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Nummer

7. Februar 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)
«WortlautKissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar\
WIRTSCHAFT:

I
Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor
-Wortlaut des Begleitschreibens des PräsidentenUS-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels
Von John Holway
USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor
USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle
Von John H. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt mit Kürzungen
Vitamin B 12 synthetisch dargestellt

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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6/1973

DIE BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION (Teil I)
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar den ersten Teil seiner Botschaft über die Lage der Nation
- State of the Union Message - 1973 zugesandt, in der er einen Überblick
über sein künftiges Regierungsprogramm gibt. Nixon hat in diesem Jahr
einen völlig neuen Weg eingeschlagen und angekündigt, daß er den traditionellen Bericht in mehrere Fachgebiete - Innenpolitik, Wirtschaft, Außenpolitik usw.- aufgliedern und jeweils getrennt an den Kongreß geben werde.
Teil I der Botschaft über die Lage der Nation - Überblick - hat folgenden Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die traditionelle Form des jährlichen Berichtes des Präsidenten, mit dem
er den Kongreß über die Lage der Nation informiert, ist eine Einzelbotschaft
oder Ansprache. Da sich jedoch im Laufe der Jahre die Angelegenheiten und Anliegen unserer Nation vervielfacht haben, haben sich auch die Themen vervielfacht, die in Botschaften über die Lage der Nation behandelt werden müssen.
Vor

�Vor allem in diesem Jahr, da so viele Veränderungen in Regierungsprogrammen erwogen werden und da unsere Grundvorstellungen von der Beziehung
zwischen dem Einzelnen und dem Staat an einem historischen Kreuzweg angekommen sind, hätte eine einzelne, alles umfassende Botschaft über die Lage
der Nation unzureichend erscheinen müssen.
Ich habe mich daher entschlossen, meinen Bericht über die Lage der Nation 1973 in Form einer Reihe von Botschaften während der ersten Wochen des
93. Kongresses abzugeben. Der Zweck dieser ersten Botschaft einer ganzen
Reihe besteht darin, einen kurzen und bündigen Überblick zu geben, wo wir
als Volk heute stehen, und einige der allgemeinen Ziele zu umreißen, die
wir nach meiner Auffassung im Laufe dieses Jahres und darüberhinaus anstreben sollten. Ich werde dem Kongreß in den kommenden Wochen weitere Botschaften über die Lage der Nation in bezug auf bestimmte Gebiete der Politik
zuleiten, einschließlich Wirtschaft, natürliche Ressourcen,menschliche Ressourcen, Gemeindeförderung, Außenpolitik und Verteidigungspolitik.
Der neue Kurs, den diese Botschaften aufzeigen werden, stellt eine neue
Einstellung der Regierung und zur Regierung dar - eine Einstellung, die sich
den Realitäten der siebziger Jahre zuwendet und nicht der dreißiger oder
sechziger. Wenn wir uns jetzt dem dritten Jahrhundert unserer Unabhängigkeit
nähern, dann sollte die Rolle der Regierung nicht darin bestehen, irgendeinen
Bereich des amerikanischen Lebens beherrschen zu wollen, sondern vielmehr darin, die Menschen, Gemeinden und Institutionen zu unterstützen und zu ermutigen, selbst mit möglichst vielen ihrer Schwierigkeiten und Aufgaben fertig
zu werden und dafür zu sorgen, daß jeder Amerikaner und jede Amerikanerin
die volle und gleiche Chance haben, seine oder ihre Möglichkeiten zu verwirklichen.
Wenn wir die Bundesregierung in dem Tempo der letzten Jahrzehnte weiter
vergrößern wollten, dann würde sie uns bald gänzlich verschlingen. Es ist
jetzt an der Zeit, daß wir eine klare Wahl treffen - Entscheidungen zwischen

-2-

�zwischen alten Programmen, die zwar erstrebenswerte Ziele setzten, sie aber
nicht erreichten, und neuen Programmen, die einen besseren Weg aufzeigen,
um diese Ziele zu erreichen; und natürlich Entscheidungen zwischen konkurrierenden Programmen - die zwar alle an sich wünschenswert sein mögen, von denen
wir uns jedoch mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, nur
einige leisten können.
Da unsere Mittel nicht unbegrenzt sind, stehen wir 1973 auch vor einer
wichtigen Entscheidung, ob wir nämlich die Regierungsausgaben in Grenzen halten oder kostspielige Programme einführen wollen, die garantiert zu einer Erhöhung der Steuern und einer Neubelebung der Inflation führen würden.
Und schließlich ist es jetzt von größter Wichtigkeit, daß auf der Ebene
der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltung und bei jedem einzelnen Amerikaner wieder ein größeres Verantwortungsgefühl geweckt wird.
Der Grundzustand unserer Nation ist heute gesund und vielversprechend.
Wir treten in das Jahr 1973 ein - wirtschaftlich stark, militärisch gesichert
und - was am wichtigsten von allem ist - in Frieden nach einem langen und
harten Krieg.
Auch weiterhin wird Amerika einem immer größeren Teil seiner Bevölkerung ein besseres und erfüllteres Leben bieten als irgendein anderes Land
auf der Welt.
Wir haben eine der schwierigsten Zeiten unserer Geschichte durchschritten, ohne der Verzweiflung anheimzufallen und ohne unsere Ideale als Volk
aufzugeben.
Wenn wir zurückblicken, so können wir alle hieraus eine Lehre ziehen.
Dies ist eine Lehre, die wir in den letzten Jahren manchmal auf harte Weise
erfahren mußten. Aber wir haben sie begriffen. Diese Lehre besagt, daß sogar
potentiell destruktive Kräfte in positive Kräfte umgewandelt werden können,
wenn wir wissen, wie sie zu leiten sind, und wenn wir Vernunft und Anstand

-3-

�Anstand walten lassen, um ein Klima gegenseitiger Achtung und beiderseitigen guten Willens zu schaffen.
Durch Zusammenarbeit und Bändigung der Naturgewalten haben Amerikaner
einige der großen Geheimnisse des Universums enthüllt. Menschen haben die
Oberfläche des Mondes betreten und den Entdeckungen neue Perspektiven eröffnet. Der gleiche Entdeckergeist hilft uns, Krankheiten und Leiden zu
überwinden, die unseren Planeten seit Menschengedenken heimgesucht haben.
Durch Zusammenarbeit mit den führenden Staatsmännern anderer Länder
konnten wir neue Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden schaffen - auf eine
Weltordnung, in der das gemeinsame Interesse alte Feindschaften zurückdrängt und in der eine neue Generation von Menschen in Frieden in einer
sich wandelnden Welt heranwachsen kann.
Im eigenen Lande haben wir gelernt, daß wir durch Zusammenarbeit Wohlstand schaffen können,ohne Inflation zu entfachen; wir können die Ordnung
wiederherstellen, ohne die Freiheit zu schwächen.

Die vor uns liegenden Aufgaben
Diese ersten siebziger Jahre waren gute Jahre für Amerika.

Unsere Auf-

gabe - für alle von uns - ist es, 1973 und die folgenden Jahre zu noch besse
ren zu machen. Ich glaube, daß wir das schaffen können. Ich glaube, daß wir
die Jahre bis zu unserer 200-Jahrfeier zu den besten vier Jahren in der amerikanischen Geschichte machen können.
Aber wir dürfen niemals vergessen,daß nichts Wertvolles geschaffen werden kann, wenn nicht der Wille zum Erfolg und die Stärke, Opfer zu bringen,
vorhanden sind.
Harte Entscheidungen müssen getroffen werden, und wir müssen zu ihnen
stehen.
Auf

�t

Auf außenpolitischem Gebiet müssen wir bedenken, daß ein starkes Amerika
- ein Amerika, auf dessen Wort man vertraut und dessen Stärke respektiert
wird - unerläßlich ist, wenn Frieden und Verständigung auf der Welt fortdauern sollen. Der von uns in Vietnam erreichte ehrenvolle Friede hat diese
grundlegende amerikanische Glaubwürdigkeit gestärkt. Wir müssen in den kommenden Jahrpn so handeln, daß diese Glaubwürdigkeit,

und damit auch die Sta-

bilität der Welt - ein untrennbarer Bestandteil hiervon - unversehrt bleibt.
Im eigenen Land müssen wir die irrige Vorstellung zurückweisen, die
einen zu großen Teil des öffentlichen Dialogs viel zu lange beherrscht hat,
daß eine immer größer werdende Regierung die Lösung für jedes Problem sei.
Wir haben nur zu gut erfahren, daß hohe Steuern und zu hohe Regierungsausgaben kein Allheilmittel sind

In zu vielen Fällen haben sie, statt die

Probleme zu lösen, die sie lösen sollten, lediglich noch schwerere Lasten auf
die Schulterndes amerikanischen Steuerzahlers geladen - in Form höherer
Steuern und höherer Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig haben sie unsere Bürger getäuscht, weil viele der angesprochenen Begünstigten weit weniger erhielten als versprochen worden war, so daß das Vertrauen der Öffentlichkeit
in die Wirksamkeit der Regierung als Ganzes untergraben wurde.
Für uns ist jetzt die Zeit gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen. Es
ist jetzt die Zeit gekommen, daß die verantwortlichen Führer beider politischer Parteien Stellung beziehen gegen eine zu aufgeblähte Regierung und für
den amerikanischen Steuerzahler. Wir geben nicht das Geld der Bundesregierung aus; es ist vielmehr das Geld des Steuerzahlers, und es muß so ausgegeben werden, daß der volle Gegenwert garantiert und der größtmögliche Nutzen
für die Menschen erreicht wird, denen geholfen werden soll.
Die Lösung für zahlreiche der innenpolitischen Probleme, vor denen wir
stehen, sind nicht Steuererhöhungen und höhere Ausgaben. Sie lautet: Weniger
Verschwendung, mehr Ergebnisse und mehr Freiheit, für den einzelnen Amerikaner,

-5-

�Amerikaner, damit er sich den ihm zustehenden Platz in seiner Gemeinde erarbeiten kann - und für die Staaten und Kommunen: Die eigenen Probleme auf
eigene Weise nach eigenen Prioritäten anzugehen.
Dadurch,daß wir den Menschen und ihren auf kommunaler Ebene gewählten
Führern durch Änderung des Steuerausgleichs und durch ein "Nein" zu überhöhten Bundesausgaben und Steuererhöhungen ein größeres Mitspracherecht geben, können wir zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen.

Die kommenden Botschaften
Die Politik, die ich dem Kongreß in den kommenden Wochen darlegen werde, ist eine Bekräftigung der Verantwortung der Bundesregierung und nicht
ein Zurückweichen. Sie ist eine erneute pragmatische Verpflichtung zu sozialem Mitempfinden und zu nationalen Leistungen statt guter Absichten und deren unklarer Durchführung, die zu oft in der Vergangenheit als ausreichend
erachtet worden sind.
Auf wirtschaftlichem Gebiet wird es unser Ziel sein, die Steuern niedrig
zu halten, die Inflation einzudämmen, das wirtschaftliche Wachstum zu fördern, die Produktivität zu steigern, den Außenhandel anzuheben, das Agrareinkommen hochzuhalten, die Kleinbetriebe zu stärken und bessere ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen zu unterstützen.
Auf dem Gebiet der natürlichen Ressourcen werden meine Empfehlungen Programme zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt, zur Förderung von Wissenschaft und Technologie und zur Gewährleistung einer ausgewogenen Nutzung unserer
unersetzbaren natürlichen Hilfsquellen einschließen.
Zur Förderung der menschlichenResscurcen werde ich Empfehlungen vorlegen, um das amerikanische Gesundheits-und Erziehungswesen zu stärken, um die
Lebensbedingungen der in Not Befindlichen zu verbessern, um unser immer immer

�I

immer erfolgreicheres Vorgehen gegen Kriminalität, Rauschgiftmißbrauch und
Ungerechtigkeit fortzusetzen und um so wichtige Probleme wie Verbraucherfragen, die ein besonderes Anliegen sind,anzupacken. Wir werden die Bemühungen
unseres Landes, denjenigen, die in den Streitkräften in Vietnam gedient haben, durch bessere Arbeits-und Ausbildungsmöglichkeiten zu helfen, fortsetzen
und intensivieren.
Wir müssen Besseres bei der Gemeindeförderung leisten, um wirklich lebensfreundliche Gemeinden zu schaffen, in denen unsere Kinder mit größeren
Chancen heranwachsen können und in denen sie stärker immun sind gegen die
sozialen Mißstände und schädlichen Einflüsse, unter denen jetzt so viele
unserer Gemeinden und Städte zu leiden haben. Ich werde Vorschläge unterbreiten, die zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen werden.
Ich werde mich ferner mit unserer Verteidigungs-und Außenpolitik befassen sowie mit unserer neuen Auffassung von der Rolle und Struktur der Regierung selbst.
Als Ganzes betrachtet wird diese Reihe von Botschaften einen Entwurf für
die Modernisierung der Konzeption und der Funktionen der amerikanischen Regierung darstellen, um den Erfordernissen unserer Bevölkerung zu entsprechen.
Um dies zu verwirklichen, wird es eines Geistes der Zusammenarbeit und
des gemeinsamen Einsatzes aller Teile der Regierung bedürfen, denn die von
uns angestrebten Ziele sind nicht die irgendeiner einzelnen Partei oder
Gruppe, sondern es sind Ziele, die für alle Amerikaner Verbesserungen bringen
sollen. Ich weiß, daß ich als Präsident diese Aufgabe nicht alleine bewältigen kann. Der Kongreß muß helfen, und ich verpflichte mich feierlich, meinen
Teil dazu beizutragen, um ein konstruktives Arbeitsverhältnis mit dem Kongreß
herzustellen. Meine aufrichtige Hoffnung ist, daß Exekutive und Legislative
bei dieser großen Aufgabe in einem positiven Geist gegenseitiger Achtung und
Kooperation zusammenarbeiten können.
Wenn

-7-

�I

Wenn wir zusammenarbeiten - der Kongreß, der Präsident und die Bevölkerung - so bin ich sicher, daß wir diese Vorschläge in ein Aktionsprogramm
umsetzen können, das die amerikanische Regierung reformieren und dynamisieren kann und das, was noch wichtiger ist, ein besseres Leben für alle Amerikaner schaffen kann.

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6/1973

KISSINGER WILL DIALOG MIT HANOI IN GANG BRINGEN
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom l.FebruarWASHINGTON --(AD)-- Der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, will bei seinem Besuch in der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi vom 10. bis 13. Februar Mittel und Wege
sondieren, um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam, das bisher von "Feindseligkeit" gekennzeichnet war, einer "Normalisierung" näher zu bringen. Kissinger legte am 1. Februar in einem einstündigen Fernsehinterview mit dem diplomatischen Korrespondenten der Rundfunkund Fernsehgesellschaft Columbia Broadcasting System (CBS), Marvin Kalb,
die Ziele der amerikanischen Politik gegenüber Nordvietnam dar.
Auf die Frage nach der Möglichkeit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Nordvietnam erklärte Kissinger, das liege noch
in weiter Ferne. "Im Prinzip", so sagte er, "sind wir bereit, dies zu sondieren, aber nicht als ersten Schritt."
Auf das Friedensabkommen in Vietnam eingehend betonte Kissinger:
"Die größte Aufgabe besteht jetzt darin, von einer Generation, die
nichts als Krieg gekannt hat, zu einer friedlichen Einstellung zu gelangen."

-1-

�gelangen." Er wies darauf hin, daß die vietnamesischen Beteiligten noch eine
politische Regelung erreichen müssen. "Mit gutem Willen aller Beteiligten,
einiger Geduld und einiger Klugheit", so fügte er hinzu,"können wir diese
Übergangsperiode bewältigen." Dr. Kissinger erklärte weiter: "Viel hängt von
den Handlungen der Sowjetunion und der Volksrepublik China sowie von der Art
des Verhältnisses ab, das wir mit Nordvietnam herstellen können."
Kissinger wurde im Verlauf des Interviews auch nach den Bombardierungen
Nordvietnams und den Gründen dafür gefragt. Die Fragen und Antworten hierzu

haben folgenden Wortlaut:
"Frage:.... Lassen Sie mich die Uhr einmal um etwa einen Monat zurückdrehen in die Zeit, als die Vereinigten Staaten ein sehr ausgedehntes Bombardierungsprogramm im Gebiet Hanoi-Haiphong durchführten. Wir haben niemals etwas
darüber erfahren, warum das wirklich notwendig war. Könnten Sie uns aus Ihrer
eigenen Sicht etwas dazu sagen?

Antwort: Die Entscheidung Mitte Dezember, die Bombardierung wieder aufzunehmen, war vielleicht die schmerzlichste, schwierigste und sicherlich die
einsamste Entscheidung, die der Präsident seit seinem Amtsantritt zu fällen
hatte. Es war sehr schmerzlich, dies zu diesem besonderen Zeitpunkt zu tun,
da die Friedenserwartungen so hoch waren, und nur sechs Wochen vor seinem
(zweiten) Amtsantritt. Es war sehr schwierig, es unter Umständen zu tun, unter
denen der Erfolg nicht beweisbar war.
Es ging hier eigentlich um drei Dinge. Erstens, sollten wir die Bombardierung wieder aufnehmen? Zweitens, wenn wir die Bombardierung wieder aufnahmen, mit welchen Waffen? Dies berührte die Frage der B 52(-Bomber). Und
drittens, sollten wir zum amerikanischen Volk darüber sprechen? Es klang doch
aus Ihrer Frage heraus, daß es niemals eine Erklärung gegeben hat.

Was

�Was den ersten Bereich angeht - warum der Präsident entschieden hat,
die Bombardierung wieder aufzunehmen - so waren wir zu dem Schluß gekommen,
daß die Verhandlungen, wie sie damals geführt wurden, nicht ernsthaft waren;
daß die Nordvietnamesen, aus welchen Gründen auch immer, zu dem damaligen
Zeitpunkt zu dem Schluß gekommen waren, daß ein Hinausziehen der Verhandlungen
mehr in ihrem Interesse lag, als sie zum Abschluß zu bringen. Es handelte
sich nicht darum, daß wir bestimmte Forderungen stellten, die sie abgelehnt
hätten. Es handelte sich vielmehr darum, daß, sobald eine Frage geregelt war,
drei neue auftauchten, und sobald eine Lösung nahe war, wieder weitere vorgebracht wurden.
Gleichzeitig war es so, daß je schwieriger Hanoi wurde, Saigon immer
starrer wurde. Und wir konnten daher einen Zeitpunkt kommen sehen, an dem wir
zwischen den beiden streitenden vietnamesischen Parteien gefangen sein würden
- ohne daß ein Element ins Spiel kam, das ihre Meinung hätte ändern können wobei die vertraulichen Gespräche zwischen Le Duc Tho und mir allmählich in
die gleiche Art von Propaganda abgleiten würden, die die öffentlichen Verhandlungen im Hotel Majestic erreicht hatten. Es wurde daher beschlossen, den Versuch zu machen, beiden vietnamesischen Parteien wirklich klar zu machen, daß
die Fortsetzung des Krieges ihren Preis hatte. Und es ist weitgehend unbeachtet geblieben, daß wir zur gleichen Zeit, da wir die Bombardierung Nordvietnams wieder aufnahmen, General Haig nach Saigon entsandten, um ganz klar zu
machen, daß dies nicht bedeutete, daß wir keine Regelung zu den Bedingungen
wollten, die wir als vernünftig definiert hatten.
So gingen wir wirklich gleichzeitig in beiden Richtungen vor. Sobald die
Entscheidung über die Wiederaufnahme der Bombardierung getroffen war, standen
wir vor der Tatsache, daß Regenzeit herrschte und daß das einzige Flugzeug,
das entsprechend eingesetzt werden konnte, die B-52 war, die eine Allwettermaschine ist. Sie erwähnten das Gebiet Hanoi-Haiphong. Es wurden jedoch große
Anstrengungen unternommen, um Wohngebiete zu meiden. Und die von den Nord-

3-

�Nordvietnamesen bekanntgegebenen Verlustzahlen von etwa einem Tausend dürften
die Annahme untermauern, daß dies geschah, denn viele der Verluste müssen in
den Zielgebieten und nicht in zivilen Wohngebieten aufgetreten sein.
Frage: Und doch wurde allem Anschein nach eine ganze Menge ziviler Wohngebiete getroffen. Es gab entsprechende Bilder.
Antwort: Sehen Sie, man kann bei einem solchen Bild niemals sagen, wie
groß das um es herumliegende Gebiet der Zerstörung ist. Sicherlich aber müssen
auch einige zivile Wohngebiete getroffen worden sein. Und ich möchte keinesfalls sagen, daß es nicht etwas sehr Schmerzliches war, was man tun mußte.
Warum entschloß sich nun der Präsident, nicht zum amerikanischen Volk zu
sprechen? Der Präsident kann dann äußerst wirksam sprechen, wenn er einen neuen
Kurs in der Politik ankündigt und aufweist, was getan werden kann, um diesen
speziellen Kurs zu Ende zu führen. Er hätte mit einer solchen Rede, die auch
in Erwägung gezogen wurde, nur zweierlei tun können. Das eine war, zu erklären,
warum die Verhandlungen zum Stillstand gekommen waren. Das andere war, zu erklären, unter welchen Umständen er_die Bombenangriffe einstellen würde. Das
erste hätte die Vertraulichkeit der Verhandlungen gebrochen und zwar noch
stärker, als dies ohnehin durch den Meinungsaustausch in der Öffentlichkeit
schon der Fall war, und das zweite hätte die Wiederaufnahme der Gespräche zu
einer Prestigefrage gemacht und womöglich noch länger hinausgezögert. Aus diesem Grunde kam der Präsident zu dem Entschluß, daß - wenn die Aktion Erfolg
haben würde - die Resultate in Form einer Lösung des Konfliktes für sich selbst
sprechen würden. Wenn es aber zu keiner Lösung kommen sollte, dann würde er
dem amerikanischen Volk Rechenschaft über alle Maßnahmen abzulegen haben, die
zu dem anhaltenden Stillstand (der Verhandlungen) führten.

Welches

�Welches nun auch immer der Grund war, es kam verhältnismäßig rasch zu
einer Lösung, nachdem die Gespräche erst einmal wieder aufgenommen waren. Wi
haben niemals eine Behauptung darüber aufgestellt, was zu dieser Lösung führ
te. Aber Sie fragten, warum der Entschluß gefaßt, wurde, die Bombenangriffe
wieder aufzunehmen, und dies waren die Überlegungen, die dazu führten."

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6/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT WIRTSCHAFTS BERICHT VOR
-Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten-

WASHINGTON --«(AD)--- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
31- Januar den von seinem Wirtschaftsbeirat ausgearbeiteten Wirtschaftsbericht vorgelegt, der - untermauert durch zahlreiche Tabellen und Statistikenein umfassendes Bild über den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft gibt.
Das Begleitschreiben des Präsidenten zu diesem Bericht hat folgenden
Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wie bereits vorausgesagt, war 1972 ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft.
Von Ende 1971 bis Ende 1972 ist die Gesamtgütererzeugung um 7,5 Prozent gestiegen

Dies ist eine der größten jährlichen

/''nahmen in den letzten

2.5 Jahren. Dieses Wachstum fand in einer - nahezu ausscül ießl ichen - Friedenswirtschaft statt; es wurde nicht durch einen durch Krieg angeheizten
inflationistischen Boom erreicht. Tatsächlich gingen die realen Verteidigungsausgaben im Laufe des Jahres um fünf Prozent zurück.

Wichtiger ist

�ist noch die Tatsache, daß die große Produktionszunahme in dem soeben beendeten Jahr von einer niedrigeren Inflationsrate begleitet war. Die Verbraucherpreise stiegen von 1971 bis 1972 um etwas mehr als 3 Prozent an
-was weit entfernt von der davonlaufenden Inflationsrate des Jahres 1969
ist.
Als ich vor 12 Monaten auf das bevorstehende Jahr 1972 blickte, erklärte ich, daß es das große Problem sei, die Arbeitslosenrate von dem Stand
von 6 Prozent, auf dem sie sich 1971 gehalten hatte, herunterzubekommen.
Im Laufe des Jahres 1972 konnte die Arbeitslosenrate auf etwas über 5 Prozent gesenkt werden. Wir sollten sie weiter herunterdrücken, und wir werden dies tun, aber das, was wir erreicht haben, ist erfreulich. Es ist be«sonders bedeutsam, daß die Gesamtzahl der in Arbeit Stehenden von 1971 bis
1972 um 2,3 Millionen gestiegen ist - was die größte Zunahme in 25 Jahren bedeutet.
Aber es war auch nicht alles ideal im Jahre 1972 - in der Wirtschaft
und mehr noch in anderen Bereichen unseres nationalen Lebens. Die steigenden
Lebensmittelpreise bereiteten große Sorge. Die amerikanische Handelsbilanz
gegenüber den übrigen Ländern hat sich nicht, wie wir dies erhofft hatten,
gebessert. Doch alles in allem war es ein sehr gutes Jahr.
Die Leistungen der Wirtschaft im Jahre 1972 sind zu einem großen Teil
auf eine gesunde und kraftvolle Politik der Regierung zurückzuführen. Die
Anfänge dieser Politik liegen noch vor dem Jahre 1972 und noch vor den dramatischen Maßnahmen, die am 15. August 1971 ergriffen worden sind. Sie gehen
zurück auf die im Jahre 1969 getroffene Entscheidung, der gefährlichen Inflation ein Ende zu setzen, die Mitte der sechziger Jahre begonnen hat, Diese Entscheidung wurde durch eine langsamere Steigerung der Bundesausgaben,
durch Beibehalten der vorübergehenden Steuererhöhung, die 1968 verabschiedet worden war, sowie durch Verschärfung der Geldmarktbedingungen verwirklicht. So konnte ein großer Teil der Ursachen der Inflation beseitigt und

-2-

�und der Anstieg der Lebenshaltungskosten gemildert werden. Ohne diese Schritte wäre der sich darauf aufbauende Erfolg der Lohn-und Preiskontrollen
nicht möglich gewesen.
Die Eindämmung der Inflation und die Einschränkung der Verteidigungsproduktion führten zwangsläufig zu einem Rückgang in der Wirtschaft und einem
Anstieg der Arbeitslosenzahl. Um zu verhindern, daß diese Entwicklung zu weit
ging, schwenkten die Haushalts-und die monetäre Politik 1971 in eine expansive Richtung um. Und um sowohl den Rückgang der Inflation wie auch die Wiedererholung der Wirtschaft zu beschleunigen, habe ich am 15. August 1971
eine neue Wirtschaftspolitik verkündet. Für Preise, Renten und Löhne wurden
temporäre Kontrollen verfügt™ Steuern wurden gesenkt. Etwas später gingen
wir dazu über, der Wirtschaft einen weiteren Auftrieb zu geben, indem wir
im ersten Halbjahr 1972 die Regierungsausgaben ausweiteten, in erster Linie
durch Vorziehen von Ausgaben, die erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen worden wären.
Die Politik, die 1969 begann, hat zu dem so deutlich sichtbaren wirtschaftlichen Fortschritt im Jahre 1972 beigetragen. Aber die Politik der
Regierung hat dies alles nicht alleine erreicht. Dies ist zu einem großen
Teil einer starken Privatwirtschaft wie auch den privaten Bürgern zu verdanken, die bei der Steigerung der Produktivität mitgearbeitet haben - durch
Erhaltung des Friedens in der Industrie und durch Einhaltung der Normen des
Kontrollsystems. Die Regierung hat dazu beigetragen, Bedingungen zu schaffen,
unter denen die privaten Bürger sich auf eine expandierende Wirtschaft umstellen konnten, die weit weniger verteidigungsorientiert und viel weniger
inflationistisch war. Es war also der einzelne Amerikaner, der diese Anpassungen durchgeführt hat.
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Zielsetzungen für die Binnenwirtschaft im Jahre 1973 sind klar. Gütererzeugung und Einkommen sollten expandieren. Sowohl die Arbeitslosenrate wie auch die Inflationsrate sollten wei-

3-

�weiter gesenkt werden, und es muß ein echtes Vertrauen geschaffen werden,
daß keine von beiden erneut steigen wird.
Die Aussichten, diese Ziele im Jahre 1973 zu verwirklichen, sind gut
- wenn wir Vernunft, Klugheit und Weitblick walten lassen. All diesen Anzeichen zufolge ist eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion im Gange, und
sie wird auch während des Jahres anhalten. So werden Gütererzeugung und Beschäftigtenstand steigen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Das Problem,
so weit es sich jetzt voraussehen läßt, wird darin bestehen, zu verhindern,
daß diese Expansion in einen inflationistischen Boom ausartet.
Dies ist der Grund, warum ich eine Einschränkung der Bundesausgaben
an die Spitze der der wirtschaftspolitischen Maßnahmen für 1973 gesetzt habe.
Nichts ist einfacher oder angenehmer, zumindest für eine Bürokratie, als Geld
auszugeben. Aber über einen gewissen Punkt hinaus, den unsere Haushaltspläne
bereits erreicht haben, muß alles, was die Regierung mit einer Hand ausgibt,
mit der anderen Hand wieder eingenommen werden - durch höhere Steuern oder
mehr Inflation oder durch beides. Die Ausgabenansätze müssen in diesem Sinne
gesehen werden; sie müssen daran gemessen werden, ob sie einen solchen Preis
wert sind. Bei zu hohen Regierungsausgaben wird diese Bewährungsprobe nicht
bestanden.
Ich schlage einen Haushalt mit Ausgaben von 250 Milliarden Dollar für
das laufende Finanzjahr vor - eine Zunahme von 18 Milliarden Dollar gegenüber
dem vorangegangenen Finanzjahr. Ich schlage eine Ausgabensteigerung um 19
Milliarden Dollar auf 269 Milliarden Dollar für das kommende Finanzjahr vor.
Obwohl dies große Beträge und große Steigerungen sind - so spiegeln sie
doch Verantwortungsbewußtsein und Disziplin wider. Ich ersuche dringend um
die Mitarbeit des Landes und des Kongresses, damit wir im Rahmen meiner Haushaltsansätze bleiben.
Nur

-4

�Nur wenn wir uns an die Ausgabenansätze halten, werden wir die Inflationsrate 1973 weiter senken können. Die Produktivität sollte weiter erheblich steigen. Die inflationistischen Erwartungen sollten unterdrückt werden. Die Arbeitnehmer hatten große Steigerungen ihrer Realeinkommen zu ver~
zeichnen, und daher wird der Druck, aufholen zu müssen, weit geringer als
früher sein. Anti-inflationistische Kräfte sind zwar am Werk, aber es wird
notwendig sein, dafür zu sorgen, daß unsere gesunde Expansion nicht in einen
überhitzten Boom ausartet.
Das im Jahre 1972 gültige System der Lohn-und Preiskontrollen hat dazu
beigetragen, beides - weniger Inflation und mehr Gütererzeugung - zu erreichen. Aber für 1973 ist es nicht das beste System. Nach eingehenden Konsultationen mit allen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit sind wir zu
dem Schluß gekommen, daß die Kontrollen wesentlich modifiziert werden sollen.
Es gibt mehrere Problemgebiete - Nahrungsmittel, Bausektor und die Kosten
der ärztlichen Betreuung » die besondere Anstrengungen zur Zurückhaltung
erfordern, in einigen

Fällen sogar stärkere als irr vergangenen Jahr.

Für die Wirtschaft als Ganzes besteht die Notwendigkeit, entschiedener
eine Verhaltensform zu finden, die im Einklang mit einer vernünftigen Preisstabilität steht. Gleichzeitig zeigen unsere eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Länder, daß bei einem Beibehalten von Kontrollen, sofern
sie nicht ausreichend modifiziert werden, der Bürokratismus sich ausbreitet,
die Ungerechtigkeiten zunehmen, die Eingriffe in Produktion und Produktivität immer schwerwiegender werden und die Möglichkeit steigt, daß die Preise
nach einem Aufheben der Kontrollen explodieren werden. Daher modifizieren wir
das Kontrollsystem in verschiedener Hinsicht.
Wir setzen eine Norm für ein vernünftiges Preis~und Lohnverhalten und
wir fordern Wirtschaft und Arbeitnehmer auf, ihr zu entsprechen. Die privaten
Wirtschaftsbetriebe werden selbst entscheiden können, ob Preis-oder Lohnerhöhungen innerhalb der Norm liegen oder nicht. Preis-und Lohnerhöhungen

-5-

�Lohnerhöhungen werden nicht im voraus die Billigung seitens der Regierung erfordern, aber die Regierung wird weiterhin gesetzlich ermächtigt,, und praktisch in der Lage und auch gewillt sein, notfalls zu intervenieren, um Maßnahmen zu stoppen, die unvernünftig und mit der Norm nicht zu vereinbaren
sind. Ich ersuche den Kongreß um eine Verlängerung des Gesetzes zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr bis zum 30. April 1974, um diese Ermächtigung beizubehalten. Es sollte kein Zweifel bezüglich der Tatsache bestehen, daß von dieser Ermächtigung notfalls auch Gebrauch gemacht wird.
Die Steigerung des Lebensmittelangebotes, um Preiserhöhungen bei Lebensmitteln einzudämmen und, wo möglich, Preissenkungen nerbeizuführen, muß einen
unerläßlichen Bestandteil unseres Anti-Inflationsprogrammes bilden. Das Zusammenfallen von Naturereignissen, die die Lebensmittelerzeugung in den Vereinigten Staaten und im Ausland auf einem niedrigen Stand hielten mit steigenden Verbrauchereinkommen im Inland haben ein scharfes Ansteigen der Lebensmittelpreise im letzten Jahr bewirkt. Diese gleichen Kräfte werden sich
auch im ersten Teil dieses Jahres auswirken. Aber wir haben Schritte zur Vergrößerung des Lebensmittelangebotes ergriffen. Die Quoten, die bisher den
Fleischimport einschränkten, sind ausgesetzt worden. Beschränkungen für die
zu bestellenden Anbauflächen sind bei wichtigen Agrarerzeugnissen gelockert
worden. Größere Mengen Trockenmilch dürfen in das Land eingeführt werden.
Subventionen für Agrarexporte sind aufgehoben worden. Das Weiden von Rindern
auf Land, das aus der Landbestellung herausgenommen wurde, ist gestattet worden. Wir haben innerhalb der Bundesregierung neue Einrichtungen geschaffen,um
sicherzustellen, daß der Aufgabe, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten,
hohe Priorität eingeräumt wird.
Zurückhaltung in der Haushaltspolitik, das neue System kooperativer
Preis- und Lohnkontrollen sowie besondere Anstrengungen zur Steigerung des Lebensmittelangebotes sollten zusammen mit der Produktivität und Dynamik der

-6-

�der Privatwirtschaft 1973 zu einem weiteren Jahr machen, in dem Inflation
und Arbeitslosigkeit zurückgehen und die Gütererzeugung ansteigt. Aber bei
der Politik des Jahres 1973 geht es um mehr als nur um wirtschaftliche
Leistungen. Es geht darum, ob wir das Jahr 1973 zum Beginn einer andauernden Periode des Wachstums und der Stabilität in einer freien Wirtschaft
machen können. Seit 1968 haben Regierung und Wirtschaft die negative Aufgabe weitgehend gelöst, die der Stabilität entgegenwirkenden Folgen der
Finanzierung des Vietnam-Krieges zu korrigieren. Diese Periode ist so gut

wie vorüber. Jetzt können wir damit aufhören, Feuer zu löschen, und uns
stattdessen der Errichtung einer besseren Wirtschaftsordnung zuwenden.
Wir müssen eine zuverlässige und verantwortungsbewußte Einstellung
dem Bundeshaushalt gegenüber einnehmen sowie zuverlässigere und verantwor tungsbewußtere Methoden zu seiner Handhabung entwickeln, so daß dieser
nicht ständig am Rande einer inflationistischen Explosion steht. Wir müssen
uns auf das Ende der Lohn-und Preiskontrollen vorbereiten und bereit sein,
den gleichen Mut bei ihrer Aufhebung wie seinerzeit bei ihrer Einführung
zu zeigen. Wir werden die restriktiven Auswirkungen der großen Zahl anderer
von der Bundesregierung ausgeübter wirtschaftlicher Kontrollen beseitigen,
von denen die meisten ihren Ursprung vor Jahrzehnten hatten,und von denen
viele Produktivität und Produktion beeinträchtigen. Und wir müssen die Wettbewerbskräfte in einer dynamischen freien Unternehmerwirtschaft stärken.
Nirgendwo ist die Notwendigkeit, 1973 zu einem Jahr der wirtschaftlichen Reformen zu machen , offensichtlicher als in unseren internationalen Beziehungen. Unsere Maßnahmen vom 15. August 1971 haben die Welt auf den Weg
zu Verhandlungen über eine Verbesserung der Weltwirtschaft gebracht. Letztes
Jahr haben wir Vorschläge für die Reform des internationalen Finanzsystems
gemacht, und diese Vorschläge sind jetzt Gegenstand von Erörterungen auf
hoher Ebene zwischen Beamten der Mitgliedsstaaten des Internationalen

-7-

�1

Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieses Jahr rechnen wir mit der Auf»
nähme von Verhandlungen auf dem Gebiet des Handels.
Wir möchten, daß die Amerikaner die ausländischen Güter und Dienstleistungen kaufen können, die besser, billiger oder interessanter als unsere
eigenen sind. Das hebt den amerikanischen Lebensstandard. Wir wollen,daß
die Amerikaner im Ausland investieren können, wenn dies für sie am meisten
Gewinn bringt. Wir wollen, daß die Amerikaner für diese Käufe und Investition
nen auf die für uns günstigste Weise bezahlen können. Dies bedeutet erstens,
daß wir, um bezahlen zu.können, die Dinge, die wir am besten produzieren, im
Ausland verkaufen und zwar zu den besten Bedingungen, die wir freiwillig erreichen können. Zweitens bedeutet dies, daß wir in einer Weise bezahlen dürfen, die tragbar ist, so daß wir nicht mit der Notwendigkeit plötzlicher und
möglicherweise schmerzlicher Anpassungen konfrontiert werden.
Die bestehenden Vereinbarungen sind in keiner Weise günstig für uns.
Wir haben vom Ausland in schnell wachsenden Größenordnungen gekauft, und das
hat dem amerikanischen Volke geholfen. Aber unsere Exporte, mit denen wir
für diese Importe bezahlen wollen, unterliegen zu hohen Beschränkungen;
dies trifft vor allem für unsere Agrarerzeugnisse zu. Wir konnten nicht ge~
nug verkaufen, um unsere Ausgaben im Ausland zu bezahlen, und so mußten wir
sie durch Aufnehmen von immer mehr kurzfristigen Schulden im Ausland begleichen. Diese Situation kann nicht unbegrenzt andauern; ihr plötzliches Ende
könnte verheerende Folgen haben. Daher möchten wir diese Reformen herbeiführen, die es uns gestatten werden, selbst für uns aufkommen zu können.
Unsere Vorschläge sind in der Vergangenheit im nationalen Interesse der
USA vorgelegt worden, und dies wird auch künftig so sein. Aber dies widerspricht nicht den Interessen der anderen Länder. Der internationale Wettstreit verlagert sich von der militärischen und der politischen Ebene auf die
wirtschaftliche. Dies ist ein großer Vorteil, denn beim wirtschaftlichen
Wettbewerb kann jeder Beteiligte gewinnen - es muß keine Verlierer geben.

-8-

�geben. Die Bemühungen jedes Landes, zu produzieren und zu verkaufen, was
es kann, werden den anderen auf das Wirksamste nützen. Dies ist die Grundauffassung unserer Vorschläge für Reformen und der Hauptgrund, warum wir
glauben, daß ein zufriedenstellendes Abkommen erreicht werden kann.
Die allgemeine Voraussage lautet, daß 1973 ein weiteres sehr gutes
Jahr für die amerikanische Wirtschaft sein wird. Ich glaube, daß es ein
großes Jahr sein kann. Es kann ein Jahr sein, in dem wir Arbeitslosigkeit
und Inflation weiter senken und in eine andauernde Periode starken Wachstums,
der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität eintreten. Aber 1973 wird nur
dann ein großes Jahr sein, wenn wir unsere Haushaltsprobleme klug meistern
und die von mir vorgeschlagene Zunahme der Bundesausgaben nicht überschreiten. Dies ist die praktische Lehre aus den Erfahrungen der Jahre 1965 bis
1968, als eine zu lockere Haushaltspolitik eine gesunde Expansion in einen
fieberhaften Boom ausgleiten ließ, dem dann eine Rezession folgte. Ich bin
entschlossen, diese Lehre zu beherzigen. Und ich appelliere dringend an den
Kongreß, dies ebenso zu tun.

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6/1973

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT FORDERT WEITERE LIBERALISIERUNG DES
WELTHANDELS

Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Warnung, daß Handelsungleichgewichte nicht nur
der amerikanischen, sondern gleichzeitig auch der Weltwirtschaft schaden,
haben die Vereinigten Staaten in diesen Tagen erneut für 1973 eine stärkere
Öffnung der Grenzen für einen liberalen Handel gefordert.
In seinem Bericht zur Lage der amerikanischen Wirtschaft, der am 31.
Januar veröffentlicht worden war, betont der Wirtschaftsbeirat Präsident
Nixons, daß eine Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte zu einem Teil
durch Änderung der Wechselkurse sowie eine wirksamere Anti-Inflationspolitik
in den Vereinigten Staaten erreicht werden kann. Gerade; auf letzterem Gebiet
seien in den letzten 18 Monaten bedeutende Fortschritte erzielt worden.
Aber, so stellt der Wirtschaftsbeirat weiter fest, auch ein Abbau der Handelsschranken könne beträchtlich zur Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte beitragen. Bereits 1972 hätten eine Reihe von Ländern, vor allem Japan,
Liberalisierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Situation zu entschärfen, und

-1-

�und es stehe zu hoffen, daß 1973 weitere Maßnahmen in diesem Anpassungsprozeß
folgen werden.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Errichtung des Gemeinsamen Europäischen Marktes dazu geführt hat, Warenlieferungen von Firmen aus Drittländern
auf Firmen der Mitgliedsstaaten zu verlagern. Und er folgert hieraus, daß "nur
eine ausgehandelte Senkung des allgemeinen Niveaus von tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken diese Diskriminierung wirksam beseitigen kann."

In

diesem Zusammenhang warnt der Beirat auch, daß die Präferenz-Handelsabkommen der
EWG mit afrikanischen und anderen Ländern das Meistbegünstigungsprinzip auszuhöhlen drohen. Es sei daher wichtig, daß in den bevorstehenden weltweiten Handelsgesprächen die von den Mitgliedsstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) in bezug auf das Meistbegünstigungsprinzip übernommenen Pflichten klargestellt werden, nämlich daß eineeinem Gatt-Mitglied eingeräumte Konzession auch allen übrigen Mitgliedern gewährt werden muß.
Die für den Herbst in Genf anberaumten Gespräche sollen sich nach Auffassung des Beirates mit allen Formen von Handelsschranken - den tarifären wie auch
den nicht-tarifären - befassen. Es soll sowohl über den Handel mit industriellen
Erzeugnissen wie auch über den Agrarhandel gesprochen werden, bei dem die Vereinigten Staaten sich benachteiligt fühlen.
Aber der Beirat Präsident Nixons geht noch weiter und fordert eine Reform
des GATT, um diesem eine stärkere Position, vor allem bei Streitigkeiten zwischen
einzelnen Ländern, zu geben. Denn unbereinigte Streitfälle könnten sich leicht
auf die politischen wie auch die Sicherheitsbeziehungen auswirken. In diesem
Zusammenhang wird besonders auf die Bestimmungen des GATT verwiesen, die Ländern eine temporäre Einschränkung der Importe gestatten, sofern sie entsprechende Senkungen bei anderen Handelsschranken vornehmen. Diese Bestimmung hat sich
nach Ansicht der amerikanischen Wirtschaftsberater in der Praxis als nicht
praktikabel erwiesen, und die Regierungen suchten sie zu umgehen. Dem werden die

-2-

�die Vorschläge Präsident Nixons gegenübergestellt, die ein neues System von
Sicherheiten für solche Länder vorsehen, deren Industrie durch den Import
geschädigt wird. Sofern solche Sicherheiten multilateral ausgehandelt sind,
so betont der Beirat, bildeten sie eine versteckte Form des Schutzes. Derartige Sicherheiten brauchten auch nicht kompensierende Konzessionen einzuschließen; aber sie sollten wirksame binnenwirtschaftliche Anpassungen aufweisen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr wettbewerbsfähiger Industrien
wiederherzustellen.
Der amerikanische Bericht impliziert somit, daß die Vereinigten Staaten
die Mitarbeit im GATT weiterhin fortsetzen werden. Die neuen Bestimmungen
über eine Reform des GATT brauchten den substantiellen Verhandlungen nicht
vorauszugehen. Denn jede neu ausgehandelte Vereinbarung würde gleichzeitig
auch zu einer Modifizierung der GATT-Bestimmungen führen. Auf diese Weise
würde eine Reform Hand in Hand mit diesen Verhandlungen erfolgen.
Der Bericht des Beirates widmet drei wichtigen Gebieten besondere Aufmerksamkeit: Dies sind der Handel zwischen Industriestaaten mit einer freien
Wirtschaft, der Handel mit Entwicklungsländern und der Handel mit kommunistischen Ländern. Was den ersten Punkt, den Handel zwischen Industrieländern,
anbetrifft, so verweist der Beirat auf die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit, die Studien
über Probleme wie Investitionen, Subventionen, tarifäre und nicht-tarifäre
Handelsschranken durchgeführt hat. Der in einer der OECD-Studien gezogene
Vergleich über die Wirkung von Subventionen und Zöllen als Schutz für die
einheimische Industrie veranlaßt den Beirat zu der Feststellung, daß Zölle
vorzuziehen seien, da sie zu Nettoeinnahmen für das; betroffene Land führten,
während aus dem Staatshaushalt gezahlte Subventionen Nettokosten bedeuteten.
Über

-3-

�.

Über die Beziehungen zu den Entwicklungsländern heißt es in dem Bericht, daß beide, die Industriestaaten und die Entwicklungsländer, nur Nutzen
daraus ziehen könnten, wenn das Maß der Willkür bei Handel, Hilfe und Investitionen betreffenden nationalen Entscheidungen eingeengt werde. Die Vereinigten Staaten, so stellt der Beirat fest, unterstützten eine allgemeine
Zollsenkung für Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern. Dies sei eine bessere Alternative als Präferenzabkommen, die zahlreiche Entwicklungsländer
mit dem Gemeinsamen Europäischen Markt haben.
Der Beirat Präsident Nixons appelliert schließlich an alle Länder, die
noch nicht Mitglied im GATT sind, die Pflichten einer solchen Mitgliedschaft
auf sich zu nehmen und sich an den bevorstehenden Verhandlungen voll zu beteiligen. Im Gegensatz zu früheren GATT-Abkommen werde es sich, wie der
Beirat betont, bei allen in diesen Gesprächen getroffenen Vereinbarungen um
in sich geschlossene Abkommen handeln. Dies bedeute, daß sie nur für die
Unterzeichnerstaaten gültig sind. Nicht-Mitgliedsstaaten könnten an diesen
Verhandlungen teilnehmen, doch würden sie weniger Einfluß als Vollmitglieder
haben. Und als GATT-Mitglieder würden sie aufgrund des Meistbegünstigtenprinzips automatisch an allen ausgehandelten Zollsenkungen teilhaben.
Zum Handel mit "zentral gelenkten Volkswirtschaften" bemerkt der Bericht,
daß sich der Güteraustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besonders schnell ausweiten dürfte. Da die kommunistischen Länder jedoch nicht dem GATT angehörten, müßten besondere Bestimmungen über die Errichtung eines multilateralen Systems für einen Zahlungsausgleich ausgearbeitet werden.
Zusammenfassend stellt der Beirat in seinem Bericht fest, wenn alle
Länder sich weiterhin fest zu einem freieren Handel und freieren Investitionen bekennen würden, dann hätten sie aufgrund der internationalen Bestimmungen
zwangsläufig auch die Chance, an den Segnungen einer solchen Liberalisierung

-4-

�Liberalisierung von Handel und Investitionen teilzuhaben,, Allerdings sollten die internationalen Bestimmungen künftig die internationalen Verhaltensnormen genauer definieren und mehr Flexibilität hinsichtlich des Rahmens
bieten, in dem solchen Verantwortungen nachgekommen werden kann. Ein starkes internationales System, und das wird nachdrücklich unterstrichen, müsse
auf einer gesunden Politik der einzelnen Länder zur Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität basieren.

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6/1973

USA LEGEN DER WELTÖFFENTLICHKEIT VORSCHLÄGE ZUR REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS VOR

WASHINGTON —(AD)-- Die jetzt erfolgte Veröffentlichung der amerikanischen
Vorschläge für eine Reform des internationalen Wahrungssystems beantwortet
zahlreiche Fragen, die aufgeworfen worden waren, als der amerikanische
Finanz minister George P. Shultz im September letzten Jahres den amerikanischen Plan in groben Umrissen skiziierte. Mit seinen Ausführungen wollte
Shultz damals die Aufmerksamkeit der Welt auf die Vorschläge der USA richten, in denen der Stand der Währungsreserven eines Landes als bester Indikator dafür bezeichnet worden war, wann von einer Regierung eine Korrektur
eines Zahlungsbilanzüberschusses oder Defizits erwartet werden müsse.
Die jetzt - in Form eines dem Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
des Präsidenten beigefügten Memorandums - veröffentlichten Einzelheiten
der amerikanischen Vorschläge zeigen, daß der US-Plan nicht so stark und
automatisch sein würde, als die ersten Andeutungen dies seinerzeit erwarten
ließen. Der US-Plan würde nicht verlangen, daß eine Regierung - unabhängig
von den anderen Gegebenheiten - einen bereits im voraus festgelegten Schritt
- zum Beispiel eine Änderung ihres Wechselkurses - vornimmt, sobald der

-1-

�der Stand der Währungsreserven einen gewissen Punkt überschreitet. Vielmehr
schlagen die Vereinigten Staaten vor, eine Reihe von Punkten über und unter
einer vereinbarten Zahl, die als normaler Stand der Währungsreserven eines
bestimmten Landes betrachtet würde, festzulegen. Von den Regierungen würde
erwartet werden, auf ihre eigene Weise und nach ihren eigenen Zeitplänen zu
handeln, um internationale Ungleichgewichte zu korrigieren, noch bevor der
"obere" oder der "untere Punkt" zu diesem Basisstand erreicht ist.
Internationale Sanktionen würden zur Verfügung stehen, um Druck auf
eine Regierung auszuüben, die zögert, wirksame Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Sie würden jedoch nur in dem extremen und unwahrscheinlichen Fall angewandt werden, daß eine Regierung sich weigern sollte, selbst zuerst zu handeln
Außerdem könnte die internationale Völkergemeinschaft - im Internationalen
Währungsfonds (IWF) - für eine Aussetzung des durch die Veränderung der Währungsreserven gegebenen Signals

stimmen, falls ihrer Auffassung nach auch

andere Faktoren berücksichtigt werden sollten oder falls sie der Ansicht ist,
daß die betreffende Regierung bereits wirksame Maßnahmen zur Korrektur der
Situation unternimmt.
Bei Ländern, deren Währungsreserven unter den "unteren Punkt" absinken
und bei denen dieser Zustand längere Zeit anhält, könnten die Sanktionen darin bestehen, daß sie die Kreditprivilegien beim IWF verlieren oder daß ihr
Anteil an der nächsten Zuteilung von Sonderziehungsrechten einbehalten würde.
Eine Regierung, deren Währungsreserven zu schnell ansteigen, könnte zunächst
den Anspruch auf Umwechslung von weiteren, durch Interventionen auf den Devisenmärkten erworbenen zusätzlichen Devisen verlieren. Das heißt, diese Regierung könnte solche Devisenbeträge den betreffenden Ländern nicht mehr vorlegen und ihre Einlösung in Reserveguthaben wie Sonderziehungsrechte oder
Gold fordern. Weiter könnte ein solches Land von der nächsten Zuteilung an
Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden.
Wenn

-2-

�Wenn ein Land weiter Devisenreserven - in Form von nicht-konvertierbaren Währungen - erwirbt, bis seine Gesamtreserven den oberen Punkt erreicht
haben, und wenn dieser Zustand dann eine bestimmte Zeit andauert, so könnten
andere Sanktionen zum Tragen kommen. Zum Beispiel könnte der IWF dritte
Länder ermächtigen, allgemeine Importzölle oder zusätzliche Abgaben auf
Waren des betreffenden Landes zu erheben. Ein solches Land könnte von einer
Zuteilung an Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden, oder es könnte
eine Steuer auf die überhöhten Reservebestände eines solchen Landes erhoben
werdenderen Erträge der Entwicklungshilfe zugutekämen. Derartige Sanktionen
könnten nur vermieden oder hinausgeschoben werden, falls der IWF feststellt,
daß sie nicht gerechtfertigt seien,oder auf der Basis eines vereinbarten Anpassungsprogramms, das zum Beispiel wesentliche Schritte in Richtung auf
Liberalisierung von Importbeschränkungen, die Aufhebung von Kontrollen für
Kapitalabflüsse, die Gewährung ungebundener Hilfe oder eine Aufwertung einschließe .
Es würde jedoch selten, wenn überhaupt jemals, notwendig werden, zu der
artigen internationalen Sanktionen zu greifen. Allein schon die Tatsache ihr
Bestehens und die allgemeine Übereinstimmung, daß die Länder auf einen Ausgleich ihrer internationalen Transaktionen hinarbeiten sollten, würden genügen, um die einzelnen Regierungen zu Maßnahmen zu veranlassen, bevor der
"obere Punkt" erreicht wäre.
Alle «liese Punkte -

der "untere Punkt", der "untere Gefahrenpunkt",

der "Basisstand", der "obere Gefahrenpunkt", der "Konvertibilitätspunkt"
und der "obere Punkt"- würden im Laufe der Zeit in dem Maße heraufgesetzt
werden, wie die gesamten Währungsreserven der Welt infolge der Ausgabe von
Sonderziehungsrechten steigen.
Kleinere Anpassungen der Wechselkurse - Abwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, Aufwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen - wären ein Weg, wie Regierungen ihre internationalen Zahlungskonten

-3-

�Zahlungskonten ausgeglichen halten könnten. Aber es würde ihnen auch freistehen, andere Anpassungsmethoden zu wählen - solange derartige Methoden
mit den Marktmechanismen, einem liberalen Welthandel und den Bestimmungen
für den Zahlungsverkehr zu vereinbaren wären.
Die neuen amerikanischen Vorschläge gehen davon aus, daß das neue internationale WährungsSystem, wenn es wirksam sein soll, Möglichkeiten einschließen muß, die sicherstellen, daß Ungleichgewichte im internationalen
Zahlungsverkehr angepaßt werden. Nach dem alten System würden Länder mit
Zahlungsbilanzdefiziten stets unter Druck geraten, früher oder später, wenn
ihre Reserven zu Ende gehen, Anpassungen vorzunehmen. Die amerikanischen
Vorschläge zielen darauf ab, einen gleichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben, damit diese aufwerten oder andere Anpassungsmaßnahmen vornehmen.
Und sie sollen beide, Defizit-wie auch Überschußländer, ermutigen, früher
zu handeln, bevor die Ungleichgewichte zu einer ernsthaften Bedrohung der
Stabilität des Systems werden.
Die Notwendigkeit objektiver Indikatoren als Maßstab für das Ergreifen
von Maßnahmen

wird in den amerikanischen Vorschlägen wie folgt erläutert:

"Entscheidungen über Anpassungen sind für jede Regierung häufig schwierig,
und es besteht eine Tendenz, derartige Entscheidungen hinauszuzögern und
ganz zu vermeiden,obwohl schon längst der Zeitpunkt erreicht ist, an dem
eine Anpassungspolitik hätte aufgenommen werden sollen. In gleicher Weise
zögern internationale Gruppen, sich umgehend mit den schwierigen und politisch delikaten Anpassungsfragen zu befassen. Ohne objektive Indikatoren
besteht Gefahr, daß die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden."

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6/1973

USA SETZEN NEUEN PRÄZEDENZFALL FÜR AUSGLEICHSZÖLLE
Von John H.Harter

WASHINGTON —(AD)--Die Vereinigten Staaten haben ein neues Kriterium
für die Erhöhung von Zöllen für Importe geschaffen, die von Subventionen
seitens der Regierungen der Herstellerländer profitieren. Am 8. Januar
führten sie eine zusätzliche Abgabe - einen sogenannten Ausgleichszoll für bestimmte Michelin-Reifen aus Kanada ein, die in etwa wertmäßig der
Subvention entsprechen, die Michelin von der kanadischen Regierung erhalten hat.
Hier handelte es sich nur um eine Maßnahme in einer ganzen Reihe von
Schritten, die eine härtere Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber subventionierten Importen erkennen lassen. Andere solche Entscheidungen betrafen Italien, Griechenland und Frankreich, während weitere Fälle
- Mexiko, Südkorea und Japan betreffend - noch geprüft werden.
Die Entscheidung im Falle der Michelin-Reifen ist jedoch die erste,
die gegen eine besondere Art der Subvention, nämlich Zuwendungen für die
Regionalentwicklung, zielt. Durch solche Subventionen soll ein Anreiz für
die Ansiedlung von Industrie in Notstandsgebieten geschaffen werden. Der
scheidende Unterstaatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Eugene T. Rossides, begründete diese Maßnahme für Fälle, bei denen solche

�solche Subventionen Teil eines starken Exportförderungsprogramms sind, wie
im Falle Michelin.
Rossides betonte in diesem Zusammenhang, daß die Frage zunehmender Regierungssubventionen,die den internationalen Handel verzerren, reif für multilaterale Verhandlungen sei. Alle Regierungen, so führte er aus, unterliegen
einem wachsenden Druck, Produktion und Exporte zu subventionieren - und
zwar nicht nur direkt, sondern beispielsweise auch durch Investitionsanreize
und Rückerstattung indirekter Steuern. Mit der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs können solche Subventionen zu einer wachsenden Verzerrung
des Handels führen.
Von amtlicher amerikanischer Seite hofft man, daß in den nächsten Jahren
ein internationales Abkommen erreicht werden kann, das klarere, präzisere
und harmonischere Definitionen und Regeln bezüglich der den Export berührenden Regierungssubventionen enthält.
In Washington wird ferner betont, daß sich die Ausgleichsabgabe für
diese Reifen weder gegen Kanada noch gegen Michel in richtet. Nach einem aus
dem Jahre 1930 stammenden Gesetz ist der Finanzminister gezwungen, eine solche Maßnahme zu treffen, wenn eine Beschwerde eingeht und die Tatsachen erhärtet sind. Rossides wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß auch amerikanische Tochterfirmen im Ausland von einem solchen Schritt betroffen werden
können. Das amerikanische Finanzministerium ist einfach gezwungen, eine solche
Abgabe zu erheben, wenn entsprechende Fakten vorliegen. Mit wachsender Produktion wird dei Ausgleichszoll natürlich entsprechend geringer.
Im vorliegenden Fall beträgt der normale Einfuhrzoll für Reifen in den
USA vier Prozent; die Ausgleichsabgabe ist laut Amtsblatt des Finanzministeriums auf 6,6 Prozent fob (free on board) des Reifenwertes festgelegt worden. Der Einfuhrzoll für Reifen beträgt in Kanada übrigens generell 17 Pro-

-2-

�I

Wie Rossides betonte, hat die Firma Michelin selbstverständlich das
Recht, den Fall vor das Amerikanische Zollgericht und im Falle eines Einspruches vor das Amerikanische Zoll-und Patent-Appellationsgericht zu bringen.
Während die meisten Länder in ihren Gesetzen über Ausgleichsabgaben
sogenannte "Schadensklauseln" haben - gemäß Artikel VI des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT) - sind die Vereinigten Staaten von dieser Klausel
befreit, da sie das entsprechende Gesetz bereits vor ihrem Beitritt zum GATT
verabschiedet hatten. Das amerikanische Gesetz verlangt keinen Nachweis eines
Schadens für die einheimische Wirtschaft. Dies hat in anderen Handelsnationen
Besorgnis erregt.
Die Vereinigten Staaten haben zu erkennen gegeben, daß sie bereit wären,
im Zuge ernsthafter Verhandlungen über feste Regeln für Exportsubventionen
eine solche "Schadensklausel" zu erwägen. Bisher haben andere Regierungen jedoch noch wenig Interesse an diesem Vorschlag gezeigt.

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6/1973

US-RAUMFAHRT MIT KURZUNGEN
--(AD)-- Wenn der Kongreß zustimmt, werden 3,136 Milliarden Dollar der
Rahmen sein, in dem das US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) im Haushaltsjahr 1974 tätig sein kann. Das Budget ist zwar um 74 Millionen Dollar gegenüber 1973 erhöht, jedoch entspricht dies angesichts des allgemeinen
Kostenanstiegs von ca. 5 Prozent einer Reduzierung der Geldmittel um etwa
400 Millionen Dollar.
Die NASA bemüht sich, alle wesentlichen Elemente eines ausgewogenen
und produktiven Luft-und Raumfahrtprogramms zu erhalten. Das bedeutet, daß
es bei der experimentellen Raumstation SKYLAB, dem wiederverwendbaren Raumtransporter, dem amerikanisch-sowjetischen Gemeinschaftsprojekt AP0LL0SOJUS, dem Unternehmen VIK1NG (weiche Landung einer unbemannten Sonde auf
dem Mars), dem MARINER-Flug zu den Großplaneten Jupiter und Saturn, verschiedenenAnwendungssatelliten und bestimmten aeronautischen Entwicklungsprojekten keine Streichungen, allenfalls eine zeitliche Streckung geben
wird.
Ein Drittel der für 1974 verfügbaren Gelder ist für bemannte Unternehmen bestimmt. So werden die Vorbereitungen für den APOLLO-SOJUS-Flug zügig
weitergeführt. Dagegen dürften die Arbeiten am Raumtransporter eine gewisse

-1-

�I
gewisse Verzögerung erfahren. Der erste "Space Shuttle"-Flug wird deshalb
kaum vor 1980 zu erwarten sein.
Die zusammen mit der AEC durchgeführten Entwicklungsarbeiten an
Nukleartriebwerken werden vorläufig eingestellt, da ein Einsatz von Raketen
mit nuklearem Antrieb frühestens in den achtziger Jahren in Frage käme.
Auch das HEAO-Projekt fällt dem Rotstift zum Opfer. HEAO, ein tonnenschwerer
Astronomie-Forschungssatellit»sollte u. a. Detailbeobachtungen im Bereich
hochenergetischer Strahlen und die Untersuchung höchst komplizierter kosmischer Prozesse ermöglichen. Man hofft aber, einen Teil seiner Aufgaben von
kleineren Forschungssatelliten ausführen zu lassen.
Völlig aufgegeben werden die längerfristigen Projekte auf dem Gebiet
der Nachrichtensatelliten, da die Industrie jetzt in der Lage ist, diese
in eigene Regie zu übernehmen. Der Anwendungssatellit ATS-F, der 1974 gestartet werden soll, wird das letzte NASA-Gerät aus dieser Satellitengruppe
sein.
Der ursprünglich für Ende 1973 vorgesehene Start des zweiten Erdbeobachtungssatelliten (ERTS-B) wird auf 1976 verschoben, damit alle Möglichkeiten für Verbesserungen gegenüber dem ersten Gerät (ERTS-A/1) ausgeschöpft
werden können. Dieses umkreist seit Sommer 1972 die Erde täglich 14 Mal,
funktioniert ausgezeichnet und wird eine sehr viel längere Lebensdauer haben
als ursprünglich erwartet. Durch seine Aufnahmen liefert es eine Flut von
Meßdaten und Hinweisen, von denen Land-, Forst-und Wasserwirtschaft,
Schiffahrt und Hochseefischerei, Geologie, Geographie und Kartographie,
Raumplanung und Umweltschutz profitieren können - um nur die wichtigsten
Sektoren zu nennen. Von der Raumstation SKYLAB aus (Starttermin: 30. April
1973) sollen die Beobachtungen noch ergänzt und vertieft werden. Die drei
SKYLAB-Astronautenteams arbeiten dabei im Auftrag amerikanischer und ausländischer - auch deutscher - Institute.
Zwei

-2-

�Zwei Satellitenprojekte werden in das NASA-Programm neu aufgenommen.
Bei dem einen handelt es sich um eine spezielle Ausführung des bewährten
NIMBUS-Wettersatelliten, durch den nicht nur Wolkenfelder, Wasser-und Bodentemperaturen, sondern auch Luft-und Meeresverschmutzung überwacht werden
sollen. Das zweite ist ein neuartiges Gerät für die Landvermessung
("Terrestrial Reference Satellite"). Dieser Satellit, der 1976 auf eine
Erdumlaufbahn gebracht wird, soll in Verbindung mit Laser-Meßverfahren helfen, die Abstände zwischen den Kontinenten der Erde auf wenige Zentimeter
genau zu bestimmen.
Auch auf dem Sektor Luftfahrt, wo in den NASA-Instituten Grundlagenund angewandte Forschung für die Weiterentwicklung ziviler und militärischer
Fluggeräte betrieben wird, gibt es Kürzungen. So wird das Projekt QUESTOL
(geräuscharmer Steigflug von Kurzstartflugzeugen) vorläufig eingestellt, da
kommerzielle Fluggeräte dieses Typs erst in den achtziger Jahren eingesetzt
werden dürften. Die Arbeiten zur Entwicklung geräuscharmer Motoren gehen
jedoch weiter.
Die vorgesehenen Einsparungen werden dazu führen, daß einige NASA-Laboratorien verkleinert oder, wie die Station Plum Brook (Ohio), wo nukleare
Triebwerke getestet wurden, geschlossen werden. Von den Maßnahmen sind
1 880 Angestellte der US-Weltraumbehörde betroffen.

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6/1973

VITAMIN B 12 SYNTHETISCH DARGESTELLT

- (AD) - Der "Nachbau" des ungemein komplizierten Moleküls von Vitamin
B 12 ist einer amerikanisch-schweizerischen Forschergruppe unter der Leitung
von Dr. Robert B. Woodward (Harvard-Universität in Cambridge, Mass.) und
Dr. Albert Eschenmoser (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) gelungen.
Da das natürliche Vitamin, eines der wichtigsten der Vitamin-B-Gruppe, relativ
billig und leicht zu gewinnen ist, kommt der Synthese vorerst keine besondere
Bedeutung für die klinische Anwendung zu. Nach Meinung Dr. Woodwards, dem
1965 der Chemie-Nobelpreis für seine außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der organischen Synthese (u.a. von Chinin, Cortison, Reserpin und einigen
Antibiotika) zuerkannt wurde, könnte sie jedoch den Weg zur Produktion zahlreicher neuer Arzneimittel auf der Grundlage der chemischen Synthese und nicht
zuletzt von Präparaten mit einem synthetischen Wirkstoff weisen, der dem natürlichen Vitamin vielleicht sogar überlegen ist.

Vitamin B 12 ist vor allem zur Behandlung von perniziöser Anämie von
Bedeutung. Ein Mangel an diesem Vitamin, das heute zu den biologisch aktivsten
überhaupt gerechnet wird, mindert z.B. die Bildung von Aminosäuren und Proteinen und blockiert die Bildung von Ribonukleinsäure. Störungen dieser Art
wirken sich vor allem auf das Nervengewebe und das Knochenmark als blutbildendes Organ aus.

Elf

�Elf Jahre arbeiteten die Forscher an der B12-Synthese. Im Gegensatz
zu den kettenförmigen Proteinen und Nukleinsäuren mit sich wiederholenden
"Blöcken" im Aufbau ist das kleine B 12-Molekül von anderer Struktur;
Woodward bezeichnet es als "das komplizierteste nichtmakromolekulare Naturprodukt". Im Verlauf der langwierigen theoretischen Vorarbeiten und Versuche
entdeckte Woodward gemeinsam mit Prof. Ronald Hoffman von der Cornell-Universität neue, bisher nicht bekannte Gesetzmäßigkeiten in der organischen
Chemie, die "orbitale Symmetrie". Diese Regeln bestimmen bis zu einem gewissen Grade die Art und Weise, wie sich z.B. Atome von Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Sauerstoff zu den Bausteinen der lebenden
Materie arrangieren und Atome sogenannter Spurenelemente für wichtige Reaktionen nutzen.

