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m ü3

0 [3

londcrdien/t
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1979

CARTER KÜNDIGT MASSNAHMEN IN DER KARIBIK AN
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 1. Oktober 1979

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am Abend des 1. Oktober
1979 (03.00 Uhr, 2. Oktober deutscher Zeit) in einer vielbeachteten Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische Volk Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Vereinigten Staaten im karibischen Raum angekündigt.

Gleichzeitig teilte er mit, daß die Sowjetunion versichert habe,

ihre Brigade auf Kuba nicht auf Kampfstärke zu bringen.

Carter appellierte

ferner erneut an den amerikanischen Senat, der Ratifizierung von SALT II zuzustimmen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute abend zu Ihnen über das Thema sprechen, das mir am
meisten am Herzen liegt, wie dies bei jedem Präsidenten der Fall war:

Das

Thema heißt Frieden und Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Wir leben heute abend in Frieden, wie wir während meiner gesamten Amtszeit in Frieden gelebt haben.
Friede des Starken.
der Welt.

Der Friede, dessen wir uns erfreuen, ist der

Unsere nationale Verteidigung sucht ihresgleichen in

Diese Verteidigung ist heute stärker als sie vor zwei Jahren war,

und sie wird heute in zwei Jahren stärker sein als jetzt wegen der sorgfältig

�sorgfältig geplanten Verbesserungen, die mit Ihrer Unterstützung und mit der
Unterstützung durch den Kongreß durchgeführt werden.
Unser Programm der Modernisierung und Stärkung der Streitkräfte des NATOBündnisses ist mit der vollen Mitarbeit und Beteiligung unserer europäischen
Beteiligten im Gange.

Unsere strategischen Nuklearstreitkräfte sind mächtig

genug, jeden potentiellen Gegner um ein Vielfaches zu zerstören, und die Unverletzbarkeit dieser Streitkräfte wird bald durch ein neues System mächtiger
mobiler Raketen noch stärker gewährleistet werden.

Diese Systeme dienen der

Stabilität und der Verteidigung.
über diese militärische Verteidigung hinaus stehen wir an der Schwelle
eines großen Fortschritts in der Kontrolle der Nuklearwaffen - der Einführung
des zweiten Vertrages über die Begrenzung strategischer Waffen, kurz SALT II.
Ich möchte Ihnen heute abend auch über die sowjetische Brigade auf Kuba,
über die so viel publiziert wurde, und über deren Bedeutung für das wichtige
Verhältnis zwischen unserem Lande und der Sowjetunion berichten.
Das ist kein leichtes oder einfaches Thema.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die zwei stärksten Länder
auf der Erde, und unser Verhältnis ist komplex, denn es geht um starke Elemente
sowohl des Wettstreits als auch der Zusammenarbeit.
Unser fundamentales Denken steht im Widerspruch zueinander und recht oft
stehen auch unsere nationalen Interessen im Widerspruch zueinander. Aber als
zwei große Nationen haben wir auch gemeinsame Interessen und haben ein überwältigendes beiderseitiges Anliegen, nämlich gemeinsam einen Nuklearkrieg zu
verhindern. Wir müssen daher einsehen, daß Abkommen zur Kontrolle von Kernwaffen für beide Länder von lebenswichtiger Bedeutung sind. Und wir müssen
in unseren Beziehungen auch Zurückhaltung üben und ein Gespür für die Anliegen
des anderen haben.
Kürzlich

�Kürzlich haben wir Beweise dafür erhalten, daß eine sowjetische Kampfbrigade sich seit mehreren Jahren auf Kuba befindet.
ischer

Die Anwesenheit sowjet-

Kampftruppen auf Kuba stellt für uns eine ernste Angelegenheit dar.

Ich möchte Ihnen gleich zu Beginn versichern, daß wir keiner unmittelbaren, konkreten Bedrohung gegenüberstehen, die sich zu einem Krieg oder
einer ernsten Konfrontation ausweiten könnte.
Aber wir stehen einer Herausforderung gegenüber. Es ist eine Herausforderung an unsere Klugheit, eine Herausforderung an unsere Fähigkeit, auf feste,
entschlossene Weise zu handeln, ohne die Grundlage für eine Zusammenarbeit zu
zerstören, die dabei hilft, den Weltfrieden zu erhalten und die Nuklearwaffen
zu kontrollieren. Es ist eine Herauforderung an unsere Entschlossenheit, auf
die sowjetische Konkurrenz und auf die militärische Aktivitäten Kubas auf
der ganzen Welt eine angemessene und wirkungsvolle Antwort zu geben.
Lassen Sie mich nun das spezifische Problem der sowjetischen Brigade
erklären und das allgemeinere Problem der sowjetisch-kubanischen Militärtätigkeit in der Dritten Welt beschreiben.
Hier der Hintergrund zu den sowjetischen Streitkräften auf Kuba:

Wie

die meisten von Ihnen wissen, versuchte die Sowjetunion vor 17 Jahren in der
Zeit des Kalten Krieges plötzlich, offensive Nuklear-Raketen und Bomber auf
Kuba einzuführen.

Diese direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten endete

mit dem sowjetischen Zugeständnis, jene Kernwaffen abzuziehen,sowie einer
Verpflichtung, danach keine Offensivwaffen mehr auf Kuba einzuführen.
Zur Zeit jener Raketenkrise des Jahres 1962 befanden sich mehr als 20 000
sowjetische Soldaten auf Kuba.
und wir überwachten ihren Abzug.

Die meisten davon wurden ebenfalls abgezogen,
Es wurde angenommen, daß es sich bei den

Zurückbleibenden nicht um Kampftruppen handelte, sondern daß sie blieben, um
Kubaner zu beraten und auszubilden sowie um nachrichtendienstliche Tätigkeiten zu verrichten.
Erst
- 3 -

�Erst kürzlich erhielten amerikanische Nachrichtendienste überzeugende
Beweise dafür, daß einige dieser sowjetischen Streitkräfte als Kampfeinheit
aufgestellt worden waren.

Als sich dann die Aufmerksamkeit auf eine sorg-

fältige Überprüfung früherer Nachrichtendaten richtete, wurde unseren Experten die Schlußfolgerung möglich, daß diese Einheit schon seit mehreren
Jahren existiert hatte - möglicherweise seit Mitte der siebziger Jahre, vielleicht sogar noch länger.

Diese Einheit scheint aus einer Brigade in Stärke von zwei oder dreitausend Mann zu bestehen.

Sie ist mit etwa 40 Panzern und anderen modernen

militärischem Gerät bewaffnet.

Sie ist als Kampfeinheit aufgebaut und ihre

Ausbildungsübungen waren die einer Kampfeinheit.

Es handelt sich weder um eine große Streitmacht noch um eine Angriffstruppe.

Sie stellt für uns auch keine direkte Bedrohung dar.

über keine Luftlande- oder Landungskapazität.

Sie verfügt

Im Unterschied zur Krise von

1962 geht es nicht um eine nukleare Bedrohung der Vereinigten Staaten.

Trotzdem ist diese sowjetische Brigade auf Kuba eine ernste Angelegenheit.

Sie trägt zur Spannung im karibischen und mittelamerikanischen Raum

bei.

Die Lieferung moderner Waffen an Kuba und die Anwesenheit sowjetischer

Marinestreitkräfte in kubanischen Gewässern haben die sowjetisch-kubanischen
Militärbeziehung verstärkt.

Sie haben die Befürchtungen einiger Länder,

unter sowjetischen oder kubanischen Druck zu geraten, vermehrt.

Im Verlauf der letzten Jahre haben die Sowjets die Lieferung von militärischen Gütern an Kuba erhöht.

Als Ergebnis besitzt Kuba heute mit die

größten und am besten ausgerüsteten Streitkräfte in diesem Gebiet.

Diese

Streitkräfte werden dazu benutzt, in andere Länder in Afrika und im Nahen
Osten einzudringen.

Zwischen Kuba und der Sowjetunion besteht ein besonderes Verhältnis.
Die Kubaner erhalten ihre Waffen unentgeltlich.

Andere sowjetische Satelliten-

�Satellitenstaaten müssen für ihre militärischen Lieferungen bezahlen.

Das kommunistische Regime auf Kuba hat wirtschaftlich versagt; es kann
nicht aus eigener Kraft bestehen.

Die Sowjetunion muß etwa acht Millionen

Dollar täglich an Wirtschaftshilfe nach Kuba schicken.

Fidel Castro bezahlt für die russischen Waffen nicht in Geld; das kubanische Volk zahlt einen viel höheren Preis.

In jedem internationalen Streit,

bei jedem internationalen Problem folgt das kubanische Regime automatisch der
sowjetischen Linie.

Die sowjetische Brigade ist eine Manifestation der Vorherrschaft Moskaus
auf Kuba.

Sie erhöht das Niveau dieser Vorherrschaft - und sie erhöht das

Niveau der Verantwortung, die die Sowjetunion für die Eskalierung kubanischer
Militäraktionen im Ausland trägt.

Nun möchte ich noch darüber berichten, was wir tun, um diese Probleme
zu lösen' und um diesen Aktivitäten zu begegnen.

Während der letzten drei Wochen haben wir dieses Thema ausführlich mit
hohen Vertretern der Sowjetunion besprochen.

Wir haben klargestellt, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba für uns eine sehr ernste Angelegenheit darstellt.
Sowjetunion

Die

gibt nicht zu, daß die fragliche Einheit eine Kampfeinheit ist.

Jedoch haben uns die Sowjets gewisse Erklärungen hinsichtlich unserer Bedenken abgegeben:

- daß es sich bei der fraglichen Einheit um ein Ausbildungszentrum handelt; daß es sich mit nichts anderem als Ausbildung befaßt und auch nichts
anderes tun kann;

- daß ihre Funktion oder ihr Status als Ausbildungszentrum nicht geändert
werden wird.

Wir verstehen das so, daß die Sowjets nicht beabsichtigen, die
- 5 -

�die Einheit zu vergrößern oder mit zusätzlichen Fähigkeiten auszustatten;

- sie haben erklärt, daß das sowjetische Personal auf Kuba keine Bedrohung der Vereinigten Staaten oder irgendeines anderen Landes darstellt
oder darstellen wird;

- daß sie erneut das übereinkommen von 1962 bestätigen sowie die beiderseitig vereinbarte Bekräftigung dieses Übereinkommens im Jahre 1970 und daß
sie sich auch in Zukunft daran halten werden.

Auch wir unsererseits bestä-

tigen dieses übereinkommen erneut.

Diese Zusicherungen wurden mir auf höchster Ebene der sowjetischen Regierung gegeben.
Obgleich wir überzeugende Beweise dafür besitzen, daß die Einheit eine
Kampfbrigade ist, sind die sowjetischen Erklärungen über den zukünftigen Nichtkombattantenstatus der Einheit bedeutsam.

Trotzdem werden wir uns nicht allein auf diese sowjetischen Erklärungen
verlassen.

Erstens werden wir den Status der sowjetischen Streitkräfte durch

erhöhte Überwachung Kubas kontrollieren.
daß

Zweitens werden wir sicherstellen,

keine sowjetische Einheit auf Kuba als eine Kampfeinheit benützt werden

kann, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten oder irgendeines anderen
Landes dieser Hemisphäre zu bedrohen.

Diese Länder dürfen darauf vertrauen, daß die Vereinigten Staaten auf
ein Ersuchen nach Beistand handeln werden, um einer jeden solchen Bedrohung
durch sowjetische oder kubanische Streitkräfte zu begegnen.

Diese Politik steht in Einklang mit unserer Verantwortung als Mitglied
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und als Partei des Vertrages
von Rio.

Es ist eine erneute Bekräftigung der Erklärung John F. Kennedys

aus dem Jahre 1963 unter neuen Umständen, "daß wir es keinen Truppen aus Kuba
erlauben würden, die Insel Kuba in irgendeiner Offensivhandlung gegen irgend- 6 -

�irgendein Nachbarland zu verlassen."
Drittens errichte ich ein Ständiges Hauptquartier der Gemeinsamen Einsatzstreitmacht in der Karibik auf Key West in Florida.

Für dieses Haupt-

quartier werde ich Streitkräfte von denjenigen Teil Streitkräften zuweisen,
die für erweiterte Planung und die Durchführung von Manövern zuständig sind.
Dieses Hauptquartier wird, wenn notwendig, für den Einsatz zugeteilte Streitkräfte einsetzen.

Das wird unsere Fähigkeit zur Beobachtung und zur raschen

Antwort auf jeden versuchten militärischen übergriff wesentlich verbessern.
Viertens werden wir militärische Manöver in der Region verstärken und
werden diese von nun an regelmäßig durchführen.

Im Einklang mit bestehenden

vertraglichen Rechten werden die Vereinigten Staaten selbstverständlich ihre
Streitkräfte in Guantanamo beibehalten.
Fünftens werden wir unsere Wirtschaftshilfe erhöhen, um die unbefriedigten wirtschaftlichen und menschlichen Ansprüche im karibischen Raum zu erfüllen und darüber hinaus die Fähigkeit der beunruhigten Völker zu gewährleisten, dem sozialen Aufruhr und einer möglichen kommunistischen Herrschaft
zu widerstehen.
Die Vereinigten Staaten haben ein weltweites Interesse an Frieden und
Stabilität. Deshalb habe ich den Verteidigungsminister angewiesen, die Kapazität unserer Eingreifstreitkräfte im Hinblick auf den Schutz unserer eigenen Interessen und die Erfüllung von Hilfeersuchen unserer Verbündeten und
Freunden weiter auszubauen. Wir müssen in der Lage sein, unsere Land-, Seeund Luftstreitkräfte nach entfernten Plätzen zu verbringen - rasch und mit
angemessenem Nachschub.
Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean verstärkt.
Wir bauen die Kapazität unserer Nachrichtendienste weiter aus, um die
militärischen Aktivitäten der Sowjets und Kubas laufend zu beobachten - in

- 7 -

�in Kuba und überall auf der Welt.

Wir werden unsere Anstrengungen verstärken,

um unsere entscheidend wichtigen nachrichtendienstlichen Quellen und Methoden
der Nachrichtensammlung vor Schaden zu schützen, ohne bürgerliche und verfassungsmäßige Rechte zu beeinträchtigen.

Diese Schritte spiegeln meinen Entschluß wider, den Frieden zu bewahren,
unsere Bündnisse zu stärken und die Interessen der Vereinigten Staaten zu verteidigen.

Als ich sie entwarf, habe ich nicht nur meine Ratgeber konsultiert,

sondern auch führende Männer im Kongreß und eine aus Vertretern beider Parteien bestehende Gruppe hochangesehener amerikanischer Bürger.

Die Entschei-

dungen sind meine eigenen und ich übernehme die volle Verantwortung für sie
als Präsident und Oberbefehlshaber.

Ich bin zu dem Schluß gelangt, daß die Frage der Brigade sicherlich kein
Grund für eine Rückkehr zum Kalten Krieg ist.

Eine Konfrontation könnte viel-

leicht für gewisse Leute emotionell auf wenige Tage oder Wochen befriedigend
sein; sie würde sich aber auf unsere; nationalen Interessen und die Sicherheit
der Vereinigten Staaten zerstörerisch auswirken.

Wir müssen die grundlegende Politik fortführen, die die Vereinigten
Staaten 20 Jahre lang unter sechs Administrationen beider Parteien verfolgt
haben - eine Politik, die anerkennt, daß wir uns auf einigen Gebieten mit
der Sowjetunion in einem Wettstreit befinden und daß wir auf anderen die Zusammenarbeit mit ihr erstreben, insbesondere was die Erhaltung des Friedens
und die Begrenzung der Kernwaffen angeht.

Meine amerikanischen Mitbürger, die größte Gefahr für die amerikanische
Sicherheit bilden im gegenwärtigen Augenblick nicht die zwei-oder dreitausend
sowjetischen Soldaten auf Kuba.

Die größte Gefahr für alle Länder der Erde

- einschließlich der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - bildet das
Scheitern einer gemeinsamen Anstrengung zur Erhaltung des Friedens und
letztliche Bedrohung durch einen Krieg mit Kernwaffen.

Ich
- 8 -

die

�Ich erneuere meine Aufforderung an den Senat der Vereinigten Staaten,
den SALT II-Vertrag zu ratifizieren.

SALT II ist ein solider Vertrag.

Die Erfüllung seiner Bestimmungen

sicherzustellen, wird keine Frage des Vertrauens sein.

Wir verfügen über

ausgeklügelte Nationale Technische Mittel, die sorgfältig auf die Sowjetunion ausgerichtet sind und die Verifizierbarkeit des Vertrags gewährleisten.
Dieser Vertrag ist der wichtigste Schritt, der je unternommen wurde, um
die strategischen Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen.

Er gestattet es uns, unsere Verteidigung zu stärken und das strategische
Gleichgewicht bei geringeren Risiken und Kosten aufrechtzuerhalten. Während
der letzten Jahre haben wir eine reale Erhöhung unserer Verteidigungsausgaben
vorgenommen, um die Ziele unseres Fünfjahresplanes für die Verteidigung zu
erreichen.

Mit SALT II können wir diese Steigerungen auf die Gebiete konzen-

trieren, auf denen unsere Interessen am stärksten bedroht und direkte militärische Herausforderungen am wahrscheinlichsten sind.

Die Ablehnung des SALT-Vertrages würde den Frieden und die Sicherheit
der Nation ernstlich gefährden.

Natürlich bestehen Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets.
bestehen Konflikte mit ihnen.

Natürlich

Gäbe es keine Meinungsverschiedenheiten und

Konflikte, brauchten wir keinen Vertrag, um die Möglichkeit eines Krieges
mit Kernwaffen zwischen uns zu vermindern.

Sollte SALT II abgelehnt werden, könnten diese Meinungsverschiedenheiten
und Konflikte eine neue und unheildrohende Dimension annehmen.
grund eines uneingeschränkten

Vor dem Hinter-

nuklearen Wettrüstens könnte jede Konfrontation

oder jeder Streitfall den Keim einer nuklearen Konfrontation bergen.

Darüber hinaus ist SALT II von entscheidender Bedeutung für die amerikanische Führungsrolle und für eine weitere Stärkung des westlichen Bündnisses.
- 9 -

�Bündnisses.

Offenkundig ist ein sicheres Europa von lebenswichtiger Bedeu-

tung für unsere eigene Sicherheit.

Die führenden Politiker unserer europäischen Verbündeten befürworten
SALT II einmütig.

Wir haben in den letzten Tagen mit einer Reihe führender

Staatsmänner gesprochen.

Und ich kann Ihnen heute abend sagen, daß diese

führenden Staatsmänner und ihre Länder im Falle einer Verweigerung der Zustimmung des Senats zum SALT-Vertrag perplex und alarmiert wären.

Sollten

unsere Verbündeten das Vertrauen in unsere Fähigkeit verlieren, eine Beschränkung der Nuklearwaffen erfolgreich aushandeln zu können, besteht die
Gefahr, daß unsere Bemühungen um den Aufbau einer stärkeren und geschlosseneren
NATO scheitern.

Ich weiß, daß dies für die Mitglieder des Kongresses eine beunruhigende
und schwierige Frage in einer, beunruhigenden und schwierigen Zeit darstellt.
Der Senat aber hat eine Tradition als die größte beratende Körperschaft der
Welt;

und die ganze Welt blickt heute auf den Senat.

Ich bin zuversichtlich,

daß alle Senatoren ihre Verantwortlichkeit so ausüben werden, wie dies unser nationales Interesse erfordert.

Tagespolitik und Kernwaffenarsenale sind zwei verschiedene Dinge.
Wir dürfen mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten kein politisches
Spiel betreiben.

Wir dürfen kein politisches Spiel mit dem überleben der

Menschheit treiben.

Wir dürfen kein politisches Spiel mit SALT II treiben.

Dazu ist SALT II viel zu wichtig - von viel zu großer Bedeutung für unser
Land, unsere Verbündeten und die Sache des Friedens.

Der Zweck des SALT II-Vertrages und der Zweck meiner Maßnahmen in bezug
auf die sowjetisch-kubanischen militärischen Beziehungen ist genau der gleiche:
die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten und den Weltfrieden aufrechtzuerhalten.

Als
- 10 -

�Als eine mächtige Nation - als eine Supermacht - tragen wir eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Stabilität, auch wenn es
ernsthafte Meinungsverschiedenheiten unter Ländern gibt.
Wir haben seit 1917 grundlegende Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion gehabt.

Ich hege keine Illusionen über diese Meinungsverschiedenheiten;

die beste Methode aber, sie erfolgreich auszutragen, besteht darin, die
amerikanische Einheit, den amerikanischen Willen und die amerikanische Stärke
zu wahren.
Ich bin entschlossen, das zu tun.
Das Ringen um den Frieden - das lange und schwere Ringen, Massenvernichtungswaffen unter die Kontrolle der menschlichen Vernunft und des menschlichen
Rechtes zu bringen - ist die zentrale und dramatische Herausforderung unseres
Zeitalters.
Zu einem anderen Zeitpunkt der Herausforderung in der Geschichte unseres
Landes hat Präsident Abraham Lincoln dem amerikanischen Volk zugerufen:
"Wir werden auf erhabene Weise die letzte und beste Hoffnung der Erde retten
oder sie auf schäbige Weise verlieren."
Wir haben damals klug gehandelt und die Einheit der Union bewahrt.
wir auch heute klug handeln und die Welt retten.

- 11 -

Wollen

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

INHALT

INFORMATION
Neuer Leiter der US-Delegation auf der KVAE nominiert

WIRTSCHAFT

Amtliche Erklärung zur amerikanischen Handelspolitik
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL

ehester Crocker:

Vorsicht bei Sanktionen gegen Südafrika geboten

- WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär für afrikanische
Angelegenheiten * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2. Oktober 1985

39

NEUER LEITER DER US-DELEGATION AUF DER KVAE NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 27. September
1985 den Karrierediplomaten Robert L. Barry zum Nachfolger von Botschafter James Goodby als neuen Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa nominiert.

Barry, dessen Ernennung noch der Bestätigung

durch den amerikanischen Senat bedarf, hat den Rang eines persönlichen
Gesandten und wird für die Zeit seiner Mission in Stockholm den Rang eines Botschafters erhalten.

In der PresseVerlautbarung des Weißen Hauses heißt es:

Der Präsident gab heute seine Absicht bekannt, Robert L. Barry aus
New

Hampshire, einen

Gesandten

aus dem Auswärtigen

Dienst

für seine

Dienstzeit als Vertreter der Vereinigten Staaten auf der Konferenz über
Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

(KVAE) zum Botschafter zu ernennen.

Maßnahmen

und Abrüstung

in Europa

Er soll die Nachfolge von James E.

Goodby antreten.
Barry wurde am

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Barry wurde am 28. August 1934 in Pr.ttsburgh in Pennsylvanien geboren.

Er studierte am Dartmouth College - 1956 B.A. - und an der Co-

lumbia-Universität - 1962 M.A.
von Oxford.

Von 1956-57 besuchte er die Universität

Seine Fremdsprachen

sind Russisch, Serbo-Kroatisch, Bul-

garisch und Französisch.

Von 1957-60 diente Barry als Leutnant in der amerikanischen Marine
und trat 1962 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten ein. Von
1963-65 war er Vizekonsul in Zagreb; von 1965-67 in der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten im State Department; von 1967-68 studierte er
Russisch in München (Garniisch); von 1968-70 im Konsulat und dann in der
politischen Abteilung

an der amerikanischen Botschaft in Moskau; von

1970-71 in der politischen Abteilung der amerikanischen Mission bei den
Vereinten Nationen in New York; von 1971-73 Stellvertretender Leiter des
Generalkonsulats

in Leningrad; von 1973-75 beim

US-Informationsdienst

(USIA) als Leiter der Sowjetabteilung der Stimme Amerikas.

Im Jahr 1975 kehrte Barry als Stellvertretender Direktor der Abteilung für sowjetische Angelegenheiten in das amerikanische Außenministerium zurück; 1977 wurde er Direktor der Abteilung für Angelegenheiten der
Vereinten Nationen; 1978 Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Organisationen und 1979 Stellvertretender Unterstaatssekretär
für europäische Angelegenheiten.

Im Jahr 1981 wurde er zum Botschafter

seines Landes in Bulgarien ernannt, ein Posten, den er innehatte, bis er
1984 bedeutende Forschungsaufgaben an der Columbia-Universität übernahm.

Barry ist verheiratet und hat zwei Kinder.

* * * * *

�2. Oktober 1985

39

PMTLICHE ERKLÄRUNG ZUR AMERIKANISCHEN HANDELSPOLITIK
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 23. September
15»85 eine längere amtliche Erklärung zur Handelspolitik der Vereinigten
Staaten herausgegeben.
ten des Präsidenter

Die Erklärung, cie vom Büro des Senderbeauftrag-

für Handelsverhandlungen

ausgearbeitet wurde, hat

folgenden Wortlaut:

Die Grundprinzipien der Administration für den Handel

Eine Politik des freien und fairen Handels liegt im Interesse der
Bürger der Vereinigten Staaten und der ganzen Welt.

Eine solche Politik

schafft mehr Arbeitsplätze, bringt eine bessere Nutzung der Ressourcen
unseres Landes, bringt rascheres Wachstum und Innovation hervor und gewährleistet einen höheren Lebensstandard für Amerikaner.

Freier und fai-

rer Handel ist auch unseren nationalen Sicherheitsinteressen dienlich,
weil er das wirtschaftliche und politische System unserer Handelspartner
in den Industriestaaten und Entwicklungsländern stärkt.
Trotz dieser

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Trotz dieser klaren Vorteile haben Forderungen nach Protektionismus
angehalten und in den letzten Jahren zugenommen.

Protektionismus ist

teuer und der wirtschaftlichen Prosperitat und den Sicherheitsinteressen
unseres Landes abträglich.

Protektionistische Vorschläge für Importab-

gaben oder Importquoten - ob sie zum Zwecke politischer Gewinne gemacht
werden oder nicht - sind unverantwortlich und gefährlich.

Die Vereinigten Staaten spielen die entscheidende Rolle bei der Gewährleistung und Förderung eines offenen weltweiten Handelssystems.

Wenn

die Vereinigten Staaten bei der Verteidigung und Förderung eines offeneren weltweiten Handelssystems versagen, dann ist das System in Gefahr zusammenzubrechen, was unser nationales Wohlergehen negativ beeinflussen
würde.

Das internationale Handelssystem basiert auf Zusammenarbeit.

Damit

haben auch unsere Handelspartner eine starke Verpflichtung, ein offeneres
Handelssystem zu unterstützen.

Zu dieser Verpflichtung gehören:

Abbau

der Handelsschranken, Abschaffung der Subventionen und anderer Formen unfairer Handelspraktiken und Eintritt in Verhandlungen über eine weitere
Liberalisierung des Handels im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (3ATT).

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir bedeutsame Fort-

schritte in einem offenen weltweiten Handelssystem erreicht.
tionismus droht, dieses System

zu untergraben.

Der Protek-

Unsere Handelspartner

müssen sich mit uns zusammenschließen, um das Handelssystem weiter zu
verbessern, das zu dem wirtschaftlichen Wachstum und der Sicherheit der
Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten beigetragen hat.

Amerika hat sich nie vor der Konkurrenz gefürchtet.

Wenn der Handel

den Regeln folgt und eine gleiche Wettbewerbschance besteht, dann ist die
amerikanische Wirtschaft so konkurrenzfähig wie jede andere.
fairer Handel und wir werden diesen nicht in Frage stellen.

Das ist

Wenn diese

Bedingungen nicht existieren, dann ist es unfairer Handel, und den werden
wir bekämpfen.

In der Erklärung

�In der Erklärung über die Handelspolitik von 1981 hat die Administration erkennen lassen, welche hohe Priorität sie dem internationalen Handel einräumt.

In der Erklärung wird das doppelte Ziel der Stärkung des

privaten Sektors durch das binnenwirtschaftliche Aufschwungprogramm des
Präsidenten und der internationalen Förderung eines offenen und fairen
Handels betont.

Seither sind die realen Privatinvestitionen rascher ge-

stiegen als das Bruttosozialprodukt, vor allem &lt;vas Dauergüter für die
Hersteller angeht, und heute machen Investitionen in Anlagen und Gerät
einen höheren Anteil am Gesamtaufkommen aus als zu irgend einem anderen
Zeitpunkt der Nachkriegsgeschichte.

Dies läßt erkennen, daß die ameri-

kanische Industrie Neuanschaffungen in den modernsten und produktivsten
Technologien vornimmt, die es gibt, und eine feste Grundlage aufbaut, um
ihre Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht zu verbessern.

Die grundsätzliche Einstellung der Administration war und ist, den
Kräften des privaten Marktes so freien Lauf wie nur möglich zu lassen.
Das Ergebnis dieser Einstellung hat sich als sehr positiv erwiesen.
Warenproduktion stieg um 17 Prozent.

Die

Seit 1980 hat die Zahl der zivilen

Arbeitsplätze in der Privatindustrie um acht Millionen zugenommen.

Die

Preissteigerung ist von zweistelligen Zahlen - 12,4 Prozent im Jahr 1980
- auf weniger als vier Prozent zurückgegangen.

Laufende Bemühungen, un-

sere Binnenwirtschaft durch die Wiederherstellung eines nichtinflationären Wachstums zu stärken, werden weiter dazu beitragen, die Leistung unserer Wirtschaft in den kommenden Jahren zu steigern und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

International gesehen hat die Administration ihre Bemühungen um ein
offeneres und faires System des Welthandels verstärkt, in dem sich die
Kräfte des Marktes frei von Regierungsreglementierungen und Subventionen
entwickeln

können.

Die Administration

hat

sich bemüht, ausländische

Schranken für amerikanische Exporte abzubauen, ausländischen Subventionen
und anderen unfairen Handelspraktiken im Ausland entgegenzuwirken und unsere gesetzliche Vollmacht zu nutzen, um unsere Handelspartner zu drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Wir sind weiterhin
- 3 -

�Wir sind weiterhin der Ansicht, daß offene Märkte auf der Basis gegenseitig vereinbarter Regeln und gerechter Handelsbeziehungen in unserem
nationalen Interesse liegen.

Herausforderung eines expandierenden Welthandels

Die amerikanische Wirtschaft wird immer stärker in die Weltwirtschaft
integriert.

Arbeitgeber, Aroeitnehmer

und

Regierungsvertreter

unseres

Landes auf allen Ebenen müssen diese grundlegende Tatsache immer stärker
in Rechnung stellen.

Im Jahr 1985 werden die amerikanischen Exporte und

Importe von Waren und Dienstleistungen etwa 21 Prozent unseres Bruttosozialproduktes ausmachen.

Dem stehen 13 Prozent im Jahr 1970 und nur neun

Prozent im Jahr 1950 gegenüber.

Der Trend in unserer Wirtschaft zu einer größeren Rolle im internationalen Handel ist unumkehrbar.

Rasches Wachstum und rascher Wandel in

den Volkswirtschaften anderer Länder - sowohl der Industriestaaten als
auch der Entwicklungsländer - bieten neue und wachsende Märkte für unsere
Exporte und Quellen für unsere Importe.

Als Ergebnis werden die amerika-

nische Produktion und der amerikanische Verbrauch in immer stärkerem Maße
den entsprechenden Phänomenen im Ausland integriert.

Die wachsende Abhängigkeit unserer industriellen und landwirtschaftlichen Erzeuger von ausländischen Märkten und die große Herausforderung
ausländischer Konkurrenz auf unserem Binnenmarkt machen es für uns zwingend notwendig, auch weiterhin eine starke und wettbewwerbsfähige einheimische Wirtschaft und ein offeneres weltweites System des Handels und
der Kapitalflüsse zu fördern.

Diese Administration mißt politischen Maß-

nahmen, die diesen Zielen dienen, eine hohe Priorität bei.

Mit dieser wachsenden Bedeutung internationaler Märkte für unsere
Wirtschaft gehen wachsende Bedrohungen des offenen und marktorientierten
Handels einher.

Weitreichende

staatliche Eingriffe in die Volkswirt-

schaften unserer Handelspartner gefährden unsere Fähigkeit, international

- 4 -

�Fähigkeit, international Geschäfte zu machen.

Diese Administration wird

auch weiterhin mit allen Kräften nach Liberalisierung des Handels sowie
einer Politik auf den Gebieten der Industrie, der Landwirtschaft und des
geistigen Eigentums und der Investitionen im Ausland streben, die unsere
Erzeuger in die Lage versetzt, ihre Exporte zu steigern und Wachstum und
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu erhöhen.

Wir müssen uns auch mit den protektlonistischen Forderungen im eigenen Lande befassen.

Befürworter von Einfuhrabgaben oder anderer Formen

des Protektionismus führen immer wieder unser großes Handelsdefizit als
Argument für eine Beschränkung der Einfuhren an.

Sie argumentieren, un-

ser Handelsdefizit hemme das Wirtschaftswachstum im eigenen Lande.

Aber

eine solche Analyse ist ebenso falsch wie die vorgeschlagene Abhilfe.
Protektionismus nützt nur einigen Industriezweigen auf Kosten der übrigen
Volkswirtschaft.

Weniger Einfuhren werden durch weniger Ausfuhren aufge-

hoben, und die Handelsbilanz wird höchstens temporär verbessert.

Protek-

tionismus treibt die Kosten für den Verbraucher in die Höhe und lenkt die
Mittel innerhalb der Wirtschaft in falsche Bahnen.

Und er setzt eine

Handelskriegspsychologie der Vergeltung und weiterer Marktbeschränkungen
in Gang.

Der beste Beweis, daß freie Märkte und freier Handel funktionieren,
ist unser eigenes Wachstum in letzter Zeit, verglichen mit dem langsameren der Volkswirtschaften unserer Handelspartner.

Unser Handelsdefizit

ist groß geworden, aber gleichzeitig sind seit 1980 rund acht Millionen
neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

Unser kräftiges Wachstum in den

letzten Jahren hat die Nachfrage nach einheimischen wie nach ausländischen Erzeugnissen angeregt.

Wir müssen einsehen, daß es unser eigenes

starkes Wachstum nicht gegeben hätte, wenn wir nicht auch eine stärkere
Nachfrage nach Importen geschaffen hätten.

Die Verfügbarkeit von Impor-

ten hat unseren Interessen gedient, indem sie den Amerikanern eine größere Auswahl zu niedrigeren Preisen geboten und geholfen hat, befreundete
Länder wirtschaftlich stabil zu halten.

Im Gegensatz zu

- 5 -

�Im Gegensatz zu dem kräftigen wirtschaftlichen Wachstum und der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten während der letzten Jahre war
das Wachstum bei unseren Handelspartnern im allgemeinen niedriger.

Der

große Unterschied zwischen unserem Wachstum und dem unserer Handelspartner hat zusätzlich zu unserem Handelsdefizit - und dem Handelsüberschuß
unserer Partner - beigetragen.

Während der Zuwachs unserer industriellen

Produktion seit 1982 rund 19 Prozent betrug, war der Zuwachs in den wichtigsten Industriestaaten, die unsere Handelspartner sind, im allgemeinen
wesentlich geringer:

rund 17 Prozent in Kanada, 2,5 Prozent in Frank-

reich, acht Prozent in der Bundesrepublik Deutschland, neun Prozent in
Großbritannien und 1,4 Prozent in Italien.

Im Gegensatz zu den acht Mil-

lionen Arbeitsplätze, die seit 1980 in unserem Lande geschaffen wurden,
hat es in Europa seit über zehn Jahren keine Nettozunahme der Arbeitsplätze mehr gegeben.

Stärkere private Investitionen in diesen und an-

deren Ländern würden helfen, die Kluft zwischen ihrem Wachstum und ihrer
Beschäftigungslage und der unsrigen zu schließen.

Dies wiederum würde

dazu beitragen, unser Defizit abzubauen, weil die Auslandsnachfrage nach
unseren Erzeugnissen im Verhältnis zu unserer Nachfrage nach ihren Produkten steigen würde.

Das internationale Schuldenproblem vieler Entwicklungsländer hat deren Fähigkeit beschnitten, Importe aus den Vereinigten Staaten zu kaufen.
Die amerikanischen Exporte in die hochverschuldeten Entwicklungsländer
sind in einigen Fällen seit 1981 halbiert worden.

Wenn diese Schuldner-

länder eine Politik einführen, die eine Abkehr ihrer Volkswirtschaften
von regierungskontrollierten zu marktorientierten Entscheidungen bedeuten
und wenn sie das Vertrauen der internationalen Geschäfts- und Bankenwelt
zurückgewinnen würden, dann würde ihr Wachstumspotential wieder hergestellt und amerikanische Exporte in diese Länder würden wieder zunehmen.

Die Administration wird die verschuldeten Entwicklungsländer dazu ermutigen, die Behinderungen der Funktion der Marktkräfte in ihren Volkswirtschaften abzubauen, die Produktion durch Marktanreize für Unternehmen
und Beschäftigte zu steigern und Eigenkapital an die Stelle von Schulden
zu setzen, indem die eigene und ausländische Investition angeregt wird.

- 6 -

�angeregt wird.

Diese Maßnahmen werden das wirtschaftliche Wachstum för-

dern und damit die Fähigkeit zum Schuldendienst erhöhen und wieder Chancen für amerikanische Exporte schaffen.

Der Dollar auf den internationalen Märkten

Seit 19"?8 ist der Dollar im Verhältnis zum Wert der Währungen unserer
wichtigsten Handelspartner, die Industrieländer sind, wesentlich im Wert
gestiegen.

Der Kursanstieg wurde durch eine zusätzlicne weltweite Nach-

frage nach auf Dollar lautenden Papieren verstärkt - dies wiederum ist
Ausdruck dec großen Wachstumserwartungen und Sicherheit von Investitionen
in der amerikanischen Wirtschaft.

Diese Kapitalströme haben unsere Mit-

tel für die Produktion verstärkt und uns geholfen, die Inflation unter
Kontrolle zu halten.

Das Anwachsen des Dollarwertes hat zwar unsere Wirtschaft bereichert,
aber es hat auch unseren Exporten zusätzliche Hindernisse in den Weg gelegt und hat die Importe gefördert.

Die Administration macht sich Sorgen

über die Auswirkungen des Wertanstiegs des Dollar auf unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Viele amerikanische Produzenten sind heute im

Vergleich zu ihren Konkurrenten in Übersee relativ weniger wettbewerbsfähig geworden, weil der Dollar in den letzten sieben Jahren im Wert gestiegen ist.

Dieses Problem läßt sich jedoch nicht über Nacht lösen. Wir

sollten nicht versuchen, den Zustrom von Kapital abzublocken, das aus den
positiven

Aussichten

für

unser

wirtschaftliches

Wachstum

möchte und zu diesen positiven Aussichten beiträgt.

profitieren

Die Stärke des Dol-

lar reflektiert teilweise auch die relative Stärke unserer Wirtschaft.

Ein wichtiger Beitrag, um den Wertanstieg des Dollar zu dämpfen, würde darin bestehen, daß es unseren Handelspartnern gelingt, das Wachstum
ihrer eigenen Volkswirtschaften zu beschleunigen.

Dies würde wesentlich

zu einer Zunahme der amerikanischen Exporte beitragen, und zwar durch eine schrittweise Stärkung ihrer Währungen und die Auswirkung ihrer höheren
Einkommen auf den Kauf amerikanischer Erzeugnisse.
- 7 -

Die Administration

�Die Administration ermutigt unsere Handelspartner, eine Politik zu betreiben, die ihr wirtschaftliches Wachstum beschleunigt und sie wird die
Teilnehmer

am

Bonner Wirtschaftsgipfel

drängen, ihren Verpflichtungen

nachzukommen und die Starrheiten und UngLeichgewichte in ihren Volkswirtschaften zu beseitigen.

Wir wollen keine altmodischen "Lockvogel"-Erhö-

hungen der Regierungsausgaben und auch keine inflationäre Geldpolitik,
sondern vielmehr eine Änderung der Politik im Sinne der Senkung von

Aus-

gaben und Steuern, der Neuverteilung von Mitteln und der Liberalisierung
der Geldmärkte - Schritte, die die Wachstumschancen auf Dauer erhöhen
würden.

Bundesausgaben, Steuern und Verordnungen

Das Programm der Administration für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung hat Anreize geboten, wieder zu investieren, die Produktivität zu
steigern und die Inflation von dem gefährlich hohen Stand der Jahre 1979
und 1980 herunterzudrücken.

Die daraus resultierende Verringerung der

Zinssätze hat, verbunden mit einer Senkung der Höchstsätze für die Einkommen- und Körperschaftssteuer, die Investitionstätigkeit angeregt und
einen starken Aufschwung mit niedriger Inflation ausgelöst.

Die Expansion von Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen seit 1982
führte zu dem raschesten wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit.
Investitionen, die heute getätigt werden, werden auf lange Sicht die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit auf unseren Auslands- und Binnenmärkten
stärken.
Es ist für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtig, daß
wir im Rahmen unserer Steuerpolitik den Anreiz zur Spar- und Investitionstätigkeit aufrechterhalten.

Die Administration hat als Teil ihres

Steuerreformvorschlages jene Elemente unseres Steuertarifs beibehalten,
die die Spar- und Investitionstätigkeit des einzelnen und von Unternehmen
begünstigen - einschließlich

niedrigerer Einkommen- und Körperschafts-

steuersätze, indexierter Abschreibung von Anlagen und der Möglichkeit,

- 8 -

�der Möglichkeit, Ausgaben für Forschung und Entwicklung abzusetzen.

Der

Steuerreformvorschlag des Präsidenten ist wesentlich, um die Wirtschaft
zu stärken und amerikanische Unternehmen auf den internationalen Märkten
wettbewerbsfähig zu machen.

Eine weitere große Initiative der Administration zur Senkung der Bundesausgaben ist ebenfalls wichtig zur Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit:

Dämpfung des Dollarwertes und Abbau der An-

sprüche, den solche Ausgaben an die Ressourcen des Landes stellen.

Re-

gierungsausgaben ziehen - ob sie aus Steuern oder aus Anleihen finanziert
werden - Mittel vom privaten Sektor ab, führen zu der Notwendigkeit, viele Milliarcen an geliehenem Kapital einzuführen und tragen zur Steigerung
des Wertes des Dollar bei.

Der hohe Stand der öffentlichen Ausgaben hat noch andere negative
Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.
Er hat die Senkung der Zinssätze verhindert.

Wenn die Regierungsausgaben

nicht wieder auf vernünftige Ausmaße zurückgeschraubt v/erden, dann werden
Mittel von expandierenden Investitionen auf dem Privatsektor abgezogen.
Die amerikanischen Unternehmer haben wiederholt angedeutet, daß die finanziellen Kosten des Kapitals ein großes Problem für amerikanische Firmen sind, die auf Weltmärkten konkurrieren.

Wir müssen die Zinssätze

weiter senken, indem wir die Regierungsausgaben abbauen.

Die Administration hat große Anstrengungen unternommen, um den Kongreß dazu zu bewegen, die Bundesausgaben wesentlich zu verringern.

Sol-

che Verringerungen würden nicht nur der Wirtschaft unseres Landes zugute
kommen, sondern auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wesentlich verbessern.

Die Zinssätze könnten weiter gesenkt werden, es würden

mehr Mittel für produktive Zwecke auf dem Privatsektor frei und, was sehr
wichtig ist, wir könnten mit einer Änderung des Dollarkurses rechnen, die
den amerikanischen Exporten und den mit Importen konkurrierenden amerikanischen Industrien zugute käme.

Wir müssen uns jedoch darüber im klaren

sein, daß ein Abbau des Defizits im Regierungshaushalt nicht unbedingt zu
einer raschen und starken Senkung des Dollarkurses führen muß, was posi-

- 9 -

�was positiv zu verzeichnen ist, weil es die Anziehungskraft amerikanischer Wertpapiere weiter erhöhen würde.

Auf jeden Fall würde aber eine

schärfere Kontrolle der Bundesausgaben und eine wirksamere Nutzung öffentlicher Mittel die Leistung der Wirtschaft und unsere internationale
Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Die Administration hat sich auch verpflichtet, die Last der Bundesverordnungen und Erlasse zu verringern, die das Wachstum, die Produktivität und die Exporte der amerikanischen Wirtschaft unnötig hemmen.

Auf

der Exportseite hat die Administration gesetzliche Regelungen in Form des
Gesetzes für Exporthandelsfirmen von 1982 angestrebt und erhalten, das es
Banken erlaubt, sich aktiv an der Gründung von Exporthandelsgesellschaften zu beteiligen, um den Export von amerikanischen Gütern und Dienstleistungen zu fördern.

Die Administration wird die Anwendung dieses Geset-

zes ständig überprüfen und falls sich dies als notwendig erweisen sollte,
weitere Änderungen vorschlagen.

Im Bereich der binnenwirtschaftlichen Verordnungen wird die Einführung von mehr Wettbewerb in bisher reglementierten Sektoren die Produktivität

und

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

steigern.

Die

Administration wird ferner bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Ausarbeitung weiterer Initiativen zur Aufhebung von Verordnungen an die Auswirkungen auf den Handel denken.

Wir werden prüfen,

wie weit der Prozeß der Aufhebung von Verordnungen als Hebel auf den Handel wirken kann, um Auslandsmärkte zu öffnen, wodurch das Problem ausländischer Lieferanten als Trittbrettfahrer so klein wie möglich gehalten
werden kann.

Die

internationale

Wettbewerbsfähigkeit

amerikanischer

Industrien

hängt auch vom Schutz des in den Vereinigten Staaten entstandenen geistigen Eigentums - Patente, Urheberrechte und Markenzeichen - ab.

Die Ad-

ministration wird ihre Anstrengungen verstärken, in den Vereinigten Staaten entstandenes geistiges Eigentum zu schützen.

Wir werden die laufen-

den Bemühungen auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet dahingehend beschleunigen,

daß

die

Administration

- 10 -

legislative

und

administrative

�und administrative Schritte unternimmt.

Auf einem damit zusammenhängen-

den Gebiet führt die Administration ein wichtiges neues Programm durch,
das darauf abzielt, das Tempo der Kommerzialisierung von Produkten und
Verfahren zu beschleunigen, die durch Investitionen der Regierung in Forschung und Entwicklung entstanden sind.

Die Administration setzt mit

Nachdruck Gesetze durch, die Universitäten und kleinen Unternehmen Eigentum an Technologie überträgt, die mit Bundesmitteln entwickelt worden
sind.

Die Administration überprüft ferner die Antikartellgesetze oder Verordnungen, die

unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit

hemmen, und

wird sie zu verändern suchen.

Internationale Finanz- und Entwicklungspolitik

Die Administration unterstützt ferner aktiv die amerikanischen Handelsinteressen, indem sie auf dem Gebiet der internationalen Finanz- und
Entwicklungspolitik Initiativen ergreift.

Auf dem jüngsten Wirtschafts-

glpfel und auf Ministertagungen haben wir unsere ausländischen Partner
aufgefordert, eine auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Politik einzuschlagen.

Das würde das amerikanische Handelsdefizit durch eine stärkere

Nachfrage nach unseren Exporten abbauen und würde auch den hochverschuldeten Entwicklungsländern zusätzliche Exportchancen bieten.

Die Administration unterstützt aktiv die Bemühungen, die vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank koordiniert werden, um das
internationale Finanzsystem zu stärken und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Zu diesem Zweck sind die Vereinigten Staaten bereit, den möglichen
Wert einer Einladung zu einem hochrangigen Treffen der Industrieländer zu
prüfen, um die verschiedenen Fragen zu analysieren, die mit der Umwandlung der Feststellungen der Zehnergruppe in geeignete Maßnahmen zusammenhängen.

Eine solche Konferenz könnte auf den Studien der Zehnergruppe
- 11 -

�der Zehnergruppe aufbauen und in kooperativer Weise über Politik und
Wirtschaftstätigkeit der wichtisten Industriestaaten sprechen und darüber
beraten, wie diese verbessert werden können, um eine Konvergenz zu nichtinflationärem Wachstum zu schaffen.

Die amerikanischen Exporte haben in den letzten Jahren aufgrund der
Auslandsschuldenkrise

in einer Reihe von Entwicklungsländern gelitten.

Mit Auflagen verbundene Finanzierungsprogramme des IWF können Schuldnerländern dabei helfen, den "Übergang zu einem anhaltenden Wachstum zu finden.

Zu diesem Zweck ist es wichtig, daß die Vereinigten Staaten die Be-

mühungen des IWF unterstützen, eine makro- und mikroökonomische Reform
der Wirtschaftspolitik im Rahmen der mit den Schuldnerländern ausgehandelten Hilfsprogramme zu erreichen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß die Reform der Handelsund Investitionspolitik Teil der politischen Reformen sein sollte, über
die der IWF im Rahmen seiner konditionierten Finanzierungsprogramme verhandelt. Verringerte Exportsubventionen und ein

Abbau der Handelsschran-

ken werden den Bemühungen vieler Entwicklungsländer zugute kommen, ihre
wirtschaftliche Leistung zu verbessern und ihr wirtschaftliches Wachstum
zu beschleunigen.

Die Administration wird weiterhin in ihrer Einstellung

und Stimmabgabe im IWF auf diese Reformen drängen.

Solche Bemühungen

werden zu einem offeneren und gesünderen internationalen Umfeld für den
Handel und das Wachstum in den Vereinigten Staaten und in den Entwicklungsländern beitragen.

In ihren Beziehungen zur Weltbank hat die Administration auf eine
Ausweitung der Rolle des Privatsektors bei Förderung des langfristigen
wirtschaftlichen Wachstums in den Entwicklungsländern gedrängt.

Die Un-

terstützung der Administration hat wesentlich zur Aufstellung eines der
Interamerikanischen Entwicklungsbank übertragenen Programms für den Privatsektor in Höhe von 200 Millionen Dollar beigetragen.

Die Administration ist der Überzeugung, daß weniger staatliche Eingriffe in die Volkswirtschaft

der Entwicklungsländer
- 12 -

und weniger Be-

�weniger Beschränkungen der einheimischen und ausländischen Investitionen
sehr stark zu einer raschen Entwicklung und einem raschen Wachstum des
Welthandels beitragen werden.

Eine Liberalisierung der einschränkenden

Bestimmungen in den Entwicklungsländern bezüglich ausländischer Investitionen kann den Wettbewerb fördern und die schlechte Leistung verbessern,
die durch geschützte

einheimische Monopole entsteht, und

gleichzeitig

Mittel und produktive Fähigkeiten freisetzen, um den Erfordernissen des
Schuldendienstes dieser Länder nachkommen zu können.

Die Administration

unterstützt die Einrichtung des Amtes für Multilaterale Investitionsgarantien (MIGA), die kürzlich von der Weltbank beschlossen wurde, um den
internationalen Fluß der Investitionen

zu fördern.

Die Administration

ermutigt ferner die Entwicklungsländer, die Investitionen durch Aushandlung von Aokommen zu fördern, durch die ausländische Investitionen geschützt und wie eigene nationale Investitionen behandelt werden, sowie
durch Verstärkung des Schutzes von geistigem Eigentum.

Die Administration wird die Weltbank weiterhin drängen, eine marktorientierte Entwicklungspolitik zu unterstützen und zu fördern.

Preis-

kontrollen und Subventionen verzerren oft die Entwicklung und den Handel
und führen zu einer Vergeudung von Mitteln der Weltbank, und zur Entwicklung von Industrien, deren 'Überleben auf dem internationalen Markt von
anhaltender Unterstützung durch die Regierung abhängt.

Eine solche Poli-

tik kann amerikanischen Industriezweigen Schaden zufügen, die mit ausländischen Firmen in Konkurrenz stehen, die von ihren Regierungen unterstützt werden.

Wir haben eine Reihe von Anleihen der multilateralen Ent-

wicklungsbanken

unterstützt, die der Reform von Märkten und Handel in

Entwicklungsländern dienen.

Handelspolitik: Garantie verbesserten Marktzugangs und faireren Handels

Die

amerikanische

Handelspolitik

muß von einer

realistischen Ein-

schätzung der Wettbewerbssituation der Vereinigten Staaten innerhalb der
Weltwirtschaft ausgehen.

Sicherlich bleibt unsere Nation auch weiterhin

stark und lebensfrähig, bleibt sie der wirtschaftliche Führer der freien

- 13 -

�der freien Welt, deren politische Führungsrolle sich auf diese Stärke
stützt.

Aber zur Ausübung dieser Rolle müssen wir auch weiterhin unsere

Bemühungen auf die Schaffung der Bedingungen eines offenen und expandierenden Welthandels richten, der zu weltweiter Prosperität beiträgt.

Die Administration bekräftigt erneut ihre grundlegende handelspolitische Position, wie diese in ihrer Erklärung vom 8. Juli 1981 dargelegt
worden ist.

In Einklang mit dieser Position wird die Administration auch

weiterhin ungehinderteren Zugang für die amerikanischen Exporte zu den
ausländischen

Märkten

und

fairere

Handelsbedingungen

anstreben, sich

gleichzeitig aber sowohl im eigenen Land wie auch im Ausland Bestrebungen
entgegenstellen, die protektionistischer Natur sind.

Wir streben gegen-

über unseren Haupthandelspartnern, den großen und entwickelten Industriestaaten, eine substantielle Handelsliberalisierung an, durch die den amerikanischen Produkten mehr Märkte erschlossen werden.

Die Vereinigten

Staaten werden die notwendigen Initiativen ergreifen, damit bei einer
ganzen Reihe ausländischer Märkte - insbesondere Japan und den wichtigsten Entwicklungsländern - ein ausgewogenerer Zugang möglich wird.

Unsere Handelspolitik muß konzertierte Bemühungen mit unseren Handelspartnern zur langfristigen Schaffung offenerer Bedingungen im Welthandelssystem

mit einer Bereitschaft verbinden, je nach Notwendigkeit

kurzfristigere Schritte zu unternehmen, um faire Wettbewerbsbedingungen
für die amerikanische Wirtschaft sicherzustellen.

Die anderen Staaten müssen erkennen, daß es unmöglich ist, in den
Vereinigten Staaten politische Unterstützung für die Schaffung und Aufrechterhaltung eines offeneren Handelssystems zu erhalten, wenn es nicht
bald auch im Ausland zu Fortschritten bei der Erzielung offenerer und gerechterer Bedingungen für den Handel kommt.

