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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

4. November 1998

22

KOSOVO

EINE CHANCE FÜR FRIEDEN
von Samuel R. Berger

USA-EUROPA

DIE BEDEUTUNG DER EUROATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Rede von Stuart Eizenstat

HANDEL

DIE AMERIKANISCH-EUROPAISCHEN
HANDELSBEZIEHUNGEN
Rede von Charlene Barshefsky

MEDIEN

"UNTERDRÜCKUNG DER PRESSE DURCH
MILOSEVIC MUSS AUFHÖREN"
von Jonathan Spalter

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�KOSOVO
4. November 1998

Eine Chance für Frieden
von Samuel R. Berger

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Nationalen Sicherheitsberaters Samuel R. Berger, der
erstmals in The Washington Post vom 21. Oktober 1998 erschien. Copyright: The Washington Post, 22. 10.
1998.

In der vergangenen Woche zwang die Bereitschaft der
NATO zum Einsatz von Gewalt im Kosovo Slobodan
Milosevic, den Forderungen der internationalen
Gemeinschaft zuzustimmen. Die von ihm eingegangenen Verpflichtungen werden - wenn er sie vollständig
erfüllt - die humanitäre Krise im Kosovo mildern und
wichtige Ziele der Vereinigten Staaten umsetzen.
Einige haben im Nachhinein in Frage gestellt, was die
internationale Gemeinschaft gewonnen hat. Das
endgültige Ergebnis werden wir erst in den kommenden Tagen kennen, wenn wir feststellen, ob Milosevic
seinen Worten Taten folgen läßt. Aber einige erste
Schlußfolgerungen sind klar:
Die von Milosevic gemachten Zusagen erfüllen die von
uns gesetzten Ziele. Die internationale Gemeinschaft
hatte im Kosovo drei übergeordnete Ziele: Die Beendigung der Gewalt, die sich auf Nachbarländer ausweiten und die zerbrechliche Stabilität auf dem Balkan
bedrohen könnte. Zu verhindern, daß die humanitäre
Krise zu einer Katastrophe wird durch Beendigung der
Unterdrückung der Kosovo-Albaner und Gewährleistung der sicheren Rückkehr der Vertriebenen in
ihre Dörfer. Die Rückführung der Kosovaren auf den
Weg zu Autonomie, indem Milosevic zu friedlichen
Verhandlungen mit ihnen gezwungen wird.
Die von Milosevic eingegangenen Verpflichtungen
erfüllen alle drei Ziele. Er hat der vollständigen
Einhaltung von Resolution 1199 des UN-Sicherheitsrats zugestimmt, die fordert, daß er den Waffenstillstand aufrechterhält, vor kurzem stationierte Streitkräfte und Spezialeinheiten aus dem Kosovo abzieht,
die übrigen in die Kasernen verlegt und den Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen uneingeschränkten und unverzüglichen Zugang zu den

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Notleidenden gewährt. Und er hat einem speziellen
Zeitplan für den Abschluß der Gespräche mit den
Kosovo-Albanern zugestimmt, die ihnen demokratische Wahlen, eine autonome Regierung und ihre
eigene Polizei vor Ort zugestehen werden - mit
anderen Worten, Rechte, die sie gefordert haben, seit
Milosevic sie im Jahr 1989 ihrer Autonomie beraubte.
Nur durch eine politische Lösung, die zum Abzug der
Kräfte der Unterdrückung und echter Autonomie führt,
kann es eine Chance für Stabilität im Kosovo geben.
Der Beweis zeichnet sich ab. Wie Präsident Clinton
klargemacht hat, sind Zusagen nicht dasselbe wie
Einhaltung. Aus diesem Grund forderte die internationale Gemeinschaft - und Präsident Milosevic hat
dieser Forderung zugestimmt - eine beispiellose
internationale Präsenz, der er sich bisher vehement
widersetzt hatte: Ein äußerst eingehendes Verifikationssystem am Boden und in der Luft. Dazu zählen
2.000 internationale Beobachter im Kosovo, die als
"Wachhunde" fungieren um sicherzustellen, daß der
Waffenstillstand eingehalten wird, die serbischen
Streitkräfte abziehen und gleichzeitig unter den
Kosovaren Vertrauen in eine Rückkehr in ihre Dörfer
aufgebaut wird. Und das wird eine umfassende
Luftüberwachung durch die NATO beinhalten - die die
NATO mit nur einer Stunde Vorankündigung in die
Wege leiten kann - um die Einhaltung zu überwachen
und Verletzungen schnell aufzudecken.
Die Verifikationsteams werden von der 54 Nationen
umfassenden Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit im Europa zusammengestellt und von
Botschafter Bill Walker geleitet - einem außerordentlich
erfahrenen amerikanischen Diplomaten. Sie werden
von einer Eingreiftruppe der NATO unterstützt um zu

Seite 1

�gewährleisten, daß sie gegebenenfalls sicher abgezogen werden können. Und wir haben gegenüber
Präsident Milosevic klargestellt, daß er mit den
schwerwiegendsten Konsequenzen zu rechnen hat,
wenn seine Truppen versuchen, internationalen
Beobachtern oder Mitarbeitern humanitärer Hilfsorganisationen Schaden zuzufügen oder sie als
Geiseln zu nehmen. Die ersten regulären Überflüge
mit U-2 und anderen Aufklärungsflugzeugen haben an
diesem Wochenende begonnen.
Bisher hat es zwar keine vollständige, aber doch eine
gewisse Einhaltung in vier Schlüsselbereichen gegeben. Erstens hat der Waffenstillstand im Großen und
Ganzen zwei Wochen lang gehalten, trotz gelegentlicher Gefechte zwischen serbischen Sicherheitskräften
und der Kosovo-Befreiungsarmee.
Zweitens sind die meisten humanitären Hilfsorganisationen wieder so zahlreich im Kosovo wie vor dem
Abzug, bei minimaler Einmischung der serbischen
Behörden. Viele beabsichtigen eine Erhöhung ihrer
Präsenz. Acht Konvois mit humanitären Hilfsgütern darunter Nahrungsmittel, Kleidung und Medikamente sind bereits im Kosovo eingetroffen.
Drittens ist die Polizeipräsenz der Serben weniger
allgegenwärtig. Aber bis heute ist Milosevic im
Hinblick auf den Abzug der bei Beginn der Krise im
Kosovo stationierten Streitkräfte und den Abzug seiner
Sonderpolizei noch nicht schnell genug weit genug
gegangen. Es gibt Gründe für den Verbleib einiger
Streitkräfte im Kosovo, um die Sicherheit der Grenzen
zu gewährleisten - aber keine Rechtfertigung für die
Streitkräfte, die zur Unterdrückung der albanischen
Bevölkerung eingesetzt werden. Der Oberfehlshaber
der NATO, General Wesley Clark, hat Präsident
Milosevic eine detaillierte Liste von Militär- und Polizeieinheiten gegeben, die er abziehen oder in Kasernen

*

Seite 2

*

verlegen muß. Anhand der Luftüberwachung und der
Berichte von Beobachtern vor Ort wird die NATO
entscheiden, ob Milosevic diese Vorgaben einhält.
Viertens sind infolge des sich verbessernden, aber
immer noch unzulänglichen Sicherheitsumfelds
zwischen 15.000 und 35.000 Vertriebene aus den
Bergen in ihre Dörfer zurückgekehrt und so der
tödlichen Gefahr eines Winters ohne Unterkunft
entkommen. Aber eine große Zahl von Flüchtlingen rund 35.000 - sind immer noch in Gefahr. Unter der
Voraussetzung, daß der Waffenstillstand hält und
Milosevic seine Verpflichtungen zur Verbesserung der
Sicherheitslage erfüllt, mehr Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Beobachter ins Land kommen und
mehr serbische Streitkräfte abziehen, sollte sich das
Vertrauen der verbliebenen Flüchtlinge erhöhen - und
die meisten von ihnen werden aus der Kälte in ihre
Dörfer zurückkehren können.
Die NATO muß weiterhin zum Handeln bereit sein,
wenn Milosevic es nicht tut. Um weiter Druck auf
Milosevic auszuüben, seine Verpflichtungen einzuhalten, hat die NATO den Finger am Abzug: Der
Aktivierungsbefehl zum Einsatz von Gewalt ist weiterhin in Kraft, aber bis zum 27. Oktober ausgesetzt,
während wir die Einhaltung durch Präsident Milosevic
prüfen und bewerten. Wenn er bis zu diesem Datum
keine maßgeblichen Fortschritte gemacht hat, kann die
NATO mit den Luftangriffen beginnen, um die Einhaltung zu erzwingen und Milosevics Fähigkeit zur
Durchführung seiner Unterdrückungskampagne gegen
die Kosovo-Albaner zu beeinträchtigen.
Die letzten Kapitel der Kosovo-Krise müssen noch
geschrieben werden. Aber dank der starken Haltung
der NATO gibt es eine Chance, das Leid und die
Unterdrückung zu beenden - und die Region auf den
Weg zu Frieden zu bringen.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�USA-EUROPA
4. November 1998

Die Bedeutung der euroatlantischen Partnerschaft
für das 21. Jahrhundert
Rede von Stuart Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Staatssekretärs für wirtschaftliche,
unternehmerische und landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stuart Eizenstat, im Nixon
Center vom 16. Oktober 1998.

Einleitung
Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen,
heute vor Ihnen eine Rede halten zu dürfen. Ich
möchte unsere Zusammenkunft zum Anlaß nehmen,
kurz über die amerikanisch-europäischen Beziehungen, ihre Synergien, ihre Irritationen und ihre Aussichten zu sprechen.
Die Bedeutung der amerikanisch-europäischen
Partnerschaft
Obwohl der Kalte Krieg vorüber ist, besteht die Notwendigkeit einer Partnerschaft und eines Bündnisses
mit Europa fort. Heute ist unser Schicksal ebenso eng
verbunden wie vor 50 Jahren. Wenn Europa in
Frieden lebt, ist Amerika sicherer. Wenn Europa
prosperiert, tut Amerika das ebenso. In vieler Hinsicht
ist Europa der beste Partner, den wir haben. Unsere
Partnerschaft mit Europa könnte vielleicht mehr als die
mit jedem anderen Teil der Welt als "bereichernde
Beziehung" bezeichnet werden. Das heißt, wenn die
Vereinigten Staaten und Europa zusammen sind,
können wir eine mächtige Kraft für Fortschritt auf
nahezu allen Gebieten sein.

ralen Handelsabkommen über Telekommunikations- und Informationstechnologie im Wert
von Milliarden Dollar erzielt. In Zusammenarbeit mit Kanada und Japan stellten die
Vereinigten Staaten und Europa die erforderliche kritische Masse zur Erlangung dieser
wichtigen Abkommen bereit.
Das Anfang dieses Jahres zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU unterzeichnete Abkommen über gegenseitige Anerkennung
(Mutual Recognition Agreement - MRA) wird
doppelte Produkttests bei gehandelten Waren
im Wert von rund 60 Milliarden Dollar abschaffen.
Die Ressourcen der EU haben einige unserer
wichtigsten außenpolitischen Initiativen ermöglicht. Das Hilfspaket der EU für den
Nahen Osten in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar
ist von elementarer Bedeutung für den Friedensprozeß, und die Hilfe der EU für Osteuropa - einschließlich Bosniens - in Höhe
von 1,7 Milliarden Dollar ist sehr viel höher als
unser eigenes Hilfspaket.

Die Vereinigten Staaten und die EU haben bereits die
wichtigsten gegenseitigen Handels- und Investitionsbeziehungen der Welt geschaffen - die sich auf über
eine 1 Billion Dollar belaufen - und es gibt viele andere
Bereiche, in denen unsere Zusammenarbeit fruchtbar
war:

Unser umfassender und andauernder politischer Dialog mit der EU hat uns geholfen,
gemeinsame, konstruktive Positionen zu
verschiedenen Problemen in Afrika, auf dem
Balkan, in der Slowakei, der Ukraine und
andernorts zu erarbeiten.

Ohne die amerikanisch-europäische Führungsrolle hätten wir keine wichtigen multilate-

Die Vereinigten Staaten und die EU haben im
Bereich der nuklearen Sicherheit das gemein-

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�same Ziel, das Atomkraftwerk Tschernobyl in
der Ukraine bis zum Jahr 2000 endgültig zu
schließen, und wir arbeiten bei der Stilllegung
anderer Kernreaktoren zusammen.
Die Vereinigten Staaten und die EU schaffen
in der Ukraine, Rußland und in den anderen
Neuen Unabhängigen Staaten ein Netz regionaler Umweltzentren.
Unsere Fähigkeit, unsere Differenzen zu
überwinden und uns auf gemeinsame Ziele zu
konzentrieren, war ein entscheidender Faktor
bei der Erlangung des Abkommens zum
Kyoto-Protokoll über Klimawandel.
Der Beitrag der EU zur Koreanischen Energieentwicklungsorganisation (KEDO) war entscheidend für die Organisation bei der Bewältigung der Bedrohung der nuklearen Weiterverbreitung und der Förderung von regionaler
Stabilität auf der koreanischen Halbinsel.
Unsere Zusammenarbeit war ein wichtiger
Bestandteil beim erfolgreichen Abschluß der
Internationalen Konvention der Vereinten
Nationen über die Verhinderung von Terroranschlägen.
Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen.
In der Tat hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts
beide Seiten des Atlantiks gelehrt, daß wir eine
Partnerschaft benötigen, in der Europa auf uns zählen
kann und wir auf Europa zählen können. Diese
Lektion gilt auch für das 21. Jahrhundert.
Drei Herausforderungen
An der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend sehen
wir drei grundlegende Herausforderungen, die die
euroatlantische Partnerschaft motivieren.
Die erste liegt in Europa selbst. Präzise gesagt,
ermutigen wir die andauernde Integration des Kontinents durch die Erweiterung der NATO und der
Europäischen Union. Dieser Prozeß fördert einen
wohlhabenden und demokratischen Kontinent, der
nicht durch Waffengewalt, sondern die Möglichkeiten
des Friedens geeint ist. Wir müssen ferner unsere
Ziele Sicherheit, Wohlstand und Demokratie nach
Osten ausweiten, indem wir weiterhin neue Partnerschaften mit Rußland und der Ukraine eingehen.
Dabei zielen wir darauf ab, Krieg und Konflikt im
östlichen Teil des Kontinents so undenkbar zu machen, wie sie es im westlichen Teil geworden sind.
Unseres Erachtens hat die Europäische Wirtschaftsund Währungsunion das Potential, in hohem Maße zur
europäischen Integration beizutragen, indem sie einen
stabileren Finanzsektor und offenere Märkte fördert,

Seite 2

insbesondere, wenn die EWWU mit Strukturreformen
einhergeht, die für den Abbau der Arbeitslosigkeit so
entscheidend sind.
Unsere zweite Herausforderung ist die Vertiefung der
Beziehungen zwischen Europa und Amerika. Unsere
umfassenden Handels- und Investitionsbeziehungen
sind die Quelle von Wohlstand für Millionen von
Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks. Sie sind
die doppelten Säulen von Wachstum und Stabilität, die
in dieser unsicheren Zeit für die globale Wirtschaft von
besonderer Bedeutung sind. Von der Kennedy- bis zur
Uruguay-Runde haben die Vereinigten Staaten und die
EU die Welt zu offenen Märkten geführt - und zur
Vermehrung des Wohlstands, den eine solche Liberalisierung mit sich bringt. Die neue gemeinsame Initiative der Vereinigten Staaten und der EU, die
Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft (Transatlantic Economic Partnership - TEP), versucht, die
bereits beeindruckenden Grundlagen unserer transatlantischen Beziehungen durch Zusammenarbeit und
den weiteren Abbau bilateraler und multilateraler
Hemmnisse für internationalen Handel und Investitionen zu stärken. Die TEP wird sich auf über ein
Dutzend Sektoren erstrecken, darunter für die Vereinigten Staaten entscheidende Bereiche wie Dienstleistungen, Biotechnologie und elektronischer Handel.
In der Zusammenarbeit im Rahmen der TEP sehen wir
nur eine Erweiterung unserer Fähigkeit, eine positive
Kraft für Wandel und Wirtschaftswachstum auf der
ganzen Welt zu sein, und wir hoffen, die Europäische
Kommission erhält beim nächsten US-EU-Gipfeltreffen
ein Verhandlungsmandat für die TEP.
Die dritte und bedeutendste Herausforderung geht
über Europa und Amerika hinaus. Wir müssen
gemeinsam handeln, um herkömmliche regionale
Krisen zu meistern und gemeinsame Strategien für
neue Arten von Bedrohungen unserer Bürger zu
entwickeln. Diese Bedrohungen beinhalten häufig den
illegalen Fluß von Menschen, Geld, Waffen, Technologie, Toxinen, Gewalt, Drogen oder Krankheiten über
nationale Grenzen hinweg, den keiner von uns im
Alleingang effektiv bekämpfen kann.
Der Hauptgrund für Irritationen zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU
Diese Drittregionen oder bündnisfremdes Gebiet
betreffenden Probleme haben die transatlantischen
Beziehungen in den vergangenen Jahren am meisten
auf die Probe gestellt. Obwohl unsere Erfahrung zeigt,
daß wir die Probleme billiger, schneller und effektiver
lösen konnten, wenn wir gemeinsam gehandelt haben,
war diese Zusammenarbeit nicht immer möglich.
Dafür gibt es eine Reihe von Erklärungen. Die Aussichten einer globalen Supermacht und einzelner EUMitgliedstaaten unterscheiden sich. Das Tempo, mit
dem die Vereinigten Staaten auf Ereignisse und die
Operationen einer neuen und sich entwickelnden

AMERIKA DIENST 22

�Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in der EU
reagieren, ist nicht synchron. Das heißt, wo wir nicht
gemeinsam gehandelt haben, waren die amerikanischen und europäischen Bestrebungen außerhalb
der Region schwieriger zu verwirklichen.
Die amerikanische Sanktionspolitik gegenüber Iran,
Libyen und Kuba veranschaulicht diesen Punkt.
Wenige Europäer würden nicht mit dem Ziel unseres
Sanktionsgesetzes für Iran und Libyen (ILSA) übereinstimmen, Teheran und Tripolis von der Unterstützung
des Terrorismus oder der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen abzuhalten. Entsprechend teilen
und befürworten die meisten Europäer unsere Ziele für
Menschenrechte und Demokratie in Kuba.
Bezüglich der Mittel zum Zweck haben wir und die EU
jedoch Meinungsverschiedenheiten. Als Mittel der
Außenpolitik haben unsere europäischen Partner sehr
viel weniger Vertrauen in Wirtschaftssanktionen als
wir. In den Fällen, in denen sie Sanktionen eine Rolle
einräumen, bevorzugen sie nahezu ausschließlich
umfassende, multilaterale Maßnahmen. In der Tat
ziehen die Europäer unilaterale Wirtschaftssanktionen
- die die Zielländer leichter umgehen können - als rein
symbolischen Akt in Betracht was die Auswirkungen
auf die Zielländer anbetrifft. Insbesondere im Hinblick
auf ILSA und Libertad sahen die Europäer die Gesetze
als unilaterale Versuche, nichtamerikanischen Unternehmen amerikanische Gesetze aufzuzwingen - den
so genannten extraterritorialen Anspruch - und fühlten
sich zum Widerstand gezwungen.

Zusammenarbeit bei Nichtverbreitung, Terrorismusbekämpfung und der Energieentwicklung am Kaspischen
Meer verpflichtet wurden.
Im Hinblick auf das Libertad-Gesetz haben wir vereinbart, daß wir im Rahmen einer neuen transatlantischen
Partnerschaft für politische Zusammenarbeit intensivere Konsultationen mit unseren europäischen
Partnern über den Einsatz von Sanktionen und
unseren Umgang mit verbrecherischen Staaten führen
werden. Die Europäer haben ihrerseits zum ersten
Mal die in unserer Vereinbarung vom 18. Mai niedergelegte Politik des Widerstands gegen Investitionen in
enteignetes Eigentum angenommen, die wir gleichermaßen durch öffentliche Erklärungen und Demarchen
publik machen möchten. Sie werden der Regierung
wirtschaftliche Hilfe und Unterstützung für Investitionen
in enteignetes Eigentum verweigern und aufgrund der
Geschichte von Enteignungen in Kuba auch einen
besonderen "Filter" für Anträge auf staatliche Unterstützung oder wirtschaftliche Hilfe für Investitionen in
Kuba einführen. Die Vereinbarung - in der die EU zum
ersten Mal die Illegalität der kubanischen Enteignungen anerkannte - wird tiefgreifende Auswirkungen auf
die Entscheidungen potentieller Investoren haben, weil
sie nur zurückhaltend vorgehen werden, wenn sie
wissen, daß sie keine Hilfe von ihrer Regierung
erwarten können, sollte sich ein Disput ergeben.
Castro sieht die Vereinbarung zu Recht als die Internationalisierung der Libertad-Prinzipien und macht
vehement dagegen Werbung.
Sanktionsreform

Der darauf folgende Zank schadete unseren bilateralen Beziehungen zu Europa und lenkte von unserem
wirklichen Ziel ab, das Verhalten in Teheran, Tripolis
und Havanna zu ändern. Die Europäer hatten das
Gefühl, ihre Firmen seien die unbeabsichtigten Opfer
unserer Sanktionen, während wir frustriert über die
anscheinende Widerwilligkeit oder Unfähigkeit der
europäischen Partner waren, angesichts einer eindeutigen Sicherheitsbedrohung und lange andauernden politischen Unterdrückung Schnell und entschlossen zu handeln.
Schadensbegrenzung
So ärgerlich ILSA und Libertad für die transatlantischen Beziehungen sind - und ich möchte ihre Auswirkungen nicht minimieren - konnten wir mit unseren
europäischen Partnern genügend gemeinsames
Terrain finden, um zu verhindern, daß unsere Kontakte
irreparablen Schaden erleiden. Im Fall South Pars
entschied die Außenministerin, daß eine Aussetzung
effektiver als Sanktionen für die Erlangung der Ziele
von ILSA ist - der Eindämmung der Unterstützung des
Irak für Massenvernichtungswaffenprogramme und
Terrorismus. Beim US-EU-Gipfel in London am 18.
Mai erzielten wir Einigung zu drei gemeinsamen
Erklärungen, mit denen die Parteien zu verstärkter

AMERIKA DIENST 22

Obwohl wir in diesem Jahrzehnt häufig auf Sanktionen
als Instrument der Außenpolitik zurückgegriffen haben,
scheint ihre Wirkung abzunehmen. In der heutigen
interdependenten, globalen Wirtschaft ist die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten, einem Zielland unilateral
entscheidende wirtschaftliche Vorteile zu verweigern,
drastisch eingeschränkt. Es gibt wenige Produkte oder
Dienstleistungen, für die die Vereinigten Staaten der
einzige Lieferant sind.
Am aufschlußreichsten ist jedoch, daß unsere Erfahrung mit dem Einsatz von unilateralen Sanktionen
deutlich zeigt, daß sie in der großen Mehrheit der Fälle
das Verhalten des Ziellandes nicht verändern. Bestenfalls sind sie ein mitwirkender - und kein entscheidender - Faktor bei der Sicherstellung der Verhaltensänderungen oder Politik, die wir anstreben. Sanktionen benötigen Zeit um zu greifen, und sie fordern
einen beträchtlichen Tribut von anderen amerikanischen Interessen. Sanktionen sind also kein Allheilmittel, kein "Patentrezept" und nicht kostenfrei.
Aus diesen Gründen möchten wir in der Administration
mit dem Kongreß an der Verbesserung des Dialogs
über die Sanktionspolitik zusammenarbeiten, Einigung
über diese Frage erzielen und unsere Effektivität bei

Seite 3

�der Förderung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten verbessern. Ich war bei mehreren
Gelegenheiten im Kongreß, unter anderem letzten
Monat, wo ich der überparteilichen Task Force des
Senats für Wirtschaftssanktionen die Ansichten und
Sorgen der Administration im Hinblick auf einige der
dem Kongreß vorliegenden Sanktionsreformen
dargelegt habe. Darüber hinaus habe ich eine aktive
Rolle bei der Aushandlung von grundlegenden, letzte
Woche verabschiedeten Gesetzesbestimmungen zur
weltweiten Förderung der Religionsfreiheit gespielt um
sicherzustellen, daß die Gesetze dem Präsidenten
angemessene Aussetzungsbefugnisse und Flexibilität
verleihen und andere im Einklang mit unseren Sanktionsreformzielen stehende grundlegende Bestimmungen enthalten. Ich bin der Ansicht, daß unsere Arbeit
in diesem Fall bei der Erlangung des hehren Ziels, das
wir alle anstreben, - Ermutigung der freien Religionsausübung - helfen wird, ohne potentiell gefährliche
Differenzen mit unseren Verbündeten zu provozieren.
Wir sind der Ansicht, daß die Aufnahme angemessener außerordentlicher Aussetzungsbefugnisse zum
Schutz nationaler Interessen in die Sanktionsgesetzgebung das wichtigste Element für die Gewährleistung
der Effektivität unserer Sanktionsgesetze ist. Eine
solche Befugnis gibt dem Präsidenten entscheidende
Flexibilität bei der Auswahl der besten Methoden für
die Erlangung amerikanischer Ziele. Tatsächlich war
der Einsatz oder der potentielle Einsatz der dem
Präsidenten verliehenen außerordentlichen Befugnis
zur Aussetzung von Sanktionsgesetzen der Hauptgrund dafür, daß wir Anfang dieses Jahres mit der EU
Übereinstimmung über das ILSA- und das LibertadGesetz erzielten.
Unsere europäischen Verbündeten werden sich
wahrscheinlich freuen zu hören, daß ein anderes
Grundprinzip, das nach Ansicht der Administration
unsere Diskussionen über Reformen bestimmen sollte,
lautet, daß Sanktionen besser funktionieren, wenn sie
breite, multilaterale Unterstützung genießen. Multilaterale Sanktionen maximieren den internationalen Druck
auf den abtrünnigen Staat und demonstrieren internationale Geschlossenheit.
Darüber hinaus ist es
schwieriger, multilaterale Sanktionen zu umgehen oder
zu unterminieren, und sie halten den Schaden für die
amerikanische Konkurrenzfähigkeit möglichst gering,
indem sie die Kosten der Maßnahmen gerechter auf
viele Länder verteilen.
Vor diesem Hintergrund müssen wir jedoch immer zu
unilateralem Vorgehen bereit sein, wenn wichtige
nationale Interessen oder Grundwerte auf dem Spiel
stehen und wir kein multilaterales Regime aufbauen
können. Wir können nicht zulassen, daß andere
Länder durch ihre Untätigkeit Einspruch gegen unsere
Sanktionen erheben.

Seite 4

Eine euroatlantische Partnerschaft für das 21.
Jahrhundert
Ich möchte meine Ausführungen abschließen, indem
ich unsere Strategie für die Umsetzung der Vision des
Präsidenten für unsere transatlantische Partnerschaft
darlege.
Im Mai lud Präsident Clinton in Berlin unsere europäischen Partner ein, sich an der Definition seiner Vision
von einem freien, ungeteilten und integrierten, in
Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten lebenden
Europa zu beteiligen. Wir machen die nächsten
logischen Schritte. Wir bezeichnen unseren Plan als
euroatlantische Partnerschaft für das 21. Jahrhundert.
Ziel ist der Einsatz der drei grundlegenden transatlantischen Institutionen - amerikanisch-europäische
Beziehungen, NATO und OSZE - in einer modernen,
dynamischen und integrierten Partnerschaft, die
wahrhaft globale Effektivität hat. Der Zweck ist, die
drei von mir erwähnten Herausforderungen - innerhalb
Europas, zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa und über die Vereinigten Staaten und Europa
hinaus - zu bewältigen.
Ein Instrument - die für 1999 anberaumten Gipfel
zwischen den Vereinigten Staaten und der EU, der
NATO und der OSZE - bietet eine echte Chance, die
Weichen für diese neue Partnerschaft zu stellen. Wir
möchten nicht, daß diese Gipfeltreffen ausschließlich
oder auch nur hauptsächlich dazu dienen, frühere
Leistungen zu feiern, die durchaus zahlreich sind.
Vielmehr wollen wir, daß sie zu den ersten erfolgreichen Gipfeln des 21. Jahrhunderts werden.
Zuerst möchte ich einige Anmerkungen zur NATO
machen. Unser Ziel für den Gipfel aus Anlaß des 50.
Jahrestags der NATO besteht darin, auf ein größeres,
flexibleres Bündnis hinzuarbeiten, das der kollektiven
Verteidigung verpflichtet und in der Lage ist, sich
einem breiten Spektrum von Herausforderungen an die
Interessen des Bündnisses zu stellen.
Kollektive Verteidigung in Europa ist der Grundstein
des Bündnisses und wird es auch immer bleiben. Wir
dürfen das nie vergessen oder zulassen, daß irgendetwas geschieht, das unsere Fähigkeit zur Umsetzung
dieses absoluten Engagements gefährdet, Risiken
gemeinsam die Stirn zu bieten oder gemeinsame
Pflichten zu übernehmen. Darum ging und geht es bei
der NATO.
Bedrohungen des Territoriums eines NATO-Mitgliedstaats - die unter Artikel 5 des Nordatlantikvertrags
fallen, dem zufolge ein bewaffneter Angriff gegen eine
oder mehrere Parteien als ein Angriff gegen alle
gesehen wird - kommen aus neuen Quellen. Ein
potentieller Angriff mit ballistischen Raketen unter
Einsatz von Massenvernichtungswaffen
gegen
irgendeine große europäische Hauptstadt durch einen

AMERIKA DIENST 22

�verbrecherischen Staat oder eine terroristische
Vereinigung ist eine Bedrohung, der die NATO gewachsen sein muß.
Während des Kalten Krieges war es sinnvoll tür die
Europäer, sich auf ihr eigenes Territorium zu konzentrieren, und für die Vereinigten Staaten, die Hauptverantwortung für die Verteidigung der gemeinsamen
transatlantischen Interessen andernorts zu übernehmen. Dieser Ansatz ergibt jedoch weniger Sinn, wenn
neue Bedrohungen unserer gemeinsamen Interessen
von außerhalb unserer Grenzen kommen. Bei den
europäisch-amerikanischen Beziehungen befassen wir
uns oft kollektiv mit denselben Fragen wie in der
NATO. Beispielsweise kann Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen im Rahmen der NATO und
durch Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der EU begegnet werden, um Staaten von der
Beschaffung von Massenvernichtungswaffen oder der
Entwicklung von Mitteln für ihren Einsatz abzuschrekken. Wir sollten Wege sondieren, wie wir im Rahmen
von NATO, EU und OSZE mit gemeinsamen Problemen umgehen können.
Tatsächlich können Ereignisse vor Ort schneller
stattfinden als der Planungsprozeß. Die Bestrebungen
zur Implementierung des Daytoner Abkommens in
Bosnien sind ein Beispiel für die Art von institutioneller
Zusammenarbeit, die zur Bewältigung der Herausforderungen des Europas nach dem Kalten Krieg
erforderlich ist. Die NATO, OSZE und EU haben eine
wichtige Rolle bei diesen Bestrebungen. Ebenso sind
die neuen Bestrebungen zur Wiederherstellung des
Friedens im Kosovo und die Suche nach einer politischen Lösung des Kosovo-Konflikts ein anderer Fall,
bei dem alle Institutionen des neuen Europas eine
wichtige Rolle spielen - die OSZE beispielsweise durch
ihre Führungsrolle bei der Verifizierungsmission am
Boden, die NATO in der Luft und die EU durch ihre
Hilfsprogramme.
Die Aufstellung einer ehrgeizigen Agenda für die
amerikanisch-europäischen Beziehungen im Rahmen
der Neuen Transatlantischen Agenda (NTA) bleibt der
Schlüssel zu unserer neuen Vision. Die NTA hat uns
als Rahmen für verstärkte amerikanisch-europäische
Kooperation gut gedient. Unser Engagement für den
NTA-Prozeß ist ein Ausdruck unserer Unterstützung
für ein starkes, nach außen gerichtetes Europa als
globaler Partner in Diplomatie, Handel und anderen
transnationalen Fragen wie der Umwelt.
Unsere Agenda im Rahmen der NTA hat fünf Schlüsselelemente:
Erstens werden wir die fortgesetzte Erweiterung und Integration der EU unterstützen. Die
Aussicht darauf, einer demokratischen und
wohlhabenden Europäischen Union anzugehören, ist ein großer Anreiz, die demokrati-

AMERIKA DIENST 22

schen und marktwirtschaftlichen Reformen in
Zentral- und Osteuropa fortzusetzen.
Zweitens möchten wir, daß die Vereinigten
Staaten und die EU in für die Weltwirtschaft
schwierigen Zeiten Säulen für Wachstum und
wirtschaftliche Stabilität sind. Dementsprechend engagieren wir uns gemeinsam mit
mehreren führenden EU-Mitgliedstaaten stark
für die Koordinierung der Pläne zur Beilegung
der internationalen Finanzkrise.
Darüber
hinaus unterstützen wir die Einführung einer
gemeinsamen europäischen Währung.
Drittens werden wir Wege finden, unsere
politische Partnerschaft mit Europa effektiver
zu gestalten. Wir müssen in der Lage sein,
schnell gemeinsam zu handeln, um plötzliche
Krisen in Europa und darüber hinaus zu lösen.
Viertens wollen wir unsere Fähigkeit verbessern, mit der EU an der Bekämpfung
alltäglicher Bedrohungen zu arbeiten, die in
der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges
auftreten, einschließlich organisiertem Verbrechen, Drogenhandel, Terrorismus und
Kinderpornographie.
Fünftens möchten wir unsere Partnerschaft
über den staatlichen Bereich hinaus auf das
Leben der Menschen ausweiten. Im Rahmen
des vierten Kapitels der NTA ermutigen wir
Elemente der bürgerlichen Gesellschaft zur
Bildung neuer Bündnisse und der Beteiligung
an politischen Prozessen. Dies manifestiert
sich vor allem im Transatlantischen Wirtschaftsdialog (Transatlantic Business Dialogue - TABD), aber wir beobachten auch
parallele Bestrebungen der Interessen der
Arbeitnehmer im Transatlantischen Arbeitsdialog (Transatlantic Labor Dialogue - TALD),
von Verbrauchergruppen im Transatlantischen
Verbraucherdialog und von Umweltschützern
im Transatlantischen Umweltdialog (Transatlantic Environmental Dialogue - TAED).
Das wichtigste Ziel der beiden für 1999 anberaumten
Gipfel zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union werden Fortschritte bei der
Transatlantischen Wirtschaftspartnerschaft und der
Knüpfung noch engerer transatlantischer Wirtschaftsbeziehungen sein.
Schließlich möchten die Vereinigten Staaten die OSZE
in die Lage versetzen, noch effektiver mit Krisen
umzugehen, bevor diese ausbrechen, und ihre
Ursachen zu bekämpfen, einschließlich unzureichender demokratischer Entwicklung. Durch ihre Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsinstitutionen ist
die OSZE ein Schlüsselinstrument für die Gewähr-

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�leistung des Erfolgs unseres strategischen Ziels der
Schaffung eines geeinten, freien, wohlhabenden und
friedlichen Kontinents.
Unseres Erachtens ist es an der Zeit für die OSZE,
ihren Horizont durch die Ausweitung ihrer Zone von
Stabilität, Sicherheit, Wohlstand und Zusammenarbeit
auf die Neuen Unabhängigen Staaten im Kaukasus
und in Zentralasien zu erweitern. Wir haben bereits
den ersten Schritt unternommen - mit der Entscheidung zur Gründung von OSZE-Büros in jedem zentralasiatischen Staat. Der OSZE-Gipfel im kommenden
Jahr wird die Gelegenheit bieten, ein größeres regio-

nales Mandat in das OSZE-Dokument/die OSZECharta aufzunehmen. Der Gipfel wird uns auch die
Chance bieten, Optionen für die Entwicklung neuer
OSZE-Instrumente auszuarbeiten.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich sagen, daß wir dem nächsten Jahr erwartungsvoll entgegensehen, während wir
eine engere Partnerschaft mit den Europäern für die
Bewältigung der Herausforderungen des kommenden
Jahrhunderts aufbauen. Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 22

�HANDEL
4. November 1998

Die amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen
Rede von Charlene Barshefsky

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der US-Handelsbeauftragten Charlene Barshefsky vor
dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vom 20. Oktober 1998.

Guten Tag. Gestatten Sie mir, Herrn Dr. von Wartenberg und dem Bundesverband der Deutschen Industrie
für diese Veranstaltung zu danken. Mein Dank gilt
ferner Botschafter John Kornblum für seine freundliche
Einführung und seine Gastfreudschaft während meines
kurzen Aufenthalts hier in Bonn. Darüber hinaus
möchte ich Ihnen allen ganz herzlich dafür danken,
daß Sie heute Nachmittag hierher gekommen sind.
Ich bin zu einem interessanten und aufregenden
Zeitpunkt hier, an dem Ministerpräsident Schröder das
Amt des Bundeskanzlers antritt, die Europäische
Union ihre Erweiterung vorbereitet und wir alle uns mit
der weltweiten Finanzkrise befassen. Ich freue mich
darauf zu hören, was Sie über diese Themen denken
und werde gerne Ihre diesbezüglichen Fragen beantworten. Zunächst möchte ich einen kurzen Überblick
über unsere Handelsbeziehungen zu Europa und die
Herausforderungen geben, mit denen wir in den
nächsten Jahren konfrontiert werden.
Unsere Grundannahme ist folgende: Die Partnerschaft
zwischen Amerika und den europäischen Demokratien
ist seit 50 Jahren das Fundament für Frieden und
Wohlstand über den Atlantik hinweg und weltweit. Und
sie kann im nächsten Jahrhundert eine wichtige Rolle
spielen, wenn wir drei Herausforderungen bewältigen:
Unsere Beziehungen zur Europäischen Union
haben für beide Seiten große Vorteile, die wir
weiter ausbauen können; sie sind jedoch auch
durch ernsthafte Dispute gekennzeichnet, die
wir beilegen müssen.
Unsere Beziehungen stellen einen Bund dar,
der auf den Werten Demokratie, offene Märkte

AMERIKA DIENST 22

und Rechtstaatlichkeit gründet. Wir können
ihn stärken, indem wir diesen Prinzipien
verpflichtete Nationen in die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen des Westens
eingliedern.
Unsere Beziehungen sind eine Kraft für
Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt,
auf der wir bei der Bewältigung der Finanzkrise und der Stärkung des multilateralen
Handelssystems aufbauen müssen.
Zuerst möchte ich ein einige Worte über Deutschland
und die Bedeutung sagen, die wir ihm beimessen.
Deutschland sieht sich sowohl im Hinblick auf seine
eigene Entwicklung als auch im Hinblick auf seinen
Platz in der EU einem neuen Zeitalter gegenüber. Die
Stärke der deutschen Volkswirtschaft bleibt das
verläßlichste Zugpferd für künftigen europäischen
Wohlstand. Sie sind hier mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Der vollständigen Integration
der östlichen Bundesländer, der Anpassung der
Volkswirtschaft als Ganzes an eine Weltwirtschaft, die
zunehmend auf Information anstatt auf Produktion
basiert.
Die Fähigkeit Deutschlands, bestimmte
Aspekte seiner Volkswirtschaft zur Bewältigung dieser
Herausforderungen umzugestalten, wird großen
Einfluß auf die Einstellung anderer EU-Mitgliedstaaten
haben. Die deutsche Haltung zur zukünftigen Gestalt
der EU wird ebenfalls von zentraler Bedeutung sein.
Während die neu gewählte Bundesregierung Form
annimmt und Maßnahmen ergreift, die Auswirkungen
auf die deutsche und internationale Politik haben, wird
die Welt - nicht zuletzt die Vereinigten Staaten - genau
beobachten, welche Richtung Deutschland einschlägt.

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�Der amerikanisch-europäische Handel heute
Lassen Sie mich über die erste der drei von mir
genannten Herausforderungen sprechen - unsere
bilateralen Beziehungen.
Die EU ist heute der größte Wirtschaftspartner der
Vereinigten Staaten. Unser bilateraler Handel - Waren
und Dienstleistungen zusammengenommen - belief
sich im letzten Jahr auf mehr als 400 Milliarden Dollar.
Und unsere Beziehungen zählen weltweit zu denen mit
dem schnellsten Wachstum. Im vergangenen Jahr
überstieg die Zunahme unserer Exporte in die EU im
Wert von 13 Milliarden Dollar unsere gesamten
Exporte nach China. Und man erwartet, daß die
Exporte der EU in die Vereinigten Staaten dieses Jahr
um 20 Milliarden Dollar anwachsen.
Die andere Seite unserer Beziehungen - der bilaterale
Investitionsfluß - leistet einen ebenso großen Beitrag
zu unserem Wohlstand. Die amerikanischen Halbleiterfabriken in Irland, die europäischen Autohersteller in
South Carolina, das neue Unternehmen DaimlerChrysler sind nur die am stärksten sichtbaren Elemente von Direktinvestitionen, die jetzt die 750-MilliardenDollar-Marke übersteigen. Mehr als ein Zehntel
unserer ausländischen Direktinvestitionen stammt aus
Deutschland. Jeder zwölfte amerikanische Fabrikarbeiter ist derzeit bei einem europäischen Unternehmen angestellt. Und die 369 Milliarden Dollar, die wir
in Europa investiert haben - darunter 43,9 Milliarden
Dollar in Deutschland - sind fast die Hälfte unserer
weltweiten Qesamtinvestitionen außerhalb unseres
Landes.
Unsere Handelsbeziehungen sind jedoch auch durch
ernsthafte Dispute charakterisiert. Einige - beispielsweise der Bananen- und der Rindfleischstreit - betreffen Prinzipien, die den Kern produktiver Beziehungen
bilden: Fragen der Transparenz; die Anwendung
wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Landwirtschaft,
einschließlich Biotechnologie. Wenn wir uns nicht mit
diesen Disputen befassen und sie schnell beilegen,
werden sie unsere Beziehungen unterminieren.
Die bilaterale Handelsagenda
1995 riefen wir die Neue Transatlantische Agenda
(New Transatlantic Agenda - NTA) ins Leben. Sie
beinhaltet ein Abkommen über gegenseitige Anerkennung (Mutual Recognition Agreement - MRA),
das durch Vorschriften geschaffene Handelshemmnisse im Wert von 60 Milliarden Dollar abschafft,
darunter bei medizinischem Gerät, Pharmazeutika und
Telekommunikationsgerät. Femer einigten wir uns auf
Zusammenarbeit im Zollwesen und die Anpassung von
Veterinärnormen und -verfahren. Und wir stellten die
Weichen für ein noch ehrgeizigeres gemeinsames
Projekt: Die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft
(Transatlantic Economic Partnership - TEP), die im Mai

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beim Gipfel zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union gegründet wurde. Im Rahmen
dieser Initiative identifizieren wir sieben Gebiete, auf
denen wir gemeinsame Interessen finden, den Handel
ausbauen, Meinungsverschiedenheiten ansprechen
und Hindernisse überwinden können.
Dazu zählen:
Technische Normen, bei denen der Transatlantische Wirtschaftsdialog europäischen
und amerikanischen Unternehmen Milliarden
Dollar an Einsparungen bringen kann.
Die Landwirtschaft - durch die Gewährleistung, daß Farmer und Viehzüchter sichere,
wissenschaftlich erprobte Biotechnologie
einsetzen können und daß bei Vorschriften
und Lebensmittelsicherheit
Transparenz
gewährleistet ist.
Geistiges Eigentum, insbesondere bei der
Zusammenarbeit im Kampf gegen Produktpiraterie bei optischen Medien und anderen
neuen Technologien in Asien und Rußland.
Staatliche Beschaffung.
Dienstleistungen.
Elektronischer Handel.
Die Förderung gemeinsamer Werte durch die
Ermutigung von Transparenz bei der WTO
und die Beteiligung der Bürger an der Formulierung der Handelspolitik sowie die Arbeit an
einem Konsens über Fragen wie Handel,
Umweltschutz und grundlegende Arbeitsnormen.
Jeder dieser Punkte hat konkrete Vorteile für beide
Seiten. Und die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft ist als Ganzes wichtiger als ihre Bestandteile,
denn sie gewährleistet ständige Kontakte zwischen
uns, während die EU durch eine gemeinsame Währung gestärkt und durch die Aufnahme neuer Mitglieder erweitert wird.
Die EU-Erweiterung
Das bringt mich zur zweiten Herausforderung: Weiterhin in der Haltung zu Reformen in Zentraleuropa und
darüber hinaus geeint zu sein, während die EU
erweitert wird und Rußland darum kämpft, seine
Finanzkrise zu überwinden.
Im Hinblick auf Zentraleuropa ist der springende Punkt,
daß die Vereinigten Staaten die europäische Integration unterstützen. Wir betrachteten sie in den
fünfziger Jahren als Beitrag zu Wachstum und Stabili-

AMERIKA DIENST 22

�tat in Europa und tun das auch weiterhin. Und wir
erachten den Erfolg der Wirtschaftsreformen und
Demokratisierung in Zentraleuropa als historische
Gelegenheit zu weiteren Schritten. Daher sind wir
stolz, bei der NATO-Erweiterung eine Führungsrolle
übernommen zu haben, und wir unterstützen die
Einladung der EU, neue Mitglieder aufzunehmen. Wir
werden die Einzelheiten der EU-Erweiterung jedoch
genau verfolgen.
Wirtschaftliche Integration wird von Vorteil für die Welt
und die Bürger und Verbraucher der EU sein, wenn sie
auf der Basis von Offenheit gegenüber der Welt erfolgt.
Und unseres Erachtens wird die Erweiterung der
Europäischen Union in den meisten Fällen unsere
Aussichten für Handel und Investitionen in Zentraleuropa und die anderer zukünftiger Mitglieder verbessern. Wenn Integration jedoch zu höheren Handelshemmnissen führt, schadet sie den amerikanischen Interessen und fördert weitere Meinungsverschiedenheiten. Aus diesem Grund werden wir engen
und ständigen Kontakt zur EU halten, während sich
dieser Prozeß in der Übergangsphase befindet, und
wir führen mit Polen und anderen zentraleuropäischen
Regierungen separate Konsultationen.
Die Neuen Unabhängigen Staaten
Wir sind davon überzeugt, daß der Erfolg der Reformen in Zentraleuropa uns weiter im Osten etwas lehrt.
Wirtschaftsreformen und Demokratisierung in Rußland,
der Ukraine und den anderen Neuen Unabhängigen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion sind von elementarem Interesse für die Vereinigten Staaten. Aus
diesem Grund haben wir für die politischen und
wirtschaftlichen Reformen gleichermaßen technische
Hilfe angeboten und die Hilfspakete des IWF für
Rußland unterstützt.
Letzten Endes müssen Rußland und die anderen
Neuen Unabhängigen Staaten jedoch selbst ihre
Wirtschaftssysteme reformieren und starke rechtliche
und staatliche Institutionen gründen. Auch wenn wir
ihnen helfen können, können wir die Arbeit nicht für sie
erledigen. Und wir sollten nicht überrascht über
Rückschritte und schwierige Zeiten sein. Dies sind
jedoch langfristige Bestrebungen, und wir sollten keine
Schwarzseher oder Pessimisten sein.
Wir bleiben der Unterstützung von Reformen daher
weiter verpflichtet, und unsere Handelspolitik muß in
dem Prozeß eine Rolle spielen. Die Prinzipien der
WTO und unsere bilateralen Abkommen mit diesen
Nationen - Transparenz, offene Märkte, Rechtsstaatlichkeit - werden zu deren langfristigem Wachstum, der Integration in die Weltwirtschaft und innenpolitischen Reformen beitragen. Das ist die Erfahrung
praktisch aller zentraleuropäischen und baltischen
Staaten. Wir arbeiten sorgfältig und eng mit der EU

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und allen an einer WTO-Mitgliedschaft Interessierten
zusammen. Es ist keine leichte Aufgabe, aber wir
werden bald die Aufnahme Lettlands und Kirgistans in
die WTO sehen und erwarten, daß ihnen andere
folgen, wenn sie dazu bereit sind.
Die Finanzkrise
Das führt mich zur dritten Herausforderung: Unseren
Pflichten als weltweit führende Wirtschaftsmacht.
Sie beginnen mit der Finanzkrise. Wie Präsident
Clinton bei der Tagung von IWF und Weltbank vor
zwei Wochen erklärte, stellen die Ereignisse, die im
vergangenen Jahr mit starken Schwankungen der
thailändischen Währung begannen, jetzt die gravierendste Finanzkatastrophe der letzten 50 Jahre dar.
Und als weltweit größte Volkswirtschaften müssen wir
und die EU - sowie Japan - die Bestrebungen anführen, eine Lösung zu finden.
Unser Ansatz - Reformprogramme mit dem IWF im
Mittelpunkt - bringt Ergebnisse hervor. Länder wie
Thailand und Korea haben Reformen durchgeführt,
ihre Währungen stabilisiert und die Zinssätze auf das
Niveau von vor der Krise gebracht. Mit Geduld und
Reformen kann dasselbe in Rußland und anderen
betroffenen Ländern geschehen. Dennoch hat die
Krise weiterhin das Potential, sich zu verstärken und
auszuweiten. Daher müssen wir wachsam sein und
gewährleisten, daß der IWF über die Ressourcen und
die politische Unterstützung verfügt, die er im Fall
neuer Notfälle benötigt.
Und wir müssen sicherstellen, daß Japan seiner
Verantwortung gerecht wird, indem es nachfrageorientiertes Wachstum wiederherstellt, sein Finanzsystem
reformiert und seine Märkte öffnet.
Und von der handelspolitischen Perspektive aus
gesehen müssen wir unseren Prinzipien und den im
Frühjahr beim letzten asiatisch-europäischen Gipfel
und beim G 8-Gipfel gemachten spezifischen Zusagen
treu bleiben, indem wir unsere offenen Märkte erhalten
und die multilaterale Liberalisierung fortsetzen. Etwas
anderes würde die Gefahr einer Wiederholung der
dreißiger Jahre beinhalten, als sich der Protektionismus in den Vereinigten Staaten und Europa verstärkte und die Weltwirtschaftskrise verlängerte. Jeder
von uns wird sich dem Druck wachsender Importe beispielsweise von Stahl - ausgesetzt sehen, aber
Europa muß einen Teil der Last übernehmen. Sollte
die EU diese Herausforderung nicht bewältigen, wird
der Druck auf uns alle verstärkt.
Das multilaterale Handelssystem
Abschließend möchte ich noch etwas über die nächsten Schritte im multilateralen Handelssystem sagen.
Ich möchte ganz offen sein. Zuerst müssen wir das

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�bestehende System respektieren. Jeder von uns muß
die Verpflichtungen der Uruguay-Runde erfüllen und
die Entscheidungen der Streitschlichtungsausschüsse
respektieren.
Dies ist ein großes Anliegen. Wir haben jetzt Fälle
gegen die EU im Hinblick auf die Bananenmarktordnung und das Verbot von amerikanischem Rindfleisch in der EU abgeschlossen. In beiden Fällen
entschieden die WTO-Streitschlichtungsausschüsse
und Berufungsbehörden zugunsten der Vereinigten
Staaten. Die EU hat die Verpflichtung, diese Ergebnisse zu respektieren und umzusetzen - was sie
bislang nicht getan hat. Die Mißachtung der Entscheidungen des Ausschusses schwächt die Unterstützung für das Handelssystem, seine Abschreckung
von Protektionismus und die Unterstützung für unsere
bilateralen Beziehungen.
Ferner müssen wir auf wirtschaftlich sinnvoller Grundlage weiterhin gemeinsam an der Aufnahme Chinas,
Taiwans und anderer Volkswirtschaften in die WTO
arbeiten, die eine Mitgliedschaft anstreben. Die
Gespräche mit China verlaufen ziemlich schleppend.
Das ist meines Erachtens auf die Sorge der chinesischen Regierung über die Finanzkrise, die Arbeitslosigkeit, die Umgestaltung des staatlichen Sektors
und andere innenpolitische Fragen zurückzuführen.
Obwohl die Mitgliedschaft Chinas wichtig ist, sind die
Prinzipien des Systems ebenso wichtig. Daher werden
wir weiterhin mit China an dieser Frage arbeiten, sind
jedoch bereit zu warten, bis es ernsthafte Angebote
vorlegt. Ich hoffe, daß wir bei dieser Frage weiterhin
eng mit der EU zusammenarbeiten werden.
Im Vorfeld der neuen WTO-Verhandlungen müssen wir
auch nach Gemeinsamkeiten suchen. Wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Entwicklung des
elektronischen Handels, der Öffnung des Dienstleistungsmarktes, einer besseren Durchsetzung des
Rechtsauf eistiges Eigentum bei Computersoftware

und neuen Technologien und der Gewährleistung von
Fairness bei staatlicher Beschaffung. Und die europäische Agrarpolitik stellt ein grundlegendes und zentrales Anliegen dar. Die europäischen Steuerzahler
und Verbraucher, die Amerikaner und unsere Handelspartner - sie alle haben großes Interesse an weitreichenden Agrarreformen, einschließlich der Abschaffung von Exportsubventionen, der Verringerung von
Preisstützungen in Verbindung mit der Produktion und
an Transparenz des staatlichen Handelssystems.
Schließlich müssen wir die Werte fördern die sicherstellen, daß das Handelssystem Bestand hat: Transparenz und Beachtung der Anliegen der Bürger. Wir
müssen die WTO durch die Öffnung von Streitschlichtungsverfahren und die beschleunigte Veröffentlichung
der Berichte der Streitschlichtungsausschüsse transparenter gestalten. Die EU kann in diesem Bereich
sehr viel mehr tun. Und wir müssen dafür sorgen, daß
Handel mit Umweltschutz und grundlegenden Arbeitsnormen einhergeht.
Schlußbemerkung
Dies sind komplexe Fragen und enorme Verpflichtungen. Die Welt erwartet von uns eine Führungsrolle
und die Übernahme von Verantwortung auf eine seit
Jahren nicht mehr dagewesene Art - vielleicht sogar
seitTruman und Adenauer nicht mehr, als das moderne Handelssystem geschaffen wurde und Europa
seine ersten Schritte zur Integration unternahm.
Meines Erachtens sind wir der Herausforderung
jedoch gewachsen. Unsere Wirtschaftsbeziehungen
sind äußerst produktiv und für beide Seiten von Vorteil.
Wir haben internationale Institutionen aufgebaut, die
Frieden und Wohlstand im atlantischen Raum und
weltweit sichern. Unsere Beziehungen sollten die Welt
in dem vor uns liegenden Jahrhundert weiterhin
inspirieren und gestalten.

* * * *

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*

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�MEDIEN
4. November 1998

"Unterdrückung der Presse durch Milosevic
muß aufhören"
von Jonathan Spalter

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Stellvertretenden Direktors und leitenden
Medienbeauftragten des US-Informationsamts (U.S. Information Agency - USIA), Jonathan Spalter, der erstmals
in der französischen Zeitung La Croix erschien. Spalter verurteilt darin das vom serbischen Parlament am 20.
Oktober 1998 verabschiedete neue Mediengesetz und fordert ein Ende der Unterdrückung unabhängiger
serbischer Medien durch Milosevic.

Während die Clinton/Gore-Administration und ihre
NATO-Partner Schritte unternehmen, um die Möglichkeit des Friedens für die Menschen im Kosovo Realität
werden zu lassen, setzen die serbischen Behörden
ihre Unterdrückung der bedrängten unabhängigen
Medien des Landes fort. Die Lage der Journalisten
verschlimmert sich weiter, nachdem das serbische
Parlament am Dienstag ein neues Informationsgesetz
verabschiedet hat, das die Grundfreiheit der objektiven
und unabhängigen Berichterstattung weiter einschränkt.
Diese Maßnahme ist Teil umfassenderer Bestrebungen von Seiten der Regierung Milosevic, im ganzen
Land die Pressefreiheit zu unterdrücken. Seit Mai
verweigern die serbischen Behörden den meisten
Rundfunk- und Fernsehstationen Serbiens die Sendegenehmigung. Diejenigen, die den Mut zu objektiver
Berichterstattung haben, werden bedroht und schikaniert. Im September warnte der Hardliner und serbische Stellvertretende Ministerpräsident Vojislav Seselj
die örtlichen Journalisten offiziell, sie würden für
Luftangriffe der NATO zur Rechenschaft gezogen.
"Wir können nicht jedes Flugzeug der NATO abschießen", erklärte er, "aber wir können gegen jene
Beauftragten vorgehen, die vor Ort sind".
Die serbischen Behörden haben ihren Worten eine
Vielzahl bedenklicher Taten folgen lassen. Anfang
dieses Monats sabotierten sie eine vom Europarat
geförderte und von Radio 92 veranstaltete Konferenz
für die serbische Vereinigung unabhängiger Rundfunkund Fernsehsender über unabhängige Medien. Und

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das diese Woche vom serbischen Parlament angenommene neue Mediengesetz verbietet die Übertragung von serbischsprachigen Programmen ausländischer Medienorganisationen wie BBC, Deutsche
Welle, Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty.
Medien mit Verbindungen zum Ausland sind den
unterdrückerischen Taktiken Milosevics besonders
stark ausgesetzt. Der Fernsehsender Negotin wurde
vor einem Monat wegen seiner Teilnahme an einem
Programm der Voice of America verboten. Und die
serbischen Behörden haben einen der populärsten
Fernsehsender Belgrads, Radio Index, sowie Radio
Senta, einen zweisprachigen Fernsehsender in der
Vojvodina, geschlossen.
Die unabhängigen Zeitungen des Landes sind ebenfalls weiterhin in Gefahr, nachdem das Informationsministerium letzte Woche die Schließung von drei der
bedeutendsten unabhängigen Tageszeitungen des
Landes, Danas, Nasa Borba und Dnevni Telegraf
verfügte.
Diese Aktionen sind inakzeptabel. Die hart erkämpften
Freiheiten der Ära nach dem Ende des Kalten Krieges
- und die damit einhergehende bürgerliche Verantwortung - werden jetzt praktisch in jedem Land Zentralund Osteuropas hoch gehalten. Das ehemalige
Jugoslawien ist die einzige Ausnahme. Wenn Milosevic seine Kontrolle über die Medien festigen kann, wird
es für die Menschen in Serbien noch schwieriger, den
Ruf der internationalen Gemeinschaft nach politischem

Seite 1

�Behörden ihren Sender aus dem Äther vertrieben
haben, gelingt es ihr und ihren Mitarbeitern immer
noch, Berichte über das Internet zu verschicken. Und
sie ist nicht die Einzige. Selbst angesichts des entsetzlichen Leidens und der Zerstörung im Kosovo sah
ich viele weitere Beweise für den Mut und die Fantasie
der Journalisten.

Pluralismus, ethnischer Toleranz und ihre Forderung
nach uneingeschränkter Erfüllung der Bedingungen
von Resolution 1199 des UN-Sicherheitsrats zu hören
und ihnen zu folgen.
Trotz des scharfen Vorgehens von Präsident Milosevic
schicken mehrere unabhängige Journalisten weiterhin
trotzig die Nachrichten aus Serbien-Montenegro in die
Wohnzimmer der Welt. Ich war vor kurzem im Kosovo
und traf dort mit mehreren dieser mutigen Männer und
Frauen zusammen, die um der Berichterstattung willen
oft ihr Leben aufs Spiel setzen. Eine Journalistin, eine
Albanierin namens Aferdita Saracini-Kelmendi, begann
mit Unterstützung der Vereinigten Staaten in einem
kleinen Haus in Pristina den Sendebetrieb des albanischsprachigen Radio 21. Obwohl die serbischen

* *

Seite 2

Natürlich kann allein eine freie Presse den ethnischen
Haß im Kosovo oder andernorts nicht ersticken. Aber
Pressefreiheit ist die Vorbedingung für Fortschritte bei
Frieden und Toleranz. Wenn Serbien-Montenegro in
die Gemeinschaft der Nationen integriert werden soll,
muß dieses krisengeschüttelte Land eine starke,
objektive und unabhängige Presse zulassen.

*

AMERIKA DIENST 22

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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

21. Oktober 1998

21

G7

G 7 SETZEN SICH FÜR DIE FÖRDERUNG
VON TRAGFÄHIGEM WACHSTUM EIN
Rede von Lawrence Summers

USA-EUROPA

EINE EUROATLANTISCHE PARTNERSCHAFT
FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
Rede von Abteilungsleiter Grossman

ELEKTRONISCHER HANDEL

DIE WAHRHEIT ÜBER DIE AMERIKANISCHE
VERSCHLÜSSELUNGSPOLITIK
Rede von Staatssekretär David Aaron

WELTGERICHTSHOF

AMERIKAS INTERESSE AN FRIEDEN,
SICHERHEIT UND GERECHTIGKEIT
von David J. Scheffer

MENSCHENRECHTE

MENSCHENRECHTE UND AUSSENPOLITIK
Rede von Botschafter John C. Kornblum
VEREINIGTE STAATEN VERURTEILEN
UNTERDRÜCKUNG DER MEDIEN UND DER
BÜRGERLICHEN GESELLSCHAFT DURCH
DIE SERBISCHE REGIERUNG
Erklärung von James B. Foley

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�G 7
21. Oktober 1998

G 7 setzen sich für die Förderung
von tragfähigem Wachstum ein
Rede von Lawrence Summers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die der Stellvertretende
Finanzminister Lawrence Summers am 1. Oktober 1998 vor dem Weltkongreß für Wirtschaftsentwicklung
gehalten hat.

Im vergangenen Oktober traf sich die internationale
Staatengemeinschaft bei den Jahrestagungen der
Weltbank und des IWF in Hongkong und erörterte den
Zusammenbruch des thailändischen Bäht und das
mögliche Übergreifen der Finanzprobleme auf ganz
Ostasien. Ein Jahr später finden diese Gespräche in
Washington statt, und die Sorgen haben globalen
Charakter.
Die Probleme Thailands breiteten sich schnell auf die
benachbarten ostasiatischen Volkswirtschaften und in
den letzten Monaten auf Rußland und in gewissem
Ausmaß auf Lateinamerika aus. Die Situation verschlechterte sich weiter und wurde durch eine Verschlimmerung der Lage in Japan noch gravierender,
das gerade ein drittes Quartal in Folge negatives
Wachstum erlebt und dessen Bankensektor mit den
größten Problemen konfrontiert ist, die eine Volkswirtschaft in der jüngeren Geschichte je erlebt hat.
Heute möchte ich den Großteil meiner Zeit dazu
verwenden, den Ansatz, den wir bei diesen Krisen
gewählt haben, und unser Streben nach Fortschritten
zu überprüfen - im Einklang mit den Anhörungen von
Finanzminister Rubin, dem Vorsitzenden des Zentralbankrats Greenspan und mir, die in den letzten
Wochen im Kongreß stattfanden.
I. Gründe für die Krise
Ökonomen werden sich noch auf Jahre hinaus mit den
Gründen für diese Krisen befassen. Aber es besteht
breite Übereinstimmung über die wichtigsten Faktoren:

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Finanzsysteme, die das Kapital nicht effizient
in die richtigen Kanäle leiteten, unzureichend
reguliert waren und ein falsches Gefühl der
Sicherheit hervorriefen, das letztlich nicht
aufrechterhalten werden konnte.
Wechselkursregime, die Kapital anzogen,
aber nicht von angemessenen makroökonomischen Maßnahmen begleitet waren und
Raum für spekulativen Druck ließen.
Ein sich insbesondere in Asien verschlechterndes globales wirtschaftliches Umfeld
aufgrund der offensichtlichen Wirtschaftsprobleme in Japan.
Schwierigkeiten in einigen Ländern - insbesondere Indonesien und Rußland - bei der
Durchführung
grundlegender
staatlicher
Funktionen, beispielsweise Steuereintreibung
und Bankenregulierung.
Substantieller Vertrauensverlust, während
Investoren sich zunehmend darüber Gedanken machen, was andere Investoren denken,
und weniger darüber, was die Grundprinzipien
sind.
Die Tendenz des Marktes zur Übertreibung besteht
schon seit Jahrhunderten. Die Übertragungsmechanismen jedoch nicht. Wenn die Krise des mexikanischen Peso die erste Finanzkrise des 21. Jahrhunderts war, hat die zweite noch deutlicher den
Spielraum der neuen Informationstechnologien und
Finanzinstrumente unter Beweis gestellt, mit einzig-

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�artiger
Geschwindigkeit
und
Stärke
vorzugehen. Wenn wir den Kapitalabzug von mehr als
zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in verschiedenen asiatischen Volkswirtschaften und die mindestens
doppelt so starke Ausbreitung von Wertpapieren in
vielen verschiedenen Märkten beobachten, ist es
schwer zu glauben, daß die Ansteckungseffekte und
die generalle Flucht vor dem Risiko nicht übertrieben
sind.
Die Eindämmung dieser Krisen ist für die Kerninteressen der Vereinigten Staaten von entscheidender
Bedeutung: Es geht um den Erhalt amerikanischer
Arbeitsplätze, amerikanischer Spareinlagen und der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Die Exporte in die Krisenländer sind bereits
um nahezu ein Drittel gesunken, und Jahresprognosen und private Voraussagen deuten
darauf hin, daß infolge der Krisen unser
derzeitiges Leistungsbilanzdefizit um einen
halben oder einen Prozentpunkt ansteigen
könnte.
In den letzten Wochen haben wir eine substantielle Abnahme des Zugangs zahlreicher
Unternehmen zu den Wertpapier- und Schuldenmärkten und Beweise dafür gesehen, daß
die Kreditvergabe der Banken abnimmt.
Derzeit gehört der Markt für "Schundanleihen"
glücklicherweise der Vergangenheit an.
Und wir wurden an die möglichen sicherheitspolitischen Konsequenzen der gravierenden
Finanzprobleme in Übersee erinnert. Man
muß sich nur die möglichen Auswirkungen
einer anhaltenden Finanzkrise in Rußland vor
Augen halten um zu sehen, daß die Eindämmung dieser Probleme - und der Kampf
gegen ihre Ausweitung - die Vorneverteidigung unserer Kerninteressen darstellt.
Das Ziel ist klar: Die Eindämmung dieser Krise und die
Wiederherstellung von Wachstum und Stabilität in den
bereits betroffenen Volkswirtschaften. Lassen Sie
mich jetzt über die Mittel sprechen.

Haushaltsüberschüssen und damit die Verringerung des Drucks auf die globalen Kapitalmärkte und auf unser eigenes Handelsdefizit.
Die Chinesen haben erkannt, daß ihr fortgesetztes Engagement für die Bewältigung der
Probleme ihres Finanzsektors und den Erhalt
einer stabilen Währung ebenfalls von großer
Bedeutung sein werden.
Und Japan, auf das sogar heute noch mehr
als zwei Drittel der asiatischen Wirtschaft
entfallen, kommt eine besonders entscheidende Rolle zu. Sofortige und effektive Maßnahmen zur Stärkung des Finanzsystems und
entschlossene steuerliche Maßnahmen, die
substantielle und nachhaltige wirtschaftliche
Anreize geben, sind in Japan dringend erforderlich, um die starke, von der eigenen
Wirtschaft ausgehende Erholung fortzusetzen,
die das Land benötigt und auf die die Welt seit
langem wartet.
Zweitens. Obwohl das äußere Umfeld wichtig ist und
internationale Unterstützung einen Unterschied
bewirken kann, sind die Länder für ihr eigenes wirtschaftliches Schicksal verantwortlich. Eine starke
Reaktion der betroffenen Länder ist der absolut erste
Schritt zur Wiederherstellung von Stabilität - weil jede
finanzielle Unterstützung, die in eine Wirtschaft
einfließt, sofort wieder abgezogen wird, wenn unsolide
Maßnahmen ergriffen werden und die Regierungen
nicht glaubwürdig sind.
Drittens. Gebundene internationale Finanzhilfe kann
eine wichtige Rolle spielen, wenn die Politiker sich zu
Reformen verpflichten, für deren Umsetzung aber
finanziellen Freiraum benötigen. Finanzkrisen können
zum Teil auch herbeigeredet werden, wie durch einen
Run auf die Banken: Jeder erwartet einen Mißerfolg
oder jeder erwartet, daß alle anderen einen Mißerfolg
erwarten, was dazu führt, daß jeder der erste sein will
und der Mißerfolg eintritt. Zeitlich begrenzte, gebundene Hilfe baut den Ländern eine Brücke zur Überwindung dieses Herbeiredens einer Krise und trägt zur
Wiederherstellung von Stabilität bei. Und hier kommt
dem IWF eine wichtige Rolle zu.

II. Der Ansatz der Vereinigten Staaten
Unsere Reaktion auf diese Situation ruht auf drei
Säulen.
Erstens. Kein Land wird sich vor dem Hintergrund
regionaler Deflation und schwacher Nachfrage erholen. Erforderlich sind verstärkte Maßnahmen in den
wichtigsten Volkswirtschaften der Region, um Wachstum und Vertrauen zu stärken:
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin das
Ihre tun, insbesondere durch den Erhalt von

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Bei dieser Krise ist noch alles in Bewegung. Und die
am stärksten betroffenen Länder spüren enormes
wirtschaftliches und soziales Elend. Das ist angesichts
des erfolgten massiven Abzugs von Privatkapital
unvermeidlich. Aber es ist ermutigend, daß es in
diesen Ländern, die als erstes betroffen waren und die
entschiedensten Maßnahmen ergriffen haben, Anzeichen für eine Eindämmung gibt.
Länder, die konsequent die vom IWF befürworteten
und geförderten Maßnahmen ergreifen - insbesondere
die Philippinen, Korea und Thailand - sehen bereits

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�erste Anzeichen für eine Wiederherstellung der
Stabilität. In Korea und Thailand fand im Allgemeinen
eine Stabilisierung der Währungen statt, der Nominalzinssatz liegt wieder etwa zwischen 13 und 15, und die
Realzinssätze sind auf das Niveau von vor der Krise
gefallen. Gleichzeitig setzen sich diese Länder jetzt für
eine Ausweitung ihrer Finanzpolitik ein, um den durch
ihre soliden Maßnahmen geschaffenen Raum für eine
möglichst schnelle Rückkehr zum Wachstum zu
nutzen.
Bei der Erörterung dieser Krisen ist es entscheidend,
die Therapie nicht mit der Krankheit zu verwechseln.
Die Notlage in Asien ist keine Folge der Politik oder
Finanzierung des IWF. Vielmehr sind dies Versuche,
die wahre Ursache für das Elend zu bemänteln: Den
Kapitalabzug und den Vertrauensverlust, der zu
diesem Abzug führte. In Ländern wie Indonesien und
Rußland, deren Regierungen ihre Programme nicht
voll umsetzten, werden Inflation, Zinssätze und
Verluste an Output zweifelsohne weitaus höher sein und die Wiederherstellung von Vertrauen liegt damit in
weiter Ferne.
Während diese Länder sich für Maßnahmen entscheiden und der IWF beschließt, welche Programme
er finanziell zu unterstützen bereit ist, werden zweifelsohne schwierige Fragen des Gleichgewichts aufgeworfen, die erhitzte Debatten zur Folge haben:

Diese Fragen des Gleichgewichts werden zweifelsohne auch in Zukunft erörtert, und es gibt keine Garantie
dafür, daß der IWF jedes Mal richtig mit ihnen umgeht.
Aber allein das Ausmaß an Unstimmigkeit unter den
Kritikern über die gemachten Fehler gibt Anlaß zur
Zuversicht, daß das Gleichgewicht in den meisten
Fällen hergestellt wurde. Ich habe keinen Zweifel
daran, daß die Situation während des vergangenen
Jahres ohne die Programme des IWF und seine
Finanzhilfe weitaus schlimmer gewesen wäre - mit
mehr Abwertungen, mehr Zahlungsrückständen, mehr
Ansteckungseffekten und mehr Handelsverzerrungen.
III. Der vor uns liegende Weg
Sogar in Hongkong stellten wir fest, daß sich die in
Asien spürbaren finanziellen Belastungen ausweiten
und weitreichende Konsequenzen für das übrige
Weltfinanzsystem haben könnten.
Zweifelsohne
haben sich die finanziellen Belastungen in den vergangenen Wochen erhöht - bis zu einem Punkt, an dem
sie das darstellen könnten, was Präsident Clinton als
eine der gravierendsten finanziellen Herausforderungen bezeichnet hat, mit denen sich die Weltgemeinschaft seit 50 Jahren konfrontiert sieht. In diesem
Kontext zeigten die Ausführungen des Präsidenten
letzten Monat in New York und die gleichzeitig herausgegebene Erklärung der G 7-Finanzminister und
Zentralbankvorsitzenden deutlich, wie unsere gemeinsamen Anstrengungen vorangetrieben werden sollten:

Einerseits besteht die legitime Ansicht, daß

strukturelle Mängel von Volkswirtschaften, die
mit kapitalistischer Vetternwirtschaft in Zusammenhang stehen, behoben werden müssen. Andererseits hat man festgestellt, daß
allzu starker Druck auf Umstrukturierung in
großem Stil das Risiko heftiger Reaktionen im
Inland beinhaltet.

Erstens arbeiten wir in Anbetracht der Tatsache von
niedrigen oder sinkenden Inflationsraten in den
meisten Teilen der Welt und der daraus resultierenden
Risikoverlagerung in der globalen Wirtschaft mit
unseren G 7-Partnern verschärft auf die Umsetzung
von Maßnahmen zur Förderung von nachhaltigem
globalem Wachstum hin.

Einerseits macht man sich Sorgen um die
Stabilität der Wechselkurse angesichts dessen, was passieren kann, wenn der Verfall
einer Währung außer Kontrolle gerät. Andererseits werden viele auf die potentiellen
Kosten einer starken Zinserhöhung zu einem
Zeitpunkt hinweisen, an dem die Banken- und
Finanzsysteme im Allgemeinen großen Belastungen ausgesetzt sind.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß
Japan unverzüglich unter angemessenen
Bedingungen öffentliche Gelder in beträchtlichem Umfang in sein Bankensystem einfließen läßt. Unserer Auffassung nach ist das
der einzige Weg, um gleichermaßen Stabilität
zu bewahren und in den nächsten Jahren für
Wachstum zu sorgen.

Einerseits besteht die dringende Notwendigkeit, zu einem Zeitpunkt Vertrauen zu schaffen, an dem Ansteckungseffekte auf den
aufstrebenden Märkten zu einem massiven
Kapitalabzug und einer Erhöhung der Zinssätze führen könnten. Andererseits machen
sich viele berechtigte Sorgen über moralische
Risiken und unverantwortliches Verhalten von
Investoren und Regierungen infolge dieser
Unterstützung.

