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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18. April 1973

16

Inhalt
DOKUMENTATION:
Die Handelsbotschaft Präsident Nixons
-WortlautNixon will Rohstoffe aus strategischen Reservebeständen freigeben
-Wortlaut der Botschaft an den US-Kongreß-

WIRTSCHAFT:
Eberle fordert Liberalisierung des Agrarhandels
-Wortlaut«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Forschung zur Erschließung neuer Energiequellen
-Arbeitsgruppe des US-Kongresses legt Bericht vor»
Herzschrittmacher mit Radioisotop als Energiequelle
-Amerikanisches Modell in der Erprobung-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

16/1973

DIE HANDELS BOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß
am 10. April sein neues Gesetz für eine Handelsreform unterbreitet. Die
begleitende Botschaft des Präsidenten, in der dieser seine Vorschläge im
einzelnen erläutert, hat folgenden Wortlaut:
Das Gesetz für eine Handelsreform von 1973, das ich heute dem Kongreß
vorschlage, sieht die wohl wesentlichsten Veränderungen seit über einem
Jahrzehnt für die Initiative Amerikas auf dem Gebiet des Welthandels vor.
Dieses Gesetz kann mehr und bessere Arbeitsplätze für die amerikanischen
Arbeitnehmer bedeuten.
Es kann dazu beitragen, daß die amerikanischen Verbraucher mehr für ihr
Geld bekommen.
Es kann eine Ausweitung des Handels und einen wachsenden Wohlstand sowohl
für die Vereinigten Staaten als auch für unsere Handelspartner bedeuten.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Vorschläge uns helfen können,
die internationalen Spannungen abzubauen und das Gebäude des Friedens zu
stärken.
Die Notwendigkeit für eine Handelsreform ist dringend. Die große Aufgabe
einer Handelsreform bedingt eine wirksame, funktionierende Partnerschaft

�Partnerschaft zwischen der Exekutive und der Legislative. Die von mir
heute vorgelegte Gesetzgebung ist in engen Konsultationen mit dem Kongreß
ausgearbeitet worden und sieht auch nach ihrer Verabschiedung eine kontinuierliche Zusammenarbeit vor. Ich ersuche den Kongreß nachdrücklich,
diese Vorschläge in einem Geist konstruktiver Partnerschaft zu prüfen
und über sie umgehend und positiv zu entscheiden. Dieses Gesetz wird uns
helfen:
- Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Welthandelssystem
zu führen;
- uns auf wirksame Weise mit den schnell steigenden Importen zu befassen, die zu Störungen auf den Binnenmärkten und zur Freisetzung
amerikanischer Arbeiter führen;
- unsere Fähigkeit, unfairen Wettbewerbspraktiken zu begegnen, zu
stärken;
- unsere Handelspolitik wirksamer zu betreiben und zu nutzen, um mit
besonderen Fällen, wie sie unsere Zahlungsbilanz- und Inflationsprobleme darstellen, fertig zu werden; und
- die Vorteile neuer Handelsmöglichkeiten zu nutzen, während wir
gleichzeitig den Beitrag steigern, den der Handel zur Entwicklung
ärmerer Länder leisten kann.

Stärkung des Gebäudes des Friedens

Die Welt befindet sich gegenwärtig in einem tiefgreifenden und
historischen Wandel von einer Konfrontation zu Verhandlungen über die
Lösung internationaler Meinungsverschiedenheiten. In immer stärkerem
Maße haben die einzelnen Länder in den letzten Jahren erkannt, daß der
beste Weg zur Förderung ihrer eigenen Interessen darin besteht, die
friedlichen Kontakte zu anderen Völkern auszuweiten. Wir haben daher damit
begonnen, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten,
das allen Nationen nützen kann und an dem alle Nationen ein Interesse haben.
Dieses

�Dieses Gebäude des Friedens kann jedoch nicht stark sein, wenn es
nicht auch die internationalen Wirtschaftsfragen mit einschließt. Unser
Fortschritt in Richtung auf eine Welt des Friedens und der Stabilität
kann beträchtlich unterminiert werden durch wirtschaftliche Konflikte,
die Brutstätten politischer Spannungen sind und die Sicherheitsbande
schwächen. Es ist daher unbedingt erforderlich, daß wir unsere Verhandlungsanstrengungen umgehend der Aufgabe zuwenden, die Probleme auf wirtschaftlichem Gebiet zu lösen.
Meine Vorschläge für eine Handelsreform würden uns das nötige Werkzeug
an die Hand geben, diese Aufgabe zu bewältigen. Sie würden uns helfen, eine
neue Wirtschaftsordnung zu schaffen, die den von uns in politischen Fragen
gemachten Fortschritt widerspiegelt und verstärkt. So habe ich im September
vergangenen Jahres vor den Gouverneuren des Internationalen Währungsfonds
(IWF) erklärt, es sollte unser gemeinsames Ziel sein, "eine Wirtschaftsstruktur zu schaffen, die das historische Fortschreiten der Welt in Richtung
auf den Frieden fördert und nicht behindert."

Der Weg zu einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung
Die wichtigsten Institutionen, die heute die Weltwirtschaft lenken,
gehen auf das Ende des zweiten Weltkrieges zurück. Damals hatten die
Vereinigten Staaten eine dominierende Stellung inne. Unsere Industrieund Landwirtschaftssysteme waren trotz des Krieges praktisch intakt geblieben. Unsere beträchtlichen Reserven ermöglichten es uns, einengrossen
Teil des internationalen Wiederaufbaus zu finanzieren. Wir setzten großzügig unsere Hilfsquellen und unsere führende Stellung dafür ein, der
Weltwirtschaft zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen.
Das Ergebnis waren 25 Jahre beachtlicher wirtschaftlicher wirtschaftlicher Leistungen - und tiefgreifender wirtschaftlicher Veränderungen.
An Stelle eines zersplitterten und erschütterten Europas gibt es heute eine
neue und pulsierende Europäische Gemeinschaft. An Stelle eines darniederliegenden Japans gibt es heute dort eine der stärksten Volkswirtschaften
der freien Welt. In allen Teilen der Welt haben sich neue wirtschaftliche
Strukturen entwickelt und sind neue wirtschaftliche Kräfte freigesetzt worde
Diese

�Diese Erfolge haben nunmehr die Welt in eine völlig andere Zeit
eintreten lassen. Amerika ist nicht mehr die einzige, dominierende Wirtschaftsmacht. Die neue Ära ist die einer wachsenden wirtschaftlichen
Interdependenz, einer gemeinsamen wirtschaftlichen Führung und dramatischer wirtschaftlicher Veränderungen.
Dies em umfassenden Umbruch standen jedoch keine ausreichenden Veränderungen unserer Handels- und Währungssysteme gegenüber. Die Initiativen
die uns in den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg so gute Dienste
geleistet haben, sind jetzt überholt; sie entsprechen ganz einfach nicht
m

ehr den Herausforderungen unserer Zeit.
Das Ergebnis waren zunehmende Spannungen und Belastungen in der Welt-

wirtschaft, und es führte sogar zu einem Wiederaufleben des wirtschaftlichen
Isolationismus, da einige sich gegen die Veränderungen abzuschirmen suchten.
Wenn wir unsere neue Wirtschaftsära zu einer Zeit des Fortschritts und des
Wohlstandes für alle Völker der Welt machen wollen, müssen wir dem Impuls
widerstehen, sich nach innen zu wenden, und statt dessen alles in unseren
Kräften stehende tun, damit unsere internationalen Wirtschaftsabkommen
wesentlich verbessert werden.
Kräfte des Wandels
Die Vereinigten Staaten haben bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um mit zum Aufbau einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung
beizutragen und um unsere Interessen innerhalb dieser Ordnung zu wahren.
- Unsere neue, am 15. August 1971 verkündete Wirtschaftspolitik hat
mit dazu beigetragen, die Leistungen unserer Binnenwirtschaft zu verbessern,
die Arbeitslosigkeit abzubauen, und die Inflation zu verringern. Und sie hat
auf diese Weise unsere Wettbewerbsposition verstärkt.
- Die auf Grund des Smithsonian-Abkommens vom 18. Dezember 1971 sowie
durch die Anpassungen der letzten Wochen erreichte neue Festsetzung der
Wechselkurse hat die amerikanischen Erzeugnisse auf dem In- und dem Auslandsmarkt gegenüber ausländischen Erzeugnissen ebenfalls wettbewerbsfähiger gelacht.

A CU
J
- Aufbauend

�- Aufbauend auf dem Smithsonian-Abkommen haben wir weitreichende
Vorschläge für eine dauerhafte Reform des internationalen Währungssystems
vorgelegt.
- Wir haben ein Handelsabkommen mit der Sowjetunion abgeschlossen,
das das Gefüge von Wohlstand und Frieden zu stärken verheißt.
- Möglichkeiten für einen beiderseits nutzbringenden Handel mit der
Volksrepublik China bahnen sich an.
- Wir haben mit der erweiterten Europäischen Gemeinschaft sowie mit
mehreren Ländern, mit denen diese besondere Handelsabkommen abgeschlossen
hat, Verhandlungen über Entschädigungen aufgenommen, die uns auf Grund ihrer
neuen Abkommen zustehen.
Trotz all dieser Anstrengungen bleiben die zugrunde liegenden Probleme
jedoch bestehen. Wir brauchen eine grundlegende Handelsreform, und wir
brauchen sie jetzt. Unsere Bemühungen um eine Verbesserung des internationalen Währungssystems werden zum Beispiel niemals dauerhaften Erfolg
haben, sofern nicht ebenfalls auf dem Gebiet des Welthandels grundlegende
Verbesserungen erreicht werden.

Schaffung einer fairen und offenen Handelswelt
Eine Vielzahl von Handelsschranken verzerren immer noch die wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Welt; sie schaden unseren eigenen
Interessen und denen anderer Länder.
- Quantitative Beschränkungen beeinträchtigen den Handel mit zahlreichen Rohstoffen, unter ihnen auch einige unserer potentiell gewinnbringendsten Exporte.
- Beschränkungen für den Agrarhandel begrenzen und verzerren den Handel
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wobei der amerikanischen Wirtschaft
auf Grund unseres Wettbewerbsvorteils auf dem Agrarsektor besonderer Schaden
entsteht.
- Die

�- Die Präferenzhandelsabkommen haben sich immer mehr ausgeweitet
und schließen

den größten Teil Westeuropas und Afrikas sowie andere

an das Mittelmeer grenzende Länder ein.
- Die nicht-tarifären Handelsschranken haben sich wesentlich vermehrt, je stärker die Zölle gesenkt wurden.
Diese Handelsschranken, in anderen Ländern und in unserem Lande, kosten
die Vereinigten Staaten gegenwärtig mehrere Milliarden Dollar im Jahr in
Form höherer Verbraucherpreise und unrationeller Nutzung unserer Hilfsquellen.
Selbst eine Volkswirtschaft, die so stark wie die unsrige ist, kann sich
derartige Verluste schlecht leisten.
Glücklicherweise haben sich unsere großen Handelspartner gemeinsam
mit uns verpflichtet, im kommenden Herbst umfassende multilaterale Handelsverhandlungen aufzunehmen. Diese Verhandlungen werden eine einzigartige
Gelegenheit für einen Abbau der Handelsschranken und eine Ausweitung des
Welthandels bieten.
Es liegt im besten Interesse eines jeden Landes, anderen Ländern die
Güter zu verkaufen, die es rationeller produzieren kann, und von diesen die
Güter zu kaufen, die sie rationeller herstellen können. Wenn wir auf dieser
Basis arbeiten können, dann können sowohl die Einkommen unserer Arbeiter als
auch die Kaufkraft unseres Dollar wesentlich gesteigert werden.
Aber wie der Handel offener sein sollte, so sollte er auch fairer sein.
Dies bedeutet einmal, daß die Bestimmungen und Handelspraktiken für alle
Länder fair sein sollten. Zum anderen bedeutet dies, daß die aus dem Handel
erwachsenden Vorteile auf faire Weise zwischen den amerikanischen Arbeitern,
Farmern, Geschäftsleuten und Verbrauchern aufgeteilt werden und daß der Handel
für keine dieser Gruppen ungebührliche Belastungen schaffen sollte.
Ich bin zuversichtlich, daß unsere freie und dynamische amerikanische
Volkswirtschaft mehr als nur ihre Stellung in einem offenen internationalen
Wettstreit behaupten kann. Aber wir müssen stets darauf bestehen, daß ein
solcher Wettbewerb unter gerechten Regeln ausgetragen wird.
Handeln

�Handeln tut not
Den Schlüssel zum Erfolg unserer bevorstehenden Handelsverhandlungen
bildet die Verhandlungsvollmacht, mit der die Vereinigten Staaten in diese
Verhandlungen hineingehen. Sofern unsere Unterhändler nicht mit ausreichenden Vollmachten für die Vereinigten Staaten sprechen können, werden die
anderen Länder sich zweifellos vorsichtig verhalten und keine Verpflichtungen
eingehen - und die Möglichkeit für Veränderungen wird verlorengehen.
Wir müssen umgehend handeln und unsere Unterhändler mit den Vollmachten ausstatten, die ihre Aufgabe erfordert. Verzögerungen können nur
die Belastungen vermehren, unter denen wir bereits zu leiden haben.
Störungen auf den internationalen Finanzmärkten, Defizite in unserer Handelsbilanz, Inflation auf den Weltmärkten und Spannungen auf diplomatischem
Gebiet erfordern alle umgehende und entschiedene Maßnahmen. Das gleiche gilt
für die Situation jener amerikanischen Arbeiter und Firmen, die durch die
schnell steigenden Importe geschädigt werden oder deren Erzeugnisse auf den
Auslandsmärkten auf Beschränkungen stoßen.
Aus all diesen Gründen ersuche ich den Kongreß, über meine Empfehlungen
so schnell wie möglich zu entscheiden. Wir stehen hier und jetzt vor
dringenden Problemen. Wir können mit ihrer Lösung nicht bis morgen warten.

Gewährung neuer Verhandlungsvollmachten
Die Unterhändler anderer Länder werden zu der bevorstehenden Runde
von Handelsgesprächen mit umfassenden Vollmachten für eine Änderung ihrer
Handelsschranken kommen. Derartige Ermächtigungen machen sie zu wirksameren
Unterhändlern; ohne solche Vollmachten wären die Hände eines jeden Unterhändlers stark gebunden.
Leider verfügen der Präsident der Vereinigten Staaten und diejenigen,
die auf seine Anweisungen hin Verhandlungen führen, nicht über Vollmachten,
die denen entsprechen, mit denen die anderen Länder in diese Verhandlungen
gehen. Wenn uns derartige Vollmachten nicht eingeräumt werden, werden wir
bei unseren Bemühungen, die amerikanischen Interessen zu vertreten und
unser

Handelssystem zu verbessern, stark beeinträchtigt sein.

�Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung ersucht daher den Kongreß
um Übertragung beträchtlicher neuer Verhandlungsvollmachten an die Exekutive.
Seit mehreren Jahrzehnten wissen beide, der Kongreß wie auch der Präsident,
daß die Handelspolitik ein Gebiet ist, auf dem eine solche Delegierung
unerläßlich ist. Diese Auffassung ist fest begründet; die Fragen die bleiben,
sind, in welchem Ausmaß eine solche Übertragung angebracht ist und unter
welchen Bedingungen von ihr Gebrauch gemacht werden sollte
Das von mir heute unterbreitete Gesetz legt nur das Ausmaß der Übertragung dar, das ich zur Förderung der nationalen Interessen für notwendig
und angebracht erachte. Und so wie wir bei der Ausarbeitung dieses Gesetzes
enge Konsultationen mit dem Kongreß geführt haben, wird die Exekutive auch
den Kongreß eingehend konsultieren, wenn sie von den erhaltenen Verhandlungsvollmachten Gebrauch macht. Ich ersuche den Kongreß, den ihm am besten für
engere Konsultationen und Zusammenarbeit geeigneten Mechanismus zu schaffen,
um sicherzustellen, daß seine Auffassungen im Verlaufe der Handelsverhandlungen richtig vertreten werden.
Es ist wichtig, daß Amerika am internationalen Verhandlungstisch mit
Vollmachten ausgestattet ist und mit einer einzigen Stimme spricht. Aber
es ist ebenfalls wichtig, daß zur Formulierung des amerikanischen Standpunktes zahlreiche Stimmen beitragen.
Das vorgeschlagene Gesetz für die Handelsreform von 1973 würde die
folgenden neuen Ermächtigungen vorsehen:
Erstens ersuche ich um eine Ermächtigung, Zölle im Rahmen ausgehandelter Abkommen aufzuheben, zu senken oder heraufzusetzen. Obwohl diese
Ermächtigung für einen Zeitraum von fünf Jahren beantragt wird, beabsichtige und erwarte ich, die Abkommen in einer weit kürzeren Zeit abschließen zu können. Im Oktober vergangenen Jahres haben die Mitgliedsregierungen der Europäischen Gemeinschaft der Hoffnung Ausdruck gegeben,
daß die bevorstehende Runde von Handelsverhandlungen bis 1975 abgeschlossen
sein wird. Ich stimme diesem Zeitplan zu, und unsere Unterhändler werden
sich an den Bemühungen , ihn einzuhalten, voll beteiligen.
Zweitens
- 8-

�Zweitens ersuche ich darum, daß sich der Kongreß in einer Deklaration
für Verhandlungen und Abkommen über nicht-tarifäre Handelsschranken ausspricht. Ich ersuche ferner darum, daß als Option ein neues Verfahren geschaffen wird, um, wenn dies angebracht ist, die Zustimmung des Kongresses
zu solchen Abkommen zu erhalten. Gegenwärtig müssen beide Häuser des
Kongresses positive Beschlüsse fassen, bevor ein derartiges Abkommen, das
Änderungen der amerikanischen Gesetze bedingt, in Kraft tritt - ein Prozeß,
der das Erreichen von Abkommen erschwert, da unsere Handelspartner wissen,
daß diese großen Unsicherheitsfaktoren und Verzögerungen unterliegen. Nach
der neuen Vereinbarung würde der Präsident den Kongreß von seiner Absicht ,
das Verfahren anzuwenden,wenigstens 90 Tage vor Abschluß des Abkommens
in Kenntnis setzen, um den zuständigen Ausschüssen des Repräsentantenhauses
und des Senats Zeit zur Prüfung der betreffenden Fragen und zur Äußerung
ihrer Ansichten zu geben. Sobald ein Abkommen ausgehandelt ist, würde der
Präsident dieses Abkommen sowie die vorgeschlagenen Durchführungsbestimmungen dem Kongreß unterbreiten. Wenn keines der beiden Häuser dieses
Abkommen innerhalb eines Zeitraums von 90 Tagen mit absoluter Mehrheit
ablehnt, würden das Abkommen und die Durchführungsbestimmungen dann in
Kraft treten.
Drittens ersuche ich um eine Vorausvollmacht, um beiden Seiten zum
Vorteil gereichende Abkommen über spezifische Zollfragen, in erster Linie
Zollwertfestsetzung und Kennzeichnung des Herkunftslandes der Güter,
durchzuführen.
Die von mir in meinem vorgeschlagenen Gesetz umrissenen Vollmachten
würden unseren Unterhändlern den Spielraum und die Flexibilität geben, die
sie benötigen, um ausländische

Handelsschranken für amerikanische Er-

zeugnisse abzubauen oder zu beseitigen. Diese Vorschläge würden die Verhandlungsposition Amerikas bei den bevorstehenden Handelsverhandlungen
wesentlich stärken.
Ziel

- 9-

�Ziele auf dem Gebiet des Agrarhandels
Ich beantrage keine besonderen Verhandlungsvollmachten für den
Agrarhandel. Die Beschränkungen dieses Handels sind entweder tarifärer
oder nicht-tarifärer Natur und können im Rahmen der von mir geforderten
allgemeinen Vollmachten behandelt werden.
Eines unserer Hauptziele bei den bevorstehenden Verhandlungen ist es,
für eine Ausweitung des Agrarhandels zu sorgen. Die Stärke der amerikanischen Landwirtschaft hängt von einer weiteren Ausweitung unserer Absatzwichtigsten
markte in der Welt ab - vor allem bei den/Massengütern, die unsere Farmer
so rationell anbauen. So wie wir uns hier im Inland auf Grund des Landwirtschaftsgesetzes von 1970 in eine starke Abhängigkeit von den Kräften
eines freien Marktes begaben, so sind wir auch bemüht, die Rolle, die die
Marktkräfte auf internationaler Ebene spielen, durch Abbau und Beseitigung
der Beschränkungen für den Handel mit Agrarerzeugnissen zu erweitern.
Ich bin überzeugt, daß der Sorge, die alle Länder um ihre Landwirtschaft und die Verbraucher haben, am wirksamsten Rechnung getragen werden
kann, wenn der Markt selbst eine weit größere Rolle bei der Festlegung
der Struktur von Agrarerzeugung und Verbrauch spielt. Eine Entwicklung
in dieser Richtung kann viel dazu beitragen, eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten und den Druck auf die Verbraucherpreise
zu mildern.

Importentlastung
In dem Maße, in dem andere Länder einem Abbau ihrer Handelsschranken
zustimmen, werden wir auch die unsrigen abbauen. Das Ergebnis wird eine
Ausweitung des Handels, die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen
für die amerikanische Bevölkerung und ein vermehrtes Angebot einer größeren
Vielzahl von Erzeugnissen aus anderen Ländern sein.
Es ist natürlich richtig, daß ein Abbau von Importschranken in einigen
Fällen zu plötzlichen Importstößen geführt hat, die nachteilige Auswirkungen auf die Binnenwirtschaft hatten. Es ist jedoch wichtig, darauf

- 10 -

�darauf hinzuweisen, daß die meisten durch Importstöße hervorgerufenen
ernsten Probleme nicht in Zusammenhang mit dem Abbau von Importbeschränkungen standen.

Schritte in Richtung auf eine offenere Handels-

ordnung wirken sich im allgemeinen eher positiv als negativ auf den
einheimischen Arbeitsmarkt aus.
Trotzdem müssen abträgliche Importstöße - gleichgültig, welche
Ursache sie haben - für unser Volk und unsere Regierung Anlaß zur Besorgnis sein. Meines Erachtens sollten wir wirksame, schnell verfügbare
Mittel haben, um mitzuhelfen, schwerwiegende Importschäden zu vermeiden
und den amerikanischen Industrien und Arbeitnehmern Zeit für eine geregelte Anpassung an die erhöhten Importe zu geben. Das von mir vorgeschlagene Gesetz zeigt neue Maßnahmen auf, um dieses Ziel zu erreichen.
Zunächst möchte ich eine weniger restriktive Prüfung bei der Anwendung von Importbeschränkungen empfehlen. Heute werden Beschränkungen
nur genehmigt, wenn die Zollkommission feststellt, daß Importe "die
Hauptursache" für eine schwerwiegende Schädigung oder Bedrohung der
einheimischen Industrie sind, was besagt, daß ihre Auswirkung größer
als die aller übrigen Ursachen zusammen sein muß. Nach meinem Vorschlag
sollten Beschränkungen bereits genehmigt werden, wenn der Importwettbewerb
"die vorwiegende Ursache" einer solchen Schädigung ist, was besagt, daß
er lediglich die größte Einzelursache sein muß. Weiter würde das derzeitige Erfordernis, daß die Schädigung aus früheren Zollkonzessionen
herrühren muß, fallengelassen werden.
Ich empfehle ferner eine neue Methode, um festzustellen, ob Importe
tatsächlich die vorwiegende Ursache einer schwerwiegenden Schädigung der
einheimischen Erzeuger sind. Nach meinem Vorschlag wäre die Feststellung
"einer Marktstörung" ein glaubwürdiger Beweis für diesen Tatbestand.
Eine Marktstörung wäre so zu definieren, daß sie gegeben ist, wenn die Importe beträchtlich sind, wenn sie schnell steigen - sowohl absolut wie

-11-

�wie auch prozentual gemessen am gesamten inneramerikanischen Verbrauch und zu Preisen angeboten werden, die erheblich unter denen der konkurrierenden einheimischen Erzeugnisse liegen.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde dem Präsidenten größere Flexibilität geben, um bei Importproblemen eine geeignete Hilfe gewähren zu können - dies schließt auch Marktabsprachen, höhere Zölle oder Quoten ein.
Beschränkungen könnten für einen ersten Zeitraum von fünf Jahren verfügt und
nach Ermessen des Präsidenten für einen weiteren Zeitraum von zwei Jahren
verlängert werden. In besonderen Fällen könnten Beschränkungen nach einem
Zwei-Jahreszeitraum und einer anschließenden erneuten Untersuchung durch
die Zollkommission sogar noch weiter verlängert werden.

Verbesserte Anpassungshilfe
Unsere Verantwortung für die Erleichterung der Probleme der um ihren
Arbeitsplatz gekommenen Arbeiter darf nicht auf diejenigen beschränkt bleiben, deren Arbeitslosigkeit auf den Import zurückgeführt werden kann. Alle
diese Arbeiter haben Anspruch auf eine ausreichende Unterstützung, während
sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Nur wenn alle Arbeiter wissen, daß
sie fair behandelt werden, ist eine wirksame Anpassung unserer Wirtschaft an
die Veränderungen möglich.
Ich werde daher in einer gesonderten Botschaft an den Kongreß ein neues
Gesetz zur Verbesserung unseres Arbeitslosenversicherungs- und Unterstützungssystems vorschlagen. Meine Vorschläge würden Mindestbundesnormen für die
Unterstützungssätze in den einzelstaatlichen Programmen vorsehen und die
gleiche Behandlung aller von solchen Programmen erfaßten Arbeiter gewährleisten, gleichgültig, welche Ursache ihre unfreiwillige Arbeitslosigkeit
hat. Für die Zwischenzeit, bis diese Normen in Kraft treten, empfehle ich
im Rahmen meiner Vorschläge für eine Handelsreform, daß wir umgehend Unter-

-12-

�Unterstützungssätze festlegen, die diesen vorgeschlagenen allgemeinen Normen
für solche Arbeiter entsprechen, deren Arbeitsplätze durch den Import verloren gingen.
Ich schlage weiter vor, daß wir bis zu dem Inkrafttreten der neuen Normen für die Arbeitslosenversicherung schneller Unterstützung für Arbeiter
bereitstellen, indem wir die derzeit gültige

Bestimmung

fallen lassen,

daß ihre Arbeitslosigkeit durch frühere Zollkonzessionen verursacht worden und
der Import "die Hauptursache" für den ihnen zugefügten Schaden sein muß.
Statt dessen würde solche Unterstützung gewährt werden, wenn der Arbeitsminister feststellt, daß die Arbeitslosigkeit im wesentlichen auf mit dem Import zusammenhängende Ursachen zurückzuführen ist. Für durch Importe arbeitslos gewordene Arbeiter würde es ferner Ausbildung am Arbeitsplatz, Zuwendungen bei der Arbeitssuche, Arbeitsvermittlungsdienste und Umzugsunterstützung
als ständige Funktionen der Handelsanpassungshilfe geben.
Darüber hinaus werde ich dem Kongreß ein umfassendes Gesetz für eine Reform der Pensionen unterbreiten, das mit dazu beitragen würde, die Arbeiter
vor einem Verlust der Pensionsbezüge zu schützen, wenn sie ihren Arbeitsplatz
verlieren. Dieses Gesetz würde eine bindende Übertragungsverfügung enthalten,
die im besonderen im Hinblick auf ältere Arbeitnehmer ausgearbeitet worden
ist.
Das vorgeschlagene Gesetz für eine Handelsreform von 1973 würde das
derzeitige Programm für eine Anpassungshilfe an einzelne Firmen beenden. Ich
empfehle diese Maßnahme, weil dieses Programm meines Erachtens weitgehend unwirksam war, zu Diskriminierungen für Firmen eines Industriezweiges führt
und einzelne Firmen unnötig auf Kosten des Steuerzahlers subventioniert. Die
veränderten Wettbewerbsbedingungen wirken sich kennzeichnenderweise nicht auf
bestimmte Firmen, sondern auf eine Industrie als ganzes aus, und ich habe
meine Vorschläge für eine Importentlastung für ganze Industrien vorgesehen.

Unfaire

-13-

�Unfaire Handelspraktiken
Der Präsident der Vereinigten Staaten verfügt über eine Vielzahl von
Vollmachten, um gegen unfaire Handelspraktiken anzugehen. Zahlreiche dieser Vollmachten müssen jetzt auf den neuesten Stand gebracht werden, wenn
wir wirksam und unparteiisch auf unfairen Importwettbewerb im Inland und
auf Praktiken antworten sollen, die auf unfaire Weise unsere Exportmöglichkeiten im Ausland schmälern.
Um unfairen Wettbewerbspraktiken auf unseren eigenen Märkten zu begegnen, würde das von mir vorgeschlagene Gesetz Ergänzungen für unsere AntiDumpinggesetze sowie die Gesetze über Ausgleichszölle bringen, um eine
schnellere Untersuchung und Entscheidung zu ermöglichen. Es würde für diese Gesetze verschiedene verfahrensmäßige und sonstige Änderungen vorsehen,
um ihr wirksames Funktionieren zu gewährleisten. Das Gesetz würde ferner
das gegenwärtige Statut über Patentverletzungen in Fällen, die den Import
betreffen, ähnlichen Rechtsverfahren wie sie für einheimische Verstöße
unterwerfen
gelten/und faire Prozesse und wirksame Maßnahmen in Fällen gerichtlicher
Verzögerungen vorsehen. Ich schlage ferner vor, daß das Gesetz über die
Bundeshandelskommission ergänzt wird, damit wir besser gegen ausländische
Produzenten vorgehen können, deren Kartell-oder Monopolpraktiken zu Preiserhöhungen auf unserem Markt führen oder auf andere Weise durch Einschränkung
des Handels unsere Interessen schädigen.
Darüber hinaus ersuche ich um Abänderung und Verlängerung meiner Vollmacht, Beschränkungen gegenüber Ländern einzuführen, die unangemessen und
ungerechtfertigt unseren Export einschränken. Die bestehenden Gesetze sehen
eine solche Vollmacht nur im Falle eines ganzen Komplexes verschiedener Bedingungen vor, die je nach den Praktiken oder Exporten unterschiedlich sind.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde die Vollmacht und ihre Anwendung
vereinfachen. Ich würde es natürlich vorziehen, daß andere Länder sich bereit erklären, von sich aus derartige Beschränkungen aufzuheben, so daß wir

- lh -

�wir von dieser Vollmacht keinen Gebrauch machen müssen. Ich werde jedoch
ihre Anwendung nur erwägen, wenn klar wird, daß unsereHandelspartner nicht
bereit sind, unangemessene oder ungerechtfertigte Beschränkungen gegen unseren Export aufzuheben.

Andere wichtige Bestimmungen
Meistbegünstigtenvollmacht. Das von mir vorgeschlagene Gesetz würde
den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigtenbehandlung auf jedes Land
auszudehnen, wenn er dies im nationalen Interesse für richtig hält. Nach mei
nem Vorschlag könnte jedoch ein Veto gegen eine solche Einbeziehung von Ländern, denen die Meistbegünstigtenbehandlung derzeit nicht eingeräumt wird,
von einer Mehrheit entweder des Repräsentantenhauses oder des Senats innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten eingelegt werden.
Diese neue Vollmacht würde es uns ermöglichen, das mit der Sowjetunion
ausgehandelte Handelsabkommen durchzuführen, und damit gewährleisten, daß
dieses Land seine Pacht-und Leihschulden zurückzahlt. Sie würde uns ferner
gestatten, unseren Verpflichtungen gegenüber Rumänien nachzukommen und die
Möglichkeiten zum Abschluß vorteilhafter Abkommen mit weiteren Ländern zu
nutzen, denen gegenwärtig noch nicht die Meistbegünstigtenbehandlung eingeräumt wird.
Was die Sowjetunion anbetrifft, so weiß ich um die tiefe Besorgnis, die
viele im Kongreß wegen der bei solchen Sowjetbürgern erhobene

Steuer ge-

äußert haben, die in andere Länder auswandern möchten. Ich halte jedoch eine
Politik, den sowjetischen Exporten eine Meistbegünstigtenbehandlung zu verweigern, nicht für einen geeigneten oder auch nur für einen wirksamen Weg,
um dieses Problem zu lösen.
Eines der wichtigsten Elemente unseres Handelsabkommens mit der Sowjetunion ist die Klausel, die von beiden Partnern eine Reduzierung des Exports
von Erzeugnissen fordert, die Marktstörungen in dem anderen Land hervorrufen. Obwohl ich keinerlei Grund habe, daran zu zweifeln, daß die Sowjetunion

-15-

�Sowjetunion ihren Verpflichtungen gemäß dieser Klausel nachkommen wird,
falls dies notwendig werden sollte, so sollten wir doch die Vollmacht für
einseitige Maßnahmen haben, um Marktstörungen zu verhindern, wenn derartige Maßnahmen erforderlich sind.
Aufgrund eines besonderen Verfahrens ,nach dem Länder mit einem staatlichen Handel ihre Erzeugnisse im Ausland absetzen, möchte ich zwei Modifizierungen in der Art und Weise empfehlen, wie wir solche Maßnahmen ergreifen. Einmal sollte die Zollkommission lediglich festzustellen haben, daß
"eine materielle Schädigung" und nicht "eine schwerwiegende Schädigung" durch
Importe gegeben ist, um entsprechende Beschränkungen einführen zu können.
Zum anderen sollten derartige Beschränkungen nur auf Exporte des Landes angewandt werden, das einen derartigen Verstoß begangen hat. Diese Empfehlungen können zu einer Vereinfachung unserer Gesetzes in bezug auf DumpingMaßnahmen von Ländern mit einem staatlichen Handel beitragen, und die schwierigen und zeitraubenden Probleme beseitigen, die sich bei dem Versuch ergeben, einen abgeleiteten Wert für ihre Exporte festzulegen.

Zahlungsbilanzvollmacht. Die

Handelspolitik kann, obwohl sie nur un-

ter außergewöhnlichen Umständen eingesetzt werden sollte, manchmal ein wirksames zusätzliches Instrument sein, wenn wir uns mit unseren internationalen
Zahlungsungleichgewichten befassen. Ich ersuche daher um eine flexiblere
Vollmacht zur Heraufsetzung oder zum Abbau von Importbeschränkungen auf temporärer Basis, um so zur Korrektur von Defiziten oder Überschüssen in unseren
Zahlungsbilanzpositionen beizutragen. Derartige Beschränkungen könnten auf
Importe aus allen Ländern linear oder auch nur aus solchen Ländern angewandt
werden, die einen ständigen und zu großen Überschuß in ihrer weltweiten Zahlungsbilanzposition nicht korrigieren.
Anti-Inflationsvollmacht.

-16-

�Anti-Inflationsvollmacht. Meine Handelsempfehlungen schließen ferner
einen von mir am 30. März im Rahmen der Bemühungen dieser Administration
unterbreiteten Vorschlag ein, dem Anstieg der Lebenshaltungskosten Einhalt
zu gebieten. Ich habe den Kongreß damals ersucht, dem Präsidenten eine neue
ständige Vollmacht für einen vorübergehenden und begrenzten Abbau bestimmter Importbeschränkungen zu erteilen, sofern er feststellt, daß ein solcher
Schritt zur Abschwächung des inflationistischen Druckes in den Vereinigten
Staaten notwendig ist. Ich ersuche heute erneut dringend um eine umgehende
Billigung dieser wichtigen Waffe in unserem Kampf gegen die Inflation.
Allgemeine Zollpräferenzen. Eine weitere wichtige Bestimmung des von
mir vorgeschlagenen Gesetzes würde es den Vereinigten Staaten gestatten,
gemeinsam mit anderen Industriestaaten - unter ihnen Japan und die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft - dazu beizutragen, den ärmeren Ländern
einen besseren Zugang zu den Märkten der Industriestaaten zu gewähren. Im
Rahmen einer solchen Vereinbarung würden bestimmte Erzeugnisse der Entwicklungsländer für einen Zeitraum von zehn Jahren eine bevorzugte Behandlung erfahren, so daß diesen Ländern neue Exportmöglichkeiten geschaffen, ihre Devisenerlöse gesteigert und ihnen Möglichkeiten zur Finanzierung des höheren
Importvolumens gegeben werden, das sie für ein schnelleres wirtschaftliches
Wachstum benötigen.
Dieses Gesetz würde für eine große Zahl von Fertigwaren und Halbzeugen
sowie für eine ausgewählte Liste von Agrarerzeugnissen und Rohprodukten, die
gegenwärtig noch von Zöllen erfaßt werden, zollfreie Behandlung gestatten.
Wir beabsichtigen, bestimmte importempfindliche Waren wie z.B. Textilererzeugnisse, Schuhwaren, Uhren und bestimmte Stahlerzeugnisse zusammen mit
solchen Erzeugnissen, die gegenwärtig unter besondere Verfügungen zur Import-Einschränkung fallen, von einer solchen bevorzugten Behandlung auszunehmen. Wie bei der Vollmacht für die multilateralen Verhandlungen würden
öffentliche Anhörungsverfahren abgehalten werden,bevor derartige Präferenzen
gewährt werden, und die bevorzugten Importe würden unter die von mir oben
empfohlenen Bestimmungen für eine Importentlastung fallen. Sobald ein

-17-

�ein bestimmtes Erzeugnis eines bestimmten Landes voll wettbewerbsfähig ist,
wäre es jedoch nicht mehr für eine besondere Behandlung qualifiziert.
Die Vereinigten Staaten würden solche Zollpräferenzen auf der Basis
eines internationalen Fair Play gewähren. Wir würden die Maßnahmen anderer
Präferenzen gewährender Länder in Rechnung stellen und solchen Ländern keine
Präferenzen einräumen, die unsere Erzeugnisse gegenüber Erzeugnissen aus anderen Industriestaaten diskriminieren, sofern diese Länder sich nicht bereit
erklären, solche Diskriminierungen einzustellen.

Ständige Durchführungsvollmachten. Um eine wirksamere

und flexiblerere

Handhabung der amerikanischen Handelspolitik zu ermöglichen, ersuche ich um
eine ständige Vollmacht, begrenzte Senkungen unserer Zölle als eine Art Kompensation gegenüber anderen Ländern vornehmen zu können. Eine solche Kompensation könnte dann notwendig werden, wenn wir im Rahmen der oben erörterten
neuen Importbeschränkungen bestimmte Handelsschranken erhöht haben, und sie
würde eine Alternative in Fällen erhöhter Handelsschranken für unsere Exporte sein.
Ich ersuche ferner um eine ständige Vollmacht, Senkungen bestimmter amerikanischer Handelsschranken anzubieten, um wichtige Vorteile für den amerikanischen Export zu erlangen. Derartige Senkungen würden streng begrenzt
sein; es würde hier um Zollsenkungen um nicht mehr als 20 Prozent gehen, die
sich auf nicht mehr als zwei Prozent der gesamten amerikanischen Importe in
einem Jahr erstrecken.

Reform der internationalen Handelsbestimmungen
Die bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen werden uns eine
ausgezeichnete Möglichkeit bieten, die internationalen Handelsbestimmungen
zu reformieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Es gibt mehrere Gebiete, auf denen wir derartige Änderungen anstreben werden.
Eine

-18-

�Eine wichtige Notwendigkeit ist der Einsatz der Handelspolitik zur Förderung des Gleichgewichtes des internationalen Zahlungssystems. Wir werden
Bestimmungen für Veränderungen anstreben, die es Ländern in außergewöhnlichen Fällen, falls notwendig, gestatten, eine lineare Erhöhung oder einen
linearen Abbau der Handelsschranken vorzunehmen, um so zur Korrektur ihrer
Zahlungsbilanzungleichgewichte beizutragen. Wir werden ferner eine neue Bestimmung anstreben, die Ländern die Einführung von Importbeschränkungen gegenüber einzelnen Staaten erlaubt, die keine wirksamen Maßnahmen zur Korrektur eines zu großen Überschusses in ihrer Zahlungsbilanz ergreifen. Diese
Bestimmung würde der von mir beantragten Vollmacht entsprechen, amerikanische Importbeschränkungen zur Lösung unseres eigenen Zahlungsbilanzproblems
einzusetzen.
Ein zweites Gebiet, dem unser Interesse gilt, ist die Notwendigkeit für
ein multilaterales System zur Begrenzung des Imports als Schutz gegen Marktstörungen, die durch die sich schnell ändernden internationalen Handelsgepflogenheiten ausgelöst werden. Wie ich zuvor empfohlen habe, brauchen wir
ein wirksameres inneramerikanisches Verfahren, um mit derartigen Problemen
fertig zu werden. Aber es ist ebenso wichtig, daß neue Abmachungen auf internationaler Ebene entwickelt werden, um mit Marktstörungen fertig zu werden, die durch das sich beschleunigende Tempo der Veränderungen im Welthandel ausgelöst werden.
Wir werden daher neue internationale Bestimmungen anstreben, die Ländern durch Einführung von Importbeschränkungen Zeit zur Anpassung geben würden, ohne daß sie ihre Handelspartner durch einen gleichzeitigen Abbau von
Handelsschranken bei anderen Erzeugnissen kompensieren müssen. Gleichzeitig sollten die Interessen der Exportländer dadurch geschützt werden, daß
solche Schutzmaßnahmen nach einer angemessenen Zeitspanne auslaufen.

Förderung

-19-

�Förderung der Ausweitung des Exports
Mit dem Abbau der Handelsschranken überall auf der Welt werden sich die
amerikanischen Exporte wesentlich erhöhen und wird unsere gesamte Volkswirtschaft gesunden.
Unsere Anstrengungen zur Ausweitung der amerikanischen Exporte haben
bereits auf zahlreichen Gebieten Fortschritte erzielt. Wir haben unsere Exporte durch Neufestsetzung der Wechselkurse wettbewerbsfähiger gemacht. Seit
1971 gestattet unser neues Gesetz die Errichtung amerikanischer internationaler Verkaufsgesellschaften, die amerikanische Unternehmen dabei unterstützen, ihre Exporttätigkeit wirksamer zu organisieren. Die Ermächtigung
der Export-Import-Bank zur Übernahme von Krediten, Ausfallbürgschaften und
Versicherungen ist erhöht und ihr Geschäftsbereich erweitert worden, so daß
jetzt auch kurzfristige Discount-Kredite einbezogen sind. Das Handelsministerium hat seine Exportförderungseinrichtungen reorganisiert und seine Dienste
für Exporteure erweitert. Das Außenministerium legt gegenwärtig - in Zusammenarbeit mit dem Handelsministerium - vermehrten Nachdruck auf kommerzielle
Dienstleistungsprogramme unserer Auslandsmissionen.
Darüber hinaus unterbreite ich heute ein

getrenntes Gesetz zur Erwei-

terung des Export-Handelsgesetzes, um den rechtlichen Rahmen klarzustellen,
in dem Vereinigungen von Exporteuren arbeiten können. Eine Ergänzung würde
klarstellen, daß das Gesetz nicht nur für den Export von Gütern, sondern auch
bestimmter Arten von Dienstleistungen gilt - z.B. Architekten-, Bau-und
technische Leistungen, Ausbildung und Unternehmungsberatung . Eine andere Ergänzung würde klarstellen, wo Exportvereinigungen von unseren inneramerikanischen Anti-Trust-Gesetzen ausgenommen sind, und gleichzeitig eindeutige Kriterien für Unterrichtung, Offenlegung und Ausführungsbestimmungen setzen, um
sicherzustellen, daß die öffentlichen Interessen voll gewährt werden.
In einer Zeit, in der immer mehr Länder sich um ausländische Kontrakte
für ganze Industrieprojekte bewerben - die von technischen Studien über die
Lieferung der Ausrüstungen bis zum Bau der Anlage reichen - ist es notwendig,

-20-

�notwendig, daß unsere Gesetze für gemeinsame Exportvorhaben es uns gestatten, unsere ausländische Konkurrenz auf einer fairen und gleichen Basis zu
begegnen.
Ausweitung der internationalen Investitionen
Die schnelle Ausweitung der internationalen Investitionen in den letzten
Jahren hat für Wirtschaft und Regierungen neue Fragen aufgeworfen und sie
vor neue Aufgaben gestellt. In unserem eigenen Lande befürchteten beispielsweise einige, daß die amerikanischen Auslandsinvestitionen zu einem Verlust
amerikanischer Arbeitsplätze führen würde. Unsere Studien zeigen jedoch, daß
solche Investitionen im Schnitt mehr und bessere Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer bedeutet, unsere Handelsbilanz und unsere Gesamtzahlungsbilanz verbessert und unsere Wirtschaft ganz allgemein gestärkt
haben. Weiter bin ich der festen Überzeugung, daß ein offenes internationales
Investitionssystem, das künstliche Anreize und Hindernisse hier und im Ausland ausschaltet, große Verheißungen für einen höheren Wohlstand auf der gesamten Welt bietet.
Es ist durchaus möglich, daß neue Bestimmungen und neue Mechanismen für
die internationale Investitionstätigkeit

erforderlich sein werden. Doch be-

darf es einer gewissen Zeit, um sie auszuarbeiten. Und es ist wichtig, daß
sie weitmöglichst auf internationaler Ebene entwickelt werden. Wenn wir den
amerikanischen Firmen die Chancen beschneiden, Investitionsmöglichkeiten im
Ausland zu nutzen, dann steht nur zu erwarten, daß ausländische Firmen diese Möglichkeiten ergreifen und auf unsere Kosten Geschäfte machen.
Ich ersuche daher den Kongreß, davon Abstand zu nehmen, neue umfassende Änderungen unserer Gesetze über direkte Auslandsinvestitionen zu beschliessen, bis wir sehen, welche Möglichkeiten sich für multilaterale Abkommen
ergeben.
Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch unser System für die Besteuerung im Ausland erzielter Gewinne amerikanischer Firmen sehen. Unser

-21-

�Unser derzeitiges System gestattet es amerikanisch kontrollierten Firmen
in anderen Ländern, unter der gleichen steuerlichen Belastung wie ihre ausländischen Konkurrenten dort zu arbeiten. Ich halte dieses System für im
Grunde genommen gesund. Wir sollten amerikanische Firmen nicht dadurch bestrafen, daß wir sie gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten benachteiligen.
Die amerikanischen Unternehmen im Ausland zahlen gegenwärtig beträchtliche ausländische Steuern auf ihren Gewinn. In den meisten Fällen investieren amerikanische Firmen nicht wegen der attraktiven steuerlichen Situation
im Ausland, sondern wegen der attraktiven Geschäftsmöglichkeiten. Unsere
Einkommensteuer ist nicht die Ursache unserer Handelsprobleme, und Steueränderungen können diese nicht lösen.
Der Kongreß hat diesen gesamten Fragenkomplex 1962 eingehend untersucht, und der Schluß, zu dem er damals gelangte, ist immer noch gültig:
es gibt keinen Grund, unsere Bestimmungen für Steuerkredite und Stundungen
drastisch zu ändern.
Auf der anderen Seite haben zehnjährige Erfahrungen gezeigt, daß in bestimmten Sonderfällen Mißbrauch mit amerikanischen Auslandsinvestitionen
getrieben werden kann. Es bestehen immer noch einige künstliche Anreize für
solche Investitionen, die zu Verzerrungen des Kapitalflusses führen und unnötige Härten verursachen. In solchen Fällen, in denen ungewöhnliche Steuervorteile als Anreiz für Investitionen gewährt werden, die sonst nicht vorgenommen würden, sollten wir diese Anreize beseitigen.
Eine Reihe anderer Länder gewährt gegenwärtig beträchtliche steuerliche Anreize wie zum Beispiel eine längere Freistellung von der einheimischen Steuer, um dadurch Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Um derartige Praktiken einzuschränken, werde ich den Kongreß um eine Ergänzung unserer Steuergesetze ersuchen, so daß die Erträge aus künftigen amerikanischen
Investitionen, bei denen derartige Anreize ausgenutzt werden, in den Vereinigten Staaten dann versteuert werden, wenn sie entstehen - selbst wenn

-22-

�wenn diese Erträge nicht in die Vereinigten Staaten repatriiert werden. Die
einzige Ausnahme von dieser Bestimmung würde in solchen Fällen gewährt werden, in denen bilaterale Steuerabkommen derartige Ausnahmen unter beiden
Seiten zum Vorteil gereichenden Bedingungen zulassen.
Amerikanische Firmen investieren im Ausland manchmal nur, um Erzeugnisse in die Vereinigten Staaten zu reexportieren. Dies ist eine klassische
Situation einer "Unternehmensflucht". In den Fällen, in denen die Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen Erträge aus dem Export nach den
USA erzielen, die 25 Prozent des Gesamtgewinns dieser Tochtergesellschaften
übersteigen, empfehle ich, daß ihre Gewinne ebenfalls nach den derzeitigen
amerikanischen Steuersätzen

versteuert werden. Diese neue Bestimmung wür-

de jedoch nur für neue Investitionen und in Situationen gelten, in denen die
niedrigeren Steuern des anderen Landes mit ein Faktor für die Entscheidung
waren, dort zu investieren. Diese Bestimmung würde ebenfalls Ausnahmen in
solchen ungewöhnlichen Fällen zulassen, in denen unser nationales Interesse
ein anderes Ergebnis erfordert.
Es gibt Fälle, in denen amerikanische Gesellschaften ihre Auslandstätigkeit so gestalten, daß das amerikanische Finanzministerium den Schaden
hat, wenn sie mit Verlust arbeiten und diese Verluste von ihrer Steuer absetzen. Aber wenn die gleiche Gesellschaft mit Gewinn arbeitet, kommt ein
ausländisches Finanzministerium in den Genuß der auf diese Gewinne entfallenden Steuern. Ich werde den Kongreß darum ersuchen, entsprechende Änderungen
der Bestimmungen vorzunehmen,die gegenwärtig solche Ungerechtigkeiten ermöglichen.
Wir haben ferner festgestellt, daß die Besteuerung mineralischer Importe amerikanischer Unternehmen von ihren Tochtergesellschaften im Ausland
lange verzögert wird. Ich habe daher das Finanzministerium angewiesen, nach
Konsultationen mit dem Justizministerium und den betreffenden Unternehmen
ein Verfahren auszuarbeiten, um den innerbetrieblichen Preis und die darauf
entfallende Steuer im voraus festzulegen. Wenn nicht freiwillig ein einzu-

-23-

�einzuhaltendes Programm entwickelt wird, werde ich um eine gesetzliche Vollmacht nachsuchen, ein solches einzuführen.

Die Aufgaben in einer sich wandelnden Welt
Während des vergangenen Jahres hat diese Administration wiederholt die
Wichtigkeit unterstrichen, ein gerechteres und offeneres Welthandelssystem
zu schaffen. Wir haben die anderen Länder aufgefordert, dieses Ziel in gemeinsamen Verhandlungen zu verwirklichen. Die Deklaration der europäischen
Staatsmänner auf ihrem Gipfeltreffen im Oktober letzten Jahres beweist,
daß sie sich dem Erfolg solcher Anstrengungen verschrieben haben. Japan,
Kanada und andere Länder teilen diese Einstellung.
Die Impulse dafür sind gegeben. Jetzt müssen wir hier in den Vereinigten Staaten den Augenblick nutzen, damit dieser Schwung erhalten bleibt.
Wenn einmal die Geschichte unserer Zeit niedergeschrieben wird, dann
wird sie bestimmt als eine Zeit tiefgreifender Veränderungen dargestellt werden. Diese Veränderungen waren besonders dramatisch auf dem Gebiet der Weltwirtschaft.
Umfang und Tempo der wirtschaftlichen Veränderungen stellen uns heute vor
politische Fragen von gewaltiger und unmittelbarer Bedeutung. Änderungen können größere Verzerrungen und mehr Leid, aber auch erhöhten Wohlstand bedeuten. Sie können neue Formen der Ausbeutung und Diskriminierung, aber auch vermehrten Anteil an den Segnungen des Fortschritts bringen. Sie können Konflikte zwischen Menschen und Völkern, aber auch wachsende Chancen für einen fairen und friedlichen Wettstreit bedeuten, bei dem alle Beteiligten letztlich
gewinnen.
Das von mir vorgeschlagene Gesetz für eine Handelsreform von 1973 soll
sicherstellen, daß die sich in unserer Zeit vollziehenden unvermeidbaren Veränderungen von Nutzen für unser Volk und für die Völker überall auf der
Welt sind.
Ich

-24-

�Ich ersuche den Kongreß, diese Vorschläge zu verabschieden, damit wir
mithelfen können, unser Land und unsere Welt weg von Handelskonfrontationen
und hin zu Handelsverhandlungen zu führen - heraus aus einer Zeit,in der
der Handel eine Quelle internationaler und innerer Reibungen war, in eine
neue Zeit, in der der Handel zwischen den Ländern zur Errichtung einer
friedlichen und blühenderen Welt beiträgt.

-25-

�amerika dienst
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16/1973

NIXON WILL ROHSTOFFE AUS STRATEGISCHEN RESERVEBESTANDEN FREIGEBEN
-Wortlaut der Botschaft an den US-Kongreß-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat den amerikanischen Kongreß am 16.
April um die Ermächtigung nachgesucht, Rohstoffe aus strategischen Reservebeständen für den Verkauf freizugeben. Die Botschaft des Präsidenten hat
folgenden Wortlaut:
"In unserem gegenwärtigen Kampf gegen die steigenden Preise ist eine
Waffe, unsere strategische Rohstoffreserve, bisher noch nicht wirksam eingesetzt worden. Ich ersuche heute den Kongreß um die Ermächtigung, solche Rohstoffe aus den Reservebeständen für den Verkauf freizugeben, bei denen eine
Reservehaltung zur Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit nicht länger
erforderlich ist.
Aufgrund der schnellen Ausweitung der Weltwirtschaft ist die kurzfristig
ge Nachfrage nach zahlreichen industriellen Rohstoffen schneller gestiegen
als das kurzfristig verfügbare Angebot. Infolgedessen sind die Preise für
industrielle Rohstoffe in letzter Zeit auf eine untragbare Höhe gestiegen
- in einigen Fällen allein in den letzten 12 Monaten um über 30 Prozent.

Diese

.1.

�f

Diese Preissteigerungen werden sich schließlich in höheren Preisen für
den amerikanischen Verbraucher niederschlagen, wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln.
Durch Freigabe nicht mehr benötigter Rohstoffe der strategischen Reserve können wir für den amerikanischen Verbraucher etwas Entscheidendes tun.
Der Zweck der strategischen Rohstoffreserve der USA ist, eine ausreichende Vorratshaltung bei entscheidend wichtigen Rohstoffen für Zeiten eines
Krieges zu gewährleisten, ohne unserer Zivilbevölkerung unnötige Härten aufzuerlegen. Die grundlegende Konzeption ist schon alt und geht auf das Gesetz
über strategisch wichtige und knappe Rohstoffe von 1946 zurück. 95 Prozent
der gegenwärtigen Reservebestände wurden vor 1959 - der Großteil während
des Korea-Krieges - angelegt.
Die gegenwärtig in der strategischen Reserve eingelagerten Materialien
haben einen Wert von insgesamt 6,7 Milliarden Dollar und reichen von Metallen, Mineralien, Gummi und Industriediamanten bis zu Grundstoffen wie Jod.
Aufgrund der Dynamik unserer Wirtschaft und Technologie können wir heute viel eher

als in der Vergangenheit Ersatzstoffe für knappe Materialien

finden. Wir können heute den Verteidigungsbedarf an Grundstoffen während eines potentiellen größeren Konfliktes decken, ohne der Wirtschaft große Lasten
aufzubürden oder auf riesige Vorratsbestände zurückgreifen zu müssen, wie
dies früher einmal nötig war.
Nach einer eingehenden und umfassenden Überprüfung der gegenwärtigen
Reservebestände habe ich neue Richtlinien gebilligt, um Art und Menge der
eingelagerten Grundstoffe den nationalen Sicherheitserfordernissen der siebziger Jahre anzupassen. Die neuen Reservebestände würden wesentlich niedriger sein, sie würden jedoch die entscheidend wichtigen Grundstoffe enthalten,
die wir aus nationalen Sicherheitsgründen in ausreichender Menge haben
müssen.
Unsere

-2-

�&gt;

Unsere neuen Richtlinien würden sicherstellen, daß wir über die erforderlichen Rohstoffe zur Deckung des Bedarfs im ersten Jahre eines größeren
Konflikts in Europa oder in Asien verfügen. Im Falle eines längeren Konflik»
te^ würden diese 12 Monate uns genügend Zeit für eine entsprechende Mobilia
sierung geben3 so daß wir unsere Verteidigungsanstrengungen so lange durchhalten können, wie dies notwendig ist, ohne der Wirtschaft oder der Zivilbevölkerung untragbare Lasten aufzubürden.
Nach den derzeitigen Gesetzen ist die Regierung ermächtigt, Rohstoffe
aus Reservebeständen, darunter beträchtliche Mengen an Zink, Aluminium und
Blei,im Werte von rund 1,9 Milliarden Dollar zu verkaufen. Um jedoch über
die restlichen nicht mehr benötigten Grundstoffe im Werte von 4,1 Milliarden
Dollar verfügen zu können, bedarf es einer Ermächtigung durch den Kongreß.
Bisher mußte für den Verkauf eines bestimmten Rohstoffes ein gesondert es Gesetz erlassen werden, aber dieses Verfahren braucht viel Zeit und ist
überflüssig. Zu seiner Verbesserung ist das von mir dem Kongreß empfohlene
Ermächtigungsgesetz in Form eines alle überschüssigen Grundstoffe der stra»
regischen Reserve umfassenden Sammelgesetzes gehalten; es schließt Einzelermächtigungen für 16 wichtige Grundstoffe ein.
Unsere neuen Richtlinien für die Vorratshaltung gewährleisten unsere
nationale Sicherheit und die Gesundheit unserer Wirtschaft im Falle eines Not~
Standes voll und ganz; sie sind außerdem vom nationalen Standpunkt rationell
und wirtschaftlich. Und vor allem würden sie es uns gestatten,, im Laufe der
nächsten Jahre nicht mehr für die Reservehaltung benötigte Grundstoffe im
Wert von rund 6 Milliarden Dollar zu verkaufen.
Ich ersuche den Kongreß, das von mir vorgelegte Gesetz über die Vorratshaltung umgehend und positiv zu verabschieden. Damit wird der Kongreß seine
Bereitschaft unter Beweis stellen, mit der Exekutive positiv in einer Form
zusammenzuarbeiten, die im besten Interesse aller Amerikaner ist."
In

-3-

�!

In einer vom Weißen Haus gleichzeitig veröffentlichen Erklärung wird
darauf hingewiesen, daß die neuen Richtlinien vom Nationalen Sicherheitsrat
in Zusammenarbeit mit den zuständigen Regierungsstellen und nach eingehender
Überprüfung der bisherigen Bevorratungspolitik entwickelt worden sind. Man
gehe, so wird betont, immer noch von der Notwendigkeit aus, für einen konventionellen Krieg von drei Jahren Vorsorgen zu müssen, doch halte man eine
Bevorratung für einen einjährigen Konflikt aufgrund der technologischen
Fortschritte für ausreichend, sofern die Bevölkerung ihren Verbrauch während
der Umstellungszeit etwas einschränke.
Die in der amerikanischen Rohstoffreserve gegenwärtig eingelagerten
91 Roh-und Grundstoffe haben nach Angaben des Weißen Hauses einen Marktwert
von 6,7 Milliarden Dollar, wobei über die Hälfte der Vorräte auf sieben Rohstoffe - Aluminium, Kupfer, Blei, Silber, Zinn, Wolfram und Zink - entfallen. Während für Gummi, Silber und Platin eine gewisse Aufnahmebereitschaft
des Marktes bestehe, so wird betont, könnten besonders hohe Überschußbestände zum Beispiel bei Blei, Wolfram, Mangan oder Industriediamanten nur im
Laufe mehrerer Jahre auf dem Markt abgesetzt werden. Aufgrund der neuen Richtlinien sollen im Finanzjahr 1973/74 Überschußbestände im Werte von 1,4
Milliarden Dollar verkauft werden, darunter Rohstoffe im Werte von 0,6 Milliarden Dollar, für deren Verkauf bereits eine Ermächtigung vorliegt, sowie Roh-und Grundstoffe im Werte von 0,8 Milliarden Dollar aufgrund des neuen
Gesetzes.
Der Verkauf von Roh- und Grundstoffen aus der strategischen Reserve der
USA wird nach Ansicht des Weißen Hauses in vielen Fällen die Preise positiv
beeinflussen. Präsident Nixon hoffe, so wird betont, daß diese Maßnahme
sich preisstabilisierend auswirken werde.

+++

-4-

�V

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16/1973

EBERLE FORDERT LIBERALISIERUNG DES AGRARHANDELS
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, William D. Eberle, hat am 16. April vor einen Unterausschuß
des Senats erneut eine Liberalisierung des Agrarhandels gefordert. Die Erklärung Eberles hat folgenden Wortlaut:

Wir befinden uns heute, was die Ausweitung der Nachfrage nach und des
Handels mit Agrarerzeugnissen anbetrifft, in einer außergewöhnlichen Epoche
der Geschichte.

Dies zeigt sich in den USA ganz deutlich an der starken Zunahme unserer
Agrarexporte. Unsere Rekordagrarexporte werden im laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar übersteigen. Dies bedeutet gegenüber dem vorangegangenen Finanzjahr eine Zunahme um 3 Milliarden Dollar. Zugegeben, ein großer Teil
dieser Zunahme ist auf das Wetter und hiermit zusammenhängende Preisentwicklungen zurückzuführen; bei Ausschaltung dieser Faktoren wird der Wert
dieser Exporte aber immer noch um 9 Milliarden Dollar über dem des Vorjahres
liegen, was ein neuer Höchststand ist. Gegenüber 1960 bedeutet dies eine Zunahme der kommerziellen Ausfuhren um rund 200 Prozent. Diese reale Zunahme
konnte durch Ausweitung alter und Erschließung neuer Märkte erzielt werden.

Dennoch
- 1 -

�Dennoch wurde die tatsächliche Ausweitung unserer Agrarexporte durch
unsere eigene Innen- und Handelspolitik wie auch die unserer Handelspartner
beeinträchtigt.

Wir werden immer noch durch Handelsschranken behindert.

Trotz des bedeutenden, seit Ende des zweiten Weltkrieges erzielten Fortschritts gibt es immer noch eine Vielzahl von Handelsschranken. Sie führen
zu Verzerrungen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und schaden
unseren eigenen Interessen wie auch denen anderer Länder, weil sie das Prinzip des Wettbewerbsvorteils nicht in weitestmöglichem Maß zum Tragen kommen
lassen und weil sie Erzeugern und Verbrauchern nicht gestatten, frei auf die
vom Markt ausgehenden Signale zu reagieren.

Es liegt im Interesse der Völkergemeinschaft der Welt, wenn jedes Land
den anderen die Güter verkauft, die es am rationellsten herstellen kann,
und von den anderen Ländern die Güter kauft, die diese rationeller herstellen
können.

Ein solcher Austausch kann zu höherem Lebensstandard, mehr Zusammenarbeit, Befriedigung und Zufriedenheit für alle Menschen führen, ohne Rücksicht
darauf, in welchem Lande sie wohnen.

Heute stellen wir fest, daß sich Einstellung und innere Bedingungen in
zahlreichen Ländern vielfach stark ähneln. Dies schafft bisher noch nie dagewesene Möglichkeiten für wesentliche Fortschritte in Richtung auf einen Abbau der Handelsschranken. Und dies wiederum wird dazu beitragen, die Nachfrage zu steigern; es wird jedem von uns helfen, diese Nachfrage zu befriedigen, und es wird den Menschen der Welt die Möglichkeit geben, das zu kaufen,
was sie kaufen wollen, und zwar von dem Händler, der ihren Bedarf am besten
decken kann.

Erstens herrscht gegenwärtig in den meisten Industriestaaten und auch
in einigen Entwicklungsländern Inflation. Gleichzeitig besteht dort eine
- 2-

�"v

eine äußerst starke Nachfrage nach Lebensmitteln, da die Volkswirtschaften
schnell expandieren und die Verbrauchereinkommen steigen. Die Folge ist, daß
die Verbraucher die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, was im besonderen
für die populären Lebensmittel, zu denen auch tierische Erzeugnisse zählen,
zutrifft. Während die Verbraucher einerseits die Preise in die Höhe treiben,
sind sie gleichzeitig auch über die Preissteigerungsraten besorgt. Der Preisdruck macht sich bemerkbar und, wo möglich, werden Maßnahmen zur Milderung
dieses Druckes eingeleitet. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten, die
Europäische Gemeinschaft und andere Länder Maßnahmen zur Steigerung der Einfuhr von Rindfleisch und anderen tierischen Erzeugnissen getroffen.

Zweitens setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß die derzeitige
Agrarpolitik nicht die Nachfrage nach solchen tierischen Erzeugnissen decken
kann, die die Verbraucher wollen. Die Weltmarktpreise für Rindfleisch sind trotz der Ausweitung der Erzeugung in den sechziger Jahren um rund 40 Prozent - erheblich gestiegen. Eine kürzliche Zusammenstellung der Lebensmitteleinzelhandelspreise ergab die folgenden Preise für Rindfleisch:
Bonn

Roastbeef

2,08 D o l l a r

Brüssel

Roastbeef

2,54

H

Kopenhagen

Kalbsfilet

6,51

H

London

Rumsteak

2,25

ti

Paris

Rinderkeule

2,57

H

Rom

F i l e t s t e a k vom Rind

2,79

ii

Stockholm

Porterhousesteak

3,81

ti

Den Haag

Rindergehacktes

2,77

H

Tokio

Rinderlende

11,90

II

Washington, D.C.

F i l e t s t e a k vom Rind

1,69

II

Drittens hat der schnelle technologische Fortschritt zu einem rapiden
Rückgang der Zahl der Farmer und landwirtschaftlichen Arbeitskräfte geführt,
die für eine rationelle Erzeugung der benötigten Lebensmittel und Fasern
notwendig war. Dies ist ein Problem, das alle Industriestaaten der Welt gemeinsam haben. In den Vereinigten Staaten waren im Jahre 1960 rund 5,5 Mil-

- 3-

�Millionen Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt; bis 1970 war die Zahl
der in der Landwirtschaft Beschäftigten auf 3,5 Millionen oder um über ein
Drittel zurückgegangen. Während der gleichen Zeit ging die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft in Frankreich von 4,2 auf 2,9 Millionen
(31 Prozent), in Deutschland von 3,6 auf 2,4 Millionen (33 Prozent), in
Italien von 6,6 auf 3,7 Millionen (44 Prozent), in Spanien von 4,9 auf 3,7
Millionen (24 Prozent), in Japan von 13,4 auf 8,9 Millionen (34 Prozent) und
in Griechenland von 1,9 auf 1,7 Millionen (11 Prozent) zurück. Diese Zahlen
dürften auch repräsentativ sein für die Veränderungen, die sich in anderen
Ländern überall auf der Welt vollzogen haben. Ferner gibt es in gewissen Industriestaaten das Problem der Unterbeschäftigung, und besonders akut ist
dieses Problem in den Entwicklungsländern.

Viertens wächst die Unzufriedenheit über die Kosten der Regierungsprogramme. In den Vereinigten Staaten ist es ganz offensichtlich, daß die Kosten
der Regierungsprogramme zu hoch sind und gesenkt werden müssen. In der Europäischen Gemeinschaft geben die wachsenden Kosten des gemeinsamen Agrarprogrammes Anlaß zu Alarm. In dem Maße, wie die Weltmarktpreise weiter steigen,
muß ein immer größerer Teil der Kosten der EG-Programme durch Beiträge der
Mitgliedstaaten statt durch variable Abschöpfungen aufgebracht werden. Eine
kürzliche Schätzung aller im Zusammenhang mit der gemeinsamen Agrarpolitik
entstehenden Kosten veranschlagt diese auf 14 bis 16 Milliarden Dollar. Vor
einigen Monaten berichtete ein Regierungsvertreter eines der EG-Mitgliedsländer, daß die Kosten des gemeinsamen Agrarprozesses für sein Land jetzt
größer als der Gesamtbeitrag seien, den die Landwirtschaft zum Bruttosozialprodukt leistet.

Fünftens hat die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft wesentliche
Auswirkungen auf das Gebiet der Handelsliberalisierung. In den beigetretenen
Ländern liegen die Agrarpreise unter dem Niveau des gemeinsamen Agrarprogramms.
Dies wird dazu führen, daß die finanziellen Lasten für den Verbraucher steigen,
während sie für den Steuerzahler abnehmen - eine Entwicklung, die zu einem
Zeitpunkt äußerst unangebracht ist, da die Verbraucher sich gerade erst ihrer
Macht bewußt zu werden beginnen.
Sechstens

�Sechstens vollzieht sich in Japan eine Änderung des LebensmittelVerbrauchs in Richtung auf die Verbrauchsgepflogenheiten in den Vereinigten
Staaten und in Westeuropa, auch wenn der Verbrauch an Fleisch- und Fleischwaren immer noch weit geringer als in den meisten anderen Industriestaaten
ist. Diese Situation und die stark steigenden Verbrauchereinkommen verheißen für die kommenden Jahre einen guten Absatzmarkt.

Siebtens sind die Einkommen aus nicht-landwxrtschaftlicher Arbeit für
die Bauern in den meisten Ländern, vor allem aber in den USA und Japan, von
wachsender Bedeutung. In den Vereinigten Staaten z.B. war 1971 das Einkommen
aus nicht-landwirtschaftlicher Arbeit auf Farmen mit einem Umsatz von weniger
als 10 000 Dollar weit größer als das erzielte Nettoeinkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit. Farmen mit Umsätzen von weniger als 2,500 Dollar hatten
im Durchschnitt ein Einkommen aus nicht-landwirtschaftlicher Arbeit von
8 500 Dollar, während die Netto-Einkünfte aus landwirtschaftlicher Arbeit
lediglich 1 OOO Dollar betrugen. In Japan erhöhten sich die Einkünfte aus
nicht-landwirtschaftlicher Tätigkeit in den sechziger Jahren um das Vierfache.
Der Anteil der Einkünfte einer Bauernfamilie aus landwirtschaftlicher Arbeit
ging von 55 Prozent im Jahre 1960 auf 40 Prozent im Jahre 1969 zurück.

Diese gegenwärtige Situation führt zu dem Schluß, daß wir wesentlichen
Fortschritt in Richtung auf eine Handelsliberalisierung erzielen könnten, wenn
wir es verstehen, aus:
- unseren gemeinsamen Anschauungen und Übereinstimmungen;
- unserer gemeinsamen Abneigung gegenüber Importsubventionen;
- der gemeinsamen Notwendigkeit, Änderungen der Agrarstruktur zu erleichtern;
- unseren gemeinsamen Inflationsproblemen und dem rapiden Anstieg der
Lebensmittelpreise; sowie
- aus der gemeinsamen Notwendigkeit einer Suche nach Mitteln und Wegen
zur Bewältigung des gemeinsamen Problems der durch Niedrigeinkommen
der ärmeren Landbevölkerung erwachsenden Schwierigkeiten durch Verbesserung der Arbeitschancen und Arbeitsplätze im nicht-landwirt-

�f

nicht-landwirtschaftlichen Sektor - oder wo dies nicht möglich ist durch frühzeitige Pensionierung oder produktionsneutralen Einkommenstransfer - Nutzen zu ziehen.

Welches sind nun die wesentlichsten Beschränkungen für den Agrarhandel?

Zu den wichtigsten Handelsschranken gehören Mengenbeschränkungen, Exportsubventionen, restriktive Handelspraktiken und vorgeschriebene technische
Normen sowie Verfahren. Zusammen mit Zöllen werden sie zum Schutz der Landwirtschaft und der weiterverarbeitenden Industrie gegen ausländischen Wettbewerb eingesetzt.

Lassen Sie uns jetzt genauer untersuchen, wie und in welchem Ausmaß
die Vereinigten Staaten und deren wichtigste Agrarhandelspartner - die
Europäische Gemeinschaft und Japan - ihre Märkte gegen den Import abschirmen
und ihren Export subventionieren.

- Die amerikanischen Handelsschranken -

Die meisten amerikanischen Agrarzölle sind gegenüber ihrem Höchststand
in den dreißiger Jahren - zu einem großen Teil um 50 Prozent oder mehr - gesenkt worden. Die meisten dieser Zollsätze sind zur Zeit niedrig. Hohe Zölle
(mehr als 15 Prozent ad valorem) gibt es nur für eine kleine Zahl landwirtschaftlicher Importgüter - Molkereierzeugnisse, frisches und eingemachtes
Obst und Gemüse, bestimmte Mühlenerzeugnisse, Wein und Ballentabak.

Importquoten gibt es nur für fünf Warengruppen: Weizen für Nahrungsmittel, Baumwolle, Erdnüsse, Molkereierzeugnisse und Zucker. Die Quoten
für die ersten vier sind auf Grund des Artikel 22 des Landwirtschaftlichen
Anpassungsgesetzes verfügt worden. Zwar bestehen nicht für alle Molkereierzeugnisse Quoten, doch sind diese jetzt auch für bestimmte Käsesorten und

- 6 -

�und andere Erzeugnisse eingeführt worden. Die Quoten nach Artikel 22 E
sind vor allem verfügt worden, um eine Beeinträchtigung der amerikanischen
Landwirtschaftsprogramme zu verhindern.

Die Quoten für Rohzucker und Süßwaren wurden auf Grund des Zuckergesetzes eingeführt. Die anderen Ländern zugeteilten Quoten decken 38 Prozent
des Grundbedarfs der USA an Zucker sowie 35 Prozent des angestiegenen amerikanischen Zuckerbedarfs.

Das Gesetz über den Import von Fleisch von 1964 (P.L. 88-482) gibt die
Ermächtigung für die Einführung von Quoten für Rind-, Kalb-, Hammel- und
Ziegenfleisch. Der Präsident hat sowohl Fleischimportquoten verfügt wie
auch wieder aufgehoben. Die Importbeschränkungen sind für das Kalenderjahr
1973 ausgesetzt worden.
Die Programme für direkte Exportsubventionen sind in den Vereinigten
Staaten eingestellt oder ausgesetzt worden, so daß es im Augenblick keine
laufenden Programme für den Verkauf von Gütern im Ausland zu Preisen gibt,
die unter den inländischen Preisen liegen. Nach Artikel 33 und auf Grund
der Satzungen für die Tätigkeit der Commodity Credit Corporation dürfen
die Vereinigten Staaten Exporte beim Zusammenfallen bestimmter Umstände
subventionieren.

- Handelsschranken der Europäischen Gemeinschaft In der Europäischen Gemeinschaft wirken sich hohe Zölle einschränkend
auf den Handel mit bestimmten Gemüsekonserven, Frischgemüse, Margarine
und Rohtabak aus.

Die von der Europäischen Gemeinschaft hauptsächlich angewandte Schutzmaßnahme ist die variable Abschöpfung. Durch sie werden über zwei Drittel

- 7-

�r

Drittel der Agrarerzeugung der Gemeinschaft geschützt. Diese Abschöpfung
entspricht der Differenz zwischen dem Schwellenpreis und dem niedrigsten
bereinigten CIF-Preis. Diese Abschöpfung gewährt praktisch unbegrenzten
Schutz und beeinträchtigt die amerikanischen Agrarexporte in die Gemeinschaft bei den ihr unterliegenden Erzeugnissen stark. Zu den wichtigsten
von der variablen Abschöpfung betroffenen Agrarexporten gehören Futtergetreide, Weizen, Reis, Geflügel, Eier, Schweinefleisch und Schweineschmalz.
Nationale Quoten gibt es in bestimmten Fällen bei Frischobst, Frischgemüse
und Konserven. Eine EG-Quote betrifft Rind- und Kalbfleisch zur Weiterverarbeitung.

Tabakmonopole in Frankreich und in Italien kontrollieren die nationalen
Märkte. Sie sind die einzigen Importeure von Ballentabak, die einzigen Hersteller von Tabakerzeugnissen und sie haben das Recht, Lizenzen an den Einzelhandel zu vergeben.

Die Europäische Gemeinschaft verfügt über ein Programm zur Subventionierung von Exporten, um "überschüssige" Produkte auf die Weltmärkte zu
leiten. Solche Subventionen sind erforderlich, da die internationalen Preise
nicht dazu festgelegt werden, die Gemeinschaft auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu erhalten, und so haben sich häufig Überschüsse herangebildet.
Unter die restriktiven Maßnahmen fällt weiter die Anwendung von Richtpreisen
für die Kontrolle des Imports von Frischobst und Frischgemüse, Saatgetreide
und Wein. Sobald importierte Erzeugnisse unter den Richtpreisen liegen,
unterliegen sie einer Ausgleichssteuer.

Die bestimmten Ländern eingeräumte bevorzugte Behandlung diskriminiert
eine große Zahl amerikanischer Agrarexporte.

- Japanische Handelsschranken Gewisser Fortschritt ist beim Abbau der japanischen Zölle erzielt
worden, doch schränken viele von ihnen immer noch den Import ein.
Quotenbeschränkungen
- 8-

�-

Quotenbeschränkungen wirken sich auf den Import zahlreicher Erzeugnisse
aus, bei denen amerikanischerseits ein Export-Interesse besteht, unter ihnen
Rindfleisch, bestimmte Fleischwarenprodukte, Schmelzkäse, getrocknete Erbsen
und andere Hülsenfrüchte, bestimmte Sorten von Frischobst und Frischgemüse
sowie Obst- und Gemüsekonserven und -produkte, Weizen und Weizenerzeugnisse,
Reis, Gerste, Speiseeispulver, Milchpulver für Kindernahrung und andere in
erster Linie aus Milch bestehende Erzeugnisse.

Anstelle von Quoten sind variable Abschöpfungen getreten, um die Einfuhr lebender Schweine, von Schweinefleisch, Schinken und Speck einzuschränken.

Die Kontrolle des Imports wird bei den meisten Agrarerzeugnissen durch
den staatlichen Handel ausgeübt, die sich jedoch nicht restriktiv auswirkt.
Das Lebensmittelverteilungssystem läßt es nicht zu, daß die Einzelhandelspreise unmittelbar auf Preisänderungen der Importgüter reagieren.

Ich habe hier nur einige Länder und die von ihnen zur Einschränkung
des Handels angewandten Praktiken angeführt.Diese Praktiken sowie auch
andere Maßnahmen werden aber auch von anderen Industriestaaten und von Entwicklungsländern angewandt. Der Unterschied dabei liegt in der Kombination
der Praktiken und im Ausmaß ihrer Anwendung. Warum gibt es diese Schranken?

Die Handelsschranken sind zum Schutz der einheimischen Agrarprogramme
(und zur Stützung der landwirtschaftlichen Einkommen), zur Gewährleistung
der nationalen Sicherheit, zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung, zur
Abwehr einer von anderen betriebenen "unfairen" Politik, zum Schutz einer
jungen Industrie, zur Verbesserung der Zahlungsbilanz und/oder zur Vermeidung schmerzlicher wirtschaftlicher Anpassungen errichtet worden. In den
meisten Ländern gibt es irgendwelche Kombinationen solcher Handelsschranken,
wobei die Prioritäten unterschiedlich sind, und entsprechend den veränderten
Gegebenheiten verlagert werden.

In
- 9-

�In den Vereinigten Staaten bestand vor 1965 ein Hauptziel des Protektionismus in dem Schutz der einheimischen Agrarprogramme. Bis zu diesem Zeitpunkt basierte die einheimische Agrarpolitik auf einer hohen Preisstützung
und begleitenden Maßnahmen mit dem Ziel, die Einkommen in der Landwirtschaft
aufzubessern. Ein solches Preisstützungsniveau war nicht mit den Verhältnissen
auf den Weltmärkten zu vereinbaren, die von Angebot und Nachfrage bestimmt
werden. Daher wurde eine Förderungspolitik eingeschlagen, die die amerikanische Landwirtschaft gegen den vollen Wettbewerbsdruck abschirmen sollte.
Seit Mitte der sechziger Jahre wurden die Vereinigten Staaten immer stärker
marktorientiert. Bei den meisten Agrarerzeugnissen näherten sich die Stützpreise dem Weltmarktniveau. Das Landwirtschaftsgesetz von 1970 hob nacheinander die Anbaubeschränkungen bei Weizen, Futtergetreide und Baumwolle auf
und ließ damit den amerikanischen Erzeugern größeren Spielraum, sich nach
der Nachfrage auf den Merkten zu richten. Mit der umfassenden Unterstützung
einer marktorientierten Agrarpolitik, wie sie auf Grund des Landwirtschaftsgesetzes von 1970 erreicht wurde, und mit den jüngsten Vorschlägen der Regierung , das Gesetz von 19 70 zu verlängern und es noch stärker auf die
Marktorientierung abzustellen, haben die Vereinigten Staaten sich ganz eindeutig dazu bekannt, in ihrer Landwirtschaft vom Protektionismus abzugehen.

Die Europäische Gemeinschaft verfolgt weiterhin eine Politik der
Stützung hoher Binnenmarktpreise, die den Erzeugern ohne irgendeine Begrenzung des Anbaues garantiert werden.

Diese Preisstützung soll die Probleme der landwirtschaftlichen Einkommen lösen und ein Präferenzsystem für die im Lande selbst angebauten Erzeugnisse aufrecherhalten. Eine solche Politik erzeugt einen Druck und die
Notwendigkeit, den Markt abzuschirmen.

Japan hat hohe Stützpreise für Reis aufrechterhalten. Die Steigerung
des landwirtschaftlichen Einkommens ist ein wichtiges Ziel seiner Getreidepolitik. Diese Politik hatte wiederum andere Stützmaßnahmen zur Folge, die
den Binnenmarkt schützen sollen. Die hohen Stützpreise für Reis haben zur

- 10 -

�zur Einlagerung von Reis geführt und hohe Subventionen notwendig gemacht,
um seine Verwendung für Futterzwecke zu fördern. Sie haben ferner hohe Subventionszahlungen erforderlich gemacht, damit Anbauflächen für Reis zu
anderen Zwecken verwendet werden.

Warum Handelsliberalisierung?

Diese hohen, nicht-wettbewerbsorientierten Preisgarantien sollten die
Einkommensprobleme der Landwirtschaft lösen; aus einer Vielzahl von Gründen
blieben sie weitgehend erfolglos.

Einerseits erhält nur ein kleiner Prozentsatz von Erzeugern - die Großbauern - bei weitem den größten Teil der Zuwendungen aus der Preisstützung
sowie aus anderen Programmen, die sich nach dem Volumen der Erzeugung richten.
In den meisten Ländern gibt es sehr viele Bauern mit niedrigen Einkünften.
Auf sie entfällt nur ein kleiner Marktanteil, daher können sie aus der hohen
Preisstützung keine wesentlichen Vorteile ziehen.

Zum anderen regen hohe Stützpreise eine Überschußproduktion an, die zu
Importbeschränkungen und einer Subventionierung des Exports von Gütern mit
hohen Gestehungskosten führt.

Drittens verhindern sie, daß vom Markt die notwendigen und "richtigen"
Signale ausgehen, damit die Bauern ihre Erzeugung der mit steigenden Einkommen sich ändernden Verbrauchernachfrage anpassen.

Viertens führen sie zu einem Zuviel an "falschen" Hilfsquellen in der
Landwirtschaft - zu viele Bauern bauen auf zu viel Land mit zu wenig erforderlichen Hilfsmitteln zu viel Erzeugnisse an.

Fünftens ist zur Genüge klar geworden, daß hohe Stützpreise sich in
hohen Landpreisen niederschlagen, die nur den gegenwärtigen Landbesitzern
künftigen Nutzen bringen. Nach den aus den OECD-Ländern verfügbaren Statist-

- 11 -

�Statistiken betrug die Zuwachsrate des Wertes des landwirtschaftlichen Eigentums, vor allem Land, in den Jahren von 1960 bis 1965 rund 9 Prozent. Die
Folge ist, daß die hohen Stützpreise sich für die gegenwärtigen Eigentümer
in erster Linie in höheren Anlagewerten niederschlugen - ein Gewinn, der zum
Zeitpunkt des Verkaufs realisiert werden kann. Dieser Gewinn für den gegenwärtigen Eigentümer bedeutet jedoch höhere Kapitalkosten für den neuen Käufer
und behindert die erforderlichen Anpassungen in der Landwirtschaft. Die
durchschnittlichen Bodenwerte in den westeuropäischen Ländern betragen das
zwei- bis zehnfache des Durchschnitts in den Vereinigten Staaten. Die
japanischen Bodenwerte liegen 14 Mal so hoch wie in den Vereinigten Staaten.

Sechstens fördern hohe Preisgarantien die Fehlleitung von Hilfsquellen,
zum Beispiel die Verwendung größerer Mengen von Dünger, Insektenvertilgungsmitteln oder sonstiger nicht-landwirtschaftlicher Importgüter.
Siebtens sind die innenpolitischen Programme im Gefolge der Preisstützung nicht nur unwirksam für die Lösung des Problems der niedrigen Einkommen der ländlichen Bevölkerung, sondern sie sind auch kostspielig für
Verbraucher und Steuerzahler, da sie höhere Lebensmittelpreise und höhere
Kosten für die Regierungsprogramme bewirken. Professor D. Gale Johnson von
der Universität Chicago hat geschätzt, daß sich "durch die Kombination
von Handelsschranken an den Grenzen und Preisstützung sowie Subventionen
im Innern" für die Welt jährliche Kosten von fast 40 Milliarden Dollar ergeben, wovon etwa 13 Milliarden Dollar auf die Europäische Gemeinschaft und
fast 10 Milliarden Dollar auf die Vereinigten Staaten entfallen.