Die Vereinigten Staaten wer-

den alle Fragen des Welthandels auf entschlossene, jedoch nicht auf Konfrontation abzielende Weise angehen.

Wir werden jedoch, falls notwendig,

Maßnahmen ergreifen, um im Ausland offenere Märkte zu erreichen und uns
selbst gegen unfaire Handelspraktiken anderer Staaten verteidigen.
Die Administration

- 14 -

�Die Administration wird verstärkt die ihr vom Kongreß gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder
anzugehen, die Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten verzerren; sie wird nachdrücklich die Handelsinteressen und Rechte der Vereinigten Staaten gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und
darauf drängen, daß auch die anderen Staaten ihre Verpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten einhalten, wie sie sich aus ihren Handelsabkommen ergeben.
Des weiteren werden wir mit allem Nachdruck jene amerikanischen Gesetze in Anwendung bringen, die darauf abzielen, ausländischen Dumpingund Subventlonspraktiken entgegenzuwirken.

Am Wettbewerb im Welthandel sollten sich die Unternehmen der Wirtschaftswelt, nicht aber die Finanzministerien der Regierungen beteiligen.
Die sorgfältige Aushandlung verbesserter internationaler Regeln hinsichtlich Exportsubventionen ist für diese Administration ein Unterfangen von
höchster Priorität.

Wo derlei Regeln fehlen, unzureichend oder in ihrer

Anwendung nicht zufriedenstellend sind, werden die Vereinigten Staaten
ihre Exporteure

mit Nachdruck

gegen

die Subventionsprogramme

anderer

Staaten verteidigen.

Die Administration wird ihre Bemühungen verstärken, gegen die Probleme der Exportfinanzhilfe ausländischer Regierungen anzugehen, insbesondere dann, wenn es um Mischkredite geht; gleichzeitige wird sie auf ein
internationales Abkommen drängen, um subventionierte Exportfinanzierungen
aus der Welt zu schaffen.

Zu sogenannten "Mischkrediten" kommt es, wenn

Regierungen Exportkredite mit finanziellen Hilfsdarlehen kombinieren, um
die Kreditkosten der Exportverkäufe dadurch zu senken.

Mischkredite bil-

den im Welthandelssystem ein erhebliches und zunehmendes Subventionsproblem.

Die Export-Import-Bank wird mit einer konsequenten und zielgerich-

teten Politik beginnen, die auf die Mischkreditgewährungspolitik abhebt.
Gleichzeitig wird die Administration eine Bewilligung in Höhe von 300
Millionen Dollar für Zuschüsse anstreben, um bis zu 100 Milliarden Dollar
an Mischkreditdarlehen zu unterstützen.
In den vergangenen

- 15 -

�In den vergangenen zwei Jahren hat die Administration mit Erfolg Abkommen geschlossen, um Zinssubventionen oei Verkäufen von Großflugzeugen
und Kernkraftanlagen ins Ausland zu begrenzen.

Dieses Beispiel interna-

tionaler Zusammenarbeit muß auch auf das Problem der Mischkredite angewandt werden.

Die Administration wird auf Anträge amerikanischen Firmen und Einzelpersonen eingehen, bei denen es sich um gerechtfertigte Klagen über unfaire ausländische Handelspraktiken handelt.

Der Präsident hat kürzlich

angekündigt, daß fünf Fälle gemäß Absatz 301 des Handelsgesetzes von 1974
eingeleitet bzw. beschleunigt werden, um gegen unfaire ausländische Handelspraktiken anzugehen.

Es ist dies das erste Mal, daß ein Präsident

diesen wichtigen Schritt getan hat.

Die Administration wird außerdem

taktische Maßnahmen ergreifen, die auf die Beseitigung unfairer Praktiken
im Welthandel und auf die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten
sich Anstrengungen zur Lösung dieser Probleme durch Konsultationen als
vergeblich erweisen. Verweigerung bzw. Begrenzung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Verlauf dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme darstellen.

Die Administration unterstützt die auf eine Öffnung des Marktes gerichtete Zielsetzung der Gesetzgebung

eines ausgewogenen Marktzugangs,

wird sich jedoch jeder Gesetzgebung widersetzen, die den Präsidenten
zwingen sollte, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg besteht darin, der Administra-

tion die Handlungfreiheit
schranken auszuhandeln.

zu geben, den Abbau ausländischer Handels-

Des weiteren wird die Administration ihrem Be-

richt an den Kongreß bezüglich des Themas der Ausrichtung auf ausländische Industrien entsprechend fortfahren, indem sie auch weiterhin die potentiellen Probleme - und mögliche Lösungen - untersucht, die sich aus
dem gezielten ausländischen Maßnahmen ergeben.

Wir werden uns um die Beseitigung von Zollschranken und Verzerrungen
für den amerikanischen Handel mit Dienstleistungen und Hochtechnologiegütern (Bereichen, in denen wir einen beträchtlichen, weltweiten Wettbe-

- 16 -

�weltweiten Wettbewerbsvorteil haben) sowie für direkte amerikanische Investitionen im Ausland bemühen.

Eine wichtige neue Priorität im Bereich

des Handels wird es sein, Schranken und Verzerrrungen für den amerikanischen Handel zu verringern und schließlich zu beseitigen, die sich aus
dem unzureichenden Schutz amerikanischen geistigen Eigentums im Ausland
ergebem - Patenten, Urheberrechten und Markenzeichen.

Im Bereich des Handels mit landwirtschaftlichen Gütern wird die Administration auch weiterhin gegen ausländische Exportsubventionen ange;hen,
die unsere traditionellen Auslandsmärkte gefährden.

Die Administration

wird auch weiterhin die mögliche Anwendung des Programms eines Warentauschgeschäftes ausloten, um unsere Handelspartner, insbesondere in Europa, dazu zu ermutigen, sich zur Beseitigung der Agrarexportsubventionen
zu verpflichten.

Vereinzelte und temporäre Sicherungen und nationale Sicherheit
Die Bürger der Vereinigten Staaten haben größtes Interesse an freiem
und fairem Handel. Offener Handel schafft mehr Arbeitsplätze, produktivere Verwendung der Ressourcen des Landes, raschere Innovation und einen
höheren Lebensstandard.

Er fördert zudem unsere nationalen Sicherheits-

interessen, weil die wirtschaftlichen und politischen Systeme befreundeter Staaten gestärkt werden. Protektionismus - in Form von Zollerhöhungen
oder von Quoten - wäre kostspielig und stünde den wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes entgegen.

Es ist jedoch international anerkannt, daß es gelegentlich für Staaten notwendig ist, Industriezweige eine Zeitlang vor schwerwiegenden Folgen zu schützen, die sich hauptsächlich durch eine Flut von Importen ergeben.

Gelegentliche

Sicherungsmaßnahmen

der Vereinigten Staaten, in

Einklang mit unseren Handelsgesetzen ergriffen, widersprechen unseren internationalen Verpflichtungen nicht.

Sie müssen jedoch die übergreifen-

den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen unseres Landes
widerspiegeln.

Entsprechende Erleichterungen müssen im wirtschaftlichen

- 17 -

�im wirtschaftlichen

Interesse der Nation liegen; sie müssen temporär

sein, über ihre Laufzeit hinweg reduziert werden und Aussicht auf Anpassung dieses Teils der amerikanischen Industrie bieten, damit er nach Einstellung dieser Erleichterungen auch wieder wettbewerbsfähig ist.
Anstelle von Protektion wird die Administration Wege
Weiterbildung von Arbeitnehmern zu fördern.

prüfen, die

Die Administration wird be-

stehende Hilfprogramme für Arbeitnehmer einer Überprüfung unterziehen, um
sicherzustellen, daß dadurch eine wirksame und humane Anpassungspolitik
gefördert wird, die zu einem Maximum an Wandel und Mobilität sowie
- (a) Ausbildung und Umschulungsprogrammen - finanziert durch Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber - auf umfassender und dauerhafter Grundlage; und
- (b) Unterstützung für entlassene Arbeitnehmer durch Stellendienste,
Arbeitsplatzbanken, Ausbildung und Umzugsbeihilfen beitragen.
Die Administration behält sich das Recht vor, auf wirtschaftliche Bedingungen im internationalen Rahmen sowie auf ein Maß an Importen zu reagieren, das inländische Industriezweige bedroht, die für unsere langfristige nationale Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind. Außerdem
wird die Administration mit Nachdruck unsere Exportkontrollgesetze im Interesse unserer eigenen nationalen Sicherheit zur Anwendung bringen.
Gleichzeitig erkennt die Administration die Tatsache der Erfolgschancen
des Auslandes sowie die Bedeutung unserer Reputation als verläßlicher
Lieferant an. Wir sind uns aber auch der Tatsache bewußt, daß künftige
technische Fortschritte der amerikanischen Industrie von der Aufrechterhaltung des größtmöglichen Zugangs zu den internationalen Märkten sowie
von der Förderung des umfassendsten Austausches wissenschaftlicher Information abhängen.

Internationale Verhandlungen
- 18 -

�Internationale Verhandlungen zur Verbesserung des Zugangs zu den Märkten
und zur Erzielung eines gerechteren Handels

Es besteht ein großes Bedürfnis zur Stärkung des internationalen Handelssystems durch gemeinsame Anstrengungen der Vereinigten Staaten und
ihrer Handelspartner, um besseren Zugang zum und fairere Bedingungen im
Welthandel zu erhalten.

Es besteht die zwingende Notwendigkeit zur Über-

arbeitung d=s Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), das seit 40
Jahren das internationale rechtliche Rahmenwerk für den Welthandel darstellt.

Die Wirksamkeit des GATT hat in den letzten Jahren nachgelassen,

hauptsächlich weil seine Maschinerie und seine Regeln nicht den neuen Bedürfnissen der internationalen Handelsgemeinschaft angepaßt wurden.

Das GATT muß in den folgenden Bereichen gestärkt werden:

- Beilegung von Streitigkeiten (gleich, ob in Form von Sicherheitsklauseln, bei Restriktionen für neue Industriezweige oder bei Zahlungsbilanzrestriktionen) sowie

- Regeln bei der Gewährung von Exportsubventionen.

Die GATT-Verhandlungen müssen außerdem ein erheblich verbessertes Umfeld für den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten erbringen.

Ver-

handlungen sind notwendig, um den Kodex bei den nichttarifären Handelsschranken zu verbessern, der zuerst im Rahmen der Tokio-Runde entwickelt
wurde.

Und das GATT muß auch Problembereiche untersuchen und in Bereiche

hineinwirken, die in zunehmendem Maß für den Welthandel wichtig werden,
einschließlich

des _Schutzes des geistigen Eigentums, des Handels mit

Dienstleistungen und der handelsverzerrenden Investitionspraktiken.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Handelspartner darauf gedrängt, in
eine neue Multilaterale Verhandlungsrunde einzutreten, um sich bald mit
diesen Fragen im Rahmen des GATT auseinanderzusetzen.

Eine solche Runde

wäre ein positives Zeichen dafür, daß die GATT-Mitglieder noch immer an
ein offenes Handelssystem sowie daran glauben, daß das GATT als Institu- 19 -

�als Institution fähig ist, sich den Bedingungen des Wandels anzupassen.
Diese Verhandlungen sollten Anfang 1986 beginnen.

Während für uns oberste Priorität die Verbesserung des Welthandelssystems durch eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen ist, sind
die Vereinigten Staaten auch an der Möglichkeit interessiert, eine weitere Liberalisierung von Handel und Investitionen durch die Aushanrilung
bilateraler Freihandelsabkommen, wie das kürzlich mit Israel abgeschlossene, zu erzielen.

Wir sind der Überzeugung, daß bisweilen solche Abkom-

men unsere multilaterale Bemühungen vervollständigen sowie ein höheres und für beide Seiten vorteilhaftes - Maß an Liberalisierung ermöglichen
könnten, als dies innerhalb des multilateralen Kontext möglich wäre.

Die Vereinigten Staaten werden allen ernsthaften Vorschlägen zum Einstieg in die Aushandlung solcher Abkommen sorgfältige Überlegung angedeihen lassen.

Oberster Gesichtspunkt bei der Bewertung solcher Vorschläge

wird ihr wirtschaftlicher Wert für die Vereinigten Staaten sein; wir werden kein Abkommen verfolgen, das nicht deutlich in unserem wirtschaftlichen und kommerziellen Interesse liegt.

Schließlich werden die Aus-

sichten auf deutlichen Fortschritt in einer neuen Runde mulitlateraler
Handelsverhandlungen auch unsere Überlegungen hinsichtlich solch bilateraler Initiativen beeinflussen.

Die Administration wird sich eng mit dem Kongreß und den Vertretern
des Privatsektors konsultieren, bevor sie in formelle Verhandlungen eintritt, die darauf abzielen, irgendwelche bilaterale Freihandelsvereinbarungen zu erreichen und sie wird auch den Kongreß bezüglich ihrer Absichten in Einklang mit bestehendem amerikanischen Recht informieren.
Neben möglichen bilateralen Freihandelsvereinbarungen werden die Vereinigten Staaten andere bilaterale Bemühungen unternehmen, um den Zugang
für amerikanischen Handel und Investitionen zu verbessern.

Diese bilate-

ralen Anstrengungen könnten spezifische oder sektorale Handelsfragen angehen.

Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten sektorenspezifische

Diskussionen mit der japanischen Regierung begonnen, um den Zugang ameri-

- 20 -

�Zugang amerikanischer Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen, medizinischen

und

pharmazeutischen

Produkten, elektronischen

Gütern und

forstwirtschaftlichen Produkten auf dem japanischen Markt zu verbessern.
Neue Sektoren werden hinzukommen, die Aussicht auf verstärkte amerikanische Exporte bieten.

Die Administration ist auch in Gespräche mit der japanischen Regierung eingetreten, um in Japan offenere Finanzmärkte zu bekommen und dem
Yen eine Rolle zuzuweisen, der stärker Japans erhöhte wirtschaftliche Bedeutung in der Weltwirtschaft widerspiegelt.

Wir werden auch nachfassen,

was die Verwirklichung von Verpflichtungen anbelangt, die Japan in diesem
Bereich eingegangen ist.

Andere

bilaterale

fortgeschrittenen

Initiativen

umfassen

Entwicklungsländern

Marktöffnungsgespräche

mit

(zum Beispiel Taiwan und Korea)

sowie Initiativen zur Aushandlung bilateraler Investitionsverträge mit
Entwicklungsländern.

Solche Verträge umfassen nichtdiskriminierende Be-

handlung, Schutz gegen Enteignung, das Recht des freien Transfers von
Mitteln, Schlichtung von Investitionsstreitigkeiten und Schutz des geistigen Eigentums amerikanischer Investoren.

Zusammenfassung der Handelspolitik der Administration

In dieser Zeit großer Herausforderung für die Zukunft des amerikanischen und internationalen Handels wird die Administration ein aktives
Programm durchführen, um die Hauptelemente ihrer Handelsstrategie zu verwirklichen - Aufrechterhaltung einer starken und wachsenden nationalen
wie internationalen Wirtschaft sowie offenere und gerechtere Bedingungen
für den amerikanischen Handel.

Zusammengefaßt: Die Administration wird Folgendes tun:

Nationale und internationale

21 -

�Nationale und internationale Wirtschaftspolitik

1. Die Administration wird zum Vorteil unseres Außenhandels wie auch
unseres gesamten Binnenhandels mit Nachdruck darauf hinarbeiten, die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle zu bringen.

Der Kongreß und die Öf-

fentlichkeit müssen sich klar der negativen Auswirkungen übermäßiger Regierungsausgaben und Haushaltsdefizite auf den Wert des Dollar und auf
den amerikanischen Handel bewußt sein.

Da der Kongreß zur Verringerung

des Handelsdefizits beitragen will, sollte er seine Energien auf die Beschneidung

übermäßiger

Ausgaben

und

Haushaltsdefizite

konzentrieren,

statt protektionistische Gesetze zu unterstützen.

2. Die Administration wird auch weiterhin darauf drängen, daß der
Steuerrefonnvorschlag des Präsidenten angenommen wird, der entscheidend
dafür ist, unsere Wirtschaft zu stärken und die amerikanische Geschäftswelt auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu machen.

3. Die Administration wird unsere eigenen Antikartellgesetze oder
Verordnungen in dem Maß überprüfen und eine Erweiterung herbeizuführen
suchen, in dem sie unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit behindern.

4. Die Administration wird bei der Überprüfung vorgeschlagener Verordnungen und bei der Entwicklung weiterer Initiativen zur Aufhebung von
Verordnungen die Auswirkungen auf den Handel in Betracht ziehen.

Die Ad-

ministration wird die Hebelmöglichkeit in Anwendung bringen, die durch
ihren Prozeß der Aufhebung von Verordnungen geschaffen wurde, um den Versuch zu machen, ausländische Märkte zu öffnen und dadurch das Problem des
Wettbewerbsvorteils ausländische Anbieter zu verringern.

5. Die Administration wird ihre Bemühungen zum Schutz von geistigem
Eigentum verstärken

(Patente, Urheberrechte, Warenzeichen); wir werden

unsere Bemühungen in diesem Bereich mit dem Ziel möglicher Initiativen
der Administration im legislativen und administrativen Bereich.

6. Die Vereinigten
- 22 -

�6. Die Vereinigten Staaten werden ihre Handelspartner auffordern, eine Politik zu betreiben, die deren wirtschaftliches Wachstum beschleunigt
und damit unsere Exportmöglichkeiten erhöht.

Insbesondere werden wir die

Teilnehmer des Bonner Gipfels darauf drängen, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Starrheiten und Unausgewogenheiten ihrer Volkswirtschaften zu
beseitigen.

Die Vereinigten Staaten werden außerdem auch weiterhin Ge-

spräche innerhalb des IWF und der OECD zum Verfolg dieser Strategie führen.
7. Die Administration wird die schuldenbeladenen Entwicklungsländer
dazu ermutigen, staatliche Hindernisse abzubauen, die dem Funktionieren
ihrer Märkte entgegenstehen; wir werden ihre Produktion durch Marktanreize für ihre Firmen und Mitarbeiter ermutigen und Schulden durch Eigenkapital ersetzen, indem wir sowohl zu inländischen als auch ausländischen
Investitionen anregen.
8. Die Anstrengungen des Jahres 1984 im Bereich Yen-Dollar zur Liberalisierung der Finanzmärkte Japans und zur Internationalisierung des Yen
werden fortgesetzt.

Freie und faire Handelspolitik

9. Da die Vereinigten Staaten für ihr Wohlergehen sowohl von Exporten
als auch Importen abhängig sind und weil Protektionismus kostspielig und
kontraproduktiv ist, bleibt es Ziel der Administration, auf ein freieres
und faires Handelssystem hinzuarbeiten.
10. Die Vereinigten Staaten werden mit Nachdruck ihre Rechte und Interessen im Welthandel gemäß amerikanischer und GATT-Bestimmungen verfolgen und werden darauf drängen, daß auch andere Staaten ihren Verpflichtungen und HandelsVereinbarungen mit den Vereinigten Staaten nachkommen.

11. Die Administration wird auch weiterhin mit Nachdruck die amerikanischen Antidumping- und Zollausgleichsgesetze anwenden.
12. In der Vergangenheit
- 23 -

�12. In der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Untersuchungen
über unfairen Handel gemäß Absatz 301 lediglich als Antwort auf formelle
Anträge amerikanischer Industriezweige auf Maßnahmen in die Wege geleitet.

Die Administration wird im Maße, wie es ihr angemessen erscheint,

auch selbst solche Fälle aufgreifen, um unfaire Handelspraktiken des Auslands zu untersuchen.

13. Wo die Regeln für Exportsubventionen fehlen, unzureichend oder in
ihrer Durchführung unbefriedigend sind, werden die Vereinigten Staaten
mit Nachdruck ihre Exporteure gegen Subventionsprogramme anderer Staaten
verteidigen.

Außerdem wird die Export-Import-Bank eine aggressive und

gezielte Mischkreditpolitik in die Wege leiten.

Gleichzeitig wird sich

die Administration um eine Zuweisung in Höhe von 300 Millionen Dollar für
Darlehen bemühen, um damit bis zu 1 Milliarde Dollar an Mischkrediten zu
unterstützen.

14. Die Administration wird taktische Maßnahmen ergreifen, die auf
die Beseitigung unfairer Praktiken im Welthandel und die Öffnung ausländischer Märkte abzielen, sollten Bemühungen um die Lösung dieser Probleme
auf dem Weg von Konsultationen fehlschlagen.

Verweigerung oder Begren-

zung des Zugangs zum amerikanischen Markt könnte im Rahmen dieses Prozesses eine notwendige Maßnahme sein.

15. Die Administration wird die marktöffnenden Ziele der Gesetze über
fairen Marktzugang unterstützen; aber sie wird sich gegen Gesetze wehren,
die vom Präsidenten verlangen würden, amerikanische Märkte auf der Grundlage sektoraler Reziprozität zu schließen.

Der richtige Weg ist, der Ad-

ministration die Vollmacht zu gewähren, Abbau der Schranken im Außenhandel auszuhandeln.

16. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit Japan marktorientierte, sektorselektive Gespräche führen.

Es werden jedoch bei den

laufenden Sektorgesprächen zeitliche Begrenzungen eingeführt werden, nach
deren Ablauf spezielle Verpflichtungen bewertet und Folgeverfahren eröffnet werden.

Neue Bereiche werden hinzugenommen, die vermehrte amerika-

nische Exporte versprechen.
17.
- 24 -

Die

Administration

�17. Die Administration wird ihre Belichte an den Kongreß zum Thema
gezielter Maßnahmen der ausländischen

Industrie fortsetzen, indem sie

auch weiterhin die potentiellen Probleme, die durch solch gezielte ausländische Maßnahmen geschaffen werden - und unter Umständen mögliche Gegenmittel - untersucht.

Politische Schritte zjr Förderung des amerikanischen Exports

18. Die Vereinigten Staaten werden si:h um eine Verringerung des Handelsdefizit unseres Landes bemühen, indem sie die Exporte ausweiten werden, statt Importe zu beschränken.

19. Die Administration wird mit Beratungsgruppen des Privatsektors
zusammenarbeiten (z.B.dem Exportrat des Präsidenten), um die Exportförderung zu verbessern und den amerikanischen Firmen aabei zu helfen, ihre
weltweiten Marktanstrengungen auszuweiten.

20. Die Administration wird die staatliche Exportförderung im Verlauf
der Budgetüberprüfung dieses Herbstes bewerten und diese Aktivitäten ändern, falls notwendig, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

21. Die Administration wird sich erneut um Gesetze bemühen, um die
für den Export leistungshemmenden Faktoren des Gesetzes über korrupte
Praktiken im Außenhandel zu beseitigen.

Multilaterale und bilaterale Handelsverhandlungen für amerikanische
Exporte und fairen Handel

22. Es besteht ein großes Bedürfnis nach einem umfassenderen, disziplinierteren und wirksameren System von Regeln für den Welthandel.

Die

Administration wird ihre Bemühungen fortsetzen, eine neue GATT-Verhandlungsrunde in die Wege zu leiten.
23.
- 25 -

Die

Administration

�23. Die Administration wird mögliche bilaterale und multilaterale
Verhandlungsmöglichkeiten prüfen, um sowohl den Marktzugang zu verbessern
als auch die Fairness zu vergrößern und die umfassenderen Interessen des
multilateralen Verhandlungsprozesses zu fördern.

Sicherheitsklauseln und nationale Sicherheitspolitik

24. Die Administration ist sowohl im In- als auch im Ausland marktorientierten Lösungen der Handelsprobleme orientiert; aber gelegentliche
Ausnahmen könnten notwendig sein.

25. Importerleichterungen werden im Bedarfsfall transparent, temporär, zeitlich abgestimmt sein und über einen bestimmten Zeitraum hinweg
allmählich abgebaut werden und zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit
führen.

26. Die Administration wird bestehende Hilfsprogramme für Arbeitnehmer überprüfen, um sicherzustellen, daß sie eine wirksame und humane Anpassungspolitik fördern.

27. Die Administration behält sich das Recht vor, auf bestimmte Wirtschaftsbedingungen im internationalen Rahmen zu reagieren; außerdem wird
sie auf die Auswirkungen jener Importe reagieren, die inländische Industriezweige bedrohen, die für unsere langfristige nationale Sicherheit
von entscheidender Bedeutung sind.
28. Die Administration wird im Interesse unserer eigenen nationalen
Sicherheit unsere Exportkontrollgesetze mit Nachdruck in Anwendung bringen.

Gleichzeitig ist sich die Administration der Tatsache bewußt, daß

unsere Güter im Ausland zur Verfügung stehen müssen und weiß um die Bedeutung unseres Rufes als verläßlicher Anbieter.

- 26 -

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1985

39

CHESTER CROCKER: VORSICHT BEI SANKTIONEN GEGEN SÜDAFRIKA GEBOTEN

WORLDNET-Interview mit US-Unterstaatssekretär
für afrikanische Angelegenheiten
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - ehester Crocker, Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, diskutierte am 27. September 1985 im Rahmen des
Satelliten-Fernsehprogramms des US-Infomationsamt.es, WORLDNET, mit Medienkorrespondenten in Bonn, Brüssel, Den Haag, Lissabon, London, Paris
und Rio de Janeiro die Südafrikapolitik dar amerikanischen Regierung.

Nachstehend

der

Wortlaut

der Korrespondentenfragen

aus

Bonn

und

Crockers Antworten:
FRAGE:

Mr. Crocker, Sie sagten, die Regierung in Pretoria sei eine

reformerische Regierung.

Wie können Sie das sagen, wenn alle Schwarzen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�alle Schwarzen durch die Verfassung von der Beteiligung an der politischen Macht ausdrücklich ausgeschlossen sind?

Eine weitere Frage betrifft die Haltung der Reagan-Administration
hinsichtlich der südafrikanischen Homeland-Politik und der Umsiedlungsprogramme großen Stils. Was denken Sie hierüber?

ANTWORT:

Hinsichtlich de-s von Ihnen angesprochenen Reform-Aspektes

scheinen mir die Tatsachen für sich zu sprechen.

Es gab hinsichtlich der

Abkehr von der Apartheid sowoil in Theorie als auch in Praxis in den vergangenen vier oder -"ünf Jahren in Südafrika mehr Wandel a_\s in den vorausgegangenen vierzig Jahren.

Nimmt man zum Beispiel den Status der Ge-

werkschaften, so erkennt man, daß über die Hälfte der gewerkschaftlich
zusammengeschlossenen Arbeitnehmer in Südafrika Schwarze sind.
noch vor fünf Jahren nicht so.

Dem war

Es gibt Vohn- und Bodenrechte, das gesam-

te Konzept der Wohn- und Aufenthaltsproblematik in Südafrika wurde in
Überlegungen in Richtung auf Änderungen einbezogen und dann gab es auch
Wandel in einigen konkreten Bereichen der Politik.

Wir kennen die begrenzten Schritte, die unternommen wurden, um den
Mischlingen und Asiaten begrenzte politische Rechte zuzugestehen.
meinen daher, gewisse Maßnahmen wurden ergriffen.
sie nicht adäguat.

Wir

Offensichtlich sind

Sie gehen noch nicht das Problem der politischen

Rechte der Schwarzen an.

Aber es gab prinzipielle Erklärungen der Regie-

rung, wonach die Schwarzen politische Rechte erhalten müssen und sie politische Beteiligung auf höchster Ebene, also der nationalen Ebene, haben
sollten.

Was noch fehlt, sind konkrete Formeln oder überhaupt Verhand-

lungen, um zu diesem Ergebnis zu gelangen.

Was den zweiten Punkt, die Homeland-Politik anbelangt, so haben wir
immer wieder - unter jeder Administration bis zurück zu jener von Dwight
Eisenhower - die Homeland-Politik abgelehnt.

Sie löst keines der Proble-

me Südafrikas. Wir können die Entnationalisierung der schwarzen Mehrheit
nicht unterstützen und tun dies auch nicht.

Wie Sie wissen, wird die

zwangsweise Umsiedlung seit einiger Zer: schon einer Überprüfung unter- 2-

�Überprüfung unterzogen. Wir hoffen, daß mit dieser Politik endlich Schluß
gemacht wird.
FRAGE:

In welchem Maß herrscht in Ihrer Administration Zufriedenheit

über die jüngsten Druckmaßnahmen seitens der Europäer, um Wirtschaftssanktionen einzuführen?

Sind Sie hiermit zufrieden oder hätten Sie gern

mehr davon gehabt?

ANTWORT:

Es steht uns ratürlich nicht zu, darüber zu entscheiden,

was andere Staaten tun sollten; aber wir haben die Linie aufgezeigt, die
wir zu ziehen versuchen.
rika verhängt.

Wir haben keire Handelssanktionen gegen Südaf-

Wir haben aucn nicht die Absicht. Wir glauben nicht, daß

derlei Sinn hat.

Wenn sie also für die Vereinigten Staaten keinen Sinn

machen, dann dürfte unser Argument dahingehen, daß sie auch für die Bundesrepublik Deutschland keinen Sinn machen.

Ich nehme also an, daß die

beiden Regierungen das mehr oder minder auch ähnlich sehen.
andere Regierungen nicht, Sanktionen zu verhängen.

Wir drängen

Wir drängen sie viel-

mehr dazu, sehr sorgfältig auf die Wir&lt;ungen zu achten, die derlei in
Südafrika und im südlichen Afrika hat und sich bewußt zu sein, daß wir,
wenn wir nicht sehr vorsichtig sind, mit Streichhölzern spielen.

FRAGE:

Ich habe eine ähnliche Frage;.

Sind Sie mit dem Zustand und

der Art von Kooperation und Koordination zwischen den Vereinigten Staaten
und der Europäischen Gemeinschaft zufrieden, was Südafrika anbelangt?
ANTWORT:

Wir stehen mit unseren wichtigsten europäischen Partnern in

sehr regelmäßigem Dialog über diese Art Fragen, und wir wollen ihn aufrechterhalten und fortführen.

Es ist dies meiner Meinung nach eine sehr,

sehr nützliche Bemühung auf beiden Seiten des Atlantik.

Dabei geht es

nicht nur um Südafrika; es geht auch um die Lage im südlichen Afrika.
Hinsichtlich Namibia stehen die Westlichen Fünf in regelmäßigem Kontakt
miteinander.

Was Südafrika angeht, so meine ich, es ist nützlich, wenn

die westliche Welt mehr oder minder mit einer gemeinsamen Stimme spricht
- ebenso wie hinsichtlich der Notwendigkeit, die Anliegen der Schwarzen
zu fördern, die Apartheid abzuschaffen und nicht das zu zerstören, was es

�was es hier gibt: die vielversprechendste Volkswirtschaft auf dem gesamten Subkontinent.
FRAGE:

Mr. Crocker, was halten Sie von dem reuen Kompromiß der Bon-

ner Koalition hinsichtlich Südafrika?

[ch denke an das Kulturabkommen,

von dem Sie wahrscheinlich wissen, und an den Kompromiß, der besagt, das
Abkommen wird aufgehoben, man hat jedoch sechs Monate Zeit und in dieser
Zeit

auch die Gelegenheit

zu der Übereinkunft, daß jeder, auch die

Schwarzen, sich an den kulturellen Beziehungen zur Bundesrepublik beteiligen können?

ANTWORT:

Nun, Sie sprechen Themen an, die mir nicht so geläufig

sind, wie sie es vielleicht sein sollten.

Ich würde Folgendes sagen:

Wir sind nicht der Meinung, die Erschwerung der Kontakte, etwa der kulturellen

Kontakte,

staatsmännischen

stelle

in

sich

selbst

Akt dar - um es so zu

einen ungeheuer kreativen,
formulieren.

Was Südafrika

braucht, sind mehr Beziehungen zur westlichen Welt, nicht weniger. Aber
es geht nicht nur jm Beziehungen zur öffentlichen Meinung des Westens
oder Beziehungen zwischen westlichen Regierungen und der südafrikanischen
Regierung; es geht um Beziehungen für alle Menschen in Südafrika und in
diesem Sinn können wir uns voll mit den Geist Ihrer Frage identifizieren.

In unsrem eigenen Fall bezieht sich konstruktives Engagement nicht

nur auf die Regierung Südafrikas, sondern auf alle Südafrikaner.

Wir

bauen durch unsere Programme, die direkte Unterstützung für Fortschritt
der schwarzen Mehrheit umfassen, Brücken und Institutionen in ganz Südafrika.

Ich meine, darum geht es wirklich, und das ist etwas Positives.

Aber wir sollten Südafrika nicht noch weiter isolieren.

Das führt nur

dazu, daß es sich noch weiter in seine Wagenburg zurückzieht.

FRAGE:

Wie steht es um Tendenzen in den Vereinigten Staaten, die

RENAMO-Guerilla zu unterstützen?

Genauer:

Man sagt, Mitglieder des Par-

laments bereiteten einen Gesetzesvorschlag für massive Unterstützung der
RENAMO vor?
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich kenne keinerlei Vorschläge für massive Unterstützung.

Es gibt einige Mitglieder in unserem Kongreß, die die Klugheit und die
Brillianz der jetzigen amerikanischen Politik bezüglich dieses Teils der
Welt noch nicht recht erkannt haben.
beit betreiben.
werden.

Wir müssen da noch Aufklärungsar-

Ich glaube, daß wir im Lauf der Zeit damit Erfolg haben

Es ist nicht unsere Haltung, es ist nicht Haltung der Regierung,

daß Unterstützung vcn RENAMO einen Weg in Richtung auf Erfolg in Mozambique darstellt.

Wir versuchen, dort einen regionalen und internen Frie-

densprozeß zu unterstützen; u~id die gleiche Politik betreibt auch Präsident Machel.

Die RENAMO-Guerilla repräsentiert

demokratischen und christlichen Kräfte.

Ln unseren Augen keine

Wenn man auf die geschichtliche

Entwicklung blickt, ist es natürlich etwas komplizierter.

* * * * *

- 5-

�</text>
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                    <text>o C ^ S ^

amcrikci
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^sft*
2. Oktober 1991

ABRÜSTUNG

PRÄSIDENT BUSHS RUSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
Amerikanische Pressestimmen

JUGOSLAWIEN

SERBIEN UND BUNDESARMEE
FÜR KAMPFHANDLUNGEN
IN JUGOSLAWIEN VERANTWORTLICH
Rede des Außenministers
vor dem UN-Sicherheitsrat

FLÜCHTLINGE

USA HOFFEN AUF REPATRIIERUNG
DER FLÜCHTLINGE
Rede des Stellvertretenden Außenministers

OST-WEST-BEZIEHUNGEN

OST-WEST-BEZIEHUNGEN IN EINER ZEIT
DES WANDELS - DER AMERIKANISCHE
BLICKWINKEL
Ansprache des Gesandten George F. Ward

DROGEN

FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG
VON DROGENABHÄNGIGEN IN DEN USA
Erfolge in den Therapiezentren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�ABRÜSTUNG
2. Oktober 1991

PRÄSIDENT BUSHS RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Bush am 27. September 1991 angekündigte Rüstungskontrollinitiative wurde in amerikanischen Zeitungen eingehend kommentiert. Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche
Auszüge aus Leitartikeln.

The New York Times, 29.9.1991

The Washington Post, 29.9.1991

Zum ersten Mal seit zwei Generationen sind gestern
die B-52 zurück in ihre Hangars gerollt, und die Welt
hat erleichtert aufgeatmet.

Zweifelsohne wird es nach der ersten Euphorie über
die Rede des Präsidenten zu Rüstungsreduzierungen
Kontroversen zwischen denjenigen geben, die sich
Sorgen machen, er sei zu weit gegangen, und denjenigen, die sagen werden, es sei ein bescheidenes
Unterfangen - eine Mogelpackung. Es ist jedoch eine
Tatsache, daß Bushs am Freitag abend vergangener
Woche angekündigte Initiative, die den weitreichenden, unverzüglichen Abbau von Nuklearwaffen, Maßnahmen zur Entschärfung militärischer Spannungen
sowie das Versprechen zur Aushandlung weiterer
einschneidende Reduzierungen von Nuklearwaffen
beinhaltet, gleichermaßen spektakulär und opportun
war. Eine amerikanische Regierung hat sich der
Herausforderung eines historisch entscheidenden
Augenblicks mit einer entsprechend umfassenden und
ideenreichen Antwort gestellt...

Diese rund um die Uhr in "ständiger Alarmbereitschaft"
stehenden atomaren Bomber waren seit langem der
unleugbare, dröhnende Beweis für das nukleare Vernichtungspotential. In seiner bemerkenswerten Initiative zum Abbau der Nuklearwaffen hat Präsident Bush
jetzt die Alarmbereitschaft für diese Flugzeuge aufgehoben, die massive Reduzierung des atomaren Arsenals der Vereinigten Staaten in die Wege geleitet und
der sowjetischen Regierung zu einem günstigen Zeitpunkt den Anreiz geboten, gleichzuziehen.
Unabhängig davon waren Bushs Vorschläge unvermeidbar und wurden durch das Ende des kalten Kriegs,
Ungeduld im Kongreß sowie Besorgnis über den Zerfall der Sowjetunion ausgelöst. Dennoch hat der
Präsident das Unabdingbare zu einem Riesenschritt
zurück vom Abgrund gewandelt, indem er die Vorschläge unverzüglich zu einem Paket bündelte...
Der begrüßenswerteste Schritt des Bush-Plans liegt
jedoch in der Erkenntnis, daß der beste Weg zur
Kontrolle der sowjetischen Nuklearwaffen in ihrer
Abschaffung liegt. Er muß sich noch vollständig verinnerlichen, daß er sowjetische Reduzierungen nur
herbeiführen kann, wenn er das Gleiche zu tun bereit
ist.

AMERIKA DIENST 39

Los Angeles Times, 28.9.1991
Jedes künftige Geschichtsbuch über internationale
Beziehungen wird wahrscheinlich als unvollständig
betrachtet werden ohne einen bewundernden Hinweis
auf Präsident Bushs entscheidende Rede zur Verteidigung vom vergangenen Freitag. Tatsächlich erklärt
dieser republikanische Präsident - der von seiner
Partei so eindeutig mit gewaltigen Verteidigungsausgaben und der Außenpolitik eines Falken identifiziert
wird - daß ein Erfolg verbucht werden kann. Der kalte
Krieg ist zwar vorbei, aber auch dem Krieg der Nuklearwaffen muß ein Riegel vorgeschoben werden.

Seite 1

�Der erste greifbare Beweis, daß ein neues Kapitel in
der Weltpolitik geschrieben wurde, erfolgte zweifellos
am 31. Juli, als Moskau seine letzten Vorbehalte
schweren Herzens aufgab und den Vertrag über die
Verringerung strategischer Rüstungen (START) unterzeichnete. Nachdem sie sich 40 Jahre lang Auge in
Auge gegenüber gestanden hatten, bis an die Zähne
bewaffnet und bereit, jeden Moment loszuschlagen,
erkennen beide Seiten jetzt, wie sehr sich ihr Verhältnis in nur zwei Jahren gewandelt hat und zwinkern sich
zum ersten Mal lächelnd zu.
Aber in der Rede vom Freitag abend wurde vorgeschlagen, sogar darüber hinaus zu gehen. Es war ein
einseitiges Zwinkern. Bush schlug eine grundlegende
Reduzierung der Bedrohung eines nuklearen Holocaust und eine grundsätzliche Neuorientierung des
US-Verteidigungskonzepts vor...
Das hätte man von einem Republikaner niemals erwartet. Aber jetzt hat er es getan. Ob es für die
Republikanische Partei gut war, ist eine Frage, die
nächstes Jahr beantwortet werden wird. Aber ob es
gut für die Welt ist - die Frage kann man heute
beantworten.
Es ist in der Tat eine gute Sache.
The Boston Globe, 29.9.1991
Die von Präsident Bush am Freitag angekündigten
Entscheidungen über die Reduzierung von Waffen
spiegeln bahnbrechende Fortschritte in seinem Denken darüber wider, wie Amerika in der Welt nach dem
kalten Krieg sicherer gemacht werden kann. Er verdient Beifall und Ermutigung. Dennoch muß er noch
einen langen Weg zurücklegen, um mit den Ereignissen Schritt zu halten, sei es in der Sowjetunion oder in
der US-Wirtschaft...
Bush verdient großes Lob dafür, daß er die Bedeutung
einseitiger Schritte verstanden hat, die jede Seite aus
eigenen Gründen unternehmen kann. Die Rückschläge beim Schachern über Rüstungskontrolle sind seit
langem offensichtlich. Wenn die Verträge unterzeichnet werden, sind sie manchmal bereits überholt, im
Falle des START-Vertrags werden die Arsenale nach
Durchführung der "Reduzierungen" größer bleiben als
zu Beginn der Verhandlungen.
* *

Seite 2

The Baltimore Sun, 30.9.1991
Präsident Bushs kühner einseitiger Schritt zur Beseitigung oder Reduzierung empfindlicher Atomwaffensysteme, die anachronistisch oder sogar kontraproduktiv geworden sind, ist ein weiterer Beweis dafür,
daß er bei der klugen Wahrung amerikanischer Sicherheitsinteressen sein Bestes gibt. Staatskunst ist immer
ein Rennen, bei dem man mit der Realität Schritt halten
muß, und in diesem Fall ist Bushs Zeitplan exemplarisch...
Am meisten beeindruckt jedoch bei Bushs Leistung die
Kühnheit, mit der er auf die bahnbrechenden Veränderungen in der Welt reagiert. Mehr als jeder andere
Präsident seit Harry Truman ist er sensibel für die
Anliegen der Verbündeten, noch stärker als Präsident
Truman ist er sensibel für die Zwänge, von denen die
Politik in weniger freundlich gesinnten Ländern geleitet
wird. Bush vereinigt diese Faktoren in einer Politik, die
amerikanischen Interessen dient, indem sie die Welt
zu einem sichereren Ort macht und sichert sich damit
einen herausragenden Platz in der Geschichte.
The Wall Street Journal, 30.9.1991
Es ist angemessen, daß Präsident Bushs erste Initiative nach dem Niedergang des Sowjetkommunismus
eine Reduzierung der nuklearen Arsenale ist. Die
Lehre, die sich die beobachtende Welt merken sollte,
lautet nicht, daß Rüstungkontrolle erfolgreich war,
sondern daß Containment funktioniert hat...
Tatsächlich hat Bushs einseitige Entscheidung, das
amerikanische Inventar taktischer Nuklearwaffen
abzubauen, deutlich bewiesen, daß Rüstungskontrolllabkommen ein unwichtiges Ablenkungsmanöver sind...
Zweifellos ist 1991 ein zukunftsträchtiges Jahr in der
Geschichte, Ein Großteil der Welt wendet sich vom
Totalitarismus zur Demokratie und verläßt den Weg
des totalen Kriegs offensiver Nuklearwaffen zugunsten von Verteidigungssystemen. Die Zukunft kann
noch vielversprechender sein, so lange wir uns vor
Augen halten, warum wir bis jetzt Erfolg hatten.

* *

*

AMERIKA DIENST 39

�JUGOSLAWIEN
2. Oktober 1991

SERBIEN UND BUNDESARMEE FÜR
KAMPFHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
VERANTWORTLICH
Rede des Außenministers vor dem UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Mit der Feststellung, daß die Krise in Jugoslawien "sich zu einem Krieg
ausgeweitet hat", warnte Außenminister Baker am 25. September 1991, daß "die Anhänger der Gewalt damit
nur ihren Ausschluß aus dem neuen Europa besiegeln".
In einer Rede anläßlich der Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats erklärte Baker, die serbische Regierung und
die jugoslawische Bundesarmee trügen besondere und zunehmende Verantwortung für das Blutvergießen und
die Gewalt, die den Vielvölkerstaat heimgesucht hätten und "eine direkte Bedrohung für Frieden und Sicherheit
auf der ganzen Welt" darstellen.
"Die jugoslawische Bundesarmee fungiert offenkundig nicht als unparteiischer Garant eines Waffenstillstands
in Kroatien", stellte Baker fest. "Im Gegenteil - die Armee hat die lokalen serbischen Streitkräfte aktiv bei der
Verletzung des Waffenstillstands unterstützt, der den Tod von Bürgern zur Folge hatte, die sie laut Verfassung
schützen muß."
Baker zufolge unterstützen die Vereinigten Staaten "vorbehaltlos" eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, mit
der die Parteien unverzüglich zur friedlichen Beilegung ihrer Streitigkeiten aufgefordert werden. Die Resolution
bringt ferner die uneingeschränkte Unterstützung für die Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zum Ausdruck, einen Waffenstillstand und Dialog
zwischen den kriegführenden Parteien in Jugoslawien herbeizuführen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker vor dem Sicherheitsrat.

Wir sind heute hier zusammengekommen, weil die
Krise in Jugoslawien sich zu einem Krieg ausgeweitet
hat. Dieser gewalttätige Konflikt bedroht alle Völker
Jugoslawiens mit verheerenden wirtschaftlichen und
sozialen Folgen, der fundamentalen Verletzung grundlegender Menschenrechte und Freiheiten und vor allem massivem Blutvergießen und Verlust an Menschenleben.

Zahlreiche Parteien in Jugoslawien haben zu der
Tragödie beigetragen, die dieses Land heimsucht.
Wovor wir im Juni und in den vorausgegangenen
Monaten gewarnt hatten, ist Wirklichkeit geworden.
Einseitige Handlungen auch der Republiken haben die
Optionen für friedliche Verhandlungen zunichte gemacht und die Lösung der tragischen Situation in
Jugoslawien schwieriger und komplizierter gestaltet.

Wir alle sind besorgt über die gefährlichen Auswirkungen auf die Nachbarländer Jugoslawiens, die sich mit
Flüchtlingsströmen, Energieengpässen und der Gefahreiner Ausweitung der Kampfhandlungen konfrontiert sehen. Es ist die Gefahr der Eskalation, die dies
zu einer Angelegenheit von vordringlicher Bedeutung
für den Sicherheitsrat macht.

Da bereits sehr viel Blut vergossen wurde, ist es an der
Zeit, daß alle Parteien sich für die friedliche Lösung
ihrer Streitigkeiten engagieren. Alle Parteien - insbesondere die Serben und Kroaten - müssen die Kampfhandlungen einstellen. Der Waffenstillstand muß als
erster Schritt zur Gestaltung einer anderen Zukunft
eingehalten werden.

AMERIKA DIENST 39

Seite 1

�Die serbische Regierung und die jugoslawische Bundesarmee tragen besondere und zunehmende Verantwortung für die düstere Zukunft, die die Völker
Jugoslawiens erwartet, wenn sie dem Blutvergießen
nicht Einhalt gebieten und den jetzt eingeschlagenen
gewalttätigen Kurs revidieren.
Die jugoslawische Bundesarmee fungiert offenkundig
nicht als unparteiischer Garant eines Waffenstillstands
in Kroatien. Im Gegenteil - die Armee hat die lokalen
serbischen Streitkräfte aktiv bei der Verletzung des
Waffenstillstands unterstützt, der den Tod von Bürgern zur Folge hatte, die sie laut Verfassung schützen
muß. Das Militär ist in einer Weise vorgegangen, die
nur als eindeutige militärische Intervention gegen
Kroatien bezeichnet werden kann, während es die
Autorität der jugoslawischen Regierungsinstitutionen
nicht mehr akzeptiert, die versuchten, es unter Kontrolle zu bringen.
Es ist ebenso eindeutig, daß die serbische Führung
den Einsatz von Gewalt in Kroatien durch militante
Serben und das jugoslawische Militär aktiv unterstützt
und ermutigt.
Das offenkundige Ziel der Hand in Hand arbeitenden
serbischen Führung und des jugoslawischen Militärs
lautet, ein "kleines Jugoslawien" oder "Großserbien"
zu schaffen, das Slowenien und einen Rest Kroatiens
ausschließen würde. Diese neue Einheit würde sich
auf die Art der Unterdrückung gründen, die serbische
Behörden seit Jahren im Kosovo ausüben. Diese
Einheit würde auch auf dem Einsatz von Gewalt basieren - der in Kroatien tagtäglich beobachtet werden
kann und sich in Bosnien-Herzegowina abzeichnet um die Kontrolle über Territorien außerhalb Serbiens
zu erlangen.
Die Aggression in Jugoslawien stellt deshalb eine
direkte Bedrohung für Frieden und Sicherheit auf der
ganzen Welt dar.
Femer ist Aggression zur Festlegung der künftigen
inneren Grenzen Jugoslawiens oder Serbiens eine
fundamentale Herausforderung für die Werte und Prinzipien der Schlußakte von Helsinki, der Pariser Charta
und der Charta der Vereinten Nationen.
Wir verstehen die Anliegen aller Völker Jugoslawiens,
auch die Sorge der Serben in Serbien und andernorts
über ihre Zukunft im Falle einer Auflösung Jugoslawiens.
Die Vereinigten Staaten können und werden jedoch
keine Unterdrückung und keinen Einsatz von Gewalt
im Namen dieser Anliegen dulden. Wenn wir das
täten, würde damit genau das untermininiert, was wir
in der KSZE mit unserer Arbeit der vergangenen 16
Jahre erreichen wollten.

Seite 2

Aus diesem Grunde unterstützen de Vereinigten Staaten
die in der heutigen Resolution zitierte Erklärung der
KSZE-Mitglieder vom 3. September, keine gewaltsam
erzielten territorialen Gewinne oder Veränderungen
innerhalb Jugoslawiens zu akzeptieren.
Seit Sonntag (22. September) herrscht zwischen dem
jugoslawischen Militär und Kroatien ein vorläufiger
Waffenstillstand. Gegenwärtig werden Gespräche
über die weitere Durchführung des von Serbien, Kroatien und dem Militär unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens vom 17. September geführt. Die Friedenskonferenz in Den Haag unter Vorsitz von Lord
Carrington nimmt morgen ihre Verhandlungen wieder
auf.
Wir fordern alle Parteien auf, diese Gelegenheit zu
ergreifen, einen echten Waffenstillstand auszuhandeln und ein auf dem Verhandlungswege erzieltes
Abkommen über die Zukunft Jugoslawiens auszuarbeiten.
Femer müssen wir gemeinsam der Ausbreitung dieses Kreislaufs der Gewalt auf eine weitere jugoslawische Republik vorbeugen. Es besteht kein Zweifel,
daß das Schicksal von Bosnien-Herzegowina ebenfalls am seidenen Faden hängt. Die serbische Führung und die jugoslawische Bundesarmee haben es in
der Hand, die gewalttätigen Provokationen und die
unrechtmäßige Besetzung dieser Republik unverzüglich zu beenden.
Die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft und die gesamte KSZE haben den Völkern
Jugoslawiens eine eindeutige Botschaft übermittelt:
Zur Lösung politischer Differenzen oder Veränderung
äußerer und innerer Grenzen in Jugoslawien ist der
Einsatz von Gewalt keineswegs akzeptabel. Diejenigen, die in Jugoslawien auf Gewalt zurückgreifen,
einschließlich der serbischen und kroatischen Freischärler, werden über sich und die Völker Jugoslawiens nichts als Unglück bringen. Die Aggressoren
isolieren sich nur selbst stärker von der internationalen
Staatengemeinschaft, indem sie die Gewalt fortsetzen. Wenn sie ihren gegenwärtigen Kurs weiter verfolgen, werden die Anhänger der Gewalt damit nur ihren
Ausschluß aus dem neuen Europa besiegeln.
Wir bezweifeln, daß die Völker Jugoslawiens tatsächlich den hohen Preis dieses Krieges bezahlen wollen.
Die damit einhergehende soziale und wirtschaftliche
Unterdrückung sowie die politische und wirtschaftliche
Isolation sind ein Preis, den unserer Meinung nach
kein vernünftiger Menschen zu zahlen bereit wäre.
Wir würdigen und unterstützen die Bestrebungen der
Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten
sowie die Arbeit der KSZE, einen Waffenstillstand
herbeizuführen, Beobachter zu entsenden, eine Kon-

AMERIKA DIENST 39

�ferenz einzuberufen und eine Schiedskommission für
die friedliche Lösung alier Streitigkeiten einzurichten.
Wir werden weiterhin die regionalen Arrangements der
EG und KSZE in diesem Sinne unterstützen.
Darüber hinaus begrüßen wir die Unterstützung dieser
Resolution für das internationale Waffenembargo, das
die Vereinigten Staaten am 3. Juli dieses Jahres
vorgeschlagen haben. Gleichzeitig unterstützen wir
die Aufforderung der Resolution an den UN-Generalsekretär, die Situation in Jugoslawien durch die Vermittlungsdienste dieser Organisation und mit Hilfe der
Institutionen in der Region zu beeinflussen.
Den Völkern Jugoslawiens steht noch ein anderer Weg
offen. Sie können durch einen Prozeß des friedlichen
Dialogs ihre legitimen Hoffnungen und Anliegen sowie
*

AMERIKA DIENST 39

*

die Interessen aller nationalen Gruppen in jeder Republik ansprechen und in Einklang bringen. Im Endeffekt
müssen sie das tun.
Die heutige Resolution unterstreicht und bekräftigt die
den Völkern Jugoslawiens von der KSZE und ihren
Mitgliedern übermittelte Botschaft. Sie bekundet die
volle Unterstützung des UN-Sicherheitsrats für die
Bestrebungen der KSZE und der Europäischen Gemeinschaft, um den Völkern Jugoslawiens auf ihrem
Weg zum Frieden zu helfen.
Wir unterstützen sie uneingeschränkt. Und wir hoffen,
die Völker Jugoslawiens werden ihr Beachtung schenken und sich aus dem Krieg zurückziehen, mit dem
jetzt in ihrem ganzen Land Blut vergossen wird.