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Die Länder der Europäischen Union müssen,
nachdem sie sich gerade erst von einer
langen Periode relativ geringen Wachstums
und hoher Arbeitslosigkeit erholen, ihrerseits
ebenfalls die Initiative ergreifen und mit gezielt
auf kräftiges Wachstum der europäischen
Nachfrage
ausgerichteten
Maßnahmen
regionales und globales Wachstum unterstützen.
Zweitens arbeiten wir auf die Verbesserung der
Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft hin,

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�Finanzmittel für Länder bereitzustellen, die eine solide
Politik verfolgen und dennoch von dem Ansteckungseffekt bedroht sind. Wo Ansteckung ein ernsthaftes
Problem ist, muß die Betonung auf dem Sondieren
neuer Wege zur Schaffung von Liquidität und Wiederherstellung des Vertrauens liegen, die keine
ungebührlichen moralischen Risiken zur Folge haben.
Die angemessene Finanzierung des IWF ist bei diesen
Bestrebungen entscheidend. Dennoch befinden sich
die Ressourcen des IWF heute auf einem historischen
Tiefstand. Und Maßnahmen, die zusätzliche Finanzmittel sicherstellen würden, warten immer noch auf die
Genehmigung durch den Kongreß. Ich möchte zu
einer Zeit, in der die Märkte danach Ausschau halten,
ob die internationale Gemeinschaft die Fähigkeit zur
Bewältigung dieser Krisen hat, nochmals wiederholen,
daß die andauernde Verzögerung ein Risiko ist, das
sich die Vereinigten Staaten kaum leisten können.
Drittens suchen wir zusammen mit den internationalen
Finanzinstitutionen und den Ländern in der Region
nach Wegen zur Beschleunigung des Tempos einer
umfassenden Unternehmens- und Finanzumstrukturierung in Ländern, in denen es ein systemimmanentes
Problem gibt - vor allem in Asien, wo die gravierende
Verschuldung sowohl der Finanzsysteme als auch der
Unternehmen eine große Hürde für die Erholung
darstellt und wo die Inangriffnahme des Überhangs der
Inlandsverschuldung von entscheidender Bedeutung
ist.
Viertens arbeiten wir auch mit den multilateralen
Entwicklungsbanken an einem besseren sozialen
Sicherheitsnetz für die Krisenländer zusammen, um
den am meisten benachteiligten Menschen in diesen
Ländern zu helfen, die Härten erdulden müssen.
Präsident Clinton stellte in der vergangenen Woche
fest: "Wenn wir von diesen Ländern erwarten, Schwieriges zu tun, dann müssen wir die am leichtesten
Verwundbaren der Gesellschaft schützen und wir
müssen Menschen schützen, die verletzt werden, auch
wenn sie gar nichts falsch gemacht haben."
Und schließlich müssen wir sehr ernsthaft darüber
nachdenken, wie das globale Finanzsystem und seine
Institutionen im Hinblick auf die Verhinderung und
Reaktion auf Krisen wie diese funktionieren. Das war
seit dem Gipfeltreffen in Neapel 1994 eine große
Sorge und enthält als entscheidendes Element die
Zusammenführung der traditionellen und neuen
Akteure auf der internationalen Finanzbühne.
Unter der Führung von Präsident Clinton haben wir
diese Anstrengungen im vergangenen Jahr intensiviert, indem wir im April ein Treffen einer umfassenderen Gruppe von 22 Ländern einberufen haben,
darunter drei wichtige Entwicklungs- und Schwellen-

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länder. Bei diesem Treffen richteten die Finanzminister und Notenbankchefs Arbeitsgruppen ein, die
Anfang nächster Woche konkrete Vorschläge unterbreiten werden. Finanzminister Rubin hat heute
Morgen in einer Rede in New York einige der wichtigsten Prioritäten dargelegt:
Verbesserte Transparenz und Offenlegung,
beispielsweise durch die Umsetzung internationaler Transparenzstandards durch die
Regierungen und die Einhaltung neuer internationaler Abkommen über bessere Rechenschaftspflicht und Offenlegungsstandards
durch private Firmen.
Gestärkte inländische Finanzsysteme. Wie
Finanzminister Rubin erörterte, ist der Schlüssel hierbei, den Regierungen gleichermaßen
die besten zu befolgenden praktischen Standards zur Verfügung zu stellen und ihnen die
angemessene Unterstützung und Anreize zu
bieten, diese Standards umzusetzen.
Effektivere Arrangements für Lastenteilung bei
der Reaktion auf finanzielle Schwierigkeiten,
insbesondere indem die Zahl einzelner Insolvenzen durch bessere Schuldner-Gläubigersowie Insolvenzregime in Schwellenländern
verringert wird, damit sie nicht zu systemimmanenten Bankrotten werden.
Die entscheidende Reform der internationalen
Finanzinstitutionen. Der IWF muß bei seinen
Maßnahmen und Programmen transparenter
und rechenschaftspflichtiger werden. Er muß
in einer Position sein, um sich mit dieser
neuen Art von Finanzkrisen zu befassen, die
sich eher aus Kapitalkonten- als aus Verkaufskontenproblemen ergeben. Seine Programme
müssen Wachstum zur Priorität machen. Und
er muß sich auf Themen konzentrieren, die
Auswirkungen auf die Sicherheit und Tragfähigkeit von Kapitalflüssen haben.
In Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft haben wir in den vergangenen Jahren Fortschritte an allen diesen Fronten gemacht. Die Veröffentlichung der drei Berichte der Arbeitsgruppen wird
uns noch weiter auf dem Weg zu unserem langfristigen
Ziel voranbringen: Einem stärkeren, stabileren internationalen Finanzsystem. Und auf unserem Weg nach
vorne werden die Anstrengungen weiter verstärkt und
erweitert. Die Zahl und Vielfalt von Vorschlägen für
eine Reaktion auf die uns konfrontierenden kurz- und
langfristigen Herausforderungen steht nicht in Frage.
Was jetzt sorgfältig erwogen werden muß, ist ihre
Effektivität und Dauerhaftigkeit auf lange Sicht.

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�USA-EUROPA

21. Oktober 1998

Eine euroatlantische Partnerschaft
für das 21. Jahrhundert
Rede von Abteilungsleiter Grossman

HOUSTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Abteilungsleiter für europäische und
kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Marc Grossman, am 1. Oktober 1998 vor dem World
Affairs Council in Houston (Texas) gehalten hat.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Es ist mir
ein echtes Vergnügen, heute vor Ihnen über die
Zukunft der amerikanisch-europäischen Beziehungen
zu sprechen. Besonders dankbar bin ich Lincoln
Jones und dem World Affairs Council in Houston für
die Einladung, Ihnen einige unserer Ideen vortragen zu
dürfen.
Ich möchte heute über Europa und darüber sprechen,
warum die Vereinigten Staaten fast ein Jahrzehnt nach
dem Ende des Kalten Krieges weiterhin ein vitales
nationales Interesse nicht nur am Erhalt, sondern
sogar an der Ausweitung ihrer Zusammenarbeit in und
mit Europa haben.
Lassen Sie mich mit einer Frage beginnen, die mir in
meiner Eigenschaft als Abteilungsleiter für europäische
Angelegenheiten oft gestellt wird: Warum sollten die
Vereinigten Staaten zu einer Zeit so engagiert in
Europa bleiben, in der der alte Kontinent wohlhabender
und sicherer erscheint als zu jedem anderen Zeitpunkt
in der jüngeren Geschichte?
Meine Antwort besteht aus drei Teilen. Erstens ist es
unser offensichtlichstes vitales Interesse sicherzustellen, daß Europa in Frieden lebt und frei von der
Beherrschung durch irgendeine Macht oder Kombination von Mächten ist, die den Vereinigten Staaten
feindlich gesinnt sind. Heute wird Europa durch keine
feindliche Hegemonie bedroht. Das ist eine sehr gute
Nachricht. Wir haben ein grundlegendes nationales
Sicherheitsinteresse daran, daß das so bleibt.

Im Laufe dieses Jahrhunderts mußten wir mühsam
lernen, daß die Interessen der Vereinigten Staaten mit
der Sicherheit und dem Wohlstand Europas verknüpft
sind. Wenn wir die für den Schutz dieser Interessen
erforderlichen Investitionen nicht tätigen, werden wir
letzten Endes immer einen höheren Preis zahlen.
Ein demokratischer Frieden hat auf dem Großteil des
Kontinents Fuß gefaßt, aber er wird weiterhin durch
Spannungen, reale und potentielle Konflikte bedroht.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten die
Führung bei der NATO-Erweiterung, der Gründung der
Partnerschaft für den Frieden und der Einbeziehung
von Ländern wie Rußland und der Ukraine übernommen. Und aus diesem Grund engagieren wir uns
dafür, in Bosnien Frieden zu schaffen und den Konflikt
im Kosovo zu entschärfen und einzudämmen.
Zweitens haben wir auch ein vitales Interesse daran,
was für ein Europa sich in Zukunft entwickelt. Wir
möchten ein Europa, das offen für amerikanische
Waren und amerikanische Investitionen ist und die
amerikanischen Werte teilt. Wir möchten ein starkes,
selbstbewußtes und nach außen gerichtetes Europa kein schwaches, isoliertes oder protektionistisches.
Ein stärkeres, geeinteres Europa, das gleichermaßen
nach außen gerichtet ist und seine Nachbarn einbezieht, liegt eindeutig im amerikanischen Interesse.
Aus diesem Grund ist diese Administration ein so
entschiedener Befürworter der europäischen Integration.
Außenministerin Albright sagt gerne, es gebe in der
Politik eine wichtige Regel, die sich auch auf die

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�Außenpolitik erstreckt: Schütze deine Basis. Europa
ist Amerikas geopolitische Basis. Stellen Sie sich vor,
wie die amerikanische Außenpolitik aussähe, wenn
Europa zu einem Zeitpunkt instabil würde, an dem wir
andernorts auf der Welt mit großen Herausforderungen
konfrontiert sind.
Drittens möchten die Vereinigten Staaten ein Europa,
das sowohl im Alleingang als auch kollektiv eine Reihe
von Herausforderungen partnerschaftlich mit uns
angeht, die kein Land - nicht einmal die Vereinigten
Staaten - alleine bewältigen kann. So wichtig die
Stabilisierung eines größeren und umfassenderen
Europas auch ist - unsere Interessen und Ziele können
nicht darauf beschränkt sein. Wir müssen ehrgeiziger
sein: Wir müssen eine Partnerschaft aufbauen, bei der
wir und unsere europäischen Verbündeten in zunehmendem Maße gemeinsam an bestimmten Fragen
arbeiten - sowohl in Europa als auch darüber hinaus.
Die Vereinigten Staaten sind die einzige verbliebene
Supermacht auf der Welt. Aber wir können und sollten
nicht alleine handeln, wenn es um die Verteidigung der
gemeinsamen Werte und Interessen des Westens
geht. In der heutigen, zunehmend interdependenten
Welt brauchen wir solide, verläßliche und effektive
Partner zur Erlangung unserer außenpolitischen Ziele.
Das erfordert Arbeit. Niemand weiß besser als ich, wie
schweres manchmal sein kann, sich auf eine gemeinsame Politik zu einigen. Aber Europa ist in vieler
Hinsicht der beste Partner, den wir haben. Unsere
Partnerschaft mit Europa könnte vielleicht mehr als die
mit jedem anderen Teil der Welt als "bereichernde
Beziehung" bezeichnet werden. Damit meine ich, daß
die Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam eine
mächtige Kraft für Fortschritt auf nahezu allen Gebieten sein können. Wenn wir jedoch verschiedener
Meinung sind, ist keiner von uns so effektiv.
Mit anderen Worten: Der Kalte Krieg ist zwar vorbei,
die Notwendigkeit einer Partnerschaft und eines
Bündnisses mit Europa besteht jedoch fort. Heute ist
unser Schicksal nicht weniger eng verbunden als vor
50 Jahren. Wenn Europa in Frieden lebt, ist Amerika
sicherer. Wenn es Europa gut geht, geht es auch
Amerika gut. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat
beide Seiten des Atlantiks gelehrt, daß wir eine
Partnerschaft benötigen, in der Europa auf uns zählen
kann und wir auf Europa. Diese Lektion müssen wir
für das 21. Jahrhundert ebenfalls lernen.
Im Gegensatz zu den Gründervätern der transatlantischen Beziehungen haben wir das Glück, dies zu einer
Zeit relativen Friedens und relativer Sicherheit zu tun
anstatt während einer größeren Krise. Gleichzeitig
bürdet uns das eine besondere Last auf, dem amerikanischen Volk unsere Politik darzulegen und zu
erklären.

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Wir können die historischen Errungenschaften der
letzten 50 Jahre am besten würdigen, indem wir eine
ebenso ehrgeizige Vision unserer Partnerschaft für die
nächsten 50 Jahre vorlegen - und eine praktische
Anleitung zur Erlangung dieses Ziels.
1994 legte Präsident Clinton seine Vision von einem
freien, ungeteilten und integrierten Europa dar, das
eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten pflegt.
Auf der Grundlage dieser Vision hat diese Administration die Führung bei der Erweiterung und Wiederbelebung der NATO und beim Aufbau neuer, umfassenderer Beziehungen zur Europäischen Union übernommen. Wir haben neue kooperative Beziehungen zu
Rußland geknüpft und bei der Umwandlung der KSZE
in eine operationale Organisation - die OSZE - geholfen, um demokratische Normen zu fördern und einen
Krisenverhütungsmechanismus in den Teilen Europas
zu fördern, in denen die Wurzeln der Demokratie noch
nicht tief oder Angriffen ausgesetzt sind.
Wir sind jetzt bereit, die nächsten logischen Schritte zu
unternehmen. Im Mai lud Präsident Clinton in Berlin
unsere europäischen Partner ein, sich uns bei der
Definition einer solchen Vision und dem Aufbau einer
euroatlantischen Partnerschaft für das 21. Jahrhundert
anzuschließen. Das Ziel dieser Partnerschaft ist
einfach und dauerhaft: Schutz der Sicherheit, des
Wohlstands und der demokratischen Verankerung
ihrer Mitglieder. Aber die Herausforderungen und das
Umfeld, mit dem wir jetzt konfrontiert sind, unterscheiden sich von denen des Kalten Krieges. Eine
neue euroatlantische Partnerschaft kann diese Ziele
am besten erlangen, indem sie in den kommenden
Jahrzehnten drei entscheidende strategische Herausforderungen angeht:
Unsere erste Herausforderung liegt in Europa:
Die Sicherstellung der weiteren Integration
des Kontinents durch die Erweiterung der
NATO und der EU. Ferner müssen wir den
Aufbau neuer Partnerschaften mit Rußland
und der Ukraine fortsetzen, um unsere Ziele
von Sicherheit, Wohlstand und Demokratie
weiter nach Osten auszuweiten. Um Außenministerin Albright zu zitieren, müssen wir
Krieg und Konflikt in der östlichen Hälfte des
Kontinents ebenso undenkbar machen, wie
sie es im westlichen Teil geworden sind.
Die zweite Herausforderung besteht zwischen
Europa und Amerika: Die Vertiefung der
Bande über den Atlantik hinweg, um die
Grundlage dieser Beziehungen als positive
Kraft für Wandel auf der Welt zu stärken.
Die dritte Herausforderung geht über Europa
und Amerika hinaus: Die Verbesserung unserer Zusammenarbeit über Europa hinaus und
die Suche nach gemeinsamen Lösungen für

AMERIKA DIENST 21

�gemeinsame Bedrohungen andernorts auf der
Welt - seien sie politischer, militärischer,
wirtschaftlicher, krimineller oder umweltpolitischer Natur - denen keiner von uns im
Alleingang wirksam entgegentreten kann.
Diese Ziele verstärken sich gegenseitig: Ein Europa
mit mehr Sicherheit, Freiheit und Wohlstand kommt
eher als globaler Partner Amerikas in Frage. Und ein
nach außen gerichtetes Europa kann eher mit den
starken Kräften des Wandels umgehen, die Stabilität,
Wohlstand und Demokratie auf dem europäischen
Kontinent in Frage stellen könnten.
Das kommende Jahr - 1999 - bietet uns mehrere
Gelegenheiten, eine solide Grundlage für diese
euroatlantische Partnerschaft für das 21. Jahrhundert
zu legen. Unsere führenden Politiker werden bei
Gipfeltreffen von drei Schlüsselinstitutionen zusammentreffen, die einzeln und zusammen zu unseren
gemeinsamen Zielen von Sicherheit, Wohlstand und
Demokratie beitragen: Die NATO, die OSZE und die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Europäischen Union. Wir möchten nicht, daß
diese Gipfel zu Feierstunden für die Leistungen der
Vergangenheit oder einfach den letzten erfolgreichen
Gipfeln des 20. Jahrhunderts werden. Wir möchten,
daß sie die ersten erfolgreichen Gipfel des 21. Jahrhunderts werden.
Die NATO
Lassen Sie mich zuerst über die NATO sprechen. Im
kommenden April werden wir die Ehre haben, in
Washington einen Gipfel aus Anlaß des 50. Jahrestages des Nordatlantischen Bündnisses zu veranstalten.
Unser Ziel für den NATO-Gipfel lautet, daß wir über die
NATO des 21. Jahrhunderts sprechen wollen - ein
größeres, flexibleres Bündnis, das sich der kollektiven
Verteidigung verpflichtet und ein breites Spektrum von
Herausforderungen für die Interessen des Bündnisses
bewältigen kann.
Die Notwendigkeit für eine solche Diskussion wurde
uns allen während der Debatte über die Ratifizierung
der NATO-Erweiterung im Senat im Frühjahr deutlich.
Eine überwältigende Mehrheit der Senatoren beider
Parteien stimmte für die Ratifizierung der Aufnahme
neuer Mitglieder.
Fast ein Jahrzehnt nach dem Fall der Berliner Mauer
beschloß das amerikanische Volk, sein Engagement
für die Sicherheit Europas nicht nur fortzusetzen,
sondern noch auszuweiten.
Gleichzeitig warf die Debatte im Vorfeld dieser Entscheidung viele ernsthafte Fragen über die zukünftigen
Ziele der NATO auf. Amerikaner interessieren sich für
die zukünftige Aufgabe der NATO ebenso wie für ihre
Zusammensetzung. Sie freuen sich, daß in Brüssel

AMERIKA DIENST 21

die Flaggen fähiger neuer Verbündeter im Wind
wehen. Sie wollen aber auch, daß Amerikaner und
Europäer bei der Beseitigung realer Bedrohungen
unserer Sicherheit gemeinsam vorgehen.
Die kollektive Verteidigung in Europa ist und bleibt der
Grundstein des Bündnisses. Wir dürfen das nie
vergessen oder zulassen, daß irgendetwas geschieht,
das unsere Fähigkeit gefährdet, diese unwiderrufliche
Verpflichtung zur Bewältigung gemeinsamer Risiken
und Übernahme gemeinsamer Pflichten zu erfüllen.
Darum ging und geht es bei der NATO.
Wenn die NATO im 21. Jahrhundert effektiv bleiben
will, muß auch sie sich weiterhin wandeln. Amerikaner
haben eine sehr pragmatische und vernunftbestimmte
Einstellung zur NATO. Aus diesem Grund ist es
unseres Erachtens an der Zeit, die Grundprinzipien,
die das Bündnis in der Vergangenheit so erfolgreich
machten, auf die neuen Bedrohungen auszudehnen,
die gemeinsame transatlantische Interessen betreffen.
Wir haben bei der Schaffung eines ungeteilten und
freien Europas bereits viel erreicht. Zentraleuropa
befindet sich auf dem Weg zu Integration und Stabilität.
Wir haben eine glaubwürdige Politik der offenen Tür
mit einer klaren Perspektive für andere Länder eingeführt, die eine Mitgliedschaft anstreben, und unser
Engagement in Nordost- und Südosteuropa verstärkt.
Und wir haben neue, kooperative Beziehungen zu
Rußland angeknüpft, was nach Ansicht vieler Kritiker
nicht mit der NATO-Erweiterung vereinbar war.
Damit soll nicht bestritten werden, daß wir heute in
Europa immer noch mit Bedrohungen konfrontiert sind.
Die Realität ist jedoch, daß Europa als Ganzes
sicherer ist als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
jüngeren Geschichte. Es gibt jedoch Gründe, warum
das Bündnis seinen strategischen Horizont erweitern
sollte.
Bedrohungen des Territoriums eines Mitgliedstaates die unter Artikel 5 des Nordatlantikvertrags fallen, dem
zufolge ein bewaffneter Angriff gegen eine oder
mehrere Parteien als ein Angriff gegen alle Parteien
angesehen wird - können aus neuen Quellen kommen.
Ein potentieller Angriff mit ballistischen Raketen unter
Einsatz von Massenvernichtungswaffen
gegen
irgendeine große europäische Hauptstadt durch einen
verbrecherischen Staat oder eine terroristische
Vereinigung ist eine Bedrohung, der die NATO gewachsen sein muß.
Die Vereinigten Staaten und Europa könnten sich auch
neuen Herausforderungen der Verteidigung der
gemeinsamen transatlantischen Interessen außerhalb
des Kontextes von Artikel 5 gegenübersehen. Wenn
man fragt, wo amerikanische und europäische Truppen im kommenden Jahrzehnt mit Konflikten kon-

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�frontiert werden können, muß die Antwort Szenarien
außerhalb der NATO-Grenzen beinhalten.
Tatsächlich haben wir immer die Option gehabt, die
Stärke der NATO außerhalb unserer Grenzen zur
Verteidigung unserer Interessen und zur Gewährleistung einzusetzen, daß Konflikte nie unsere Grenzen erreichen. Wenn gemeinsame Militäraktionen je
zum Schutz der vitalen Interessen Amerikas und
Europas erforderlich sind, sollte die NATO die Institution unserer Wahl sein.
Es liegt stark im amerikanischen Interesse, die NATO
in diese Richtung zu bewegen. Während des Kalten
Krieges war es für die Europäer sinnvoll, sich auf die
Bedrohung ihres eigenen Territoriums zu konzentrieren und für die Amerikaner, die Hauptverantwortung
für die Verteidigung der gemeinsamen transatlantischen Interessen andernorts zu übernehmen. Ein
solches Arrangement ist jedoch dann weniger sinnvoll,
wenn die territoriale Bedrohung Europas abgenommen
hat und neue Bedrohungen unserer gemeinsamen
Interessen von außerhalb der NATO-Grenzen kommen können.
Es darf keinen Zweifel daran geben: Wir sind bereit zur
Übernahme unseres Teils der Lasten und bleiben das
auch. Wir sollten sie jedoch nicht alleine übernehmen
müssen. Unsere Fähigkeit, effektiv zu sein, hängt in
zunehmendem Maße von unserer Fähigkeit ab, mit
unseren Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten und Verantwortung zu teilen. Dies ist ein
Grund, warum wir so hart an der Förderung der
europäischen Verteidigungsfähigkeit arbeiten, Macht
zu projizieren und mit einem größeren Spektrum
möglicher zukünftiger Gefahren fertigzuwerden. Ich
möchte unsere uneingeschränkte Unterstützung für
den Aufbau einer europäischen Sicherheits- und
Verteidigungsidentität im Einklang mit dem vom
Bündnis vor zwei Jahren in Berlin Beschlossenen
bekräftigen.
Ich weiß, daß manche behaupten, wir hätten die
Absicht, den ursprünglichen Zweck des Nordatlantikvertrags zu ändern oder eine Art von neuer "globaler
NATO" zu schaffen. Das ist dummes Geschwätz. Wir
sprechen über die Anwendung der Grundprinzipien,
auf denen die NATO gründet, auf die neuen Realitäten
der Zeit nach dem Kalten Krieg und auf die neuen
Bedrohungen unserer gemeinsamen transatlantischen
Sicherheit.
Präsident Clinton erklärte in Berlin: "In der Vergangenheit schützte die NATO unsere Grenzen vor direkter
militärischer Invasion. In Zukunft muß das Bündnis
unsere erweiterten Grenzen verteidigen und uns vor
Bedrohungen unserer Sicherheit schützen, die von
jenseits der Grenzen kommen: Der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen, ethnischer Gewalt,
regionalen Konflikten."

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USA-EU
Seit mehr als 50 Jahren streben wir die Schaffung
eines sicheren, demokratischen, wohlhabenden und
integrierten Europas an. Wir wissen, daß der Teil
Europas, der unsere Werte teilte, ein entscheidender
Partner bei der Bewältigung der Herausforderungen
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war. Jetzt, wo es
neue globale und regionale Herausforderungen gibt,
trifft das ebenso zu. Wir möchten eine Partnerschaft
mit Europa entwickeln, die dessen Fähigkeiten bei der
Verteidigung unserer gemeinsamen Werte und
Interessen nutzt.
Geräuschlos, hier in den Vereinigten Staaten fast
unbemerkt, entsteht ein neues, integriertes Europa.
Das neue Europa hat nicht nur Auswirkungen auf
unseren Wohlstand, sondern auch auf unsere Sicherheit. Wenn irgendwann im nächsten Jahrhundert
der Prozeß der Erweiterung der Europäischen Union
abgeschlossen ist, wird diese einen Großteil des
europäischen Kontinents von der Arktis bis zum
Mittelmeer und zum Atlantik in eine demokratische und
wohlhabende Gemeinschaft eingliedern.
Dieses
Gebilde wird zunehmend durch enge politische Bande
verbunden sein und auf demokratischen Werten
gründen. Und es wird eine wirtschaftliche Einheit mit
einer Bevölkerung von einer halben Milliarde Menschen sein. Ein beträchtlicher Teil dieser Wirtschaftsgemeinschaft wird eine einheitliche Währung haben etwas, das es in ähnlichem Ausmaß in Europa seit
1.500 Jahren nicht mehr gegeben hat.
Unser Wohlstand ist mit Europa verknüpft. Jeder
zwölfte amerikanische Fabrikarbeiter ist bei einem der
4.000 europäischen Unternehmen in den Vereinigten
Staaten beschäftigt. Unser Handel mit der europäischen Union übersteigt unseren Handel mit Japan und
Kanada zusammengenommen. Wir investieren in der
EU mehr als andernorts auf der Welt, und unsere
Unternehmen beschäftigen drei Millionen Europäer.
Die Hälfte aller weltweit hergestellten Waren und
Dienstleistungen werden in den Vereinigten Staaten
oder der Europäischen Union produziert. Wenn die
Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam handeln,
können sie die Tagesordnung für globalen Wohlstand
festsetzen. Geschieht das nicht, riskieren wir Stillstand
und Unsicherheit. Die Europäische Union ist ohne
Zweifel der Wirtschaftspartner, den wir im nächsten
Jahrhundert brauchen. Aber sie ist weit mehr: Die EU
kann unser Partner beim Umgang mit den globalen
Problemen von Verbrechen und Umweltzerstörung,
regionalen und humanitären Krisen sein.
Wir haben durch den Einsatz der sogenannten Neuen
Transatlantischen Agenda (New Transatlantic Agenda
- NTA) viel erreicht. Dieser Prozeß hat für die Menschen hier und im Ausland viele Vorteile. Ohne die
von den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Union übernommene Führungsrolle hätten wir keine

AMERIKA DIENST 21

�bedeutenden multilateralen Handelsabkommen über
Telekommunikations- und Informationstechnoiogie im
Wert von mehreren Milliarden Dollar erreicht. Wir
haben uns geeinigt, die Regulierungskosten für unsere
Exporteure zu senken, wodurch Handel im Wert von
57 Milliarden Dollar freigesetzt wird. Ferner haben wir
gemeinsame Projekte zur Eindämmung der nuklearen
Weiterverbreitung in Korea, zur Schließung unsicherer
Nuklearreaktoren in der Ukraine und zur Beendigung
des Handels mit osteuropäischen Frauen durch
Zuhälterringe in die Wege geleitet.
Diese echten Vorteile beinhalten auch Zusammenarbeit im Bereich humanitärer Hilfe. 90 Prozent aller
weltweiten humanitären Hilfsleistungen kommen
entweder aus den Vereinigten Staaten oder der
Europäischen Union. Die Ressourcen der EU ermöglichen einige unserer wichtigsten außenpolitischen
Initiativen. Das Hilfspaket der EU für den Nahen Osten
in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar ist grundlegend für
den Friedensprozeß. Und die 1,7 Milliarden Dollar
Hilfe für Osteuropa - einschließlich Bosniens - übersteigen unsere eigenen Hilfsleistungen.
Eine engere Partnerschaft mit der EU kann uns jedoch
bei der Bewältigung aller drei von mir eben erwähnten
Herausforderungen helfen - die friedliche und demokratische Integration Europas, engere Bande zwischen
Europa und Amerika zur Förderung des Wohlstands
unserer Völker und gemeinsame weltweite Aktionen
über Europa hinaus zur Bewältigung globaler und
regionaler Herausforderungen.
Nachfolgend eine Liste für die Neue Transatlantische
Agenda:
Erstens werden wir die Erweiterung der Europäischen
Union und ihre weitere Integration fördern. Die
Aussicht, der demokratischen und wohlhabenden EU
anzugehören, bietet einen mächtigen Anreiz für die
Fortsetzung demokratischer und marktwirtschaftlicher
Reformen in Zentral- und Osteuropa. Zweifelsohne
werden wir sicherstellen, daß unsere Interessen in
diesem Erweiterungsprozeß gewahrt werden - aber
Erweiterung ist definitiv der Schlüssel zu unserer
eigenen Agenda für die Region.
Zweitens möchten wir, daß die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union in für die Weltwirtschaft
schwierigen Zeiten als Säulen für Wachstum und
wirtschaftliche Stabilität dienen. Daher unterstützen
wir die Einführung einer gemeinsamen europäischen
Währung. Wir werden mit Europa zusammenarbeiten
um sicherzustellen, daß die globalen Märkte offen
bleiben und das globale Wachstum weiter zunimmt.
Unser großes Projekt besteht darin, alles in unserer
Macht Stehende zu unternehmen, um noch in diesem
Jahr Verhandlungen mit der EU über eine transatlantische Wirtschaftspartnerschaft einzuleiten, die die
Handelshemmnisse in einigen der am schnellsten

AMERIKA DIENST 21

wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft beseitigt. Wir
werden diesen Ansatz auf die globalen Handelsgespräche ausweiten, die im kommenden Jahr
beginnen. Wenn Europa und Amerika in der Welthandelsorganisation gemeinsam handeln, können wir
die Agenda für offene Märkte auf der ganzen Welt
festsetzen.
Drittens werden wir Wege finden, um unsere politische
Partnerschaft mit Europa effektiver zu machen. Allzu
häufig waren wir unfähig, gemeinsam zu handeln, bis
Blut vergossen wurde oder wir uns mit einer humanitären Katastrophe konfrontiert sahen. Wir möchten mit
der EU zusammenarbeiten, um unsere Fähigkeit zu
gemeinsamem Handeln zu verbessern, damit wir
unverzüglich die sich schnell ausbreitenden Krisen in
Europa und darüber hinaus meistern können. Das
erfordert Zeit, aber wir sehen die Chance, einen echten
Partner bei der Bewältigung regionaler Krisen zu
gewinnen, als großen Vorteil für uns.
Viertens möchten wir mit der EU zusammenarbeiten,
um die täglichen Bedrohungen der Menschen zu
bekämpfen, die sich auf der Welt nach dem Kalten
Krieg abzeichnen. Wir schulden es den Bürgern auf
beiden Seiten des Atlantiks, uns bei der Bekämpfung
von Menschenhandel, internationalem organisierten
Verbrechen, Drogenhandel, internationalem Terrorismus und Kinderpornographie im Internet besser zu
organisieren. Wir führen ferner eine fruchtbare
Diskussion mit der EU, die die Entwicklung neuer,
flexibler Mechanismen zur Bekämpfung des globalen
Klimawandels zur Folge hat.
Fünftens möchten wir diese Partnerschaft über die
Regierungsebene hinausbringen. Sie benötigt auch
die Unterstützung von Parlamentariern, Nichtregierungsorganisationen und des Privatsektors. Persönliche Kontakte sind die Zukunft. Zuerst haben wir den
transatlantischen Wirtschaftsdialog zwischen amerikanischen und europäischen Unternehmern eröffnet, der
bereits Chancen für Firmen auf beiden Seiten des
Atlantiks geschaffen hat. Jetzt folgen wir demselben
Modell, damit Arbeitnehmer, Umweltgruppen und
Verbraucher die Regierung mit ihrem Rat und ihrer
Energie besser erreichen können.
Unsere europäischen Partner wissen, daß wir ihre
Ideen zu einer tieferen und gleichwertigeren Partnerschaft willkommen heißen, um die Verbreitung von
Demokratie, Wohlstand und Sicherheit in Europa und
weltweit im nächsten Jahrhundert sicherzustellen. Wir
möchten während der beiden Gipfeltreffen, die der
Präsident 1999 mit der EU hat, konkrete Ergebnisse
hervorbringen.
Die OSZE
Abschließend möchte ich ein paar Worte über die
OSZE - die Organisation für Sicherheit und Zusam-

Seite 5

�menarbeit in Europa - sagen. In vieler Hinsicht ist sie
die am wenigsten bekannte der drei heute von mir
erörterten euroatlantischen Institutionen. Ein Großteil
ihrer Arbeit findet außerhalb des Rampenlichts statt.
Aber sie ist eine der Institutionen, deren stille Erfolge
entscheidend sind, wenn wir bei der Schaffung einer
alle einbeziehenden und nach außen gerichteten
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
einem ungeteilten und freien Europa Erfolg haben
wollen.
Die OSZE ist die internationale Organisation, auf die
wir weiterhin als Institution unserer Wahl für die
Förderung von Demokratie, Menschenrechten und
Rechtsstaatlichkeit in der ganzen euroatlantischen
Gemeinschaft blicken werden. Es ist die Institution, an
die wir uns wenden, wenn wir Wahlen beobachten,
Polizeikräfte als Teil der Friedenslösung vor Ort
einsetzen oder internationale Experten zusammen
bringen müssen, um beim Aufbau der sich vom Krieg
erholenden Gesellschaften behilflich zu sein. Wie
Außenministerin Albright es kürzlich formulierte,
möchten wir, daß die OSZE "den Platz zwischen
Diplomatie und Gewalt einnimmt... Menschen in den
krisengeschüttelten Regionen einsetzt und sie dort aus
dem konkreten Grund der Förderung demokratischer
Ideale und Institutionen beläßt".

haben eine Führungsrolle dabei übernommen, unter
den europäischen Politikern Unterstützung für diese
Initiative zu gewinnen. In der Tat haben wir bereits den
ersten Schritt getan: Die Entscheidung zur Einrichtung
von OSZE-Büros in allen zentralasiatischen Staaten.
Drittens möchten wir, daß die OSZE effektiv mit
anderen europäischen und euroatlantischen Institutionen wie der EU, OECD und NATO zusammenarbeitet. Äußerst vielversprechend ist das "Plattformkonzept" der OSZE, das die OSZE-Missionen im Land
als Plattform nutzen würde, die andere Demokratie
aufbauenden Organisationen - Regierungsbehörden,
internationale Gruppen und Nichtregierungsorganisationen - wiederum als ihre eigene Basis für Operationen nutzen könnten. Das Ergebnis wären weniger
Duplizität und effizientere Hilfsprogramme.
Außenministerin Albright hat auch das am besten
formuliert: "Wir möchten, daß sich die OSZE weiter zu
einer Organisation entwickelt, die mehr tut als redet.
Wir möchten, daß sie eine Organisation wird, die nicht
Berichte, sondern Ergebnisse hervorbringt... Wir
müssen neue Rollen für die OSZE bei internationalen
Bestrebungen sondieren, um Konflikte zu lösen und
Demokratie zu fördern."
Schlußbemerkung

Die OSZE muß in der neuen euroatlantischen Partnerschaft für das 21. Jahrhundert eine Schlüsselrolle
spielen. Unsere Politik zielt darauf ab, sie in dreierlei
Weise zu stärken:
Erstens möchten wir, daß die OSZE bereit ist, sich
effektiv mit Konfliktverhütung und -bewältigung zu
befassen. Über die Menschliche Dimension der OSZE
möchten wir Menschenrechte und Demokratie fördern
und den gemeinsamen Raum für Rechtsstaatlichkeit
und gewählte Regierungen erweitern. Und durch den
Einsatz der Wirtschaftlichen Dimension der OSZE
müssen wir gleichermaßen an den wirtschaftlichen
Ursachen von Konflikten arbeiten und das bürgerliche,
Handels- und Strafrechtssystem fördern.
Zweitens möchten wir auch den Horizont der OSZE
erweitem.
Obwohl wichtige Aufgaben bestehen
bleiben, hat die OSZE - mit der bemerkenswerten
Ausnahme des Balkan - ihre Mission im Zentrum
Europas im Großen und Ganzen erfüllt. Während sie
sich weiterhin auf den Balkan und Problemfälie wie
Belarus konzentriert, sollte die Organisation jetzt
Schritte unternehmen, um die Zone von Stabilität,
Sicherheit, Wohlstand und Zusammenarbeit auf die
neuen unabhängigen Staaten des Kaukasus und
Zentralasiens auszuweiten. Außenministerin Albright
und der amtierende Vorsitzende der OSZE, Geremek,

* *

Seite 6

Ich weiß, daß ich Ihnen eine lange Antwort auf die
kurze Frage gegeben habe, warum Europa und die
amerikanisch-europäischen Beziehungen für Amerika
immer noch so wichtig sind. Aber ich hoffe, es ist mir
einigermaßen gelungen, Ihnen nicht nur die Bedeutung
dieser Beziehungen zu vermitteln, sondern auch die
bestehenden Chancen, dank derer sie unseren
gemeinsamen Zielen und Werten besser dienen
können.
Während Amerikaner und Europäer auf das 2 1 .
Jahrhundert blicken, werden wir bessere Partner
finden, mit denen wir das künftige internationale
System in positiver Weise effektiv gestalten können.
Der Aufbau dieser neuen Partnerschaft wird nicht leicht
sein oder sich über Nacht vollziehen. Er wird dieselbe
Art von Engagement und Glauben an ein gemeinsames Schicksal erfordern, die die erstaunlichen
Erfolge der vergangenen 50 Jahre hervorgebracht hat.
Aber das ist es wert. Es ist eine spannende Zeit in den
amerikanisch-europäischen Beziehungen. Für mich ist
es eine wirkliche Ehre, unserem Land in dieser
historischen Zeit als Abteilungsleiter für europäische
Angelegenheiten dienen zu dürfen und heute die
Chance zu einem Gespräch mit Ihnen zu haben.

* *

*

AMERIKA DIENST 21

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
21. Oktober 1998

Die Wahrheit über die amerikanische
Verschlüsselungspolitik
Rede von Staatssekretär David Aaron

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Staatssekretär für internationalen Handel im USWirtschaftsministerium, David Aaron, am 13. Oktober 1998 vor dem Deutschen Industrie- und Handelstag in
Bonn gehalten hat.

Politik und den Gründen dafür beginnen und mich
dann im einzelnen mit diesen Vorwürfen befassen.

Vielen Dank für die Gelegenheit, heute mit Ihnen
zusammenzutreffen. Ich werde heute über Kryptographie sprechen, die ein wesentlicher Bestandteil des
elektronischen Handels (e-Commerce) der Zukunft ist.
Ich möchte Ihnen die "Wahrheit" über die amerikanische Verschlüsselungspolitik sagen, weil es während
der vergangenen Monate in der deutschen Öffentlichkeit eine entmutigende Anzahl von Verzerrungen und
Mißverständnissen über unsere Politik gegeben hat.
Einige greifen die Integrität der amerikanischen
Regierung an. Es ist besonders traurig und überraschend, solche Dinge von Regierungsvertretern eines
Landes zu hören, das unser engster Freund und
Verbündeter ist. Diese Behauptungen müssen richtig
gestellt werden, bevor sie sich negativ auf unsere
bilateralen Beziehungen auswirken.

Als amerikanischer Sondergesandter für Kryptographie hatte ich das Vergnügen, mit einer großen Zahl
führender amerikanischer und ausländischer Wirtschaftsvertreter zusammenzutreffen. Sie alle haben
mich eindringlich auf die entscheidende Bedeutung
einer schwer entschlüsselbaren Kryptographie für die
Zukunft ihrer Unternehmen und die Sicherung des
elektronischen Handels hingewiesen. Die US-Regierung ist ebenfalls der Ansicht, daß eine schwer
entschlüsselbare Kryptographie zum Schutz der
Privatsphäre und der Wirtschaft ein Muß ist.

Ich habe die Reden deutscher Regierungsmitglieder
und Politiker gelesen, die vor Ihnen gehalten wurden.
Ich habe dieselben Überschriften gelesen wie Sie:
"Die amerikanische Verschlüsselungspolitik ist der
Versuch, den globalen Kryptographiemarkt zu beherrschen." "Die Schlüssel für amerikanische Kryptoprodukte in Deutschland müssen in den USA hinterlegt
werden." "Key-Recovery-Produkte sind Hintertür für
amerikanische Nachrichtendienste." "Amerikanische
Kryptoprodukte verstoßen gegen deutsche Gesetze."
Alle diese Behauptungen sind nicht wahr.

Starke Verschlüsselung beinhaltet jedoch auch
ernsthafte Gefahren für die öffentliche Sicherheit. Der
Einsatz elektronischer Überwachung durch die
Strafverfolgungsbehörden war und ist bei der Terrorismusbekämpfung und bei vielen strafrechtlichen
Ermittlungen ein wichtiges Instrument. Kryptographie
beinhaltet die Gefahr eines Entzugs dieses Instruments - indem sie nicht nur die gerichtlich autorisierte
Überwachung, sondern auch häufigere gesetzmäßige
Durchsuchungen und die Beschlagnahme von Computern mitsamt ihren Dateien verhindert.

Ich bin heute hier, um Ihnen die Wahrheit zu sagen,
damit Sie selbst entscheiden können, welche Produkte
Sie für den Schutz Ihrer Privatsphäre, die Sicherung
Ihrer elektronischen Transaktionen und die Speicherung Ihrer wertvollen Geschäftsunterlagen benutzen.
Ich möchte mit einer kurzen Beschreibung unserer

Das amerikanische Justizministerium und die Drogenbekämpfungsbehörden haben bereits wichtige Beispiele dafür gefunden, daß sich Terroristen, Drogenhändler, Kinderpornographen und andere Verbrecher
der Kryptographie bedienten. Beispielsweise nutzte
Ramzi Yousef, eine Schlüsselfigur des Bomben-

AMERIKA DIENST 21

Die amerikanische Verschlüsselungspolitik

Seite 1

�anschlags auf das World Trade Center und ein
Mitarbeiter von Osama bin Laden, die Datenverschlüsselung, um seine Pläne für Bombenanschläge
auf elf amerikanische Verkehrsflugzeuge in Südostasien zu verheimlichen.
Wir erwarten, daß die kriminelle Nutzung nicht zu
entschlüsselnder Kryptographie zunimmt, während
diese immer stärker verfügbar wird und einfach
einzusetzen ist. Für ein Land wie Deutschland, das
Zielscheibe der ausländischen Mafia ist und Schauplatz zahlreicher terroristischer Zwischenfälle war,
beinhaltet die Abschaffung jedes möglichen Einsatzes
gesetzmäßiger polizeilicher Überwachung große
Gefahren.
Zweifelsohne muß ein Gleichgewicht zwischen den
Bedürfnissen der Unternehmen und Verbraucher und
dem Schutz der Gesellschaft als Ganzes hergestellt
werden. Was ist die Antwort? Unseres Erachtens liegt
die Antwort in Kryptosystemen, die vertrauenswürdige
Sicherheitsdienste mit gesetzmäßigem Zugang kombinieren. Mit gesetzmäßigem Zugang meine ich eine
Reihe von Technologien, die bei verschlüsselten
Daten und Mitteilungen die Wiederherstellung des
Klartextes im Rahmen einer gerichtlichen Verfügung
oder anderer rechtlicher Mittel zulassen, die bürgerliche Freiheiten schützen.
Wir haben uns nicht einem einzigen technologischen
Ansatz verschrieben. Die Infrastruktur für Schlüsselmanagement, -hinterlegung und weitere entschlüsselbare Produkte, die gesetzlichen Zugang bieten, sind
einige der Wege zur Herstellung eines vernünftigen
Gleichgewichts. Unseres Erachtens stellen marktorientierte Lösungen unter Führung der Industrie den
besten Ansatz zur Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden dar.
Zur Förderung einer solchen Zusammenarbeit forderte
Vizepräsident Gore im März einen intensiven Dialog
zwischen der amerikanischen Regierung und der
Industrie, den Strafverfolgungsbehörden und privaten
Vereinigungen. Dieser Dialog hat sich als produktiv
erwiesen und zu verschiedenen politischen Entwicklungen geführt, die zum Vorteil aller Beteiligten sind,
einschließlich ausländischer Unternehmen, die sich für
den Erwerb einer schwer entschlüsselbaren amerikanischen Kryptographie interessieren.
Im September gaben wir die folgenden Schritte
bekannt:
Kryptographie jeder Verschlüsselungsstärke, jeder
Schlüssellänge, mit oder ohne Schlüsselhinterlegung
darf jetzt mit Ausnahmen in verschiedene Sektoren
exportiert werden, darunter das Banken- und Versicherungswesen, medizinische und Gesundheitsorganisationen und online-Händler in Westeuropa, Japan und
Australien. Der Export zu Endverbrauchern oder

Seite 2

Zielen außerhalb dieser Bestimmungsorte wird von
Fall zu Fall geprüft. Die neuen Richtlinien gestatten
auch Verschlüsselungshardware und -Softwareprodukte mit einer Schlüssellänge von bis zu 56-bit
DES (Data Encryption Standard - Datenverschlüsselungsstandard) oder einem Äquivalent, das ohne
Lizenz an alle Nutzer mit Ausnahme der sieben
terroristischen Länder (Iran, Irak, Libyen, Syrien,
Sudan, Nordkorea und Kuba) exportiert wird. Nach
den neuen Richtlinien ist für diese DES-Produkte keine
Schlüsselhinterlegung erforderlich.
Zur Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden
werden wir weiterhin die Entwicklung von KeyRecovery-Produkten fördern, indem wir unsere
Bestimmungen für solche Produkte lockern.
Unsere Politik der Ermutigung dieses Marktes funktioniert ganz offensichtlich: Sowohl amerikanische als
auch ausländische Unternehmen entwickeln als
Reaktion auf Kundennachfragen Verschlüsselungsund Entschlüsselungsprodukte.
Beispielsweise
möchte kein Unternehmen, daß ein verärgerter
Mitarbeiter seine Dateien auf Dauer verschließen
kann.
In diesem Zusammenhang müssen Exporteure vor
dem Export nicht länger zusätzliche Informationen
über die Verläßlichkeit eines Key-Recovery-Agenten
hinterlassen. Wenn Sie sich für ein amerikanisches
Key-Recovery-Produkt entscheiden und dieses
Merkmal wählen, interessiert es uns überhaupt nicht,
bei wem Sie die Schlüssel hinterlegen.
Unsere Key-Recovery-Politik ist klar. Es ist keine
Schlüsselhinterlegung bei einem Dritten. Wir verlangen nicht und haben auch nie verlangt, daß jeder
seine Schlüssel bei der US-Regierung hinterlegen muß
oder daß der Schlüssel überhaupt bei einem Dritten
hinterlegt werden muß. Wir sagen nicht, daß die
Schlüssel in den Vereinigten Staaten bleiben müssen.
Das war trotz gegenteiliger Behauptungen einiger
deutscher Regierungsgvertreter schon immer so.
Tatsächlich haben wir verschiedene Exporte genehmigt, bei denen ausländische User, einige davon hier
in Deutschland, den Schlüssel bei sich selbst hinterlegen. Der vor kurzem von uns unternommene Schritt
zur Abschaffung der Überprüfung von Key-RecoveryAgenten sollte alle denkbaren Mißverständnisse unter
den Mitgliedern Ihrer Regierung beseitigen.
Schließlich unterstützten wir auch den Export von
Produkten, die wir als "entschlüsselbar" bezeichnen.
Diese Produkte befassen sich mit der Entwicklung
örtlicher oder flächendeckender Netzwerke und der
Übermittlung von E-Mail und anderen Daten über
Netze.
Diese sogenannten "entschlüsselbaren"
Produkte gestatten die Entschlüsselung eines Textes

AMERIKA DIENST 21

�durch einen System- oder Netzwerkadministrator ohne
die Zusammenarbeit des Users.
Wir werden den Export dieser Produkte an Wirtschaftsunternehmen in den meisten großen Ländern, einschließlich Westeuropas, Japans und Australiens, für
geschäftsinterne Zwecke gestatten.
Deutschland
gehört dieser Gruppe natürlich an.
Was bedeutet das alles? Es bedeutet, daß es jeder
einzelnen ausländischen Regierung obliegt, über ihre
Politik hinsichtlich gesetzmäßigem Zugang, Schlüsselhinterlegung und ähnlichem zu entscheiden. Und
jedes ausländische Unternehmen, das amerikanische
Kryptoprodukte verwendet, kann im Rahmen dieser
Gesetze tun, was ihm beliebt.
Das heißt nicht, daß wir keine Verschlüsselung mehr
fördern, die gesetzmäßigen Zugang bietet - insbesondere im Inland, aber auch im Ausland. Abgesehen von Exportkontrollen werden wir weiterhin die
staatliche Kaufkraft nutzen. Die US-Regierung wird
starke Verschlüsselung mit Schlüsselhinterlegung für
ihre interne Kommunikation und die mit der Öffentlichkeit nutzen.
Zur Standardisierung staatlicher Beschaffung hat das
Wirtschaftsministerium einen technisch-industriellen
Beratungsausschuß ins Leben gerufen, der einen
bundesweiten Standard für die Key-Recovery ausarbeitet. Die Arbeit des Ausschusses sollte bald
abgeschlossen sein.
Wir haben die praktische Anwendbarkeit der Schlüsselhinterlegung im Rahmen von zehn Pilotprojekten
der US-Regierung erfolgreich unter Beweis gestellt.
Jetzt wollen wir einige dieser Projekte umsetzen.
Beispielsweise befaßt sich ein Pilotprojekt mit der
elektronischen Anmeldung von Patentanwendungen
beim amerikanischen Patentamt über das Internet, was
eine digitale Signatur und Verschlüsselung beinhaltet.
Ferner fassen wir neue Pilotprojekte ins Auge.
Es ist keine leichte Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft, dem Schutz
der Privatsphäre und der öffentlichen Sicherheit
herzustellen. Bei der Umsetzung dieser Politik planen
wir eine enge Zusammenarbeit mit allen Akteuren - der
Industrie, dem Kongreß, den Strafverfolgungsbehörden, privaten Vereinigungen und den nationalen
Sicherheitsbehörden, um die Effektivität unserer
Aktionen in diesem sich wandelnden Medium ständig
zu evaluieren und neu zu bewerten. Wir werden
weiterhin enge Konsultationen mit ausländischen
Regierungen führen, um das Wachstum sicheren
globalen elektronischen Handels zu ermutigen, ohne
unseren Kampf gegen den internationalen Terrorismus
und das internationale Verbrechen aufs Spiel zu
setzen.

AMERIKA DIENST 21

Entkräftung der Mythen
Vor diesem Hintergrund möchte ich kurz einige der
Mythen widerlegen, die über unsere Politik verbreitet
werden. Um offen zu sein, halte ich einige dieser
Behauptungen nicht nur für falsch, sondern auch für
schwer verständlich.
Vielleicht ist das alles ein
Mißverständnis, aber wir führen seit mehr als zwei
Jahren einen intensiven Dialog mit deutschen Regierungsmitgliedern, und meine Kollegen und ich sind bei
zahlreichen Gelegenheiten mit Vertretern der Bundesregierung und der Industrie zusammengetroffen, um
unsere Politik zu erörtern und Ihre Fragen zu beantworten. Wir haben uns große Mühe gegeben, um
Transparenz und ein Verständnis unserer Politik zu
erreichen. Diese Botschaft wurde nicht nur auf
Arbeitsebene übermittelt, sondern auch auf höchster
Ebene der Bundesregierung. Wir sind zur Fortsetzung
dieses Dialogs bereit.
Obwohl die Gründe für diese jüngsten Behauptungen
schwer zu finden sind, werde ich weiterhin versuchen,
unsere Position zu erklären. Unsere Beziehungen
sind zu wichtig und zu produktiv, als daß diese Mißverständnisse unser Verhältnis vergiften dürften. Während meines Besuchs werde ich mit Vertretern der
deutschen und der amerikanischen Wirtschaft, möglichen Mitgliedern der neuen Bundesregierung und der
Presse in dem dauerhaften Bestreben zusammentreffen, diese Mythen zu entkräften.
Mythos Nr. 1: "Die amerikanische Verschlüsselungspolitik ist der Versuch, den globalen Kryptographiemarkt zu beherrschen."
Diese Kritik habe ich oft gehört. Denken Sie eine
Minute darüber nach. Wenn sie berechtigt wäre,
würden wir einfach unsere Exportkontrollen abschaffen
und dem Export Tor und Tür öffnen. Man braucht nur
einige Webseiten unserer Kryptographiehersteller oder
Wirtschaftszeitschriften wie Wired zu lesen um zu
sehen, daß die amerikanischen Hersteller der Ansicht
sind, daß wir sie auf dem Weltmarkt ernsthaft benachteiligen.
Die amerikanische Softwareindustrie fühlt sich besonders durch die Tatsache behindert, daß sie im
Gegensatz zu einigen ihrer Konkurrenten 128-BitVerschlüsselung nicht frei exportieren darf. Tatsächlich haben manche ausländischen Unternehmen,
einige mit Sitz in Deutschland, die amerikanischen
Exportkontrollen für Kryptographieprodukte für ihre
Vermarktungskampagnen benutzt. Dieser Verwurf ist
angesichts dieser Tatsachen einfach lächerlich.
Mythos Nr. 2: "Die Schlüssel für amerikanische
Verschlüsselungsprodukte in Deutschland müssen in
den USA hinterlegt werden."

Seite 3

�Einer der ersten und überraschendsten Kritikpunkte
lautet, das Hauptziel der amerikanischen Verschlüsselungspolitik liege darin, die Vereinigten Staaten zum
Hinterlegungsort aller Kryptographieschlüssel zu
machen. Ich habe den deutschen Behörden wiederholt gesagt - und sage das auch heute - daß das
absolut nicht zutrifft.
Unsere Exportvorschriften
gestatten explizit die Schlüsselhinterlegung im Ausland
sowie die Selbsthinterlegung durch Unternehmen und
User.
Mythos Nr. 3: "Die Vereinigten Staaten unterstützen
Key-Recovery-Produkte als Hintertür für die amerikanischen Nachrichtendienste."
Dies steht in engem Zusammenhang mit dem vorherigen Vorwurf und ist besonders verletzend. Ich möchte noch einmal betonen: Die Vereinigten Staaten
haben nicht verlangt und verlangen nicht, daß Schlüssel in den Vereinigten Staaten hinterlegt werden und
die US-Regierung darauf Zugriff hat. Wie ich bereits
erwähnte, wurde unsere Politik in jüngster Zeit dergestalt geändert, daß jegliche staatliche Überprüfung
der Key-Recovery-Agenten abgeschafft wurde. Statt
dessen beschlossen wir, daß andere Regierungen
entscheiden können, ob ihre Key-Recovery-Agenten,
wenn sie existieren, verläßlich sind.
Das war der einzige Grund dafür, daß wir eine solche
Überprüfung überhaupt gefordert haben. Jeder, der
weiterhin solche Vorwürfe erhebt, sollte dafür Beweise
erbringen. Sonst kommt man unweigerlich zu der
Schlußfolgerung, daß diese Behauptungen um des
wirtschaftlichen Vorteils willen aufgestellt werden.
Mythos Nr. 4: "Amerikanische Kryptoprodukte verstoßen gegen deutsche Gesetze."
Offen gesagt, verblüfft mich diese Behauptung weiterhin. Die Enquetekommission des Bundestags veröffentlichte kürzlich einen Bericht, dem zufolge die
amerikanischen Vorschriften im Widerspruch zu
deutschen Gesetzen wie dem Grundgesetz, dem
Strafgesetzbuch, dem Datenschutzgesetz und dem
Telekommunikationsgesetz stehen könnten.
Es
wurden jedoch keine Beweise oder Argumente
vorgelegt, die diese Behauptung untermauern.
Es ist zweifelsohne nicht unsere Absicht, gegen
deutsche Gesetze zu verstoßen. Tatsächlich kann
man sich schwer vorstellen, wie dies angesichts der
Flexibilität unserer Politik der Fall sein könnte. Wie ich
bereits erklärte und so oft wie nötig wiederholen
werde, hat die US-Regierung nicht verlangt und
verlangt auch jetzt nicht, daß Schlüssel in den Vereinigten Staaten hinterlegt werden und die US-Regierung darauf Zugriff hat - falls dies Ihre Sorge ist.

Seite 4

Was die Hinterlegung von Schlüsseln im Ausland
anbelangt, liegt es beim Kunden oder User und der
betreffenden ausländischen Regierung zu entscheiden, wo der Schlüssel hinterlegt wird. Wie bei jeder
strafrechtlichen Ermittlung, die unsere beiden Länder
betrifft, werden die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden im Rahmen der bestehenden bilateralen Abkommen zusammenarbeiten, um Beweismaterial und
Informationen, einschließlich möglicher Schlüssel oder
Zugriff auf Klartext, auszutauschen - jedoch nur in dem
Ausmaß, wie die Bundesregierung dem zustimmt.
Die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit
Es ist klar, daß weder weit verbreitete Verschlüsselungssysteme noch eine erfolgreiche nationale Politik
ohne internationale Zusammenarbeit möglich sind. Als
US-Sondergesandter ist mein Ziel ein internationaler
Konsens über die Entwicklung des Schlüsselmanagement und einen Hinterlegungsrahmen, der große und
verläßliche Sicherheit für die globale Informationsinfrastruktur bietet und gleichzeitig die öffentliche und
nationale Sicherheit schützt. Drei Schlüsselthemen für
die Zusammenarbeit zeichnen sich ab: Die Notwendigkeit harmonisierter Exportkontrollmaßnahmen, die
Entwicklung kompatibler Infrastrukturen und die
Notwendigkeit der Zusammenarbeit unter den Strafverfolgungsbehörden. Dies sind die realen Fragen, mit
denen wir uns befassen müssen - nicht die Mythen.
Wir planen eine Zusammenarbeit mit Ihrer Regierung
in den entsprechenden internationalen Foren, während
wir Fortschritte machen.
Zusammenarbeit und Verständigung zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten sind entscheidend für den Umgang mit einer Vielzahl von
Gefahren nach dem Ende des Kalten Krieges - von der
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis
zur Bekämpfung von Terrorismus und Verbrechen.
Gesetzmäßiger Zugang zu Kryptographie ist ein
wesentliches Element in diesem Kampf. Das heißt
nicht, daß es keinen Raum für ehrliche Meinungsverschiedenheiten über Kryptographie zwischen unseren
beiden Ländern gibt. Und ohne Zweifel hat Deutschland das Recht auf die Ausarbeitung seiner eigenen
Politik - tatsächlich zieht die amerikanische Politik das
besonders in Betracht.
Es ist jedoch an der Zeit, die irrtümlichen Mythen und
Verdächtigungen hinter uns zu lassen, die unsere
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet behindern. Ich bin
zuversichtlich, daß sowohl der Tenor als auch die
Stärken unserer traditionellen Zusammenarbeit
wiederhergestellt werden können, wenn wir uns auf die
Fakten konzentrieren.

AMERIKA DIENST 21

�WELTGERICHTSHOF
21. Oktober 1998

Amerikas Interesse an Frieden,
Sicherheit und Gerechtigkeit
von David J. Scheffer

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel des Sonderbotschafters für Kriegsverbrechen betreffende
Fragen, David J. Scheffer, der erstmals in Das Parlament vom 279. Oktober 1998 erschien.

Auf der ganzen Welt haben die Vereinigten Staaten die
Führungsrolle bei den Bestrebungen übernommen, die
des Völkermords, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Kriegsverbrechen Beschuldigten vor
Gericht zu bringen. Wir fördern und unterstützen
uneingeschränkt internationale Tribunale, um die
weitverbreitete Verletzung der Menschenrechte im
ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda zu bestrafen,
und wir unterstützen seit langem die Einrichtung eines
entsprechenden Internationalen Strafgerichtshofs.
Warum haben die Vereinigten Staaten dann gegen die
im vergangenen Monat in Rom erzielte Vereinbarung
gestimmt, einen ständigen Gerichtshof einzurichten?
Weil das Abkommen die lebenswichtigen Interessen
der Vereinigten Staaten und anderer aufs Spiel setzt,
internationalen Frieden und Sicherheit zu fördern,
während die für die schlimmsten Greueltaten Verantwortlichen straffrei ausgehen könnten. Ein solches
Ergebnis liegt kaum im Interesse der Gerechtigkeit.
Die Geschichte lehrt uns, daß die beste Hoffnung auf
Frieden und Gerechtigkeit dann gegeben ist, wenn
beides gemeinsam verfolgt wird. Die Nürnberger
Prozesse wären nicht möglich gewesen, wenn die
Alliierten das Nazi-Regime nicht besiegt hätten. Als
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und anderer
NATO-Verbündeter Anfang 1996 in Bosnien eintrafen,
war nur ein Angeklagter in Gewahrsam genommen
worden - heute sind es 33. In der Praxis sind kollektive Aktionen häufig das einzige Mittel zur Schaffung der
Grundlage, auf der Gerechtigkeit beginnen kann.
Daher ging die amerikanische Delegation unter meiner
Leitung mit zwei parallelen Zielen nach Rom: Fortsetzung der Fortschritte zu internationaler Gerechtigkeit

AMERIKA DIENST 21

bei gleichzeitigem Schutz der entscheidenden Rolle
der Vereinigten Staaten und anderer verantwortungsvoller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft bei
der Bewahrung von Frieden und Sicherheit durch
humanitäre Aktionen, Friedenssicherung und - falls
erforderlich - kollektive militärische Aktionen.
Wir wollten einen Gerichtshof, dem vom Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen Befugnisse für die Verfolgung
der für abscheuliche Verbrechen Verantwortlichen
verliehen werden, wer immer und wo immer sie sind,
aber auch einen Gerichtshof, dessen Fähigkeit, ohne
ein Mandat des Sicherheitsrats zu handeln, so gestaltet wäre, daß Schutz vor einer fehlgeleiteten Ausübung
von Autorität geboten würde, die legitimen nationalen
und internationalen Interessen schaden könnte.
Das war ein vernünftiger Ansatz, der ursprünglich von
einem UN-Team internationaler Rechtsexperten
unterbreitet worden war. In Rom signalisierten wir
unsere Bereitschaft zu Flexibilität bei der Übertragung
der Fälle an den Gerichtshof, hatten jedoch das
Gefühl, es sei unerläßlich, das Recht einer Regierung
zur Einschätzung der Fairneß und Unparteilichkeit des
Weltgerichtshofs anzuerkennen, bevor zugelassen
wird, daß Menschen der Zuständigkeit des Gerichtshofs in Abwesenheit einer Überweisung durch den
Sicherheitsrat unterstellt werden.
Dieser Ansatz
garantierte die Fähigkeit verantwortungsvoller Regierungen, lebensrettende Missionen ohne Angst durchzuführen, daß ihre Truppen vor ein Tribunal gezerrt
würden, das sich mit der Zeit erst noch bewähren
müßte.
Bedauerlicherweise erarbeitete eine kleine Gruppe von
Ländern während der letzten Tage der Konferenz in

Seite 1

�Rom hinter verschlossenen Türen einen kompromißlosen Text mit gravierenden Mängeln, der eine
Anleitung für die Politisierung des Gerichtshofs bietet
und das Risiko beinhaltet, verantwortungsvolle
internationale Aktionen zur Förderung von Frieden und
Sicherheit abzuschrecken. Am problematischsten ist
die außergewöhnliche Art und Weise, auf die in letzter
Minute die Zuständigkeit des Gerichtshofs formuliert
wurde. Ein Land, dessen Streitkräfte Kriegsverbrechen begehen, könnte dem Vertrag beitreten,
jedoch der strafrechtlichen Verfolgung seiner Bürger
entgehen, indem es sich für den Zeitraum von sieben
Jahren für die Nichtteilnahme an der Zuständigkeit des
Gerichtshofs für Kriegsverbrechen entscheidet. Im
Gegensatz dazu könnte ein Land, das dem Vertrag
nicht beitritt, jedoch zur Wiederherstellung von internationalem Frieden und Sicherheit seine Soldaten ins
Ausland entsendet, der Geltendmachung der Gerichtsbarkeit für die Taten dieser Soldaten ausgesetzt sein.
Im Rahmen des Vertrags darf der Gerichtshof bei
einem Verbrechen richten, wenn entweder das
Herkunftsland des Angeklagten oder das Land, in dem
das mutmaßliche Verbrechen begangen wurde,
Vertragspartei ist oder zustimmt. Somit beinhaltet der
Vertragstext, daß der Gerichtshof - selbst wenn der
Irak dem Vertrag nicht beitritt - lediglich aufgrund der
Zustimmung eines Saddam Hussein über amerikanische oder andere Soldaten Recht sprechen darf, die
an internationalen humanitären Aktionen im Nordirak
beteiligt sind, der Gerichtshof Saddam Hussein aber
nicht aus eigenem Antrieb wegen der Massaker an
seinem eigenen Volk zur Rechenschaft ziehen kann.
Diese und andere Probleme bei dem bestehenden
Vertragstext erschweren die Zusammenstellung
effektiver Koalitionen für internationale Friedenssicherung und Implementierungsmaßnahmen. Die
Schwierigkeiten werden noch erhöht, wenn der Ge-

* *

Seite 2

richtshof, wie im Vertrag vorgesehen, über einen
"Angriffskrieg" richten will, für den die Delegierten in
Rom noch nicht einmal eine Definition finden konnten.
Ausländische Regierungsmitglieder und Vertreter
nichtstaatlicher Organisationen bemühten sich in Rom,
uns zu versichern, daß in den Vertrag eingebaute
Sicherheitsklauseln - von denen viele erfolgreich von
den Vereinigten Staaten angestrebt wurden - bedeuteten, daß es für amerikanische Soldaten kein plausibles
Risiko gibt. Wir konnten eine solche optimistische
Einstellung zur Unfehlbarkeit einer noch nicht erprobten Institution nicht teilen.
Die Vereinigten Staaten bleiben der Bewältigung der
Herausforderungen von Gerechtigkeit, Frieden und
Sicherheit uneingeschränkt verpflichtet. Wir hoffen,
daß andere Regierungen die Vorteile einer potentiellen
amerikanischen Beteiligung an dem Vertrag von Rom
erkennen und seine Mängel korrigieren. Die Vereinigten Staaten können nur dann entscheidenden
Einfluß auf die Fähigkeit und Bereitschaft widerstrebender Regierungen zur Zusammenarbeit mit dem
Gericht ausüben, wenn der Gerichtshof nicht diejenigen in Gefahr bringt, die die Verantwortung für internationalen Frieden und Sicherheit übernehmen.
In der Zwischenzeit werden die Vereinigten Staaten
weiterhin die Bestrebungen anführen, diejenigen vor
Gericht zu stellen, die die grausamsten Verbrechen
begangen haben und in einigen Fällen immer noch
begehen. Wir vertrauen darauf, daß unsere Freunde
und Verbündeten bei der Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen ebensoviel Entschlossenheit
zeigen wie bei der Gründung eines zukünftigen
Weltgerichtshofs. Unseres Erachtens steht für internationalen Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit zu viel
auf dem Spiel, als daß irgendetwas anderes akzeptiert
werden könnte.

* *

*

AMERIKA DIENST 21

�MENSCHENRECHTE
21. Oktober 1998

Menschenrechte und Außenpolitik
Rede von Botschafter John C. Kornblum

NÜRNBERG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Botschafters der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der Menschenrechtstagung in Nürnberg vom 9. Oktober 1998, die vom Gesandten Michael C. Polt gehalten wurde.

Während wir darüber nachdenken, wie die internationalen Beziehungen im neuen Jahrtausend aussehen sollen, sind wir mit einer Dichotomie konfrontiert. Einerseits haben unsere Nationen mehr
Chancen zum Aufbau eines demokratischen Friedens
als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte.
Andererseits scheint es, daß die aus den zahlreichen
Veränderungen entstehenden Herausforderungen oft
nicht zu bewältigen und manchmal sogar nicht zu
definieren sind. Chancen gehen oft in der Kakophonie
der Dispute unter.
Die Welt schreit nach Antworten. Wie gehen wir mit
Konflikten oder den humanitären Konsequenzen von
Krieg und Konfrontation um? Welche Rolle haben die
Konzepte von nationaler Souveränität oder militärischer Sicherheit, wenn nationale Grenzen immer mehr
an Bedeutung verlieren? Wie legitim ist die Verteidigung der nationalen Kultur oder Religion als Ursache
für militärische Aktionen? Was sind die neuen Methoden für den Umgang mit internationalen Konflikten?
Keine dieser Fragen kann mit Standardlösungen für
internationale Probleme beantwortet werden. Keine
kann mit traditionellen diplomatischen Methoden
bewältigt werden. Und vor allem gibt es noch kein
Leitprinzip für die Entscheidung, wie auf Konflikte
reagiert werden sollte, die durch solche Dispute
entstehen, insbesondere im Fall von Aggression gegen
den Einzelnen.
Zehn Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges
müssen wir mit der Definition der Standards beginnen,
die uns bei der Suche nach Antworten auf diese
Fragen behilflich sein können. Wenn es uns mit dem

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Aufbau einer demokratischen Basis für Frieden auf der
Welt ernst ist, müssen wir sicherstellen, daß die
Prinzipien der Demokratie gut verstanden werden. Wir
müssen Leitlinien definieren, die einem mündigen
internationalen Bürger behilflich sind, ebenso wie
unsere Gesetze und Verfassungen uns bei informierten Entscheidungen zur Unterstützung der Demokratie
im Inland behilflich sind.
Eine Zeit der Chancen
Heute möchte ich über die zunehmende praktische
Bedeutung von Menschenrechtsstandards bei der
Suche nach Lösungen für diese neuen Herausforderungen sprechen. Ich möchte Perspektiven für
die Entwicklung eines mündigen Bürgers erörtern, der
die uns konfrontierende Konfusion erfolgreich meistern
kann. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die
Chance, ein neues Paradigma für die Beziehungen
zwischen Nationen und Völkern zu definieren. Wir
können harten Wettbewerb und militärische Gewalt
durch demokratische Werte als Leitprinzipien des
internationalen Lebens ersetzen.
Das ist eine große Herausforderung. Um Erfolg zu
haben, müssen Regierungen und Völker zu einer
besseren Definition der vor ihnen liegenden Herausforderungen gelangen. Wir müssen die praktische
Anwendung von Menschenrechtsstandards ebenso
praktizieren wie wir während der vielen vergangenen
Jahrhunderte Verhandlungen und Krieg praktiziert
haben. Und vor allem müssen wir das Streben nach
Menschenrechten neu definieren. Diese Disziplin
sollte nicht länger Idealisten und Weltverbesserern
überlassen bleiben, wie es immer noch allzu häufig der
Fall ist. Sie sollte als das zentrale Element einer

Seite 1

�wirklich realistischen Friedenspolitik anerkannt werden.
Vor diesem Jahrhundert gehörten Menschenrechte
eher in eine philosophische als eine praktische
Kategorie menschlichen Strebens.
Die großen
Gelehrten der Aufklärung definierten eine bislang
unbekannte Kategorie - die Idee von Gerechtigkeit als Element des öffentlichen und privaten Lebens. Die
Ideen universeller Rechte waren die Grundlage der
amerikanischen Verfassung und der französischen
Revolution. Sie entstanden in England und andernorts, fehlten aber im internationalen Leben fast völlig.
Das Leben der Nationen schien über den normalen
menschlichen Standards zu liegen. Während die
Kriege immer zerstörerischer wurden, wurden die von
den Menschen gebrachten Opfer bei internationalen
Konflikten immer größer.
Das 20. Jahrhundert war Zeuge der entsetzlichsten
Beispiele für menschliches Leid, das die Menschheit
kennengelernt hat. Krieg und politische Konflikte
forderten während der letzten 90 Jahre mehr als 100
Millionen Menschenleben. Vor 50 Jahren entwarf die
internationale Gemeinschaft einen Kodex der Menschenrechte - die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - der heute die Grundlage für internationales und nationales Verhalten gegenüber dem
Einzelnen darstellt.

Respektierung von Menschenrechten etwas zu
bewirken. Der explosionsartige Zuwachs des Internet
bedeutet, daß Informationsverweigerung für unterdrückerische Regime immer schwieriger wird. Allgemein - und das ist die größte Hoffnung - haben wir
einzigartige Chancen, die Prinzipien umzusetzen, die
die Gründerväter der universellen Werte geschaffen
haben.
Diese Leistung resultierte aus einem der wichtigsten
konzeptionellen Durchbrüche des vergangenen
Jahrhunderts. Sie gehört zu Dekolonisierung und
Rüstungskontrolle als wirklich innovativen Schritten zu
einer friedlicheren Welt. Die Akzeptanz der zentralen
Bedeutung von Menschenrechten für die Bewahrung
von Frieden bedeutet, daß die Verletzung von Menschenrechten auch eine legitime Basis für internationales Handeln ist, einschließlich militärischer
Intervention, falls nötig. Die Ereignisse im Kosovo
verdeutlichen uns diese Prinzipien heutzutage.
Die Definition einer werteorientierten Außenpolitik
Dies ist ein wahrhaft aufregender Zeitpunkt, sich dafür
zu engagieren, Menschenrechte auf den zentralen
Platz in den internationalen Beziehungen zu bringen.
Wir haben eine große Chance, zur Bereitstellung der
Ressourcen beizutragen und eine werteorientierte
Außenpolitik in die Praxis umzusetzen.

Ich spreche von Verhalten gegenüber dem Einzelnen,
weil das Konzept der Menschenrechte mit der Souveränität und Unantastbarkeit jedes einzelnen Menschen
beginnt. Es ist die Pflicht der Staaten und führenden
Politiker, ihr Verhalten gegenüber diesen unveräußerlichen Menschenrechten zu definieren, und nicht
umgekehrt. Der Staat dient den Interessen des
Einzelnen; nicht der Einzelne den Bedürfnissen des
Staates. Dieses Grundprinzip bleibt weiterhin der
Rahmen für jedes menschliche und politische Verhalten. Obwohl es oft verletzt wird, kann es kein
UNO-Mitglied ignorieren. Es ist das Gesetz unseres
Planeten.

Insbesondere seit dem Ende des Kalten Krieges
wurden die Bestrebungen, Menschenrechtsprinzipien
auf praktische Weltprobleme anzuwenden, bis zur
Unkenntlichkeit erweitert. Es gibt gute Gründe für
diese dramatische Verlagerung.
In einer durch
internationale Konfrontation erstarrten Welt reduzierten
sich die so genannten "menschlichen" Anliegen der
Außenpolitik oftmals darauf, den Notleidenden zu
helfen. Tieferliegende Fragen der menschlichen
Lebensbedingungen und Konflikte waren unter der
Decke der Ost-West-Konfrontation verborgen.

Auf dieser Basis bewegt sich die internationale
Gemeinschaft kontinuierlich auf eine funktionellem
Definition von demokratischen Werten und Außenpolitik zu. Die Standards des internationalen humanitären Rechts werden auf die drängenden Erfordernisse
des Zeitalters nach dem Kalten Krieg angewandt. Wir
haben Menschenrechte zu einem legitimen Diskussionsthema bei den zwischenstaatlichen Beziehungen
gemacht. Und mit offensichtlichem Erfolg.