+ + + ++

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John H. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt mit Kürzungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B12 synthetisch dargestellt</text>
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Dokumentation

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14. Februar 1973

Nummer

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur
Abwertung des Dollar
-Wortlaut-

INFORMATION:
i

Das neue amerikanische Kabinett

HINTERGRUNDMATERIAL:
Das neue Bevölkerungsportrait der Vereinigten Staaten
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
ERTS -Augen sehen mehr
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss
u^

Nationale Maßnahmen sind nicht genug
v&gt;j-JUS-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen DrogenmißbrauchKrebstierschalen als chemischer Rohstoff
-Modellanlage koppelt Chemikaliengewinnung mit Produktion von Protein- Konzentrat-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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7/1973

ERKLÄRUNG VON US-FINANZMINISTER SHULTZ VOM 12. FEBRUAR 1973
ZUR ABWERTUNG DES DOLLAR
-Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat am Abend des 12. Februar (Washingtoner Zeit) eine längere Erklärung
abgegeben, in der er bekanntgab, daß Präsident Nixon den Kongreß um eine
Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR
(Sonderziehungsrechte) auf 0,82895 SDR ersucht hat.
Die Erklärung des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten erkennen, wie andere Länder, die Notwendigkeit einer Reform und Stärkung des Rahmens für den internationalen Handel
und für internationale Investitionen an. Dieser Rahmen muß unser Grundziel,
nämlich die Steigerung des Lebensstandards aller Nationen, stützen. Er muß
den friedlichen Wettbewerb ermutigen, der dem wirtschaftlichen Fortschritt
und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zugrundeliegt. Er muß für jede
Nation Raum lassen, bei einer Beteiligung an den gegenseitigen Vorteilen
des Handels ihre eigenen Institutionen und ihre eigenen besonderen Ansprüche zu respektieren. Er muß die fundamentale Wahrheit in sich enthalten,
daß die Prosperität eines Landes nicht auf Kosten eines anderen angestrebt
werden darf.
Diese

�Diese große Reformaufgabe ist nicht nur einem Lande allein gestellt,
noch kann sie mit einem einzigen Schritt gelöst werden. Wir können mit Befriedigung auf das zurückblicken, was auf kooperativer Basis erreicht worden ist, seit die am 15. August 1971 verkündeten Maßnahmen eindeutig unsere
Erkenntnis der Notwendigkeit einer entscheidenden Änderung signalisiert
haben.
-- Intensive Verhandlungen schufen im Dezember 1971 eine wichtige
Tatsache: Über Veränderungen in dem System der Wechselkurse der
Welt, einschließlich der Parität des US-Dollar, kann beiderseitiges Übereinkommen erreicht werden, um das anerkannte Ziel eines
besseren Ausgleichs in der internationalen Handels-und Zahlungsbilanz zu fördern.
-- Im "Zwanziger-Ausschuß1 sind Währungsverhandlungen unter der Prämisse eingeleitet worden, daß bessere Mittel und Wege gefunden
werden müssen, um große Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte zu verhindern, die die Volkswirtschaften verzerren, die Geldmärkte beunruhigen und den freien Fluß des Handels bedrohen. Die Vereinigten Staaten haben praktische und spezifische Vorschläge für eine internationale Währungsreform vorgelegt.
-- Für umfassende Handelsverhandlungen werden die Grundlagen gelegt.
Diese Verhandlungen sollten über Industriezölle hinausgehen und
auch andere Hindernisse für den freien Warenfluß einschließen.
Sie sollten für die Erzeugnisse aller Länder eine faire Behandlung
im Wettbewerb sicherstellen. Sie sollten auch vereinbarte Mittel
und Wege suchen, um abrupte Dislokationen von Arbeitern und Unternehmen zu vermeiden.
Im September 1972 erklärte der Präsident den führenden Vertretern der
Finanzwelt: »Es ist nunmehr die Zeit des Handelns an der gesamten Front der
internationalen Wirtschaftsprobleme gekommen. Immer wiederkehrende Währungs-

-2-

�'

Währungskrisen, wie wir sie alle während des letzten Jahrzehnts nur zu oft
erlebt haben; unfaire Wechselkursfestsetzungen und Handelsvereinbarungen,
die die Arbeiter eines Landes gegenüber denen eines anderen Landes benachteiligen; große Unterschiede im Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, die
die Ursache von Verstimmungen sind; ein Währungssystem, das keine Bestimmungen für die Realitäten der Gegenwart und die künftigen Erfordernisse enthält ••- dies alles schädigt nicht nur unsere Volkswirtschaften, sondern
schafft politische Spannungen, die die Sache des Friedens untergraben.*
Auf derselben Tagung habe ich die Prinzipien eines Währungssystems umrissen, das alle Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, in die
Lage versetzen würde, ein Gesamtgleichgewicht in ihren internationalen Zahlungsbilanzen zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Diese Prinzipien würden
eine prompte Anpassung fördern und würden eine gerechte Behandlung aller
Nationen - groß und klein, reich und arm - bieten.
In den letzten Monaten haben wir jedoch beunruhigende Anzeichen erlebt.
Unser eigener Handel blieb weiterhin in einem ernsten Defizit, was unsere
Finanzposition nach außen schwächte. Andere Länder waren bei der Beseitigung
ihrer exzessiven Überschüsse langsam und trugen damit zur Unsicherheit und
Instabilität bei. In den letzten Tagen haben Währungsstörungen die Devisenmärkte der Welt erschüttert. Unter dem Druck der Ereignisse haben einige
Länder mit zusätzlichen Restriktionen reagiert und haben sich damit gefährlich von den von uns angestrebten Grundzielen entfernt.
Die Fortschritte bei der Arbeit des Zwanziger-Ausschusses waren zu
langsam und sollten mit einem größeren Sinn für Dringlichkeit betrieben werden. Die Zeit ist jetzt gekommen, da unsere Bemühungen um eine stärkere internationale Wirtschaftsordnung einen erneuten Anstoß erfahren sollten.
Zu diesem Zweck ergreifen wir in Konsultationen mit unseren Handelspartnern und unter Wahrung der grundlegenden Prinzipien unserer Vorschläge für
eine Währungsreform eine Reihe von Maßnahmen, mit deren Hilfe drei miteinander zusammenhängende Zielsetzungen erreicht werden sollen:
a)

-3-

�a) eine beschleunigte Verbesserung unserer Handels-und Zahlungsposition
und zwar in einer Weise, die unsere Bemühungen um eine konstruktive
Reform des Währungssystems unterstützt;
b) die Schaffung der legislativen Grundlage für umfassende und nach
außen orientierte Handelsverhandlungen, die parallel zu unseren Bemühungen um eine Stärkung des Währungssyst ans laufen, und
c) die Garantie, daß die amerikanischen Arbeiter und Geschäftsleute
in unseren Handelsbeziehungen gerecht behandelt werden.
Deshalb ersucht der Präsident den Kongreß, eine weitere Anpassung
der Wechselkurse zu billigen. Dieses Ziel wird durch eine formelle Abwertung
des Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR auf 0,82895 SDR
angestrebt.
Obwohl diese Maßnahme gemäß den bestehenden Artikeln des Abkommens über
den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer Änderung der offiziellen
Relation des Dollar zum Gold führen wird,möchte ich betonen, daß diese technische Änderung keine praktische Bedeutung hat. Der Marktpreis des Goldes
wich in den letzten Jahren schon stark von dem offiziellen Goldpreis ab,
und unter diesen Bedingungen wurde Gold in keinem nennenswerten Ausmaß mehr
zwischen internationalen Währungsstellen transferiert. Wir sind weiterhin mit
allem Nachdruck der Ansicht, daß ordnungsgemäße Abmachungen ausgehandelt werden müssen, um einen kontinuierlichen Abbau der Rolle des Goldes in internationalen Währungsangelegenheiten zu fördern.
Konsultationen mit unseren führenden Handelspartnern in Europa geben mir
Gewißheit,daß die vorgeschlagene Änderung in der Parität des Dollar für sie
akzeptabel ist und daher für die Wechselkurse des Dollar auf den internationalen Märkten sofort wirksam werden wird. Der Dollar wird gegenüber jenen
Währungen, für die es eine effektive Parität gibt, wie beispielsweise die
Deutsche Mark und der französische Franc, im Wert um etwa 10 Prozent sinken.
Zuständige

�Zuständige japanische Behörden haben angedeutet, daß dem Yen erlaubt
wird, zu floaten. Wir hegen die feste Erwartung, daß der Yen in ein Verhältnis gegenüber anderen Währungen floaten wird, das mit dem Ziel vereinbar
ist, ein Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen, das nicht von wesentlichen Regierungsinterventionen abhängig ist.
Diese Veränderungen sollen die im Smithsonian-Abkommen vom Dezember
1971 erreichten Veränderungen ergänzen und in der gleichen Richtung wirken.
Sie stellen jüngste Entwicklungen in Rechnung und sollen die Verbesserung
unserer Handels-und Zahlungsposition beschleunigen. Sie sind vor allem darauf abgestellt, zusammen mit einer angemessenen Liberalisierung des Handels
das große ZahlungsbilanziUngleichgewicht zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten zu korrigieren, das im vorigen Jahr angehalten hat.
Andere Länder mögen ebenfalls Veränderungen ihrer Paritäten oder
Mittelkurse gegenüber dem Internationalen Währungsfonds vorschlagen. Wir
werden alle Änderungen unterstützen, die auf der Basis der gegenwärtigen und
voraussichtlichen Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte angebracht erscheinen;
wir werden jedoch gegen alle Veränderungen stimmen, die unangemessen sind.
Wir haben gelernt, daß es Zeit braucht, bevor neue Wechselkursrelationen eingefahrene Wege des Handels-und Kapitalflusses ändern. Es kann jedoch
kein Zweifel bestehen, daß wir eine große Verbesserung der Wettbewerbsposition des amerikanischen Arbeiters und der amerikanischen Unternehmen erreicht haben.
Die zu diesem Zeitpunkt festgelegten neuen Wechselkurse stellen eine
vernünftige Abschätzung der Beziehungen dar, die - zusammen mit geeigneten
Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Handels-und Investitionsbeschränkungen mit der Zeit die internationalen Wirtschaftsbeziehungen in ein dauerhaftes
Gleichgewicht führen werden. Wir haben jedoch für die amerikanische Regierung keine Verpflichtungen übernommen, auf ausländischen Devisenmärkten
zu intervenieren.
Zweitens,

-5-

�Zweitens, der Präsident hat beschlossen, dem Kongreß in Kürze Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung vorzulegen. Vor der Unterbreitung
dieser Gesetzesvorlagen werden intensive Konsultationen mit Vertretern des
Kongresses, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Unternehmer abgehalten werden, um sicherzustellen, daß die Gesetzgebung unseren Erfordernissen soweit wie möglich entspricht.
Diese Gesetzgebung sollte uns unter anderem die Werkzeuge an die Hand
geben, die wir brauchen, um
I. tarifäre und nicht-tarifäre Handelsschranken abzubauen, wobei wir
von der Annahme ausgehen, daß unsere Handelspartner bereit sind, mit
uns zusammen voll an diesem Prozeß mitzuwirken;
II. Zölle zu erhöhen, wenn solche Maßnahmen zu Vorkehrungen beitragen,
die sicherstellen, daß amerikanische Exporte einen fairen Zugang zu
ausländischen Märkten haben;
III. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Störung bestimmter Märkte und Produktionen durch rasche Veränderungen im Außenhandel vorzunehmen; und
IV. unsere Außenposition gegen große und anhaltende Defizite zu schützen.
Bei der Vorbereitung dieser Vorlage ist es ein besonderes Anliegen des
Präsidenten, daß - so tüchtig unsere Arbeiter und Geschäftsleute auch sein
und wie immer Wechselkurse auch geändert werden mögen - die amerikanischen
Produzenten fair behandelt werden und einen fairen Zugang zu ausländischen
Märkten haben. Zu oft sind wir durch ein Netz administrativer Schranken und
Kontrollen ausgeschlossen worden. Darüberhinaus sind die für Handelsbeziehungen geltenden Regeln in vielen Fällen veraltet und bewürfen wie unsere internationalen Währungsregeln einer umfassenden Reform.
Man kann uns nicht vor unüberwindliche Schranken für unsere Exporte stellen und gleichzeitig von uns erwarten, unser Defizit abzubauen.
Gleichzeitig

-6-

�Gleichzeitig müssen wir jedoch einsehen, daß auch die Vereinigten Staaten auf manchen Gebieten der Handelsschranken bezichtigt werden können. Der
beste Weg, um mit diesen Hindernissen auf beiden Seiten fertig zu werden,
ist der, sie zu beseitigen. Wir werden hart verhandeln, um dieses Ziel zu
erreichen. Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Arbeiter und die amerikanischen Verbraucher die Nutznießer sein werden.
Wenn der Präsident jetzt dieses Gesetz vorschlägt, so tut er dies in
der Erkenntnis, daß die Entscheidung, vor der wir stehen, nicht lautet, mehr
Freiheit oder Status Quo. Es geht darum, unsere Außenhandelsposition zu verbessern. Wenn wir dieses Ziel nicht im Rahmen eines freieren und faireren
Handels erreichen können, so wird sich ein starker Druck in Richtung auf eine
Wendung nach innen herausbilden.
Wir müssen dieses Risiko vermeiden, weil dieser Weg zu gegenseitigen
internationalen Beschuldigungen, zu Isolierung und zu Autarkie führen würde.
Drittens werden wir nach Koordinierung mit dem Handelsminister die Zinsausgleichsteuer und die Kontrollen des Amtes für Direktinvestitionen im
Ausland auslaufen lassen. Beide Kontrollmaßnahmen werden spätestens bis zum
31. Dezember 1974 aufgehoben werden.
Wie mir mitgeteilt wurde, wird auch der Federal Reserve Board entsprechende Maßnahmen bei seinem freiwilligen Programm zur Beschränkung von Auslandskrediten in Erwägung ziehen.
Der schrittweise Abbau dieser Beschränkungen ist angebracht angesichts
der Verbesserungen unserer grundlegenden Zahlungsbilanzposition, die durch
die kumulative Wirkung der Veränderungen der Wechselkurse, den anhaltenden
Erfolg bei der Eindämmung der inflationistischen Tendenzen und die Anziehungskraft der amerikanischen Wirtschaft auf ausländische Investoren erreicht
werden wird. Die Beendigung der Beschränkungen für die Kapital ströme ist angesichts unseres großen Zieles angebracht, die staatlichen Kontrollen privater Transaktionen abzubauen.
Die

-7-

�Die Maßnahmen, die ich heute verkündet habe - die Neufestsetzung der
Wechselkurse, das vorgeschlagene neue Außenhandelsgesetz und die Einstellung
der amerikanischen Kontrollen für den Kapitalverkehr - werden mit dazu beitragen, unsere Volkswirtschaft und die Weltwirtschaft dem Zustand eines internationalen Gleichgewichtes bei gleichzeitiger wettbewerbsorientierter
Freiheit näherzubringen. Sie werden das Tempo einer erfolgreichen internationalen Währungs-und Handelsreform beschleunigen.
Sie wollen und können aber kein Ersatz für ein wirksames Management
unserer Binnenwirtschaft sein. Was die Einschränkungen im Staatshaushalt und
auf monetärem Gebiet sowie die wirksamen Maßnahmen zur Lohn-und Preisstabilisierung angeht, so muß und wird die Disziplin mit allem Nachdruck aufrechterhalten werden. Wir haben einen Staatshaushalt vorgeschlagen, der ein Wiederaufleben des inflationistischen Drucks in den Vereinigten Staaten verhindern wird. Wir fordern den Kongreß erneut auf, angesichts unserer internationalen Finanzerfordernisse wie auch um der wirtschaftlichen Stabilität im
Inland willen seinen Teil dazu beizutragen, die Bundesausgaben im Rahmen der
vom Haushalt des Präsidenten gesteckten Grenzen zu halten. Das wirksame
System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen bleibt weiter bestehen, Die
jüngsten internationalen wirtschaftlichen Entwicklungen unterstreichen die
Notwendigkeit, diese Kontrollen so zu handhaben, daß die Inflationsrate
weiter gesenkt wird. Wir sind entschlossen, dies zu tun.
Die Mitarbeit unserer wichtigsten Handels-und Finanzpartner bei der Entwicklung einer gemeinsamen Lösung für die akuten Schwierigkeiten der letzten
Tage war ermutigend. Wir fordern sie nunmehr auf, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, möglichst rasch ein wirksameres internationales Währungssystem
und ein gerechteres und freieres Welthandelssystem zu schaffen, damit wir
künftig Anpassungen ohne Krisen vornehmen können und damit alle Menschen
aus Handel und Wandel den größten Nutzen ziehen.
+-H-

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7/1973

DAS NEUE AMERIKANISCHE KABINETT

WASHINGTON --(AD)-- Nachdem der amerikanische Senat den Ministerernennungen
Präsident Nixons zugestimmt hat, hat das neue Kabinett der USA jetzt
folgende Zusammensetzung:
Vizepräsident:

Spiro T. Agnew

Außenminister:

William P. Rogers

Stellvertretender Außenminister:

Kenneth Rush

Staatssekretär für Politische Angelegenheiten:

William J. Porter

Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten:

William J. Casey

Staatssekretär für die Koordinierung der
S icherheitshilfeprogramme:

Curtis W. Tarr

Verteidigungsminister:

Elliot Richardson

Stellvertretender Verteidigungsminister:

William P. Clements jr,

Finanz-

�Finanzminister:

George P. Shultz

Stellvertretender Finanzminister:

William E. Simon

Staatssekretär für Monetäre Angelegenheiten:

Paul A. Volcker

Handelsminister:

Frederick Dent

Innenminister:

Rogers C. B. Morton

Justizminister:

Richard Kleindienst

Stellvertretender Justizminister:

Joseph P. Sneed

Generalanwalt:

Robert H. Bork

Landwirtschaftsminister:

Earl Butz

Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialminister:

Caspar W. Weinberger

Arbeitsminister:

Peter J. Brennan

Minister für Wohnungsbau-und Städteplanung:

James F. Lynn

Verkehrsminister:

Claude S. Brinegar.

Die Leiter der wichtigsten Bundesbehörden und Beiräte sind:
Generalpostmeister:

Eimer T. Klassen

Atomenergiekommission:

Dr. Dixy Lee Ray
Zentral-

-2-

�Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA):

James R. Schlesinger

Wirtschaftsbeirat des Präsidenten:

Herbert Stein

Beirat für Wirtschaftspolitik:

Finanzminister
George P. Shultz

Lebenshaitungskostenrat:

Donald S. Perkins

Bundesamt für Umweltschutz:

William D. Ruckeishaus

Bundeshandelskommission:

Lewis A. Engman

Bundesamt für die Seeschiffahrt:

Helen Bentley

Bundesluftfahrtsamt:

Alexander P.Butterfield

Bundesamt für Planung und Haushalt:

Roy L. Ash

US-Informationsamt:

James Keogh

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7/1973

DAS NEUE BEVÖLKERUNGSPORTRAIT DER VEREINIGTEN STAATEN
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

Das Statistische Bundesamt der USA hat zu
Ende vorigen Jahres unter dem Titel "General
Social and Economic Characteristics: U.S.
Summary" in einem umfangreichen Band die
Ergebnisse der großen Volkszählung aus dem
Jahre 1970 veröffentlicht und Vergleiche mit
vorherigen Volkszählungen seit 1900 angestellt. Das amerikanische Handelsministerium
hat in seiner Publikation "Commerce Today"
vom 13. November 1972 eine Zusammenfassung
des Berichtes hinsichtlich der heutigen
Bevölkerungsstruktur vorgenommen, die wir
hier im wesentlichen wiedergeben.
Der vorgenannte Bericht des Statistischen
Bundesamtes der USA ist zum Preise von
2,25 Dollar erhältlich beim:
Superintendent of Documents, Government Printing Office, Washington, D.C. 20402

Wo der Amerikaner und die Amerikanerin heute leben und arbeiten, wie
es um ihre Familie und ihren Lebensstil bestellt ist und vor allem, welche
Veränderungen und Verlagerungen seit den vorangegangenen Jahrzehnten aufgetreten sind, das alles geht aus dem reich und bunt illustrierten umfassenden
Bericht des Statistischen Bundesamtes über die Volkszählung 1970 hervor.

�hervor. Besonders hervorstechende Merkmale sind, daß heute fast ebenso viele
Personen ihren Arbeitsplatz in den Vororten haben wie in den Stadtkernen und
daß gegenüber 1940 mit 20 Prozent heute fast 50 Prozent der amerikanischen
Frauen zwischen 45 und 64 Jahren berufstätig sind. Aber auch der Status der
Schwarzen und der anderen Minderheiten und die Rolle der jungen und der alten
Menschen wird eingehend untersucht.
Im einzelnen zeigt der Bericht auf:
-- Im Jahre 1970 waren 40 Prozent der amerikanischen Frauen über 14
Jahre berufstätig - gegenüber 25 Prozent im Jahre 1940.
-- Die Zahl der Männer in akademischen und technischen Berufen nimmt
rascher zu als die Zahl der Frauen, und die Zahl der farbigen Frauen nimmt
rascher zu als die Zahl der weißen Frauen.
-- Im Jahre 1970 wurden insgesamt 28,1 Millionen Kriegsteilnehmer gezählt, davon fast die Hälfte aus dem Zweiten Weltkrieg.
-- Die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die mit beiden Elternteilen leben, ging von 1960 bis 1970 von 86,8 Prozent von insgesamt 64,3 Millionen um
4,1 Prozent auf 82,7 Prozent von insgesamt 69,9 Millionen zurück.
-•&gt; Insgesamt 2 685 144 beschäftigte Amerikaner hatten 1970 ihren Arbeitsplatz im Hause, die meisten davon Farmer.
-- Von den Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren verlassen 15,2 Prozent
die Schule vorzeitig, davon mehr auf dem Lande als in der Stadt.
-- Die Zahl der amerikanischen Regierungsbediensteten auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hat sich von 1960 bis 1970 um fabt
4,5 Millionen auf 12 320 637 oder 14 Prozent der männlichen und 19,5 Prozent
der weiblichen Arbeitnehmer insgesamt erhöht.
-- Im Jahre 1969 hatten siebenmal mehr Frauen und viermal mehr Männer
ein Einkommen über 10 000 Dollar jährlich als 1959.
--Über

-2-

�•• Über 25 Prozent der im Nordosten der USA und 20 Prozent der im Westen
der USA lebenden Personen sind ausländischer Herkunft oder stammen von im
Ausland geborenen Eltern.
-- Die Amerikaner sind etwas seßhafter geworden. Am 1. April 1970
wohnten 53 Prozent der Bevölkerung im Alter über fünf Jahre am selben Wohnort wie vor fünf Jahren - die Vergleichszahl 1960 war 50 Prozent, wobei kaum
ein Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen zu verzeichnen war.
-- Rund 20 Prozent der Familien in den USA hatten 1970 ein Einkommen
von 5 000 Dollar jährlich oder darunter, 20 Prozent hatten ein Einkommen
von 15 000 Dollar und darüber, und nur 5 Prozent oder 2,4 Millionen Familien hatten ein Einkommen von 25 000 Dollar jährlich und darüber. Rund 10
Prozent aller Familien hatten eine Frau als Haushalt.svorstand.

Die Vororte
Am 1. April 1970 hatten 52 Prozent der in den städtischen Ballungsgebieten beschäftigten Amerikaner - 11 224 000 - ihren Arbeitsplatz im
Stadtkern und 48 Prozent - 10 158 000 - in den Vororten. Im Gebiet von
Groß-New York liegen noch immer zwei Drittel der Arbeitsplätze im Stadtkern.
Die Volkszählung ergab ferner, daß 4, 2 Millionen Beschäftigte mit
Bus oder Straßenbahn, 1,8 Millionen mit U-Bahn oder Hochbahn, 500 000 mit
der Eisenbahn und 300 000 mit dem Taxi zur Arbeit kommen. Immerhin 5,7
Millionen gehen zu Fuß, aber 59,7 Millionen kommen als Fahrer oder Mitfahrer mit dem Automobil zur Arbeit.

Die Frau

�Die Frau
Auf 95 Amerikaner männlichen Geschlechtes kommen 100 weiblichen Geschlechtes. Die zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben wird in
allen Altersgruppen deutlich: in der Altersgruppe zwischen 45 und 64 stieg
der Anteil von 20,2 Prozent im Jahre 1940 auf 47,8 Prozent im Jahre 1970;
zwischen 35 und 44 von 27,2 Prozent auf 50,3 Prozent;

zwischen 25 und 34

von 33,3 Prozent auf 44,9 Prozent; während beispielsweise in der Altersgruppe von 20 bis 24 der Prozentsatz von 45,6 auf 56,1 und bei den 18 und ^jährigen von 40,1 auf 47,4 nur geringer anstieg.
Der Prozentsatz der arbeitenden weißen Frauen lag in den jüngeren Altersgruppen höher als bei Schwarzen und anderen Minderheiten, während in den
Altersgruppen über 25 das Verhältnis umgekehrt ist. So waren beispielsweise
junge weiße Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren zu 48,9 Prozent berufstätig, jedoch nur 38,1 Prozent der farbigen Frauen. In der Altersgruppe von
25 bis 34 Jahren ist das Verhältnis umgekehrt 42,9 Prozent zu 57,6 Prozent.
Im Jahre 1969 gab es 1,6 Millionen berufstätiger Frauen, die 10 000
Dollar oder mehr im Jahr verdienten - verglichen mit.216 000 im Jahre 1955 und fast 3,4 Millionen Frauen hatten ein Einkommen zwischen 7 000 Dollar
und 9 999 Dollar jährlich - verglichen mit 429 000 Dollar im Jahre 1959.
Das Einkommen farbiger Frauen stieg im Verhältnis wesentlich stärker als
das der weißen.
Rund 50 Millionen Frauen hatten 1969 ein Einkommen, das im Gesamtdurchschnitt 2 330 Dollar jährlich betrug - verglichen mit 1 415 Dollar
jährlich zehn Jahre zuvor. Aus der Statistik geht weiter hervor, daß Kleinkinder und Schulkinder gegenüber früher kein wesentlicher Hinderungsgrund
mehr für die Mütter sind, einen Beruf auszuüben. Interessant ist auch, daß
bei älteren Frauen die Arbeitstätigkeit, d.h.die Zahl der gearbeiteten
Wochen pro Jahr größer ist als bei den jüngeren.

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7/1973

ERTS-AUGEN SEHEN MEHR
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss

--(AD)--"Kleine Orte sind auf den Landkarten oft an falscher Stelle eingezeichnet. Die Ausdehnung von Lagunen ist unrichtig angegeben, manche
sind um ein Mehrfaches größer. Einige Nebenflüsse des Amazonas verlaufen
ganz anders als in den Karten verzeichnet - mit Richtungsunterschieden
bis zu 90 Grad. Wir haben Inseln ausfindig gemacht, die auf den Karten
nicht existieren."
Dieser Auszug aus einem Bericht von Dr. Fernando de Mendonca, des
Generaldirektors der brasilianischen Raumfahrtbehörde, an die NASA in
Washington ist typisch für Beobachtungen, die jetzt in zahlreichen Ländern
mit Hilfe des ersten Erderkundungssatelliten gemacht werden. Sie helfen,
Programme zu entwickeln, wie und für welche Zwecke unbemannte Geräte wie
der von den USA im Juli 1972 gestartete ERTS A-Satellit am besten eingesetzt werden sollen und wie die Daten zu interpretieren sind, die sie
zur Erde übermitteln.
-Fotogrammetrie--

-l-

�-FotogrammetrieAngesichts der Schwierigkeiten detaillierter Analysen unter den Gesichtspunkten der vielen verschiedenen Interessengebiete - u.a.Geologie, Mineralogie, Kartographie, Wasserwirtschaft, Land-und Forstwirtschaft, Schiffahrt
und Hochseefischerei, Raumplanung, Überwachung von Luft-und Wasserverschmutzung - steht in der Praxis zunächst einmal die Meßbildtechnik im Vordergrund. Vor allem in weniger genau vermessenen Regionen wie Südamerika,
Afrika oder im Mittleren Osten sind Wissenschaftler dabei, durch Vergleiche
mit den Geländeaufnahmen aus dem Weltraum Kartenwerke zu vervollständigen
oder zu korrigieren.
Im Iran entdeckte ein Wissenschaftler z.B. an Hand der ERTS-Aufnahmen
mehrere Seen sowie vulkanische Formationen, die in den Landschaftskarten
nicht aufgeführt sind. Auch entsprechen die Konturen der Bandar-Schah-Halbinsel auf der Karte nicht mehr den Konturen, die auf den ERTS-Bildern erscheinen. Die Veränderungen sind wahrscheinlich auf das Absinken des Wasserspiegels des Kaspischen Meeres zurückzuführen.
Die Republik Mali will aufgrund der ERTS-Aufnahmen genaue Karten vom
Gebiet dieses westafrikanischen Staates anfertigen lassen, was nach brasilianischer Erfahrung erheblich billiger kommt als unter Verwendung von Luftaufnahmen. Außerdem wird jetzt mit Hilfe der Weltraumbilder gezielt nach Wasser
gesucht und die günstigste Linienführung für Fernstraßen ermittelt. Ghana berichtet von einem Experiment, bei dem man der Heuschreckenplage dadurch Herr
zu werden hofft, daß die Insekten an ihren Brutstätten bekämpft werden. Sie
bevorzugen für die Eiablage Vegetationsränder von Wüstenland. Gewisse Farbveränderungen auf ERTS-Bildern in diesen Regionen &lt;;ind ein Alarmsignal und
ermöglichen wirksame Gegenmaßnahmen für weniger Geld.

-Die Kunst,

-2-

�-Die Kunst,Weltraumfotos zu interpretierenUra die Entwicklung brauchbarer Methoden zur Interpretation von Erdaufnahmen aus dem Weltraum bemühen sich amerikanische Wissenschaftler schon
seit Jahren. Dabei leisteten Fotoexperimente, die von Flugzeugen und APOLL0Raumschiffen aus gemacht wurden, wertvolle Hilfe- Das überflogene Gelände
wurde sowohl in den natürlichen Farben als auch in ausgesuchten Wellenlängenbereichen wie Grün, Rot oder Infrarot aufgenommen. Und da zeigte sich
beim Vergleich der "Falschfarben-Bilder", daß auf diesen gewisse Merkmale
-z.B.trockener oder sumpfiger Boden, gesunder oder kranker Baumbestand- in
Erscheinung treten, die auf dem "Normalfoto" überhaupt nicht auffallen.
Die gleiche Technik wird beim ERTS-Satelliten angewandt. Er übermittelt
aus ca.900 km Höhe Aufnahmen zur Erde, die in drei bezw. vier verschiedenen
Spektralbereichen erfaßt worden sind und erst im Labor wieder zum Normalbild zusammengesetzt werden. Sie stammen von einer Drei-Farben-Fernsehkamera und einem sogenannten Scanner, der die Erdoberfläche in vier verschiedenen Spektralbereichen nach Strahlungen abtastet. Während die -wegen mangelhafter Stromversorgung nur über den USA eingeschaltete- Fernsehkamera Fotos
vom jeweiligen Flächenausschnitt in Grün, Rot und Dunkelrot liefert, macht
der Scanner die Aufnahme vom gleichen Objekt in Grün, Rot, Dunkel-und Infrarot. Er arbeitet nach Aussage der Fachleute so gut, daß der Ausfall der Fernsehkamera gar keine Rolle mehr spielt. Die auf Magnetband gespeicherten
Erdbilder werden von drei amerikanischen und einer kanadischen Station abgerufen - pro Woche sind es ca. 750 Aufnahmen.
Nach dem Aufbereiten gehen diese zur Auswertung an 330 Wissenschaftler
in den USA und in mehr als 30 anderen Ländern, auch in der Bundesrepublik.
Die deutschen "Principal Investigators"sind an den Universitäten München,
Heidelberg, Frankfurt, der FU Berlin und an der Bundesanstalt für Bodenforschung in Hannover tätig und vertreten die Fachgebiete Geologie,Mineralogie,

3-

�Mineralogie, Hydrologie und Geodäsie. Einige von ihnen befassen sich nicht
nur mit der Analyse der ERTS-Aufnahmen von Mitteleuropa, sondern - im Auftrag der zuständigen Regierungen - auch mit der Auswertung der Fotos von
bestimmten Regionen in Südamerika und Afrika.
Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley berichteten
kürzlich, daß sie bei 83 Prozent der ERTS-Aufnahmen von landwirtschaftlichen
Nutzflächen den Feldfruchttyp identifizieren konnten, sofern die Anbaufläche eine Ausdehnung von mindestens 8 Hektar hatte. Für kanadische Experten der Forstwirtschaft war die Feststellung äußerst eindrucksvoll, daß sie
Flächen mit Fichtenwaldungen, Pappelbestand, Weidenstrauchwerk und Schachtelhalm sowie nicht kultivierter Tundra gut voneinander unterscheiden konnten. Obstbaumkulturen, Felder, Weideland und Wald, Teiche und kleine Seen
waren zu identifizieren. Die Lichtabstrahlung von der Erde in den verschiedenen Spektralbändern, in denen der Scanner die Erdoberfläche abtastet, erlaubt bei wolkenfreiem Himmel auch Aussagen darüber, ob Gewässer klar oder
trübe sind.
Auf einer Anzahl von Aufnahmen der amerikanischen Atlantikküste, insbesondere von Gebieten der Bundesstaaten Massachusetts, New York, New Jersey
und Maryland mit der Bundeshauptstadt Washington , konnten bei den Städten
u.a. Industrie-, Geschäfts-und Wohnviertel ausgemacht werden. Gelegentlich
war sogar zu erkennen, ob es sich um Bezirke mit Ein-oder Mehrfamilienhäusern oder mit gemischter Bebauung handelte.

-Fischschwärme werden aufgespürtEine seltsame "Schlierenbildung" auf ERTS-Aufnahmen vom Golf von Mexiko
ließ vermuten, daß man zum ersten Mal einem großen Fischschwarm auf der
Spur war. Ein Forschungsschiff des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA), das sich zufällig in dem Seegebiet aufhielt, machte die

-4-

�t

die Probe aufs Exempel: Innerhalb von zwei Stunden waren die Netze übervoll.
Allerdings sind es nicht die Fische selbst, die durch die Fotos aus dem Weltraum entdeckt werden. Vielmehr registrieren die Sensoren des Scanners an
Bord des ERTS-Satelliten den hauchdünnen Ölfilm an der Wasseroberfläche, der
sich von den Überresten jener kleineren Tiere bildet, von denen die größeren
leben. Und da diese dünne Schicht eine für die Substanz typische Reflexionsstrahlung abgibt und man andererseits bei den Mearesbewohnern recht gut weiß,
wer auf wessen Kosten lebt, ist es somit auf indirektem Wege sogar möglich,
Aussagen darüber zu machen, um welche Fischart es sich bei dem Schwärm handelt.
Angesichts solcher ersten Erfolge darf man allerdings nicht vergessen,
daß sich die Fernüberwachung des menschlichen Lebensraumes und die Bestandsaufnahme von unveränderlichen und veränderlichen Gegebenheiten auf der Erdoberfläche

ebenso wie die Nutzung der Daten, noch im Anfangsstadium befin-

den. Durch das ERTS-Programm werden zunächst einmal Modelle und Normen geschaffen, um künftig die Flut von Daten aus dem Weltraum von besonders ausgebildeten Fachkräften routinemäßig auswerten zu lassen. Diese neue Technik
könnte aber in absehbarer Zeit dazu beitragen, die Lebensbedingungen allgemein zu verbessern und die Hilfsquellen und Rohstoffe, die der Menschheit zur
Verfügung stehen, ökonomischer zu nutzen.

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NATIONALE MASSNAHMEN SIND NICHT GENUG
UN

-Uf&gt;-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmißbrauch--(AD)-- Ohne die aktive Unterstützung "aller Menschen dieser Erde" wird
dem immer weiter anwachsenden Drogenproblem nicht beizukommen sein. Nach
Ansicht von John E. Ingersoll, Direktor der amerikanischen Zentralstelle
für Narkotika und gefährliche Drogen (BNND) und seit kurzem Vorsitzender
der UN-Rauschgiftkommissioit, vermögen weder Regierungs-und Justizbehörden noch
nationale oder internationale Kommissionen und ebensowenig die Vereinten
Nationen als Organisation dieses schwerwiegende Problem zu lösen, solange
es Menschen gibt, die den Drogenmißbrauch tolerieren oder gar unterstützen.
Am letzten Tag der diesjährigen Konferenz der UN-Rauschgiftkommission,
die vom 22. Januar bis 9. Februar 1973 in Genf ihre 25. Tagung abgehalten
hatte, erläuterte John Ingersoll vor Pressevertretern die gegenwärtige
Situation. Zwar seien vereinzelt ermutigende Entwicklungen in Richtung auf
eine wirksame Bekämpfung zu verzeichnen. Insgesamt gesehen habe sich jedoch
der Drogenmißbrauch ausgeweitet und viele verschiedene Formen angenommen.

In

-l-

�In einigen Ländern ist, wie Ingersoll erklärte, Cannabis in allen seinen
Varianten der gängige Stoff. In höchstem Maße alarmierend sei dort der ständig steigende Gebrauch des Cannabis-Extrakts Tetrahydrocannabinol(THC), der
besonders massiv wirke. In anderen Ländern ist der Gebrauch von Opiumderivaten besorgniserregend - in Nordamerika und Westeuropa von Heroin, in Skandinavien von Morphin, in Asien und vor allem Südostasien von Opium und Rohmorphin. Außerdem sind jetzt in einigen westeuropäischen Ländern sowie in
verschiedenen Entwicklungsländern synthetische und psychotrope Substanzen erschreckend weit verbreitet - eine Entwicklung, die sich auch in Skandinavien
und in Nord-und Südamerika abzeichnet. Immer mehr Drogenabhängige konzentrieren sich nicht mehr auf ein Mittel, sondern nehmen verschiedenartige Suchtstoffe. Das erschwert sowohl die Bekämpfung des Rauschgiftproblems als auch
die Behandlung der Süchtigen außerordentlich.
Um den illegalen Versorgungsquellen besser auf die Spur zu kommen, will
die UN-Rauschgiftkommission künftig regional stärker aktiv werden. So soll
eine Unterkommission für den Nahen und Mittleren Osten aus Vertretern
Afghanistans, Irans, Pakistans, der Türkei und Schwedens gebildet werden, die
zur Unterbindung des illegalen Handels in diesem Raum mit den zuständigen
Regierungen zusammenarbeitet. Ein ad-hoc-Komitee der Kommission wird in
16 asiatische Staaten reisen, um mit den Behörden die Situation zu erörtern
und künftige Maßnahmen vorzubereiten. In Südamerika sind Konsultationen
über ähnliche Aktionen bereits im Gang.
Ingersoll hofft, daß über den UN-Wirtschafts-und Sozialrat (ECOSOC)
und die Vollversammlung der Vereinten Nationen weltweit Interesse an gemeinsamen und wirksamen Aktionen gegen Rauschgifthandel und Drogenmißbrauch geweckt wird. Nationale oder bilaterale Aktionen, wie sie z.B. von den USA

-2-

�USA und einigen westeuropäischen Ländern praktiziert werden, können nur
einen ermutigenden Anfang darstellen, reichen aber für eine Bewältigung
des Problems niemals aus
Wie Ingersoll vor den Vertretern der 30 Mitgliedstaaten der UN-Rauschgif tkommission erklärte, ist die Existenzsicherung für die Landbevölkerung
von Staaten des Mittleren und Fernen Ostens, die bisher aus dem Anbau von
Hanf und Mohn ihren Unterhalt bestritt,

mit Hilfe von Umstellungsprogram-

men für die Landwirtschaft eine vordringliche Aufgabe. In Thailand ist bereits ein großangelegtes Projekt im Gang, mit Burma und Afghanistan wird
darüber noch verhandelt. Derartige Vorhaben, die sich auch auf die soziale
und wirtschaftliche Struktur der betreffenden Länder auswirken, sollen weitgehend aus dem UN-Fonds zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs finanziert werden. Die von 20 Ländern bisher dafür eingezahlten Beiträge belaufen sich
jetzt auf mehr als 4,5 Millionen Dollar - drei Millionen steuerten allein
die USA bei. Die Mittel reichen bei weitem noch nicht aus, um die Verhältnisse vor allem im Orient so zu verändern, daß der illegalen Drogenproduktion und dem Rauschgifthandel nicht mehr Vorschub geleistet wird.
Auch die großen Lücken in bezug auf exakte und neueste Informationen
zur Drogensituation behindern den Kampf an der Rauschgiftfront. Dieses
Problem müsse,wie Ingersoll forderte, auf breitester internationaler Basis
angegangen werden, wobei auch größerer Wert auf die wissenschaftliche Forschung und den Austausch von Ergebnissen zu legen sei.
Wie Präsident Nixon in der kürzlich dem US-Kongreß zugeleiteten Haushaltsbotschaft für 1974 erklärte, werden die Vereinigten Staaten den Kampf
gegen den Drogenmißbrauch weiter intensivieren. Für Maßnahmen zur Unterbindung des Rauschgifthandels und für die Behandlung und Rehabilitation von
Drogenabhängigen sind 719 Millionen Dollar bereitgestellt.

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KREBSTIERSCHALEN ALS CHEMISCHER ROHSTOFF
Modellanlage koppelt Chemikalien-Gewinnung mit Produktion von
Protein-Kon?, snt rat
--(AD)-- Die Schalen von Krebsen, großen Garneelen und anderem Meeresgetier, die bisher als Abfall ins Meer gekippt wurden und ein höchst unangenehmes Verschmutzungsproblem heraufzubeschwören drohen, dürften in absehbarer Zeit für eine Vielzahl von Industriezweigen interessant werden. Ein
privates Forschungslabor in Seattle (US-Bundesstaat Washington), das mit
Unterstützung des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) entsprechende Untersuchungen durchführte, entwickelte Verfahren zur Extraktion
von Chitin und zur Gewinnung von Chitosen aus der Schalenmasse. Chitin,
allgemein der Hauptbestandteil des Panzers von GLiederfüßlern, ist ein
stickstoffhaltiges Polysaccharid, das sich für die verschiedensten Verwendungszwecke eignet, z.B.:
-- als Zusatzstoff bei der Herstellung von Zeitungspapier zur Erhöhung der Naßfestigkeit;
— als Zusatzstoff zur Babynahrung;
- - als Koagulierungsmitttel bei der Behandlung von Frischwasser, Abwasser und von Kanalisationsabwässern;
als

-1-

�-- als Zusatzstoff zu Präparaten gegen Magenübersäuerung;
-- in der Wundbehandlung;
—

für langsame, gesteuerte Freisetzung von Herbiziden und Insektiziden;

-- für finish-Verfahren der Textilindustrie;
-- in Wasserfarben-Emulsionen;
-- als neue synthetische Faser;
-- als Verdickungsstoff für bestimmte Nahrungsmittel;
-- in der Filmfabrikation und bei der Herstellung von Spezialklebern.
Die "Food, Chemical and Research Laboratories, Inc." in Seattle
verarbeiteten in erster Linie die Beinschalen von Königskrabben, wobei das
Verfahren mit der Gewinnung von Eiweißkonzentrat aus Meerestieren gekoppelt
wurde. Bei voller Ausnutzung ihrer Kapazität kann die vorerst nur als
Modellbetrieb unterhaltene Anlage pro Monat ca. eine Tonne Chitin produzieren. Die Errichtung einer zweiten, größeren Anlage wird zur Zeit erwogen. In der Praxis zeigte sich, daß mit den neuen Verfahren 75 bis 83 Prozent; der Abfälle der wichtigsten Schalentierarten nutz-und gewinnbringend
zu verwenden sind.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur Abwertung des Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Kabinett&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue Bevölkerungsporträt der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Statistischen Bundesamtes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ERTS-Augen sehen mehr&lt;br /&gt;Ermutigender Auftakt für Erderkung mit Satelliten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationale Maßnahmen sind nicht genug&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmissbrauch -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

2 1 . Februar 1973

Inhalt

INFORMATION:
Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-OberbefehlshaberPressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973
-Auszüge zu Europa-

DOKUMENTATION:
Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniques

WIRTSCHAFT:
Nixon will US-Kongreß um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WISSENSCHAFT

UND TECHNIK:

Natürliche Hilfsquellen der Umwelt
-Botschaft Präsident Nixons an den US-KongreßMetallische Schadstoffe
Von G. Weiss
OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8/1973

NIXON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER BEZIEHUNGEN ZU EUROPA
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO

Oberbefehlshaber-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 15. Februar den Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR), General Andrew Goodpaster, zu einer Unterredung empfangen und dabei auch zu internationalen Fragen Stellung genommen.

Die Europa und Vietnam - vor allem die amerikanischen NATO-Ver-

pflichtungen - betreffenden Ausführungen des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Ich habe im Augenblick nichts wesentliches zu MBFR und zur europäischen Sicherheitskonferenz zu sagen, mit der Ausnahme vielleicht, daß diese
Fragen sehr eingehend innerhalb der Regierung wie auch zwischen der amerikanischen Regierung und den Regierungen unserer europäischen Verbündeten
erörtert werden. Sie bildeten einen wichtigen Punkt in dem Gespräch mit
Premierminister Heath. Natürlich koennen Sie annehmen, daß dies auch zu
wirtschaftlichen Betrachtungen, über das Problem des Handels zum Beispiel,
führen würde, das sehr interessant und manchmal auch, was unsere europäischen Freunde wie auch die Japaner anbetrifft, sehr schwierig sein kann.
Wir dürfen die Tatsache nicht übersehen, daß die Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit Europa und mit Japan getroffen haben, in engem Zusammenhang
hiermit stehen. Die Vereinigten Staaten werden jetzt, nachdem Vietnam vorbei

�vorbei ist, verständlicherweise Stimmen hören, sehr ernsthafte Stimmen,
daßVir jetzt nach Vietnam die Hände heben, uns nach innen wenden und uns
von unseren Verpflichtungen in der Welt zurückziehen sollten*.
Einer der Gründe, warum ich es für ungeheuer wichtig erachte, daß der
Krieg in Vietnam auf, wie ich glaube, die richtige Weise beendet wurde, nämlich durch einen ehrenvollen Frieden, war, daß es notwendig war, unseren
Verbündeten in Europa, den Japanern und den übrigen Verbündeten, den Thais
usw., wie auch den potentiellen Gegnern zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten ein zuverlässiger Verbündeter sind. Alle Macht der Welt, die in den Vereinigten Staaten liegt, bedeutet nichts, wenn diejenigen, die von der amerikanischen Macht abhängig sind, um sie vor einer möglichen Aggression durch
andere Mächte zu schützen, vor der sie sich nicht selbst schützen können
- alle Macht der Welt bedeutet hier nichts, wenn nicht eine gewisse Garantie,
eine gewisse Zuversicht, ein gewisses Vertrauen besteht, daß die Vereinigten
Staaten glaubwürdig und zuverlässig sein werden.
Es ist mir durchaus bekannt, daß seitens unserer guten Freunde und Verbündeten in der Welt große Besorgnis geäußert worden ist - die wir durchaus
verstehen - nicht nur hinsichtlich unseres Engagements in Vietnam, der Entscheidungen, die wir treffen mußten, um einen ehrenvollen Frieden zu erreichen und um unsere Ziele zu verwirklichen, die ich in meiner Rede vom
8. Mai aufgezeigt hatte.
Ich bin, das möchte ich nur sagen, der ganz festen Überzeugung, daß
viele unserer Verbündeten zurückblicken und im geschichtlichen Rückblick erkennen werden, daß wir, hätten wir den leichten Ausweg gewählt- was wir
schon vor Jahren hätten tun können und sicherlich bei meinem Amtsantritt
im Jahre 1969 - durch unser Versagen dort ihr Vercrauen in die Vereinigten
Staaten ausgehöhlt und möglicherweise sogar zerstört hätten - und sicherlich
jene gewaltig ermutigt hätten, die aggressive Absichten uns gegenüber hegen
könnten."
General

�I
»
General Goodpaster erwiderte auf die Ausführungen des Präsidenten:
"Die Folge davon ist eine Stärkung des Vertrauens in Europa, und seit
den Anfängen der NATO bildete dieses Vertrauen ihre Grundlage. Es hat keine
Aushöhlung dieses Vertrauens gegeben; vielmehr kam es zu einer Stärkung
dieses Vertrauens, vor allem da dieses Handeln mit der starken Unterstützung
verbunden war, die Sie für die gesamte NATO zum Ausdruck brachten, sowie durch
die anhaltende Verpflichtung amerikanischer Stärke und durch die weiteren
amerikanischen Beiträge zur NATO. Wenn wir jetzt in diese Periode konstruktiver Verhandlungen eintreten, dann besteht nach meiner Meinung grundsätzlich
die Auffassung, daß wir diese Verhandlungen, so schwierig und so anspruchsvoll sie auch sein mögen, auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens
und eines Gefühls der Stabilität und Stärke angehen."

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8/1973

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER ROGERS AM 15.FEBRUAR 1973
-Auszüge zu Europa-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 15. Februar auf einer Pressekonferenz zu internationalen Fragen
Stellung genommen. Wichtigste Themen der Pressekonferenz waren das Abkommen mit Kuba über die Auslieferung von Flugzeugentführern, die bevorstehende Vietnamkonferenz in Paris, der Nahe Osten, Europa, Indochina und der
Wiederaufbau Indochinas, die SEATO, das neue Handelsgesetz, das Energieproblem, die bevorstehende Sitzung des Weltsicherheitsrates in Panama
und der China-Besuch Dr. Kissingers.
Die Europa betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Außenminister, vor zwei Tagen hat: ein Sprecher, der nicht
identifiziert werden kann, die Lösung der Handels-und Währungsprobleme mit
den Truppen, den amerikanischen Truppen in Europa, in Verbindung gebracht.
Gestern abend hat einer der höchsten Beamten des Außenministeriums in
einem informellen Gespräch eine solche Verbindung eindeutig bestritten.
Besteht eine solche?
Antwort: Es gibt keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen, bestimmt nicht in irgendeinem

formellen Sinn und bestimmt nicht, was die Ge-

spräche anbetrifft, die wir mit unseren europäischen Verbündeten führen
werden.
Auf

�Auf der anderen Seite liegt auf der Hand, daß die Gesundheit unserer
Wirtschaft und die Stärke unserer Position hier im eigenen Lande etwas mit
der Haltung des Kongresses bezüglich unserer Präsenz in Europa zu tun hat.
Was dies anbetrifft, so ist allgemein bekannt, daß eine Opposition im Kongreß
vorhanden ist und daß unsere Situation hier im eigenen Lande die Ansichten
des Kongresses beeinflußt.
Was die amerikanische Regierung anbetrifft, so bringen wir natürlich
die beiden Dinge nicht miteinander in Verbindung. Nach unserer Auffassung
sollte dies nicht geschehen, denn die Wäarungs-und Handelsfragen sind in
weltweitem Sinne, nicht nur was Europa anbetrifft, sehr wichtig.
Frage: Herr Außenminister, rechnen Sie mit irgendwelchen Schwierigkeiten mit der Europäischen Gemeinschaft, wenn wir nicht bis September, wenn
die Gespräche beginnen, ein Handelsgesetz verabschiedet haben. Es hat zahlreiche Anzeichen dafür gegeben, daß den Europäeern dieser Punkt alles andere
als gleichgültig ist?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die zeitliche Reihenfolge sein wird. Die
Gespräche über Handelsfragen beginnen jedenfalls im Herbst.
Frage: Richtig, und die übereinstimmende Ansicht im Kapitol ist, daß
ein Handelsgesetz bis dahin kaum verabschiedet sein dürfte.
Antwort: Ich halte dies nicht für eine sehr fundierte Auffassung, denn
niemand im Kapitol weiß bis jetzt, was vorgeschlagen werden wird. Ich glaube,
wenn die Vorschläge, die wir machen werden, im Kapitol unterbreitet worden
sind, wird es eine beträchtliche Unterstützung für diese Vorschläge geben
- weil diese Vorschläge nämlich in keiner Weise darauf abzielen, unsere Märkte stärker für ausländische Waren zu öffnen, als dies heute der Fall ist.
Im Gegentei1,sie sollen für einen faireren Handel sorgen, so daß, ^enn unsere
Märkte stärker geöffnet werden, auch andere Märkte für uns geöffnet werden
müssen. Mit anderen Worten, wir wollen nichts anderes, als eine gleiche Behandlung in Handelsfragen. Und meines Erachtens ist man sich darüber im

�r

im klaren - und ich bin sogar sicher, daß man sich darüber im klaren ist denn die Außenminister, mit denen ich gesprochen habe, haben diese Auffassung zum Ausdruck gebracht, daß eine Menge Änderungen vorgenommen werden müssen.
Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Unseres Erachtens wird der Kongreß
anders darüber denken, wenn ihm das Gesetz erst einmal vorliegt und daraus hervorgeht, daß es sich um einen Vorschlag handelt, der für gerechtere Handelsabmachungen sorgen wird, die vom Standpunkt der amerikanischen Geschäftsleute und der amerikanischen Arbeitnehmer fair sind. Wir
sind der Meinung, daß es keinen anderen Weg gibt als diesen, um auf dem
Gebiet des Handels vernünftig zu verhandeln - denn es geht, nicht nur um
Zölle, sondern es geht auch um nicht-tarifäre Handelsschranken, die durch
eine starre Gesetzgebung schwer zu packen sind. Hier muß man verhandeln.
Ich glaube also nicht, daß der Kongreß bereits jetzt schon seine Hai»
tung festgelegt hat.

Ich möchte sehr hoffen, daß der Kongreß positiv re-

agieren wird. Alles andere ist sinnlos. Ich meine., daß die Vorstellung,
man könne die Vereinigten Staaten gegenüber den ausländischen Importen
völlig abschirmen und dann ginge es uns allen besser, einfach nicht stimmt.
Was wir wollen, ist mehr Handel, mehr Welthandel, aber wir wollen, daß er
auf faire Weise abgewickelt wird. Vor allem müssen die nicht-tarifären Handelsschranken beseitigt werden, die, wie Sie uissen, versteckte Hilfsmittel,
oftmals versteckte Hilfsmittel, sind, um uns daran zu hindern;, nach anderen
Märkten zu exportieren. Das sind alles Dinge, die wir nicht etwa erfinden
oder uns nur einbilden. Das sind Dinge, die auch andere Nationen zugeben.
Wir sind zuversichtlich, daß wir jetzt die Zeit verlassen, da es um
militärische Auseinandersetzungen ging, und ich möchte mir das Jahr 1973
als ein Jahr des Friedens vorstellen. Wenn wir jetzt diese Zeit hinter uns
lassen und in ein Jahr des Friedens eintreten, dann gewinnen Fragen wie

-3-

�/•

wie Handel, Umwelt, die Weltmeere betreffende Fragen, Kommunikationsfragen,
all diese Dinge, immer mehr an Bedeutung.
Es ist für die internationale Völkergemeinschaft von entscheidender Bedeutung, bei der Behandlung solcher Fragen genügend Selbstdisziplin zu üben.
Und ich bin besonders froh, daß unsere Beziehungen zu allen großen Mächten
der Welt heute derart sind, daß wir, wie ich glaube, hoffen können, diese
schwierigen Fragen mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin behandeln zu
können.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns sagen, wann der Gesetzesentwurf vorgelegt wird?
Antwort: Nein, wir haben darüber noch nicht entschieden.
Frage: Herr Außenminister, eine ganz kurze Frage. Was wird das "Jahr
Europab" uns als nächstes bringen?
Antwort: Mir ist der Begriff "Jahr des Friedens" lieber als der Begriff
"Jahr Europas", weil ich glaube, daß das Schlagwort Jahr Europas so verstanden werden könnte, daß wir andere Gebiete der Welt vernachlässigen und unsere
ganze Aufmerksamkeit Europa zuwenden würden. Ich glaube nicht, daß dies der
Fall sein wird. Meines Erachtens wird das Schwergewicht mehr auf Europa und
europäische

Probleme gelegt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall

war, und zwar aus vielen offensichtlichen Gründen: Erstens die Erweiterung
der Gemeinschaft; zweitens ist eine Reihe von Konferenzen im Gange, die sich
mit europäischen Angelegenheiten befassen - die europäische Sicherheitskonferenz, die beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, die SALT-Verhandlungen . Und die Probleme im Zusammenhang mit der Erweiterung der Gemeinschaft werden ohne Frage ganz unterschiedliche Handelsfragen berühren, die
natürlich auch zu einem beträchtlichen Teil Japan angehen. All diese Faktoren
zusammengenommen werden sicherlich bewirken, daß das Schwergewicht in diesem
nächsten Jahr vermehrt auf Europa liegen wird."

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8/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-NORDVIETNAMESISCHEN KOMMUNIQUES

WASHINGTON -„(AD)-- Das amerikanisch-nordvietnamesische Kommunique, das
zum Abschluß des Besuches, den der Berater Präsident Nixons für Nationale
Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, Hanoi vom 10. bis 13. Februar abgestattet hat, herausgegeben und am 14. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlicht worden ist, hat folgenden Wortlaut:
"Der Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Dr. Henry A.
Kissinger, ist am 10. Februar 1973 in Hanoi eingetroffen und hat Hanoi am
13. Februar 1973 wieder verlassen. Er wurde von dem Leiter der RegierungsInformationszentrale, Herbert G. Klein, dem Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Botschafter William H.
Sullivan, sowie weiteren amerikanischen Beamten begleitet.
Während seines Aufenthaltes in Hanoi wurde Dr. Henry A. Kissinger von
Ministerpräsident Pham van Dong, dem Sonderberater Le Duc Tho und dem
Stellvertretenden Ministerpräsidenten Nguyen Duy Trinh empfangen. Die nordvietnamesische und die amerikanische Seite hatten einen offenen, ernsthaften
und konstruktiven Gedankenaustausch zur Durchführung des Abkommens über

»1-

�über eine Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, das am 27. Januar 1973 in Paris unterzeichnet worden war, wie auch
über die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam
und den Vereinigten Staaten und über andere Fragen von beiderseitigem Interesse. Sonderberater Le Duc Tho und Dr. Kissinger führten ferner Gespräche,
mit denen sie ihre Treffen fortsetzten, die in den vergangenen vier Jahren
in Paris stattgefunden hatten. Unabhängig von diesen Arbeitssitzungen besuchten Dr. Kissinger und seine Begleiter eine Reihe von für sie interessanten Punkten in Hanoi.
Die beiden Seiten überprüften sorgfältig die Durchfuhrung des Pariser
Vietnam-Abkommens während der letzten Zeit. Sie erörterten verschiedene notwendige Maßnahmen, die ergriffen werden sollten,um die Verwirklichung des
Abkommens zu verbessern und zu beschleunigen, und vereinbarten, daß sie weiterhin in gewissen Zeitabständen einen Gedankenaustausch führen werden, um
die strikte und peinlich genaue Einhaltung des Abkommens und seiner Protokolle zu gewährleisten, so wie es die Unterzeichner versichert haben.
Die beiden Seiten begrüßten die Gespräche zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien, die dem Ziele dienen, die Paragraphen über die Selbstbestimmung in Südvietnam gemäß den Vereinbarungen des Pariser Vietnanh-Abkommens durchzuführen.
Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten erklärten, daß die volle und peinlich genaue Durchführung des Pariser Vietnam-Abkommens zur Sache des Friedens in Indochina und in Südostasien auf der Basis der strikten Respektierung der Unabhängigkeit und Neutralität der Länder
dieses Raumes positiv beitragen werde.
Die beiden Seiten bekräftigten, daß die zwischen den Ländern Indochinas
bestehenden Probleme von den Parteien Indochinas auf der Basis der Respektierung der Unabhängigkeit, der Souveränität und der territorialen Integrität

-2-

�Integrität des anderen sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen gelöst werden sollten. Sie begrüßten die Verhandlungen zwischen den Parteien in Laos, die eine friedliche Regelung in diesem Lande
herbeiführen sollen.
Die beiden Seiten führten einen Gedankenaustausch darüber, wie die
Vereinigten Staaten zur Heilung der Wunden des Krieges und zum Wiederaufbau
der Nachkriegswirtschaft in Nordvietnam beitragen werden. Sie vereinbarten,
eine gemeinsame nordvietnamesisch-amerikanische Wirtschaftskommission einzusetzen. Diese Kommission, die sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern jeder Seite zusammensetzen soll, wird die Aufgabe haben, die wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten
Staaten auszubauen.
Die beiden Seiten führten ferner einen Gedankenaustausch über die Einberufung der internationalen Vietnamkonferenz,wie dies in Artikel 19 des Pariser Vietnamabkommens vorgesehen ist. Sie werden ihre Konsultationen mit den
übrigen Konferenzteilnehmern fortsetzen, um den Boden für eine erfolgreiche
Konferenz vorzubereiten.
Die beiden Seiten erörterten die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten und prüften konkrete Schritte, die zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ergriffen werden können. Sie vereinbarten bestimmte allgemeine Prinzipien,
die ihren beiderseitigen Beziehungen zugrundeliegen sollen:
-- Alle Bestimmungen des Pariser Vietnam-Abkommens und seiner Protokolle
sollen voll und peinlich genau durchgeführt werden.
-- Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten sollen
sich um ein neues Verhältnis bemühen, das auf der Respektierung der
Unabhängigkeit und Souveränität des anderen, der Nichteinmischung in
die inneren Angelegenheiten des anderen, der Gleichberechtigung und
des beiderseitigen Wohles basiert.
--Die

3-

�-- Die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten wird dazu beitragen, einen
stabilen Frieden in Vietnam zu gewährleisten, und der Sache des
Friedens in Indochina und Südostasien nützen.

Dr. Kissinger und seine Begleitung haben ihrem herzlichen Dank für die
von der Demokratischen Republik Vietnam gewährte Gastfreundschaft Ausdruck
gegeben. Beide Seiten hoffen, daß dieser Besuch den Beginn neuer bilateraler Beziehungen kennzeichnen wird."

Auf Fragen von Korrespondenten erklärte der Pressesekretär des Weißen
Hauses, Ronald Ziegler, zur Möglichkeit einer diplomatischen Anerkennung
Hanois: "Die beiden Seiten haben Schritte zur Normalisierung der Beziehungen
geprüft und bestimmte Prinzipien für die Beziehungen der beiden Seiten vereinbart. Nach Durchführung dieser Maßnahmen können wir weitere Schritte erörtern."
Nach den Worten Zieglers sind ferner bedeutsame Fortschritte in drei
Punkten erzielt worden, nämlich bei der Ausarbeitung eines Systems zur Nachforschung nach den als vermißt gemeldeten Amerikanern, bei der Verbesserung
des Waffenstillstandes sowie bei der Festlegung der Übergangsstellen, über
die militärischer Ersatz gemäß dem Abkommen vom 27. Januar nach Südvietnam
gebracht werden darf. Ziegler kündigte weiter an, daß Präsident Nixon innerhalb von zwei Wochen die amerikanischen Mitglieder für die gemeinsame Wirtschaftskommission benennen wird, wobei der Pressesekretär betonte, daß die
amerikanischen Wiederaufbauanstrengungen ganz Indochina umfassen würden.
Wie hoch die Beträge sein werden, die die USA zum Wiederaufbau Indochinas
beisteuern werden, war in Washington noch nicht zu erfahren, doch betonten
maßgebende amerikanische Kreise, daß gegenwärtig bilaterale wie auch multilaterale Kanäle für die Nächkriegshilfe geprüft werden. Und der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte, daß jedes der-

-4-

�derartige Programm zuerst der Zustimmung des US-Kongresses bedürfe.
Ziegler lehnte es ab, auf Einzelheiten der am 26. Februar in Paris beginnenden Vietnam-Konferenz und die Zur Erörterung anstehenden Tagesordnungspunkte einzugehen und betonte lediglich, daß Washington und Hanoi ihre Kontakte auf den bestehenden Kanälen fortsetzen werden.

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8/1973

NIXON WILL US-KONGRESS UM ERMÄCHTIGUNG FÜR ZOLLERHÖHUNGEN ERSUCHEN
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat angekündigt, daß er den amerikanischen Kongreß um eine Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen werde,
wenn sich solche als notwendig erweisen sollten, um amerikanischen Erzeugnissen im Ausland eine faire Behandlung und einen fairen Anteil an
den Auslandsmärkten zu sichern.
Nach Ansicht des Präsidenten müssen die Vertreter der USA bei den
bevorstehenden Verhandlungen, die den amerikanischen Exporten bessere Absatzmöglichkeiten bringen sollen, in der Lage sein, notfalls auch mit Importbeschränkungen drohen zu können. In einem Gespräch mit Finanzminister
Shultz nach Bekanntgabe der Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent gab
Nixon eindeutig zu verstehen,daß "die Abwertung des Dollar bestenfalls
nur eine vorübergehende Lösung des Problems (der Ungleichgewichte) ist."
Aus diesem Grunde müsse der Abwertung jetzt ein neues Handelsgesetz folgen.
Gleichzeitig wies der Präsident darauf hin, daß die Vereinigten Staaten in
der Vergangenheit zu oft ihre Handelsbeschränkungen abgebaut haben, während
andere Länder die ihren erhöhten. Künftig, so betonte der Präsident, müßten
die amerikanischen Delegierten Handlungsfreiheit nach beiden Seiten haben,
denn nur wenn die Vereinigten Staaten ihre Handelsschranken erhöhten,

-1-

�I

V.

erhöhten, könnten andere Länder dazu veranlaßt werden, einige ihrer Handelsschranken abzubauen.
Die Vereinigten Staaten stellen für die übrige Welt den besten Absatzmarkt dar, und Japan sowie die europäischen Länder können diesen Markt mit
ihren Erzeugnissen überschwemmen, so daß amerikanische Firmen schließen
müssen und amerikanische Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Aus diesem
Grunde müssen die USA nach Ansicht des Präsidenten bei der Verfolgung ihrer
Politik eines freieren Handels stets "die Karte des Protektionismus in der
Hinterhand" halten. "Wir sind der Ansicht, daß der Welt durch eine Senkung
der Zölle besser gedient ist", so betonte der Präsident. Aber dies könne
nicht dadurch erreicht werden, daß die USA ihre Zölle senken, während die
anderen Länder sie beibehalten. Vielmehr müßten auch die anderen Länder
ihre diskriminierende Politik aufgeben.
Das neue Handelsgesetz ist nach Auffassung der amerikanischen Regierung
unbedingt notwendig, um die hohen Defizite der USA in den beiden letzten Jahren abzubauen. Nur so kann der Druck, unter dem der US-Dollar steht, beseitigt werden. Den unmittelbaren Auswirkungen der Ungleichgewichte ist jetzt
durch die Dollarabwertung begegnet worden, aber, und das hat der Präsident
ganz klar zu verstehen gegeben, "wir dürfen uns keinen Illusionen in bezug
auf die Tatsache hingeben, daß wir jetzt ein Handelsgesetz brauchen, damit
die grundlegenden Ursachen angepackt werden."
Schon bei der Bekanntgabe der neuen amerikanischen Handelspolitik am
15. August 1971 hatte Nixon darauf hingewiesen, daß es für die USA von ungeheurer Wichtigkeit ist, ihre Märkte vor einer möglichen Überschwemmung durch
ausländische Erzeugnisse zu schützen. Und in den jüngsten Erklärungen der
amerikanischen Regierung ist immer wieder betont worden, daß die amerikanischen Produzenten fair behandelt werden und gleichen Zugang zu den Auslandsmärkten haben müssen. Diesem Ziel, nämlich die tarifären und die nicht-

-2-

�nicht-tarifären Handelsschranken auf allen Gebieten abzubauen und die amerikanische Handelsposition zu verbessern, soll das neue Handelsgesetz dienen,
wobei von amerikanischer Seite immer wieder darauf verwiesen worden ist,
daß es sich bei den internationalen Wirtschaftsproblemen keineswegs ausschließlich um Probleme der USA handelt. Und mit Recht erklärte Finanzminister Shultz am 13. Februar: "Wenn wir dieses Ziel einer Verbesserung
der US-Handelsposition nicht im Rahmen eines freieren und faireren Handels
erreichen können, dann wird sich ein starker Druck in den USA in Richtung
auf eine Wendung nach innen herausbilden."
Maßgebende Kreise des amerikanischen Kongresses haben bereits erkennen
lassen, daß der Kongreß die in Kürze zu erwartenden Handels-und Währungsvorschläge Präsident Nixons rasch behandeln wird. Hier wie auch in der amerikanischen Presse ist die Dollarabwertung allgemein begrüßt und die Forderung des Präsidenten nach einem Handelsgesetz unterstützt worden, das der
amerikanischen Wirtschaft einen fairen Anteil an den Weltmärkten sichern
soll .
Zahlreiche Abgeordnete und Senatoren unterstrichen dabei die Notwendigkeit weiterer Reformen sowohl auf dem Währungssektor wie auch auf dem Gebiet
des Handels. Der demokratische Abgeordnete Henry Reuss betonte, daß die
Dollarabwertung praktisch nur eine Atempause gebe und weitere Krisen zu erwarten seien, "sofern wir nicht schnell und entschlossen in Richtung auf eine
grundlegende Reform des internationalen Währungssystems fortschreiten."
Wie dringlich eine solche Reform des internationalen Währungssystems ist,
unterstreichen auch die jetzt vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichten vorläufigen Zahlen des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits im Jahre
1972, das mit 13 779 Millionen Dollar angegeben wird. Gegenüber dem Rekorddefizit des Jahres 1971 bedeutet dies eine Verbesserung um 8 223 Millionen
Dollar. Maßgebende amerikanische Kreise weisen in diesem Zusammenhang darauf

�darauf hin, daß diese Verbesserung fast ausschließlich auf einen Rückgang
des Abflusses spekulativer Gelder zurückzuführen war, während die Bilanz
der Güter und Dienstleistungen 1972 ein Defizit von 4 542 Millionen Dollar
auswies. Noch im Jahre 1970 hatten die USA einen Überschuß in dieser Bilanz
von 3 563 Millionen Dollar und 1971 einen geringen Überschuß von 727 Millionen Dollar zu verzeichnen gehabt.
In der Presseverlautbarung des US-Handelsministeriums heißt es wörtlich:
"Daß die Importe 1972 stärker als die Exporte anstiegen ist zum Teil
auf die raschere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit in den USA-im Vergleich
zu den meisten unserer großen Exportmärkte- zurückzuführen. Weiter haben die
Importpreise rascher angezogen als die Exportpreise, zum Teil,weil der inflationistische Druck in zahlreichen anderen Ländern stärker war,und zum Teil,
weil sich die Dollarabwertung des Jahres 1971 zunächst nachteilig auswirkte.
Dieser Dollarabwertung folgten fast umgehend höhere Dollarpreise für Importgüter. Diese Importpreise stiegen im letzten Jahr um fast 7,5 Prozent verglichen mit 5,2 Prozent 1971. Die Exportpreise stiegen weit weniger an
- um 3,5 Prozent gegenüber 3,2 Prozent im vorangegangenen Jahr - und zu einem
wesentlichen Teil war dies auf die zunehmende weltweite Nachfrage nach Agrarerzeugnissen zurückzuführen."
Die amerikanische Handelsbilanz allein hat sich nach den Angaben des
Handelsministeriums 1972 um 4,1 Milliarden Dollar verschlechtert, wovon je
1,5 Milliarden Dollar auf den Handel mit Westeuropa und mit den Entwicklungsländern in Asien und Afrika entfielen. Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan vergrößerte sich um 800 Millionen Dollar auf 4 Milliarden Dollar
und das Handelsdefizit gegenüber Kanada um 300 Millionen D 0 n a r
den Dollar.

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NATÜRLICHE HILFSQUELLEN UND UMWELT
-Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)— In einer Botschaft über "Natürliche Hilfsquellen und
Umwelt", die Präsident Nixon am 15. Februar 1973 dem US-Kongreß zuleitete,
werden die Anstrengungen und die Fortschritte der letzten Zeit zur Reinhaltung von Luft und Wasser hervorgehoben. "Die Ergebnisse der Anstrengungen sind meßbar geworden..; unsere Luft wird sauberer...; die schwerwiegenden Probleme von Wasserverschmutzung bekommen wir in den Griff, die
Probleme der Lärmbelästigung und Pestizidanwendung kommen unter Kontrolle,
unsere Park-und Naturparkflächen werden größer", erklärte der Präsident.
Gleichzeitig verweist er auf die Notwendigkeit einer nationalen Landnutzungspolitik, in der die Aufgaben des Umweltschutzes gebührend berücksichtigt sind.
Besserer Schutz der Umwelt ist inzwischen auch Gegenstand internationaler Bemühungen.Präsident Nixon erinnert daran, daß die Vereinten Nationen
den amerikanischen Vorschlag zur Schaffung eines Sonderfonds für umweltaufgaben akzeptierten. Der amerikanische Haushaltsvoranschlag für 1974 sieht
einen Beitrag der USA von zunächst zehn Millionen Dollar zu dem Fonds vor,
der im Verlauf von fünf Jahren auf 100 Millionen Dollar aufgestockt werden

�werden soll. Der Präsident drängt außerdem darauf, daß der US-Senat

der

internationalen Konvention über die Abfallbeseitigung im Meer zustimmen möge,
auf die sich im November 1972 die USA und 91 andere Länder in London einigten. Auch die internationale Konvention über die Schaffung eines Welttreuhänderrates steht noch zur Ratifizierung an. Diese Einrichtung, die auf
Vorschläge der Vereinigten Staaten zurückgeht, soll Gebiete betreuen, "die
von so großem naturkundlichen, historischen oder kulturellen Wert sind,
daß sie als Kulturgut der gesamten Menschheit zu gelten haben."
Präsident Nixon erwähnt in der Botschaft eine neue Gesetzesvorlage,
die den Schutz seltener und in ihrem Bestand gefährdeter Pflanzen und Tiere gewährleisten soll. Damit könnten die Vereinigten Staaten auch einen
Beitrag zu ähnlichen internationalen Bestrebungen leisten. In Washington
tagt gegenwärtig eine internationale Konferenz, die eine entsprechende
Konvention mit weltweiter Gültigkeit erarbeitet.
Vorschläge der Regierung zu 19 speziellen Punkten in bezug auf natürliche Hilfsquellen und Umweltaufgaben, auf die der Kongreß bisher nicht reagierte, wird der Präsident erneut unterbreiten. Andere wichtige Regierungsvorlagen über Immissionsschutz, Verbesserung der Wasserqualität und der
Kontrolle von Pestiziden, zur Lärmbekämpfung, dei Abfallbeseitigung im Meer
und Verhinderung von Ölverschmutzung von Häfen und Wasserwegen sowie über
die Schaffung von Erholungsgebieten haben bereits Gesetzeskraft erlangt.
"Jahr für Jahr werden mehr öffentliche Mittel für Umweltprogramme
eingesetzt", betont Präsident Nixon. In den letzten vier Jahren haben sich
die Aufwendungen dafür vervierfacht; auf dem Gebiet der Wasser-Reinhaltung
wurden sie sogar um das 15fache erhöht. Indirekt auf die Kritik aus Kongreßkreisen eingehend, daß der Präsident sich weigerte, die von der Volksvertretung für diesen speziellen Zweck bereits bewilligten Mittel in voller Höhe
freizugeben, gibt Nixon zu bedenken: "Wir schaffen gegenwärtig neue Anlagen

-2-

�Anlagen schon beinahe in dem gleichen Tempo an, in dem die Industrie sie
baut. Dafür noch mehr Geld auszugeben würde uns nicht mehr Klär-und Reinigungsanlagen einbringen, sondern nur höhere Kosten."
Zur Erfüllung wichtiger innenpolitischer Aufgaben forderte Präsident
Nixon unter anderem:
-- ein Bundesgesetz über Landnutzung, das Bundeshilfe an die 50 Einzelstaaten vorsieht, "um gefährdete Gebiete zu schützen und die Standortwahl
für Einrichtungen wie Flughäfen, Fernstraßen und wichtige private Projekte
zu regeln";
-- ein Programm für die Standortwahl von Kraftwerken, das sowohl die
Energieversorgung auf lange Sicht als auch den Umweltschutz berücksichtigt;
-- ein neues Bergbauschutzgesetz, das die Einzelstaaten verpflichtet,
Umweltschutz-Auflagen der Bundesregierung bei der Neuerschließung von Tagebau- und Untertage-Gruben zu berücksichtigen. Unter anderem ist auch die Rekultivierung von Tagebau-Gebieten darin vorgesehen;
—

Erhebung einer Gebühr in Höhe von 44 Cent pro Kilogramm Schwefel,

der mit Abgasen in solchen Gebieten in die Atmosphäre gelangt, wo die Luftqualität nicht den gesundheitlichen Mindestwerten entspricht. Gebiete mit
besserer oder guter Luftqualität dagegen sollen von der Sondergebühr befreit sein.
Präsident Nixon setzt sich außerdem für neue gesetzliche Regelungen in
bezug auf den Fischfang durch ausländische Schiffe vor solchen Küstengebieten der USA ein, die in internationale

Verträge einbezogen sind, neuer-

dings aber als Naturschutzgebiete gelten. Während dies bisher ausschließlich
für die Pazifikküste zutraf, wurden jetzt auch Gebiete der Ostküste zu
Schutzzonen erklärt.
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METALLISCHE SCHADSTOFFE

Verbesserte Analyseru. cthoden - Neue Erkenntnisse zur Wirkung von
Quecksilber im Organismus
Von G, Weiss
--(AD)-- Ein genaues und sehr zuvex..ässiges Verfahren für die Messung der
Konzentration von Schadstoffen in der Luft entwickelten Wissenschaftler
des amerikanischen "National Bureau of Standards" (iNBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) gemeinsam mit Chemikern der Universität
Maryland. Die in Luftproben enthaltenen Staubpartikel werden in einem NBSLaboratorium mit energiereichen Photonen eines Elektronen-Linearbeschleunigers beschossen. Dabei entstehen radioaktive Reaktionsprodukte der beteiligten Elemente, die Gammastrahlung abgeben. Die Intensität und Frequenz der
Strahlungskomponenten läßt genaue Rückschlüsse darauf zu, welche von 14
verschiedenen Elementen in welcher Konzentration in der Probe enthalten waren. Zur Messung und Unterscheidung der Gammastrahlung, die z.B. die genaue
Menge toxischer Materialien wie Blei, Arsen oder Nickel im Staub angibt,
werden Halbleiter-Detektoren verwendet.
Da Elektronenbeschleuniger jedoch noch Seltenheitswert haben und sehr
kostspielige Maschinen sind, ist das als "instrumenteile Photonen-Aktivierungsanalyse (IPAA) bezeichnete Verfahren vorläufig nur an gut ausgestatteten

-l-

�ausgestatteten Instituten anwendbar. Deshalb sollte es nach Ansicht von
Dr. George J. Lutz (NBS), der im Januar 1973 auf einer Tagung der American
Chemical Society darüber berichtete, zunächst zur Überprüfung und Einstellung einfacherer und billiger Meßverfahren benutzt werden.
Mit Hilfe der Neutronen-Aktivierungsanalyse wurde im NBS außerdem ein
Verfahren zur genauen Bestimmung von Chrom bei sehr geringen Konzentrationen entwickelt- Die Methode ist sowohl für die klinische Forschung als auch
für die Schadstoffüberwachung anwendbar. Dieser kommt in der Umgebung von
Bergwerken oder Industrieanlagen besondere Bedeutung zu, wo Chrom freigesetzt wird. Die Aufnahme giftiger Chromverbindungen durch Pflanzen und Tiere
(z.B. Anreicherung im Laub von Obstbäumen oder in der Leber von Rindern)
ist auf diese Weise zuverlässig zu kontrollieren.