*

*

Seite 3

�FLÜCHTLINGE
2. Oktober 1991

USA HOFFEN AUF REPATRIIERUNG
DER FLÜCHTLINGE
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - In einer Anhörung vor dem Unterausschuß des Senats für Einwanderung und
Flüchtlingsfragen stellte der Stellvertretende Außenminister Lawrence S. Eagleburger am 24. September 1991
fest, auch wenn die Ära des Sowjetkommunismus vorüber sein mag, wird das Flüchtlings- und Migrationsphänomen weiterbestehen, und fügte hinzu: "Wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft ihre
Ressourcen zur Repatriierung einer großen Zahl von Flüchtlingen auf der Welt aufwendet. Während in den
letzten vierzig Jahren die Zahl der Flüchtlinge auf der ganzen Welt ununterbrochen gestiegen ist, besteht unser
Ziel für die neunziger Jahre darin, diese Zahl drastisch zu senken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Stellvertretenden Außenministers im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute vor diesem Ausschu ß über
die Aufnahme von Flüchtlingen in die Vereinigten
Staaten im Haushaltsjahr 1992 berichten zu dürfen.
Botschafter Laf ontant-Mankarious und ich werden den
offiziellen Vorschlag des Präsidenten über die Aufnahme von bis zu 144.000 Flüchtlingen im Haushaltsjahr
1992 erläutern. Soweit ich weiß, hat der Ausschuß
auch einen Bericht erhalten, der die im Statut niedergelegten Einzelheiten enthält.
Flüchtlinge in der Welt von heute
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich einige
Minuten darauf verwenden, unsere Flüchtlingspolitik
in den umfassenderen Kontext der amerikanischen
Außenpolitik und aktueller Entwicklungen in der Weltpolitik zu stellen.
Meines Erachtens sind wir in eine Periode historischen
Umbruchs in unseren auswärtigen Beziehungen eingetreten. Die Ära des kalten Kriegs ist zu Ende,
Demokratie verbreitet sich nicht nur in Osteuropa und
der Sowjetunion sondern auf der ganzen Welt. Unsere
Vision der neuen Weltordnung beinhaltet die Hoffnung, daß humane Lösungen fürdas Leid der Millionen
von Flüchtlingen in der Welt von heute gefunden
werden.
Das Symbol der Zuflucht ist eines der herausragendsten in der Ära des kalten Kriegs. Ebenso wie man
sagen könnte, daß die Berliner Mauer als drastischstes Symbol für die Ost-West-Konfrontation in Europa
stand, waren es die einzelnen Menschen, die versuch-

AMERIKA DIENST 39

ten, über die Grenze in die Freiheit zu gelangen, die so
offenkundig die durch das kommunistische System
verursachte menschliche Tragödie darstellte. Wo
diese autoritäre Ideologie in die dritte Welt exportiert
wurde - in Afrika, Kuba, Mittelamerika und Asien - war
das Ergebnis Konflikt, Verfolgung und der massive
Strom von Menschen, die versuchten, ihr Leben zu
retten und in die Freiheit zu entfliehen. Während der
Nachkriegszeit zählten diese Menschen - die Flüchtlinge der Welt - Millionen.
Mit dem Zerfall des Sowjetkommunismus sind wir jetzt
in eine Zeit weltweiter Konfliktlösung eingetreten. Im
vergangenen Jahr konnten Fortschritte in Angola und
Äthiopien sowie die äußerst begrüßenswerte politische Einigung in Afrika beobachtet werden. Vor zwei
Wochen gaben Außenminister Baker und Präsident
Gorbatschow eine Erklärung ab, von der wir hoffen,
daß sie der erste Schritt zur Konfliktlösung in Afghanistan sein wird. Die kambodschanischen Parteien
haben sich in jüngster Zeit sehr viel stärker dem Plan
einer umfassenden politischen Schlichtung angenähert. Auf unserem Kontinent steht heute nur noch
Kuba außerhalb der Gruppe demokratisch gewählter
Regierungen. Obwohl aus einem anderen historischen Kontext entstanden, ist das Leid der Palästinenser ein zentrales Anliegen der US-Außenpolitik, während wir eine Nahost-Friedenskonferenz anstreben.
Obwohl diese Entwicklungen uns optimistisch in die
Zukunft blicken lassen, sind wir uns auch bewußt, daß
der Lösungsprozeß althergebrachter Konfliktsituatio-

Seite 1

�nen weder schnell noch leicht sein wird. Jede Situation
ist unterschiedlich und komplex. Erstens muß Einvernehmen über die Einstellung der Feindseligkeiten
bestehen. Alle Parteien müssen sich für die friedliche
Verteilung von Macht engagieren. Es muß Pläne für
freie Wahlen und die Institutionen der Demokratie
geben. Und es muß gut organisierte Programme für
die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen in ihre Heimat geben.
Obwohl wir das Ziel der Konfliktlösung und Repatriierung von Flüchtlingen umreißen können, hat das vergangene Jahr gezeigt, daß wir die potentiellen Strömungen und Konflikte nicht vorhersagen können, da
die Relikte des kalten Kriegs und kommunistischer
Unterdrückung entfernt wurden. Die Kämpfe in Jugoslawien sind ein verheerendes Beispiel für die immanente Gefahr in dieser Zeit der Instabilität. Mit äußerster Aufmerksamkeit beobachten wir die Erarbeitung
von Maßnahmen zu Menschenrechten und der Behandlung von Minderheiten in allen Gebieten der
ehemaligen Sowjetunion. Auch ethnische und politische Konflikte, die überhaupt nichts mit dem Umfeld
des kalten Kriegs zu tun haben, bedrohen die Stabilität
- wie wir es in Liberia beobachten konnten. Allein
dieser Konflikt bewirkte einen Flüchtlingstrom von
zusätzlichen 600.000 Menschen in den vergangenen
zwei Jahren.
Weltweite Hilfe
Der Zweck dieser Konsultationen besteht darin, die
Zahl der Flüchtlinge festzustellen, die im Haushaltsjahr 1992 in die Vereinigten Staaten umgesiedelt werden
sollen. Umsiedlung ist ein Hauptelement unseres
Schutzes für Flüchtlinge, und wir stehen in dieser
Hinsicht an erster Stelle in der Welt. Umsiedlung ist
jedoch nicht nur ein Kernstück unserer Reaktion auf
die Flüchtlingssituation. Die überwiegende Mehrheit
der Flüchtlinge auf der Welt wartet auf die Chance,
nach Hause zurückzukehren und nicht ihr Heimatland
für immer aufzugeben. Vordringlich müssen die Grundbedürfnisse befriedigt werden: Nahrungsmittel, Wasser, Gesundheitsfürsorge und Ausbildung der Kinder.
Langfristig ist die Behebung von Konflikten oder Unterdrückung erforderlich, aufgrund derer sich die Menschen zur Flucht gezwungen sahen.
Das Hilfspaket unseres Flüchtlingsprogramms ist daher
von großer Bedeutung. Ich freue mich, sagen zu
können, daß wir dank der Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Kongreß unsere Ressourcen zur
Befriedigung dieser Grundbedürfnisse ständig erhöhen konnten, selbst während wir die Kosten unseres
Aufnahmeprogramms durch verschiedene Kürzungsmaßnahmen reduziert haben. Im Haushaltsjahr 1991
wurde unser Flüchtlingshilfebudget gegenüber dem
Haushaltsjahr 1990 um 90 Millionen Dollar aufgestockt
einschließlich der Mittelentnahme aus dem Nothilfefonds für Flüchtlinge und Migration des Präsidenten.
Für das Haushaltsjahr 1992 erwarten wir einen weiter-

Seite 2

en Anstieg, insbesondere bei grundlegenden Förderprogrammen und der Repatriierung von Flüchtlingen in
ihre jeweiligen Heimatländer. Die jüngste Geschichte
hat uns zweifelsohne gelehrt, daß Kriege, Aggression
und Verfolgung weiterhin neue Flüchtlingsströme zur
Folge haben werden, und wir müssen vorbereitet sein,
ihnen bei der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zu
helfen.
Als ich vor einem Jahr vor diesem Ausschuß das
Flüchtlingsprogramm des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1991 erörtert habe, drehten sich unsere
Gedanken vor allem um die irakische Invasion Kuwaits. Damals war es unmöglich vorherzusagen, was
die nächsten Monate bringen und wie sich dieser
Konflikt in Flüchtlingsströmen und dem Bedarf an
humanitärer Hilfe manifestieren würde. In den ersten
zehn Wochen dieses Konflikts flohen über 1 Million
Menschen unterschiedlichster Nationalitäten aus dem
Irak und Kuwait. Wirklich außerordentliche internationale Bestrebungen wurden in die Wege geleitet, um
das physische Wohlergehen dieser Menschen zu
gewährleisten und die Repatriierung in ihre Heimatländer zu veranlassen. Dies war jedoch nicht das Ende.
Einen Monat nach Beendigung des Krieges entflohen
im März fast 2 Millionen Iraker - Kurden, Schiiten,
Turkmenen, Assyrer und andere Minderheiten - binnen Wochen der Unterdrückung Saddam Husseins.
Sowohl die reinen Zahlen als auch der komprimierte
Zeitrahmen dieser massiven Bewegung verblüfften
die Welt.
Nur das beispiellose Vorgehen Präsident Bushs, dem
Verteidigungsministerium die Befugnis für entscheidende Hilfmaßnahmen, Nachschub und Transport zu
erteilen, verhinderte die Katastrophe. Das amerikanische Militär und unsere Koalitionspartner haben diese
humanitären Hilfsleistungen brilliant durchgeführt, bis
die Gesamtkoordination dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen übergeben werden
konnte. Ich sollte jedoch hinzufügen, daß die Gesamtausgaben der Vereinigten Staaten für die irakische
Flüchtlingskrise über 600 Millionen Dollar betragen
können.
Aufgrund dieser Erfahrungen erarbeiten wir Wege,
damit die Vereinigten Staaten auf solche Situationen
besser reagieren können und einseitige Aktionen nicht
erforderlich werden. Wir erwarten, daß zu diesem
Thema mehrere Vorschläge in der UN-Generalversammlung erörtert werden. Wir werden uns daran
aktiv beteiligen, damit die konstruktivsten Vorschläge
im Rahmen des UN-Reformprogramms verabschiedet
und durchgeführt werden.
Auswanderung aus der Sowjetunion
Jüngste Entwicklungen in der Sowjetunion, insbesondere im Hinblick auf Auswanderung, hatten direkte
Auswirkungen auf das von uns hier erörterte USAufnahmeprogramm für Flüchtlinge.
AMERIKA DIENST 39

�Im Mai dieses Jahres hat der Oberste Sowjet eine
weitreichende Auswanderungsgesetzgebung verabschiedet, die erwartungsgemäß mit neuen weniger
belastenden Ausreiseverfahren verbunden ist. Wir
werden die Durchführung dieser Gesetzgebung auf
der Ebene der Union und der Republiken kontinuierlich
beobachten. Uns liegen in letzter Zeit einige beunruhigende Berichte vor, daß lokale Auswanderungsbehörden wieder auf die vor der Durchführung des neuen
Gesetzes herrschenden restriktiven Praktiken zurückgreifen. Unsere Botschaft in Moskau geht diesen
Berichten nach. Wenn sich solche Tendenzen verstärken, während die Republiken von der Zentralregierung
mehr Verantwortung für Auswanderung übernehmen,
schadet dies den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Republiken, die solche restriktiven Verfahren
anwenden. Bei seinem jüngsten Besuch in Moskau
hat Außenminister Baker die Haltung der Vereinigten
Staaten verdeutlicht, daß die Menschenrechtsnormen
der KSZE auf der Ebene der Republiken und der Union
Anwendung finden, ungeachtet der von den Völkern
der Sowjetunion vereinbarten endgültigen Struktur der
Union.
Die dramatischen Ereignisse in der UdSSR seit dem
Putschversuch haben die Auswanderungen in die
Vereinigten Staaten nicht behindert. Tatsächlich ist
die Zahl der aus der Sowjetunion in die Vereinigten
Staaten kommenden Flüchtlinge in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen.
Im Hinblick auf die Auswanderung in die Vereinigten
Staaten wollen wir im Haushaltsjahr 1992 den Überhang angehen, der sich im Haushaltsjahr 1991 vor der
Verabschiedung der sowjetischen Auswanderungsgesetze gebildet hat. Viele Personen mit einer Genehmigung der amerikanischen Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (Immigration and Naturalization
Service - INS) konnten nicht ausreisen, weil sie von der
Sowjetunion keine Genemigung zum Verlassen des
Landes erhalten hatten. Wir hoffen, daß die Durchführung der neuen sowjetischen Gesetze dieses Problem
lösen wird. Der stetige Anstieg der Zahl von Personen,
die seit dem 1. Juli ausgereist ist, macht uns Mut. Dem
Vorschlag des Präsidenten zufolge soll der sowjetische Überhang aus dem Haushaltsjahr 1991 den
50.000 Genehmigungen hinzugefügt werden, die der
Präsident in seiner Haushaltsvorlage für nächstes
Jahr eingeplant hatte. Ich freue mich, Ihnen mitteilen
zu können, daß in den vergangenen Wochen viel mehr
sowjetische Flüchtlinge in die Vereinigten Staaten
eingereist sind als erwartet. Wir werden den im
Vorschlag des Präsidenten bisher auf 13.000 Personen geschätzten Überhang des Jahres 1991 auf 11.000
Personen abbauen. Aufgrund der bisherigen Maßnahmen der Bewilligungsausschüsse sind wir optimistisch,
daß die notwendigen Mittel verfügbar sind.

AMERIKA DIENST 39

Die Zulassung von Flüchtlingen aus Vietnam
Neben den Auswirkungen der Entwicklungen in der
Sowjetunion auf die Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge möchte ich dem Ausschuß auch über die Situation in Südostsien berichten. Da Vietnam leider immer
noch ein kommunistisches Regime hat, verlassen
Tausende von Menschen das Land, weil sie aufgrund
ihrer Vergangenheit oder gegenwärtig verfolgt werden.
Über zwei Jahre sind vergangen, seit ich unsere Delegation bei der Genfer Konferenz geleitet habe, bei der
über 50 Länder eine Vereinbarung getroffen haben den umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan
of Action - CPA) -,um die zahlreichen Probleme der
Asylsuchenden aus Vietnam in Südostasien zu lösen.
CPA hat größtenteils bemerkenswert gut funktioniert.
Die Zahl neuer Bootsflüchtlinge ist nur noch ein Bruchteil dessen, was sie vor einem Jahr betrug, ausgenommen in Hongkong. In den meisten Ländern wird
weiterhin Asyl gewährt, und die Verfahren werden
verbessert. Dennoch bereitet uns die unnachgiebige
Haltung Malaysias Sorgen, und wir sind ferner beunruhigt über die schleppenden Fortschritte bei der Behandlung alleinstehender Minderjähriger.
Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor gegen eine
Zwangsrückführung nach Vietnam. Wir glauben fest
daran, daß man sich besser darauf konzentrieren
sollte, die Zahl der freiwilligen Rückkehrer zu erhöhen,
wofür es in den letzten Monaten hoffnungsvolle Anzeichen gab. Die freiwillige Rückkehr ist problematisch,
weil die Betroffenen kein Angebot mehr zur Umsiedlung erhalten.
Die Umsiedlung von Personen, die als Flüchtlinge
anerkannt sind, ist nach wie vor eine der wichtigsten
Aufgaben des CPA. Für die Vereinigten Staaten
repräsentiert der Vorschlag von 50.000 Genehmigungen im Haushaltsjahr 1992 ihr Engagement für den
dauerhaften Erfolg des CPA und für die Umsiedlung
von Amerikanern asiatischer Abstammung sowie
ehemaligen Insassen von Umerziehungslagern in
Vietnam durch das Programm der ordentlichen Ausreise.
Im vergangenen Jahr konnten die Vereinigten Staaten
durch Zusammenarbeit der INS und des Außenministeriums die Zahl der Personen, die jeden Monat im
Rahmen des Programms der ordentlichen Ausreise
befragt werden, auf 10.000 steigern. Infolgedessen
hoffen wir, bis Mitte des Jahres 1992 alle Befragungen
von Personen amerikanisch-asiatischer Abstammung
durchgeführt und bis Ende des Jahres 1992 den
Rückstand an ausgestellten Visa in Vietnam aufgeholt
zu haben. Zur Zeit wird monatlich etwa 2 000 ehemaligen Insassen aus Umerziehungslagern die Einreise

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�in die Vereinigten Staaten genehmigt. Unserer Meinung nach zeugt diese drastische Zuwachsrate von
unserem Engagement, diese Menschen aus humanitären Gründen in die Vereinigten Staaten umzusiedeln. Gleichzeitig hoffen wir auf das Verständnis von
Personen, die eine heimliche Ausreise mit dem Schiff
erwägen, daß wir das Programm der ordentlichen
Ausreise als sicherste Methode und Kernpunkt der
US-Maßnahmen für Flüchtlinge aus Vietnam betrachten.

Menschenrechte und Volksgruppen reduzieren. Die
Vereinigten Staaten werde jede Gelegenheit ergreifen, um an der Lösung von Konflikten und friedlichen
politischen Regelungen auf der ganzen Welt zu arbeiten. Wir hoffen, daß die internationale Staatengemeinschaft ihre Ressourcen zur Repatriierung einer großen
Zahl von Flüchtlingen auf der Welt aufwendet. Während in den letzten vierzig Jahren die Zahl der Flüchtlinge auf der ganzen Welt ununterbrochen gestiegen
ist, besteht unser Ziel für die neunziger Jahre darin,
diese Zahl drastisch zu senken.

Andere Regionen der Welt
In anderen Teilen der Welt - Afrika, dem Nahen Osten,
Lateinamerika und Osteuropa - führen die Vereinigten
Staaten den lokalen Bedürfnissen angemessene
Umsiedlungsprogramme durch. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der
Vereinten Nationen zusammen, um einen Mechanismus einzurichten, mit dessen Hilfe unsere Aufnahmeprogramme bessere Möglichkeiten der Umsiedlung
von Risiko- oder anderen vordringlichen Fällen schaffen können. Einzelheiten über unsere Aufnahmequoten für diese Regionen finden sich in dem der Kommission vorgelegten Bericht.
Schlußbemerkung
Es ist schwierig, die Lehren zusammenzufassen, die
wir im letzten Jahr aus der Flüchtlingsproblematik
gezogen haben. Der Zusammenbruch des totalitären
Kommunismus in der UdSSR ist eindeutig ein Grund
für Optimismus. Die Vereinigten Staaten suchen ihre
bestehenden Verbindungen und Kontakte zu den
Baltenstaaten und den Sowjetrepubliken auszubauen,
aber wir werden keinesfalls unser Engagement für

*

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*

Es gibt jedoch nach wie vor Herausforderungen.
Kommunistische Regime in Vietnam und Kuba werden
weiterhin Flüchtlinge produzieren. Der Irak, Liberia,
das Hörn von Afrika und jetzt Jugoslawien demonstrieren nur allzu deutlich das Potential für regionale Konflikte und Instabilität. Darüber hinaus werden die
neunziger Jahre neben den Flüchtlingsströmen, die
vor Verfolgung und Konfliktsituationen fliehen, auch
die Industrienationen mit beunruhigenden politischen
und rechtlichen Fragen konfrontieren, wenn sie die
große Zahl von Asylsuchenden und anderen internationalen Flüchtlingen bewältigen wollen. Es wird Aufgabe der Vereinigten Staaten sein, sich - gemeinsam
mit unseren Verbündeten und Freunden und auch mit
den Herkunftsländern - zu engagieren, um auf weltweiter Ebene Lösungen für diese Probleme zu finden.
Auch wenn das Zeitalter des Kommunismus in der Sowjetunion zu Ende sein könnte, wird das Phänomen
der Flüchtlinge und Auswanderer nicht verschwinden.
In absehbarer Zukunft werden die Vereinigten Staaten
weiterhin die humanitäre Führungsrolle übernehmen,
die im Zeitalter des kalten Kriegs so eindeutig belegt
hat, worum es in der freien Welt geht.

*

*

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�OST-WEST-BEZIEHUNGEN
2. Oktober 1991

OST-WEST-BEZIEHUNGEN IN EINER ZEIT DES
WANDELS - DER AMERIKANISCHE BLICKWINKEL
Ansprache des Gesandten George F. Ward
KOBLENZ - (AD) - In seiner Rede bei der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Koblenz verwies der Gesandte
George F. Ward am 25. September 1991 auf die bemerkenswerten Leistungen in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen seit der Vereinigung beider deutscher Staaten.
Ward erläuterte femer den amerikanischen Ansatz zu den Ost-West-Beziehungen und seine drei Hauptziele. Er
erklärte: "Wir wollen die Entwicklung demokratischer, pluralistischer Institutionen und Verfahren fördern, die auf
Menschenrechten und der Freiheit des einzelnen basieren. Wir wollen bei der Umgestaltung in Marktwirtschaften helfen, die einen starken Privatsektor haben und in die Weltwirtschaft integriert sind. Darüber hinaus wollen
wir die Lebensqualität in Mittel- und Osteuropa verbessern, während diese Länder politische Reformen und eine
wirtschaftliche Umstrukturierung durchführen."
Dennoch ist Ward zufolge erkennbar, daß noch viele Probleme gelöst werden müssen - "von wirtschaftlicher
Unterentwicklung bis zu Feindseligkeiten zwischen benachbarten Volksgruppen." Er erklärte ferner, es habe
niemals eine vielversprechendere Zeit größerer Hoffnung gegeben als heute in Europa, "da der Traum, der 1975
die Schlußakte von Helsinki hervorgebracht hat, sich zu erfüllen scheint. Die Vereinigten Staaten leisten ihren
Beitrag, um eine integrierte, demokratisch orientierte, wirtschaftlich produktive und wohlhabende transatlantische Gemeinschaft zu schaffen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten im Wortlaut.

In wenigen Tagen wird Deutschland den ersten Jahrestag der Vereinigung feiern. Im Rückblick auf diese
historische Leistung vergißt man leicht, wie wenige
von uns erwartet hatten, daß dies so rasch und reibungslos erreicht werden konnte. Ich sage wenige,
weil unser ehemaliger Botschafter, Vernon Walters,
bereits bevor Tausende von Ostdeutschen die ungarische Grenze in die Freiheit überquerten, prognostizierte, daß Deutschland bald wieder ungeteilt sein
würde. Aufgrund des unerschütterlichen Vertrauens
der Vereinigten Staaten, daß die Vereinigung eines
Tages kommen würde und müßte, war Washington
jedenfalls mit einem Plan zur Unterstützung von Bundeskanzler Kohls Bestrebungen vorbereitet.
Wenn wir die verwirrende Abfolge von Ereignissen in
Osteuropa und natürlich insbesondere der Sowjetunion betrachten, hat sich die Lage heute nicht geändert.
Da sich die Völker Osteuropas unverzüglich für den
demokratischen Weg entschieden haben und die
Bestrebungen der Sowjetunion zur Reform von innen

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heraus durch den gescheiterten Staatsstreich beschleunigt wurden, könnte das Tempo der Ereignisse erneut
unsere Erwartungen überflügeln. Dank der unerschütterlichen Überzeugung der Vereinigten Staaten, daß
die internen Funktionsstörungen und Widersprüche
des sowjetischen Systems eines Tages sein Ende
bewirken würden, konnten wir jedoch rechtzeitig, hilfreich und angemessen auf die jüngsten Ereignisse
reagieren.
Der Trend hatte sich tatsächlich sehr viel früher abgezeichnet. Die dramatischen, tragischen Vorfälle im
Jahr 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei
und 1981 in Polen haben bewiesen, daß nur Gewalt
das sowjetische Imperium zusammenhalten konnte.
Anfang der achtziger Jahre wandten sich zahlreiche
Nationen in Afrika und Lateinamerika zugunsten von
Marktwirtschaften und politischen Reformen vom
"sozialistischen" Modell ab. Diese Tendenz hat das
Versagen der Systeme unterstrichen, an denen die
UdSSR festgehalten hatte.

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�Lassen Sie uns Rückschau auf die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
der jüngsten Vergangenheit halten. Als Präsident
Gorbatschow eindeutig erklärte, er sei an Reformen im
Inland und erweiterter Zusammenarbeit mit dem Westen
interessiert, ermöglichte er - wie Präsident Bush kürzlich bemerkte - "eine ganz neue Ära der Zusammenarbeit". Seit 1985 haben wir gehandelt - häufig zusammen mit Deutschland und anderen unserer engsten
Verbündeten - um die Früchte der neuen "Entspannung" in einer Weise zu ernten, die nicht nur Europa
sondern der ganzen Welt Stabilität und Frieden brachte.
Zu den bemerkenswerten Leistungen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit jener Zeit zählen:
Acht Gipfeltreffen und eine sehr viel größere
Zahl von Gesprächen auf Ministerebene, die
Fortschritte an vielen Fronten von Rüstungskontrolle über Menschenrechte bis zu regionaler Außenpolitik ermöglichten.
*

Die Unterzeichnung von vier wichtigen Rüstungskontrollabkommen - dem Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) von 1987, mit dem
eine gesamte Klasse von Raketen abgeschafft
wurde; der Vereinbarung von 1990 zur Reduzierung der Chemiewaffenbestände; einem weiteren Abkommen im Jahr 1990 über den Abbau der
konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE)
und des Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) im Jahr 1991.

*

Über ein Dutzend Austausch-und Kooperationsvereinbarungen in den Bereichen darstellende Künste, Bildung, Forschung, Weltraum,
Fischereiwesen, Seenotrettung sowie Bekämpfung des Drogenhandels.

*

Femer wurden zwei vertrauensbildende Abkommen über militärische Aktivitäten unterzeichnet
- eines im Jahr 1987 über die Verringerung des
nuklearen Risikos und das andere über gefährliche militärische Aktivitäten im Jahr 1969.
In vielen Teilen der Welt hat die neue Kooperationsbereitschaft der Sowjetunion bei regionalen Themen beachtliche Fortschritte ermöglicht.
Die sowjetische Zusammenarbeit war beispielsweise für den Waffenstillstand in Angola unabdingbar. Die erfolgreiche internationale Koalition, die Saddam Husseins unrechtmäßige
Besetzung Kuwaits beendete, hing in hohem
Maße von der neuen sowjetischen Haltung ab.
Und das sowjetische Engagement für eine NahostFriedenskonferenz steigert unsere Hoffnungen
auf Fortschritte bei diesem schwelenden beunruhigenden Problem.

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Der Staatsstreich vom 19. August und sein Scheitern
haben eindeutig veränderte Gegebenheiten geschaffen. Präsident Bushs frühzeitiger Ruf nach der Wiedereinsetzung Gorbatschows verdeutlicht zum einen
die Überzeugung, daß wir ein "Zurückdrehen" der
Fortschritte in der Sowjetunion nicht zulassen dürfen
und zum anderen das Vertrauen in eine erneute Vereinigung der Reformkräfte. Und genau das ist geschehen. Die endgültige Brüchigkeit des sowjetischen
Systems wurde durch den Widerstand des Volkes
wirksam demonstriert, das den Putsch vereitelte. Das
Tempo, mit dem die Demokratie Wurzeln in einem Volk
schlug, das sie bisher kaum in der Praxis erlebt hatte,
war eine wunderbare Illustration der Macht des demokratischen Ideals.
Unter den bedeutenden Auswirkungen war die Beschleunigung des Bruchs mit dem alten System. Der
Staatsstreich war der Todesstoß und hat die Kommunistische Partei, die alte Garde des Militärs, den KGB
und andere der letzten Spuren von Legitimität beraubt,
die Reformen unterdrückt oder zu verzögern versucht
hatten. Dennoch ließ er Präsident Gorbatschow nicht
genügend freie Hand, um seine Vision der Reformen
fortzusetzen. Statt dessen erweiterte der Staatsstreich die Rolle der einzelnen Republiken und ihrer
demokratisch gewählten Regierungen bei der Bestimmung des zukünftigen Kurses, den sie und ihr Volk
einschlagen werden.
Gleichzeitig hat die neue unstrukturierte und sich rasch
verändernde Situation in der Sowjetunion herkömmliche Verantwortungsbereiche verwischt, wenn nicht
sogar vollständig aufgehoben. In der Sowjetunion ist
es heute schwierig, jemanden zu finden, der bereit und
in der Lage ist, die Verantwortung für eine außenpolitische Entscheidung zu übernehmen und zuversichtlich über die Zukunft zu sprechen. Die Verwirrung wirft
zwangsläufig einige Fragen auf. Wie können wir
sicherstellen, daß die Errungenschaften der vergangenen sechs Jahre - die bereits aufgezählten für den
Frieden in der atlantischen Gemeinschaft entscheidenden Abkommen und das Zwei-plus-Vier-Abkommen, das die deutsche Einheit festschrieb - dauerhaft
sind und von der Zentralregierung respektiert werden,
was für eine Form sie auch annimmt? Wie rasch
werden die sowjetischen Versprechen, Militärhilfe an
die Regierung von Afghanistan einzustellen und sowjetische Truppen aus Kuba abzuziehen, eingelöst?
Mit wem müssen wir verhandeln, wenn wir Themen
wie Handel und Investitionen erörtern? Wie wirkt sich
die Lage auf unsere Sicherheit aus? Und vor allem wer ist verantwortlich, und bei wem liegt die Autorität?
Alle westlichen Länder sind jetzt mit diesen Fragen der
Beziehungen zwischen der Zentralregierung und den
Republiken befaßt. Zweifelsohne hängt viel von den
Antworten ab. Wir in den Vereinigten Staaten erachten
es als unabdingbar, daß eine zentrale Struktur aufrechterhalten wird, um die sicherheitspolitischen und

AMERIKA DIENST 39

�wirtschaftlichen Beziehungen mit der übrigen Welt zu
koordinieren. Gleichzeitig können wir nicht umhin, mit
dem legitimen Streben der Völker in der Sowjetunion
nach Selbstbestimmung zu sympathisieren.
In der Tat scheint der Staatsstreich zu einer Situation
geführt zu haben, in der Veränderungen nicht länger
von oben nach unten aufgezwungen werden, sondern
sich vielmehr von den Interessen der Regionen und
Republiken nach oben entwickeln. Wie Au ßenminister
Baker vor zwei Monaten in Berlin bemerkte, sind
Evolution und Devolution keine Alternativen sondern
ergänzen sich und sind interdependent. Die neue
Situation erhöht tatsächlich die Chancen für die stabile
Entwicklung demokratischer Strukturen und Wirtschaftsreformen, weil bei dem Prozeß viele Stimmen hörbar
werden und sich bemerkbar machen. Amerikaner und
Deutsche mit ihren leicht unterschiedlichen föderativen Strukturen fühlen sich mit diesem Arrangement
wohl und sollten dadurch ermutigt werden. Selbst in
Europa insgesamt hat sich der Trend zur Entscheidungsfindung auf untere Ebenen verlagert, oder es gilt
- wie es in Brüssel heißt - das Prinzip der Subsidiarität.
Meines Erachtens haben wir in den Vereinigten Staaten das "Menetekel an der Wand" gesehen und sind
auf diese Situation relativ gut vorbreitet. Seit einiger
Zeit hat sich die amerikanische Politik auf die Fortsetzung unserer Unterstützung von Präsident Gorbatschows Reformbemühungen konzentriert, und gleichzeitig haben wir Kontakte zu den neuen Politikern in
den Regionen und Republiken aufgenommen, die
wiederum aufgrund dieser Reformen im Amt sind.
Erneut gleichzeitig Evolution und Devolution. Unser
Ansatz ist nach dem Staatsstreich ebenso gültig wie
davor.
Präsident Bush hat erkannt, daß die Wahl zwischen
Unterstützung für Gorbatschow und Unterstützung der
Politiker in den Republiken eine falsche Wahl ist. Statt
dessen haben die Vereinigten Staaten versucht, Politiker zu unterstützen, die Demokratie, Freiheit und ein
freies Wirtschaftssystem anstreben, wo immer sie in
der Sowjetunion auch sein mögen. Wir unterstützen
nach wie vor die Regierung Präsident Gorbatschows,
der schließlich sehr viel erreicht hat. Wir haben jedoch
auch unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, gute
Beziehungen zu den Republiken zu unterhalten.
Bezeichnend für diesen Ansatz sind der Besuch von
Präsident Jelzin in den Vereinigten Staaten, Präsident
Bushs Besuch in der Ukraine Anfang August und
Außenminister Bakers kurzer Aufenthalt in Alma Ata
sowie eine große Bandbreite von Kontakten in Moskau, Leningrad und den baltischen Republiken.
Die Vereinigten Staaten haben auf die dramatischen
Veränderungen in der Sowjetunion mit Programmen
reagiert, die darauf abzielen, sowohl die unmittelbaren
als auch die langfristigen Herausforderungen anzusprechen, mit denen sich das Land konfrontiert sieht.
Im Bereich der Nahrungsmittelbeschaffung und -VerAMERIKA DIENST 39

teilung wurden beispielsweise Kreditbürgschaften in
Höhe von 2,5 Milliarden Dollar für den Kauf von amerikanischen Agrarprodukten zur Verfügung gestellt.
Ein gemeinsamer amerikanisch-sowjetischer Vorschlag
zur Verbesserung der Nahrungsmittel verteilung wurde
unterbreitet. Diese Bestrebungen konzentrieren sich
auf die Einführung von Marktanreizen, um die Produktion anzukurbeln und die Verteilungssysteme zu verbessern. Zwei hochrangige amerikanische Delegationen werden in diesem Monat in die Sowjetunion
reisen, um den Nahrungsmittelimportbedarf der Sowjetunion für den bevorstehenden Winter zu ermitteln.
Ein medizinisches Hilfsprogramm für die Sowjetunion
wurde ins Leben gerufen. Bei dem Programm handelt
es sich um ein von öffentlichen Stellen und privaten
Trägern in die Wege geleitetes Projekt von einjähriger
Dauer, mit dem der Sowjetunion geholfen werden soll,
akute, unmittelbare Engpässe bei Arzneimitteln und
grundlegender medizinischer Versorgung zu bewältigen. Seit Februar haben die Vereinigten Staaten über
8 Millionen Dollar an medizinischen Hilfsgütern in die
Ukraine, das Gebiet des Aralsees bei Kasachstan und
Usbekistan sowie die unabhängigen Baltenrepubliken
transportiert. Wir haben Finanzhilfe in Höhe von 5
Millionen Dollar zur Deckung der Verwaltungskosten
dieses Programms bereitgestellt.
Präsident Bush hat die Bedeutung eines Handelsabkommens mit der Sowjetunion immer wieder unterstrichen. Seine Verabschiedung wird den Meistbegünstigungsstatus für die Sowjetunion zur Folge haben.
Dank dieser Klausel werden sowjetische Waren mit
den niedrigsten amerikanischen Zollsätzen belegt was einen entscheidenden Schritt zur Schaffung eines
amerikanischen Markts für sowjetische Waren bedeutet.
Im Juli wurde ein Protokoll über technische wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vereinbart. Das Protokoll
betont marktwirtschaftliche Konzepte und die Entwicklung gemeinsamer Projekte mit reformorientierten
Institutionen der Zentralregierung, Republiken und
Kommunen einschließlich des aufstrebenden Privatsektors und nichtstaatlicher Organisationen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kongreß werden
der Sowjetunion im am 30. September 1992 endenden
Haushaltsjahr 15 - 20 Millionen Dollar an technischer
Hilfe gewährt.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, der Sowjetunion
bei der Reform ihres Energiesektors und der Aufstokkung ihrer Öl- und Erdgasproduktion behilflich zu sein.
Im Juli fand in Moskau eine Konferenz statt, die sich
auf die Haupthindernisse für Investitionen im sowjetischen Öl- und Erdgassektor konzentrierte. Die Vereinigten Staaten waren mit über 20 Führungskräften aus
ölfirmen und Erdgasuntemehmen mit Einblick in die
sowjetische Produktion vertreten.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, sachkundige Regierungsvertreter und Experten aus der
Privatwirtschaft in die Sowjetunion zu entsenden, um
bei der Umleitung von Ressourcen aus der Rüstungsindustrie für zivile Zwecke behilflich zu sein sowie
Hilfsmaßnahmen für durch die Kürzung der Verteidigungsausgaben betroffene Gemeinden zu erarbeiten.
Darüber hinaus werden sowjetische Vertreter der
Rüstungsindustrie von staatlichen und privaten Institutionen in die Vereinigten Staaten eingeladen. Zwei
solcher Gruppen waren bereits im Juli in den Vereinigten Staaten.
Beim Treffen der G-7 in London haben wir eine besondere Assoziierung der Sowjetunion mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank unterstützt.
Der Präsident fördert darüber hinaus die mögliche
Vollmitgliedschaft im IWF, womit Beschränkungen auf
staatliche Kredite und Kreditbürgschaften für US-Exporte
in die UdSSR aufgehoben und Bestrebungen beschleunigt würden, zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion Verträge über Investitionen und
Steuern sowie die Vollmitgliedschaft im GATT auszuhandeln, sobald die Sowjetunion erforderliche Reformen durchgeführt hat.
Die Notwendigkeit für Hilfe an die Sowjetunion wird
vielfach diskutiert. Wir bezweifeln nicht den ungeheuren Bedarf - er ist überall offenkundig. Dennoch
vertreten wir die Ansicht, daß die Sowjets der Obrigkeit
klare Linien ziehen und deutliches Engagement für
einen spezifischen Wirtschaftsplan bekunden müssen. Ohne diese Basis wird es nahezu unmöglich sein,
irgendeine Form von Finanzhilfe effektiv zu gewähren.
Andernorts gewonnene Erfahrungen haben gelehrt,
daß Hilfe, die ohne klar definierte Zielsetzungen und
innenpolitischen Konsens der Empfänger über die
Prioritäten gewährt wird, wahrscheinlich verschwendet ist, oder - noch schlimmer - die Probleme und
Ungleichgewichte in der Wirtschaft verschärft.
Bei seinen jüngsten Gesprächen in der Sowjetunion
hat Außenminister Baker den Politikern dort fünf Prinzipien dargelegt, die unser Konzept für die politischen
Veränderungen in der Sowjetunion leiten werden. Als
Ansatzpunkt für meine Ausführungen zur amerikanischen Politik verdienen sie es meiner Meinung nach,
hier wiederholt zu werden. Sie lauten:
Erstens müssen die Völker der Sowjetunion die Zukunft ihres Landes selbst bestimmen, und zwar friedlich und im Einklang mit demokratischen Werten und
Verfahrensweisen sowie den Grundsätzen der Schlußakte von Helsinki.
Zweitens sind bestehende innere und äußere Grenzen
zu achten, wobei Veränderungen nur mit friedlichen,
durch Konsens erzielten Mitteln im Einklang mit den
KSZE-Prinzipien erfolgen dürfen.

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Drittens müssen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
unterstützt werden, und Veränderungen dürfen nur
durch ordnungsgemäße, demokratische Verfahren,
insbesondere Wahlen, bewirkt werden.
Viertens wird die Achtung der Menschenrechte gefordert, auf der Basis von Respekt für den einzelnen und
einschließlich der Gleichbehandlung von Minderheiten.
Fünftens sind das Völkerrecht und internationale Verpflichtungen zu wahren, insbesondere die Einhaltung
von Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki und
der Pariser Charta.
Dies scheint der geeignete Augenblick, um sich Mittelund Osteuropa zuzuwenden, weil die starke Betonung dieser fünf Punkte durch den Außenminister bei
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa die Verbindung zwischen unseren Ansätzen
gegenüber der Sowjetunion und den Demokratien
Mittel- und Osteuropas herstellt, die sich in anderer
Hinsicht oftmals unterscheiden. In beiden Fällen ist
das übergreifende Konzept die Integration dieser Länder
in die transatlantische Staatengemeinschaft. Diese
Werte werden überzeugend in den Schlüsseldokumenten der KSZE dargelegt, zuletzt in der Pariser
Charta. Welches bessere Forum gäbe es also für
diesen Prozeß als die KSZE, die seit ihrer Gründung
auf dem Konzept der Allgemeingültigkeit basiert?
Der gemeinsam am 10. September in Moskau unternommene Schritt - die Begrüßung der baltischen Staaten in der KSZE - verkörpert dieses Konzept der
Allgemeingültigkeit in konkreter Form, indem es die
neuesten osteuropäischen Länder in das Forum einführt.
Estland, Lettland und Litauen werden in der ganzen
Welt als Sonderfälle anerkannt. Die Vereinigten Staaten haben ebenso wie Deutschland niemals die gewaltsame Eingliederung dieser Länder in die Sowjetunion gebilligt. Jedes dieser Länder war in den letzten
fünfzig Jahren in Washington vertreten, und ihre Fahnen standen all die Jahre neben denen der anderen
unabhängigen Länder der Welt in der Eingangshalle
unseres Außenministeriums.
Wir haben uns gefreut, am 2. September die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen bekanntgeben zu können, auf der Grundlage von Präsident
Gorbatschows Erklärung, mit der er das Recht der
Baltenstaaten auf Freiheit anerkannt hat. Ich möchte
hinzufügen, Gorbatschow wußte unserer Meinung nach
zu schätzen, daß wir bis zu diesem Schritt - der von uns
ermutigt wurde - gewartet haben. Ich kann Ihnen
versichern, daß die Regierungschefs des Baltikums
unsere Zurückhaltung in dieser Hinsicht voll und ganz
verstehen. Wie ich ausgeführt habe, sind diese drei
Länder bereits Nutznießer einiger Hilfsprogramme,

AMERIKA DIENST 39

�etwa von Arzneimittellieferungen und medizinischen
Versorgungsgütern. Wir haben aus unserem Haushalt
1991 Hilfe in Höhe von 14 Millionen Dollar für Estland,
Lettland und Litauen zur Verfügung gestellt. Darüber
hinaus haben wir eine vom Unterabteilungsleiter im
Außenministerium, Curtis Kamman, geführte Delegation entsandt, um den künftigen Bedarf an Hilfe zu
ermitteln und Pläne für die Eröffnung diplomatischer
Vertretungen dort zu erarbeiten.
Bei unserer Haltung gegenüber den baltischen Staaten werden wir natürlich auf dem Rahmen aufbauen,
den wir bereits für andere neue Demokratien Mittelund Osteuropas abgesteckt haben. Obwohl unsere
Politik und unsere Ziele für Mittel- und Osteuropa den
von uns für die Sowjetunion postulierten ähneln, unterscheidet sich die Situation in der Region qualitativ.
Erstens haben diese Länder viel eher als die Sowjets
den Reformkurs eingeschlagen. Zweitens verfügen
sie über eine Tradition demokratischer Regierungen
und Unabhängigkeit, auf der sie aufbauen können.
Drittens erfolgte ihr Engagement für demokratische
Regierungen, Menschenrechte und Marktwirtschaft in
den meisten Fällen entschieden und schnell (obwohl
es offensichtlich Ausnahmen wie in Rumänien gibt, wo
uns die Menschenrechte immer noch Sorge bereiten).
Viertens haben die Vereinigten Staaten seit der Zeit
vor 1948 traditionell gute Beziehungen mit vielen dieser Länder gepflegt. Infolgedessen haben sich unsere
Bande mit ihnen viel rascher entwickelt.
Unser Ansatz konzentriert sich auf drei Hauptziele.
Wir wollen die Entwicklung demokratischer, pluralistischer Institutionen und Verfahren fördern, die auf
Menschenrechten und der Freiheit des einzelnen
basieren. Wir wollen bei der Umgestaltung in Marktwirtschaften helfen, die einen starken Privatsektor
haben und in die Weltwirtschaft integriert sind. Darüber hinaus wollen wir die Lebensqualität in Mittel- und
Osteuropa verbessern, während diese Länder politische Reformen und eine wirtschaftliche Umstrukturierung durchführen. Bei der Entwicklung von Programmen zur Erlangung dieser Ziele streben wir danach,
Flexibilität zu bewahren, um auf besondere Bedürfnisse und Entwicklungen in jedem Land einzugehen.
Ein weiterer Beweis für die Langfristigkeit unserer
Planung sind die Bestrebungen der Vereinigten Staaten, den neuen Ländern Osteuropas zu helfen. 1989
hat Präsident Bush die Einführung derG-24 gefordert,
und wir waren die ersten, die die Finanzierung eines
polnischen Stabilisierungsfonds unterstützt haben. Die
amerikanische Hilfe wird fast ausschließlich in Form
von Zuschüssen gewährt, so daß die Regierungen
Mittel- und Osteuropas den größten Teil nicht zurückzahlen müssen. Trotz ihrer angespannten Haushaltslage haben die Vereinigten Staaten erhebliche Beiträge für die wirtschaftliche Umgestaltung der Region
geleistet und darüber hinaus eine Vielzahl von bildungspolitischen Programmen eingeführt.

AMERIKA DIENST 39

Unsere Unterstützung für Demokratie und Pluralismus
zeigt sich in vielfältiger Weise. Wir haben die Wahlen
in Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien beobachtet.
Die Vereinigten Staaten passen eine große Bandbreite
von Programmen den Bedürfnissen einzelner Länder
an, um Know-how oder Unterstützung für die Entwicklung freier Gewerkschaften und Reformen in der
Regierung zu bieten, ferner für den Entwurf von Verfassungen und Gesetzen, die Einführung einer unabhängigen Gerichtsbarkeit, freier Medien sowie der
Reform des Bildungswesens. Wir haben mit Hilfe des
Peace Corps Polen, Ungarn, der CSFR und Bulgarien
Schulbücher geliefert und Englischunterricht eingeführt.
Zur Förderung von Wirtschaftsreformen haben wir 200
Millionen Dollar für die Gründung eines Stabilisierungsfonds für Polen und fast 20 Prozent der Mittel für
IWF- und Weltbankprogramme in der Region bereitgestellt. Wir waren Gründungsmitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, mit
einem Beitrag von 70 Millionen Dollar im ersten Jahr.
Im Privatsektor führen wir in Polen, Ungarn, der CSFR
und Bulgarien bilaterale Unternehmensfonds ein. In
der gesamten Region bieten wir Programme zur Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums
an, femer technische Hilfe zur Privatisierung von Staatsunternehmen und zum Aufbau mittelständischer Betriebe. Wir arbeiten an der Ausbildung von Führungskräften und anderen Bildungsprogrammen.
Bei Handel und Investitionen waren wir um die Normalisierung der Beziehungen zu Osteuropa bestrebt. Wir
haben mit Polen, der CSFR, Ungarn und Bulgarien
Handels- und Wirtschaftsabkommen geschlossen. Vor
den gegenwärtigen Unruhen wurde mit Jugoslawien in
dieser Hinsicht verhandelt. Wir haben Polen, Ungarn,
Jugoslawien und der CSFR den Meistbegünstigungsstatus gewährt und hoffen, daß Bulgarien bald die
rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllt. Die USEximbank und die Entwicklungsgesellschaft OPIC sind
in der Region aktiv. Schließlich verfolgen wir eine
Reihe wichtiger Programme im Bereich der Umwelt.
Humanitäre Hilfe ist die Hauptkomponente der kurzfristigen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität. Dazu zählen medizinische Hilfsgüter, Grippeimpfungen, spezielle Hilfe für rumänische Kinder und
umfangreiche Nahrungsmittelhilfe für bestimmte Länder.
Die Hilfe der Vereinigten Staaten für Albanien - ein
Land, zu dem wir erst kürzlich Beziehungen aufgenommen haben - konzentriert sich auf Nahrungsmittelhilfe und Entwicklung der Landwirtschaft, Einführung
einer Marktwirtschaft und den Aufbau demokratischer
Institutionen. Anderen wichtigen Bereichen wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Arbeit und Umwelt
gilt ebenfalls unsere Aufmerksamkeit. Die Termine für
unsere Hilfe werden sich ergeben, wenn die Bedürfnisse Albaniens klarer werden, die albanische Regierung

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�ihre Bereitschaft bekundet und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Um nur einige Zahlen zu nennen:
Seit 1989 beläuft sich die US-Hilfe an Mittel-und
Osteuropa auf 2,1 Milliarden Dollar (einschließlich
etwa 600 Millionen Dollar Schuldenerlaß).
Jugoslawien ist ein weiterer Sonderfall und ähnelt eher
der Sowjetunion, da das Land seinen Kurs für die
Zukunft noch nicht festgelegt hat. Ebenso wie in der
Sowjetunion warten wir ab, wie sich die Situation
entwickelt, bevor wir etwas unternehmen. In Jugoslawien beobachten wir jedoch einen Kreislauf von Gewalt
und Blutvergießen.
Zur Lösung politischer Differenzen oder Veränderungen der Grenzen ist Gewalt im Europa von heute nicht
akzeptabel. Wir haben alle Konfliktparteien aufgefordert, den Einsatz von Gewalt aufzugeben und die
KSZE-Prinzipien als Basis zur Gestaltung neuer politischer Beziehungen zu akzeptieren. Darüber hinaus
unterstützen die Vereinigten Staaten kontinuierliche
europäische Bestrebungen, eine friedliche Lösung
herbeizuführen, die das Land vor einem andauernden
Bürgerkrieg retten kann.
Leider spiegelt der enttäuschende Fall Jugoslawien
die Gefahren wieder, die in vielen Teilen Osteuropas
und der Sowjetunion lauern, weil traditionelle Feindschaften zwischen Volksgruppen in vielen Teilen des
Landes, von Nagorny-Karabach bis zum Kosovo,
aufflackern könnten. Der Schutz der Rechte nationaler Minderheiten ist eines der wichtigsten Probleme,

die wir im Umgang mit jedem Land in dieser Region
und auch bei den Unabhängigkeits- oder Autonomiebestrebungen der Sowjetrepubliken oder ihrer Teile
beachten müssen.
Glücklicherweise bietet die KSZE einen geeigneten
Rahmen für die friedliche Beilegung solcher Konflikte.
Trotz bestehender Spannungen konnte Gewalt zwischen Volksgruppen bisher, außer in Jugoslawien,
vermieden werden.
Wenn wir von Bonn aus den Blick ostwärts nach
Wladiwostok richten, erkennen wir, daß noch viele
Probleme gelöst werden müssen - von wirtschaftlicher
Unterentwicklung bis zu Feindseligkeiten zwischen
benachbarten Volksgruppen. Dennoch gab es niemals eine vielversprechendere Zeit größerer Hoffnung
als heute in Europa, da der Traum, der 1975 die
Schlußakte von Helsinki hervorgebracht hat, sich zu
erfüllen scheint. Die Vereinigten Staaten leisten ihren
Beitrag, um eine integrierte, demokratisch orientierte,
wirtschaftlich produktive und wohlhabende transatlantische Gemeinschaft zu schaffen. Wenn ich mir den
amerikanischen Ansatz zu Osteuropa und der Sowjetunion im einzelnen vor Augen führe, staune ich ebenso wie Sie wahrscheinlich - über die starken
Parallelen zwischen unserem Ansatz und dem Ansatz
Deutschlands. Der Erfolg bei der Verwirklichung unserer
gemeinsamen Ziele in Mittel- und Osteuropa sowie der
Sowjetunion wird eine entscheidende Probe für unsere
Partnerschaft in der Führung sein. Ich bin zuversichtlich, daß wir Erfolg haben werden.
Ich danke Ihnen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 39

�DROGEN
2. Oktober 1991

FORTSCHRITTE BEI DER BEHANDLUNG VON
DROGENABHÄNGIGEN IN DEN USA
Erfolge in den Therapiezentren

MONTREAL - (AD) - Vertreter der US-Regierung berichten von großen Fortschritten bei der Behandlung
von Drogenabhängigen durch Therapieprogramme auf
der Grundlage strenger Regeln, persönlicher Opfer
und Sanktionen für Fehlverhalten.
Der Leiter des Büros des Präsidenten für nationale
Drogenpolitik, Robert Martinez, erklärte bei einer vom
23. bis 27. September 1991 in Montreal stattfindenden
internationalen Konferenz von Drogenexperten, die
Behandlung von Drogenabhängigen funktioniere am
besten im Verbund mit Strafmaßnahmen, nicht unabhängig davon.
"Wir dürfen der Öffentlichkeit nicht den Eindruck vermitteln, Suchttherapie sei mit Straf maßnahmen nicht
in Einklang zu bringen und die Behandlung sei irgendwie 'mitfühlend', während Strafen 'hart' seien. In
Wirklichkeit ist eine erfolgreiche Suchtbehandlung
anspruchsvoll, schwierig sowie physisch und emotional aufreibend", erklärte er.
Bei der 14. Weltkonferenz von Therapiezentren erläuterte Martinez, in den Vereinigten Staaten sei es zum
größten Teil einer Kette von Therapiezentren zu verdanken, daß die Zahl der Alkohol- und Drogenabhängigen drastisch gesunken sei - von 23 Millionen im Jahr
1985 auf unter 13 Millionen im Jahr 1990.
"Ich bin von der Art und Weise beeindruckt, in der diese
Therapieform strenge Werte lehrt, wie sie für eine
Heilung von der Drogensucht von entscheidender
Bedeutung sind," erklärte Martinez.
In einem - oftmals öffentlich und privat finanzierten Therapieprogramm sind Drogenabhängige zeitweise
in Familien, nicht als Patienten in einer Institution

AMERIKA DIENST 39

untergebracht. Die Teilnehmer leben in einer fürsorglichen, aberfordernden Familiensituation, in der es vor
allem darum geht, Verantwortung für sein eigenes
Leben zu tragen und es zu verbessern. Die Behandlung kann je nach Programm zwischen sechs Monaten
und zwei Jahren dauern.
Martinez verwies insbesondere auf ein - von einem
Verwaltungsbezirk des Staats Arizona finanziertes Therapieprogramm in Phoenix, bei dem nicht vorbestrafte Drogenabhängige die Möglichkeit erhalten, statt
einer Strafverfolgung an dem Programm teilzunehmen. Das Program basiert auf einem sehr strengen
Gesetz des Bundesstaats, das bereits den Besitz sehr
kleiner Mengen von Drogen zum Straftatbestand erklärt. Die Teilnehmer müssen für ihre Behandlung mit
einem bestimmten Anteil ihres Einkommens aufkommen.
Der Direktor des National Institute on Drug Abuse
(NIDA), Charles Schuster, gab am 24. September
1991 die Vergabe von Fördermitteln für die Dauer von
5 Jahren zur Gründung des ersten Forschungszentrums für Behandlungserfolge bei den Programmen
der Therapiezentren in den Vereinigten Staaten bekannt.
Der Schwerpunkt des Zentrums, das seinen Sitz in
New York haben wird, liegt bei der Ausbildung von
Forschern und Ärzten sowie dem Aufbau einer Datenbank für die Forschung der Therapiezentren. Zunächst wird das Zentrum die Behandlungsverfahren
und -erfolge bei Erwachsenen, Häftlingen und psychisch kranken Medikamentenabhängigen erforschen.
Die Finanzierung des Zentrums beläuft sich im ersten
Jahr auf 1 Million Dollar.