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in der Tschechoslowakei erkannten Ost und West, daß eine
weitere Verschärfung der Spannungen zu einer
Katastrophe führen könnte. Im vorausgegangenen
Jahrzehnt war in Berlin und Kuba nahezu der Krieg
ausgebrochen. Beide Seiten waren zu einer Entschärfung der Situation bereit.

Die systematische Verletzung der Menschenrechte ist
in großen Gebieten dieses Globus eingeschränkt oder
abgeschafft worden - wobei die ehemalige Sowjetunion das beste Beispiel darstellt. Nichtregierungsorganisationen finden neue Chancen, um beim Aufbau
von Strukturen und Institutionen auf der Grundlage der

Seite 2

Das Tauwetter begann Anfang der siebziger Jahre.

Die ersten Schritte wurden hier in Deutschland gemacht. Beide Seiten einigten sich auf eine Verringerung der Spannungen in Berlin. Die Viermächteverhandlungen über Berlin waren wahrhaftig humanitäre Gespräche. Der Hauptgegenstand dieser Verhandlungen war, die Bedingungen für Ostberliner zu
verbessern und Reisen von Berlin in den Westen zu
erleichtern. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß die

AMERIKA DIENST 21

�Berliner Verhandlungen eine neue Ära der Außenpolitik einläuteten. Zum ersten Mal in der Geschichte
schluckten Großmächte ihre Meinungsverschiedenheiten und schufen eine auf Verträgen gründende
Struktur humanitärer Verbesserungen als Mittel zur
Verringerung der Spannungen.
In den darauf folgenden Jahren gab es ähnliche
Bemühungen, die Normen des internationalen humanitären Rechts auf die ganze Bandbreite der Beziehungen zwischen Nationen und - was noch dramatischer
war - innerhalb der Nationen selbst anzuwenden.
Der Fortschritt kam nicht über Nacht. Es dauerte mehr
als zehn Jahre, bis man übereinkam, daß humanitäre
Gesichtspunkte ein legitimer Aspekt internationalen
Lebens sind. Der wesentliche Durchbruch kam mit der
Unterzeichnung der KSZE-Schlußakte beim Gipfel von
Helsinki im August 1975.
Dieses Dokument legte nicht nur das Menschenrechtskonzept des Westens fest; es bildete auch ein direktes
Bindeglied zwischen militärischer Sicherheit, wirtschaftlichem Austausch und der Einhaltung anerkannter Normen der Menschenrechte. Die "Operationalisierung" der Menschenrechte, wie wir es in Amerika
nennen würden, war beispiellos.
Wissenschaftler, die das Geheimnis des Zusammenbruchs des Totalitarismus zu enthüllen versuchen,
können durchaus die Schlußakte von Helsinki als
befreiendes Dokument bezeichnen. Sie sandte ein
Schauern durch die sowjetische Welt. Binnen einer
Woche nach der Veröffentlichung der Schlußakte in
Neues Deutschland erhöhte sich beispielsweise die
Zahl der Ausreiseanträge aus der DDR um 200.000.
Verlagerung des Konflikts
Als in den frühen neunziger Jahren der Zerfall der
Sowjetunion begann, zollte sogar der russische
Außenminister Andrej Kosyrew der KSZE und ihrer
Botschaft der Menschenrechte Anerkennung für den
Zusammenbruch des Kommunismus. Als das neue
Jahrzehnt begann, bestand die Hoffnung, daß das
Ende des Kalten Krieges schließlich auch das Ende
der Konflikte auf der ganzen Welt bringen würde.
Tragischerweise wurde der Konfliktschwerpunkt
verlagert. Ohne die Furcht vor nuklearer Vernichtung
fühlten sich Gruppierungen auf der ganzen Welt
ermutigt, lang unterdrückten Groll wiederzubeleben.
Das Resultat steht uns nur zu deutlich vor Augen.
Plötzlich begannen Gruppierungen und Nationen, alte
Rechnungen zu begleichen, Grenzlinien neu zu ziehen
und Vorteile einzufordern, von denen sie meinten, daß
sie ihnen seit langem zustünden.
Es war, als habe der Kalte Krieg die Welt in dem
Glauben hypnotisiert, die Geschichte sei tatsächlich an

AMERIKA DIENST 21

einem Endpunkt angelangt. Sein Ende brach den
Bann. Die Opfer waren nicht die Großmächte. Es
waren die Menschen in weit entfernten, oft entlegenen
Teilen der Welt, die den Schmerz spürten.
Präsident Bush sprach 1989 mutig von der "Neuen
Weltordnung". Keine zwei Jahre danach wurde
schmerzhaft klar, daß die Welt bei weitem nicht bereit
war für die neue Freiheit nach dem Kalten Krieg. Ein
neuer Begriff tauchte auf - die internationale Gemeinschaft. Dieser Terminus, der nicht im entferntesten
klar definiert war, signalisierte eher Hilflosigkeit als
Macht, eher Konfusion als Entschlossenheit. Von
Bosnien bis Somalia, von Afghanistan bis Tschetschenien spielten humanitäre Belange eine zentrale
Rolle.
Auf der Suche nach Antworten
Es ist wichtig zu beachten, daß die internationale
Gemeinschaft angesichts dieser Herausforderungen
nicht untätig geblieben ist. Sowohl bei den Vereinten
Nationen als auch von regionalen Organisationen wie
der NATO, OSZE, der Organisation Amerikanischer
Staaten und der Organisation für Afrikanische Einheit
wurden zahlreiche Instrumente geschaffen, um mit
dieser neuen Art von Konflikt umzugehen. Humanitäre
Organisationen waren ebenfalls kreativ bei der
Anpassung an die neue Situation. Nichtregierungsorganisationen haben in vielen Bereichen unerschrocken humanitäre Diplomatie betrieben, wo
Regierungen nicht tätig werden konnten.
Die Erfahrungen sind gemischt. Auf jeden Erfolg, wie
etwa in El Salvador oder Bosnien, kamen auch
Niederlagen. Neue Instrumente werden oft von denen
abgelehnt, für deren Hilfe sie gedacht waren. Und
bedauerlicherweise verhindern häufig die Zänkereien
zwischen größeren Mächten die Lösungen für die, die
sie am meisten brauchen.
Ein Großteil des Problems besteht in der Definition.
Nachdem wir mehr als ein Jahrzehnt darauf verwendet
haben, humanitäre Belange als legitime Aspekte
internationaler Beziehungen anzuerkennen, werden
wir nun mit einer explosionsartig zunehmenden Zahl
von Herausforderungen konfrontiert. Ein Großteil ist
kaum definiert.
Die humanitäre Arbeit von Nichtregierungsorganisationen steht zunehmend mit ethnischen oder regionalen Konflikten im Zusammenhang.
Massenmorde in Bosnien
waren sowohl Verbrechen als auch humanitäre Krisen. Der Krieg in Tschetschenien wurde
von Rußland als innere Angelegenheit bezeichnet. Dasselbe behauptet Belgrad vom
gegenwärtigen Konflikt im Kosovo. Zunehmend werden humanitäre Hilfsleistungen

Seite 3

�durch militärische
beeinträchtigt.

Auseinandersetzungen

Als OSZE-Hochkommissar für nationale
Minderheiten hat Max van der Stoel hervorragende Arbeit geleistet. Aber er wird oft
an der Einreise in ein Land mit Minderheitenproblemen gehindert, weil die Landesregierung diese Definition des Problems ablehnt.
So ist das Erreichen eines Konsenses über
die Natur ethnischer und religiöser Konflikte
eine weitere wesentliche Aufgabe.
Gleiches gilt auch für Flüchtlinge. Ein krasses
Beispiel ist die Weigerung Kroatiens, aus der
Krajina geflohene Serben weder als Flüchtlinge noch als Vertriebene zu definieren. Die
Situation in Zentralafrika entzieht sich jeglichem Verständnis.
Langsam geht man daran, dieses Problem der gemeinsamen Definitionsfindung zu lösen. Nach einem
fast zehn Jahre dauernden Konflikt über Nagorny-Karabach scheinen die beteiligten Parteien bereit,
eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu akzeptieren. Trotz seiner Behauptung, der Tschetschenien-Konflikt sei eine innere Angelegenheit,
gestattete Rußland der OSZE, eine Vermittlerrolle zu
spielen.
Es werden Instrumente erarbeitet. Die OSZE hat bei
der Weiterentwicklung von Methoden der Konfliktprävention und des Krisenmanagements eine Führungsrolle übernommen. Ihre Konfliktpräventionsmissionen erfüllen in mehr als zehn Ländern wichtige
Aufgaben. Ihre Rolle in Bosnien beinhaltete die
Veranstaltung von Wahlen, die Durchführung von
Rüstungskontrollverhandlungen und die Etablierung
von
Standards
für
Menschenrechte.
Die
UN-Hochkommissarin für Flüchtiingsfragen ist gleichfalls kreativ gewesen, was den Einsatz ihrer Möglichkeiten für positive Zwecke betrifft.
Die Rolle der Friedenssicherung
Im Zuge der Intensivierung dieser Konflikte waren die
Parteien bestrebt, sich zum Erhalt der Ordnung auf das
Militär zu stützen. Traditionelle Konzepte der Friedenssicherung entwickelten sich rasch zu einer
Vielzahl militärischer Aufgaben. Die meisten davon
sind neu. Unsere führenden Militärs sind noch nicht
mit ihnen vertraut und zögern, sich auf nicht erprobte
Missionen einzulassen. Die derzeitigen Rollen der
Friedenssicherung variieren - von normaler Beobachtung und Präsenz zu konkreten Kampffunktionen.
Es gab mehrere wichtige Erfolge. Die IFOR/SFOR in
Bosnien, die UN-Truppen in Kambodscha und El
Salvador sowie die Albanien-Mission unter Leitung

Seite 4

Italiens zeigten, wie die wohlüberlegte Anwendung
militärischer Stärke einen wichtigen Beitrag leisten
kann.
Es gab jedoch auch deutlich sichtbare Fehlschläge.
Obwohl die Entsendung der UNPROFOR nach
Jugoslawien von wohlmeinenden Absichten getragen
war, erwies sie sich als unbefriedigend sowohl für die
Schutzbedürftigen als auch für die Beschützer selbst.
Obwohl die UNPROFOR aus Streitkräften zusammengesetzt war, war ihre Struktur nicht auf die Erfüllung
einer Militärmission ausgerichtet. Das Ergebnis war
Konfusion und im Falle von Srebrenica eine Tragödie.
Wenn eine Streitmacht erst einmal entsandt ist, stellt
sich die Definition der laufenden Mission als sehr
schwierig dar. Wir hatten keine genauen Informationen über die militärische Bedrohung und die Einsatzbedingungen. Die IFOR-Mission begann mit der
konkreten Arbeit der Truppenentflechtung. Sie ging
schnell zu Aufgaben im Bereich der öffentlichen
Ordnung und des Schutzes von Flüchtlingen über. Im
September 1996 konnte die IFOR eine zentrale Rolle
bei den Wahlen in Bosnien übernehmen, die vom
Daytoner Abkommen vorgeschrieben wurden. Die
Rolle der SFOR beinhaltet in zunehmendem Maße
auch allgemeine wirtschaftliche und humanitäre
Aufgaben.
Dennoch ist ihre Rolle weiterhin umstritten. Die
legitime Funktion der SFOR im Hinblick auf Kriegsverbrecher war kompliziert und kontrovers. Die jüngsten
Erfolge zeigen, daß solche Aufgaben ebenfalls erfüllt
werden können - jedoch nur, wenn sie militärisch
möglich sind.
Die Frage der Kriegsverbrecher veranschaulicht eine
der ständigen Debatten über die Friedenssicherungstruppen. Die führenden Politiker finden es oft nützlich,
die Streitkräfte für verschiedene Aufgaben einzusetzen. Es ist jedoch nicht vertretbar, das Militär zu
Aufgaben heranzuziehen, die nicht innerhalb seiner
Richtlinien erfüllt werden können. Ich weiß, daß
humanitäre Organisationen sich oft eine noch umfassendere militärische Unterstützung wünschen. Ich
kann nicht vorhersagen, wie sich die Rolle des Militärs
entwickeln wird. Wir können von unseren Truppen
jedoch keine Dinge erwarten, die nicht ihren von ihnen
definierten Fähigkeiten entsprechen.
Die zunehmende Integration militärischer und diplomatischer Bestrebungen wirft auch Fragen über die
Legitimität der Truppenentsendung auf. Wann stellen
militärische Aktivitäten, die den Schutz von Menschenrechten vorgeben, tatsächlich eine Aggression
dar? Die serbische Militärintervention in Bosnien und
jetzt im Kosovo war nackte Aggression unter dem
Deckmantel des Schutzes von Menschenrechten. Und
wann hat die internationale Staatengemeinschaft das

AMERIKA DIENST 21

�Recht zurückzuschlagen,
unerträglich wird?

wenn

die

Aggression

Wie die Diskussion dieser Woche beweist, sind die
Vereinigten Staaten der festen Überzeugung, daß die
serbische Verletzung des internationalen humanitären
Rechts im Kosovo eine militärische Reaktion eindeutig
rechtfertigt. Und es ist nicht legitim zu behaupten, die
NATO könne nicht zur Bewahrung der Menschenrechte intervenieren, weil andere dieselbe Entschuldigung
für eine weniger noble Intervention benutzen könnten.
Wenn wir 1948 auf dieses Argument gehört hätten,
hätte es keine Berliner Luftbrücke gegeben. Die
Verpflichtung der NATO zu Demokratie sollte sie über
Vergleiche mit anderen erheben, wie laut deren
Forderungen auch vorgebracht werden mögen.
Oder was ist mit der Anwendung oder Androhung von
Gewalt durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien
und andere Verbündete, einschließlich Deutschlands,
während der Konfrontation mit Saddam Hussein im
letzten Winter? Es ist offenkundig, daß die Diplomatie
manchmal nur erfolgreich ist, wenn sie vom Einsatz
von Gewalt begleitet wird.
Und hier schließt sich der Kreis. Die Verbindung
zwischen Demokratie und Sicherheit wurde in der
Schlußakte von Helsinki festgelegt. Die Prinzipien der
Demokratie sollten unsere Standards sein. Der
Umgang mit so genannten verbrecherischen Staaten
ist eine Aufgabe für alle Demokratien. Starkes Vorgehen gegen andere ist jedoch nur dann gerechtfertigt,
wenn diese Demokratien bei den von ihnen in solchen
Konflikten angelegten Maßstäben selbst Vorsicht
walten lassen. Unsere Legitimierung als Verteidiger
des internationalen humanitären Rechts ergibt sich
nicht nur aus unserer militärischen oder wirtschaftlichen Macht, sondern auch aus unserem eigenen
Streben nach diesen Prinzipien.
Das ist ein wichtiger Grund, warum die Vereinten
Nationen nach der Tragöde in Bosnien ein Kriegsverbrechertribunal zur Untersuchung und Bestrafung der
verübten Verbrechen eingerichtet haben. Das Mandat
wurde später auf Zentralafrika ausgeweitet. Die Arbeit
des Tribunals ist grundlegend, um diese entsetzlichen
Geschehnisse aufzuklären.
Der internationale Strafgerichtshof
Das 20. Jahrhundert hat viele Bestrebungen zur
Einführung offizieller Mechanismen zur Konfliktschlichtung gesehen. Es gibt sie jetzt bereits in einer
Vielzahl von Organisationen.
Der Internationale
Gerichtshof in Den Haag und die Konfliktschlichtungsmechanismen der OSZE in Genf sind vertraglich
festgelegte Instrumente, die praktisch nie genutzt
werden.

AMERIKA DIENST21

Das bedeutet nicht, daß wir es nicht versuchen sollten.
Die internationalen Kriegsverbrechertribunale in Den
Haag und Arusha erfüllen eine wesentliche Funktion.
Die Einrichtung eines internationalen Strafgerichtshofs
stellt eine Priorität der Clinton-Administration dar. Ich
bin mir bewußt, daß es zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren europäischen Partnern unterschiedliche Ansichten zur Funktionsweise des Strafgerichtshofs gibt. Dies zeigte sich beim Abschluß der
Konferenz von Rom im Juni. Die Vereinigten Staaten
sind überzeugt, daß die im Konzept von Rom enthaltenen Mängel gravierend sind. Es besteht die Gefahr,
daß dieser Rahmen von Menschenrechtsverletzern
zur Unterstützung ihrer negativen Ziele benutzt werden
könnte. Aber Meinungsverschiedenheiten über die
Einzelheiten des Projekts schmälern nicht die Bedeutung des Ziels. Die Vereinigten Staaten hoffen, in der
Zukunft mit ihren Partnern zusammenarbeiten zu
können, um Änderungen der umstrittenen Bestimmungen des Vertrags von Rom vorzuschlagen. Wir hoffen,
daß andere Regierungen in den kommenden Jahren
die Vorteile einer möglichen amerikanischen Beteiligung an der Verbesserung der derzeitigen Version
erkennen.
Auf dem Weg zu einer neuen Friedensdisziplin
Ich habe zu beweisen versucht, daß es keine einfache
Antwort auf die Herausforderungen gibt, die ich an den
Anfang dieses Vortrags gestellt habe.

Wir sind am

Beginn einer neuen Friedensdisziplin, die die Instrumente der traditionellen Diplomatie mit Standards
von Demokratie und freien Marktwirtschaften kombiniert. Das ist kein idealistischer Vorschlag - es ist
harte Realität. Die Geschichte hat klargestellt, daß
Offenheit und Toleranz die einzigen sicheren Methoden für Frieden und Wohlstand sind. Aber die Institutionen zur Erlangung einer werteorientierten
Friedensdisziplin stecken noch in den Kinderschuhen.
Das öffentliche Bewußtsein konzentriert sich noch auf
die traditionellen Instrumente der Machtpolitik. Nationen in Schwierigkeiten möchten nicht immer durch
Methoden unterstützt werden, die politische Macht
unterminieren könnten. Aber die Demokratie gewinnt.
Die jüngsten Wahlergebnisse in der Slowakei demonstrieren die Macht der demokratischen Methode.
Die Definition dieser neuen Friedensdisziplin ist eine
Aufgabe für die ganze Welt, aber die Vereinigten
Staaten sind häufig am stärksten mit den Auswirkungen dieses neuen Paradigmas konfrontiert. Wir
werden als die einzige Supermacht der Welt bezeichnet. Man erwartet von uns oft, die Rolle eines Polizisten zu spielen, während gleichzeitig die speziellen
Empfindlichkeiten der beteiligten Länder berücksichtigt
werden sollen. Wenn Verhandlungen scheitern, sind
wir es, von denen man die Wiederherstellung der
Ordnung erwartet. Aber unsere militärische Rolle wird

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�häufig von eben den Ländern kritisiert, die unseren
Schutz genießen.
Ein Großteil dieser Konfusion ist verständlich. Sie
besteht auch in den Vereinigten Staaten. Sie ist ein
normales Ergebnis einer Periode raschen Wandels.
Aber unseren Interessen ist nicht gedient, wenn die
stärkste Macht der Welt sich wiederholt Konflikten und
Widersprüchen über ihre stabilisierende Rolle gegenübersieht. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten
Staaten wird nicht lange Maßnahmen unterstützen, die
nirgendwohin zu führen scheinen. Und selbst unsere
stärksten Bündnisse können durch Unterschiede in der
Wahrnehmung geschwächt werden, wie wir sie in
jüngster Zeit auf dem Balkan und am Persischen Golf
beobachtet haben.
Das ist ein Grund, warum die Vereinigten Staaten
führend darin sind, Konzepte und Strukturen zu
entwickeln, die sowohl Frieden garantieren als auch
Instrumente zur Konfliktbewältigung bieten.
Die
Entwicklung der NATO in den vergangenen zehn
Jahren war dramatisch. Neben dem Erhalt seiner
militärischen Strukturen ist das Bündnis zunehmend
darauf ausgerichtet, Sicherheit und Kooperation auf die
ehemals kommunistischen Gebiete Europas zu
übertragen. Konsultationen, gemeinsame Manöver und
Friedensmissionen spielen eine wesentliche Rolle bei
der Definitionsproblematik, die ich vorhin erwähnte.
In Europa fällt der OSZE eine Schlüsselrolle zu. Ihre
Kreativität bei der Entwicklung von Instrumenten zur
Konfliktprävention habe ich bereits erwähnt. Die
Konsultationsmechanismen sind ganz wichtig, um die
Kommunikation aufrechtzuerhalten. Die OSZE ist aber
häufig Druck ausgesetzt. Ihre Hilfe wird von denen
abgelehnt, die sie am dringendsten benötigen. Andere
dagegen streben danach, sie zu einem formellen
Durchsetzungsmechanismus zu machen und berauben sie so ihrer lebenswichtigen flexiblen, politischen
Grundlagen.
Die Vereinigten Staaten vertreten hierzu einen von
Prinzipien geleiteten Standpunkt. Organisationen wie
die UNO und die NATO haben formelle Durchsetzungsbefugnisse. Die OSZE formuliert die wesentlichen Standards und Wertegrundlagen, die so interpretiert werden können, daß sie individuellen Bedürfnissen entsprechen. Sie sorgt für einen Entwicklungsprozeß, der durch regelmäßige Durchsetzungsrevisionen überprüft werden kann.
Oft hört man Forderungen nach mehr Macht für die
OSZE. Gleichzeitig wird aber das mächtigste Instrument überhaupt - die Vision der Freiheit - oftmals
ignoriert. Dieses Problem betrifft insbesondere eine
Reihe europäischer Länder, sowohl im Osten als auch
im Westen, die dieses neue Zeitalter noch nicht
verstanden haben. Unsere Suche nach einer neuen
Friedensdisziplin muß mit grundlegenden Prinzipien

Seite 6

beginnen. Komplexe Strukturen, Verträge oder sogar
militärische Mittel können nicht mit dem Wunsch
konkurrieren, ein selbstbestimmtes Leben zu definieren. Die Sowjetunion hatte diese Lektion zu spät
gelernt.
Eine aus dieser neuen Ära gewonnene Einsicht ist in
dieser Debatte festgehalten. Wie Präsident Clinton
erklärt hat, bewegen wir uns rasch von Rückgriff auf
enforcement auf eine Vision von empowerment als
Grundlage unserer demokratischen Weltordnung zu.
Der mündige Bürger kann nicht auf Verträge und
Resolutionen zurückgreifen, um die Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts zu erklären. Es ist ein
Gefühl gemeinsamer Verantwortung für die Herausforderungen des neuen Zeitalters, das die Unterstützung für Demokratie hervorbringt. Menschen, die
Unterdrückung erdulden mußten, können nicht durch
rechtliche Argumente gezwungen werden, ihre Träume
aufzugeben. Aber die Schaffung eines Gefühls von
persönlichem empowerment und gemeinsamer
Verantwortung kann zur Gewährleistung von Toleranz
und Frieden beitragen. Eine neue Friedensdisziplin
muß den Bedürfnissen der Völker gerecht werden, die
diese definieren. Diese Bedürfnisse sind nicht immer
friedlich oder demokratisch. Sie führen oft zu Konflikten. Aber sämtliche Bestrebungen, eine Beilegung
dieser Konflikte zu erzwingen, sind zum Scheitern
verurteilt.
Empowerment ist für viele Europäer ein kompliziertes
Wort. Der Begriff hat etwas leicht Subversives, als ob
Kontrollstrukturen angegriffen würden. Empowerment
bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe, was an Aktivitäten an der
Basis denken läßt und daran, wie Bürger entdecken,
daß sie auch auf den Gebieten ein Mitspracherecht
haben, die vorher der politischen Elite vorbehalten
schienen. Empowerment beinhaltet auch, daß die
Sicherheit nicht mehr ausschließlich von den einflußreichen Staaten bestimmt wird. Jeder Bürger und
jeder Staat hat ein Interesse und ein Mitspracherecht
an unserer gemeinsamen Zukunft. Ein mündiger
Bürger muß erkennen, daß ihm eine legitime Rolle in
den internationalen Diskussionen zukommt.
Moderne Technologie und Kommunikation haben
Durchsetzung in dem Sinn unmöglich gemacht, daß
Ideen nicht kontrolliert und Währungstransfers an
Grenzen nicht gestoppt werden können sowie Nachrichten und Kultur zu jeder Zeit überall verfügbar sind.
Die Gesellschaften, die eine Definition von Kultur oder
Gesellschaft durchzusetzen versuchen, werden
zwangsläufig scheitern.
Eine Landkarte für die Zukunft
Vertrauen, empowerment, mündige Bürger und vor
allem die Fähigkeit, Chancen zur Förderung von
Menschenrechten zu erkennen, sollten wichtige
Elemente sein, während wir versuchen, eine Landkarte

AMERIKA DIENST 21

�für die Zukunft der Menschenrechte zu entwerfen. Es
reicht nicht aus, einfach nur auf Krisen zu reagieren,
nachdem sie entstanden sind. Und wir sollten uns
auch nicht damit zufriedengeben, universelle Prinzipien anzusehen wie wunderschöne Sterne - Dinge, die
bewundert werden, aber außerhalb der Reichweite des
Menschen liegen. Unsere in diesem Jahrhundert
gemachten Fortschritte sollten jede Auffassung
widerlegen, daß es absolute Grenzen für den Schutz
der Menschenrechte gibt.
Die Anpassung der Macht unserer Ideale an praktische außenpolitische Themen kann auch eine Botschaft der Hoffnung für ein verwirrte Welt definieren.
Bei all dem Gerede über den Kampf der Kulturen, bei
all den uns konfrontierenden komplexen Fragen, bei all
den Debatten über Methoden der Konfliktverhütung ist
es wichtig, sich daran zu erinnern, daß es einen
universellen Standard gibt, der alle Völker vereint. Ich
habe diese Frage kürzlich mit Professor Samuel
Huntington diskutiert, dessen weithin gelesenes Buch
das Thema von Trennlinien zwischen Kulturen erörtert.
Professor Huntington unterstrich seine Überzeugung,
daß der einzige einigende Faktor auf der Welt die
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und ihre
Konzentration auf die Rechte des Einzelnen ist. Das
ist nach wie vor die mächtigste Botschaft auf der Welt.

*

AMERIKA DIENST 21

In der Tat beinhaltet meine wichtigste Botschaft an Sie
heute, Menschenrechte als Verfassung für eine
demokratische Welt zu begreifen. Als einzelne Bürger
nutzen wir die in unserer Verfassung niedergelegten
Rechte und Privilegien. Wir übernehmen die Verantwortung für unser Land. Warum können dieselben
Impulse nicht unser Verhalten in der internationalen
Staatengemeinschaft leiten? Ein Schlüssel ist, wie ich
bereits betonte, die Einführung dieser Prinzipien zu
Hause, um mündige und engagierte Bürger hervorzubringen, die sich für dieses wichtigste Element der
internationalen Beziehungen interessieren - die
Verpflichtung der Regierungen gegenüber ihren
eigenen Bürgern.
Erfolg bei diesen Bestrebungen wird bisher ungekannte Energien und Aktionen in den Beziehungen zwischen
Nationen
freisetzen.
Die
elektronische/technologische Revolution ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie die Werte der Offenheit die
Welt verändern können. Ein die Beziehungen zwischen Völkern leitendes neues Paradigma zeichnet
sich bereits ab. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin,
ihm Bestand zu verleihen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

Seite 7

�MENSCHENRECHTE
21. Oktober 1998

Vereinigte Staaten verurteilen Unterdrückung der
Medien und der bürgerlichen Gesellschaft
durch die serbische Regierung
Erklärung von James B. Foley

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 9. Oktober 1998 abgegebene Erklärung des
Stellvertretenden Sprechers des US-Außenministeriums, James B. Foley, zur staatlichen Unterdrückung der
unabhängigen Medien und Menschenrechtsorganisationen in Serbien.

Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Schärfste die
gegen die serbischen unabhängigen Medien und
Menschenrechtsorganisationen
ausgesprochenen
Drohungen, darunter die Androhung von physischer
Gewalt, sowie die von Präsident Milosevic und der
Belgrader Führung unternommenen Aktionen, dissidierende Professoren der Universität Belgrad zu entlassen. Ferner unterstreichen wir, daß wir von Serbien
zugleich die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit
dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige
Jugoslawien erwarten. Das Vorgehen der serbischen
Regierung gegen die serbische bürgerliche Gesellschaft zeigt offen die wahre Agenda des Regimes.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß Belgrad
die internationale Staatengemeinschaft ersucht, seine
im Kosovo unternommenen positiven Schritte zur
Kenntnis zu nehmen. Serbische Politiker drohten
Mitgliedern von Menschenrechtsgruppen und den
unabhängigen Medien öffentlich physische Gewalt an.
Infolge der staatlichen Einschüchterung mußten die
unabhängigen Medien die Übertragung ausländischer
Radio- und Fernsehsendungen 48 Stunden lang
einstellen.
Es ist schockierend, welchen Druck
Belgrad auf die Medien ausübt.

In der Zwischenzeit gefährden politisch motivierte
Entlassungen an der juristischen Fakultät der Universität Belgrad die akademische Freiheit und beinhalten das Risiko weiterer politischer Unterdrückung. Die
serbische Regierung sollte die entlassenen Professoren wieder einstellen, gewährleisten, daß keine
weiteren Entlassungen erfolgen und die Gesetze
außer Kraft setzen, die diese Entlassungen fordern.
Die für die Greueltaten im Kosovo Verantwortlichen
müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Der UNSicherheitsrat hat die Zuständigkeit des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien für die
Kriegsverbrechen im Kosovo bestätigt. Wir erwarten
von Serbien uneingeschränkte Zusammenarbeit und
arbeiten mit dem Tribunal und den Vereinten Nationen
an Maßnahmen zur Erlangung dieses Ziels.
Das Vorgehen Belgrads im Kosovo ist nur ein Symptom für das übergeordnete politische Problem in
Serbien.
Langfristig können nur demokratische
Institutionen und die Respektierung der grundlegenden
Menschenrechte die Basis dafür schaffen, daß Serbien
seinen rechtmäßigen und friedlichen Platz in Europa
einnimmt.

* * * * *

AMERIKA DIENST 21

Seite 1

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. G7&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;G7 setzen sich für die Förderung von tragfähigem Wachstum ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Lawrence Summers&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Eine euroatlantische Partnerschaft für das 21.Jahrhundert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Grossman&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Elektronischer Handel&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die Wahrheit über die amerikanische Verschlüsselungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär David Aaron&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Weltgerichtshof&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Interesse an Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von David J. Scheffer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Menschenrechte und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Vereinigte Staaten verurteilen Unterdrückung der Medien und der bürgerlichen Gesellschaft durch die serbische Regierung&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von James B. Foley&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>&lt;&lt; e S*?^

cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

7. Oktober 1998

20

NATO

EINE NEUE VISION FÜR EUROPA
Rede von Verteidigungsminister Cohen

KOSOVO

"ES IST HÖCHSTE ZEIT FÜR DEN KOSOVO!'
von John Shattuck

SANKTIONEN

SANKTIONEN SOLLEN GEMEINSAME
VISION WIDERSPIEGELN
Rede von Stuart Eizenstat

USA-DEUTSCHLAND

CLINTON GRATULIERT SCHRÖDER
UND DANKT KOHL
Erklärung anläßlich der Bundestagswahl

DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG

DEUTSCH-AMERIKANISCHER TAG 1998
Proklamation des Präsidenten

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�KOSOVO
7. Oktober 1998

"Es ist höchste Zeit für den Kosovo!"
von John Shattuck

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von John Shattuck, dem Abteilungsleiter für Demokratie,
Menschenrechte und Arbeitsfragen im US-Außenministerium, der erstmals am 1. Oktober 1998 in der Financial
Times erschienen ist.

Slobodan Milosevic kündigt jetzt bereits seit Wochen
ein Ende des Konflikts im Kosovo an. Aber das brutale
Vorgehen seiner Sicherheitskräfte wird fortgesetzt, und
es gibt immer mehr Berichte über Massaker an
Zivilisten. Anfang September reiste ich mit Senator
Bob Dole im Rahmen einer Menschenrechtsmission in
den Kosovo. Wir wurden dort nicht nur Zeugen von
Verletzungen der Menschenrechte, sondern auch
einer bevorstehenden humanitären Katastrophe. Die
Welt sollte sich nicht von der Rhetorik des
jugoslawischen Präsidenten täuschen lassen. Sie hat
mit der bitteren Realität im Kosovo wenig zu tun.
Das Regime von Milosevic scheint zur Bestrafung der
Zivilbevölkerung im Kosovo entschlossen.
Die
Zerstörung geht weit über legitime Polizeiaktionen
hinaus. Die Gewalt hat die Form einer Strafe und
keinen Zufallscharakter.
Häuser werden innen
angezündet, während die Nachbarhäuser stehen
bleiben. Die Regierungstruppen schikanieren täglich
Zivilisten und vernichten die Infrastruktur, die ihr Leben
erträglich macht. Die daraus resultierende Geißel der
Zerstörung wird bei weitem nicht durch die Behauptungen der Regierung gerechtfertigt, Terroristen festzunehmen".
Seit Beginn der Kämpfe sind Hunderttausende aus
ihren Häusern geflohen. Die große Mehrheit bleibt
weiterhin im Kosovo, wo sie Tag und Nacht unter
freiem Himmel kampiert - kurz vor Wintereinbruch,
angesichts Temperaturen um den Gefrierpunkt und mit
nur begrenztem Zugang zu Nahrungsmitteln und
Obdach. Einige Familien kehren tagsüber in ihre
Dörfer zurück, nur um Nachts wieder in die Berge zu
fliehen. Wir sahen in den Gesichtern der Kinder
Anzeichen für Unterernährung. Wenn die interna-

AMERIKA DIENST 20

tionalen Hilfsorganisationen nicht sofort Schritte
unternehmen und eingreifen, könnten Zehntausende
diesen Winter verhungern oder erfrieren.
Die lauernde humanitäre Katastrophe, die jetzt den
Kosovo bedroht, ist nur ein Symptom für die politische
und militärische Krise, die die Region erneut destabilisieren und den bosnischen Friedensprozeß unterminieren könnte. Herr Milosevic hat diese Krise größeren Ausmaßes herbeigeführt. Er muß die zu ihrer
Beilegung erforderlichen Schritte unternehmen. Trotz
seiner Behauptungen, er befürworte die Rückkehr der
Vertriebenen in ihre Häuser, haben seine Sicherheitskräfte unter der Zivilbevölkerung ein Klima großer und
alles durchdringender Angst geschaffen.
Herr Milosevic muß die brutalen Angriffe seiner
Regierung auf Städte und Dörfer einstellen und die
Sicherheitskräfte abziehen. In der Zwischenzeit sollten
die politischen Vertreter der Albaner und die KosovoBefreiungsarmee alles in ihrer Macht Stehende
unternehmen, um das Sterben der Zivilisten und ihre
Unterdrückung zu beenden und der internationalen
Gemeinschaft Informationen über vermißte Serben
zukommen zu lassen. Albaner und Serben werden
gleichermaßen von unabhängigen forensischen
Untersuchungen profitieren, da keine Seite der
anderen Glauben schenkt. Wir dürfen nicht zulassen,
daß das Leid der Trauernden noch durch Propaganda
verstärkt wird.
Die Vereinigten Staaten verstärken den Druck auf
Milosevic. Vergangene Woche bewirkte die amerikanische Führungsrolle bei den Vereinten Nationen eine
entschiedene Resolution des UN-Sicherheitsrats, die
einen Waffenstillstand, den Abzug der Sicherheits-

Seite 1

�kräfte sowie direkten, ungehinderten Zugang des
Roten Kreuzes und anderer humanitärer Organisationen verlangt. Gleichzeitig schließt die NATO ihre
Vorbereitungen für Militäraktionen ab, falls sich diese
als notwendig erweisen sollten.
Im Kosovo reagieren die Vereinigten Staaten direkt auf
die Bedürfnisse der Vertriebenen, unter anderem mit
Hilfe in Höhe von über 40 Millionen Dollar für drängende humanitäre Erfordernisse. Der amerikanische
Botschafter Christopher Hill leitet die internationalen
Bestrebungen zur Herbeiführung einer Lösung, dank
der die Menschen im Kosovo innerhalb von Jugoslawien eine autonome Regierung erhalten.
Es gibt andere Initiativen, deren sich die Vereinigten
Staaten weiterhin bedienen, um Druck auf Herrn
Milosevic für eine gerechte und friedliche Beilegung
des Konflikts auszuüben. Seit Ausbruch des Konflikts
im Frühjahr haben wir mit unseren internationalen
Partnern zusammengearbeitet, um die Sanktionen
gegen Serbien zu verschärfen und insbesondere den
internationalen Aufkauf von Serbiens veralteter
Infrastruktur zu stoppen - Aufkäufe, die Milosevic das
erforderliche Geld zur Finanzierung dieses und eines
zweiten Kosovo verschaffen würden.
Die Vereinigten Staaten verstärken auch den Aspekt
der Gerechtigkeit. In Den Haag hat der Internationale
Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien
Gerichtsbarkeit über den Kosovo, und die Vereinigten
Staaten haben ihre finanzielle Unterstützung für die
Ermittlungen bei der Verfolgung der Verbrechen dort
erhöht. Die Vereinigten Staaten unterstützen ferner
die Bemühungen des Sicherheitsrats, Milosevics
unzulängliche Zusammenarbeit zu verbessern.

*

Seite 2

Die Vereinigten Staaten verstärken ihre Unterstützung
für die demokratisch gewählte Regierung von Montenegro, und arbeiten darauf hin sicherzustellen, daß
Montenegro seine Grenze zum Kosovo wieder öffnet.
Die Bereitschaft der montenegrinischen Regierung,
den Flüchtlingen zu helfen und mit den internationalen
humanitären Hilfsorganisationen sowie dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien
zusammenzuarbeiten, beweist, daß es eine demokratische Lösung für diejenigen gibt, die dazu bereit sind.
Was bis heute im Kosovo geschehen ist, erreicht noch
nicht die Größenordnung von Bosnien. Aber die
jüngsten Berichte über Massaker an Zivilisten zeigen,
daß das Potential für eine ähnliche Katastrophe - ein
Srebenica oder Omarska - real ist und die internationale Gemeinschaft zu weiteren Aktionen veranlassen sollte. Wo immer wir hingingen, sahen wir
zerbombte, zerstörte und manchmal noch brennende
Städte, in denen nur noch Rudel wilder Hunde, schwer
bewaffnete Polizei und Armeeeinheiten zu finden
waren. Wir erfuhren, daß die serbischen Behörden
begonnen hatten, Zivilisten zusammenzutreiben und
Männer und Jungen von Frauen und Kindern zu
trennen.
Was Senator Dole und ich gesehen haben, unterstreicht, was im Kosovokonflikt für die Menschen unter
Milosevics Herrschaft auf dem Spiel steht. Auch für die
internationale Gemeinschaft steht sehr viel auf dem
Spiel. Ebenso wie im Falle Bosniens kann letztlich nur
eine starke internationale Reaktion Milosevic dazu
veranlassen, das Richtige zu tun. Auf lange Sicht
können nur demokratische Institutionen und die
Respektierung der grundlegenden Menschenrechte
die Basis für die Staaten des ehemaligen Jugoslawien
schaffen, ihren angemessenen und friedlichen Platz in
der europäischen Staatengemeinschaft einzunehmen.

*

AMERIKA DIENST 20

�USA-DEUTSCHLAND
7. Oktober 1998

Clinton gratuliert Schröder und dankt Kohl
Erklärung anläßlich der Bundestagswahl

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 27. September 1998 von Präsident Clinton
anläßlich des Wahlergebnisses in Deutschland abgegebene Erklärung.

Heute hat das deutsche Volk erneut sein demokratisches Recht ausgeübt, seine Regierung zu wählen.

beiden Regierungen werden weiterhin engagiert an
einer umfassenden politischen Agenda arbeiten.

Ich gratuliere Gerhard Schröder zu seinem Wahlsieg.
Wir beide haben dieses Frühjahr in Berlin und diesen
Sommer in Washington konstruktive Gespräche
geführt. Ich sehe der engen Zusammenarbeit mit ihm
erwartungsvoll entgegen. Deutschland ist einer der
engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten. Unsere

Ferner möchte ich Helmut Kohl auch im Namen aller
Amerikaner meinen Dank aussprechen. Während
seiner 16-jährigen Amtszeit hat er einen historischen
Beitrag zur Einheit seiner Nation, zur Stärkung der
euroatlantischen Gemeinschaft und zum weltweiten
Frieden geleistet.

* * * * *

AMERIKA DIENST 20

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�SANKTIONEN
7. Oktober 1998

Sanktionen sollen gemeinsame Vision widerspiegeln
Rede von Stuart Eizenstat

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir in gekürzter Form die Rede, die der Staatssekretär für
wirtschaftliche, unternehmerische und landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stuart
Eizenstat, am 8. September 1998 vor der Task Force des Senats für Wirtschaftssanktionen gehalten hat.

Unseres Erachtens stellen Sanktionen, einschließlich
Wirtschaftssanktionen, die richtig geplant und im
Rahmen einer einheitlichen Strategie durchgesetzt
werden, ein wertvolles Instrument für die Förderung
amerikanischer Interessen und die Verteidigung
amerikanischer Werte dar.
Wenn Sanktionen angemessen und unter entsprechenden Bedingungen eingesetzt werden, können sie bedeutende
politische Ziele der Vereinigten Staaten voranbringen.
Herr Vorsitzender, ich möchte hierfür einige Beispiele
nennen: Ohne Wirtschaftssanktionen hätte sich
Serbien nicht an den Verhandlungstisch gesetzt, um
den Krieg in Bosnien zu beenden; der Irak wäre nicht
in seiner Fähigkeit eingeschränkt, Erdöl zu verkaufen
und Massenvernichtungswaffen zu beschaffen; Libyen
würde nicht wegen seiner Weigerung isoliert, die des
Attentats über Lockerbie Verdächtigen auszuliefern,
und Südafrika hätte vielleicht nicht der Apartheid ein
Ende gesetzt. Diese Sanktionen hatten einen gewissen Erfolg, weil sie Bestandteil eines integrierten
multilateralen Sanktionsregimes sind oder waren.
Auch unilaterale Sanktionen spielen eine wichtige,
aber stärker begrenzte Rolle. Unsere gegen Kuba,
Iran, Sudan, Nigeria und Burma verhängten unilateralen Sanktionen dienen unerläßlichen amerikanischen
Interessen. In den letzten Jahren hat jedoch die
Häufigkeit, in der wir auf unilaterale Wirtschaftssanktionen zurückgegriffen haben, explosionsartig
zugenommen. Einer Erhebung des Nationalverbands
der Hersteller zufolge haben die Vereinigten Staaten
seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 92 Mal unilaterale Wirtschaftssanktionen verhängt - 62, also über die
Hälfte davon, seit 1993. Dem Exportrat des Präsidenten zufolge sind derzeit gegen fünf Länder die

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eine oder andere Form von Wirtschaftssanktionen in
Kraft. Natürlich müssen wir uns fragen, ob wir auf dem
richtigen Weg sind. Die meisten der seit 1993 verhängten Sanktionen waren vom Kongreß per Gesetz
verlangte Maßnahmen, für die es keinen Ermessensspielraum gab. Im Gegensatz dazu waren nur drei der
seit 1993 verhängten 62 unilateralen Wirtschaftssanktionen von der Regierung entsprechend dem
Gesetz über wirtschaftliche Befugnisse bei internationalen Notfällen (International Emergency Economic
Powers Act - IEEPA) unter Einsatz der Amtsgewalt des
Präsidenten dem Ermessen überlassen - die Verschärfung des US-Embargos gegen den Iran 1995 und
die Verhängung eines umfassenden Embargos gegen
den Sudan in November 1997. Darüber hinaus setzte
der Präsident nach Feststellung bestimmter faktischer
Vorbedingungen im Fall Burma erneut unter dem
IEEPA seine Amtsgewalt ein, um im Mai 1997 ein
neues Investitionsverbot für Burma zu verhängen, wie
es das Gesetz verlangt.
Herr Vorsitzender, heute möchte ich zuerst zwei Fälle
ansprechen, bei denen flexible Sanktionen aufgrund
der dem Präsidenten vom Kongreß verliehenen
außerordentlichen Befugnisse Wirkung zeitigten - das
Helms-Burton-Gesetz (Libertad-Gesetz) und das
Gesetz über Sanktionen gegen den Iran und Libyen
(Libya Sanctions Act - ILSA). Jeder dieser Fälle zeigt,
wie wir die Flexibilität des Präsidenten, beispielsweise
die Aussicht auf eine Aussetzung, einsetzen konnten,
um die Ziele des Statuts effektiv umzusetzen. Anschließend möchte ich die übergeordneten Prinzipien
darlegen, die nach Ansicht der Administration die
amerikanische Sanktionsgesetzgebung leiten sollten.
Zum Abschluß werde ich einige spezifische Bemerkungen zu anhängigen Gesetzen machen und die Ideen

Seite 1

�der Administration darlegen, welche Gesetze ihre
Prinzipien zur Sanktionspolitik am besten verkörpern
würden.
Das Helms-Burton- und das ILSA-Gesetz stießen auf
heftigen Widerstand unserer Verbündeten. Wir fanden
jedoch in jedem Fall einen Weg zum Abbau der
Spannungen und zur Förderung der Ziele dieser
Gesetze.
Lassen Sie mich mit dem Helms-Burton-Gesetz
beginnen.
Wie Sie wissen, habe ich mich weltweit entschieden für
das Libertad-Gesetz verwendet. Die Aussetzung von
Titel III war der EU behilflich, im Dezember 1996 eine
gemeinsame Position zu beziehen, die jede Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und politischen
Beziehungen zu Kuba an konkrete Veränderungen der
kubanischen Menschenrechtsbilanz bindet. Ferner
stimmte sie zu, sich entschiedener für die Unterstützung der Demokratie auszusprechen. Ich freue mich
auch, daß wir dieses Gesetz und die Möglichkeit einer
Aussetzung von Titel IV nutzen konnten, um andere
Nationen zur stärkeren Unterstützung der Ziele dieses
Gesetzes zu veranlassen. Die Aussicht auf einen
Nachtrag zu Titel IV zum Erhalt einer Aussetzung
veranlaßte die EU am 18. Mai dieses Jahres, neuen
Disziplinen zuzustimmen, die Investitionen in illegal
enteignetes Eigentum weltweit, einschließlich in Kuba,
beschränken.
Die mit der EU am 18. Mai erzielte Übereinkunft
errichtet erstmals multilaterale Disziplinen unter den
wichtigsten kapitalexportierenden Ländern, Investitionen in Eigentum zu verhindern oder abzuschrecken,
das unter Verletzung des Völkerrechts enteignet
wurde.
Diese Beschränkungen werden illegale
Enteignungen entmutigen und Investoren warnen, "ihre
Hände von solchem Eigentum zu lassen". Die Übereinkunft wird auch jedem Land, das wiederholt illegale
Enteignungen vornimmt - wie Kuba - eine klare und
unmißverständliche Botschaft senden, daß es keine
normalen Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Staaten
mehr unterhalten kann.
Diese Botschaft ist in Havanna zweifelsohne angekommen. Castro versteht ihre Bedeutung und die
ernsthafte Bedrohung, die sie für sein Regime darstellt.
Er verurteilte die Übereinkunft als "eine Internationalisierung der Prinzipien des abscheulichen HelmsBurton-Gesetzes" und kritisierte sie als "Pakt ...
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union mit dem Ziel einer Stärkung der
Blockade gegen Kuba". Dies zeigt das Ausmaß
dessen, was wir durch die Zusammenarbeit mit Europa
gegen Castro erreicht haben. Castro weiß nur zu gut,
daß diese Übereinkunft eine effektive multilaterale
Unterstützung einiger der Kernprinzipien darstellt, auf

Seite 2

denen das Helms-Burton-Gesetz basiert und die große
Auswirkungen auf Investitionen in Kuba haben werden.
Über ihre Auswirkungen auf Kuba hinaus werden die
strengen Maßnahmen jedoch gegen alle Länder
angewandt, die - wie Kuba - eine lange Bilanz von
wiederholten Enteignungen unter Umgehung des
Völkerrechts aufweisen. Alle Anfragen nach diplomatischer Unterstützung durch die Regierung und Fürsprache oder Förderung durch die Wirtschaft wie
Risikoversicherung, Darlehen oder Subventionen,
werden überprüft um sicherzustellen, daß die Transaktion kein illegal enteignetes Eigentum beinhaltet.
Falls enteignetes Eigentum im Spiel ist, werden
Unterstützung und Hilfe verweigert, und dieses
Eigentum wird einer öffentlichen Liste von Liegenschaften hinzugefügt, bei denen Investitionen aktiv
entmutigt werden. Es wird erst Unterstützung oder
Hilfe gewährt, falls und nachdem diese Prüfung
vorgenommen wurde.
Ferner möchte ich darauf hinweisen, daß die Europäische Union unter besonderer Erwähnung Kubas jetzt
erstmals schriftlich eingeräumt hat, daß eines der vom
Castro-Regime eingesetzten Hauptinstrumente zur
Massenenteignung von Eigentum amerikanischer
Staatsbürger "im Widerspruch zum Völkerrecht zu
stehen scheinf.
Dieses Eingeständnis ist eine
außerordentliche Leistung, denn es stellt die erste
kollektive Bestätigung der Europäer seit der kubanischen Revolution dar, daß Kuba sich an der illegalen
Verstaatlichung amerikanischen Eigentums beteiligt
hat.
Herr Vorsitzender, dieses Ergebnis wäre nicht erzielt
worden, wenn wir nicht die Möglichkeit einer Aussetzung von Titel IV gehabt hätten. Unseres Erachtens
verdient unser Erfolg bei der Erlangung dieser Fortschritte mit den Europäern bei Eigentumsdisziplinen
ernsthafte Überlegungen von Seiten des Kongresses,
eine gezielte Aussetzung von Titel IV vorzunehmen.
Castro wäre natürlich begeistert, wenn die Übereinkunft nie umgesetzt würde. Wir müssen zusammenarbeiten um sicherzustellen, daß das nicht passiert.
Wenn Titel IV nicht geändert wird, um diese gezielte
Aussetzung vorzunehmen, werden diese wichtigen
neuen Beschränkungen von Investitionen in Kuba nie
durchgesetzt.
Bei der Ausarbeitung des ILSA-Gesetzes verlieh der
Kongreß seiner großen Besorgnis über das iranische
Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme sowie über die
Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch den Iran
Ausdruck. Der Kongreß bat die Administration um die
Entwicklung eines multilateralen Konsenses für die
Bewältigung dieser Probleme. Der Kongreß war
weitblickend genug, gleichermaßen Bestimmungen
über die Verhängung und die Aussetzung von Sanktionen in ILSA aufzunehmen. Diese Bestimmungen

AMERIKA DIENST 20

�zielten auf zunehmende multilaterale Zusammenarbeit
ab, und die dem ILSA innewohnende Flexibilität
gestattete uns, diese Zusammenarbeit zu erreichen.
Seit ILSA Gesetzeskraft verliehen wurde und im
Rahmen der Verhandlungen, die mit dem jüngsten
Gipfel zwischen den Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union ihren Höhepunkt fanden, setzten
wir diese Instrumente mit großem Erfolg ein. Wir
erzielten bedeutende, verbesserte Zusammenarbeit
bei unseren im Zusammenhang mit dem Iran stehenden Belangen mit der EU, mit der wir ohnehin bereits
auf hoher Ebene zusammengearbeitet haben. Die EU
verschärfte ihr Kontrollsystem für Mehrzwecktechnologie im Hinblick auf den Iran, und Rußland richtete
erstmals einen Gesetzesrahmen und detaillierte
Bestimmungen für ein umfassendes Exportkontrollsystem ein. Die Umsetzung hat bereits begonnen,
aber wir sind uns bewußt, daß eine dauerhafte und
konsequente Durchsetzung für die Russen wesentlich
ist. Wir werden den Implementierungsprozeß weiterhin genau verfolgen.
Unsere Sorge über den Iran besteht nach wie vor. Der
Iran entwickelt weiterhin Massenvernichtungswaffen
und ihre Trägersysteme, wie die jüngsten iranischen
Raketentests unter Beweis stellen. Der Iran fördert
auch weiterhin terroristische Vereinigungen. Wir
werden Investitionen von Europäern und anderen
ausländischen Unternehmen im Iran nicht unterstützen, solange der Iran diese Aktivitäten fortsetzt.
Wir werden unseren Unternehmen auch in Zukunft
solche Investitionen untersagen.
Bis der Iran sein Verhalten ändert, ist es besonders
wichtig, auf der "Nachschubseite" eines Problems wie
der Herstellung von Massenvernichtungswaffen tätig
zu werden, daß heißt, dem Iran Zugang zu sicherheitsempfindlichen Materialien und Technologie zu verweigern, indem wir eng mit den Ländern zusammenarbeiten, die potentielle Quellen für diese Gegenstände
sind. ILSA trägt dem durch seine Betonung multilateraler Zusammenarbeit Rechnung. Wir haben die im
ILSA-Gesetz enthaltenen Forderungen im Hinblick auf
die EU, Rußland und Malaysia erfüllt, deren Unternehmen sich an den South Pars-Investitionen im Iran
beteiligten.
Die jüngste Entscheidung der Außenministerin im Fall
South Pars reflektiert die Einschätzung, daß die
Aussetzung im nationalen Interesse, die der Kongreß
in Abschnitt 9c des Gesetzes aufnahm, bei weitem der
wirksamste Weg ist, den amerikanischen Interessen im
allgemeinen zu dienen, die grundlegenden Ziele des
ILSA zu fördern, die Fähigkeit des Iran zum Erwerb
von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme sowie seine Fähigkeit zur Unterstützung von
Terrorismus einzuschränken.

AMERIKA DIENST 20

Die Administration bemühte sich auf höchster Ebene
erfolglos, Frankreich, Rußland und Malaysia zu
bewegen, ihre Unternehmen von Investitionen in das
South Pars-Ölfeld abzuhalten. Wir untersuchten
eingehend die im ILSA enthaltenen sechs Sanktionen
und kamen zu dem Schluß, daß Sanktionen den South
Pars-Deal nicht erfolgreich stoppen könnten.
Die Befugnis der Außenministerin zur Vornahme einer
Aussetzung, die ihr klugerweise vom Kongreß verliehen wurde, hat zur Konsolidierung der von uns mit der
EU und Rußland erzielten Ergebnisse bei der Stärkung
der internationalen Zusammenarbeit beigetragen,
gegen das gefährliche und abzulehnende Verhalten
des Iran vorzugehen und hat die Grundlagen für
weitere Fortschritte auf diesem entscheidenden Gebiet
geschaffen. Sie hat uns bei der Vermeidung eines
größeren Disputs mit unseren Verbündeten und
Freunden geholfen, der zu handelspolitischen Vergeltungsmaßnahmen und einer eingeschränkten Zusammenarbeit bei Massenvernichtungswaffen und
anderen Bestrebungen hätte führen können. Die
Aussetzung hat unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit
mit den Europäern, den Russen und den Malaysiern
bei einer Vielzahl bilateraler und multilateraler Anliegen
verbessert. Beispiele sind:
Die russische Zusammenarbeit bei Nichtverbreitung, Fortschritte bei internen Wirtschaftsreformen und die Ratifizierung des START IIVertrags.

Die Beilegung von Differenzen über das
Helms-Burton-Gesetz, einschließlich neuer
Disziplinen zur Abschreckung von Investitionen in illegal enteigneten Besitz auf der ganzen Welt, was ich bereits angesprochen habe.
Multilaterale Zusammenarbeit im Hinblick auf
den Irak zur weiteren Isolierung von Saddam
Hussein und zur Befolgung der Verpflichtungen gegenüber dem UN-Hochkommissar für
Flüchtlinge.
Fortschritte im Kosovo und in Bosnien, wo
Kooperation unserer NATO-Verbündeten
wesentlich ist, sowie bei anderen Fragen der
europäischen Sicherheit.
In krassem Gegensatz dazu hätte die Entscheidung
zur Verhängung von Sanktionen unsere Bestrebungen
zur Erlangung multilateraler und bilateraler Zusammenarbeit unterminiert, die Fähigkeit des Iran zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen einzuschränken,
und der South Pars-Deal wäre nicht gestoppt worden.
Herr Vorsitzender, ich möchte hervorheben, daß wir
bei Nichtverbreitungsfragen bereits ein sehr hohes
Maß an Zusammenarbeit mit unseren europäischen
Verbündeten pflegen. Wie in der beim Gipfel bekannt-

Seite 3

�gegebenen gemeinsamen Erklärung der Vereinigten
Staaten und der EU zur Nichtverbreitung dargelegt,
unternimmt die EU allein und gemeinsam mit uns
zusätzliche Schritte zur weiteren Stärkung ihrer Politik
in diesem Bereich. Dies umfaßt die Verpflichtung der
EU, der Weiterverbreitung (einschließlich Raketenträgersystemen) vor allem im Hinblick auf den Iran
hohe Priorität einzuräumen und Engagement für
verstärkte Bestrebungen zur Vermeidung des Transfers von Mehrzwecktechnologie zu zeigen, wo das
Risiko einer Abzweigung für Massenvernichtungsprogramme besteht.
Jetzt möchte ich auf die Situation in Indien und Pakistan zu sprechen kommen. Wie Sie wissen, beschäftigen wir uns erneut ernsthaft mit Indien und Pakistan
gleichermaßen in dem Bestreben, bei unseren Nichtverbreitungsanliegen echte Fortschritte zu machen.
Der Stellvertretende Außenminister Strobe Talbott, der
bei unseren Kontakten mit der indischen und pakistanischen Regierung die Führungsrolle innehat, nahm an
mehreren produktiven Sitzungen mit den designierten
Vertretern beider Regierungen teil. Als Ergebnis
dieser diplomatischen Bestrebungen scheinen wir
Fortschritte bei der Definition der Prinzipien, die die
amerikanischen Beziehungen zu Indien und Pakistan
nach der Beendigung der Atomtests untermauern, bei
der Darlegung unserer Nichtverbreitungs- und anderen
Ziele sowie bei der Erörterung von Schritten und
Aktivitäten zu machen, die zur Erlangung dieser Ziele
erforderlich sind.
Ferner setzen wir die im Glenn-Zusatzartikel enthaltenen Sanktionen entschlossen und korrekt um. Obwohl
es noch verfrüht ist, die Auswirkungen dieser Sanktionen auf Wirtschaftswachstum oder Geschäftsvolumen
in den jeweiligen Ländern zu quantifizieren, ist klar,
daß sie zu beträchtlichen wirtschaftlichen und politischen Kosten für beide Länder führen werden.
Der Mangel an einer flexiblen Befugnis zur Aussetzung
von Sanktionen unter dem Glenn-Zusatzartikel hat
unsere Fähigkeit eingeschränkt, Indien und Pakistan
zur Zusammenarbeit mit dem Ziel der Vermeidung
eines Rüstungswettlaufs auf dem Subkontinent zu
ermutigen. Es geht uns nicht darum, um des Bestrafens willen zu bestrafen, sondern darum, das
Verhalten beider Regierungen zu beeinflussen. Aber
unsere Fähigkeit zur Einflußnahme setzt mehr Flexibilität voraus. Wir möchten nicht, daß den Bevölkerungen
beider Länder - insbesondere den Armen und Benachteiligten - oder amerikanischen Unternehmen unnötig
viel Schaden zugefügt wird. Daher freuen wir uns, daß
der Senat im Juli eine offensichtlich unbeabsichtigte
Konsequenz des Sanktionsgesetzes korrigiert hat - die
Verhinderung der Bereitstellung von Krediten für
Agrargüter.

Seite 4

Wie die jüngsten Debatten im Senat zeigen, teilen die
Administration und der Kongreß den Wunsch nach
mehr Übereinstimmung, Flexibilität und Effektivität des
Sanktionsregimes gegen Indien und Pakistan. Es ist
unerläßlich, daß wir auf dieser starken Grundlage die
erforderlichen Veränderungen unserer Politik und
Gesetze vornehmen.
Aus diesem Grund unterstützen wir entschieden die
Verabschiedung des Brownback-Robb-Zusatzartikels
durch den Senat, der dem Präsidenten mehr Flexibilität
bei der Verhängung von Sanktionen gegen Indien und
Pakistan gibt, im Idealfall würden wir noch weiter
gehen und die Befugnis zur Aussetzung aller derzeit
verhängten Sanktionen vorziehen. Natürlich werden
wir erst dann diese Befugnis zur Aussetzung von
Sanktionen nutzen, wenn substantielle Fortschritte bei
der Erreichung unserer Nichtverbreitungsziele gemacht wurden oder falls bestimmte Sanktionen
ernsthafte negative und unbeabsichtigte Konsequenzen hätten, beispielsweise ein bevorstehender finanzieller Zusammenbruch, der zu einem wirtschaftlichen
Chaos und politischer Instabilität führen könnte.
Ferner wünschen wir uns zusätzliche Flexibilität zum
Schutz gegen völlig unangemessene Auswirkungen
der Sanktionen gegen ein Land im Vergleich zu einem
anderen; im Idealfall sollten die Sanktionen auf Indien
ungefähr dieselben Auswirkungen wie auf Pakistan
haben, wobei letzteres eine schwächere Wirtschaft hat
und abhängiger von Geldern internationaler Finanzinstitutionen ist, gegen die unter dem Glenn-Zusatzartikel Einspruch erhoben werden muß.
Vor diesem Hintergrund halten wir es weder für
ratsam, noch könnten wir Bestrebungen unterstützen,
die Schritte zu kodifizieren oder als Gesetz zu verabschieden, die Indien und Pakistan unternehmen
müßten, um von Sanktionen befreit zu werden, oder
spezifische Aktionen Indiens und Pakistans mit der
Aufhebung bestimmter Sanktionen zu beantworten.
Obwohl zwischen der Administration und dem Kongreß
beträchtliche Übereinstimmung hinsichtlich unserer
Nichtverbreitungsziele besteht, würde es unser
Streben nach Wandel stark erschweren, wenn per
Gesetz bestimmte Bezugsgrößen errichtet würden.
Indien und Pakistan würden auf einen solchen Ansatz
auch nicht positiv reagieren. Solche Schritte gesetzlich
zu verankern, würde den Eindruck erwecken, daß
Indien und Pakistan unter Druck handeln, um die
Aufhebung amerikanischer Sanktionen zu bewirken.
Das würde unsere Chancen beträchtlich schmälern,
die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Die Geschichte des Einsatzes unilateraler Sanktionen
durch unser Land zeigt klar und deutlich, daß sich in
den meisten Fällen das Verhalten des Ziellandes nicht
ändert oder daß wir bestenfalls einen Beitrag zu
Verhaltensänderungen oder einer Veränderung der
Politik leisten, jedoch nicht der entscheidende Faktor
sind. Es braucht Zeit, bis Sanktionen Wirkung zeigen.

AMERIKA DIENST 20

�Sie mögen einen hohen Preis von den amerikanischen
Interessen verlangen. Somit sind Sanktionen kein
Allheilmittel, kein Patentrezept, und sie haben ihren
Preis.
Sanktionen müssen effektiv sein
Das erste und wichtigste Prinzip, das unsere Sanktionspolitik leiten sollte, ist die Effektivität von Sanktionen bei der Erlangung des gewünschten Ergebnisses,
das Verhalten zu ändern, das Gegenstand der Sanktionen ist. Wenn Sanktionen zum falschen Zeitpunkt
und auf die falsche Art und Weise eingesetzt werden,
können sie die Erlangung unserer Ziele tatsächlich
behindern und die politischen Ziele der Vereinigten
Staaten unterminieren. Ich hatte meine ersten direkten
Kontakte mit Wirtschaftssanktionen, als ich im Weißen
Haus unter Präsident Carter mit dem fatalen Getreideembargo gegen die Sowjetunion nach ihrem
brutalen Einmarsch in Afghanistan befaßt war. Die
Absicht war löblich, aber da wir kein Getreidemonopol
hatten und keine internationale Übereinkunft erzielten,
erreichte das Embargo nicht seine Ziele und verlangte
den amerikanischen Landwirten und den amerikanischen Interessen einen hohen Preis ab. Das ist allzu
oft der Fall. Unilaterale Sanktionen fordern von
unseren Landwirten und Unternehmen einen hohen
Preis und Härten - oft ohne entsprechende Auswirkungen auf die Erlangung unserer außenpolitischen
Ziele. Darüber hinaus senden Sanktionen, die ineffektiv sind, den amerikanischen Interessen mehr
abverlangen als dem sanktionierten Land und selbst
unter unseren engsten Verbündeten keine breite
Unterstützung finden, keine Botschaft amerikanischer
Entschlossenheit oder amerikanischen Engagements.
Sie senden vielmehr eine Botschaft amerikanischer
Irrelevanz. Sanktionen, die leicht umgangen oder
verhindert werden können, die lediglich verhängt
werden, um "eine Erklärung abzugeben", sind unter
Umständen nicht nur sinnlos zur Erlangung unserer
Ziele, sondern mindern und unterminieren langfristig
den Wert von Sanktionen als außenpolitisches Instrument insgesamt.
Die Bedeutung von Einvernehmen unter den
Nationen
Unsere Außenpolitik ist am effektivsten, wenn sie
Zusammenarbeit und Konsultation zwischen der
Administration und dem Kongreß widerspiegelt. Die
Entscheidung zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen - oder zur Aufhebung oder Aussetzung
möglicher Maßnahmen oder bereits verhängter
Sanktionen - sollte eine einvernehmliche Beziehung
zwischen der Exekutive und der Legislative
widerspiegeln. Wir müssen die besondere Rolle
respektieren, die jede Gewalt in der Außenpolitik spielt.
Der Kongreß teilt sich mit der Exekutiven die Verantwortung für die Gestaltung unserer Außenpolitik. Bei

AMERIKA DIENST 20

wirtschaftlichen Maßnahmen kommt dem Kongreß
eine klare Rolle zu, die wir respektieren. Gleichzeitig
ist der Präsident verantwortlich für die Umsetzung der
Außenpolitik und den Umgang mit ausländischen
Regierungen. Daher muß Sanktionsgesetzgebung
diese jeweilige Verantwortung in Betracht ziehen.
Sanktionsgesetze sollten umfassende Ziele darlegen,
jedoch Flexibilität bieten, auf eine sich ständig verändernde und entwickelnde Situation zu reagieren und
dem Präsidenten die notwendigen Befugnisse geben,
spezifische amerikanische Aktionen auf die Bewältigung unserer außenpolitischen Ziele zuzuschneiden.
Wie Außenministerin Albright sagte, darf es keinen
stereotypen Ansatz zur Sanktionspolitik geben.
Einvernehmen zwischen den einzelnen Regierungsgewalten drückt sich in der Sanktionsgesetzgebung
durch die Aufnahme von Bestimmungen über die
Flexibilität des Präsidenten in die Gesetze aus,
einschließlich einer umfassenden Befugnis zur
Aussetzung bestimmter Sanktionen. Der Kongreß
spricht, aber letzten Endes kann nur der Präsident alle
zu einem gegebenen Zeitpunkt relevanten außenpolitischen Fragen abwägen und unsere auf eine
spezifische Situation zugeschnittene Antwort geben.
Die Macht des Kongresses in punkto Ausgaben und
Kontrolle stellt ein mehr als adäquates Instrument für
die Gestaltung unserer Außenpolitik dar, aber diese
Macht sollte nicht eingesetzt werden, um die Amtsgewalt des Präsidenten zu behindern, nach seinem
Ermessen zu handeln. Gesetze, die den Präsidenten
zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen ermächtigen, sollten ihn auch ermächtigen, nicht zu handeln
oder bereits ergriffene Maßnahmen auszusetzen,
wenn dies im nationalen Interesse liegt.
Wenn unsere Politik effektiv sein soll, müssen wir
zusammenarbeiten um sicherzustellen, daß unsere
Sanktionen angemessen, einheitlich und so angelegt
sind, daß sie auf breite internationale Unterstützung
stoßen. Es muß besser strukturierte, systematische
Diskussionen zwischen der Exekutive und dem
Kongreß geben, wenn Sanktionen eine Option sind.
Die Bestrebungen dieser Task Force und diese
Anhörung an sich sind, Herr Vorsitzender, ein gutes
Beispiel dafür, wie die beiden Zweige der Regierung
zusammen eine effektive und prinzipienorientierte
Sanktionspolitik ausarbeiten sollten, die wirklich zur
Förderung unserer übergeordneten nationalen Interessen beitragen kann.
Wirtschaftssanktionen sollten nicht als erstes
Mittel angesehen werden
Das zweite Prinzip, das unsere Diskussionen leiten
sollte, lautet, daß Wirtschaftssanktionen nicht als
erstes Mittel zur Verteidigung unserer Interessen
angesehen werden sollten. Unsere erste Aktionslinie
gegenüber anderen Ländern sollte in der aggressiven
Ausschöpfung aller verfügbaren diplomatischen

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�Optionen bestehen. Aus diesem Grund ist Engagement allgemein die bevorzugte Strategie zur Beeinflussung eines gewissen Verhaltens. China ist ein
gutes Beispiel. Die wegen der Ereignisse auf dem
Platz des Himmlischen Friedens verhängten Sanktionen sind noch in Kraft und reflektieren unsere Besorgnis über die Menschenrechtsbilanz Chinas und
andere Praktiken, aber durch ein allgemeineres
Engagement haben wir erreicht, daß das chinesische
Verhalten sich auf verschiedenen Gebieten den
international akzeptierten Normen stärker annähert.
Verfügbare Optionen reichen von symbolischen
Maßnahmen, wie dem Rückruf eines Botschafters oder
der Verringerung der Zahl der Botschaftsmitarbeiter
über die Verweigerung der Visaerteilung für bestimmte
Personen bis zu offizielleren Maßnahmen wie konzertierten Aktionen mit gleichgesinnten Ländern. Es sollte
nur dann zu Wirtschaftssanktionen gegriffen werden,
wenn alle anderen verfügbaren Optionen aggressiv
verfolgt wurden und scheiterten oder sich als unzureichend oder unangemessen erwiesen haben. Wir
dürfen nicht vergessen, daß die Macht positiver
Anreize oft stärker zur Erreichung unserer Ziele
beiträgt. Aktionen wie die Belohnung gewünschten
Verhaltens, die Bereitstellung von Hilfe und Unterstützung zum Beispiel im Bereich der Menschenrechte, bei
der Einführung moderner Rechtssysteme oder andere
Maßnahmen zur Unterstützung von im Übergang zur
Demokratie befindlichen Ländern können wirksame
Instrumente zur Erlangung unserer Ziele sein.
Multilaterale Sanktionen sind effektiver
Drittens. Wenn es durch diplomatische Initiativen und
positive Anreize nicht gelungen ist, das Verhalten
eines Landes zu ändern, das unseres Erachtens den
amerikanischen Interessen zuwiderläuft, stellen
Sanktionen eine Option dar. Sanktionen mit breiter
multilateraler Unterstützung sind am effektivsten.
Multilaterale Sanktionen üben den stärksten internationalen Druck auf den Anstoß erregenden Staat aus.
Sie demonstrieren eine einheitliche internationale
Absicht. Aufgrund ihres multilateralen Charakters sind
sie schwerer zu umgehen oder zu unterminieren. Sie
halten den Schaden für die amerikanische Konkurrenzfähigkeit möglichst gering und verteilen die
Kosten der Sanktionen gerechter auf alle Länder. Wir
sollten alles in unserer Macht Stehende zur Entwicklung eines multilateralen Sanktionsregimes unternehmen, wann immer solche Maßnahmen in Betracht
gezogen werden, und einen vernünftigen Zeitraum für
die Bildung eines internationalen Konsenses über
solche Sanktionen vorsehen.
In der heutigen interdependenten Weltwirtschaft ist die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten, einem Zielland
wesentliche wirtschaftliche Vorteile vorzuenthalten,
stark eingeschränkt. Es gibt nur wenige Produkte und
Dienstleistungen, für die die Vereinigten Staaten der
einzige Lieferant sind. Ebenso wichtig ist vielleicht,

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daß die Welt auch im Hinblick auf politische und
sicherheitspolitische Anliegen zunehmend multipolar
wird und den Vereinigten Staaten dadurch immer
weniger Druckmittel zur Verfügung stehen. Wir
können im Alleingang viel erreichen, und es wird
Zeiten geben, in denen wir im Alleingang handeln
müssen, aber wir können mit Unterstützung anderer
weitaus mehr erreichen.
Darüber hinaus müssen wir uns auch bewußt werden,
daß unilaterale Maßnahmen, insbesondere solche, die
von anderen als "extraterritoriar kritisiert werden,
unsere Bestrebungen zur Gewinnung multilateraler
Unterstützung komplizieren. Sie zielen nicht nur auf
das Land ab, dessen Verhalten wir ändern wollen,
sondern auch auf andere Staaten, einschließlich
unserer Verbündeten, die mit dem Zielland Geschäfte
tätigen. Die Vereinigten Staaten sind traditionell gegen
solche Sanktionen, wenn sie von anderen verhängt
werden - beispielsweise die Gesetzgebung von 1977,
die amerikanische Unternehmen bestrafte, die sich an
den Boykott Israels durch die arabischen Länder
hielten.
Multilaterale Unterstützung ist von Bedeutung, wenn
Wirtschafts- und Handelssanktionen ein wirklich
effektives Mittel für die Beeinflussung von Politik und
Verhalten anderer Länder sein sollen. Bosnien, der
Kosovo, Zypern, Irland und der Nahe Osten haben
deutlich gezeigt, daß die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten bei der Lösung von Konflikten unerläßlich ist.
Wir haben die Pflicht zu führen, und wir werden das mit
allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln tun. Aber in
der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges müssen
wir auch erkennen, daß wir zwar eine unerläßliche
Kraft für Frieden und Stabilität sind, die drängenden
weltweiten Probleme jedoch nicht auf eigenen Faust
lösen können.
Bei entscheidenden Fragen können Konsultationsmechanismen mit Ländern, die unsere Ziele teilen,
eine große Hilfe darstellen. Obwohl solche Mechanismen keine Ergebnisse garantieren, garantiert ihr
Fehlen fast mit Sicherheit, daß wir keine multilaterale
Unterstützung gewinnen können.
Wir müssen zu unilateralem Vorgehen bereit sein
Viertens. Wenn es uns nicht gelingt, ein multilaterales
Regime aufzubauen und wichtige nationale Interessen
oder Werte auf dem Spiel stehen, müssen wir zu
unilateralem Vorgehen bereit sein. Wir dürfen nicht
zulassen, daß andere Länder durch ihre Untätigkeit ein
Veto gegen den Einsatz von Sanktionen durch die
Vereinigten Staaten einlegen.
Vor diesem Hintergrund muß unsere Hauptüberlegung
bei der Verhängung sämtlicher unilateraler Sanktionen
darin bestehen, ob sie effektiv und Bestandteil einer
kohärenten Strategie zur Verhaltensänderung sind, ob

AMERIKA DIENST 20

�sie zu unseren Bestrebungen beitragen, multilaterale
Unterstützung für unsere politischen Ziele zu
gewinnen, anstatt sie zu beeinträchtigen, und ob sie im
Einklang mit unseren internationalen Verpflichtungen
und humanitären Prinzipien stehen. Bei der Verhängung bestimmter Sanktionen müssen wir den Nutzen
gegen die Kosten abwägen. Die Analyse darf natürlich
nicht auf ökonomische Interessen beschränkt sein,
sondern muß das gesamte Spektrum politischer und
sicherheitspolitischer Interessen in Betracht ziehen, die
vielleicht nicht sofort offensichtlich sind oder nicht
quantifiziert werden können, wie beispielsweise die
Förderung der Menschenrechte. Gleichzeitig dürfen
wir auch nicht vergessen, daß handelspolitische
Maßnahmen nicht die einzige Art von Sanktionen sind.
Uns steht eine Vielzahl anderer Maßnahmen zur
Verfügung, die manchmal viel wirksamer sind. Dazu
können die Verweigerung der Visaerteilung, der
Widerstand gegen eine Teilnahme an internationalen
Sportereignissen und Besuche von Delegationen des
Kongresses zählen, um die Aufmerksamkeit auf das
Problem zu lenken.
Der wichtigste Maßstab für die Effektivität von Sanktionen sind ihre Auswirkungen auf das Ziel. Wir müssen
davon ausgehen können, daß sie effektiv um- und
durchgesetzt werden und daß sie insgesamt nicht
mehr Schaden anrichten als das Unrecht, das sie zu
beheben trachten. Mögliche negative Auswirkungen
auf gefährdete ausländische Bevölkerungen müssen
ausreichend

berücksicht werden.

