im eigenen Land
- 5-

�*
Land und unter anderen Verhältnissen wie in jedem anderen Land zu lösen. Wir

,,

können das erreichen. Wir verfügen über die grundlegenden Energievorkommen.
Wir müssen lediglich lernen, Energievorkommen in einer Weise zu erschließen
und zu nutzen, die mit unseren Umweltzielen vereinbar ist ...

Frage: Werden Sie auf Ihrer Reise gemeinsame Maßnahmen mit den übrigen
Verbraucherländern erörtern?

Antwort: Wir werden darüber sprechen, was für alle von Nutzen sein könnte.
Ich möchte keine bestimmte Richtung aufzeigen, die die Gespräche nehmen
könnten ...

Frage: Herr Minister, ist der Dollar Ihrer Ansicht nach gegenüber den
anderen Hauptwährungen unterbewertet? Steht dies in einem Zusammenhang mit den
hohen Lebensmittelpreisen in den Vereinigten Staaten und haben Sie für Nairobi
und Tokio irgend einen Plan, um dieses Problem zu lösen?

Antwort: Meines Erachtens ist der Dollar im Augenblick etwas unterbewertet. •
Wir haben im Frühjahr, im März glaube ich, in Verhandlungen einen Kurs festgesetzt und wir hielten ihn damals für richtig. Der Handel mit dem Dollar erfolgte
auf einem zum Teil floatenden Markt. Der Dollar-Kurs hat sich im Juli etwas
verschlechtert. Er hat sich seitdem wieder etwas erholt, und wir haben, wie dies
gestern bekannt gegeben worden ist, einen etwas anderen Interventionskurs verfolgt, als wir mit unseren Kollegen auf der Pariser Konferenz vereinbart hatten,
auf der das jetzt von uns benutzte System festgelegt wurde, indem wir nicht
intervenieren, um einen Preis zu stützen, sondern indem wir intervenieren, um
einen geordneten Markt aufrecht zu erhalten. Angesichts dieses Prozesses und
der, wie ich glaube, wachsenden Erkenntnis, daß der Dollar unterbewertet ist,
hat sich der Wert des Dollar geändert.

Und nun zu dem zweiten Teil Ihrer Frage, natürlich glaube ich, je niedriger
der Wert des Dollar ist - um es einmal so auszudrücken, um so billiger ist es,
Dinge in den Vereinigten Staaten zu kaufen. Und bis zu einem gewissen Maß haben
wir natürlich sehr hart gearbeitet, um eine Änderung des Dollar-Kurses zu bewirken.

Wir
- 6 -

�Wir hielten ihn für überbewertet, so daß unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten stark benachteiligt waren. Aber wir wollen hier nicht zu weit gehen
nur aus dem einen Grunde, den Ihre Frage anschneidet.

Frage: Herr Minister, der starke Anstieg der Lebensmittelpreise im Frühjahr und Sommer scheint sich in den letzten Lohnabsprachen dieses Jahres noch
nicht niedergeschlagen zu haben. Können Sie sagen, warum das so ist, und dazu
Stellung nehmen, wie lange die Arbeitnehmer noch Geduld üben sollen, wenn der
Anstieg der Lebensmittelpreise und die Inflation ganz generell nicht unter
Kontrolle kommen?

Antwort: Ich glaube, es gibt eine ganze Reihe von Gründen für das meines
Erachtens hervorragende Verhalten bei den TarifVerhandlungen dieses Jahres.
Zunächst einmal sollte man sich daran erinnern, daß die Unterhändler, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Verhandlungsrunden - und wir haben dies
Ende letzten Jahres gesagt und Ihnen gegenüber betont - im Gegensatz zu diesen
Situationen, in ihre Verhandlungen eintraten, nachdem sie in der dreijährigen
Laufzeit ihres Vertrages einen echten Einkommenszuwachs gehabt hatten und nachdem eine relative Zunahme der Beschäftigtenzahl in dieser Zeit erzielt worden
war, so daß sie sich im Gegensatz zu früheren Runden in einer relativ guten
Position befanden ...

Meines Erachtens ist von Seiten der Unternehmer wie auch der Arbeitnehmer
wirklich staatsmännisches Verhalten an den Tag gelegt worden. Ich glaube, daß
unsere Beamten innerhalb der Regierung mit dazu beigetragen haben ... Die Tarifverhandlungen dieses Jahres sind nahezu abgeschlossen. Die Verhandlungen in der
Automobilindustrie dauern noch an und es stehen noch einige andere Verhandlungen
bis Ende des Jahres an, aber die großen TarifVerhandlungen haben wir im allgemeinen hinter uns ... Was nun die Lebensmittelpreise anbetrifft ..., so glaube
ich, liegt es in der Natur der Sache, warum es so wichtig ist, daß wir alles
in unseren Kräften stehende tun, um das Inflationsproblem zu bekämpfen, das
Angebot an Agrarprodukten zu steigern, eine disziplinierte Währungspolitik zu
verfolgen und alles vernünftigerweise nur mögliche zu tun, um die Inflation
unter Kontrolle zu bringen.
Frage:
- 7-