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�Schuster zufolge soll das Zentrum, das er als wichtige
Errungenschaft für NIDA und die therapeutischen
Bestrebungen auf Gemeindeebene bezeichnet, als
nationale und internationale Anlaufstelle für laufende
Forschungsvorhaben dienen.
Jüngste Studien belegen, so Schuster, daß über 90
Prozent derjenigen, die sich einer Behandlung in einem Therapiezentrum unterzogen haben, nach der
Behandlung drogenfrei blieben.
Obwohl beachtliche Anstrengungen gegen gelegentlichen Drogenmißbrauch unternommen wurden, erklärt
Martinez, gibt es immer noch einen hohen Prozentsatz
von Abhängigen oder Konsumenten harten Drogen.
Seinen Schätzungen zufolge sind in den Vereinigten
Staaten über 5,7 Millionen Menschen von einer illegalen Droge abhängig.

Bush zufolge wurde auch die Finanzierung zweier
probeweiser Entziehungskurkliniken vorgeschlagen.
Das bedeutet, daß bis zu acht unterschiedliche Leistungsträger an einem Ort nahezu 10.000 Patienten
betreuen können. Diese Einrichtungen konzentrieren
sich auf die Bereiche der Bevölkerung mit dem höchsten Risiko, vor allem Erwachsene, Minderheiten,
Schwangere sowie weibliche Abhängige und deren
Kinder.
Schuster berichtet, daß die Forscher zwischen 1985
und 1990 einen drastischen Rückgang von 44 Prozent
bei Amerikanern im Alter von 12 Jahren und darüber
beobachteten, die illegale Drogen einnahmen.

"Dies berechtigt zu Hoffnungen, daß unsere Bestrebungen, über Drogenkonsum zu informieren, ihm den
Reiz zu nehmen und vom Gebrauch abzuschrecken,
Auswirkungen auf die öffentliche Meinung haben",
Zur Bewältigung des Problems der Konsumenten harter erklärt Schuster. "Unsere spezifische Forschung zu
Drogen hat Präsident Bush vom Kongre ß für das am 1. Vorsorge- und Behandlungsstrategien beginnt wirkOktober beginnende Haushaltsjahr 1992 1,7 Milliar- lich effektive Modelle hervorzubringen, auf die Kampaden Dollar zur Behandlung von Drogenabhängigen gnen gegründet werden können", fügte er hinzu.
gefordert, einschließlich 100 Millionen zur Aufstokkung der Behandlungsprogramme in Gebieten mit
dem größten Anteil von Drogenabhängigen.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 39

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                <text>&lt;strong&gt;1. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Rüstungskontrollinitiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Serbien und Bundesarmee für Kampfhandlungen in Jugoslawien verantwortlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA hoffen auf Repratiierung der Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Ost-West-Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ost-West-Beziehungen in einer Zeit des Wandels - der amerikanische Blickwinkel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten George F. Ward&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte bei der Behandlung von Drogenabhängigen in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erfolge in den Therapiezentren&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

19

2. Oktober 1996

VEREINTE NATIONEN

DIE PRIORITÄTEN DER USA BEI DER
51. UN-GENERALVERSAMMLUNG
Rede von Botschafterin Albright

NAFTA

SCHAFFUNG VON ARBEITSPLATZEN UND
SCHUTZ DER UMWELT MÜSSEN HAND
IN HAND GEHEN
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WIRTSCHAFT

POLITIKER MUSSEN UNBESTÄNDIGKEIT
DES KAPITALFLUSSES BEKÄMPFEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers

ARBEIT

DIE SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN
UND BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten

1993-1996
- Überarbeitete Version -

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
2. Oktober 1996

Die Prioritäten der USA bei der
51. UN-Generalversammlung
Rede von Botschafterin Albright

NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen die 51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung als
Möglichkeit, bei wichtigen Fragen, die das Leben der Menschen überall auf der Erde beeinflussen, wirkliche
Fortschritte zu machen, insbesondere beim Schutz vor Terrorismus, Korruption und Verbrechen, Drogen und
illegalen Waffenverkäufen, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, am 18. September 1996. Bei einer Pressekonferenz im Zentrum für die
ausländische Presse des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA) legte Albright die fünf
Hauptziele der US-Delegation bei der 51. Generalversammlung dar, die am 17. September offiziell eröffnet wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der von Botschafterin Albright abgegebenen Erklärung.

Ich freue mich, heute Nachmittag hier sein und mit
Ihnen die Prioritäten der Vereinigten Staaten bei der
51. Sitzungsperiode der UN-Generalversammlung
erörtern zu können.
Wir erachten dieses Jahr als Chance, echte Fortschritte bei der Erlangung der Ziele zu machen, die
Auswirkungen auf das Leben der Menschen überall
haben. Das historische Beispiel für die Fähigkeit der
Nationen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit für
das Gemeinwohl ist uns noch frisch im Gedächtnis.
Letzte Woche unterstützten Nationen jeder Größe und
aus jedem Kontinent den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Nuclear Test Ban
Treaty - CTBT) - einen Vertrag, der am Rande der UNGeneralversammlung nächste Woche zur Unterzeichnung ausgelegt wird. Wir hoffen, daß wir während der
ganzen bevorstehenden Generalversammlung auf
diesem Geist der zukunftsorientierten Zusammenarbeit
aufbauen können.
Der CTB-Vertrag soll die durch die nukleare Weiterverbreitung und die Möglichkeit eines Atomkriegs entstehenden Risiken für die Welt verringern. Diesen
Herbst wird die Generalversammlung gebeten werden,
auf andere Bedrohungen der Sicherheit und des
Wohlergehens unserer Bürger zu reagieren.

AMERIKA DIENST 19

Wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der UNGeneralversammlung im vergangenen Jahr erklärte,
ist internationale Zusammenarbeit von wesentlicher
Bedeutung, wenn alle Menschen vor den die moderne
Welt konfrontierenden Gefahren sicher sein wollen.
Wir werden alle - in unterschiedlichem Ausmaß und
auf verschiedene Art und Weise - von feindlichen
transnationalen Kräften bedroht, darunter Terrorismus,
Korruption und Verbrechen, Drogen und illegale
Waffenverkäufe.
Wir alle haben ein Interesse am Umgang mit den
globalen Herausforderungen der Linderung von Armut,
Eindämmung von Krankheit, des Erhalts einer gesunden Umwelt und der Vergrößerung der Chancen für
Frauen. Und unsere Menschen werden alle von den
Bestrebungen zur Bekämpfung von Intoleranz, Förderung der Respektierung von Menschenrechten und
Ausweitung der Rechtsstaatlichkeit profitieren.
Diesen Herbst werden sich die Vereinigten Staaten im
Rahmen der Beratungen der Generalversammlung für
jedes dieser Ziele einsetzen.
Erstens suchen wir Unterstützung für eine Initiative
zum Entwurf, Aushandeln und Abschluß einer Konvention gegen Terroranschläge: Terrorismus ist eine
Plage, die sich bis in jeden Winkel der Erde ausgebreitet hat. Wir müssen uns gemeinsam für die Ab-

Seite 1

�schreckung, Verhütung und Bestrafung terroristischer
Aktionen einsetzen. Und wir müssen denjenigen, die
solche Aktionen in Erwägung ziehen, klarmachen, daß
die internationale Staatengemeinschaft sie geeint
bekämpfen wird, falls sie dieser bösartigen Versuchung nachgeben.
Zweitens werden wir weiterhin mit den Mitgliedstaaten
daran arbeiten, unserer Unterstützung für Bestrebungen zur Beilegung seit langer Zeit bestehender
regionaler Differenzen im Nahen Osten und andernorts
möglichst starken Ausdruck zu verleihen. Die Vereinten Nationen haben eine Verantwortung zur
Unterstützung von Anstrengungen zur Erlangung des
Friedens durch ausgewogene und konstruktive
Resolutionen, die diejenigen ermutigen sollen, die zur
Übernahme von Risiken um des Friedens willen bereit
sind.
Drittens werden wir einer Resolution sehr hohe
Priorität einräumen, die möglichst baldige Unterstützung für ein internationales Abkommen über das
Verbot der Nutzung, Lagerung, Produktion und
Weitergabe von Antipersonenminen fordert.
Ich
brauche denjenigen unter Ihnen, die aus von Bürgerkriegen heimgesuchten Ländern kommen, nicht zu
sagen, daß Landminen wahllos töten und sich unter
den Opfern mehr Kinder als Soldaten befinden. Minen
sind billig, im Überfluß vorhanden, langlebig, schwer
zu entdecken und tödlich. Gemeinsam können wir
dieser Geißel ein Ende setzen. Das wäre wahrlich ein
Geschenk für zukünftige Generationen.
Viertens werden wir uns für eine internationale Erklärung über Bürgersicherheit einsetzen, die weitverbreitete Entschlossenheit zur Bekämpfung transnationalen Verbrechens in all seinen Formen bekundet.
Fünftens haben wir die Verabschiedung einer Erklärung der Vereinten Nationen über Korruption und
Bestechung bei transnationalen Geschäftsaktivitäten
eingeleitet und streben ihre Annahme an.
Zusätzlich werden die erfolgreiche Leitung und
Durchführung der Friedenssicherungsoperationen der
UNO für die Vereinigten Staaten wie auch für die
meisten anderen Nationen hohe Priorität haben.
Die UN-Mitgliedstaaten müssen auch während dieser
Generalversammlung zusammenarbeiten, um die
Vereinten Nationen auf eine solidere Finanzgrundlage
zu stellen. Das erfordert eine Reihe von Schritten.
Erstens benötigen wir Haushaltsdisziplin. Die regulären Ausgaben für 1996-97 dürfen die vergangenen
Dezember gebilligte Zahl von 2,6 Milliarden Dollar nicht
überschreiten.

Seite 2

Zweitens befürworten die Vereinigten Staaten eine
Überarbeitung der Einstufungsmaßstäbe der UNO, um
fairere Lastenteilung, besseren Finanzfluß und ein
stärkeres Gefühl für gemeinsame Verantwortung
herbeizuführen. Unseres Erachtens ist es wichtig,
dieses Jahr die Überarbeitung abzuschließen, die
derzeitige Anomalien beseitigt und eine Obergrenze
von 25 Prozent für den Beitrag eines Landes zu
Friedenssicherungsoperationen festlegt.
Diese
Veränderungen würden die Abhängigkeit der Vereinten
Nationen von Beiträgen aus einer Quelle verringern
und gleichzeitig die dramatischen wirtschaftlichen
Veränderungen genauer widerspiegeln, die sich
während des letzten Jahrzehnts ereigneten.
Meine Regierung macht sich große Sorgen über die
Finanzlage der Vereinten Nationen, und wir sehen die
Probleme im Zusammenhang mit den jüngsten
Ausfällen amerikanischer Beitragszahlungen.
Dementsprechend arbeitet meine Administration mit
den Kongreßabgeordneten zusammen, damit wir
unseren Verpflichtungen nachkommen. In Anerkennung der von den Vereinten Nationen unternommenen
ersten Schritte und in Erwartung eines fortgesetzten
Engagements für Reformen stellte der Kongreß für
Zahlungen an die UNO im Kalenderjahr 1995 1,5
Milliarden Dollar zur Verfügung, einschließlich freiwilliger Zahlungen. Dieses Jahr haben beide Häuser des
Kongresses die geschätzten erforderlichen Gelder für
amerikanische Beitragszahlungen an die Vereinten
Nationen für Friedenssicherungsoperationen und den
regulären Haushalt vollständig bewilligt. Das Repräsentantenhaus billigte auch - unter der Bedingung
fortgesetzter Finanzdisziplin und Reformen - die
Zahlung eines Teils der noch ausstehenden amerikanischen Beiträge.
Mit Blick auf die Zukunft ist klar, daß eine Kombination
von Ausgabenbeschränkungen und gemeinsamer
Verantwortung erforderlich ist, wenn wir einen angemessenen und verläßlichen Finanzfluß für Aktivitäten und Programme der Vereinten Nationen gewährleisten wollen.
Schließlich werden wir mit anderen Mitgliedern
zusammenarbeiten, um Effektivität, Reaktionsvermögen und Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
zu verbessern. Im vergangenen Jahr wurden beträchtliche Fortschritte bei der Festlegung von Prioritäten der
Aktivitäten, bei der Abschaffung veralteter Mandate
sowie der Verringerung von Überlappung mit der
UNCTAD, den regionalen Ausschüssen und den
Sonderorganisationen gemacht. Es muß noch viel
mehr getan werden.
Zu diesem Zweck entwickelt die hochrangige Arbeitsgruppe zur Stärkung des UN-Systems (High-Level
Working Group on Strengthening the UN System HLWG) eine Reihe von Reformempfehlungen, an-

AMERIKA DIENST 19

�gefangen mit der Generalversammlung und dem
Sekretariat.
Die Vereinigten Staaten haben ein
Kompendium spezifischer Reformvorschläge zur
Prüfung durch die Arbeitsgruppe in Umlauf gebracht,
und wir befürworten eine Fortsetzung des Mandats der
Gruppe, damit sie ihre Arbeit beenden kann.
Zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben muß die
Generalversammlung ihre Bestrebungen zur Lösung
der äußerst schwierigen Frage einer Erweiterung und
Reform des Sicherheitsrats fortsetzen. Die amerikanische Position zu dieser Angelegenheit lautet, daß die
Effektivität des Rates gewahrt werden muß; Deutschland und Japan sollten ihm als ständige Mitglieder
beitreten; alle Regionen der Welt sollten gerecht
vertreten sein; die Gesamtzahl der Mitglieder sollte 20

*

AMERIKA DIENST 19

nicht überschreiten, und die Rechte der derzeitigen
ständigen Mitglieder sollten nicht verändert werden.
Zusammenfassend sind die Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß unsere kollektiven Bestrebungen in der
Generalversammlung in den kommenden Wochen auf
die Förderung der Ziele Sicherheit, Wohlstand und
Frieden ausgerichtet sein sollten, die im Mittelpunkt
der Arbeit der Vereinten Nationen stehen. Ferner
müssen wir weitere Fortschritte bei der Reform der
Organisation machen, damit die UNO einen geringeren
Prozentsatz ihrer Mittel für allgemeine Verwaltungskosten und mehr Geld für Programme und Dienstleistungen ausgibt, die Menschenleben retten oder
bereichern.

* * *

*

Seite 3

�NAFTA
2. Oktober 1996

Schaffung von Arbeitsplätzen und
Schutz der Umwelt müssen Hand in Hand gehen
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration engagiert sich für eine Beendigung des "Fehlverhaltens" der
Vergangenheit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen, erklärte der
Staatssekretär für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy Wirth, am 18. September 1996 bei
einer Konferenz über die umweltpolitischen Auswirkungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(North American Free Trade Agreement - NAFTA). Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der
Erklärung des Staatssekretärs.

Vielen Dank. Ich freue mich, heute hier zu sein und
über die bedeutenden Fortschritte zu sprechen, die bei
der Verknüpfung der eng zusammenhängenden
Interessen freier Handel und Umweltschutz gemacht
wurden.
Wie Sie alle wissen, gab es in den letzten Jahren nur
wenige Dinge, die interessanter, fesselnder oder
komplexer waren als Handel und Umwelt. Bereits seit
Jahrhunderten befaßt man sich weltweit mit Handelspolitik, aber im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelte
sie sich im Zuge der Woge von Protektionismus, die
charakteristisch für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
war, zu einer Hauptaufgabe des internationalen
Engagements. Angesichts der negativen Auswirkungen des Protektionismus wurden das GATT und
ähnliche Mechanismen entwickelt, um ein offeneres
und freieres Handelssystem zu fördern, das weltweit
mehr Arbeitsplätze schaffen und einen höheren
Lebensstandard bieten kann.
In ähnlicher Weise haben wir erkannt, daß unser
Lebensstandard und unsere Lebensqualität von den
unsere Wirtschaft und unsere Welt umgebenden
Ökosystemen abhängen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben einen umfassenden Gesetzesrahmen
geschaffen, um die Gesundheit des Menschen zu
schützen, die Artenvielfalt zu bewahren und die
Umwelt zu erhalten. Ebenso wie beim Handel ist auch
im Bereich der Umwelt unser Verständnis für die
Zusammenhänge gewachsen. Folglich sind wir zu der

Erkenntnis gelangt, daß internationaler Konsens und
gemeinsame Entschlossenheit das Beste sind, um die
Bestrebungen zum Schutz der Umwelt zu realisieren.
Dies führte zur Entwicklung einer Sammlung nationaler
und internationaler Umweltgesetze, die in ihrer Komplexität den Handelsgesetzen Konkurrenz machen.
Diese beiden Trends - die Betonung eines offeneren
Handelssystems im Dienste unserer gemeinsamen
wirtschaftlichen Zukunft sowie die Betonung erweiterter Bestrebungen, um mehr für unsere gemeinsame umweltpolitische Zukunft zu unternehmen überschneiden sich jetzt. Infolgedessen besteht breite
Übereinstimmung, daß wir bei der Rationalisierung
dieser beiden internationalen Prioritäten erfolgreicher
sein müssen, um globalen Fortschritt zu fördern und
tragfähige Entwicklung zu realisieren - das beim
Erdgipfel vor zwei Jahren verfochtene Konzept.
Daß diese beiden Politikbereiche sich gegenseitig
beeinflussen, ist offensichtlich. Die Handelspolitik
kann eine mächtige Determinante der Qualität der
Umwelt sein, indem sie den Fluß von Investitionen und
Gütern reguliert, die Auswirkungen auf die Umwelt
haben. Umgekehrt kann die Umweltpolitik bedeutende
Auswirkungen auf den Handel haben, beispielsweise
durch die Festlegung von Produktionsstandards oder
das Verbot der Verwendung bestimmter Güter.
In einer idealen Welt sollte es keinen inhärenten
Konflikt zwischen Handels- und Umweltpolitik geben.

AMERIKA DIENST 19

Seite 1
\

�Ein gut funktionierender freier Markt - der alle Marktund anderen Kosten internalisiert - sollte das Verhalten
der Produzenten und Konsumenten so lenken, daß ein
Maximum an wirtschaftlichem Wohlergehen und
Umweltschutz erreicht wird.
Bedauerlicherweise
werden wir uns erst jetzt vieler der marktunabhängigen
Umweltkosten bewußt, während wir die Komplexität
und Zerbrechlichkeit der Natur besser verstehen
lernen. Und bis es uns gelingt, unsere Wirtschaftsund Umweltpolitik - im Inland und auf der Welt - stärker
zu integrieren, müssen wir uns alle an den internationalen Bestrebungen beteiligen - und dabei meines
Erachtens sogar eine führende Rolle übernehmen -,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Diese Administration trat ihr Amt mit der Verpflichtung
an, dem Fehlverhalten ein Ende zu setzen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz als widersprüchlich anzusehen. Der Präsident und der Vizepräsident haben stattdessen versprochen sicherzustellen,
daß die beiden Hand in Hand gehen - wie das sein
muß. Es ist unsere Herausforderung und unsere
Absicht, eine führende Rolle bei den internationalen
Bestrebungen zu übernehmen, diese Fragen global zu
verbinden, um das Versprechen tragfähiger Entwicklung zu erfüllen.
Das beinhaltet bedauerlicherweise äußerst komplexe
Angelegenheiten, die schwierige Fragen über folgende
Themen aufwerfen:
Die Ratsamkeit und Möglichkeit der Annahme
internationaler Umweltschutznormen. Wie
können wir am besten die steigende Harmonisierung von Normen ermutigen, damit sie
einen effektiveren Umweltschutz gewährleisten?
Souveränität und die Beilegung von Streitigkeiten. Welche Mechanismen und Institutionen sind zur Beilegung von Streitigkeiten
erforderlich?
Analyse des Produktzyklus. Wie beeinflussen
Anforderungen an Etikettierung, Verpackung
und Recycling den Handel, und stellen sie
legitime Umweltstrategien oder versteckte
Handelsrestriktionen dar?
Subventions- und Investitionsmuster. Beeinflussen Subventionen, Investitionspolitik und
das Niveau von Produktnormen handeis- und
umweltpolitische Ziele?
Diese Themen werfen eine Reihe weiterer Fragen
darüber auf, wie tragfähige Entwicklung unter in
unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindlichen
Nationen gefördert werden kann. Im wesentlichen
fürchten die Entwicklungsländer, daß die steigende
Ermutigung umweltpolitischer Belange die Entwick-

Seite 2

lungsmöglichkeiten einschränkt. Daher bleibt eine
breite Kluft zwischen Nord und Süd bestehen, obwohl
einige Fortschritte bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für die Bewältigung dieser Fragen
innerhalb der OECD gemacht wurden.
Aus diesem Grund nutzen wir das Aufkommen von
Organisationen wie der Welthandelsorganisation WTO,
dem Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit APEC, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO,
der Kommission für internationalen Handel mit gefährdeten Arten sowie einer Vielzahl anderer Foren zur
Förderung von Umweltschutz, sorgsam abgewogen
gegen das Wachstum des freien Handels und seine
Vorteile. Fall um Fall und Forum um Forum haben wir
Führungstellen geschaffen, die die enge Verbindung
zwischen Umweltschutz und Welthandel fördern.
Der eindrucksvollste Wegweiser, den wir haben, ist
auch der Hauptgegenstand der hier stattfindenden
Diskussionen - das drei Jahre alte Nordamerikanische
Freihandelsabkommen NAFTA. Einer der Gründe,
warum diese Administration das NAFTA und seine
Zusatzabkommen so entschieden unterstützte, waren
seine bahnbrechenden historischen Bestrebungen,
Handels- und Umweltpolitik in Einklang zu bringen.
Das NAFTA unterstützte den entstehenden Konsens,
daß wir im internationalen Handelssystem dem
lokalen, nationalen, regionalen und globalen Umweltschutz Priorität einräumen müssen. Erstmals besteht
eines der Ziele einer bedeutenden Handelsvereinbarung in der Förderung tragfähiger Entwicklung. Zur
Erlangung dieses Ziels:
legt das NAFTA-Paket Investitionsvorschriften fest, die eine Senkung bestimmter Normen zum Zweck der
Anziehung von Investoren entmutigen
und stattdessen die Durchführung von
Umweltschutzmaßnahmen zur Regelung von Investitionsaktivitäten gestatten;
unterstützt und bevorzugt das
NAFTA-Paket ausdrücklich handelspolitische Maßnahmen, die in bestimmten internationalen Umweltabkommen gefordert werden - wie
dem Montrealer Protokoll über die
Ozonschicht schädigende Substanzen;
bewahrt das NAFTA-Paket die amerikanischen Umwelt-, Gesundheits- und
Sicherheitsstandards auf allen Regierungsebenen - ein wichtiges Anliegen.

AMERIKA DIENST 19

�Die BECC bestätigte die mögliche Finanzierung von 10 Projekten und entwickelte nach
längerer Vorlaufzeit neue Richtlinien, die jetzt
der Öffentlichkeit vorgelegt werden, um eine
effektivere Prüfung von Projekten und eine
aggressivere Förderung
von tragfähiger
Entwicklung zu erreichen.

Ebenso wichtig ist, daß das NAFTA verschiedene
bedeutende Institutionen ins Leben rief - einschließlich
der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit
(Commission for Environmental Cooperation - CEC),
dem wichtigsten Träger für die Überwachung und
Erlangung dieser Ziele; der Kommission für umweltpolitische Zusammenarbeit an den Grenzen (Border
Environmental Cooperation Commission - BECC), die
mit den Kommunalbehörden an der Entwicklung von
Plänen für Umweltinfrastrukturprojekte und ihrer
Zertifizierung arbeitet; und der Nordamerikanischen
Entwicklungsbank (North American Development Bank
- NADBank), die Kapital aus dem Privatsektor zur
Finanzierung von durch die BECC zertifizierten
Projekten zur Verfügung stellt.
Es ist kein Geheimnis, daß diese Institutionen für ihren
Aufbau und ihr effektives Funktionieren Zeit brauchten
- mehr als erwartet. Insgesamt gesehen vertritt die
Administration jedoch die Ansicht, daß das NAFTA ein
Erfolg ist.
Bei seinem Treffen im letzten Monat gab der
Rat der CEC Aktionspläne für die Kontrolle
von vier hartnäckigen toxischen Stoffen
bekannt, die unsere Hemisphäre verschmutzen. Unsere trilaterale Zusammenarbeit wird
unseres Erachtens die Weichen für umfassendere internationale Verhandlungen über eine
globale Konvention über schwer zu beseitigende organische Schadstoffe stellen.
Die CEC stellt eine Liste über die Freisetzung
von Schadstoffen im nordamerikanischen
Raum auf, um die Öffentlichkeit über die
Herkunft der Schadstoffe und ihre Gefahren
zu informieren.
1997 wird der Umweltrat des NAFTA Empfehlungen zu grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungen aussprechen, um den
Informationsaustausch zwischen benachbarten NAFTA-Ländern über vorgeschlagene
Projekte zu fördern, die wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Umwelt eines benachbarten NAFTA-Landes haben.
Und wir entwickeln neue Mechanismen zur
Ermutigung regionaler Umweltschutzstrategien - beispielsweise das Aufspüren illegalen
grenzüberschreitenden Transports von Sondermüll, die Durchsetzung von Antischmuggelgesetzen der CEC und die Zusammenarbeit zur Durchsetzung der Bestimmungen
der Konvention über den internationalen
Handel mit gefährdeten Arten (Convention on
the International Trade in Endangered Species
- CITES).

AMERIKA DIENST 19

Unabhängig davon entwickelten die Vereinigten Staaten und Mexiko ihre bereits
eindrucksvolle bilaterale Zusammenarbeit in
der Grenzregion weiter. Ein neuer, umfassender Umweltplan für das Grenzgebiet, genannt
Border 21, soll als übergeordneter Rahmen für
Aktivitäten in diesem Bereich dienen.
Einige der signifikantesten Entwicklungen finden
angemessenerweise unter Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort statt. Beispielsweise einigten sich Anfang
des Jahres öffentliche und private Organisationen
sowie Regierungsvertreter aus Mexiko und den
Vereinigten Staaten auf die Förderung von Vorschlägen für den Umgang mit Problemen der Luftverschmutzung in der Region von El Paso-Juarez, die als
einheitlicher Luftraum betrachtet wird. Dieses neue
und vielversprechende Abkommen basiert auf der
Erkenntnis, daß Verschmutzung nicht vor Grenzen
Halt macht und dasselbe auch bei der Suche nach
Lösungen gelten sollte.
Über das NAFTA hinaus haben wir uns an einer
Vielzahl anderer Aktivitäten beteiligt, um den engen
Zusammenhang zwischen Handels- und Umweltpolitik
zu erforschen.
Diese Administration schafft eine
solide Grundlage für derartige Bestrebungen. Eine der
interessantesten - und umstrittensten - Fragen, mit
denen sich die Vereinigten Staaten und die internationale Staatengemeinschaft befassen, ist das Verständnis der Umstände, unter denen handelspolitische
Maßnahmen für den Schutz der Umwelt außerhalb der
ausschließlichen Rechtsprechung eines Landes
angemessen sind. Es ist nicht einfach, von vornherein
die exakten Umstände zu definieren, unter denen der
Einsatz handelspolitischer Maßnahmen zum Schutz
der Umwelt angemessen erscheint.
Ich möchte noch kurz den von uns entwickelten
gedanklichen Rahmen ansprechen. Wir haben vier
allgemeine Kategorien von Fällen entwickelt, bei denen
unseres Erachtens handelspolitische Maßnahmen zur
Unterstützung umweltpolitischer Ziele gerechtfertigt
sind:
1.

Wenn handelspolitische Maßnahmen eine
Verpflichtung gemäß einem internationalen
Umweltabkommen darstellen, dem wir angehören - vorausgesetzt dieses sieht keine
Diskriminierung von NichtVertragsparteien vor.

Seite 3

�2.

Wenn die Auswirkungen einer Aktivität auf die
Umwelt teilweise innerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs spürbar werden.

3.

Wenn eine Pflanzen- oder Tierart gefährdet
oder bedroht ist oder eine spezielle Vorgehensweise wahrscheinlich zur Gefährdung
oder Bedrohung einer Art führt.

4.

Wenn die Effektivität einer auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden internationalen
Umwelt- oder Naturschutznorm herabgesetzt
wird, vorausgesetzt die Norm ist spezifisch
genug, damit ein objektives Urteil über eine
mögliche "Herabsetzung" gefällt werden kann.

Ich möchte betonen, daß dies Beispiele für Fälle sind,
bei denen die Erwägung von handelspolitischen
Maßnahmen angemessen erscheinen mag.
Dies
hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab, zum
Beispiel ob es auch alternative Möglichkeiten gibt, ob
es Optionen zwischen verschiedenen Arten handelspolitischer Maßnahmen gibt und ob diese auf ihre
mögliche umweltpolitische Effektivität und ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen
überprüft wurden. Es könnte beispielsweise sein, daß
der Einsatz einer handelspolitischen Maßnahme in
einem bestimmten Fall vom Standpunkt des Umweltschutzes aus kontraproduktiv ist. Oder es könnte sein,
daß die Bekämpfung eines zugrundeliegenden
Umweltproblems mit den Mitteln des Umweltschutzes wie der Aushandlung eines internationalen Abkommens - der bevorzugte Lösungsweg ist. Tatsächlich
sind wir im allgemeinen der Ansicht, daß letzteres für
die internationale Staatengemeinschaft hohe Priorität
haben muß. Konsens ist ein wunderbares Gegenmittel
für Konflikt.
Es ist klar, daß das kein einfacher Prozeß sein wird.
Wir haben uns in der Uruguay-Runde um Fortschritte
bemüht, indem wir ein Arbeitsprogramm aufstellten
und anschließend einen ständigen Ausschuß damit
beauftragten, der internationalen Staatengemeinschaft
dabei zu helfen, Handels- und Umweltpolitik in Ein-

Seite 4

klang zu bringen. Der WTO-Ausschuß für Handel
und Umwelt kommt allmählich voran und befaßt sich wie wir alle - mit diesen neuen Disziplinen und Geboten. Zusätzlich zu dem Ausschuß konnten unsere
GATT-Unterhändler Einigung über mehrere wichtige
Umweltbestimmungen in dem Vertrag herbeiführen einschließlich der sanitären und Planzenschutzbestimmungen, die Schutz vor jeglichen Bestrebungen
zur Unterminierung der amerikanischen Umweltnormen bieten.
Ferner arbeiten wir in anderen internationalen Foren wie der OECD - Grundsätze für die Entwicklung und
Verknüpfung von Handels- und Umweltpolitik aus.
Man kann sagen, daß sich die Vereinigten Staaten bei
diesen Bestrebungen zu einer treibenden Kraft für
Umweltbewußtsein entwickelt haben, und wir hoffen,
daß diese Analysearbeit die Unterstützung durch die
OECD-Mitglieder für unsere Umweltagenda verstärken
wird. Ferner hoffen wir, daß die Ergebnisse dieser
Arbeit die weniger entwickelten Länder davon überzeugen werden, daß das Streben nach tragfähiger
Entwicklung und größerer politischer Integration in
ihrem eigenen Interesse liegt.
Abschließend kann gesagt werden, daß die enge
Verbindung von Handels- und Umweltpolitik - im
Rahmen des NAFTA, des GATT und andernorts sowohl bewundernswert als auch unvermeidbar ist.
Die die Zukunft der Vereinigten Staaten gestaltenden
Kräfte - die wirtschaftliche Erneuerbarkeit mit globalem
Wettbewerb und Umweltschutz mit internationaler
Zusammenarbeit verbinden - sind offensichtlich. Es ist
unsere Herausforderung und unsere Chance, den
Wandel im Dienste unserer wirtschaftlichen und
umweltpolitischen Bestrebungen zu begrüßen.
Ich bin zuversichtlich, daß uns das gelingen wird.
Diese Administration schafft eine solide Grundlage für
diese Bestrebungen. Wir sehen der Zusammenarbeit
mit Ihnen während dieses historischen Treffens zur
Erörterung handeis- und umweltpolitischer Prioritäten
zum Nutzen unserer Nation und der Welt erwartungsvoll entgegen.

AMERIKA DIENST 19

�WIRTSCHAFT
2. Oktober 1996

Politiker müssen Unbeständigkeit
des Kapitalflusses bekämpfen
Rede des Stellvertretenden Finanzministers Lawrence Summers

SINGAPUR - (AD) - Angesichts der zunehmenden Integration der Volkswirtschaften Asiens und der Vereinigten
Staaten müssen die Politiker sich auf nationaler und internationaler Ebene um eine Verringerung der
Unbeständigkeit des Kapitalflusses bemühen, erklärte der Stellvertretende Finanzminister, Lawrence Summers,
am 13. September 1996 vor Vertretern der Finanzwelt in einer Rede, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend
veröffentlichen.

Einleitung

I. Amerikas neue Wirtschaftspartner in Asien

Ich begrüße Sie alle und danke Ihnen für den freundlichen Empfang. Es ist mir eine Freude, hier zu sein.
Ich möchte der Bankenvereinigung von Singapur, der
Vereinigung der Merchant bankers von Singapur, der
singapurischen Gesellschaft der Finanzanalysten
sowie der Amerikanischen Handelskammer in Singapur danken, daß sie es mir ermöglicht haben, vor
einem so hochrangigen Publikum zu sprechen.

Es steht außer Frage, daß das Wachstum der führenden Volkswirtschaften Asiens erstaunlich ist.

Sie alle wissen, daß das Ausmaß der Wirtschafts- und
Finanzbeziehungen der Vereinigten Staaten zu Asien
größer ist und schneller wächst als das unserer
Beziehungen zu den Industriestaaten Europas. Im
vergangenen Jahr betrug der Handel Amerikas mit
Asien das anderthalbfache unseres Handelsvolumens
mit Europa - 35 Prozent unseres gesamten Handels im
Vergleich zum 21prozentigen Anteil Europas. Wir
haben jedoch mit unseren asiatischen Partnern wie
Singapur nicht dieselben Möglichkeiten zum Meinungsaustausch über Wirtschafts- und Finanzfragen
wie mit unseren europäischen Partnern. Aus diesem
Grund messen wir der Entwicklung des Finanzministerprozesses des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) so große Bedeutung
bei. Wir benötigen jedoch auch die Chance eines
informellen Meinungsaustauschs. Und aus diesem
Grund bin ich hier.

Der Anteil der führenden Länder Asiens am Welthandel stieg von 9,6 Prozent 1981 auf 16,1 Prozent
1994 an.

Im vergangenen Jahr entfielen auf die führenden asiatischen Volkswirtschaften 24,4 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts,
gemessen auf der Grundlage der Kaufkraftparität.

Der Handel der führenden asiatischen Volkswirtschaften mit den Vereinigten Staaten Exporte und Importe - stieg so schnell an, daß
er sich jetzt auf 20 Prozent unseres gesamten
Handels beläuft.
Noch spektakulärer war jedoch vielleicht die Geschwindigkeit des Anstiegs von Kapitalfluß in die
führenden Volkswirtschaften Asiens.
Der Nettofluß an Privatkapital stieg 1995 auf
98,2 Milliarden Dollar an - die Krönung eines
Anstiegs um das 23fache innerhalb von sechs
Jahren.
Allein im vergangenen Jahr stieg der Nettofluß an
Privatkapital in die führenden Länder Asiens um 31

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�Prozent, während der nach Lateinamerika um 22
Prozent fiel.

sich an steigenden Inflationsraten oder Leistungsbilanzdefiziten zeigt.

Obwohl es stimmt, daß ungefähr drei Viertel der
Inlandsinvestitionen aus inländischen Ersparnissen
finanziert wurden und daher die hohen Wachstumsraten der führenden asiatischen Länder großenteils auf
ihre herausragende Spartätigkeit zurückzuführen sind,
war der internationale Kapitalfluß von immenser
Bedeutung für die Ankurbelung der Entwicklung der
Region.

Eine weitere Sorge ist die Abhängigkeit von
den Launen ausländischer Investoren, die
Risiken nicht einschätzen können, der breiten
Masse folgen, beim ersten Anzeichen von
Unsicherheit überreagieren und im Falle ihres
massenhaften Rückzugs eine Volkswirtschaft
zerstören. Wenn die Wirtschaft solchen
Investoren ausgesetzt ist, werden der Kreditkartenbesitzer in Bangkok oder der Hausbesitzer in Manila mit der Hypothek unakzeptabler Risiken belastet.

Wir in den Vereinigten Staaten erkennen zweifelsohne
den Wert großer Auslandsinvestitionen - sowohl für
Ihre Region als auch für unsere Wirtschaft.

IM. Schwere Entscheidungen der Politiker trotz
Entstehen eines grundlegenden Konsenses

Diese haben:
zu Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in unseren Volkswirtschaften beigetragen;
den Handel mit der Region und innerhalb der
Region gefördert; ohne Ihren Zugang zu
Finanzmitteln würden Ihre Export- und Importmöglichkeiten verringert;
die Produktivität von Kapital in all unseren
Volkswirtschaften erhöht;
den grenzüberschreitenden Austausch guter
Ideen erleichtert und gleichzeitig die gesamte
wirtschaftliche Effizienz verbessert;
zu

einer

gesunden

Zunächst einmal gibt es keinen Ersatz für eine starke
makroökonomische Politik. Diese Wahrheit wurde
noch bekräftigt, als nach der Finanzkrise in Mexiko
schnell Kapital nach Asien zurückfloß. Die Notwendigkeit der Beibehaltung einer starken Politik besteht für
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten.

Risikodiversifizierung

Die wichtigste Leistung der amerikanischen

unserer jeweiligen Finanzanlagen beigetragen.

Politiker besteht unter Umständen darin, daß
wir unser wirtschaftliches Haus in Ordnung
gebracht haben. Dies trug zu weitaus günstigeren globalen Zinssätzen bei.

II. Auslandsinvestitionen: Zuviel des Guten?
Trotz der Vorteile, die dieser große und steigende
Kapitalfluß für all unsere Volkswirtschaften hatte,
machte sich nach der Krise von Mexiko in einigen
Kreisen die Besorgnis breit, die leichte Verfügbarkeit
grenzüberschreitender Finanzierung könnte zuviel des
Guten sein. Oder zumindest daß Kapitalflüsse nicht
nur Chancen, sondern auch Herausforderungen
bieten. Ich fordere alle, die sich Sorgen machen, dazu
auf, folgendes nicht zu vergessen: Es ist besser, in
einem Land zu leben, in das Kapital hineinfließt, als in
einem Land, aus dem es herausfließt.
Diejenigen, die bezweifeln, ob es klug sei, Volkswirtschaften einem großen Kapitalfluß auszusetzen,
führen eine Reihe potentieller Probleme an. Dazu
zählen:
Das Risiko, daß ein großer Kapitalzufluß zu
einer Überhitzung der Wirtschaft führt, was

Seite 2

Es wurde ein internationaler Konsens über mindestens
fünf Aspekte nationaler Politik geschmiedet, die für den
erfolgreichen Umgang der Regierungen mit Kapitalfluß
von entscheidender Bedeutung sind. Die Erfahrungen
dynamischer asiatischer Volkswirtschaften wie Singapur und einige seiner Nachbarn stellen wichtige
Lektionen dar, die zur Bildung dieses Konsenses
beitrugen.

Zweitens verringert eine starke Politik nicht nur das
Risiko und die Auswirkungen finanzieller Unbeständigkeiten, sondern schafft auch ein die Spartätigkeit
förderndes Umfeld.
Hohe inländische Sparquoten sind für eine
gesunde Entwicklung wesentlich. Obwohl ich
ein entschiedener Befürworter offener und
integrierter internationaler Kapitalmärkte bin,
bleibt die Tatsache bestehen, daß drei Viertel
der asiatischen Inlandsinvestitionen durch
inländische Ersparnisse finanziert wurden.
Drittens hilft eine solide makroökonomische Politik
auch bei der Eindämmung von Leistungsbilanzdefiziten.
Ich sagte bereits, daß Defizite von über fünf
Prozent des Bruttoinlandsprodukts besorgniserregend sind, obwohl es viele mildernde

AMERIKA DIENST 19

�Faktoren gibt, beispielsweise die Zusammensetzung von Importen, die Zusammensetzung
des Kapitalzuflusses sowie das fiskalische
Gleichgewicht.
Trotz alledem haben die
Defizite in einigen Ländern Asiens ein Niveau
erreicht, das eine genaue Beobachtung
erforderlich macht.
Somit sollten wir die mäßige Verlangsamung
des Wachstums in einigen asiatischen Volkswirtschaften lediglich als eine benötigte sanfte
Landung betrachten. Die Politiker sollten dem
Druck zur Wiederankurbelung der Volkswirtschaften widerstehen, die gemessen an
internationalen Standards immer noch mit
einer außerordentlichen Geschwindigkeit
wachsen.
Viertens haben wir in einer Welt unbeständigen
Kapitalflusses auch gelernt, daß Wirtschaften große,
starke, wohlgesteuerte und überwachte Finanzmärkte
benötigen.
Schwächen der inländischen Finanzmärkte
schränken die Fähigkeit einer Regierung ein,
angemessen auf das Risiko zu reagieren, daß
der Zufluß die finanzielle Instabilität erhöht.
Das könnte geschehen, wenn inländische
Finanzinstitutionen, insbesondere Banken,
nicht wirksam als Vermittler großen Kapitalflusses agieren und diesen in produktive,
langfristige Investitionen umwandeln können.
Die Überwachungsinstitutionen verfügen unter
Umständen nicht über die Kapazitäten zur
angemessenen Kontrolle von Bilanzentwicklungen. Infolgedessen könnten übermäßige
Kredite für Grundbesitzentwicklungen und
Tätigkeit auf dem Aktienmarkt gewährt werden. Bei einem solchen Szenarium ist das
Risiko von spekulativen Schwindelgeschäften
weitaus größer.
Schwache inländische Bankensysteme können auch die Fähigkeit der Politiker zum
rechtzeitigen und wirksamen Einsatz traditioneller Instrumente der Währungskontrolle
einschränken.
Wenn die Anpassungen
endlich stattfinden, sind sie oftmals weitaus
dramatischer und kostspieliger als notwendig
gewesen wäre. Aus diesem Grund hat die
Stärkung der Finanzmärkte und Intensivierung
der Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden eine ebenso hohe Priorität für die
APEC Finanzminister wie für die Finanzminister der G-7-Staaten. Dabei spielt die
internationale Zusammenarbeit zwischen
Finanzministern und Zentralbanken - in der
Funktion von Politikern und Kontrollinstanzen
gleichermaßen - eine wichtige Rolle.

AMERIKA DIENST 19

Fünftens stellt die Verbesserung der Qualität und
Verbreitung wirtschaftlicher und finanzieller Informationen eine wertvolle Schulung für Teilnehmer der
Finanzmärkte und Politiker gleichermaßen dar. Es ist
besser für die Märkte, die schlechten Nachrichten zu
kennen, als darüber zu spekulieren, wie schlecht die
Nachrichten sein könnten. Und es ist besser für die
Politiker, ihre Probleme schnell und entschlossen
anzugehen, als die Illusion zu hegen, sie würden durch
Nichtbeachtung verschwinden.
Singapur schätzt die Tugend der Offenheit
und hat sich den neuen Datenoffenlegungsnormen des IWF verpflichtet. Dasselbe gilt für
Malaysia, die Philippinen und Thailand.
Selbst die Länder, die diese fünf grundlegenden Ziele
umsetzen - wie es viele in dieser Region tun - sehen
sich angesichts des starken Kapitalzuflusses immer
noch mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. In
einer Welt des freien Kapitalflusses und integrierter
Märkte kann man nicht gleichzeitig eine unabhängige
Währungspolitik und feste Wechselkurse beibehalten.
Diesbezügliche Bestrebungen der Regierungen waren
kostspielig und könnten tatsächlich die Fähigkeit der
Wirtschaft zur Aufnahme und dem effizienten Einsatz
von Finanzmitteln behindern.
Nicht gewinnbringende Interventionen, die
darauf abzielen, eine aufgrund des Kapitalzuflusses mögliche Abwertung der Wechselkurse zu vermeiden, haben bisweilen nicht nur
eine beschränkte Wirksamkeit, sondern
schaffen auch einen Teufelskreis des immer
weiteren Anstiegs von Kapitalzufluß und
Zinssätzen. Der Grund ist, daß höhere inländische Zinssätze zu mehr anstatt zu weniger
kurzfristigem Kapitalzufluß führen.
Nicht gewinnbringende Interventionen sind
auch extrem kostspielig. Die Zentralbanken
zahlen den Haltern inländischer Wertpapiere darunter viele Ausländer - viel Geld, erzielen
jedoch relativ wenige Gewinne für die ausländische Währung, die sie somit anhäufen.
Ein vielleicht noch größerer Anlaß zur Sorge
ist, daß die Regierungen in ihrem Streben
nach einer Vermeidung von Wechselkursschwankungen den Investoren signalisieren,
daß Investitionen in inländische Währungen
nur einseitig sind - daß sie bei Investitionen in
inländische Währungen nichts verlieren
können. Als Resultat steigt die Begeisterung
noch weiter an, während in Wirklichkeit erforderlich ist, Investoren zu einer realistischen
Einschätzung ihrer Aussichten und Risiken zu
ermutigen.

Seite 3

�IV. Kapitalkontrollen sind nicht die richtige Antwort
Einige Länder haben mit Kapitalkontrollen als Ergänzung zu einer soliden makroökonomischen Politik oder
bisweilen sogar als Ersatz dafür experimentiert. Sie
versuchen durch Kontrollen oder Hindernisse, den
Kapitalzufluß zu bremsen und den Umfang der
darauffolgenden, unvorhersehbaren, schädlichen
Kapitalflucht einzuschränken.
Wir müssen uns jedoch bewußt werden, daß bisher die
Effektivität von Kapitalkontrollen nicht hoch war.
Selbst auf neuentstehenden Märkten mit
unterentwickelten Finanzmärkten wurden die
Kontrollen schnell umgangen, und diese
Unterminierung erzwang eine kontraproduktive Ausweitung der Kontrollen. Die Eskalation
der Kontrolle in Chile Anfang der neunziger
Jahre ist ein Beispiel. Die Einführung einer
Zinsausgleichssteuer in den sechziger Jahren
in den Vereinigten Staaten ist ein weiteres
Beispiel.
Es gibt auch zahlreiche negative Nebenwirkungen. Keine geringe ist, daß bei einer
erfolgreichen Reduzierung der Liquidität die
Kontrollen die Kapitalkosten für inländische
Produzenten erhöhen und damit das Risiko
einer Verringerung von Inlandsinvestitionen
und sogar Handel entsteht.
Wir können im Hinblick auf die Effektivität von Kapitalkontrollen viel lernen. Auch in diesem Bereich entsteht
ein Konsens.
Erstens. Falls Kontrollen eingesetzt werden,
sollten sie begrenzt und temporär sein und
eine Steuerbemessungsgrundlage haben. Die
Kontrollen sollten als vorübergehende Maßnahme betrachtet werden, während Maßnahmen zur Korrektur makroökonomischer
Defekte und Stärkung inländischer Finanzmärkte und ihrer Überwachung ergriffen
werden.
Zweitens. Es gibt keinen Ersatz für die Entwicklung der Finanzmärkte. Kapitalkontrollen
können ein Hindernis für die Evolution des
Finanzsystems werden, das sie überflüssig
machen würde.
Schließlich besteht das Risiko, daß die Politiker aufgrund ihrer Abhängigkeit von Kontrollen
selbstgefällig werden - und die von mir bereits
erwähnten weitaus wichtigeren Dinge übersehen, die sie beim Management ihrer Wirtschaft
in einer Welt finanzieller Unbeständigkeit
beachten sollten.

Seite 4

V. Flexible Wechselkurse funktionieren besser
Angesichts der gravierenden Schwächen von Kapitalkontrollen als dauerhafter Antwort auf den Umgang mit
den potentiellen negativen Auswirkungen von Kapitalfluß ist die einfachste und wirkungsvollste Reaktion
eine flexiblere Wechselkurspolitik. Es ist kein Zufall,
daß einige der ansonsten gut gelenkten Länder mit
geringer Flexibilität der Wechselkurse am härtesten
um die Eindämmung inflationären Drucks kämpfen
mußten und dem Risiko von Spekulationen und
Schwindelgeschäften am stärksten ausgesetzt sind.
Der starke Zufluß, den die führenden asiatischen
Länder in den letzten Jahren erlebten, unterstrich die
Risiken und Kosten unzureichender Wechselkursflexibilität. Natürlich verstehe ich die Argumente für
unterschiedliche Wechselkursregime - um historischen
und/oder örtlichen Gegebenheiten zu entsprechen und ich trete hier nicht als Befürworter baldigen,
folgenschweren Wandels auf. Ich bin jedoch davon
überzeugt, daß größere Wechselkursflexibilität
langfristig den meisten Politikern mehr Mittel für den
Umgang mit Kapitalzufluß und -abfluß zu geringeren
Kosten als derzeit geben wird.
In unserem Fall halten wir es für das Beste, daß der
Dollar wirtschaftliche Grundprinzipien widerspiegelt.
Unsere Erfahrung war, daß die Kosten des Widerstands gegen Wechselkursschwankungen hoch
waren. Mit größerer Flexibilität der Wechselkurse,
wenn die Märkte grundlegende Veränderungen bei
den Aussichten Asiens verspüren, werden die Politiker
in der Lage sein, kostspielige, nicht gewinnbringende
Kapitalanlagen zu vermeiden. Zusätzlich signalisieren
die Schwankungen den Investoren, daß es keine
einseitigen Einsätze mehr gibt. Das sollte die Wahrscheinlichkeit von Spekulationen und untragbar hohem
Kapitalzufluß in Zeiten des Optimismus reduzieren.
VI. Die internationale Reaktion auf Unbeständigkeiten muß ebenfalls gestärkt werden
Ich habe hier der Bedeutung nationaler Politik gewisse
Aufmerksamkeit gewidmet - der entscheidenden Rolle
solider makroökonomischer Politik, den Vorteilen einer
Politik flexibler Wechselkurse, dem Gebot der Stärkung von Finanzmärkten und Intensivierung der
Kooperation zwischen Aufsichtsbehörden sowie den
möglichen vorteilhaften Auswirkungen höherer Standards von Informationsvermittlung auf die Wahrung
des Vertrauens der Investoren und Verhinderung von
Überreaktionen.
Es stimmt aber auch, daß die internationale Staatengemeinschaft eine wichtige Rolle zu spielen hat. Die
Verbindungen zwischen globalen Finanzmärkten
bedeuten jetzt, daß sogar gut gelenkte Länder von
Problemen in einem anderen Land infiziert werden

AMERIKA DIENST 19

�können. Somit ist eine koordinierte internationale
Antwort erforderlich.
Aus diesem Grund arbeitet die internationale Gemeinschaft das New Arrangement to Borrow aus, das die
existierenden General Arrangements to Borrow des
IWF verdoppelt und eine Reihe neuer Wirtschaftsmächte einbringt. Ich freue mich, daß Singapur,
Malaysia und Thailand prinzipiell zugestimmt haben,
einen Beitrag zu dieser bedeutenden internationalen
Initiative zu leisten.
Die internationale Staatengemeinschaft wurde sich
auch der Notwendigkeit verbesserter wirtschaftlicher
Kontrolle in multilateralen Foren bewußt.
Schließlich erkannten wir die Notwendigkeit der
Entwicklung angemessener Problemlösungsmaßnahmen, die Investoren nicht vor Risiken schützen
oder eine unangebrachte nationale Politik ermutigen.
Die Länder müssen das Prinzip akzeptieren, daß sie
ihre Gläubiger aus eigenen Mitteln bezahlen müssen.

*

AMERIKA DIENST 19

Und Schuldscheinbesitzer, die weitaus größere
Gewinne als das amerikanische Finanzamt machen,
sollten keinen Schutz vor Verlusten erwarten, wenn die
Politik des Landes nicht erfolgreich ist.
VII. Schlußbemerkung
Während unsere Wirtschaften immer integrierter
werden, müssen die Politiker parallel dazu handeln.
Wir haben größeres Verständnis für die Auswirkungen
unserer Volkswirtschaften und wirtschaftspolitischen
Maßnahmen auf das jeweils andere Land. Ferner
haben wir gelernt, wie wichtig es ist, daß wir unsere
Ansichten über wachstumsfördernde Maßnahmen, die
Vermeidung und Eindämmung von Finanzkrisen und
effektive Lenkung von Spartätigkeit austauschen.
Unsere Geschäftsleute haben Handels- und Investitionsverbindungen zu den schnell wachsenden
Volkswirtschaften Asiens geknüpft, die nie enger
waren. Politiker im gesamten pazifischen Raum
müssen dasselbe tun.