-QuecksilberEin besonders guter Indikator für die Belastung der Luft mit Quecksilber, das aus Industrieprozessen stammt, scheint die Moosdecke in den Wäldern
zu sein. Der Chemiker Dr. Donald S. Yeaple ("J-B-F Scientific Corporation"
in Burlington, Vermont) stellte bei der Untersuchung zahlreicher Moosarten
in der Nachbarschaft von Industrieanlagen fest, daß sie Quecksilber aus der
Luft mit Staub oder durch Niederschläge aufnehmen. Eine Quecksilberabsorption
aus dem Boden, die die Meßwerte verfälschen würde, kann dagegen mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Sehr zuverlässige "Bioindikatoren" für die Belastung von Gewässern mit
Quecksilber und anderen giftigen Abfällen, insbesondere Zink und Kupfer,
sind die Muscheln. Prof. Francis C. Birkner von der Universität Maryland
(Baltimore) stellte dies bei Untersuchungen an Muscheln aus der ChesapeakeBucht an der Küste von Maryland fest, die erhebliche Mengen von Industrieabfällen aufzunehmen hat.
Die

�Die Muscheln aus diesem Gebiet, die übrigens kommerziell nicht verwertet werden, hatten zwar noch eine relativ niedrige Quecksilberkonzentration.
Nach den heute üblichen Maßstäben wäre eine Gefährdung erst dann gegeben,
wenn man täglich mehr als 30 solcher Muscheln verzehren würde. Die Muscheln
reichern durch ihre massive Filtrationsarbeit die Giftstoffe an, so daß sie
stets wesentlich mehr davon enthalten als das Wasser, in dem sie leben. Deshalb sollten sie als "Markierorganismen" für metallische Schadstoffe im Wasser mehr als bisher genutzt werden.
Dr. Bruce McDuffie von der Staatsuniversität New York (Binghamton), der
vor ein paar Jahren als einer der ersten wegen des teilweise gefährlich hohen Quecksilbergehaltes von Schwert-und Thunfisch Alarm schlug, stellte durch
neuere Untersuchungen fest, daß das Schwermetall ausschließlich in der
methylierten

Form in den Speisefischen vorhanden ist. Sie speichern die

giftigen Schwermetallverbindungen in den Muskeln, ähnlich wie der menschliche Körper das Metall Kadmium in Niere und Leber anreichert.
In der methylierten Form kann Quecksilber bei Säugetieren und beim
Menschen die Blut-Hirn-Schranke passieren und irreversible Schäden anrichten. Über die verschiedenen Formen und Stadien neurologischer und biochemischer Störungen sowie Veränderungen der Verhaltensweisen versuchten Dr. Joan
Spyker, Dr. Sheldon Sperber (Universität Minnesota) und Dr. Alan Goldberg
(Johns Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland) durch Tierversuche Aufschluß zu bekommen. Den drei Forschern ging es vor allem darum, zu ermitteln,
ob es neben den bekannten Symptomen von Methylquecksilber-Vergiftung - beim
Menschen z.B. taubes Gefühl und andere abnorme Empfindungen in Händen, Füßen,
Augenlidern und Zunge, die Unfähigkeit zu koordinierten Muskelbewegungen,
Beeinträchtigung des Hör-und Sehvermögens - bereits im Frühstadium Anzeichen
für eine Quecksilbervergiftung gibt und ob verschiedene Altersgruppen unterschiedlich reagieren.
Bei

�Bei den Experimenten an Mäusen fiel die Feststellung besonders ins
Gewicht, daß Methylquecksilber im Gewebe des Fötus, und zwar speziell im
Nervensystem, stärker angereichert wird als im Gewebe des Muttertieres. Äußerlich waren zwischen der Nachkommenschaft behandelter Tiere und unbehandelter
Kontrollgruppen keine Unterschiede festzustellen. Aber nach einigen Wochen
war zu beobachten, daß die Nachkommen behandelter Tiere im Vergleich zu den
normalen Artgenossen auf äußere Reize stark verzögert oder falsch reagierten
und daß Stoffwechselvorgänge offenbar langsamer abliefen. Auch die Ausscheidung von Urin und Exkrementen war davon betroffen.
Nach Ansicht der drei Wissenschaftler, die ihre Studien mit finanzieller Unterstützung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH)
durchführten, müßten aufgrund dieser Beobachtungen neue, verfeinerte Parameter zur Diagnose einer Quecksilbervergiftung entwickelt werden. Andernfalls sei zu befürchten, daß eine Reihe von gesundheitlichen Störungen zu
lange unentdeckt bleibt oder falsch gedeutet wird, solange die Symptome
nicht in das Bild einer massiven Quecksilbervergiftung passen.

.4-

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8/1973

OECD-RAT UNTERSAGT ANWENDUNG BESTIMMTER CHEMIKALIEN
Polychlorierte Biphenyle (PCB) nur noch in Ausnahmefällen zugelassen

— (AD)-- Einstimmig beschloß der Rat für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) in Paris, die Anwendung von polychlorierten
Biphenylverbindungen (FCB) zu verbieten, sofern nicht durch besondere Umstände gegen die weitere Benutzung keine Bedenken bestehen. Das ist beispielsweise bei Transformatoren und großen Kondensatoren der Fall, die
"geschlossene Systeme" darstellen.
Die PCB-Verbindungen, von denen es etwa 2oo gibt, sind in der Elektroindustrie wegen ihrer guten Isoliereigenschaften und Unbrennbarkeit geschätzt. Darüberhinaus wurden sie auch anderweitig auf den verschiedensten
Gebieten verwendet - z.B. in Farben, Schmierölen, Weichmachern oder Pestiziden. Verhältnismäßig spät fand man heraus, daß sie für Menschen wie für
die Tier-und Pflanzenwelt eine Gefahr darstellen können. Alarm wurde geschlagen, nachdem es zu einigen Unfällen mit Vergiftungserscheinungen gekommen war - am schlimmsten wurden die ca. 1 000 Arbeiter einer japanischen
Fabrik betroffen, wo Reisöl pasteurisiert wurde. Deshalb ordneten einige
Länder schon vor der OECD-Aktion Einschränkungen für die Anwendung von
PCB-Chemikalien an. Aber es wird viel Zeit brauchen, um diese vor allem

-1-

�allem durch Abwässer in der Natur deponierten, nur schwer abbaufähigen Substanzen wieder los zu werden.
Der OECD-Beschluß schafft einen Präzedenzfall für konkrete internationale
Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation, Er wurde in Übereinstimmung
mit einer Resolution der UN-Konferenz von Stockholm (Juni 1972) über den
Schu-Z der menschlichen Umwelt gefaßt, geht jedoch auf zwei amerikanische
Anträge zurück, die Vertreter der USA im Umwelt ausschuß der OECD einbrachten.
Der erste dieser Anträge, dem der OECD-Rat bereits im Mai 1971 zustimmte,
galt der Einführung eines "Frühwarnsystems", das hier im wirtschaftlichen
Sinn zu verstehen ist. Es soll die Partnerländer rechtzeitig auf beabsichtigte nationale Maßnahmen aufmerksam machen, die die Verwendung gewisser toxischer Substanzen in dem betreffenden Land einschränken, wodurch aber gleichzeitig wirtschaftliche Interessen von Partnerländern berührt werden könnten.
Der zweite amerikanische Antrag betraf ausschließlich die Kontrolle von PCBVerbindungen. Er wurde im Oktober 1972 angenommen.
Der Umweltausschuß der OECD wurde 1970 geschaffen, um wirtschaftliche,
technologische, gesetzgeberische und gesundheitliche Fragenkomplexe im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und Umweltschutz gemeinsam zu erörtern und zu
regeln.

Zum Vorsitzenden wurde damals der Amerikaner Christian Herter.Jr.,

berufen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-Oberbefehlshaber -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge zu Europa -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniqués&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon will US-Kongress um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Natürliche Hilfsquellen der Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metallische Schadstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien</text>
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9

28. Februar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft
- Wortlaut Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
vom 21. Februar 1973
- Auszüge Wortlaut des amerikanisch-chinesischen

Kommuniques

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger b e r i c h t e t über seine China-Reise
- Wortlaut der einleitenden Erklärung -

INFORMATION:

vierte internationale technische Konferenz in Japan
(13. - 16. März 1973)

WIRTSCHAFT:
USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden HandelsVerhandlungen
- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband
kanadischer Erporteure Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1973

TEIL III DER BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION: DIE WIRTSCHAFT
-Wortlaut-

WASHINGTON -»(AD)-« Der dem amerikanischen Kongreß am 22. Februar unterbreitete Teil III der Botschaft Präsident Nixons über die Lage der Nation,
der sich mit der Situation der amerikanischen Wirtschaft befaßt, hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Heute, in diesem dritten Teil meiner Botschaft über die Lage der
Nation für 1973, möchte ich über die Lage unserer Wirtschaft berichten und
den Kongreß ersuchen, gemeinsam mit mir die Grundlagen einer neuen Ära der
Prosperität in den Vereinigten Staaten zu errichten.
Die Lage unserer Nation ist in fundamentaler Weise abhängig von der
Lage unserer Wirtschaft. Ich freue mich, berichten zu können, daß unsere
wirtschaftlichen Aussichten sehr gut sind. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren können wir einer Epoche echter Prosperität in einer Zeit des Friedens
entgegensehen. Wir können in der Tat die größte Prosperität erreichen, die
dieses Land jemals erlebt hat.
Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn wir selbst Disziplin
üben und uns auf bestimmte grundlegende politische Richtlinien einigen:
—Wir

-1-

�-- Wir müssen Zurückhaltung üben bei den Ausgaben der Bundesregierung.
—

Wir müssen in den Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen Vernunft
walten lassen.

-- Wir müssen den Erfordernissen der Phase III unseres wirtschaftlichen
Stabilisierungsprogramms voll und ganz entsprechen.
-- Wir müssen unsere Bemühungen, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten, fortsetzen.
-«. Und wir müssen der Wettbewerbsherausforderung im Außenhandel energisch begegnen.
Es ist mir klar, daß das amerikanische Volk bei der Unterstützung dieser Politik fest zusammensteht. Sein Präsident hält zu ihm. Und wenn die
Mitglieder des 93. Kongresses die uns dieses Jahr vorliegenden Alternativen
prüfen, so bin ich gewiß, daß sie sich ebenfalls an dieser großen Aufgabe
beteiligen werden.

- Die Auswirkung der Wirtschaft auf das Leben der Menschen In dieser Botschaft werden meine grundlegenden wirtschaftlichen Empfehlungen dargelegt, die Prioritäten gesetzt und einige der Bereiche aufgezeigt,
auf denen weitere detaillierte Pläne später vorgelegt werden.
Ich möchte unsere wirtschaftliche Lage aber auch in einer weniger formellen Form erörtern: Wie wirken sich statistische Normen, Vergleiche und
Tabellen auf das tägliche Leben der einzelnen Amerikaner und ihrer Familien
aus?
Wir bauen unsere Wirtschaft nämlich nicht auf, um kalte, unpersönliche
Statistiken für unsere Geschichtsschreibung zu schaffen, sondern um das Leben
unserer Menschen zu verbessern.
Grundsätzlich

-2-

�Grundsätzlich wirkt sich die Wirtschaft auf die Menschen auf dreierlei
Weise aus. Einmal beeinflußt sie ihre Arbeitsplätze - wie viele verfügbar
sind, wie sicher sie sind und wie gut sie sind. Zweitens wirkt sie sich auf
die Bezahlung der Menschen für ihre geleistete Arbeit aus = und darauf, wie
viel sie mit diesem Einkommen kaufen können. Schließlich wirkt sie sich darauf aus, wie viel die Bevölkerung an Steuern an die Regierung zu entrichten hat.

- Ermutigende Arbeitsmarktlage Zunächst einmal, die Arbeitsmarktlage ist heute sehr ermutigend. Die
Zahl der in Arbeit Stehenden in unserem Lande ist 1972 um 2,3 Millionen gestiegen ~ das ist die größte Zunahme in 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ging
von einem Stand von 6 Prozent im Jahre 1971 auf 5 Prozent im letzten Monat
zurück.
Der Grund, warum die Zahl der Arbeitsplätze so schnell zugenommen hat,
ist, daß die Wirtschaft im letzten Jahr real um 6 1/2 Prozent expandierte
-- das ist eines der besten Ergebnisse des letzten Viertel Jahrhunderts. Unsere Wirtschaftsberater rechnen für 1973 mit einer Wachstumsrate von fast
7 Prozent. Das würde die Arbeitslosigkeit bis Ende des Jahres auf einen Stand
von 4 1/2 Prozent herabdrücken.
5 Prozent Arbeitslosigkeit ist zu viel. Trotzdem ist es aufschlußreich,
diese Zahl von 5 Prozent genauer zu prüfen. Zum Beispiel:
-» Nur 40 Prozent der jetzt als arbeitslos Geführten befinden sich in
diesem Status, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Entlassungsrate war Ende des Jahres niedriger als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem
Korea^Krieg.
-- Die übrigen 60 Prozent haben ihren Arbeitsplatz entweder freiwillig
verlassen oder sie bemühen sich erstmals um einen Arbeitsplatz oder sie tre-

-3-

�treten nach einer langen Zeitspanne erneut wieder in das Arbeitsleben ein.
-- Rund 45 Prozent der Arbeitslosen waren weniger als 5 Wochen ohne
Arbeit.
-- Verglichen mit früheren Zeiten, in denen die Arbeitslosenrate sich
in etwa auf dem gegenwärtigen Stand befand, ist die Arbeitslosenrate bei
männlichen Arbeitnehmern, Haushaltsvorständen und verheirateten Männern niedr
ger. Bei verheirateten Männern beträgt sie nur 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bei diesen Gruppen sollte 1973 noch weiter zurückgehen.
Dieser Erfolg auf dem Beschäftigtensektor ist umso bemerkenswerter, da
weit mehr Menschen Arbeit suchen als sonst. Zum Beispiel sind fast drei
Millionen Amerikaner seit 1969 aus mit der Verteidigung zusammenhängenden
Arbeitsplätzen entlassen worden - in dieser Zahl sind auch über eine Million
Kriegsveteranen enthalten.
Die Arbeitslosenrate bei Veteranen des Vietnamkrieges liegt gegenwärtig
bei 5,9 Prozent - also über der allgemeinen Arbeitslosenrate, aber geringfügig unter der Arbeitslosenrate für Männer in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre
Dies ist zwar bedeutend besser als die 8,5 Prozent vor einem Jahrj die Arbeitslosenrate von 5,9 Prozent ist jedoch immer noch zu hoch.
Das Problem, Arbeitsplätze für Kriegsveteranen zu schaffen, die so viel
für ihr Land gegeben haben, wird im kommenden Jahr weiterhin obenan auf meiner Liste der dringenden Anliegen stehen.
Frauen und junge Menschen haben sich ebenfalls in noch nie dagewesenen
Zahlen um Arbeit bemüht. Doch

wie im Falle der Kriegsveteranen, hat die Zahl

der Arbeitsplätze für diese Gruppen noch schneller zugenommen. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen und jungen Menschen ist somit zurückgegangen - aber sie
liegt immer noch zu hoch und bedeutet für unser Land eine große Vergeudung.
Wenn wir jetzt in eine neue Ära der Prosperität in Friedenszeiten eintreten, hat unser Wirtschaftssystem Platz - ja es besteht ein Bedarf - für
jede verfügbare Arbeitskraft.
Die
-4-

�Die Rolle der Frau wird in unserer Wirtschaft immer stärker werden. Und
sie sollte das - nicht nur, weil die Erweiterung der Arbeitsplatzchancen
für Frauen ihr Recht hat, sondern auch, weil Amerika sonst nicht sein volles
wirtschaftliches Potential entfalten kann, sofern nicht jede Frau, die arbeiten will, einen Arbeitsplatz finden kann, der ihr faire Entlohnung und
gleiche Fortkommensmöglichkeiten bietet.
Diese Regierung hat sich verpflichtet, dieses Ziel zu fördern. Wir unterstützen den Zusatzartikel (zur Verfassung) über gleiche Rechte. Wir haben
die Tür für die Beschäftigung qualifizierter Frauen im Bundesdienst geöffnet. Wir haben ähnliche Bemühungen in den Wirtschaftsunternehmen und in den
Instituten gefordert, die Aufträge oder Unterstützung seitens der Bundesregierung erhalten. Gerade im letzten Jahr haben wir einen Beratungsausschuis
über die Rolle der Frau in der Wirtschaft geschaffen. Dieser Ausschuß wird
federführend mitwirken, die wirtschaftlichen Probleme aufzuzeigen, denen sich
die Frau gegenübersieht, und mit dazu beitragen, die Haltung zu ändern, die
ungerechte und unlogische Schranken für ihre Beschäftigung schafft.

- Lohn und Kaufkraft -

Die zweite große Frage ist, welche Entlohnung die Menschen für ihre Arbeit erhalten und was sie dafür kaufen können.
Hier sind die Berichte ebenfalls gut. Es stehen nicht nur mehr Menschen
in Arbeit, sondern sie erhalten auch eine höhere Entlohnung für ihre Arbeit.
Das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen ist 1972 um 7,7 Prozent gestiegen
- das liegt weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Erfolge nicht durch steigende Preise
zunichtegemacht werden - wie dies oftmals in den siebziger Jahren der Fall
war. Die Bundesregierung gab in dieser Zeit zu viel Geld zu schnell aus, und
das Ergebnis war eine galoppierende Inflation.
Während

»5-

�Während die Löhne in diesen Jahren sehr schnell, anstiegen, nahm die
Kaufkraft nicht zu. Vielmehr blieb die Kaufkraft unverändert oder sie ging
sogar zurück. Die Inflation führte zu einem wirtschaftlichen Stillstand, bei
dem ein Arbeitnehmer oftmals eine sechsprozentige Gehaltserhöhung jährlich
haben mußte, nur um den gleichen Stand halten zu können.
Das hat sich jetzt geändert. Die Inflationsrate ist im letzten Jahr gegenüber dem Stand von vor vier Jahren auf fast die Hälfte gesenkt worden.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens nahm im letzten
Jahr stärker als in irgendeinem Jahr seit 1955 zu; sie stieg um 4,3 Prozent
an - dies entspricht etwa zwei Extrawochenlöhnen.
Wir rechnen damit, daß die Inflation 1973 noch weiter abgebaut werden
kann - und zwar aus mehreren Gründen.
Ein Hauptgrund ist die wachsende Opposition im Lande gegen zu stark
steigende Bundesausgaben. Die Öffentlichkeit erkennt in immer stärkerem Maße,
was solche Ausgaben für Preise und Steuern bedeuten. Als folge hiervon haben
wir jetzt eine gute Chance, die beste seit Jahren, um der Ausweitung des Bundeshaushaltes Einhalt zu gebieten. Das wird mehr als irgendeine andere Maßnahme dazu beitragen, das Familienbudget zu schützen.
Andere Kräfte arbeiten ebenfalls für uns. Die Produktivität ist im
letzten Jahr stark gestiegen - was bedeutet, daß der durchschnittliche Arbeiter mehr produziert und daher mehr verdienen kann, ohne daß hierdurch die
Preise in die Höhe getrieben werden. Darüberhinaus wird die Tatsache, daß
das freie Einkommen im letzten Jahr real so stark gestiegen ist, zu vernünftigen Lohnforderungen in diesem Jahr führen. Die Arbeitnehmer werden nicht
mehr einen früheren Lohnruckstand aufzuholen haben.
Schließlich haben wir ein neues System von Lohn-und Preiskontrollen
- ein System, das das Richtige für 1973 ist.
-Strikte

�- Strikte Kontrollen und Kampf gegen die Lebensmittelpreise-

Jeder Gedanke, daß die Kontrollen praktisch aufgehört haben, ist völlig
falsch. Wir haben noch immer strikte Kontrollen, Wir setzen sie immer noch
entschlossen durch. Was sich geändert hat, ist die Art, wie wir sie durchsetzen.
Das alte System war abhängig von einer Bürokratie in Washington, die
im voraus größere Lohn-und Preiserhöhungen billigen mußte.. Obwohl dieses
System während seiner Geltungsdauer wirksam war, begann es doch zu Ungerechtigkeiten zu führen und sich in der Bürokratie zu verlieren. Das neue System
wird diese Gefahren vermeiden. Wie die meisten unserer Gesetze basiert es
weitgehend auf Selbstverwaltung und auf der freiwilligen Mitarbeit des
amerikanischen Volkes.
Sollten jedoch einige nicht mitmachen, so verfügen wir über den Willen
und die Mittel, sie dazu zu zwingen.
Allen wirtschaftlichen Interessen, die etwa glauben sollten, daß das
neue System ihnen, offen oder heimlich, gestatten wird, Gewinne zu erzielen,
die über die von uns festgesetzten Sicherheitsgrenzen hinausgehen, möchte
ich folgendes in klaren und unmißverständlichen Worten sagen:
Wir werden jede Verhöhnung unserer anti-inflationistischen Bestimmungen
und Normen als nichts anderes als einen Versuch wirtschaftlicher Brandstiftung ansehen, der die Stabilität unserer Volkswirtschaft bedroht - und wir
werden dementsprechend handeln. Wir möchten, daß die Phase III so freiwillig
wie möglich gehandhabt wird. Aber wir werden so viel Zwang ausüben, wie
notwendig ist.
Unser neues System findet breite Unterstützung bei Wirtschaft und Gewerkschaften - das ist der entscheidende Punkt für jedes erfolgreiche Programm. Es wird uns auf den Tag vorbereiten, an dem Kontrollen nicht länger
mehr notwendig sind. Es wird uns die Möglichkeit geben, uns auf solche

-7-

�solche Gebiete zu konzentrieren, auf denen die Inflation am störendsten war
- auf die Bauwirtschaft, die Gesundheitsfürsorge und vor allem auf die Lebensmittelpreise .
Wir werden dem schwierigen Problem der Lebensmittelpreise besondere Aufmerksamkeit schenken und unsere Maßnahmen hierauf konzentrieren. Diese Preise
haben auf Großhandelsebene in den letzten Monaten stark angezogen, so daß
die Statistiken der Einzelhandelspreise im Januar und Februar zwangsläufig
eine starke Zunahme aufweisen werden. Praktisch werden wir wahrscheinlich
noch auf Monate hinaus eine Erhöhung der Lebensmittelpreise erleben.
Die diesem Problem zugrundeliegende Ursache ist, daß die Lebensmittelversorgung nicht schnell genug ausgeweitet worden ist, um mit der schnell
steigenden Nachfrage Schritt halten zu können. Wir dürfen jedoch schnell
steigende Lebensmittelpreise nicht als eine ständige Erscheinung im Leben
der USA hinnehmen. Wir müssen dieser inflationistischen Spirale Einhalt gebieten, indem wir die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise auf allen
Fronten angehen. Der Verbesserung der Lebensmittelversorgung muß von uns
oberste Priorität gegeben werden, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu
können.
Wir ergreifen nachdrückliche Maßnahmen, um unsere Lebensmittelversorgung
zu verbessern:
—

Wir ermutigen die Farmer, mehr Land in Bestellung zu nehmen, sowohl
für Feldfrüchte wie auch für die Viehzucht.

-- Wir werden mehr Fleisch und Trockenmilch aus dem Ausland hereinlassen.
-- Wir haben die Subventionen für Agrarexporte eingestellt.
-- Und wir bauen die Regierungsbestände an Agrarerzeugnissen ab und ermutigen die Farmer, ihre eigenen Bestände zu verkaufen.

Derartige

-8-

�Derartige Maßnahmen werden dem Anstieg der Lebensmittel-Großhandelspreise Einhalt gebieten und den Anstieg der Lebensmittel-Einzelhandelspreise
verlangsamen. Leider wird sich nichts von dem, was wir tun können, bereits
in den nächsten Monaten entscheidend auswirken. Aber die von mir ergriffenen Maßnahmen werden für die zweite Hälfte des Jahres eine nachhaltige Wirkung haben.
Diese Maßnahmen werden ferner unseren Farmern helfen, ihre Einkünfte
durch Ausweitung der Erzeugung und ohne gleichzeitige Preiserhöhungen zu verbessern.. Wir rechnen damit, daß die Agrarpreise Ende des Jahres nicht höher
liegen werden als zu Jahresbeginn.
Aus allen diesen Gründen haben wir eine gute Chance, die Gesamtinflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2 Prozent zu senken.
- Beibehaltung des Steuerniveaus Die dritte wichtige wirtschaftliche Frage ist, wieviel
kerung an Steuern zu zahlen hat und wieviel

Geld die Bevöl-

ihr zu ihrer eigenen Verfügung

bleibt. Hier ist das Bild ebenfalls vielversprechend.
Seit 1950 hat sich der Anteil der Steuern am durchschnittlichen Familieneinkommen in den Vereinigten Staaten fast verdoppelt - er ist auf über
20 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hatte 1950 weniger
als eine Stunde seines Achtstundentages gearbeitet, um seine Steuern bezahlen zu können; heute arbeitet er fast zwei Stunden täglich für den Steuereinzieher .
Wären die Steuersenkungsvorschläge während unserer ersten Amtszeit nicht
angenommen worden, so wäre die Lohnaufbesserung des durchschnittlichen Arbeitnehmers im letzten Jahr fast völlig durch die höheren Steuern aufgezehrt
worden

und die Steuerzahler müßten dieses Jahr weitere 25 Milliarden Dollar

an Einkommenssteuer entrichten.
Der

-9-

�Der einzige Weg, um die Steuern nicht höher werden zu lassen, ist,
die Bundesausgaben nicht weiter steigen zu lassen.
Dies ist der Grund, warum wir Bundesprogramme kürzen, einstellen oder
reformieren, die das Geld des Steuerzahlers verschwenden.
Meine Administration blickt auf eine vierjährige Erfahrung mit allen
unseren Bundesprogrammen. Wir haben detaillierte Studien durchgeführt und
ihre Kosten und Ergebnisse miteinander verglichen. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Kosten zahlreicher Bundesprogramme nicht länger mehr gerechtfertigt sind. Zu ihnen gehören:
-- Bauprogramme, durch die mehr Krankenhäuser errichtet werden, wenn
ein Überschuß an Krankenhausbetten besteht;
-- Lehrerstipendien, die den Lehrerberuf für mehr Leute attraktiv machen
sollen, wenn bereits zehntausende von Lehrern keinen Arbeitsplatz
in ihrem Beruf finden können;
-- Programme zur Subventionierung von Schulplätzen für Kinder von Bundesangestellten, die bereits genügend Steuern an kommunale Stellen
zur Unterstützung ihrer örtlichen Schulen entrichten;
-- Programme für die Fortsetzung sozialer Beihilfezahlungen an Personen, die nicht mehr in den Kreis der Berechtigten fallen oder zu
hohe Einkünfte haben.
Solche Programme mögen klingende Namen haben; sie mögen nach einer
guten Sache klingen, aber hinter einem anspruchsvollen Etikett kann sich ein
böser Fehlschlag verbergen. Und wenn wir nicht bald die Programme einstellen, die sich als Fehlschlag erwiesen haben,dann werden wir bald kein Geld
mehr für Programme haben, die erfolgreich sind.
Es ist behauptet worden, unsere Haushaltskürzungen ließen einen Mangel
an Mitgefühl für die Unterprivilegierten erkennen. Die beste Antwort auf
diese Beschuldigung ist ein Hinweis auf die Tatsachen. Wir setzen in unserem

-10-

�unserem Haushalt für das nächste Jahr (1973/74) 66 Prozent mehr ein, um
den Armen zu helfen, als vor vier Jahren; 67 Prozent mehr, um den Kranken
zu helfen; 71 Prozent mehr, um den alten Menschen zu helfen,und 242 Prozent mehr, um den Hungrigen und Unterernährten zu helfen.
Insgesamt beläuft sich unser Budget für Aufgaben im Dienste des Menschen auf eine Rekordhöhe von 125 Milliarden Dollar - also fast auf das
Doppelte der Summe vor vier Jahren, als ich mein Amt antrat.
Wir haben unsere Ausgabenprioritäten bereits von Verteidigungsprogrammen auf Programme im Dienste des Menschen verlegt. Jetzt müssen wir unsere
Ausgabenprioritäten von Programmen, die einen schlechten Ertrag pro Dollar
erbracht haben, auf Programme verlegen, die ihr Geld wert sind. Damit zeigen wir, daß wir uns wirklich um jene kümmern, die in Not sind.
Die Frage ist nicht, ob wir helfen, sondern wie wir helfen. Indem wir
Programme abstellen, die Verschwendung bedeuten, können wir uns auf Programme konzentrieren, die funktionieren.
Unser jüngstes Paket an Haushaltskürzungen kann im Laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar einsparen, 19 Milliarden Dollar im nächsten Haushaltsjahr und 24 Milliarden Dollar im darauffolgenden Jahr. Das bedeutet
für jeden der 75 Millionen Steuerzahler in Amerika im Laufe der nächsten
drei Jahre eine durchschnittliche Ersparnis von 700 Dollar.
Ohne die Einsparungen, die ich durch Programmkürzungen und Reformen
erzielt habe, würden sich die Gesamtausgaben auf jeweils 261 Milliarden
Dollar, 288 Milliarden Dollar und 312 Milliarden Dollar belaufen - Zahlen,
die entweder höhere Steuern oder eine neue Welle lähmender Inflation oder
beides zusammen bedeuten würden.
Um

-11-

�Um die Ausgaben des Bundes in Grenzen halten zu können, ist es absolut
unerläßlich, daß der Kongreß voll und ganz mit uns zusammenarbeitet. Ich
appelliere an den Kongreß, als eine seiner dringendsten Aufgaben
Haushaltsjahr einen Gesamtausgabenplafond

für jedes

festzulegen. Ich möchte ihn auch

ersuchen, ein ordentliches Verfahren zu entwickeln, um die Einhaltung des
Plafonds zu garantieren.

- Die internationale Herausforderung -

In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Amerikaner in zunehmendem Maße den ernsten Fragen zugewandt, vor denen wir auf dem internationalen Handels-und Währungsschauplatz stehen.
Dies ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten - so hervorragend sie in der Wissenschaft, in der Vermarktung und in den Dienstleistungen sein mögen - die Weltmärkte mit den modernen Erzeugnissen unserer Technologie und unserer modernen Produktionsmittel beherrschen können.
Das ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten automatisch
mehr im Ausland verkaufen können,als wir von anderen Ländern kaufen. Wir stehen vor neuen Herausforderungen auf dem Gebiete des internationalen Wettbewerbs und befinden uns somit in einer Periode substantieller Anpassungen in
unseren Beziehungen zu unseren Handelspartnern.
Eine Konsequenz dieser Entwicklungen war die Maßnahme, die wir in der
letzten Woche ergriffen haben, um den relativen Wert des Dollar beim Handel
im Ausland zu ändern.
Wir haben diesen Schritt wegen des ernsthaften Handelsungleichgewichts
ergriffen, das die wachsende

Prosperität unseres Volkes bedrohen könnte.

Amerika hat von anderen Ländern mehr gekauft als diese Länder von uns. Und genau so wie eine Familie oder ein Unternehmen nicht auf unbegrenzte Zeit mehr
kaufen als verkaufen kann, so ist dies auch im Falle eines Landes.
Eine

-12-

�Eine Änderung der Wechselkurse wird uns helfen, dieses Bild zu ändern.
Sie bedeutet, daß unsere Exporte auf den internationalen Märkten preislich
konkurrenzfähiger werden und sich besser verkaufen.

Unsere Importe anderer-

seits werden nicht so schnell anwachsen.
Diesem Schritt müssen jedoch Reformen folgen, die grundlegender sind.
Erstens benötigen wir ein flexibleres internationales Währungssystem
- ein System, das zum Gleichgewicht ohne Krisen führt. Die Vereinigten Staaten haben im September letzten Jahres fundamentale Vorschläge für ein solches System unterbreitet. Für andere Länder ist es jetzt an der Zeit, sich
gemeinsam mit uns für Maßnahmen hinsichtlich dieser Vorschläge einzusetzen.
Zweitens müssen amerikanische Produkte einen faireren Anteil an einem
offeneren Welthandelssystem erhalten, damit wir die amerikanischen Märkte
und die amerikanischen Arbeitsplätze ausweiten können. Wenn andere Länder
einen Verkauf unserer Waren im Ausland erschweren, dann kann unser Handelsungleichgewicht nur noch schlimmer werden.

- Die Verantwortung des Kongresses -

Amerika Defindet sich ohne Frage auf dem Wege zu einer neuen Ära der
Prosperität. Die Zeichen sind klar und deutlich, und mit jedem Monat gewinnen
wir mehr an Schwungkraft. Aber wir können sehr leicht vom Wege abkommen, wenn
der Kongreß nicht mit dabei ist und mithilft, den Kurs zu halten.
Wenn wir auf das Jahr 1973 blicken, dann können wir sicher sein, daß
die Lage unserer Wirtschaft tatsächlich in großem Maße von den Entscheidungen abhängt, die der Kongreß in diesem Jahr trifft.
Im Laufe der nächsten Monate werde ich auf unverzügliche Maßnahmen des
Kongresses bezüglich einer ganzen Anzahl wirtschaftlicher Vorschläge drängen. Zusammengenommen werden diese Vorschläge eines der wichtigsten Bündel

-13-

�Bündel wirtschaftlicher Initiativendarstellen, die jemals von irgendeinem
Kongreß in unserer Geschichte erörtert worden sind. Ich hoffe - wie dies
auch unser ganzes Volk tut -,daß der Kongreß mit Umsicht und ohne Verzug
handelt.
Zu den Punkten, die mein Wirtschaftspaket für 1973 enthält, gehören:
—

eine Verlängerung des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms.

Die gegenwärtige Vollmacht läuft in Kürze aus,und ich habe den Kongreß ersucht, das Gesetz um ein Jahr bis zum 30. April 1974 zu verlängern. Ich hoffe, daß dies ohne weitere allgemeine Zwangsnormen oder die Auflage starrer
Vorentscheidungen geschehen wird - Schritte, die eine vernünftige Durchführung dieses Programms nur behindern würden. Eine so hochkomplizierte Wirtschaft kann auf diese Weise einfach nicht über längere Zeiträume wirksam
reguliert werden.
-- das Steuerprogramm. Ich werde ein Steuerprogramm empfehlen, das
weitere Reformen auf den 1969 und 1971 bereits erreichten aufbaut.
-- Vermögenssteuerentlastung. Ich werde ferner Empfehlungen vorlegen,
damit die schwere Belastung für ältere Amerikaner durch die Vermögenssteuer
gemildert wird.
—

Steuerkredit für nicht-öffentliche Schulen. Ich werde ein Gesetz

vorschlagen, das einen Einkommenssteuerkredit für in nicht-öffentlichen
Volksschulen gegebenen Unterricht vorsieht. Diese Institutionen stellen eine
wertvolle nationale Einrichtung dar, die das öffentliche Schulsystem bei zu
starken Aufnahmezahlen entlastet, in unseren Erziehungsprozeß eine willkommene Vielfalt bringt und Millionen von Eltern größere Möglichkeiten bietet.
—

Handelsgesetz

Ein weiterer Punkt, der obenan auf unserer Tagesord-

nung steht, werden neue Handelsvorschläge sein, die ich dem Kongreß in Kürze
unterbreiten werde. Sie werden es uns leichter machen, nicht nur unsere Handelsschranken zu senken, wenn die anderen Länder die ihren abbauen, sondern
auch unsere Schranken zu erhöhen, falls dies notwendig ist, um faire Verhältnisse zu schaffen.
--Andere

-14-

�-- Andere Reformen. Ich werde ferner später Empfehlungen unterbreiten
für eine Verbesserung unseres privaten Pensionssystems, unseres Arbeitslosenunterstützungsprogramms, unserer Gesetze über Mindestlöhne sowie die Art,
wie wir unsere Transportsysteme handhaben, um diese zu modernisieren, sie
gerechter und besser zu machen.
-- Ausgabenlimit. Schließlich, und das ist äußerst wichtig, werde ich
den Kongreß ersuchen, noch in diesem Jahr feste Höchstgrenzen für die Bundesausgaben zu setzen.
Die von mir in dem diesjährigen Haushalt vorgeschlagenen Kürzungen
fielen mir nicht leicht. Daher kann ich es gut verstehen, daß es dem Kongreß
nicht leicht fallen wird, sie beizubehalten, wenn jede besondere Interessengruppe mit ihren eigenen Vertretern im Kongreß für ihre eigenen besonderen
Interessen wirbt. Aber der Kongreß sollte Höherem als nur besonderen Interessen dienen; seine oberste Aufgabe muß es stets sein, dem öffentlichen Interesse zu dienen.
Wir müssen uns ferner darüber klar sein, daß niemand im Kongreß zur
Zeit damit beauftragt ist, alle unsere Bundesaufgaben zusammenzuaddieren
und ihre Gesamtauswirkungen auf Steuern und Preise zu untersuchen. Es ist
so, als ob jedes Mitglied einer Familie für sich einkaufen geht, ohne zu
wissen, wieviel

Geld in dem gesamten Familienbudget verfügbar ist und wie,,

viel die übrigen Familienmitglieder ausgeben oder auf die verschiedenen Kreditkarten kaufen.
Um diese Probleme zu lösen,schlage ich vor, daß der Kongreß umgehend
eine Gesamtausgabenhöchstgrenze für jedes Finanzjahr festlegt. Ein solcher
Schritt würde es dem Kongreß ermöglichen, gemeinsam mit mir darauf hinzuarbeiten, die Ausgaben im laufenden Finanzjahr auf 250 Milliarden Dollar, im
nächsten Finanzjahr auf 269 Milliarden Dollar und im Finanzjahr 1974/75 auf
288 Milliarden Dollar beschränkt zu halten. Neben der Verabschiedung einer
Jahreshöchstgrenze empfehle ich ferner, daß der Kongreß innere Reformen erwägt, durch die ein regulärer Mechanismus für die Entscheidung geschaffen

-15-

�geschaffen wird, wie diese Höchstgrenze einzuhalten ist.
Keine andere wirtschaftliche Empfehlung, die ich dem Kongreß zu unterbreiten habe, ist für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes wichtiger. Ich glaube, daß die meisten Mitglieder des Repräsentantenhauses und
des Senats die Ausgaben niedrig halten wollen. Die meisten Kongreßmitglieder stimmten im Prinzip

für eine Ausgabenhöchstgrenze, als der Senat und

das Repräsentantenhaus im vergangenen Herbst eine Höchstgrenze billigten.
Leider konnten die beiden Häuser sich nicht auf eine endgültige Formulierung einigen. Meines Erachtens sollten sie bald zusammenkommen - damit der
Kongreß in diesem Jahr mit einem entschlossenen Sinn für Haushaltsdisziplin
arbeiten kann.
Es steht viel auf dem Spiel. Wenn wir die Ausgaben nicht einschränken
und wenn meine empfohlenen Kürzungen rückgängig gemacht werden, so müßten
die Einkommenssteuern um 15 Prozent erhöht werden, um die zusätzlichen Ausgaben bezahlen zu können.
Die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß ist in
den letzten Wochen ein beliebtes Gesprächsthema geworden. Natürlich sollten
wir niemals unsere große Sorge um die Erhaltung eines verfassungsmäßigen
Gleichgewichts aufgeben.
Aber wir sollten auch niemals die Tatsache übersehen, daß wir gemeinsame
Verantwortungen wie auch getrennte Gewalten haben.
Es gibt viele Gebiete, auf denen der Präsident und der Kongreß im Namen
des gesamten Volkes zusammenarbeiten sollten und müssen - und die Höhe
der Ausgaben, die sich direkt auf das Portemonnafc jeder einzelnen Familie
des Landes auswirkt, ist eines der wichtigsten.
Ich habe mein Versprechen gehalten, daß ich keine Programme empfehlen
werde, die eine allgemeine Steuererhöhung erfordern oder einen inflationären Druck auslösen würden.Nunmehr liegt es beim Kongreß, diesen Bemühungen zu entsprechen durch eine eigene Ausgabenhöchstgrenze.
-Die

-16-

�- Die Entscheidung Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära einer langen und wachsenden
Prosperität für die Vereinigten Staaten.
Im Gegensatz zu früheren Hochkonjunkturen wird diese Prosperität nicht
durch einen Krieg stimuliert sein. Sie wird auch nicht durch die Seuche
der Inflation aufgezehrt werden. Sie wird solide sein; sie wird stetig sein;
und sie wird von Bestand sein.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln, können wir diese neue Prosperität auf viele Jahre hinaus haben. Wenn wir dies nicht tun, dann können wir,
wie Franklin Roosevelt einst warnte, "an

den Felsen einer zügellosen Haus-

haltspolitik zerschellen".
Wir haben die Wahl. Wählen wir eine von Verantwortung getragene
Prosperität!

Weißes Haus
22. Februar 1973

g e z . Richard Nixon

-H-+

-17-

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9/1973

ROGERS-ERKLÄRUNG VOR DEM AUSSENPOLITISCHEN AUSSCHUSS
DES US-SENATS VOM 21.FEBRUAR 1973
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 21. Februar vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats die
Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik niedergelegt. Seine Einleitung sowie die die Handels-und Währungspolitik, das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und die Ost-West-Beziehungen betreffenden Passagen
haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender!
Vor fast genau vier Jahren erschien ich vor diesem Ausschuß, um die
Hauptziele unserer Außenpolitik darzulegen. Ich erklärte damals, daß wir
erstens eine dauerhafte Lösung in Vietnam anstreben würden, in deren Rahmen
sowohl Nordvietnam als auch seine Nachbarn in Frieden und nicht nur im
Stadium eines ausgesetzten Kriegszustandes leben können; daß zweitens die
Vereinigten Staaten bei der Suche nach einem Frieden im Nahen Osten eine
aktive Rolle spielen würden; daß wir drittens ein zunehmend vereintes

.1-

�vereintes Westeuropa

'legünstigen und in diesem Sinne mit ihm zusammenar-

beiten würden; daß wir viertens den Ausbau beiderseits nützlicher Beziehungen
zu Ost uro,r

anstreben würden: daß fünftens unsere Politik einen ernsthaf-

ten Versuch einschließen würde, zu einer konstruktiveren Beziehung zu Peking
zu gelangen, und dab wir sechstens hofften, einen wesentlichen Fortschritt
zu verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion zu machen.
Im vorigen Jahr konnte ich Ihrem Ausschuß berichten, daß wir im Nahen
Osten mit beachtlichem Erfolg tätig waren; daß wir im Begriffe waren, uns
aus dem Konflikt in Indochina zurückzuziehen, und daß wir nachhaltige Anstrengungen unternahmen, um sowohl die Zusammenarbeit mit unseren Freunden
in Westeuropa und Japan zu verstärken, als auch um unsere Beziehungen zu jenen zu verbessern, mit denen wir fundamentale Meinungsverschiedenheiten haben, wie etwa die Sowjetunion und die Volksrepublik China; und daß der Präsident sich nachhaltig für die Errichtung eines Gebäudes des Friedens durch
Verhandlungen einsetzte.
Die Erfolge bei der Erreichung unserer außenpolitischen Ziele waren
höch;,t ermutigend • in jüngster Zeit vor allem natürlich das Vietnam-Abkommen.
In meinem ersten außenpolitischen Bericht erklärte ich, daß meine größte
Hoffnung darin bestehe, unter den Amerikanern eine neue nationale Einheit
und Zielsetzung in unserer Außenpolitik schaffen zu können - einer Politik,
die nicht länger von den düsteren Schatten der Vergangenheit gejagt wird,
sondern sich den Chancen der Zukunft zuwendet. Nachdem wir nun die Hauptquelle der Spaltung in unserem Lande hinter uns gelassen haben, besteht aller
Grund zu der Anna.ime, daß wir zusammenarbeiten können, um diese Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen wiederherzustellen. Der Zweck meines Hierseins ist gerade
der, darum zu bitten, daß wir uns für diese Aufgabe einsetzen.

Nach

�Nach einer langen und oft entmutigenden militärischen Auseinandersetzung
mag sich bei manchen Amerikanern eine gewisse Sehnsucht einstellen, sich von
den Lasten und Verantwortlichkeiten einer aktiven Rolle in der Weltpolitik
zurückzuziehen. Schon zweimal in diesem Jahrhundert war unsere erste Reaktion,
uns zurückzuziehen und uns auf innenpolitische Fragen zu konzentrieren. Dieses Mal, so bin ich überzeugt, werden wir diesen Fehler nicht machen.
Wir müssen natürlich die Überdehnung der Rolle Amerikas vermeiden, die
unsere Politik in der Vergangenheit manchmal gekennzeichnet hat. Aber unser
eigenes Selbstinteresse verlangt von uns, den neuen Konsensus in unserer
Außenpolitik auf etwas aufzubauen, was ich als eine Politik des 'realistischen Engagements* bezeichnen möchte - eine Politik, in deren Rahmen wir
weiterhin unseren Anteil an der Verantwortung tragen, auch wenn wir andere
auffordern, die größeren Rollen zu übernehmen, deren sie heute fähig sind.
Es mag gelegentlich unterschiedliche Beurteilungen geben, wo hier der
richtige Punkt der Ausgewogenheit sein mag. Ich bin jedoch sicher, daß dieser
Ausschuß, der Kongreß, und das amerikanische Volk unsere Auffassung teilen
werden, daß ein verantwortungsbewußtes und in richtigem Maße engagiertes
Amerika einem Amerika vorzuziehen ist, das vor einer Führungsrolle in der
Welt zurückschreckt und sich zurückzieht.
Ich werde mich in den kommenden Monaten ernsthaft bemühen, mit diesem
Ausschuß und mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um eine wohlüberlegte und
hoffentlich gemeinsame Einstellung zur Rolle Amerikas zu entwickeln. Lassen
Sie mich diesen Prozeß mit der Darlegung einiger der Hauptprobleme beginnen,
vor denen wir heute stehen

—Handels-

�--Handels-und Währungspolitik--

Ein dringendes allgemeines Ziel der Außenpolitik besteht darin, einen
baldigen Fortschritt bei der Reformierung des Handels-und Währungssystems
zu erzielen. In der vorigen Woche hat Präsident Nixon die Initiative ergriffen, um eine neue Währungskrise zu überwinden, indem er eine Abwertung
des Dollar angeordnet hat. Bei dieser Maßnahme war ihm die Zusammenarbeit
vieler Länder, vor allem der beiden Länder, sicher, deren Dollarreserven
die höchsten sind, nämlich Deutschland und Japan.
Die von uns ergriffenen Währungsmaßnahmen waren ein wichtiger Schritt
in der Neuordnung unserer wirtschaftlichen Beziehungen. Aber sie waren
kein Allheilmittel. Es müssen ihnen grundsätzliche Änderungen des Währungssystems folgen. Der Präsident und Finanzminister Shultz haben die
Prinzipien umrissen, die nach unserer Auffassung die Grundlage eines solchen Systems sein könnten. Es ist für den Zwanziger-Ausschuß wichtig, ohne
Verzug auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Innerhalb der nächsten Wochen wird Präsident Nixon dem Kongreß die
Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung unterbreiten, von der
er bereits gesprochen hat. Das unmittelbare Hauptziel dieser Gesetzgebung
wird darin bestehen, die Fähigkeit amerikanischer Arbeiter und Geschäftsleute zu verbessern, auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Das langfristige
Ziel dieser Gesetzgebung wird darin bestehen, die Bedingungen des internationalen Handels weiter auszudehnen und zu liberalisieren.
In bilateralen Gesprächen und in den formellen Handelsverhandlungen,
die in diesem Herbst beginnen, werden wir darauf bestehen, daß amerikanischen Erzeugnissen eine faire und vernünftige Behandlung zuteil wird. Die
Vol macht, die der Präsident vom Kongreß erhalten möchte, in bestimmten
Fällen Zölle zu erhöhen, dient dazu, diesen Zweck zu erreichen, und nicht
etwa verstärkte Handelsschranken aufzurichten. Unser Ziel ist gerade das
Gegenteil.
Weder

-4-

�'

Weder für uns noch für irgendeinen unserer Handelspartner wäre eine Erhöhung statt einer Senkung der Handelsschranken der Weg zum größten wirtschaftlichen oder politischen Nutzen. Dieser Weg könnte höchstens zur internationalen Diskriminierung, Isolierung und Autarkie führen. Auf lange Sicht
gesehen werden sich die größten Vorteile aus einem schrittweisen Abbau der
tarifären und nicht-tarifären Schranken - auf absolut gegenseitiger Basis sowohl für industrielle wie auch für landwirtschaftliche Güter ergeben,
und zwar einem Abbau bis zu dem Punkt, wo sie keine fühlbare Behinderung
des Handels mehr darstellen.
Während die Industrienationen die internationalen Wirtschaftsbeziehungen noch immer beherrschen, gewinnen die Entwicklungsländer jedoch zunehmend
an Bedeutung - in der Energie-und Rohstoffversorgung, in Handel und Investitionen und auf einer Vielzahl anderer Gebiete, angefangen von der Nutzung
der Meere bis zur Erhaltung der Umwelt. Gleichzeitig verbreitert sich die
wirtschaftliche Kluft weiterhin und wird nicht etwa geringer. In dieser Tatsache liegt die Wurzel potentiell ernster Zukunftsprobleme zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern.
Wir beabsichtigen daher, mit neuem Nachdruck darauf zu dringen, daß unsere Entwicklungspolitik umfassend ist; wir verfolgen dabei eine Politik, die
nicht lediglich Hilfe gewährt, sondern alle Aspekte der wirtschaftlichen Beziehungen der industrialisierten Welt mit der Entwicklungswelt einschließt.
Unser Ziel wird es sein, sowohl mit Industriestaaten wie mit Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um die Wachstumsrate des pro-Kopf-Einkommens der
ärmeren Nationen zu beschleunigen und gleichzeitig die beiderseitigen Interessen an verstärktem Handel und verstärkter Investition zu fördern.
Ich habe den neuen Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
(im State Department), William Casey, ersucht, alle dem Ministerium zur Verfügung stehenden Hilfsmittel auf diese Aufgabe zu konzentrieren, um so
unterschiedliche Elemente wie Bevölkerungskontrolle, internationale Investitionen, Ausweitung des Handels, Zollpräferenzen, Warenabkommen, Zuwendungen
und Anleihen und Umschuldung unter einen Hut zu bringen.
Die
-5-

�-- Die Europäische Gemeinschaft -Die wirtschaftlichen Fortschritte - mit ihren starken politischen Auswirkungen - sind ebenfalls die Hauptanregung dafür gewesen, daß der Präsident das Jahr 1973 als ein Jahr wichtiger Entwicklungen in unseren Beziehungen zu Europa betrachtet. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
stellt sich uns sowohl als eine Herausforderung wie auch als eine Chance.
Wir werden uns in diesem Jahr darum bemühen, so dauerhafte und konkrete Bindungen zu der Gemeinschaft herzustellen, daß unsere Beziehungen eine weitere
Säule der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit wird.
Wir müssen ferner eine baldige Beseitigung von Praktiken innerhalb der
Gemeinschaft erreichen, die sich gegen unsere Erzeugnisse als diskriminierend
auswirken. Wir werden dieses Ziel in unseren Gesprächen mit der Gemeinschaft
noch vor der Handelskonferenz in diesem Herbst verfolgen.

-- Ost-West-Beziehungen —

Verbesserte Beziehungen zu Osteuropa werden ebenfalls von Bedeutung
sein. Wir unternehmen bereits zusammen mit unseren westeuropäischen Verbündeten eine nachhaltige gemeinsame Anstrengung, um durch eine Verstärkung der
menschlichen Kontakte, des Informationsflusses und des Handels mit Osteuropa
Schranken gegenüber dem Zusammengehörigkeitsgefühl Europas abzubauen. Der
Fortschritt der Vorbereitungsgespräche für die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, auf der diese Themen eine Hauptrolle spielen werden, ist ermutigend gewesen. Wir rechnen mit bedeutsamen Ergebnissen bei den
Verhandlungen in diesem Sommer. Wir haben auch die Absicht, diesen Fortschritt
auf bilateralem Wege voranzutreiben, indem wir unsere eigenen Beziehungen zu
Osteuropa verbessern, vor allem indem wir versuchen, mit der Tschechoslowakei und Bulgarien ähnliche Fortschritte zu erzielen, wie wir sie anderswo
bereits gemacht haben.
Mit

�Mit diesen Bemühungen geht eine Politik der weiteren Verbesserung der
Sicherheit durch Rüstungskontrolle einher. Von zentraler Bedeutung sind natürlich die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Wir
sind ermutigt über den kürzlichen öffentlichen Hinweis von Parteichef
Breschnew auf einen 'schrittweisen Abbau» strategischer Waffen und hoffen,
daß im Rahmen des jetzt zur Verhandlung stehenden Abkommens ein solcher Abbau erreicht werden kann.
Vor einigen Wochen sind auch Sondierungsgespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa angelaufen. Im Herbst dieses Jahres sollen eigentliche Verhandlungen beginnen. Eine
Verringerung der Streitkräfte, die sich so lange in Mitteleuropa gegenübergestanden haben, ist zwar technisch schwierig, jedoch einfach in der Konzeption
und würde den Abbau strategischer Waffen

noch verstärken und weiter zur

Entspannung und zum Frieden in Europa beitragen. In der Zwischenzeit ist
es jedoch wichtig, daß wir die Verteidigungskapazität der NATO nicht einseitig verringern.
Herr Vorsitzender, in einer Zeit, da unsere Aufmerksamkeit noch immer
so stark auf ein Problem ausgerichtet ist - nämlich Indochina - ist es wichtig, daß wir den weiten Bereich des Fortschritts auf einer Vielzahl anderer
Gebiete erkennen. Ich habe heute kurz eine Reihe von Fragen gestreift, die
uns angehen,und habe dabei auch auf einige ungelöste Probleme hingewiesen.
Ich habe jedoch versucht, diese Probleme in die richtige Perspektive zu
rücken und darauf hinzuweisen, wie weit wir in nur vier Jahren gekommen sind.
Der Ausschuß ist voll und ganz auf dem laufenden über die Entwicklungen
in unseren Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China. Für andere, weniger dramatische, aber auf lange Sicht gleich wichtige Gebiete - wie
Umweltverschmutzung, Bevölkerungskontrolle, Rauschgift, Erschließung der

-7-

�der Ozeane, Flugzeugentführung und Terrorismus - haben wir viel Zeit und
Mühe aufgewandt. Herr Vorsitzender, wir dürfen alle stolz auf das sein,
was wir in diesen letzten vier Jahren erreicht haben, und ich bin sicher,
daß die nächsten vier Jahre unter der Führung von Präsident Nixon eine
Periode des weiteren Fortschritts zu unserem Ziel darstellen werden: einer
Welt des Friedens."

• 8-

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9/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-CHINESISCHEN KOMMUNIQUES
WASHINGTON --(AD)— Das am 22. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte gemeinsame amerikanisch-chinesische Kommunique1 hat folgenden
Wortlaut:
Der Berater des amerikanischen Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Dr. Henry A. Kissinger, hat die Volksrepublik China vom 15. bis
19. Februar besucht. In seiner Begleitung befanden sich Herbert G. Klein,
Alfred Le S. Jenkins, Richard T. Kennedy, John J. Holdridge, Winston Lord,
Jonathan T. Howe, Richard Solomon und Peter W. Rodman.
Der Vorsitzende Mao Tse-tung hat Dr. Kissinger empfangen. Dr. Kissinger
und Mitglieder seiner Begleitung führten umfassende Gespräche mit Ministerpräsident Chou En-tlai, Außenminister Chi Peng-lei, dem stellvertretenden
Außenminister Chiao Kuan-hua und weiteren chinesischen Regierungsmitgliedern. Mr. Jenkins führte gleichlaufende Gespräche über technische Fragen
mit dem Abteilungsleiter im Außenministerium Chang Wen-chin. Alle Gespräche wurden in einer zwanglosen Atmosphäre geführt und waren ernsthaft,
offen und konstruktiv.
Die

-1-

�Die beiden Seiten überprüften die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den beiden Ländern in dem Jahr, das seit dem Besuch Präsident Nixons in der
Volksrepublik China verstrichen ist, sowie andere Fragen von beiderseitigem
Interesse. Sie bekräftigten die Prinzipien des gemeinsamen Kommuniques, das
im Februar 1972 in Schanghai herausgegeben worden war, sowie ihre gemeinsame
Verpflichtung, eine Normalisierung der Beziehungen herbeizuführen. Sie vertraten die Ansicht, daß der in dieser Zeit erzielte Fortschritt den Völkern
ihrer beiden Länder zum Vorteil gereicht.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß nunmehr die Zeit reif für
eine Beschleunigung der Normalisierung der Beziehungen ist. Zu diesem Zweck
haben sie sich verpflichtet, ihre Kontakte auf allen Ebenen zu erweitern. Sie
vereinbarten ein konkretes Programm für eine Ausweitung des Handels wie auch
des Austausches auf wissenschaftlichen, kulturellen und anderen Gebieten.
Um diesen Fortschritt zu erleichtern und die Kommunikationen zu verbessern wurde vereinbart, daß jede Seite in naher Zukunft ein Verbindungsbüro
in der Hauptstadt der anderen Seite errichten wird. Einzelheiten sollen über
die bestehenden Kanäle ausgearbeitet werden.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zur
Verminderung der Spannungen in Asien und in der Welt beitragen wird.
Dr. Kissinger und seine Begleitung gaben ihrem tiefen Dank für die ihnen
gewährte herzliche Gastfreundschaft Ausdruck.

+++

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9/1973

KISSINGER BERICHTET UEBER SEINE CHINA-REISE
-Wortlaut der einleitenden Erklärung-

WASHINGTON --(AD)— Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 22. Februar auf einer Pressekonferenz in Washington über seine Reise nach der Volksrepublik China und
nach Nordvietnam berichtet und sich den Fragen der Journalisten gestellt.
Seine einleitende Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich dachte, ich beginne am besten mit einigen Bemerkungen über meine Reise nach der Volksrepublik China, beantworte
dann einige Fragen dazu sowie zum Kommunique und schließe dann daran einige
zusätzliche Feststellungen zu der Presseunterrichtung an, die (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ron Ziegler im Hinblick auf das Kommunique1 von
Hanoi bereits vorgenommen hat.
Um das Kommunique in die richtige Perspektive zu rücken und einige
Worte dazu zu sagen, sollte man sich die Entwicklung unserer China-Politik
vor Augen führen. Als wir im Jahre 1969 unsere ersten Kontakte mit der Volksrepublik China durch dritte Parteien aufnahmen und im Jahre 1971 dann direkt,

-1-

�direkt, hatten die Vereinigten Staaten seit nahezu 20 Jahren keinerlei Kontakt mit der Volksrepublik China gehabt; zumindest keinen Kontakt auf einer
wirklich bedeutsamen Ebene.
Unsere ersten Gespräche zielten in erster Linie darauf ab, Vertrauen
zu schaffen, wobei jeder seine Position darlegte und wobei Kommunikationskanäle eingerichtet wurden. Im vorigen Jahr bestanden unsere Erfolge darin,
daß die Richtungen sowie die Wege aufgezeigt wurden, die man beschreiten
könnte. Nach der Beendigung des Krieges in Vietnam und im Zuge unserer Gespräche in Peking konnten wir einige dieser Wege beschreiten und über den
Versuch, die Hindernisse und das Mißtrauen zu beseitigen hinaus zu einigen
konkreteren und positiveren Erfolgen zu gelangen.
Was sich in diesen Konferenzen vollzog, war praktisch eine Fortsetzung
der Möglichkeiten, die während des Besuches unseres Präsidenten und im Zuge
der Gespräche zwischen ihm und dem Vorsitzenden Mao sowie Ministerpräsident
Chou En-lai aufgezeigt worden waren; allerdings nahmen sie nunmehr konkretere Form an. Wie es im Kommunique heißt, überprüften wir ausführlich den
Fortschritt in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, und wir überprüften auch ausführlich die weltpolitische Situation.
Wir erörterten die Grundsätze des Kommuniques von Schanghai, besonders
diejenigen, die sich mit dem Wunsche nach einer Normalisierung der Beziehungen, dem Wunsche nach einem Abbau der Gefahr eines militärischen Konfliktes,
sowie der nachdrücklichen Versicherung beider Seiten befassen, daß sie nicht
nach einer Hegemonie im pazifischen Bereich streben - wobei jede Seite sich
gegen den Versuch irgendeines anderen Landes stellt, diese Hegemonie zu erreichen und wobei betont wird, daß die Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten niemals gegen irgendein drittes Land gerichtet sein
würden.
In

-2-

�In diesem Geiste beschlossen wir, die Normalisierung der Beziehungen
zu beschleunigen und die Kontakte auf allen Gebieten zu vertiefen; eii.
erstes konkretes Programm für die Erweiterung dieser Kontakte wurde ausgearbeitet .
Angesichts dieses neuen Bereiches von Kontakten kam man zu der Ansicht,
daß der bestehende Kanal in Paris nicht ausreichend sei und daß deshalb jede Seite in der Hauptstadt der anderen ein Verbindungsbüro einrichten würde.
Dieses Verbindungsbüro soll sich mit Fragen des Handels wie auch mit allen
anderen Angelegenheiten befassen, mit Ausnahme der rein formellen diplomatischen Aspekte unseres Verhältnisses, aber im übrigen soll dieses Büro
den ganzen Bereich der Beziehungen erfassen. Dieses Verbindungsbüro wird in
nächster Zukunft eingerichtet werden. Beide Seiten werden innerhalb der
nächsten Wochen Vorschläge hinsichtlich der technischen Erfordernisse unterbreiten und dann wird es für die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China möglich sein, miteinander in der Hauptstadt des jeweils anderen zu
unterhandeln.
Damit nun dieser Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen konkreten Ausdruck erfährt, wurde eine Reihe von Schritten vereinbart.
Zunächst einmal haben uns die Chinesen als ein Zeichen ihres guten
Willens davon in Kenntnis gesetzt, daß sie während des Zeitraums unseres Abzuges aus Vietnam gleichzeitig die beiden militärischen Gefangenen, die in
China festgehalten werden, freilassen wollen, nämlich Korvettenkapitän
(Robert J.) Flynn und Major (Philipp E.) Smith. Sie werden seit 1967 bezw.
seit 1965 in China festgehalten und werden innerhalb der nächsten Wochen
freigelassen.
Ministerpräsident Chou En-lai hat mich ferner gebeten, Präsident Nixon
davon in Kenntnis zu setzen, daß das chinesische Strafgesetz die Möglichkeit
einer periodischen Überprüfung des Strafmasses von Gefangenen vorsieht und

3

�und daß diese Bestimmung auch im Falle von John Downey angewandt werden würde. Das chinesische Strafgesetz sieht eine Herabsetzung des Strafmasses
aufgrund guter Führung vor. Uns ist erklärt worden, daß die Führung und das
Verhalten von Mr. Downey beispielhaft gewesen sei und daß sein Fall in der
zweiten Hälfte dieses Jahres überprüft werden würde.
Im Hinblick auf weitere bisher ungelöste Fragen, die über andere Kanäle
erörtert wurden, kamen wir überein, daß die miteinander zusammenhängenden
Fragen der amerikanischen Privatansprüche gegen die Volksrepublik China und
der blockierten Guthaben der Volksrepublik China in den Vereinigten Staaten
in naher Zukunft auf einer globalen Basis ausgehandelt werden sollen. Erste
Gespräche über dieses Thema werden in der nächsten Woche zwischen Außenminister Rogers und dem chinesischen Außenminister beginnen, wenn beide an
der internationalen Vietnamkonferenz in Paris teilnehmen; wir rechnen damit,
daß diese Verhandlungen rasch und in einer umfassenden Weise abgeschlossen
werden können, und wir sind sicher, daß beide Seiten in einem konstruktiven
Geiste und mit einer Haltung an diese Verhandlungen herangehen werden, die
in Übereinstimmung mit unserer Absicht steht, die Verbesserung unserer Beziehungen zu beschleunigen.
Was einen verstärkten Austausch zwischen den beiden Ländern anbetrifft,
so haben die Chinesen zugestimmt, im Herbst dieses Jahres das Philadelphia
Symphonie-Orchester, im Frühjahr ein Ärzte-Team, im Sommer Gruppen von Wissenschaftlern, eine Gruppe von Lehrern weiterführender Schulen sowie in vermehrtem Maße Abgeordnete und Senatoren, sowie Sportler (verschiedener Sparten)
einzuladen.
Die Volksrepublik China hat der Entsendung einer archeologischen Ausstellung aus der Verbotenen Stadt nach den USA zugestimmt, die wahrscheinlich
im Jahre 1974 zu uns kommen wird, sowie der Entsendung einer Gruppe von
Wasserwirtschaftsexperten, einer Gruppe von Hormonspezialisten, einer Gruppe
von Hochenergiephysikern sowie eines Teams \o n Turnern.
Wenn

-4-

�Wenn die Verbindungsbüros eingerichtet sind, besteht die Möglichkeit
für die Entwicklung weiterer Kontakte und für die Beschleunigung dieses gesamten Prozesses. Der Hauptpunkt, den ich hier herausstellen möchte, ist folgender:
Unsere Kontakte zur Volksrepublik China haben sich von einem Zustand der
Feindseligkeit zur Normalisierung hin bewegt. Beide sind wir der Auffassung,
daß es für den Weltfrieden von entscheidender Bedeutung ist, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China in weltpolitischen Angelegenheiten
verantwortungsbewußt handeln; daß wir Teil einer internationalen Gesellschaft
sind, in der alle Nationen ein entscheidendes Interesse an der Wahrung des
Friedens haben und daß sich deshalb, wie es im Kommunique von Schanghai bereits betont und jetzt noch einmal bekräftigt wurde, die Normalisierung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China nicht
gegen andere Länder richtet, sondern daß dies Teil des Planes ist, den der
Präsident immer verfolgt hat, nämlich die Errichtung eines Gebäudes des Friedens, an dem alle Länder teilhaben können und an dem alle Länder ein Interesse haben.
Es bleibt mir nur noch zu sagen, daß wir mit außerordentlicher Höflichkeit empfangen wurden und daß die Gespräche in einer - wie es immer geheißen
hat - ungezwungenen Atmosphäre stattgefunden haben.

Nach der Beantwortung von Fragen zu diesem Komplex wandte sich Dr.Kissinger seinem Besuch in Hanoi zu. Hierzu erklärte er wörtlich:
Ich möchte noch eine allgemeine Feststellung zu meinem Besuch in Nordvietnam anfügen. Ein großer Teil der Kommentare, die ich seit meiner Rückkehr
und auch während meiner Reise gesehen habe, befaßte sich mit der Wirtschaftskommission und der Wirtschaftshilfe, über die jetzt gesprochen wird. Lassen
Sie mich versuchen, dies in die richtige Perspektive zu rücken.....
Es

-5-

�Es war nicht der Hauptzweck meines Besuches in Hanoi, ein wirtschaftliches Hilfsprogramm auszuarbeiten. Hauptzweck dieses Besuches war es vielmehr, mit der Führung der Demokratischen Republik Vietnam einen Kontakt herzustellen, um herauszufinden, ob es möglich sein würde, mir ihr in Indochina
eine ähnliche Beziehung herzustellen, wie wir sie mit der Volksrepublik China
herstellen konnten.
Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Führer der Demokratischen Republik Vietnam fast ihr ganzes Leben lang entweder im Gefängnis oder mit dem
Führen von Guerilla-Kriegen oder dem Führen von internationalen Kriegen zugebracht haben. Noch niemals in ihrem Leben haben sie eine Möglichkeit gehabt,
an normalen diplomatischen Beziehungen mit anderen Ländern teilzuhaben oder
sich auf die friedliche Entwicklung ihres Landes und ihres Gebietes zu konzentrieren.
Aus welchen Gründen auch immer haben sie jetzt ein gewisses Interesse
zumindest an der Sondierung der Möglichkeit einer konstruktiveren Beziehung und einer friedlicheren Entwicklung gezeigt. Den größten Teil meiner
Zeit in Hanoi habe ich darauf verwandt, über die Verwirklichung des Abkommens
sowie darüber zu sprechen, welche Formen eine Normalisierung der Beziehungen
annehmen könnte.
Man sollte das Wirtschaftsprogramm nicht als eine Art Almosen betrachten und darin auch nicht nur ein reines Wiederaufbauprogtamm sehen; man sollte es vielmehr als einen Versuch ansehen, der es den Führern Nordvietnams
ermöglichen soll, mit anderen Ländern, insbesondere westlichen, in einem
kontruktiveren Verhältnis zusammenzuarbeiten und damit einen Anstoß zu einer
friedlicheren Entwicklung zu geben.

Die

-6-

�Die Wirtschaftskommission bietet den Führern der Demokratischen
Republik Vietnam die erste Möglichkeit, mit verantwortlichen Amerikanern
über etwas anderes zu sprechen als über Waffenstillstand oder militärische
Vereinbarungen, und deshalb war mein Besuch Teil eines Versuches, von
einem Zustand der Feindseligkeit zur Normalisierung zu gelangen. Deshalb
ersuchen wir nicht aus wirtschaftlichen Gründen und auch nicht in erster
Linie aus humanitären Gründen um die Unterstützung des Gedankens eines
solchen Programmes, sondern weil wir versuchen wollen, in Indochina Frieden
zu schaffen und damit zum Frieden in der Welt beizutragen.

+ ++++

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9/1973

VIERTE INTERNATIONALE TECHNISCHE KONFERENZ IN JAPAN
(13.-16.März 1973)

—(AD)-- Vom 13. bis 16. März 1973 wird in Kyoto (Japan) die 4. Internationale Konferenz über das "Sicherheitsauto" abgehalten. Veranstalter ist
der im Jahre 1969 geschaffene NATO-Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS). Dieses meist kurz als "Umweltausschuß" titulierte Komitee ist zu einer wichtigen Kontaktstelle für Experten der verschiedensten
Fachgebiete geworden - Experten, die sich in erster Linie damit befassen,
für Probleme wie Luft-und Wasserverschmutzung, unzureichende Straßen-und
Verkehrssicherheit, Verbesserung des Gesundheitswesens in allgemeiner und
spezieller Sicht oder bestmögliche

Hilfe nach Naturkatastrophen gute Lösun-

gen zu finden. In jedem Fall sind auf internationaler Ebene wirksamere Maßnahmen oder bessere Modelle für künftige Aktionen zu entwickeln, als sie
ein einzelnes Land präsentieren könnte.
Nicht alle an den CCMS-Projekten beteiligten oder daran interessierten
Länder sind Mitglieder der NATO. Auch Drittländern stehen die wissenschaftlich-technischen Arbeitskreise dieser Organisation offen. Von einer solchen gemischten Gruppe wird das Projekt "Experimentelles Sicherheitsauto"
(ESV) durchgeführt. Ihr gehören neben den Vereinigten Staaten die Länder
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,

-1-

�Italien, Niederlande sowie Japan und Schweden an. Nach den ersten drei Konferenzen in Paris (Januar 1971), Stuttgart (Oktober 1971) und Washington
(Mai 1972) wird nun Japan der Gastgeber sein. Die fünfte Konferenz ist für
das Frühjahr 1974 in England vorgesehen.
Die USA haben inzwischen mit jenen NATO-Ländern, die zu den wichtigsten
Autoproduzenten gehören, bilaterale Vereinbarungen über die Konstruktion von
Sicherheits-Modellfahrzeugen in verschiedenen Größenklassen getroffen. Mit
Japan und Schweden wurden ähnliche Abkommen geschlossen. Parallel zu den ESVEntwicklungen laufen in einigen Ländern ergänzende Studien - Erforschung
von Unfallursachen (Niederlande), Alkohol am Steuer (Kanada), technische
Überwachung von Kraftfahrzeugen (Bundesrepublik), Notarzteinrichtungen
("Italien), Fußgängersicherheit (Belgien) und bauliche Gefahren der Straße
(Frankreich).
Die bevorstehende 4. Technische Konferenz über Sicherheitsfahrzeuge
wird sowohl für die Fachpresse als auch für die Tagespresse\on Interesse
sein. Soweit zu erfahren war, sollen einige neue Modelle von Sicherheitsfahrzeugen vorgestellt werden. Außerdem ist damit zu rechnen, daß einige
Firmen die Öffentlichkeit darüber informieren werden, welche technischen
Neuerungen in bezug auf "mehr Sicherheit im Auto" in die Serienproduktion
übernommen werden sollen.
Die Vereinigten Staaten werden durch Experten des US-Verkehrsministeriums
sowie der großen Autofirmen vertreten sein. Aus der Bundesrepublik werden
Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der an der Entwicklung von ESVFahrzeugen beteiligten Firmen VW jnd Daimler-Benz sowie der Zulieferindustrie
und der Versicherungsgesellschaften erwartet.

-2-

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9/1973

USA ERLÄUTERN ZIELSETZUNGEN BEI DEN BEVORSTEHENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

-Auszüge aus der Ansprache von William R.Pearce vor dem Verband kanadischer
Exporteure-

WASHINGTON --(AD)-- Der Stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Handelsverhandlungen, William R. Pearce, hat vor dem Verband kanadischer Exporteuie in Toronto die Ziele der Vereinigten Staaten bei den
bevorstehenden Handelsverhandlungen erläutert.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die am 22. Februar in Washington veröffentlicht worden war, haben folgenden Wortlaut:
"

Am 1. Januar sind Großbritannien, Dänemark und Irland der

Europäischen Gemeinschaft beigetreten. Innerhalb eines Zeitraumes von fünf
Jahren werden sie die Zoll-und die sonstigen Handelsbestimmungen der Gemeinschaft übernommen haben. Sie werden ferner in den Genuß der Präferenzabkommen kommen, die die Gemeinschaft mit anderen Ländern in Westeuropa, im
Mittelmeerraum und in Afrika abgeschlossen hat.

•

Von den traditionellen Lieferanten der neuen Mitgliedsstaaten wird
dies mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wenn die drei Länder sich jetzt

�jetzt dem gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft anpassen, werden einige
ihrer Zölle sinken.
Auf anderen Gebieten wird die Höhe des Zollschutzes stark steigen. Wir
sind am meisten besorgt über die Auswirkungen auf die Absatzmärkte für Agrarerzeugnisse . Während des letzten Jahrzehnts haben die drei Länder im Durchschnitt 10 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr importiert. Wenn Großbritannien
zu den festen Zöllen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens zurückkehren
und wenn Dänemark und Irland ihr derzeitiges Preissystem beibehalten würden,
könnten wir innerhalb von 5 Jahren mit einem Ansteigen ihres Netto-Importbedarfs um rund 50 Prozent rechnen. Auf der anderen Seite würden sie im Rahmen
der gemeinsamen Agrarpolitik der Gemeinschaft in dieser Zeit zu Netto-Getreideexporteuren werden.
In gleicher Weise sind wir auch über unsere Exporte von Zitrusfrüchten
und Tabak besorgt, die auf ein höheres Niveau von Importschutz und auf einen
wachsenden Wettbewerb seitens bevorzugter Lieferanten im Mittelmeerraum und
in Afrika stoßen werden.
Die Gemeinschaft hat den Standpunkt eingenommen, daß sie niemandem etwas
schuldig ist; daß die Senkungen in den Zolltarifen der drei neuen Mitglieder
die Lieferanten aus Drittländern für den Schutz mehr als kompensieren, der
sich aus der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft sowie
der Annahme ihrer gemeinsamen Agrarpolitik ergibt.
Die Vereinigten Staaten können dem nicht beipflichten. Gleichgültig, was
für Auswirkungen die Erweiterung auf unseren Handel insgesamt haben wird
- und wer kann schon sagen, wie diese Auswirkungen sein werden - einige Warengruppen werden neue, restriktivere Handelsschranken zu gewärtigen haben.
Natürlich werden wir die Vorteile der Angebote der Gemeinschaft auf anderen
Sektoren auf einer Fall-zu-Fall-Basis beurteilen. Wir sind jedoch nicht verpflichtet - weder aus logischen noch aus gesetzlichen Gründen - zu akzeptieren, was uns angeboten wird.
Bestenfalls

-2-

�Bestenfalls wird es schwer werden, eine Übereinkunft zu erzielen. Ja,
einige haben sogar vorgeschlagen, daß die Erweiterungsfrage in die umfassenderen Verhandlungen einbezogen und dort gelöst werden sollte. Dies wäre
für uns schwierig. Es wird schwer fallen, den Kongreß davon zu überzeugen,
daß wir mit den umfassenden Vollmachten betraut werden können, die für die
neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen notwendig sind, wenn die Erweiterungsfrage weiterhin ungelöst bleibt....
Die Vereinigten Staaten messen den später in diesem Jahr beginnenden
multilateralen Verhandlungen große Bedeutung bei. Wir haben zunächst in den
bilateralen Handelsgesprächen, die in Zusammenhang mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember 1971 standen, die übrigen großen Handelsländer aufgefordert, umfassende Verhandlungen zu unterstützen. Diese sind für eine Ausweitung des Handels wie auch für eine Verbesserung des internationalen Handelssystems erforderlich, das den Veränderungen der auf den Handel einwirkenden
Faktoren, die seit der Ausarbeitung der GATT-Statuten in den vierziger Jahren
eingetreten sind, Rechnung trägt
Zölle - Wir werden einen Abbau der Zölle anstreben. Obwohl die Bedeutung der
Zölle in sechs aufeinanderfolgenden Runden von GATT-Verhandlungen immer mehr
verringert worden ist, bleiben sie weiterhin ein Hindernis für eine Ausweitung des Welthandels. Zollverhandlungen haben im Hinblick auf das wachsende
Handelsvolumen im Rahmen der Präferenzsysteme vermehrt an Bedeutung gewonnen.
Im Gegensatz zu Presseberichten haben die Vereinigten Staaten nicht eine
völlige Beseitigung der Zölle vorgeschlagen. Soweit wir sehen können, ist
kein Mitgliedsland bereit, in diesem frühen Stadium eine solche Verpflichtung
einzugehen. Was wir vorgeschlagen haben, ist, daß die künftige Arbeit des
GATT-Ausschusses für den Handel mit Industrieerzeugnissen mit einer -allerdings hypothetischen- Erörterung eines zollfreien Handels mit Industrieerzeugnissen zwischen den Industriestaaten beginnen könnte. Wenn wir uns jetzt

3-

�jetzt dazu durchringen, die vernünftigen Grenzen eines Zollschutzes für
bestimmte Erzeugnisse und Warengruppen zu prüfen, so würde dies bereits
den größtmöglichen Fortschritt bei den Zollsenkungen fördern.

