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Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

24

22. November 1974

Inhalt

ENERGIE:

Kissinger umreißt Programm zur Lösung des Energieproblems
-Wortlaut der Rede des US-Außenministers vor der Universität von Chicago&gt;

WIRTSCHAFT:
Simon erläutert Energie-Vorschläge der USA
-Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers in New York-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Sonnensonde HELIOS
-Deutsch-amerikanisches Projekt zur Erforschung der Sonne und des
sonnennahen RaumesVon G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�Energie
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KISSINGER UMREISST PROGRAMM ZUR LOSUNG DES ENERGIEPROBLEMS
Wortlaut der Rede des US-Außenministers vor der Universität von Chicago

CHICAGO --(AD) —

Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat

am 14. November in einer richtungweisenden Rede vor der Universität von
Chicago einen Fünf-Punkte-Plan zur Lösung des Energieproblems vorgelegt.
Grundlage dieses Planes ist die Solidarität der Verbraucherländer und
ihre Bereitschaft zu durchgreifenden Sparmaßnahmen. Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

- Das Problem Vor einer Generation erlebte die westliche Welt eine historische Krise
- den Zusammenbruch der internationalen Ordnung nach einem Weltkrieg. Von
wirtschaftlichem Chaos und politischen Unruhen bedroht haben die westlichen
Länder ein System von Sicherheitspakten und kooperativen Institutionen
errichtet, das seitdem unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere
Freiheit gewährleistet.hat. Ein Augenblick ernster Krise wurde so zu einem
Akt einer dauernden schöpferischen Kraft.
Wir

e

�Wir stehen heute vor einem ähnlichen Augenblick. Es steht genauso viel
auf dem Spiel wie vor 25 Jahren. Was unseren Mut, unseren Weitblick und unseren Willen anbetrifft, so sind wir genau so gefordert wie damals. Und unsere
Chancen sind genauso groß wie damals.
Wie wird unsere Antwort lauten?
Ich spreche natürlich von der Energiekrise. Ich möchte Ihnen heute darlegen, wie die Administration dieses Problem sieht, was wir bisher getan haben und was wir jetzt erreichen müssen. Ich werde zwei Punkte herausstellen,
die diese Regierung bereits vor eineinhalb Jahren betont hat:
Erstens, das Problem ist ernst, aber es ist lösbar.
Zweitens, internationale Zusammenarbeit, vor allem zwischen den Industriestaaten Nordamerikas und Westeuropas sowie Japan ist eine unausweichliche
Notwendigkeit.
Die wirtschaftlichen Fakten liegen auf der Hand. Im Jahre 1973 sprengte
die weltweite industrielle Expansion die Grenzen der Energieversorgung; die
Gefahr von Verknappungen war bereits gegeben. Dann wurden wir, ohne jede Warnung, zuerst mit einem politischen Embargo, und dann sehr schnell mit massiven
Steigerungen des Erdölpreises konfrontiert. Im Laufe eines einzigen Jahres
wurde der Preis des wichtigsten strategischen Rohstoffes der Welt um 400 Prozent erhöht. Die Auswirkungen waren drastisch und weltweit:
—

Die Industriestaaten sehen sich jetzt einem gemeinsamen Zahlungsbilanz-

defizit von 40 Milliarden Dollar gegenüber - dem größten in der Geschichte
und einem Defizit, das die Erfahrungen oder die Kapazitäten unserer Finanzinstitutionen übersteigt. Wir erleben gleichzeitig

einen Rückgang der Güter-

erzeugung und eine Beschleunigung der Inflation, die unter Kontrolle zu

�zu bringen bereits die äußersten Anstrengungen der Regierungen erforderte.
-- Die Entwicklungsländer sehen sich einem gemeinsamen Zahlungsbilanzdefizit von jährlich 20 Milliarden Dollar gegenüber, das zur Hälfte auf den
Anstieg der Erdölpreise zurückzuführen ist. Der Anstieg der Energiekosten
entspricht in seinen Ausmaßen praktisch den gesamten Zuwendungen an Auslandshilfe. Anders gesagt, die neue Ölrechnung bedroht die Hoffnungen auf einen
Fortschritt und Verbesserung und macht es problematisch, ob wir auch nur den
grundlegenden menschlichen Bedarf, wie Nahrungsmittel, finanzieren können.
-- Die Erdölerzeuger erzielen jetzt einen Zahlungsbilanzüberschuß von
60 Milliarden Dollar, der ihren Bedarf an Zahlungsmitteln und wirtschaftlicher Entwicklung weit übersteigt und ganz eindeutig über dem liegt, was
sie investieren können.

Riesige, nicht absorbierte Einnahmeüberschüsse

stellen jetzt das Funktionieren des internationalen Währungssystems in Frage.
Doch dies ist nur das erste Jahr der inflationierten Erdölpreise; die
ganze Wucht der Flut von Petro-Dollar werden wir erst noch zu spüren bekommen. Bei einem Anhalten der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung werden wir weltweit weitere und wachsende Verknappungen, Arbeitslosigkeit, Armut
und Hunger erleben. Kein Land, im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden,
Verbraucher wie Erzeuger, wird von den Auswirkungen verschont bleiben.
Eine Wirtschaftskrise von solchem Ausmaß wird zwangsläufig auch gefährliche politische Auswirkungen haben. Wachsende Inflation und Rezession - ausgelöst durch Entscheidungen am grünen Tisch, auf die die Verbraucher keinen
Einfluß haben - werden die Enttäuschung all derer schüren, deren Hoffnungen
auf wirtschaftlichen Fortschritt so plötzlich und grausam zunichte gemacht
wurden. Dies ist ein Nährboden für sozialen Konflikt und politische Unruhe.

-3-

(f

�i
Unruhe. Gemäßigte Regierungen und gemäßigte Lösungen werden hart angegriffen
werden. Demokratische Gesellschaftsordnungen könnten für den Druck der Extremisten von rechts oder von links in einem Maße anfällig werden, wie wir dies
seit den zwanziger und dreißiger Jahren nicht mehr erlebt haben. Die große
Leistung dieser Generation - die Erhaltung unserer Institutionen und die
Errichtung einer internationalen Ordnung - wird gefährdet sein.
Das Schicksal der Verbraucher wie der Erzeuger liegt in dem gleichen
weltweiten Wirtschaftssystem, von dessen Fortschritt beide abhängig sind.
Wenn einer von beiden versucht, sich durch aggressive Schritte wirtschaftliche Macht zu verschaffen, führt dies für beide zu ernsten Risiken. Die politische Zusammenarbeit, Voraussetzung für eine blühende Weltwirtschaft, zerbricht. Gerade jetzt, da der Antagonismus von zwei Jahrzehnten des kalten
Krieges zu schwinden begonnen hat, überschwemmen neue Spannungen die Welt.
Die potentiell schwerwiegendsten internationalen Folgen könnten sich
in den Beziehungen zwischen Nordamerika, Europa und Japan ergeben. Wenn die
Energiekrise weiterhin ungebrochen anhält, werden einige Länder versucht sein,
sich durch gesonderte Vereinbarungen mit den Erzeugern einseitige Vorteile auf
Kosten der Zusammenarbeit zu verschaffen, die langfristig die einzige Hoffnung
auf Überleben bietet. Solche einseitigen Vereinbarungen führen nur dazu, die
inflationierten Preise festzuschreiben, die Verhandlungsposition der Verbraucher zu schwächen und die wirtschaftliche Last für alle zu verewigen. Die politischen Auswirkungen der Unordnung würden alles durchdringen. Wegen der
Abhängigkeit von einem strategisch wichtigen Rohstoff könnten traditionelle
politische Verhaltensweisen aufgegeben werden. Selbst der zu Hoffnungen berechtigende Prozeß eines Abbaus der Spannungen zu unseren Gegnern könnte _in

�in Mitleidenschaft gezogen werden, da er stets von der politischen Einigkeit
der atlantischen Nationen und Japan ausging.

- Die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der Verbraucher Das braucht nicht unser Schicksal zu sein. Im Gegenteil, die Energiekrise sollte erneut die gemeinsamen Anstrengungen auf den Plan rufen, die die
Politik Nordamerikas, Westeuropas und Japans ein Viertel Jahrhundert lang getragen haben. Die atlantischen Nationen und Japan verfügen - wenn wir den
Willen dazu haben - über das Potential, nicht nur die Energiekrise zu meistern
sondern auch aus ihr heraus eine neue Ära der Kreativität und des gemeinsamen
Fortschritts aufzubauen.
Praktisch bleibt uns keine andere Alternative.
Die Energiekrise ist kein Problem für eine Übergangslösung. Unsere Finanzinstitutionen und unsere Mechanismen der Zusammenarbeit waren niemals darauf eingerichtet, einen so abrupten und künstlich aufrechterhaltenen Preisanstieg bei einem so wichtigen Rohstoff und mit so umfassenden wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen zu meistern. Wir stehen vor einem langfristigen Ausblutungsprozeß, der uns entweder zu gemeinsamem Handeln bewegt
oder uns zu ewiger Krise verurteilt.
Das Problem wird nicht dadurch beseitigt, daß wir die Inflation weitergehen lassen, um so das Gleichgewicht zwischen Erdölproduzenten und den Erzeugern anderer Güter wiederherzustellen. Inflation ist die wohl groteskeste
Form der Anpassung, bei der alle Bereiche der binnenwirtschaftlichen Struktur
durcheinander gebracht werden, nur um für einen Teilbereich - die Ölrechnung einen Ausgleich zu schaffen. Auf jeden Fall könnten und würden die Erzeuger

-5-

�Erzeuger mit steigenden Preisen reagieren und so alle die von mir aufgezeigten politischen und sozialen Gefahren beschleunigen.
Ebensowenig können die Verbraucher ihre Ölrechnung auf die Weise finanzieren, daß sie sich gegenüber den Erzeugern verschulden, da sie dadurch ihre
Binnenwirtschaft den Entscheidungen anderer als Faustpfand ausliefern würden.
Die Erzeuger können größere Störungen auf den Finanzmärkten bereits dadurch
auslösen, daß sie Investitionsgelder von einem Land in ein anderes oder von
einer Institution zu einer anderen transferieren. Die politischen Folgerungen
lassen Böses ahnen und sind nicht abzusehen. Diejenigen, die finanzielle Macht
ausüben, werden früher oder später die politischen Bedingungen de'r neuen Beziehungen zu diktieren suchen.
Und schließlich werden Preissenkungen nicht allein durch einen Dialog
zwischen Verbrauchern und Erzeugern herbeigeführt. Der Ölpreis wird nur dann
heruntergehen, wenn objektive Bedingungen für eine Senkung geschaffen sind,
und nicht vorher. Heute können die Produzenten die Preise willkürlich und
offensichtlich ungestraft manipulieren. Sie waren durch unsere Darstellungen,
welcher Schaden sich für unsere Gesellschaftssysteme und Volkswirtschaften
ergeben würde,

nicht zu überzeugen, da wir selbst nicht genug getan haben, um

sie zu schützen. Sie zeigen sich ungerührt von unseren Alarmrufen bezüglich
der Gesundheit der westlichen Welt, der sie niemals angehörten und von der sie
manchmal ausgebeutet wurden. Und selbst wenn die Produzenten schließlich begreifen, daß ihr langfristiges Interesse eine kooperative Anpassung des Preisgefüges erfordert, dann wäre es töricht, darauf zu bauen oder tatenlos darauf
zu warten.
Wir

�Wir sind uns einig, daß ein Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern
notwendig ist. Aber er muß mit der Schaffung einer größeren Solidarität der
Verbraucher einhergehen. Im Mittelpunkt unseres Vorgehens muß die Zusammenarbeit der Verbraucherländer stehen. Diese Anstrengung wird uns niemand abnehmen.
- Eine Strategie für die Zusammenarbeit der Verbraucher Die Zusammenarbeit der Verbraucher bildete den Kernpunkt unserer Politik
in den letzten eineinhalb Jahren.
Im April 1973 warnten die Vereinigten Staaten, daß die Energie sich zu
einem Problem von noch nie dagewesenen Ausmaßen entwickeln werde und daß die
Zusammenarbeit unter den Ländern des Westens und Japan notwendig sei. Im Dezember des gleichen Jahres schlugen wir ein Programm kollektiver Maßnahmen vor.
Dies führte zur Washingtoner Energiekonferenz im Februar 1974, auf der die
großen Verbraucherländer ein neues System für Konsultationen schufen - mit
einem Mandat, so bald wie möglich Institutionen für eine Zusammenfassung der
Anstrengungen, Risiken und Technologien zu errichten.
Im April 1974 und dann wieder im Herbst dieses Jahres vor der UN-Vollversammlung haben Präsident Ford und ich erneut die amerikanische Auffassung bekräftigt, daß die weltweite Zusammenarbeit die einzige langfristige Lösung
biete und daß unsere Anstrengungen und die der anderen Verbraucher darauf abzielten, den Weg für einen konstruktiven Dialog mit den Produzenten zu ebnen.
Im September 1974 hielten wir eine Konferenz der Außen-und Finanzminister
Großbritanniens, Japans, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs und der
Vereinigten Staaten ab, um weitere Maßnahmen für eine Zusammenarbeit der Ver-

-7-

�Verbraucher zu eröertern. Und im vorigen Monat hat Präsident Ford eine langfristige nationale Politik der Einsparung und Entwicklung zur Stärkung unserer
internationalen Anstrengungen verkündet, um der Herausforderung auf dem Energiesektor zu begegnen.
Nach unserer Auffassung muß eine konzertierte Strategie der Verbraucher
aus zwei grundlegenden Elementen bestehen:
Erstens, wir müssen die erforderlichen objektiven Bedingungen schaffen,
-die notwendig sind, damit die Ölpreise zurückgehen. Da die Industriestaaten
die Hauptverbraucher sind, kommt ihrem Vorgehen eine entscheidende Bedeutung
zu. Entschlossenes nationales Handeln, verstärkt durch kollektive.Bemühungen,
kann den Markt verändern - durch Senkung unseres Ölverbrauchs und beschleunigte Entwicklung neuer Energiequellen. Im Laufe der Zeit wird dies zu einem starken Druck auf die Preise führen.
Zweitens, in der Zwischenzeit müssen wir die Lebenskraft unserer Volkswirtschaften schützen. Wirksame Sparmaßnahmen werden Monate erfordern, die
Entwicklung alternativer Energiequellen' wird Jahre brauchen. In der Zwischenzeit sehen wir uns zwei großen Gefahren gegenüber. Die eine ist die Gefahr
eines neuen Embargos. Die andere ist, daß unser Finanzsystem nicht in der Lage
sein könnte, die chronischen Defizite und das Recycling des riesigen Flusses
an Öl-Dollar zu bewältigen, die

die Produzenten jedes Jahr in unseren Volks-

wirtschaften investieren werden. Ein finanzieller Zusammenbruch - oder die Gefahr eines solchen Zusammenbruchs - irgendwo in dem System könnte zu restriktiven monetären,fiskalischen und handelspolitischen Maßnahmen sowie einer Abwärtsentwicklung bei Einkommen und Arbeitsplätzen führen.
Eines

-8-

�Eines der Ergebnisse der Washingtoner Energiekonferenz war eine neue
ständige Einrichtung für die Zusammenarbeit der Energieverbraucher - die Internationale Energiebehörde. Diese Behörde wird umfassende gemeinsame Anstrengungen leiten - zur Einsparung, für gemeinsame Forschung und Entwicklung, für
umfassende neue Maßnahmen auf dem Gebiet der nuklearen Anreicherung, für Investitionen in neue Energiequellen und zur Ausarbeitung von Verbraucherpositionen für den Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern .
Gleichermaßen bedeutsam ist die beispiellose Übereinkunft, im Falle einer
erneuten Krise das vorhandene Erdöl unter den Hauptverbrauchern zu teilen.
Das internationale Energieprogramm, das als Ergebnis der Washingtoner Konferenz entstand und das in der nächsten Woche offiziell verabschiedet werden
soll, ist ein historischer Schritt zur Solidarität der Verbraucher. Es ist
ein detaillierter Plan für ein gemeinsames Handeln für den Fall eines allgemeinen oder selektiven Embargos. Es ist eine defensive Vereinbarung und keine
Drohung an die Produzenten. Aber die Erzeugerländer sollen wissen, daß er die
Entschlossenheit der Verbraucher bekundet, nicht länger gegenüber einem.Druck
von außen verwundbar bleiben zu wollen und ihre eigene Zukunft selbst gestalten zu wollen. Di%e Internationale Energiebehörde und das internationale Energieprogramm sind die ersten Früchte unserer Anstrengungen. Aber sie sind nur
Grundlagen. Jetzt müssen wir unseren Plan in die Tat umsetzen.

- Die nächsten Schritte Zur Verwirklichung des Gesamtzieles müssen die Verbraucherländer auf
fünf miteinander zusammenhängen Gebieten handeln:
Erstens,wir müssen unsere nationalen Programme zur Energieeinsparung
beschleunigen und sie koordinieren, um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten.
Zweitens

�I
Zweitens, wir müssen die Erschließung neuer Erdölvorkommen und die Entwicklung alternativer Energiequellen nachdrücklich vorantreiben.
Drittens, wir müssen die wirtschaftliche Sicherheit stärken - um uns gegen Ölkrisen abzusichern und das internationale Finanzsystem zu schützen.
Viertens, wir müssen den armen Ländern helfen, deren Hoffnungen auf und
Bemühungen um Fortschritt durch den Olpreisanstieg des letzten Jahres grausam
zunichtegemacht worden sind.
Fünftens, wir sollten auf der Basis der Solidarität der Verbraucher in
einen Dialog mit den Produzenten eintreten, um faire und dauerhafte langfristige Beziehungen zu schaffen.
Ich möchte jetzt der Reihe nach jeden dieser Punkte aufgreifen.

- Einsparung und neue Vorkommen Einsparung und Erschließung neuer Energiequellen sind entscheidend für
die Lösung: die Industriestaaten zusammen importieren gegenwärtig zwei Drittel ihres Erdöls und über ein Drittel ihrer gesamten Energie. Im Laufe des
nächsten Jahrzehnts müssen wir genügend Erdöl einsparen und ausreichende alternative Vorkommen erschließen, um diese Importe auf nicht mehr als ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs zu senken. Das bedingt, daß die Industriestaaten das Wachstum ihrer Volkswirtschaften so ausrichten, daß sich ihre Ölimporte in den kommenden zehn Jahren mengenmäßig nicht erhöhen.
Die Wirkung dieser verringerten Abhängigkeit wird von entscheidender Bedeutung sein. Wenn wir Erfolg haben, dann wird die Nachfrage seitens der Industriestaaten nach Importöl konstant bleiben, während neue Energiequellen
innerhalb und außerhalb der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder)

-10-

�Länder) verfügbar werden. Die OPEC könnte versuchen, den Bemühungen um vermehrte Einsparungen und die Entwicklung alternativer Energiequellen durch
immer größere Produktionskürzungen entgegenzuwirken und würde damit die Einkünfte der Erzeuger verringern, die jedoch höhere Einnahmen für ihre wirtschaftliche Entwicklung anstreben. Die Mehrzahl der Erzeuger wird dann feststellen, daß ihr Interesse in einer Ausweitung der Lieferungen liegt, und
einen neuen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu fairen Preisen anstreben.
Die Begrenzung der Ölimporte in die Industriestaaten auf eine in etwa
konstante Menge ist ein äußerst wichtiges Ziel, das Disziplin bei der Einsparung und den Investitionen für die Erschließung neuer Energievorkommen voraussetzt. Die Vereinigten Staaten, die gegenwärtig ein Drittel ihres Öls und ein
Sechstel ihrer gesamten Energie

einführen, werden weitgehend autark werden.

Im besonderen werden wir es uns als Ziel setzen, unsere Importe im Laufe des
kommenden Jahrzehnts von sieben Millionen Barrel pro Tag auf nicht mehr als
eine Million Barrel pro Tag oder weniger als zwei Prozent unseres gesamten
Energieverbrauchs zu senken.
Einsparung ist natürlich der direkteste Weg zu einer Lösung. Präsident
Ford hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten bis Ende 1974 die Ölimporte um
eine Million Barrel pro Tag senken werden - eine Verringerung um 15 Prozent.
Aber die Senkung des Verbrauchs in einem Land kann wirkungslos bleiben, wenn
die anderen großen Verbraucher sich nicht anschließen. Glücklicherweise haben die anderen Länder eigene Sparprogramme begonnen. Notwendig ist jetzt
eine Abstimmung dieser Programme auf ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame
Richtung. Daher schlagen die Vereinigten Staaten ein internationales Abkommen

-11-

�i

Abkommen vor, daß Richtzahlen für den Verbrauch gibt. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, sich einem internationalen Sparabkommen anzuschließen, das zu
systematischen und langfristigen Einsparungen auf einer gerechten Basis führen
würde.
Als Teil eines solchen Programms schlagen wir vor, daß die Industriestaaten ihren Ölverbrauch bis Ende 1975 um drei Millionen Barrel pro Tag gegenüber
der ursprünglich vorgesehenen Menge senken - eine Kürzung um etwa 10 Prozent
der Gesamtimporte dieser Gruppe. Diese Kürzung kann ohne Beeinträchtigung des
wirtschaftlichen Wachstums

und der Arbeitsplätze durch Beseitigung des ver-

schwenderischen und unrationellen Energieverbrauchs sowohl im persönlichen Bereich als auch in der Industrie erfolgen. Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihren fairen Anteil zu der Gesamtkürzung beizutragen .
Die Verbraucherländer sollten jedes Jahr zusammenkommen, um entsprechende
Jahresziele festzulegen.
Sparmaßnahmen werden insoweit wirksam werden, als sie Teil eines dynamischen Programms zur Entwicklung anderer Energiequellen sind. Alle Länder müssen eine wesentliche Schwerpunkteverlagerung auf die Kernenergie, die Kohle,
das Gas und andere Energiequellen vornehmen. Wenn wir für die achtziger Jahre
bedeutende Mengen an neuer Energie sicherstellen wollen, dann müssen wir jetzt
den Anfang machen. Wenn die Industrieländer die Schritte ergreifen, die in
ihrer Macht stehen, dann werden sie in der Lage sein, aus den Energieverknappungen zu Energieüberschüssen in den achtziger Jahren zu gelangen.
Der amerikanische Beitrag zu diesem Bemühen ist das Projekt "Unabhängigkeit" (project independence). Es bedeutet die Investition von vielen hundert
Milliarden Dollar - aus öffentlichen und privaten Mitteln - und stellt unser
-12-

�unser Mondlandeprogramm und das Manhattan-Projekt - zwei frühere Beispiele
der für ein großes Ziel mobilisierten amerikanischen Technologie - weit in
den Schatten. Projekt Unabhängigkeit demonstriert, daß die Vereinigten Staaten es niemals zulassen werden, daß man sie - in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht - als Geisel benutzt.
Das Projekt Unabhängigkeit wird durch eine aktive Politik der Unterstützung kooperativer Projekte mit anderen Verbraucherländern ergänzt werden.
Die Internationale Energiebehörde, die in der kommenden Woche ins Leben gerufen werden soll, ist bestens dafür geeignet, derartige Programme einzuleiten und zu koordinieren. Es sind bereits Pläne für gemeinsame Projekte auf
dem Gebiet der Kohletechnologie und der Sonnenenergie entworfen worden. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, diese kollektiven Aktionen zu erweitern, so
daß sie auch Gebiete wie die Urananreicherung einschließen.
Das Gebiet der kontrollierten thermo-nuklearen Fusion bietet für solche
gerneinsamenkühnen Vorstöße besonders günstige Aussichten, da es Energie
machen würde. Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit anderen Mitgliedern der
Internationalen Energiebehörde in einem umfassenden Programm der gemeinsamen
Planung, des Austauschs von wissenschaftlichem Personal, der gemeinschaftlichen Nutzung nationaler Anlagen und der Entwicklung gemeinsamer Einrichtungen zur Beschleunigung der Verwirklichung der Kernverschmelzung als Energiequelle zusammenzuarbeiten.
Und schließlich werden wir der Internationalen Energiebehörde vorschla gen, einen gemeinsamen Fonds zu schaffen, um die Investitionen bei verheißungsvollen Energieprojekten in den Teilnehmerstaaten und bei all denen, die
bereit sind, mit der Internationalen Energiebehörde auf langfristiger Basis

-13-

�i

Basis zusammenzuarbeiten, zu finanzieren und sicherzustellen.

- Finanzielle Solidarität Das schwerwiegendste unmittelbare Problem, dem sich die Verbraucherländer
gegenübersehen, ist die sich aus den hohen Erdölpreisen ergebende wirtschaftliche und finanzielle Anspannung. Die Einnahmen der Produzenten werden zwangsläufig in der industrialisierten Welt re-investiert werden; die Mittel können
nirgendwo sonst hinfließen. Aber sie werden nicht unbedingt in die Länder zurückfließen,deren Zahlungsbilanzprobleme am akutesten sind. Damit werden viele
Länder weiterhin nicht in der Lage sein,ihre Defizite zu finanzieren, und sie
werden anfällig sein für massive plötzliche Geldabzüge.
Die Industriestaaten können, wenn sie gemeinsam handeln, dieses Ungleichgewicht korrigieren und ihre Anfälligkeit verringern. So wie es den Produzenten
freisteht, zu wählen, wo sie ihr Geld anlegen wollen, so muß es den Verbrauchern freistehen, diese Gelder umzudisponieren, um ihren eigenen Erfordernissen
und denen der Entwicklungsländer zu entsprechen.
Private Finanzinstitutionen sind bereits in hohem Maße in diesen Prozeß
eingeschaltet. Zur Unterstützung ihrer Anstrengungen übernehmen die Zentralbanken die Gewähr, daß der erforderliche Rückhalt der privaten Institutionen
gegeben ist - vor allem, nachdem, ein so großer Teil der Olgelder in verhältnismäßig kurzfristigen Schuldverschreibungen investiert ist. Die privaten Institutionen sollten jedoch nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus alle diese Risiken
tragen müssen. Wir können es uns nicht leisten, bis an die Grenzen ihrer Kapazität zu gehen.
Daher sollten die Regierungen Westeuropas, Nordamerikas und Japans jetzt

-14-

�jetzt Schritte zur Schaffung eines multilateralen Stützungssystems ergreifen,
das, wo immer notwendig, die privaten Kanäle ergänztund stärkt. Die Vereinigten Staaten schlag-en die Schaffung einer gemeinsamen Kredit-und Garantieeinrichtung vor, um die Umverteilung von bis zu 25 Milliarden Dollar im Jahre
1975 und nochmals, falls erforderlich, den gleichen Betrag im darauffolgenden
Jahr, zu ermöglichen. Bei dieser Einrichtung wird es sich nicht um eine neue
Hilfsorganisation handeln", die aus zusätzlichen Steuermitteln finanziert wird.
Es wird sich vielmehr um einen Mechanismus für das Recycling zu kommerziellen
Zinssätzen der Gelder handeln, die aus den Erdöl erzeugenden Ländern in die
industrialisierte Welt zurückfließen. Die Unterstützung aus dieser Einrichtung
würde nicht automatisch erfolgen, sondern von der vollen Ausschöpfung privater
Finanzierungsmöglichkeiten und von vernünftigen Selbsthilfemaßnahmen abhängen.
Ein Land, das keine wirksamen Maßnahmen ergreift, um seine Abhängigkeit von
importiertem Öl zu verringern, dürfte keine finanzielle Unterstützung erwarten.
Eine solche Einrichtung wird dazu beitragen, die Stabilität des gesamten
Finanzsystems und die Kreditwürdigkeit der beteiligten Regierungen zu gewährleisten. Auf lange Sicht würde s ie die Notwendigkeit offizieller Finanzierung
verringern. Wenn sierasch eingeführt würde, könnte

sie:

-- Finanzinstitutionen vor den übergroßen Risiken schützen, die durch
eine gewaltige Anforderung an Mitteln jenseits ihrer Kontrolle und Kapazität
entstehen;
-- sicherstellen, daß kein Land gezwungen wird, aus Mangel an ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten eine marktverzerrende und restriktive Politik zu verfolgen;
-»- gewähr-15-

�*

-- gewährleisten, daß kein Verbraucherland gezwungen sein wird, eine
Finanzierung zu politisch und wirtschaftlich untragbaren Bedingungen zu akzeptieren; und
-- jedes beteiligte Land in die Lage versetzen, der Bevölkerung zu demonstrieren, daß die Anstrengungen und Opfer gerecht verteilt werden.- daß der
Fortbestand der Nation durch eine Solidarität der Verbraucher untermauert
wird.
Wir haben bereits mit der Erörterung dieses Vorschlags begonnen. Er
stand im Brennpunkt des Treffens der Finanz-und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, der Vereinigten Staaten, Japans, Großbritanniens und
Frankreichs im September in Washington.

- Die Entwicklungsländer Di« von mir hier aufgezeigte Strategie ist ferner unerläßlich, um die
ernste Not vieler Entwicklungsländer zu lindern. Alle ÖlVerbraucherländer
bedürfen dringend der Entlastung von den extrem hohen Ölpreisen; die Entwicklungsländer aber können nicht zuwarten, bis ein solcher Prozeß in Gang kommt.
Für sie hat die Ölkrise bereits einen Notstand heraufbeschworen. Die Ölrechnung hat im Falle der ärmeren Entwicklungsländer schon die ihnen zufließende
Auslandshilfe aufgezehrt, die Entwicklung auf dem Agrarsektor und im industriellen Bereich zum Stillstand gebracht und die Preise für die meisten Waren des
Grundbedarfs, einschließlich Nahrungsmitteln, inflationiert. Im Gegensatz zu
den Industrienationen haben die Entwicklungsländer nur geringe Möglichkeiten
zur Selbsthilfe; ihr Bereich für Energieeinsparungen ist begrenzt; und sie
haben kaum die Fähigkeit, alternative Energiequellen zu entwickeln.
Aus
,16-

�Aus moralischen wie auch aus praktischen Gründen können wir es nicht
zulassen, daß in diesen Ländern die Hoffnung auf Entwicklung stirbt, und wir
können uns nicht von den politischen und wirtschaftlichen Nöten eines so
großen Teils der Menschheit abkehren. Die Industriestaaten müssen als mindestes ihre Hilfe an die Entwicklungsländer in dem bisherigen umfang aufrechterhalten und in den multilateralen Handelsverhandlungen auf ihre Erfordernisse besondere Rücksicht nehmen.
Wir müssen nach Wegen suchen, um auf dem kritischen Gebiet der Nahrungsmittelversorgung zu helfen. Ich habe auf der Welternährungskonferenz eine
Strategie zur Deckung des Bedarfs an Nahrungsmitteln und anderen Agrarprodukten in den am wenigsten entwickelten Ländern aufgezeigt. Die Vereinigten
Staaten sind auf einzigartige Weise dafür gerüstet, auf diesem Gebiet einen
Beitrag zu leisten, und sie werden einen Beitrag leisten, der ihrer besonderen Stärke angemessen ist.
Ein Großteil der Verantwortung muß jenen Ölförderländern obliegen, deren
Vorgehen die Probleme der Entwicklungsländer erschwert und die nunmehr aufgrund ihres neuerworbenen Reichtums erheblich größere Möglichkeiten zur Hilfeleistung haben.
Aber selbst wenn alle derzeitig verfügbaren Mittel mobilisiert werden,
bleibt ein ungedecktes Zahlungsdefizit in der Größenordnung von ein bis zwei
Milliarden Dollar für die 25 oder 30 Länder, die von den hohen Olpreisen am
stärksten betroffen sind. Dieses Defizit könnte 1976 noch höher ausfallen.
Wir brauchen neue internationale Mechanismen, um dieses Defizit zu
decken. Eine Möglichkeit wäre, die bestehenden regulären IWF-Krediteinrichtungen durch Schaffung eines vom IWF zu verwaltenden Treuhandfonds zu

-17-

�4

zu ergänzen, der Kredite zu Zinssätzen ausleiht, die die Empfängerstaaten
aufbringen können. Die erforderlichen Mittel wären durch Beiträge der interessierten Länder einschließlich natürlich der Ölproduzenten aufzubringen. Der
IWF selbst könnte die Erlöse aus eigens für diesen Zweck vorzunehmenden Goldverkäufen beisteuern. Wir ersuchen den Interimsausschuß des IWF und den Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des IWF und der Weltbank, diesen Vorschlag umgehend zu prüfen.

- Die Beziehungen zu den Erdölförderländern Sobald gewisse kollektive Maßnahmen getroffen sind, die auf eine dauerhafte Lösung abzielen - d. h. Maßnahmen zur Förderung der Einsparung von Energie und der Entwicklung neuer Energiequellen -, und sobald der zwischenzeitliche Schutz unserer Volkswirtschaften dank unserer Energieplanung und finanziellen Solidarität gewährleistet ist, sind auch die Vorbedingungen für einen
konstruktiven Dialog mit den Erdölförderländern gegeben.
Wir erachten die Zusammenarbeit unter den Verbraucherstaaten nicht als
im Gegensatz zu einer Zusammenarbeit unter Verbraucher-und Förderländern stehend, sondern als notwendige Vorbedingung für einen konstruktiven Dialog. Das
tun sogar viele Förderländer, die die Verbraucherländer gedrängt haben, die
Inflation einzudämmen, Energie zu sparen und die internationale Währungsstabilität aufrechtzuerhalten.
Ein Dialog, der nicht sorgfältig vorbereitet ist, wird die Probleme,die
er lösen soll, eher verwirren. Solange die Verbraucherstaaten zu keiner einheitlichen Einstellung zu ihren eigenen Problemen finden, werden Erörterungen
mit den Förderländern in einem multilateralen Gremium nur eine Wiederholung

-18-

�Wiederholung der vielen bilateralen Gespräche bringen, die gegenwärtig schon
geführt werden.
Hauptthema eines solchen Dialogs muß zwangsläufig die Frage des Ölpreises bilden. Die Stabilität des Systems, von dem die Gesundheit selbst der
Volkswirtschaften der Ölexportländer abhängt, macht eindeutig eine Senkung
der Ölpreise notwendig. Eine gerechte Lösung muß auch der von den Förderländern erhobenen Forderung nach einer langfristigen Einkommens Sicherung und
nach langfristigem wirtschaftlichem Wachstum Rechnung tragen. Wir sind bereit,
dieses Problem systematisch durchzudiskutieren.
Vorab sollten die Förderländer einsehen, daß sich weitere Preissteigerungen in der Vorbereitungsphase dieses Dialogs und zu einem Zeitpunkt, zu dem
das bestehende System noch nicht einmal die vorausgegangenen Preiserhöhungen
verkraftet hat, zerstörerisch auswirken würden und sehr gefährlich wären.
Auf dieser Grundlage - Solidarität unter den Verbraucherstaaten hinsichtlich des sparsamen Umgangs mit Energie, der Entwicklung von alternativen Energiequellen und der finanziellen Sicherheit; maßvolle und verantwortungsbewußte Politik seitens der Förderländer; und gemeinsame Anerkennung der wechselseitigen Abhängigkeit - Interdependenz - und der langfristig gesehenen Interessengleichlage - besteht berechtigte Hoffnung, daß ein Dialog zwischen Verbraucher-und Förderländern diese Krise zu beenden vermag, die die Welt bis
in ihre wirtschaftlichen Grundfesten erschüttert hat.

- Der nächste Schritt Ein Jahr und ein Monat sind seit Ausbruch der Ölkrise vergangen. Wir
haben uns für den Anfang gut gehalten; die eigentliche

-19-

Bewährungsprobe steht

�«
steht uns aber erst noch bevor.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen,schon in nächster Zukunft weitere
Vorschläge zur Durchführung des von mir umrissenen Programms zu unterbreiten. Wir werden der neuen Internationalen Energiebehörde in der kommenden
Woche ein spezifisches Programm für kooperative Anstrengungen unterbreiten,
die die Einsparung von Energie, die Erschließung neuer Energiequellen, die
Anreicherung von Kernbrennstoffen und die Ausarbeitung der Verhandlungsposition der Verbraucherstaaten in dem bevorstehenden Dialog zwischen ihnen und
den Fördernländern zum Ziel haben.
Gleichzeitig wird Finanzminister Simon unsere Vorstellungen von finanzieller Solidarität in dem von mir dargelegten Sinne bis in Einzelheiten erläutern, und unser Vertreter in der Zehnergruppe wird sie seinen Kollegen unterbreiten.
Wir werden ferner den Vorsitzenden des Interimsausschusses des Weltwährungsfonds wie auch den des neuen Gemeinsamen Entwicklungsausschusses des
Währungsfonds und der Weltbank ersuchen, ein Dringlichkeitsprogramm zur Gewährung von Sonderhilfe zu Vorzugsbedingungen an die ärmsten unter den Entwicklungsländern zu erwägen. Gestern kündigte Innenminister Morton ein Programm zur beschleunigten Suche nach neuen Erdölvorkommen im eigenen Land und
zu deren unverzüglicher Ausbeutung an.
Präsident Ford beabsichtigt, dem neuen Kongreß ein detailliertes und umfassendes Energieprogramm vorzulegen.
-Zusammenfassung-

-20-

�- Zusammenfassung Niemand sollte daran zweifeln, daß das Energieproblem lösbar ist. Es
wird uns nur dann überwältigen, wenn wir seinen Realitäten den Rücken kehren.
Es kann allerdings keine Lösung ohne kollektive Anstrengungen der Länder Nordamerikas, Westeuropas sowie Japans geben- eben jener Länder, deren Zusammenarbeit mehr als zwei Jahrzehnte hindurch der Nachkriegswelt Prosperität und
Frieden gebracht hat. Und es gibt letzten Endes auch keine Lösung ohne einen
Dialog mit den Förderländern, der im Geiste der Versöhnlichkeit und Kompromißbereitschaft geführt wird.
Eine große Verantwortung lastet auf Amerika, obwohl es keine ausschließlich "amerikanische Lösung" geben kann. Ohne unsere Hingabebereitschaft.und
ohne unsere Führung sind Fortschritte unmöglich. Unser Land trägt seit vielen
Jahren die Hauptverantwortung, wenn es darum geht, den Frieden zu wahren, die
Hungernden zu ernähren, das internationale wirtschaftliche Wachstum zu gewährleisten und alle jene zu inspirieren, die frei sein wollen. Wir haben diese
schwere Bürde nicht gewollt und wir waren oft versucht, sie abzulegen. Wir
haben es aber dennoch nie getan, und wir können es uns heute nicht leisten,
diese Bürde abzulegen

- weil sonst die Generation nach uns den Preis für unse-

re Selbstgefälligkeit zahlen müßte.
Über ein Jahrzehnt lang ist Amerika von Krieg, sozialen Unruhen, dem
Generationskonflikt und einer Verfassungskrise gepeinigt. Die eindrucksvollste Lehre aus diesen Ereignissen ist der Beweis unserer grundlegenden Stabilität und Stärke. In einer Zeit der Gärung im eigenen Land haben wir es fertiggebracht, die Spannungen rund um den Erdball zu vermindern. Unser Volk und
unsere Institutionen sind aus unseren inneren Kämpfen mit außerordentlicher

�außerordentlicher Spannkraft hervorgegangen, Und heute sind die Führungsimpulse, die von uns auf den Gebieten der Technologie, der Landwirtschaft, der
Industrie und des Fernmeldewesens ausgehen, einmal mehr von entscheidender
Bedeutung für die Genesung der Welt.
Woodrow Wilson bemerkte einmal: "Die Freiheit der Welt ist engstens verwoben mit der fortlaufenden Perfektionierung dieser Freiheit durch die vereinten Anstrengungen aller zivilisierten Völker". Das ist letztlich genau das,
worum es in der Energiekrise geht. Denn letztlich steht unsere Freiheit auf
dem Spiel, und um sie zu erhalten, bedarf es der gemeinsamen Anstrengungen
aller demokratischen Industriestaaten.
Die Gefahren, die Woodrow Wilson und seiner Generation drohten, waren im
Vergleich zu den heutigen Gefahren relativ harmlos und überschaubar. Die Gefahren, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen, sind weit subtiler und
ernster. Die größeren Zusammenhänge, in denen wir handeln müssen, sind mannigfaltiger als selbst in der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Damals
war es die Sorgepflicht für andere, die uns inspirierte; heute müssen wir Inspiration aus der Partnerschaft mit anderen ziehen. Damals wurden wir und unsere Verbündeten durch eine Bedrohung von außen geeint; heute müssen wir die
Einigkeit in uns selbst finden und in unserer Hingabe an die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen freier Menschen, die um eines gemeinsamen Zieles
willen zusammenarbeiten, Unsere Aufgabe ist es, den Geist der Zusammenarbeit
unter gleichgesinnten Nationen aufrechtzuerhalten, der uns eine Generation hindurch so gute Dienste geleistet hat,und den Beweis dafür anzutreten, daß, wie
Woodrow Wilson zu anderer Zeit und an einem anderen Ort erklärte, "die höchste
und beste Form der Effizienz die spontane Zusammenarbeit freier Menschen ist."
+ + + + +

(U.S. Information Service,
5300 BN-Bad Godesberg)

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

24/1974

SIMON ERLÄUTERT ENERGIE-VORSCHLÄGE DER USA
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers in New York

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Finanzminister William Simon hat
am 18. November die Vorschläge näher erläutert, die Außenminister Kissinger
am Wochende zur Lösung der internationalen Energiekrise unterbreitet hat. In
einer Rede vor dem Nationalen Außenhandelskonvent in New York ging Simon vor
allem auf die finanziellen Aspekte ein.

Seine Ausführungen haben folgenden

Wortlaut:
"Wir kommen heute in ernsten Zeiten zusammen - Zeiten, die ein offenes
Wort verlangen - und ich will hier ganz offen und deutlich sprechen.
Wie Sie alle wissen, stellt die Politik des Ölkartells heute eine fundamentale Bedrohung der wirtschaftlichen und politischen Struktur dar, die der
Weltgemeinschaft ein ViertelJahrhundert lang gute Dienste geleistet hat.

Einige

,ind sogar der Auffassung, daß die Welt vor der größten Wirtschaftskrise seit
den ersten Nachkriegsjähren steht. Aber eine Krise braucht nicht, wie Präsident Eisenhower einst bemerkte, die Menschen in blinde Panik zu versetzen.
Eine Krise', so sagte er, 'ist auch der schärfste Stachel, um die schöpferische
- 1 -

�schöpferische Energie des Menschen anzuspornen, vor allem, wenn er erkennt,
daß es an seine Grundfesten geht, und wenn er mit Glauben, Überlegung und
Mut an die Lösung der Aufgabe herangeht'.
Das war eine Lehre, die die führenden Männer der ersten Nachkriegsjähre
bereits gelernt hatten, und sie wendeten diese Lehre gut an.

Ihr Weitblick

und ihre Leistung schufen die Grundlagen für eine Periode des beispiellosen
Wachstums und Fortschritts - nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch
in den neu entstehenden Ländern.
Heute brauchen wir wieder einmal den Weitblick und die schöpferische
Kraft - und vor allem auch die Grundsätze - jener früheren Jahre. Was die Verbraucher angeht, so müssen wir eine neue Einheit der Zielsetzung und eine neue
Stärke der gemeinsamen Anstrengung finden.

Was die Erzeuger angeht, so müssen

wir unsere Meinungsverschiedenheiten durch gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Zusammenarbeit lösen.

Und was die Entwicklungsländer angeht, so

müssen wir weiterhin Hilfe und Unterstützung gewähren, damit sich ihre Träume
des Fortschritts erfüllen mögen.

Das ist die Grundlage, von der die Ver-

einigten Staaten heute in ihrer Handelspolitik und in ihrer Energiepolitik
ausgehen.

Handelsgesetz muß rasch verabschiedet werden
Nachdem die Handelsdefizite in fast allen Ländern außerhalb des Blocks
der ölproduzierenden und -exportierenden Länder zunehmen, sind die Regierungen
in vielen Ländern L n wachsendem Maße versucht, unter dem Vorwand der Verknappung,
des Überschusses, der Inflation oder der Arbeitslosigkeit den Handel einzuschränken.

Wie wir jedoch schon einmal in diesem Jahrhundert erfahren haben,

ist diese Politik, daß der eine die Last auf den anderen abzuwälzen versucht,

�versucht, letztlich für alle Beteiligten unheilvoll.

Dies ist nicht mehr

die Zeit für einen aneingeschränkten Bilateralismus, für monopolistische
Einschränkung der Versorgung oder andere administrative Maßnahmen, die den
normalen Verlauf von Handel und Investition verzerren.

Die Lösungen für die

Probleme einer interdependenten Welt liegen in einer verstärkten Interdependenz
und nicht in ihrer Schwächung.

Eine expandierende Weltwirtschaft mit einiger-

maßen stabilen Preisen ist von wesentlicher Bedeutung für die politischen,
sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller Länder. Das kann nur erreicht
werden, wenn Verhältnisse geschaffen werden, die es dem Außenhandel und de n
Auslandsinvestitionen erlauben, ihre historische Rolle als Motor des wirtschaftlichen Fortschritts zu spielen.
Zu keiner Zeit waren Verhandlungen über den Handel und die Handelsbeziehungen angebrachter als jetzt. In diesem Zusammenhang messen wir der Verabschiedung des Handelsreformgesetzes noch vor Ende dieses Jahres größte Bedeutung bei.

Ein klar gefaßtes Gesetz, das nicht durch sachfremde Zusätze

belastet ist, ist für den Präsidenten von größter Dringlichkeit.

Nur mit

diesem Mandat der Legislative können unsere Delegierten wirksam verhandeln
und für ein offenes und flexibles Handelssystem eintreten, und nur mit der
Beteiligung der Vereinigten Staaten können wir die gemeinsamen Wirtschaftsprobleme lösen.
Frühere internationale Handelsverhandlungen haben sich auf das Problem
der Eröffnung nationaler Märkte für die Exporte anderer Länder konzentriert.
Es ist wesentlich, daß sich die multilateralen Handelsverhandlungen in Tokio
jetzt der anderen Seite der Frage zuwenden und Mittel und Wege finden, um
den internationalen Zugang zu Lebensmitteln und Rohstoffen sicherzustellen.
Die
- 3-

�Die Herausforderung des OPEC-Blocks
Dieses Problem des Zugangs zu Rohstoffen ist natürlich durch die Maßnahmen
der ölexportierenden Länder, die dem OPEC-Block angehören, besonders zugespitzt worden - zunächst durch das Embargo im Herbst vorigen Jahres, dann durch
eine Vervierfachung der Preise und schließlich durch die Drosselung ihrer Produktion zur Aufrechterhaltung der Preise.
Vor dem Preisanstieg im Oktober vorigen Jahres betrug der durchschnittliche Preis »der für ein Barrel Öl an die Erzeugerländer bezahlt wurde - wobei
das saudi-arabische leichte Rohöl als Richtschnur diente -»weniger als 2 Dollar.
Heute beträgt der Preis rund 10 Dollar.
Länder, die im Jahre 1973

Die Zahlungen für Öl an die OPEC-

22 Milliarden Dollar betrugen, dürften in diesem

Jahr nach allen Erwartungen 85 Milliarden Dollar überschreiten und vom Herbst
dieses Jahres an eine Jahresrate von etwa 100 Milliarden Dollar erreichen.
Allein in diesem Jahr werden die OPEC-Länder über 60 Milliarden Dollar an Einnahmen verfügen, die sie nicht für Importe von Gütern und Dienstleistungen ausgeben.

Ein Haben der OPEC-Gruppe ist natürlich ein Soll für die ölimportieren-

den Länder und ein Überschuß der OPEC ist ein Defizit für die übrige Welt. Die
importierenden Länder können als Gruppe nur für das öl bezahlen, indem sie sich
bei den OPEC-Ländern mehr und mehr verschulden.
Die Kosten, die der Weltwirtschaft durch die exorbitanten ölpreise auferlegt werden, sind schwer und tiefgreifend.

Sie machen unseren Kampf gegen

die Inflation nur noch schwieriger und die Inflation selbst nur noch virulenter.
Wenn die Welt jetzt

Mittel umdirigiert, um ein neues Energiegleichgewicht

zu erreichen, dann wird dies zu ernsten Reibungen und unvermeidlichen Kosten
für die strukturelle Anpassung führen. Das Widerstreben, Jahr für Jahr Geld
zu borgen, um Ölkäufe finanzieren zu können, wird die Nationen veranlassen, einen

�einen niedrigeren Stand der Wirtschaftstätigkeit aufrechtzuerhalten und das
wirtschaftliche Wachstum wird sich verlangsamen.

Es besteht eindeutig die

Gefahr, daß einige Länder unangemessene oder verzerrende Maßnahmen ergreifen
könnten, wobei das Risiko der Vergeltung und der Zufluchtnahme zu Wettbewerbsrestriktionen besteht.

Irgendwann werden natürlich darüber hinaus reale Mittel

an die OPEC-Länder transferiert werden müssen, um für die angelaufene Schuld
zu bezahlen.

Die direkte Auswirkung wird nicht für alle Länder gleich sein,

aber alle Länder werden direkt oder indirekt ihre Hoffnungen auf Prosperität
gedämpft finden.

Ich wüßte keine einzelne Veränderung zu nennen, die als sol-

che die Aussichten für die Weltwirtschaft mehr verbessern könnte als eine wesentliche Senkung des Olpreises.

Und ich kann mir keine Entwicklung vorstellen,

die für die Erhaltung unseres internationalen Handelssystems von entscheidender
Bedeutung wäre.

Warum die Ölpreise schließlich fallen müssen
Die Erzeugerländer sind sich klar darüber, daß Öl nicht gefeit ist gegenüber den Kräften von Angebot und Nachfrage.

Das starke Anziehen der Preise

hat bereits zu einem geringeren Ölverbrauch überall auf der Welt geführt - und
wenn weitere Anpassungen im Laufe der Zeit möglich werden, so wird sich der
Rückgang noch erheblich verstärken.

In den Erdöl importierenden Ländern der

nicht-kommunistischen Welt sehen die Verbrauchsvoranschläge einen Rückgang
von 48 Millionen Barrel pro Tag im Jahre 1973 auf rund 46 1/2 Millionen Barrel
pro Tag in diesem Jahr vor.

Als sich der rückläufige Verbrauch bemerkbar zu

machen begann, hatten eine Reihe von OPEC-Ländern ihre Forderung - und nicht
ihren Preis - gesenkt.

Vor dem Embargo des letzten Jahres beliefen sich die

freien Kapazitäten der OPEC-Länder auf 1 bis 1 1/2 Millionen Barrel pro Tag.
- 5 -

�Tag.

Jetzt betragen die ungenutzten Kapazitäten fast 8 Millionen Barrel pro

Tag.

Selbst während des Embargos hatten die überschüssigen Kapazitäten nicht

eine solche Höhe erreicht. Wenn diese überschüssigen Kapazitäten weiter zunehmen, wird der Druck auf die Preise zwangsläufig zunehmen.
Angesichts der hohen Preise haben die Verbraucher ferner die Erschließung
ihrer eigenen Energiequellen beschleunigt, deren Energie dann beträchtlich
unter dem gegenwärtigen Preis für das OPEC-Öl liegen wird.

Wenn die OPEC -

Länder fortfahren sollten, um den Preis zu halten, die Förderung weiter zu
drosseln, dann werden sie feststellen, daß sowohl ihre Märkte als auch ihre
Einkünfte sich drastisch verschlechtert haben.

Für mich stellt sich nicht

die Frage, ob die Ölpreise fallen werden, sondern wann sie fallen werden.
Ich weiß, es gibt Propheten, die für die Energielage der Welt schwarz
sehen und glauben, daß die Welt eines Tages ohne Öl dastehen wird.
Propheten liegen völlig falsch.

Diese

Einmal gibt es nach Ansicht zahlreicher Ex-

perten allein im Nahen Osten neben bekannten Ölvorkommen von fast 400 Milliarden Barrel weitere noch unbekannte Vorkommen von mindestens der gleichen
Größenordnung.

Und genauso wenig sind die Energieverbraucher der Welt allein

auf die OPEC angewiesen.

Die Erdöl- und Energiereserven der Welt außerhalb

der OPEC-Länder sind weit größer als die in diesen Ländern.

Hier in den Ver-

einigten Staaten verfügen wir über ein riesiges Ölförderpotential aus neuen
Vorkommen vor unseren Küsten und in der Arktis, sowie aus älteren Vorkommen
auf Grund verbesserter und intensiverer Förderverfahren.

Andere traditionelle

Energiequellen - Erdgas, Kohle und Kernenergie - werden in wachsendem Maße an
Bedeutung gewinnen, je mehr der Markt einen Anreiz zur Erschließung unserer
Vorkommen bietet.

Und schließlich, das ist Zukunftsmusik, werden neue Energie-

quellen durch technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Anreize er-

- 6-

�erschlossen werden - der gleiche Prozeß, der in der Vergangenheit zur Erschließung unserer Energiequellen geführt hat.
Natürlich wird bei einigen Energiequellen eine gewisse Zeit vergehen, bevor es zu einer nennenswerten Produktion kommt. Aber der Erdölmarkt selbst
befindet sich bereits in einem Umwandlungsprozeß.

Allein im letzten Jahr ist

die Entdeckung von 26 beträchtlichen neuen Vorkommen gemeldet worden.

Die

festgestellten Vorkommen außerhalb der OPEC-Länder haben sich um wenigstens
30 Milliarden Barrel Öl erhöht - das ist eine Zunahme um 25 Prozent.

Die in

der Nordsee festgestellten Öl-Vorkommen haben sich seit dem letzten Herbst
verdoppelt; Mexiko hat riesige neue Vorkommen entdeckt; selbst China hat Vorkommen gemeldet, die es zu einem bedeutenden Erdölexporteur werden lassen können.
Erdöl ist ferner in kommerziell bedeutenden Mengen in Guatemala, in dem
peruanischen Amazonas-Gebiet, in der Tierra del Fuego Region Chiles und
Argentiniens, in Gabun, Zaire, Cabinda, Angola, Tunis, Indien, Bangladesh,
Burma, Malaysia, Brunei, Thailand, Südvietnam, Taiwan und Ägypten vorhanden.
Und alle diese Vorkommen wurden innerhalb nur einen Jahres entdeckt.
Alle diese Länder außerhalb der OPEC werden 1980 ein geschätztes Förderpotential von 13 Millionen Barrel pro Tag haben.

Und dies schließt noch nicht

einmal das Erdöl ein, das aus Alaska und unserem äußeren Kontinentalshelf kommt.
Wir haben eine Energiekrise, aber es ist ganz klar, daß sie gelöst werden
kann.

Wenn die OPEC-Länder ihre Ölförderungsrate einschneidend einschränken,

schaffen sie zwangsläufig damit die Voraussetzungen, nun große Energiemengen
aus anderen Quellen verfügbar zu machen - und zwar zu Preisen, die erheblich
unter dem derzeitigen Preisniveau liegen.
Der gegenwärtige Ölpreis ist durch nichts gerechtfertigt.
keinem Verhältnis zu den Förderkosten.
- 7-

Er steht in

Die Behauptung einzelner OPEC-Länder, daß

�daß die Preiserhöhung notwendig sei, um mit den steigenden Preisen für andere
Güter Schritt zu halten, trifft einfach nicht zu.

Für ein Barrel Öl kann man

heute rund fünfmal so viel Importgüter kaufen als vor zwanzig Jahren und viermal so viel als im September letzten Jahres.
Es sollte ferner klar gestellt werden, daß es sich hier nicht um einen
Fall von Marktmanipulationen durch Produktionsunternehmen handelt.

Die Gewinne

der ölgesellschaften sind gestiegen, doch hier handelt es sich lediglich um
eine kurzfristige

Erscheinung auf Grund einer Neubewertung der Lagerbestände,

auf Grund von Gewinnen aus Zweigindustrien z.B. auf dem Chemie- und dem Transportsektor

sowie auf Grund anderweitiger Faktoren.