* * * *

Seite 5

�Die Schaffung von Arbeitsplätzen und
Beschäftigungschancen:
Der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten 1993 -1996

Ein Bericht des
Rats der Wirtschaftsberater im
US-Arbeitsministerium, Büro des Chefökonoms
23. April 1996

�Zusammenfassung
Seit Januar 1993 hat die Beschäftigungsrate rapide - um netto 8.5 Millionen
neue Arbeitsplätze - zugenommen. Anhand vergleichbarer Daten war das
Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten stärker als bei allen
anderen unserer G-7-Partner.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 entfielen auf Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern. Mehr als die Hälfte des Nettozuwachses fand bei den obersten 30
Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt. Obwohl viele dieser neuen Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor entstanden, entsprachen sie nicht den Stereotypen.
Die Fakten legen nahe, daß die große Mehrheit des Nettozuwachses an neuen
Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Sowohl die Haushalts- als auch die
Betriebserhebungen verweisen darauf, daß die Zunahme an Arbeitplätzen auf
Ganztagsstellen konzentriert war.
Der Anteil von Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung blieb seit Ende der
achtziger Jahre ungefähr konstant. Der Haushaltserhebung ist zu entnehmen,
daß der Anteil von beschäftigten Personen mit mehreren Arbeitsplätzen weiterhin bei rund 6 Prozent liegt.
Die Gesamtzahl der Entlassenen machte 1991-92 ungefähr denselben Anteil
an der Erwerbsbevölkerung aus wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der
achtziger Jahre gravierender war als die Anfang der neunziger Jahre. Es ist
jedoch schwierig genau festzustellen, welcher Prozentsatz der Entlassenen auf
die Konjunktur zurückzuführen ist. Die offiziellen Daten über Entlassungen
nach 1993 stehen noch nicht zur Verfügung, aber eine alternative Zählweise zu
Arbeitsplatzverlusten zeigt, daß sie seitdem gesunken sind.
Die Charakteristiken der Entlassungen haben sich etwas verändert. Die Entlassungen von älteren, besser ausgebildeten Büroangestellten haben zugenommen, obwohl sie verglichen mit denen bei jüngeren und weniger gut
ausgebildeten Arbeitern weiterhin relativ niedrig sind.
Trotz einiger jüngster positiver Anzeichen bleiben langfristige Herausforderungen bestehen. Zwischen den siebziger und frühen neunziger Jahren stagnierten die Reallöhne und -gehälter, und das Einkommensgefälle wurde größer.
Aber 1994 stieg das reale mittlere Familieneinkommen zum ersten Mal seit fünf
Jahren, und die Armutsgrenze sank. Wir müssen weiter auf diese Errungenschaften aufbauen, um den Lebensstandard zu verbessern und das Einkommensgefälle zu verringern. Und obwohl sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaf1

�fen als abgebaut werden, erlegt eine dynamische Wirtschaft einigen Arbeitnehmern unweigerlich Kosten auf. Daten von 1981 bis 1993 legen beispielsweise
den Schluß nahe, daß diejenigen, die ihre Stelle verloren, eher auf Dauer (statt
vorübergehend) entlassen wurden, daß ältere Arbeitnehmer ein größeres
Risiko der Entlassung hatten und der durchschnittliche Verlust des Reallohns
aufgrund von Entlassung beträchtlich und andauernd war. Um alle Vorteile
einer dynamischen Wirtschaft zu erlangen, müssen wir diese Angleichungskosten verringern.

Einleitung
Das Beschäftigungswachstum in den Vereinigten Staaten war seit Januar 1993 solide,
wobei die Beschäftigungsrate im nichtlandwirtschaftlichen Bereich um 8,5 Millionen
zunahm.
Anhand vergleichbarer Daten war das Beschäftigungswachstum in den
Vereinigten Staaten stärker als bei allen anderen unserer G-7-Partner. Der Hauptzweck dieser Studie besteht darin, das Material zu sichten, um ein detaillierteres Bild
zu entwickeln, wo das Beschäftigungswachstum stattfindet und welcher Art die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind.
Die Nachrichten sind ermutigend: Die Beschäftigung bei den Industriezweigen/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern ist unverhältnismäßig gestiegen. Selbst in der traditionell niedriger bezahlten
Dienstleistungsindustrie war die Mehrheit des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen bei
leitenden Positionen und solchen mit einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil
zu verzeichnen, die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne
und Gehälter bieten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Überzeugung sind die neuen
Arbeitsplätze nicht unverhältnismäßig viele Teilzeitstellen, die geringe berufliche
Qualifikation erfordern.
Der zweite Zweck dieser Studie ist die Prüfung der Entlassungen. Obwohl die Volkswirtschaft einen Nettozuwachs von Millionen neuer Arbeitsplätze bewirkt, ist es offenkundig, daß die Geschwindigkeit der Umgestaltung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt viele Amerikaner besorgt über ihre wirtschaftliche Zukunft macht. Ein dynamischer und wachsender Arbeitsmarkt kann sowohl Kosten auferlegen als auch
Chancen bieten, und Maßnahmen für Arbeitnehmer zur Bewältigung eines Arbeitsplatzwechsels sind entscheidend zur Reduzierung dieser Angleichungskosten.

Schaffung von Arbeitsplätzen
Einer Betriebserhebung des Bundesamts für Arbeitsstatistik zufolge nahm die Zahl der
nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen Januar 1993 und März 1996 um
8,5 Millionen (7,8 Prozent) zu. Im Privatsektor stieg die Zahl der Beschäftigten (um
8,7 Prozent) noch schneller, wohingegen die Zahl der Bundesbediensteten (mit

�Ausnahme des Postdienstes) tatsächlich um 11,4 Prozent abnahm und die der bei
bundesstaatlichen und kommunalen Regierungen Tätigen zusammengenommen um
nur 5 Prozent (siehe Abbildung 1) stieg. Der Anteil des öffentlichen Dienstes an der
Beschäftigung nimmt daher ab.
Die Arbeitslosenquote fiel von über 7 Prozent im Januar 1993 auf 5,6 Prozent im März
1996 und lag 19 aufeinanderfolgende Monate unter 6 Prozent. Angesichts der aktuellen demographischen Trends prognostiziert das Bundesamt für Arbeitsstatistik, daß
die Erwerbsbevölkerung zwischen 1994 und dem Jahr 2005 jährlich um rund 1,1
Prozent zunimmt. Um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten, muß die Volkswirtschaft
daher durchschnittlich einen Nettozuwachs von ungefähr 120.000 neuen Arbeitsplätzen pro Monat verzeichnen. Die Beschäftigung expandiert jetzt in einer Geschwindigkeit, die im Einklang mit stetigem, tragfähigem Wachstum und niedrigen
Arbeitslosenquoten steht.
Figure 1
Private Sector and Government Employment Growth
January 1993 - March 1996

Private Sector

Government

Note: Federal employment excludes the postal Service.
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, establishment survey.

Internationaler Vergleich. Die Vereinigten Staaten konnten einen schnelleren
Beschäftigungszuwachs verzeichnen als alle anderen G-7-Nationen. Nur Kanada
beobachtete eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung, während die anderen G7-Mitglieder unerhebliche Zuwächse an Arbeitsplätzen oder eine tatsächliche Abnahme hatten. Die Leistung des amerikanischen Arbeitsmarkts ist besonders beeindruckend aufgrund der Tatsache, daß sie in einer Periode stattfand, in der das Defizit
des Bundeshaushalts von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Haushaltsjahr
1992 auf schätzungsweise 1,9 Prozent im Haushaltsjahr 1996 reduziert wurde.

3

�Die Qualität der Arbeitsplätze
Daten der laufenden Bevölkerungserhebung zufolge fanden 38 Prozent des Nettozuwachses bei der Beschäftigung zwischen Februar 1994 und Februar 1996 in den
"Dienstleistungsindustrien" statt.1 Dieser Abschnitt befaßt sich daher zunächst mit der
Qualität der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Dann wird eine detailliertere
Analyse aller Sektoren der Wirtschaft vorgenommen.
Höher bezahlte Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Der "Dienstleistungssektor" ist sehr vielfältig. Dazu zählen viele schlecht bezahlte Positionen, aber auch
zahlreiche hochbezahlte bei Finanzdienstleistungen, Kliniken sowie Computer- und
Buchhaltungsdiensten. Aus diesem Grund ist es wichtig festzustellen, ob der Beschäftigungszuwachs innerhalb der Dienstleistungen vornehmlich in den hohe Qualifikationen erfordernden leitenden Positionen und bei Berufen mit einem speziellen Anforderungsprofil oder bei schlecht bezahlten Arbeitsplätzen stattfand. Die laufende
Bevölkerungserhebung bietet Fakten bezüglich des Beschäftigungszuwachses je nach
Beruf.
*

Die Daten belegen, daß der jüngste Nettozuwachs bei der Beschäftigung im
Dienstleistungssektor vorwiegend in leitenden Positionen oder solchen mit
einem speziellen beruflichen Anforderungsprofil stattfand (Abbildung 2).
Hierbei handelt es sich um relativ gutbezahlte Arbeitsplätze.

Figure 2
Service Industry Occupations
February 1994 - February 1996

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Higher Wage Occupations
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

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�Die herkömmliche Überzeugung, der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor
sei unverhältnismäßig in schlecht bezahlten Arbeitsplatzkategorien konzentriert, ist
daher falsch.
Zuwachs bei höher bezahlten Arbeitsplätzen nach Industriezweig und Berufsgruppe. Ein noch detaillierteres Bild der Art der neugeschaffenen Arbeitsplätze bietet
eine nach Industriezweig und Berufsgruppe aufgeschlüsselte Untersuchung. Anhand
von Daten der laufenden Bevölkerungserhebung von Februar 1994 bis Februar 1996
ordneten wir die Ganztagsstellen 45 bestimmten Berufsgruppen in 22 großen Industriezweigen zu. 25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie neben ihrer Beschäftigung in den angegebenen Industriezweigen und Berufsgruppen noch zusätzliche
Einnahmen hatten. Obwohl viele der Felder für 990 Industriezweige/Berufsgruppen
ziemlich klein waren, fanden sich nur 6 Prozent der Untersuchten in Feldern mit 10
oder weniger Befragten wieder, die für beide Erhebungen Daten über ihre Einkünfte
angaben. Um die mit einer unzureichenden Zahl von Befragten einhergehende große
Schwankungsbreite der Erhebung zu vermeiden, strichen wir die kleinen Felder aus
unserer Analyse. Nach Streichung der Felder mit 10 oder weniger Befragten blieben
287 Berufsgruppen jährlich übrig.2
Der erste Schritt bei unserer Analyse bestand darin, die 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittlerem Wocheneinkommen der Vollzeitbeschäftigten
zu ordnen. Ungefähr die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten im Februar 1994 befand
sich in Feldern mit einem mittleren wöchentlichen Einkommen von mehr als 480 Dollar
(Dollarstand von Februar 1996). Das Beschäftigungswachstum bei diesen hochbezahlten Arbeitsplatzkategorien kann dann mit dem Gesamtbeschäftigungswachstum
verglichen werden. Unsere wichtigste Bemessungsgrundlage für die Arbeitsplatzqualität ist der Prozentsatz des gesamten Beschäftigungswachstums innerhalb der Industriezweige/Berufsgruppen mit über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und
Gehältern im Februar 1994. Die Ergebnisse waren bemerkenswert.
Zwei Drittel (68 Prozent) des Nettozuwachses bei der Vollzeitbeschäftigung
zwischen Februar 1994 und Februar 1996 fand bei Arbeitsplätzen mit über dem
mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern statt.3
Eine andere Art und Weise, die Ergebnisse unserer nach Industriezweig/Berufsgruppe
aufgeschlüsselten Analyse zusammenzufassen, ist in Abbildung 3 zu sehen. Wir
ordneten 287 Industriezweige/Berufsgruppen nach dem mittleren Wochenlohn der
Vollzeitbeschäftigten und sortierten sie dann entsprechend ihrem Einkommen in 10
Gruppen ein -jede mit 10 Prozent der Beschäftigten im Februar 1994. Hätten alle 10
Gruppen proportional zu ihrem Anteil an der Beschäftigung im Februar 1994 zugenommen, wäre auf jede 10 Prozent des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen
entfallen. Die obersten drei Zehntel entsprachen nicht nur ihrem proportionalen Anteil
am gesamten Beschäftigungswachstum (30 Prozent), sondern lagen weit darüber
(über 50 Prozent).

5

�Mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Beschäftigungszuwachses fand in den
obersten 30 Prozent der Arbeitsplatzkategorien statt.

Figure 3
Shares of Net Employment Growth
February 1994 - February 1996
Higher paying job categories
68 percent of growth

Lower paying job categories
32 percent of growth
Council of Economic Advisers analysis of Bureau of Labor Statistics data.

Detailliertere Daten über Beschäftigung. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik gibt
auch eine jährliche Veröffentlichung über Löhne und Gehälter sowie Beschäftigungswachstum für eine äußerst detaillierte Reihe von Beschäftigungskategorien auf der
Grundlage von Ergebnissen der Bevölkerungserhebung eines Jahres heraus. Die
Erhebung umfaßte 488 Kategorien mit Daten für 1994 und 1995 (die jährlichen Schätzungen für 1996 stehen erst nächstes Jahr zur Verfügung). Die Ergebnisse dieser
Datensammlung sind eine Erhärtung der obengenannten Erkenntnisse. Zu den
Kategorien mit den größten Zuwächsen bei der Beschäftigung zählen "Verkauf und
Inhaberschaft", "Elektriker", "leitende Positionen bei Marketing und Werbung" sowie
"Elektroingenieurwesen". Im Einklang mit den obengenannten Überlegungen entfielen
auf die einzelnen Berufsgruppen in der oberen Hälfte der Einkommenspyramide 70
Prozent des Nettozuwachses an Beschäftigung, während die obersten 10 Prozent ein
Drittel des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen hervorbrachten.

�Die Beschäftigung in den "Hamburger-Flipping-Jobs"4 sank zwischen 1994 und
1995.
Insgesamt geben die Daten folgende Hinweise auf die Art des jüngsten Beschäftigungswachstums:
Zwei Drittel der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen Ganztagsstellen entfallen auf Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit über
dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern.
Mehr als die Hälfte der zwischen Februar 1994 und Februar 1996 geschaffenen
Ganztagsstellen fallen in Beschäftigungskategorien/Industriezweige mit noch
höheren Löhnen und Gehältern (die obersten 30 Prozent).

Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind großenteils Ganztagsstellen. Daten aus
der laufenden Bevölkerungserhebung und der Betriebserhebung des Bundesamts für
Arbeitsstatistik legen den Schluß nahe, daß der überwiegende Teil des Nettozuwachses an neuen Arbeitsplätzen Ganztagsstellen sind. Die laufende Bevölkerungserhebung enthält auch Daten über Teilzeitstellen. Abbildung 4 zeigt den Anteil der
Beschäftigten, die als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung sowohl "wirtschaftliche" als
auch "nichtwirtschaftliche" Gründe angeben. Trotz einer Verlagerung bei beiden
Kurven aufgrund der Umgestaltung der Erhebung im Januar 1994 ist der Anteil der
Teilzeitbeschäftigten tatsächlich leicht gesunken. Der Rückgang war bei denjenigen,
die aus "wirtschaftlichen" Gründen teilzeitbeschäftigt sind - die oft als "unfreiwillig
Unterbeschäftigte" bezeichnet werden - sogar noch größer.
Die Daten der Betriebserhebung erhärten indirekt die Schlußfolgerungen der Haushaltserhebung. Wenn der Nettozuwachs an neuen Arbeitsplätzen in unverhältnismäßig starkem Maße aus Teilzeitstellen bestünde, würden wir ein Absinken der
durchschnittlichen Arbeitszeit pro Stelle erwarten.5 Die Beschäftigungsdaten zeigen
jedoch, daß die durchschnittliche Arbeitszeit aller Stellen (einschließlich der neugeschaffenen) ungefähr konstant blieb: Die Anzahl der nicht im landwirtschaftlichen
Sektor Beschäftigten und die Gesamtzahl der Arbeitsstunden steigen in den letzten
drei Jahren beide ungefähr in gleichem Maße an (siehe Tabelle). Dies weist darauf
hin, daß die neuen Arbeitsplätze nicht in unverhältnismäßig hohem Maße Teilzeitstellen waren.
In Haushalten und Unternehmen erhobene Daten belegen, daß der Großteil
des in den letzten drei Jahren erfolgten Nettozuwachses an Arbeitsplätzen
Ganztagsstellen waren.

7

�Figure 4
Part-Time Workers
16

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14 -

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Non-Economic Reasons

CPS redesign

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Economic Reasons

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*

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2

Jan. 1990 Jan. 1991 Jan.1992 Jan. 1993 Jan. 1994 Jan. 1995 Jan.1996
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Beschäftigung und Arbeitsstunden außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors
Januar

März

Prozent

1993

1996

Veränderung

Beschäftigung (Millionen)

109,5

118,0

7,8

Arbeitsstunden (jährlich, Milliarden)

202,2

217,8

7,7

Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

Wenig Veränderung bei Mehrfachbeschäftigung. Manche Amerikaner haben mehr
als eine Stelle, um für ein Haus sparen oder unerwartete Ausgaben finanzieren zu
können. Eine Mehrfachbeschäftigung gibt jedoch Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der
Qualität der Arbeitsplätze, wenn immer mehr Amerikaner zwei oder drei Stellen haben
müssen, um mit ihren Einkünften auszukommen. Ein frustrierter Arbeitnehmer soll auf
die Nachricht, daß 8,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, mit der
Äußerung reagiert haben: "Ja, und ich habe drei davon." Die Daten zeigen jedoch
keine nennenswerte Bewegung im Bereich der Mehrfachbeschäftigung. Der Anteil
derjenigen, die mehrere Stellen haben, liegt seit den späten achtziger Jahren bei
ungefähr 6 Prozent.

�Auswirkungen auf Löhne und Gehälter sowie Einkommensgefälle. Zwischen den
siebziger und den frühen neunziger Jahren verlangsamte sich das durchschnittliche
Wachstum der Reallöhne, und das Einkommensgefälle wurde größer. In den letzten
Jahren gab es jedoch einige ermutigende Anzeichen, daß sich bei diesen Herausforderungen des Arbeitsmarktes das Blatt wendet. 1994 - das letzte Jahr, für das
Daten vorliegen - stieg das mittlere Realeinkommen der Familien, und zum ersten Mal
seit fünf Jahren sank die Armutsgrenze. Eine verbesserte Arbeitsplatzqualität kann
diese jüngsten Errungenschaften stärker zur Geltung bringen, auch wenn die Auswirkungen erst nach längerer Zeit erkennbar sein werden. Wie bereits erwähnt, fand
der jüngste Nettozuwachs an Arbeitsplätzen bei Berufen und in Industriezweigen statt,
die normalerweise über dem mittleren Einkommen liegende Löhne und Gehälter
zahlen. Die Vergrößerung der Beschäftigtenzahl hatte jedoch nur geringfügige
Auswirkungen auf die gesamten Lohn- und Gehaltsdaten, da der Nettozuwachs bei
der Beschäftigung lediglich einen relativ kleinen Prozentsatz der Gesamtbeschäftigung des Arbeitskräftepotentials der Vereinigten Staaten ausmacht. Dennoch sind die
Nachrichten über die Qualität des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen ermutigend und
versprechen Gutes für die Zukunft. Obwohl noch viel zu tun bleibt, zeigen die neuesten Trends, daß sich der Arbeitsmarkt auf dem richtigen Weg befindet.

Die Herausforderungen eines dynamischen Arbeitsmarkts
Ein dynamischer, gesunder Arbeitsmarkt schafft genug Arbeitsplätze für eine
wachsende Erwerbsbevölkerung. Gleichzeitig verlagern sich jedoch in einer dynamischen Volkswirtschaft fortwährend Arbeitsplätze von bestimmten Bereichen auf
andere mit mehr Wachstumschancen. (Beispielsweise wurde der Abbau der Stellen
für Bundesbedienstete durch den Beschäftigungsanstieg im Privatsektor mehr als
ausgeglichen.) Inzwischen führen von der Federal Reserve Bank of San Francisco
veröffentlichte Untersuchungen Robert Vallettas zu der Schlußfolgerung, daß
- konjunkturell bereinigt - der Prozentsatz der auf dauerhafte (statt vorübergehende)
Entlassungen zurückzuführenden Arbeitslosigkeit gestiegen ist - insbesondere zwischen 1980 und 1993. Ein höherer Anteil Arbeitslose kann daher keine erneute
Einstellung bei ihrem alten Arbeitgeber erwarten. Infolge dieser Veränderungen auf
dem Arbeitsmarkt fühlen sich viele Arbeitnehmer im Hinblick auf ihre Beschäftigungsaussichten weniger sicher.
Obwohl die Besorgnis vieler Arbeitnehmer real und bedeutend ist, muß man sich auch
objektiv mit den Fakten befassen. Nicht alle Quellen zeigen verstärkte wirtschaftliche
Besorgnis. Beispielsweise lagen die statistischen Erhebungen des Michigan and
Conference Board über Verbrauchermeinungen kürzlich über ihrem historischen
Durchschnitt. Die im Rahmen dieser Erhebung Befragten erachten die Beschäftigungsaussichten offensichtlich nicht als schlecht. Dennoch deutet eine erhebliche
Zahl von Aussagen darauf hin, daß viele Amerikaner sich wegen einer möglichen
Entlassung Sorgen machen - einige sogar große Sorgen. Um auf diese Besorgnis
optimal reagieren zu können, benötigen wir eine präzisere Einschätzung der Natur des
Entlassungsproblems. Ist die Zahl der Entlassungen tatsächlich angestiegen?

9

�Betreffen sie eine andere Kategorie von Menschen als vor zehn Jahren? Dieser
Abschnitt des Berichts befaßt sich mit solchen Fragen.
Fakten aus einer Erhebung über Entlassungen. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik
erstellt alle zwei Jahre eine Erhebung über entlassene Arbeitnehmer, wobei die
neuesten Daten vom Februar 1994 stammen. Die nachfolgende Tabelle faßt die
Entlassungsraten (definiert als Zahl der entlassenen Arbeitnehmer pro 100 Beschäftigte) für die Zeiträume 1981-82 und 1991-92 zusammen.
Der prozentuale Anteil der Entlassenen an der Erwerbsbevölkerung war 1991-92
ungefähr so groß wie 1981-82, obwohl die Rezession Anfang der achtziger Jahre
weitaus gravierender war als die zu Beginn der neunziger Jahre. Es ist jedoch
schwierig genau festzulegen, wie sich der Konjunkturzyklus auf die Entlassungsquote
auswirkt. Ein Vergleich der Entlassungsquoten insgesamt verschleiert auch den
grundlegenden Wandel bei der Häufigkeit der Entlassungen. Die Tabelle zeigt, daß
ältere Büroangestellte 1991-92 viel entlassungsgefährdeter waren als während der
vorherigen Rezession. Und weitere Analysen belegen, daß die Entlassungsquote bei
besser ausgebildeten Arbeitnehmern gestiegen ist. Diese Veränderungen bei der
Häufigkeit von Entlassungen mögen ein Grund für die Berichte über zunehmende
Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes sein. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer
Entlassung bei Arbeitern und schlechter ausgebildeten Arbeitnehmern größer ist, stieg
die Entlassungsquote eindeutig bei den Arbeitnehmern an, die vorher großenteils
immun gegen die Gefahr eines Arbeitsplatzverlusts waren.
*

Die Entlassungsquoten für ältere und besser ausgebildete Arbeitnehmer, die sich
großenteils nicht mit einem solchen Risiko auseinandergesetzt hatten, stiegen
zwischen 1981-82 und 1991-92.
Veränderte Häufigkeit von Entlassungen
Entlassungsquoten*

Gesamt
Beruf
Bürotätigkeit
Fabrikarbeit
Alter
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55+

1981-82
3,9

1991-92
3,8

2,6
7,3

3,6
5,2

5,0
3,8
3,0
3,6

3,8
3,9
3,8
4,3

Als Prozentsatz der Arbeitnehmer, die drei oder mehr Jahre in ihrer derzeitigen Stelle beschäftigt
sind. Quelle: Bundesamt für Arbeitsstatistik

�Indikatoren für Entlassungen neueren Datums. Wie bereits erwähnt, wird die
Erhebung über Entlassungen alle zwei Jahre durchgeführt, wobei die jüngsten Daten
vom Februar 1994 stammen und sich auf den Zeitraum 1991-93 erstrecken. Bedauerlicherweise stehen die offiziellen Entlassungszahlen für die Zeit nach 1993 noch nicht
zur Verfügung.6 (Die Ergebnisse der im Februar durchgeführten Erhebung über
Entlassungen 1996 sollten Ende des Sommers vorliegen.) Bis die offiziellen Entlassungszahlen zur Verfügung stehen, kann man mit Hilfe anderer Statistiken Hinweise
auf den Wandel des Arbeitsmarktes seit 1993 erhalten.
Ein Indikator sind die Daten über diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Abbildung 5 zeigt die Arbeitsplatzverlustrate, definiert als Prozentsatz derjenigen, die
vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben - die aufgrund eines Arbeitsplatzverlusts
Arbeitlosen (im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben
oder zu den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt), die weniger als fünf Wochen
Unbeschäftigten sowie die nicht vorübergehend Entlassenen - an der Gesamtbeschäftigtenzahl gemäß der laufenden Bevölkerungserhebung. Diese Arbeitsplatzverlustrate
entspricht annähernd dem netto-"Abgleiten" in die Arbeitslosigkeit aufgrund eines
Verlusts des Arbeitsplatzes, da sie nur diejenigen erfaßt, die vor kurzem ihren Arbeitsplatz verloren haben. Abbildung 5 zeigt, daß die Arbeitsplatzverlustrate seit 1992 fällt.

Figure 5
New Job Losers
I .£.

Unemployed new job losers

S

excluding temporary layoffs

1

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0.6

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1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995
Based on data from the Bureau of Labor Statistics, Current Population Survey.

Offizielle Daten über Entlassungen nach 1993 sind noch nicht erhältlich. Aufgrund der Zahlen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist die
Arbeitsplatzverlustrate seitdem jedoch gefallen.

11

�Die Kosten der Entlassungen. Die Erhebung über entlassene Arbeitnehmer liefert
Informationen über die Auswirkungen des Arbeitsplatzverlusts auf Arbeitnehmer. Die
Ergebnisse sind ernüchternd. Einer Analyse des Bundesamts für Arbeitsstatistik
zufolge hatte ungefähr ein Viertel der zwischen 1991 und 1992 Entlassenen entweder
die Stellensuche eingestellt oder bis zum Zeitpunkt ihrer Befragung im Februar 1994
noch keine Arbeit gefunden. Und obwohl die Erfahrungen sehr unterschiedlich waren,
deutet die von Henry Farber von der Princeton University durchgeführte Untersuchung
darauf hin, daß der reale Einkommensverlust für aus einer Ganztagsstelle Entlassene
und wieder auf einer Ganztagsstelle Beschäftigte Anfang der achtziger und neunziger
Jahre im Durchschnitt bei 10 Prozent lag. Laut einer Studie von Ann Huff Stevens von
der Rutgers University sowie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung sind
Einkommensverluste als Folge von Entlassungen ein dauerhaftes Phänomen. Sechs
oder mehr Jahre nach der Entlassung liegen die Einkünfte eines entlassenen Arbeitnehmers ungefähr 10 Prozent unter dem, was er sonst hätte verdienen können.
In einer Marktwirtschaft, die sich auf nationaler und internationaler Ebene wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, ist ein gewisses Maß an Entlassungen
unvermeidlich. Die Technologie ist ständigem Wandel unterworfen. Neue Unternehmen werden gegründet, einige alte schrumpfen oder schließen. Da der Wandel für
die Arbeitnehmer teuer weden kann, müssen Maßnahmen zur Unterstützung der
Arbeitnehmer bei der Bewältigung dieses Wandels ergriffen werden. Die Mitnahme
von Renten- und Krankenversicherungsansprüchen, effektive Wiederbeschäftigungshilfe, angemessene Arbeitslosenversicherung sowie Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen können allesamt zur Senkung der zwischen zwei Arbeitsstellen anfallenden
Angleichungskosten beitragen. Zusätzlich ist wichtig, daß es keine unnötigen Entlassungen gibt. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld mit Vollbeschäftigung wird die
Notwendigkeit vorübergehender Entlassungen auf ein Minimum reduzieren und die
Chance für eine schnelle Wiederbeschäftigung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz
verloren haben, vergrößern.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist teuer. Wenn amerikanische Arbeitnehmer mit
dem Verlust ihres Arbeitsplatzes konfrontiert werden, müssen sie über die erforderlichen Mittel verfügen, schnell eine neue Stelle zu finden.

Schlußbemerkung
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem starken Aufschwung, in dem seit Januar 1993
8,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Nachdem wir die letzte Rezession
überwunden haben und uns auf stetige, nachhaltige Weise entwickeln, wächst die
Beschäftigung in den Arbeitsplatzkategorien am schnellsten, die die am besten
bezahlten Stellen anbieten. Unsere Analyse belegt, daß mehr als zwei Drittel des
jüngsten Beschäftigungswachstums in Beschäftigungskategorien/Industriezweigen mit
über dem mittleren Einkommen liegenden Löhnen und Gehältern stattfand, daß die
überwältigende Mehrheit neugeschaffener Arbeitsplätze Ganztagsstellen sind und der
Anteil der Arbeitnehmer, die mehrere Stellen haben, seit Ende der achtziger Jahre

12

�mehr oder weniger konstant geblieben ist. Ein dynamischer Arbeitsmarkt baut jedoch
unweigerlich einige Arbeitsplätze ab und schafft andere neu. Die Kosten eines
Arbeitsplatzverlusts sind beträchtlich und dauerhaft. Um die Vorteile einer dynamischen Volkswirtschaft umfassend genießen zu können, müssen wir diese Angleichungskosten senken.

Fußnoten
1.

Eine umfassende Umstrukturierung der Erhebung im Januar 1994 erschwert langfristige
Vergleiche. Da die Daten der Haushaltserhebungen häufig nicht saisonbereinigt sind,
versuchen wir darüber hinaus denselben Monat in verschiedenen Jahren zu vergleichen.
Der hier vorliegende repräsentative Zeitraum ist daher Februar 1994 bis Februar 1996.

2.

Die verbleibenden Felder für Industriezweige/Berufsgruppen umfaßten 331 Befragte und
enthielten Einkommensdaten für 70 Stichproben.

3.

Aufgrund der Schwankungsbreite bei den monatlichen Erhebungen könnten die präzisen
Zahlen von den Vergleichsmonaten beeinflußt werden. Ferner haben wir dieselbe
Vorgehensweise unter Einsatz von Stundenlöhnen und -gehältern für eine Kombination
von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten gewählt. Die Ergebnisse sind ähnlich.

4.

Diese werden definiert als Stellen in Imbißstuben, Getränkekiosken, in der Küche sowie
in verschiedenen Bereichen der Nahrungsmittelzubereitung. Die Ergebnisse gelten für
Vollzeitbeschäftigte und andere Arbeitnehmer (Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung
kombiniert).

5.

Hierbei ist Voraussetzung, daß sich die durchschnittliche Arbeitszeit bei bestehenden
Stellen nicht ändert. Bedauerlicherweise können wir anhand der existierenden Statistiken
nicht feststellen, ob diese Annahme zutreffend ist.

6.

Aufgrund früherer Erfahrungen liegt die Entlassungsquote für
Erhebungsdaten für 1996 wahrscheinlich unter der für 1994.

13

1993 in den

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Kommunismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Theorie und Praxis&lt;br /&gt;oder Der Ärger mit der marxistischen Theorie vom "Absterben des Staates"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eric Michelson&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Zum 7. November 1962, dem 45. Jahrestag der Oktoberrevolution)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Biotechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Werkspionage bei der Natur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bionik - Erforschung technischer Prinzipien in der Tierwelt&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James Poling&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Presse&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hohe Auflagen, großes Inseratengeschäft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bilanz der amerikanischen Zeitungswoche&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kultur&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Für verstärkten kulturellen Austausch&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Repräsentant der Carl-Schurz-Gesellschaft besuchte die Bundesrepublik&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gedenktage im Dezember 1962&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

0 8 - 8 5 4 32

2.

21

November 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Fords zur N u k l e a r p o l i t i k der V e r e i n i g t e n Staaten

Erklärung Carters zur amerikanischen N u k l e a r p o l i t i k
- Erwiderung auf d i e V e r ö f f e n t l i c h u n g Fords -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

21/1976

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT FORDS ZUR NUKLEARPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ford hat in
einer am 28. Oktober vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung die Völker zur
internationalen Zusammenarbeit bei der Verhinderung der Weiterverbreitung der Kernwaffenkapazitäten durch einen mindestens
dreijährigen Stop in der Aufbereitung des
nuklearen Abfalls von Kernkraftwerken aufgerufen. Durch diese Maßnahme soll die Gefahr verringert werden, daß das bei der
Aufbereitung gewonnene Plutonium zur Waffenherstellung verwendet wird. Der Vorschlag
Fords enthält eine Reihe weiterer wichtige«"
Beschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen
gegen die Weitergabe gefährlicher NuklearTechnologie und -Anlagen bei gleichzeitiger
Garantie der Versorgung mit friedlicher
Technologie.

Wir wissen seit Beginn des Kernzeitalters vor über 30 Jahren, daß diese
Energiequelle sowohl das Potential gewaltiger Vorteile für die Menschheit als
auch das Potential für Zerstörungen ohnegleichen besitzt.

Es besteht einer-

seits kein Zweifel, daß die Kernenergie eine der größten Hoffnungen auf die
Befriedigung des steigenden Weltenergiebedarfs bei einem Mindestmaß an Umweltbelastungen darstellt und das Potential der Verminderung der Abhängigkeit von
ungewissen und im Schwinden begriffenen WeltölVorräten birgt.
Andererseits

�Andererseits erzeugen Kernbrennstoffe im Zuge der Energieabgabe
Plutonium, das chemisch von den ausgebrannten Brennstoffelementen getrennt
werden kann.

Das Plutonium kann wiederaufbereitet und zur Erzeugung zusätz-

licher Kernenergie verwandt werden und damit die Inanspruchnahme zusätzlicher
Energiequellen teilweise überflüssig machen. Unglücklicherweise - und das
ist die Wurzel des Problems - läßt sich das Plutonium, das in Kernkraftwerken
erzeugt wird, nach der chemischen Trennung auch dazu verwenden, nukleare
Sprengstoffe herzustellen.

Die Weltgemeinschaft kann nicht dulden, daß sich

das potentielle Ausgangsmaterial für Kernwaffen oder die Technologie, solches
herzustellen, ungeingeschränkt über den ganzen Erdball verbreitet.

Die Welt-

gemeinschaft muß sicherstellen, daß die Erzeugung und Verwendung dieses Materials
durch jedes Land nur unter den strengsten Sicherheitsbedingungen und -Vorkehrungen erfolgt.
Die Erschließung der gewaltigen Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Entwicklung von Methoden zur Unterbindung der Weiterverbreitung von Kernwaffen ist eine der wichtigsten Aufgaben, vor die sich alle Nationen der Erde
heute gestellt sehen.
Die Normen, die wir zur Beurteilung der meisten heimischen und internationalen Aktivitäten anwenden, sind nicht streng genug, um mit diesem außerordentlich vielschichtigen Problem fertig zu werden.
Unsere diesbezüglichen Maßnahmen dürfen nicht nur zum Teil erfolgreich
sein. Entweder sind sie richtig - in welchem Falle wir der Proliferation Einhalt gebieten können - oder sie sind falsch - in welchem Falle sich die nukleare Proliferation in dem Maße beschleunigen wird, in dem Nationen, die ursprünglich nicht die Absicht hatten, nukleare Waffen zu erwerben, zu der Schlußfolgerung gelangen, daß sie durch Maßnahmen anderer hierzu gezwungen seien.
Sollte dies eintreten, stünden wir einer Welt gegenüber, in der die Sicherheit
aller Länder in höchstem Maße gefährdet ist. Die Aufrechterhaltung der internationalen Stabilität wäre in einer solchen Welt unermeßlich schwierig und gefährlich. In Zeiten regionaler oder globaler Krisen würden sich die Risiken

�Risiken einer nuklearen Verwüstung unermeßlich erhöhen - falls nicht auf
Grund eines direkten Angriffs, dann in einen Prozeß immer weitergehender
Eskalation.
Das Problem läßt sich solange meistern, wie wir es klar verstehen und
im Verein mit anderen Ländern klug handeln.

Wir sehen uns jedoch mit einer tra-

gischen Bedrohung konfrontiert, wenn es uns nicht gelingt, dieses Problem in
den Griff zu bekommen oder wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Somit bürdet der Ernst und die Mannigfaltigkeit des Problems allen
jenen, die Mittel und Wege zur Eindämmung der Proliferation vorschlagen, eine
besondere Verantwortung auf. Sie müssen der Versuchung rhetorischer Tiraden,
leerer Drohungen und eines angeberischen Gehabes widerstehen. Sie müssen politische Maßnahmen und Programme anbieten, die einer Welt Rechnung tragen,
wie sie ist, nicht aber, wie wir vielleicht wünschen, daß sie sein soll.
Ziel ist es, die Proliferation zu verhindern, nicht lediglich zu bedauern.
Die erste Aufgabe bei der Behandlung des Problems der Proliferation
ist es, die Weltlage auf dem nuklearen Sektor zu begreifen.
über 30 Länder besitzen Kernkraftwerke oder planen, solche zu errichten, um der Segnungen der Nuklearenergie teilhaftig zu werden.

Die Energie-

krise von 1973 führte allen Völkern auf dramatische Art und Weise nicht nur
die Gefahren eines übermäßigen Angewiesenseins auf öleinfuhren vor Augen,
sondern auch die Realität, daß die Weltvorräte an fossilen Brennstoffen zu
Ende gehen.

Infolgedessen

betrachten viele Länder heute die Kernenergie

als ein unerläßliches Mittel zur Befriedigung des steigenden Energiebedarfs
ohne vorzeitige Erschöpfung der begrenzten Vorräte an fossilen Brennstoffen.
Wir müssen die Motive verstehen, die diese Länder - Entwicklungsländer und
Industriestaaten - dazu veranlassen, eher noch größeren Nachdruck als wir
auf die Entwicklung der Kernenergie zu legen.

Solange wir ihre realen Be-

dürfnisse nicht begreifen, können wir nicht damit rechnen, Mittel und Wege
zur Zusammenarbeit mit ihnen in dem Bemühen zu finden, die Befriedigung sowohl
unserer als auch ihrer legitimen Ansprüche sicherzustellen.
Darüber
- 3 -

�Darüber hinaus verfügen außer den Vereinigten Staaten auch noch andere
Länder über die Technologie, die notwendig ist, um sowohl die Vorteile als
auch das destruktive Potential der Kernenergie zu nutzen.

Die Nationen, die

diese Fähigkeiten und Möglichkeiten besitzen, können ihre Kerntechnologie und
die dazugehörigen Anlagen exportieren.
Somit kann keine Nation allein für sich hoffen - auch nicht die Vereinigten Staaten - die Verbreitung der Aufbereitungstechnik und die hieraus
resultierende Verfügbarkeit von Plutonium wirksam unter Kontrolle zu bringen.
Die Vereinigten Staaten waren einst der maßgebende Weltlieferant von
Kernmaterial und der zu seiner Aufbereitung erforderlichen technischen Anlagen und Kenntnisse.

Wenngleich wir die führende Nation auf diesem Gebiet

geblieben sind, teilen sich heute andere Lieferanten mit uns in den internationalen Markt - wobei die USA heute weniger als die Hälfte des Reaktorexports bestreiten.
In kurzen Worten, die Vereinigten Staaten haben seit nahezu zehn Jahren
in bezug auf die Kerntechnik kein Monopol mehr.

Wir spielen wohl eine wich-

tige Rolle, sind aber nicht in der Lage, die weltweite Entwicklung auf dem
nuklearen Sektor wirklich zu lenken.
Aus diesen Gründen müssen Maßnahmen zur Eindämmung der Proliferation
internationaler kooperativen Bemühungen entspringen, an denen sich viele Nationen unter Einschluß sowohl der Liefer- als auch Abnehmerländer von Kernmaterial beteiligen.

Es ist notwendig, gemeinsame Normen zu entwickeln, die

von allen Beteiligten anerkannt werden.

Wenn dies nicht geschieht, wird sich

ein uneingeschränkter Handel mit modernster Kerntechnologie und aktivierungsfähigen Kernmaterialien entwicklen - und niemand wird fähig sein, ihm Einhalt
zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten müssen begreifen, daß das Interesse an
der Kernenergie von Nation zu Nation anders gelagert ist.
- 4 -

Wir müssen ferner

�ferner einsehen, daß einige Länder ihr Augenmerk auf die Kernenergie richten,
weil sie über keine annehmbare Energie-Alternative verfügen.

Wir müssen

sicherstellen, daß unsere Bemühungen um Eindämmung der Proliferation von diesen Völkern nicht als ein Akt gewertet werden, sie daran zu hindern, in den
Genuß der Segnungen der Kernenergie zu gelangen.

Wir müssen ferner sicher-

stellen, daß sich alle Nationen mit den Vereinigten Staaten in die Überzeugung
teilen, daß die Ziele der Nicht-Proliferation Vorrang gegenüber Vorteilen auf
den Gebieten der Wirtschaft und der Energieversorgung haben, wo immer eine
solche Wahl zu treffen ist.

Frühere Maßnahmen
In den letzten 30 Jahren waren die Vereinigten Staaten unangefochten
die führende Nation in dem weltweiten Bemühen, sicherzustellen, daß die Segnungen der Kernenergie allen zugängig gemacht, die destruktiven Anwendungen
aber unterbunden werden.

Ich habe diesen beiden Zielsetzungen in den ver-

gangenen zwei Jahren meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und wir haben
wichtige neue Fortschritte insbesondere in den Bestrebungen erzielt, die
Weiterverbreitung von Kernwaffenkapazitäten unter den Nationen der Erde einzudämmen.
Im Jahre 1974, kurz nachdem ich das Präsidentenamt übernahm, begann
ich mir Sorgen darüber zu machen, daß einige Liefernationen von Kernmaterial
um irgendwelcher Wettbewerbsvorteile willen bereit waren, Nuklearexporte unter we
niger strengen Bedingungen zu tätigen als denen, die wir aus Sicherheitsgründen für angebracht halten. Im Herbst dieses Jahres haben die Vereinigten
Staaten vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorgeschlagen, die
Maßnahmen zur Verhütung der Proliferation künftig erheblich strenger zu handhaben. Ich habe meine diesbezüglichen Besorgnisse auch den Regierungs- und
Staatschefs der wichtisten Liefer- und Empfängernationen direkt bekundet.
Ich habe den Außenminister angewiesen, auf ein multilaterales Vorgehen zu
- 5 -

�zu drängen, um die Gefahren des Wettbewerbs in Grenzen zu halten.
Auf amerikanische Initiative wurde in London im April 1975 eine erste
Zusammenkunft der wichtigsten Lieferstaaten von Kernmaterialien einberufen.
Daran schlössen sich mehrere Tagungen und intensive bilaterale Konsultationen
an.
Als Ergebnis dieser Zusammenkünfte haben wir die internationalen Normen
durch progressive neue Richtlinien für den Export von nuklearen Materialien
beträchtlich verschärft.

Sie betreffen di^ Sicherheitsvorkehrunaen (safe-

guards), die Kontrollen zur Verhütung der Abzweigung von Kernmaterialien und
zum Schutz vor Mißbräuchen der Nukleartechnologie.und die technische Sicherung
vor Entwendung und Sabotage.

Die Vereinigten Staaten haben diese Richtlinien

zu politischen Richtlinien für ihre Nuklear-Exporte erhoben.
Darüber hinaus haben wir Schritte unternommen, um den speziellen Gefahren zu begegnen, die mit dem Umgang mit Plutonium verbunden sind:
- Wir haben die Ausfuhr von Wiederaufbereitungs- und anderen kerntechnischen Verfahren verboten, die zu einer weiteren Proliferation beitragen
könnten.
- Wir haben uns entschieden gegen die Aufbereitung von Kernmaterial in
Korea und Taiwan ausgesprochen. Wir begrüßen die Entscheidung beider
Länder, auf diesbezügliche Maßnahmen zu verzichten. Wir werden auch weiterhin von der Aufbereitung in besonders gefährdeten Gebieten abraten.
- Wir haben Vereinbarungen zur Zusammenarbeit mit Ägypten und Israel
ausgehandelt, die die strengsten Wiederaufbereitungsvorschriften und anderweitigen nuklearen Kontrollen vorsehen, die je in der 25jährigen Geschichte
unseres Programms zur nuklearen Zusammenarbeit vereinbart worden sind.
- Darüber

�- Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten kürzlich Verhandlungen
abgeschlossen, die darauf abzielen, die zivilen Nuklearanlagen in den USA
der Überwachung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu unterstellen.
Die IAEA hat ihrerseits dem Abschluß einer diesbezüglichen Vereinbarung
zugestimmt.

Neue Initiativen
Im Sommer dieses Jahres ordnete ich eine eingehende Überprüfung unserer
gesamten Nuklearpolitik sowie deren Optionen an, um herauszufinden, welche
weiteren Schritte erforderlich sind. Ich habe die Ergebnisse dieser Überprüfung sorgfältig studiert, mit führenden Männern im Kongreß durchgesprochen
und aus diesbezüglichen Konsultationen mit Staatsmännern anderer Länder gelernt. Ich gelangte dabei zu dem Schluß, daß neue Maßnahmen erforderlich sind
und daß wir auf den Fortschritten der beiden vorausgegangenen Jahre weiterbauen sollten. Heute gebe ich eine Reihe von Maßnahmen und Vorschlägen bekannt, die sich auf folgende Zielsetzungen richten:
- Die

Bekräftigung de» Verpflichtungen der Nationen der Erde auf das

Ziel der Nicht-Proliferation und den Aufbau eines wirksamen Systems internationaler Kontrollen zur Verhütung der Proliferation;
- die Veränderung und Intensivierung der amerikanischen Nuklearpolitik
im inneren und der Programme zur Förderung unserer Zielsetzungen in bezug auf
die Nicht-Proliferation; und
- die Schaffung gesunder Grundlagen für die fortgesetzte und zunehmende
Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten Staaten und in der Welt auf sichere
und wirtschaftliche Weise durch hierzu geeignete Maßnahmen.
Die

�Die Aufgabe, der wir uns gegenübersehen, erfordert ein internationales
und kooperatives Vorgehen in bisher beispiellosen Dimensionen.

Die Vereinigter,

Staaten sind bereit, mit allen Völkern zusammenzuarbeiten.

Grundlegende politische Entscheidungen
Ich bin zu der Schlußfolgerung gelangt, daß die Aufbereitung und Rückgewinnung von Plutonium aufhören müsse, bis hinreichend Grund zu der Schlußfolgerung besteht, daß die Weltgemeinschaft die mit der Proliferation verbundenen
Risiken wirksam ausschließen kann.

Ich bin der Überzeugung, daß die Vermei-

dung der Profileraticn Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben muß. Ich
bin ferner zu dem Schluß gelangt, daß die Vereinigten Staaten und andere Völker die Nutzung der Kernenergie für friedliche Zwecke verstärken können und
sollten, selbst wenn die Aufbereitung und Wiederaufbereitung von Plutonium
für unakzeptabel gehalten werden.
Tatkräftige Maßnahmen im Linern wie auf internationaler Ebene sind erforderlich, um diesem Beurteilung Geltung zu verschaffen:
- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten im Verein mit anderen Liefer- und Verbraucherstaaten nuklearer Brennstoffe ihre diplomatischen
Initiativen verstärken müssen, um die Anhäufung von Plutonium und die Weiterverbreitung der Technologien zur Trennung von Plutonium einzudämmen.
Wirksame Nicht-Proliferationsmaßnahmen machen die Beteiligung und Mitwirkung von Nuklearliefer- wie auch Verbraucherstaaten erforderlich. Wir bedürfen zusätzlicher Koordinierungs- und Einschränkungsmaßnahmen, damit ein
wirksames Nicht-Proliferationssystem zustandekommt.
Wir bedürfen ferner der
Zusammenarbeit und der Gewährleistung einer zuverlässigen Belieferung mit Nuklearbrennstoffen, um den Energiebedarf für friedliche Zwecke decken zu können.
- Ich

�- Ich habe entschieden, daß die Vereinigten Staaten die Aufbereitung
vor, Abbrandelementen für die Erzeugung von Plutonium nicht mehr
länger als einen notwendigen und unvermeidlichen Schritt im nuklearen Brennstoffzyklus betrachten und daß wir die Aufbereitung und Rückgewinnung von
Plutonium in Zukunft nur dann betreiben werden, wenn sie als mit unseren internationalen Zielsetzungen vereinbar zu betrachten ist.
Wir müssen sicherstellen, daß unsere Politik im Inneren und unsere
heimischen Programme mit unserer internationalen Haltung in der Frage der
Plutoniumaufbereitung vereinbar sind

und daß wir mit anderen Nationen in

der Beurteilung der Problematik der Aufbereitung von Abbrandelementen
eng zusammenarbeiten.
- Die Schritte, die ich heute bekanntgebe, werden die Gewähr schaffen,
daß die angezeigte zunehmende Nutzung der Kernenergie unter Wahrung der Sicherheitserfordernisse und ohne Vergrößerung der Gefahr der Proliferation erfolgen kann.
Selbst angesichts energischer Anstrengungen zur Einsparung von Energie
werden wir mit dem wachsenden Energiebedarf einer expandierenden amerikanischen
Wirtschaft rechnen müssen.

Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, müssen wir

uns solange auf die zunehmende Nutzung von Kernenergie und von Kohle stützen,
bis akzeptable Alternativen entwickelt werden.

Wir werden die Arbeit an der

Erschließung verheißungsvoller alternativer Energiequellen wie der Sonnenenergie verstärkt fortführen; für den Augenblick aber müssen wir uns auf Technologien konzentrieren, die in der Praxis bereits einsatzfähig sind.

Einen

größeren Beitrag zu unserer Energieversorgung können wir von diesen alternativen Technologien erst gegen Ende dieses Jahrhunderts erwarten.
Um meine gesamtpolitischen Entscheidungen zu verwirklichen, habe ich eine
Reihe von politischen Maßnahmen beschlossen, die notwendig und angebracht sind,
unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation und der Energieversorgung zu
verwirklichen:
- Erstens

�- Erstens muß unsere heimische Politik dahingehend geändert werden,
daß sie meiner Entscheidung über den Aufschub der Kommerzialisierung des
Prozesses der chemischen Aufbereitung von Kernbrennstoffen, der die Trennung
von Plutonium zur Folge hätte, entsprechen.
- Zweitens fordere ich alle Nationen auf, wie wir in der Frage des
Transfers der Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologie und der hierzu notwendigen Anlagen größtmögliche Zurückhaltung zu üben - dergestalt, daß sie
derartige risikoreiche Ausfuhren oder Lieferverpflichtungen auf mindestens
drei Jahre unterlassen.
- Drittens bedarf es neuer kooperativer Maßnahmen, um allen Nationen
eine ausreichende und verläßliche Belieferung mit den für den eigenen Bedarf
notwendigen Energiemengen gewährleisten zu können.

Meiner Überzeugung nach

haben die meisten Liefernationen - und das halte ich für äußerst wichtig eine besondere Verpflichtung, ihren Abnehmern die Gewähr einer ausreichenden
Brennstoffversorgung für ihre Kernkraftwerke zu bieten, sofern diese auf den
Erwerb von Aufbereitungs- und Urananreicherungsanlagen verzichten und sich
wirkungsvollen Proliferations-Kontrollen unterwerfen.
- Viertens müssen die Vereinigten Staaten ihre Rolle als einer der
wichtigsten und verläßlichsten Weltlieferanten von Nuklearreaktoren und Kernbrennstoffen für friedliche Zwecke auch weiterhin spielen. Unsere starke Position als Liefernation hat bisher die hauptsächliche Basis für unseren Einfluß auf die weltweiten Nicht-Proliferationsanstrengungen und unsere diesbezügliche Führungsrolle abgegeben. Eine starke Position wird in Zukunft
von nicht geringer Bedeutung sein. Unter Bekräftigung ihrer Absicht»als verläßlicher Lieferant zu fungieren, suchen die Vereinigten Staaten über das
weltweite System wirksamer Nicht-Proliferations-Kontrollen, das ich heute fordere, keineswegs irgendwelche Wettbewerbsvorteile für sich zu erlangen.
- Fünftens müssen wir neue Anstrengungen unternehmen und alle Nationen
dringend auffordern, sich an den großangelegten und umfassenden internatio-

�internationalen kooperativen Anstrengungen zu beteiligen, die ich später
im einzelnen noch erläutern werde, ein System wirksamer Kontrollen zur Verhinderung der Proliferationen zu entwickeln.
- Sechstens müssen die Vereinigten Staaten neue Schritte in bezug auf
ihre eigenen Exporte unternehmen, um die Proliferation zu unterbinden und
die diesbezüglichen multilateralen Richtlinien zu verbessern.
- Siebtens müssen die Vereinigten Staaten in Unterstützung der von mir
eingeleiteten internationalen Politik ein Programm zur Bewertung von Aufbereitungsverfahren in Angriff nehmen.
- Schließlich sind wir zu dem Schluß gelangt, daß es neuer Schritte bedarf, um die Gewähr zu schaffen, daß in den Vereinigten Staaten und überall
auf der Welt in dem Augenblick, in dem sich die Notwendigkeit hierzu ergibt,
Einrichtungen für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von nuklearem
Abfall zur Verfügung stehen.

Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Nuklearpolitik

Um die von mir umrissene Nuklearpolitik verwirklichen zu können, wird
es erheblicher Anstrengungen innerhalb der Vereinigten Staaten und seitens
vieler Nationen in aller Welt, die an der Kernenergie interessiert sind, bedürfen. Um in diesem Bemühen voranzukommen, leite ich heute eireAnzahl von
Maßnahmen ein und unterbreite anderen Nationen eine Reihe von Vorschlägen.

I. Änderungen
- 11 -

�I. Änderungen der amerikanischen Politik bezüglich der Aufbereitung von Kernbrennstoffen
Im Hinblick auf die Aufbereitung von Kernbrennstoffen weise ich die
zuständigen amerikanischen Exekutivbehörden an, meine Entscheidung in die
Tat umzusetzen, die Kommerzialisierung von Aufbereitungsverfahren in den
Vereinigten Staaten aufzuschieben, bis alle Unsicherheiten beseitigt sind.
- Ich weise den Leiter der Behörde für Energieforschung und -entwicklung (Energy Research and Development Agency - ERDA) an,
die Politik und die Programme der ERDA, die bisher auf der Annahme
basierten, daß Aufbereitungsverfahren keinen Beschränkungen unterliegen,zu
ändern;
zu prompten Maßnahmen zur Erweiterung der Lagerkapazitäten für
Abbrandelemente

7

u ermutigen, um auf diese Weise den Versorgungsbetrieben

die Gewähr zu bieten, daß sie keine Einstellung des Betriebes von Nuklearreaktoren auf Grund eines Mangels solcher Lagermöglichkeiten zu befürchten haben;
und
•

die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen aufzuzeigen, derer es bedarf, um die Praktikabilität der Rückgewinnung des Energiepotentials
von Abbrandelementen ohne Trennung des darin enthaltenen Plutoniums
zu erforschen.