Bei den Kostenschätzungen für die Vereinigten Staaten entfällt ein beträchtlicher Teil der Kosten auf die Programme, Land aus der Bestellung zu
nehmen - also durch die Anpassung des Angebots ausgelöste Probleme, die sich
für die USA durch den beschränkten Zugang zu den Absatzmärkten ergeben haben,
der ihnen durch hohe Stützpreise und Importbeschränkungen anderer Länder
sowie dadurch verwehrt wird, daß diese mit wenigen Ausnahmen keinen Versuch
unternehmen, die Erzeugung einzuschränken oder den Absatz zu kontrollieren.
Händelsliberalisierung
- 12 -

�(

Handelsliberalisierung oder freierer Handel würden es allen Verbrauchern
erlauben, auf niedrigere Preise zu reagieren.

Sie würden jeden einzelnen, jedes Gebiet oder jedes Land ermutigen, sich
auf das zu spezialisieren, was sie zu den niedrigsten relativen Kosten erzeugen können, und dann mit allen anderen Handel zu treiben.

Sie würden die wirklichen Kosten für Nahrungsmittel und Fasern verringern
und die dem Steuerzahler durch die Regierungsprogramme entstehenden Kosten
beseitigen. Eine Ausnahme wäre, wenn Länder feststellen, daß die landwirtschaftlichen Einkommen zu niedrig sind, und sie daraufhin Einkommensumschichtungen durchführen. Wo solche Einkommensumschichtungen vorgenommen werden,
würden sie ein Minimum an Auswirkungen - oder überhaupt keine - auf die Erzeugung haben. Ferner würden im Falle solcher Zahlungen die vollen Kosten
derartiger Umschichtungen direkt von den betreffenden Ländern getragen werden.

Sie würden den Markt in die Lage versetzen, wirksamer seine ihm zufallende Rolle zu spielen und die Signale zu geben, die für vernünftige Produktions- und Absatzentscheidungen erforderlich sind. Eine solche Tätigkeit
wäre einem System von Regierungsgarantien weit überlegen, das die Anbaugewohnheiten geographisch verzerrt und die Landwirtschaft daran hindert, dem
Bedarf der Verbraucher zu entsprechen.

Sie würden für den einzelnen Bauern ein Klima schaffen, in dem er ganz
nach eigenem Interesse handeln, die Erzeugung auf ein maximales Einkommen
ausrichten und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft im In- und Ausland verbessern kann.

Welche Möglichkeiten gibt es?
Mit der Liberalisierung des Handels wollen wir die Systeme in den einzelnen Ländern nicht verändern, sondern Anregungen geben und sie ermutigen,
in den Mechanismen Änderungen oder Modifizierungen vorzunehmen, die erforder-

- 13 -

�erforderlich sind, um die Märkte zu entlasten und die Bauern zu ermutigen,
die Erzeugung auf den Bedarf und die vom Markt ausgehenden Signale abzustellen und so zu einer Ausweitung des internationalen Wirtschaftssystems
und seiner wachsenden Interdependenz beizutragen.

Das Gebiet, auf dem eine Handelsliberalisierung tatsächlich die besten
Chancen bietet, ist der Sektor: Futtermittel und Weidewirtschaft. In dem
Maße wie die Verbrauchereinkommen steigen, vollzieht sich überall auf der
Welt eine Entwicklung zum vermehrten Verbrauch von Schlachtvieh und Fleischwaren. Wenn die Möglichkeiten, die die expandierende Nachfrage nach Fleisch
bieten, durch Senkung der Futtermittelkosten und damit der Kosten für den
Verbraucher voll realisiert werden könnten, dann könnte ein

wesentlicher

Teil der bisher zu wenig genutzten Hilfsquellen dafür eingesetzt werden,
die steigende Nachfrage nach Fleisch zu decken. Dies würde wiederum dazu
beitragen, die Realeinkommen durch eine höhere Produktion sowie durch Einsparungen bei den Futtermittelkosten zu steigern. Die Landwirtschaft tritt
jetzt mit der Expandierung der Märkte in eine neue Epoche. Die Nachfrage hat
auf der Welt einen Höchststand erreicht.

Die Bauern können damit rechnen, daß die Kapazität ihrer Hefe zu 100
Prozent, oder fast so hoch, ausgenutzt werden kann - und daß dies Gewinn
bringen wird. In der Industrie wie auch in der Landwirtschaft hat ein Betrieb,
der mit einer Kapazitätsauslastung von 80 Prozent arbeitet,höhere Stückkosten, als wenn er mit einer höheren Kapazitätsauslastung arbeitet. Wenn
nun die Nachfrage nach Fleisch steigt, gehen die Gestehungskosten für Lebensmittel zurück. Dies ist auch der Grund, warum die Ziele - hohes Einkommen in
der Landwirtschaft und angemessene Lebensmittelpreise für die Bürger - in den
USA voll und ganz miteinander zu vereinbaren sind.

Es sollte unterstrichen werden, daß wir, wenn wir jetzt in Verhandlungen
eintreten, die Landwirtschaft nicht von der Industrie trennen können, denn
beide sind voneinander abhängig. Sie verhalten sich wie der linke Arm zum
rechten Arm.
Schließlich
- 14 -

�(

Schließlich sollte wohl bekannt sein, daß nur dann Hoffnung auf erfolgreiche Agrarverhandlungen besteht, wenn diese zu beiderseitigen Vorteilung für alle beteiligten Länder führen. Änderungen, die eine sensiblere
Reaktion bei der Anpassung der Produktion auf Veränderungen der Verbrauchernachfrage zulassen, entsprechen diesem Grundsatz.

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16/1973

MEHR FORSCHUNG ZUR ERSCHLIESSUNG NEUER ENERGIEQUELLEN
-Arbeitsgruppe des US-Kongresses legt Bericht vor-

--(AD)-- Nach zweijährigen Untersuchungen hat jetzt die "Arbeitsgruppe
Energie" des US-Kongresses einen ausführlichen Bericht über die Energiesituation in den USA vorgelegt. Das 404 Seiten umfassende Dokument wurde
in enger Zusammenarbeit mit dem Ausschuß des Repräsentantenhauses für Wissenschaft und Raumfahrt unter der Leitung des demokratischen Abgeordneten
Mike McCormack erarbeitet, der vor der Übernahme seines politischen Amtes
in der kerntechnischen Forschung tätig war.
Unter der Voraussetzung, daß die Forschung erheblich intensiviert wird,
sind nach Ansicht des Gremiums die Möglichkeiten der Energieversorgung in
den Vereinigten Staaten aus einheimischen Quellen (Öl, Gas, Kohle, Ölschiefer, Uran und Thorium) zumindest für die nächsten Jahrzehnte optimistisch
zu beurteilen. Der Bericht fordert eine Steigerung der Aufwendungen für
Forschung und Entwicklung um 1 Milliarde Dollar pro Jahr.
Gegenwärtig werden etwa 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr - das entspricht
0,15 des Bruttosozialproduktes der Vereinigten Staaten - auf Forschung und
Entwicklung für den Energiesektor verwandt. Davon bringt die Bundesregierung

-l-

�i

Bundesregierung 600 Millionen Dollar, die Privatindustrie 900 Millionen
Dollar auf. Eine Intensivierung der Forschung, die nach Ansicht McCormacks
zunächst auf die Öl-und Gasgewinnung aus Kohle konzentriert werden und im
Stil der Anstrengungen beim APOLLO-Programm in Angriff genommen werden sollte, sei u.a. auch deshalb notwendig, um Amerika von Importen aus den Mittelostländern unabhängig zu machen.
In einem Ende 1972 veröffentlichten Bericht des US-Innenministeriums
war errechnet worden, daß schon Mitte des nächsten Jahrzehnts die USA ca.

40 Prozent ihres Ölbedarfs und 25 Prozent ihres Erdgasbedarfs bei einem
Kostenaufwand von 30 Milliarden Dollar pro Jahr durch Importe decken müs:.ten, wenn sich an der gegenwärtigen Politik nichts ändere. In dem wachsenden Einfluß der OPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries Organisation der Ölexportländer) auf dem Welterdölmarkt sieht die Arbeitsgruppe Energie jedoch "einen neuen Faktor, der die Notwendigkeit, sich auf
Kohle zu konzentrieren und die Arbeiten für ihre Nutzung als neue Energiequelle zu beschleunigen, wieder in den Vordergrund rückt." Deshalb sei
es u.a. erforderlich:
- Technologien zur Gewinnung sauberer Energie aus Kohle so schnell
wie möglich weiter zu entwickeln, um die kommerzielle Demonstrationsphase
zu erreichen.... Zwei Prototyp-Anlagen für die Kohlevergasung wurden bereits
gebaut, zwei weitere sind geplant. Zwei Betriebe zur Kohleverflüssigung
arbeiten schon, ein dritter ist geplant.
- Die Weiterentwicklung sicherer, zuverlässiger Brutreaktoren mit
Flüssigmetall-Kühlung vordringlich zu betreiben.... Die kommerzielle Demonstration der Bruttechnik ist das wichtigste technologische Ziel der USAtomenergie-Kommission für die achtziger Jahre... Die Bundesenergie-Kommission rechnet damit, daß die Energieproduktion in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1980 zu 21 Prozent, im Jahre 1990 zu 38 Prozent auf Atomstrom
basiert.
-Forschung

-2-

�J

- Forschung und Entwicklung für die Nutzung der Sonnenstrahlung als
Quelle elektrischer Energie finanziell einschneidend zu fördern....
- Die kontrollierte thermonukleare Fusion voranzubringen ... Ein nach
diesem Prinzip arbeitendes Kraftwerk ist eine der idealsten Energiequellen.
Der Rohstoff wäre praktisch unbegrenzt vorhanden....
- Eine technologisch vielversprechende, praktisch aber noch kaum demonstrierte Form der Energiegewinnung ist die Ausnutzung der Meeresströmungen, der unterschiedlichen Temperaturen im Meer und die Nutzbarmachung der
Gezeiten....
- Die Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Produktion von technisch reinen Flüssigkeiten aus Ölschiefer müssen erst demonstriert werden...
- Energie aus Wind-und Wasserkraft dürfte in den Vereinigten Staaten
kaum mehr ausbaufähig sein, jedoch sollten die Untersuchungen auch in bezug
auf diese Energiequellen weitergeführt werden.
McCormack verwies in einer Pressekonferenz darauf, daß im Rahmen solcher und anderer einschlägiger Projekte die angewandte Forschung auf zahlreichen Gebieten ebenfalls ausgebaut werden müsse. Als vordringlich nannte
er in diesem Zusammenhang Werkstofftechnik, Heiztechnik für Wohnbauten und
Industriezwecke, Klimatechnik, Wasserversorgung, Kraftwerkstechnik für Anlagen auf der Erde und schließlich auch für Produktionsstätten im Weltraum.

-Nutzung von Sonnenenergie und Erdwärme als CCMS-ProjektAuf der achten Plenarsitzung der CCMS-Gruppe der NATO (10.-11.April
1973 in Ottawa, Kanada) schlug der amerikanische Chefdelegierte Russell E.
Train die Aufnahme eines wissenschaftlich-technischen Gemeinschaftsprojekts

-3-

�Gemeinschaftsprojekts zur Erschließung der solaren und geothemischen Energie in die CCMS-Programme vor. Damit solle, wie der Vorsitzende des Beirats Präsident Nixons für Umwelthygiene erklärte, die Möglichkeit geschaffen werden, die Beanspruchung fossiler Brennstoffe abzubauen und außerdem
umweltfreundlicheren Energiequellen Vorrang zu geben. Train appellierte an
die Mitgliedstaaten des NATO-Ausschusses für die Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS), ähnlich wie bei den bereits in Angriff genommenen Modellprojekten ein Aktionsprogramm mit entsprechendem internationalen Informationsund Erfahrungsaustausch für die Nutzung dieser Energiequellen in die Wege zu
leiten.
Train nannte in bezug auf die Erschließung der Erdwärme als Energiequelle die Prospektierung als einen der Hauptpunkte für internationale Aktionen. Auch die Probleme der Energie-Umwandlung seien im Rahmen internationaler
Zusammenarbeit besser zu bewältigen. Im Juli 1973 sollen in Paris anläßlich
der Tagung der "Gesellschaft für Sonnenenergie" (2.-5.Juli 1973) entsprechende Programme mit Wissenschaftlern aus den CCMS-Ländern ausgearbeitet werden.
Anschließend sind Besuche in europäischen Laboratorien vorgesehen, wo man
sich mit der Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie befaßt.

-H-f

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16/1973

HERZSCHRITTMACHER MIT RADIOISOTOP ALS ENERGIEQUELLE
-Amerikanisches Modell in der Erprobung-

--(AD)-- Die Entwicklung von Herzschrittmachern, die mit einem Radionuklid anstatt mit einer chemischen Batterie arbeiten, ist in den Vereinigten Staaten soweit gediehen, daß jetzt bei acht Patienten die ersten Geräte implantiert werden konnten. Die "nuklearen" Schrittmacher mit
400 Milligramm Plutonium-238 als Energiequelle stammen aus den Werkstätten der Firma Arco Nuclear Co. in Leechburg (Pennsylvanien). Das Unternehmen befaßt sich im Auftrag der US-Atomenergie-Kommission (AEC) seit
Jahren mit diesem Projekt, für das die AEC seit 1966 ca. 5,5 Millionen Dollar aufgewendet hat.
In der gegenwärtigen Phase der Erprobung am Menschen sind zunächst weitere 20 Implantationen geplant. Aber erst nach einer eingehenden Beobachtung der Patienten, bei denen das neue Modell als Schrittmacher zur Regulierung der Herztätigkeit verwendet wurde, ist damit zu rechnen, daß es
für den allgemeinen Gebrauch freigegeben wird. Ein ähnliches Programm
läuft in den USA seit Juli 1972 mit einem in Frankreich entwickelten Modell.

-l-

�r

Modell. Dieser "Atomschrittmacher" wird von der Firma Medtronics Inc.
(Minnesota) hergestellt; 20 Herzpatienten tragen ihn bereits. Mit 150 Gramm
Gewicht ist er allerdings 30 Gramm schwerer als das Arco-Modell. Bei diesem besorgen winzige Thermoelemente aus Metall die Umwandlung der Zerfallswärme des Radioisotops Plutonium 238 in elektrischen Strom; bei dem französischen Modell sind es Materialien, wie sie in Transistoren Verwendung
finden.
Wie ein Sprecher der Fa. Arco Co. erklärte, habe man sich für die
Thermoelemente als Energiewandler entschieden, weil man sie für zuverlässiger als die Transistor-Elemente halte. Allerdings werde erst die Praxis zeigen, ob diese Annahme richtig ist. Das Gerät hat die Abmessungen 6x5x3,2 cm;
das radioaktive Material ist in einer kleinen Vakuumkammer eingeschlossen.
In den Vereinigten Staaten leben etwa 70 000 Menschen mit elektrischen Schrittmachern. Sie helfen, durch automatisch über kleine Elektroden
gegebene Impulse den sogenannten Herzblock zu überwinden. Darunter sind
Störungen in der Funktion des Reizleitungssystems im Herzen zu verstehen,
die die Herztätigkeit auf gefährliche Weise aus dem Takt bringen. Im Vergleich zu den bisher verwendeten Schrittmachern, deren Batterie in günstigen Fällen etwa zwei Jahre ihren Dienst tun und dann in einer neuen Operation wieder ersetzt werden müssen, dürfte der Radionuklid-Schrittmacher
etwa 10 Jahre funktionsfähig bleiben.
Im Institut für Herz-und Lungenforschung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) wurde kürzlich eine Patientin vorgestellt,
der acht Stunden zuvor ein "Atomschrittmacher" aus der Arco-Entwicklung implantiert worden war. Die 39jährige Frau, Mutter von fünf Kindern, hatte
in den letzten zehn Jahren bereits zehn Operationen am Herzen durchmachen
müssen. Mit dem Radionuklid-Schrittmacher,den ihr Dr.Charles L.McIntosh
einsetzte, hofft sie jedoch,die nächsten zehn Jahre vor solchen Eingriffen
sicher zu sein. Das neue Gerät reguliert den Herzschlag auf 72 Schläge in
der Minute.
+++
-2-

�</text>
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2 6 . A p r i l 1973

Inhalt

DOKUMENTATION

Energiebotschaft Präsident Nixons
- Wortlaut -

Das J a h r Europas
- Wortlaut d e r Kissinger-Rede vom 2 3 . A p r i l 1973 -

USA: E r n s t e Verletzung des Vietnam-Abkommens durch Hanoi
- Wortlaut d e r amerikanischen Note vom 20. A p r i l 1973 -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

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Telex:08-85432

17/1973

ENERGIEBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Nixon dem amerikanischen Kongreß
am 18. April 1973 übersandte Energiebotschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Nach innen und außen befindet sich Amerika in einer Zeit des Übergangs.
Alte Probleme bringen neue Initiativen hervor, doch an ihrer Stelle entstehen
neue Probleme, die erneut unsere Erfindungsgabe herausfordern und dynamisches
Handeln erfordern. Nirgendwo trifft dies mehr zu als auf dem Gebiet der Energie,

In dem Maße, wie der Wohlstand in Amerika anstieg und das Land immer
stärker industrialisiert wurde, nahm auch der Energiebedarf immer mehr zu.
Bei einer Einwohnerzahl von nur sechs Prozent der Weltbevölkerung entfällt
auf uns fast ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs der Welt. Unser Energiebedarf ist so schnell angewachsen, daß er das verfügbare Angebot übersteigt,
und bei unserer derzeitigen Zuwachsrate wird unser Energiebedarf in 12 Jahren
fast doppelt so hoch wie im Jahre 1970 sein.

In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren müssen wir mit der Möglichkeit gelegentlicher Energieverknappungen sowie mit einem Ansteigen der Energiepreise rechnen.
Es

�Es ist ganz klar, daß wir auf dem Gebiet der Energie vor entscheidend
wichtigen Aufgaben stehen. Wenn der derzeitige Trend unkontrolliert anhält,
könnten wir mit einer echten Energiekrise rechnen. Aber eine solche Krise
kann und sollte abgewendet werden. Denn wir verfügen über die Kapazitäten und
die Hilfsguellen zur Deckung unseres Energiebedarfs, wenn wir nur die entsprechenden Maßnahmen ergreifen - und zwar jetzt ergreifen.

Mehr als die Hälfte der gesamten Kohlereserven der Welt befinden sich in
den Vereinigten Staaten. Diese Vorkommen allein würden zur Deckung unseres
Energiebedarfs für mehr als ein Jahrhundert reichen. Wir verfügen über potentielle

Vorkommen von Milliarden Tonnen Erdöl, die ausgeschöpft werden könnten,

über ähnlich große Mengen Schieferöl und über rund 57 Billionen Kubikmeter Erdgas. Wenn wir richtig haushalten und vonseiten

der Verbraucher der Einsparung

an Energie mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann können diese Vorräte ausreichen, solange unsere Wirtschaft von konventionellen Brennstoffen abhängig
ist.

Neben den natürlichen Brennstoffen haben wir Wasserkraftwerke und eine
wachsende Anzahl von Atomkraftanlagen zur Verfügung. Weiter können Amerikas
riesige Forschungs- und Entwicklungskapazität

noch lange,bevor unsere der-

zeitigen Energiequellen erschöpft sind, uns neue, saubere und praktisch unbegrenzte Energiequellen erschließen.

Daher sollten wir uns nicht zu pessimistischen Voraussagen über eine
Energiekrise verleiten lassen. Genausowenig aber sollten wir uns von einem
trügerischen Sicherheitsgefühl einlullen lassen. Wir müssen unsere Situation
realistisch prüfen, die Alternativen sorgfältig abwägen - und dann entschlossen
handeln.

Abwägen der Alternativen
Über 90 Prozent der Energie, die wir heute in den Vereinigten Staaten verbrauchen, kommen von drei Quellen: Erdgas, Kohle und Erdöl. Jede dieser Quellen

�Quellen stellt uns vor andere Probleme.

Erdgas ist unser sauberster Brennstoff und wird aus Gründen des Umweltschutzes am meisten bevorzugt. Aber schlecht überlegte Vorschriften der Bundesregierung für Preisgestaltung bei Erdgas haben zu einer ernsten und zunehmenden
Verknappung dieses Brennstoffes geführt. Wir verfügen über riesige Mengen an
Kohle, aber der Abbau und die Verwendung von Kohle haben so hartnäckige Umweltprobleme geschaffen, daß gegenwärtig nicht einmal 20 Prozent unseres Energiebedarfs durch Kohle gedeckt werden und die Gesundheit der gesamten Kohleindustrie ernsthaft gefährdet ist.

Unsere dritte konventionelle Hilfsquelle ist Erdöl; aber die einheimische
Produktion förderbaren Erdöls reicht nicht mehr aus, um mit dem Bedarf Schritt
zu halten.
Bei der Entscheidung, wie wir diese Hilfsquellen zusammen mit anderen,
wie zum Beispiel der Kernenergie, ausweiten und weiterentwickeln sollten,
müssen wir nicht nur unsere wirtschaftlichen Ziele, sondern auch unsere Ziele
auf den Gebieten des Umweltschutzes und unserer nationalen Sicherheit berücksichtigen. Jedes dieser Gebiete wird von unseren die Energie betreffenden Entscheidungen stark berührt.

Wenn wir die Dynamik unserer Wirtschaft, die Gesundheit unserer Umwelt
und die Sicherheit unserer Energiequellen erhalten wollen, ist es notwendig,
daß wir das richtige Gleichgewicht zwischen diesen Prioritäten finden.

Die Entscheidungen sind schwierig, aber deshalb dürfen wir uns nicht
weigern, zu handeln. Wir können nicht einfach stehenbleiben, nur weil es
schwierig ist, vorwärts zugehen. Dies ist etwas, wofür sich Amerikaner niemals
entscheiden dürfen.

Die Herausforderung, vor die uns das Energieproblem stellt, ist eine der
größten Chancen unserer Zeit. Wir haben bereits damit begonnen, dieser Herausforderung zu entsprechen und ihre Chancen wahrzunehmen.
Nationale

�Nationale Energiepolitik:

Die erste Botschaft zur Energiepolitik:,die je ein amerikanischer Präsident vorgelegt hat, übersandte ich dem Kongreß im Jahr 1971. In dieser Botschaft schlug ich eine Reihe spezifischer Maßnahmen vor, um unseren veranschlagten Bedarf durch Steigerung unserer Produktion an sauberer Energie in
Amerika zu decken.
Zu diesen Schritten gehörten verstärkte Forschung und Entwicklung, um
mehr saubere Energie zu erhalten, vermehrte Bereitstellung von Energieressourcen,
die auf im Besitz des Bundes befindlichem Land liegen, verstärkte Anstrengungen
zur Entwicklung der Kernenergie und ein neues Bundesamt, das unsere Energieprogramme planen und durchführen soll.

In den 22 seit Vorlage dieser Botschaft verstrichenen Monaten sind die
Anstrengungen Amerikas auf den Gebieten der Energieforschung und -entwicklung
um 50 Prozent verstärkt worden.

Zwecks Steigerung der einheimischen Gewinnung konventioneller Brennstoffe
ist die Vergabe von Erdöl- und Erdgaskonzessionen zur Förderung im Schelfgebiet erweitert worden. Die von der Bundesregierung und den Einzelstaaten festgesetzten Normen zum Schutz der Umwelt in den Meeresgebieten, in denen diese
Pachtzonen liegen, sind verschärft worden. Wir haben strengere Überwachungseinrichtungen geschaffen und die Möglichkeiten verbessert, um Verschmutzungen
durch öl zu verhindern oder zu beseitigen.

Wir beabsichtigen, die Erschließung von Ölschiefer und geothermisehen
Energiequellen auf Bundesland so lange fortzusetzen, wie eine jetzt im Gange
befindliche Untersuchung zeigt, daß die Umwelt ausreichend geschützt werden
kann.

Wir haben ferner neue Maßnahmen ergriffen, um unser Potential zur Anreicherung von Uran, das zur Produktion von Brennstoff für Kernkraftwerke benötigt wird, zu erweitern, den Bau von Atomkraftwerken zu standardisieren und

�und sicherzustellen, daß der bereits erfreulich hohe Sicherheitsstand erhalten bleibt.

Wir haben neue Normen und Richtlinien in Kraft gesetzt sowie weitere
Maßnahmen ergriffen, damit mehr zur sparsamen Nutzung von Energie getan und
hierzu ermutigt wird. Kurzum, wir haben unsere Anstrengungen mit Nachdruck
begonnen, um sicherzustellen, daß Amerika stets über die Energie verfügt,
die es zur Erhaltung seines Wohlstandes braucht. Aber alles, was wir bisher
erreichten, ist nur ein Anfang.

Wir müssen jetzt auf unserem vermehrten Wissen und den Leistungen der
letzten 22 Monate aufbauen und eine umfassendere, integrierte nationale
Energiepolitik entwickeln. Zur Durchführung dieser Politik müssen wir:
- die einheimische Erzeugung aller Arten von Energie steigern;
- Maßnahmen ergreifen, die wirksamer zum sparsamen Energieverbrauch beitragen;
- uns um Deckung unseres Energiebedarfs zu den niedrigstmöglichen Kosten,
wie sie mit der Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit und dem
Schutz unserer natürlichen Umwelt vereinbar

sind, bemühen;

- übermäßige regulative und administrative Hindernisse abbauen, die den
Bau von Anlagen zur Energiegewinnung verzögert oder verhindert haben;
- zusammen mit anderen Ländern Maßnahmen treffen, um Forschungsvorhaben
auf dem Energiesektor durchzuführen und Wege zur Verhinderung ernsthafter Verknappungen zu finden; und
- unsere

riesigen wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten

- staatliche wie private - einsetzen, so daß unsere gegenwärtigen
Energiequellen vernünftiger genutzt und neue Quellen und Formen von
Energie erschlossen werden können.

Die von mir heute angekündigten Maßnahmen und die Vorschläge, die ich
dem Kongreß unterbreite, sollen diese Ziele verwirklichen. Sie tragen der
Tatsache Rechnung, daß wir uns in einer Zeit des Übergangs befinden, in der

�der wir darauf hinarbeiten müssen, kurzfristige Versorgungsschwierigkeiten
zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum herabzudrücken, während wir Maßnahmen zur Steigerung und zum Ausbau unserer einheimischen Versorgung treffen,
um unseren langfristigen Energiebedarf zu decken.

Wir dürfen nicht glauben, daß diese Übergangsperiode leicht sein wird.
Die vor uns liegende Aufgabe wird die gemeinsamen und kooperativen Anstrengungen von Verbrauchern, Industrie und Regierung fordern.

Entwicklung unserer einheimischen Energiequellen
Dia Anstrengungen zur Steigerung der einheimischen Energieproduktion in
einer Weise, die mit unseren Wirtschafts-, Umwelt- und Sicherheitsinteressen
zu vereinbaren ist, sollte sich auf die folgenden Gebiete konzentrieren:

Erdgas
Erdgas ist Amerikas wichtigster Brennstoff. Es verbrennt sauber und hat
damit die geringsten schädlichen Auswirkungen auf unsere Umwelt.

Seit 1966 ist unser Erdgasverbrauch um mehr als ein Drittel gestiegen,
so daß Erdgas heute 32 Prozent unseres GesamtVerbrauchs an Energie aus allen
Quellen deckt. Im gleichen Zeitraum sind unsere nachgewiesenen und verfügbaren
Erdgasreserven um ein Fünftel zurückgegangen. Wenn wir nicht verantwortungsbewußt handeln, werden wir bald zunehmende Verknappungen bei diesem entscheidend
wichtigen Brennstoff erleben.

Doch das Problem der Verknappungen ist weniger die Folge unzureichender
Vorkommen, als vielmehr schlechter Regelungen. Erdgas ist der Brennstoff, bei
dem es seitens der Bundesregierung - über die Bundesenergiekommission - die
meisten Vorschriften gibt. Nicht nur der Betrieb der Erdgasleitungen zwischen

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�zwischen den einzelnen Bundesstaaten,wie dies der Kongreß ursprünglich und
zu Recht vorgesehen hatte, ist Vorschriften unterworfen, sondern auch der
Preis des Erdgases, das von Tausenden unabhängiger Produzenten über diese
Pipelines geliefert wird.

Über ein Jahrzehnt lang waren die Preise des über diese Pipelines unter
so weitgehenden

Bestimmungen gelieferten Erdgases künstlich niedrig gehalten

worden. Die Folge war, daß die Nachfrage künstlich angeregt wurde, Exploration
und Erschließung jedoch,die für die Bereitstellung neuer Erdgasmengen zur
Deckung dieses zunehmenden Bedarfs notwendig waren, verkümmerten. Diese Form
eines Reglements durch die Regierung hat wesentlich zu den Verknappungen,
die wir erlebt haben, beigetragen, und zu der noch stärkeren Verknappung, mit
der wir nunmehr rechnen.

Als Folge der durch Vorschriften niedrig gehaltenen Preise werden mehr
als fünfzig Prozent unseres Erdgases durch industrielle Benutzer und Versorgungsbetriebe verbraucht, von denen viele sonst vielleicht Kohle oder öl
benutzen würden. Während die Hausbesitzer gezwungen werden, vom Erdgas abzulassen und teurere Brennstoffe zu benutzen, werden unnötig große Mengen an
Erdgas durch die Industrie aufgebraucht.

Da außerdem die Preise in den Erdgas erzeugenden Bundesstaaten häufig
höher sind als die Preise, die von der Bundesenergiekommission für die Weiterverteilung festgesetzt wurden, gelangt neu entdecktes und neu gefördertes Erdgas meist gar nicht mehr in die Pipelines. Die potentiellen Verbraucher in
den Bundesstaaten ohne eigene Erdgasförderung leiden also am schlimmsten unter
Verknappungen. Die Bundesenergiekommission bemüht sich zwar, diese Probleme
zu mildern, jedoch beeinträchtigen der ganze Rahmen der Durchführungsbestimmungen
und

damit zusammenhängende juristische Beschränkungen die Möglichkeiten der

Kommission, in angemessener Weise darauf zu reagieren.

Es ist klar, daß der Preis, der den Erzeugern von Erdgas im inneramerikanischen Handel gezahlt wird, steigen muß, wenn es den notwendigen Anreiz für

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�für eine bessere Versorgung und für eine Verminderung der unrationellen Nutzung
geben soll. Manche haben zusätzliche Vorschriften vorgeschlagen, um den nötigen
Anreiz zu gewähren, aber wir haben bereits die Gefahren einer solchen Methode
erlebt. Wir müssen die Vorschriften abbauen und nicht erhöhen. Gleichzeitig
können wir jedoch nicht alle Vorschriften für Erdgas beseitigen, ohne daß es
zu einem wesentlichen Preisauftrieb bei dem gegenwärtig erzeugten Erdgas sowie zu Konjunkturprofiten kär.e.

Um dieses Problem zu lösen, schlage ich vor, daß Erdgas aus neuen Vorkommen, Erdgas, das neu für die inneramerikanischen Märkte bestimmt ist, sowie
die weiterlaufende Erzeugung von Erdgas aus erloschenen Kontrakten nicht mehr
einer Preisreaulierung beim Produzenten unterworfen sein soll. Die Verabschiedung dieses Gesetzes sollte zu neuer Exploration und Erschließung von Quellen
anregen. Da jedoch erhöhte Preise für neues, nicht den Reglements unterliegendes
Erdgas im Durchschnitt nach den Preisen für Erdgas berechnet werden, das den
Vorschriften unterliegt, dürfte gleichzeitig der Verbraucher vor allzu jähen
Kostensteiqerungen geschützt werden.
Um dem Verbraucher einen weiteren Schutz gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu geben, schlage ich vor, den Innenminister zu ermächtigen, für
das neue Naturgas einen Preisstopp zu erlassen, falls die Umstände dies erfordern. Ehe der Minister aber von dieser Vollmacht Gebrauch macht, würde er
die Kosten für andere einheimische Brennstoffe in Erwägung ziehen, wobei die
Überlegenheit des Naturgases vom Standpunkt des Umweltschutzes in Rechnung
zu stellen wäre.

Kontinentales Schelfgebiet
Die Öl- und Gasvorkommen in den Vereinigten Staaten liegen annähernd
zur Hälfte in einem Gebiet, das der öffentlichen Hand gehört, vor allem im
Schelfgebiet an den Kontinentalrändern. Das Tempo, mit dem wir unsere einheimische Energieproduktion steigern können, wird in weitem Maße davon abhängen, wie schnell wir diese Vorkommen erschließen können.
Seit

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�Seit 1954 hat das Innenministerium nahezu 3,2 Millionen Hektar Land in
diesem Schelfgebiet an private Entwicklungsunternehmen verpachtet. Dies ist
jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der potentiell produktiven Gebiete. Zu
einer Zeit, in der wir gezwungen sind, fast 30 Prozent unseres Öls aus dem
Ausland zu beziehen, ist ein Erschließungs- und Entwicklungsprogramm dieses
Ausmaßes nicht zureichend.
Ich erteile daher dem Innenminister die Anweisung, Maßnahmen zu ergreifen,
durch die die jährlich im Schelfgebiet verpachtete Bodenfläche bis zum Jahr
1979 auf das Dreifache erweitert wird, wobei bereits im Jahr 1974 mit zusätzlichen Verkäufen im Golf von Mexiko zu beginnen ist und auch Gebiete
mit mehr als 200 m Wassertiefe einzuschließen sind, und zwar unter Bedingungen,
die meiner Erklärung vom Mai 1970 über die Ozeanpolitik entsprechen. Durch
diese Beschleunigung der Verpachtungen könnte die jährliche Energieproduktion
bis zum Jahre 1985 um schätzungsweise 214 Millionen Tonnen Öl gesteigert
werden (das sind etwa 16 Prozent des von uns für dieses Jahr erwarteten Ölbedarfs), sowie um 142 Milliarden cbm Naturgas (was etwa 20 Prozent des für
dieses Jahr erwarteten Bedarfs an Naturgas entspräche).
Bislang bestand eines der zentralen Probleme für die Nutzbarmachung
dieser speziellen Hilfsquellen in der Gefahr, die damit für die Umwelt entstehen konnte. Heute aber geben uns neue Techniken, neue Bestimmungen und
Normen und neue Überwachungskapazitäten die Möglichkeit, die Gefahren für die
Umwelt ganz erheblich zu reduzieren und unter Kontrolle zu bringen. Wir sollten
nunmehr aus diesem Fortschritt Nutzen ziehen. Die im Schelfboden und in dem
der öffentlichen Hand gehörenden Land liegenden Rohstoffquellen sind das Eigentum aller Amerikaner, und der akute Bedarf, der für alle Amerikaner an neuen
Energiequellen besteht, erfordert es, daß wir sie erschließen.

Wenn irgendwann festgestellt werden sollte, daß die Schürf- und Erschließungsarbeiten in einem spezifischen Schelfgebiet nur mit unzureichendem
Schutz für die Umwelt weitergeführt werden können, dann werden wir mit solchen
Operationen nicht beginnen oder sie nicht weiterführen. Diese Politik fand 1971
ihren Ausdruck in der Aussetzung von 35 Konzessionsverträgen im Santa BarbaraKanal. Wir bleiben auch weiterhin bei dieser Aussetzung der Konzessionen von

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�von Santa Barbara, und ich fordere erneut, daß der Kongreß eine entsprechende
Gesetzesmaßnahme verabschiedet, die für diejenigen eine angemessene Regelung
möglich macht, die gezwungen sind, ihre Pachten in diesem Gebiet aufzugeben.

Gleichzeitig weise ich den Innenminister an, über die Schelfgebiete jenseits der Kanalinseln von Kalifornien weiterhin Pachtkonzessionen zu vergeben,
wenn die zur Zeit im Gang befindlichen Untersuchungen erweisen, daß die Risiken für die Umwelt tragbar sind.
Ich ersuche ferner den Vorsitzenden des Präsidialbeirats für Umwelthygiene, zusammen mit der Umweltschutzbehörde und in Konsultation mit der
Nationalen Akademie

der Wissenschaften und den zuständigen Bundesbehörden

in einer Untersuchung feststellen zu lassen, welche Auswirkungen die Öl- und
Gasgewinnung im Schelfgebiet des Atlantik und im Golf von Alaska auf die Umwelt haben. In diesen Gebieten werden keine Bohrungen unternommen werden, solange ihre ökologischen Auswirkungen nicht ermittelt sind. Bei diesem Prozeß
werden die Gouverneure, die Mitglieder der Legislative und die Bürger dieser
Gebiete zu Rat gezogen werden.
Schließlich ersuche ich den Innenminister um die Aufstellung eines langfristigen Konzessionierungsprogramms für alle Energiequellen, die auf einem
der öffentlichen Hand gehörenden Gebiet liegen. Dieses Programm muß auf einer
gründlichen Analyse der Ziele unseres Landes hinsichtlich Energie, Umwelt und
Wirtschaft beruhen.

Alaska-Pipeline
Eine weitere wichtige Quelle für die einheimische Ölproduktion existiert
im Norden Alaskas. Obgleich die Privatindustrie sich schon darauf eingestellt
hat, diese Vorkommen zu erschließen, und die Bundesregierung hohe Summen für
ökologische Analysen aufwandte, wird dieses Projekt noch immer verzögert.
Diese Verzögerung hat nichts mit kritischen Gutachten zu ökologischen Auswirkungen zu tun, sondern mit veralteten rechtlichen Behinderungen, die die Geländebreite für die Verlegung der vorgeschlagenen Pipeline betreffen.
In

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�In e i n e r Z e i t , i n der w i r wachsende Mengen von Rohöl i m p o r t i e r e n und
dabei unsere Z a h l u n g s b i l a n z e r h e b l i c h i n Unordnung b r i n g e n , außerdem zu
e i n e r Z e i t , i n der w i r b e a c h t l i c h e Ölverknappungen e r l e b e n , s i n d wir e i n d e u t i g auf d i e 2 86 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, d i e Alaska l i e f e r n
könnte - e i n e Menge, d i e e i n v o l l e s D r i t t e l u n s e r e r gegenwärtigen Importe
ausmachen würde.
In den l e t z t e n Wochen habe i c h dem Kongreß e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e zugel e i t e t , durch d i e d i e gegenwärtigen R e s t r i k t i o n e n i n bezug auf den Bau der
Leitung aufgehoben würden. Ich a p p e l l i e r e an den Kongreß, d i e s e A n g e l e g e n h e i t
s c h n e l l zu behandeln, damit wir den Bau der Ö l l e i t u n g so s c h n e l l wie möglich
i n Angriff nehmen können.
Ich wende mich gegen jede w e i t e r e Verzögerung, d i e d u r c h ' d i e nochmalige
Untersuchung der Frage e n t s t ü n d e , ob es ratsam s e i , die Ö l l e i t u n g durch
Kanada zu v e r l e g e n . Unserem I n t e r e s s e an e i n e r raschen S t e i g e r u n g u n s e r e r
Ölversorgung w i r d am b e s t e n damit g e d i e n t , daß d i e A l a s k a - L e i t u n g gebaut
w i r d . Sie könnte v i e l s c h n e l l e r f e r t i g g e s t e l l t werden a l s e i n e P i p e l i n e
durch Kanada; i h r e gesamte K a p a z i t ä t würde für den T r a n s p o r t von Öl b e n u t z t ,
das auf amerikanischem T e r r i t o r i u m g e f ö r d e r t wird und für amerikanische Märkte
i n Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht w i r d . Außerdem würde
der Bau e i n e r Leitung durch Alaska e i n e b e a c h t l i c h e Anzahl von A r b e i t s p l ä t z e n
für Amerikaner i n Alaska und in der S c h i f f b a u i n d u s t r i e

schaffen.

Schieferöl
Die abbaufähigen Vorkommen von S c h i e f e r ö l auf dem k o n t i n e n t a l e n T e r r i t o rium der V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden auf etwa 86 M i l l i a r d e n Tonnen g e s c h ä t z t ,
von denen ca. 11,5 M i l l i a r d e n Tonnen a l s r e l a t i v l e i c h t zugänglich g e l t e n .
Als i c h im J ä h r

1971 meine E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , e r s u c h t e i c h

den I n n e n m i n i s t e r darum, versuchsweise e i n Konzessionierungsprogramm für Ö l s c h i e f e r zu entwickeln und mir e i n e eingehende Begutachtung der ö k o l o g i s c h e n
Auswirkungen e i n e s solchen Programms an d i e Hand zu geben. Der M i n i s t e r h a t
d i e s e s Modellprojekt v o r b e r e i t e t und e r w a r t e t i n Kürze e i n e n d g ü l t i g e s Gutachten über d i e ökologischen Auswirkungen. Wenn d i e Umweltrisiken annehmbar

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�annehmbar s i n d , werden w i r mit dem Programm

fortfahren.

B i s h e r h a t es i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n keine Produktion von S c h i e f e r ö l auf kommerzieller B a s i s gegeben. Unser Versuchsprogramm wird uns w e r t v o l l e
Erfahrungen i n der Anwendung v e r s c h i e d e n e r B e t r i e b s t e c h n i k e n und b e i u n t e r s c h i e d l i c h e n ökologischen Gegebenheiten e i n b r i n g e n . Im Rahmen des v o r g e schlagenen Programms würden d i e Kosten der E r s c h l i e ß u n g und des Umweltschutzes
von den p r i v a t e n Konzessionsinhabern

getragen.

Verpachtung g e o t h e r m i s c h e r E n e r g i e q u e l l e n
Zu der Z e i t , i n d e r i c h d i e e r s t e E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , wies i c h
auch den I n n e n m i n i s t e r an, e i n Konzessionierungsprogramm für d i e E r s c h l i e ß u n g
g e o t h e r m i s c h e r Energie auf Bundesland v o r z u b e r e i t e n . Die Bestimmungen und endg ü l t i g e ö k o l o g i s c h e Analysen für e i n s o l c h e s Programm d ü r f t e n gegen Ende des
Frühjahrs

1973 f e r t i g g e s t e l l t

sein.

Wenn d i e Analyse zu dem Ergebnis f ü h r t , daß w i r i n e i n e r für den Umwelts c h u t z a k z e p t a b l e n Art und Weise mit den Vorbereitungen f o r t f a h r e n können,
e r w a r t e i c h , daß d i e Verpachtung von Bundesland zur Verwendung a l s

Förderfeld

für geothermische Energie b a l d darauf beginnen w i r d .
Die Verwendung g e o t h e r m i s c h e r Energie könnte für v i e l e Regionen im Westen
d e r USA von g r o ß e r Bedeutung s e i n ,

da damit e i n T e i l

des E n e r g i e b e d a r f s

i n den W e s t s t a a t e n gedeckt und andere E n e r g i e r e s e r v e n f r e i g e s e t z t würden, d i e
s o n s t v e r b r a u c h t werden müßten. B e i s p i e l s w e i s e wird h e u t e schon der E n e r g i e b e d a r f der S t a d t San F r a n c i s c o zu einem D r i t t e l aus dem G e y s i r - G e b i e t i n
Kalifornien

gedeckt.

Gegenwärtig werden neue Verfahren der L o k a l i s i e r u n g und E r s c h l i e ß u n g von
g e o t h e r m i s c h e r Energie e n t w i c k e l t . Im kommenden H a u s h a l t j ä h r werden d i e Nationale Wissenschaftsstiftung

( N a t i o n a l Science Foundation) und das Geologische

Bundesamt i h r e Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auf diesem Gebiet i n t e n sivieren.

Kohle

�Kohle
Kohle ist unsere am reichlichsten vorhandene und billigste einheimische
Energiequelle- Dennoch deckt Kohle in einer Zeit, in der Energieknappheit
droht, weniger als 20 Prozent unseres Bedarfs an Energie, und es besteht ernste
Gefahr, daß ihre Verwendung sogar noch weiter eingeschränkt wird. Wenn das tatsächlich einträte, müßten wir unsere ölimporte sehr rasch steigern und alle
damit zusammenhängenden Handels- und Sicherheitsprobleme in Kauf nehmen.
Die Kohleproduktion wurde nicht nur infolge der Konkurrenz des Erdgases
eingeschränkt - eine durch Preisregulierungen seitens des Bundes künstlich
geschaffene Konkurrenz -, sondern auch infolge aufkommender Besorgnisse um
die Umwelt und der Gesundheitsschutz- und Sicherheitsvorschriften für die
Gruben. Um den Umweltschutzanforderungen gerecht zu werden, sind die Versorgungsunternehmen zu Erdgas und schwefelarmen Heizöl aus dem Ausland übergegangen. Das Problem wird durch die Tatsache noch kompliziert, daß einige
schwefelarme Kohlevorkommen deshalb nicht erschlossen werden, weil über die
SchürfVorschriften der Bundes- und einzelstaatlichen Behörden Unklarheiten bestehen.
Ich ersuche dringend darum, die erweiterte Erschließung und Nutzung
unserer Kohlevorkommen auf nationaler Ebene mit größtem Vorrang in Angriff
zu nehmen. Die heutigen und möglichen künftigen Verbraucher, die zwischen verschiedenen Energiequellen wählen können, sollten bei ihrer Entscheidung das
nationale Interesse im Auge haben. Jede Entscheidung gegen Kohle steigert
den Erdöl- oder Gasverbrauch, beeinträchtigt unsere nationale Unabhängigkeit
und steigert die Kosten dafür, den Energiebedarf zu decken.
In meiner Anfang des Jahres unterbreiteten Botschaft über die Lage der
Nation forderte ich im Kapitel "Natürliche Hilfsquellen und Umwelt" strenge
gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Umwelt gegen die durch den Bergbau
verursachten Schädigungen. Ich wiederhole jetzt diesen Appell. Solange aber
die Kohleindustrie die Betriebsvorschriften, nach denen sie sich in der Praxis
zu richten haben wird, nicht kennt, werden auch unsere riesigen Vorkommen an
schwefelarmer Kohle nicht so schnell erschlossen, wie dies der Fall sein müßte,
und diese Kohle wird auch weiterhin zu wenig genutzt.
Das
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�Das inzwischen erweiterte Gesetz von 1970 über die Luftreinhaltung
macht zur Auflage, daß die primären Anforderungen an die Luftqualität - jene,
die der Gesundheit gelten - ab 1975 einzuhalten sind, während die verschärften
sekundären Grenzwerte - jene, die mit dem "Allgemeinwohl" in Zusammenhang
stehen - innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne Gültigkeit erlangen. Die
Bundesstaaten arbeiten sehr erfolgreich darauf hin, die primären Grenzwerte,
wie sie das Gesetz zur Luftreinhaltung fordert, durchzusetzen, und ich fühle
mich durch ihre Anstrengungen ermutigt.
Gleichzeitig sollten wir in unsere

Sorge um das "Allgemeinwohl" oder

das nationale Interesse auch Erwägungen einbeziehen, die sowohl der nationalen
Sicherheit und der Prosperität der Wirtschaft als auch unserer Umwelt gelten.
Wenn wir darauf bestünden, bis 1975 sowohl die primären als auch die
sekundären Grenzwerte in der Luftreinhaltung durchzusetzen, könnte es geschehn,
daß wir die Nutzbarmachung von Kohlemengen in der Größenordnung bis zu 155 Millionen Tonnen pro Jahr verhindern. Dies würde zwangsläufig einer Steigerung des
ölbedarfs um ca. 2 30 OOO Tonnen pro Tag bedeuten. Dieses Öl müßte importiert
werden, was unsere Zahlungsbilanz ungünstig beeinflussen und mit 1,5 Milliarden
Dollar und mehr pro Jahre belasten würde. Eine solche Entwicklung könnte auch
zum Verlust von etwa 26 OOO Arbeitsplätzen in Kohlegruben führen.
Wenn wir aber andererseits die Bestimmungen des Gesetzes über die Luftreinhaltung vernünftig durchführen und dabei sorgfältig die primären, auf die
Gesundheit bezogenen Grenzwerte einhalten, dagegen die Durchsetzung der sekundären Grenzwerte nicht überstürzen, sollte es uns auch möglich sein, praktisch
all die Kohle zu verwenden, die sonst ungenutzt bliebe.
Die Bundesbehörde für Umweltschutz deutete bereits an, daß die nach dem
Luftreinhaltegesetz als vernünftige Frist zugestandene Periode zur Erreichung
der Sekundärnormen über 1975 hinaus verlängert werden könne. Im vergangenen
Jahr richtete der Leiter der Umweltschutzbehörde an alle Gouverneure der
Bundesstaaten ein Schreiben, in dem er darlegte, daß in der gegenwärtigen
Periode der Verknappung schwefelarmer Brennstoffe die Bundesstaaten nur dort
auf der Verwendung solcher Brennstoffe bestehen sollten, wo dies im Interesse
der Einhaltung der primären Maximalwerte zum Schutz der Gesundheit notwendig

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�notwendig s e i . Diese Maßnahme s e i t e n s der Bundesstaaten s o l l t e i n v i e l e n
F ä l l e n den wünschenswerten E r s a t z von schwefelarmen Brennstoffen durch Kohle
ermöglichen. Ich u n t e r s t ü t z e s o l c h e Handlungsweise v o l l a u f .
Viele Ordnungs-Kommissionen d e r Bundesstaaten e r l a u b e n i h r e n

staatlichen

V e r s o r g u n g s b e t r i e b e n , e r h ö h t e B r e n n s t o f f k o s t e n i n der Form von höheren Gebühren an den Verbraucher w e i t e r z u g e b e n . G e l e g e n t l i c h g i b t es aber Verzögerungen
d a b e i , auch d i e Weitergabe der Kosten für Umweltschutzausrüstungen i n ä h n l i c h e r
Weise zu g e s t a t t e n . D e r a r t i g e Verzögerungen ermutigen n i c h t dazu, von Umwelts c h u t z v e r f a h r e n Gebrauch zu machen, und fördern nur d i e Tendenz z u r Verwendung
schwefelarmer B r e n n s t o f f e ,

die meist i m p o r t i e r t sind.

Um mehr Anreiz für d i e Anwendung neuer Umweltschutztechniken zu geben,
ersuche i c h a l l e e i n z e l s t a a t l i c h e n Kommissionen für V e r s o r g u n g s b e t r i e b e ,

sicher-

z u s t e l l e n , daß d i e Versorgungsunternehmen für den Einbau von Umweltschutzausr ü s t u n g e n , e i n s c h l i e ß l i c h der Vorrichtung zur A b l u f t r e i n i g u n g und zur Kohlevergasung, s c h n e l l und f a i r e n t s c h ä d i g t werden.
«

Als z u s ä t z l i c h e Maßnahme zur S t e i g e r u n g der Produktion und d e r Verwendung
von Kohle ordne i c h an, daß e i n neues B e r i c h t s v e r f a h r e n im US-Innenministerium
über d i e n a t i o n a l e Kohleproduktion e i n g e f ü h r t w i r d , und i c h e r s u c h e d i e
Bundesenergiekommission, über d i e Verwendung von Kohle i n Kraftwerken

regel-

mäßig B e r i c h t zu e r s t a t t e n .
Ich erhöhe außerdem unsere

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

auf dem K o h l e s e k t o r , wobei Verfahren zur Entschwefelung und d i e Entwicklung
b i l l i g e r , s a u b e r verbrennender Kohle besonders g e f ö r d e r t werden s o l l e n .
Kernenergie
Obgleich w i r uns i n d e r E n e r g i e p r o d u k t i o n b i s h e r i n e r s t e r L i n i e auf
f o s s i l e B r e n n s t o f f e wie Kohle und Öl s t ü t z t e n , dürfen wir davon k ü n f t i g n i c h t
mehr so s t a r k abhängig s e i n und haben es auch n i c h t n ö t i g . Die w i c h t i g s t e
A l t e r n a t i v e für Energie aus f o s s i l e n Brennstoffen i s t für den Rest d i e s e s
Jahrhunderts die Kernenergie.
Unsere gut f u n d i e r t e n u k l e a r e Technik s t e l l t i n der Deckung des gegenw ä r t i g e n Bedarfs b e r e i t s e i n e u n v e r z i c h t b a r e E n e r g i e q u e l l e d a r . Wir haben i n
- 15 -

�i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n zur Z e i t 30 Atomkraftwerke i n B e t r i e b . Von den
neu zu i n s t a l l i e r e n d e n K r a f t w e r k s k a p a z i t ä t e n /

für d i e 1972 Abschlüsse g e -

t ä t i g t wurden, e n t f a l l e n 70 P r o z e n t auf Atomkraft. Um 1980 w i r d der von Atomr e a k t o r e n e r z e u g t e Strom der E l e k t r i z i t ä t s m e n g e aus 179 M i l l i o n e n Tonnen Öl
oder 227 M i l l i a r d e n Kubikmeter Gas e n t s p r e c h e n . Man s c h ä t z t , daß d i e Stromp r o d u k t i o n i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im J a h r 1985 zu 25 P r o z e n t und im J a h r
2000 zu mehr a l s 50 Prozent auf Atomkraft b a s i e r e n w i r d .
Die m e i s t e n Atomkraftwerke, d i e h e u t e i n B e t r i e b s i n d , a r b e i t e n mit L e i c h t w a s s e r - R e a k t o r e n . In a b s e h b a r e r Zukunft werden e i n i g e m i t g a s g e k ü h l t e n Hocht e m p e r a t u r - R e a k t o r e n a u s g e r ü s t e t s e i n . Diese Methoden der Kerntechnik werden
im n ä c h s t e n J a h r z e h n t durch den S c h n e l l b r u t r e a k t o r e r g ä n z t , durch den der
Nutzungsgrad für unsere einheimischen Uranvorkommen um etwa das 30fache e r höht w i r d . Gegenwärtig wird d i e Entwicklung des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit
F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g im Rahmen d e r n u k l e a r e n Forschung und Entwicklung m i t
höchsten. Vorrang b e t r i e b e n .
Die B e t r i e b s s i c h e r h e i t b e i der Produktion von Atomstrom i s t

außerordent-

l i c h hoch. In unserem z i v i l e n Atomenergieprogramm h a t es keinen e i n z i g e n
T o d e s f a l l gegeben, der auf S t r a h l u n g zurückzuführen i s t . Wir haben d i e

feste

A b s i c h t , durch noch i n t e n s i v e r e Forschung und Entwicklung i n der Reaktors i c h e r h e i t d i e s e n Standard zu h a l t e n .
Bei Atomkraftwerken s i n d d i e Verfahren, mit denen d i e B e t r i e b s s i c h e r h e i t und d i e Z u l ä s s i g k e i t u n t e r den Aspekten des Umweltschutzes

ermittelt

werden, l e b e n d i g e r und e i n e r B e t e i l i g u n g der Ö f f e n t l i c h k e i t mehr z u g ä n g l i c h
a l s b e i a l l e n anderen v e r g l e i c h b a r e n I n d u s t r i e - V o r h a b e n . Von der Regierung
und der I n d u s t r i e müssen a l l e Anstrengungen unternommen werden, um d i e Ges u n d h e i t und d i e S i c h e r h e i t der A l l g e m e i n h e i t zu schützen und jenen b e f r i e digende

Antworten geben zu können, d i e s i c h wegen d i e s e r E n e r g i e q u e l l e e h r -

l i c h e Sorgen machen.
G l e i c h z e i t i g müssen w i r danach t r a c h t e n , u n v e r n ü n f t i g e

Verzögerungen

i n der Entwicklung von Kernenergie zu vermeiden. Sie bewirken n i c h t s a n d e r e s ,
a l s daß durch s i e unnötige Kosten v e r u r s a c h t und unsere E n e r g i e k n a p p h e i t
schlimmert w i r d . Es i s t entmutigend zu w i s s e n , daß Atomkraftwerke,

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die

ver-

�die 27 000 Megawatt Strom erzeugen könnten und im Verlauf des Jahres 1972
hätten in Betrieb genommen werden sollen, nicht fertiggestellt wurden. Um
diese Produktionskapazität zu ersetzen, müßten wir ein Drittel der Erdgasmengen verwenden, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 1972 für die Stromerzeugung verbraucht wurden. So darf es nicht weitergehen.
In meiner ersten Sonderbotschaft über Energie im Jahr 1971 schlug ich
vor, daß die Versorgungsunternehmen langfristige Pläne in bezug auf den Standort von Atomkraftwerken und Stromfernleitungen vorbereiten und veröffentlichen.
Dieses Gesetz würde für Bund und Einzelstaaten den Rahmen schaffen, um die
Konzessionen für den Bau einzelner Anlagen zu erteilen, und zwar auf der Grundlage uneingeschränkter und ausgewogener Überlegungen sowohl in bezug auf
ökologische Erfordernisse als auch auf Energiebedarf. Der Kongreß hat diese
Vorlage noch nicht behandelt. Ich unterbreite sie in diesem Jahr erneut zusammen mit einer Anzahl neuer Bestimmungen zur Vereinfachung der amtlichen
Genehmigungsverfahren; darunter befindet sich auch eine Bestimmung, die verlangt, daß die Regierung innerhalb von 18 Monaten nach Eingang eines kompletten
Antrages auf Lizenzierung diesen endgültig behandelt haben muß.
Ich möchte außerdem betonen, daß der private Sektor bei künftigen nuklearen Entwicklungen auch weiterhin wachsen muß. Die Atomenergiekommission
unternimmt gegenwärtig Schritte, um größere Mengen von angereichertem Uranbrennstoff für die amerikanischen Atomkraftwerke bereitzustellen. In den
achtziger Jahren reicht diese Expansion jedoch nicht aus, um unseren Bedarf
voll zu decken. Die Regierung richtet jetzt ihre Erwartungen auf die Privatindustrie, die erforderlich werdende zusätzliche Kapazität zu beschaffen.
Unsere Atomtechnik stellt einen nationalen Wertfaktor dar, der gar nicht
hoch genug eingeschätzt werden kann. Es ist lebenswichtig, daß wir sie auch
in Zukunft mit Nachdruck weiterentwickeln.
Das immer häufigere Auftreten unnötiger Verzögerungen im Aufbau von Kraftwerken muß ein Ende haben, wenn wir unseren Energiebedarf decken sollen. Um
keinen Zweifel aufkommen zu lassen - zum Schutz der Öffentlichkeit und unserer
Umwelt muß energisch auf vernünftige Schutzmaßnahmen bestanden werden. Der
Öffentlichkeit muß auch das uneingeschränkte Recht zur Mitsprache und Frage-

- 17 -

�F r a g e s t e l l u n g zugestanden werden, wenn wir darüber e n t s c h e i d e n , wo neue K r a f t werksanlagen gebaut werden s o l l e n . Wir müssen unsere amtlichen Verfahren z u r
Konzessionierung und I n s p e k t i o n s t r a f f e n , Überlappungen i n d e r Z u s t ä n d i g k e i t
v e r r i n g e r n und Konfusion, d i e durch a m t l i c h e S t e l l e n zustande kommt, a u s schalten.
Diese Z i e l e versuche i c h mit mehreren S c h r i t t e n zu e r r e i c h e n . Im Laufe
des kommenden J a h r e s werden w i r v e r s c h i e d e n e Möglichkeiten p r ü f e n , um s i c h e r z u s t e l l e n , daß a l l e ö f f e n t l i c h e n und p r i v a t e n I n t e r e s s e n u n p a r t e i i s c h und
ohne Verzug i n a l l e n amtlichen Verfahren zur E r t e i l u n g von Genehmigungen,
Konzessionen und z u r I n s p e k t i o n gegeneinander abgewogen werden.
Ich s c h l a g e dem Kongreß e r n e u t v o r , d i e Standortwahl für Kraftwerke ges e t z l i c h zu r e g e l n , ebenso - und d i e s zum e r s t e n Mal - d i e Anlage von T i e f wasser-Häfen. A l l e meine G e s e t z e s v o r l a g e n zur S t a n d o r t f r a g e e n t h a l t e n Bestimmungen, d i e sowohl auf Bundesebene a l s auch auf e i n z e l s t a a t l i c h e r Ebene
die Lizenzierung

v e r e i n f a c h e n . Es i s t von g r o ß e r Bedeutung, daß der Kongreß

rasch und im Sinne d i e s e r Vorschläge h a n d e l t .

Ansporn zur E x p l o r a t i o n e i n h e i m i s c h e r Vorkommen
Unser S t e u e r s y s t e m g i b t j e t z t d i e dringend b e n ö t i g t e n Anreize für d i e
M i n e r a l - E x p l o r a t i o n i n der Form von p r o z e n t u a l e n Entschädigungen b e i Unerg i e b i g k e i t und von Abschreibungen für gewisse Bohrkosten. Diese Bestimmungen
u n t e r s c h e i d e n jedoch n i c h t zwischen der E x p l o r a t i o n für neue Vorkommen und
der E r s c h l i e ß u n g b e r e i t s b e k a n n t e r F e l d e r .
Um zu v e r s t ä r k t e r E x p l o r a t i o n zu e r m u t i g e n , ersuche i c h den Kongreß,
i n unserem gegenwärtigen S t e u e r g e s e t z d i e Bestimmungen über I n v e s t i t i o n s k r e d i t e so zu e r w e i t e r n , daß für a l l e Versuchsbohrungen für neue Öl- und
E r d g a s f e l d e r K r e d i t e b e r e i t g e s t e l l t werden. Im Rahmen d i e s e s Vorschlags würde
für e r f o l g r e i c h e Versuchsbohrungen e i n etwas h ö h e r e r K r e d i t a l s für e r f o l g l o s e Bohrungen gewährt, um p o s i t i v e E r g e b n i s s e z u s ä t z l i c h zu p r ä m i e r e n .
Der I n v e s t i t i o n s k r e d i t h a t s i c h a l s wirksamer Anreiz für A k t i v i t ä t e n
der I n d u s t r i e e r w i e s e n . Ich e r w a r t e , daß e r i n bezug auf d i e Suche nach neuen
Vorkommen gleichermaßen wirksam i s t .
Einfuhren
- 18 -

�Einfuhren zur Deckung unseres Energiebedarfs
Ölimporte
Um für die nächste Zeit Brennstoffverknappungen zu vermeiden und Brennstoffkosten so niedrig wie möglich zu halten, wird es für uns notwendig sein,
die Brennstoffimporte zu erhöhen. Gleichzeitig müssen wir, um auf weiter
Sicht unsere Abhängigkeit von Importen zu verringern, zur Exploration und Erschließung einheimischer Ölvorkommen und zum Bau von Raffinerien zur Verarbeitung des Rohöls ermutigen.
Das gegenwärtige Quotensystem für Ölimporte - das kontrollierte Öl-Einfuhrprogramm - wurde zu einer Zeit geschaffen, in der wir im Inland mehr öl
produzieren konnten, als wir selbst verbrauchten. Durch die Kontingentierung
der Importe wurde die Einfuhr von ausländischem Rohöl begrenzt. Das Verfahren
ermutigte außerdem zum Ausbau der einheimischen Erdölindustrie und diente
der nationalen Sicherheit.
Heute jedoch produzieren wir nicht so viel Öl, wie wir verbrauchen, und
wir müssen immer größere Mengen einführen, um unseren Bedarf zu decken.
Als Folge davon ist das gegenwärtige kontrollierte Öleinfuhrprogramm
praktisch nicht mehr von Nutzen. Statt dessen ist es nur geeignet, unsere
Versorgungsprobleme noch zu vergrößern, und es nimmt uns die Flexibilität,
die wir brauchen, um schnell und wirksam unseren Importbedarf zu decken. Die
allgemeine Unzufriedenheit mit dem Programm und die offensichtliche Notwendigkeit, die Dinge zu ändern, hat zu Unsicherheit geführt. Unter solchen Verhältnissen kann es nur in begrenztem Umfang langfristige Investitionsplanungen
für neue Bohranlagen und den Bau von Raffinerien geben.
Mit sofortiger Wirkung hebe ich durch Erlaß alle bestehenden Zölle auf
importiertes Rohöl und Ölprodukte auf. Die Inhaber von Importlizenzen werden
so in die Lage versetzt, Erdöl zollfrei einzuführen. Dieses Verfahren wird
helfen, die Energiekosten für den amerikanischen Verbraucher niedrig zu halten.
Mit sofortiger Wirkung setzte ich außerdem die direkte Kontrolle über
die Menge von Rohöl und Raffinerieprodukten, die importiert werden können,
vorläufig außer Kraft. Anstelle

dieser Kontrollen führe ich ein System der
- 19 -

�der Lizenzgebühr entsprechend der Menge ein.
Unter dem neuen System können die gegenwärtigen Inhaber von Importlizenzen Erdöl gebührenfrei bis zur Höhe ihres Kontingents für 1973 einführen.
Für Importe,die die für 1973 zugeteilte Menge überschreiten, muß der Importeur
Gebühren entrichten.
Durch dieses System sollten sich mehrere Ziele erreichen lassen.
Erstens dürfte es helfen, unseren unmittelbaren Energiebedarf durch
Förderung der Einfuhr ausländischen Öls zu niedrigsten Kosten für den Verbraucher zu decken, während es gleichzeitig Anreize zur Exploration und Erschließung unserer einheimischen Vorkommen für die Deckung des langfristigen
Bedarfs gibt. In diesem Jahr werden wenig Gebühren bezahlt werden müssen;
allerdings werden alle Freistellungen von der Gebührenzahlung im Verlauf der
nächsten paar Jahre auslaufen. Durch ein allmähliches Anheben der Gebühren
über die nächsten zweieinhalb Jahre bis zum Maximum von 0,5 Cent pro Gallone
(3,78 Liter) Rohöl und 1,5 Cent pro Gallone Raffinerieprodukte sollten wir auch
künftig unseren Energiebedarf decken können und gleichzeitig die Industrie
zur Steigerung der einheimischen Produktion ermutigen.
Zweitens soll dieses System Anreiz zum Bau von Raffinerien innerhalb
der Vereinigten Staaten geben, weil die Gebühren für Raffinerieprodukte höher
sind als für Rohöl. Als zusätzliche Fördermaßnahme darf Rohöl bis zu einer
Menge, die 75 Prozent der neuen Raffineriekapazität entspricht, eingeführt
werden, ohne daß es der Gebührenabgabe unterliegt. Dieses Sonderkontingent
kann jede Ölfirma während der ersten fünf Jahre nach Errichtung oder Erweiterung ihrer Raffineriekapazität in Anspruch nehmen.
Drittens soll dieses System die Flexibilität schaffen, die wir zur
wirksamen Deckung unseres Kurzzeit- und Langzeitbedarfs brauchen. Wir werden
von Zeit zu Zeit die Gebührenhöhe überprüfen,um sicherzustellen, daß wir
entsprechend unserer Absicht, die einheimische Produktion zu steigern und
dabei gleichzeitig die Kosten für den Verbraucher auf dem niedrigstmöglichen
Stand zu halten, die niedrigsten Gebühren erheben. Wir werden außerdem das
Berufungsgremium für Ölimporte voll einschalten, um zu gewährleisten, daß
der Bedarf aller Sektoren der Mineralölindustrie gedeckt wird, insbesondere
- 20 -

�insbesondere der Bedarf der unabhängigen Betriebe, die helfen, den Wettbewerb auf dem freien Markt aufrechtzuerhalten.
Viertens soll das neue System zu unserer nationalen Sicherheit beitragen.
Erhöhte einheimische Produktion macht uns von der Versorgung aus dem Ausland
weniger abhängig. Gleichzeitig werden wir die Gebühren in einer Weise anpassen, durch die unsere Versorgung aus dem Ausland so weit wie nur irgend
möglich gesichert wird. Schließlich gebe ich dem Ausschuß für Ölpolitik Anweisung, Anreize zu prüfen, die auf eine Steigerung unserer einheimischen
Reservevorräte oder eine Zusatzproduktion abzielen. Auf diese Weise schaffen
wir Vorräte, die uns gegen eine vorübergehende Unterbrechung von Lieferungen
aus dem Ausland abschirmen.

Tiefwasserhäfen
Es ist völlig klar, daß wir in der absehbaren Zukunft Öl in großen Mengen
importieren müssen. Wir sollten dabei im Auge behalten, daß dies mit möglichst
geringen Schäden für die Umwelt geschieht. Leider sind unsere gegenwärtigen
Kapazitäten für diese Zwecke nicht ausreichend.
Die Lösung dieses Problems liegt in der Anlage von Tiefwasserhäfen, die
Großtanker aufnehmen können, gleichzeitig wichtige wirtschaftliche Vorteile
bieten und das Risiko vermindern, daß Schiffe kollidieren oder auf Grund
laufen. Kürzlich vom Präsidialbeirat für Umwelthygiene durchgeführte Untersuchungen zeigen, daß wir mit sehr viel geringerer Verschmutzung zu rechnen
haben, wenn wir weniger, aber größere Tanker und Tiefwasserhäfen zur Verfügung
haben,anstatt, wie bisher, viele kleine Tanker und herkömmliche Hafenanlagen
zu benutzen; sie werden anderweitig gebraucht.
Wenn wir unsere Hafenkapazität nicht auf tiefes Wasser ausweiten, ist
zu erwarten, daß amerikanische und ausländische Gesellschaften ihr öl auf
den Bahamas und in den kanadischen Häfen löschen. Von diesen Tankerhäfen aus
wird das Öl durch eine immer größere Anzahl kleiner und mittelgroßer Tankschiffe
zu unseren herkömmlichen Häfen transportiert, wodurch sich das Risiko der
Verschmutzung während des Transports und durch Unfälle erhöht. Zur gleichen
Zeit gehen den Vereinigten Staaten die Arbeitsplätze und das Kapital verloren,

- 21 -

�v e r l o r e n , die s i c h b e i diesen a u s l ä n d i s c h e n Anlagen ergeben.
Angesichts d i e s e r Sachlage müssen w i r , s o glaube i c h , e i n e h r g e i z i g e s
Programm i n Angriff nehmen, um für d i e Aufnahme von Erdölimporten neue T i e f wasserhäfen zu s c h a f f e n .
Für d i e Anlage von Häfen waren b i s h e r d i e E i n z e l s t a a t e n , kommunale
Verwaltungen und die P r i v a t w i r t s c h a f t z u s t ä n d i g . Die E i n z e l s t a a t e n können
jedoch k e i n e Genehmigung e r t e i l e n , d i e über d i e Drei-Meilen-Zone h i n a u s r e i c h e n . Deshalb b r i n g e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l a g e e i n , auf Grund deren das
US-Innenministerium e r m ä c h t i g t w i r d , s o l c h e Lizenzen zu e r t e i l e n .

Die

L i z e n z i e r u n g wäre mit e i n e r umfassenden und angemessenen Begutachtung d e r
ökologischen Auswirkungen verbunden und würde für s t r e n g e N a v i g a t i o n s - und
S i c h e r h e i t s v o r s c h r i f t e n sowie für entsprechende E r f o r d e r n i s s e für d i e Landnutzung Sorge t r a g e n . Im besonderen s i e h t das vorgeschlagene Gesetz d i e Zusammenarbeit von Bundes-, E i n z e l s t a a i _ s - und Kommunalbehörden vor.

Sparsamer Umgang mit Energie
Der Reichtum an n a t ü r l i c h e n H i l f s q u e l l e n war i n d e r Vergangenheit
u n s e r g r ö ß t e r V o r t e i l . F a l l s uns aber d i e s e r Reichtum dazu e r m u t i g t ,

unsere

H i l f s q u e l l e n a l s etwas S e l b s t v e r s t ä n d l i c h e s anzusehen, so kann s i c h d i e s
l e i c h t n a c h t e i l i g für unsere Zukunft auswirken.
Der gesunde Menschenverstand s a g t uns k l a r , daß w i r , während w i r d i e
uns i n Zukunft zur Verfügung stehenden Formen und Quellen von Energie a u s w e i t e n , ebenso v i e l Aufmerksamkeit auf den sparsamen Umgang mit der uns h e u t e
zur Verfügung stehenden Energie verwenden und nach M i t t e l n und Wegen suchen
müssen, um das k ü n f t i g e Anwachsen des E n e r g i e b e d a r f s zu b e s c h r ä n k e n .
Als Volk müssen w i r uns auf n a t i o n a l e r Ebene um einen sparsamen Umgang
mit Energie bemühen. Die I n d u s t r i e kann dazu b e i t r a g e n , indem s i e e n e r g i e sparende E r z e u g n i s s e l i e f e r t und s e l b s t Energie ökonomischer e i n s e t z t .

Alle

A r b e i t e r und Verbraucher können m i t h e l f e n , indem s i e im A l l t a g b e s t ä n d i g auf
Einsparung von Energie bedacht s i n d - daß man Lampen a u s s c h a l t e t , wenn k e i n
L i c h t gebraucht w i r d , d i e M o t o r e i n s t e l l u n g beim Auto r e g u l i e r e n l ä ß t , Klimaanlagen und Heizungen weniger b e n u t z t und E r z e u g n i s s e k a u f t ,
- 22 -

d i e Energie w i r t -

�wirtschaftlicher verbrauchen.
Der Regierung fällt ebenfalls auf allen Ebenen eine wichtige Rolle zu einmal direkt durch Einsparen von Energie und zum anderen richtungweisend
für die Bemühungen um den sparsamen Umgang mit Energie.
Ich ordne heute die Schaffung einer Behörde für Energiewirtschaft an,
die im Innenministerium gebildet werden und die Programme zur Einsparung
von Energie koordinieren soll, welche gegenwärtig noch auf den gesamten Regierungsapparat aufgesplittert sind. Diese Behörde wird Forschungsvorhaben
durchführen und mit Verbraucher- und Umweltschutzgruppen

zusammenarbeiten,

um die Verbraucher über die Möglichkeiten aufzuklären, wie ihre für den
Energiebezug aufgewandten Dollars den größten Gegenwert erbringen können.
Um den Verbrauchern weitere Informationen an die Hand zu geben, werde
ich das Handelsministerium anweisen, in Zusammenarbeit mit dem Präsidialbeirat für Umwelthygiene und dem Amt für Umweltschutz ein auf freiwilliger Beteiligung basierendes System von Energieverbrauchsplaketten für die wichtigsten
Haushaltsgeräte zu entwickeln. Diese Plaketten sollen Angaben über den Energieverbrauch sowie eine

Einstufungstabelle aufweisen, die einen Wirtschaftslich-

keitsvergleich mit anderen gleichartigen Erzeugnissen möglich

macht. Darüber

hinaus wird die Umweltschutzbehörde in Kürze die Ergebnisse ihrer Tests zum
Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen veröffentlichen.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie die Regierung sich richtungweisend auf diesem Gebiet betätigen kann. Ich fordere zum Beispiel erneut,
daß örtlichen Dienststellen die Verwendung von Geldern aus dem Fernstraßentreuhandfonds für Zwecke des Massentransitverkehrs gestattet wird. Wenn wir
dem Massentransitverkehr mehr Augenmerk schenken, so kann dies erheblich zur
Einsparung von Benzin beitragen.
Auch die Bundesbehörden können ein Beispiel geben. Das Bundesamt für allgemeine Verwaltungsdienste (GSA) errichtet gegenwärtig ein neues Bürogebäude
des Bundes unter Verwendung moderner Verfahren zur Einsparung von Energie mit
dem Ziel, den Energieverbrauch gegenüber entsprechenden anderen Gebäuden gleicher
Größe um 20 Prozent zu senken. Gleichzeitig untersucht das Bundesamt für technische Normen (NBS) in seinen Laboratorien den Energieverbrauch von Gebäuden.

- 23 -

�Gebäuden. Sobald diese Untersuchung abgeschlossen ist, werden analytische
Verfahren zur Verfügung stehen, um den Energieverbrauch neuer Wohngebäude
im Voraus veranschlagen zu können. Diese Informationen werden zusammen mit den
Erfahrungen, die beim 3au und Betrieb des von der Bundesregierung errichteten
Versuchsgebäudes gesammelt werden, den Architekten und Baufirmen helfen,
energiewirtschaftlich günstigere Gebäude zu entwerfen und zu errichten.
Auf Grund meiner Weisungen von 1971 und 1972 wurden bereits wichtige
Schritte unternommen, um die Isolierungsnormen für Ein- und Mehrfamilienhäuser auf den neuesten Stand zu bringen und mitzuhelfen, den Wärmeverlust
zu verringern sowie auch anderweitig Energie im Wohnungsbau zu sparen. Sobald
die Ergebnisse dieser wichtigen Demonstrationsprojekte vorliegen, werde ich
die Bundesanstalt für den privaten Wohnungsbau (FHA) anweisen, 5io

Konsulta-

tionsvorschriften angesichts unserer Erfahrungen auf den neuesten Stand zu
bringen und ihre mögliche Ausdehnung auf mobile Wohneinheiten zu erwägen.
Schließlich sollten wir uns darüber klar sein, daß wir die Einsparung
von Energie am wirksamsten fördern können, wenn wir sicherstellen, daß die
Energiepreise den wirklichen Gestehungskosten

entsprechen. Durch die Aufhe-

bung von Vorschriften wie den derzeitigen Höchstpreisen für Erdgas, und durch
Gewährleistung einer gerechten Aufteilung der Kosten für angemessene Umweltschutzmaßnahmen können wir Fortschritte in Richtung auf eine wirtschaftlichere
Inanspruchnahme unserer Hilfsquellen machen.
Das Einsparen von Energie ist eine nationale Notwendigkeit, doch glaube
ich, daß dies auf freiwilliger Basis wirksamer durchgeführt werden kann. Wird
diese Herausforderung ignoriert, so könnte dies die Gefahr vermehrter Verknappungen, steigender Preise und einer Schädigung der Umwelt heraufbeschwören
sowie die Möglichkeit vergrößern, daß die Einsparungen künftig durch Zwangsmaßnahmen verwirklicht werden. Es dürfte nicht notwendig werden, daß ein Land,
das stets über große Mengen an Energie verfügte, zur Rationierung von Energie
übergehen muß. Dies ist ein Teil der Herausforderung auf dem Energiesektor,
dem zu begegnen jeder Amerikaner mithelfen kann; ich rufe alle Amerikaner auf,
das Ihre hierzu beizutragen.
Forschung

- 24 -

�Forschung und Entwicklung
Wenn w i r d i e Gewißheit haben w o l l e n , daß der Aufwärtstrend u n s e r e r W i r t s c h a f t n i c h t durch unzureichende Energieversorgung oder durch zu t e u r e Energie
b e h i n d e r t w i r d , dürfen

wir uns n i c h t l ä n g e r von k o n v e n t i o n e l l e n

Energieformen

abhängig machen. S t a t t dessen müssen wir durch Forschung und Entwicklung a l l e
s i n n v o l l e n Anstrengungen unternehmen, um sowohl andere E n e r g i e q u e l l e n
auch neue Verfahren zu b e s c h a f f e n ,

als

d i e s e Energie zu p r o d u z i e r e n und zu n u t z e n .

Für d i e nahe Zukunft werden wir dank u n s e r e r Forschungs- und E n t w i c k l u n g s p o l i t i k Verfahren zur Verfügung haben, um unsere gegenwärtigen f o s s i l e n Brenns t o f f e so zu fördern und n u t z b a r zu machen, wie d i e s e i n e r gesunden Umwelt am
meisten z u t r ä g l i c h

ist.

S p ä t e r , etwa ab 1985 b i s zum Beginn des nächsten J a h r h u n d e r t s , werden
wir über k o m p l i z i e r t e r e E r s c h l i e ß u n g s t e c h n i k e n für unsere Reserven an f o s s i l e n
Brennstoffen und über d i e v o l l e n t w i c k e l t e Technologie zun. B e t r i e b des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g verfügen.

Unsere Anstrengungen i n bezug

auf d i e w e i t e r e n t f e r n t e Zukunft k o n z e n t r i e r e n s i c h auf Verfahren - b e i s p i e l s weise k o n t r o l l i e r t e Kernfusion und Sonnenenergie - , d i e uns s a u b e r e Energie
p r a k t i s c h unbegrenzt zu l i e f e r n

vermögen.

In meiner E n e r g i e - S o n d e r b o t s c h a f t

vom J a h r 19 71 an den Kongreß umriß i c h

e i n b r e i t f u n d i e r t e s Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Ich s c h l u g d i e
Ausweitung gemeinsamer Anstrengungen von Regierung und I n d u s t r i e v o r , um den
s c h n e l l e n B r u t r e a k t o r mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g , Verfahren der Kohlevergasung
und der Kamin-Abluftreinigung b i s zum Stadium der Demonstrationsanlagen w e i t e r zu e n t w i c k e l n . Diese Programme kommen gut voran.
In mainera Haushalt für das F i n a n z j a h r 1974 i s t e i n e Erhöhung der M i t t e l
für Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r vorgesehen, d i e 20 P r o z e n t
mehr a l s 1973 b e t r a g e n s o l l e n .
Mein Haushalt für 1974 s i e h t d i e Schaffung e i n e s neuen z e n t r a l e n E n e r g i e fonds im Innenministerium v o r , um z u s ä t z l i c h e Gelder für n i c h t - n u k l e a r e Forschung und Entwicklung b e r e i t zu s t e l l e n , wobei das Schwergewicht auf der
Kohleforschung l i e g e n s o l l . Dieser Z e n t r a l f o n d s s o l l uns d i e F l e x i b i l i t ä t
geben, d i e w i r für e i n e r a s c h e Nutzbarmachung n e u e r , besonders
- 25 -

vielver-

�v i e l v e r s p r e c h e n d e r Technologien auf dem E n e r g i e s e k t o r b r a u c h e n , welche schon
nach k u r z e r Z e i t Früchte t r a g e n .
Eines der meistversprechenden Programme, dem im F i n a n z j a h r 1974 e r h ö h t e
Mittel zufließen, i s t ein Kohle-Lösungsextraktionsverfahren,

das zu a s c h e -

und schwefelarmen Brennstoffen aus Kohle f ü h r t . A l l e s i n allem i s t

vorgesehen,

für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben i n der KohleVeredelung 27 P r o z e n t
mehr M i t t e l b e r e i t z u s t e l l e n .
Neben der Erhöhung der M i t t e l für den F l ü s s i g m e t a l l - B r u t r e a k t o r

ersuche

i c h um mehr M i t t e l für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Reaktors i c h e r h e i t und der B e s e i t i g u n g r a d i o a k t i v e r Abfälle sowie für d i e P r o d u k t i o n
von K e r n b r e n n s t o f f e n .
Wasser e n t h ä l t e b e n f a l l s p o t e n t i e l l e B r e n n s t o f f e - i n d e r Form e i n e s
besonderen I s o t o p s von Wasserstoff - i n Mengen, die a u s r e i c h e n würden, um
F u s i o n s r e a k t o r e n J a h r t a u s e n d e i n B e t r i e b zu h a l t e n . W i s s e n s c h a f t l e r d e r Atomnergie-Kommission sagen j e t z t i n zunehmendem Vertrauen auf einen E r f o l g vora u s , daß w i r im Laboratorium d i e Anwendbarkeit der k o n t r o l l i e r t e n thermonukl e a r e n Fusion durch magnetische E i n s c h l i e ß u n g i n naher Zukunft

demonstrieren

können. Wir s i n d auch b i s zu dem Punkt vorgedrungen, wo manche W i s s e n s c h a f t l e r
glauben, daß schon i n den n ä c h s t e n p a a r J a h r e n d i e KernVerschmelzung mit
H i l f e von Laser S t r a h l e n d e m o n s t r i e r t werden könne. In meinem Budget für 19 74
habe i c h e i n e Erhöhung a l l e r für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der
Kernfusion vorgesehenen M i t t e l um 35 P r o z e n t v o r g e s c h l a g e n , um Versuchsprogramme zu b e s c h l e u n i g e n und Vorstudien für den Reaktorbau i n d i e Wege zu l e i t e n .
Während wir für d i e m i t t e l f r i s t i g e Deckung des E n e r g i e b e d a r f s

Brutre-

a k t o r e n im Auge haben, werden d i e kommerziellen K r a f t r e a k t o r e n von h e u t e auch
noch b i s zum Ende des J a h r h u n d e r t s den größten T e i l der P r o d u k t i o n s k a p a z i t ä t
für Atomstrom s t e l l e n . Obgleich Kernreaktoren von Anfang an einen bemerkenswerten S i c h e r h e i t s s t a n d a r d besaßen, s i e h t mein Budget für 1974 z u s ä t z l i c h e
M i t t e l vor, d i e g e w ä h r l e i s t e n s o l l e n , daß unsere rasch anwachsende I n a n s p r u c h nahme von Atomkraft n i c h t d i e Gesundheit und S i c h e r h e i t der Bevölkerung aufs
S p i e l s e t z t . Zu den P r o j e k t e n gehören z . B . A r b e i t e n an Systemen für d i e
s i c h e r e Lagerung der r a d i o a k t i v e n A b f ä l l e aus den K e r n r e a k t o r e n . Die

- 26 -

�\

Die Atomenergie-Kommission a r b e i t e t an z u s ä t z l i c h e n Verbesserungen der Lagerung von Abfällen an der Oberfläche und wird w e i t e r h i n d i e Möglichkeiten
z u r u n t e r i r d i s c h e n Lagerung mit l a n g f r i s t i g e r Abkapselung d i e s e r A b f ä l l e
untersuchen.
Sonnenenergie i s t a l s mögliche Quelle für saubere Energie auf unbegrenzte
Z e i t ungemein v i e l v e r s p r e c h e n d . In meinem neuen Haushalt s i n d d i e für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Sonnenenergie vorgesehenen M i t t e l
v e r d r e i f a c h t worden und umfassen j e t z t 12 M i l l i o n e n D o l l a r . Ein g r o ß e r T e i l
d i e s e r Gelder s o l l dafür verwendet werden, d i e Entwicklung kommerzieller
Systeme für d i e Heizung und Kühlung von Gebäuden zu b e s c h l e u n i g e n .
Forschungs- und E n t w i c k l u n g s m i t t e l für Umweltschutz-Verfahren s o l l e n im
Haushalt 1974 um 24 P r o z e n t e r h ö h t werden. Zu d i e s e n Forschungen z ä h l t e i n e
V i e l z a h l von P r o j e k t e n im Zusammenhang mit der Kamin-Abluftreinigung;
•

auch

der Bau e i n e r Demonstrationsanlage für d i e Entfernung von Schwefeldioxid g e h ö r t dazu. Darüber h i n a u s werden s i c h d i e Atomenergie-Kommission und das
Bundesamt für Umweltschutz w e i t e r h i n mit Forschungsprojekten zur Untersuchung der thermischen Effekte von Kraftwerken

befassen.