�1

Frage: Herr Minister, meines Wissens zirkuliert seit etwa einem Monat
i,

ein Regierungserlaß im Weißen Haus, demzufolge die Steuervergünstigungen für
Exporteure solcher Erzeugnisse ausgesetzt werden würden, die den Exportkontrollen
des Handelsministeriums unterliegen. Erstens, rechnen sie in naher Zukunft damit,
daß der Erlaß unterzeichnet und veröffentlicht wird, und zweitens, aus welchem
Grund ist die Unterzeichnung dieses Erlasses jetzt um mehrere Wochen verzögert
worden?
Antwort: ... Der Präsident hat dargelegt, daß seine Politik gegen Exportkontrollen gerichtet ist. Wir haben außer den vor einigen Monaten verfügten
Exportkontrollen, die Ende dieses Monats auslaufen sollen, keine weiteren erlassen.

Wir haben die Lage sehr sorgfältig beobachtet und wir halten es für recht
wahrscheinlich, daß im Lebensmittelbereich keine weiteren Kontrollen verfügt
zu werden brauchen. Wenn die Ernte gut eingebracht ist, wie wir dies zur Zeit
erwarten, und wir hier die Preisveränderungen halten können ... dann werden wir
natürlich keine weiteren Exportkontrollen benötigen ...

Frage: Herr Minister, mit welchem zeitlichen Ablauf rechnen Sie bei dem
i

jetzt dem Kongreß vorliegenden Handelsgesetz?
Antwort: ... Der Ausschuß arbeitet sich durch die Materie recht gut durch.
Die Mitglieder scheinen der Auffassung zu sein, daß sie Ende dieses Monats
oder Anfang Oktober ihre Arbeit beendet haben werden ...

Frage: ... Was halten Sie davon, wenn das Handelsgesetz keine Vollmacht
zu Verhandlungen über die Meistbegünstigungsklausel für Rußland oder China enthalten einschließen würde?

Antwort: Der Präsident erachtet die Meistbegünstigungsklausel für wichtig.
Sie ist für unsere sich jetzt entwickelnden Beziehungen zu diesem Teil der Welt
- nicht nur Rußland und China, sondern auch zu anderen Ländern - wichtig. Wir
möchten, daß sie in das Gesetz einbezogen wird, der Präsident hat dies unter- 8-

�f

unterstützt und wir haben mit Mitgliedern des Kongresses zusammengearbeitet,
um festzustellen, welche Formulierung angebracht wäre. Wir sind sehr daran
interessiert, daß dies verabschiedet wird, und der Präsident hat diesen Standpunkt von Anfang an vertreten und vertritt ihn noch heute."

- 9 -

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MULTINATIONALE GESELLSCHAFTEN VERSTÄRKEN PRODUKTION
IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -

Von Sam Burks

WASHINGTON - (AD) - Die Umsätze der multinationalen Gesellschaften außerhalb ihrer Heimatländer nehmen gegenwärtig doppelt so rasch zu wie das Bruttosozialprodukt der Welt, und es steht zu erwarten, daß Anfang der achtziger Jahre
rund 25 Prozent der gesamten Produktion der nicht-kommunistischen Welt auf
solche Gesellschaften entfallen werden. Im Gefolge dieser Expansion wird sich
die Produktionstätigkeit dieser Firmen immer mehr aus den Vereinigten Staaten,
Europa und Japan in die weniger entwickelten Gebiete der südlichen Hemisphäre
verlagern.

Dies geht aus einer am 4. September vom "Diebold Institute for Public
Policy Studies" - eine mit der Dieboldgruppe für Internationale Unternehmensberatung assoziierte Stiftung - veröffentlichten Studie hervor, die den Titel
"Wirtschaft und Entwicklungsländer - eine Studie über die Rolle privater Unternehmer bei der wirtschaftlichen Entwicklung" trägt. Die Veröffentlichung dieser
122 Seiten zählenden Studie erfolgte zu dem gleichen Zeitpunkt, da in New York
auf Einladung der Vereinten Nationen eine Expertengruppe sich mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen multinationaler Firmen befaßte.
Einen
- 1 -

�Einen Hauptgrund für diese Expansion nach Süden sieht die Studie darin,
daß die reichen Länder nunmehr in eine nach-industrielle Ära eintreten, in der
sie sich immer stärker auf die Bereitstellung von technologischem Wissen und
Dienstleistungen konzentrieren, statt selbst Güter zu produzieren. Gleichzeitig
wächst ihre Fähigkeit, durch ein geschicktes Offerieren des für die Produktionssysteme erforderlichen technologischen Wissens sowie neuer Ausbildungsmethoden
für Unternehmer und Fachkräfte solche Kenntnisse anderen Ländern zu vermitteln.