II. Zurückhaltung in der Weitergabe sensitiver kerntechnologischer
Kenntnisse und Anlagen
Trotz der Fortschritte, die in der Eindämmung der Proliferation gemacht
worden sind, erfordern die Gefahren, die aus der Aufbereitung von Plutonium und
- 12 -

�und der Aussicht auf eine uneingeschränkte Verfügbarkeit dieses Elements
erwachsen, weitere

entschiedene internationale Maßnahmen.

Eine wirksame

Beschränkung des mit einer Weitergabe der Urananreicherungstechnologien verbundenen Risikos ist ebenso notwendig.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

- fordere ich alle Nationen auf, wie wir größte Zurückhaltung in der
Weitergabe von Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien und der dazu gehörigen Anlagen zu üben und zu diesem Zweck derartige sensitive Ausfuhren oder Lieferverpflichtung für einen Zeitraum von mindestens drei Jahre
anzusetzen.
Dies wird es Liefer- und Verbraucherländern gestatten, in der Zwischenzeit, in der wir die Frage der Zweckmäßigkeit der Verwendung von Plutonium
sorgfältig überprüfen können, gemeinsam verläßliche Mittel und Wege für die
Deckung ihres nuklearen Bedarfs bei einem Mindestmaß an Risiko in der Zeit
zu erarbeiten. Während wir in diesen Bemühungen voranschreiten, dürfen wir
uns nicht von irgendwelchen Pressionen dazu verleiten lassen, den Export
solcher sensitiver Anlagen zu gestatten.

III. Die Gewährleistung einer ausreichenden Energieversorgung der Abnehmerstaaten
Ich fordere die Nuklearexportstaaten dringend auf, die Verbraucherländer
mit Kernbrennstoffen, statt mit sensitiven Technologien oder Anlagen zu
beliefern.
Nationen, die wirksame Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich
nehmen, haben ein Recht auf zuverlässige Belieferung mit Kernreaktoren und
den dazugehörigen nicht-sensitiven Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen.
Alle
- 13 -

�Alle diese Nationen möchten an den Vorteilen einer sicheren Belieferung
mit Kernbrennstoffen teilhaben, auch wenn hinsichtlich Zahl und Standort von
Anlagen zur Brennstoffgewinnung in Rücksicht auf die Zielsetzungen der NichtProliferation gewisse Beschränkungen bestehen.

Die Verfügbarkeit von Service-

Stationen zur zyklischen Wiederaufbereitung von Abbrandelementen in mehreren
Ländern bietet den Verbraucherstaaten reichliche Gewähr für eine fortgesetzte
und stabile Belieferung mit Kernbrennstoffen.
Es ist ferner wünschenswert, dem Gedanken näherzutreten,

7ur Befrie-

digung der regionalen Bedürfnisse einige multinationale Zentren für die zyklische Aufbereitung von Brennstoffen an geeigneten Orten einzurichten, sofern
diese einer wirksamen Überwachung unterstellt werden und wirtschaftlich arbeiten können.

Durch diese und damit zusammenhängende Mittel können wir den

Anreiz zur Weiterverbreitung gefährlicher Anlagen zur zyklischen Aufbereitung
von Brennstoffen auf ein Mindestmaß reduzieren.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit anderen betroffenen
Nationen Vorkehrungen zu treffen, um eine zuverlässige Versorgung mit Kernbrennstoffen zu angemessenen Preisen aller jener Länder sicherzustellen, die
verantwortungsbewußt Beschränkungen ihrer Kernenergieprogramme in bezug auf
die Aufbereitung, die Plutoniumbeseitigung und die Anreicherungstechnik auf
sich nehmen.
- Ich weise den Außenminister an, Konsultationen einzuleiten, um gemeinsam mit anderen Ländern Vorkehrungen zur Koordinierung des BrennstoffService

und andere Methoden zu sondieren, die sicherzustellen vermögen, daß

die Zuliefererstaaten schwach angereicherten Uranbrennstoff und BrennstoffService

jederzeit zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen anbieten und

die Veroraucherlander diese auch abnehmen können.
Die diesbezüglichen Erörterungen werden sich auch auf Mittel und Wege
erstrecken, die zur Mitarbeit bereiten Länder gegen wirtschaftliche Benachteiligungen abzusichern und jeglichen Wettbewerb auszuschließen, der geeignet
- 14 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewährleistung der Brennstoffversorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�geeignet scheint, unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Gewährleistung der
Nicht-Proliferation zu unterminieren.
Um zu dieser Initiative beizutragen, bieten die Vereinigten Staaten
derzeitigen und künftigen Abnehmern von Kernbrennstoffen, die bereit sind,
solche von Verantwortungsbewußtsein getragene Beschränkungen auf sich zu
nehmen, bindende Lieferzusagen an.
Wo dies angebracht ist, werden die Vereinigten Staaten die Verbraucherländer entweder mit frischem schwach angereicherten Uranbrennstoff beliefern
oder, als Gegenleistung für qeaenseitige Vereinbarungen über die Beseitigung
ausgebrannter Brennstoffe,soweit oie Beseitigung nachweislich unserer gemeinsamen und kooperativen Zielsetzungen hinsichtlich der Nicht-Proliferation begünstigt, anderweitige Vorkehrungen treffen.

Die Vereinigten Staaten erstre-

ben in den Sondierungen von Optionen der Brennstoffbeseitigung und der Gewähr
leistung der BrennstoffVersorgung keinerlei kommerziellen Vorteile.
- Schließlich werden die USA im Verein mit anderen Ländern die kooperativen Anstrengungen zur Entwicklung der heimischen nicht-nuklearen Energiequellen derselben ausweiten.
Die Vereinigten Staaten haben die Errichtung eines Internationalen
Energieinstituts vorgeschlagen - und treten auch weiterhin für diesen Vorschlag ein -,das dem erklärten Zweck dienen soll, den Entwicklungsländern
bei der Anpassung ihrer wirtschaftlichen und am ehesten verfügbaren Energiequellen an ihren Energiebedarf zu helfen,

über dieses Institut und andere

geeignete Einrichtungen werden wir technologische Hilfe zur Entwicklung heimischer Energiequellen leisten.

IV. Stärkung
- 15 -

�IV. Stärkung der Rolle der Vereinigten Staaten als verläßlicher Lieferant
Sollen die Vereinigten Staaten ihre führende Rolle in den weltweiten
Bemühungen um die Nicht-Proliferation weiter spielen, müssen sie ein zuverlässiger Lieferant von Kernreaktoren und -brennstoffen für friedliche Zwecke
sein.

Es gibt zwei hauptsächliche Maßnahmen, die wir als Beitrag zu diesem

Ziel leisten können:
- Ich werde dem neuen Kongreß Gesetzgebungsvorschläge unterbreiten,
die die Ausweitung der Kapazität der Vereinigten Staaten zur Herstellung von
angereichertem Uran gestatten und die Vollmacht zur Ausweitung des staatseigenen Werkes in Portsmouth, Ohio, einschließen.

Ich werde ferner mit dem

Kongreß zusammenarbeiten, um einen Rahmen für private wettbewerbsfähige
Unternehmen zur Finanzierung, zum Bau, zum Besitz und zum Betrieb von Anreicherungsanlagen zu schaffen.
Die amerikanische Kapazität ist seit Mitte 1974 voll ausgelastet, so
daß neue Lieferverträge nicht mehr abgeschlossen werden können.

Der Kongreß

hat meine in Einzelheiten gehenden Vorschläge nicht verabschiedet und lediglich eine nach Umfang und Zeit begrenzte Vollmacht bezüglich der Erweiterung
des Werkes Portsmouth erteilt.

Wir brauchen weitergehende Vollmachten, um un-

verzüglich mit der Expansion der Kapazität vorankommen TU können.
- Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um die Gewähr zu
schaffen, daß die Gesetzgebung zur Verbesserung unserer Ausfuhrkontrollen
Vorkehrungen einschließt, die die maximale Gewähr bieten, daß die Vereinigten
Staaten ein zuverlässiger Lieferant für andere Nationen während der gesamten
Zeit der Gültigkeit von Liefervereinbarungen sein wird.
Eine

der Hauptsorgen bezüglich der Exportgesetzgebung, die dem letzten

Kongreß vorgeschlagen worden war, stand im Zusammenhang mit der Befürchtung,
ausländische Kunden könnten willkürlich Kontrollen unterworfen werden, die
nach Unterzeichnung langfristiger Vereinbarungen und Lieferverträgen bezüg- 16 -

�bezüglich Kernkraftwerken und -brennstoffen verhängt werden.

Im Falle von

Kernanlagen und -brennstoffen sind verläßliche langfristige Vereinbarungen
dringend angezeigt, und wir müssen unsere Exportkontrollen dieser Tatsache
anpassen, damit sie einerseits die Verläßlichkeit garantieren und andererseits unseren Zielsetzungen auf dem Gebiet der Nicht-Proliferation Genüge
leisten.

V., Internationale Kontrollen zur Verhütung der Proliferation

Um die vorerwähnten politischen Maßnahmen zu verstärken, müssen wir
Mittel und Wege finden, internationale Beschränkungen bezüglich der Ansammlung von Plutonium zustandezubringen - ob in der Form von abgetrenntem Plutonium oder in Form von Plutonium in nicht aufbereiteten ausgebrannten Brennstoffen.

Die Anhäufung von Plutonium,insbesondere abgetrennten Plutoniums,

unter nationaler Überwachung, ist eines der wichtigsten Proliferationsris i ken.
- Ich weise den Außenminister an, raschestens Gespräche einzuleiten,
die die Schaffung einer neuen internationalen Regelung für die Lagerung von
Plutonium aus dem zivilen Bereich und von ausgebrannten Reaktorbrennstoffen
zum Ziel haben.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Vorschlag der Internationalen
Energiebehörde (IAEA) und anderen interessierten Nationen bereits im Frühjahr dieses Jahres unterbreitet.
Die Schaffung einer solchen Regelung wird das Vertrauen der Welt erheblich stärken, daß die zunehmenden Mengen von überschüssigem Plutonium und
von

Abbrandelementen

bis zur Wiedereinschleusung in den nuklearen

Brennstoffzyklus oder bis zu einer anderweitigen gefahrlosen Beseitigung
sicher gelagert werden können.

Ich fordere die IAEA, die zur Schaffung von
- 17 -

�von Plutonium-Deponien ermächtigt ist, dringend auf, dieses Konzept umgehend
zu verwirklichen.
Wenn eine weithin repräsentative IAEA-Regelung zur Lagerung dieser Stoffe
zustandekommt, sind wir bereit, unsere eigenen überschüssigen zivilen Bestände
an Plutonium und Abbrandelementen ihrer Kontrolle zu unterstellen. ,
Wir sind darüber hinaus bereit, die Bereitstellung geeigneter Lagerplätze für
eine internationale Lagerung unter den Auspizien der IAEA in Erwägung zu ziehen.
Das Inspektonssystem der IAEA bleibt ein Schlüsselelement in unserer
gesamten Nicht-Proliferationsstrategie.

Die Weltgemeinschaft muß sicherstellen,

daß die Internationale Atomenergiebehörde über die technischen und menschlichen
Hilfsquellen verfügt, derer sie bedarf, um ihren zunehmenden Verantwortlichkeiten gerecht zu werden.

Auf meine Anweisung hin haben wir kürzlich erheb-

liche zusätzliche Mittel bereitgestellt, um dem Ausbau des technischen
Sicherungsapparates der IAEA zu fördern, und ich glaube, wir sollten die
Sicherheitsfunktionen der IAEA weiter stärken.
- Ich weise den Außenminister und den Leiter der ERDA an, größtmögliche
internationale Anstrengungen zu unternehmen, um sicherzustellen, daß angemessene
Hilfsquellen für diese Zwecke bereitgestellt werden und daß wir unsere besten
wissenschaftlichen Talente zur Unterstützung jener Behörde mobilisieren.

Unsere

wichtigsten nationalen Laboratorien mit einschlägigen Erfahrungen sind angewiesen, dem IAEA-Sekretariat auf kontinuierlicher Basis Hilfestellung zu
leisten.
Die schreckliche Zunahme von Gewalt und Terror überall auf der Erde hat
unser Bewußtsein der dringend gebotenen Gewährleistung eines umfassenden
Schutzes vor aktivierungsfähigen nuklearen Materialien und den dazugehörigen
Ausrüstungen geschärft. Möglicherweise wird die Notwendigkeit, dieser Probleme
Herr zu werden, nunmehr von weiteren Kreisen anerkannt. Viele Länder sind
auf meine diesbezüglichen Initiativen eingegangen, indem sie ihre technischen
- 18 -

�technischer Sicherungsvorkehrungen erheblich verschärft und an der Entwicklung internationaler Richtlinien für die IAEA mitgearbeitet haben.

Als Er-

gebnis von Konsultationen unter den wichtigsten Lieferstaaten wurden Vorkehrungen zur Gewährleistung der technischen Sicherheit zu einer normalen
Lieferbedingung erhoben.
Wir haben in den Vereinigten Staaten ein wirksames System technischer
Sicherungen.

Dennoch sind Maßnahmen erforderlich, die technischen Sicherungs-

systeme weiterzuentwickeln und eine unverzügliche internationale Zusammenarbeit bei der Wiederbeschaffung verlorener oder entwendeter Materialien zu gewährleisten.
Ich habe den Außenminister angewiesen, sich dem Problem der technischen
Sicherheit sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene zu widmen
und die Möglichkeit zum Abschluß einer internationalen Konvention energisch
zu sondieren.
Die Vereinigten Staaten haben die Entwicklung des Systems internationaler Kontrollen, das ich hier umrissen habe, zugesichert.

Selbst nach Ab-

schluß des Aufbaus wird ein Kontrollsystem nur wirksam sein, wenn hinsichtlich potentieller Verstöße die Auffassung herrscht, daß der Erwerb von Kernsprengstoffen von der Völkergemeinschaf

nicht mit Gleichgültigkeit hingenommen

werden wird.
Jede ernsthafte Verletzung einer nuklearen Sicherheitsvereir.barung
- insbesondere die Abzweigung von nuklearem Material für die Herstellung
von Sprengstoffen - muß universell als ein äußerst schwerwiegendes Vergehen
gegen die Weltgemeinschaft angesehen werden, das die sofortige Verhängung
drastischer Sanktionen erfordert.
Ich kündige heute an, daß die Vereinigten Staaten auf jeder Verletzung
von Sicherheitsvereinbarungen, die wir mitunterzeichnet haben, durch jedes
beliebige Land, mit der sofortigen Einstellung unserer Lieferungen von_
- 19 -

�von nuklearen Brennstoffen und unserer Zusammenarbeit mit ihm reagieren
werden.
Wir würden darüber hinaus auch noch weitergehende Maßnahmen, die sich
nicht notwendigerweise auf das Gebiet der nuklearen Zusammenarbeit beschränken müssen, gegen die des Vertragsbruchs schuldige Nation in Erwägung ziehen.
Und unsere Aktionen würden sich auch nicht auf die Verletzung von Abkommen
beschränken, an denen wir direkt beteiligt sind.

Im Falle ernsthafter Ver-

letzungen irgendwelcher Sicherheitsvereinbarungen, insbesondere aber von Abkommen mit der IAEA, werden wir umgehend Konsultationen mit allen interessierten Nationen aufnehmen, um eine Entscheidung über angemessene Maßnahmen herbeizuführen.
Die internationale Anerkennung der vollständigen Unannehmbarkeit der
Aufkündigung oder Verletzung von Nicht-Pro!iferationsvereinbarungen ist
einer der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um eine weitere
Proliferation zu verhindern. Wir fordern alle interessierten Regierungen
auf, öffentlich zu bekräftigen, daß sie jeder nuklearen Verfehlung als eine
untragbare Verletzung anerkannter Normen des internationalen Verhaltens betrachten werden, die umgehend strenge Gegenmaßnahmen auslösen würde.

VI. Die Nuklear-Exportpolitik der Vereinigten Staaten
Während der letzten beiden Jahre haben die Vereinigten Staaten ihre
eigene Nuklear-Exportpolitik gefestigt.
jedoch nicht nur auf Kontrollen.

Unsere Interessen beschränken sich

Die Vereinigten Staaten tragen eine be-

sondere Verantwortung, sich mit anderen Ländern in die Segnungen der friedlichen Atomenergie zu teilen.

Wir waren stets bemüht, anderen Nationen als

verläßlicher Lieferant von Nuklearbrennstoffen und den dazugehörigen Ausrüstungen zu dienen.

Wo immer wir vor der Wahl zwischen wirtschaftlichen Vorteilen

und Fortschritten in Richtung auf unsere Nicht-Proliferationsziele standen,
- 20 -

�standen, haben wir der Nicht-Proliferation Vorrang eingeräumt und wir werden
dies auch weiterhin tun.

Es sollte jedoch keine Unvereinbarkeit zwischen

Nicht-Proliferation und dem Bemühen bestehen, anderen Nationen dabei zu helfen, ebenfalls der Segnungen der friedlichen Kernkraft teilhaftig zu werden,
sofern alle Lieferstaaten eine gemeinsame Nuklearexportpolitik betreiben. Es
besteht allerdings die Notwendigkeit, noch strengere Kontrollen als die bisher
ausgeübten zu verhängen, und es besteht ferner die Notwendigkeit, politische
Richtlinien zu vereinbaren, die jene Nationen begünstigen,die aus Verantwortungsbewußtsein heraus Nicht-Proliferationsbeschränkungen auf sich nehmen.
- Ich habe beschlossen, daß wir fortan neue Kriterien zur Beurteilung
der Frage anwenden, ob wir einer neuen oder erweiterten Kooperationsvereinbarung beitreten oder nicht. Die Einhaltung des Abkommens über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen wird ein starker positiver Faktor sein, der
die Zusammenarbeit mit Staaten begünstigt, die nicht im Kernwaffenbesitz sind.
Staaten, die keine Kernwaffen besitzen und das Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen nicht befolgt haben, werden positive Berücksichtigung finden, wenn sie bereit sind, bis zur Befolgung des Abkommens
den gesamten Brennstoffzyklus den SicherheitsVorkehrungen zu unterwerfen.
Wir werden Empfängernationen begünstigen, die bereit sind, auf die Errichtung nationaler Aufbereitungs- oder Anreicherungskapazitäten zu verzichten
oder diese langfristig hinauszuschieben, und auch solche, die in besonders gelagerten Fällen bereit sind, ihre Aufbereitungs- und Anreicherungsanlagen und
den Zeitpunkt ihres Baus so auszulegen, daß sie den Bedürfnissen der NichtProliferation Rechnung tragen.
Positive Anerkennung werden wir auch jenen Nationen zollen, die bereit
sind, sich an einer internationalen Lagerregelung zu beteiligen, derzufolge
ausgebrannte Brennstoffe und alles abgetrennte

Plutonium bis zu deren Ver-

wendung unterstellt würde.
Es
- 21 -

�Es mag Sonderfälle geben, in denen der Nicht-Proliferierung am ehesten
durch die Zusammenarbeit mit Ländern gedient wird, die diesen Anforderungen
noch nicht genügen.

Ich versichere jedoch, daß der Kongreß nicht ersucht

werden wird, ein neues oder geändertes Abkommen zu billigen, das nicht diesen
neuen Kriterien entspricht, sofern ich nicht persönlich dahingehend entscheide,
daß eine diesbezügliche Vereinbarung unsere Ziele im Bereich der Nicht-Proliferation voll und ganz unterstützt.

Im Falle einer solchen Entscheidung werde

ich dem Kongreß meine Gründe rückhaltlos darlegen.
- Bezüglich der Länder, die gegenwärtig Empfänger amerikanischer Nuklearlieferungen sind, weise ich den Außenminister an, Verhandlungen mit dem
Ziel aufzunehmen, diese Vereinbarungen auf die international vereinbarten
Richtlinien abzustimmen und durch diplomatische Initiativen und auch mit
Brennstofflieferungen gekoppelte Anreize zu versuchen, deren Zustimmung zu
unseren neuen Kriterien zu erlangen.
Wir müssen die Notwendigkeit effektiver multilateraler Nicht-Proliferationsvorkehrungen anerkennen und sicherstellen, daß Nuklear-Exportkontrollen
nicht zu einem Element des kommerziellen Wettbewerbs werden.
- Ich weise den Außenminister an, die Erörterungen mit anderen Nuklearlieferstaaten zu intensivieren, die darauf abzielen, die gemeinsamen Richtlinien für friedliche kooperative Vereinbarungen dahingehend zu erweitern,
daß sie mit diesen Kriterien übereinstimmen.
In diesem Zusammenhang wären die Vereinigten Staaten bereit, Mittel
und Wege zur Entwicklung von Anreizen in Erwägung zu ziehen, die zur Annahme
dieser Kriterien führen können, darunter die Gewährleistung von Brennstofflieferungen an solche Nationen, die die neuen Beschränkungen akzeptieren.
Die Zuverlässigkeit amerikanischer Zusicherungen an andere Nationen
ist ein Aktivposten* dem wenige Länder der Erde, wenn überhaupt eines,
Gleichwertiges entgegensetzen können. Wir dürfen ihn nicht verspielen. Nichts
- 22 -

�Nichts könnte in der Tat unsere Bemühungen zur Stärkung der bestehenden
Nicht-Proliferationsvereinbarungen mehr gefährden, als die willkürliche Aussetzung oder unbegründete Verzögerung der Einhaltung von Lieferverpflichtungen gegenüber Ländern, die in bezug auf wirksame Sicherheitsmaßnahmen
und -beschränkungen in gutem Glauben mit uns zusammenarbeiten.
Trotz meiner persönlichen Bemühungen, vertagte sich der 94. Kongreß,
ohne das Nuklearexportgesetz zu verabschieden, das unsere Position in Nuklearverhandlungen mit anderen Nationen erheblich gefestigt hätte.
- Angesichts des Fehlens eines solchen Gesetzes weise ich den Außenminister an, eng mit der Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde (Nuclear
Regulatory Commission - NRC) zusammenzuarbeiten, um eine angemessene Berücksichtigung der Nicht-Proliferationsbelange beim Lizenzierungsverfahren für
Nuklear-Exporte sicherzustellen.
Ich werde auch weiterhin darauf hinarbeiten, im Kongreß eine von beiden
Parteien getragene Unterstützung der Bemühungen zur Verbesserung unserer
Nuklear-Exportgesetzgebung zu erreichen.

VII. Ein Programm zur Beurteilung der Frage der Wiederaufbereitung
Die Weltgemeinschaft verlangt nach einem aktiven Programm zur Entwicklung der internationalen Kontrollen und kooperativen Regelungen, die ich vorstehend aufgezeigt habe. Ich bin bereit, ein solches Programm in den Vereinigten Staaten zu entwickeln.
- Ich weise den Leiter der ERDA an,
umgehend damit zu beginnen, ein Programm zur Beurteilung der Frage der
Wiederaufbereitung und der Wiederverwendung von Kernmaterial auszuarbeiten, das
- 23 -

�das im Einklang mit den in dieser Erklärung umrissenen internationalen
Zielsetzungen steht.

Dieses Programm soll die laufenden Überlegungen der

Nuklearen Aufsicht- und Lizenzbehörde bezüglich der technischen Sicherheit,
der internationalen Sicherheitsvorkehrungen und der Umweltschutzerfordernisse bei der Aufbereitung und Wiederaufbereitung und insbesondere die Erklärung des NRC bezüglich spezifischer Umweltschäden auf Grund der Verwendung gemischter Oxidbrennstoffe berücksichtigen; und
die Möglichkeit der Rückgewinnung des Energieanteils an Abbrandelementen
ohne Abtrennung des Plutoniums zu untersuchen.
- Ich weise den Außenminister an, andere Länder zur Teilnahme an der
Planung und Durchführung des ERDA-Programms zur Beurteilung von Verfahren
zur Aufbereitung und Wiederverwendung von Brennstoffen aufzufordern, insoweit dies mit unseren Zielsetzungen hinsichtlich der internationalen Zusammenarbeit auf dem Energiesektor und den Zielen der Nicht-Proliferation vereinbar
ist.

Ich werde anordnen, daß alle Maßnahmen, die in den Vereinigten Staaten

im Zusammenhang mit diesem Programm getroffen werden, den IAEA-Sicherheitsvorschriften und -inspektionen voll und ganz unterworfen werden.
•

.

VIII. Die Lagerung von nuklearem Abfall
Der Teil unseres heimischen Nuklearprogramms, der die langfristige
Lagerung von nuklearem Abfall aus unseren kommerziellen Kernkraftwerken betrifft, hat in der Vergangenheit nicht genügend Aufmerksamkeit erfahren. In
meinem Voranschlag für das Haushaltjahr 1977 schlug ich eine Erhöhung der
Haushaltmittel für dieses Programm das in den Tätigkeitsbereich mehrerer Bundesbehörden hineinreicht, um das Vierfache vor. Wir haben kürzlich eine abermalige Überprüfung des Programms vorgenommen, um festzustellen, welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind, um sicherzustellen, daß Mitte der achtziger Jahre im Bundesbesitz befindliche und vom Bund betriebene Deponien für
- 24 -

�für die langfristige Lagerung von nuklearem Abfall zur Verfügung stehen,
noch ehe sich beträchtliche Mengen solcher Abfallstoffe ansammeln.
Es wurde mir versichert, daß die Technologie für die langfristige Lagerung oder Beseitigung von muklearem Abfall verfügbar ist, daß aber notwendig sei, Demonstrationsprojekte zu errichten.
- Ich habe den Leiter der ERDA angewiesen, die notwendigen Schritte zu
unternehmen, um dieses Programm zu beschleunigen, damit bis 1978 alle Komponeten der Technologie der Abfall Verwahrung und bis 1985 eine vollständige Deponie für solche Abfälle als Demonstrationsvorhaben in der Praxis zur Verfügung stehen.
- Ich habe ferner angeordnet, daß bei der NRC Antrag auf Lizenzierung
der ersten Demonstrations-Deponien für hochgradigen Abfall, die im Besitz der
Regierung sein wird, gestellt wird, um deren technische Sicherheit und die
Vereinbarkeit mit den Erfordernissen des Schutzes der Bevölkerung zu gewährleisten.
Im Hinblick auf die heute bekanntgegebenen Entscheidungen habe ich den
Leiter der ERDA ferner angewiesen, die Gewähr zu schaffen, daß die Abfalldeponien in der Lage sein werden, auch Abbrandelemente sowie getrennte und verfestigte Abfallstoffe aufzunehmen, die anfallen würden, falls wir die Wiederaufbereitung nuklearer Brennstoffe weiter betreiben.
Die Vereinigten Staaten spielen auch künftig auf dem Gebiet der Beseitigung von nuklearem Abfall die führende Rolle in der Welt.

Ich fordere an-

dere Nationen auf, sich an unseren Programmen zu beteiligen

und daraus zu

lernen.
- Ich weise den Außenminister an, mit anderen Ländern und mit der IAEA
die Möglichkeit der Errichtung zentral gelegener und auf multinationaler Basis
zu betreibender Deponien für nukelaren Abfall zu erörtern, damit die Zahl der
- 25 -

�der hierzu benötigten Lagerplätze begrenzt werden kann.

Die zunehmende Verwendung von Kernenergie in den Vereinigten Staaten
Trotz aller Anstrengungen zur Einsparung von Energie wird die Energienachfrage in den Vereinigten Staaten auch weiterhin auf Grund des zunehmenden
Energiebedarfs einer expandierenden Volkswirtschaft

steigen.

Die ein-

zige Alternative zu einem zunehmenden Einsatz von Kernenergie und Energie aus
Kohle für die nächsten 15 bis 20 Jahre wäre eine Vertiefung unserer Abhängigkeit von öleinfuhren, die die Stärke und das Wohlergehen unseres Landes gefährden würde.
Es werden heute in den Vereinigten Staaten 62 lizenzierte Kernkraftwerke
betrieben, auf die ungefähr neun Prozent an der US-Elektrizitätserzeugung entfallen. Bis 1985 werden wir 145 bis 160 Kernkraftwerke besitzen, die 20 Prozent oder mehr der Elektrizitätserzeugung unseres Landes bestreiten werden.
In vielen Fällen ist Elektrizität aus Kernkraftwerken merklich billiger
als Elektrizität aus öl- oder kohlebeheizten Kraftwerken. Kernenergie ist im
Hinblick auf die Erfordernisse des Umweltschutzes anderen Formen der Stromerzeugung in mehrerer Hinsicht vorzuziehen.
Die kommerziellen Kernkraftwerke genießen, was die Sicherheit angeht,
einen ausgezeichneten Ruf, haben sie doch in nahezu 200 Betriebsjahren (die
Betriebszeit aller Kernkraftwerke in 18 Jahren zusammengerechnet) nicht einen
einzigen Todesfall als Folge eines nuklearen Betriebsunfalls zu verzeichnen.
Ich habe Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen,daß dieser gute Ruf auch in
Zukunft gewahrt werden kann. So habe ich beispielsweise die Haushaltansätze
der selbständigen Nuklearen Aufsichts- und Lizenzbehörde und der Behörde für
Energieforschung und -entwicklung für Zwecke der Sicherheitsforschung aufgestockt.
Die
- 26 -

�Die Entscheidungen und Maßnahmen, die ich heute bekanntgebe, werden
mit dazu beitragen, bestehende Unsicherheiten zu beseitigen, die bisher dazu
geführt haben, eine umfassendere Nutzung der Kernenergie in den Vereinigten
Staaten hinauszuzögern.

Eine wie große Bedeutung der Entscheidung, die Wieder-

aufbereitung aufzuschieben, auch zukommen mag, wird sie uns nicht an der zunehmenden Nutzung der Kernenergie hindern.

Wir sind in Amerika mit unserem

Kernenergieprogramm auf dem richtigen Weg.

Die Änderungen, die ich heute be-

kanntgebe,

schaffen die Gewähr, daß wir auf diesem Wege fortfahren.

Meine heutigen Entscheidungen haben keinerlei Auswirkungen auf das
amerikanische Forschungs- und Entwicklungsprogramm um Brutreaktoren. Dieses
Programm beruht auf der Annahme, daß vor 1986 keine Entscheidung über den
kommerziellen Betrieb von Brutreaktoren, die Plutoniumbrennstoffe erfordern,
getroffen werden wird.

Schlußbemerkung
Ich unterschätze die Herausforderung, vor die uns die Schaffung eines
weltweiten Programms zur Nutzung der Vorteile der Kernenergie bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des erforderlichen Schutzes vor einer nuklearen Proliferation stellt, nicht im geringsten. Es handelt sich hierbei um eine Herausforderung, der wir durch technische Maßnahmen nur teilweise und zeitweise begegnen können.
Sie ist nur dann voll und ganz zu meistern, wenn die Völker bereit sind,
auf offensichtliche kurzfristige Vorteile zugunsten grundlegender langfristiger
Erträgnisse zu verzichten. Wir fordern alle Nationen auf, zu erkennen, daß
ihren individuellen und kollektiven Interessen am ehesten durch international
gewährleistete und gesicherte Lieferungen von Kernbrennstoffen und die dazugehörigen Dienstleistungen und Lagerstätten gedient ist. Wir ersuchen sie,
von dem Bestreben abzulassen, nukleare Kapazitäten zu erwerben, die von zwei fei - 27 -

�I

I
zweifelhaftem wirtschaftlichem Wert sind und ominöse Implikationen bezüglich der nuklearen Proliferation und der Instabilität überall auf der Welt
haben.
Der zunehmende internationale Konsensus bezüglich der Notwendigkeit
der Verhinderung der Proliferation von Kernwaffen ist eine Quelle der Ermutigung, nicht aber ein Grund zur Selbstgefälligkeit.
Ein Erfolg in den Bemühungen, der Herausforderung zu begegnen, vor die
wir uns gestellt sehen, hängt von einer außerordentlichen Koordination der
Politik aller Nationen um des gemeinsamen Wohles willen ab.

Die Vereinigten

Staaten sind bereit, hierbei die Führungsrolle zu übernehmen, können aber für
sich allein nicht obsiegen.

Wenn die Nationen gemeinsam konstruktiv und im

Geist der Zusammenarbeit handeln, um die gemeinsamen Nuklearprobleme in den
Griff zu bekommen, werden wir damit unsere kollektive Sicherheit erhöhen.
Wir werden dann besser in der Lage sein, unsere Energien und unsere Hilfsquellen auf die große Aufgabe des Aufbaus zu verwenden, statt sie in einer
immer gefährlicheren Rivalität zu vergeuden.

�J. amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300
Telex:08-85432

21/1976

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR AMERIKANISCHEN NUKLEARPOLITIK
Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -

New York - (AD) - Jimmy Carter, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hat in einer Erwiderung auf die Erklärung von Präsident Ford zur
amerikanischen Nuklearpolitik am 28. Oktober seinerseits in einer Stellungnahme das Thema als durchaus der Erwägung eines Präsidenten w'ütdig, jedoch
als "zu wenig und zu spät" bezeichnet. Die in New York veröffentlichte
Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Wenngleich Präsident Ford schließlich und endlich erkannt hat, daß die
Ausbreitung von Kernwaffen eine Angelegenheit ist, die der Überlegungen eines
Präsidenten würdig ist, so ist doch seine heutige Erklärung zu wenig und
zu spät. Es handelt sich nur um ein schwaches Echo auf die starke und
verantwortungsbewußte Poltiik, die ich immer wieder zur Kontrolle der
nuklearen Proliferation vorgeschlagen habe.
In der Zeit der Präsidentschaft Fords haben drei Ereignisse stattgefunden,
die all denen recht gegeben haben, die eine Ausbreitung der Kernwaffen befürchten.
Indien hat eine Kernwaffe zur Explosio.. gebracht, ohne daß irgend eine
Maßnahme, ja auch nur ein formeller Protest seitens der Vereinigten Staaten
erfolgt wäre.

Unser eigenes

Außenministerium befürwortet noch immer neue

nukleare Verkäufe an Indien, obwohl Indien amerikanisches Material zur
Herstellung
- 1 -

�Herstellung seiner ersten Waffe benutzt hat und wir keine Zusicherungen
haben, daß es in Zukunft davon Abstand nehmen wird.
Die Franzosen haben sich bereit erklärt, Pakistan eine Anlage zu verkaufen, die dieses Land in die Lage versetzen würde, eine Bombe herzustellen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat einen ähnlichen Verkauf mit Brasilien
vereinbart.

Aber während der ganzen Verhandlungen über diese Verkäufe

haben es der Präsident und Außenminister Kissinger versäumt, im Namen
unseres Landes ihre Ablehnung zum Ausdruck zu bringen.

Im Gegenteil, der

heutige Vorschlag des Präsidenten enthält keinerlei Hinweise oder Vorschläge wie diese ernsten Proliferationsprobleme behandelt werden sollten.
Es fällt mir schwer zu glauben, daß der Zeitpunkt der Veröffentlichung
dieses Vorschlages nichts mit wähl politischen Erwägungen zu tun hat.

Ich

bedaure es, daß diese Erklärung nicht vor der außenpolitischen Debatte oder
zumindest vor unserer allgemeinen Debatte am Freitag veröffentlicht worden
ist.

Das amerikanische Volk hätte eine Chance verdient, die Unterschiede

zwischen unseren Auffassungen in einer Frage zu prüfen und zu werten, die
von lebenswichtiger Bedeutung für unsere nationale Sicherheit und den
Weltfrieden ist.
Ich möchte hier einige dieser Unterschiede aufzählen:
Als Nukleartechniker erkenne ich sehr wohl den Nutzen,aber auch die
Risiken nuklearer Energie. Während wir uns zwar weiterhin zur Deckung eines
Teils unseres Bedarfs an Strom auf Kernreaktoren werden verlassen müssen,
werde ich versuchen, unsere Abhängigkeit von dieser Energiequelle auf einem
Minimum zu halten. Mr. Ford dageqen befürwortet eine stärkere Nutzung von
Nuklearenergie in unserem eigenen Lande und in allen anderen Ländern der
Welt.
Nach meiner Überzeugung können Energieeinsparung und eine Verlagerung
auf Kohle unserem Lande wesentlich bei der Dekcung unseres Energiebedarfs
helfen

�helfen.

Mit seiner Befürwortung der Nuklearenergie legt Mr. Ford nur ein

Lippenbekenntnis zur Energieeinsparung und zum Ausbau der Kohle ab.
Ich bin nicht der Meinung, daß wir die Wiedergewinnung von Plutonium
für Waffen aus Reaktorbrennstoffabfall betreiben sollten, es sei denn, es
stellt sich eindeutig heraus, daß dies notwendig, sicher und wirtschaftlich
ist. Mr. Fords heutiger Vorschlag verschleiert nur dünn sein Interesse an
einem massiven Ein-Milliarden-Dollar-Regierungsprogramm für die Rückgewinnung von Plutonium durch eine sogenannte Anreicherung. Das "Wall Street
Journal" bezeichnete seinen Vorschlag, der bereits an die Presse durchgesickert war, als "einfach schrecklich". Ein solcher Vorschlag erklärt der
übrigen Welt - und unserem eigenen Volk - "tut das, was wir sagen, und
nicht das, was wir tun."
Ich bin der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten eine starke Führung
bieten und ihre eigenen Experten auf dem Gebiet nuklearer Brennstoffe und
der Nukleartechnologie einsetzen müssen, um andere Länder davon zu überzeugen, daß sie nicht nach der Technologie zur Herstellung der Bombe streben
oder daß si&lt;? diese Technologie nicht verkaufen« Mr 0 Ford zählt nur einige
wenige Kriterien auf, von denen er nicht einmal verspricht, sie auf alle
Länder anzuwenden, und er macht damit nicht einmal den Versuch, ernsthaft der
Verhütung der Ausbreitung der Kernwaffen verpflichtet zu erscheinen.
Hätte Mr. Ford seinen heutigen Vorschlag vor zwei Jahren unterbreitet,
dann wäre das ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Heute handelt es
sich um einen kurzsichtigen, von Wahlkamrferwägungen gleiteten Versuch, die
schwachen Leistungen der Vergangenheit zu korrigieren. Ich bin überzeugt,
daß das amerikanische Volk trotz der Kompliziertheit dieser Frage die fundamentalen Gefahren begreift, die in einer weiten Verbreitung der Verfügbarkeit von Kernwaffen liegt. Indien, Pakistan, Brasilien, Ägypten, Taiwan
und Korea haben alle ihr Interesse an der Bombe zum Ausdruck gebracht. Das
amerikanische Volk ist sich bewußt, daß wir mit der Korrektur eines bereits
ernsten Problems eine schwere Aufgabe vor uns haben. Die Entschuldigungen
des
- 3 -

�des Präsidenten, der Kongress habe versagt, wenn in Wirklichkeit das
•Weiße Haus sich gegen die Maßnahmen des Kongresses gestellt hat, werden
nicht ziehen.
Die Vorschläge, die ich im Mai dieses Jahres den Vereinten Nationen
und erneut im September dieses Jahres in San Diego unterbreitet habe, enthalten die festen Zusagen, die unser Land braucht, um die Vereinigten
Staaten - und alle anderen Nationen - von den unannehmbaren Gefahren eines
Atomkrieges und des nuklearen Terrorismus wegzuführen.

+

+

+

�</text>
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2. November 1976

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Fords zur Nuklearpolitik der Vereinigten Staaten

Erklärung Carters zur amerikanischen Nuklearpolitik
- Erwiderung auf die Veröffentlichung Fords -

l

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

1

HaiHi

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

2. November 1978
0=H=A=L=T

WIRTSCHAFT
Erklärung Carters zur Dollar-Stützung
- Wortlaut Blumenthal und Miller spezifizieren Maßnahmen zur Dollar-Stützung
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung Presseverlautbarung des Zentralbankrates zur Dollar-Stützung
- Wortlaut DOKUMENTATION
Carter legt Programm zur Bekämpfung der Inflation vor
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24. Oktober 1978 INFORMATION
Carter ernennt Alfred E. Kahn zum Leiter des Anti-Inflationsprogramms
Seignious und Earle Nachfolger von Warnke
HINTERGRUNDMATERIAL
Strengere Sicherheitsauflagen für die Schiffahrt
- Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfälle WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartiger Windgenerator
Energiespeichern mit Kohlendioxid
Bluttest auf Krebs im Frühstadium

Um Ubcf/endun9 von
ßcIcgcMcmplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wift/choft
International Communication Agency
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26

2. November 1978

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 1. November 1978 eine
Erklärung zur Dollar-Stützung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:

In der letzten Woche habe ich meine Regierung auf ein ausgewogenes, konzertiertes und langfristiges Programm zur Bekämpfung der Inflation festgelegt.
Dieses Programm erfordert wirksame Maßnahmen, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.

Die grundlegenden Faktoren, die die Stärke des Dollar angehen, weisen in
die richtige Richtung.

Der Kongreß hat ein Energieprogramm verabschiedet; un-

ser Außenhandelsdefizit schrumpft; und vergangene Woche habe ich ein starkes
Programm zur Bekämpfung der Inflation vorgelegt.

Der anhaltende Verfall des

Kurswertes des Dollar ist fraglos angesichts der grundlegenden wirtschaftlichen
Situation nicht gerechtfertigt.

Dieser Verfall gefährdet den wirtschaftlichen

Fortschritt hier in den USA und im Ausland sowie den Erfolg unseres Programms
zur Bekämpfung der Inflation.

Als ein wesentlicher Schritt im Rahmen des Programms zur Bekämpfung der

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�der Inflation ist es jetzt notwendig, zu handeln, um dem übermäßigen Verfall
des Dollar in jüngster Zeit Einhalt zu gebieten.

Deshalb leiten das Finanz-

ministerium und der Zentralbankrat gemäß meinem Ersuchen, starke Maßnahmen zu
treffen, Schritte sowohl auf den heimischen als auch den internationalen Geldmärkten ein, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.
Die internationalen Komponenten dieses Programmes wurden in Verbindung
mit anderen Regierungen und Notenbanken der hierfür wichtigen Länder entwickelt,
und diese wollen zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele voll und ganz mit den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten.
Finanzminister Blumenthal und der Präsident des Zentralbankrates Miller
werden umgehend detaillierte Maßnahmen ankündigen.

+ + + + +

�1

1
I

Wirt/chaft
International Communication Agency
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26

2. November 1978

BLUMENTHAL UND MILLER SPEZIFIZIEREN MASSNAHMEN ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal
und der Vorsitzende des US-Bundeszentralbankrates G. William Miller kündigten
am 1. November 1978 in einer gemeinsamen Erklärung folgende Maßnahmen zur Stützung des Dollar an:
Der jüngsteAusschlag des Dollarkurses übertraf nicht nur jede Abwärtsbewegung, die in irgendeinem Zusammenhang mit grundlegenden Faktoren steht, sondern behindert zweifelsohne jeden Fortschritt in Richtung auf Preisstabilität
und verschlechtert das Klima für Investitionen und Wachstum. Der Zeitpunkt
ist gekommen, diese Entwicklung zu stoppen. Das Finanzministerium und der Zentralbankrat geben heute umfassende korrektive Aktionen bekannt.
Ober die inneren Maßnahmen des Zentralbankrates hinausgehend werden die
Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit den Regierungen und Notenbanken Deutschlands und Japans sowie der Schweizerischen Nationalbank nachdrücklich und in koordinierter Weise mit den Beträgen intervenieren, die erforderlich sind, um die
Situation zu bessern.

Die Vereinigten Staaten bieten für Zwecke ihrer Beteili-

gung an der koordinierten Interventionstätigkeit auf dem Markt Geldmittel in

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�in Höhe von 30 Milliarden Dollar in den Währungen dieser drei Länder auf.
Darüber hinaus wird das Finanzministerium beginnend Dezember seine Goldverkäufe auf mindestens 1,5 Millionen Unzen pro Monat steigern.
Die Maßnahmen zur Mobilisierung von Devisen, die in dem beigefügten Anhang dargestellt werden, schließen ein:

die Inanspruchnahme der Tranche des

amerikanischen Zentralbanksystems im Internationalen Währungsfonds,wobei wir
für einen Teil derselben davon ausgehen, daß die Allgemeinen Kreditvorkehrungen
(General Arrangements to Borrow - GAB) aktiviert werden; den Verkauf von Sonderziehungsrechten; die Erweiterung der SWAP-Fazilitäten der Notenbanken; und
die Begebung von Anleihen in fremder Währung durch das US-Finanzministerium.
Die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen und die Wachstumstrends in den
vier Ländern verändern sich in Richtung auf ein besseres internationales Gleichgewicht.

Das gibt einen besseren Rahmen für die Wiederherstellung stabilerer

Devisenmärkte und eine Korrektur der jüngsten übermäßigen Wechselkursschwankungen ab.

Anhang
A. Maßnahmen im Rahmen des Internationalen Währungsfonds.
1. Inanspruchnahme der Tranche des amerikanischen Zentralbanksystems:
3 Milliarden Dollar.
(Die Vereinigten Staaten können DM oder Yen im Gegenwert von zusammen
2 Milliarden Dollar unmittelbar in Anspruch nehmen.

Eine Inanspruchnahme des

Gegenwerts von zusätzlich einer Milliarde Dollar kann kurz darauf erfolgen,
für die eine Aktivierung der Allgemeinen Kreditvorkehrungen (GAB) ins Auge gefaßt ist.)
2. Verkauf von Sonderziehungsrechten:
2 Milliarden Dollar.
B. Maßnahmen

�B. Maßnahmen zur Aufstockung der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems.
1. Erhöhung der SWAP-Kreditlinien bei der Deutschen Bundesbank auf
6 Milliarden Dollar
2. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Bank von Japan auf
5 Milliarden Dollar.
3. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Schweizerischen Nationalbank auf
4 Milliarden Dollar.
C. Begebung von Anleihen in fremder Währung bis zur Höhe von 10 Milliarden
Dollar.
Insgesamt
30 Milliarden Dollar.
(Von diesem Gesamtbetrag wurden annähernd 1,8 Milliarden Dollar im Zuge
früherer Operationen aufgrund der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems in
Anspruch genommen; er schließt jedoch die SWAP-Fazilität des Finanzministeriums
bei der Deutschen Bundesbank aus.)

- 3 -

�1

Wirt/chaft
»

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2. November 1978

PRESSEVERLAUTBARUNG DES ZENTRALBANKRATES ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundeszentralbankrat gab am 1.
November 1978 im Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen zur Stützung des
Dollar folgende Presseverlautbarung heraus:

Das Finanzministerium und der Bundeszentralbankrat kündigten heute Maßnahmen an, die darauf abzielen, den Dollar zu stärken und damit den anhaltenden inneren inflatorischen Pressionen entgegenzuwirken.

Der Zentralbankrat hat folgende spezifische Schritte angekündigt:

- Genehmigung einer einprozentigen Heraufsetzung des Diskontsatzes durch
die Bundeszentralbank New York von 8,5 auf 9,5 Prozent mit sofortiger Wirkung.
Der Diskontsatz ist der Zinssatz, den Mitgliedbanken des Zentralbanksystems
auf Geld zu bezahlen haben, das sie bei der für sie zuständigen DistriktsReservebank aufnehmen.

- Einführung einer über die derzeitige Hinterlegungspflicht der Mitgliedbanken hinausgehenden zusätzlichen Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent

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�2 Prozent aller Termineinlagen in Höhe von 100 000 Dollar und darüber.
- Aufstockung der reziproken Devisenarrangements (SWAP) des Zentralbanksystems mit den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz um 7,6 Milliarden Dollar auf 15 Milliarden Dollar und Aktivierung des SWAP-Arrangements
mit der Bank von Japan.

Die aufgrund dieser erweiterten Arrangements verfüg-

baren Devisen sollen zusammen mit anderen, dem Finanzministerium zur Verfügung stehenden Devisen im Rahmen des Programms einer nachhaltigen Intervention
auf den Devisenmärkten in Zusammenarbeit mit ausländischen Notenbanken dazu
benutzt werden, um den derzeitigen übermäßigen Wechselkursbewegungen Einhalt
zu gebieten.
- Die zusätzliche Hinterlegungspflicht gilt beginnend mit Donnerstag,
dem 2. November, für alle außenstehenden Termineinlagen der genannten Größenordnung, für die die Hinterlegung in spätestens zwei Wochen zu erfolgen hat.
Die bisherige Hinterlegungspflicht schwankt zwischen 1 Prozent für langfristige
Einlagen und 6 Prozent für auf weniger als 6 Monate befristete Einlagen.

Die

zusätzliche Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent betrifft sämtliche
Termineinlagen dieser Größe unabhängig von deren Fälligkeit; sie bedeutet die
Hinterlegung von zusätzlich etwa 3 Milliarden Dollar.
- Die Hinterlegungspflicht wird dazu beitragen, die relativ rasche Expansion des Kreditgeschäfts der Banken in der jüngsten Zeit zu verlangsamen.
Sie wird ferner den Mitgliedbanken einen erhöhten Anreiz bieten, Geldmittel
im Ausland aufzunehmen und damit den Dollar durch Belebung der Dollarnachfrage
auf den Euro-Märkten zu stärken.
- Ein SWAP-Arrangement ist eine erneuerungsfähige kurzfristige Fazilität,
gemäß der sich eine Notenbank bereit erklärt, die Währung der anderen Partei
bis zur vereinbarten Höhe gegen eigene Währung einzutauschen. In allen reziproken
Währungsarrangements handelt die Reservebank von New York unter Anleitung des
Offenmarkt-Ausschusses des Zentralbanksystems federführend für das Zentralbanksystem. Die reziproken Währungsarrangements des Zentralbanksystems mit den

- 2 -

�0
den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz beziffern sich gegenwärtig wie folgt:

Deutsche Bundesbank:

6 Milliarden Dollar; Bank von Japan:

5 Milliarden Dollar; und Schweizerische Nationalbank:

+ + + + +

4 Milliarden Dollar.

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

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CARTER LEGT PROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG DER INFLATION VOR
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24.Oktober 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 in
einer Fernsehansprache sein Progranm zur Bekämpfung der Inflation erläutert.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend mit Ihnen offen über unser ernstestes innenpolitisches Problem sprechen.

Dieses Problem ist die Inflation.

Die Inflation

kann wirtschaftliche Erfolge gefährden, die wir erzielt haben, und sie kann
dem im Wege stehen, was wir in der Zukunft zu erreichen wünschen.
Es handelt sich um eine seit langem bestehende Bedrohung.
Während der letzten zehn Jahre betrug die jährliche Inflationsrate durchschnittlich 6 1/2 Prozent, und in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme
hatte sie sich auf durchschnittlich 8 Prozent erhöht.
Die Inflation war deshalb, seit ich Präsident geworden bin, für mich ein
ernstes Problem.

Wir haben versucht, sie unter Kontrolle zu bringen, hatten

aber keinen Erfolg dabei.

Es ist jetzt für uns alle an der Zeit, größere und

koordiniertere Anstrengungen zu unternehmen.

w

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�Wenn die Inflation sich weiter verschlimmert, werden verschiedene Dinge
passieren.

Ihre (der Bürger) Kaufkraft wird sich weiterhin verringern, und

der größte Teil dieser Belastung wird von jenen getragen werden müssen, die
sich dies am wenigsten leisten können.
Schaden erleiden.

Unsere nationale Produktivität wird

Der Wert unseres Dollar im Welthandel wird weiter sinken.

Wir haben während der letzten 21 Monate gute Fortschritte dabei erzielt,
Arbeitsplätze für unsere Bevölkerung zu schaffen.

Wir haben mehr als sechs

Millionen neuer Stellen für den amerikanischen Arbeiter bereitgestellt.

Wir

haben die Arbeitslosenrate um etwa 25 Prozent gesenkt, und wir werden unsere
Bemühungen um einen Abbau der Arbeitslosigkeit insbesondere unter unseren jungen Menschen und den Minderheiten weiterhin

fortsetzen.

Ich muß Ihnen heute abend jedoch sagen, daß die Inflation diese Fortschritte gefährdet.

Wenn wir die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen,

dann werden wir nicht in der Lage sein, die Arbeitslosigkeit weiterhin zu verringern, und möglicherweise machen wir dann sogar Rückschritte.
Die Inflation ist ganz ohne Frage ein ernstes Problem.

Welche Lösung

gibt es?
Ich weiß auch keine Antwort auf alle Fragen.

Niemand weiß sie.

Vielleicht gibt es überhaupt keine komplette und ausreichende Antwort,
aber ich möchte Sie wissen lassen, daß die Bekämpfung der Inflation während
der vor uns liegenden Monate ein zentrales Anliegen für mich sein wird, und
ich möchte an unsere Nation appellieren, sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.
Es gibt zwei allzu einfache und vertraute Antworten, die manchmal angeboten werden - einfach, zu vertraut und zu extrem.

Eine dieser Antworten be-

stünde darin, seitens der Bundesregierung ein kompliziertes Schema von Lohnund Preiskontrollen über unser gesamtes freies Wirtschaftssystem zu verhängen.
Die
- 2 -

�Die andere würde eine bewußt herbeigeführte Rezession bedeuten, die Millionen von Menschen arbeitslos machen würde.
Beide Vorschläge würden zu keinem Erfolg führen und müssen daher abgelehnt werden.
Ich habe während der letzten Monate viele Stunden damit zugebracht, gemeinsam mit meinen eigenen Beratern und mit einer Reihe von Experten von außerhalb der Regierung jeden Vorschlag, jede Empfehlung und jede Möglichkeit für
eine Beseitigung der Inflation zu prüfen.
Dabei habe ich eines über jeden Zweifel hinaus gelernt, daß es nämlich
kein Patentrezept für die Lösung des Inflationsproblems gibt.
Was es allerdings gibt, ist eine Reihe von Teillösungen. Einige davon
werden Erfolg bringen, andere vielleicht nicht. Aber wir haben keine andere
Wahl, als die besten uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu benutzen
und weiterhin die Suche nach zusätzlichen Maßnahmen, die vielleicht wirksam sein
könnten, fortzusetzen.
Ich möchte heute abend mit Ihnen über einige der Mittel und Wege sprechen,
die wir entwickeln konnten.
Einige dieser Faktoren liegen im Bereich meiner Machtbefugnis als Präsident, vor allem was Maßnahmen der Regierung anbetrifft, und ich werde darauf
bestehen, daß die Regierung ihren Anteil an diesem Bemühen leistet.
Ob aber unsere Anstrengungen erfolgreich sein werden, wird letztlich genauso von Ihnen wie von mir abhängen.
Ihre Entscheidung, die Sie täglich an Ihrer Tankstelle, in Ihrem Kaufhaus,
in Ihrer beruflichen Tätigkeit oder auf Ihren Gewerkschaftsversammlungen treffen,
werden genauso entscheidend sein

für die Antwort unseres Landes auf die Infla-

tion, wie die Entscheidungen, die hier im Weißen Haus oder im Kapitol durch den
- 3 -

�den Kongreß getroffen werden.
Ich kann nicht garantieren, daß unsere gemeinsamen Anstrengungen Erfolg
haben werden.