Falls möglich,

müssen wir bei jedem Sanktionsregime versuchen,
das Anstoß erregende Land selbst oder besser noch
die ärgerniserregenden Körperschaften oder Einzelpersonen zu treffen, anstatt Unternehmen in
Drittländern.
Jetzt möchte ich die von den Bundesstaaten und
Kommunen verhängten Sanktionen ansprechen. Wir
verstehen die Sorgen und die Frustration, die zu
kommunalen Sanktionsmaßnahmen führen. Verschiedene Regierungen auf der ganzen Welt zeigen
ein Verhalten - beispielsweise der Mißbrauch von
Menschenrechten in Burma - über das die Öffentlichkeit zu Recht entrüstet ist. Wenn unser Land sich mit
einem solchen Verhalten befaßt, ist es jedoch wichtig,
daß wir mit einer Stimme sprechen. Einzelne oder
inkonsequente Aktionen könnten den Eindruck
hinterlassen, die Vereinigten Staaten seien gespalten
und könnten - was noch wichtiger ist - die Verfolgung
unserer allgemeinen außenpolitischen Ziele stören.
Aus diesem Grund ist es unseres Erachtens von
Bedeutung, daß die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesstaaten sich bei diesen Fragen
genau abstimmen. Wir möchten mit den Bundesstaaten eine Partnerschaft aufbauen, um eng an diesen
Fragen zusammenzuarbeiten. In jüngster Zeit haben
wir Bestrebungen unternommen, um genau solche
produktiven und kooperativen Beziehungen aufzubauen.

AMERIKA DIENST 20

Maßnahmen der Bundesstaaten und Kommunen oder
der Bundesregierung müssen im Einklang mit unseren
internationalen Verpflichtungen stehen. Sanktionen,
die unsere Handelspartner als nicht mit unseren
rechtlichen Verpflichtungen - sei es in der Welthandelsorganisation oder in bilateralen Verträgen vereinbar oder als "extraterritorial" kritisieren, unterminieren allzu oft unsere Bestrebungen zur Mobilisierung
multilateraler Hilfe, wirken sich negativ auf andere
multilaterale Ziele aus und geben anderen Anlaß, die
guten Absichten der Vereinigten Staaten bei der
Erfüllung internationaler Verpflichtungen in Frage zu
stellen. Anstatt mit unseren Freunden und Verbündeten Druck auf Anstoß erregende Staaten auszuüben,
ihr Verhalten zu ändern, wenden wir dann Zeit und
Energie für die Lösung dieser Dispute auf.
Herr Vorsitzender, zusammenfassend kann man
sagen: Wenn unsere Politik effektiv sein soll, müssen
wir zusammenarbeiten - Administration, Kongreß,
Bundesstaaten und Kommunen sowie die Wirtschaft
und Nichtregierungsorganisationen - um sicherzustellen, daß unser Einsatz von Sanktionen angemessen und einheitlich erfolgt und internationale
Unterstützung erhält.
Jüngste Gesetzesinitiativen
In den letzten Monaten erörterte der Kongreß verschiedene Gesetzesvorlagen, die sich mit Sanktionsfragen befassen. Sie reichen von umfassenden
Sanktionsreformen wie dem Lugar/Hamilton/CraneSanktionsreformgesetz und dem Dodd-Sanktionsrationalisierungsgesetz von 1998 über den Vorschlag
von Senator Glenn bis zu solchen, die Sanktionen als
Instrument für die Sicherung eines bestimmten politischen Ziels einsetzen möchten, beispielsweise das
Wolf-Specter- oder das Nickels-Gesetz, die sich mit
wichtigen Fragen der Religionsfreiheit befassen, dem
Sanktionsgesetz über die Nichtverbreitung iranischer
Raketen und verschiedenen Gesetzesvorlagen zur
Situation in Indien und Pakistan.
Wir haben versucht, auf den zahlreichen Konzepten
von Senator Lugar und den Kongreßabgeordneten
Hamilton und Crane sowie den Senatoren Glenn,
Dodd, Robb, Brownback und anderen aufbauend
einen Vorschlag zu unterbreiten, der unseres Erachtens einen wertvollen Beitrag leisten würde. Wir
sind überzeugt, daß wir durch Zusammenarbeit einen
echten Beitrag zur Verbesserung des Einsatzes von
Sanktionen zur Erlangung unserer außenpolitischen
Ziele leisten können.
Viele der Ideen in den von ihnen dargelegten Vorschlägen sind gute Beispiele für die Art von Bestrebungen, die wir zur Verbesserung des Dialogs zwischen
Kongreß und Administration bei Sanktionsfragen
unternehmen müssen. Sanktionspolitik sollte besonnen und überlegt sein und alle Faktoren in Betracht

Seite 7

�ziehen, die für die Entscheidung über Sanktionen
relevant sind. Wir begrüßen die von diesen Senatoren
und Kongreßabgeordneten übernommene Führungsrolle.

nen zu verhängen. Wie Senator Lugar in seinem Brief
zu dieser Gesetzgebung feststellte, kann Inflexibiltät
bei ansonsten löblichen Bestrebungen genau die Ziele
vereiteln, die das Gesetz erreichen will.

Obwohl unsere Ansichten in vielerlei Hinsicht den
im Lugar/Crane/Hamilton(LCH)-Gesetz dargelegten
entsprechen, haben wir im Hinblick auf spezifische
Bestimmungen dieses Gesetzes wesentliche Differenzen, die die Administration von seiner Annahme
abhielten. Unserer Ansicht nach sollte ein Vorschlag
über Sanktionsreformen eine gemeinsame Vision von
Administration und Kongreß zur Sanktionspolitik
reflektieren, die in klaren verfahrensorientierten und
inhaltlichen Richtlinien für beide Zweige der Regierung
verkörpert ist. In seinem gegenwärtigen Entwurf
würde das LCH-Gesetz der Exekutiven viele bindende
und belastende Beschränkungen im Hinblick auf ihre
Handlungsfreiheit im außenpolitischen Bereich auferlegen und ihr nur begrenzte Flexibilität einräumen.
Obwohl das Gesetz auf den ersten Blick auch dem
Kongreß vergleichbare Beschränkungen auferlegt,
macht die Fähigkeit des Kongresses, einen Nachtrag
zu Gesetzen zu verabschieden, Regeln zu verändern
oder zukünftige Gesetze zu verabschieden, die
Vorrang haben - beispielsweise durch die Sprachregelung "ungeachtet aller anderen Gesetze" - es
weniger wahrscheinlich, daß sich das Gesetz als
praktische Beschränkung des Kongresses erweist. Mit
anderen Worten: Das Gesetz würde der Exekutiven
mehr starre Beschränkungen als der Legislativen
auferlegen, obwohl die explosionsartige Zunahme von
Sanktionen in den letzten Jahren großenteils auf den
Kongreß und nicht auf den Präsidenten zurückzuführen ist. Wie ich bereits erwähnte, kamen 59 von
62 der in den letzten fünf Jahren verhängten Sanktionen vom Kongreß.

Weil die Bestrebungen zur Reform unserer Sanktionspolitik eine gemeinsame Vision von Administration und
Kongreß widerspiegeln sollten, die in klaren verfahrensorientierten und inhaltlichen Richtlinien für beide
Zweige der Regierung verkörpert sind, begrüßen wir
insbesondere diese Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch mit Ihnen über unsere Ideen zu Sanktionen.
Das unserem Ansatz zugrundeliegende Prinzip ist das
einer Symmetrie zwischen den beiden Zweigen. Mit
anderen Worten: Der Kongreß sollte der Exekutiven
nicht mehr Vorschriften machen als sich selbst.
Multilaterale Sanktionen
Schließlich sollten jede Sanktionsreformgesetzgebung
und jeder Präsidialerlaß eine eindeutige Erklärung
beinhalten, daß solche Richtlinien sich nur auf unilaterale Wirtschaftssanktionen beziehen. Eine solche
Erklärung würde unsere große Präferenz multilateraler
Sanktionen und unsere Ansicht unterstreichen, daß
vom UN-Sicherheitsrat verhängte Sanktionen die
kollektive Beurteilung widerspiegeln sollten, daß eine
Situation besonders gravierend ist und die Verhängung
globaler Sanktionen rechtfertigt - die zeitlich nicht
beschränkt sind und keine Unantastbarkeit von
Verträgen erlauben. Im Gegensatz dazu erfordern
unilaterale Sanktionen eine andere Struktur und ziehen
beispielsweise in Betracht, daß die Verhängung
unilateraler Sanktionen einen unangemessenen Preis
von den amerikanischen Interessen fordert. Die
Erklärung könnte feststellen, daß unser Ansatz zu
unilateralen Wirtschaftssanktionen aus diesen
Gründen nicht im Zusammenhang mit der Verhängung
multilateraler Sanktionen steht. Das ist von Bedeutung, weil multilaterale Sanktionen beispielsweise nicht
dieselben Merkmale aufweisen sollten wie zeitlich
begrenzte Bestimmungen, die auf unsere heimischen
unilateralen Sanktionsmaßnahmen Anwendung finden.

Wir würden die Gelegenheit begrüßen, weiterhin eng
mit dem Kongreß an einem Vorschlag zu Sanktionsreformen zusammenzuarbeiten, der bedeutende
Richtlinien für Administration und Kongreß gleichermaßen enthält und dem Präsidenten die notwendige
Flexibilität gibt, jede Sanktionsgesetzgebung effektiv
zu gestalten, einschließlich der Freiheit, keine Sanktio-

* *

Seite 8

*

AMERIKA DIENST 20

�NATO
7. Oktober 1998

Eine neue Vision für Europa
Rede von Verteidigungsminister Cohen

SKOPJE - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die US-Verteidigungsminister William S. Cohen am
26. September 1998 beim Treffen der südosteuropäischen Verteidigungsminister in Skopje in Makedonien
gehalten hat.

Minister Kitanoski, sehr geehrte Amtskollegen, verehrte Gäste und Beobachter, meine Damen und
Herren,
gestatten Sie mir, Verteidigungsminister Kitanoski für
die Veranstaltung dieses äußerst wichtigen Treffens
hier in Skopje zu danken. Es ist mir eine große Ehre,
heute mit so vielen Persönlichkeiten zusammenzukommen, die sich so stark für ein friedliches und
stabiles Europa einsetzen.
Unsere Bestrebungen erinnern an die Worte des
Historikers Edward Gibbon: "Es ist die Pflicht des
Patrioten, sich ausschließlich für die Förderung des
Ruhms seines Landes einzusetzen. Aber es ist die
Pflicht des Philosophen, über den Ruhm seines
Landes nachzudenken." Ich fühle mich geehrt, hier in
dieser Gruppe von Philosophen zu sein.
Ein amerikanischer Präsident sagte einmal über
Südosteuropa: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der
Weltgeschichte muß jede Nation zwischen verschiedenen Lebensweisen wählen... Eine Lebensweise ist
gekennzeichnet von freien Institutionen, garantierter
Freiheit und Freiheit von Unterdrückung... Die zweite
Lebensweise basiert auf Terror, Schikane und der
Unterdrückung individueller Freiheiten."
Der US-Präsident, der diese Worte sprach, war Harry
S. Truman, als er 1947 der amerikanischen Unterstützung für die Souveränität und Freiheit dieser Region
Ausdruck verlieh. Fünf Jahrzehnte später, nach einem
langen und bitteren Kalten Krieg, veranstalten wir
dieses Treffen unter Staaten, die erneut diese erste
Lebensweise anstreben - ein Leben in Freiheit.

AMERIKA DIENST 20

Tatsächlich kommen wir zu einem Zeitpunkt zusammen, an dem eine neue Vision von Europa Realität
wird: Ein in Frieden und Demokratie geeintes Europa;
ein Europa, in dem Sicherheit nicht durch Bomben und
Gewehrkugeln, sondern durch Vertrauen und Transparenz garantiert wird; ein Europa, das die sich zum
gegenwärtigen Zeitpunkt der Weltgeschichte bietenden
Chancen ergreift.
Wir bauen die Säulen dieses neuen Europas auf
vielerlei Weise. Beim NATO-Ministertreffen in Lissabon erörterten wir während der letzten drei Tage einige
der von unserem Bündnis erzielten erstaunlichen
Leistungen. Unser Bündnis sät die Saat militärischer
Zusammenarbeit über unsere Grenzen hinaus und
fördert wirtschaftliche und politische Stabilität.
Durch die NATO-Erweiterung reichen wir Ungarn,
Polen und der Tschechischen Republik die Hand der
Unterstützung und Stabilität und erweitem die Demokratie auf ganz Europa. Wir haben bereits mehrmals
darauf hingewiesen, daß die NATO gegenüber ihren
neuen Mitgliedern eine Politik der Offenen Tür verfolgt.
Diese Tür ist jedoch nur über eine steile Treppe zu
erreichen, und niemand weiß das besser als die neuen
Mitglieder, die wir im kommenden Jahr willkommen
heißen werden. Aus diesem Grund stellen wir sicher,
daß sowohl das Bündnis als auch die neuen Mitglieder
bereit sind. Unsere gegenseitigen Verpflichtungen
stellen das feierlichste Gelöbnis dar, das ein Land
abgeben kann.
Eine weitere tragende Säule dieses neuen Europas ist
die Partnerschaft für den Frieden. Die PfF ist ein
unerläßlicher Grundstein für regionale Stabilität und
kooperative Sicherheit und wird das auf viele Jahre

Seite 1

�hinaus bleiben. Obwohl die Partnerschaft die Nationen
auf eine potentielle NATO-Mitgliedschaft vorbereitet,
sollte sie auch als Selbstzweck betrachtet werden.
Denn die NATO-Verbündeten sind für die Partnerstaaten als Ratgeber auf Gebieten tätig, die von der
Ausbildung im Bereich der Friedenssicherung bis zur
Umsetzung von Verteidigungsreformen reichen.
Ich freue mich, daß drei NATO-Verbündete hier
vertreten sind, die uns bei dieser wichtigen Aufgabe in
Südosteuropa unterstützen - Griechenland, Italien und
die Türkei. Erst letzte Woche zeigte sich dieser Geist
auf bemerkenswerte Weise, als Soldaten aus 27
Partnernationen gemeinsam am Manöver "Cooperative
Best Efforf auf dem Übungsgelände von Krivolak nicht
weit von hier teilnahmen. Sie arbeiteten Seite an Seite
und tauschten ihre Kenntnisse über Friedenssicherung, Hilfs- und Flüchtlingsoperationen aus. Obwohl
sie verschiedene Uniformen trugen, waren sie durch
ein gemeinsames Ziel geeint.
Sie sind die wahrhaftige Verkörperung der Partnerschaft für den Frieden. Und die Partnerschaft wird uns
weiterhin zusammenbringen, während wir uns für die
Erlangung unserer anderen Ziele einsetzen:
Regionale Ausbildungszentren,
ein Konsortium der Verteidigungsakademien
und
die Einrichtung eines regionalen Luftraumnetzes.
Die dritte Säule des neuen Europas wird genau hier in
Südosteuropa gebaut, während wir noch mehr Zusammenarbeit und Stabilität anstreben. Aus diesem
Grund ist dieses Ministertreffen so entscheidend. Wir
stehen wirklich an einer Wegscheide, an einem Punkt,
der nicht weniger zentral ist als der, an dem unsere
Vorgänger vor 50 Jahren standen. In dieser Region
bleiben einige der größten Herausforderungen bestehen, und in dieser Region besteht das größte Potential
für Fortschritt.
Wir haben bereits mit der Förderung von verstärkter
militärischer Zusammenarbeit begonnen. Und wir
fördern mehr Vertrauen und Offenheit durch praktische
Maßnahmen zur Verringerung von Unsicherheit und
zur Stärkung des Vertrauens. Wir haben seit unserem
letzten Treffen in Sofia auch auf vielen anderen
Gebieten Fortschritte gemacht.
Die Multinationale Friedenstruppe Südosteuropa stärkt
die Beziehungen zwischen unseren Ländern. Diese
südosteuropäische Brigade ist nicht nur eine Kraft für
Frieden und Stabilität, sondern auch für Zusammenarbeit und Offenheit.

Seite 2

Diese Brigade, die einem zivilen Lenkungsausschuß
untersteht, wird die zivile Kontrolle über das Militär
fördern. Sie wird ein Forum bieten, um konkrete
Chancen der militärischen Zusammenarbeit zu
erörtern. Und sie wird den beteiligten Ländern gestatten, aus erster Hand Erfahrungen mit Übungen in
einem NATO-Umfeld zu sammeln. Die Brigade ist nur
eines von vielen ausgezeichneten Beispielen für
unsere Zusammenarbeit.
Die Stellvertretenden Verteidigungsminister trafen in
Albanien und die Verteidigungsminister in Slowenien
zusammen, um die letztes Jahr vereinbarten Ziele
anzustreben. Unsere Experten im Bereich gemeinsamer ziviler und militärischer Katastrophenbereitschaft trafen in den Vereinigten Staaten zusammen,
um unsere Fähigkeiten grenzüberschreitender Hilfe
weiterzuentwickeln. Und diesen Sommer trafen sich
mehr als 150 Regierungsvertreter in Rumänien bei
einem sehr erfolgreichen Seminar über vertrauensbildende Maßnahmen.
Wir verbessern auch die Zusammenarbeit auf Gebieten wie Grenzkontrolle und der Operation ALBA unter
Führung der Italiener - vielleicht das Kronjuwel bei
unserem Streben nach Stabilität - während unsere
Länder zusammentreffen, um dem krisengeschüttelten
Albanien zu helfen.
Jede dieser Aktionen unterstreicht die direkte und
enge Verbindung zwischen unseren Bestrebungen zur
Förderung von Offenheit und Transparenz und
unseren Bestrebungen zur Förderung der Demokratie.
Jedes Mal, wenn unsere Streitkräfte zusammen üben,
jedes Mal, wenn wir uns zu Gesprächen wie diesem
treffen, verstehen wir einander besser.
Verständnis geht mit Vertrauen einher. Und dieses
Vertrauen wiederum bringt Sicherheit hervor. Sicherheit stärkt Demokratie, die wiederum zu mehr
Verständnis und Vertrauen zwischen den Nationen
führt. Es ist ein sich selbst verstärkender Zyklus von
Transparenz und Demokratie. Meines Erachtens
waren unsere Bestrebungen zur Förderung und
Verlängerung dieses Zyklus in ganz Südosteuropa
erfolgreich, weil wir uns nicht auf leere Worte, sondern
auf konkrete Initiativen konzentrierten und weil wir
Einbeziehung in den Mittelpunkt unserer Initiativen
gestellt haben.
Jetzt müssen wir dieselben Stärken auf die noch
unbeendigten Aufgaben anwenden. Wir müssen
unsere Bestrebungen zur Ausweitung von Zusammenarbeit und Offenheit unter unseren Nationen fortsetzen
und unsere Initiativen entschlossen umsetzen. Wir
haben die Chance, diese Bande zwischen uns zu
stärken und echte Fortschritte auf Gebieten wie
Konfliktverhinderung und der Gründung eines Friedenssicherungszentrums zu machen.

AMERIKA DIENST 20

�Die Bedeutung dieser Bande erinnert mich an meinen
Besuch 1984 in Rußland, wo ich mit dem berühmten
russischen Dichter Jewtuschenko zusammentraf. Als
ich mich verabschiedete, sagte er etwas, das ich die
ganzen Jahre nicht vergessen habe: "Wir beide
müssen in Kontakt bleiben. Sonst vergessen wir das
Gesicht des anderen."
Wenn wir nicht in Kontakt bleiben, wenn wir das
Gesicht des anderen nicht erkennen, wird es sehr
leicht, mit dem Finger auf den anderen zu zeigen und
ihn zu verteufeln oder zu erniedrigen. Aber wenn wir
Kommunikationslinien haben - wie diese Ministertreffen
- wird es viel einfacher, uns anzunähern anstatt
auseinanderzudriften, wenn wir auf die Probe gestellt
werden.
Diese Probe ist nirgendwo härter als hier in Südosteuropa. Im Kosovo schürt das Feuer des Hasses den
unerbittlichen Vormarsch ethnischer Gewalt. Es ist an
der Zeit, diese Krise direkt anzugehen. Gemeinsam
müssen wir eine humanitäre Katastrophe verhindern,
und wir müssen alle Parteien zu sinnvollen Gesprächen zusammenbringen, die zu einer Beendigung des
Konflikts führen.
In Bosnien müssen wir unsere Entschlossenheit
bewahren und uns weiterhin dem Friedensabkommen
von Dayton verpflichten. Unsere Botschaft an die neu
gewählten Politiker muß klar sein: Wir erwarten nichts
anderes als die vollständige Einhaltung von Dayton.

*

AMERIKA DIENST 20

*

In Albanien erinnern uns die Gewaltakte der vergangenen Woche in Tirana deutlich daran, wieviel noch&gt;
getan werden muß. Und wir müssen weiterhin Ausbildung und Hilfe dafür einsetzen, die Saat der Demokratie zum Keimen zu bringen.
Während wir über die vor uns liegenden Herausforderungen nachdenken, wären wir gut beraten, uns
den Rat der amerikanischen Diplomatin Cläre Boothe
Luce ins Gedächtnis zu rufen. Vor nahezu 60 Jahren
sprach sie Worte, die die vor uns liegenden Entscheidungen beschreiben könnten. Sie sagte, daß wir
vor drei Wegen stehen.
Der erste Weg sei der Weg für die Opfer - für diejenigen, die vor dem Bösen die Augen verschließen, ihm
den Rücken kehren und sich von der Welt isolieren
wollen. Der zweite Weg sei der Weg der Bequemlichkeit - ein von Opportunisten und Beschwichtigern
gewählter Weg, die angesichts der Gefahr aufgeben.
Der dritte Weg sei der Weg der Freiheit und Gerechtigkeit - ein harter, enger und gerader Weg, der von
wenigen gewählt wird.
Aber Luce stellte fest, daß der dritte Weg der beste sei
- selbst wenn er an manchen Stellen gefährlich ist.
Der Weg der Freiheit kann manchmal schwierig und
sogar gefährlich sein, aber diese Region hat sich auf
eine Reise begeben und muß sie fortsetzen. Wir
müssen auf Kurs bleiben, denn das ist der Weg zu
Frieden und Wohlstand im lebenswichtigen Herzen
Südeuropas.

*

*

Seite 3

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG

7. Oktober 1998

Deutsch-Amerikanischer Tag 1998
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation von Präsident Clinton zum DeutschAmerikanischen Tag am 6. Oktober 1998.

Seit dem Tag, an dem unsere Republik geboren
wurde, haben Deutschamerikaner unser nationales
Leben und unsere Kultur bereichert. Viele, die nach
Religionsfreiheit strebten, ließen sich vor über 300
Jahren in und um Philadelphia nieder, und bis heute
heißt eines der größten Viertel dieser Stadt Germantown. Während der Kolonialzeit kamen weitere
Deutsche an diesen Ufern an und schufen sich in den
13 Kolonien ein Heim. Heute kann nahezu ein Viertel
der Amerikaner seine Wurzeln nach Deutschland
zurückverfolgen.
Deutschamerikaner haben nicht nur beim Wachstum
unserer Nation, sondern auch bei vielen unserer
wichtigsten Werte einen bedeutenden und dauerhaften
Eindruck hinterlassen. Als geschickte und fleißige
Farmer teilen die Deutschamerikaner unsere Liebe für
das Land und den ausgeprägten Sinn für Familie und
Gemeinschaft. Mit tiefem Respekt für Bildung und die
schönen Künste bereichern sie das kulturelle Leben
der Gemeinden, in denen sie leben. Und von ihren
ersten Tagen in diesem Land an haben die Deutschen
und die Deutschamerikaner die Freiheit verehrt, wie
sie durch den Dienst von General Friedrich von
Steuben während des amerikanischen Kampfes um
Unabhängigkeit und durch die Entsendung eines
ausschließlich aus Deutschamerikanern bestehenden
Korps der Militärpolizei unter dem Kommando von Ma-

jor Bartholomew von Heer verkörpert wurde, das als
General Washingtons persönliche Wacheinheit
während des Revolutionskrieges diente.
Wir alle können stolz auf die Leistungen der Deutschamerikaner sein - als Soldaten und Staatsmänner,
Wissenschaftler und Musiker, Kunsthandwerker und
Lehrer. Es ist angebracht, daß wir diesen besonderen
Tag auserwählen, um uns daran zu erinnern und zu
feiern, wie viel die Deutschamerikaner getan haben,
um unsere Ideale zu bewahren, unsere Kultur zu
bereichern und unsere Demokratie zu stärken.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
des mir durch die Verfassung und die Gesetze der
Vereinigten Staaten verliehenen Amtes, hiermit den 6.
Oktober 1998 zum Deutsch-Amerikanischen Tag. Ich
ermutige alle Amerikaner, feierlich die vielen Geschenke zu würdigen, die Millionen von Menschen deutscher
Abstammung dieser Nation gemacht haben und die
das Leben unserer Bürger bereichern.
Zum Zeugnis dessen habe ich diese Proklamation
eigenhändig unterzeichnet am 5. Tag des Oktober, im
Jahre des Herrn 1998 und im 223. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

AMERIKA DIENST 20

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Eine neue Vision für Europa &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Cohen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Kosovo&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;"Es ist höchste Zeit für den Kosovo!" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Shattuck&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Sanktionen&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sanktionen sollen gemeinsame Vision widerspiegeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Stuart Eizenstat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Deutschland&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Clinton gratuliert Schröder und dankt Kohl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung anläßlich der Bundestagswahl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;5. Deutsch-amerikanischer Tag&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Deutsch-amerikanischer Tag 1998&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24. September 1998

19

VEREINTE NATIONEN

CLINTON: BEKÄMPFUNG DES TERRORISMUS
MUSS PRIORITÄT HABEN
Rede des Präsidenten
vor der UN-Generalversammlung

G7

DIE GLOBALE FINANZKRISE
Rede von Präsident Clinton

USA-DEUTSCHLAND

ÖFFENTLICH-PRIVATE PARTNERSCHAFTEN
UND DIE ZUKUNFT DER TRANSATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�VEREINTE

NATIONEN
23. September 1998

Clinton: Bekämpfung des Terrorismus
muß Priorität haben
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton bei der 53.
Sitzung der UN-Generalversammlung am 21. September 1998.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte
Mitglieder dieser 53. Sitzung der Generalversammlung,
zuerst möchte ich Ihnen für das herzliche Willkommen
danken, das Sie mir bereitet haben und darauf hinweisen, daß die Welt bei der Eröffnung dieser Sitzung
der Generalversammlung viel zu feiern hat.
Nach 29 langen Jahren ist in Nordirland Frieden
eingekehrt. Bosnien hat gerade die freiesten Wahlen
veranstaltet, die es in diesem Land je gab. Die
Vereinten Nationen sind bei Krisen als aktiver Vermittler tätig, bevor diese sich weltweit zu Kriegen ausweiten. Und heute bestimmen mehr Menschen ihre
eigene Zukunft als zu jedem anderen Zeitpunkt in der
Geschichte.
Wir feiern den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, und diese Rechte finden
breitere Unterstützung als je zuvor. Auf jedem Kontinent führen die Menschen ein Leben in Rechtschaffenheit und Selbstachtung, und ein großer Teil des
Verdienstes hierfür gebührt den Vereinten Nationen.
Aber jeder hier Anwesende weiß, daß das Versprechen unserer Zeit auch von Gefahren begleitet ist.
Globale wirtschaftliche Unruhen drohen heute, das
Vertrauen in freie Märkte und Demokratie zu unterminieren. Diejenigen unter uns, die besonders von
dieser Wirtschaft profitieren, tragen eine spezielle
Verantwortung, mehr zu unternehmen, um die Unruhen einzuschränken und die Vorteile der globalen
Märkte allen Bürgern zukommen zu lassen. Und die
Vereinigten Staaten sind hierzu entschlossen.

AMERIKA DIENST 19

Wir werden immer noch von ethnischem, rassischem,
religiösem oder stammesbedingtem Haß bedroht, von
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, von
dem nahezu verzweifelten Bemühen allzu vieler
Staaten, in den Besitz solcher Waffen zu gelangen,
und trotz aller Bestrebungen zu seiner Eindämmung
wird der Terrorismus am Ende des 20. Jahrhunderts
nicht schwächer. Er stellt eine andauernde Verletzung
von Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte dar, der besagt, daß jeder Mensch das
Recht auf Leben, Freiheit und die Sicherheit seiner
Person hat.
Ich hatte hier bei den Vereinten Nationen, bei internationalen Gipfeln weltweit und bei vielen Gelegenheiten
in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit, mich
eingehend mit diesem Thema zu befassen und
darzulegen, was wir getan haben, was wir tun, und
was wir noch tun müssen, um den Terror zu bekämpfen. Heute möchte ich darüber sprechen, warum alle
Nationen den Kampf gegen den Terrorismus ganz
oben auf unsere Tagesordnung setzen müssen.
Wir machen uns über dieses Thema große Sorgen. In
den letzten 15 Jahren waren unsere Bürger immer
wieder Zielscheibe von Terroranschlägen - in Beirut,
über Lockerbie, in Saudi-Arabien, zu Hause in Oklahoma City durch die Tat eines unserer eigenen Bürger,
hier in New York in einem öffentlichen Gebäude und
vor kurzem am 7. August in Nairobi und Daressalam,
wo Amerikaner, die sich dafür einsetzten, Brücken
zwischen Nationen zu bauen - Menschen wie Sie - in
der Haßkampagne gegen die Vereinigten Staaten
starben.

Seite 1

�Weil wir das Glück haben, eine wohlhabende Nation
mit starken Streitkräften und einer aktiven weltweiten
Präsenz bei der Förderung von Frieden und Sicherheit
zu sein, werden wir oft zur Zielscheibe. Wir lieben
unser Land wegen seines Einsatzes für politische und
religiöse Freiheit, wirtschaftliche Chancen und die
Achtung der Rechte des Einzelnen. Aber wir wissen,
daß uns viele Menschen als Symbol für ein System
und Werte sehen, die sie ablehnen. Und oft machen
sie uns für Probleme verantwortlich, die ihre Wurzeln
andernorts haben.
Wir sind jedoch für keine friedliche Nation eine Bedrohung, und unseres Erachtens ist der beste Weg zur
Widerlegung dieser Behauptungen, unsere Arbeit für
Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt fortzusetzen. Würden wir uns von den Unruheherden der
Welt zurückziehen, denjenigen den Rücken kehren,
die um des Friedens willen Risiken auf sich nehmen
und in unserem Widerstand gegen den Terrorismus
nachlassen, würden wir den Feinden des Friedens
einen Sieg bescheren, den sie nie erleben dürfen.
Es ist jedoch falsch, den Terrorismus lediglich oder
überwiegend als amerikanisches Problem zu sehen.
Tatsächlich stellt er für tolerante und offene Gesellschaften und unschuldige Menschen überall eine klare
und präsente Gefahr dar. Keiner der hier Anwesenden, keiner der Menschen, die Sie vertreten, ist
dagegen immun.
Zweifelsohne nicht die Menschen in Nairobi und
Daressalam. Auf jeden Amerikaner, der dort getötet
wurde, kamen ungefähr 20 ermordete und 500 verletzte Afrikaner - unschuldige Menschen, die an einem
geschäftigen Morgen ihre Arbeit erledigten. Und auch
die Menschen in Omagh in Nordirland waren nicht
immun - Katholiken und Protestanten gleichermaßen
wurden verletzt und getötet, vorwiegend Frauen und
Kinder, zwei schwangere Frauen, Menschen, die
Einkaufen gingen, als ihre Zukunft durch eine Randgruppe ausgelöscht wurde, die sich an die Vergangenheit klammert.
Auch die Menschen in Japan, die in einer Tokioter
U-Bahn mit Saringas vergiftet wurden, waren nicht
immun. Noch die Menschen in Argentinien, die bei
einem Autobombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in der Innenstadt von Buenos Aires
starben. Noch die Menschen in Kaschmir und Sri
Lanka, die wegen veralteter Animositäten sterben, die
unbedingt beigelegt werden müssen.
Noch die
Palästinenser und Israelis, die trotz aller Fortschritte
beim Friedensprozeß Jahr für Jahr sterben müssen.
Noch die Menschen in Algerien, die einen Alptraum
unvorstellbaren Terrors durchleben, für den noch kein
Ende in Sicht ist. Noch die Menschen in Ägypten, die
beinahe zum zweiten Mal einen Präsidenten durch ein
Attentat verloren hätten. Noch die Menschen in der
Türkei, in Kolumbien, Albanien, Rußland, dem Iran,

Seite 2

Indonesien und zahllosen anderen Nationen, in denen
unschuldige Menschen Opfer des Terrors werden.
Keines dieser Opfer ist Amerikaner, aber jedes ist
Sohn oder Tochter, Ehemann oder Ehefrau, Vater oder
Mutter, ein durch Haß ausgelöschtes Menschenleben,
und jedes hinterläßt einen Kreis von Menschen, deren
Leben nie wieder dasselbe sein wird. Terrorismus ist
zu einem weltweiten Problem geworden. Manche
argumentieren natürlich, das Problem werde übertrieben, die Zahl der Opfer des Terrorismus sei
vergleichsweise klein und liege etwas unter der Zahl
von Menschen, die jedes Jahr vom Blitz getroffen
werden. Meines Erachtens begreifen sie jedoch in
vielerlei Hinsicht nicht, worum es geht.
Erstens hat der Terrorismus in den neunziger Jahren
ein neues Gesicht bekommen. Terroristen machen
sich heute die größere Offenheit und die explosionsartige Verbreitung von Informations- und Waffentechnologie zunutze. Die neuen Technologien des
Terrors und ihre zunehmende Verfügbarkeit sowie die
wachsende Mobilität der Terroristen eröffnen die
erschreckende Aussicht, chemischen, biologischen
und anderen Angriffen ausgesetzt zu werden, was
jeden von uns zu einem möglichen Opfer macht. Dies
ist eine Bedrohung der gesamten Menschheit.
Neben dem durch jeden Anschlag verursachten
physischen Schaden besteht die noch größere Gefahr
psychologischer Schäden - die schwer auszumachen
sind und lange Zeit zur Heilung brauchen. Jede
Bombe, jede Bombendrohung hat schleichende
Auswirkungen auf freie und offene Institutionen, die Art
von Institutionen, für deren Aufbau Sie alle hier so hart
arbeiten.
Jedes Mal, wenn ein Unschuldiger - ob Mann, Frau
oder Kind - getötet wird, wird die Zukunft für uns alle
gefährlicher. Jeder Gewaltakt unterminiert das für
Frieden und Wohlstand unerläßliche Vertrauen.
Überall auf der Welt kämpfen Menschen mit aktiver
Unterstützung der UN-Organisationen für die Gestaltung einer besseren Zukunft auf der Grundlage des
Vertrauens, das sie mit ihren Mitbürgern und mit
Partnern und Investoren auf der ganzen Welt verbin-

Die Aussicht auf wachsenden Wohlstand in Nordirland
war der entscheidende Faktor für das Abkommen vom
Karfreitag. Aber es setzte Vertrauen voraus - Vertrauen, das in Zeiten der Gewalt nicht gewonnen
werden kann. Wir können das Ausmaß jedes Angriffs
bestimmen und schauerliche Statistiken über die Toten
und Verwundeten aufstellen. Aber welches sind die
Wunden, deren Ausmaß wir nicht einschätzen können?
Wie viele Abkommen wurden im Nahen Osten, in
Asien und Südafrika durch Bombenanschläge ver-

AMERIKA DIENST 19

»

*

�eitelt? Wie viele Unternehmen wurden an Orten, die
förmlich nach Investitionen in Form von Zeit und Geld
schreien, niemals gegründet? Wie viele begabte junge
Menschen in hier vertretenen Ländern haben dem
Dienst an der Öffentlichkeit den Rücken gekehrt?
Die Frage lautet nicht nur, wie viele Menschenleben
bei jedem Angriff ausgelöscht werden. Die Frage
lautet auch, wie viele Menschen anschließend keine
Zukunft mehr haben. Es gibt keine Rechtfertigung
dafür, Unschuldige umzubringen. Ideologie, Religion,
Politik, selbst Entbehrung und echte Mißstände
rechtfertigen das nicht. Wir müssen auf jeden Fall
versuchen zu verstehen, unter welchen Bedingungen
Terroranschläge verübt werden.
Ich habe oft selbst erlebt, daß dort, wo der Frieden
Fortschritte macht, Terror ein verzweifelter Versuch ist,
das Rad der Geschichte zurückzudrehen.
Der
Bombenanschlag von Omagh fand statt, als der
Frieden in Nordirland Erfolg hatte. Wann immer wir
uns im Nahen Osten einem weiteren Schritt zum
Frieden nähern, reagieren seine Feinde mit Terror.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies unsere Fortschritte
behindert.
Die Überbrückung alten Hasses ist schließlich ein Akt
des Vertrauens, ein Bruch mit der Vergangenheit und
somit eine beängstigende Bedrohung für diejenigen,
die ihren Haß nicht überwinden können. Weil sie die
Zukunft fürchten, versuchen die Terroristen, die
Friedensstifter durch Bomben in die Vergangenheit
zurückzubefördern.
Wir müssen erkennen, daß es für dieses Wüten auch
wirtschaftliche Gründe gibt. Armut, Ungleichheit und
Massen entrechteter junger Menschen bilden den
Nährboden für den Sirenengesang der Terroristen und
ihre Behauptung, soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Aber Entbehrung kann keine Zerstörung rechtfertigen,
und Ungerechtigkeit kann niemals eine Entschuldigung
für Mord sein. Der Mord an Unschuldigen ist kein
Sozialprogramm.
Trotzdem bedeutet unser entschlossener Widerstand
gegen den Terrorismus nicht, daß wir je den ihm
Vorschub leisteten Bedingungen gegenüber gleichgültig sein dürfen. Der jüngste Bericht der Vereinten
Nationen über menschliche Entwicklung weist darauf
hin, daß die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich
immer größer wird. Wir müssen uns stärker dafür
einsetzen, die Quellen der Verzweiflung zu bekämpfen, bevor sie zu giftigem Haß werden. Dr. Martin
Luther King schrieb einmal, der einzige Revolutionär
sei jemand, der nichts zu verlieren habe. Wir müssen
den Menschen zeigen, daß sie nur gewinnen können,
wenn sie Zusammenarbeit fördern und auf Gewalt
verzichten. Dies ist nicht nur die Pflicht der Vereinigten
Staaten oder des Westens, es ist die Pflicht der
ganzen Welt.

AMERIKA DIENST 19

Die Entwicklungsländer haben die Pflicht, den neugewonnenen Wohlstand fair zu verteilen, neue Chancen
zu schaffen, neue offene Volkswirtschaften aufzubauen. Die Industriestaaten haben die Pflicht, die
Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, auf dem
Weg des Wohlstands zu bleiben und das globale
Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Vor einer Woche
habe ich dargelegt, wie wir eine stärkere Weltwirtschaft
gestalten können, von der nicht nur alle Nationen,
sondern alle Bürger profitieren.
Manche sind der Ansicht, der Terrorismus rühre von
dem ihres Erachtens unvermeidlichen Kampf der
Zivilisationen her. Dieses Thema sollte hier umfassend erörtert werden. Insbesondere sind viele der
Ansicht, es gebe einen unvermeidlichen Kampf
zwischen der westlichen Zivilisation und ihren Werten
und den islamischen Zivilisationen und Werten.
Meines Erachtens ist diese Ansicht völlig falsch.
Falsche Propheten mögen jede Religion benutzen
oder mißbrauchen, um ihre politischen Ziele zu
rechtfertigen - selbst kaltblütigen Mord. Einige wollen
die Welt davon überzeugen, daß der allmächtige und
barmherzige Gott selbst die Erlaubnis zum Töten gibt.
Aber das ist nicht unser Verständnis des Islam.
Ein Viertel der Weltbevölkerung sind Muslime - von
Afrika über den Nahen Osten und Asien bis zu den
Vereinigten Staaten, wo der Islam eine unserer am
schnellsten wachsenden Glaubensrichtungen darstellt.
In den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 1.200

Moscheen und islamische Zentren, und die Zahl nimmt
schnell zu. Die sechs Millionen Amerikaner, die dort
beten, werden Ihnen sagen, daß es nicht von Natur
aus einen Kampf zwischen dem Islam und Amerika
gibt. Die Amerikaner respektieren und ehren den
Islam.
Wenn ich in meinem Land und weltweit mit Vertretern
der Muslime sprach, habe ich immer wieder gesehen,
daß wir dieselben Hoffnungen und dasselbe Streben
haben: In Frieden und Sicherheit zu leben, für unsere
Kinder zu sorgen, den Glauben unserer Wahl zu leben,
ein besseres Leben als das aufzubauen, das unsere
Eltern kannten und unseren Kindern mehr Möglichkeiten zu geben. Natürlich sind wir nicht identisch. Es
gibt wesentliche Unterschiede, die sich über Rasse,
Kultur und Religion erstrecken und Verständnis und
Respekt verlangen.
Aber jeder Fluß kann überquert werden. Selbst wenn
wir hier in den Vereinigten Staaten ebenso wie die
Vereinten Nationen darum kämpfen, alle Amerikaner
miteinander zu versöhnen und in unserer zunehmenden Vielfalt größere Einheit zu finden, bleiben wir auf
unserem Weg der Freundschaft und der Achtung der
muslimischen Welt. Wir werden weiterhin nach
gemeinsamen Werten, gemeinsamen Interessen und
gemeinsamen Bestrebungen suchen. Ich stimme voll
und ganz mit der Geisteshaltung überein, die sich in

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�den folgenden Worten Mohammeds ausdrückt: Wenn
Menschen gemeinsam beten, sind die Früchte des
Gebets doppelt so groß, als wenn sie alleine zu Hause
beten.
Im Hinblick auf den Terrorismus sollte es keine
Trennlinie zwischen Muslimen und Juden, Protestanten und Katholiken, Serben und Albanern, industrialisierten und aufstrebenden Ländern geben. Die einzige
Trennlinie verläuft zwischen denen, die Terror praktizieren, unterstützen oder tolerieren und denjenigen,
die verstehen, daß er schlicht und einfach Mord ist.
Wenn der Terrorismus ganz oben auf der amerikanischen Tagesordnung steht - und er sollte ganz oben
auf der weltweiten Tagesordnung stehen - welches
sind dann die konkreten Schritte, die wir gemeinsam
unternehmen können, um unsere gemeinsame Zukunft
zu schützen? Was sind unsere gemeinsamen Verpflichtungen? Meines Erachtens sind es zumindestens
die folgenden: Terroristen keine Unterstützung, keinen
Unterschlupf, keine Finanzhilfe zu gewähren; Druck
auf Staaten auszuüben, die das tun; gemeinsam zur
Förderung von Auslieferung und strafrechtlicher
Verfolgung tätig zu werden; die weltweiten Konventionen zur Terrorismusbekämpfung zu unterzeichnen; die
Konvention über biologische Waffen zu stärken; die
Chemiewaffenkonvention umzusetzen; strengere
nationale Gesetze zu fördern und die Herstellung und
den Export von Explosivstoffen zu kontrollieren;
internationale Standards für die Sicherheit an Flughäfen zu erhöhen; gegen Zustände anzugehen, die zur
Ausbreitung von Gewalt und Verzweiflung führen.
Wir werden das Unsrige tun. Unsere Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden spüren in Zusammenarbeit mit anderen Regierungen terroristische
Netzwerke auf. Einige von denen, die wahrscheinlich
für die jüngsten Bombenanschläge auf unsere Botschaften verantwortlich sind, werden vor Gericht
gestellt. Anfang dieser Woche werde ich den Kongreß
um die Bewilligung von Nothilfegeldern bitten, um
unsere Botschaften zu reparieren, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken, den weltweiten Kampf gegen
den Terrorismus auszuweiten und unseren Freunden
in Kenia und Tansania bei der Heilung der erlittenen
Wunden beizustehen.
Aber ungeachtet dessen, wieviel jeder Einzelne von
uns tut, können wir ohne gemeinsame Bestrebungen
nur begrenzte Fortschritte erzielen. Wir werden
ebenfalls das Unsrige tun, um die Wurzeln der Verzweiflung und Entfremdung durch das Amt für internationale Entwicklung in Afrika, Asien, Lateinamerika,
Osteuropa, Haiti und andernorts auszurotten. Wir

*

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*

werden unsere starke Unterstützung für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, die UNHochkommissare für Menschenrechte und Flüchtlinge,
UNICEF, die Weltbank und das Welternährungsprogramm fortsetzen.
Wir sind uns auch bewußt, daß diese Behörden eine
entscheidende Rolle spielen und wie wichtig es ist, daß
alle Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
ihre Beiträge zahlen.
Abschließend möchte ich uns alle auffordern, den
Terrorismus in anderen Kategorien zu sehen, ihn nicht
als einen Kampf von Kulturen oder politischen Aktionen mit anderen Mitteln zu begreifen, oder als Ruf
Gottes, sondern als Kampf zwischen den Kräften der
Vergangenheit und den Kräften der Zukunft, zwischen
denen, die niederreißen und denen, die aufbauen,
zwischen Hoffnung und Angst, Chaos und Gemeinschaft.
Es wird kein einfacher Kampf sein. Aber jede Nation
wird gestärkt, wenn sie sich daran beteiligt und den
Worten der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die wir vor 50 Jahren unterzeichneten, wirkliche
Bedeutung gibt. Es ist äußerst wichtig, daß wir das
gemeinsam tun.
Eleanor Roosevelt zählte zu den Verfassern der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie
erklärte in einer ihrer zahlreichen Reden zur Unterstützung der Vereinten Nationen, als diese noch in ihren
Kinderschuhen steckten: "Alle Abkommen und aller
Friede basiert auf Vertrauen. Man kann keinen
Frieden haben und man kann sich nicht mit anderen
Menschen auf der Welt verstehen, wenn man ihnen
nicht vertraut."
Um einander vertrauen zu können, müssen wir nicht
alle Probleme der Welt lösen. Um einander vertrauen
zu können, müssen wir nicht in allen weltweiten Fragen
einer Meinung sein. Um einander vertrauen zu
können, ist es noch nicht einmal erforderlich, daß wir
jeden kleinen Unterscheid zwischen uns verstehen.
Aber wir müssen unseren Glauben an das Primat der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekräftigen und daher gemeinsam erklären, daß Terrorismus
kein Weg in die Zukunft ist, sondern nur ein Rückfall in
die Vergangenheit. Und gemeinsam - gemeinsam können wir ihm die Stirn bieten und seine Bedrohungen, Ungerechtigkeiten und Ängste mit Vertrauen
überwinden.
Vielen Dank.

*

*

AMERIKA DIENST 19

�G7
23. September 1998

Die globale Finanzkrise
Rede von Präsident Clinton

NEW YORK - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede von Präsident Clinton vor
dem Council on Foreign Relations vom 14. September 1998, in der er eine Zusammenkunft der Finanzminister
und Zentralbankvorsitzenden der G 7 in den nächsten 30 Tagen fordert, um Empfehlungen für die Anpassung der
internationalen Finanzstruktur an das 21. Jahrhundert auszuarbeiten.

Seit drei Jahren - seit dem G 7-Treffen in Neapel und
der mexikanischen Finanzkrise - arbeiten wir mehr
oder weniger intensiv an dem Thema, das ich heute
erörtern möchte. Ich habe persönlich alles in meiner
Macht Stehende getan, um aus dem ganzen Land und
in der Tat aus der ganzen Welt neue Ideen zu bekommen.
Ich möchte Sie ermutigen, uns zu unterstützen. Wenn
Sie Ideen haben, teilen Sie uns diese mit, denn dies ist
die größte Finanzkrise, mit der sich die Welt seit einem
halben Jahrhundert konfrontiert sieht. Die Vereinigten
Staaten haben eine absolut zwingende Verpflichtung
zur Übernahme einer Führungsrolle, und das auf eine
Weise, die im Einklang mit unseren Werten und
unserer Verpflichtung steht, darauf zu achten, daß das,
was wir tun, den Menschen hier zu Hause und auf der
ganzen Welt hilft.
Der Council on Foreign Relations steht seit dem Ende
des Ersten Weltkriegs für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Und seit dem letzten Jahrzehnt zunehmender
Freiheit auf der Welt leben mehr als die Hälfte der
Weltbevölkerung unter Regierungen ihrer Wahl, mehr
als die Hälfte der eine Million Dörfer in China wählen
jetzt ihre eigenen Regierungen und ersetzen die
Kommando- und zentral gelenkten Wirtschaften durch
Marktwirtschaften. Das scheint so leicht, so mühelos,
so zwangsläufig geschehen zu sein, daß wir meiner
Ansicht nach davon ausgehen können, der Trend ist
unvermeidlich und unumkehrbar.
Aber wenn Sie sich heute die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Störungen und die einfachen, tiefen, persönlichen Enttäuschungen von Millionen von Menschen

AMERIKA DIENST 19

auf der Welt betrachten, ist für mich klar, daß es jetzt
eine große Herausforderung gibt, die nicht nur die
wirtschaftliche Freiheit, sondern - wenn sie nicht
bewältigt wird - auch die zunehmende politische
Freiheit behindern könnte.
Offensichtlich haben wir hier ein profundes Interesse.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß wir uns in einem
Augenblick beispielloser wirtschaftlicher Stärke in einer
Zeit solcher Turbulenzen in der Weltwirtschaft befinden. Ich denke, wir alle in diesem Saal wissen, daß
unser zukünftiger Wohlstand davon abhängt, ob wir mit
anderen an der Wiederherstellung des Vertrauens, der
Bewältigung des Wandels, der Stabilisierung des
Finanzsystems und der Ankurbelung soliden globalen
Wachstums zusammenarbeiten können.
Einen Großteil der vergangenen 30 Jahre waren die
Vereinigten Staaten und die übrige Welt vornehmlich
mit Inflationsraten befaßt aus Gründen, die Ihnen allen
hier nur zu gut bekannt sind - und es war gut, daß man
sich damit befaßt hat. Heute ist die niedrige und
stabile Inflationsrate entscheidend für unsere gesunde
Wirtschaft, und die niedrige Inflationsrate hat auch zu
den niedrigen Inflationsraten vieler anderer Nationen
beigetragen. Aber offensichtlich hat sich das Gleichgewicht der Risiken jetzt verlagert, und ein Viertel der
Weltbevölkerung lebt in Ländern mit abnehmendem
oder negativem Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund ist meiner Ansicht nach die Ankurbelung des Wachstums die oberste Priorität der
industriellen Welt. Wir sollten sechs vordringliche
Schritte unternehmen, um zur Eindämmung der
derzeitigen finanziellen Turbulenzen auf der Welt

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�beizutragen. Diese Schritte beinhalten zwei längerfristige Projekte, die uns einbeziehen müssen.
Um den vordringlichsten ersten Schritt zu unternehmen, müssen wir mit Japan, Europa und anderen
Nationen bei der Ankurbelung von Wachstum zusammenarbeiten.
Zweitens werden wir größere
Anstrengungen machen, damit lebensfähige Unternehmen in Asien der lähmenden Schuldenlast entrinnen
können, um wieder zu Wachstum und der Schaffung
von Arbeitsplätzen beizutragen. Drittens haben wir die
Weltbank gebeten, ihre Unterstützung für das soziale
Sicherheitsnetz in Asien zu verdoppeln, um den
Menschen zu helfen, die unschuldige Opfer der
finanziellen Turbulenzen sind. Viertens werden wir die
führenden Industrieländer auffordern, den Nothilfefonds des IWF in Höhe von 15 Milliarden Dollar zu
nutzen, damit die Finanzkrise sich nicht auf Lateinamerika oder andere Länder ausweitet. Fünftens wird
unsere Export-Import Bank unter der Leitung von Jim
Harmon ihre Bemühungen zur Herbeiführung von
Wirtschaftsaktivitäten in den Entwicklungsländern in
den nächsten drei Monaten unverzüglich intensivieren.
Und sechstens muß der Kongreß seiner Verantwortung zu dauerhaftem Wohlstand gerecht werden,
indem er unsere Verpflichtungen gegenüber dem
Internationalen Währungsfonds erfüllt.
Finanzminister Rubin arbeitet mit seinen Amtskollegen
in der G 7 zusammen, um die kooperative Unterstützung für mehrere dieser Maßnahmen zu erhalten.
Meines Wissens führt auch der Zentralbankratsvorsitzende Greenspan mit seinen Amtskollegen
Konsultationen zu diesem Thema.
Während wir diese vordringlichen Schritte unternehmen, müssen wir auch unsere Bemühungen zur
Reform unserer Handels- und Finanzinstitutionen
intensivieren, so daß sie besser auf die Herausforderungen reagieren können, denen wir uns jetzt und
wahrscheinlich in Zukunft gegenübersehen. Wir
müssen ein stärkeres und rechenschaftspflichtigeres
globales Handelssystem aufbauen, Fortschritte bei den
Initiativen zur Marktöffnung erzielen, aber auch den
Schutz von Arbeitnehmerinteressen und der Umwelt
fördern und mehr tun um sicherzustellen, daß der
Handel das Leben aller Bürger auf der ganzen Welt
verbessert.
Vor allem müssen wir unsere Bestrebungen zur
Reform des internationalen Finanzsystems beschleunigen. Heute habe ich Finanzminister Rubin und den
Vorsitzenden des Zentralbankrats Greenspan um die
Einberufung eines Treffens ihrer Amtskollegen in den
nächsten 30 Tagen gebeten, um Wege zur Anpassung
der internationalen Finanzarchitektur an das 21.
Jahrhundert zu empfehlen.
In den vergangenen sechs Jahren haben unsere
nationale Strategie der Haushaltsdisziplin, der In-

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vestitionen in die Qualifikationen unserer Bürger und
des offenen Handels für alle Amerikaner funktioniert.
Die Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 28
Jahren, die Inflationsrate so niedrig wie seit 32 Jahren
nicht mehr, Löhne und Gehälter steigen nach Jahrzehnten der Stagnation doppelt so schnell wie die
Inflationsrate. Und am 1. Oktober werden wir zum
ersten Mal seit 29 Jahren einen ausgeglichenen
Haushalt haben.
Die globale Wirtschaft hat uns zwar sehr viel von
diesem Wohlstand gebracht, aber jetzt verursachen
oder verschärfen schnelle Strömungen die Probleme in
Rußland und Asien. Sie bedrohen aufstrebende
Volkwirtschaften von Lateinamerika bis Südafrika.
Angesichts des abnehmenden Wachstums für ein
Viertel der Weltbevölkerung müssen wir uns bewußt
machen, was der Vorsitzende Greenspan neulich
sagte: Wir können nicht für immer eine Oase des
Wohlstands sein. Wachstum im Inland hängt von
Wachstum im Ausland ab. Ganze 30 Prozent unseres
Wachstums sind allein seit meiner Amtsübernahme auf
unser erweitertes positives Engagement in der globalen Wirtschaft zurückzuführen.
Deswegen sollte jeder Amerikaner sich damit befassen, ob Asien, Rußland oder Südamerika wirtschaftlich
auf soliden Füßen stehen. Diese Menschen sind
unsere Kunden. Da ein Drittel des Wachstums
unserer Volkswirtschaft durch Exporte erfolgt und ein
Großteil davon aus aufstrebenden Märkten, wissen
wir, daß diese Märkte zusammenbrechen können,
wenn ihre Volkswirtschaften vor dem Bankrott stehen.
Wenn das Problem weitverbreitet ist und anscheinend
in die falsche Richtung geht, beobachten wir, daß
unsere Aktienmärkte reagieren können und direkte und
unmittelbare Auswirkungen auf den Wohlstand des
amerikanischen Volkes haben.
Diese Nationen sind auch unsere Konkurrenten. Und
unter den Gegebenheiten der Ausgewogenheit ist das
in der Tat sehr gut. Aber wenn ihre Währungen und
die Preise ihrer Waren gefährlich fallen, könnten sie
den Verkauf ihrer eigenen Waren hier im Inland
unterbieten, der ansonsten profitabel ist, und unser
Handelsdefizit unter Umständen dramatisch erhöhen,
was die Amerikaner dazu veranlassen könnte, sich
von. offenem Handel ab- und in einer Weise dem
Protektionismus zuzuwenden, die langfristig enorme
negative Konsequenzen für unsere globalen Wachstumsziele hat.
Und schließlich sind diese Nationen unsere Freunde,
unsere Verbündeten und unsere Sicherheitspartner.
Wenn wirtschaftliche Turbulenzen Millionen Menschen
in plötzliche Armut stürzen, das Leben der Menschen
stören und aus der Bahn bringen, steigt zweifelsohne
das Risiko politischer und sozialer Instabilität und einer
Abwendung von der Demokratie. Betrachten Sie sich
Rußland. Rußland sieht sich mit einer Wirtschaftskrise

AMERIKA DIENST 19

�konfrontiert, die die außerordentlichen Fortschritte
bedroht, die das russische Volk in nur sieben Jahren
beim Aufbau einer neuen Gesellschaft von Grund auf
gemacht hat. Der Rubel und die Aktienmärkte sind
drastisch gefallen, die Banken sind schwach, die
Steuereinnahmen haben sich verlangsamt, die Regierung hat Schwierigkeiten, ihre Schulden und die
Gehälter zu bezahlen.
Einige Russen sind reich geworden, aber sehr viele
haben Mühe, ihre Familien zu ernähren. Als ich vor
kurzem in Rußland war, habe ich mit einigen gesprochen.
Inmitten dieser politischen Unsicherheit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten sprechen manche jetzt
von einer Abkehr vom Weg der Reform und einer
Rückkehr zu den Maßnahmen der Vergangenheit sogar Maßnahmen, die bereits gescheitert sind.
Schlimmstenfalls könnte die Not in Rußland nicht nur
Auswirkungen auf die russische Wirtschaft und die
Aussichten für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit
haben - schlimmstenfalls könnte sie Auswirkungen auf
unsere Zusammenarbeit mit Rußland bei der nuklearen Abrüstung, der Bekämpfung von Terrorismus und
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und
unserem gemeinsamen Eintreten für Frieden vom
Balkan bis zum Nahen Osten haben.
Rußland hat jetzt einen neuen Ministerpräsidenten Herrn Primakow - der seit vier Tagen im Amt ist. Er

und Präsident Jelzin sehen sich einer der großen
Herausforderungen ihrer Zeit gegenüber. Es hat nie
einen wichtigeren Augenblick gegeben, um eine klare
Richtung für die Zukunft vorzugeben, die Verpflichtung
Rußlands zu Demokratie und freien Märkten zu
bekräftigen und entschiedene Schritte zur Stabilisierung der Wirtschaft und der Wiederherstellung des
Vertrauens der Investoren zu unternehmen.
Aber wenn Rußland bereit ist, diese Schritte zu
unternehmen, müssen wir alles in unserer Macht
Stehende tun, um dem Land Unterstützung zu gewähren. Ich möchte nochmals wiederholen - solange der
Bürger keine Vorteile dadurch sieht, wird es am Ende
schwierig sein, die Richtung beizubehalten, die die
Welt unserer Ansicht nach einschlagen sollte.
Andererseits müssen wir aufrichtig mit Rußland und
allen anderen sein. Keine Nation, ob reich oder arm,
demokratisch oder autoritär, kann den grundlegenden
wirtschaftlichen Geboten des globalen Marktes
entrinnen. Keine Nation kann sich seiner Disziplin
entziehen. Keine Nation kann sich der Verantwortung
entziehen, das Ihre zu tun.
Aber da alle Volkswirtschaften zunehmend interdependent sind, können Angst und Unsicherheit wegen der
Wirtschaftslage eines Landes die Investoren dazu
veranlassen, ihr Geld aus Tausende von Meilen

AMERIKA DIENST 19

entfernten Ländern abzuziehen. Die Märkte funktionieren am besten, wenn sie weder von übermäßigem
Kapitalzufluß noch -abfluß aufgrund von willkürlichem
Optimismus oder Pessimismus gelenkt werden.
Unabhängig davon, welche Veränderungen bei den
Maßnahmen oder Institutionen gerechtfertigt sein
mögen, müssen wir feststellen, daß wir nur den
Ländern helfen können, die bereit sind, sich selbst zu
helfen. Wenn eine Nation sich entschließt, willkürlich
Geld zu drucken, um Vetternwirtschaft oder Korruption
zu begünstigen, schlechte Darlehensvergabe zu
vertuschen und korrupte oder ineffiziente Banken zu
schützen, dann werden aus- und inländische Investoren früher oder später ihre Investitionen mit
unverzüglichen und gravierenden Konsequenzen
abziehen.
Aus diesem Grund unterstützen wir den grundlegenden Ansatz des Internationalen Währungsfonds, Hilfe
nur dann auszuweiten, wenn die Länder Verantwortung übernommen, ihr Bankensystem gestärkt,
ehrliche Rechnungsprüfung und offene Märkte eingeführt und Kredite aufgrund von Verdiensten statt
Verbindungen vergeben haben.
Was getan wurde, ist jedoch eindeutig nicht genug, um
den Niedergang einiger Länder aufzuhalten, die
Flammen der internationalen Finanzkrise zu ersticken
und stetiges, nachhaltiges Wachstum in der Zukunft zu
unterstützen.
Angesichts dieser neuen Herausforderung können und müssen die Vereinigten Staaten
weiterhin handeln und eine Führungsrolle übernehmen, die heute erforderlichen dringenden Schritte zur
Eindämmung der Finanzkrise, der Wiederankurbelung
des Wachstumsmotors in Asien, der Minimierung der
Auswirkungen der finanziellen Turbulenzen auf andere
Länder und der Gewährleistung zu unternehmen, daß
für morgen die Institutionen und Regeln der internationalen Finanzen und des internationalen Handels
langfristig zur Unterstützung von stetigem und nachhaltigem Wachstum bereit sind.
Als erstes müssen die führenden Wirtschaftsnationen
gemeinsam handeln, um globales Wachstum anzukurbeln. Unsere starke und wachsende Volkswirtschaft hier im Inland hat einen wichtigen Beitrag zum
globalen Wachstum geleistet, ebenso wie unsere
schwache Volkswirtschaft die Welt vor sechs Jahren,
als ich zum ersten Mal an einem G 7-Treffen in Tokio
teilnahm, lähmte und jedes andere Land erklärte, als
Erstes müßten die Vereinigten Staaten ihr wirtschaftliches Haus in Ordnung bringen. Das haben wir getan.
Ich bin der festen Überzeugung, daß wir unsere
Haushaltsdisziplin beibehalten müssen. Sie hat zu
niedrigeren Zinssätzen, enormen Investitionen und der
Schaffung von Arbeitsplätzen geführt. Die Bewahrung
des Wirtschaftswachstums ist das Beste, was wir zur

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�Zeit tun können - nicht nur für die Vereinigten Staaten,
sondern auch für die globale Wirtschaft.
Ich möchte auch daran erinnern, daß wir uns 1993
generell über die Notwendigkeit einig waren, daß
Amerika das Defizit abbauen, Europa seine Zinssätze
senken und Japan seine Märkte öffnen sollte. Es
bestand generelle Übereinstimmung, daß wir eine
bemerkenswerte Wiederbelebung des Wachstums
haben würden.
Europa senkte seine Zinssätze, und der damalige
Ministerpräsident - jetzt Finanzminister - Miyazawa
leitete ein bedeutendes Handelsabkommen zur
Marktöffnung zwischen den Vereinigten Staaten und
Japan in die Wege, das auch für andere von Nutzen
war, nicht nur für uns. Und wir haben natürlich unser
Defizit abgebaut. Die Ergebnisse waren für uns
mehrere Jahre lang ziemlich befriedigend.
Heute muß Europa weiterhin Maßnahmen verfolgen,
die Wachstum ankurbeln und die Märkte des Landes
offen halten, denn auch sie müssen in der Lage sein,
Märkte für asiatische Waren bereitzustellen, während
diese Nationen versuchen, Fuß zu fassen. Der
Schlüssel hier ist jedoch Japan, denn die zweitgrößte
Volkswirtschaft der Welt - und bei weitem die größte
Volkswirtschaft in Asien - hatte jetzt mehrere Jahre
kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Erfreulicherweise konnten viele Japaner aufgrund des
Wohlstands des Landes und wahrscheinlich wegen
der enormen persönlichen Ersparnisse, über die sie
seit vielen Jahren verfügen, weiterhin ein einigermaßen gutes Leben führen.
Es ist jedoch schwierig herauszufinden, wie Aktionen
der internationalen Gemeinschaft in Asien erfolgreich
Wachstum wiederherstellen können in Abwesenheit
von erneutem Wachstum in Japan, das Japan ermöglichen würde, die Region aus ihrer jetzigen Lage
herauszuführen. Aus diesem Grund müssen wir
Japan unterstützen und alles tun, um zur Schaffung
von Bedingungen beizutragen, unter denen wir alle
wieder eine Führungsrolle übernehmen können, wie
wir es 1993 getan haben.
Die Herausforderungen für Japan sind ziemlich
erschreckend. Die Binnennachfrage muß angekurbelt,
das Bankensystem wiederbelebt, Vertrauen wiederhergestellt, die Wirtschaft dereguliert und die Märkte
müssen geöffnet werden. Wir alle kennen die Kräfte,
die gegen diese Entwicklungen in Japan zu arbeiten
scheinen. Ich möchte Sie jedoch daran erinnern, daß
Japan eine sehr starke, hoch entwickelte Nation voller
Menschen mit Wissen und enormen Leistungen ist.
Das Land ist voll und ganz in der Lage, seine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen. Meines
Erachtens wissen seine Unternehmer sehr wohl, was
jetzt getan werden muß und würden es unterstützen.

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In der nächsten Woche werde ich hier in New York mit
Ministerpräsident Obuchi zusammentreffen um zu
erörtern, wie die Vereinigten Staaten Japans Bestrebungen zur Wiederherstellung von Wirtschaftswachstum und des Vertrauens der Investoren unterstützen
können. Und ich werde alles mir Mögliche tun um
sicherzustellen, daß bei unseren Fortschritten Amerika, Europa und Japan ihren Beitrag leisten, um über
diesen Augenblick hinwegzukommen, wie wir es 1993
getan haben.
Der zweite Schritt, den wir unternehmen sollten, ist die
Intensivierung unserer Bestrebungen, die wirtschaftliche Erholung in Asien zu beschleunigen. Wenn
Länder wie Südkorea und Thailand entschiedene und
verantwortungsvolle Schritte unternehmen, endet der
freie Fall, und es werden Fortschritte erzielt. Aber die
Konsequenzen des Zusammenbruchs in Asien sind für
die Menschen jetzt deutlich spürbar. Jüngste Presseberichte beschrieben eine ganze Generation, die seit
25 Jahren auf dem Weg in die Mittelschicht ist und
dann binnen Monaten in Armut versinkt. Die Geschichten sind herzzerreißend - Ärzte und Krankenschwestern, die in der Eingangshalle eines geschlossenen Krankenhauses leben müssen; Mittelklassefamilien, die ein Eigenheim besitzen, ihre Kinder aufs
College schickten und Reisen ins Ausland machten
und jetzt vom Verkauf ihres Besitzes leben.
Es liegt in unserem Interesse, diesen Nationen und
diesen Menschen bei ihrer Erholung zu helfen. Sie
werden wieder unsere großen Märkte und unsere
großen Partner werden. Es ist richtig, daß wir das tun.
Wir haben mit internationalen Kreditgebern wie dem
IWF zusammengearbeitet, um diesen Nationen bei der
Verabschiedung eines Haushalts, Steuern und einer
Geldpolitik behilflich zu sein, die Wachstum fördern,
aber zweifelsohne müssen wir mehr tun, um das
Wachstum in Asien wiederherzustellen. Wir müssen
darauf hinarbeiten, die Schuldenlast des Privatsektors
zu erleichtern, die die asiatischen Volkswirtschaften
lähmt.
Heute bitte ich Finanzminister Rubin, mit anderen
Finanzbehörden und internationalen Wirtschaftsinstitutionen zusammenzuarbeiten, um die Bestrebungen zur Prüfung umfassender Pläne zu fördern,
asiatische Unternehmen von enormer Schuldenlast zu
befreien, wo einzelne Firmen durch systemimmanente,
nationale Wirtschaftsprobleme anstatt durch eigenes
Verschulden in Schwierigkeiten gerieten. Wir müssen
den Kreditfluß wieder in Gang bringen. Wir müssen
Unternehmen wieder in die Lage versetzen, Produkte
und Dienstleistungen anzubieten und Arbeitsplätze zu
schaffen.
Drittens. Asiatische Unternehmen brauchen Unterstützung, aber dasselbe gilt für Millionen asiatischer
Familien. Wir müssen mehr tun, um in den sich
erholenden Ländern ein adäquates Netz sozialer

AMERIKA DIENST 19

�Sicherheit zu schaffen. Ein mit Gewalt herbeigeführter
wirtschaftlicher Übergang ohne ein angemessenes
Sicherheitsnetz kann im Namen der Wirtschaftstheorie
Menschenleben kosten, und dadurch - wenn ich das
hinzufügen darf - so viel Widerstand hervorrufen, daß
der Reformprozeß zum Erliegen kommt. Wenn wir von
diesen Ländern harte Reformen erwarten, müssen wir
die schutzlosesten Mitglieder der Gesellschaft verteidigen, und wir müssen die Menschen schützen, die
Schaden nehmen, obwohl sie nichts falsch gemacht
haben. Meiner Meinung nach ist das von größter
Bedeutung.
Die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank
haben mit unserer Hilfe begonnen, diese Herausforderungen zu bewältigen, aber sie müssen ihre
Bestrebungen noch verstärken. Es wird einfach noch
nicht genug getan. Ich habe sie gebeten, ihre Hilfe im
Rahmen einer gemeinsamen erweiterten Sozialinitiative zu verdoppeln, die sich auf Unterstützung bei
der Suche nach einem Arbeitsplatz, Grundbedürfnisse
und wirtschaftlichen Übergang, auf Kinder und ältere
Bürger sowie auf Gruppen konzentriert, die dem
wirtschaftlichen Wandel besonders schutzlos gegenüberstehen. Ich gratuliere Jim Wolfensohn zu seinen
Bestrebungen und seiner Bereitschaft, bei dieser
erweiterten Initiative die Führungsrolle zu übernehmen.
Wir müssen bereit sein, notfalls sofort mit Finanzkraft
auf die Währungskrise zu reagieren, falls sie sich
ausweitet, insbesondere wenn sie die Volkswirtschaften Lateinamerikas bedroht, wo die Nationen
darum kämpfen, Fortschritte zu machen und das
Richtige zu tun, nur um gegen wirtschaftliche Stürme
ankämpfen zu müssen, die außerhalb ihrer Kontrolle
liegen.
Aus diesem Grund sollten die großen Volkswirtschaften bereit sein, den Nothilfefonds des IWF, das
Allgemeine Darlehensabkommen in Höhe von derzeit
15 Milliarden Dollar zu aktivieren, damit gewährleistet
ist, daß der IWF weiterhin Reformen unterstützt und
gegen ausufernde Wirtschaftskrisen vorgeht.
Fünftens. Unsere Export-Import Bank wird während
der nächsten drei Monate ihr Engagement für spezifische Wirtschaftsentwicklungsprojekte verstärken Projekte, die konkrete Vorteile für die Bürger anderer
Länder bringen, unsere Exporte erhöhen und dadurch
unsere Wirtschaft ankurbeln, und die das Vertrauen
unter den Bürgern anderer Länder wiederherstellen,
daß sie nicht allein sind und daß spezifische, positive
Entwicklungen tatsächlich stattfinden können.
Sechstens. Damit die Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft von Erfolg gekrönt sind,
müssen die Vereinigten Staaten ihren gegenüber dem
IWF eingegangenen Verpflichtungen nachkommen.
Nach einem Jahr finanzieller Schadensbegrenzung
sind die Mittel des IWF stark strapaziert. Mit jedem
Tag, an dem wir nicht handeln, unterminieren wir das

AMERIKA DIENST 19

weltweit dringend benötigte Vertrauen, das wir wiederherzustellen versuchen. Der Kongreß muß einfach
seiner Verantwortung für unsere Führungsrolle in der
Wirtschaft nachkommen.
In meinem Bericht zur Lage der Nation habe ich
erklärt, daß es besser ist, sich auf einen Sturm vorzubereiten, wenn der Himmel klar ist, als wenn er
bereits bewölkt ist. Jetzt, acht Monate später, sind
Wolken aufgezogen, und wir können den Donner fast
schon hören. Der Senat hat dankenswerterweise mit
überwältigender überparteilicher Mehrheit unsere
Verpflichtung angenommen, unseren Anteil zur
Finanzierung des IWF beizutragen. Obwohl diese
Sitzungsperiode des Kongresses bereits in fünf
Wochen zu Ende geht, hat das Repräsentantenhaus
noch nichts unternommen.
Ich möchte es so einfach wie möglich ausdrücken:
Wenn dieser Kongreß unsere Schulden beim IWF nicht
begleicht, setzen wir unseren Wohlstand aufs Spiel.
Untätigkeit wird ein deutliches Signal senden, daß
unsere Gesetzgeber in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen nicht bereit waren, unsere Arbeitnehmer,
unsere Unternehmen und unsere Landwirte vor den
Risiken des globalen wirtschaftlichen Wandels zu
schützen, und nicht bereit waren, unsere Führungsrolle
beim Aufbau eines globalen Wirtschaftssystems
aufrechtzuerhalten, das uns mehr als jeder anderen
Nation zugute gekommen ist.
Konzertiertes Handeln zur Förderung des Wachstums,
Unterstützung Asiens durch Umschuldung im Privatsektor, Stärkung des Sozialversicherungsnetzes,
Schutz der übrigen Länder durch Aktivierung des IWFNothilfefonds, Verstärkung der Aktivitäten der Ex-Im
Bank, Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber
dem IWF - dies sind die sechs unmittelbaren Schritte,
die wir unternehmen wollen.
Wir müssen aber auch bereit sein, langfristige Maßnahmen zu ergreifen - die Finanz- und Handelsinstitutionen der Welt zu verändern, um sie an die
Gegebenheiten der neuen Weltwirtschaft anzupassen.
Mit der Gründung der Welthandelsorganisation (WTO)
im Jahr 1994 leiteten wir den Aufbau eines modernen
Handelssystems ein. Wir müssen unsere Bestrebungen verdoppeln, weltweit Handelshemmnisse zu
beseitigen. Aber wie ich bereits im Mai in Genf sagte,
müssen wir mehr tun um sicherzustellen, daß lebhafter
wirtschaftlicher Wettbewerb unter den Nationen nie auf
Kosten von Umweltschutz, Verbraucherschutz oder
Arbeitsnormen erfolgt.
Wir setzen uns dafür ein, die WTO-Verfahren für die
Beteiligung der Öffentlichkeit oder interessierter
Lobbyisten zu öffnen, damit die Menschen Dinge
kennenlernen, sehen und selbst tun können, die
gewährleisten, daß das Handelssystem die Welt für
alle Menschen aller Länder verbessert.