Gewiß beabsichtigen die

Ölgesellschaften kein Komplott, um die Einkünfte aus den OPEC-Ländern ins uferlose zu steigern, da dann die Gastländer ihre Anlagen übernehmen würden. Erdöl hat heute einen überhöhten Preis und zwar aus einem einzigen Grund:

Weil

eine kleine Gruppe von Ländern sich zusammengetan hat, um den Preis zu manipulieren.

Sicherung der Zusammenarbeit zwischen den Verbraucher!ändern
Wir hatten gehofft, daß diese Länder erkennen würden, daß ihre Politik
weder in ihrem eigenen Interesse noch im Interesse der Welt liegt.

Für sie

genau wie für uns liegt die Hoffnung in der Wiederaufnahme des internationalen
Handels zu vernünftigen Bedingungen.

Bis jetzt jedoch scheinen unsere Argu-

mente auf taube Ohren gestoßen zu sein.

Die Vereinigten Staaten hatten seit

langem erkannt, daß Logik und Mäßigung nicht die Oberhand behalten würden, und
aus diesem Grund haben wir in den letzten eineinhalb Jahren die Grundlagen für
eine wirksamere Antwort auf diese an die großen Verbraucherlander gerichtete
Herausforderung geschaffen.
Ein

�Ein Hauptanliegen unserer Politik war, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Verbraucherländern zu erreichen.

Der Verwirklichung dieses Zieles

waren buchstäblich hunderte von Stunden an geheimer und öffentlicher Diplomatie
unserer höchsten Regierungsbeamten gewidmet.

Die Tatsachen sprechen für sich:

- Im April 1973 hat Präsident Nixon gewarnt, daß die Energie zu einem
Hauptproblem werden würde und daß eine enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japan notwendig sei.
- Im Februar 1974 kamen auf unsere Einladung hin ein Dutzend der großen
Verbraucherländer hier zu der Washingtoner Energiekonferenz zusammen.

Ich habe

damals ein detailliertes Dokument über die finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte der internationalen Ölpreise sowie über die Notwendigkeit von Einsparungen
und einer Ausweitung der Förderung vorgelegt.

Auf dieser Konferenz wurde die

internationale Energiekoordinierungsgruppe ins Leben gerufen, die den erforderlichen Rahmen für Konsultationen und Verhandlungen zwischen den Verbraucherländern
gibt.
- Nach langen Erörterungen zwischen den Mitgliedstaaten dieser Koordinierungsgruppe wurde im letzten September in Brüssel eine Übereinkunft über
einen in seiner Art noch nie dagewesenen Plan erreicht, in Krisenzeiten die
Energiequellen zwischen den Mitgliedstaaten zu teilen.

Das Brüsseler Abkommen

stellt einen wichtigen Durchbruch dar, denn es gewährt einen gegenseitigen Schutz
in Notzeiten, und es wurde erst erreicht, nachdem frühere Versuche fehlgeschlagen
waren.

Das Brüsseler Abkommen gab ferner Richtlinien für gemeinsame lang-

fristige Anstrengungen zur Energieeinsparung, zur Energiegewinnung sowie zur
Energieforschung und Entwicklung und führte zur Gründung einer neuen, mit der
OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) assoziierten Organisation, die dieses Programm durchführen soll - der Internationalen

�V

Internationalen Energiebehörde.

Der Aufsichtsrat dieser neuen Behörde hält

heute seine erste Sitzung ab. Dies sind alles solide Erfolge, aber wir müssen
weiter voranschreiten.

Die neuen amerikanischen Vorschläge
Auf zahlreichen Zusammenkünften mit hohen Beamten anderer Länder in den
letzten zehn Monaten haben Außenminister Kissinger und ich sowie unsere Stellvertreter unsere Ansichten über die gegenwärtige weltwirtschaftliche Lage dargelegt und die Auffassungen der anderen zur Kenntnis genommen.

Wir haben ständig

betont, daß sich Energie-, Wirtschafts- und Finanzprobleme nicht voneinander
trennen lassen und daß neue Initiativen auf dem einen Gebiet zusammen mit neuen
Initiativen auf den anderen Gebieten erfolgen müssen.

In den letzten Wochen

haben wir in vertraulichen Gesprächen mit einer begrenzten Zahl von großen Industriestaaten eine Reihe umfassender Vorschläge unterbreitet, und die anschließenden Erörterungen waren sehr eingehend und konstruktiv.

Präsident Ford

betrachtet die in Brüssel erzielten Vereinbarungen als eine solide Grundlage,
auf der aufgebaut werden kann, und hat Anweisung erteilt, daß die Vereinigten
Staaten nunmehr ihre Vorschläge öffentlicht vorlegen sollen.
laß für die Rede von Dr. Kissinger in

Dies war der An-

Chicago am letzten Donnerstagabend, in

der er die globalen Aspekte unserer Position darlegte, und meiner Rede hier am
heutigen Tag, in der ich die finanziellen Aspekte unserer Vorschläge mehr im
Einzelnen erläutern werde.
Das wesentliche des amerikanischen Standpunktes läßt sich kurz umreißen:
- Der Ölpreis selbst, nicht seine finanziellen Auswirkungen, ist die wirkliche Ursache der Unruhe in der Weltwirtschaft.
- Um mit zu einer Senkung der Ölpreise sowie einer Verringerung der wirt- 10 -

�wirtschaftlichen Belastung durch die Olimporte beizutragen, sollten die großen
Verbraucherländer zusammenarbeiten, um eine wesentliche Reduzierung ihrer Importe von OPEC-Öl zu erreichen.
- Sie sollten ferner ihre Politik koordinieren und ihre technischen Hilfsquellen zusammentun, um die Energiegewinnung in ihren Ländern zu steigern.
- Die Hilfsquellen des IWF (Internationaler Währungsfonds) sollten vermehrt
für alle Mitgliedstaaten herangezogen werden.
- Es sollte eine große neue Finanzinstitution in Verbindung mit der OECD
errichtet werden, um finanziellen Beistand in solchen Fällen zu gewähren, in
denen eines der beteiligten Länder in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät,
obwohl angemessene eigene Anstrengungen unternommen wurden.
- Es sollte ferner die Errichtung eines besonderen, vom IWF verwalteten
Treuhandfonds erwogen werden, um den Entwicklungsländern zu helfen, die am
meisten leiden und eine Finanzierung zu günstigen Bedingungen benötigen.
- Schließlich sollten ernsthafte Vorbereitungen für einen eventuellen
Dialog zwischen einer geeinten Verbrauchergruppe und den Erzeugerländern getroffen werden.
Unsere Ideen erfordern die aufrichtige, ehrliche Anstrengungen der großen
Industriestaaten der Welt zur Lösung der internationalen Energiekrise.

Es werden

weitere Wochen diplomatischer Aktivitäten mit unseren Verbündeten und Freunden
notwendig sein, um eine derartige weitreichende Initiative zu verwirklichen.
Wir werden die Kooperation des Kongresses und Ihre sowie aller anderen Unterstützung hierfür brauchen.

Senkung der Olimporte
Wir wollen jetzt diese Vorschläge genauer betrachten.

Alle großen Ölver-

�Ölverbraucherländer haben nationale Energiesparprogramme aufgenommen, um die
Olimporte zu senken. Präsident Ford hat ein amerikanisches Programm verkündet,
um die Olimporte um eine Million Barrel pro Tag unter den Stand zu senken, den
sie sonst Ende 1975 erreicht haben würden.

Der Präsident hat klar gesagt, daß

wir dieses Ziel erreichen werden und alle hierzu erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Die französische Regierung hat vor einigen Wochen angekündigt,

daß sie Maßnahmen ergreifen werde, um 1975 die Olimporte nach Frankreich soweit
einzuschränken, daß die importierte Menge nicht mehr als die Einfuhren des
Jahres 1974 kosten wird.

Erst vor einer Woche hat die britische Regierung

zwecks Senkung der Olimporte eine neue Benzinsteuer angekündigt.

Andere Re-

gierungen haben Grenzen, Ziele und politische Maßnahmen beschlossen, die je
nach den nationalen Gegebenheiten voneinander abweichen, aber alle auf eine
Senkung der Olimporte abgestellt sind.
Diese ersten Schritte zur Einsparung könnten noch verstärkt werden, wenn
die großen Industriestaaten als Gruppe ihre vorgeschlagenen Sparprogramme sowie
ihre vorgeschlagenen Programme zur Steigerung der Energiegewinnung vorbringen
würden, so daß sie auf internationaler Ebene überprüft und erörtert werden
könnten, um festzustellen, ob sie insgesamt angemessen sind und gleichmäßig
von allen Ländern getragen werden.
Unseres Erachtens könnten wirksame nationale Sparprogramme bis Ende 1975
zu einer Senkung der Importe der großen Industriestaaten der Welt um wenigstens
3 Millionen Barrel pro Tag führen, ohne daß hierdurch die Wirtschaftstätigkeit
oder die wirtschaftliche Leistung über Gebühr beeinträchtigt würde.

Eine sol-

che Senkung der Importe, sofern sie vereinbart und durchgeführt wird, würde
bei dem derzeitigen Preisniveau zu Einsparungen auf der Importseite von jährlich 11 Milliarden Dollar führen und einen starken Druck auf den Markt ausüben,
- 12 -

�ausüben, um die Ölpreise herunterzubringen.

Die Wirkung der von jedem ein-

zelnen von uns unternommenen Anstrengungen kann durch Anstrengungen von uns
allen auf ein Vielfaches gesteigert werden.

Ich wäre Ihnen gegenüber nicht

aufrichtig, wenn ich den Eindruck hinterlassen wollte, als wäre es einfach,
dieses Ziel zu erreichen.

Aber ich wäre erst recht nicht ehrlich, wenn ich

behaupten würde, daß das, was leicht ist, auch wirksam ist.
Umgehende Anstrengungen zur Senkung der Ölimporte sind unbedingt notwendig.
Aber genauso notwendig sind auch die erforderlichen Anstrengungen, um langfristig die Einsparung und die Gewinnung von Energie zu fördern.

Glücklicher-

weise verfügen wir jetzt in der neuen Internationalen Energiebehörde über
ein Gremium für die Entwicklung und Koordinierung neuer nationaler und internationaler politischer Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles.

Es ist kein

Geheimnis, daß es noch in fast allen Ländern - auch in den Vereinigten Staaten administrative und politische Hindernisse für Einsparung und vermehrte Gewinnung von Energie gibt. Es ist ebenso kein Geheimnis, daß internationale Anstrengungen zur Erreichung der gleichen Ziele auf zahlreiche Schwierigkeiten
stoßen.

Aber es ist unbedingt erforderlich, daß wir entschieden voranschreiten.

Ein grundlegendes Erfordernis ist es, innerhalb der Internationalen Energiebehörde ein gemeinsames langfristiges Ziel für die Senkung der Wachstumsrate
beim Energieverbrauch und bei den Ölimporten aufzustellen.

Ein solches lang-

fristiges Ziel wird den Regierungen helfen, wenn sie nationale politische Entscheidungen treffen müssen, und wird ferner dazu beitragen, den OPEC-Ländern
zu zeigen, wohin sie ihr gegenwärtiger Kurs führt.
Wir sollten ferner ein Verfahren festlegen, um innerhalb der Internationalen
Energiebehörde die von den Mitgliedstaaten zur Erschließung neuer Energiequellen
verfolgten Politik zu überprüfen.

Aus diesem Prozeß sollten nicht nur nützliche

�f

nützliche Richtlinien für die Energiegewinnung erwachsen, sondern auch ein
steigendes Bewußtsein aller Mitgliedstaaten für die Notwendigkeit erfolgreicher
politischer Maßnahmen auf diesem Gebiet.
Ein weiteres komplexes Problem, mit dem wir in der Internationalen Energiebehörde fertig werden müssen, ist das Problem, das sich durch das sogenannte
'Preisverfallrisiko' (downside risk) ergibt.

Welche Energiequellen künftig

entwickelt werden und in welchen Mengen, wird davon abhängen, wie die Investoren
die künftigen Preisentwicklungen bei Öl einschätzen.

Etwaige Investoren in

Energieprojekten dürften sich in einer Situation vorsichtig verhalten, in der
der ölpreis genauso leicht fallen kann, wie er seinerzeit angezogen hat.

Daher

müssen wir Verfahren für eine internationale Zusammenarbeit erwägen, um Investoren
ein angemessenes Maß an Schutz gegen solche Risiken zu geben.
Schließlich gibt es noch ungenutzte Möglichkeiten auf dem Gebiet der
Energieforschung und Entwicklung - KernverSchmelzung, Kohletechnologie, Verwendung von Wasserstoff und angereichertem Uran - und die neue Internationale
Energiebehörde kann von Nutzen sein, um eine solche Zusammenarbeit auf diesen
und auf anderen Gebieten zu beschleunigen und zu erleichtern.
Auf allen diesen Gebieten wird eine gemeinsame Entschlossenheit, schnell
und wirksam voranzuschreiten, nicht nur dazu dienen, unsere Abhängigkeit von
Öl aus den OPEC-Ländern zu verringern, sondern auch den Prozeß zu beschleunigen,
um den Preis des OPEC-Öls auf ein tragbares Niveau zu senken.

Finanzielle Sicherheit
Gleichzeitig müssen die Länder, die sich verpflichten, auf dem Energiesektor gemeinsam zu handeln, aber auch sicher sein, daß ihnen im Falle einer
finanziellen Notlage Kredit zu vernünftigen Bedingungen zur Verfügung steht.

- 14 -

�steht. Eine solche Sicherheit könnte ihnen durch eine neue zusätzliche Finanzinstitution gegeben werden, die die großen Industriestaaten selbst errichten könnten.
erhalten.

Unter anderem würden sie Kapital aus den OPEC-Überschüssen

Den OPEC-Ländern müssen nicht besondere Garantien, über den Markt-

sätzen liegende Erträge oder Wertindexklausein geboten werden.
Geld anlegen, wo sie wollen.

Sie können ihr

Notwendig sind lediglich ausreichende Vereinba-

rungen - private und staatliche -, um sicherzustellen, daß die Gelder unter
den verschiedenen ÖlImportländern so zur Verteilung gelangen, daß unnötig
große wirtschaftliche Schwierigkeiten in den einzelnen Ländern vermieden werden.
Die bestehenden privaten und öffentlichen Institutionen haben diese
Aufgabe der Umverteilung in der Vergangenheit übernommen, und es liegen keinerlei Hinweise dafür vor, daß sie dies nicht auch künftig tun können.

Die Probleme,

die sich aus der Finanzierung der höheren Ölrechnungen ergeben, lassen sich bewältigen, bis die Ölpreise wieder fallen - sie lassen sich nicht einfach, ohne
Härten und ohne Anstrengungen lösen, aber sie können gelöst werden.

Beträcht-

liche Mengen an OPEC-Geldern, wahrscheinlich 45 Milliarden Dollar in den
ersten 10 Monaten dieses Jahres, sind auf verschiedene Weise investiert worden.
Fast ein Viertel dieser Gelder sind direkt auf dem amerikanischen Markt und
fast ein weiteres Viertel in inländischen Titeln anderer Industriestaaten investiert worden.

Die OPEC-Länder haben ferner direkt Kredite an ausländische

Regierungen vergeben und weitere Gelder an internationale Institutionen - z.B.
den Ölsonderfonds des IWF - transferiert.

Darüber hinaus sind beträchtliche

Summen auf dem Euro-Markt angelegt worden - doch der Gesamtbetrag, weniger als
40 Prozent, ist nicht so hoch, wie manche geglaubt haben.

Für Kreditnehmer

stellen alle diese Investitionen eine potentielle Geldquelle dar und einen
weiten Rahmen alternativer Finanzierungsmöglichkeiten.
Das

�Das internationale Finanzsystem hat sich zwar bewährt, wir müssen jedoch einsehen, daß einzelne Länder in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn
die benötigten Kredite zu knapp oder zu teuer werden, um ihnen die Aufrechterhaltung einer offen Wirtschaftsform zu einem angemessenen Stand der Wirtschaftstätigkeit zu erlauben. Eine zusätzliche, von den in der OECD verbundenen Hauptindustriestaaten geschaffene Krediteinrichtung würde den Rückhalt
bieten, der zur Ergänzung der bestehenden Finanzierungskanäle notwendig ist.
Das ist das finanzielle Sicherheitsnetz, das die Vereinigten Staaten empfehlen.
Für einen solchen Mechanismus müßten bestimmte fundamentale Grundsätze
gelten:
1. Die Beteiligung müßte mit der Verpflichtung verbunden sein, bei der
Verringerung der Abhängigkeit von Ölimporten mitzuwirken.
2. Die Teilnehmer würden sich ferner verpflichten, eine verantwortungsbewußte Anpassungspolitik zu verfolgen und jeden Rückgriff auf restriktive
Maßnahmen in der Handelspolitik, oder Versuche, dem anderen die Last aufzubürden, zu unterlassen.
3. Wie bei jedem Versicherungsunternehmen müßte die Institution groß genug sein, um die Aufgabe erfüllen zu können. Es muß klar sein, daß das Potential für Anleihen angemessen ist, um der Anforderung entsprechen zu können.
Wir empfehlen eine Einrichtung mit Gesamteinlagen von allen Mitgliedern in
Höhe von 25 Milliarden Dollar für das Jahr 1975. In den darauffolgenden Jahren
würden,im Falle es notwendig sein sollte, weitere Mittel verfügbar gemacht,

4.

-16-

�4.

Die Krediteinrichtung sollte eine Ergänzung zu den privaten Kanälen

des Marktes und zu anderen Kanälen darstellen, einschließlich des IWF und anderer internationaler Institutionen. Sie sollte aber nicht an deren Stelle treten. Aus diesem Grund sollte sie ihre Kredite zu Marktbedingungen vergeben.
5. Entscheidungen über Bereitstellung einer Finanzhilfe sollten durch
Mehrheitsabstimmung nach Beteiligung erfolgen und auf der Grundlage der gesamtwirtschaftlichen Position des Kreditnehmers, nicht aber nach einem Einzelkriterium wie etwa dem der Olimport-Rechnung getroffen.werden.

6. Wenn immer von der Krediteinrichtung eine Unterstützung gewährt wird,
sollten alle Mitglieder das Kreditrisiko auf der Basis ihrer Beteiligung
gleichmäßig tragen.
Über diese allgemeinen Prinzipien hinaus bleiben noch viele Einzelheiten
auszuarbeiten, wozu wir eine offene, aufgeschlossene Einstellung einnehmen.
Eine Frage, die geklärt werden muß, ist die Art und Weise, in der die Krediteinrichtung in den Besitz der Mittel gelangt, die sie vergeben kann. Die Regierung eines Landes könnte der neuen Krediteinrichtung Gelder direkt leihen
oder dieser gestatten, direkt an die Kapitalmärkte der Welt heranzugehen und
Mittel auf der Grundlage der von diesem Staat gegebenen Garantie aufzunehmen.
Offensichtlich wäre es von Vorteil, wenn der Institution anstelle von
Bürgschaften Gelder durch Direktkredite der Mitgliedsregierungen zur Verfügung
gestellt würden. Der Kreditweg ist schon immer effektiver gewesen und er ist
billiger. Trotzdem könnte es wünschenswert sein, bei der Errichtung der Institution in dieser Hinsicht .ine gewisse Flexibilität zu belassen, einfach weil
die nationalen Praktiken und legislativen Erfordernisse stark

voneinander

�I
voneinander abweichen. Gleichgültig, welcher Weg eingeschlagen wird, die Vereinigten Staaten benötigen eine spezielle Ermächtigung durch den Kongreß, um
handeln zu können.
Für die Vereinigten Staaten könnte die Teilnahme am besten über den Devisenstabilisierungsfonds erreicht werden. Dieser Fonds ist ermächtigt, zur Stabilisierung des Dollarkurses internationale Kreditgeschäfte zu tätigen, und
dies wäre ein Hauptziel unserer Beteiligung an der vorgeschlagenen Institution.
Ferner müßten Vereinbarungen über die Verwaltung dieser Institution ausgehandelt werden. Wir sind der Auffassung, daß sie mit der OECD in ähnlicher
Weise assoziiert sein sollte wie die neue Internationale Energiebehörde und
daß sie von einem eigenen Aufsichtsrat verwaltet werden sollte, dessen

Mit-

glieder aus den maßgebenden Finanzexperten der Mitgliedstaaten ausgewählt werden sollten.
Der Frage der Anteile kommt bei der Errichtung einer solchen Institution
große Bedeutung zu. Es sind verschiedene Punkte erwähnt worden, die dabei be~
rücksichtigt werden sollten, die Höhe der Ölimportrechnungen der Mitgliedstaaten, die relative Höhe des Bruttosozialproduktes, der Anteil am Welthandel oder irgend eine Kombination dieser Faktoren. Die verschiedenen Möglichkeiten werden sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.
Es könnte ferner von Bedeutung sein, darzulegen, daß nach unserer derzeitigen Auffassung Geldaufnahmen bei der Institution nicht in einem bestimmten
Zusammenhang mit den Ölimporten stehen sollten. »Öl=&gt;Def izite8 lassen sich
immer weniger von »Nicht^l-Defiziten» trennen. Und selbst der Begriff der Zahlungsbilanzdefizite ist in der Welt, in der wir heute leben, von begrenztem
Nutzen. Unseres Erachtens sollte die Inanspruchnahme der Institution aufgrund

-18-

�aufgrund einer Gesamtwertung des Bedarfs eines Landes erfolgen, die auch
seine Hilfsquellen, seine grundlegende Wirtschaftspolitik und die von ihm ergriffenen Maßnahmen einschließt, um seine Abhängigkeit vom OPEC-Öl zu verringern.
Wir haben die allgemeinen Grundzüge mehrere Monate lang erörtert, wie
eine solche Institution mit verschiedenen anderen Regierungen zusammenarbeiten könnte. Sowohl meine persönlichen Gespräche mit anderen Finanzministern
als auch unsere offiziellen Kontakte stimmen mich zuversichtlich, daß wir auf
dieser allgemeinen Linie Unterstützung finden werden. Wir werden jetzt auf
eine mehr formelle Erörterung dieser Vorstellungen in den Gesprächen drängen,
die diese Woche auf offizieller Ebene in Paris geführt werden. Ich möchte darauf hinweisen, daß der Generalsekretär der OECD unabhängig Vorschläge für
einen zusätzlichen Finanzierungsmechanismus entwickelt hat, der in mancher
Hinsicht dem von mir soeben erläuterten ähnelt. Seine Vorstellungen, die sehr
zu begrüßen sind, werden ebenfalls auf dem Verhandlungstisch sein, wenn die
OECD-Arbeitsgruppe III und die Gruppe der zehn Stellvertreter diese Woche in
Paris tagen.
Wir sind darauf vorbereitet, in den nächsten Wochen viele Stunden und
Tage harter Arbeit darauf zu verwenden, aus diesen allgemeinen Anregungen ein
arbeitsfähiges Programm zu machen. Wir werden sehr eng mit den IWF-Ins tanzen
sowie dem neugeschaffenen IWF-Interimsausschuß zusammenarbeiten. Unser Kongreß wird ferner eingehend konsultiert werden, und ich bin sicher, daß unsere
Partner bei diesem Unterfangen ebenfalls ihre Parlamente umfassend konsultieren werden.
Unsere

-19-

�Unsere Vorschläge sind in keiner Weise als Ersatz für den Internationalen Währungsfonds gedacht, der als ständige Institution die grundlegende finanzielle Unterstützung für eine gut funktionierende Weltwirtschaft gewährt.
Der IWF ist in der Lage, jedem seiner Mitglieder beträchtliche zusätzliche
Unterstützung zu geben. Er verfügt über 10 Milliarden Dollar in verschiedenen
Währungen, die verfügbar sind

und wirksam eingesetzt werden können, unabhän-

gig von seinen Goldbeständen.
Wir sind bereit, bei der derzeitigen Überprüfung der IWF-Quoten eine beträchtliche Erhöhung dieser Zahl zu unterstützen. Darüber hinaus sind wir bereit, baldige Maßnahmen zu unterstützen, um eine wirksame Mobilisierung der
Hilfsquellen zu gewährleisten, über die der IWF jetzt verfügt.
Gleichzeitig schlagen wir außerhalb des IWF eine Initiative vor, zum Teil,
weil der potentielle Transferierungsbedarf zwischen den großen Industriestaaten sehr hoch sein kann, und zum Teil, weil Bestimmungen und Konditionen der
finanziellen Operationen des IWF angesichts der außergewöhnlichen Umstände,
wie wir sie jetzt haben, nicht geeignet sind. Ferner wäre es unangebracht.
- selbst wenn dies möglich wäre - in den IWF

die ganze Vielzahl der politi-

schen Fragen hineinzutragen, die berücksichtigt werden müssen, wenn hinsichtlich der finanziellen Unterstützung bei wichtigen Industriestaaten Entscheidungen getroffen und Gutachten abgegeben werden müssen.
Deckung des Bedarfs der Entwicklungsländer
Gleiche Bedeutung kommt unserer Sorge für die Entwicklungsländer und die
kleineren Industriestaaten zu. Natürlich ist es richtig, daß es für die Entwicklungsländer wichtig ist, daß die großen Industriestaaten angesichts der

- 20 -

�der Ölkrise gesunde, expandierende Volkswirtschaften haben. Die Entwicklungsländer sind von den Industriestaaten insofern abhängig, als diese eine wachsende Menge ihrer Exporte aufnehmen und ihnen weiterhin erforderliche Hilfe
zu günstigen Bedingungen gewähren. Wenn wir eine Institution schaffen, die
sicherstellen will, daß die Wirtschaftstätigkeit in den Industriestaaten aufrechterhalten wird, so unterstützen wir damit genauso

die Entwicklungsländer.

Zahlreiche Entwicklungsländer sind weiterhin von großen Kapitalzuflüssen abhängig, damit so ihr schnelles Wirtschaftswachstum gefördert wird. Durch Sicherstellung eines normalen Zuganges zu den wichtigsten Kapitalmärkten, wodurch gleichzeitig die Gefahr eines unfairen Wettbewerbs um die überschüssigen
Investitionsgelder der Olexporteure verringert würde, könnte die Errichtung
einer neuen Finanzierungsinstitution für die Industriestaaten auch das Potential zahlreicher Entwicklungsländer stärken, große Kapitalmengen anzuziehen,
die sie brauchen und die sie produktiv einsetzen können. Diese Länder könnten
sich ferner der Hilfsquellen des IWF in geeigneter Weise bedienen.
Eine Gruppe von Entwicklungsländern - die mit dem niedrigsten pro-KopfEinkommen und die am stärksten von Naturkatastrophen und anderen Problemen
Betroffenen - werden jedoch Hilfe zu günstigen Bedingungen benötigen. Wir
und andere Industriestaaten haben unsere zinsgünstige Hilfe an diese Länder
neu ausgerichtet und fordern die interrationalen Finanzierungsinstitutionen
auf, das gleiche zu tun. Wir erwarten ferner von den Ölexporteuren, daß sie
angesichts des Anstiegs der Olpreise einen großen Teil der von diesen Ländern
benötigten zusätzlichen zinsgünstigen Gelder bereitstellen. Die von diesen,
zu den ärmsten zählenden Länder, benötigten zusätzlichen Gelder - vielleicht
1,5 Milliarden Dollar im Jahre 1975 - sind, verglichen mit den Überschüssen

- 21 -

�Überschüssen der Ölexporteure, nur ein kleiner Betrag. Doch wenn er auch
- weltweit gesehen - nur relativ bescheiden ist, so ist er doch für diese
Länder angesichts ihrer so verzweifelten Lage sehr groß.
Wir werden die Probleme dieser Länder in dem neuen Entwicklungsausschuß
vordringlich behandeln, indem wir auch ständig die verfügbaren Mittel sowie
die Bemühungen der Entwicklungsländer überprüfen, maximale Anstrengungen für
einen wirksamen Einsatz der verfügbaren Hilfsmittel zu machen. Ein Weg, diesen Ländern zu helfen, wäre die Schaffung eines vom IWF verwalteten Treuhandfonds, der von den OPEC-Staaten sowie anderen Stellen Zuwendungen erhält.
Vielleicht könnte der IWF selbst einem solchen Fonds Gewinne zuführen, die
aus dem Verkauf eines Teiles seiner Goldbestände auf dem freien Markt erzielt
werden. Ein Treuhandfonds dieser Art, der Kredite zu verhältnismäßig niedrigen Zinsen - vielleicht zwei bis vier Prozent und bei einer verhältnismäßig
langen Laufzeit - anbieten könnte, würde für diese am schwersten betroffenen
Länder zu Bedingungen Gelder bereitstellen, die für andere Geldgeber nicht
möglich sind. Wir hoffen, daß die Minister im IWF-Interimsausschuß und im
IWF/ISRD-Entwicklungsausschuß diesem Vorschlag vordringlich ihre Aufmerksamkeit schenken werden.

Zusammenarbeit mit den OPEC-Ländern
Den amerikanischen Vorschlägen für eine größere Solidarität der wichtigsten Industriestaaten liegt in keiner Weise der Wunsch nach einer Konfrontation mit den OPEC-Ländern zugrunde. Wir erkennen die legitimen Bestrebungen
dieser Länder an, ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen,
Grundlagen für Industrie und Landwirtschaft zu schaffen und den Lebensstandj
-2 2-

�Lebensstandard ihrer Bevölkerung heute und in den kommenden Jahren zu verbessern, und unterstützen diese Bestrebungen.
Wir haben eine gemeinsame Kommission für eine Zusammenarbeit mit den
wichtigsten Ölerzeugern im Nahen Osten geschaffen, um so zur Verwirklichung
dieser Ziele beizutragen. Wir haben innerhalb unserer Regierung beträchtliche
Anstrengungen unternommen, um ihnen die bei der Entwicklung der Wirtschaft
unseres eigenen Landes- gemachten Erfahrungen zugänglich zu machen, und mitzuhelfen, diese Erfahrungen auf ihre Entwicklungsprogramme anwendbar zu machen.
Ich habe persönlich im vergangenen Juli eine Reihe von Ländern im Nahen Osten
besucht, um diese Bemühungen in Gang zu bringen, und ich beabsichtige, sehr
bald dorthin zurückzukehren, um ihr Fortschreiten zu gewährleisten. Auf meinen Besuch im vergangenen Sommer folgten Zusammenkünfte hier und im Nahen
Osten zwischen anderen hohen amerikanischen Beamten, Technikern und Experten
und ihren Gesprächspartnern von der anderen Seite. Wir haben der von uns geschaffenen Kommission feste Formen gegeben. Wir sind bereit, das in unseren
Kräften stehende zu tun, um die wirtschaftliche Entwicklung der OPEC-Länder zu
beschleunigen und um die Privatwirtschaft unseres Landes und die anderer Industriestaaten zu ermutigen, eine aktive Rolle in diesem Prozeß zu übernehmen.
In der Zwischenzeit werden wir diesen Ländern weiterhin gestatten, auf unseren
Märkten zu investieren, und ich bin überzeugt, daß ihnen auch genauso Investitionen auf den Märkten anderer Länder gestattet werden.
Die OPEC-Länder ihrerseits müssen sich klar darüber sein, daß sich ihre
Position in der Weltwirtschaft bereits dramatisch verändert hat. Diese Länder
werden weiterhin großen Einfluß in der Welt haben, selbst wenn die Ölpreise
beträchtlich fallen sollten. Diese Staaten bilden jetzt die großen Überschuß-

-2 3-

�Überschußländer der Welt mit Überschüssen in einer Größenordnung, wie es sie
in der Geschichte noch nie gegeben hat. Für die Erhaltung einer gesunden und
ausgeglichenen Weltwirtschaft ist es von entscheidender Wichtigkeit, daß sie
unverzüglich die Verantwortung akzeptieren, die in der Geschichte großen
Gläubigerstaaten stets

zugefallen ist.

Ich habe bereits von ihrer Verantwortung gesprochen, den Bedürftigen der
Welt zu helfen. Sie müssen ebenso verstehen, daß ihre Auslandsinvestitionen
nicht anders behandelt werden können als die Investitionen anderer Länder.
Sie können nicht ernstlich erwarten, daß die übrige Welt für sie alleine ein
besonderes Garantiesystem entwirft. Sie müssen ferner solche überholten Gewohnheiten ablegen, die sie als Entwicklungsländer mit begrenzten Hilfsquellen angenommen hatten. Die Hilfsquellen dieser Ländergruppe reichen aus, um
ihre legitimen Entwicklungsbestrebungen zu finanzieren, auch wenn die Situation in den einzelnen OPEC-Ländern unterschiedlich sein mag. Ihre überschüssigen Einnahmen in diesem Jahr allein belaufen sich auf fast das Sechsfache
der Entwicklunghilfe an alle Entwicklungsländer im letzten Jahr. Dieser neuen
Realität muß in der Politik unserer internationalen Finanzierungsinstitutionen Rechnung getragen werden, die nicht länger mehr aufgefordert werden können, knappe Finanzierungsmittel für die wirtschaftliche Entwicklung wohlhabender OPEC-Länder zu verwenden, während Teile der übrigen Welt um das nackte
Überleben kämpfen.
In meinen Gesprächen mit Beamten der OPEC-Länder und auf meinen Reisen
in den Nahen Osten habe ich festgestellt, daß die OPEC-Länder weitgehendes
Verständnis für die Verantwortungen haben, die ihnen in ihrer neuen internationalen Rolle zufallen. Natürlich sind die führenden Politiker der OPEC-

-24-

�OPEC-Länder sich durchaus darüber im klaren,was ein gesundes Weltwirtschaftssystem für sie bedeutet. Ich bin weiterhin zuversichtlich, daß eine Basis gefunden werden kann, auf der die Industriestaaten der Welt weiter konstruktiv
mit den OPEC-Ländern zusammenarbeiten können.
Natürlich müssen sie wissen, daß wir weiterhin nachdrücklich die von ihnen getroffenen. Maßnahmen ablehnen, um einen vorübergehenden massiven Transfer von

Hilfsquellen - realen und finanziellen - aus der übrigen Welt in die-

se Länder zu erzwingen. Unseres Erachtens können sie ihre wirtschaftlichen Entwicklungsziele

bei einem wesentlich niedrigereren Olpreisniveau auf einer

sichereren Basis erreichen.
Sie müssen sich ebenso darüber im klaren sein, daß jeder Tag, der verstreicht, uns einen Schritt weiter weg von einer optimalen Nutzung der Hilfsquellen der Welt bringt, wenn jetzt die übrigen Länder ihre Politik, was ihre
Abhängigkeit von Ölimporten anbetrifft, überprüfen. Natürlich besteht auch
heute keine Möglichkeit mehr, daß die Ölverbraucher-Länder zu den Energiepraktiken von vor zwei Jahren zurückkehren. Aber die Reaktion der Verbraucherländer
ist in ihrem vollen Umfang noch nicht festgelegt und die Hoffnung besteht weiterhin, daß vernünftige Männer vernünftige Lösungen finden werden.
Wir bleiben weiter überzeugt, daß sich eine extreme Politik im Laufe der
Zeit für die grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Bestrebungen dieser
Länder sehr nachteilig erweisen wird und daß noch eine solide Grundlage besteht, um eine konstruktive Lösung dieser Frage zu erreichen.Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Industriestaaten der Welt gemäß den von Außenminister
Kissinger und mir letzte Woche und heute aufgezeigten

-25-

Leitlinien wird dazu

�'

dazu beitragen, die Grundlage für eine solche Übereinkunft zu schaffen.

Schlußbemerkungen
In ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Welt als Ganzes müssen
die großen Industriestaaten jetzt das Übel an der Wurzel packen. Die uns vorliegenden Tatsachen - galoppierende Inflation und wirtschaftliche Stagnation verheißen wenig Ermutigendes für die Zukunft, es sei denn, wir ergreifen
jetzt entschlossene gemeinsame Maßnahmen, um den gegenwärtigen Gang der Ereignisse zu wenden. Wir müssen gemeinsam handeln,um unsere Abhängigkeit vom
Importöl zu verringern und unsere gemeinsame wirtschaftliche und finanzielle
Solidarität zu stärken. Dies wird zwangsläufig durch Entscheidungen und Maßnahmen geschehen müssen, die oftmals den Anschein haben, als seien sie technischer Natur und nur begrenzten Umfanges. Aber alles, was wir tun, muß sich
auf soliden Verpflichtungen begründen - auf einer politischen Übereinstimmung,
daß wir gemeinsam handeln werden, um unser eigenes Schicksal zu bestimmen und auf einem gemeinsamen Glauben, daß wir das tun können. Wir müssen zu unseren Verpflichtungen stehen, Handel und Auslandsinvestitionen auszuweiten. Wir
sind auf dem Wege der Interdependenz bereits zu weit vorangeschritten, um noch
zurück zu können. Wir haben es in der Hand, zu wählen, ob wir die Gefangenen
einer noch zu schreibenden Geschichte sein wollen oder die Architekten einer
noch nicht sichtbaren Zukunft. Ich habe keinen Zweifel, wie unsere Wahl ausfallen wird. Wir wissen, wie die erforderliche internationale Antwort lauten
muß.
+++ ++

-26-

�%

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

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Wissenschaft
und
Technik

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24/1974

SONNENSONDE HELIOS
Deutsch-amerikanisches Projekt zur Erforschung der Sonne und des sonnennahen
Raumes
Von G. Weiss
--(AD)-- Unentbehrlich ist die Sonne für den Menschen, ja für alles Leben
auf der Erde. Völker alter Kulturen, die längst untergegangen sind, haben sie
als höchste Gottheit verehrt. In der Naturforschung nimmt der glühende Ball
seit jeher einen außerordentlichen Platz ein. Wie erzeugt er die Energie,die
er als sichtbare und unsichtbare Strahlung so verschwenderisch abgibt? Die
Erde kann davon nur einen winzigen Bruchteil empfangen. Welche Kräfte sind
im Spiel, wenn sich die Helligkeit plötzlich verändert, wenn an der Sonnenoberfläche dunkle Flecken entstehen und vergehen - Flecken,die in 11-JahresPerioden besonders auffällig in Erscheinung treten? Nach welchem Heizmechanis
mus brennt der Sonnenofen? Welche

Art "Motor" treibt den Sonnenwind? Welche

Prozesse führen zu den Explosionen, bei denen riesige Fackeln glühender Materie aus dem Sonnenkörper ausbrechen, ionisiertes Gas in den Weltraum
hinausgeschleudert wird und Plasmawolken aus den Gasmassen der Sonne in die
Tiefe unseres Planetensystems vordringen? Daß dies alles auf die Erde samt

-l-

�samt Lufthülle und Magnetfeld erheblichen Einfluß hat, ist eine bekannte
Tatsache. Und aller Wahrscheinlichkeit nach werden auch viele Lebens-und
Krankheitsprozesse davon berührt.
Großangelegte internationale Forschungsvorhaben wie das "Internationale Geophysikalische Jahr" (1957/58) und das "Jahr der ruhigen Sonne" (1964/
65) erbrachten u,a.aufschlußreiche Einzelerkenntnisse über physikalische
Vorgänge an der Oberfläche des Glutballs, der sich, wie die Spektralanalyse
zeigt, aus den gleichen Elementen zusammensetzt, die man auch auf der Erde
findet. Mehr als zwei Drittel der bekannten irdischen Elemente wurden bereits
nachgewiesen. Das braucht aber nicht zu bedeuten, daß das restliche Drittel
auf der Sonne nicht vorhanden ist. Schließlich können mit wissenschaftlichen
i

Instrumenten ja nur die äußeren Gasschichten bis in ein paar Hundert Kilometer Tiefe sondiert werden.
Dies geschah bisher in erster Linie von der Erde aus. Einige Forschungssatelliten wie die der amerikanischen OSO-Serie lieferten wichtige Mosaiksteinchen zu unserem gegenwärtigen Sonnenbild. Sie umkreisen die Erde in etwa
700 km Höhe und messen mit Bordinstrumenten, die seit 1962 ständig weiterverbessert wurden, Emissionen von elektromagnetischer Strahlung (Ultraviolett-,
Röntgen-und Gammastrahlung) und von Partikelstrahlung (Protonen, Elektronen,
Neutronen). Das große Sonnenobservatorium der SKYLAB-Station gab Astrophysikern auf der Erde zum ersten Mal Gelegenheit,im Funk-und Fernsehkontakt mit
den amerikanischen Astronauten an Bord von SKYLAB spezielle Beobachtungen der
Sonne und der Sonnenaktivität von einer Position außerhalb der störenden Erdatmosphäre vornehmen zu lassen.
Bei

-2-

�Bei allen diesen Untersuchungen betrug die Entfernung zur Sonne fast
150 Millionen Kilometer. Satelliten oder interplanetare Sonden, die bisher in
Bahnen zwischen Erde und Sonne eingeschossen wurden, hatten primär meist andere Aufgaben zu erfüllen oder waren nur begrenzt leistungsfähig. Erst mit dem
deutsch-amerikanischen Projekt HELIOS wurde eine Konzeption gefunden, ein
leistungsstarkes Meßgerät in große Sonnennähe zu bringen und es mindestens
eineinhalb Jahre lang zur Beobachtung bestimmter Vorgänge auf der Sonne und
der von ihnen ausgelösten Effekte im interplanetaren Raum zu benutzen. Man
hofft, dadurch z.B. mehr über die Mechanismen der Energieübertragung im Raum
zwischen Sonne und Planeten und vielleicht auch der Energieerzeugung auf der
Sonne selbst zu erfahren.
Bis auf 45 Millionen Kilometer (das entspricht 0,3 AE»astronomischen
Einheiten) soll sich HELIOS der Sonne nähern. Der sonnennächste Bahnabschnitt liegt ein gutes Stück innerhalb der Umlaufbahn des Planeten Merkur,
der zum ersten Mal im März und September 1974 mit Hilfe der Fernsehbilder des
Forschungssatelliten MARINER 10 an der Oberfläche inspiziert werden konnte.
Für einen Umlauf auf seiner elliptischen Bahn braucht Helios sechs Monate.
Sie

führt um die Sonne herum und dann wieder in die Nähe der Erdbahn.
Mit sieben deutschen und drei amerikanischen Experimenten, die aufeinan-

der abgestimmt sind, sollen der Sonnenwind, Richtung und Intensität von Magnetfeldern im interplanetaren Raum, Radio-und Plasmawellen, Partikelstrahlung
von der Sonne und aus Räumen außerhalb unseres Sonnensystems, kosmischer Staub
und das sogenannte Zodiakallicht untersucht werden. Dieses schwache Leucht—
phänomen, das in unseren Breiten im Frühjahr und Herbst zu beobachten ist,
wird als Streustrahlung von Staub-und Gasteilchen angesehen, die die Sonne in

-3-

�in einer sehr flachen "Scheibe", aber in einem weiten Bereich umgeben. Ein
elftes Experiment der Bundesrepublik, für das aber kein wissenschaftliches Instrument, sondern nur ein starker Transponder erforderlich ist, soll helfen,
einige physikalische "Grundgesetze", zu überprüfen, die in der Allgemeinen Relativitätstheorie zusammengefaßt sind.
Mehr als fünf Jahre intensiver Vorbereitungen liegen hinter den wissenschaftlich-technischen Arbeitsgruppen der Deutschen und Amerikaner. Der Start
ist jetzt auf den 8. Dezember 1974 (als frühestem Termin in den zwei darauf
folgenden Wochen) vorgesehen. Die in der Bundesrepublik entwickelte und gebaute Sonde (Gewicht 340 kg, Höhe 4,2 m, größter Durchmesser 2,77 m, 3 Betriebsantennen, Länge der ausfahrbaren Antenne für eines der 10 Experimente 16 m)
wird vom Kennedy-Raumflugzentrum aus mit einer TITAN III - CENTAUR-Rakete bei
der fantastischen Beschleunigung auf 20 000 m/sec in die Flugbahn zur Sonne
eingeschossen. Für den Betrieb und die Beobachtung ist während der ersten vier
Wochen das amerikanische Kontrollzentrum der NASA in Pasadena (Kalifornien),
in der Folgezeit die DFVLR (Deutsche Forschungs-und Versuchsanstalt für Luftund Raumfahrt)in Oberpfaffenhofen mit der Kommandostation Weilheim und dem
während der Tagesstunden zur Aufnahme von Meßdaten benutzten Radioteleskop
Effelsberg in der Eifel

verantwortlich. Auch die amerikanischen Beobachtungs-

stationen in Australien und Spanien mit ihren riesigen Parabolantennen, die
Teil des "Deep Space Network" der NASA sind, werden in die Funkverbindung mit
HELIOS eingeschaltet sein. Dadurch soll gewährleistet werden, daß von den
HELIOS-Meßdaten nichts verloren geht. Während der 3 bezw.8 Tage nach 70 und
107 Flugtagen, an denen der direkte Funkkontakt

zur Sonde unterbrochen ist,

weil sie - von der Erde aus gesehen - sich direkt vor oder hinter der Sonne

�Sonne befindet, werden die Daten an Bord gespeichert und auf Abruf gesendet.
Mit ca. 500 Millionen DM Gesamtkosten ist HELIOS das bisher größte wissenschaftlich-technische Projekt deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit. Für
das Raumfahrtsystem und die deutschen Experimente allein waren 340 Millionen
DM aufzubringen. Die drei amerikanischen Experimente sind mit 10 Millionen
Dollar, die beiden Trägerraketen (im Herbst 1975 soll HELIOS-B als zweite
Sonde folgen) mit je 35 Millionen Dollar veranschlagt. Das Management für das
Raumfahrtsystem lag in deutscher Hand. Eie Auswertung der Daten nehmen Wissen-»
schaftler deutscher und amerikanischer Institute vor, die Ergebnisse werden
ausgetauscht.
Die Auslegung der Sonnensonde HELIOS - Konstruktion, Werkstoffe, Bordausrüstung, Isoliertechnik zur Abschirmung gegen die intensive Sonnenstrahlung,
Instrumente - findet auf amerikanischer Seite höchste Anerkennung. Die Geräte
müssen trotz extremer Veränderungen von Temperatur, Strahlung und Entfernung
zur Erde jederzeit funktionsfähig bleiben, die Funksignale müssen bis zu 300
Millionen km überbrücken. In Simulatoren wurde die Sonde harten Belastungstests unterzogen. Je nach dem Abstand zur Sonne schwankt beispielsweise die
Strahlungsintensität zwischen 1 und 11 Solarkonstanten - das bedeutet u.a.,
o
daß die Temperatur in Sonnennähe bis etwa 300 C ansteigt. Aber die von einer
deutschen Firma entwickelten, äußerst wärmefestuen Sonnenzellen sind auf der
Außenseite des HELIOS, der wie eine große Zwirnspule aussieht, so angeordnet
und mit Quarzplättchen als "Kühl"-Elementen durchsetzt, daß ihre Aufheiztemperatur auf weniger als die Hälfte dieses Wertes herabgedrückt wird. Die ausgetüftelten Isolierverfahren zum Wärmeschutz der Bordinstrumente führten sogar
dazu, daß im Innern der "Zwirnspule" normale Raumtemperatur herrscht -

-5-

�o
herrscht - 20 C dürften kaum überschritten werden.
HELIOS A und HELIOS B werden die Sonne zu einer Zeit des Fleckenminimums
beobachten. Um 1980 könnte ein weiteres deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt mit verbesserten Instrumenten die wissenschaftlichen Untersuchungen auf
die kommende Periode des Sonnenflecken-Maximums ausdehnen und so die Forschung
in wichtigen Punkten ergänzen.
• •

~M—1~

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
^roN^

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22. November 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Bush: Malta ist nicht Jalta
- Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen Veränderungen in Osteuropa belegen die Macht von Informationen
- Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz Yeutter; Reformen im Agrarbereich können zur Beseitigung des Hungers
beitragen
- Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom -

HINTERGRUND
Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:
Sowjetische Vorschläge
- Eine Übersicht des ACDA -

Amerikanische und

* * * * *

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Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

22. November 1989

42
BUSH: MALTA IST NICHT JALTA

- Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen Washington - (AD) - Präsident Bush zufolge wird sein für den 2. und 3. November anberaumtes Treffen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow "ein breitgefächertes, allgemeines Treffen" sein, das nicht als zweites
Jalta charakterisiert werden sollte. "Es kommt den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion nicht zu, Dinge aufzuteilen, Grenzen zu verändern oder Schritte der Art zu unternehmen, wie dies (in Jalta) der Fall war", erklärte der
Präsident in einem Rundfunkinterview, dessen Text am 18. Januar 1989 vom weißen Haus veröffentlicht wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview des Präsidenten in Auszügen:
Frage: Ich möchte mit einigen außenpolitischen Fragen beginnen. Was
wird bei Ihrem Treffen mit Staatsund Parteichef Gorbatschow vor Malta
das wichtigste Thema sein?
Antwort:
Sicherzustellen, daß keine unnötigen Mißverständnisse zwischen uns aufkommen. Ich möchte dies
am Beispiel zweier Schiffe verdeutlichen, die in der Nacht aneinander
vorbeifahren ohne voneinander Notiz
zu nehmen. Das möchte ich vermeiden. Ich möchte, daß wir soweit wie
möglich die gleiche Wellenlänge haben. Das Treffen wird also darauf
abzielen, daß die beiden Schiffe
nicht aneinander vorbeifahren, weil
sie keine Positionslichter gesetzt
haben.

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Frage:
Aber welches Thema werden
Sie als erstes zur Sprache bringen?
Antwort: Nun, wie ich bereits erklärt habe, haben wir keine Tagesordnung festgelegt.
Sicherlich werde
ich daran interessiert sein, Gorbatschows Ansichten zu den dynamischen
Veränderungen in Osteuropa zu erfahren. Wir werden detaillierte Gespräche über seine Wirtschaft führen, und
ich werde gerne bereit sein, ihm die
unsrige zu erläutern. In diesen beiden Bereichen wird es also ausführliche Gespräche geben, aber ich werde
auch Probleme unserer Hemisphäre zur
Sprache bringen, etwa die Unterstützung für Nicaragua, Afghanistan und
andere Bereiche, in denen sowjetische
Interessen sich nicht mit den ameri-

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�kanisehen decken, und ich erwarte,
daß er bereit sein wird, auf diese
regionalen Spannungen einzugehen.
Frage: Sie haben ihm in Beantwortung seines früheren Telegramms eine
Botschaft übermittelt, in der Sie erneut ihre Unterstützung für die gegenwärtig in seinem Land und Osteuropa stattfindenden Reformen zum Ausdruck bringen. Geht Ihre Unterstützung so weit, daß Sie auch Finanzmittel bereitstellen und den Sowjets zur
Förderung
dieser
Reformen
Wirtschaftshilfe gewähren werden?
Antwort:
Nun, ich bin gerne bereit, über Wirtschaftsreformen und
die sowjetischen Vorstellungen bezüglich westlicher Wirtschaftshilfe zu
sprechen, aber ich habe mit großem
Interesse Herrn Schewardnadses Antwort auf eine ähnliche Frage zur
Kenntnis genommen - er sagte: "Wir
sind nicht auf der Suche nach Hilfe.
Wir möchten nicht, daß irgendjemand
uns aus der Klemme hilft." Und das
ist gut so. Sie sind ein souveräner
Staat. Sie sind sehr stolz, aber sicherlich werden wir über die Sowjetunion betreffende Wirtschaftsfragen
sprechen.
Frage: Wenn Sie erklären, wie Sie
das diese Woche in einer Rede taten,
daß der Gipfel von Malta, das Treffen
von Malta, wie Sie es lieber bezeichnen, nicht dazu dient, über die Zukunft Europas zu entscheiden, was
meinen Sie damit? Nehmen Sie da etwas vom Tisch?
Antwort:
Nein.
Ich meine damit,
daß wir kein zweites Jalta vor uns
haben.
Frage:

In welcher Hinsicht?

Antwort:
In der Hinsicht, daß es
den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Sowjetunion nicht zukommt,
Dinge aufzuteilen oder Grenzen zu
verändern oder Schritte der Art zu
unternehmen, wie dies bei dem Treffen

der Fall war, auf das Sie gerade Bezug nahmen. Wir werden dies nicht
tun. Es handelt sich um ein breitangelegtes, allgemeines Treffen.
Wir
würden dies auf keinen Fall tun.
Frage:
Ist die Wiedervereinigung
der beiden deutschen Staaten unvermeidlich?
Antwort:
Ich habe meine Meinung
dazu bereits kundgetan und erklärt,
darüber zu entscheiden sei Sache der
beiden deutschen Staaten. Dies ist
für die Sowjetunion eine äußerst
heikle Angelegenheit, und deshalb ist
es besser, sie zunächst nicht weiterzuverfolgen.
Frage: Aber wenn Sie die dortigen
Ereignisse betrachten, ist es nicht
Ihrer Meinung nach unvermeidlich?
Antwort:
Das ist eine sehr hypothetische Frage, denn da können noch
so viele Dinge geschehen, und ich
möchte doch wiederum sagen, daß diese
Entscheidung Sache des deutschen Volkes ist.
Frage:
Viele Menschen schauen in
die Geschichtsbücher und machen sich
über diese Zukunftsperspektive Sorgen. Ist diese Sorge berechtigt?
Antwort: Wir haben darüber mit anderen Ländern gesprochen, die sich
aufgrund gewisser historischer Geschehnisse darüber Sorgen machen,
aber ich bin nicht der Meinung, daß
sich die Geschichte wiederholen muß,
wenn es zu einem vereinigten Deutschland kommen sollte. Aber das ist eine Frage, die in der Zukunft liegt
und gegenwärtig nicht aktuell ist.
Ich wiederhole, daß diese Entscheidung Sache der Deutschen ist.
Frage:
Einige
Kongreßmitglieder
betrachten diese Lage in Europa und
meinen, nun sei die Zeit reif für Erörterungen über eine Reduzierung des
Verteidigungshaushalts, für beträchtliche Kürzungen. Erachten Sie dies
für sinnvoll?

�Antwort:
Nein,
nicht sinnvoll.

das

ist

für

mich

Frage:
Was halten Sie von einer
Reduzierung der Streitkräfte der NATO
und des Warschauer Pakts dort? Eine
Menge Leute denken...

schrauben. Das wird in Malta nicht
geschehen, denn die Einzelheiten sind
noch nicht in dem multilateralen Forum, in Wien, gelöst worden. Es wird
noch nicht so weit sein.

Antwort:... (unverständlich) - Vorschläge. Wir haben einen kühnen Vorschlag gemacht, einen Vorschlag unter
Führung der Vereinigten Staaten, der
die umfassende Unterstützung unserer
Verbündeten genießt, der genau dies
zum Ziel hat.
Frage:
Wird dieser Vorschlag
Malta auf den Tisch gelegt werden?
Antwort:
Tisch.

in

Er liegt bereits auf dem

Frage: Was geschieht, wenn Gorbatschow kommt und sagt: "Warum kommen
wir nicht hier zu einer Einigung?"
Viele Experten - ich weiß nicht, ob
Ihre Berater auch zu diesen Leuten
gehören - behaupten, daß er genau
dies tun wird.
Antwort:
Er hat diesem Vorschlag
im Prinzip schon zugestimmt.
Das
Prinzip der von uns vorgeschlagenen
Reduzierungen steht eigentlich nicht
mehr zur Debatte. Das Problem besteht eher darin, die vielen Detailfragen zu lösen, und das kann nicht
in Malta geschehen, sie müssen vielmehr in einem multilateralen Forum
gelöst werden. Ich bin jedoch sehr
erfreut darüber, daß die Sowjets sich
gegenüber dieser US/NATO-Initiative
sehr positiv verhalten haben.
Frage: Wären Sie bereit, das Treffen von Malta als Rahmen für die Unterzeichnung eines solchen Abkommens
zu betrachten?
Antwort:
Das können wir streichen
ich möchte die Erwartungen der
Weltöffentlichkeit nicht in die Höhe
- 3 -

* * * * *

�reo ST&gt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. November 1989

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VERÄNDERUNGEN IN OSTEUROPA BELEGEN DIE MACHT VON INFORMATIONEN
- Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz WASHINGTON - (AD) - Dem stellvertretenden US-Außenminister Lawrence S. Eagleburger zufolge legen die gegenwärtig in Osteuropa stattfindenden Veränderungen
"Zeugnis ab von der Macht von Informationen und dem Einfluß von Ideen".
Eagleburger machte diese Äußerungen am 15. November 1989 in seiner Rede bei
der internationalen Konferenz unter der Leitung von Radio Freies Europa und
Radio Liberty (RFE/RL) über "Den Niedergang des Kommunismus' und die Reaktion
des Westens" in Washington.
Eagleburger erklärte ferner: "Unserer Ansicht nach ... wird ein demokratisches Europa ein friedliches und stabiles Europa hervorbringen ... und ein demokratisches Deutschland auch ein friedliches Deutschland sein wird, das als
Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens In Europa dienen wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, heute hier bei
Ihnen zu sein. Aber um ehrlich zu
sein, muß ich Ihnen sagen, daß ich
zögerte, bevor ich meine Zustimmung
dazu gab, heute hier eine Eröffnungsansprache zu halten.
Ich zögerte,
weil ich wußte, daß ich gegenüber
RFE/RL die gegenwärtigen Ereignisse
in Osteuropa und der Sowjetunion würde ansprechen müssen. Instinktiv befürchtete ich, mein Vortrag hätte
heute abend bereits keine Gültigkeit
mehr oder sei bereits veraltet. So
schnell vollzieht sich heute der Wandel. Tatsächlich gehe ich heute das
Risiko ein, der Nostalgie nicht für
den kalten Krieg, sondern bereits für
die vergangene Woche bezichtigt zu
werden.