Die Studie führt sieben traditionelle Gründe für die Verlagerung der
Produktion in weniger entwickelte Länder an - der Wunsch, sich Zugang zu billigeren
Arbeitskräften und billigerer Energie zu verschaffen; aus den sich verändernden
Handelsgepflogenheiten Vorteile zu ziehen; in der Nähe eines expandierenden Auslandsmarktes zu sein; zu verhindern, daß die Konkurrenz vorher bereits die Märkte
und Versorgungsquellen mit Beschlag belegt; den einheimischen Antitrust-Bestimmungen zu entgehen; sich gegen zyklische Schwankungen auf den Binnenmärkten
abzusichern; sowie aus einer voll integrierten Geschäftstätigkeit auf größerer
Ebene Nutzen zu ziehen.

Die europäischen Länder werden nach Auffassung der Studie nicht länger
Fabrikarbeiter importieren, wie sie dies in den fünfziger und sechziger Jahren
taten. Vielmehr werden sie ihre Fabriken nach Süden dorthin verlagern, wo die
Gastarbeiter früher herkamen. Junge japanische Arbeiter sind zum Beispiel nicht
mehr bereit, in kleinen, nur niedrige Löhne zahlenden einheimischen Betrieben
zu arbeiten, die schon immer Einzelteile für die großen japanischen Konzerne
hergestellt haben. Die Folge ist, daß japanische Firmen bereits dazu übergegangen sind, Kontraktbetriebe in den Niedriglohnländern Südostasiens und Lateinamerikas zu errichten.

Die Diebold-Studie warnt, daß diese erwartete Ausweitung der Produktion
in den Entwicklungsländern durch einen Nationalismus in den Gastländern verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden könnte. Um dieser Gefahr auszuweichen, wird den multinationalen Gesellschaften geraten, folgenden Kurs zu
verfolgen:
- Es

�- Es sollte vermieden werden, daß die als Ersatz für Importe errichteten
Unternehmen sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden, sofern nicht
überzeugende Argumente hierfür bestehen - zum Beispiel fehlendes einheimisches Kapital oder keine geeigneten einheimischen Partner. Bei exportorientierten Unternehmen könnte es jedoch angebracht sein, wenn sie
sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden.

- Es sollte zugestanden werden, daß die einheimischen Arbeitskräfte das
Gefühl haben müssen, daß sie mit zur Ausbildung herangezogen und ebenfalls in Spitzenpositionen beschäftigt werden und daß sie wo möglich,
in ihrem Lande Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführen können.

- Es sollte nicht versucht werden, weit über den ortsüblichen Sätzen liegende
Löhne zu zahlen, sondern stattdessen vereinbart werden, höhere Steuern
zu zahlen, um so zur Entwicklung der Infrastruktur beizutragen und eine
Lohninflation zu verhindern.

- Es sollte nicht versucht werden, Steuern durch Manipulationen von Dienstleistungen oder Transferpreisen zu umgehen.

- Es sollte vereinbart werden, Abkommen in gewissen Zeitabständen immer
wieder neu auszuhandeln.

- Es sollte vermieden werden, Werke auf Gebieten zu errichten, die bisher
stets eine Domäne einheimischer Investoren waren.

- Es sollte möglichst viele Aufträge an einheimische Kontraktfirmen vergeben werden.
- Es sollten keine besonderen Konzessionen in Anspruch genommen werden,
die nicht auch den einheimischen Geschäftsleuten zugänglich sind.

- Es sollten Aktien an einheimische Tochtergesellschaften ausgegeben werden,
sofern eine funktionsfähige Börse besteht.
Ganz
- 3-

�Ganz allgemein kommt die Studie zu der Feststellung: "Wenn ein Entwicklungsland

ein eigenes festes

Wirtschaftsethos sowie ein eigenes Wirtschafts-

leben hat, dann dürften die multinationalen Gesellschaften der Welt auch einen
Weg finden, um an seine Tür zu klopfen und um Zugang zu ersuchen. Dann wird es
Sache des Entwicklungslandes sein, darüber zu entscheiden, unter welchen Bedingungen ihnen dies gestattet werden wird". Auf der anderen Seite, so warnt
die Studie, wird eine Entwicklungspolitik, die nicht erfolgreich ist, das
einheimische

Wirtschaftsethos abtöten und Schranken gegen die Mitarbeit aus-

ländischer Unternehmen errichten, die unter solchen Umständen nicht in dieses
Land werden kommen wollen.