Nicht-tarifäre Handelsschranken - Ein Fortschritt bei den Zollverhandlungen
hängt in gewissem Maße auch von einem Erfolg bei der Behandlung der nichttarifären Handelsschranken ab. Sofern die nicht-tarifären Handelsschranken
nicht in die internationalen Bestimmungen einbezogen werden können, werden
sie weiterhin die Erfolge von Zollverhandlungen zunichtemachen. Ein Fortschritt hier wird schwer sein. Die GATT-Mitgliedsstaaten haben mehr als 800
nicht-tarifäre Handelsschranken festgestellt. Nicht einmal zwei von diesen
scheinen einander gleich zu sein. Oft ist es schwierig, ihre Auswirkungen auf
den Handel zu bewerten, und noch schwerer ist es, Wege für ihren Abbau ohne
Beeinträchtigung des legitimen Zwecks zu finden, dem sie dienen sollen. Es
wird unsere Aufgabe sein, die nicht-tarifären Handelsschranken abzubauen
oder zu beseitigen, die nicht gerechtfertigt sind, und Bestimmungen für die
Harmonisierung und Kontrolle der übrigen zu finden
Die Vereinigten Staaten haben im GATT-Landwirtschaftsausschuß ein Verfahren vorgeschlagen, das für eine Liberalisierung des Agrarhandels im Laufe
der Zeit benutzt werden könnte. Wir haben praktisch vorgeschlagen, daß alle
Elemente des Schutzes in gemischte Zollkomponenten umgerechnet werden, die
von Anfang an gegen Erhöhungen geschützt sind. Die Zollsenkungen könnten dann
Erzeugnis für Erzeugnis ausgehandelt und über einen längeren Zeitraum verteilt
durchgeführt werden. Wir haben keinerlei Einschränkungen des Rechtes der Regierungen vorgeschlagen, das Einkommen ihrer Erzeuger aufzubessern, aber wir
haben vorgeschlagen, daß die Systeme für eine solche Förderung so beschaffen
sein sollen, daß sie sich im Handel so wenig wie möglich niederschlagen.
Wir sind nicht auf ein solches Vorgehen festgelegt; wir haben es als
Basis für die Aufnahme von Gesprächen vorgeschlagen. Genauso wenig sind wir in
der Frage der Rohstoffabkommen festgelegt. Wir sind uns im klaren darüber,

-4-

�darüber, daß Änderungen bei den landwirtschaftlichen Subventionierungssystemen nicht über Nacht durchgeführt werden können. Es werden Übergangsabkommen notwendig sein, und dies könnte in der Tat irgendwelche multilateralen Abkommen erfordern. Wir werden jede derartige Vereinbarung danach beurteilen, in welchem Maße sie im Laufe der Zeit zu einer grundlegenden Liberalisierung und Ausweitung des Agrarhandels beitragen kann.

Sicherheiten - Die Vereinigten Staaten werden ferner die Erörterung eines
neuen multilateralen Sicherheitssystems unterstützen.
Die Bestimmungen des Artikel XIX des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens, die die Mitgliedsstaaten zu einer Beschränkung solcher Importe ermächtigen, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zufügen könnten,
waren für die Lösung von Problemen im Zusammenhang mit den immer schnelleren
Änderungen in den Welthandelspraktiken nicht ausreichend. Infolgedessen haben alle großen Handelsländer ihre eigenen Lösungen außerhalb des Rahmens der
gegenwärtigen GATT-Bestimmungen entwickelt. Ein derartiges Vorgehen hat dazu geführt, den Wert der bestehenden GATT-Verpflichtungen zu untergraben.
Was notwendig erscheint, ist ein neues multilaterales Sicherheitssystem, das
Bestimmungen und Verfahren schafft, die alle Länder akzeptieren und denen sie
in Praxis und Theorie nachkommen können.
Obwohl zweifellos noch keine Übereinstimmung besteht, beginnen jetzt die
Hauptelemente eines neuen, ergänzenden Systems Form anzunehmen. Im Rahmen
eines solchen Systems könnten die schnell zunehmenden Importe, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zuzufügen drohen, vorübergehend eingeschränkt werden, um den einheimischen Industrien Zeit zur Anpassung an den
neuen Wettbewerb zu geben. Im Gegensatz zu den derzeitigen Verfahren nach
Artikel XIX würde das delikate Gleichgewicht der Lastenaufteilung unter einem
neuen multilateralen System erreicht werden - nicht durch Zollkompensationen
oder durch Vergeltung, sondern durch eine Verpflichtung seitens der den Import einschränkenden Länder, den einheimischen Anpassungsprozeß zu fördern
und zu beschleunigen.

,

�Obwohl die Konzeption eines neuen multilateralen Sicherheitssystems weite Unterstützung gefunden hat, ist auch Besorgnis hinsichtlich seiner wahrscheinlichen Auswirkungen auf bestehende Handelsverpflichtungen geäußert worden. Wir selbst sind in bezug auf diesen Aspekt ebenfalls besorgt. Aber eine
größere Sorge ist für uns die Verwundbarkeit des gesamten GATT-Systems, solange nicht ein Weg gefunden wird, um die sich ausweitende Kluft zwischen den
sich schnell ändernden Handelspraktiken und den mehr begrenzten Kapazitäten
der Binnenwirtschaften zu überbrücken, sich diesem neuen Wettbewerb anzupassen. Die Aufgabe scheint uns darin zu bestehen, Bestimmungen zu entwickeln,
die ein Ausweichen auf multilaterale Sicherheiten auf solche Fälle begrenzt,
wo eine echte Notwendigkeit besteht."

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9/1973

JÜNGSTE NEUFESTSETZUNG DER WECHSELKURSE IST AUSREICHEND
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Mit der jüngsten Dollarabwertung und dem Aufwärtsfloaten des Yen ist die erforderliche Neufestsetzung der Wechselkurse
abgeschlossen worden, die mit dem Smithsonian-Abkommen von 1971 nur
zum Teil gelöst worden war.
Dies hat der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, am 27. Februar vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats
unmißverständlich zu verstehen gegeben. Nach Ansicht Volckers reichen
die Veränderungen der Wechselkurse, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden haben, für eine Korrektur der internationalen Ungleichgewichte
aus, sobald sie erst einmal voll auf Handel, Investitionen und andere
internationale Transaktionen durchgeschlagen sind. Gleichzeitig hat
der Staatssekretär jedoch unterstrichen, daß die Neufestsetzung der
Wechselkurse nur eines von drei Erfordernissen für die Wiederherstellung
des Gleichgewichts und der Stabilität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist. Die beiden anderen Erfordernisse' sind, daß die Vereinigten Staaten weiterhin erfolgreich die Inflation unter Kontrolle halten
und daß den amerikanischen Exporten Zugang zu den Märkten anderer Länder gewährt wird.
Volcker

�1
I

i

Volcker hatte vor dem Ausschuß das eingebrachte Gesetz über die offizielle Neufestsetzung der Dollar-Parität begründet. Die Devisenmärkte verhalten sich bereits so, als ob die zehnprozentige Dollarabwertung Gesetzeskraft habe; die Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongreß ist jedoch erforderlich, damit die amerikanische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) offiziell von der Paritätsänderung in Kenntnis setzen kann. Nach
dem bisherigen Verlauf der Hearings im Senat dürfte mit keiner Opposition
gegen das Gesetz zu rechnen sein.
Auf Fragen der Senatoren eingehend hatte Volcker betont, daß es sich bei
der Neufestsetzung der Wechselkurse im Jahre 1971 um einen "Kompromiß" gehandelt habe, der erst nach harten Verhandlungen erreicht worden war und seines
Erachtens den Erfordernissen nicht voll gerecht geworden sei. Die Vereinigten Staaten, so meinte Volcker, wären damals bei der Neufestsetzung der
Wechselkurse wesentlich weiter gegangen, als dann von den Finanzministern im
Dezember 1971 vereinbart worden sei. Dieses Mal halte er die Neufestsetzung
der Wechselkurse jedoch für ausreichend.
1971, so sagte Volcker, habe man den amerikanischen Schätzungen über das
erforderliche Ausmaß der Wechselkursänderungen keinen Glauben geschenkt. Die
USA seien für wesentlich größere Veränderungen als ihre Handelspartner eingetreten; die späteren Entwicklungen hätten jetzt die Situation in neuem Licht
erscheinen lassen. In der Zwischenzeit habe sich eine wesentliche Änderung in
der Haltung der einzelnen Länder gegenüber Handels-und Zahlungsbilanzungleichgewichten durchgesetzt. Selbst Länder mit Handelsüberschüssen fänden
sich jetzt mit der Tatsache ab, daß Ungleichgewichte unerwünscht sind und
korrigiert werden sollten.
Auf Presseberichte angesprochen,wonach die Möglichkeit von Goldverkäufen aus amerikanischen Regierungsbeständen zur Beruhigung der Spekulation
auf den privaten Goldmärkten im Gespräch sei, meinte Volcker, die Vereinigten

-2-

�Vereinigten Staaten hätten in dieser Frage in den letzten Tagen keinerlei
Kontakte mit anderen Regierungen gehabt. Die amerikanische Regierung halte
sich vielmehr weiterhin an das internationale Abkommen über einen gespaltenen Goldmarkt, nach dem Regierungen kein Gold auf dem privaten Markt kaufen
oder verkaufen dürfen. Eine etwaige Entscheidung über eine Änderung dieses
Abkommens, so betonte Volcker, könne von den Vereinigten Staaten allein nicht
getroffen werden. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, seien die USA dafür,
daß das Gold in dem internationalen Währungssystem künftig eine geringere
Rolle spielen sollte. Im Rahmen einer solchen künftigen Entwicklung, so meinte Volcker, würden Goldverkäufe, um den höheren Marktpreis zu nutzen, nicht
störend wirken. Auf den Vorschlag eines Senators, wonach die Vereinigten
Staaten den Internationalen Währungsfonds zu Goldverkäufen aus seinen Beständen auffordern sollten, um den inoffiziellen Weltpreis herabzudrücken, erwiderte Volcker, daß diese Frage von Zeit zu Zeit aufgeworfen worden sei,
daß aber von der einen oder der anderen Seite ein solcher Gedanke immer wieder abgelehnt wurde. In einer vor dem Ausschuß abgegebenen vorbereiteten Erklärung hatte Volcker bereits betont, daß der offizielle Goldpreis von
42,22 Dollar pro Unze in keiner Weise den Schluß zulasse,"daß wir eine generelle Änderung des Goldpreises als ein angebrachtes oder nützliches Mittel
zur Erhöhung der internationalen Liquidität betrachten". Gerade die wilden
spekulativen Fluktuationen des Goldpreises auf dem freien Markt, so fügte
der Staatssekretär hinzu, deuteten auf eine der schwerwiegenden Unzulänglichkeiten des Währungssystems hin, dieses Metall als Basis zu benutzen.
Die beiden Abwertungen des US-Dollar 1971 und jetzt sind nach Ansicht
Volckers für die USA wie auch die übrigen Länder eine unerfreuliche Erfahrung
gewesen. Sie seien jedoch, so betonte der Staatssekretär, erforderlich gewesen, um eine wichtige Anpassung in der Nachkriegswirtschaft zum Abschluß zu
bringen. Doch könne und dürfe dies nicht zu einer Politik für die Zukunft werden. Die Welt brauche ein Währungssystem, das weniger anfällig für Ungleichgewichte, Marktstörungen und Spekulationen sei, durch die die jüngsten

-3-

�I

jüngsten Verhandlungen notwendig geworden seien. Für die USA gelte es zunächst einmal, mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden. Darüberhinaus müsse eine neue internationale Handelsordnung geschaffen werden. Wörtlich sagte Volcker: "Wir arbeiten so hart wie nur möglich auf diese Ziele
hin und erwarten von unseren Handelspartnern eine aufgeschlossene Haltung."
Auch der Vorsitzende des Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - Arthur Burns vertrat vor dem Ausschuß die Ansicht, daß das
Smithsonian-Abkommen und die jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse die
USA eindeutig wieder auf den Weg zu einem Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zurückgebracht hätten. Die Auswirkungen der letzten Dollarabwertung würden
allerdings erst 1975 voll durchschlagen, während das Smithsonian-Abkommen
schon 1973 und 1974 voll zur Wirkung kommen werde. Wie Burns erklärte, könne
für 1975 bereits wieder mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA
gerechnet werden, "und dies ist der Grund, warum ich sage, wir sollten nicht
mehr an eine weitere Abwertung denken". Die USA, so fuhr Burns fort, hätten
in den letzten eineinhalb Jahren die Inflation weit besser als irgendein anderes Land unter Kontrolle gebracht. Dieser Kurs werde fortgesetzt werden.
Darüberhinaus werde es auch ein wichtiges Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik in diesem Jahre sein, ein Klima zu schaffen, das zu Investitionen in
den USA ermutige.

-4-

�</text>
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Dokumentation

Telex:08-85432

7. März 1973

10

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Schlußakte der Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

HI NTERGRUND MATERIAL :
Wie lange werden die Vereinten Nationen noch dem internationalen
Terror zusehen?
Von Richard L. Carl

WIRTSCHAFT:
Volcker: Keine weitere Dollarabwertung
-Wortlaut der Erklärung des StaatssekretärsWashington erwartet mehr ausländische Direktinvestitionen in den USA
Von Sam Burks

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nierentransplantationen
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern Magnetische Stürme und Wettergeschehen
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und TiefdruckrinnenHaemoglobin aus tiefgekühltem Knochenmark

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1973

DIE SCHLUSSAKTE DER VIETNAMKONFERENZ
-WortlautPARIS - »(AD)»- Mit der feierlichen Unterzeichnung der "Schlußakte" ist
am 2. März die Internationale Vietnamkonferenz zu Ende gegangen. Das Abschlußdokument besteht aus einer Präambel und 9 Artikeln und hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
die Regierung der Französischen Republik,
die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,
die Regierung der Volksrepublik Ungarn,
die Regierung der Republik Indonesien,
die Regierung der Volksrepublik Polen,
die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und
Nordirland,
die Regierung der Republik Vietnam,
die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
die Regierung von Kanada und
die Regierung der Volksrepublik China
sind in Anwesenheit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen hinsichtlich der Anerkennung der unterzeichneten Abkommen über die Garantie der
Einstellung der Kriegshandlungen, der Erhaltung des Friedens in Vietnam,

-1-

�Vietnam, der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des Vietnamesischen Volkes sowie des Rechtes des sudvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung und als Beitrag zum sowie zur Garantie des Friedens in Vietnam
über die folgenden Bestimmungen übereingekommen und verpflichten sich, diese
zu respektieren und einzuhalten.

Artikel 1
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich das am 27. Januar 1973
unterzeichnete Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam und die am gleichen Tage unterzeichneten vier Protokolle zu dem Abkommen (im folgenden jeweils als das Abkommen und die Protokolle bezeichnet) an und sie erklären ausdrücklich, daß
sie diese billigen und unterstutzen.

Artikel 2
Das Abkommen entspricht den Zielen und den grundlegenden nationalen Rechten des vietnamesischen Volkes - das sind Unabhängigkeit, Souveränität,
Einheit und territoriale Integrität Vietnams -, dem Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie dem von allen Völkern der Welt geteilten aufrichtigen Wunsch nach Frieden. Das Abkommen stellt einen wichtigen Beitrag zum Frieden, zur Selbstbestimmung, zur nationalen Unabhängigkeit
und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Ländern dar. Das Abkommen
und die Protokolle sollten strikt eingehalten und peinlich genau durchgeführt
werden.

Artikel 3
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich die Verpflichtungen
der Unterzeichner des Abkommens und der Protokolle an, das Abkommen und die
Protokolle strikt einzuhalten und peinlich genau durchzuführen.

Artikel 4

»2-

�Artikel 4
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen die grundlegenden nationalen
Rechte des vietnamesischen Volkes feierlich an, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung,und respektieren diese
strikt. Die Unterzeichner dieser Akte werden das Abkommen und die Protokolle
strikt einhalten und werden sich jeder im Widerspruch zu ihren Bestimmungen
stehenden Handlung enthalten.

Artikel 5
Um eines dauerhaften Friedens in Vietnam willen appellieren die Unterzeichner dieser Akte an alle Länder, die grundlegenden nationalen Rechte
des südvietnamesischen Volkes strikt zu achten, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung wie auch das Abkommen
und die Protokolle, indem sie sich

jeder im Widerspruch zu ihren Bestim-

mungen stehenden Handlung enthalten.

Artikel 6
a) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien können entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung die
anderen Unterzeichner dieser Akte über die Durchführung des Abkommens und
der Protokolle unterrichten. Da die von der Internationalen Kontroll-und
Uberwachungskommission unterbreiteten Berichte und ihre Ansichten über die
Kontrolle und Überwachung der Durchführung derjenigen Bestimmungen des Abkommens und der Protokolle, die in den Aufgabenbereich der Kommission fallen,
entweder an die vier Signatarstaaten des Abkommens oder an die beiden südvietnamesischen Parteien gesandt werden, sollen diese Parteien dafür ver-

�verantwortlich sein, sie entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung umgehend an die übrigen Unterzeichner dieser Akte weiterzuleiten.
b) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien werden ferner, entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung, diese Information und diese Berichte und Ansichten an die übrigen
Teilnehmer der Internatinalen Vietnamkonferenz zu deren Information weiterleiten.

Artikel 7
a) Im Falle einer Verletzung des Abkommens oder der Protokolle, die
eine Bedrohung des Friedens, der Unabhängigkeit, der Souveränität, der Einheit oder der territorialen Integrität Vietnams oder des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung darstellt, werden die Signatarstaaten
des Abkommens und der Protokolle entweder einzeln oder gemeinsam mit den übrigen Unterzeichnern dieser Akte Konsultationen mit dem Ziele führen, die erforderlichen Maßnahmen für eine Abstellung zu beschließen.
b} Die Internationale Vietnamkonferenz kann auf gemeinsamen Antrag der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam namens der Signatarstaaten des Abkommens oder auch
auf Antrag von sechs oder mehr Unterzeichnern dieser Akte wieder einberufen
werden.

Artikel 8
Als Beitrag zum Frieden in Indochina und zu seiner Gewährleistung erkennen die Unterzeichner dieser Akte die Verpflichtung der Parteien des Abkommens an, die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit, territoriale Integrität und Neutralität

von Kambodscha und Laos, wie es in dem Abkommen festge-

legt ist, zu achten; sie selbst vereinbaren ferner, diese zu respektieren

-4.

�respektieren und sich jeder im Widerspruch hierzu stehenden Handlung zu enthalten, und sie fordern die übrigen Länder auf, das gleiche zu tun.

Artikel 9
Diese Akte soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller 12 Parteien in Kraft treten und von allen Parteien strikt durchgeführt werden. Die Unterzeichnung dieser Akte stellt in keiner Weise eine
Anerkennung irgendeiner Partei dar, die nicht zuvor ausgesprochen worden
war.

Ausgefertigt in 12 Kopien in Paris an diesem zweiten Tage des Monats März
des Jahres Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in englischer, französischer, russischer, vietnamesischer und chinesischer Sprache. Alle Texte sind
in gleicher Weise authentisch.

Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika:
Der Außenminister William P. Rogers
Für die Regierung der französischen Republik:
Der Außenminister Maurice Schumann
Für die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam:
Der Außenminister Nguyen Thi Binh
Für die Regierung der Volksrepublik Ungarn:
Der Außenminister Janos Peter
Für die Regierung der Republik Indonesiens:
Der Außenminister Adam Malik
Für

�Für die Regierung der Volksrepublik Polen:
Der Außenminister Stefan Olszowski
Für die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam:
Der Außenminister Nguyen Duy Trinh
Für die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland:
Der Minister für Auswärtiges und Commonwealth-Angelegenheiten Alec DouglasHome
Für die Regierung der Republik Vietnam:
Der Außenminister Tran van Lam
Für die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Der Außenminister Andrei A. Gromyko
Für die Regierung von Kanada:
Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Mitchell Sharp
Für die Regierung der Volksrepublik China:
Der Außenminister Chi Peng-fei.

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10/1973

WIE LANGE WERDEN DIE VEREINTEN NATIONEN NOCH DEM INTERNATIONALEN
TERROR ZUSEHEN?

Von Richard L. Carl

VEREINTE NATIONEN, New York-(AD)--Der brutale Mord an drei Diplomaten
in Khartum hat die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten erneut mit
einem Problem konfrontiert, dem sie in den letzten Jahren immer wieder ausgewichen sind. Erneut stellt sich die Frage, was die Mitglieder der Weltorganisation gemeinsam zu tun gedenken, um dem internationalen Terror endlich wirksam Einhalt zu gebieten.
Weder in den Vereinten Nationen selbst noch in der ihnen angeschlossenen Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) noch in irgendeinem
anderen internationalen Gremium hat sich die Gemeinschaft der Völker, die
doch ein so großes Interesse an friedlichen, gewaltlosen Beziehungen haben
muß, über harte, wirksame und vor allem durchsetzbare Maßnahmen einigen
können, die potentielle Terroristen abschrecken und ihnen klar machen könnten, daß sie den Folgen ihres verbrecherischen Tuns nicht entgehen können.

Die

�Die Vereinigten Staaten haben seit dem entsetzlichen Massaker in München und schon vorher immer wieder an die Vereinten Nationen appelliert,
endlich weltweite Schritte gegen Gruppen zu beschließen, die wie der sogenannte "Schwarze September" in München und jetzt in Khartum Mord und Terror
als politisches Mittel benutzen.
Nach dem furchtbaren Zwischenfall in der sudanesischen Hauptstadt erklärte der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Scali,
dieser Angriff "stellt eine erneute Forderung an die Gemeinschaft der Vereinten Nationen, bedeutsame und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um internationalen Terroristen Einhalt zu gebieten." Er ließ keinen Zweifel daran,
daß die Vereinigten Staaten ihre Initiative in dieser Richtung, die sie im
Herbst vorigen Jahres in der Vollversammlung ergriffen haben, nicht aufgeben werden.
Bereits im September vorigen Jahres hatte der amerikanische Außenminister,
William P. Rogers, einen Dreipunkte-Plan vorgelegt:
-&lt;» Rascher Abschluß eines Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die Diplomaten oder ausländische Regierungsvertreter angreifen oder
entführen, wie er von der UN-Menschenrechtskommission bereits entworfen wurde;
-« Übereinkunft über einen internationalen Vertrag über die Einstellung
des Flugdienstes nach Ländern, die sich weigern, Luftpiraten oder
Saboteure zu bestrafen;
-- Abschluß eines weiteren Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die internationale Terrorakte begehen, um andere Regierungen zu erpressen.
Alle drei dieser geforderten und angesichts der steigenden Flut des
Terrors ohne Frage notwendigen Abkommen zielen auf eine klare Verpflichtung

-2-

�Verpflichtung aller Signatarstaaten ab, internationale Terroristen angemessen zu bestrafen oder auszuliefern. Wenn erst alle Länder eine solche Verpflichtung eingegangen wären, dann gäbe es keinen Schlupfwinkel mehr für
Terroristen.
Die 132 Mitglieder der Vollversammlung konnten sich jedoch im Herbst
vorigen Jahres nicht zu einem solchen festen und einmütigen Stand gegen den
Terrorismus durchringen, und was der "Ausdruck der tiefen Besorgnis", wie
er von der Vollversammlung formuliert wurde, nutzt, das hat nicht zuletzt
die Bluttat von Khartum gezeigt.
Auch von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf
ist der neueste Terror-Fall verurteilt worden. Der amerikanische Vertreter,
Philip E. Hoffman, hat mit seiner Forderung nach der schärfsten internationalen Verurteilung jedoch ebenfalls erneut auf ein gemeinsames Handeln der
Völkergemeinschaft gedrungen. "Wir sind der Überzeugung", so betonte er,
"daß diese Handlung erneut die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit lenkt,
daß Regierungen sofort handeln, damit diejenigen, die diesen besonderen Akt
begangen haben, einer wirksamen Bestrafung zugeführt werden, und daß klar
gemacht wird, daß in Zukunft keine Regierung für ähnliche Täter Zuflucht
gewähren wird."
Außenminister Rogers, der vor der Presse berichtete, daß Präsident
Nixon über den jüngsten Zwischenfall zutiefst besorgt und empört sei, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit internationaler Maßnahmen. "Wir
müssen uns als internationale Gemeinschaft diesem Problem stellen", so
erklärte er, "und dafür sorgen, daß solche Fälle sich nicht wiederholen."
Es kann nicht angehen, daß, wie Botschafter Scali betonte, "die Gemeinschaft der Völker sich noch länger ihrer Verantwortung entzieht, sich
diesem kritischen Problem zu stellen."

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10/1973
V0LCKER: KEINE WEITERE DOLLARABWERTUNG
-Wortlaut der Erklärung des Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, eine
weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen. Dies hat der Staatssekretär im USFinanzministerium, Paul A. Volcker, am 6. März vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Finanzfragen unterstrichen. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Unterausschusses:
Vor einer Woche bin ich vor dem Bankenausschuß des Senats für dieses
Ihnen jetzt vorliegende Gesetz (H.R. 4546) eingetreten, das die Ermächtigung
für eine Herabsetzung der Dollar-Parität um 10 Prozent erteilt. Ich füge der
Vollständigkeit halber den vollen Text meiner damaligen Erklärung bei, die
alle Hintergrundinformationen für den Antrag der Regierung gibt, dieses Gesetz
zu verabschieden. Heute morgen möchte ich einige zusätzliche Bemerkungen
machen, um Sie über den neuesten Stand der Dinge zu unterrichten.
Wie Sie wissen, ist es an bestimmten europäischen Devisenbörsen in den
letzten beiden Wochen zu einem starken spekulativen Druck gekommen. Angesichts
dieses Druckes haben die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft mit einem
festen Wechselkurs ihre Devisenbörsen geschlossen, d.h. sie haben zumindest
aufgehört, das Wechselkurssystem offiziell zu stützen. Die Japaner, die ihren
Wechselkurs bereits freigegeben hatten, haben ihre Devisenbörse vorübergehend
völlig geschlossen. Mehrere wichtige europäische Währungen - das Pfund

-1-

�•

Pfund Sterling, der schweizer Franken und die italienische Lire - floateten
bereits vor der letzten Krise. Am vergangenen Wochenende haben die EWG-Finanzminister Besprechungen über die jüngsten Entwicklungen geführt und die
Frage erörtert, wie diesen gemeinsam begegnet werden kann. Wir standen in
dieser Zeit in Verbindung mit einer Reihe maßgebender Länder. (Weitere Konferenzen auf internationaler Ebene sind anberaumt worden, darunter auch eine
Konferenz der EWG-Länder und am Freitag der Zehner-Gruppe).
Im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage möchte ich einige Punkte
erneut unterstreichen:
-- Erstens sind wir weiterhin der Überzeugung, daß die grundlegende
Neufestsetzung der Wechselkurse, wie sie im Februar erreicht wurde, angemessen
ist. Diese Neufestsetzung bildet - soweit dies Wechselkursänderungen überhaupt können - eine realistische Basis für die Wiederherstellung eines dauerhaften Zahlungsbilanzgleichgewichtes. Die Situation, vor der wir heute stehen,
ist die Folge spekulativer Auswüchse. Wir haben nicht die Absicht, eine weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen.
-- Zweitens sind wir bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und mit
unseren anderen Handelspartnern schnell darauf hinzuarbeiten, eine baldige
und befriedigende Lösung dieses Problems zu erreichen. Wir haben in enger
Verbindung mit ihnen gestanden und wir werden uns später in dieser Woche in
Paris treffen.
—

Drittens unterstreichen die jüngsten Entwicklungen erneut - sofern

dies überhaupt noch erforderlich ist - die Notwendigkeit, das Tempo unserer
Bemühungen um eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems
zu beschleunigen. Was dies anbetrifft, so glaube ich, daß wir mit Vernunft
und gutem Willen auf allen Seiten die Ereignisse der letzten Wochen zu einem
konstruktiven Abschluß bringen können. Wir sahen uns zwei getrennten, aber
doch miteinander zusammenhängenden Problemen gegenüber. Wir müssen die

-2-

�die zugrundeliegenden Ungleichgewichte in den internationalen Zahlungsbilanzen
- der Zahlungsbilanzen der USA und anderer Länder-korrigieren, die die Ursache dieser monetären Unruhe und Verwirrung sind. Die Wechselkursänderungen
entsprechen diesem Erfordernis. Wir brauchen ferner dauerhafte Vereinbarungen, um sicherzustellen, daß sich diese Ungleichgewichte nicht wiederholen,
daß notwendige internationale Anpassungen künftig wirksamer sind, reibungsloser vor sich gehen und sicherer sind,und laß unsere monetären Abmachungen
zu einem offenen Handel und einem offenen Zahlungsverkehr zwischen den einzelnen Ländern beitragen. Dies letztere Erfordernis ist Aufgabe der Reform des
Währungssystems. Wir müssen beide Ziele erreichen, um sicherzustellen, daß
das internationale Währungssystem - statt uns immer wieder in einer Krisenatmosphäre zu belasten - zu einer im Hintergrund wirkenden Kraft für eine
expandierende und prosperierende Weltwirtschaft wird.
-- Viertens und letztens - was aber keineswegs am wenigsten zählt möchte ich nachdrücklich wiederholen, daß die Stärke des Dollar im Ausland
letztlich von der Stärke des Dollar und der Stärke der Wirtschaft im Inland
abhängt. Die Regierung ist sich dieser einfachen Wahrheit voll bewußt. Ich
glaube, unser Verhalten entspricht dieser Sorge. Ja, relativ gesehen, stehen
wir unter den großen Industriestaaten, was die Wiederherstellung der Preisstabilität anbetrifft, wirklich gut da und wir werden noch besseres leisten.
Die Haushalts-, Währungs-, Lohn- und Preispolitik ist auf dieses Ziel ausgerichtet.
Abschließend möchte ich den Ausschuß dringend ersuchen, den vorliegenden
Gesetzesentwurf bald und positiv zu verabschieden. Damit wird ein wichtiger
Teil des Prozesses, die Unsicherheit zu beenden, das Gleichgewicht wiederherzustellen und gemeinsam mit unseren Handelspartnern auf ein stärkeres Währungssystem hinzuarbeiten, abgeschlossen sein. Die Neufestsetzung der Wechselkurse war vor drei Wochen notwendig und ist auch heute noch notwendig. Sie
erforderte schwierige Entscheidungen und Maßnahmen seitens zahlreicher anderer

-3-

�anderer Länder wie auch seitens der USA. Das Gesetz ist notwendig, damit
wir den gesetzlichen und finanziellen Folgen der Wechselkursänderung gerecht werden können. Allgemeiner gesagt, ich hoffe, Sie werden dem beipflich
ten, daß die Neufestsetzung der Wechselkurse den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber am besten gerecht wird. Die Verabschiedung dieses Gesetzes wird dazu beitragen, die Grundlagen für eine weitere
Zusammenarbeit mit anderen Ländern mit dem Ziele einer Wiederherstellung des
Gleichgewichtes unserer Zahlungsbilanz und einer Verwirklichung der notwendigen Reform des Währungssystems zu legen.

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10/1973

WASHINGTON ERWARTET MEHR AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN
IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --(AD)— Eine wichtige Begleiterscheinung der auf eine Reform
des Welthandels und des Weltwährungssysteins abzielenden Wirtschaftspolitik Präsident Nixons ist die von der US-Regierung erwartete Ausweitung
der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten.
Dies haben gerade in den letzten Tagen maßgebende Persönlichkeiten
der amerikanischen Regierung vor dem US-Senat betont. Der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, erklärte letzte Woche vor
dem Bankenausschuß des Senats, die Neufestsetzung der internationalen
Wechselkurse sollte zu einer Belebung des Flusses von Investitionskapital
nach den Vereinigten Staaten führen. Gerade die Ölländer im Nahen Osten
würden, wenn jetzt ihre Kapitalüberschüsse immer mehr anwachsen und auch
das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft zurückkehrt, feststellen,
daß die USA "ein attraktives Land" für Investitionen seien.
Der Sonderberater Präsident Nixons und Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan, bekräftigte gleichzeitig
vor einem anderen Senatsausschuß, daß die USA bestimmt nicht die Absicht
hätten, Schranken gegen eine Ausweitung der gegenwärtig rund 13,7 Milliarden

-1-

�Milliarden Dollar betragenden ausländischen Direktinvestitionen in der USWirtschaft zu errichten. Wörtlich fuhr Flanigan fort, "wir begrüßen sie,
wir hoffen, daß sie zunehmen werden." Er sei sicher, daß jeder Amerikaner
die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch ausländische multinationale Gesellschaften wie Shell, Lever Brothers oder Nestle begrüße.
Und Handelsminister Frederick B. Dent gab vor dem gleichen Ausschuß
der Erwartung Ausdruck, daß sowohl die ausländischen Direktinvestitionen in
den USA wie auch die langfristigen Geldanlagen des Auslandes in amerikanischen
Wertpapieren weiter zunehmen werden. Allein in seinem Heimatdistrikt SouthCarolina gebe es jetzt 22 in ausländischem Besitz befindliche Unternehmen
mit etwa 2 200 Arbeitsplätzen, in die von ausländischer Seite rund 230 Millionen Dollar investiert worden seien.
Auch eine Studie, über die die Februarausgabe der vom US-Handelsministerium herausgegebene Zeitschrift "Survey of Current Business" berichtet, unterstreicht diesen Trend zu steigenden ausländischen Investitionen in der
amerikanischen Wirtschaft. So ist, wie in der Studie berichtet wird, der Wert
der ausländischen Direktinvestitionen in den USA von 7,4 Milliarden Dollar
im Jahre 1962 auf 13,7 Milliarden Dollar Ende 1971 angestiegen. Von Ende 1961
bis Ende 1966 betrug die jährliche Zuwachsrate der ausländischen Investitionen im Jahresmittel 330 Millionen Dollar oder 4,1 Prozent, in den darauffolgenden Jahren jedoch im Durchschnitt 930 Millionen Dollar pro Jahr oder 8,6
Prozent. Zu der Beschleunigung des Tempos der ausländischen Investitionen
haben der Studie zufolge die Ausweitung des Eurodollar-Marktes, die Modifizierung der Bestimmungen für die Berichterstattung der in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen über ihren finanziellen Status durch die amerikanische Wertpapier-und Bcrsenkommission, die Fusionsbestrebungen westeuropäischer Firmen, die zu höheren Investitionen in der chemischen und der
metallverarbeitenden Industrie sowie der Stahlindustrie führten, sowie die
schnelle Ausweitung des amerikanischen Marktes selbst beigetragen.
Auf

-2-

�Auf europäische Firmen entfielen der Studie zufolge 1971 mit circa
10 Milliarden Dollar rund 73 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen
in den USA gegenüber einem Anteil von 69 Prozent im Jahre 1962. Demgegenüber entfielen von den amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland in
Höhe von rund 86 Milliarden Dollar 30 Prozent auf Europa, weitere 30 Prozent auf Kanada, 20 Prozent auf Lateinamerika und weitere 20 Prozent auf
die übrige Welt. Bei den ausländischen Direktinvestitionen in den USA lag
1971 Großbritannien mit 4,4 Milliarden Dollar an erster Stelle, gefolgt von
Kanada mit 3,3 Milliarden Dollar, Holland mit 2,2 Milliarden Dollar und der
Schweiz mit 1,5 Milliarden Dollar. Die Erträge der in ausländischem Besitz
befindlichen amerikanischen Gesellschaften erhöhten sich von 359 Millionen
Dollar im Jahre 1962 auf 1 110 Millionen Dollar 1971, und diese Gesellschaften hatten 1971 eine Gewinnzunahme (Zinsen und Lizenzen ausgenommen) von
20 Prozent zu verzeichnen gegenüber 14 Prozent bei den amerikanischen Unternehmen. Die an die ausländischen Stammhäuser abgeführten Erträge erhöhten
sich von 185 Millionen Dollar im Jahre 1962 auf 623 Millionen Dollar 1971.
Die Studie weist darauf hin, daß die in ausländischem Besitz befindlichen US-Firmen für amerikanische Verhältnisse klein seien und in keinem Industriezweig einen dominierenden Einfluß ausübten. Von dem Zuwachs der ausländischen Direktinvestitionen in diesem ZehnJahreszeitraum von 6,3 Milliarden Dollar entfielen der Studie zufolge 2,6 Milliarden Dollar auf Nettokapitalzuflüsse und der Rest auf reinvestierte Gewinne.
Von der Studie, die im Auftrage des US-Handelsministeriums erstellt
worden war, wurden ein repräsentativer Querschnitt von 400 größeren in ausländischem Besitz befindlichen US-Gesellschaften sowie alle amerikanischen
Gesellschaften erfaßt, bei denen 25 Prozent oder mehr des stimmberechtigten
Kapitals in ausländischem Besitz sind.

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10/1973

NIERENTRANSPLANTATIONEN
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern-

—(AD)-- Mehr als 10 000 Nierenübertragungen wurden bisher in aller Welt
durchgeführt -

an den Kliniken der Universität Kalifornien mit Zen-

tren in San Francisco und Los Angeles allein über 500 seit der ersten
Transplantation einer Niere im Jahre 1954. In Kalifornien wurde auch einzigartige Pionierarbeit geleistet, um die Ergebnisse solcher Operationen
durch exakte Gewebsbestimmungen und Verträglichkeitsprüfungen, bestmögliche Vor-und Nachbehandlung und Überwachung des Patienten und nicht zuletzt
durch die Weiterentwicklung der Methoden zur Organkonservierung ständig
zu verbessern.
Nach den Erfahrungen von Prof. Samuel Kountz (Transplantationszentrum
San Francisco) liefern die Kompatibilitätsprüfungen von Spender-und Empfängergewebe einen der wichtigsten Schlüssel für einen Erfolg, d.h. das Überleben des fremden Organs. Mit Hilfe von Computeranalysen wird in enger Zusammenarbeit mit in - und ausländischen Transplantationszentren versucht,
die jeweils günstigste Kombination für die bei Spender-und Empfängergewebe
ermittelten genetischen Faktoren zu finden.
Solche

�Solche Arbeiten auf "molekularer Ebene" erhöhen die Chance, daß der
Empfängerorganismus das Fremdorgan annimmt und es nicht durch Abwehrreaktionen des eigenen Immunsystems wieder abstößt. Unter günstigsten Bedingungen
kann sogar auf Medikamente, die Abwehrreaktionen unterdrücken sollen, verzichtet werden. Zahlreiche Fachkräfte im Laboratorium für Gewebstypenbestimmung, das die Universität Kalifornien in Los Angeles eingerichtet hat und
das heute das größte dieser Art in der Welt ist, beschäftigen sich ausschließlich mit derartigen Fragen.
Zu den bisherigen positiven wie negativen Erfahrungen und den auf dieser Basis erarbeiteten Regeln ergeben sich aber doch immer wieder neue Gesichtspunkte. So stellten Dr. Gerhard Opelz, Dr. Paul J. Terasaki und
Dr. Max R. Mickey (Los Angeles) durch die Datenauswertung von 1 497 Erstund 257 Zweittransplantationen zu ihrer Überraschung fest, daß die prozentuale Überlebensrate des zweiten Organs der Überlebensrate bei den Erstübertragungen äl .ilich war. Entgegen diesem Befund hatten sie erwartet, daß
die Abwehrreaktionen nach der Wiederholung der Transplantationen, die außerdem mit Leichennieren vorgenommen wurden, sogar heftiger als beim ersten Mal
in Erscheinung treten würden.
Durch eine weitere Untersuchung von Zweittransplantationen konnten die
Wissenschaftler die Beobachtung zur Frage der Überlebenschance einer zweiten Fremdniere erhärten und differenzieren. Aufgrund der Unterlagen zu 264
Zweittransplantationen mit Leichennieren, die von Januar 1967 bis Dezember
1971 an 58 Kliniken in den USA und in Kanada durchgeführt wurden, ergab sich
bei einer bestimmten Patientengruppe sogar eine deutlich verbesserte Überlebensrate. Und dieser Effekt scheint durch die Reaktionen induziert worden
zu sein, die sich im Zusammenhang mit der Abstoßung des ersten Organs entwickelten. Insbesondere bei Patienten mit "langsamer Abwehr", d. h. der Abstoßung der ersten Fremdniere nach mehr als drei Monaten, wäre es denkbar,

-2-

�denkbar, daß das sogenannte Enhancement-Phänomen mit erhöhter Toleranz gegenüber dem zweiten Fremdorgan durch die Bildung spezifischer Antikörper in
Erscheinung tritt; dies wäre eine Folge der Immunreaktionen auf das erste
Transplantat. Diese Frage ist jedoch noch keineswegs endgültig beantwortet
und bedarf weiterer gründlicher Untersuchungen.

- Fremdniere bei jugendlichen Patienten Eine Gruppe von fünf Ärzten vom Transplantationszentrum San Francisco
führte seit 1964 insgesamt 63 Nierenübertragungen bei 54 Patienten unter 18
Jahren durch.

Der von Beizer, Schweitzer, Holliday, Fotter und Kountz ver-

öffentlichten Übersicht zufolge waren bei 32 Kindern die Organspender Blutsverwandte; in fünf Fällen war eine Retransplantation erforderlich. Die Überlebensrate dieser Gruppe lag nach dem ersten Jahr bei 90 Prozent, bei den
21 Kindern mit Leichennieren bei 67 Prozent. Manche der Kinder leben bereits
sieben Jahre mit dem fremden Organ, das bei fast allen so gut funktioniert,
daß ein ganz normales Leben möglich ist.
Trotz dieser guten Ergebnisse ist die Todesrate mit 20 Prozent noch "zu
hoch", wie Dr. Beizer erklärte - auch angesichts der Tatsache, daß die Erkrankungen ohne die Operation in allen Fällen zum Tod geführt hätten. Die zweite
Therapiemöglichkeit, nämlich die Hämodialyse mit regelmäßiger Blutwäsche,
ist nach den Erfahrungen von Beizer und Mitarbeitern als Dauerbehandlung für
Kinder nicht akzeptabel.

Bei chronischer Urämie sei eine Nierenübertragung

möglicherweise bereits in Erwägung zu ziehen, noch ehe die Dialyse erforderlich werde.

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MAGNETISCHE STÜRME UND WETTERGESCHEHEN
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und Tiefdruckrinnen-

--(AD)— Für die seit langem gehegte Vermutung, daß ein direkter Zusammenhang zwischen erdmagnetischen Stürmen und damit Vorgängen auf der Sonne
und dem Wettergeschehen auf der Erde bestehen könne,

gibt es jetzt zum

ersten Mal statistische Beweise. Aufgrund ihrer langjährigen Untersuchungen
(1964-1971) berichteten kürzlich Dr. Walter Orr Roberts, der Präsident
der "Universitätscorporation für Atmosphärische Forschung" in Boulder
(Colorado), und Dr. Roger H. Olson, Meteorologe beim US-Amt für Meeres- und
Atmosphärenforschung (NOAA), über entsprechende Beobachtungen im Raum über
dem Golf von Alaska im nordöstlichen Pazifik. Offensichtlich werden Tiefdruckrinnen - langgestreckte Zonen relativ niedrigen atmosphärischen
Drucks, wie sie in der Höhe mit 300 Millibar (ca. 10 000 m) zu finden
sind - in Reaktion auf Stürme im erdmagnetischen Feld verstärkt. In den
in die Beobachtung einbezogenen geographischen Breiten rufen solche Stürme
meist das farbenprächtige Schauspiel der Nordlichter hervor.
Die Entwicklung von Tiefdruckrinnen über dem Golf von Alaska beeinflußt
erheblich das Wetter über Nordamerika. Etwa ein Drittel der Tiefdruckgebiete dringt bis in den amerikanischen Mittelwesten vor. Gehen den Tief-

�Tiefdrucksystemen jedoch Nordlichter voraus, verlagern sich die Schlechtwetterzonen bis 350 km weiter nach Süden und bringen dort merkliche Abkühlung.
Obgleich sich nicht alle großen Tiefdruckrinnen erst nach Nordlichtern
ausbilden, und umgekehrt einem Nordlicht nicht immer die Entwicklung einer
Tiefdruckrinne folgt, ist die Wahrscheinlichkeit der Verstärkung dieses meteorologischen Phänomens zwei bis vier Tage nach einem erdmagnetischen Sturm
doppelt so groß wie in magnetisch ruhigen Perioden.
Eine beweisbare physikalische Erklärung vermochten die Wissenschaftler
für einen derartigen Zusammenhang zwischen Sonnen-und Erdwetter noch nicht
zu geben. Über die Mechanismen, die dabei im Spiele sind, gibt es bisher nur
Vermutungen.So könnte sich beispielsweise die sonnenaktive und geomagnetische
Steuerung auf dem Wege über eine gewisse Blockierung der Abstrahlung von
Wärmeenergie a«s dem Raum über dem verhältnismäßig warmen Nordpazifik durch
Zirruswolken ergeben. Deren Bildung wiederum beruht unter anderem auf Phänomenen, die mit erdmagnetischen Störungen zusammenhängen. Aber auch Veränderungen der Ozon-Konzentration und möglicherweise verstärkte Gewittertätigkeit
könnten als Einflußfaktoren in Frage kommen.
Um die Fragen, die aufgrund der siebenjährigen Beobachtungen aufgeworfen wurden, vielleicht doch klären und so zur Verbesserung der Wettervorhersage beitragen zu können, wollen die beiden Wissenschaftler nunmehr die meteorologischen Daten aus dem betreffenden Gebiet über einen Zeitraum von 20 Jahren (1950-1970) einer nochmaligen Analyse unterziehen.(Olson und Roberts berichteten im Januarheft 1973 der Zeitschrift "Journal of the Atmospheric
Science" über ihre bisherigen Forschungen.)

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10/1973

HAEMOGLOBIN AUS TIEFGEKÜHLTEM KNOCHENMARK

--(AD)-- Menschliche Knochenmarkzellen können bis zu neun Monate im gefrorerenen Zustand konserviert werden, ohne dadurch ihre Fähigkeit zu verlieren, den roten Blutfarbstoff und Sauerstoffträger Haemoglobin zu produzieren. Diese Feststellung machten Dr. John W. Adamson und Dr. Rainer
Storb von der Universität Washington (Seattle) bei Laboruntersuchungen an
Knochenmarkzellen von sechs Patienten. Die Lebensfähigkeit des tiefgekühlt
konservierten Knochemarks testeten die Wissenschaftler aufgrund seiner
Fähigkeit, nach Behandlung/Erythropoetin (ESF-dem Blutplasmafaktor, der
normalerweise die Produktion roter Blutkörperchen anregt), Haemoglobin
zu synthetisieren.
Haemoglobin wird nur im Stadium der Zellteilung und in den noch nicht
ausgereiften Erythrozyten gebildet. Deshalb berechtigte die Beobachtung
einer verstärkten Haemoglobinsynthese in den ESF-behandelten Zellkulturen
zu der Schlußfolgerung, daß sich die konservierten Zellen nach monatelangem
Einfrieren tatsächlich weitervermehren. Allerdings machen die beiden Forscher darauf aufmerksam, daß dies mit Sicherheit erst von einem der fünf
Typen von "Vorläufern" der Erythrozyten im Knochenmark gesagt werden könne.
Die Vermehrungsfähigkeit der anderen Elemente im konservierten menschlichen
Knochenmark müsse erst noch genau untersucht werden. Die bisherigen Ergeb-

-l-

�Ergebnisse lassen jedoch hoffen, in bestimmten Fällen die Bildung roter
Blutkörperchem mit eigenem, konservierten Knochenmark des Patienten anregen zu können. Drei Institute der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der Vereinigten Staaten unterstützen finanziell die Untersuchungen in
Seattle.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schlußakte der Vietnamkonferenz &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie lange werden die Vereinten Nationen noch dem internationalen Terror zusehen? &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard L. Carl &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker: Keine weitere Dollarabwertung - Wortlaut der Erklärung des Staatssekretärs - Washington erwartet mehr ausländische Direktinvestitionen in den USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nierentransplantationen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magnetische Stürme und Wettergeschehen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und Tiefdruckrinnen -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haemoglobin aus tiefgekühltem Knochenmark</text>
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14. März 1973

11

Inhalt

WIRTSCHAFT:
US-Staatssekretär unterstreicht "gesunden Wert" des Dollar
-Auszüge aus einer Rede Caseys in New YorkBurns: Vertrauen in den US-Dollar wiederherstellen
US-Regierung setzt neue Akzente im Kampf gegen die Inflation
Von Richard P„ Wilson

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Lotsendienst über den Weltraum
-Satelliten geleiten havariertes Forschungsschiff durchs südliche
EismeerVon G. Weiss
Technische Neuheiten für die Medizin
Staubpartikelgröße ein karzinogener Faktor
Strom aus Müll und Abfallstoffen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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11/1973
,„'J- STAATSSEKRETÄR UNTERSTREICHT "GESUNDEN WERT" DES DOLLAR

-Auszüge aus der Rede Caseys in New YorkHARRIMAN, New York --(AD)-» Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, William J. Casey, hat auf
einer Konferenz über Probleme der Weltwährungsreform am 10. März den
"gesunden Wert" des Dollar unterstrichen. In seiner Rede wies der frühere Vorsitzende des amerikanischen Effekten-und Börsenaufsichtsamtes darauf
hin, daß der von Währungsspekulanten gezeigte Mangel an Vertrauen in den
Dollar von einer Fehleinschätzung der "soliden Basis" der amerikanischen
Währung herrühre.
Casey zeigte Wege zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der amerikanischen Handels-und Zahlungsbilanz auf und wandte sich vor allem der
Rolle der internationalen Investitionen bei der Stärkung der Zahlungsbilanz™
Position der Vereinigten Staaten zu.
Im folgenden geben wir Auszüge aus der Rede Caseys wieder:
"Ich teile Präsident Nixons Überzeugung, daß der Dollar heute einen
gesunden Wert hat. Sicherlich geben unser Handelsdefizit von sechs Milliarden Dollar und unser Zahlungsbilanzdefizit von 10 Milliarden Dollar Anlaß

~1-

�Anlaß zu ernster Besorgnis. Noch größeren Anlaß zur Besorgnis bieten jedoch
die 70 bis 80 Milliarden expatriierter Dollar, die heute im Ausland stehen
und zwar aufgrund eines Zweifrontenkrieges - einmal in Vietnam uno zum anderen gegen Armut und soziale Übel im eigenen Lande, die beide in ungeeigneter
Form geführt wurden.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Probleme des Dollar zum großen
Teil daraus resultieren, daß man die solide Grundlage nicht richtig einschätzt,
die unter dem Ganzen liegt. Die Welt hat den deutlich sichtbaren Verlust der
amerikanischen Position auf den Gebieten der Verbraucherelektronik,der Sportartikel und der Kraftfahrzeuge als einen Niedergang der allgemeinen Technologie angesehen. Eine objektive Analyse würde jedoch feststellen, daß die
Vereinigten Staaten auf den Gebieten der Computer, der Photographie, der
Arzneimittel, der medizinischen Technologie, der Luft-und Raumfahrt, der Kernenergie, des Wohnungsbaues, der Schwerindustrie, der Erdölbohrungen im ShelfGebiet, der allgemeinen Versorgungseinrichtungen usw. noch immer führend
sind.
Wir haben Einkünfte von sieben Milliarden Dollar aus Investitionen,
Tantiemen und Management, stecken einen großen Teil unserer ausländischen Einnahmen wieder in das Geschäft in Übersee und besitzen heute rund 90 Milliarden Dollar - Buchwert - an Direktinvestitionen in Übersee, die in Wirklichkeit
noch sehr viel mehr wert sind. Amerikanische Transportgesellschaften haben im
vorigen Jahr über drei Milliarden Dollar außerhalb der Vereinigten Staaten verdient. Über 100 amerikanische Bankinstitute sind mit fast 6oo Filialen im
Ausland tätig. Etwa 250 Maklerfirmen arbeiten mit über 2000 Vertretern im
Ausland.
Wollen wir uns einmal ein allgemeines Bild machen, wie wir unser Zahlungsbilanzdefizit von 10 Milliarden Dollar korrigieren können. Wir könnten es
allein schon fast ganz beseitigen, wenn wir unsere Touristen, unsere Streitkräfte und unsere Entwicklungshilfe im eigenen Lande ließen. Aber wir können
es uns nicht leisten, uns von der Welt zurückzuziehen. Wir könnten es ferner

�ferner erreichen, indem wir unsere Handelsbilanz von einem Defizit von 6 Milliarden Dollar in einen Überschuß von 4 Milliarden Dollar verkehren. Wenn wir
das ohne eine Verringerung unserer Importe tun wollten, müßten wir über unsere gegenwärtigen Exporte von 43 Milliarden Dollar hinaus fast 25 Prozent mehr
exportieren. Unsere Handelspartner sind über diesen Vorschlag erschreckt.
Sie vergessen jedoch, daß unsere Importe in den letzten zwei Jahren um 40 Prozent angewachsen sind, während unsere Exporte nur um 15 Prozent zunahmen. Wir
brauchten nur dieses Verhältnis umzukehren, um wieder ins Gleichgewicht zu
kommen. Eine Liberalisierung des Handels und der Investitionsbeschränkungen
im Ausland und eine stärker export-orientierte Geschäftswelt könnte zusammen
mit einer abgewerteten Währung und verbesserten Dienstleistungs-und Marketingeinrichtungen im Ausland in wenigen Jahren zu einer Ausweitung unserer
Exporte um 25 Prozent führen.
Werfen wir einen Blick auf unsere Landwirtschaft. Durch ein technologisches Wunder sind fünf Prozent unserer Arbeitskräfte in der Lage, uns alle
hier im eigenen Lande und noch viele Menschen im Ausland zu ernähren. Mit
all dem Brachland, das wir der Erzeugung zugeführt haben, und einer Liberalisierung der Agrarhandelspolitik ist nach unserer Auffassung eine Zunahme der
Agrarexporte um 10 Milliarden Dollar pro Jahr und eine Verbesserung unserer
Agrarhandelsposition um über 7 Milliarden Dollar erreichbar. Dies würde uns
Ersparnisse von 4 Milliarden Dollar pro Jahr an Steuern sowie weitere Ersparnisse in den Lebensmittelgeschäften und Metzgereien im eigenen Lande und im
Ausland bringen, da wir mehr Futtermittel und Vieh exportieren und mehr Molkereiprodukte importieren würden.
Nichts von all dem wird rasch eintreten. Manches mag überhaupt nie eintreten. Wir brauchen nur die Hälfte davon zu erreichen, um unsere Zahlungsbilanz auszugleichen. Ein Drittel davon würde schon unsere Handelsbilanz ausgleichen,
...Der

-3-

�... Der Handel braucht nicht länger die einzige Haupteinnahmeque.: j e unserer Zahlungsbilanz zu sein. Die amerikanischen Auslandsinvestitionen sind so
gewachsen und ihr Potential, sowohl um Gewinne zwecks Kapitalerhöhung einzubehalten als auch um Schulden im Ausland aufzunehmen, ist jetzt so groß, daß der
Teil der Gewinne, der nach den USA repatriiert wird, und die Einnahmen aus
Lizenzen und Patenten der amerikanischen Technologie zu unserem Hauptaktivposten in den kommenden Jahren werden können. Darüberhinaus sind die amerikanischen Wertpapiermärkte zweifellos für einen beträchtlichen Teil der Gelder
attraktiv, die Investoren im Ausland für Sicherheit und Wachstum anlegen möchten. Und vor allem gibt es wesentliche Anreize, die auf ein Anwachsen

der

direkten Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten hinwirken.
Wenn wir auf unsere Investitions-und Einkommensaktiva blicken, dann finden wir hier das vielversprechendste Element unserer Zahlungsbilanz. Wir haben
ein Handelsdefizit von 6 Milliarden Dollar und einen Nettozufluß an Dividenden, Zinsen, Tantiemen usw. aus unseren Investitionen im Ausland von 7 Milliarden Dollar. Als ein Land, das einen immer größer werdenden Energie-und Rohstoffbedarf im Ausland decken muß, werden wir im Ausland investieren und den
Zufluß von Investitionserträgen, um solche Investitionen zu rechtfertigen,
vergrößern müssen.
Um diese Investitionen auszugleichen, müssen wir einen Anreiz für Investitionen aus dem Ausland bieten. Wir werden Wertpapiere zu einem Exportposten machen müssen. Wir werden unsere Fähigkeit, in allen Teilen der Welt
wie auch bei uns in den USA Kapital aufzubringen, beibehalten und stärken
müssen...
Halten Sie sich doch bitte vor Augen, daß New York bis 1962 der einzige
wirklich große Kapitalmarkt für Regierungen, internationale Gesellschaften
und andere Institutionen war. Im Juli jenes Jahres führte Präsident Kennedy,
besorgt über den immer größer werdenden Abfluß langfristigen Kapitals , der
von 850 Millionen Dollar im Jahre 1960 auf eine fast doppelt so hohe Jahresrate im Jahre 1963 stieg, die Zinsausgleichssteuer ein. Dieser Maßnahme folgten

-4-

�folgten andere Beschränkungen für Auslandskredite und Kapitalexporte.
Die Nettowirkung war, daß zu Investitionen in Wertpapieren anderer Länder als den Vereinigten Staaten ermutigt wurde, daß Finanzzentren außerhalb
der Vereinigten Staaten entstanden, die von amerikanischen Wertpapieren leben,
daß das Geschäft von amerikanischen Wertpapierbörsen auf ausländische Häuser
verlagert wurde und daß die Kapitalflüsse ganz allgemein verzerrt wurden. Das
Tempo, mit dem sich der Eurodollar-Markt und der Eurobond-Markt entwickelt
haben und die gewaltigen Kapitalmengen auf diesen Märkten sind zumindest zu
einem großen Teil amerikanischen Maßnahmen zuzuschreiben.
Kurz gesagt, der Eurodollar-Markt und der Eurobond-Markt konnten zum
großen Teil deshalb aufblühen, weil amerikanische Kontrollen sie vor der Konkurrenz New Yorks geschützt haben. Die Beseitigung dieser Kontrollen dürfte zu
einer wesentlichen

Verlagerung der Tätigkeit zurück nach New York führen, so-

wohl weil dort reichlichere Mittel und größere institutionale Leistungsfähigkeit vorhanden sind als auch, weil viele Kunden es bequemer finden werden, dort
Gelder aufzunehmen. In dem Maße, wie sich die Anleihetätigkeit zurück nach
New York verlagert, werden die Zinsen für Depositen in London im Verhältnis
zu New York ebenfalls zurückgehen und auch die Depositen selbst werden nach
New York zurückfließen.
Das heißt nicht, daß der Eurodollar-Markt oder der Eurobond-Markt verschwinden werden, wenn die Kontrollen abgeschafft sind. Hier hat sich eine beträchtliche Leistungsfähigkeit entwickelt, und manche Kunden werden es immer
noch bequem finden, auch weiterhin im Ausland Geld aufzunehmen und anzulegen.
Mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit wird jedoch eine wesentliche Verlagerung eintreten, wenn die entsprechenden Kostenvorteile anhalten...
Mit der Ankündigung, daß die Kontrollen für den Kapitalexport auslaufen
sollen, ist es für unsere hoch befähigte Finanzwelt von entscheidender Bedeutung,daß sie sich voll und ganz engagieren kann. Es wird einen Abfluß von

-5-

�von Kapital geben, aber dieser dürfte durch eine stärkere Repatriierung
von Gewinnen aus der Auslandstätigkeit ausgeglichen werden und zwar in dem
Maße, wie es leichter wird, je nach Bedarf neues Kapital ins Ausland zu
verbringen, und wie unsere Finanzwelt mit ihrer Heimatbasis nicht länger
mehr von der Welt abgeschnitten ist, so daß sie wieder vermehrt in der Lage
sein wird, Geld für andere Länder aufzubringen....".

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11/1973

BURNS: VERTRAUEN IN DEN US-DOLLAR WIEDERHERSTELLEN
WASHINGTON --(AD)»- Als ein Nahziel, das alle Länder der Welt angeht, hat
der Vorsitzende des US-Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - , Dr. Arthur F. Burns , die Wiederherstellung des Vertrauens in die
Weltwährungen und vor allem in den amerikanischen Dollar bezeichnet.
Vor dem Unterausschuß für Internationale Finanzfragen des amerikanischen Repräsentantenhauses sagte Burns am 7. März wörtlich: "Meines Erachtens müssen wir die Türe für jede weitere Abwertung schließen, denn
wir haben Vertrauen zu schaffen. Wir können das aber nicht, wenn wir an
die Möglichkeit einer weiteren Abwertung denken. Wir müssen unsere Inflation
unter Kontrolle bringen und wir müssen noch mehr als in den letzten Jahren
eine Wirtschaft aufbauen, die so stark und so blühend ist, daß die Leute,
die über Geld verfügen, dieses im eigenen Lande anlegen, statt es ins Ausland zu bringen und dort nach besseren Gewinnmöglichkeiten zu suchen. Und
die Wirtschaft sollte so stark sein, daß die Gewinnaussichten so gut sind,
daß die Ausländer ihr Geld in die USA schicken und dort langfristig anlegen. "
Burns

-1-

�Burns fügte hinzu, daß der Federal Reserve Board jede Maßnahme begrüßen
werde, die der Kongreß zur Stärkung des Vertrauens in den Dollar beschließt.
Dies gelte vor allem auch für das Abwertungsgesetz, durch das die von Präsident Nixon im Februar verkündete Abwertung des Dollar Gesetzeskraft erhalte.
Burns, der auf Fragen der Abgeordneten jede weitere Dollar-Abwertung kategorisch ablehnte, schloß jedoch die Möglichkeit künftiger Interventionen auf
den Devisenmärkten zur Stützung der Dollarparität nicht aus. Auf die Frage,
ob die Vereinigten Staaten sich selbst zur Stützung fester Wechselkurse verpflichten würden, sagte Burns wörtlich: "In dieser Frage will ich mich nicht
festlegen, aber nur deshalb nicht, weil es sich hier um eine Entscheidung
handelt, die die Vereinigten Staaten nicht allein treffen können; dies hängt
sowohl von den anderen Ländern als auch von uns ab, und im Augenblick hängt
dies mehr von den anderen Ländern als von den Vereinigten Staaten ab."
Burns räumte ein, daß ein weiterhin anhaltendes hohes Zahlungsbilanzdefizit der USA eine Änderung der derzeitigen Währungsparitäten bedeuten könne,
betonte jedoch, daß er es nicht als verhängnisvoll betrachte, wenn die USA
auch weiterhin eine negative Zahlungsbilanz hätten. "Ich glaube jedoch", so
sagte er wörtlich, "daß wir dies in den nächsten zwei oder drei Jahren beseitigen können."
Burns unterstrich erneut nachdrücklich die Dringlichkeit einer baldigen
Reform des internationalen Währungssystems, damit immer wieder auflebende Währungskrisen vermieden würden, und erklärte, der anfängliche Plan für eine
Reform des internationalen Währungssystems habe für seine Verwirklichung einen
Zeitraum von zwei bis drei Jahren ins Auge gefaßt. Die Dinge seien jedoch
schon so intensiv besprochen worden, daß er hoffe, die Aufgabe in drei Monaten bewältigt zu sehen.
Burns betonte, er unterstütze generell den Vorschlag, durch eine Ermächtigung zu selektiven Goldverkäufen aus amerikanischen Beständen auf dem

�1

dem Weltmarkt den Druck auf den US-Dollar zu mildern, lehne jedoch jede
lineare Sonderabgabe auf Importe ab. Wörtlich sagte er: "Ich bezweifle sehr,
ob wir überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt eine Sonderimportabgabe auf einer
linearen und einheitlichen Basis für alle Erzeugnisse aller Länder erheben
werden." Sollte es aber zu einer Ermächtigung für eine Sonderabgabe auf
einer temporären Basis kommen, wie dies in dem von Präsident Nixon dem Kongreß
noch vorzulegenden Handelsgesetz vorgeschlagen werde, dann müßten gleichzeitig
entsprechende Garantien gegeben werden, damit die gesamte Welt wisse, daß
die Vereinigten Staaten sich nicht auf eine Ära des Protektionismus hinbewegen.

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11/1973

US-REGIERUNG SETZT NEUE AKZENTE IM KAMPF GEGEN DIE
INFLATION
Von Richard P. Wilson

WASHINGTON --(AD)-- Die Nixon-Administration hat in diesen Tagen angesichts
^er

steigenden Großhandelspreise, die den Erfolg der Phase III des libera-

lisierten Programms für eine Kontrolle von Preisen und Löhnen in den USA
zu gefährden drohen, zwei unerwartete Maßnahmen ergriffen, die Löhne und
Preise in die ihnen gesetzten Schranken verweisen sollen. Gleichzeitig
möchte die Regierung in Washington diese beiden Maßnahmen aber auch als ein
Signal an die amerikanischen Verbraucher und die ausländischen Besitzer von
Dollar-Guthaben verstanden wissen, daß sie nach wie vor entschlossen ist,
den Kampf gegen den inflationistischen Druck auf zahlreichen Fronten fortzusetzen.
Auch wenn sich jetzt ein anderes Bild von der Phase III des Kontrollprogramms ergibt, sollen die Kontrollen doch auch weiterhin flexibel,aber
eben entschlossener gehandhabt werden

So werden die in der Phase II gülti-

gen Normen für Lohnerhöhungen nun auch für die Phase III Gültigkeit behalten.
Zum anderen wurden für die Erdölindustrie, zugleich als Warnung an andere
Industriezweige, für Phase III gesetzlich

bindende Bestimmungen erlassen.

�erlassen. Damit hat Finanzminister George P- Shultz gezeigt, daß er auch
von dem"Knüppel"Gebrauch machen wird, den er, wie er seinerzeit sagte, für
den Fall bereit hält, daß die freiwilligen Kontrollen der Phase III nicht
ausreichten. Doch sind die neuen Maßnahmen nicht als Strafe, sondern vielmehr vorbeugend zu verstehen, um den immer stärker werdenden Druck auf die
Ölpreise zu dämpfen. Schon der Anstieg der Lebensmittelpreise stellt eine
starke Belastungsprobe für das Kontrollprogramm dar, und auch auf anderen
Gebieten scheinen sich erste Warnzeichen bemerkbar zu machen.
So sind die Großhandelspreise in den USA im Februar gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent (saisonbereinigt um 1,6 Prozent) gestiegen. Vor allem
der Anstieg der Preise für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse - 3,9 Prozent
und saisonbereinigt 3,2 Prozent - hat hierzu beigetragen. Und in den letzten
12 Monaten hatten die Preise für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse sogar um
19,1

Prozent angezogen, die Großhandelspreise für industrielle Erzeugnisse

dagegen nur um 4,1 Prozent.
Entgegen allen Erwartungen hat daher der Lebenshaltungskostenrat bekanntgegeben, daß die Normen für Lohnerhöhungen der Phase II, denen zufolge

die

Löhne nur um 5,5 Prozent angehoben werden dürfen, nunmehr auch für Phase III
als Maßstab dienen sollen, wobei allerdings bei den in den kommenden Monaten anstehenden TarifVerhandlungen ein größeres Maß an Flexibilität möglich
ist. Die Gewerkschaften hatten bereits höhere Forderungen angemeldet. Sie
argumentieren, daß bei einer Produktivitätssteigerung von 3 Prozent und einem
Anstieg der Lebenshaltungskosten von 3 bis 4 Prozent die Lohnforderungen
eher bei 7 bis 8 Prozent als bei 5,5 Prozent liegen müßten.
Die Wiedereinführung der bindenden Preiskontrollen für die Erdölindustrie ist nicht nur als vorbeugender Schritt gegen ein Ausufern der Erdölpreise zu sehen, sondern wird allgemein auch als Warnung an andere Industriezweige interpretiert. Die 23 größten amerikanischen Erdölgesellschaften werden k'nftig die Preiserhöhungen für ihre meisten Erzeugnisse auf ein Prozent

�Prozent beschränken müssen. Hierunter fallen auch Benzin sowie Heizöl für
die Haushaltungen. Damit soll, wie der Direktor des Lebenshaltungskostenrates, John T. Dunlop, erklärte, dem amerikanischen Verbraucher garantiert
werden, daß stets ausreichende Mengen an Benzin und Heizöl zu angemessenen
Preisen verfügbar sind. Auf die 23 betroffenen Gesellschaften entfallen rund
95 Prozent der Nettoumsätze der amerikanischen Erdölindustrie,und sie erzielen bei den nunmehr wieder kontrollierten Erzeugnissen Einnahmen von über
250 Millionen Dollar jährlich.
Einzelne Kritiker der Regierung meinen, dab die neuen Maßnahmen nicht
ausreichen, und halten ein erneutes Einfrieren von Löhnen und Preisen für
notwendig. Doch Finanzminister Shultz ist weiterhin optimistisch, wobei er
darauf verweist, daß die meisten der gegenwärtigen Probleme in der US-Wirtschaft auf das schnelle Expansionstempo zurückzuführen sind. Die Regierung,
so führte Shultz erst kürzlich vor amerikanischen Industriellen aus, müsse
daher nicht nur in der Ausgaben-und der Währungspolitik Zurückhaltung üben,
sondern auch ihren Apparat für Lohn-und Preiskontrollen aufrechterhalten
und das Lebensmittelangebot durch Steigerung des Imports und der einheimischen Erzeugung verbessern. Darüberhinaus werde die Regierung die Mittel
der Einkommenspolitik nutzen. In der Phase III des Kontrollprogramms, so versicherte der Minister, werde aber nur dort, wo unbedingt notwendig. Zwang angewandt werden; sonst werde sie, wo immer möglich, auf Freiwilligkeit basie«
ren.
Es besteht keinerlei Zweifel daran, daß der Wirtschaftsaufschwung in den
USA weiter anhalten wird. Hat doch gerade erst das Handelsministerium berichtet, daß 12 der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren seit 27 Monaten ununterbrochen eine steigende Tendenz aufweisen, und dies deutet auf eine Fortdauer
des Aufschwungs hin. Auch verfügt die Industrie noch über ein reichliches Arbeitskräftereservoir, denn die Arbeitslosenquote liegt immer noch etwas über
5 Prozent. Außerdem hat Finanzminister Shultz unmißverständlich zu verstehen

-3-

�verstehen gegeben, daß die Regierung die Inflation unter Kontrolle halten
wird und fest entschlossen ist, die Phase III zu einem vollen Erfolg zu machen.
Voraussetzung hierfür ist allerdings auch, daß Gewerkschaften und Arbeitgeber
"ein wenig Mäßigung und Zurückhaltung" üben. Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen - die Phase III ihres Kontrollprogramms, Zurückhaltung bei den
Regierungsausgaben, Beachtung der wirtschaftlichen Grundprinzipien und Regulierung des Geldflusses - werden, wie Shultz unterstrich, in ihrer Gesamtheit
dazu führen, daß sich in der Wirtschaft ein allmählicher Übergang zu einer
kontinuierlichen Wachstumsrate vollzieht.

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11/1973

LOTSENDIENST ÜBER DEN WELTRAUM
-Satelliten geleiten havariertes Forschungsschiff durchs südliche
Eismeer-

Von G. Weiss

--(AD)-- Kapitän Jacques Cousteau kam persönlich nach Washington, um der
NASA für die Rettung seines Schiffes zu danken, das bei der Kollision mit
einem Eisberg schwer beschädigt worden war. Die CALYPSO kreuzte nördlich und
südlich der Palmer-Halbinsel, einem Ausläufer des riesigen antarktischen Kontinents. Cousteau und die Besatzung seines Schiffes machten Wetterbeobachtungen und vor allem meeresbiologische Untersuchungen, um die heutigen Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere in diesen noch vor ein paar Jahrzehnten für
ihre biologische Produktivität berühmten Gebietendes südlichen Eismeers zu
studieren. Die Produktivität ist infolge der rücksichtslosen Wal-und Robbenfangmethoden in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen und wird
jetzt durch die Meeresverschmutzung weiter bedroht.
Täglich wurden die Temperaturen an der Meeresoberfläche, die Planktondichte und damit die Chlorophyllkonzentration sowie die Durchlässigkeit des
Wassers für Licht gemessen und die zu beobachtenden Arten von Meerespflanzen

-l-

�Meerespflanzen und Tieren einschließlich ihrer Häufigkeit bestimmt. Neben
zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten waren für Unterwasser-Expeditionen ein kleines Zwei-Mann-U-Boot, für Aufnahmen aus größeren Höhen ein
Heißluftballon, für die Beobachtung von Treibeisflächen und Eisbergen ein
kleiner Helikopter und für den Funkverkehr mit einem amerikanischen Erdsatelliten Spezialantennen und andere elektronische Ausrüstungen an Bord, Sie
ermöglichten die tägliche Verbindung mit der Außenwelt, insbesondere mit
Forschungsinstituten in den Vereinigten Staaten und in England. Cousteau
übermittelte ihnen

"egelmäßig eine Fülle wissenschaftlicher Meßdaten aus

diesem noch immer schwer zugänglichen Teil der Erde.
Die Untersuchungen sollten helfen, bessere Arbeitsprogramme für die
Erdbeobachtung durch Satelliten und für die Auswertung bezw.. Interpretation
der von ihnen zur Erde gemeldeten Daten zu entwickeln. Denn nur durch die
Einbeziehung der weiten Gebiete außerhalb der üblichen Schiffahrts-und
Flugrouten und außerhalb der vom Menschen bewohnten Kontinente in eine gründliche Erforschung und Kontrolle bestünde Aussicht, die Störungen des ökologischen Gleichgewichts wirksam anzugehen und einer weiteren Dezimierung des
Lebens in diesem Raum wie auch der Verschmutzung Einhalt zu gebieten.
Vom ursprünglichen Walbestand sind, so stellte Cousteau fest, nur noch
sechs Prozent vorhanden. Die riesigen Tiere wie auch die Pinguine, die Robben und die Fische leben in erster Linie von Krill. Und diese Kleinorganismen,
die wiederum auf mikroskopisch kleine Algen angewiesen sind, gibt es noch in
Hülle und Fülle. Übrigens machte Cousteau die für Eiologen und Meeresforscher
außerordentlich interessante Beobachtung, daß über einem teilweise unter
Wasser liegenden vulkanischen Einbruchsgebiet am Deception Island die Chlorophyllwerte bis zu Hundertmal höher sind als an anderen Stellen

Wahrschein-

lich gelangen dort mehr Nährstoffe als anderswo aus der Tiefe an die Oberfläche.
Am

-2-

�Am 12. Februar 1973 wurde die CALYPSO am Heck von einem Eisberg gerammt. Eine der beiden Schrauben fiel aus, ein Propellerschaft des 43 m
langen, aus Holz gebauten Forschungsschiffes brach auseinander. Wenn das
havarierte Schiff und seine Besatzung aus dem stürmischen Seegebiet, wo
immer wieder Treibeismassen und Eisberge auftauchten, überhaupt glücklich
herauskommen sollte, konnten dazu exakte Eismeldungen und Wettervoraussagen
eine Menge beitragen. Und dafür wurde nun zusätzlich zu den Wettersatelliten
NIMBUS 4 und NOAA II, deren Auflösungsvermögen für die Detailbeobachtung von
Eis nicht ausreicht, das ERTS 1-Gerät mit seinen scharfen Fernsehaugen eingesetzt. Normalerweise ist dieser Erdforschungssatellit, der unseren Planeten
auf nahezu polarer Bahn in ca. 910 km Höhe umkreist, über dem antarktischen
Raum abgeschaltet.
Die ERTS-Aufnahmen von der Antarktis wurden im Goddard-Raumfahrtzentrum
bei Washington aufbereitet und sofort an das Wetteramt der US-Marine
(FWF - Fleet Weather Facility) zur Analyse weitergegeben, das seinerseits
über den Satelliten ATS 3, der in 36 000 km Höhe über Brasilien gewissermaßen
ortsfest steht, zweimal täglich die Informationen Cousteau direkt übermittelte. FWF identifizierte beispielsweise sowohl die Masse von Eisbergen und
Eistrümmern (auf einer ca. 22 km weiten Fläche) als auch die Richtung, in
der sie entlang der Route der CALYPSO durch die Drake-Passage dahintrieben.
Mit nur fünf Knoten Geschwindigkeit schlich sich die CALYPSO durch die eisfreien Gebiete voran. Dank des Lotsendienstes über den Weltraum erreichte
das Schiff "ohne ernsten Zwischenfall" Südamerika und lief am 21. Februar
1973 in den Hafen von Ushuaia (Argentinien) ein.