Während d i e Bundesregierung i h r e Verpflichtungen i n Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r bedeutend e r h ö h t , wird und s o l l e i n großer
A n t e i l d i e s e r Forschung von der P r i v a t w i r t s c h a f t übernommen werden.
Ich b i n besonders e r f r e u t ,

daß d i e E l e k t r i z i t ä t s g e s e l l s c h a f t e n

d i e Be-

deutung der Forschung im H i n b l i c k auf das r a s c h e Anwachsen des Bedarfs an
e l e k t r i s c h e r Energie e r k a n n t haben. Die k ü r z l i c h e Schaffung des Forschungsi n s t i t u t s für S t r o m t e c h n i k , das 1974 einen E t a t von mehr a l s 100 Millionen
D o l l a r haben w i r d , kann zur Entwicklung von Technologien b e i t r a g e n , d i e s o wohl Probleme des L e i s t u n g s b e d a r f s a l s auch des Umweltschutzes lösen h e l f e n ,
welche gegenwärtig der I n d u s t r i e Kopfzerbrechen b e r e i t e n .
H i s t o r i s c h gesehen haben d i e E l e k t r i z i t ä t s w e r k e einen g e r i n g e r e n A n t e i l
i h r e r Einkünfte auf Forschung verwandt a l s d i e meisten anderen t e c h n o l o g i e abhängigen I n d u s t r i e z w e i g e . Dies i s t zum T e i l auf d i e zögernde Haltung mancher
e i n z e l s t a a t l i c h e r Kommissionen für d i e V e r s o r g u n g s b e t r i e b e

zurückzuführen,

e r h ö h t e Aufwendungen für Forschung und Entwicklung i n den Grundgebühren zu

-

27 -

�zu berücksichtigen. Die Bundesenergie-Kommission erließ kürzlich eine Bundesvorschrift, derzufolge es zulässig ist, die Aufwendungen für Forschung und
Entwicklung über die Gebühren wieder hereinzuholen. Die für die einzelnen
Bundesstaaten zuständigen Behörden sind in ihren Anordnungen der Bundesenergiekommission

gefolgt und zeigen gegenwärtig in ihrer Behandlung der

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, die in Übereinstimmung mit unserem
veränderten Bedarf an Energie auf nationaler Ebene anfallen, mehr Großzügigkeit.
Ich hoffe, daß dieser Trend bestehen bleibt, und ersuche alle einzelstaatlichen Kommissionen für die Versorgungsbetriebe dringend um eine Überprüfung ihrer Vorschriften in bezug auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, um sicherzustellen, daß sich die Stromversorgungsunternehmen in
der Energieforschung und -entwicklung uneingeschränkt an nationalen Anstrengungen beteiligen können.
Es ist töricht und bedeutet nur einen Schnitt ins eigene Fleisch, Mittel
schneller zuzuteilen, als sie wirksam verwendet werden können. Gleichzeitig
müssen wir unseren Fortschritt und unseren Bedarf sorgfältig überprüfen,
um eine ausreichende Verfügbarkeit von Mitteln zu gewährleisten. Wenn dringend zusätzliche Gelder gebraucht werden, werde ich alles in meiner Macht
stehende tun, daß diese auch bereitgestellt werden.

Internationale Zusammenarbeit
Mit Energieproblemen sieht sich jede Nation konfrontiert. Und wo es
eine solche Interessengemeinschaft gibt, existiert auch der Anlaß für gemeinsames Handeln sowie die dafür erforderliche Basis.
Die Vereinigten Staaten sind heute Partner einer Anzahl gemeinschaftlicher Anstrengungen. Wir haben uns den 22 Mitgliedstaaten der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angeschlossen, um
einen umfassenden Bericht über die Probleme auf weite Sicht auszuarbeiten
und zu einer Übereinkunft über die Zuteilung von Öl in Zeiten akuter Verknappung zu gelangen. Die Europäische Gemeinschaft hat die Notwendigkeit
gemeinsamer Anstrengungen bereits erörtert und bereitet Empfehlungen für

- 28 -

�für e i n e E n e r g i e p o l i t i k der Gemeinschaft vor. Wir haben den Wunsch zum Ausdruck g e b r a c h t , i n d i e s e n Bemühungen mit i h r zusammenzuarbeiten.
Wir haben des w e i t e r e n mit der Sowjetunion gemeinsame Forschungen auf
dem Gebiet der

Magnetohydrodynamik (MHD) v e r e i n b a r t , e i n e s Verfahrens z u r

Stromerzeugung mit s e h r hohem N u t z e f f e k t ,

und w i r tauschen

Informationen

über Kernfusion, K e r n s p a l t u n g , Stromerzeugung, S t r o m t r a n s p o r t und Umweltschutz a u s . Diese Anstrengungen s o l l t e n e i n Modell für gemeinsame Forschungsanstrengungen mit anderen Ländern s e i n . Außerdem s o n d i e r e n amerikanische
Firmen d i e Möglichkeiten, d i e für gemeinsame P r o j e k t e mit der Sowjetunion
b e i der E r s c h l i e ß u n g von n a t ü r l i c h e n H i l f s g u e l l e n zum V o r t e i l b e i d e r Nationen bestehen.
Ich habe f e r n e r das US-Außenministerium dahingehend i n s t r u i e r t , i n k o o r d i n i e r t e m Vorgehen

mit der Atomenergie-Kommission, anderen z u s t ä n d i g e n Re-

gierungsbehörden und dem Kongreß so s c h n e l l wie möglich e i n Programm i n t e r n a t i o n a l e r Zusammenarbeit i n Forschung und Entwicklung für neue Formen von
Energie und zur Entwicklung i n t e r n a t i o n a l e r Verfahrensweisen b e i der Behandlung von Energiefragen i n Z e i t e n k r i t i s c h e r V e r s o r g u n g s s c h w i e r i g k e i t e n

auf-

zustellen.
Meines Erachtens ergeben s i c h aus den Energieproblemen bedeutende Mögl i c h k e i t e n für d i e N a t i o n , auf dem Wege über f r i e d l i c h e Zusammenarbeit l e b e n s w i c h t i g e Z i e l e zu v e r f o l g e n . Keine Gelegenheit s o l l t e versäumt werden, um das
Bauwerk des F r i e d e n s , das w i r i n der Welt e r r i c h t e n w o l l e n , zu s t ä r k e n . Und
nur wenige Fragen und Probleme geben uns e i n e so gute Gelegenheit an d i e Hand,
zu d e m o n s t r i e r e n , daß durch gemeinsame Zusammenarbeit für unsere n a t i o n a l e n
I n t e r e s s e n mehr zu gewinnen i s t a l s durch z e r s t ö r e r i s c h e Konkurrenz oder g e fährliche

Konfrontation.

Bundesenergieorganisation
Wenn wir der Herausforderung, d i e d i e E n e r g i e f r a g e s t e l l t ,

gerecht

werden s o l l e n , muß d i e gegenwärtige f r a g m e n t a r i s c h e O r g a n i s a t i o n der e n e r g i e bezogenen A k t i v i t ä t e n i n der Exekutive r e f o r m i e r t werden.
Im
- 29 -

�Im J a h r 1971 u n t e r b r e i t e t e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e , um d i e E n e r g i e f r a g e n
b e t r e f f e n d e n A k t i v i t ä t e n der Bundesbehörden i n einem neu zu schaffenden Min i s t e r i u m für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n zusammenzufassen. Der 92. Kongreß h a t
i n bezug auf d i e s e n Vorschlag k e i n e Entscheidungen g e t r o f f e n .

Inzwischen habe

i c h d i e neue P o s i t i o n e i n e s P r ä s i d i a l b e r ä t e r s für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n g e schaffen,

der d i e Koordinierungsbestrebungen auf dem Gebiet der n a t ü r l i c h e n

Hilfsquellen

unterstützt.

Auf dem Wege der P r ä s i d i a l V e r o r d n u n g t r e f f e i c h heute s p e z i e l l e Maßnahmen,
um auf Bundesebene d i e o r g a n i s a t o r i s c h e n Voraussetzungen für A k t i v i t ä t e n auf
dem E n e r g i e s e k t o r zu v e r b e s s e r n .
Ich habe den US-Innenminister angewiesen, d i e S t r u k t u r s e i n e r Behörde
auf dem E n e r g i e s e k t o r auf v e r s c h i e d e n e Weise zu s t ä r k e n :
- Die Verantwortungsbereiche des neuen U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r s für Energie
und Mineralien werden so e r w e i t e r t , daß a l l e auf den S e k t o r Energie e n t f a l l e n d e n T ä t i g k e i t e n des Ministeriums einbezogen werden;
- das Ministerium w i r d d i e Voraussetzungen dafür s c h a f f e n ,

daß Unterlagen

über Energie gesammelt und a n a l y s i e r t werden;
- e i n e neu zu schaffende Behörde für E n e r g i e w i r t s c h a f t h a t d i e Aufgabe,
nach M i t t e l n und Wegen zu suchen, um den E n e r g i e b e d a r f zu r e d u z i e r e n ;
- das Innenministerium h a t außerdem s e i n e Möglichkeiten g e s t r a f f t ,

die

Energieforschung und - e n t w i c k l u n g auf b r e i t e r e r Basis zu überwachen und zu
koordinieren.
Durch P r ä s i d i a l e r l a ß habe i c h das US-Finanzministerium e r m ä c h t i g t , dem
Ausschuß für Ö l p o l i t i k Weisung zu e r t e i l e n . Dieses Kommittee k o o r d i n i e r t das
Erdölimportprogramm und l e g t mir Empfehlungen i n bezug auf Änderungen d i e s e s
Programms vor. Der s t e l l v e r t r e t e n d e F i n a n z m i n i s t e r wurde zum Vorsitzenden
d i e s e s Ausschusses bestimmt.
Durch einen zweiten P r ä s i d i a l e r l a ß , der h e u t e i n Kraft t r i t t , s t ä r k e i c h
die Möglichkeiten des P r ä s i d i a l a m t e s , auch Fragen der E n e r g i e p o l i t i k auf
h ö c h s t e r Ebene behandeln zu können, indem e i n Sonderausschuß Energie e i n g e s e t z t w i r d , dem d r e i meiner w i c h t i g s t e n B e r a t e r angehören. Außerdem b e s t ä t i g t
der E r l a ß noch einmal d i e Ernennung e i n e s S o n d e r b e r a t e r s , der einem Stab
-

30 -

�Stab von Energieexperten im Präsidialamt vorsteht.
Darüber hinaus wird im Amt für Haushaltfragen eine neue Abteilung
für Energie und Wissenschaft eingerichtet.
So hilfreich diese Maßnahmen der Exekutive auch sein mögen, ist doch mehr
grundlegende Umorganisation erforderlich. Um dieser Notwendigkeit nachzukommen, werde ich einen Gesetzesvorschlag
für Energie und natürliche

zur Schaffung eines Ministeriums

Hilfsquellen (Department, of Energy and Natural

Resources - DENR) unter Bezugnahme auf den im Jahr 1971 unterbreiteten Gesetzesvorschlag einbringen, wobei jetzt noch mehr Gewicht auf Energieprogramme gelegt wird.
Dieses neue Ministerium wäre für das gesamte Spektrum der nationalen
Energiefragen zuständig. Es wäre federführend bei der Durchführung der nationalen Energ:epolitik, wie sie in dieser Botschaft im einzelnen umrissen
ist.

Schlußfolgerung
Die Nationen bestehen nur dann, wenn sie Herausforderungen zu begegnen
vermögen und neue Wege beschreiten können, sobald die Umstände und die Möglichkeiten Änderungen erfordern.
Als die ersten Siedler nach Amerika kamen, fanden sie ein Land mit ungeahnten Naturschätzen vor, und dies wurde zum Grundstein für die wohlhabendste
Nation der Welt. In dem Maße, in dem wir bei der Bevölkerungszahl, Prosperität,
Industriekapazität, kurzum auf allen jenen Gebieten Wachstum verzeichneten,
die ein Spiegelbild des steten Aufwärtstrends im amerikanischen Lebensstandard sind, nahm auch die Inanspruchnahme unserer natürlichen Hilfsquellen zu.
Heute sind die Energierohstoffe, die unserem nationalen Wachstum so
viele Impulse gegeben haben, nicht genügend erschlossen, um der ständig weiter
wachsenden Inanspruchnahme,der sie ausgesetzt sind, gerecht zu werden. Es ist
an der Zeit, andere Wege zu gehen, um diesem Erfordernis nachzukommen. Die
Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, bedeutet für uns eine der größten
Chancen der Gegenwart - die Chance, eine noch stärkere einheimische Wirtschaft,

- 31 -

�Wirtschaft, eine sauberere Umwelt und ein besseres Leben für unser ganzes
Volk zu schaffen.
Die Vorschläge, die ich hiermit unterbreite, und die Maßnahmen, die ich
ergreifen werde, können uns das Rüstzeug an die Hand geben, diese wichtige
Aufgabe zu erfüllen.
Es ist dringend notwendig,zu handeln. Ich hoffe, daß der Kongreß schnell
über die Vorschläge entscheidet, die ich vorlege. Letzten Endes liegt aber
die Verantwortung nicht nur beim Kongreß oder

bei der Regierung. Sie liegt

bei uns allen - sei es Regierung, Industrie oder jeder einzelne Bürger.
Wann immer wir mit großen nationalen Herausforderungen konfrontiert
wurden, tat das amerikanische Volk seine Pflicht. Ich vertraue darauf, daß
dies auch jetzt geschieht.

Richard Nixon

Weißes Haus,
18. April 1973

- 32

�• a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

89-3240

Postfach

Telex:

Dokumentation

Service
300

08-85432

17/1973

DAS JAHR EUROPAS
Von Henry Kissinger

NEW YORK - (AD) - Der Berater Präsident
Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat am 23.
April 1973 in einer Rede auf dem Jahresessen der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press in New York
programmatische Aussagen über die
Europa-Politik der Vereinigten Staaten
gemacht. Die vom Weißen Haus veröffentlichte Rede hat folgenden Wortlaut:
Wenn dieses Jahr als das Jahr Europas bezeichnet worden ist, so nicht
deshalb, weil Europa im Jahre 1972 oder 1969 weniger wichtig gewesen wäre.
Eine neue Ära
Das Jahr 1973 ist das Jahr Europas, weil die Ära, die durch die
Entscheidungen einer Generation zuvor gestaltet wurde, zu Ende geht. Der
Erfolg jener Politik hat neue Realitäten geschaffen, die neue Methoden
erfordern:
- Die Wiedererstarkung Westeuropas ist genauso

ein definitives

Faktum, wie es der historische Erfolg der europäischen Bewegung zur
wirtschaftlichen Vereinigung ist.
- Das
- 1-

�- Das strategische militärische Kräfteverhältnis zwischen Ost und
West hat sich von einem amerikanischen Übergewicht fast bis zur Stufe der
Gleichheit hin verschoben, womit sich die Notwendigkeit eines neuen Verständnisses der Erfordernisse unserer gemeinsamen Sicherheit ergibt.
- Andere Gebiete in der Welt haben an Bedeutung gewonnen. Japan
ist zu einem wichtigen Machtzentrum geworden. In vielen Fällen müssen
"atlantische" Lösungen, wenn sie Bestand haben sollen, heute auch Japan
miteinbeziehen.
- Wir befinden uns in einer Periode des Nachlassens der Spannungen.
Aber zugleich mit dem Verschwinden der starren Abgrenzungen der letzten
zwei Jahrzehnte, treten neue Ansprüche der nationalen Identität auf und
bilden sich Rivalitäten zwischen den Nationen.
- Es haben sich Probleme ergeben, mit denen man eine Gercration
zuvor überhaupt nicht rechnete - die neue Formen kooperativen Handelns
erfordern. Ein Beispiel dafür ist die Energieversorgung der Industriestaaten.
Diese Faktoren haben zu einer dramatischen Veränderung des psychologischen Klimas im Westen geführt - eine Wandlung, die für die westlichen
Staatsmänner derzeit die größte Aufgabe und Herausforderung darstellt.
Eine neue Generation in Europa, die den Krieg und seine Erschütterungen nicht
mehr aus persönlicher Erfahrung kennt, nimmt die Stabilität als etwas
selbstverständliches. Dagegen fühlt sie sich weniger verpflichtet gegenüber
der Einheit, die den Frieden möglich machte, und gegenüber den Anstrengungen,
die zu seiner Erhaltung notwendig sind. In den Vereinigten Staaten haben
die Jahrzehnte, in denen man Lasten globalen Ausmaßes trug, eine Abneigung
entstehen lassen - die durch die Frustrationen des Kriegs in Südostasien
noch verstärkt wurde - globale Engagements auf der Basis einer überwiegenden
amerikanischen Verantwortung beizubehalten.
Diese Periode des Übergangs muß zwangsläufig Schwierigkeiten mitsichbringen. So hat man sich in Amerika beschwert, daß Europa seine weitergesteckten Aufgaben und Verantwortungen ignoriere, indem es gar zu einseitig seinem wirtschaftlichen Eigeninteresse nachgeht, und daß es nicht

- 2-

�nicht seinen fairen Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung
übernähme. In Europa hat man sich beschwert, daß Amerika darauf aus
sei, Europa wirtschaftlich zu spalten oder Europa militärisch im
Stich zu lassen oder es in diplomatischer Hinsicht zu übergeben.
Die uns gestellte Aufgabe lautet: Kann eine aus der gemeinsamen
Erkenntnis der Gefahr zusammengeschmiedete Einheit aus gemeinschaftlichen positiven Bestrebungen und Wünschen eine neue Zielsetzung erlangen?
In den vierziger und fünfziger Jahren bestand die Aufgabe in
dem wirtschaftlichen Wiederaufbau und in der Sicherung gegen die Gefahren eines Angriffs. Der Westen reagierte mit Mut und Einfallsreichtum. Heute besteht die Notwendigkeit darin, aus dem atlantischen
Verhältnis eine möglichst dynamische Kraft für den Aufbau einer neuen
Struktur des Friedens zu machen, einer Struktur, die weniger auf Krisen
abgestellt und sich dafür ihrer Chancen bewußter ist, die ihre Inf
spiration mehr aus ihren Zielen als aus ihren Ängsten gewinnt.
Das ist der Grund, warum der Präsident es unternimmt, sich persönlich

und direkt an die führenden Männer Westeuropas zu wenden. Das

Ziel des Präsidenten ist es, in seinen Gesprächen mit den Regierungschefs Großbritanniens, Italiens, der Bundesrepublik Deutschland und
Frankreichs sowie mit dem Generalsekretär der NATO und anderen führenden
Persönlichkeiten in Europa die Grundlage für eine neue Ära schöpferischer
Gestaltung im Westen zu legen.
Er wird dabei davon ausgehen, die atlantischen Probleme in umfassender Weise zu behandeln. Die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Probleme in den atlantischen Beziehungen sind durch die
Realität miteinander verkoppelt, nicht weil wir das wollten oder zu dem
taktischen Zweck, das eine Problem gegen das andere auszuspielen.
Im Jahre 1972 hat der Präsident die Beziehungen zu unseren Gegnern
so umgestaltet, daß die Lasten der Furcht und des Mißtrauens leichter
wurden.
Im
- 3 -

�Im Jahr 1973 können wir zu dem gleichen Gefühl einer historischen
Leistung kommen, wenn wir die Ideale, die wir mit unseren Freunden
teilen, und die gemeinsamen Zielsetzungen mit neuer Kraft beleben.
Die Vereinigten Staaten schlagen ihren atlantischen Partnern
vor, daß wir bis zu der Zeit, da der Präsident gegen Ende des Jahres
nach Europa reist, eine neue Atlantik-Charta ausgearbeitet haben, die
die Ziele für die Zukunft setzt - einen Plan:
- der auf der Vergangenheit aufbaut, ohne zu ihrem Gefangenen
zu werden;
- der sich mit den Problemen befaßt, die durch unseren Erfolg entstanden sind;
- der ein neues Verhältnis zwischen den atlantischen Nationen
schaftt, an dessen Fortschritt auch Japan teilhaben kann.
Wir bitten unsere Freunde in Europa, Kanada und schließlich auch
in Japan, sich uns in diesem Bemühen anzuschließen.
Das ist es, was wir mit dem Jahr Europas meinen.
Probleme der atlantischen Beziehungen
In den atlantischen Beziehungen gibt es echte Probleme. Sie sind
zu einem Teil entstanden, weil die atlantische Gemeinschaft sich in den
fünfziger und sechziger Jahren in den vielen verschiedenen Dimensionen
ihres gemeinsamen Unterfangens in unterschiedlicher Weise organisiert
hat.
- In den Wirtschaftsbeziehungen hat die Europäische Gemeinschaft
in immer stärkerem Maße ihre regionale Wesensart betont; die Vereinigten Staaten hingegen müssen als Teil eines umfassenderen internationalen Handels- und Währungssystem handeln und für es verantwortlich sein.
- In unserer gemeinsamen Verteidigung sind wir immer noch nach dem
Grundsatz der Einheit und Integration organisiert, aber unter radikal

�radikal anderen strategischen Bedingungen.
- Die Diplomatie ist Gegenstand häufiger Konsultationen, im
Wesentlichen wird sie jedoch von traditionellen Nationalstaaten betrieben. Die Vereinigten Staaten haben globale Interessen und Verantwortungen. Unsere europäischen Verbündeten haben regionale Interessen. Diese widersprechen einander nicht notwendigerweise, aber
in der neuen Äara sind sie auch nicht automatisch identisch.
Kurz gesagt, in der Verteidigung verkehren wir miteinander regional
und sogar als Konkurrenten auf einer integrierten Basis und in der
Diplomatie als Nationalstaaten. Wenn die verschiedenen kollektiven
Institutionen rudimentärer Natur wären, dann wäre der potentielle Widerspruch in ihrem Arbeitsmodus kein Problem. Aber nach einer Generation
der Entwicklung und angesichts des neuen Gewichts und der Stärke unserer
Verbündeten harmonieren die verschiedenen Teile der Gesamtkonstruktion
nicht immer miteinander und manchmal behindern sie sich sogar gegenseitig.
Die atlantischen Nationen müssen eine Lösung für die Bewältigung
ihrer Vielfalt finden. Wir können es uns nicht mehr leisten, nationale
oder regionale Selbstinteressen ohne einen einigenden Rahmen zu verfolgen. Wir können nicht zusammenhalten, wenn jedes Land oder jedes
Gebiet seine Autonomie behauptet, wann immer es zu seinem Nutzen ist,
und auf Einigkeit besteht, wenn es darum geht, die Unabhängigkeit
anderer zu beschneiden.
Wir müssen ein neues Verhältnis zwischen dem Eigeninteresse und
dem gemeinsamen Interesse herstellen. Wir müssen über das Gebiet
der Sicherheit hinaus Interessen und positive Werte finden, um erneut
Völker und Parlamente mitzureissen.

Die

- 5-

�DIE TAGESORDNUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Wirtschaft
Kein Element der amerikanischen Nachkriegspolitik war beständiger
als unsere Unterstützung der europäischen Einheit. Wir haben sie bei
jeder Gelegenheit gefördert. Wir wußten, daß ein vereintes Europa ein
unabhängigerer Partner sein würde. Aber wir nahmen an - vielleicht allzu unkritisch -, daß unsere gemeinsamen Interessen durch die langen
Jahre der Zusammenarbeit sichergestellt seien. Wir rechneten damit,
daß der wirtschaftlichen Integration die politische Einheit folgen
würde, und daß ein vereinigtes Europa, das mit uns in einer atlantischen
Partnerschaft kooperativ zusammenarbeitete, viele unserer internationalen
Lasten erleichtern würde.
Es liegt auf der Hand, daß sich viele dieser Erwartungen nicht
erfüllten.
Wir und Europa haben aus der europäischen wirtschaftlichen Integration Nutzen gezogen. Ein vermehrter Handel innerhalb Europas hat
das Wachstum der europäischen Volkswirtschaften sowie die Expansion des
Handels in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg gefördert.
Wir können jedoch die Tatsache nicht übersehen, daß der wirtschaftliche Erfolg Europas und seine Verwandlung von einem Empfänger
unserer Hilfe zu einem starken Konkurrenten gewisse Reibungen erzeugt
hat. Es hat in den internationalen Währungsbeziehungen Störungen sowie
gewisse Rivalitäten gegeben.
Auf dem Gebiet des Handels hat das natürliche wirtschaftliche
Gewicht eines 250 Millionen Menschen umfassenden Gebietes andere
Staaten dazu veranlaßt, besondere Vorkehrungen anzustreben, um ihren
Zugang zu diesem Markt zu schützen. Das Aufkommen eines geschlossenen
Handelssystems, das die Europäische

Gemeinschaft sowie eine ständig

wachsende Zahl anderer Länder in Europa, im Mittelmeerraum und in Afrika
umfaßt, scheint zu Lasten der Vereinigten Staaten und anderer Länder

�Länder zu gehen, die hiervon ausgeschlossen sind. Im Hinblick auf die
Landwirtschaft, wo die Vereinigten Staaten Wettbewerbsvorteile haben,
sind wir besonders darüber besorgt, daß die Schutzpolitik der Gemeinschaft den Zugang unserer Erzeugnisse behindern könnte.
Diese Divergenz tritt zu einem Zeitpunkt auf, da wir ein chronisches
und wachsendes Defizit in unserer Zahlungsbilanz sowie einen protektionistischen Druck von innen zu verzeichnen haben.
Dem allmählichen Anwachsen manchmal unbedeutender, manchmal wesentlicher Dispute muß ein Ende gesetzt werden; an seine Stelle muß die entschlossene Verpflichtung auf beiden Seiten des Atlantik treten, nach
kooperativen Lösungen zu suchen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Vereinigung Europas
unterstützen. Wir haben nicht die Absicht, das zu zerstören, an dessen
Zustandekommen wir so nachdrücklich mitgewirkt haben. Für uns ist die
europäische Einheit, was sie immer gewesen ist: nicht Selbstzweck, sondern
ein Mittel zur Stärkung des Westens. Wir werden weiterhin die europäische
Einheit als Komponente einer grösseren atlantischen Partnerschaft unterstützen.
In diesem Jahr beginnen wir umfassende Handelsverhandlungen mit
Europa und mit Japan. Wir werden ebenso auch in Zukunft auf eine Reform
des Währungssystems drängen, damit es die Stabilität fördert, statt
ständige Störungen hervorzurufen. Auf dem Gebiet des Handels und in den
Währungsbeziehungen muß ein neues Gleichgewicht hergestellt werden.
Wir sehen in diesen Verhandlungen eine historische Chance für
positive Leistungen. In diese Verhandlungen müssen sich die höchsten
Politiker einschalten, denn sie erfordern vor allem anderen den Einsatz
des politischen Willens. Wenn sie nur den Experten überlassen bleiben
würden, dann würde das unvermeidliche Konkurrenzdenken wirtschaftlicher
Interessen die Debatte beherrschen. Der Einfluß von Interessengruppen
und von Sonderinteressen würde sich durchsetzen. Es gäbe keine übergeordnete Zielsetzung.
Die
- 7-

�I

Die Vereinigten Staaten werden sich eine weitgefaßte politische
Einstellung zu eigen machen, die unserem richtungweisenden politischen
Interesse an einer offenen und ausgewogenen Handelsordnung sowohl mit
Europa als auch mit Japan gerecht wird. Dies ist der Geist des Handelsgesetzes des Präsidenten und seiner Rede vor dem Internationalen Währungsfond im vorigen Jahr. Er wird unsere Strategie bei den Handels- und
Währungsgesprächen bestimmen. Wir sehen diese Verhandlungen nicht als
einen Test der Stärke an, sondern als einen Test der gemeinsamen staatspolitischen Klugheit.

Verteidigung
Die atlantische Einheit ergab sich immer am natürlichsten auf
dem Gebiete der Verteidigung. Über lange Jahre hinweg waren die militärischen Bedrohungen für Europa ganz eindeutig;über die Notwendigkeit,
ihnen zu begegnen, war man sich auf beiden Seiten des Atlantik allgemein
einig; und die Verantwortung Amerikas war vorrangig und stand außer Frage.
Heute sind wir uns weiterhin über das Ziel der kollektiven Verteidigung
einig, aber wir sehen uns der neuen großen Aufgabe gegenüber, sie unter
radikal veränderten strategischen Bedingungen und mit der neuen Chance
aufrechtzuerhalten, unsere Sicherheit durch ausgehandelte Truppenreduzierungen zu fördern.
Der Westen hat nicht mehr das nukleare Übergewicht, das es ihm
in den fünfziger und sechziger Jahren gestattete, sich fast ausschließlich auf

iine massive nukleare Vergeltung zu verlassen. Weil eine solche

Strategie unter Bedingungen des nuklearen Gleichgewichts zum gegenseitigen Selbstmord geradezu einlädt, muß das Bündnis andere Möglichkeiten
haben. Die kollektive Fähigkeit, einem Angriff in Westeuropa mit Hilfe
der Strategie der flexiblen Antwort zu widerstehen, steht im Mittelpunkt
einer rationalen Strategie und ist von entscheidender Bedeutung für die
Wahrung des Friedens. Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten beträchtliche konventionelle Streitkräfte in Europa aufrechterhalten, und

- 8-

�I

und unsere NATO-Verbündeten haben die wichtige Anstrengung unternommen,
ihre eigenen militärischen Einrichtungen zu modernisieren und zu verbessern.
Die Erfordernisse der Flexibilität sind kompliziert und kostspielig.
Flexibilität erfordert ihrer Natur nach eine gewisse Empfindsamkeit für
neue Bedingungen und eine kontinuierliche Konsultation unter den Verbündeten, um die richtige Antwort auf sich ändernde Verhältnisse zu
finden. Und wir müssen der Verteidigungsposition, die durch unsere
Strategie festgelegt wird, Substanz verleihen. Die Strategie der flexiblen Antwort darf nicht nur ein Schlagwort für eine Verteidigungsstruktur sein, die auf dem aus innenpolitischen Erwägungen hervorgegangenen Kompromiß auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner errichtet ist.
Wir und unsere potentiellen Gegner müssen sie vielmehr als eine glaubwürdige, substantielle und rationale Position der Verteidigung sehen.
Um das militärische Gleichgewicht zu wahren, das die Stabilität
in Europa 25 Jahre lang gewährleistet hat, hat das Bündnis keine andere
Wahl, als diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden und ein Übereinkommen über unsere Verteidigungsbelange zu erreichen. Diese Aufgabe ist um
so schwieriger, als das Nachlassen der Spannungen den Argumenten, daß
man ruhig mit einer einseitigen Reduzierung der Truppen beginnen könne,
neuen Auftrieb gegeben hat„ Und eine ungezügelte wirtschaftliche
Konkurrenz kann die Impulse für eine gemeinsame Verteidigung entscheidend schwächen. Alle Regierungen des westlichen Bündnisses sehen
sich der großen Aufgabe gegenüber, ihren Völkern die Realitäten der
Sicherheit in den siebziger Jahren vor Augen zu führen.
Der Präsident hat mich ersucht, zu erklären, daß Amerika sich
weiterhin verpflichtet fühlt, seinen fairen Anteil an der atlantischen
Verteidigung zu tragen. Er widersetzt sich mit allem Nachdruck einem
einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa. Aber wir sind
unseren Völkern eine vernünftige Verteidigungsposition schuldig, und
zwar auf dem sichersten Minimalumfang und zu den sichersten Minimalkosten unter gerechter Aufteilung der Lasten. Das muß nach Ansicht des

- 9-

�des Präsidenten aus dem Dialog mit unseren Verbündeten im Jahre 1973
herauskommen.
Wenn dies erreicht ist, werden die notwendigen amerikanischen
Truppen in Europa aufrechterhalten bleiben, nicht lediglich als Pfand
für den tatsächlichen Einsatz unserer Nuklearwaffen, sondern als ein
wesentlicher Beitrag zu einer vereinbarten und eindeutigen Struktur
der westlichen Verteidigung. Dies wird uns auch in den Stand setzen,
unsere Gegner sinnvoll in Verhandlungen über beiderseitige, ausgewogene Reduzierungen zu verwickeln.
In den nächsten Wochen werden die Vereinigten Staaten der NATO
das Ergebnis unserer eigenen Vorbereitungen für die Verhandlungen über
beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen unterbreiten, die in
diesem Jahr beginnen werden. Wir hoffen, daß dies ein Beitrag für einen
wnitergefaßten Dialog über Sicherheit sein wird. Unsere Haltung wird
nicht vom Standpunkt spezifischer amerikanischer Interessen, sondern von
den allgemeinen Interessen des Bündnisses bestimmt. Unsere Position wird
die Ansicht des Präsidenten widerspiegeln, daß diese Verhandlungen
kein Vorwand sind, amerikanische Truppen ungeachtet der Konsequenzen
abzuziehen. Keine Formel für einen Abzug - welchen innenpolitischen
Anreiz oder welche politisch logische Grundlage sie auch haben mag -,
ist zu verteidigen9wenn sie die Sicherheit unterminiert.
Unser Ziel in dem Verteidigungsdialog ist ein neuer Konsens über
die Sicherheit, der auf die neuen Verhältnisse und die hoffentlich neuen
Möglichkeiten effektiver Rüstungsbegrenzungen abgestellt ist.
Diplomatie
Wir sind in eine wahrhaft bemerkenswerte Periode der Ost-WestDiplomatie eingetreten. Die beiden letzten Jahre haben ein Abkommen über
Berlin, einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
UdSSR, ein SALT-Abkommen, den Beginn von Verhandlungen über eine Europäische Sicherheitskonferenz und über beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen sowie eine ganze Reihe bedeutsamer praktischer bilateraler

- 10 -

�t

i

bilateraler Abkommen zwischen westlichen und östlichen Ländern
gebracht, darunter eine dramatische Änderung in den bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR. Dies waren
keine isolierten Schritte, sondern Schritte auf einem bereits 1969
abgesteckten Weg, und sie wurden als kollektive Anstrengung unternommen. Unsere Haltung zur Frage der Entspannung unterstrich, daß Verhandlungen konkret und nicht nur die Atmosphäre verbessernd sein
müßten und daß Konzessionen auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgen müßten. Wir beabsichtigen, die Politik der Entspannung auf
dieser Basis weiterzuverfolgen.
Doch gerade dieser Erfolg hat seine eigenen Probleme geschaffen.
Es besteht ein wachsendes Unbehagen, daß die Interessen unserer
traditionellen Verbündeten und anderer Freunde der Diplomatie der
Supermächte geopfert werden könnten. Einige unserer Freunde in Europa
schienen einfach nicht bereit zu sein, Amerika das gleiche Vertrauen
in seine Motive entgegenzubringen, das wir ihnen entgegengebracht
haben, oder uns die gleiche taktische Flexibilität zuzugestehen, die
sie bei der Verfolgung ihrer eigenen Politik anwandten.
All dies unterstreicht die Notwendigkeit, zusammen mit unseren
Verbündeten eine klare Serie gemeinsamer Ziele zu artikulieren. Wenn
dies einmal erfolgt ist, dann wird es für die verschiedenen Verbündeten
durchaus möglich, ja sogar wünschenswert sein, diese Ziele mit beträchtlicher taktischer Flexibilität zu verfolgen.
Wir brauchen nicht in allen

politischen Einzelheiten übereinzu-

stimmen. In vielen Teilen der Welt, insbesondere außerhalb Europas,
werden unsere Methoden und Einstellungen unterschiedlich sein. Unbedingt erforderlich ist jedoch eine Verständigung darüber, was gemeinsam
getan werden sollte und welche Grenzen dem Ausmaß unserer Autonomie gesetzt werden sollten.
Wir haben nicht die Absicht, auf Kosten unserer Freunde eine
illusorische Ruhe zu erkaufen. Die Vereinigten Staaten werden niemals
wissentlich die Interessen anderer opfern. Aber die Einsicht gemeinsamer
- 11 -

�gemeinsamer Interessen erfolgt nicht automatisch; sie erfordert
eine ständige Neudefinition. Der Abbau der Spannungen, zu dem wir
uns verpflichtet haben, macht den Zusammenhalt der Verbündeten unerläßlich, doch auch schwieriger. Wir müssen sicherstellen, daß der
Schwung der Entspannung durch gemeinsame Zielsetzungen aufrechterhalten bleibt und nicht durch ein Treibenlassen, durch Weltflucht oder
durch Selbstgefälligkeit.
Der Beitrag Amerikas
Die Tagesordnung, die ich hier dargelegt habe, ist keine ameri»
kanische Verordnung, sondern ein Appell zu einem gemeinsamen schöpferischen Bemühen. Diese Generation hat die historische Chance, ein
neues Gebäude der internationalen Beziehungen für die vor uns liegenden
Jahrzehnte zu errichten. Dafür ist eine wiedererstarkte atlantische
Partnerschaft unerläßlich.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zu leisten:
- Wir werden weiterhin die europäische Einheit unterstützen.
Auf der Grundlage der Prinzipien der Partnerschaft werden wir Konzessionen für ihr weiteres Wachstum machen. Wir erwarten, daß man uns
in einem Geist der Gegenseitigkeit entgegenkommt.
- Wir werden nicht von unseren feierlichen Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten zurücktreten. Wir werden unsere Streitkräfte
aufrechterhalten und uns nicht einseitig aus Europa zurückziehen.
Andererseits erwarten wir von jedem Verbündeten einen fairen Anteil an
dem gemeinsamen Bemühen um die gemeinsame Verteidigung.
- Wir werden den Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern
auf der Grundlage konkreter Verhandlungen im gemeinsamen Interesse
weiter betreiben. Wir begrüßen die Beteiligung unserer Freunde an einem
konstruktiven Ost-West-Dialog.
- Wir werden niemals bewußt die Interessen unserer Freunde in
Europa und in Asien verletzen. Andererseits erwarten wir, daß ihre
Politik unsere Interessen und unsere Verantwortung ernst nimmt.

- 12 -

.

�- Wir sind bereit, an der Lösung neuer gemeinsamer Probleme, denen
wir gegenüberstehen, kooperativ mitzuwirken. So wirft beispielsweise das
Problem der Energie den schwierigen Fragenkomplex der Sicherstellung der
Versorgung, der Auswirkung der Öleinkommen auf die internationale
Währungsstabilität, der Natur der gemeinsamen politischen und strategischen Interessen und der langfristigen Beziehungen zwischen den
Öl verbrauchenden und den Öl erzeugenden Ländern auf. Dies könnte eine
Ära der Konkurrenz sein; es sollte eine Ära der Zusammenarbeit sein.
- Genauso wie die Autonomie Europas kein Selbstzweck ist, so kann
die atlantische Gemeinschaft kein exklusiver Klub sein. Japan muß ein
Hauptpartner bei unserem gemeinsame Vorhaben sein.
Wir hoffen, daß unsere Freunde in Europa uns in diesem Geist entgegenkommen werden. Wir haben das Beispiel der großen Leistungen der
vergangenen Jahrzehnte vor Augen.- sowie die Möglichkeit; ihnen gleichzutun und sie noch zu übertreffen. Das ist die vor uns liegende Aufgabe.
Auf diec.2 Weise können die atlantischen Länder in den siebziger Jahren
wirklich ihren Völkern und der Sache des Friedens dienen.

+ + + + +

- 13 -

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17/1973

USA: ERNSTE VERLETZUNG DES VIETNAM-ABKOMMENS DURCH HANOI
- Wortlaut der amerikanischen Note vom 20. April 1973 -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben Nordvietnam der
ernsten Verletzung des Vietnam-Abkommens beschuldigt und darauf hingewiesen,
daß Hanoi seit dem Waffenstillstand vom 28. Januar über 30 OOO nordvietnamesiche Soldaten durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam eingeschleust
hat. Diese Feststellungen sind in einer Note vom 20. April enthalten, die
an die Teilnehmer der Internationalen Vietnamkonferenz gerichtet ist und am
24. April vom State Department veröffentlicht wurde. In der Note werden die
von Hanoi am 16. April erhobenen Vorwürfe und Behauptungen als "völlig grundlos" zurückgewiesen.

Die amerikanische Note hat folgenden Wortlaut:

1. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika entbietet
dem Außenministerium der Demokratischen Republik Vietnam seine Hochachtung
und gibt sich die Ehre, auf eine Note vom 16. April 1973 Bezug zu nehmen, die
von der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam an die Regierung der
Vereinigten Staaten und - wie angenommen wird - auch an die anderen Unterzeichner der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz übermittelt
worden ist.

2. In ihrer Note macht es sich die Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam in ihrem Namen und gelegentlich auch im Namen der "provisorischen Re- 1 -

�Revolutionsregierung" zur Aufgabe, die Situation in Südvietnam zu beschreiben,
und erhebt Beschuldigungen gegen die Regierung der Vereinigten Staaten und
gegen die Regierung der Republik Vietnam.

3. Die Vereinigten Staaten weisen die Beschuldigungen der Demokratischen
Republik Vietnam als völlig grundlos zurück und erblicken in dieser Note einen
schlecht getarnten Versuch seitens der Demokratischen Republik Vietnam, die
Aufmerksamkeit von ihren eigenen zahlreichen und äußerst ernsten Verletzungen
des Waffenstillstandes abzulenken.
4. Im Gegensatz zu den in der Note angeführten Behauptungen ist es völlig
klar, daß das Haupthindernis für den Frieden in der militärischen Aktivität
besteht, die von der Demokratischen Republik Vietnam und von unter ihrer Kontrolle
stehenden Truppen in Südvietnam, Laos und Kambodscha in unentschuldbarer Übertretung des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam sowie des Abkommens über die Wiederherstellung des
Friedens und die Wiederaussöhnung in Laos durchgeführt wird.

5. Außerordentliche Sorge ruft die große Menge an militärischer Ausrüstung
hervor, die seit dem 28. Januar heimlich von Nordvietnam nach Südvietnam
transportiert worden ist, ohne daß man sich auch nur im geringsten bemüht, die
Artikel 7 und 20 des Friedensabkommens vom 27. Januar einzuhalten. Es liegen
überwältigende Beweise für den ständigen illegalen Transport von Ausrüstungen
und Nachschubgütern aus Nordvietnam nach oder durch Laos und Kambodscha und
nach Südvietnam vor, die von den gegen die legitimen Regierungen dieser Länder
opponierenden militärischen Streitkräften verwendet werden. Zu dem Nachschub,
der Vietnam erreichte, gehören über 400 Panzer und Panzerspähwagen, 300 Artillereigeschütze der verschiedensten Typen sowie große Mengen an Munition,
Fahrzeugen usw. Beispielsweise wurden in der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zum 18. April 1973 mehr als 27 000 Tonnen an militärischem
Nachschub durch die entmilitarisierte Zone nach Südvietnam gebracht. Im gleichen
Zeitraum wurden über 26 000 Tonnen von Nordvietnam nach Loas transportiert.
Ebenfalls in diesem Zeitraum konnten mehr als 17 OOO Fahrten von militärischen
Lastkraftwagen von Nordvietnam nach Laos und mehr als 7000 durch die entmilita-

�e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone nach Südvietnam f e s t g e s t e l l t werden. Keinem der auf
Grund des Friedensabkommens e i n g e s e t z t e n Organe zur Wahrung des F r i e d e n s
wurde d i e Gelegenheit gegeben, d i e s e T r a n s p o r t e zu r e g i s t r i e r e n .
6. Ein Beweis für d i e A b s i c h t , an den Verletzungen des A r t i k e l s 20 des
Abkommens f e s t z u h a l t e n , s i n d d i e großen Anstrengungen, d i e unternommen werden,
um das Straßensystem i n Laos sowie i n den angrenzenden T e i l e n Südvietnams a u s zubauen. Auf der S t r a ß e 7, der Hauptverbindung von Nordvietnam zur Hochebene
der Tonkrüge, sowie auf den S t r a ß e n 4 und 4 / 7 , d i e i n Ost-West-Richtung durch
d i e n ö r d l i c h e Hochebene v e r l a u f e n , wurden Brücken und Entwässerungsgräben
festgestellt.

Darüber h i n a u s g i b t es Beweise für s t ä n d i g e Anstrengungen

Nordvietnams, e i n e S t r a ß e von Südlaos nach der Provinz Quang T r i und der Provinz
Quang Ngai zu bauen. Diese g r e n z ü b e r s c h r e i t e n d e S t r a ß e b e f i n d e t s i c h n i c h t i n
der Nähe i r g e n d e i n e r der f e s t g e l e g t e n Ü b e r g a n g s s t e l l e n , u n d

logischerweise

könnte s i e nur a l s h e i m l i c h e r Nachschubweg nach den z e n t r a l e n Küstenregionen
Südvietnams verwendet werden.
7. Die Demokratische Republik Vietnam h a t f e r n e r i n d i r e k t e r V e r l e t z u n g
der A r t i k e l 7 und 15 b des Friedensabkommens und des A r t i k e l s 7 des Waffens t i l l s t a n d s p r o t o k o l l s M i l i t ä r p e r s o n a l sowie m i l i t ä r i s c h e Ausrüstung i n und
durch d i e e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone g e b r a c h t .
8. Es i s t bekannt geworden, daß nach dem W a f f e n s t i l l s t a n d vom 28. J a n u a r
1973 w e i t e r h i n über 30 OOO n o r d v i e t n a m e s i s c h e S o l d a t e n u n t e r s c h w e r s t e r Verl e t z u n g des Abkommens durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam m a r s c h i e r t
s i n d . D i e s e r E r s a t z für Kampftruppen h a t d i e K a p a z i t ä t der n o r d v i e t n a m e s i s c h e n
Armee-Einheiten im Süden s t a r k e r h ö h t . Darüber h i n a u s l i e g e n Beweise v o r , daß
neue n o r d v i e t n a m e s i s c h e Armee-Einheiten wie Flugabwehr-Einheiten nach dem
28. J a n u a r nach Südvietnam gekommen s i n d . So i s t b e i s p i e l s w e i s e der Komplex
des F l u g p l a t z e s von Khe Sanh k ü r z l i c h mit Raketen vom Typ SA-2 b e s t ü c k t
worden, d i e vor dem W a f f e n s t i l l s t a n d e i n d e u t i g n i c h t vorhanden gewesen waren.

9. Sich mit dem i l l e g a l e n Aufbau des M i l i t ä r p o t e n t i a l s n i c h t

zufrieden

gebend h a t d i e Demokratische Republik Vietnam s e i t dem W a f f e n s t i l l s t a n d

diese

�diese Einheiten und andere unter ihrem Befehl stehenden Streitkräfte tatsächlich eingesetzt, um im ganzen Lande unter eindeutiger Verletzung der fundamentalen Zielsetzung des Friedensabkommens, wie sie in den Artikeln 2 und 3
niedergelegt ist, Hamlets und Dörfer sowie militärische Stellungen der Republik anzugreifen. Die Angriffe bestanden im allgemeinen aus Beschießungen
mit Granatwerfern und Artillerie, auf die häufig Bodenangriffe folgten - mit
dem offensichtlichen Zweck, das Gebiet auszuweiten, das von den unter n^r-.
vietnamesischem Kommando stehenden Streitkräften kontrolliert wird. In einic^n
Fällen wurden die Angriffe mit solcher Intensität vorgetragen, daß die Verteidigungsstreitkräfte der Regierung sich zurückziehen mußten, so beispielsweise aus Stellungen in Hoang Hau in der Nähe von Hue, an der kambodschanischen
Grenze in der Provinz Chau Duc und in der Provinz Bac Lieu. Andere seit lanaem
von Streitkräften der Republik Vietnam besetzte Vorposten halten sich trotz
anhaltender Angriffe weiterhin, wie Stellungen in Tonle Cham in der Provinz
Tay Ninh, in Räch Bap in der Provinz Binh Duong und in den Distrikten Hong
Ngu und Cai Cai in der Provinz Kien Phong.

10. Ferner setzen nordvietnamesische Streitkräfte größere militärische
Offensiven fort, die auf die Öffnung neuer Nachschubrouten und die Ausweitung
ihrer Kontrolle abzielen, wie im Gebiet von Sa Huynh in der südlichen Provinz
Quang Ngai.

11. Truppen unter Kontrolle der Demokratischen Republik Vietnam haben
ferner unter Verletzung von Artikel 5 des Waffenstillstandsprotokolls zahlreiche Minen verlegt und versucht, den wiederaufgenommenen Eisenbahnverkehr
zu stören. Anfang dieses Monats wurde in der Provinz Phu Yen eine Mine unter
einen Zug gelegt, und eine Gruppe von Gleisarbeitern wurde angegriffen.

12. Darüber hinaus haben diese Streitkräfte wahllos viele Städte, Flüchtlingslager und andere Bevölkerungszentren, wie beispielsweise in Tan Chau und
Phan Thiet, mit Granatwerfern und Artillerie beschossen und der Zivilbevölkerung schwere Verluste zugefügt. Sie haben sogar die Unterkünfte der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission in Tri Ton und Hong Ngu mit
Granatwerfern beschossen.
13. Über

�13. Über d i e w e i t v e r b r e i t e t e n Angriffe auf d i e t e r r i t o r i a l e n

Sicherheits-

s t r e i t k r ä f t e der Republik Vietnam h i n a u s haben Agenten der Demokratischen
Republik Vietnam i h r e T e r r o r a k t e f o r t g e s e t z t und Menschen e r m o r d e t , Handg r a n a t e n i n ö f f e n t l i c h e E i n r i c h t u n g e n geworfen, ö f f e n t l i c h e S t r a ß e n und Wege
vermint und z a h l r e i c h e Entführungen vorgenommen.
14. Eine w e i t e r e e r n s t e Gefährdung des F r i e d e n s s t e l l e n die z a h l r e i c h e n
Handlungen der k l a r e n und bewußten O b s t r u k t i o n s e i t e n s der Demokratischen
Republik Vietnam und der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " i n der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n

d a r . Beide w e i g e r t e n s i c h b e h a r r l i c h an i r -

gendwelchen Untersuchungen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n e c h t m i t zuwirken, d i e i h r e r Sache n i c h t d i e n l i c h gewesen wäre. Dementsprechend b l o c k i e r t e n oder v e r h i n d e r t e n s i e e i n e Untersuchung des Abschusses e i n e s CH-47Hubschraubers, des A n g r i f f e s auf Sa Huynh und d e r I n s t a l l i e r u n g von Raketen
i n Khe Sanh, um nur d r e i bezeichnende B e i s p i e l e zu nennen.

15. Die Taktik des H i n h a l t e n s und d e r O b s t r u k t i o n wurde auch e i n d e u t i g
aus d e r Weigerung e r s i c h t l i c h , s i c h offen zu d i s l o z i e r e n . Die Nordvietnamesen
d i s l o z i e r t e n nur fünf d e r s i e b e n r e g i o n a l e n H a u p t q u a r t i e r e , und i h r e Verbündeten von der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " s o g a r nur e i n e s . Die
D i s l o z i e r u n g von s u b r e g i o n a l e n Gruppen war minimal. Die " p r o v i s o r i s c h e Rev o l u t i o n s r e g i e r u n g " h a t t e zu keinem Z e i t p u n k t mehr a l s e i n V i e r t e l i h r e s zugestandenen Kontingents

operationsbereit.

16. Daher müssen d i e Demokratische Republik Vietnam und die " p r o v i s o r i s c h e R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " d i e Verantwortung für das Versagen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n , d i e i h r ü b e r t r a g e n e n Funktionen zu e r f ü l l e n ,
tragen.
17. Von b e s o n d e r e r Besorgnis für d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n i s t d i e b i s h e r i g e Weigerung d e r Demokratischen Republik Vietnam, Informationen über
Amerikaner zu v e r ö f f e n t l i c h e n , d i e i n Indochina vermißt s i n d , oder ü b e r j e n e ,
von den bekannt i s t , daß s i e d o r t g e s t o r b e n s i n d , wie d i e s i n A r t i k e l 8 (b)
des Pariser-Abkommens v e r l a n g t w i r d .
18. Zu
- 5 -

�18. Zu den von der Demokratischen Republik Vietnam in ihrer Note
gegen die Vereinigten Staaten vorgebrachten Beschuldigungen gehört die
Behauptung, daß die Vereinigten Staaten die Regierung der Republik Vietnam
"unterstützten", indem sie die Waffenruhe nicht einhielten und dadurch die
Artikel 2 und 3 des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens ernsthaft verletzten. Die gesamte Beschuldigung
entbehrt jeder Grundlage. Die Vereinigten Staaten haben sich vielmehr nach
dem 28. Januar darauf konzentriert, die Bedingungen des Abkommens genauestens
einzuhalten, indem sie ihre eigenen Streitkräfte aus Vietnam abzogen und sich
der Beteiligung an jeglicher Feindseligkeit

in Vietnam enthielten. Alle Lie-

ferungen an Waffen und militärischen Ausrüstungen für die Republik Vietnam
standen in strikter Übereinstimmung mit Artikel 7 des Pariser Abkommens und
Artikel 7 des Waffenstillstands-Protokolls.

19. Die Demokratische Republik Vietnam

behauptet ferner, daß der Abzug

der amerikanischen Streitkräfte in einer Weise abgeschlossen worden sei, die
von den Artikeln 5 und 6 des Pariser Abkommens abweiche, und beschuldigt die
Vereinigten Staaten, ihre Waffen nicht abzuziehen und ihre Stützpunkte nicht
abzubauen, wie dies in den genannten Artikeln verlangt wird. Artikel 5 verlangt
jedoch nur den Abzug jener Waffen, jener Munition und jenes Kriegsmaterials,
die sich zum Zeitpunkt oder nach dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens
im Besitz der Vereinigten Staaten (oder Verbündeter der Vereinigten Staaten
und der Republik Vietnams) befunden haben mögen. Er verlangt nicht den Abzug
irgendwelcher Waffen aus Südvietnam, die die Vereinigten Staaten vor dem Inkrafttreten des Abkommens auf Grund vorheriger Übergabe nicht mehr in Besitz
hatten. Dies war die Bedeutung der Formulierung "der Vereinigten Staaten" in
Artikel 5. Die gleiche Formulierung mit der gleichen Bedeutung wurde in Artikel
6 bezüglich der abzubauenden militärischen Stützpunkte

benutzt. Die Ver-

einigten Staaten haben diese Bestimmungen vollständig erfüllt. Alle militärischen Ausrüstungen und Einrichtungen von Militärstützpunkten, die sich
früher

im Besitz der amerikanischen Streitkräfte in Südvietnam befanden und

die nach dem 28. März dort verblieben, sind vor dem 27. Januar an die Regierung der Republik Vietnam übergeben worden.
20. In

�20. In der angeführten Note wird w e i t e r d i e Beschuldigung erhoben,
daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n der Republik Vietnam u n t e r Verletzung des Abkommens und des W a f f e n s t i l l s t a n d s - P r o t o k o l l s Waffen, Munition und K r i e g s m a t e r i a l g e l i e f e r t h ä t t e n . Diese Behauptung i s t e i n f a c h

unbegründet.

A r t i k e l 7 des Abkommens e r l a u b t es den südvietnamesischen P a r t e i e n , auf
e i n e r S t ü c k - f ü r - S t ü c k - B a s i s b e s c h ä d i g t e s , v e r n i c h t e t e s , unbrauchbar g e wordenes oder v e r b r a u c h t e s K r i e g s m a t e r i a l , Waffen und Munition zu e r s e t z e n .
Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n und die Republik Vietnam haben Verfahren für d i e
Überwachung von Waffenlieferungen

a u s g e a r b e i t e t , um d i e E i n h a l t u n g d i e s e r

Beschränkungen zu g e w ä h r l e i s t e n , und es werden Aufzeichnungen darüber g e führt, die diese Einhaltung v e r i f i z i e r e n .

Die Heranführung d i e s e s E r s a t z e s

wie auch d i e genannten Unterlagen der Verfahren s t e h e n j e d e r z e i t der I n s p e k t i o n und Beobachtung durch d i e I n t e r n a t i o n a l e K o n t r o l l - und Überwachungskommission und d i e Gemeinsame Zweier-Militärkommission o f f e n .

Die Heran-

führung d i e s e s E r s a t z e s i s t auf j e n e d r e i Ü b e r g a n g s s t e l l e n b e s c h r ä n k t ,
von der Republik Vietnam nach den Bestimmungen des Abkommens

die

festgelegt

worden s i n d .
2 1 . Die i n der Note d e r Demokratischen Republik Vietnam erhobene Behauptung, d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n h ä t t e n über 10 000 a l s Z i v i l b e r a t e r

getarnte

S o l d a t e n z u r ü c k g e l a s s e n , e n t b e h r t j e d e r Grundlage und i s t ohne Zweifel e i n
Versuch, d i e Aufmerksamkeit von der großen Zahl n o r d v i e t n a m e s i s c h e r S o l d a t e n
im Süden abzulenken. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n haben i n Übereinstimmung mit
A r t i k e l 5 des Friedensabkommens i h r e Truppen und i h r e M i l i t ä r - und P o l i z e i b e r a t e r abgezogen. In Südvietnam s i n d nur etwa 200 Mann a m e r i k a n i s c h e s

Militär-

p e r s o n a l v e r b l i e b e n , d i e zum Stab des V e r t e i d i g u n g s - A t t a c h e s , dem Wachpersonal
des Marinekorps der B o t s c h a f t und zu dem Team gehören, das v e r s u c h t , den
S t a t u s der im E i n s a t z Vermißten zu k l ä r e n . Es g i b t kein a l s Z i v i l i s t e n g e t a r n t e s M i l i t ä r p e r s o n a l . Wie b e r e i t s ö f f e n t l i c h e r k l ä r t , l i e g t d i e Gesamtzahl
des o f f i z i e l l e n

amerikanischen P e r s o n a l s i n Südvietnam u n t e r 9O00, wovon

d i e große Mehrhext l o g i s t i s c h e und Wartungsfunktionen a u s f ü h r t ,

die bald

von den Südvietnamesen übernommen werden s o l l e n .
22. Andere

�22. Andere Amerikaner üben Tätigkeiten aus, wie sie von diplomatischen,
konsularischen und Hilfsmissionen in der ganzen Welt ausgeübt werden. Die
Aufgaben und Funktionen des in Südvietnam verbliebenen Personals der Vereinigten Staaten sind der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam voll
und ganz bekannt und stehen in völliger Übereinstimmung mit dem Abkommen vom
2 7. Januar.

23. Die Vereinigten Staaten werden ferner beschuldigt, durch ihre militärischen Tätigkeiten in Laos unmittelbar nach dem Abschluß des Waffenstillstandsabkommens zwischen den Parteien in Laos Artikel 8 der Akte von Paris
zu verletzen. Die militärische Tätigkeit der Vereinigten Staaten seit dem
Waffenstillstand ist

sehr begrenzt gewesen. Sie wurde

auf Ersuchen von

Ministerpräsident Souvanna Phouma durchgeführt. Sie wurde
fand

notwendig und

als direkte Antwort auf schwere und flagrante Verletzungen des Ab-

kommens durch nordvietnamesische und Pathet Lao-Streitkräfte, vor allem durch
die Angriffe in Pak Song am 23. Februar und in Tha Vieng am 13. April nach
dem Waffenstillstand, statt.

24. Die Demokratische Republik Vietnam behauptet ferner, die Vereinigten
Staaten verletzten die "Unabhängigkeit,

Souveränität, Einheit, territoriale

Integrität und Neutralität" von Kambodscha, indem sie weiterhin ihre militärische Tätigkeiten in diesem Lande durchführten. In Wirklichkeit sind
diese Tätigkeiten auf Luftunterstützungsoperationen in Antwort auf die anhaltenden militärischen Operationen der Demokratischen Republik Vietnam in
Kambodscha begrenzt und wurden von der Khmer-Republik selbst angefordert.
Ende Januar setzte die Khmer-Republik alle Angriffsoperationen aus, und
die Vereinigten Staaten stellten ebenfalls offensive Luftoperationen ein.
Die Reaktion der Demokratischen Republik Vietnam und der kambodschanischen
Streitkräfte unter ihrer Kontrolle

bestand jedoch in einer totalen mili-

tärischen Offensive - trotz der Verpflichtungen, die die Demokratische Republik Vietnam in Artikel 20 des Abkommens und Artikel 8 der Akte von Paris
übernommen hat. Um die Einhaltung dieser entscheidenden Bestimmungen herbeizuführen, ohne die das gesamte Vietnam-Abkommen in Frage gestellt würde,

- 8-

�I

würde, leisten die Vereinigten Staaten den Khmer-Streitkräften Luftunterstützung.

25. Was die Behauptungen der Demokratischen Republik Vietnam bezüglich
der anhaltenden Haft südvietnamesischer Zivilisten anbetrifft, so wird die
Regierung der Republik Vietnam diese ohne Frage zurückweisen wollen; die Regierung der Vereinigten Staaten möchte jedoch darauf hinweisen, daß die "provisorische Revolutionsregierung" die Freilassung von nur einigen Hundert Zivilgefangenen angeboten hat trotz der Tatsache, daß sie viele Tausende gefangengenommen hat. Dies ist eine Angelegenheit, in der es eindeutig auf Gegenseitigkeit ankommt.

26. Die Behauptung, die amerikanische Regierung verzögere absichtlich
die Minensuchoperationen, ist eindeutig falsch. Die Minensuchoperationen der
Vereinigten Staaten sind so rasch fortgeschritten, wie es die Sicherheit, die
verfügbaren Streitkräfte, Wetterbedingungen und von der Demokratischen Republik
Vietnam auferlegte Beschränkungen erlauben. Wir sind in der Lage gewesen,
trotz des Verlustes von zwei Hubschraubern unseren vereinbarten Zeitplan einzuhalten. Für diese Operation sind alle verfügbaren Minensucheinheiten der
Vereinigten Staaten herangezogen worden. Ja es ist so, daß eine beträchtlich
größere Streitmacht eingesetzt worden ist, als von den Vereinigten Staaten
ursprünglich vorgeschlagen und von der Demokratischen Republik Vietnam akzeptiert worden war.

27. Die Tatsache, daß nur die Explosion von einigen wenigen Minen beobachtet worden ist, ist völlig verständlich und keineswegs überraschend.
Wie Vertretern der Demokratischen Republik Vietnam bei zahlreichen Gelegenheiten genau erläutert worden ist, haben die Minen eine variable Neutralisie rungskapazi tat, die programmiert werden kann und die bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt zur Neutralisierung der meisten Minen geführt hat. Trotzdem kann
keine ausreichende Sicherheit garantiert werden, so lange nicht alle betroffenen
Gebiete mit der geeigneten Ausrüstung durch bestens ausgebildetes Personal

- 9 -

�\

Personal methodisch abgesucht worden sind.
28. Angesichts der vielen ernsten Verletzungen anderer Bestimmungen
des Abkommens durch die Demokratische Republik Vietnam, die oben erläutert
worden sind, haben die Vereinigten Staaten jedoch

beschlossen, ihre Minen-

suchoperationen auszusetzen. Diese Aussetzung ist als Antwort auf dip "^ih1reichen materiellen Verletzungen des Abkommens durch die Demokratische F\ publik Vietnam in Übereinstimmung mit der Regel des internationalen Rechtes
gerechtfertigt, daß ein materialler Bruch eines internationalen Abkommens
durch eine Partei die andere

Partei berechtigt, die Durchführung des Ab-

kommens ganz oder teilweise auszusetzen. Diese Regel des üblichen internationalen Rechtes ist in Artikel 60 der Konvention über das Vertragsrechtvon 1969 niedergelegt. Die Vereinigten Staaten sind selbstverständlich bereit, die Minensuchoperationen wieder aufzunehmen, sobald die Demokratische
*

Republik Vietnam damit beginnt, in Übereinstimmung mit ihren Verpflichtungen
gemäß des Abkommens zu handeln.

29. Die Regierung der Vereinigten Staaten lehnt daher die allgemeinen
und die spezifischen Beschuldigungen kategorisch ab, daß sie die Bestimmungen
des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam verletzt habe. Die Regierung der Vereinigten Staaten
ihrerseits bekräftigt erneut, mit der oben ausgeführten Ausnahme, ihre Absicht, sich an die Bestimmungen des Abkommens vom 27. Januar zu halten, und
sie wird alles in ihrer Macht stehende tun, um einen dauerhaften Frieden in
Indochina herbeizuführen. Sie appelliert an die Demokratische Republik Vietnam
und alle

anderen Parteien der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz,

diese Bemühungen zu unterstützen.

- lO -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Energiebotschaft Präsident Nixons &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr Europas &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Kissinger-Rede vom 23. April 1973 - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Ernste Verletzung des Vietnam-Abkommens durch Hanoi &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der amerikanischen Note vom 20. April 1973 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e l e x : 0 8 - 8 5 4 32

3 . Mai 1973

18

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien

zum S t u d i u m i n d e n USA im S t u d i e n j a h r

1974/75

HINTERGRUNDMATERIAL
Rogers: Grundprinzipien d e r amerikanischen P o l i t i k b l e i b e n
- Rede d e s U S - A u ß e n m i n i s t e r s vom 2 3 . A p r i l

-

WIRTSCHAFT
Chancen u n d P r o b l e m e d e s O s t - W e s t - H a n d e l s
- Grundzüge d e r U S - P o l i t i k -

US-Handelsdefizit

auf niedrigstem Stand s e i t

18 Monaten

- Handelsminister warnt vor v o r e i l i g e n Schlüssen -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

unverändert

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Telex:

miO

rmation

300

0 8 - 8 54 3 2

18/1973

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IN STUDIENJAHR 1 9 7 4 / 7 5

-

(AD) - Auch f ü r d a s S t u d i e n j a h r

1974/75 kann d i e d e u t s c h e

Kommission w i e d e r k o m b i n i e r t e R e i s e - und A u f e n t h a l t s s t i p e n d i e n
an a m e r i k a n i s c h e n J o c h s c h u l e n an d e u t s c h e S t u d e n t e n v e r g e b e n .
müssen b i s zum 1 5 . J u n i

Fulbright-

zum S t u d i u m
Bewerbungen

1973 e i n g e r e i c h t w e r d e n , u n d zwar von i m m a t r i k u l i e r t e n

S t u d e n t e n b e i den Akademischen A u s l a n d s ä m t e r n d e r H o c h s c h u l e n .

In Abänderung d e r R i c h t l i n i e n werden Jungakademiker m i t abgeschlossenem
H o c h s c h u l s t u d i u m nunmehr an d e n D e u t s c h e n A k a d e m i s c h e n A u s t a u s c h d i e n s t e n

ver-

wiesen.

W e i t e r e Auskünfte e r t e i l e n d i e Akademischen A u s l a n d s ä m t e r d e r d e u t s c h e n
Hochschulen sowie d i e Fulbright-Kommission.

53 Bonn-Bad G o d e s b e r g 1
T h e a t e r p l a t z 1A
P o s t f a c h 208

+ + + ++

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18/1973

ROGERS: GRUNDPRINZIPIEN DER AMERIKANISCHEN POLITIK BLEIBEN UNVERÄNDERT
- Rede des US-Außenministers vom 2 3. April -

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 23. April in einer Rede vor dem Overseas Press Club in New York erklärt, daß angesichts der veränderten Verhältnisse in der Welt eine Neuorientierung der Politik der Vereinigten Staaten unerläßlich sei,. !aß dies
aber keine fundamentale Änderung der erfolgreichen Grundprinzipien dieser
Politik bedeute. Rogers, der vor allem auf das Verhältnis der USA zu Europa
und zur NATO einging, betonte, daß die Vereinigten Staaten die feste Absicht
hätten, ihre Stärke in Europa aufrechtzuerhalten und nicht von ihren vertraglichen Sicherheitsverpflichtungen gegenüber anderen abzurücken.

Die richtungweisende Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:

Ich glaube, daß in unserem Lande völlige Übereinstimmung darüber besteht, daß eine wesentlich veränderte internationale Lage eine Neuorientierung
unserer Politik und unserer Programme erfordert. Die Administration und der
Kongreß stehen mitten in diesem Prozeß. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir
die Politik fundamental ändern sollten, die wir in den letzten Jahren mit so
viel Erfolg verfolgt haben.

Sie alle kennen die großen Umrisse dieser Politik.
Wir

�I

Wir werden weiterhin unsere Beziehungen zur Volksrepublik China auf einer
stetigen und sich ausweitenden Basis verbessern. In dem Maße, in dem die Kontakte zunehmen, werden Freundschaft und Verständnis zwischen dem chinesischen
Volk und dem amerikanischen Volk wachsen. Unsere Hoffnung - und wie ich überzeugt bin, auch die ihrige (der Chinesen) - besteht darin, daß die sich entwickelnden politischen, sozialen und kommerziellen Beziehungen zur Volksrepublik China zur künftigen Stabilität im pazifischen Raum beitragen werden.

Wir werden uns bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion auf den Gebieten der Politik, des Handels, der Wissenschaft und der Technologie zu verbessern. Wir stehen jetzt in Phase II der SALT-Gespräche. In diesem Sommer
werden wir an der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilnehmen, und zwar mit der Absicht und der Entschlossenheit, unsere Bündnisse
mit der Europäischen Gemeinschaft, mit Japan oder mit anderen Nationen der
freien Welt, die sich auf Grund von vertraglichen Bindungen auf uns verlassen,
nicht zu schwächen.

In Indochina werden wir jeden möglichen diplomatischen Weg einschlagen jede diplomatische Möglichkeit nutzen -, um die volle Verwirklichung des Pariser
Abkommens herbeizuführen. Es ist nicht überraschend, daß viele ernste Probleme
verbleiben. Die Annäherung der Interessen und Einflüsse, die zu dem Abkommen
geführt hat, bleibt jedoch im Spiel. Daher bin ich überzeugt, daß bei erneuten
Anstrengungen seitens aller Beteiligten das Pariser Abkommen noch immer die
beste Aussicht - und nach meiner Überzeugung eine realistische Hoffnung - auf
Frieden und Stabilität in Indochina bietet.

Der Nahe Osten, wo Emotionen und Haß einen sinnvollen Dialog gelegentlich völlig unmöglich erscheinen lassen, bleibt weiterhin Anlaß zu großer
Besorgnis. Es ist jedoch jetzt immerhin schon fast drei Jahre her, daß die
Initiative der Vereinigten Staaten zu einer Waffenruhe zwischen Ägypten und
Israel geführt hat. Unser wichtigstes Nahziel wird darin bestehen, diese zerbrechliche Waffenruhe möglichst aufrechtzuerhalten, während wir gleichzeitig
versuchen, Verhandlungen unter den beteiligten Nationen zustandezubringen. Wenn

- 2 -

�t

Wenn es nun noch gelänge, einen Waffenstillstand in den aufhetzenden Reden,
einen Waffenstillstand in den kriegerischen Erklärungen unverrückbarer und
starrer Standpunkte und schließlich einen Waffenstillstand jeglicher Gewalttätigkeit von jedweder Seite zu erreichen, dann könnte nach meiner Überzeugung
ein Fortschritt im Sinne einer dauerhaften Lösung erzielt werden. Die Hauptbeteiligten haben erklärt, daß sie die Türen der Diplomatie offen halten
möchten. Wir möchten sie selbstverständlich gerne beim Wort nehmen.

Ich bin - sicherlich ebenso wie Sie - über den Fortschritt ermutigt, der
in den letzten Jahren in vielen Gebieten der Welt in den internationalen Angelegenheiten erzielt worden ist. Und ich bin zuversichtlich, daß bei einem
Anhalten der gegenwärtigen Trends ein Krieg unter großen Nationen vermieden
werden kann.

Das wird jedoch nicht leicht sein. In dem angenehmen Klima der Entspannung
gedeihen leicht Nachlässigkeit und Isolation.

So werden wir nicht nur die Politik des Präsidenten, die sich als so erfolgreich erwiesen hat, weiter verfolgen, sondern darüber hinaus auch gegen
eine Haltung angehen müssen, die eine Folge des Erfolgs ist.

Zum Beispiel können wir die kürzlichen Vorschläge nicht akzeptieren:

- die im Ausland stationierten amerikanischen Truppen in den kommenden
18 Monaten wesentlich zu reduzieren,
- die Rolle der Vereinigten Staaten bei der Bereitstellung von Material
und Dienstleistungen zur Verteidigung für andere Staaten so weit wie möglich
abzubauen und bis zum Jahre 1975 alle auf Schenkungsbasis gewährte Militärhilfe einzustellen, und
- die Richtung unserer Außenpolitik in den letzten 25 Jahren zu redivieren,
indem wir uns nach innen orientieren, unsere aktive Rolle in internationalen
Fragen radikal abbauen und Handelsschranken errichten.
So

- 3-

�&lt;

So verlockend solche Wege, oberflächlich betrachtet, auch sein mögen sie zu verfolgen, wäre töricht.

Erstens müssen die Vereinigten Staaten, wenn sie sich ihren Wohlstand
erhalten wollen, weiterhin in der übrigen Welt wirtschaftlich engagiert bleiben.
Ein immer größerer Teil unserer Wirtschaft ist, was das Wachstum anbetrifft, vom
Export abhängig - 31 Prozent unserer gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung
und 14 Prozent unserer Fertigwaren werden gegenwärtig exportiert. Hinsichtlich
der Deckung unseres Erdölbedarfs sind wir zu 30 Prozent von Importen abhängig,
und dieser Prozentsatz nimmt ständig zu.

Das vorgeschlagene Handelsgesetz, das Präsident Nixon in diesem Monat
dem Kongreß unterbreitet hat, zielt darauf ab, daß die Vereinigten Staaten
auch weiterhin engagiert bleiben. Wir werden bei den Handels- und Währungsverhandlungen im kommenden Herbst darauf bestehen, daß die amerikanischen Exporte künftig fairer behandelt werden und der amerikanische Dollar nicht mehr
eine so drückende Last zu tragen hat. Es ist jedoch nicht das Hauptziel unserer
Wirtschaftspolitik in diesem Jahr, die amerikanische Wirtschaft auf ihrem derzeitigen Produktivitätsstand zu schützen, sondern ihr einen Ansporn zu weiterer
Expansion im Rahmen einer expandierenden Weltwirtschaft zu geben.

Zweitens müssen die Vereinigten Staaten, um die von uns allen herbeigewünschte stabile und friedliche Welt zu schaffen, ihre politischen und ihre
Verteidigungsverpflichtungen weiter einhalten.

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Lasten der führenden Rolle
und der Sicherheit gerechter mit unseren Verbündeten aufzuteilen. Doch gibt
es auch weiterhin eine zentrale Rolle, die nur die Vereinigten Staaten spielen
können. Während wir uns darum bemühen werden, unsere Gegner in ein immer umfassenderes Netz von Verhandlungen hineinzuziehen, bleiben grundlegende Meinungsverschiedenheiten weiter bestehen. Der in den letzten Jahren erzielte dramatische Fortschritt ist nicht etwas Unwiderrufliches.
Angesichts

- 4-

�(

Angesichts dieser Tatsache ist die Regierung fest entschlossen, das sich
entwickelnde Gleichgewicht nicht durch einen einseitigen Abbau ihrer Stärke
aus dem Lot zu bringen.

In den letzten Jahren hat die Sowjetunion ihre Truppenstärke um 30 Prozent erhöht, ihren öffentlich bekanntgegebenen Militärhaushalt verdoppelt und
ihre Nuklearstreitkräfte ganz wesentlich verstärkt.

Die Volksrepublik China unterhielt während der letzten zehn Jahre das
größte Heer auf der Welt, verstärkte ihre Luft- und Seestreitkräfte und hat
ein Trägersystem für Nuklearraketen entwickelt.
Wir haben auf der anderen Seite unser Verteidigungspotential um rund
ein Drittel abgebaut. In Asien haben wir die Stärke unserer Truppen in den
letzten vier Jahren bereits um 70 Prozent verringert. Neben dem Abzug von
über einer halben Million Soldaten aus Vietnam haben wir unsere militärische
Präsenz in Korea, Japan, den Philippinen und anderen Gebieten um rund 70 000
Mann vermindert.

Eine weitere wesentliche Reduzierung der Truppenstärken jetzt könnte zu
Fehlschlüssen führen und sogar die neuen und noch delikaten Beziehungen stören,
die so behutsam angebahnt worden sind.

Beispielsweise ist unseres Erachtens die Aufrechterhaltung unserer Verteidigungskapazität besonders wichtig, damit Japan weiß, daß unsere Sicherheitsabkommen weiter gültig sind. Ein amerikanischer Rückzug aus Asien könnte
Japan leicht dazu veranlassen, neue Sicherheitsabmachungen, eine umfassende
Wiederaufrüstung und sogar eine Atomrüstung zu erwägen - ein Kurs, den es
sicherlich nicht gerne einschlagen möchte.

Der neue und bedeutsame Schwerpunkt unserer Politik, in Asien ein neues
Gebäude des Friedens zu errichten, liegt darin, den asiatischen Ländern, den
kleinen wie den großen, mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu
übertragen. Alle unsere Verbündeten haben diesen Weg als richtig akzeptiert.
- 5-

�(

akzeptiert. Unser Programm für Sicherheitshilfe soll dies erreichen. Daher
lehnen wir eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Sicherheitshilfe ab.
Sie würde unsere Bemühungen, unseren Verbündeten einen größeren Teil der Verantwortung zu übertragen, untergraben und könnte sie zu kostspieligen

und

Überreaktionen veranlassen, um nach neuen Garantien für ihre Sicherheit

zu

suchen, sie würden nicht nur feststellen, daß ihr Spielraum in den Verhandlungen eingeengt ist, sondern auch ihre wirtschaftliche Entwicklung würde
durch die Notwendigkeit beeinträchtigt werden, mehr für die Verteidigung ausgeben zu müssen.

Es ist für die Vereinigten Staaten ebenfalls wichtig, ihre Stärke in
Europa aufrechtzuerhalten, und wir haben voll und ganz die Absicht, dies zu
tun. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war Europa ein Gebiet, für das fehlende
Stabilität typisch war und das somit innerhalb einer Generation

zur Brut-

stätte zweier überaus verheerender Kriege wurde. Die Vereinigten Staaten
mußten zu ihrem großen Kummer lernen, daß sie, so sehr sie sich dies auch
gewünscht hätten, sich aus diesen Kriegen praktisch nicht heraushalten
konnten. Als Folge davon haben wir nach dem zweiten Weltkrieg die Führung
beim Aufbau eines Gebäudes des Friedens übernommen, in dem unsere Stimme und
unsere Interessen für immer vertreten sein würden.

Gemäß dieser Übereinstimmung haben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten

eine beachtliche Verteidigungsstruktur geschaffen. Aber vielleicht

noch wichtiger ist, daß unser Engagement in europäischen Sicherheitsfragen keine
Provokation für unsere Gegner bedeutet, sondern für unsere Verbündeten einfach
notwendig ist. Diese großartige Leistung unserer Diplomatie aufs Spiel zu
setzen - was wir bestimmt tun würden, wenn wir mit einer einseitigen Reduzierung unserer Truppen in Europa beginnen würden - ist sowohl unnötig als
auch gefährlich.

Wenn es jemals einen Zeitpunkt gegeben hat, an dem wir unsere Truppen
nicht einseitig aus Europa abziehen dürfen, dann ist dies bestimmt jetzt der
Fall - nämlich zu einer Zeit, da wir Verhandlungen mit den Ländern des
- 6 -

�des Warschauer Paktes über einen beiderseitigen Abbau der Truppenstärken
aufnehmen. Wenn wir einseitig unsere eigene Truppenstärke auf die Hälfte
verringern oder irgendeine andere wesentliche Reduzierung vornehmen, so würde
dies alle Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung zunichtemachen. Ein solcher Schritt würde ferner die westliche
Position auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in
diesem Sommer ernstlich beeinträchtigen.

Trotz dieser Tatsachen könnte es vielleicht ernsthafte Bemühungen im
Kongreß um eine wesentliche Kürzung der amerikanischen Truppenstärke in Europa
geben.

Folgende vernünftige militärische Gründe sprechen dafür, unsere Truppen
in Europa zu belassen. Die Streitkräfte, die eine potentielle Bedrohung für
die NATO darstellen, sind nicht verringert worden. So abweqig wir auch die
Möglichkeit einer direkten militärischen Aggression der Sowjets in Europa betrachten, Tatsache ist, daß die sowjetischen Streitkräfte heute stärker sind
als jemals zuvor. Sie sind gut ausgerüstet, gut ausgebildet und gut disloziert.
Über 600 OOO sowjetische Soldaten stehen in Osteuropa. Diese Streitkräfte
stützen sich auf über 9000 Panzer und 3000 taktische Flugzeuge.

Unter diesen Umständen müssen die amerikanischen und die NATO-Streitkräfte
als ernsthafte militärische Anstrengung gewertet werden und nicht lediglich
als "Stolperdraht." Die NATO ist heute in Wirklichkeit eine gewaltige Verteidigungsmacht. In Mitteleuropa zum Beispiel verfügt die NATO ungefähr über
die gleiche Zahl an Truppen wie der Warschauer Pakt.

Wir machen uns alle Sorgen über die Kosten unserer Verteidigung. Aber es
gibt noch ein anderes und weit größeres Anliegen, daß nämlich unsere Verteidigungsprogramme die grundlegenden Interessen unseres Landes fördern. Die Frage
ist, ob wir eine größere Verteidigung aufrechterhalten, als zum Schutz dieser
Interessen notwendig ist. Ich glaube nicht, daß dies der Fall ist.
Was

- 7 -

�Was sind die Tatsachen? Im Jahr 1968 machte das Verteidigungsbudget
neun Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Im nächsten Jahr werden es sechs
Prozent sein. Dies ist keine untragbare Last für ein Land mit einem Bruttosozialprodukt von über einer Billion Dollar. Auf den Bundeshaushalt bezogen
wird die Verteidigung noch nicht ein Drittel der Gesamtausgaben des Bundes
ausmachen, während die Hälfte des Bundeshaushalts für soziale Programme
und menschliche Ressourcen bestimmt ist. Damit sind die Proportionen von vor
vier Jahren genau in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Das Verteidigungsbudget für das kommende Jahr wird - an der Kaufkraft
gemessen - niedriger sein als jedes Verteidigungsbudget in den letzten zehn
Jahren. Dieses Verteidigungsbudget wird auf seinen Lohn- und Gehaltslisten
weniger Personen ausweisen, aus seinen Mitteln wird weniger Material beschafft
werden, es werden weniger Industrien beteiligt sein und es werden weniger
Stützpunkte unterhalten werden, als dies bei irgendeinem Verteidigungsbudget
seit 1950 der Fall war.

Seit 1968 hat die Nixon-Administration die Stärke unserer Streitkräfte
von 3,5 auf 2,3 Millionen verringert. Es sind also 1,2 Millionen Männer und
Frauen entlassen worden. In Divisionen, Schiffseinheiten und Flugzeugen gemessen haben unsere Streitkräfte ihren niedrigsten Stand seit 1951 erreicht.

Glücklicherweise scheint es heute nur wenig Kontroversen hinsichtlich
der Notwendigkeit zu geben, unsere nukleare Stärke aufrechtzuerhalten, wo wir
nunmehr in die zweite Runde von Gesprächen über strategische Nuklearwaffen
eintreten. Vielmehr konzentrieren sich die jüngsten Vorschläge für eine grundlegende Änderung der Verteidigungspolitik in erster Linie auf eine wesentliche
Verringerung der konventionellen Streitkräfte.

Diejenigen, die einen wesentlichen Abbau unserer allgemeinen Streitkräfte
befürworten, scheinen zu glauben, daß wir die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten ausreichend dadurch schützen können, daß wir uns stärker auf
unsere strategische Nuklearstreitmacht verlassen. Dies ist ein äußerst gefährlicher Gedanke in der Welt von heute.
Die
- 8-

�Die Zeit ist längst vorüber, da wir uns in erster Linie auf die Drohung
einer nuklearen Vergeltung verlassen konnten oder sollten, um vor einer Aggression gegen irgendein anderes Land abzuschrecken. Wir müssen über verschiedene
Optionen verfügen, die auf die verschiedenen Bedrohungen abgestellt sind, venn
potentielle Aggressoren Amerikas Verpflichtungen gegenüber unseren Freunden
und Verbündeten respektieren sollen.