Die Studie empfiehlt den Regierungen der Gastländer folgende Schritte, um
private Investitionen anzuziehen und im Lande zu halten:

- Sie sollten unabhängige einheimische Firmen dabei unterstützen, damit sie
als Zulieferbetriebe ausländischer multinationaler Unternehmen fungieren
können, wobei die großen Möglichkeiten aber auch die besonderen Probleme
beachtet werden sollten, die sich für die Zulieferbetriebe der japanischen
Großunternehmen ergaben.

- Sie sollten es ablehnen, Produktionsziele für Fertigungsindustrien über
einen langen Zeitraum hinaus im voraus aufzustellen, da ein großer Teil
der Produktion in den nächsten 20 Jahren aus völlig neuen Erzeugnissen bestehen wird. Aus dem gleichen Grunde sollten jedoch Ziele für "Infrastruktur"
Industrien gesetzt werden.

- Sie sollten Schulungs- und Ausbildungsprogramme importieren, bei denen
Verfahren unter Ausnutzung moderner Fernmeldeeinrichtungen und Großrechenanlagen benutzt werden.
- Sie sollten die staatlichen Entwicklungsanstrengungen auf die Bereitstellung von Fernmelde- und Transporteinrichtungen konzentrieren und
nicht auf die Arbeit der Fertigungsindustrien.
- Sie
- 4 -

�- Sie sollten den Multinationalen den Betrieb exportorientierter Unternehmen, die Tätigkeit im Bergbau und auf dem Erdölsektor sowie die
Führung moderner technologisch hoch entwickelter Betriebe gestatten.

- Sie sollten gemeinsamen Unternehmen Vorrang einräumen, um so technologische Kenntnisse zu importieren, sofern in dem betreffenden Entwicklungsland die eigene wirtschaftliche Infrastruktur weit genug entwickelt ist,
damit mehrere gemeinsame Unternehmen auf dem gleichen Industriesektor miteinander konkurrieren können. Ist dies nicht der Fall, dann sollte den
multinationalen Unternehmen die Arbeit unter nicht-monopolistischen Bedingungen gestattet werden oder es sollten technologische Kenntnisse auf
Wettbewerbsbasis importiert werden.

- Es sollte dafür gesorgt werden, daß einzelne Industrien für eine gewisse
Zeit besonderen Schutz erhalten, damit sie den Import übernehmen und
selbst exportieren können. Wird dies nicht erreicht, so soll der Schutz
entzogen werden.

- Es soll versucht werden, die multinationalen Gesellschaften fair und gerecht zu besteuern, ihnen aber gleichzeitig der Vorteil billiger Arbeitskräfte belassen werden.

- Es soll ein "Expertenberatungsdienst" geschaffen werden, entweder in
Form eines internationalen Instituts oder als unabhängige Beratergruppe,
um festzustellen, wie die multinationalen Gesellschaften ihr Rechnungswesen aufbauen.

- Die Besteuerung soll so gestaltet werden, daß die Vergabe von Kontrakten
an einheimische Firmen gefördert wird.

- Es soll eine nationale Politik auf der Annahme entwickelt werden, daß
die Entwicklungsländer über ein nicht voll ausgenutztes Potential an
Arbeitskräften verfügen, die in wachsendem Maße angelernt werden können.
Die
- 5 -

�Die Diebold-Studie ist die zweite einer Reihe von Untersuchungen, die
sich mit der sich wandelnden Rolle der Privatunternehmen in einer nach-industriellen Gesellschaft sowie den Möglichkeiten für eine Steigerung der Produktivität im privaten und öffentlichen Sektor befaßt.

- 6 -

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US-DELEGATION OPTIMISTISCH ÜBER TOKIOER HANDELSVERHANDLUNGEN
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -

Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vertreter der Vereinigten Staaten für die Handelsverhandlungen in Tokio vom 12. bis 14. September haben sich optimistisch über
die Aussichten geäußert, eine neue Ausweitung des Welthandels und eine Reform
der internationalen Regeln für diesen Handel herbeizuführen. Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) in der japanischen
Hauptstadt wird nach Auffassung von Botschafter William D. Eberle, dem Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, zu einem "zentralen
Punkt" werden, um die "allgemeine Richtung und den Ton" der kommenden Verhandlungen zu bestimmen.

Der 20-köpfigen amerikanischen Delegation unter Führung von Finanzminister
George P. Shultz gehören neben Eberle unter anderem der Staatssekretär für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im Außenministerium, William J. Casey; der
Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan; der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Herbert Stein; und der Stellvertretende
Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter Harald B. Malmgren, an.