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Auf der anderen Seite bietet sich mir
die großartige Gelegenheit, Organisationen zu würdigen, die zu einem
nicht geringen Teil für die aufregenden augenblicklichen Ereignisse verantwortlich sind, denn die gegenwärtig in Osteuropa stattfindenden Veränderungen legen Zeugnis ab von der
Macht von Informationen und dem Einfluß von Ideen.
Ich habe nie zu denjenigen gehört,
die die Auffassung vertraten, die
Spannungen des Kalten Krieges seien
das Ergebnis des Wettrüstens zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gewesen. Vielmehr hat der
kalte Krieg so lang gedauert, weil
wir im Westen uns vor sowjetischen

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�Waffen und die Sowjets sich vor westlichen Ideen fürchteten.
Der Stalinismus mit all seinen Folgen
war bis zur Machtübernahme Gorbatschows - mit zeitweiligen Ausnahmen
in der Ära Chruschtschow - ein System, das auf Lügen und Repressalien
basierte.
Er funktionierte solange
die Grenzen geschlossen, Luftwege
blockiert und die Gedankenwelt der
Menschen vom Gedanken der Freiheit
unberührt blieben. Aber sogar in den
dunkelsten Stunden des kalten Krieges
waren Radio Freies Europa und Radio
Liberty für die Osteuropäer ein Fenster zur Realität, und durch dieses
Fenster kam genug frische Luft, um zu
verhindern, daß der Stalinismus die
Hoffnung auf Freiheit und Wahrheit
ein für allemal ersticken konnte.
Und
dann fanden zwei Ereignisse
statt, die der heute in Osteuropa
stattfindenden demokratischen Erneuerung den Weg bereiteten. Das erste
war die Unterzeichnung der Schlußakte
von Btlainkl im Jahr 1975. Sie werden sich sicherlich daran erinnern,
daß die Ford-Administration Kritik
aus vielen Lagern einstecken mußte,
weil sie angeblich den Status quo der
Nachkriegszeit
für
Osteuropa
für
rechtmäßig erklärte und im Gegenzug
nur auf dem Papier abgegebene Versprechen über die Beachtung zivilisierter Verhaltensmaßregeln erhielt.
Die Länder des Warschauer Pakts hatten natürlich nicht die Absicht, ihre
in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen zur Achtung der Menschenrechte, Freizügigkeit und freiem Fluß von
Ideen einzuhalten. Aber sie hatten
sich verrechnet. Es wurden Maßstäbe
aufgestellt, an denen diese Regierungen nicht nur vom Westen, sondern
auch von ihren eigenen Bürgern gemessen wurden.
Zweitens wurde 1980 die Gewerkschaft
Solidarität ins Leben gerufen. Die
kommunistische Partei hatte ihr Monopol auf die Wahrheit, wenn nicht sogar auf die Macht, verloren. Radio
Freies Europa spielte in diesem Au-

gust eine wichtige Rolle, indem es
die Polen über Ereignisse in verschiedenen Landesteilen informierte
und damit verhinderte, daß die Regierung Protestkundgebungen isolierte,
wie sie das in der Vergangenheit getan hatte.
Das Kriegsrecht wurde
ausgerufen, aber die Glaubwürdigkeit
und Legitimation des kommunistischen
Regimes war unwiederbringlich erschüttert.
Wir wissen, was dann geschah. In der
ausgehenden Ära Breschnew befand sich
das Land im Sumpf der Stagnation, war
in Gefahr, die postindustrielle Revolution vollständig zu verpassen und
unwiderruflich hinter den Westen zurückzufallen.
Niemand glaubte mehr
den alten Grundsätzen, aber diese
Dogmen standen allen echten Bemühungen zur Bekämpfung des Untergangs im
Ostblock entgegen.
Dann kam Michail Gorbatschow und erklärte, Staat und Partei hätten nicht
mehr das Monopol auf die Wahrheit.
Alles, was danach kam, eischließlich
der nahezu vollzogenen Öffnung der
Berliner Mauer am vergangenen Donnerstag, ist eine unvermeidliche Konsequenz dieser ursprünglichen Absage
an die Unfehlbarkeit.
Die Abschaffung des Monopols auf die
Wahrheit und Zerstörung des Eisernen
Vorhangs sind zwei Seiten derselben
Medaille. Wenn man einmal anfängt,
die Dinge beim Namen zu nennen, kann
man die sich im Nachhinein daraus ergebenden Entwicklungen nicht aufhalten. Alle Schranken, auch in Verruf
geratene
Ideologien,
fehlgeleitete
politische und wirtschaftliche Systeme und die künstliche Teilung eines
ganzen Kontinents werden am Ende von
der Macht der Wahrheit hinweggefegt
werden.
Präsident
Bush hat erklärt, wir
wünschten Perestrojka den Erfolg.
Glasnost und der damit einhergehende
Prozeß der Liberalisierung sind Anlaß
für erste Hoffnungen In der Nachkriegszeit, daß die Sowjetunion und
die Länder der westlichen Welt eines

- 2 -

�Tages in einer Gemeinschaft gemeinsamer Werte verbunden sein werden.
Im letzten Monat hat Außenminister
Baker in New York erklärt, die Vereinigten Staaten könnten nunmehr mit
der Sowjetunion Bereiche von gemeinsamem Interesse abstecken. Vor Gorbatschow bestand unsere einzige Gemeinsamkeit darin, daß wir beide den
Wunsch hatten, einen Atomkrieg und
die Zerstörung des Planeten zu vermeiden.
Heute haben wir ein gemeinsames Interesse, daß Freiheit sich in ganz Osteuropa und In der Sowjetunion selbst
verbreitet und Erfolg hat.
Das Ausmaß der jetzt von Gorbatschow
ermutigten Offenheit ist mehr als erstaunlich. Wer hätte gedacht, daß
sowjetische Hörer bei Radio Liberty
anrufen könnten oder Regierungsvertreter aus Ostblockstaaten sich von
Journalisten von Radio Freies Europa
oder Radio Liberty interviewen lassen
würden?
Natürlich ist Gorbatschow zu der Erkenntnis gelangt, daß das wirtschaftliche und politische überleben der
Sowjetunion davon abhängt, daß sowjetische Bürger aus der seit Generationen vorherrschenden Apathie und dumpfen Passivität erwachen. Und er erkennt auch, daß dazu die Information
der Sowjetbürger und ihre Teilnahme
am politischen Prozeß erforderlich
ist. Es ist verfrüht zu prognostizieren, wohin all diese Veränderungen
führen werden, aber es kann nicht in
Abrede gestellt werden, daß eine Revolution von historischer Tragweite
stattfindet.
Offensichtlich stehen der Perestrojka
einige große Hindernisse im Weg.
Aber die Tatsache, daß die Probleme
bei den Reformen nahezu vollständig
das Ergebnis diskreditierter Doktrinen und Maßnahmen der Vergangenheit
sind, ist für uns kein Grund, die
Miene der Überlegenheit aufzusetzen,
der von den Sowjets gerade abgelegt
wird. Wir haben unsere eigenen Pro-

bleme, und niemand hat je behauptet,
eine demokratische Regierung sei einfach. Sie ist, wie Winston Churchill
einmal gesagt hat, die am wenigsten
schlechte Staatsform.
Eine Voraussetzung der Demokratie ist
jedoch, daß man Probleme nicht lösen
kann, bevor man ihre Existenz anerkennt und bereit ist, sie entschlossen im Licht aller Fakten zu untersuchen. Und In einem System, das bis
vor kurzem noch auf systematischer
Lüge und Vermeidung der Wahrheit beruhte, kann selbst das destabilisierend wirken.
In Gesellschaften, in denen die
Gleichheit als kleinster gemeinsamer
Nenner über lange Zeit die höchste
Tugend war, mag es auch schwer sein,
sich an die Freiheit zu gewöhnen.
Jede Veränderung ist beunruhigend,
und es nimmt nicht wunder, daß in einem Vielvölkerstaat der Übergang von
totalitärer Herrschaft zu einem in
gewisser Hinsicht offenen politischen
System ein schmerzlicher und risikoreicher Prozeß ist.
Was wir tun können, und was Radio
Freies Europa und Radio Liberty beitragen können, ist, den Kräften und
dem Prozeß des Wandels im Osten zur
Seite zu stehen. Die gegenwärtig in
dieser Region herrschende Offenheit
bedeutet nicht, daß die beiden Sender
ihren Auftrag erfüllt haben. Vielmehr ist die Tatsache, daß ihre Programme nicht mehr gestört werden,
teilweise ein Beweis für das offizielle Eingeständnis, daß sie als Katalysatoren für weitere positive Veränderungen im Osten wirken können.
Schon ihre Präsenz im Xther bietet
einen Anreiz zu offenerer und objektiverer Berichterstattung.
Sie ist
darüber hinaus eine Versicherungspolice gegen die Bemühungen der weiterhin vorhandenen Feinde von Glasnost.
Ferner können sie durch kreative Programmgestaltung zum Erfolg der Perestrojka beitragen, indem sie den Hörern die Techniken und Elemente des
Systems der freien Marktwirtschaft

�und demokratischer politischer Institutionen näherbringen.
Natürlich können wir uns nicht der
Tatsache verschließen, daß Glasnost
jahrhundertealte ethnische Rivalitäten freigesetzt hat, die von der totalitären
Herrschaft
unterdrückt,
aber niemals ausgeräumt wurden. Es
gibt in der Sowjetunion und in Osteuropa zahlreiche Völker und Volksgruppen, die sich kaum jemals durch eine
friedliche Koexistenz ausgezeichnet
haben und von denen wir hoffen, daß
sie lernen, freiwillig und aufgrund
gemeinsamen Interesses an der sich
entwickelnden demokratischen Ordnung
zusammenzuleben.
Ihre die höchsten
Normen von Fairness und Wahrheitstreue
erfüllende
Berichterstattung
über diese und andere Themen wird dazu beitragen, daß die Herausforderungen der Gegenwart nicht mit den Methoden der Vergangenheit bewältigt
werden.
Die Welt soll wissen, daß die Vereinigten Staaten von Selbstbestimmung
und Veränderungen auf friedlichem Wege überzeugt sind. Wir sollten niemals ein Prinzip auf Kosten eines anderen aus den Augen verlieren.
Ich weiß, daß Sie mich nicht gehen
lassen werden, ohne daß ich ein paar
Worte zur gegenwärtigen Lage in Osteuropa gesagt habe. Die Ereignisse
der letzten Wochen scheinen zu beweisen, daß die Entwicklung zu mehr Demokratie unwiderstehlich ist. Wenn
der
Führungswechsel
in
Bulgarien
letzte Koche einen Schritt in die
Richtung von Reformen bedeutet, dann
bleiben nur noch Rumänien und die
Tschechoslowakei Zuschauer bei der
gegenwärtig stattfindenden historischen Entwicklung.
Aber auch sie
können nicht mehr lange danebenstehen.
Es ist meines Erachtens wichtig, Präsident Bushs Erklärung zu wiederholen, wonach wir die gegenwärtigen Ereignissen in Osteuropa nicht zum
Nachteil der Sowjetunion ausnutzen
werden.
Eine entvölkerte DDR, zum
Beispiel, würde niemandes Interessen

dienen. Aber eine DDR, die echte demokratische
Reformen
verwirklicht,
würde zur Sicherheit ganz Europas Ost und West - beitragen. Unserer
Ansicht nach wird ein demokratisches
Europa auch ein friedliches und stabiles Europa hervorbringen.
Ich möchte ferner eindeutig klarstellen, daß nach Ansicht der Vereinigten
Staaten ein demokratisches Deutschland auch ein friedliches Deutschland
sein wird, ein Deutschland, das als
Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens
in Europa dienen wird. Es überrascht
uns nicht, daß die sich in der DDR
vollziehenden raschen Veränderungen
vielerlei Fragen und Spekulationen
über abstrakte Fragen hervorgebracht
haben, etwa über die Zukunft Deutschlands, die Zukunft der NATO und die
Zukunft des Warschauer Pakts. Dies
sind enorm komplexe Themen, die über
einen längeren Zeitraum behandelt
werden müssen.
Unser heutiges Anliegen besteht jedoch darin, daß der Prozeß der Reform
und Demokratisierung in Osteuropa und
der Sowjetunion ausgebaut und vertieft wird. Dieser Prozeß hat gerade
erst begonnen. Des weiteren sollten
wir darauf vertrauen, daß das deutsche Volk Antworten auf die Herausforderungen findet, mit denen es konfrontiert ist. Es ist sich der Gefahren des Unilateralismus besser bewußt als wir alle zusammen, und es
weiß ebenso, daß die Beständigkeit
westlicher Entschlußkraft
und die
Stärke der westlichen multilateralen
Institutionen zum großen Teil für die
gegenwärtig im Osten stattfindenden
Veränderungen verantwortlich waren.
Dieselbe Beständigkeit und Solidarität werden unerläßlich sein, damit
die gegenwärtige Übergangsperiode mit
einem Erfolg endet, und die Regierung
der Bundesrepublik Deutschland ist
sich dessen bewußt. Durch die Erweiterung der von uns errichteten kooperativen Strukturen, die eine sich
vergrößernde Gemeinschaft demokratischer Staaten aufnehmen sollen, können wir mit der Zeit ein Haus erbau-

- 4 -

�en, das seinen Dimensionen nach weder
europäisch noch westlich sondern ein
wahrhaft universelles, auf die allgemeinen demokratischen Werte gegründetes Haus ist.

* * * * *

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Dokumentation

C&amp;

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YEUTTER:

REFORMEN IM AGRARBEREICH KÖNNEN ZUR BESEITIGUNG
DES HUNGERS BEITRAGEN

- Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom

-

ROM - (AD) - Bei der Eröffnung der alle zwei Jahre zusammentretenden Vollkonferenz der Welternährungsorganisation (FAO) hat US-Landwirtschaftsminister
Yeutter am 14. November 1989 in Rom erklärt, die Förderung privatwirtschaftlicher Initiativen in der Landwirtschaft solle als Mittel zur Bekämpfung des
Hungers in der Welt eingesetzt werden. "Es ist kein Zufall, daß Länder, die
sich einer marktorientierten Agrarpolitik zuwenden, den größten Erfolg bei der
Steigerung ihrer Produktivität in der Landwirtschaft und in der Industrie haben", stellte der Minister fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Yeutters Rede vor der FAO-Konferenz in Auszügen:
Ich gehöre seit vielen Jahren zu den
Förderern der FAO und kenne zahlreiche ihrer Spitzenvertreter persönlich. Ich glaube an ihre Ziele, ihre
Programme und ihre Fähigkeit, einen
tiefgreifenden und positiven Einfluß
auf die Landwirtschaft in der ganzen
Welt auszuüben.
Wir haben heute ein produktives Welternährungssystem, das zu dem Zeitpunkt, als die erste Gruppe von Staaten die Vereinten Nationen gründete,
noch
unvorstellbar
gewesen wäre.
Selbst in den seit der Welternährungskonferenz vergangenen 15 Jahren
hat sich unser Ernährungssystem erheblich verändert.
Diese Konferenz im Jahr 1974 wurde
von einer Weltuntergangs- und Krisen-

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stimmung überschattet. Die Propheten
des Unheils erklärten, daß bis zur
Mitte der achtziger Jahre - spätestens aber bis 1990 - weite Teile des
Erdballs von Hungersnöten heimgesucht
würden. Zum Glück hatten sie unrecht.
Aufgrund der Marktnachfrage steigern
die Landwirte ihre Erträge weiter.
Die
landwirtschaftliche
Produktion
ist seit den sechziger Jahren um über
60 Prozent gestiegen, während für den
Verbraucher die Nahrungsmittelpreise
inflationsbereinigt seit über 40 Jahren nach unten gerichtet sind.
In den 15 Jahren seit der Welternährungskonferenz
wurden
erstaunliche
Fortschritte in der Fähigkeit der
Entwicklungsländer zur Ernährung ihrer Bevölkerung erzielt, und ich wage

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�die Vorhersage, daß die landwirtschaftliche Produktivität in der ganzen Welt in den nächsten 15 Jahren
noch größere Fortschritte machen wird.
Damit möchte ich jedoch nicht sagen,
daß unser Welternährungssystem perfekt ist oder daß wir in Zukunft keine Herausforderungen zu bewältigen
haben - denn es gibt diese Herausforderungen.
Das Welternährungssystem ist bei weitem kein voller Erfolg. In Ländern
wie Bangladesh, dem Sudan und Äthiopien gehören Hunger und Unterernährung weiterhin zu den Ursachen für
den Tod von schätzungsweise 35 000
Kindern täglich.
Dies ist absolut untragbar. Wir müssen zusammenarbeiten, um die landwirtschaftliche Produktivität in den
Ländern zu erhöhen, die sie am nötigsten haben, und wir müssen den
Schlüssel finden, um ein dauerhaftes
Wirtschaftswachstum in allen Entwicklungsländern freizusetzen.
Viele Antworten müssen durch politische Reformen in Handel und Landwirtschaft gegeben werden. Verschwenderische Maßnahmen und Handelsbeschränkungen im Agrarbereich kosten Verbraucher und Steuerzahler heute 165
Milliarden Dollar jährlich. Dieselben Maßnahmen müssen die Entwicklungsländer mit jährlichen Verlusten
bei den realen Einnahmen in Höhe von
26 Milliarden Dollar bezahlen. Auch
dies ist eine untragbare Situation.

Sicherstellung
telversorgung

der

Weltnahrungsmit-

Bevor ich auf diese beiden Grundprobleme unseres Welternährungssystems anhaltender Hunger und zweifelhafte
politische Maßnahmen - eingehe, möchte ich kurz zum umfassenderen Problem
der Ernährungssicherung Stellung nehmen.
In jüngster Zeit ist viel über den
Rückgang der Weltnahrungsmittelreser-

ven geschrieben worden.
Es trifft
zu, daß die Getreidevorräte heute die
niedrigsten seit Mitte der siebziger
Jahre sind, aber die Bedingungen sind
heute gänzlich verschieden. Die heutigen geringen Lagerbestände an Getreide sind auf politische Entscheidungen der Getreideanbauländer zur
Drosselung der Produktion zurückzuführen und nicht auf die Unfähigkeit
der Landwirte zur Erhöhung der Produktion.
In den Vereinigten Staaten wurde eine
Anbaufläche von 70 Millionen Morgen
brachgelegt - und auch in der Europäischen Gemeinschaft und anderen Getreideexportländern wurde der Getreideanbau verringert. Die Weltgetreidevorräte
könnten
im
Bedarfsfall
schnell erhöht werden, wenn diese Anbauflächen wieder genutzt würden.
Gegenwärtig weist die Entwicklung in
diese Richtung.
In den Vereinigten
Staaten haben wir die zulässige Anbaufläche für das Jahr 1990 bereits
angepaßt, um den Landwirten zu gestatten, mehr Weizen anzubauen. Ich
erwarte, daß unsere nächste Weizenernte um etwa 60 bis 70 Millionen
Scheffel höher ausfallen wird. Dies
wird uns dabei helfen, unsere Grundnahrungsmittelreserve nach zwei Dürrejahren wieder aufzustocken - und
sicherstellen, daß wir genügend Weizen bereithalten, um unseren Verpflichtungen im Rahmen der Nahrungsmittelhilfe nachzukommen.
Wir hoffen, daß andere Länder ebenso handeln
werden. Es ist unklug, daß die Vereinigten Staaten einen solch hohen
Anteil an den Weltnahrungsmittelreserven besitzen.

Das Problem des Hungers
Der Hunger ist ein außerordentlich
komplexes Problem mit zahlreichen Dimensionen:
politischen, soziologischen, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen. Aus gutem Grund habe
ich die landwirtschaftlichen an den
Schluß dieser Aufzählung gestellt.
Die Hauptursachen der Hungerproblema-

- 2 -

�tik bestehen nicht in einer Unfähigkeit, ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot zu produzieren. Ein Großteil der schlimmsten Vorfälle von
Hunger und Unterernährung ereignen
sich heute in Ländern, die bereits
ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot oder die Ressourcen zu dessen
Produktion besitzen.
Die ernstesten Hungerprobleme, die
wir heute feststellen, sind das Ergebnis gescheiterter politischer Maßnahmen, gescheiterter wirtschaftlicher Maßnahmen und gescheiterter sozialer Maßnahmen. Viele der Hungernden in der Welt sind heute Flüchtlinge und Opfer von Kriegen. Im Jahr
1980 gab es weltweit 7 Millionen
Flüchtlinge.
Heute hat sich diese
Zahl auf 14 Millionen verdoppelt.
Neben diesen von akutem Hunger betroffenen Opfern leiden schätzungsweise 500 Millionen Menschen unter
nicht ausreichender Ernährung. Viele
dieser 500 Millionen sind stark unterernährt. Viele sind Kinder. Viele sind Hausfrauen und Mütter. Alle
sind arm. Vielfach sind sie Opfer
von politischer und wirtschaftlicher
Diskriminierung.
Während
Nahrungsmittel- und
Wirtschaftshilfe dieses Leid lindern können, sind sie doch keine Dauerlösung. Die lokalem Nahrungsmittelmangel und der damit einhergehenden Unterernährung zugrundeliegenden Ursachen müssen erörtert und beseitigt
werden.
Etwa 90 Prozent der weltweit verzehrten Nahrungsmittel werden in den Ländern verbraucht, in denen sie produziert werden.
Letztlich muß jeder
Staat seine Hungerprobleme selbst in
den Griff bekommen, indem er seinen
eigenen Agrarsektor stärkt und den
Handel mit anderen Staaten entwickelt.
Politischer Wille sowie ein Geist der
Innovation
und
Initiative
sind
Schlüssel zum Erfolg in der Landwirtschaft wie in jedem anderen Wirtschaftszweig. Selbst Länder, in de-

nen das jährliche Pro-Kopf-Einkommen
unter 400 Dollar liegt, wie China und
Sri Lanka, haben bei der Bekämpfung
des Hungers im vergangenen Jahrzehnt
erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Schlacht gegen den Hunger kann
gewonnen werden.
Wir besitzen das
Wissen, das ökonmische Know-how und
die Ressourcen, um diese Schlacht zu
gewinnen. Was häufig fehlt, ist der
politische
Wille, dieses
Problem
ernsthaft anzugehen.
Nationale Maßnahmen zur Förderung von
Investitionen und der Entwicklung des
Privatsektors können enorm positive
Auswirkungen
haben.
Entscheidende
Maßnahmen zur Bezwingung des Hungers
sind die Bereitstellung von Anreizen
für Farmer, Vertrauen auf Marktmechanismen und eine vorrangige Stellung
für die landwirtschaftliche Infrastruktur.
Ein weiterer wichtiger Bereich, den
es abzuhandeln gilt, ist die Schuldenkrise
der
Entwicklungsländer.
Wenn umfangreiche finanzielle Ressourcen in den Schuldendienst fließen
müssen, kann ein Land nicht dringend
benötigtes Kapital und andere Waren
importieren, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Es kann auch
keine Spareinlagen im Inland bilden,
um notwendige Investitionen zu tätigen. Trotz aller Sparmaßnahmen wird
sich seine wirtschaftliche Situation
eher verschlechtern als verbessern.
Wir können alle etwas tun, um die
Schwierigkeiten vieler stark schuldenbelasteter Länder zu verringern.
Wir hoffen, daß durch den Brady-Plan
und die gemeinsamen Anstrengungen öffentlicher und privater Finanzinstitute bald greifbare Fortschritte erzielt werden.
In der Vergangenheit haben wir mit
Entwicklungshilfeprogrammen zu helfen
vrsucht. Die Vereinigten Staaten haben mehr als 40 Milliarden Dollar
Nahrungsmittelhilfe und Zehntausende
Millionen Dollar an technischer Hilfe, für Ausbildung und Kapitalinve-

�stitionsfonds in den Entwicklungsländern gewährt. Wir werden weiterhin
unseren Beitrag leisten.
Aber als
treibende Kraft für anhaltendes Wirtschaftswachstum ist Handel weit wichtiger als Entwicklungshilfe.

Land- und Forstwirtschaft und im
Fischereiwesen
Internationale Pflanzenschutzkonvention
Wiederaufforstung und Aktionsplan
für den tropischen Regenwald
Verhaltenskodex für Verbreitung
und Einsatz von Pestiziden.

Dazu folgendes Beispiel.
1987 haben die OECD-Länder den Entwicklungsländern Hilfe im Umfang von
41 Milliarden Dollar geleistet. Im
Vergleich dazu kauften die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr von
diesen Ländern Waren im Wert von 178
Milliarden Dollar. Mit diesem Warenhandel wurde weit mehr zur Schaffung
von Arbeitsplätzen und Einkommen in
diesen Ländern geleistet als durch
Entwicklungshilfe.
Aber wenn Handel das Wirtschaftswachstum ankurbeln soll, muß er so
fair und offen sein wie möglich. Und
das ist heute in der Landwirtschaft
nicht der Fall.
Willkürliche Agrarpolitik und Handelsschranken reduzieren das Sozialprodukt der Entwicklungsländer gegenwärtig um mehr als 20 Milliarden Dollar jährlich. Für solche institutionellen Fehler gibt es keine Entschuldigung. Sie hätten bereits vor Jahren korrigiert werden müssen.
Die Rolle der FAO
Ich bin optimistisch über die Zukunft
der Welt-Agrarwirtschaft und über unsere Fähigkeit, die Ernährung aller
Menschen - heute und für künftige Generationen - zu verbessern.
Die FAO kann eine zunehmend wichtige
Rolle spielen, damit dies der Fall
ist. Diese Organisation leistet bereits einen wertvollen Beitrag in
vielen Bereichen der Agrarwirtschaft
und des Agrarhandels:
Codex Alimentarius
Weltweite Frühwarnung
Seuchenkontrolle
Statistische
Arbeit

in

der

Ich fordere die FAO auf, der Rolle,
die der Marktwirtschaft und dem privaten Unternehmertum bei der Entwicklung der Landwirtschaft zukommt, größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Länder, in denen diese Entwicklungen
nicht stattgefunden haben, sehen sich
heute großen wirtschaftlichen Umwälzungen gegenüber.
Es ist kein Zufall, daß Länder, die
sich einer marktorientierten Agrarpolitik zuwenden, den größten Erfolg
bei der Steigerung ihrer Produktivität in der Landwirtschaft und in der
Industrie haben. Freies Unternehmertum mit Anreizen für Gewinne funktioniert.
Wir würden es begrüßen, wenn die FAO
die Entwicklung des Privatsektors in
der Landwirtschaft und auch Joint
Ventures zwischen staatlichen und
privaten Firmen in Ländern mit kaum
entwickeltem Agrarsektor tatkräftiger
fördern würde.
Die Vereinigten Staaten vertreten die
Auffassung, daß sich die Mitgliedstaaten der FAO weiterhin für Reformen engagieren sollen. Diese Ansicht
teile ich mit dem Vorsitzenden und
anderen anwesenden Ministern.
Wir
begrüßen die Bestrebungen des Generaldirektors zur Senkung der Verwaltungskosten als Prozentsatz des gesamten Haushalts während seiner Amtszeit.
Wir gehen davon aus, daß angesichts
dieser angespannten Haushaltslage eine Politik des realen Nullwachstums
für die FAO angemessen ist. Alle
Teilbereiche der Vereinten Nationen
müssen angesichts konkurriender Prioritäten
schwierige
Entscheidungen
treffen.

- 4 -

�Ich kann Ihnen versichern, daß die
Bush-Administration entschlossen ist,
die volle Finanzierung aller Behörden
der Vereinten Nationen, einschließlich der FAO, zu unterstützen und unsere ausstehenden Beiträge zu entrichten.
Die FAO ist für Amerika wichtig. Sie
ist für mich wichtig. Als Landwirtschaftsminister wünsche ich mir engere und für beide Seiten fruchtbare
Beziehungen zwischen der FAO und den
Vereinigten Staaten. Beim Besuch von
Generaldirektor Saouma letzten Monat
in Washington habe ich mein Engagement für eine diesbezügliche Zusammenarbeit bekundet.
In der Landwirtschaft sehen wir uns
großen Herausforderungen gegenüber.
Jedes Jahr steigt die Weltbevölkerung
um 90 Millionen Menschen. Wir müssen
tatkräftig zusmmenarbeiten, damit ihre Ernährung sichergestellt wird und
sie genügend Beschäftigungsmöglichkeiten haben.
Wir verfügen über die Fähigkeit und
die Ressourcen, innerhalb der nächsten 25 Jahre den Hunger von der Erde
zu verbannen. Aber das wird nicht
automatisch erfolgen.
Wir müssen
nachhelfen.
Weniger zu tun, würde
bedeuten, Millionen Menschen unnötigen Härten und Leiden auszusetzen.
*****
- 5 -

�AMERIKA DIENST
"VON

Hintergrundmaterial

4

22. November 1989

42

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER KERN- UND WELTRAUMWAFFEN:
UND SOWJETISCHE VORSCHLÄGE

AMERIKANISCHE

- Eine Übersicht des ACDA -

(Die folgende Übersicht wurde am 15, November 1989 vom Amt für RUstungskontrolle und Abrüstung veröffentlicht.)
START - Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen
Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Stufenweise Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen
innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags, wobei nach
Phase 1 gleiche Obergrenzen gelten
müssen.
Sowjetunion
Reduzierung der strategischen Offensivwaffen auf gleiche Niveaus, durchzuführen in zwei Phasen innerhalb von
sieben Jahren nach Inkrafttreten des
Vertrags, wobei nach Phase 1 gleiche
Obergrenzen gelten müssen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vereinigte Staaten
Abschluß eines START-Abkommens nicht
abhängig von einer Einigung über Fragen der Weltraumverteidigung.
Sowjetunion
Abschluß des START-Vertrags nicht abhängig von einer Einigung über Weltraumverteidigung. Die Sowjets stehen
jedoch auf dem Standpunkt, daß sie
ein Recht zur Kündigung eines STARTVertrags besitzen, wenn sie zu dem
Schluß kommen sollten, daß die Vereinigten Staaten den ABM-Vertrag verletzen, wie er von den Sowjets interpretiert wird.
Vereinigte Staaten
Es können keine weiteren Rüstungskontrollverträge mit der Sowjetunion abgeschlossen werden, solange diese

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht die Verletzung des ABM-Vertrags
mit Hilfe des Radars von Krasnojarsk
in einer verifizierbaren Weise einstellt, die amerikanischen Kriterien
entspricht.
Sowjetunion
Die Sowjets haben sich bereiterklärt,
das Radar von Krasnojarsk vollständig
abzubauen.

Trägersysteme
Vereinigte Staaten
Eine Obergrenze von 1 600 strategischen Trägersystemen (SNDVs) in Form
von stationierten Interkontinentalraketen (ICBMs) und deren Abschußvorrichtungen, stationierten U-Boot-gestützten
ballistischen
Raketen
(SLBMs) und deren Abschußvorrichtungen sowie schweren Bombern.
Sowjetunion
Etwa gleiche Haltung wie die Vereinigten Staaten. Es bestehen jedoch
weiterhin Unterschiede bei der Zählweise.

Gefechtsköpfe
Vereinigte Staaten
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen,
einschließlich der stationierten Gefechtsköpfe auf ICBMs und SLBMs sowie
atomar bestückter ALCMs (luftgestützter Marschflugkörper) großer Reichweite; jeder nur mit atomaren Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber zählt als ein Gefechtskopf.
Sowjetunion
Identisch mit US-Position.
Einige
Unterschiede bei der Zählweise der
ALCM-Gefechtsköpfe bleiben bestehen.

Untergrenzen bei Gefechtsköpfen
Vereinigte Staaten
Untergrenzen von 4 900 Gefechtsköpfen
auf Raketen und 3 000 - 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs.
Sowjetunion
Untergrenze von 4 900 Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen. Im Falle
einer Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen auf ICBMs muß eine ebensolche
Untergrenze von 3 300 Gefechtsköpfen
auf SLMBs eingeführt werden. Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf
schweren Bombern.

Schwere ICBMs
Vereinigte Staaten
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 stationierten schweren ballistischen Raketen. Verbot von Produktion, Flugerprobung oder Modernisierung neuer oder bestehender Typen
schwerer ICBMs.
Sowjetunion
Begrenzung von 1 540 Gefechtsköpfen
auf
154
stationierten
schweren
ICBMs.
Produktion,
Flugerprobung
oder Modernisierung bestehender Typen
schwerer ICBMs zulässig.
Entwicklung, Erprobung und Stationierung
neuer Typen schwerer ICBMs verboten.

Wurfgewichte
Vereinigte Staaten
Die Wurfgewichte der sowjetischen
ICBMs und SLBMs zusammengenommen werden um 50 Prozent des am 31. Dezember
1986 bestehenden Wurfgewichts reduziert. Während der Dauer des Vertrags wird keine Seite dieses Niveau
überschreiten.

- 2 -

�Sowjetunion
Im Prinzip identisch mit der US-Position, aber Reduzierung von dem bei
Unterzeichnung des Vertrags bestehenden Niveau der Wurfgewichte.

Gefechtsköpfe
keten

auf

ballistischen

Ra-

Vereinigte Staaten
Jeder Gefechtskopf auf ballistischen
Raketen zählt als ein Gefechtskopf
unter der Obergrenze von 6 000. Für
die bestehenden Typen wird eine Quote
von Vor-Ort-Inspektionen festgesetzt,
um zu verifizieren, daß die beim Washingtoner Gipfel für stationierte
Raketen deklarierte und vereinbarte
Zahl von Gefechtsköpfen nicht überschritten wird.
Für künftige Typen sowie Veränderungen in der Zahl von Gefechtsköpfen
auf bestehenden Typen müssen die Verfahrensweisen noch festgelegt werden.
Sowjetunion
Bei den bestehenden Typen identisch
mit der US-Position

Mobile ICBMs
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben - unter
der Voraussetzung, daß der Kongreß
Mittel für mobile ICBMs in den Vereinigten Staaten bewilligt - das Verbot
von mobilen
ICBMs fallengelassen.
Die START-Unterhändler müssen jetzt
die Einzelheiten für die Anwendung
der Begrenzungen auf mobile ICBMs sowie wirksame Verifizierungsmaßnahmen
ausarbeiten.
Sowjetunion
Zulässig mit zahlenmäßigen Begrenzungen für Abschußvorrichtungen und Gefechtsköpfe.

strategisches
Trägersystem
(SNDV).
Jeder nur für Freifallbomben und Angriffsraketen kurzer Reichweite ausgerüstete schwere Bomber würde im
Rahmen der Obergrenze von 6 000 als
ein Gefechtskopf zählen. Eine vereinbarte Zahl von schweren Bombern
könnte durch Umrüstung zu rein konventionellen Systemen von der SNDVObergrenze von 1 600 ausgenommen werden.
Sowjetunion
Identisch mit der US-Position, außer
in der Frage, daß eine sowjetische
Zustimmung zur Umrüstung von schweren
Bombern zu rein konventionellen Systemen von der amerikanischen Zustimmung zur sowjetischen Position über
Reichweite und Zuordnung von ALCMs
abhängig gemacht wird.
ALCMs
Vereinigte Staaten
ALCMs werden als luftgestützte, nuklear bestückte Marschflugkörper mit
einer Reichweite von über 1 500 Kilometern definiert.
Eine vereinbarte
Zahl von ALCMs (10) sollen jedem für
ALCMs ausgerüsteten Typ schwerer Bomber zugerechnet und auf die Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen angerechnet werden.
Sowjetunion
ALCMs
werden
als
luftgestützte
Marschflugkörper mit Reichweiten über
600 Kilometern definiert. Die Zahl
der einem ALCM-fähigen schweren Bomber zugerechneten ALCMs soll maximal
so hoch sein wie die Zahl, für die
der jeweilige Typ ausgerüstet ist.
Die Anzahl der nuklear bestückten
ALCMs soll im Rahmen der vorgeschlagenen Untergrenze von 1 100 Gefechtsköpfen auf schweren Bombern begrenzt
werden.

SLCMs
Schwere Bomber
Vereinigte Staaten
Jeder schwere Bomber zählt als ein

Vereinigte Staaten
Beide Vertragsparteien werden eine
für beide Seiten annehmbare Lösung in

- 3 -

�der Frage einer Begrenzung der Stationierung von nuklear bestückten
SLCMs (seegestützten Marschflugkörpern) größerer Reichweite erarbeiten. Eine solche Begrenzung bedeutet
keine Anrechnung dieser SLCMs im Rahmen der Obergrenzen von 6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
Trägersystemen.
Beide Seiten verpflichten sich zur Schaffung von
Obergrenzen für diese Flugkörper und
zur Erarbeitung von beiderseits annehmbaren und wirksamen Methoden der
Verifizierung solcher Begrenzungen.
Dazu zählen Nationale Technische Mittel (NTM), kooperative Maßnahmen und
Vor-Ort-Inspektionen. Bisher konnten
die Vereinigten Staaten keinen wirksamen Ansatz zur Verifizierung von
SLCMs erkennen.
Angesichts eines
fehlenden Plans für die wirksame Verifizierung haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, daß beide Seiten nicht-bindende Erklärungen zur
Anzahl der nuklear bestückten SLCMs
abgeben.
Die Vereinigten Staaten haben sich
bereiterklärt, sowjetische Vorschläge
zur Ausklammerung aller mit SLCM in
Zusammenhang stehenden Fragen aus den
START-Verhandlungen zu prüfen.
Die
Vereinigten Staaten lehnen Gespräche
über die Begrenzung seegestützter
Waffen ab.
Sowjetunion
Die Sowjets akzeptieren grundlegende
Prinzipien.
Besondere Begrenzungen
auf 400 nuklear bestückte und 600
konventionell bestückte SLCMs werden
vorgenommen. Die Sowjets haben bisher jedoch noch keine wirksamen Verifizierungsmaßnahmen erarbeitet. Der
sowjetische Ansatz würde ferner die
amerikanische
Politik
untergraben,
die Präsenz von Atomwaffen an einem
bestimmten Ort weder zu bestätigen
noch zu dementieren. Dieses Konzept
bildet einen bedeutenden Stützpfeiler
der Abschreckungspolitik.
Die Sowjets haben vorgeschlagen, entweder das gesamte Problem der SLCMs
aus den START-Verhandlungen auszunehmen und in einem umfassenderen Kom-

plex seegestützte Waffen zu behandeln
oder START auf die Verifizierung von
SLCM zu konzentrieren und die Frage
der SLCM-Begrenzungen in einem separaten - aber mit START in Zusammenhang stehenden -, bindenden Abkommen
abzuhandeln. In beiden Fällen würden
die Sowjets verbindliche, verifizierbare SLCM-Begrenzungen für den Abschluß eines START-Vertrags voraussetzen.

Verifizierung der Einhaltung
Vereinigte Staaten
Die Bestimmungen müssen mindestens
folgende Punkte enthalten: Datenaustausch vor und nach der Durchführung
von Reduzierungen; Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung von Daten und
zur Beobachtung der Beseitigung der
Waffen; kontinuierliche Vor-Ort-Uberwachung von Zugängen und Gelände der
entscheidenden
Produktionsstätten;
kurzfristig anberaumte Inspektionen
von Standorten, an denen vertraglich
begrenzte Systeme sowohl während als
nach dem Reduzierungszeitraum stationiert sind. Inspektionen von Standorten, an denen eine Vertragspartei
die geheime Produktion, Lagerung, Instandsetzung oder Stationierung vermutet.
Recht auf kurzfristig anberaumte Inspektionen von "verdächtigen Standorten". Recht zur Beantragung von Inspektionen von anderen "verdächtigen
Standorten". Falls die beschuldigte
Partei die Inspektion verweigert, muß
sie sich aufrichtig um die Ausräumung
der Anschuldigungen bemühen.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß beide Seiten vereinbaren, ihre Bestrebungen zu beschleunigen und sobald wie möglich mit der
Durchführung von Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilisierung zu beginnen, um praktische Erfahrung zu
sammeln und Fragen der Verifizierung
schneller zu lösen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen: die Aufnahme von Vor-Ort-Inspektionen im Umkreis und an den Zugängen zu bestimm-

- 4 -

�ten Raketenproduktionsstätten, Datenaustausch über die strategischen Nuklearstreitkräfte beider Seiten, Verbot der Zurückhaltung von Daten, einschließlich der Verschlüsselung telemetrischer Daten, über alle Abschüsse
bestimmter ICBMs und SLBMs, Demonstrationen von Inspektionsverfahren
für Wiedereintrittsflugkörper, Erörterung des Problems von SLBMs mit
kurzer Flugzeit und Experimente über
die
Identifizierung
von
Raketen
("Tagging").
Mit den Sowjets wurde eine Vereinbarung zur vorherigen Benachrichtigung
über eine wichtige strategische Übung
mit strategischen Bombern pro Kalenderjahr getroffen.
Sowjetunion
Die Sowjets haben den größten Teil
der amerikanischen Haltung zur Verifizierung - insbesondere im Bereich
der Verifizierung mobiler ICBM - akzeptiert, obgleich es noch viele Detailfragen zu lösen gilt.
Die Sowjets haben das Prinzip von
Maßnahmen zur Verifizierung und Stabilität akzeptiert, einige eigene
Vorschläge unterbreitet und sich bereiterklärt, die amerikanischen Vorschläge in Genf eingehender zu prüfen.
Mit den Vereinigten Staaten
wurde eine Vereinbarung zur vorherigen Benachrichtigung über eine strategische Übung mit schweren Bombern
pro Jahr getroffen.

Verteidigung im Weltraum
Anmerkung: Beim Außenministertreffen
in Wyoming vom 22. und 23. September
1989 haben die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion vereinbart, daß
der Abschluß und die Durchführung eines START-Vertrages nicht vom Abschluß eines Abkommens über Verteidigung im Weltraum abhängt. Beide Seiten haben vereinbart, die Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag von 1972 fallenzulassen.
Die
Sowjets haben jedoch angedeutet; daß
sie sich ein RUcktrittsrecht vom

START-Vertrag vorbehalten, wenn sie
herausfinden, daß die Vereinigten
Staaten den ABM-Vertrag großzügiger
ausgelegt haben als die sowjetische
Definition das zuläßt. Bei der gegenwärtigen Verhandlungsrunde in Genf
werden die Vereinigten Staaten Einzelheiten der neuen sowjetischen Position zu ergründen suchen. Bis zur
Klärung der sowjetischen Position
werden davon unter Umständen betroffene Beschreibungen der amerikanischen und sowjetischen Vorschläge zur
Verteidigung im Weltraum im folgenden
unverändert dargestellt, aber mit einem (U) markiert.

Allgemeine Haltung
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten streben einen
leichteren gemeinsamen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei den offensiven und defensiven
Streitkräften an, wenn sich eine effektive Verteidigung gegen strategische ballistische Raketen als machbar
erweist.
Die Vereinigten Staaten
wollen sich darüber hinaus die Option
erhalten, in angemessenem Umfang und
auf kooperative Art und Weise moderne
Verteidigungssysteme
zu
entwickeln
und zu stationieren, wenn diese einst
bereit sind. Fragen der Verteidigung
im Weltraum sollten in einem neuen
Vertrag behandelt werden, der auf der
Sprachregelung der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington aufbaut
und diese erläutert, um die unzweifelhafte Bedeutung von Verpflichtungen zu gewährleisten, die in künftigen Verträgen eingegangen werden.
Sowjetunion
Fragen der Verteidigung im Weltraum
sollten in einem neuen separaten Abkommen abgehandelt werden, das die
Gemeinsame Gipfelerklärung von Washington ohne substantielle Erläuterungen durchführt. Die Sowjets weigern sich, einen gemeinsamen Vertragsentwurf auszuarbeiten.
Vereinigte Staaten
Mit der Sowjetunion kann kein weite-

- 5 -

�rer Vertrag über strategische Rüstungskontrolle geschlossen werden,
wenn sie nicht ihre Verletzung des
ABM-Vertrags - das Radar von Krasnojarsk - auf verifizierbare Art und
Weise und nach amerikanischen Kriterien korrigiert.
Die Vereinigten
Staaten sich befriedigt über die sowjetische
Ankündigung
ausgedrückt,
daß sie die Radarstation von Krasnojarsk vollständig abbauen werden.
Sowjetunion
Die Sowjets haben zugestimmt, die Radarstation von Krasnojarsk vollständig zu beseitigen.

Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom
ABM-Vertrag
Vereinigte Staaten
Beide Seiten haben vereinbart, den
Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.
Sowjetunion
Beide Seiten haben vereinbart, den
Ansatz einer Verpflichtung zum Nichtrücktritt vom ABM-Vertrag fallenzulassen.

(U) Aktivitäten in der Phase des
Nichtrücktritts
Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten haben Initiativen vorgeschlagen, um die Bedeutung
der
Sprachregelung
"erforderliche
Forschung, Entwicklung und Erprobung
wie im ABM-Vertrag gestattet" klären
zu helfen.
Sowjetunion
Die Sowjets streben Übereinstimmung
über nach dem ABM-Vertrag erlaubte
und verbotene Aktivitäten an, in Form
eines Zusatzprotokolls zum ABM-Vertrag. Die Sowjets würden Aktivitäten
auf eine Interpretation des ABM-Vertrags zbegrenzen, die restriktiver
ist als beide Parteien dies 1972 vereinbart haben und möglicherweise noch

restriktiver als die "enge Interpretation".
Vereinigte Staaten
Um zu demonstrieren, daß die amerikanische Erprobung weltraumgestützter
Komponenten von ABM-Systemen, die auf
"anderen physikalischen Prinzipien"
beruhen und die Fähigkeit haben, eine
ABM-Abfangrakete zu ersetzen - was
nach dem ABM-Vertrag erlaubt ist nicht mit der Stationierung solcher
Komponenten gleichzusetzen ist, sind
die Vereinigten Staaten bereit, diese
erlaubte Erprobung nur von bestimmten
ABM Test-Satelliten aus durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sind
der Ansicht, daß die Anzahl der
gleichzeitig in der Erdumlaufbahn befindlichen Satelliten nicht die Zahl
überschreiten soll, bei der man gemeinhin bereits von einer Fähigkeit
zur Stationierung ausgehen würde.
Den Vereinigten Staaten zufolge liegt
die Zahl 15 weit unter dieser Grenze.
Sowjetunion
Die Sowjets haben die Initiative der
Vereinigten Staaten zur Erprobung im
Weltraum (ABM Test-Satelliten) und
auch den Vorschlag über weltraumgestützte Sensoren zurückgewiesen und
geltend gemacht, sie liefen dem ABMVertrag und der Gemeinsamen Gipfelerklärung von Washington zuwider.
Vereinigte Staaten
Die Benachrichtigung über die Erprobung von Raketenabwehrsystemen in
Weltraum würde im Protokoll über die
Berechenbarkeit (siehe unten) Eingang
finden.
Die Vereinigten Staaten haben darüber
hinaus vorgeschlagen, daß keine Partei auf der Grundlage des ABM-Vertrags der Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung weltraumgestützter Sensoren der anderen Seite widersprechen
darf. Demgemäß kann jede Seite uneingeschränkt weltraumgestutzte Sensoren entwickeln, erproben oder stationieren.
Dieser Vorschlag wurde
erarbeitet, um künftige Probleme mit
der Verifizierung auszuschließen.

- 6 -

�(U)

Inkrafttreten/Dauer/Koppelung

Vereinigten Staaten
Dieses Abkommen wäre abhängig vom Inkrafttreten des START-Abkommens. Ein
Vertrag über Verteidigung im Weltraum
wäre von unbegrenzter Dauer, wobei
die Länge eines "näher zu bezeichnenden Zeitraums" des Nichtrücktritts
vom ABM-Vertag noch ausgehandelt und
der ABM-Vertrag während dieses Zeitraums und bis jede Seite das Recht
zur Stationierung wahrnimmt, eingehalten werden müßte.
Der Vertrag
über Verteidigung im Weltraum muß unabhängig
sein.
Ein START-Vertrag
sollte nicht an den Abschluß eines
Vertrags über Verteidigung im Weltraum gekoppelt sein.
Sowjetunion
Dieses Abkommen würde gleichzeitig
mit dem START-Vertrag in Kraft treten. Das Abkommen wird am Ende des
Nichtrücktrittszeitraums
auslaufen,
vorbehaltlich
anderer
Vereinbarungen.
Ein START-Vertrag kann nicht
ohne Lösung von Fragen der Verteidigung im Weltraum abgeschlossen werden. Das START-Abkommen würde außer
Kraft getzt, wenn irgendeine Partei
den ABM-Vertag oder dieses Abkommen
verletzt.

(U) RUcktrittsrechte
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten bestehen darauf, daß den Beteiligten die aufgrund
des Völkerrechts zuerkannten Rechte
zum Rücktritt vorbehalten bleiben etwa solche, die im Fall der Gefährdung höchster Interessen einer Seite
wahrgenommen werden könnten - sowie
das Recht auf Kündigung und vorläufige Aufhebung, wenn der Vertrag tatsächlich gebrochen wird.
Sowjetunion
Die Sowjets schlagen eine "bedingungslose"
Verpflichtung
für
den
Nichtrücktritt vor, derzufolge eine
Partei keine Gründe für den Rücktritt
vom Vertrag geltend machen kann.

(U)
System
nach
trittszeitraum

dem

Nichtrück-

Vereinigte Staaten
Gemäß der Vereinbarungen beim Washingtoner Gipfel werden eingehende
Gespräche über strategische Stabilität spätestens drei Jahre nach Ende
des näher bezeichneten Nichtrücktri-ttszeitraums beginnen, nachdem vorbehaltlich anderer Vereinbarungen
beider Parteien - jede Seite den weiteren Kurs ihrer Vorgehensweise frei
bestimmen kann. Jede Seite wird nach
diesem Zeitraum das Recht haben, eine
strategische Raketenabwehr J,.ÜWL ditf
Einrschränkungen des ABM-Vertrags hinan*. Izu stationieren, wenn sie die andere Partei sechs Monate vorher von
dieser Absicht schriftlich unterrichtet.
Sowjetunion
Eingehende Gespräche über strategische Stabilität werden spätestens
drei Jahre vor Ende des Nichtrücktrittszeitraums aufgenommen, nach dem
- vorbehaltlich anderslautender Vereinbarungen beider Seiten - jede Seite ihre weitere Vorgehensweise frei
bestimmen kann.
(Dem sowjetischen
Vorschlag zufolge würde jedoch das
Abkommen über Verteidigung im Weltraum am Ende des Nichtrücktrittszeitraums enden und damit wäre das RUcktrittsrecht wiederum vom ABM-Vertrag
abhängig). Die Sowjets schlagen vor,
daß diese Gespräche sich mit den
"Problemen der ABM-Verteidigung (beschäftigen) und dabei die neue Situation berücksichtigen, die sich aus
Reduzierungen bei den strategischen
Streitkräften ergibt". Wenn bei diesen Gesprächen keine anderslautenden
Vereinbarungen getroffen werden, wird
nach Ablauf des Abkommens über Verteidigung im Weltraum
jede Seite
selbst ihre weitere Vorgehensweise im
Hinblick auf den ABM-Vertrag und den
START-Vertrag bestimmen können, wenn
sie dabei die entsprechenden Modalitäten dieser Verträge einhält. Die
Sowjets vertreten daher die Auffassung, daß beim Washingtoner Gipfel
kein "Stationierungsrecht" vereinbart

�«k

wurde, jedoch die nach dem ABM-Vertrag
vorgesehenen
RUcktrittsrechte
nach dem Nichtriicktrittszeitraum wieder gelten.

Berechenbarkeit
Vereinigte Staaten
Die Beteiligten werden Möglichkeiten
erörtern, um die Berechenbarkeit in
der Entwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen Bereich unter der Bedingung
strategischer Stabilität zur Reduzierung des Risikos eines Nuklearkrieges
zu gewährleisten. Im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen und um für die
strategischen
Verteidigungsprogramme
der jeweils anderen Seite Berechenbarkeit für alle Beteiligten sicherzustellen, haben
die
Vereinigten
Staaten die folgenden Maßnahmen im
Bereich der strategischen Verteidigung gegen ballistische Raketen vorgelegt, die auf Grundlage von Gegenseitigkeit, Vergleichbarkeit und auf
freiwilliger Basis verwirklicht werden sollen: jährlicher Austausch von
programmatischen Daten und Expertentreffen, Informationsgespräche, Besuche von Labors und Beobachtung von
Versuchen.
Die Vereinigten Staaten
haben darauf verwiesen, daß die von
den Sowjets vorgeschlagenen Verifizierungsmaßnahmen nicht durchführbar
sind und die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gefährden könnten. Beide Seiten arbeiten am Entwurf eines Protokolls zu
diesen Punkten.
Sowjetunion
Die Beteiligten sollen Möglichkeiten
erörtern, um Berechenbarkeit bei der
Entwicklung eines amerikanisch-sowjetischen Verhätnisses im strategischen
Bereich zu gewährleisten und damit
das Risiko eines Atomkrieges vermindern.
Vereinigte Staaten
Die Vereinigten Staaten haben sowjetische Regierungsvertreter zum Besuch
zweier amerikanischer Einrichtungen
eingeladen, in denen Forschung über
- 8

eine strategische Verteidigung gegen
ballistische
Raketen
durchgeführt
wird.
Sowjetunion
Die Sowjets haben einige amerikanische Konzepte für vertrauensbildende
Maßnahmen akzeptiert, einschließlich
Datenaustausch, Expertentreffen und
Beobachtung von Tests. (Die Sowjets
haben nicht den amerikanischen Vorschlag akzeptiert, demzufolge Maßnahmen zur Berechenbarkeit Forschungsaktivitäten einschließen, die nicht mit
nationalen technischen Mitteln zu erfassen sind.) Dennoch würden die Sowjets solche Maßnahmen obligatorisch
machen, um die Einhaltung des ABMVertrags und die Aushandlung des Abkommens über Verteidigung im Weltraum
zu gewährleisten.
Darüber hinaus
schlagen sie einen Informationsaustausch vor, um zweifelhafte Situationen zu klären, ferner die Durchführung zwingender Vor-Ort-Inspektionen
bei bestimmten Einrichtungen, die Anlaß zur Besorgnis geben sowie die Lösung von Fragen der Einhaltung beim
Ständigen Konsultativausschuß. Beide
Seiten arbeiten am gemeinsamen Vertragsentwurf eines Protokolls zu diesen Fragen.
Die Sowjets haben zugestimmt, in Genf
die Einladung der Vereinigten Staaten
für Besuche sowjetischer Regierungsexperten bei zwei amerikanischen Einrichtungen zu erörtern, die Forschung
über strategische Verteidigung gegen
ballistische Raketen betreiben.