Ja, es ist fast gewiß, daß sie keinen Erfolg haben werden, wenn

man unter Erfolg rasche oder dramatische Veränderungen versteht.

Jede freie

Regierung auf dieser Welt muß sich mit dem Problem der Inflation auseinandersetzen

und jede von ihnen weiß, daß eine langanhaltende Krankheit eine lang-

fristige Behandlung erfordert.

Es liegt bei uns, alle nur möglichen Verbes-

serungen zu erreichen, selbst wenn wir dabei einen teilweisen Fehlschlag riskieren, statt einen Fehl schlag mit Sicherheit in Kauf zu nehmen, weil wir überhaupt nichts versuchen.
Ich werde meine Anstrengungen auf die Regierung konzentrieren.

Wir alle

wissen, daß die Regierung nicht die einzige Ursache der Inflation ist.

Aber

sie ist eine der Ursachen, und die Regierung muß nun einmal ein Beispiel setzen.

Daher muß sie auch bei der fiskalischen Zurückhaltung die Führung er-

greifen.
- Wir werden die Regierungsausgaben niedrig halten, das Defizit im Staatshaushalt verringern und Verschwendung in der Regierung beseitigen.
- Wir werden einen teilweisen Einstellungsstop für den Bundesdienst verfügen und die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden unsere Wirtschaft wieder mehr unter das Zeichen des Wettbewerbs rücken.
- Und wir werden uns gegen jede weitere Senkung der Bundeseinkommenssteuern wenden, solange nicht überzeugende Aussichten dafür bestehen, daß wir
die Inflation in den Griff bekommen.
Lassen
- 4 -

�Lassen Sie mich erklären, was jeder dieser Schritte bedeutet.
Das Defizit der Bundesregierung ist zu hoch.

Unser Volk hat die ver-

schwenderischen Bundesausgaben sowie die Inflation, die damit verbunden ist,
einfach satt und ist ihrer müde.
Wir haben bereits einige Erfolge erzielt. Seit ich mich um das Präsidentenamt beworben habe, haben wir das Defizit um ein Drittel gesenkt - und zwar von
mehr als 66 Milliarden Dollar im Finanzjahr 1976 auf etwa 40 Milliarden Dollar
im Finanzjahr 1979; eine Verringerung von mehr als 25 Milliarden Dollar in
nur drei Jahren.
Es wird weiter gesenkt werden. Im nächsten Jahr plane ich bei einer
starken Zurückhaltung in den Bundesausgaben und einem zu erwartenden mäßigen
Wirtschaftswachstum, das Haushaltsdefizit um weniger als die Hälfte seit meiner
Bewerbung um das Präsidentenamt zu reduzieren, nämlich auf 30 Milliarden Dollar
oder weniger.
Die Regierung hat einen zu großen Anteil dessen, was unser Land produziert, ausgegeben. Während meines Wahlfeldzuges habe ich versprochen, den Regierungsanteil an unseren gesamten nationalen Ausgaben im Finanzjahr 1981 von
23 Prozent auf 21 Prozent zu kürzen.
Wir planen nunmehr, dieses Ziel bereits ein Jahr früher zu erreichen.
Der Abbau des Defizits macht schwierige und unangenehme Entscheidungen
erforderlich.
Wir werden in unserem Lande den Gürtel enger schnallen müssen.

Harte Ent-

scheidungen sind notwendig, wenn wir Konsequenzen vermeiden wollen, die noch
schlimmer sind.
Ich habe die feste Absicht, diese harten Entscheidungen zu treffen.

- 5 -

Ich

�Ich habe bereits mein Veto gegen Gesetzesvorlagen eingelegt, die unseren
Kampf gegen die Inflation unterminieren würden, und der Kongreß hat dieses
Veto nicht überstimmt.

Ich weiß, daß der Kongreß auch weiterhin in dem Be-

mühen mit mir zusammenarbeiten wird, unsere Aufgaben in verantwortungsbewußter,
nicht inflationsfordernder Weise zu erfüllen.

Ich werde von den

meinem Amte

zur Verfügung stehenden administrativen und haushaltsmäßigen Vollmachten, notfalls auch dem Veto-Recht, Gebrauch machen, um unser Land fest auf dem Kurs
der fiskalischen Zurückhaltung zu halten.
Zurückhaltung gilt für die Steuerpolitik genauso wie für die Ausgabenentscheidungen.

Eine Steuersenkung war politisch niemals populärer als heute.

Aber wenn zukünftige Steuersenkungen übereilt und ohne Berücksichtigung des
Haushaltsdefizits vorgenommen werden, dann werden sie uns allen Schaden, weil
sie nämlich eine größere Inflation hervorrufen.
Es gibt Steuersenkungen, die direkt die Kosten und Preise verringern und
zum Kampf gegen die Inflation beitragen könnten. Ich werde vielleicht Mittel
und Wege in Erwägung ziehen, um diese besonderen Steuern zu senken, während
gleichzeitig auch das Defizit im Haushalt gesenkt wird, aber solange wir keine
überzeugenden Aussichten auf eine Kontrolle der Inflation haben, werde ich
mich jeder weiteren Senkung der Bundeseinkommenssteuer widersetzen.
Um die Regierung in einem überschaubaren Größenverhältnis zu halten,
ordne ich heute abend eine Reduzierung bei der Einstellung von Bundesbediensteten an. Diese Anweisung bedeutet eine Senkung der Zahl der ständigen Bundesbediensteten, die haushaltsmäßig in diesem Finanzjahr bereits eingeplant sind,
um 10 000, und ich werde die Gesamtzahl der Bundesbediensteten verringern.
Ich habe bereits hinsichtlich der Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete
eine Obergrenze von 5,5 Prozent verfügt, und die höheren Angestellten und Beamten des Bundes werden überhaupt keine Gehaltserhöhungen erhalten.
Es genügt jedoch nicht, nur das Regierungsdefizit, die Ausgaben und die
- 6 -

�die Neueinstellungen zu kontrollieren.

Wir müssen auch die durch gewisse

Regierungsbestimmungen hervorgerufenen Kosten unter Kontrolle bringen.
Der Kongreß hat in den letzten Jahren eine Reihe richtungweisender Gesetze zur Verbesserung der Umwelt-

und Sozial Verhältnisse verabschiedet.

Wir müssen und wir werden den Fortschritt im Bemühen um den Schutz der Gesundheit und der Sicherheit des amerikanischen Volkes beibehalten.
Aber wir müssen auch uns darüber klar sein, daß alles seinen Preis fordert - und daß der Verbraucher letzten Endes die Rechnung bezahlen muß. Wo
Verordnungen notwendig sind, müssen sie auch wirksam sein. Wo sie die Inflation bekämpfen, sollten sie unterstützt werden.

Wo sie aber unnötig sind,

sollte man sie aufheben.
Zu Anfang dieses Jahres gab ich den Behörden des Bundes die Anweisung,
unnötige Verordnungen zu streichen und die Kosten und Vorzüge neuer Verordnungen zu analysieren.

Heute sind beispielsweise von dem Amt für Sicherheit

und Gesundheit am Arbeitsplatz nahezu eintausend unnötige Verordnungen aufgehoben worden.
Jetzt können wir auf diesem Fortschritt weiter aufbauen.
- Ich habe einem Rat der weisungsberechtigten Ämter und Behörden die Anweisung erteilt, die von ihnen erlassenen Verordnungen zu koordinieren, damit
jede Überschneidung und jeder Leerlauf vermieden wird.
- Als Wichtigstes wird der Rat ein einheitliches Verzeichnig aller geplanten wichtigen Verordnungen aufstellen.

Dieses Verzeichnis wird uns zum ersten-

mal eine umfassende Liste aller von der Bundesregierung geplanter Bestimmungen
zusammen mit ihren Kosten und den angestrebten Zielen an die Hand geben.
Ich werde als Präsident persönlich meine Autorität einsetzen, um sicherzustellen, daß solche Verordnungen nur erlassen werden, wenn sie notwendig sind,
und daß sie ihr Ziel zu einem Preis erreichen, der so gering wie möglich ist.
Wir

�Wir werden das Dickicht von Verordnungen beseitigen, das sich um uns
gebildet hat, und damit unserem System des freien Wettbewerbs die Chance
geben, an dem ihm zustehenden Platz zu gedeihen.
Im vorigen Jahr haben wir der Luftfahrtindustrie einen neuen Impuls für
den Wettbewerb gegeben.

Einige Verordnungen wurden aufgehoben.

Die Kräfte

des freien Marktes trieben die Preise herunter, die Zahl der Passagiere erreichte Rekordhöhen - und die Gewinne stiegen.

Das neue Gesetz über die Auf-

hebung von Vorschriften für Fluggesellschaften wird dafür sorgen, daß diese
Vorteile von Dauer sein werden.

Zum erstenmal seit Jahrzehnten haben wir

Aufsichtsbestimmungen für einen großen Industriezweig tatsächlich aufgehoben.
Im kommenden Jahr werden wir in Zusammenarbeit mit dem Kongreß darangehen, auch in anderen Industriezweigen, wie etwa im Güterverkehr auf Schiene
und Straße, mehr Wettbewerb zu schaffen.
Der Wettbewerb ist nämlich die stärkste all unserer Waffen gegen die
Inflation. Ohne echten Wettbewerb steigen Preise und Löhne - selbst wenn
die Nachfrage nachläßt.
Wir müssen daher darauf hinwirken, überall dort, wo es möglich ist, mehr
Wettbewerb zuzulassen, damit nächtige Gruppen - wie Regierung, Unternehmer,
Gewerkschaften - es sich zweimal überlegen müssen, ehe sie ihre wirtschaftliche Macht mißbrauchen.
Wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um dem Wettbewerb wieder seinen Platz in unserem amerikanischen System der,freien Marktwirtschaft zu verschaffen.
Ein weiterer Grund für die Inflation ist das Nachlassen unseres Produktivitätszuwachses.

Eine leistungsstärkere Produktion ist wesentlich, wenn wir

die Inflation unter Kontrolle bekommen, amerikanische Erzeugnisse auf den
Weltmärkten wettbewerbsfähiger machen, neue Arbeitsplätze schaffen und das Real- 8 -

�Realeinkommen unserer Bevölkerung steigern wollen.
Einen Anfang zur Verbesserung unserer Produktivität haben wir gemacht.
Das vom Kongreß soeben verabschiedete Steuergesetz enthält viele der Investitionsanreize, die ich im vorigen Januar empfohlen hatte. Die Bundesförderung
von Forschung und Entwicklung - vor allem was die Grundlagenforschung betrifft - wird weiter verstärkt werden. Wir werden die Programme des Bundes,
die Produktivitätsverbesserungen im Bereich unserer gesamten Wirtschaft fördern, koordinieren und verstärken.
Die Anstrengungen der Regierung werden sich gegen die Inflation an der
Stelle richten, wo sie sich am schmerzlichsten auswirkt - die Inflation in
den wesentlichen Bereichen der Existenz: Ernährung, Wohnung und Gesundheit.
Wir werden in unserer Agrarpolitik weiterhin bestrebt sein, die Produktion
der landwirtschaftlichen Betriebe hochzuhalten, stabile Preise zu bewahren
und die Inflation zu dämpfen.
Steigende Zinssätze sind stets eine Begleiterscheinung der Inflation gewesen. Die Kosten für Betriebserweiterungen und die Preise, die der Verbraucher
für Häuser und Verbrauchsgüter zahlen muß, steigen durch sie weiter an.
Die Verantwortung für die Kontrolle der Inflation kann nicht allein auf
der Geldpolitik ruhen, die das Problem durch straffe Geld- und Kreditrestriktionen angehen muß, durch die die Zinssätze hochgetrieben werden.
Ich werde auf ein ausgewogenes, aufeinander abgestimmtes und kontinuierliches Programm hinarbeiten, bei dem straffe Zügelung des Haushalts, Maßhalten
bei Lohn- und Preisforderungen auf dem privaten Sektor und eine verantwortungsbewußte Geldpolitik einander unterstützen.
Wenn wir Erfolg haben, dürfen wir mit einer Senkung der Inflations- und
Zinssätze sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmer rechnen.
Was
- 9 -

�Was die Gesundheitsfürsorge anbetrifft, wo die Kosten weitaus schneller
gestiegen sind als die allgemeine Inflationsrate, so besteht die für uns wichtigste Maßnahme in der Verabschiedung des Krankenhauskostendä'mpfungsgesetzes.
Der Senat hat es in diesem Jahr bereits verabschiedet.

Im kommenden Jahr

werde ich es erneut versuchen, und ich hoffe, daß beide Häuser des Kongresses
handeln werden, um die Krankenhauskosten zu dämpfen - wenn Ihre Vertreter im
Kongreß entsprechend von Ihnen hören.
Bis zum Januar, wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich ein Paket
spezifischer Gesetzesvorlagen vorbereitet haben, die die Inflation bekämpfen
helfen sollen.
Die Regierung wird ihren Teil tun, aber in einem Land wie dem unseren
kann die Regierung allein die Aufgabe nicht lösen.

Letztlich wird Erfolg oder

Fehlschlag dieser Bemühungen auch davon ahängen, ob der private Sektor die freiwilligen Lohn- und Preisleitlinien, die ich heute abend ankündige, akzeptieren
und entsprechend handeln wird.
Es sind faire Leitlinien.

Es sind Normen, an die sich jeder halten kann.

Wenn wir uns an sie halten, dann werden sie den Preisanstieg dämpfen - so daß
die Löhne nicht mehr hinter den Preisen herjagen müssen, nur um auf der gleichen
Höhe zu bleiben.
Sie weisen außerdem den Weg zu einer schließlichen Überwindung der Inflation, indem sie den Druck beseitigen, der sie ausgelöst hat.
In den letzten zehn Jahren haben wir bei unseren Bemühungen, uns vor der
Inflation zu schützen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten entwickelt, die die
Inflation - sobald sie erst einmal begonnen hat - eben gerade in Gang halten.
Die Gewerkschaften erheben weitreichende Tarifforderungen, weil sie damit rechnen, daß die Inflation anhält. Weil wir erwarten, daß es so kommt, tritt es
dann auch ein, und sobald die Dinge einmal in Gang gekommen sind, treiben

- 10 -

�treiben Löhne und Preise einander in die Höhe.
Es ist wie bei einer Menschenmenge im Fußbailstadion.wenn alle stehen.
Jeder würde genauso gut sehen, wenn sie alle sitzen würden - aber niemand
ist gewillt, sich als erster hinzusetzen.
Mit Ausnahme der Arbeiter in den niedrigsten Lohngruppen appelliere ich
an alle Beschäftigten in diesem Lande, ihre Gesamtlohnerhöhungen auf ein
Höchstmaß von sieben Prozent im Jahr zu begrenzen.

Von heute abend an sollte

jeder Tarifvertrag und jede gewährte Lohnerhöhung diesem Richtwert entsprechen.
Meine Preisbegrenzungen werden gleichermaßen strikt sein.

Unser Grund-

ziel für die gesamte Wirtschaft ist ein Preisanstieg von 5,75 Prozent.

Um

dieses Ziel zu erreichen, setze ich heute abend für jedes Unternehmen in
unserem Lande die Leitlinien, seine Preissteigerungen zumindest ein halbes
Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1976 und 1977 zu halten.
Selbstverständlich müssen wir hierbei bereits eingegangene bindende Verpflichtungen in Rechnung stellen, die eine absolute Befolgung dieser Leitlinien verhindern.
Aber dieser Preisrichtwert liegt viel niedriger als die diesjährige
Inflationsrate, und was noch wichtiger ist, er ist niedriger als der Richtwert für Lohnerhöhungen.

Dieser Unterschied wird durch die wachsende Pro-

duktivität ausgeglichen, und dadurch kann das Einkommen des amerikanischen
Arbeiters von der Inflation nicht eingeholt werden.
Diesen Leitlinien kann jeder folgen.

Jeder!

Ich meine, daß es für kein

Unternehmen, keine Gewerkschaft, keinen Berufsstand, keinen Menschen in diesem Lande eine Entschuldigung gibt, sich nicht an diese Leitlinien zu halten.
Die Schwierigkeit mit einem Programm auf freiwilliger Grundlage besteht
darin, daß die Arbeitnehmer fürchten, daß sie, wenn sie sich an diese Leitlinien halten

- während andere es nicht tun - Nachteile hätten, falls die
- 11 -

�die Inflation anhält.
Um dieser Befürchtung zu begegnen, werde ich den Kongreß im Januar ersuchen, ein Programm zu verabschieden, das eine Steuerermäßigung für jene
Arbeitnehmer ermöglicht, die sich an die Leitlinien halten, falls die Inflationsrate mehr als sieben Prozent betragen sollte.

Mit anderen Worten,

sie hätten eine "echte Lohnversicherung" gegen eine Inflation, die von anderen verursacht würde.
Dies wird unseren Arbeitnehmern einen zusätzlichen Anreiz für die Befolgung dieses Programms bieten - und den einzigen legitimen Grund für eine
Verweigerung der Zusammenarbeit ausräumen.
Da es sich um keinen staatlichen Kontroll plan handelt, kann ich ein verantwortungsloses Unternehmen nicht darin hindern, seine Preise zu erhöhen,
oder eine selbstsüchtige Gruppe von Arbeitnehmern daran, ihre Macht auszunutzen, um

übersteigerte Löhne zu fordern.

Sollte das jedoch eintreten,

wird die Regierung entsprechend reagieren, indem sie ihre Möglichkeiten und
die öffentliche Meinung ins Spiel bringt.
Sobald sie die Preise steigern oder Lohnerhöhungen verlangen, die übersteigert sind, wird das Unternehmen oder die Gewerkschaft den Druck zu spüren
bekommen, den die Öffentlichkeit ausüben kann - durch eine neue Konkurrenz,
um die Preise zu senken, oder durch die Aufhebung von Schutzmaßnahmen und
Privilegien der Regelung, derer sie sich jetzt erfreuen.
Wir werden auch die 80 Milliarden Dollar, die die Regierung jährlich
für Beschaffungen der Privatindustrie aufwendet, besser nutzen. Wir müssen
kluge und umsichtige Käufer sein. Wenn die Kosten zu rasch ansteigen, dann
können wir die Käufe aufschieben - wie es jede Familie tun würde - oder uns an
einen anderen Lieferanten wenden. So werden wir beispielsweise in diesem Jahr
vielleicht keine Armada von Autos kaufen, wenn diese Autos zu teuer sind,
oder wir werden vielleicht unsere Einkäufe bei Lieferanten tätigen, die sich

- 12 -

�sich an unser Lohn- und Preisleitlinien halten, statt bei denen, die dies
nicht tun.
Wir werden verlangen, daß diejenigen Firmen, die der Regierung Güterund Dienstleistungen liefern, nachweisen, daß sie sich an die Lohn- und Preisleitlinien halten. Wir werden innerhalb gesetzlicher Grenzen alle Anstrengungen machen, um denjenigen Firmen Regierungsaufträge zu verweigern, die unseren Lohn- und Preisleitlinien nicht folgen.
Wir werden unsere Kaufkraft effektiver einsetzen, um eine Zurückhaltung
bei den Preisen und den Wettbewerb Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Regierung gewährt gegenwärtig vielen Teilen der Privatwirtschaft
wirtschaftliche Privilegien - Sonderrechte, geschützte Löhne und Preise,
Subventionen, Schutz vor ausländischem Wettbewerb. Sollten Löhne und Preise
in einigen Industriezweigen zu rasch wachsen, dann werden wir das als ein Zeichen dafür betrachten, daß diese Privilegien nicht mehr notwendig sind und
daß dieser Schutz aufgehoben werden sollte.
Wir werden sicherstellen, daß kein Zweig unserer Wirtschaft seine besonderen Privilegien oder seine konzentrierte Macht benutzen kann, um die
übrigen zu schikanieren.
Die Mittel und Wege, die ich heute aufgezeigt habe, werden der Inflation
kein Ende setzen. Sie verbessern lediglich unsere Chancen, die Dinge zum
Besseren statt zum Schlechteren zu gestalten.
Ich möchte noch einmal das Programm zusammenfassen, das ich heute abend
verkündete.
- Wir werden das Haushaltsdefizit senken.
- Wir werden das Einstellungsprogramm des Bundes beschneiden und
die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir
- 13 -

�- Wir werden bei den Bundesausgaben Zurückhaltung üben.
- Wir werden weitere Steuersenkungen hinausschieben.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden die Bundespolitik benutzen, um zu einem stärkeren Wettbewerb anzuregen.
- Wir werden spezifische Leitlinien sowohl für Löhne und Preise in der
ganzen Wirtschaft festsetzen.
- Wir werden alle zu unserer Verfügung stehenden Kräfte einsetzen, um
diesem Programm zu einem Erfolg zu verhelfen.
- Und wir werden dem Kongreß im kommenden Januar neue Vorschläge zur Bekämpfung der Inflation unterbreiten, einschließlich der Empfehlung für eine
echte Lohnversicherung, von der ich heute abend gesprochen habe.
Ich habe wiederholt erklärt, daß diese Maßnahmen hart sein werden - und
sie sind es tatsächlich.

Ich habe aber auch gesagt, daß sie fair sein werden

- und sie sind es tatsächlich.

Sie treffen in gleicher Weise alle Gruppen.

Aber sie geben uns allen die gleiche Chance, Fortschritte zu erzielen.
Und diese Vorschläge, die uns eine Chance bieten, verdienen es, daß sie
diese Chance erhalten.

Wenn man sie heute oder nächste Woche oder im nächsten

Monat ins Lächerliche zieht, sie zerfetzt, bevor sie die Chance hatten, sich
als erfolgreich zu erweisen, dann wird man die Chancen eines Erfolges von Anfang an vermindert haben.
Diese Maßnahmen können erfolgreich sein, aber das braucht Zeit, und Sie
sind diejenigen, die ihnen diese Zeit geben können.

Wenn ich heute abend

jeden Amerikaner um eines bitte, dann ist es, daß man diesem Programm eine
Chance gibt - eine Chance, für uns alle erfolgreich zu sein.
Sie können dazu beitragen, daß diese Chance geboten wird, indem Sie
Ihren Einfluß ausüben.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen wissen, daß Sie als Bürger keine
vernatwortungslosen Preis- und Lohnerhöhungen hinnehmen werden.
- 14 -

Die von

�von Ihnen gewählten Vertreter im Kongreß müssen wissen, wie Sie als Bürger
denken, wenn sie schwierige Entscheidungen treffen.
Zu häufig hören sie nur diejenigen Stimmen, die Sonderinteressen vertreten und ihre eigenen engen Zielsetzungen unterstützen.

Wenn Sie wollen,

daß die Regierungsvertreter die Inflation eindämmen, dann müssen Sie sicherstellen, daß man Ihre Stimme überall hört •
Ich habe Ihre Stimme mit unmißverständlicher Deutlichkeit vernommen.
Vor etwa 40 Jahren, als die Welt gespannt aufblickte, ob sein Land überleben würde, trat Winston Churchill mit allem Nachdruck jenen entgegen, die
glaubten, Großbritannien würde sich der Nazi-Bedrohung beugen. Churchill
fragte damals seine Landsleute: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich
sind?"
Es gibt heute Leute, die sagen, daß eine freie Wirtschaft die Inflation
nicht in den Griff bekommen könne und daß wir die Fähigkeit verloren hätten,
als Nation zu handeln statt als Kollektiv besonderer Interessen. Und ich
erwidere darauf: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich sind?"
Ich glaube, daß unser Volk, unser wirtschaftliches System und unsere
Regierung dieser Aufgabe gewachsen sind.
spiel mir recht geben. ,

+ + + + +

- 15 -

Ich hoffe, daß Sie durch Ihr Bei-

�1

1
I

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^

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

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CARTER ERNENNT ALFRED E. KAHN ZUM LEITER DES ANTI-INFLATIONSPROGRAMMS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 den
bisherigen Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, Alfred E. Kahn, zum Leiter
seines Anti-Inflationsprogramms ernannt.
Kahn, ein prominenter amerikanischer Wirtschaftler und ehemaliger Direktor
der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Cornell-Universität. wird
sein neues Amt als Leiter des Rates für Lohn- und Preisstabilität unverzüglich
übernehmen. Er löst Botschafter Robert Strauss ab, der sein Amt als Sonderbeauftragter des amerikanischen Präsidenten für Handelsverhandlungen weiterhin
beibehält.
Stellvertretender Direktor des Rates bleibt Barry Bosworth.
Präsident Carter bezeichnete Kahn bei der Bekanntgabe seiner Ernennung
als "meinen neuen Partner bei der Kontrolle der Inflation in diesem Lande" und
sagte, daß sie zusammen darauf hinarbeiten würden, daß die Reaktion Amerikas
auf die Inflation "wirksam" und "flexibel" ist.
Kahn

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Kahn erklärte vor der Presse, daß er sein neues Amt übernehme, weil er
davon überzeugt sei, daß die vom Präsidenten in seinem Plan aufgestellten
Lohn- und Preis-Leitlinien im Verein mit einer straffen Zügelung der Bundesausgaben und einer Durchforstung der inflationsfördernden Bestimmungen der
Bundesdienststellen "der einzig richtige Weg ist, der unbedingt zum Erfolg
führen muß."

+ + + + +

�1

1=0 £ m

2 31

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

26

SEIGNIOUS UND EARLE NACHFOLGER VON WARNKE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Generalleutnant
d.R. George M. Seignious zum Nachfolger von Paul Warnke als Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) und den Stellvertretenden
Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) Ralph Earle II zum Nachfolger
Warnkes als Delegationsleiter nominiert.
Das Weiße Haus gab die Nominierung von Seignious, der bisher der
SALT-Delegation als Sonderberater angehört hatte, am 20. Oktober 1978
bekannt.
General Seignious wurde am 21. Juni 1921 in Orangeburg in South
Carolina geboren und absolvierte 1942 die Citadel-Kriegsschule als Leutnant.
Er war mit der 10. Panzerdivision in Europa im Einsatz und war zuletzt als
Stabsoffizier tätig. Er hatte verschiedene wichtige Posten im amerikanischen
Verteidigungsministerium inne und war Militärberater von Gouverneur Harriman
und Botschafter Vance bei den Vietnamverhandlungen in Paris.
Von 1971

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�Von 1971 bis 1972 war Seignioüs Stellvertretender Unterstaatssekretär
für Sicherheitshilfe und Direktor des Amtes für Sicherheitshilfe im Verteidigungsministerium und anschließend bis 1974 Leiter des Gemeinsamen
Stabes der Stabschefs der US-Streitkräfte.

Im Jahre 1974 trat er in den

Ruhestand.
Ralph Earle II, dessen Ernennung am 26. Oktober 1978 bekanntgegeben
wurde, war seit Mai 1977 der Vertreter Warnkes bei den SALT-Verhandlungen
gewesen.
Earle wurde am 26. September 1928 in Bryn Mawr in Pennsylvania geboren
und studierte bis 1955 Jura an der Harvard-Universität. Von 1950-52 diente
er in der amerikanischen Armee und praktizierte vom 1956 bis zu seinem Eintritt in den Regierungsdienst im Jahre 1968 als Anwalt in Philadelphia.
Er gilt als Fachmann für Fragen der internationalen Sicherheit.
Beide Ernennungen bedürfen noch der Bestätigung durch den amerikanischen
Senat, der im Januar nächsten Jahres wieder zusammentritt.

�2. November 1978

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STRENGERE SICHERHEITSAUFLAGEN FÜR DIE SCHIFFAHRT
Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfä'lle -

WASHINGTON - (AD) - Mit der Unterzeichnung durch Präsident Carter hat
eine vom amerikanischen Kongreß gebilligte Vorlage Gesetzeskraft erlangt, die
die Ölverschmutzung auf See und in Hafengebieten eindämmen und Tankerunfälle
im Bereich der Küstengewässer der Vereinigten Staaten weitgehend unterbinden
soll. Das "Gesetz von 1978 über Häfen- und Tankersicherheit" enthält wesentlich striktere Auflagen als frühere Bestimmungen und erweitert den Kompetenzbereich der US-Küstenwacht. Wie John M. Murphy, der Vorsitzende des Repräsentantenhaus-Ausschusses für die Handelsmarine und das Fischereiwesen, erklärte,
sollen dadurch amerikanische Häfen und Wasserwege geschützt werden. Gleichzeitig soll es Erfordernisse für das von den USA und internationalen Gremien
angestrebte Ziel erfüllen, die hohe See und Küstengebiete vor Umweltschäden
zu bewahren, die gestrandete und auseinanderbrechende öltanker verursachen.
Mehrere schwere Tankerunfälle hatten den amerikanischen Kongreß veranlaßt, die Gesetzesvorlage zügig zu behandeln.

Dazu zählen vor allem der Fall

des liberianischen Tankers "Argo Merchant", der im Jahr 1976 vor der Küste von
Massachusetts auf Grund lief, auseinanderbrach und das Meer mit 30 000 Tonnen
öl verseuchte, ferner die Katastrophe für die Küsten der Bretagne nach dem
Stranden der "Amoco Cadiz" und die Explosion auf der "Sansinena" bei Long

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�Long Beach (Kalifornien).

Auch zeigte sich der Gesetzgeber besorgt über mög-

liche Auswirkungen des Tankerverkehrs in amerikanischen Häfen angesichts der
steigenden Nachfrage nach ausländischem öl. Gegenwärtig laufen pro Tag etwa
35 Tanker mit insgesamt über 1 Million Tonnen Rohöl Häfen der USA an.
Das neue Gesetz schreibt eine strengere Kontrolle des Schiffsverkehrs
vor und verlangt, daß die Tanker zur Verhinderung von Kollisionen und anderen
Unfällen mit elektronischen Hilfsmitteln für die Steuerung ausgerüstet werden.
Das routinemäßige Ablassen von öl bei Reinigungsarbeiten an Tanks soll eingeschränkt werden.

Etwa 85 Prozent der öl Verseuchung der Meere sind auf öl-

haltiges Spillwasser zurückzuführen.

Alles in allem enthält das Gesetz über

Häfen- und Tankersicherheit ähnliche Bestimmungen wie das Londoner Protokoll
von 1978 für die Internationale Konvention gegen die Meeresverschmutzung.

Die

Zwischenstaatliche Beratende Kommission für die Seeschiffahrt (IMCO) mit ihren
62 Mitgliedstaaten, von der das Londoner Protokoll ausgearbeitet wurde, konzentriert sich ebenfalls darauf, schwere Unfälle auf See mit den daraus erwachsenden massiven Schäden für "unseren künftigen Brotkorb, die Meere", wie
es John Murphy formulierte, zu verringern.
Die Vereinigten Staaten werden sich auf solchen internationalen Konferenzen auch künftig für strenge Vorschriften einsetzen. Umgekehrt wurden
zahlreiche Richtwerte, die die IMCO im Februar und Juli 1978 für Tankersicherheit und Ausrüstungen annahm, in das amerikanische Gesetz übernommen. Während jedoch die IMCO-Vorschriften nur für Tanker von 40 000 und mehr Nettoregistertonnen gelten, besagt das amerikanische Gesetz, daß von 1986 an auch
alle 15 Jahre alten Schiffe mit einer Frachtkapazität von 20 000 bis 40 000
Tonnen einzubeziehen seien. Außerdem bietet das Gesetz die Grundlage für
andere wichtige Sicherheitsvorschriften:
(1) Die Kompetenzen der amerikanischen Küstenwacht werden erweitert,
um auch außerhalb der US-Hoheitsgewässer Dienstleistungen für den
Schiffsverkehr zu erbringen.
(2) Der

- 2 -

�(2) Der Verkehrsminister kann die Weiterfahrt von Schiffen unterbinden,
wenn durch sie Gesetze oder Vorschriften verletzt werden.
(3) Es werden Mindestnormen für Schiffe und die Qualifikation ihrer Besatzungen festgesetzt.
(4) Für das Anlaufen amerikanischer Häfen und für von dort auslaufende
Schiffe werden sichere Routen festgelegt.
(5) Das nationale Inspektionsprogramm wird erweitert, um die Einhaltung
der Vorschriften zu gewährleisten und entsprechende Kontroll Zertifikate auszustellen.
(6) Es wird ein Informations-Datensystem über die Sicherheit der Schifffahrt in amerikanischen Gewässern geschaffen.
(7)

Die Vorschriften müssen mit Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden
abgesprochen werden.

+ + + + +

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�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

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2. November 1978

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NEUARTIGER WINDGENERATOR

- (AD) - Einen neuen Windgenerator-Typ für die Umwandlung von Windkraft
in elektrische oder mechanische Energie will die McDonnell Douglas Corporation
in St. Louis, Missouri, bauen. Mit einem Zuschuß von 1,5 Millionen Dollar des
amerikanischen Energieministeriums konstruieren Ingenieure des Unternehmens
einen sogenannten Girogenerator (abgekürzt von "cyclogiro windmill"), der eine
elektrische Leistung von 40 Kilowatt haben wird. Das würde ausreichen, um 16
Wohnhäuser mit Strom zu versorgen.
Im Gegensatz zu den bisher üblichen Windgeneratoren sind die Blätter senkrecht angeordnet und routieren an einem Flügelgestell um eine vertikale zentrale
Achse. Bei dieser Anordnung können, ohne daß größere Veränderungen vorgenommen
werden müssen, Winde aus jeder Richtung genutzt werden. Nach Ansicht der Konstrukteure ist der Girogenerator mit geringeren Mitteln zu erstellen als ein
herkömmlicher Windgenerator entsprechender Leistung. Er kann auch gegen Beschädigungen durch Sturm besser geschützt werden, weil man in einem solchen
Fall die Blätter so lockert, daß sie dem Wind nachgeben können und die Belastung
auf ein Minimum verringert wird.

Der

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�Der Prototyp des Girogenerators ist 27 m hoch.

Er besteht aus einem 18 m

hohen Stahlgerüst, auf dem das 9 m hohe dreiflügelige Gestell mit den vertikalen
Rotoblättern an einer zentralen Achse montiert ist, sowie aus einem Elektrogenerator.

Versuchsanordnungen wurden bereits im Freien und im Windkanal getestet.

Ende 1979 soll die Prototyp-Anlage auf der Teststation für kleine Konversionssysteme für Windenergie, die das amerikanische Energieministerium in Rocky Fiats
(Colorado) unterhält, in Betrieb gehen.

Der Regierungszuschuß für das Projekt

wurde im Rahmen des Programms für Anwendungen in Farmbetrieben und ländlichen
Gebieten gewährt.

Dieses Programm soll neue technische Entwicklungen, insbe-

sondere die Schaffung zuverlässiger und rentabler Windenergie-Systeme für einen
weiten Anwendungsbereich fördern.

Eine Anwendungsmöglichkeit wäre z.B. künst-

liche Bewässerung mit Wasser aus tiefen Brunnen.

Im Gebiet der Großen Ebenen

setzen die Farmer in vielen Fällen künstliche Bewässerung ein.
der Pumpen sind sie meist auf Erdgas angewiesen.

Für den Betrieb

Der Girogenerator könnte mit

seinen 40 kW Leistung außerdem kleine, abgelegene Siedlungen in Gebirgsgegenden,
auf Inseln oder in Küstenregionen, wo immer Wind weht, mit Strom versorgen.

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w.

UJiz/cn/choft
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2. November 1978

ENERGIESPEICHERN MIT KOHLENDIOXID

- (AD) - Das Speichern von Energie kann zu einem wichtigen Faktor für die
Lösung der Energiekrise werden. Es gibt bereits eine Reihe von Vorschlägen,
auch für den Einsatz von chemischen Substanzen für diesen Zweck. Drei amerikanische Forscher vom Laboratorium der RCA (Radio Corporation of America) in
Princeton (New Jersey) verwiesen kürzlich auf die Möglichkeit der Anwendung
einfacher physiko-chemischer Reaktionen für die Speicherung elektrischer Energie, die von Solarzellen oder Windgeneratoren erzeugt wird.
Richard Williams, Richard Crandall und Allen Bloom schlagen vor, Überschußstrom, der während sehr sonniger Perioden oder bei anhaltendem Wind erzeugt und zunächst nicht gebraucht wird, an Elektroden in einem Wasserbad
weiterzuleiten.

In das Wasser, das sich unter der Stromeinwirkung in Wasser-

stoff und Sauerstoff zersetzt, wird Kohlendioxid (C0 2 ) eingeblasen.

Der frei-

werdende Wasserstoff verbindet sich mit C0 2 -Gas zu Ameisensäure.
Diese ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff und vielseitig verwendbar,
sondern sie kann auch in Tanks gelagert oder in Pipelines ähnlich wie die Erdölprodukte transportiert werden. Ameisensäure könnte nach Meinung der drei
Wissenschaftler z.B. Benzin für den Betrieb von Verbrennungskraftmaschinen er-

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Telex:08-85432

�ersetzen.

Man könnte sie außerdem nach Bedarf in Brennstoffzellen für die

Erzeugung von elektrischem Strom benutzen.

Langfristig gesehen böte diese

Konzeption eine Möglichkeit zur Verwertung des CCL in der industriellen Abluft, das gegenwärtig zum größten Teil in die Atmosphäre entweicht und die Erdatmosphäre immer stärker mit Kohlendioxid anreichert.

Dies aber hat unerwünsch-

te, in ihrem Umfang noch gar nicht überschaubare Auswirkungen auf die Tempera-»
turen und das Klima an der Erdoberfläche.

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I

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2. November 1978

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BLUTTEST AUF KREBS IM FRÜHSTADIUM

- (AD) - Forscher am Wissenschaftlichen Laboratorium von Los Alamos
(LASL) in Neu Mexiko, das der Universität von Kalifornien angeschlossen ist,
haben neuartige Bluttests zur Krebsfrüherkennung entwickelt.

Sie basieren auf

der Beobachtung, daß bei Krebs das natürliche Abwehrsystem des Körpers mit
dem Einsatz von T(Thymus)-Lymphozyten versagt bzw. nicht ausreichend funktionsfähig ist.

Normalerweise steuern diese Zellen die Abwehr von Infektionen

verschiedener Ursachen und vernichten körperfremde Gewebe

sowie Krebszellen.

Die Thymusdrüse, bei deren Passage gewöhnliche Lymphzellen mit dieser Eigenschaft ausgestattet werden, zählt zu den primären Immunitätsorganen des Körpers.
Dr. Richard Gross (LASL) hatte während seiner schon Jahre zurückliegenden
Tätigkeit im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Ostafrika entdeckt,
daß ein direkter Zusammenhang zwischen der T-Lymphozyten-Aktivität und dem
Krankheitsverlauf bei Kindern und Jugendlichen besteht, die von einer bestimmten Form von Lymphsarkom, dem sog. Burkitt-Tumor, befallen waren.

(Diese

Krebserkrankung tritt dort relativ häufig auf und gab schon vor Jahren zu der
Vermutung Anlaß, daß auch Viren als Krebsursache in Frage kommen könnten.)
"In jedem Fall waren", so Gross, "mit fortschreitender Krankheit die T-Lymphozyten unterdrückt, d.h. inaktiv, nahmen aber ihre Funktion wieder auf, wenn

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�wenn der Tumor behandelt wurde und sich zurückbildete."

Den Nachweis führte

er mit dem von dem Südafrikaner Dr. Peter Brain entwickelten Rosetten-Inhibitionstest, der zuverlässig Veränderungen in der Aktivität der malignen Prozesse anzeigte.
Am Massachusetts General Hospital in Boston, wo Gross nach der Rückkehr
aus Afrika arbeitete, benutzte er dieses inzwischen verfeinerte Verfahren, um
maligne Prozesse bei Patienten mit großer Treffsicherheit vorherzusagen, bei
denen Röntgenaufnahmen vom Brustkorb gewisse Anomalien aufwiesen.

Zusammen

mit dem Tiermediziner Dr. David Smith (LASL) entwickelte Robert Gross ein Modell zur Erfassung von Immunfunktionen bei Tieren.

Die Wissenschaftler konn-

ten dieses Verfahren inzwischen so weit vervollkommnen, daß damit zuverlässige
Aussagen über das Vorliegen maligner Prozesse im tierischen und menschlichen
Organismus möglich geworden sind.
Die Empfindlichkeit der Methode zeigte sich bei einer Studie, die Gross
und Smith gemeinsam mit Dr. Geno Saccamanno vom St. Mary-Krankenhaus in Grand
Junction (Colorado) durchführten. Dr. Saccamanno, der schon seit 30 Jahren
Bergarbeiter der Uranminen von Colorado betreut, leistete Pionierarbeit in
der Beobachtung und Interpretation von Zell Veränderungen als Indikator für
Krebserkrankungen. Er entwickelte den heute allgemein üblichen Sputum-Test
als Diagnosehilfe für Lungenkrebs.
Wie Dr. Smith in diesem Zusammenhang erklärte, sind dabei aufgedeckte
Zell Veränderungen nicht automatisch gleichbedeutend damit, daß es bei dem Patienten zur Entwicklung von Krebs kommt. Deshalb sei es so wichtig, herauszufinden, weshalb die einen an Lungenkrebs erkranken, die anderen jedoch immun
bleiben. Der LASL-Bluttest wird gegenwärtig am St. MaryKrankenhaus von Grand
Junction erprobt, um eine mögliche Krebsgefährdung von Uran-Bergarbeitern so
früh wie nur irgend möglich zu entdecken. Die bisher erzielten Ergebnisse haben großes Interesse bei der Industrie in verschiedenen anderen westlichen
Bundesstaaten der USA gefunden, wo der Bergbau ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor ist und berufsbedingte Lungenerkrankungen häufiger sind als bei der ameri- 2 -

�amerikanischen Bevölkerung im allgemeinen.
Die Wissenschaftler von LASL sind überzeugt, daß die immunologischen Reaktionstests geeignet sind, Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko ausfindig
zu machen, noch ehe andere Symptome überhaupt in Erscheinung treten.

Mit um-

fassenden klinischen Untersuchungen, bei denen Umweltfaktoren, Gewohnheiten,
familiär bedingte Anfälligkeit und bereits durchgemachte Erkrankungen unter die
Lupe genommen werden, müßte es dann möglich sein, dem Krebs auf die Spur zu
kommen und ihn zu lokalisieren.

So könnte beispielsweise auch die Entwicklung

von Krebs im Magen-Darm-Trakt sowie Brustkrebs frühzeitig genug erfaßt werden,
um erfolgreich dagegen anzugehen.
Dr. Gross und Mitarbeiter glauben, daß der Test schon in wenigen Jahren
Teil routinemäßig vorgenommener immunologischer Untersuchungen sein wird, die
vor allem der Krebsfrüherkennung und der Überwachung von Patienten gelten,
die gegen Krebs behandelt werden oder bei denen die Behandlung schon mit Erfolg
abgeschlossen werden konnte. Eine wichtige Frage stehe allerdings noch offen
- die Frage nämlich, wann die Änderung der Immunitätslage eintritt. Man weiß
noch nicht, ob Zell Veränderungen, die zur Krebsentwicklung führen, für die
Unterdrückung der T-Lymphozyten-Aktivität verantwortlich sind, oder ob primär
die T-Zellen-Aktivität aus irgend einem Grunde zusammenbricht und dem Krebs
freie Bahn gibt.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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Dokumenlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. November 1983

44

INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehansprache Reagans; zumLibanon und zu Grenada
- Wortlaut Kenneth Dam legt Gründe für Grenada-Aktion dar
Stellvertretender US-Außenminister vor Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Energiepolitik mit Problemen
- Versorgung muß durch langfristige Planungen für die wichtigen
Energieträger gesichert werden Von E. Allan Wendt

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

2. November 1983

FERNSEHANSPRACHE REAGANS ZUM LIBANON UND ZU GRENADA
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan erklärte am 27. Oktober 1983
in einer Fernsehansprache, die Sowjetunion habe sowohl im Libanon als auch auf
Grenada zur Gewalt "beigetragen und ermutigt".

Die ersten Fotos über die Opera-

tion auf Grenada bewiesen, welche Pläne die Sowjets für die Insel hatten. Er
sagte:

"Wir kamen gerade noch rechtzeitig".

Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Vor zwei Monaten waren wir alle schockiert über das brutale Massaker an
269 Männern, Frauen und Kindern - mehr als 60 davon Amerikaner - beim Abschuß
eines koreanischen Passagierflugzeuges.
In den vergangenen Tagen ist die Gewalt erneut ausgebrochen - im Libanon
und auf Grenada.

Im Libanon haben wir etwa 1600 Angehörige des Marinekorps

- Teil einer multinationalen Friedenstruppe, die versucht, dem libanesischen
Volk dabei zu helfen, diesem von Unruhen heimgesuchten Land wieder Ordnung
und Stabilität zu bringen.

Unsere Marinesoldaten sind im Süden der Stadt

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Stadt Beirut nahe dem einzigen Flugplatz stationiert, der im Libanon noch
offen ist.

Nur etwa eine Meile nördlich davon steht das italienische Kon-

tingent, und nicht weit davon entfernt, stehen die Franzosen sowie eine Kompanie britischer Soldaten.
Am vergangenen Sonntag, 22 Minuten nach sechs Uhr Beiruter Zeit, gerade
bei Sonnenaufgang, näherte sich ein Lastwagen, der wie viele andere Fahrzeuge
in der Stadt aussah, dem Flugplatz auf einer viel befahrenen Hauptstraße.

An

seinem Äußeren gab es nichts, das ihn von den Lastwagen oder Autos unterschieden hätte, die man normalerweise auf dem Flugplatz oder um ihn herum sieht.
Dieser aber war anders. Am Steuer saß ein junger Mann mit einer Selbstmordaufgabe.

Auf dem Lastwagen waren etwa 200 Pfund Sprengstoff.

serer Marinesoldaten konnte dies in keiner Weise ahnen.

Aber die Wache un-

Die erste Warnung,

daß irgend etwas verdächtig war, kam, als der Lastwagen durch eine ganze Reihe
von Barrieren hindurchbrach, einschließlich eines Kettenzauns und eines Stacheldrahtverhaus.

Die Wachen eröffneten das Feuer, aber es war zu spät.

Der Last-

wagen durchbrach die Türen des Hauptgebäudes, in dem unsere Soldaten schliefen
und explodierte sofort.

Das vierstöckige Betongebäude stürzte in sich zusammen.

Mehr als 200 der Schlafenden wurden bei diesem gräßlichen, irrsinnigen
Angriff getötet.

Viele wurden verwundet und befinden sich jetzt in Kranken-

häusern in Europa oder hier.
Aber dies war noch nicht einmal das Ende des Schreckens. Fast zum
gleichen Zeitpunkt brach ein anderes Fahrzeug bei seiner Selbstmord- und Mordaktion in das Hauptquartier der französischen Friedenstruppen, ein achtgeschossiges Gebäude, ein, zerstörte es und tötete mehr als 50 französische Soldaten.
Vor diesem Schreckenstag hatte es für unsere Soldaten der multinationalen
Friedenstruppe schon mehrere Tragödien gegeben.

Angriffe von Heckenschützen

und Mörserbeschuß hatten ihren Zoll gefordert.

Ich rief die trauernden Eltern

oder Witwen der Opfer an, um in unser aller Namen unsere Sorge und unser Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen.

Bisweilen gab es dabei die Frage, und viele
- 2 -

�und viele von Ihnen werden auch jetzt fragen:
Männer im Libanon sterben?
Nun, es ist wahr:

"Warum sollten unsere jungen

Warum ist der Libanon für uns wichtig?"

Der Libanon ist ein kleines Land, mehr als 5 1/2 Tau-

send Meilen von unserer Küste entfernt, am Rande jenes Gebietes, das wir den
Nahen Osten nennen.

Aber jeder Präsident, der in den letzten Jahren dieses

Amt bekleidete, erkannte, daß der Frieden im Nahen Osten von lebenswichtiger
Bedeutung für unser Land sowie für unsere Verbündeten in Westeuropa und Japan
ist.

Wir sind deshalb besorgt, weil der Nahe Osten ein Pulverfaß ist; in den

vergangenen 30 Jahren gab es zwischen den Arabern und den Israelis viermal
Krieg, und jedesmal stand die ganze Welt am Rande einer Katastrophe.
Die Region ist ein Schlüssel für das wirtschaftliche und politische Leben des Westens. Seine strategische Bedeutung, seine Energiequellen, der
Suez-Kanal und das Wohlergehen von fast 200 Millionen Menschen, die dort leben - all dies ist für uns und den Weltfrieden von allergrößter Bedeutung.
Falls diese entscheidende Region in die Hände einer Macht oder von Mächten
fallen würde, die der freien Welt feindlich gesinnt sind, wäre dies eine direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten.
Und es gibt noch einen anderen Grund für unser Engagement. Seit 1948
erkennt und übernimmt unsere Nation eine moralische Verpflichtung zur Sicherung
der Existenz Israels als Nation. Israel teilt unsere demokratischen Werte und
ist eine beträchtliche Kraft, mit der ein Eindringling in den Nahen Osten zu
rechnen haben würde.
Seit Jahren wird der Libanon durch innere Streitigkeiten zerrüttet.
Einstmals eine wohlhabende und friedliche Nation, hat seine Regierung nunmehr
ihre Wirkung dabei verloren, die Milizen zu kontrollieren, die miteinander
im Krieg liegen.
Vor 16 Monaten sahen wir im Fernsehen den Beschuß und die Bombardierung
von Beirut, das von PLO-Greuppen als Fort benutzt wurde.
- 3 -

Hunderte und aber-

�und aberhunderte von Zivilisten wurden in den tagelangen Kämpfen getötet und
verwundet.

Syrien, das kein Geheimnis aus seinem Anspruch macht, den Libanon

zum Teil eines Großsyriens umzuwandeln, besetzte einen großen Teil des Libanon.
Heute ist Syrien Heimstatt für 7000 sowjetische Berater und Techniker, die
eine gewaltige Menge sowjetischer Waffen bedienen, einschließlich der SS-ZIBoden-Boden-Raketen, mit denen lebenswichtige Bereiche Israels erreicht werden können.
Vor etwa einem Jahr schlug ich in der Hoffnung, auf den Camp David-Vereinbarungen aufzubauen, die zum Frieden zwischen Israel und Ägypten geführt
hatten, einen Friedensplan für den Nahen Osten vor, um die Kriege zwischen
den arabischen Staaten und Israel zu beenden.

Er gründete sich auf die UN-

Resolutionen 242 und 338 und forderte eine faire und gerechte Lösung des Palästinenserproblems sowie eine faire und gerechte Regelung der Fragen zwischen
den arabischen Staaten und Israel.
Bevor die notwendigen Verhandlungen beginnen konnten, war es von entscheidender Bedeutung, alle ausländischen Streitkräfte aus dem Libanon abzuziehen und die Kämpfe dort zu beenden. Warum also sind wir dort? Nun, die
Antwort ist einfach: Um dabei zu helfen, dem Libanon Frieden zu bringen und
Stabilität dem so entscheidend wichtigen Nahen Osten. Zu diesem Zweck wurde
die multinationale Friedenstruppe geschaffen, um dadurch die Lage im Libanon
so weit zu stabilisieren, daß dann eine Regierung eingesetzt und eine libanesische Armee mobilisiert werden könnte, um die libanesische Souveränität
über das eigene Land nach Abzug aller ausländischen Streitkräfte wiederherzustellen. Israel stimmte einem Abzug genau wie Syrien zu, aber Syrien ist
seinem Versprechen untreu geworden. Ober 10 000 Palästinenser, die zur Zerstörung Beiruts beigetragen hatten, verließen allerdings das Land.
Der Libanon hat unter der Führung von Präsident Gemayel eine Regierung
gebildet.

Und diese Regierung hat mit unserer Hilfe eine eigene Armee ge-

schaffen, zu deren Ausbildung wir mit beigetragen haben.
in der Zeit von nur einem Oahr aufgestellt.
Libanesen aller Fraktionen besteht.

Diese Armee wurde

Es ist eine gute Armee, die aus
Vor ein

�Vor ein paar Wochen zog sich die israelische Armee zum Awali-Fluß im
Süden Libanons zurück. Trotz heftigen Widerstandes durch von Syrien unterstützte Streitkräfte war die libanesische Armee in der Lage, ihre Linien zu
halten und um Beirut einen Verteidigungsring aufrechtzuerhalten.
In dem Jahr, seit unsere Marine-Infanteristen dort stehen, hat der Libanon
wichtige Schritte in Richtung auf Stabilität und Ordnung unternommen.

Allein

die Anwesenheit unserer Soldaten bedeutet sowohl für die libanesische Regierung als auch für ihre Armee eine Unterstützung.

Dies ermöglicht es, daß die

schwere Arbeit der Diplomatie geleistet werden kann. Ja, ohne den Friedensschutz aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Großbritannien
würde die Anstrengung, eine friedliche Lösung im Libanon zu finden, zusammenbrechen.
Was die speziellere Frage angeht, welches nämlich genau die operative
Aufgabe der Angehörigen des Marinekorps ist, so lautet die Antwort folgendermaßen:

Einen Teil von Beirut zu sichern, in diesem Sektor die Ordnung auf-

rechterhalten und zu verhindern, daß dieses Gebiet zu einem Schlachtfeld wird.
Unsere Soldaten sitzen nicht nur einfach in einem Flughafen.
gabe ist es, diesen Flughafen zu bewachen.

Teil ihrer Auf-

Aufgrund ihrer Präsenz befindet

sich der Flughafen auch weiterhin in Betrieb. Außerdem führen sie in der Umgebung Patrouillen durch.