Botschafter Eberle will die Zusammenkunft in Tokio weder als "zeremonielle
Formalität" noch als "Punkt der Konfrontation" gesehen wissen. Die Verhandlungen
werden nach seiner - sicherlich von allen Fachleuten geteilten - Auffassung

- 1-

�Auffassung langwierig, weitgreifend, technisch und kompliziert sein. Die hohe
Ebene der Delegierten der beteiligten Länder und Institutionen dürfte nach
Ansicht Eberles das Zustandekommen einer "gemeinsamen Deklaration" erleichtern,
die die Richtschnur für die kommenden detaillierten Verhandlungen bieten soll.
Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Oktober in Genf auf der Ebene
des GATT-Ausschusses fortgesetzt und dürften in der ersten Hälfte 1974 in ihr
eigentliches Sachstadium treten.

Die Ziele sind bekannt: Liberalisierung der Zollsätze, Abbau der nichttarifären Handelsschranken, Liberalisierung des Agrarhandels und Reform der
internationalen HandelsregeIn, vor allem hinsichtlich der Schutzbestimmungen
für einheimische Industrien.

Für die gemeinsame Deklaration sind bereits weitgehende Vorbereitungen
getroffen worden, wobei die Frage des Zusammenhangs zwischen HandelsVerhandlungen und WährungsVerhandlungen, sprich Währungsreform, sowie die Position
der am weitesten zurückliegenden Entwicklungsländer noch umstritten sind.

Der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan, der offiziell
den Titel "Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik" trägt,
rechnet mit einer sehr aktiven Rolle der Entwicklungsländer bei den kommenden
Handelsverhandlungen. Diese Verhandlungen können nach Auffassung Flanigans den
Entwicklungsländern große wirtschaftliche Vorteile bringen, wenn sie gekillt
sind, sich an der wirtschaftlichen Expansion zu beteiligen. Ihr Lebensstandard
könne auf die Dauer nur gehoben werden, wenn sie ihre Güter und Erzeugnisse
in den "Hauptstrom des Welthandels" einbringen können.

Flanigan sieht ferner eine große Chance für die Entwicklungsländer in
der Steigerung der Privatinvestitionen. Gerade das Privatkapital könne zu einer
wirksamen Quelle der Entwicklung werden. Allerdings, so räumt Flanigan ein, sei
in diesem Zusammenhang die Verstaatlichung ohne Entschädigung in manchen Ländern
zu bedauern, da sie das zur Entwicklung dringend gebrauchte ausländische Kanital
abschrecke. Jedes Land, so betonte Flanigan, habe natürlich das Recht, innerhalb seiner Grenzen Betriebe zu verstaatlichen, aber das Land habe dann auch

�auch die Pflicht, eine entsprechende Entschädigung zu leisten. "Wir sind der
Auffassung", so erklärt der Wirtschaftsberater des Präsidenten, "daß es ein
schwerer Fehler für ein Land ist, ausländische Investitionen zu verstaatlichen,
wenn es selbst nicht über genügend Kapital verfügt".
Die Nixon-Administration wird nach den Worten Flanigans weiterhin für
bilaterale und multilaterale Auslandshilfe für die Entwicklungsländer eintreten. Allerdings dürfe man sich über die Wirkung der offiziellen Hilfe - die
bei allen OECD-Ländern zusammen nur zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der
Entwicklungsländer ausmacht - keinen Illusionen hingeben. Neben den Privatinvestitionen sei für die Entwicklungsländer vor allem ein Abbau der Zoll- und
Handelsschranken in der ganzen Welt - vor allem auf dem Agrarsektor - von entscheidender Bedeutung.

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35/1973

AUDIO-VISUELLE GERÄTE UND SYSTEME
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

Vom 11. bis 15. Oktober 1973 - parallel zur Buchmesse - zeigen im USHandelszentrum in Frankfurt am Main über fünfundzwanzig amerikanische Hersteller ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der audio-visuellen Geräte
und Systeme. Einige dieser Firmen kommen mit ihren Erzeugnissen erstmals
nach Deutschland und suchen auf diesem Wege Kontakte zu deutschen Unternehmen.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Videorecorder (Band und Kassette), Anlagen
für die Produktion von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder für Originalbänder), Bandkopiergeräte,
Prüfeinrichtungen und Reinigungsgeräte, VCR-Software, Bildplattensysteme, EVRBauteile und -Software, Projektionswände, CCTV-Geräte, Mattscheibenprojektoren
für Super-8-Kassetten, Bausteine für Lernmaschinen, computergesteuerte Unterrichtssysteme, Software für computerunterstütztes Lernen, Simulationseinrichtungen, Overhead-Projektoren, Transparent-Kopiergeräte für Overhead-Projektoren
und Bildstreifen-Dia-Projektoren.