-K+

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TECHNISCHE NEUHEITEN FÜR DIE MEDIZIN
--(AD)-- Alle zwölf Monate erscheint in den Vereinigten Staaten in der
Zeitschrift "Industrial Research" eine Liste der wichtigsten technischen
Produkte des vorangegangenen Jahres. Sie wird im Auftrag der in Chicago
herausgegebenen Zeitschrift von einem Wissenschaftlergremium zusammengestellt, das Tausende neuer Vorrichtungen, Instrumente oder Ausrüstungen
begutachtet und auf ihre Brauchbarkeit bewertet. Einige Neuheiten auf medizinisch-technischem Gebiet seien herausgegriffen:
- VIDA, tragbares Herzschlagmeßgerät: Zwei kleine Sensoren, die am
Brustkorb des Patienten befestigt sind, reagieren auf den Herzschlag und
erfassen selbst die kleinste Unregelmäßigkeit. Bei einer von der Norm abweichenden Herztätigkeit gibt das Taschengerät Alarm. Die Schlagimpulse
können als akustische Signale über ein gewöhnliches Telefon in die Arztpraxis übertragen werden. Hersteller: Cardiodynamics Corporation in
Dublin (Kalifornien).
- DYNATOME: In einer ganzen Serie absichtlich unterbelichteter Röntgenaufnahmen mit nur fünf Sekunden Gesamtbelichtungszeit werden Schichtaufnahmen vom Körper des Patienten angefertigt, die dem Arzt die Inspektion von Gewebe in aufeinanderfolgenden Ebenen bis in jeweils zwei Millimeter Tiefe erlauben. Um von einer Schicht zur anderen überzugehen, braucht
der Arzt nur eine Wählscheibe zu betätigen. Die Bezeichnung des Geräts

-l-

�Geräts ist eine Abkürzung aus "Dynamic Tomograph" (dynamische Schichtaufnahmetechnik). Hersteller: CFC Products Corporation in Ann Arbor (Michigan).
- Blutdruckmessung: Der Patient kann dies selbst tun, indem er einfach
eine Manschette am Handgelenk befestigt. Die Meßwerte werden automatisch
auf einem Papierstreifen aufgezeichnet, so daß sie der Arzt später begutachten kann. Das Gerät (eine gemeinsame Entwicklung der Firmen Sears Roebuck
und Inventure Development Company, Auburndale, Massachusetts) erfaßt auf
elektronischem Wege das Geräusch des durch die Adern strömenden Blutes.
- Blindenbrille: Das Brillengestell enthält winzige elektronische Teile,
die die Funktion eines Senders und Empfängers für unsichtbares Infrarotlicht
haben. Taucht vor dem Blinden ein Hindernis auf, verändert sich das Echo
der ausgesandten Infrarotstrahlung, das in ein akustisches Signal umgesetzt
und von dem Blinden über ein kleines Ohrmikrofon ständig abgehört wird.
Mauerwände sind so aus drei bis vier Metern Entfernung zu identifizieren.
Schlechte Reflektoren wie bestimmte Gewebe werden aus 1,5 m Abstand registriert.
Hersteller: Sensory Aids Research Company in Albuquerque (New Mexico).
- Augeninnendruck: Das sogenannte"N^n-Contact Tonometer" ermöglicht
Messungen des Augeninnendrucks ohne Lokalanaesthesie, weil das Gerät nicht
auf den Augapfel aufgesetzt werden muß. Statt dessen richtet es einen Strahl
von Luftimpulsen von ständig steigendem Druck so lange auf die Hornhaut, bis
diese innerhalb eines bestimmten Bereichs beziehungsweise Durchmessers flachgedrückt wird. Der dafür erforderliche Außendruck ergibt einen indirekten
exakten Maßstab für den Augeninnendruck. Hersteller: American Optical Corporation, Framington Center (Massachusetts).
- Diagnose der Schilddrüsenfunktion: Der sogenannte "Thyroid Scanner"
fertigt unter Umgehung des Radiojod-Cocktails, den der Patient normalerweise
für eine solche Untersuchung trinken muß, ein Bild der Schilddrüse an, aus

-2-

�aus dem ihre Funktionsfähigkeit ersichtlich ist. Für die Aufnahme ist nicht
einmal ein Hundertstel der Energie erforderlich, die eine herkömmliche Röntgenanlage benötigt. Das Gerät liefert ein auf elektronischem Wege abgenommenes und anschließend verbessertes Bild. Hersteller: Kevex Corporation,
Burlingame (Kalifornien).
- Diagnose des Hirnstoffwechsels: Ein winziges Instrument erlaubt zum
ersten Mal die Entnahme von Flüssigkeiten aus dem Gehirn oder die Infiltration von Medikamenten bei vollem Bewußtsein. Es trägt die Bezeichnung
"Transdermal Brain Chemode" und wird an der jeweils kritischen Stelle implantiert. Die Wissenschaftler hoffen, damit schließlich auch chemische Vorgänge im Gehirn bei Patienten, die zu Gewalttätigkeit neigen, untersuchen
zu können. Hersteller: Gulf Energy and Environmental Systems Corporation,
San Diego (Kalifornien).

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STAUBPARTIKELGRÖSSE EIN KARZINOGENER FAKTOR

--(AD)-- Die Größe und Form eingeatmeter Partikel - und weniger das Material, aus dem sie bestehen - können ursächliche Faktoren für die Entstehung von Krebsgeschwülsten der Pleura (Brustfell) sein. Dies ist das
Ergebnis einer Studie, die Dr. Mearl F. Stanton vom Nationalen Krebsforschungsinstitut der USA in Verbindung mit zahlreichen Tierversuchen durchführte. So ist nach Ansicht Dr. Stantons der faserigen Struktur des Asbests die
eigentliche karzinogene Wirkung des Asbeststaubs zuzuschreiben.
»

Die Experimente an Ratten wurden unternommen, um herauszufinden, ob
und inwieweit faserige und nichtfaserige Substanzen Krebs der Pleura hervorrufen können. Dabei stellte sich heraus, daß sehr feine Fasern von Asbest,
Glas oder Saphir relativ häufig, grobe Fasern oder fein pulverisiertes Material der gleichen Substanz dagegen nur selten zur Ausbildung von Krebsgeschwülsten führten. Die karzinogenen Fasern waren im Durchschnitt zwischen
0,5 und 5 Mikron dick und weniger als 80 Mikron lang (1 Mikron = ein
Tausendstel Millimeter).
Mesotheliome

�Mesotheliome (Tumoren der Deck-und Bindegewebszellen von Brust-und
Bauchfell) beim Menschen entwickeln sich in erster Linie bei Personen, die
Asbeststaub ausgesetzt sind. Allerdings können Jahre, ja Jahrzehnte vergehen,
bis als Spätfolge des Einatments von Asbeststaub ein Mesotheliom oder andere
Erkrankungen wie Asbestose und Lungenkrebs in Erscheinung treten. (Nach dem
Zigarettenrauchen steht Asbest als Ursache von Lungenkrebs an zweiter Stelle).
In einem im "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlichten Bericht beschreibt Dr. Stanton Durchführung und Ergebnisse der Tierversuche.

Demnach wurden unter den insgesamt 450 mit Asbestfasern behandelten

Ratten

- gleichgültig, welche der drei Asbestarten (Krokidolit, Chrysotil

oder Amosit) verwendet wurde - zu 58 bis 75 Prozent Mesotheliome festgestellt. Das Ausmaß der Tumorentwicklung unter der Einwirkung von Asbest
stand in keinem Zusammenhang mit Verunreinigungen, ebensowenig mit zwei
üblichen metallischen Beimengungen, mit denen außerdem auch allein experimentiert wurde. Nach der Behandlung mit pulverisiertem Silikat, dem Hauptbestandteil aller Asbestarten, kam es nur bei einem von 48 Versuchstieren zur Entwicklung von Mesotheliom, während in späteren, noch nicht abgeschlossenen
Versuchen an 150 Tieren mit voll pulverisiertem Asbest, faserfreiem Saphir
(Aluminiumoxyd) oder groben Faserglaspartikeln bisher in keinem einzigen Fall
Krebs entdeckt wurde. Angesichts dieser Ergebnisse sollte nach Meinung
Stantons das Einatmen faseriger Partikel unter allen Umständen vermieden
werden.

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STROM AUS MÜLL UND ABFALLSTOFFEN

--(AD)-- Die guten Erfahrungen, die man in der Bundesrepublik und in einigen anderen europäischen Ländern mit Müllkraftwerken gemacht hat, veranlaßten in zunehmendem Maße zuständige Regierungsstellen und Kommunalverwaltungen in den Vereinigten Staaten, sich um ähnliche Einrichtungen zu
bemühen. Nach Meinung von Vertretern der Bundesbehörde für Umweltschutz
(EPA) könnte diese Methode der Abfallbeseitigung, sofern sie weiter ausgebaut wird, auch zur Lösung des Energieversorgungsproblems beitragen.
Auf jeden Fall dürfte diese Art der MüllVerwertung die Beseitigung
der 360 Millionen Tonnen Abfälle, die jährlich in den USA allein in den
Städten anfallen, erheblich beschleunigen. Die Kosten für das Sammeln,
die Aufbereitung, den Transport und die Deponie von Stadtmüll belaufen
sich derzeit auf ca. 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Mit großer Energie
treiben die EPA-Sonderabteilung für Feststoffabfälle und das Bundesbergbauamt Projekte voran, die für die Kombination "Müllbeseitigung plus Energieerzeugung" aussichtsreich erscheinen.
In St. Louis (Miss.) ist mit finanzieller Unterstützung der EPA ein
Projekt zur Verbrennung von täglich 300 Tonnen Shreddergut bei der Union
Electric Company angelaufen. In Chicago nimmt eine von deutschen Ingenieuren

-l-

�Ingenieuren erbaute Verbrennungsanlage täglich 1 600 Tonnen Abfälle auf und
liefert Dampf für kommerzielle Zwecke. Nashville (Tennessee) baut ein Müllverbrennungswerk, das sowohl Dampf als auch Kühlmittel für Großbauten produziert. Die Aufnahmekapazität liegt vorläufig bei 7.50 Tonnen Müll pro Tag,
soll jedoch auf 1 500 Tonnen gesteigert werden.
In San Diego (Kalifornien) ist eine Müllverwertungsanlage im Bau, die
aus Abfällen Rohöl erzeugt. Das Öl, das bei dem von einer Tochtergesellschaft
der Occidental Petroleum Corp. entwickelten Verfahren anfällt, hat nur einen
geringen Schwefelgehalt; es wird in einem Heizkraftwerk verfeuert.
Der nächste Schritt wäre die Pyrolyse - die Aufheizung von Festmüll auf
sehr hohe Temperaturen bis zur Verdampfung mit der Abtrennung der organischen Bestandteile und der Produktion von Gas oder synthetischem Ol. Gegenwärtig befindet sich dieses Verfahren in der Demonstrationsphase. In einem
Vergasungskessel zersetzen sich unter Luftzufuhr und großer Hitze in einem
kontrollierten SauerstoffSystem alle organischen Bestandteile; die meisten
werden im gasförmigen Zustand abgeleitet. Die übrigen Abfallstoffe gehen
in den flüssigen Zustand über und sammeln sich in der Schlacke. Der Vergasungskessel nimmt alles auf - von Autoschrott-Teilen bis zu Kunststoffen
aller Art.

++i-

�</text>
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12/1973

NIXON-PRESSEKONFERENZ VOM 1 5 , MÄRZ
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 15. März auf einer überraschend
einberufenen Pressekonferenz zu einer Reihe von innen- wie außenpolitischen Themen Stellung genommen. Unter anderem befaßte er sich mit der Besetzung des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking, mit den Verletzungen
des Waffenstillstandes in Vietnam sowie mit seinen Reiseplänen für dieses
Jahr. Bevor sich der Präsident den Fragen der Journalisten stellte, gab er
eine Erklärung zu der Einrichtung des Verbindungsbüros in Peking ab. Diese
Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe eine Mitteilung bezüglich unseres Verbindungsbüros in Peking
zu machen. Dieses Büro wird etwa am 1 Mai eröffnet; Botschafter David
Bruce wird der Leiter des Verbindungsbüros sein. In diesem Büro werden rund
20 Leute arbeiten, von denen 10 Experten sind und die übrigen für Verwaltnngsaufgaben zur Verfügung stehen.
Die beiden Stellvertreter von Botschafter Bruce - ich nenne ihn zwar
Botschafter, aber sein offizieller Titel ist Leiter des Verbindungsbüros werden Mr. Jenkins vom State Department - den Sie alle als einen unserer

,1-

�unserer besten Experten für chinesisch-amerikanische Angelegenheiten im
Außenministerium kennen - und Mr. Holdridge vom Nationalen Sicherheitsrat
sein, der in diesem Gremium der Hauptberater in bezug auf dieses Gebiet ist.
Wir haben diese beiden Männer ausgewählt, weil sie nicht nur Chinaexperten, sondern auch zweisprachig sind und gut chinesisch sprechen. Beide
haben mir während meines China-Besuchs für Übersetzungen zur Verfügung gestanden. Aber darüberhinaus haben beide von Anfang an an den neuen Initiativen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten teilgehabt. Sie haben mich und Dr. Kissinger auf unseren China-Reisen begleitet.
Noch ein Wort zu der Frage, warum unsere Wahl auf Botschafter Bruce
fiel. Wir haben ihn aus dem Ruhestand zurückgerufen, weil es meiner Ansicht
nach überaus wichtig war, für diese Position einen Mann von großem Format zu
ernennen. Die Chinesen selbst akzeptierten diesen Standpunkt, und wir rechnen
in Kürze damit, von ihnen zu hören, welche Persönlichkeit von ihrer Seite
hier in Washington den Gegenpart von Botschafter Bruce übernehmen wird. Ein
weiterer Grund, warum meine Wahl auf Botschafter Bruce fiel, war seine große
Erfahrung. Sie alle wissen, daß er als Botschafter in Großbritannien,
Deutschland und Frankreich tätig war und daß er ferner unsere Delegation bei
den Vietnam-Gesprächen in Paris im Jahre 1971 bis Anfang 1972 leitete. Ein
dritter Grund ist vielleicht von noch größerer Bedeutung

Viele von Ihnen

hier begleiteten mich auf meiner China-Reise, und zuweilen hat sich wohl das
Gefühl eingestellt, daß dies eine einmalige Angelegenheit ohne weitere Konsequenzen sein würde. Ich habe dies niemals so gesehen und alle von Ihnen, die
darüber berichtet haben, ebenfalls nicht. Es war der Beginn, so hoffen wir,
einer längeren Entwicklung - einer Entwicklung, bei der wir Meinungsverschiedenheiten haben werden, bei der jedoch das volksreichste Land der Welt und
die Vereinigten Staaten von Amerika dort zusammenarbeiten können, wo ihre
Interessen im Hinblick auf die Sache des Friedens sowie bessererBeziehungen
im Pazifik und in der Welt überhaupt sich treffen. Daher ist es nötig, daß

-2-

�daß diese ganze Angelegenheit überparteilich, und zwar in bestem Sinne des
Wortes, abgewickelt wird. Mr. Bruce hat sich zwar nicht in der Parteipolitik als solcher engagiert, ist jedoch, wie Sie wissen, Demokrat. Er hat
vier Präsidenten mit gleicher Hingabe gedient - demokratischen wie republikanischen Präsidenten -, und wir sind der Auffassung, daß seine Ernennung zum
Leiter der Delegation unsere Absicht aufzeigt, daß diese Initiative auch in
der Zukunft anhält, ob nun das Amt des amerikanischen Präsidenten von einem
Demokraten oder einem Republikaner ausgefüllt wird."

-VietnamFrage: Herr Präsident, können Sie uns sagen, wie sehr besorgt Sie über
Berichte sind, in denen von Verletzungen des Waffenstillstandes in Vietnam
die Rede ist?
Antwort: Ich bin über die Verletzung des Waffenstillstandes besorgt,
Wie Sie wissen, habe ich auf meinen Pressekonferenzen immer wieder darauf hingewiesen, daß wir mit Verletzungen rechnungen müßten, und zwar wegen der Art
dieses Krieges, des Guerillakrieges. Und selbst in Korea, wo es sich nicht um
einen Guerillakrieg handelte, gibt es heute noch Verletzungen des Waffenstillstandes. Sie werden zwar in jedem Jahr weniger, aber es gibt sie immer noch
- 15, 20 Jahre nach Kriegsende.
Was nun diese Verletzungen (in Vietnam) angeht, so sind wir in zweierlei Hinsicht besorgt. Erstens weil sie überhaupt stattfinden und zweitens
wegen einer speziellen Verletzung des Waffenstillstandes, die unserer Meinung
nach ziemlich ernste Konsequenzen haben könnte. Wir glauben nicht, daß diese
eintreten werden5und wir hoffen, daß sie nicht eintreten werden. Es sind die
Berichte, die Sie, meine Damen und Herren, von Ihren Kollegen aus Vietnam
erhalten, nämlich die Berichte über die Infiltration. Sie wissen, daß es
Berichte über eine Infiltration von Ausrüstung der Nordvietnamesen nach Süd»

-3-

�Südvietnam gegeben hat, die weit über die in dem Abkommen vereinbarte Menge
hinausgeht. Zwar können Ausrüstungsgegenstände nach Südvietnam gebracht werden, aber nur als Ersatz - und keine neue Ausrüstung, also nichts, was die
Kapazität der Nordvietnamesen oder des Vietcong,im Süden Krieg zu führen,
stärkt. Aufgrund des Abkommens dürfen

keine neuen Ausrüstungsgüter ins Land

gebracht werden.
Was nun diese Sorge anbetrifft, insbesondere hinsichtlich der Infiltration - denn das ist der wichtigere Punkt, nicht so sehr die Verletzungen
des Waffenstillstandes, die unserer Auffassung nach im Laufe der Zeit nachlassen werden, sondern eben die Infiltration - so möchte ich hier nicht in
aller Öffentlichkeit sagen, was wir(der anderen Seite) dazu erklärt haben.
Ich möchte nur folgendes sagen: Wir haben den Nordvietnamesen unsere Besorgnis über diese Infiltration zur Kenntnis gebracht und erklärt, worum es sich
unserer Auffassung nach dabei handelt, nämlich um eine Verletzung des Waffenstillstandes und des Friedensabkommens. Wir haben auch anderen interessierten
Parteien gegenüber unsere Besorgnis zum Ausdruck gebracht, und ich möchte
nur sagen, daß die Nordvietnamesen auf der Grundlage meiner Maßnahmen während
der vergangenen vier Jahre einen solchen Ausdruck der Besorgnis, wenn er hinsichtlich einer Verletzung erfolgt, nicht auf die leichte Schulter nehmen
sollten. Das ist alles, was ich dazu sagen will„

Frage: Herr Präsident, warum haben wir nicht die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission eingeschaltet und uns bei ihr über diese
Infiltration beschwert?
Antwort: Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ist
eingeschaltet. Aber wie Sie wissen, gibt es dort einige Probleme. Die Kanadier haben nachdrücklich unterstrichen, daß sie nicht in einer Kommission
arbeiten wollen, die nicht wirkungsvoll eingesetzt wird. Wir werden uns weiterhin an diese Kommission sowie an jedes andere Gremium wenden, an das wir

-4-

�wir appellieren können, um zu versuchen, daß dort Maßnahmen erfolgen. Mehr
kann ich zu diesem Punkt nicht sagen.

»AuslandsreisenFrage: Herr Präsident, können Sie uns etwas über Ihre Pläne für Auslandsreisen im Jahre 1973 sagen?
Antwort: Nun, ich habe bereits bei früherer Gelegenheit darauf hingewiesen, daß ich keine unmittelbaren Pläne für Auslandsreisen habe. Ich habe
vom State Department und vom Nationalen Sicherheitsrat Empfehlungen dazu
erhalten, was diese beiden Institutionen als dringende Reisen ansehen, nämlich einmal nach Europa wegen unseres Interesses an der NATO, zweitens nach
Lateinamerika, weil ich noch nicht die Gelegenheit hatte, Lateinamerika zu
besuchen, und drittens nach Afrika, weil ich auch dort noch nicht gewesen
bin. Damit will ich nicht sagen, daß eine Reise des Präsidenten in diese
Länder absolut unerläßlich für die Außenpolitik ist, aber ich glaube, daß
viele unserer außenpolitischen Experten im State Department und im Sicherheitsrat ein Interesse daran haben. Sie sind der Ansicht, daß durch das gewal
tige Interesse, das durch die Reisen nach Peking und Moskau wachgerufen
wurde, der Eindruck eines mangelnden Interesses an unseren Nachbarn in der
westlichen Hemisphäre, an unseren Freunden in Afrika und auch an unseren
Freunden in Europa entstanden sei. Übrigens: Japan ist ein weiteres Land
auf dieser Liste.
Ich weiß noch nicht, wie wir einige dieser Reisen einplanen können. Ich
möchte meinen, daß wir die Möglichkeit einer Reise irgendwann im Sommer oder
kurz vor Beginn des Sommers in Betracht ziehen; aber wir haben noch keine
Entscheidung getroffen, weil so viele andere Dinge anstehen, und dann wird
es wahrscheinlich noch eine Reise im Herbst geben, aber welche Wahl wir
treffen, habe ich noch nicht entschieden.
TTT

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12/1973

NIXON WILL MEHR AUTONOMIE FÜR DIE INDIANER
Von Mary Sherwood
WASHINGTON — ( A D ) — Die jüngsten Ereignisse in Wounded Knee haben die Indianer in den Vereinigten Staaten wieder einmal in den Mittelpunkt des
öffentlichen Interesses gerückt. Präsident Nixon hat jetzt (am 16. März)
dem amerikanischen Kongreß eine neue Gesetzesvorlage zugeleitet, in der
ein verstärktes Mitspracherecht der Indianer in den Reservaten in ihren
eigenen Angelegenheiten gefordert wird.
Dieser Gesetzesentwurf wurde keineswegs durch die demonstrativen
Schritte der Indianer ausgelöst, sondern Präsident Nixon hatte schon vor
fast drei Jahren dem damaligen Kongreß eine ähnliche Vorlage zugeleitet
und damit sein starkes Interesse am Schicksal der Indianer zum Ausdruck
gebracht. Leider blieb diese Vorlage in den einzelnen Ausschüssen hängen,
und der amerikanische Kongreß hat sie nicht verabschiedet.
Vorab muß klargestellt werden, daß diese gesetzlichen Regelungen - in
ihrer bisherigen wie auch in ihrer angestrebten neuen Form - nur für die
rund 448 000 Indianer gelten und gelten werden, die in Reservaten leben
und vom Büro für Indianische Angelegenheiten betreut werden. Fast ebenso
viele Indianer, d.h. Amerikaner mit mindestens 25 Prozent indianischem Blut

-1-

�Blut, haben sich außerhalb der Reservate ein Leben aufgebaut; sie sind
amerikanische Bürger wie jeder andere, und die Regierung hat ihnen gegenüber
nicht mehr und nicht weniger Pflichten als gegenüber jedem anderen Staatsbürger.
Die Regierung in Washington versucht nun erneut, das Problem zur Zufriedenheit der Betroffenen zu regeln. Der amerikanische Innenminister
Rogers Morton gab am 15. März eine diesbezügliche Erklärung ab, und sein
Staatssekretär, John C. Whitaker,

betonte auf einer Pressekonferenz einen

Tag später, daß die jüngsten Ereignisse in Wounded Knee vielleicht nie eingetreten wären, wenn der Kongreß die Vorlage Präsident Nixons schon vor
zwei Jahren verabschiedet hätte, Nixon habe durch seine Doktrin von Guam
über die größere Teilung der internationalen Verantwortung und mit seinem
Finanzierungsausgleichsplan für Einzelstaaten und Kommunen gezeigt, daß
die Übernahme von Eigenverantwortung, wie sie die Indianer fordern, genau
seinen Auffassungen entspricht.
Die von Präsident Nixon dem Kongreß zugeleitete Vorlage enthält folgende Punkte:
1. Das Amt des Kommissars für Indianische Angelegenheiten soll auf
den Rang eines Unterstaatssekretärs im Innenministerium angehoben werden.
2. Ein Treuhänderrat soll ins Leben gerufen werden, der als absolut
unabhängige Stelle die Stämme in allen rechtlichen Fragen, vor allem was
den Schutz der natürlichen Hilfsquellen der Reservate angeht, berät.
3. Die einzelnen Stämme sollen im Rahmen der Selbstregierung die Vollmacht erhalten, im Bereich ihrer Reservate eigene Erziehungs-, Gesundheits-und Sozialprogramme selbst durchzuführen. Diese Selbständigkeit wird
von Regierungsseite als entscheidend wichtiger Punkt angesehen.

4.

-2-

�4. Mehr Kapital für die wirtschaftliche Entwicklung, d.h. Erhöhung
der gegenwärtigen Anleihefonds von 25 Millionen auf 75 Millionen Dollar,
wodurch der Einzelne bis zu 50 000 Dollar Kredit für einen Kleinbetrieb
erhalten soll.
5. Vollmacht für die Regierung (in Washington), direkt mit einzelnen
Stämmen zu verhandeln, die eigene Sozialprogramme durchführen.
6. Die Indianer sollen selbst eine stärkere Kontrolle über die widerrechtliche Benutzung ihres Weidelandes und unfaire Handelspraktiken ausüben dürfen.
Das von Präsident Nixon vorgeschlagene Programm zielt, wie Innenminister Morton betonte, auf eine stärkere Autonomie der Indianer ab.
Morton wie auch sein Staatssekretär bedauerten die Anwendung von Gewalt,
wie sie in Wounded Knee aufgetreten sei. Whitaker wies in diesem Zusammenhang darauf hin - daß die - im übrigen keineswegs repräsentative - Gruppe
in Wounded Knee der gerechten Sache der Indianer in der Öffentlichkeit
und im Kongreß nur schade- Man müsse die Dinge realistisch sehen, und mit
Emotionen sei den Indianern selbst am wenigsten gedient. Es gelte vielmehr,
ein vernünftiges Programm auch wirklich durchzusetzen.

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12/1973

US-KONGRESS BEFASST SICH MIT PARISER WÄHRUNGSABKOMMEN
-Stellungnahmen von Volcker und Mills-

WASHINGTON ««.(AD)-- Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat am 19, März vor dem Bewilligungsausschuß des Senats zu dem Pariser Währungsabkommen Stellung
genommen. Bereits am Vortage hatte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, Wilbur D, Mills, das Übereinkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren Haupthandelspartnern begrüßt und erklärt, damit sei sein Vorschlag für eine Importabgabe gegenstandslos
geworden.
Die in Paris getroffenen Vereinbarungen dürften ohne Frage Auswirkungen auf die neue Handelsgesetzgebung der Vereinigten Staaten haben.
Staatssekretär Volcker gab dem Senatsausschuß einen Überblick über die wesentlichen Punkte des Abkommens. Die Vereinigten Staaten und ihre wichtigen Handelspartner, so führte er aus, seien sich generell einig, daß die
gegenwärtigen Wechselkurse durchaus realistisch sind, daß es jedoch angesichts der spekulativen Atmosphäre nicht sinnvoll wäre, diese Kurse amtlich aufzuzwingen. Dies könnte gegenteilige Effekte hervorrufen.
Volcker

�Volcker wies weiter darauf hin, daß die Kurse innerhalb der durch die
Abwertung des Dollar erzielten Bandbreiten lägen - auch ohne Intervention.
Genaue Interventionspunkte würden nur zur Spekulation anregen.
Weiter betonte der Staatssekretär, daß weder die Vereinigten Staaten noch
die Europäische Gemeinschaft eine Verpflichtung zur Intervp^tion hätten, daß
ihnen jedoch die Möglichkeit einer gelegentlichen und flexiblen Intervention
keineswegs genommen sei. Ein völlig freies Floaten würde nach Auffassung
Volckers für einige Länder zu große wirtschaftliche Verzerrungen verursachen.
Auf die Frage, wann er mit einer Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition rechne, erklärte Volcker vor dem Ausschuß, daß es wohl kaum
gelingen werde, schon Ende dieses Jahres zu einer ausgeglichenen Bilanz zu
kommen, aber er rechne mit wesentlichen Fortschritten und einem Ausgleich
vielleicht in zwei Jahren.
Die positive Aufnahme der Pariser Vereinbarungen vom 16. März im amerikanischen Kongreß wurde auch durch die Änderung der Haltung des einflußreichen Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses deutlich.
Der Demokrat Wilbur Mills hatte sich nachdrücklich für eine temporäre Importabgabe eingesetzt, um einen raschen Abbau des Defizits in der amerikanischen
Handelsbilanz herbeizuführen. Die getroffenen Währungsvereinbarungen ermöglichten einen Verzicht auf solche Maßnahmen, so erklärte der Abgeordnete in einem
Rundfunk-und Fernsehinterview am 18. März. Sein Vorschlag sei in erster Linie
als eine Warnung gedacht gewesen, die auch die gebührende Aufmerksamkeit gefunden habe. Er gebrauchte in diesem Zusammenhang das in Amerika geläufige
Bild des Maultiers, das man mit dem Prügel behandeln müsse, um es in Gang zu
bringen.
Mills wich jedoch detaillierten Fragen hinsichtlich seiner Auffassungen
zu Handelsfragen aus, da er diese noch ausführlich vor dem Kongreß darlegen
will. Der Abgeordnete räumte allerdings ein, daß Präsident Nixon größere

„2-

�größere Vollmachten erhalten müsse, um die amerikanische Industrie und den
amerikanischen Arbeiter vor einer Invasion ausländischer Importe schützen zu
können. Auch schloß er die temporäre Einführung von Importabgaben für bestimmte Waren - vor allem aus Japan - nicht gänzlich aus.
Der Ausschußvorsitzende deutete auch an, daß er eventuell

- vor allem

nach einem Gespräch mit Finanzminister Shultz - bereit sein könnte, die Behandlung der Vorlage für das neue Handelsgesetz der Behandlung der Steuervorlage noch vorzuziehen.

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12/1973

RADARKONTAKT MIT DEM PLANETEN SATURN
-Schwärme von Gesteinstrümmern im RingsystemVon G. Weiss

--(AD)-- Den Astronomen Dr. Richard Goldstein und George Morris vom Jet
Propulsion Laboratory (JPL), einem Forschungsinstitut der NASA in Pasadena
(Kalifornien),ist es zum ersten Mal gelungen, den Planeten Saturn samt
dessen Ringsystem mit Radarstrahlen zu sondieren. Vom Planeten selbst bekamen sie nur schwache, von den flachen Ringscheiben um den Äquator dagegen sehr kräftige Echos.
Die zurückkommenden Signale lassen den Schluß zu, daß das Ringsystem
zum großen Teil aus Brocken fester Materie mit rauher, stark unebener
Oberfläche besteht. Als Mindestgröße nimmt Dr. Goldstein etwa 1 m Durchmesse

an. In den drei konzentrischen Ringen, deren

innerer ca. 11 500 km

über dem von Wolken eingehüllten Planeten beginnt und deren äußerer
ca. 280 000 km Randdurchmesser hat, ziehen die Brocken in dichten Schwärmen
ihre Bahn. Ab und an sind jedoch offenbar die Zwischenräume groß genug, um
das Licht ferner Sterne durchscheinen zu lassen. Das zeigen die Beobachtungen mit starken optischen Geräten. Der knapp 26 000 km breite mittlere
Ring, der wahrscheinlich auch das meiste Material enthält, reflektiert am
stärksten und leuchtet hell.
Die

-l-

�Die jüngsten Beobachtungen, die mit der umgebauten 64 m-Parabolantenne
des NASA-Radioobservatoriums in der Mojava-Wüste (Kalifornien) gemacht wurden, widerlegen die Anfang der sechziger Jahre aufgestellte Theorie, die
Ringe des Saturn bestünden aus winzigen Partikeln, wahrscheinlich aus Eiskristallen, Staub und Gasen. Vielmehr gewinnt durch die

euen

Unter-

suchungen mit der "Radar-Sonde" die alte Theorie des englischen Physikers
und Astronomen Maxwell wieder an Boden, der 18 59 die Möglichkeiten der Entstehung der rätselhaften Saturn-Ringe erörterte und zu dem Schluß kam, daß
es sich dabei um reflektierende Trümmermaterie handeln müsse. Zusammenhängende feste Massen würden in dem Bereich, in dem sich die Ringe befinden, unter der Wirkung der Gravitationskräfte des Saturn regelrecht zerrissen, während sich Gasmassen - ebenfalls infolge der Gravitationseinwirkung - nur zu kleineren festen Körpern, nicht aber zu einem zusammenhängenden Gebilde kondensieren könnten. Tatsächlich liegen auch die Umlaufbahnen
für die zehn Monde des Saturn außerhalb der Ringzone.
Der ähnlich wie Jupiter von verschiedenfarbenen horizontalen Bändern
unterteilte Planet hat eine auffallend geringe Dichte. Sie beträgt nur drei
Viertel der Dichte von Wasser. Deshalb wurde von jeher bezweifelt, daß der
Planet eine feste Oberfläche haben könne. Vielmehr dürfte er sich noch im
gasförmigen, vielleicht teilweise verflüssigten Zustand befinden. Die extrem schnelle Rotation - der riesige Ball mit 120 800 km Durchmesser dreht
sich in nur 10 Stunden und 14 Minuten einmal um die eigene Achse - führte
zu einer so starken Abplattung, daß die Achse von Pol zu Pol um ein Zehntel
kürzer ist als die Achse der Äquatorebene.
Die Reflexionsfähigkeit des Saturn ist größer als die des Planeten
Jupiter. Da er jedoch noch heller leuchtet als z.B. weiße Wolken, wird angenommen, daß nicht nur Reflexion von Sonnenlicht, sondern auch Vorgänge,
die Eigenlicht erzeugen, dem Leuchtphänomen zugrundeliegen. Weniger deutlich als beim Jupiter sind die Farbbänder der Wolkenhülle gegeneinander

-2-

�gegeneinander abgesetzt. In starkem Kontrast zueinander steht der sehr helle,
breite Äquatorgürtel und die dunkelgrüne Färbung an den Polen. Aufgrund spektroskopischer Untersuchungen enthält die anscheinend sehr tiefe Atmosphäre große
Mengen von Amoniakgas und Methan, wobei im Gegensatz zu Jupiter Methan beim
Saturn überwiegt.
Es ist eine außerordentliche Leistung der Radar-Technik, einen Planeten,
der zwischen 1,2 und 1,65 Milliarden km von der Erde entfernt ist, überhaupt
zu erreichen. Zweieinviertel Stunden betrug die Laufzeit der Signale, mit denen Goldstein und Morris den Saturn bei der letzten erdnahen Position abtasteten. Da der Planet selbst 29,5 Jahre für einen einzigen Umlauf um die
Sonne braucht, kommt die Erde alle 378 Tage zwischen Sonne und Saturn zu stehen und damit in eine für Beobachtungen günstige Position.
Nach dem Mond, der Venus, dem Mars, dem Merkur und Jupiter und dem
Kleinplaneten Ikarus ist damit zum ersten Mal einer der Außenplaneten unseres
Sonnensystems für solche Beobachtungen zugänglich geworden. Ein Forschungssatellit braucht ca. vier Jahre, um überhaupt in diese Räume vorzudringen.
Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA beabsichtigt, 1977 eine Mariner-Sonde
in Saturn-Nähe zu entsenden. Nach Meinung Dr. Goldsteins muß dabei allerdings
das Ringsystem unbedingt gemieden werden, weil dort eine Kollision mit Brocken
wahrscheinlich ist und das Ende der Mission bedeuten würde.
Spektroskopische Untersuchungen von Titan, dem größten der zehn SaturnMonde, haben jetzt übrigens ergeben, daß die dort herrschenden atmosphärischen Bedingungen jenen auf der Erde viel ähnlicher sind als erwartet. Die
Temperaturen auf diesem von der Sonne so unendlich weit entfernten Körper
wären sogar für die Entwicklung primitiver Lebensformen geeignet. Möglicherweise könnte die Mariner-Sonde darüber mehr Informationen bringen, wenn sie
sich Titan bis ca. 160 km Abstand nähert und mit Kameras sowie Infrarot- und
Ultraviolett-Spektrometern den von einer Atmosphäre umgebenen Mond abtastet.
Dr. Carl Sagan von der Cornell-Universität ermittelte eine Oberflächentemperatur von 250 Grad Kelvin. Das entspricht minus 23 Grad Celsius.

4HH-

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12/1973

INITIATIVEN FÜR BESSEREN UMWELTSCHUTZ
-EPA rückt dem Lärm zu Leibe - Industrie entwickelt Überwachungsgeräte-

--(AD)-- Vertreter von 600 Bürgergruppen waren zur jüngsten nationalen Informationstagung des US-Amtes für Umweltschutz (EPA) geladen, die Ende
Februar 1973 in Washington abgehalten wurde. Aufgabe solcher Veranstaltungen ist es, die Bürgerschaft, zuständige Beamte von Bundes-, Staats- und
Kommunalbehörden sowie Interessenten aus den verschiedensten Fachbereichen
über die Fortschritte in UmweltSchutzmaßnahmen zu informieren. Gleichzeitig
dienen sie dazu, neue Vorschriften und gesetzliche Bestimmungen für den
Umweltschutz, einschließlich der Wege zu deren praktischer Durchführung,
zu erörtern und einen Meinungsaustausch über vordringliche neue Programme
in Gang zu bringen.
William D. Ruckeishaus, der aktive Chef der EPA, muß und will in der
Tätigkeit seiner Behörde den Bedürfnissen der Öffentlichkeit so weit wie nur
irgend möglich Rechnung tragen. Wie sehr er dabei auf deren Mitarbeit angewiesen ist, zeigt z.B. sein Aufruf von Anfang Februar 1973, Lärmbelästigungen durch Flugzeuge, Schienen-und Straßenfahrzeuge zu melden und Vorschläge über die Festsetzung von maximalen Lärmpegeln zu machen. Jeder-

-l-

�Jedermann kann sich beteiligen. Jedoch ist der EPA besonders daran gelegen,
die Meinungen von Fachleuten aus Industrie und von Behörden zum Problem
der Lärmbekämpfung kennenzulernen und von ihren Erfahrungen mit einschlägigen Methoden, auch mit Apparaturen oder Vorrichtungen zur Überwachung
und Verminderung des Lärmpegels,zu profitieren.
In diesem Zusammenhang sind, wie auch bei anderen Aufgaben des Umweltschutzes, Entwicl lungen von Interesse, die kürzlich von einem unabhängigen
Wissenschaftlergremium als einige der "100 besten Erfindungen und Produkte
des Jahres" bewertet wurden.
Lärm-Dosimeter: Das sogenannte "Audio Dosimeter" der Firma E.I Du Pont
de NetiK.urs in Wilmington 'Delaware

erfaßt Schallwellen mit. einem Mikrophon

und setzt sie in elektrische Signale um

Über ein Elektroniksystem werden

diese in einer Zelle gespeichert. Eine tägliche Kontrolle der Zelle zeigt
an, bis zu welchem Prozentsatz des zulässigen Lärmpegels der Arbeiter Lärm
ausgesetzt war. Das"Noise Dosimeter" der General Radio Corporation in
Concord (Massachusetts) kann sogar in der Rocktasche getragen werden. Es
zeichnet ebenfalls den täglichen Lärmpegel an der Arbeitsstelle auf.
Auflösbarer Kunststoff: Ein Zusatz zu Kunststoffen macht es möglich,
beispielsweise Kunststoffverpackungen nach Gebrauch ohne Schwierigkeiten
zu vernichten. Sie brauchen nur ca. sechs Monate lang Sonnenlicht ausgesetzt
zu werden, wobei sie sich zersetzen und nur noch harmlose Rückstände ergeben. Hersteller: Bio-Gradable Plastics Corporation in Boise (Idaho).
Bio-Abbau altei Autoreifen: Dr. Walter J. Nickerson, Mikrobiologe
von der Futgers Universität in New Brunswick 'New Jersey), experimentierte
erfolgreich mit verschiedenen Pilz-und Hefearten, denen er alte Autoreifen
als Nährboden gab. Die Organismen entziehen der Gummimasse den Kohlenstoff
und reduzieren sie zu Pulver. Dieses Pulver wiederum ist ein ausgezeichnetes Anreicherungsmaterial für schlechte Böden Außerdem bewirkt es beim Mischen

„2-

�Jedermann kann sich beteiligen. Jedoch ist der EPA besonders daran gelegen,
die Meinungen von Fachleuten aus Industrie und von Behörden zum Problem
der Lärmbekämpfung kennenzulernen und von ihren Erfahrungen mit einschlägigen Methoden, auch mit Apparaturen oder Vorrichtungen zur Überwachung
und Verminderung des Lärmpegels,zu profitieren.
In diesem Zusammenhang sind, wie auch bei anderen Aufgaben des Umweltschutzes, Entwicl lungen von Interesse, die kürzlich von einem unabhängigen
Wissenschaftlergremium als einige der "100 besten Erfindungen und Produkte
des Jahres" bewertet wurden.
Lärm-Dosimeter: Das sogenannte "Audio Dosimeter" der Firma E.I Du Pont
de Nemours in Wilmington 'Delaware

erfaßt Schallwellen mit einem Mikrophon

und setzt sie in elektrische Signale um

Über ein Elektroniksystem werden

diese in einer Zelle gespeichert. Eine tägliche Kontrolle der Zelle zeigt
an, bis zu welchem Prozentsatz des zulässigen Lärmpegels der Arbeiter Lärm
ausgesetzt war. Das"Noise Dosimeter" der General Radio Corporation in
Concord (Massachusetts) kann sogar in der Rocktasche getragen werden. Es
zeichnet ebenfalls den täglichen Lärmpegel an der Arbeitsstelle auf.
Auflösbarer Kunststoff: Ein Zusatz zu Kunststoffen macht es möglich,
beispielsweise Kunststoffverpackungen nach Gebrauch ohne Schwierigkeiten
zu vernichten. Sie brauchen nur ca. sechs Monate lang Sonnenlicht ausgesetzt
zu werden, wobei sie sich zersetzen und nur noch harmlose Rückstände ergeben. Hersteller: Bio-Gradable Plastics Corporation in Boise fIdaho).
Bio-Abbau altei Autoreifen: Dr. Walter J. Nickerson, Mikrobiologe
von der Rutgers Universität in New Brunswick (New Jersey1, experimentierte
erfolgreich mit verschiedenen Pilz und Hefearten, denen er alte Autoreifen
als Nährboden gab. Die Organismen entziehen der Gummimasse den Kohlenstoff
und reduzieren sie zu Pulver. Dieses Pulver wiederum ist ein ausgezeichnetes Anreicherungsmaterial für schlechte Böden.Außerdem bewirkt es beim Mischen

• 2-

�Mischen mit Sand, daß dieser Feuchtigkeit hält, und beim Mischen mit Ton,
daß der Boden die Feuchtigkeit besser abgibt.
Staub: Mit Hilfe eines neuartigen Staub-Monitors der GCA Technology
Corporation in Bedford (Massachusetts) kann die Konzentration an gefährlichen Staubpartikeln in Bergwerken und Fabriken sehr exakt gemessen werden.
Der Staub sammelt sich auf einem dünnen Plastikfilm, der zwischen radioaktivem Material und einem Szintillationszähler plaziert ist. Da die Staubpartikel Strahlung absorbieren, gibt nun der Zähler die Staubdichte an, und
zwar in Milligramm pro Kubikmeter Luft. Staubpartikel in Autoabgasen werden
mit Hilfe eines Zusatzgerätes der PPG Industries in Pittsburgh (Pennsylvanien) abgefiltert. Die Konzentration an solchen Teilchen läßt sich mit dem
"Automative Exhaust Gas Particulate Filter" um 99 Prozent vermindern. Das
in zwei Filterstufen arbeitende Gerät erfaßt noch Partikel von 0,00025 mm
Größe und bleibt bis zu einer Fahrleistung von 80 000 km voll einsatzfähig.
Ölverschmutzung: "Oil Herder", ein neues chemisches Präparat, wird
als Barriere gegen das weitere Ausbreiten von Ölteppichen auf Wasser benutzt
und bringt das Öl dazu, sich zu einer kompakten Masse zu verklumpen. Es
wird mit handbetriebenen Sprühgeräten oder vom Helikopter aus gesprüht.
Hersteller: Shell Pipeline Corporation in Houston (Texas).
Küstenschutz: "CONQUIK" ist die Bezeichnung für einen Küstenschutz
aus leicht montierbaren Röhren, die als Wellenbrecher installiert werden und
die erodierende Wirkung von Wellen und Strömungen wesentlich abschwächen.
Hersteller: Gray Tech Industries in Mohnton (Pennsylvanien).
Wasserverschmutzung: Normalerweise ergibt sich aus Lichtbrechung und
Wärmeleitfähigkeit von Wasser ein bestimmter Verhältniswert, der durch verschmutzende Stoffe merklich verändert wird. Diese Zusammenhänge bilden das
Arbeitsprinzip eines neuartigen Verschmutzungs-Monitors der Environmental

-3-

�Environmental Device Corporation in Marion (Massachusetts). Außerdem haben
Geophysiker der Staatsuniversität Pennsylvanien herausgefunden, daß unterirdisch verschmutztes Wasser, beispielsweise Grubenabwasser, von der Oberfläche aus zu erkennen ist, wenn man starke Stromstöße (bei den bisherigen
Experimenten wurden Stromstöße bis zu 1200 Volt benutzt) in den Boden schickt
und den Stromfluß im Wasser mißt. Da mit Säuren angereichertes Wasser Strom
sehr viel besser leitet als sauberes Wasser, ist es durch Serienmessungen
sogar möglich, die Verschmutzungsquelle zu lokalisieren.
Qualitätskontrolle von Getreide: Auch ungelernte Arbeiter können mit
Hilfe eines neuen Gerätes den Feuchtigkeits-, Öl und Proteingehalt von Getreide beliebiger Mengen genau messen. Hersteller: Neotec Corporation
Rockville (Maryland) in Zusammenarbeit mit dem US-Landwirtschaftsministerium.
THERMADAPT ist ein Gewebe, das sich automatisch der Außentemperatur anpaßt und Kühlung oder Wärme zuführt. Es besteht aus Hohlfäden, die mit einer
Mischung von Gas und einem Lösungsmittel imprägniert sind. Sinkt die Außentemperatur, so wird das Lösungsmittel fest, setzt das Gas frei und drückt
es in die Hohlfäden, die sich nun ausdehnen. Dadurch wird das Gewebe dichter
und hält die Wärme besser. Steigt die Außentemperatur, läuft der Prozeß umgekehrt ab. Das Lösungsmittel weicht auf, absorbiert das Gas und läßt die
Hohlfäden schrumpfen. Die Gewebezwischenräume werden größer und lassen Luft
und Feuchtigkeit besser zirkulieren. Das neue Material dürfte zunächst für
Decken und Schutzvorhänge, später jedoch auch für Mäntel, Anzüge und andere
Kleidungsstücke Verwendung finden. Hersteller: J.P. Stevens and Company,
Garfield (New Jersey).
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12/1973

CCMS-PLENARSITZUNG AM 10./ll.APRIL IN OTTAWA

--(AD)-- Zur 8. Plenarsitzung des "Ausschusses für Aufgaben der modernen
Gesellschaft" (CCMS) kommen die Mitglieder der CCMS-Arbeitsgruppe der
NATO am 10. und 11. April 1973 in Ottawa (Kanada) zusammen. Gastgeber
für die Delegierten aus 15 NATO-Mitgliedsstaaten sind Außenminister
Mitchell Sharp und Umweltminister Jack Davis, Eine

der Modellaufgaben,

die Kanada auf dem Sektor Umweltschutz übernommen hat, ist das Wasserwirtschaftsprojekt "Saint John River". Mit Hilfe dieses Projektes hofft
man, optimale Methoden der Wasserwirtschaft entwickeln und demonstrieren
zu können.

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Nixon-Pressekonferenz vom 15. März&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Nummer

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach 300

Telex:

Information
und
Dokumentation

08-85432

29. März 1973

13

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erster Jahresbericht des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
-Begleitschreiben Präsident Nixons an den KongreßMills fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut der Erklärung vor dem RepräsentantenhausVolcker tritt für grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ein
-AuszügeWashingtoner Währungskonferenz brachte wachsende Übereinstimmung
-Von Eugene Brake-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Kommission empfiehlt neue Konzeptionen für die Suchtbekämpfung
-Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang vor Bestrafung habenAmerikanisch-sowjetische Forschungsprogramme
Großstädter atmen zu viel Kohlenmonoxid ein
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

TeIex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

13/1973

ERSTER JAHRESBERICHT DES RATES FÜR INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK
-Auszüge-

BEGLEITSCHREIBEN PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)— Präsident Nixon hat am 20. März den ersten Jahresbericht
des amerikanischen Rates für Internationale Wirtschaftspolitik an den Kongreß
übermittelt. In dem am 22. März veröffentlichten Bericht geht der Rat auf die
handels-und währungspolitische Entwicklung nach dem Kriege ein und gibt seine
Empfehlungen für den künftigen Kurs der Vereinigten Staaten. In seinem Begleitschreiben lehnt Präsident Nixon eine Abkehr Amerikas von der Welt ab und
betont, daß sich die Vereinigten Staaten der Weltkonkurrenz stellen müßten.
Der Vorsitzende des Rates und Sonderberater des Präsidenten, Peter M.
Flanigan, teilte auf einer Pressekonferenz über den Bericht mit, daß Nixon
seine Handelsgesetzvorlage voraussichtlich im April dem Kongreß unterbreiten
werde. Die endgültigen Entscheidungen über die Details der Vorlage seien
noch nicht gefallen.
Das

�Das Begleitschreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die Nation hat wieder Frieden; ebenso sind wir wieder auf einem festen
Kurs zu einem starken wirtschaftlichen Wachstum im eigenen Lande. Jetzt müssen
wir unsere Aufmerksamkeit stärker den dringenden Problemen zuwenden, vor denen
wir in unseren wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern stehen. Für
manche von uns mögen internationale Probleme fernab liegend erscheinen, sie
haben jedoch eine sehr direkte Auswirkung auf die Arbeitsplätze, die Einkommen
und den Lebensstandard unseres Volkes. Weder der Friede, den wir erreicht
haben, noch das wirtschaftliche Wachstum, das für unser nationales Wohlergehen notwendig ist, werden Bestand haben, wenn wir diese Fragen vernachlässigen, denn sie können unsere Prosperität im eigenen Lande vermindern und
gleichzeitig schädliche Reibungen mit anderen Ländern verursachen.
Unsere Hauptschwierigkeiten rühren daraus her, daß wir uns trotz der
raschen Veränderungen, die in der Welt stattgefunden haben, zu lange auf veraltete wirtschaftliche Vereinbarungen und Institutionen verlassen haben. Viele
Länder, denen wir nach dem zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau geholfen haben,
sind jetzt zu unseren starken wirtschaftlichen Konkurrenten geworden. Wir
Amerikaner können nicht länger so handeln, als ob diese geschichtlichen Entwicklungen nicht stattgefunden hätten. Wir müssen mehr leisten, um uns - sowohl auf dem privaten Sektor wie in der Regierung - darauf vorzubereiten, wirksamer auf den Weltmärkten konkurrieren zu können und damit den Handel auszu-.
weiten, damit er unserem Volke größeren Nutzen bringt.
Im Sommer 1971 hat diese Administration in der amerikanischen Außenhandelspolitik fundamentale Änderungen eingeleitet. Wir haben auch Vorschläge für
die Reform des internationalen Währungs-und Handelssystems unterbreitet, das

�das nicht mehr in der Lage ist, mit den gegenwärtigen Problemen fertig zu
werden. Das Durcheinander in den Währungsangelegenheiten der Welt hat deutlich gezeigt, daß jetzt eine konstruktive Reform mit noch größerer Dringlichkeit in Angriff genommen werden muß.
Im eigenen Lande haben wir unseren Kampf für die Aufrechterhaltung der
Preisstabilität und die Verbesserung unserer Produktivität fortgesetzt
- Ziele, die für unsere internationale Wirtschaftsposition ebenso wichtig
sind wie für unser Wohlergehen im eigenen Lande.
Was wird unser nächster Schritt sein?
In meiner Botschaft über die Lage der Nation zur Wirtschaft im vorigen
Monat habe ich bestimmte Maßnahmen umrissen, um sowohl unsere einheimische
als auch unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken. Eines unserer wichtigsten Vorhaben ist die Reform des Handels.
Bei der Wahl einer internationalen Handelspolitik, die allen Amerikanern
zugute kommen wird, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß wir uns einer intensiveren langfristigen Konkurrenz auf den Weltmärkten stellen müssen und
nicht vor ihr zurückschrecken dürfen. Jene, die möchten, daß wir uns nach
innen kehren und uns hinter einem Schild von Einfuhrbeschränkungen unbegrenzter Dauer verstecken, könnten kurzfristige Gewinne und Vorteile für bestimmte Gruppen erreichen, aber sie würden von der Gesamtwirtschaft hohe
Kosten fordern. Diese Kosten müßten von allen von uns in Form höherer Preise
und eines geringeren Realeinkommens getragen werden. Solche restriktiven
Maßnahmen könnten nur als Reaktion auf unfairen Wettbewerb oder die Schliessung ausländischer Märkte für unsere Güter gefordert werden oder zu dem
Zweck, Zeit für Anpassungen zu gewinnen.
Meine

�Meine Einstellung beruht auf meinem festen Glauben an die Konkurrenzfähigkeit der Amerikaner und auf meiner Zuversicht, daß alle Nationen erkennen werden, daß ihre eigenen Lebensinteressen in einem Abbau der wirtschaftlichen Hindernisse und der Anwendung fairerer und effektiverer Handelsregeln
liegen.
Die Tatsache, daß die meisten dieser Äußerungen sich auf die Rolle unserer Regierung beziehen, darf die Aufmerksamkeit nicht von der entscheidend
wichtigen Rolle ablenken, die die private Wirtschaftstätigkeit bei der Lösung
unserer gegenwärtigen Probleme spielen wird. Um unsere Produktivität zu erhöhen und unsere Preise wettbewerbsfähig zu erhalten, sind die Zusammenarbeit
und die Initiative aller Sektoren unserer Wirtschaft notwendig. Das ist von
entscheidender Bedeutung für unsere internationale Handelsposition. Und doch
gibt es bestimmte notwendige Schritte, die nur die Regierung tun kann, wenn
man von dem weltweiten Ausmaß der Handelstätigkeit und der Notwendigkeit für
ein allgemeines internationales Übereinkommen ausgeht, den Handel fair und
effektiv auszuweiten. Ich bin entschlossen, diese Schritte zu ergreifen.
Ich weiß, daß wir uns auf das amerikanische Volk und seine Vertreter im
Kongreß verlassen können, wenn es darum geht, sich den Bedingungen der sich
wandelnden Weltwirtschaft zu stellen. Zusammen müssen wir das Notwendige tun,
um dif Prosperität uiseres Landes und der Welt, in der wir leben, zu fördern.
gez. Richard
(Ende Wortlaut)

-4-

Nixon."

�AUSZÜGE AUS DEM BERICHT
- Ein Viertel Jahrhundert des Fortschritts -

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war, gleichgültig welchen quantitativen Maßstab man anlegt, die wohl erfolgreichste in der Geschichte der
Weltwirtschaft. Länger als ein Viertel Jahrhundert hat die Welt ein Wirtschaftswachstum erlebt, das weder durch einen weltweiten Krieg noch durch
eine weltweite Depression unterbrochen wurde. Die steigenden Einkommen haben
Massenmärkte geschaffen, und das schnelle Tempo der technologischen Entwicklung hat zu einer rationelleren Produktion zahlreicher Erzeugnisse geführt.
Die meisten Industriestaaten haben heute einen Lebensstandard, der dem Gros
der Bevölkerung weit mehr als nur den nackten Lebensunterhalt bietet. Und
zahlreiche Entwicklungsländer haben nach Jahrhunderten der Stagnation jetzt
begonnen, eindrucksvolle wirtschaftliche Fortschritte zu machen....

- Auftretende Probleme Während die engeren wirtschaftlichen Bindungen der Welt Vorteile brachten, schufen sie zugleich auch neue Möglichkeiten für Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Ländern. Überall auf der Welt sehen sich die
Regierungen vor neuen Schwierigkeiten wegen der Probleme, die der umfangreiche und rasche Transfer von Gütern und Kapital ausgelöst hat. Die meisten
großen Länder exportieren heute einen größeren Prozentsatz ihrer Gütererzeugung und importieren einen größeren Teil ihrer Konsumgüter als noch vor zehn
Jahren, so daß der Außenhandel sich wesentlich stärker auf Arbeitsplätze und
Einkommen auswirkt. Länder mit begrenzten Handelsschranken müssen feststellen,
daß plötzliche Importstöße auf ihren Binnenmärkten bei einzelnen Erzeugnissen

-5-

�Erzeugnissen zu ernsthaften Störungen führen und daß den Arbeitnehmern und
den Betrieben nicht genügend Zeit bleibt, sich den schnellen Veränderungen
unter Wettbewerbsbedingungen anzupassen.
Angesichts der immer größer werdenden Interdependenz der Weltwirtschaft
wirkt sich die Binnenwirtschaftspolitik der einzelnen Länder gleichzeitig
immer stärker auf die übrigen Länder aus. Bemühungen um die Lösung des Arbeitslosenproblems in einem Lande können dazu führen, daß anderswo Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren. Versuche, den inflationistischen Druck
durch Verknappung der Geldversorgung in einem Lande zu mildern, können
durch starken Zustrom zinsempfindlichen ausländischen Kapitals ernstlich beeinträchtigt werden. So ist es nicht länger mehr möglich, daß ein Land eine
absolute Souveränität über seine eigene Binnenwirtschaftspolitik ausübt, ohne
daß sich dies auf den Wohlstand der übrigen Länder auswirkt....
Die meisten Industriestaaten haben eine Politik verfolgt, die darauf ab»gestellt war, Handels-und Zahlungsbilanzüberschüsse zu erzielen. Nach der
Wiederaufbauperiode unmittelbar nach dem Kriege schlugen die westeuropäischen
Länder und Japan eine Politik ein, die Vollbeschäftigung durch Förderung des
Exports und Einschränkung des Imports erreichen sollte. Sie haben bereits vor
langer Zeit dieses Ziel erreicht und praktisch besteht jetzt in zahlreichen
dieser Länder ein Mangel an Arbeitskräften. Doch die Politik, die zu diesen
Handelsüberschüssen führte, wurde zu einem großen Teil fortgesetzt, vor allem,
weil die Gruppen, die unter dieser Politik so floriert hatten, naturgemäß
zögerten, sie aufzugeben. Es entstand ein "Überschuß-Syndrom". Der gesamte
Druck, Anpassungen vorzunehmen, richtet sich somit auf die Defizit-Länder.
Das System von Bretton Woods, so wie es sich in der Praxis entwickelte,
stützte sich zu sehr auf die Annahme, daß Defizit-Länder normalerweise ihre
Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte durch eine eigene Haushalts-und Währungspolitik anpassen könnten. Diese Länder haben aber festgestellt, daß derartige
Hilfsmaßnahmen zu langsam wirkten und zu viele Härten in Form eines langsame-

-6-

�langsameren Wirtschaftswachstums und untragbarer Arbeitslosenraten mit sich
brachten.
Somit wurde offensichtlich,daß die bestehenden internationalen Institutionen und ihre Verfahren zu wenig Flexibilität boten, um eine reibungslose
Anpassung von Zahlungsbilanz-Ungleichgewichten - Überschüsse wie auch Defizite - herbeizuführen. Obwohl in den letzten Jahren immer häufiger Wechselkursanpassungen vorgenommen wurden, erfolgten diese im allgemeinen doch erst,
nachdem die Zahlungsbilanzprobleme eines Landes akut geworden waren. Dies ist
zu einem großen Teil auf das Fehlen von international vereinbarten Normen
zurückzuführen, wann Wechselkursanpassungen notwendig sind. Die gleichen
Schwierigkeiten und einen noch härteren Widerstand gab es bei der Anwendung
von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzgründen. Im Rahmen der internationalen Abkommen ist gegenwärtig nur eine begrenzte Verwendung von Mengenbeschränkungen zulässig, und es gibt keinerlei offizielle Bestimmungen für auf den
Preis einwirkende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung von Zuschlägen.

- Die veränderte Rolle der USA Fast immer wurde in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Formulierung der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik den internationalen politischen Zielsetzungen weitgehend untergeordnet. Wir wollten politische Stabilität und enge gegenseitige Bindungen innerhalb der freien Welt fördern, um das
Risiko eines kommunistischen Vordringends zu verringern. Die Vereinigten Staaten waren der Ansicht, daß wirtschaftlicher Wohlstand zu politischer Stabilität beitragen würde; daß, nachdem die meisten Industriestaaten vom Außenhandel stark abhängig waren, ein Abbau der Handelsschranken das Wirtschaftswachstum stimulieren würde und daß die Entwicklung von Handel und anderen
wirtschaftlichen Bindungen die Einheit der freien Welt fördern würde. Mit
diesem Ziel vor Augen haben wir über 25 Jahre lang eine liberale Handels-

�Handels-und Zahlungspolitik verfolgt. Diese Politik war erfolgreich; sie hat
wesentlich zu dem raschen Wirtschaftswachstum sowohl im Inland wie auch im
Ausland beigetragen und damit zur Verwirklichung unserer politischen Ziele.
Die Vereinigten Staaten konnten sich damals eine solche Politik ohne
weiteres leisten. Sie waren nach dem zweiten Weltkrieg die einzige Großmacht,
die keine Kriegsverwüstungen erlitten hatte. Obwohl unser wirtschaftliches
Übergewicht naturgemäß in dem Maße zurückging, wie sich der Wiederaufbau in
den übrigen Ländern vollzog, hielten wir uns in dem Wettbewerb um die Weltmärkte bis in die sechziger Jahre hinein gut. Vor einem Jahrzehnt belief sich
unser Handelsüberschuß auf jährlich über fünf Milliarden Dollar - ein Betrag, der groß genug war, um beträchtliche Gelder für die Verfolgung unserer
politischen und militärischen Ziele im Ausland ausgeben zu können, ohne daß
unsere Zahlungsbilanzposition ausgehöhlt wurde. Wir konnten uns ferner ein
Zahlungsbilanzdefizit von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr ohne ernste
Probleme leisten, weil die Weltwirtschaft Dollar brauchte, um das rasch anwachsende Volumen der internationalen Wirtschaftstransaktionen zu bewältigen.
Darüber hinaus haben wir, da unsere starke internationale Wirtschaftsposition
und die wirtschaftliche Wiedererholung Westeuropas und Japans Schlüsselelemente unserer Außenpolitik waren,bestimmte ausländische Praktiken geduldet, die
unsere Exportmöglichkeiten einschränkten.
Jetzt haben sich zahlreiche dieser Politik zugrundeliegende Bedingungen
geändert.Angesichts der neuen Stärke Westeuropas und Japans ist dieses politische Prinzip, Praktiken zu dulden, die unsere Wettbewerbsposition auf unfaire Weise einschränken, nicht länger von Bestand. Die Vereinigten Staaten
haben einen großen Teil ihres starken wirtschaftlichen Übergewichtes in der
Industrie der freien Welt verloren.
Gleichzeitig

-8-

�Gleichzeitig waren wir nicht länger in der Lage, die großen Beträge auszuwerfen, die erforderlich waren, um unseren internationalen Verpflichtungen
nachzukommen, sowie ständige Zahlungsbilanzdefizite auf uns zu nehmen,ohne
daß dies die internationale monetäre Stabilität nachteilig beeinflußte. Der
starke Dollarfluß in das internationale Währungssystem während der letzten
Jahre hat dazu geführt, das Vertrauen in den Dollar zu untergraben. Diese
sich verschlechternde Außenwirtschaftsposition hat ihre Ursache weitgehend
in unserer immer schlechter werdenden Handelsbilanz. Anstelle von Handelsüberschüssen haben wir jetzt beträchtliche Defizite.
Das verbesserte Produktionspotential unserer Handelspartner hat uns neue
Konkurrenz im In-wie auch im Ausland gebracht. Zahlreiche Länder haben prozentual mehr für neue Anlagen und Ausrüstungen ausgegeben als wir. Ein bedeutender Teil unseres Kapitals und unseres technologischen Könnens war für
die Verteidigung der freien Welt eingesetzt. Der eindrucksvolle technologische Vorsprung, den die Vereinigten Staaten nach dem zweiten Weltkrieg hatten, ist zurückgegangen, nachdem andere Länder sich als fähig erwiesen, hochentwickeltes technologisches Wissen aufzunehmen oder weiterzuentwickeln.
Die Übernachfrage, die zu der hohen Inflationsrate in den Jahren von
1964 bis 1971 führte, hat ebenfalls unseren Export verlangsamt und unseren
Import gesteigert. Einige Länder hatten ähnliche Inflationsprobleme, blieben
jedoch durch Abwertung ihrer Währungen wettbewerbsfähig. Wir nahmen jedoch
von einem solchen Schritt Abstand, und zwar im Hinblick auf die zentrale
Rolle, die dem US-Dollar im internationalen Währungssystem zukam.
Während die Importe von Verbrauchsgütern stiegen, machten die ausländischen Handelsschranken häufig unsere Anstrengungen um eine Ausweitung des Exports solcher Güter zunichte,

bei denen wir einen Vorsprung hatten, wie zum

Beispiel auf dem Gebiet der modernen Technologie und vor allem auf dem Landwirtschaftssektor.
Aufgrund

-9-

�Aufgrund unserer immer geringer werdenden Autarkie auf dem Gebiet der
Rohstoffe sehen sich die Vereinigten Staaten ferner schnell steigenden Importen von Mineralen gegenüber. Nachdem wir unsere qualitativ hochwertigen
einheimischen Vorkommen erschöpft haben, gehen wir nunmehr auf ausländische
Lieferungen über. Jedes Jahr steigt unsere Abhängigkeit von ausländischen
Vorkommen wichtiger Bodenschätze wie zum Beispiel Rohöl oder Bauxit.

- Auf dem Wege zu einem gerechteren System Präsident Nixon hat am 15. August 1971 die Initiative ergriffen, um
unsere unmittelbaren Schwierigkeiten zu überwinden, und den Boden für eine
grundlegende Reform des internationalen Wirtschaftssystems vorbereitet. Die
im Dezember 1971 sowie im Februar und März 1973 erreichten Wechselkursanpassungen haben unsere Wettbewerbsposition genau so gestärkt wie die erfolgreichen Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation im Inland. In der Tat
hatten die Vereinigten Staaten in den letzten 18 Monaten unter allen großen
Industriestaaten die niedrigsten Preissteigerungen bei Verbrauchsgütern. Infolgedessen ist das Verhältnis zwischen unseren Produktionskosten und denen
der übrigen Industriestaaten heute etwa wieder das gleiche wie Mitte der
sechziger Jahre.
Der zweite Teil des Programms des Präsidenten hat jetzt begonnen. Auf
der Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) im September 1972 in Washington wurden weitreichende amerikanische Vorschläge für eine Reform des internationalen Währungssystems vorgelegt, und die Verhandlungen im ZwanzigerAusschuß des IWF schreiten voran; wir hoffen, daß ein neues Abkommen im Prinzip auf der IWF-Tagung im September dieses Jahres in Nairobi erreicht werden
kann. Die Vereinigten Staaten haben ferner Zusagen erhalten, daß Ende 1973
mit umfassenden multinationalen Handelsverhandlungen begonnen wird.

Wir

-10-

�Wir sehen uns einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, wenn wir uns
jetzt um die Entwicklung einer neuen internationalen Wirtschaftspolitik bemühen. Es ist völlig klar, daß wir es uns nicht leisten können, einfach zu den
internationalen Handels-und Finanzpraktiken der Zeit vor dem 15. August 1971
zurückzukehren. Denn aus den Entwicklungen der letzten zwei oder drei Jahre
zeigt sich: Gleichgültig welche Vorteile sich auch ergeben könnten, die Risiken für den künftigen Bestand des internationalen Wirtschaftssystems sind
einfach zu groß.
Es ist genau so klar, daß es für die Vereinigten Staaten einfach untragbar wäre, sich von ihren internationalen Verpflichtungen zurückzuziehen. Ein
solcher Rückzug wäre in der Tat für unsere Volkswirtschaft kostspielig. Man
darf nicht vergessen, gaß die Vereinigten Staaten während der meisten Zeit
nach dem Kriege beträchtliche Vorteile aus dem Welthandel gezogen haben. Darüber hinaus bestand ein enger Zusammenhang zwischen unseren politischen und
militärischen Beziehungen und unseren wirtschaftlichen Geschäften im Ausland;
eine Entscheidung der USA, unsere Wirtschaft plötzlich auf den Binnenmarkt
auszurichten, würde mit größter Sicherheit nachteilige Auswirkungen auf unsere
Beziehungen haben, die für die Sicherheit und den Frieden der freien Welt von
so entscheidender Wichtigkeit sind.
Den Interessen der USA wie auch der Völkergemeinschaft der Welt wäre mit
einem internationalen Wirtschaftskurs am besten gedient, der den so große
Vorteile bringenden, marktorientierten Fluß von Gütern und Dienstleistungen
so weit wie möglich erleichtert, der aber ungebührliche Härten vermeidet, die
sich ergeben könnten, falls dieser Fluß zu einer unerwarteten Flut ausufert.
Um ein solches Gleichgewicht zu erreichen, werden angesichts des wachsenden
öffentlichen Interesses an internationalen Wirtschaftsfragen eingehende und
sorgfältige Verhandlungen zwischen den Staaten notwendig sein.

Bei

�Bei der Gestaltung einer wirksamen Wirtschaftspolitik in der heutigen
Welt geht es um mehr als nur um die Wahl zwischen "Protektionismus" und
"freiem Handel". Ein langfristiger Schutz vor ausländischem Wettbewerb
führt zu einem niedrigeren Lebensstandard, einer geringeren Gesamtproduktion
und weniger Arbeitsplätzen gerade in der Volkswirtschaft, die dadurch gestützt werden soll, während uneingeschränkter freier Handel einigen Wirtschaftssektoren in einer Zeit sich schnell ändernder Produktions-und Handelsformen untragbare Lasten auferlegen kann...
Die Schaffung einer echten internationalen Wirtschaftsgemeinschaft
setzt die Bereitschaft voraus, neue Kräfte und neue Ideen zu akzeptieren
und einige hergebrachte Gepflogenheiten zu ändern. Sie bedeutet, daß die
Länder bereit sein müssen, ein gewisses Maß an Selbstinteresse zu Gunsten
übergeordneter internationaler Interessen aufzugeben. Am Ende aber wird es
für alle größere Vorteile bringen.
Was uns anbetrifft, so sind wir bereit, auf dem sich ändernden und
wachsenden Weltmarkt einen scharfen Wettbewerb aufzunehmen. Wir müssen den
Kampf um Preisstabilität und größere Produktivität fortsetzen. Wir müssen
bereit sein, einige Teile unserer Wirtschaft den Veränderungen im Ausland
anzupassen. Wir dürfen nicht vor den erforderlichen Anpassungen zurückschrecken, um den Wettbewerb auf den Weltmärkten wirksamer führen zu können.
Die Bedeutung unserer potentiellen Gewinne in Form von Arbeitsplätzen und
Einkommen, in verbesserten Aussichten auf eine friedliche Welt ist zu groß.