Seite 5

�Wir haben bereits 260 Handelsabkommen geschlossen und die Märkte auf Gebieten von Autos bis
Telekommunikation geöffnet. Im kommenden Jahr
werden wir in den Vereinigten Staaten ein Treffen der
Handelsminister aus der ganzen Welt veranstalten, um
die Agenda für erweiterten Handel im ersten Jahrzehnt
des neuen Jahrhunderts aufzustellen.
Die Geschichte lehrt uns, daß es in Zeiten weltweiter
Schwierigkeiten töricht wäre, sich in den Protektionismus zurückzuziehen. Wir müssen den Handelsfluß
unter den Nationen aufrechterhalten, aber ich wiederhole nochmals: Wenn wir das wollen, müssen wir
den Bürgern und den sie vertretenden Gruppen in
Ländern auf der ganzen Welt das Gefühl geben, daß
das auf faire Art und Weise sowie im Einklang mit den
Verpflichtungen der Nationen geschieht, die Interessen
der Arbeitnehmer zu fördern und nicht nur ihre nationale, sondern die globale Umwelt zu schützen.
Im November, wenn ich beim APEC-Gipfel mit den
führenden Vertretern der asiatischen Volkswirtschaften
zusammentreffe, werden wir Schritte zur weiteren
Öffnung der Märkte in Asien unternehmen. Und wenn
der Kongreß im kommenden Jahr wieder zusammentritt, werde ich mich für Gesetze zur weiteren Öffnung
der Märkte einsetzen - von Handelsgesprächen bis zur
afrikanischen Handelsinitiative. Ich werde das auf eine
Art und Weise tun, die meines Erachtens auf breite
Unterstützung der Mehrheit beider Parteien stoßen
wird.
Vom G 7-Treffen in Halifax 1995 nach der mexikanischen Finanzkrise bis zum Gipfel von Birmingham
dieses Jahr haben wir gemeinsam mit unseren
wichtigen Wirtschaftspartnern Pläne für die neue
Finanzarchitektur des 21. Jahrhunderts ausgearbeitet.
Erstmals schlössen wir wichtige aufstrebende Märkte
im Rahmen der neuen Gruppe der 22 in diesen Prozeß
ein, weil wir ihre große Bedeutung in der neuen
Weltwirtschaft erkannten. Diese Gruppe arbeitet jetzt
seit fast einem Jahr an der Verbesserung der globalen
Finanzhilfe unter besonderer Betonung der Verbesserung der Finanzsektoren, der Transparenz und
der Lastenteilung im Privatsektor.
Ich möchte noch einmal betonen, daß wir das Tempo
dieser Arbeit am Finanzsystem erhöhen müssen,
selbst während wir auf dringende momentane Alarmzeichen reagieren. Aus diesem Grund habe ich
Finanzminster Rubin und Notenbankchef Greenspan
gebeten, die Finanzminister und Zentralbankvorsitzenden der G 7 und bedeutender aufstrebender Wirtschaften binnen eines Monats zu einem Treffen nach
Washington einzuladen, um einen vorläufigen Bericht
über die Stärkung des internationalen Finanzsystems
auszuarbeiten, der den Staats- und Regierungschefs
Anfang kommenden Jahres vorgelegt werden kann.

Seite 6

Wir müssen Maßnahmen erarbeiten, damit die Länder
die Vorteile des freien Kapitalflusses auf faire und
dauerhafte Weise genießen können. Wir müssen den
IWF anpassen, damit er den neuen Finanzkrisen
effektiver begegnen und ihre Häufigkeit, Schwere und
Konsequenzen für die Menschen begrenzen kann. Wir
müssen Wege sondieren, Nothilfefinanzierung auszuweiten, wenn Staaten aufgrund weltweiter finanzieller
Turbulenzen, nicht durch eigenes politisches Verschulden, mit Vertrauenskrisen konfrontiert sind. Wir
müssen Wege finden, die Kräfte der Weltmärke zu
nutzen, ohne die Welt zu einem Teufelskreis ständiger
extremer Krisen zu verurteilen.
Seit einem halben Jahrhundert lernen wir in unserer
Volkwirtschaft, Konjunkturschwankungen zwar nicht
abzuschaffen, aber unter Kontrolle zu halten und zu
begrenzen. Im 21. Jahrhundert müssen wir einen Weg
finden, das auch in der Weltwirtschaft zu tun.
Ich habe dieses Thema vor einigen Tagen mit dem
britischen Premierminister Blair erörtert, der jetzt den
Vorsitz der G 7 innehat. Er teilt meine Ansicht, daß
dies eine dringliche Aufgabe ist. Sie ist entscheidend
für die Mission, die er, der italienische Ministerpräsident Prodi und ich kommende Woche an der juristischen Fakultät der Universität von New York bei einem
hochinteressanten Treffen erörtern werden, das von
der First Lady und verschiedenen Mitgliedern unserer
Administration veranstaltet wird und sich mit der Frage
befaßt, wie alle in den Genuß der Vorteile der Weltwirtschaft kommen können und wie die Demokratie in
einer solchen Zeit tiefgreifenden Wirtschaftswandels
gestärkt werden kann.
Um das alles noch einmal kurz zusammenzufassen:
Wir müssen unsere Fähigkeit zur Bewältigung der
derzeitigen Finanzkrise verbessern und wo immer
möglich ein System zur zukünftigen Verhinderung
solcher Katastrophen aufbauen und ihre Auswirkungen
mildern, wenn sie sich ereignen. Keine Aufgabe ist
entscheidender für unsere Stärke und Sicherheit.
Ich möchte es noch einmal wiederholen: Es geht hier
um mehr als die Ausweitung freier Märkte und ihre
Integration in die Weltwirtschaft. Die treibenden Kräfte
der Weltwirtschaft vertiefen auch die demokratischen
Freiheiten: Den freien Fluß von Ideen und Informationen, offene Grenzen und Reisefreiheit, Rechtsstaatlichkeit, faire und gerechte Durchsetzung, Verbraucherschutz und eine fähige und gut ausgebildete
Arbeitnehmerschaft.
Das alles ist nicht nur für den Wohlstand der Nationen,
sondern auch für die Freiheit von Bedeutung. Wenn
die Bürger müde werden, darauf zu warten, daß
Demokratie und freie Märkte ihnen ein besseres Leben
ermöglichen, besteht ein wirkliches Risiko, daß
Demokratie und freie Märkte nicht zusammen prosperieren, sondern gemeinsam verkümmern. Das würde

AMERIKA DIENST 19

�große Gefahren implizieren - nicht nur für unsere
Wirtschaftsinteressen, sondern auch für unsere
Sicherheit.
Es gibt auf der ganzen Welt Aggressoren, Drogenbarone und Länder, die Terroristen Unterschlupf
gewähren. Was sind das für Staaten? Es sind
autoritäre Nationen ohne Demokratie und ohne offene
Märkte. Nationen, die ihren Bürgern Freiheit gewähren, sind gute Nachbarn; wenn Nationen der Freiheit
den Rücken kehren, wenden sie sich nach innen und
entwickeln Spannungen, Haß und Feindschaft.
Jetzt haben wir die Gelegenheit, weltweite Chancen zu
schaffen. Die derzeitigen Schwierigkeiten sollten nicht
dazu führen, daß wir die in den letzten Jahren erzielten
Fortschritte vergessen. Wenn wir das Richtige tun,
steht es in unserer Macht, Milliarden Menschen auf der
Welt in die Lage zu versetzen, in die Mittelschicht
aufzusteigen, an der globalen Demokratie teilzuhaben
und wirkliche Bestrebungen zur Erlangung von Frieden
und Versöhnung zu unternehmen. Das ist eine

*

AMERIKA DIENST 19

Chance, aber die jüngsten Ereignisse zeigen, daß sie
nicht mit Sicherheit kommt.
Aus diesem Grund sind die Vereinigten Staaten von
Amerika zum gegenwärtigen Zeitpunkt erneut aufgerufen, die Führungsrolle zu übernehmen - die Kräfte
einer engagierten Welt zu bündeln, die ungebärdigen
Kräfte der Weltwirtschaft in positive Bahnen zu lenken,
unsere Interessen zu fördern, unsere Werte zu
stärken, unsere Sicherheit zu erhöhen.
Meines Erachtens ist es an dieser Stelle keine Vereinfachung zu behaupten, daß wir wissen, was getan
werden muß. Die Generation des Zweiten Weltkriegs
tat das vor 50 Jahren für uns. Jetzt ist es an uns,
unserer Verantwortung nachzukommen, wie es
Amerika in der Vergangenheit so oft tun mußte. Wenn
uns das gelingt, können wir das Versprechen der
Weltwirtschaft erfüllen und unsere Nation für ein neues
Jahrhundert stärken.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 7

�USA-DEUTSCHLAND
23. September 1998

Öffentlich-private Partnerschaften und die
Zukunft der transatlantischen Partnerschaft
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Komblum, am 2. September 1998 im Aspen Institut Berlin
gehalten hat.

Unser Thema heute lautet: "Öffentlich-private Partnerschaften und die atlantischen Beziehungen". Was sind
eigentlich öffentlich-private Partnerschaften, was
haben sie überhaupt mit der Außenpolitik oder gerade
den atlantischen Beziehungen zu tun? Wir brauchen
jetzt nur die Zeitungen zu lesen um zu sehen, wie sehr
die internationale Politik - aber auch die Interessen
unserer Völker und unsere gemeinsamen Ziele - von
der komplizierten Verbindung zwischen Regierungspolitik und dem privaten Sektor beeinflußt, gefördert,
aber auch beeinträchtigt werden.
Vor dem Ende des Kalten Krieges wurde das Umfeld
der Außenpolitik von den traditionellen militärischen
und sicherheitspolitischen Fragen dominiert. Man
befaßte sich stark mit der Konfrontation zwischen Ost
und West. Seit 1989 leben wir in einer ganz anderen
Welt. Allmählich wird klar, daß die Probleme, aber
auch die Chancen und Möglichkeiten, die uns bevorstehen, immer stärker von einer breiten Mischung aus
Regierungspolitik und verschiedenen privaten Einflüssen in Angriff genommen werden müssen. Diese
Probleme liegen in immer geringerem Maße im
alleinigen Zuständigkeitsbereich der Regierungen.
Die Bedeutung von empowerment
Diese Betrachtungsweise ist vielleicht eine besonders
amerikanische. Es gibt viele Menschen in Europa,
auch in Deutschland, die einige dieser Thesen vielleicht nicht so teilen würden. Wir führen eine interessante Debatte über den Atlantik hinweg, wie man
gerade die Sicherheit und den Wohlstand unserer
Gesellschaften unter diesen neuen Bedingungen

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gewährleistet, und werden diese auch in Zukunft
fortsetzen.
Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung. Beispielsweise war ich viele Jahre mit dem sogenannten
Helsinki-Prozeß, jetzt OSZE genannt, befaßt. Für die
Vereinigten Staaten ist die OSZE das perfekte Instrument einer Verbindung aus politischen und sicherheitspolitischen Wertvorstellungen sowie Moral
und Werten.
Aber es gibt Stimmen in Europa, die genau das
Gegenteil fordern. Sie wollen aus der OSZE einen
Staatenbund mit vertraglichem Charakter machen, weil
sie meinen, nur so könne man Frieden sichern. Diese
Spannung zwischen formellem enforcement von
Sicherheit und Stabilität und einer etwas offeneren
Sicherheitspolitik ist eine der Hauptfragen der Zeit
nach dem Kalten Krieg. Die Vereinigten Staaten sind
überzeugt, daß in dieser neuen Situation anstelle des
enforcement von Verträgen und Verpflichtungen das
Leitprinzip unserer Bestrebungen zunehmend das
empowerment von Völkern und Einzelnen sein muß.
Deshalb möchte ich heute Abend unterstreichen, wie
wichtig Privatinitiativen sind, wie wichtig Nichtregierungsorganisationen - NGOs - sind, wie wichtig nicht
nur solche Organisationen, sondern auch solche
Konzepte für die zukünftige Sicherheit und den
Wohlstand unserer Völker sind. Das heißt, die freie
Bahn der Kräfte, die Mischung aus regierungsähnlichen und Privatinitiativen. Diese neue Synthese bietet
die einzige Möglichkeit, den Entwicklungen der letzten
20 Jahre gerecht zu werden.

Seite 1

�Das gilt nicht nur für das Ende des Kalten Krieges,
sondern auch für die geradezu revolutionären Entwicklungen in Wirtschaft und Technologie, die weltweiten
Kapitaltransfers, vielerlei moderne Einflüsse, die
explosionsartige Entwicklung der Kommunikation und
natürlich die rasche Unabhängigkeit so vieler neuer
Staaten und den Beitritt von zahlreichen Staaten,
Regionen und Völkern mit unterschiedlichen Interessen und Zielen zur internationalen Staatengemeinschaft. Wir erleben die weltweite Öffnung.
Regierungen spielen natürlich eine wichtige Rolle.
Aber es wird immer deutlicher, wie schwierig es für die
Regierungen ist, die Entwicklungen zu kontrollieren
oder allem gerecht zu werden. Und noch schwieriger
ist: Eine Vision einer erfolgreichen Zukunft muß
zunehmend eine integrierte Vision sein. Die Zeiten
sind vorbei, in denen Politiker oder Diplomaten große
Konzepte von sicherheitspolitischen Systemen
entwickeln konnten. Jetzt muß das auf der Basis einer
Vielfalt von Einflüssen passieren.
Dieses Thema ist nirgendwo auf der Welt wichtiger ist
als in Berlin. Berlin und natürlich auch Deutschland
waren über Jahrzehnte hinweg das wichtigste Beispiel
für die alte Sicherheitspolitik. Aber auch in jener Zeit
war das Fundament der Demokratie, der Freiheit und
der freien Marktwirtschaft der Unterbau unserer
militärischen Sicherheitspolitik. Und letztlich war auch
das demokratische Wunder, das im westlichen Teil
Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hat, im Endeffekt der Grund, warum der
Kalte Krieg ein Ende nahm.
Berlin war immer ein Umschlagplatz für Ideen. In
einem wiedervereinigten Europa wird das immer mehr
der Fall sein. Für die Vereinigten Staaten - gerade weil
wir ein so tiefes Fundament an gemeinsamer Erfahrung und gemeinsamen Erfolgen in Berlin haben - wird
es wichtig sein, in Berlin eine neue Tradition zu
gründen. Eine Tradition, die auf Menschen, der
Gesellschaft und privater Initiative basiert.
Private Kontakte waren hier in Berlin immer wichtig.
Sie sind nichts Neues, aber sie sind auch ein Fundament für die neue Art von Sicherheitspolitik, die ich
beschrieben habe. Privatinitiativen bleiben wichtig.
Aber wenn private Initiativen und Nichtregierungsstellen zusammenarbeiten, tun sie zweierlei: Sie
engagieren sich persönlich für eine bestimmte Art von
Gesellschaft, sei es innerhalb ihrer Länder oder auf
bilateraler Ebene. Und zweitens rufen öffentlichprivate Partnerschaften ein Gefühl von empowerment
hervor, ein Gefühl, daß man nicht nur Objekt der
Sicherheitspolitik, der internationalen Politik, ist,
sondern Teil dieser Politik. Und für die Zukunft
Europas kann ich nicht oft genug und stark genug
unterstreichen, wie wichtig dieses Gefühl von empowerment sein wird.

Seite 2

Die jüngere Geschichte unterstreicht das. Wenn man
wie ich einige Jahre in Bosnien war, sieht man leider,
wie stark und wie zerstörend das Gefühl sein kann, ein
Opfer zu sein. Victimization nennen wir das auf
Englisch. Dieses Gefühl, daß man machtlos ist, daß
man seine eigene Zukunft nicht bestimmen kann, ist
leider im Moment eines der stärksten Gefühle in
gewissen Teilen der Welt.
Wenn wir in Zukunft eine stabile Gemeinschaft über
den Atlantik und auch über Europa hinweg aufbauen
wollen, dann müssen wir auch sicher sein, daß nicht
nur Amerika oder Deutschland oder England oder
Frankreich das Gefühl der Verantwortung haben,
sondern daß Menschen, private, einzelne Menschen in
unseren Gesellschaften, aber vor allem Menschen in
Teilen der Welt wie dem Balkan oder dem Kaukasus
oder Mittelasien ein ähnliches Gefühl entwickeln. Und
ich kann wirklich aus eigener Erfahrung sagen, es sind
die NGOs, die Nichtregierungsorganisationen, die eine
viel größere Rolle spielen, dieses Gefühl des empowerment zu vermitteln, als Regierungen. Einige
Jahre lang wurden in Bosnien zum Beispiel westliche
Ideale eigentlich nur von den NGOs hochgehalten. Wo
unsere offizielle Politik Schwierigkeiten hatte, sich auf
die neue Lage auf dem Balkan einzustellen, waren es
NGOs, die ein westliches Engagement vertreten
haben.
Auch hier in Deutschland versuchen die Vereinigten
Staaten, diesem neuen Engagement gerecht zu
werden. Unsere Botschaft wird neu strukturiert,
unsere Methoden werden modernisiert. Eine Institution, die in den letzten 50 Jahren eine sehr wichtige, nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat, sind
die Amerika Häuser. Amerikanische Kulturzentren
haben für die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland
eine maßgebliche Rolle gespielt. Aber in der modernen Zeit ist es nicht mehr sinnvoll, daß Amerika
Häuser über die amerikanische Kultur informieren. Es
ist nicht mehr notwendig, einem vom Krieg zerrütteten
Deutschland modernes Leben und Demokratie
beizubringen.
Was wir brauchen, sind Kommunikationszentren, in
denen Deutschland und Amerika Begegnungen
organisieren können. Kommunikationszentren, in
denen neue Ideen ausprobiert werden und Deutsche
und Amerikaner das Gefühl haben, daß sie etwas
Gemeinsames aufbauen. Amerika Häuser werden in
deutsch-amerikanische Zentren umorganisiert und das brauche ich nicht zu verhehlen - das bedeutet
natürlich, daß es nicht mehr so viele direkte amerikanische Regierungsgelder geben wird. Wir werden
sehen, ob diese Institutionen auf der Basis von
Privatinitiativen eine neue Rolle finden oder nicht. Bis
jetzt haben wir klare Erfolge in München und in
Hamburg.

AMERIKA DIENST 19

�Eine weitere Chance besteht darin, durch solche
privaten Initiativen und Kommunikationszentren
Regierungen dazu zu bringen, die Arbeit an bestimmten Themen zu beschleunigen oder ihnen jetzt Aufmerksamkeit zu widmen. Genau das passiert derzeit
in unserer Innenpolitik, und genau das soll in der
Zusammenarbeit über den Atlantik passieren. Das gilt
insbesondere für wirtschaftliche und soziale Fragen.
Zum Beispiel haben wir innerhalb der WTO, der
Welthandelsorganisation, in den letzten Jahren zwei
sogenannte Abkommen über gegenseitige Anerkennung ausgehandelt, die auf die Erleichterung des
Handels durch die gegenseitige Anerkennung von
Qualitäts- und Sicherheitsnormen abzielen.
Die
Initiative für diese Abkommen kam aus dem sogenannten "transatlantic business dialogue", einem bedeutenden Ort der Begegnung für führende Vertreter der
Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Dies ist ein
Beispiel dafür, daß führende Kräfte der Wirtschaft, die
bestimmt auch miteinander konkurrieren, ein Forum
gegründet haben, wo sie gemeinsame Ziele und auch
gemeinsame Politik formulieren.
Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen
der Amerikanischen Botschaft, der deutschen Wirtschaft und der amerikanischen Handelskammer in
Deutschland. Die Handelskammer ist eine Vereinigung, die die direkten geschäftlichen Interessen
ihrer Mitglieder vertritt. Aber seit vielen Jahren basiert
die Arbeit der amerikanischen Handelskammer in

unserer Gesellschaften feiern? Alle drei Themenbereiche sind in Deutschland sehr wichtig, aber sie
sind in Amerika genauso wichtig. Komplexe Fragen
wie diese werden zunehmend von privaten Einrichtungen angesprochen.
Ein wichtiges Beispiel ist die Rentenreform. Ich bin im
letzten Jahr drei Mal zu Gesprächen über die Rentenreform eingeladen worden. Ich glaube nicht, daß je ein
amerikanischer Botschafter diese Themen so oft
besprochen hat. Hier in Berlin hat es im Frühling eine
von der Draeger-Stiftung veranstaltete faszinierende
Tagung gegeben, bei der Experten aus den Vereinigten Staaten, Japan und Europa zusammenkamen.
Interessant war, daß die Experten natürlich alle
dieselbe Sprache sprachen. Ich meine nicht Englisch
oder Deutsch oder Japanisch, sondern daß sie
dieselben Fachkonzepte teilten. Und sie haben sich
sofort verstanden. Sie wußten genau - viel besser als
die Politiker - wo die Probleme lagen. Zwei Tage auf
einer solchen Konferenz unterstreichen nicht nur, wie
kompliziert ein solches Thema ist, sondern auch, wie
wichtig dabei internationale Zusammenarbeit ist, weil
man auf diesem Gebiet wirklich voneinander lernen
kann.
Ein Thema wie die Rentenreform führt zu einem
anderen Themenbereich, der meines Erachtens
grundsätzlich von Bedeutung sein wird für die Gestaltung einer friedlichen und demokratischen Welt. Das

Deutschland auch auf konkreter Zusammenarbeit.

ist die Erweiterung der Wertegemeinschaft, die die

Durch zahlreiche Arbeitsgruppen, Gremien und
gemeinsame Initiativen trägt die Kammer stark zur
Verständigung bei. Unser gemeinsames Engagement
für die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder ist
ein besonders erfolgreiches Beispiel.

atlantische Welt das letzte halbe Jahrhundert zusammengehalten hat.
Diese Wertegemeinschaft
garantiert für unsere Bevölkerung Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Wir sind alle überzeugt, daß das auch ein
Fundament für Frieden auf der Welt sein kann. Aber
diese Werte werden nicht überall akzeptiert. Sie
werden sehr oft unterdrückt. Sie werden aus verschiedenen Gründen in Frage gestellt, und man muß
ständig daran arbeiten, die gemeinsame Verteidigung
dieser Werte sicherzustellen.

Dieselben Methoden werden zunehmend in einem
ganz anderen, sehr wichtigen Themenbereich angewandt: Bei der Erörterung unserer gesellschaftlichen
Ziele und Probleme. Diese sogenannten innenpolitischen Fragen entwickeln sich schnell zu den
interessantesten Bereichen der atlantischen Beziehungen, weil die Entwicklungen, Ziele, aber auch die
Probleme auf beiden Seiten des Atlantiks fast gleich
gelagert sind. Es gibt verschiedene Traditionen,
Sprachen und Erwartungen, aber wenn man anfängt,
über die Grundherausforderungen der Innenpolitik
nachzudenken, dann sieht man, daß diese Herausforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks verblüffend ähnlich sind. Tatsächlich haben die Begriffe
Innenpolitik und Außenpolitik eine ganz verschiedene
Bedeutung bekommen. Es ist schwer zu sagen, wo
das eine anfängt und das andere aufhört.
Wie sollten wir neue Technologien, wie Biotechnologie
im Nahrungsbereich, einschätzen? Wie können wir
den sozialen Zusammenhalt in einer Zeit raschen
wirtschaftlichen und sozialen Wandels bewahren?
Wie können wir mehr Toleranz schaffen und die Vielfalt

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Den Medien kommt hier eine sehr wichtige Rolle zu.
Die Beschreibung der Probleme und die Definition der
Ziele ist sehr kompliziert, kann aber auch eine große
Bedeutung für die Wahrnehmung der Probleme haben.
Ich gebe hier ein konkretes Beispiel aus der jüngsten
Vergangenheit: Irak. Anfang dieses Jahres entwickelte
sich eine Krise, die eine echte war. Der Irak besaß,
wie inzwischen bewiesen worden ist, die Möglichkeit,
Teile des Nahen Ostens bis hin zur Türkei oder
vielleicht sogar Griechenland mit chemischen und
biologischen Waffen zu bedrohen. Es gab eine
Konfrontation, und es gab in der westlichen Welt auch
eine sehr heftige Diskussion, ob sogenannte diplomatische Mittel die einzig möglichen waren, oder ob eine
Mischung aus diplomatischen und militärischen Mitteln
eingesetzt werden sollte.

Seite 3

�Aber selbst in so komplexen Krisen wie diesen tatsächlich insbesondere in so komplexen Krisen wie
diesen - müssen normale Bürger in der Lage sein,
schwierige Vorgänge zu verstehen und sich eine
Meinung zu bilden. Auf lange Sicht wird die Entwicklung eines solchen empowerment die einzige Möglichkeit sein, eine gesunde demokratische Verfassung ich sage das jetzt im symbolischen Sinne - für die
moderne Welt zu schaffen. Genau wie wir meinen,
daß eine starke Demokratie zu Hause mündige Bürger
voraussetzt, so muß eine ähnliche Entwicklung in der
Weltgemeinschaft zunehmend unser Ziel sein.

Hier am Aspen Institut brauche ich das nicht zu sagen.
Seit 22 Jahren ist Aspen ein sehr wichtiges Element
dieser Tradition. Es gibt bereits viele andere Organisationen und Initiativen: Die Checkpoint Charlie-Stiftung
und die Initiative Berlin-USA, und - wenn ich das
hinzufügen darf - ich bin sehr stolz auf meinen Beitrag
zu ihrer Gründung vor 12 Jahren. Sie war eine der
ersten Privatinitiativen, die gerade dieses Gefühl von
empowerment in Berlin hergestellt hat. Es gibt viele
andere Beispiele, und ich kann sie bestimmt nicht alle
nennen, aber es ist wohl klar, worum es geht.
Berlin steht vor vielen Veränderungen. Es wird
deutscher Regierungssitz sein. Es entwickelt sich zu
einem Mittelpunkt zwischen Ost und West. Es ist
schon eine der aufregendsten Städte in Europa. Aber
es muß durch diese Tradition und durch die Wurzeln,
die hier entstanden sind, das wichtigste Beispiel für
diese persönlichen, privaten, nichtöffentlichen Kontakte
zwischen den Vereinigten Staaten und Europa und
Deutschland bleiben. Und wenn Sie die Entwicklungen
der letzten Jahre betrachten und sehen, wie dynamisch diese Partnerschaft geworden ist und wie
wichtig gerade Deutschland und Amerika für die
Entwicklung dieser neuen Art von transatlantischer
Synthese sind, dann werden Sie hoffentlich auch
meiner Meinung sein.

Um eine starke demokratische Verfassung für das
neue Jahrtausend zu schaffen, brauchen wir mündige
Bürger. Und wir müssen hier bei uns anfangen, weil
auch in den hochentwickelten westlichen Ländern die
Wahrnehmung solcher Probleme und das Verständnis
für die Details sehr begrenzt ist. Je mehr internen
Herausforderungen wir uns gegenübersehen, desto
schwieriger wird es, Interesse an der sogenannten
Außenpolitik zu wecken. Man kann das beklagen.
Aber ebenso wie in unseren Gesellschaften durch
politische Parteien und politisch relevante Gruppen
Kommunikation hergestellt wird, die auch dabei hilft,
mündige Bürger hervorzubringen, sehen wir zunehmend, daß in der Außenpolitik und sogar in der
Sicherheitspolitik ähnliche Vernetzungen notwendig
sind, um unsere Ziele zu erreichen.

Diese Tradition ist von besonderer Bedeutung. Und
deshalb möchte ich vielleicht am Ende alle ein bißchen
ermutigen, diese Vision mit uns zu teilen. Zuerst
vielleicht darüber nachzudenken, was wir hier in Berlin
haben, aber auch über die Herausforderungen, die ich
heute Abend angesprochen habe. Als Journalist zu
versuchen, diese neue Welt zu definieren, herkömmliche Konzepte vielleicht neu zu überdenken, aber
auch dazu beizutragen, daß wir mündige Bürger
haben. Als Privatbürger oder als Leiter von Firmen
oder Institutionen zu überlegen, wie man direkt
teilnehmen kann und wie man dieses Gerüst von
mündigen Bürgern mit aufbauen kann. Und letztlich
natürlich auch die Initiativen, die Begegnungsstätten
und auch die Ziele, die vor allem in Berlin schon
bestehen, zu unterstützen, so daß wir sicher sein
können, daß die nächsten 50 Jahre noch viel besser
sein werden als die letzten.

Und hier muß ich die deutschen Medien, vor allem
Fernsehen und Radio, sehr loben. Viel mehr als bei
uns in Amerika sieht man Dokumentarfilme über
solche Initiativen, hört man im Radio und im Fernsehen
einzelne deutsche Bürger, die überall auf der Welt tätig
sind. Dies ist ein ganz besonderes Beispiel dafür, daß
mündige Bürger zu einer mündigen Außenpolitik
beitragen können.
Die Bedeutung Berlins
Abschließend noch ein paar Worte zu Berlin. Wir
haben ein hervorragendes Fundament. Wir haben die
Chance, neue Traditionen hervorzubringen, die genau
den von mir beschriebenen Zielen dienen. Aber auf
Grund der vielen Kontakte, auf Grund der großen
Herausforderungen haben wir schon mehr als ein
Fundament. Wir haben ein bestehendes System von
Nichtregierungsorganisationen und privaten und
öffentlichen Partnerschaften.

* *

Seite 4

Herzlichen Dank.

*

AMERIKA DIENST 19

�</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

9. September 1998

18

USA-RUSSLAND

CLINTON: ICH GLAUBE AN DIE ZUKUNFT
RUSSLANDS
Rede des Präsidenten

USA-IRLAND

USA WERDEN DEN FRIEDENSPROZESS IN
NORDIRLAND WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton

FRAUEN IN EINER DEMOKRATIE
Rede der First Lady

BOMBENANSCHLAGE

USA WERDEN IHRE INTERESSEN, BURGER
UND WERTE VERTEIDIGEN
Erklärung von Präsident Clinton

USA LASSEN SICH DURCH TERROR NICHT
EINSCHÜCHTERN
Erklärung von Außenministerin Albright

HAUPTVERDÄCHTIGER WIRD DES MORDES
ANGEKLAGT
Erklärung von Justizministerin Reno

FREEH LOBT INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEITBEIDERTERRORISMUSBEKÄMPFUNG
Erklärung des FBI-Direktors

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-RUSSLAND

9. September 1998

Clinton: Ich glaube an die Zukunft Rußlands
Rede des Präsidenten

MOSKAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die programmatische Rede, die Präsident Clinton am 1.
September 1998 vor Studenten der Moskauer Universität für internationale Beziehungen gehalten hat.

Ich glaube, die Anwesenheit hochrangiger Vertreter
der russischen und der amerikanischen Regierung hier
spricht deutlicher als ich es je zum Ausdruck bringen
könnte dafür, daß Amerika den Beziehungen zu
Rußland große Bedeutung beimißt. Es sind von
Freundschaft, gegenseitiger Verantwortung und der
Verpflichtung zur Zukunft geleitete Beziehungen. Es
ist für uns alle eine Ehre, heute hier zu sein, und wir
danken für Ihre freundliche Begrüßung.
An diesem ersten Tag des Semesters nehmen überall
in unseren beiden Ländern die Studenten ihre Studien
wieder auf - auch das Studium der Geschichte. In
diesem entscheidenden, sicherlich historischen
Augenblick möchte ich mit einigen Worten darüber
beginnen, was die Vergangenheit uns meines Erachtens lehren kann, während wir - und vor allem das
russische Volk - uns den Herausforderungen der
Gegenwart und der Zukunft stellen. Vor 222 Jahren
erklärten wir Amerikaner unsere Befreiung von der
Tyrannei König Georgs von England. Wir machten
uns daran, uns selbst zu regieren. Der Weg war nicht
oft - und sicherlich nicht immer - leicht. Erst kämpften
wir einen sehr langen Unabhängigkeitskrieg. Dann
dauerte es über zehn Jahre, eine funktionierende
Verfassung zu entwerfen. Dann - 1814 - zogen wir
wieder in den Krieg gegen England. Die Engländer
marschierten in unsere Hauptstadt ein und brannten
das Haus des Präsidenten nieder - das Weiße Haus.
Dann - 1861 - begannen wir den blutigsten Krieg
unserer Geschichte, einen Bürgerkrieg, der wegen der
Konflikte über die Sklaverei gekämpft wurde. Erteilte
unser Land beinahe für immer, aber statt dessen
wurden wir wiedervereinigt und schafften die Sklaverei
ab.

AMERIKA DIENST 18

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, vor dem
Zweiten Weltkrieg, versank unser Land in einer großen
Wirtschaftskrise, durch die 25 Prozent unserer Bevölkerung arbeitslos wurden und mehr als ein Drittel
unserer Bevölkerung in Armut lebte. Sie kennen den
Rest. Im Zweiten Weltkrieg waren wir Verbündete, und
nach dem Zweiten Weltkrieg waren wir Gegner. Aber
es war eine Zeit großen Wohlstands für das amerikanische Volk, selbst wenn es während der vergangenen
50 Jahre Spannungen und schwierige Augenblicke
gab.
Das umfassendere Argument, das ich anbringen
möchte während Rußland diese Zeit extremer Schwierigkeiten durchmacht, ist, daß wir im Verlauf unserer
Demokratie viele intensive, sogar heftige Debatten
über die richtigen Beziehungen zwischen Menschen
unterschiedlicher Rasse, Religion oder Herkunft, über
die Kluft zwischen Reich und Arm, über Verbrechen
und ihre Bestrafung, sogar über Krieg und Frieden
geführt haben. Wir Amerikaner haben miteinander
gekämpft und argumentiert - wie wir es noch heute tun.
Aber wir haben unsere Freiheit bewahrt, indem wir uns
an die in unserer Verfassung und unserer Unabhängigkeitserklärung verankerten grundlegenden Werte
erinnerten; indem wir weiterhin die Würde jedes
Mannes, jeder Frau und jedes Kindes respektieren;
indem wir diejenigen mit anderen Ideen und Überzeugungen als unsere eigenen tolerieren; indem wir
Chancengleichheit fordern und indem wir jedem eine
Chance geben, das Beste aus seinem Leben zu
machen.
Rußlands großer Verbündeter im Zweiten Weltkrieg,
unser Präsident Franklin Roosevelt, hat einmal gesagt,
daß Demokratie das niemals endende Streben nach
Besserem ist. Für Amerikaner bedeutet das, daß wir in

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�guten wie in schlechten Zeiten versuchen, den Kreis
der Chancen zu erweitern, die Bedeutung unserer
Freiheit zu vertiefen und eine stärkere nationale
Gemeinschaft aufzubauen.
Was hat das alles mit Rußland im Jahr 1998 zu tun?
Ihre Geschichte ist sehr viel länger als unsere und so
reich an Errungenschaften - von militärischen Siegen
über Napoleon und Hitler über die literarischen
Leistungen von Puschkin, Tolstoi, Tschechow, Pasternak und so vielen anderen bis zu den großen Leistungen in Kunst, Musik,Tanz, Medizin, Wissenschaft und
Raumfahrt.
Trotz seiner reichen, langen Geschichte begann
Rußland jedoch erst vor sieben Jahren Demokratie,
Freiheit und freie Märkte anzustreben - eine Reise, die
einzig und allein Ihre ist und von Ihrer eigenen Vision
von Rußlands demokratischem Schicksal geleitet sein
muß.
Sie befinden sich jetzt an einem entscheidenden Punkt
Ihrer Reise. Es gibt gravierenden wirtschaftlichen
Druck und gravierende Härten, die ich in meinen
Gesprächen mit Ihren Politikern heute Morgen erörtert
habe. Es steht enorm viel auf dem Spiel. Jede
Entscheidung, die Rußland heute trifft, könnte Konsequenzen auf Jahre hinaus haben. Angesichts der vor
Ihnen liegenden Fakten muß ich Ihnen sagen, ich
glaube nicht, daß es schmerzlose Lösungen gibt. Und
der Versuch zur Vermeidung schwieriger Lösungen
könnte die gegenwärtigen Herausforderungen in der
Tat nur verlängern oder verschlimmern.
Ich möchte zunächst einige Punkte anführen. Die
Erfahrungen Ihres Landes in den vergangenen Jahren
und insbesondere in den letzten sechs Jahren beweisen, daß die Herausforderungen der globalen
Wirtschaft sehr groß sind, aber das sind auch ihre
Vorteile. Das russische Volk hat in der Vergangenheit
enorme Herausforderungen bewältigt. Sie können es
hier tun. Sie können eine Zukunft mit Wohlstand
aufbauen. Sie können Chancen und Arbeitsplätze für
alle Menschen in diesem Land schaffen, die dafür zu
arbeiten bereit sind, wenn Sie stark und konkurrenzfähig sind und nicht vor der Umgestaltung, die Sie vor
sieben Jahren begonnen haben, davonlaufen, sondern
sich dem Wettbewerb stellen.
Der zweite Punkt, den ich anführen möchte, ist, daß
die übrige Welt ein sehr großes Interesse an Ihrem
Erfolg hat. Heute kämpft ungefähr ein Viertel der
Weltbevö!''.erung mit schwierigen wirtschaftlichen
Herausforderungen - die Menschen in Ihrem Land, die
Menschen in Japan, die seit fünf Jahren kein Wirtschaftswachstum haben. Japan ist immer noch ein
sehr wohlhabendes Land, aber wenn es überhaupt
kein Wachstum gibt, ist es schwieriger für alle anderen
Länder in Asien, die nicht so wohlhabend sind, mit
Ihnen Handel zu treiben. Und jetzt sehen wir auf der

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ganzen Welt, daß die Kurse in Lateinamerika fallen,
wenn es in Rußland oder Japan Probleme gibt oder
Fragen bezüglich der Volkwirtschaft in China. In den
vergangenen beiden Tagen haben wir kräftige Kurseinbrüche an den amerikanischen Aktienbörsen erlebt.
Was heißt das? Unter anderem heißt es, daß wir - ob
wir wollen oder nicht - die Zukunft gemeinsam gestalten müssen, weil wir - ob wir wollen oder nicht - von
dem betroffen sein werden, was wir tun. Wir werden
von dem betroffen sein, was Sie tun; Sie werden von
dem betroffen sein, was wir tun. Wir können es
genauso gut gemeinsam tun und dann das Beste
daraus machen.
Im Hinblick auf die Ereignisse in Amerika ist es
natürlich stets erfreulicher, wenn unsere Aktienkurse
steigen, statt zu fallen. Ich habe seit gestern jedoch
mehrmals mit unserem Finanzminister darüber
gesprochen. Ich möchte den Punkt bekräftigen, der
meiner Ansicht nach wichtig für Rußland, für Amerika
und für jedes Land ist: Wir glauben, daß unsere
Wirtschaftspolitik solide ist; wir glauben, daß unsere
Bürger Spitzenleistungen erbringen, und wir sind
entschlossen, auf dem Weg der Steuerdisziplin zu
bleiben, der uns dahin gebracht hat, wo wir sind. Ich
glaube, wo immer es Märkte gibt, wird es immer
Veränderungen auf diesem Märkten geben. Aber wir
müssen versuchen, in die richtige Richtung zu gehen.
Und darüber möchte ich heute mit Ihnen sprechen:
Wie können wir in die richtige Richtung gehen? Wenn
ich alle die jungen Leute hier heute sehe - und ich
habe über Sie und Ihren Hintergrund gelesen - junge
Menschen aus ganz Rußland, die die Chancen der
Freiheit ergreifen, um für sich selbst und ihre Nation
einen neuen Kurs zu entwerfen; die einen Unterschied
bewirken, indem sie Unternehmen mit bescheidenen
Krediten und innovativen Ideen aufbauen, indem sie
Technologien nutzen, die für Waffen entwickelt worden
waren und sie den Bedürfnissen des Menschen
anpassen, indem sie kreative staatliche Lösungen für
komplexe Probleme finden, indem sie die Gesundheitsfürsorgeverbessern und Krankheiten bekämpfen,
indem sie mutigen Journalismus betreiben, Machtmißbrauch aufdecken, Literatur, Kunst und Wissenschaft
hervorbringen, die Art und Weise verändern, in der die
Menschen ihr Leben sehen, die Bürger organisieren,
um für Gerechtigkeit, Menschenrechte und eine
sauberere Umwelt zu kämpfen und die Welt einzubeziehen. In diesem Saal heute sind junge Menschen versammelt, die all dies tun. Das sollte für Sie
ein guter Grund zur Hoffnung sein.
Sie stehen an vorderster Front beim Aufbau eines
modernen Rußlands. Sie sind eine neue Generation.
Sie repräsentieren die Zukunft Ihrer Träume. Ihre
Anstrengungen heute werden nicht nur ein besseres
Leben für Sie selbst, sondern auch für Ihre Kinder und
kommende Generationen gewährleisten.

AMERIKA DIENST 18

�Meines Erachtens ist es auch wichtig darauf hinzuweisen, daß nicht nur die Jungen und gut Ausgebildeten, die Reichen und diejenigen mit guten Beziehungen profitieren sollten, als Rußland sich für die
Freiheit entschied. Es sollten auch die Männer und
Frauen profitieren, die in Fabriken und auf Bauernhöfen arbeiten und während der Sowjetära Kriege geführt
haben, diejenigen, die heute von Renten und staatlicher Unterstützung leben. Es sollten auch die Arbeiter
und Lehrer und Soldaten profitieren, die jeden Tag
arbeiten, aber jetzt auf ihren Gehaltsscheck warten.

Wirtschaftspolitik haben. Es ist eine Versuchung für
jeden, nach Möglichkeit keine Steuern zu bezahlen.
Aber wenn jeder seinen gerechten Anteil bezahlt, ist
der Anteil bescheiden und die Einkommen sind
langfristig höher, weil dadurch Stabilität und Wachstum
für das russische Wirtschaftssystem geschaffen
werden.

Die Herausforderung besteht in der Schaffung eines
neuen Rußlands, von dem alle verantwortungsvollen
Bürger dieses Landes profitieren. Wie schafft man
das? Ich glaube nicht, indem man wieder auf die
gescheiterten Maßnahmen der Vergangenheit zurückgreift. Ich glaube nicht, indem man den Reformprozeß
mittendrin stoppt, während es nur einigen wenigen
Russen sehr gut geht, aber viele andere darum
kämpfen, für ihre Familien sorgen zu können. Ich
glaube, Sie werden die Voraussetzungen für Wachstum schaffen, jedoch nur, wenn Sie weiterhin entschieden dem Weg der demokratischen, marktorientierten, konstruktiven Revolution folgen.

Drittens erfolgen spezielle Sicherheitsleistungen für
einige wenige Privilegierte auf Kosten der gesamten
Nation.

Das russische Volk hat in den vergangenen sieben
Jahren außerordentliche Fortschritte gemacht. Sie
sind zu den Wahlurnen gegangen, um ihre Politiker zu
wählen. Ungefähr 65 bis 70 Prozent von Ihnen werden
in jeder Wahl frei gewählt. Die Menschen in ganz
Rußland knüpfen wieder an ihre unterschiedlichen
religiösen Traditionen an und haben eine Vielzahl von
Privatorganisationen ins Leben gerufen. 70 Prozent
Ihrer Volkswirtschaft sind jetzt in privater Hand. Nicht
die Bürokraten, sondern die Verbraucher bestimmen,
welche Waren in die Geschäfte kommen und wo die
Menschen leben. Sie treiben überall auf der Welt
Handel und tätigen Investitionen, führen Austauschprogramme jeglicher Art durch und übernehmen eine
Führungsrolle bei der Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen auf dem gesamten Erdball.
Dies ist ein entscheidender Augenblick für Sie. Die
heutige Finanzkrise verlangt nicht von Ihnen, daß Sie
Ihren Weg zu Freiheit und freien Märkten aufgeben.
Die Russen werden Rußlands Zukunft entscheiden,
aber es gibt meiner Ansicht nach klare Lehren, die
man aus der internationalen Erfahrung ziehen kann.
Meines Erachtens sind es folgende:
Erstens benötigen Regierungen in harten Zeiten
stabile Einnahmen, um ihre Rechnungen zu bezahlen
und Gehälter, Renten und die Gesundheitsfürsorge zu
unterstützen. Das erfordert entschiedene Aktionen um
sicherzustellen, daß jeder seinen gerechten Anteil an
den Steuern bezahlt. Sonst zahlen einige wenige zu
viel, viele zahlen zu wenig, die Regierung befindet sich
in einer Sackgasse, aus der sie nie wieder herauskommen kann, und Sie werden niemals eine stabile

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Zweitens hilft es nicht, Geld zu drucken, um die
Rechnungen zu bezahlen und die Banken zu retten.
Das bewirkt Inflation und verschärft letztlich die Härten.

Viertens wird die faire, gerechte Behandlung von
Gläubigern heute ihr Engagement für die Nation
morgen bestimmen. Die Menschen, die dieser Nation
Geld leihen, müssen fair behandelt werden, wenn Sie
möchten, daß sie dieser Nation in vier, fünf oder selbst
noch zehn Jahren Geld leihen.
Das sind keine radikalen Theorien, es sind durch
Erfahrung belegte simple Fakten. Wie Rußland darauf
reagiert, wird Ihre Zukunft grundlegend beeinflussen.
Das Überleben der heutigen Krise, wie schwierig es
auch sein mag, fängt gerade erst an. Um Arbeitsplätze, Wachstum und höhere Einkommen zu schaffen, muß eine Nation ihre eigenen und ausländische
Bürger davon überzeugen, daß sie sicher investieren
können. Erneut lehrt die Erfahrung, was funktioniert:
Faire Steuergesetze und faire Durchsetzung; leichtere
Übertragbarkeit von Land; strenge Gesetze zum
Schutz geistigen Eigentums, um Innovationen zu
fördern; unabhängige Gerichte zur konsequenten
Durchsetzung der Gesetze und dem Schutz von
Vertragsrechten; starke Banken zum Schutz von
Spareinlagen; Wertpapiermärkte zum Schutz von
Investoren; Sozialausgaben zur Förderung von
Hoffnung und Chancen und ein Sicherheitsnetz für
diejenigen, die in einer offenen Marktwirtschaft zu
irgendeinem Zeitpunkt arbeitslos werden; Wachsamkeit gegenüber unangebrachten versteckten Verbindungen zwischen Regierung und Geschäftsinteressen.
Dies ist keine amerikanische Agenda. Ich wiederhole:
Dies ist keine amerikanische Agenda. Dies sind die
Gebote des globalen Marktes, die ständig wiederholt
werden. Sie können auch bei einer Nation nach der
anderen sehen, zu welchem Preis sie ignoriert werden.
Keine Nation, sei sie reich oder arm, demokratisch
oder autoritär, kann den grundlegenden wirtschaftlichen Geboten des globalen Marktes entkommen.
Investoren und Unternehmer haben eine immer größer
werdende Auswahl zwischen Möglichkeiten, ihr Geld
zu investieren. Sie bewegen sich in die Richtung von
Offenheit, Fairness und Freiheit. Hier hat Rußland
eine Chance. Am Vorabend eines neuen Jahrhunderts

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�besteht eine bemerkenswerte Übereinstimmung: Die
für Erfolg in der neuen Wirtschaft erforderlichen
Maßnahmen sind zunehmend auch diejenigen, die
demokratische Freiheit für den einzelnen Bürger
fördern.
Dies ist ein wohlhabendes Land. Es ist reich an
Ressourcen, es ist noch reicher an Menschen. Es hat
bemerkenswerte Arbeit geleistet, einer großen Zahl
von Menschen eine gute Bildung zu vermitteln. Sie
haben immer wieder durch große und kleine Dinge
gezeigt, daß die Menschen in diesem Land Mut und
Begabung besitzen und nicht bereit sind, sich unterdrücken zu lassen und aufzugeben. Vor Ihnen kann
eine glänzende Zukunft liegen.
Wir dürfen jedoch die Spielregeln nicht ignorieren,
denn wenn es ein freies System gibt, ist kein Land nicht einmal die Vereinigten Staaten mit ihrer großen
Volkswirtschaft - stark genug, um zu kontrollieren, was
Millionen und Abermillionen mit ihrem Geld machen.
Aber jedes Land wird einen großen Teil des Geldes
seiner eigenen Bürger behalten und viel Geld von
Investoren aus der ganzen Welt erhalten, wenn es
Systeme einführen kann, die sich an die internationalen Handelsregeln halten. Und ganz Rußland
benötigt den ihm zukommenden Anteil an diesen
Investitionen. Sie besitzen den natürlichen Reichtum,
die Stärke Ihrer Bürger, und Sie verfügen über die
Bildung. Alles, was Sie noch brauchen, ist Ihren Anteil
an den Investitionen.
Im 21. Jahrhundert wird die Wirtschaftsmacht auf
Kreativität und Innovationen basieren.
Die hier
versammelten jungen Menschen sind bestimmt
überzeugt, daß sie ebenso kreativ oder innovativ wie
jeder andere auf der Welt sein können. Alles hängt
vom freien Informationsfluß ab. Alles hängt von Ideen
ab. Wer seine Karriere beginnt, sollte sich Folgendes
vor Augen halten: Die drei größten Computer- und
Softwareunternehmen der Vereinigten Staaten sind
jetzt mehr wert als alle amerikanischen Unternehmen
in der Stahl-, Automobil-, Luftfahrt-, Chemie- oder
Plastikbranche zusammengenommen.

Organisationen und große nationale Organisationen,
die alle die von mir angesprochenen Regeln stärken.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, lassen Sie sich nicht
abschrecken. Machen Sie weiter, bis Sie so weit sind.
Wenn Sie erst einmal so weit sind, wird Rußland
starten wie eine Rakete, weil es über die natürlichen
und die menschlichen Ressourcen verfügt.
Meines Erachtens ist es jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, daß wirtschaftliche Stärke - und das führt
uns wieder zurück zu den Regeln - von Rechtsstaatlichkeit abhängt. Wenn jemand beschließt, Geld
im Ausland zu investieren, möchte er die Regeln
kennen. Unter welchen Bedingungen investiere ich
mein Geld? Wie werden meine Investitionen geschützt? Wenn ich Geld verliere, sollte das auf eine
falsche Entscheidung meinerseits zurückzuführen
sein, nicht darauf, daß mein Geld nicht durch Gesetze
geschützt wird. Das ist sehr wichtig.
Aus diesem Grund wünschen Investoren eine ehrliche
Regierung und faire Systeme - fair gegenüber Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen - die streng
gegen Korruption und Amtsmißbrauch vorgehen und
offenlegen, nach welchen Regeln der Umgang mit
Anlagekapital erfolgt.
Wirtschaftliche Stärke hängt von Chancengleichheit
ab. Erforderlich sind gute Schulen und eine gute
Gesundheitsfürsorge, und jeder muß die Chance
erhalten, in den Genuß des nationalen Reichtums zu
kommen. Wirtschaftsmacht muß bei denjenigen
liegen, die ihrem Gewissen folgen, neue Technologien
zur Verbreitung von Ideen einsetzen, den Wandel
fördernde Organisationen ins Leben rufen und Unternehmen aller Art gründen.

Die Zukunft ist eine Zukunft der Ideen. Keine Nation
wird je ein Ideenmonopol besitzen. Kein Volk wird je
alle kreativen Gedanken des menschlichen Geistes
kontrollieren, die weltweit mehr oder weniger gleich
verteilt sind. Es wird Ihnen sehr gut gehen, wenn Sie
den Ihnen zustehenden Teil an Investitionen erhalten.
Hierzu müssen Sie sich an dieselben Regeln halten
wie alle anderen. Darum geht es bei dieser ganzen
Krise. Niemand konnte erwarten, daß Ihr Land diesen
Übergang ohne Opfer vollziehen kann. Sie haben erst
sieben Jahre hinter sich.

Manche wollen den derzeit weltweit stattfindenden
Machtwechsel ausnutzen, um ihre Mitbürger zu
übervorteilen. Als diese Nation von dem alten kommunistischen Kommando- und Kontrollsystem zu einem
offenen, freien System überging, ohne über all die
Mittlerinstitutionen und Privatorganisationen zu
verfügen, deren Aufbau Jahre dauert, wurde ein
Vakuum geschaffen. In dieses Vakuum drangen
einige in der Absicht vor, ihre Mitbürger auszubeuten,
um sich selbst ohne Rücksicht auf Fairness, Sicherheit
oder die Zukunft zu bereichern. Dies ist eine jeden
Bürger konfrontierende Herausforderung. Und sie ist
nicht spezifisch für Rußland. So etwas ist in jedem
Staat geschehen und wird in jedem Staat geschehen,
der diesen Übergang vollziehen mußte. An dieser
Entwicklung ist nichts von Natur aus Negatives. Sie ist
so vorhersehbar wie der Sonnenaufgang jeden
Morgen. Jedes Land wird damit konfrontiert. Aber Sie
müssen damit fertig werden.

Schauen Sie sich ein beliebiges europäisches Land
an, das seit Jahrzehnten eine offene Marktwirtschaft
hat. Dort gibt es Hunderte, ja Tausende kleiner

Sie brauchen einen Staat, der stark genug ist, Mißbrauch zu kontrollieren: Gewalt, Diebstahl, Betrug,
Bestechung, Monopolwirtschaft. Er darf jedoch nicht

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AMERIKA DIENST 18

�so stark sein, daß er die legitimen Rechte, Träume und
Kreativität der Menschen beschränken kann. Das ist
die Schwierigkeit, die richtige Art von demokratischer,
marktwirtschaftlicher Gesellschaft zu schaffen.
Das Fazit lautet, daß das amerikanische Volk großes
Interesse an einem Erfolg Rußlands hat. Wir schätzen
Ihre Freundschaft. Wir bewundern Ihren Kampf. Wir
bieten Ihnen unsere Unterstützung, solange Sie die für
Stabilität und Fortschritt erforderlichen Schritte unternehmen. Es kommt uns sehr zugute, wenn Sie Ihre
Demokratie stärken und Ihren Wohlstand mehren.
Betrachten Sie sich, was unsere Partnerschaft bereits
hervorgebracht hat. Wir kehren den gefährlichen
Zuwachs an Nuklearwaffen um. Wir sind dem Zeitplan
bei der Verringerung der Nuklearwaffenarsenale unter
START I bereits zwei Jahre voraus. Der START IIVertrag, der noch von der Duma ratifiziert werden muß,
wird unsere nuklearen Streitkräfte um zwei Drittel unter
das Niveau des Kalten Krieges senken. Präsident
Jelzin und ich haben uns bereits auf einen Rahmen für
START III geeinigt, um unsere Nuklearwaffenarsenale
noch stärker abzubauen.
Zu einer Zeit, in der Indien und Pakistan Atomtests
beginnen, müssen Amerika und Rußland im Interesse
der jungen Menschen den Kurs verfolgen, den die Welt
bei der Verringerung von Nuklearwaffen, nicht bei
ihrem Aufbau, einschlagen sollte. Dies ist sehr wichtig.
Wir setzen uns für ein Ende der Ausbreitung von
Massenvernichtungswaffen ein. Wir unterzeichneten
mit 147 anderen Ländern den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot. Wir setzen uns für die
Eindämmung des Rüstungswettlaufs zwischen Indien
und Pakistan, verstärkte Kontrollen des Transfers von
Rüstungstechnologie und die weltweite Bekämpfung
des Terrorismus ein.
Unsere Beziehungen werden immer enger, und damit
nähern wir uns immer mehr unserem Ziel eines
ungeteilten, demokratischen und friedlichen Europas.
Wir haben eine stärkere Zusammenarbeit zwischen
der NATO und Rußland vereinbart. Und unsere
Soldaten setzen sich in Bosnien Seite an Seite für den
Frieden ein.
Wir sind nicht immer einer Meinung, und unsere
Interessen sind nicht immer identisch. Aber in den
meisten Fällen arbeiten wir zusammen, und infolgedessen ist die Welt ein besserer Ort geworden. Die
Schaffung von Frieden stellt unsere oberste Pflicht dar,
aber wir müssen gemeinsam noch mehr unternehmen.
Wir müssen gemeinsam beweisen, daß Wirtschaftswachstum nicht zu Umweltzerstörung führen muß.
Ein großer Mann betrachtete den Zustand der Umwelt
und kam zu dem Schluß, daß die Menschheit zerstörerisch ist. Er schrieb: "Wälder schwinden, Flüsse

AMERIKA DIENST 18

trocknen aus, Tiere sterben aus, das Klima ist ruiniert,
das Land wird mit jedem Tag ärmer und häßlicher."
Tschechow schrieb diese Worte vor 100 Jahren.
Stellen Sie sich seine Reaktion auf die derzeitige
Umweltsituation vor - angesichts der toxischen
Verschmutzung von Luft und Wasser und der Erderwärmung, die Überflutung, Dürre und Krankheiten zu
verschlimmern droht.
Gemeinsam können wir sauberere Technologien
schaffen, damit unsere Volkswirtschaften wachsen,
ohne die Umwelt zu zerstören und zukünftige Generationen zu gefährden. Gemeinsam können wir die
Begabung unserer Bürger nutzen - nicht um Waffen
herzustellen, sondern um bessere Kommunikationsmittel zu schaffen, Krankheiten zu heilen, Hunger zu
bekämpfen, den Weltraum zu erforschen. Gemeinsam
können wir Gesellschaften verschiedener Menschen
mit verschiedenen Religionen, Rassen und Überzeugungen versöhnen und uns gemeinsam in ethnischem,
religiösem und rassischem Haß begründeten Kriegen
entgegenstellen, die die jüngste Geschichte beherrschten.
Wenn wir zusammenhalten und das Richtige tun,
können wir eine solche Welt schaffen. Wenn die
Menschen in Rußland Wirtschaftsreformen befürworten, von denen alle Menschen dieses Landes
profitieren, wird Amerika Ihnen zur Seite stehen. Da
die Menschen in Rußland sich für Bildung und wissenschaftliche Entdeckungen, gegen Korruption und für
eine ehrliche Regierung, gegen Kriminelle und Terroristen und für die Sicherheit ihrer Bürger, gegen Aggression und für den Frieden einsetzen, wird Amerika
stolz an Ihrer Seite stehen. Das ist nicht nur richtig,
sondern liegt auch im Interesse des amerikanischen
Volkes.
Ich war erstaunt, daß es in den Vereinigten Staaten
einige Zweifler gibt, die äußerten, vielleicht sollte ich in
politisch und wirtschaftlich so unsicheren Zeiten nicht
hierher kommen. Und in der amerikanischen Presse
werden Fragen über das Engagement Rußlands für
Reformen und Demokratie gestellt. Ich bin der Ansicht, in guten Zeiten kann sich jeder ins Flugzeug
setzen und reisen, aber Freunde besuchen sich in
unsicheren und schwierigen Zeiten.
Ich komme als Freund hierher, weil ich an die Zukunft
Rußlands glaube. Ich bin auch hierher gekommen,
weil jemand dem Volk die Wahrheit sagen muß, damit
es nicht skeptisch ist, wenn seine Politiker ihm Dinge
sagen, die hart klingen. Es gibt keinen anderen Weg,
als sich an die Regeln der Weltwirtschaft zu halten,
wenn Sie ihr angehören wollen. Wir können die
Regeln der Weltwirtschaft nicht aufgeben. Niemand
kann das.
Es gibt einen Weg, das soziale Netz und den Sozialvertrag zu erhalten und den Menschen zu helfen, die

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�zu schwach sind, um erfolgreich zu sein. Es gibt
hierfür einen Weg. Und es gibt Menschen, die dabei
helfen. Aber es muß getan werden. Also komme ich
als Freund hierher. Ich komme hierher, weit ich weiß,
daß die Zukunft unserer Kinder und die Zukunft der
jungen Menschen in Rußland eng miteinander verbunden sind. Und weil ich möchte, daß es eine gute
Zukunft wird. Ich bin überzeugt, daß das möglich ist.
Vor kurzem schrieb eine Frau aus Petrozawodsk
folgende Worte über Ihr Volk, das den Zweiten Weltkrieg gewann und das Land aus den Trümmern
wiederaufbaute. Hören Sie gut zu. Sie sagte: Wir
überlebten die Ruinen, die Zerstörung, den Hunger
und die Kälte. Ist es nicht möglich, daß unser Volk das
noch einmal tut? Wenn die Menschen sich erheben,

*

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*

können sie Berge versetzen. Zu welchem Zweck?
Puschkin äußerte einmal, solange wir vom Feuer der
Freiheit erfüllt sind, können wir dem noblen Drang
unserer Seelen folgen.
Bei dem ganzen trockenen und manchmal engstirnigen Gerede über Wirtschaft und Finanzen sollten
Sie nie vergessen, daß ungeachtet der menschlichen
Bestrebungen das oberste Ziel lautet, dem noblen
Drang Ihrer Seele zu folgen. Letztlich wird das der
Sieg des russischen Volkes sein, wenn es diesen
Prozeß bis zum Ende durchsteht. Ich hoffe, daß Sie
das tun werden, und ich hoffe, daß wir bei jedem
Schritt auf diesem Weg Ihr Partner sein können.
Vielen Dank.

*

*

AMERIKA DIENST 18

�USA-IRLAND

9. September 1998

USA werden Friedensprozeß in Nordirland
weiterhin unterstützen
Rede von Präsident Clinton

BELFAST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Präsident Clinton am 3. September
1998 im Rahmen seiner Irlandreise vor dem nordirischen Parlament in Belfast gehalten hat.

Es war wunderbar zu sehen, wie unter den Menschen
in Nordirland der Wille zum Frieden aufkam. Vor drei
Jahren, als Hillary und ich hier waren, konnte ich
diesen Willen in den Augen der Menschen von Belfast
und Derry erkennen. Wir sahen, um die Worte von
Seamus Mallon zu gebrauchen, am Karfreitag die

heitsfürsorge hat dieses neue Parlament die Chance
und die Pflicht zur Gestaltung der Zukunft. Die von
Ihnen angenommenen neuen Strukturen der Zusammenarbeit können - auf der Grundlage vorteilhafter
Interdependenz anstelle der Belastung durch Teilung
oder Herrschaft - Ihre Beziehungen zu London und

anbrechende Morgendämmerung nach der langen

Dublin gleichermaßen stärken. Im Frieden können Sie

Dunkelheit Irlands durch das Engagement der führenden Politiker, die Probleme mit Worten, nicht mit
Waffen zu lösen. Einen Monat später erhellte sich der
ganze Himmel, als Sie mit überwältigender Mehrheit
für das Friedensabkommen stimmten. Dieses Parlament ist die lebendige Verkörperung des dieser
Übereinkunft innewohnenden Versprechens.

neuen Wohlstand finden, und ich weiß, daß Ihre
Politiker Frieden suchen.

Gemeinsam führen Bürger und Politiker Nordirland aus
der eiskalten Verzweiflung in das warme Sonnenlicht
des Friedens. Dreißig Jahre lang forderte die Krise
enorme Opfer: Allzu viele Menschen starben, allzu
viele Familien trauerten, jeder Familie wurde der
Segen eines normalen Lebens verwehrt - durch die
ständige Angst, daß allein das Einkaufen wegen der
Bomben und Gewehrkugeln zum Tod führen könnte,
wegen der täglichen Belästigungen durch Straßensperren und Durchsuchungen, wegen der unheilvollen
Präsenz ständig patrouillierender bewaffneter Soldaten, wegen Absperrungen mit Stacheldraht, bewachter Tore und sechs Meter hoher Zäune.
Da wundert es nicht, daß auf einer Mauer in Belfast die
Frage zu lesen war: Gibt es ein Leben vor dem Tod?
Jetzt endlich lautet die Antwort: Ja.
Von jetzt an liegt das Schicksal Nordirlands in den
Händen seiner Bürger und ihrer Vertreter. Von
Landwirtschaft bis Finanzen, von Bildung bis Gesund-

AMERIKA DIENST 18

Seitdem Waffenstillstand von 1994 ist die Zahl der anund abreisenden Passagiere an Ihrem internationalen
Flughafen und Fährhafen um mehr als 15 Prozent
gestiegen. Es werden doppelt so viele Hotelzimmer
gebaut. Und vor dem Hintergrund des am Karfreitag
geschlossenen Abkommens werden Ihnen Rekordzahlen an in- und ausländischen Investitionen prognostiziert, die neue Arbeitsplätze, Chancen und Hoffnung
bringen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen Ihr Streben nach
Frieden, angefangen mit den Amerikanern irischer
Herkunft, die dieser Sache leidenschaftlich, unerschütterlich und dauerhaft verpflichtet sind. Es zählt zu den
großen Privilegien meiner Präsidentschaft, daß ich mit
den Friedensstiftern, protestantischen und katholischen Politikern hier im Norden zusammenarbeiten
konnte - Premierminister Blair und Premierminister
Ahern.
Unser Kongreß hat um des Friedens in Nordirland
willen seine Parteigrenzen überwunden. Ich hoffe, das
wird Auswirkungen haben, wenn die Abgeordneten
nach Hause zurückkehren.

Seite 1

�Sie haben dem internationalen Fonds für Irland
außerordentliche Unterstützung zugesagt - 100
Millionen Dollar in den vergangenen fünf Jahren. Ich
freue mich sehr, daß ich heute von republikanischen
und demokratischen Abgeordneten begleitet werde
sowie von Jim Lyons, meinem Sonderberater für
wirtschaftliche Initiativen in Nordirland, und Senator
Mitchell, den sie jetzt eben zu Recht so herzlich
willkommen geheißen haben.
In den kommenden Monaten und Jahren wird Amerika
weiterhin mit Ihnen den Weg der Erneuerung gehen.
Wir werden Sie bei der Ausbildung der Mitglieder Ihres
Parlaments unterstützen, Nichtregierungsorganisationen fördern, die von der Basis eine bürgerliche
Gesellschaft aufbauen, durch Bildung in unsere
gemeinsame Zukunft investieren, die grenz- und
gemeindeüberschreitende Verständigung vertiefen,
ihnen bei der Gewährung von Kleinkrediten zur
Gründung kleiner Unternehmen helfen und Handel und
Investitionen unterstützen, was für unsere beiden
Völker von Vorteil ist.
Ich danke dem Bildungsminister, der mich heute
begleitet, sowie dem Wirtschaftsminister, der im Juni
eine Handelsmission hierherführte, die bereits Ergebnisse zeitigt. Schatzkanzler Brown unternimmt mit
seiner Mission in zehn amerikanischen Städten
kommenden Monat den nächsten wichtigen Schritt.
Während Sie darauf hinarbeiten, das Gesicht und die
Zukunft Nordirlands zu verändern, können Sie auf die
Vereinigten Staaten zählen.
Trotz allem, was wir tun können und möchten, liegt die
Zukunft bei Ihnen. Sie haben zugestimmt, die Gewalt
der Vergangenheit zu begraben. Jetzt müssen Sie
eine Zukunft in Frieden und Wohlstand schaffen. An
die Mitglieder des Parlaments: Sie schulden es ihrem
Land, das Beste in Ihren Bürgern hervorzubringen,
indem Sie Ihr Bestes geben. Es liegen schwierige,
manchmal schmerzhafte Entscheidungen vor Ihnen,
aber sie müssen getroffen werden. Und weil Sie
zugestimmt haben, gemeinsam Verantwortung zu
tragen, müssen Sie - wo möglich - gemeinsam, nicht
gegeneinander vorgehen, um Hindernisse zu überwinden, anstatt sie zu errichten, und sich über kleinliche Streitereien hinwegsetzen, anstatt sie zu schüren.
Das lateinische Wort für Versammlung, "concilium", ist
die W jrzel des Wortes "reconciliation" - Versöhnung.
Der Geist der Versöhnung muß Ihnen allen innewohnen.
Sie benötigen auch noch eine andere Eigenschaft.
Unser einziger Präsident, der irischer Abstammung
und katholisch war, John Kennedy, zitierte gerne einen
britischen protestantischen Premierminister. "Mut",
sagte Winston Churchill, "wird zu Recht als die wichtigste aller Eigenschaften angesehen, denn es ist die
Eigenschaft, die alle anderen garantiert".

Seite 2

Mut und Versöhnung bildeten das Kernstück unserer
Verpflichtung zu Frieden. Bei Ihren jetzigen Fortschritten müssen Mut und Versöhnung dieses Parlament in ganz spezifischer Weise leiten: Indem die
Kriegswaffen außer Betrieb gestellt werden, die in
einem in Frieden lebenden Nordirland veraltet sind;
indem Fortschritte bei der Gründung eines Exekutivrats erzielt werden; indem Ihre Polizei angepaßt wird,
so daß sie das Vertrauen, den Respekt und die
Unterstützung aller Menschen gewinnt; indem das
Recht der Straße beendet wird, denn die Definition von
Verbrechen, die Verhängung von Strafe und die
Durchsetzung der Gesetze müssen den gewählten
Vertretern des Volkes, den Gerichten und der Polizei
überlassen bleiben; indem die frühzeitige Freilassung
von Gefangenen betrieben wird, deren Organisationen
Gewalt wirklich aufgegeben haben, und indem ihnen
bei der Suche nach einem produktiven, konstruktiven
Platz in der Gesellschaft geholfen wird; indem eine
gerechtere Gesellschaft aufgebaut wird, in der Menschenrechte Geburtsrechte sind und in der jedem
Bürger gleicher Schutz und gleiche Behandlung vor
dem Gesetz gewährt wird. Das müssen die Maßstäbe
des neuen Nordirlands sein.
Die Worte und Taten Ihrer Politiker in dieser Woche
und ihre Bereitschaft zu Gesprächen sind hoffnungsvolle Reflexionen des Mutes und der Versöhnung, die
alle Bürger einbeziehen müssen. Ebenso hoffnungsvoll sind die Aktivitäten der heute hier anwesenden
Gemeindevertreter, Nichtregierungsorganisationen,
der Vertreter von Wirtschaft, Justiz und Wissenschaft.
Vor allem gratuliere ich den Frauen, die eine so
mächtige Kraft für Frieden sind. Hillary hat gestern
einen wunderbaren Tag bei Ihrer Vital Voices-Konferenz verbracht. Wie sie sagte, sind wir verpflichtet, die
dort eingegangenen Partnerschaften weiterzuverfolgen.
Alle Ihre Stimmen sind entscheidend. Das Beispiel,
das Sie für Ihre Nachbarn gegeben haben, die Arbeit,
die Sie in Ihren Gemeinden leisten, die Standards, die
Sie von Ihren gewählten Vertretern verlangen - all das
wird außerordentlich große Auswirkungen auf Ihre
Zukunft haben. Und an die Menschen in Nordirland

gerichtet sage ich, es ist Ihr Wille zu Frieden, der Ihrem
Land endlich diesen Augenblick der Hoffnung gebracht
hat. Sie dürfen ihn nicht verstreichen lassen. Er wird
in unserem Leben nicht wiederkehren. Geben Sie
Ihren Politikern die Unterstützung, die sie für die
harten, aber notwendigen Entscheidungen benötigen.
Helfen Sie ihnen zu beweisen, daß die Dinge zusammenwachsen können und die Mitte zusammenhalten kann.
Sie haben für eine Zukunft gestimmt, die anders ist als
die Vergangenheit. Jetzt müssen Sie beweisen, daß
die Entscheidung zu Vernunft und Mäßigung über die
Macht der Extreme triumphieren kann. Es liegt ein
harter Weg vor Ihnen. Der Terror von Omagh war

AMERIKA DIENST 18

�nicht die letzte Bombe; es war ein teuflischer Anschlag
auf den Frieden. Die Frage lautet jetzt nicht, ob es
weitere Bomben und weitere Versuche geben wird, die
Entscheidung der Wähler mit Gewalt aufzuheben. Das
mag sehr wohl der Fall sein. Die Frage lautet nicht, ob
die Gefühle hohe Wellen schlagen und die Debatten
entzweien. Sicherlich werden sie das. Die Frage
lautet: Wie werden Sie auf die Gewalt reagieren? Wie
werden Sie mit den Meinungsverschiedenheiten fertig?
Können die schlechten Gewohnheiten und brutalen
Kräfte von gestern Ihren Willen zum Frieden von
morgen brechen? Das ist die Frage.
In unserer sogenannten modernen Welt - von Bosnien
bis zum Nahen Osten, von Ruanda bis zum Kosovo,
vom indischen Subkontinent bis zur Ägäis - hassen
sich die Menschen immer noch wegen ihrer unterschiedlichen Rasse, Stammeszugehörigkeit und
Religion in einem nutzlosen Kampf, den Sinn des
Lebens darin zu finden, was wir nicht sind, statt Gott
um Hilfe zu bitten, das zu werden, was wir sein sollten.
Sie haben gesagt, daß von jetzt an in Nordirland nur
noch eine Trennlinie eine Rolle spielt - die Trennlinie
zwischen denen, die sich für den Frieden entscheiden
und denen, die ihn zerstören wollen; zwischen denen,
die durch Hoffnung Auftrieb erhalten und denen, die
vor Haß gelähmt sind; zwischen denen, die sich für
den Aufbau entschieden haben und denen, die
weiterhin alles niederreißen wollen.