Auf der angeschlossenen Tagung am 12., 13. und 14. Oktober werden Experten
in Fachvorträgen zu den jüngsten Erfahrungen auf dem Sektor der Audiovision
Stellung nehmen.
Anmeldungen und Programme durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt am Main,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Telefon (0611)-72 08 Ol, Telex 41 65 35.
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35/1973

TECHNIK FÜR DEN UMWELTSCHUTZ
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss

- (AD) - In einer Gemeinschaftsausstellung zeigen 15 der amerikanischen
Firmen, die die internationale Fachmesse "Technik im Umweltschutz" beschicken
(ENVITEC 73, 8. - 14. Oktober 1973 in Düsseldorf), ihre neuesten Entwicklungen
an Apparaturen und Verfahren. Sie wenden sich, wie die anderen der z.T. ebenfall
auf nationalen Gemeinschaftsständen vertretenen 330 Aussteller

aus 15 Ländern,

an Interessenten der verschiedensten Fachbereiche. Diese repräsentieren in
erster Linie Behörden, Industrieunternehmen und kommunale Betriebe, welche z.B.
Wasser und Abwässer behandeln und überwachen, bei denen feste, flüssige und gasförmige Abfallstoffe anfallen oder die sich mit Lärmschutz befassen.

Zu dem mit der Messe verbundenen Weltkongreß der "Internationalen Union
zur Verhütung von Luftverschmutzung" werden Wissenschaftler und Ingenieure,
Beauftragte von Verwaltung und Politik aus 18 Ländern nach Düsseldorf kommen.
Die Veranstaltungen und die persönlichen Kontakte bieten reichlich Gelegenheit,
Erfahrungen und Meinungen über Probleme und mögliche Verbesserungen von Umweltschutzmaßnahmen und nicht zuletzt über Wege zu einer Verminderung dadurch entstehender Belastungen für Wirtschaft und Staat auszutauschen.

Die Kosten sind enorm. So schätzte vor ca. einem Jahr der Beirat Präsident Nixons für Umwelthygiene die Aufwendungen, die allein in den Vereinigten

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Vereinigten Staaten in den Jahren 1971 bis 1980 für den Umweltschutz aufzubringen sind, auf 287 Milliarden Dollar. Die Bewältigung solcher zwingenden
Aufgaben bereitet schon den Volkswirtschaften der Industrieländer in finanzieller, handelspolitischer und technischer Hinsicht erhebliche Schwierigkeiten.
Und diese Schwierigkeiten tragen zu den - vielfach recht umstrittenen - Bestrebungen bei, die künftige Industrieentwicklung zugunsten des Umweltschutzes
zu steuern und sogar für ein wirtschaftliches "Null-Wachstum" zu plädieren.
Sie erklären auch, weshalb manche Entwicklungsländer auf Forderungen nach mehr
Umweltschutz allergisch reagieren - auch wenn sie sich darüber klar sind, daß
Umweltschäden vor nationalen Grenzen nicht Halt machen und reiche wie arme
Länder treffen.

Einer Fachmesse wie ENVITEC 73 kommt deshalb u.a. die Aufgabe zu, das
Verständnis für den ungemein weitreichenden Komplex "Umweltschutz" zu fördern.
Sicherlich gibt sie auch Anregungen, wie durch Rationalisierung der Umwelttechnik der Preis für den Umweltschutz verringert und durch eine nationale bzw.
regionale Harmonisierung der Umweltpolitik deren Effektivität gesteigert werden
könnte.

Daß es dabei kaum ohne Kompromisse abgeht, zeigt beispielsweise die
Suspendierung der für 1976 vorgesehenen verschärften amerikanischen Bestimmungen
zur Emission von Stickstoffoxiden für ein ganzes Jahr durch die US-Behörde für
den Umweltschutz (EPA). Sie gab damit dem Ersuchen der Automobilwerke Ford,
General Motors und Chrysler statt, es für die 1976er Modelle noch bei einer
Abgas-Toleranzgrenze von 2 Gramm Stickstoffoxiden pro Meile zu belassen. Der
vorgesehene Grenzwert von 0,4 g/Meile sei, wie die Firmen darlegten, in der
Serienfertigung einfach noch nicht realisierbar. Aber selbst die Einhaltung des
Zwischengrenzwertes von 2 g/Meile erfordert bei den meisten Autotypen den Einbau einer Zusatzausrüstung für die Abgas-Rezirkulation (EGR-System). Durch diese
Vorrichtung, die 10 Dollar kostet, wird gleichzeitig die Kilometerleistung verbessert. Die für 1976 ebenfalls vorgesehene strikte Reduzierung der Emission
von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid wird allerdings von der Zwischenlösung in bezug auf Stickstoffoxide nicht berührt.
Auch
- 2-

�Auch der jüngste Vorschlag Präsident Nixons, schwefelreiches Rohöl als
Energierohstoff zu verwenden, um Versorgungsengpässe kurzfristig zu überwinden,
und in diesem Zusammenhang die strengen Kontrollen für die Emission von Schwefeldioxid vorübergehend etwas zu lockern, ist ein Kompromiß. Er wurde im Zusammenhang mit einem neuen Acht-Punkte-Dringlichkeitsprogramm für die Energieversorgung der Vereinigten Staaten vorgelegt.