Obwohl wir in den letzten vier Jahren beträchtliche Fortschritte beim
Abbau der internationalen Spannungen und bei der Übertragung der Verantwortung
für die örtliche Verteidigung an unsere

Verbündeten gemacht haben, bleibt

der Wettbewerbsgeist der Völker auch weiterhin das wichtigste Faktum im internationalen Leben. Wir haben immer noch viele Meinungsverschiedenheiten mit
anderen Ländern, die uns künftig in eine ernste Konfrontation führen können.
Sollten sich die Vereinigten Staaten vor eine solche Konfrontation gestellt
sehen, so muß der Präsident über verschiedene Erwiderungen, darunter auch
konventionelle, die glaubwürdig sind, verfügen können. Dies würde gewährleisten,
daß unsere Erwiderung ihrem Umfang nach so begrenzt wie möglich und doch wirksam sein könnte.

Wir konnten beträchtliche Reduzierungen im Umfang unseres militärischen
Apparates vornehmen, nicht weil wir uns einem Wunschdenken in bezug auf unsere
Gegner hingaben oder weil wir Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten
aufgaben. Im Gegenteil wir haben dies dadurch erreicht, daß wir konkrete Fortschritte in Richtung auf eine stabilere Welt erzielten - durch Aufbau der
Stärke unserer Verbündeten und durch Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten

und durch Verringerung unserer militärischen Stärke in einer Weise,

die diesen geringeren Spannungen entspricht.

Zum ersten Mal zu unseren Lebzeiten bestehen realistische Aussichten auf
eine Welt, in der die Völker einen höheren Standard eines akzeptablen internationalen Verhaltens erreichen. Es bestehen realistische Aussichten auf eine
Welt, in der eine Lösung internationaler Streitfragen auf dem Verhandlungswege
deutlich die Oberhand über einseitige Drohungen oder die Zuflucht zur Gewaltanwendung gewinnt.
- 9-

�&lt;

Bei jeder wichtigen, die nationale Verteidigung betreffenden Frage
während der letzten 25 Jahre hat der Kongreß den Präsidenten unterstützt.
Wenn der Kongreß die Folgen einer größeren Kürzung unserer Verteidigung
oder einer einseitigen Verringerung unserer Truppenstärke in Europa eingehend und sorgfältig prüft, dann bin ich gewiß, daß er auch dieses Mal wieder
verantwortungsbewußt handeln wird.

+ + + + +

10

�amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Ttl:

Information

Wirtschaft

Service

G o d e s*6 e r g 1 , P o s t f a c h 3 0 0

89-3240

T e I e x : 08 - 8 54 32

18/1973

CHANCEN UND PROBLEME DES OST-WEST-HANDELS

Der S t a a t s s e k r e t ä r f ü r W i r t s c h a f t l i c h e
A n g e l e g e n h e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Außenm i n i s t e r i u m , William Casey, h a t i n e i n e r
Rede an d e r S t a a t s u n i v e r s i t ä t von G e o r g i a
i n Athens d i e Grundsätze d e r Ost-WestHandelspolitik der Vereinigten Staaten
a u f g e z e i g t . Der n a c h f o l g e n d e A r t i k e l g i b t
w e s e n t l i c h e Auszüge d e r Rede C a s e y s w i e d e r .

Die w i r t s c h a f t l i c h e n

Beziehungen d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n z u r Sowjetunion,

z u d e n L ä n d e r n O s t e u r o p a s u n d zum F e s t l a n d c h i n a s t e h e n an d e r S c h w e l l e
tiefgreifenden

eines

und r a s c h e n Wandels. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n wünschen e i n e Nor-

malisierung der Wirtschaftsbeziehungen

zu den kommunistischen

Ländern.

Wir s t r e b e n d e n Aufbau u n d d e n A u s b a u d e s O s t - W e s t - H a n d e l s a l s A n g e l p u n k t
f ü r d e n Aufbau d e s F r i e d e n s a n . Wir b e t r a c h t e n w i r t s c h a f t l i c h e
a l s e i n e s t a r k e K r a f t d e s F r i e d e n s . Wir s t r e b e n e i n e v e r s t ä r k t e

Interdependenz
wirtschaftliche

Z u s a m m e n a r b e i t a n , um d i e m i l i t ä r i s c h e K o n k u r r e n z a b z u b a u e n . Nach u n s e r e r Auff a s s u n g w i r d d i e Hebung d e s L e b e n s s t a n d a r d s e i n e w i r t s c h a f t l i c h e
Spiel bringen,

Gleichung i n s

d i e m i t d e r n o t w e n d i g w e r d e n d e n Hinwendung z u H a n d e l u n d E n t w i c k -

l u n g z w a n g s l ä u f i g d i e Hinwendung z u Waffen a b b a u e n w i r d . W i r b e t r a c h t e n d e n
Handel und a l l d i e anderen Fäden w i r t s c h a f t l i c h e r

Beziehungen a l s Fäden, m i t

d e n e n e i n Gewebe d e s F r i e d e n s gewoben w e r d e n k a n n .
Was

-

1 -

�Was die Erfahrung im Handel mit den staatlich kontrollierten Volkswirtschaften Osteuropas und der Sowjetunion angeht, so ist uns Westeuropa weit
voraus. Die Europäische Gemeinschaft treibt etwa fünfmal so viel Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften wie wir.

Eines der Hauptziele unserer Handelspolitik ist es, uns im Handel mit
den staatlich kontrollierten Wirtschaften eine gleiche Wettbewerbsposition
zu verschaffen, wie sie Westeuropa und Japan haben. Eines der Hauptziele
unserer Wirtschaftspolitik besteht darin, unter angemessener Berücksichtigung
unserer Sicherheitsinteressen so weit wie möglich zu gehen, um den Nachteil
zu beseitigen, den amerikanische Geschäftsleute haben, wenn sie nach der
Sowjetunion, nach Westeuropa oder nach Festlandchina verkaufen wollen.

Was die Chinesen anbetrifft, so vertreten sie die Auffassung, daß es
niemandem erlaubt werden soll, ihre Hilfsquellen zu entwickeln oder auszubeuten. Sie sind jedoch bereit, ihre Rohstoffe zu verkaufen. Sie sind heute
noch nicht bereit, Schulden einzugehen. Dies legt ihrer Kapazität, unsere
Waren zu kaufen, enge Grenzen auf, und es begrenzt ihre Fähigkeit, Entwicklungsprojekte in Angriff zu nehmen, wie sie die Sowjets durchzuführen bereit
zu sein scheinen, wenn man ihre Gespräche mit japanischen und amerikanischen
Interessenten an Erdgas und dem Düngemittelgeschäft verfolgt.

Die Sowjets sind hier großzügiger. Parteichef Breschnew hat kürzlich
erklärt, daß es für die wirtschaftliche Zusammenarbeit praktisch unbegrenzte
Möglichkeiten gebe. Diese Möglichkeiten werden jedoch offensichtlich außerhalb der überkommenen Formen des Handels liegen. Amerikanische Firmen mit notweniger Technologie, Ausrüstung und Märkten haben die Gelegenheit, an riesigen
Erz-, Öl- und Erdgasvorkommen und in riesigen Forsten zu arbeiten. Die Sowjets
suchen diese Art der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit offensichtlich unter langfristigen Vereinbarungen über 10 bis 30 Jahre. Wenn amerikanische Firmen in dieser Klasse spielen wollen, dann werden sie sich zu großen
Entwicklungsprojekten zusammentun oder lernen müssen, ihre Waren gegen
sowjetische Waren einzutauschen, und Mittel und Wege finden müssen, um diese
Waren auf den Weltmärkten zu Geld zu machen.
Die
- 2-

�Die amerikanische Regierung s u c h t nach großen p o l i t i s c h e n

Richtlinien,

d i e Entwicklung des Ost-West-Geschäftes zu fördern und zu e r l e i c h t e r n .

Die

p o l i t i s c h e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen s i n d u n l ö s b a r m i t e i n a n d e r v e r f l o c h t e n . In E r k e n n t n i s d i e s e r Grundtatsache h a t P r ä s i d e n t Nixon schon zu Beginn s e i n e r Amtszeit a l l e s daran g e s e t z t , um i n den p o l i t i s c h e n Angelegenh e i t e n e i n b e t r ä c h t l i c h e s Maß an S t a b i l i t ä t zu g a r a n t i e r e n . Die Richtschnur
für d i e Normalisierung der W i r t s c h a f t s b e z i e h u n g e n zu den kommunistischen
Ländern i s t von Anfang an gewesen, daß w i r t s c h a f t l i c h e N o r m a l i s i e r u n g mit
dem F o r t s c h r i t t i n der Verbesserung der p o l i t i s c h e n Beziehungen

verknüpft

i s t . Das Tempo des F o r t s c h r i t t s im w i r t s c h a f t l i c h e n Bereich i s t daher von
dem Tempo des F o r t s c h r i t t s im p o l i t i s c h e n Bereich r e g u l i e r t worden.
Ich kann d i e Bedeutung d i e s e s Grundsatzes n i c h t genug u n t e r s t r e i c h e n .
Er b e s a g t , daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n im I n t e r e s s e des Aufbaus e i n e r dauerh a f t e n Interdependenz der I n t e r e s s e n auf dem ganzen Spektrum u n s e r e r Beziehungen
i n i t i a t i v werden und auf I n i t i a t i v e n r e a g i e r e n werden. Wir werden das Tempo
auf einem G e b i e t , etwa dem der Handelsbeziehungen, n i c h t f o r c i e r e n aus der
bloßen Hoffnung h e r a u s , daß d i e s e n t s p r e c h e n d e F o r t s c h r i t t e auf p o l i t i s c h e m ,
k u l t u r e l l e m oder m i l i t ä r i s c h e m Gebiet b r i n g e n k ö n n t e . Wir geben uns mit dem
weniger d r a m a t i s c h e n , aber s i c h e r e n s c h r i t t w e i s e n Aufbau e i n e r ausgewogenen
S t r u k t u r d e r Beziehungen

zufrieden.

Ein Z i e l u n s e r e r P o l i t i k b e s t e h t d a r i n , d i e kommunistischen Nationen
zu e i n e r Änderung i h r e r Weltanschauung zu bewegen, daß s i c h w i d e r s t r e b e n d e
Kräfte hoffnungslos i n einen Überlebenskampf v e r s t r i c k t s e i e n , zu d e r Auffassung h i n , daß w e t t e i f e r n d e K r ä f t e b e i einem I n t e r e s s e n k o n f l i k t Kompromisse
eingehen und b e i e i n e r I n t e r e s s e n g e m e i n s c h a f t zusammenarbeiten. Die e i n d r u c k s v o l l e Zahl d e r Abkommen auf und s e i t den G i p f e l t r e f f e n

i n Peking und Moskau

und d i e A u s s i c h t auf w e i t e r e Abkommen l a s s e n erkennen, daß d e r Trend zur Verhandlung s t a t t der Konfrontation zu einem f e s t e n Muster werden kann.
Normalisierung der w i r t s c h a f t l i c h e n Beziehungen - e i n e so w i c h t i g e
Konzeption der amerikanischen P o l i t i k auf dem Gebiet des Ost-West-Handels h e i ß t Abbau der Schranken für den w i r t s c h a f t l i c h e n Austausch, d i e i n der Z e i t
-

3 -

�»

Z e i t nach dem zweiten Weltkrieg und während des Korea-Krieges

errichtet

wurden. Nach d i e s e n Normen gemessen haben w i r unsere Beziehungen zu Jugoslawien
und e r s t k ü r z l i c h auch zu Polen im w e s e n t l i c h e n n o r m a l i s i e r t . Wir haben s e i t
e i n i g e n J a h r e n i n d i e s e r H i n s i c h t große F o r t s c h r i t t e mit Rumänien gemacht und i n diesem und im vorigen J a h r auch mit der Sowjetunion. Der F o r t s c h r i t t
zur Normalisierung mit anderen Ländern - Ungarn, Tschechoslowakei, B u l g a r i e n ,
A l b a n i e n , O s t d e u t s c h l a n d und Mongolei - l i e g t , wie wir h o f f e n , i n n i c h t
ferner

allzu-

Zukunft.

Es g i b t e i n Wetlwirtschaftssystem,dem s i c h a l l e Nationen anpassen müssen,
wenn s i e f l o r i e r e n w o l l e n . In dem Maße, i n dem s i c h unsere

Wirtschaftsbe-

ziehungen zu den kommunistischen S t a a t e n n o r m a l i s i e r e n , wird es e i n immer
w i c h t i g e r e s Z i e l der amerikanischen P o l i t i k werden, d i e Entwicklung s t a b i l e r ,
V e r b r a u c h e r - o r i e n t i e r t e r G e s e l l s c h a f t e n zu f ö r d e r n , d i e immer s t ä r k e r i n das
i n t e r n a t i o n a l e Handels- und Zahlungssystem i n t e g r i e r t s i n d .
Das i n t e r n a t i o n a l e System s e l b s t i s t einem grundlegenden Wandel u n t e r zogen. Nur bestimmte kommunistische S t a a t e n haben durch M i t g l i e d s c h a f t

in

den tragenden I n s t i t u t i o n e n des i n t e r n a t i o n a l e n Systems - GATT, IWF und Weltbank - e i n e a k t i v e B e t e i l i g u n g an diesem Prozeß g e s u c h t , und es b e s t e h t auch
k e i n Grund zu der Annahme, daß s i c h d i e s e S i t u a t i o n i n naher Zukunft ändern
wird.
T r o t z der p a s s i v e n R o l l e , d i e d i e kommunistischen Länder beim Aufbau der
neuen W i r t s c h a f t s o r d n u n g s p i e l e n werden, i s t es w i c h t i g , daß wir d i e Auswirkungen im Auge b e h a l t e n , d i e neue i n s t i t u t i o n e l l e V e r h ä l t n i s s e auf den O s t West-Handel haben werden. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden v e r s u c h e n , den m u l t i l a t e r a l e n W i r t s c h a f t s d i a l o g mit kommunistischen Ländern i n bestehenden Foren,
wie der ECE, und i n neuen Foren, wie der Europäischen S i c h e r h e i t s k o n f e r e n z ,

aus-

zuweiten.

Das

Kriterium unserer internationalen Wirtschaftspolitik

i s t das F r e i -

handelsmodell gewesen. Wir werden das g l e i c h e K r i t e r i u m i n zunehmendem Maße
für u n s e r e W i r t s c h a f t s p o l i t i k gegenüber den kommunistischen Ländern anwenden,
-

4 -

�anwenden, wie wir das gegenüber der ü b r i g e n Welt getan haben. Wenn w i r uns
kommunistischen H a n d e l s p a r t n e r n gegenüber nach dem Grundsatz der N i c h t d i s k r i minierung v e r h a l t e n , dann erwarten wir n a t ü r l i c h , daß s i e s i c h uns gegenüber
ebenso v e r h a l t e n .
Im Ost-West-Handel g i b t es s t r u k t u r e l l e Probleme, d i e im Handel u n t e r
M a r k t w i r t s c h a f t e n n i c h t vorhanden s i n d . Bei der Überbrückung d i e s e r Probleme
e r g i b t s i c h e i n e Rolle für d i e amerikanische Regierung. Wenn P r i v a t u n t e r nehmen mit Staatsmonopolunternehmen Handel t r e i b e n , dann ergeben s i c h für d i e
e r s t e r e n o f f e n s i c h t l i c h e Probleme, und d i e amerikanische Regierung wird etwas
t u n , um u n f a i r e V o r t e i l e abzubauen.
So wird d i e amerikanische Regierung b e i s p i e l s w e i s e i n wachsendem Maße
i h r e E i n s i c h t e n i n das K r e d i t g e b a r e n

kommunistischer S t a a t e n an P r i v a t f i r m e n

w e i t e r g e b e n . Bei e i n e r b a l d i g e n Normalisierung der Handelsbedingungen könnten
d i e amerikanischen Exporte nach den i n Frage kommenden Ländern i n fünf J a h r e n
an d i e zwei M i l l i a r d e n Dollar-Grenze herankommen. Dabei d ü r f t e gegenüber
d i e s e n Gebieten auch unser Exportüberschuß

anhalten.

Unsere B o t s c h a f t e r s i n d angewiesen, d i e Förderung des Handels an d i e
S p i t z e i h r e r P r i o r i t ä t e n zu s e t z e n . In Kürze wird s i c h d i e Zahl der B e d i e n s t e t e n des Außenministeriums, d i e auf w i r t s c h a f t l i c h e m Gebiet i n der UdSSR, O s t europa und China t ä t i g s i n d , v e r d o p p e l t haben. Das Handelsministerium i n
Washington h a t den mit der Förderung des Ost-West-Handels b e t r a u t e n Stab im
l e t z t e n J a h r v e r v i e l f a c h t , und das S t a t e Department s e l b s t nimmt i n Washington
e i n e R e o r g a n i s a t i o n v i r , um mit dem wachsenden A r b e i t s a n f a l l in Form von Verhandlungen und Unternehmensberatung f e r t i g zu werden.

Ein w i c h t i g e s Gebiet der H a n d e l s p o l i t i k g i b t es a l l e r d i n g s , über das zu
verhandeln w i r gegenwärtig n i c h t b e r e i t s i n d : unsere P o l i t i k der s t r a t e g i s c h e n
H a n d e l s k o n t r o l l e n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n h a l t e n s i c h an d i e Embargo-Liste,
d i e von dem I n t e r n a t i o n a l e n Koordinationsausschuß

(COCOM, wie e r gewöhnlich

genannt wird) g e f ü h r t und i n Abständen r e v i d i e r t w i r d . Dem Ausschuß gehören
d i e NATO-Länder und Japan an. Dieses s t r a t e g i s c h e K o n t r o l l s y s t e m i s t e i n wich-

5 -

�w i c h t i g e r B e s t a n d t e i l u n s e r e r P o l i t i k der gemeinsamen V e r t e i d i g u n g .
Der gesunde Menschenverstand g e b i e t e t , daß w i r an d i e s e n Vereinbarungen
festhalten,

daß wir jedoch auch f l e x i b e l genug s i n d , s i e an s i c h verändernde

Bedingungen anzupassen. Wir a r b e i t e n i n j ä h r l i c h e n Überprüfungen mit anderen
Nationen zusammen, und d i e s e Überprüfungen haben k ü r z l i c h zu e i n e r s t a r k e n
Kürzung der COCOM-Liste g e f ü h r t .

Darüber h i n a u s i s t d i e e i n s e i t i g e

amerika-

n i s c h e E x p o r t k o n t r o l l - L i s t e w e s e n t l i c h v e r k l e i n e r t worden, um s i e i n s t ä r k e r e
Übereinstimmung mit der COCOM-Liste zu b r i n g e n .
Ein S c h l ü s s e l zur w e i t e r e n Ausweitung des Ost-West-Handels i s t auf jeden
F a l l d i e F i n a n z p o l i t i k . Die kommunistischen Länder werden im nächsten J a h r zehnt N e t t o - I m p o r t e u r e von F i n a n z m i t t e l n s e i n . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden
a l s v o r a u s s i c h t l i c h führender H a n d e l s p a r t n e r und die g r ö ß t e Finanzmacht der
Welt e i n e w i c h t i g e Rolle b e i der F i n a n z i e r u n g des Ost-West-Handels

spielen.

So können d i e Zinsen und Kreditbedingungen der amerikanischen E x p o r t - I m p o r t Bank durchaus mit den Bedingungen der E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t e a n d e r e r w e s t l i c h e r
I n d u s t r i e l ä n d e r k o n k u r r i e r e n . Wir gehen davon a u s , daß E x p o r t - K r e d i t i n s t i t u t i o n e n der amerikanischen Regierung und der P r i v a t w i r t s c h a f t nach normalen
Geschäftsbedingungen a r b e i t e n . Bei K r e d i t e n t s c h e i d u n g e n müssen w i r t s c h a f t l i c h e
K r i t e r i e n an e r s t e r S t e l l e s t e h e n .

Zusammenfassend möchte i c h s a g e n , daß d i e amerikanische P o l i t i k

einfach

d a r i n b e s t e h t , den Handel mit kommunistischen Ländern i n e i n e r großzügigen und
umfassenden Art und Weise zu e r l e i c h t e r n und zu f ö r d e r n , d i e der F e s t i g u n g
des F r i e d e n s d i e n t .

- 6 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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18/1973

US-HANDELSDEFIZIT AUF NIEDRIGSTEM STAND SEIT 18 MONATEN
- Handelsminister warnt vor voreiligen Schlüssen

WASHINGTON -

(AD) - Das W a r e n h a n d e l s d e f i z i t

-

der Vereinigten Staaten h a t

im März d i e s e s J a h r e s m i t 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r s e i n e n n i e d r i g s t e n S t a n d
18 Monaten e r r e i c h t .

seit

So s e h r d i e s e E n t w i c k l u n g i n d e n USA b e g r ü ß t w i r d , s o

s e h r h a t doch d e r a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r F r e d e r i c k B. Dent i n e i n e r E r k l ä r u n g davor gewarnt, d i e s b e r e i t s a l s e i n e g e n e r e l l e , g a r schon auf d i e Abw e r t u n g d e s D o l l a r z u r ü c k z u f ü h r e n d e T e n d e n z a n z u s e h e n . Nach d e n Ende A p r i l
von s e i n e m M i n i s t e r i u m v e r ö f f e n t l i c h t e n

Zahlen i s t das H a n d e l s d e f i z i t

dramatisch

von 476 M i l l i o n e n D o l l a r im F e b r u a r a u f d i e g e n a n n t e n 5 3 M i l l i o n e n D o l l a r z u rückgegangen,

u n d auch d a s D e f i z i t

für das e r s t e Quartal

M i l l i o n e n D o l l a r n u r etwa d i e H ä l f t e
des

1973 b e t r ä g t m i t 8 3 3

des d u r c h s c h n i t t l i c h e n

Quartalsdefizits

Vorjahres.

Das a m e r i k a n i s c h e H a n d e l s m i n i s t e r i u m f ü h r t

diese günstige

Entwicklung

i n e r s t e r L i n i e a u f d i e h o h e n F l u g z e u g e x p o r t e im März s o w i e a u f d i e v e r s t ä r k t e n
A g r a r e x p o r t e zu h ö h e r e n P r e i s e n z u r ü c k .

Gerade das F l u g z e u g g e s c h ä f t

doch n i c h t a l s I n d i k a t o r f ü r e i n e n T r e n d a n g e s e h e n w e r d e n , d a s o l c h e

kann j e Geschäfts-

a b s c h l ü s s e von Monat z u Monat v ö l l i g v e r s c h i e d e n s e i n k ö n n e n . E i n w e s e n t l i c h e r
T e i l d e r Mehreinnahmen l ä ß t s i c h auch m i t dem s t a r k e n A n s t i e g d e r A g r a r p r e i s e
a u f Grund e r h ö h t e r N a c h f r a g e

und b e g r e n z t e m A n g e b o t

erklären.

Die E x p o r t e d e r USA s i n d im März d i e s e s J a h r e s um 315 M i l l i o n e n D o l l a r g e stiegen,

u n d d i e I m p o r t e s i n d um 109 M i l l i o n e n D o l l a r z u r ü c k g e g a n g e n . D e r

- 1-

�Der amerikanische Handelsminister bezeichnet das als eine "willkommene Entwicklung". "Es bleibt jedoch abzuwarten," so fügt er hinzu, "ob dieser Trend
in den kommenden Monaten anhalten wird." Die Entwicklung im März dürfte nicht
unbedingt dahingehend interpretiert werden, daß bereits eine anhaltende Verbesserung der amerikanischen Handelsposition im Gange sei.
Natürlich läßt man im amerikanischen Handelsministerium auch einen anderen
Faktor nicht ganz aus den Augen: Die zunehmende Wirtschaftstätigkeit in fast
der ganzen Welt, die zu einer verstärkten Nachfrage für amerikanische Industrieausrüstungen geführt hat.

Insgesamt sieht man in amtlichen Kreisen in Washington die Dinge keineswegs pessimistisch. Im ersten Quartal 1973 stiegen die amerikanischen Importe
um neun Prozent (hauptsächlich in Form von Automobilen aus Kanada, während die
Übersee-Importe praktisch unverändert blieben) und die Exporte um 15 Prozent.
Die Erträge der amerikanischen Auslandsinvestitionen - rund 7 Milliarden Dollar
im Jahr - gleichen in etwa die amerikanischen Regierungsausgaben im Ausland
aus. Neue Auslandsinvestitionen, Touristenausgaben usw. müssen also durch einen
Handelsüberschuß ausgeglichen werden. Dieser Handelsüberschuß muß entweder
durch eine Steigerung der Exporte oder durch eine Senkung der Importe erreicht
werden, wobei das letztere - gar noch mit Hilfe von Einfuhrkontrollen - in
Washington auf wenig Gegenliebe stößt.
Der Außenhandelsberater des Präsidenten, Peter Flanigan, hat darauf hingewiesen, daß von 1970 bis 1972 die Importe um 40 Prozent und die Exporte um
15 Prozent gestiegen sind. "Es gibt überhaupt keinen Grund, warum die Entwicklung nicht auch umgekehrt verlaufen kann", so betont Flanigan.

In amtlichen Kreisen in Washington wird man die Zahlen für das zweite
Quartal 1973 und die weitere Entwicklung auf jeden Fall mit großer Spannung
und Aufmerksamkeit erwarten,um zu sehen, ob sich die ermutigende Entwicklung
in der amerikanischen Handelsposition fortsetzen wird.

+ + + + +
- 2-

�</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

1

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

0 8 - 8 5 4 32

_

24. Mai 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Europa und das Atlantische Bündnis
-Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons-

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA begrüßen Einigung über Beteiligung und Verfahren für MBFRVerhandlungen

WIRTSCHAFT:

Eberle unterstreicht Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden Handelsverhandlungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

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T e I e x : 08 - 8 54 3 2

19/1973

EUROPA UND DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS

Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons -

Präsident Nixon hat am 3. Mai dem amerikanischen Kongreß und der Öffentlichkeit
seinen vierten Jahresbericht unter dem
Titel "DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
FÜR DIE SIEBZIGER JAHRE" unterbreitet,
der den Untertitel "DIE GESTALTUNG
EINES DAUERHAFTEN FRIEDENS" trägt.
Aus diesem insgesamt 232 Seiten starken
Bericht geben wir das Kapitel "EUROPA
UND DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS" im Wortlaut wieder.

Die Vereinigten Staaten haben immer wieder ihre Verpflichtung gegenüber der erfolgreichen transatlantischen Einheit mit unseren ältesten
und engsten Verbündeten erneuert. Ich habe diese Botschaft unmittelbar
nach meinem Amtsantritt im Jahre 1969 nach Europa gebracht. Sie ist ein
zentrales Element dieses Berichtes an den Kongreß, denn kein Aspekt der
amerikanischen Außenpolitik erfordert größere Aufmerksamkeit und Sorgfalt als unsere Beziehungen zu Westeuropa.

-1-

�Ich habe 1973 als das Jahr Europas bezeichnet, nicht weil wir Europa
in der Vergangenheit als weniger wichtig betrachtet hätten oder weil wir
glaubten, die Probleme der Atlantischen Gemeinschaft in einem einzigen Jahr
bewältigen zu können. Dies wird ein Jahr Europas sein, weil Änderungen des
internationalen Klimas, vor allem in Europa, neue Probleme aufwerfen und
neue Möglichkeiten aufzeigen.
Das Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa war ein
grundlegender Faktor der Nachkriegszeit. Es bot den erforderlichen Sicherheitsrahmen für das amerikanische Engagement in Europa und für die westliche Verteidigung. Es schuf das politische Vertrauen, das den Ländern Europas
die Wiedererholung von den Zerstörungen des Krieges ermöglichte. Es trug
zur Aussöhnung früherer Gegner bei, eine Voraussetzung für den Zusammenschluß Europas. Und es war das wichtigste Werkzeug, um die gemeinsame Politik ::u entwickeln, die in einer Zeit der Spannungen und der Konfrontationen
die Quelle der Stärke des Westens war.
Als das Bündnis geschaffen wurde, waren die Beziehungen zwischen den
Mächten, die wirtschaftlichen Faktoren und die politischen Gegebenheiten
völlig anders als heute: Die traditionellen Machtzentren in Europa wie auch
in Asien waren stark geschwächt und die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion waren mit ihrer wesentlich größeren Stärke und ihrem gestiegenen Einden
fluß zu den führen/Mächten gegnerischer Koalitionen in Europa geworden.
Westeuropa erwartete von Amerika Schutz und Führerschaft. Das Bündnis verließ sich auf die amerikanischen Vorschriften und gewöhnte sich daran,
die amerikanischen Lösungen für die wichtigen militärischen, politischen
und wirtschaftlichen Probleme gutzuheißen.
Als diese Administration ihr Amt antrat, hatte eine Zeit des Übergangs begonnen; neue, die Beziehungen Amerikas zu Europa berührende Entwicklungen, wurden bereits offenbar:
- Der

-2-

�- Der wirtschaftliche und politische Wiederaufstieg fiel mit immer
tieferen Spaltungen in der kommunistischen Welt zusammen. Die internationalen Beziehungen wurden nicht länger von der bipolaren Konfrontation der Nachkriegszeit beherrscht . Neben den Beziehungen des Bündnisses in Europa bestanden die immer mehr in Bewegung geratenen internationalen Beziehungen. Auf beiden Seiten des Atlantik mußte man
sich darüber im klaren sein,

daß ein neues Gleichgewicht der Kräfte

in der Welt unsere Einigkeit auf die Probe stellen würde.
- In Europa nahm die Gefahr eines Krieges in dem Maße ab, wie das militärische Vakuum durch die Stärke der atlantischen Koalition aufgefüllt wurde. Aber das veränderte strategische Klima schuf völlig neue
Abschreckungs-und Verteidigungsprobleme.
- Die von den sechs ursprünglichen Mitgliedern des Gemeinsamen Marktes
geschaffene europäische Einheit machte Europa zu einer gewaltigen
Wirtschaftsmacht. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, die
Großbritannien, Dänemark, Irland und noch andere europäische Länder umfassen soll, verlieh der wirtschaftlichen Integration eine neue politische Dimension.
Angesichts dieser Gegebenheiten mußten sich die Beziehungen Amerikas
zu dem neuen Europa ändern. In den drei grundlegenden Aspekten - wirtschaftlich, militärisch und politisch - mußten die transatlantischen Beziehungen
auf andere Prinzipien gegründet werden, die zu anderen Aktionsformen führten:
- Auf wirtschaftlichem Gebiet betonten die Mitglieder der Europäischen
Gemeinschaft einzeln und gemeinsam die regionale Autonomie, während
die Vereinigten Staaten weiterhin der Integrität eines offenen internationalen Systems verschrieben bleiben.
- Auf

-3-

�- Auf militärischem Gebiet bildete die Einheit den überragenden Faktor:
Die NATO-Verbündeten gingen nach dem Prinzip der integrierten Streitkräfte und der gemeinsamen strategischen Planung vor. Aber die
Streitkräfte, die zu dem Zeitpunkt designiert worden waren, als die
Vereinigten Staaten noch einen unbestrittenen strategischen Vorteil
besaßen, waren noch nicht der Realität eines fast ausgeglichenen
strategischen Gleichgewichts mit der Sowjetunion angepaßt worden.
- Auf politischem Gebiet verfolgten die westlichen Verbündeten gemeinsam
abstrakte Bntspannungsziele, aber wir hatten noch keine neuen Prinzipien entwickelt, um die nationalen Zielsetzungen mit den Forderungen nach einer einheitlichen Politik des Westens in Einklang zu
bringen.
Heute stehen Amerika und Europa vor der Aufgabe, eine besser durchdachte und lebensfähige Partnerschaft zu entwickeln, in der wir zusammenarbeiten:
- um ein neues und gerechteres internationales Wirtschaftssystem zu entwickeln, das den Europäern eine Festigung ihrer Einheit ermöglicht,
aber auch faire Bedingungen für die Vereinigten Staaten enthält, um
auf den Weltmärkten konkurrieren zu können;
- um eine starke Verteidigung mit den Streitkräften aufzubauen, die
notwendig sind, um

angesichts des nuklearen Gleichgewichts der sieb-

ziger Jahre eine realistische Strategie verfolgen zu können, während
wir gleichzeitig unsere gemeinsamen Verteidigungsverpflichtungen mit
einer gerechten Aufteilung der Lasten erfüllen;
- um für die Diplomatie einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, in dem sie
die grundlegenden Sicherheitsfragen - wie beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen - angesichts des neuen internationalen
Klimas in Angriff nehmen kann und die Erfordernisse der Einheit mit
denen der nationalen Interessen vereinbart.
In

-4-

�In den letzten vier Jahren haben wir Fortschritte in Richtung auf
diese Ziele gemacht. Die Fortschritte waren auf den Gebieten der Diplomatie
und der Verteidigung ausgeprägter, weil hier Konsultationen schon seit langem zur Gewohnheit geworden und die gemeinsamen Interessen leichter zu definieren waren. Grundlegende Probleme bestehen noch in den wirtschaftlichen
Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft. Die Europäer haben zwar begonnen,
eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu verfolgen, aber das Fehlen eines vergleichbaren Maßes an politischer Einheit erschwert die Lösung wirtschaftlicher Probleme mit den Vereinigten Staaten.

Atlantische Partnerschaft und europäische Einheit
Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit immer die Konzeption
eines vereinten Westeuropas unterstützt. Wir waren uns darüber im klaren, daß
mit einem solchen Europa schwerer umzugehen wäre, aber wir erwarteten vielfältige Vorteile. An die Stelle der verheerenden Rivalitäten der Vergangenheit würde Einigkeit treten. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas würde
gestärkt, und die potentiellen Beiträge Europas für die freie Welt würden
höher. Wir glaubten, daß letztlich ein fest zusammenhängendes Westeuropa den
Vereinigten Staaten viele Lasten abnehmen würde. Wir nahmen an, daß die Einheit nicht auf die wirtschaftliche Integration begrenzt sein würde, sondern
daß auch eine wesentliche politische Dimension zu ihr gehören würde. Wir
sind - vielleicht zu unkritisch - davon ausgegangen, daß unsere grundlegenden Interessen durch unsere lange Geschichte der Zusammenarbeit, durch unsere
gemeinsamen Kulturen und unsere politischen Übereinstimmungen gewährleistet
wären.
Die wirtschaftliche Dimension: Der Fortschritt auf das Ziel hin, das
wir so lange unterstützt haben,schuf tatsächlich eine neue Dimension in den
europäisch-amerikanischen Beziehungen. Auf dem Prinzip des relativ freien
Handels entwickelte sich beiderseitige Prosperität. In dem Maße jedoch, in
dem die Europäische Gemeinschaft gedieh, entwickelte sie Politiken zum Schutz

-5-

�Schutz ihrer eigenen Sonderinteressen. Darüber hinaus veranlaßte das wachsende wirtschaftliche Gewicht der Gemeinschaft andere Staaten, ihren Zugang zu
dem aufstrebenden Markt von über 250 Millionen Menschen zu schützen. Die Entstehung eines relativ geschlossenen Handelssystems innerhalb Europas, vor
allem auf dem Agrarsektor, und die Präferenzabkommen mit Drittländern traten
zu einer Zeit auf, da die Vereinigten Staaten an einer zunehmend ungünstigen
Zahlungsbilanz litten.
Auf dem Gebiet der Währungspolitik war die Europäische Gemeinschaft weitgehend von der Suche nach einem vernünftigen Weg zur inneren Währungsunion
in Anspruch genommen. Gleichzeitig hat die wachsende Stärke einiger ihrer
Volkswirtschaften - und die relative Schwäche anderer - diesen Fortschritt erschwert und den Willen und die Fähigkeit Europas eingeschränkt, sich wirksam
und zügig mit der fundamentalen Reform des Weltwährungssystems zu befassen.
Die Europäer haben also einen wirtschaftlichen Regionalismus verfolgt,
aber sie wollen, daß der amerikanische Schutz in der Verteidigung und die unverminderte politische Verpflichtung Amerikas gewahrt bleibt. Dies wirft eine
fundamentale Frage auf: Kann das Prinzip der atlantisch en Einheit in der Verteidigung und Sicherheit mit der zunehmend regionalen Wirtschaftspolitik der
Europäischen Gemeinschaft in Einklang gebracht werden?
Wir sahen uns auch bei der Neudefinierung unserer Beziehungen zu dem anderen nordamerikanischen Mitglied des atlantischen Bündnisses - Kanada - vor
schweren Aufgaben. Unser Nachbar im Norden hat seine Position in der Welt
einer Neuorientierung unterzogen, wie auch wir einen neuen eigenen Standpunkt
bezogen haben. Eine freimütige Überprüfung unserer jeweiligen Interessen hat
einige neue Probleme in den Vordergrund treten lassen, vor allem in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Als ich im April 1972
Ottawa besuchte, bekräftigte ich mit Ministerpräsident Trudeau unsere gemeinsame Überzeugung, daß reife Partner eine autonome, unabhängige Politik verfolgen müßten, und sondierte mit ihm die Frage, wie wir unter Respektierung des

-6-

�des Rechtes Kanadas auf Wahrung seiner eigenen Identität und auf Festlegung
seines eigenen Wirtschaftskurses zusammenarbeiten könnten.
Eine umfassende Schau: Wir stehen also vor einer neuen Situation. Es
sind Elemente eines wirtschaftlichen Konfliktes vorhanden, und es hat an
der Richtungweisung gefehlt. Hier geht es um konkrete wirtschaftliche Fragen
und nicht um abstrakte Prinzipien. Aber wenn die wirtschaftlichen Fragen
völlig isoliert oder unter rein technischen Gesichtspunkten angepackt werden, dann wird jede Partei versuchen,ihre eigenen engen kommerziellen Interessen zu schützen. Das Ergebnis wird ein toter Punkt sein - mit der Aussicht
eines ständigen Konfliktes.
Die überragende Aufgabe ist die Entwicklung eines breiteren politischen
Blickwinkels für die Behandlung dieser wirtschaftlichen Fragen - einer Perspektive, die eine Angleichung der Differenzen um der größeren Ziele willen
fördert. Jeder Partner wird ein gewisses Maß an individueller oder regionaler Autonomie der Verfolgung gemeinsamer Ziele unterordnen müssen. Nur wenn
wir Interessen verfolgen, die über regionale Wirtschaftserwägungen hinausgehen, können unvermeidliche tote Punkte überwunden werden.
Wir haben damit begonnen, in einen umfassenden europäisch-amerikanischen Dialog einzutreten. Ein wichtiger erster Schritt war die europäische
Entscheidung über Art und Umfang der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.
Im Oktober vorigen Jahres trafen sich die Führer der Europäischen Gemeinschaft, um ihren langfristigen Kurs abzustecken. Die Grundrichtung umriß
Staatspräsident Pompidou mit den Worten:
"Unsere Verbindungen mit diesem großen Land, der ersten Wirtschaftsmacht, mit der acht unserer Staaten im Rahmen des atlantischen Bündnisses vereint sind, sind so eng, daß die Vorstellung eines Europas,
das in Opposition zu ihm stünde, absurd wäre. Aber gerade diese engen
Verbindungen erfordern, daß Europa seine eigene individuelle Persönlichkeit gegenüber den Vereinigten Staaten bekräftigt. Westeuropa, das
dank des entscheidenden Beitrages der amerikanischen Soldaten von

-7-

�von Armeen befreit wurde, das mit amerikanischer Hilfe wiederaufgebaut wurde, für dessen Sicherheit im Bündnis mit Amerika gesorgt wird
und das bisher die amerikanische Währung als Hauptelement seiner Währungsreserven akzeptiert hat, darf und kann nicht seine Verbindungen
mit den Vereinigten Staaten abbrechen. Aber genau so darf es auch nicht
darauf verzichten, seine Existenz als eine neue Realität zu bekräftigen."
Dies war eine Aufforderung, mit dem komplexen Prozeß der Neudefinition
unserer grundlegenden Partnerschaft zu beginnen - ein Ziel, das wir 1969
gesetzt hatten. Dementsprechend unterstützte ich am 27. Oktober mit allem
Nachdruck die Erklärung der Europäischen Gemeinschaft:
"Es ist - und war immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte
in Richtung auf ein vereintes Europa den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten

und Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem konstruktiven, aufgeschlossenen Dialog zu bleiben.... Ich möchte erneut unsere
Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft in einer Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten,
und zwar in einer Weise, durch die eine Freiheit des Welthandels, eine
neue Fairness im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir
werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen
für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen."
Die Basis für umfassende Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern ist jetzt gelegt. Praktisch begannen diese Verhandlungen bereits mit
meinen Zusammenkünften mit Premierminister Heath. NATO-Generalsekretär Luns,

-8-

�Luns, Ministerpräsident Andreotti und Bundeskanzler Brandt. Sie werden fortgesetzt werden, wenn ich mit Staatspräsident Pompidou zusammentreffe und
wenn ich später in diesem Jahr Europa besuchen werde.
Die Fragen, denen wir uns gegenübersehen, sind nicht abstrakt. Es geht
nicht um die europäische Einheit. Es geht auch nicht um die Bedingungen gemeinsamer Innen-und Außenpolitik, die diese Einheit stärken. Uns geht es
vielmehr darum, konkrete Probleme zu prüfen, die sich auf die spezifischen
Interessen der Vereinigten Staaten auswirken, und Übereinstimmung über einen
umfassenden Weg zur Lösung dieser Fragen zu erzielen.
Im Herbst dieses Jahres werden wichtige Verhandlungen über den internationalen Handel beginnen. Unser Grundziel ist es, die Integrität eines
offeneren Handelssystems wiederherzustellen, das das tragende Prinzip des
Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) war, sowie dem Abtreiben in
einen wirtschaftlichen Protektionismus auf beiden Seiten des Atlantik Einhalt zu gebieten. Wir sind der Ansicht, daß Zölle und andere Handelsschranken sowohl bei industriellen als auch bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen
Schritt für Schritt abgebaut werden müssen. Wir sind ferner der Ansicht, daß
die nachteiligen Auswirkungen der Präferenzhandelsabkommen zwischen Europa
und den Entwicklungsländern beseitigt werden müssen. Solche Abmachungen dürfen nicht die Fähigkeit der Vereinigten Staaten oder anderer Länder beeinträchtigen, auf den europäischen Märkten oder auf den Märkten solcher Länder, mit denen sie besondere Handelsvereinbarungen haben, zu konkurrieren.
Diese und zahlreiche umfassendere Probleme,die in dem Kapitel Internationale Wirtschaftspolitik dieses Berichtes erörtert werden, erfordern
tiefgreifende Reformen. Die Verhandlungen werden langwierig und schwierig
sein. Wenn wir jedoch an unsere wirtschaftlichen Meinungsverschiedenheiten
in dem gleichen Geiste der Partnerschaft herangehen können, wie er sich
auf dem Gebiet der Verteidigung entwickelt hat, dann können wir die atlantische Einheit stärken.
Die

-9-

�Die Verteidigung des Bündnisses
Im April 1969 bestand das nordatlantische Bündnis zwanzig Jahre. Zwei
Jahrzehnte lang waren die Nationen der Atlantischen Gemeinschaft in einer
mächtigen Koalition vereint gewesen. Kein militärisches Bündnis der modernen
Zeit hat so erfolgreich den Frieden gewahrt. In militärischen Fragen kam die
Einheit ganz natürlich zustande, da die Bedrohung Europas eindeutig war, die
Notwendigkeit, ihr zu begegnen, allgemein anerkannt wurde und die grundlegende Strategie der nuklearen Vergeltung glaubwürdig und wirksam war.
Mitte der sechziger Jahre wurde es jedoch immer deutlicher, daß sich
die militärischen Verhältnisse verändert hatten und daß frühere strategische
Vorstellungen nicht mehr realistisch waren. Auf der Konferenz der NATO-Aussenminister im April 1969 unterstrich ich die Notwendigkeit, die militärische Position des Bündnisses angesichts der strategischen und politischen
Verhältnisse der siebziger Jahre zu überprüfen. Bestimmte Faktoren waren
oberstes Anliegen:
- Der Westen hatte nicht mehr das nukleare Übergewicht, das er einst
besaß. Die Sowjetunion verstärkte ihre strategischen Streitkräfte ganz
beträchtlich; die Vereinigten Staaten hatten ihre Aufbauprogramme zugunsten qualitativer Verbesserungen eingestellt. Strategische Rüstungsgespräche mußten im Falle ihres Erfolges fast mit Sicherheit ein
praktisches Gleichgewicht kodifizieren.
- In Erwartung dieses neuen strategischen Gleichgewichtes hatten die
Verbündeten ganz richtig eine Doktrin der abgestuften Antwort
(flexible response) entwickelt, um Bedrohungen mit anderen Mitteln als
einer sofortigen und massiven nuklearen Vergeltung begegnen zu können.
- In einer Situation, in der nahezu eine strategische Parität besteht,
kommt der Fähigkeit, Westeuropa mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu können, eine weitaus größere Bedeutung zu als in den
fünfziger Jahren, als der Westen sich auf Grund der nuklearen Garantie Amerikas vorübergehende Schwächen leisten konnte.
Unter
-10-

�Unter solchen Umständen stand das tatsächliche Verhalten des Bündnisses nicht mehr mit den Folgerungen,die sich aus dem strategischen Gleichgewicht ergeben, in Einklang:
- Trotz Einführung der neuen Doktrin blieben Zusammensetzung, Stärke
und Bewaffnung der NATO-Streitkräfte praktisch unverändert. Ja, nach
der Redislozierung der Amerikaner im Jahre 1968 sowie den vorangegangenen Truppenreduzierungen war die Stärke der NATO-Streitkräfte
zurückgegangen.
- Andererseits wurden die sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa neu
ausgerüstet und modernisiert. Nach der Invasion der Tschechoslowakei
erhöhte sich die vorgeschobene Dislozierung sowjetischer Truppen um
mehrere Divisionen. Inzwischen hatten die Vereinigten Staaten einundeindrittel Divisionen abgezogen.
- Die Verteidigungsausgaben im NATO-Bereich nahmen gemessen an realer
Kaufkraft von 1964 bis 1969 ständig ab.
- Die Verteilung der Verteidigungskosten hatte sich verlagert. Die Personalausgaben machten einen immer größeren Teil der Aufwendungen aus,
während die Beschaffungskäufe zurückgingen.
- Es gab kein Übereinkommen zwischen den Verbündeten über eine gemeinsame Norm für die Bevorratung wichtiger Munitionsarten. Wenn einige
Länder den Kampf nur einige wenige Tage durchhalten konnten, dann
war es ganz offensichtlich unerheblich, daß andere über Bestände für
einen weit größeren Zeitraum verfügten.
- Es bestand Übereinstimmung hinsichtlich der Bedeutung der konventionellen Verteidigung, aber man zögerte, vor allem in Europa, dem
nichtnuklearen Potential Vorrang einzuräumen. Europa befürchtete, daß
dies eine Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit nuklearer Abschreckung
mit sich bringen würde.
Darüber

-11-

�Darüber hinaus war man in den Vereinigten Staaten über unsere hohen
Verpflichtungen gegenüber dem Bündnis an Truppenstärke und Ausgaben besorgt.
Ständig fragten Kritiker, warum die Vereinigten Staaten nicht ihre Streitkräfte in Europa reduzieren könnten. Weiter nahm die Meinung zu, daß unsere
Truppendislozierung in Europa eine bereits negative Zahlungsbilanz nur noch
weiter verschlechtern würde.
Dieses Klima der Jahre 1969/70 veranlaßte mich, auf einer umfassenden
Überprüfung nicht nur der amerikanischen Verpflichtungen, sondern auch der
Politik des Bündnisses zu bestehen. Es führte zu nichts, lediglich darüber
zu diskutieren, ob die Vereinigten Staaten ihre Truppen um diese oder jene
Zahl reduzieren sollten. Die eigentliche Frage war, ob diese Truppen ein
Instrument einer vereinbarten und vernünftigen Strategie bildeten, ob ihre
Präsenz einen wesentlichen Unterschied ausmachte, und ob die Last dieser
Verpflichtungen gerecht aufgeteilt war.
Während der Jahre 1969 und 1970 haben die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten eine eingehende Überprüfung ihrer Verteidigungspolitik vorgenommen. Die Hauptergebnisse, die im Dezember 1970 bekanntgegeben wurden,
waren bedeutsam:
- Alle stimmten darin überein, daß der Trend zu ständig zurückgehenden
Potentialen in sein Gegenteil verkehrt und ein miteinander abgestimmtes, langfristiges Programm zur Verbesserung der vorhandenen
konventionellen Streitkräfte angenommen werden müsse.
- Die europäischen Verbündeten erklärten sich zu einem besonderen
FünfJahresprogramm bereit, um ihre eigenen Streitkräfte durch höhere
Ausgaben für die Ausrüstung zu verbessern und zu modernisieren.
- Das Bündnis kam zu dem Schluß, daß eine Zusage beträchtlicher amerikanischer Truppenverbände für die Verteidigung Westeuropas unerläßlich sei.
-Wir

-12-

�- Wir wiederum bekräftigten unsere Zusage, unsere eigenen Truppen in
Europa zu belassen und ihre Kampfkraft zu steigern, vorausgesetzt,
daß von Seiten unserer Verbündeten ähnliche Anstrengungen unternommen
werden.
Streitkräfteverbesserung: Unsere europäischen Verbündeten haben ihre
Verteidigungsausgaben sowohl 1971 als auch 1972 erhöht. Selbst bei Berücksichtigung des Preisauftriebs betrug die Nettoerhöhung drei bis vier Prozent. Seit 1970 haben sie in jedem Jahr über das Programm zur Verbesserung
der Europäischen Verteidigung (EDIP) eine weitere Milliarde Dollar bereitgestellt. Die Erhöhung ihrer Verteidigungsetats betrug 1972 über eine
Milliarde Dollar und im Dezember vorigen Jahres haben die europäischen Verteidigungsminister bekanntgegeben, daß sich ihre zusätzlichen Beiträge 1973
auf insgesamt 1,5 Milliarden Dollar stellen werden. Seit 1970 haben die
europäischen Verbündeten ihre Ausgaben für Ausrüstungen um 1,4 Milliarden
Dollar erhöht. In den Jahren 1971 und 1972 beschafften sie 1100 Kampfpanzer,
700 Panzerabwehrwaffen und 400 moderne Kampfflugzeuge sowie auch andere
Ausrüstungen. Dies war eine eindrucksvolle Reaktion in einer Zeit steigender Kosten und wachsender Anforderungen für innenpolitische Programme.
Aufteilung der Verteidigungslasten: Die Verbesserung der europäischen
Streitkräfte ist der wichtigste Aspekt der Aufteilung der Verteidigungslasten. Da nahezu alle europäischen Verteidigungsausgaben in direktem Zusammenhang mit der NATO erfolgen, bedeuten die erhöhten europäischen Anstrengungen in der Praxis, daß der amerikanische Anteil zurückgegangen ist. Das
ist eine geeignete Lösung, da die Vereinigten Staaten Streitkräfte zur Erfüllung ihrer weltweiten Verpflichtungen unterhalten und daher einen weitaus höhe ren Anteil ihres Bruttosozialproduktes für die Verteidigung ansetzen als die Europäer.
Ein anderer Aspekt der Verteidigungslasten ist jedoch noch nicht zufriedenstellend gelöst worden. Unsere Situation ist insofern wohl einmalig, als
unsere Truppendislozierung in Europa wesentlich zu unserem allgemeinen

-13-

�Zahlungsbilanzdefizit beiträgt. Im Jahre 1972 gaben die Vereinigten Staaten
rund 2,1 Milliarden Dollar in anderen NATO-Ländern für unsere Truppendislozierung innerhalb der NATO aus. Unter Berücksichtigung der militärischen
Ausgaben der NATO in den Vereinigten Staaten, vor allem für Ausrüstung und
Ausbildung, stellte sich unser militärisches Nettodefizit auf rund 1,5 Milliarden Dollar. Dieses Nettodefizit ist seit 1970 gestiegen und wird aus
einer Vielzahl von Gründen, darunter auch die Dollarabwertung, weiterhin
steigen.
In den vergangenen Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland einen
großen Teil dieses Defizits, vor allem durch Kauf militärischer Ausrüstung
in den Vereinigten Staaten, ausgeglichen. Im Rahmen des derzeitigen Abkommens für die Jahre 1972-1973 hat die deutsche Regierung ferner zu den Kosten
der Renovierung der Unterkünfte für die amerikanischen Streitkräfte in
Deutschland beigetragen.

Trotzdem sollte sich das Bündnis in seiner Gesamtheit mit diesem Problem
befassen. Wir sollten prinzipiell zu einer dauerhaften Lösung kommen, in deren Rahmen die Auswirkungen der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa auf die Zahlungsbilanz nicht wesentlich anders sind, als wenn die gleichen Streitkräfte in den Vereinigten Staaten stationiert wären. Man darf
wohl annehmen, daß das Bündnis dieses Problem in diesem Jahr prüfen wird.
Wenn die sich periodisch immer wieder ergebende Notwendigkeit entfiele, ein
zeitlich befristetes Abkommen mit nur einem Verbündeten neu auszuhandeln,
dann würde dies die Solidarität des Bündnisses insgesamt stärken.
Die Rolle der amerikanischen Streitkräfte: Die von unseren Verbündeten
seit 1970 unternommenen Anstrengungen bildeten die Grundlage meiner Zusage,
unsere NATO-Verpflichtungen weiterhin einzuhalten. Auf der Tagung des NATORates im Dezember vorigen Jahres bekräftigte ich meinen Standpunkt:
"Angesichts des gegenwärtigen strategischen Gleichgewichts und der
entsprechenden Anstrengungen unserer Verbündeten werden wir nicht nur
unsere Streitkräfte in Europa belassen, sondern sie verbessern und sie

-14-

�sie nicht verringern, es sei denn unsere Gegner ergreifen entsprechende Maßnahmen."
Diese feierliche Zusage beruht auf der grundlegenden Auffassung, die
heute noch ebenso gültig ist wie jemals seit dem zweiten Weltkrieg, daß
nämlich die Sicherheit Westeuropas untrennbar von der unsrigen ist.
Die Situation in diesem Jahrzehnt macht es erforderlich, daß die Vereinigten Staaten beträchtliche Streitkräfte in Europa aufrechterhalten.
Angesichts einer annähernden strategischen Parität wird es immer wichtiger,
daß ein starkes Potential für die Verteidigung durch nichtnukleare Streitkräfte vorhanden ist;

die Vereinigten Staaten stellen etwa ein Viertel der

NATO-Streitkräfte in dem entscheidend wichtigen mitteleuropäischen Raum, wobei der prozentuale Anteil der Streitkräfte unserer Verbündeten im gesamten
europäischen NATO-Gebiet allerdings weitaus höher liegt.
Das Kräfteverhältnis der konventionellen Streitkräfte im Herzen Europas
würde durch den einseitigen Abzug einer beträchtlichen Zahl amerikanischer
Truppen stark verschoben werden. Wenn unsere Truppenreduzierungen nicht voll
durch europäische Streitkräfte ausgeglichen würden, dann würde die Abschrekkung geschwächt werden. Im Falle von Feindseligkeiten könnte eine schwächere konventionelle Verteidigung das Bündnis vor die Wahl stellen, entweder
zu kapitulieren oder sofort Nuklearwaffen einzusetzen.
Die Zusammenarbeit innerhalb Europas auf dem Gebiet der Verteidigung
könnte auf lange Sicht eine Alternative zu dem amerikanischen Truppenbeitrag darstellen. Aber die Voraussetzung für eine solche Alternative ist
ein weitaus größeres Maß an politischer Einheit in Europa. Und selbst wenn
eine solche Einheit entsteht, so ist es unwahrscheinlich, daß die Europäer
gegenüber der riesigen nuklearen Macht der Sowjetunion allein ein strategisches Gleichgewicht aufrechterhalten können.
Kurz gesagt, ein Herauslösen unserer Streitkräfte würde das Risiko einer
ernsten Instabilität in Europa, der Folgen eines wesentlich stärkeren sowjetischen Einflusses und der gefährlichen Auswirkungen einer stärkeren Ab-

-15-

�Abhängigkeit von Nuklearwaffen heraufbeschwören. Wenn wir und unsere Verbündeten hingegen unsere Stärke aufrechterhalten, dann können wir dadurch zur
politischen Stabilität beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines Krieges verringern und eine glaubwürdige Diplomatie bei den Verhandlungen über einen
beiderseitigen Abbau der Streitkräfte betreiben.
Wir können nicht in ernsthafte Verhandlungen eintreten, wenn wir und
unsere Verbündeten gleich zu Beginn eine Schwächung unserer Position zulassen. Ich habe die Absicht, weiterhin einen wirksamen militärischen Beitrag
der USA zum Bündnis zu leisten und Verhandlungen zu führen, die zu einem
tragbaren Gleichgewicht führen, bei dem die Anreize für einen Angriff wirksam beseitigt sind.
Unerledigte Aufgaben: In den letzten vier Jahren hat das Bündnis einige
grundlegende Schwächen festgestellt und Übereinstimmung über deren Beseitigung erzielt. In den Jahren 1971 und 1972 haben wir gemeinsame Anstrengungen
zur Verbesserung unserer Streitkräfte unternommen. Dem unmittelbarer

und

in vieler Hinsicht wohl vordringlichsten Problem haben wir uns gestej.lt.
Wir können nunmehr systematisch einige der längerfristigen Probleme untersuchen:
- Ende der siebziger Jahre werden sich alle Verbündeten vor riesige Ausgaben für die Wartung noch modernerer Ausrüstungen für noch höhere
Personalkosten und für die Aufrechterhaltung eines hohen Maßes an Einsatzbereitschaft gestellt sehen, während die Wehrpflicht abgeschafft
oder die Dienstzeit verkürzt sein dürften.
- Unter diesen umständen ist es unerläßlich, daß wir genauer definieren,
was wir unter einer ausreichenden NATO-Verteidigung verstehen. Was
verstehen wir vor allem unter Vorne-Verteidigung? Sollten wir unsere
Planungen auf maximale Anstrengungen während der ersten Zeit eines
Einsatzes abstellen? Sollten wir unsere Planungen auf anhaltende Anstrengungen über einen längeren Zeitraum hinweg abstellen? Und wenn,
mit welcher Zielsetzung? Können wir die logistische Unterstützung

-16-

�Unterstützung für eine anhaltende Verteidigung aufrechterhalten?
-

Auch wenn wir den von uns angestrebten hohen Stand an konventioneller
Verteidigung aufrechterhalten können, müssen wir immer noch unsere
nukleare Konzeption überprüfen. Wann, in welcher Weise und zu welchem
Zweck sollten wir taktische Nuklearwaffen einsetzen? Wie werden unabhängige nationale Nuklearstreitkräfte Entscheidungen des Bündnisses
beeinflussen? Brauchen wir andere Institutionen, um innerhalb des
Bündnisses solche Kernprobleme zu prüfen?
Wie ist das Verhältnis zwischen bestehenden und geplanten Verteidigungsprogrammen einerseits und den diplomatischen Bemühungen um einen Abbau der Streitkräfte andererseits?
Die Antworten auf diese Fragen sind für die Politik des Bündnisses in

den siebziger Jahren von entscheidender Bedeutung. Sie erfordern eine dringende, aber sorgfältige Prüfung. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht,
daß eine starke konventionelle Verteidigung für eine glaubwürdige Abschrekkung unerläßlich ist und daß das Bündnis auch über eine glaubwürdige nukleare
Abschreckung verfügen muß. Im Hinblick auf die strategischen Gegebenheiten
dieses Jahrzehnts müssen diese Fragen jedoch erneut überprüft und muß der
Beitrag jedes einzelnen Verbündeten auf lange Sicht festgelegt werden.
Vor allem die Aussicht auf beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa wirft für das Bündnis einige unmittelbare Fragen auf.
Beiderseitige Truppenreduzierungen sind in erster Linie ein militärisches
Problem; jede Reduzierung muß im einzelnen im Hinblick auf ihre Auswirkungen
auf unser Verteidigungspotential abgewogen werden. Wir brauchen daher eine
gemeinsame Sicherheitskonzeption, in deren Rahmen wir Reduzierungen erwägen
können. Wenn wir Truppenreduzierungen als Teil einer politischen Anpassung
oder als Mittel zur Förderung einer Entspannung rechtfertigen, dann wird
das Bündnis in eine endlose Debatte darüber verwickelt werden, welches Maß
an Reduzierung zu welchem Ausmaß an politischer Entspannung führen wird.
In

-17-

�In einer solchen Debatte wäre es nahezu unmöglich, eine Antwort zu finden,
die jeden zufriedenstellt und die die Sicherheit nicht untergräbt.
Unser Ziel sollte es sein, ein militärisches Gleichgewicht zu schaffen,
das stabiler ist, weil es auf die Anliegen beider Seiten eingeht und von
allen als im gemeinsamen Interesse liegend angesehen wird. Wir wollen ein
größeres Maß an Stabilität, bei dem keine Seite auf Grund des niedrigeren
Truppenstandes einen Vorteil erlangt.
Das Bündnis sollte daher parallel auf drei Wegen vorgehen: Es sollte
erstens die Anstrengungen fortsetzen, um unsere Streitkräfte auf die Stärke
und den Stand zu bringen, den die Strategie der abgestuften Antwort (flexible
response) erfordert. Es sollte zweitens die strategischen Optionen prüfen,
die sich aus einer nuklearen Verteidigung - falls diese erforderlich werden
sollte - ergeben. Und es sollte drittens innerhalb des Bündnisses einen militärisch-politischen Rahmen schaffen, der Verteidigungsplanung

und Diploma-

tie der Verhandlung über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
miteinander integriert.
Die Diplomatie des Bündnisses: Während des größten Teils der sechziger
Jahre war es kein allzu großes Problem, Einheit der Verbündeten und nationale
Diplomatie aufeinander abzustimmen. Die Ost-West-Beziehungen waren praktisch
eingefroren. Die Konfrontation stellte weniger Anforderungen an die schöpferische Initiative, sondern die Hauptsache war die Einigkeit der Verbündeten.
Dieser feste Zusammenhalt und die Stärke des Bündnisses trugen zu den
Veränderungen der internationalen Bedingungen bei, die wiederum neue Möglichkeiten für die Diplomatie des Bündnisses im Jahre 1969 boten. Aber es ergaben sich auch bedeutsame politische Probleme.
- Die internationale Diplomatie wird noch immer durch Nationalstaaten
geführt. Die europäischen Mitglieder der NATO haben regionale Sicherheitsinteressen, denen sie Vorrang einräumen müssen, und jeder

-18-

�jeder Verbündete hat ein nationales Interesse an der europäischen
Sicherheit. In zunehmendem Maße haben einzelne europäische Staaten
in den letzten Jahren jedoch ihre bilateralen Beziehungen zur Sowjetunion wie auch zu anderen Mitgliedern des Warschauer Paktes wahrgenommen.
- Die Vereinigten Staaten haben lebenswichtige Interessen außerhalb Europas und müssen bilateral mit der Sowjetunion über strategische Fragen
sowie über zahlreiche globale Probleme verhandeln. Jedes Mitglied der
NATO hat jedoch ein Interesse an der Entwicklung der amerikanischsowjetischen Beziehungen und wird durch sie berührt; unsere Verbündeten möchten unsere Beziehungen zur Sowjetunion beeinflussen, um ihre
eigene Sicherheit zu stärken. Zeitweilig haben unsere Verbündeten die
Vereinigten Staaten gedrängt, in ihrer Haltung gegenüber der Sowjetunion flexibler zu sein; zu anderen Zeiten wiederum haben sie uns kritisiert, daß wir in unseren Beziehungen zu Moskau zu schnell handelten
oder zu weit gingen.
Im Jahre 1969 waren die NATO-Verbündeten überzeugt, daß neue Initiativen notwendig waren, doch waren sie sich angesichts der Invasion der
Tschechoslowakei nicht sicher, ob sie die Kontakte zum Osten erneuern sollten. Einige Verbündete betrachteten eine europäische Sicherheitskonferenz
als einen möglichen Ausgangspunkt; andere forderten Verhandlungen über einen
Truppenabbau. Die Vereinigten Staaten waren zu Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen bereit. Wenn wir uns nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten, dann war kein wesentlicher Fortschritt zu erwarten, der nicht unsere Einheit schweren Belastungen unterworfen hätte.
Daher habe ich das Bündnis im April 1969 aufgefordert, den Prozeß enger Konsultationen neu zu beleben, und für die Vereinigten Staaten die Verpflichtung
übernommen, das Bündnis laufend über SALT zu unterrichten. Die Konsultationen
würden sich mit bestimmten allgemeinen Aufgaben befassen.
Erstens

-19-

�Erstens mußten wir die spezifischen Ursachen der Spannungen identifizieren, die es zu beseitigen galt.
Zweitens mußten wir uns darüber einigen, wie die Prioritäten und die
Zusammenhänge zwischen den Hauptfragen zu behandeln seien: diejenigen, die
für ein Land, zum Beispiel für die Ostpolitik der Bundesrepublik, ein
Hauptanliegen waren; diejenigen, die ein regionales Anliegen bildeten, wie
zum Beispiel die beiderseitigen Truppenreduzierungen und eine europäische
Sicherheitskonferenz, und diejenigen, die, wie SALT, ein internationales
Anliegen darstellten.
Drittens mußten wir uns darüber klarwerden, daß einzelne Fragen von
verschiedenen Ländern in verschiedenen Gremien behandelt werden würden. Eine
solche Vielfalt erforderte unbedingt eine Harmonisierung der Zielsetzungen
wie auch ein gewisses Maß an nationaler Autonomie.
Erste Fortschritte: Die Vereinigten Staaten drängten darauf, daß das
Bündnis als einen ersten wesentlichen Schritt die Initiative hinsichtlich
des Vorschlages von Berlin-Verhandlungen ergreife. Berlin bot sich aus verschiedenen Gründen als ein logischer Ausgangspunkt an. Es war eine Ursache
ständig wiederkehrender Konfrontationen. Wenn die Sowjetunion es so wollte,
so konnte sie ständig die Verletzbarkeit der Zugangsstraßen nach Westberlin
durch Ostdeutschland hindurch ins Spiel bringen, um Druck auf Westdeutschland und die drei Westmächte auszuüben. Andererseits gab es keine objektiven Gründe, warum die Sowjetunion keine praktischen Verbesserungen des
Reiseverkehrs nach Berlin zulassen sollte, wenn sie, wie Moskau behauptete,
ein ernsthaftes Interesse an einem Abbau der Spannungen in Europa hatte.
Wenn wir uns in dieser spezifischen Frage nicht einig werden konnten, dann
bestanden nur geringe Aussichten auf eine Lösung umfassenderer Sicherheitsfragen.
Die Berlin-Verhandlungen boten also eine erste Möglichkeit, um herauszufinden, ob die Ost-West-Beziehungen aus der Erstarrung des kalten Krieges
herausgebracht werden konnten. Darüber hinaus hatte die Bundesrepublik
Deutschland eine Ostpolitik eingeleitet, um ihre Beziehungen zur Sowjetunion zu normalisieren. Und schließlich wurde die Ratifikation des Vertra-20-

�Vertrages der Bundesrepublik Deutschland mit der Sowjetunion vom August 1970
von dem Erfolg der Berlin-Verhandlungen abhängig, die von den Vereinigten
Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion geführt wurden.
Im September 1971 wurde der erste Teil des Berlin-Abkommens abgeschlossen. Die Sowjetunion garantierte den unbehinderten Verkehr zwischen Westdeutschland und Westberlin, ohne daß die Rechte und Pflichten der Westmächte
in Berlin berührt wurden. Das Abkommen sah anschließende Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Westberliner Senat und Ostdeutschland über die Modalitäten des Zugangs nach Berlin sowie des Verkehrs von
Westberlin nach Ostberlin und nach Ostdeutschland vor. Im Zuge meines Treffens mit den sowjetischen Führern im Mai 1972 wurde vereinbart, daß das
Schlußprotokoll, durch das alle Teile des Berlin-Abkommens in Kraft gesetzt
wurden, am 3. Juni 1972 unterzeichnet werden sollte. Die Bundesregierung
setzte die Verträge mit der Sowjetunion und Polen nach deren parlamentarischer Billigung in Kraft, wodurch der Weg für sie frei wurde, einen Grundvertrag über die Regelung der Beziehungen zu Ostdeutschland auszuhandeln.
Gerade die letzten vier Jahre sind eine Zeit aktiver europäischer und
internationaler Diplomatie gewesen. Über das Berlin-Abkommen und die deutschen Verträge hinaus hat sich Frankreich bereit erklärt, einer Reihe von
Prinzipien für politische Konsultationen mit der Sowjetunion zuzustimmen.
Kanada erklärte sich während des Besuches von Ministerpräsident Kossygin zu
einer ähnlichen Vereinbarung bereit. Die Bundesrepublik und Italien handelten langfristige Wirtschaftsabkommen mit der Sowjetunion aus. Es fanden
mehrere Gipfeltreffen zwischen sowjetischen und westeuropäischen Staatsmännern statt. Und die Vereinigten Staaten vereinbarten mit der Sowjetunion
Begrenzungen der strategischen Rüstungen, Maßnahmen für eine bilaterale Zusammenarbeit sowie einige grundlegende Prinzipien für unsere Beziehungen.
Alles in allem haben die Verbündeten ihre nationale Diplomatie in einem
Rahmen der Einheit intensiviert. Aber gerade die Erfolge der letzten vier
Jahre haben einige neue Probleme geschaffen. Jedes der europäischen Länder

-21-

�Länder möchte die Entwicklung seiner eigenen bilateralen wirtschaftlichen
und politischen Beziehungen zur Sowjetunion und zu Osteuropa fortsetzen.
Die Vereinigten Staaten möchten ferner den positiven Trend weiter verfolgen,
der sich in unseren Beziehungen zur Sowjetunion entwickelt hat. Jeder unserer
Verbündeten möchte natürlich eine gewichtige Stimme in den Verhandlungen
haben, die Europa als Ganzes betreffen, sowie bei den Aspekten der sowjetischamerikanischen Beziehungen,die sich auf die internationale Stabilität auswirken.
Zwei spezifische Anlässe werden erweisen, ob die westliche Koalition
in der Lage ist, ihre Einheit mit ihrer Vielfalt in Einklang zu bringen:
die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und die
Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
(MBFR).
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa:Im März 1969
hat der Warschauer Pakt erneut seinen Vorschlag vorgebracht, eine europäische
Sicherheitskonferenz einzuberufen. Eine solche Konferenz hätte weitgehend
symbolische Bedeutung gehabt; ihr Zweck wäre gewesen, den territorialen und
politischen Status quo in Europa zu bestätigen. Manche Leute im Westen meinten, daß dieser Vorschlag angenommen werden sollte; man hielt ihn für einen
Weg, um die wegen der Invasion der Tschechoslowakei im August 1968 entstandenen Spannungen abzubauen und Klarheit über die sowjetische Politik zu gewinnen. Manche Leute betrachteten ihn als einen Weg, um eine bessere Atmosphäre für spätere Gespräche zu schaffen, während andere ihn als ein Bindeglied zu spezifischeren Fragen wie Truppenreduzierungen ansahen.
Wir waren skeptisch hinsichtlich symbolischer Akte, die an den wesentlichen Problemen der Ost-West-Spannungen vorbeigingen. Die vordringlichen
Fragen der europäischen Sicherheit waren die Spannungen wegen Berlin und
Deutschland und die militärische Konfrontation in Mitteleuropa. Wir konnten
unsere Verantwortlichkeiten in Berlin nicht einer europäischen Konferenz übertragen. Wenn es nicht gelang, in einer zentralen Frage, wie Berlin, einen
Fortschritt zu erzielen, dann waren die Ergebnisse einer allgemeinen Konferenz

-22-

�Konferenz illusorisch. Durch symbolische Gesten eine Atmosphäre der Entspannung hervorzurufen, mußte zu Enttäuschungen und Unsicherheit führen.
Die Vereinigten Staaten nahmen daher den Standpunkt ein, daß eine
europäische Konferenz nur akzeptabel wäre, wenn es bei spezifischen Fragen,
einschließlich der Berlin-Varhandlungen Fortschritte gäbe. Eine Konferenz
konnte angebracht sein, wenn die einzelnen Länder bei der Regelung ihrer
Beziehungen und der Lösung einiger ihrer territorialen und politischen
Probleme Erfolg hätten.
Dies wurde durch die Verträge der Bundesrepublik mit der Sowjetunion
und Polen, das Viermächte-Abkommen über Berlin und die SALT-Abkommen erreicht. Auf meinem Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern im Mai 1972
willigte ich ein, daß wir nunmehr mit der Vorbereitung einer europäischen
Konferenz mit dem Ziele einer Erweiterung der europäischen Zusammenarbeit
beginnen könnten.
Im November vorigen Jahres begannen vorbereitende Gespräche, um herauszufinden

°b ausreichende gemeinsame Grundlagen vorhanden wären, um eine

Konferenz der Außenminister zu rechtfertigen. Es wird eine provisorische
Tagesordnung ausgearbeitet, die die Außenminister behandeln könnten. Der
bisher erzielte Fortschritt läßt darauf schließen, daß die Konferenz dieses
Jahr einberufen werden kann und es möglich sein wird, bei mehreren wichtigen
Fragen Fortschritte zu erzielen.
- Die Teilnehmer werden sich mit bestimmten Grundsätzen der Sicherheit und der Zusammenarbeit befassen. Wenn alle europäischen Länder
gemeinsame Verhaltensnormen bejahen und sich in der Praxis nach ihnen
richten, könnte es eine weitere Verminderung der Spannungen geben.
Ferner werden bestimmte militärische Sicherheitsfragen, die das Vertrauen stärken sollen, ebenfalls erörtert werden.
- Die Konferenz kann sich damit befassen, wie Kontakte zwischen den
Völkern Europas erleichtert und wie die Lanier zum Austausch von
Ideen und Informationen ermutigt werden können.
Die

-23-

�Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa kann somit
einen neuen Tenor in die europäischen Beziehungen bringen und neue Verhaltensformen und

Wege der Zusammenarbeit schaffen. Dies wären praktische

Schritte zur Normalisierung der Beziehungen.
Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen: Der Meinungsaustausch, der zu dieser Konferenz führte, diente auch als Brücke zu Verhandlungen über eine spezifischere und zentralere Sicherheitsfrage - beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Die Aussichten
auf eine Rüstungskontrolle in Europa stehen zweifellos in einem Zusammenhang mit politischen Verbesserungen zwischen Ost und West. Während der fünfziger und der sechziger Jahre gab es Vorschläge für eine Rüstungskontrolle
in Europa. Aber es war unrealistisch, mit Verhandlungen über einen Truppenabbau zu rechnen - beispielsweise in Deutschland, wo es fast ständig Krisen
wegen Berlin gab. Darüber hinaus stand die Reduzierung von Streitkräften in

Mitteleuropa in Zusammenhang mit dem strategischen Gleichgewicht zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie mit der politischen Situation innerhalb des Warschauer Paktes.
Aus diesen Gründen wurden die Vorschläge der NATO vom Juni 1968, Verhandlungen über Truppenreduzierungen zu beginnen, vom Warschauer Pakt kühl
aufgenommen. Erst als das Berlin-Abkommen und die SALT-Abkommen im Jahre
1972 abgeschlossen worden waren, war es möglich, eine Reihenfolge für den
Beginn von Verhandlungen in getrennten Foren für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen festzulegen.
Die einleitenden Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen, die gegenwärtig in Wien stattfinden, werden die Grundlagen
für formellere Verhandlungen im kommenden Herbst schaffen. Die militärischen
Aspekte und die Rüstungskontrollaspekte der Truppenreduzierungen werden in
anderen Kapiteln dieses Berichtes behandelt. Besti mmte Punkte, die die atlantische politische Einheit berühren, seien hier zusammengefaßt dargestellt.
Vielleicht

-24-

�Vielleicht mehr als jede andere Einzelfrage stellt das Problem der
Truppenreduzierungen die grundlegende Frage heraus, wie die Einheit des Bündnisses mit der nationalen Vielfalt in Einklang gebracht werden kann. Wir werden ein nie dagewesenes Maß an Einigkeit in grundlegenden militärischen
und politischen Sicherheitsfragen brauchen. Das Ergebnis der Verhandlungen
wird sich auf das gesamte Bündnis auswirken, gleichgültig wer am Verhandlungstisch sitzt und wessen Truppen reduziert werden. Schon der Verhandlungsprozeß selbst wird unsere gemeinsamen Zielsetzungen auf die Probe stellen.
Jedes Mitglied bringt in dieser Frage starke nationale Gesichtspunkte
mit. Wir müssen vermeiden, daß man versucht, nationale Interessen durch Verfahrenskunstgriffe oder taktische Lösungen zu schützen. Ein solches Vorgehen
würde lediglich die eigentlichen Fragen hinausschieben oder ausklammern.
Und letztlich wäre es schädlich und würde das Bündnis der Ausbeutung durch
die andere Seite ausliefern. Unser Ziel muß ein Übereinkommen über grundlegende Sicherheitsprinzipien sein. Wir müssen individuellen nationalen Anliegen im Rahmen einer gemeinsamen Sicherheitskonzeption Rechnung tragen und
uns ohne Umschweife mit der Frage befassen, wie wir unsere Sicherheit bei
verringertem Truppenstand gewährleisten können. Diese Fragen sind äußerst
delikat, und die Gespräche im Bündnis werden mühsam und schwierig sein.
Die Vereinigten Staaten stehen mit ihren Verbündeten in sehr ernsthaften
Konsultationen, die der Vorbereitung für die später in diesem Jahr zu führenden Verhandlungen dienen. Die Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa
ist selbstverständlich Bestandteil in dem Komplex der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte sind insofern vergleichbar, als sie nicht in Mitteleuropa zu Hause sind und für
eine solche Reduzierung in Frage kämen.
Die Vereinigten Staaten werden die Sicherheit des Bündnisses nicht gegenüber den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen hintanstellen. Wir wissen
um die in dieser Hinsicht bestehenden europäischen Besorgnisse» Aber selbst
wiederholte amerikanische Zusicherungen haben diese Sorgen nicht beschwichtigt.

-25-

�beschwichtigt. Gegenseitiges Vertrauen innerhalb des Bündnisses wird sich
nur durch ein Übereinkommen über den grundsätzlichen Sicherheitsrahmen für
die Verhandlungen entwickeln.
Beziehungen zu Osteuropa
Die Verbesserung in unseren Beziehungen zur Sowjetunion im Verlaufe des
Jahres 1972 hat eine bessere Atmosphäre für unsere Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern geschaffen. Wir sehen jedoch unsere Beziehungen zu einem der osteuropäischen Staaten nicht als eine Funktion unserer Beziehungen
zu Moskau an. Wir lehnen die Idee besonderer Rechte oder Vorteile einer
Fremdmacht in dieser Region ab. Wir haben die Chancen zur Entwicklung unserer Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern schon lange vor der Moskauer
Gipfelkonferenz begrüßt und sie auch wahrgenommen. Und wir werden auch weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um unsere wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Kontakte mit diesen Ländern
auszubauen. Richtschnur dabei sind der beiderseitige Nutzen und die Gegenseitigkeit.
Mit dem Nachlassen der Nachkriegsstarre in den Beziehungen zwischen
Ost-und Westeuropa

rechnen die Völker in beiden Gebieten nun auch damit,

die günstigen Auswirkungen dieser Entspannung in ihrem täglichen Leben zu
verspüren. Diese Hoffnungen bestehen zu recht. Eine Ära der Zusammenarbeit
in Europa sollte zu einer Vielfalt neuer Beziehungen führen, und zwar nicht
nur zwischen den Regierungen, sondern auch zwischen Organisationen, Institutionen, Firmen und den Menschen ganz allgemein. Wenn der Friede in Europa
von Dauer sein soll, dann muß sein Fundament breit angelegt sein.
Meine Besuche in Rumänien im Jahre 1969, in Jugoslawien im Jahre 1970
und im Polen im Jahre 1972 sollten dazu beitragen, die Tür für diese erweiterten Beziehungen zu öffnen.
Während

-26-

�Während neines Besuches in Warschau im Juni vorigen Jahres kam ich mit
den polnischen Führern überein, den amerikanisch-polnischen Handel sowie
den Austausch auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Technologie, der Kultur,
des Tourismus und des Verkehrs zu verstärken. Eine gemeinsame amerikanischpolnische Handelskommission wurde ins Leben gerufen. Nachdem unsere Regierungen sich auf der Basis der Gegenseitigkeit über Vereinbarungen zur Export
finanzierung geeinigt hatten, entschied ich, daß Kredite der Export-ImportBank für Transaktionen mit Polen zur Verfügung gestellt werden sollten. Andere Vereinbarungen zur Erleichterung des Handels, zur Verstärkung des Austausches auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Technologie sowie zur Verbesserung der konsularischen Einrichtungen sind ebenfalls unterzeichnet worden.
Der Besuch von Außenminister Rogers im Juli in Jugoslawien bekräftigte
unsere seit langem bestehenden herzlichen Beziehungen zu diesem wichtigen
blockfreien Land. Seine Unabhängigkeit, seine politische Stabilität und
sein wirtschaftlicher Wohlstand sind Hauptfaktoren für einen dauerhaften
Frieden in Europa.
Der Wunsch Rumäniens nach engen und beiderseitig nützlichen Beziehun»
gen hat während der letzten drei Jahre zu einer praktischen Zusammenarbeit
und zu hilfreichen Konsultationen geführt, einschließlich meines Besuches
in Bukarest und des Besuches von Staatspräsident Ceausescu in Washington. Im
letzten Jahr billigten wir die Übernahme von Garantien für Privatinvestitionen in Rumänien, und ich hoffe weiterhin, daß der Kongreß die Ermächtigung
zur Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für dieses Land erteilen wird.
Im Dezember unterzeichneten wir das umfassendste Abkommen über einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch in der Geschichte unserer Beziehungen zu Rumänien.
Im Sommer vorigen Jahres unterzeichnete Außenminister Rogers Konsularkonventionen mit Rumänien und Ungarn. Sein Besuch in Budapest und die dann
folgende Regelung der langjährigen amerikanischen Ansprüche gegenüber Ungarn

-27-

�Ungarn haben die Aussichten auf normalere Beziehungen verbessert.
Wir bleiben weiterhin bereit, mit allen Ländern in Osteuropa konstruktive Beziehungen auf einer Basis der Gegenseitigkeit herzustellen. Unterschiede in den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systemen bestehen
und müssen offen und freimütig anerkannt werden. Sie werden aber unsere Zu sammenarbeit mit einem anderen Land, das diese sucht, nicht verhindern.

Ausblick
Die weltpolitische Szenerie hat sich im Jahre 1972 dramatisch verändert. Aber ein konstanter Faktor in diesem sich verändernden

Gefüge ist das

enge Verhältnis unter den atlantischen Verbündeten gewesen. Es ist allerdings
wahr, daß einige unserer Verbündeten bei dem immer stärkeren Hervortreten
der Entspannungsbemühungen zwischen Ost und West besorgt fragen, ob die Vereinigten Staaten auch weiterhin an Europa gebunden bleiben würden oder

ob

sie stattdessen auf ein neues Machtgleichgewicht abzielen würden, bei dem
die alten Zusammenhalte aufgelöst werden könnten und die Unterschiede zwischen Verbündeten und Gegnern schwinden würden. In einer Periode großer internationaler Veränderungen nach einer langen Zeit der Konfrontation mögen
Sorgen und Befürchtungen dieser Art unvermeidbar sein. Immer wenn es zu einer
Verbesserung in den Beziehungen zwischen Gegnern kommt, wird bei denen, die
nicht direkt miteinbezogen sind, eine Tendenz bestehen, sich darüber zu sorgen, daß ihre eigenen Interessen irgendwie hinter den neuen Beziehungen zurückgestellt würden.
Aber die Vereinigten Staaten werden niemals die Sicherheit Europas oder
die Interessen ihrer Verbündeten aufs Spiel setzen. Die beste Gewähr für unsere Einigkeit liegt jedoch nicht in verbalen Beteuerungen, sondern im Wissen
um die vereinbarten Ziele und die gemeinsame Politik. Fast ein Jahrzehnt lang
hat das Bündnis die Fragen der Verteidigung und der Entspannung diskutiert
- wobei die einen diesen, die anderen jenen Kurs forderten. Diese Debatten
sollten jetzt ihr Ende finden. Wir müssen die Reihen schließen und gemeinsam

-28-

�gemeinsam unseren Kurs für das vor uns liegende Jahrzehnt festlegen. Es
gibt eine ganz klare Tagesordnung für Maßnahmen des Bündnisses.
- Die Vereinigten Staaten unterstützen die europäische Einheit, wie
dies immer der Fall gewesen ist. Aber wir müssen jetzt gemeinsam die
Basis der kooperativen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft in diesem Jahrzehnt
definieren. Damit dies geschehen kann, brauchen wir eine neue Bekräftigung unserer gemeinsamen Ziele, um unseren Wirtschaftsverhandlungen
eine politische Richtung zu geben und um kooperative Lösungen zu fördern.
- Die Vereinigten Staaten werden ihre Streitkräfte in Europa aufrechterhalten. Wir werden nicht einseitig abziehen. Aber wir müssen uns
über unsere gemeinsamen Verteidigungserfordernisse und über den Beitrag einig werden, den jeder Verbündete sowie das Bündnis kollektiv
leisten muß, um unsere Sicherheit unter neuen Bedingungen zu gewährleisten,
- Wir benötigen eine konzertierte Strategie, um mit Sicherheits-und
diplomatischen Fragen gemeinsamen Interesses fertig zu werden, in welchen Foren sie auch immer behandelt werden.
- In den siebziger Jahren stehen wir vor neuen gemeinsamen Aufgaben,
wie die Sicherstellung der Hilfsquellen für die Energieversorgung der
Industrieländer. Dies muß ein neues Gebiet unserer Zusammenarbeit werden.
Das Jahr 1973 ist das Jahr Buropas wegen der historischen Chancen, vor
denen wir gemeinsam stehen. Die Vereinigten Staaten, Kanada und Westeuropa
haben einen entscheidenden Beitrag zu einer gesuhden Weltwirtschaft und zu
einer neuen friedlichen Weltordnung zu leisten. Dies sind neue schöpferische
Aufgaben für unsere Partnerschaft.