Es gibt so viel mehr, das Sie verbindet als spaltet - die
Werte des Glaubens und der Familie, der Arbeit und
Gemeinschaft, des gleichen Landes und Vermächt. lisses, derselben Liebe zum Lachen und zur Sprache.
Sie streben das Gleiche an - in Frieden und Sicherheit
zu leben, sich um geliebte Menschen zu kümmern, ein
besseres Leben aufzubauen und bessere Chancen für
Ihre Kinder zu schaffen. Das sind nicht katholische
oder protestantische Träume, es sind menschliche
Träume, die am besten gemeinsam verwirklicht
werden.
Das amerikanische Volk kennt aus eigener Erfahrung
Bigotterie und Gewalt, die in Rasse und Religion
gründen. Noch heute kämpfen wir mit der Herausforderung, aus unserer zunehmenden Vielfalt eine
Nation aufzubauen. Aber es ist der Mühe wert. Wir
wissen, daß wir klüger, stärker und glücklicher sind,
wenn wir gemeinsam vorgehen. Und wir wissen, daß
Sie es auch sein werden.
Und so, Mitglieder des Parlements, Bürger von Belfast,
Einwohner Nordirlands - erinnern Sie sich daran, daß
in den ersten Tagen der Amerikanischen Republik die
gälische Bezeichnung für Amerika "Inis Fa'il" - Insel
des Schicksals - war. Heute sehen die Amerikaner Sie
als Inis Fa'il, und Ihr Schicksal ist Frieden. Amerika
steht zu Ihnen. Die ganze Welt steht zu Ihnen. Möge
Gott mit Ihnen sein und Ihnen die Stärke für die vor
Ihnen liegende gute Arbeit verleihen.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 3

�IRLAND
9. September 1998

Frauen in einer Demokratie
Rede der First Lady

BELFAST - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von First Lady Hillary Rodham Clinton bei der Vital
Voices-Konferenz über Frauen in einer Demokratie in Belfast vom 2. September 1998.

Es ist eine große Ehre und ein persönliches Vergnügen, wieder in Belfast zu sein. Ich fühle mich vom
Klang der Stimmen so vieler Frauen umarmt und
gegrüßt. Den Berichten, die ich erhielt, während ich in
Rußland war, und denen, die ich gerade gehört habe,
entnehme ich, daß diese Konferenz bereits erfolgreich
Menschen zusammengebracht und ihnen den Austausch von Ideen und die Erarbeitung von Plänen
ermöglicht hat, um den erhofften Frieden Realität
werden zu lassen. Wie alle Erfolge ist auch dieser das
Produkt vieler Hände.
Als ich vor wenigen Minuten hier ankam, dachte ich
daran, wie der Lagan, der einst Menschen von diesen
Küsten wegbrachte, sie jetzt zurückbringt, um ein
wiedergeborenes Belfast vorzufinden, das durch diese
beeindruckende Waterfront symbolisiert wird. Ich hatte
das Privileg, dieser Wiedergeburt beiwohnen zu dürfen
- erst beim Besuch meines Mannes im November 1995
und dann bei meiner Rückkehr nach Belfast im
Oktober vergangenen Jahres, als ich vor der Universität von Ulster und hier bei einer Konferenz junger
Menschen eine Rede gehalten habe. Ich habe in den
Gesichtern der Männer und Frauen, der Jungen und
Mädchen eine neue Offenheit, ein neues Engagement,
ein neues Bewußtsein für den Weg gesehen, der
zurückgelegt wurde und der noch zurückgelegt werden
muß.
Ich weiß auch, daß die Lieder von U2 und anderen
großartigen Musikern in den vergangenen Monaten an
der Waterfront erklangen und das feierten, was sich
hier vollzieht. Ich glaube jedoch auch, daß weder
Arbeitsgruppen, noch Reden oder ruhige Konversationen mit den mächtigen Stimmen konkurrieren können,
die hier in den letzten Tagen vernommen wurden.
Stimmen aus ganz Nordirland, aus Irland, den Ver-

AMERIKA DIENST 18

einigten Staaten, England, Schottland und Wales. Von
jeder Tradition. Von jeder Schicht der Gesellschaft.
Jedem Alter. Frauen und Männern. Die alle in einen
mächtigen Chor einstimmten, der die Frauen aufforderte, vollwertige Beteiligte an einem sicheren und
demokratischen Nordirland zu werden. Einem Nordirland, das die Menschen erhofften, für das sie lebten,
starben und schließlich abstimmten. Morgen wird mein
Mann hier an die Waterfront kommen, um vor Ihrem
neuen Parlament eine Rede zu halten und die Bürger
Nordirlands zu diesem hart erkämpften Frieden zu
beglückwünschen, der der Ihre ist.
Die vergangenen Monate haben gezeigt, was die
Menschen hier schon immer gewußt haben: Der Weg
zu Frieden wird nie leicht sein. Aber die Welt hat auch
gesehen, daß weder Feuer, noch Bomben oder
Terroristen Sie je abschrecken werden. Wenn mein
Mann und ich morgen nach Omagh fahren, werden wir
derer gedenken, die von den Feinden des Friedens
ermordet wurden. Es waren vor allem Frauen und
Kinder.
Es waren Katholiken und Protestanten,
Unionisten und Nationalisten, alte und junge Menschen. Es waren Menschen, die einfach ihr Leben
gelebt haben, in einem Stoffgeschäft arbeiteten, mit
Freunden unterwegs waren, Schuluniformen für ihre
Kinder kauften.
Die Terroristen haben sich die Menschen in Nordirland
zum Ziel genommen, und als Reaktion darauf stellten
sich die Menschen - alle Menschen - Seite an Seite,
um zu sagen: Haß und Gewalt haben hier keinen Platz
mehr. Wir haben uns für die Wahlurnen entschieden,
nicht für Bomben. Demokratie, nicht Teilung. Wir
haben beschlossen, in Frieden zu leben, und wir
werden nie wieder zurückgehen. Wir werden nur nach

Seite 1

�vorne gehen. Und während Sie das tun, denken Sie
bitte daran, daß Amerika an Ihrer Seite steht.

Verwebe die Fäden echter Freundschaft mit den Farben des Lebens

Es ist äußerst angebracht, daß diese Konferenz in der
ersten Schulwoche stattfindet, nicht nur, weil es eine
Zeit für neue Freunde und einen neuen Anfang ist,
sondern auch, weil unsere Kinder letztlich der Grund
dafür sind, daß wir hier sind. 30 Jahre lang haben die
Menschen ihre Kinder an der Schule abgesetzt haben ihnen das Hemd in die Hose gesteckt, ihnen
einen Abschiedskuß gegeben und von einer Zeit
geträumt, in der sie draußen frei von Gewalt spielen
können. Sie träumten von einer Zeit, in der die
Chancen und das Schicksal ihrer Kinder nie wieder
durch ihre Kirche oder politische Partei oder dadurch
bestimmt würde, daß sie ein Junge oder ein Mädchen
sind. Heute besteht die reale Hoffnung, daß dieser
Traum, der einst durch Dichtung und Protest ausgedrückt wurde, endlich für die Kinder in Nordirland
Realität wird.

Nutze das Muster des Friedens
und verzichte auf Zwist

All dies wäre nicht möglich gewesen ohne den Mut und
die Stärke von Generationen von Frauen. Auch wenn
sie Sonntags in verschiedene Kirchen gegangen sein
mögen, sprachen sie alle an sieben Tagen der Woche
ein stilles Gebet für ihre Männer, damit sie heil nach
Hause kommen. Sieben Tage in der Woche lebten sie
in Angst, daß das Unsägliche geschehen könnte, und
sie gezwungen sein könnten, ihr eigenes Kind zu
begraben. Und dennoch hatten sie an sieben Tagen
der Woche Hoffnung und beteten, daß die Zukunft
strahlender und frei von Krisen und Kummer sein
möge.
Frauen. Mütter. Schwestern. Töchter. Wenige waren
bekannt. Aber nachdem sie gesehen hatten, wie ihr
Leben und ihre Gemeinden auseinander gerissen
wurden, kamen die Frauen zusammen, wie Frauen es
immer getan haben - am Küchentisch, auf dem Markt,
bei Zusammenkünften wie dieser. Es waren Frauen,
deren geflüstertes "genug" zu einem Chor der Stimmen wurde, der nicht länger ignoriert werden konnte.
Wenn wir genau zuhören, vernehmen wir ihre Stimmen
immer noch in diesem Raum, und sie stimmen in die
Unseren heute ein.
Wenn wir zuhören, können wir die Stimmen von
Frauen vernehmen, die Hohn und Drohungen, Vorurteilen und Gewalt widerstanden, um sich in einer
politischen Welt Gehör zu verschaffen, die einst
vornehmlich den Männern vorbehalten war. Wir
können die Stimmen der Frauen von Craigavon hören,
die statt sicn in ihrem Kummer zu vergraben, die Macht
des Stiftes benutzten, um durch Schreiben und die
Weitergabe ihrer Gedichte, Kurzgeschichten, Essays
und Theaterstücke zu heilen. In einem Gedicht
schreibt Madge Steel darüber, wie man eine gemeinsame Ebene findet:

Seite 2

Bringe die Freunde, die jung sind,
mit den alten zusammen
Und Du wirst auf Deinem Webstuhl
ein Gewebe aus Gold vorfinden.
Wenn wir zuhören, können wir die Stimmen derjenigen
vernehmen, die dieses Gewebe aus Gold zu weben
geholfen haben - Aktivisten an der Basis wie die
verstorbene Joyce McCarten, die buchstäblich Gemeinden durch die Krise verwoben hat. Vor drei
Jahren habe ich Joyce im Ye Olde Lamplighter in der
Lower Ormeau Road getroffen. An einem kleinen
Holztisch haben wir Tee getrunken und darüber
gesprochen, was diese Frauen zusammengebracht
hat. Wie sie erkannten, daß Geschichte und Religion
sie trennten, selbst wenn sie alle dasselbe wollten:
Gute Arbeit und gute Schulen für ihre Kinder. Straßen,
auf denen man sicher gehen kann. Sicherheit und
Wohlstand, auf die man zählen kann. Und eine
Zukunft, an die man glauben kann.
Wohl kaum eine radikale Tagesordnung. Aber dafür
wurde Joyce als "Unruhestifterin" bezeichnet. Sie
hatte einen anderen Namen für sich, und als sie mich
traf, gab sie stolz bekannt, daß sie sich selbst als
"Familienfeministin" bezeichnete. Denn Familien zu
retten, war ihr Ziel bei allem, was sie tat. Ich habe viele
Familienfeministinnen auf der Welt getroffen. In
Südafrika, Bosnien, Kasachstan, Rußland, China,
Nicaragua, Brasilien, Pakistan und Indien. Orte, die
von Zwist, Meinungsverschiedenheiten und Konflikten
zerrissen sind, die durch rassische, religiöse, ethnische und Stammesunterschiede hervorgerufen
wurden. Dennoch gibt es selbst in den schlimmsten
Zeiten Frauen wie diese, die sich erheben und sagen:
"Haltet für eine Minute ein, bitte, und denkt darüber
nach, was für uns und unsere Kinder wirklich wichtig
ist."
Ich haben solche Frauen bei der Vital Voices-Konferenz in Österreich getroffen. Angeregt von Botschafterin Swanee Hunt, die heute unter uns weilt. Ich
habe sie bei der Weltfrauenkonferenz der Vereinten
Nationen in Peking getroffen, und ich erinnere mich
deutlich an die Banner, die von Frauen aus allen Teilen
der Welt gemacht worden waren. Sie breiteten diese
Banner über die Chinesische Mauer. Eingewebt in
diese Banner waren die Träume der Frauen - die
vielleicht unterschiedliche Kleider trugen, unterschiedliches Essen aßen, unterschiedliche Religionen
hatten und unterschiedliche Sprachen sprachen - aber
sie sprachen dieselbe Muttersprache: Die Sprache der
Freiheit und der Hoffnung.

AMERIKA DIENST 18

�Und sie sendeten eine deutliche Botschaft: Wirtschaftlicher Fortschritt hängt vom Fortschritt der
Frauen ab. Demokratischer Fortschritt hängt vom
Fortschritt der Frauen ab. Menschenrechte sind
Frauenrechte, und Frauenrechte sind Menschenrechte. Und diese Konferenz ist Teil einer andauernden
vielversprechenden Initiative, die diese Punkte immer
wieder hervorhebt und dabei das Leben und die
Gesellschaft von Frauen verändert.
Es gibt keine bessere Zeit, uns erneut diesen grundlegenden Wahrheiten zu verpflichten, als diesen 50.
Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Es geht nicht darum, Lippenbekenntnisse für
Rechte abzugeben, die auf einem Stück Papier
aufgeschrieben sind und abgelegt werden. Vielmehr
geht es darum, wie wir uns gegenseitig zu Hause und
bei der Arbeit, in der Kirche, in der Schule und bei
politischen Versammlungen behandeln: Werden wir
geschätzt? Haben wir die Nahrungsmittel, Gesundheitsfürsorge, Bildung, Unterkunft und das erforderliche Einkommen, um zu überleben und zu prosperieren? Haben wir Zugang zu den Möglichkeiten, mit
denen wir unser von Gott gegebenes Potential erreichen können?
Viele der Frauen hier in Nordirland und auf der ganzen
Welt, die ich getroffen habe, wissen nichts von der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Aber sie
wissen in ihrem tiefsten Inneren, daß sie - trotz allem,
was Kultur und Tradition sie lehrt - so sicher wie sie in
die menschliche Familie geboren wurden, mit von Gott
gegebenen Rechten ausgestattet sind. Und der
Grund, warum wir diese Rechte wollen, ist nicht nur,
eine Erklärung abzugeben oder Teil einer politischen
Bewegung zu sein, sondern, daß wir zu einer besseren Welt beitragen wollen, einer Welt, in der wir sicher
auf den Straßen gehen und friedlich mit denen zusammenleben können, die wie wir sind, und denen, die
nicht wie wir sind, weil wir wollen, daß unsere Würde
und die Würde aller Menschen respektiert wird.
In Peking hat mich das von den Frauen dieser Insel
gemachte Banner besonders bewegt. Darauf abgebildet war das Bild einer rothaarigen Frau, die auf der
Weltkugel steht. Und es ist beeindruckend, wie weit
sie seit jenem Tag des Jahres 1995 allein in Nordirland
gekommen ist.
Wer hätte gedacht, daß die Mehrheit der Frauen beider
Traditionen nach vorne treten und "Ja" zu einem
Friedensabkommen sagen würde? Wer hätte gedacht,
daß bei der ersten Sitzung des Parlaments 14 Sitze
von Frauen besetzt wären? Und wer hätte gedacht,
daß das Abkommen eine Gesellschaft fordert, die
wirklich alle einbezieht? Nicht nur alle Religionen und
politischen Parteien, sondern auch alle Frauen und
Männer gleichermaßen.

AMERIKA DIENST 18

Wie meine gute Freundin, Außenministerin Albright,
gerne sagt, ist die Förderung der Sache der Frau "nicht
nur das Richtige, sondern von jeder Gesellschaft auch
Klug". Es war das Richtige für Frauen, den Weg für die
Versöhnung zu ebnen, der uns hierher gebracht hat.
Und es ist klug von Frauen, eine zentrale Rolle beim
Wiederaufbau zu spielen, der ein Nordirland schaffen
wird, das die Versprechen von Demokratie, Wohlstand
und Frieden für alle seine Bürger erfüllt. Wie Sie
wissen, war das Friedensabkommen der Beginn, nicht
das Ende.
Sie überlegen, was praktisch getan werden muß, um
das Versprechen des Friedens zu erfüllen. Sie wissen
besser als ich, daß es sehr viel mehr als Diskussionen,
Konferenzen und Berichte braucht. Die Hoffnung auf
Frieden muß in die harte Arbeit praktischer Aktionen
und politischer Kompromisse umgewandelt werden nicht nur im Parlament, sondern in der gesamten
Gesellschaft. Die wirkliche Herausforderung dieser
Konferenz beginnt folglich erst nach ihrem Abschluß.
Wie wird sich jeder von uns dafür einsetzen, das
Versprechen des Friedens zu erfüllen?
Diese Entscheidung liegt natürlich bei den Männern
und Frauen Nordirlands. Aber auf der Grundlage
dessen, was wir über die Bedingungen für die Förderung von Frieden und Wohlstand wissen, können wir
uns meines Erachtens auf grundlegende Ziele einigen:
Alle Menschen müssen Zugang zu Chancen, guter
Bildung und hochwertiger Gesundheitsfürsorge haben.
Zu guten Arbeitsplätzen und Krediten. Zu Chancen,
die verantwortungsvollen Menschen jeder Herkunft die
Möglichkeit geben, mit Zuversicht ins 21. Jahrhundert
zu gehen.
Wenn wir das Versprechen des Friedens erfüllen
wollen, müssen wir diese Ziele in praktische Aktionen
umwandeln. Wie können wir beispielsweise ein
Bildungssystem einführen, das den Bedürfnissen
junger Menschen entspricht, die sich auf eine ganz
andere Welt zubewegen, die von der Weltwirtschaft
dominiert ist? Wie stellen wir die Kredite zur Verfügung, die Kleinunternehmer in den ärmsten Gebieten
Nordirlands für den Aufbau einer blühenden Wirtschaft
benötigen? Wie können wir sicherstellen, daß Darlehen und Kleinkredite zur Verfügung stehen, daß die
Wirtschaft, die Regierung und vor allem die Banken in
diesem Land den Bedürfnissen der Menschen entsprechen, die gerne zeigen möchten, daß sie Wirtschaftschancen für sich selbst schaffen können?
Wenn das Versprechen des Friedens erfüllt werden
soll, müssen alle Menschen vor Gewalt geschützt
werden. Und insbesondere müssen alle Frauen vor
Gewalt geschützt werden - sei es Gewalt zu Hause
oder auf der Straße. Gewalt zu Hause, die zu Gewaltanwendung und Aggression führt und einen gegen

Seite 3

�den anderen aufhetzt, muß als das gesehen werden,
was es ist: Ein Verbrechen, keine Familienangelegenheit.

bereits von zweien gehört - dem Body Shop und den
Ford-Werken.

Wenn das Versprechen des Friedens erfüllt werden
soll, müssen alle Frauen und Männer frei sein, bei
Wahlen und in der Öffentlichkeit ihre Stimme zu
erheben.

Ich begrüße die Partnerschaften im Wert von mehr als
zwei Millionen Dollar, die sich dem Ergebnis dieser
Konferenz verpflichten. Sie kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft und widmen sich verschiedenen
Gebieten wie politischer Führung, Medienarbeit,
Beratung und - am wichtigsten - wirtschaftlicher
Entwicklung. Dies ist erst der Anfang.

Es gibt viele Ziele, die Sie bei dieser Konferenz erörtert
haben. Zweifelsohne verlangen diese Ziele eine
Garantie für Chancengleichheit und Demokratie. Und
dafür haben Sie sich entschieden. Aber wie unser
Land gelernt hat, bedeutet Demokratie harte Arbeit.
Sie ist ein immerwährender Kampf. Man macht es nie
richtig, es gibt keine perfekte Demokratie, und der
Erfolg hängt letzten Endes nicht nur von Gesetzen und
Institutionen ab, sondern auch von Einstellungen und
Werten. Davon, sich mit Menschen zu verstehen, von
denen man sich grundlegend unterscheidet. Von dem,
was wir unseren Kindern beibringen, wenn wir sie ins
Bett bringen.
Denken wir nur einmal an die Frauen und Mädchen:
Was möchten wir Frauen und Mädchen hier und
weltweit beibringen?
Lehren wir unsere jungen
Mädchen, daß wir sie schätzen - nicht um ihres
Aussehens willen, sondern um ihrer Gedanken,
Gefühle, Taten und Träume willen? Werden unsere
Unternehmen mehr tun, um Frauen Kinderbetreuung
und andere Instrumente zur Verfügung zu stellen, die
sie benötigen, um Arbeit und Familie miteinander
vereinbaren zu können - damit keine Frau jemals die
Wahl zwischen einer Arbeit treffen muß, die für den
Unterhalt der Familie wichtig ist, und der Zeit, die sie
ihren Kindern bei einer liebevollen Erziehung schuldet?
Wenn eine Frau zu Hause, in der Gemeinde oder im
Parlament ihre Stimme erhebt - werden wir ihr dann so
aufmerksam und respektvoll zuhören wie einem
Mann? Und werden wir als Frauen die Entscheidungen der anderen schließlich respektieren? Werden wir
zugeben, daß es heute kein allgemeingültiges Modell
für Frauen gibt? Daß wir zwischen Ganztagsarbeit
und einer Rolle als Mutter und Hausfrau wählen
können - oder wie die meisten Frauen beide Rollen
eine gewisse Zeit unseres Lebens spielen? Und
werden wir die Entscheidungen unterstützen, die jede
Einzelne von uns trifft?
Während Sie sich mit Fragen auseinandersetzen, die
spezifisch für Irland sind, sowie mit Fragen, die Frauen
überall betreffen, sollen Sie wissen, daß die amerikanische Regierung, das amerikanische Volk und die
internationale Gemeinschaft Ihnen helfen möchten,
Erfolg zu haben.
Während der letzten Tage haben die Frauen bei dieser
Konferenz gesagt, daß sie die Instrumente haben
möchten, ihre Stimme zu erheben und das Leben ihrer
Familien zu verbessern. Und in diesem Saal sind
Partner, die ihnen dabei helfen möchten. Wir haben

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Wir verlassen diese Konferenz heute mit der Zusage
des US-Arbeitsministeriums und des Beschäftigungsund Ausbildungsamts von Nordirland, den Zugang von
Frauen zu Arbeitsplätzen, Kinderbetreuung und
Ausbildung zu verbessern. Wir verlassen diese
Konferenz mit der Zusage des Institute of Directors
(eine Gruppe europäischer Führungskräfte), Frauen im
mittleren Management die erforderliche Beratung und
Ausbildung zur Verfügung zu stellen, damit sie auf den
europäischen und internationalen Märkten bestehen
können.
Wir verlassen diese Konferenz mit der Zusage von
Unternehmen von Xerox bis MCI und von America
Online bis Marriott, sich zu engagieren - letzteres stellt
beispielsweise Praktika für junge Menschen in der
Tourismusbranche zur Verfügung. Und ich muß
sagen, als ich heute von Moskau kommend über die
Landschaft Nordirlands flog, dachte ich, daß dies einer
der schönsten Plätze auf Gottes Erde ist. Ein Ort, den
viele Menschen gerne mit eigenen Augen sehen
möchten. Wir verlassen diese Konferenz mit Zusagen
des Präsidenten und der Außenministerin der Vereinigten Staaten, daß sich unsere Regierung vehement
dafür engagiert, die auf dieser Konferenz geschlossenen Partnerschaften in Ergebnisse umzusetzen.
Und es ist für uns ermutigend, daß unsere Partner in
Nordirland einen Nachfolgemechanismus einführen,
um all dies weiterzuführen.
Zum Abschluß dieser Konferenz wollen wir uns
gegenseitig versprechen, daß dies erst der Anfang ist daß die Stimmen, die wir erheben, nie verstummen,
während das Friedensabkommen umgesetzt wird.
Stattdessen sollen sie in allen Gemeinden gehört
werden, und wie Inez bereits sagte, werden viele
andere einstimmen, die heute nicht hier sind.
Denn ungeachtet dessen, ob ein Mann oder eine Frau
für oder gegen das Friedensabkommen gestimmt hat,
spielt in einer Demokratie jeder einzelne Bürger eine
Rolle bei der Erfüllung des Versprechens des Friedens. Eine Demokratie braucht Unternehmen und
Nichtregierungsorganisationen. Kirchen jeder Tradition, die uns inspirieren, unseren Glauben als Quelle
der Stärke und Einheit zu nutzen. Und sie braucht
Menschen jeden Alters, denn dieser Kampf kann und
wird nie ohne sie gewonnen werden. Sie braucht Sie

AMERIKA DIENST 18

�alle, die Sie hier versammelt sind - die Frauen von
Nordirland, die immer die Stimme gegen Ungerechtigkeit erheben, auf Chancen zur Bewältigung von
Herausforderungen hinweisen und im Namen all jener
sprechen, die noch keine Stimme haben.
Sie braucht junge Menschen wie Fiona. Vor einem
Monat hatte ich die Gelegenheit, Fiona und andere
junge Frauen und Männer zu treffen, die im Rahmen
der Projekte "Children" und "Children's Friendship"
nach Washington kamen. Einige von ihnen sind heute
hier. Eine junge Frau, Vicky Moore, machte ein
Praktikum in meinem Büro und stellte sich in ihrem
Wahlkreis zur Wahl.
Eine andere junge Frau, Janette Rooney, lebte sechs
Wochen lang in unserer Bundeshauptstadt und lernte
etwas über Führung, Dienst an der Gemeinschaft und
die Arbeit an der Verständigung zwischen verschiedenen Gemeinden. Aber einen Tag, bevor Janette in ihre
Heimatstadt in County Tyrone zurückkehrte, fand der
Bombenanschlag in Omagh statt. Mehrere ihrer
Kommilitonen schalteten CNN ein und sahen, wie ihre
Freunde ins Krankenhaus gebracht wurden. Eine von
Janettes besten Freundinnen kam ums Leben.
Als die Direktorin des Projekts "Children's Friendship"
Janette einige Tage später zu Hause anrief, um ihr
Beileid auszusprechen, erwähnte Janettes Mutter, daß
ihre Tochter gerade eine Einladung zu dieser Vital
Voices-Konferenz erhalten hatte.

In dieser Zeit des

Leidens und unaussprechlichen Verlusts war diese
Konferenz etwas, auf das sich Janette freuen konnte.
Und wie stolz ihre Mutter war, daß ihre Tochter Teil der
Lösung war, Teil der neuen Generation, Teil der
Zukunft Nordirlands. Denn daran arbeiten Sie.

Morgen werde ich mit dem Oberbürgermeister und
anderen die wunderschönen Grünanlagen Belfasts
besuchen. Das sind Orte, an denen alle Mütter und
Väter ihre Kinder gerne frei spielen lassen möchten.
Es gibt eine neue Partnerschaft zwischen der gemeinnützigen amerikanischen Organisation KaBOOM und
PlayBoard, einer Organisation Nordirlands, die sich der
Schaffung eines sicheren Umfelds für spielende Kinder
widmet. Sie hoffen, irgendwo in Belfast eine solche
Umgebung schaffen zu können.
Sie werden nicht die Erwachsenenvision von dem
umsetzen, was die Fantasie eines Kindes anregt. Die
Kinder werden diesen Ort selbst gestalten. Sie werden
Architekten ihrer eigenen Umgebung. Ist das nicht in
gewisser Weise eine Metapher für das, was derzeit in
Nordirland geschieht? Sie alle sind jetzt die Architekten einer neuen Umgebung. Sie sind letzten
Endes diejenigen, die entscheiden, ob die Kinder
Nordirlands so spielen können, wie Kinder es sollten ohne Rücksicht auf Religion oder Politik, ohne Klischees oder Beschimpfungen, ohne Angst und Gewalt.
Das ist mein größter Traum, während ich hier auf
Ihrem Flughafen lande, durch Ihre Straßen fahre, in die
Gesichter der Menschen am Straßenrand blicke, die
meinem Auto zuwinken. Meines Erachtens wird dieser
Traum wahr werden. Und wenn das geschieht,
werden wir an diese Konferenz zurückdenken und
wissen, daß die Stimmen der Frauen eine* entscheidende Rolle bei der Erfüllung dieses Versprechens des
Friedens für alle Bürger Nordirlands gespielt haben für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen.
Möge Gott Ihnen bei dieser wichtigen Arbeit beistehen
und die Zukunft segnen, die Sie gemeinsam gestalten.
Vielen Dank.

AMERIKA DIENST 18

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�B O M BENA NSCHLA GE

9. September 1998

USA werden ihre Interessen, Bürger
und Werte verteidigen
Erklärung von Präsident Clinton

WORCESTER - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton anläßlich der
Verhaftung und Auslieferung in die Vereinigten Staaten eines Hauptverdächtigen für den Bombenanschlag auf die
Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia) vom 27. August 1998.

Verhaftung eines für den Bombenanschlag auf die
Amerikanische Botschaft in Kenia Verdächtigen
Gestern Nacht brachten amerikanische Strafverfolgungsbeamte Mohammed Rashid, einen für den
Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Nairobi (Kenia) Verdächtigen in die Vereinigten
Staaten. Die Beteiligung des Verdächtigen an dem
Bombenanschlag wurde im Rahmen einer gemeinsamen Untersuchung der kenianischen Polizei und
eines FBI-Teams ermittelt. Er steht in Verbindung mit
Osama bin Laden, dem mächtigsten Organisator und
Geldgeber des internationalen Terrorismus, gegen
dessen Netz wir in der vergangenen Woche in Afghanistan und Sudan einen Schlag verübt haben.
Mit dieser Verhaftung ist der Fall nicht abgeschlossen.
Wir werden weiterhin alle verfolgen, die an der Planung, Finanzierung und Ausführung der Anschläge auf
unsere Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt
waren, die das Leben von 12 Amerikanern und
Hunderten von Afrikanern forderten.

*

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte unseren Strafverfolgungsbeamten und den
Mitarbeitern der Nachrichtendienste für ihre hervorragende Arbeit sowie den kenianischen und
tansanischen Behörden für ihre harte Arbeit und enge
Zusammenarbeit mit dem FBI danken.
Dies ist ein wichtiger Schritt nach vorne in unserem
Kampf gegen den Terrorismus - aber es liegt noch ein
weiter Weg vor uns. Die Feinde von Frieden und
Freiheit werden zweifelsohne wieder zuschlagen.
Unsere Entschlossenheit muß von langer Dauer sein.
Wir nutzen alle uns zu Verfügung stehenden Instrumente: Strafverfolgung, Diplomatie und wenn nötig
Gewalt - Amerikas militärische Macht - und werden
das auch in Zukunft tun. Unabhängig davon, was
dafür erforderlich ist, wie lange es dauert und wohin es
uns führt - wir werden die für die Ermordung und
Verstümmelung amerikanischer Staatsbürger Verantwortlichen vor Gericht bringen. Wir werden unsere
Interessen, Bürger und Werte verteidigen.

* * * *

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�BOMBEN ANSCHLAGE

9. September 1998

USA lassen sich durch Terror nicht einschüchtern
Erklärung von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 27. August 1998 von Außenministerin Madeleine
Albright bei einer Pressekonferenz im Justizministerium abgegebene Erklärung zu der Festnahme und
Auslieferung des Hauptverdächtigen für den Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia).

Frau Justizministerin [Reno], Herr Verteidigungsminister [Cohen], Herr Sicherheitsberater [Berger],
[CIA-]Direktor Tenet, [FBI-]Direktor Freeh, verehrte
Vertreter der Strafverfolgung, liebe Freunde, ich freue
mich, hier einer sehr begrüßenswerten Bekanntgabe
beiwohnen zu können.
Die Auslieferung und Anklage des Hauptverdächtigen
für den Bombenanschlag in Kenia ist das Verdienst der
harten Arbeit und des langen Arms der Strafverfolgungsbehörden und Diplomaten unserer Nation. Dies
ist ein Beweis für die wachsende Entschlossenheit der
internationalen Staatengemeinschaft, Terroristen zur
Rechenschaft zu ziehen.
Als ich vergangene Woche unsere Vertretungen in
Nairobi und Daressalam besuchte, war ich tief beeindruckt von der Arbeit, die das FBI in Zusammenarbeit
mit seinen kenianischen und tansanischen Kollegen
bei der Beweissammlung leistete.
Ich weiß, sie würden sagen, daß sie nur ihre Arbeit tun,
aber sie durchsuchen tagaus, tagein die Trümmer und
sichten einen Berg der Zerstörung nach mikroskopisch
kleinen Hinweisen. Es ist herzzerreißende Knochen-

arbeit. Und sie verdienen zu Recht unseren Dank für
ihre Bemühungen, die volle Wahrheit zu finden, wer
diesen feigen Massenmord geplant und begangen hat.
Terroristen sollten wissen, daß Amerika zum Schutz
seiner Bürger alle verfügbaren diplomatischen,
juristischen, wirtschaftlichen und - falls erforderlich militärischen Mittel einsetzen wird. Wir lassen uns
durch Terror nicht einschüchtern. Wir werden uns
unserer Verantwortung nicht entziehen. Und wir sind
entschlossen, die Terroristen früher oder später für
ihre Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.
Bedauerlicherweise können wir nichts unternehmen,
um die Kollegen und Angehörigen zurückzubringen,
die uns vor 20 Tagen genommen wurden. Aber die
heutige Bekanntgabe zeigt, wie ernst es uns damit ist,
die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.
Ich danke der Justizministerin und den Direktoren
Freeh und Tenet im Namen des Außenministeriums für
die von Ihnen geleistete hervorragende Arbeit. Und ich
biete Ihnen für den weiteren Verlauf der Ermittlungen
unsere uneingeschränkte Zusammenarbeit und
Unterstützung an.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

Seite 1

�BOMBEN ANSCHLAGE
9. September 1998

Hauptverdächtiger wird des Mordes angeklagt
Erklärung von Justizministerin Reno

WASHINGTON - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Justizministerin Reno vom 27. August
1998 anläßlich der Verhaftung und Auslieferung von Mohammed Rashid Daoud Al-Owhali wegen seiner
Beteiligung an dem Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia).

Am 7. August wurden 258 unschuldige Menschen in
Kenia und Tansania von Terroristen ermordet.
Zahllose weitere wurden verletzt. 12 Amerikaner
ließen ihr Leben im Dienst für ihr Land.
Als Reaktion führten die Vereinigten Staaten eine der
umfassendsten Ermittlungen ihrer Geschichte durch.
Ebenso wie jede zivilisierte Nation diese feigen Akte
verdammte, haben auch wir uns mit den Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt zusammengetan
und uns einmütig geschworen, daß Gerechtigkeit
widerfahren wird.
Heute haben wir Ergebnisse. Mohammed Rashid
Daoud Al-Owhali, ein gebürtiger Jemenite, wurde
gestern Nacht in die Vereinigten Staaten ausgeliefert,
wo er sich einer Mordanklage wegen seiner Beteiligung an dem Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi gegenübersieht.

*

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte Außenministerin Albright, Verteidigungsminister Cohen, dem Nationalen Sicherheitsberater
Berger und den anderen Bundesbehörden meinen
Dank aussprechen, die uns bei unserer Arbeit behilflich waren. Vor allem möchte ich FBI-Direktor Louis
Freeh und Mary Jo White, der Staatsanwältin für den
südlichen Bezirk von New York, und den anderen
Männern und Frauen des Justizministeriums und des
FBI für ihre hervorragende Arbeit, die Tausenden von
Stunden und die großen persönlichen Opfer danken,
die sie für diese Mission erbracht haben.
Es ist ein großes Unrecht geschehen. Aber wir
werden nicht ruhen. Wir werden nicht vergessen. Wir
werden jeden einzelnen Mörder verfolgen. Es wird
Gerechtigkeit walten.

* * * *

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
9. September 1998

Freeh lobt internationale Zusammenarbeit
bei der Terrorismusbekämpfung
Erklärung des FBI-Direktors

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Erklärung, die FBI-Direktor Louis Freeh
am 27. August 1998 bei einer Pressekonferenz im Justizministerium aus Anlaß der Festnahme und Auslieferung
des Hauptverdächtigen für den Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia) abgegeben
hat.

Heute geben wir bekannt, daß Mohammed Rashid
Daoud Al-Owhali in die Vereinigten Staaten überstellt
wurde, wo er im Zusammenhang mit dem tödlichen
Terroranschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Nairobi (Kenia) vor Gericht gestellt wird. Ebenfalls hier
bei dieser Pressekonferenz anwesend sind Justizministerin Reno, Außenministerin Albright, der Nationale Sicherheitsberater Sandy Berger und die
Staatsanwältin für den südlichen Bezirk von New York,
Mary Jo White. Jeder gibt eine kurze Erklärung über
die Bedeutung des heutigen Ereignisses für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und die internationale Zusammenarbeit ab, die diese Festnahme
ermöglichte.
Zunächst möchte ich im Namen des FBI und aller
amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden
den
kenianischen und tansanischen Strafverfolgungsbehörden besonderen Dank für ihre hervorragende
Zusammenarbeit, Unterstützung und professionelle
Arbeit aussprechen. Selten haben internationale
Bemühungen so schnell ein so produktives Ergebnis
gezeitigt. Aus unserer Sicht ist dies nicht nur ein
leuchtendes Beispiel für die Bedeutung internationaler
Strafverfolgung im Angesicht der globalen Bedrohung
durch den Terrorismus, sondern auch für die direkten
Vorteile echter internationaler Zusammenarbeit und die
polizeiliche Zusammenarbeit vor Ort am Schauplatz
dieser entsetzlichen Verbrechen.
FBI-Sonderagenten brachten den Angeklagten von
Kenia nach New York. Eine vor kurzem im Bezirksgericht von Manhattan entsiegelte Anklageschrift
beschuldigte ihn der Ermordung von 12 Amerikanern

AMERIKA DIENST 18

in der Botschaft, der Verschwörung zum Mord sowie
zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen bei dem
Bombenanschlag, dem mehr als 250 Menschen, die
meisten von ihnen Kenianer, zum Opfer fielen.
In der Klageschrift wird festgestellt, daß der Angeklagte von kenianischen Behörden in Gewahrsam genommen wurde, von den FBI-Sonderagenten über seine
Rechte belehrt wurde, auf diese Rechte verzichtete
und folgende Erklärung abgab: Er sei in verschiedenen
Ausbildungslagern in Afghanistan gewesen, einschließlich mehreren Lagern, die Verbindungen zur al
Quaeda - einer internationalen Terrorgruppe unter der
Führung von Osama bin Laden - haben, die sich dem
Widerstand gegen nichtislamische Regierungen mit
Zwang und Gewalt verschrieben hat.
Der Angeklagte erklärte, er sei im Umgang mit Sprengstoffen, in Entführung und Menschenraub ausgebildet
worden, so die Klageschrift. Ferner hat der Angeklagte
demnach zugegeben, daß er an Konferenzen, Besprechungen und einer Pressekonferenz mit bin Laden
teilnahm und wußte, daß Laden eine "Fatwah" unterzeichnet hatte, der zufolge es "richtig ist, Amerikaner
weltweit umzubringen".
Laut Klageschrift fuhr der Angeklagte am Tag des
Bombenanschlags mit einem Mitverschwörer in einem
Fahrzeug mit einer improvisierten Sprengvorrichtung
zur Botschaft, und "warf ein handgranatenähnliches
Gerät (ohne Splitterschutz) auf einen Wachposten vor
der Botschaft". Ferner stellt die Klageschrift fest: "Der
Angeklagte erklärt, die Operation sei als Märtyrertat
geplant gewesen, die er nicht zu überleben erwartete."

Seite 1

�Darübre hinaus enthält die Klageschrift folgendes: Da
ein FBI-Sonderagent eine eidesstattliche Erklärung "für
den begrenzten Zweck abgab, einen hinreichenden
Verdachtsgrund für die Festnahme des Angeklagten
zu liefern", beinhaltet die Gerichtsakte nicht alle
während der Ermittlung gesammelten Fakten.
Obwohl die Festnahme allein schon zeigt, daß in den
20 Tagen seit dem Bombenanschlag in Kenia beträchtliche Fortschritte gemacht worden sind, befinden wir
uns noch am Anfang weitreichender internationaler
Ermittlungen. Ich möchte betonen, daß die gegen den
Angeklagten erhobenen Beschuldigungen zum
gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich Beschuldigungen
sind und bis zur Erbringung von Schuldbeweisen von
der Unschuld des Angeklagten ausgegangen wird und
alle seine gesetzmäßig und verfassungsmäßig
garantierten Rechte umfassend geschützt werden. Die
Rechtsstaatlichkeit wird sowohl von den Vereinigten
Staaten als auch von Kenia voll und ganz gewahrt.
Die gegen den Angeklagten erhobenen Beschuldigungen waren ein ausgezeichnetes Beispiel für die
nationale und internationale Zusammenarbeit. Wir
wissen die ausgezeichnete Arbeit der kenianischen
Behörden sowie die Unterstützung durch die tansanische und andere Regierungen wirklich zu schätzen.
Obwohl der in Kenia und Tansania durch die getöteten
und verletzten Amerikaner geforderte Tribut tragisch
war, dürfen wir nicht vergessen, die diese beiden
Länder noch weitaus größere Verluste erlitten haben.
In Kenia starben mehr als 250 Menschen, darunter 12
Amerikaner, und mehr als 5.000, darunter 13 Amerikaner, wurden verletzt. In Tansania starben keine
Amerikaner, aber unter den Opfern waren 11 Tansanier und 86 Verletzte, darunter zwei Amerikaner.
Alle drei Länder haben große Verluste erlitten. Kenia
und Tansania haben enormes Leid erfahren, und
diesen Ländern gebührt unser tiefes Mitgefühl und
unsere Anteilnahme. Alle drei Nationen sind in dem
Bestreben geeint, die Verantwortlichen vor Gericht zu
bringen. Wir schulden den Strafverfolgungsbeamten
beider afrikanischen Länder und ihren Botschaftern in
den Vereinigten Staaten großen Dank. Letzte Woche
reiste ich kurz nach den Bombenanschlägen nach
Kenia und Tansania. Ich sprach ausführlich mit
Strafverfolgungsbeamten beider Länder sowie Vertretern ihrer Justiz- und Innenministerien. Wir trafen
die Entscheidung, diesen Angeklagten in den Vereinigten Staaten vor Gericht zu stellen.
Ich habe eng mit den Leitern der FBI-Teams in beiden
Nationen zusammengearbeitet - einer FBI-Truppe mit
nahezu 500 Mitarbeitern. Dazu zählten mehr als 400
Sonderagenten und Spezialisten - Beweisaufnahmeexperten, Bombenfachleute sowie forensisches und
wissenschaftliches Personal. Ferner gehörte den
Teams ein Kader ausgebildetes Personal zur Unterstützung an.

Seite 2

Die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Bundesregierungwar ausgezeichnet - unter anderem mit dem
Außenministerium, dem Verteidigungsministerium,
dem CIA, anderen Behörden der Nachrichtendienste,
dem Büro des Nationalen Sicherheitsbearters und dem
FBI. Ein besonderer Dank gilt Verteidigungsminister
William Cohen und CIA-Direktor George Tenet.
Das Verteidigungsministerium hat sich bei diesen
komplexen Ermittlungen in jeder Hinsicht aus vollwertiger Partner erwiesen, und die bislang erzielten
Erfolge wären ohne die selbstlose und engagierte
Arbeit seiner Mitarbeiter nicht möglich gewesen. Diese
Ermittlung ist ein weiteres Beispiel für die außergewöhnlich engen Verbindungen zwischen dem CIA und
dem FBI bei einem breiten Spektrum äußerst wichtiger
Fälle und Fragen. FBI-Sonderagenten waren im
Terrorismusbekämpfungszentrum des CIA tätig, und
CIA-Agenten arbeiteten in der Abteilung für Terrorismusbekämpfung des FBI. Zu den Ergebnissen zählen
unter anderem die Auslieferung von Personen aus
anderen Ländern in die Vereinigten Staaten, die des
Bombenanschlagsauf das World Trade Center in New
York und des Anschlags auf das CIA-Hauptquartier
beschuldigt werden sowie ihre anschließende Verurteilung.
In Kenia und Tansania bin ich mit den Sicherheitsbeamten der beiden Amerikanischen Botschaften
zusammengetroffen, und mir fehlen die Worte, um den
Dank des FBI für die Hilfe und Zusammenarbeit des
Außenministeriums angemessen zum Ausdruck zu
bringen.
Ich möchte auch der New Yorker Gemeinsamen
Einsatztruppe zur Terrorismusbekämpfung des FBI für
ihre Arbeit am Ort des Anschlags und den Detektiven
der New Yorker Polizei für ihre herausragenden
Bemühungen danken, von denen so viele dem FBI
ebenfalls bei der Untersuchung der Bombenanschläge
auf das World Trade Center und das Bundesgebäude
in Oklahoma City behilflich waren. Ferner möchte ich
dem Büro für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen des
Finanzministeriums meinen Dank für seine Unterstützung aussprechen.
Das FBI ist dem Kongreß und der Administration
dankbar für ihren Weitblick bei der Formulierung und
Finanzierung zunehmender Aktivitäten zur Terrorismusbekämpfung. Für das FBI hat der Kongreß in den
vergangenen vier Jahren die Anzahl der Stellen mehr
als verdoppelt und die Mittel für nationale Terrorismusbekämpfungsprogramme mehr als verdreifacht.
Obwohl der Haushalt für internationale Terrorismusbekämpfungsprogramme aus Sicherheitsgründen Verschlußsache ist, ist der Kongreß in diesem Bereich
ebenso weitblickend.
Ein Beispiel ist die Erweiterung des Legal AttacheProgramms des FBI - das sind im Ausland stationierte

AMERIKA DIENST 18

�Sonderagenten, die gemeinsam mit ausländischen
Regierungen an der Vereitelung von Verbrechen
arbeiten, die Amerikaner in anderen Nationen bedrohen oder in den Vereinigten Staaten begangen
werden könnten. Das Programm hat bescheidenen
Umfang und ist mit geringen Kosten verbunden, hat
jedoch bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht.
Die ersten Sonderagenten des FBI am Tatort der
beiden jüngsten Bombenanschläge in Ostafrika
gehörten den Büros des Legal Attache in Ägypten und
Südafrika an. Das FBI ist sicher, daß der Senat und
das Repräsentantenhaus in Zukunft alle Aspekte ihrer
Unterstützung der Strafverfolgung im Ausland fortsetzen werden.

Alle in der Regierung wissen, daß Terrorismus die
Ermordung von Amerikanern bedeutet und diese Krise
gemildert und dann beseitigt werden muß. Alle in der
Regierung haben sich zutiefst der Bekämpfung von
Terrorismus verpflichtet - sei es in den Vereinigten
Staaten oder im Ausland. Die Notwendigkeit der
Zusammenarbeit aller gesetzestreuen Nationen zur
Bekämpfung des internationalen Terrorismus und des
internationalen Verbrechens war nie größer. Alle
gesetzestreuen Menschen profitieren enorm von
konstanter Wachsamkeit.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Ich glaube an die Zukunft Russlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Irland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden den Friedensprozess in Nordirland weiterhin unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frauen in einer Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der First Lady&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bombenanschläge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden ihre Interessen, Bürger und Werte verteidigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lassen sich durch Terror nicht einschüchtern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptverdächtiger wird des Mordes angeklagt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Justizministerin Reno&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freeh lobt internationale Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des FBI-Direktors&lt;/em&gt;</text>
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.&lt;?

cimcrikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. August 1998

17

BOMBENANSCHLAGE

TERRORISMUS IST DAS WERKZEUG
VON FEIGLINGEN
Rede von Außenministerin Albright

DIE TOTEN GEHÖRTEN ZU DEN
BESTEN AMERIKAS
Ansprache von Außenministerin Albright

WIR WERDEN NICHT RUHEN, BIS WIR EINE
LÖSUNG DES PROBLEMS GEFUNDEN HABEN
Ansprache von Außenministerin Albright

AMERIKA WIRD SICH NICHT
AUS DER WELT ZURÜCKZIEHEN
Trauerrede des Präsidenten

AMERIKA LASST SICH
NICHT EINSCHÜCHTERN
Trauerrede der Außenministerin

DIE FACKEL DER FREIHEIT MUSS HELLER
LEUCHTEN ALS DIE FEUER DES HASSES
Trauerrede des Verteidigungsministers

AMERIKANISCHE HILFE DAUERT AN
Rede von Außenministerin Albright

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228-3392956
Fax 0228-333138
Internet http://www.usembassy.de

�BOMBENANSCHLAGE

TERRORISMUS

USA TRAUERN UM DIE TOTEN VON TANSANIA
Ansprache der Außenministerin

UNSER ZIEL WAR DER TERRORISMUS
Erklärung von Präsident Clinton

TERRORISTEN WERDEN DER
GERECHTIGKEIT NICHT ENTGEHEN
Erklärung von Außenministerin Albright

IRAK

USA BLEIBEN FEST GEGENÜBER DEM IRAK
von Außenministerin Albright

KOSOVO

HUMANITÄRE HILFSLEISTUNGEN DER USA
IM KOSOVO
Rede von Abteilungsleiterin Taft

ANHÖRUNG

CLINTON GIBT AFFÄRE ZU
Erklärung des Präsidenten

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

�BOMBENANSCHLAG E

26. August 1998

Terrorismus ist das Werkzeug von Feiglingen
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD ) - Nachfolgend veröffentliche wir die Rede, die Außenministerin Albright am 11. August
1998 bei der Zeremonie im US-Außenministerium zum Gedenken an die bei den Bombenanschlägen in Kenia
und Tansania Getöteten gehalten hat.

Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich Ihnen
für Ihr Mitgefühl und Ihre Unterstützung in diesen
traurigen und schwierigen Zeiten danken.
Wie Sie wissen, fliege ich morgen nach Deutschland
und werde die Särge von 10 der 12 amerikanischen
Opfer der Bombenexplosion in Nairobi nach Hause
begleiten. Ich hoffe auch, einige der Verwundeten Amerikaner und Kenianer - die dort behandelt werden,
besuchen zu können. Am Donnerstag gegen Mittag
werden wir eine Zeremonie auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews abhalten. Der Präsident wird eine
Rede halten, und ich hoffe, viele von Ihnen können an
den Trauerfeierlichkeiten teilnehmen.
Wir sind uns bewußt, daß eine große Mehrheit der
Opfer dieser Verbrechen Kenianer und Tansanier
waren. Ich habe mich mit Außenminister Godana und
Außenminister Kikwete in Verbindung gesetzt, um
unsere Trauer über die Tragödie zum Ausdruck zu
bringen, die ihr Volk erlitten hat. Wir alle haben die
schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen und das
Leid der vielen verwundeten Kenianer und Tansanier
erlebt, die großartige Freunde sind, uns unterstützen
und die unschuldigen Opfer dieses schrecklichen
Verbrechens sind.
Die Vereinigten Staaten konnten Such- und Rettungsgerät, Blutkonserven und anderes medizinisches Gerät
sowie Ärzte zur Verfügung stellen. Gleichzeitig waren
die Amerikaner zutiefst beeindruckt von dem Mut, den
die Rettungsmannschaften beweisen - insbesondere in
Kenia, wo das Blutbad am schlimmsten war. Es
scheint, daß ein kenianischer Sicherheitsbeamter, der
seine Arbeit gut und mutig verrichtete, eine noch

AMERIKA DIENST 17

verheerendere Explosion verhindert hat.
wir sehr dankbar.

Dafür sind

Ich werde beiden Ländern einen Besuch abstatten,
sobald das möglich ist, ohne die Last für die Menschen
dort weiter zu erhöhen. Ich habe mich diesbezüglich
mit den Botschaften in Verbindung gesetzt. Ich habe
klargemacht, daß ich kommen möchte, wenn es keine
Last ist, denn sie haben genug Last zu tragen.
Letzten Freitag hat Präsident Clinton die Bombenanschläge als verabscheuungswürdig und unmenschlich bezeichnet und gesagt, daß die Vereinigten
Staaten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel
einsetzen, um die Verantwortlichen vor Gericht zu
bringen, unabhängig davon, was dafür erforderlich ist
oder wie lange es dauert. Ich möchte diese Aussage
heute bekräftigen.
Die Bombenexplosionen erinnern uns daran, daß
Terrorismus Willkür ist. Er ist das Werkzeug von
Feiglingen. Seine Opfer sind meistens gute, unschuldige Menschen, die nur versuchen, ihren Geschäften nachzugehen. Terror ist keine Form des
politischen Ausdrucks. Er ist sicherlich keine Manifestation religiöser Überzeugung. Er ist Mord - schlicht
und einfach. Und die dafür verantwortlich sind, ihn
finanzieren und anderweitig unterstützen, müssen von
allen vernünftigen Menschen abgelehnt werden.
Deswegen war ich sehr froh über die enge Zusammenarbeit, die wir vom ersten Augenblick der Tragödie an mit den Behörden in Kenia und Tansania hatten.
Und deswegen möchte ich Ihnen für die Hilfe danken,
die Ihre Regierungen bereitgestellt haben, indem sie
Informationen weitergegeben und in den vergangenen

Seite 1

�Tagen die Sicherheitsmaßnahmen an unseren Botschaften verstärkt haben. Und deswegen bin ich so
ermutigt von Ihren Worten des Mitgefühls und der
Anteilnahme heute Nachmittag.

ka zu gewinnen, Demokratie aufzubauen, den Handel
zu erweitern, Armut und Krankheiten zu bekämpfen
und - vor allem jetzt - scharf gegen die Kräfte des
Terrors vorzugehen.

Diese Anschläge mögen gegen Amerika gerichtet sein.
Aber wenn dem so ist, dann, weil Amerika für Frieden
in der Welt und für Rechtsstaatlichkeit, Wohlstand und
Demokratie steht. Ich weiß, daß das auch die Ziele
der Afrikaner sind. Wie Präsident Clinton während
seiner Reise im März erklärt hat, sind wir entschlossen, gemeinsam auf diese Ziele hinzuarbeiten.

In der Zeitung las ich heute Morgen die Worte eines
Mannes, der aus dem Ufundi-Gebäude gerettet wurde,
nachdem er 36 Stunden unter den Trümmern begraben gewesen war. Er sagte, er überlebte, weil "der
Mut des Geistes größer ist als der des Körpers; ich
habe die Hoffnung nie aufgeben."

Seien Sie versichert, diese Bombenanschläge werden
nicht dazu führen, daß Amerika zurückweicht oder sich
zurückzieht. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir
werden unsere Präsenz in Afrika und andernorts
aufrechterhalten, wo wir willkommen geheißen oder
benötigt werden. Und wir werden unser Engagement
beibehalten, starke, neue Beziehungen zu einem
neuen Afrika aufzubauen.
In den vergangengen Monaten gab es beunruhigende
Ereignisse am Hörn, in Angola, in Sierra Leone und in
der Demokratischen Republik Kongo. Es gibt vieles,
über das wir uns Sorgen machen müssen, und es gibt
viel zu tun: Streitigkeiten ohne Gewalt zu schlichten,
die Zustimmung zur Konvention über Desertifikation
und zum Gesetz über Wachstum und Chancen in Afri-

Es ist unerläßlich, daß wir alle auf dieser Grundlage
handeln - geleitet nicht von Angst, sondern von
Hoffnung; von der Überzeugung, daß wir eine Zukunft
gestalten können, die besser ist als die Vergangenheit.
Lassen Sie uns also nach vorne gehen in dem Glauben, die Vielzahl von Herausforderungen gemeinsam
anzugehen, denen wir uns als Partner und als Freunde
gegenübersehen.
Ich danke - Ihnen allen - nochmals, daß Sie heute ins
Außenministerium gekommen sind. Ich hoffe, wenn
wir uns das nächste Mal sehen, wird es unter fröhlicheren Umständen sein, denn wir haben alle sehr viel
Arbeit zusammen zu leisten, und sie ist leichter zu
erledigen, wenn wir alle lächeln.
Ich danke Ihnen.

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�BOMBEN ANSCHLAGE
26. August 1998

Die Toten gehörten zu den Besten Amerikas
Ansprache von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenministerin Albright vor ihrem
Abflug zum Luftwaffenstützpunkt Ramstein vom 12. August 1998.

Ich fliege heute Morgen nach Deutschland in einer
Mission des Stolzes und der Trauer, um die bei den
Bombenanschlägen verwundeten Amerikaner und
Kenianer zu besuchen, mit Familienangehörigen zu
sprechen und die Särge der 10 Amerikaner nach
Hause zu begleiten, die getötet wurden.
Ich gehe mit großer Hochachtung für den Dienst, den
diejenigen für unser Land geleistet haben, die ihr
Leben dafür gaben. Ich gehe mit der Entschlossenheit, daß die Verantwortlichen für diese feigen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Ich gehe
in dem sicheren Wissen, daß Amerika sich von
Terroristen nie einschüchtern lassen oder vor ihnen
zurückweichen wird.

Morgen wird Präsident Clinton hier auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews unser Flugzeug erwarten und an
der Zeremonie zu Ehren unserer verstorbenen Kollegen teilnehmen. Die morgen nach Hause kommen,
gehörten meiner Ansicht nach zu den Besten Amerikas. Sie waren typisch für die herausragenden
Menschen, die unsere Interessen schützen und unsere
Werte in den diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt fördern. Sie
verdienen unseren Dank und ihre Familien unsere
Unterstützung und Gebete.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
26. August 1998

Wir werden nicht ruhen, bis wir eine Lösung
des Problems gefunden haben
Ansprache von Außenministerin Albright

RAMSTEIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenministerin Albright auf dem
Luftwaffenstützpunkt Ramstein vor ihrem Abflug aus Deutschland vom 12. August 1998.

Ich habe gerade die neun Patienten besucht, die hier
im Krankenhaus liegen. Es geht ihnen besser. Ich
habe Präsident Clintons Genesungswünsche überbracht und ihnen gesagt, daß wir alles in unserer
Macht Stehende tun werden - nicht nur für sie, sondern
für alle, die verwundet wurden: Kenianer, Tansanier
und Amerikaner.
Dies ist eine äußerst schwere Reise. Ich bringe sehr
tapfere Amerikaner nach Hause. Sie verdienen die
Unterstützung des amerikanischen Volkes und aller
Mitglieder des auswärtigen Dienstes und der Ortskräfte, die die Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt
so fähig vertreten.

Ich möchte den Mitarbeitern der Klinik hier danken, die
für diese Menschen hervorragende Arbeit geleistet
haben, ihnen Mut machen und alles tun, um ihnen zu
helfen. Wie Präsident Clinton und ich mehrfach gesagt
haben, werden wir nicht ruhen, bis wir eine Lösung für
dieses Terroristenproblem gefunden haben. Und ich
habe gesagt, daß unser Gedächtnis lang ist und unser
Arm weit reicht, und wir werden uns nicht von Menschen einschüchtern oder von der Weltbühne verdrängen lassen, denen nicht gefällt, wofür wir eintreten
- das sind Freiheit und Demokratie und der Kampf
gegen Armut, Krankheit und Terrorismus.
Ich danke Ihnen allen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�BOMENANSCHLAGE
26. August 1998

Amerika wird sich nicht aus
der Welt zurückziehen
Trauerrede des Präsidenten

ANDREWS AIR FORCE BASE - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Clinton bei
der Trauerfeier zu Ehren der bei den Bombenanschlägen in Nairobi und Daressalam Getöteten auf dem
Luftwaffenstützpunkt Andrews vom 13. August 1998.

Liebe Hinterbliebene, Außenministerin Albright,
Verteidigungsminister Cohen, Mitglieder des Kabinetts
und des Kongresses, Angehörige der Streitkräfte und
des Diplomatischen Corps, liebe Freunde. Ein besonderes Wort des Dankes an die Regierungsvertreter
aus Kenia und Tansania.
Alle Anwesenden würden heute lieber nicht hier sein.
Aber wir könnten nirgendwo anders sein, denn wir
haben uns hier versammelt, um 12 stolze Söhne und
Töchter zu ehren, die eine halbe Welt entfernt ums
Leben kamen, Amerika jedoch nie hinter sich gelassen
haben; die mit sich die Liebe ihrer Familien, den
Respekt ihrer Landsleute und vor allem die Ideale
genommen haben, für die Amerika steht. Sie starben
im Dienst für ihr Land, für das sie im Leben so viel
gegeben haben.
An ihre Familien und Freunde gewandt sage ich, Ihre
amerikanischen Mitbürger haben in den vergangenen
Tagen ein bißchen über Ihre Angehörigen erfahren.
Natürlich werden wir sie nie so kennen, wie Sie es
taten, oder uns an sie erinnern, wie Sie es tun - als
neugeborenes Baby, als stolzen Abiturienten, als
strahlende Braut oder strahlenden Bräutigam, als
beruhigende Stimme am Telefon von der anderen
Seite des Ozeans, als müden, aber glücklichen
Reisenden auf einem Flughafen mit Taschen voller
Geschenken und ausgetreckten Armen. Nichts kann
sie zurückbringen, aber nichts kann das Leben
auslöschen, das sie gelebt haben, den Unterschied,
den sie bewirkt haben, die Freude, die sie gemacht
haben.

AMERIKA DIENST 17

Wir können nur hoffen, daß Sie selbst in Ihrer Trauer
Stolz und Trost in dem Dank finden, den wir alle für
den Dienst empfinden, den sie geleistet haben.
Die Männer und Frauen, die in unseren Botschaften
auf der ganzen Welt tätig sind, leisten harte Arbeit, die
nicht immer voll und ganz gewürdigt und von vielen
ihrer amerikanischen Mitbürger nicht einmal verstanden wird. Sie schützen unsere Interessen und
fördern unsere Werte im Ausland. Sie sind Diplomaten, Ärzte und Fahrer, Buchhalter, Techniker und
militärische Wachen. Weit von zu Hause entfernt,
erdulden sie Härten - häufig mit großem Risiko.
Diese 12 Amerikaner hatten einen sehr unterschiedlichen Hintergrund. Wenn Sie ihre Bilder sehen,
erkennen Sie, daß sie ein Abbild von Amerikas
Gegenwart und Amerikas Zukunft sind. Aber so
unterschiedlich sie auch waren - jeder von ihnen hatte
Abenteuerlust und ein weites Herz. Alle freuten sich
über die Chance, die Welt zu sehen und sie besser zu
machen.
Unter ihnen waren ein hochrangiger Diplomat, den zu
treffen ich zweimal die Ehre hatte, und sein Sohn, der
in diesem Sommer stolz an seiner Seite arbeitete; ein
Haushaltsexperte; eine Ehefrau und Mutter, die gerade
ihren Urlaub mit der Pflege ihrer alternden Eltern
verbracht hatte; eine Mitarbeiterin des Außenministeriums, die sich darauf freute, mit ihrem neugeborenen
Enkel nach Hause zurückzukommen; eine in Indien
geborene Beamtin des auswärtigen Dienstes, die
amerikanische Staatsbürgerin geworden war und mit
ihrer Familie für ihr neues Heimatland die Welt bereiste; ein Feldwebel der Marineinfanteristen, der Sohn

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�sehr stolzer Eltern; ein weiblicher Feldwebel der
Luftwaffe, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten
war; eine Epidemiologin, die ihre Kinder liebte und
darauf hinarbeitete, die Kinder Afrikas vor Krankheiten
und Tod zu schützen; ein Verwaltungsangestellter, der
eine Kenianerin geheiratet hat und in enger Verbindung zu ihren Kindern in Amerika steht; eine Beamtin
des auswärtigen Dienstes und Mutter von drei Kindern,
darunter ein kleines Baby; ein Angehöriger des
auswärtigen Dienstes, der ein hervorragender
Jazzmusiker und liebevoller Ehemann war; ein
Feldwebel des Heeres - ein Veteran des Golfkriegs,
ein Ehemann, ein Vater, der seinem eigenen Vater
sagte, wenn ihm je etwas zustoßen sollte, möchte er,
daß seine Asche vor Big Sur im Pazifik verstreut wird,
denn dort hatte er seine geliebte Frau kennengelernt.
Was mir heute ein Klassenkamerad über seinen
Freund sagte, können wir über sie alle sagen: Sie
waren das, was Amerika ausmacht.
Wir müssen die Erinnerung an diejenigen bewahren,
um die wir heute trauern, indem wir die Sache der
Freiheit und Gerechtigkeit voranbringen, für die sie
gelebt haben. Wir müssen weiterhin entschieden für
Freiheit auf jedem Kontinent eintreten. Amerika wird
sich weder aus der Welt und all ihren Versprechungen
zurückziehen, noch vor seiner Verantwortung zurückschrecken, uns gegen den Terror zu wenden und den
Freunden der Freiheit überall zur Seite zu stehen. Wir
schulden es denjenigen, die wir heute ehren.
Wir gedenken heute auch der Kenianer und Tansanier,
die einen großen Verlust erlitten haben. Wir sind
dankbar, daß Ihre Familienangehörigen zusammen mit
uns in unseren Botschaften gearbeitet haben. Und wir

sind dankbar für Ihre außerordentlichen Anstrengungen und teilen ihren großen Schmerz nach dieser
Tragödie. Wir beten um die schnelle Genesung aller
Verletzten - Amerikaner und Afrikaner gleichermaßen.
Egal was es erfordert - wir müssen die Verantwortlichen für diese schrecklichen Taten finden und dafür
sorgen, daß der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Es
mag ein harter Weg vor uns liegen, denn die Terroristen haben Amerika zum Ziel, weil wir für Frieden und
Demokratie eintreten; weil der Geist unseres Landes
der Geist der Freiheit ist. Er ist die Last unserer
Geschichte und die strahlende Hoffnung der Zukunft
der Welt.
Es steht geschrieben: "Ihre gerechten Taten werden
nicht vergessen. Ihr Ruhm wird nicht verblassen. Ihre
Körper ruhen in Frieden, aber ihre Namen werden für
immer weiterleben."
Feldwebel Jesse Nathan Aliganga.
Julian Bartley, Sr.
Julian Bartley, Jr.
Jean Dalizu.
Molly Huckaby Hardy.
Feldwebel Kenneth Hobson.
Prabhi Guptara Kavaler.
Arlene Kirk.
Dr. Mary Louise Martin.
Ann Michelle O'Connor.
Oberstabsfeldwebel Sherry Lynn Olds.
Uttamlal "Tom" Shah.
Mögen sie Frieden in den Armen Gottes finden und
möge Gott denen Frieden geben, die sie lieben und ihr
geliebtes Land schützen.

•

* * * * *

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AMERIKA DIENST 17

�BOMBENANSCHLAGE

26. August 1998

Amerika läßt sich nicht einschüchtern
Trauerrede der Außenministerin

ANDREWS AIR FORCE BASE - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Außenministerin
Albright bei der Trauerfeier zu Ehren der bei den Bombenanschlägen in Nairobi und Daressalam Getöteten auf
dem Luftwaffenstützpunkt Andrews vom 13. August 1998.

Herr Präsident, Frau Clinton, Verteidigungsminister
Cohen, Mitglieder des Kabinetts, General Shelton und
Vertreter unserer Streitkräfte, verehrte Abgeordnete
des Kongresses, Exzellenzen des Diplomatischen
Korps: Im Namen des Außenministeriums möchte ich
Ihnen allen dafür danken, daß Sie mit uns unsere
Trauer, unsere Entschlossenheit und unserer Stolz
teilen.
Vor allem möchte ich die Familienangehörigen und
Freunde unserer verstorbenen Kollegen begrüßen.
Wir werden sie vermissen und um sie trauern. Wir
sind stolz auf diese herausragenden Amerikaner. Sie
waren unsere Besten. Unsere Erinnerung an sie und
unsere Liebe für sie leben fort.
Wir sind uns bewußt, daß die gleichen Explosionen,
die ihren Tod verursachten, auch viele Kenianer und
Tansanier töteten, darunter mindestens 42 Ortskräfte,
die mit großem Engagement für die gleiche Sache
arbeiteten wie wir. Wir sind zutiefst betrübt über diese
Tragödie. Wir werden für die Ermordeten und für die
schnelle Genesung der Verletzten beten. Wir beten,
daß die Last der Trauer durch die Anteilnahme all
derer gemildert wird, die diejenigen, die ihr Leben
ließen, kannten und mit ihnen zusammengearbeitet
haben.
Gleichzeitig müssen wir handeln, um solche Greueltaten in Zukunft zu verhindern. Eine Pest des Terrors
hat Opfer auf jedem Kontinent gefordert. Die Menschen auf jedem Kontinent müssen sich bei der
Bekämpfung des Terrors vereinigen, und die Welt muß
begreifen, was Terror anrichten kann und was nicht.
Terror kann Leben in Tod, Lachen in Tränen und
gemeinsame Hoffnungen in traurige Erinnerungen

AMERIKA DIENST 17

verwandeln. Er kann ein Gebäude in Trümmer legen.
Aber er kann Amerikas Entschlossenheit nicht ins
Wanken bringen, gemeinsam mit anderen eine Welt
anzustreben, in der es mehr Hoffnung und Wohlstand,
Freiheit und Frieden gibt.
Täuschen Sie sich nicht: Terrorismus ist das Werkzeug von Feiglingen. Terror ist keine Form des
politischen Ausdrucks und sicherlich keine Manifestation religiöser Überzeugung. Er ist Mord - schlicht
und einfach. Und die dafür verantwortlich sind, ihn
finanzieren und anderweitig unterstützen, müssen von
allen Menschen abgelehnt werden.
Seien Sie versichert, Amerika wird weiterhin auf der
Welt präsent sein, wo immer wir Interessen zu verteidigen, Freunde zu unterstützen und Arbeit zu erledigen
haben. Amerika läßt sich nicht einschüchtern. Wir
werden unsere Verpflichtung gegenüber dem afrikanischen Volk einhalten. Wir werden alles in unserer
Macht Stehende tun, um unsere Diplomaten und
Militärs auf der ganzen Welt zu schützen. Wir werden
alles in unserer Macht Stehende tun, damit die für die
Bombenanschläge der vergangenen Woche Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Amerikas Gedächtnis ist lang, und unser Arm reicht
weit und unsere Entschlossenheit ist ebenso unerschütterlich wie unsere Verpflichtung zu Gerechtigkeit.
An die Familien gewandt möchte ich sagen, ich weiß,
daß Worte nicht genug sind. Liebe ist das schönste
Geschenk im Leben, aber in Zeiten wie diesen auch
das schmerzlichste. Der Verlust, den Sie erlitten
haben, ist grenzenlos. Wir haben alle einen Verlust
erlitten, denn diejenigen, derer wir heute gedenken,

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�verkörperten die Stärke und Vielfalt unseres Landes.
Sie waren die bescheidenen, aber bemerkenswerten
Menschen, die Amerika in diplomatischen Vertretungen auf der ganzen Welt repräsentieren - Menschen,
die Tag für Tag ihre Arbeit verrichten - für den Frieden,
die Stärkung der Demokratie, die Heilung der Kranken,
denen in Not helfen und Freunde für Amerika
gewinnen. Vor allem waren sie Gestalter und Macher,
gute Menschen, die in der Hoffnung und Überzeugung
handelten, daß das, was sein soll, besser gemacht
werden kann als es war.
Dies ist eine Mission des Stolzes und der Trauer. Ich
fühle mich geehrt, sie nach Amerika zurückbringen zu
dürfen.
Es liegt jenseits unserer Macht, die Uhr vor den letzten
Freitag zurückzudrehen. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, wir können diejenigen, die wir lieben,
nicht zurückbringen. Aber wir können uns für das
entscheiden, für das sie sich entschieden haben - nicht
von Furcht, sondern von Hoffnung geleitet zu sein; uns
selbst nicht über das zu definieren, was wir ablehnen,

*

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*

sondern über das, wofür wir eintreten; die Gegenwart
des Bösen in dieser Welt anzuerkennen, aber nie das
Gute aus dem Blick zu verlieren; schreckliche Schicksalsschläge zu erdulden, aber nie denjenigen nachzugeben, die möchten, daß wir aufgeben, vor unserer
Verantwortung zurückschrecken, unsere Prinzipien
oder unseren Glauben aufgeben.
Wenn wir das tun, können wir sicherstellen, daß die
Verantwortlichen für die Bombenanschläge bei allem
scheitern, egal welches Ziel sie vor Augen gehabt
haben mögen, und daß Amerika weiterhin groß,
aufrecht und stark in der Welt sein wird.
Möge unseren verstorbenen Kollegen für immer Ehre
erwiesen werden, denn wir werden nie aufhören, stolz
auf sie zu sein. Mögen sie in Frieden ruhen, denn wir
werden sie nie vergessen. Und möge ihr Tod uns
gemahnen, der Freiheit wert zu sein, die wir feierlich
für unsere Generation und alle folgenden Generationen ehren.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

*

*

AMERIKA DIENST 17

�BOMBENANSCHLAGE

26. August 1998

Die Fackel der Freiheit muß heller leuchten
als die Feuer des Hasses
Trauerrede des Verteidigungsministers

ANDREWS AIR FORCE BASE - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Verteidigungsminister
Cohen bei der Trauerfeier zu Ehren der bei den Bombenanschlägen in Nairobi und Daressalam Getöteten auf
dem Luftwaffenstützpunkt Andrews vom 13. August 1998.

Herr Präsident, Frau Clinton, Außenministerin Albright,
Abgeordnete des Kongresses, General Shelton,
Vertreter der Vereinigten Stabschefs, Janet [Justizministerin Reno], verehrte Gäste, meine Damen und
Herren, liebe Anverwandte und Freunde derjenigen,
die wir heute ehren: Dies ist ein Augenblick tiefer
Trauer und des Schmerzes - für die Familien, deren
Angehörige ihnen entrissen wurden; für die vielen
Freunde und Kollegen, deren Leben sie bereichert
haben; und für unsere Nation, deren Sache sie so
mutig gedient haben.

stationiert sind. Aber der heutige Tag ist eine historische Erinnerung, daß Amerikas Botschaftern, Diplomaten und ihren Mitarbeitern keine Ausnahme von der
Gefahr zugestanden wird, wenn sie an vorderster
Front der Demokratie dienen. Im Namen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten möchte ich allen
Anerkennung zollen, die in unseren Botschaften,
Konsulaten und Einrichtungen im Ausland arbeiten.
Die Freiheiten, die wir würdigen, sind stärker, unsere
Nation ist sicherer - wegen Ihnen und wegen dem, was
Sie tun.

Richter Oliver Wendell Holmes, Jr. hat einmal folgende
Worte gesagt, die uns heute Kraft geben: "Leider
können wir unsere Träume nicht leben. Wir haben
Glück, wenn wir ein Beispiel unseres Besten geben
können und wenn wir in unserem Innersten das Gefühl
haben, es ehrenhaft getan zu haben."

Die 12 Amerikaner und die 245 Kenianer und Tansanierwurden uns in einem gewalttätigen Augenblick von
denen genommen, die mit Terror handeln und sich an
dem Todeskampf ihrer Opfer erfreuen. Wir geloben
heute hier, daß weder Zeit noch Raum unsere Entschlossenheit ins Wanken bringen werden, diejenigen
vor Gericht zu bringen, die diese unsäglichen Akte der
Feigheit und des Schreckens begangen haben. Wir
werden nicht ruhen. Wir werden uns nie von dieser
Aufgabe zurückziehen.

Wir wollen bei diesem Anlaß unsere Trauer und
unseren Dank den Familien gegenüber zu Ausdruck
bringen, die sich hier versammelt haben, und den
gefallenen Helden gegenüber, die ihre Träume gelebt
und als Soldaten und Diplomaten mehr als ein Beispiel
ihres Besten gegeben haben. Sie haben Härten
erduldet, und dennoch
haben sie still und stolz
gedient. Sie kannten die Gefahren ihres Berufs, und
dennoch haben sie ihr Leben für uns alle riskiert. Sie
lebten mit Tatkraft und Hingabe. Sie waren die Besten,
die Amerika zu bieten hat. Sie waren die besseren
Engel unserer Natur.
Ich sehe die Männer und Frauen in Uniform als
Botschafter des guten Willens und als Kämpfer, die
unsere Werte und Tugenden verteidigen, wo immer sie

AMERIKA DIENST 17

Diese Tragödie hat uns kostbare Leben gekostet, und
es gibt keinen Ausdruck des Schmerzes und keinen
Schwur der Gerechtigkeit, der den Schmerz dieses
Tages von uns nehmen könnte, aber wir dürfen nie
zulassen, daß Terroristen unsere Entschlossenheit
untergraben, die fruchtbare Arbeit derjenigen fortzusetzen, die von uns gegangen sind. Ihr plötzlicher
Verlust kann unser Zielbewußtsein nur stärken. Sie
haben nicht gedient und Opfer gebracht, sie haben
nicht ihr Leben gegeben, damit wir dieser neuen Welt
den Rücken kehren, die wir für andere aufbauen. Wir
müssen sicherstellen, daß die Fackel der Freiheit

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�immer heller leuchtet als die Feuer des Hasses und
daß wir weiterhin ein Amerika sind, das des Preises
wert ist, den sie gezahlt haben.
Diese Söhne und Töchter Amerikas waren von hehren
Zielen geleitet. Vor sechs Tagen haben sie uns
verlassen, nachdem sie mehr als ein Beispiel ihres Be-

sten gegeben hatten. Zusammen mit ihren Familien
nehmen wir jetzt mit Ehrerbietung von ihnen Abschied,
mit dem Wissen in unserem tieftsen Innersten, daß
ihre Arbeit ehrenhaft getan wurde. Möge Gott unsere
Nation weiterhin schützen, und möge Er dort oben, wo
sie für immer wohnen werden, seine Arme für diese
Helden öffnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 17

�B O M B EN A N S CH L A G E
26. August 1998

Amerikanische Hilfe dauert an
Rede von Außenministerin Albright

NAIROBI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Albright am Ort des
Bombenanschlags auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi vom 18. August 1998.