In den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten gelten zwar noch immer
unterschiedliche Vorschriften für die Reinhaltung der Luft. Die Bundesstaaten
haben jedoch Mindestanforderungen zu beachten, wie sie z.B. die EPA in bezug
auf Luftqualität im Zusammenhang mit Luftverschmutzung bei außergewöhnlichen
Witterungsbedingungen stellt. Im übrigen werden die von der EPA bisher festgesetzten Grenzwerte, die bundesweit gelten, von den Einzelstaaten erst nach Ablauf einer gewissen Frist mit der Anpassung ihrer eigenen staatlichen Vorschriften
an diese Grenzwerte übernommen.
Für Schwefeloxide, feste Partikel und Staub, Kohlenmonoxid, photochemische
oxidierende Verbindungen, Kohlenwasserstoffe und Stickstoffoxide liegen "BundesGrenzwerte" bereits vor, die Ausdehnung solcher Bestimmungen auf weitere Schmutzund Schadstoffe in der Luft ist wahrscheinlich. Dabei wird zwischen einem
"primären" Grenzwert, der die Gesundheit der Allgemeinheit schützen soll, und
einem - meist niedrigeren -"sekundären"Grenzwert unterschieden. Letzterer ist
eine Schutzmaßnahme für das Allgemeinwohl, die beispielsweise die Mengen von
Schmutz- und Schadstoffen wegen ihres Einflusses auf Kleidung, Gebäude, Metalle,
Vegetation, Agrarprodukte, Tiere, etc., begrenzt.

So können z.B. Schwefeloxide in der freien Luft von gewissen Konzentrationen an das Auftreten von Erkrankungen der Atmungsorgane begünstigen, die
Todeshäufigkeit erhöhen und zu Schäden an Bauwerken oder anderen Sachwerten
sowie an Anpflanzungen führen. Um ganz spezielle Erscheinungen wie Gesundheitsschäden zu vermeiden, ist der nationale primäre Maximalwert (als jährlicher
Mittelwert) auf 80 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bzw. 0,03 Teile Schwefeloxide
in 1 Million Teilen Luft (abgekürzt ppm) festgesetzt. Der sekundäre Grenzwert
dagegen, der eine Beeinträchtigung des Allgemeinwohls verhindern soll, liegt

- 3-

�liegt - als arithmetisches Mittel - bei 60 Mikrogramm/cbm bzw. bei 0,02 ppm,
wobei die EPA auch kürzere Fristen der Exponierung als ein ganzes Jahr berücksichtigt.

Die Umweltschutzbehörde EPA gibt zu den bundeseinheitlichen Maximalwerten auch die technischen Informationen zur Bekämpfung und Kontrolle der
betreffenden Schadstoffe, zu den Kosten für die Emissionskontrolle, zu allen
bekannten Verfahren sowie Alternativ-Methoden, die eine spezielle Form der
Luftverschmutzung verhindern. In diesem Rahmen von Schutzmaßnahmen sind dann
die Einzelstaaten dafür verantwortlich, Emissions-Grenzwerte für Schmutz- und
Schadstoffe festzusetzen, die von einer bestimmten Quelle, z.B. einem Industriebetrieb, ausgehen. Neu errichtete Betriebe sind durch Bundesgesetz verpflichtet,
von vornherein die bestmöglichen Verfahren zur Abluftreinigung anzuwenden.
Aber noch immer belaufen sich die Schäden, die in den USA jährlich durch verschmutzte Luft an Gesundheit und Sachwerten angerichtet werden, auf schätzungsweise 16 Milliarden Dollar.

Acht amerikanische Firmen in der US-Gemeinschaftsausstellung für ENVITEC 73
sind auf Ausrüstungen und Verfahren für den Sektor "Reinhaltung der Luft" spezialisiert und bieten u.a. an:

Freeman Laboratories, Inc. (Rosemont, Illinois) zeigt eine Anzahl von Meßgeräten zur Überwachung von Stickoxiden, Schwefeloxiden, Schwefelwasserstoff,
Chlor und anderen Schadstoffen.

Horiba Instruments, Inc. (Santa Ana, Kalifornien) zeigt Geräte und Systeme
zur Automobilgasüberwachung, einschließlich Geräte für die Fahrzeugprufung
in bezug auf Emissions-Grenzwerte.