-29-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

HintergrundmateHal

Postfach 300
Telex:08-85432

19/1973

USA BEGRÜSSEN EINIGUNG ÜBER BETEILIGUNG UND VERFAHREN
FÜR MBFR-VERHANDLUNGEN

WIEN - (AD) - Nach A u f f a s s u n g

der Vereinigten Staaten h a t die j e t z t e r -

z i e l t e Einigung über e i n e n T e i l n e h m e r k r e i s und d i e Verfahren
ü b e r b e i d e r s e i t i g e und ausgewogene T r u p p e n v e r r i n g e r u n g e n

f ü r Verhandlungen

(MBFR) d i e g e g e n -

w ä r t i g e n G e s p r ä c h e i n Wien e i n e n w e s e n t l i c h e n S c h r i t t w e i t e r g e b r a c h t .
l i c h i s t man s i c h i n W a s h i n g t o n d a r ü b e r im k l a r e n ,

d a ß noch w e i t e r e

Natürorgani-

s a t o r i s c h e F r a g e n g e k l ä r t w e r d e n m ü s s e n , g a n z a b g e s e h e n vom e i g e n t l i c h e n I n h a l t d e r Verhandlungen.

Am 1 4 . Mai h a t t e n d i e D e l e g a t i o n e n d e r 19 a n d e n S o n d i e r u n g s g e s p r ä c h e n
b e t e i l i g t e n L ä n d e r - z w ö l f NATO-Staaten u n d s i e b e n L ä n d e r d e s W a r s c h a u e r P a k t e s bekanntgegeben,

daß e l f Länder " d i r e k t " an den Verhandlungen b e t e i l i g t

s o l l e n - nämlich B e l g i e n , Kanada, d i e T s c h e c h o s l o w a k e i ,
Deutschland,

sein

d i e Bundesrepublik

d i e D e u t s c h e D e m o k r a t i s c h e R e p u b l i k , Luxemburg, d i e N i e d e r l a n d e ,

P o l e n , d i e UdSSR, G r o ß b r i t a n n i e n und d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n - w ä h r e n d f ü r
d i e ü b r i g e n a c h t e i n e " b e s o n d e r e " Form d e r B e t e i l i g u n g v o r g e s e h e n i s t - a l s o
für Bulgarien,
und d i e T ü r k e i .
teiligt,
direkt,

Dänemark, G r i e c h e n l a n d ,

Ungarn, I t a l i e n ,

Norwegen,

Rumänien

Dabei w i r d d i e P o s i t i o n U n g a r n s s p e z i e l l a l s n i c h t v o l l b e -

a b e r auch n i c h t g a n z u n b e t e i l i g t a n d e r Gruppe h e r a u s g e h o b e n , d i e
a l s o an den e i g e n t l i c h e n E n t s c h e i d u n g e n , b e t e i l i g t i s t .

Der S t a t u s Ungarns w a r o h n e F r a g e e i n e r d e r s c h w i e r i g s t e n A s p e k t e f ü r
künftige Verhandlungen.

D i e s e S t r e i t f r a g e wurde s c h l i e ß l i c h

promiß b e i d e r S e i t e n g e l ö s t .

d u r c h e i n e n Kom-

Dabei h a b e n b e i d e S e i t e n K o n z e s s i o n e n

gemacht,

�gemacht, nachdem d i e V e r t r e t e r der Länder des Warschauer Paktes von Anfang
an d i e B e t e i l i g u n g Ungarns zwar n i c h t a u s g e s c h l o s s e n , aber s i c h doch k l a r
gegen e i n e " v o l l e " B e t e i l i g u n g Ungarns ausgesprochen h a t t e n .
Eine e n d g ü l t i g e Lösung s t e l l t d i e j e t z i g e Regelung jedoch noch n i c h t d a r .
Der Konsensus, der b e z ü g l i c h des T e i l n e h m e r k r e i s e s für MBFR-Verhandlungen und
der Verfahren e r r e i c h t worden i s t , e n t h ä l t e i n e u n b e s t r i t t e n e Erklärung der
w e s t l i c h e n Verbündeten, daß d e r S t a t u s Ungarns b e i den gegenwärtigen Gesprächen
i n Wien s e i n e s p ä t e r e B e t e i l i g u n g an Verhandlungen oder Abkommen keineswegs
präjudiziert.
Die w e s t l i c h e n Verbündeten haben i h r e Absicht bekanntgegeben, d i e Frage
der B e t e i l i g u n g Ungarns an e v e n t u e l l e n Abkommen zu einem s p ä t e r e n Z e i t p u n k t
wieder anzuschneiden. Die j e t z t i n Wien gefundene Formel, d i e i n das Verfahrensübereinkommen aufgenommen worden i s t , e r m ö g l i c h t es einem S t a a t mit
einem " S o n d e r s t a t u s " , s p ä t e r zu dem S t a t u s der " d i r e k t e n " B e t e i l i g u n g ü b e r z u wechseln. Bezüglich des s t ä n d i g e n Versuches s e i t e n s des Warschauer P a k t e s ,
d i e d i r e k t e B e t e i l i g u n g Ungarns von e i n e r d i r e k t e n B e t e i l i g u n g I t a l i e n s abhängig zu machen, gehen d i e w e s t l i c h e n Verbündeten von dem Standpunkt a u s , daß
I t a l i e n b i s h e r den S t a t u s d e r "besonderen" B e t e i l i g u n g gehabt h a t , daß d i e s e r
S t a t u s n i c h t i n Frage g e s t e l l t werden kann und auch i n Zukunft n i c h t i n Frage
g e s t e l l t werden wird.
Die j e t z t e r r e i c h t e Einigung wird von w e s t l i c h e r S e i t e a l s e i n a k z e p t a b l e r
und f a i r e r Kompromiß b e t r a c h t e t und a l s Beweis für den e r n s t h a f t e n Wunsch
b e i d e r S e i t e n , im Verfahren und i n der Sache weiterzukommen. Die S c h w i e r i g k e i t e n und d i e Z ä h i g k e i t der b i s h e r i g e n Sondierungsgespräche wird a l s Hinweis
auf d i e S c h w i e r i g k e i t der für d i e s e s J a h r e r w a r t e t e n e i g e n t l i c h e n Verhandlungen
angesehen.
Der amerikanische D e l e g i e r t e Jonathan Dean e r k l ä r t e jedoch i n diesem Zusammenhang: "Wenn es s i c h a l s möglich e r w e i s t , i n d e r komplexen Frage d e r
b e i d e r s e i t i g e n und ausgewogenen Truppenverringerungen i n M i t t e l e u r o p a e i n Uber-

-

2 -

�Übereinkommen zu e r z i e l e n , das den Stand der Konfrontation v e r r i n g e r t , ohne
d i e S i c h e r h e i t der B e t e i l i g t e n zu v e r r i n g e r n , dann w i r d d i e s e s Ergebnis ohne
Frage e i n p o s i t i v e s neues K a p i t e l der Ost-West-Beziehungen aufschlagen und
die S i t u a t i o n i n M i t t e l e u r o p a s e l b s t w e s e n t l i c h v e r b e s s e r n . "

-

3 -

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19/1973

EBERLE UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER GEGENSEITIGKEIT FÜR DIE
KOMMENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat vor dem Haushaltsausschuß
des amerikanischen Repräsentantenhauses erneut die Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden HandelsVerhandlungen unterstrichen. Eberle nahm damit
zu einer Frage des AusschußVorsitzenden, des demokratischen Abgeordneten
Wilbur D. Mills, Stellung, die dieser während der öffentlichen Anhörungen zu
dem neuen Handelsgesetz der USA an ihn gerichtet hatte.

Die Frage von Mills und die Antwort Eberles haben folgenden Wortlaut:

Mills: Gestern hat Finanzminister Shultz in einer Erklärung auch zu dem
Begriff der Gegenseitigkeit Stellung genommen. Dieser Begriff Gegenseitigkeit
ist zumindest von einigen mißverstanden worden und hat in einigen ausländischen
Hauptstädten eine gewisse Besorgnis und Aufregung ausgelöst. Man gelangte
dort auf Grund der Lektüre bestimmter Zeitungsartikel zu der Auffassung, der
Finanzminister habe gesagt, daß wir bei unseren Verhandlungen und bei unserem
Handel nicht mehr von der Basis der Gegenseitigkeit ausgingen. Können Sie
dies klarstellen und uns ganz offen sagen, was gemeint war?

Eberle: Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben zugestimmt, und
es entspricht auch unserer Politik, daß diese Verhandlungen gemäß der Absichtserklärung von 1972 geführt werden. Diese Erklärung besagt: beiderseitiger Vor-

�V o r t e i l , b e i d e r s e i t i g e Verpflichtungen und - im ganzen gesehen - G e g e n s e i t i g keit.
Die g e s t r i g e n Ausführungen von F i n a n z m i n i s t e r S h u l t z stimmten 'li.erroit
v o l l und ganz ü b e r e i n . Er s a g t e t a t s ä c h l i c h , man werde das Wort G e g e n s e i t i g k e i t i n k e i n e r der Erklärungen im Rahmen d i e s e r Anhörungen f i n d e n . Man w i r d
d i e s e s Wort auch n i c h t i n dem Gesetz zur Ausweitung des Handels von 1962 oder
in dem Gesetz zur Reform des Handels von 1973 finden.
Hier wurde g e s a g t , daß f r ü h e r b e i ZollVerhandlungen, wie auch F i n a n z m i n i s t e r
S h u l t z a n d e u t e t e , e i n e S i t u a t i o n b e s t a n d , i n der Zug um Zug vorgegangen wurde man räumt uns b e i einem Handelswert von 100 Millionen D o l l a r e i n e Zollsenkung
um e i n Prozent e i n , und w i r müssen das Gleiche zurückgeben.
Diese Verhandlungen s i n d so umfassend und k o m p l i z i e r t , daß w i r auf z a h l r e i c h e n Gebieten e i n f a c h Vernunft walten l a s s e n müssen. Es geht h i e r n i c h t um
e i n e s o l c h e d i r e k t e G e g e n s e i t i g k e i t . Es g e h t h i e r um b e i d e r s e i t i g e

Verpflich-

tungen für neue t e c h n i s c h e oder Verhaltensnormen oder e i n e Aufhebung von Beschränkungen und V o r t e i l e für a l l e , d i e s i c h daraus ergeben, daß der Handel
b e i e i n e r B e s e i t i g u n g b e s t e h e n d e r Verzerrungen auf z a h l r e i c h e n d i e s e r Gebiete
r e i b u n g s l o s e r f l i e ß e n w i r d und w i r auf d e r B a s i s e i n e s s c h a r f e n Wettbewerbs
unseren T e i l für uns verbuchen können.

Von einem d e r a r t i g e n Vorgehen sprechen w i r h i e r .
Ich w o l l t e l e d i g l i c h s i c h e r s e i n , daß e i n Anfang gemacht w i r d . Meines Erachtens b e s t e h t e i n e gewisse Besorgnis über v e r s c h i e d e n e P r a k t i k e n a n d e r e r Länder,
gegen d i e w i r angehen, d i e w i r gerne ohne irgendwelche Kompensationen b e s e i t i g e n
möchten, w e i l w i r s i e a l s i l l e g a l b e t r a c h t e n . Wir b e t r a c h t e n s i e n i c h t a l s Bes t a n d t e i l der Verhandlungen. Es h a n d e l t s i c h h i e r zum B e i s p i e l um i l l e g a l e Quoten,
wie s i e Japan h a t , und w i r s t e h e n im B e g r i f f , über z a h l r e i c h e d e r a r t i g e Fragen
mit den ü b r i g e n Ländern zu s p r e c h e n .
M i l l s : Ich danke Ihnen, meines Erachtens t r i f f t
nanzminster g e s t e r n zum Ausdruck b r i n g e n w o l l t e .
+ + + + +
- 2 -

das genau d a s , was der F i -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Europa und das Atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus dem außenpolitischen Bericht Präsident Nixons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Einigung über Beteiligung und Verfahren für MBFR-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle unterstreicht Bedeutung der Gegenseitigkeit für die kommenden Handelsverhandlungen</text>
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1. Juni 1973

20

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger erläutert Jahr Europas
-Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom
29. Mai-

WIRTSCHAFT:
Washington umreißt Standpunkt zu schwebenden Wirtschaftsfragen
-Shultz erläutert Begriff der GegenseitigkeitUS-Wirtschaftsberater: April-Indikatoren deuten auf Rückgang der
Inflation
Dent begrüßt Verbesserung der Handelsbilanz
-Erklärung des US-Handelsministers-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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20/1973
KISSINGER ERLÄUTERT JAHR EUROPAS
- Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom 19.Mai •

WASHINGTON — ( A D ) — Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 19. Mai
erneut den Begriff des Jahres Europas in der amerikanischen Politik näher
erläutert und ist auch auf die Treffen Nixons mit europäischen Staatsmännern eingegangen. Die Ausführungen Dr. Kissingers zu Beginn der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
"Meine Damen und Herren!
Darf ich einmal zusammenfassen, wohin unsere Pläne hinsichtlich des
"Jahres Europas" und der Gespräche abzielen, die jetzt zwischen Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou in diesem Zusammenhang stattfinden.
Die Grundzüge dessen, was als Jahr Europas bezeichnet wird, sind in
dem Bericht des Präsidenten an den Kongreß und in der Rede niedergelegt
worden, die ich am 23. April vor (dem Jahresessen) der (amerikanischen
Nachrichtenagentur) Associated Press hielt.
Kurz gesagt besteht das Ziel darin, die atlantischen Beziehungen den
Bedingungen der siebziger und achtziger Jahre anzupassen und zu prüfen,

.1.

�prüfen, welche der Einrichtungen, die in den vierziger und fünfziger Jahren
entstanden sind, mit neuem Leben erfüllt und welche politischen Vorstellungen neu definiert werden müssen.
Die eigentliche Absicht dabei ist, nun festzustellen, ob wir definieren können, welchen Weg die an den Atlantik angrenzenden Nationen auf dem
Gebiet der Wirtschaft, auf dem Gebiet der Verteidigung, auf dem Gebiet der
Außenpolitik und bei der Bestimmung ihrer Beziehungen untereinander und
ihrer gemeinsamen Beziehungen zu anderen Industrieländern, wie Japan, einschlagen wollen.
In den von mir angesprochenen Unterlagen wird darauf hingewiesen, daß
in den letzten zwanzig Jahren eine Reihe von Institutionen auf den verschiedensten Gebieten entstanden ist, deren Arbeitsweise nicht notwendigerweise oder nicht unbedingt miteinander vereinbar ist.
Auf dem Gebiet der Wirtschaft liegt der Nachdruck auf Regionalismus.
Auf dem Gebiet der Verteidigung liegt der Nachdruck auf Integration. Auf dem
Gebiet der Außenpolitik werden die Geschäfte weitgehend auf nationaler Basis geführt, und daraus ergeben sich unausweichlich gewisse Belastungen.
Nun hat es im Gefolge dieser Ansätze sehr viele öffentliche Erörterungen in Europa gegeben, aber bisher noch sehr wenig offizielle Reaktionen.
Was die öffentliche Debatte anbetrifft, so ist behauptet worden, die
Vereinigten Staaten versuchten, die Verhandlungen auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Verteidigung und der Außenpolitik sozusagen in einer einzigen
SuperVerhandlung

zusammenzuziehen, auf der alle diese Themen zugleich be-

handelt werden könnten.
Man hat argumentiert, daß die Vereinigten Staaten Europa eine regionale Rolle, sich selbst aber eine globale Rolle zuweisen wollten. Auch hat
man Besorgnis geäußert, daß die Vereinigten Staaten gegen eine Einheit
Europas seien.
Lassen

�Lassen Sie mich dazu einige Bemerkungen machen und alsdann erklären,
worauf wir abzielen und wie das bevorstehende Treffen sich in diesen Rahmen
einfügt.
Was das Wesen der Verhandlungen anbetrifft, so vertreten die Vereinigten Staaten nicht die Ansicht, daß es nur eine einzige SuperVerhandlung
geben sollte, bei der alle Themen zugleich diskutiert würden. Ganz offensichtlich ist es doch weitaus praktischer, die einzelnen Themen für sich
getrennt zu behandeln, wobei die Vereinigten Staaten allerdings der Ansicht
sind, daß diese Themen organisch miteinander verbunden sind, nicht durch
einen Akt der Politik oder eine Willensentscheidung seitens der Vereinigten
Staaten, sondern durch den Zwang der Notwendigkeit.
Mit anderen Worten: Es ist für die beiden Seiten diesseits und jenseits
des Atlantik unmöglich, einen regionalen Egoismus auf dem Gebiet der Wirtschaft hervorzukehren, dabei aber an der Doktrin einer integrierten Verteidigung innerhalb der NATO-Struktur festzuhalten. Und daher vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, daß die Verhandlungspartner auf beiden
Seiten des Atlantik bei der Verhandlungsführung auf den verschiedenen Gebieten sich der größeren politischen Realitäten bewußt sein und sich bei ihren
detaillierten Verhandlungen von ihnen leiten lassen müßten.
Das Gleiche gilt auch für den Bereich der Außenpolitik oder den Bereich
der Politik insgesamt.
Es ist auch keineswegs richtig, daß die Vereinigten Staaten durch die
Hervorhebung der Beziehung, in der die verschiedenen Gebiete zueinander
stehen, versuchten, ihre europäischen Verbündeten auf wirtschaftlichem Gebiet zu erpressen. Ganz im Gegenteil. Der sicherste Weg, um zu einer Konfrontation zu kommen, besteht darin, den Wirtschaftstechnokraten auf beiden
Seiten zu gestatten, die Verhandlungen auf der Basis rein wirtschaftlicher
Kriterien zu führen. Dies würde zu einer nachdrücklichen Betonung der speziellen Interessen der beiden Seiten des Atlantik führen und die Anpassungen
und Konzessionen unmöglich machen, die ein umfassenderes politisches Rahmen-

-3-

�Rahmenwerk gebieterisch fordernmuß.

.

..

. .,

Der tiefere Sinn unserer Forderung nach einer Neubewertung der atlantischen Beziehungen besteht gewiß nicht darin, einen einseitigen Vorteil bei
dieser oder jener Verhandlung zu erzielen* Wie diese Administration ja wiederholt in öffentlichen Erklärungen hervorgehoben hat, kann ein dauerhafter
Frieden oder eine Beziehung, die Bestand haben soll, gar nicht auf dem einseitigen Vorteil des einen Partners begründet werden. Nur solche, Übereinkommen werden von Dauer sein, an deren Bestand jede Seite ein entscheidendes Interesse hat.

..

•

, ,., •

• ,

. •.

Daher ist es das Ziel dieser Administration, die atlantische Debatte
aus dem alten Gleis der rein technischen Kontroversen herauszubringen, auf
die sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit seit rund einem.Jahrzehnt konzentriert hat.

:

,.

Wir glauben, daß&gt;es keiner zur atlantischenGruppegehoerenderi Nation
dienlich sein kann, ihre .außenpolitischen Erfolge ausschließlich mit den Beziehungen zu den Gegnern zu identifizieren. •

r

*

Wir haben uns zu einer Entspannungspolitik bekannt und halten weiter an
ihr fest. Aber es ist unserer Meinung nach auch wichtig, daß Nationen, die mit
den Gegnern gemeinsame Prinzipien abzugrenzen wissen, in der Lage sein sollten, eine Möglichkeit für die Definition gemeinsamer Prinzipien mit ihren
Freunden zu finden - und daß Länder, die sich zur gemeinsamen Verteidigung
vereint haben, fähig sein sollten, die Ziele dieser gemeinsamen Verteidigung
zu artikulieren.

;

,

Wir werden also im Verlauf dieses Jahres mit den führenden europäischen
Politikern die Grundprinzipien erörtern, die, wir wir meinen, unsere Beziehungen bestimmten sollten und die auch nach ihrer Meinung füir! unsere Beziehungen
maßgeblich sein sollten - nicht- wie sie sägten - als einseitige'anierikanische
Vorschläge, sondern als ein gemeinsames Unterfangen. Wir haben bereits mit
Premierminister Heath und Bundeskanzler Brandt Gespräche geführt, denen sich

-4-

�sich jetzt die Besprechungen mit Präsident Pompidou anschließen.
Die Rolle Frankreichs bei diesen Verhandlungen ist allerdings doch
recht entscheidend. Auf wirtschaftlichem Gebiet, bei den Verhandlungen mit
dem Gemeinsamen Markt, hat Frankreich stets eine sehr bedeutsame und in
vieler Hinsicht entscheidende Rolle gespielt.
Auf dem Gebiet der Verteidigung hat Frankreich allerdings eher abseits
gestanden und in außenpolitischen Fragen hat es den nationalen Charakter
seiner Politik nachdrücklich betont.
Was wir zu tun versuchen, ist nicht gegen die Einheit Europas gerich~
tet, sondern setzt sie vielmehr voraus und aus eben diesem Grunde halten wir
die Beteiligung Frankreichs und sein Einverständnis für sehr wichtig.
Natürlich werden wir nicht imstande sein, bei einem zweitägigen Treffen auf Island zu irgendwelchen abschließenden Entscheidungen zu gelangen.
Was wir aber zu erreichen hoffen, ist ein Übereinkommen irgendeiner Art
über die Verfahrensfragen, die bei der Artikulierung der Zielsetzungen ein»
geschlagen werden könnten, die wir zu definieren versuchen - Verfahrensfragen, bei denen die Rolle Frankreichs natürlich außerordentlich wichtig
sein wird, damit wir zu der Zeit, in der der Präsident Ende dieses Jahres
Europa besuchen wird, in der Lage sein werden, die erste Phase dieser Verhandlungen zu einem Abschluß oder doch bis unmittelbar vor einen Abschluß
zu bringen.
Ob dieses Treffen mit einem formellen Kommunique abschließen wird oder
nicht, ist allerdings noch nicht entschieden und ist auch nicht der wichtigste Aspekt dieser Gespräche.
Es gibt viele Dinge - viele konkrete Fragen, über die zu sprechen ist.
Frankreich ist sehr an einer Erörterung des Währungsproblems interessiert,
ferner an den bevorstehenden Handelsverhandlungen. Wir sind bereit, darüber
sowie über andere Fragen der atlantischen Beziehungen zu sprechen. Wir
würden sie aber gerne in einem Rahmen weitergesteckter und langfristigerer

-5-

�langfristigerer Ziele behandelt wissen. Aber selbstverständlich steht es
beiden Seiten bei diesem Treffen der beiden Präsidenten frei, jedes von
ihnen gewünschte Thema innerhalb jedes von ihnen gewählten Rahmens anzusprechen. Doch erhoffen wir konstruktive Gespräche, die den Zielen förder»
lieh sein werden, die ich Ihnen nannte und ich muß sagen, daß die Vorbesprechungen, die wir geführt haben, weitaus positiver waren als manche der
Berichte, die ich darüber gelesen habe."

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20/1973

WASHINGTON UMREISST STANDPUNKT ZU SCHWEBENDEN WIRTSCHAFTSFRAGEN
- Shultz erläutert Begriff der Gegenseitigkeit -

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P„ Shultz,
der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US=&gt;Außenministerium, Paul
Volcker, sowie der Berater Präsident Nixons für Wirtschaftsfragen und Vor«,
sitzende des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan,
haben am 29. Mai auf einem vom Weißen Haus durchgeführten Wirtschaftsseminar
den Standpunkt der USA zu wichtigen nationalen und internationalen Wirtschaftsfragen umrissen.
Sowohl Shultz als auch Flanigan wurden auf das Prinzip der Gegenseitigkeit bei den kommenden Handelsverhandlungen angesprochen. Flanigan erklärte
dazu, sowohl die Europäer, die Amerikaner als auch die Japaner seien sich
darüber klar geworden, daß das Ziel ein Vorteil für alle Seiten - mit einer
allgemeinen Reziprozität - sein müsse. Es sei vorstellbar, daß in Fällen,
in denen amerikanische Exporte stärker unter Diskriminierung litten als
amerikanische Importe, die USA bei einer Senkung der Handelsschranken große»
re Vorteile erhielten als einige der anderen Handelspartner. Hier könne man
nicht einfach sagen, "wir werden Euch hier eine Million Dollar Handel geben, wenn Ihr uns dort eine Million Dollar Handel gebt."

Bei einem Abbau

der Schranken würden die USA jedoch profitieren und die Handelspartner würden ebenfalls profitieren.
Finanzminister

�Finanzminister Shultz formulierte es folgendermaßen:
Frage:.Ihr Kommentar vor einigen Tagen, daß die Einstellung der Vereinigten Staaten zu den Handelsverhandlungen mehr die des Nehmenden als
des Gebenden sein könnte, scheint eine ziemliche Unruhe verursacht zu
haben und auch eine gewisse Besorgnis über den Fortschritt in den damit
zusammenhängenden monetären Entwicklungen.
Wie schätzen Sie diese relativ harte Haltung auf Ihrer Seite hinsichtlich des zu erzielenden Fortschritts ein?
Antwort: Was ich gesagt habe, war lediglich eine Wiederholung des von
mir seit geraumer Zeit schon Gesagten. Nämlich, daß unserer Meinung nach
das gesamte System in den Jahren während der Nachkriegsperiode aus den Fugen geraten ist. Wir versuchen es wieder ins Lot zu bringen. Wir haben
entsprechendes an der monetären Front unternommen und bemühen uns auch an
der Handelsfront. Jedermann weiß, daß es bei Verhandlungen stets ein Geben
und Nehmen gibt.
Wenn man nicht bereit ist, irgendwie etwas zu geben, dann kommt man
bei Verhandlungen zu nichts.
Eine Interaktion dieser Art hat es zwischen allen an den Verhandlungen
Beteiligten gegeben. Gleichzeitig aber glauben wir Beispiele dafür zu haben
- wobei ich unsere Probleme in bezug auf einzelne Länder nicht dadurch erschweren möchte, daß ich mich auf sie in irgendwelchen besonderen Einzelheiten einlasse - aber, wie gesagt, wir glauben, daß es Probleme gibt, Orte,
an denen unsere Handelsgüter in unfairer Weise diskriminiert werden, und
wir glauben nicht, daß bei diesen Fällen die derzeitige Situation so gelagert wäre, daß etwas darauf hindeute, daß etwaige Veränderungen genau
parallel erfolgen müßten.
Wir sind der Ansicht, daß es manches gibt, was von der Bildfläche

�Bildfläche verschwinden sollte, und daß

es einen kontinuierlichen Prozeß

des Gebens und Nehmens geben muß, wie wir ihn in den Handelsverhandlungen
nunmehr seit Jahrzehnten erlebt haben - eine gewisse Art von Tradition
der Bemühung um einen Abbau der Handelsschranken.
Übrigens ist es bemerkenswert, daß in den letzten vier Jahren - bei
all dem Durcheinander, das wir im Währungssystem hatten und all den Debatten in der Öffentlichkeit über Handelsvereinbarungen und ähnliches - das
reale Volumen des Welthandels in einem Ausmaß zugenommen hat, das doppelt
oder sogar größer ist als die Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes
der ganzen Welt.
Der Handel gedeiht also im Grunde. Natürlich ziehen wir daraus unseren
Nutzen; er ist gut für uns und ist gut für jedermann. Was wir aber brauchen,
sind bestimmte Mittel und Wege, um mit einigen der dabei auftretenden
Probleme fertig werden zu können."
Im folgenden bringen wir wesentliche weitere Auszüge aus den Darlegungen der genannten Regierungsvertreter zu den wichtigsten angeschnittenen
Themen:
"Finanzminister Shultz: Mir scheint, daß sich die Flexibilität unseres
gegenwärtigen Währungssystems gerade in der letzten Woche wie auch in der
vorangegangenen Woche recht gut bewährt hat, als wir ein gewisses Wiederaufleben der Spekulation gegen den Dollar und das Gold usw. erlebt haben.
Hätten wir ein festes System gehabt, in dem Länder feste Wechselkurse
zu verteidigen suchen, dann hätten wir, dessen können Sie sicher sein, wieder eine internationale Währungskrise erlebt. Sie hat nicht stattgefunden.
Das System hat die Entwicklung grundsätzlich im Griff gehalten und ließ
sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen
Frage:

-3-

�Frage: Herr Minister, zu den potentiellen Problemen, die nicht erwähnt
wurden, gehört auch die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Rezession, die
vielleicht Ende dieses Jahres oder 1974 ernste Ausmaße annehmen könnte.
Gibt es ein Programm, um dem zu begegnen?
Antwort: Meines Erachtens besteht das Problem darin, wie dieser Boom
so gelenkt werden kann, daß er abflacht, ohne zu einem Rückgang der Realeinkommen zu führen, denn ein reales Bruttosozialprodukt ist ein zentrales
Problem für das Management der Wirtschaft.... Wir wissen,, daß sich die gegenwärtige reale Wachstumsrate von acht Prozent nicht aufrechterhalten
läßt. Die Wirtschaft darf einfach nicht so rasch expandieren, was die
grundlegende Zunahme von Produktivität und Arbeitskräftepotential anbetrifft.
Die meisten Leute glauben, daß eine Ausweitung der Kapazitäten in der Größenordnung einer Rate von etwa 4,5 Prozent tragbar wäre. Diese reale Zuwachsrate von acht Prozent muß daher aus dieser Erkenntnis heraus auf vier Prozent
gesenkt werden. Das Problem besteht darin, die Zuwachsrate auf vier Prozent
herunterzubringen, ohne daß sie auf vielleicht minus ein Prozent oder dergleichen umschlägt; sie also so herunterzudrücken, daß die Wirtschaft mit
einer Rate von etwa vier Prozent expandiert. Das ist einfach ein Problem
des Managements, eine Frage der Beurteilung der gegenwärtigen Situation,
ob nämlich der derzeitige Boom durch monetäre oder fiskalische Maßnahmen so
gelenkt werden kann, daß wir mit einem allmählichen Abflachen auf ein Niveau
von etwa vier Prozent rechnen und dieses dann auch halten können, oder ob es
zu einer weiteren Überhitzung kommt und zum Beispiel starke fiskalische Maßnahmen notwendig werden.
Staatssekretär Volcker: Zu den Bemühungen um eine Reform des internatio«
nalen Währungssystems möchte ich sagen, wenn sie zwar nicht unverzüglich
voranschreiten, glaube ich doch nicht, daß irgendein.Grund besteht, entmutigt
zu sein. Es handelt sich hier um ein schwieriges politisches und wirtschaftliches Problem auf dem Gebiet der Reform der internationalen Wirtschaft, bei
dem unsere institutionelle Struktur und unser Währungssystem den tiefgreifen-

-4-

�tiefgreifenden Veränderungen in der Weltwirtschaft grundlegend angepaßt
werden müssen,,. .. Natürlich bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, wie
die verschiedenen Länder dieses Problem anpacken sollen. Doch sind meines
Erachtens auch einige Elemente vorhanden, bei denen, und zwar in wachsendem
Maße, Übereinstimmung besteht- beispielsweise über die Notwendigkeit einer
größeren Flexibilität des internationalen Währungssystems, die relative Zunahme der internationalen Reserveguthaben, die Sonderziehungsrechte und andere Währungen oder Gold oder die Notwendigkeit eines verbindlichen Verhaltenskodexes, der international ausgearbeitet oder unter Aufsicht einer internationalen Institution wie dem Internationalen Währungsfonds entwickelt werden
muß
Frage: Mr.Volcker, betrachten wir einmal ganz abstrakt die Qualität der
Sonderziehungsrechte; was halten Sie davon, die Bindung zwischen den Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben?
Antwort: Das ist eine sehr technische Frage, die Bindung zwischen den
Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben. Nach der derzeitigen Definition
haben die Sonderziehungsrechte einen bestimmten Wert in Gold und umgekehrt.
Es ist darüber diskutiert worden, ob wir dies in einem reformierten System
fallen lassen und den Wert der Sonderziehungsrechte einfach in Sonderziehungsrechten ausdrücken sollten. Natürlich besteht ein Wert in bezug auf bestimmte Währungen, nämlich der Wert, den ein Land seiner eigenen Währung in Sonderziehungsrechten gibt. Ich weiß nicht, ob dies wirklich eine zentrale Frage
ist... Wichtig ist, daß die Sonderziehungsrechte ein wachsender Bestandteil
der internationalen Reserven werden und auch wirklich diese Funktion übernehmen können, sobald die Rolle des Goldes als internationale Reserve zurückgeht, - ich sollte vielleicht sagen, weiter zurückgeht - und daß dann auf die
nationalen Währungen in dieser Beziehung eine nicht zu hohe Belastung zukommt. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem meines Erachtens bei praktisch allen Punkten dieser Frage ein sehr hohes Maß an Übereinstimmung besteht. ....
Frage:

-5-

�Frage: Sie werden also immer noch Gold als Reserve halten, doch muß
es nicht unbedingt an die Sonderziehungsrechte gebunden sein?
Antwort: Es wird noch auf lange Zeit hinaus Gold in den nationalen
Währungsreserven geben, Die einzelnen Länder verfügen heute über eine Menge
Gold. Der relative Anteil ist zurückgegangen. Niemand schlägt vor, daß das
Gold plötzlich aus den Reserven verschwinden sollte. Es ist heute ein wichtiger Bestandteil der Reserven und wird dies auch künftig bleiben...
Frage: Können Sie uns sagen, was - sofern etwas erreicht worden ist die Sitzung des Zwanzigerausschusses in der letzten Woche ergeben hat und
wie sich dies auf die Reform auswirken wird?
Antwort: Meines Erachtens war dies eine recht erfolgreiche Sitzung. Es
fand eine umfassende Diskussion statt, die weit detaillierter als früher war,
in einer zwangloseren Form vor sich ging - was nur nützlich sein kann - und
sich auf fast alle zentralen Fragen erstreckte.
Ich glaube, jeder hatte das Gefühl, daß die Standpunkte eingehender erläutert, klarer gemacht und die Punkte, bei denen Meinungsverschiedenheiten
und Unstimmigkeiten bestehen3 abgesteckt worden sind.... Das ist eine wichtige Phase, die durchgestanden werden muß
Frage: Gab es irgendwelche Entwicklungen in Richtung auf den amerikanischen Standpunkt über die Anwendung objektiver Indikatoren für eine Anpassung?
Antwort: Ich glaube, ich kann Ihnen die Situation am besten so erläutern, daß ich Ihnen sage, daß meines Erachtens in den vergangenen Monaten
die Logik aller amerikanischen Vorschläge immer mehr anerkannt worden ist
- die Art und Weise, wie sie zusammenhängen, die Hauptelemente dieser Vorschläge, die wichtig sind» Gleichzeitig besteht meines Erachtens ein gewisses Maß an Widerstand, was einige Auswirkungen dieser Vorschläge betrifft,
unter anderem die angedeutete Heranziehung von Reserven. Doch steht man
heute, wie ich meine, dieser Vorstellung positiver gegenüber als noch vor
sechs Monaten»

_

»6-

�Es wäre jedoch zu viel und würde zu Fehlschlüssen führen, wenn ich
erklärte, daß in diesem Punkt eine allgemeine Übereinstimmung bestehe,
daß dies unbedingt ein Bestandteil des Systems sei, der akzeptiert werden
muß. Es gibt hier noch beträchtliche Unstimmigkeiten....
Frage an Flanigan: Werden Sie bei den nächsten Handelsverhandlungen auf
mehr als Gegenseitigkeit drängen?
Antwort: Einmal ist uns vorgeworfen worden, wir gingen in diese Handelsverhandlungen nur, um unser Zahlungsbilanzdefizit zu beseitigen. Wenn Sie
den zeitlichen Rahmen, um den es hier geht, sowie die sich aus den Handelsverhandlungen ergebenden Vorteile betrachten und sich vergegenwärtigen, wie
unmittelbar das Zahlungsbilanzproblem ist, so werden Sie meines Erachtens
selbst sehen, daß diese Beschuldigung wirklich völlig unzutreffend ist.
Wir rechnen nicht damit, daß sich die Zollverhandlungen vor fünf Jahren
voll auswirken werden; bei vielen Punkten wird es noch bedeutend länger dauern und bei Fortschritten in der Landwirtschaft natürlich noch länger, bis
sie voll verwirklicht werden.
Wir rechnen nicht damit, daß die Handelsverhandlungen vor 1975 - als
dem frühesten Zeitpunkt - beendet sind. Dies ist die Forderung, die auf dem
europäischen Gipfeltreffen gestellt wurde und vom Präsidenten bekräftigt worden ist. Nehmen wir einmal an, daß dies ein optimistisches Ziel ist. Dann
würden die vollen Auswirkungen unserer Handelsverhandlungen real erst in den
achtziger Jahren durchschlagen. Wir rechnen jedoch damit, daß wir unser Zahlungsbilanzproblem lange vorher gelöst haben werden....

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20/1973

US-WIRTSCHAFTSBERATER: APRIL«INDIKATOREN DEUTEN AUF RÜCKGANG
DER INFLATION

WASHINGTON —(AD)-«. Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, und ein Mitglied des Beirates, Marina V.N.Whitman,
haben in einer Erklärung die Wirtschaftsindikatoren für den Monat April
dargestellt, und Dr. Stein bezeichnete sie als ein Anzeichen dafür, daß
die Flut der Inflation in den Vereinigten Staaten zurückgeht. Die am
23. Mai veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Zusammenfassung der wirtschaftlichen Bedingungen im April:
Das zweite Quartal (1973) begann mit Anzeichen für ein Nachlassen
der Verbrauchernachfrage gegenüber dem ausnahmsweise hohen Zuwachstempo im
ersten Quartal, während die industrielle Produktion weiterhin rasch anstieg. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb stark; der Beschäftigungsstand außerhalb der Landwirtschaft und die gearbeiteten Wochenstunden nahmen zu,

die Arbeitslosenrate insgesamt blieb jedoch auf der Fünf-Prozent-

Marke konstant, die seit November vorigen Jahres vorherrschte. Die Inflationsrate blieb im April noch hoch, jedoch stieg der Index der Großhandels«
und der Verbraucherpreise weniger an als in den beiden vorangegangenen Mo~
naten.
Nach

»le

�Nach ersten Berichten gingen die Einzelhandelsumsätze im April zurück,
nachdem sie vier Monate lang um durchschnittlich zwei Prozent monatlich
angestiegen waren. Die deutlichen Umsatzrückgänge in Geschäften, für die
das Ostergeschäft wichtig ist, deuten auf mögliche Schwierigkeiten für die
Saisonbereinigung für die Monate März und April. Der Absatz von neuen Automobilen (amerikanischen und ausländischen) ging gegenüber einer Jahresrate
von 12,5 Millionen Einheiten im ersten Quartal auf eine Jahresrate von
12 Millionen Einheiten zurück. Der Absatz einheimischer Wagen lag Anfang
Mai etwa auf dem gleichen Stand wie im April.
Mit einem Nachlassen auf dem Wohnungsmarkt und mit einer langsameren
Rate der Spareinlagen in Sparerinstitutionen schienen Baubeginne in eine
Richtung nach unten zu zeigen. Im April nahmen die Baubeginne im dritten
aufeinanderfolgenden Monat ab.
Die industrielle Produktion stieg im April um ein Prozent, wobei Gewinne bei Büroeinrichtungen und Verbrauchsgütern und «materialien erzielt
wurden. Die Produktion von Dauergütern stieg erneut überdurchschnittlich,
obwohl der Eingang von Neuaufträgen auf diesem Sektor nach ersten Berichten
zurückging. In den drei vorangegangenen Monaten waren die Neuaufträge für
Dauergüter durchschnittlich um vier Prozent monatlich gestiegen.
Die wachsende Produktion brachte in privaten Erzeugungsstätten außerhalb der Landwirtschaft eine erhöhte Beschäftigung und eine längere Arbeitswoche. Mit einem mäßigen Anstieg der Durchschnittstundenlöhne stieg das
Arbeitnehmereinkommen auf Jahresbasis umgerechnet um fast sechs Milliarden
Dollar oder 5,5 Milliarden Dollar, wenn man Lohnnachzahlungen berücksichtigt.
Die letztere Zahl entspricht in etwa der durchschnittlichen Zunahme in den
Monaten Februar und März.
Die Großhandelspreise stiegen im April (saisonbereinigt) um ein Prozent,
nachdem sie im Februar und März 1973 um durchschnittlich zwei Prozent monatlich und im Jahre 1972 um durchschnittlich 0,5 Prozent angestiegen waren. Bei

-2-

�Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und verarbeiteten Lebensmitteln zeichnete sich kaum eine Preisveränderung ab, die Industriepreise stiegen jedoch
im dritten aufeinanderfolgenden Monat sehr stark an (um 1,3 Prozent). Der
Verbraucherindex stieg im April (saisonbereinigt) um 0,6 Prozent, d.h. etwas
weniger als im Februar und im März. Im Vergleich zu Februar und März spiegelte sich diese Verbesserung in einem sehr viel langsameren Anstieg der Einzelhandelspreise für Lebensmittel wider..
Bereinigtes Bruttosozialprodukt für das erste Quartal:
Nach den bereinigten Daten stieg das Bruttosozialprodukt im ersten
Quartal etwas mehr, als die vorläufigen Zahlen hatten erkennen lassen. Der
Großteil der Berichtigung nach oben entfällt auf höhere Preise. Die vorläufigen Zahlen für Gesellschaftsgewinne stellen die Zunahme des Buchgewinns vor
Abzug der Steuern auf 11,6 Milliarden Dollar (Jahresrate), wovon sich der
größte Teil in einer Zunahme der Lagerbestände widerspiegelt. Was also die
Darstellung der Gewinne als Nationaleinkommen angeht, so betrug die Zunahme
der Gewinne im ersten Quartal nach Abrechnung der Lagerbestandsgewinne nur
3,4 Milliarden Dollar.
Zahlungsbilanz:
Die vorläufigen Daten zeigen eine Verschlechterung des Defizits der amtlichen Reservetransaktionen von 1,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal
(1972) auf 10,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal (1973). Das neue NettoLiquiditätsdefizit war ebenfalls schlechter. Die Defizite und negativen Verlagerungen hingen eng mit den starken Kapitalabflüssen zusammen, die hauptsächlich auf die Unsicherheit auf den Devisenmärkten zurückzuführen waren.
Gleichzeitig jedoch verbesserte sich das Defizit bei Gütern und Dienstleistungen."
Auf einer Pressekonferenz bezeichnete Dr. Stein die Zahlen für April
als ein erstes Zeichen für einen Rückgang der Inflationsflut. "Wir

-3-

haben

�haben eine Taube ausgesandt'1, so sagte er, "und sie ist mit einem Ölzweig
zurückgekehrt."

Dr. Stein wies darauf hin, daß die Daten einer erwarteten

Entwicklung entsprächen, warnte jedoch davor, daraus voreilige Schlüsse zu
ziehen. "Ein Ölzweig", so betonte er, "macht noch keinen Wald." Aufgrund
der vorliegenden Indikatoren, so erklärte er weiter, plane die amerikanische Regierung keine Verschärfung der Lohn-und Preiskontrollen, werde jedoch ihre restriktive Geld-und Haushaltspolitik fortsetzen.

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20/1973

DENT BEGRÜSST VERBESSERUNG DER HANDELSBILANZ
-Erklärung des US-Handelsministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat die fortschreitende Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz, die
im April erstmalig seit 18 Monaten wieder zu einem Überschuß von 196,3
Millionen Dollar geführt hat, begrüßt. Die vom amerikanischen Handelsministerium am 24. Mai veröffentlichte Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Handel der USA hatte im April einen Überschuß von 196,3 Millionen
Dollar aufzuweisen. Damit ist der amerikanische Außenhandel zum ersten Mal
seit eineinhalb Jahren wieder in die schwarzen Zahlen gelangt. Die sich
bereits im März abzeichnende Verbesserung, als das Handelsdefizit erheblich
auf 52,6 Millionen Dollar zurückging, hat sich weiter fortgesetzt.
Die Exporte sind im April gegenüber März - saisonbereinigt - um zwei
Prozent auf 5 487 Millionen Dollar gestiegen, während die Importe um 2,6
Prozent auf 5 291 Millionen Dollar zurückgingen. Der April war damit der
dritte aufeinanderfolgende Monat, in dem die Exporte neue Rekorde zu verzeichnen hatten. Die Importe gingen im zweiten aufeinanderfolgenden Monat
zurück.
Die

-1-

�Die Zunahme der Exporte im April war in erster Linie auf höhere Ausfuhren industrieller Erzeugnisse, vor allem Chemikalien, zurückzuführen.
Die Lieferungen von Maschinen nahmen ebenfalls zu. Die Agrarexporte hielten sich weiter auf dem hohen Stand des Monats März. Die Importe gingen
ganz allgemein zurück, wobei besonders Waren aus Kanada, Westeuropa und Japan betroffen waren. Der stärkste Rückgang war bei Kraftfahrzeugen und KfzTeilen sowie industriellen Erzeugnissen zu verzeichnen,,
Die positive Veränderung der Handelsbilanz im April war zum größten
Teil auf einen Abbau des Defizits gegenüber Kanada zurückzuführen. Auf der
anderen Seite war bei dem Handelsungleichgewicht der USA gegenüber Japan
nur ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Der Handelsüberschuß gegenüber
Westeuropa war im April etwas niedriger als im März.
Die anhaltende Verbesserung unserer Handelsposition im April ist als
bedeutsam zu werten, da der Export eine beachtliche Stärke und der Import
eine gewisse Schwäche zeigte. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, daß
die Wechselkursänderungen der beiden letzten Jahre eine stimulierende Wirkung auf den Absatz von in den USA hergestellten Erzeugnissen ausgeübt
haben, der im übrigen auch von dem Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern profitierte und sich dämpfend auf unsere Käufe ausländischer Erzeugnisse ausgewirkt hat. Es ist jedoch noch zu früh, das Ausmaß der Verbesserung
unserer Handelsbilanz für das gesamte Jahr vorauszusagen.

- Der Handel in den Monaten Januar bis April 1973 Um eine richtige Perspektive zu erhalten, ist es angebracht, die Entwicklung des Handels in den Monaten Januar bis April 1973 mit der in den
vorangegangenen vier Monaten zu vergleichen. Auf dieser Basis wiesen die
Exporte eine Zunahme um 19 Prozent und die Importe eine Zunahme um 11 Prozent auf. Gleichzeitig ging das Handelsdefizit, das in den Monaten September

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September bis Dezember 1972 eine Jahresrate von 5,9 Milliarden Dollar aufgewiesen hatte, stark zurück und zwar auf eine Jahresrate von 1,9 Milliarden Dollar.
Die in den Monaten Januar bis April 1973 erzielte Ausweitung des Exports gegenüber dem unmittelbar davor liegenden Viermonatszeitraum verteilt sich gleichmäßig auf landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Erzeugnisse. Bei den nichtlandwirtschaftlichen Erzeugnissen verteilt
sich die Zunahme auf zahlreiche Warengruppen - unter anderem größere Lieferungen von Maschinen, verstärkte Ausfuhren der Autoindustrie nach Kanada,
Flugzeuge und zahlreiche industrielle Erzeugnisse wie Chemikalien und Stahl.
Die starke Ausweitung dieser Exporte ist auf die erhebliche Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit in anderen Ländern in diesem Jahr und die stimulierende Wirkung der Wechselkursänderungen zurückzuführen. Die Agrarexporte haben
einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Ausweitung der Gesamtausfuhr
gehabt, da die Verkäufe von Getreide und Sojabohnen zu wesentlich höheren
Preisen äußerst lebhafte Formen annahmen.
i

Die Zunahme der Importe war weit geringer, als dies bei den Exporten
der Fall war, und verteilt sich auf alle wichtigen Warengruppen, wobei in»
dustrielle Erzeugnisse an der Spitze standen. Die Importe der Autoindustrie
nahmen stark zu, vor allem von den amerikanischen Tochtergesellschaften in
Kanada, aber auch aus anderen Ländern. Die Einfuhr von Kapitalgütern wie
auch von Verbrauchsgütern erhöhte sich beträchtlich.
Die bisherige Stärkung unserer Handelsposition in diesem Jahr - gegenüber den letzten vier Monaten des Jahres 1972 - ist zu einem großen Teil
auf einen beträchtlichen Abbau des Handelsdefizits gegenüber Japan zurückzuführen, wo die Exporte stark anstiegen, während die Importe unverändert
blieben. Der geringe, in den Monaten September bis Dezember 1972 gegenüber
Westeuropa erzielte Handelsüberschuß erhöhte sich beträchtlich. Die

-3-

�Die positive Bilanz gegenüber Osteuropa konnte ebenfalls gefestigt werden.
Obwohl die Exporte nach Kanada stiegen, war die Zunahme der Importe noch
größer, was zu einer Ausweitung des Handelsdefizits gegenüber diesem Land
führte."

-4-

�</text>
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08-85432

6. Juni 1973

21

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Belebung des transatlantischen Dialogs
Von Paul W. McCracken

INFORMATION:
Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen
Partnerschaft
-Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. MaiUS-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA »73

WIRTSCHAFT:
Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergnjndmaterial

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BELEBUNG DES TRANSATLANTISCHEN'DIALOGS

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Professor für Betriebswirtschaft an der
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Universität von Michigan, Paul W. McCräcken,
hat in einem Artikel im Wall Street Journal am 24. Mai seine Auffassungen bezüglieh der Aussichten des transatlantischen
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hier im Wortlaut wieder.
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Copyright (c) 1973 by Dow Jones &amp; Co., Inc.
Für die internationale Wirtschaft ist eingutes Erntejahr zu erwarten.
Im September.ist in Tokio der Beginn einer neuen Runde von Verhandlungen
.., über einen Abbau der Handelsschranken; vorgesehen, und die Administration
(in Washington) hat bereits Gesetzesvorlagen unterbreitet, um .dem Präsidenten die notwendigen Verhandlungsvollmachten zu geben. Ferner arbeitet
der Zwanzigeraus'schuß mit Nachdruck an Vorschlagen für ein neues inter;

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nationales Währüngssystem, die aller Voraussicht: nach'auf der Jahrestagung
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�Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Septem,
ber Beachtung finden werden.
Wie stehen die Aussichten?
Nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre eine optimistische Er«
Wartung am Platze* Trotz all der Währungsunruhen und «krisen der letzten
zwei Jahre scheint die internationale Wirtschaft noch sehr lebendig zu sein.
Zunächst einmal hat sich'das Volumen des Welthandels weiterhin kräftig ausgeweitet. Die Exporte der zehn wichtigsten Handelsnationen, die allein drei
Viertel des gesamten Welthandels ausmachen, liegen heute etwa 20 Prozent
höher als vor einem Jahr. Wenn diese Expansion auch zum Teil auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist, so scheint das Volumen doch auch - in realer
Kaufkraft gemessen - etwas rascher gestiegen zu sein als Produktion und Realeinkommen. Die Kräfte, die eine Ausweitung des Volumens des internationalen
Handels und Wandels bewirken, scheinen sehr standhaft zu sein. Sie machen
sich weiterhin wirksam bemerkbar.
Zum anderen fängt das anhaltende amerikanische Handelsdefizit an, erste
Anzeichen einer Verbesserung zu zeigen. Es ist bedeutsam, daß während der
nachhaltigen Expansion in den USA das Handelsdefizit von einer Jahresrate von
6,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972 auf eine Rate von 6,0 Milliarden Dollar im zweiten Halbjahr und auf eine Rate von 3,7 Milliarden Dollar im
ersten Quartal 1973 gesunken ist. Die Verbesserung im ersten Quartal dieses
Jahres war zu dramatisch, als daß sie aufrechterhalten werden könnte, und
man muß damit rechnen, daß die weitere Abwertung des Dollar im Februar die
übliche kurzfristige negative Auswirkung auf unseren Handel haben wird.
Aber es ist bedeutsam, daß der allgemeine Trend des Defizits seit einem Jahr
nach unten geht, und zwar trotz der einem Boom im eigenen Lande innewohnenden starken Tendenz, Importe anzuziehen.
Darüber hinaus gibt es heute genug Fälle, wo ausländische Firmen ihre
Pläne aufgeben, in den amerikanischen Markt einzudringen, was darauf schliessen läßt, daß die Abwertung von 1971, die allgemein höheren Inflationsraten

.2*

�Inflationsraten im Ausland und jetzt die neuerliche Dollarabwertung das
amerikanische Preis-Kosten-Niveau wieder auf den Stand des Auslandes gebracht
haben. Man könnte sogar argumentieren, daß der Dollar an einem relativen
Preis-Kosten-Stand gemessen im Grunde etwas unterbewertet ist.
Und schließlich haben Wir bereits ein stabileres internationales Währungssystem erreicht, indem wir ein Floaten der Wechselkurse zulassen. Es
hat schon immer logische Gründe für die Überzeugung gegeben, daß - so paradox das klingen mag - starre Wechselkurse internationale Währungsinstabilität
und flexible Kurse ein stabileres System bedeuten. Der Grund ist natürlich
ganz einfach. Wenn die Wechselkurse sich nicht anpassen können, wen Preise,
Kosten und technologische Bedingungen sich in den verschiedenen Ländern mit
unterschiedlichen Raten bewegen, dann tritt die besonders starke Währung
beispielsweise an den ausländischen Devisenmarkt mit einer gewissen einseitigen Unsicherheit heran. Die einzige Unsicherheit ist, wann und um wieviel
diese Währung aufgewertet werden muß. Hier besteht also ganz offensichtlich
kein Risiko nach unten. Die natürliche Folge ist eine Lawine von Geld, das
dieses Land überflutet. Obwohl die unvermeidliche Heraufsetzung des Wechselkurses den Spekulanten angelastet werden kann, liegt die eigentliche Ursache
in dem Wechselkursmechanismus, der die Märkte mit einer einseitigen Unsicherheit konfrontiert hat.
Wenn sich die Wechselkurse frei bewegen können, dann wird eine Verlagerung von Geldern nach einem Lande dessen Währung stärken. Aber je*der, der
Geld in dieser Währung anlegt, muß auch mit einem Risiko nach unten rechnen».
Es besteht also entschieden weniger Anreiz, in einer solchen im Entstehen begriffenen Flutwelle mitzuschwimmen. Wir haben das im Mai erlebt, als Gerüchte
über eine mögliche weitere Aufwertung der DM im Rahmen des Antiinflationsprogramms der Bundesrepublik Deutschland zu einer kurzen Unruhe führten. Es
traten jedoch keine Flutwellen auf, und die Märkte blieben im allgemeinen im
Rahmen.
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Das gegenwärtige System flexibler Kurse hat noch ein weiteres Problem
gemildert - die Tatsache nämlich, daß die Außenhandelsziele von Nationen von
Natur aus unvereinbar sind. Die meisten Länder wollen mehr exportieren als
importieren - wag schwer zu erreichen ist, denn

der Export des einen ist der

Import des anderen. Der Versuch, dies im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse zu erzielen, fordert jedpch einfach das Risiko heraus, daß aus Wettbewerbsgründen gegen den Standard abgewertet wird, und das ist ein Teil des
systematischen Prozesses gewesen, durch den der Dollar (der Standard) schließlich überbewertet.wurde. Wenn ein Land bewußt eine Wechselkurspolitik verfolgt,
die dahin tendiert, seine Währung ständig unterbewertet zu halten, dann kann
es eine störende Wirkung auf die Weitwirtschaft ausüben, die praktisch kaum
erkannt wird, da die Stärke seiner Währungs-und Zahlungsbilanzposition nach
außen Redlichkeit und Tugend zeigen. So ist beispielsweise Frankreich seit
langem dafür bekannt, seinen Wechselkurs auf einem Stand zu halten, der dazu neigt, den Franc unterzubewerten. Die unnötige Abwertung des Franc im
Jahre 1969 ist nur ein Beispiel, und wenn wir in der Geschichte etwas weiter
zurückgehen, so ist die Festlegung des. Franc auf:einen unterbewerteten Kurs
in den zwanziger Jahren ein weiteres.
/
Wir haben deshalb heute ein Währungssystem, das der Dynamik einer rasch
fortschreitenden und unsicheren Welt besser angepast ist,als das System von
Bretton Woods, und Finanzminister und Zentralbankpräsidenten scheinen heute eher geneigt zu sein, das zu akzeptieren,

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Die eigentliche Frage ist, ob Europa und die Vereinigten Staaten miteinander reden können - zumindest in einer sinnvollen und problembezogenen
Weise. Sicherlich

hat Europa einige durchaus berechtigte Gründe, Unbehagen

wegen der Vereinigten Staaten zu empfinden. Hier stehen wir nun nur noch
wenige Monate von den Handelsgesprächen in Tokio, die im September beginnen
sollen, und die Administration hat nicht die Vollmacht, zu verhandeln. Eine
liberale Handelsgesetzgebung ist niemals einfach, und Europa sieht gerade
für das Handelsgesetz dieses Jahres ganz besondere Probleme. Sie umfassen
den gesamten Bereich vom Wiedererstehen einer protektionistischen Einstellung

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�Einstellung bis zu den Befürchtungen, daß die Watergate-Affaire die Administration so unbeweglich machen werde, daß sie nicht in der Lage sein
dürfte, das Handelsgesetz im Kongreß voranzubringen.
Außer der Ungewißheit über die Aussichten für eine Verabschiedung des
Handelsgesetzes, das für .eine Teilnahme der USA an der Handelsgesprächsrunde in Tokio notwendig ist, hegt man in Europa noch weitere allgemeinere Besorgnisse. Das alte Währungssystem hat uns nach ihrer Auffassung die Möglichkeit gegeben - ausgerüstet mit unbegrenzten Mengen der Leitwährung der
Welt (dem Dollar) - überall vorzustoßen, ihre Wirtschaftsunternehmen aufzukaufen und sie mit Dollars zu überfluten, bis sie daran erstickten. Sie
glauben - und in dieser Hinsicht haben sie vielleicht sogar Recht - daß die
amerikanische Geschäftswelt bei weitem nicht so exportorientiert ist, wie
sie es sein sollte. Die amerikanische Inflation, die Mitte der sechziger
Jahre einsetzte, wirft immer noch ihren Schatten weit voraus und der beschleunigte Anstieg unseres Preisniveaus, am Anfang des letzten Jahrzehnts erweckte die Befürchtung, daß Onkel Sam wieder einmal in der Tinte sitzt - durch
Mißmanagement seiner Wirtschaft im eigenen Lande. Nachdem wir die Wirtschaft nach 1965 auf den langen Weg einer beschleunigten Inflation eingestellt
haben, müssen wir mit dem Auftreten von ernsten Besorgnissen im Ausland
rechnen, die selbst bei geringfügigen Tendenzen einer Kursabweichung der
Wirtschaft schon unverhältnismäßig groß sein können.
Was uns betrifft, so haben wir auch einige Sorgen wegen Europa. Die
gemeinsame Agrarpolitik und die bei den EG-Ländern bestehende

Tendenz, für

gewährte Präferenzen von einigen Entwicklungsländern für die eigenen Exporte
Gegenpräferenzen zu erlangen, sind Dinge, die Uncle Sam nicht schmecken wollen. Darüber hinaus erscheinen die Gegenpräferenzabmachungen für die Exporte der Gemeinschaft in diese Länder doch wirklich schon ein wenig wie eine
Reinkarnation des Wirtschaftskolonialismus. Was nun die Inflationsraten in
den bedeutenderen europäischen Ländern anbetrifft, so sehen sie heute
schlechter aus als die der USA, und bei manchen sind die Aussichten für eine
substantielle Verbesserung für die Zukunft nicht gerade rosig. Selbst in

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in einem Land mit einer traditionell so starken Inflationsfurcht wie
Deutschland sind die Preise in der letzten Zeit mit einer Rate von mehr als
acht Prozent gestiegen.
Die Hauptbeschwerde amerikanischerseits scheint jedoch die zu sein, daß
es praktisch unmöglich sei, heute einen Weg zu wirklich bedeutungsvollen
Gesprächen mit Europa zu finden. Wenn man mit einzelnen Regierungen spricht,
dann wird einem gesagt, daß es sich hier um Fragen der Gemeinschaft handele,
zu denen die einzelnen Regierungen keinen unabhängigen Standpunkt einnehmen
oder über die sie unabhängig sprechen könnten. Wenn man zur Gemeinschaft
geht, dann wird einem erklärt,daß man dazu nicht viel sagen könne, weil die
Mitglieder noch keinen gemeinsamen Standpunkt hätten.
Diese Sackgasse wird auf vielerlei Weise sichtbar. Die Europäer sind
schnell dabei, die allgemeinen Richtlinien von Finanzminister Shultz für
eine Währungsreform zu kritisieren, aber sie sind nicht in der Lage, eine
Alternative der Gemeinschaft anzubieten. Sie reagieren kühl auf die Rede
Kissingers, in der er eine Atlantikcharta vorschlug, aber sie sind offensichtlich nicht in der Lage, irgend etwas Konstruktives dagegenzusetzen, Sie versteifen sich auf eine Währungsunion ihrer eigenen Währungen (ohne Pfund und
Lira), aber sie sind nicht bereit, jeweils das Maß an Kontrolle über die
Geld-und Fiskalpolitik im eigenen Land aufzugeben, das notwendig ist, wenn
die Währungsunion eine vernünftige Aussicht auf Bestand haben soll.
Wenn im Hinblick auf Tokio vielleicht Ungewißheit bestehen mag, ob die
amerikanische Delegation Verhandlungsvollmacht haben wird, so kann doch kaum
Ungewißheit darüber bestehen, was sie will. Die Delegierten der Gemeinschaft
werden Verhandlungsvollmacht haben, aber sie werden möglicherweise mit keinem
klaren Auftrag dessen eintreffen, was sie eigentlich wollen.

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�- Viel Anlaß zum Nachdenken Wenn wir dieses wichtige Jahr einigermaßen konstruktiv überstehen wollen, dann müssen wir auf beiden Seiten noch über Vieles nachdenken. Was uns
hier in Amerika anbetrifft, so brauchen wir offensichtlich eine Handelsgesetzgebung im Sinne der Regierungsvorlage. Für uns geht es jetzt um eine
multilaterale Handelswelt und eine Welt schwindender Schranken.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die Aufgabe, das Zusammenschmieden einer Europäischen Gemeinschaft zu vollenden, e ine Aufgabe ist, die
fast alle Vorstellungen übersteigt. Das Bemerkenswerte ist nicht, daß dieses Unterfangen so schwierig und so verdrießlich ist, sondern daß es überhaupt in Angriff genommen wird. Die Völker d.er Gemeinschaft stehen heute
vor all den Problemen (nur noch durch größere sprachliche, kulturelle und
politische Unterschiede ins Vielfache gesteigert), vor denen unsere Kolonien vor 200 Jahren standen, als sie versuchten, mit den Artikeln der
Konföderation unabhängig zu handeln.
Die Europäer haben selbstverständlich auch ihre Verantwortungen. Die
Ermahnung, die übrige Welt müsse geduldig warten, während sie komplexe
und schwierige innere Probleme der Gemeinschaft lösen, wird nicht ziehen.
Rund drei Viertel der Weltwirtschaft ist "dort draußen" außerhalb der Gemeinschaft. Diese Weltwirtschaft hat ihre eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten,
und sie wird nicht in atemloser Spannung warten, bis die Gemeinschaft ihre
eigenen Probleme gelöst hat. Europa muß daher einige seiner Gedanken auf
konstruktive Ideen für die Gestaltung der gesamten Weltwirtschaft ausdehnen.
Die übrige Welt, und ganz besonders die Vereinigten Staaten, werden langsam
eines Europa müde, das sich auf negative Reaktionen auf die Initiativen anderer beschränkt. Dies wäre eine Strategie des internationalen wirtschaftlichen Zerfalls.

Sicherlich

�Sicherlich könnten die Probleme hier wesentlich abgeschwächt werden,
wenn jede Seite "sich ein bißchen mehr bemühen würde", wirklich herauszufinden, worauf die andere Seite in der Sache hinauswill, aber vielleicht leiden
wir auch darunter, daß wir keine zureichende Struktur haben, innerhalb derer
der Dialog stattfinden könnte. Früher wurden Kriege um weniger bedeutsamer
Dinge willen angefangen als die blutrünstigen Worte, die sich der französische und der deutsche Landwirtschaftsminister kürzlich wegen der Preise an
den Kopf warfen.Aber Frankreich und Deutschland leben in Frieden miteinander, und es wurde Übereinstimmung erzielt. Die Balken der Gemeinschaft wurden auf die Probe gestellt und sie hielten.
Dies schien die "große Idee" in der kürzlichen Rede Henry Kissingers
zu sein, und sie war vernünftig. Aber leider haben wir uns sofort in transatlantischen Argumenten festgefahren, ob "Jahr Europa" oder "neue Atlantikcharta" sehr gute Formulierungen seien.
Wenn wir unseren Dialog nicht mehr auf sachliche Argumente ausrichten
können als bisher, dann wird das Jahr 1973 nicht als ein irgendwie besonderes Jahr in die Geschichtsbücher eingehen.

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21/1973
TREFFEN NIXON-POMPIDOU IM ZEICHEN DER ERNEUERUNG DER ATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
-Erklärung Dr.Kissingers in Reykjavik am 31.Mai-

REYKJAVIK — ( A D ) — Das Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem französischen Staatspräsidenten George Pompidou stand im Zeichen einer Erneuerung der atlantischen Partnerschaft zwischen Europa und Amerika. Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou waren am 30. Mai auf Island eingetroffen und reisten am 1. Juni in ihre Hauptstädte zurück.
Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, gab auf einer Pressekonferenz in Reykjavik am
31. Mai in einer Erklärung die wesentlichen Punkte der Gipfelkonferenz
wieder:
"Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen zunächst meine Aufzeichnungen darüber verlesen, was nach Vereinbarung zwischen Präsident Pompidou und
Präsident Nixon am Ende ihrer Zusammenkunft bekanntgegeben werden kann. Es
handelt sich hier nicht um eine offizielle Erklärung, doch haben sich beide Seiten damit einverstanden erklärt, daß diese Erklärung in der vorliegenden Form abgegeben wird. Ich wiederhole nochmals, daß es sich nicht um eine
offizielle Erklärung

handelt. Es handelt sich um Notizen, die nach Überein-

stimmung von Präsident Pompidou und Präsident Nixon den Inhalt ihrer Gespräche wiedergeben.
Wie

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Wie Ron Ziegler (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ihnen bereits
mitgeteilt hat, haben die beiden Präsidenten heute Vormittag in einem nützlichen und konstruktiven Geist ein Gespräch über die internationale Lage
und die Beziehungen innerhalb des atlantischen Bündnisses geführt.
Im Verlaufe dieses Gespräches hat Präsident Pompidou die wichtige Rolle der amerikanischen Truppen in Europa und die Gefahr einer einseitigen Verringerung dieser Truppen unterstrichen.
Präsident Nixon hat zu verstehen gegeben, daß er mit der Beurteilung
Präsident Pompidous voll und ganz übereinstimme.
Im Zusammenhang mit dem, was wir in den Vereinigten Staaten das 'Jahr
Europas* nennen, haben die beiden Präsidenten vereinbart, daß diese Konzeption in engster Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten durch bilaterale Gespräche und einen Gedankenaustausch auf hoher Ebene
verwirklicht werden sollte.
Außenminister Jobert und ich werden diesen Gedankenaustausch weiterführen und unsere erste Zusammenkunft wird am 7, Juni in Paris stattfinden,
wenn ich zu den Vietnam-Verhandlungen dort sein werde.

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Die Verhandlungen innerhalb des Bündnisses über spezifische Fragen, die
gegenwärtig bereits im Gange sind oder die noch aufgenommen werden mögen,
werden in den bestehenden Gremien fortgesetzt werden. Beide Präsidenten haben
vereinbart, daß je nach den in diesen Gremien erzielten Fortschritten eine
Zusammenkunft auf der Ebene der stellvertretenden Außenminister auf einer
ad hoc Basis wünschenswert werden könnte, um festzustellen, inwieweit sich
die Ergebnisse dieses bilateralen Gedankenaustausches und des in den anderen
Gremien geführten multilateralen Gedankenaustausches für eine mögliche Einbeziehung in eine Prinzipienerklärung eignen.
Ob ein Gipfeltreffen der führenden europäischen Staatsmänner mit dem
Präsidenten stattfinden sollte oder nicht, wird entschieden werden, sobald die
Ergebnisse all dieser anderen Verhandlungen ausgewertet werden können.
Auf

-2-

�Auf jeden Fall wird Präsident Nixon nach Europa kommen, um seine Kontakte mit den verschiedenen führenden Staatsmännern fortzusetzen.
Was die Handelsfragen anbetrifft, so haben beide Seiten vereinbart,
weiter in einem kooperativen und konstruktiven Geist vorzugehen. Zu den
Währungsfragen gab der französische Staatspräsident eine umfassende Darlegung seiner Ansichten und Präsident Nixon sagte zu, daß wir sie sehr aufmerksam und mit einer positiven Einstellung prüfen würden.
Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß unsere Interessen
identisch sind und daß die einzige Meinungsverschiedenheit zwischen unseren
beiden Nationen darin besteht, wie wir die gemeinsamen Ziele am besten erreichen können.
Das war der wesentliche Inhalt der heutigen Gespräche.
Neben den Ihnen mitgeteilten Themen gab es noch ein kurzes Gespräch über
Südostasien und den Nahen Osten - Themen, die bei den Zusammenkünften der
Außenminister ausführlicher behandelt worden waren.
Morgen werden Präsident Nixon und Präsident Pompidou sich den bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich zuwenden und
wir sind zuversichtlich, daß diese Gespräche in dem gleichen konstruktiven
und freundschaftlichen Geist wie heute stattfinden werden."

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21/1973
US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF D£R ACHEMA «73

--(AD)— Die Vereinigten Staaten sind auf der ACHEMA »73 mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, auf dem über 40 amerikanische Hersteller ihre
neuesten Erzeugnisse zeigen.
Der Schwerpunkt der US-Gemeinschaftsschau liegt auf dem Gebiet der Laboratoriumstechnik, auf das rund 60 Prozent der Aussteller entfallen. 20
Prozent der anwesenden Firmen zeigen Instrumente und Geräte für die Meß»
und Regeltechnik und weitere 20 Prozent Anlagen und Einrichtungen für die
Verfahrenstechnik.
Über die Hälfte der Aussteller im amerikanischen Pavillon sind an
Kontakten zu deutschen Unternehmen interessiert mit dem Ziel, Lizenzabkommen zu treffen oder Vertriebsverträge abzuschließen.
Der amerikanische Gemeinschaftsstand ist in Halle la untergebracht
und wird vom US-Handelszentrum Frankfurt organisatorisch betreut. Weitere
Auskünfte erteilt das US-Handelszentrum, 6 000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, Telefon 72 08 01, Telex 416535.

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21/1973

WASHINGTON RECHNET MIT WACHSENDEN HANDELSÜBERSCHÜSSEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON —(AD)..- In Washington gibt man sich, was die weitere Entwicklung der amerikanischen Zahlungsbilanz anbetrifft, neuerdings wieder recht
optimistisch.
Dies lassen sowohl Äußerungen von Mitgliedern des Federal Reserve
Board (US-Bundesbank) wie auch maßgebender Vertreter der Regierung in jüngster Zeit erkennen. So bezeichnete der Experte für internationale Währungsfragen des Federal Reserve Board, J. Dewey Daane, in diesen Tagen die längerfristigen Aussichten für die internationale Zahlungsbilanz der USA
- und damit für den US-Dollar - als "erheblich besser" als dies seit langem
der Fall gewesen sei.
Diesen "vorsichtigen Optimismus" begründet Daane mit den letzten Statistiken über die Entwicklung des amerikanischen Außenhandels. Das Handelsdefizit der USA hatte Anfang 1972 mit einer Jahresrate von fast 8 Milliarden Dollar ihren bisher höchsten Stand erreicht. Seitdem war eine ständige
Verbesserung der Handelsbilanz zu verzeichnen, die gerade in den letzten
Monaten besonders stark war. So belief sich die Jahresrate des amerikanischen Handelsdefizits in den Monaten Januar bis April 1973 auf rund
2 Milliarden Dollar gegenüber einem Defizit von 6,8 Milliarden Dollar für
das gesamte Jahr 1972.
Der

-1-

�Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hatte bereits auf dem vom Weißen Haus veranstalteten
Wirtschaftsseminar auf diese stetige Verbesserung der US-Handelsbilanz verwiesen und betont, daß sich die Situation nunmehr im positiven Sinne zu
entwickeln scheine. Allerdings hatte Volcker einschränkend hinzugefügt:
"Ich möchte diesen Zahlen nicht zu viel Bedeutung beimessen, da sie das
Tempo, mit dem sich diese Entwicklung vollzieht, vielleicht zu schnell erscheinen lassen. Trotzdem werte ich sie als ein Zeichen dafür, daß sich
das zugrundeliegende Problem nach den sehr beträchtlichen Anstrengungen
nunmehr in der von uns gewünschten Richtung zu entwickeln beginnt."
Die in letzter Zeit eingetretene Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz ist natürlich auch zu einem großen Teil auf die ungewöhnlich starke Zunahme der US-Agrarexporte zurückzuführen, vor allem auf die umfangreichen Lieferungen an die Sowjetunion. Amerikanische Regierungskreise rechnen
damit, daß diese Entwicklung weiterhin anhalten und so zu einer Verbesserung
der Handelsbilanz beitragen wird. Allerdings glauben sie nicht, daß die ungewöhnlich hohe Zuwachsrate der Agrarexporte in den letzten Monaten auf die
Dauer aufrechterhalten werden kann.
Aus all diesen Gründen glaubt Daane nicht, daß die tatsächliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz wirklich so groß ist, wie dies die
letzten Statistiken vermuten lassen. Auch warnt er, daß eventuell mit vorübergehenden Rückschlägen in den nächsten Monaten zu rechnen sein könnte, da
die Dollarpreise der Importgüter aufgrund der Wechselkursänderungen in diesem Jahr zunächst steigen werden, weil das Importvolumen sich dem veränderten
Preisniveau noch nicht voll angepaßt hat. Trotzdem, so erklärte Daane, "hat
es solide Fortschritte gegeben". Selbst wenn man den Anstieg der Agrarexporte
außer Betracht läßt, lassen die Handelsstatistiken - sowohl auf der Export wie auch auf der Importseite - eine eindeutige Verbesserung erkennen.

Was

-2-

�Was nun die künftige Entwicklung anbetrifft, so rechnet Daane für die
letzten Monate dieses Jahres sowie für 1974 mit einer weiteren Verbesserung
der US-Handelsbilanz - nicht nur aufgrund der kumulierenden Wirkung der verbesserten Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten, sondern auch als Folge
der sich zu Gunsten der USA vollziehenden internationalen Wirtschaftsentwicklung. Während sich das Wachstumstempo der amerikanischen Wirtschaft verlangsamen und auf einem gemäßigten Niveau stabilisieren dürfte, wird der Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern mit unverminderter Kraft anhalten.
Hieraus folgt, daß die dieses Jahr einsetzende beträchtliche Verbesserung der
amerikanischen Handelsbilanz sich 1974 und 1975 verstärkt fortsetzen wird,
so daß sich dann - zum ersten Male seit Ende der sechziger Jahre - wieder ein
beträchtlicher Handelsüberschuß ergeben dürfte.
Vor einem Senatsunterausschuß unterstrich Daane, daß er bei seinen Voraussagen die Notwendigkeit steigender amerikanischer Energieimporte voll berücksichtigt habe. Selbst bei ständig wachsenden Energieimporten rechne der
Federal Reserve Board mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA in den
nächsten Jahren. Allerdings, so fügte Daane hinzu, sei die Frage, wo die Öl»
exportländer ihre schnell steigenden Einkünfte aus den Erdölexporten investieren werden, nicht nur für die USA} sondern für das gesamte internationale Wirtschaftssystem von Bedeutung.
Ein wichtiger Grund für den Optimismus, den Washington hinsichtlich der
Entwicklung der amerikanischen Handelsbilanz - und damit auch der amerikanischen Zahlungsbilanz - zur Schau trägt, sind die seit 1970 erfolgten Veränderungen der Währungsparitäten. Der amerikanische Dollar ist gegenüber einigen
Währungen - vor allem dem japanischen Yen und der DM - stärker und gegenüber
anderen Währungen - vor allem den Währungen der Entwicklungsländer - in geringerem Maße abgewertet worden. Im Durchschnitt belief sich die Abwertung
des US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen auf rund 17 Prozent. Dies
ist eine sehr erhebliche Wechselkursanpassung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich verbessert. Und so

�so konnte Daane mit Recht vor dem Ausschuß darauf hinweisen, daß sich mit
Sicherheit erhebliche Auswirkungen auf den amerikanischen Außenhandel ergeben werden. Allerdings lassen sich Umfang und Zeitpunkt der zu erwartenden
Exportausweitung sowie der Verlangsamung der Zuwachsrate bei den Importen
nicht genau voraussagen. Bis sich die Auswirkungen einer Abwertung positiv
auf den Außenhandel niederschlagen, braucht es immer eine gewisse Zeit.
Im Augenblick beginnen die Wechselkursänderungen der Jahre 1970 und 1971
langsam auf die amerikanische Handelsbilanz durchzuschlagen. Die neuerlichen
Wechselkursänderungen werden sich somit erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen, und Daane rechnet damit frühestens für 1974 und 1975.
Die aufgrund des Smithsonian-Abkommens vom Dezember 1971 vorgenommenen
Wechselkursänderungen schlugen nicht so stark durch, wie man sich das in
Washington erhofft hatte. Aber nach den erneuten, in diesem Jahr vorgenommenen
Wechselkursanpassungen sind sowohl das amerikanische Finanzministerium wie
auch der Federal Reserve Board der Meinung, daß nunmehr ein vernünftiges und
realistisches System von Wechselkursen erreicht worden ist. Daher unterstrich
Daane auch auf Fragen der Ausschußmitglieder, daß mit einer eventuellen weiteren Abwertung des US-Dollar niemandem gedient sei und er darin "absolut
keinen Nutzen" sehen könne.

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Belebung des transatlantischen Dialogs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul McCracken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA '73&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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13. Juni 1973

Nummer 22

Inhalt

INFORMATION:
Laird erhielt Großkreuz des Bundesverdienstordens
-Ansprache des neuen PräsidentenberatersRogers unterstreicht Notwendigkeit regionaler Bündnisse
Von Marie H. König

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA halten an realistischer Abschreckungsmacht der NATO fest
-Schlesinger in BrüsselRush umreißt weltweite Verpflichtungen der USA
-Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5.Juni-

WIRTSCHAFT:
US-Finanzministerium rechnet mit steigendem Dollar-Kurs für die
kommenden Monate
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1973

LAIRD ERHIELT GROSSKREUZ DES BUNDESVERDIENSTORDENS
-Ansprache des neuen Präsidentenberaters-

BONN--(AD)-- Der neuernannte Berater des Weißen Hauses für Innenpolitische Angelegenheiten und frühere amerikanische Verteidigungsminister,
Melvin R. Laird, hat am 12. Juni aus der Hand von Bundesverteidigungsminister Georg Leber das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland erhalten. An dem Essen zu Ehren von Laird nahmen unter anderem
der amerikanische Staatssekretär für die Marine (Marineminister) John W„
Warner - ebenfalls zu Besuch in der Bundesrepublik -;Bundesfinanzminister
Helmut Schmidt; der deutsche Botschafter bei der NATO, Franz Krapff; der
Generalinspekteur der Bundeswehr, Admiral Armin Zimmermann; der amerikanische Botschafter in Bonn, Martin J. Hillenbrand

und der Chef der amerika-

nischen Beratergruppe für Militärhilfe, Generalmajor Jack J. Wagstaff, teil.
Die Dankadresse Lairds anläßlich seiner Auszeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Herr Verteidigungsminister Leber, Herr Finanzminister Schmidt,
meine Herren!
Sie haben mir und meinem Lande an diesem Abend eine große Ehre mit der
Verleihung dieser Auszeichnung erwiesen, die unsere Partnerschaft und unsere
Stärke symbolisiert, wenn wir jetzt auf eine Ära der Verhandlungen für den

�den Frieden zuschreiten, Sie erinnern mich aufs lebhafteste an unsere enge
Konsultation und Zusammenarbeit im Interesse des Weltfriedens während der
letzten Jahre,
Wir haben bei vielen Gelegenheiten freimütig und offen miteinander gesprochen - bei einzelnen, bilateralen Gesprächen als Verteidigungsminister
oder auch als Minister und geschätzte Freunde - während der NATO~Konferenzen
Unsere Zusammenkünfte waren stets harmonisch, getragen von einer Bereit»
schaft, unsere Probleme auf einer realistischen Basis gemeinsam anzupacken
sowie in einem wahren Geist deutsch-amerikanischer Partnerschaft im Rahmen
des großen NATO-Bündnisses.
In unseren Zusammenkünften spiegelte sich der stetige Fortschritt wi der, nach dem unsere beiden Nationen in ihrem Ringen um eine realistische
Abschreckung strebten, wie sie für einen dauerhaften Weltfrieden notwendig
und erforderlich ist. Die Bundesrepublik hat in der Tat bemerkenswerte Beiträge zu den für die Erreichung dieses Zieles notwendigen Maßnahmen geleistet. In den letzten vier Jahren, in denen ich die Haltung der Bundesrepublik genau verfolgen konnte, wurden Verträge mit der Sowjetunion und Polen
ausgehandelt und ratifiziert. Es wurden ferner Maßnahmen getroffen, um in
konstruktiver Weise die Situation zu verbessern, der sich die Bewohner der
Westsektoren Berlins gegenübersahen, und um die Zusammenarbeit mit der gesamten deutschen Nation zu verbessern.
Wir haben unsererseits mit den Besuchen Präsident Nixons in Peking und
Moskau Schritte unternommen, um die Beziehungen mit den Führern und der Bevölkerung der kommunistischen Welt zu verbessern. Inzwischen hat auch die
zweite Phase der Gespräche über die Begrenzung der Strategischen Rüstungen
begonnen.
Gemeinsam gehen wir als entschlossene Verbündete weiter auf dem Weg zu
einer Entspannung über die Stationen der Konferenz über Sicherheit und Zu=
sammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki und die Gespräche über eine

-2-

�eine Gemeinsame und Ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte (MBFR) in Wien.
Der jüngste Besuch von Parteichef Breschnew hier in Bonn ist ein weiteres
Beispiel für den Wunsch der Bundesrepublik, mit Begeisterung die neuen Wege
einer internationalen Verständigung zu beschreiten.
Meine eigenen Erfahrungen während meiner vierjährigen Tätigkeit im Verteidigungsministerium und während der vielen Jahre, die ich als Mitglied
des amerikanischen Kongresses tätig war, haben mir gezeigt - und wie ich
glaube auch dem amerikanischen Volk - daß Ihre Nation und meine eigene auch
weiterhin zusammen für den Weltfrieden eintreten können und werden. Unsere
beiden Nationen sind sich bewußt, daß dieser Friede auf der Grundlage der
Partnerschaft und der Stärke beruhen muß.