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Malta ist nicht Jalta&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rundfunkinterview des Präsidenten in Auszügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Veränderungen in Osteuropa belegen die Macht von Informationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eagleburger bei der RFE/RL-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeutter: Reformen im Agrarbereich können zur Beseitigung des Hungers beitragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede vor der FAO-Konferenz in Rom&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen:&lt;br /&gt;sowjetische Vorschläge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des ACDA&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
JiX«

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

50

22.

Dezember 1982

INHALT

-

DOKUMENTATION
USA wollen t o t a l e Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums Amerikanisch-sowjetisches Kommunique zur Überprüfung des ABM-Vertrages
Kampelman f o r d e r t Moskau erneut zur Einhaltung des Helsinki-Prozesses
auf

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechte und die Methode der Gewalt
- Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN Volkstribunal verurteilt sowjetische Massaker in Afghanistan

WIR WÜNSCHEN UNSEREN BEZIEHERN EIN
FROHES UND GESEGNETES WEIHNACHTSFEST
UND EIN
FRIEDLICHES UND ERFOLGREICHES NEUES JAHR

Belegexemplaren

D 5300 Bonn 2

Telex:

8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

USA WOLLEN TOTALE BESEITIGUNG DER NUKLEAREN MITTELSTRECKENRAKETEN
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 16. Dezember 1982
bekräftigt, daß sie eine "völlige Beseitigung" der landgestützten nuklearen
Mittel Streckensysteme (INF) anstrebt.

In einer an diesem Tag vom Weißen Haus

und vom amerikanischen Außenministerium herausgegebenen Erklärung wird betont,
daß die Vereinigten Staaten trotü des unzureichenden sowjetischen Vorschlages,
der der UdSSR das Monopol an modernen Mittelstreckenraketen ließe, ernsthaft
mit Moskau weiterverhandeln werden.
Die Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten die totale Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen landgestützten weiterreichenden nuklearen
Mittelstreckenraketen (INF), d.h. die Null-Null-Lösung, vorgeschlagen. Wie
Sie ferner aus öffentlichen sowjetischen Erklärungen wissen, haben die Sowjets
vorgeschlagen, daß nach fünf Jahren die UdSSR und die NATO auf eine Obergrenze
von 300 Nuklearraketen und Flugzeugen "mittlerer Reichweite" in Europa oder
"für den Einsatz in Europa vorgesehen" abbauen, wobei die britischen und französischen Streitkräfte eingeschlossen sein sollen.

Dieser altbekannte Stand-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�altbekannte Standpunkt, der im Grunde unverändert bestehen bleibt, würde es
den Sowjets erlauben, ihr Monopol gegenüber den Vereinigten Staaten an weiterreichenden INF-Raketen, vor allem ihre mobilen SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen in Europa und im asiatischen Rußland, aufrechtzuerhalten.

Die Zahl

der derzeit dislozierten SS-20 liegt bei 333 Abschußeinrichtungen.
Eine Zwischenobergrenze bei Raketen, wie sie kürzlich in der Presse
erwähnt wurde, würde höchstens einen Abbau einiger dieser hochmobilen Systeme
in Europa oder "für den Einsatz in Europa vorgesehen" erfordern, während wir
völlig auf unsere, beginnend Dezember 1983, vorgesehenen Dislozierungen von
PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten müßten.
Das würde den Sowjets ein beträchtliches Monopol an weitreichenden landgestützten INF-Systemen gegenüber dem Westen belassen, den Gesamtstand der sowjetischen Systeme nicht einschränken* die Nuklearstreitkräfte anderer Länder in
die bilateralen Verhandlungen hineinziehen und wäre völlig unzureichend als
Lösung des INF-Problems, da es die politische und militärische Bedrohung des
Bündnisses durch weiterreichende sowjetische INF-Raketen nicht beseitigen würde.
Wir werden die Verhandlungen ernsthaft weiterführen.

Im Laufe dieser

Verhandlungen haben wir und die Sowjets unsere Positionen in formellen und informellen Kontakten näher dargelegt. Wir werden den sowjetischen Standpunkt
weiter prüfen,und dieser wird zu den Dingen gehören, die wir besprechen werden,
wenn am 27. Januar die nächste Verhandlungsrunde beginnt.
Wir haben unsere Verbündeten über die laufenden Verhandlungen voll informiert. Wir und unsere Verbündeten haben auf drei NATO-Tagungen in jüngster
Zeit auf der Ebene der Außenminister oder der Verteidigungsminister bekräftigt,
daß die Null-Null-Lösung das beste Rüstungskontrollergebnis ist und bleibt,
da sie die Systeme, die für beide Seiten die größten Besorgnisse verursachen,
beseitigen würde. Der Präsident und seine Administration sind voll und ganz
überzeugt, daß dieser sorgfältig ausgearbeitete Vorschlag vernünftig ist. Kein
anderer könnte für alle Betroffenen fairer sein.

+ + + + +

�I7TT37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUR ÜBERPRÜFUNG
DES ABM-VERTRAGES

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
den Abschluß ihrer Überprüfung des Vertrages über Raketenabwehr-Raketen (ABMVertrag) von 1972 bekanntgegeben. Die Überprüfung fand vom 9. November bis
15. Dezember 1982 in der Ständigen amerikanisch-sowjetischen Konsultativkommission in Genf statt.
Das dazu am 15. Dezember in Genf veröffentlichte gemeinsame amerikanischsowjetische Kommunique hat folgenden Wortlaut:
Gemäß den Bestimmungen von Artikel XIV des Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Begrenzung von Raketenabwehr-Raketen-Systemen (ABM) vom 26. Mai 1972,
der am 3. Oktober 1972 in Kraft trat und durch das Zusatzprotokoll vom 3. Juli
1974 ergänzt wurde, haben die Vertragspartner nach der zweiten Fünfjahresperiode
seines Bestehens zusammen eine Überprüfung des Vertrages vorgenommen.

Durch

Übereinkommen zwischen den Vertragspartnern wurde die Überprüfung vom 9. November 1982 bis 15. Dezember 1982 in einer Sitzung der zu diesem Zweck besonders einberufenen Ständigen Konsultativkommission vorgenommen.
Im Zuge

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Telex: 8-85432

�Im Zuge der Überprüfung haben die Vertragspartner die Präambel und
die Artikel des Vertrages und des Protokolls sorgfältig untersucht und ihre
Verwirklichung in dem von der Überprüfung erfaßten Zeitraum bewertet.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben jeder ihre Verpflichtung auf die Ziele und Zwecke des Vertrages sowie auf den Konsultationsprozeß im Rahmen der Ständigen Konsultativkommission bekräftigt, um die Verwirklichung der Ziele und Bestimmungen des Vertrages und des Zusatzprotokolls
vom 3. Juli 1974 zu fördern.

+ + + + +

- 2 -

�22. Dezember 1982

50

KAMPELMAN FORDERT MOSKAU ERNEUT ZUR EINHALTUNG DES HELSINKI-PROZESSES AUF

MADRID - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid, Botschafter Max Kampelman, hat die Sowjetunion
erneut aufgefordert, sich ohne Vorbehalt für die Einhaltung des Prozesses von
Helsinki und für eine dritte Nachfolgekonferenz einzusetzen.

Kampelman sprach

am 15. Dezember 1982 auf einem informellen Treffen der KSZE-Delegationschefs
in der spanischen Hauptstadt.

Eine solche Verpflichtung Moskaus, so sagte er,

würde dazu beitragen, die Luft zu reinigen und das Vertrauen in die gegenwärtige Nachfolgekonferenz wiederherzustellen.

Die Konferenz hat sich inzwi-

schen bis zum 8. Februar 1983 vertagt.
Die Rede Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, es kann möglich sein, daß ich auf der Plenarsitzung
der Konferenz, die für diesen Freitag angesetzt ist, nicht anwesend bin. Daher möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um die Ansicht der amerikanischen
Delegation kurz darzulegen, wo diese Phase unseres Treffens zum Abschluß
kommt.
Obwohl wir

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Telex: 8-85432

�Obwohl wir darüber enttäuscht sind, daß wir noch keine Einigung erzielt
haben, war dies doch in mancher Hinsicht eine positive sechswöchige Periode,
wenn sie allerdings auch bedeutsame negative Aspekte aufzuweisen hatte.

Eine

Gruppe von Staaten, der wir uns angeschlossen haben, hat eine Reihe von Änderungen für das Papier RM-39 vorgeschlagen, die unsere Ansichten darüber wiedergeben, was denn zu einem ausgewogenen und wesentlichen Abschlußdokument beitragen könnte.
Viele dieser Änderungen sind inzwischen ernsthaft erörtert worden.
ist schon an sich ein positives Zeichen.

Das

Unsere Erörterungen haben es ferner

deutlich werden lassen, daß die hier vertretenen Delegationen das Dokument
RM-39 in verä'ndeter Form als eine vereinbarte Basis für die Fortsetzung unserer
Arbeit ansehen.

Auch das ist ein positives Zeichen.

Darüber hinaus haben wir in ernsthaften, wenn auch mehr informellen
Diskussionen eingehend sondiert, wie ein Mandat erreicht werden kann, das zu
einer Konferenz über Sicherheit und Vertrauensbildende Maßnahmen führen würde.
Hinsichtlich dieses Mandats gibt es noch einen wesentlichen Punkt, der uns immer noch trennt:

nämlich eine Entscheidung über eine klare und genaue Defini-

tion der Anwendungszone dieser Maßnahmen.

Die Tatsache, daß wir unsere ent-

sprechenden Positionen geklärt haben und dadurch möglicherweise einer Einigung
nähergekommen sind, ist eine positive Entwicklung.
Diese Phase unserer Konferenz hat uns ferner die Möglichkeit geboten,
die Dimensionen der anderen Schwierigkeiten, denen wir uns hier gegenübersehen,
näher zu definieren und vielleicht besser zu verstehen. Auch in diesem Zusammenhang waren informalle Gespräche nützlich. Unsere unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Menschenrechte haben eine große Kluft zwischen uns
aufgezeigt. Ein großer Teil unseres Meinungsaustausches über humanitäre Anliegen waren konstruktiv und nützlich und werden, wie wir hoffen, zu einer Einengung einiger unserer textlichen Differenzen führen. So hat beispielsweise
meine Delegation das Gefühl, daß unsere Position und unsere Forderungen von
anderen hier anwesenden Delegationen voll verstanden werden, ob es nun schon
eine Übereinstimmung zwischen uns gibt oder nicht. Auch das halten wir für
- 2 -

�wir für ein positives Zeichen, wie auch die gestrige Erklärung des Leiters
der sowjetischen Delegation, daß unsere "Meinungsunterschiede nicht unüberwindbar sind."
Unsere Beurteilung wäre natürlich weitaus positiver, wenn wir überzeugt
sein könnten, daß sich andere Delegationen konstruktiv mit unseren Besorgnissen
auseinandersetzen würden; aber wir haben gelernt, bei der Behandlung grundlegender Fragen der Art, wie wir uns ihnen hier in Madrid gegenübersehen, nicht
ungeduldig zu sein.
Es gab aber auch auf unseren Sitzungen während der vergangenen sechs
Wochen negative Aspekte. Wir mußten einige nicht angebrachte scharfe Auseinandersetzungen erleben. Manchmal ist so etwas ja nützlich, aber eben nicht
immer. Ich kann verstehen, daß die Mißtöne eines solchen Meinungsaustausches
nicht unbedingt angenehm für die Ohren aller klingen. Wir alle würden es vorziehen, wenn es für Unstimmigkeiten hier keinen Anlaß gäbe. Ich glaube jedoch,
daß alle von uns zu würdigen wissen, daß die von uns erörterten Fragen ernsthafte und tiefgreifende Themen sind, die direkt mit der Schlußakte von Helsinki
in Verbindung stehen. Die Unterschiede zwischen den in diesem Gremium vertretenen Auffassungen sind profunde, und wir und andere nehmen sie ernst. Mit
den auf diese Weise ausgelösten Spannungen mußte also gerechnet werden, selbst
wenn sie zuweilen übertrieben erscheinen. Glücklicherweise besteht meiner Meinung nach der beiderseitige Wunsch, die Emotionen des Augenblicks zu überwinden mit Rücksicht auf die größere Notwendigkeit, unsere Gespräche im ernsthaften Dienst des Friedens fortzusetzen. Lassen Sie mich hinzufügen, daß die
Größe eines Staates nicht unbedingt ein Maßstab ist für seine Verpflichtung
für den Frieden.

Wir bedauern ferner, daß es uns nicht möglich war, diesen Sechswochenzeitraum erfolgreicher zu nutzen, um unsere Meinungsverschiedenheiten substantieller einzuengen, als dies der Fall war.

Es hätte der Arbeit gedient,

der wir uns nach dem Wiederzusammentreten dieser Konferenz gegenübersehen werden, wenn wir dieses Ziel hätten erreichen können.
Noch bedeutsamer
- 3 -

�Noch bedeutsamer ist, daß unsere Delegation überaus bestürzt war über
die wachsenden und verstärkten Menschenrechtsverletzungen seit dem Beginn der
Konferenz in Madrid.

Dies steht nach unserer Ansicht in völligem Gegensatz

zum Geist und Buchstaben der Vereinbarungen, die wir im Jahre 1975 getroffen
hatten. Wir haben diese Einzelheiten sehr ausführlich erörtert.

Die Verhaf-

tungen und Bestrafungen dauern an.
Es ist unserer Meinung nach von trauriger Bedeutsamkeit, daß erst
am letzten Freitag, am Tag der Menschenrechte, Presseberichten zufolge etwa
60 Menschen auf dem Puschkin-Platz in Moskau verhaftet wurden, als sie diesen
Tag in stillem Protest begingen.

Diese Verhaftungen sowie die unverantwort-

lichen Ausfälle der sowjetischen Delegation auf unsere Erklärung zum Tag der
Menschenrechte stehen in scharfem und negativen Kontrast zu der Erklärung, die
die sowjetische Delegation auf unserer Plenarsitzung anläßlich des Tages der
Menschenrechte

am 11. Dezember vorigen Jahres abgegeben hat.

Diese Ereignisse werfen ohne Zweifel einen starken Schatten auf unsere
Konferenz - auch wenn die sowjetische Delegation sie als innere Angelegenheiten
hinstellen möchte.
Herr Vorsitzender, ich möchte mit der Bekräftigung schließen, daß die
amerikanische Delegation geduldig ihre Suche nach einer Verständigung und Übereinkunft unter allen hier anwesenden Staaten fortsetzen wird. Wir werden unsere Werte bekräftigen und unsere Vorstellungen hinsichtlich dessen unterstreichen,
was für einen Abbau der Spannungen zwischen uns erforderlich ist. Es ist sowohl unser Recht als auch unsere Pflicht, dies auf unseren Zusammenkünften zu
tun. Es wäre uns viel lieber, wenn wir nicht kritisch sein müßten; und wir
hoffen auf den Tag, da unsere Meinungsverschiedenheiten immer geringer sein
werden bei unserer gemeinsamen Arbeit für Frieden, Zusammenarbeit und gegenseitige Sicherheit.
Ein Schritt, den wir alle während dieser Woche vor unserer Vertagung tun
könnten und der die Atmosphäre dieses Treffens wesentlich verbessern würde,
wäre, ohne Vorbehalte darin übereinzustimmen, daß wir uns alle für eine dritte
- 4 -

�eine dritte Folgekonferenz nach Madrid einsetzen.

Unser Eintreten für den

Prozeß von Helsinki veranlaßte uns im September und Oktober 1980 während der
Vorbereitungskonferenz zu einer solchen Verpflichtung.

Wir haben seither

wiederholt vorgeschlagen, daß sich die sowjetische Delegation uns im Hinblick
auf eine solche vorbehaltlose KSZE-Verpflichtung anschließen möge.
dies auch heute wieder.

Wir tun

Der Delegierte der Sowjetunion sprach gestern von der

Notwendigkeit, die Luft zu "reinigen".

Wir stimmen ihm zu.

Der kleine Schritt,

den wir jetzt vorschlagen, würde in diese Richtung führen und erheblich zur
Wiederherstellung des Vertrauens in diese Konferenz beitragen.

In aller Ehr-

erbietung mache ich diesen Vorschlag in demselben konstruktiven Geist, der
"Stoff zum Nachdenken" geben soll, wie wir gestern hörten.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird im Februar hierher zurückkehren mit der Verpflichtung, für ein ausgewogenes und wesentliches Abschlußdokument zu arbeiten, das sich auf das Dokument RM-39 und die von uns unterbreiteten Änderungen stützt. Wir hoffen aufrichtig, daß wir bei unserer Rückkehr eine Atmosphäre antreffen werden, die dem Erreichen eines solchen Ergebnisses förderlich sein wird.
In der Zwischenzeit wollen wir uns vor Augen halten, daß wir historisch
gesehen in einer umwälzenden und schnellebigen Welt leben, deren Hauptmerkmal der Griff des Menschen - geistig wie physisch - nach schier unglaublichen
Dimensionen ist. In einer sehr kurzen Zeitspanne ist unerhört viel erreicht
worden. Noch vor 500 Jahren kannte die menschliche Rasse nicht einmal das Ausmaß ganzer Kontinente auf unserem Planeten. Und doch können wir heute unseren
gesamten Planeten in 90 Minuten umkreisen und sogar andere erforschen. Unsere
nächste Aufgabe ist es gleichermaßen, unsere geistigen Kräfte zu erweitern und
zu vertiefen, sodaß wir vielleicht lernen, die menschlichen Werte zu stärken,
die integrale Teile unseres Wesens sind. Vielleicht lernen wir durch diese
Erweiterung unserer evolutionären Entwicklung, in Frieden und Würde miteinander
zu leben.
Es ist gesagt worden, daß wir wie die Fische schwimmen und wie die Vögel
fliegen können.

Unsere nächste Aufgabe muß es sein, als Menschen miteinander

auf der Erde leben zu können.
+ + + + +
- 5 -

�50

22. Dezember 1982

DIE MENSCHENRECHTE UND DIE METHODE DER GEWALT
Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN -

Der nachfolgende Artikel basiert auf
einer Rede, die Botschafterin Jeane
Kirkpatrick vor dem Ausschuß für soziale, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten der Vereinten Nationen gehalten hat.

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ist integraler Bestandteil aller wesentlichen politischen Werte - genau wie die Mißachtung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten eine unmittelbare Verbindung mit allen politischen Verbrechen
großen Ausmaßes eingeht.
Es gibt grundsätzlich zwei Methoden des politischen Handelns im Innern
wie nach außen: einmal die Methode der freiwilligen Übereinstimmung, der Zustimmung, zum anderen die Methode der Gewalt.
In der

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Telex: 8-85432

�In der Innenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung:
Erlaubnis der Regierten.
zwungen werden.

Regieren mit

Zustimmung muß erteilt werden, sie kann nicht er-

Diese Zustimmung kann es nur dann geben, wenn zugleich auch

die Freiheit besteht, sie zu verweigern - Nachforschungen anzustellen, zu
diskutieren, anderer Meinung zu sein.

In ihrer institutionellen Formgebung

ist die Methode der Zustimmung Demokratie.
Auch in der Außenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung Respekt
vor der nationalen Unabhängigkeit und der souveränen Gleichheit aller.

Es

bedeutet, daß sich die Beziehungen zwischen den Staaten auf Oberzeugung gründen, auf Zusammenarbeit, auf Verträge - und macht erforderlich, daß Staaten
auch das Recht zur Meinungsverschiedenheit haben, zur Verweigerung der Zusammenarbeit.

Zustimmung steht im vollständigen Gegensatz zu Eroberung.

Die Methode der Zustimmung respektiert die Menschenrechte. Sie ermutigt
zu Initiativen, Innovation, Willensanstrengung. Gesellschaften, deren Regierungen sich auf die Methode der Zustimmung verlassen, schaffen keine Flüchtlinge.
Die Methode der Gewalt steht in scharfem Kontrast zu der Methode der
Zustimmung. Auf die innenpolitischen Verhältnisse eines Staates angewandt,
stützt die Methode der Gewalt ihre Macht auf Zwang, erzwingt sich Konformität
und achtet weder das Gesetz, noch die Gebräuche, noch die Wünsche der Regierten. In ihrer institutionellen Ausformung ist sie Autokratie.
In der Außenpolitik bedeutet die Methode der Gewalt Invasion, Okkupation,
Eroberung. Sie respektiert weder die territoriale Integrität von Staaten,
noch das Recht auf Selbstbestimmung oder Selbstregierung von Völkern. Die
Methode der Gewalt schafft in großem Maße Verletzungen der Menschenrechte
der jeweiligen Opfer. Der klarste Ausdruck der Methode der Gewalt ist Krieg.
Die Methode der Gewalt will mundtot machen, sie will nicht überzeugen.
Es geht ihr mehr um Macht als um Wahrheit, Freiheit oder Gesetz.
die Kontrolle der Zustimmung vor.

Sie zieht

Sie beraubt diejenigen, gegen die sie ange- 2 -

�sie angewandt wird, ihrer menschlichen Grundrechte - ihres Rechtes auf Leben, Freiheit, Sicherheit und Gleichheit vor dem Gesetz.

Heute beraubt die

Methode der Gewalt das polnische Volk seines Rechtes auf Versammlungsfreiheit.

Auf die Gründung unabhängiger Gewerkschaften und auf Tarifverhandlun-

gen sowie seines Rechtes auf Mitsprache bei den grundlegenden gesellschaftlichen Entscheidungen.
über die Grenzen hinweg - auch in Afghanistan etwa oder Kampuchea beraubt die Methode der Gewalt ganze Gesellschaften der Selbstbestimmung,
der Sicherheit und des Friedens.

Sie wird eingesetzt gegen diese Völker,

gegen ihre Kulturen, ihre sozialen Institutionen, ihre religiösen Praktiken,
ihre Volkswirtschaften und ihre Regierungen.
Die Gewalt ist ein Angriff auf die Menschenwürde, auf die Menschenrechte und auf die Grundfreiheiten. Sie stützt sich dabei auf Armeen, Gewehre, Bomben, Giftgas, Mykotoxine, um Unterwerfung zu erzwingen.
Sie bringt das hervor, was wir hier "Massenexodus" nennen - tragische
Menschenströme von Flüchtlingen, die ihre Heimat aus Furcht um Leben und
Freiheit verlassen.
Angesichts der Unvereinbarkeit von Gewalt einerseits und Menschenrechten
und Freiheit andererseits, könnte man vermuten, daß die Sorgen der Vereinten Nationen um die Menschenrechte die Methode der Gewalt im Innern wie nach
außen als im Gegensatz zu ihrer Charta stehend erscheinen lassen würde.
Aber man sieht in vielen Fällen mit Entrüstung, daß die Anwendung von Gewalt
und die Verletzung der Menschenrechte nicht als eine Verletzung der Charta
angesehen werden.

Die meisten Menschenrechtsfragen, mit denen sich die zu-

ständigen Stellen der Vereinten Nationen in den letzten Jahren beschäftigt
haben, gehören zu einer einzigen Gruppe: Es handelt sich um verhältnismäßig
kleine, relativ unterentwickelte, nichtkommunistische Staaten, die nicht Mitglied eines größeren Blocks sind, die Angriffsziel einer nationalen Befreiungsbewegung mit wesentlicher Bindung an den Sowjetblock sind, sowie Staaten,
die sich dadurch selbst zu schützen suchen, daß sie auf Regierungsseite Ge- 3 -

�Regierungsseite Gewalt gegen die Gewalt der Guerilla einsetzen.
Auf nur relativ wenige Regierungen treffen alle diese Kriterien zu.
Es gibt viele kleine Entwicklungsländer, aber die meisten erhalten Schutz
durch ihre Zugehörigkeit zu einem Machtblock.

Zudem sind nicht alle kleinen

Entwicklungsländer Objekt aktiver, revolutionärer Gewalt, und alle Regierungen dieser Art widerstehen auch nicht den gewaltsamen Attacken - sie geben einfach auf.
Die meisten der Menschenrechtsverletzungen, denen die Aufmerksamkeit
der Vereinten Nationen zuteil wird, beziehen sich auf Lateinamerika - und
sicher nicht, weil die größten Menschenrechtsverletzungen unseres Jahrhunderts etwa dort stattgefunden hätten.
völkerausrottendes

Der Holocaust, der GULAG, Pol Pots

Utopia, die vietnamesischen Arbeitslager, Idi Amins

Schlachthaus haben in Europa, Asien und Afrika zu Menschenrechtsverletzungen
von einem Ausmaß geführt, wie sie die westliche Hemisphäre nicht kennt.
Dennoch zeigen - wie unser Kollege von Venezuela vorige Woche in diesem
Ausschuß feststellte - die zuständigen Stellen der Vereinten Nationen "eine
besondere Vorliebe für jene kleinen Länder, denen es offenbar an den strategischen Ressourcen einer großen Zuhörerschaft fehlt".
Ein islamisches oder afrikanisches Land, das zum Ziel gewaltsamer
Guerillaangriffe wird, würde gegen Menschenrechtsforderungen der Vereinten
Nationen durch seine Teilhabe an einem Netz von Schutzallianzen gewappnet
sein - Regionalorganisationen wie die Blockfreienbewegung, die Gruppe der 77
oder andere Blockbildungen.
Obgleich ihre Unterdrückung im Innern und ihre Aggression nach außen
deutlich und nur zu bekannt sind, werden Länder, die mit der Sowjetunion
liiert sind, gegen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen durch ihre Mitgliedschaft im sowjetischen Block geschützt, der - wie auch andere Blöcke als gegenseitige Schutzgemeinschaft fungiert. Die Tatsache, daß viele Mitglieder des Sowjetblocks zugleich Mitglieder anderer Gruppierungen sind,

- 4 -

�Gruppierungen sind, erhöht nur noch ihre Einflußmöglichkeiten.

Kubas Status

als Präsident der Blockfreienbewegung symbolisiert dieses Muster der sich
überschneidenden Mitgliedschaft und des umfassenderen Einflusses.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund dafür, daß die Sowjetunion und
ihr Block wirksam die Aufmerksamkeit der UN-Menschenrechtsgremien von sich
ablenken.

Sie war nämlich überaus erfolgreich darin - und zwar sowohl hier

bei den Vereinten Nationen als auch bei einflußreichen Kreisen außerhalb
dieser Körperschaft -, eine perverse Doktrin der Gewalt und der Menschenrechte an den Mann zu bringen, die die traditionellen Konzeptionen auf den
Kopf stellt:

Während herkömmlicherweise die Staaten dahingehend definiert

wurden, ein Monopol bei der legitimen Anwendung von Gewalt zu haben, betrachtet man nunmehr die Befreiungsbewegungen als diejenigen, die ein Monopol auf
den legitimen Einsatz von Gewalt hätten.
Nach dieser verdrehten Vorstellung von Menschenrechten und Selbstverteidigung wird die revolutionäre Gewalt - d.h. Gewalt, die von jenen ausgeübt wird, die mit der Sowjetunion und deren Anhängern liiert sind - als
gerechter Protest gegen eine ungerechte Gesellschaft definiert. Diese Art
von Gewalt mag den Tod von Zivilisten, von Bomben zerrissene Schulkinder,
gewaltige wirtschaftliche Zerstörung zur Folge haben - aber sie wird nicht
als eine Verletzung der Menschenrechte angesehen, solange sie im Namen der
Revolution gegen irgendeine Gesellschaft verübt wird, deren Bürger sich
nicht all jener Rechte erfreuen, die in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung aufgelistet sind - und das sind heute die meisten Gesellschaften dieser Erde.
Ganzen Völkern mögen ihre Häuser und Dörfer zerstört werden, ihre Ernten
vernichtet, ihr Vieh getötet, sie mögen gewaltsam in Lager "umgesiedelt"
werden, ohne daß dies auch nur igendwelches Interesse oder irgendwelche Aktivitäten etwa des Menschenrechtsausschusses bewirkt.

Ganze Völker mögen

überfallen werden, erobert, zusammengefercht, über Grenzen hinweggetrieben,
ihre Felder mit Giftstoffen verwüstet, ihre Luft von Gelbem Regen verpestet
werden - ohne daß man sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen ansieht.
Es möqen
- 5 -

�Es mögen ihre Elektrizitätswerke gesprengt, ihre Kaffee-Ernten zerstört,
ihre führenden Politiker ermordet werden, ohne daß sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen angesehen werden - vorausgesetzt, die Urheber dieser Gewalt, dieser schrecklichen Mißbrauche, sind "progressive" nationale Befreiungsbewegungen, bewaffnet, ausgebildet und bedient von den professionellen
Hoflieferanten der revolutionären Gewalt.

Nur Regierungen, die den Versuch

unternehmen, diese Gewalt zu unterdrücken, werden als Beispiel für Menschenrechtsverletzungen genannt.
Die Spezialisten der Gewalt wissen ganz genau, daß der Terrorismus und
die Guerilla für die organisierten Gesellschaften ein ungeheuer schwieriges
Problem darstellen.
Chaos und der Morde.

Sie verursachen eine Spirale der Unterdrückung, des
Sogar starke, bewährte Regierungen und Staaten, erfah-

ren im Umgang mit der Macht und ihrer Eindämmung, haben Schwierigkeiten bei
der Kontrolle des organisierten politischen Verbrechens.
Aber ein Menschenrechtskonzept, das den Krieg der Guerilla gegen
listen ignoriert und sich ausschließlich auf die Vergeltungsmaßnahmen
Regierung konzentriert, ist überhaupt kein Menschenrechtskonzept. Es
vielmehr eine politische Methode, die den Sieg für eine bestimmte Art
tisch geforderter "Befreiung" anstrebt.

Zivieiner
ist
sowje-

Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß der Terror,
den revolutionäre Bewegungen gegen eine Zivilbevölkerung betreiben, Befreiung sei, während die Gewalt, die eine Regierung in Reaktion auf diese Guerilla
anwendet, Unterdrückung sei.
Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß nationale
Befreiungsbewegungen das Recht hätten, Gewalt gegen Zivilisten, gegen die
Wirtschaft, gegen die Gesellschaft und gegen Regierungen anzuwenden, während diese Gesellschaften kein Recht hätten, sich zu verteidigen; daß die
im Namen der Revolution angewandte Gewalt legitim und die von Regierungen
und Gesellschaften zu ihrer eigenen Verteidigung gegen die Guerilla eingesetzte Gewalt hingegen nicht legitim sei.
So geht
- 6 -

�So geht das nicht!

Denn die Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache

- die Methode der Gewalt zeigt sich als Methode der Tyrannei in der Innenpolitik und als Aggression in den internationalen Beziehungen.

Die Tyrannen

von heute brauchen Gewalt gegen ihr eigenes Volk und Gewalt gegen ihre Nachbarn.
In unserer Zeit herrschen die Bewegungen, die die totale Herrschaft
mittels terroristischer Gewalt errungen haben, dann auch mit Gewalt.
Der fortgesetzte und weitverbreitete Mißbrauch der Menschenrechte auf
der Welt stellt eine Herausforderung für all jene Völker und Regierungen dar,
die sich der Förderung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten verpflichtet
fühlen.

Ein ernsthafter Versuch zur Lösung dieses Problems würde alles in

Rechnung stellen, was zu einer Verwehrung von Freiheit, Gesetz und Sicherheit
durch organisierte politische Gruppierungen führt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Verwendung tödlicher Gifte
und Gase gegen die Hmong mit in seine Überlegungen einbeziehen, die Zehntausende

von Vietnamesen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Arbeitslagern

fern ihrer Heimat eingesperrt sind, ebenso wie den andauernden Aderlaß an
Menschen, den die Tatsache der Flüchtlinge aus den kommunistischen Ländern
Südostasiens hinaus auf das Chinesische Meer darstellt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Unterdrückung und das Verbot
der Solidarität mit einbeziehen, die Internierung der meisten ihrer Führer
sowie die Verwehrung des Versammlungsrechts, der TarifVerhandlungen und
der freien Rede in ganz Osteuropa.
Und er würde miteinbeziehen die anhaltende, massive, flagrante Verletzung der Rechte und der Grundfreiheiten des afghanischen Volkes durch die
Sowjetunion, ihre Unterdrückung der Überwachungsgruppen der Schlußakte von
Helsinki, die brutale Verhaftung von Anatoli Schtscharanski, den Mißbrauch
psychiatrischer Behandlung, die Vorenthaltung des Rechts auf Auswanderung
und die Maßnahmen gegen Andreij Sacharow.
Ein solch
- 7 -

�Ein solch ernsthafter Versuch müßte sich auch mit der Flucht von über
30 000 Ugandern nach Ruanda auseinandersetzen genauso wie mit der Unterdrückung in anderen afrikanischen Staaten, wo die Freiheit verwehrt und das
Gesetz mißachtet wird.

Und er müßte sich mit der Apartheid in Südafrika

beschäftigen.
Schließlich müßte er an die legalen und sozialen Rechte der Frauen und
der "Unberührbaren" denken.
Und im Zusammenhang mit all diesen anderen Problemen, würde ein solch
ernsthafter Versuch sich dann auch zweifellos mit den Menschenrechtsverletzungen durch einige Gruppierungen und Regierungen in einigen der lateinamerikanischen Republiken auseinandersetzen.
Dabei ginge es dann um die von Chile ins Exil Getriebenen, um die
"Desaparecidos" in Argentinien, um Gewalt von rechts wie von links in
Guatemala und El Salvador - aber auch um die grausame Behandlung der Miskito-,
Suma- und Rama-Indianer in Nicaragua, um die dortige Unterdrückung der Pressefreiheit und um die große Anzahl politischer Gefangener in Kuba, von denen
manche in eindeutiger Verletzung von Kubas eigenem Recht und unter Mißachtung aller zivilisierten Praxis zum zweiten Mal aus gleichem Grund verurteilt
wurden.
Das Volk und die Regierung der Vereinigten Staaten glauben an die Methoden der Zustimmung, und wir verurteilen alle - ich wiederhole:

alle - Prak-

tiken der Methode der Gewalt im innen- wie im außenpolitischen Bereich.

Wir

drängen darauf, ja, wir fordern, daß selbst angegriffene Gesellschaften bei
ihrer Verteidigung die Disziplin der Freiheit und des Gesetzes praktizieren.
Die Vereinigten Staaten sind willens und bereit, sich anderen Staaten
dabei anzuschließen, sich ernsthaft mit diesen schwerwiegenden Problemen
auseinanderzusetzen. Menschenrechte und Grundfreiheiten sollten unser Ziel
und unser Maßstab sein - sie sollten nicht eine politische Waffe darstellen,

- 8 -

�Waffe darstellen, die selektiv von den Starken gegen die Schwachen, von
den Organisierten gegen die Nichtorganisierten angewandt wird.
Wir werden uns nicht an der weiteren Perversion und der selektiven Verwendung dieser Werte beteiligen. Wir werden unsere Stimme nicht zur Stärkung jener abgeben, die politische Vorteile mittels der Methode der Gewalt
zu erlangen suchen.

- 9 -

�50

22. Dezember 1982

VOLKSTRIBUNAL VERURTEILT SOWJETISCHE MASSAKER IN AFGHANISTAN

PARIS - (AD) - Das "Ständige Volkstribunal" (Permanent Tribunal of
Peoples), das sich auf einer fünftägigen Tagung vom 16. bis 20. Dezember 1982
in Paris mit den Vorgängen in Afghanistan befaßte, hat die eindeutig erwiesenen sowjetischen Massaker in diesem Lande nachdrücklich verurteilt. Das
Ständige Volkstribunal entstand aus dem bekannten Russell-Tribunal, das sich
1967 mit Menschenrechtsverletzungen in Vietnam und von 1973 bis 1975 mit solchen Verletzungen in Lateinamerika befaßt hat. Im Jahre 1979 in Bologna ins
Leben gerufen, hat das Ständige Volkstribunal bisher Sitzungen über die Westsahara, Argentinien, Eritrea, die Philippinen, El Salvador, Timor und Zaire
abgehalten. Die unabhängige, private Organisation, der bedeutende Vertreter
des öffentlichen Lebens, vor allem Wissenschaftler angehören, steht unter der
Leitung des französischen Mathematikers Laurent Schwartz von der Universität
Paris II.
Nachdem das Tribunal auf seiner ersten Tagung zu Afghanistan im Mai
1981 die sowjetische Invasion bereits scharf verurteilt hatte, befaßte es sich
auf seiner Sitzung in Paris vor allem mit den Waffen und Methoden der Kriegführung, den Kriegsgefangenen und dem Schicksal der Zivilbevölkerung in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Zivilbevölkerung in Afghanistan.
Wie der französische Wissenschaftler Ricardo Fraile am 17. Dezember berichtete, steht es fest, daß die Sowjets am 13. September 1982 in der Nähe
des Dorfes Chak - etwa 60 km südlich von Kabul - in einer Höhle die männliche
Bevölkerung des Dorfes einschlössen und verbrannten.

Was für eine Flüssigkeit

in die Höhle gepumpt und wie sie entzündet wurde, konnte vom französischen
Verteidigungsministerium - das Bodenproben aus der Höhle erhielt -, noch nicht
einwandfrei geklärt werden.

Fraile, der sich vom 16. November bis 2. Dezember

dieses Jahres an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhielt, versicherte,
daß nach allen vorliegenden Berichten bei dem Massaker in dem Dorf Chak 105
Menschen, darunter auch Kinder, umkamen.
Die vom Tribunal gehörten Zeugen sprachen übereinstimmend von getarnten
Sprengsätzen, die in Form von Kinderspielzeug oder Kugelschreibern schwere
Verletzungen bei Zivilisten, vor allem Kindern, verursachen. Es sei allerdings schwer, "eindeutige Beweise" für eine chemische Kriegführung zu finden;
jedoch lägen zahlreiche Berichte von Flüchtlingen und verwundeten Afghanen
vor.
Dr. B. A. Zikria von der Columbia-Universität erklärte vor dem Tribunal,
daß er als Arzt Afghanen behandelt habe, die "an Erkrankungen litten, die natürlicherweise nicht vorkommen, in der Medizin nicht beobachtet wurden und
nur mit der Geschichte der Einwirkung von Gas in Zusammenhang gebracht werden
können." Dr. Zikria führte dem Tribunal einen Film über die Behandlung eines
solchen Patienten vor. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Anhörungen
des Tribunals "sofort dem künftigen Einsatz chemischer Waffen und dem Schrecken
in Afghanistan Einhalt gebieten werden."
Zwei Afghanen berichteten über die trostlosen Verhältnisse, unter denen
die afghanische Bevölkerung unter der sowjetischen Besatzung lebt.

Ferner

sprachen sie von der Ermordung von Zivilisten, der Vergewaltigung von Frauen
und Mädchen, der Vernichtung von Lebensmitteln und der Verwüstung von Feldern.
Ebenso wurde von Folterungen in afghanischen Gefängnissen berichtet.
Bernard Dupaigne,

�Bernard Dupaigne, Kurator am Museum für Menschheitsgeschichte in Paris,
teilte mit, daß durch Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes fünf von
den afghanischen Freiheitskämpfern gefangengenommene sowjetische Soldaten nach
der Schweiz geflogen worden seien, während die Sowjets nicht einen einzigen
afghanischen Gefangenen zum Austausch gebracht hätten.
Wie Sprecher des Tribunals betonten, wurden auch sowjetische und afghanische Regierungsvertreter eingeladen, Stellung zu nehmen, es sei jedoch keine
Antwort erfolgt.

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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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22. Dezember 1993

RUSSLAND

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN
NICHT DIE EXTREMEN ANSICHTEN
SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung
für russischen Reformprozeß

GATT

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens

ATOMTESTVERBOT

VERHANDLUNGEN ÜBER
UMFASSENDES ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung

MENSCHENRECHTE

VEREINTE NATIONEN RICHTEN
AMT EINES HOCHKOMMISSARS FÜR
MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

PORTRAT

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE
FÄHIGKEITEN UND MILITÄRISCHEN
HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten
neuen Verteidigungsministers

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1993
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Beziehern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 • 339 23 72
Fax: 0228 3341 02

�RUSSLAND
22. Dezember 1993

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN NICHT
DIE EXTREMEN ANSICHTEN SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russischen Reformprozeß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton erklärte am
15. Dezember 1993, es gebe keine Beweise dafür, daß
das russische Volk die extremen außenpolitischen
Ansichten des ultranationalistischen Politikers Wladimir Schirinowski unterstützt.

der Kriminalität und der Inflation konzentrierte, nicht
jedoch auf seine Ansichten überdie Wiederherstellung
des russischen Imperiums, das sogar seit langem
nicht mehr zugehörige Gebiete wie Alaska und Finnland umschließen sollte.

Auf einer Pressekonferenz gab Clinton bekannt, er
plane keine Änderung der amerikanischen Politik zur
Unterstützung der Reformelemente in Rußland und
fügtehinzu: "ZurZeit ist es wichtig, nicht überzureagieren."

Der Präsident wies darauf hin, daß in Rußland noch
keine endgültigen Wahlergebnisse vorliegen und die
Zusammensetzung des Parlaments noch nicht feststeht. "Wir wissen noch nicht, wie das neue Parlament
aussehen wird", so Clinton. "Ob ich deswegen besorgt
bin? Ja, das bin ich. Ob ich der Ansicht bin, daß die
russische Politik einen gravierend neuen, gefährlichen
Kurs einschlagen wird? Meines Erachtens gibt es
hierfür keine Anzeichen."

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
ließ mittlerweile wissen, Rußlands Präsident Boris
Jelzin habe Vizepräsident Gore versichert, Moskau
werde weiterhin die Souveränität seiner Nachbarn
respektieren und den Kurs der russischen Außenpolitik nicht verändern. Dem Regierungsvertreter zufolge
teilte Jelzin Gore auch mit, die Politik der russischen
Regierung werde weiterhin auf politische und wirtschaftliche Reformen ausgerichtet bleiben.
Clinton teilte auf Fragen mit, er sei "besorgt" über
einige der von Schirinowskij, dem Führer der "sogenannten" Liberaldemokratischen Partei, gemachten
Äußerungen. Schirinowskij und seine Anhänger haben anscheinend ein Viertel der Listenplätze in einem
Wahlgang der aus vier Abstimmungen bestehenden
Wahl vom 12. Dezember in Rußland gewonnen. "Kein
Amerikaner, kein Bürger dieser Welt", teilte Clinton
einem Fragesteller mit, "der solche Kommentare liest,
wäre nicht besorgt".
Präsident Clinton machte jedoch auch deutlich: "Es ist
wichtig zu erkennen, daß wir zur Zeit keine Beweise
dafür haben, daß diejenigen, die für diese Partei stimmten, all diese Kommentare befürworten oder auch nur
davon wußten." Damit spielte der Präsident offensichtlich auf die Tatsache an, daß Schirinowskij aus
dem Nichts durch einen langen Fernsehwahlkampf in
Erscheinung getreten ist, der sich auf die Bekämpfung

AMERIKA DIENST 51

Da er nicht wisse, ob sich die russische Politik ändern
werde, sehe er zur Zeit keine Notwendigkeit zur Änderung seiner eigenen Politikder Unterstützung für Jelzin
und seine Reformbewegung. "Andererseits", fügte
Clinton hinzu, "müssen wir diese Entwicklung beobachten und in unser Handeln einbeziehen. Wir alle
sind gefordert, unsere Anstrengungen zu verdoppeln,
um den russischen Reformprozeß auf eine Art und
Weise zu unterstützen, von der der Bürger versteht,
daß sie ihm zum Vorteil gereicht."
Clinton wiederholte, er sei der Ansicht, das russische
Volk habe ein "Protestvotum" abgegeben, um sich
über die wirtschaftliche und psychologische Notlage
der letzten Jahre zu beschweren. Viele russische
Bürger hätten sich "in wirtschaftlicher Hinsicht wahrhaft im freien Fall befunden" und ... auch unter den
psychologischen Belastungen gelitten, die entstehen,
wenn die Menschen für weniger Geld härter arbeiten
müssen, oder wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren
oder als Ergebnis "all der Veränderungen" keine Verbesserungen sehen.
Der Präsident stellte fest, die Wahlen in Rußland
hätten "zwei Zentren demokratischer Legitimität" her-

Seite 1

�vorgebracht - das vom Volk gewählte Parlament und
Jelzin. "Sie werden eng zusammenarbeiten", so Clinton, "manchmal auf kalkulierbare Weise, manchmal
nicht; das wissen wir aus unserer hier gemachten
Erfahrung... Wir werden abwarten um zu sehen, wer
Parlamentsabgeordneter wird, was diese Menschen
tun und was sie äußern."

soviel wie von ihnen prognostiziert. Dadurch könnte
Schirinowskijs Liberaldemokratische Partei ungefähr
ein Viertel der 225 Listenplätze des Unterhauses erhalten; ein Drittel der Stimmen ist jedoch noch nicht
ausgezählt. Dem Regierungsvertreterzufolgewurden
die meisten der noch nicht gezählten Stimmen in
"großen, städtischen Gebieten abgegeben, wo die
Reformer gute Ergebnisse erwarten."

Die endgültigen Ergebnisse der Wahlen vom 12.
Dezember stehen noch nicht fest, da das Wahlverfah- Im zweiten Teil der Abstimmung über die Zusammenren kompliziert ist und die Wahlzettel in Rußland per setzung des Unterhauses werden 225 Sitze mit AbgeHand und nicht maschinell ausgezählt werden.
ordneten der Direktwahlkreise besetzt. Schätzungen
des Regierungsvertreters zufolge hatte Schirinowskijs
Der zuvor erwähnte hochrangige Regierungsvertreter Partei Kandidaten in nur 70 der 225 Wahlbezirke
erklärte, Jelzin habe Gore in Moskau mitgeteilt, "daß aufgestellt. Er stellte fest: "In den meisten Wahlkreidie russische Regierung einen entschiedenen Reform- sen sind sie noch nicht einmal im Rennen."
kurs beibehalten wird und insbesondere, daß die wirtschaftlichen und politischen Reformen fortgesetzt werden Nach Erhalt der Berichte au s 165 Wahlkreisen erklärte
und er (Jelzin) einer Zusammenarbeit mit dem russi- der Regierungsvertreter: "Die größten Gewinner sind
schen Parlament freudig entgegensieht". Jelzin teilte bei den sogenannten Unabhängigen zu verzeichnen,
Gore mit, "die Hauptlinien der russischen Außenpolitik die keiner Partei angehören." Die Unabhängigen
und die Achtung der Souveränität und territorialen haben ihm zufolge anscheinend 100 Sitze gewonnen.
Integrität der Nachbarstaaten durch die russische Von den übrigen Mandaten ging ein Drittel an die
Regierung werde weiterhin die russische Politik cha- Reformparteien und ein Viertel an die Kommunisten
rakterisieren."
und Agrarier. Er fügte hinzu, die Kandidaten Schirinowskijs hätten dem Anschein nach bei den EinzelerDer hochrangige Regierungsvertreter äußerte, die gebnissen aus den Direktwahlkreisen 'last nichts"
Administration sei der Ansicht, daß der russische gewonnen.
Reformprozeß sich über Jahrzehnte entwickeln werde
und "es von Bedeutung ist, daß wir während der Obwohl es ihm zufolge sowohl einen Block von Befürunvermeidlichen Hochs und Tiefs des Dramas der wortern als auch von Kritikern der ReformbemühunEvolution der russischen Reform unsere langfristigen gen gebe, deute nichts darauf hin, "daß wir alle zusamInteressen im Auge behalten. Wir halten es nicht für menarbeiten oder in vielerlei Hinsicht übereinstimmen
klug, die Dinge zu überstürzen oder bei den ersten werden".
Anzeichen für Schwierigkeiten unsere Politik neu zu
überdenken. Aus diesem Grund wollen wir unsere Folglich äußerte der Regierungsvertreter, es sei "ziemderzeitige Linie (der Unterstützung des Reformprozes- lich wahrscheinlich", daß das neue Parlament aus den
größten Blöcken zusammengesetzt werde... erstens,
ses und der Reformer) weiterverfolgen."
den Reformern, zweitens, den selbsternannten UnabDer amerikanische Regierungsvertreter wies darauf hängigen, drittens wahrscheinlich den Kommunisten
hin, Schirinowskij sei, obwohl die Medien ausführlich und dann wohl Schirinowskijs Kandidaten. "Das wird
über ihn berichteten, in der parlamentarischen Hierar- meines Erachtens die reale Machtverteilung im Parlachie aufgrund des komplizierten russischen Wahlver- ment sein", fuhr er fort.
fahrens eher am unteren Ende anzusiedeln. In einem
Teil der Wahl hätten mehr als 52 Prozent der Wähler Der Regierungsvertreter nannte allein die Tatsache,
die russische Verfassung angenommen. In einem daß Wahlen abgehalten wurden, einen Beweis dafür,
weiteren Teil wurden die Mitglieder des Oberhauses wieviel das russische Volk seit dem Zusammenbruch
gewählt. Dem Regierungsvertreter zufolge ist "fast des Kommunismus vor nur zwei Jahren erreicht habe.
Die Annahme der Verfassung "bietet die Struktur, die
nichts" über dieses Wahlergebnis bekannt.
Regeln für die politische Debatte und wird die Rechte
Bei den beiden Abstimmungen über die aus 450 Sitzen und Pflichten ... der Exekutiven und der Legislativen
bestehende Staatsduma hatte Schirinowskij die größ- festlegen. Im weitesten Sinne repräsentiert die Abten Gewinne zu verzeichnen. Amerikanische Wahl- stimmung das Ende der sowjetischen Ära und den
beobachter waren überrascht darüber, daß er unge- Beginn etwas vollkommen Neuen."
fähr 25 Prozent der Listenplätze gewann, fast doppelt

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AMERIKA DIENST 51

�GATT
22. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens
WASHINGTON - (AD) - Die zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union (EU) erzielten
Vereinbarungen über eine Reform des Handelssystems werden einer von der amerikanischen Mission in Genf
herausgegebenen Übersicht zufolge eine bedeutende Belebung für die amerikanische Wirtschaft darstellen, falls
sie von den anderen Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche angenommen
werden.
Die Übersicht gibt einen kurzen Überblick über 12 Verhandlungsbereiche und skizziert einige der aus dem
Abschluß der Uruguay-Runde am 15. Dezember 1993 resultierenden Vorteile für amerikanische Unternehmen,
Landwirte und die Wirtschaft im allgemeinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Übersicht.

Marktzugang für Industrieprodukte
Die Europäische Union wird ihre Zölle auf
amerikanische Exporte in die EU im Wert von
mehr als 5 Milliarden Dollar abschaffen, was
vielen der wettbewerbsfähigsten Industrien
Amerikas zugute kommt.
In der Branche der forstwirtschaftlichen Produkte, die 1,8 Millionen Amerikaner beschäftigt,
haben sich die EU und die Vereinigten Staaten
auf eine Abschaffung der Zölle geeinigt, falls
Japan und andere Handelspartner dem Beispiel
folgen. Dies wird enorme neue Chancen in
einem Sektor beinhalten, in dem die amerikanischen Exporte nach Europa bereits die Marke
von 1 Milliarde Dollar übersteigen.
Ähnliche Vorteile können wir bei pharmazeutischen Produkten, Baugerät, Agrarmaschinen,
medizinischen Geräten, Spirituosen, Bier, Möbeln
und in der Spielzeugindustrie erwarten - Bereichen, in denen die Vereinigten Staaten und die
EU ebenfalls die Zölle abschaffen werden.
In der Elektronikindustrie - die für die zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas von entscheidender Bedeutung ist - hat die EU einer Senkung ihrer Zölle auf amerikanische Exportartikel
um zwei Drittel zugestimmt. Dieser IndustrieAMERIKA DIENST 51

zweig exportiert bereits Halbleiter, Computer
und Telekommunikationsprodukte im Wert von
mehr als 13 Milliarden Dollar in die EU und
beschäftigt ungefähr 700.000 Amerikaner.
Agrarhandel
Wir haben ein Agrarpaket ausgehandelt, das
den Zugang amerikanischer Agrarprodukte zu
den europäischen Märkten bewahrt und ausweitet. Insbesondere werden wir neue Märkte
für frisches Obst, Gemüse und Nüsse öffnen.
Das "Erweiterungsabkommen", das für bestimmte Mengen Mais und Sorghum den Zugang zum
spanischen und portugiesischen Markt garantiert, wird nun dauerhaft verlängert.
Die Vereinigten Staaten haben auch das Blair
House Abkommen über Exportsubventionen unangetastet bewahrt. Um den Übergang zu
diesem neuen System zu erleichtern, haben wir
uns darauf verständigt, die in diesem Abkommen vorgesehenen Exportsubventionskürzungen in Höhe von 21 Prozent gleichmäßig auf den
sechsjährigen Zeitraum für die Umsetzung des
Abkommens zu verteilen.
Während dieses Zeitraums zur Umsetzung des
Abkommens werden die Vereinigten Staaten
den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse
Seite 1

�stärker fördern können. Die Produzenten und
Verarbeiter von Weizen, Pflanzenöl, Molkereiprodukten und Eiern werden die Hauptnutznießer dieser Anpassung sein.
Audiovisueller Bereich
Die amerikanische Unterhaltungsindustrie beschäftigt 5 Millionen Amerikaner und gehört zu
unseren wettbewerbsfähigsten und erfolgreichsten Exportbereichen. Europa hat die Exporteure unserer Film-, Fernseh- und Tonaufnahmenbranche seit langem einer Vielzahl von
Beschränkungen unterworfen.
Die im audiovisuellen Bereich erzielte Lösung
gestattet den Vereinigten Staaten die Förderung der Interessen ihrer Künstler, Darsteller
und Produzenten und ermöglicht den freien
Informationsfluß auf der ganzen Wert.

wird andere Staaten zur Liberalisierung ihrer
Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel,
um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit führend.
Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Exporte und Investitionen im Ausland.
Seehandel
Die Vereinigten Staaten und die Europäische
Union stimmten darin überein, daß ein gewisses
Maß an Lberalisierung von seifen anderer Länder
erforderlich ist, damit wir selbst gute Verpflichtungen im Schiffahrtsbereich eingehen können.
Da dieses bestimmte Maß noch nicht erreicht
ist, stimmten die Vereinigten Staaten und die
EU darin überein, die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Förderung weiterer Bestrebungen in
diesem Sektor einzurichten. Die Bestimmungen und Bedingungen für diese Arbeitsgruppe
werden auf multilateraler Ebene festgesetzt.

Wir haben uns geweigert, der EU die Legitimierung ihrer diskriminierenden Quoten unter dem
Deckmantel einer Verbesserung des Welthandelssystems zu gestatten.
Subventionen
Finanzdienstleistungen
Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen
über Finanzdienstleistungen angestrebt, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Marktzugang und Sonderbehandlung einzelner Länder anbieten, was die Verpflichtung zu einer
bedingungslosen Meistbegünstigungsklausel
ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft unbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben
würde. Da uns bis zum 15. Dezember nur ein
Tag bleibt, ist es leider offensichtlich, daß viele
Länder nicht bereit oder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulegen. Unter diesen
Umständen konnten und wollten wir unsere
Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrern finden, was uns auch gelungen ist.

Beim heiklen Problem der Subventionen haben
wir einen Mittelweg gefunden, der unsere Freiheit zur Unterstützung der Forschung bewahrt,
die die Grundlage für die Wirtschaft von morgen
schaffen kann. Gleichzeitig haben wir uns auf
eine Struktur geeinigt, die die Regionalförderung der EU beschränkt und Regeln festlegt, die
eindeutig benachteiligende Subventionen verbieten.
Luftfahrt
Die gestärkten und verbesserten Disziplinen
des neuen, in der Uruguay-Runde ausgehandelten Subventionstextes werden auch auf die
Luftfahrtindustrie angewendet. Dies war das
Hauptziel der amerikanischen Luftfahrtindustrie
- einer unserer am stärksten exportorientierten
Industrien. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union einigten sich auch auf eine
einjährige Fortsetzung der multilateralen Verhandlungen zur Verbesserung und Stärkung
der Disziplinen des GATT-Luftfahrtabkommens.