Herr Außenminister, liebe Freunde. Ich danke Ihnen,
daß Sie sich alle hier versammelt haben. Ich bin heute
nach Nairobi gekommen - an diesen traurigen und jetzt
geheiligten Ort - um persönlich eine Botschaft des
amerikanischen Volkes zu überbringen.
Diese
Botschaft beginnt mit Trauer und Schmerz. Infolge des
feigen Akts, der hier begangen wurde, fanden mehr als
250 Menschen den Tod. 5.000 wurden verletzt. Fast
jede Familie in jeder Region Kenias ist von dieser
Tragödie betroffen. So viele geliebte Angehörige
ließen ihr Leben. Unser Schmerz ist groß. In Amerika,
in Tansania und vor allem hier in Kenia.
Den Kenianern möchte ich im Namen meines Landes
unser aufrichtiges Mitgefühl aussprechen.
Der
Bombenanschlag hier vor zehn Tagen war eine
schreckliche Ungerechtigkeit.
Die Toten waren
Teenager, Angestellte, Mütter, Kinder. Sie waren
niemandes Feind. Sie waren unschuldig. Ebenso
unschuldig wie Kenia. Warum wurde diese Nation
guter und stolzer Menschen zusammen mit Tansania
dafür ausgewählt? Es gibt keinen Grund. Aber Terror
braucht keinen Grund. Terror ist Haß, und wir lehnen
Haß ab. Terror ist Zerstörung, und die Menschen in
Kenia und den Vereinigten Staaten lehnen Zerstörung
ab. Wir bauen etwas auf. Und die Terroristen möchten nichts lieber, als uns auseinander zu bringen. Das
dürfen wir nicht zulassen. Wir werden es nicht zulassen.
Gemeinsam trauern wir um die Freunde und Angehörigen, die wir verloren haben. Gemeinsam beten wir für
die schnelle und vollständige Genesung der Verletzten. Gemeinsam schwören wir, die Mörder unserer
Angehörigen, Kollegen und Freunde vor Gericht zu
bringen.
Und gemeinsam müssen wir geloben,
freundschaftliche Beziehungen, zwischen unseren

AMERIKA DIENST 17

beiden Ländern aufrechtzuerhalten. Unsere Freundschaft reicht Jahrzehnte zurück. Noch vor der Unabhängigkeit brachte die Kennedy-Luftbrücke Hunderte von Kenianern in die Vereinigten Staaten, wo sie
eine weiterführende Bildung erhielten. Wir sind seit
langem Partner bei der Unterstützung von Frieden,
Stabilität und Freiheit in Ostafrika, und wir haben
starke und dauerhafte persönliche Kontakte geknüpft.
Ich weiß, daß manche aufgebracht waren über das,
was nach dem Bombenanschlag geschah. Und ich
kann nicht sagen, daß wir perfekt gehandelt haben,
aber ich glaube, daß die Anschuldigungen der Gefühllosigkeit falsch sind. Unter den Umständen, inmitten
des Horrors, der Ängste und der unterschiedlichen
Arbeiten, die erledigt werden mußten, überrascht es
nicht, daß es Mißverständnisse gab. Die US-Marineinfanteristen untersagten den Zugang zum Gebäude nicht aus Indifferenz, sondern weil sie Angst hatten,
daß das beschädigte Gebäude zusammenbrechen
und neue Opfer unter sich begraben würde, weil sie
die Menschen von den brennenden Öltanks fern halten
wollten und weil sie besorgt über die Möglichkeit eines
zweiten Terroranschlags waren.
Es gab viele Helden. Die Kenianer können stolz auf
das sein, was sie mit schierer Muskelkraft, bloßen
Händen und dem Mut der Verzweiflung geschafft
haben, um die Menschen aus den Trümmern zu
befreien und ihr Leben zu retten. Einige Länder, vor
allem Israel, verdienen unsere Bewunderung und
unseren Dank für alles, was sie getan haben.
Auch die Vereinigten Staaten haben viel beigetragen.
Wir haben große Mengen an Such-und-Rettungsgerät
wie Generatoren, hydraulische Maschinen und
Horchgeräte bereitgestellt. Ein städtisches Katastro-

Seite 1

�phenteam aus Virginia war dabei behilflich, Überlebende zu suchen und Menschen zu retten, sowohl aus der
Botschaft als auch aus dem Ufundi-Gebäude. Wir
lieferten große Mengen an medizinischen Hilfsgütern,
und unsere Militärärzte arbeiten hart in kenianischen
Krankenhäusern. Aber unsere Anstrengungen, nach
dieser Tragödie wiederaufzubauen, sind noch lange
nicht beendet. Sie müssen und werden andauern.
Wenn der Kongreß Anfang nächster Woche nach
Washington zurückkehrt, wird die Administration
beträchtliche Nothilfegelder beantragen, um den
Kenianern und Tansaniern behilflich zu sein. Wir
möchten mit den Vertretern der kenianischen Regierung und der Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, um spezifische Bedürfnisse auszumachen und zu erfüllen, wie medizinische Versorgung,
Hilfe für die Opfer und ihre Familien, Reparatur der
öffentlichen Infrastruktur und Verbesserung der
Sicherheit. Wir möchten auch unsere Verpflichtung
bekräftigen, den Kenianern beim Aufbau einer wohlhabenderen und ganz demokratischen Gesellschaft
behilflich zu sein.
Ich weiß, daß einige gesagt haben, die getöteten
Kenianer wären nicht getötet worden, wenn die
Vereinigten Staaten nicht hier in Nairobi vertreten
gewesen wären. Und das ist wahrscheinlich wahr.
Aber warum sind wir hier? Die Amerikaner und
Kenianer, die in unserer Botschaft arbeiteten und unter
den Opfern waren, wollten nicht mehr und nicht
weniger als die Lebensqualität unserer beiden Völker
zu verbessern. Und deswegen arbeiten wir an der
Verbesserung der wirtschaftlichen Chancen, Stärkung
der bürgerlichen Gesellschaft, Förderung nachhaltiger
Entwicklung, Bekämpfung von Krankheiten und Schutz
der Umwelt und werden dies auch weiterhin tun.
Diese Bestrebungen spiegeln Werte und Wünsche
wieder, die Kenianer und Amerikaner teilen - und kein
Bombenanschlag kann das ändern.

*

Seite 2

Wir sind auch sehr stolz, daß die Bemühungen der
Vereinigten Staaten hier von einer wirklich erstaunlichen Botschafterin - Botschafterin Prudence Bushnell umgesetzt werden. Wir sind unglaublich stolz auf sie
und alles, was sie getan hat, um die Solidarität und den
Stolz Amerikas zu bewahren. Vielen Dank Prudence.
Letzte Woche las ich die sehr bewegende Geschichte
eines Mannes, der 36 Stunden nach dem Bombenanschlag aus dem Ufundi-Gebäude gerettet wurde. Er
sagte, er habe überlebt weil "der Mut des Geistes
größer ist als der des Körpers. Ich habe die Hoffnung
nie aufgeben." Diese tapferen Worte erinnern uns
daran, daß die Strategie des Terrors fast ausschließlich darauf baut, Hoffnung durch Angst zu ersetzen.
Es ist eine Strategie der Einschüchterung. Sie zielt
darauf ab, daß wir unsere Wünsche vergessen,
kuschen, passiv werden und uns gegeneinander
wenden. Ich sage, in einer einzigen Träne unter den
Millionen für die hier getöteten Angehörigen ist mehr
Stärke als ein Terroranschlag je haben kann. Wir
trauern, weil wir einander mögen, und das ist auch der
Grund, warum wir zusammen etwas aufbauen und
zuversichtlich sind, daß wir - wenn wir zusammenarbeiten - eine sehr viel bessere Zukunft aufbauen
können als die Vergangenheit.
Lassen sie uns die Entscheidung treffen, die diejenigen, die hier gestorben sind, von uns erwartet hätten:
Ihre Erinnerung zu ehren, indem wir ihren Familien
Trost spenden, uns um die Verletzten zu kümmern,
ihre Gesellschaft wieder aufzubauen und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Und ihr Beispiel zu
ehren, indem wir unsere Anstrengungen verdoppeln,
eine Zukunft mit mehr Freiheit, Sicherheit und Wohlstand nicht nur für einige, sondern für alle Menschen
zu schaffen.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 17

�BOMBEN ANSCHLAGE

26. August 1998

USA trauern um die Toten von Tansania
Ansprache der Außenministerin

DARESSALAM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Madeleine Albright vom
18. August 1998 bei ihrem kurzen Aufenthalt in Tansania, wo sie den Ort des Bombenanschlags auf die
Amerikanische Botschaft in Daressalam besuchte, mit Vertretern der tansanischen Regierung zusammentraf und
den Überlebenden des Bombenanschlags im Muhimbili Medical Center einen Krankenbesuch abstattete.

Ich freue mich sehr, hier am Ort des Friedens, in
Daressalam, zu sein und mit dem Vizepräsidenten und
dem Außenminister zusammenzutreffen. Der Zweck
meiner Reise hierher besteht darin, dem Volk von
Tansania persönlich eine Botschaft des amerikanischen Volkes zu übermitteln. Wir teilen Ihre tiefe
Trauer um den Verlust von geliebten Menschen,
Kollegen und Freunden bei dem Bombenanschlag vor
zehn Tagen.
Wir empfinden großen Schmerz, während wir um die
Toten trauern, die Hinterbliebenen trösten und den
Überlebenden Beistand leisten.
Ich hatte heute
Morgen die Gelegenheit, im Muhimbili Medical Center
einige der Verwundeten zu besuchen und für ihre
baldige Genesung zu beten.
Die Terroristen wollen uns spalten, aber sie haben uns
nur noch enger zusammengebracht, wie Sie, Herr
Außenminister, bereits treffend gesagt haben. Ich
gratuliere der Regierung Tansanias zu ihrer mutigen
Reaktion auf diese Tragödie, ihre Bestrebungen zur
Rettung und Versorgung der Opfer und ihre Hilfe bei
der Suche nach den Tätern.
Ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten eine große
Menge medizinischer Hilfsgüter bereitstellen konnten
und daß ich heute die Möglichkeit hatte, zusätzlichen
Nachschub nach Tansania zu bringen.
Darüber
hinaus werden wir - wie ich bereits mit dem Außenminister erörterte - den Kongreß um zusätzliche Mittel
bitten, damit wir beim Wiederaufbau helfen, Vorratslager für Notfälle auffüllen und den Opfern und ihren
Familien Hilfe leisten können.

AMERIKA DIENST 17

Die Bombenanschläge kosteten das Leben von
Tansaniern, Kenianern und Amerikanern. In jedem
Land sind geliebte Söhne und Töchter gestorben.
Manche arbeiteten in der Amerikanischen Botschaft,
andere waren einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Bombenexplosionen erinnern uns
daran, daß Terrorismus Willkür ist. Er ist das Werkzeug von Feiglingen, und seine Opfer sind meistens
gute, unschuldige Menschen, die nur versuchen, ihren
Geschäften nachzugehen.
Terror ist keine Form des politischen Ausdrucks und
sicherlich keine Manifestation religiöser Überzeugung.
Er ist Mord - schlicht und einfach. Und die dafür
verantwortlich sind, ihn finanzieren und anderweitig
unterstützen, müssen von allen vernünftigen Menschen abgelehnt werden. Diese Anschläge mögen
gegen Amerika gerichtet sein. Aber wenn dem so ist,
dann, weil Amerika für Frieden in der Welt und für
Rechtsstaatlichkeit, Wohlstand und Demokratie steht.
Ich weiß, daß das auch die Ziele der Tansanier und
anderer Afrikaner sind. Und wir müssen jetzt stärker
denn je gemeinsam auf diese Ziele hinarbeiten.
Seien Sie versichert, diese Bombenanschläge werden
nicht dazu führen, daß Amerika zurückweicht oder sich
zurückzieht. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir
werden unsere Präsenz in Afrika und andernorts
aufrechterhalten, wo wir willkommen geheißen oder
benötigt werden. Und wir werden unser Engagement
beibehalten, starke, neue Beziehungen zu einem
neuen Afrika aufzubauen.
Ich danke Ihnen.

Seite 1

�TERRORISMUS

26. August 1998

Unser Ziel war der Terrorismus
Erklärung von Präsident Clinton

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton zu den Luftangriffen
auf das Netz radikaler Gruppen im Umfeld von Osama bin Laden vom 20. August 1998.

Heute habe ich unsere Streitkräfte angewiesen,
terroristische Einrichtungen in Afghanistan und Sudan
aufgrund der direkten Bedrohung anzugreifen, die sie
für unsere nationale Sicherheit darstellten. Ich möchte
Ihnen das Ziel und den Grund dieser Aktion erläutern.
Unser Ziel war der Terrorismus. Unsere Mission war
klar: Das Netz radikaler Gruppen anzugreifen, die
Anhänger von Osama bin Laden sind und von ihm
finanziert werden. Osama bin Laden ist der vielleicht
größte Organisator und Geldgeber des internationalen
Terrorismus in der heutigen Welt.
Die Gruppen in seinem Umfeld kommen aus unterschiedlichen Regionen, aber sie teilen den Haß auf
Demokratie, eine fanatische Verherrlichung von
Gewalt und eine schreckliche Verzerrung ihrer Religion, um die Ermordung Unschuldiger zu rechtfertigen.
Sie haben die Vereinigten Staaten genau wegen dem
zu ihrem Gegner erklärt, für das wir eintreten und
wegen dem, was wir ablehnen.
Vor einigen Monaten und erneut in dieser Woche hat
bin Laden öffentlich geschworen, einen Terrorkrieg
gegen Amerika zu führen. Er sagte, ich zitiere: "Wir
machen keinen Unterschied zwischen denen in
militärischen Uniformen und Zivilisten. Sie alle sind
Ziele."
Ihre Mission ist Mord, und ihre Geschichte ist blutig. In
den vergangenen Jahren haben sie amerikanische,
belgische und pakistanische Angehörige der Friedenstruppen in Somalia getötet. Sie haben sich verschworen, um den ägyptischen Präsidenten und den
Papst zu ermorden. Sie planten Bombenanschläge
auf sechs 747-Flugzeuge der Vereinigten Staaten über
dem Pazifik.
Sie bombardierten die Ägyptische

AMERIKA DIENST 17

Botschaft in Pakistan. Sie schössen deutsche Touristen in Ägypten nieder.
Die jüngsten Terroranschläge sind uns noch frisch im
Gedächtnis. Vor zwei Wochen verloren 12 Amerikaner
und fast 300 Kenianer und Tansanier ihr Leben, und
weitere 5.000 wurden verwundet, als unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam bombardiert
wurden. Es gibt überzeugende Informationen unserer
Nachrichtendienste, daß das Terrornetz von bin Laden
für diese Bombenanschläge verantwortlich war.
Aufgrund dieser Informationen sind wir überzeugt, daß
die Bombenanschläge von der Organisation geplant,
iinanziert und ausgeführt wurden, die bin Laden leitet.
Amerika bekämpft den Terrorismus seit vielen Jahren.
Wenn möglich, nutzen wir bei unserem Kampf
Strafverfolgungs- und diplomatische Instrumente. Der
lange Arm des amerikanischen Gesetzes reicht um die
ganze Welt und hat die vor Gericht gebracht, die für
die Bombenanschläge in New York, Virginia und im
Pazifik verantwortlich waren. Wir zerschlagen in aller
Stille Terrorgruppen und vereiteln ihre Pläne. Wir
isolieren Länder, die Terrorismus praktizieren. Wir
arbeiten am Aufbau einer internationalen Koalition
gegen den Terrorismus. Aber es gibt und wird Zeiten
geben, in denen Strafverfolgung und diplomatische
Instrumente einfach nicht genug sind, in denen unsere
nationale Sicherheit auf dem Spiel steht und in denen
wir außergewöhnliche Schritte zum Schutz der Sicherheit unserer Bürger unternehmen müssen.
Mit zwingenden Beweisen, daß bin Ladens Netz von
Terrorgruppen weitere Anschläge gegen Amerikaner
und andere freiheitsliebende Menschen plante, habe
ich beschlossen, daß Amerika handeln muß. Und
deswegen habe ich heute Morgen auf der Grundlage

Seite 1

�der einstimmigen Empfehlung meines nationalen
Sicherheitsteams unsere Streitkräfte angewiesen,
Maßnahmen zu ergreifen, um eine unmittelbare
Bedrohung durch das Netz bin Ladens abzuschrekken.
Heute haben die Vereinigten Staaten gleichzeitig
terroristische Einrichtungen und Infrastruktur in
Afghanistan angegriffen. Unsere Streitkräfte hatten
einen der aktivsten terroristischen Stützpunkte auf der
Welt zum Ziel. Er enthielt die Schlüsselelemente der
Infrastruktur von bin Ladens Netz und diente als
Trainingslager für buchstäblich Tausende von Terroristen aus der ganzen Welt. Wir haben Grund zu der
Annahme, daß heute dort ein Treffen der wichtigsten
terroristischen Anführer stattfinden sollte, was die
Dringlichkeit unserer Aktionen unterstrich. Unsere
Streitkräfte griffen auch eine Fabrik im Sudan an, die
mit bin Ladens Netz in Verbindung steht. Die Fabrik
produzierte Material für chemische Waffen.

Meine amerikanischen Mitbürger, unser Kampf gegen
Terrorismus hat weder mit den Bombenanschlägen auf
unsere Botschaften in Afrika begonnen, noch wird er
mit dem heutigen Militärschlag enden. Er wird Stärke,
Mut und Durchhaltevermögen erfordern. Wir werden
dieser Bedrohung nicht nachgeben. Wir werden sie
bewältigen, wie lange es auch dauern mag. Dies wird
ein langer, anhaltender Kampf zwischen Freiheit und
Fanatismus, zwischen Rechtsstaatlichkeit und Terrorismus. Wir müssen bereit sein, solange wir müssen,
alles in unserer Macht Stehende zu tun. Amerika ist
und bleibt das Ziel von Terroristen, eben weil wir die
Führungsrolle übernommen haben; weil wir handeln,
um Frieden, Demokratie und grundlegende Menschenrechte zu fördern; weil wir die offenste Gesellschaft auf der Welt sind, und weil wir wieder einmal
gezeigt haben, daß wir eine unbeugsame Haltung
gegenüber dem Terrorismus einnehmen.

Die Vereinigten Staaten haben nicht leichthin gehandelt. Afghanistan und Sudan sind jahrelang
gewarnt worden, diesen Terrorgruppen keine Zuflucht
mehr zu gewähren und sie nicht mehr zu unterstützen.
Aber Länder, die ständig Terroristen aufnehmen,
haben kein Recht darauf, Zufluchtsort zu sein.

Über eines bin ich mir jedoch auch sicher: Die Risiken
für Amerika und die Welt aufgrund von Untätigkeit
wären sehr viel höher als Aktionen, denn das würde
unsere Feinde ermutigen und ihre Fähigkeit und
Bereitschaft intakt halten, einen Schlag gegen uns zu
führen. In diesem Fall wußten wir vor unserem Angriff,
daß diese Gruppen bereits weitere Aktionen gegen
uns und andere geplant hatten.

Ich möchte unseren Nachrichtendiensten und Strafverfolgungsbehörden für ihre harte, gute Arbeit
danken. Und ich möchte meinen Stolz auf unsere
Streitkräfte zum Ausdruck bringen, die diese Mission
ausgeführt und gleichzeitig alle erdenklichen Anstrengungen unternommen haben, um den Verlust an
unschuldigen Menschenleben so gering wie möglich
zu halten.

Ich möchte wiederholen: Die Vereinigten Staaten
möchten Frieden, nicht Konflikt. Wir möchten das
Leben auf dieser Welt schützen, nicht jemandem das
Leben nehmen. Wir haben in Bosnien, Nordirland,
Haiti, im Nahen Osten und andernorts auf den Frieden
hingearbeitet, aber in dieser Zeit kann keine Friedenskampagne erfolgreich sein ohne die Entschlossenheit,
den Terrorismus zu bekämpfen.

Ich möchte, daß Sie verstehen, ich möchte, daß die
Welt versteht, daß unsere heutigen Aktionen nicht
gegen den Islam gerichtet waren, die Religion von
Millionen guter, friedliebender Menschen auf der
ganzen Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten.
Keine Religion verzeiht den Mord an unschuldigen
Männern, Frauen und Kindern. Unsere Aktionen
zielten vielmehr auf Fanatiker und Mörder, die Mord
unter dem Mantel der Gerechtigkeit begehen und
dabei die großartige Religion verunglimpfen, in deren
Namen zu handeln sie vorgeben.

Unsere heutigen Aktionen sollen folgende Botschaft
laut und klar übermitteln: Es gibt keine entbehrlichen
amerikanischen Ziele. Es gibt keinen Zufluchtsort für
Terroristen. Wir werden unser Volk, unsere Interessen
und unsere Werte verteidigen. Wir werden den
Menschen aller Glaubensrichtungen in allen Teilen der
Welt helfen, die frei von Angst und Gewalt leben
wollen. Wir werden hartnäckig bleiben und siegen.

*

Seite 2

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie, und möge Gott
unser Land schützen.

* * * *

AMERIKA DIENST 17

�TERRORISMUS
26. August 1998

Terroristen werden der Gerechtigkeit nicht entgehen
Erklärung von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung von Außenministerin Albright bei
einem Pressegespräch zu den Luftangriffen gegen Einrichtungen der Terrororganisation von Osama bin Laden
vom 20. August 1998.

Sie haben die Erklärungen des Präsidenten gehört.
Ich möchte kurz über die menschlichen und außenpolitischen Aspekte sowie die Gründe für die heutigen
Ereignisse sprechen.

Aktionen keine perfekte Versicherung sind, wäre Untätigkeit eine Einladung zu weiteren Schreckenstaten.
Obwohl wir diese Konfrontation nicht gesucht haben,
müssen wir unserer Verantwortung gerecht werden.

In den vergangenen zwei Wochen haben wir mit den
Folgen der schrecklichen Bombenanschläge von
Nairobi und Daressalam gelebt: 12 Amerikaner sind
tot, Hunderte Kenianer und Tansanier sind tot, und
Tausende sind verletzt. Ich bin gerade von den Orten
der Bombenanschläge zurückgekehrt, und sie machen
einen schaudern - das tragische menschliche Gesicht
willkürlicher Terroranschläge. Wir dürfen nicht zulassen, daß solch feige und zerstörerische Akte ungestraft bleiben.

Bin Laden und sein Netz wurden wiederholt gewarnt,
ihre terroristischen Aktivitäten einzustellen.
Als
Reaktion darauf erklärten sie den Vereinigten Staaten
den Krieg und haben zuerst zugeschlagen, und wir
haben zutiefst gelitten. Aber wir lassen uns nicht
einschüchtern. Wir werden hart arbeiten, um künftige
Bedrohungen auszumachen und sie zu vereiteln. Wie
die Angriffe von heute beweisen, wird es keinen
Zufluchtsort für Terroristen geben.

Dank hervorragender Arbeit der Nachrichtendienste
konnten wir schnell die Identität der Verantwortlichen
für die jüngsten Anschläge feststellen. Wir haben auch
konkrete Informationen über neue Drohungen gegen
amerikanische Staatsbürger, Botschaften und Einrichtungen erhalten. Gestern hat Osama bin Ladens
terroristisches Netz die Welt in einer unverfrorenen
öffentlichen Erklärung darüber informiert, daß weitere
Amerikaner das Ziel von Mordanschlägen sein werden.
Bei den jüngsten Tragödien haben wir gesagt, daß
unser Gedächtnis lang ist und unser Arm weit reicht.
Heute haben wir zwei Orte auf der anderen Seite der
Welt erreicht; heute haben wir gehandelt, um zukünftigen Terrorakten vorzubeugen und die Aktivitäten
derjenigen zu stören, die sie planen. Obwohl unsere

AMERIKA DIENST 17

Heute bitten die Vereinigten Staaten jede Nation, sich
öffentlich gegen diejenigen zu stellen, die für Terrorismus verantwortlich sind, ihn finanzieren oder
anderweitig unterstützen. Wir bitten die Regierungen,
mit uns gemeinsam die erforderlichen Maßnahmen zu
ergreifen, um Terrorakte abzuschrecken und zu
bekämpfen. Und wir sind uns bewußt, daß das - wie
der Präsident sagte - ein langer Kampf ist, aber wir
sind uns auch bewußt, daß es ein Kampf ist, den wir
gewinnen müssen. Gemeinsam müssen die Menschen überall auf der Welt den Terroristen überall auf
der Welt die Botschaft senden, daß sie sich verstecken, aber dem langem Arm der Gerechtigkeit nicht
entgehen können. Das schulden wir uns selbst und
unserer künftigen Sicherheit. Und wir schulden es der
Erinnerung an die unschuldigen Opfer der Terroranschläge aus unserem eigenen Land und aus den
Ländern auf der ganzen Welt.

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�IRAK
26. August 1998

USA bleiben fest gegenüber dem Irak
von Außenministerin Albright

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Außenministerin Madeleine Albright, der erstmals in der
New York Times vom 17. August 1998 erschienen ist. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung der New York Times.

Am Ende des Golfkriegs war man sich allgemein einig,
daß Saddam Hussein keine weiteren sechs Monate
überdauern würde.
Bedauerlicherweise war die
gängige Meinung falsch, und wir müssen seitdem mit
den Konsequenzen leben und uns damit befassen.
Sieben Jahre lang haben wir Saddam Hussein erfolgreich in Schach gehalten indem wir die strengsten
multilateralen Sanktionen der Geschichte aufrechterhalten haben, während die Sonderkommission der
Vereinten Nationen für Waffeninspektionen - oder
UNSCOM - viele von Saddam Husseins Raketen und
Massenvernichtungswaffen aufspüren und vernichten
konnte.
Von Zeit zu Zeit rasselt Saddam Hussein mit dem
Säbel in der Hoffnung, durch das Provozieren einer
Krise den Willen der internationalen Gemeinschaft zu
brechen, während wir unsere kostbaren Verteidigungsdollars darauf verwenden, unsere Streitkräfte zu
entsenden und zurückzurufen.
Wir werden ein
wachsames Auge auf die Bedrohung unserer nationalen Interessen durch den Irak haben. Wir kontrollieren den Zeitplan und werden entscheiden, wie
und wann wir auf die Aktionen des Irak reagieren auf
der Grundlage der Bedrohung, die sie für die Nachbarn
des Irak, die regionale Sicherheit und die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten darstellen.
Unsere Beurteilung beinhaltet Saddam Husseins
Fähigkeit, Massenvernichtungswaffen wiederherzustellen, einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen. Wir
schließen nichts aus, auch nicht den Einsatz von
Gewalt.
Wir haben unsere Streitkräfte am Golf
umstrukturiert, so daß wir - wenn nötig - unverzüglich
und effektiv handeln können.

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In der Zwischenzeit ist Saddam Husseins Entscheidung, die Zusammenarbeit mit der Internationalen
Atomenergie-Organisation
und der
UN-Sonderkommission einzustellen, eine Verletzung des Abkommens, das er mit Generalsekretär Kofi Annan vor
weniger als sechs Monaten erzielte und eine direkte
Herausforderung der Befugnis des Sicherheitsrats.
Das ist eine Konfrontation zwischen dem Irak und den
Vereinten Nationen. Es ist an Herrn Annan und dem
Sicherheitsrat sicherzustellen, daß Saddam Hussein
seinen Kurs umkehrt und mit der UNSCOM zusammenarbeitet. Und wenn es ihnen nicht gelingt, ihn zu
überzeugen, sich zurückzuziehen, haben wir die
Grundlage für unsere eigenes entschiedenes Vorgehen geschaffen.
Die Unterstützung der UNSCOM bildet das Kernstück
unserer Bestrebungen, Saddam Hussein von einer
Bedrohung seiner Nachbarn abzuhalten, und wir sind
stolz, daß wir diese Bestrebungen am entschiedensten
unterstützen. Weil die UN-Sonderkommission trotz der
wohldurchdachten Anstrengungen des Irak, seine
Programme für Massenvernichtungswaffen zu verheimlichen und diesbezüglich zu lügen, so effektiv bei
der Entwaffnung des Irak war, hat Saddam Hussein
versucht, die Organisation als provokativ und voreingenommen zu diskreditieren. Obwohl dies offensichtlich unwahr ist, haben einige im Sicherheitsrat
diesen Bestrebungen Unterstützung gewährt.
Wir haben die entgegengesetzte Haltung eingenommen und die UNSCOM und ihren Vorsitzenden,
Richard Butler, entschieden verteidigt. Wir unterstützen seine eingehenden Inspektionen, während wir
gleichzeitig versuchen zu gewährleisten, daß Saddam
Hussein diese Bestrebungen nicht zum Nachteil des

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�UN-Inspektionsteams im Sicherheitsrat ausnutzen
kann. Seit der letzten Krise war die UNSCOM in der
Tat äußerst effektiv. Sie hat eine Reihe von Inspektionen durchgeführt und sehr ernsthafte Beweise zu Tage
gefördert, daß Saddam Hussein immer noch nicht über
viele nicht bekanntgegebene chemische Gefechtsköpfe Rechenschaft abgelegt hat und bewiesen, daß
der Irak tödliches VX-Gas waffenfähig gemacht hat.
Das steht in direktem Widerspruch zu Außenminister
Tarik Asis Behauptungen, die Programme für Massenvernichtungswaffen des Irak vollständig offengelegt zu
haben.
In diesem Monat beabsichtigte die UNSCOM, einige
besonders eingehende Inspektionen folgen zu lassen,
was wir unterstützten. Als der Irak jedoch am 3.
August alle Inspektionen ablehnte, wurde uns klar, daß
Saddam Hussein etwas getan hatte, was selbst seine
Befürworter im Sicherheitsrat nicht verteidigen konnten. In diesem Zusammenhang habe ich Konsultationen mit Herrn Butler geführt, der zu der Schlußfolgerung gelangte, es sei klüger, sich auf die offene
Verhöhnung des Sicherheitsrats durch den Irak zu
konzentrieren. Hätte die UNSCOM die eingehenden
Inspektionen durchgeführt, wäre sie ohnehin daran
gehindert worden. Aber einige Nestbeschmutzer im
Sicherheitsrat hätten erneut behauptet, die UNSCOM
hätte den Irak provoziert.
Unser Ziel besteht jetzt darin, den Sicherheitsrat dazu
zu bringen, sich seiner Verantwortung gegenüber der
UN-Sonderkommission und der Internationalen
Atomenergie-Organisation zu stellen. Diese Organisationen haben eindeutig das Mandat des Sicherheitsrats, die notwenigen Maßnahmen durchzuführen, um
den Irak zu entwaffnen. Sollte es dem Rat nicht
gelingen, Saddam Hussein von einer Wiederaufnahme
der Zusammenarbeit zu überzeugen, haben wir freie
Hand, andere Mittel zur Unterstützung des UNSCOMMandats einzusetzen.
Ich möchte eindeutig klarstellen: Was Saddam Hussein wirklich will, ist eine Aufhebung der Sanktionen bei

gleichzeitiger Beibehaltung seiner restlichen Fähigkeiten zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen.
Das werden wir nicht zulassen. Solange Saddam
Hussein sich weigert, die Resolutionen des Sicherheitsrats einzuhalten, werden die umfassenden
Sanktionen gegen den Irak in Kraft bleiben.
Das vereitelt eines der vordringlichsten Ziele Saddam
Husseins: Die Kontrolle über die Einnahmen des Irak
zurückzugewinnen, so daß er seine Fähigkeit zur
Bedrohung seiner Nachbarn wiederherstellen kann.
Die mangelnde Zusammenarbeit des Irak mit der
UNSCOM könnte den Tag verzögern, an dem der Irak
völlig entwaffnet ist. Aber das wird uns auch helfen
sicherzustellen, daß die Sanktionen aufrechterhalten
werden, womit sehr viel getan wird, Saddam Hussein
von einer Widerbewaffnung abzuhalten.
Einige werden argumentieren, dies sei eine unmenschliche Bürde für das irakische Volk, das nicht für
Saddam Husseins Verhalten verantwortlich gemacht
werden kann. Aber das irakische Volk profitiert von
der Erweiterung des Programms "ÖI-für-Nahrungsmittel", das jetzt gewährleistet, daß jeder Iraker eine
tägliche Ration erhält, die der empfohlenen Kalorienmenge eines Durchschnittsamerikaners entspricht. Im
Rahmen dieses Programms wird Saddam Hussein
jedoch der Zugang zu den Einnahmen aus diesen
Ölverkäufen verweigert. Das Geld wird bei einem
Dritten auf einem UN-Konto hinterlegt und nur für
Lieferungen freigegeben, die vom Sanktionsausschuß
der Vereinten Nationen genehmigt wurden.
Mit anderen Worten: Saddam Hussein mag wieder mit
dem Säbel rasseln, aber er hat keinen Ausweg. Mit
seinen letzten Aktionen hat er sich in der Tat die Tür
vor der Nase zugeschlagen und uns nur dabei geholfen, ihn in Schach zu halten. So oder so wird seinem
jüngsten Versuch, die internationale Gemeinschaft zu
erpressen, seine falschen Behauptungen über die
Einhaltung der Sanktionen zu glauben, kein Erfolg
beschieden sein.

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AMERIKA DIENST 17

�KOSOVO

26. August 1998

Humanitäre Hilfsleistungen der USA im Kosovo
Rede von Abteilungsleiterin Taft

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die die Abteilungsleiterin für Bevölkerungs-,
Flüchtlings- und Migrationsfragen im US-Außenministerium, Julia V. Taft, am 18. August 1998 bei einem
öffentlichen Forum mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen über die humanitäre Situation im Kosovo
gehalten hat sowie eine Übersicht über die humanitären Hilfsleistungen der USA im Kosovo.

Die humanitäre Situation im Kosovo hat sich in den
letzten Wochen so stark verschlechtert, daß wir uns
am Rande einer möglicherweise kurz bevorstehenden
"humanitären Krise" befinden. Viele von Ihnen sind im
Kosovo tätig oder waren vor kurzem dort, so daß ich
Ihnen nicht schildern muß, wie schlimm die Situation
geworden ist, insbesondere für die Zehntausenden
von Flüchtlingen, die sich noch in den Bergen in der
Nähe von Malisevo befinden. Wir machen uns große
Sorgen um diese Menschen und die neuen Flüchtlinge
und im eigenen Land Vertriebenen, die diese Situation
hervorbringt. Es ist erschreckend, daß wir nur wenige
Jahre nach der Unterzeichnung des Daytoner Abkommens in dieser Region erneut mit einem
Flüchtlings- und Vertriebenenproblem dieser Größenordnung konfrontiert werden.
Ich habe das heutige Forum organisiert, um unsere
gemeinsame Besorgnis über die humanitäre Lage im
Kosovo hervorzuheben und die von der US-Regierung
zu ihrer Bewältigung unternommenen Schritte zu
überprüfen. Bedauerlicherweise kann ich nicht sagen,
daß wir die humanitäre Notlage im Kosovo bald unter
Kontrolle haben. Wir arbeiten aber auf politischer
Ebene und mit Hilfe unserer Partner vor Ort daran, die
derzeitige Situation so gut wie möglich zu bewältigen.
Wir sind dort. Wir machen uns Sorgen. Wir engagieren uns.
Die US-Regierung hat mit Hilfsleistungen in Höhe von
mehr als 10 Millionen Dollar auf die Krise reagiert. Das
meiste Geld wird von unseren Partnern in den Nichtregierungsorganisationen verteilt - von denen viele
heute vertreten sind - während mit dem restlichen Geld
internationale Organisationen wie der UN-Hoch-

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kommissar für Flüchtlinge (UNHCR) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterstützt
werden. Neben direkter finanzieller Hilfe unterstützen
wir das Welternährungsprogramm und verschiedene
Nichtregierungsorganisationen direkt mit Nahrungsmittelhilfe.
Das Verteidigungsministerium schickt
derzeit fast eine halbe Million Tagesrationen an
Hilfsorganisationen und stellt den Hilfsorganisationen
vor Ort auch Fahrzeuge zur Verfügung. Das Amt für
internationale Entwicklung (AID) hat während der
letzten Monate eine beträchtliche Anzahl von Mitarbeitern in die Region geschickt und wird am Samstag ein Team des OFDA (Büro für amerikanische
Katastrophenhilfe im Ausland in der Abteilung für
humanitäre Hilfe des AID) entsenden. Obwohl diese
Hilfe sehr wichtig ist, wird sie allein das Problem nicht
lösen. Aus diesem Grund engagieren wir uns im
Kosovo aktiv auf politischer Ebene.
Humanitäre
Belange waren immer ein wesentlicher Bestandteil
unserer politischen Strategie im Kosovo und werden
das auch bleiben.
Wie viele von Ihnen wissen, setzen wir uns aktiv für die
Rückgabe von beschlagnahmten humanitären Gütern
an Nichtregierungsorganisationen ein und üben
weiterhin Druck auf serbische Regierungsvertreter
aus, den humanitären Organisationen im Kosovo
ungehinderten Zugang zu gewähren. Wir sind uns
bewußt, daß der Zugang nicht überall gewährt wird,
konnten aber einige Fortschritte beobachten.
Wir sind besorgt über weitere Berichte über einen
künstlich hervorgerufenen Mangel an Nahrungsmitteln.
Wir haben jegliche künstliche Lebensmittelknappheit
öffentlich verurteilt und Botschafter Hill gebeten, diese

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�Frage bei Milosevic persönlich anzusprechen. Wir
werden diese und andere Behauptungen weiterhin
prüfen, bis wir eine Lösung gefunden haben.
Wir sehen die Notwendigkeit einer sofortigen Rückkehr
der im eigenen Land Vertriebenen in ihre Häuser im
Kosovo. Die Rückkehr ist ein unbestrittenes Recht
aller Vertriebenen. Eine direktere Auswirkung ist, daß
die Rückkehr humanitäre Hilfsleistungen erleichtern
und sicherstellen wird, daß mehr Menschen jetzt und
im Winter eine Unterkunft haben. Milosevic hat
versprochen, die Rückkehr der im eigenen Land
Vertriebenen und Flüchtlinge in ihre Häuser zu erlauben, und wir werden ihn beim Wort nehmen. Wir
haben eine Initiative ins Leben gerufen, die hoffentlich
die sofortige Rückkehr einiger im eigenen Land
Vertriebener unterstützt, damit sie keinen kalten Winter
ohne Unterkunft und Nahrungsmittel durchmachen
müssen. Wir arbeiten eng mit internationalen Organisationen, einschließlich des UNHCR, des IKRK und
der diplomatischen Beobachtermission im Kosovo
(KDOM) zusammen, um ihre Präsenz in den Städten
zu verstärken, in die die Vertriebenen zurückkehren
können und werden. Unseres Erachtens sind Malisevo und Mitrovica vielversprechende Rückkehrgebiete.
Wir ermutigen die heute hier vertretenen Nichtregierungsorganisationen zu prüfen, wie auch sie zur
Förderung einer Rückkehr ihre Präsenz in diesen
Städten verstärken können.
Neben der Ermutigung einer verstärkten internationalen Präsenz werden wir unseren Druck auf
Milosevic verstärken, sein Versprechen einer Rückkehr zu erfüllen. Wir werden unserer Erwartung
Ausdruck verleihen, daß er ein sicheres Umfeld
schafft, die Polizeipräsenz verringert, ungehinderten
Zugang gewährt und in fünf Schlüsselgebieten die
Wiederherstellung der Häuser unterstützt. Wir erwarten, daß die Rückkehr in diese fünf Gebiete nur eine
erste Runde darstellt.
Wir sind uns bewußt, daß nur eine Einstellung der
Feindseligkeiten ein vollkommen sicheres Umfeld für
humanitäre Hilfsleistungen, die Rückkehr aller in ihre
Häuser und ein Ende der Flüchtlings- und Vertriebenenströme darstellt. Wie Sie wissen, arbeiten wir dank
der Anstrengungen von Botschafter Christopher Hill an
einer Verhandlungslösung. Wir begrüßen die Einsetzung eines Verhandlungsteams unter Leitung von
Herrn Rugova und werden weiterhin eng mit beiden
Seiten zusammenarbeiten, bis eine Lösung gefunden
wird. Die US-Regierung engagiert sich voll und ganz
für eine friedliche Lösung dieses Konflikts.
Ich möchte wiederholen, daß wir uns an der humanitären Front engagieren. Wir teilen Ihre Besorgnis und
werden auf politischer Ebene und zur Unterstützung
unserer Partner vor Ort alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um den Erfordernissen der von
diesem Konflikt Vertriebenen gerecht zu werden. Ich

Seite 2

freue mich auf Ihre Kommentare, Fragen und Vorschläge, wie wir weiterhin zur Deckung der steigenden
Bedürfnisse zusammenarbeiten können. Vielen Dank
für Ihre Teilnahme an diesem Forum.
Übersicht über die humanitären Hilfsleistungen der
USA im Kosovo
Die Vereinigten Staaten beteiligen sich aktiv an der
Aushandlung einer Lösung für den Kosovo, der
Schaffung von Bedingungen für die sichere Gewährung humanitärer Hilfe und der Förderung einer
sicheren Rückkehr der Flüchtlinge und im eigenen
Land Vertriebenen. Die US-Regierung fordert die
Einstellung aller Feindseligkeiten und aller Aktionen,
die negative Auswirkungen auf das Wohlergehen von
Zivilisten haben. Die US-Regierung übt konstant
Druck auf serbische Regierungsvertreter aus, humanitären Organisationen ungehinderten Zugang zum
Kosovo zu gewähren, und setzt sich aktiv für die
Rückgabe beschlagnahmter humanitärer Güter an
Nichtregierungsorganisationen ein.
Hochrangige
Regierungsvertreter, einschließlich des Gesandten der
USA in Belgrad, Miles, und Botschafter Hill, sowie die
diplomatische Beobachtermission im Kosovo haben
die Hilfsorganisationen begleitet und die Frage des
Zugangs angeschnitten. Vertreter der US-Regierung
haben Milosevic aufgerufen, sein Versprechen einer
sofortigen Rückkehr der im eigenen Land Vertriebenen
einzuhalten. Die US-Regierung verfolgt derzeit eine
Rückkehrinitiative, um internationale Unterstützung zu
mobilisieren und den Druck auf Milosevic zu verstärken, Bedingungen für die sichere Rückkehr der im
eigenen Land Vertriebenen zu schaffen.
Die amerikanische Regierung arbeitet eng mit internationalen und Nichtregierungsorganisationen zusammen um sicherzustellen, daß deren Operationen
Unterstützung finden und bestehenden Erfordernissen
umfassend Rechnung getragen wird. Die US-Regierung hat andere Länder aufgefordert, über
Nichtregierungs- und internationale Organisationen
Hilfe zu gewähren. Die US-Regierung stellt internationalen und Nichtregierungsorganisationen direkte
Finanzhilfe, Güter und Gerät zur Verfügung, damit die
im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt stehenden humanitären Bedürfnisse gedeckt werden können.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über
die von der US-Regierung geleistete Hilfe als Reaktion
auf den Konflikt im Kosovo (Stand 13. August 1998):
UN-Hochkommissar für Flüchtlinge
2,6 Millionen Dollar Katastrophenhilfe
185.000 Tagesrationen
Internationales Komitee vom Roten Kreuz
700.000 Dollar Katastrophenhilfe

AMERIKA DIENST 17

�UN-Soforthilfe für Kinder

Nichtregierungsorganisationen

250.000 Dollar Katastrophenhilfe

Fast 5,3 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe
und Unterkunft

Welternährungsprogramm
265.000 Tagesrationen
830.000 Dollar Sachspenden
Acht zusätzliche Fahrzeuge für Albanien

Weitere Spenden stehen bereit. Die US-Regierung
wird auf den nächsten Spendenaufruf der Vereinten
Nationen reagieren, der Ende August 1998 erwartet
wird.

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Seite 3

�ANHÖRUNG

26. August 1998

Clinton gibt Affäre zu
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton nach seiner Aussage
zu der Affäre mit Monica Lewinsky.

Guten Abend. Heute Nachmittag habe ich in diesem
Raum, von diesem Stuhl, vor dem Büro des Sonderermittlers und der Anklagejury eine Aussage gemacht.
Ich habe ihre Fragen ehrlich beantwortet - auch
Fragen nach meinem Privatleben - Fragen, die kein
amerikanischer Staatsbürger je beantworten möchte.
Dennoch muß ich die volle Verantwortung für mein
Handeln übernehmen, sowohl öffentlich als auch
privat. Und deswegen spreche ich heute Abend zu
Ihnen.
Wie Sie wissen, wurde ich in einer eidlichen mündlichen Zeugenaussage im Januar nach meiner Beziehung zu Monica Lewinsky befragt. Obwohl meine
Antworten rechtlich korrekt waren, habe ich freiwillig
keine Informationen angeboten. Ich hatte tatsächlich
eine Beziehung zu Frau Lewinsky, die nicht ziemlich
war. In der Tat war sie falsch. Sie war ein entscheidender Irrtum in meinem Urteilsvermögen und ein
persönliches Versagen meinerseits, für das einzig und
allein ich verantwortlich bin.

Fragen in einem politisch motivierten Zivilprozeß
gestellt wurden, der inzwischen eingestellt wurde, war
ebenfalls eine Erwägung.
Darüber hinaus hatte ich echte und ernste Sorgen
bezüglich einer Untersuchung durch einen Sonderermittler, die mit vor 20 Jahren getätigten Privatgeschäften begann - Geschäften, möchte ich hinzufügen, für
die eine unabhängige Bundesbehörde vor über zwei
Jahren keine Beweise eines Vergehens meinerseits
oder meiner Frau gefunden hat.
Die Untersuchung durch den Sonderermittler wurde
auf meine Mitarbeiter und Freunde ausgedehnt, dann
auf mein Privatleben, und jetzt ist die Untersuchung
selbst Gegenstand von Ermittlungen. Das alles dauert
viel zu lange an, kostet zu viel und verletzt zu viele
unschuldige Menschen.

Aber ich habe der Anklagejury heute gesagt - und ich
sage es jetzt Ihnen - daß ich zu keinem Zeitpunkt
irgend jemanden gebeten habe zu lügen, Beweise zu
verheimlichen oder zu zerstören oder eine sonstige
ungesetzliche Tat zu begehen.

Diese Angelegenheit ist jetzt eine Sache zwischen mir,
den beiden Menschen, die ich am meisten liebe meine Frau und unsere Tochter - und unserem Gott.
Ich muß sie in Ordnung bringen, und ich bin bereit,
alles zu tun, was dafür erforderlich ist. Nichts ist mir
wichtiger. Aber es ist eine Privatangelegenheit. Und
ich beabsichtige, mein Familienleben wieder für meine
Familie zu reklamieren. Es geht niemanden etwas an,
außer uns. Selbst Präsidenten haben ein Privatleben.

Ich weiß, daß meine öffentlichen Aussagen und mein
Schweigen in dieser Angelegenheit einen falschen
Eindruck erweckt haben. Ich habe Menschen in die
Irre geführt, auch meine eigene Frau. Das bedauere
ich zutiefst. Ich kann Ihnen nur sagen, daß ich von
mehreren Faktoren geleitet war: Erstens, von dem
Wunsch, mich selbst vor der Peinlichkeit meines
Verhaltens zu schützen. Die Tatsache, daß diese

Es ist Zeit, diese persönliche Zerstörungskampagne
und das Herumschnüffeln im Privatleben zu beenden
und unsere Staatsgeschäfte fortzusetzen. Unser Land
ist durch diese Angelegenheit schon zu lange abgelenkt worden. Und ich übernehme die Verantwortung
für meinen Teil dabei - das ist alles, was ich tun kann.
Jetzt ist es Zeit - in der Tat ist es schon seit langem
Zeit - weiterzumachen. Wir haben wichtige Arbeit zu

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�erledigen - echte Chancen zu ergreifen, echte Probleme zu lösen und echte Sicherheitsbelange anzugehen.
Und deshalb bitte ich Sie heute Abend, sich von dem
Spektakel der vergangenen sieben Monate abzuwenden, unseren nationalen Dialog wiederherzustellen

und unsere Aufmerksamkeit wieder all den Herausforderungen und all den Versprechungen des nächsten Amerikanischen Jahrhunderts zuzuwenden.

Ich danke Ihnen fürs Zusehen. Gute Nacht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 17

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bombenanschläge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Terrorismus ist das Werkzeug von Feiglingen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Toten gehörten zu den Besten Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir werden nicht Ruhen, bis wir eine Lösung des Problems gefunden haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika wird sich nicht aus der Welt zurückziehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Trauerrede des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika lässt sich nicht einschüchtern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Trauerrede der Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Fackel der Freiheit muss heller leuchten als die Feuer des Hasses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Trauerrede des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Hilfe dauert an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Albright&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;USA trauern um die Toten von Tansania&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache der Außenministerin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unser Ziel war der Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Terroristen werden der Gerechtigkeit nicht entgehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bleiben fest gegenüber dem Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Außenministerin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kosovo&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Humanitäre Hilfsleistungen der USA im Kosovo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiterin Taft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhörung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton gibt Affäre zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

12. August 1998

16

BOMBENANSCHLÄGE

CLINTON: DIE VERANTWORTLICHEN WERDEN
VOR GERICHT GEBRACHT
Erklärung des Präsidenten

DIE AMERIKANISCHE FLAGGE WEHT
WELTWEIT AUF HALBMAST
Proklamation des Präsidenten

TERRORISTISCHE GEWALT HAT KEINE
CHANCE
Erklärung des Vizepräsidenten

ALBRIGHT VERURTEILT FEIGE TERRORAKTE
Erklärung der Außenministerin

USA WERDEN NICHT RUHEN, BIS DIE
VERANTWORTLICHEN GEFASST SIND
Rede von Außenministerin Albright

MILITÄR UNTERSTÜTZT HILFE FÜR DIE OPFER
Erklärung des Verteidigungsministers

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�IRAK

CLINTON: DIE SANKTIONEN BLEIBEN IN
KRAFT
Erklärung des Präsidenten

KOSOVO

KOSOVO BLEIBT WICHTIGE AUSSENPOLITISCHE PRIORITÄT DER USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

NATO

DIE HERAUSFORDERUNGEN DER NATO
IM 21. JAHRHUNDERT
Rede von Verteidigungsminister Cohen

LUFTBRÜCKE

HAMRE: "BERLIN IST HERAUSRAGENDES
SYMBOL UNSERER FREIHEIT"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WIRTSCHAFT

DIE GLOBALE WIRTSCHAFTSLAGE UND IHRE
AUSWIRKUNGEN AUF DIE VEREINIGTEN
STAATEN
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

USA STREBEN WELTWEITES INTERNET OHNE
HANDELSHEMMNISSE AN
Rede von Wirtschaftsminister Daley

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst

�B O M B E N A NS C H LA GE
12. August 1998

Clinton: Die Verantwortlichen
werden vor Gericht gebracht
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam.

Ich hoffe, Sie verstehen, daß ich das Bedürfnis habe,
eine Erklärung zu den Bombenanschlägen auf unsere
Amerikanischen Botschaften in Afrika heute morgen
abzugeben. Eine Explosion in Nairobi (Kenia) tötete
und verwundete unzählige Menschen. Wir haben
Berichte, daß mehrere Amerikaner unter den Toten
sind. Eine weitere Explosion in Daressalam (Tansania) forderte ebenfalls zahlreiche Opfer. Zu diesem
Zeitpunkt liegen uns noch keine Berichte vor, daß bei
dem Anschlag Amerikaner getötet wurden, obwohl
unsere Botschaft das Ziel gewesen zu sein scheint.
Beide Explosionen verursachten großen Sachschaden
an unseren Botschaften und den Nachbargebäuden,
wie Sie vielleicht bereits auf den Bildern gesehen
haben, die im Fernsehen gesendet werden. Obwohl
es scheint, daß die Anschläge koordiniert waren, hat
sich bisher noch niemand dazu bekannt.
Während ich spreche, haben wir Notfallhilfeteams des
Verteidigungs- und des Außenministeriums in die
Region entsandt. Zu diesen Teams gehören medizinisches Personal, Katastrophenhilfeexperten, Experten
für die Spurensicherung und Spezialisten für Terrorismusbekämpfung.
Wir haben entsprechende Sicherheitsmaßnahmen für unsere Botschaften und
militärischen Einrichtungen in der gesamten Region
und weltweit ergriffen.

Diese Akte terroristischer Gewalt sind verabscheuungswürdig - sie sind unmenschlich. Wir werden alle
uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die
Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, unabhängig
davon, was dafür erforderlich ist oder wie lange es
dauert. Ich möchte den Tausenden und Abertausenden hart arbeitender Männer und Frauen im USAußenministerium und in unseren anderen Regierungsbehörden, die in unseren Botschaften im Ausland
tätig sind, sagen, die Arbeit, die Sie jeden Tag leisten,
ist unerläßlich für unsere Sicherheit und unseren
Wohlstand. Aus diesem Grund ist Ihr Wohlergehen
unerläßlich für uns, und wir werden alles in unserer
Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß
Sie in Sicherheit ihre Arbeit tun können.
An die Familienangehörigen und Freunde der amerikanischen und afrikanischen Opfer dieser feigen Anschläge gewandt, sage ich, wir schließen Sie in unsere
Gedanken und Gebete ein. Im Gedenken an diejenigen, die ihr Leben lassen mußten, habe ich angeordnet, daß die amerikanische Flagge auf allen Regierungsgebäuden hier im Inland und auf der ganzen Welt
auf halbmast gesetzt wird. Wir sind entschlossen,
Antworten und Gerechtigkeit zu bekommen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Die amerikanische Flagge weht
weltweit auf halbmast
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation von Präsident Clinton, die
amerikanische Flagge im Gedenken an die Opfer der Bombenanschläge in Kenia und Tansania weltweit auf
halbmast zu setzen.

Als Zeichen des Gedenkens an die bei den Bombenanschlägen auf die Botschaften der Vereinigten
Staaten in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania)
Getöteten ordne ich hiermit kraft des mir als Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika durch Absatz 175
von Titel 36 des Gesetzbuchs der Vereinigten Staaten
verliehenen Amtes an, daß die Flagge der Vereinigten
Staaten am Weißen Haus und auf allen öffentlichen
Gebäuden und Geländen, allen militärischen Einrichtungen und Marinestützpunkten und auf allen
Schiffen der Bundesregierung im District of Columbia
und überall in den Vereinigten Staaten und ihren
Territorien und Besitzungen bis zum Sonnenuntergang
am Sonntag, dem 9. August 1998, auf halbmast ge-

setzt wird. Ich ordne ferner an, daß die Flagge für die
gleiche Zeitspanne auf allen Botschaften, Gesandtschaften, Konsulaten und anderen Einrichtungen der
Vereinigten Staaten im Ausland, einschließlich aller
militärischen Einrichtungen, Schiffe und Marinestützpunkte auf halbmast wehen soll.
Zum Zeugnis dessen habe ich diese Proklamation
eigenhändig unterschrieben am 7. August im Jahre
des Herrn neunzehnhundertachtundneunzig und im
zweihundertunddreiundzwanzigsten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
WILLIAM J. CLINTON

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Terroristische Gewalt hat keine Chance
Erklärung des Vizepräsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Vizepräsident Gore aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Afrika.

Ich möchte den Familien, Freunden und Mitbürgern
aller bei den tragischen Bombenanschlägen auf die
Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam Getöteten oder Verletzten mein tief empfundenes
Mitleid aussprechen.
Hunderte unschuldiger Menschen - Kenianer, Tansanier, Amerikaner und andere - müssen jetzt für den
Rest ihres Lebens Angehörige vermissen und bekla-

gen, die sie bei dem heutigen Terroranschlag verloren
haben. Das ist tragisch und sinnlos. Keine ehrenwerte Sache kann je durch terroristische Gewalt
vorangebracht werden.
Niemand sollte Zweifel daran haben, daß die Vereinigten Staaten alles Erforderliche tun werden, um die
Verantwortlichen für diese schreckliche und feige Tat
zu verfolgen und sie vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Albright verurteilt feige Terrorakte
Erklärung der Außenministerin

ROM - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vom 7. August 1998.

Ich möchte den Opfern der entsetzlichen Bombenanschläge mein aufrichtiges Beileid aussprechen, die
heute auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in
Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) verübt
wurden.
Die Anschläge hatten zahlreiche Verletzte und großen
Sachschaden an beiden Botschaften und Nachbargebäuden zur Folge. Tragischerweise mußten wir
auch erfahren, daß es viele Tote gab, darunter auch
Botschaftsangehörige in Nairobi. Wir sind jetzt dabei,
diese Meldungen zu überprüfen und die nächsten
Angehörigen zu benachrichtigen, bevor wir die Informationen veröffentlichen. Ich fühle mit den Familien
dieser tapferen Amerikaner, unserer Ortskräfte und
den Bürgern der betroffenen beiden Länder, die bei
diesen tragischen Bombenanschlägen ums Leben
gekommen oder verletzt worden sind.
Unsere Botschaften in Nairobi und Daressalam leisten
Heldenhaftes unter den denkbar schwierigsten
Bedingungen. Sie arbeiten mit den Kommunalbehörden beider Länder zusammen, um die Opfer aus den
Trümmern zu bergen und den Verletzten dringend
benötigte medizinische Versorgung zukommen zu
lassen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten
mobilisiert zur Zeit alle erforderlichen Kapazitäten

innerhalb und außerhalb der Region, um alle Aspekte
dieser menschlichen Katastrophe zu bewältigen.
Ich habe mit dem kenianischen Außenminister Godana
gesprochen, um ihm mein Beileid für den tragischen
Tod kenianischer Bürger und mein Mitgefühl für die
Verletzten auszusprechen und die uneingeschränkte
Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der Bewältigung dieser Tragödie anzubieten. Ich werde mich in
Kürze mit dem tansanischen Außenminister Kikwete in
Verbindung setzen, um ihm dieselbe Botschaft zu
übermitteln.
Bis jetzt hat sich noch niemand zu diesen gemeinen
und feigen Terrorakten bekannt. Ich möchte dem
amerikanischen Volk jedoch versichern, wenn sich
bestätigt, daß diese Akte terroristischer Natur waren,
dann werden die Vereinigten Staaten keine Mühe
scheuen und alle ihnen zur Verfügung stehenden
Mittel einsetzen, um die Verantwortlichen dieser
abscheulichen Taten zu verfolgen und zu bestrafen.
Ich beabsichtige, unverzüglich in die Vereinigten
Staaten zurückzukehren, um mich mit dem Präsidenten über diese Herausforderung der Sicherheit
unserer Nation zu beraten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

USA werden nicht ruhen, bis die
Verantwortlichen gefaßt sind
Rede von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenministerin Albright aus Anlaß der
Bombenanschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam vor Mitarbeitern des USAußenministeriums vom 10. August 1998.

Ich habe gerade mit Botschafterin Prudence Bushneil
und dem Gesandten John Lange gesprochen. Ich
habe ihnen gesagt, daß wir all ihre Bemühungen vor
Ort uneingeschränkt unterstützen und sie unserer
Hochachtung für ihre Arbeit versichert. Und sie
wiederum waren äußerst dankbar für alles, was hier für
sie getan wird. Unser heutiges Zusammentreffen
erinnert uns an etwas sehr wichtiges: Auch wenn wir
überall auf der Welt verstreut sind und -uns mit unseren
jeweiligen Fachgebieten befassen - wenn es wirklich
darauf ankommt, sind wir eine Familie. Wir teilen
dieselben Ziele, dieselben Risiken und Gefühle der
Trauer und des Schmerzes, wenn wir ein Familienmitglied verlieren.
Und heute sagen wir auf Wiedersehen zu Freunden
aus jedem Teil unserer Familie: zu Jay Bartley, zu
Julian Bartley, zu Jean Dalizu, zu Ken Hobson, zu
Arlene Kirk, zu Michelle O'Connor, zu Sherry Olds, zu
Molly Hardy, zu Tom Shah, zu Prabhi Kavaler, zu
Sergeant Nathan Aliganga, zu Louise Martin.
Die Opfer, um die wir trauern, waren Angehörige des
auswärtigen Dienstes, des öffentlichen Dienstes und
der Streitkräfte.
Andere waren engagierte Ortskräfte, ohne die unsere
Missionen im Ausland unmöglich funktionieren könnten. Und natürlich waren es Kenianer und Tansanier
aus allen Lebensbereichen, die nicht mehr leben, weil
sie an einem Tag zufällig in einer Amerikanischen
Botschaft zu tun hatten oder an ihr vorbeigingen. So
hat wieder einmal ein sinnloser, feiger Akt des Terrors
unschuldige Leben zerstört und unseren Glauben an
eine friedlichere Zukunft auf die Probe gestellt. Wieder

AMERIKA DIENST 16

einmal kommen wir zusammen, um Freunde und
Kollegen zu beklagen, die weit von zu Hause entfernt
ums Leben kamen. Und wieder einmal fragen wir:
Warum? Warum jetzt? Warum sie und nicht wir? Und
wieder einmal gibt es keine guten Antworten auf
unsere Fragen.
Das Wichtigste, das wir tun können, ist, den Überlebenden zu helfen, die Freunde zu ehren, die wir
verloren haben, die Hinterbliebenen in unsere Gebete
einzuschließen und vor allem, den Geist des Pflichtbewußtseins und Engagements am Leben zu erhalten,
der ihrem Leben so viel gegeben hat, denn es waren
ehrenwerte Leben, die sich dem Dienst für unser Land
und seinen Idealen verschrieben haben. Es waren
gute Menschen, die wußten, daß ein Leben ohne Sinn
bloßes Existieren ist und daß der höchste Sinn nicht in
dem besteht, was wir für uns selbst erwerben können,
sondern in dem, was wir durch unsere Verwandtschaft
miteinander erreichen können.
Es waren engagierte Mitarbeiter, die wußten, was wir
alle wissen, aber selten bewußt fühlen oder aussprechen - daß die Arbeit, die wir machen, gefährlich
ist. Wir alle gehen an den Gedenktafeln in der Eingangshalle vorbei und denken an die Menschen, deren
Namen dort stehen. Manchmal fällt unser Blick auf die
leere Stelle auf der zweiten Gedenktafel, und wir
wissen in unserem tiefsten Inneren, daß solange die
Welt ist wie sie ist und solange es Amerikaner gibt, die
ihr Land lieben wie wir es tun, mehr Namen diese
Stelle füllen werden. Während wir hier stehen, werden
wir daran erinnert, daß Außenpolitik nicht etwas
Abstraktes ist, daß sie letztlich nicht von Nationen oder
Ministerien durchgeführt wird, sondern von Menschen

Seite 1

�- Menschen, die dorthin gehen, wo es wenig Bequemlichkeit und viele Gefahren gibt; von Menschen, die
unsere Ideale fördern, unsere Beziehungen pflegen,
unsere Hilfe verteilen und unsere Bürger schützen;
von Menschen, die mit Stolz und Freude die Herausforderung und das Abenteuer angehen, Amerika auf
der Welt zu vertreten. Das sind die Menschen, deren
wir heute gedenken und die wir heute ehren.

großem Mitgefühl unter den denkbar schwierigsten
Umständen reagiert haben. Wieder einmal hat die
schlimmste Tragödie das Beste in allen von Ihnen
hervorgebracht. Ich weiß, daß die kommenden Tage
für viele unserer Kollegen hart sein werden, und wir
müssen einander behilflich sein, um unsere Arbeit zu
erledigen. Aber wir müssen einander auch Raum und
Zeit zum atmen geben.

Es ist mir unmöglich, die Gefühle derer zum Ausdruck
zu bringen, die sie gut kannten, insbesondere derjenigen, die sie nicht nur als Kollegen kannten, sondern
als Eltern, als Kinder, als Ehemann und Ehefrau, als
Brüder und als Schwestern. Aber ich kann einige
Worte darüber sagen, was sie in Afrika getan haben
und warum sie dort waren. Unsere Kollegen haben mit
den Kenianern und Tansaniern zusammengearbeitet,
um die Armut zu mildern, Demokratie aufzubauen, die
Umwelt zu schützen und Krankheiten zu bekämpfen.
Sie halfen Amerikanern und Afrikanern, Arbeitsplätze
zu schaffen, indem sie den Handel zwischen unseren
beiden Länder erweiterten. Und sie halfen Amerikanern, die in Not waren. Sie unterstützten sich gegenseitig, um diese Ziele zu verwirklichen.

Präsident Clinton und ich werden auch alles in unserer
Macht Stehende tun, um unsere Bürger und Mitarbeiter
im Ausland und die Bürger unserer Gastländer zu
schützen. Wir arbeiten mit der Administration und dem
Kongreß zusammen, um einen Haushaltsantrag
vorzubereiten, der uns den Wiederaufbau der Botschaftsgebäude und die Fortsetzung unserer Präsenz
in Kenia und Tansania gestattet und den unerläßlichen
Schutz für unsere Vertretungen auf der ganzen Welt
bietet, die zusätzlichen Bedarf an gepanzerten Fahrzeugen, Metalldetektoren, Barrikaden und Kommunikationsverbindungen haben könnten.

So müssen wir uns wieder fragen, wie so etwas
Schreckliches einer Gruppe von Menschen geschehen
konnte, die so viel Gutes taten. Eine teilweise Antwort
ist vielleicht, daß sie angegriffen wurden, weil sie so
viel Gutes taten. Vielleicht wurden sie ausgesucht,
weil sie ein Land repräsentieren, das der mächtigste
Verteidiger von Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit der Welt ist, denn so unvollkommen wir
auch sind - wir stehen für die Werte von Toleranz,
Offenheit und Pluralismus, die jetzt in allen Teilen der
Welt Fuß fassen, weil wir stark sind und weil wir
unsere Stärke zur Lösung von Konflikten einsetzen,
von denen einige wünschen, daß sie für immer
andauern. Wie sollen wir also auf dieses schreckliche
Verbrechen reagieren? Offensichtlich besteht unsere
oberste Verantwortung gegenüber den Überlebenden
und den Familien. Wir werden weiter die Trümmer
beseitigen, alle Opfer erreichen, die Ärzte, Medikamente und Blutkonserven einfliegen, die zur Behandlung
der Verletzten benötigt werden. Wir werden alles in
unserer Macht Stehende tun, um den Familien derjenigen Trost zu spenden, die gestorben sind und die
schreckliche Last zu erleichtern, die sie fühlen. Aus
diesem Grund werde ich nach Deutschland fliegen, um
die Verletzten zu besuchen, unsere verstorbenen
Kollegen zu ehren und sie nach Hause zu begleiten.
Wir werden mit den Bürgern und Regierungen von
Tansania und Kenia zusammenarbeiten, um ihnen bei
der Bewältigung ihrer Verluste behilflich zu sein, die und das dürfen wir nicht vergessen - sogar noch
größer sind als unsere. Das haben wir rund um die
Uhr getan seit dem Augenblick, als diese Tragödie
geschah. Ich bin sehr stolz auf die Mitarbeiter in
unseren Missionen im Ausland und hier im Außenministerium, die mit unglaublicher Kompetenz und mit

Seite 2

Auf längere Sicht werden wir auch den zusätzlichen
Bedarf an Mitarbeitern und Verwaltung prüfen, der für
die Gewährleistung eines sicheren Betriebs unserer
Vertretungen weltweit erforderlich ist. Wir werden
ferner Konsultationen mit Regierungsvertretern von
Tansania und Kenia führen, um geeignete Wege zu
ihrer Unterstützung in dieser Zeit des Verlusts zu
finden. Wir müssen die feigen Attentäter finden und
bestrafen, die diese Tat begangen haben. Präsident
Clinton hat eindeutig klargestellt, daß wir nicht ruhen
werden, bis das geschehen ist. Und es wird geschehen, denn das Gedächtnis unserer Nation ist lang, und
unser Arm reicht weit. Heute morgen möchte ich eine
Belohnung von bis zu 2 Millionen Dollar für Informationen bekanntgeben, die zur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen führen. Aber wir haben
heute noch eine andere Verantwortung, die ebenso
entscheidend für die Verstorbenen, die Lebenden und
für alle Amerikaner ist. Diese Vereinigten Staaten,
diese Nation mit hohen Grundsätzen und Zielen,
lassen sich nicht einschüchtern. Wir werden unsere
Anstrengungen verdoppeln, Frieden zu schaffen und
Intoleranz zu bekämpfen. Wir werden unserer Verantwortung gerecht werden, uns in der Welt weiterhin zu
engagieren, weiterhin für die Werte einzutreten, die die
Friedensstifter hochhalten und für die Zukunft, die die
Bombenleger fürchten. Denn auch wenn Terror
Gebäude zu Schutt und Lachen zu Tränen werden
läßt, kann - und wird - er nie Amerika von seinem
Zweck oder seiner Präsenz auf der Welt abschrecken.
Das ist die beste Antwort, die wir den verabscheuungswürdigen Feiglingen geben können, die dies getan
haben.
Das ist das Beste, was wir tun können, um den Dienst
der Männer und Frauen zu ehren, die ihr Leben bei
dieser Tragödie verloren haben - uns zu entscheiden,
wie sie es getan haben, nicht Gefangene der G-

AMERIKA DIENST 16

•

�eschichte zu sein, sondern sie zu gestalten. Ich
verspreche Ihnen, daß ich das mit aller Entschlossenheit und allem, was ich aufbieten kann, mit Ihrem
Beistand und Ihrer Unterstützung in den kommenden
Wochen, Monaten und Jahren tun werde.

dem unerschütterlichen Glauben an den Wert der
Arbeit, die wir gemeinsam tun, um den Schutz unserer
Menschen zu gewährleisten und eine Welt aufzubauen, die sicherer, wohlhabender, gesünder und freier
ist.

Man sagt, daß man alles, was man tut, mit Glauben tut.
Lassen Sie uns heute morgen auseinandergehen mit

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 3

�BOMBENANSCHLAGE
12. August 1998

Militär unterstützt Hilfe für die Opfer
Erklärung des Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister Cohen aus
Anlaß der Terroranschläge auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam am 7. August 1998.

Ich möchte den Familienagehörigen derjenigen mein
Mitgefühl aussprechen, die bei den Bombenanschlägen auf die Amerikanischen Botschaften in Nairobi
(Kenia) und Daressalam (Tansania) ums Leben
gekommen oder verwundet worden sind.
Diese Bombenanschläge erinnern uns an die Bedrohung für Amerikaner durch Terroristen, deren
einziges Mittel, Amerika anzugreifen, solch feige Akte
sind. In den vergangenen Jahren hat das US-Verteidigungsministerium dramatische Schritte zur Verbesserung der Sicherheit seiner in Übersee stationierten Streitkräfte unternommen. Aber wie die Bombenanschläge zeigen, werden wir nie alle Risiken beseitigen können, mit denen sich unsere Truppen und

Diplomaten konfrontiert sehen, wenn sie unserem
Land in Übersee dienen.
Der Verlust eines amerikanischen Soldaten oder
Diplomaten durch solche Akte ist ein Menschenleben
zuviel. Unsere Männer und Frauen in Uniform dienen
stolz und selbstlos auf der ganzen Welt in dem
Wissen, daß sie sich im Ausland zusätzlichen Gefahren gegenübersehen, weil sie Uniform tragen.
Das Militär unterstützt die Bemühungen der USRegierung, den Opfern dieser Katastrophe zu helfen.
Wir werden auch mit dem FBI zusammenarbeiten, um
die Mörder, die diesen Terroranschlag verübt haben,
vor Gericht zu bringen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�IRAK

12. August 1998

Clinton: Sanktionen bleiben in Kraft
Erklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 6. August 1998 vom Weißen Haus
herausgegebene Erklärung von Präsident Clinton.

Die jüngste Weigerung des Irak, mit den internationalen Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist
inakzeptabel. Weit davon entfernt, den Tag vorzeitig
herbeizuführen, an dem die internationale Gemeinschaft die Sanktionen gegen den Irak aufhebt - wie der
Irak es beabsichtigt - verlängert die Nichteinhaltung
der Verpflichtungen durch den Irak diese Sanktionen
und unterwirft die irakische Volkswirtschaft strengen
internationalen Kontrollen.
Als eine Bedingung für den Waffenstillstand im Golfkrieg forderten die Vereinten Nationen - und der Irak
stimmte dieser Forderung zu - die Offenlegung der
nuklearen, chemischen und biologischen Waffen und
deren Trägersysteme binnen zwei Wochen sowie
deren Zerstörung. Im Februar dieses Jahres bekräftigte der Irak diese Verpflichtung in einem mit UNGeneralsekretär Annan unterzeichneten Abkommen.
Mit anderen Worten: Es stand in der Macht des Irak,
eine Aufhebung der Sanktionen durch die Erfüllung
seiner Verpflichtungen zu erreichen, die Inspektoren
ihre Arbeit beenden zu lassen und die anderen
relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats einzuhalten.
Statt zusammenzuarbeiten, hat der Irak den Großteil
dieses Jahrzehnts seine Verpflichtungen gegenüber
der internationalen Gemeinschaft nicht eingehalten.
Jüngste Entdeckungen der Waffeninspektoren darunter neue Dokumente über im iranisch-irakischen
Krieg verwendete chemische Munition und Reste von

Nervengas auf irakischen Gefechtsköpfen - unterstreichen nur die Nichteinhaltung der Verpflichtungen
des Irak gegenüber der Welt.
Die jüngste Weigerung des Irak, mit den UN-Waffeninspektoren zusammenzuarbeiten, ist ein weiterer
fehlgeleiteter Versuch, die internationale Gemeinschaft
zu spalten, um die Aufhebung der Sanktionen zu
erlangen. Mit diesen Sanktionen wurden dem Irak
über 120 Milliarden Dollar an Ressourcen für den
Wiederaufbau seines Militärs und den Bau weiterer
Massenvernichtungswaffen verweigert. Seine derzeitige Taktik wird wieder fehlschlagen. Solange der
Irak seinen Kurs nicht ändert und uneingeschränkt mit
den internationalen Waffen Inspektoren zusammenarbeitet, werden die Vereinigten Staaten alle Bemühungen zu einer Änderung des Sanktionsregimes
vereiteln. Damit wird der irakischen Führung das
verweigert, was sie am meisten wünscht: Ein Ende der
Sanktionen. Weil wir das im letzten Winter begonnene
Programm ÖI-für-Nahrungsmittel erweitert haben, wird
das irakische Volk weiterhin die Lebensmittel, Medikamente und anderen unerläßlichen Lieferungen erhalten, die es benötigt.
Es war stets am Irak, seine Massenvernichtungswaffen
offenzulegen und zu zerlegen, und das wird auch in
Zukunft so sein. Wir werden nach wie vor entschlossen darauf hinarbeiten, daß der Irak diese Verpflichtung einhält.