- Politische Vorschläge Währung:
Das vordringlichste Erfordernis ist die Reform des internationalen Währungssystems. Die zunehmende Häufigkeit von Währungskrisen und die Einführung von Kapitalmarktkontrollen in den letzten Jahren sind symptomatisch für

-12-

�für die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Abkommen. Die Störungen auf den
Devisenmärkten im Februar und im März 1973 unterstreichen die Notwendigkeit neuer monetärer Bestimmungen und Verfahren.
Unseres Erachtens ist der schwächste Punkt des Systems von Bretton
Woods der Anpassungsprozeß. Die im September 1972 vorgelegten amerikanischen Vorschläge sollen den internationalen Druck auf Defizit-und Überschußländer, ihre Ungleichgewichte anzupassen, verstärken. Die Wahl der
Politik, um dieses Ergebnis zu erreichen - zwischen Wechselkursanpassungen
und anderen Maßnahmen - liegt jedoch bei den betreffenden Ländern. Unser
Plan sieht Bandbreiten beiderseits der Leitkurse

in dem auf der Smithso-

nian-Konferenz zugelassenen Rahmen vor. Dem Dollar sollte gleich den anderen Währungen ein gewisses Maß an Flexibilität beiderseits seiner Parität gestattet sein. Den Ländern sollte ferner ein Floaten ihrer Währungen
im Rahmen vereinbarter internationaler Richtlinien erlaubt sein.
Um die Verantwortung für Anpassungen gerecht aufzuteilen, haben wir
objektive Kriterien vorgeschlagen, nach denen entschieden wird, ob Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, sowie Verfahren, um sicherzustellen, daß
solche Maßnahmen ergriffen werden. Die geeignetesten Kriterien wären unangemessen große Gewinne oder Verluste an Reserven gegenüber den angemessenen Reservepositionen, die durch Übereinstimmung im IWF festgestellt werden müßten. Kapitalbeschränkungen, die die Wirksamkeit solcher Kriterien
verringern, würden durch ein internationales Abkommen auf ein Minimum begrenzt werden. Wir haben kürzlich bekanntgegeben, daß wir die Kapitalkontrollprogramme Ende 1974 auslaufen lassen wollen, die wir Anfang der
sechziger Jahre zur Überwindung unserer Zahlungsbilanzdefizite eingeführt
hatten.
Wir haben vorgeschlagen, daß der Wert aller Währungen in Sonderziehungsrechten festgelegt werden soll und daß die erforderliche Erhöhung
der internationalen Liquidität in erster Linie in Form von Sonderziehungsrechten erfolgt.
Handel:

-13-

�Handel:
Gleichzeitig mit der Reform des Währungssystems müssen wir auch neue internationale Vereinbarungen über die Abwicklung des Handels treffen. Diese neuen Vereinbarungen könnten eine dringend notwendige Alternative zu Zahlungsbilanzanpassungen bilden und gleichzeitig verhindern, daß Handelsschranken
die Auswirkungen notwendiger Wechselkursanpassungen zunichtemachen. Da Wechselkursanpassungen einigen Wirtschaftssektoren Vorteile bringen, andere jedoch schädigen, sehen sich die Regierungen häufig einem Druck ausgesetzt, ihren Auswirkungen durch Handelsschranken zu begegnen. Es gibt ferner seit langem bestehende Praktiken, die ausdrücklich bestimmte Wirtschaftssektoren vor
dem internationalen Preiswettbewerb abschirmen sollen. Zum Beispiel haben die
Europäische Gemeinschaft und Japan Mittel zum Schutze ihrer Agrarerzeugnisse ,
die die Auswirkung jeder Abwertung einer Währung voll aufheben - auf Kosten
ihrer Verbraucher und unserer Farmer. Wir müssen uns aber auch darüber klar
sein, daß auch unser eigenes System nicht völlig frei von solchen Maßnahmen
ist.
Erfolgreiche Handelsverhandlungen sind ebenfalls notwendig, wenn wir den
zunehmenden Forderungen im In-und Ausland nach mehr Schutz widerstehen und
wenn wir unsere eigene Handelsbilanz verbessern sollen. In den letzten Jahren
ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung zwischen Handelspartnern durch die
wachsende Verwendung bilateraler Präferenzabkommen stark ausgehöhlt worden
mit der Tendenz, die Welt in Handelsblöcke zu spalten. Mit großer Sorgfalt
ausgehandelte Zollsenkungen sind durch Diskriminierungen und andere den Handel verzerrende Maßnahmen zum Teil gefährdet worden. Die Handelsstreitigkeiten haben zugenommen, da viele Länder mit einer zur Zeit ausgezeichneten Handelsposition ihre Importbeschränkungen nicht aufgehoben haben, die sie unter
früheren negativen Bedingungen eingeführt hatten.

Obwohl

-14-

�Obwohl es unser Ziel ist, für alle die Vorteile eines expandierenden Handels zu erreichen, sind wir uns darüber klar, daß abrupte Änderungen der Handelspraktiken zu Härten führen können. Wir haben erlebt, wie unsere schnell
zunehmenden Importe von einigen Fertigerzeugnissen Störungen hervorgerufen
und eine ordnungsgemäße Anpassung an die neuen Wettbewerbsbedingungen erschwert
haben. Andere Länder hatten ähnliche Probleme.
Wir sind uns klar darüber, daß die Produktionspraktiken eines Landes
nicht starr sind und daß, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedarf der
Bevölkerung zu decken, Änderungen sowohl erwünscht wie auch unvermeidbar sind.
Wenn man jedoch einer industriellen Struktur nicht genügend Zeit läßt, zu anderen wettbewerbsfähigeren Erzeugnissen überzugehen oder bei den derzeitigen
Erzeugnissen wettbewerbsfähiger zu werden, so kann dies zu unerwünschten Belastungen der gesamtwirtschaftlichen Leistung führen. Daher sehen wir, auch
wenn wir dauernde Importbeschränkungen als produktionsfeindlich betrachten,
eine Notwendigkeit für ein temporäres System von "Schutzmaßnahmen", so daß
der natürliche Verbesserungsprozeß sich wirksamer und mit einem Minimum an
Freisetzungen auf dem Arbeitsmarkt vollziehen kann.
Wir erwarten, daß die bevorstehenden Verhandlungen sich nicht nur mit dem
Abbau der Zölle, sondern auch mit der Beseitigung oder Senkung der anderen,
häufig viel wichtigeren Schranken für den Austausch von Gütern zwischen den
Ländern befassen werden. Während die meisten Industriestaaten in den sechziger
Jahren ihre Zollsätze um etwa ein Drittel gesenkt haben,ist die Bedeutung der
nicht-tarifären Handelsschranken relativ gestiegen. Bei den Verhandlungen über
den Abbau von Handelsschranken aller Art werden wir eine so liberale weltweite Handelsposition anstreben, wie sie unsere großen Handelspartner für sich
selbst zu akzeptieren bereit sind.
Bei den

Verhandlungen,für die wir uns gegenwärtig um die gesetzlichen

Vollmachten bemühen, werden wir speziell vorschlagen, daß die Zölle phasenweise wesentlich gesenkt und daß die nicht-tarifären Handelsschranken harmonisiert
werden. Wir werden ferner ein internationales Abkommen anstreben, das tempo-

-15-

�temporären "Schutz" vor Importen gestattet. Der Abbau der Handelsschranken
auf dem Agrarsektor muß gleichzeitig mit der Liberalisierung bei den Industrieerzeugnissen erfolgen.
Wir unterstützen ferner die Konzeption allgemeiner Präferenzen für die
Erzeugnisse der Entwicklungsländer, aber wir können nicht Ländern einen bevorzugten Zugang zu diesem Markt gewähren, die unsere Exporte auf ihren Märkten diskriminieren und die Exporte anderer Industriestaaten begünstigen. Auf
dem besonderen Gebiet des Ost-West-Handels werden wir die wirtschaftliche
Normalisierung mit den kommunistischen Ländern weiter fördern. In diesem Zusammenhang werden wir den Kongreß um die Vollmacht ersuchen, den kommunistischen Ländern, mit denen wir befriedigende Handelsabkommen aushandeln, den
Meistbegünstigtenstatus einräumen zu können.
Wir werden uns ferner um ein Gesetz bemühen, das den Präsidenten ermächtigt, sicherzustellen, daß amerikanische Erzeugnisse - unabhängig von dem
Ausgang der bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen - einen fairen und gerechten Zugang zu den ausländischen Märkten erhalten. Aufgrund dieser Vorschläge könnte der Präsident Zölle und andere Handelsschranken, falls
angebracht, senken oder erhöhen und so anderen Ländern einen Anreiz geben,
stark restriktive Handelsschranken abzubauen. Er hätte dann auch freiere Hand,
sich mit hartnäckigen Zahlungsbilanzproblemen zu befassen und bestimmte Importbeschränkungen als Anti-Inflationsmaßnahme abzubauen. Diese Maßnahmen
sind notwendig, um ein ausgewogeneres und freieres internationales Wirrschaftssystem zu erreichen und unser derzeitiges Handelsdefizit abzubauen.

- Andere wichtige internationale Fragen -

Internationale Investitionen:
Fast alle amerikanischen Firmen, die im Ausland investiert haben,
taten dies, um den Wettbewerb auf den Auslandsmärkten wirksamer führen zu

-16-

�zu können. Ein Verzicht auf solche Investitionen würde bedeuten, daß die
amerikanischen Gesellschaften dem ausländischen Wettbewerb unterliegen müssen.
Regierungsstudien zeigen, daß dies negative Auswirkungen auf ihre Produktion
wie auch auf ihren Beschäftigtenstand im Inland haben würde. Sie würden nicht
länger Vorteile aus den Direktexporten der Muttergesellschaften an die ausländischen Tochtergesellschaften und aus den Investitionserträgen ziehen.
Obwohl nur wenige Erzeugnisse von in amerikanischem Besitz befindlichen
Firmen im Ausland in den Vereinigten Staaten verkauft werden, führten Direktinvestitionen für den Absatz auf dem amerikanischen Markt zu Beschwerden, denn
solche Erzeugnisse stehen natürlich im Wettbewerb mit den Erzeugnissen der in
den USA ansässigen amerikanischen Firmen. Diese Kritik ignoriert jedoch eine
wichtige weitere Quelle des Wettbewerbs: Gesellschaften, die solche Investitionen vornehmen, haben dies in erster Linie getan, um den Wettbewerb mit ausländischen Erzeugnissen auf dem amerikanischen Markt aufnehmen zu können. Auf
jeden Fall sollte man sich darüber klar sein, daß unsere empfindlichsten Importprobleme nicht von in amerikanischem Besitz befindlichen Werken im Ausland verursacht werden, sondern vielmehr - wie im Falle von Textilien, Schuhen und Stahl - von in ausländischem Besitz befindlichen Gesellschaften.
Wir werden uns immer mehr bewußt, wie unzulänglich die derzeitigen internationalen Prinzipien oder Übereinkommen in bezug auf Direktinvestitionen
sind. In zahlreichen Fällen sehen sich amerikanische Investanten bei der Errichtung und beim Betrieb von Unternehmern im Ausland Beschränkungen gegenüber,
während Gesellschaften dieser gleichen Länder kaum Schwierigkeiten haben,
hier entsprechende Investitionen vorzunehmen.
Wir werden weiterhin zu Investitionen in den Entwicklungsländern ermutigen. In einigen Entwicklungsländern sind solche Investitionen nicht willkommen. Obwohl wir die Klugheit einer solchen Politik bezweifeln, erkennen wir
das Recht eines jeden Landes an, seine eigenen Prioritäten und Entwicklungsziele festzulegen. Wenn der Besitz amerikanischer Staatsbürger enteignet wird,
werden die Vereinigten Staaten jedoch gemäß der Erklärung Präsident Nixons
vom Januar 1972 darauf bestehen, daß ein solcher Schritt im Einklang mit dem
Völkerrecht und den Bestimmungen für eine umgehende, angemessene und wirksame Entschädigung erfolgt.
-17-

�EIN HANDELSPROGRAMM FÜR EINE SICH VERÄNDERNDE WELT

Das Kapitel III des ersten Jahresberichtes
über die Internationale Wirtschaftspolitik
trägt den Titel: "Ein Handelsprogramm für
eine sich verändernde Welt." Dieses Kapitel
enthält Einzelheiten hinsichtlich der Ziele,
die die Vereinigten Staaten bei den kommenden weltweiten Handelsverhandlungen anstreben, sowie hinsichtlich der Vorschläge für
eine Handelsgesetzgebung, die gegenwärtig
von der Nixon- Administration vorbereitet
wird. Im folgenden Auszüge aus diesem Kapitel:

Die Notwendigkeit multilateraler Verhandlungen:

Die Notwendigkeit multilateraler Handelsverhandlungen übersteigt zweifellos unsere gegebenen Möglichkeiten. Das internationale Handelssystem befindet sich gegenwärtig an einer Wasserscheide, von der aus es entweder auf
einen Protektionismus zutreiben oder seine in der Vergangenheit hart errungenen Fortschritte in Richtung auf eine offenere und gedeihlichere Weltwirtschaft fortsetzen kann. Schon immer seit dem zweiten Weltkrieg haben wir
durch den Abbau von Handelsschranken innerhalb der Länder der freien Welt
einen freieren Handel unterstützt.
In

-18-

�In den letzten Jahren mußten wir jedoch ein Wiedererstehen diskriminierender Handelsmaßnahmen miterleben. Fundamentale Handelsprinzipien, darunter
das Prinzip der Nichtdiskriminierung unter den Handelspartnern sind stark
unterminiert worden. Das Entstehen der Europäischen Gemeinschaft, von den
Vereinigten Staaten unterstützt, brachte in wachsendem Maße wechselseitige
Abkommen mit Nichtmitgliedsstaaten mit sich. Diese Praxis tendiert dahin, die
Welt in Wirtschaftsblöcke zu spalten. Der Abbau von Zöllen, über den so mühsam verhandelt wird, wurde durch nicht-tarifäre Handelsschranken sowie durch
andere den Handel verzerrende Maßnahmen beeinträchtigt. Die Reibungen auf
dem Handelssektor haben zugenommen, weil zahlreiche Länder, die sich jetzt
einer hervorragenden Handelsposition erfreuen, nicht die Einfuhrschranken beseitigt haben, die unter früheren Bedingungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten errichtet worden waren.
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen hat sich das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) in zunehmendem Maße als unfähig erwiesen, mit schwierigen Handelsfragen fertig zu werden. In einigen Fällen haben einzelne Länder
bestimmten, aufgrund des Abkommens übernommenen Verpflichtungen nur wenig mehr
als Lippenbekenntnisse geleistet. In anderen Fällen sind die Regeln gebrochen
worden, indem einzelne Länder die GATT-Bestimmungen einfach umgingen oder
wichtige Fragen bilateral lösten. Das so auffällige Versagen, landwirtschaftliche Handelsprobleme anzugehen, ist ebenfalls ein Schandfleck auf der Liste
des GATT. Weil so viele Länder die GATT-Regeln gebrochen haben, ist die Effektivität des GATT als Verhaltenskodex eingeschränkt worden.
Als der gegenwärtige Rahmen erstellt wurde, konnten die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Überlegenheit restriktive Praktiken anderer noch tolerieren. Wie von zahlreichen Sprechern der USA immer wieder betont worden ist, sind diese günstigen Bedingungen jetzt nicht mehr gegeben.

Trotz

-19-

�Trotz ihrer neuen wirtschaftlichen

Stärke halten zahlreiche Länder

immer noch an ihrer bisherigen Politik und an bisherigen Praktiken fest.,, die
während ihres erfolgreichen Bemühens um Handelsüberschüsse entwickelt worden waren. Ja, was bleibt, ist ein "Überschuß-Syndrom" des Widerstandes gegen Importe und ein Druck, zu exportieren. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
Regierungen , Unternehmer und Bauern einen Rahmen intakt halten möchten, an
den sie sich gewöhnt haben.
Natürlich haben auch die Vereinigten Staaten ihre eigenen restriktiven Maßnahmen.

Die Importe zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte wie

auch die Erdölimporte werden durch Quoten geregelt; das "amerikanische
System der Verzollung nach dem Verkaufspreis (ASP)" führt zu prohibitiven
Zöllen

für bestimmte chemische Erzeugnisse. Die Stahlimporte sind gegen-

wärtig durch freiwillige Verpflichtungen ausländischer Produzenten eingeschränkt. Die Importe von Woll- und synthetischen Textilien sind aufgrund
amerikanischer Regierungsabkommen mit verschiedenen fernöstlichen Ländern
begrenzt.
Die wirksamste Methode, Reformen auszuhandeln, ist die Stärkung der
Prinzipien des Multilateralismus und der Nichtdiskriminierung in einer offenen und gerechten Weltwirtschaft. Der politische Wille zur Erweiterung
der nationalen Perspektiven und zur Entwicklung neuer Regeln und Mechanismen durch Verhandlungen statt durch Konfrontation ist von entscheidender
Wichtigkeit, wenn die Länder den vollen Beitrag, den ein freierer und fairer Handel zum Weltfrieden und zur Prosperität leistet, realisieren wollen...

- Die allgemeinen Ziele und Prinzipien der USA Unsere grundlegenden Ziele bei den multilateralen Handelsverhandlungen sind folgende:
--eine

-20-

�-- eine internationale wirtschaftliche Effizienz zu schaffen und auszuweiten, indem die einem freien Spiel der Marktkräfte entgegenstehenden Hindernisse bei der Festlegung des Umfangs und des Rahmens des Welthandels beseitigt werden, während gleichzeitig vereinbarte Regeln entwickelt werden,
durch die

Schutzmaßnahmen verhängt, werden können, wenn ein abruptes Anwach-

sen der Konkurrenz die nationalen Märkte zu stören droht, und
-- Änderungen des Systems zu erreichen, in dessen Rahmen die einzelnen
Länder ihre Handelsbeziehungen abwickeln, um sicherzustellen, daß die Regeln
fair sind und gerecht auf alle Parteien angewandt werden.
Mit der Entwicklung eines effektiveren Währungssystems und eines binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozesses würde ein offeneres und faireres Handelssystem

uns wie auch andere Länder in die Lage versetzen, unsere Berei-

che relativer Wettbewerbsvorteile zu nutzen, während wir gleichzeitig die Mittel an der Hand haben, unangemessene Verzerrungen und Härten zu vermeiden.
Wir wissen, daß es sich bei fundamentalen handelspolitischen Entscheidungen praktisch gesehen nicht um eine klare oder einfache Wahl zwischen freiem
Handel und Protektionismus handelt. Die wirklichen Fragen drehen sich darum,
wie die Handelschancen erweitert werden können, um die Produktion anzukurbeln,
um mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, um die Preisstabilität auf dem
Binnenmarkt zu fördern, und um andere Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Diese Politik sollte gleichzeitig darauf abzielen, den Anpassungsprozeß zu erleichtern und die Härten zu mildern, die sich ergeben, wenn die Importe in
einem außergewöhnlichen Ausmaß ansteigen.
Wenn vom freien Handel die Rede ist, neigt man häufig dazu, das Problem
dieser Härten zu ignorieren, und restriktive Handelsmaßnahmen verschlimmern
sie nur noch. Die Lösung liegt in der Entwicklung eines international vereinbarten Systems von Schutzmaßnahmer., unter denen die einzelnen Länder handeln
könnten, um vorübergehend das rapide Anwachsen bestimmter Importe zu beschränken. Dies würde eine ordentlichere Anpassung bestimmter Industrien, Firmen

-21-

�Firmen oder Gruppen von Arbeitern an neue Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Ein solches System könnte eine effektivere und gerechtere Anpassung
fördern als die Vielfalt von ad hoc-Maßnahmen und Vorkehrungen, die in

den

letzten Jahren getroffen wurden - manchmal zu einem beträchtlichen Preis an
internationalem guten Willen und an einheimischer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Wenn die notwendigen Handelsreformen erreicht werden sollen, dann wird
es für die Regierungen notwendig sein, in einem Geiste enger Zusammenarbeit,
gestützt auf einen festen politischen Willen zu verhandeln. Die Verantwortung
für die führende Rolle sowie die Übernahme von Verpflichtungen muß gemeinsam
erfolgen entsprechend der neuen und größeren Aufteilung der internationalen
Wirtschaftsmacht. Der Erfolg wird davon abhängen, inwieweit die Nationen zur
Erreichung gemeinsamer Ziele zusammenarbeiten, statt ihre Energien auf das
Streben nach zeitweiligen individuellen Vorteilen zu konzentrieren.
Das neue System muß unserer Ansicht nach - um der Fairneß willen - von
allen beteiligten Staaten gemeinsame bindende Zusagen erhalten, daß sie sich
den gleichen Grundprinzipien und Regeln unterwerfen. Wenn auch weitgehend anerkannt wird, daß bestimmte Teile des Handelssystems reformbedürftig sind, so
stimmt man doch allgemein darin überein, daß einige der bedeutsamen derzeitigen Probleme auf das Nichteinhalten der festgesetzten Regeln zurückzuführen
sind. Eine bessere Einhaltung der GATT-Bestimmungen ist wesentlich; wir werden uns ferner um die Entwicklung positiver Methoden bemühen, die einen grösseren Anreiz zur Zusammenarbeit und Einhaltung der Bestimmungen bieten, so
daß Verstöße gegen die Regeln seltener werden, daß man sich mit ihnen aber
dort, wo sie vorkommen, unverzüglich und in unparteiischer Weise befaßt.
Wir sind uns über die Bedeutung der Ausweitung und größeren Vielseitigkeit des Handels für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer im
klaren. Diese Länder haben ein hohes Interesse an dem Erfolg der bevorstehen-

-22-

�bevorstehenden Verhandlungen. Wir haben daher darauf gedrungen, daß sie voll
daran teilnehmen, um so eine größtmögliche Liberalisierung für all die Produkte zu gewährleisten, für die sie ein besonderes Exportinteresse oder ein
Exportpotential haben.
Ferner müssen die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften der Industrie-und der Entwicklungsländer voll berücksichtigt werden. In den Gesamtrahmen der Verhandlungen sollten auch spezifische Techniken einbezogen werden, die den Entwicklungsländern dadurch nutzen, daß die Exporte ihrer Produkte auf Märkte der Industriestaaten ausgeweitet werden. Genau so aber ist
es Pflicht der Entwicklungsländer - und zwar sowohl sich selbst wie anderen
gegenüber - ihre eigene Handelspolitik einer Überprüfung zu unterziehen und
dort Änderungen vorzunehmen, wo diese notwendig sind, um den effektiven Beitrag zu steigern, den ein freierer Handelsfluß zu ihrer eigenen wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann.

- Wege zur Liberalisierung - verschiedene Arten von Handelsschranken -

Wir haben eingehend neue Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Handelsziele geprüft. Dabei sind wir ganz allgemein zu dem Schluß gelangt, daß multilaterale Handelsverhandlungen sich ganz wesentlich von den früheren im
GATT geführten Verhandlungen unterscheiden müssen. Der Grund dafür liegt darin, daß Verzerrungen verschiedenster Art beim Agrarhandel zusammen mit gewissen industriellen nicht-tarifären Zollschranken die ganze Aufmerksamkeit
in Anspruch nehmen, die früher lediglich in traditioneller Weise den Industriezöllen galt.
Somit kommen wir bezüglich der spezifischen Schranken, die den internationalen Handel verzerren, zu folgenden Ergebnissen:
Landwirtschaft:

-23-

�Landwirtschaft:
Zuerst und vor allem werden wir versuchen, die Marktkräfte vermehrt eine
bestimmende Rolle bei der Befriedigung der Verbraucherbedürfnisse für Agrarerzeugnisse spielen zu lassen. Wir können einen so großen und entscheidend
wichtigen Sektor nicht sozusagen immun gegenüber den Kräften des Marktes
lassen, wenn die Handels-und WährungsSysteme der Welt effektiv arbeiten sollen. Ja, wenn es keine bindende Zusage in bezug auf sinnvolle und realistische Verhandlungen auf dem Agrarsektor gibt, dann wäre es für die Vereinigten Staaten schwierig, auf anderen Sektoren mit den multilateralen Handelsverhandlungen voranzuschreiten.
Wir sind der Überzeugung, daß sich für beide Seiten vorteilhafte Lösungen für die ProbLeme des Agrarhandels finden lassen. Alle Länder haben ein
grundlegendes Interesse an der Erhaltung der Stärke ihres Landwirtschaftssektors, aber die Kosten für seinen Schutz können enorm hoch sein. In den
wichtigsten Industrieländern liegen die Kosten der Stützung von Einkommen
und Preisen in der Landwirtschaft bei wenigstens 30 Milliarden Dollar jährlich, die die Verbraucher und Steuerzahler zu tragen haben. Was schlimmer
ist, die meisten dieser Systeme zur Stützung der Preise und Einkommen haben
sich als nahezu völlig unwirksam erwiesen, um die gestellten Ziele zu erreichen, nämlich durch Erhöhung der Einkünfte der ärmeren Bauern die Ungleichheit der Einkommen in der Landwirtschaft abzubauen.
Obwohl nach dem derzeitigen Stande in die Verhandlungen einige Zollsenkungen einbezogen worden sind, erwiesen sich die Haupthandelsschranken
auf diesem Sektor als schwer zu handhaben. Hier liegt der Kern des Problems
nicht so sehr bei den Zöllen als bei den nicht-tarifären Handelsschranken
wie Quoten und variable Abschöpfung. Zur Stützung der Einkommen in der Landwirtschaft haben zahlreiche Länder Programme zur Einschränkung des Imports
eingeführt, um einen wesentlichen Teil des Binnenmarktes für die einheimischen Erzeuger zu reservieren, wobei die einheimischen Agrarpreise manchmal

-24-

�manchmal auf über dem dreifachen Stand des Weltmarktpreises gestützt wurden. Da die Erzeugung normalerweise keinen Kontrollen unterliegt, haben
diese Stützungsprogramme zu Überschüssen geführt, die dann, oftmals mit
hohen Subventionen, exportiert werden, was zu Störungen der traditionellen
Absatzmärkte für rationell arbeitende Erzeuger führt. Obwohl die jeweiligen
Techniken von Land zu Land und bei den einzelnen Produkten verschieden sind,
führten sie in ihrer Gesamtheit zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der
Marktkräfte, wobei der internationale Agrarhandel eingeschränkt und verzerrt
wurde.
Für eine Liberalisierung des Agrarhandels wird es weitreichender Reformen bedürfen. Sowohl die tarifären wie auch die nicht-tarifären Handelsschranken werden allmählich abgebaut und beseitigt werden müssen,und als
Folge hiervon werden die einzelnen Länderihre den Handel verzerrenden einheimischen Subventionierungssysteme in einer Weise anpassen müssen, daß die
Marktkräfte einen stärkeren Einfluß auf Erzeugung und Handelspraktiken ausüben können. Aber eine derartige Entscheidung würde natürlich jedem einzelnen Lande vorbehalten bleiben, wobei klar wäre, daß viele Länder die Stützung
der Agrareinkommen durch andere Mechanismen fortsetzen werden, die den Agrarhandel nicht verzerren.
Wir haben ferner Maßnahmen ergriffen, damit unsere Landwirtschaft stärker auf die Märktkräfte reagiert. In dem Landwirtschaftsgesetz von 1970 haben wir der Regierung eine geringere richtungweisende Rolle für Anbauentscheidungen zugewiesen. Die Farmer unterliegen, was Anbaufläche und Erzeugung anbetrifft, nicht mehr Beschränkungen, und die Exportsubventionen bei
Weizen, Tabak und anderen Erzeugnissen sind ausgesetzt worden.

Zölle:
In einer Serie multilateraler Handelsverhandlungen haben die großen
Handelsnationen seit 1948 ihre Zölle erheblich abgebaut....
Wir

-25-

�Wir möchten gerne, daß diese Abwärtsentwicklung andauert, wobei die
Zölle für die meisten Industrierzeugnisse phasenweise weiter gesenkt werden sollten, vorausgesetzt, daß es auch bei den nicht-tarifären Handelsschranken und der Landwirtschaft sowie einem Schutzsystem zur Lösung vorübergehender Anpassungsprobleme wesentliche Fortschritte gibt. Dies würde den
erforderlichen Spielraum zur Entwicklung von Lösungen für Probleme schaffen,
die sich aus den unterschiedlichen Zollstrukturen und anderen Schutzmaßnahmen ergeben, und zur Beseitigung der aus den Zollpräferenzen resultierenden
Ungerechtigkeiten führen.

Nicht-tarifäre Handelsschranken:
In dem Maße, wie die Zölle abgebaut wurden, sind verschiedene andere
Arten von nicht-tarifären Maßnahmen relativ stärker in den Vordergrund getreten. . .
Die Vielfältigkeit der nicht-tarifären Handelsschranken schließt jede
einheitliche Verhandlungsformel aus. Weiter ist das Gewicht der einzelnen
Maßnahmen von Land zu Land sehr verschieden, so daß ausgewogene Abkommen
wahrscheinlich mehrere Arten von nicht-tarifären Schranken, Zölle und
Agrarkonzessionen einschließen müßten. Die wichtigsten Ausnahmen wären der
Standard von Erzeugnissen und die Beschaffungspraktiken von Regierungen,
für die es internationale Normen auf Gegenseitigkeit geben könnte.
Die Verfahren für Verhandlungen über nicht-tarifäre Schranken sind innerhalb des GATT eingehend geprüft worden, und die Arbeit an möglichen Lösungen ist bei verschiedenen Arten von Maßnahmen beträchtlich fortgeschritten. Bei den Praktiken, die sich nicht abschaffen lassen, erwägen wir andere
Initiativen wie Harmonisierung der nationalen Bestimmungen und Schaffung vereinbarter multilateraler Verhaltensnormen, die die derzeitigen Handelsverzerrungen verringern würden.
Präferenz-HandelsVereinbarungen

-26-

�Präferenz-Handelsvereinbarungen:
Es wird immer mehr zur Praxis, daß ein Land den Importen bestimmter anderer Länder eine bevorzugte Behandlung - sowohl tarifärer wie auch nicht-tarifärer Art - zuteil werden läßt. Die Handelsstatistiken zeigen, daß über ein
Fünftel der Gesamtimporte der GATT-Mitgliedsstaaten einen bevorzugten Situs
haben. Bei bestimmten Märkten, die zu unseren wichtigsten gehören, erfolgt
über die Hälfte der Einfuhren aufgrund von Präferenzhandelsabkommen. Sofern
diese Aushöhlung des Meistbegünstigtenprinzips nicht in ihr Gegenteil verkehrt
werden kann, besteht die Gefahr, daß die Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen dieser Abmachungen das multilaterale Handelssystem untergraben und die
internationalen Investitionsentscheidungen verzerren, was möglicherweise nachteilige Auswirkungen auf andere Aspekte der internationalen Beziehungen haben
könnte.
Wir haben viele Jahr lang nachdrücklich die Notwendigkeit unterstrichen,
die diskriminierenden Aspekte besonderer Handelsvereinbarungen zu beseitigen
und sie in Einklang mit den GATT-Bestimmungen zu bringen. Was die Abkommen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern anbetrifft, so haben
die Vereinigten Staaten als Minimum die Aufhebung der den Industriestaaten von
den Entwicklungsländern eingeräumten Präferenzen gefordert. Es bedarf ganz eindeutig neuer Bestimmungen, nach denen die Präferenzpraktiken zwischen den Industriestaaten beseitigt und alle Importe in einem bestimmten Zollraum gleich
behandelt werden.

- Die Notwendigkeit eines Gesetzeswerkes ~
Die Verwirklichung neuer internationaler Handelsabkommen wird neue Vollmachten seitens des Kongresses erfordern. Zusätzlich zu dem, was unsere internationalen Verhandlungen noch nach sich ziehen werden, wird es einer Vielzahl
von Änderungen in Bundesgesetzen im Zusammenhang mit der Führung unserer eige-

-27-

�eigenen Handelspolitik bedürfen. Damit Kongreß und Öffentlichkeit die notwendigen Änderungen leichter verstehen, haben wir in diesem Absatz die wichtigen Vorschläge aufgeführt, die gegenwärtig innerhalb der Regierung geprüft werden und die den folgenden Erfordernissen gerecht werden sollen:
- um die Verhandlungen über offenere und gerechtere Handelsabkommen für
Industrie-und Agrarerzeugnisse zu erleichtern, bedarf es einer Vollmacht zur
Erhöhung oder Senkung der amerikanischen Handelsschranken;
- um mit dem rasch wachsenden Import-Wettbewerb fertig zu werden, der zu
Störungen der Binnenmärkte und zur Freisetzung amerikanischer Arbeitskräfte
führt, bedarf es eines neuen einheimischen Schutz-und Anpassungsprogramms;
- um mit dem unfairen Wettbewerb, dem amerikanische Erzeugnisse sowohl im
In-wie im Ausland ausgesetzt sind, fertig zu werden, sind Vollmachten zur Erhöhung der Handelsschranken notwendig;
- um die Zahlungsbilanzprobleme zu lösen, ist eine Ermächtigung zur Erhöhung oder zur Senkung der Handelsschranken erforderlich;
- um mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden, bedarf es einer
Vollmacht für eine vorübergehende und selektive Senkung der Handelsschranken;
und
- um die neuen Handelsmöglichkeiten zu nutzen und die Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern zu erfüllen, bedarf es einer Vollmacht, um allen Ländern die Meistbegünstigtenbehandlung zu gewähren und den Entwicklungsländern allgemeine Zollpräferenzen einzuräumen.

Verhandlungsvollmachten:
Bei den früheren Handelsverhandlungen hat die Regierung stets um eine Ermächtigung seitens des Kongresses zur Senkung der amerikanischen Zölle um bestimmte Beträge nachgesucht, und sie ist ihr auch gewährt worden. Zum letzten

-28-

�letzten Mal wurde eine solche Ermächtigung im Rahmen des Gesetzes für eine
Ausweitung des Handels von 1962 gewährt, in dem der Kongreß den Präsidenten
ermächtigte, aus multilateralen Verhandlungen sich ergebende Zollsenkungen
bis auf 50 Prozent des damals bestehenden Satzes in einer Zeit von fünf Jahren zu verfügen.Das Gesetz ermächtigte den Präsidenten ferner, die Zölle für
solche Erzeugnisse aufzuheben, bei denen auf die Vereinigten Staaten und die
Europäische Gemeinschaft (bei der man mit dem Beitritt Großbritanniens rechnete) zumindest 80 Prozent des Welthandels entfielen. Diese Ermächtigung
wurde nicht ausgenutzt, vor allem, weil Großbritannien der Europäischen Gemeinschaft 1962 nicht wie erwartet beitrat. Die Vollmachten des Präsidenten,
neue Handelskonzessionen zu gewähren, liefen 1967 aus und sind nicht erneuert
worden.
Bei den neuen Verhandlungen, auf die wir uns jetzt vorbereiten, würde
diese Art von Ermächtigungen nicht ausreichen. Die Festlegung eines Limits
für die prozentuale Senkung würde den Verhandlungsspielraum zu stark einschränken. Und wir sind entschlossen, wirksam über ein weites Gebiet von den
Handel behindernden oder verzerrenden Praktiken zu verhandeln, von dem die
Zölle nur ein Teil sind. Wir werden ein Maximum an Flexibilität bei den Verhandlungen brauchen, das dem entspricht, über das unsere Handelspartner praktisch verfügen, sofern sie es nutzen wollen. Um unseren Unterhändlern diese
notwendige Flexibilität zu geben, sollten die folgenden Vollmachten erwogen
werden.

Zölle:
Es könnte für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Ermächtigung gewährt
werden, im Rahmen von ausgehandelten Abkommen bei allen Erzeugnissen Zölle
aufzuheben, zu senken, heraufzusetzen oder einzuführen. Bei den meisten Zöllen
würden die Senkungen phasenweise über einen Zeitraum von fünf Jahren oder noch
länger erfolgen, wobei längere Zeiträume für eine phasenweise Zollsenkung bei
import-empfindlichen Erzeugnissen vorgesehen wären.
Unbegrenzte

-29-

�Unbegrenzte Vollmachten für die Senkung von Zöllen im Austausch für
wirklich entsprechende Konzessionen anderer würden unseren Unterhändlern ein
Maximum an Flexibilität und Verhandlungsspielraum geben. Wenn auch wenig
Wahrscheinlichkeit besteht, daß andere einer Aufhebung aller Zölle zustimmen
würden, so sollten wir doch bei unseren Erwägungen keine Verhandlungstechnik
ausschließen, wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben. Weiter würde eine solche Ermächtigung Raum für die Beseitigung der europäischen

Zoll-

präferenzen lassen, die unsere Exporte diskriminieren. Die Ermächtigung zur
unbegrenzten Heraufsetzung unserer Zölle würde es uns ermöglichen, an den
Verhandlungen mit großen Industriegruppen teilzunehmen, uns mit besonders
schwierigen Problemen zu befassen, indem wir nicht-tarifäre Beschränkungen
in feste Zölle mit ausreichendem Schutzniveau umwandeln, und gegenseitige
Zollsenkungen - falls erwünscht auch für längere Zeiträume - auszuhandeln.
Schließlich würden wir um neue Ermächtigungen nachsuchen, die uns eine Erhöhung von Zollschranken jeder Art gegenüber solchen Ländern gestatten, die
weiterhin unsinnige oder ungerechtfertigte Beschränkungen für unsere Exporte
aufrechterhalten.

Nicht-tarifäre Beschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung erteilt werden, um Abkommen über den Abbau
einer begrenzten Zahl spezieller, nicht-tarifärer Schranken durchzuführen
(darunter zum Beispiel Stand von Erzeugnissen, Zollwert- und Zolleinstufung,
Wertfestselzung, Nomenklatur, Kennzeichnungserfordernisse und Verwaltung), sofern der Präsident zufriedengestellt ist, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits entsprechende Vergünstigungen erhalten haben. Dies könnte mit einer Deklaration des Kongresses gekoppelt sein, die sich für Verhandlungen zum Abbau anderer nicht-tarifärer Handelsschranken sowie für die Einführung eines
neuen Verfahrens ausspricht, das die Prüfung spezifischer hierzu erreichter
Abkommen durch den Kongreß erleichtern würde, sofern dessen Zustimmung erforderlich wäre .
Importentlastung:

-30-

�Importentlastung:
Unsere gegenwärtigen Gesetze, die Entlastung bei plötzlichen und
störenden Importstößen bringen sollen, sind unzulänglich.
Die Kriterien über die Gewährung von Entlastung bei störenden Importen
sind so starr, daß zahlreiche betroffene Industrien und Arbeitnehmer die
Normen nicht erreichen können. In dieser Situation ist der Druck, außerhalb
der verfügbaren Verfahren Hilfe zu erhalten, sehr stark.
Der Kongreß empfindet diesen Druck, der von einzelnen Gruppen ausgeht
und die Einführung einer Vielzahl besonderer Gesetze fordert, die sich-oft
für dauernd- mit den einzelnen Problemen befassen sollen. Die Exekutive
sieht, wie dieser Druck entsteht und wie diese Appelle die Form von Gesuchen an den Präsidenten oder die verschiedenen Regierungsämter annehmen,
ad hoc-Abkommen über die Begrenzung der Einfuhren bei diesem oder jenem Erzeugnis auszuhandeln.
Dieser Druck kann gefährlich sein, nicht weil die Notwendigkeit einer
Entlastung nicht gegeben sein könnte, sondern weil er Stückwerk ohne faire
und unparteiische Prüfung aller relevanten Faktoren fördern könnte. Erforderlich ist ein neues inneramerikanisches Schutzverfahren, das, wenn notwendig, Entlastung bringt und die erforderliche Flexibilität aufweist, um sich
in ausreichender Form mit diesen ernsten Problemen in einer sich rasch ändernden Weltwirtschaft zu befassen.
Um diesem Erfordernis gerecht zu werden, bedarf es Änderungen in der
derzeitigen Form der Import-Entlastung.

Importbeschränkungen:

-31-

�Importbeschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung für die Einschränkung von Importen erteilt
werden, wenn die Zollkommission feststellt, daß vermehrte Importe die. Hauptursache (die wichtigste einzige Ursache) für eine ernsthafte Schädigung
oder einer sich daraus ergebenden Gefährdung der einheimischen Industrie
und der Arbeitnehmer ist. (Im Augenblick muß sie feststellen, daß der Import die Hauptursache, d.h. größer als alle übrigen Ursachen zusammen, ist).
Die derzeitige Bestimmung, daß eine solche Schädigung aus früheren
Zollkonzessionen herrühren muß, sollte modifiziert werden. Diese Notwendigkeit, einen Zusammenhang zwischen Schädigungen und einer früheren Konzession
nachzuweisen, war vielleicht mehr als jedes andere Erfordernis der derzeitigen Ermächtigung aufgrund der Ausweichklausel dafür verantwortlich, daß
Industrien eine Entlastung verweigert wurde, die diese wirklich brauchten.
Die von uns vorgeschlagene neue Ermächtigung für Schutzmaßnahmen muß auf den
gegenwärtigen wirtschaftlichen Fakten beruhen, und nicht auf Regierungsmaßnahmen der Vergangenheit. Anders gesagt, worauf es für uns ankommt, ist die
Frage, die auch für die amerikanische Industrie und die Arbeitnehmer ganz
eindeutig ein wichtiges Anliegen ist, ob die schnell steigenden Importe
wirklich ernstliche Schäden verursachen....
Der Präsident sollte ferner größere Flexibilität bei der Entwicklung
einer wirklich durchgreifenden Entlastung erhalten. Dies könnte durch freiwillige Abkommen für eine Einschränkung des Exports wie auch durch direkte
nationale Maßnahmen wie höhere Zölle, höhere Zoll-oder Importquoten geschehen.
Wir werden ferner das Risiko einer Vergeltung gegen unsere Exporte verringern wollen, wenn die Vereinigten Staaten eine neue, leichter anwendbare Ausweichklausel zur Unterstützung der einheimischen Erzeuger einführen.
Dies könnte durch ein im Rahmen des GATT tragbares Schutzsystem geschehen,
das bei seiner Einführung keine Kompensationen notwendig macht. Wenn jedoch

-32-

�jedoch eine weitere Beschränkung von Importen notwendig wird, sollte der
Präsident die Vollmacht haben, unsere Handelspartner - falls dies aufgrund der
bestehenden Handelsabkommen notwendig ist - durch Senkung der amerikanischen
Zölle bei anderen, weniger empfindlichen Erzeugnissen zu kompensieren.
Die oben erörterten Gesetzesänderungen beziehen sich auf Probleme, die
durch Importe ausgelöst worden sind, die auf unsere Märkte unter fairen Wettbewerbsbedingungen gelangen. Andere Änderungen in unseren Gesetzen könnten erforderlich werden, damit wir uns mit unfairen Wettbewerbspraktiken befassen
können. Wir könnten unseren Schutz gegen ein Dumping, gegen die Subventionierung von Erzeugnissen, die auf unseren Markt gelangen, durch ausländische Regierungen, gegen Patentverletzungen und gegen die Tätigkeit ausländischer
Kartelle verstärken. Gleichzeitig könnten verschiedene verfahrensmäßige Verbesserungen eingeführt werden, um sicherzustellen, daß die Belange der einheimischen Erzeuger, Importeure und Verbraucher schneller und gerechter geprüft
werden.
Anpassungshilfe:
Die Regierung prüft gegenwärtig ein gesondertes Gesetz, das den Anpassungsprozeß für praktisch alle amerikanischen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze gefährdet sind, und nicht lediglich für die durch den Importwettbewerb verdrängten, verbessern sollte. Dies könnte erstens zu erhöhten Zuwendungen und einer
Erweiterung des Bereichs der Arbeitslosenversicherung der Einzelstaaten aufgrund neuer bindender Normen des Bundes und zweitens zu neuen Normen des Bundes für verbesserte und sicherere private Pensionssysteme führen. Die Regierung hat dem Kongreß in der Vergangenheit zu diesen beiden Komplexen Empfehlungen vorgelegt.

-Zahlungsbilanzen

-33-

�- Zahlungsbilanzen und Wirtschaftspolitik Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß die Handelspolitik ein wirksames Instrument zur Lösung vorübergehender weit- oder binnenwirtschaftlicher Probleme sein kann. Die Einführung einer Import-Sonderabgabe trug 1971
dazu bei, ein ernstes Ungleichgewicht in unserer internationalen Zahlungsbilanz zu überwinden. Im Jahre 1972 benutzten wir die Handelspolitik dazu,
die Fleischversorgung in den Vereinigten Staaten zu steigern und die Preise
niedrig zu halten. Eine zu starke Verwendung restriktiver Maßnahmen könnte
jedoch die Art der von uns angestrebten Handelswelt gefährden. Daher ist
es wünschenswert, den Einsatz handelspolitischer Maßnahmen für temporäre
Zwecke zu begrenzen.
Jedes Fragen des Handels betreffende Gesetz sollte Bestimmungen über
die Führung einer modernen Handelspolitik unter folgenden Gesichtspunkten
enthalten:

Vollmachten zur Zahlungsbilanz:
Dem Präsidenten könnte eine ausdrückliche Vollmacht für eine lineare
Erhöhung oder Senkung der Importbeschränkungen erteilt werden, um ständige
Zahlungsbilanzdefizite oder -Überschüsse zu beseitigen. Zuschläge sind ein
bevorzugtes Hilfsmittel, aber die gegenwärtigen GATT-Bestimmungen gestatten in Fällen der Zahlungsbilanz nur eine Einführung von Quoten. Eine Ermächtigung für beide Maßnahmen sollte verfügbar sein. Der Präsident könnte
ferner ermächtigt werden, Zuschläge oder andere Beschränkungen selektiv
bei Importen aus Ländern mit einem ständigen weltweiten Zahlungsbilanzüberschuß einzuführen. Die Einräumung einer solchen Ermächtigung würde den von
den Vereinigten Staaten bei den derzeitigen Währungsverhandlungen eingenommenen Standpunkt unterstützen.
Ermächtigung

-34-

�Ermächtigung zur Bekämpfung der Inflation:
Es könnte eine ständige Ermächtigung für einen temporären Abbau bestimmter Arten von Importbeschränkungen erteilt werden, wenn der Präsident
feststellt, daß eine solche Maßnahme zur Milderung des inflationistischen
Druckes wünschenswert ist.

- Neue Handelsmöglichkeiten Mit an erster Stelle auf unserem Programm für wichtige internationale
Handelsinitiativen stehen Maßnahmen zur Ausweitung des Handels mit den Entwicklungsländern sowie mit den kommunistischen Ländern. Die Notwendigkeit
für eine Ausweitung der Exportmöglichkeiten der unterentwickelten Welt wird
nachfolgend erörtert. (Mögliche Maßnahmen für die Erschließung neuer Handelsmöglichkeiten mit den expandierenden Märkten der kommunistischen
Welt werden in Artikel IV aufgezeichnet).
Vor mehreren Jahren haben die Vereinigten Staaten die Ausarbeitung
einer weltweiten Vereinbarung unterstützt, in deren Rahmen die FertigwarenExporte der Entwicklungsländer durch Ausweitung eines Systems für einen
bevorzugten Zugang zu den Märkten aller Industriestaaten auf einer nichtdiskriminierenden Basis gefördert werden. Wir taten dies aus zwei Gründen:
1.)

Wir waren uns klar darüber, je mehr Devisen die Entwicklungsländer

mit ihren Exporten verdienen, umso mehr könnten - und würden - sie für Importe ausgeben. So könnte - realistisch gesehen - ein System allgemeiner
Präferenzen einen konstruktiven Weg bilden, um zu ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung beizutragen, und unsere eigenen Exporte zu steigern. Die amerikanischen Exporte in diese Gebiete sind heute aufgrund der Wechselkursanpassungen der letzten beiden Jahre gegenüber den anderen großen Lieferanten weitaus wettbewerbsfähiger.
2.)

-35-

�2.)

Das sich ausweitende Netz von speziellen Präferenzvereinbarungen zwi-

schen einigen Entwicklungsländern und der Europäischen

Gemeinschaft führt

zu Diskriminierungen unserer Exporte auf den Märkten dieser Entwicklungsländer. Ein System, in dessen Rahmen alle Industriestaaten den Erzeugnissen aller Entwicklungsländer eine gleiche bevorzugte Behandlung einräumen, würde die Rechtfertigung für Sonderpräferenzen und die sich hieraus
ergebende Diskriminierung beseitigen. Dies würde ebenfalls unsere Exportmöglichkeiten verbessern und den lateinamerikanischen Ländern nützen, die
in die besonderen Präferenzvereinbarungen der Europäischen Gemeinschaft
nicht einbezogen sind.
Einige Industriestaaten haben ein allgemeines Präferenzsystem eingeführt, aber ihre Sonderpräferenzen ebenfalls beibehalten. Dies war zu einem
Teil der Fall, weil wir keine Ermächtigung hatten, ein allgemeines Präferenzprogramm für die Entwicklungsländer durchzuführen. Nur mit einer solchen Ermächtigung können wir die schließliche Beseitigung der besonderen
Präferenzvereinbarungen anstreben.
Somit ist ein Gesetz notwendig, das den Präsidenten ermächtigt, ein
temporäres System allgemeiner Zollpräferenzen für alle Entwicklungsländer
einzuführen. Das System könnte eine Reihe importempfindlicher Güter ausschließen, und der Präsident sollte ermächtigt sein, die Präferenz für jedes Land oder Erzeugnis auszusetzen, wenn sich besondere Härten für die amerikanische Industrie ergeben würden. Es sollte ein knapp und klar formuliertes"Wettbewerbserfordernis" geben, durch das die Präferenzen auf solche
Länder beschränkt werden könnten, die diese wirklich brauchen.

+ ++

- 36 -

�' amerika dienst
United
53

States

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T e l :

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13/1973

MILLS FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut der Erklärung vor dem Repräsentantenhaus-

WASHINGTON --(AD)-- Der einflußreiche demokratische Abgeordnete Wilbur
Mills hat am 21. März vor dem Plenum des amerikanischen Repräsentantenhauses eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert und dargelegt,
welche Politik die Vereinigten Staaten seiner Ansicht nach verfolgen sollten. Mills ist Vorsitzender des wichtigen Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der wesentlichen Einfluß auf die amerikanische Handelsgesetzgebung hat.
Die Erklärung des Abgeordneten hat folgenden Wortlaut:
"Zu keinem Zeitpunkt nach dem Kriege ist es für die Vereinigten Staaten dringender gewesen, einen Kurs für den Außenhandel festzulegen. In den
letzten Jahren sind mit dem Entstehen neuer wirtschaftlicher Machtrealitäten Reibungen und Spannungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen
aufgetreten. Es besteht die ernste Gefahr, daß die Bemühungen um ein stabiles, friedliches und zivilisiertes System in der Welt nicht durch Krie-

-1-

�Kriege zwischen alten Feinden, sondern durch Streitigkeiten zwischen alten
Freunden bedroht wird.
Sowohl die Europäische Gemeinschaft als auch Japan sind nahezu auf gleicher Höhe mit den Vereinigten Staaten, was ihre Fähigkeit angeht, ihre internationalen Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Ja, in einigen wesentlichen
Aspekten der internationalen wirtschaftlichen Macht übertreffen beide die Vereinigten Staaten. Die sogenannte freie Weltwirtschaft wird also durch drei
Akteure von nahezu gleicher Stärke beherrscht, und es besteht ein hohes Maß
an potentiellen Konflikten zwischen ihren jeweiligen wirtschaftspolitischen Zie
len. Jedoch haben weder Europa noch Japan bisher die politische Kapazität gezeigt, ihre wirtschaftliche Macht konstruktiv zu nutzen, teilweise deswegen,
weil jeder sich in einer inneren Entwicklung von historischen Dimensionen befindet. Sie können zwar negieren, müssen sich in einer Führungsrolle jedoch
noch beweisen. Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten unsicher hinsichtlich
der Rolle, die sie in einer Welt spielen sollten, die sie nicht länger beherrschen, aus der sie sich aber auch nicht zurückziehen können. Das Ergebnis ist
bisher gleich null.
Die gegenwärtige Stellung relativ gleicher Mächte, von denen jede unsicher hinsichtlich der eigenen Rolle ist und die Ziele verfolgen, welche häufig im Widerspruch zueinanderstehen, ist vielleicht der schwierigste Ausgangspunkt, von dem aus eine dauerhafte und stabile internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden kann. Aber dennoch müssen Anstrengungen dazu gemacht
werden, denn die Alternative könnten schwerwiegende wirtschaftliche Verluste
und ein ernsthafter politischer Zerfall sein.
Noch niemals war es so klar, daß kein einzelnes Land von sich aus eine
Lösung verordnen kann. Und dennoch ist die Rolle, die die Vereinigten Staaten
spielen werden, von entscheidender Bedeutung. Denn trotz des starken Druckes,
sich nach innen zu wenden und sich auf dringliche innenpolitische Probleme

-2-

�f

Probleme zu konzentrieren, ist es doch immer noch die Aufgabe der Vereinigsten Staaten, den Weg in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu weisen.
Wenn die Vereinigten Staaten an eine Lösung herangehen, dann dreht es
sich um drei miteinander zusammenhängende Elemente:
- Erstens brauchen wir eine Politik; wir müssen wissen, welche Ziele
wir verfolgen und wie wir sie erreichen wollen;
- zweitens brauchen wir im Rahmen unserer Verfassung eine Gesetzgebung,
die diese Politik bekräftigt und den Präsidenten in die Lage versetzt, ihre
Verwirklichung anzustreben;
- drittens sind Verhandlungen notwendig, durch die die politischen Ziele im Zuge von Anpassungen der miteinander konkurrierenden Interessen der
Verhandlungsländer verwirklicht werden können.

Die Politik

Es wird allgemein anerkannt, daß das internationale Wirtschaftssystem
reformiert werden muß. Reform bedeutet nicht Revolutionjdas Wirtschaftssystem,
das unmittelbar nach dem Kriege entwickelt wurde, hatte viel lobenswertes.
Die sich ändernde Rolle der Vereinigten Staaten in diesem System sowie die
größere wirtschaftliche Macht Westeuropas und Japans haben jedoch ein Ungleichgewicht geschaffen,sowohl was

die Währungs- als auch die Handels-

politik anbetrifft, das jetzt ausgeglichen werden muß.
Verhandlungen über eine internationale Währungsreform sind bereits im
Gange. Im Gegensatz zu Handelsfragen geht es jedoch bei Währungsverhandlungen
um höchst technische und zum Teil mysteriöse Themen, die nur von Experten

-3-

�Experten beherrscht werden. Beim Handel hingegen geht es auch um politische
Aspekte, weil Handelsfragen Arbeitsplätze sowie Profite der verschiedensten
Interessengruppen bedeuten

und daher politische Entscheidungen mit sich

bringen.
Um eine Politik für die Reform des internationalen Handelssystems zu entwickeln,bedarf es daher einer Entscheidung auf den höchsten politischen Ebenen
der Haupthandelsländer. Das ist bisher noch nicht geschehen.
Über Fragen der Handelspolitik ist in immer stärkerem Maße von Bürokraten aus starren Positionen auf einer ad hoc-Basis verhandelt worden. Es ist
jetzt dringend erforderlich, daß die Haupthandelsländer einen umfassenden Plan
für die Lösung der bereits bestehenden und der sich abzeichnenden Handelsprobleme entwickeln und daß sie zu einer Entscheidung über den Verhandlungsrahmen gelangen, mit dessen Hilfe ein solcher Plan verwirklicht werden kann. Die entscheidenden und detaillierten Handelsverhandlungen sollten ihrer Art nach auf
Gegenseitigkeit beruhen und zu der Annahme einer Reihe von Prinzipien führen,
die allgemein als fair und als die größtmögliche Expansion des internationalen
Handels fördernd akzeptiert werden. Die Verwirklichung dieser Ziele mag vielleicht etwas zu einer Korrektur unserer Handels-und Zahlungsbilanzdefizite
beitragen. Wir sollten uns jedoch darüber im klaren sein, daß es weder realistisch noch wünschenswert ist, die Handelsverhandlungen übermäßig zu belasten. Der Frage des Handelsbilanz- oder des Zahlungsbilanzungleichgewichtes,
das ungeachtet unserer kürzlichen zweiten Abwertung ein ständiges Problem bleiben wird, muß durch eine Reform des internationalen Währungsmechanismus zu
Leibe gegangen werden.

Die

�I

Die Gesetzgebung

Damit die Vereinigten Staaten in der Lage sind, mit größter Effektivität an solchen Verhandlungen teilzunehmen, wird der Präsident den
Kongreß in Kürze um gesetzliche Vollmachten ersuchen. Dieses Ersuchen sollte klar und eindeutig die Art von Vollmachten darlegen, die der Präsident
benötigt, um in Verhandlungen jene Ziele zu erreichen, die nach seiner Auffassung und nach Auffassung des Kongresses im Interesse der Vereinigten
Staaten liegen. In diesem Zusammenhang wäre es nicht produktiv, wollte
die Administration in ihrem Gesetzesentwurf jede Kritik vorwegnehmen,
die der Kongreß möglicherweise an einer solchen Vorlage üben könnte; das
wird sich am besten aus dem normalen legislativen Prozeß ergeben.
So wie ich die Dinge heute sehe, muß in einem solchen Gesetzesprogramm folgendes enthalten sein:

1. Zölle:
Der Präsident sollte die Vollmacht haben, das Problem der Zolldiskriminierung anzupacken, das sich hauptsächlich um die Europäische Gemeinschaft herum ausgebreitet hat. Eine perfekte Lösung des Problems derartiger Diskriminierungen würde erfordern, daß im Laufe von einigen Jahren die
Zölle vollständig abgeschafft werden. Es ist richtig, daß alles, was d a runter bleibt, eine Spanne von Zolldiskriminierungen bestehen lassen würde, die höchstwahrscheinlich Gebiete wichtiger amerikanischer Exportinteressen berühren würde. Es ist ferner richtig, daß im großen und ganzen die
Zölle bereits sehr niedrig sind und eine Abschaffung der meisten Zölle
eine geringere absolute Zollsenkung bedeuten würde, als sie aufgrund bisheriger Zollverhandlungen zustande kamen. Die Frage jedoch, welche Ausnahmen für eine vollständige Abschaffung der Zölle für die amerikanische In-

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�Industrie wirtschaftlich wichtig und von entscheidender Bedeutung wäre,
erfordert eine sorgfältige Prüfung, wenn die Exekutive um eine solche Vollmacht nachsuchen sollte.

2. Nichttarifäre Handelsschranken:
Hier geht es um einen komplexen, weitgespannten Bogen von Regierungsmaßnahmen meist auf der Basis einheimischer gesetzlicher Bestimmungen oder
Verordnungen, die in ihren Auswirkungen auf den Handel heute bedeutsamer
sind als die Zölle. Im Gegensatz zu den Zöllen ist es hier für den Kongreß
außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, im voraus Vollmachten
für Verhandlungen über nichttarifäre Handelsschranken zu erteilen. Trotzdem
braucht die Exekutive eine gewisse Form eines allgemeinen Auftrages vom
Kongreß, um hier sinnvoll verhandeln zu können. Ob dies in der Form geschieht, daß man davon ausgeht, daß bei Verhandlungen, die eine Änderung
amerikanischer gesetzlicher Bestimmungen erfordern, das Ergebnis dieser Verhandlungen der Zustimmung des Kongresses auf einer ad referendum-Basis bedarf, oder in irgendeiner anderen Form, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall
muß dieser Prozeß durch ausreichende und wesentliche Konsultation mit den
zuständigen Kongreßausschüssen sowohl während der Vorbereitung der Verhandlungen als auch während der Verhandlungen selbst erleichtert werden.

3. Landwirtschaft:
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft erfreuen sich die Vereinigten Staaten eines vergleichsweise großen Vorteils. Alle künftigen Verhandlungen
müssen auf diesem Gebiet einen Durchbruch bringen. Wo der Schutz vor Einfuhren in Form von Zöllen geschieht, bedarf es keiner besonderen Vollmacht. Wo
jedoch andere Mittel angewandt werden und wo Agrarverhandlungen gewisse Zu-

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�Zugeständnisse auf Gegenseitigkeit in den Agrarimportrestriktionen der Vereinigten Staaten erfordern, können diese in der gleichen Weise behandelt werden
wie die nichttarifären Handelsschranken.

4. Schutzmaßnahmen:
Eine Gesetzgebung, die der einheimischen Industrie und den einheimischen Arbeitern die Gewähr bietet, daß ernsthaften Schädigungen oder der Gefahr einer ernsthaften Schädigung durch erhöhte Importe rasch begegnet werden
kann, sollte liberalere Schutzbestimmungen enthalten als die. gegenwärtige.
Die Zeitspanne, die für solche Entlastungsmaßnahmen durch Importbeschränkungen notwendig sein mag, hängt von der Zeitspanne ab, die notwendig ist, bis
geeignete wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen greifen» Zu den Maßnahmen, die
ergriffen werden können, gehören höhere Abgaben, Unterstützung bei der Anpassung von Importquoten, freiwillige Exportbeschränkungen oder eine Kombination
dieser Maßnahmen. Die Schutzmaßnahmen der Vereinigten Staaten sind normalerweise auf der Basis der Meistbegünstigungsklausel angewandt worden. Hier sollte für eine Flexibilität gesorgt werden, damit sie gegen bestimmte Länder angewandt werden können, wenn nur ein Land oder nur wenige Länder die Quelle des
Problems sind. Alle anderen großen Handelsnationen wenden eine solche Methode
an.
Das Gesetzeswerk sollte auch Richtlinien für die multilaterale Neuverhandlung der GATT-Regeln über die Anwendung von Schutzmaßnahmen durch einzelne Länder enthalten. Nur zu oft sind die Schutzmaßnahmen in Form von Importbeschränkungen in widersprüchlicher Weise und ohne Rücksicht auf die vereinbarten Normen und Kriterien angewandt worden. Dies führt unausweichlich zu
Verärgerungen und manchmal zu Vergeltungsmaßnahmen. Hier sollte man sich bemühen, einen Schutz auszuhandeln und ein Beschwerde-und Konsultationsverfahren
zu schaffen, in dessen Rahmen Maßnahmen überprüft werden können. Wenn in Übereinstimmung mit diesen Regeln und Verfahren Schutzmaßnahmen angewandt werden,
zu denen normalerweise auch Bestimmungen für geplante Anpassungshilfe und das

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�1

das automatische Auslaufen von Restriktionen gehören würden, wäre es nicht
notwendig, Gegenrestriktionen seitens der betroffenen Lieferländer zu erlauben.

5. Anpassungshilfe:
Arbeitern, die aufgrund erhöhter Importe geschädigt werden oder denen
eine Schädigung droht, sollte eine Anpassungshilfe zur Verfügung stehen, die
ihre Umschulung und ihre Wiedereingliederung auf anderen Arbeitsplätzen erleichtert. Die gegenwärtigen Bestimmungen für die Anpassungshilfe sind unzureichend, da sie ganz und gar veraltete und starre Kriterien für die Qualifikation für eine solche Unterstützung anlegen und weil die Bestimmungen für
die Anpassungshilfe völlig einfallslos angewandt worden sind.

6. Fairer Handel:
Der Kongreß sollte seine Vollmacht und seine Richtlinien für den Präsidenten stärken, unter Beachtung der internationalen Verpflichtungen den Hebel
von Importbeschränkungen gegen Länder anzuwenden, die sich weigern, illegale
oder unvertretbare Importrestriktionen für amerikanische Exporte aufzuheben ,
und die an einer Exportsubventionierung auf den Märkten von Drittländern festhalten. Auch wir selbst sollten uns dieser unfairen und selbstzerstörerischen
Formen des Handels enthalten.

7. Allgemeine Zollpräferenzen für Fertigwaren aus Entwicklungsländern:
Sowohl Präsident Johnson als auch Präsident Nixon haben sich verpflichtet, die Zustimmung des Kongresses zu einem System von Zollpräferenzen für
Entwicklungsländer anzustreben. Diese Verpflichtung gehört zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammen mit anderen Industrieländern. Eine Vollmacht für die
Exekutive, sich an dieser weltweiten Politik zu beteiligen, den Entwicklungs-

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�Entwicklungsländern eine bescheidene Hilfe zu gewähren, ist gerechtfertigt
- unter Berücksichtigung der begrenzten Ausnahmen für bestimmte Erzeugnisse
und eines richtig funktionierenden Schutzmechanismus bei anderen Produkten.
Es wäre jedoch nach meiner Auffassung eine Travestie des Prinzips der
Nichtdiskriminierung im Handel und eine Verhöhnung der Handelshoffnungen der
Entwicklungsländer, wenn die Exekutive diese Vollmacht benutzen würde, während die Europäische Gemeinschaft und Japan an starren und kärglichen Quoten
für bevorzugt klassifizierte Importe aus den Entwicklungsländern festhalten.
In gleicher Weise wäre es für die Vereinigten Staaten eine Travestie des ganzen Prinzips, wenn sie Ländern Zollpräferenzen einräumen würde, die der Europäischen Gemeinschaft oder anderen Industrieländern diskriminierende Gegenpräferenzen einräumen. Die Vereinigten Staaten verlangen von den Entwicklungsländern keine so kleinliche Konzession, und wir erwarten, daß andere wohlhabende und mächtige Handelsnationen ebenfalls nicht auf solchen Forderungen
bestehen werden.

8. Zahlungsbilanzmaßnahmen:
Wir haben in den letzten Jahren schmerzlich die Notwendigkeit für ein
politisches Instrumentarium auf dem Gebiete des Handels erkannt, das notfalls
im Hinblick auf die kritischen Zahlungsbilanzprobleme zum Tragen gebracht werden kann, handelt es sich nun um ein Defizit oder um einen Überschuß. Eine
symmetrische Vollmacht für die Exekutive, eine Importabgabe zu erheben, wenn
die Vereinigten Staaten ein Defizit haben, oder die Zollsätze entsprechend
zu senken,wenn die USA einen Überschuß haben, wird die so sehr benötigte ergänzende Unterstützung für den monetären Anpassungsprozeß darstellen.
Ferner könnte der Kongreß in Erwägung ziehen, die Exekutive zur Erhebung
einer Importabgabe gegenüber einem Land zu ermächtigen, das einen chronischen
Zahlungsbilanzüberschuß hat und nicht die erforderlichen korrektiven Maßnahmen

�Maßnahmen ergreift; von dieser Vollmacht sollte natürlich nur in Übereinstimmung mit Abkommen Gebrauch gemacht werden, die jetzt im Rahmen der Bemühungen um eine internationale Währungsreform ausgehandelt werden.

9. Fristen für bürokratische Verzögerungen:

Schließlich möchte ich noch einen prozeduralen Vorschlag machen, der
allerdings von wesentlicher Bedeutung für die amerikanischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber ist. Der Kongreß sollte vernünftige, aber genaue Fristen für den
Zeitraum setzen, über den die Exekutive verfügen kann, um die erforderlichen
Erhebungen anzustellen und die notwendigen handelsbezüglichen Maßnahmen zu
ergreifen - ob es sich um Importentlastung, Anpassungshilfe, Ausgleichsabgaben, Anti-Dumpingmaßnahmen oder um Verfahren der nationalen Sicherheit handelt.
Wir kennen genug solcher unverantwortlicher Verzögerungen, und der Kongreß
sollte handeln, um diese Hilfestellung zu leisten.
Ich habe hier meine Ansichten zur Handelsgesetzgebung dargelegt in dem
Bemühen, einen konstruktiven Beitrag zu leisten und dieses so sehr benötigte
Gesetzeswerk zu fördern.
Wir müssen unsere Erwägungen auf überparteilicher Basis anstellen. Es
kann damit gerechnet werden, daß der Präsident dem Kongreß in Kürze seine Gesetzesvorlage unterbreiten wird. Ich hoffe, daß sie die Notwendigkeit für unverzügliches Handeln widerspiegelt, dem der Haushaltsausschuß - dessen bin ich
sicher - entsprechen wird."

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13/1973

VOLCKER TRITT FÜR GRUNDLEGENDE REFORM DES INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSSYSTEMS EIN
-AuszügeWASHINGTON --(AD)— Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat erneut die Notwendigkeit einer
grundlegenden Reform des internationalen Währungssystems unterstrichen und
betont, daß mit den jüngsten Wechselkursanpassungen eine solide Ausgangsbasis geschaffen worden ist. Der Staatssekretär nahm am 21. März vor dem
Unterausschuß für Internationale Finanzfragen des US-Repräsentantenhauses
zu der von der Regierung eingebrachten Gesetzesvorlage über die Abwertung
des US-Dollar Stellung. Die wichtigsten Teile der Erklärung des Staatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
"Zwischen den führenden Industriestaaten ist weitgehende Übereinstimmung über eine gemeinsame Initiative erreicht worden mit dem Ziele, ein
geregeltes Wechselkurssystem zu gewährleisten, spekulativen Störungen zu
begegnen und zu einer schnelleren grundlegenden Reform des internationalen
Währungssystems beizutragen
Die Teilnehmer an den während der letzten Wochen abgehaltenen Konferenzen mußten praktisch von der Zusammenarbeit und der Übereinstimmung bei dem
gemeinsamen Vorgehen beeindruckt sein.
Natürlich

�Natürlich bleibt noch viel zu tun übrig, um einen reibungslosen Übergang
zu einem dauerhaften und befriedigenden Währungssystem für die Zukunft sicherzustellen. Ich glaube jedoch, daß eine solide Basis geschaffen ist, die zu
Optimismus berechtigt. Der Druck der letzten Wochen hat meines Erachtens mit
dazu beigetragen, den Fortschritt in Richtung auf jene Kombination von Flexibilität und Stabilität in unseren Währungsvereinbarungen zu beschleunigen, die
in unser aller Interesse ist.
Die tatsächlichen Wechselkurse auf dem Devisenmarkt haben sich in der
letzten Woche größtenteils nicht sehr verändert. Ja, am Montag und Dienstag
blieb der Wechselkurs des Dollar gegenüber den anderen führenden Währungen in
einer Bandbreite von 2 1/4 Prozent beiderseits der Parität oder der Leitkurse,
die nach Bekanntgabe unserer beabsichtigten Abwertung festgelegt worden waren
(wobei der anschließend von Deutschland bekanntgegebenen weiteren kleinen
Aufwertung Rechnung getragen wurde). Diese Reaktion der Märkte entspricht,
solange die führenden Länder sich einer Intervention auf den Dollarmärkten
zur Stützung ihrer Parität oder ihrer Leitkurse enthalten, der von uns und
anderen vertretenen Auffassung, daß das aufgrund unserer Abwertung geschaffene
Wechselkurssystem im großen und ganzen angemessen und realistisch ist.
Ganz gewiß aber ändern die Ereignisse der letzten beiden Wochen in keiner
Weise unsere Auffassung über die Richtigkeit der Wechselkursneufestsetzung,
die der vorgeschlagenen Dollarabwertung voranging. Ich hoffe, der Kongreß wird
die erforderlichen Beschlüsse zu diesem Gesetz mit der angemessenen Schnelligkeit fassen." (Ende Auszüge Erklärung) .
Auf die Frage von Abgeordneten, welche Form monetäre Interventionen künftig annehmen könnten, erklärte Volcker: " Ich kann mich hierzu nicht sehr detailliert äußern... Ganz allgemein ist man der Auffassung, daß wir an geordneten Märkten interessiert sind, daß wir an der Stabilität der Märkte interessiert
sind. Aber welche Taktik eingeschlagen werden sollte, um dies am besten zu
fördern, hängt meines Erachtens von der Beurteilung der Marktverhältnisse und

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�und der jeweiligen Situation im Verlauf der Entwicklung ab. Ich möchte keine
präzisen Richtlinien, Ziele oder Hinweise geben, wie wir auf bestimmte Gegebenheiten reagieren könnten."
Gleichzeitig versicherte der Staatssekretär, daß die Vereinigten Staaten keine geheimen Absprachen, weder mündlich noch schriftlich, darüber eingegangen seien, unter welchen Umständen eine Intervention stattfinden könnte. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, bestehe ganz allgemein zwischen den
Ländern Übereinstimmung über die Notwendigkeit, die Reform des Währungssystems zu beschleunigen. Nicht dagegen bestehe Übereinstimmung bei den spezifischen Fragen wie kurzfristige Kapitalflüsse, die Ausstattung oder Konsolidierung der Reservebestände anderer Länder, das Funktionieren des Wechselkurssystems, die Durchführung von Veränderungen oder andere Elemente eines
Anpassungsprozesses. Der entscheidende Punkt sei nach wie vor, eine Einigung über die Festlegung der Regeln eines Anpassungsprozesses zu erreichen.
Auf Handelsfragen eingehend betonte Volcker, daß "echte Fortschritte"
beim Abbau der japanischen Handelsbeschränkungen erzielt worden sind. Bei
den europäischen Ländern und Kanada sei dieser Fortschritt weniger konkret.
Für die künftigen Handelsverhandlungen werde die Art, wie der US-Kongreß das
kommende Handelsgesetz berate, von entscheidender Bedeutung sein.
Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve Board (US-Notenbank),
Arthur Burns, wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß die 14 auf den beiden
Pariser Konferenzen vertretenen Länder eine Zusammenarbeit vereinbart haben, um zu starke Wechselkursschwankungen zu verhindern und zur Erhaltung
geordneter Märkte beizutragen. Die amerikanische Delegation, so fuhr Burns
fort, habe dies ebenfalls zugesagt, aber gleichzeitig klar gestellt, "daß
wir bestimmen werden, wann wir intervenieren werden und in welchem Umfang,
und daß wir dies nur nach Konsultationen mit Vertretern der Zentralbanken
der anderen Länder tun werden."

Die USA seien nicht verpflichtet, irgend-

einen bestimmten Wechselkurs oder Systeme von Wechselkursen zu verteidigen

-3-

�verteidigen oder zu ihrer Verteidigung beizutragen.
Auf die Frage, ob andere Länder immer noch vom Dollar abhängig seien,
sagte Burns: "Der Dollar ist immer noch bei weitem die wichtigste internationale Währung. Allerdings ist dies nicht mehr ganz so stark der Fall wie vor
zwei Monaten. Die Deutsche Mark ist in gewissem Maße zu einer Reservewährung
geworden."
Burns gab weiter seiner Zuversicht Ausdruck, daß der amerikanische Plan
für eine Reform des internationalen Währungssystems "als fair und gesund anerkannt werden wird. "

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13/1973

WASHINGTONER WÄHRUNGSKONFERENZ BRACHTE WACHSENDE ÜBEREINSTIMMUNG
Von Eugene Brake
WASHINGTON .-(AD)— Die soeben beendete Tagung des Zwanziger-Ausschusses
in Washington brachte eine zunehmende Annäherung der Ansichten über eine
Reform des internationalen Währungssystems.
Dies zeigt das zum Abschluß der Beratungen der Finanzminister veröffentlichte Kommunique, in dem wichtige Prinzipien für die künftige Arbeit
niedergelegt sind. Der Vorsitzende des Ausschusses, der indonesische Finanzminister Ali Wardhana, vertrat auf einer anschließenden Pressekonferenz sogar die Auffassung, daß diese Prinzipien die "Hauptelemente" der kommenden
Reform des internationalen Währungssystems bilden werden. Trotzdem bestehen in einigen wichtigen Fragen auch weiterhin Meinungsverschiedenheiten.
Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, betonte ausdrücklich, daß die in dem Kommunique aufgeführten Prinzipien durchaus mit den von dem amerikanischen Finanzminister George Shultz
auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im vergangenen
September unterbreiteten Vorschläge zu vereinbaren seien. Allerdings, so
fügte der Staatssekretär hinzu, bedeute dies nicht, daß die anderen dem
Zwanziger-Ausschub angehörenden Finanzminister und Zentralbankpräsidenten
nun ebenfalls mit allen Aspekten der amerikanischen Vorschlägen übereinstimmten .
Das

-1-

�Das Kommunique unterstreicht die Auffassung der Ausschußmitglieder,
daß das neue Währungssystem besseres leisten müsse als das alte und daß vor
allem der Anpassungsprozeß besser funktionieren müsse. Dabei sollten angemessene Methoden rechtzeitige und wirksame Zahlungsbilanzanpassungen sowohl
bei Überschuß-wie bei Defizitländern gewährleisten, und dies sollte durch
verbesserte internationale Konsultationen im Rahmen des IWF sowie die Verwendung objektiver Indikatoren erleichtert werden.
Die Verwendung "objektiver Indikatoren" - eine oder mehrere von den
Volkswirtschaftlern als allgemein gültig betrachtete statistische Reihen -,
die die Notwendigkeit von Maßnahmen seitens der Regierung zur Korrektur von
Zahlungsbilanzüberschüssen oder Defiziten anzeigen sollen, bildete einen
der Hauptpunkte des amerikanischen Vorschlages. Über die Art der objektiven
Indikatoren, die verwandt werden sollen, ist allerdings in Washington noch
keine Einigung erzielt worden.
Die Vereinigten Staaten hatten zum Beispiel im vergangenen September
vorgeschlagen, daß Veränderungen der Währungsreserven eines Landes den besten
Indikator darstellten, der auch laufend beobachtet werden könne. Andere
Länder hatten dagegen andere Indikatoren vorgeschlagen. So werden sich die
Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses jetzt in einer besonderen Studie
mit dieser Frage befassen.
Obwohl Übereinstimmung darüber besteht, daß die Wechselkurse flexibler
als unter dem alten System von Bretton Woods sein

sollten, sind die meisten

Länder nicht bereit, ein ständiges System floatender Wechselkurse zu akzeptieren, bei dem der Wert der Währungen entsprechend den Marktkräften nach
oben oder unten schwanken könnte. Die meisten großen Währungen floaten gegenwärtig, aber die Minister haben auf ihrer Washingtoner Tagung vereinbart,
daß die langfristige Reform des internationalen Währungssystems "auf stabilen aber anpassbaren Paritäten" basieren sollte.
Allerdings

�.»