Die Europäische Union und wir haben uns geeinigt,
daß wir und andere bereit sind, im Bankwesen
und bei anderen Finanzdienstleistungen, einschließlich des Versicherungswesens, Ausnahmen von der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Vereinigten Staaten werden das Textilien und Bekleidung
auch tun. Wir haben jedoch ein sechsmonatiDie Vereinigten Staaten und die EU haben
ges Moratorium nach Inkrafttreten des Abkombeschlossen,
eine Ergänzung zum Text über
mens beschlossen, nach dessen Ablauf die
Textilien
und
Bekleidung
anzustreben.
Staaten ihre Angebote und Ausnahmen von der
Meistbegünstigungsklausel abändern können.
Die Ergänzung würde das Auslaufen des MultiBis dahin werden wir eine Reihe von soliden
faserabkommens (MFA) direkt mit der Öffnung
Bestimmungen für Finanzdienstleistungen ausder Märkte für Textilien und Bekleidung verbinarbeiten.
den. Sie sieht vor, daß die Länder, die letztlich
keinen Zeitplan für die Öffnung ihrer Märkte für
Dieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffTextilund Bekleidungsimporte vorlegen, nicht
nen. Es hat die Grundlage dafürgeschaffen. Es
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AMERIKA DIENST 51

�die Vorteile erhöhter Quoten genießen. Obwohl
sich eine Anzahl textilexportierender Staaten
diesem Ansatz entschieden widersetzt, werden
die Vereinigten Staaten und die EU ihn weiterhin
als eine ihrer obersten Prioritäten verfolgen.

Tatsächlich wird uns die Runde dabei helfen,
das 301-Gesetz wirksam anzuwenden, denn
wenn wir einen Fall vor ein Schlichtungsgremium des GATT bringen und gewinnen, wissen
wir, daß aufgrund der gestärkten Regeln zur
Beilegung von Streitigkeiten der Bericht angenommen wird und wir Vergeltungsmaßnahmen
ergreifen können, falls das andere Land nicht
reagiert.

Wir haben bereits äußerst bedeutsame Angebote von vielen unserer Handelspartner zur
Öffnung ihrer Märkte für Textilien und Bekleidung sowie zur Festsetzung ihrer Zölle auf
angemessenem Niveau erhalten. Einige Län- Antidumping
der sind jedoch hierzu nicht bereit. Der von uns
Die amerikanischen Unterhändler haben die
verfolgte Ansatz sieht vor, daß diese wenigen
amerikanischen
Antidumping- und AusgleichsStaaten keine Quotenerhöhung erhalten, bis sie
zollgesetze
geschützt,
die Arbeitnehmer und
einen Zeitplan zur Öffnung ihrer Märkte und
Industrien
in
Amerika
vor
Importen zu unfairen
Festsetzung ihrer Zölle vorlegen.
Preisen bewahren. Die wichtigsten Ziele der
Vereinigten Staaten wurden erreicht, einschließBeilegung von Streitigkeiten
lich der Unterbindung einer Hinterlegung ameDie Verfahren der Uruguay-Runde zur Beilerikanischer Sachentscheidungen durch das
gung von Streitigkeiten bieten für die VereinigGATT, der Beibehaltung des Beschwerderechts
ten Staaten zahlreiche Vorteile:
von Arbeitnehmern und der Abschaffung eines
automatischen Auslaufens von AntidumpingEs wird eine Berufungsstelle eingerichtet, bei
zöllen.
der Einspruch gegen die Beschlüsse eines
Schlichtungsgremiums erhoben werden kann. Gesundheit, Sicherheit und Umwelt
Überkreuz-Vergeltung zwischen Sektoren ist
möglich, wenn ein Land seinen handelspolitischen Verpflichtungen nicht nachkommt.
Die Beilegung von Streitigkeiten erfolgt im Vergleich zu dem langwierigen und oft ergebnislosen Gremiumsverfahren des vorigen Systems
rechtzeitig, automatisch und bindend.
Die amerikanischen Unterhändler stellen sicher,
daß die amerikanischen Handelsbräuche nicht
geschwächt werden.
Die Uruguay-Runde wird nicht die Art und Weise
des Einsatzes unseres 301-Gesetzes ändern.
Innerhalb der Runde erfordert das 301-Gesetz
bereits, daß im Zusammenhang mit einer Verletzung des GATT stehende Beschwerden ein
offizielles Schlichtungsverfahren des GATT
durchlaufen. Daher ist die Übereinkunft der
Uruguay-Runde zur Beilegung von Streitigkeiten, die die Anwendung von GATT-Schlichtungsverfahren im Fall von Wiedergutmachung
wegen einer Verletzung des Abkommens verlangt, nichts Neues.

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Wir haben unser Recht auf die Einführung und
Beibehaltung strenger Anforderungen an Gesundheit, Sicherheit und Umwelt in den Vereinigten Staaten geschützt. Unsere Standards,
die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht als Handelshemmnisse eingesetzt werden, sind vor ausländischer Intervention sicher.
Beschaffung
Die großen Märkte für staatliche Beschaffungsmaßnahmen werden für Waren, Dienstleistungen und Bauverträge der Vereinigten Staaten
geöffnet. Die Beschaffungsmärkte der EU und
Japans könnten jährlich einen Wert von 300
Milliarden Dollar erreichen. Es wird erwartet,
daß weitere Länder das Abkommen unterzeichnen - darunter Korea, Taiwan, Australien und
China - und dadurch neue Möglichkeiten geschaffen werden.

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�ATOMTESTVERBOT
22. Dezember 1993

VERHANDLUNGEN ÜBER UMFASSENDES
ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA) vor kurzem herausgegebene Übersicht zu der Aushandlung eines Vertrags über
ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT).

Bericht des Ersten Ausschusses der UN-Generalversammlung
Erstmals hat der Erste Ausschuß der UN-Generalversammlung übereinstimmend eine Resolution zu einem
weltweiten Vertrag über ein Verbot aller Atomtests
angenommen. Die Vereinigten Staaten waren der
wichtigste Befürworter dieser Resolution. Die aktive
Unterstützung der Resolution durch alle fünf Atommächte ermöglichte ihre Annahme in Übereinstimmung.
In der Resolution wird die Genfer Abrüstungskonferenz zum Beginn von Verhandlungen über einen universellen, international verifizierbaren Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot im Januar 1994 aufgefordert. Die Resolution bekräftigt ebenfalls erneut die
Bedeutung "äußerster Zurückhaltung" im Hinblick auf
Atomtests und unterstreicht den wichtigen Einfluß
einer solchen Zurückhaltung auf einen Erfolg der CTBTVerhandlungen.
Die Clinton-Administration unterstützt entschieden den
baldmöglichen Abschluß eines Vertrags über ein
umfassendes Atomtestverbot.
Präsident Clinton legte die Administration erstmals auf
dem Gipfel von Vancouver mit Präsident Jelzin im April
auf Verhandlungen über ein multilaterales Atomtestverbot fest. Um den Vereinigten Staaten zu einer
möglichst starken Position bei den CTBT-Verhandlungen zu verhelfen, kündigte der Präsident am 3. Juli
1993 in einer Ansprache an die Nation eine Verlängerung des Moratoriums für amerikanische Atomtests
mindestens bis Ende September des kommenden
Jahres an und rief die anderen Atommächte dazu auf,

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diesem Schritt zu folgen. In seiner im September vor
der Generalversammlung der Vereinten Nationen
gehaltenen Rede erneuerte der Präsident seine Forderung nach einem globalen Moratorium für Atomversuche.
Die Aktion des Ersten Ausschusses stellt einen weiteren Meilenstein dar. Sie stellt die Weichen für die
Annahme der Resolution durch die UN-Generalversammlung zu einem späteren Zeitpunkt und verleiht
den andauernden Konsultationen zwischen den an der
Genfer Abrüstungskonferenz teilnehmenden Staaten
zur Vorbereitung der für Januar angesetzten Verhandlungen zusätzlichen Schwung. Die Annahme der
Resolution durch die Generalversammlung würde die
Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung aller Atomversuche noch unterstreichen.
Verhandlungsperspektiven
Um einen schnellen Beginn der Verhandlungen im
Januar zu gewährleisten, hat die Clinton-Administration intensive Beratungen mit ihren Verbündeten und
anderen Nationen über die Vorbereitungen für die
CTBT-Verhandlungen abgehalten. Die vom Ersten
Ausschuß in Übereinstimmung angenommene Resolution verleiht diesen Konsultationen zusätzlichen
Nachdruck. Der derzeitige Vorsitzende des Ad-hocKomitees für ein Atomtestverbot führte während der
Sitzungspause der Abrüstungskonferenz ebenfalls
informelle Konsultationen über Fragen bezüglich der
Struktur und Organisation der multilateralen Verhandlungen. Diese Beratungen werden jetzt intensiviert,
um den Weg für einen reibungslosen Verhandlungsbeginn Anfang 1994 zu ebnen.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß innerhalb kurzer Zeit eine Einigung über die wichtigsten
Elemente eines multilateralen Vertrags erzielt werden
kann. Von Bedeutung für die Aushandlung der CTBTVerifizierungsbestimmungen - einem entscheidenden
Element des Vertrags - wird die Arbeit der 1976
eingerichteten Ad-hoc-Gruppe von Wissenschaftlern
(Ad Hoc Group of Scientific Experts - GSE) sein, die
internationale kooperative Maßnahmen zur Entdekkung und Identifizierung unterirdischer Atomversuche
prüft. Seitdem hat die GSE beträchtliche Arbeit zur
Entwicklung eines globalen Systems für den internationalen Austausch seismologischer Daten für CTBTÜberwachungsprozesse geleistet.

Schritt zu folgen. Das globale Moratorium für Atomtests wurde befolgt, bis China am 5. Oktober einen
unterirdischen Atomtest durchführte, obwohl eine
Vielzahl von Nationen, einschließlich der Vereinigten
Staaten, es eindringlich dazu aufgerufen hatte, dies zu
unterlassen.

Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem tiefen Bedauern über diesen Test Ausdruck und forderten China
eindringlich dazu auf, von weiteren Atomtests Abstand
zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten. Der
Präsident wies weiterhin das Energieministerium an,
Maßnahmen zu ergreifen, die es den Vereinigten
Staaten ermöglichen würden, im kommenden Jahr
Ein CTBT kann nur erfolgreich sein, wenn die fünf Atomtests durchzuführen, falls die im Hatfield-ExonAtommächte ihm beitreten und ihn fördern. Diese Mitchell-Zusatzartikel festgelegten Voraussetzungen
Staaten tragen eine besondere Verantwortung dabei, im Hinblick auf Notifizierung und Überprüfung gegeeinen Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten ben sind.
und Atomtests zu unterlassen.
Die endgültige Entscheidung des Präsidenten über die
Amerikanische Atomtestpolitik
Wiederaufnahme von Atomtests wird sich auf grundlegende nationale Sicherheitsinteressen der VereinigPräsident Clinton kündigte am 3. Juli 1993 eine neue ten Staaten gründen, die folgende Fakten berücksichamerikanische Atomtestpolitik sowie einen Vertrag tigen:
über das Verbot von Atomtests an. Nach gründlicher
Prüfung entschied die Administration, daß die im
Den Beitrag, den weitere Tests zur Verbesseamerikanischen Arsenal befindlichen Atomwaffen sirung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des
cher und zuverlässig sind. Zusätzliche Atomtests
amerikanischen Arsenals bei der Vorbereitung
hätten den Vereinigten Staaten helfen können, sich auf
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestein Atomtestverbot vorzubereiten und einige zusätzliverbot leisten würden.
che Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit und
Die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf
Zuverlässigkeit vorzunehmen. Der Präsident entden
Appell der Vereinigten Staaten zu einem
schied jedoch, daß diese Vorteile aufgewogen werden
globalen
Moratorium für Atomtests.
durch die Gefahr, daß solche Atomversuche die Nichtverbreitungsziele der Vereinigten Staaten unterminieFortschritte bei den CTBT-Verhandlungen.
ren.
Die Auswirkungen weiterer amerikanischer
Am 3. Juli gab der Präsident seine Entscheidung
Atomtests auf die umfassenderen Nichtverbreibekannt, das Moratorium für amerikanische Atomtests
tungsziele der Vereinigten Staaten.
bis mindestens Ende September 1994 zu verlängern,
sofern keine andere Nation Atomtests durchführt. Auch Die Administration führt mit dem Kongreß und ihren
rief er die anderen Atommächte dazu auf, diesem Verbündeten Konsultationen zu diesen Fragen.

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AMERIKA DIENST 51

�MENSCHENRECHTE
22. Dezember 1993

VEREINTE NATIONEN RICHTEN AMT EINES
HOCHKOMMISSARS FÜR MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nach mehr als 30
Jahre andauernden Diskussionen über die politisch
brisante Frage der Schaffung des Amts eines Hochkommissars für Menschenrechte schuf die UN-Generalversammlung am 20. Dezember 1993 diesen Posten für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Die Übereinkunft wurde nach wochenlangen schwierigen diplomatischen Verhandlungen im Dritten Ausschuß der Generalversammlung erzielt. Die Kompromißlösung des Ausschusses verleiht dem Hochkommissar breiten Spielraum und hohes Ansehen, spezifiziert jedoch nicht die von den Ländern der Dritten Welt
geforderten, ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie Informationsbesuche oder die Verhängung
von Sanktionen.
Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, bezeichnete das Abkommen am 15. Dezember 1993 als "einen wichtigen
Meilenstein für die Menschenrechte auf der Welt" und
"eine weitreichende Errungenschaft für die internationalen Beziehungen".
"Wir halten diesen Schritt für einen globalen Triumph
der Menschenwürde, der Rechte des einzelnen und
der Grundfreiheiten", erklärte Albright.
In diplomatischen Kreisen wird die Übereinkunft als
größter Erfolg der UN-Generalversammlung seit vielen Jahren gewertet, insbesondere da die Ansicht
weitverbreitet war, daß selbst nach dem Erfolg und der
Dynamik der Weltkonferenz über Menschenrechte im
Juni dieses Jahres in Wien ein Kompromiß nicht zu
erreichen wäre.
Der ecuadorianische Botschafter Jose Ayalo Lasso,
der Vorsitzende des Sonderausschusses, der die
schwierige Kompromißlösung ausarbeitete, bezeichnete das Abkommen als "einen großen Erfolg, da jeder
mit dem Text zufrieden ist. Dies ist ein Text, der die
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gemeinsamen Ideale der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Menschenrechtsbereich in sich vereinigt."
Weiter erklärte Ayalo Lasso: "Dies ist ein Text, der
dem Hochkommissar genügend Handlungsspielraum
für effektives Vorgehen gibt. Es ist auch ein Text, der
dem Hochkommissar klar die Grenzen seines Handlungsspielraums aufzeigt, damit jeder möglicherweise
im Rahmen seiner heiklen Aufgabe der Förderung und
des Schutzes der Menschenrechte entstehende Zweifel
an seiner Arbeit ausgeräumt wird."
Dem Resolutionsentwurf zufolge, der am 20. Dezember von der Generalversammlung angenommen wurde, wird der Hochkommissar Sorge tragen, daß alle
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte gefördert und geschützt werden.
Der Hochkommissar wird den Rang eines Stellvertretenden Generalsekretärs innehaben und Generalsekretär Boutros-Ghali, der Menschenrechtskommission
und dem Wirtschafts- und Sozialrat verantwortlich
sein.
Der Hochkommissar wird auch im Rahmen des Menschenrechtszentrums Staaten und regionalen Organisationen Beratungsdienste sowie technische und finanzielle Hilfe anbieten und die entsprechenden Bildungs- und Informationsprogramme der Vereinten
Nationen sowie die Menschenrechtsaktivitäten im
gesamten VN-System koordinieren.
Der Hochkommissar soll einen "Dialog mit allen Regierungen über die Umsetzung seines Mandats im Hinblick auf die Achtung aller Menschenrechte führen".
Die Resolution sieht auch vor, daß er 'Von der Erkenntnis geleitet werden" soll, "daß alle Menschenrechte,
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte universell, unteilbar, voneinander
abhängig und zusammenhängend sind... und daß die
Förderung einer ausgewogenen und dauerhaften
Entwicklung für alle Menschen sowie die GewährleiSeite 1

�stung des Rechts auf Entwicklung von großer Bedeutung sind".
Ein an den Verhandlungen beteiligter amerikanischer
Regierungsvertreter erklärte in einem Interview: "Wir
sind der Ansicht, ... daß das Mandat keine Verbote
enthält."
Erwies darauf hin, daß der Hochkommissar der Resolution zufolge "einen Dialog mit den Regierungen
beginnen kann. Unseres Erachtens gibt das dem Amt
des Hochkommissars großen Spielraum, öffentlich
Erklärungen abzugeben ... oder in privaten Gesprächen zu sondieren, ob (die Regierungen) Informationsbesuchen zustimmen. Der Hochkommissar kann ein
Team entsenden, ungeachtet dessen, ob es sich hierbei um einen Informationsbesuch oder um etwas anderes
handelt."
Der Regierungsvertreter stellte auch fest: "Ein Land
kann immer nein sagen, aber das war (im Umgang mit
den Vereinten Nationen oder der Menschenrechtskommission) stets der Fall."
Eine Konzession an die Entwicklungsländer war ihm
zufolge die Erwähnung des Rechts auf Entwicklung ein Mittel für sie, auf den Hochkommissar Druck auszuüben, sich mit Entwicklungsfragen zu befassen.

Die Diplomaten wenden ihre Aufmerksamkeit jetzt den
möglichen Kandidaten für das Amt des ersten Hochkommissars für Menschenrechte zu. Sie erwarten,
daß mehrere Staaten Generalsekretär Boutros-Ghali
eine Nominierung ihres Kandidaten zur Prüfung vorlegen. Für einen der Spitzenreiter hält man Ibrahimi Fall
aus Senegal, den derzeitigen Direktor des Menschenrechtszentrums.
Man stimmt darin überein, daßder erste Hochkommissar einen Präzedenzfall von großer Bedeutung schaffen wird.
"Es werden Handlungsmöglichkeiten in dem Maße
entstehen, wie der Hochkommissar sich als vertrauenswürdige Persönlichkeit herausstellt, die mit komplexen, heiklen und Feingefühl verlangenden Situationen umgehen kann", so Ayalo Lasso.
"Ich persönlich bin der festen Überzeugung, daß die
Effektivität des Hochkommissars von dem in ihn gesetzten Vertrauen abhängt. Gewinnt er das Vertrauen
aller, wird er in der Lage sein, mit den Regierungen in
Kontakt zu bleiben, um Menschenrechtsverletzungen
zu verhindern oder wiedergutzumachen", stellte Ayala
Lasso fest.

Dem Vertreter der Vereinigten Staaten beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat, Botschafter Victor Marrero,
Die Vereinigten Staaten "haben das Recht auf Ent- zufolge ist die Einrichtung des Amts eines Hochkomwicklung als unveräußerliches Menschenrecht akzep- missars für Menschenrechte ein großer, historischer
tiert, aber es bleibt immer noch die Frage der Umset- Schritt, mit dem "die Nationen der Welt die Bedeutung
zung dieses Rechts", so der amerikanische Regie- und Unentbehrlichkeit der Achtung der Menschenrungsvertreter. Er betonte jedoch die Bedeutung der rechte bekräftigt haben. Sie haben sich verpflichtet,
den Entwicklungsländern gewährten technischen Hilfe den Menschen an die erste Stelle zu setzen und die
und Beratung.
Würde und Entwicklung des einzelnen über alles andere
zu stellen. Sie haben den Menschenrechten wieder
"Wir schufen ein Amt mit hohem Ansehen", ließ er
die herausragende Bedeutung verliehen, die die Verwissen. "Unserer Ansicht nach kann ein Hochkommisfasser der Charta dieser großartigen Organisation
sar Ressourcen binden und Regierungen zur Zustimbeabsichtigten."
mung zu dieser Art von Programmen bewegen... Der
Hochkommissar wird in der Lage sein, auf die Regie- Marrero warnte: "Ein Hochkommissar wird viele Akrungen Druck zur Annahme dieser Programme und auf tionsmöglichkeiten haben. Wir sollten uns jedoch
die Regierungen der Geberländer zur Gewährung von keinen Illusionen hingeben. Die Macht, Grundrechte
Geldern für diese Programme auszuüben."
zu gewähren oder zu verweigern, wird weiterhin bei
den nationalen Regierungen liegen."
Eine der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens
ist dem Regierungsvertreter zufolge, daß der Hoch- "Es wird unsere Aufgabe bleiben, die Regierungen
kommissar für Menschenrechte vom UN-Generalse- davon zu überzeugen, daß die Staaten nicht gekretär für einen Zeitraum von vier Jahren mit der schwächt, sondern gestärkt werden, wenn ihre Bürger
Möglichkeit der Verlängerung um eine weitere vierjäh- frei von Unterdrückung und Angst leben können. Ein
rige Amtszeit ernannt wird. Eine solche Bestimmung mit großen Befugnissen ausgestatteter Hochkommisgibt dem Hochkommissar mehr Unabhängigkeit als sar kann bei diesen Bestrebungen ein wichtiger Vereinem typischen Stellvertretenden Generalsekretär.
bündeter sein", so Botschafter Marrero.

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�PORTRAT
22. Dezember 1993

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE FÄHIGKEITEN
UND MILITÄRISCHEN HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Clinton am 16.
Dezember 1993 Bobby Ray Inman für den Posten
seines nächsten Verteidigungsministers nominierte,
entschied er sich für einen Kenner des Militärs, der
auch in Wirtschaft und Management erfahren ist und
im Kongreß hohes Ansehen genießt.
Der Viersterneadmiral Inman, der im Falle seiner
Bestätigung durch den Senat der 19. Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten wird, ging nach einer
dreißigjährigen Karriere in den Ruhestand. Er diente
sowohl im Korea- als auch im Vietnamkrieg und wird im
Falle seiner Bestätigung der erste Berufssoldat an der
Spitze des Pentagon seit General George C. Marshall
im Jahr 1950 sein.
Präsident Clinton, der bei einer kurzen Feierstunde im
Rosengarten des Weißen Hauses die Nominierung
Inmans bekanntgab, erklärte, die von Inman im Dienst
der Nation gemachten Erfahrungen seien "wahrhaft
beeindruckend".
Erstellte fest, daß Inman während seiner dreißigjährigen Laufbahn in der Marine hochrangige Ämter unter
den Präsidenten Ford, Carter, Reagan und Bush
bekleidet hatte und machte geltend: "Ich weiß, daß er
als Verteidigungsminister ein Gewinn für unsere Nation sein wird."
"Erbringt fürdieses Amt die Eigenschaften mit, die alle
Amerikaner respektieren", fügte der Präsident hinzu.
"Der Sohn eines Tankstellenbesitzers aus einer kleinen Stadt in Texas gelangte durch Intelligenz, Begabung und harte Arbeit zu hohen Ehren und Erfolg."
Inman wurde innerhalb von 24 Stunden nach der
Rücktrittsankündigung von Verteidigungsminister Aspin
nominiert. Seit Inman die Marine verlassen hatte, war
er dem Weißen Haus zufolge an einer Vielzahl von
geschäftlichen Unternehmungen beteiligt und Mitglied
mehrerer Aufsichtsräte.

AMERIKA DIENST 51

Während seiner beruflichen Laufbahn diente Inman
unter Administrationen der Demokraten und der Republikaner. Als Computergenie und nachrichtendienstlicher Experte wurde er 1977 unter der Carter-Administration Leiter der Nationalen Sicherheitsbehörde
(National Security Agency - NSA) und 1981 Stellvertretender CIA-Direktor. Beim CIA demonstrierte Inman Senator David Boren zufolge als erster, "daß das
Verfahren der Kontrolle durch den Kongreß funktionieren kann".
Als der ehemalige Verteidigungsminister Cheney sein
Amt verließ, empfahl er Inman für den Posten und
stellte fest: "Er kennt das Verteidigungsministerium
außerordentlich gut und ... hat gute Beziehungen zu
vielen seiner zukünftigen hochrangigen Mitarbeiter im
Militär."
Inman genießt im Kongreß hohes Ansehen. Lee
Hamilton, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, nannte die Nominierung Inmans "eine ausgezeichnete Entscheidung" und
prognostizierte ihm eine gute Aufnahme im Kongreß.
Sowohl Senator John McCain, ein Kritiker der ClintonAdministration, als auch William Cohen vom Streitkräfteausschuß des Senats bezeichneten ihn als "herausragend".
In seiner Eigenschaft als Stellvertretender Direktordes
Nachrichtendienstes hatte sich Inman öffentlich gegen
schnelle Kürzungen der Gelder für den Nachrichtendienst ausgesprochen. Er argumentierte, solche Entscheidungen sollten zurückgestellt werden, bis die
Politik des Nachrichtendienstes für die Zeit nach dem
Kalten Krieg festgelegt sei.
Der in Rhonesboro (Texas) geborene Inman erlangte
1950 an der University of Texas seinen Abschluß als
Bachelor. Er trat 1952 als Leutnant zur See seinen
Dienst in der Marine an und machte zwei Jahrzehnte

Seite 1

�später seinen Abschluß am National War College. In
den darauffolgenden 19 Jahren diente er in seiner
Eigenschaft als Analytiker für den Nachrichtendienst
der Marine an Bord eines Flugzeugträgers, zweier
Kreuzer, eines Zerstörers sowie bei einer Vielzahl von
Aufgaben an Land. Auch war Inman in der amerikanischen Pazifikflotte als Stellvertretender Stabschef sowie
als Marineattache in Stockholm tätig.
Im Falle seiner Bestätigung wird Inman den Posten
des Verteidigungsministers in einer sehr schwierigen
Zeit innehaben, und er räumte ein, daß es "keine
leichte Aufgabe" sein werde.
"Ich bezeichne mich selbst als Unternehmer mit hoffentlich strategischer Ausrichtung", erklärte er und
fügte hinzu, in den vergangenen 10 Jahren habe er
"eine Menge über das Funktionieren eines Unternehmens gelernt" und hoffe, "einen Großteil meiner Zeit
mit der Einführung der besten Geschäftspraktiken im
Verteidigungsministerium verbringen zu können".
Das Pentagon sah sich im vergangenen Jahr mit einer
Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert: Einer
neuen Politik im Zusammenhang mit Homosexuellen
im Militär, dem Tailhook-Skandal und der sich wandelnden Rolle von Frauen in militärischen Kampfsituationen, dem Druck aufgrund der in Somalia erlittenen

militärischen Verluste, dem Krankenhausaufenthalt
Aspins wegen seiner Herzprobleme sowie einem
gekürzten Verteidigungshaushalt.
Inman hat sich auch mit dem fortgesetzten Abzug
amerikanischer Streitkräfte sowie einem schrumpfenden Vorrat an militärischer Ausrüstung zu befassen,
die zu der derzeitigen schlechten Stimmung im Verteidigungsministerium beitrugen. Er muß der Überprüfung der amerikanischen Nuklearwaffenstrategie vorstehen, den Rückzug der amerikanischen Truppen
aus Somalia bis zum 31. März kommenden Jahres
überwachen, dem Ministerium bei seinen Schwierigkeiten angesichts neuer Rollen und Missionen bei der
Friedenssicherung vorstehen, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas im Auge behalten sowie BosnienHerzegowina und andere Krisengebiete auf der Welt
wachsam beobachten.
Gleichzeitig muß Inman Mittel und Wege finden, den
Verteidigungshaushalt um weitere 50 Milliarden Dollar
zu kürzen, wogegen Aspin sich sträubte.
Von dem geschickten Manager, der von Kollegen als
entschlossen bezeichnet wird, erwartet man, daß er
sich sofort nach dem Rücktritt Aspins am 20. Januar
1994 mit den Einzelheiten der Leitung des Pentagon
vertraut macht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�THEMENINDEX
22. Dezember 1993

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

4. Juli

27

Deutsch-Amerikanischer Tag

41

Diplomatie

42

Drogen

27, 28, 44

AID

29

APEC

47,48

Abrüstung

39,43

Einwanderung

31,36

Atomtestverbot

40,51

Europa

38

Atomversuche

28

Außenpolitik

30,35,38,39,40,41,
45,
Sonderdienst (4.0kt)

Flüchtlinge

39

Frauen

41

42

Friedenssicherung

34

Führungsrolle der USA

39

Austauschprogramme

Balkan

30

Bevölkerung

46

G-7

27, 28, 30

Bildung

37,38

G-7/Korea

28

Blues

34

GATT

45, 48, 50, 51

Bosnien

31,32,33, 36, 45

GUS-Hilfe

29

Botschafter

27

Gesellschaft

45

Bürgerrechte

34

Gesundheitsreform

34,39

Gleichberechtigung

34

Country-Music

AMERIKA DIENST 51

35

Seite 1

�Haiti

42

Porträt

30, 33, 42, 43, 51

Handel

29,31,44

Pressefreiheit

33

Haushalt

30

Proliferation

29

Innenpolitik

37

Raumfahrt

34

Rußland

38,40,41, 50,51

Serbien-Montenegro

31

John F. Kennedy

46

KSZE

49

Somalia

35,40,41, 42

Kongreß

37

Sudan

34

Kriegsverbrechen

30,36
Terrorismus

32,46

Landminen

32,46

Literatur

42

US-Militär

48

Luftfahrt

45

US-Regierung

48

USA-Asien

47

Martin Luther King

32

USA-Deutschland

37,49

Medien

46

USA-Europa

48

Menschenrechte

48, 50, 51

USA-Korea

28

Musik

36

USA-Rußland

36,37

USIA

40,44

Umwelt

43

Verbrechensbekämpfung

47,50

Verteidigung

36,37

Weiterverbreitung

35

Wettbewerb

44

Wirtschaft

27,30,31,32,33,35

.
NAFTA

33, 34,38,46,47, 50

NATO

28, 33, 43, 49

Naher Osten

29,31,32,35,37,38,
39,40

Nichtverbreitung

30,50

Osteuropa

31

Pazifik

36

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

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                <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton: Russen befürworten nicht die extremen Ansichten Schirinowskijs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russische Reformprozeß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gatt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde wird amerikanische Wirtschaft ankurbeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über Einzelheiten des Abkommens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atomtestverbot&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Verhandlungen über umfassendes Atomtestverbot &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinte Nationen richten Amt eines Hochkommissars für Menschenrechte ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inman bringt unternehmerische Fähigkeiten und militärischen Hintergrund mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. "George Orwells 1984 - die Geschichte unseres eigenen Lebens"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungarische Schriftsteller, Künstler, Journalisten sprechen über den Stand der Kultur in ihrem Lande&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Atomwissenschaft und Atomtechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Flachdruck mit radioaktiver Tusche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinfachtes Reproduktionsverfahren für graphische Blätter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AEC koordiniert Ausbildungsprogramm mit Universitäten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doppelreaktor als neue Versuchsanlage des Argonne National Laboratory&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AEC vergibt 59 Forschungsaufträge&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Der "Vater der modernen Architektur Amerikas"&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chicago feierte Louis E. Sullivan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower vom 21. Januar 1957 des Antritts seiner zweiten Regierungsperiode&amp;nbsp;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980
INHALT

INFORMATION
Verhinderung von nuklearer Proliferation
- Untersuchungen des US-Energieministeriums Synthesebrennstoffe - Kohle - Kernkraft
- Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten -

DOKUMENTATION
Fernsehinterview Präsident Carters am 20. Januar 1980
- Wortlaut Schreiben Präsident Carters an das Olympische Komitee der USA
- Wortlaut Rede des US-Botschafters bei der EG in Brüssel:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lake Placid:

Solarstrom für die Streckentelefone

Hybridauto für Benzin- und Strombetrieb
- Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

VERHINDERUNG VON NUKLEARER PROLIFERATION
Untersuchungen des US-Energieministen'ums

- (AD) - Ein vorläufiger Bericht mit dem Titel "Nuclear Proliferation and Civilian Nuclear Power" (Nukleare Proliferation und Kernkraft
für zivile Zwecke) wurde von der Abteilung zur Bewertung nuklearer Alternativsysteme des amerikanischen Energieministeriums vorgelegt.

Er erörtert

technische Möglichkeiten zur Auslegung von Kernkraftanlagen, die verhindern,
daß Kernbrennstoffe oder nukleare Einrichtungen mißbräuchlich für die
Entwicklung nuklearer Waffen verwendet werden.

Die Untersuchungen bis

zum Abschluß dieser Studie nahmen zwei Jahre in Anspruch.
Im Februar 1980 wird eine öffentliche Anhörung zu dem Problemkomplex durchgeführt.

Im "Bundesregister" wurde in der Ausgabe vom

17. Dezember 1979 der Bericht bereits ausführlich dargestellt und darauf
hingewiesen, daß Kommentare dazu erwünscht sind.

Der zehnbändige Bericht

ist beim "Technical Information Center" des U.S.Energieministeriums
in Oak Ridge (Tennessee) erhältlich; eine Zusammenfassung für die Nachrichtenmedien verteilt die Presseabteilung des Energieministeriums in
Washington (Anschrift: DOE Office of Public Affairs, Press Room, 1 000
Independence Ave., Washington, D.C. 20585).
+ + + + +

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Januar 1980

SYNTHESEBRENNSTOFFE - KOHLE - KERNKRAFT
Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzenten

- (AD) - Der Bericht "Energie im Wandel: 1985 - 2010", den die
Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) am 14. Januar 1980 in
Washington der Öffentlichkeit vorstellte, ist das Ergebnis vierjähriger
Untersuchungen von 65 renommierten amerikanischen Wissenschaftlern.
In der 783 Seiten umfassenden Studie, die für das amerikanische Energieministerium erarbeitet wurde, fordern die Wissenschaftler, Vertreter aller
Disziplinen einschließlich Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften,
dringend die Inangriffnahme eines umfassenden Programms zur Produktion von
synthetischen Brennstoffen, Verwendung von mehr Kohle und Kernkraft und
Offenhaltung der Brutreaktor-Option für die spätere Zukunft. Der Bericht
habe nicht den Charakter eines Patentrezeptes, erklärte NAS-Vorsitzender
Dr. Philip Handler. Er solle vielmehr richtungweisend dafür sein, "was
die Nation erfahren muß, um ihre Zukunft vernünftig zu planen".
Viele der in dem Bericht gezogenen Schlußfolgerungen widersprechen
einander, was angesichts der so verschiedenartigen Standorte und Betrachungsweisen der Verfasser keineswegs überracht.

"Vielfalt ist das Schlüsselwort"

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Schlüsselwort" der Studie, so Dr. Harvey Brooks, Professor für Technologie
an der Harvard-Universität und einer der Vorsitzenden des WissenschaftlerGremiums.

"Wir müssen eine ganze Serie von Optionen für die Energieversorgung

entwickeln und Sackgassen wie unsere gegenwärtige Abhängigkeit von einer
einzigen Energiequelle vermeiden."
Völlig einig war sich das Komittee in der Anerkennung der überragenden
Bedeutung der Energieeinsparung.

Sie werde, wie Brooks erklärte, wesentliche

Veränderungen im amerikanischen Lebensstil, vielleicht notwendige Mobilität
großer Teile der Bevölkerung, hohe Investitionen und Zeit erfordern etwa 20 bis 30 Jahre. Außerdem seien staatliche Eingriffe und höhere
Energiepreise unumgänglich.
Der zweite allgemein anerkannte Punkt war das schon in naher Zukunft
kritische Problem der Flüssigbrennstoffe.

Das Gremium ist hier "etwas

pessimistischer" als die Verfasser anderer Studien insofern, als es keine
Steigerung der einheimischen öl- und Erdgasförderung erwartet.

"Schon

die Erhaltung des gegenwärtigen Niveaus über die nächsten 30 Jahre wird
ein hohes Engagement notwendig machen", meinte Dr. Brooks.

Er forderte

ein Programm "höchster Dringlichkeitsstufe" für die Produktion synthetischer
Brennstoffe, intensive Explorationstätigkeit für Gas und öl sowie bessere
Fördermethoden.

Gleichzeitig warnte er davor, sich an veraltete Technologien

zu klammern, und drang darauf, daß alle Optionen offen gehalten werden.
Mittelfristig seien, so die NAS-Wissenschaftler, Kohle und Kernkraft
bis zum Ende des Jahrhunderts als die einzigen Alternativen für die
Stromerzeugung zu betrachten. Sie empfehlen deshalb ein gut ausbalanciertes
Angebot auf beiden Gebieten, damit die Nation notfalls rasch zur einen
oder anderen Energiequelle überwechseln könne. Die Kommission räumte
jedoch ein, daß sowohl in der Verwendung von Kohle als auch mit der
Verwendung von Kernkraft schwerwiegende Probleme verbunden seien: Erwägungen
zum Umweltschutz begrenzen die Anwendung von Kohle - ein Grund dafür, "die

- 2 -

�"die nukleare Option offenzuhalten".

Brooks ist dennoch überzeugt, daß

die Regierungsverordnungen zur Reinhaltung der Luft letzten Endes keinen
Einfluß darauf hätten, wieviel Kohle verbraucht werde, weil die Nation sowieso
die Kosten trage - gleichgültig, ob diese auf dem Umweltsektor entstehen oder
wirtschaftlicher Natur seien.

Ebenso wie die Anwendung von Kohle werde aber auch die Anwendung
von Kernenergie durch politische Überlegungen eingeengt - z.B. durch das
Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen, Entsorgungsprobleme, usw.
Sie stoße außerdem an wirtschaftliche Grenzen, weil Kernenergie kapitalintensiver und deshalb bei Projektbeginn kostspieliger ist als Anlagen zur
Nutzung von Alternativ-Energien.

Nach Ansicht der Kommission habe der

Unfall in der Reaktorstation Three Mile Island das amerikanische Atomprogramm um mindestens ein Jahr zurückgeworfen.

Jedoch habe sich, wie

Brooks ausdrücklich hervorhob, die Meinung der Kommission über die Bedeutung
der Kernkraft durch den Vorfall nicht geändert.

Der Strombedarf werde, wie Brooks erklärte, weiter anwachsen. Und
je mehr er wachse, desto stärker sei die Nation auf den kontroversen
Brutreaktor angewiesen.

"Wenn die Wachstumsraten sehr hohe Werte erreichen",

so Brooks, "kann der Brutreaktor wahrscheinlich als Notwendigkeit angesehen
werden."

Der Ausschuß empfiehlt die kontinuierliche Weiterentwicklung

des Brüters, damit er, falls erforderlich, Anfang des nächsten Jahrhunderts
einsatzbereit ist.

Er sei, wie Brooks ausführte, "die herausragende

nukleare Option und die einzige Option auf lange Sicht, deren Entwicklung
gut vorangeschritten ist".

Präsident Carter hatte vor einiger Zeit die Einstellung der Arbeiten
am Prototyp-Brutreaktor von Clinch River (Tennessee) angeordnet.

Die NAS-

Kommission zeigte geteilte Meinungen in der Frage der Wiederaufnahme des
Projekts Clinch River, wobei sich schließlich eine geringe Mehrheit für die
Fortführung aussprach.
In

- 3 -

�In bszug auf andere neue Energiequellen verlangten die Wissenschaftler
die Fortsetzung von Forschungen in zahlreichen Richtungen, machten jedoch
darauf aufmerksam, daß nur wenige solcher Energiequellen signifikante Beiträge zur Deckung des nationalen Energiebedarfs leisten könnten. Wasserkraft, Erdwä'rme, Windkraft und Biomassen können zwar auf lokaler und
regionaler Ebene, nicht aber landesweit wichtige Rollen übernehmen, erklärte
Brooks.

Biomassen dürften schließlich drei bis fünf Prozent des Gesamt-

energiebedarfs decken. Wolle man diesen Anteil steigern, so benötige man
riesige "Energiefarmen", die vom ökologischen Standpunkt her nicht annehmbar
seien.

Sonnenenergie dürfte, so schätzte Brooks, in diesem Jahrhundert

kaum mehr als fünf Prozent beitragen, sofern nicht die Regierung massiv
eingreift, um Preissenkungen zu bewirken. Trotzdem dringen die Verfasser
der NAS-Studie auf umfangreichere langfristige Forschungen zur Nutzbarmachung
der Sonnenenergie.

+ + + + +

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Uli

i 3

Dokumentation

i •

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW PRÄSIDENT CARTERS AM 20. JANUAR 1980
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980
in einem Fernsehinterview im Rahmen des bekannten amerikanischen Programms
"Meet the Press" (Stelle Dich der Presse) zu den jüngsten politischen
Problemen Stellung genommen. Der Moderator der von der Fernsehgesellschaft
NBC (National Broadcasting Company) ausgestrahlten Sendung war Bill Monroe,
die beteiligten Korrespondenten waren Carl T. Rowan von der Chicago Sun-Times,
David Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE (Monroe): Unser heutiger Gast in der Sendung Meet the Press
ist der Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter. Herr Präsident,
gehen wir einmal davon aus, daß die Sowjets nicht so bald aus Afghanistan
abziehen, sind Sie dann für eine amerikanische Beteiligung an der Olympiade
in Moskau? Und wenn nicht, welche Alternativen gäbe es?
ANTWORT

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Nein, weder ich noch das amerikanische Volk würden die

Entsendung eines amerikanischen Teams nach Moskau unterstützen, solange
sowjetische Truppen in Afghanistan stehen.

Ich habe heute dem Olympischen

Komitee der Vereinigten Staaten ein Schreiben gesandt, in dem ich meinen
Standpunkt dargelegt habe, daß die Olympischen Spiele von Moskau an einen
anderen Ort oder mehrere Orte verlegt oder aufgeschoben oder abgesagt
werden sollten, wenn die Sowjets nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen
aus Afghanistan abziehen. Wenn die Sowjets ihre Truppen nicht sofort innerhalb eines Monats - aus Afghanistan abziehen, würde ich die Entsendung
eines amerikanischen Teams zur Olympiade nicht unterstützen.
Es ist sehr wichtig, daß die Welt erkennt, eine wie ernste Drohung
die sowjetische Invasion in Afghanistan ist.

Ich möchte keine Politik

in die Olympiade hineintragen, und ich wäre persönlich für die Schaffung
eines ständiges olympischen Austragungsortes, sowohl für die Sommer- als
auch für die Winterspiele.

Nach meiner Meinung wäre das geeignete Aus-

tragungsland für die Sommerspiele Griechenland.

Das ist meine persönliche

Meinung, und ich habe das amerikanische Olympische Komitee ersucht, diese
Auffassung dem Internationalen Olympischen Komitee vorzutragen, und ich
möchte hoffen, daß möglichst viele Länder diese grundsätzliche Auffassung
unterstützen würden.

In den Vereinten Nationen haben 104 Länder gegen die

sowjetische Invasion gestimmt und den sofortigen Abzug der Sowjets aus
Afghanistan gefordert, und ich möchte hoffen, daß

soviele dieser Länder

wie möglich den Standpunkt unterstützen würden, den ich Ihnen eben vorgetragen habe.
-

FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, wenn eine beträchtliche Zahl von

Ländern den amerikanischen Standpunkt nicht unterstützt, würde das die
Vereinigten Staaten nicht einfach nur in eine isolierte Position bringen,
ohne der Sowjetunion viel zu schaden?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Gleichgültig, was andere Länder tun mögen, ich wäre nicht

für die Entsendung eines amerikanischen Olympiateams nach Moskau, solange
die sowjetischen Invasionstruppen in Afghanistan stehen.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, unsere Reporter in Meet

the Press sind heute Carl. T. Rowan von der Chicago Sun-Times, David S.
Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Wir setzen die Fragen an Präsident Carter mit Carl Rowan fort.
FRAGE (Rowan):
Friedens gesprochen.

Sie haben vorhin von einer ernsten Bedrohung des
Wie ernst ist die Situation wirklich?

Stehen wir

möglicherweise an der Schwelle eines Konflikts mit der Sowjetunion?
ANTWORT:

Wie ich vorhin gesagt habe, Mr. Rowan, ist dies nach

meiner Meinung die ernsteste Bedrohung des Weltfriedens seit dem Zweiten
Weltkrieg.

Es handelt sich um einen beispiellosen Akt seitens der Sowjetunion.

Es ist das erstemal, daß sie ein Land angegriffen hat, das nicht bereits
unter ihrer Herrschaft stand, d.h. zur Nachbarschaft im Warschauer Pakt
gehört.

Sie haben in anderen Ländern, wie Angola oder Äthiopien, für

die Beteiligung Stellvertreterstreitkräfte, die Kubaner, benutzt.
Dies jetzt ist eine Bedrohung eines lebenswichtigen Gebietes der
Welt.

Es ist die Bedrohung eines Gebietes der Welt, in dem die Interessen

unseres Landes und die Interessen unserer Verbündeten zutiefst berührt
sind.

Mehr als zwei Drittel des gesamten Exportöls, das die übrige Welt

versorgt, kommt aus der Region des Persischen Golfes in Südwestasien.
So wie ich die Dinge beurteile, hat es in den vergangenen Jahren
Zeiten gegeben, in denen wir in einem intensiven Wettstreit mit der
Sowjetunion standen und uns auch bemühten, die Dinge mit der Sowjetunion

- 3 -

�Sowjetunion beizulegen, uns mit ihnen zu konsultieren und mit ihnen für
den Frieden zu arbeiten.

Jetzt handelt es sich um eine von den Sowjets

ausgelöste Maßnahme, und ich bin noch immer dem Frieden verpflichtet, aber
einem Frieden durch Stärke und dadurch, daß wir die Sowjets auf klare und
bestimmte Weise wissen lassen - durch Maßnahmen unseres eigenen Landes
und anderer Länder -, daß sie nicht ungestraft in ein unschuldiges Land
eindringen können, daß sie die Folgen tragen müssen.
FRAGE (Rowan):

Noch in diesem Zusammenhang, Herr Präsident.

Ihre

Kritiker sagen, daß die Sowjets vorgehen, weil sie eine Schwäche Ihrerseits
gesehen haben.

Sie (die Sowjets) glauben nicht, daß Sie oder das amerikanische

Volk kämpfen werden.

Wenn sie in Pakistan oder in den Iran eindringen,

werden Sie dann militärische Macht einsetzen?
ANTWORT:

Wir waren nicht schwach.

Seit ich im Weißen Haus bin,

waren wir fest und entschlossen und konswquent und klar in unserer Politik.
Wir haben unsere Verpflichtung zur Stärke unserer nationalen Verteidigung
stetig erhöht, gemessen am Stand unserer Haushalte und auch gemessen am
Ton und an den Handlungen, die ich ergriffen habe und die der Kongreß
ergriffen hat.

Wir haben unser Bündnis in der NATO gestärkt, sowohl hinsichtlich

des Aufbaus der Kampfkraft als auch jüngst hinsichtlich der TNF-Reaktion
(Theater Nuclear Force - nukleare Mittel Streckensysteme) auf die sowjetische
Drohung mit Atomwaffen.
Wir haben auch kein Hehl daraus gemacht, daß wir für die Beilegung
intensiver Differenzen sind, die den Nahen Osten und die Region des
Persischen Golfes destabilisiert haben.

Der bemerkenswerteste Fortschritt

ist der zwischen Israel und Ägypten unterzeichnete Friedensvertrag, und
wir haben unsere Verpflichtung gegenüber Pakistan aus dem Jahre 1959
erneut bekräftigt.

Wir sind verpflichtet, uns mit Pakistan zu konsultieren

und im Rahmen der verfassungsmäßigen Richtlinien, denen ich als Präsident
unseres Landes folgen muß, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, um d^e

�die Sicherheit Pakistans zu schützen, einschließlich, wenn notwendig,
militärischer Macht.

Darüber hinaus erhöhen wir den Stand der Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in der Region des Persischen Golfes und werden
einen erhöhten Stand aufrechterhalten, und wir prüfen gegenwärtig ziemlich
intensiv die Erstellung von Einrichtungen für die Wartung und Versorgung
unserer Luft- und Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in
der Region des Persischen Golfes.

Diese Maßnahmen sind in die Wege

geleitet worden, seit ich im Amt bin.

Sie sind konsequent und klar, und wir

konzentrieren uns jetzt wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
mit erhöhtem Nachdruck auf diese Maßnahmen.

FRAGE (Broder):

Herr Präsident, die Wahl des Zeitpunktes Ihres

Auftretens hier einen Tag vor den Vorwahl-Absprachen (für die Präsidentschaftswahlen 1980, die Redaktion) im Staate Iowa lassen auf ein politisches
Motiv schließen.

Warum haben Sie zugestimmt, hier zu erscheinen, während

Sie es abgelehnt haben, sonstwo aufzutreten, wo Ihre Herausforderer Sie
direkt konfrontieren könnten?

ANTWORT:

Mr. Broder, in einer Zeit der Krise für

unser Land ist es

nach meiner Meinung für den Präsidenten sehr wichtig, daß er nicht in
der Öffentlichkeit die Rolle eines Parteiwählkämpfers in einer politischen
Auseinandersetzung übernimmt.

Unser Land befindet sich in einem Zustand

der Krise, und es ist eine konsequente Politik, an die ich mich gehalten
habe, seit die Iraner Amerikaner gefangengenommen und als Geiseln festgehalten haben.

Ich betrachte die Sendung Meet the Press nicht als Wahl-

kampfforum, und ich bin bicht als Parteikanidat hier.

Wie Sie sehr wohl wissen, haben wir meine Auffassungen dem
amerikanischen Volk auf vielerlei Weise sehr klar dargelegt - durch mein
eigenes Erscheinen vor der Presse, meine Unterrichtung von Gruppen im

- 5 -

�im Weißen Haus, durch die Entsendung von Vertretern für mich nach Iowa.
Ich glaube, meine Standpunkte und die Maßnahmen, die ich getroffen habe,
sind ganz klar zu erkennen gewesen, und mein Auftreten hier in dieser Sendung
beispielsweise bietet Ihnen eine Gelegenheit, mich zu Themen zu befragen,
die für das amerikanische Volk wichtig sind.
FRAGE (Broder):

Einer meiner Kollegen hat die folgende Frage vor

drei Wochen gedruckt, als Sie von der Debatte in Iowa Abstand nahmen,
als Beispiel für eine Frage, die Ihnen hätte gestellt werden können; und
ich möchte diese Frage jetzt stellen.
ANTWORT:

Bitte.

FRAGE (Broder):
Arbeitslosigkeit.
stiegen.

Bei allem Respekt:

wir haben immer noch 5,8 Prozent

Die Inflation ist von 4,8 Prozent auf 13 Prozent ge-

Wir haben noch immer keine tragfähige Energiepolitik.

Truppen sind in Kuba und Afghanistan.

Der Dollar fällt.

Russische

Gold steigt.

Und die Geiseln sich noch immer in Teheran - nach 78 Tagen.

Was also

haben Sie getan, Sir, um sich eine erneute Kandidatur zu verdienen?
ANTWORT: Nun, seit ich im Weißen Haus bin, habe ich alles Erdenkliche
getan, um unseren Staat zu stärken - nicht nur militärisch, sondern
wirtschaftlich und politisch; außerdem, wie ich meine, moralisch und ethisch.
Wir haben unsere Bündnisse mit unseren Verbündeten gestärkt, worauf in
diesem Programm bereits hingewiesen wurde. Wir haben uns mit dem Frieden
auseinandergesetzt - nicht nur für unser Land, sondern auch für andere
Länder, indem wir mit den Briten und Rhodesien, mit den Ägyptern und den
Israelis im Nahen Osten zusammengearbeitet haben.
Wir haben versucht, die amerikanische Freundschaft auf andere
Staaten dieser Erde auszudehnen, wobei wir besonders erfolgreich dabei
waren, unsere Freundschaft mit dem Volk Taiwans aufrechtzuerhalten, während

- 6 -

�während wir eine neue und freundliche Beziehung durch die Anerkennung
eines Viertels der Gesamtbevölkerung der Welt in China eröffneten.
Es gab meiner Meinung nach eine wesentliche Verbesserung in den
Beziehungen unseres Landes mit anderen Staaten - wie dies im Verlauf
kürzlicher Abstimmungen bei den Vereinten Nationen zum Ausdruck kam.
Innenpolitisch habe ich mich mit den Krisen und Problemen der Nation
beschäftigt, so gut ich konnte, und dabei mit einem Kongreß zusammengearbeitet, der manchmal zu langsam handelt. Seit dem ersten Tag im Amt
haben wir die schwerwiegendste innenpolitische Bedrohung unseres Landes und das ist die Inflation, eng verbunden mit Energie - in Angriff genommen.
Seit meinem Amtsantritt ist Energie der alleinentscheidende Faktor
des Anstiegs der Inflationsrate gewesen. Allein in den letzten 12 Monaten
hat die OPEC die Energiepreise um 80 Prozent erhöht. Tatsächlich ist praktisch genommen - der gesamte Anstieg der Inflationsrate, seit ich im
Amt bin, direkt auf die Erhöhung der OPEC-Ölpreise zurückzuführen.
Als ich gewählt wurde, war die ärgste Bedrohung unseres Landes die
extrem hohe Arbeitslosigkeit.

Wir haben einen Nettozuwachs von neun

Millionen Arbeitsplätzen erzielt und die Arbeitslosenrate um 25 Prozent
gesenkt.

Dies war ein sehr guter Schritt zur Stärkung unserer Volks-

wirtschaft.

Wir haben das Defizit in unserer Handelsbilanz verringert.

Wir erleben einen sehr deutlichen Anstieg der Nettoeinkommen der Amerikaner
von ungefähr 7,5 Prozent nach Inflation und Steuern.

Die Unternehmensgewinne

sind um etwa 50 Prozent gestiegen; und ich glaube, daß unsere Nation viel
geschlossener ist und daß es außerdem einen viel größeren Respekt für die
Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit der Regierung unseres Landes gibt.
Wir haben also einigen Fortschritt erzielt.
Ich darf sagen, daß ich nicht behaupte, alle Antworten zu kennen.
Es gibt keine einfachen Fragen zu beantworten.

- 7 -

Es gibt keine einfachen

�einfachen Probleme zu lösen.

Aber unser Land ist geeint.

um eben diese schwierigen und komplizierten Antworten.

Wir kämpfen

Ich bin der Meinung,

daß sie weiter verfolgt werden müssen - hoffentlich in meiner zweiten
Amtsperiode.
FRAGE (Monroe):

Ms. Woodruff?