Um ein Beispiel zu nennen: Ich

begrüße die Schaffung einer Ständigen Seestreitmacht Mittelmeer der NATO,
in der auch die Bundesrepublik vertreten sein wird.
Ich kann Ihnen, meine geschätzten Freunde, versichern, daß ich an der
Verteidigung und an der kontinuierlichen Stärke, Vitalität und dem Zusammenhalt des großen atlantischen Bündnisses und unserer beiden Nationen ein nicht
nachlassendes Interesse habe und weiterhin behalten werde.
Ich grüße Sie und danke Ihnen von ganzem Herzen für die Ehre, die Sie
mir und meinem Lande heute abend erwiesen haben.

rrI

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22/1973

ROGERS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT REGIONALER BÜNDNISSE
Von Marie H. König

TEHERAN --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
erneut die Notwendigkeit regionaler Bündnisse - wie CENTO, NATO und SEATO unterstrichen.
Auf einer Pressekonferenz im Anschluß an die zweitägige Ministerratssitzung der Zentralpaktorganisation (CENTO)betonte der amerikanische Außenminister am 11. Juni, daß derartige regionale Zusammenschlüsse trotz der
Verminderung der Ost-West-Spannungen auch weiterhin wichtig seien. Der
Zentralpal-torganisation gehören der Iran, die Türkei, Pakistan und Großbritannien als Vollmitglieder an, während die Vereinigten Staaten an den
Ratstagungen nur als Beobachter teilnehmen, in den wichtigen CENTO-Ausschüssen jedoch aktiv mitarbeiten.
Rogers, der am 14. und 15. Juni an der Ministerratstagung der NATO in
Kopenhagen teilnimmt, betonte, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen
um eine Entspannung realistisch und nicht euphorisch sehen, und er warnte
vor der Auffassung, Bündnisse als nicht mehr so wichtig zu betrachten, da
die Welt sich in Richtung auf eine Entspannung bewege. Bündnisse wie
CENTO, NATO und SEATO hätten erst die Stärke und Stabilität geschaffen,
die eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den Ländern des Ostens und
des Westens ermöglichten. Rogers zeigte sich in diesem Zusammenhang beson-

-1-

�besonders von der wachsenden Zusammenarbeit zwischen den Ländern am Persischen Golf beeindruckt und betonte, daß gerade dieses Gebiet in den kommenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werde.
Auf den Absatz des CENTO-Kommuniques angesprochen, daß die Außenminister
entschlossen seien, den subversiven Bedrohungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu begegnen, erklärte Rogers, nachdem die Gefahr eines
dritten Weltkrieges oder eines Atomkrieges immer mehr zurückgehe, sei die
Subversion zu einem Mittel zur Ausbreitung von Ideologien geworden. Auch
die Subversion gehöre zu den Punkten, die den Ländern dieses Raumes Sorge
bereiteten, doch sei dies nur eine der Gefahren, vor denen sie auf der Hut
sein müßten. Und noch deutlicher wurde Rogers in einer Ansprache vor Angehörigen der amerikanischen Botschaft, als er betonte, daß die Subversion in
einer Atmosphäre der Entspannung bis hart an die Grenze eines Krieges gehen
könne.
Zu der bekundeten Bereitschaft der Vereinigten Staaten, dem Iran und
Saudi-Arabien militärische Ausrüstungen, darunter auch Phantom-Düsenjäger,
zu liefern, sagte Rogers, die USA glaubten nicht, daß eine Stärkung der iranischen Streitkräfte oder der Wunsch Saudi-Arabiens nach Stärkung seines militärischen Potentials irgendwelche Gefahren heraufbeschwören würden. Im
Gegenteil könnten sich derartige Maßnahmen stabilisierend auswirken.
Der amerikanische Außenminister wies in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß die Sowjetunion ernsthaft bestrebt sei, ihre Beziehungen zu den Vereinig,
ten Staaten wie auch zu den westeuropäischen Ländern zu verbessern. Die USA
seien darüber erfreut, doch lasse sich daraus noch keineswegs folgern, daß
Moskau seine Weltanschauung geändert habe. Und man dürfe daraus auch nicht
den Schluß ziehen, daß die Sowjets künftig nicht mehr versuchen würden, ihren
Einfluß auf andere Gebiete der Welt auszudehnen oder daß sie militärische
Stärke für unwichtig hielten. Genau das Gegenteil sei der Fall. Wörtlich
fügte Rogers hinzu: "Daß wir unsere Beziehungen zu ihnen verbessern konnten,

-2-

�konnten, ist gerade darauf zurückzuführen, daß wir stark sind und daß wir
starke Bündnisse haben."
Bereits in seiner Rede zu Beginn der Ministerratssitzung hatte der
amerikanische Außenminister unterstrichen, daß an Stelle der Konfrontation
nunmehr Verhandlungen treten müßten, um ein weltweites Gebäude des Friedens
zu errichten. Alle Länder, die großen wie die kleinen, könnten hierzu beitragen. Für die Situation im Nahen Osten, so hatte Rogers in diesem Zusammenhang betont, sei es von äußerster Wichtigkeit, daß die Araber und die
Israelis nunmehr ernsthafte Verhandlungen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten würden beide Parteien auch weiterhin dabei unterstützen, Fortschritte
in Richtung auf einen Frieden zu machen, der den legitimen Interessen
aller Betroffenen in diesem Raum gerecht wird.

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22/1973

USA HALTEN AN REALISTISCHER ABSCHRECKUNGSMACHT DER NATO FEST

-Schlesinger in Brüssel»

BRÜSSEL —(AD)--

Die Vereinigten Staaten haben ihre NATO-Verbündeten auf-

gerufen, gemeinsam mit ihnen an einer realistischen Abschreckungsmacht des
Bündnisses festzuhalten, um den Frieden auch weiterhin zu sichern. Die
Haltung der USA legte der designierte amerikanische Verteidigungsminister
Dr. James R. Schlesinger am 8. Juni vor dem NATO-Ausschuß für Verteidigungs«
planung (DPC) auf dessen Halbjahrestagung im Hauptquartier in Brüssel dar.
Dr. Schlesinger, dessen Bestätigung als Verteidigungsminister durch den
Senat noch aussteht, erhielt für seine Reise den Status eines Sonderbeauftragten des Präsidenten.
Wie aus amerikanischen Quellen im Anschluß an die vertrauliche Tagung
zu erfahren war, hat Dr. Schlesinger die NATO-Verteidigungsminister davor
gewarnt, die gegenwärtige Phase der Verhandlungen mit dem Osten bereits als
die Entspannung selbst zu betrachten. Nach diesen Berichten hat Dr. Schlesinger darauf hingewiesen, daß gegenwärtig zwar ein "milder Wind" aus dem
Osten wehe, daß dieser Wind jedoch auch sehr rasch umschlagen und wieder
"rauh" werden könne. Unter solchen unsicheren Bedingungen müsse die seit
so langer Zeit aufgebaute Verteidigung des Westens erhalten und verstärkt
werden. Wie freundlich die Atmosphäre zur Zeit auch scheinen möge, so sei

�sei die eigentliche - nukleare und nicht-nukleare - Bedrohung keineswegs
verschwunden. Dr. Schlesinger soll weiter betont haben, daß der Westen
nicht aus einer Position der Schwäche heraus erfolgreich verhandeln könne.
Nach amtlicher amerikanischer Darstellung hat Dr. Schlesinger drei
Aspekte der amerikanischen Politik hervorgehoben:
1. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine wesentliche Rolle in
der Weltpolitik spielen. Sie werden vor allem an ihrer militärischen Verpflichtung in Europa festhalten. Bei entsprechendem partnerschaftlichem
Verhalten der europäischen Verbündeten werden die USA, wie dies Präsident
Nixon wiederholt zugesagt hat, ihre Streitkräfte in Europa aufrechterhalten
und verbessern. Eine Verringerung kann und wird nur im Rahmen eines verifizierbaren MBFR-Abkommen erfolgen.
2. Die Zeit ist vorbei, da die Vereinigten Staaten sich um alle Probleme überall auf der Welt kümmern können.
3. Die europäischen Nationen sind heute militärisch und wirtschaftlich
stärker als je zuvor und daher in der Lage, eine größere Verantwortung für
die gemeinsame Verteidigung zu übernehmen. Dr. Schlesinger soll in diesem
Zusammenhang die Hauptrolle der USA in der nuklearen Abschreckung bestätigt
und zugesichert haben. In einer Ära der nuklearen Parität komme jedoch der
konventionellen Stärke nur eine relativ größere Abschreckungswirkung und damit Bedeutung zu.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite unterstrichen wird, hat Dr.
Schlesinger großen Nachdruck auf die Aufrechterhaltung der konventionellen
Stärke des Bündnisses gelegt. Es würde für die Vereinigten Staaten schwierig, ihre Zusage in den kommenden Jahren erfüllen zu können, wenn einige
ihrer Partner in Europa die Einsatzkraft ihrer konventionellen Streitkräfte
verringern. Jeder der Beteiligten müsse seinen Anteil an der Gesamtlast
tragen.
Dr.

-2-

�Dr. Schlesinger hat, wie von amtlicher Seite berichtet wird, die
pessimistische Auffassung abgelehnt, dis NATO werde in den kommenden Jahren
keine wirksame konventionelle Abschreckung aufrechterhalten können. Die
NATO habe heute eine ausreichende konventionelle Abschreckungsstärke und
verfüge über die Mittel und die Kapazität, sie in Zukunft aufrechtzuerhalten.
Aus amtlichen amerikanischen Kreisen verlautet in diesem Zusammenhang,
daß die USA hier an bestimmte Verbesserungen auf konventionellem Gebiet
denken. Einige dieser Ziele gehören in den Rahmen des vor zwei Jahren vereinbarten Programms für die Verbesserung der Verteidigung in den siebziger
Jahren -AD-70.
Bezüglich der NATO-Strategie hat Dr. Schlesinger nach Aussagen amerikanischer Quellen betont, daß die Vereinigten Staaten Vertrauen in die
Strategie der abgestuften Antwort (flexible response), der Vorne-Verteidigung und der realistischen Abschreckung hätten, und die Hoffnung ausgesprochen, daß sich das Bündnis auch in Zukunft von den eigentlichen Prioritäten
leiten lassen werde.
Wie aus amtlichen Quellen verlautet, hat Dr. Schlesinger ferner ein
multilaterales Programm der Verbündeten für den Ausgleich der hohen amerikanischen Ausgaben im Rahmen der NATO-Verteidigung angeregt. Spezifische
Vorschläge seien jedoch nicht unterbreitet worden. Die USA warteten auf
Vorschläge seitens der Verbündeten, und die Reaktion auf die Bemerkung
Dr. Schlesingers bezüglich der Lastenteilung sei durchaus verständnisvoll
gewesen.
Der NATO-Ausschuß für Verteidigungsplanung nahm ferner die vorangegangenen Beratungen von zehn europäischen Verteidigungsministern, der sogenannten "Euro-Gruppe" zur Kenntnis, die sich vor allem mit einer stärkeren
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rüstung befaßt hatte. Die Minister be-

-3-

�begrüßten im Zusammenhang mit der einhelligen Zielsetzung, die Sicherheit
auch weiterhin zu gewährleisten, die Zusicherung Dr. Schlesingers ganz besonders, daß die USA an ihren Verpflichtungen in Europa festhalten wollen.

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22/1973

RUSH UMREISST WELTWEITE VERPFLICHTUNGEN DER USA
-Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5.Juni-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten Staaten und frühere amerikanische Botschafter in Bonn, Kenneth Rush, hat am
5. Juni vor der Führungsakademie der US-Streitkräfte die weltweiten Aufgaben und Verpflichtungen der USA unterstrichen. Die Rede Rushs hat in
wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
"Präsident Nixon hat bei seiner Amtsübernahme eine große Zahl internationaler Verpflichtungen übernommen, die vor ihm eingegangen worden sind.
Er hat, wie versprochen, an diesen Verpflichtungen festgehalten. Aber die
Vereinigten Staaten haben noch zwei weitere Dinge getan:
Erstens, wir haben unsere Partner ermutigt, selbst mehr zu tun. So
haben wir beispielsweise in Vietnam mit Erfolg das Vietnamisierungsprogramm
abgeschlossen. In Europa übernehmen unsere Verbündeten einen größeren Anteil an der Verteidigungslast und stellen heute 90 Prozent der Truppen
für die NATO.
Zweitens, wir haben hart und erfolgreich daran gearbeitet, die Art
unserer Beziehungen zum kommunistischen China und zur Sowjetunion zu ändern.
Heute tritt die Konzeption an die Stelle der Konfrontation, die unsere Beziehungen kennzeichnete, als Präsident Nixon sein Amt übernahm.

Ich

�Ich möchte ein paar Worte über dieses zweite Element sagen, da unsere
veränderten Beziehungen zu unseren früheren Gegnern manche Leute veranlaßt
haben, den Wert unserer fortdauernden Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten in Frage zu stellen.
Für mich liegt es auf der Hand, daß der Fortschritt, den wir mit der
Sowjetunion und China erzielt haben, nur möglich war, weil sie und unsere
Verbündeten an unsere Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit geglaubt haben.
Sowohl Freund wie Gegner wußten, daß wir zu unseren Verpflichtungen stehen
würden. Aufgrund dieser Tatsache waren wir in der Lage, mit der Sowjetunion
und mit China zu verhandeln, ohne das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben oder den Respekt unserer Gegner vor unserer Entschlossenheit zu mindern.
Während meiner Zeit als Botschafter in Deutschland hatte ich das Privileg, mit über das Berlin-Abkommen zu verhandeln, durch das diese Stadt aufhörte, eine Quelle ständiger Spannungen in den Ost-West-Beziehungen zu sein.
Es war für mich während dieser ganzen Verhandlungen klar, daß die Zuverlässigkeit unserer Verpflichtungen gegenüber der NATO ein wesentlicher Faktor für
den erfolgreichen Abschluß der Gespräche war.
Während des letzten Viertel Jahrhunderts haben die Vereinigten Staaten den
Nuklear-Schirm gestellt, von dem die Sicherheit Europas abhing. Daß wir das
taten, war in unserem beiderseitigem Interesse. Wenn dieser Nuklear-Schirm abgezogen würde, hätten die europäischen Nationen nur die Wahl, ihre eigene
Nuklearkapazität enorm auszubauen oder sich mit der Sowjetunion zu arrangieren. Diese Alternativen liegen weder in unserem eigenen Interesse noch im
Interesse unserer Verbündeten. Die Sowjetunion würde jedoch einen Abbau unserer Bindungen mit Westeuropa begrüßen - eine Entwicklung, die in ihren Augen
die sowjetische Hegemonie in Osteuropa fördern und ihren Einfluß in Westeuropa stärken würde.
Die

-2-

�Die gleiche unannehmbare Wahl zwischen verstärkter Nuklearkapazität und
Anpassung würde den europäischen Ländern aufgezwungen, wenn sie das Vertrauen
in unsere Verpflichtungen gegenüber dem Prinzip verlieren würden, daß europäische Sicherheit und amerikanische Sicherheit unteilbar sind. Wenn wir uns
einseitig von unseren Verpflichtungen in Westeuropa zurückziehen würden, dann
würde dies fast mit Sicherheit zu einem solchen Verlust des Vertrauens führen.
Wir versuchen daher vielmehr, die Spannungen im ganzen Kontinent abzu»
bauen,ohne die Verteidigung Europas zu schwächen. So wird Außenminister Rogers
nächsten Monat mit den Außenministern von 32 anderen europäischen Staaten und
Kanada an der Konferenz für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilnehmen. Unser Ziel und das unserer Verbündeten besteht darin, die Freizügigkeit von Menschen, Informationen und Ideen über den Kontinent hinweg zu
steigern und die souveräne Gleichberechtigung jedes europäischen Landes zu
bekräftigen und zwar ohne Rücksicht auf seine Zugehörigkeit zusammen mit
anderen zum gleichen sozialen oder politischen System. Ferner sind Vorbereitungsgespräche für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streit"
kräfte im Gange, die sich in Mitteleuropa gegenüberstehen. Diese beiden Gesprächsrunden sind entscheidende Elemente in unserem Streben, weiter von der
Konfrontation weg zu Verhandlungen in Europa zu kommen. Wenn diese Gespräche
Erfolg haben sollen, müssen sowohl unsere Verbündeten als auch die Sowjetunion
weiterhin hohen Respekt vor unserer Entschlossenheit haben, zu unseren Verpflichtungen zu stehen.
Ein wichtiges Element in der Vorstellung der Welt von unserer Zuverlässigkeit ist unsere anhaltende Stärke. Auf nuklearem Gebiet gesehen bedeutet das
im wesentlichen die Gleichwertigkeit der Nuklearstreitkräfte der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion. Und genau diese Art von Gleichwertigkeit streben
wir in der gegenwärtigen Runde der SALT-Gespräche auch an. Und wenn wir bei
diesen Verhandlungen danach streben, eine weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen herbeizuführen, dann müssen wir weiterhin von einer starken
Kondition aus verhandeln.
In

-3-

�1

1
In Asien entwickelt sich eine neue Beziehung unter all den beteiligten
Nationen. Wir sind eine pazifische Macht und werden es auch weiterhin bleiben. Heute, da wir verantwortungsvoll unsere Rolle bei der Entwicklung eines
friedlicheren und kooperativeren Asiens spielen wollen, müssen wir unsere
dortigen Verpflichtungen peinlich genau einhalten. Es muß in diesem Zusammenhang gesagt werden, daß wir unsere Verpflichtungen gegenüber Taiwan nicht
geopfert haben, als wir unsere Beziehungen zu Peking verbesserten. Ja es
ist sogar so, daß unsere Entschlossenheit, zu diesen Verpflichtungen zu
stehen, zur friedlichen Entwicklung in Asien beigetragen hat.
Das Berlin-Abkommen, die Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking,
SALT I, das Ende des Krieges in Vietnam und der kommende Besuch von Parteichef Breschnew in den Vereinigten Staaten lassen das Ausmaß und die Richtung
der Veränderungen in der Weltpolitik erkennen. Aber sie zeigen auch eine gemeinsame Lehre: Fortschritt ist nur in einer Welt möglich, in der andere Nationen von der Voraussetzung ausgehend vertrauensvoll handeln, daß die Vereinigten Staaten das tun werden, wozu sie sich verpflichtet haben. Wo eine
solche Vertrauensbasis fehlt, ist es beinahe unmöglich, konstruktive Beziehungen zwischen Nationen aufzubauen - und es zeigt sich gerade im Nahen
Osten, daß die Verhandlungen lahmgelegt sind, weil es den Beteiligten an diesem Vertrauen mangelt.
Der Ruf der Vereinigten Staaten für ihre stabilen, zuverlässigen Verpflichtungen ist im Laufe vieler Jahre entstanden und teuer erkauft worden,
Wir können und werden nicht zulassen, daß dieses kostbare Gut von Jenen
verschleudert wird, die glauben, daß wir unsere Verpflichtungen hinter uns
lassen könnten, daß jetzt die offensichtliche Bedrohung unserer Sicherheit
geringer geworden sei.
Es liegt natürlich auf der Hand, daß unsere Verpflichtungen in einem
Verhältnis zu der Art und dem Ausmaß der Bedrohung und den Kosten stehen
müssen, um dieser Bedrohung entgegenzutreten. In dem Maße, in dem sich die
Bedrohung ändert, müssen sich unsere Mittel und Wege ändern, ihr zu begegnen. So beurteilen wir unsere strategische Bedrohung heute anders als wir

-4-

-,

�wir es vor SALT I taten. Und unsere Beurteilung wird sich erneut ändern,
wenn SALT II zu langfristigen Abkommen führt, durch die strategische Waffensysteme begrenzt werden.
Wenn die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und
die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen
in Mitteleuropa zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt Erfolg haben,
werden wir die Stabilität in Europa gestärkt haben. Die Situation in Asien
entwickelt sich ebenfalls rasch und erfordert eine genaue Prüfung, wie
wir unsere Interessen am besten verfolgen und schützen können. Bei unserer
Feststellung, wie sich veränderte Umstände auf unsere Verpflichtungen auswirken, werden wir weiterhin in engem Kontakt mit unseren Verbündeten bleiben. Wir werden zusammen mit ihnen erneut prüfen, wie wir unsere gegenseitigen Verpflichtungen am besten gestalten können, damit sie weiterhin unseren beiderseitigen Interessen dienen.
In der Vergangenheit haben wir Verpflichtung hauptsächlich in Begriffen unserer Verteidigungserfordernisse definiert. Wir werden - wie ich bereits erklärt habe - zu unseren gegenseitigen Verteidigungsverpflichtungen
stehen. Wir rechnen jedoch nicht damit, neue militärische Verpflichtungen
einzugehen.
Wir werden vielmehr dem Begriff Verpflichtung neue Dimensionen hinzufügen. Eine dieser Dimensionen muß sich auf unsere entstehenden Beziehungen zu
China und zur Sowjetunion erstrecken. Beinahe täglich kommt in unserem produktiven Verhältnis zu Moskau und Peking etwas Neues hinzu. Diese neuen Mittel und Wege des Engagements stellen praktisch eine neue Art gegenseitiger
Verpflichtungen dar, die wir gegenüber ihnen und sie gegenüber uns übernehmen.
Die Gipfeltreffen im vorigen Jahr in China und in der Sowjetunion erbrachten eine Verpflichtung unsererseits und seitens jeder der kommunistischen Mächte gegenüber den allgemeinen Prinzipien, die für die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und jeder dieser Macht gelten sollen. Wir
und sie haben uns seither von diesen Konzeptionen leiten lassen. Und seit

-5-

�seit jenen Gipfeltreffen hat das durch jene Prinzipien geschaffene Gerüst
beträchtlich an Gestalt gewonnen. So haben wir beispielsweise im vorigen
Jahr mehr Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet als in irgendeinem
Jahr seit 1933, dem Jahr, in dem wir wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Und wer hätte noch vor 15 Monaten die Kühnheit besessen, sich
vorzustellen, daß im Mai 1973 China und die Vereinigten Staaten Vermittlungsbüros eingerichtet haben.
Es liegt auf der Hand, daß unser strategisches Nuklearverhältnis zur
Sowjetunion von uns weiterhin ein enges und anhaltendes Engagement in unseren internationalen Angelegenheiten verlangen wird. Die Unmittelbarkeit der
nuklearen Bedrohung mag etwas verringert worden sein, aber sie ist noch
keineswegs aufgehoben - und diese Aussicht liegt noch in der Ferne.
Aber selbst wenn es keine nukleare Bedrohung gäbe, werden die Vereinig»
ten Staaten unausweichlich mehr und mehr in die globalen Verhältnisse ver»
wickelt werden. Dieses Engagement fügt der Konzeption der Verpflichtung einen
weiteren Aspekt hinzu.
Internationale Beziehungen werden in zunehmendem Maße komplexer und die
Welt wird in zunehmendem Maße interdependent. Es ist unmöglich, unsere nationalen Interessen - wie ich sie vorhin beschrieben habe - zu bewahren und uns
gleichzeitig von der Welt abzuschließen. Das gilt deshalb, weil:
-- keine Nation, die allein handeln will, in der Lage sein wird, eine
annehmbare Qualität des Lebens für ihre Bürger aufrechtzuerhalten;
-- keine Nation allein die Reformen des Welthandels und des Währungssystems herbeiführen kann, von denen eine expandierende und gerechte Weltwirtschaft abhängen;
-- keine Nation unabhängig in der Lage sein wird, die Schätze der Ozeane
zu einer Quelle der Zusammenarbeit statt des Konfliktes unter Nationen zu
machen;
-- keine Nation allein in der Lage sein wird, zu garantieren, daß die
begrenzten Energievorräte der Welt zureichend und gerecht und zu einem fairen

-6-

�fairen Preis für den Erzeuger an den Verbraucher verteilt werden; und
-- keine Nation allein in der Lage sein wird, ihre Umwelt von der Bedrohung durch Verschmutzung zu retten.
Konzertierte Aktion von Nationen mit gleichen Ideologien oder gleichen
politischen Systemen wird nicht ausreichen. Ebensowenig werden Versuche
nützen, Industrienationen gegen Entwicklungsländer oder Rasse gegen Rasse auszuspielen. Eine auf solchen negativen Einstellungen basierende Politik wäre
natürlich leichter zu verwirklichen als schöpferische internationale Anstrengungen zur Zusammenarbeit. Aber sie würden kaum mehr als eine sterile Konfrontation hervorbringen. Die Welt verlangt stattdessen, sich über Unterschiede
hinweg die Hand zur konzertierten Aktion zur Erreichung gemeinsamer Ziele zu
reichen.
Die Vereinigten Staaten müssen sich an den Bemühungen beteiligen, konstruktive internationale Mittel und Wege zur Lösung globaler Fragen zu finden. Sonst werden unseren Interessen ernsthafte Schwierigkeiten erwachsen.
Und wenn wir uns beteiligen sollen und wollen, dann müssen wir auch bereit
sein, neue klar umrissene Verpflichtungen einzugehen, denn es kann ohne solche Verpflichtungen unsererseits und anderer keine Lösungen für die großen
Aufgaben des 20. Jahrhunderts geben.
Alle Fragen auf der internationalen Tagesordnung verlangen die eine Verpflichtung seitens der Weltgemeinschaft - die Verpflichtung zur gegenseitigen
Anpassung und Zurückhaltung. Von keiner Nation wird erwartet, daß sie ihre
grundsätzlichen nationalen Interessen opfert. Aber alle Nationen müssen nach
dem Prinzip handeln, daß die Aufrechterhaltung zuverlässiger Beziehungen
wichtiger ist als der Triumph in irgendeiner speziellen Frage. Dies sind die
Qualitäten, die die Oberhand behalten müssen, ob es sich um die Frage der Umweltverschmutzung oder um Rüstungsbeschränkungsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion handelt. Wenn sich die internationale Gemeinschaft durch Flexibilität, Zurückhaltung und vernünftige Anpassung unter
ihren Mitgliedern leiten läßt,dann wird die kooperativere und friedlichere
Welt, die wir anstreben, näher gebracht worden sein."

+++
-7-

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22/1973

US-FINANZMINISTERIUM RECHNET MIT STEIGENDEM DOLLAR-KURS FÜR
DIE KOMMENDEN MONATE
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Wesentliche Fakten deuten auf eine Festigung des DollarKurses in den kommenden Monaten hin. In amerikanischen Regierungskreisen
ist man daher über die gegenwärtige Schwäche des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten etwas überrascht. So erklärte der stellvertretende
Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Jack Bennett,
dieser Tage vor dem Finanzausschuß des amerikanischen Senats, er rechne
nicht mit einem weiteren wesentlichen Nachgeben des Dollar-Kurses. Vielmehr
glaube er, daß sich der Dollar-Kurs in den kommenden Monaten - insgesamt gesehen - wieder nach oben bewegen werde.
Bennett verwies in diesem Zusammenhang auf die Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz in den letzten Monaten und betonte, daß das hohe
Zahlungsbilanzdefizit der USA im ersten Quartal dieses Jahres zum großen Teil
auf spekulative Geldtransaktionen vor der zweiten Dollarabwertung und dem
Floaten der wichtigsten Weltwährungen zurückzuführen gewesen sei. Bereits in
der ersten Märzwoche habe die amerikanische Zahlungsbilanz wieder einen Überschuß ausgewiesen und für das zweite Quartal dieses Jahres könne insgesamt
ebenfalls mit einem Überschuß gerechnet werden.
Mit

-1-

�Mit ein Grund für die verbesserte Zahlungsbilanzsituation der Vereinigten Staaten ist die rasche Zunahme der ausländischen Investitionen in den
Vereinigten Staaten. So erreichte der Fluß von Investitionskapital nach den
USA im ersten Quartal dieses Jahres seinen bisher höchsten Stand und, wie
Bennett betonte, dürfte er auch in den kommenden Monaten hoch sein. Es sei
sowohl mit einer Zunahme der Direktinvestitionen als auch der sonstigen Geldanlagen in den Vereinigten Staaten zu rechnen.
Ferner haben die hohe Inflationsrate in einigen anderen Ländern und der
relativ geringere Preisauftrieb in den Vereinigten Staaten der amerikanischen
Industrie einen Kostenvorteil verschafft. Wie Bennett vor dem Senatsausschuß
betonte, hätten ihm zahlreiche Industrielle bei seinen Gesprächen in Europa
erklärt, daß eine Herstellung von Gütern in den USA gegenüber der Erzeugung
in Europa heute einen Wettbewerbsvorteil biete und sie daher die Errichtung
neuer Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten erwägen würden.
Auch Finanzminister Shultz sowie der Berater Präsident Nixons und Vorsitzende des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan,
zeigten sich erstaunt über die jüngsten Entwicklungen auf den internationalen
Devisenmärkten. Flanigan wies darauf hin, daß die Bekämpfung der Inflation
in den Vereinigten Staaten erfolgreicher gewesen sei als zum Beispiel in
Deutschland oder Japan und daß diese Entwicklung nach Auffassung der amerikanischen Regierung wie auch der Privatwirtschaft andauern werde. Damit werde
sich die Wettbewerbsfähigkeit

amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten

weiter verbessern.

In amerikanischen Regierungskreisen wird allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den Entwicklungen auf den ausländischen Devisenmärkten und
denen auf dem privaten Goldmarkt gemacht. So betonte Bennett, daß der Goldpreis in den letzten Tagen nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern gegenüber
allen Währungen stark angezogen habe. Dagegen sei der Rückgang des DollarKurses gegenüber den anderen Währungen weitaus geringer gewesen. Und Flanigan
verwies auf das nur begrenzte Goldangebot auf den Weltmärkten, dem von Seiten

-2-

�Seiten der Industrie wie auch aus Währungsgründen eine steigende Nachfrage
gegenüberstehe. Das Anziehen des Goldpreises sei daher leichter zu verstehen
als die gegenwärtige Schwäche des Dollar-Kurses.
Dies ist auch der Grund, warum der Staatssekretär für Währungsfragen im
US-Finanzministerium, Paul Volcker, bei zahlreichen Anlässen immer wieder
betont hat, die starken Schwankungen des Goldpreises unterstrichen nur, daß
Gold als Grundlage eines internationalen WährungsSystems ungeeignet sei und
seine relative Bedeutung für dieses System daher verringert werden sollte.
Bennett wies in diesem Zusammenhang auf das rasche Ansteigen des Silberpreises in den Vereinigten Staaten gerade zu dem Zeitpunkt hin, als die USA die
Verwendung von Silber für Währungszwecke einstellten.Damals hätten sich zahlreiche Spekulanten in den USA die Finger verbrannt.
Für Washington ist entscheidend, daß die in den letzten Monaten eingeführten flexiblen internationalen Währungsabmachungen ihre Bewährungsprobe
bestanden haben, und es zu keiner wirklichen Krise gekommen ist. Bennnettbetonte, daß es keine Krise gebe, die den Handel oder Währungstransaktionen erschwere. Vielmehr hätten sich die Veränderungen der Wechselkurse allmählich
vollzogen und es bestehe keine Notwendigkeit für sofortige Zusammenkünfte der
Finanzminister oder eine eventuelle Schließung der Devisenbörsen.
Bereits am 29. Mai hatte Finanzminister Shultz auf einem vom Weißen Haus
veranstalteten Wirtschaftsseminar erklärt: "Meines Erachtens hat sich die
Flexibilität unseres derzeitigen Währungssystems gerade in der letzten Woche
wie auch in der vorangegangenen Woche recht gut bewährt, als wir ein gewisses Wiederaufleben der Spekulation gegen den Dollar und das Gold hatten.
Hätten wir ein festes System gehabt, in dem Länder feste Wechselkurse zu
verteidigen suchen, dann hätten wir, dessen können Sie sicher sein, wieder
eine internationale Währungskrise erlebt. Sie hat nicht stattgefunden. Das
System hat die Entwicklung grundsätzlich im Griff gehalten und ließ sich
durch diese Entwicklungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen."

-3-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird erhielt Großkreuz des Bundesverdienstordens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des neuen Präsidentenberaters -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers unterstreicht Notwendigkeit regionaler Bündnisse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie H. König&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA halten an realistischer Abschreckungsmacht der NATO fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlesinger in Brüssel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rush umreißt weltweite Verpflichtungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des Stellvertretenden Außenministers am 5. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzministerium mit steigendem Dollar-Kurs für die kommenden Monate&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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20. Juni 1973

23

Inhalt
HINTERGRUNDMATERIAL:
Treffen Nixon-Breschnew im Zeichen eines veränderten internationalen
Klimas
Von Alexander M. Sullivan

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon ordnet zweimonatigen Preisstopp an
-Wortlaut der Rundfunk-und FernsehanspracheDas neue US-Wirtschaftsprogramm in Stichworten
Shultz erläutert neue amerikanische Wirtschaftskontrollen
-Auszüge aus der Pressekonferenz des US-FinanzministersDie Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa
-Auszüge aus der Rede von Botschafter Greenwald in Bergneustadt-

DOKUMENTATION:
Gemeinsames amerikanisch-nordvietnamesisches Kommunique vom 13. Juni
-WortlautDas Pariser Vierer-Kommunique1 vom 13. Juni
-Wortlaut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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Telex:

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23/1973
TREFFEN NIXON-BRESCHNEW IM ZEICHEN EINES VERÄNDERTEN INTERNATIONALEN
KLIMAS
Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON --(AD)— Wenn Präsident Nixon und Parteichef Breschnew jetzt zum
zweiten Gipfel zusammentreffen und Breschnew zum ersten Mal die Vereinigten
Staaten besucht, dann geschieht dies im Zeichen und als Ausdruck eines veränderten politischen Klimas in der Welt. Und wenn Nixon bei der Begrübung
seines Gastes erklärte, die Gespräche in Washington würden "die Möglichkeit
für einen noch größeren Fortschritt" bei der Verbesserung der amerikanischsowjetischen Beziehungen und der Sicherung des Weltfriedens bieten, und
Breschnew von "dem Ausdruck unserer gemeinsamen Entschlossenheit" sprach,
"einen neuen Beitrag" zu den friedlichen Beziehungen beider Länder zu
leisten, dann sollte man das einmal im Lichte der Entwicklung seit 1969
betrachten.
Als Nixon im Jahre 1969 die Präsidentschaft_erlangte, kam er mit der
kühnen Hoffnung nach Washington, mit der Sowjetunion von einer Ära der Konfrontation zu einer Ära der Verhandlung zu gelangen. In einer Zeit, da der
Atomsperrvertrag im amerikanischen Kongreß angehalten wurde und die Erinnerung an die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei noch frisch war,
klangen solche Hoffnungen, nicht gerade überzeugend. Washington und Moskau
hatten eine Vielzahl von Reibungspunkten - in Berlin, im Nahen Osten, in
der Karibik, in Südostasien.
In

�»

In den Augen seiner Kritiker steckte Nixon gegenüber seinen Ankündigungen in der Amtsantrittsrede zurück und verfolgte bei den Gesprächen über
eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit seinem Beharren auf
einer gründlichen Vorbereitung

eines etwaigen Gipfeltreffens eine hinhal-

tende Taktik. Und bevor es zum Moskauer Gipfel im Jahre 1972 kam, waren
noch weitere hohe Hürden zu nehmen: die sowjetische Flottenpräsenz in Kuba,
die Krise in Jordanien, der Krieg in Südostasien und die Verminung von
Haiphong.

,

,

•

Rückblickend muß man sagen, daß Nixon ganz offensichtlich jeden seiner
Schritte genau kalkuliert hat. Wenn die von ihm angestrebte Entspannung Wirklichkeit werden sollte, dann mußten bestimmte Realitäten und die Haltung
in bestimmten Fragen klargestellt werden. Es ging um mehr
sche Abkommen auf eng begrenzten Gebieten;

als nur spezifi-

es ging darum, daß im Weißen

Haus und im Kreml der Ausweg einer Anwendung oder Androhung von Gewalt
- vom Anfang bis zum Ende einer Krise - aus den Überlegungen gestrichen
wurde.
•

.

.

.

•

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*

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*

Das Viermächte-Abkommen über Berlin leitete die von Nixon angestrebte
Ära ein. Dann wurden die SALT-Gespräche in Schwung gebracht und die erste
Lösung für die Defensivwaffen gefunden, während die Suche nach einer Lösung
für die Offensivwaffen weiterging - für die dann eine Interimslösung gefunden wurde. Die vielen anderen Abkommen, die in Moskau unterzeichnet wurden,
sollten in ihrer Bedeutung in der Sache und für die Verbesserung der Beziehungen allgemein nicht unterschätzt werden.
Für Präsident Nixon kam es darauf an, Abkommen zu erreichen, an deren
Einhaltung beide Seiten ein echtes Interesse haben. Die durch die Vereinbarungen geschaffenen Institutionen gewinnen erfahrungsgemäß ihr eigenes Beharrungsvermögen - zum Wohl der:, eigenen Sache, zum Wohl der nationalen Sache
und damit zu aller Wohl.
'"

''

Auf

-2-

�Auf lange Sicht wird vielleicht jene Grundsatzerklärung von entscheidender Bedeutung sein, in der in Moskau ein Verhaltenskodex für den Umgang
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie das Verhältnis
zu dritten Staaten festgelegt wurde. In dieser gemeinsamen Verpflichtung
wird die gegenseitige Zurückhaltung als Grundlage anerkannt, und sie geht
von der Erkenntnis aus, daß in einer Zeit, in der beide Seiten über die Möglichkeit verfügen, sich gegenseitig zu vernichten, die übliche, auf den einzelnen Vorteil gerichtete Diplomatie nicht mehr ausreicht.
Das zweite Gipfeltreffen in Washington wird nicht zuletzt zeigen müssen, ob es gelingt, dieses Grundsatzübereinkommen weiter zu festigen und
mit Leben zu erfüllen.

+-H-

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23/1973
PRÄSIDENT NIXON ORDNET ZWEIMONATIGEN PREISSTOPP AN
-Wortlaut der Rundfunk-und FernsehanspracheWASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 13. Juni in einer Rundfunk- und
Fernsehansprache an das amerikanische Volk weitere wirtschaftliche Kontrollmaßnahmen, darunter einen auf zwei Monate befristeten Preisstopp, bekanntgegeben. Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich möchte Sie heute abend von einigen nachhaltigen Maßnahmen unterrichten, die ich heute in bezug auf die amerikanische Wirtschaft angeordnet habe - Maßnahmen, die für Sie von Bedeutung sind, was die Löhne und
Gehälter anbetrifft, die Sie verdienen, und die Preise, die Sie bezahlen
müssen.
Nachdem wir in den letzten Monaten so viel darüber gehört haben, was
in der amerikanischen Wirtschaft alles nicht stimmt, sollten wir zunächst
einen Blick auf das werfen, was in unserer Wirtschaft alles in Ordnung ist
Wir dürfen stolz darauf sein, daß die amerikanische Wirtschaft bei weitem
die freieste, die stärkste und die produktivste Volkswirtschaft der Welt
ist. Dies gibt uns den höchsten Lebensstandard auf der Welt. Wir befinden
uns mitten in einem Wirtschaftsaufschwung, der der größte und stärkste
in unserer Geschichte ist. Heute stehen mehr Amerikaner in Arbeit als jemals zuvor. Der einzelne Arbeitnehmer verdient im Durchschnitt mehr als
je zuvor. Für Ihr Einkommen können Sie sich heute mehr kaufen als je zuvor .
Im

-1-

�Im August 1971 habe ich die neue Wirtschaftspolitik verkündet. Seitdem hat die Gütererzeugung des Landes um die phänomenale Zahl von 11,5 Prozent zugenommen - das bedeutet ein schnelleres Wirtschaftswachstum als in
irgend einem vergleichbaren Zeitraum der letzten 21 Jahre. In der Privatwirtschaft wurden 4,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen - das sind
mehr als in irgend einem vergleichbaren Zeitraum zuvor. Gleichzeitig ist
das Realeinkommen pro Kopf der Bevölkerung - das heißt, was Ihnen nach
Abzug der Steuern und selbst unter Berücksichtigung der Inflation verbleibt um 7.5 Prozent gestiegen. Das bedeutet, daß Ihr Jahreseinkommen sich in
den letzten eineinhalb Jahren an Kaufkraft um zusätzlich vier Wochenlöhne
erhöht hat. Wenn wir uns diese Tatsachen vor Augen halten, dann werden wir
feststellen, daß wir, was Arbeitsplätze, Einkommen und Wirtschaftswachstum
anbetrifft, gegenwärtig in einer der besten Zeiten unseres Landes leben.
Wir haben allen Grund, hinsichtlich der Zukunft optimistisch zu sein.
Doch gibt es ein großes Problem, das im Augenblick jeden einzelnen von uns
betrifft. Das sind die steigenden Preise und vor allem die steigenden Lebensmittelpreise. Bis Ende vorigen Jahres hatten wir die Inflationsrate auf
3,4 Prozent herabgedrückt, so daß wir, was den Kampf gegen die Inflation
anbetrifft, unter den großen Industriestaaten im Jahre 1972 am besten dastanden. Aber jetzt steigen die Preise mit so hohen Raten an, daß dies nicht
mehr tragbar ist.
Dieser Preisanstieg ist zum größten Teil auf die steigenden Lebensmittelpreise zurückzuführen. Diese werden im wesentlichen hervorgerufen durch
eine erhöhte Nachfrage im In-und Ausland, durch Mißernten in anderen Ländern
sowie eine für Ackerbau und Viehzucht so ungünstige Witterung hier in Amerika,
wie wir sie noch nie erlebt haben. Was auch immer die Gründe waren, jede Familie wird mit dem sehr realen und drängenden Problem steigender Preise konfrontiert. Ich bin zu dem Entschluß gekommen, daß es jetzt an der Zeit ist,
nachdrückliche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um dieses Problem zu

�Daher ordne ich mit sofortiger Wirkung ein Einfrieren der Preise an.
Dieses Einfrieren wird die Preise auf einem Niveau halten, das nicht über
den Preisen liegt, die in den ersten acht Tagen des Monats Juni gefordert
wurden. Es schließt alle Verbraucherpreise ein. Die einzigen Preise, die
nicht betroffen werden, sind die Preise für unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse auf Erzeugerebene sowie die Mieten.
Während dieses Einfrierens werden für die Löhne, Zinsen und Dividenden
die gegenwärtigen Kontrollsysteme weiter gültig bleiben. Der Grund, warum ich
kein Einfrieren der Löhne und Gehälter beschlossen habe, ist der, daß die
nach den Bestimmungen der Phase III erreichten Lohn-und Gehaltsabschlüsse
keine wesentliche Ursache des Preisauftriebs waren. Solange die Lohn-und Gehaltsabkommen weiterhin von Verantwortung getragen und nicht-inflationistisch
sind, wird kein Einfrieren der Löhne und Gehälter angeordnet werden.
Das Einfrieren der Preise wird für eine Zeit von maximal 60 Tagen erfolgen. Diese Zeit wird dazu genutzt werden, ein neues und wirksameres System
von Kontrollen zu entwickeln und in Kraft zu setzen, das auf diesen Preisstopp
folgen soll. Diese neuen Kontrollen der Phase IV sollen die Kräfte eindämmen,
die die Preise in den letzten Monaten so rasch ansteigen ließen. Dazu gehören
strenge Normen und verbindlichere Maßnahmen zu ihrer Einhaltung als im Rahmen
der Phase III. Sie werden der Notwendigkeit Rechnung tragen, daß Löhne und
Preise ständig in einem Zusammenhang gesehen werden müssen.
Abgesehen von den Lebensmittelpreisen habe ich in letzter Zeit aus verschiedenen Teilen des Landes von zahlreichen Fällen gehört, daß die Benzinpreise stark heraufgesetzt wurden. Daher habe ich den Lebenshaltungskostenrat ausdrücklich angewiesen, für die neue Phase IV Maßnahmen auszuarbeiten,
die sowohl die Lebensmittelpreise auf Einzelhandelsebene wie auch die Benzinpreise an den Tankstellen stabilisieren werden.
Wenn

�I
i

Wenn ich jetzt diese Maßnahmen verkünde, möchte ich für alle, die mir
heute abend zuhören, einen Punkt herausstellen: Die Phase IV, die auf den
Preisstopp folgt, soll uns nicht für immer in eine kontrollierte Wirtschaft
hineinführen. Sie wird im Gegenteil so gestaltet werden, daß sie einen besseren Weg weist, um uns aus einer kontrollierten Wirtschaft herauszuführen
u

nd uns so schnell wie möglich wieder zurück in das freie Marktsystem zu

bringen.
Wir werden die amerikanische Wirtschaft nicht in eine Zwangsjacke pressen. Wir werden den Aufschwung nicht durch Kontrollen so eindämmen, daß dies
zu einem Rückschlag führen würde. Wir werden nicht dem Rat derer folgen,
die Maßnahmen vorgeschlagen haben, die ganz zwangsläufig zu einem ständigen
System von Preis-und Lohnkontrollen führen würden. Derartige Maßnahmen würden morgen gute Schlagzeilen haben, aber in sechs Monaten jeder einzelnen
Familie böses Kopfzerbrechen bereiten - durch Rationierung, Schwarzmarkt
und schließlich Rezension, die zu noch mehr Arbeitslosigkeit führen.
Es geht um Ihren Wohlstand. Es geht um Ihre Arbeitsplätze. Die von mir
heute angeordneten Maßnahmen sollen den Anstieg der Lebenshaltungskosten
treffen, ohne Ihren Wohlstand oder Ihre Arbeitsplätze zu gefährden.
Da der Schlüssel für eine Eindämmung der Lebensmittelpreise in einer
Ausweitung des Angebots liegt, werde ich die Preise für unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse auf der Erzeugerebene nicht einfrieren lassen.
Ein solches Einfrieren würde nur das Angebot verringern statt es zu vergrössern, und dies würde schließlich ganz unvermeidlich zu höheren Preisen für
die Lebensmittel führen, die Sie in den Supermärkten kaufen.
Im Jahre 1972 haben wir ein umfassendes neues Programm für die Ausweitung des Lebensmittelangebotes in Angriff genommen. Neben anderen Maßnahmen
sah dieses Programm die Einbeziehung von weiteren 40 Millionen Acre
(16 Millionen Hektar) Land in den Anbau vor. Wenn in den kommenden Monaten
auf diesem Land die neue Ernte eingebracht wird, dann dürfte dies dazu beitragen, die Preise niedrig zu halten. Leider wirkt sich das jedoch noch nicht

-4-

�nicht auf die Preise aus, die sie heute in den Supermärkten zahlen müssen.
Einer der Hauptgründe für das Ansteigen der Lebensmittelpreise hier
in den USA ist, daß im Ausland gegenwärtig eine Nachfrage nach Erzeugnissen der amerikanischen Landwirtschaft besteht, wie dies noch nie der Fall
war. Auf lange Sicht werden die steigenden Lebensmittelexporte einen entscheidend wichtigen Faktor für die Hebung des Einkommens unserer Landwirtschaft,
für die Verbesserung unserer Zahlungsbilanz sowie für die Festigung der
Stellung Amerikas in der Welt bilden. Für den Augenblick jedoch - da wir
im Inland Verknappungen und stark anziehende Lebensmittelpreise haben habe ich folgende grundlegende Entscheidung getroffen: Bei der Aufteilung
der Erzeugung der amerikanischen Landwirtschaft auf Auslandsmärkte und
Binnenmarkt in den Vereinigten Staaten müssen in erster Linie die amerikanischen Verbraucher berücksichtigt werden.
Daher bin ich zu dem Entschluß gekommen, daß ein neues System von Exportkontrollen für Lebensmittel notwendig ist - ein System, das die Preise
für Futtermittel sowie Getreide auf dem amerikanischen Markt auf einem Niveau
halten soll, das die Erzeugung von Fleisch, Eiern und Milch zu Preisen ermöglicht, die Sie bezahlen können.
Ich werde den Kongreß dringlich ersuchen, mir eine neue und flexiblere
Vollmacht zu geben wie sie für die Einführung eines derartigen Systems notwendig ist. Bei der Ausübung dieser Vollmacht werde ich die folgende Politik verfolgen: Wir werden die Exportverpflichtungen, die wir als Nation eingegangen sind, einhalten. Wir werden ferner mit anderen Ländern Konsultationen pflegen, um ihre Mitarbeit bei der Lösung des weltweiten Problems der
steigenden Lebensmittelpreise zu erreichen. Aber wir werden es nicht zulassen, daß die Preise Fleisch und Eier von den Tischen der Amerikaner vertreiben.
Ich

�Ich habe heute ferner eine weitere Maßnahme ergriffen, die dem Anstieg
der Lebenshaltungskosten Einhalt gebieten soll. Ich habe die Steuerbehörden
angewiesen, sofort eine eingehende Überprüfung der Geschäftsbücher solcher
Firmen aufzunehmen, die ihre Preise gegenüber dem Höchststand vom Januar um
mehr als 1,5 Prozent erhöht haben. Durch diese Steuerprüfung soll festgestellt werden, ob solche Preisanhebungen durch die steigenden Kosten gerechtfertigt waren. Wenn dies nicht der Fall ist, dann werden die Preisanhebungen
rückgängig gemacht werden.
Der Kampf gegen die Inflation geht alle an. Ich habe Ihnen gesagt, was
die Regierung tun wird. Aber auch dem Kongreß fällt eine entscheidend wichtige Rolle zu. Das wichtigste, was der Kongreß dazu beitragen kann, um die
Lebenshaltungskosten niedrig zu halten, ist, die Regierungskosten niedrig
zu halten. Ich für meinen Teil werde mein Veto gegen alle Gesetze über
öffentliche Ausgaben einlegen, die wir uns nicht leisten können, gleichgültig, wie schön ihre Namen klingen mögen. Wenn solche die Ausgaben aufblähenden Gesetze in Kraft treten, dann würden Sie dafür bezahlen müssen - in Form
höherer Steuern, höherer Preise oder durch beides. Ich habe dem Kongreß bereits mehrere spezifische Empfehlungen unterbreitet, die wichtig sein werden, um die Preise künftig niedrig zu halten. Ich ersuche erneut um schnelle
Verabschiedung aller dieser Vorlagen.
Der Kongreß sollte den Präsidenten ermächtigen, die Zölle in bestimmten
Fällen zu senken, um das Angebot knapper Güter zu vergrößern und so ihre
Preise niedrig zu halten. Eine solche Maßnahme wird uns bei solchen knappen
Waren wie Fleisch, Sperrholz oder Zink helfen. Vor allem sollten die Zölle
für Fleischimporte aufgehoben werden.
Der Kongreß sollte Vollmachten erteilen, damit mehr überschüssige Güter
aus Regierungsbeständen veräußert werden können.
Der

�Der Kongreß sollte uns schnell mit dem Bau der Alaska-Pipeline beginnen lassen, um so der Verknappung von Erdöl und Benzin zu begegnen. Ich
werde ferner dem Kongreß bald eine Reihe neuer wichtiger Vorlagen auf dem
Gebiet der Energie unterbreiten, die von mir für notwendig erachtete neue
Maßnahmen darlegen, damit wir unseren Energiebedarf decken und so den Druck
auf die Energiepreise mildern können.
Bei der Erörterung des neuen Landwirtschaftsgesetzes ist es wichtig,
daß der Kongreß einer hohen Erzeugung Vorrang gegenüber hohen Preisen gibt,
damit der Wohlstand in der Landwirtschaft nicht auf Kosten höherer Preise
beim Verbraucher geht. Wenn mir der Kongreß ein Landwirtschaftsgesetz oder
irgend ein anderes Gesetz zusendet, das ich für inflationistisch halte, so
werde ich mein Veto gegen ein solches Gesetz einlegen.
Neben dem, was die Regierung und was der Kongreß tun können, gibt es
noch eine Menge, was Sie tun können. Die nächsten 60 Tage können über die
Frage entscheiden, ob wir weiterhin eine Inflation haben werden, die zur Rezession führt, oder ob wir unsere gegenwärtigen Probleme verantwortungsbewußt
lösen und so weiterhin einen hohen Wohlstand haben werden und bald zu einem
freien Markt zurückkehren können.
Sie können dazu beitragen, indem sie Ihren Senatoren und Kongreßabgeordneten Ihre Unterstützung geben, wenn sie diese schwierigen Entscheidungen zu
treffen haben, um unnötige Ausgaben zu unterbinden.
Sie können dazu beitragen, indem Sie denen ein •Nein» entgegensetzen,
die unserer großen produktiven Volkswirtschaft, die die Welt bewundert, ein
ständiges System von Kontrollen aufzwingen wollen.
Niemand darf sich jedoch darüber hinwegtäuschen: Wenn unsere Wirtschaft
weiterhin dynamisch sein soll, dann dürfen wir niemals der Versuchung erliegen und glauben, daß Kontrollen auf lange Sicht einen Ersatz für eine
freie Wirtschaft bilden oder uns der Notwendigkeit entbinden können, in der
Haushalts-und Währungspolitik Disziplin zu üben. Wir dürfen es nicht zulassen,

�zulassen, daß die Kontrollen zu einer Art Betäubungsmittel werden - und
wir dürfen nicht süchtig werden.
Es gibt alle möglichen scheinbar einfachen Tricks, die vorspiegeln oder
versprechen, die Inflation sei unter Kontrolle gebracht - aber sie würden das
gefährliche Risiko beinhalten, eine Rezession herbeizuführen, und das würde
nicht dazu beitragen, die Preise niedrig zu halten. Starre, ständige Kontrollen nehmen sich auf dem Papier stets besser aus als in der Praxis.
Wir müssen sehr dankbar dafür sein, daß wir hier in Amerika leben. Wir
sind das Land auf der Welt, in dem die Menschen am besten gekleidet und am
besten ernährt sind und die besten Wohnungen haben - das von jedem anderen
Land beneidet wird. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal seit 12 Jahren Frieden in Vietnam und unsere tapferen Kriegsgefangenen sind in ihre Heimat zurückgekehrt. In diesem Jahr wird zum ersten Mal seit einer Generation kein
Amerikaner in die Streitkräfte eingezogen. In diesem Jahr sind die Aussichten
auf einen dauerhaften Frieden besser als zu irgend einem Zeitpunkt in der
neueren Geschichte - und auf den überreichen Wohlstand, den ein solcher Friede möglich machen kann.

.

Am kommenden Montag werde ich mit dem sowjetischen Parteichef Breschnew
ein Gipfelgespräch führen. Aufgrund der monatelangen Vorbereitungsarbeit, die
für dieses Treffen geleistet worden ist, und aufgrund unserer umfassenden Konsultationen und unserem eingehenden Briefwechsel kann ich mit Zuversicht
voraussagen, daß unsere Zusammenkünfte wesentliche neue Fortschritte sowohl
in Richtung auf eine Verringerung der Rüstungslasten wie auch der Kriegsgefahr und in Richtung auf bessere und fruchtbarere Beziehungen zwischen den
beiden mächtigsten Ländern der Welt erbringen werden.
Heute bietet sich uns in Amerika eine großartige Möglichkeit. Wir halten die Zukunft - unsere Zukunft - in unseren Händen. Wenn wir zusammenhalten, zusammenarbeiten und gemeinsam eine kühne, aber vernünftige Politik zur
Lösung unserer Probleme verfolgen, ohne dabei unsere dauerhafte Stärke

�t

Stärke aufzugeben, dann können wir das erreichen, was Amerika seit der
Amtszeit von Präsident Eisenhower nicht mehr gehabt hat: Wohlstand für alle
ohne Krieg und ohne Inflation. Das ist ein hohes Ziel und ein Ziel, das
wir gemeinsam erreichen können."

�j amerika dienst
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23/1973

DAS NEUE US-WIRTSCHAFTSPROGRAMM IN STICHWORTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 13. Juni eine Zusammenstellung
der wichtigsten von Präsident Nixon in seinem neuen Wirtschaftsprogramm
verkündeten Kontrollmaßnahmen veröffentlicht.

Kontrollen während des Preisstopps
1. Für alle Preise wird eine Obergrenze festgelegt, die sich nach dem
höchsten Stand während eines Basiszeitraums richtet, d. h. nach dem
höchsten Preis, zu dem in der Zeit vom 1. bis 8. Juni größere Geschäfte
abgewickelt worden sind.
2. Ausgenommen hiervon sind unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse
auf der Erzeugerebene.
3. Die Löhne und Gehälter werden nicht eingefroren, sondern für sie bleiben
weiterhin die Bestimmungen der Phase III maßgebend.
4. Mieten werden nicht betroffen.
5. Zinsen und Dividenden unterliegen weiterhin auf freiwilliger Basis der
Zuständigkeit des Ausschusses für Zinsen und Dividenden.
6. Der Preisstopp gilt für maximal 60 Tage.
7.

-1-

�7. Während des Preisstopps wird eine Gewinnüberprüfung durchgeführt und
die Preise werden auf den nach den Bestimmungen der Phase III zulässigen
Stand zurückgesetzt, wenn festgestellt wird, daß sie über diesem Stand
liegen.
8. Der Preisstopp wird von dem Lebenshaltungskostenrat überwacht, wobei
dieser in stärkerem Maße auf die Unterstützung durch die Steuerbehörden
zurückgreifen kann.

Lizenzierung der Agrarexporte
1. Alle Exporteure müssen dem Handelsminister bis zum 20. Juni die Exportaufträge für Getreide, Sojabohnen und Sojabohnenerzeugnisse melden, die
sie nach dem heutigen Stand (13. Juni 1973) in ihren Auftragsbüchern
haben.
2. Danach müssen die Exporteure dem Handelsminister die nach diesem Zeitpunkt
eingegangenen Exportaufträge für die oben genannten Erzeugnisse wöchentlich melden.
3. Es werden Maßnahmen ergriffen, um die von der Regierung geförderten Lebensmittelexporte zu reduzieren.
4. Der Kongreß wird ersucht, das Gesetz zur Stabilisierung der Wirtschaft
(Economic Stabilization Act) dahingehend zu ergänzen, daß der Präsident,
falls dies zur Verwirklichung der Zielsetzungen dieses Gesetzes notwendig
ist, zu einer Begrenzung des Exports ermächtigt wird, und zwar untex
weniger restriktiven Bedingungen als nach dem Gesetz zur Regelung des
Exports (Export Administration Act).
5. Von der Ermächtigung zur Kontrolle des Exports wird nur Gebrauch gemacht
werden, wenn dies notwendig ist, um den Export soweit einzuschränken,
damit die Binnenmarktpreise für Futtermittel auf einen Stand gesenkt werden,

uer m i t uen

gegenwärtigen Preisen für Fleisch und andere tierische

-2-

�tierische Erzeugnisse zu vereinbaren ist.

Das Kontrollprogramm nach dem Preisstopp
1. Ziel des Programms nach dem Preisstopp (Phase IV) ist es, eine geringere
Inflationsrate zu erreichen, als wir sie während der Phase III hatten.
Der Preisstopp soll unter anderem Zeit für Konsultationen und zur Ausarbeitung eines wirksameren temporären Systems von Kontrollen geben.
2. Die Informationen aus den noch eingehenden Berichten über die Wirksamkeit der Phase III im ersten Quartal dieses Jahres werden von Nutzen sein,
um die einzelnen Punkte der Phase III daraufhin zu beurteilen, ob sie
ausreichend oder unzulänglich waren.
3. Die Phase IV wird mehr Vorausbenachrichtungen, strengere Normen, eine
größere Zahl bindender Kontrollen und einen größeren Verwaltungsaufwand ver
langen als dies in der Phase III der Fall war.
4. Der Lebenshaltungskostenrat wird Bestimmungen über die Lebensmittelpreise
in der Phase IV ausarbeiten, die zusammen mit Maßnahmen auf dem Exportsektor die Einzelhandelspreise für Lebensmittel stabilisieren werden.
5. Der Lebenshaltungskostenrat wird Bestimmungen für die Stabilisierung der
Einzelhandelspreise für Benzin ausarbeiten.
6. Die Phase IV wird dem Erfordernis einer ständigen Überwachung von Preisen
und Löhnen Rechnung tragen.
7. Es wird alles getan werden, um in etwa 3o Tagen detailliertere Informationen über das Kontrollsystem in der Phase IV geben zu können.
8. Es ist oberstes Ziel der Regierung, die Phase IV und andere Programme
der Wirtschaftspolitik so zu handhaben, daß dies eine baldige Einstellung
der Kontrollen gestattet.
+-H-

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23/1973

SHULTZ ERLÄUTERT NEUE AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFTSKONTROLLEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz

des US-Finanzministers -

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat
vor Korrespondenten Einzelheiten des von Präsident Nixon am 13. Juni verkündeten neuen Kontrollprogramms erläutert. Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Finanzministers sowie der sich anschließenden Fragen und Antworten
haben folgenden Wortlaut:
Shultz: .... Während der 60 Tage (des Preisstopps) erwarten wir vom
Kongreß einiges an Aktionen. Wir rechnen ferner mit einer Vielzahl von Konsultationen darüber, welche Programme auf den Preisstopp folgen sollen. Es
ist klar, daß im Programm der Phase IV das Element der mandatorischen Vorausankündigung usw. stärker sein wird; seine genaue Struktur sowohl was die
Verwaltungseinrichtungen wie auch die Bestimmungen im einzelnen anbetrifft,
dürfte sich jedoch erst aufgrund des Konsultationsprozesses ergeben.
Es wird ein Programm strenger Kontrollen sein. Ich möchte dazu hinzufügen, daß wir während des Preisstopps die Berichte prüfen werden, die jetzt
über das erste Quartal dieses Jahres eingehen, und daß wir, wenn immer wir
ein Ansteigen von Preisen über das nach den Bestimmungen der Phase III erlaubte Maß hinaus feststellen, diese Preise auf das zulässige Maß zurückdrücken werden.
Ich

�[
Ich möchte ferner betonen, daß wir die Basis (für die Kalkulation zulässiger Preiserhöhungen) vom Stand des 15. August ... auf die Basis am
10. Januar umstellen werden.
Sicher wissen die meisten von Ihnen, daß während der Phasen I und II
zahlreiche Preise noch unter dem zulässigen Stand blieben. Das heißt, daß
der Markt während des Wirtschaftsaufschwungs im vierten Quartal und auch
im ersten Quartal dieses Jahres wirksam auf die Preise drückte. Ein großer
Teil des Spielraums, den das System ließ, ist bereits genutzt worden, ein
Teil des Spielraums kann aber noch genutzt werden, wenn man den 10. Januar
als Basis nimmt...
Frage: Herr Minister, wird das auf den Preisstopp folgende Kontrollprogramm der Phase IV strenger sein als die Phase II?
Shultz: Ich weiß es nicht. Wir werden miteinander beraten und wir werden dann sehen, was für ein Programm wir einsetzen werden. Ganz sicher
wird es in einigen Punkten straffer sein. Die Phase III ist, was Lebensmittel anbetrifft, härter als Phase II. Wir werden es (das Programm), zum Beispiel was Exportkontrollen anbetrifft - das ist hier der entscheidende Punkt -'
straffer machen müssen, um nämlich einen größeren Teil unserer Gesamtproduktion im Inland zu behalten.
Auf anderen Gebieten mag es vielleicht lockerer sein. Insgesamt gesehen
hat sich die Phase III auf der Lohnseite sehr bewährt, und wir werden dies
nachprüfen und feststellen müssen, ob, wenn überhaupt, Änderungen vorgenommen
werden sollten. Die Phase IV wird Löhne und Preise fair in gleicher Weise behandeln. Es liegt kein Anlaß vor, etwas zu stören, was gut läuft....
Frage: Herr Minister, der Präsident hat erklärt, daß die Phase IV der
Notwendigkeit Rechnung tragen wird, daß Löhne und Preise als ein Ganzes behandelt werden sollten und das ist auch in der (vom Weißen Haus veröffentlichten) Zusammenstellung unterstrichen worden. Was besagt das nun?

Shultz:

�Shultz: Dies besagt, wir akzeptieren, daß die Löhne während dieser Zeit
von nu.ximal 60 Tagen, in der die Preise eingefroren bleiben, weiterhin den
Bestimmungen der Phase III unterliegen. Wir rechnen nun aber nicht damit,
daß man in der Phase IV Löhne und Preise so wesentlich anders behandeln kann...
Frage: Herr Minister, kann dieses Programm wirken, wenn Sie auf der
Exportseite nicht das bekommen, was Sie fordern?
Shultz: Das wird sehr schwierig sein, denn wenn es uns auf irgend eine
Weise gelingt, die Inlandspreise unter den Weltmarktpreisen zu halten, dann
würden ohne Exportkontrollen alle unsere Erzeugnisse insAusland fließen. Wir
hätten dann zwar niedrige Preise, aber nichts zu kaufen. Daher müssen diese
beiden Faktoren zusammenwirken.
Frage: Können Sie uns einige Beispiele dafür nennen, welche Exporte Sie
durch Kontrollen einschränken wollen?
Shultz: Der Handelsminister hat soeben ein Formblatt ausgegeben - und
Sie haben in Ihrem Informationsmaterial ein solches Formblatt, wie er es benutzt - in dem gefordert wird, daß die Exporteure ihm bis zum 20. Juni alle
vorliegenden

Lieferkontrakte melden, und der Präsident hat erklärt, daß wir

die von den Vereinigten Staaten eingegangenen Lieferverpflichtungen einhalten
werden. Er hat ferner erklärt, daß neue Exportverpflichtungen, die eingegangen
werden, ihm innerhalb von drei Tagen gemeldet werden müssen. Wir werden uns
so ein Bild über das machen können, was ansteht. Somit werden wir ein besseres
Bild über die künftige Marktsituation haben, als dies gegenwärtig der Fall
ist. Wir haben ferner flexiblere Vollmachten beantragt als die, über die wir
gegenwärtig verfügen und die wir rein rechtlich nicht für zu brauchhar halten, um notfalls Exportkontrollen anzuordnen. Für welche Handelsgüter? Ich glaube, irgendjemand hier fragte mich, welches die eigentlich kritischen
Handelsgüter seien. Ich will Ihnen nicht eine vollständige Liste verlesen.
Sie befindet sich in Ihrem Informationsmaterial, aber Weizen, Reis, Hafer,
Mais, Sojabohnen gehören unter anderem dazu.
Frage:

-3-

�I

)

l
Frage: Herr Minister, war das Getreidegeschäft mit den Russen nicht
ein Fehler?
Shultz: Nein, wir hier wollen neue Märkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erschließen. Dies ist für uns nützlich und wird es auch weiterhin sein. Wir suchen jetzt Vorteile aus der Tatsache zu ziehen, daß wir im
Augenblick große,wichtige Weltmärkte erschließen und daß wir einen ausgezeichneten Absatzmarkt hier im Inland haben. Wir suchen jetzt eine völlig andere
Landwirtschaftspolitik zu fördern, unter der die Farmer bei hoher Erzeugung
ein hohes Einkommen und angemessene Preise erzielen können, statt durch unsere Agrarpolitik die Erzeugung einzuschränken und so hohe Einkommen durch
hohe Preise zu erzielen.
Diese letztere Politik spielte lange Zeit die dominierende Rolle. Wir
hatten große Bestände eingelagert und der Versuch, diese Bestände auf dem
Markt abzusetzen und diese Märkte zu erschließen, stellt ein wichtiges langfristiges Problem dar. Jetzt haben wir es mit einem unmittelbaren Problem
zu tun, das sich aus verschiedenen Gründen ergeben hat, unter anderem der
schreckliche Wettereinbruch nicht nur hier sondern auch in anderen Ländern.
Aber wir rechnen für dieses Jahr mit einer reichen Ernte, und sobald wir sie
eingebracht haben und sie absetzen wollen, werden wir diese Märkte brauchen.
Dies wird sich sowohl was unsere Handelsbilanz wie auch was die Einkommen in
der Landwirtschaft anbetrifft, für uns positiv auswirken.
Frage: Wie können Sie den Export einschränken und gleichzeitig die Europäische Gemeinschaft auffordern, das durch ihre gemeinsame Agrarpolitik entstandene System abzubauen?
Shultz: Ganz einfach. Wir werden sie eben dazu auffordern und darüber
sprechen. Wir wollen ein zuverlässiger Lieferant sein und wir sind es. Wir
können diese Produkte zu Kosten erzeugen, die unter denen in anderen Teilen
der Welt liegen, so daß wir auf diesem Gebiet einen großen Wettbewerbsvorteil
haben.
Wir

-4-

&lt;

�Wir sprechen hier über vorübergehende Bemühungen, um die Situation in
unserem eigenen Lande unter Kontrolle zu bringen. Was nun unsere Handelsverhandlungen anbetrifft, so werden wichtige Verhandlungen im Rahmen des
GATT über die Auswirkungen der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
auf den Handel aufgenommen, die Sie wahrscheinlich meinen, und die die langfristige Entwicklung der Agrarmärkte für unsere Erzeugnisse betreffen.
Frage: Schließen Sie für die Phase IV irgend eine Sonderabgabe wie
damals am 15. August aus? Schließen Sie sie schon jetzt aus?
Shultz: Ja, es gibt keinen Vorschlag für eine Sonderabgabe.
Frage: Herr Minister, rechnen Sie außer bei Agrarerzeugnissen noch mit
irgendwelchen anderen Exportkontrollen?
Shultz: Vielleicht...
Frage: Noch zu den Exporten: Lösen Sie nicht mit dieser Bekanntgabe,
noch bevor der Kongreß irgend ein Gesetz verabschiedet hat, eine Welle von
Exporten aus?
Shultz: Wir erklären, daß alle nach der Rede des Präsidenten heute abend
neu eingegangenen Kontrakte, falls es zu Exportkontrollen kommt, unter das
jeweilige Zuteilungsverfahren fallen....
Frage: Hängt dies von dem Gesetz ab, das der Kongreß verabschiedet?
Shultz: Ja, wir brauchen die Unterstützung des Kongresses auf vielen
Gebieten, nicht nur hier, wenn wir die Inflation unter Kontrolle bringen wollen. Es geht nicht an, daß der Kongreß auf der einen Seite in einem Landwirtschaftsgesetz eine Erhöhung der Agrarpreise beschließt und sich weigert,
uns die für Exportkontrollen erforderlichen Vollmachten zu geben, und gleichzeitig eine Kontrolle der Löhne und Preise fordert. Man kann nicht alles auf
einmal haben....
Frage:

-5-

�Frage: Herr Minister, ist es angesichts des nach dem Inkrafttreten der
Phase III im Januar eingetretenen Preisauftriebs realistisch, mit einer Rückkehr zu dem freien Marktsystem zu rechnen, die der Präsident noch für die
Amtsdauer dieser Regierung ankündigt?
Shultz: Das grundlegende Problem, das wir meines Erachtens zu Beginn
der Phase III hatten, lag nicht so sehr in den Bereichen von Programmen,
an die Sie im allgemeinen denken, die beispielsweise unter Phase II oder
III fielen, sondern auf anderen Gebieten, vor allem bei Lebensmitteln und
international gehandelten Rohstoffen.
Und hier wurden wir meines Erachtens durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren hart getroffen. Wenn wir unsere Politik korrekt fortführen,
dürften wir kaum noch einmal so getroffen werden, vor allem, wenn es uns
gelingt, das Angebot an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wesentlich auszuweiten, was wir versuchen.
Wenn wir also eine harte Haushaltspolitik verfolgen, wie dies der Präsident empfiehlt, wenn wir eine im Einklang hiermit stehende Währungspolitik betreiben und wenn wir die Wirtschaft ganz allmählich auf eine Wachstumsrate von vier Prozent bringen und diese Agrarerzeugnisse herbeischaffen,
dann werden wir wieder eine Chance haben...
Frage: Herr Minister, ist damit zu rechnen, daß die Regierung den
Kongreß um eine Erhöhung der Bundessteuer auf Benzin ersuchen wird?
Shultz: Das ist sehr unwahrscheinlich.

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23/1973
DIE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN USA UND EUROPA
Auszüge aus der Rede von Botschafter Greenwald in Bergneustadt

BERGNEUSTADT -»(AD)— Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen
Gemeinschaften, Botschafter Joseph Greenwald, hat am 16. Juni auf einem
von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit der US-Botschaft
veranstalteten Seminar über "Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA
und Europa" gesprochen. Im folgenden geben wir Ihnen Auszüge aus der Rede
von Botschafter Greenwald wieder:
"... Obwohl alle diese anstehenden Fragen - Handel, Währung und gemeinsame Verteidigung - in einem Zusammenhang stehen und miteinander
verkettet sind, dürften die Fragen des internationalen Handels und der
internationalen Finanz im Augenblick am stärksten das Interesse der
Öffentlichkeit finden. Die Vereinigten Staaten wie auch die Europäischen
Gemeinschaften bereiten sich sorgfältig auf die für den kommenden Herbst
in Tokio anberaumte GATT-Runde vor, bevor sie nach Genf gehen. Das Vorgehen der Gemeinschaften wird vom Ministerrat Ende des Monats beraten
werden. Die amerikanischen Vollmachten sind in dem Handelsgesetz enthalten,
das gegenwärtig dem Kongreß vorliegt. Inwieweit laufen diese beiden Vorgänge nun parallel zueinander?
Das

�Das von Präsident Nixon im April 1973 vorgeschlagene Gesetz über eine
Reform des Handels unterstreicht das Ziel eines offenen Welthandelssystems,
in dem die Marktkräfte auf eine Ausweitung des Austausches von Gütern und
Dienstleistungen zwischen den Ländern hinwirken würden. Der Wortlaut des
Gesetzes stimmt mit der Erklärung der Vereinigten Staaten und der Europäisch
Gemeinschaften vom Februar 1972 überein, in der diese GATT-Verhandlungen
fordern, »die 1973 ... mit dem Ziele einer Ausweitung und noch stärkeren
Liberalisierung des Welthandels beginnen sollen.»
Der Präsident bemüht sich um umfassende Vollmachten, um die Zollsätze
modifizieren und sich mit den nicht-tarifären Handelsschranken im Rahmen
multilateraler Verhandlungen befassen zu können. Die Kommission fordert
ein ähnliches Mandat für Verhandlungen auf diesen beiden Gebieten. Es gibt
n

atürlich viele spezifische Verhandlungstechniken, die zur Verwirklichung

unserer gemeinsamen Ziele - Liberalisierung und Gegenseitigkeit - angewandt
werden könnten, aber das Klügste wäre es zum gegenwärtigen Zeitpunkt, alle
diese Optionen offen zu lassen. Der beste Weg für einen Fortschritt wäre,
wenn die Vereinigten Staaten, die Gemeinschaft und unsere anderen Handelspartner im Rahmen allgemeiner Richtlinien umfassende Vollmachten erhalten.
Mit dem Fortschreiten der Verhandlungen können dann bei den internationalen
Gesprächen innerhalb des GATT die Verhandlungsverfahren ausgearbeitet werden. Je mehr im gegenwärtigen Stadium der Vorbereitungen bestimmte politische Verfahren ausgeschlossen werden oder auf ihnen bestanden wird, umso
mehr wird der letztliche Erfolg der Verhandlungen erschwert werden. Bereits
abgegebene einseitige Erklärungen darüber, was in den Verhandlungen erreicht
werden kann oder auch nicht, werden die Bemühungen um ein Abkommen nur komplizieren.
Eine ähnliche Einstellung (alle Optionen offen zu lassen) gilt meines
Erachtens auch für das heikle Gebiet der Landwirtschaft. Die Tatsache,daß
die Agrarpolitik zahlreiche soziale und politische Faktoren berücksichtigen
muß, dürfte ein Vorgehen auf breiter Ebene erfordern, bei dem keine Möglich-

�t

i
Möglichkeit, befriedigende Abkommen zu erreichen, ausgelassen werden sollte. Dies bedeutet nicht, daß politische Realitäten, innen~wie außenpoliti»
sehe, ignoriert werden sollten oder können. So akzeptieren wir, was die
Vereinigten Staaten anbetrifft, das weitere Bestehen der gemeinsamen Agrarpolitik. Doch gibt es ganz eindeutige Gebiete für Verbesserungen, und das
Erfordernis der Gegenseitigkeit besagt, daß alle Warengruppen, industrielle
wie landwirtschaftliche, in die Verhandlungen einbezogen werden müssen. Es
ist ganz offensichtlich, daß die Situation in der Landwirtschaft unterschiedlich ist und die Behandlung vielleicht nicht die gleiche wie bei industriellen Erzeugnissen sein kann; doch wird man weniger schnell zu einem
Fortschritt gelangen, wenn von Anbeginn an umfassende Beschränkungen der
Verhandlungsvollmachten festgelegt werden.
Die Vereinigten Staaten und die Gemeinschaft haben ein gemeinsames Interesse daran, den Entwicklungsländern zu helfen. Dieses Ziel findet seinen
Ausdruck in unseren Hilfsprogrammen, und die Gemeinschaft hat außerdem Handelsabkommen als Mittel der wirtschaftlichen Entwicklung eingesetzt. Das
Gesetz über eine Reform des Handels ermöglicht es den Vereinigten Staaten,
den Erzeugnissen der Entwicklungsländern allgemeine Zollpräferenzen einzuräumen. Das Gesetz legt jedoch im einzelnen fest, daß allgemeine Zollpräferenzen solchen Entwicklungsländern nicht gewährt werden können, die den
Erzeugnissen irgendeines Industriestaates eine bevorzugte Behandlung einräumen, es sei denn, es besteht ganz eindeutig Aussicht, daß solche *Gegenpräferenzen* bis Ende 1975 beseitigt sein werden,.
Diese Bestimmung scheint unsere Gegnerschaft, gegen die Assoziierungsabkommen der Gemeinschaft zu kodifizieren. Tatsächlich haben jedoch die
kürzlichen Erklärungen führender europäischer Politiker zu erkennen gegeben,
daß sie sich von den besonderen Bindungen, die sich verständlicherweise auf
geschichtliche Zusammenhänge begründen, wegbewegen. Auf lange Sicht werden
wir alle, auch die Entwicklungsländer, meines Erachtens besser dran sein,
wenn es zu einem für beide Seiten fruchtbaren Verhältnis zwischen Nord
und Süd kommt.
Bei

-3-

�i
Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird den Interessen der Entwicklungsländer besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Genauso wichtig
ist es, daß sie von der Liberalisierung und der verstärkten Wirtschaftstätigkeit profitieren werden, die sich aus dem Austausch von Konzessionen zwischen den Industriestaaten ergeben.
Ein weiterer Punkt bei den bevorstehenden Verhandlungen wird unter dem
kurzen Titel »Schutzmaßnahmen» zusammengefaßt.
Hier wiederum laufen meines Erachtens die Interessen der USA und der
EG parallel. Bei einer Ausweitung des Welthandels und einer schnelleren Umschlagsrate in den höher entwickelten Volkswirtschaften nimmt das Problem
der Anpassung an Bedeutung zu. Die bestehenden Mechanismen, die nationalen
wie auch die internationalen, müssen verbessert werden. Unser Handelsgesetz
enthält eine Reihe von Bestimmungen, um dieses Ziel zu erreichen. Die multilateralen Verhandlungen bieten eine Möglichkeit, um die internationalen
Werkzeuge zu überprüfen und den neuen Erfordernissen anzupassen.

Die für

ein konstruktives Vorgehen bei allen diesen Fragen erforderliche Flexibilität sollte mit unserem Mandat jeweils gegeben sein.
Niemand bestreit, daß Japan in dem neuen Handels-und Währungssystem
eine wichtige Stellung einnimmt. Aber es ist keineswegs genauso

klar, daß

wir alle die Folgen akzeptieren, die sich aus dem Entstehen dieses neuen
Elements ergeben. Wir sollten bedenken, daß Europäer, Amerikaner und Japaner
ein gemeinsames Interesse an gemeinsamen Konsultationen haben,

um Lösungen

für die Probleme zu finden, denen sich die Länder der industrialisierten
freien Welt gegenübersehen. Bei der Frage der »Schutzmaßnahmen» und dem
Abbau der angewandten Beschränkungen, die mit den gegenwärtigen internatio«
nalen Verpflichtungen nicht zu vereinbaren sind, sollten die USA und die
EG gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit unseren japanischen Partnern
vorgehen. Diejenigen, die erklären, daß die japanischen Probleme lediglich
den Handels-und Zahlungsverkehr mit den Vereinigten Staaten betreffen, verstehen die wirtschaftlichen Beziehungen in einem multilateralen System nicht.

-4-

�nicht. Wir können über die Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten nicht von einer rein bilateralen Basis aus sinnvoll sprechen.

Die Verhandlungen nach GATT-Artikel 24,6.
Auf dem Gebiet des Handels verdient ein weiterer wichtiger Punkt besondere Aufmerksamkeit. Ich meine hier die Reihe von Verhandlungen, die
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit Drittländern über Kompensationen für bestimmte Zollerhöhungen seitens der drei neuen Mitgliedsstaaten
führt, wenn diese jetzt ihre Zollsätze auf das Niveau des gemeinsamen Außenzolls der Gemeinschaft bringen. Die Details dieser aufgrund von GATT-Artikel
24,6 geführten Verhandlungen sind äußerst komplex; aber ihre pragmatische
Bedeutung ist klar. Wenn Zollsätze gebunden sind und später erhöht werden,
dann fordern die Bestimmungen, daß Kompensationen gemacht werden. Wir haben
den Vorschlag der Gemeinschaft geprüft - der keine kompensierenden Konzessionen enthält - und sind der Ansicht,daß er dieser Norm nicht entspricht.
Wenn eine geeignete Atmosphäre für die multilaterale Verhandlungsrunde geschaffen werden soll, dann müssen die Verhandlungen aufgrund der Erweiterung
der Gemeinschaft in relativ naher Zukunft abgeschlossen werden...
So wie auf dem Gebiet des Handels Fortschritte in Richtung auf eine Liberalisierung notwendig sind, damit wir nicht in Protektionismus und politische Spaltung zurückfallen, so bleibt die Entwicklung auf dem Währungssektor auch nicht stehen. Die Realitäten des Marktes haben uns die Wechselkursflexibilität gebracht, die, wie jeder beipflichtet, für ein reformiertes System unerläßlich ist. Aber wir brauchen noch Bestimmungen, die gewährleisten, daß das neue System richtig und fair arbeitet. Der Zusammenhang
zwischen Handel und Geld ist jetzt auch von jenen erkannt worden, die in
der Vergangenheit diese Konzeption ablehnten. Natürlich würden wir das Prinzip akzeptieren, daß Handels-und Währungsverhandlungen in einem Zusammenhang zueinander stehen. Es ist ganz klar, daß Wechselkursveränderungen sich
auf den Handel auswirken können; es muß aber auch genauso klar sein, daß

�daß dem Handel eine wichtige Rolle bei dem Zahlungsbilanzanpassungsprozeß
zufällt.
Es bestehen immer noch einige Meinungsverschiedenheiten bezüglich des
von Finanzminister Shultz auf der IWF-Tagung im Herbst letzten Jahres vorgelegten Vorschlages. Aber bislang sind das die einzigen Ideen, die auf
dem Verhandlungstisch vorliegen. Wenn die Erörterung dieser Ideen weiter
fortschreitet, so werden sich die Ansichten der Gesprächspartner meines Erachtens einander weiter nähern...
Unser gemeinsames Interesse an einem offenen, gerechten und wirksamen
Währungssystem ist von überragender Bedeutung. Um dieses Ziel zu erreichen,
müssen wir, wie Finanzminister Shultz sagte, bessere Mittel finden, die eine
wirksame Disziplin garantieren, damit eine umgehende und effektive Anpassung von Zahlungsbilanzungleichgewichten, ein kooperatives Management der
internationalen Reserven sowie stabile und geregelte Devisenmärkte gewährleistet sind.
Es ist oftmals vorgeschlagen worden, daß die Vereinigten Staaten über
eine Reform des internationalen Währungssystems sprechen sollten, weil unser eigenes Haus nicht in Ordnung ist. Wir geben zu, daß Defizitländer Verpflichtungen haben und wir haben
1.

uns bemüht, den unsrigen nachzukommen.

Es sind binnenwirtschaftliche Maßnahmen, sowohl budgetäre wie auch

fiskalische, zur Eindämmung der Inflation ergriffen worden. Ferner sind Lohnund Preiskontrollen verfügt worden. In den letzten Monaten waren diese Bemühungen recht erfolgreich, obwohl der Kampf bestimmt noch nicht gewonnen ist.
2.

Der Exportförderung wird von unserer Regierung hohe Priorität ein-

geräumt .
3.

Es sind Wechselkursanpassungen vorgenommen worden,
4.

-6-

�4.

Die Kapitalkontrollen sind beibehalten worden, obwohl dies auf

lange Sicht unserer Zahlungsbilanz nicht nützen wird. Außerdem ist der Fluß
von Investitionsgeldern in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg eines
der besten Mittel für eine beiden zum Vorteil gereichende Interdependenz.
Wir haben alle diese Maßnahmen ergriffen, aber wir haben bisher restriktive Maßnahmen auf den Gebieten des Handels und des Tourismus vermieden,
und wir hoffen, daß die Wende in unserer Zahlungsbilanz auch ohne solche
Maßnahmen kommen wird. Wir glauben an die Realitäten wechselseitiger Beziehungen zwischen Sicherheit sowie politischen und wirtschaftlichen Fragen
und erwarten daher, daß uns ein Teil unserer Lasten von unseren europäischen
Partnern abgenommen wird. Dies wird ebenfalls dazu beitragen, restriktive
Maßnahmen zu vermeiden und die Frage des Verhältnisses zwischen gemeinsamen
Verteidigungsbeiträgen und wirtschaftlicher Stärke von der europäisch-amerikanischen Tagesordnung zu streichen...".