Allerdings wurde anerkannt, daß das Floaten der Wechselkurse in besonderen Situationen eine nützliche Technik darstellt. Die Frage jedoch,
eine wie große Rolle das Floaten künftig spielen darf, gehörte zu den Punkten, über die weiterhin unterschiedliche Meinungen bestehen. Staatssekretär
Volcker faßte dies so zusammen, allgemein werde erwartet, daß die meisten
Länder nach dem neuen System wahrscheinlich die meiste Zeit einen festen
Wechselkurs haben würden. Diese Wechselkurse würden jedoch nicht mehr so
enge Bandbreiten haben wie unter dem System von Bretton Woods, sondern es
würden wahrscheinlich größere Schwankungen möglich sein.
Nach Ansicht Volckers ist das gegenwärtige Floaten eine gute Möglichkeit für die augenblickliche Situation, doch brachten, wie der Staatssekretär betonte, die derzeitigen Vereinbarungen keineswegs eine umfassende Lösung des Problems einer Reform des Internationalen Währungssystems

Die

Dringlichkeit, mit dieser Aufgabe voranzukommen, werde dadurch keineswegs
verringert. Das Kommunique bedeute, was das Anpassungsproblem und den Anpassungsprozeß betrifft, einen gewissen Fortschritt, doch seien wichtige
Einzelheiten noch zu regeln.
Eine weitere noch offen bleibende wichtige Frage betrifft die zu ergreifenden Maßnahmen hinsichtlich der kurzfristigen Kapitalflüsse sowie der
von Land zu Land vagabundierenden Spekulationsgelder. Nach Ansicht Volckers
gibt es auch hier keine Zauberformel, vielmehr soll auch diese Frage in
einer zweiten Studie der Stellvertreter eingehend untersucht werden.
Der Vorsitzende des Stellvertreterausschusses, Jeremy Morse, teilte in
diesem Zusammenhang mit, daß die Stellvertreter vom 21. bis 25, Mai zu
ihrer bisher längsten Sitzung in Washington! zusammenkommen werden, um die
Studien zu überprüfen, die jetzt in Auftrag gegeben worden sind, Anschliessend soll in großen Umrissen ein erster Entwurf des Vorgeschlagepen neuen
internationalen Währungssystems erörtert werden. Gleichzeitig wollen sich

3-

�sich die Stellvertreter aber auf dieser Sitzung auch mit den besonderen Interessen der Entwicklungsländer befassen.
Wie Staatssekretär Volcker auf einer Pressekonferenz nach Abschluß der
Washingtoner Tagung betont hat,

ist in den Beratungen der Minister manches

erreicht worden. Vor allem sei klargestellt worden, wie weiter vorgegangen
werden soll. Doch seien noch lange nicht alle schwierigen Fragen geklärt worden.

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13/1973

US-KOMMISSION EMPFIEHLT NEUE KONZEPTIONEN FÜR DIE SUCHTBEKÄMPFUNG
Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang
vor Bestrafung haben

- (AD) - Die amerikanische "National Commission on Marijuana and Drug
Abuse", eine 1970 vom US-Kongreß geschaffene überparteiliche Kommission zur
Untersuchung des Drogenproblems, appelliert in ihrem jetzt veröffentlichten
zweiten Bericht an die Bevölkerung

der USA, bei der Bekämpfung der Drogen-

abhängigkeit nach neuen Wegen zu suchen. Die Nation sollte, wie es in der 481
Seiten umfassenden Studie heißt, "eine andere Einstellung zu Drogen und Drogenpolitik" entwickeln. Vor allem müßten Behandlung und Rehabilitation Vorrang
vor Bestrafung haben. Mehr als 100 Punkte wurden besonders herausgearbeitet,
um Behörden und privaten Stellen spezielle Maßnahmen zu empfehlen.

Die "Drogenkommission", wie der Ausschuß meist kurz genannt wird, fordert
die Schaffung einer unabhängigen Behörde auf Bundesebene, die für alle Programme auf dem Gebiet Drogen und Suchtbekämpfung verantwortlich sein soll.
Polizeiliche und juristische Maßnahmen würden ebenso unter ihre Kompetenz
fallen wie Vorbeugung, Aufklärung und Erziehung, ebenso Forschung, die Behandlung von Drogenabhängigen sowie die Beurteilung der Wirksamkeit einzelner
Programme. Allerdings solle die Tätigkeit der dem Präsidenten direkt zu unterstellenden Behörde zeitlich begrenzt, d.h. auf fünf Jahre befristet werden.
Die

- I -

�Die Drogenkommission, die unter der Leitung von Raymond P. Shafer (ehemaliger Gouverneur von Pennsylvanien) steht, zählt 13 Mitglieder. Neun von
ihnen wurden 1970 von Präsident Nixon ernannt, zwei vom Senat, zwei vom
Repräsentantenhaus. Zwei der 13 Vertreter des Ausschusses stimmten allerdings
gegen die Einrichtung der "Superbehörde", weil für die von Präsident Nixon
vor einem Jahr geschaffene Aktionszent.

fegen den Drogenmißbrauch "die Zeit

noch zu kurz war, um ihre Effektivität unter Beweis zu stellen". Sie soll in
erster Linie koordinieren, um Überschneidungen bei den verschiedenen Behandlungsprogrammen auszuschalten.

Das Weiße Haus, das sich zu dem neuen Bericht noch nicht direkt äußerte,
ließ verlauten, daß Präsident Nixon die Zuständigkeit für alle Vollzugsprogramme der Regierung gegen den Drogenmißbrauch in einer einzigen Stelle im
Justizministerium vereinigt sehen möchte.
Raymond Shafer warnt davor, sich mehr oder weniger auf die Strafgesetze
zu verlassen,um einer mißbräuchlichen Anwendung von Drogen und Narkotika vorzubeugen. "In den Augen von Drogenabhängigen", so heißt es in dem Bericht,
"ist die Strafjustiz ausschließlich deshalb gerechtfertigt, weil sie einen
Mechanismus zur Eingliederung in ein Behandlungssystem öffnet."

In den Untersuchungen zu ihrem vorjährigen Bericht hatte sich die Kommission auf Marihuana beschränkt und empfohlen, den privaten Besitz von
Marihuana für den persönlichen Gebrauch nicht unter Strafe zu stellen. Statt
dessen sollte der Gebrauch der Droge allgemein durch eine "Politik der Entmutigung" eingedämmt werden. Im diesjährigen Bericht wird der Vorschlag in
bezug auf Marihuana wiederholt und gleichzeitig empfohlen, den illegalen Besitz anderer Drogen auch künftig zu verbieten. Die Kommission hebt hervor,
daß Marihuana keine "physische Abhängigkeit" hervorrufe oder gewalttätig
mache, jedoch sowohl das Sehvermögen als auch die Reaktionsfähigkeit beeinträchtige und deshalb

z.B. die Verkehrstüchtigkeit des Autofahrers einschränke.

Während

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�Während für Rauschgifthändler, insbesondere diejenigen, die Heroin,
Kokain und andere "harte Drogen" vertreiben,auch nach Ansicht der Drogenkommission harte Strafen angebracht seien, habe die Kriminalität von Personen, die Drogen nehmen, damit in vielen Fällen nichts zu tun. Viel häufiger
sei Alkohol, nicht Heroin, für Gewalttaten für Unfälle und den Tod auf der
Straße verantwortlich zu machsn.

Drogenprobleme können aus dem Gebrauch oder dem Mißbrauch von Heroin,
Kokain, Barbituraten, Marihuana, Amphetaminen, Tabak und Alkohol entstehen.
Die beiden letztgenannten gelten im allgemeinen gar nicht als Narkotika, obgleich die Abhängigkeit vom Alkohol "heute das ernsteste Drogenproblem im
Lande" sei. Der Drogenkonsum sei, wie die Kommission meint, nur eines der Probleme im Gefolge von Armut, dem Verfall der Städte, Schwierigkeiten zur persönlichen Entfaltung, Fluchtreaktionen, Langeweile, Apathie und anderen Faktoren, die gesellschaftsfeindliches und asoziales Verhalten beeinflussen. Auf
ihren Studien im Ausland - die Kommission bereiste 36 Länder - habe sie festgestellt, daß Drogengebrauch, davon geprägtes Verhalten und Drogenabhängigkeit
überall zu finden seien; in keinem Land und keinem Teil der Welt gebe es
Immunität dagegen.

Der Begriff "Drogenmißbrauch" sollte dem Bericht zufolge nicht verwendet
werden, weil er unpräzise sei. Statt dessen sollten Öffentlichkeit und Politiker
die relativen Gefahren und sozialen Konsequenzen mehr herausstellen, die sich
aus dem Gebrauch der verschiedenen Drogen ergeben. Die amerikanischen Bundesstaaten sollten ihre zur Drogen- und Suchtbekämpfung eingerichteten Behörden
einheitlich an dem vorgeschlagenen Modell der Bundesregierung orientieren.
"Anstatt Geldmittel und Anstrengungen auf die Überredung oder Erziehung der
Menschen zum Nichtgebrauch von Drogen zu konzentrieren, sollte man bei den vorbeugenden Maßnahmen andere Wege in den Vordergrund stellen - Wege, die zu der
Befriedigung führen, welche der einzelne sich von Drogen erhofft, die aber
besser für ihn selbst und besser für die Gesellschaft sind. Ziel der Vorbeugungspolitik sollte sein, bessere Verhältnisse zu schaffen und dem einzelnen
das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um mit den Problemen des Lebens, insbe-

- 3-

�insbesondere mit den Problemen und Sorgen des Heranwachsenden, fertig zu
werden. Informations- und Aufklärungsschriften über Drogen und die Nachteile
ihres Gebrauchs sollten in allgemeinere Programme eingefügt werden." Die Kommission verlangt die Einstellung jeglicher Werbung für Drogen wie Sedativa,
Tranquillantien und Stimulantien, und eine Kennzeichnung der Gefährlichkeit
alkoholischer Getränke durch die Herstellerindustrie.

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13/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE FORSCHUNGSPROGRAMME

--(AD)-- Auf ihrer ersten Konferenz (19.-21. März 1973 in Washington) nach
der Unterzeichnung des Abkommens über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR durch Präsident Nixon 1972 in Moskau
einigten sich die Mitglieder der "gemeinsamen Kommission" beider Länder auf
zunächst 25 Forschungsvorhaben. Diese verteilen sich auf die Sektoren Energie,
Computeranwendung, Agrarforschung, mikrobiologische Synthese, chemische Katalyse und Wasserwirtschaft. Leiter der US-Delegation war Dr. H. Guyford
Stever, der Direktor der "Nationalen Wissenschaftsstiftung" (NSF), der
gleichzeitig den Vorsitz in der gemeinsamen Kommission führte; die Leitung
der sowjetischen Delegation hatte V. A. Trapesnikow vom Staatskomitee für
Wissenschaft und Technik in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden dieses Ausschusses, V.A.Kirillin, übernommen.
Aufgrund der Untersuchungsberichte und Empfehlungen der aus amerikanischen und sowjetischen Fachleuten gebildeten Arbeitsgruppen sollen auf dem
Gebiet "Energie" folgende Forschungs-und Entwicklungsprojekte mit Vorrang behandelt werden: Systeme und Leitungen für Kraftstrom, Magnetohydrodynamik,
Sonnenenergie und geothemische Energie. Nach erfolgreichem Anlaufen dieser
Programme will man weitere Projekte auswählen.
Für

-l-

�i
Für die Anwendung von Computern in Wirtschaft und Industrie empfahl die
Kommission fünf Projekte, die vorrangig zu behandeln seien. Auf dem Gebiet der
landwirtschaftlichen Forschung interessieren Samen-und Pflanzenzucht sowie
Schädlingsbekämpfung und andere Schutzmaßnahmen, Verfahren zur Steigerung der
Produktion von Schlachtvieh und Geflügel und Mechanisierungsverfahren. Über
die mikrobiologischen Studienprogramme soll erst nach dem Besuch einer
amerikanischen

Expertengruppe in der Sowjetunion entschieden werden,

während man sich für das Gebiet der chemischen Katalyse bereits auf fünf Projekte einigen konnte.
Auf der ersten Konferenz des gemeinsamen Komitees wurden außerdem Einzelheiten zur Beteiligung der Sowjetunion am Projekt DSDP (Deep Sea Drilling
Project - Tiefbohrungen auf hoher See zur Sondierung der Erdkruste) erörtert.
Das amerikanische Forschungsschiff GLOMAR CHALLENGER, das noch bei 6 000 m
,

Wassertiefe mit einer Bohrsonde Hunderte von Metern tief in den Meeresboden
vordringen kann, hat im Rahmen dieses für die Erforschung der Erdgeschichte
so wichtigen Unternehmens bereits unzählige Daten sammeln können.
Auch auf den Gebieten Forstwissenschaft, Technische Normen und Prüfbedingungen, Verkehrswesen, Meeresforschung, Physik und Elektrometallurgie
wollen die beiden Staaten künftig enger zusammenarbeiten. Das gleiche gilt für
den Sektor Wissenschaftspolitik im allgemeinen und für die Vorbereitung eines
Symposiums über wissenschaftliche und technische Informationen. Die nächste
Konferenz soll Ende 1973 stattfinden; der genaue Termin steht noch nicht
fest.

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13/1973

GROSSTÄDTER ATMEN ZU VIEL KOHLENMONOXID EIN
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

--(AD)-- In den unteren Etagen von Wohn-und Bürohäusern, die an verkehrsreichen Straßen liegen und keine zentrale Klimaanlage haben, müssen die
Menschen fast ebenso viel Kohlenmonoxid einatmen wie die Fußgänger draußen.
Das geht aus Untersuchungen hervor, die die US-Behörde für Umweltschutz (EPA)
durch die General Electric Company in New York durchführen ließ. Die Studie
war in Auftrag gegeben worden, um angesichts der immer zahlreicheren Projekte
in Großstädten, durch Überbauen von Verkehrsstraßen zusätzlichen Raum für
Schulen, Büro-und Wohnhäuser zu gewinnen, die Frage zu klären, ob und inwieweit eine solche Bauweise die Gesundheit der Bewohner gefährdet.
Die Wissenschaftler von General Electric wählten für die Untersuchungen
einen Alt-und einen Neubau ohne zentrale Belüftungsanlage an Stellen aus, wo
mit hoher Kohlenmonoxid-Konzentration gerechnet werden muß: Die eine Meßstation war ein 19stöckiges Bürohaus an einer der engen Straßenschluchten
von Manhattan, die zweite ein als Apartmenthaus gebauter Wolkenkratzer, der
eine Zufahrt zur George-Washington-.Brücke überspannt.
Obgleich

�Obgleich der Verkehr an der Autobahn-Zufahrt mit ca. 150 000 Fahrzeugen pro Tag 15 bis 20 Mal dichter ist als in der 40. Straße in Manhattan,
wurden in dem betreffenden Wohnhochhaus geringere Kohlenmonoxid-Konzentrationen als in Manhattan gemessen. Sie überschritten (jeweils in der zweiten
Etage) die in den USA bundesweit gültigen Maximalwerte während der Heizperiode um 23 Prozent, außerhalb der Heizperiode um 15 Prozent; die entsprechendenprozentualen Angaben für das Bürohochhaus in Manhattan lagen bei 47 und 33
Prozent.
Infolge eines "Schornsteineffektes", durch den erwärmte Luft in die
Höhe steigt und kältere, verschmutzte Luft von draußen angesogen wird, ist
die Kohlenmonoxid-Konzentration während der Heizperiode größer. Dies macht
sich, wie die Messungen im Wohnhochhaus in der kalten Jahreszeit ergaben,
nicht nur in den unteren Etagen bemerkbar. Noch im 31. Stock wurden in der
Heizperiode 19,7 Prozent mehr Kohlenmonoxid ermittelt, als den zulässigen
Maximalwerten entspricht. Da es in der Straßenschlucht der 40. Straße in
Manhattan - im Gegensatz zum Standort des Wohnhochhauses - nur wenig Luftbewegung gibt, stauen sich dort die Kohlenmonoxid-Schwaden, was bewirkt, daß
auch innerhalb des Gebäudes höhere CO-Konzentrationen vorhanden sind.

Die

Meßergebnisse für andere Verunreinigungen wie Kohlenwasserstoffe, Staub und
Bleipartikel sind in dem Bericht "Indoor-Outdoor Carbon Monoxide Pollution
Study", der bei der EPA vorliegt, gesondert behandelt.
Die Verfasser des Berichts schlagen u.a. vor, Neubauten an und über
verkehrsreichen Straßen nur mit zentraler Belüftung zu erstellen, um die
Raumluft gegen das Eindringen von Kohlenmonoxid von der Straße abzuschirmen.
Außerdem sollte genügend Freiraum um die Gebäude vorhanden sein, damit der
Wind die Schadstoffe rascher verdünnt. Und schließlich sollten Kohlenmonoxid"Fallen" wie Aufzugschächte oder unterirdische Garagen mit besonders leistungsfähigen Ventilationssystemen ausgestattet werden.

In

�In diesem Zusammenhang ist eine weitere Studie von Interesse, die Dr.
Richard Stewart vom "Medical College" der Universität Wisconsin mit zahlreichen Mitarbeitern zu der Frage möglicher Kombinationseffekte von Rauchen
und Luftverschmutzung durchführte. Sie stützt sich auf den CO-Spiegel im Blut.
Von Tausenden von Bürgern in 18 amerikanischen Großstädten und deren Vororten wurden zu diesem Zweck drei Jahre lang Blutproben untersucht.
Die freiwilligen Versuchspersonen wurden in zwei große Gruppen - Raucher
und Nichtraucher - eingeteilt. Bei den Blutanalysen zeigte sich nun, daß
die in Großstädten und in deren unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Raucher
einen besonders hohen Kohlenmonoxid-Spiegel haben. Das Rauchen hat offenbar
einen kumulierenden Effekt für diesen Schadstoff in einem an sich schon durch
Verschmutzung geschädigten Milieu. Deshalb wäre nach Meinung Dr. Stewarts
das Wohnen und Arbeiten in der Großstadt allein schon ein Grund, das Rauchen
aufzugeben.
Auch für die Nichtraucher war der Befund nicht gerade ermutigend. Bei
50 Prozent lagen die Kohlenmonoxid-Werte an der oberen Grenze der noch erträglichen Konzentration, bei der anderen Hälfte darüber. Die Auswirkungen
dieser permanenten Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Gewebes sind
zwar

schwer zu übersehen, führen aber in vielen Fällen sicherlich zu einer

Verschlimmerung bereits bestehender Leiden. Dr. Stewart berichtete Anfang
März 1973 in Washington vor der Nationalkonferenz des "Coordinating Research
Council", einer aus Industrie-und Regierungsvertretern gebildeten Arbeitsgruppe für Probleme der Luftverschmutzung in den USA,über die Ergebnisse seiner Untersuchungen.
+-H-

-3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Jahresbericht des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Begleitschreiben Präsident Nixons an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mills fordert Reform des internationalen Handelssystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung vor dem Repräsentantenhaus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker tritt für grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washingtoner Währungskonferenz brachte wachsende Übereinstimmung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Kommission empfiehlt neue Konzeptionen für die Suchtbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang vor Bestrafung haben -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Forschungsprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großstädter atmen zu viel Kohlenmonoxid ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</text>
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4. A p r i l 1973

14

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rundfunk-und Fernsehansprache Präsident Nixons vom 29, März
-WortlautDas amerikanisch-vietnamesische Kommunique vom 3. April
-Wortlaut-

INFORMATION:
Nixon wünscht Straffung der Anti-Rauschgift-Maßnahmen

WIRTSCHAFT:
Die Atlantische Gemeinschaft im Jahre 1973
Von Botschafter Martin J. Hillenbrand
Internationale Wechselkurse unter neuen Perspektiven
Von Eugene Brake

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Boten zu fremden Planeten
-PIONIER-Start Auftakt zu neuen Forschungsprojekten der NASANeues Verfahren zur Aluminiumgewinnung
Ausstellungen: Mikrowellen- Bauteile und Geräte

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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14/1973

RUNDFUNK- UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT NIXONS VOM 29. MÄRZ
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am Abend des 29. März in einer
Rundfunk- und Fernsehansprache zu einer Reihe außen- wie innenpolitischer
Fragen Stellung genommen. Insbesondere befaßte er sich mit der Beendigung des
amerikanischen Engagements in Vietnam, mit der Sicherung des Friedens in der
Welt sowie mit der Bekämpfung der Inflation in den USA.

Die Rede Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:

"Als ich vor vier Jahren und zwei Monaten das Amt des Präsidenten übernahm, war das schwierigste Problem, vor dem sich die Nation sah, der scheinbar
endlose Krieg in Vietnam. Damals befanden sich 550 000 amerikanische Soldaten
in Vietnam. Etwa 300 Soldaten fanden wöchentlich im Einsatz den Tod. Hunderte
wurden als Kriegsgefangene in Nordvietnam festgehalten. Bei den Friedensverhandlungen gab es keinen Fortschritt.

Ich leitete sofort ein Programm ein, um den Krieg zu beenden und einen
ehrenhaften Frieden zu erlangen.

Elf Mal habe ich in den vergangenen vier Jahren der Nation aus diesem
Raum über die Fortschritte berichtet, die wir in Richtung auf dieses Ziel erreicht hatten. Heute ist der Tag gekommen, für den wir alle gearbeitet und
gebeten haben.
Zum
- 1 -

�Zum ersten Mal innerhalb von zwölf Jahren sind keine amerikanischen
Streitkräfte mehr in Vietnam stationiert. Alle amerikanischen Kriegsgefangenen
befinden sich jetzt auf ihrem Weg nach Hause. Die 17 Millionen Menschen in
Südvietnam haben das Recht, ohne Einmischung von außen ihre eigene Regierung
zu wählen. Aufgrund unseres Vietnamisierungsprogramms haben sie die Stärke,
dieses Recht zu verteidigen. Wir haben verhindert, daß Südvietnam mit Gewalt
eine kommunistische Regierung aufgezwungen wird.

Es gibt immer noch einige Problemgebiete. Die Bestimmungen des Abkommens,
das Angaben über alle im Einsatz in Indochina Vermißten verlangt, die Bestimmungen in bezug auf Laos und Kambodscha sowie die Bestimmungen, die eine
Infiltration aus Nordvietnam nach Südvietnam untersagen, sind nicht eingehalten
worden. Wir haben das Abkommen eingehalten und werden das auch weiterhin tun.
Wir werden darauf dringen, daß Nordvietnam sich an das Abkommen hält. Die
Führer Nordvietnams sollten sich keinem Zweifel hinsichtlich der Konsequenzen
hingeben, wenn sie sich nicht an das Abkommen halten.

Aber trotz dieser Schwierigkeiten können wir stolz darüber sein, daß wir
unser Ziel erreicht haben, nämlich ein Abkommen, das einen ehrenhaften Frieden
in Vietnam bietet.

Lassen Sie uns an diesem Tag alle diejenigen ehren, die dies möglich
machten, jene, die ihr Leben opferten; jene, die körperliche Schäden davongetragen haben; jene, die alle von uns stolz sein ließen, Amerikaner zu sein,
als sie nach jahrelanger kommunistischer Gefangenschaft zurückkehrten, und
jeden einzelnen der zweieinhalb Millionen Amerikaner, die in dem längsten
Krieg unseres Landes ehrenvoll gedient haben. Niemals zuvor haben Soldaten mit
größerem Einsatz im Ausland mit offenbar weniger Unterstützung in der Heimat
gedient.

Wollen wir dafür sorgen, daß diese Männer die Veteranenvergünstigungen
und die Arbeitsmöglichkeiten erhalten, die sie verdient haben. Laßt uns sie
mit dem Respekt ehren, den sie verdienen. Und ich erkläre heute abend erneut:

- 2-

�erneut: Wir dürfen jene, die ihrem Lande gedient haben, nicht dadurch entehren, daß wir denjenigen Amnestie gewähren, die Amerika im Stich gelassen
haben.

Ich möchte heute abend auch den anderen amerikanischen Bürgern Dank sagen,
die den heutigen Tag ermöglicht haben. Damit meine ich Sie, die große Mehrheit
der Amerikaner, die mir heute zuhören - Sie, die trotz einer noch nie dagewesenen
Welle der Kritik seitens einer kleinen, aber lautstarken Minderheit standhaft
für einen Frieden in Ehren eintraten. Ich weiß, dies war nicht leicht für Sie.

Wir haben gemeinsam einige Schwierigkeiten durchstehen müssen. Ich denke
an die Zeit im November 1969, als hunderttausende von Demonstranten zum Weißen
Haus marschierten; an die Zeit im April 1970, als ich es für notwendig erachtete, Angriffe auf die kommunistischen Stützpunkte in Kambodscha anzuordnen;
an die Zeit im Mai 1972, als ich die Verminung Haiphongs sowie die Luftangriffe
auf militärische Ziele in Nordvietnam befahl, um die massive kommunistische
Invasion nach Südvietnam zu stoppen. Und ich denke an die vielleicht schwerste
Entscheidung, die ich als Präsident am 18. Dezember 1972 zu treffen hatte, als
unsere Hoffnungen auf Frieden so groß waren und die Nordvietnamesen alle Bemühungen am Konferenztisch blockierten. Damals hielt ich es für notwendig,
weitere Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam anzuordnen, um
den toten Punkt zu überwinden.

Bei allen diesen Gelegenheiten waren die Stimmen der Opposition, die wir
hier in Washington hörten, so laut, daß es zeitweise schien, sie repräsentierten
die Mehrheit. Aber überall in Amerika blieb die überwältigende Mehrheit standhaft gegenüber jenen, die den Frieden um jeden Preis wollten - selbst wenn
dieser Preis die Niederlage und die Demütigung der Vereinigten Staaten gewesen
wäre.

Weil sie standhaft für das eintraten, was richtig war, konnte Oberst
McKnight bei seiner Rückkehr im Namen der amerikanischen Gefangenen sagen:
Ich danke Ihnen dafür, daß wir aufrecht, statt auf Knien in die Heimat zurückkehren können.

_ ^,
Inflation

�Inflation

Ich möchte mich jetzt einigen der Probleme im Inland zuwenden. Heute
abend bitte ich Sie um Ihre Unterstützung in einem anderen Kampf. Wir können
dankbar sein, daß es sich hier nicht um einen Kampf in einem Krieg irgendwo
im Ausland handelt; es handelt sich jedoch um einen Kampf, den wir gewinnen
müssen, wenn wir in unserem Lande neuen Wohlstand ohne Krieg und ohne Inflation schaffen wollen.
Was ich hier meine, ist der Kampf

um

den Haushalt; nicht nur den

Kampf um den Bundeshaushalt, sondern es gent, was weit wichtiger ist, um Ihr
Haushaltsgeld - den Familienhaushalt in jedem amerikanischen Heim.

Zu den schlimmsten Kosten dieses Krieges gehören die Preiserhöhungen.
Die Lebenshaltungskosten sind stets in und nach jedem Krieg, an dem wir teilgenommen haben, steil nach oben gestiegen. Wir haben diese Gefahr vor vier
Jahren erkannt und nachdrückliche Maßnahmen zu ihrer Abwehr ergriffen. Aufgrund dieser unserer Politik haben wir die Inflationsrate nach ihrem Höchststand in den Jahren 1969 und 1970 auf die Hälfte herabgedrückt. Heute haben
wir die niedrigste Inflationsrate aller großen Industriestaaten.

Aber solche positiven Statistiken können eine Familie nur wenig beruhigen, die versucht, ihr Budget auszugleichen. Und sie können eine Hausfrau schon gar nicht beruhigen, die jedesmal, wenn sie einkaufen geht, sieht,
wie die Fleischpreise ständig steigen. Den schwächsten Punkt in unserem Kampf
gegen die Inflation bilden die Fleischpreise. Ich habe Maßnahmen zur Steigerung
der Importe aus dem Ausland sowie der Erzeugung im Inland ergriffen. Dies wird
einer Erhöhung des Fleischangebots führen und zu einem Nachgeben der Preise im
weiteren Verlauf des Jahres beitragen.

Was wir jedoch brauchen, sind Maßnahmen, die den Anstieg der Fleischpreise jetzt abstoppen. Aus diesem Grunde habe ich heute den Lebenshaltungskostenrat angewiesen, Höchstpreise für Rind-, Schweine- und Lammfleisch fest-

- 4-

�festzulegen. Diese Höchstpreise werden solange bestehen bleiben, wie dies
notwendig ist, um den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Die Fleischpreise
dürfen nicht noch weiter steigen. Mit Hilfe der Hausfrauen und der Farmer
können und sollten sie zurückgehen.

Diese Höchstgrenze wird uns in unserem Kampf gegen die Inflation helfen.
Aber sie stellt keine dauerhafte Lösung dar. Wir müssen auf allen Fronten
handeln, und hier nun greift der Bundeshaushalt ein.

Ich habe dem Kongreß für das kommende Finanzjahr den höchsten Haushalt
in der Geschichte unseres Landes vorgelegt, der sich auf 268 Milliarden Dollar
stellt.

Den von mir in diesem Haushalt für inneramerikanische Programme wie Gesundheitswesen, Wohnungsbau, Erziehungswesen und Hilfe an die Alten, die Körperbehinderten und die Armen angeforderte Betrag ist zweimal so hoch wie in meinem
ersten Haushalt vor vier Jahren. Einige Mitglieder des Kongresses sind jedoch
der Ansicht, daß der Haushalt auf diesen Gebieten noch höher sein sollte.

Würde ich solche Erhöhungen in meinem Haushalt billigen, wie sie im
Kongreß vorgeschlagen worden sind, so würde dies eine 15 prozentige Steuererhöhung oder Preiserhöhungen für jeden einzelnen Amerikaner bedeuten. Aus
diesem Grunde werde ich meine Veto gegen Gesetze einlegen, die den von mir
unterbreiteten Bundeshaushalt durchbrechen würden. Würde ich kein Veto gegen
solche Gesetze einlegen, so würden die höheren Preise oder Steuern das Familienbudget von Millionen Amerikanern über den Haufen werfen.

Hier geht es nicht um einen Kampf zwischen Kongreß und dem Präsidenten.
Dies ist Ihr Kampf. Es ist Ihr Geld, es sind die Preise und die Steuern, die
Sie zahlen müßten, was ich Ihnen ersparen möchte.

Vor 25 Jahren sah ich als junger Abgeordneter Präsident Truman in seinem
Amtszimmer. Ich erinnere mich an das Schild auf seinem Tisch. Auf ihm stand

�stand 'Endstation der Verantwortung1 (The bück stops here). Das bedeutete
natürlich, daß ein Präsident die Verantwortung nicht weitergeben kann, wenn
es um schwierige Entscheidungen geht. Es bedeutet aber auch, daß für die Verantwortung für Ihren Dollar hier Endstation ist. Wenn ich nicht einschreite,
um die Ausgabenerhöhungen abzustoppen, die vom Kongreß auf meinen Schreibtisch
kommen, werden Sie die Rechnung bezahlen müssen.

Bundeshaushalt
Ich gebe zu, daß ehrliche Meinungsverschiedenheiten in der Frage des
Bundeshaushalts bestehen. Wenn Sie bereit sind, höhere Steuern oder Preise
zu zahlen, die die Folge von über meinen Haushalt hinausgehenden Ausgabenerhöhungen wären, wie dies einige im Kongreß vorgeschlagen haben, dann fordern
Sie Ihre Senatoren und Abgeordneten auf, mein Veto zu überstimmen. Aber wenn
Sie ein Ende der Steuer- und Preiserhöhungen wollen, dann habe ich einen Vorschlag zu machen. Ich erinnere mich, daß ich als Abgeordneter und Senator
ständig von denen hörte, die höheren Regierungsausgaben forderten, aber nur
selten von denen, die dafür bezahlen mußten, nämlich von den Steuerzahlern.
Wenn Ihr Abgeordneter oder Senator den Mut hat, gegen höhere Ausgaben zu stimmen, so daß Sie dafür nicht mit höheren Preisen oder Steuern bezahlen müssen,
so lassen Sie ihn wissen, daß Sie ihn unterstützen.

Der Kampf, den Bundeshaushalt niedrig zu halten, muß gewonnen werden,
wenn wir unser Ziel, einen neuen Wohlstand, einen Wohlstand ohne Krieg und
ohne Inflation, erreichen wollen. Ich bitte heute um Ihre Unterstützung, mit
dazu beizutragen, diesen entscheidend wichtigen Kampf zu gewinnen.

Ich möchte mich heute abend schließlich noch einer weiteren großen Aufgabe zuwenden, der wir uns gegenübersehen.

Wenn wir jetzt Amerikas längsten Krieg beenden, wollen wir entschlossen
sein, den Frieden nicht zu verlieren. Während des letzten Jahres haben wir

�wir große Fortschritte in Richtung auf unser Ziel gemacht, eine Generation
des Friedens für Amerika und die Welt aufzubauen. Der Krieg in Vietnam ist
beendet worden. Nach 20 Jahren der Feindschaft und der Konfrontation haben wir
neue konstruktive Beziehungen zu der Volksrepublik China angebahnt - einem
Land, in dem ein Viertel aller Menschen der Welt lebt. Wir haben im vergangenen
Jahr mit der Sowjetunion einige wichtige Abkommen ausgehandelt, darunter ein
Abkommen, das einen wichtigen Schritt zur Begrenzung der nuklearen Rüstungen
bedeutet.

Einige fragen, warum wir angesichts all dieser Fortschritte in Richtung
auf den Frieden nicht unseren Verteidigungshaushalt kürzen sollten? Blicken
wir einmal auf die Tatsachen. Unser Verteidigungshaushalt weist heute den
niedrigsten Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts seit 20 Jahren auf. Nichts
würde ich lieber tun, als ihn weiter zu senken. Aber wir dürfen niemals vergessen, daß wir den von uns im vergangenen Jahr in Richtung auf einen dauerhaften Frieden erzielten Fortschritt nicht gemacht hätten, wenn wir nicht über
die militärische Stärke verfügt hätten, die Respekt abnötigte.

In diesem Jahr haben wir neue Verhandlungen mit der Sowjetunion über eine
weitere Begrenzung der nuklearen Rüstungen aufgenommen. Wir werden uns später
in diesem Jahr an Verhandlungen über eine beiderseitige Reduzierung der Truppen
in Europa beteiligen. Wenn wir vor diesen Verhandlungen einseitig unseren Verteidigungshaushalt

kürzen oder unsere Truppen in Europa verringern, dann wird

jede Chance für erfolgreiche Verhandlungen über eine beiderseitige Reduzierung
der Truppen oder eine Begrenzung der Rüstungen zunichte gemacht werden. Es gibt
eine Regel in der internationalen Diplomatie, die nicht durchbrochen werden
darf: Man kann in Verhandlungen nicht etwas erreichen, wenn man nicht etwas
zu geben hat. Wenn wir vor Beginn der Verhandlungen unsere Verteidigung abbauen, wird anderen Ländern jeder Anreiz genommen, ihre Verteidigung zu kürzen.
Wenn die Vereinigten Staaten ihre Verteidigung abbauen und die anderen nicht, so
erhöht dies die Gefahr eines Krieges. Wir müssen unsere Stärke aufrechterhalten,
bis wir Abkommen erreicht haben, denen zufolge sich andere Länder uns bei der
Verringerung der Rüstungslasten anschließen v/erden.
Es
- 7-

�Es geht darum, ob die Vereinigten Staaten die zweitstärkste Nation in der
Welt werden sollen. Wenn dieser Tag je kommen sollte, dann hätten die Aussichten für die Errichtung eines neuen Gebäudes des Friedens in der Welt einen
irreparablen Schaden erlitten und die freien Nationen überall in der Welt würden
in einer tödlichen Gefahr leben. Starke Vereinigte Staaten sind keine Bedrohung
des Friedens. Sie sind für die freie Welt ein unerläßlicher Hüter des Friedens
und der Freiheit.

Die Erhaltung der Stärke
Ich bitte Sie heute abend um Ihre Unterstützung für die Wahrung der
Stärke, die es uns in diesem letzten Jahr ermöglicht hat, so große Fortschritte
in Richtung auf den Weltfrieden zu machen. Dieser Weltfriede ist unerläßlich,
wenn wir in den kommenden Jahren unsere kühnen neuen Initiativen für den Frieden
fortsetzen wollen.

Wenn wir heute abend einige unserer Probleme erörtern, sollten wir niemals vergessen, wie glücklich wir sein können, daß wir zu diesem Zeitpunkt der
Geschichte in Amerika leben. Wir haben den längsten und schwierigsten Krieg in
unserer Geschichte auf eine Weise beendet, die uns das Vertrauen unserer Verbündeten und die Achtung unserer Gegner erhält. Wir sind die stärkste und
blühendste Nation in der Geschichte der Welt. Aufgrund unserer Stärke hat
Amerika die großartige Möglichkeit, die führende Rolle dabei zu spielen, die

Mauern der Feindschaft einzureißen, die die Völker der Welt trennen; die Rüstungslasten in der Welt abzubauen und das Gebäude eines dauerhaften Friedens in der
Welt zu errichten. Aufgrund unseres Wohlstands verfügen wir über die Mittel, im
eigenen Lande weiter an erregenden neuen Programmen für den Fortschritt zu
arbeiten, die allen Amerikanern eine bessere Umwelt, eine bessere Ausbildung,
bessere Wohnungen und eine bessere Gesundheitsfürsorge bringen und die es uns
ermöglichen werden, den Armen, den Alten, den Körperbehinderten und den Benachteiligten gegenüber großherziger zu verfahren als jede andere Nation in der
Geschichte.
Dies
- 8-

�Dies sind Ziele, die eines großen Volkes würdig sind. Lassen Sie uns
daher diese offenen Meinungsverschiedenheiten über den Krieg überwinden, die
uns getrennt haben, und wollen wir uns den großen Aufgaben verpflichten, die
uns einen können. Wenn wir dies tun, dürfen wir jedoch nicht ein drittes
Element übersehen, das noch wichtiger als militärische Stärke und wirtschaftliche Macht ist und für die Größe einer Nation unerläßlich ist.

Wenn man in den Geschichtsbüchern blättert, so liest man immer wieder von
Zusammenbrüchen von Nationen, die auf der Höhe ihrer Stärke und ihres Wohlstandes strauchelten, nur weil ihre Völker schwach, weich, genußsüchtig wurden
und ihren Charakter

und den Geist verloren hatten, der sie einst groß werden

ließ. Wenn ich heute abend zu Ihnen spreche, habe ich die feste Zuversicht,
daß Amerika dies nicht passieren wird. Meine Zuversicht wird noch durch die
Tatsache bestärkt, daß das Ende eines Krieges, der Amerika so viele Menschenleben, so viel Geld und so viel Spaltung im eigenen Land gekostet hat, nunmehr
Millionen von Amerikanern eine Möglichkeit bietet, erneut Charakter und Geist
zu erkennen, die Amerika zu der großen Nation gemacht haben, die es ist.

Vor einigen Tagen habe ich in diesem Raum mit einem Mann gesprochen, der
fast acht Jahre in einer kommunistischen Gefängniszelle in Nordvietnam verbracht hat. Über vier Jahre lang war er in Einzelhaft. Er sah in dieser Zeit
niemals einen anderen Menschen - mit Ausnahme seiner Wächter. Er lebte von
zwei Mahlzeiten am Tag - gewöhnlich nur ein Stück Brot und Gemüsesuppe. Alles
was er zu lesen erhielt, war ausschließlich kommunistische Propaganda. Alles,
was er im Radio hörte, war ausschließlich kommunistische Propaganda.

Ich fragte ihn, wie er überleben und wie er bei seiner Rückkehr auirecht
und stolz dastehen und die amerikanische Flagge grüßen konnte. Er machte eine
lange Pause, bevor er antwortete. Dann sagte er: 'Es ist nicht einfach für mich,
darauf zu antworten. Ich bin kein Mann großer Worte. Ich kann nur sagen, daß
es der Glaube war - der Glaube an Gott und der Glaube an mein Land.'

Wenn

�Wenn Männer, die so viel für Amerika litten, einen solchen Glauben
haben können, so sollten wir, die wir so viel von Amerika erhalten haben,
unseren Glauben erneuern - den Glauben an Gott, den Glauben an Amerika und
den Glauben an uns selbst.

Wenn wir die vor uns liegenden großen Aufgaben des Friedens in einem
solchen Glauben bewältigen, dann wird eines Tages niedergeschrieben werden,
daß dies Amerikas größte Stunde war."

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14/1973

DAS AMERIKANISCH-VIETNAMESISCHE KOMMUNIQUE VOM 3 April 1973
- Wortlaut -

San demente, Kalifornien - AD - Das zum Abschluß der zweitägigen
Gespräche zwischen Präsident Nixon und dem südvietnamesischen Präsidenten
Thieu am 3. April herausgegebene amerikanisch-südvietnamesische Kommunique
hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident der Vereinigten Staaten, Richard M, Nixon, und der
Präsident der Republik Vietnam, Nguyen van Thieu, sind zu Beginn des
offiziellen Besuches Präsident Thieus in den Vereinigten Staaten zu zweitägigen Gesprächen in San demente zusammengetroffen. Auf amerikanischer
Seite nahmen an diesen Gesprächen Außenminister William P. Rogers, der
Berater des Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Henry A. Kissinger,
der amerikanische Botschafter in der Republik Vietnam, Ellsworth Bunker,
der designierte amerikanische Botschafter in der Republik Vietnam, Graham
Martin, sowie andere hohe Beamte teil. Auf vietnamesischer Seite nahmen an
den Gesprächen der Außenminister der Republik Vietnam,Tran van Lam, der
Wirtschaftsminister, Pliam Kim Ngoc, der Finanzminister, Ha Xuan Trung,
der Sonderberater des Präsidenten für außenpolitische Fragen Nguyen Phu
Duc, der vietnamesische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Tran Kim
Phuong, sowie weitere hohe Beamte teil.
Die Gespräche fanden i , einer sehr herzlichen Atmosphäre statt, wie
sie den andauernden freundschaftlichen Beziehungen entsprechen, die
zwischen den Regierungen der Republik Vietnam und der Vereinigten Staaten
- 1 -

�Staaten bestehen. Die beiden Präsidenten erörterten den Verlauf der
amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen seit ihrem Treffen auf den
Midway-Inseln am 8. Juni 1969 und die Nachkriegsbeziehungen zwischen den
beiden Ländern. Sie erzielten eine volle Übereinstimmung ihrer Ansichten.
Präsident Nixon und Präsident Thieu überprüften die in Vietnam in wirtschaftlichen, politischen und Verteidigungsfragen seit dem Midway-Treffen
erzielten Fortschritte. Präsident Nixon gab seiner Genugtung über die
Leistungen der südvietnamesischen Streitkräfte Ausdruck und wies auf ihre
Schlagkraft und ihren Mut bei der Abwehr der von Nordvietnam am 30. März
1972 eingeleiteten Invasion hin. Der Präsident zeigte sich ferner befriedigt über die Entwicklung politischer Institutionen und hob die
politische Stabilität hervor, die in Südvietnam während der letzten Jahre
bestanden hat. Präsident Thieu bekräftigte seine Entschlossenheit, soziale
und politische Gerechtigkeit für das südvietnamesische Volk sicherzustellen.
Die beiden Präsidenten gaben ihrer Genugtuung über den Abschluß des
Abkommens zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens
in Vietnam sowie über die Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz
Ausdruck, in der dieses Abkommen bekräftigt worden ist. Sie unterstrichen
die Entschlossenheit ihrer beiden Regierungen, die Bestimmungen des Abkommens peinlich genau durchzuführen. Sie gaben ferner ihrer starken Erwartung Ausdruck, daß die übrigen Signatarstaaten des Abkommens das gleiche
tun werden, um einen dauerhaften Frieden in Vietnam zu schaffen. Die beiden
Präsidenten sprachen den anderen Mitgliedern der internationalen Völkergemeinschaft ihren Dank aus, die zur Erreichung des Abkommens beigetragen
haben, und im besonderen den vier Mitgliedsregierungen der Internationalen
Kontroll- und Überwachungskommission, deren Vertreter die Durchführung
des Abkommens beaufsichtigen. Sie betrachten die Internationale Kommission,
die in Zusammenarbeit mit den vier Parteien des Abkommens tätig ist, als
ein wichtiges Element des Mechanismus zur Wiederherstellung des Friedens

- 2-

�Friedens in Vietnam und bekundeten ihre Entschlossenheit, die möglichst
wirksame und objektive Überwachung des Abkommens weiter zu fördern.
Präsident Nixon unterrichtete Präsident Thieu davon, welch großes
Interesse er an den Treffen der Vertreter der beiden südvietnamesischen
Parteien nimmt, die gegenwärtig in Frankreich stattfinden, um eine innenpolitische Lösung in Südvietnam zu erreichen. Präsident Thieu erklärte,
daß seine Regierung entschlossen ist, auf diesen Treffen eine Regelung zu
erreichen, die das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung
im Einklang mit dem Abkommen über die Beendigung des Krieges voll gewährleistet. Präsident Thieu gab seinem aufrichtigen Wunsch nach Aussöhnung
zwischen den südvietnamesischen Parteien Ausdruck, die die Hoffnungen des
südvietnamesischen Volkes auf Frieden, Unabhängigkeit und Demokratie erfüllen wird.
Beide Präsidenten erkannten zwar an, daß Fortschritte in Richtung
auf militärische und politische Lösungen in Südvietnam erzielt worden
sind, betrachteten aber trotzdem die Infiltration von Menschen und Waffen
mit ernster Besorgnis, die unter Verletzung des Abkommens über die Beendigung des Krieges in beträchtlicher Zahl von Nordvietnam nach Südvietnam gebracht werden. Sie waren der Ansicht, daß diese Aktionen, die
die Basis des Abkommens gefährden, entsprechende nachhaltige Reaktionen
erfordern würden. Sie gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß alle Bestimmungen des Abkommens, darunter im besonderen die über die militärischen
Streitkräfte und den militärischen Nachschub ehrlich durchgeführt werden
müssen, wenn die Waffenruhe erhalten werden soll und die Aussichten auf
eine friedliche Regelung gewährleistet sein sollen. Präsident Nixon erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten Staaten die Verletzungen
jeder Bestimmung des Abkommens mit großer und anhaltender Sorge betrachten.
Beide

- 3-

�Beide Präsidenten stimmten weiter darin überein, daß es einen
dauerhaften Frieden in Vietnam nur dann geben könne, wenn auch Friede
in den benachbarten Ländern herrscht. Daher bekundeten sie ihr aufrichtiges Interesse daran, daß eine befriedigende Durchführung des am
21. Februar in Laos erreichten Waffenruheabkommens erzielt wird. Sie
zeigten sich ernsthaft besorgt über die Tatsache, daß Artikel 20 des
Abkommens nicht durchgeführt worden ist, der den bedingungslosen Abzug
aller ausländischen Truppen aus Laos und Kambodscha fordert. Sie
stimmten überein, daß dieser Artikel unverzüglich durchgeführt werden
sollte.
Bei der Beurteilung der Aussichten auf Frieden in ganz Indochina
unterstrichen die beiden Präsidenten die Notwendigkeit für Wachsamkeit
auf Seiten der Regierungen der indochinesischen Staaten gegenüber der
Möglichkeit eines Wiederauflebens der kommunistischen Aggression, nachdem die amerikanischen Landstreitkräfte aus Südvietnam abgezogen wurden.
Sie unterstrichen die Tatsache, daß eine solche Wachsamkeit eine anhaltende politische, wirtschaftliche und militärische Stärke der
Regierungen und Länder erfordern wird, die von einem Wiederaufleben
dieser aggressiven Gefahr bedroht sind. Aufgrund ihrer begrenzten Hilfsquellen werden die Länder dieses Gebietes ausländische Hilfe benötigen,
um die für eine friedliche Entwicklung notwendige soziale und wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten.
In diesem Zusammenhang bekräftigte Präsident Thieu die Entschlossenheit des vietnamesischen Volkes und der vietnamesischen Regierung, mit
Nachdruck die Aufgabe in Angriff zu nehmen, den Opfern des Krieges eine
ausreichende und rechtzeitige Hilfe zukommen zu lassen, die zerstörte
soziale und wirtschaftliche Infrastruktur wiederaufzubauen und eine
starke und lebensfähige Wirtschaft zu errichten, so daß Vietnam allmählich größere Lasten für die Erhaltung des Friedens und die Erzielung

- 4-

�Erzielung eines wirtschaftlichen Fortschrittes für seine Bevölkerung
auf sich nehmen kann. Die beiden Präsidenten stimmten darin überein,
daß die Republik Vietnam, in den ersten Jahren nach dem Kriege größere
Wirtschaftshilfe aus dem Ausland benötigen wird, um die erklärten wirtschaftlichen Ziele so schnell wie möglich zu erreichen.
Präsident Nixon bekräftigte, daß er die Bemühungen um die Wiedereingliederung, den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung der
Republik Vietnam nach dem Kriege voll unterstütze. Er unterrichtete Präsident Thieu von der Absicht der Vereinigten Staaten, der Republik Vietnam
in den restlichen Monaten dieses Jahres ausreichende und beträchtliche
Wirtschaftshilfe zukommen zu lassen und im Kongreß um Bewilligung ausreichender Mittel für das kommende Jahr nachzusuchen, so daß die notwendige
wirtschaftliche Stabilität und der Wiederaufbau

Vietnams gewähr-

leistet ist, wenn es sich jetzt von Krieg auf Frieden umstellt. Er erkannte an, daß die wirtschaftliche Entwicklung und die Selbstversorgung Südvietnams zu einem beträchtlichen Teil davon abhängt, daß es ausländische
Investitionen fördern und anziehen kann.
Er gab ferner seiner Absicht Ausdruck, den Kongreß um Unterstützung
eines längerfristigen Programms zur wirtschaftlichen Entwicklung Südvietnams zu ersuchen, nachdem jetzt der Krieg beendet ist.
Die beiden Präsidenten brachten ihre aufrichtige Hoffnung zum Ausdruck, daß andere Länder wie auch internationale Institutionen umgehend
ein positives und gemeinsames internationales Hilfsprogramm für die Republik Vietnam in Angriff nehmen werden. Sie stimmten ferner darin überein,
daß bald mit allen interessierten Parteien diesbezügliche Konsultationen
durchgeführt werden sollten.
Die beiden Präsidenten äußerten die Hoffnung, daß die Durchführung
des Vietnam-Abkommens eine Normalisierung der Beziehungen zu allen südostasiatischen Ländern gestatten wird. Sie stimmten darin überein, daß ein

-5-

�ein solcher Schritt und ein regionales Wiederaufbauprogramm die Aussichten
auf einen dauerhaften Frieden in diesem Gebiet erhöhen werden.
Präsident Nixon sprach über die künftige Sicherheit Südvietnams im Rahmen der Nixon-Doktrin. Der Präsident verwies darauf, daß es dieser Doktrin
voll und ganz entspreche, wenn die Republik Vietnam den gesamten Streitkräfte
bedarf für ihre eigene Verteidigung stelle. Er bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits im Einklang mit ihren verfassungsmäßigen Bestimmungen und gemäß dem Abkommen über die Beendigung des Krieges die Republik
weiterhin
Vietnam/mit den materiellen Mitteln zu ihrer Verteidigung versorgen werden.
Präsident Thieu bat Präsident Nixon, dem amerikanischen Volk und besonders den Familien, die den Verlust von Angehörigen zu betrauern haben, den
tiefen und aufrichtigen Dank des südvietnamesischen Volkes für die Opfer
zu übermitteln, die sie für Vietnam gebracht haben, sowie für die Hilfe, die
sie der Republik Vietnam in ihrem langen Kampf um die Erhaltung der Friheit
und die Wahrung ihres Rechtes auf Selbstbestimmung gewährt haben.
Vor der Abreise Präsident Thieus nach Washington, wo er seinen offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten fortsetzen wird, waren die beiden Präsidenten sich darüber einig, daß durch die schweren Erfahrungen eines tragischen Krieges und die Opfer ihrer beiden Völker eine enge und konstruktive
Beziehung zwischen dem amerikanischen und dem südvietnamesischen Volk entstanden und vertieft worden ist. Sie gaben ihrer festen Zuversicht Ausdruck,
daß diese Verbundenheit als die Grundlage eines ehrenvollen und dauerhaften
Friedens für Südostasien bestehen bleibt.
Präsident Thieu brachte seinen Dank für die herzliche Gastfreundschaft
zum Ausdruck, die ihm und seiner Begleitung von Präsident Nixon entgegengebracht wurde.
-H-f

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14/1973

NIXON WÜNSCHT STRAFFUNG DER ANTI-RAUSCHGIFT-MASSNAHMEN

--(AD)-- Ein "einheitliches Kommando" für alle Rechtsvollzugsmaßnahmen in
den Vereinigten Staaten zur Rauschgiftbekämpfung, die in den letzten fünf
Jahren um das Siebenfache ausgeweitet wurden, fordert Präsident Nixon in
einem dem Kongreß am 28. März zugeleiteten Reorganisationsplan. Darin
schlägt er vor, die gegenwärtig noch von einer Anzahl von Behörden getrennt wahrgenommenen Funktionen auf diesem Gebiet in einer neuen "Vollzugsbehörde zur Suchtstoffüberwachung" (Drug Enforcement Administration-DEA)
zusammenzufassen, die innerhalb des BundesJustizministeriums geschaffen werden soll.
Die neue Behörde würde die gegenwärtige Zentrale für Narkotika und gefährliche Drogen (BNDD) ablösen und die Aufgaben der Abteilungen für Strafverfolgung von Rauschgiftdelikten und die Bundesnachrichtenzentrale für
Drogen sowie die auf das Gebiet der Rauschgiftbekämpfung entfallenden Funktionen der Einwanderungs-und Naturalisierungsbehörde des Justizministeriums
und der Zollabteilung des Bundesfinanzministeriums übernehmen. Der Direktor
des neuen Amtes wäre dem Justizminister direkt unterstellt. Die Beteiligung
der Vereinigten Staaten an internationalen Aktionen zur Bekämpfung des
illegalen Rauschgifthandels würde unter Einschaltung der US-Botschafter in

-1-

�in allen Ländern, die Anti-Drogen-Programme durchführen, über DEA wahrgenommen.
In den letzten paar Jahren konnten, wie Präsident Nixon betonte,
bemerkenswerte Fortschritte an einer Reihe von Fronten gegen das illegale
Rauschgift erzielt werden. Sowohl der Anteil neuer Fälle von Heroinsucht
als auch die Anzahl der auf Suchtstoffgebrauch zurückzuführenden Todesfälle war im vergangenen Jahr rückläufig. Mehr Suchtige und Drogenabhängige sind in Behandlungs-und Rehabilitationsprogramme aufgenommen als in den
vergangenen Jahren. (Mancherorts machte allerdings die Polizei die Beobachtung, daß mehr als ein Drittel aller Verdächtigen, die wegen Straßenüberfällen und ähnlichen Delikten verhaftet wurden, Rauschgiftsüchtige
oder Drogenabhängige sind.)
Im Vergleich zum Jahre 1971 wurde, weltweit gesehen, mehr als die
doppelte Menge an illegalen Drogen beschlagnahmt. Die Zahl der Verhaftungen von Rauschgifthändlern in den Vereinigten Staaten lag gegenüber 1971
um mehr als ein Drittel höher. Die mit solchen Aktionen verbundenen Maßnahmen sollen im kommenden Jahr mit 257 Millionen Dollar finanziert werden. Damit beantragte Präsident Nixon für das am 1„ Juli beginnende neue
Haushaltsjahr eine Summe, die gegenüber den 36 Millionen von 1969 um
das Siebenfache höher liegt.
Der Präsident verweist jedoch darauf, daß zwar Geld und Personal
jetzt ausreichend vorhanden seien, das Tempo des Aufbaus der Anti-DrogenAktionen jedoch zu organisatorischen Unzulänglichkeiten geführt habe.
Jetzt sei es wichtig, den Vollzug zu straffen, damit den kriminellen
Elementen, die für Rauschgift überall in der Welt Kanäle schaffen, die
Verwirklichung ihrer Absichten noch mehr erschwert werde. Gleichzeitig

-2-

�Gleichzeitig ersuchte der Präsident den Kongreß, das Gesetz über
Mindesthaftstrafen für Suchtstoffvergehen zu verabschieden, das
beispielsweise für einschlägig vorbestrafte Rauschgifthändler, die
als Bosse der Verbrecherringe gelten, lebenslängliche Haft ohne die
Möglichkeit zur Strafmilderung oder Bewährung vorsieht.
In seinem Vorschlag zur Reorganisation und Straffung des gesamten
Rechtsvollzugs bei der Drogenbekämpfung stimmt Präsident Nixon mit den
Empfehlungen der "Nationalen DrogenkommissionM überein. Dieses Gremium,
das beratende Funktion hat, veröffentlichte seinen Bericht eine Woche
zuvor und forderte darin u.a. die Schaffung einer unabhängigen Superbehörde, die allerdings nicht nur für den Rechtsvollzug, sondern auch
für alle Forschungsaufgaben und die Auswertung der Behandlungs- und
Rehabilitationsprogramme zuständig sein solle.

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14/1973
DIE ATLANTISCHE GEMEINSCHAFT IM JAHRE 1973
- Von Botschafter Martin J. Hillenbrand -

Der nachfolgende Beitrag wurde von Botschafter Martin J. Hillenbrand für das
"Handelsblatt" geschrieben. Der Artikel
erschien am 29. März in einer Sonderbeilage der Zeitung, die sich mit den
deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen befaßte.

Für die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den
Vereinigten Staaten während des letzten Viertel Jahrhunderts waren eine
weitgehende Übereinstimmung der Zielsetzungen und eine enge Zusammenarbeit bei ihrer Verwirklichung kennzeichnend. Diese kooperativen Beziehungen bildeten einen entscheidenden Faktor für einige der Meilensteine in
der Entwicklung der atlantischen Beziehungen - die Wiedererholung Westeuropas nach dem Kriege, die Erhaltung seiner Sicherheit durch Gründung
des Nordatlantischen Bündnisses und die anhaltende, bemerkenswerte Zunahme des Wohlstandes und der politischen Stärke in Europa.
Einer

-1-

�Einer der entscheidenden Mechanismen zur Realisierung dieser Erfolge
ist natürlich die Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft. Die Integration
Europas ist ein Prozeß, bei dem die Bundesrepublik Deutschland eine maßgebende Rolle gespielt hat und der von den Vereinigten Staaten beharrlich und
uneingeschränkt unterstützt worden ist. Präsident Nixon hat im Oktober 1972
erklärt: "Es ist - und war immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa Frieden, Sicherheit und Prosperität in der Welt fördern."

Die Europäische Gemeinschaft hat durch Auswei-

tung der Gebiete, auf denen diese Länder gemeinsam handeln können, Westeuropa in die Lage versetzt, wirksamer zu diesen gemeinsamen Zielen beizutragen; die amerikanische Unterstützung der Erweiterung der Gemeinschaft
ist ein Beweis für unsere Überzeugung, daß dem so ist.
Der Erfolg der Gemeinschaft bedeutet, daß die Beziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten in wirtschaftlichen
Fragen zu einem Teil der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Gemeinschaft geworden sind. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft - schon immer ein wichtiges Ziel der amerikanischen Außenpolitik - wird ein entscheidender Faktor
sein, wenn es darum geht, die Aufgaben des Jahres 1973 zu bewältigen.
In einer Weltlage, in der unsere wirtschaftliche Interdependenz immer
vollständiger wird und in der die Volkswirtschaften der einzelnen Länder mehr
und mehr auf jeden internationalen wirtschaftlichen Druck reagieren, werden
Störungen des Gleichgewichts im internationalen Wirtschaftssystem zwangsder
läufig zu einem gemeinsamen Anliegen aller Mitglieder/Welthandelsgemeinschaft.
Die jüngsten Währungskrisen haben die Wichtigkeit einer Reform des Weltwährungssystems nachdrücklich unterstrichen, aber eine Währungsreform wird nur
eine Komponente der internationalen Wirtschaftsreform sein, die im Jahre 1973
in Angriff genommen werden muß.
Auch

-2-

�Auch im internationalen Handelssystem sind Reformen erforderlich. Dies
wird das Ziel der multilateralen Handelsverhandlungen sein, die in diesem
Herbst im Rahmen des GATT beginnen.
Sowohl Präsident Nixon als auch die Führer der erweiterten Europäischen
Gemeinschaft haben zum Ausdruck gebracht, daß sie sich einer Reform des internationalen Wirtschaftssystems verpflichtet fühlen. Die bei den multilateralen Handelsverhandlungen gestellten Aufgaben werden viel weitgehender
und fundamentaler sein als bei der Kennedy-Runde oder bei anderen Handelsliberalisierungen. Die Vorbereitungen für diese Verhandlungen sind noch im
Gange, und wir stehen in enger Konsultation mit der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland,
um in koordinierter Weise an die Dinge heranzugehen. Die großen Umrisse der
vor uns liegenden Aufgabe nehmen bereits Gestalt an.
Der Abbau der Zölle für industrielle Erzeugnisse wird eine Komponente
der Handelsreform sein. Wir sehen eine mögliche Chance auf uns zukommen,
uns ein weitergestecktes Ziel, nämlich eine Abschaffung der Zölle für industrielle Erzeugnisse, zu setzen. Die Höhe der Industriezölle kann jedoch
nicht das einzige, ja nicht einmal das Hauptanliegen der Verhandlungen sein.
Von vorrangigem Interesse für die Vereinigten Staaten ist eine verstärkte
Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die bisher von den Normen fairer Handelspraktiken, wie sie bei früheren Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels aufgestellt wurden, weitgehend ausgenommen worden sind. Für die Vereinigten Staaten, die in den letzten Jahren
fast 20 Prozent ihrer Exporterträge durch die Ausfuhr landwirtschaftlicher
Erzeugnisse verdient haben, ist die Korrektur dieses Mangels am internationalen Wirtschaftssystem eine der dringendsten Aufgaben für die multilateralen Handelsverhandlungen.
Einen

-3-

�Einen wichtigen, wenn auch besonders schwierigen Aspekt der Handelsverhandlungen werden die nicht-tarifären Handelsschranken darstellen. Frühere
Zollsenkungen haben nicht-zollursächliche Verzerrungen des internationalen
Handels bestehen lassen, wie etwa Quoten, Exportsubventionen, restriktive
Praktiken bei Regierungsaufträgen und massive Finanzierung der industriellen Forschung und Entwicklung durch die Regierungen als Mittel der Förderung von Exporten oder der Ersetzung von Importen sowie diskriminierende Normen für Ausführung und Leistung. GATT-Studien haben hunderte solcher Handelshindernisse zutage gebracht. Die Verhandlungen über ihren Abbau werden sehr
kompliziert werden angesichts der Schwierigkeit, hier festzustellen, was
gegenseitig ist, und zwischen Maßnahmen zu unterscheiden,die legitimen Zielsetzungen im eigenen Lande dienen, und solchen, die einen weitgehend protektionistischen Zweck haben. An diese beiden Arten wird man natürlich mit
einer unterschiedlichen Einstellung herangehen müssen. Während nicht-tarifäre Handelsschranken, die protektionistisch sind, so weit wie möglich abgebaut werden sollten, könnte die Antwort auf nicht-diskriminierende Schranken, die legitimen Zwecken, wie etwa dem Umweltschutz dienen, die Harmonisierung sein.
Ein weiteres altes Problem ist die Auswirkung von Marktverzerrungen,
die sich aus ungewöhnlichen, abrupten Verlagerungen der Handelsflüsse ergeben. Einseitige Anstrengungen, die Auswirkungen von Veränderungen dieser Art
in den Griff zu bekommen, wie sie meist unter starkem innenpolitischem Druck
vorgenommen werden müssen, haben sich in der Geschichte als international
unangenehm erwiesen.
Ein multilateral ausgehandeltes Sicherheitssystem dürfte wirkungsvoller sein, um den Schock plötzlicher Handelsveränderungen aufzufangen - ohne
dabei den Anreiz zur Anpassung an die veränderten wirtschaftlichen Realitäten zu zerstören. Sicherheitsbestimmungen werden daher ebenfalls ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung künftiger Verhandlungen sein.
Diese

-4-

�Diese Verhandlungen werden letztlich darauf abzielen müssen, iene Prinzipien des internationalen Handels zu stärken und zu ergänzen, die der internationalen Gemeinschaft seit Abschluß des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) so gute Dienste geleistet haben, wie etwa die "Meistbegünstigtenklausel". Eine erweiterte und gründlichere Anwendung dieser Prinzipien wird zusammen mit e^nem Abbau von Zöllen und anderen Handelsschranken viele der spezifischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft beseitigen oder abschwächen.
Ein besonders unangenehmes Beispiel für dieses Problem sind die Gegenpräferenzvereinbarungen, die die Europäische Gemeinschaft mit einer Reihe von
weniger entwickelten Ländern abgeschlossen hat.
Alle diese Elemente der Handels-und Währungsreform sollten bei der Bewertung der Vorteile der umfassenden Veränderungen, die wir in diesem Jahr
in Gang setzen werden, als Ganzes betrachtet werden. Die erfolgreiche Durchführung dieser Veränderungen wird vielfältige Vorteile bringen - für die
Europäische Gemeinschaft, für die Bundesrepublik Deutschland und andere
EG-Mitgliedsländer und für die Vereinigten Staaten. Eine Handelsliberalisierung wird die klassischen Vorteile einer leistungsfähigeren Erzeugung
von Gütern und Dienstleistungen nach den Regeln des Wettbewerbsvorteils
bieten. Die Schaffung einer gerechten, geregelten und flexiblen Wirtschaftsstruktur wird es den verschiedenen Handelsnationen erlauben, die Vorteile
des internationalen Handels zu verwirklichen, ohne ihre einheimische Wirtschaft den Schwankungen eines unsicheren internationalen Systems auszusetzen. Was jedoch vielleicht noch wichtiger ist, die Bewältigung dieser
wirtschaftlichen Disharmonien würde die Realisierung der politischen Vorteile bedeuten, die aus einer internationalen Wirtschaftsordnung gewonnen werden können, die Stabilität und Sicherheit in der Welt fördert.

Angesichts

-5-

�Angesichts dessen, was auf dem Spiele steht, begrüßten die Vereinigten
Staaten ganz besonders das Angebot der Europäischen Gemeinschaft für einen
verstärkten fortgesetzten Dialog - ein Angebot, bei dem die Bundesrepublik
Deutschland eine konstruktive Rolle gespielt hat. Wir sehen diesem Dialog
mit großer Erwartung entgegen. Ergänzt durch bilaterale Konsultationen,
wie sie zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland
stattfinden, wird ein solcher Dialog von unschätzbarem Wert sein, wenn es
darum geht,die Aufgaben zu lösen, vor denen wir im Jahre 1973 gemeinsam
stehen werden.

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• 14/1973

INTERNATIONALE WECHSELKURSE UNTER NEUEN PERSPEKTIVEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)-- Die zwischen den großen Handelsnationen am 16. März
in Paris erreichten internationalen Währungsvereinbarungen haben dazu geführt, daß viele die internationalen Wechselkurse unter einer für sie völlig
neuen Perspektive sehen.
Bei dem System von Bretton Woods, das seit dem zweiten Weltkrieg gültig
war, stellte sich die Frage, wann Regierungen Maßnahmen zur Änderung ihrer
Wechselkurse treffen müssen? Nach den jetzt in Paris vereinbarten Abmachungen lautet die Frage anders, nämlich warum und wie weit sollten Regierungen
auf den Devisenmärkten intervenieren und die sich auf die Wechselkurse auswirkenden Marktkräfte beeinflussen? Die neue Form, das sich hier stellende
Problem zu betrachten, hat natürlich wichtige Auswirkungen auf die kommende,
langfristige Reform des internationalen Währungssystems.
Mit ein Grund für die neue Einstellung ist, daß das in Bretton Woods
vereinbarte System fester Wechselkurse praktisch aufgegeben worden ist. Dieses System von Bretton Woods ging davon aus, daß feste Wechselkurse aufrecht-

�aufrechterhalten werden müßten und Paritätsänderungen nur gestattet sind,
wenn sie sich nicht vermeiden lassen. Gerade dieses Festhalten an stabilen
Kursen führte ironischerweise jedoch zu immer neuen Erschütterungen und Spekulationswellen, und im Gefolge davon zu umfassenden Neufestsetzungen der
Wechselkurse, was wiederum für Teile der betroffenen Volkswirtschaften echte
Anpassungsprobleme schuf.
Nach dem Pariser Treffen fühlen sich die Regierungen nicht länger an
die Verpflichtung gebunden,, feste Kurse zwischen ihren Währungen aufrechtzuerhalten. Die meisten Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft, wie auch
einige Nichtmitglieder. sind zwar für relativ kleine Bandbreiten zwischen
ihren eigenen Währungen, doch gibt es keinerlei Vereinbarungen mehr, Kursschwankungen gegenüber anderen großen Währungen bestimmte Grenzen nicht überschreiten zu lassen. Diese Gruppe europäischer Währungen floated also gemeinsam. Aber genauso gibt es keinerlei Verpflichtungen, die gültigen Tageskurse
allein durch die Marktkräfte bestimmen zu lassen. Im Gegenteil können die
Regierungen intervenieren^ wenn sie dies für wünschenswert erachten, vor
allem, um auf den Devisenmärkten "geordnete Verhältnisse" zu schaffen.
Aber unter welchen Bedingungen wäre es für Regierungen wünschenswert
oder angebracht, auf den Devisenmärkten zu intervenieren?

Vor dieser Frage

stehen die einzelnen Regierungen seit der Pariser Konferenz praktisch täglich.
Aber die gleiche Frage ergibt sich auch bei jeder dauerhaften langfristigen
Reform des internationalen Währungssyst.ems, nämlich, ob es für die Regierungen
angebracht ist, zur Erhaltung "geordneter Verhältnisse" auf den Devisenmärkten
ihre eigene Währung zu verkaufen oder anzukaufen?
Dies ist wohl eine der gegenwärtig am stärksten umstrittenen Fragen. Die
meisten Währungs-und Wirtschaftsexperten beantworten sie mit "ja" - solange
es darum geht, starke Kursausschläge nach oben oder unten auszugleichen.
Einzelne Wirtschaftsexperten befürchten allerdings, daß solche begrenzten

-2-

�begrenzten Interventionen sich in der Praxis als einseitig erweisen könnten,
d.h., daß Regierungen der Versuchung erliegen könnten, zu Gunsten ihrer
Exporteure unter dem Vorwand zu intervenieren,"geordnete Verhältnisse"auf
den Devisenmärkten aufrechtzuerhalten.
Und damit ergibt sich gleich die nächste Frage: Darf eine Regierung
auf den Devisenmärkten intervenieren, um ihrer Exportindustrie Vorteile zu
verschaffen? Gerade über diesen Punkt bestehen aber noch die meisten Unstimmigkeiten bei der bevorstehenden Reform des internationalen Währungssystems. Die USA vertreten den Standpunkt, daß die einzelnen Länder die
Wechselkurse nicht als Mittel

zur Erzielung oder Erhaltung hoher Handels-

überschüsse benutzen dürfen. Vielmehr sollte das neue internationale Währungssystem nach Auffassung der USA auf einen Ausgleich der internationalen
Geldflüsse hinarbeiten, wobei alle hierzu beitragenden Faktoren wie Handel,
Touristenverkehr, Investitionsgelder und Erträge, Regierungstransaktionen
usw. erfaßt werden müßten. Allerdings sollten die Wechselkurse beim Auftreten grundlegender Ungleichgewichte umgehend den neuen Gegebenheiten angepaßt
werden. In der Vergangenheit zögerten die Regierungen jedoch stets, Handelsvorteile aufzugeben,die darauf beruhten, daß ihre Währungen unterbewertet
waren.
Seit 1971 hat sich allerdings die Auffassung immer mehr durchgesetzt,
daß unzutreffende Wechselkursrelationen nicht auf die Dauer aufrecht erhalten
werden dürfen. Und die in Paris getroffenen Abmachungen sowie das vorangegangene Floaten zahlreicher wichtiger Währungen scheinen darauf hinzudeuten,
daß das Prinzip nunmehr allgemein anerkannt wird, daß die Wechselkurspolitik auf einen Ausgleich der internationalen Geldflüsse hinarbeiten sollte.
Wenn in dieser Frage wirklich Einvernehmen erzielt worden ist, dann dürfte
eines der Haupthindernisse auf dem Wege zu einer dauerhaften Reform des internationalen Währungssystems überwunden sein.
Aber

-3-

�Aber auch die Frage, ob Regierungen zur Abwehr der Spekulation auf den
Devisenmärkten intervenieren sollten, bedarf einer Klärung. Zu üpekulationswellen kommt es stets, wenn die jeweiligen Wechselkurse nicht mehr den Gegebenheiten entsprechen und Kursänderungen früher oder später unvermeidlich
erscheinen. In bestimmten Fällen können Regierungsinterventionen zur Vermeidung zu starker Wechselkursfluktuationen unerwünschten Spekulationen den
Wind aus den Segeln nehmen. Doch herrscht die Überzeugung vor, daß massive
Interventionen zur Aufrechterhaltung starrer Kurse letztlich die Spekulanten

nur ermutigen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Spekula-

tion bei einer erfolgreichen Verteidigung des Wechselkurses nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen hat, wenn solche Interventionen schließlich
doch fehlschlagen.