FRAGE (Ms. Woodruff):

Herr Präsident, Sie sagten kürzlich in einem

Interview, daß die Invasion von Afghanistan Ihre Meinung über die Russen
drastischer geändert habe als irgendetwas sonst, seit Sie im Amt sind.
Warum haben Sie fast drei Jahre gebraucht, um die wahren Absichten der
sowjetischen Führung zu erkennen?
«•

ANTWORT: Ich habe nie an der langfristigen Politik oder den langfristigen Ambitionen der Sowjetunion gezweifelt. Die Tatsache, daß wir
durchweg die Verteidigung unseres Landes gestärkt haben - nach 15 Jahren
des Rückgangs in dieser Verpflichtung zur Verteidigung unseres Landes
gegenüber den Sowjets - ist ein Hinweis darauf. All die Schritte, die
ich vorher beschrieben habe - die Stärkung der NATO, die Bewegung in den
nördlichen Indischen Ozean hinein, die Friedenssuche im Nahen Osten u.s.w. wurden unmittelbar aufgrund der letztlichen Bedrohung des Weltfriedens durch
die Sowjetunion unternommen. Aber es ist offensichtlich, daß die vorliegende Invasion eines vorher blockfreien Landes durch die Sowjets mit
ihren eigenen massiven Truppen eine radikale Abkehr von der Politik oder
den Schritten ist, die die Sowjets seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt
haben. Es ist eine direkte Bedrohung, denn Afghanistan, ehemals ein
Pufferstaat zwischen der Sowjetunion und dem Iran und den Ol Vorräten der
Welt und zwischen der Straße von Hormuz und dem Persischen Golf, ist jetzt
zu einer Art Pfeil geworden, der auf jene entscheidenden strategischen
Regionen der Welt gerichtet ist. Daher ist dies eine bedeutsame Abkehr der
Sowjetunion von ihren vorherigen Unternehmungen.
Die

- 8 -

�Die sowjetische Langzeitpolitik wurde von mir damals und wird auch
weiterhin gut verstanden.
FRAGE (Ms. Woodruff): Und dennoch unternahm Ihre Regierung keinerlei
Schritte, um den gewaltigen Zuwachs kubanischer Truppen in Afrika in den
letzten Jahren aufzuwiegen. Heute sind noch immer sowjetische Kampftruppen
in Kuba trotz Ihrer Erklärung vom letzten Herbst, daß deren Anwesenheit
nicht hinnehmbar sei. übernehmen Sie im Lichte dieser Unterlassung, der
sowjetischen Aggression frühzeitiger entgegenzutreten, Liberhaupt irgendwelche
Verantwortung für die sowjetische Kalkulation, ungestraft in Afghanistan
einmarschieren zu können?
ANTWORT: Nun, die Sowjets haben die Stärke und die Entschlossenheit,
die Einheit und Bestimmtheit unserer eigenen Nation völlig falsch eingeschätzt sowie die Verurteilung, die ihnen durch die Staatengemeinschaft
aufgrund ihrer Invasion Afghanistans zuteil geworden ist. Wie Sie wissen,
marschierten kubanische Truppen in Angola ein, bevor ich Präsident wurde,
und die sowjetische Brigade - etwa 2000 bis 2500 Mann - ist schon seit
den frühen sechziger Jahren auf Kuba. Eindeutig gibt es ein zunehmendes
sowjetisches Risiko am Hörn von Afrika, in Äthiopien. Diese Bewegungen
gaben uns Anlaß zu großen Bedenken.
Aber der Punkt, den ich gern klarstellen würde, ist, daß wir zu
den Sowjets schon immer eine sehr komplizierte Beziehung hatten - gegründet
auf Zusammenarbeit, wenn wir zusammen auf eine friedliche Lösung der
Probleme der Welt zusteuern konnten - wie etwa die Aushandlung des SALTVertrags - und Wettstreit mit der Sowjetunion, wenn unsere Interessen
sich in irgendeiner Region der Welt überschnitten. Ich bin der Ansicht,
daß unsere Stärke deutlich demonstriert wurde. Die Entschlossenheit unserer
Nation wurde deutlich demonstriert. Die Unterstützung unserer Verbündeten
wurde deutlich demonstriert, und die Unterstützung der Welt bei der Verurteilung der kürzlichen Invasion der Sowjets wurde ja auch deutlich

- 9 -

�deutlich demonstriert.
Die Zeiten ändern sich, und die Umstände ändern sich.

Unser Land

hat sich stets der Bewahrung des Friedens verschrieben - aber Frieden durch
Stärke, nicht Schwäche.

Dies war unsere Politik.

Dies wird weiterhin

unsere Politik sein.
FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, gibt es irgendeine bestimmte neue

Hoffnung auf ein Ende der Geiselkrise mit dem Iran?
ANTWORT: Ich kann kein frühes Ende dieser Situation voraussagen.
Die Sorgen, die ich mir heute um die Geiseln mache, sind genauso groß,
wie sie vor einem Monat oder vor zwei Monaten waren. Unsere Politik gegenüber der Festhaltung unserer Geiseln durch den Iran ist klar und folgerichtig.
Sie ist eine abscheuliche Verletzung aller moralischen und ethischen
Maßstäbe und des Völkerrechts. Sie ist ein krimineller Akt - eine Gruppe von
Terroristen, Entführern, unterstützt und ermutigt durch Vertreter der
Regierung selbst, ergreifen unschuldige Opfer und halten sie zum Zweck
versuchter Erpressung in noch nie dagewesener Weise fest. Unsere Antwort
war klar: vor allem erstens die kurzfristigen und langfristigen Interessen
unseres Landes zu schützen; zweitens, die Sicherheit und das Leben der
Geiseln selbst zu schützen; drittens, jeden nur möglichen Weg zu verfolgen,
für eine frühe und sichere Freilassung unserer Geiseln; viertens, wenn
möglich, Blutvergießen zu vermeiden, denn ich hatte von Anfang an das
Gefühl, daß das Ergreifen eines militärischen Schrittes oder das Verursachen
von Blutvergießen zweifellos den Tod der Geiseln zur Folge haben würde;
und fünftens - und vielleicht am schwierigsten -, die nachdrückliche
Unterstützung durch die große Mehrheit der Staaten dieser Erde für unsere
Lage als einer schmerzerfüllten Nation zu wecken und zu erhalten, sowie
die Verurteilung des Iran durch die Welt für diese unmittelbare Verletzung
des Völkerrechts. Es ist ein verabscheuungswürdiger Akt.
Ich
- 10 -

�Ich weiß nicht, wann die Geiseln freigelassen werden, aber wir werden
uns auch weiterhin intensiv darum bemühen.

Wir werden unsere Verpflichtung

zum Ausschöpfen aller nur möglichen Mittel aufrechterhalten, um diese
Politik durchzuführen, die ich Ihnen gerade beschrieben habe, und wir werden,
so gut wir können, die volle Unterstützung der übrigen Welt bewahren;
und dieser konzertierte Druck von vielen Seiten - einschließlich der
jüngsten Sanktionen, die wir gegen den Iran eingeleitet haben - wird,
so glaube und hoffe ich und dafür bete ich, die sichere Freilassung unserer
Geiseln zur Folge haben.

Ich kann nicht genau voraussagen, wann.

FRAGE (Monroe): Wie antworten Sie auf die Kritik, Herr Präsident,
daß Ihre Regierung bei der Aufnahme des Schah in diesem Land ziemlich
pfuschte, indem sie der amerikanischen Botschaft im Iran keinen gesicherten
Schutz gewährte, nachdem amerikanische Diplomaten davor gewarnt hatten,
daß es diese Art Unruhe geben könne und daß ja tatsächlich wenige Monate
vorher eine Besetzung der Botschaft stattgefunden hatte?
ANTWORT: Ich habe überhaupt keine Entschuldigung dafür, daß man den
Schah als schwerkranken Menschen hierherkommen ließ
FRAGE (Monroe):
Präsident?

Und was ist mit dem Schutz der Botschaft, Herr

ANTWORT: ... zur Behandlung. Die Botschaft war in der Vergangenheit
angegriffen worden. Botschaften in der ganzen Welt sind oft Angriffen
ausgesetzt. Stets hatten sich die iranischen Behörden mit unseren eigenen
Leuten zusammengetan, um die Botschaft der Vereinigten Staaten zu schützen.
In der Folge der Besetzung der Botschaft vorher im selben Jahr führten wir
ein umfangreiches Programm zur Verstärkung der Verteidigungseinrichtungen
der Botschaft durch. Nachdem der Schah hierher in die Vereinigten Staaten
zur Behandlung kam und wir die iranischen Behörden über diese Tatsache
unterrichtet hatten, wurde uns erneut durch den iranischen Ministerpräsidenten

- 11 -

�Ministerpräsidenten und den iranischen Außenminister versichert, die Botschaft
würde geschützt.

Sie wurde in der Tat etwa 10 Tage lang geschützt; hier-

nach hielt der Ayatollah Khomeini eine überaus aggressive und beleidigende
Rede, und als die Botschaft von militanten Terroristen angegriffen wurde,
entzogen ihr die Iraner, die iranische Regierung, ihren Schutz. Es war
ein unvorhersehbares Ereignis. Soviel ich weiß, hat es das in der modernen
Geschichte noch nie gegeben, daß eine Regierung einen terroristischen Akt
dieser Art, das Entführen von Geiseln und ihr Festhalten zum Zweck versuchter
Erpressung, unterstützt.
Aber es blieb nichts unversucht, die Beziehungen mit dem Iran aufrechtzuerhalten, was unserem Interesse und gleichzeitig dem Schutz unserer
Mitbürger dient.
FRAGE (Monroe):

Mr. Rowan?

FRAGE (Rowan): Herr Präsident, einige unserer Verbündeten sagen jetzt,
daß im Iran bereits das Chaos herrscht und daß dieses Land, sollten die
Vereinigten Staaten die Wirtschaftsschrauben anziehen, auseinanderfallen
könnte und es der Sowjetunion leichtgemacht würde, die Teile aufzuheben.
Hören Sie darauf oder wollen Sie dem Iran noch immer Daumenschrauben anlegen?
ANTWORT:

Ich habe darüber immer nachgedacht, Mr. Rowan. \

Was wir wollen, ist ein geeinter Iran, kein zertrümmerter. Wir wollen
einen stabilen und unabhängigen Iran, und wir wollen einen sicheren Iran.
Aber wir können den abscheulichen Akt nicht akzeptieren, daß die Terroristen,
unterstützt durch die iranischen Behörden, Amerikaner als Geiseln festhalten. Wir haben uns entschlossen, Schritte gegen den Iran zu unternehmen,
um mit der Präsenz unserer Seestreitkräfte Verletzungen unserer Geiseln
zu verhüten und um zweitens mit einem zunehmenden Maß an Strenge Sanktionen

�Sanktionen gegen den Iran durchzuführen, die sie zur Freilassung der
Geiseln veranlassen könnte.
Durch die sowjetische Invasion Afghanistans wurde in den letzten
Wochen offensichtlich ein neues Element in die iranische Geiselkrise eingebracht.

Meine Überzeugung ist, daß viele der verantwortlichen Stellen

im Iran jetzt sehen, daß diese große Bedrohung der Sicherheit und des Friedens
des Iran jetzt an erster Stelle steht und daß es ihrerseits eine zusätzliche
Anstrengung zur Sicherung der Freilassung der Geiseln und zur Beseitigung
der Isolierung des Iran von der übrigen zivilisierten Welt geben wird.
Aber ich glaube, daß unsere Schritte wohlüberlegt sind. Wir haben
alle nur mögliche Vorsicht walten lassen hinsichtlich der von Ihnen beschriebenen
Möglichkeit. Und meinem Urteil nach ist es für den Iran jetzt das Beste,
die Geiseln freizulassen, Genugtuung für ihre behaupteten Klagen vor
internationalen Foren und den Gerichtshöfen der einzelnen Länder zu suchen
und damit anzufangen, sich selbst gegen eine mögliche Bedrohung durch die
Sowjets zu wappnen, die jetzt gegen sie in Afghanistan gerichtet ist.
FRAGE (Broder):

Sind Sie, Herr Präsident, im Hinblick auf das, was

Sie eben sagten, bereit, eine Verzögerung oder einen Aufschub der Verhängung
wirtschaftlicher Sanktionen gegen den Iran zu akzeptieren?
ANTWORT: Nein, diese Sanktionen werden von uns einseitig verfolgt
werden, und soviele unserer Verbündeten, wie zustimmen, werden sich anschließen. Wir haben bei der Verhängung von Sanktionen gegen den Iran
eine sehr akzeptable Unterstützung bei unseren Verbündeten gefunden, und
wir haben eine überwältigende Unterstützung bei dem Internationalen Gerichtshof
und bei den Vereinten Nationen von vielen Ländern gefunden, die diese
Situation verfolgt haben. Ich werde daher die Verhängung von Sanktionen
nicht verschieben.
FRAGE

- 13 -

�FRAGE (Woodruff):

Herr Präsident, im Jahre 1976 haben Sie die

Republikaner wegen eines, wie Sie es nannten, "Index der Misere" von rund
13 Prozent gescholten.
gestiegen.

Dieser Index der Misere ist jetzt auf 19 Prozent

Was halten Sie heute davon?

ANTWORT:

Natürlich, wenn sich ein Land im Zustand der Krise befindet,

dann ist man zutiefst davon befangen und besorgt darüber, daß unschuldige
Amerikaner festgehalten werden, daß eine anerkannte Bedrohung des Weltfriedens durch eine sowjetische Invasion in Afghanistan existiert, daß
eine hohe Inflation herrscht, die nach meiner Meinung durch ungerechtfertigte
Erhöhungen der ölpreise verursacht wird - das nimmt die Gedanken der
Amerikaner gefangen.

Wir ergreifen, wie ich in dieser Sendung und bereits

früher dargelegt habe, Maßnahmen, um diese Besorgnisse zu zerstreuen,
und ich bin überzeugt, daß die Einheit Amerikas über allem steht.

Ich bin

überzeugt, daß die Zukunft bessere Aussichten für die Behebung dieser
Spannungen bieten wird.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, daß Sie heute in dieser

Sendung Meet the Press zugegen waren.

�3

Dokumentation

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Januar 1980

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN DAS OLYMPISCHE KOMITEE DER USA
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980 in einem
Schreiben an den Präsidenten des Olympischen Komitees der USA, Robert Kane, zu
einem Boykott der olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau aufgerufen, falls die
Sowjetunion nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen aus Afghanistan zurückgezogen hat.

Das Schreiben Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:

Als Präsident dieses Landes und als Ehrenpräsident des Olympischen Komitees
der Vereinigten Staaten schreibe ich Ihnen heute, um Ihnen meine Ansichten hinsichtlich der XXII Olympischen Spiele mitzuteilen,, die

in

diesem

Sommer in Moskau abgehalten werden sollen.

Ich sehe in der sowjetischen Invasion und der versuchten Unterdrückung
Afghanistans eine ernste Verletzung des Völkerrechts und eine überaus ernste
Bedrohung des Weltfriedens.

Diese Invasion ist ebenso eine Gefahr für die be-

nachbarten unabhängigen Länder sowie für den Zugang zu einem wesentlichen Teil
der ölvorräte der Welt.

Sie bedroht daher unsere nationale Sicherheit wie

auch die Sicherheit dieses Gebietes und der gesamten Welt.
Wir

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir müssen der Sowjetunion klar vor Augen führen, daß sie eine unabhängige
Nation nicht einfach niedertrampeln und sich gleichzeitig gegenüber der übrigen Welt so verhalten kann, als wäre nichts geschehen.

Wir müssen klarstellen,

daß sie für derartige Aggressionen einen hohen wirtschaftlichen und politischen
Preis bezahlen muß.

Deshalb habe ich die schweren wirtschaftlichen Maßnahmen

angeordnet, die am 4. Januar verkündet wurden, und deshalb unterstützen andere
freie Länder diese Schritte.

Deshalb hat auch die Vollversammlung der Verein-

ten Nationen mit der überwältigenden Mehrheit von 104 zu 18 Stimmen die Invasion verurteilt und den sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen gefordert.
Ich möchte meine eigene persönliche Verpflichtung gegenüber den Grundsätzen
und Zielsetzungen der olympischen Bewegung noch einmal bekräftigen.

Ich bin

der Ansicht, daß es wünschenswert ist, Regierungspolitik aus den Olympischen
Spielen herauszuhalten - aber hier steht viel mehr auf dem Spiel.
In der Sowjetunion stellen internationale Sportwettbewerbe an sich schon
einen Aspekt der sowjetischen Regierungspolitik dar, wie dies auch bei der Entscheidung, in Afghanistan einzufallen, der Fall ist.

Der Leiter des Moskauer

Olympischen Organisationskomitees ist ein hoher sowjetischer Regierungsvertreter.
Die sowjetische Regierung mißt der Abhaltung der Olympischen Spiele 1980
in Moskau enorme politische Bedeutung bei, und sollte die Olympiade wegen der
sowjetischen militärischen Aggression in Afghanistan nicht in Moskau abgehalten
werden, dann kann dieses machtvolle Signal der Empörung der Welt dem sowjetischen
Volk nicht vorenthalten werden; es würdein aller Welt widerhallen. Vielleicht
wird es vor zukünftigen Aggressionen abschrecken.
Ich fordere daher das Olympische Komitee der USA auf zusammen mit anderen
Nationalen Olympischen Komitees das Internationale Olympische Komitee davon
in Kenntnis zu setzen, daß Moskau ein ungeeigneter Ort für ein sportliches Fest
wäre, auf dem Frieden und guter Wille gefeiert wird, sollten die sowjetischen
Truppen nicht in vollem Umfange innerhalb des nächsten Monats aus Afghanistan

�Afghanistan abgezogen worden sein.

Sollte die Sowjetunion ihre Truppen in

dem oben genannten Zeitraum nicht abgezogen haben, fordere ich das Olympische
Komitee der USA auf, vorzuschlagen, die Spiele entweder an einen anderen
Ort, wie Montreal, oder an mehrere andere Orte zu verlegen oder sie für dieses
Jahr abzusagen.

Sollte das Internationale Olympische Komitee einen solchen

Vorschlag des Olympischen Komitees der USA zurückweisen, dann fordere ich das
Olympische Komitee der USA sowie die Olympischen Komitees anderer gleichgesinnter Länder auf, sich nicht an den Moskauer Spielen zu beteiligen.
solchen Fall und falls geeignete Vorkehrungen

In einem

getroffen werden können, spreche

ich mich dafür aus, daß diese Länder alternative eigene Spiele an einem anderen
Ort oder an anderen Orten in diesem Sommer durchführen.

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist bereit, allen solchen Bemühungen ihre volle Unterstützung
zu gewähren.
Aus Ihrem Schreiben an mich und Ihrem Zusammentreffen mit Außenminister
Vance sowie mit Lloyd Cutler weiß ich um Ihre tiefe Sorge um die Männer und
Frauen in aller Welt, die sich unermüdlich in der Hoffnung auf eine Beteiligung
auf die Olympischen Spiele 1980 vorbereitet haben.

Ich teile Ihre Sorge.

Ich

würde die Beteiligung von Sportlern aus der gesamten Welt an Olympischen Sommerspielen oder anderen Spielen in diesem Sommer außerhalb der Sowjetunion unterstützen, genauso wie ich die Sportler aus der gesamten Welt in Lake Placid
anläßlich der Olympischen Winterspiele begrüße.
Ich hege tiefste Bewunderung und tiefsten Respekt für die Sportler und
ihrem Streben nach großen Leistungen. Niemand versteht besser als sie die Bedeutung von Opfern zur Erreichung erstrebenswerter Ziele. Es gibt aber kein
Ziel von größerer Bedeutung als das Ziel, um das es hier geht: Die Sicherheit
unseres Landes und den Frieden der Welt.
Ich fordere das Internationale Olympische Komitee ferner auf, einen weiteren Schritt zur Beseitigung zukünftiger politischer Konkurrenz unter den Ländern zu ergreifen, die sich um die Ausrichtung Olympischer Spiele bemühen.
Daher rufe ich alle Nationen auf, sich bei der Unterstützung eines permanenten
- 3 -

�permanenten Austragungsortes für die Olympischen Sommerspiele in Griechenland
zusammenzuschließen und einen entsprechenden ständigen Austragungsort für die
Winterolympiade zu suchen.
Der Weg, den zu beschreiten ich hier fordere, ist notwendig, um den Frieden der Welt in dieser kritischen Zeit sichern zu helfen.

Die wichtigste Auf-

gabe für die führenden Persönlichkeiten der Welt - öffentliche wie private ist es, vor einer Aggression abzuschrecken und den Krieg zu verhindern. Aggressionen zerstören die internationale Freundschaft und den guten Willen, die die
Olympische Bewegung zu fördern sucht.

Wenn es unsere Antwort auf eine Aggres-

sion ist, den internationalen Sport, als sei nichts geschehen, in der Hauptstadt
des Aggressors weiter zu betreiben, dann werden andere Maßnahmen zur Abschreckung
vor einer Aggression unterminiert.
Der Geist und die Zukunft der Spiele hängen zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von mutigen und entschlossenen Aktionen ab. Ich ersuche Sie um Ihre Unterstützung und Ihre Hilfe bei der Mobilisierung der Unterstützung anderer
Olympischer Komitees in aller Welt.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

REDE DES US-BOTSCHAFTERS BEI DER EG IN BRÜSSEL:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Europäischen
Gemeinschaften in Brüssel, Thomas C. Enders, hat am 16. Januar 1980 vor dem
American and Common Market Club die Haltung der Vereinigten Staaten zu den
gegenwärtigen weltpolitischen Problemen dargelegt und darauf hingewiesen, daß
Amerika mit der Unterstützung Europas rechne.
Die Rede von Botschafter Enders hat folgenden Wortlaut:
Niemand, der die heutigen Aussichten mit denen zu Beginn der siebziger
Jahre vergleicht, wird übersehen können, wieviel gefährlicher die Welt heute
geworden ist.
Afghanistan wird zu einer erneuten Bewährungsprobe dafür, wie gut wir
die größte Lehre des zwanzigsten Jahrhunderts begriffen haben - daß nämlich,
wie Präsident Carter es dieser Tage ausgedrückt hat, die Aggression, wenn man
ihr nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden Krankheit wird.
Der

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Der Iran ist zur Bewährungsprobe unserer Fähigkeit geworden, gemeinsam
zu handeln - klug, nicht aggressiv, aber fest - um eines der Fundamente der
politischen Zivilisation zu schützen:

die Unverletzlichkeit ausländischer

Vertretungen.
Ich glaube, wir sind uns auch alle bewußt, daß die Mittel, die uns zur
Verfügung stehen, um diese Ereignisse zu meistern, nicht so mächtig sind wie
zu Beginn der siebziger Jahre.
deten ist geringer.

Die relative militärische Stärke der Verbün-

Wir sind weniger zuversichtlich, daß wir in der Lage sei-

en, die inflationären Prozesse, deren Opfer wir alle sind,zu meistern, ja überhaupt nur richtig zu begreifen.

Wir fangen erst an, uns wirklich über die ge-

waltigen Veränderungen klar zu werden, die die Energiekrise von uns fordert.
Und vor allem, unsere Gesellschaften scheinen uns heute komplexer und zerstrittener denn je.

Es scheint sehr viel mühsamer, eine Übereinstimmung über

Ziele und Maßnahmen zu erreichen.

Wir machen uns Sorgen darüber, daß wir we-

niger anpassungsfähig seien.
Keines dieser Anliegen und Besorgnisse wird sich in allzu naher Zukunft
allzu sehr ändern.
Die Gefahren von außen dürften mit dem aggressiven Expansionismus der
Sowjetunion, den Umwälzungen im Islam

und der Agonie der kleinen indochine-

sischen Staaten sicherlich noch bedrohlicher geworden sein.
Ebenso wenig sind für unsere großen innenpolitischen Probleme Durchbrüche
in Sicht. Man kann wohl Wetten darauf abschließen, daß niemand in seinem Innern eine Idee zur Lösung des Inflationsproblems nährt, die mit der Entdeckung
von Keynes hinsichtlich der Arbeitslosigkeit vergleichbar wäre. Keine neuen
Erdölfelder, und seien sie noch so groß, werden wahrscheinlich die Verhältnisse
auf den ölmärkten auf sehr lange Zeit sehr wesentlich ändern. Und es wäre unrealistisch, wollte man erwarten, daß wir mit Hilfe eines "Sesam-öffne-dich"
einen Abkürzungsweg durch die üblichen, oft fürchterlich verschlungenen Pfade
der Angleichung auseinandergehender Auffassungen finden werden, die das Wesen
der Demokratie in Amerika und Europa ausmachen.
Wenn
- 2 -

�Wenn wir es besser machen wollen als im vorigen Jahrzehnt, ja, selbst
wenn wir es auch nur halbwegs so gut machen wollen, dann werden wir ein neues
Element einbringen müssen.

Wir müssen die Frage irgendwie anders stellen.

Dieses neue Element kann - wie mir scheint - nur sein, was wir noch
stärker zusammen tun können.

Ich glaube, wenn wir das kommende Jahrzehnt be-

greifen wollen, dann ist es tatsächlich von fundamentaler Bedeutung, daß wir
einsehen, daß keiner von uns, weder Europäer noch Amerikaner, Erfolg haben
wird, wenn

wir nicht eine seit der unmittelbaren Nachkriegszeit beispiellose

Anstrengung zur Zusammenarbeit unternehmen.
Das gilt eindeutig bezüglich der Geiseln, die in Teheran festgehalten
werden - unter Verletzung jeden Rechts, unter Mißachtung des Willens fast aller
Staaten und Völker, wider jede Regel der Zivilisation. Seit Beginn der Krise
hat sich ein überaus enges und unterstützendes Handeln unter uns abgezeichnet.
Während dieser Wochen konnte Amerika wirklich auf Europa zählen. Dieses lange Leiden tritt jetzt in eine neue, schwierigere,potentiell entscheidende
Phase, in der unsere Solidarität von entscheidender Bedeutung sein kann. Wir
rechnen weiterhin mit der Unterstützung Europas.
Im Falle der sowjetischen Invasion in Afghanistan hat die Europäische
Gemeinschaft nachhaltig auf die amerikanische Getreide-Entscheidung reagiert
und versprochen, die amerikanischen Nahrungsmittel lieferungen in die UdSSR
weder direkt noch indirekt zu ersetzen. Wir müssen uns heute fragen, ob es
klug ist, wenn wir der UdSSR helfen, ihre eigene Stärke aufzubauen, indem wir
hochtechnologische Güter liefern, die möglicherweise militärisch genutzt werden
können - wenn diese Stärke so gewalttätig und unvorhersehbar angewandt wird
wie jetzt in Afghanistan. Und ist es wirklich sinnvoll, der UdSSR bevorzugte
oder von der Regierung garantierte Kredite einzuräumen? Warum sollten die
Sowjets nicht zu den gleichen Bedingungen kaufen müssen wie andere entwickelte
Länder?
Aber es geht nicht nur um die Probleme jenseits unserer Grenzen, sondern
auch um die Probleme innerhalb unserer Grenzen, deren Lösung in den achtziger

�achtziger Jahren eine außerordentliche Anstrengung der Zusammenarbeit erfordern wird.
Denken wir nur an die Energie.

Wir haben den zweiten Ölschock noch nicht

verdaut, und es liegt bereits auf der Hand, daß wir in den nächsten Jahren von
einigen weiteren ölschocks getroffen werden können.
derartige Versorgungsstörungen geben wie im Iran.

Es kann durchaus weitere
Und selbst, wenn das nicht

der Fall ist, so ist der geplante Ausbau der OPEC- und Nicht-OPEC-Ölquellen
in diesem Jahrzehnt nicht ausreichend, um das Ausmaß an Wachstum zu erreichen,
das die Industriestaaten zu erreichen hoffen - ohne daß wir bei der Nutzung
von Energie eine wesentlich größere Effizienz erzielen.

Und in dem Maße, in

dem die Preise mit jedem Schock nach oben schießen, könnte mancher Produzent
seine Förderung senken, denn er könnte mehr an der Erhaltung seiner Vorkommen
als an der Anhäufung von Geld interessiert sein.
über ihr gegenwärtiges Niveau steigen.
wogen kommen.

Die ülpreise könnten weit

Es könnte zu gewaltigen neuen Inflations-

Die OPEC-Überschüsse könnten ins Unermeßliche wachsen.

Im in-

ternationalen Währungssystem könnten tiefgreifende Turbulenzen auftreten.
Das alles wäre möglich, selbst wenn das OPEC-Kartell in der gegenwärtigen
Uneinigkeit verharrt.

Es gibt Grund zu der Annahme, daß das Kartell bisher

nur eine wesentliche Auswirkung auf den ölmarkt gehabt hat, nämlich eine Untergrenze für die Preise zu schaffen, nachdem sie durch Verknappung der Lieferungen wie 1973/74 und erneut im vorigen Jahr in die Höhe getrieben worden waren.
In den achtziger Jahren müssen Europa und die Vereinigten Staaten zweierlei tun:
Erstens müssen wir mit den Schocks fertigwerden, damit ihre gewaltigen
aber potentiell kurzfristigen Preisauswirkungen nicht Einzug in das System
finden.

Dies ist uns 1973/74 nicht gelungen.

Damals wurden dem Angebot ein

halbes Jahr lang mehrere Millionen Barrel pro Tag entzogen.

Als sich die La-

ge wieder normalisierte, zahlten wir für dasselbe öl viermal so viel.

Dies

taten wir 1979 erneut vergeblich, als wir ein paar Millionen Barrel pro Tag
verloren, aber Saudiarabien und andere Länder dies mehr als wettmachten.
- 4 -

Und

�Und jetzt bezahlen wir 100 Prozent mehr für eine Gesamt-ÖlVersorgung, die
genau denselben Umfang hat wie vor der Krise.

Zweitens müssen wir über die Langzeittrends des Marktes hinausgreifen,
müssen von Reaktion auf Initiative übergehen, so daß unsere langfristigen Einsparungs- und Produktionsentscheidungen frühzeitig getroffen werden und dadurch diese - und nicht die Verfügbarkeit des OPEC-Öls - die Spielregeln bestimmen.

Wir müssen mehr tun.

Ein klarer Befehl?

Aber wir müssen es sicherlich schneller tun.

Ja, das ist es.

Umso mehr als die Europäer und die

Amerikaner gegenseitig ihre Leistungen kritisch betrachten.
gen,

Die Europäer sa-

die Amerikaner verschwendeten Energie mit ihren großen Autos und ihren

klimatisierten Häusern und allen ihren energieverschlingenden Maschinen.

Tat-

sächlich zeigt der genaueste Maßstab - Energieverbrauch pro Einheit des Binnensozialprodukts - einen kleineren Unterschied, als man denken würde.

Auf dieser

Skala benötigen die Vereinigten Staaten ein Drittel mehr Energie als die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien oder Italien, um eine Einheit des
Binnensozialproduktes herzustellen.

Aber sicher haben die Europäer recht,

wenn sie sagen, daß es in den Vereinigten Staaten mehr Langzeitmöglichkeiten
zur Einsparung und für neue Energieproduktion gibt als in Europa.

Die Amerikaner wiederum sagen, daß die Europäer nicht sehr hilfreich
sind, wenn es darum geht, mit dem ölschock fertigzuwerden - wie etwa 1979.
Nimmt man die Länder der Gemeinschaft zusammen, so haben sie tatsächlich ihren
Verbrauch um 10 Millionen Tonnen erhöht.

Es ist richtig, daß die amerikanische

Wirtschaft in diesem Zeitraum langsamer wuchs als die europäische.

Aber sogar

wenn man dies in Rechnung stellt, bleibt die Schlußfolgerung bestehen, daß erhöhte Gemeinschaftsimporte die amerikanische Anstrengung aufgehoben haben.

Tatsache ist, daß Nordamerika aufgrund des größten Potentials zu Einsparung und neuem Angebot eine besondere Verantwortung hat, zum langfristigen
Energiegleichgewicht beizutragen - in seinem eigenen Interessen wie im Allgemeininteresse.
Genau
- 5-

�Genau dies tun die Vereinigten Staaten, Seit 1973 ist der Gesamtenergieverbrauch nur um etwa ein Drittel des Bruttosozialprodukts gestiegen.

1979

unternahmen die Amerikaner einen großen Schritt in die Richtung, das Wirtschaftswachstum vom Ölverbrauch abzukoppeln, als der Verbrauch tatsächlich um 2,5 Prozent sank, während das Wirtschaftswachstum 2 Prozent betrug.

Die Vereinigten

Staaten erhöhen die Inlandsenergiepreise, die lang niedriger als die in Europa
waren, rascher als dort. Sie starten ein umfangreiches neues Programm für
synthetische Brennstoffe und schaffen sich die Mittel, die gesetzgeberischen
Hindernisse bei neuen Energieprojekten zu überwinden.

Die letzten beiden Maß-

nahmen durchlaufen gerade die letzte Etappe der Zustimmung im Kongreß.

Der

nächste Kongreß muß - und wird - breitangelegte neue Energiemaßnahmen verabschieden.
Aber in einer Krise, wenn rasch wirkende Maßnahmen benötigt werden, müssen alle beisteuern, oder die Anstrengung wird fehlschlagen - wie im letzten
Jahr.
Im Dezember führten die Internationale Energieagentur und die Europäische
Gemeinschaft eng koordinierte Mechanismen ein, um die Nachfrage in angespannten
Marktsituationen dem Angebot anzupassen,, Es ist entscheidend, daß wir sie zur
Wirkung bringen, wenn uns der nächste Schlag trifft. Tatsächlich werden wir
ohne einen effektiven Mechanismus dieser Art den Ereignissen in diesem Jahrzehnt gnadenlos ausgeliefert sein. Offensichtlich ist es für alle von uns politisch einfacher, den Schock einfach abzuwarten - und dann auf die OPEC loszurennen. Aber die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Untätigkeit unsererseits - hinsichtlich Inflation, Zahlungsbilanzabflüsse, Arbeitslosigkeit sind sehr hoch. Wir werden sie nicht mehr viel öfters zahlen können.
Lassen Sie mich zweitens zum Geld Stellung nehmen. Die meiste Zeit der
Nachkriegsperiode und fast überall auf der Welt war der Dollar die vorherrschende internationale Wertanlage und machte nie weniger als vier Fünftel der Währungsreserven der Welt aus. Und er war ein viel stabileres Instrument als oft
erkannt wird. Aber gegen Ende der sechziger Jahre nahm sein Wert gegenüber
anderen Währungen allmählich ab. Anfang der siebziger Jahre gab es eine Ab-

�Abwertung von insgesamt 17 Prozent.

Seit dem März 1973 sank der Wert des

Dollar gegenüber fast allen europäischen Währungen und dem Yen, stieg jedoch
gegenüber Großbritannien, Italien und Kanada.

Bewertet man ihn durch Handel,

so hat er seinen Wert gegen andere Währungen als Gruppe behalten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind entschlossen, diese Funktion zu erhalten,und werden die hierzu
notwendigen internationalen und nationalen Schritte ergreifen.

Wir bewiesen

dies im November 1978 und erneut im Oktober letzten Jahres.
Aber wir wissen, daß es in diesem Jahrzehnt ungeheuren Druck auf das Weltwährungssystem geben kann:
- Die OPEC könnte gewaltige Währungsbestände aufhäufen - viel größer,als
manche Länder überhaupt aufnehmen möchten.
- Manche Entwicklungsländer, tiefverschuldet, könnten Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
- Manche Dollarbesitzer könnten den Wunsch hegen, ihre Vermögenswerte
zu diversifizieren, aber solange es keine wesentlichen Änderungen gibt, könnten
potentielle Reserveländer es nur ungern sehen, wie ihre Währung in größerem
Umfang als Reserve benutzt wird.
- Das Fehlen eines Mechanismus zur Kontrolle der geschaffenen internationalen Liquiditätsmengen könnte Fragen über die Stabilität des Systems aufkommen
lassen. Eindeutig ist die Zeit gekommen, da der Stabilität des Systems dadurch am besten gedient würde, daß man sich in. zunehmendem Maß auf eine einzige,
international geschaffene und verwaltete Reserveeinheit stützt.
Der Internationale Währungsfonds hat bereits die ersten Schritte in diese Richtung unternommen, indem er die Sonderziehungsrechte geschaffen, sie zur
grundlegenden Rechnungseinheit und in größerem Umfang verwendbar gemacht hat.
Der nächste Schritt wird sein, ein Mittel zu schaffen, durch dessen Hilfe
Reserven an Dollar und vielleicht anderen Währungen in Reserven an Sonder- 7 -

�Sonderziehungsrechten konvertiert werden könnten.

Verhandlungen über einen

solchen Mechanismus - Substitionskonto genannt - sind jetzt im Gange.
Den Schritten zur Verbesserung unserer weltweiten internationalen Währungsvereinbarungen entsprechen die Anstrengungen zur Stärkung der Währungsvereinbarungen in Europa.
Das Europäische Währungssystem kann zu einer größeren Stabilität des Gesamtsystems beitragen, teilweise durch die Wechselkursvereinbarungen und - noch
wichtiger - durch die Koordinierung der nationalen Politiken.
Es ist noch unbekannt, wie weit die Gemeinschaft bei der Institutionalisierung der neuen europäischen Währungseinheit in der zweiten Phase des Europäischen Währungssystems gehen wird und ob sie eine stärkere Verwendung ihrer
neuen Währungseinheit, des ECU, erlauben oder vielleicht dazu ermutigen wird.
Sollte dies der Fall sein, so könnte der ECU eine zusätzliche Möglichkeit für
die weltweite Kreditgewährung sein, ohne auf nationale Währungen zurückzugreifen,
da viele Mitglieder der Gemeinschaft nur ungern sehen, daß diese in eine Reserverolle gedrängt werden.

Dies wäre eine vielversprechende Entwicklung.

Drittens gibt es die Frage des Handels. Wir dürfen nie vergessen, daß
eine der wesentlichsten Ursachen dafür, daß die Geschichte nach dem Zweiten
Weltkrieg in einer Richtung verlief, die so verschieden von jener nach dem
Ersten Weltkrieg war, die Entwicklung des internationalen Handels gewesen ist.
Der Handel war die große Wachstumsindustrie der letzten 30 Jahre, die ständig
die Leistung des Inlandsmarktes bei weitem übertraf. Dies ist nicht von selbst
geschehen, sondern ist das Ergebnis einer bemerkenswerten, anhaltenden Anstrengung, die Zölle zu senken und andere Beschränkungen zu begrenzen; beide - die
Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten - spielten dabei eine führende Rolle.
Die Hoffnung auf Wohlstand in diesem Jahrzehnt wird viel geringer sein, wenn
wir nicht in der Lage sind, das Handelssystem weiterhin offen zu halten.
Wie Sie wissen, trat am 1. Januar die erste bedeutsame Revision der internationalen Handelsregelungen seit kurz nach dem Krieg in Kraft.

Diese neuen

�neuen Regeln sind zusammen mit den umfangreichen Zoll Senkungen, die gleichzeitig
ausgehandelt wurden, eine wesentliche Leistung für die internationale Gemeinschaft.

Jetzt treten wir in die heikelste Phase ein.

Die Eindrücke und die

Signale

der kommenden Monate können leicht das Handelsklima des Jahrzehnts

festlegen.

Diejenigen, die bei ihrem Handel Grund zur Klage hatten, werden ohne Zweifel sehen wollen, ob die neuen Regeln ihnen bessere Chancen für eine Abhilfe
geben, als dies bei den alten der Fall war.

Dies ist nur allzu natürlich, und

man sollte ihren Klagen Gehör verschaffen.

Gleichzeitig sollten wir diese neuen Werkzeuge behutsam einsetzen, damit
sie gestärkt werden und sichergestellt wird, daß sie nicht in unserer Hand
zerbrechen.

Es ist unvermeidlich, daß es Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation der Abkommen geben wird.

Ebenso unvermeidlich ist es, daß es auf beiden

Seiten ein paar Fälle geben wird, wo einige limitierte ad-hoc-Maßnahmen unumgänglich sind.

Aber es gibt zwischen der Gemeinschaft und den Vereinigten Staa-

ten auf dem Handelssektor eine vorzügliche Kommunikation.

Wir sollten uns ihrer

bedienen, um einander zu konsultieren, bevor wir handeln.

Wo immer es nötig

und möglich ist, sollten wir unsere Konsultationen dazu nützen, Meinungsverschiedenheiten beizulegen.

Dies wird der Weg sein, den die Vereinigten Staaten

gehen.

Gestatten Sie mir viertens, daß ich mich kurz Verteidigungsfragen zuwende.
Wir sind uns heute alle stärker der neuen Bedrohungen unserer Sicherheit durch
die außerordentlichen und anhaltenden Anstrengungen der UdSSR bewußt, die militärische Überlegenheit zu erringen.

Die meisten der Verbündeten unternehmen

bereits umfassendere Verteidigungsanstrengungen, und niemand vermag den Zeitpunkt vorauszusehen, von dem an wir weniger tun können.

Während wir in den

siebziger Jahren Ressourcen vom Verteidigungsbereich auf den zivilen Bereich
umdirigieren konnten, besteht diese Option heute für uns nicht mehr.
ten in der Tat gezwungen sein, das Gegenteil zu tun.
- 9 -

...

Wir könn-

�Wir alle haben, was unsere Gesellschaft angeht,viele unerledigte Aufgaben
anstehen:

die berechtigten Ansprüche auf bessere Wohnverhältnisse, bessere

Gesundheitsfürsorge, eine bessere Umwelt, besseren Schutz vor Arbeitslosigkeit
und eine bessere Erziehung.

Um diesen und den Sicherheitserfordernissen ge-

recht werden zu können, müssen wir lernen, die auf die Verteidigung zu verwendenden Ressourcen so wirksam wie nur möglich zu nutzen.
Es sind bereits langfristige Anstrengungen im Gange, unnötige Parallelvorhaben zu eliminieren und die Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion
von Rüstungsgütern zu verbessern.

Sicherlich besteht auf manchen Gebieten ein

gesunder Wettbewerb zwischen mehreren qualifizierten Lieferfirmen auf beiden
Seiten des Atlantik.

Es gibt allzu oft weitgehende Überlappungen, wenn mehrere

Länder ihre eigenen Systeme auf im wesentlichen exklusiver Basis in kleinen Serien bei hohen Kosten und geringer Effizienz produzieren, und es gibt auch
Fälle der Marktbeherrschung durch eine einzige (häufig amerikanische) Lieferfirma - oder beides.

Europa und Amerika sind der Sowjetunion hinsichtlich ihrer

industriellen Stärke weit überlegen; es ist aber keineswegs sicher, daß wir
diese Fähigkeit so weitgehend oder so gut ausnutzen, wie wir dies könnten.
Um Fälle von Ineffektivität zu beseitigen, geht die NATO drei Wege.
Erstens auf dem Gebiet der Entwicklung: Die NATO faßt neue Waffen wie beispielsweise die Kurz- und Mittelstrecken-Luft-Luft-Raketen, zu"Familien" zusammen. Auf diese Weise wird von vornherein vereinbart, welcher Typ aus einer solchen Waffenfamilie - beispielsweise welche Luft-Luft-Rakete - von Nordamerika
und welcher Typ von Europa entwickelt werden soll. Zweitens auf dem Gebiet der
Produktion: Die NATO ermutigt zur Einrichtung "paralleler" Fertigungsstraßen
auf beiden Seiten des Atlantik, um der Neigung entgegenzuwirken, die gleichen
Waffen immer wieder "neu" zu erfinden. Drittens führen die Vereinigten Staaten
Verhandlungen mit dem Ziel, zu gemeinsamen Absprachen bezüglich der für die Gesamtverteidigung erforderlichen Beschaffungskäufe zu gelangen, um Vorschriften
zur Bevorzugung "heimischer" Anbieter zu eliminieren und die Beurteilung von
Waffen nach ihren Leistungen zu erleichtern. Die Bündnismitglieder erproben
dieses Konzept einer verbesserten transatlantischen Zusammenarbeit in der
Rüstungsproduktion gegenwärtig an ersten Beispielen und haben damit inzwischen

�inzwischen vielversprechende erste Ergebnisse erzielt.

Vielleicht läßt sich

hier - wie auf anderen Gebieten - eine europäische Lösung finden, die mit einer
umfassenderen transatlantischen Lösung vereinbar ist.

Ich möchte damit keineswegs sagen, daß sich Anstrengungen im eigenen Land
durch die internationale Kooperation ersetzen lassen.

Keine internationale An-

strengung kann den Mangel an Willenskraft im eigenen Lande kompensieren.

Und

ich will auch nicht sagen, eine Forderung müsse allein schon deshalb als gültig
betrachtet und befolgt werden, weil es sich um eine Forderung nach Zusammenarbeit handelt.

Das wäre Unsinn.

Sicherlich aber sind Kräfte in der Welt am Werk, die keiner von uns für
sich allein unter Kontrolle bringen kann.

Die Erfahrung lehrt uns, daß ein höheres Maß an Zusammenarbeit sehr schwierig zu erreichen und aufrechtzuerhalten sein wird.

Hier spielen Stilfragen

eine große Rolle.

Wir müssen uns aufgeschlossen gegenüber der Tatsache zeigen, daß ein höheres Maß von Kooperation nicht nur unsere gemeinsamen Kräfte und unsere Effizienz mehren, sondern auch die Streßbelastung erhöhen kann.

Das verlangt der

Politik viel ab und erfordert eine besondere Form der Kreativität, die es jedem Lande gestattet, seine Hoffnungen und Interessen innerhalb der gemeinsamen
Aktionen zum Ausdruck zu bringen.

Wir haben es nicht nötig, uns gegenseitig mit dem Vorwurf zu begegnen,
jeder folge seiner eigenen, unausgesprochenen Tagesordnung.

Die Zeit ist ein-

deutig vorüber, in der der eine die Interdependenz feiern und ein anderer sie
lediglich für ein Kodewort für Hegemonie halten mochte oder in der ein zweiter den Nationalismus rühmte, während ein dritter ihn lediglich als Deckmantel
für

den nationalen Egoismus erachtet.

Die Erfahrung lehrt, daß die Vorzüge

sowohl der Interdependenz als auch des Nationsiismus weit überschätzt worden
sind.
Wir
- 11 -

�Wir sollten uns unsere Unterschiede und auch der Tatsache bewußt sein,
daß Europa und Amerika, wie Rainer Maria Rilke sich ausdrückt, zwei Einsamkeiten
sind, die sich gegenseitig schützen, berühren und respektieren müßten.
Kein Forum braucht bevorrechtigt zu sein. Wir sollten vielmehr die Mechanismen nutzen oder schaffen, die der jeweiligen Angelegenheit angepaßt sind,und
nicht umgekehrt.

Die Amerikaner aber wissen, wieviel Stärke freigesetzt wird,

wo immer sich Europa zur Zusammenarbeit entschließt, und in allen solchen Fällen
werden wir es begrüßen, daß wir es mit der Gemeinschaft zu tun haben.
Letzten Endes werden alle - Amerikaner, Europäer, ja wir alle - nach Mitteln und Wegen suchen müssen, unsere jeweiligen nationalen Interessen stärker
in Übereinstimmung mit den gemeinsamen Interessen zu bringen, wollen wir die
Werte erfolgreich verteidigen, auf die sich die westliche Welt gründet.

Die

Zukunft dringt in uns ein, um einen weiteren Gedanken Rilkes anzuführen, und
verwandelt sich in uns, lange ehe dies nach außen sichtbar wird.

In einem ge-

wissen Sinne ist die Zukunft schon in uns in Gestalt dessen, was Europa und
Amerika gemeinsam erreicht haben.

Das wiederum bedeutet, daß wir fähig sein

werden, auch unseren künftigen Verantwortungen gerecht zu werden.

.

•

.

• •

+ + + + +

�3
I 3

UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

LAKE PLACID:

SOLARSTROM FÜR DIE STRECKENTELEFONE

- (AD) - Zwanzig Kollektoren auf dem Whiteface Mountain liefern
den elektrischen Strom für den Betrieb des Telefonsystems, das für die
Olympischen Winterspiele in Lake Placid entlang der Skilauf-Rennstrecken
installiert wird. Die zahlreichen Einzel Zeilen der Sammlerplatten wandeln
Sonnenenergie in elektrischen Strom um.
Der Startplatz für die Skiläufer aus 40 Nationen liegt in 876 m
Höhe an einem Abhang des knapp 1500 m hohen Whiteface Mountain, das Ziel
befindet sich 400 m tiefer.

Hier werden über Strecken von 1200 m und

mehr die Wettkämpfe im Slalom, Riesenslalom und in den Abfahrtsläufen
ausgetragen.
Die für die Stromerzeugung verwendeten Solarzellen sind repräsentativ
für die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet der Technik. Jede
Sammlerplatte erzeugt bei stärkster Sonneneinstrahlung ca. 20 Watt. Die
sog. photovoltaisehen Zellen brauchen praktisch keine Wartung und haben
eine sehr lange Lebensdauer; am System gibt es keine beweglichen Teile.

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Teile.

Die Raumfahrttechnik bedient sich schon seit zwei Jahrzehnten

solcher Ausrüstungen zur Erzeugung von Betriebsstrom für unbemannte und
bemannte Raumfahrtgeräte.

Einer breiten Anwendung unter irdischen Be-

dingungen stehen jedoch noch immer die Kosten für die Solarzellen im Wege,
obgleich diese in den letzten vier Jahren um 80 Prozent zurückgegangen
sind.

Die Fachleute sind jedoch zuversichtlich, daß sie weiterhin gesenkt

werden und Solarzellen in absehbarer Zeit mit anderen Verfahren der Stromerzeugung konkurrieren können.

+ + + + +

- 2 -

�3!
I

3

•JUiz/cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

HYBRIDAUTO FÜR BENZIN- UND STROMBETRIEB
Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

- (AD) - Einen schnittigen Kleinwagen stellten Studenten der
Universität Kalifornien in Berkeley der Öffentlichkeit vor, den sie unter
Mitwirkung von Otto J. Smith, Professor für Elektrotechnik, und Frank
Hauser, Professor für Maschinenbau, in achtzehnmonatiger Arbeit entwickelt
haben.

Er verbraucht 4,7 Liter Benzin pro 100 km bei Autobahnfahrten und

wird im Stadtverkehr mittels eines kleinen Hebels

auf abgasfreien Elektrobe-

trieb umgeschaltet.
Das Gefährt hat ein Volkswagen-Chassis und ist mit einem MotorradVerbrennungsmotor der Fa. Honda sowie einem 10 PS-Elektromotor und vier
Batterien ausgerüstet. Die Spitzengeschwindigkeit beträft etwas über
120 km/h. Der Tank faßt 25,7 Liter, so daß die Reichweite bei normaler
Fahrweise ca. 550 km beträgt. Wenn der Wagen auf Benzinbetrieb geschaltet
ist, werden während der Fahrt gleichzeitig die Batterien wieder aufgeladen.

Die

Postfach 20 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Die Studentengruppe konstruierte den Versuchswagen unter der Gesamtleitung von Chenming Hu, Assistenzprofessor für Elektrotechnik und Informatik
an der Universität Berkeley, für einen landesweiten Wettbewerb, der von der
gemeinnützigen Stiftung SCORE (Student Copetitions on Relevant Enginieering,
Inc.) organisiert worden war.

Sie errang den zweiten Platz bei der

Bewertung der vorgestellten Hybridwagen.
Der Zweisitzer mit seiner leichten Fiberglas-Karosserie fand allgemein
viel Bewunderung.

Ein Expertengremium aus der Industrie, das die Beurteilungen

vornahm, schätzte, daß der Stückpreis ca. 4 000 Dollar betragen würde,
wenn eine Serienfertigung 100 000 Stück pro Jahr erreichte.

Das Entwicklungs-

modell kostete 10 600 Dollar, die vor allem durch Spenden von Seiten der
Industrie und zweier Stiftungen aufgebracht worden waren. Gegenwärtig ist
die Studentengruppe dabei, bestimmte technische Details noch zu verbessern.

+ + + + +

- 2

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 23.01.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhinderung von nuklearer Proliferation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Untersuchungen des US-Energieministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoffe - Kohle - Kernkraft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehinterview Präsident Carters am 20. Januar 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Präsident Carters an das Olypmische Komitee der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Botschafters bei der EG in Brüssel:&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wir rechnen mit der Untersützung Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lake Placid: Solarstrom für die Streckentelefone&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hybridauto für Benzin- und Strombetrieb&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2 3 . Januar 1965

I N H A L T

INFORMATION
Reagan ernennt Verhandlungsteam für Genfer Abrüstungsverhandlungen
DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten fordern Auskunft über das Schicksal Raoul
Wallenbergs
- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Abrams' Vereinigte Staaten werfen Internationalem Gerichtsnof Kompetenzüberschreitung vor
- E r k l ä r u n g des US-Au3enministeriums

-

HINTERGRUNDS TERIAL
S a n d i n i s t i s c h e Führung Nicaraguas s t r e b t E r r i c h t u n g e i n e s m a r x i s t i s c h l e n i n i s t i s c h e n S t a a t e s an
- V e r ö f f e n t l i c h u n g des Weii3en Hauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
D i e n s t l e i s t u n g e n und V e r f a h r e n s t e c h n i k e n im Weltraum
- Branchen m i t groi3en Wachstumschancen -

Glaukombehandlung mit Ultraschall
- Ermutigende Ergebnisse einer amerikanischen Studie

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

•'• 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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United States Information Service
Embassy of the United States of America

4

23. Januar 1985

REAGAN ERNENNT VERWNDLUNGSTEAM FÜR GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 18. Januar 1985
die Delegation der Vereinigten Staaten für die neue Runde der Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion ernannt.

Leiter der amerikanischen Ge-

samtdelegation und zugleich zuständig für den Bereich Weltraumwaffen wird
Botschafter Max Kampelman sein, der die USA bereits auf der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid vertreten hat.

Der ehemalige Senator des Staates

Texas, John Tower, wird die Verhandlungen über strategische Kernwaffen
führen, und der amerikanische Berufsdiplomat Maynard W. Glitman wird die
Gruppe leiten, die sich mit den nuklearen Mittelstreckensystemen (INF)
befaßt.

Die Erklärung Präsident Reagans, in der die Ernennungen bekanntgegeben wurden, hat folgenden Wortlaut:

Ich habe heute drei überaus befähigte Amerikaner ersucht, jeweils eine der drei Verhandlungsgruppen zu führen, aus denen sich die amerikanische Delegation bei den Verhandlungen über nukleare und Weltraumwaffen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und Weltraumwaffen zusammensetzt.

Diese Verhandlungen werden gemäß der

Übereinkunft stattfinden, die am 8. Januar zwischen

Außenminister George

P. Shultz und dem sowjetischen Außenminister Andrei A. Gromyko in

Genf

erzielt wurde.

Senator John Tower aus Texas wird zum amerikanischen Unterhändler für
strategische Kernwaffen ernannt.

Botschafter Maynard W. Glitman, der im

Range eines Gesandten dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten angehört, wird zum amerikanischen Verhandlungsführer für die nuklearen Mittelstreckenraketen ernannt.

Botschafter Max M. Kampelman wird der Ver-

handlungsführer für die Weltraum- und Defensivwaffen sein.

Gleichzeitig

leitet Botschafter Kampelman die amerikanische Delegation.

Die Botschafter Paul H. Nitze und Edward L. Rowney werden dem Präsidenten und dem Außenminister als Sonderberater für die Rüstungsreduzierungsverhandlungen zur Verfügung stehen.

Ich freue mich, daß diese hervorragenden Amerikaner sich bereit erklärt haben, auf diesen Posten tätig zu sein, die von so großer Bedeutung
für die Vereinigten Staaten sind.

* * # * *

- 2-

�^3. Januar 19ö5

VEREINIGTE STAATEN FORDERN AUSKUNFT ÜBER DAS SLHICXSAL RAOUL WLLENBtRGS
- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Aörams' -

Washington -(AD)- Am 17. Januar 1945 wurde in Budapest Raoul Walle nberg , ein schwedischer Diplomat, der während des 2.

Weltkriegs rund

100 000 ungarischen Juden das Leben rettete, von sowjetischen Soldaten in
Gewahrsam genommen. Er tauchte nie wieder auf; sein Schicksal blieb bis
heute ungeklärt. Anläßlich des 40. Jahrestages seines Verschwindens gaben
Präsident Ronald Reagan und der Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen, Elliott Abrams, Erklärungen ab, in denen sie von der Sowjetunion
Aufschluß über das Schicksal Wallenbergs forderten.

Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Heute vor 40 Jahren verschwand in den Strafen des vom Kriege zerstörten Budapest ein tapferer junger Mann namens Raoul Wallenberg. Dieser
junge schwedische Diplomat war im März 1944 zur Vertretung seines Landes
in Ungarn abgestellt worden. Im Rahmen einer humanitären Mission versuchte er, so vielen ungarischen Juden wie möglich das Leuen zu retten.

Ohne Rücksicht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Ohne Rücksicht auf Gefahren für seine eigene Person holte Wallenberg
Menschen aus Todesmärschen heraus, betrat er Eisenbahnzüge, in denen Menschen deportiert wurden, versorgte er Tausende von unschuldigen Menschen,
die bereits auf dem Weg in die Todeslager waren, mit schwedischen Papieren und bestand er gegenüber den nationalsozialistischen Besatzunysbehörden darauf, daß alle Personen, die im Besitz schwedischer Papiere waren,
ihm

überstellt wurden. Es ist daher Wallenberg zu verdanken, daß fast

1Ü0 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder vom Tod in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern verschont blieben. Einige der Menschen, die
er rettete, zählen heute zu den prominenten Bürgern unseres eigenen Landes.

Am 17. Januar 1945 wurde Raoul Wallenberg von sowjetischen Soldaten
zu der provisorischen ungarischen Regierung nach Südungarn gebracht, angeblich zur Erörterung von hilfsdemühungen. Er kam nie zurück. Das war
vor 40 Jahren.