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23/1973

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-NORDVIETNAMESISCHES KOMMUNIQUE VOM 13. JUNI
- Wortlaut -

PARIS --(AD)—Neben dem Vierer-Kommunique iiaben die Vertreter der Vereinigten Staaten und Nordvietnams am 13. Juni 1973 in Paris ein gemeinsames Kommunique herausgegeben, das folgenden Wortlaut hat:
"Vom 17. Mai bis zum 23. Mai, vom 6. Juni bis zum 9. Juni und am 12.
und 13. Juni 1973 haben Dr. Henry A. Kissinger im Namen der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika und Herr Le Duc Tho im Namen der Regierung
der Demokratischen Republik Vietnam die Verwirklichung des Pariser Abkommens
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam und seiner Protokolle überprüft und dringende Maßnahmen erörtert,
um die korrekte und strikte Einhaltung des Abkommens und se iner Protokolle zu
gewährleisten.
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Zustimmung
der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam mit Zustimmung der
Provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,
sind
aus der Erwägung heraus, daß die strikte Beachtung und genaue Einhaltung aller Bestimmungen des Pariser Abkommens und seiner Protokolle durch alle

-1-

�alle Signatarparteien notwendig sind, um den Frieden in Vietnam zu gewährleisten und zu der Sache des Friedens in Indochina und Südostasien beizutragen,
über folgende Punkte übereingekommen (in der Reihenfolge der einschlägigen
Artikel des Abkommens):
(Hier folgt der Wortlaut der 14 Punkte des vorangegangenen gemeinsamen
ViererkommuniquSs)
Unter Bekräftigung, daß die betroffenen Parteien alle Bestimmungen des
Pariser Abkommens, seiner Protokolle, dieses gemeinsamen Kommuniques und
eines in den gleichen Formulierungen abgefaßten gemeinsamen Kommuniques,
das von den Vertretern der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
der Regierung der Republik Vietnam und der Regierung der Demokratischen
Republik Vietnam und der Provisorischen Revolutionsregierung der Republik
Südvietnam unterzeichnet worden ist, strikt beachten und genau einhalten
werden, haben der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, Dr. Henry
A. Kissinger,und der Vertreter der Demokratischen Republik Vietnam, Herr Le
Duc Tho, beschlossen, dieses gemeinsame Kommuniqul herauszugeben und die
Punkte festzuhalten und zu veröffentlichen, auf die sie sich geeinigt haben

Unterzeichnet in Paris am 13. Juni 1973

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokratischen

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

Dr. Henry A. Kissinger

Le Duc Tho

Berater des Präsidenten der

Vertreter der Regierung der Demokrati-

Vereinigten Staaten von Amerika

schen Republik Vietnam

-2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

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23/1973

DAS PARISER VIERER-KOMMUNIQUE VOM 13. JUNI
- Wortlaut PARIS -.(AD)»- Die Vereinigten Staaten, Nord-und Südvietnam und die Provisorische Revolutionsregierung Südvietnams (Vietcong) haben am 13- Juni
ein gemeinsames Kommunique1 über die Einhaltung des Pariser Abkommens
vom 27. Januar unterzeichnet:
"Die Signatar-Parteien des Pariser Abkommens über die Beendigung des
Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, das am 27. Januar 1973 unterzeichnet wurde, haben sich aus der Erwägung heraus, daß die
strikte Respektierung und peinlich genaue Erfüllung aller Bestimmungen des
Abkommens und seiner Protokolle seitens all seiner Signatar-Parteien notwendig ist, um den Frieden in Vietnam zu gewährleisten und zur Sache des
Friedens in Indochina und Südostasien beizutragen über die folgenden Punkte
(in der Reihefolge der einschlägigen Artikel des Abkommens)geeinigt:
1.

In Übereinstimmung mit Artikel 2 des Abkommens werden die Vereinigten

Staaten die Luftaufklärung über dem Territorium der Demokratischen Republik
Vietnam unverzüglich sowie vollständig und ohne jede zeitliche Begrenzung
einstellen.
2.

In Übereinstimmung mit Artikel 2 des Abkommens und dem Protokoll über

die Räumung der Minen:

-1-

�a) werden die Vereinigten Staaten die Minenräumoperationen innerhalb
von fünf Tagen nach dem Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques wieder aufnehmen und diese Operationen innerhalb
von dreißig Tagen danach erfolgreich abschließen;
b) werden die Vereinigten Staaten der Demokratischen Republik Vietnam
die vereinbarungsgemäß als adäquat und zureichend bezeichneten Mittel zur Räumung der Minen in den Flußläufen zur Verfügung stellen;
c) werden die Vereinigten Staaten bekanntgeben, sobald die Räumung der
Minen in jedem der Hauptwassersysteme abgeschlossen ist und in
einer abschließenden Bekanntgabe mitteilen, wenn alle die Operationen beendet sind.
3.

Zur Durchführung von Artikel 2 des am 14. Juni 1973 um 12 Uhr GMT er-

zielten Abkommens werden die Oberkommandos der beiden südvietnamesischen
Parteien gleichlautende Befehle an alle regulären und irregulären Streitkräfte sowie an die unter ihrem Befehl stehenden bewaffneten Polizeiverbände erteilen, den Waffenstillstand in ganz Südvietnam ab 15. Juni 1973
0400 GMT strikt einzuhalten und das Abkommen und seine Protokolle genauestens
zu befolgen.
4.

Die beiden südvietnamesischen Parteien werden die Artikel 2 und 3 des

Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam, die wie folgt lauten,
strikt befolgen:
Artikel 2
a) Sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist und bis von den
Gemeinsamen Militärkommissionen Bestimmungen erlassen worden sind, sollen
alle Land-, Fluß-, See- und Luftverbände der Parteien in Südvietnam an
ihrem Standort verbleiben; das heißt, um die Einhaltung eines stabilen Waffenstillstandes zu gewährleisten, darf es keine größeren Redislozierungen
oder Truppenbewegungen geben, durch die das von jeder Partei kontrollierte

-2-

�kontrollierte Gebiet ausgedehnt würde oder die zu Berührungen zwischen den
gegnerischen Truppen und etwa erfolgenden Zusammenstößen führen würden.
b) Alle regulären und irregulären Truppen und bewaffneten Polizeiverbände der Parteien in Südvietnam sollen sich an das Verbot der folgenden Betätigungen halten:
1) Entsendung von bewaffneten Patrouillen in von gegnerischen
Truppen kontrollierte Gebiete und Flüge von Bomben-und Kampfflugzeugen aller Typen, ausgenommen unbewaffnete Flüge für
Schulungs-und Wartungszwecke;
2) bewaffnete Angriffe gegen irgendwelche Militär-oder Zivilpersonen unter Einsatz welcher Mittel auch immer; darunter fallen
auch der Einsatz von Handfeuerwaffen, Granatwerfern und Artillerie, Bombardierung und Beschuß durch Flugzeuge sowie der
Einsatz aller anderen Arten von Waffen und Sprengstoffen;
3) alle Kampfoperationen zu Lande, auf Flüssen, zur See und in der
Luft;
4) alle feindseligen Handlungen, Terror und Vergeltung; und
5) alle Handlungen, die Menschenleben oder öffentliches oder privates Eigentum in Gefahr bringen.

Artikel 3
a) Die oben erwähnten Verbote dürfen nicht zu einer Behinderung oder
Beschränkung führen:

.

1) Des zivilen Nachschubs, der Bewegungsfreiheit, der freien Wahl
des Arbeitsplatzes, der Freiheit der Bevölkerung, Handel zu
treiben

sowie des zivilen Nachrichten-und Transportwesens zwi-

schen allen und innerhalb aller Gebiete in Südvietnam;

12

�f

l
2) des Einsatzes militärischer Nachschubverbände, zum Beispiel Pionier.und Transporteinheiten durch jede Partei in den von ihr kontrollierten Gebieten zwecks Wiederinstandsetzung und Errichtung
öffentlicher Einrichtungen und für den Transport und die Versorgung der Bevölkerung;
3) der normalen militärischen Ausbildung, die von den Parteien in den
unter ihrer jeweiligen Kontrolle stehenden Gebieten bei angemessener Beachtung der öffentlichen Sicherheit durchgeführt wird.

b) Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen umgehend Vereinbarungen
treffen über Korridore, Routen und sonstige Bestimmungen für Flüge militärischer Transportmaschinen sowie für Fahrten militärischer Transportfahrzeuge
und militärischer Transportschiffe der einen Partei durch von den anderen
Parteien kontrollierte Gebiete.

5.

Die Gemeinsame Zweier-Militärkommission soll unverzüglich ihre Auf-

gabe gemäß Artikel 3 (b) des Abkommens durchführen, um die von jeder der
beiden südvietnamesischen Parteien kontrollierten Gebiete festzulegen und
die Modalitäten der Stationierung zu bestimmen. Diese Aufgabe soll so bald
wie möglich durchgeführt werden. Die Kommission soll ferner unverzüglich
Maßnahmen erörtern, die notwendig sind, um eine Rückführung der bewaffneten
Streitkräfte der beiden südvietnamesischen Parteien auf die Positionen zu
erzielen, die sie zu jener Zeit einnahmen, als der Waffenstillstand am
28. Januar 1973 in Kraft trat.

6.

24 Stunden nachdem der in Artikel 3 genannte Waffenstillstand in Kraft

getreten ist, sollen die Befehlshaber der sich gegenüber stehenden Streitkräfte am Ort des direkten Kontaktes zusammenkommen, um Artikel 4 des Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam im Hinblick darauf auszuführen,

-4-

�auszuführen, Übereinstimmung über temporäre Maßnahmen zur Vermeidung von
Konflikten zu finden und die Versorgung und ärztliche Betreuung dieser
Truppen zu gewährleisten.
7.

In Übereinstimmung mit Artikel 7 des Abkommens:
a) werden die beiden südvietnamesischen Parteien die Einbringung von

Truppen, Militärberatern und Militärpersonal, einschließlich technischen Militärpersonals, nach Südvietnam nicht zulassen.
b) werden die beiden südvietnamesischen Parteien die Einbringung von
Waffen, Munition und Kriegsmaterial nach Südvietnam nicht zulassen. Es wird
den beiden südvietnamesischen Parteien jedoch erlaubt, periodisch einen Ersatz für Waffen, Munition und Kriegsmaterial vorzunehmen, wie dies in
Artikel 7 des Abkommens genehmigt ist, und zwar an festgelegten Übergangsstellen und unter Überwachung durch die Gemeinsame Zweier-Militärkommission
und die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission.
In Übereinstimmung mit Artikel 15 (b) des Abkommens bezüglich der
Respektierung der entmilitarisierten Zone darf militärische Ausrüstung
die entmilitarisierte Zone nur passieren, wenn sie als Ersatz im Sinne von
Artikel 7 des Abkommens über festgelegte Übergangsstellen nach Südvietnam
eingebracht wird.
c)

24 Stunden, nachdem der in Artikel 3 genannte Waffenstillstand in

Kraft getreten ist, soll die Gemeinsame Zweier-Militärkommission die Modalitäten für die Überwachung des Ersatzes von Waffen, Munition und Kriegsmaterial, wie in Artikel 7 des Abkommens erlaubt, an den bereits für jede
Partei vereinbarten drei Übergangsstellen erörtern. Innerhalb von 15 Tagen
nach Inkrafttreten des in Artikel 3 genannten Waffenstillstandes sollen
die beiden südvietnamesischen Parteien ferner drei weitere Übergangsstellen für jede Partei in dem von der jeweiligen Partei kontrollierten Gebiet bestimmen.
8.

�8.

In Übereinstimmung mit Artikel 8 des Abkommens:
a)

Alle gefangengehaltenen Personen gemäß Artikel 8 {a) des Abkommens,

die noch nicht rückgeführt worden sind, sollen ohne Verzug rückgeführt werden, auf keinen Fall jedoch später als innerhalb von 3o Tagen nach Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques.
b) Alle Bestimmungen des Abkommens und des Protokolls über die Rückführung von gefangengehaltenem Personal sollen genau eingehalten werden. Alle
vietnamesischen Zivilpersonen, auf die sich Artikel 8 (c) des Abkommens
und Artikel 7 des Protokolls über die Rückführung gefangengehaltenen Personals erstrecken,sollen so bald wie möglich zurückgeführt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen ihr äußerstes tun, um dies innerhalb
von 45 Tagen nach dem Datum der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques
zu bewerkstelligen.
c) In Übereinstimmung mit Artikel 8 des Protokolls über die Rückführung
gefangengehaltenen Personals sollen alle gefangenen und in Gewahrsam gehal~
tenen Personen, auf die sich dieses Protokoll erstreckt, jederzeit human behandelt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sofort Artikel
9 dieses Protokolls verwirklichen und innerhalb von 15 Tagen vom Datum der
Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques gerechnet nationalen Fotkreuzgesellschaften, auf die sie sich geeinigt haben, erlauben, alle Orte zu besuchen, wo solches Personal in Gewahrsam gehalten wird.
d) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen zusammenarbeiten, um
Informationen über vermißte Personen und über die Feststellung des Ortes von
Gräbern sowie deren Pflege zu erhalten.
e) In Übereinstimmung mit Artikel 8 (b) des Abkommens sollen die Parteien
einander helfen, Informationen über jenes Militärpersonal und jene ausländischen Zivilisten der Parteien zu erhalten, die vermißt werden, den Ort
der Gräber festzustellen und die Pflege der Gräber sicherzustellen, um die

�die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste zu erleichtern
und alle anderen derartigen Maßnahmen durchzuführen, die sich als notwendig erweisen mögen, um Informationen über alle Personen zu erhalten, die
noch als vermißt angesehen werden. Zu diesem Zweck sollen häufige und regelmäßige Verbindungsflüge zwischen Saigon und Hanoi stattfinden.

9.

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen Artikel 11 des Ab-

kommens verwirklichen, der wie folgt lautet:
"Unmittelbar nach dem Waffenstillstand werden die beiden südvietnamesischen Parteien:
- nach nationaler Wiederaussöhnung und Eintracht streben, Haß und
Feindschaft beenden, alle Vergeltungsakte und Diskriminierungen
gegen Personen oder Organisationen verbieten, die mit der einen
oder anderen Seite kollaboriert haben; die demokratischen Freiheiten des Volkes gewährleisten; persönliche Freiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit,
Freiheit der politischen Betätigung,

Glaubensfreiheit, freier

Reiseverkehr, freie Wahl des Wohnsitzes, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Eigentum und Recht auf freie Berufsausübung."

10.

In Übereinstimmung mit den Grundsätzen für die Ausübung des Selbst-

bestimmungsrechtes des südvietnamesischen Volkes wie in Kapitel IV des
Vertrages festgelegt:
a) Soll das südvietnamesische Volk selbst durch echt freie und demokratische allgemeine Wahlen unter internationaler Überwachung die politische Zukunft Südvietnams bestimmen.
b) Der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht, der
aus drei gleichen Teilen besteht, soll in Übereinstimmung mit Artikel 12
des Abkommens sobald wie möglich ins Leben gerufen werden.
Die

�f

1

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sobald wie möglich ein
Abkommen über die internen Angelegenheiten Südvietnams unterzeichnen

und

ihr äußerstes tun, um dies innerhalb von 45 Tagen nach Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques zustandezubringen.

c) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen sich auf dem Wege der
Konsultation über die Institutionen einigen, für die die freien und demokratischen allgemeinen Wahlen gemäß Artikel 9 (b) des Abkommens abgehalten
werden.
d) Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen Artikel 13 des
Abkommens verwirklichen, der wie folgt lautet:
"Die Frage der vietnamesischen Streitkräfte in Südvietnam soll von
den beiden südvietnamesischen Parteien in einem Geiste der nationalen
Wiederaussöhnung und Eintracht, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung ohne jede ausländische Einmischung und im Einklang
mit der Nachkriegssituation geregelt werden. Zu den von den beiden südvietnamesischen Parteien zu erörternden Fragen gehören Schritte zur Verminderung ihrer militärischen Schlagkraft und zur Demobilisierung der
zu verringernden Truppen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden
diese sobald wie möglich durchführen."

11.

In Durchführung von Artikel 17 des Abkommens:
a) Sollen alle Bestimmungen der Artikel 16 und 17 des Protokolls über

den Waffenstillstand in Südvietnam bezüglich der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission sofort durchgeführt werden. Dieser Kommission sollen ferner sofort die elf Punkte an Privilegien und Immunitäten zuerkannt werden, wie sie
die Gemeinsame Vierer-Militärkommission vereinbart hat. Es sollen häufige und
regelmäßige Verbindungsflüge zwischen Saigon und den Hauptquartieren der regionalen Gemeinsamen Zweier-Militärkommissionen zu anderen Orten in Südvietnam stattfinden, wie dies für die Arbeit der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission notwendig ist. Ferner sollen auch häufige und regelmäßige Verbindungs-

-8-

�Verbindungsflüge zwischen Saigon und Loc Ninh stattfinden.
b) Das Hauptquartier der Zentralen Gemeinsamen Zweier-Militärkommission
soll in Saigon selbst oder an einem Ort eingerichtet werden, den die beiden
südvietnamesischen Parteien vereinbaren, wo ein von der einen Seite kontrolliertes Gebiet an ein von der anderen Seite kontrolliertes Gebiet stößt.
Die Standorte der Hauptquartiere der regionalen Gemeinsamen Zweier-Militärkommissionen und der Teams der Gemeinsamen Zweier-Militärkoramissionen sollen
innerhalb von 15 Tagen nach dem Inkrafttreten des in Paragraph 3 genannten
Waffenstillstandes von dieser Kommission festgelegt werden. Diese Standorte
können durch Beschluß der Kommission jederzeit verändert werden. Die Standorte, ausgenommen die Standorte für die Teams an den Übergangsstellen, sollen unter jenen Städten ausgewählt werden, wie sie in Artikel 11 (b und c)
des Protokolls über den Waffenstillstand in Südvietnam spezifiziert werden,
und jenen Orten, wo ein von einer der südvietnamesischen Parteien kontrolliertes Gebiet an ein von der anderen Seite kontrolliertes Gebiet angrenzt oder
an irgendeinem anderen von der Kommission vereinbarten Ort.
c) Sobald die Privilegien und Immunitäten wie in Paragraph 11 (a) genannt von beiden südvietnamesischen Parteien zuerkannt worden sind, soll die
Gemeinsame Zweier-Militärkommission personalmäßig voll ausgestattet und ihre
regionalen Kommissionen und Teams voll eingesetzt werden, und zwar innerhalb
von 15 Tagen,nachdem ihre Standorte festgelegt worden sind.
d)

Die Gemeinsame Zweier-Militärkommission und die Internationale

Kontroll-und Überwachungskommission sollen bei der Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen eng miteinander zusammenarbeiten und einander unterstützen.

12.

In Übereinstimmung mit Artikel 18 des Abkommens und Artikel 10 des

Protokolls über die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission sind
der Internationalen Kommission,einschließlich ihrer Teams, zum Zwecke der
Beobachtung solche Bewegungen gestattet, die vernünftigerweise für die genaue
Ausübung ihrer Funktionen wie im Abkommen vorgesehen sind. Bei der Ausübung

-9-

�•

Ausübung dieser Funktionen soll der Internationalen Kommission einschließlich
ihrer Teams jede notwendige Unterstützung und Zusammenarbeit seitens der betroffenen Parteien gewährt werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien
sollen ihrem Personal die notwendigen Anweisungen erteilen und alle anderen
notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit solcher Bewegungen zu
gewährleisten.

13.

Artikel 20 des Abkommens bezüglich Kambodscha und Laos soll ge-

nauestens eingehalten werden.
14.

In Obereinstimmung mit Artikel 21 des Abkommens soll die Gemeinsame

Wirtschaftskommission der Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam vier Tage nach der Unterzeichnung dieses gemeinsamen Kommuniques ihre Sitzungen wieder aufnehmen und die erste Phase ihrer Arbeit innerhalb der darauffolgenden 15 Tage zum Abschluß bringen.
In Bekräftigung, daß die betroffenen Parteien alle Bestimmungen des Pariser Abkommens, seiner Protokolle und dieses gemeinsamen Kommuniques strikt
beachten und genauestens einhalten werden, haben die unterzeichnenden Vertreter der Signatarparteien des Pariser Abkommens beschlossen, dieses gemeinsame Kommunique herauszugeben, um die Punkte festzuhalten und zu veröffentlichen, auf die sie sich geeinigt haben.
Unterzeichnet in Paris am 13. Juni 1973
Für die Regierung der

Für die Regierung der Republik Viet-

Vereinigten Staaten von Amerika:

nam:

Henry A. Kissinger

Nguyen Luu Vien

Berater des Präsidenten der

Vertreter der Regierung der Republik

Vereinigten Staaten von Amerika

Vietnam

Für

-10-

�Für die Regierung der Demokratischen

Für die Provisorische Revolutionsre-

Republik Vietnam:

gierung der Republik Südvietnam:

Le Duc Tho

Nguyen Van Hieu

Vertreter der Regierung der

Staatsminister der Provisorischen

Demokratischen Republik Vietnam

Revolutionsregierung der Republik Südvietnam

-11-

�</text>
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27. Juni 1973

24

Inhalt
DOKUMENTATION:
Das amerikanisch-sowjetische Kommunique vom 23. Juni 1973
-WortlautDas amerikanisch-sowjetische Aokommen zur Verhinderung eines Atomkrieges
-WortlautDokumentation des Weißen Hauses zum Abkommen zur Verhinderung eines
Atomkrieges
«WortlautNixon-Breschnew-Abkommen über Rüstungsbegrenzungsverhandlungen
-WortlautDokumentation des Weißen Hauses zur Rüstungsbegrenzung
-WortlautAmerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Atomenergie
-WortlautDas airfcrikanisch-sowjetische
-Wortlaut-

Verkehrsabkommen

A m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Austauschprogramm für Kultur und Wissens c h a f t 1974-1976
Das a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e
-Wortlaut-

Landwirtschaftsabkommen

A m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e s Abkommen über d i e Meeresforschung
-Wortlaut Die a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n
-Wortlaut-

Handelsprotokolle

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE KOMMUNIQUE VOM 25. JUNI 1973
- Wortlaut -

WASHINGTON/SAN CLEMENTE --(AD)-- Im Anschluß an das Gipfeltreffen von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew im Rahmen des Staatsbesuches einer
sowjetischen Delegation unter Führung von Breschnew in den Vereinigten Staaten vom 18. bis 25. Juni 1973 wurde folgendes Kommunique' veröffentlicht:
«.

"Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Richard Nixon,
die während seines offiziellen Besuches in der UdSSR im Mai 1972 ausgesprochen wurde, und gemäß einer danach getroffenen Übereinkunft stattete der
Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Breschnew, vom 18. bis 25. Juni den Vereinigten Staaten einen
offiziellen Besuch ab. Herr Breschnew wurde begleitet von A.A. Gromyko,
Minister für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU; N.S. Patolitschew, Außenhandelsminister;
B.P. Bugajew, Minister für Zivilluftfahrt; G.E. Tsukanow und A.M. Alexandrow,
Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU; L. I. Samjatin,
Generaldirektor von TASS; E. I. Tschasow, Stellvertretender Minister für
Öffentliche Gesundheit in der UdSSR; G.M. Kornijenko, Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR; G.A. Arbatow, Direktor des AmerikaInstituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.
Präsident

�r
*

Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew führten gründliche und
konstruktive Gespräche über den Fortschritt, der in der Entwicklung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen erzielt worden ist, sowie über eine
Reihe wichtiger internationaler Probleme von beiderseitigem Interesse.
An den Gesprächen, die in Washington, Camp David und San demente
stattfanden, nahmen ferner teil:
auf amerikanischer Seite William P. Rogers, Außenminister; George P.
Shultz, Finanzminister; Dr. Henry A. Kissinger, Berater des Präsidenten
für Fragen der Nationalen Sicherheit.
Auf sowjetischer Seite A.A. Gromyko, Außenminister der UdSSR und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU; A.F. Dobrynin, sowjetischer Botschafter in den USA; N.S. Patolitschew, Außenhandelminister;
B.P. Bugajew, Minister für Zivilluftfahrt; A.M. Alexandrow und G.E. Tsukanow,
Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU; G.M.Kornijenko,
Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

I. Der allgemeine Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Beide Seiten brachten ihre gemeinsame Befriedigung über die Tatsache zum
Ausdruck, daß das amerikanisch-sowjetische Gipfeltreffen in Moskau im Mai
1972 und die dort getroffenen gemeinsamen Entscheidungen zu einem wesentlichen Fortschritt in der Stärkung der friedlichen Beziehungen zwischen den
USA und der UdSSR geführt und die Grundlage geschaffen haben für die weitere
Entwicklung einer weitgehenden und beiderseits nutzbringenden Zusammenarbeit
auf verschiedenen Gebieten beiderseitigen Interesses für die Völker beider
Länder und im Interesse der ganzen Menschheit. Sie stellten ihre Befriedigung über die beiderseitigen Bemühungen fest, die zwischen den

USA und den

UdSSR geschlossenen Verträge und Abkommen strikt und voll einzuhalten und
die Gebiete der Zusammenarbeit auszuweiten.
Sie

-2-

�Sie waren sich einig, daß der Prozeß der Neugestaltung der Beziehungen
zwischen den USA und der UdSSR auf der Basis friedlicher Koexistenz und
gleicher Sicherheit, wie in den Grundsätzen für die Beziehungen zwischen
den USA und der UdSSR niedergelegt, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden, in ermutigender Weise fortschrietet. Sie unterstrichen die
große Bedeutung, die jede Seite diesen Grundprinzipien

beimißt. Sie bekräf-

tigten ihre Verpflichtung zur weiteren genauen Einhai tung und zur Steigerung der Wirksamkeit jeder Bestimmung dieses Dokumentes.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung fest, daß das Ergebnis des amerikanisch-sowjetischen Treffens in Moskau im Mai 1972 von anderen Staaten
und von der Weltmeinung als ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Friedens
und der internationalen Sicherheit, zur Zügelung des Wettrüstens und zur
Entwicklung einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen Staaten mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen begrüßt wurde.
Beide Seiten betrachteten den Gegenbesuch des Generalsekretärs des
Zentralkomitees der KPdSU, L. I. Breschnew, in den USA und die während dieses Besuches geführten Gespräche als einen Ausdruck ihrer beiderseitigen
Entschlossenheit, den Weg in Richtung auf eine wesentliche Verbesserung der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen fortzusetzen.
Beide Seiten sind überzeugt, daß die von ihnen soeben geführten Gespräche einen weiteren Meilenstein in der konstruktiven Entwicklung ihrer Beziehungen darstellen.
In der Überzeugung,daß eine solche Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen den Interessen ihrer beiden Völker wie auch der gesamten
Menschheit dient, wurde beschlossen, weitere wesentliche Schritte zu ergreifen, um diesen Beziehungen ein Höchstmaß an Stabilität zu geben und
die Entwicklung von Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen ihren Völkern
zu einem permanenten Faktor für einen weltweiten Frieden zu machen.
II.

�!

II. Die Verhinderung eines Atomkrieges und die Begrenzung der
strategischen Rüstungen

Die in Zusammenhang mit der Erhaltung und Stärkung des Weltfriedens
stehenden Fragen bildeten einen zentralen Punkt in den Gesprächen zwischen
Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew.
Im Bewußtsein der außergewöhnlichen Bedeutung, die wirksame Maßnahmen
in dieser Richtung für die gesamte Menschheit haben, erörterten sie Wege,
wie beide Seiten auf eine Verringerung der Gefahr eines Krieges, und insbesondere eines Atomkrieges, zwischen den USA und der UdSSR sowie zwischen
einer der beiden Vertragsparteien und anderen Ländern hinarbeiten können.
Im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen und der Grundsatzerklärung
für die Beziehungen vom 29. Mai 1972 wurde daher beschlossen, ein Abkommen
zwischen den USA und der UdSSR über die Verhinderung eines Atomkrieges abzuschließen. Dieses Abkommen wurde von dem Präsidenten und dem Generalsekretär
am 22. Juni 1973 unterzeichnet. Der Wortlaut ist gesondert veröffentlicht
worden.
Bezüglich der Bewertung dieses Abkommens sind der Präsident und der
Generalsekretär der Auffassung, daß es einen historischen Meilenstein in den
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen darstellt und die Grundlagen der internationalen Sicherheit in ihrer Gesamtheit wesentlich stärkt. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erklären ihre Bereitschaft, zusätzliche Wege
zur Stärkung des Friedens sowie zur endgültigen Beseitigung der Gefahr eines
Krieges, vor allem eines Atomkrieges, zu prüfen.
Im Verlauf des Treffens wurden eingehende Gespräche über Fragen der
Begrenzung der strategischen Rüstungen geführt. In diesem Zusammenhang unterstrichen beide Seiten die grundlegende Bedeutung des Vertrages über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehrsysteme sowie des Interimsabkommens
über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen

-4-

�strategischen Offensivwaffen, die von den USA und der UdSSR im Mai 1972
unterzeichnet wurden und die zum ersten Mal in der Geschichte die modernsten
und furchtbarsten Waffentypen tatsächlich begrenzen.
Nach einem Austausch der Ansichten über den Fortschritt bei der Durchführung dieser Abkommen haben beide Seiten ihre Absicht, sie zu erfüllen,
sowie ihre Bereitschaft erneut bekräftigt, gemeinsam auf ein Abkommen über
die weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen hinzuarbeiten.
Beide Seiten stellten fest, daß bei den im November 1972 wieder aufge&lt;»
nommenen Verhandlungen Fortschritte erzielt worden und die Aussichten
günstig sind, ein ständiges Abkommen über vollständige Maßnahmen zur Begrenzung von strategischen Offensivwaffen

zu erreichen.

Beide Seiten stimmten darin überein, daß der bei der Begrenzung der
strategischen Rüstungen erzielte Fortschritt ein äußerst wichtiger Beitrag
zur Stärkung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sowie zum Weltfrieden
ist.
Auf der Grundlage ihrer Gespräche haben der Präsident und der Generalsekretär am 21. Juni 1973 Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere
Begrenzung der strategischen Offensivwaffen unterzeichnet. Der Wortlaut ist
gesondert veröffentlicht worden.
Die USA und die UdSSR messen einem Zusammenwirken mit allen Staaten in
der Frage einer Stärkung des Friedens, der Verringerung der Rüstungslasten
sowie der Erzielung von Abkommen über eine Rüstungsbegrenzung und Abrüstungsmaßnahmen größte Bedeutung bei.
In Anbetracht der wichtigen Rolle, die einem wirksamen internationalen
Abkommen in bezug auf die chemischen Waffen zufallen würde, haben die beiden
Seiten vereinbart, ihre Bemühungen um den Abschluß eines solchen Abkommens
in Zusammenarbeit mit anderen Ländern fortzusetzen.
Die

-5-

�Die beiden Seiten stimmen darin überein, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Arbeit des Abrüstungsausschusses zu erleichtern, der in Genf
tagt. Sie werden sich aktiv an den Verhandlungen beteiligen, die darauf abzielen, neue Maßnahmen zur Einschränkung und Beendigung des Wettrüstens auszuarbeiten.
Sie bekräftigen erneut, daß das letztliche Ziel eine allgemeine und
vollständige Abrüstung, einschließlich einer nuklearen Abrüstung, unter
strikter internationaler Kontrolle ist. Eine Weltabrüstungskonferenz könnte
zu gegebener Zeit eine Rolle bei diesem Prozeß spielen.

III. Internationale Fragen: Die Verringerung der Spannungen und
die Stärkung der internationalen Sicherheit

Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew prüften wichtige Fragen
der gegenwärtigen internationalen Situation. Sie widmeten den Entwicklungen
seit der Zeit des amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens in Moskau besondere Aufmerksamkeit. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß sich in den
internationalen Beziehungen positive Trends in Richtung auf die weitere Verminderung der Spannungen und die Stärkung kooperativer Beziehungen im Interesse des Friedens entwickeln. Nach Ansicht beider Seiten schafft der gegenwärtige Prozeß einerVerbesserung in der internationalen Situation neue und
günstige Möglichkeiten, um die Spannungen zu vermindern, wichtige internationale Fragen zu regeln und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten.
Indochina
Die beiden Seiten gaben ihrer großen Befriedigung über den Abschluß des
Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie ebenfalls über die Ergebnisse der Internationalen Vietnamkonferenz Ausdruck, die dieses Abkommen billigte und unterstützte.
Die

�»

Die beiden Seiten sind überzeugt, daß der Abschluß des Abkommens über
die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam
und die darauf folgende Unterzeichnung des Abkommens über die Wiederherstellung des Friedens und die Verwirklichung der Nationalen Eintracht in Laos
den grundlegenden Interessen und Hoffnungen des vietnamesischen und des laotischen Volkes entsprechen sowie eine Möglichkeit für die Schaffung eines
dauerhaften Friedens in Indochina eröffnen, der auf der Respektierung der Unabhängigkeit, der Souveränität, der Einheit und der territorialen Integrität
der Länder dieses Raumes basiert. Beide Seiten betonten, daß diese Abkommen
strikt eingehalten werden müssen.
Sie unterstrichen ferner die Notwendigkeit,den militärischen Konflikt in
Kambodscha zu einem baldigen Ende zu bringen,um dem gesamten indochinesischen
Raum Frieden zu geben. Sie bekräftigten weiter ihren Standpunkt, daß die politische Zukunft von Vietnam, Laos und Kambodscha der freien Entscheidung
der betreffenden Völker ohne jede ausländische Einmischung überlassen bleiben
soll.
Europa
Im Verlauf der Gespräche nahmen beide Seiten mit Befriedigung zur Kenntnis, daß in Europa der Prozeß einer Verringerung der Spannungen und einer
Entwicklung der Zusammenarbeit aktiv fortgesetzt wird und somit zur internationalen Stabilität beiträgt.
Beide Seiten gaben ihrer Befriedigung über die weitere Normalisierung
der Beziehungen zwischen den europäischen Ländern Ausdruck, die ein Ergebnis der in den letzten Jahren unterzeichneten Verträge und Abkommen, vor allem
zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland, sind. Sie begrüßen
ferner das Inkrafttreten des Vier-Mächte-Abkommens vom 3. September 1971.
Sie teilen die Überzeugung, daß eine strikte Einhaltung der abgeschlossenen
Verträge und Abkommen zur Sicherheit und zum Wohl aller betroffenen Parteien
beitragen wird.
Sie

-7-

�»

Sie begrüßen weiter die Aussichtj daß die Bundesrepublik Deutschland und
die Deutsche Demokratische Republik noch in diesem Jahr Mitglied der Vereinten Nationen werden und erinnern in diesem Zusammenhang daran, daß die USA,
die UdSSR, Großbritannien und Frankreich am 9. November 1972 die Vier-MächteErklärung hierzu unterzeichnet haben.
Geleitet von den betreffenden Bestimmungen des in Moskau im Mai 1972
angenommenen gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommuniques bekräftigen
die USA und die UdSSR ihren Wunsch, ihre getrennten und ihre gemeinsamen
Beiträge zur Stärkung friedlicher Beziehungen in Europa fortzusetzen. Beide
Seiten bestätigen, daß die Gewährleistung eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik ist.
In diesem Zusammenhang wurde Befriedigung über die Tatsache geäußert,
daß als Folge gemeinsamer Anstrengungen zahlreicher Länder, unter ihnen die
USA und die UdSSR, die Vorbereitungsarbeiten für die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die am 3. Juli 1973 zusammentreten wird,
erfolgreich abgeschlossen worden sind. Die USA und die UdSSR sind der Auffassung, daß die Konferenz die Möglichkeiten zur Stärkung der Sicherheit in
Europa sowie zur Entwicklung von Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmerstaaten vergrößern wird. Die USA und die UdSSR werden eine Politik verfolgen, die
die Ziele der Konferenz realisieren und eine neue Ära guter Beziehungen in
diesem Teil der Welt herbeiführen soll.
Als Ausdruck ihrer anhaltend positiven Einstellung zu dieser Konferenz
werden beide Seiten sich darum bemühen, die Konferenz zum frühestmöglichen
Zeitpunkt zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Beide Seiten gehen
von der Annahme aus, daß ein Fortschritt in der Arbeit der Konferenz Möglichkeiten schaffen wird, sie auf höchster Ebene zum Abschluß zu bringen.
Die USA und die UdSSR sind der Auffassung, daß das Ziel, Stabilität
und Sicherheit in Europa zu stärken, weiter gefördert würde, wenn gleichlaufend mit der Verminderung der politischen Spannungen eine Verringerung

-8-

�Verringerung der militärischen Spannungen in Mitteleuropa erfolgt. In diesem
Zusammenhang messen sie den Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung
der Streitkräfte und Rüstungen und damit verbundene Maßnahmen in Mitteleuropa, die am 30. Oktober 1973 beginnen werden, große Bedeutung bei. Beide Seiten erklären ihre Bereitschaft, zusammen mit anderen Ländern ihren Beitrag
zu leisten, um allseits akzeptable Entscheidungen über die wesentlichen Punkte dieses Problems zu erreichen, die auf der strikten Beachtung des Prinzips
der uneingeschränkten Sicherheit jeder einzelnen Vertragspartei basieren.

Naher Osten
Beide Seiten gaben ihrer tiefen Besorgnis über die Situation im Nahen
Osten Ausdruck und führten einen Gedankenaustausch darüber, wie eine Regelung im Nahen Osten erreicht werden kann.
Jede Seite legte ihren Standpunkt zu diesem Problem dar.
Beide Seiten vereinbarten, ihre Anstrengungen zur Förderung der schnellstmöglichen Regelung für den Nahen Osten fortzusetzen. Diese Regelung sollte
im Einklang mit den Interessen aller Staaten in diesem Räume stehen, mit ihrer
Unabhängigkeit und Souveränität zu vereinbaren sein und den legitimen Interessen des palästinensischen Volkes in angemessener Form Rechnung tragen.

IV. Handels - und Wirtschaftsbeziehungen
Der Präsident und der Generalsekretär prüften eingehend den Status und
die Aussichten der Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und
der UdSSR. Beide Seiten nahmen mit Genugtuung von dem Fortschritt Kenntnis,
der im letzten Jahr bei der Normalisierung und der Entwicklung der Handelsund Wirtschaftsbeziehungen zwischen ihnen erzielt wurde.
Sie

�•

Sie stimmten darin überein, daß eine beiden Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit und friedliche Beziehungen dadurch gestärkt würden,
daß eine dauerhafte Gründlage für die Wirtschaftsbeziehungen geschaffen
wird.
Sie verweisen mit Befriedigung auf die verschiedenen im letzten Jahr unterzeichneten Abkommen über Handel und Handelsbeziehungen. Beide Seiten
stellen fest, daß der amerikanisch-sowjetische Handel eine beträchtliche Ausweitung erfahren hat und daß günstige Aussichten für eine weitere Zunahme des
Warenaustausches in den kommenden Jahren bestehen.
Sie sind der Auffassung, daß das Ziel der beiden Länder in den nächsten
drei Jahren ein Handel in einer Größenordnung von 2 bis 3 Milliarden Dollar
sein sollte. Die Gemeinsame Amerikanisch-Sowjetische Handelskommission bildet weiterhin einen wertvollen Mechanismus, um die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen auf breiter Basis zu fördern. Die beiden Seiten stellen mit Befriedigung fest, daß die Kontakte zwischen amerikanischen Firmen und ihren
sowjetischen Partnern ständig zunehmen.
Beide Seiten bekräftigten ihre feste Absicht, auf ihren früheren Vereinbarungen über Maßnahmen, die auf die Schaffung günstigerer Bedingungen für
die Ausweitung der Handels-und der sonstigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den USA und der UdSSR abzielen, weiter aufzubauen.
Es wurde festgestellt, daß als Folge des im Oktober 1972 unterzeichneten
Abkommens über bestimmte Schiffahrtsfragen sowjetische und amerikanische Handelsschiffe häufiger jeweils Häfen der Vereinigten Staaten oder der UdSSR anlaufen, und daß seit Ende Mai dieses Jahres eine neue regelmäßige Passagierlinie zwischen New York und-Leningrad aufgenommen worden ist.
Im Laufe des gegenwärtigen Treffens haben die beiden Seiten ein Protokoll
zur Erweiterung der bestehenden zivilen Luftfahrbeziehungen zwischen den USA
und der UdSSR unterzeichnet, das direkte Flugverbindungen zwischen Washington
und Moskau sowie zwischen New York und Leningrad vorsieht, die Zahl der Flüge
erhöht und andere Fragen auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt löst.
Jjn

-10-

�Im Zusammenhang mit der Überprüfung der Aussichten für eine weitere und
dauerhaftere wirtschaftliche Zusammenarbeit sprachen sich beide Seiten für
gegenseitig vorteilhafte langfristige Projekte aus. Sie erörterten eine
Reihe spezifischer Projekte, die die Beteiligung amerikanischer Gesellschaften betreffen, darunter die Lieferung von sibirischem Erdgas in die Vereinigten Staaten. Der Präsident ließ erkennen, daß die USA amerikanische Firmen
ermutigen, konkrete Vorschläge zu diesen Projekten auszuarbeiten, und er
wird Vorschläge, die im Interesse beider Seiten liegen, ernsthaft und wohlwollend prüfen.
Um zur Ausweitung der Beziehungen auf d en Gebieten des Handels, der
Kultur und der Technik beizutragen, haben die beiden Seiten ein Steuerabkommen unterzeichnet, das die Doppelbesteuerung von Einkommen vermeiden und
weitmöglichst die Notwendigkeit beseitigen soll, daß Bürger des einen Landes
in das Steuersystem des anderen Landes einbezogen werden.
Es wurde ferner ein Protokoll über die Eröffnung einer Handelsvertretung der UdSSR in Washington und eines Handelsbüros der Vereinigten Staaten
in Moskau bis Ende Oktober unterzeichnet. Weiter wurde ein Protokoll über
Fragen unterzeichnet, die sich im Zusammenhang mit der Gründung einer amerikanisch-sowjetischen Handelskammer ergeben. Diese Vereinbarungen werden die
weitere Entwicklung der Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA
und der UdSSR erleichtern.

V. Weiterer Fortschritt auf anderen Gebieten der bilateralen
Zusammenarbeit
Die beiden Seiten überprüften die Möglichkeiten für eine bilaterale Zusammenarbeit auf solchen Gebieten wie Umweltschutz, öffentliches Gesundheitswesen und Medizin, Erforschung des Weltraumes sowie Wissenschaft und
Technologie, die durch die im Mai 1972 und später unterzeichneten Abkommen
geschaffen wurde. Sie stellten fest, daß diese Abkommen in der Praxis zufriedenstellend und im Einklang mit den Programmen durchgeführt worden sind.
Im

�*
i

Im einzelnen ist gegenwärtig ein geraeinsames Programm im Gange, um wirksame Mittel zur Bekämpfung solcher Krankheiten zu entwickeln, die am weitesten verbreitet und für die Menschheit am gefährlichsten sind: Krebs,
kardiovaskuläre oder infektiöse Krankheiten und Arthritis. Die medizinischen
Aspekte der Umweltprobleme sind ebenfalls Gegenstand der gemeinsamen Forschung.
Die Vorbereitungen für den gemeinsamen Weltraumflug von Apollo-und
Sojus-Raumfahrzeugen schreiten gemäß dem vereinbarten Zeitplan voran. Der
gemeinsame Flug dieser Raumfahrzeuge mit einem Rendezvous und einem Ankoppeln sowie gegenseitigen Besuchen der amerikanischen und der sowjetischen
Astronauten in dem jeweils anderen Raumfahrzeug ist für Juli 1975 vorgesehen.
Aufbauend auf den in früheren Abkommen geschaffenen Grundlagen und unter Berücksichtigung des Potentials der USA und der UdSSR, kooperative Maßnahmen auf derzeitigen wissenschaftlichen

und technologischen Gebieten zu

unternehmen, wurden neue Projekte für nutzbringende gemeinsame Vorhaben festgelegt und entsprechende Abkommen abgeschlossen.

Friedliche Nutzung der Atomenergie

Angesichts der großen Bedeutung, die der Deckung des wachsenden Energiebedarfs in beiden Ländern und überall auf der Welt zukommt, und in der
Erkenntnis, daß die Erschließung hochergiebiger Energiequellen zur Lösung
dieses Problems beitragen könnte, haben der Präsident und der Generalsekretär ein Abkommen über die Ausweitung und Stärkung der Zusammenarbeit auf den
Gebieten der gesteuerten thermonuklearen Fusion, der schnellen Brutreaktoren
sowie der Erforschung der grundlegenden Eigenschaften der Materie unterzeichnet. Zur Durchführung dieses Abkommens, das eine Laufzeit von zehn Jahren
hat, wird ein Gemeinsamer Ausschuß für Zusammenarbeit in der friedlichen
Nutzung der Atomenergie geschaffen werden.

-12-

�t

Landwirtschaft
Angesichts der Bedeutung, die der Landwirtschaft bei der Deckung des
Nahrungsmittelbedarfs der Menschheit zukommt, sowie der Rolle, die die Wissenschaft für die moderne Agrarerzeugung spielt, haben die beiden Seiten ein
Abkommen abgeschlossen, das einen umfassenden Austausch von wissenschaftlichen Erfahrungen auf den Gebieten der landwirtschaftlichen Forschung und Entwicklung und von Informationen über die Agrarwirtschaft vorsieht. Es wird
ein Gemeinsamer Amerikanisch-Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Landwirtschaft geschaffen werden, der die aufgrund dieses Abkommens durchgeführten gemeinsamen Programme überwachen soll.

Meeresforschung
Angesichts des einzigartigen Potentials und des großen Interesses beider Länder an der Erforschung der Weltmeere und im Hinblick auf die umfassenden Erfahrungen der amerikanisch-sowjetischen ozeanographischen Zusammenarbeit haben die beiden Seiten vereinbart, ihre Zusammenarbeit zu erweitern,
und zu diesem Zweck ein Abkommen unterzeichnet. Sie gehen dabei von der Überzeugung aus, daß die Vorteile einer weiteren Entwicklung der Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Ozeanographie nicht nur bilateral, sondern ebenfalls für
alle Völker der Welt von Nutzen sein werden. Ein Gemeinsamer AmerikanischSowjetischer Ausschuß für Zusammenarbeit in der Erforschung der Weltmeere
wird geschaffen werden, um die Durchführung der kooperativen Programme zu
koordinieren.
Verkehrswesen
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß Möglichkeiten für eine
Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR bei der Lösung von Problemen
auf dem Gebiet des Verkehrswesens gegeben sind. Um eine erweiterte, beiden
Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu ermöglichen,

-13-

�I
1

haben die beiden Seiten ein Abkommen hierzu abgeschlossen. Die USA und die
UdSSR haben ferner vereinbart, daß ein Gemeinsamer Ausschuß für Zusammenarbeit im Verkehrswesen geschaffen wird.

Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit

Angesichts der allgemeinen Ausweitung der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und im besonderen der wachsenden Zahl von Austauschprogrammen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Technologie, des Bildungswesens und der Kultur sowie auf anderen Gebieten von beiderseitigem Interesse haben die beiden Seiten vereinbart, den Umfang dieser Vorhaben im Rahmen eines neuen allgemeinen Vertrages über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit mit einer Laufzeit von sechs Jahren zu erweitern.Die beiden Seiten
haben dies getan, da sie beide der Auffassung sind, daß dies ein besseres
Verständnis zwischen der Bevölkerung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion fördern und zur Verbesserung des allgemeinen Standes der Beziehungen
zwischen den beiden Ländern beitragen wird.
Beide Seiten sind der Auffassung, daß die Gespräche auf höchster Ebene,
die in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre geführt wurden, sehr wertvoll waren und wesentlich zur Entwicklung von beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR beigetragen haben. Nach
Ansicht beider Seiten werden sich diese Gespräche vorteilhaft auf die internationalen Beziehungen auswirken.
Sie stellten fest, daß der Erfolg der Gespräche in den Vereinigten Staaten durch die ständigen Konsultationen und Kontakte erleichtert wurden, die
im Mai 1972

vereinbart worden waren. Sie bekräftigten, daß die Praxis,

Konsultationen zu führen, fortgesetzt werden sollte. Sie vereinbarten, daß
weitere Treffen auf höchster Ebene regelmäßig abgehalten werden sollten.
Nachdem

-14i

�I

Nachdem Generalsekretär Breschnew Präsident Nixon seinen Dank für die
ihm während seines Besuches in den Vereinigten Staaten gewährte Gastfreundschaft ausgesprochen hatte, lud er den Präsidenten zu einem Besuch der UdSSR
im Jahre 1974 ein. Die Einladung wurde angenommen."

-15-

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53

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ZUR VERHINDERUNG EINES
ATOMKRIEGES
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew am 22. Juni in Washington unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im weiteren als die Vertragsparteien bezeichnet, sind
geleitet von dem Ziel einer Stärkung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit;
in dem Bewußtsein, daß ein Atomkrieg verheerende Folgen für die
Menschheit haben würde;
von dem Wunsche beseelt, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges irgendwo auf der Welt verringert
und letztlich beseitigt wird;
eingedenk ihrer Verpflichtungen unter der Charta der Vereinten Nationen
bezüglich der Erhaltung des Friedens, des Verzichts auf Androhung oder Anwendung von Gewalt und der Vermeidung eines Krieges sowie im Einklang mit
den von jeder der beiden Vertragsparteien unterzeichneten Abkommen;
ausgehend
-1-

�f
I
ausgehend von der am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichneten Grundsatzerklärung für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken;
unter Bekräftigung der Tatsache, daß die Entwicklung der Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sich nicht gegen andere Länder und deren Interessen richtet,
wie folgt übereingekommen:

Artikel I
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stimmen darin überein,
daß es ein Ziel ihrer Politik ist, die Gefahr eines Atomkrieges und der Anwendung von Kernwaffen zu beseitigen.
Daher vereinbaren die Vertragsparteien, so zu handeln, daß die Entwicklung von Situationen verhindert wird, die eine gefährliche Verschlechterung
ihrer Beziehungen verursachen könnten, um auf diese Weise militärische Konfrontationen zu vermeiden und den Ausbruch eines Atomkrieges zwischen ihnen
sowie zwischen jeder der beiden Vertragsparteien und anderen Ländern auszuschließen.
Artikel II
Die Vertragsparteien vereinbaren, im Einklang mit Artikel I und zur
Verwirklichung des in diesem Artikel erklärten Zieles von der Voraussetzung
auszugehen, daß jede Vertragspartei sich der Androhung oder Anwendung von
Gewalt gegenüber der anderen Vertragspartei, gegenüber den Verbündeten der
anderen Vertragspartei und gegenüber sonstigen Ländern in Situationen enthalten wird, die den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gefährden
könnten. Die Vertragsparteien stimmen darin überein, daß sie sich bei der

-2-

�der Formulierung ihrer Außenpolitik sowie bei ihren Maßnahmen auf dem Gebiet
der internationalen Beziehungen von diesen Erwägungen leiten lassen werden.

Artikel III
Die Vertragsparteien verpflichten sich, ihre Beziehungen zueinander
und gegenüber anderen Ländern in einer Weise zu entwickeln, die mit den Zielsetzungen dieses Abkommens in Einklang steht.

Artikel IV
Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien oder zwischen einer Vertragspartei und anderen Ländern das Risiko eines
nuklearen Konflikts heraufzubeschwören scheinen oder wenn die Beziehungen
zwischen Ländern,die nicht Vertragspartei dieses Abkommens sind, das Risiko
eines Atomkrieges zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken heraufzubeschwören scheinen, so werden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Einklang mit den Bestimmungen
dieses Abkommens umgehend in sofortige Konsultationen miteinander eintreten
und alles unternehmen, um ein solches Risiko zu vermeiden.

Artikel V
Jeder Vertragspartei steht es frei, den Weltsicherheitsrat, den Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie die Regierungen verbündeter oder anderer
Länder über den Fortschritt und das Ergebnis der Konsultationen zu unterrichten, die nach Artikel IV dieses Abkommens aufgenommen worden sind.

Artikel

�Artikel VI

Nichts in diesem Abkommen soll
a) das inhärente Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung
gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen;
b) die Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, einschließlich der
die Erhaltung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit betreffenden Bestimmungen, und
c) die von einer der beiden Vertragsparteien gegenüber ihren Verbündeten
oder anderen Ländern in Verträgen, Abkommen und anderen entsprechenden
Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen
beeinträchtigen oder beeinflussen.

Artikel VII
Dieses Abkommen soll unbegrenzt gültig sein.

Artikel VIII
Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten.

Gegeben

in Washington am 22. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in

englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."
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24/1973

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUM ABKOMMEN ZUR VERHINDERUNG
EINES ATOMKRIEGES
- Wortlaut -

WASHINGTON _-(AD) — Das Weiße Haus hat am 22. Juni in Zusammenhang mit dem
am gleiche Tage von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichneten Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges folgende
Dokumentation herausgegeben:
"Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zur Verhinderung eines Atomkrieges
Hintergrund
Dieses Abkommen ist ein Ergebnis der Grundsatzerklärung für die Beziehungen zwischen beiden Ländern), die am 29. Mai 1972 in Moskau von dem
Präsidenten und dem Parteichef unterzeichnet worden ist; das zweite dieser
Prinzipien ist besonders relevant. Es besagt, daß: *die USA und die UdSSR
größten Wert darauf legen, das Entstehen von Situationen zu verhindern, die
zu einer gefährlichen Verschlechterung ihrer Beziehungen führen könnten.
Sie werden daher ihr Äußerstes tun, um militärische Konfrontationen zu vermeiden und den Ausbruch eines Nuklearkrieges zu verhindern.1
Auf

-1-

�Auf dieser Basis haben die beiden Staatsmänner erörtert, welche weiteren Schritte zur Verringerung der Gefahr eines Krieges und im besonderen
eines Nuklearkrieges möglich sein könnten. Das Ergebnis ihrer Gespräche ist
das heute unterzeichnete Abkommen - ein Abkommen, das einen bedeutsamen
Schritt nicht nur zur Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern auch zur Stärkung der Stabilität der internationalen Beziehungen darstellt.
Das Abkommen in Stichworten:
Präambel:
Sie unterstreicht den allgemeinen Rahmen des Abkommens: den Wunsch beider Seiten, Bedingungen auf der Welt zu schaffen, unter denen die Gefahr
des Ausbruchs eines Atomkrieges irgendwo verringert oder letztlich beseitigt
wird.
Artikel I
legt die wesentlichen Zielsetzungen des Abkommens dar: a) daß es ein
Ziel der Politik der USA und der UdSSR ist, die Gefahr eines Atomkrieges sowie einer Anwendung von Kernwaffen zu beseitigen; b) daß beide Seiten im
Einklang mit diesem Ziel so handeln werden,
- daß die Entwicklung von Situationen verhindert wird, die eine gefährliche Verschlechterung ihrer Beziehungen verursachen könnten;
- daß militärische Konfrontationen vermieden werden;
- daß der Ausbruch eines Atomkrieges zwischen ihnen sowie zwischen
einem von ihnen und anderen Ländern ausgeschlossen wird.
Somit akzeptiert jede der beiden Seiten in diesem Artikel sowohl ein
allgemeines Ziel als auch einen Verhaltenskodex, der nicht nur für ihre
gegenseitigen Beziehungen, sondern auch für ihre Beziehungen zu anderen Ländern gilt.
•

Artikel II

�Artikel II
definiert die Bedingungen, die geschaffen werden müssen, um die in
Artikel I aufgezeigten Ziele des Abkommens zu verwirklichen. Diese Bedingungen sind, daß jede Vertragspartei, die USA wie die UdSSR, sich der Androhung oder Anwendung von Gewalt a) gegeneinander, b) gegenüber Verbündeten des anderen Vertragspartners und c) gegenüber anderen Ländern enthalten wird. Ferner werden diese Erwägungen sowohl die USA wie auch die UdSSR
bei der Formulierung ihrer Außenpolitik leiten.
Artikel III
Beide Vertragsparteien verpflichten sich, ihre Beziehungen zueinander
sowie zu anderen Ländern in einer Weise zu entwickeln, daß dies mit den
Zielsetzungen dieses Abkommens in Flinklang steht. Die Pflichten und Rechte
dritter Länder werden nicht berührt, und die gleichen Normen und Pflichten
für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, wie sie in

diesem Abkommen

definiert sind, gelten auch für das Verhältnis der USA und der UdSSR zu
anderen Ländern.
Artikel IV
befaßt sich mit Situationen, in denen beide Seiten Konsultationen zur
Vermeidung des Risikos eines Atomkrieges aufnehmen würden. Solche Situationen werden wie folgt definiert: 1) Wenn die Gefahr eines Atomkrieges zwischen den USA und der UdSSR besteht; 2) wenn die Gefahr eines Atomkrieges
zwischen einem von ihnen und anderen Ländern besteht.
Konsultationen für den Fall der Gefahr eines Atomkrieges zwischen
zwei Ländern, die nicht Vertragsparteien dieses Abkommens sind, werden gemäß
diesem Artikel nicht gefordert, es sei denn, daß die betreffende Situation
gleichzeitig die Gefahr eines Atomkrieges heraufbeschwört, in den einer
die USA oder die UdSSR - oder beide hineingezogen werden könnten.

Artikel V

�Artikel V
gestattet es jeder Seite, ihre Verbündeten, andere Länder, den Weltsicherheitsrat und den UN-Generalsekretär über den Fortschritt und das Ergebnis der Konsultationen zu unterrichten, die gemäß Artikel IV dieses
Abkommens aufgenommen wurden.
Den USA steht es somit frei, gleichzeitig mit ihren Verbündeten oder
anderen Ländern Konsultationen zu führen, während die Konsultationen mit
der UdSSR noch im Gange sind; vertrauliche bilaterale Konsultationen werden
hiervon nicht betroffen.
Artikel VI
besagt, daß nichts in diesem Abkommen
a) das inhärente Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UNCharta;
b) die Bestimmungen der Charta über die Erhaltung oder die Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit sowie
c) die von einer der Vertragsparteien gegenüber ihren Verbündeten oder
anderen Ländern in Verträgen, Abkommen und anderen entsprechenden Dokumenten eingegangenen Verpflichtungen
beeinflußt oder beeinträchtigt.
Das Bündnis und andere Verpflichtungen der USA wie auch unser Recht au
Selbstverteidigung bleiben somit unberührt.
Artikel VII und VIII
besagen, daß das Abkommen unbegrenzt gültig ist und mit seiner Unterzeichnung in Kraft tritt.
Alles

-4-

�Alles in allem
- ist dieses Abkommen ein weiterer Schritt zur Verminderung der Gefahren
eines Atomkrieges, wobei von der Grundsatzerklärung vom Mai 1972 ausgegangen wird;
- legt dieses Abkommen für die USA und die UdSSR die Verhaltensnormen
dar, um das Ziel - die Beseitigung der Gefahr eines Atomkrieges - zu
erreichen;
- überträgt dieses Abkommen diese Verhaltensnormen auf die Beziehungen zu
anderen Ländern;
- schützt dieses Abkommen die Rechte dritter Länder;
- steht dieses Abkommen im Einklang mit unseren Zusagen und Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten;
- bekräftigt dieses Abkommen die Bestimmungen der UN-Charta über das
Verbot der Anwendung oder der Androhung von Gewalt."

-H-f

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24/1973

NIXON-BRESCHNEW-ABKOMMEN ÜBER RÜSTUNGSBEGRENZUNGSVERHANDLUNGEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon und Parteichef Breschnew haben am
21. Juni im Weißen Haus ein Abkommen über die "Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere Begrenzung der strategischen Offensivwaffen"
unterzeichnet, das folgenden Wortlaut hat:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Nixon,
und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L. I. Breschnew,
sind nach gründlicher Erwägung der Frage der weiteren Begrenzung der
strategischen Rüstungen und des bei den gegenwärtigen Verhandlungen bereits erzielten Fortschritts,
in Bekräftigung ihrer Überzeugung, daß die baldmöglichste Einführung
weiterer Begrenzungen der strategischen Rüstungen einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung des Ausbruchs eines Nuklearkrieges und zur Stärkung
des Weltfriedens und der Weltsicherheit darstellen würde,

wie folgt übereingekommen:

Erstens: Beide Seiten werden aktive Verhandlungen fortsetzen, um ein
ständiges Abkommen über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung von stra-

-1-

�strategischen Offensivwaffen wie auch ihrer nachfolgenden Verringerung auszuarbeiten, wobei sie von den Grundprinzipien der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ausgehen, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden, und
von dem Interimsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 26. Mai 1972 über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen.
Im Laufe des nächsten Jahres werden beide Seiten ernsthafte Anstrengungen machen, um die Bestimmungen eines ständigen Abkommens über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen auszuarbeiten,
mit dem Ziel, es 1974 zu unterzeichnen.

Zweitens: Neue Abkommen über die Begrenzung strategischer Offensivrüstungen werden auf den Prinzipien der amerikanisch-sowjetischen Dokumente
beruhen, die im Mai 1972 angenommen worden sind, und der im Juni 1973 in
Washington geschlossenen Abkommen; und vor allem werden sich beide Seiten
von der Anerkennung der jeweils gleichen Sicherheitsinteressen der anderen
Seite sowie von der Erkenntnis leiten lassen, daß Bemühungen, einseitige Vorteile zu erlangen - sei es direkt oder indirekt - unvereinbar mit der Stärkung friedlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wäre.
Drittens: Die strategischen Offensivwaffen auferlegten Beschränkungen
können sich sowohl auf ihre quantitativen Aspekte als auch auf ihre qualitative Verbesserung erstrecken.
Viertens: Begrenzungen von strategischen Offensivwaffen müssen einer
ausreichenden Verifizierung durch nationale technische Mittel unterliegen.
Fünftens: Die Modernisierung und der Ersatz von strategischen Offensivwaffen würden unter Bedingungen erlaubt, die in den abzuschließenden

-2-

�abzuschließenden Abkommen formuliert werden sollen.

Sechstens: Bis zum Abschluß eines ständigen Abkommens über vollständigere Maßnahmen zur Begrenzung von strategischen Offensivwaffen sind beide
Seiten bereit, Abkommen über separate Maßnahmen zur Ergänzung des bestehenden Interimsabkommens vom 26. Mai 1972 zu treffen.
Siebtens: Jede Seite wird weiterhin notwendige organisatorische und
technische Maßnahmen zur Verhütung von ungewollter oder nicht genehmigter
Anwendung von Nuklearwaffen unter ihrer Kontrolle treffen, und zwar in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 30. September 1971 zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken."

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24/1973

DOKUMENTATION DES WEISSEN HAUSES ZUR RÜSTUNGSBEGRENZUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 21. Juni im Zusammenhang mit
dem am gleichen Tage von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew unterzeichneten Abkommen über die weiteren Rüstungsbegrenzungsverhandlungen
folgende Dokumentation herausgegeben:
"Grundprinzipien der Verhandlungen über die weitere Begrenzung
der strategischen Offensivwaffen
In ihrem heutigen Abkommen haben der Präsident und Parteichef Breschnew
ihre Verpflichtung zu ständigen Begrenzungen der strategischen Rüstungen
und zu einer Intensivierung der Verhandlungen bekräftigt. Die beiden Führer
unterzeichneten ein Dokument über sieben Prinzipien, die neue Richtlinien
für die Verhandlungsdelegationen geben und sie anweisen, im Laufe des
nächsten Jahres ein ständiges Abkommen auszuarbeiten, mit dem Ziel, es
1974 zum Abschluß zu bringen. Die Prinzipien enthalten die Grundumrisse
eines neuen Abkommens, die jetzt bei den Gesprächen in Genf ausgefüllt werden sollen.
Hintergrund

-1-

�Hintergrund
Die Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Waffen begannen im
November 1969 in Helsinki und erstreckten sich auf offensive und defensive
strategische Waffen. Die Verhandlungen gingen bis Mai 1971 weiter, als der
Präsident und Parteichef Breschnew ein Abkommen erreichten, das einen toten
Punkt hinsichtlich des Umfangs des Abkommens und der zu befolgenden Prioritäten überwand. Die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen und dauerten
bis zu den Gipfeltreffen in Moskau im Mai vorigen Jahres. Am 26. Mai 1972
unterzeichneten der Präsident und der Parteichef die ersten beiden Abkommen
über eine Begrenzung strategischer Waffen: Einen Vertrag über die Begrenzung
der Dislozierung von Raketenabwehrsystemen (ABM) und ein Interimsabkommen
über die Begrenzung von Interkontinentalraketen (ICBM) und unterseebootgestützten Raketen (SLBM). Das Interimsabkommen hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Die beiden Abkommen traten am 3. Oktober 1972 mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden für den ABM-Vertrag offiziell in Kraft. Der Austausch erfolgte im Rahmen einer Feierstunde im Weißen Haus, an der der Präsident und
Außenminister Gromyko teilnahmen.
Die Verhandlungen wurden im November 1972 in Genf wieder aufgenommen
und wurden am 12. Juni vertagt, um das Ergebnis der Gipfelgespräche abzuwarten. Die Verhandlungen sind gründlich gewesen, und der bisherige Fortschritt
der Gespräche ist in der Präambel der heute unterzeichneten Grundprinzipien
festgestellt worden.
Die Prinzipien in Stichworten:
Das erste Prinzip
setzt für die Fertigstellung des Abkommens eine Frist bis 1974;
bekräftigt die Absicht beider Seiten, im Laufe des nächsten Jahres aktive Verhandlungen fortzusetzen und ernsthafte Anstrengungen zu machen, ein
ständiges Abkommen auszuarbeiten, das in seinen Begrenzungen umfassender ist
und das nachfolgend Verringerungen der strategischen Offensivwaffen vorsieht.
Das
-2-

�Das zweite Prinzip
geht davon aus, daß die fundamentalen Richtlinien für ein ständiges Abkommen die gegenseitige Anerkennung jeweils gleicher Sicherheitsinteressen
und die Erkenntnis sein werden, daß Bemühungen, einseitige Vorteile zu erlangen, mit der Stärkung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unvereinbar wären; diese Richtlinien sind den Grundprinzipien entnommen, die im
Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden; sie weisen die Verhandlungsführenden
praktisch an, sich mit den jeweiligen Sicherheitsinteressen der anderen
Seite zu befassen, und zwar in weitgehender Auslegung, und nicht nur mit der
Begrenzung einzelner Waffen; Abkommen, die die Interessen anderer Länder berühren oder schädigen würden,sind durch die Grundprinzipien vom Mai vorigen
Jahres und durch dieses Prinzip ausgeschlossen.
Das dritte Prinzip
gestattet Beschränkungen sowohl der Anzahl der strategischen Waffen
als auch der qualitativen Charakteristika (Eigenschaften) dieser Waffen;
während sich das erste Abkommen mit der Begrenzung der Zahl der Interkontinentalraketen, einschließlich der Begrenzungen für schwere Interkontinentalraketen und der Festsetzung einer Grenze für unterseebootgestützte Raketen,
befaßte, wird das ständige Abkommen seiner Natur nach weitergefaßt sein und
Begrenzungen für bestimmte technische Kapazitäten beinhalten wie Raketen mit
Mehrfachsprengköpfen (MIRVS).
Das vierte Prinzip
hält das Übereinkommen fest, daß jede Begrenzung einer ausreichenden
Verifizierung durch nationale technische Mittel unterliegen soll; dies bestätigt die Grundhaltung in der Verifizierungsfrage, die bereits im ABM-Vertrag sowie im Interimsabkommen eingenommen worden ist.
Das fünfte Prinzip
erlaubt sowohl die Modernisierung einzelner Waffensysteme als auch ihren
Ersatz; beide Seiten können sich somit über einen längeren Zeitraum auf ihre
Kapazität stützen, die Bedingungen für die Einführung modernerer Systeme

-3-

�Systeme sowie für den Ersatz alter Systeme werden jedoch sorgfältig ausgehandelt werden.
Das sechste Prinzip
gestattet Ergänzungsabkommen, die unverzüglich oder in sehr naher Zukunft geschlossen werden können, selbst vor Abschluß der Verhandlungen über
das ständige Abkommen; aufgrund dieses Prinzips könnten spezifische Konkurrenzbereiche vorübergehend eingeschränkt werden, um die Möglichkeit ständiger Begrenzungen offenzuhalten.
Das siebte Prinzip
bekräftigt, daß beide Seiten auch weiterhin das Abkommen vom 30. September 1971 einhalten werden, das die Gefahr einer ungewollten oder nicht genehmigten Anwendung von Nuklearwaffen reduzieren soll; mit dieser Bekräftigung soll unterstrichen werden, daß dieses Abkommen Teil des ständigen Prozesses der Begrenzung strategischer Rüstungen bleibt.
Alles in allem stellt dieses Abkommen über Grundprinzipien eine feierliche Verpflichtung auf höchster politischer Ebene dar:
- um die strategischen Offensivwaffen ständig zu begrenzen;
- um ein Abkommen im Jahre 1974 abzuschließen;
- um den Rahmen eines Abkommens zu erweitern, damit es Begrenzungen für
qualitative Verbesserungen sowie für die Zahl der Waffen einschließt
und Raum für nachfolgende Reduzierungen gewährt;
- um sofortige Abkommen in Bereichen zuzulassen, wo eine Einschränkung
der Konkurrenz dringend sein mag."

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24/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE FRIEDLICHE NUTZUNG

DER ATOMENERGIE
- Wortlaut WASHINGTON —(AD)-~ Präsident Nixon und der Generalsekretär der KPdSU,
Leonid Breschnew, unterzeichneten am 21. Juni in Washington ein Abkommen
über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Das Abkommen hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
unter Berücksichtigung der großen Bedeutung des Problems, den rapide
steigenden Energiebedarf sowohl in beiden Ländern als auch in anderen
Ländern zu decken;
aus dem Wunsche heraus, die Lösung dieses Problems mit den Bemühungen
beider Länder um die Erschließung hochergiebiger Energiequellen gemeinsam
anzugehen;
in

-1-

�in Anerkennung der Tatsache, daß Lösungen für dieses Problem durch
die schnelle Entwicklung bestimmter nuklearer Techniken wie die der gesteuerten thermonuklearen Fusion und der schnellen Brutreaktoren, welche
bereits untersucht werden, sowie weiterer Studien zur Erforschung der grundlegenden Eigenschaften von Materie gefunden werden können;
angesichts der mit Befriedigung verzeichneten erfolgreichen Ergebnisse
früherer Zusammenarbeit beider Vertragspartner auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie;
in dem Wunsche, eine stabilere und langfristige Basis zur Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zum Wohle beider Völker und der gesamten Menschheit
zu schaffen;
in Übereinstimmung mit dem zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 24. Mai 1972 geschlossenen Vertrag über Zusammenarbeit auf den
Gebieten von Wissenschaft und Technik und zu dessen weiterem Ausbau,mit
dem zwischen der US-Atomenergie-Kommission und dem Staatskomitee der UdSSR
für die Nutzung der Atomenergie ausgetauschten Memorandum vom 28. September
1972 über Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie und
mit der allgemeinen Übereinkunft zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 19. Juni 1973 über
Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragspartner werden ihre Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Nutzung der Kernenergie erweitern und verstärken, wobei sie die Erschließung neuer Energiequellen als ein Hauptziel anstreben. Diese Zusammenarbeit wird auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit und

-2-

�und der Gegenseitigkeit verwirklicht werden.

Artikel II

1.

Die Zusammenarbeit wird sich auf die folgenden drei Gebiete konzen-

trieren:
a) gesteuerte thermonukleare Fusion:
Das Ziel der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ist die Entwicklung von
thermonuklearen Prototyp-und Demonstrationsreaktoren. Zusammenarbeit kann
auch theoretische, mathematische und experimentelle Studien sowie Konstruktionsuntersuchungen in allen Stadien bis zur industrietechnischen Anwendung
umfassen.
b) Schnellbrutreaktoren:
Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wird darauf gerichtet sein, Lösungen für die von beiden Seiten anerkannten wissenschaftlichen und technischen Probleme im Zusammenhang mit der Auslegung , Entwicklung, dem Bau und
dem Betrieb von Atomkraftwerken unter Verwendung von schnellen Brutreaktoren
zu finden.
c) Erforschung der grundlegenden Eigenschaften der Materie:
Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wird gemeinsame theoretische und
experimentelle Studien in bezug auf beide Seite interessierende Fragen,besonderster Physik der hohen, mittleren und niedrigen Energien,umfassen, wobei
beide Länder Beschleuniger, Datenverarbeitungsanlagen und andere Einrichtungen einsetzen. Auch auf die Auslegung, Planung und den Bau gemeinsamer Anlagen, die für derartige Untersuchungen benutzt werden sollen, kann die Zusammenarbeit ausgedehnt werden.

2.

-3-

�2.

Weitere Einzelheiten der Zusammenarbeit auf jedem dieser drei Gebie-

te werden in jeweils eigenen Durchführungsprotokollen festgelegt.

3.

Andere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständ-

nis hinzugefügt werden.
4.

Die Zusammenarbeit im Rahmen dieses Vertrages soll in Einklang mit

den Gesetzen der beiden Länder stehen.

Artikel III
1.

Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann

in folgender Form erfolgen:
a) Schaffung von Arbeitsgruppen mit Wissenschaftlern und Ingenieuren
für den Entwurf und die Ausführung gemeinsamer Projekte;
b) Gemeinsame Entwicklung und Konstruktion von Experimenten, Modellanlagen und Ausrüstungen;
c) Gemeinsame Arbeit von theoretischen und Experimentalwissenschaftlern
in geeigneten Forschungszentren der beiden Länder;
d) Durchführung gemeinsamer Konsultationen, Seminare und Tagungen;
e) Austausch geeigneter Instrumente, Ausrüstungen und Konstruktionsmaterialien;
f) Austausch von Wissenschaftlern und Spezialisten; und
g) Austausch von wissenschaftlicher und technischer Information, Dokumentation und von Forschungsergebnissen.

2.

-4-

�2.

Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einver-

ständnis hinzugefügt werden.

Artikel IV
Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,
wo angebracht, die Entwicklung von Kontakten zwischen Organisationen und
Institutionen beider Länder, die der Zusammenarbeit dienen, befürworten,
erleichtern und verfolgen, worunter auch der Beschluß fällt, sich, wo angebracht, bei der Ausführung gemeinsamer Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens auf Protokolle und Kontrakte zu stützen.

Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer amerika-

nisch-sowjetischer Ausschuß für Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung
der Atomenergie geschaffen werden. Er soll einmal jährlich wechselweise in
den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion tagen, es sei denn, es würde
anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll alle notwendigen Maßnahmen für die wirknicht
same Durchführung dieses Abkommens ergreifen, einschließlich, aber /ausschließ«.
lieh, der Billigung spezieller Projekte und Programme der Zusammenarbeit
sowie der Benennung geeigneter daran teilnehmender Organisationen und Insti-

titionen, die für die Ausführung gemeinsamer Aktivitäten verantwortlich sind,
und der Ausarbeitung geeigneter Empfehlungen für die beiden Regierungen.
3.

Die verantwortlichen Organisationen für dieses Abkommen sollen für

die Vereinigten Staaten von Amerika die US-Atomenergie-Kommission, für die
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken das Staatskomitee der UdSSR für
die Nutzung der Atomenergie sein. Die jeweils auf beiden Seiten verantwortlichen Organisationen sollen für die Tätigkeit des Gemeinsamen Ausschusses

-5-

�Ausschusses verantwortlich sein und die Ausarbeitung und Durchführung gemeinsamer Aktivitäten im Rahmen dieses Abkommens koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien präjudiziert.

Artikel VII

1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von zehn Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis
der Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.

2.

Das Erlöschen dieses Abkommens soll die Gültigkeit der Durchführungspro-

tokolle und der Verträge, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen interessierten Organisationen und Institutionen der beiden Länder geschlossen wurden,
nicht berühren.

Gegeben in Washington am 21. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch
sind."

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE VERKEHRSABKOMMEN
-Wort laut WASHINGTON --(AD)_- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 19. Juni in Washington ein
Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Verkehrswesens geschlossen, das folgenden Wortlaut hat:
''Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus der Erkenntnis der wichtigen Rolle heraus, die sichere und
leistungsfähige Verkehrssysteme für die Entwicklung aller Länder spielen;
aus der Erwägung heraus, daß die Verbesserung der bestehenden Verkehrssysteme und -techniken dem Wohle ihrer beiden Völker dienen kann;
in der Überzeugung, daß die kombinierten Anstrengungen der beiden
Länder auf diesem Gebiet zu rascheren und wirksameren Lösungen der Verkehrsprobleme beitragen können, als dies durch getrennte, parallele nationale
Anstrengungen möglich wäre;
in dem Wunsch, die Schaffung langfristiger und produktiver Beziehungen
zwischen Verkehrsexperten und -Institutionen beider Länder zu fördern;
in Erfüllung und Weiterentwicklung des Abkommens zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Zusammenarbeit auf den Gebieten

-1-

�Gebieten der Wissenschaft und der Technologie vom 24. Mai 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über den Austausch und die Zusammenarbeit
auf den Gebieten Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur und anderen
Bereichen vom 11. April 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes vom 23. Mai 1972
w

ie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des

Verkehrs auf der Basis des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit und der
Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Diese Zusammenarbeit wird auf die Untersuchung und Lösung spezifischer Probleme von beiderseitigem Interesse auf dem Gebiet des Verkehrs gerichtet sein. Zunächst wird sich die Zusammenarbeit auf folgende Gebiete
erstrecken:
a) Bau von Brücken und Tunnels, einschließlich der Probleme der Kontrolle von Belastung und Tragfähigkeit der Konstruktion und besonderer
Konstruktionsverfahren unter Bedingungen eines kalten Klimas.
b) Eisenbahnverkehr, einschließlich des rollenden Materials, der Schie=
nen und des Unterbaus, Schnellverkehr, Automation und Betrieb bei kaltem
Wetter.
c) Zivilluftverkehr, einschließlich der Probleme der Erhöhung der
Leistungsfähigkeit und der Sicherheit.
d) Seetransport, einschließlich Technologie der Seeschiffahrt und
des Ladens und Löschens in Häfen.
ej Automobilverkehr, einschließlich der Probleme der Verkehrssicherheit.
Weitere

-2-

�Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einverständnis hinzugefügt werden.

Artikel III
Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann
folgende Formen annehmen:
a) Austausch von Wissenschaftlern und Spezialisten;
b) Austausch von wissenschaftlichen und technischen Informationen und
Dokumentationen;
c) Einberufung von gemeinsamen Konferenzen, Tagungen und Seminaren,und
d) gemeinsame Planung, Entwicklung und Durchführung von Forschungsprogrammen und -projekten.
Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einverständnis hinzugefügt werden.
Artikel IV
Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,
wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und des direkten Kontaktes zwischen Behörden, Organisationen und Firmen der beiden Länder ermutigen, erleichtern und verfolgen, einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Durchführungsabkommen für spezifische Projekte und Programme
im Rahmen dieses Abkommens.
Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens wird ein Gemeinsamer Amerikanisch-

Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit im Verkehrswesen eingesetzt
werden. Dieser Ausschuß soll in der Regel einmal jährlich wechselweise in

-3-

�in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammenkommen, es sei denn,
es würde anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll die Maßnahmen ergreifen, die für die

wirksame Durchführung dieses Abkommens notwendig sind, einschließlich
- aber nicht ausschließlich - Billigung von spezifischen Projekten und Programmen der Zusammenarbeit; Beauftragung zuständiger Behörden und Organisationen mit der Verantwortung für die Durchführung kooperativer Tätigkeiten und

Unterbreitung, wo angebracht, von Empfehlungen an die Vertragspar-

teien.
3.

Jede Vertragspartei wird einen verantwortlichen Beauftragten ernennen,

der für die Durchführung dieses Abkommens zuständig sein wird. Während der
Zeitspanne zwischen den Tagungen des Gemeinsamen Ausschusses werden die
verantwortlichen Beauftragten miteinander in' Kontakt bleiben, sich gegenseitig über Tätigkeiten und Fortschritt bei der Durchführung dieses Abkommens auf dem laufenden halten und die Entwicklung und Durchführung kooperativer Tätigkeiten im Rahmen dieses Abkommens koordinieren und überwachen.

. - -. Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien oder ihre jeweiligen Rechte und
Verpflichtungen im Rahmen solcher anderer Abkommen präjudiziert.

Artikel VII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis der Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.
2.

�2.

Die Erlöschung

dieses Abkommens wird die Gültigkeit von Durchführungs-

abkommen nicht berühren, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen interessierten Behörden,Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen worden sind.

Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind,"

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24/1973
AMERIKANISCH-SOWJETISCHES AUSTAUSCHPROGRAMM FÜR KULTUR UND
WISSENSCHAFT 1974-1976
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Die Austauschprogramme auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet für 1974 bis 1976 wurden zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einem Zusatzdokument zu dem allgemeinen Vertrag über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit festgelegt, der bestehende Austauschvereinbarungen erweitert und verstärkt.
Das am 19. Juni unterzeichnete erweiterte Programm bedeutet die Verwirklichung einer im Mai 1972 in Moskau angenommenen Grundsatzerklärung,
in der gefordert wurde, dem Austauschprogramm eine langfristige Basis zu
geben. Die Bestimmungen für das Programm für 1974 bis 1976 geben auch bereits Richtlinien für das Austauschprogramm der Jahre 1977 bis 1979.
Die Zusatzvereinbarung zum Programm 1974 bis 1976 hat folgenden
Wortlaut:
"In Durchführung verschiedener Bestimmungen des am 19. Juni 1973 in
Washington unterzeichneten allgemeinen Vertrages zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über
Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit haben sich die Vertragsparteien auf
das folgende Austauschprogramm für die Zeit vom 1. Januar 1974 bis zum
31. Dezember 1976 geeinigt:
Teil

-1-

�Teil I
Bildungswesen
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, daß von jeder Seite jährlich

für den Austausch vorgesehen werden:
a) Mindestens 40 Studenten höherer Semester, junge Wissenschaftler und
Lehrer zum Studium und zur weiterführenden Forschung in den Naturwissenschaften, technischen Wissenschaften, Geistes-und Sozialwissenschaften
für die Dauer von einem Semester bis zu einem akademischen Jahr, einschließlich fünfwöchiger Kurse für die Teilnehmer vor Beginn des Studienjahres zur
Verbesserung ihrer Beherrschung der russischen oder englischen Sprache;
b) mindestens 30 Sprachlehrer zur Teilnahme an zehnwöchigen Sommerkursen zur Verbesserung ihrer Beherrschung der russischen oder englischen
Sprache;
c) mindestens zehn Professoren und Lehrer von Universitäten oder anderen akademischen Bildungsstätten zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten bei einer Aufenthaltsdauer von drei bis sechs Monaten, wobei im
Rahmen dieses Programmpunktes 50 Personen/Monate für jedes Land nicht
überschritten werden sollen; und
d) mindestens zwei Studierende der höheren Semester oder junge Spezia-r
listen der Gebiete Tanz, Musik, Film, Graphik und Bildhauerei zum Zwecke
des Studiums, der Forschung und Ausbildung für die Dauer von vier bis zehn
Monaten an speziellen

Schulen, Instituten, Konservatorien, Theatern, Museen,

Studios oder anderen Institutionen.
2.

Die Vertragsparteien kommen überein, Vorkehrungen für den Austausch

von Professoren und Spezialisten von Universitäten und anderen akademischen
Institutionen in Übereinstimmung mit den Wünschen der anderen Seite für die
Dauer von einem Semester bis zu einem akademischen Jahr zu treffen und den

�den Betreffenden Weiterbildungs-und Vorlesungsmöglichkeiten an Universitäten und anderen Stätten akademischer Bildung auf folgenden Gebieten einzuräumen:
a) Naturwissenschaften, technischen Wissenschaften, Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften; außerdem
b) Sprache, Literatur und Sprachwissenschaft.

3.

Die Vertragsparteien kommen überein, für den Austausch von mindestens

zwei Spezialisten jeder Seite auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation
oder der Ausbildung Behinderter für die Zeit von drei bis sechs Monaten während der Gültigkeitsdauer dieses Programms Sorge zu tragen, Die Spezialisten
werden Forschungsaufgaben auf Gebieten durchführen, wie sie die zuständigen
Organisationen beider Länder vereinbaren werden.

4.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Durchführung bilateraler

Seminare mit amerikanischen und sowjetischen Spezialisten auf dem Gebiet des
Bildungswesens zu erleichtern,und zwar mit zwölf Teilnehmern von jeder Seite
für die Dauer von zwei bis vier Wochen, wobei man über die Themen später
Absprachen treffen wird. Während der Gültigkeitsdauer dieses Programms werden in jedem Land vier Seminare abgehalten, von denen zwei Themen mit Bezug
auf das akademische Bildungswesen gewidmet sind, und die zwei anderen Fragen
im Hinblick auf das Grundschul-und höhere Schulwesen behandeln.
5.

Die Vertragsparteien kommen überein, während der Gültigkeitsdauer

dieses Programms vier Delegationen mit je drei bis fünf Spezialisten von
jeder Seite für eine Periode von bis zu drei Wochen auszutauschen, wobei die
Spezialgebiete später noch abgesprochen werden; zwei dieser Delegationen
sollen Vertreter des akademischen Bildungswesens sein, die zwei anderen sollen aus dem Grundschul- bezw. höheren Schulwesen kommen.
6.

•3-

�6.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Möglichkeit eines Austau-

sches von Grundschul1ehrern oder Lehrern an höheren Schulen zwischen geeigneten Organisationen der beiden Länder zu sondieren.
7.

Die Vereinigten Staaten werden Maßnahmen ergreifen, um in Überein-

stimmung mit dem gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommunique1 vom 29.
Mai 1972 in den Vereinigten Staaten zum Studium der russischen Sprache zu
ermut igen.
8.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Möglichkeit eines Austau-

sches von Informationen und geeigneten Konsultationen über die Gleichwertigkeit von akademischen Graden zu untersuchen.

9.

Die in diesem Teil spezifizierten Austauschvorhaben werden in Über-

einstimmung mit den Klauseln eines ergänzenden Abkommens, das durch einen
Notenaustausch wirksam werden soll, durchgeführt.

Teil II
Darstellende Kunst
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Tourneen von mindestens zehn

bedeutenden Kunstlergruppen beider Länder während der Gültigkeitsdauer dieses Programms zu erleichtern. Detaillierte Arrangements für Tourneen solcher
Gruppen werden in Kontrakten vereinbart, die zwischen folgenden Stellen geschlossen werden: Für Tourneen amerikanischer Gruppen zwischen der Botschaft
der Vereinigten .Staaten von Amerika in Moskau oder bevollmächtigten Vertretern der Gruppen selbst und den zuständigen Organisationen der Sowjetunion; für Tourneen sowjetischer Gruppen zwischen zuständigen Organisationen oder Agenturen der Vereinigten Staaten und Organisationen der Sowjetunion. Das Gastland wird versuchen, die Wünsche der anderen Seite hinsicht-

-4-

�hinsichtlich Zeitplan und Dauer für die Tourneen sowie der Zahl der zu
besuchenden Städte zu erfüllen.

2.

Die Vertragsparteien kommen überein, die Tourneen von mindestens

35 Künstlern von jeder Seite während der Gültigkeitsdauer

dieses Programms

zu erleichtern. Arrangements für Tourneen einzelner Künstler werden direkt
zwischen zuständigen Organisationen oder Agenturen der Vereinigten Staaten
und Organisationen der Sowjetunion getroffen.