Dies ist ihr Anteil - ein begrenzter, aber ent-

scheidender Anteil der umfassenderen Anstrengung, die ich beschrieben habe.
Wenn unsere Soldaten schon dort sein müssen, so werde ich gefragt, warum
können wir ihnen nicht mehr Sicherheit bieten?

Wer beging diese jüngste

Scheußlichkeit und warum?
Wir werden alles tun, um sicherzustellen, daß unsere Soldaten so sicher
wie möglich sind. Wir haben Befehl gegeben, daß das Schlachtschiff "New
Jersey" zu unseren vor der Küste liegenden Seestreitkräften stößt. Ohne auch
nur einen Schuß abzugeben, brachte die Drohung ihrer 16-Inch-Kanonen jene zum
Schweigen, die vorher von den Hügeln herab auf unsere Soldaten geschossen hatten. Und sie sind ein gut Teil des Grundes, warum es plötzlich einen Waffen-

- 5 -

�einen Waffenstillstand gab.

Wir tun unser Bestes, um unsere Streitkräfte jenen

gegenüber weniger verwundbar zu machen, die wie Heckenschützen auf sie schießen
oder noch einmal Selbstmordmissionen durchführen wollen.
Außenminister Shultz rief mich heute aus Europa an, wo er sich mit den
Außenministern unserer Verbündeten in der multinationalen Friedenstruppe traf.
Auch sie sind weiterhin unserer Aufgabe verpflichtet, und es wurden Pläne gemacht, Informationen darüber auszutauschen, wie wir die Sicherheit für alle
unsere Soldaten verbessern können.
Die Indizienbeweise verdichten sich, daß der Angriff auf unsere MarineInfanteristen von Terroristen gelenkt wurde, die die gleiche Methode anwendeten, um unsere Botschaft in Beirut zu zerstören.

Jene, die diese Scheußlich-

keit lenkten, müssen der Gerechtigkeit zugeführt werden.

Und sie werden es.

Der offensichtliche Zweck der Heckenschützen und nunmehr dieses Angriffs
war es, den amerikanischen Willen zu schwächen und einen Abzug der amerikanischen und französischen Streitkräfte aus dem Libanon herbeizuzwingen.

Die

eindeutige Absicht der Terroristen war es, unsere Unterstützung der libanesischen Regierung aus der Welt zu schaffen und die Fähigkeit des libanesischen
Volkes zu zerstören, sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Um jenen Antwort zu geben, die mich fragen, ob unsere Anwesenheit dort
irgendeinem Zweck dient, lassen Sie mich eine Frage mit einer anderen Frage
beantworten. Hätten die Terroristen ihre selbstmörderischen Angriffe gegen
die multinationale Friedenstruppe unternommen, wenn sie nicht gute Arbeit geleistet hätte? Die multinationale Streitmacht wurde doch gerade deshalb angegriffen, weil sie die Aufgabe leistet, deretwegen sie nach Beirut geschickt
wurde - und sie erfüllt ihre Mission.
Wohin führt nun unser Weg? Was könen wir jetzt tun, um dem Libanon dabei zu helfen, eine größere Stabilität zu erreichen, damit unsere Soldaten
dann nach Hause kommen können? Ich glaube, wir können jetzt drei Schritte

- 6 -

.

�drei Schritte tun, durch die vieles anders wird.
Erstens, wir werden unsere Suche nach Frieden und Stabilität beschleunigen.

Bisher wurde der Tatsache wenig Aufmerksamkeit geschenkt, daß wir Son-

derbotschafter haben, die wörtlich rund um die Uhr arbeiten, um die miteinander im Krieg liegenden Fraktionen zusammenzubringen.

Am kommenden Montag wird

Präsident Gemayel in Genf sich mit anderen Gruppierungen seines Landes zusammensetzen, um zu sehen, ob es zu einer nationalen Versöhnung kommen kann.
hat unsere feste Unterstützung.

Er

Ich werde in Kürze den Nachfolgen für Bud

McFarlane ernennen, dessen Vorgänger wiederum Phil Habib war.

Beide arbeite-

ten unermüdlich, und ihnen ist viel, wenn nicht das meiste, an dem Fortschritt
zuzuschreiben, den wir gemacht haben.
Zweitens, wir werden mit unseren Verbündeten noch enger dabei zusammenarbeiten, der Regierung des Libanon Unterstützung zu gewähren und wieder einen
nationalen Konsens zu schaffen.
Drittens, wir werden sicherstellen, daß der multinationalen Friedenstruppe - und unseren Angehörigen des Marinekorps also - der größtmögliche
Schutz zuteil wird.

Unser Kommandant des Marinekorps, General Kelley, ist

heute aus dem Libanon zurückgekehrt und wird uns hinsichtlich der Schritte beraten, die wir zur Verbesserung der Sicherheit unternehmen können.

Vizeprä-

sident Bush ist gerade letzte Nacht von Beirut zurückgekehrt und hat mir einen
umfassenden Bericht über seinen Kurzbesuch gegeben.
über unsere Fortschritte im Libanon hinaus sollten wir uns daran erinnern,
daß unser Hauptziel und -zweck darin liegt, im gesamten Nahen Osten einen umfassenderen Frieden zu erreichen. Die Zwietracht und die Bitternis, die wir
im Libanon sehen, sind nur ein verkleinertes Abbild der Schwierigkeiten, die
sich über fast die ganze Region dort ausbreiten.
Eine Friedensinitiative für den gesamten Nahen Osten, die in Einklang
mit den Camp David-Vereinbarungen und den UN-Resolutionen 242 und 338 steht,
- 7 -

�und 338 steht, bietet noch immer die größte Hoffnung darauf, dieser Region
Frieden zu bringen.
Lassen Sie mich diejenigen fragen, die sagen, wir sollten uns aus dem
Libanon zurückziehen:

Wenn wir jetzt den Libanon verlassen würden, welche

Botschaft wäre das für diejenigen, die Instabilität und Terrorismus schüren?
Wenn Amerika den Libanon im Stich ließe, welche Chancen gäbe es dann
dort für eine Verhandlungslösung, die einen einigen, demokratischen Libanon
bringen könnte?
Wenn wir jetzt dem Libanon den Rücken kehren würden, wie sähe es dann
mit der Zukunft Israels aus?

Es geht um das Schicksal des zweiten arabischen

Landes, das mit Israel ein wesentliches Abkommen

ausgehandelt hat.

Dies

ist übrigens eine weitere Leistung des vergangenen Jahres - das Abkommen vom
17. Mai, das der Libanon und Israel unterzeichnet haben.
Wenn Terrorismus und Einschüchterung Erfolg hätten, so wäre dies ein
vernichtender Schlag für Fortschritte beim Frieden und für Israels Suche
nach echter Sicherheit. Nicht nur der Libanon wäre dann zu einer Zukunft
in Chaos verurteilt. Können die Vereinigten Staaten oder die freie Welt deshalb abseits stehen und zusehen, wie der Nahe Osten dem Sowjetblock einverleibt wird? Wie ist es mit der Abhängigkeit Westeuropas und Japans vom öl
des Nahen Ostens für die Energie, um ihre Industrie in Gang zu halten? Der
Nahe Osten ist, wie ich schon sagte, für unsere nationale Sicherheit und
für unser wirtschaftliches Wohlergehen von lebenswichtiger Bedeutung.
Tapfere junge Männer wurden uns genommen.
lich verwundet.

Viele andere wurden schreck-

Sollen wir ihnen sagen, daß ihr Opfer umsonst war?

Sie ga-

ben ihr Leben für die Verteidigung unserer nationalen Sicherheit genauso
hin

wie all jene, die je im Kampf gefallen sind.

Wir dürfen der Bedeutung

und dem Sinn ihres mutigen Opfers nicht das Geringste nehmen.
Wir sind

�Wir sind eine Nation mit weltweiter Verantwortung.

Wir sind nicht

irgend jemand in der Welt, der die Interessen von irgend jemand sonst schützt.
Wir sind dort, um unsere eigenen zu schützen.

Ich erhielt eine Botschaft vom

Vater eines unserer Marine-Infanteristen im Libanon.

Er schrieb mir:

"In

einer Welt, in der wir von den Menschenrechten sprechen, gibt es einen traurigen Mangel an Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Mein Sohn hat

sich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen für das Privileg, in diesem Land zu leben.

Eines ist sicher:

nicht einfach ererbt.

Man hat sie nur, wenn man bereit ist, für diese Rechte

auch Verantwortung zu übernehmen."
rend

In diesem Land hat man seine Rechte

Dr. Kenneth Morrison schrieb dies wäh-

er darauf wartete, zu hören, ob auch sein Sohn unter den Toten sei.

Ich war hocherfreut, als ich heute erfuhr, daß sein Sohn Ross lebt und weiter
seiner Pflicht im Libanon nachkommt.
Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden.

Länger, als irgend-

einer von uns sich erinnern kann, haben die Menschen im Nahen Osten von Krieg
zu Krieg gelebt - ohne Aussicht auf irgendeine andere Zukunft.
kreis muß unterbrochen werden.

Warum sind wir dort?

Dieser Teufels-

Eine libanesische Mutter

sagte einem unserer Botschafter, daß ihre kleine Tochter während der letzten
acht Jahre nur zwei Jahre lang die Schule besuchen konnte. Aufgrund unserer
Anwesenheit dort könne ihre Tochter jetzt ein normales Leben führen.

Mit Ge-

duld und Festigkeit können wir dazu beitragen, daß diese von Krisen erschütterte Region Frieden findet - und dadurch wird auch unser eigenes Leben sicherer.
Unsere Rolle besteht darin, den Libanesen dabei zu helfen, ihr Land wieder
in Ordnung zu bringen, aber nicht darin, es für sie zu tun.
Ich weiß, daß noch ein anderer Teil der Welt Sie alle sehr beschäftigt
- ein Teil, der unseren Grenzen sehr viel näher liegt:

Grenada.

Diese Insel

ist nur zweimal so groß wie der District of Columbia und hat eine Gesamtbevölkerung von etwa 110 000 Menschen.
Grenada sowie ein halbes Dutzend Inseln in der Karibik waren bis vor
kurzem noch britische Kolonien. Sie sind jetzt unabhängige Staaten und Mit- 9 -

�und Mitgliedern des britischen Commonwealth.

Sie respektieren die Unabhän-

gigkeit des jeweils anderen, empfinden aber auch eine Art Verwandtschaft
untereinander und fühlen sich als ein Volk.
Im Jahr 1979 begannen die Schwierigkeiten in Grenada.

Maurice Bishop,

ein Protege Fidel Castros, führte einen Militärputsch durch und stürzte die
Regierung, die aufgrund der von den Briten hinterlassenen Verfassung gewählt
worden war.

Er suchte die Hilfe Kubas beim Bau eines Flugplatzes, der seiner

Behauptung nach dem Tourismus dienen sollte, der aber in verdächtiger Weise
für Militärflugzeuge, darunter von den Sowjets gebaute Langstreckenbomber, geeignet aussah.
Die sechs souveränen Länder sowie eine verbliebene Kolonie schlössen
sich zu der-wie sie es nennen - "Organisation Ostkaribischer Staaten" zusammen.

Die sechs Länder wurden in zunehmendem Maße besorgt, als Bishop eine

Armee aufbaute, die größer war als ihre Streitkräfte zusammengenommen.

Es

lag auf der Hand, daß die Armee nicht nur für reine Verteidigungszwecke gedacht war.
Während des vergangenen Jahres etwa gab Bishop zu verstehen, daß er
vielleicht die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu verbessern wünsche.
Er besuchte sogar unser Land und traf mit hochrangigen Vertretern des Weißen
Hauses und des Außenministeriums zusammen. Ob es ihm nun ernst war oder nicht,
werden wir niemals erfahren.

Am 12. Oktober bemächtigte sich eine kleine

Gruppe seiner Miliz seiner Person und setzte ihn unter Arrest. Diese Gruppe
war radikaler und dem Kuba Castros mehr ergeben, als dies bei Bishop der Fall
gewesen war.
Einige Tage später erschien eine Anzahl von Bürgern vor dem Hause Bishops,
befreite ihn und begleitete ihn zum Hauptquartier des Militärrates. Sie wurden beschossen. Eine Reihe von ihnen, darunter einige Kinder, wurden getötet,
und Bishop wurde festgesetzt. Er und mehrere Kabinettsmitglieder wurden dann
erschossen; ein 24stündiges Ausgangsverbot mit sofortigem Schießbefehl wurde

- 10 -

�Schießbefehl wurde verhängt.

Grenada war ohne Regierung, die einzige Auto-

rität wurde von einer selbsternannten Gruppe von Militärs ausgeübt.
Zu der Zeit befanden sich etwa 1000 amerikanische Bürger auf Grenada,
darunter 800 Studenten der medizinischen Hochschule in St. Georges. Aus der
Sorge heraus, daß ihnen etwas geschehen könne oder sie als Geiseln festgehalten werden könnten, ordnete ich an, daß ein Schiffsverband,der sich mit
Marinesoldaten an Bord auf der Fahrt nach dem Libanon befand - Teil unseres
regelmäßigen Rotationsprogramms - Kurs nach Süden nehmen sollte, der sie in
die Nähe Grenadas bringen würde, falls sich die Notwendigkeit einer Evakuierung unserer Bürger ergäbe.
In den frühen Morgenstunden am vergangenen Wochenende wurde ich geweckt, und mir wurde mitgeteilt, daß sechs Mitglieder der Organisation Ostkaribischer Staaten, denen sich Jamaica und Barbados angeschlossen hatten,
ein dringendes Ersuchen an uns gerichtet hätten, gemeinsam mit ihnen eine
militärische Operation zu unternehmen, um wieder Ordnung und Demokratie auf
Grenada herzustellen.

Sie schlugen diese Maßnahme im Rahmen der Bestimmungen

eines Vertrages vor - eines gemeinsamen Unterstützungsvertrages -, der zwischen ihnen besteht.
Diese kleinen, friedlichen Nationen benötigten unsere Hilfe.

Drei von

ihnen verfügen nicht einmal über Armeen, und die anderen haben nur sehr begrenzte Streitkräfte.

Die Legitimität ihres Ersuchens sowie meine eigene

Sorge hinsichtlich unserer Staatsbürger diktierten meine Entscheidung.

Ich

bin der Überzeugung, daß unsere Regierung die Verantwortung hat, ihren Bürgern zu Hilfe zu kommen, wenn deren Recht auf Leben und Freiheit bedroht ist.
Der Alptraum unserer Geiseln im Iran darf sich niemals wiederholen.
Wir wußten, daß wir wenig Zeit hatten und daß völlige Geheimhaltung lebenswichtig war, um sowohl die Sicherheit der jungen Soldaten zu gewährleisten, die diese Mission unternahmen, als auch der Amerikaner, die sie
retten sollten.

Die Stabschefs arbeiteten Tag und Nacht, um einen Plan zu

- 11 -

�Plan zu entwickeln.

Ihnen lagen einige Geheimdienstinformationen über die

Verhältnisse auf der Insel vor.

Wir mußten davon ausgehen, daß die mehreren

Hundert Kubaner, die am Flugplatz arbeiteten, militärische Reserven sein
könnten.

Wie sich dann zeigte, war die Zahl weitaus größer, und sie stellten

eine militärische Streitkraft dar.

600 sind gefangengenommen worden, und wir

haben eine komplette Basis mit Waffen und Fernmeldeausrüstung entdeckt, was
deutlich macht, daß eine kubanische Besetzung der Insel geplant war.
Vor zwei Stunden haben wir die ersten Fotos aus Grenada veröffentlicht.
Darunter waren Bilder eines ganzen Depots mit militärischer Ausrüstung - eines
von dreien, die wir bisher entdeckt haben.

Dieses Depot enthielt Waffen und

Munition und war vollgepfropft bis zur Decke - genug Material, um Tausende
von Terroristen zu versorgen.

Grenada, so wurde uns gesagt,sei ein freund-

liches Inselparadies für den Tourismus.

Nun, das war es nicht.

Es war eine

sowjetisch-kubanische Kolonie, die als eine wichtige militärische Bastion ausgebaut worden war, um den Terror zu exportieren und die Demokratie zu untergraben.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig.

Ich kann unser Militär nicht genug loben - die Ranger der Armee und die
Fallschirmjäger, die Soldaten der Marine, des Marinekorps und der Luftwaffe
- all jene, die einen hervorragenden Einsatz planten und ihn dann ausführten.
Fast unverzüglich besetzten die Soldaten die beiden Flugplätze, sicherten
den Campus, auf dem sich die meisten unserer Studenten aufhielten, und befinden sich jetzt in der Abschlußphase.
Es sollte noch darauf hingewiesen werden, daß es bei der ganzen Planung
höchste Priorität war, die Risiken auf ein Minimum zu beschränken, Verluste
für unsere Soldaten wie auch für die grenadischen Streitkräfte zu vermeiden,
so weit dies menschenmöglich war. Es gab jedoch Verluste, und wir alle stehen
in der Schuld derer, die ihr Leben verloren haben oder verwundet wurden. Die
Anzahl war gering, aber selbst ein einziges Leben ist ein tragischer Preis.
Es ist
- 12 -

�Es ist unsere Absicht, unsere Soldaten sobald wie möglich zurückzuholen.
Die Ministerpräsidentin von Dominica, Eugenia Charles - sie ist die Vorsitzende
der Organisation Ostkaribischer Staaten - ruft die Länder des Commonwealth
um Hilfe dabei auf, den Menschen (auf Grenada) das Recht auf die Einsetzung
einer verfassungsmäßigen Regierung zu geben.

Wir rechnen damit, daß der Ge-

neralgouverneur, ein Grenadier, sich an der Schaffung einer provisorischen
Interimsregierung beteiligen wird.
Die Ereignisse im Libanon und auf Grenada - obwohl diese Länder durch
Ozeane getrennt sind - stehen in engem Zusammenhang miteinander.

Moskau hat

nicht nur die Gewaltanwendung in beiden Ländern unterstützt und gefördert,
sondern es gewährt auch durch ein Netz von Stellvertretern und Terroristen
direkte Unterstützung.

Es ist kein Zufall, daß 30 sowjetische Berater und

Hunderte von Angehörige militärischer und paramilitärischer Kräfte auf der
Insel anwesend waren, als die Schurken versuchten, die Kontrolle über Grenada
zu erlangen.

In dem Augenblick, als wir dort landeten, nahmen wir Verbindung

mit den Regierungen Kubas und der Sowjetunion auf, und erklärten ihnen, daß
wir Obdach und Sicherheit für ihre Leute auf Grenada anböten.

Bedauerlicher-

weise befahl Castro seinen Leuten, bis zum Tode zu kämpfen - und einige taten
dies auch.

Die anderen werden in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Sie wissen, daß es eine Zeit gab, wo unsere nationale Sicherheit sich
auf ein stehendes Heer innerhalb unserer eigenen Grenzen sowie auf Artilleriebatterien entlang unserer Küsten stützte. Und natürlich gab es eine Marine,
um die Seewege für die Verschiffung von Materialien offenzuhalten, die zu unserem Wohlergehen notwendig waren.
Die Welt hat sich geändert.

Heute kann unsere nationale Sicherheit an

weit entfernt liegenden Orten bedroht werden.

Wir alle müssen uns der stra-

tegischen Bedeutung solcher Plätze bewußt und in der Lage sein, sie zu identifizieren.

Sam Rayburn hat einmal gesagt, daß die Freiheit nicht etwas sei,

für das eine Nation sich einmal einsetzte und sie dann für immer gewinne.
sagte, sie sei vielmehr wie eine Versicherungspolice.
immer auf dem neuesten Stand gehalten werden.
- 13 -

Er

Die Prämien müßten

Wenn wir die Freiheit bewahren

�Freiheit bewahren wollen, dann müssen wir fürtsie ständig arbeiten und Opfer
bringen, solange wir leben.

Wenn wir das nicht tun, werden unsere Kinder

wohl nicht das Vergnügen erfahren, für ihren Schutz zu arbeiten, denn es ist
dann vielleicht nicht mehr an ihnen, sie zu schützen.
In diesen letzten Tagen war ich mehr denn je davon überzeugt, daß wir
Amerikaner von heute die Freiheit wahren und den Frieden aufrechterhalten
werden.

Ich habe das empfunden aufgrund der hervorragenden Gesinnung unserer

jungen Männer und Frauen in Uniform und aufgrund einiger Dinge hier in der
Hauptstadt unseres Landes.

In dieser Hauptstadt, wo politische Auseinander-

setzungen so sehr zu unserem Leben gehören, habe ich gesehen, wie die Führer
der Demokraten im Kongreß gemeinsam mit ihren republikanischen Kollegen eine
Botschaft an die Welt richteten:

Daß wir nämlich vor allem anderen Amerikaner

sind und daß wir bei einer Bedrohung unseres Landes Schulter an Schulter
stehen, wenn es darum geht, unsere Männer und Frauen in den Streitkräften zu
unterstützen.
wissen sollten.

Ich möchte Ihnen etwas mitteilen, was Sie meiner Meinung nach
Es passierte dem Kommandanten unseres Marinekorps, General

Paul Kelley, als er unsere schwer verwundeten Marinesoldaten in einem Luftwaffenhospital besuchte.

Und es sagt mehr über die Tapferkeit und den Herois-

mus dieser jungen Menschen,aus als wir alle hoffen konnten, - junger Menschen,
die mit so großer Bereitwilligkeit dienen, damit andere die Chance auf Frieden
und Freiheit in ihrem eigenen Leben sowie im Leben ihres Landes haben.
Ich will General Kelley zitieren, um diesen Fall zu beschreiben. Er
sprach von einem "jungen Marinesoldaten mit mehr Kanülen in seinem Körper,
als ich das jemals bisher gesehen habe. Er konnte nicht mehr richtig sehen.
Er richtete sich auf und fühlte nach meinen vier Sternen, um sicher zu sein,
daß ich auch der war, für den ich mich ausgab. Er hielt meine Hand mit festem
Griff. Er gab mir Signale, und wir erkannten, daß er mir etwas mitzuteilen
wünschte. Wir gaben ihm einen Block in die Hand, und er schrieb darauf
'Semper fi'. Wenn man einmal dem Marinekorps angehört hat, oder wenn man,
wie ich, ein Bewunderer dieses Korps ist, dann weiß man, daß dies eine Art
Schlachtruf ist, ein Gruß und ein Motto des Marinekorps. Diese Kürzel stehen

- 14 -

�Kürzel stehen für den Wahlspruch des Marinekorps "semper fidelis - immer getreu und zuverlässig1."
Von General Kelley weiß man, daß er ein sehr modern denkender General
und ein sehr harter Marinesoldat ist.

Aber er weinte, als er diese Worte

sagte, und wer kann ihn deswegen tadeln.
Dieser Marinesoldat und alle anderen, lebend und tot, sind ihren Idealen
treu geblieben. Sie haben sich mit großer Bereitschaft eingesetzt, damit
ein nahezu unbewaffnetes Volk in einer Region von großer strategischer Bedeutung für die freie Welt eines Tages die Chance haben wird, ein Leben zu führen, das frei von Mord, Zerstörung und Terrorismus ist. Ich glaube, daß dieser junge Marinesoldat und alle seine Kameraden jedem von uns ein Beispiel
gegeben haben, dem wir nacheifern sollten. Sie schreckten nicht davor zurück, für ihr Land einzutreten oder - wie schwer und langsam dies auch gehen
mag - anderen diese letzte und beste Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu
geben. Wir können und werden sie jetzt nicht enttäuschen und ihre Opfer nicht
diskreditieren, indem wir der Sache der Freiheit und dem Streben nach Frieden nicht so getreu sind, wie sie es waren.
Ich fordere Sie nicht auf, für die Toten zu beten, weil sie in den Armen
Gottes sicher sind und unsere Gebete nicht benötigen. Ich möchte Sie vielmehr alle bitten, wo immer Sie in diesem gesegneten Land auch sein mögen für jene zu beten, die verwundet sind, und für die schwergeprüften Familien
jener, die ihr Leben für unsere Freiheit gegeben haben.

- 15 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

2. November 1983

KENNETH DAM LEGT GRÜNDE FÜR GRENADA-AKTION DAR
Stellvertretender US-Außenminister vor Senatsausschuß

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister Kenneth Dam erklärte am 27. Oktober 1983 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats,
daß alle an der kollektiven Aktion im Zusammenhang mit Grenada beteiligten
Staaten ihre Truppen abziehen werden, sobald es die Umstände nur irgendwie
erlauben.
Die Darlegungen Dams haben folgenden Wortlaut:
Die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der gemeinsamen Anstrengung
zum Schutz von Zivilisten und zur Wiederherstellung des Friedens in Grenada
gründet sich auf politische, humanitäre, strategische und rechtliche Überlegungen von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Ich werde mich allen diesen

Bereichen nacheinander zuwenden.

Politischer Zusammenbruch

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Politischer Zusammenbruch in Grenada
Lassen Sie mich damit beginnen, die außergewöhnlichen Ereignisse noch
einmal darzulegen, die zu einer Brutalität und Instabilität führten, wie sie
Im Bereich- der englischsprachigen Karibik bisher ohnegleichen war.
Der Zusammenbruch der öffentlichen Institutionen in Grenada begann am
Abend des 12. Oktober mit dem Versuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten Bernard Coard, Premierminister Maurice Bishop mit Gewalt aus dem Amt
zu vertreiben.

Bishop, der 1979 an die Macht gekommen war, hatte enge Be-

ziehungen zu Kuba und zur Sowjetunion aufgenommen, wurde jedoch den Berichten
zufolge von der Coard-Fraktion als viel zu "moderat" angesehen.
Angesichts der Tatsache, daß es keine Wahlen gab, um auf diese Weise
eine Veränderung der Regierung herbeizuführen, wurde Gewalt zur unausweichlichen Alternative.

Bishop wurde in den Morgenstunden des 14. Oktober in

Gewahrsam genommen.
Am 19. Oktober zeigte sich die Gewalttätigkeit des Machtkampfes immer
deutlicher. Truppen eröffneten das Feuer auf Anhänger Bishops, die ihn aus
dem Hausarrest befreit hatten, und brachten ihn zum Fort Rupert, dem Hauptquartier der Armee. Bishop, mehrere Minister des Kabinetts und Gewerkschaftsführer wurden verschleppt, dann brutal exekutiert. Die Erziehungsministerin
Jacqueline Creft wurde Berichten zufolge erschlagen. Mindestens 18 Todesfälle wurden bestätigt. Von vielen weiteren, einschließlich von Frauen und
Kindern, wurde berichtet.
Im Gefolge dieser Morde kündigte die Revolutionäre Volksarmee die Auflösung der Regierung und die Bildung eines aus 16 Mitgliedern bestehenden
Revolutionären Militärrates (RMC) an, dessen nominelles Oberhaupt der Armeekommandeur Hudson Austin war.
Ich sage

- 2 -

�Ich sage "nominelles Oberhaupt", weil zu keinem Zeitpunkt klar war,
ob Austin oder irgendeine andere zusammenhängende Gruppe tatsächlich verantwortlich war.
funktionieren.

Der RMC zeigte keine Absicht, als eine neue Regierung zu
RMC-Mitglieder deuteten nur an, daß in zehn Tagen oder zwei

Wochen eine neue Regierung angekündigt werden würde.
Man kann nicht sagen, ob oder wann eine Regierungsautorität irgendwelcher Art eingesetzt worden wäre.

Der frühere stellvertretende Minister-

präsident Coard, der am 12. Oktober zurückgetreten war, befand sich Berichten zufolge in Armeegewahrsam, wobei nicht klar war, ob dies zu seiner eigenen Sicherheit so war oder ob es sich um eine Art Internierung handelte.
Das Klima der Angst und Gewalt verdichtete sich noch durch die Verhängung einer 24stündigen Ausgangssperre - der RMC kündigte an, daß jeder, der
sich außerhalb seines Hauses befinden würde, sofort erschossen würde. Das
grenadische Volk gehorchte, aber die wenigen Menschen, denen es gelang, die
Insel zu verlassen, berschrieben die Haltung der Öffentlichkeit als unterwürfig, widerspenstig oder wütend.

Die Reaktion in der Karibik
Die Morde und der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung schockierte,
entsetzte und alarmierte die Führungen in der ganzen Karibik.
Premierminister Tom Adams von Barbados erklärte, Bishop und seine
Minister seien von "verabscheuungswürdigen Mördern" getötet worden, die
"den verwerflichsten Akt zur Verleumdung der westindischen Inseln seit den
Tagen der Sklaverei" begangen hätten.
Premierminister Edward Seaga von Jamaika brachte die allgemeine Entrüstung der Karibik gegenüber "einem solchen Grad der Barbarei" zum Ausdruck.
Die Oppositionspartei
- 3 -

�Die Oppositionspartei von Jamaika (Nationale Volkspartei - PNP) mit
dem ehemaligen Premierminister Michael Manley an der Spitze brach am 20.
Oktober alle Beziehungen zu der "Neuen Juwelen"-Bewegung Grenadas ab und
empfahl ihre Ausweisung aus der Sozialistischen Internationale.

Der RMC,

so erklärte sie, habe kein Recht, für das grenadische Volk zu sprechen.
Die Karibische Kirchenkonferenz, die dem Weltrat der Kirchen angehörte,
brach "alle Beziehungen zu den jetzt in Grenada Herrschenden ab, einschließlich der Unterstützung für...

Entwicklungsprojekte."

Mit seiner Kritik, die sich nunmehr als verzweifelter Versuch erweist,
seine militärische Position zu wahren, verwies sogar Kuba offiziell auf "die
schweren Irrtümer, die von den grenadischen Revolutionären begangen wurden."

Die Entscheidung zum Handeln in der Karibik
Der Zusammenbruch der politischen Autorität, die Gewalt und die Entwicklung einer Dynamik, der deutlich die Aussicht auf weitere Gewalt innewohnte - all dies trug zu einer Situation drohender Ungewißheit bei, die
die Führungen in der Karibik in höchste Alarmbereitschaft versetzte.
Jamaika, Trinidad und Tobago brachen alle diplomatischen Beziehungen
zu Grenada ab. Am 23.Oktober suspendierten die Staatsoberhäupter der Karibischen Gemeinschaft im Verlauf einer Dringlichkeitssitzung die Mitgliedschaft Grenadas in der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS). Die OECS
schränkte gleichzeitig die Handelsvorteile für Grenada ein.
Hinter der Szene beschloß die Organisation Ostkaribischer Staaten,
die eine Gemeinschaft aus Antigua, Dominica, Grenada, Montserrat, St.
Kitts/Nivis, Santa Lucia und St. Vincent sowie den Grenadinen darstellt,
dem Volk von Grenada zu helfen und hierzu die Hilfe der Vereinigten Staaten
zu erbitten.
Die amerikanische
- 4 -

�Die amerikanische Entscheidung zum Handeln
Natürlich verfolgten wir bereits vorher die Ereignisse mit wachsender
Sorge.

Amerikanische Bürger - vorwiegend Studenten, ältere Pensionäre und

Missionare - machen den größten Ausländeranteil Grenadas aus.

Unsere Sorge

um ihr Wohlergehen wurde durch die Morde, die Ausgangssperre und die Schwierigkeiten erhöht, akkurate Informationen über ihr Wohlergehen und ihre künftigen Aussichten zu erhalten.

Da der RMC den Flughafen nicht wieder öffnete,

um einen ungehinderten Abflug zu ermöglichen, zeichnete sich ab, daß alles
möglich sein konnte.
Nach sorgfältiger Abwägung dieser Entwicklungen und Überprüfung aller
Aspekte des Ersuchens der Organisation Ostkaribischer Staaten kam Präsident
Reagan zu dem Schluß, daß passives Abwarten wahrscheinlich noch größere Risiken mit sich bringen würde.

Bevor er jedoch auf das Ersuchen der Organi-

sation Ostkaribischer Staaten einging, sandte der Präsident einen Sonderbotschafter, Frank McNeil, um sich der OECS und anderen regionalen Führungen
zu konsultieren.

Botschafter McNeil traf mit der Vorsitzenden der OECS,

Frau Eugenia Charles, mit Premierminister Adams von Barbados sowie mit
Premierminister Seaga von Jamaika am 23. Oktober in Barbados zusammen.
Botschafter McNeil stellte fest, daß all diese karibischen Führungspersonen einhellig der Überzeugung waren, daß die sich immer weiter verschlechternden Bedingungen auf Grenada eine Bedrohung der gesamten Region
darstellten, weshalb eine sofortige und kraftvolle Aktion notwendig sei.
Sie erneuerten mit Nachdruck ihr Ersuchen um amerikanischen Beistand.
Der Grund ist - insbesondere angesichts der vielen bewaffneten Kubaner
auf Grenada - offenkundig: Die sechs demokratischen OECS-Staaten, Barbados
und Jamaika hatten den politischen Willen zum Handeln, verfügten jedoch
nicht über die militärischen Mittel, um dies allein zu tun. Sie bestanden
jedoch darauf, daß die Situation kein abwartendes Zusehen vertrage.
Manchmal ist

�Manchmal ist Handeln notwendig, um sicherzustellen, daß eine schlechte
Lage nicht noch schlimmer wird.

Ein solcher Zeitpunkt war hier gegeben.

Hätten wir abgewartet, so hätten diejenigen, die vergangene Woche fast die
gesamte Regierung Grenadas ermordeten und die sich seither als nicht in der
Lage erwiesen hatten, auch nur den Anschein zu geben, eine neue zu bilden,
entweder die Insel in ein noch größeres Chaos getrieben oder sie in eine
bewaffnete Festung verwandelt.
In beiden Fällen wären amerikanische Bürger und der Frieden der östlichen Karibik gefährdet gewesen.

Untätigkeit hätte diese Gefahren nur

vergrößert - einschließlich der Möglichkeit einer Geisel Situation - und
spätere Anstrengungen nur noch kostspieliger gemacht.

Legale Handlungsvollmacht
Vor diesem Hintergrund gewann das dringende Ersuchen der Organisation
Ostkaribischer Staaten entscheidendes Gewicht. Die OECS ist eine sub-regionale Vereinigung, die 1981 aufgrund eines Vertrages ins Leben gerufen
wurde. Zu den Zielen des Vertrags gehörte die Förderung der regionalen Zusammenarbeit sowie der kollektiven Sicherheit.
Der Generalgouverneur von Grenada richtete ein vertrauliches Ersuchen
an die OECS, Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung auf der Insel zu
ergreifen. Als einzigem noch verbliebenen amtlichen Vertreter der grenadischen Regierung kam seinem Appell außerordentliche moralisches und rechtliches Gewicht zu.
Die Mitglieder der OECS beschlossen, in Übereinstimmung mit Artikel 8
des OECS-Vertrages die notwendigen Maßnahmen gegenüber dieser Bedrohung zu
ergreifen.

Sie bemühten sich um die Unterstützung befreundeter ausländischer

Staaten, sich an einer kollektiven Sicherheitsstreitmacht zu beteiligen.
Barbados und

�Barbados und Jamaika stimmten der Beurteilung der OECS hinsichtlich
des Ernstes der Situation zu, boten einen Streitkrä'ftebeitrag zu einer kollektiven Aktion an und schlössen sich dem dringenden Ersuchen an die Vereinigten Staaten an, sich an der Unterstützung dieser regionalen Maßnahme zu beteiligen.
Die zunehmende Verschlechterung der Lage auf Grenada seit dem 12. Oktober war deutlicher Beweis für die Brutalität des Revolutionären Militärrates
sowie für das unheilvolle Fehlen eines Zusammenhaltes innerhalb des grenadischen Militärs. Der Revolutionäre Militärrat hatte ein 24stündiges Ausgangsverbot mit der Warnung verhängt, daß auf jeden, der dieses Verbot verletze, sofort geschossen werde, und den Flugplatz geschlossen.

Amerikanische

Staatsbürger konnten die Insel nicht verlassen.
Obwohl der Militärrat versichert hatte, den Flugplatz am 24. Oktober
wieder zu öffnen und Ausländern die Ausreise zu gestatten, wurde diese Zusicherung dann nicht eingehalten.

Es zeigte sich, daß weiteres Zögern das

Risiko der Gewaltanwendung gegenüber Amerikanern erhöhen, das Vakuum an Autorität noch vergrößern und die Nachbarn Grenadas bedrohen würde.
Die kollektiven Maßnahmen in Reaktion auf die gefährliche Situation
stand in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen und mit der
Charta der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Die eine wie die ande-

re Charta erkennen ausdrücklich die Kompetenz regionaler Sicherheitsgremien
bei der Wahrung des Friedens und der Stabilität an. Die OECS-Staaten gehören nicht dem Vertrag von Rio an; der OECS-Vertrag, der sich zum Teil mit
Fragen der kollektiven Sicherheit befaßt, ist ihre regionale Sicherheitsvorkehrung.
In Artikel 22 der OAS-Charta heißt es, daß Maßnahmen, die gemäß kollektiver Sicherheitsabmachungen ergriffen werden, nicht die Bestimmungen der
OAS-Charta über ein Verbot der Intervention und der Anwendung von Gewalt
verletzen. In gleicher Weise gestattet Artikel 52 der UN-Charta ausdrücklich

- 7 -

�UN-Charta ausdrücklich regionale Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung von
Frieden und Sicherheit in Obereinstimmung mit den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen.
Die Handlungen und Zielsetzungen der kollektiven Sicherheitsstreitmacht
stehen unter den Umständen, wie sie der Präsident und der Außenminister beschrieben haben in Übereinstimmung mit diesen Zielsetzungen und Grundsätzen
(der UN).
Als die OECS-Staaten diese, in Einklang mit dem Gesetz stehende,
kollektive

Maßnahme ergriffen, stand es ihnen frei, sich bei ihrem Bemühen

um Wahrung des Friedens und der Sicherheit der Karibik an andere betroffene
Staaten, darunter auch die USA, um Unterstützung zu wenden.

Eine Unterstüt-

zung als Antwort auf ihr Ersuchen ist an sich schon rechtmäßig.

Darüber

hinaus erlaubte die amerikanische Zusammenarbeit mit dieser kollektiven
Sicherheitsstreitmacht
Staatsbürger.

die sichere Evakuierung gefährdeter amerikanischer

Eine solche humanitäre Aktion ist durch althergebrachte

Grundsätze des Völkerrechts gerechtfertigt.

Die amerikanischen Ziele
Die Anweisungen des Präsidenten an die Streitkräfte der USA lauten:
mit der OECS bei der Landung auf Grenada zusammenzuarbeiten, die Abreise
aller amerikanischen und ausländischen Staatsbürger, die das Land zu verlassen wünschen, zu erleichtern und den Nachbarn Grenadas zu helfen, mit dem
grenadischen Volk auf die Wiederherstellung der Ordnung hinzuwirken. Nur
für die Verwirklichung dieser Ziele erfolgt die amerikanische Unterstützung
der militärischen Aktion der OECS.
Bis heute morgen um halb acht sind zahlreiche Amerikaner und einige
Ausländer - insgesamt 378 - mit sechs Flugzeugen sicher nach den Vereinigten
Staaten evakuiert worden. Ihre Berichte über die Verhältnisse auf Grenada

- 8 -

�auf Grenada sowie das Lob, das sie ihren Rettern zollen, sprechen für sich
selbst.
Die OECS hat erklärt, daß sie mit dem Generalgouverneur und prominenten Grenadiern zusammenarbeiten wird, um eine provisorische Regierung zu
schaffen, die in der Lage ist, wieder für funktionierende Institutionen zu
sorgen und bald Wahlen durchzuführen.
Zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Maßnahmen die provisorische
Regierung ergreifen wird. Dies zu entscheiden, ist Sache der Grenadier.
Eines ist jedoch sicher:

Alle Regierungen, die sich an dieser kollek-

tiven Aktion beteiligen, werden ihre Truppen abziehen, sobald es die Umstände
nur irgendwie erlauben.

- 9 -

�2. November 1983

ENERGIEPOLITIK MIT PROBLEMEN
- Versorgung muß durch langfristige Planungen für die wichtigen
Energieträger gesichert werden Von E. Allan Wendt
Der Autor ist stellvertretender Staatssekretär für Internationale Energiepolitik
im US-Außenministerium.
- (AD) - Unsicherheit beherrscht heute die Planung der Energiepolitik.
Das dramatischste Beispiel dafür ist der ülmarkt, aber auch die anderen Energieformen sind betroffen.

So sind beispielsweise die vor zwei bis drei Jahren

getroffenen Voraussagen zum Erdgasbedarf bereits überholt, und die Zukunft des
Transportgeschäfts mit flüssigem Erdgas ist, zum mindesten in der westlichen
Hemisphäre, in Frage gestellt.

Kohlelieferländer, in deren Gewässern sich die

Schiffe drängten, haben wegen des verringerten Strombedarfs und riesiger Halden
immer mehr Schwierigkeiten.

Und die einst so gepriesene Zukunft synthetischer

Brennstoffe ist in Gefahr.
Nicht minder

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Nicht minder wichtig als die dramatischen Veränderungen auf den Weltenergiemärkten ist die auffallende, jedoch nur selten publizierte Veränderung
der Darstellung des Begriffs "Energiesicherheit" in den westlichen Importländern.

Das ölembargo von 1973 brachte

sorgung völlig neu zu überdenken.

den Westen dazu, seine Energiever-

Nach 1973 stand Energiesicherheit unter

dem Einfluß der Suche nach Maßnahmen, mögliche Unterbrechungen der Ölversorgung zu verhindern und die Abhängigkeit von Importöl durch Einsparungen und
verstärkten Einsatz anderer Brennstoffe wie Erdgas und Kohle sowie von Kernkraft zu verringern.

Ein Ergebnis dieser Anstrengungen war die Schaffung

der Internationalen Energieagentur (IEA), die die zentrale Rolle beim Aufbau eines internationalen öl Verteilungssystems für den Krisenfall spielte.
Gleichzeitig war sie Forum zur Entwicklung von energiepolitischen Strategien,
die den Bedarf an Importöl verringerten.
Der Wendepunkt in der Entwicklung der westlichen Energiesicherheitspolitik kam auf der Gipfelkonferenz von Ottawa (1981). Für diese Konferenz
ist der Beginn eines neuen Bewußtseins der wichtigsten ölimportlander des
Westens kennzeichnend, daß nämlich andere Energieträger nicht unbedingt als
"besser" oder sicherer im Vergleich zu ölimporten, die sie ersetzen sollten,
betrachtet werden könnten. In Ottawa vertraten die Vereinigten Staaten den
Standpunkt, daß sich aus einer übermäßigen Abhängigkeit von Importen auch
anderer Energieträger als öl, insbesondere von Erdgas, schwerwiegende Risiken für die Energieversorgung ergeben könnten. Was uns am meisten Sorgen
bereitete, war der Bau der neuen sowjetischen Erdgasleitung nach Westeuropa.
In Ottawa legte Präsident Reagan den europäischen Ländern dringend nahe, die
möglichen Folgen dieses Projekts für die Sicherheit zu bedenken und einheimische Alternativen zur Deckung des Erdgasbedarfs in Westeuropa zu prüfen.
Während des ganzen folgenden Jahres war in den westlichen Ländern der
in Ottawa in Gang gekommene Dialog über Energiesicherheit und Erdgasabhängigkeit infolge abweichender Meinungen zu dem Projekt einer Erdgasleitung
aus Sibirien und amerikanischer Sanktionen gegen die Lieferung von Förderausrüstungen für Erdöl und Erdgas häufig Belastungen ausgesetzt.

- 2 -

Diese

�Diese Differenzen sind bekannt.

Der Streit über die Wirtschaftsbeziehungen

zwischen Ost und West machte Schlagzeilen - jedoch entwickelte sich ein ernsthafter Dialog über den europäischen Erdgasbedarf, über mögliche andere Lieferanten wie z.B. Norwegen und über die Notwendigkeit, sich auf eine Unterbrechung von Gaslieferungen besser vorzubereiten.
kanadischen Stadt La Sapiniere

Auf ihrer Konferenz in der

schlugen die NATO-Außenminister eine Reihe

von Studien über bestimmte Aspekte der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost
und West vor.

Eines der zu behandelnden Themen war "Energieabhä'ngigkeit und

Energiesicherheit der Allianz", eine Studie, die nach Möglichkeit von der
OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und
der IEA durchgeführt werden sollte.
Die hieraus resultierende Studie "Energiebedarf und Sicherheit", eine
gemeinsame Arbeit des Sekretariats von OECD und IEA, wurde von OECD- und IEAMitgliedstaaten noch erweitert, um auch eine Übersicht über den weltweiten
künftigen Bedarf an allen Energieträgern zu geben.

Der wichtigste Teil der

Analyse konzentrierte sich allerdings auf den Erdgasbedarf in Westeuropa.
Minister der IEA und der OECD unterstützten eine Serie politischer Schlußfolgerungen aus der gemeinsamen Studie, u.a. auch eine Reihe von miteinander in
Zusammenhang stehenden Prinzipien für die sichere Entwicklung und Verwendung
von Erdgas.

Sie umfassen vier wichtige Punkte:

Erstens:

Erkenntnis der Risiken in Verbindung mit starker Abhängigkeit

von einer einzigen Lieferquelle und die Verpflichtung, zu große Abhängigkeiten von einzelnen Lieferquellen zu vermeiden.
Zweitens:

Die Bedeutung der Entwicklung sicherer einheimischer Energie-

quellen zum frühestmöglichen Zeitpunkt wird besonders unterstrichen.

So

appellierten die Regierungen der Mitgliedstaaten an die Firmen ihrer Länder,
Verhandlungen über die Erschließung von Gasvorkommen des norwegischen TrollFeldes und über zusätzliche Lieferungen von nordamerikanischem Gas aufzunehmen.
Drittens:

�Drittens:

Vereinbarung über eine Stärkung der Fähigkeit der Länder,

mit einer Unterbrechung von Gaslieferungen, gleichgültig, aus welcher Quelle,
fertigzuwerden.
Viertens:

Vereinbarung über die regelmäßige Abhaltung von Gesprächen

zur Überprüfung der Sicherheitselemente in der Gasbelieferung, wobei die
Frage, ob Gasimporte in die OECD-Länder eine rechtzeitige Erschließung einheimischer Ressourcen verhindern und die Belieferung störanfällig machen,
besondere Beachtung finden soll.
Das bedeutet nicht, daß die wegbereitende Studie "Energiebedarf und
Sicherheit" die OECD und IEA sich vornehmlich mit Erdgas befaßte.

Vielmehr

wurde darin u.a. festgestellt, daß wegen einer Vielzahl von Gründen eine
unzureichende Versorgung mit öl noch immer das größte Risiko für die Energiesicherheit der OECD-Länder in diesem Jahrzehnt darstellt.

Aber die Unter-

suchungen zum Erdgasproblem und die darauf fußenden Schlußfolaerungen für
die Politik auf Ministerebene unterscheiden sie von den zahllosen anderen
bisher veröffentlichten Studien der Energiesicherheit westlicher Länder.
Noch wichtiger ist, daß sie auch als Wendepunkt zu betrachten ist, wie die
westlichen Länder ihre gemeinsame Energiesicherheit sehen.
Wir haben seit der Gipfelkonferenz von Ottawa im Jahr 1981 lange gebraucht, um die westliche Energiesicherheit neu zu definieren. Noch schwieriger ist es, etwas darüber vorauszusagen, wohin nun der Weg in der Frage
der Energiesicherheit führen wird. Dazu möchte ich einige Punkte ansprechen.
Ebenso wie viele westeuropäische Politiker nicht mehr annehmen, daß
der Import anderer Energieträger als öl zwangsläufig wünschenswerter sei
als die Abhängigkeit von ausländischem öl, ist auch klar, daß nicht mehr die
Meinung vorherrscht, Energiepreise würden sich unweigerlich und automatisch
nach oben bewegen, als ob sie immun seien gegen die Kräfte des Marktes.

Die

positive Konsequenz dieser Erkenntnis war, daß Analytiker und Politiker bei
Energiefragen gelernt haben, sich gleichfalls auf elementare wirtschaftliche

- 4 -

�elementare wirtschaftliche Zusammenhänge und grundlegende Erfordernisse,
d.h., auf den Markt, zu konzentrieren.

Marktkrä'fte waren es, die in Verbin-

dung mit den Strukturveränderungen in den Weltenergiemärkten als Folge des
häufigen und sich ständig ausweitenden Nachziehens der Weltrohöl preise zum
Absacken des Weltenergiemarktes und zu niedrigeren Energiepreisen führten, wie
wir sie heute haben.
Die Kehrseite dieser Veränderungen ist, daß viele die Notwendigkeit beständiger Anstrengungen auf dem Gebiet der Energiesicherheit als weniger zwingend ansehen.

Während einige Beobachter hier von "Trägheit" sprechen, möchte

ich es eher als Dilemma bezeichnen.

Auf der einen Seite wissen wir, daß

Energiemärkte wahrscheinlich eine erhebliche Anspannung erfahren, wenn es
mit der Weltwirtschaft wieder aufwärts geht.

Dieser Prozeß ist bis zu einem

gewissen Grad in Gang gekommen, was erneute Aufmerksamkeit für Fragen der
Energiesicherheit erfordert.
Andererseits hat im Verein mit diesem psychologisch bedingten Trägheitsfaktor der gleiche wirtschaftliche Rückgang, der zum Teil für das Absinken
des Energiebedarfs in westlichen Ländern und der Preise verantwortlich war,
auch die finanzielle Kapazität unserer Länder und Wirtschaftsunternehmen für
die Fortsetzung und Ausweitung von Anstrengungen zur Verbesserung der Energiesicherheit belastet.

Etatbeschränkungen und schwache Nachfrage bewirkten eine

regelrechte Entmutigung von Maßnahmen zur Ausweitung der Energiesicherheit.
Dadurch wurde die rechtzeitige Entwicklung einheimischer Alternativenergien
im Westen in Frage gestellt.
Diese Anstrengungen können und müssen jedoch weitergehen.

Es ist die

Verantwortung und sogar die Pflicht der Energiepolitiker in den westlichen
Ländern, sich sachlich und auf weite Sicht mit unserer Energiesicherheit zu
befassen, wobei zwar die gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen
Schwierigkeiten zu berücksichtigen sind, aber nicht überbewertet werden dürfen.

Ich möchte hier kurz umreißen, was ich als unsere vordringlichsten Auf-

gaben betrachte:
- Beim DI
- 5-

�Beim öl müssen die OECD-Länder über lange Zeit Anreize geben, um die
gegen Störungen am meisten anfälligen Importe durch besser gesicherte
Lieferungen oder durch Energieträger entweder auf ölbasis oder in anderer
Form, insbesondere auf der Basis von Kohle, zu ersetzen.

Besonders wich-

tig sowohl für OECD-Mitglieder als auch Entwicklungsländer sind weitere
Anstrengungen zur Nutzbarmachung einheimischen Öls und anderer Energieressourcen.

Außerdem müssen wir unser Programm für strategische ölre-

serven stärken.

Die Vereinigten Staaten füllen ihre strategische Erd-

ölreserve weiter auf, die jetzt mit 340 Millionen Barrel Rohöl fast die
Hälfte der vorgesehenen Menge von 750 Millionen Barrel umfaßt.
Bei Erdgas müssen wir ähnlich zusammenarbeiten, um die Bedingungen zu
schaffen, die für die Entwicklung einheimischer Reserven erforderlich
sind. Aus amerikanischer Sicht arbeiten wir auf dieses Ziel hin, indem
wir die Umgestaltung der Gesetzgebung für unseren Erdgasmarkt mit Nachdruck betreiben, was, sobald die Reform durchgesetzt ist, neue Anreize
für mehr Erdgasproduktion im Inland schafft. In Europa ist es, so glauben wir, besonders wichtig, ein wirtschaftlich gesundes Programm für
die Erschließung des Troll-Fei des und anderer bedeutender einheimischer
Erdgasvorkommen in der Nordsee zu entwickeln.
Bei Kohle, die die reichhaltigste und sicherste fossile Brennstoffquelle
im Westen darstellt, müssen wir mehr Verbrauch fördern, damit unsere
Energiesicherheit größer wird. Obgleich wir in dieser Hinsicht gewisse
Fortschritte erzielten, wird dies angesichts der gleichbleibenden oder
gar fallenden öl preise und der Auffassung, daß Kohlenutzung zu Problemen
führt, künftig immer schwieriger werden. Dieses Problem sowie die wachsende Kontroverse über den Umfang der Aufwendungen zur Bekämpfung von
saurem Regen wird in den kommenden Jahren viel Aufmerksamkeit von den
Energiepolitikern in den Regierungen erfordern, damit Kohle als ein Bollwerk für unsere Energiesicherheit weiterbestehen kann.
Bei synthetischen

- 6 -

�- Bei synthetischen Brennstoffen sehen wir uns noch schwierigeren Aufgaben
gegenüber.

Wir meinen, daß synthetische Brennstoffe für die Energiesicher-

heit eine Rolle zu spielen haben.

Aber die damit verbundenen finanziellen

Aufwendungen sind enorm und lassen ernsthaft fragen, ob sich die Kosten
für die dabei genutzten Ressourcen auch lohnen.

In den Vereinigten Staa-

ten hat die "Gesellschaft für synthetische Brennstoffe" Schwierigkeiten,
angesichts schwerwiegender Etatkürzungen und der Realitäten des Marktes
neue Projekte zu fördern.
Letztlich ist das Dilemma der Energiepolitik der Industrieländer die
Frage, wieviel Aufmerksamkeit und in welcher Größenordnung Geldmittel für
Energiesicherheit aufgewendet werden sollten. Wir wissen, daß eine Abhängigkeit von Energieimporten in gewisser Weise unvermeidlich und Autarkie auf dem
Energiesektor für uns nicht einfach eine Frage der eigenen Entscheidung ist.
Andererseits erkennen wir an, daß sich bei den heutigen Märkten mit gedrückten Preisen und hohem Angebot Prioritäten nicht ohne weiteres setzen lassen.
Knappe Ressourcen zuzuteilen ist für Regierungen eine schwierige Sache. Unseres Erachtens müssen jedoch Regierungen und der private Sektor in der OECD
auch künftig ausreichende Mittel für neue Explorationen, für Produktion und
für die Erschließung alternativer Energiequellen investieren, um unseren wichtigsten Erfordernissen in der Zukunft gerecht zu werden und für den Fall erneuter Energieverknappung vorzusorgen.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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