Das von den Finanzministern am 16. März in Paris veröf-

fentlichte Kommunique sagt absichtlich nichts darüber aus, welchen Weg Regierungen künftig beschreiten sollen, um der Währungsspekulation zu begegnen,
so daß diesen jede Möglichkeit offen gelassen wird.
Aber noch andere Fragen bedürfen einer Lösung. Sollen Regierungen auf
den Devisenmärkten intervenieren, um massive Flüsse liquiden Privatkapitals
in Länder mit höheren Zinsen zu fördern? Oder sollten die Wechselkurse so
stark schwanken dürfen, daß solche Kapitalflüsse uninteressant werden? Sollten Regierungen durch Interventionen auf den Devisenmärkten zyklischen Faktoren entgegenwirken?
Es ist möglich, daß die Regierungen bei der Suche nach Antworten auf
diese und andere Fragen zunächst noch im Dunkeln tappen und erst die Erfahrungen mit den neuen in Paris getroffenen Vereinbarungen ihnen den richtigen Weg weisen werden. Ihre in Paris gefaßten Beschlüsse könnten aber durchaus auch zu dauerhaften Bestimmungen des neuen internationalen Währungssystems werden. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn das neue System auf
festen Paritäten mit größeren Bandbreiten und mehr Flexibilität oder auf
floatenden Kursen mit einem gewissen Maß an Regierungsinterventionen beruht.

-4-

�beruht. Gleichgültig von welcher Perspektive man diese Fragen betrachtet,
das grundlegende Problem bleibt, wann sollten Regierungen auf den Devisenmärkten intervenieren und wann sollten sie den Marktkräften freien Lauf
lassen?

-5-

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14/1973

BOTEN ZU FREMDEN PLANETEN
PIONIER-Start Auftakt zu neuen Forschungsprojekten der NASA

--(AD)-- Der Start der zweiten PIONIER-Sonde zum Planeten Jupiter, der für
den 5. April vorgesehen ist, bildet den Auftakt für eine Anzahl interessanter Raumfahrtprojekte der US-Behörde für Luft-und Raumfahrt (NASA) in diesem Jahr. PIONIER 11, mit 12 Instrumenten für 14 verschiedene Meß-und
Beobachtungsprogramme ausgerüstet, wird knapp zwei Jahre brauchen, bis er
sein Ziel erreicht. Die unbemannte Sonde soll, wie der Anfang März 1972
gestartete PIONIER 10, Nahbeobachtungen am Planeten Jupiter ermöglichen
und weitere Informationen über die Bedingungen im Weltraum bis zu den Großplaneten bringen. Der Jupiter hat mehr Masse als alle acht übrigen Planeten und die 32 Monde im Sonnensystem zusammen.
Nach PIONIER 11 stehen als wichtigste Unternehmen auf dem Programm:
Am 14. Mai Start der SKYLAB-Station, die zunächst unbemannt in eine
kreisförmige Erdumlaufbahn eingesteuert wird. 24 Stunden später folgt
die dreiköpfige Besatzung - Charles Conrad,Jr., als Kommandant, Dr. Joseph
P. Kerwin als Wissenschaftler und Paul J. Weitz als Pilot. Wenn alles
planmäßig verläuft, werden im August und November zwei weitere Gruppen
folgen. Alle drei Mannschaften verbringen mehrere Wochen an Bord der

-l-

�der experimentellen Raumstation^ die erste Gruppe soll sich vier, die zweite und dritte Gruppe jeweils acht Wochen im SKYLAB aufhalten. Die Astronauten haben zahlreiche Meß-und Beobachtungsprogramme zu absolvieren.
Sie gelten der Erde, der Sonne und anderen Gestirnen, in erster Linie
aber dem Menschen unter der Langzeitbelastung in der Schwerelosigkeit und
außerhalb seines gewohnten irdischen Lebensraumes. Die SKYLAB-Astronauten
fungieren als freiwillige Versuchspersonen der Raumflugmedizin.
Im Juni beabsichtigt die NASA den Start eines kleinen Forschungsgerätes, das in eine Mondumlaufbahn eingeschossen wird und als Radioobservatorium jenseits der irdischen Störfelder benutzt werden soll. Der "Radio
Astronomy Explorer" (RAE) wird Radioemissionen von Strahlenquellen innerhalb der Milchstraße empfangen. Er ist mit zwei Spezialantennen ausgerüstet, von denen jede auf eine Länge von 225 m ausgefahren werden kann.
Mit MARINER 10 soll im Oktober eine Forschungssonde den Flug zum Planeten Venus antreten. Im Anschluß an die Beobachtungen des Nachbargestirns
während des Vorbeiflugs im Februar 1974 fliegt die Sonde zum Merkur weiter. MARINER 10 soll den sonnennächsten Planeten erstmals aus der Nähe inspizieren. Das Gerät ist ähnlich gebaut wie MARINER 9, der 1971/72 aus
einer Marsumlaufbahn Tausende von Fernsehbildern von der Oberfläche des
äußeren Nachbarn im Weltraum übermittelte und es auch ermöglichte, einen
Blick auf seine beiden Monde zu werfen.
Für November ist der Start des ersten stationären Wetterbeobachtungssatelliten der USA vorgesehen. Er soll ca. 37 000 km hoch über dem aequatorialen südamerikanischen Kontinent im Weltraum "verankert" werden und run
um die Uhr Wetterdaten von der westlichen Hemisphäre liefern. Das Gerät
wird als "synchroner Meteorologie-Satellit" bezeichnet.

Die

�Die Vorbereitungen für die VIKING-Mission, die die Landung automatischer K l e i n l a b o r s auf dem M a r s zur Untersuchung der Bedingungen am Boden
v o r s i e h t , gehen inzwischen mit c a . 10 0 0 0 Beschäftigten in Laboratorien
und bei der Industrie w e i t e r . Zwei VIKING-Sonden sollen 1975 starten und
nach mehreren Monaten Anflug zum M a r s 1976 auf dem Planeten w e i c h landen.

-t-H-

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14/1973
NEUES VERFAHREN ZUR ALUMINIUMGEWINNUNG
-Weniger Stromverbrauch, umweltfreundlicher-

--(AD)-- Kleinere Schmelzöfen, geringerer Stromverbrauch und weniger Umweltverschmutzung sind die Vorteile eines neuen Verfahrens zur Gewinnung
von Rohaluminium. Nach Ansicht von John Harper, des Präsidenten der
"Aluminum

Company of America" (ALCOA), die diese Methode entwickelte und

inzwischen soweit erprobte, daß sie ab 1975 kommerziell ausgewertet werden
kann, ist sie die attraktivste Alternative zu dem heute gebräuchlichen Verfahren, das in den letzten 15 Jahren vervollkommnet wurde.
Da in den Vereinigten Staaten die Aluminiumhütten zehn Prozent des gesamten Industriestroms verbrauchen, bedeutete schon allein der um ein Drittel
geringere Strombedarf bei Anwendung des neuen Verfahrens einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor. Dazu kommt als weiterer wesentlicher Vorteil, daß es
keine fluorhaltigen Abgase gibt, die trotz kostspieliger Entgiftung noch genug Schäden in der Umgebung von Aluminiumhütten anrichten.
Bei der Aluminiumgewinnung nach dem herkömmlichen Verfahren wird Aluminiumoxyd (reiner, entwässerter Bauxit) in einer Kryolith-Schmelze (Natriumaluminiumfluorid) gelöst. Der fluorhaltige Kryolith ist jedoch immer schwerer zu beschaffen. Für das neue Verfahren wird dieses Mineral überhaupt nicht
benötigt. Vielmehr beruht es auf dem Prinzip, in einem Reaktor Aluminiumoxyd

-l-

�Aluminiumoxyd mit Chlor reagieren zu lassen und Aluminiumchlorid zu erzeugen. Diese Verbindung wird in einer völlig abgeschlossenen Zelle elektrolytisch in geschmolzenes Aluminium und Chlor getrennt. Das Chlor ist wiederverwendbar und wird in einem geschlossenen System dem Reaktor wieder zugeführt.

-H-f

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14/1973
AUSSTELLUNGEN
MIKROWELLEN - BAUTEILE UND GERÄTE
-Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum Frankfurt-

--(AD)-- Vom 21.bis 25. Mai 1973 zeigen im US-Handelszentrum in Frankfurt
(Main) 30 amerikanische Herstellerfirmen ihre neuesten Entwicklungen an
Bauteilen und Geräten für die Mikrowellentechnik. Rund 30 Prozent der
teilnehmenden Firmen kommen mit ihren Erzeugnissen zum ersten Mal nach
Deutschland und suchen auf diesem Wege Kontakt zu deutschen Unternehmen.
Das Ausstellungsprogramm umfaßt u.a. Antennen, Koaxial-Kabel und
Stecker, Hohlleiter, Filter, Ferrite, Avalanche-,Gunn-und Tunnel-Dioden,
Transistoren, Klystron -Röhren, Wanderfeldröhren, Verstärker, Multiplexer,
Transponder und Wobbeigeneratoren. Im Gerätebereich sind inbesondere Meßplätze, Spektrum-Analysatoren, Sampling-Oszilloskope sowie Meßgeräte für
Impedanz, Frequenz, Leistung etc. hervorzuheben.
Auf der angeschlossenen Fachtagung (22.bis 24.Mai) werden Experten
in 15 Fachvorträgen zu den jüngsten Erfahrungen und Erkenntnissen auf dem
Mikrowellensektor Stellung nehmen. (Anmeldung und Programme durch US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, Telefon: 72 08 Ol, Telex: 41 65 35).
-H-t-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Nixons vom 29. März&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-vietnamesische Kommunique vom 3. April&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon wünscht Straffung der Anti-Rauschgift vom 3. April&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Atlantische Gemeinschaft im Jahre 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Botschafter Martin J. Hillenbrand&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Wechselkurse unter neuen Perspektiven&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Boten zu fremden Planeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- PIONIER-Start Auftakt zu neuen Forschungsprojekten der NASA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Verfahren zur Aluminiumgewinnung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausstellungen: Mikrowellen- Bauteile und Geräte</text>
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1 1 . A p r i l 1973

15

Inhalt
DOKUMENTATION:
Rush erläutert Osteuropa-Politik der USA
-Auszüge-

INFORMATION:
Nixon nominiert neuen Direktor der amerikanischen Abrüstungsbehörde

WIRTSCHAFT:
Jasey legt US-Wirtschaftspolitik gegenüber der Europäischen Gemeinschaft dar
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
USA proklamieren "Woche der Erde"
-Jahresbilanz beim UmweltschutzDie Atmung der Meere
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren.
Hormone und Muskeldystrophe
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1973

RUSH ERLÄUTERT OSTEUROPA-POLITIK DER USA

- Auszüge -

ANNAPOLIS, Maryland - (AD) - Der stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Rush hat am 4. April

in einer Rede vor der US-Marineaka-

demie in Annapolis die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Osteuropa
umrissen. Dazu erklärte Rush wörtlich:

"Während der letzten drei Tage haben Sie sich hier mit Europa befaßt.
Wenn man auf die vor uns liegenden Monate blickt, dann dürfte es wahrscheinlich sein, daß das Jahr 1973 ein Jahr wesentlichen Fortschrittes sowohl innerhalb Europas als auch in den Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten sein wird.

- Es sollte eine anhaltende Verbesserung im Hinblick auf die Situation
Berlins geben, eine Weiterentwicklung des Dialoges zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Aufnahme der
beiden Staaten in die Vereinten Nationen.

- Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind bereits Verhandlungen im Gange mit dem Ziel, die strategischen Offensivwaffen für ständig
zu begrenzen.

- Die Vereinigten Staaten und die jüngst erweiterte Europäische Gemeinschaft werden neue Methoden der wirtschaftlichen und politischen Zusammenar-

- 1 -

�Zusammenarbeit sondieren, die zu einer Stärkung unserer Verbundenheit führen
soll.
- Es wird Verhandlungen über den Abbau der Streitkräfte geben, die einander immer noch in Mitteleuropa gegenüberstehen.

- Und es wird eine Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

stattfinden, die die Bewegung zur Entwicklung normalerer Kontakte zwischen Ostund Westeuropa sowie zwischen den Staaten Osteuropas und den Vereinigten Staaten
beschleunigen könnte.

All diese Schritte werden wichtig sein. Ich möchte jedoch heute mit Ihnen
über die Aussichten sprechen, die dafür bestehen, daß wir in diesem Jahr vielleicht eine bedeutende Erweiterung unserer Bindungen mit Osteuropa und eine
entscheidende Verbesserung in den Beziehungen zwischen allen euroDäischen Staaten
erreichen können ...

Schon sehr bald, während seiner ersten Amtszeit stellte Präsident Nixon
klar, daß wir bereit seien, eine neue Ära in unseren Beziehungen zu Osteuropa
einzuleiten. Unser Ziel war, normale und beiderseitig nützliche Beziehungen,
wo immer möglich, zu entwickeln, wobei jedes Land für sich behandelt wurde.
Schon im Frühsommer (jenes Jahres) hatten wir damit begonnen, konkrete Maßnahmen
hinsichtlich der Durchführung dieser Politik zu ergreifen. Sie führten zu dem
Besuch Präsident Nixons in Bukarest im August 1969 - dem ersten Besuch, den
jemals ein amerikanischer Präsident einer kommunistischen Hauptstadt abgestattet hatte -. In Rumänien betonte der Präsident, daß 'wir bereit sind, die
Bemühungen eines je^en Landes, das normale Beziehungen zu uns anstrebt, zu
erwidern.'

Dieser Besuch verlieh unseren bilateralen Beziehungen eine Schwungkraft,
die dann niemals mehr verlorenging. Präsident Ceaucescu besuchte die Vereinigten Staaten im Oktober 1970. Unser beiderseitiger Handel hat sich mehr
als verdreifacht. Wir haben unsere bilateralen Kontakte auch auf anderen Gebieten vertieft, und während seines Besuches in Bukarest im Juli letzten Jahres

�Jahres unterzeichnete Außenminister Rogers das erste Konsularabkommen zwischen Rumänien und den Vereinigten Staaten seit 1881.

Anfang 1970 gab es einen zweiten Besuch des Präsidenten in einer kommunistischen Hauptstadt; dieses Mal besuchte er das blockfreie Jugoslawien. Unsere
Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit mit Jugoslawien reichen über 20
Jahre zurück. Der Besuch des Präsidenten war also weniger eine Sache der Absteckung neuer Wege als vielmehr eine Unterstreichung der Tatsache, daß Bindungen über die politischen Grenzen hinweg von Dauer sein können ... Wir
möchten, daß unsere Bindungen zu Jugoslawien zu einem Modell der Zusammenarbeit werden, die zwischen Staaten mit völlig unterschiedlichen sozialen Systemen
bestehen können. Der Erfolg eines solchen Vorhabens hängt natürlich von beiden
Ländern ab.

Im Frühjahr 1972 unternahm der Präsident einen dritten wesentlichen Schritt
hinsichtlich unserer Beziehungen zu Osteuropa - er besuchte Polen. Wir unterzeichneten ein Konsularabkommen in Warschau und werden in diesem Jahr in New
York sowie in der alten Universitätsstadt Krakau, dem Zentrum der polnischen
Auswanderung nach den Vereinigten Staaten»Konsulate eröffnen.

Auch in bezug auf ein viertes osteuropäisches Land - Ungarn - zeichnet
sich eine Verbesserung der Beziehungen ab. Im Juli besuchte Außenminister
Rogers Budapest; es war der erste Ungarn-Besuch, den jemals ein amerikanisches
Kabinettsmitglied gemacht hat. Der stellvertretende Ministerpräsident

Valyi

war im vergangenen Monat in Washington; er war der höchste ungarische Regierungsvertreter, der die Vereinigten Staaten seit 25 Jahren besucht hat. Ungarn hat
nunmehr zugestimmt, 22 Millionen Dollar für durch den Krieg beschädigtes und
verstaatlichtes amerikanisches Eigentum zu zahlen, und wir haben zugesagt,
den Kongreß um die Vollmacht zu ersuchen, ein Handelsabkommen einschließlich
der Meistbegünstigtenklausel auszuhandeln. Ferner sprechen wir mit den Ungarn
über ein Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch ...

Die Fortschritte, die während der ersten Amtszeit Präsident Nixons in

�in bezug auf die osteuropäischen Länder erzielt worden sind, sind beträchtlich. Ich weiß von meinen eigenen kürzlichen Reisen nach Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn her, daß in unseren Beziehungen ein wesentlicher Wandel
zum Besseren eingetreten ist. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, daß sich
die Besuche aus Osteuropa im Rahmen unserer Austauschprogramme 1972 um 40 Prozent erhöht haben.

Wenn nun die zweite Amtszeit des Präsidenten beginnt, dann bietet der
beiderseitige Wunsch nach kontinuierlichen Fortschritten

die Hoffnung auf

noch größerere Erfolge in dieser Richtung. Zu diesem Zweck ist die Politik
der Vereinigten Staaten darauf gerichtet, die osteuropäischen Länder in einem
sich erweiternden Rahmen enger und individueller Beziehungen mit uns und mit
ihren Nachbarn im Westen zu verflechten.

Wir haben die Absicht, diese Politik der Verflechtung sorgfältig und umsichtig zu verfolgen. Wir werden nicht bestrebt sein, das Tempo zu forcieren,
wir werden uns allerdings darum bemühen, einen Prozeß zu fördern, der unserer
Ansicht nach dem Weltfrieden dienlich sein wird.

Bei der Verfolgung dieser Politik beabsichtigen wir, uns auf drei Prinzipien zu stützen.

Das erste ist, daß wir jedes osteuropäische Land als einen unabhängigen
souveränen Staat behandeln werden, der ein Recht darauf hat, frei von jeglicher
Einmischung von außen zu sein. Diese Einstellung beseelte die Politik Woodrow
Wilsons; dies ist auch heute unsere Einstellung.
In Moskau setzten Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew im vergangenen Frühjahr ihre Unterschriften unter die Verpflichtung, die souveräne
Gleichheit aller Staaten anzuerkennen, keinen Anspruch auf irgendwelche Sonderrechte oder Vorteile in weltpolitischen Angelegenheiten zu erheben und Verhältnisse zu fördern, unter denen kein Land einer Einmischung in seine inneren
Angelegenheiten von außen her ausgesetzt ist.
Diese

�»

Diese Verpflichtungen spiegeln eine seit langem gültige amerikanische
Politik wider. Die gemeinsame Annahme dieser Verpflichtungen durch die beiden
Länder kann zur Förderung der Entspannung beitragen, die von so vielen jetzt
gewünscht wird. Das Recht eines Landes, sich gemäß seiner eigenen Wünsche zu
entwickeln, ist fundamental für die friedlichen Beziehungen zwischen den
Staaten. Einem Land darf das Recht auf volle Souveränität nicht verwehrt
werden, nur weil es ein kleines Land ist. Ihm darf dieses Recht auch nicht
verwehrt werden, nur weil es aus rein geographischen Gründen neben einem
größeren Land liegt. Ihm darf dieses Recht nicht verwehrt werden, nur weil es
das gleiche politische und soziale System mit einer stärkeren Macht teilt.
Vielmehr müssen die Prinzipien der Nicht-Einmischung und der Respektierung der
nationalen Souveränität, wie Ministerpräsident Kossygin und der norwegische
Ministerpräsident Bratteli in einem Kommunique im vergangenen Jahr bekräftigten,
konsequent verwirklicht werden, ungeachtet der politischen und sozialen Systeme
der betroffenen Staaten.

Auf unserer Seite besteht gewiß nicht der Wunsch, uns in die inneren Angelegenheiten der osteuropäischen Staaten einzumischen. Wir sind nicht nur zur
Koexistenz, sondern auch zur Zusammenarbeit mit ihnen in bilateralen Bemühungen
um Frieden und Verständigung sowie um umfassendere Kontakte und Verbindungen
zwischen unseren Völkern bereit.

In diesem Geiste werden wir die Bande zu den Ländern zu konsolidieren
suchen, bei denen wesentliche Fortschritte zu verzeichnen waren.
Wir werden uns aber auch weiter um Verbesserungen bei solchen Ländern bemühen, bei denen nur geringer oder überhaupt kein bilateraler Fortschritt erzielt worden ist.

In ihren Gesprächen mit Außenminister Rogers in den Vereinten Nationen im
vergangenen Oktober haben sowohl der tschechoslowakische wie auch der bulgarische
Außenminister den festen Wunsch ihrer Regierungen bekundet, konkrete Verbesserungen

in unseren Beziehungen zu erreichen. Wir begrüßen diesen Wunsch, wir

teilen ihn und wir erwidern ihn.
Mit

�I

Mit der Tschechoslowakei haben wir Verhandlungen über eine Konsularkonvention aufgenommen und wir hoffen, noch in diesem Jahr Gespräche über ein
Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch beginnen zu
können und später dann auch über die Lösung der seit langem anstehenden Finanz- und Handelsfragen.

Von allen unseren diplomatischen Beziehungen zu kommunistischen Regierungen

waren unsere Beziehungen zu Bulgarien am wenigsten umfassend. Wir

haben kürzlich die Verhandlungen über eine Konsularkonvention wieder aufgenommen. Wir bereiten uns darauf vor, zusammen mit der bulgarischen Regierung
auf die Lösung einer Reihe bilateraler kultureller und wirtschaftlicher Probleme hinzuarbeiten, die unsere Beziehungen getrübt haben. Unser Wunsch nach
besseren Beziehungen spiegelt sich auch in unserer Bereitschaft wider, den
stellvertretenden bulgarischen Ministerpräsidenten dieses Jahr in den Vereinigten Staaten zu begrüßen.

Nur in bezug auf Albanien hat es keinen sichtbaren Fortschritt gegeben.
Angesichts unserer sich ausweitenden Beziehungen zu allen übrigen osteuropäischen Ländern erscheint es wie ein Anachronismus, wenn Albanien weiterhin
den Wunsch haben sollte, in einer solchen Isolierung zu verharren. Albanien
spricht über uns immer noch in den aggressiven Worten einer vergangenen Zeit.
Ob es diplomatische Beziehungen aufzunehmen wünscht, wissen wir nicht. Wenn
- und wann immer es dies aber will, wird es uns bereit finden, darauf zu reagieren.

Bei allen osteuropäischen Ländern werden wir ihre Bereitschaft zur Verbesserung der Beziehungen uns gegenüber aber auch in einem umfassenderen Zusammenhang bewerten. Wir alle müssen in den Vereinten Nationen und in anderen
internationalen Foren Zurückhaltung in unseren Worten gegenüber dem anderen
sowie einen Geist der Zusammenarbeit und nicht der Konfrontation zeigen. Wir
erwarten im besonderen von Ungarn und Polen, daß sie eine verantwortungsbewußte
Rolle in der internationalen Kontroll- und Überwachungskommission für Vietnam
spielen.
ID.

- 6-

�In dem Maße, wie sich unsere Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen
Ländern verbessern, werden wir das zweite Grundprinzip unserer Politik anstreben - durch Ausweitung unseres Handels und Förderung ihrer wachsenden
Aufnahmefähigkeit für ausländische Investitionen dauerhafte Beziehungen zu
den osteuropäischen Ländern zu schaffen.

In den letzten vier Jahren hat sich unser Handel mit Osteuropa ständig
ausgeweitet, wenn auch in einem bescheidenen Maße. Im Jahre 1968 belief sich
der gesamte Handel auf wertmäßig rund 450 Millionen Dollar; die Zahl für 1972
liegt bei 800 Millionen Dollar - eine gesunde Zunahme um über 75 Prozent. Wir
rechnen damit, in den nächsten vier Jahren, den Handel zumindest verdoppeln
zu können. Im Herbst letzten Jahres haben wir unsere Botschafter in Osteuropa
angewiesen, die Förderung des Handels an die Spitze unserer politischen Prioritätenliste in diesem Raum zu setzen.

Die osteuropäischen Länder stellen Handelsfragen stets an die Spitze
der bilateralen Probleme. Sie behaupten, daß die amerikanischen Handelsbestimmungen in bezug auf diesen Bereich noch aus der Vergangenheit her Elemente
der Diskriminierung enthalten.

Um mitzuhelfen, ein wesentlich höheres Handelsvolumen zu erreichen, beabsichtigen wir, eine Reihe dieser Beschränkungen schrittweise abzubauen.

- Wir haben die strategische Bedeutung der Güter, deren Export nach Osteuropa immer noch untersagt ist, angesichts der veränderten Gegebenheiten überprüft. Eine Reihe von Änderungen sind bereits vorgenommen worden. In naher Zukunft werden wir die Zahl der amerikanischen Erzeugnisse auf der Verbotsliste
weiter wesentlich verringern.

- Wir sind gewillt, die Bereitstellung von Krediten und Ausfallbürgschaften
der amerikanischen Export-Importbank für den Verkauf amerikanischer Erzeugnisse
in einem erweiterten Rahmen zu erwägen, so wie sich die Beziehungen zu einzelnen
Ländern weiter verbessern.
- Wir

�'

- Wir beabsichtigen ferner, wenn sich die Beziehungen weiter verbessern,
den 'Meistbegünstigtenstatus' auf die Exporte einer größeren Zahl osteuropäischer Länder auszudehnen. Bisher wird dieser Status nur Erzeugnissen aus
Jugoslawien und Polen gewährt, doch haben wir seit einem Jahr ein ähnliches
Gesetz für Rumänien gefordert. In dieser Sitzungsperiode des

Kongresses wird

der Präsident ein allgemeines Gesetz unterbreiten, das uns die Einräumung des
Meistbegünstigtenstatus an die osteuropäischen Länder gestattet, wenn der
Stand unserer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dies rechtfertigt,
und seine baldige Verabschiedung fordern. Die Normalisierung unserer Handelsbeziehungen ist notwendig, wenn die Vereinigten Staaten die wirtschaftlichen und
politischen Vorteile eines erweiterten Handels voll realisieren sollen.

Obwohl die Politik der osteuropäischen Länder dem Handel oberste Priorität eingeräumt hat, so haben Jugoslawien, Rumänien, Polen und Ungarn ebenfalls ein Interesse an ausländischen Investitionen in ihren einheimischen
Unternehmen gezeigt. Selbst bei der zurückhaltenden Einstellung der Kommunisten
gegenüber privaten Investitionen dürfte eine Ausweitung der gemeinsamen Unternehmungen in diesem Raum für alle Beteiligten konkrete Vorteile bringen.

Wenn wir jetzt dem Wunsch der Osteuropäer nach engeren Wirtschaftsbeziehungen nachzukommen suchen, können wir es uns nicht länger mehr leisten,
die Vorteile für unsere eigene Binnenwirtschaft einfach zu ignorieren, die das
Handelspotential Osteuropas bietet. In einer Zeit, in der wir gegenüber den
meisten Gebieten der Welt ein Handelsdefizit haben, ist unser Zahlungsbilanzüberschuß gegenüber Osteuropa besonders willkommen.

Wir würden es gerne sehen, wenn mehr amerikanische

Geschäftsleute ge-

winnbringende Geschäfte mit Ungarn, mit Bulgarien, mit Polen zu machen beginnen, wie sie es mit Belgien, mit Norwegen oder mit Uruguay tun. Wir ermutigen sie, so, wie die Möglichkeiten dies gestatten und im Vertrauen darauf,
daß Geschäfte mit Osteuropa voll und ganz im Einklang mit den nationalen Interessen der USA stehen, an diese Länder zu verkaufen, in ihnen zu investieren
und von ihnen zu kaufen. Wir verstärken unsere Handelsmissionen und im letzten
Monat haben wir in Wien ein neues Ost-Westhandelszentrum eröffnet. Eine solche
- 8-

�solche Politik zielt ab auf den Tag, da der Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und den osteuropäischen Ländern so normal verläuft, wie dies zwischen
den Vereinigten Staaten und Ländern mit einem ähnlichen wirtschaftlichen und
sozialen System wie dem unsrigen der Fall ist.

Genauso wie wir unsere eigenen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen
zu Osteuropa zu vertiefen wünschen, möchten wir auch die wachsende Verflechtung
der osteuropäischen Länder in Europa als ganzem fördern. Die Förderung einer
solchen Verflechtung ist das dritte Grundprinzip unserer Politik. Wir sind in
der Tat der Auffassung, daß es für uns genauso wichtig ist, eine Vertiefung
der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern Ost- und
Westeuropas zu fördern, wie Beziehungen zwischen Osteuropa und uns zu entwickeln.
Dies darf aber nicht unsere enge und notwendige Partnerschaft mit unseren
atlantischen Verbündeten schmälern.
Es ist nur natürlich, daß alle europäischen Länder nach einer solchen
Gemeinschaft trachten, die Europa in den Höhepunkten seiner langen Geschichte
ausgezeichnet hat. Die künstlichen Schranken des kalten Krieges haben den
Kontinent eine Generation lang getrennt. Das ist bereits viel zu lange.

Dieses Jahr werden wir zwei Ereignisse erleben, die bei gutem Willen auf
beiden Seiten zur Wiederherstellung dieser Art von Gemeinschaft beitragen können.

Im Januar begannen vorbereitende Gespräche für Verhandlungen über Wege
zur Reduzierung der Streitkräfte der NATO-Länder und der Länder des Warschauer
Paktes, die einander immer noch im Herzen Europas gegenüberstehen. Eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung dieser Streitkräfte könnte die Spannungen
beträchtlich vermindern und einen echten Beitrag zur Sicherheit Europas leisten.
Es ist wichtig, daß die substantiellen Verhandlungen plangemäß im kommenden
Herbst beginnen und daß sie zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.

Wenn wir jetzt im Begriffe stehen, Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung der Truppen in Europa aufzunehmen, ist es völlig sinnlos, plötzlich und einseitig die amerikanischen Truppen dort zu halbieren. Einige Kritiker

�1

Kritiker unserer Verteidigungspolitik im Kongreß und anderswo befürworten,
daß wir einen solchen Kurs einschlagen. Es ist klar, daß die Sowjetunion
keinen Anreiz haben würde, ihre Truppenpräsenz in Osteuropa abzubauen, wenn
wir diesen Rat annähmen. Und nichts könnte mehr den von uns geschaffenen Auftrieb für die Errichtung einer stabileren und friedlicheren Welt gefährden.
Ich möchte hier heute Abend die feste Entschlossenheit dieser Administration
erneut bekräftigen, unsere Verpflichtungen unseren NATO-Verbündeten gegenüber
durch Aufrechterhalten der amerikanischen Truppenstärke in Europa zu erfüllen.

Seit November letzten Jahres sind in Helsinki vorbereitende Gespräche im
Gange, um den Weg für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa zu ebenen, die, wie wir hoffen, Anfang des Sommers beginnen kann. Eine
solche Konferenz muß zu einem Werkzeug für konkrete Fortschritte in Richtung
auf eine stärkere Einigkeit zwischen den Völkern Europas werden. Spezifische
Schritte zur Verstärkung der Kontakte - durch vermehrte Bewegungsfreiheit der
Bevölkerung, durch einen freieren Fluß von Gedanken und Gütern auf dem gesamten Kontinent - sind der sicherste Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Dieses Vorgehen bereitet der Sowjetunion gewisse Sorge. Aber die zahlreichen kürzlich ausgehandelten amerikanisch-sowjetischen Abkommen beweisen
bereits, daß stärkere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte bei weitem keine
Bedrohung der Sicherheit eines Landes darstellen und zum Wohle aller beitragen
können. Natürlich sind wir hier in den USA überzeugt, daß offenere Grenzen und
normalere menschliche Kommunikationen die Spannungen vermindern und nicht erhöhen und die Menschen und Völker ermutigen werden, in Freundschaft miteinander zu leben.

Ein Europa, das auf Spaltung basiert, kann niemals wirklich sicher sein.
Das letzte ViertelJahrhundert war eine Zeit der Spaltung; es war nicht eine
Zeit der Sicherheit. So erklärte Präsident Nixon 1970, 'Stabilität und Frieden
in Europa werden gestärkt werden, sobald seine Spaltung überwunden ist'. Das
kommende Viertel]ahrhundert sollte für alle europäischen Länder zu einer Zeit
werden, in der sie sich nach ihren eigenen Wünschen entwickeln können. Es sollte
für die Völker Europas zu einer Zeit werden, in der sie untereinander freiere
- 10 -

�freiere Kommunikationen pflegen können. Es wird eine Zeit der Zusammenarbeit
sein - und des Wettbewerbs - eine Zeit des Friedens und eines Gefühls der
Zusammengehörigkeit.

Wenn wir unsere enge Verbundenheit mit Europa aufrechterhalten wollen und nach unserer festen Überzeugung ist die Sicherheit Europas untrennbar von
unserer eigenen Sicherheit - dann müssen wir in Amerika auch ein Europa wünschen, das mit unserem eigenen Lande in Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden ist. Diese beiden miteinander zusammenhängenden Ziele werden die Grundsätze unserer Politik gegenüber Europa in den kommenden vier Jahren bestimmen."

- 11 -

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15/1973
NIXON NOMINIERT NEUEN DIREKTOR DER AMERIKANISCHEN ABRÜSTUNGSBEHÖRDE

San demente, Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon will den bisherigen Leiter der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation, Dr. Fred
C. Ikle, zum neuen Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung nominieren. Er soll die Nachfolge von Gerard C. Smith antreten, der Anfang Januar seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hierzu erklärte, wird Dr. Ikle nicht an der Phase II der SALT-Gespräche teilnehmen,
die derzeit in Genf geführt werden. Die Leitung der amerikanischen Delegation bei den Genfer SALT-Gesprächen hat der amerikanische Sonderbotschafter
U. Alexis Johnson.
Dr. Ikle steht seit 1967 an der Spitze der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation in Santa Monica, Kalifornien, eines Privatunternehmens, das auf Kontraktbasis Forschungsprogramme auf dem Gebiet der
Außenpolitik für die amerikanische Bundesregierung durchführt. Außer für
den Nationalen Sicherheitsrat ist Dr. Ikle auch als Berater für das amerikanische Außenministerium und das Verteidigungsministerium tätig gewesen.
Dr. Ikle wurde am 21. August 1924 in Samaden (Schweiz) geboren und kam
1946 nach den Vereinigten Staaten. Er promovierte 1950 an der University
of Chicago zum Dr. phil. und arbeitete anschließend vier Jahre im Institut

�Institut für angewandte Sozialforschung an der Columbia-Universität. Von
1955 bis 1961 war er bei der Rand Corporation tätig und arbeitete dann von
1962 bis 1963 am Harvard-Center für Internationale Politik. Von 1964 bis
1967 lehrte Dr. Ikle als Professor für Politische Wissenschaften an der
Harvard-Universität. Dr. Ikle hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel sowie
drei Bücher veröffentlicht: "The Social Impact of Bomb Destruction" (1958);
"How Nations Negotiate" (1964) und "Every War Must End" (1971).
Dr. Ikle ist Mitglied des Internationalen Instituts für Strategische
Studien; der Amerikanischen Soziologischen Gesellschaft; der Amerikanischen
Gesellschaft für Politische Wissenschaften und des Los Angeles Komitees für
Außenpolitische Beziehungen.

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15/1973

CASEY LEGT US-WIRTSCHAFTSPOLITIK GEGENÜBER DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFT DAR
- Wortlaut -

WASHINGTON -_(AD)-- Der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, William Casey, hat am 5. April vor den Unterausschüssen für Europa und für Aussenwirtschaftspolitik des amerikanischen Repräsentantenhauses die Politik der USA gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft dargelegt. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, an Ihren Anhörungen über "Die Vereinigten Staaten
und die Europäische Gemeinschaft" teilnehmen zu dürfen. Sie haben für Ihre
Anhörungen den richtigen Zeitpunkt gewählt, denn unsere Beziehungen zu der
erweiterten Gemeinschaft befinden sich in einem wichtigen Gestaltungsprozeß. Was mich persönlich anbetrifft, so finden diese Anhörungen ebenfalls
zu einem richtigen Zeitpunkt statt, denn ich bin soeben von umfassenden Konsultationen in Europa zurückgekehrt. Ich möchte Ihnen heute morgen einige
der Eindrücke und Gedanken über diese Konsultationen und die Richtung vermitteln, die unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft nehmen und
über die ich Außenminister Rogers bereits in dieser Woche berichtet habe.

Zunächst

�Zunächst möchte ich jedoch versuchen, diese Beziehungen in eine umfassende Perspektive zu setzen. Vier Entwicklungen haben in ihrer Gesamtheit
unsere Beziehungen grundlegend verändert und sie viel komplexer gestaltet.
- Erstens haben die im allgemeinen besseren Beziehungen zu den kommunistischen Mächten die internationalen Spannungen vermindert und eine neue
Flexibilität in die politischen Beziehungen gebracht.
- Zweitens haben Westeuropa, Kanada und Japan eine relativ größere wirtschaftliche Stärke erlangt, und für uns hat sich damit die Notwendigkeit ergeben, mit ihnen auf der Basis der Gleichberechtigung zu verhandeln. Sie
sind nicht nur unsere besten Handelspartner, sondern auch unsere schärfsten
Konkurrenten.
- Drittens haben zwei Jahrzehnte amerikanischer Handelsbilanzdefizite
unser wirtschaftliches Wachstum wie auch das der Welt finanziert, aber
schließlich führten immer wieder auftretende Krisen zu der Erkenntnis, daß
das Nachkriegssystem einer wesentlichen Revision bedarf.
- Viertens haben wir eine noch nie dagewesene Interdependenz mit anderen demokratischen Industriestaaten erlangt - eine Interdependenz, die für
uns alle eine einzigartige Prosperität, aber auch neue Probleme gebracht
hat, die neue Initiativen für die Formulierung unserer Außenpolitik erfordern.
Die nächsten Jahre werden eine Zeit der Bewährung für unsere Bindungen
zu allen demokratischen Industriestaaten sein, wenn wir jetzt neue Beziehungen entwickeln, um dieser neuen Komplexität gerecht zu werden. Dies ist ganz
eindeutig keine Zeit für Selbstgefälligkeiten. Aber es ist ganz eindeutig
auch keine Zeit, um den Rat derer anzunehmen, die verzweifeln oder die an
die Unvermeidbarkeit einer Konfrontation glauben. Denn unsere gemeinsamen
Interessen und unsere gemeinsame Vision von der Welt wiegen weit schwerer als
unsere spezifischen und vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten.
Präsident

-2-

�Präsident Nixon hat immer wieder unterstrichen, daß wir auch weiterhin
an die Notwendigkeit starker Bindungen zu Europa glauben. Diese Bindungen
bilden einen unerläßlichen Bestandteil seiner Strategie für einen Weltfrieden. Die "Nixon-Doktrin" stellt klar, daß andere heute das Potential und
auch die Pflicht haben, das Ihre dazu beizutragen. So erklärte der Präsident in seinem ersten außenpolitischen Bericht an den Kongreß: "Amerika
kann nicht - und will nicht - alle die Pläne ausarbeiten, alle die Programme aufstellen, alle die Entscheidungen ausführen und die gesamte Verteidigung der freien Welt übernehmen." Und er führte weiter aus: "Amerika kann
nicht in Isolierung leben, wenn es erwartet, in Frieden zu leben. Wir haben
nicht die Absicht, uns aus der Welt zurückzuziehen."
Diese Administration hat im besonderen ganz eindeutig klargestellt,
daß sie unsere Beziehungen zu Europa als "den Eckstein der gesamten Struktur
des Friedens" betrachtet.
Die europäische Einheit verleiht unseren transatlantischen Beziehungen
mehr Stärke und ermöglicht es uns, von einer Position größerer Stärke im
atlantischen Bereich aus in Richtung auf eine neue Ära der Entspannung mit
dem Osten zu schreiten. Aus diesem Grunde hat der Präsident im Oktober vergangenen Jahres bekräftigt, daß er die auf der Gipfelkonferenz der Europäischen
Gemeinschaft verkündete Absicht nachdrücklich unterstützt, den gesamten Komplex der Beziehungen zwischen ihren Mitgliedsstaaten bis zum Jahre 1980 in
eine europäische Union umzuformen, und ich zitiere hier: "Es ist - und war
immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern."
Wir sind weiterhin der Auffassung, daß die Zusammenarbeit mit Europa auf
dem Gebiet der Politik und der Verteidigung zur Verwirklichung der europäischen
Einheit führen wird. Zwei starke Mächte im Westen würden der westlichen DiplomaU-j
vermehrte Flexibilität verleihen und die Verantwortung für Entscheidungen in
wachsendem Maße teilen.
Die

-3-

�Die europäische Einheit muß jedoch zuerst auf wirtschaftlichem Gebiet
erreicht werden. Diese wachsende Einheit hat Vorteile erbracht und die Möglichkeiten für eine wachsende Zusammenarbeit geschaffen. Sie hat aber auch
Probleme der Anpassung an die neuen Beziehungen gebracht. Der Präsident hat
die Initiative ergriffen, um mit der Gestaltung der neuen Beziehungen zu beginnen und so die Vorteile für uns zu vergrößern, die Möglichkeiten für eine
erweiterte Zusammenarbeit zu nutzen und die Anpassungsprobleme zu lösen.
Überläßt man diese Probleme sich selbst, so könnten sie in der Tat zu einer
Konfrontation führen, die weder wir noch die Europäer wünschen,
Knapp einen Monat nach seiner ersten Amtseinführung hat Präsident
Nixon durch einen Besuch Westeuropas symbolisch die Bedeutung unterstrichen,
die er diesem Punkt beimißt. Bei diesem Besuch traf er mit dem Präsidenten
und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zusammen. Spätere, mehr
Aufsehen erregende Besuche in Peking und in Moskau sollten diese Tatsache
nicht verdunkeln noch sollten sie vergessen lassen, daß seit 1969 ständig
auf hoher Ebene Konsultationen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft stattgefunden haben.
Im Jahre 1970 haben wir die Praxis halbjährlicher Zusammenkünfte mit
der Europäischen Gemeinschaft aufgenommen. Ich habe gerade erst als Leiter
unserer Delegation an der 6. Runde dieser Konsultationen teilgenommen, die
immer offener und in einem größeren Rahmen geführt wurden und immer nützlicher waren. In den letzten Monaten hat der Dialpg zwischen den USA und der
Europäischen Gemeinschaft ein noch nie dagewesenes Maß an Intensität und Substanz erreicht. Im Dezember traf Außenminister Rogers in Brüssel mit der Kommission zusammen. Mitte Februar hat das neue Kommissionsmitglied für außenpolitische Fragen, Sir Christopher Soames, Washington zu einer Reihe informeller Gespräche besucht. Er traf mit dem Präsidenten und maßgebenden Mitgliedern des Kabinetts zusammen und führte mit mir und anderen hohen Regierungsbeamten ausgedehnte Gespräche über die Beziehungen wischen den USA

_4-

�i

USA und der Europäischen Gemeinschaft. Im Februar hat der Präsident Peter
Peterson nach Europa entsandt, wo dieser mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinschaft sowohl in Brüssel wie auch in den einzelnen Hauptstädten
der Länder zusammentraf, um mit ihnen den gesamten Bereich unserer Beziehungen zu Westeuropa zu erörtern. Im März hat Finanzminister Shultz die wichtigen westeuropäischen Hauptstädte besucht und dort mit der Kommission und den
maßgebenden nationalen Politikern über unsere Wirtschaftspolitik und vor
allem über die Reform des Währungssystems sowie die Handelsverhandlungen gesprochen. Im Oktober vergangenen Jahres hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Rahmen des Prozesses einer
Intensivierung des Dialogs mit Westeuropa und anderen Industriestaaten und
weitgehend auf Initiative der USA hin eine neue Art von Exekutivausschuß geschaffen, der es den für die Gestaltung der Politik Verantwortlichen auf hoher Ebene ermöglichen soll, sich häufiger mit der ganzen Vielzahl von Fragen
zu befassen, denen das Interesse der wirtschaftlich hoch entwickelten Länder
gilt. Und auf meiner letzten Reise habe ich unsere Delegation auf dem zweiten
dieser Treffen geführt.
Der NATO-Generalsekretär Joseph Luns hat erst in der vergangenen Woche
auf der europäisch-amerikanischen Konferenz erklärt: "Ich kann mich an keine
Zeit erinnern, in der es eine so starke diplomatische Aktivität, so zahlreiche Gespräche und Konferenzen gegeben hat."
Wir begrüßen besonders die von diesem Gremium ergriffenen Maßnahmen,um
den amerikanischen Dialog mit Europa zu vertiefen. Die Ausweitung unserer Beziehungen zum Europäischen Parlament und zur Europäischen Gemeinschaft ist
in hohem Maße wünschenswert. Wir sind bereit, diesen Prozeß auf jede Weise
zu erleichtern, die Sie für nützlich halten.
Denn es ist klar, daß wir ohne Unterstützung und Mitwirkung
sowohl des Kongresses wie auch des amerikanischen Volkes unser Ziel
dieses Jahr nicht erreichen können, so dauerhafte Bindungen

-5-

�Bindungen zu schaffen, daß unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft
gleich denen zur NATO einen festen und dauerhaften Pfeiler der amerikanischeuropäischen Verbundenheit und Zusammenarbeit bilden.
Diese gesamte Aktivität ist Teil des Prozesses, der sich mit unseren
gesamten Beziehungen zu Westeuropa befaßt und den der Präsident in den Vordergrund gerückt hat. Ich möchte unterstreichen, daß nach seiner Auffassung
das Problem, unsere neuen wirtschaftlichen Beziehungen zu formen, untrennbar
verbunden ist mit der Erhaltung und Verstärkung unserer politischen und
unserer Sicherheitsbeziehungen.
Und während meines letzten Besuches in Europa habe ich festgestellt,
daß die Bedeutung unserer gesamten politischen und Sicherheitsbeziehungen für
die erfolgreiche Behandlung unserer wirtschaftlichen Probleme schnell und
bereitwillig anerkannt worden ist. Ihre erfolgreiche Lösung bedingt auf lange
Sicht eine grundlegende Umstrukturierung des internationalen WirtschaftsSystems, um es offener, gerechter und flexibler zu gestalten und es besser
geeignet für die Lösung solcher Probleme zu machen, denen sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Kurzfristig erfordert dies eine bessere Lösung
der spezifischen Probleme mit der Gemeinschaft, so wie sie auftreten.
Wie Sie wissen, arbeiten wir im Zwanziger-Ausschuß bereits an der Umstrukturierung des internationalen Wirtschaftssystems durch Reform des internationalen Währungssystems sowie durch Vorbereitungen auf die umfassenden
multilateralen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT, die im kommenden September beginnen sollen. Weiter haben wir in der OECD eine Prüfung der Probleme der internationalen Investitionen in Angriff genommen, um damit sicherzustellen, daß dieses Gebiet nicht zu einem Streitobjekt zwischen den Regierungen wird, wenn wir jetzt in Richtung auf neue Übereinkommen auf den Gebieten des Handels und der Währungen voranschreiten. In allen diesen Fragen
spielt Westeuropa eine entscheidend wichtige Rolle. Wenn wir mit Erfolg das
internationale Wirtschaftssystem umstrukturieren wollen, um es offener und

-6-

�und gerechter zu machen, dann wird sich die amerikanisch-europäische Zusammenarbeit als unerläßlich erweisen.
Wenn wir uns jetzt immer stärker auf die offiziellen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT im kommenden September vorbereiten, dann wird es als
erstes notwendig sein, sicherzustellen, daß wir, wie auch die Europäische
Gemeinschaft, dem gemeinsamen Wachstum Vorrang gegenüber dem individuellen
Schutz einräumen, daß wir die Handelsschranken weiter abbauen und nicht neue
Präferenzabkommen eingehen

Der rapide anwachsende Handel war in den letzten

25 Jahren ein wesentlicher Antrieb für das wohl bedeutendste globale Wirtschaftswachstum in der Geschichte der Menschheit. Durch den Abbau der Handelsschranken wurde dieser Beitrag möglich. Wir haben an diesem Prozeß mitgewirkt und aus ihm Vorteile gezogen.
Eine weitere wesentliche Handelsliberalisierung ist notwendig, wenn wir
unseren Wohlstand erhalten und steigern wollen. Aber der politische Aspekt
der künftigen Handelsverhandlungen ist von gleich großer Bedeutung. Ihren
größten Fortschritt in Richtung auf Einheit hat die Europäische Gemeinschaft
auf dem Gebiet des Handels gemacht. Sir Christopher Soames, der "Außenminister" der Gemeinschaft, ha£ klargestellt, daß die Handelsverhandlungen im
Mittelpunkt der künftigen Beziehungen der Gemeinschaft zu den USA stehen und
von entscheidender Bedeutung für diese Beziehungen sein werden. Er hat die
Gemeinschaft aufgefordert, nicht zu vergessen, daß die Verhandlungen in den
weiteren politischen Rahmen der Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gestellt werden müssen.
Ich möchte gerade diesen Punkt vor den beiden Unterausschüssen unterstreichen, die sowohl an den politischen wie auch an den wirtschaftlichen
Aspekten unserer Beziehungen zu Europa interessiert sind. Die Verabschiedung
des Handelsgesetzes, das der Präsident dem Kongreß in einigen Tagen unterbreiten will, wird von entscheidender Wichtigkeit für die. Verwirklichung der
Strategie des Präsidenten sein, die auf eine Verbesserung der Beziehungen zu
Europa abzielen.
Auf

-7-

�•

Auf meiner Reise nach Europa habe ich den von Finanzminister Shultz eingeleiteten Prozeß fortgesetzt, die maßgebenden europäischen Staatsmänner
über die Grundzüge des Gesetzes zu unterrichten, das der Präsident vorzulegen beabsichtigt. Ich fand im allgemeinen eine positive Reaktion auf unser
Vorhaben. Ich habe allerdings auch gewisse Befürchtungen hinsichtlich der Importabgabe und der Schutzaspekte unseres vorgeschlagenen Handelsgesetzes festgestellt. Doch im allgemeinen schien diese gewisse Empfindlichkeit sich zu
begeben, sobald hervorgehoben wurde, daß wir lediglich für den Präsidenten die
gleichen umfassenden VerhandlungsvolLmachten anstreben, wie sie die europäischen Regierungen bereits besitzen. Die Reaktionen auf die Schutzmaßnahmen
waren weniger scharf, wenn sie als eine liberalisierende Kraft dargelegt wurden. Gibt man den empfindlichen Industrieen nicht genug Zeit zur Anpassung
an die veränderten Handelsgepflogenheiten, dann werden die Regierungen kaum
den Willen aufbringen, den Handel offener zu gestalten. Ich habe ferner darauf
hingewiesen, daß Form und Verwirklichung unseres Gesetzes in den kommenden Monaten wesentlich dadurch beeinflußt würden, ob wir einige der kurzfristigen
Handelsprobleme mit der Europäischen Gemeinschaft befriedigend lösen können;
dies gilt im besonderen für die GATT-Verhandlungen über die Beeinträchtigung
unseres Handels, die sich aus der Erweiterung der Gemeinschaft ergibt.
Ich stellte ferner einige Besorgnisse in Europa fest - die ich mich zu
zerstreuen bemühte -, daß die Vereinigten Staaten versuchen könnten, die Gemeinschaft in einigen spezifischen und fundamentalen Fragen zu spalten. Beispielsweise weist die europäische Presse immer wieder hartnäckig auf ein ihrer
Meinung nach mögliches gemeinsames Interesse der Vereinigten Staaten und Großbritanniens an einem Zusammenbruch der gemeinsamen Agrarpolitik hin. Unsere
Ansicht ist - und das habe ich immer wieder erläutert -, daß wir nicht bestrebt sind, diese gemeinsame Agrarpolitik zu Fall zu bringen, sondern daß wir
nur eine Liberalisierung auf dem Agrarsektor erreichen wollen, die sich im
beiderseitigen Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch Europas auswirken würde. Statt auf eine Spaltung der Gemeinschaft zu hoffen, erwarten wir
eine Zusammenarbeit mit ihr in jedem bedeutsamen Bereich wirtschaftlichen

-8-

�.

wirtschaftlichen Bemühens, an dem die Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten ein gemeinsames Interesse haben.
Was die Landwirtschaft anbetrifft, so möchte ich hinzufügen, daß in
Westeuropa die Erkenntnis wächst, der Kampf um die Lösung des ernsthaften
Inflationsproblems werde eine Modifizierung des hohen Grades an Protektionismus erfordern, der zur Zeit dort gegeben ist. Selbstverständlich würden
wir jeden Schritt ihrerseits auf dem Getreide- und dem Fleischsektor begrüßen, durch den sie (die Westeuropäer) billigere Getreideerzeugnisse und
billigeres Fleisch erhalten würden und der gleichzeitig die Aussichten für
die amerikanischen Getreide-und Futtermittelexporte verbessern würde. Wir
haben vor kurzem in den Vereinigten Staaten seit langem bestehende Beschränkungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung abgebaut. Wir hoffen, daß die
Europäer - um ihre Preise niedrig zu halten - Schritte zu einer wesentlichen
Liberalisierung ihres überaus protektionistischen Agrarsystems ergreifen werden, wir wollen den Agrarhandel als wichtigen Punkt in die bevorstehenden
multilateralen Handelsverhandlungen einbeziehen und auf der Basis der Gegenseitigkeit sinnvolle Erleichterungen der Restriktionen anstreben.
Ich habe ferner in Europa für unsere gemeinsame Sorge über das sich entwickelnde Energieproblem eine gemeinsame Basis festgestellt. Die Europäer
sehen der bevorstehenden Energiebotschaft des Präsidenten mit großem Interesse entgegen. Sie erörtern diese Frage untereinander mit Vorrang, und die
maßgebenden Staatsmänner der Europäischen Gemeinschaft haben auf ihrem Gipfeltreffen in Paris die unverzügliche Formulierung einer gemeinsamen Energiepolitik der Gemeinschaft gefordert. Vom Standpunkt der Binnenwirtschaft und
der Zahlungsbilanz her gesehen scheinen Energie und Landwirtschaft sich als
zwei der kritischsten Gebiete der künftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa zu entwickeln.
Westeuropa und die Vereinigten Staaten stehen ferner vor der gemeinsamen
Aufgabe, wirksame Lösungen für die Probleme der Entwicklungsländer zu finden.

-9-

�finden. Wir haben mit beträchtlicher Befürchtung die ständige Zunahme der
Präferenzhandelsabkommen der Gemeinschaft mit denjenigen Entwicklungsländern
in Afrika und im Mittelmeerraum beobachtet, mit denen sie in der Vergangenheit enge Bindungen unterhalten haben. Diese Abkommen könnten sich in Kürze
auch auf die Commonwealthländer in Afrika sowie im karibischen Raum ausdehn

6n. Wir unterstützen die besonderen Beziehungen zwischen der Gemeinschaft

und diesen Ländern und sind ebenfalls der Ansicht, daß sie Stabilität und
Frieden in den betreffenden Gebieten stärken. Wir können jedoch keine Rechtfertigung für die diskriminierenden Handelsaspekte dieser Beziehungen, vor
allem für die Gegenpräferenzen, sehen, die zur Bildung geschlossener NordSüdhandelsblöcke führen könnten. Wenn wir jetzt unser eigenes Handelsgesetz
ausarbeiten, sehen wir keine Möglichkeit, die Ausdehnung der allgemeinen
Handelspräferenzen seitens der Vereinigten Staaten auf die Entwicklungsländer
zu rechtfertigen, die uns zu Gunsten von Importen aus anderen Industriestaaten diskriminieren. Zweifellos müssen wir nach einer gemeinsamen Lösung dieses Problems suchen, die den Entwicklungsländern zum Vorteil gereicht. Dies
ist ein Problem, das ich bereits angeschnitten habe und das wir in naher Zukunft im einzelnen mit der Gemeinschaft erörtern werden.
Auf allen diesen Gebieten müssen wir sicherstellen, daß ausreichende Möglichkeiten für einen umfassenden und offenen Dialog mit der Europäischen Gemeinschaft vorhanden sind. Eine Reihe maßgebender europäischer Persönlichkeiten hat von einem umfassenderen und stärker institutionalisierten Mechanismus für einen Dialog zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gesprochen, aber die Gemeinschaft muß sich noch über eine Formel einigen. Wir
haben den Europäern gesagt, daß wir jeden von ihnen gemachten Vorschlag ernsthaft prüfen werden und daß unsere Sorge dem Inhalt und nicht der Form des
Dialoges gilt.
Mein

-10-

�Mein Gesamteindruck ist, daß sich unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft in der richtigen Richtung bewegen, aber daß sie ständiger Aufmerksamkeit bedürfen und daß eine wirksame Zusammenarbeit bei unseren großen gemeinsamen Interessen in den Bereichen von Politik und Sicherheit, bei unseren gemeinsamen Problemen auf den Gebieten der Energie und der Entwicklung
sowie im gesamten wirtschaftlichen und finanziellen Bereich notwendig ist.
Daß zwischen uns Probleme bestehen, ist eine Folge unserer wachsenden Interdependenz wie auch der besonderen, sich aus der Notwendigkeit ergebenden Umstände, grundlegende und längst überfällige Reformen auf dem Handels-und dem
Währungssektor auszuarbeiten, die den veränderten wirtschaftlichen

Gegeben-

heiten voll und ganz Rechnung tragen.
Die neuen maßgebenden Persönlichkeiten der Kommission haben mich sehr
positiv beeindruckt und wir führen einen freien und offenen Dialog mit ihnen.
Wie wir erkennen a uch sie an, daß die gemeinsamen Bindungen zwischen den USA
und der Gemeinschaft bei weitem stärker sind als unsere Meinungsverschiedenheiten und daß wir den richtigen Sinn für die Proportionen in unseren Beziehungen behalten müssen. Ich bin sicher, daß wir bei gutem Willen auf beiden
Seiten die vor uns liegenden gemeinsamen Aufgaben erfolgreich lösen werden.
Wie der Präsident unterstrichen hat, ist es von höchster Wichtigkeit, daß die
Vereinigten Staaten und Europa eng zusammenarbeiten.

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15/1973

USA PROKLAMIEREN "WOCHE DER ERDE"
-Jahresbilanz beim Umweltschutz-

--(AD)-- In den Vereinigten Staaten wird vom 8.-14.April 1973 die
"Woche der Erde" begangen. Man zieht Bilanz, möchte feststellen, was mit
den Kampagnen gegen Umweltverschmutzung und UmweltSchädigung bereits erreicht wurde und wo künftig die AktionsSchwerpunkte liegen sollen.
Die Luftqualität ist zweifellos in vielen Regionen besser geworden.
Im Verlauf des letzten Jahres - genauer gesagt seit dem 1. März 1972 wurden z.B. weitere 2000 Stadtmüll-Deponien geschlossen, weil sie Quellen
für Rauch-und Geruchsbelästigungen waren oder die Gegend verschandelten.
Schwefeloxide und Staub in der Luft gingen in zahlreichen Städten merklich
zurück. Allerdings entsprechen die jetzt gemessenen Konzentrationen noch
nicht den höchstzulässigen Werten, die nach dem Bundesgesetz von 1970
zur Luftreinhaltung ab 1976 den Maßstab abgeben und nicht mehr überschritten werden dürfen.
Das Gesetz, das Schadstoffe

wie Staub, Schwefeloxide, Kohlenmonoxid,

Kohlenwasserstoffe, Stickstoffoxide und photochemisch wirksame Aerosole
stark verringern helfen soll, begrenzt z.B. Schwefeldioxid auf 0,14

-l-

�0,14 Anteile SO

in 1 000 000 Teilen Luft. Durch die Verwendung schwefel-

armer Brennstoffe und die strengen Kontrollmaßnahmen ist nach den Angaben
der Bundesuraweltschutzbehörde EPA die SO -Konzentration in den Großstädten
im Vergleich zu den sechziger Jahren tatsächlich schon erheblich zurückgegangen. Sie sank in einigen Gebieten bereits um 75 Prozent - d.h. sie liegt
schon 5 Prozent unter der ab 1976 gültigen Obergrenze.
Aus den Unterlagen des EPA-Überwachungszentrums in Nordkarolina, bei
dem die Meßdaten von 247 regionalen Stationen gesammelt werden, geht aber u.a.
hervor, daß z.B. Städte wie Atlanta, Detroit und St. Louis gegen Staub-,
Schwefeldioxid und Stickstoffoxide weitere Kontrollmaßnahmen ergreifen müssen,
um den Auflagen zur Ausschaltung gesundheitsgefährdender Abgase gerecht werden zu können. Von New York wird berichtet, daß die Emissionen an Schwefeldioxid in den letzten acht Jahren um 25 Prozent zurückgingen, in der Stadt
Buffalo (New York) um 50 Prozent. In der Bucht von San Francisco stellt der
Smog im Sommer und Herbst noch immer ein Problem dar, jedoch ist in bezug auf
Staubemissionen ein Rückgang zu verzeichnen.
Aufgrund neuer Ergebnisse, die Wissenschaftler des EPA-Forschungszentrums
in Durham (Nordkarolina) bei atmosphärischen Untersuchungen und Tierversuchen
erzielten, ist es jedoch zweifelhaft geworden, ob die für 1976 angestrebten
"Sicherheitsgrenzen", insbesondere der für Schwefeldioxid noch zulässige
Höchstwert,überhaupt sicher genug sind. Denn die Anzeichen häufen sich, daß
weniger das Schwefeldioxid in der Luft als vielmehr die daraus entstehenden
Tochterprodukte wie Schwefelsäure (bei Verbindung mit Sauerstoff und Feuchtigkeit) und bestimmte Sulfate (Salzeaus Schwefel und anderen Substanzen wie
die Verbindung mit Metallen und Ammoniak) viel gefährlicher sind als die
"Muttersubstanz" Schwefeldioxid. Sie behindern z.B. bei Meerschweinchen die
Atmung viermal bezw. zwanzigmal stärker als die Ausgangsverbindung, das
Schwefeldioxid. Inwieweit diese Resultate allerdings für den Menschen zutreffen, vermag man noch nicht zu sagen. Jedenfalls ist höchste Wachsamkeit
geboten.
-Gewässer

�i

- Gewässer werden sauberer Das Bundesgesetz von 1972 zur Reinhaltung der Gewässer demonstriert,
daß die Regierung auf diesem Gebiet nicht minder entschlossen vorgeht. Die
einzige Kontroverse ergibt sich aus den dabei anzuwendenden Methoden und
dem Tempo. Aus preis-und konjunkturpolitischen Gründen lehnte es Präsident
volle
Nixon bisher ab, jetzt schon die/Hälfte der vom Kongreß bewilligten 24 Milliarden Dollar für den Bau von Kläranlagen freizugeben. Die dafür zur Verfügung gestellten Bundesmittel stiegen von 214 Millionen Dollar im Jahre 1969
auf zwei Milliarden im Jahre 1972, und sie werden im kommenden Haushaltsjahr
drei Milliarden Dollar erreichen.
Ziel des Wasserschutzprogramms der EPA, das in erster Linie durch den
Bau oder die Verbesserung von Kläranlagen erreicht werden soll, ist es,
bis 1977 die Entfernung von 85 Prozent der biologischen Abfälle aus dem
Wasser zu gewährleisten. Von der Industrie, der 34 Prozent der Wasserverschmutzung angelastet werden, wird bis 1977 die Anwendung der "bestmöglichen" Technik der Abwasserreinigung und bis 1985 eine - vorläufig allerdings vielfach als hypothetisch angesehene - völlige Einstellung des Einleitens von Abwässern in Flüsse und Seen verlangt. In den Vereinigten Staaten gibt es z.Zt. etwa 12 000 Anlagen zur Abwasserbehandlung. Bei der EPA
liegen derzeit Gesuche und finanzielle Zuschüsse zum Bau von weiteren
9 000 Anlagen vor.
Schon jetzt ist das Einleiten von Industrieabwässern in offene Gewässer scharfen Kontrollen und Beschränkungen mit Auflagen zur Vorbehandlung unterworfen. Es wird in zahlreichen Fällen von Sondergenehmigungen seitens der EPA abhängig gemacht. Gegenwärtig sind 600 solcher Anträge in
Bearbeitung bezw. bereits bewilligt; man erwartet, daß die Zahl schon im
Juni auf 3 500 angestiegen sein wird. Weitere 1 000 Anträge, die durch ein

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�ein neues Gesetz notwendig wurden, betreffen die Beseitigung von Industrieabfällen im Meer. Auch Motorboote und VergnügungsJachten bedürfen jetzt
im Interesse des Umweltschutzes einer besonderen Betriebserlaubnis.
Für die Beseitigung von Schrottfahrzeugen wurde im letzten Jahr viel
getan. Die Zahl der Schredderanlagen stieg von 90 auf 120 an. Sie können
pro Jahr acht Millionen Schrottfahrzeuge zerkleinern. Die Stahlwerke sind
in der Lage, den Eisenschrott in die Produktion wieder einzuschleusen.

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15/1973

DIE ATMUNG DER MEERE
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren-

--(AD)--

Nach neunmonatiger Forschungsfahrt, die von den Gewässern um

Grönland bis in die Antarktis führte, machte die KNORR, ein schwimmendes
Laboratorium des Ozeanographischen Instituts Woods Hole (Massachusetts)
Anfang April im Hafen von New York fest. Fast 26 000 Seemeilen (ca. 48 000
km) hatte sie auf dieser ersten Atlantik-Expedition für GEOSECS" (Geochemical Oceans Section Study - Erforschung der geochemischen Vorgänge
in den Weltmeeren) zurückgelegt. Im kommenden Jahr wird das Schwesteischiff
der KNORR, die MELVILLE vom Scripps-Institut in La Jolla (Kalifornien), mit
den gleichen Ausrüstungen und Meßverfahren im Pazifik und im Indischen Ozean
operieren. Ein japanisches Forschungsschiff, das bereits Teile des Pazifik
sondierte, schließt sich der MELVILLE an, während von Wissenschaftlern der
Bundesrepublik und Frankreichs noch in diesem Jahr bestimmte Gebiete des
atlantischen Ozeans im Rahmen des GEOSECS-Programms erkundet werden.
An dem von der amerikanischen "National Science Foundation" (Nationalstiftung für die Wissenschaft) finanzierten Projekt sind außerdem 15 amerikanische Universitäten und Laboratorien sowie Institute in Kanada, Indien

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Indien und Italien mit Untersuchungen beteiligt, die vom Festland aus durchgeführt werden können. Man möchte nicht nur eine allgemeine Übersicht, sondern möglichst exakte Kenntnisse von Temperaturen, Zirkulation, Salzgehalt,
Sauerstoffkonzentrationen, Nährstoffen, Druckverhältnissen, Radioaktivität
und anderen physikalischen Faktoren bekommen, die jenseits der Schelfzonen
in der Tiefsee anzutreffen sind.
Es liegt auf der Hand, daß alle diese Faktoren praktische Auswirkungen
auf wirtschaftswichtige Aktivitäten und Entwicklungen haben - Fischerei,
langfristige Wettervorhersagen, neue Hilfsquellen und, was vielleicht am bedeutsamsten ist, die Kontrolle der Meeresverschmutzung. Sie beeinflussen
den Stoffaustausch zwischen Tiefsee-und Oberflächenwasser, die biologische
Aktivität in verschiedenen Tiefenregionen und in einzelnen Meeresgebieten
und schließlich den Austausch von Wasser und Gasen zwischen Meer und Atmosphäre. Der erste Schritt zur Anwendung der mit GEOSECS erworbenen und
vertieften Kenntnisse wäre, wie Dr. Wallace Broecker von der Columbia-Universität (New York) in diesem Zusammenhang erklärte, die Ausarbeitung eines
Computer-Modells für den Stoff-und Energiehaushalt der Meere.
Die Wissenschaftler an Bord der KNORR sammelten Daten, die über die
Dynamik des Atlantik Aufschluß geben sollen. Die Reise begann am Polarkreis
und führte den westlichen Atlantik entlang bis zum Kap Hörn. Von dort aus
ging die Expedition weiter zur Küste der Antarktis, an dieser entlang und
schließlich zur Westküste Afrikas und wieder in Richtung Norden. Das Schiff
ist mit den wohl modernsten Anlagen ausgestattet, über die ein Forschungsschiff nur verfügen kann. Automatische Laboranlagen sind ebenso wie empfindliche neue Meßgeräte direkt an einen Bordcomputer angeschlossen, der nicht
nur die Daten speichert, sondern auch einen großen Teil der Operationen
steuert.
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An mehr als 120 verschiedenen Stationen auf hoher See wurde das glockenförmige Tiefenmeß-Instrumentarium (die Wissenschaftler nennen es "Rosette")
so und so oft abgesenkt, stellenweise bis 7 000 m unter dem Wasserspiegel.
Obgleich es noch Monate, vielleicht Jahre dauern wird, bis die Daten ausgewertet sind, stehen bereits einige Ergebnisse fest. Man hatte z.B. befürchtet, daß die gegenwärtig ständig steigende Emission von Kohlendioxid auf
der nördlichen Halbkugel der Erde die Fähigkeit der Meere, Kohlendioxid zu
absorbieren, bereits übersteige, was zu einer Übersättigung der Atmosphäre
mit CO

und schließlich zu Klimaänderungen führen muß. Auf der KNORR-Expe-

dition wurde jedoch nachgewiesen, daß der Nordatlantik nach wie vor Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, der Südatlantik dagegen Kohlendioxid an die
Atmosphäre abgibt. Nach Dr„ Haro Takahashi, einem der Chefwissenschaftler
für das Unternehmen GEOSECS, sei dies ein Anzeichen dafür, daß die Meere
noch in der Lage sind, Gase aus den Regionen mit den stärksten Verschmutzungsgraden aufzunehmen. Allerdings bedeute dies, wie er betonte, keine Lösung des
Problems der atmosphärischen Belastung mit Industrieabgasen.
Die Wissenschaftler entdeckten außerdem, daß in den Tiefen der Weltmeere
sehr viel stärkere und ausgedehntere Turbulenz herrscht als bisher angenommen. Sie berichten z.B. von eindeutigen Anzeichen für "eine starke Wechselwirkung zwischen Grundströmungen und Meeresboden, wobei Material vom Meeresgrund durch die gesamten Weltmeere umverteilt wird."

Ein besonders wichti-

ger Teil der Forschungen entfiel auf die Entnahme und Messung radioaktiver
Isotope im Meer, weil diese ein sehr genaues Bild von der horizontalen und
vertikalen Zirkulation und den Auswirkungen der Verschmutzung ergeben können. Mit Hilfe der auf der KNORR praktizierten Methoden ist es möglich, bessere Vorhersagen für künftige Entwicklungen in den Weltmeeren zu machen.
"Sie verändern sich viel schneller, als wir bisher annahmen", meinte
Dr. Takahashi.

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15/1973
HORMONE UND MUSKELDYSTROPHE
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

--(AD)--Die biochemischen Prozesse, die der Muskeldystrophie zugrundeliegen,
konnten trotz intensiver Forschung bisher nicht geklärt werden. In einer
Reihe von Instituten in aller Welt bemühen sich Wissenschaftler darum, der
offenbar genetisch bedingten, in einigen typischen Hauptformen auftretenden Krankheit auf die Spur zu kommen. Bei einem Erfolg dieser Bemühungen
könnte es zum mindesten möglich werden, die Prozesse, die den Stoffwechsel
der Muskelzellen entgleisen

lassen, zu beeinflussen und die fortschrei-

tende Degeneration der Muskulatur zu stoppen.
Die "Muscular Dystrophy Associations of America, Inc." (MDAA), eine
private Vereinigung zur Bekämpfung dieser Krankheit, stellte kürzlich
Instituten in Kalifornien den Betrag von 200 000 Dollar zur Verfügung. Ein
Teil der Mittel geht an Dr.Hanna Friedman, Assistenzprofessorin für Biologie an der Universität Kalifornien in San Diego, die sich mit den Vorgängen an der Oberflächenmembran von gesunden und kranken Muskelzellen befaßt. Diese Trennschicht zwischen dem Zellinnern und der Umgebung der Zelle,
über die der Stoffaustausch vonstatten geht, macht im Verlauf der Austauschvorgänge selbst Veränderungen durch. Der Mechanismus, nach dem diese
Veränderungen ablaufen, ist jedoch noch unbekannt. Dr. Friedman hofft,

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�hofft, durch ihre Untersuchungen mehr Licht in die Vorgänge zu bringen, die
vielleicht auch bei der Verschlimmerung des Zustandes von Patienten mit
Muskeldystrophie eine Rolle spielen.
Als eine mögliche Ursache der Muskeldystrophie werden enzymatische
Fehlreaktionen vermutet. Interessant in diesem Zusammenhang sind Erfahrungen,
die kürzlich Wissenschaftler des Klinikums der Emory-Universität in Atlanta
(Georgia) machten. Dr. Samuel B. Chyatte und Dr. Daniel Rudman gaben im Rahmen ein er kurzfristigen Studie Patienten mit Muskeldystrophie menschliches
Wachstumshormon (human growth hormon - HGH). Bei zwei Formen der Erkrankung
- nämlich der sogenannten myotonen Dystrophie und der Schultergürtel-Form zeigte sich bald eine ermutigende Reaktion. Das Hormon hatte offenbar einen
gewissen aufbauenden Effekt und wirkte als Anabolikum. Das Muskelgewebe nahm
an Substanz zu. Allerdings war in der noch relativ kurzen Zeit der Anwendung
keine entsprechende Kräftigung der Muskulatur zu beobachten. Deshalb wurde
jetzt ein längerfristiges Programm für die HGH-Therapie eingeleitet, bei dem
die Patienten unter diesem Gesichtspunkt besonders sorgfältig beobachtet werden.
Entgegengesetzt war jedoch die Reaktion bei der dritten und häufigsten
Form, der progressiven Muskeldystrophie (Typ Duchenne), auf die fast 90 Prozent aller Erkrankungen entfallen und von der meist nur Knaben betroffen
sind. Bei diesen Patienten kam es zu einer verstärkten Atrophie des Muskelgewebes. Man beobachtete unter anderem, daß aus den Muskelzellen Enzyme aussickern, was auf eine ernste Zellschädigung schließen ließ.
Dieses Ergebnis veranlaßte Chyatte und Rudman, Diaethylstilbestrol anzuwenden, ein synthetisch gewonnenes weibliches Sexualhormon. Es hatte bei den
Patienten mit progressiver Muskeldystrophie einen ähnlichen aufbauenden
Effekt wie HGH bei den anderen beiden Dystrophie-Formen. Nach Meinung der
Wissenschaftler liegt die Bedeutung dieser Ergebnisse allerdings weniger in

�in der therapeutischen Wirkung als vielmehr in der Tatsache, daß menschliches Wachstumshormon bei den verschiedenen Formen der Muskeldystrophie
konträre Wirkungen zeigt. Weder bei Tierversuchen noch beim Menschen war
zuvor der zeilabbauende (katabole) Effekt von HGH beobachtet worden. Es se
zu vermuten, so Dr.

Chyatte, daß bei Muskeldystrophie vom Typ Duchenne di

biologische Aktivität dieses Hormons überhaupt eine Schlüsselrolle spielt.
Diese Dystrophie-Form scheine eine Art "seitenverkehrtes Spiegelbild" der
anderen beiden Erkrankungsformen zu sein. Die bisherigen Forschungsergebnisse weisen auf spezifische bio-chemische Defekte hin, die man nun weiter
eingrenzen möchte und im Detail ausfindig zu machen hofft.

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