Teil III
Publikationen

1.

Die Vertragsparteien kommen überein, die erfolgreiche Verteilung

der Zeitschriften "AMERIKA" in der Sowjetunion und "SOVIET LIFE" in den
Vereinigten Staaten auf der Basis der Gegenseitigkeit praktisch zu unterstützen und sich erforderlichenfalls zu konsultieren, um Wege zur gesteigerten Verteilung dieser Zeitschriften zu finden. Sobald die Zahl der ausgegebenen Kopien für jede der beiden Zeitschriften 62 000 erreicht hat, wie
dies gegenwärtig vorgesehen ist, werden die Vertragsparteien die Möglichkeit prüfen, von Dezember 1976 ab die Zahl der pro Monat verteilten Kopien
der Zeitschriften auf 82 000 zu erhöhen. Die Vertragsparteien werden unverkaufte Kopien ihrer Zeitschrift an Besucher der wechselseitig veranstalteten Ausstellungen kostenlos verteilen.
2.

Die Vertragsparteien kommen überein, den Austausch von Spezialpubli-

kationen und Mikrofilmen zwischen den nationalen Archiven
Staaten von Amerika und der Hauptarchiwerwaltung

der Vereinigten

des Ministerrates der

Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu erleichtern.
Teil

-5-

�Teil IV
Ausstellungen
1.

Die Vertragsparteien kommen überein, während der Gültigkeitsdauer die-

ses Programms Ausstellungen wie folgt auszutauschen:
a) Von sowjetischer Seite entweder eine große Industrie-und Handelsausstellung oder eine oder zwei Wanderausstellungen.

Die entsprechende

Entscheidung der sowjetischen Seite wird über die diplomatischen Kanäle weitergeleitet; und
b) von amerikanischer Seite ein oder zwei Wanderausstellungen. Die
Ausstellungsthemen wird man über diplomatische Kanäle vereinbaren.
Die Wanderausstellungen werden in jedem Land in neun Städten, und
zwar bis zu 28 Besuchertagen in jeder Stadt, gezeigt. Die Vertragsparteien
erörtern in vorbereitenden Gesprächen Art und allgemeinen Inhalt jeder Ausstellung und werden sich damit gegenseitig vor der offiziellen Eröffnung
vertraut machen, insbesondere durch den Austausch von Katalogen, Prospekten
und anderem, mit der Ausstellung zusammenhängenden Informationsmaterial.
Weitere Bedingungen für die Durchführung der Ausstellungen (Termine, Größe
und Art des Veranstaltungsortes, Zahl des Personals, finanzielle Bedingungen, etc.) bedürfen der Vereinbarung durch die Vertragsparteien. Vorkehrungen für die Durchführung von Ausstellungen werden mindestens fünf Monate
vor ihrer Eröffnung abgeschlossen sein.

2.

Die Vertragsparteien kommen überein, den Austausch von Ausstellungen,

einschließlich von Kunstausstellungen zwischen den Museen der beiden Länder, zu unterstützen und diese Museen zur Aufnahme und Entwicklung direkter
Kontakte zu ermutigen mit dem Ziel, informatives Material, Alben, Kunstmonographien und andere Publikationen von gemeinsamen Interesse auszutauschen. Im Fall von Kunstausstellungen würden ihr Inhalt und die Bedingungen

-6-

�Bedingungen für ihre Durchführung jeweils zwischen den zuständigen amerikanischen Museen und dem Ministerium für Kultur der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken zuvor erörtert und besonders vereinbart.

3.

Die Vertragsparteien werden über diplomatische Kanäle Vereinbarungen

über andere Ausstellungen und über die Beteiligung an nationalen Ausstellungen treffen, die in jedem der beiden Länder veranstaltet werden.

Teil V
Allgemeines

Jede der Vertragsparteien soll das Recht haben, den Delegationen Dolmetscher oder Botschaftsangehörige einzugliedern, die dann als reguläre
Angehörige solcher Delegationen zu betrachten sind."

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24/1973

DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE 1ANDWIRTSCHAFTSABK0MMEN
- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Im Beisein von Präsident Nixon und Parteichef
Breschnew haben der amerikanische Außenminister Rogers und der sowjetische
Außenminister Gromyko am 19. Juni ihre Unterschrift unter das neue amerikanisch-sowjetische Landwirtschaftsabkommen gesetzt, das eine stärkere
Zusammenarbeit in der Forschung, einen verstärkten Austausch von Spezialisten und technischen Informationen sowie mehr direkte Kontakte zwischen
den Landwirtschaftsorganisationen beider Länder vorsieht. Das Abkommen
hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
sind sich der großen Bedeutung bewußt, die der Nahrungsmittelerzeugung für die Bevölkerung beider Länder sowie für die gesamte Menschheit
zukommt;
sind von dem Wunsche beseelt, die zwischen den beiden Ländern bestehende Zusammenarbeit auf den Gebieten der landwirtschaftlichen Forschung und
Entwicklung zu vertiefen;
haben den Wunsch,neue Erkenntnisse und Technologien für die landwirtschaftliche Erzeugung und die Weiterverarbeitung dieser Güter zu nutzen;
sind

-1-

�sind sich darüber klar, daß die Ausweitung der Beziehungen, was den
Agrarhandel und den für solchen Handel erforderlichen Austausch von Informationen anbetrifft, wünschenswert ist;
sind der Überzeugung, daß die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft insgesamt zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden
Ländern beitragen wird; und
sind in Erfüllung und Weiterentwicklung des Abkommens zwischen der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vom 24. Mai 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über den Austausch und die Zusammenarbeit auf den
Gebieten Wissenschaft, Technik, Bildungswesen, Kultur und anderen Bereichen vom 11. April 1972 und in Übereinstimmung mit dem Abkommen über die
Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes vom 23. Mai 1972

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Landwirtschaft auf der Basis des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit
und der Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Die Vertragsparteien werden die Entwicklung einer beiden Seiten zum
Nutzen gereichenden Zusammenarbeit auf den folgenden Hauptgebieten fördern:
1.

Regelmäßiger Austausch einschlägiger Informationen, wie über Voraus-

schätzungen, Erzeugung, Verbrauch, Nachfrage und Handel bei den wichtigen
Agrarerzeugnissen.
2.

-2-

�2.

Verfahren der Vorausschätzung von Erzeugung, Nachfrage und Verbrauch

bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen, darunter auch ökonoraetrische Verfahren.
3.

Pflanzenkunde, einschließlich Genetik, Zuchtverfahren, Pflanzen-

schutz und Anbau sowie Anbau in wasserarmen Gebieten.
4.

Wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Vieh-und Geflügel-

haltung, einschließlich Genetik, Aufzucht, Physiologie, Fütterung, Krankheitsschutz und Aufzucht in Großbetrieben.
5.

Bodenkunde, einschließlich der Theorien über den Transport von Was-

ser, Gasen, Salzen und Wärme in verschiedenen Böden.
6.

Mechanisierung der Landwirtschaft, einschließlich Entwicklung und

Erprobung neuer Maschinen, Ausrüstungen und Technologien sowie Reparaturund technische Dienste.
7.

Anwendung, Lagerung und Transport mineralischer Dünger und anderer

Chemikalien für die Landwirtschaft.
8.

Verarbeitung, Lagerung und Erhaltung von Agrarerzeugnissen, ein-

schließlich bestimmter Fütterungstechniken.
9.

Bodenurbarmachung und technische Verfahren hierzu, einschließlich

Entwicklung neuer Ausrüstungen, Entwürfe und Materialien.
10.

Anwendung mathematischer Verfahren und elektronischer Rechensysteme

in der Landwirtschaft, einschließlich mathematischer Modelle für die Einrichtung landwirtschaftlicher Großbetriebe.
Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständnis hinzugefügt werden.
Artikel

�Artikel III
Die Zusammenarbeit zwischen den Vertragsparteien kann folgende Formen annehmen:
1.

Austausch von Wissenschaftlern, Spezialisten und Landwirtschaftseleven.

2.

Organisation bilateraler Symposien und Konferenzen.

3.

Austausch wissenschaftlicher, technischer und relevanter wirtschaftli-

cher Informationen und Forschungsmethoden.
4.

Planung, Entwicklung und Durchführung gemeinsamer Projekte und Pro-

gramme .
5.

Austausch von Pflanzenkeim-Plasma, Saatgut und lebendem Material.

6.

Austausch von Tieren, biologischem Material, landwirtschaftlichen

Chemikalien sowie Modellen neuer Maschinen, Ausrüstungen und wissenschaftlicher Instrumente.
7.

Direkte Kontakte und direkter Austausch zwischen den botanischen Gärten.

8.

Austausch landwirtschaftlicher Ausstellungen.
Weitere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständ-

nis hinzugefügt werden.

Artikel IV
1.

Zur Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,

wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und des direkten Kontaktes
zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen, Forschungs-und
anderen Organisationen, Handelsverbänden und Firmen der beiden Länder ermutigen, erleichtern und verfolgen, einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Durchführungsabkommen für spezifische Porgekte und Programme
im

-4-

�im Rahmen dieses Abkommens.
2.

Um eine erfolgreiche Entwicklung der Zusammenarbeit zu gewährleisten,

werden die Vertragsparteien für Reisen von Wissenschaftlern und Spezialisten
in Gebiete der beiden Länder, soweit dies zur Durchführung der Tätigkeiten
im Rahmen dieses Abkommens angebracht ist, jede Unterstützung gewähren.
3.

Die Projekte und Austauschvorhaben im Rahmen dieses Abkommens wer-

den im Einklang mit den Gesetzen und Bestimmungen der beiden Länder durchgeführt.

Artikel V
1.

Zur Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer Amerikanisch-

Sowjetischer Ausschuß für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft eingesetzt werden, der in der Regel einmal jährlich wechselweise in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammenkommen soll, es sei
denn, es würde anders vereinbart.
2.

Der Gemeinsame Ausschuß wird spezifische Projekte und Programme der

Zusammenarbeit überprüfen und billigen, die Verfahren für ihre Durchführung
festlegen, wo angebracht Institutionen und Organisationen benennen, die für
die Durchführung kooperativer Unternehmen verantwortlich sein sollen,und,
wo angebracht, den Vertragsparteien Vorschläge unterbreiten.
3.

Im Rahmen des Gemeinsamen Ausschusses soll eine Gemeinsame Arbeits-

gruppe über agrarwirtschaftliche Forschung und Information sowie eine weitere Gemeinsame Arbeitsgruppe über landwirtschaftliche Forschung und technische Entwicklung eingesetzt werden. Sofern man nicht anderweitig übereinkommt, wird jede der beiden Gemeinsamen Arbeitsgruppen wechselweise in den
Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion zumindest zweimal jährlich zusammenkommen. Der Gemeinsame Ausschuß kann - falls er dies als notwendig erachtet - weitere Arbeitsgruppen einsetzen.
4.

-5-

�4.

Die verantwortlichen Organisationen für die Koordinierung und die

Durchführung dieses Abkommens sollen für die Regierung der Vereinigten Staaten das amerikanische Landwirtschaftsministerium und für die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken das Landwirtschaftsministerium
der UdSSR sein..Die verantwortlichen Organisationen werden, wo angebracht,
die Zusammenarbeit anderer Institutionen und Organisationen in ihren jeweiligen Staaten sicherstellen, so wie es für die Durchführung der gemäß diesem
Abkommen vorgesehenen gemeinsamen Aufgaben erforderlich ist. Während der
Zeitspanne zwischen den Tagungen des Gemeinsamen Ausschusses werden die verantwortlichen Organisationen miteinander in Kontakt bleiben und die Entwicklung und Durchführung

kooperativer Tätigkeiten im Rahmen dieses Abkommens

koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Solange ein Durchführungsabkommen nicht andere Bestimmungen enthält, soll
jede Vertragspartei oder sich beteiligende Institution, Organisation oder
Firma die Kosten für ihre Beteiligung sowie für ihr Personal bei allen kooperativen Tätigkeiten, die im Rahmen dieses Abkommens unternommen werden,
tragen.
Artikel VII
1.

Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es

irgendein anderes zwischen den Vertragsparteien bestehendes Abkommen präjudiziert oder ändert.
2.

Die von der Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Arbeitsgruppe für

landwirtschaftliche Forschung entwickelten Projekte, die auf der ersten
Sitzung der Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Kommission für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am 21. März 1973 gebilligt wurden, werden

-6-

�werden ohne Unterbrechung fortgeführt und werden der Verantwortung des Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf
dem Gebiet der Landwirtschaft nach dessen formeller Gründung unterstehen.

Artikel VIII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und

eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Es wird automatisch um jeweils weitere
Zeiträume von fünf Jahren verlängert, sofern nicht eine der beiden Vertragsparteien die andere davon in Kenntnis setzt, daß sie die Absicht habe, dieses Abkommen zu beenden - und dies nicht später als sechs Monate vor dem Auslaufen dieses Abkommens.
2.

Dieses Abkommen kann jederzeit im gegenseitigen Einverständnis der

Vertragsparteien geändert werden.
3.

Die Erlöschung dieses Abkommens wird die Gültigkeit von Durchführungs-

abkommen nicht berühren, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen Institutionen, Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen worden sind.

Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

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24/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE MEERESFORSCHUNG

- Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Das am 19. Juni in Washington unterzeichnete Abkommen
über die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit in der Meeresforschung
konzentriert sich unter anderem auf die umfassenden Wechselwirkungen von
Meer und Atmosphäre, auf Fragen der Meeresdynamik, der Geochemie und der
Chemie der Ozeane, der biologischen Produktivität sowie auf geologische und
geophysikalische Untersuchungen. Zur Durchführung des Abkommens über die
Zusammenarbeit in der weltweiten Meeresforschung wird ein Gemeinsamer
amerikanisch-sowjetischer Ausschuß gebildet. Das Abkommen hat folgenden
Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
angesichts der Bedeutung umfassender Studien der Weltmeere für friedliche Zwecke und für das Wohlergehen der gesamten Menschheit;
in dem Bemühen um vollständigere Kenntnis und vernünftige Nutzung der
Weltmeere seitens aller Nationen durch weitgehende internationale Zusammenarbeit in ozeanographischen Untersuchungen und Forschungen;
in

�in Kenntnis der Möglichkeiten und Ressourcen beider Länder für das
Studium der Weltmeere und der weitreichenden vorangegangenen Aktivitäten
und erfolgreichen Ergebnisse früherer Zusammenarbeit zwischen ihnen;
in dem Wunsche, ihre Anstrengungen bei der künftigen Erforschung der
Weltmeere und der Nutzung der Ergebnisse zum Wohl der Völker beider Länder
und der gesamten Menschheit zu vereinen; und
in Verfolgung und zum weiteren Ausbau des zwischen der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 24. Mai 1972 geschlossenen Abkommens über die
Zusammenarbeit auf den Gebieten von Wissenschaft und Technik, in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 11.April 1972 über Austausch und Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technik, Kultur, Bildungswesen und auf anderen Gebieten, und in Übereinstimmung mit dem Abkommen vom 23. Mai 1972 über Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragsparteien werden Zusammenarbeit in Projekten zum Studium
der Weltmeere auf der Grundlage des beiderseitigen Nutzens, der Gleichheit
und der Gegenseitigkeit entwickeln und durchführen.
Artikel II
Bei ihren Untersuchungen der Weltmeere werden die Vertragsparteien gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um wichtige Probleme der reinen und angewandten Forschung aufzugreifen und zu lösen. In der Anfangsphase wird sich
die Kooperation auf folgende Gebiete erstrecken:
a)

-2-

�a) Großräumige Wechselwirkungen von Meer und Atmosphäre, einschließlich
Laborstudien, Versuchen auf See und der Ausarbeitung mathematischer Modelle
für das System Meer-Atmosphäre.
b) Meeresströmungen globalen Ausmaßes und andere Fragen der Meeresdynamik.
c) Geochemie und Meereschemie der ozeanischen Welt.
d) Geologische und geophysikalische Untersuchungen in den Weltmeeren,
einschließlich Gewinnung von Bohrkernen in der Tiefsee für wissenschaftliche
Zwecke.
e) Biologische Produktivität der Weltmeere und Fragen der Biochemie
zur Funktionserhaltung einzelner Arten und gesamter biologischer Gemeinschaften in den Meeren.
f) Abstimmung und Standardisierung ozeanographischer Instrumente und
Meßverfahren.
Andere Gebiete der Zusammenarbeit können im beiderseitigen Einverständnis hinzugefügt werden.

Artikel III
Die in den vorangegangenen Artikeln vorgesehene Zusammenarbeit kann in
folgender Form erfolgen:
a) Gemeinsame Planung, Entwicklung und Durchführung von Projekten und
Programmen in der Forschung.
b) Austausch von Wissenschaftlern, Spezialisten und Assistenten.
c) Austausch wissenschaftlicher und technischer Information, Dokumentation und Erfahrungswerte,einschließlich der Ergebnisse nationaler ozeanographischer Studien.
d)

-3-

�d) Veranstaltung gemeinsamer Konferenzen, Tagungen und Seminare von
Fachleuten.
e) Angemessene Beteiligung beider Länder an multilateralen Gemeinschaftsaktionen unter der Schirmherrschaft internationaler wissenschaftlicher Organisationen.
f) In Übereinstimmung mit den Gesetzen, Vorschriften und Bestimmungen
jedes Landes und einschlägiger bilateraler Abkommen erleichtern die Vertragspartner die Benutzung geeigneter Hafenanlagen in den zwei Ländern für
die Überholung und Versorgung von Schiffen, einschließlich geeigneter Vorkehrungen für Erholung und Austausch von Schiffspersonal im Zusammenhang
mit der Durchführung gemeinschaftlicher Aktivitäten.
Andere Formen der Zusammenarbeit können in beiderseitigem Einvernehmen
hinzugefügt werden.
Artikel IV
Zur weiteren Förderung der Ziele dieses Abkommens werden die Vertragsparteien,wo angebracht, die Entwicklung der Zusammenarbeit und direkte Kontakte zwischen Behörden, Organisationen und Firmen beider Länder - einschließlich, wo angebracht, des Abschlusses von Ausführungsabkommen zur Durchführung spezieller Projekte und Programme im Rahmen dieses Abkommens .- ermutigen, erleichtern und überwachen.

Artikel V
1.

Für die Durchführung dieses Abkommens soll ein Gemeinsamer amerika-

nisch-sowjetischer Ausschuß zur Zusammenarbeit in der Erforschung der Weltmeere geschaffen werden. Dieser Gemeinsame Ausschuß soll in der Regel einmal jährlich wechselweise in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion
tagen, es sei denn, es würde anders vereinbart.

2.

-4-

�2.

Der Gemeinsame Ausschuß soll die notwendigen Maßnahmen für die wirk-

same Durchführung dieses Abkommens ergreifen, einschließlich, aber nicht ausschließlich, der Billigung spezieller Projekte und Programme der Zusammenarbeit; er soll geeignete Behörden und Organisationen benennen, die für die
Durchführung gemeinsamer Aktivitäten verantwortlich sein sollen, und, wo
angebracht, den Vertragsparteien Empfehlungen unterbreiten.

3.

Jede Vertragspartei soll ihre zuständige Organisation bestimmen, die

für die Durchführung dieses Abkommens verantwortlich sein wird. In der Zeit
zwischen den Konferenzen des Gemeinsamen Ausschusses sollen die verantwortlichen Organisationen miteinander Verbindung halten und die Entwicklung und
Verwirklichung gemeinsamer Aktivitäten, die im Rahmen dieses Abkommens durchgeführt werden, koordinieren und überwachen.

Artikel VI
Nichts in diesem Abkommen darf dahingehend ausgelegt werden, daß es andere Abkommen zwischen den Vertragsparteien oder Verpflichtungen jeder Vertragspartei in anderen internationalen ozeanographischen Programmen präjudiziert.
Artikel VII
1.

Dieses Abkommen soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten und eine

Laufzeit von fünf Jahren haben. Es kann im gegenseitigen Einverständnis der
Vertragsparteien geändert oder verlängert werden.
2.

Das Erlöschen dieses Abkommens soll die Gültigkeit der Durchführungs-

vereinbarungen, die im Rahmen dieses Abkommens zwischen den interessierten
Behörden, Organisationen und Firmen der beiden Länder geschlossen wurden,
nicht berühren.
Gegeben

-5-

�Gegeben in Washington am 19. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung
in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

-6-

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24/1973

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSPROTOKOLLE
- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P „ Shultz
und der sowjetische Außenhandelsminister Nikolai S. Patolitschew haben am
22. Juni zwei Protokolle unterzeichnet, die der Ausweitung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern dienen sollen. Die beiden Protokolle,
die auf das im Oktober 1972 unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen zurückgehen, haben folgenden Wortlaut:

Das Protokoll über Konsultationen
"Angesichts des von den sowjetischen Außenhandelsorganisationen und
den amerikanischen Gesellschaften bekundeten Interesses an der Entwicklung
organisatorischer Vereinbarungen für eine verstärkte Zusammenarbeit und
in der Erkenntnis, daß eine solche verstärkte Zusammenarbeit zur Förderung von Kontakten zwischen Geschäftsleuten der UdSSR und der USA beitragen würde, die wiederum die Entwicklung eines zum gegenseitigen Vorteil
gereichenden Handels zwischen den beiden Ländern unterstützen würde,

wird

�wird der amerikanische Handelsminister zu einem baldigen Zeitpunkt
mit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft und Finanzwelt zusammentreffen,
um mit ihnen darüber zu sprechen, ob in den Vereinigten Staaten auf privater Basis die Errichtung einer sowjetisch-amerikanischen Handelskammer wünschenswert ist. Der sowjetische Außenminister wird ähnliche Konsultationen
mit sowjetischen Handels-sowie anderen Organisationen führen.
Die Ergebnisse dieser Konsultationen sollen umgehend der Gemeinsamen
Sowjetisch-Amerikanischen Handelskommission berichtet werden.

Gegeben am 22. Juni 1973 in Washington in zweifacher Ausfertigung in russischer und englischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch
sind."

Protokoll über Handelsbeziehungen

"Im

Interesse einer Stärkung ihrer Handels-und Wirtschaftsbeziehungen

haben sich die Regierung

der USA und die Regierung der UdSSR in dem im

Oktober 1972 von der amerikanischen und der sowjetischen Regierung unterzeichneten Handelsabkommen verpflichtet, bei der Ausweitung und Verbesserung
ihrer Handelseinrichtungen in Moskau und in Washington zusammenzuarbeiten.
Aufgrund dieser Verpflichtung haben Vertreter der sowjetischen Regierung
und der US-Botschaft in Moskau diese Woche einen Kontrakt für neue Büroräume an einem geeigneten Ort unterzeichnet, damit die US-Handelsabteilung
in der Lage ist, amerikanischen Geschäftsleuten, die um Unterstützung bei
ihren Handelsgeschäften mit entsprechenden sowjetischen Organisationen nachsuchen, wirksamer helfen zu können.
Die

-2-

�Die amerikanische Regierung hat bereits früher in diesem Jahr der UdSSR
den Erwerb eines Gebäudes an einem geeigneten Ort in Washington für die sowjetische Handelsabteilung ermöglicht.
Die sowjetische Regierung hat die amerikanische Regierung ferner davon
unterrichtet, daß sie aufgrund des Handelsabkommens eine Erlaubnis zur Errichtung von Vertretungen in Moskau an folgende amerikanische Wirtschaftsunternehmen und Banken erteilt hat:
Pullman Incorporated
Occidental Petroleum Corporation
The Chase Manhattan Bank
General Electric Company
International Harvester Company
Caterpillar Tractor Company
Hewlett-Packard Company
Engelhard Minerals &amp; Chemicals Corporation
Bank of America
First National City Bank
Anträge weiterer amerikanischer Firmen auf Akkreditierung in Moskau
werden gegenwärtig von den sowjetischen Dienststellen geprüft.
Im Einklang mit Artikel V des Handelsabkommens haben die amerikanische
Regierung und die sowjetische Regierung ferner vereinbart, sofortige Vorbereitungen für beiderseits zufriedenstellende Vereinbarungen zu treffen, damit
die Personalstärke ihrer Handelsabteilungen in dem jeweiligen anderen Lande
erhöht werden kann. Eine Handelsvertretung der UdSSR in Washington und ein
Handelsbüro der USA in Moskau werden gleichzeitig und so bald wie möglich,
auf jeden Fall nicht später als am 31. Oktober dieses Jahres, eröffnet
werden.
Gegeben

�Gegeben in Washington am 22. Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung
in englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind."

-4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Kommuniqué vom 23. Juni 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zum Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon-Breschnew-Abkommen über Rüstungsbegrenzungsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dokumentation des Weißen Hauses zur Rüstungsbegrenzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Verkehrsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Austauschprogramm für Kultur und Wissenschaft 1974-1976&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Landwirtschaftsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen für die Meeresforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanisch-sowjetischen Handelsprotokolle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
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Dokumentation

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3. Juli 1973

25

Inhalt
DOKUMENTATION:
Forschen und Einsparen
-Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der EnergiesituationAmerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr
-Wortlaut«

WIRTSCHAFT:
Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein
-Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni»
US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde
brechen
Von John Holway
Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen
Wirtschaftsausschuß des US-KongressesBurns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt
-Auszüge-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung
Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung
Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1973

FORSCHEN UND EINSPAREN
- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -

--(AD)— In einer am 29. Juni 1973 abgegebenen Erklärung, die im Folgenden
auszugsweise veröffentlicht wird, nahm Präsident Nixon erneut zur Situation
auf dem Energiesektor Stellung:
"Eines der kritischsten Probleme, das Amerika heute in Angriff nehmen
muß, ist die Deckung unseres notwendigen Energiebedarfs. Vor zwei Monaten
kündigte ich ein umfassendes Programm an, das uns in diesem Bestreben
voranbringen sollte. Heute ergreife ich folgende zusätzlichen Maßnahmen:
Erstens ernenne ich John A. Love, Gouverneur von Colorado, zum Leiter eines Energieamtes, das für die Ausarbeitung und Koordinierung der
Energiepolitik auf Präsidialebene verantwortlich sein wird.
Zweitens ersuche ich den Kongreß, ein neues Ministerium mit Kabinettsrang zu errichten, das sich mit Energie und natürlichen Hilfsquellen befaßt,
und einen neuen unabhängigen Apparat für Forschung und Entwicklung auf dem
Energiesektor zu schaffen.
Drittens leite ich ein 10 Milliarden-Dollar-Programm für Forschung
und Entwicklung auf dem Energiesektor in die Wege, das für die kommenden
fünf Jahre gelten soll.
Und

-1-

�Und schließlich starte ich einen Feldzug zur Einsparung von Energie,
um den Eigenverbrauch im ganzen Lande während der kommenden zwölf Monate,
um fünf Prozent zu drosseln. Die Bundesregierung wird in diesen Bemühungen
vorangehen, indem sie sich vornimmt, im gleichen Zeitraum sieben Prozent
einzusparen,
Amerika sieht sich einem ernsten Energieversorgungsproblem gegenüber.
Während unsere Bevölkerungszahl nur sechs Prozent der Weltbevölkerung aus«
macht, verbrauchen wir ein Drittel der Weltenergieproduktion, Die Produktion
aus verfügbaren einheimischen Energiequellen hält mit. unserem ständig wach&lt;=
senden Energiebedarf nicht Schritt. Wenn wir nicht schnell und wirksam handeln, könnten wir uns in absehbarer Zukunft einer echten Energiekrise gegenübersehen.

Am 18. April unterbreitete ich dem Kongreß eine Botschaft, in der die
drängenden Energieprobleme und die notwendigen Schritte zu ihrer Lösung er-=
örtert wurden. Diese Botschaft hob hervor, daß wir mit. unserer Aktivität
zur Drosselung unseres Energiebedarfs auch intensive Anstrengungen unternehmen müssen, unsere Energieproduktion auszuweiten. Ich freue mich, berichten
zu können, daß viele der notwendigen Schritte bereits begonnen wurden und
sich als wirksam erweisen...
Manche der Schritte, die ich im April ankündigte, erfolgten in der
Form von Vorschlägen der Legislative zur künftigen Steigerung der Energieversorgung. Sie forderten den Bau der Ölleitung in Alaska, wettbewerbsfähige Preisgestaltung bei Erdgas, die Freigabe der Bauvorhaben für Tiefwasser»
häfen, die Straffung der Vorschriften für die Standortwahl bei Kraftwerken
und ein vernünftiges Rahmenwerk für Kontrollen für den Tagebau, Nur der
Vorschlag für den Bau der Ölleitung ist endlich in einem Ausschuß behandelt
worden. Ich hoffe, daß der Kongreß über meine anderen Ersuchen schnell und
positiv entscheidet...
Forschung

~2~

�Forschung und Entwicklung
Während wir uns auf konventionelle Formen von Brennstoff stützen müssen,
um unseren unmittelbaren Energiebedarf zu decken, ist es klar, daß die Lösung für unseren Langzeitbedarf in der Erschließung neuer Formen von Energie liegt. Angesichts dieser Notwendigkeit ergreife ich mit sofortiger Wirkung drei Maßnahmen, um unsere Anstrengungen auf Bundesebene in der Energieforschung und Entwicklung auszuweiten.
Erstens leite ich ein Bundesprogramm für Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor in die Wege, das für die Dauer von fünf Jahren gelten,
mit dem Finanzjahr 1975 beginnen und einen Etat von 10 Milliarden Dollar
haben soll. Um diese Maßnahme in Gang zu setzen, gebe ich Anweisung, im
Finanzjahr 1974 zusätzliche 100 Millionen Dollar für die beschleunigte Durchführung bestimmter, bereits in Angriff genommener Projekte und die Aufnahme
neuer Projekte auf einer Reihe kritischer Gebiete von Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Zumindest die Hälfte der Mittel für die
n

eu e n Maßnahmen im kommenden Finanzjahr fließt der Kohleforschung und Ent-

wicklung zu, wobei die Schwerpunkte bei der Gewinnung sauberer flüssiger
Brennstoffe aus Kohle, der Verbesserung der Abbaumethoden zur Erhöhung der
Sicherheit und Produktivität der Gruben, bei der Beschleunigung unseres Programms zur Kohlevergasung und der Entwicklung verbesserter Verbrennungstechniken liegen. Die übrigen Beträge aus dem 100 Millionen-Dollar-Fonds sind für
Forschungs-und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet neuartiger Systeme zur
Energiewandlung, für Umweltschutz und Umwelthygiene, Dampfgewinnung aus geothemischen Quellen, Einsparung von Energie und gasgekühlte Kernreaktoren
vorgesehen. Obgleich es dringend notwendig ist, die gegenwärtige Etat-Begrenzung für das Haushaltsjahr 1974 einzuhalten, müssen und können diese lebenswichtigen Programme innerhalb dieser Grenzen finanziert werden.

Zweitens

�Zweitens weise ich die Vorsitzende der US-Atomenergiekoramission an, die
Energieforschungs-und Entwicklungsvorhaben des Bundes und der Privatwirtschaft
unter der generellen Leitung des Amtes für Energiepolitik umgehend überprüfen
zu lassen und ein auf nationaler Basis integriertes Energieforschungs-und
Entwicklungsprogramm zu empfehlen. Dieses Programm sollte die Industrie
zu kooperativen Anstrengungen im Sinne einer Erschließung und Demonstration
neuer Technologien, die eine bessere Nutzung unserer Energiequellen ermöglichen, ermutigen und sie aktiv in diese einbeziehen. Ich erteile der Vorsitzenden außerdem Weisung, unter Konsultation des Innenministeriums und
anderer Behörden bis zum 1. September dieses

Jahres spezielle Projekte

zu empfehlen, auf die die zusätzlichen 100 Millionen Dollar im Finanzjahr
1974 aufgeteilt würden. Bis zum 1. Dezember dieses Jahres erwarte ich von
ihr Empfehlungen für Energieforschungs-und Entwicklungsprogramme, die in
meinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr 1975 aufgenommen werden sollen.
Drittens errichte ich einen Beirat für Energieforschung und Entwicklung,
der dem Amt für Energiepolitik untersteht und sich aus außerbehördlichen
führenden Vertretern verschiedener Gebiete der Forschung und Entwicklung auf
dem Energiesektor zusammensetzen soll.
Ich bin der Ansicht, daß diese Maßnahmen unsere gegenwärtigen Anstrengungen der Energieforschung und -Entwicklung erheblich verbessern und ausweiten und die Entwicklung von Technologien sichern, die für die Deckung
unseres künftigen Energiebedarfs lebenswichtig sind.

Einsparung von Energie
In meiner Energiebotschaft vom 18. April kündigte ich einleitende
Schritte zur Einsparung der in Amerika verfügbaren Brennstoffe an. Ich erklärte damals, daß Einsparung an Energie zwar eine nationale Notwendigkeit sei,
Anstrengungen zur Einsparung jedoch auf freiwilliger Basis unternommen werden
könnten. Dieser Meinung bin ich auch heute noch.
Appelle

-4-

�i
Appelle in der Öffentlichkeit sind aber angesichts der Aufgabe, der
wir uns gegenübersehen, nicht genug. Die Bundesregierung ist der größte
Energiekonsument im Lande und hat insofern ihre eigene besondere Rolle dabei
zu spielen, den Energieverbrauch einzuschränken und so ein Beispiel für alle
Verbraucher zu geben.
Mit Wirkung vom heutigen Tage verfüge ich deshalb für die Bundesbehörden eine siebenprozentige Reduzierung ihres für

die nächsten 12 Monate

vorausberechneten Energieverbrauchs... Während die Einsparungsmaßnahmen im
einzelnen dem Kabinett und der Leitung der Behörden überlassen bleiben, ordne
ich an, daß die Einsparungsbemühungen folgende Maßnahmen einschließen müssen:
-- Weniger umfangreiche Raumklimatisierung in allen Gebäuden von Bundesbehörden während des ganzen Sommers.
-- Verringerung der Anzahl von Dienstreisen von Bundesangestellten.
-- Kauf oder Anmieten von Autos und anderer Fahrzeuge, die eine günsti«
gere Kilometerleistung mit dem getankten Benzin ergeben.
Von jedem Ministerium und jeder Behörde wird erwartet, daß sie alle
Aktivitäten unter dem Gesichtspunkt überprüfen, wie der eigene Energiebedarf reduziert werden könnte. Das Verteidigungsministerium, der größte
Einzelkonsument von Energie in der Exekutive, hat seine Aktivitäten bereits
überprüft

und im vergangenen Jahr Schritte unternommen, um seinen Energie-

bedarf um zehn Prozent zu kürzen - Schritte, die aber in keiner Weise unsere militärische Einsatzbereitschaft gefährden.
Ich weise auch alle Ministerien und Behörden an, eng mit Minister Morton
und dem Amt für Energiewirtschaft bei der Entwicklung lanfristiger Pläne
und Empfehlungen sowohl für den privaten als auch den öffentlichen Sektor
zusammenzuarbeiten.
Auf mein Ersuchen werden der Innenminister, der Handelsminister und
Gouverneur Love gemeinsam mit Vertretern der amerikanischen Industrie Mittel

-5-

�Mittel und Wege erörtern, um unnötigen Energieverbrauch abzubauen; die
Industrie wird dringend ersucht, sich aktiv an den Einsparungsbemühungen zu
beteiligen.
Des weiteren habe ich den Verkehrsminister angewiesen, gemeinsam mit
den amerikanischen Fluggesellschaften, der Behörde für die Zivilluftfahrt
und dem Bundesluftfahrtamt Wege zur Reduzierung der Fluggeschwindigkeiten
und, wo dies möglich ist, der

Frequenz der kommerziellen Flüge zu fin-

den. Diese Bemühungen laufen bereits. Schon mit einer geringen Herabsetzung
von Geschwindigkeiten und Anzahl der Flüge ist es möglich, den Energieverbrauch beachtlich zu senken.
Da diese Maßnahmen ein breites Aktivitätsspektrum auf dem öffentlichen
und privaten Sektor betreffen, müssen das Problem und die vorgeschlagenen
Einsparungsmaßnahmen in der richtigen Perspektive gesehen werden...
Das Innenministerium schätzt, daß unter Beibehaltung des gegenwärtigen Verbrauchs das Benzinangebot in diesem Sommer um ein bis zwei Prozent
hinter dem Bedarf zurückbleiben wird, unter ungünstigen umständen vielleicht
bis zu fünf Prozent. Um dieser drohenden Verknappung zu begegnen, könnte
meines Erachtens die Reduzierung des vorausgeschätzten Energiebedarfs jedes
Verbrauchers um fünf Prozent als ein vernünftiges und erreichbares nationales Ziel gelten...
Wenn man beispielsweise die Thermostat-Temperatur einer Klimaanlage
nur um 4 Grad höher einstellt, so spart man dadurch schätzungsweise 15 bis
20 Prozent Strom ein. Und so wie die Regierungsstellen Autos mit geringerem
Benzinverbrauch benutzen können, ist dies auch den Bürgern möglich. Fast drei
Viertel des in Amerika konsumierten Benzins wird von den Autos verbraucht.
Die Kraftfahrer können außerdem einen Beitrag leisten, indem sie langsamer
fahren. Wenn ein Wagen mit 80 km/st fährt, verbraucht er 20 bis 25 Prozent
weniger Kraftstoff als bei 110 Stundenkilometern. Eine bessere Ausnutzung der
Sitzplätze und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel würden ein Übriges
tun, um Brennstoff zu sparen.
Um

�Um zur Verminderung der Fahrgeschwindigkeit beizutragen, werde ich
heute außerdem ein Schreiben an die Gouverneure aller Bundesstaaten richten und sie ersuchen, in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Parlament die
Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge auf den Fernstraßen in einer
Weise herabzusetzen, wie dies sowohl mit der Sicherheit und dem Nutzeffekt
als auch mit dem Energiebedarf vereinbar ist.
Ich ersuche außerdem den Kongreß wieder dringend, die Gesetze über den
Massenverkehr zu verabschieden, welche Bundesstaaten und kommunalen Behörden mehr Flexibilität geben, zwischen Investitionen für den Straßenbau oder
für Massenverkehrsmittel zu wählen. Die teilweise Umstellung vom Individualauf den Massenverkehr wird eine merkliche Einsparung an Energie und günstige
Auswirkungen auf die Umwelt zur Folge haben und es gleichzeitig ermöglichen,
die Straßen so wirksam zu nutzen, wie dies ursprünglich gedacht war...".

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROTOKOLL ÜBER ERWEITERTEN LUFTVERKEHR
- Wortlaut -

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben am
23. Juni 1973 im Rahmen des Besuches von Parteichef Breschnew in den USA
ein Protokoll über die Ausweitung des Luftverkehrs zwischen beiden Sca.
ten unterzeichnet. Die Unterzeichnung erfolgte durch den amerikanischen
Verkehrsminister Claude Brinegar und den sowjetischen Minister für Zivilluftfahrt Boris Bugajew. Das Protokoll hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
in Übereinstimmung mit Punkt 7 der9Grundsätze für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sojwetrepubliken*, die am 29. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurden,
aus dem Wunsche heraus, erweiterte Kommunikationen zwischen den beiden
Ländern auf gegenseitiger Basis zu fördern,
aus der Erkenntnis der Rolle heraus, die der Luftverkehr in diesem Zusammenhang spielen kann, und
gemäß Artikel 16 des Zivilluftfahrtabkommens zwischen den beiden Regie
rungen vom 4. November 1966
wie folgt übereingekommen:
Artikel I

�Artikel I
Die im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bestehenden vereinbarten
Dienste zwischen New York und Moskau sollen dahingehend erweitert werden^
daß sie Dienste der designierten Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten
von New York nach Leningrad einschließen und für die designierte Fluggesellschaft der UdSSR von Moskau nach Washington.

Artikel II
Angesichts des wachsenden Verkehrs zwischen beiden Ländern sollen die
bestehenden Vereinbarungen im Rahmen des Zivilluftfahrtabkommens bezüglich
der Flugfrequenz dahingend abgeändert werden, daß sie eine Erhöhung der
Frequenz des Dienstes zulassen.
Artikel III
Die vorgenannten und andere damit zusammenhängende Änderungen des Zivilluftfahrtabkommens sind in dem beigefügten Anhang niedergelegt, der an
die Stelle des bestehenden Anhangs zu diesem Abkommen tritt.
Dieses Protokoll soll mit seiner Unterzeichnung in Kraft treten.

Gegeben in Washington am 23» Juni 1973 in zweifacher Ausfertigung in
englischer und russischer Sprache, wobei beide Texte gleichermaßen authentisch sind.

Anhang

�Anhang

1.

Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über-

trägt dem Ministerium für Zivilluftfahrt der UdSSR die Verantwortung für
den Betrieb der vereinbarten Dienste auf den Routen, wie sie in Tabelle I
dieses Anhangs spezifiziert werden, das zu diesem Zweck wiederum die Allgemeine Abteilung für Internationalen Luftverkehr (die sowjetische Fluglinie
Aeroflot) beauftragt.
2.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika designiert Pan

American World Airways, Inc., die vereinbarten Dienste auf den in Tabelle
II dieses Anhangs spezifizierten Routen zu betreiben.
3.

Jede der designierten Fluggesellschaften wird beim Betrieb der

vereinbarten

Dienste auf den jeweiligen in Tabelle I und II dieses Anhangs

spezifizierten Routen folgende Rechte haben:
1) Das Recht, zu technischen und kommerziellen Zwecken am Endpunkt
der vereinbarten Route im Territorium der anderen Vertragsparteien zu landen, sowie auch Ausweichflugplätze und Flugeinrichtungen in diesem Territorium für solche Zwecke zu benutzen;
2) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im Territorium der
anderen Vertragspartei zu landen - ohne jedoch das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht oder Post zu landen, die von einem Zwischenlandungspunkt in
einem dritten Land auf der gegebenen Route kommen, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die von der designierten Fluggesellschaft
an diesem Zwischenlandungsplatz gelandet worden sind und während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später als ein
Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder zugestiegen sind und die
mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route zwischen

�zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen; und
3) das Recht, Passagiere, Gepäck, Fracht und Post im'Territorium der
anderen Vertragspartei aufzunehmen - ohne jedoch das Recht, Passagiere,
Gepäck, Fracht und Post aufzunehmen, die für irgendeinen Zwischenlandungspunkt auf der gegebenen Route in einem dritten Land bestimmt sind, mit Ausnahme von Passagieren und ihrem Begleitgepäck, die auf diesem Zwischenlandungspunkt gelandet und später von der designierten Fluggesellschaft während der Gültigkeitsdauer ihres Flugscheins (auf keinen Fall jedoch später
als ein Jahr nach dem Datum ihrer Unterbrechung) wieder aufgenommen werden
und die mit einem Passagierflugschein und einem Gepäckschein reisen, die
die Beförderung mit planmäßigen Flügen auf jedem Abschnitt der Route
zwischen den beiden Vertragsparteien vorsehen.

4.

Über die im obigen Paragraph 3 spezifizierten Rechte hinaus wird jede

designierte Fluggesellschaft das Recht haben, vorbehaltlich Paragraph 5
unten im Territorium der anderen Vertragspartei Passagiere, Gepäck, Fracht
und Post aufzunehmen und zu landen,die an irgendeinem Zwischenlandungspunkt
auf der gegebenen Route in einem dritten Land gelandet werden sollen oder
aufgenommen worden sind.
5.

Jede designierte Fluggesellschaft darf bis zum 31. März 1974 bis zu

zwei Hin-und Rückflüge pro Woche durchführen, während der Sommerreisesaison
1974 (vom 1. April 1974 bis 31. Oktober 1974) bis zu drei Hin-und Rückflügen pro Woche, in der Wintersaison 1974/75 (vom 1.November 1974 bis 31.
März 1975) bis zu zwei Hin-und Rückflüge pro Woche und danach so viele Flüge, wie von den Vertragspartein

vereinbart werden. Die designierte Flug-

gesellschaft der Vereinigten Staaten darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht auf all ihren Flügen ausüben. Die designierte Fluggesellschaft der Sowjetunion darf das oben in Paragraph 4 spezifizierte Recht
auf einem ihrer Flüge ausüben.

�6.

Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle I dieses Anhangs ge-

sprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: Amsterdam,
Kopenhagen, Paris, London, Frankfurt und Brüssel; und Zwischenlandungspunkte, von denen in Tabelle II gesprochen wird, werden jeweils zwei der folgenden Städte sein: London, Amsterdam, Frankfurt, Kopenhagen, Brüssel und Paris.
Zu Beginn jeder Sommer-und Winterreisesaison kann jede designierte Fluggesellschaft von einer Kombination zweier Zwischenlandungspunkte auf eine andere Kombination zweier Zwischenlandungspunkte für diese Saison wechseln.
Auf jedem Flug darf nicht mehr als ein Zwischenlandungspunkt bedient werden.
Der Zwischenlandungspunkt oder die Zwischenlandungspunkte dürfen nach Wahl
jeder der designierten Fluggesellschaften bei jedem beliebigen oder bei
allen Flügen ausgelassen werden.
7.

Jede designierte Fluggesellschaft darf an jedem der in Paragraph 6

oben aufgeführten Zwischenlandungspunkte in Europa Maschinenwechsel vornehmen, vorausgesetzt daß:
1) der Transport über den Punkt des Maschinenwechsels hinaus von einem
einzigen Flugzeug gleicher oder geringerer Kapazität (im Falle von Diensten,
die vom Heimatland wegführen) oder gleicher oder größerer Kapazität (im
Falle von Diensten, die zum Heimatland hinführen) wie der des ankommenden
Flugzeuges durchgeführt wird;und
2) das Flugzeug für solchen Weitertransport nur in Übereinstimmung mit
dem Flugplan des ankommenden Flugzeuges weitergeführt wird (unter der gleichen Flugnummer), um einen genauen und wirklich kontinuierlichen Dienst zu
gewährleisten.

Vereinbarte

-5-

�Vereinbarte Dienste
Tabelle I
Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Moskau nach New York oder Washington (Dulles) und zurück, über die in
Paragraph 6 oben in diesem Anhang aufgeführten Zwischenlandungspunkte.
New York und Washington werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in
der abgeänderten Form aufgeführt sind.

Tabelle II
Für die Vereinigten Staaten von Amerika:
New York nach Leningrad oder Moskau und zurück, über die in Paragraph
6 dieses Anhangs aufgeführten Zwischenlandungspunkte. Leningrad und Moskau
werden mit getrennten Flügen bedient. Technische Landungen werden auf jene
begrenzt, die in Artikel II des Zusatzabkommens in der abgeänderten Form
aufgeführt sind."

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NIXON: EXPORTKONTROLLEN WERDEN NUR KURZ SEIN
- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat in einer Rundfunkrede am 30. Juni
betont, daß die verfügten Exportkontrollen zwar notwendig sind, aber nur
von kurzer Dauer sein werden. Langfristig gebe es, so erklärte der Präsident,
nur ein wirksames Mittel gegen Preiserhöhungen, nämlich ein zur Deckung der
Nachfrage ausreichendes Warenangebot. Die wichtigsten Teile der Rede des
Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Vor 18 Tagen habe ich ein Einfrieren der Preise angeordnet und angekündigt, daß auf diesen Preisstopp ein neues und schärferes Kontrollprogramm
zur Eindämmung der Inflation folgen wird...
Seit mehreren Jahren hat es in der gesamten westlichen Welt eine hohe
Inflationsrate gegeben. In dem im April abgelaufenen Jahr sind die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten wesentlich langsamer gestiegen,
als dies in Großbritannien, Frankreich, Westdeutschland, Kanada oder Japan
der Fall war. Mit der Ausweitung des Welthandels trägt dieser inflationistische Druck im Ausland auch zu einem inflationistischen Druck in den Vereinigten Staaten bei: Wenn irgendwo die Preise steigen, bietet die Jagd nach
knappen Gütern im Ausland einen gewinnträchtigeren Markt, als dies in den
Vereinigten Staaten selbst der Fall wäre.
•!, .
.

»1-

Im

�\

Im letzten Jahr sind unsere Agrarexporte allein um 50 Prozent von
noch nicht acht Milliarden Dollar auf fast 12 Milliarden Dollar gestiegen.
Gleichzeitig hatte die amerikanische Landwirtschaft 1972 unter den ungünstigsten Wetterverhältnissen zu leiden, die wir jemals hatten - sowohl für
Ackerbau wie auch für Viehzucht. Die Agrarerzeugung steigt jetzt wieder an;
die Aussichten für dieses Jahr sind im allgemeinen gut.
Beispielsweise wird die Weizenernte dieses Jahr die größte sein, die
wir jemals hatten. Die zahlreichen von uns ergriffenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung - darunter auch die Freigabe von weiteren 40 Millionen Acres Land für die Bestellung - wird letztlich zu einem größeren Angebot
von Agrarerzeugnissen auf dem Markt und so zu einer Entspannung bei den
hohen Lebensmittelpreisen führen. Bis dahin müssen wir jedoch höhere Lebensmittelpreise zahlen, weil ein begrenztes Angebot und eine stärkere weltweite
Nachfrage zusammenfallen....
Die sich aus den Verknappungen ergebenden Probleme, die diese Exportkontrollen notwendig machen, sind nur vorübergehender Natur. Daher bin ich
zuversichtlich, daß die Notwendigkeit von Exportkontrollen für Agrarerzeugnisse auch nur vorübergehend sein wird. Sobald im Herbst die diesjährige
Ernte eingebracht ist, rechnen wir damit, daß wir dann den anderen Ländern
wieder Zugang zu diesen Erzeugnissen gestatten können. Während dieser kurzen Zeit, in der Kontrollen notwendig sind, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß unsere traditionellen Abnehmer so
wenig wie möglich Schaden erleiden, und wir werden stets unser ständiges Ziel
im Auge behalten, Fortschritte in Richtung auf mehr - und nicht auf weniger Welthandel zu machen.
Einen Punkt möchte ich heute nachmittag noch ganz besonders herausstellen: Kontrollen können nur kurzfristig Abhilfe schaffen; langfristig würde
eine Abhängigkeit von Kontrollen der Volkswirtschaft abträglich sein und
unserem Wohlstand schaden.
Langfristig

-2-

�Langfristig gibt es nur eine Möglichkeit - nur die eine Möglichkeit -,
um die Preise niedrig zu halten, nämlich ein zur Deckung der Nachfrage ausreichendes Angebot, während gleichzeitig eine verantwortungsbewußte Haushalts-und Währungspolitik verfolgt wird. Kontrollen schaffen uns nicht ein
solches Angebot; genau so wenig sind sie ein Ersatz für fiskalische und
monetäre Disziplin.
Aus diesem Grunde habe ich durchschlagende Maßnahmen ergriffen, um eine
Ausweitung des Angebots bei den wichtigsten Erzeugnissen zu fördern. Wir haben versucht, in unserer Landwirtschaftspolitik eine Kehrtwendung zu vollziehen; wir haben uns von der alten Politik, die Einkommen in der Landwirtschaft durch Begrenzung des Angebots und Anheben der Preise hoch zu halten,
«
abgewandt und sind zu einer neuen Politik übergegangen, die Einkommen durch
Steigerung des Angebots und Ausweitung der Absatzmärkte hoch zu halten. Wir
haben versucht, nicht mehr benötigte Vorräte an industriellen Rohstoffen
schneller abzustoßen. Wir haben eine Handelspolitik aufgenommen, die es uns
ermöglichen wird, vermehrt solche Erzeugnisse einzuführen, die andere Länder
rationeller herstellen, und vermehrt solche Erzeugnisse zu exportieren, die
wir rationeller herstellen. Wir ergreifen

Maßnahmen zur Steigerung der Pro-

duktivität .
Was immer wir auch zur Steigerung des Angebotes unternehmen, es kann
unzulänglich sein, wenn wir nicht auch die Ausweitung der Nachfrage in vernünftigen Grenzen halten. Aus diesem Grunde müssen wir nicht nur unnützen
Regierungsausgaben fest entgegentreten, sondern auch solchen Regierungsausgaben, die zwar angebracht wären, die wir uns aber nicht leisten können.
Der Kampf gegen höhere Preise beginnt mit dem Kampf um den Bundeshaushalt.
Ich werde daher weiterhin jede Maßnahme unterstützen, die einer verantwortungsbewußten Haushaltspolitik dient, und jedem Versuch widerstehen, eine solche
Politik aufzugeben.
Die

-3

�Die von der Federal Reserve Bank verfolgte Politik des knappen Geldes
ist zur Eindämmung der Inflation notwendig. Kurzfristig kann diese Politik
zu einem Ansteigen der Zinsen führen. Aber es ist besser, eine Zeitlang mit
hohen Zinsen zu leben als mit einer noch höheren Inflationsrate - und als
Folge davon mit noch höheren Zinssätzen auf lange Zeit...".

-4-

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US-SOJABOHNENEXPORTE WERDEN TROTZ KONTROLLEN ALLE BISHERIGEN REKORDE
BRECHEN
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Die amerikanischen Sojabohnenexporte werden dieses Jahr,
trotz der Kürzungen in den nächsten drei Monaten bei noch nicht ausgelieferten Kontrakten, alle bisherigen Rekorde brechen. Insgesamt dürften rund
17 Millionen metrische Tonnen Sojabohnen und Sojabohnenschrot - fast drei
Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr und fast zwei Millionen Tonnen mehr
als im bisher besten Exportjahr - bis zum Jahresende ausgeführt werden. Von
diesen 17 Millionen Tonnen werden rund 12,3 Millionen Tonnen auf Sojabohnen und 4,7 Millionen Tonnen auf Sojabohnenschrot entfallen.
Für den inneramerikanischen Verbrauch werden mit rund 15,7 Millionen
Tonnen Sojabohnen etwa die gleichen Mengen wie im letzten Jahr benötigt werden. Somit können von der neuen Ernte, die alle Rekorde zu übertreffen verspricht, 52 Prozent exportiert werden. Dies würde prozentual wie auch mengenmäßig alle früheren Exportergebnisse brechen.
Das amerikanische Handelsministerium hat am Wochenende eine Bestandsaufnahme vorgenommen und dabei festgestellt, daß nach Abzug der zur Deckung
des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen zur Zeit nur noch etwa
800 000 Tonnen Sojabohnen für den Export verfügbar sind. Dies würde aus-

-1-

�ausreichen, um die abgeschlossenen Kontrakte etwa zu 50 Prozent zu erfüllen. Eine ähnliche Situation ergab sich bei Sojabohnenschrot, wo festgestellt
wurde, daß nach Abzug der zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs benötigten Mengen noch etwa 75 000 Tonnen für den Export verfügbar sind. Dagegen ergaben die angestellten Erhebungen, daß die vorhandenen Bestände bei
Baumwollsaatkuchen zur Deckung des inneramerikanischen Bedarfs sowie zur
Erfüllung der anstehenden Kontrakte ausreichten.
Daher hat das US-Handelsministerium an Stelle des Exportembargos für
die nachstehenden Agrarerzeugnisse nunmehr ein Lizenzierungssystem bekanntgegeben, das eine Erfüllung der anstehenden Exportkontrakte - Stichtag 13.
Juni - wie folgt gestattet:
-- Sojabohnen: 50 Prozent
-- Sojabohnenkuchen und Schrot: 40 Prozent
—

Baumwollsaaten: 100 Prozent

—

Baumwollsaatkuchen und Expeller: 100 Prozent

Die Exportbeschränkungen für Sojabohnen wie auch bei anderen Agrarerzeugnissen dürften aufgehoben werden, sobald die Ernte.im September eingebracht ist. Die Entscheidung darüber wird letztlich aber davon abhängen, wie
hoch die eingebrachte Ernte tatsächlich ist, wie hoch die Exportnachfrage
sein wird und wie sich die Preise dann in den Vereinigten Staaten einpendeln
werden.
Die jetzt vom Handelsministerium auf der Basis der einzelnen Kontrakte
ausgestellten Lizenzen für die Ausfuhr von Sojabohnen verlieren ihre Gültigkeit am 15. September; bei den beiden Nachfolgeprodukten ist der Stichtag
der 15. Oktober. Die erteilten Lizenzen für die Ausfuhr von Baumwollsaaten
erlöschen mit dem 15. August, bei den Nachfolgeprodukten am 15. Oktober. Unabhängig hiervon bleibt das Meldesystem für Exporte für diese wie auch alle
anderen Agrarerzeugnisse gemäß dem Export Controll Bulletin des OEC (Amt für

-2-

�für Exportkontrollen) Nr„ 84 (a) vom 13. Juni und Nr. 87 vom 28, Juni voll
in Kraft. Unter dieses Meldesystem fallen unter anderem; Weizen, Reis, Gerste,
Mais, Roggen, Hafer, Hirse, Sojabohnen und -Produkte sowie Baumwollsaaten
und -Produkte
Die Ermächtigung für die US-Regierung zur Einführung von Exportlizenzen aufgrund einer Verknappung im Inland, eines schwerwiegenden Preisaul
triebs und einer anomalen Auslandsnachfrage ist mit dem Export Administration Act von 1969 gegeben. Zwar sind die Befugnisse des Präsidenten aufgrund
dieses Gesetzes eng begrenzt, doch ist die gegenwärtige Situation so, daß die
Bestimmungen des Gesetzes erfüllt sind.
Von maßgebenden amerikanischen Stellen wird in diesem Zusammenhang unterstrichen, daß aufgrund der neuen Lizenzierungsbestimmungen kein Abnehmer
gegenüber einem anderen bevorzugt werden soll. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß die amerikanischen Sojabohnenexporte in den ersten acht Monaten
dieses Jahres mit 10,3 Millionen metrischen Tonnen bereits höher sein werden als im gesamten Kalenderjahr 1972, in dem sie 10,2 Millionen metrische
Tonnen betrugen. So wird zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland

in den

ersten acht Monaten dieses Jahres 1,3 Millionen metrische Tonnen erhalten
gegenüber 1,29 Millionen metrische Tonnen im Kalenderjahr 1972.

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25/1973
VOLCKER FORDERT INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN WÄHRUNGSFRAGEN
-Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Paul Volcker, hat am 26. Juni erneut die Bedeutung einer internationalen
Zusammenarbeit in Währungsfragen unterstrichen und dabei zu der gegenwärtigen Situation auf den Devisenmärkten Stellung genommen. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses haben folgenden Wortlaut:
"Die Frage, mit der sich der Unterausschuß beschäftigt - »wie bewähren sich die schwankenden Wechselkurse1 - ist im Augenblick von besonderem Interesse, sowohl im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen
auf den Devisenmärkten wie auch aufgrund der Auswirkungen auf die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems. Gleichzeitig
müssen wir uns aber auch darüber klar sein, daß abschließende Antworten
noch nicht möglich sind, denn wir befinden uns weitgehend auf einem neuen
und noch nicht voll ausgeloteten Gebiet...

Ich möchte annehmen, daß auf-

grund der jüngsten Erfahrungen drei große Schlußfolgerungen gezogen werden können, wobei wir uns klar sein müssen, daß wir auf jedem dieser Gebiete noch viel zu lernen haben.
1.)

�1.) Die derzeitigen Vereinbarungen für die Devisenmärkte sind angesichts
der gegenwärtigen Übergangsperiode zu einem befriedigerenden Zahlungsbilanzgleichgewicht und zu einem reformierten Währungssystem angebracht. Diese Auffassung wird meines Erachtens von den Regierungen praktisch aller
großen Länder geteilt.
Dies besagt aber nicht, daß damit Ausmaß oder Richtung der jüngsten
Wechselkursveränderungen für richtig befunden werden. Tatsächlich entsprechen, wie ich betont habe, die im Februar festgelegten Wechselkursparitäten meiner Ansicht nach wie auch nach Ansicht der meisten Regierungen
weit stärker den langfristigen Aussichten, und die täglichen Schwankungen
der Wechselkurse waren häufig weit größer, als mir lieb war. Unter den derzeitigen Gegebenheiten sind jedoch die praktisch möglichen Alternativen
zu den gegenwärtigen Vereinbarungen unbefriedigend. Ein Versuch, jetzt ein
starres System von Wechselkursen festzulegen, würde das Risiko einer Rückkehr zu massiven Kapitalflüssen, verstärkter Restriktionen und dazwischenliegender Schließung der Märkte heraufbeschwören - genau die Bedingungen,
die wir vermeiden wollen und vermieden haben.
.... Ich habe bereits gesagt, daß nach meiner Auffassung die im Februar
und März festgelegten Wechselkurse im großen ganzen den Anpassungserfordernissen entsprechen. In diesem Lichte gesehen scheint die weitere Aufwertung
der meisten europäischen Währungen in den letzten Wochen - die zwar vorübergehend die wettbewerbliche Anpassung verstärkt - viel zu weit gegangen zu
sein, und sie dürfte in ihr Gegenteil umschlagen. Der springende Punkt ist
jedoch, daß die Geschäftsleute, Händler und Finanziers nach einer Zeit der
Veränderungen und der Unsicherheit nunmehr fest davon überzeugt werden
müssen, daß das System der Wechselkurse den gegenwärtigen und den künftigen
wirtschaftlichen Gegebenheiten voll entspricht und nicht künstlich zustandegebracht worden ist. Meines Erachtens müssen wir das Verhalten des Marktes
selbst beoachten, das uns helfen wird, zu einer solchen Auffassung zu kommen, und sie auch bekräftigen dürfte.
Wir

-2-

�Wir haben während dieser Zeit eine staatliche Intervention nicht ausgeschlossen... In unseren Ausführungen vor dem Unterausschuß im September
letzten Jahres haben der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns und
ich die von der Regierung in Bezug auf eine staatliche Intervention ganz
allgemein verfolgte Politik dargelegt und zwar zu einer Zeit, bevor noch in
stärkerem Maße von einer Freigabe der Wechselkurse

Gebrauch gemacht worden

war. Ich habe dargelegt, daß wir nicht beabsichtigen, entgegen dem allgemeinen Trend in der Entwicklung der Zahlungsbilanz den Dollar künstlich zu
stützen. Wir waren uns darüber im klaren, daß die Stärke des Dollar letztlich
auf einer anderen, grundlegenden Politik zur Verbesserung unserer Zahlungsbilanz basieren muß.
Jede aktive Intervention von unserer Seite würde von uns selbst kontrolliert sein; sie würde zu einem Zeitpunkt und in einer Größenordnung - groß
oder klein - erfolgen, wie sie uns angesichts der Marktsituation angebracht
erscheint, und sie würde zu dem Zweck erfolgen, mit zur Bekämpfung der spekulativen Kräfte beizutragen, die zugegebenermaßen zu unnötiger Unruhe und
Belastung auf den Devisenmärkten führen können.
Meines Erachtens sollte diese grundlegende Politik unser Verhalten angesichts der neuen Situationen eines weitverbreiteten Floatens weiter bestimmen... Für den Augenblick wollen wir uns ein flexibles Instrument erhalten,
das wir im Interesse geordneter Marktverhältnisse und unter Berücksichtigung
der jeweiligen besonderen Gegebenheiten einsetzen können.
2.) Die verfügbaren Informationen sind zwar langfristig nicht überzeugend, lassen jedoch darauf schließen, daß die gegenwärtigen Übergangsvereinbarungen das Volumen des Handels und der langfristigen Investitionen weder in der einen noch in der anderen Richtung ernstlich beeinflußt haben.
Die massiven Flüsse kurzfristigen Kapitals, die Teil der Schwäche früherer
Vereinbarungen waren, sind eingedämmt worden, zum Teil durch Kontrollen,
aber auch durch Wechselkursvereinbarungen
3.)

�3.) Die derzeitigen Vereinbarungen sind kein Ersatz für eine vereinbarte langfristige Reform.
Die Fragen, um die es bei einer langfristigen Reform des internationalen
Währungssystems geht, sind weit umfassender als die Frage der Wechselkurspraktiken.
Die internationale Zusammenarbeit - die durch die Gepflogenheiten der
Vergangenheit, die Anerkennung der gemeinsamen Interessen sowie die gegenwärtigen engen Konsultationen gefördert wurde

- hat meines Erachtens die derzei-

tige Herausforderung bestanden. Langfristig wird diese Zusammenarbeit aber
nicht in einem Rahmen von ad hoc-Entscheidungen gedeihen können, sondern nur
in einem Rahmen vereinbarter Regeln, die klar abgefaßt sind und im gemeinsamen Interesse liegen. Derartige Bestimmungen haben wir zur Zeit nicht. Das
ist die grundlegende Aufgabe unserer Reformbemühungen.
Bei diesen Bemühungen ist bis jetzt noch keine Übereinstimmung hinsichtlich spezifischer Wechselkursbestimmungen erreicht worden. Meines Erachtens
ist es jedoch fair, zu sagen, die jüngsten Erfahrungen scheinen die Auffassung
zu unterstützen, daß eine wesentlich größere Flexibilität in der Handhabung
der Wechselkurse, als dies unter dem System von Bretton Woods der Fall war,
notwendig und wünschenswert sein wird. Gleichzeitig wird in weiten Kreisen die
Auffassung vertreten, daß die internationale Zusammenarbeit und die Überwachung
der Wechselkurspraktiken erleichtert wird, wenn die Konzeption fester Wechselkurse - von Paritäten oder Mittelwerten - beibehalten wird. Die Frage sollte nicht lauten:»Stabilität» oder 'Instabilität», sondern vielmehr: welches
ist das beste Mittel, um im Einklang mit den anderen Zielen und der internationalen Zusammenarbeit ein Höchstmaß an Stabilität auf dem Markt zu erreichen.
Meines Erachtens können wir und die anderen viel von den jüngsten Erfahrungen lernen. Ich bin nicht allzu glücklich über die meines Erachtens unnötige Abwertung des Dollar in den letzten Wochen oder über das Ausmaß einiger der tagtäglichen Schwankungen der Wechselkurse. Aber ich bin zufrieden,

-4.

�zufrieden, daß der Druck auf dem Devisenmarkt in einer Zeit großer Unsicherheit auf den Finanzmärkten neutralisiert und in einer Form abgelassen worden ist, die im Einklang mit unseren grundlegenden Zielen und Erfordernissen
wie auch denen der anderen Länder steht. Vor allem die Wirtschaftspolitik
im In-und Ausland hat durch die Notwendigkeit, daß wir uns mit massiven
Flüssen spekulativen Kapitals in einer krisenhaften Atmosphäre befassen
mußten, keinerlei Störungen erfahren. Die internationalen Geschäfte sind
nicht beeinträchtigt worden. Der grundlegende Prozeß einer internationalen
Anpassung ist im Gange.
Die jüngsten Erfahrungen weisen uns aber auch auf bestimmte grundlegende Faktoren hin. Keine internationale Währungsvereinbarung kann hohe Stabilität schaffen, wenn unsere nationalen Volkswirtschaften instabil und inflationsträchtig sind. Das internationale Vertrauen muß aus einer stetigen
Entwicklung im Inland erwachsen. Unsere monetären Techniken werden nur dann
wirksam und von Bestand sein, wenn sie das Ergebnis einer umfassenderen
internationalen Übereinstimmung und Zusammenarbeit sind.
Alles in allem sind die derzeitigen Vereinbarungen kein Zaubermittel
zur Lösung unserer Probleme oder das Ende des Weges zu einer Reform des internationalen WährungsSystems. Aber sie scheinen sich im Augenblick zu bewähren, und sie sind uns eine Lehre und geben uns Erfahrungen, die bei unseren Planungen für die Zukunft nicht übersehen werden dürfen.'1

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25/1973
BURNS: RÜCKGGANG DES DOLLAR-KURSES UNGERECHTFERTIGT
-AuszügeWASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur Burns,
hat am 27. Juni vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses
zu den jüngsten Entwicklungen auf den Devisenmärkten Stellung genommen.
Die wesentlichen Teile der Erklärung von Burns haben folgenden Wortlaut:
"Einige Wirtschaftler werden vielleicht den jüngsten Rückgang des
internationalen Kurswertes des Dollar mit Genugtuung betrachten. Ich gehöre
nicht zu ihnen. Wenn der Wert einer Währung absinkt, so werden die Bemühungen eines Landes zur Eindämmung der Inflation immer schwieriger. Denn in
einem solchen Fall steigen die Preise für Importgüter, und dieser Preisanstieg überträgt sich sowohl auf einheimische Ersatzerzeugnisse als auch
auf solche Endprodukte, die auf importierten Rohstoffen basieren.
Inzwischen belebt sich der Export; und wenn gleichzeitig die Binnenmarktpreise direkten Kontrollen unterworfen werden, wie dies jetzt bei uns
der Fall ist, so können sich bei einheimischen Erzeugnissen störende Engpässe auf dem Markt entwickeln.
Im Gegensatz zu früheren Abwertungen, die zur Wiederherstellung des
Gleichgewichtes bei unseren internationalen Transaktionen erforderlich waren,
war der Rückgang des Dollarkurses im Mai und Juni bedauerlich. Er läßt
sich bestimmt nicht rechtfertigen, wenn man das internationale Preisniveau

-1-

�Preisniveau oder die grundlegenden wirtschaftlichen Entwicklungen realistisch
betrachtet.
Doch dies ist nicht alles. Sofern die übermäßig große Abwertung des
Dollar andauert, würde dies mit der Zeit zu einem unerwünscht großen Handelsüberschuß führen. Anders gesagt, wir würden dann alle transferierbaren
Hilfsquellen der übrigen Welt zu preislich günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen, statt sie hier im Inland zu nutzen. Eine solche Entwicklung
wäre von unserem Standpunkt aus nicht nur sinnlos, sondern würde auch zu
Schwierigkeiten für die anderen Länder führen, von denen die meisten weit
mehr als die Vereinigten Staaten vom Außenhandel abhängig sind. Eine weitere
Überlegung, die wir berücksichtigen müssen, ist, daß die ständige Entwertung
unserer Währung mit der Zeit das Vertrauen in die Rolle des Dollar als Handelswährung untergraben würde. Damit würde aber die internationale Rolle
unseres hoch entwickelten Finanzsystems geschwächt werden.
Obwohl der Rückgang des internationalen Wertes des Dollar seit Mitte
Mai, was die Situation unserer Wirtschaft oder unserer Zahlungsbilanz anbetrifft, ungerechtfertigt ist, hat es bisher keinerlei Interventionen seitens
unserer Regierung auf den Devisenmärkten gegeben.
Diejenigen, die alle Dollar abstoßen - sei es, weil sie sichergehen
oder weil sie schnell Gewinne realisieren wollen - werden wahrscheinlich
durch die Entwicklungen auf dem Markt selbst bestraft werden. Die Zentralbanken der großen Länder werden auf jeden Fall nicht auf unbegrenzte Zeit
hinaus abseits stehen. Die Situation wird genau beobachtet.
Wie auf der Konferenz am 16. März in Paris vereinbart, stehen wir und
die Währungsbehörden der anderen Länder bereit, zu intervenieren, um die
Aufrechterhaltung geordneter Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erleichtern. Unter den gegenwärtigen Umständen, da zahlreiche zwischen den Ländern
der Welt stehende Finanz-,Handels- und politische Fragen noch ungelöst sind,
müssen die gegenwärtigen Wechselkursvereinbarungen - die, wie ich hoffe,
nur geringe Interventionen der Zentralbanken erfordern werden - beibehalten

-2-

�beibehalten werden. Diese Vereinbarungen haben ihre Vorteile. Die Auswirkungen spekulativer Käufe und Verkäufe auf den Devisenmarkt spiegeln sich
in den Wechselkursschwankungen wider und setzen sich schließlich selbst eine
Grenze.

In den letzten Wochen waren wir in der Tat in der Lage, eine Krisen«,

atmosphäre zu vermeiden,

die sich entwickelt hätte, wenn die Währungsbehör-

den immer noch verpflichtet gewesen wären , bestimmte Wechselkurse durch unbegrenzte staatliche Interventionen zu stützen. Es ergab sich keine Notwendigkeit, den Markt zu schließen, um massive internationale Geldtransaktionen
zu verhindern. Ferner haben verschiedene Länder festgestellt, daß die gegenwärtigen Floating-Vereinbarungen es ihnen ermöglichen werden, die Ausweitung
des Geldumlaufes sowie die innere Verschuldung besser in den Griff zu bekommen. . .
,-,.

Ich möchte auf die Aussichten für die amerikanische Zahlungsbilanz

nur kurz eingehen, denn ich bin der Meinung, daß die Aussichten für unsere
Zahlungsbilanz sich aufgrund der Neufestsetzung der Wechselkurse 1970/71
und Anfang 1973 wesentlich verbessert haben.
Alles in allem ist der Dollar bis April dieses Jahres gegenüber den
anderen Ländern seit Mitte 1970 praktisch um rund 16 Prozent und gegenüber
einigen unserer stärksten Konkurrenten wie Japan und Deutschland um wesentlich mehr abgewertet worden. Dies ist eine große Anpassung, und sie hat die
internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich
verbessert.
Die Wechselkursänderungen der letzten Jahre beginnen bereits, sowohl
bei unseren Exporten als auch bei unseren Importen greifbare Ergebnisse zu
zeitigen. Bisher hat dieses Jahr eine merkliche Verbesserung der Handelsbilanz gebracht. Das Handelsdefizit in den Monaten März bis Mai - die letzten
drei Monate, für die Zahlen vorliegen - stellte sich auf eine Jahresrate
von 1,3 Milliarden Dollar gegenüber einer Jahresrate von 6,8 Milliarden
Dollar im Kalenderjahr 1972. Ein großer Teil dieser Verbesserung ist auf die
hohen Agrarexporte zurückzuführen, die wahrscheinlich nur vorübergehend

3-

�vorübergehend waren, so daß die wirkliche Verbesserung nicht so groß ist,
wie dies die Zahlen vermuten lassen. Wir sollten in den kommenden Monaten
auf einige vorübergehende Rückschläge gefaßt sein. Der Wert der nicht-landwirtschaftlichen Exporte war in den Monaten März bis Mai um 18 Prozent höher
als noch sechs Monate zuvor. Die neuen Auslandsaufträge für Maschinen im
ersten Quartal dieses Jahres lagen um 16 Prozent höher als im dritten Quartal
des letzten Jahres. Inzwischen scheint die Zunahme unserer Gesamtimporte
nachgelassen zu haben, auch wenn im Mai ein starker Importstoß zu verzeichnen
war - wahrscheinlich weitgehend aufgrund der jüngsten Preiserhöhungen für
importierte Lebensmittel und Rohstoffe.
Im Laufe dieses Jahres und 1974 können wir mit weiteren Verbesserungen
in unserer Außenhandelsbilanz rechnen, nicht nur aufgrund der kumulierenden
Wirkung unserer verbesserten Wettbewerbsposition, sondern auch, weil der
Wirtschaftszyklus sich zu unseren Gunsten verändern dürfte.
Die Zunahme der realen Gütererzeugung in den Vereinigten Staaten hat sich
auf eine gemäßigtere und stetigere Rate zurückzubilden begonnen, was die Ausweitung unseres Importes dämpfen dürfte. Auf der anderen Seite nimmt die
Wirtschaftstätigkeit in den anderen Ländern, die unseren Export am stärksten
beeinflußt, ständig weiter stark zu. Die Verbesserung unserer Handelsbilanz
in diesem Jahr dürfte daher wahrscheinlich 1974 und 1975 noch zunehmen, so
daß wir in diesen Jahren erstmalig seit Ende der sechziger Jahre wieder einen
beträchtlichen Handelsüberschuß erzielen werden.
Gleichzeitig mit der Verbesserung der Handelsbilanz kann sich auch eine
Verbesserung bei anderen internationalen Transaktionen ergeben - vor allem
beim Kapitalverkehr. Nachdem der Dollar heute so viel billiger als vor zwei
oder drei Jahren ist, könnten ausländische Investoren mehr daran interessiert
sein, Besitz in den Vereinigten Staaten zu erwerben - Unternehmen, Grundbesitz
oder Wertpapiere. Es gibt bereits zahlreiche Anzeichen für eine solche Zunahme des ausländischen Interesses. Auf der anderen Seite dürfte der höhere
Preis, den Amerikaner heute für Devisen zahlen müssen, den Anreiz verringern,

-4-

�verringern, Unternehmen im Ausland zu errichten oder ausländische Wertpapiere
zu erwerben.
Diese günstigen Aussichten für die amerikanische Handels-und Zahlungsbilanz setzen natürlich voraus, daß der inflationistische Druck im Inland
eingedämmt wird. Ich bin über die hohe Inflationsrate, die wir in den letzten
Monaten hatten, sehr beunruhigt.
Kein Wechselkurssystem oder internationales Währungssystem kann richtig
arbeiten, wenn die großen Industriestaaten, vor allem die Vereinigten Staaten, die Inflation nicht besser unter Kontrolle bringen, als dies bis jetzt
der Fall war."

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25/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES GEMEINSCHAFTSPROJEKT DER TIEFSEEFORSCHUNG

--(AD)-- Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens zur Zusammenarbeit in der Meeresforschung, das Präsident Nixon und der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, für die USA und die Sowjetunion im
Juni 1973 schlössen, hat die praktische Arbeit begonnen. Am 2. Juli 1973
lief das sowjetische Forschungsschiff AKADEMIK KURCHATOW in New York ein,

um Wissenschaftler der Columbia-Universität an Bord zu nehmen, die gemeinsam mit sowjetischen Kollegen Untersuchungen im Gebiet des MittelatlantikRückens und vor Island durchführen werden. Von Bord des sowjetischen
Schiffes aus wird Dr. Marcus G. Langseth, der vor allem durch neuartige
Meßmethoden für die Mondforschung im Rahmen des APOLLO-Programms bekannt
geworden ist, geothermische Messungen vornehmen, während Dr. John Ewing
seismische Experimente durchführt.
Die KURCHATOW-Expedition gilt in erster Linie der Vorbereitung künftiger gemeinsamer Sondierungen des Meeresuntergrundes mit Tiefbohrschiffen wie der GLOMAR CHALLENGER. Dieses amerikanische Forschungsschiff
hat seit 1968 bereits mehr als 30 Expeditionen durch die Weltmeere unternommen. Ähnlich wie das Columbia-Forschungsschiff VEMA lieferte es unschätzbar wertvolles wissenschaftliches Material zu Fragen der Veränderung
der Erdoberfläche, Z.B« der Kontinentalverschiebung, infolge dynamischer
Vorgänge in der Erdkruste,sowie zu Gesetzmäßigkeiten bezw. Lagebestimmungen für Rohstoffvorkommen.
Die

-i"

�Die Forschungsfahrten wurden unter der Leitung der US-Nationalstiftung für die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF) bisher von
fünf amerikanischen Meeresforschungsinstituten und Universitäten geplant und
vorbereitet. Auch Wissenschaftler aus einer Reihe anderer Länder, u.a. der
Bundesrepublik, nahmen daran teil. Seit kurzem gehört auch das Sowjetische
Institut für Ozeanologie, in dessen Auftrag die KURCHATOW fährt, zu diesem
Gremium. Anläßlich des Empfangs der sowjetischen Wissenschaftler in New York
äußerte Dr. Mani Talwani, der Direktor des Geologischen Lamont-Doherty-Observatoriums der Columbia-Universität, die Hoffnung, daß sich künftig auch
einige europäische Institute beteiligen. Dann bestünde die Möglichkeit, das
Projekt "Tiefseebohrungen" über 1975 hinaus zu verlängern.
Man hofft, im Laufe der Zeit ca. 4 000 m tief in den Meeresuntergrund
vordringen zu können. (Die GLOMAR CHALLENGER vermag mit ihren gegenwärtigen
Ausrüstungen bis etwa 1 000 m Tiefe zu bohren, und zwar bei Wassertiefen
bis 6 000 m . ) . Damit ließen sich u.a. die Grenzen der Kontinentalsockel un'd
damit auch Ort und Ausdehnung der Sedimentbecken in den Meeren genauer ermittein, in denen Erdgas und Öl zu finden sind.
Mehr als bisher sollen bei den künftigen Studien mit Forschungsschiffen
auch Erdsatelliten in Anspruch genommen werden, die es ermöglichen, geographische Positionen auch auf offener See
zu bestimmen.

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25/1973

NEUES DIALYSEGERÄT FÜR DIE HEIMBEHANDLUNG
- Blutdruck ersetzt mechanische Pumpe -

--(AD)-- Ein kleines kompaktes Dialyse-Gerät, das eine Blutwäsche in
nur 70 Prozent der Zeit ermöglicht, die mit den herkömmlichen "künstlichen
Nieren" gebraucht wird, wurde an der Universität Chicago entwickelt. Auf
eine mechanische Pumpe für das Blut, das an halbdurchlässigen Membranen
zum Abfiltern der giftigen Stoffwechselprodukte vorbeigeführt wird, kann
dabei ganz verzichtet werden. Der Blutdruck des Patienten genügt, um den
Weitertransport durch die Maschine in Gang zu halten.
Dr. Edmund J. Lewis, der Direktor des Haemodialyse-Zentrums der Universität Chicago, leitete bereits mehr als 70 erfolgreiche klinische
Tests mit dem neuen Gerät, das Finlay Markley, ein Physiker vom Argonne
National Laboratory,entwickelt hat. Wie bei allen Dialyse-Geräten wird
auch hier Zellophan als Membran-Material benutzt, mit dessen Hilfe Abbauprodukte im Blut, Harnstoff und Kreatinin entfernt und in einer Spezialflüssigkeit auf der Rückseite der Membran, dem sogenannten Dialysat, gesammelt werden. Bei den Tests zeigte sich, daß mit dem neuen Gerät pro
Minute 146 ccm Blut von Harnstoff gereinigt werden, während die Leistung

-l-

�Leistung der menschlichen Niere bei 75 ccm liegt. Für Kreatinin beträgt der
Wert 117 ccm pro Minute; das sind drei Kubikzentimeter weniger als bei der
gesunden menschlichen Niere.
Obgleich die Gesamtoberfläche der Membran mit 1,2 qm um ca. 20 Prozent größer ist als die anderer "künstlichen Nieren", betragen die Ausmaße
des Geräts nur 5 x 5 x 30 cm. Die kompakte Bauweise wurde dadurch möglich,
daß Markley ein neues, wasserbeständiges Klebemittel für das Zellophan entwickelte. Die Membran ist dadurch in der Form von 60 harmonikaähnlich gefalteten Platten, die von einem Netz aus Polypropylen gehalten werden, zu
benutzen, während für das bisher übliche Röhren-Arrangement viel mehr Raum
benötigt wird. Das Gerät verbraucht nur 30 ccm statt der üblichen 100
bis 250 ccm Blut für den Betrieb. Die Membraneinheit wird nur einmal benutzt und dürfte bei Serienproduktion nur wenige Dollars kosten.

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25/1973
BIOLOGISCHES SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNGSMITTEL

--(AD)-- Die US-Behörde für Umweltschutz (EPA) hat Maßnahmen in die
Wege geleitet, die zum ersten Mal die kommerzielle Herstellung und die
Anwendung eines biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels auf Virusbasis
ermöglichen. In fast fünfjährigen Labor-und Felduntersuchungen sowie
durch Prüfungen von Wissenschaftlern an staatlichen Instituten wurde
nachgewiesen, daß eventuelle Rückstände des Polyhedrose-Virus, das gegen
Samen-und Kapselschädlinge von Baumwollpflanzen eingesetzt werden soll,
für Mensch, Tier und nützliche Insekten unschädlich sind. Angesichts
dieser Ergebnisse wurde der Antrag der Firma International Minerals und
Chemical Corporation (IMC) in Libertyville (Illinois) befürwortet, das
von ihr hergestellte Viron/H von den Bestimmungen auszunehmen, die eine
Rückstands-Toleranzgrenze für Baumwollsamen fordern. Das Unternehmen muß
nunmehr das Präparat bei der EPA registrieren lassen, damit es zum Verkauf
an Baumwollfarmer zugelassen werden kann.
Viron/H ist der Handelsname für ein Virus, das der natürliche Feind
ausgerechnet der Insekten ist, die an Baumwoll-und Tabakpflanzungen
großen Schaden anrichten. Für die Anwendung als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel wird es in der Weise gewonnen, daß man in Verbindung mit
Insekten, die im Laboratorium gezüchtet wurden, Kulturen anlegt.
Bisher

�Bisher benutzte man chemische Präparate zur Bekämpfung der Baumwollkapselschädlinge, insbesondere DDT und Methylparathion. Seit dem 1. Januar
1973 ist jedoch die Anwendung von DDT weitgehend untersagt, auch für den
Schutz von Baumwollplantagen, weil die Rückstände nur sehr langsam abgebaut
werden und in alle nur erdenklichen anderen Produkte und Organismen Eingang
finden. Nach Ansicht von EPA-Wissenschaftlern könnte eine Anwendung des
neuen biologischen Präparates Viron/H auch zur Bekämpfung bestimmter Maisschädlinge in Erwägung gezogen werden. Jedoch sind dazu noch umfangreiche
Untersuchungen erforderlich.

-2-

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 03.07.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschen und Einsparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aufruf Präsident Nixons zur Verbesserung der Energiesituation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Protokoll über erweiterten Luftverkehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Exportkontrollen werden nur kurz sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rundfunkrede vom 30. Juni -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Sojabohnenexporte werden trotz Kontrollen alle bisherigen Rekorde brechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker fordert internationale Zusammenarbeit in Währungsfragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns: Rückgang des Dollar-Kurses ungerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-Sowjetisches Gemeinschaftsprojekt der Tiefseeforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Dialysegerät für die Heimbehandlung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel</text>
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