Metal Bellows Co. (Sharon, Massachusetts) zeigt geschweißte Metall-Membrandruckdosen. Die von dem Unternehmen gebauten Vakuum-Kompressorpumpen basieren
auf einer Technologie, die für Druckdosen, wie sie die Luft- und Raumfahrt benötigt, entwickelt wurde.
Monitor

�Monitor Labs., Inc. (San Diego, Kalifornien) zeigt eine neue Baureihe
von Gasanalysengeräten, die nach dem Chemolumineszenz-Verfahren arbeiten
und über die Messung des Ozongehaltes die Bestimmung und Aufzeichnung von
Schadstoffkonzentrationen ermöglichen. Das System 7000 bietet die Möglichkeit
einer vollständigen Datenerfassung, so daß man an einer Reihe von strategisch
plazierten Meßplätzen innerhalb einer Kontrollregion in kürzester Zeit Informationen zur Überschreitung von Emissions- und Immissionswerten bekommt.

Research-Cottrell (Bound Brook, New Jersey), das wohl größte Unternehmen
der Welt auf dem Gebiet "Umwelttechnik", zeigt Elektrofilter zur Reinigung von
Industrieabgasen. Darüber hinaus befaßt es sich mit allen Aspekten der Luftreinhaltung, von der Beratung bis zur Errichtung schlüsselfertiger Systeme.

Scott Research Laboratories, Inc. (Plumsteadville, Pennsylvania) zeigt
Meßinstrumente und -Geräte für Emissionsmessung, Datenverarbeitung, statistische
Analysen, Entwürfe und Bau von Meßsystemen, etc.

Summit Filter (Summit, New Jersey) präsentiert sein Spezialerzeugnis,
die doppelwandige Filterkerze System 720, die sich in jede Standard-Entstaubungsanlage einbauen läßt.

Western Precipitation - Joy (Los Angeles, Kalifornien) zeigt elektrische
Abschneider (Gewebefilter) für hohe und niedrige Temperaturen, Mehrfach-Zyklonenentstauber, Hoch- und Niederdruck-Gaswäscher, Luftschleusen, Staub-Austragorgane und Prüfgeräte.

Alle genannten Firmen sind an Vertretungen in Europa und an Fabrikationsabkommen mit europäischen Unternehmen interessiert.

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SCHWEFELMONOXID IM INTERSTELLAREN RAUM

- (AD) - Mit einem Radioteleskop des Kitt Peak-Observatoriums in Arizona
entdeckten die beiden amerikanischen Astrophysiker Dr. Carl A. Gottlieb und
Dr. John A. Ball Schwefelmonoxid-Moleküle im Sternbild Orion. Die Zahl der
bisher bekannt gewordenen chemischen Verbindungen, aus denen die Moleküle in
den unendlich weiten Räumen zwischen den Sternen bestehen, erhöht sich damit
auf 22. Nach der Entdeckung der 21. Verbindung dauerte es allerdings ein ganzes
Jahr, bis man die nächste fand.

Eine ganze Anzahl dieser Moleküle zählt zu den organischen Verbindungen,
was natürlich immer wieder zu Spekulationen über mögliche Vorstufen für die
Entstehung von Leben im Kosmos Anlaß gibt. Das auf der Erde unbeständige
Schwefelmonoxid (SO), dessen Moleküle mit Hilfe der 3 mm-Frequenz erfaßt wurden,
ist die fünfte kosmische Verbindung, die Schwefel enthält. Mit Ausnahme der
schon vor längerer Zeit entdeckten Verbindung Silizium-Monoxid enthalten die
übrigen Molekülen eines oder mehrere der häufigsten Elemente - nämlich Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff.

Die neue Entdeckung ist für die Forschung deshalb von besonderer Bedeutung,
weil dadurch eine Möglichkeit eröffnet wurde, Rückschlüsse auf die Häufigkeit
von Sauerstoff im Kosmos und auf die Prozesse der Molekülbildung zu ziehen.
Allerdings sind dafür sehr komplizierte und langwierige Berechnungen notwendig.
Die Kenntnis dieser Prozesse hilft jedoch, z.B. die Evolution der Sterne und
der interstellaren Gase besser zu verstehen.
Die
- 1 -

�Die 3 mm-Radioimpulse von den Schwefelmonoxid-Molekülen, die inzwischen
auch ein Radioobservatorium der Universität Texas auf dem MT. Locke empfing,
wurden entdeckt, als man mit der Antenne des Kitt Peak-Observatoriums Orion A
anpeilte. Dies ist eine Radioquelle im Sternbild Orion,dessen helle Gaswolken
gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Einer Mitteilung der amerikanischen
"National Science Foundation" zufolge, die die Untersuchungen von Gottlieb und
Ball unterstützte, veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Entdeckung im
"Astrophysical Journal".

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Audio-Visuelle Geräte und Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technik für den Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwefelmonoxid im interstellaren Raum</text>
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