In der Heiligen Schrift steht: "Es gibt keine grauere Liebe, als wenn
einer sein Leben für seine Freunde hingibt." Die Freunde Raoul Wallenbergs waren alle, denen Unrecht angetan wurde. Tag für Tag bracnte er bewußt sein eigenes Leben in Gefahr, um anderen das ihre zu retten. Im Angesicht des Grauens und des Bösen bewahrte dieser edle junge Mann eine
aufrechte und unerschrockene haltung.

Eingedenk der Dankesschuld, aie alle Amerikaner gegenüber Raoul Wallenberg tragen, habe ich 1981 eine Verfügung unterzeichnet, die ihn zum
Ehrenbürger der Vereinigten Staaten macht. Abgesehen von Winston Churchill ist er der einzige Nichtamerikaner, der je in dieser Weise geehrt
worden ist. Wenn wir unseren eigenen Herten treu bleiben wollten, dann
war dies das mindeste, was wir als Amerikaner tun konnten, um unsere uneingeschränkte Bewunderung

für Wallenbergs Mut und Einstehen für die

Menschlichkeit zu unterstreichen und um unseren Abscheu über seine ungerechte und unrechtmäßige Einkerkerung durch die sowjetische Regierung zum
Ausdruck zu bringen.

Die amerikanische Regierung hat wiederholt den Fall Raoul Wallenberg
- 2 -

�Raoul Wallenberg gegenüber der sowjetischen Regierung zur Sprache gebracht und eine vollständige und befriedigende Aufklärung seines Schicksals gefordert. Die einzige sowjetische Äußerung zum Verbleib Wallenbergs
war jedoch eine Erklärung aus dem Jahre 1957, in der es hieß, daß er zehn
Jahre zuvor in sowjetischer Haft verstorben sei. Die Umstände seiner Inhaftierung und seines späteren Verschwindens blieben unerläutert. Außerdem mehrten sich im Laufe der Jahre Berichte von Überlebenden aus dem
"Archipel Gulag" , die darauf hindeuteten, daii auch Wallenberg noch am Leben sein könnte.

Inmitten des Grauens des Zweiten Weltkriegs war Raoul Wallenberg Symbol und Vorbild, ein Mann, der die Ehre der menschlichen Rasse bewahrte.
Die Welt schuldet diesem großen Mann gewaltigen und ewigen Dank. Die Sowjetunion hingegen schuldet der Welt vollständigen und umfassenden Aufschluß über sein Schicksal.

Die Erklärung von Unterstaatssekretär Mbrams hat folgenden tortlaut:
Die Gestalt Raoul Wallenbergs steht als Symbol - und, wie wir alle
hoffen und worum wir alle beten, als ein lebendiges bymbol - für eine
Reihe von Dingen: natürlich zunächst für reinen Mut, aber auch für ein
ungeteiltes Europa, in dem Menschen in einer Weise, in der dies hoffentlich eines Tages wieder möglich sein wird, von Schweden nach Ungarn, von
Schweden nach Frankreich oder von Ungarn nach Frankreich reisen können.
Raoul Wallenberg steht auch als Symbol für die Gültigkeit des Prinzips,
daß die Achtung vor den Menschenrechten und der Friede zwischen den Staaten unteilbar sind. Solange es in der Praxis keine Achtung vor den Rechten des Individuums gibt, wird es uns auch nicht gelingen, eine Welt zu
schaffen, in der wir uns sicher fühlen können in dem Bewußtsein, daß Konflikte zwischen den Nationen durch das Völkerrecht, nicht aber mit uewalt
geregelt werden.

Wenn ein Staat Akte der Gewalt und Unterdrückung gegen seine eigenen
Bürger begeht, dann wird man sich nie darauf verlassen können, daß er
sich gegenüber seinen Nachbarn solcher Akte der oewalt und Unterdrückung
- 3 -

�und Unterdrückung enthält. Wenn man die Verhältnisse überall auf der Erde
betrachtet, dann wird einem bald klar, daß die Staaten, die die Menschenrechte am gröbsten mißachten, zumeist gleichzeitig auch diejenigen sind,
die Instabilität und Aggression in die Welt tragen.

Das sowjetische Gemetzel in Afghanistan dauert an. Vietnam nält Kambodscha immer noch besetzt, und seine schreckliche Unterdrückung lastet
immer noch auf dem kambodschanischen Volk. Die enorme Aufrüstung Nicaraguas bedroht die gesamte mittelamerikanische Landenge. Obwohl die Logik
und die Sachlage einen anderen SchluJ nahelegen mögen, würde ich sagen,
daß der Grundsatz, daß die Achtung vor den Menschenrechten und der Friede
zwischen den Staaten unteilbar sind, etwas ist, was die demokratischen
Staaten nur sehr mühsam begreifen.

Da wir in einem Land leben, in dem die natürlichen Rechte des Individuums nicht nur in der Verfassung festgeschrieben sind, sondern auch
die Weltanschauung nahezu jeden Bürgers prägen, nehmen die Amerikaner zu
oft das Beste an und glauben, daß Gegensätze mit einem hinreichenden Maß
an gutem Willen beigelegt werden können.

Da wir die Rechte anderer achten, neigen wir dazu, zu zögern, wenn
bestimmte Staaten behaupten, daß unsere Fragen nach den Menschenrechten
eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten darstellen. Wegen unserer religiösen Tradition, die uns gebietet, uns unserer eigenen Unzulänglichkeiten bewuSt zu sein, neigen wir dazu, anderen zuzugestehen, daß
wir uns irren könnten. Uiese Eigenschaften sind unter normalen Umständen
zwar sicherlich bewunderungswürdig, können sich einer echten und wirksamen Menschenrechtspolitik aber als außerordentlich abträglich erweisen.

Sie können bisweilen einer entschlossenen Verfechtung amerikanischer
Wertvorstellungen in der Welt entgegenstehen und es denen, für die die
Menschenrechte nur Wbrte sind, ermöglichen, sie auch weiterhin zu verletzen. Es gilt jedoch, was Präsident Reagan im Juni 1982 in seiner Rede vor
dem Parlament in London sagte: "Wir müssen in unserer Überzeugung standhaft sein, daß die Freiheit kein ausschließliches Vorrecht einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale Recht
- 4 -

�universale Recht a l l e r . "
Es war diese Überzeugung, die Raoul

tellenberg

motivierte.

Sie muJ

auch uns motivieren und uns beständig daran e r i n n e r n , daß unser Bestehen
auf Beachtung der Menschenrechte kein Wuell von K o n f l i k t e n i n unseren Beziehungen zu anderen Nationen i s t , sondern vielmehr e i n M i t t e l

darstellt,

dessen wir uns bedienen, um w i r k l i c h e n Frieden zu schaffen.
Solange die Iflelt über den Verbleib von Wallenberg im Ungewissen gehalten werden kann, und solange e i n Nobelpreisträger wie Andrei Sacharow
von a l l e n Verbindungen zur Außenwelt abgeschnitten werden kann, wird es
keinen echten Frieden geben.

- 5 -

�23. Januar 1985

VEREINIGTE STAATEN WERFEN INTERNATIONALEM GERICHTSHOF
KOMPLTENZÜBERSCHRE1TUNG VOR
- Erklärung des US-Außenministeriums -

Washington - ( A u ) - Das US-Außenministerium gab am 18. Januar 1985 bekannt, daß die Vereinigten Staaten eine weitere Mitwirkung bei dem von
Nicaragua

vor

dem I n t e r n a t i o n a l e n

Gerichtshof

angestrengten

Verfahren

ablehnen, da e s , wie Sprecher Alan Romberg sagte, "einen Mißbrauch des
Gerichtshofs

für politische

und propagandistische Zwecke" d a r s t e l l e

da es b e i diesem Verfahren um p o l i t i s c h e Fragen gehe, die nicht

und

i n die

Zuständigkeit irgendeines Gerichts f i e l e n .
Der Text der Erklärung des US-Außenministeriums hat folgenden Wortlaut:
Aufkündigung der

amerikanischen Mitwirkung

bei dem von Nicaragua

beim

I n t e r n a t i o n a l e n Gerichtshof angestrengten Verfahren
Die Vereinigten Staaten waren s t e t s der Auffassung, daß das von N i caragua beim I n t e r n a t i o n a l e n Gerichtshof angestrengten Verfahren auf e i nen Mißbrauch des Gerichtshofs f ü r p o l i t i s c h e Zwecke hinausläuft und daß
F ä l l e wie der i n Frage stehende nicht unter die Rechtsprechung und Zu-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und Zuständigkeit des Gerichtshofs fallen. Der Beschluß vom 16. November
1984, mit dem der Gerichtshof sich für zuständig erklärte, steht im Gegensatz zum Gesetz und zu den Tatsachen. Die Vereinigten Staaten haben
daher widerstrebend beschlossen, bei dem Verfahren in dieser Sache nicht
weiter mitzuwirken.

Die amerikanische Politik in Mittelamerika

Die Politik der Vereinigten Staaten in Mittelamerika ist darauf gerichtet, Demokratie, Reformen, Freiheit und wirtschaftliche Entwicklung
zu fördern, einen Dialog und Verhandlungen sowohl innerhalb der Länder
der Region als auch zwischen ihnen zu unterstützen und zum Schutz gegen
solche Kräfte - wie Nicaragua, Kuba und die UdSSR - beizutragen, die gewaltsam die Tyrannei verbreiten wollen. Was diese Schutzmaßnahmen angeht,
so haben die Vereinigten Staaten sie in Ausübung des Rechts auf kollektive Selbstverteidigung getroffen, wie es in der Charta der Vereinten Nationen und im Vertrag von Rio niedergelegt ist. Wir haben in Verteidigung
der vitalen nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und
im Sinne von Frieden und Sicherheit in der Hemisphäre gehanaelt.
Die Bestrebungen Nicaraguas, den Konflikt in Mittelamerika als bilaterale Angelegenheit zwischen sich selbst und den Vereinigten Staaten
darzustellen, können nicht über die offenkundige Tatsache hinwegtäuschen,
daß das Problem weitaus umfassender ist. Seine sicherheitspolitische Dimension schließt eine Vielzahl von Aspekten ein: die gewaltige Aufrüstung
Nicaraguas mit sowjetischen Waffen und mit Hilfe kubanischer Berater,
seine grenzüberschreitenden Angriffe und seine Förderung des Untergrundkampfes in verschiedenen Staaten der Region sowie die Tätigkeit einheimischer Widerstandsgruppen in Nicaragua. Es ist auch klar, daß Bestrebungen
zur Beendigung der Kämpfe in der Region fruchtlos bleiben müssen, wenn
sie nicht Teil eines umfassenden Versuchs zur Herbeiführung einer politischen Regelung, zur Herstellung von Sicnerheit für die Region, zur Einleitung von wirtschaftlichem Fortschritt und Reformen und zur Durchsetzung der Demokratie uro der Menschenrechte sind.
Die Rolle

- 2 -

�Die Rolle des internationalen Gerichtshofs

Bei dem Konflikt in Mittelamerika handelt es sich somit nicht um einen eng eingrenzbaren Rechtsstreit, sondern um ein seiner Natur nach politisches Problem, das nicht juristisch zu lösen ist. Dieser Konflikt
laut sich nur mit politischen und diplomatischen Mitteln, aber nicht
durch ein Rechtsverfahren beilegen. Es war nie die Aufgabe des internationalen Gerichtshofs, Fragen der kollektiven Sicherheit und Selbstverteidigung zu lösen; der Gerichtshof ist für eine solche Funktion vollkommen ungeeignet. Anders als im Falle nationaler Gerichtshöfe reicht die
Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs nur so weit, wie die Nationalstaaten sie akzeptieren. Als die Vereinigten Staaten im Jahre 1946
die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof anerkannten, haben
sie sich mit Gewißheit nicht vorgestellt, daß er bei Streitigkeiten wie
denen, um die es hier geht, eine solche Rolle übernehmen könnte. Die von
Nicaragua gegen die Vereinigten Staaten erhobene Klage, an die absurde
Entschädigungsforderungen in Höhe von Hunderten von Millionen von Dollar
geknüpft sind, stellt einen flagranten Mißbrauch des Gerichtshofs für politische und propagandistische Zwecke dar.

Die Vereinigten Staaten zählen zu denen, die am nachdrücklichsten für
den Internationalen Gerichtshof eingetreten sind, und sie sind einer der
nur 44 von insgesamt 159 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, die seine verbindliche Rechtsprechung übernaupt akzeptiert haben. Darüberhinaus
haben die weitaus meisten dieser 44 Staaten die Rechtsprechung durch den
Gerichtshof nur mit Vorbehalten akzeptiert, die die Tragweite dieses Einverständnisses ganz erheblich begrenzen. Großbritannien und die Vereinigten Staaten sind die einzigen ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, die die Rechtsprechung durch den Gerichtshof akzeptiert haben. Und
von den 16 Richtern, die nun den Anspruch erheben, in diesem Fall über
die Vereinigten Staaten zu Gericht zu sitzen, stammen elf aus Ländern,
die die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof nicht akzeptieren.

Nur wenige Staaten der Vtelt - wenn überhaupt irgendwelche - wären vor
Gericht erschienen, wenn sie, wie im vorliegenden Fall, der Auffassung
- 3 -

�der Auffassung gewesen wären, dai3 man sie zu Unrecht dorthin zitiert habe. Aus traditionaller Achtung vor der Rechtsstaatlichkeit haben die Vereinigten Staaten dennoch bis heute in vollem Umfang an dem oei dem Gerichtshof anliegenden Verfahren mitgewirkt, um ihren Standpunkt darzulegen, daß dieser Fall nicht unter die Rechtsprechung und Zuständigkeit des
Gerichtshof fällt.
Die Entscheidung vom 26. November 1984

Am 26. November 19ö4 entschied der Gerichtshof ungeachtet der Fülle
des ihm vorliegenden Faktenmaterials, daü die Ansprüche Nicaraguas in
seine Zuständigkeit fielen und daß eine regelrechte Einvernahme bezüglich
der Stichhaltigkeit dieser Behauptungen einzuleiten sei.

Diese Entscheidung ist juristisch gesehen irrig und beruht auf einer
Mißdeutung und Verzerrung des Faktenmaterials und der bisherigen juristischen Praxis:
- Der Gerichtshof befand es für angemessen, die unwiderlegbare Tatsache
außer acht zu lassen, daß Nicaragua selbst die verbindliche Rechtsprechung durch den Gerichtshof niemals akzeptiert hat. Indem der Gerichtshof Nicaragua gestattet hat, Klage zu erheben, wo es selbst
nicht verklagt werden kann, hat er sein ürundprinzip der Beiderseitigkeit verletzt, auf dem notwendigerweise unsere eigene Zustimmung
zur verbindlichen Rechtsprechung durch den Gerichtshof beruht. Dieser
zentrale Aspekt der Entscheidung vom 26. November 1984 - die mit 11
gegen b Stimmen gefällt wurde - veranlaßte die Richter, die das Minderheitsvotum abgegeben hatten, dazu, das Urteil als "unhaltbar" und
"befremdlich", den Standpunkt der Vereinigten Staaten aber als "über
alle Zweifel erhaben" zu bezeichnen. Wir stimmen dem zu.

- El Salvador versuchte, bei aem Rechtsstreit aufzutreten, um seine
Auffassung darzulegen, daß der Gerichtshof nicht das geeignete Forum
für eine Auseinandersetzung über den Konflikt in Mittelamerika bilde.
El Salvador erklärte, daß es einem bewaffneten Angriff durch Nicaragua ausgesetzt sei und in Ausübung seines Rechtes auf Selbstverteidi- 4 -

�auf Selbstverteidigung die Vereinigten Staaten um Hilfe gebeten habe.
Der Gerichtshof wies das Ersuchen El Salvadors pauschal ab, ohne dies
zu begründen und ohne El Salvador auch nur anzuhören, womit er die
Rechte dieses Landes verletzte und seine eigenen Regeln mißachtete.

Die Entscheidung des Gerichtshofs bildet eine klare Abkehr von der
vorsichtigen Art und Weise, in der er in der Vergangenheit Fragen der
Rechtsprechung handhabte. Die hast, mit der der Gerichsnof in diesen
Fragen zu einem Urteil kam und die von mehreren der Richter, die abweichende Meinungen äußerten, vermerkt wurde, trägt weiter zu dem Lindruck
bei, daß der Gerichtshof entschlossen ist, in diesem Fall zu einer Entscheidung zugunsten Nicaraguas zu kommen.

Aus diesen Gründen sehen wir uns zu der Schlußfolgerung genötigt, daß
unsere weitere Mitwirkung in dieser Sacne nicht mehr zu rechtfertigen ist.
Außerdem ist ein Großteil des Beweismaterials, durch das sich belegen
ließe, daß Nicaragua seine Nachbarn angreift, nachrichtendienstlicher Art
und daher äußerst geheimhaltungsbedürftig. Wir werden die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel setzen, indem wir solches geheimhaltungsbedürftige Material öffentlich ausbreiten oder einem
Gerichtshof vorlegen, dem auch zwei Richter aus Ländern des Warschauer
Pakts angehören. Dieses Problem bestätigt nur die Tatsache, daß solche
Sachverhalte sich nicht

zur Behandlung

durch den internationalen Ge-

richtshof eignen.
Längerfristige Konsequenzen der Entscheidung des Gerichtshofs

Die Entscheidung des Gerichtshofs wirft eine grundsätzliche Souveränitätsfrage auf. Das Recht eines Staates zur Selbstverteidigung oder zur
Beteiligung an einer kollektiven Selbstverteidigung gegen einen Angriff
ist ein Souveränitätsrecht, das durch ein unangemessenes Verfahren vor
dem Internationalen Gerichtshof nicht in Frage gestellt werden kann.
Wir sind auch über die langfristigen Konsequenzen für den Gerichtshof
selbst zutiefst besorgt. Die Entscheidung vom 26. NovemDer 1984 stellt
- 5 -

�1984 stellt ein Hinausgreifen über die dem Gerichtsnof gesteckten Grenzen, eine Abkehr von seiner traditionellen juristischen Zurückhaltung und
einen gewagten Vorstoü in trügerische politische Gewässer dar. Wir haben
in den Vereinten Nationen während des letzten Jahrzehnts und darüber hinaus erlebt, wie internationale Organisationen immer stärker politisiert
wurden und sich dabei gegen die Interessen der westlichen Demokratien
wandten. Es wäre eine Tragödie, wenn auch der Internationale Gerichtshof
von diesen Trends angesteckt würde. Wir hoffen, dai3 es dazu nicht kommen
wird, weil eine Politisierung das Ende des Gerichtshofs als ernstzunenmende und geachtete Institution bedeuten würde. Eine solche Entwicklung
würde der Sache der Rechtsstaatlichkeit schmerzhaften Schaden zufügen.

Diese Konsequenzen zwingen uns, unser Einverständnis mit der verbindlichen Rechtsprechung durch den Gerichtshof, das wir im Jahre 1946 gegeben haben, zu klären. Wichtige Voraussetzungen, auf denen unser ursprüngliches Einverständnis beruhte, scheinen in bezug auf die besagte Art von
Fällen zweifelhaft geworden zu sein. Wir haben daher Schritte eingeleitet , um unser Einverständnis mit aer verbindlichen Rechtsprechung durch
den Gerichtshof zu klären und um explizit zu machen, wovon wir von Anfang
an ausgegangen sind, nämlich, daiö Fälle von der Art des vorliegenden sich
nicht zur Behandlung durch den Gerichtshof eignen.

Wir werden den Internationalen Gericntshof auch weiter unterstützen,
sofern er sich innerhalb seiner Kompetenzen bewegt, also z.B. dann, wenn
sich streitende Parteien dahingehend einigen, ihm klar umrissene Streitfragen vorzulegen. Ein Beispiel für eine solche Vorgehensweise bildet der
kürzliche Rechtsstreit, der von den Vereinigten Staaten und Kanada vor
einer fünfköpfigen Sonderkammer des Gerichtshofs mit dem Ziel der Festlegung der Grenzen der Hoheitsgewässer beider Länder im Gebiet des Golfes
von Maine geführt wurde. Da wir uns dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit
verpflichtet fühlen, müssen wir jedoch unterstreichen, dai der Kurs, den
der Gerichtshof möglicherweise eingeschlagen hat, nach unserer

festen

Überzeugung ihm selbst als Institution und der Sache des Völkerrechts
enorm schaden konnte.
(Ende der Erklärung des US-ALHenministeriums)

Gleichzeitig mit
- 6 -

�G l e i c h z e i t i g n i t der obigen Erklärung v e r ö f f e n t l i c h t e das US-Aißenministerium eine

Chronologie

des von Nicaragua

beim I n t e r n a t i o n a l e n Ge-

r i c h t s h o f gegen die Vereinigten Staaten angestrengten Verfahrens. Sie hat
folgenden Wortlaut:

6. April 1984
Die Vereinigten Staaten gaben dem Generalsekretär der Vereinten Nationen zur Kenntnis, daß sie ihr 1946 gegebenes Einverständnis mit der
verbindlichen Rechtsprechung durch den Internationalen Gerichtshof dahingehend abzuändern wünschten, daß davon für die Dauer von zwei Jahren
Streitigkeiten ausgeschlossen bleiben sollten, "die mit jedwedem mittelamerikanischen Staat bestehen, sich aus den Ereignissen in Mittelamerika
ergeben oder mit diesen Ereignissen in Zusammenhang stehen".
9. April 1984

Nicaragua reichte bei dem Gerichtshof ein Gesuch ein, in dem behauptet wurde, daß die Vereinigten Staaten unter Verletzung des Völkerrechts
gegen Nicaragua

gerichtete militärische

und

paramilitärische Aktionen

durchführten. Gleichzeitig beantragte Nicaragua, daß der Gerichtshof die
Vereinigten Staaten auf dem Wege einer einstweiligen Verfügung veranlassen solle, diese angeblichen Aktionen bis zum Vorliegen einer richterlichen Entscheidung in der Sache zu unterlassen.

25. und 27. April 1984

Die Vereinigten Staaten und Nicaragua trugen dem Gerichtshof mündlich
ihre Standpunkte im Hinblick auf den Antrag Nicaraguas auf Erlaß einer
einstweiligen Verfügung vor.

10. Mai 1984

Der Gerichtshof erließ eine einstweilige Verfügung (die inhaltlich
jedoch erheblich von dem abwich, was Nicaragua beantragt hatte).

14. Mai
- 7 -

�14. Mai

Der Gerichtshof erlief eine Verfügung, durch die ein Verfahren zur
Feststellung seiner Zuständigkeit und der Zulässigkeit der Ansprüche Nicaraguas anberaumt wurde.

30. Juni 1984

Nicaragua machte eine Eingabe, in der es seinen Standpunkt im Hinblick auf die Fragen der Zuständigkeit und Zulässigkeit darlegte.

14. August 1984

El Salvador reichte eine Erklärung ein, mittels derer es versuchte,
aufgrund seines Rechts als mitbetroffene Partei zu den besagten Fragen
der Zuständigkeit und Zulässigkeit Gehör zu finden.

17. August

Die Vereinigten Staaten machten eine Gegeneingabe zu den Fragen der
Zuständigkeit und Zulässigkeit.
4. Oktober 1984

Der Gerichtshof erlied eine Verfügung, in der der Versuch El Salvadors, aufgrund seines Rechts als mitbetroffene Partei Gehör zu finden,
zurückgewiesen wurde. Der Gerichtshof lehnte es ab, El Salvador Gelegenheit zur Darlegung seiner Gründe zu geben.

8. - 10. und 15. - 18. Oktober 1984

Die Vereinigten Staaten und Nicaragua legten mündlich ihre Standpunkte in den Fragen der Zuständigkeit und der Zulässigkeit der Ansprüche Nicaraguas dar.
26. November

�26. November 1*84
Der Gerichtshof
Gesuch Nicaraguas

e r l i e f eine Verfügung, i n der er f e s t s t e l l t e , da3 das
in

seir 2 Zuständigkeit

Nicaraguas zulässig seien.

f a l l e und dai3 die

Ansprüche

�23. Januar 1985

SANDINISTISCHZ FÜHRUNG NICARAGUAS STREBT ERRICHTUNG
EINES MARXISTISCH-LENINISTISCHEN STAATES MN
- Veröffentlichung des Weißen Hauses -

Washington -(AD)-

Die

marxistisch-leninistische

Führung

Nicaraguas

t u t zwar i h r Möglichstes, um die Amerikaner und Europäer davon zu überzeugen, daß die
und f ü r

sandinistische

niemanden bedrohlich

Spitzenpolitiker

selbst

Revolution
sei,

enthüllen

aber
ihre

gemäßigt,

die

nichtkommunistisch

Worte der

tatsächlichen

sandinistischen
weltanschaulichen

Positionen und Z i e l e . Einer der beharrlichsten Mythen über den Sandinismus besagt, daß er zwar eine l i n k s g e r i c h t e t e , aber keine marxistische und
schon gar keine m a r x i s t i s c h - l e n i n i s t i s c h e Bewegung s e i . Dieser Mythos i s t
durch Studien i n Frage g e s t e l l t worden, i n aenen das Verhalten der Sanainisten

mit

dem

anderer

marxistisch-leninistischer

Staaten

verglichen

w i r d . Zahlreiche Erklärungen aus dem Munde der Sandinisten selbst

wiaer-

sprechen dem n i c h t m a r x i s t i s c h - l e n i n i s t i s c h e n Image, das s i e sich zu geben
versuchen. Eine vor e i n i g e r Z e i t erschienene Ausgabe des White House D i gest z i t i e r t Erklärungen sandinistischer S p i t z e n p o l i t i k e r

zum Marxismus-

Leninismus und zu i h r e r Revolution. Die V e r ö f f e n t l i c h u n g , die wir im f o l genden mit einigen geringfügigen Straffungen wiedergeben, hat

folgenden

Wortlaut:
. . . Man betrachte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�... Man betrachte die folgende Erklärung des sandinistischen Verteidigungsministers Humberto Ortega:

"... Der Marxismus-Leninismus ist die wissenschaftliche Lehre, die
unsere Revolution leitet, das analytische Instrument, dessen sich unsere Vorhut bedient, um den geschichtlichen Prozeo zu verstehen und
die Revolution zu schaffen; ... ohne den Sandinismus können wir keine
Marxisten-Leninisten sein, und ein Sandinismus ohne Marxismus-Leninismus kann nicht revolutionär sein. Deshalb gehört beides unauflöslich zusammen, und deshalb liegt unsere moralische Stärke im Sandinismus und ist die Lehre, der wir folgen, der Marxismus-Leninismus." (1)

Auch Hugo Torre, Mitglied des ueneralstabs der Sandinistischen Volksarmee, pries die Rolle des Marxismus-Leninismus, indem er sagte:
"Die Grundsätze des Marxismus-Leninismus, mit Umsicht angewandt auf
unsere gesellschaftliche Wirklichkeit, führten die revolutionären Unternehmungen der fSLN, der Vorhut des nicaraguanischen Volkes, zum
Sieg über die Diktatur ... Lenin sagte, daß das Volk eine Vorhut
brauche, um zu siegen, und das nicaraguanische Volk siegte, weil es
die FSLN hatte." (2)

Victor Tirado, einer der neun marxistisch-leninistischen "Lommandantes", die den Kern der sandinistischen Führung bilden, äußerte sich sowohl zur Rolle des Marxismus als auch zur geplanten Vorherrschaft der
FSLN:

"Unser brillanter Führer Carlos Fonseca (der im Kampf fiel) lehrte
uns, die wirtschaftliche Struktur des Landes zu untersuchen, um einen
Einblick in die Eigenarten, die psychologische Verfassung und die Gefühle des Volkes zu bekommen und so zu Lösungen zu gelangen, die auf
den Realitäten beruhen; dies ist gleichbedeutend mit der Anwendung
des Marxismus auf unsere Wirklichkeit. Deshalb hat die FSLN einen Regierungsplan entworfen und sich auf eine Vorherrschaftsrolle innerhalb der Regierung vorbereitet ... Wie wir alle wissen, stand im Mit- 2 -

�im Mittelpunkt aller Bemühungen der bewaffnete Kampf, da dies die
Schlußfolgerung

war, die sich aus der marxistischen

Analyse er-

gab." (3)
Tomas Borge, der nicaraguanische Innenminister, und zwei seiner Kollegen traten im September 1983 mit einer Reihe von verblüffenden Eingeständnissen an die Öffentlichkeit, indem sie sich eines ungewöhnlichen
Mediums bedienten: Sie gaben dem Playboy ein umfangreiches Interview.
Borge sagte unter anderem:
"Ich sagte (meiner Mutter), daß icn mich durch ihre Gutnerzigkeit und
Naivität nicht erpressen lassen würde und daß ich Kommunist sei." (4)
Diese marxistiscn-leninistische Orientierung ist schon seit aer Gründung der sandinistischen Bewegung einer ihrer beherrschenden Wesenszüge.
Schon vor der Machtübernahme der FSUM, d.h., während sie noch versuchte,
ihr wahres Gesicht zu verbergen und sich als Teil einer breiten politischen Koalition darzustellen, trat das Moment des Marxismus-Leninismus
klar in Erscheinung. In einem sandinistischen Kommunique aus dem Jahre
1978 hieb es:

"Diese kernartige sandinistische Vorhut muß die Regierungsorgane in
die Hand bekommen und leiten ... Dieser Kern muß seine Verankerung in
der

wissenschaftlicnen

Lehre

des

Proletariats

finden,

d.h. , im

Marxismus-Leninismus, der eine verläßliche Richtschnur für die Umgestaltung der Gesellschaft bildet."

Sowohl Außenminister Miguel D'Escoto als auch Kultusminister Ernesto
Cardenal sind katholische Priester. Dennoch haben sich beide wohlwollend
über den Marxismus geäußert, über eine Philosophie also, die ihrem Wesen
nach atheistisch ist.

In einem Interview vom Mai 1980 bezeichnete D'Escoto den Marxismus
als "eine der größten Segnungen für die Kirche". (5) Lardenal sagte in
einem Interview, das er 1978 in Spanien gab: "Man kann sagen, daß mich
das Evangelium zum Marxisten gemacht hat. Der Marxismus bildet für die
- 3 -

�für die Welt die einzige Lösung."

Tomas Borge äußerte sich über den Zusammenhang zwischen dem Sandinismus und dem "wahren" Glauben wie folgt:
"Ich bin der aufricntigen Überzeugung, daü Christus von uns Sandinisten getreulicher geachtet wird als von den falschen Christen, den
Pharisäern und Verrätern an der Sache und am wahren Denken Jesu Christi." (6)

Der Versuch einer Verschmelzung von Marxismus und Christentum, ein
häufiges Motiv im sandinistischen Schrifttum, gipfelte in der Veröffentlichung eines "Sandinistischen Glaubensbekenntnisses", einer Parodie auf
das apostolische Glaubensbekenntnis, durch einen nicaraguanischen Professor in El Nuevo Diario, einer Zeitung, die zwar nicht regierungsamtlich,
aber doch sehr regierungsnah ist. In Auszügen lautet es wie folgt:

"Ich glaube an die sandinistische Volksrevolution und an die weise
politisch-militärische Leitung

durch unsere nationalen Führer der

FSLN, die um das Wohlergehen der Massen in Nicaragua bemüht sind,
welche einstmals ausgebeutet und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen waren und heute für den Frieden in Mittelamerika kämpfen."
"Ich glaube an die Lehre und den Kampf von Marx, Engels, Lenin und
Che, der groben Lehrer und Führer der werktätigen Klasse. Ihre Lenre
bildet die produktive, bewegende Kraft des Klassenkampfes, der die
ausbeuterische, antichristliche und unmenschliche Klasse auf immer
vernichten wird."
"Ich glaube an den Aufbau einer sozialistischen, marxistischen und
leninistischen Gesellschaft. Ich glaube an die Unsterblichkeit und
Verehrungswürdigkeit unserer Helden und Märtyrer. Ich glaube an die
Macht des Volkes, die in den Händen der Arbeiter und Campesinos
liegt,

und daran, daü sie bis ans Ende der Zeit bestehen wird.

Amen." (7)

Verteidiger des Sandinismus versuchen nicht nur, den marxistisch-leninistischen Charakter des Regimes in Abrede zu stellen, sondern auch

�sondern auch glauben zu machen, daß es keineswegs dem Terrorismus in anderen Staaten Vorschub leiste und daß die massive Aufrüstung seit 1979
eine Reaktion auf den Druck und die feindselige Haltung der Vereinigten
Staaten sei.
Diese Theorie läßt unberücksichtigt, daß die Aufrüstung begann, während die Hilfsgelder der Vereinigten Staaten noch flössen, fast 120 Millionen Dollar von Mitte 1979 bis Anfang 1981. Ferner läßt diese Theorie
die Tatsache außer acht, daß im Frühjahr 1980 in der atlantischen Küstenregion mehr als 5 üOO Menschen durch Personal aus den Vereinigten Staaten
medizinisch behandelt wurden.

Noch wichtiger ist, dau man sich, wenn man argumentiert, dab der Sandinismus nicht expansionistisch sei, in Widerspruch zu Erklärungen setzt,
die die Sandinisten selbst aogegeben haben. Ungeachtet konkreter Beweise
für die sandinistische Unterstützung von Terroristen in Nachbarländern
hat die sandinistische Führung häufig Gestritten, daü sie ihre Revolution
exportiere. Die folgenden Erklärungen dokumentieren jedoch die Zielstrebigkeit, mit der die Sandinisten Untergrundkämpfer in anderen Staaten unterstützen.

In einer Rede, die Tomas Borge anläßlich des zweiten Jahrestages des
Sieges der Sandinisten in Managua hielt, bestritt er zwar, daß die Revolution exportiert werde, sagte aber auch:

"Diese Revolution geht über unsere Grenzen hinaus. Unsere Revolution
war immer internationalistisch, schon von der Zeit an, als Sandino in
La Segovia kämpfte."

Borge rühmte die Beteiligung von Ausländern am Sieg der Sandinisten
und brachte in der gleichen Rede an späterer Stelle seine moralische Unterstützung für "revolutionäre" Bewegungen in anderen Teilen Mittelamerikas zum Ausdruck.
In einem Artikel im New York Magazine vom 12. September 198.&gt; zitierte
Michael Kramer zwei prominente Sandinisten wie folgt:
Bayardo Mrce:

�Bayardo Arce: "Wir werden niemals von der Unterstützung unserer Brüder in El Salvador ablassen."
Humberto Ortega: "Wir schämen uns natürlich keineswegs dafür, daß wir
El Salvador helfen. Wir möchten allen Revolutionen helfen."

Schon im Mai 198U, d.h., lange, bevor die amerikanische Regierung ihre Hilfe für das sandinistische Regime einstellte, vernahm man aus berufenem Munde, nämlich von Außenminister D'Escoto, folgendes:

"Es mag sein, daß Sie (die Vereinigten Staaten) uns als fünf verschiedene Staaten betrachten bzw. als sechs Staaten, wenn man Panama
mitzählt, aber wir selbst sehen uns lediglich als die sechs verschiedenen Länder einer einzigen Nation, die sich im Prozeß der Wiedervereinigung befindet." (8)

Noch expliziter als D'Escoto äußerte sich zu diesem Aspekt Tomas Borge, der mit der Bemerkung zitiert wurde, daß "Costa Rica das Dessert"
sei, (9) womit er zweifellos sagen wollte, daß der Fall dieses unbewaffneten demokratischen Landes den Höhepunkt der von D'Escoto angeführten
"Wiedervereinigung" bilden werde.

Borge sagte im Juni 19ÖU in Nordkorea, daß "die nicaraguanischen Revolutionäre sich nicht zufriedengeben werden, bis die Imperialisten
in allen Teilen der Welt gestürzt worden sind. ... Wir stehen auf der
Seite der Kräfte des Friedens und Fortschritts, d.h., auf der Seite
der sozialistischen Länder."
Vor noch kürzerer Zeit wurde Borge während des Interviews für den
Playboy gebeten, zu der Äußerung Stellung zu nehmen, daß die Revolution
nach ihrem Triumph in Nicaragua "nach El Salvador, dann nach Guatemala,
dann nach Honduras, dann nach Mexico exportiert werden wird". Borge erwiderte: "Das ist ausnahmsweise

eine

historische Prophezeiung

Ronald

Reagans, die absolut richtig ist." (10)
Die Sandinisten hielten zwar am 4. November 1984 Wahlen ab, schränk- 6 -

�ab, schränkten die dem nicaraguanischen Volk gebotenen politischen Alternativen aber offenkundig ein.
Bereits 1981 gab HumDerto Ortega zu verstehen, welche Art von Wahlen
den Sandinisten vorschwebten: "Vergeßt auf keinen Fall, daß diese Wahlen
die

Macht

der Revolution festigen, aber nicht aufs Spiel setzen sol-

len." (11) Im Jahre 1983 wiederholte er diese Auffassung, als er sagte,
daß das nicaraguanische Volk bereits bei der Revolution seine Stimme abgegeben und die FSLN gewählt habe.
Sergio Ramirez, ein Mitglied der dreiköpfigen Koordinierungsjunta,
hatte zu den Wahlen folgendes zu sagen:
"Das nicaraguanische Volk wird nur einen Kandidaten zu wählen und nur
für einen Kandidaten seine Stimme abzugeben haben. Dieser Kandidat
ist die Revolution. Dies ist sehr wichtig." Später fügte er hinzu:
"Es geht darum, welche Parteien die verantwortungsbewußtesten Programme haben und welche dem Volk wirklich garantieren können, daß sie
den revolutionären Fortschritt weiter vorantreiben werden." (1^)

Anmerkungen
1

Rede vor sandinistischen Militärs, zitiert von Branko Lazitch in Est
et Ouest (Paris), 25. August 1981

2 Managua Inlandsdienst, 23. April 1982
3

Radio Sandino , Managua, 26. Februar 1983

4

Playboy, September 1983, S. 60

5

"Nicaragua
S. 141 *

6

Bericht der nicaraguanischen Regierung an den Menschenrechtsausschuß
der Vereinten Nationen 1983, S. 107, Abschnitt 525

7

Dionisio Herrera y Lanales, El Nuevo üiario, 7. Januar 1983 (Der Artikel erschien auf der Kommentarseite)

8

"Nicaragua and the World", a.a.O.

and

the Wbrld", Christianity and Lrisis, 12. Mai 1980,

9 Hubert Matos,

- 7 -

�9

Hubert Matos, "Borge's Hunger for a Costa Rican 'Dessert'", Wall
Street Journal, 2. Dezember 1983

10 Playboy, a.a.O., S. 192
11 Henri Weber, Nicaragua: the Sandinist Revolution, London : Verso tditions 1981, S. 118
12 Managua Inlandsdienst, 14. Januar 1984

* * * * *

- 8-

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. Januar 1985

DIENSTLEISTUNGEN UND VERFAHRENSTECHNIKEN IM WILTRAUM
- Branchen mit großen Wachstumschancen -

-

(AD) - Fernmeldesatelliten

marktfähig gemacht.

haben Dienstleistungen

im

Weltraum

Im Juli 1962 wurde der erste kommerzielle Nachrich-

tensatellit der Welt - TELSAT - gestartet.

Bis Mitte Januar 1985 beför-

derte das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASM) 111 solcher
"Relaisstationen am Himmel" für in- und ausländische Auftraggeber.

Die

rasante Entwicklung der Elektronik führte zu einer damals kaum vorstellbaren Steigerung der Leistungsfähigkeit

von Fernmeldesatelliten.

Aber

ebenso ermöglichten die technischen Verbesserungen bei Trägerraketen und
Antriebsaggregaten sowie neue Starttechniken (z.B. Absetzen von Bord eines Raumtransporters) die Stationierung immer größerer und rentablerer
Geräte auf der günstigsten Erdumlaufbahn - nämlich über dem Äquator in
knapp 36 000 km Höhe. Da dort die Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten
der Geschwindigkeit der Erddrehung an der Oberfläche entspricht, scheint
er still zu stehen und ist, von der Erde aus gesehen, über Kontinente und
Meere hinweg ständig erreichbar.

Heutzutage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

zählen

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heutzutage zählen Fernmeldesatelliten zu den Branchen mit den höchsten Wachstumsraten, erklärte kürzlich NASA-Administrator James Beggs.
Der jährliche Umsatz werde derzeit auf drei Milliarden Dollar geschätzt.
Beggs und zahlreiche andere führende Repräsentanten von Organisationen
und Firmen, die in der Raumfahrt engagiert sind, erörterten auf der Tagung "Internationale Wirtschaftsaktivität im Weltraum" (9.

- 11. Januar

1985) in Washington den gegenwärtigen Stand und die Aussichten für Weltraummärkte.

Dienstleistungen und Fabrikation könnten, so meinen die Ex-

perten, schon in 15 Jahren mehrere hundert Milliarden Dollar wert sein.
Wissenschaftler, Ingenieure, zahlreiche Vertreter von Wirtschaft und Industrie sowie Politiker meldeten sich auf der ersten Konferenz dieser Art
zu Wort.

William Bishop vom amerikanischen Amt für Meere und Atmosphäre (NUAA)
prophezeite weltweit den Start von etwa 300 kommerziellen Nachrichtensatelliten in den nächsten zehn Jahren.

Der Anteil der Vereinigten Staaten

an diesem Weltmarkt dürfte bei 70 Prozent liegen.

Bishop verwies darauf,

da3 die amerikanische Regierung erst vor kurzem das für zivile Aufgaben
eingesetzte Fernerkundungssystem LANDSAT der Privatwirtschaft übertragen
habe.

Künftig werden sich die Firmen Hughes Aircraft Company und die RLA

Corporation um Bau und Start weiterer LANDSAT-Geräte kümmern.

Die durch

sie gewonnenen Daten werden weltweit an Interessenten gegen entsprechende
Gebühren abgegeben und verteilt. Mit Hilfe dieser Satelliten, die in 700
km Höhe um die Erde kreisen, können geologisch wichtige Gebiete karto- \
graphiert, Waldbestände erfa3t und klassifiziert, landwirtschaftliche Anbauflächen überwacht, Wasservorräte günstiger eingesetzt, demographische
Studien und Bodennutzungsanalysen durchgeführt werden.

Ein Sprecher der Firma Lockheed (Kalifornien) unterstrich, daü die
Revolution im Kommunikationswesen dazu führe, gesprochene, geschriebene
und über Funk weitergegebene Informationen immer mehr in digitaler Form
zu übermitteln.

So erhielten auch "Nachrichtensatelliten, die jetzt von

einem guten Dutzend Firmen in mehreren Ländern gebaut werden,...

den

Charakter von Datenverarbeitungszentren hoch über der Erde und stehen
zahllosen Anwendern in den einzelnen Ländern und auf ganz verschiedenen
- 2 -

�ganz verschiedenen Spezialgebieten zur Verfügung."

Jeffrey

Rosendahl

(NASA) bewertet die Möglichkeit

internationaler

Zusammenarbeit in der Grundlagenforschung als besonders aussichtsreich.
"Es fragt sich wirklich", sagte er, "ob es sich ein einzelnes Land angesichts der enormen Kosten überhaupt leisten kann, eigene, sehr umfangreiche Weltraumprojekte weiterzuführen".

In den kommenden zehn Jahren

werden die Flüge des amerikanischen Raumtransporters zu einem Drittel
wissenschaftlichen Projekten der Vereinigten Staaten, Japans und der europäischen Weltraumorganisation ESA gewidmet sein.

Ein weiteres Drittel

sind kommerzielle Flüge, finanziert von zahlenden Kunden in aller Welt.

Im April 1985 ist der zweite, im Juni der dritte Einsatz des in der
Bundesrepublik Deutschland
Raumtransporter geplant.

gebauten

Weltraumlabors SPACELAB

mit einem

Die vierte SPACELAB-Mission im Oktober 198i&gt;,die

unter deutscher Leitung steht und eine Vielzahl von Experimenten deutscher, europäischer und amerikanischer Wissenschaftler vorsieht, wird von
Regierung, Forschungsorganisationen und Industrie der Bundesrepublik finanziert.

Eine Reihe der Experimente sind weitere Vorbereitungen für künftige
Fabrikationsprojekte

im

Weltraum.

Die

amerikanische

Firma

McDonnell

Douglas begann bereits beim dritten CCLUMBIA-Flug im März 1982 mit Versuchen zur Trennung biologischer Substanzen mittels Elektrophorese - ein
Verfahren, das zwar schon seit geraumer Zeit angewendet wird, dessen
Nutzeffekt auf der Erde jedoch in vielen Fällen zu gering ist. Der nahezu völlig schwerelose Zustand in der Erdumlaufbahn schafft die Voraussetzungen, unter denen bestimmte Prozesse wesentlich besser,
ausschließlich im Weltraum durchführbar sind.

einige sogar

Das trifft z. B. zu, wenn

man bestimmte Moleküle aus größeren Molekülverbänden biologischer Stoffe
herauslösen, geschmolzene Metalle ganz unterschiedlichen spezifischen Gewichts mischen und legieren, gleichgroße Einheiten eines Materials (z.B.
Kügelchen aus Latex, Trägersubstanz für Medikamente) oder ideal ausgebildete Kristalle besonderer Reinheit erzeugen will.

Beim
- 3 -

DISLOVERY-Flug

�Beim DISCOVERY-Flug im November 1984 schickte das amerikanische Unternehmen "3 M" Versuchsausrüstungen mit sechs chemischen Reaktoren zur
Kristallerzeugung aus Lösungen organischer Substanzen für acht Tage in
den Weltraum.

Chefwissenschaftler Christopher Podsiadly verwies darauf,

dad es sich dabei um völlig neuartige Experimente für die Grundlagenforschung gehandelt habe und die Auswertung der Ergebnisse wahrscheinlich
ein Jahr in Anspruch nehmen werde. Erst dann könne man sich über künftige Nutzungsmöglichkeiten und erforderliche Verfahrenstechniken äußern.

Unter Mikrogravitation erzeugte organische Kristalle könnten, wie ein
Sprecher des Unternehmens sagte, beispielsweise für die Faseroptik (zur
Übermittlung von Information auf optischem statt auf elektrischem Wege),
aber auch für die Entwicklung von Empfangs- und Schaltelementen am Einund Ausgang einer optischen Leitung Bedeutung erlangen. Man denke außerdem an die Verbesserung von Silizium-Chips durch solche Kritalle und an
die Möglichkeit, über gelenkte Kristallisationsprozesse sehr viel dünneres und gleichzeitig festeres Filmmaterial für Minikassetten herstellen
zu können. Mit der NASA verhandelt "3 M" derzeit über eine auf zehn Jahre angesetzte Vereinbarung über Kommerzialisierungsprogramme.

Hühepunkt

des Projekts wäre ein ständiges Laboratorium an Bord der für Anfang der
neunziger Jahre vorgesehenen Raumstation.

Diese soll mit sechs bis acht Mann ständig besetzt sein und über einige Jahrzehnte betriebsfähig bleiben. Zwei oder mehrere unbemannte, frei
fliegende Plattformen werden in das Projekt einbezogen.
Ländern sind an einer Beteiligung interessiert.

Eine Anzahl von

Die Regierung der Bun-

desrepublik Deutschland faöte bereits einen Kabinettsbeschluu,in dem sie
sich im Rahmen des ESA-Projekts COLUMBUS zur Mitwirkung bereit erklärte.

Internationale Forschungsprojekte mit Sonden

Als weitere Beispiel für Grundlagenforschung in internationalem Rahmen nannte Rosendahl die Mission AMPTE, an der neben den Vereinigten
Staaten, die

Bundesrepublik

Deutschland
- 4 -

und

Groüoritannien

beteiligt

�Großbritannien b e t e i l i g t s i n d . Sie dient u.a. der Erforschung des Sonnenwindes, d . h . der von der Sonne ständig abströmenden i o n i s i e r t e n Teilchen.
Vor allem i n t e r e s s i e r e n Wechselwirkungen mit der Magnetosphäre der Erde
sowie mit den S t r a h l u n g s g ü r t e l n , die i n bestimmten Bereichen

innerhalb

der Magnetosphäre die Erde umschließen.
E i n spektakuläres Experiment im Zusammenhang mit dem D r e i - S a t e l l i t e n Projekt AMPTe war Ende Dezember 1984 die Freisetzung einer Wolke von Bariumdampf aus dem deutschen S a t e l l i t e n i n ca. 116 0U0 km Abstand von der
Erde.

Das bedeutete, da3 sich die zunächst e l e k t r i s c h

n e u t r a l e n , aber

rasch i o n i s i e r t e n Bariumteilchen weit außerhalb des Einflußbereiches der
i r d i s c h e n Magnetosphäre und der sog. Schockwelle an i h r e r der Sonne zugekehrten Seite befanden.

Während sich die Wolke im i n t e r p l a n e t a r e n Raum

wie e i n Kometenschweif a u s b r e i t e t e , zeigten Farbveränderungen das F o r t s c h r i t t e n des Ionisationsprozesses unter der Einwirkung des "Gebläses",
nämlich der e l e k t r i s c h geladenen P a r t i k e l des Sonnenwindes an.

Da B a r i -

umdampf i n genau bekannter Menge f r e i g e s e t z t wurde, sind nunmehr an Hand
der Beobachtungen Berechnungen über Stärke und Teilchendichte des Sonnenwindes im f r e i e n Raum eher möglich.
A l s Gemeinschaftsprojekt

der NASA und der Europäischen Weltraumorya-

n i s a t i o n ESA werde, so Rosendahl, von Bord eines Raumtransporters ULYSSES
gestartet.

Drei Jahre später passiere diese Sonde den Planeten J u p i t e r .

ULYSSES wird übrigens der erste S a t e l l i t
überfliegt

s e i n , der die Pole der Sonne

und Meßdaten über den Sonnenwind, das solare Magnetfeld und

andere Bedingungen aus bisher nicht sondierten Regionen im i n t e r p l a n e t a ren Raum ü b e r m i t t e l n kann.

Bei einem weiteren "Space Shuttle"-Unternehmen im Jahr 19Ö6 wird das
große Weltraumteleskop abgesetzt - e i n "Observatorium" außerhalb der

für

Beobachtungen so störenden Erdatmosphäre, das Studien an sehr lichtschwachen und sehr weit e n t f e r n t e n Objekten im Universum zuläßt.
wichtigen Instrumente f ü r

das 1,2 M i l l i a r d e n - D o l l a r - P r o j e k t

päische Länder beigesteuert.
* * * * *
- 5 -

Einige der
haben euro-

�23. Januar 1985

GLAUKOM BEHANDLUNG MIT ULTRASCHALL
- Ermutigende Ergebnisse einer amerikanischen Studie -

- (AD) - U l t r a s c h a l l i n der Augenheilkunde, bisher f a s t nur zu d i a g nostischen Zwecken b e r u t z t , wird j e t z t
Glaukom ("Grüner S t a r " ) angewandt.

versuchsweise zur Behandlung von

Bei dieser Erkrankung i s t

der Augen-

innendruck i n f o l g e einer mehr oder minder starken Blockierung der A b f l u ü möglichkeiten f ü r F l ü s s g i k e i t e n im Augapfel erhöht.

Die Folge i s t

eine

Degeneration des Sehnervs, was zur Beeinträchtigung des Sehvermögens b i s
h i n zur Erblindung führen kann.

Die herkömmliche Behandlung e r f o l g t

mit

Medikamenten und o p e r a t i v .

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t

(New York)

begann vor zwei Jahren eine Studie mit dem Z i e l , U l t r a s c h a l l zur Glaukomtherapie einzusetzen.
Universität)
kelt.

Die Methode wurde von Jackson Loleman ( L o r n e l l -

und Frederic

Lizzi

(Riverside

Research I n s t i t u t e )

entwik-

Einer Meldung der Z e i t s c h r i f t "Science News" zufolge (Vol lze&gt;, Nr.

14, 1984) b e r i c h t e t e Dr. Michael E. Yablonski ( C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t )
die

bis j e t z t

vorliegenden Ergebnisse.

über

Demnach wurden inzwischen mehr

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: S-85432

�inzwischen mehr a l s

100 Glaukom-Patienten,

Dei denen die

herkömmliche

Therapie versagt h a t t e , mit U l t r a s c h a l l behandelt - , i n f a s t 80 Prozent
der F ä l l e mit E r f o l g .

Über die Langzeitwirkuny des Verfahrens könne a l -

l e r d i n g s noch nichts ausgesagt werden.
Die Behandlung e r f o l g t

nach I n j e k t i o n eines Lokalanästhetikums unter

Anwendung von Ultraschall-Impulsen von j e w e i l s

fünf Sekunden Dauer, die

auf fünf bis acht Punkte der Sklera (Lederhaut des Auges) g e r i c h t e t werden.

Damit der S c h a l l w e l l e n - S t r a h l einen Querschnitt von 0,3 mm b e h ä l t ,

wird er durch einen Tunnel g e l e i t e t . Die Scnallwellen schwächen die S k l e ra

im Wirkungsbereich.

Yablonski zufolge

wird der Augeninnendruck

auf

d r e i e r l e i Weise v e r r i n g e r t : Zum einen könne F l ü s s i g k e i t an den geschwächten S t e l l e n l e i c h t e r aussickern.

Auch wird die Absonderung mancher Z e l -

l e n , die F l ü s s i g k e i t e n i n s Augeninnere abgeben, r e d u z i e r t ;

und d r i t t e n s

werden die Blutgefäße im Auge veranlaßt, mehr F l ü s s i g k e i t aufzunehmen und
abzuleiten.

Die medikamentöse Anti-Glaukomoehandlung
beibehalten.

wurde

bei

allen

Patienten

I n 20 F ä l l e n aus der üruppe, bei der s i c h eine p o s i t i v e Re-

a k t i o n auf die U l t r a s c h a l l t h e r a p i e

z e i g t e , wurde diese wiederholt.

Je-

doch sind Yablonski zufolge noch keine Angaben darüber möglich, wie o f t
dies geschehen könne.

Auch b e i den a l s

Fherapie-Fehlschlag

gewerteten

F ä l l e n sei es zu einer Senkung des Augeninnendrucks gekommen - jedoch nur
f ü r kurze Z e i t .

A l s Nebenwirkungen wurden bei einigen Patienten l e i c h t e

Blutungen i n s Augeninnere, bei anderen eine gewisse Erweichung des Augapf e l s beobachtet.

Jedoch seien diese Erscheinungen binnem kurzem wieder

verschwunden gewesen.
Exemplare der an der C o r n e l l - U n i v e r s i t ä t entwickelten U l t r a s c h a l l - I n strumente wurden inzwischen an zwei weitere amerikanische Forschungsins t i t u t e zur Erprobung weitergegeben.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan ernennt Verhandlungsteam für Genfer Abrüstungsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten fordern Auskunft über das Schicksal Raol Wallenbergs &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen Präsident Reagans und Unterstaatssekretär Abrams&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten werfen Iinternationalem Gerichtshof Kompetenzüberschreitung vor &lt;br /&gt;-&lt;em&gt;Erklärung des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sandinistische Führung Nicaraguas strebt Errichtung eines marxistisch-leninistischen Staates an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Veröffentlichung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dienstleistungen und Verfahrenstechniken im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Branchen mit großen Wachstumschancen&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glaukombehandlung mit Ultraschall &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ermutigende Ergebnisse einer amrikanischen Studie -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Sonderdienst&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
23. Januar 1989&#13;
&#13;
BUSH:&#13;
&#13;
"DAS ZEITALTER DES TOTALITARISMUS IST VORÜBER"&#13;
.- Die Antrittsrede des neuen Präsidenten -&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�'&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - In seiner Antrittsrede vor dem Kapitol erklärte der&#13;
neue Präsident Bush am 20. Januar 1989, er übernehme die amerikanische Präsidentschaft in einem "Augenblick voller Hoffnung", in dem auf der ganzen Welt&#13;
ein "neuer Wind" in Richtung auf Demokratie und Freiheit weht.&#13;
&#13;
"Große Nationen der Welt bewegen sich auf Demokratie zu - durch das Tor&#13;
der Freiheit", erklärte Bush. "Die Menschen gehen weltweit auf freie Märkte&#13;
zu - durch das Tor des Wohlstands. Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für&#13;
Rede- und Gedankenfreiheit."&#13;
&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Antrittsrede Präsident Bushs im Wortlaut:&#13;
Herr Oberster Richter, Herr Präsident, Herr Vizepräsident Quayle,&#13;
Senator Mitchell, Herr Wright, Senator Dole, Herr Abgeordneter Michel,&#13;
liebe Mitbürger, Nachbarn und Freunde.&#13;
Es gibt einen Mann, der einen&#13;
festen Platz in unseren Herzen - und&#13;
in unserer Geschichte - verdient hat.&#13;
Präsident Reagan, im Namen unseres&#13;
Landes danke ich Ihnen für die Leistungen, ''ie Sie für Amerika vollbracht haben.&#13;
&#13;
wir uns heute an Washington erinnern,&#13;
nicht nur, weil 200 Jahre seit der&#13;
ersten Amtseinführung vergangen sind,&#13;
sondern weil Washington nach wie vor&#13;
Vater unseres Landes ist. Meiner Ansicht nach hätte ihn dieser Tag erfreut. Denn der heutige Tag ist konkreter Ausdruck einer überwältigenden&#13;
Tatsache: 200 Jahre Kontinuität seit&#13;
Anbeginn unserer ersten Regierung.&#13;
&#13;
Ich habe gerade wortwörtlich den&#13;
Eid wiederholt, den George Washington&#13;
vor 200 Jahren geleistet hat, auf&#13;
dieselbe Bibel, auf die er seinen Eid&#13;
geschworen hat.&#13;
&#13;
Wir treffen uns am Tor zur Demokratie.&#13;
Einem guten Ort, um als&#13;
Nachbarn und als Freunde miteinander&#13;
zu sprechen. Denn dies ist ein Tag,&#13;
an dem unsere Nation zu einem Ganzen&#13;
wird und unsere Meinungsverschiedenheiten einen Augenblick lang in den&#13;
Hintergrund treten.&#13;
&#13;
Es ist nur recht und billig, daß&#13;
&#13;
Meine erste Amtshandlung als Prä-&#13;
&#13;
�sident ist ein Gebet:&#13;
"Vater im Himmel, wir verneigen&#13;
uns vor Dir und danken Dir für Deine&#13;
Liebe.&#13;
Nimm unseren Dank für den&#13;
Frieden, der uns heute zuteil wird&#13;
und für den gemeinsamen Glauben, der&#13;
seine Bewahrung wahrscheinlich macht.&#13;
Gib uns Stärke für unsere Arbeit, die&#13;
Bereitschaft, Deinen Willen zu erkennen und zu befolgen und lege in unser&#13;
Herz diese Worte: 'Nutzet die Macht,&#13;
um den Menschen zu helfen.' Denn die&#13;
Macht wird uns nicht gegeben, um unsere eigenen Ziele zu verfolgen, uns&#13;
in der Welt damit zu brüsten und einen Namen zu machen. Es gibt nur ein&#13;
Ziel der Macht, und das besteht darin, den Menschen zu dienen. Herr,&#13;
hilf uns, dies im Gedächtnis zu bewahren. Amen."&#13;
Ich trete vor Sie und übernehme&#13;
die Präsidentschaft in einem Augenblick voller Hoffnung. Wir leben in&#13;
einer friedlichen Zeit des Wohlstands, die wir noch verbessern können.&#13;
Denn es weht ein neuer Wind, und&#13;
es scheint, daß eine durch Freiheit&#13;
erquickte Welt neu ersteht - denn zumindest in den Herzen der Menschen&#13;
ist die Stunde der Diktatur vorbei.&#13;
Das Zeitalter des Totalitarismus geht&#13;
vorüber, seine alten Ideen werden&#13;
weggefegt wie Blätter eines alten toten Baumes.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und eine&#13;
durch Freiheit erquickte Welt ist zu&#13;
neuen Taten bereit: es müssen neue&#13;
Wege eröffnet und neue Taten vollbracht werden.&#13;
Es gibt Zeiten, wenn die Zukunft&#13;
im Nebel zu liegen scheint - man wartet untätig, in der Hoffnung, daß der&#13;
Nebel aufsteigen und den richtigen&#13;
Weg enthüllen wird.&#13;
Aber dies ist eine Zeit, in der&#13;
die Zukunft als ein Tor erscheint,&#13;
durch das man ungehindert gehen kann&#13;
- in einen Raum mit Namen "Morgen".&#13;
&#13;
Große Nationen der Welt bewegen&#13;
sich auf Demokratie zu - durch das&#13;
Tor der Freiheit.&#13;
Die Menschen gehen weltweit auf&#13;
freie Märkte zu - durch das Tor des&#13;
Wohlstands.&#13;
Auf der ganzen Welt kämpfen Menschen für Rede- und Gedankenfreiheit&#13;
- für die moralische und intellektuelle Erfüllung, die nur Freiheit&#13;
gestattet.&#13;
Wir kennen das Rezept: es heißt&#13;
Freiheit.&#13;
Wir wissen, was richtig&#13;
ist: die Freiheit. Wir wissen, wie&#13;
ein gerechteres Leben in Wohlstand&#13;
für alle Menschen auf der Welt gewährleistet werden kann: durch freie&#13;
Märkte, Redefreiheit, freie Wahlen&#13;
und die Ausübung freien, nicht durch&#13;
den Staat eingeschränkten Willens.&#13;
Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert - und vielleicht zum ersten Mal&#13;
in der Geschichte - muß der Mensch&#13;
kein neues Lebensmuster erfinden.&#13;
Wir müssen nicht nächtelang die bessere Regierungsform erörtern.&#13;
Wir&#13;
müssen nicht Königen Gerechtigkeit&#13;
abringen - wir müssen sie vielmehr&#13;
aus uns selbst schöpfen.&#13;
Wir müssen auf der Grundlage unseres Wissens handeln.&#13;
Mein Motto&#13;
ist die Hoffnung eines Heiligen: bei&#13;
entscheidenden Dingen Einigkeit, bei&#13;
wichtigen Dingen Vielfalt und in allen Dingen Großzügigkeit walten lassen.&#13;
Die Vereinigten Staaten von heute&#13;
sind ein stolzes, freies Land, anständig und zivilisiert - ein Ort, zu&#13;
dem wir uns hingezogen fühlen müssen.&#13;
Ohne viel Aufhebens darum zu machen,&#13;
erkennen wir intuitiv, daß dieses&#13;
Land eine Bedeutung jenseits des unmittelbar Wahrnehmbaren hat, und daß&#13;
unsere Stärke Gutes hervorbringen&#13;
wird.&#13;
Aber haben wir uns denn als Nation in dieser Zeit verändert? Stehen wir ganz im Bann materieller Din-&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�ge und haben wir weniger Achtung vor&#13;
der Würde von Arbeit und Opferbereitschaft/&#13;
Meine Freunde, wir sind nicht die&#13;
Summe unserer Besitztümer. An ihnen&#13;
wird unser Leben nicht gemessen. In&#13;
unserem Herzen wissen wir, was wichtig ist. Unsere Hoffnung kann nicht&#13;
nur darin bestehen, unseren Kindern&#13;
ein größeres Auto, ein größeres Bankkonto zu vererben. Wir müssen hoffen, ihnen einen Sinn dafür zu vermitteln, was es bedeutet, ein aufrichtiger Freund zu sein, ein liebender Elternteil, ein Bürger, der sein&#13;
Haus, sein Wohnviertel und seine&#13;
Stadt in besserem Zustand verläßt,&#13;
als er sie vorgefunden hat.&#13;
Was sollen die Männer und Frauen,&#13;
die mit uns arbeiten, sagen können,&#13;
wenn wir einmal nicht mehr sind? Daß&#13;
wir mehr von Erfolgstreben getrieben&#13;
waren als alle anderen um uns herum?&#13;
Oder daß wir innehielten, um zu fragen, ob es einem kranken Kind besser&#13;
geht und daß wir einen Augenblick&#13;
verweilten, um ein paar freundliche&#13;
Worte zu wechseln?&#13;
Kein Präsident, keine Regierung&#13;
kann uns lehren, woran wir uns in der&#13;
Zukunft als unserer größten Leistung&#13;
erinnern sollen. Aber wenn der Mann,&#13;
den Sie zur Führung dieser Regierung&#13;
gewählt haben, dazu beitragen kann,&#13;
etwas besser zu machen, wenn er die&#13;
stilleren, tiefgreifenderen Erfolge&#13;
feiern kann, die sich nicht in Samt&#13;
und Seide darstellen, sondern aus&#13;
besseren Herzen und Seelen bestehen,&#13;
wenn er dies tun kann, dann muß er&#13;
entsprechend handeln.&#13;
Die Vereinigten Staaten werden&#13;
ihrem Wesen nie vollkommen gerecht,&#13;
wenn sie sich nicht für hohe moralische Grundsätze engagieren.&#13;
Wir&#13;
als Volk haben heute solch ein Ziel.&#13;
Es besteht darin, das Antlitz der Nation gütiger zu gestalten und dem&#13;
Antlitz der Welt mehr Sanftmut zu&#13;
verleihen.&#13;
Meine Freunde, es liegt viel Ar-&#13;
&#13;
beit vor uns. Da sind Obdachlose,&#13;
die ziellos umherstreifen - da sind&#13;
Kinder, die nichts haben, keine Liebe&#13;
und kein normales Leben - da sind&#13;
diejenigen, die sich nicht aus der&#13;
Abhängigkeit von einer Sucht befreien&#13;
können - Drogen, Sozialhilfe, der Demoralisierung, die die Slums beherrscht. Das Verbrechen muß besiegt&#13;
werden, die rohe Gewalt auf den&#13;
Straßen. Es gibt junge, hilfsbedürftige Frauen, die Kinder zur Welt&#13;
bringen werden, für die sie nicht&#13;
sorgen und die sie vielleicht nicht&#13;
lieben können. Sie bedürfen unserer&#13;
Sorge, unserer Anleitung und unserer&#13;
Erziehung, auch wenn wir sie preisen,&#13;
weil sie das Leben gewählt haben.&#13;
Früher bestanden die Lösung und&#13;
der Weg dorthin in der Annahme, allein mit öffentlichen Geldern könnten&#13;
wir diesen Problemen ein Ende bereiten. Wir haben jedoch gelernt, daß&#13;
dies nicht der Fall ist. Und ohnehin&#13;
ist es so, daß die öffentlichen Kassen leer sind. Wir müssen das Defizit senken. Wir haben mehr Willenskraft als Geld, aber es ist der Wille, den wir brauchen.&#13;
Wir werden schwierige Entscheidungen treffen. Wir werden prüfen,&#13;
was wir haben, und dies dann vielleicht anders aufteilen. Wir werden&#13;
unsere Entscheidungen auf der Grundlage wirklichen Bedarfs und kluger&#13;
Sicherheitserwägungen treffen.&#13;
Schließlich werden wir das Vernünftigste tun: Wir werden uns der&#13;
einzigen Hilfsquelle zuwenden, die in&#13;
Zeiten der Not immer kräftiger sprudelt: die Güte und der Mut des amerikanischen Volkes.&#13;
Ich spreche von einer neuen Anteilnahme am Leben anderer - einem&#13;
neuen, engagierten und tatkräftigen&#13;
Aktivismus, mit dem die Aufgabe bewältigt wird. Wir müssen alle Generationen daran beteiligen, indem wir&#13;
die ungenutzten Fähigkeiten der Alteren und die ziellose Energie der Jugend einsetzen. Denn nicht nur die&#13;
Führung wird von Generation zu Gene-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�ration weitergereicht, sondern auch&#13;
die Verwaltung. Und die Nachkriegsgeneration ist erwachsen geworden.&#13;
Ich habe von Tausenden Punkten&#13;
des Lichts gesprochen - von all den&#13;
Organisationen&#13;
der&#13;
verschiedenen&#13;
Gruppen und Gemeinschaften, die wie&#13;
Sterne über das ganze Land verteilt&#13;
sind und Gutes tun.&#13;
Wir werden Hand in Hand arbeiten,&#13;
Zuspruch&#13;
geben,&#13;
manchmal&#13;
führen,&#13;
manchmal geführt werden und belohnen.&#13;
Wir werden daran im Weißen Haus und&#13;
im Kabinett arbeiten. Ich werde auf&#13;
die Menschen zugehen und mein Augenmerk auf die Programme richten, die&#13;
sich von der Masse abheben, und ich&#13;
werde jedes Mitglied meiner Regierung&#13;
auffordern, sich zu engagieren.&#13;
Die Begriffe von früher sind wieder modern, weil sie nicht alt, sondern zeitlos sind:&#13;
Pflichtgefühl,&#13;
Opferbereitschaft,&#13;
Engagement&#13;
und&#13;
Patriotismus, der sich darin ausdrückt, daß man Anteil nimmt und&#13;
einen Beitrag leistet.&#13;
Auch zwischen Exekutive und Kongreß bedürfen wir eines neuen Engagements. Die vor uns liegenden Herausforderungen werden zusammen mit&#13;
Repräsentantenhaus und Senat bewältigt werden. Wir müssen das Defizit&#13;
im Bundeshaushalt ausgleichen.&#13;
Wir&#13;
müssen sicherstellen, daß die Vereinigten Staaten der Welt gegenüber&#13;
einheitlich auftreten: stark, friedlich und mit soliden Finanzen. Sicherlich&#13;
mag&#13;
dies&#13;
im&#13;
einzelnen&#13;
schwierig sein.&#13;
Wir benötigen den Kompromiß, während es früher den Dissens gab. Wir&#13;
benötigen Harmonie, während es früher&#13;
einen Chor dissonanter Stimmen gab.&#13;
Denn auch der Kongreß hat sich in&#13;
unserer Zeit verändert.&#13;
Eine bestimmte Art der Auseinandersetzung&#13;
hat sich dort entwickelt. Wir haben&#13;
verhärtete Mienen gesehen und Erklärungen vernommen, in denen nicht die&#13;
Gedanken des anderen, sondern dessen&#13;
&#13;
Motive in Frage gestellt wurden. Unsere großen Parteien haben oft zu&#13;
weit auseinander gestanden und sich&#13;
gegenseitig&#13;
zuwenig Vertrauen geschenkt.&#13;
Das ist seit Vietnam der Fall.&#13;
Jener Krieg spaltet uns immer noch.&#13;
Aber, meine Freunde, dieser Krieg begann ernsthaft vor einem Vierteljahrhundert, und die Verjährungsfrist ist&#13;
sicherlich erreicht. Dies ist eine&#13;
Tatsache:&#13;
Die letzte Lektion von&#13;
Vietnam besteht darin, daß keine Nation es sich lange leisten kann, sich&#13;
von der Erinnerung entzweien zu lassen.&#13;
Es weht ein neuer Wind - und die&#13;
alte Überparteilichkeit muß erneuert&#13;
werden.&#13;
Meinen Freunden - und ich meine&#13;
Freunde -, in der loyalen Opposition&#13;
- und ich meine loyal - reiche ich&#13;
die Hand.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Wright.&#13;
Ich reiche Ihnen die Hand, Herr&#13;
Mitchell.&#13;
Denn darum geht es: Dies ist das&#13;
Zeitalter der ausgestreckten Hand.&#13;
Wir können und wollen die Uhren&#13;
nicht zurückdrehen. Aber als unsere&#13;
Väter jung waren, Herr Wright, endeten unsere Differenzen an den Landesgrenzen. Wir wollen die Zeit nicht&#13;
zurückdrehen, aber als unsere Mütter&#13;
jung waren, Herr Mitchell, waren Kongreß und Exekutive zur Zusammenarbeit&#13;
fähig und in der Lage, einen Haushalt&#13;
zustande zu bringen, mit dem diese&#13;
Nation leben konnte. Lassen Sie uns&#13;
bald - und intensiv - verhandeln.&#13;
Aber lassen Sie uns letztlich ein Ergebnis hervorbringen.&#13;
Das amerikanische Volk erwartet&#13;
Taten. Es hat uns nicht hierher entsandt, damit wir streiten. Es fordert uns auf, über rein parteipolitische Belange hinauszugehen.&#13;
In&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�entscheidenden&#13;
Angelegenheiten&#13;
ist&#13;
Einigkeit das Gebot der Stunde - und&#13;
dies, meine Freunde, ist eine solche&#13;
Stunde.&#13;
Auch der Welt bieten wir neues&#13;
Engagement und erneuern unser Gelöbnis: Wir werden stark bleiben, um&#13;
den Frieden zu bewahren. Die "ausgestreckte Hand" wird nur widerstrebend&#13;
zur Faust geballt; aber die einmal&#13;
geballte Faust ist stark und kann mit&#13;
großer Wirkung eingesetzt werden.&#13;
Es gibt Amerikaner, die heute gegen ihren Willen im Ausland festgehalten werden und Amerikaner, die&#13;
vermißt werden. Hier kann etwas getan werden, dessen man sich lange erinnert.&#13;
Guter Wille erzeugt guten&#13;
Willen. Vertrauen kann einer Spirale&#13;
vergleichbar s«in, die sich endlos&#13;
dreht.&#13;
Große Nationen müssen, wie große&#13;
Männer auch, ihr Wort halten. Wenn&#13;
die Vereinigten Staaten etwas sagen,&#13;
dann meinen die Vereinigten Staaten&#13;
das auch - ob es um einen Vertrag&#13;
geht oder eine Übereinkunft oder um&#13;
ein Versprechen, das auf Marmorstufen&#13;
abgelegt wird. Wir werden stets versuchen, uns klar und deutlich auszudrücken - denn Freimütigkeit ist etwas Positives. Aber auch Feinsinnigkeit hat ihre guten Seiten und ist&#13;
angebracht.&#13;
Während wir Bündnisse und Freundschaften rund um die Welt stärken,&#13;
werden wir die neue Nähe zur Sowjetunion beibehalten, die sowohl mit Sicherheitsbelangen als auch mit Fortschritten im Einklang steht.&#13;
Man&#13;
könnte sagen, daß unsere neuen Beziehungen zum Teil den Triumph von Hoffnung und Stärke über die Erfahrung&#13;
widerspiegeln.&#13;
Hoffnung&#13;
ist gut.&#13;
Aber dasselbe gilt für Stärke. Und&#13;
Wachsamkeit.&#13;
Heute sind Hunderttausende unserer Mitbürger hier versammelt, die&#13;
die verständliche Befriedigung derjenigen verspüren, die am demokratischen Prozeß teilgenommen und die&#13;
&#13;
Erfüllung&#13;
haben.&#13;
&#13;
ihrer&#13;
&#13;
Hoffnungen&#13;
&#13;
gesehen&#13;
&#13;
Aber in den vergangenen Tagen haben sich meine Gedanken denjenigen&#13;
zugewandt, die dem Geschehen zu Hause&#13;
vor dem Fernseher beiwohnen.&#13;
Dem älteren Mitbürger, der vor&#13;
der vorbeiziehenden Flagge salutiert&#13;
und der Mitbürgerin, die ihren Söhnen&#13;
den Text&#13;
der Nationalhymne vorspricht. Dies ist nicht sentimental&#13;
gemeint.&#13;
Ich meine, an Tagen wie&#13;
diesem sollten wir uns vor Augen führen, daß wir alle Teil eines kontinuierlichen Ganzen sind, unentrinnbar&#13;
in ein Geflecht eingebunden.&#13;
überall in unserem großartigen&#13;
Land verfolgen unsere Kinder in ihren&#13;
Schulen diese Zeremonie. Und an sie&#13;
gewandt sage ich: Ich danke euch,&#13;
daß ihr an diesem großen Tag der Demokratie teilnehmt. Denn Demokratie&#13;
steht uns allen zu, und Freiheit ist&#13;
einem&#13;
wunderschönen&#13;
Drachen&#13;
vergleichbar, der im Aufwind höher und&#13;
höher fliegen kann.&#13;
Und an alle gewandt, sage ich:&#13;
Gleichgültig, unter welchen Umständen&#13;
und an welchem Ort Sie auch sein mögen - Sie alle sind Teil dieses Tages, Sie alle sind Teil des Lebens&#13;
unserer großen Nation.&#13;
Ein Präsident ist weder Prinz&#13;
noch Papst und ich suche kein "Fenster in der Seele des Menschen". Ich&#13;
strebe vielmehr nach größerer Toleranz und Umkompliziertheit bei der&#13;
Begegnung mit dem anderen und dessen&#13;
Lebensstil.&#13;
Es gibt einige wenige, klar umrissene Bereiche, über die wir uns&#13;
als Gesellschaft einmütig empören und&#13;
in denen wir uns unnachgiebig zeigen&#13;
müssen. Der Offenkundigste ist das&#13;
Drogenproblem. Als das erste Kokain&#13;
auf einem Schiff ins Land geschmuggelt wurde, hätte es sich ebensogut&#13;
um tödliche Bakterien handeln können,&#13;
in dem Sinne, daß sie Körper und Seele unseres Landes angreifen.&#13;
Hier&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�bleibt viel zu tun und ich gebe Ihnen&#13;
mein Wort: Dieser Geißel wird ein&#13;
Ende bereitet.&#13;
Es bleibt also viel zu tun.&#13;
morgen nehmen wir die Arbeit auf.&#13;
&#13;
Und&#13;
&#13;
Ich habe Vertrauen in die Zukunft.&#13;
Ich fürchte mich nicht vor&#13;
dem, was vor uns liegt. Denn unsere&#13;
Probleme mögen groß sein, aber unsere&#13;
Herzen sind größer. Die Herausforderungen sind groß, aber unser Wille&#13;
ist größer. Und wenn wir auch unzählige Fehler haben mögen, so ist Gottes Liebe wahrhaft grenzenlos.&#13;
Einige sehen politische Führung&#13;
als ein großes Drama an und hören die&#13;
Fanfarenstöße. Und manchmal ist das&#13;
auch so. Aber ich sehe die Geschichte als ein Buch mit vielen Seiten an&#13;
- und jeden Tag füllen wir eine Seite&#13;
mit Taten voller Hoffnung und Bedeutung.&#13;
Es weht ein neuer Wind, eine Seite wird aufgeschlagen, die Geschichte&#13;
entfaltet sich vor uns - und so beginnt heute ein neues Kapitel: eine&#13;
kurze und erhabene Geschichte der&#13;
Einheit, Mannigfaltigkeit und Großmütigkeit - gemeinsam erlebt und geschrieben.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
Gott&#13;
schütze&#13;
Sie.&#13;
Und Gott&#13;
schütze die Vereinigten Staaten von&#13;
Amerika.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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U.S. Information Service
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e.5

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23.Januar 1991

GOLFKRISE

BUSH: OPERATION WUSTENSTURM
WIRD LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen

THEMENINDEX

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

BUSH: OPERATION WÜSTENSTURM WIRD
LÄNGER ANDAUERN
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge haben sich die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
Koalition bei der Operation Wüstensturm "tapfer, professionell und effektiv" verhalten, man müsse sich jedoch
vergegenwärtigen, daß die Aktion noch Zeit in Anspruch nehmen wird.
"Saddam Hussein hat seit zehn Jahren nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser mächtigen
Militärmaschinerie verwendet. Wir können nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten," erklärte Bush bei einer
Pressekonferenz am 18. Januar 1991.
Der Präsident fügte hinzu, "wir müssen realistisch sein, Es wird Verluste geben. Hindemisse werden sich
auftürmen. Ein Krieg ist niemals billig oder einfach."
Bush zufolge wird der Aufbau einer neuen Weltordnung "eine sehr kluge Diplomatie" erfordern, sobald der Krieg
gegen den Irak gewonnen ist. "Wenn all dies vorüber ist", so Bush, "wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung bezeichnen
möchte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine kurze Einführung voranschikken und werde dann gern Ihre Fragen entgegennehmen.
Vor 37 Stunden hat die Operation Wüstensturm und
die Befreiung Kuwaits begonnen. So weit, so gut. Die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Koalition
haben sich tapfer, professionell und effektiv verhalten.
Man muß sich jedoch zwei Dinge vergegenwärtigen:
Erstens, die Aktion wird noch einige Zeit in Anspruch
nehmen. Saddam Hussein hat seit zehn Jahren
nahezu alle Ressourcen des Irak für den Aufbau dieser
mächtigen Militärmaschinerie verwendet. Wir können
nicht erwarten, sie über Nacht zu vernichten, insbesondere, wenn wir Verluste bei den Streitkräften der
Vereinigten Staaten und der Koalition und die Leiden
unschuldiger Zivilisten so gering wie möglich halten
wollen.
Zweitens, wir müssen realistisch sein. Es wird Verluste geben. Hindernisse werden sich auftürmen. Ein

AMERIKA DIENST 3

Krieg ist niemals billig oder einfach. Und ich sage dies
nur, weil mich die anfängliche Euphorie in einigen
Berichten und Reaktionen auf die Entwicklung des
ersten Tages mit Besorgnis erfüllen. Niemand sollte
letztlich den Erfolg in Zweifel ziehen oder in Frage
stellen, weil wir uns behaupten werden. Aber ich möchte
auch nicht, daß wir darüber allzu euphorisch werden.
Unsere Ziele haben sich nicht verändert. Wir streben
immer noch dasselbe an wie die internationale Staatengemeinschaft, das heißt, den vollständigen und
bedingungslosen Abzug des Irak aus Kuwait und die
uneingeschränkte Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats.
Ich möchte ferner darauf hinweisen, wie empört ich
über den jüngsten irakischen Akt der Aggression bin in diesem Fall gegen Israel. Wiederum erkennen wir,
daß kein Nachbar des Irak sicher ist. Ich möchte hier
in aller Öffentlichkeit betonen, wie sehr ich Israels
Zurückhaltung von Anbeginn dieser Krise an begrüße.

Seite 1

�Ministerpräsident Schamir und seine Regierung haben
großes Verständnis für die Interessen der Vereinigten
Staaten und anderer an dieser Krise beteiligter Koalitionsmitglieder bewiesen.
Wir stehen weiterhin in engen Konsultationen mit
Israel. Gleichzeitig führen wir enge Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern. Erst vor wenigen Minuten
habe ich mit dem kanadischen Premierminister Brian
Mulroney gesprochen. Heute morgen habe ich eine
lange Unterredung mit dem sowjetischen Präsidenten
Gorbatschow geführt, in der wir die Lage am Golf
eingehend erörtert haben. Und natürlich habe ich die
Gelegenheit ergriffen, um erneut meiner tiefen Besorgnis über die baltischen Staaten Ausdruck zu verleihen und die Notwendigkeit für eine friedliche Lösung
der dortigen Situation zu unterstreichen.
Ich möchte an dieser Stelle schließen und nochmals
darauf hinweisen, wie sehr wir die Taten unserer
Soldaten zu schätzen wissen. Dieses Land ist sich
einig. Natürlich gibt es Proteste, aber grundsätzlich
sind wir uns einig. Und ich möchte, daß diese Botschaft all denen vermittelt wird, die für dieses Land
kämpfen.
In der Zeitung habe ich einen Kommentar gelesen,
dessen Autor besorgt war, daß die Demonstrationen in
diesem Land, die er im Fernsehen gesehen hatte, den
Willen des Volkes repräsentieren könnten. Unseren
Soldaten am Golf möchte ich bei dieser Gelegenheit
sagen, daß Ihr Land hinter Ihnen steht, wie es auch der
Kongreß mit überwältigender Mehrheit bestätigt hat.
Bei Ihnen allen darf kein Zweifel darüber aufkommen
- Sie haben die volle und einhellige Unterstützung der
Vereinigten Staaten. Ich grüße Sie. Sie verdienen
unsere uneingeschränkte Unterstützung, und wir können
stolz auf Sie sein.
Frage: Haben die Vereinigten Staaten Israel gebeten,
keinen Vergeltungsschlag gegen den Irak zu führen,
und welche Zusagen haben die Vereinigten Staaten
bei diesen mit Israel geführten Konsultationen erhalten? Wie lange wird Israel Ihrer Ansicht nach nicht
eingreifen, wenn diese Angriffe andauern?
Antwort: Diese gegenwärtig mit Israel erörterten
Themen werde ich vertraulich behandeln. Keine Frage, daß der Angriff auf Israel eindeutig einen Terroranschlag darstellt. Er hatte militärisch überhaupt keine
Bedeutung. Und diese Art von Agriff ist symptomatisch für die Art von Staatsmann, wie ihn die Welt mit
Saddam Hussein vor sich hat. Und - ich wiederhole es
nochmals - der Mann wird besiegt werden.
Aber Israel hat große Zurückhaltung bewiesen. Das
habe ich bereits erklärt. Meiner Meinung nach können
wir alle verstehen, daß sich daraus für das Land eigene
Probleme ergeben. Aber darauf möchte ich nicht
näher eingehen, weil wir uns mit Israel mitten in
Konsultationen befinden. Ebenso wie wir möchten sie

Seite 2

nicht, daß sich der Krieg ausweitet, sie sind aber
dennoch entschlossen, ihre Bevölkerung zu schützen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß unsere Verteidigungsfachleute mit unseren Befehlshabern in engem
Kontakt stehen, um sicherzustellen, daß wir alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Stützpunkte der
Raketen zu zerstören, die nicht nur in Israel, sondern
in anderen, unbeteiligten Ländern Verwüstungen anrichten können. Dabei möchte ich es belassen, und ich
bin zuversichtlich, daß dieses Problem gelöst werden
kann.
Frage: Sind Sie besorgt, daß der Krieg einen anderen
Verlauf nehmen könnte?
Antwort: Meiner Ansicht nach sollten wir uns vor
allem hüten, das den Lauf des Krieges verändern
könnte. Ich denke, jedem ist klar, was Saddam Hussein versucht hat zu tun, um dem Krieg eine andere
Richtung zu geben und die Koalition zu schwächen.
Dabei wird er scheitern. Als die Sowjetunion eine so
eindeutige Erklärung abgab, war das sehr beruhigend.
Darüber hinaus stehen wir in engen Konsultationen mit
unseren Koalitionspartnern, und diese Koalition wird
nicht auseinanderbrechen. Davon bin ich überzeugt.
Frage: Vor zwei Tagen haben Sie einen Krieg begonnen, und der Krieg hat immer zwei Seiten. Warum
sollten Sie überrascht oder empört sein, wenn es zu
einem Vergeltungsschlag kommt?
Antwort: Gegen ein Land, das unschuldig und unbeteiligt ist - darum geht es doch. Israel ist nicht beteiligt.
Israel ist nicht an den Kämpfen beteiligt. Und dieser
Mann hat entschieden, ohne jedweden militärischen
Plan einen Terroranschlag gegen israelische Städte
zu führen. Es ist empörend, die ganze Welt weiß es,
und die meisten Länder der Welt sprechen sich dagegen aus. Einen solchen Akt kann man nur verdammen.
Frage: Warum erachtet das Weiße Haus alle Bestrebungen um eine friedliche Lösung als zum Scheitern
verurteilt?
Antwort: Meiner Meinung nach ist sich die Welt in
ihrem Wunsch einig, daß die UNO-Resolutionen eingehalten werden sollen. Jeder möchte einen Weg
finden, um die Kämpfe zu beenden. Aber es wird kein
Ende geben, wenn keine vollständige Einigung, Kooperation und Einhaltung dieser UNO-Resolutionen erzielt
wird. Dieser Mann wird keinen Sieg davontragen,
indem er Terroranschläge gegen ein unbeteiligtes
Land führt, und ich spreche hier von Israel.
Ich denke, jeder wünscht ein Ende herbei, aber es wird
kein Ende geben, bevor nicht unsere Ziele vollständig
erfüllt sind.
Frage: Sie haben vor einigen Wochen an dieser Stelle
versichert und heute wiederum bekräftigt, daß sich die

AMERIKA DIENST 3

�Koalition einem Versuch der Einbeziehung Israels
widersetzen würde oder vielleicht sogar Israels Vergeltung gegen einen Angriff. Könnten Sie uns heute
näher erläutern, worauf sich diese Aussage stützt?
Antwort: Ein Großteil der Diplomatie hat hinter den
Kulissen stattgefunden, und ich bin zu diesem Thema
sehr zuversichtlich.
Frage: Dazu noch eine Frage. Eine besonders
schwierige Situation ergibt sich für Jordanien, das in
dieser Region eine besonders exponierte Stellung hat.
Können Sie uns über mögliche Vereinbarungen oder
diplomatische Initiativen informieren, mit denen Jordanien möglicherweise Zusicherungen gemacht werden
oder mit denen Jordanien überzeugt werden soll,
nichts zu unternehmen, oder darüber, was geschehen
würde, wenn sie etwas unternehmen?
Antwort: Meines Wissens gibt es zum gegenwärtigen
Zeitpunkt diesbezüglich keine Absprachen mit Jordanien. Daher konnte ich dazu nicht Stellung nehmen.
Frage: Gestern nacht gab es Anzeichen - ich weiß,
daß Sie uns nicht sagen können, was im Moment vor
sich geht - aber gestern nacht schien es, als ob
israelische Flugzeuge in Richtung Irak abhoben. Hat
unsere Regierung einen geplanten israelischen Vergeltungsschlag vereitelt?
Antwort: Nein.
Frage: Zweitens, versuchen wir, Saddam Hussein zu
töten? Wir haben mehrere Gebäude bombardiert, in
denen er sich gestern nacht aufgehalten haben könnte.
Antwort: Wir haben keine Einzelpersonen zum Ziel.
Frage: Können Sie dem israelischen Volk irgendwelche Zusagen machen, daß die Zurückhaltung der
israelischen Regierung keine Risiken für die Bevölkerung in sich birgt?
Antwort: Meines Erachtens wissen sie um unsere
Entschlossenheit, sie nach oder vor diesem Angriff zu
schützen. Und wir werden unsere Bemühungen mit
dem entscheidendsten Such- und Vernichtungseinsatz verdoppeln, der je in diesem Gebiet geführt wurde. Ich hoffe, daß dies für die israelische Bevölkerung
beruhigend ist.
Frage: Könnte es sein, daß Saddam Hussein ein sehr
viel größeres Durchhaltevermögen besitzt als ursprünglich angenommen, oder gründet sich diese Annahme
auf einen bevorstehenden Landkrieg, der sich aller
Voraussicht nach in die Länge zieht?
Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß irgendetwas auf
ein größeres Durchhaltevermögen als angenommen
hindeutet. Ich warne jedoch vor einer gewissen Euphorie, die sich gestern hier abzeichnete, weil alles
außerordentlich gut verlief - vom militärischen Stand-

AMERIKA DIENST 3

punkt aus außergewöhnlich gut. Das wurde auf der
ganzen Welt mit Freude aufgenommen. Ich möchte
nur davor warnen, daß es nicht immer so leicht sein
wird. Wir haben unsere Einschätzung über die Schwierigkeit der vor uns liegenden Aufgabe nicht revidiert.
Frage: Sie sagten, die Israelis hätten Zurückhaltung
gezeigt. Sind Sie sicher, daß sie auch weiterhin
zurückhaltend sein werden?
Antwort: Wir arbeiten daran, und ich hoffe, sie werden
zurückhaltend sein. Sie waren sehr kooperativ.
Außenminister Baker hat gestern abend mit Premierminister Schamir gesprochen. Ich werde wahrscheinlich in wenigen Minuten mit ihm telephonieren und
könnte diese Frage anschließend besser beantworten. Ich denke jedoch, sie sind sich über die Vielschichtigkeit dieser Situation im klaren. Wir sind es
zweifelsohne. Aber was auch immer geschieht - ich bin
sicher, daß diese Koalition zusammenhalten wird.
Frage: Werden Sie Premierminister Schamir eine
verbindliche Zusage machen können, daß alle Raketenstützpunkte zerstört sind?
Antwort: Das Problem hierbei ist, daß wir ihm nur
bezüglich einiger Raketenstützpunkte verbindliche
Zusagen machen können, weil es sich um mobile
Raketen handelt, die versteckt werden können.
Ich weiche hier etwas von meinem Terrain ab, weil ich
dem Verieidigungsministerium versprochen habe, auf
diese militärischen Fragen antworten zu dürfen. Aber
es liegt wohl auf der Hand, daß es außerordentlich
schwierig ist, die Erfassung aller mobilen Raketen
sicherzustellen, wenn man sie so verstecken kann, wie
es die Iraker getan haben.
Frage: Sie sagen, es liegen harte Tage vor uns. Es
gab jedoch auch ziemlich viele Diskussionen über die
unerwartet geringe Reaktion seitens der Iraker. Haben
Sie das erörtert, und was denken Sie? Wie läßt sich
dies Ihrer Ansicht nach erklären?
Antwort: Ich weiß es nicht. Ich denke, daß sie mit
jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein werden. Und ich sage das ohne Angeberei. Ich
sage dies nur, weil es das ist, was dort geschieht.
Es kann sehr gut sein, daß Saddam Hussein seine
mobilen Raketen zurückgehalten hat und sie beispielsweise dann auffährt, wenn er glaubt, sie seien unentdeckt und einige dieser Raketen mitten ins Stadtzentrum von Haifa abfeuert, um eine Art politische Aussage zu machen. Es könnten jedoch noch weitere
Raketen auf andere Länder gerichtet sein. Wer weiß?
Aber im Hinblick auf seine Fähigkeit zu einer militärischen Reaktion kann ich der Welt garantieren, daß er
mit jeder Stunde weniger zu einer Reaktion in der Lage
sein wird, sich gegen die gesamte Welt zu stellen - die
in diesen UNO-Resolutionen ausgedrückte Meinung
der Welt.

Seite 3

�Frage: Verfügen Sie über definitive nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die darauf hindeuten, daß
immer noch eine akute Bedrohung mit chemischen
Waffen von Saddam Hussein ausgeht?
Antwort: Meines Erachtens besteht eine Bedrohung,
weil chemische Waffen verbreitet wurden. Er hat sie
gegen sein eigenes Volk eingesetzt. Und davor sind
unsere Truppen, das israelische Volk und natürlich alle
anderen in der Region gewarnt worden. Ich kann nicht
sagen, daß alle chemischen Waffen vernichtet wurden. Ich habe in meinen Ausführungen im Oval Office
festgestellt, daß seine Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen nicht existiert. Ich möchte Sie mit
dieser Frage jedoch ans Pentagon verweisen.
Frage: Dies ist das erste Mal, daß es andauernde
Erörterungen zwischen amerikanischen Soldaten und
arabischen Streitkräften gegeben hat. Bezüglich der
Reaktion der arabischen Welt bestanden enorme
Bedenken. Wie besorgt sind Sie über dieses Problem
nun, da der Krieg ausgebrochen ist? Kann irgendetwas getan werden, um den Schaden an den Beziehungen zwischen den arabischen Ländern und den Vereinigten Staaten so gering wie möglich zu halten?
Antwort: Sie sprechen darüber nicht im Zusammenhang mit dem Angriff auf Israel?
Frage: Mehr im Hinblick auf die arabischen Nationalisten.
Antwort: Ich bin nie davon ausgegangen, daß die
Araber gegenüber dem jetzigen Vorgehen eine ablehnende Haltung einnehmen würden. Wenn man sieht,
wie die Arabische Liga und selbst Ägypten mit der
größten Bevölkerungszahl der arabischen Länder uns
uneingeschränkt unterstützt, dann ist die Idee, die
Saddam Hussein zu verkaufen suchte - Araber gegen
Amerikaner - ein Scheinargument.
Wahrscheinlich befinden sich im Augenblick arabische
- kuwaitische oder saudische - Streitkräfte in der Luft.
In dieser Koalition gibt es ein starkes arabisches
Element. Innerhalb der Arabischen Liga sind viele
Länder gegen Saddam Hussein eingestellt und haben
lange das Gefühl gehabt, von ihm tyrannisiert zu
werden. Und es an der Zeit sei, seine Aggression zu
beenden. Daher mache ich mir diesbezüglich auf
lange Sicht keine Sorgen. Wenn all dies vorüber ist,
werden wir sehr diplomatisch vorgehen müssen, aber
zum gegenwärtigen Zeitpunkt bin ich davon überzeugt, daß viele Menschen und die Mehrheit der
arabischen Bevölkerung verstehen und billigen, was
die Vereinten Nationen getan haben und jetzt tun. Ich

* *

Seite 4

mache mir also keine Sorgen.
Es gibt natürlich einige andere Elemente, die mich in
gewisser Weise beunruhigen, aber mehr für die Zukunft gesehen als in der Gegenwart. Wenn all dies
vorüber ist, wollen wir die Wunden heilen. Wir wollen
alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu
fördern, was ich optimistisch als neue Weltordnung
bezeichnen möchte.
Diese neue Weltordnung sollte jedoch eine versöhnende Komponente enthalten. Sie sollte den Ländern,
die sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf der anderen
Seite befinden - und davon gibt es nicht sehr viele verdeutlichen, daß sie Teil dieser neuen Weltordnung
sind. Sie bilden einen Teil dieses Ganzen - sie können
eine wichtige Rolle dabei spielen, daß die Welt im
Nahen Osten und andernorts in Frieden leben kann.
Natürlich sind einige gegen uns. Es gibt einige radikalere Elemente, die immer gegen den Westen und die
Vereinigten Staaten sein werden.
An dieser Aktion sind Länder beteiligt, die - um einen
antiquierten diplomatischen Ausdruck zu gebrauchen
- Saddam Hussein und dem Irak zugeneigt waren, die
in dieser neuen Weltordnung eindeutig im Vordergrund stehen. Ich schreibe Jordanien nicht ab. Wir
unterhalten seit Jahrzehnten Beziehungen zu König
Hussein, aber er befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage. Wir hatten einige Differenzen, und ich
würde es begrü ßen, wenn er in der Öffentlichkeit etwas
grö ßeres Verständnis für das was die Vereinten Nationen hier zu vollbringen versuchen und die Rolle der
Vereinigten Staaten zeigen würde. Ich möchte damit
keinesfalls andeuten, daß Jordanien, weil es diese
Position bezogen hat, nicht weiterhin ein außerordentlich wichtiges Land in dieser neuen Weltordnung sein
wird. Ich wehre mich gegen die Prämisse, die Saddam
Hussein der Welt verkaufen wollte, daß es hier um die
arabische Welt gegen die Vereinigten Staaten gehe.
Es gibt überwältigende Beweise dafür, daß er unrecht
hat. Er versuchte offensichtlich, die Aufmerksamkeit
der Welt von seiner brutalen Aggression gegen Kuwait
abzulenken. Sie haben es in der Pressekonferenz von
Außenminister Asis gehört. Wenn es je einen Beweis

•.

i

.

für meine Worte gab, dann sein Verhalten bei dieser
Pressekonferenz.
i

Meines Erachtens herrscht Einverständnis mit unserem Vorgehen. Und vielleicht sogar Respekt für die
Koalition, denn ich glaube, die arabische Welt sieht
ebenso wie ich, daß sich hieraus eine Chance für
dauerhaften Frieden ergeben kann.

* *

*

AMERIKA DIENST 3

�GOLFKRISE
23. Januar 1991

DER KRIEG AM GOLF
Amerikanische Pressestimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Leitartikeln in der amerikanischen Tagespresse, die sich mit dem
Kriegsausbruch am Persischen Golf befassen.

The New York Times
Saddam Hussein konnte die Botschaften weder überhört noch mißverstanden haben, die ihm vom Rest der
Welt wiederholt übermittelt wurden, nachdem sich
seine Truppen im vergangenen August Kuwait einverleibt hatten. Sicherlich kann er die Botschaft nicht
überhört haben, die Mittwoch nacht durch Wellen von
Bombern und Raketen übermittelt wurde.
Dies ist eine gerechte Botschaft, die vornehmen Zielen
dient.
Damit sollen weder der Irak zerstört, noch Tausende
von Zivilisten getötet werden, und damit soll auch nicht
die gesamte Angelegenheit so schnell wie möglich mit
dem größtmöglichen Einsatz von Gewalt erledigt werden.
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
haben die Ziele definiert.
Das Ziel ist die Befreigung Kuwaits, wie der Präsident
Mittwoch abend mit großem Ernst erklärte; die Stabilität in der Region soll gesichert werden; Saddam
Husseins Würgegriff um die Energiereserven der Welt
soll abgewendet und die Krise in einer Art und Weise
bewältigt werden, die einen entschiedenen, angemessenen Präzedenzfall für die Aufrechterhaltung kollektiver Sicherheit in der Welt nach dem kalten Krieg
schafft.
Die Verwirklichung dieser Ziele hängt in erster Linie
von Saddam Hussein ab. Alle von ihm ausgesandten
Anzeichen deuten jedoch darauf hin, daß er ein eiskaltes Kalkül verfolgt.
Nachdem er im achtjährigen iranisch-irakischen Krieg
Hunderttausende von Toten und Verwundeten in Kauf
genommen hat, mag er heute davon überzeugt sein,
AMERIKA DIENST 3

daß er in einem sich hinziehenden Landkrieg viele
tausend weitere hinnehmen kann - während ein paar
tausend Verluste die amerikanische Öffentlichkeit zu
hastigen, zaghaften Verhandlungen veranlaßten...
Die Amerikaner stehen gemeinsam hinter den amerikanischen und anderen Streitkräften, die ihr Leben
gegen einen brutalen Tyrannen einsetzen. Darüber
hinaus können sie gemeinsam inbrünstig hoffen, daß
Saddam Hussein endlich zuhört.
The Washington Post
Mit dem Eintritt der Nation in den Krieg stehen die
Amerikaner zweifelsohne geschlossen zu denen, die
für sie kämpfen, ungeachtet der politischen Meinungsunterschiede, die eine andauernde nationale Debatte
ausgelöst haben. Jetzt, da der Präsident die Entscheidung getroffen hat, trägt er als Oberbefehlshaber der
Streitkräfte die Verantwortung dafür, dieses Gut mit
der größtmöglichen Sorge zu behandeln, die im Einklang mit den Zielen der Aktion steht. Daran wird der
Präsident zunächst gemessen werden. Seine nüchterne Ansprache an die Nation vom gestrigen Abend
zeigte deutlich, daß er beabsichtigt, dieser Verpflichtung gerecht zu werden.
Unserer Meinung nach hat Mr. Bush seine Sache
überzeugend dargelegt. An der Bedrohung, die Saddam Hussein für das amerikanische Interesse an einer
geordneten Welt darstellte, kann kein Zweifel bestehen. Er hat nicht nur einen souveränen Staat überfallen, vergewaltigt und von der Landkarte ausradiert - ein
Akt nackter Aggression, der ihn jedoch noch nicht
hinreichend von all den anderen Tyrannen unterscheidet. Das Charakteristische an dieser Bedrohung ist die
Kombination von strategischer Lage, seinem immen-

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�sen Ehrgeiz, seiner Skrupellosigkeit und seinem Haß
gegenüber dem Westen mit der Fülle an Waffen, mit
denen er seine Ziele erreichen will. Saddam Hussein
hoffte - und besaß die Fähigkeit -, nach Kuwait eine
Region zu destabilisieren und dominieren, die für das
weltweite Gleichgewicht entscheidend ist.
Der Präsident hat verkündet, daß britische und saudische Flugzeuge zusammen mit den Amerikanern am
ersten Schlag beteiligt waren. Trotzdem werden Fragen zum amerikanischen Anteil an den Lasten und
dem Zeitpunkt der Militäraktion den Beginn der Feindseligkeiten wahrscheinlich überdauern...
The Philadelphia Inquirer
Der Kriegsbeginn kann unsere Überzeugung nicht
revidieren, daß Präsident Bush zu früh vom Embargo
zum Krieg übergegangen ist. Wie Millionen Amerikaner (offensichtlich jedoch nicht die Mehrheit) waren
auch wir der Ansicht, daß die Zeit zum Krieg noch nicht
angebrochen war - nicht, bevor das Embargo sich als
völliger Fehlschlag erwiesen hätte und nicht, bevorder
Diplomatie eine weitere Chance eingeräumt worden
wäre.
Präsident Bush jedoch hat anders entscheiden... Und
er tat dies, nachdem der Kongreß leidenschaftlich über
alle Optionen debattiert und ihm eindeutig die Befugnis
erteilt hatte, so zu handeln. Nicht einmal seine Kritiker
werden sagen können, er habe seine verfassungsmäßigen Vollmachten überschritten.
In diesem ernsten Moment können alle Amerikaner in
der Achtung für den Dienst, den Mut und die potentiellen Opfer von Hunderttausenden von Männern und
Frauen vereint sein, die sich der Gefahr aussetzen...
Und nun können sich die Amerikaner auch ohne Zwist
oder Parteilichkeit in der Hoffnung zusammenschließen, daß dieser Krieg rasch beendet wird, daß die
Vereinten Nationen ihr Ziel der Befreiung Kuwaits
verwirklichen werden und der Blutzoll auf beiden Seiten weniger groß als befürchtet ausfällt. Schließlich ist
dies eine Zeit zum Gebet dafür, daß die Nationen einen
gerechten und dauerhaften Frieden aus der Asche des
Krieges erstehen lassen.
The Baltimore Sun
Mit Ausbruch des Kriegs am Persischen Golf sollte das
amerikanische Volk nicht nur zusammenstehen, um
unsere kämpfenden Truppen zu unterstützen, sondern um die hehren Prinzipien durchzusetzen, die
unserem Eingreifen zugrundeliegen. Der Tag, an dem
wir darüber streiten konnten, ob wir jetzt oder später
eingreifen, ob wir Gewalt oder Sanktionen einsetzen,
ist vorbei.
Bei diesem Konflikt geht es nicht nur um Öl, obwohl
Kontrolle über die wichtigsten Energievorräte der Welt
kein unwichtiger Faktor ist. Es geht nicht allein darum,
in Kuwait einem feudalistischen Emirat wieder an die
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Macht zu verhelfen oder den skrupellosen irakischen
Diktator zu stürzen, obwohl diese Ziele an sich verdienstvoll wären.
Dies ist vielmehr ein Kampf für die Rechtsstaatlichkeit
in einer Welt, die für Rechtlosigkeit äu ßerst anfällig ist.
Es ist eine Schlacht, in der ein für allemal festgelegt
werden muß, daß der Untergang der kommunistischen Diktatur nicht von einem Machtvakuum gefolgt
wird, in dem regionale Tyrannen den Vereinten Nationen die Stirn bieten, Nachbarn erpressen und sich über
die Grundregeln von Würde und Anstand hinwegsetzen. Es geht bei diesem Kampf um Frieden, Ordnung
und Stabilität.
Vor etwa 50 Jahren, am Tag nach Pearl Harbor, hieß
es in dieser Zeitung, "wir können und werden nicht
hinnehmen, daß die Ehre aller Länder der Welt zerstört
wird, die Schwachen den Starken Tribut entrichten
müssen und die Welt und ihre Ressourcen unter den
selbsternannten Herrschern über die Menschlichkeit
aufgeteilt werden". An Größe kann Saddam Hussein
es nicht mit Hitler oder Tojo aufnehmen. Aber die
Massenvernichtungswaffen, über die heute Inhaber
von Petrodollars und rücksichtslosem Ehrgeiz verfügen sind so grauenhaft, daß verbrecherische Regime
in Schach gehalten werden müssen...
Dies ist ein Moment für Gebete, Standfestigkeit, für
den Glauben an die Rechtmäßigkeit der Sache unseres Landes. Wir ziehen zögernd, aber entschlossen in
den Krieg.
The Wall Street Journal
Beim Ausbruch des Krieges am Golf steht Amerika fest
zusammen. Später werden wir genug Zeit haben, um
die Veränderungen zu bewerten, die dieser Konflikt im
politischen Leben der Vereinigten Staaten und der
Welt hervorrufen wird. In diesem Augenblick ist es
richtig, vereint hinter den US-Streitkräften und ihren
Koalitionspartnern zu stehen, um den gemeinsamen
Feind zu besiegen.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß Saddam
Hussein ein Feind all der Männer und Frauen ist, die
jetzt ihr Leben riskieren, um seine Pläne zu durchkreuzen. Seit Monaten hat er in erstaunlich harten und
gewalttätigen Worten seine Absicht und Bereitschaft
bekundet, seine Waffenarsenale gegen die Soldaten
Amerikas, Israels und anderer Länder einzusetzen.
Um dieses Ziel zu verwirklichen, hat Saddam Hussein
eine Armee mit modernen Waffen aufgestellt, die
gegebenfalls durch die Geißel chemischer und nuklearer Waffen ergänzt werden kann.
Er wird keinen Erfolg haben. Es ist unsere Überzeugung, daß das amerikanische Volk über die militärische Stärke und den politischen Willen verfügt, um
Saddams ruchlosen Raubzug niederzuschlagen.
Präsident Bush hat vergangene Nacht erklärt, "was
getan werden muß", um sicherzustellen, daß Männer
AMERIKA DIENST 3

�vom Schlage Saddams Husseins nicht die freie Welt in
den Würgegriff nehmen, deren Zukunft sich so verheißungsvoll darstellt.
USA Today
Saddam stellt eine echte, keine eingebildete Gefahr
dar. Sein unverfrorenes Ziel bestand - und besteht
vielleicht immer noch - darin, die arabische Welt zu
beherrschen.

Jetzt, da der Krieg begonnen hat, mu ß der erste Schritt
darin bestehen, ihn so schnell und mit so geringen
Verlusten wie möglich zu beenden. Zweitens muß für
die Menschen in Amerika maximale Sicherheit vor
terroristischen Vergeltungsschlägen gewährleistet sein.
Dann muß die Nation sich an die Beantwortung der
schwierigen Fragen begeben, die sich nach einem
Sieg stellen:
Wie wird uns dieser Krieg davor bewahren, in
dieser Region jemals wieder kämpfen zu müssen? Wie kann der Sieg genutzt werden, um die
gefährlichste Region der Welt zu stabilisieren?

Um dieses Ziel zu erreichen, hätte er jedes Land am
Persischen Golf angegriffen, dem Öl zu Macht verholten hat. Er hätte versucht, die Demokratie in Ägypten
zu zerstören. Und er hat offen zugegeben, daß er
Israel vernichten würde.

Wie werden wir den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis lösen, dessen Beilegung
für den regionalen Frieden unabdingbar ist?

Solche Aktionen hätten zu einem Krieg geführt, bei
dem die Aussicht auf Sieg geringer und das Blutbad
größer gewesen wäre als heute.

Kann der Sieg helfen, den Terrorismus zu beenden und ein friedliches Betätigungsfeld für die
islamischen Fundamentalisten zu schaffen?

Als der Krieg wahrscheinlicher wurde, hat auch die
Redaktion von USA Today zu Geduld geraten - um
jeder Option außer einem Krieg eine Chance zu geben.
Das wäre ein klügerer Kurs mit der Möglichkeit gewesen, das Leben unschuldiger Menschen zu retten.
Aber die Ziele derjenigen, die Geduld angeraten haben
und des Präsidenten, der sich für Krieg ausgesprochen hat, sind deckungsgleich...

Wie können wir der Demokratie Vorschub leisten, um die Region zu stabilisieren, wenn es
sich bei den von uns verteidigten beiden Ländern um Monarchien handelt?
Heute befinden wir uns im Krieg, Mit der Zeit kommt
der Sieg...

* * * * *

AMERIKA DIENST 3

Seite 3

�THEMENINDEX
23. Januar 1991

DER AMERIKA DIENST
(2. Halbjahr 1990)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1990) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

APEC

30

Bush in Prag

46

Chemische Waffen,
Richtigstellung zu AD 29

31

Deutsch-Amerikanischer Tag

40

Deutsche Einheit

39,40

Deutschlandpolitik

36

Einwanderung

48

GATT

47, 48, 49

Golfkrise

Sonderdienst (10. 8. 1990)
32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 41
42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50

AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�Irak
Irak-UNO
IWF/Weltbank

Kernwaffen
KSE
KSZE
KSZE-Gipfel
Kongreß/Golf krise

Landwirtschaft

Meinungsumfragen in Amerika
Menschenrechte

NATO

Osteuropa

Sicherheitspolitik
Sowjetische Militärmacht
Südostasien

Terrorismus

Umwelt
US-Außenpolitik
USA-Europa
USA-UdSSR

Seite 2

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