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�KOSOVO
12. August 1998

Kosovo bleibt wichtige
außenpolitische Priorität der USA
Rede von Botschafter Robert S. Gelbard

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sondergesandte des Präsidenten und
der Außenministerin für die Implementierung des Daytoner Abkommens, Robert S. Gelbard, am 23. Juli 1998 vor
dem Ausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Beziehungen gehalten hat.

Ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, vor
diesem Ausschuß zu sprechen und unseren Dialog
über die andauernde Krise im Kosovo fortzusetzen,
der für die Administration eine wichtige außenpolitische
Priorität darstellt. Wir begrüßen Ihre Ansichten über
die Situation im Kosovo. Das Interesse des Kongresses am Kosovo hilft uns, in Belgrad und bei
anderen die Bedeutung zu unterstreichen, die die
Vereinigten Staaten diesem Problem beimessen, und
verstärkt unseren Einfluß auf die Parteien bei der
Lösung des Problems.
Der Konflikt im Kosovo ist angesichts der fortgesetzten
Weigerung Belgrads, die zur Stabilisierung der Situation erforderlichen Schritte zu unternehmen sowie des
daraus resultierenden schnellen Wachstums der
Größe und Fähigkeiten der bewaffneten Widerstandsbewegung der Kosovo-Albaner in eine neue und
möglicherweise noch gefährlichere Phase eingetreten.
Louise Arbour, die Chefanklägerin des Internationalen
Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, erklärte vor kurzem, auf die Situation im
Kosovo treffe unter dem relevanten Völkerrecht die
Definition "bewaffneter Konflikt" zu. Dadurch fällt der
Konflikt zweifelsohne in den Zuständigkeitsbereich des
Tribunals. Es besteht ganz eindeutig eine dringende
Notwendigkeit für sinnvollen Dialog und sofortige
Maßnahmen zur Verringerung der Spannungen,
einschließlich einer umfassenden Einstellung der
Feindseligkeiten.
Obwohl wir uns über die Aktionen der Kosovo-Befreiungsarmee - UCK - Sorgen machen, dürfen wir nicht
die Tatsache aus den Augen verlieren, daß Belgrad

AMERIKA DIENST 16

die Konfrontation im Kosovo initiiert hat und Präsident
Milosevic und seine Regierung die Hauptverantwortung dafür tragen, die für eine Beendigung der
Gewalt notwendigen Schritte zu unternehmen. Die
Verpflichtungen Belgrads gegenüber der internationalen Völkergemeinschaft sind unmißverständlich in
den Erklärungen der Kontaktgruppe vom 12. Juni und
8. Juli enthalten. Diese Forderungen müssen erfüllt
werden, damit Belgrad seine Beziehungen zur übrigen
Welt normalisieren kann und die Bundesrepublik
Jugoslawien in die Völkergemeinschaft aufgenommen
wird. Milosevic muß:
die an repressiven Aktionen im Kosovo beteiligten Sicherheitskräfte abziehen,
einen sinnvollen Dialog mit der Führung der
Kosovo-Albaner über die Herbeiführung einer
politischen Lösung einleiten,
sich mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge und dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz auf ein Programm für die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen
einigen,
völlig freien Zugang für internationales Personal,
einschließlich
Mitarbeitern
von
Nichtregierungs- und humanitären Hilfsorganisationen sowie Journalisten sicherstellen und
die Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft zur Beobachtung der Ereignisse vor Ort

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�im Kosovo durch die Gewährung vollständigen
und ungehinderten Zugangs unterstützen.
Der Zugang von Mitarbeitern internationaler und
nichtstaatlicher Organisationen zum Kosovo hat sich
letzten Monat verbessert. Belgrad hat jedoch nichts
zur Erfüllung unserer anderen Forderungen unternommen, insbesondere bei Sicherheitsbelangen und der
Frage des Dialogs. Tatsächlich hat sich Präsident
Milosevic um eine Neudefinition seiner Verpflichtungen
bemüht, indem er dem russischen Präsidenten Jelzin
am 16. Juni in Moskau eine Reihe stärker eingeschränkter Verpflichtungen vorlegte.
Wir haben
unsere Ansichten jedoch in keinerlei Hinsicht geändert.
Milosevic muß allen seinen Verpflichtungen gegenüber
der Kontaktgruppe nachkommen. Andernfalls werden
wir weiterhin nach Wegen suchen, den Druck auf
Belgrad zu erhöhen, sich in die richtige Richtung zu
bewegen.
Tatsächlich hat Präsident Milosevic selbst bei den
eingeschränkteren Verpflichtungen, die er Präsident
Jelzin in Moskau unterbreitete, keine wirklichen
Fortschritte gemacht.
Unsere Ansichten hierzu
unterscheiden sich ehrlich gesagt von denen der
russischen Regierung. Das ist einer der Gründe,
warum die jüngste Erklärung der Kontaktgruppe zum
Kosovo unseres Erachtens nicht weit genug geht,
Belgrad genau klarzumachen, was erwartet wird.
Ein Gebiet, auf dem wir eng mit den Russen sowie
einer Reihe europäischer Regierungen zusammenarbeiten, ist die Errichtung einer signifikanten internationalen Präsenz vor Ort im Kosovo. Die Einrichtung
der diplomatischen Beobachtermission im Kosovo
(KDOM) ist eine bedeutende diplomatische Entwicklung, die unsere Fähigkeit zum sofortigen Einholen von
Informationen über die Entwicklungen im Kosovo
beträchtlich verbessern und allen Einwohnern des
Kosovo - Serben und Kosovo-Albanern gleichermaßen
- die internationale Besorgnis vor Augen führen wird.
Der US-Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien
wurden 23 amerikanische Mitarbeiter als Beobachter
sowie zur Unterstützung der KDOM zugeteilt, in der
bereits 10 tätig sind. Andere Länder, einschließlich
einiger Mitgliedstaaten der EU, Rußlands und Polens,
haben bereits Mitarbeiter für diese Aufgabe vorgesehen oder werden das in Kürze tun. Trotz weiterer
Zusagen uneingeschränkter Zusammenarbeit errichten
die Behörden in Belgrad weiterhin Hindernisse für die
umfassende Durchführung der Mission. Erst kürzlich
verweigerten sie die Erteilung einer Flugerlaubnis für
vier amerikanische Transportflugzeuge, die benötigte
Beförderungsmittel, Kommunikationsgerät und medizinische Versorgungsgüter für die KDOM an Bord
hatten.
Die KDOM-Beobachter bereisen den Kosovo und
sprechen mit Regierungsvertretern, Kombattanten und
Privatleuten um sicherzustellen, daß wir ein voll-

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ständiges Bild von den Ereignissen im Kosovo erhalten. Die Mission stellt auch eine konkrete internationale Verpflichtung für weiteres Engagement im
Kosovo dar, bis eine politische Lösung erzielt wird.
Akkurate neueste Informationen sind wichtig. Aber
Informationen müssen einen politischen Entscheidungsfindungsprozeß unterstützen, der die Sache des
Friedens im Kosovo voranbringt. Unsere eigenen
diplomatischen Bestrebungen werden fortgesetzt. Der
Botschafter in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Chris Hill, der sich in dieser Frage
stark engagiert hat, reist in dem Bestreben zwischen
Belgrad und Pristina hin und her, die Verhandlungen
Wiederaufleben zu lassen. Ein Aspekt der Mission von
Botschafter Hill ist die Arbeit mit den Kosovo-Albanern
an der Förderung der Aufstellung eines bevollmächtigten Verhandlungsteams, das das gesamte politische
Meinungsspektrum der kosovo-albanischen Gemeinde
repräsentiert, einschließlich extremistischer Elemente.
Solange die Ansichten derjenigen auf der albanischen
Seite, die sich an den Kämpfen beteiligen, nicht
vertreten sind, sind sowohl eine Einstellung der
Feindseligkeiten als auch die Aushandlung einer
umfassenden politischen Lösung unwahrscheinlich.
Aus diesem Grund haben wir einen Dialog mit der UCK
eingeleitet. Die UCK ist vor Ort eine Realität, und so
sehr wir auch die Anwendung von Gewalt auf allen
Seiten verurteilen, wird sie doch bei jeglicher Einstellung von Feindseligkeiten eine Rolle spielen.
Botschafter Hill ist mehrmals - auch diese Woche - mit
Präsident Milosevic zusammengetroffen, um ihn zur
Erfüllung seiner Verpflichtungen und den für eine
Wiederbelebung der Aussichten auf Dialog notwendigen Schritten zu drängen. Der Druck auf Milosevic
wächst. Die neuen Sanktionen - von denen das
letzten Monat von der Kontaktgruppe vereinbarte
Investitionsverbot die wichtigste darstellt - haben die
ohnehin instabile serbische Volkswirtschaft weiter
unterminiert. Eine vom US-Finanzministerium vor
kurzem durchgeführte Beurteilung der Volkswirtschaft
der Bundesrepublik Jugoslawien kam zu dem Schluß,
daß die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen
in der Bundesrepublik Jugoslawien auf einen neuen
Tiefpunkt gesunken sind, weshalb das Land zweifelsohne als "der kranke Mann Europas" bezeichnet
werden kann.
Zusätzlich zur Kontaktgruppe arbeiten wir in anderen
multilateralen Foren daran sicherzustellen, daß für
Belgrad immer mehr auf dem Spiel steht. In New York
führen wir Konsultationen mit Freunden und Verbündeten über mögliche Aktionen im UN-Sicherheitsrat zur
Unterstützung der Forderungen der Kontaktgruppe.
Als Teil unserer umfassenderen regionalen Strategie
haben wir bereits das Mandat für UN-Operationen in
Bosnien, auf der Halbinsel Prevlaka und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien erneuert.

AMERIKA DIENST 16

�In den NATO-Räten ist die Planung für mögliche
Aktionen der NATO beinahe abgeschlossen.
Obwohl noch keine Entscheidung bezüglich des
Einsatzes von Gewalt getroffen wurde, bleiben alle
Optionen - einschließlich einer umfangreichen militärischen Intervention im Kosovo - auf dem Tisch. Die
Planung der NATO verläuft fristgerecht, und Milosevic
weiß, daß das keine leere Drohung ist.

Serben und anderer. Die Vereinigten Staaten und
andere in der internationalen Gemeinschaft haben den
Mißbrauch der serbischen Sicherheitskräfte im Kosovo
und den Einsatz willkürlicher und übermäßiger Gewalt
gegen albanische Nichtkombattanten hervorgehoben.
Wir haben darüber hinaus die Angriffe auf serbische
Zivilisten und deren Entführung durch die UCK verurteilt. Die Kosovo-Beobachtermission wird diesen
Berichten weiterhin nachgehen und der internationalen
Gemeinschaft möglichst bald Informationen zur
Verfügung stellen.

Die sich verschlechternde Situation im Kosovo ist eine
Bedrohung des regionalen Friedens und der Sicherheit. Die mögliche Ausweitung des Konflikts auf
Nachbarstaaten ist weiterhin die größte Sorge, und wir
und unsere Verbündeten haben Präsident Milosevic
gegenüber klar gemacht, daß eine Ausweitung des
Konflikts auf Albanien oder Mazedonien nicht toleriert
wird. Albanien ist besonders gefährdet. Die albanischen Behörden haben wenig Kontrolle über das
nördliche Drittel ihres Landes - eine Situation, die
andauernde Instabilität im Kosovo schürt und auch von
ihr geschürt wird. Wir arbeiten mit der Regierung von
Albanien zusammen, um die Sicherheit im Norden zu
verstärken. Dazu zählt die internationale Ausbildung
der albanischen Polizei und eine völlig neue NATOZelle in Tirana für die Koordinierung der Zusammenarbeit durch die Partnerschaft für den Frieden. Die
jüngsten heftigen Gewaltakte in der Region Orahovac
und Berichte über auf albanisches Territorium abgefeuerte serbische Granaten unterstreichen die Dringlichkeit der Situation und die regionalen Auswirkungen
eines andauernden Konflikts.

Das Den Haager Tribunal hat sich zur Prüfung von
Berichten über mögliche Kriegsverbrechen im Kosovo
- beider Seiten - verpflichtet. In einem Fall wurden drei
serbische Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Belgrad
waren, um über die Internationale Organisation für
Migration einen Einwanderungsantrag in die Vereinigten Staaten zu stellen, von bewaffneten Albanern
aus einem Bus gezerrt und als Geiseln genommen.
Zwei der Entführten wurden freigelassen, aber einer der 26-jährige Djurdje Cuk - wird immer noch vermißt.
Unsere Abscheu über die Aktionen der serbischen
Sicherheitskräfte im Kosovo bedeutet nicht, daß den
albanischen Extremisten freie Hand gelassen werden
sollte. Weitere Gewalt - unabhängig davon, wer dafür
verantwortlich ist - wird eine politische Verhandlungslösung nur erschweren. Wir haben das den UCKAnführern gegenüber in unseren Gesprächen bis
heute klar gemacht und werden bei künftigen Treffen
weiterhin die Bedeutung von Zurückhaltung unterstreichen.

Es gibt nahezu 14.000 registrierte Flüchtlinge in
Nordalbanien, die vor der Gewalt im Kosovo geflohen
sind. Über 80.000 wurden innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien umgesiedelt, fast 22.000 von ihnen
in Montenegro.
Die Vereinigten Staaten haben
beträchtliche Hilfe zur Verfügung gestellt - zur Zeit 8,5
Millionen Dollar - um den internationalen Hilfsorganisationen bei der Bewältigung der Krise behilflich zu sein.
Zu diesen Bestrebungen zählt der Schutz von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie die Eventualfallplanung
in Mazedonien.

Berichte, daß die serbische Polizei für das Verschwinden einer großen Zahl von Kosovo-Albanern verantwortlich ist, sind außerordentlich besorgniserregend.
Wir haben die Notwendigkeit mehrfach unterstrichen,
daß die Belgrader Behörden unabhängige forensische
Ermittler zulassen, die Beschuldigungen standrechtlicher Erschießungen in der Region Drenica im Kosovo
prüfen sollen. Wir erwarten, daß das Internationale
Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien und unsere Verbündeten dies zur Priorität
erklären.

Wir müssen unsere Investitionen in die Stabilität in
Mazedonien schützen und die kontinuierliche Entwicklung demokratischer Institutionen in dem Land fördern.
Die UNPREDEP spielt weiterhin eine wichtige Rolle,
und es besteht generelle Übereinstimmung, daß das
Mandat verlängert werden sollte. Wir haben unsere
bilateralen Hilfsbestrebungen in Mazedonien von 2
Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf über 11
Millionen Dollar in diesem Jahr aufgestockt, und wir
haben ein NATO-Clearinghaus für die Sicherheit
Mazedoniens eingerichtet, um multilaterale Hilfe
anzukurbeln.

Belgrads Verhängung einer Lebensmittelblockade
gegen den Kosovo verschärft die bereits gefährliche
Situation für die albanische Bevölkerung im Kosovo.
Wir haben glaubwürdige Berichte gesehen, daß
Belgrad die Nahrungsmittellieferanten angewiesen hat,
nur staatlich betriebene Geschäfte im Kosovo zu
beliefern, die alle von den Serben kontrolliert werden.
Wir habe diese Art von Einschüchterungstaktik schon
vorher erlebt und verurteilen solche Aktionen als
Verletzung der Menschenrechte und zynische Manipulation der Schwächsten im Kosovo.

Wir sind auch besorgt über die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Kosovo - ethnischer Albaner, ethnischer

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Wir sind weiterhin der Überzeugung, daß eine Lösung
für die Probleme des Kosovo innerhalb der bestehenden internationalen Grenzen gefunden werden muß

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�und kann. Die gesamte internationale Gemeinschaft
ist sich bewußt, daß nur eine richtige Selbstverwaltung
des Kosovo die legitimen Beschwerden der kosovoalbanischen Gemeinde beheben und Stabilität in
dieser instabilen Region fördern kann. Der UCK wird
es weder gelingen, sich mit Waffengewalt von der
Bundesrepublik Jugoslawien zu lösen, noch kann
Belgrad seine Autorität im Kosovo mit einem Schlagstock in eiserner Faust bewahren. Für keine Seite gibt
es eine Lösung auf dem Schlachtfeld. Nur offener
Dialog und ernsthafte Verhandlungen können die
derzeitige Pattsituation überwinden.
Es gibt keine schnelle Lösung für den Kosovo. Es
handelt sich um ein schwieriges und komplexes
Problem, das über die Jahre durch Belgrads Kompromißlosigkeit und Mangel an demokratischen Institutionen geschaffen wurde. Die amerikanische
Führungsrolle wird unerläßlich sein, um Fortschritte bei
diesem Problem zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten haben beträchtliche Investitionen in die Stabilität auf dem Balkan getätigt.
Andauernde Unruhen und Gewalt im Kosovo bedrohen
diese Investitionen. Wir müssen zügig und entschlossen handeln, um den Konflikt im Kosovo zu

beenden, angefangen mit einem Abkommen über die
Einstellung der Feindseligkeiten.
Eine wirklich tragfähige und dauerhafte Lösung des
Kosovoproblems wird die Entwicklung starker demokratischer Institutionen in Serbien und der Bundesrepublik Jugoslawien erfordern. Es muß eine neue
Generation von Politikern - mit größerem Verständnis
und Respektierung der Tradition der europäischen
Demokratie - geben, die ihr Schicksal selbst in die
Hand nimmt. In Montenegro hat Präsident Milo
Djukanovic diesen Prozeß bereits begonnen. Seine
Reformpolitik - und die seiner neuer Regierung - hat
unsere uneingeschränkte Unterstützung. Serbien
hinkt hinterher, aber selbst in Serbien gibt es einige
vielversprechende junge Politiker, und wir tun alles in
unserer Macht Stehende, um ihre Entwicklung zu
echten Führungspersönlichkeiten zu unterstützen.
Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen nochmals für die
Aufmerksamkeit danken, die Ihr Ausschuß diesem
Problem widmet. Wir möchten weiterhin eng mit Ihnen
und den anderen Mitgliedern des Ausschusses
zusammenarbeiten, um eine friedliche Lösung der
Probleme des Kosovo zu fördern.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�NATO
12. August 1998

Die Herausforderungen der NATO im 21. Jahrhundert
Rede von Verteidigungsminister Cohen

WASHINGTON - (AD) - Wir brauchen "eine neue NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht, die vor uns
liegenden Chancen zu ergreifen und die uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden", erklärte USVerteidigungsminister William Cohen am 30. Juni 1998 beim Transatlantic Forum" der Westeuropäischen Union
in Washington. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers unwesentlich gekürzt.

Dieses Frühjahr vor ungefähr 50 Jahren erklärte
Walter Lippman, die Welt befinde sich in einer gefährlichen Strömung. Die Tschechoslowakei war hinter
dem kommunistischen Eisernen Vorhang verschwunden. Kommunistische Rebellen bedrohten die Bevölkerung Griechenlands und der Türkei, und kommunistische Blockaden schnitten Berlin ab, was zur
historischen Berliner Luftbrücke führte. 1948 war klar,
was der Journalist Norman Cousins damals mit
folgenden Worten beschrieb: "Es schien sich ein neuer
Krieg anzubahnen."
Um diesen Krieg zu vermeiden, kamen Diplomaten
aus den europäischen Demokratien in Brüssel zusammen und verpflichteten sich ihrer gemeinsamen
Verteidigung. Ihre Entschlossenheit trug dazu bei,
Amerika davon zu überzeugen, daß Europa bereit war:
Bereit zur Übernahme der Last, der in Freiheit lebenden Hälfte Europas die Freiheit zu bewahren; bereit
zum Wiederaufbau seiner Nationen mit Hilfe des
Marshallplans; und ein Jahr später bereit, gemeinsam
mit den Vereinigten Staaten einem neuen Bündnis,
genannt NATO, beizutreten. Tatsächlich bedeutete
der Brüsseler Pakt von 1948, der schließlich zur
Westeuropäischen Union führte, einen Schritt zur
kollektiven Verteidigung, die während des letzten
halben Jahrhunderts der Kern der transatlantischen
Partnerschaft gewesen ist.
Heute befindet sich die Welt nicht mehr in einer
gefährlichen Strömung, aber sie ist immer noch in
Gefahr. Auf der einen Seite der Welthalbkugel sehen
wir bemerkenswerte neue Chancen, boomende
heimische Märkte, atemberaubende Technologien und
mutige neue Demokratien. Auf der anderen Seite

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sehen wir jedoch alarmierende neue Gefahren,
verbrecherische
Regime,
wiederaufflammenden
ethnischen Haß und exotische biologische Viren und
Seuchen. Aus diesem Grund brauchen wir eine neue
NATO für das neue Jahrhundert, die uns ermöglicht,
die vor uns liegenden Chancen zu ergreifen und die
uns konfrontierenden Gefahren zu vermeiden.
Die NATO ist in erster Linie ein Militärbündnis. Ihre
wichtigste Mission bleibt die kollektive Verteidigung
ihrer Mitgliedstaaten. Gleichzeitig müssen wir jedoch
sicherstellen, daß die NATO den neuen Gefahren
begegnen kann, indem sie regionale Stabilität fördert,
Konflikte vermeidet, Gefahren und Bedrohungen durch
Massenvernichtungswaffen verringert und Aggression
und Zwang jenseits ihrer Grenzen abschreckt.
In dieser Hinsicht ist die laufende Mission zur Stabilisierung Bosniens ein ausgezeichnetes Beispiel. Es ist
eine Operation unter Leitung der NATO.
Daran
beteiligt sind viele Nationen, die im Rahmen der
Partnerschaft für den Frieden bereits gemeinsame
Manöver mit der NATO abhalten. Die Operation
konzentriert sich auf ein Land außerhalb des NATOTerritoriums und zielt auf die Gewährleistung regionaler Stabilität ab. Der Erfolg der NATO-Präsenz in
Bosnien zeigt sich an der enormen Umgestaltung, die
ich während der letzten Jahre beobachtet habe. Es
gibt neue bosnisch-serbische Führer, die Hoffnung
wecken, daß alle Bosnier eines Tages zusammen
arbeiten und leben können.
Eine neue gemeinsame Flagge weht jetzt über den
Regierungsgebäuden in Bosnien, und seit letzter
Woche gibt es eine neue gemeinsame Währung.

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�Immer mehr Familien kehren nach Hause zurück, und
immer mehr Kriegsverbrecher müssen sich in Den
Haag verantworten.
Aber obwohl Bosnien den richtigen Kurs eingeschlagen hat, ist die harte Arbeit der NATO noch nicht
beendet. Der Erfolg der für diesen Herbst anberaumten Wahlen ist von entscheidender Bedeutung. Und
der Kosovo ist eine ernste Mahnung, daß der Balkan
immer noch ein Pulverfaß sein kann. Daher ist es
richtig, daß wir unsere stabilisierende Präsenz in
Bosnien aufrechterhalten und dazu beitragen sicherzustellen, daß eine dauerhafte Friedensstruktur Fuß
fassen kann.
Um in Zukunft Operationen wie die in Bosnien durchzuführen, muß die NATO - und insbesondere die
europäischen NATO-Mitgliedstaaten - jedoch die
Fähigkeit zur Verlagerung ihrer Streitkräfte haben.
Glücklicherweise möchte Europa eine aktivere Rolle
bei der europäischen Sicherheit spielen. Die Vereinigten Staaten stimmen dem zu. Unser Engagement
für eine größere Rolle Europas zeigt sich an unserer
Unterstützung der WEU als Medium für die Stärkung
der europäischen Säule der NATO. Unser Engagement wird auch in unserer Unterstützung für das
Konzept der Alliierten Streitkräftekommandos und der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität
(ESVI) innerhalb der NATO offenbar, die trennbare,
aber nicht getrennte Mittel des Bündnisses für mögliche Operationen unter Führung der WEU zur Verfügung stellt.
Wenn Bosnien die Gestaltung zukünftiger Missionen
verrät, verrät es auch die Schwierigkeiten, die aus
einem großen Gefälle zwischen den Fähigkeiten der
Streitkräfte einer Koalition entstehen können. Um eine
flexiblere NATO aufzubauen, muß das Bündnis
mehrere Schritte zur Aufstellung vollständig kompatibler Streitkräfte unternehmen.
Erstens müssen wir die Interoperabilität unserer
Streitkräfte wirklich verbessern. Ich möchte Ihnen ein
Beispiel nennen. In den frühen Tagen der Dislozierung nach Bosnien hatten wir große Schwierigkeiten,
miteinander zu kommunizieren, weil wir inkompatibles
Gerät besaßen. Seitdem haben wir uns mit diesen
Mängeln befaßt, aber die Truppen müssen immer noch
mehr Informationen und Daten auf effizientere Weise
austauschen. Daher muß die Verbesserung unserer
Kommunikationsfähigkeit eines unserer Ziele sein nicht durch völlig gleiches Gerät, sondern durch die
Kompatibilität der gesamten Systeme.
Zweitens müssen wir unsere Fähigkeit zur Fortsetzung
der Operationen unserer dislozierten Truppen bewahren. Bosnien erinnert uns erneut daran, daß
Operationen lange dauern können und möglicherweise selbst die am besten vorbereiteten Logistiksysteme vor große Herausforderungen stellen. Die

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Befehlshaber müssen nicht nur wissen, daß Gerät
bereit steht, sondern auch, wo es sich befindet und
wann es ankommt. Daher müssen wir sicherstellen,
daß unsere Streitkräfte durch modernste logistische
Nachschubsysteme gestützt werden - durch einen
ununterbrochenen Fluß entscheidender Informationen
zwischen denjenigen in den Nachschublinien und den
Truppen an den Frontlinien.
Je mehr wir uns auf computergestützte Informationssysteme verlassen, desto stärker sind wir den Cyberterroristen ausgesetzt, die sich unbegrenzte Möglichkeiten zur Lähmung unserer Infrastruktur, elektrischen
Versorgungsnetze, Banken-, Finanz- und weltraumgestützten Kommunikationssysteme ausdenken. Alle
diese Einrichtungen sind anfällig für Angriffe durch
Cyberterroristen. Daher muß sich die NATO auf
Methoden und Technologien konzentrieren, die diese
neuen gezielten Versuche vorhersehen und vereiteln,
Giftpfeile auf unsere Achillesferse zu schießen - oder
in diesem Fall in unseren Datenbanken Gift zu legen.
Die NATO muß sich auch gegen die Bedrohung durch
chemische und biologische Waffen impfen lassen,
damit unsere Streitkräfte auf jedem Schlachtfeld
kämpfen und gewinnen können, selbst wenn es durch
biologische oder chemische Waffen verseucht ist. Wir
sind bereit zur Stärkung unserer Fähigkeit, diese
neuen Terrorwaffen zu entdecken und uns dagegen zu
verteidigen. Beispielsweise haben wir die Anweisung
gegeben, daß alle unsere Soldaten gegen Anthrax
geimpft werden. Wir impfen unsere gesamte Streitmacht. In einigen Ländern, beispielsweise Großbritannien, geschieht das auf freiwilliger Basis. Bei uns
ist es vorgeschrieben. Wir haben dieses Vorhaben
begonnen und werden es auch fortsetzen.
Das Bündnis hat also die Doktrin entwickelt, Pläne zur
Abwehr dieser Massenvernichtungswaffen zu machen.
Aber um den amerikanischen Dichter Robert Frost zu
paraphrasieren, müssen wir in diesem besonderen Fall
noch Meilen gehen, bevor wir uns ausruhen oder
essen dürfen.
Schließlich müssen wir die Vollständigkeit unserer
Informationssysteme verbessern. Das Jahrtausend
droht, nicht mit einem Knall, sondern mit einem Absturz
zu beginnen - dem Absturz der Computer, deren
Benutzer in der Regierung dem drohenden Jahr 2000Problem gegenüber entweder blind und gleichgültig
sind oder einfach davon überwältigt werden. Wir
dürfen nicht vergessen, daß unsere Informationssysteme verkettet und nur so stark und sicher wie ihr
schwächstes Glied sind.
Dies sind einige der Herausforderungen, denen wir
gegenüberstehen, wenn wir die NATO ins 21. Jahrhundert bringen. Wir werden aber auch mit Herausforderungen bei der Aufnahme neuer NATO-Mitgliedstaaten konfrontiert.

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�Ich verließ Brüssel vor einigen Wochen in der Zuversicht, daß unsere europäischen Verbündeten schon
bereit sind, ihren gerechten Teil der Last bei der
Integration dieser wiedergeborenen Demokratien in
das Bündnis zu übernehmen. Vor einigen Wochen
besuchte ich Polen und sah dort ein Volk, das durch
die Dynamik des Aufbaus einer stabilen Demokratie,
einer freien Gesellschaft und eines vielversprechenden freien Marktes belebt wurde.
Sehr interessant fand ich eine Wand im Büro des
Verteidigungsministers. Er hatte eine Plakette und
einen Stern neben allen Ländern angebracht, die die
Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO ratifiziert
haben. Ich freute mich zu sehen, daß die Vereinigten
Staaten dort neben sechs weiteren Staaten vertreten
waren, die den Beitritt Polens, Ungarns und der
Tschechischen Republik zur NATO befürwortet haben
und Sicherheit nicht nur gewährleisten, sondern auch
genießen.
Um die Dynamik des Bündnisses für das 21. Jahrhundert zu bewahren, müssen wir jedoch weiterhin
auch jene Partner mit einbeziehen, die keine NATOMitgliedstaaten sind. Der Erfolg der Partnerschaft für
den Frieden zeigte sich an einem wahrhaft unglaublichen Anblick in Brüssel. Als ich vor einigen Wochen in
Brüssel war und meine Blicke entlang eines Tisches
schweifen ließ, der diesem hier ähnelt, sah ich nicht
nur NATO-Mitgliedstaaten, sondern auch die Vertreter
der PfF-Nationen: Gesichter aus Deutschland, Georgien, Kanada und Kasachstan an ein und demselben
Tisch im Euro-Atlantischen Partnerschaftsrat, die
miteinander sprachen und arbeiteten - ein Anblick, der
noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Zu sehen, wie Vertreter von Staaten wie Litauen sich
mit dem russischen Verteidigungsminister zusammensetzen und über Wege zu Zusammenarbeit, gemeinsamen Übungen und Ausbildung sprachen, war ein
wahrhaft bemerkenswerter Anblick.
Ebenso wie unsere Offiziere, die PfF-Operationen und
-Übungen planen, bin ich der Ansicht, daß offensichtlich ist, warum die PfF jetzt einen unverzichtbaren
Grundstein für regionale Stabilität und Sicherheit
darstellt. Wir müssen sicherstellen, daß die PfF
bestehen bleibt, um die Nationen auf eine potentielle
NATO-Mitgliedschaft vorzubereiten, aber auch zusehen, daß sie um ihrer selbst willen erhalten bleibt. Das
Programm der Partnerschaft für den Frieden sollte die
Nationen vorbereiten, die nicht unbedingt eine NATOMitgliedschaft anstreben, ihnen die Gelegenheit zu
gemeinsamen Übungen mit uns, zum Testen ihres
Ansatzes zur Lösung militärischer Probleme und
einem Erfahrungsaustausch mit uns sowie zur Beobachtung unserer Manöver und Problemlösung
geben. Das ist an sich schon eine besondere Erfahrung. Daher sollten wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß die Länder
die Gelegenheit erhalten, sich auf eine NATO-Mitglied-

AMERIKA DIENST 16

schaft vorzubereiten, aber auch, die PfF um ihrer
selbst willen fortzusetzen.
Die Frage, wie diese Länder am besten auf eine
NATO-Mitgliedschaft vorbereitet werden können, war
das Hauptthema einer Konferenz in Kopenhagen, an
der ich teilgenommen habe. Unter Führung von
Verteidigungsminister Haekkerup kamen alle Verteidigungsminister der baltischen und nordischen Nationen
zusammen, um über die weitere Schaffung von
Bedingungen für die baltischen Staaten zu sprechen,
damit diese durch die offene Tür der NATO gehen
können. Und wir erinnerten unsere baltischen Freunde
daran, daß zwar keinem Land eine Mitgliedschaft
garantiert wird, aber auch keinem eine Mitgliedschaft
aufgrund seiner geographischen Lage verweigert wird.

Eine Nation, deren geographische Lage sie in die
einzigartige Position versetzt, alte Trennlinien zu
überbrücken, ist die Ukraine. Die Ukraine nähert sich
jetzt der europäischen Hauptströmung an - auf der
Grundlage der vor einem Jahr zwischen der NATO und
der Ukraine abgeschlossenen Charta. Als ich mich mit
meinen Amtskollegen in der NATO zusammensetzte,
kamen wir beim ersten Treffen der NATO-UkraineKommission in Brüssel erstmals mit den Ukrainern
zusammen. Wir bekräftigten erneut, daß eine unabhängige, demokratische, wohlhabende und stabile
Ukraine für die neue Sicherheitsordnung eines ungeteilten Europas unerläßlich ist.
Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auch auf die
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
richten.
Auch das war im NATO-Hauptquartier
offensichtlich. Die historische Grundakte vom vergangenen Jahr verpflichtet die NATO und Rußland zu
einer Zukunft der Konsultationen und Kooperation. Wir
führten während der spannungsgeladenen Tage der
Kosovo-Krise, über die wir hier sicher gleich sprechen
werden, sehr offene Diskussionen mit dem russischen
Verteidigungsminister. Dies ist aber auch ein Teil des
sich abzeichnenden neuen Europas. Die Tatsache,
daß sich Nationen zu Gesprächen mit Rußland über
die europäische Sicherheit betreffende Fragen zusammensetzen, ist eine bemerkenswerte Veränderung, die während einer sehr kurzen Zeitspanne
stattgefunden hat.
Unsere Vision der NATO für das 21. Jahrhundert ist
wirklich umfassend. Und während die düsteren Bilder
des Kalten Krieges langsam aus unserem kollektiven
Gedächtnis schwinden, besteht - mit den Worten von
T.S. Eliot - die Gefahr, daß "uns die plötzliche Erleuchtung kommt, daß wir die Erfahrung machten, aber nicht
die Bedeutung erfaßten". Unsere Hoffnung und unsere
Herausforderung für die Zukunft liegt darin, zukünftigen
Generationen in Europa die Erfahrung eines Kontinents zu ersparen, der gespalten ist - auf dem die eine
Hälfte in Gefahr, die andere in Frieden lebt; die eine

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�Hälfte in Angst, die andere in Freiheit. Es ist aber auch
unsere Herausforderung sicherzustellen, daß sie die
Bedeutung dieses Jahrhunderts erfassen, daß Freiheit
nicht umsonst erlangt werden kann, sondern unsere
kollektive Stärke, Entschlossenheit und Kraft zur

Schaffung einer Grundlage der Freiheit in Europa
verlangt, die das Vermächtnis für zukünftige Generationen sein wird,
Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�LUFTBRÜCKE
12. August 1998

Hamre: "Berlin ist herausragendes Symbol
unserer Freiheit"
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister
Dr. John Hamre aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke am 23. Juli 1998 im National Air and
Space Museum in Washington gehalten hat.

Zunächst möchte ich den Veranstaltern des heutigen
Abends für ihren großzügigen Beitrag zu dieser Feier
danken: Der United Services Organization in Washington, der Deutschen Botschaft, der Stadt Berlin,
dem German Marshall Fund, dem American Council on
Germany und dem American Institute for Contemporary German Studies. Wir sind Ihnen sehr dankbar, daß
Sie diese amerikanischen Helden ehren, die vor 50
Jahren ihrem Land und der Freiheit dienen wollten.

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie
sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol - ein
Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit. Als die
Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die mit
fast unüberwindbaren Schwierigkeiten konfrontiert
waren, Felder zu Rollbahnen machten und die Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer Brücke in
der Luft entluden.

Ich möchte auch den Deutschen meinen Dank dafür
aussprechen, daß sie während der vergangenen 50
Jahre amerikanische Soldaten, Seeleute, Flieger und
Marineinfanteristen so herzlich willkommen geheißen
haben. Ich danke Ihnen.

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie auch die
Zukunft, denn die Luftbrücke war wirklich ein Teil des
Kalten Krieges.

Während wir den 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke
feiern, feiern wir auch 50 Jahre der dauerhaften
Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Es ist eine Freundschaft, die in
unseren gemeinsamen Opfern, unseren gemeinsamen
Erfolgen und unserer gemeinsamen Vision von
Demokratie und Freiheit gründet. Es ist eine Freundschaft, die wir Amerikaner zu schätzen wissen und
auch im nächsten Jahrhundert pflegen möchten.

An jedem Tag der Luftbrücke donnerten unsere Piloten
durch den deutschen Luftraum in einer Schlacht der
Ideen, nicht der Kugeln - einer Schlacht um Freiheit
und Demokratie. Und sie machten einen der dunkelsten Tage der Freiheit zu einem der größten Triumphe
der Freiheit.

Die Freundschaft zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten wurde an einem der definierenden
Augenblicke dieses Jahrhunderts geboren. Vor 50
Jahren fiel Joseph Stalins Eiserner Vorhang um ein
freies Berlin, und das letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs wurde zum ersten Schlachtfeld des Kalten
Kriegs. In den frühen Tagen der Blockade bat der
Berliner Bürgermeister Ernst Reuter eindringlich:
"Völker der Welt, schaut auf Berlin!"

AMERIKA DIENST 16

Für Amerika stellte die Luftbrücke einen Weckruf dar.
Sie brachte uns die Erkenntnis, daß wir uns nicht hinter
die Sicherheit unserer Küsten und der atlantischen
Barriere zurückziehen konnten. Nach zwei Weltkriegen bestätigte die Luftbrücke, daß die amerikanische und europäische Sicherheit untrennbar miteinander verknüpft sind. Die Luftbrücke bewies, daß
Vermeidung von Tyrannei und Zerstörung in der
Zukunft Wachsamkeit und Engagement in der Gegenwart verlangen.
Und sie bekräftigte erneut, daß
Freiheit nie umsonst erlangt werden kann.

Seite 1

�Es darf keinen Zweifel daran geben: Die Geschichte
wird die Ereignisse in Berlin nicht vergessen - Ereignisse, die zeigen, daß der Geist der Freiheit die
mächtigsten Mauern der Unterdrückung niederreißen
kann. Heute erinnert uns dieser Geist daran, daß
Amerika in der Welt und in Europa engagiert bleiben
muß. Dieser Geist lebt fort, inspiriert und nährt das
transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, den Europäern bei der Gestaltung ihrer
Zukunft zu helfen. Er ist lebendig, wenn wir neue
Brücken bauen und Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die Hand der Freundschaft und NATOMitgliedschaft reichen. Er ist lebendig in der Partnerschaft für den Frieden und in unseren Bestrebungen
zur Schaffung einer Grundlage der Zusammenarbeit
mit den im Übergang befindlichen Ländern wie Rußland und die Ukraine. Und er ist lebendig, wenn wir an
Orten wie Bosnien gegen den Haß angehen. Tatsächlich hilft uns der Geist von Berlin - der Geist der
Freiheit - alte Trennlinien zu überwinden, um unseren
europäischen Freunden beim Aufbau eines neuen
Europas für ein neues Jahrhundert zu helfen.
Letzten Monat hatte ich die Ehre, an der Eröffnung
des AlliiertenMuseums teilzunehmen. Das Alliierten-

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Museum beheimatet jetzt eines der bekanntesten
Symbole des Kalten Krieges, das Wachhaus Checkpoint Charlie. Der Checkpoint Charlie ist eines der
Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen
der Amerikaner und aller Verbündeten hat. Er war der
Übergang zur Freiheit und ein schwacher aber
trotziger Stützpunkt gegen die Tyrannei.
Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem Museum in
Berlin zu sehen - seine Arbeit als Wachhaus ist getan.
Jetzt wollen wir uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies
benötigen. Wir wollen uns dem Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für
Betonmauern und Stacheldraht gibt, um Menschen im
Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns
dem Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der
Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Wir Amerikaner wollen uns erneut dazu
verpflichten, aktive Partner in Europa zu sein. Wir
wollen den Mut derjenigen als Symbol dieses Engagements nehmen, die Piloten der Luftbrücke waren. Und
wir wollen Berlin immer als herausragendes Symbol
dieser Freiheit ansehen, die wir hochhalten und immer
verteidigen müssen. Vielen Dank.

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�WIRTSCHAFT
12. August 1998

Die globale Wirtschaftslage und ihre
Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Finanzministers
Lawrence Summers vor der National Governors Association in Milwaukee, Wisconsin, vom 4. August 1998.

Ich möchte den Großteil meiner heutigen Ausführungen auf die Erörterung der globalen Wirtschaftslage,
der Reaktion der Vereinigten Staaten darauf und der
unerläßlichen Rolle des IWF bei dieser Reaktion
verwenden. Ich werde mit einigen Worten zu den
Gegebenheiten hier in Amerika beginnen.
Die amerikanische Volkswirtschaft ist heute die
stärkste seit einer Generation: 16 Millionen neue
Arbeitsplätze in den vergangenen fünfeinhalb Jahren,
stabile Preise, Reallöhne, die schneller als in den
letzten 25 Jahren steigen, und ein nicht mehr existierendes Haushaltsdefizit. Beim Amtsantritt der ersten
Clinton-Administration wurde für 1998 ein Defizit von
357 Milliarden Dollar prognostiziert. Wie Sie wissen,
erwarten wir heute einen beträchtlichen Haushaltsüberschuß.
Diese Erfolge stellten sich ein, weil unsere Maßnahmen klug waren und - im tieferen Sinne - weil
Amerika hervorragend in der Lage ist, die von Daniel
Yergin beschriebenen Vorteile zu nutzen.
Aufstrebende Märkte ebnen den Weg für die erste
wirklich globale Wirtschaft der Welt. Länder mit drei
Milliarden Einwohnern haben sich dem Markt angeschlossen, und die Bevölkerung erlebte eine
Verdoppelung, manchmal eine Verdreifachung der
Einkommen in einer einzigen Generation. Und wenn
Sie an die aufstrebenden Märkte denken - an Lateinamerika, Zentral- und Osteuropa, an Asien - dann ist
Amerika mit all diesen Regionen auf einzigartige Weise
verbunden und in der einzigartigen Lage, von ihnen zu
profitieren.

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Die Informationstechnologie und das moderne wettbewerbsfähige Finanzwesen katapultieren uns in ein
postindustrielles Zeitalter. Und wenn Sie darüber
nachdenken, was diese neue Wirtschaft bedeutet - sei
es AIG bei Versicherungen, McDonalds bei Schnellimbißketten, Waltmart im Einzelhandel, Microsoft bei der
Software, die Harvard University im Bildungsbereich dann sind die führenden Unternehmen amerikanisch.
Und dennoch "kennt die Geschichte weder Ruhepausen noch Stagnation", wie es ein kluger ehemaliger
US-Außenminister einmal formuliert hat. So stark
unsere Volkswirtschaft ist, so gut wir für den Wettbewerb gerüstet sind - unsere Fähigkeit, diesen Erfolg
in einer noch enger verflochtenen Welt fortzusetzen,
wird in hohem Maße von den Ereignissen jenseits
unserer Küsten abhängen. Und wenn man sich auf
der Welt umblickt, dann gibt es heute enormen Grund
zur Sorge.
I. Eine entscheidende Zeit für die globale Wirtschaft
Was als asiatische Finanzkrise bezeichnet wird, hat
heute nicht nur in diesen Ländern, sondern weltweit
äußerst beträchtliche Auswirkungen.
Die Volkswirtschaften von Thailand, Indonesien, Korea
und Malaysia werden voraussichtlich alle in diesem
Jahr beträchtlich schrumpfen - im Falle Indonesiens
um über 12 Prozent - wobei Arbeitslosigkeit und
Inflation in ungeahnte Höhen schnellen.
Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt,
befindet sich seit sieben Jahren in einer Rezession
und sieht sich mit einer Bankenkrise konfrontiert, die

Seite 1

�um ein Vielfaches größer ist als unsere Krise der Sparund Darlehenskassen Anfang der achtziger Jahre.
In Südafrika, wohin die Vereinigten Staaten mehr
exportieren als in alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion, erlebten wir in den vergangenen drei Monaten
eine Abwertung des Rand um über 20 Prozent.
Und in Rußland werden die andauernden Strukturprobleme durch die Auswirkungen der Asienkrise
verschärft und werfen ernsthafte Fragen bezüglich der
Zukunft auf. Rußlands Probleme wiederum haben das
Potential, die Probleme Zentraleuropas - und der Welt
- zu werden.
Täuschen Sie sich nicht. Die Eindämmung dieser
Probleme ist von entscheidender Bedeutung für die
Zukunft Amerikas. Es geht um die Sicherung amerikanischer Arbeitsplätze, amerikanischer Spareinlagen
und der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein Drittel unseres Wachstums in dieser Expansionsphase ist auf den Handel zurückzuführen, und er ist
der Hauptmotor für hoch bezahlte Arbeitsplätze. Mehr
als 30 Prozent dieser Exporte - und 40 Prozent
unserer Agrarexporte - gehen nach Asien. Die Exporte
in die krisengeschüttelten Volkswirtschaften sind Jahr
um Jahr bereits um nahezu ein Drittel zurückgegangen. Private Prognosen legen nahe, daß die Krise
dem Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten in
diesem Jahr einen halben, wenn nicht sogar einen
Prozentpunkt des Bruttoinlandsprodukts hinzufügen
könnte.
Erwägen Sie die Auswirkungen einer andauernden
Krise auf Kalifornien, von wo ungefähr die Hälfte der
Exporte des vergangenen Jahres nach Asien ging.
Oder Colorado, wo die Exporte nach Thailand allein
zwischen 1993 und 1996 um nahezu das Vierfache
zunahmen.
Die amerikanischen Märkte waren in den vergangenen
Jahren bemerkenswert stark - auch während des
letzten Jahres - und die amerikanischen Spareinlagen
hängen immer mehr von unseren Märkten ab. Die
Geschichte lehrt uns jedoch, daß die Leistung unserer
Märkte immer enger mit der Leistung der globalen
Märkte verbunden ist, weil die Rentabilität unserer
Unternehmen zunehmend von diesen Märkten abhängt, und weil immer mehr Kapital über internationale
Grenzen fließt.
Der Kalte Krieg ist vorüber, aber die Welt ist immer
noch ein gefährlicher Ort. In zu vieler Hinsicht - in
Bezug auf die nationalistischen Kräfte, wirtschaftliche
Frustration, schwelende ethnische Konflikte, den
Mangel an Nationen verbindenden Institutionen ähnelt Asien Europa an bestimmten Punkten Anfang
dieses Jahrhunderts. In diesem Licht gesehen, ist eine

Seite 2

das Ausbrechen der Krise verhindernde starke
Reaktion die Vorneverteidigung der Hauptinteressen
Amerikas.
Ich bin überzeugt, daß wenige Themen, mit denen wir
uns befassen, so wichtig für den Beginn des 21.
Jahrhunderts sind, wie unsere Bewältigung dieser
Krisen. Unser Ziel ist klar: Stabilität und Wachstum in
Asien und Rußland wiederherzustellen und die
Ausbreitung der Krise auf andere Märkte zu verhindern. Ich möchte kurz ausführen, was das bedeutet.
II. Eine effektive Reaktion
Unsere Reaktion bei der Bewältigung dieser Lage
gründet auf drei Prinzipien.
Erstens ist eine starke innenpolitische Antwort die
absolute Voraussetzung für die Wiederherstellung von
Stabilität, weil jede finanzielle Unterstützung für eine
Volkswirtschaft direkt versickert, wenn unsere Maßnahmen unsolide und unsere Regierungen nicht
glaubwürdig sind. Das bedeutet eine solide Geld- und
Fiskalpolitik; das bedeutet Maßnahmen zur Stärkung
des Finanzsystems und es bedeutet Strukturreformen,
um die Wirtschaft zu öffnen, die Transparenz zu
erhöhen und die Marktkräfte agieren zu lassen.
Zweitens enthalten souveräne Finanzkrisen in vieler
Hinsicht Elemente einer Prophezeiung - einen Sturm
auf die Banken, jeder erwartet ein Scheitern, oder
jeder erwartet von allen anderen, daß sie ein Scheitern
erwarten, das zu einem Run führt, sich als Erster
abzusetzen, und so das Scheitern verursacht. Temporäre konditionierte internationale finanzielle Unterstützung bietet den Ländern eine Brücke, um diese
Prophezeiung zu umgehen.
Drittens muß es starke Maßnahmen zur Unterstützung
des Wachstums in den führenden Volkswirtschaften
der Region geben, weil kein Land in einem Umfeld
regionaler Deflation und sinkender Nachfrage sicher
aus einer Krise hervorgeht.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin das
Ihre für die Bewahrung einer soliden
Wirtschafts- und Finanzpolitik tun, die die
Grundlage für das nachhaltige Wirtschaftswachstum bildet, das wir heute erleben.
Die Chinesen haben erkannt, daß ihr andauerndes Engagement zur Bewältigung der
Probleme ihres Finanzsektors und die Aufrechterhaltung einer stabilen Währung entscheidend für die Stabilität Asiens sein werden.
Japan, die größte asiatische Volkswirtschaft, spielt
eine noch entscheidendere Rolle. Die neue Regierung
hat die Bedeutung steuerlicher Maßnahmen zur

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�Ankurbelung der Inlandsnachfrage erneut bekräftigt
und geht entschlossen die Probleme im Finanzsektor
an. Aber nicht nur das Vertrauen hat abgenommen,
sondern auch der Spielraum für weiteren Aufschub.
Die Krise setzt sich weiter fort und beinhaltet sehr
große Herausforderungen. Es steht außer Frage, daß
die am stärksten betroffenen Länder enorme wirtschaftliche Härten spüren. Das ist angesichts des
massiven Abzugs von Privatkapital unvermeidlich. Es
ist jedoch ermutigend, daß es in den Ländern, die als
Erste betroffen waren und die entschiedensten
Maßnahmen ergriffen haben, Anzeichen für eine
Eindämmung gibt:
In Korea und Thailand ist der Run auf die Währung
beendet, und die Produktion zeigt Anzeichen für eine
Stabilisierung. Der Wert des koreanischen Won ist seit
Januar um mehr als 35 Prozent gestiegen, wodurch
sein Verfall zu nahezu vier Fünfteln wieder rückgängig
gemacht wird, und das Importvolumen ist in den letzten
Monaten tatsächlich angestiegen.
In Lateinamerika half eine schnelle Antwort auf den
Druck des Marktes in Brasilien bei der Wahrung der
Stabilität in einer Region, die vor nicht allzu langer Zeit
als höchst gefährdet angesehen wurde.
Der Fall Mexiko ist aufschlußreich. Anfang 1995
steckte Mexiko in der Krise und war nur wenige Tage
von der Zahlungsunfähigkeit entfernt. In jenem Jahr
schrumpfte die Wirtschaft um sechs Prozent. Aber
durch entschiedene Maßnahmen und gebundene Hilfe
der Vereinigten Staaten und des IWF wuchs sie im
darauf folgenden Jahr um über fünf Prozent und hat
diese Wachstumsrate seitdem beibehalten.
Die
Arbeitslosigkeit ist gesunken, Investitionen und
Reallöhne steigen.
Die Umsetzung der von mir angesprochenen Grundsätze beinhaltet zweifellos Fragen des Gleichgewichts.
Nationale Souveränität sollte respektiert, der nationalen Politik Rechnung getragen werden, und
Hilfsleistungen dürfen keine gegen die Helfenden
gerichteten heftigen Reaktionen hervorrufen. Diese
Kriterien müssen gegen glaubwürdige Maßnahmen
abgewogen werden, um die Krise einzudämmen, die
Gefahr zukünftiger Krisen zu verringern und das
Vertrauen zu erhöhen. In Asien bilden die im Zusammenhang mit der kapitalistischen Vetternwirtschaft
stehenden Probleme den Kern der Krise, und aus
diesem Grund müssen Strukturreformen den Großteil
der vom IWF angebotenen Lösung darstellen.
Wirtschaftswachstum - nicht Sparmaßnahmen - ist das
Hauptziel der Förderprogramme, aber die Wiederherstellung des Vertrauens in die Märkte ist für die
Wiederankurbelung
des
Wirtschaftswachstums
unerläßlich, wobei die Erzielung eines Gleichgewichts

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insbesondere dann schwierig ist, wenn die Banken in
Konkurs gehen und die Währungen verfallen. Es sollte
hervorgehoben werden, daß die Zinssätze in Korea
und Thailand fast wieder das Niveau von vor der Krise
erreicht haben und in realen Zahlen sogar weit unter
dem Niveau vor der Krise liegen. Und in Thailand hat
sich die Regierung entschlossen, die im IWF-Programm vorgesehene Ausweitung der Finanzleistungen
nicht voll auszunutzen.
Es muß ein Gleichgewicht zwischen dem Gebot der
Wahrung des Vertrauens und der Vermeidung eines
Ausstiegs von Investoren gefunden werden, die es
besser wissen sollten. Finanzminister Rubin hat oft
gesagt, er würde keinen Pfennig geben, um irgendeinen Gläubiger oder Investor zu unterstützen, aber
das Gebot der Schaffung von Vertrauen und der
Vermeidung von Katastrophen kann unter gewissen
Umständen zu Maßnahmen zwingen, die für einige
Gläubiger von Vorteil sind. Allerdings haben Investoren in Asien mit Ausnahme von Japan manchen
Schätzungen zufolge eine Dreiviertelbillion Dollar
verloren, teilweise infolge der von Korea und Indonesien sowie dem IWF eingeführten Programme für den
Abbau der Schulden des Privatsektors.
Ein letztes Gebiet, auf dem ein Gleichgewicht erzielt
werden muß, ist die Gewährung von gebundener Hilfe.
In jedem Krisenland liegt es im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft, das Vertrauen in die
Märkte zu stärken, während die nationalen Politiker
bestrebt sind, zügig aber klug vorzugehen. Dies ist ein
Grund, warum der IWF auf Veranlassung der Vereinigten Staaten begonnen hat, außerplanmäßige
Kredite mit Strafzinsen zu belegen.
III. Der weitere Weg
Die Vereinigten Staaten haben ein außerordentliches
Interesse an der weltweiten Eindämmung von Finanzproblemen. Am wichtigsten auf dem weiteren Weg
werden die von anderen Ländern, insbesondere Japan
und Rußland, unternommenen Schritte sein.
Die von Japan ergriffenen Maßnahmen zur Lösung
seiner Probleme und Ankurbelung seiner Wirtschaft
sind für die Zukunft der Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung.
Der Erfolg der russischen Regierung bei der Durchsetzung ihres Reformprogramms ist in wirtschaftlicher und
politischer Hinsicht von größter Bedeutung.
Und als weltweit größte und stärkste Volkswirtschaft
spielen wir ebenfalls eine entscheidende Rolle. Am
wichtigsten ist, unsere Wirtschaft stark zu halten,
weiterhin eine Vorbildfunktion zu erfüllen und andere
zu den notwendigen politischen Schritten zu ermutigen.

Seite 3

�Ebenfalls von Bedeutung ist es, dem IWF die erforderliche Unterstützung zu geben. Der IWF ist
bislang bei der Eindämmung der asiatischen Finanzkrise von entscheidender Bedeutung für uns gewesen.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Ohne den IWF
gäbe es keine effektive internationale Antwort auf die
Ereignisse in Asien, und wir wären zweifelsohne mit
einer weitaus ernsteren und für die amerikanischen
Interessen viel schädlicheren Situation konfrontiert als
es heute tatsächlich der Fall ist. Es hätte keine
gebundenen Reformen gegeben; es hätte Abwertungen größeren Ausmaßes und eine stärkere Verringerung der Fähigkeit dieser Länder gegeben, unsere
Waren zu kaufen. Und ich bin zuversichtlich, daß auf
die Vereinigten Staaten - bei Ereignissen wie diesem jetzt viel mehr Druck ausgeübt würde, mit Steuergeldern unilateral zu reagieren.
Die Krisen haben vom IWF ihren finanziellen Tribut
gefordert, und derzeit hat der IWF weniger als 10
Milliarden Dollar zur Verfügung, die er klug als Reaktion auf eine Intensivierung der derzeitigen Krise
einsetzen könnte. Darüber hinaus könnte der Mangel
an Ressourcen möglicherweise beim Auftreten
weiterer Probleme den Aktionsradius beschränken,
und durch die Verringerung des Vertrauens könnten
die mangelnden Mittel die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Probleme erhöhen. Die Zuweisung neuer Ressourcen an den IWF muß noch von den Vereinigten
Staaten genehmigt werden.
Die Erfüllung unserer Verpflichtungen kostet den
amerikanischen Steuerzahler keinen Pfennig. Die
Zuweisung von Mitteln für den IWF wird im Haushalt
mit keinerlei Nettokosten verbucht, weil der IWF wie
eine internationale Kreditgenossenschaft agiert. Wir
und andere Länder stellen eine Kreditlinie zur Verfügung, und wenn der IWF unsere Mittel in Anspruch
nimmt, erhalten wir im Gegenzug eine liquide, verzinste Forderung an den IWF.
Daß der IWF unerläßlich ist, heißt nicht, daß wir mit der
Institution in ihrer jetzigen Form zufrieden sein müssen. Der IWF muß transparenter und der Öffentlichkeit
stärker verantwortlich sein, mehr externe Beurteilung

* *

Seite 4

zulassen und daran arbeiten, den Märkten mehr
Informationen zur Verfügung zu stellen. Unter dem
Druck der Vereinigten Staaten hat der IWF auf diesen
Gebieten einige Fortschritte gemacht, ist aber noch
nicht am Ziel. Für mich ist klar, daß der weitere Weg
für die Vereinigten Staaten darin besteht," auch in
Zukunft Einfluß auf den Ansatz des IWF zur weltweiten
Wirtschaftspolitik zu nehmen.
Vielleicht liegt der weitere Weg aber auch darin, auf die
Zeit zurückzublicken, in der es wie in den dreißiger
Jahren keine wirksame internationale Reaktion auf
Finanzkrisen gab. Das Ergebnis waren konkurrierende Abwertungen, Deflation, Schrumpfung und weitverbreitete Wirtschaftskrisen, die allesamt die Weichen für
den in der Menschheitsgeschichte größten Konflikt
stellten.
Mein Nachredner heute morgen schrieb eloquent, die
Geschichte der amerikanischen Diplomatie schwanke
"zwischen Isolation und Engagement". In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren neigten wir in eine
Richtung - mit verheerenden Konsequenzen für
Amerika und die übrige Welt. Unter der Führung von
Franklin D. Roosevelt und unseren führenden Politikern nach dem Krieg schwangen wir entschieden - und
triumphierend - in die andere Richtung um.
Angesichts der Tatsache, daß wir unsere Außenstände
bei den Vereinten Nationen nicht begleichen und
wahrscheinlich unseren Sitz in der Generalversammlung verlieren, angesichts der Tatsache, daß wir keine
angemessene Finanzierung des IWF gewährleisten
können, kann die Schlußfolgerung nur lauten, daß wir
gegen ein anderes Ausschwingen des Pendels in
Richtung gefährlicher Isolation ankämpfen. Jetzt
stehen Amerikas Erfolg und wirtschaftliche Stärke in
Frage. Sehr stark in Frage steht heute auch unsere
Fähigkeit, diesen Erfolg gut zu investieren. Einfach
ausgedrückt: In einer solchen Zeit nicht in einen
effektiven IWF zu investieren, würde der Annullierung
der Lebensversicherung gleichkommen, nachdem man
gerade krank geworden ist. Wir sollten dieses Risiko
einfach nicht eingehen. Und mit Ihrer Hilfe werden wir
gar kein Risiko eingehen. Ich danke Ihnen.

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
12. August 1998

USA streben weltweites Internet
ohne Handelshemmnisse an
Rede von Wirtschaftsminister Daley

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Anhörung von US-Wirtschaftsminister William Daley
vor dem Wirtschaftsausschuß des Repräsentantenhauses vom 29. Juli 1998.

Herr Vorsitzender, zuerst möchte ich Sie und die
Ausschußmitglieder zu dem besonderen Nachdruck
beglückwünschen, den Sie auf dieses neue Informationszeitalter und die Rolle des Internet legen.
Anfang dieses Monats, als ich Präsident Clinton nach
China begleitete, besuchte ich Studenten in einem
Internet-Cafe. Ich sah, wie Ärzte das Internet zur
Beantwortung medizinischer Fragen nutzten. Man
sagte mir, daß derzeit eine Million Chinesen online
sind. In Amerika sind es 100 Millionen Menschen.
Irgendwann im ersten Jahrzehnt des nächsten Jahrhunderts werden eine Milliarde Menschen weltweit
Internet-Zugang haben.
Ich sehe sie als eine Milliarde Kunden für in den
Vereinigten Staaten hergestellte Produkte.
Das Wichtigste an dieser Technologie ist meines
Erachtens, daß ein kleines Geschäft jetzt seine
Produkte weltweit absetzen kann - ebenso wie eine zu
den 100 größten Unternehmen zählende Firma mit
einem riesigen Verteilersystem das heute kann. Diese
Welt unterscheidet sich enorm von der, die ich bei
Beginn meiner Tätigkeit vorfand.
Heute möchte ich zunächst erörtern, wie wir im
Wirtschaftsministerium uns dafür einsetzen, daß jedes
amerikanische Unternehmen mit dem Bestandteil
".com" (für commercial organizations = kommerzielle
Anbieter, z.B. Firmen) in seiner Internet-Adresse
exportieren kann. Zweitens werde ich darlegen, wie
wir daran arbeiten sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hindernisse aufbauen, die den
Handel im Internet blockieren. Drittens werde ich über
mein Engagement sprechen, unser Ministerium zu

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einem Modell für E-Commerce (elektronischen Handel)
zu machen - zum E-Commerce-Ministerium des 21.
Jahrhunderts.
Kleine und mittelständische Unternehmen benötigen
vor allem Marktzugangsinformationen. Ich kann Ihnen
berichten, daß die Unternehmen diese Informationen
suchen und wir sie mit Blitzgeschwindigkeit zur
Verfügung stellen.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurde
unsere Webseite, die solche Informationen bereitstellt,
wöchentlich von fast einer Million Menschen besucht.
Sie können nach 250 Handelsabkommen suchen. Sie
können Informationen über 100 Länder abrufen.
Ab dem kommenden Herbst werden wir im ganzen
Land Seminare für potentielle Internet-Exporteure über
die Vermarktung von Produkten im Internet veranstalten. Bald werden wir kleinen Unternehmen, die
an Exportsteigerungen interessiert sind, Handelstips
und internationale Beschaffungsmöglichkeiten elektronisch übermitteln. Wir werden ein Experiment mit 100
ländlichen Unternehmen beginnen, denen wir Hinweise geben, sobald diese von unseren Dienststellen
in Übersee zur Verfügung gestellt werden.
Und wir entwickeln eine virtuelle Handelsmesse, auf
der verkaufsfertige amerikanische Produkte rund um
die Uhr elektronisch angeboten werden.
Wenn ich eine Handelsmission leite, stehen unsere
Produkte einige Tage lang im Rampenlicht. Aber im
Internet sind die Geschäfte immer offen.

Seite 1

�Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben einen Pavillon
bei derCyberExpo in China. Die Produktkataloge und
Dienstleistungen unserer Unternehmen werden
tagtäglich rund um die Uhr ausgestellt. Zehntausend
Chinesen besuchen den Pavillon jeden Tag. Es
besteht also ein eindeutiges Interesse von Seiten
amerikanischer Unternehmen, ihre Produkte abzusetzen, und von Seiten der Verbraucher im Ausland,
sie zu kaufen.
Zweitens wenden wir viel Zeit damit auf sicherzustellen, daß unsere Handelspartner keine Hemmnisse
errichten, die den Handel im Internet blockieren
würden. In diesem Jahrhundert gab es nicht immer
umfassenden und fairen Marktzugang. Aber das
Internet bietet die Chance für einen Neuanfang. Ich
hoffe, daß die Menschen im nächsten Jahrhundert im
Internet Waren ebenso ungehindert wie Ideen austauschen können.
Unter der Führung von Präsident Clinton und Vizepräsident Gore haben die Vereinigten Staaten als erstes
Land eine umfassende Politik für E-Commerce
entwickelt. Mehr als ein Dutzend Länder sind unserem
Beispiel gefolgt. Viele internationale Handelsorganisationen haben elektronischen Handel ebenfalls zu
einem zentralen Thema gemacht.
Ich kann heute über einige positive Ergebnisse
berichten.
Alle 132 Mitglieder der Welthandelsorganisation
stimmten zu, derzeit keine Zölle auf elektronische
Übermittlungen zu erheben.
Die OECD führt Analysen durch, um bei der Bildung
eines Konsenses über die Rolle von E-Commerce
behilflich zu sein.
Im Rahmen der Verhandlungen über die Schaffung
einer Freihandelszone für den gesamtamerikanischen
Kontinent wurden vom Forum für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) und unseren
Nachbarn in dieser Hemisphäre Ausschüsse für die
Förderung von elektronischem Handel ins Leben
gerufen.
Im vergangenen Jahr stimmten 43 Staaten, die 95
Prozent des Welthandels im Informationstechnologiebereich repräsentieren, einer Abschaffung der Zölle für
eine Reihe von Produkten bis zum Jahr 2000 zu.
Diese beinhalten Halbleiter, Platinen und Netzwerkausrüstung. Derzeit handeln wir ein Folgeabkommen,
das sogenannte ITA-II aus, um zusätzliche Produkte
abzudecken.
Unter der Schirmherrschaft der Weltorganisation für
geistiges Eigentum (WIPO) haben wir zwei Verträge
für den Schutz von urheberrechtlich geschützten
Arbeiten, musikalischen Darbietungen und Tonauf-

Seite 2

Zeichnungen ausgehandelt. Ich wußte die prompten
Beratungen dieses Ausschusses über die Gesetze zu
ihrer Durchführung zu schätzen. Ich hoffe, daß das
Gesetz während dieser Sitzung von allen verabschiedet wird.
Wir sind auch mit mehreren anderen Aktivitäten befaßt.
Bezüglich der Standards sind wir jetzt meines Wissens
die einzige Regierung, die per Gesetz verpflichtet ist,
dem Privatsektor die Entwicklung technischer Standards für das Internet zu überlassen. Viele Regierungen schreiben Standards selbst zwingend vor, was
meiner Ansicht nach falsch ist und veraltete Technologie zur Folge hat. Und ich bin mir voll und ganz
bewußt, daß andere Länder Standards als de facto
Handelshemmnisse verwenden können, um andere
Unternehmen auszuschließen. Deshalb arbeiten wir
darauf hin, das zu verhindern.
Während wir an der Erweiterung des Schutzes der
Privatsphäre in den Vereinigten Staaten arbeiten,
versuchen wir, bei diesem Thema potentielle Probleme
mit der Europäischen Union abzuwenden. Sie verfolgt
einen völlig anderen Ansatz als wir. Ihre Direktive zum
Schutz der Privatsphäre tritt im Oktober in Kraft und
könnte Millionen von Transaktionen zwischen uns und
ihr verhindern, wenn die EU das Gefühl hat, daß wir
nicht den angemessenen Schutz der Privatsphäre
bieten. Offensichtlich führen wir intensive Diskussionen, um solche Probleme zu vermeiden.
Der dritte und letzte Bereich ist meine Verpflichtung,
unser Ministerium zu einem Modell für elektronischen
Handel zu machen.
Ich glaube, daß wir als Vertreter von Unternehmen das
tun sollten, was Unternehmen tun. Das bedeutet den
aggressiven Einsatz des Internet, um das Wirtschaftsministerium zu einem freundlicheren Ministerium für
die Amerikaner zu machen.
Vor kurzem haben wir einen Leiter der Informationsabteilung aus dem Privatsektor eingestellt, der unsere
Initiativen zu elektronischem Handel leiten soll. Roger
Baker kommt von VISA zu uns, wo er ein großes
online-Banksystem eingerichtet hat. Wir möchten, daß
er im Wirtschaftsministerium etwas Ähnliches macht.
Ich möchte einige Beispiele dessen anführen, was wir
für die Verbraucher tun. Wir haben begonnen, über
das Internet Anträge für Warenzeichen anzunehmen
und werden bald Anträge für Exportlizenzen annehmen.
Ab nächsten Monat können die Amerikaner zwischen
über 370.000 technischen Publikationen auswählen
und dafür bezahlen, die während der vergangenen
zehn Jahre herausgegeben wurden. Bis Ende dieses
Jahres wird der vollständige Text aller Patente seit

AMERIKA DIENST 16

�dem Jahr 1976 online zur Verfügung stehen und
gesucht werden können.
Wir beginnen, Informationen über Marktchancen
elektronisch an Unternehmen mit Minderheitsbeteiligung zu verschicken. Unsere Census-Webseite wird
durchschnittlich eine halbe Million Mal täglich besucht.
Und ich bin stolz, bekanntgeben zu dürfen, daß Sie
jetzt alle Anhörungen unseres Ministeriums vor dem

*

AMERIKA DIENST 16

Kongreß auf unserer Homepage finden können.
Offensichtlich wird das bei unserer Kommunikation mit
Ihnen, Ihren Mitarbeitern und den Zuschauern von CSpan behilflich sein.
Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, vor dem Ausschuß eine Rede zu halten. Ich bitte,
daß die lange Version meiner Anhörung in das Protokoll aufgenommen wird und beantworte jetzt gerne Ihre
Fragen.

* * *

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bombenanschläge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Die Verantwortlichen werden vor Gericht gebracht &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikansiche Flagge weht weltweit auf Halbmast &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Terroristische Gewalt hat keine Chance &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Vizepräsidenten &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Albright verurteilt feige Terrorakte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der Außenministerin&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden nicht ruhen, bis die Verantwortlichen gefasst sind &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenministerin Albright&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Militär unterstützt Hilfe für die Opfer&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Erklärung des Verteidigungsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Die Sanktionen bleiben in Kraft&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kosovo&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kosovo bleibt wichtige außenpolitische Priorität der USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert S. Gelbard &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderungen der NATO im 21. Jahrhundert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Cohen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Luftbrücke&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hamre: "Berlin ist herausragendes Symbol unserer Freiheit" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die globale Wirtschaftslage und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Elektronischer Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben weltweites Internet ohne Handelshemmnisse an &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Wirtschaftsminister Daley&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

15

29. Juli 1998

WIRTSCHAFT

BUNDESSTAATLICHE UND KOMMUNALE
SANKTIONEN GEBEN ANLASS ZUR SORGE
von William Daley

WELTGERICHTSHOF

WARUM DIE VEREINIGTEN STAATEN GEGEN
EINEN INTERNATIONALEN STRAFGERICHTS
HOF SIND
Rede von Botschafter Scheffer

MENSCHENRECHTE

VEREINTE NATIONEN HABEN ENTSCHEIDENDE ROLLE BEI DER FÖRDERUNG ALLER
MENSCHENRECHTE
Rede von Betty King

AUSSENPOLITIK

DIE AMERIKANISCHE SICHERHEITSPOLITIK:
HERAUSFORDERUNGEN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT
von Joseph S. Nye

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�WIRTSCHAFT
29. Juli 1998

Bundesstaatliche und kommunale Sanktionen
geben Anlaß zur Sorge
von William Daley

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Wirtschaftsminister William Daley, der erstmals am 15.
Juli 1998 in The Journal of Commerce erschienen ist. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung von The Journal of Commerce.

Amerikanische Exporte bringen der Volkswirtschaft der
Vereinigten Staaten Milliarden Dollar ein und sind für
Millionen gut bezahlte amerikanische Arbeitsplätze
verantwortlich. Aber nicht jeder sieht diesen Erfolg so.
Genau zu der Zeit, in der unsere Wirtschaft aufgrund
unserer globalen Wettbewerbsfähigkeit prosperiert,
engagieren sich viele in Washington - und sogar in den
Legislativen der Bundesstaaten - für die Erweiterung
der Bandbreite unilateraler Sanktionen.
Von bundesstaatlichen oder kommunalen Regierungen vorgeschlagene Sanktionen geben Anlaß zu
echter Sorge aus genau den Gründen, aus denen sie
auf Bundesebene beunruhigend sind - aber auch, weil
sie in diesem Zeitalter globaler Märkte ein echtes
Risiko bergen, ein Sammelsurium unterschiedlicher
Beschränkungen zu schaffen.
Das ist kostenintensiv und verwirrend, insbesondere
für kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre
Waren auf der ganzen Welt verkaufen möchten.
Im vergangenen Jahr gab der Exportrat des Präsidenten einen Bericht heraus, in dem mehr als 75
Länder aufgelistet sind, gegen die Sanktionen verhängt wurden oder verhängt zu werden drohen. Bis
heute ist diese Zahl auf über 90 angestiegen, und der
Trend geht zu umfassenderen unilateralen Sanktionen.
Das geschieht, obwohl der Rat zu dem Schluß gelangte, daß unilaterale Wirtschaftssanktionen der
Vereinigten Staaten wenig Erfolg gezeitigt haben.
Es gibt Sanktionen, die ineffektiv sind - sie verursachen für amerikanische Interessen substantiell mehr

AMERIKA DIENST 15

Kosten als für das sanktionierte Land - und übermitteln
keine Botschaft der Entschlossenheit oder Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Die Geschichte belegt,
daß multilaterale Kooperation Sanktionen effektiv
macht. Das funktionierte in Südafrika.
Aber heute beobachten wir etwas anderes. Sanktionen sind zu einer bevorzugten politischen Option
geworden - sie sind nicht mehr das letzte Mittel. Es ist
zu leicht geworden, neue Sanktionen zu fordern, ohne
sich die möglichen Auswirkungen oder Konsequenzen
wirklich zu überlegen. Bedauerlicherweise ist unsere
Hightechindustrie für gewöhnlich der größte Verlierer.
Wir müssen sehr viel engere Konsultationen zwischen
dem Kongreß und der Exekutive über Sanktionsfragen
anstreben.
Unsere Aufgabe im Wirtschaftsministerium besteht
gleichermaßen in der Förderung der nationalen
Sicherheit und der amerikanischer Exporte. Die
nationale Sicherheit hat oberste Priorität.
Dennoch wurden Fragen über bestimmte Lizensierungsentscheidungen für Satelliten aufgeworfen. Dazu
gehört auch die Frage, ob das Abschießen amerikanischer Satelliten von chinesischen Raketen Exportkontrollgesetze verletzt hat. Das wird vom Kongreß
geprüft. Wenn es ein Fehlverhalten gab, sollte es
bestraft werden.
Ich möchte jedoch folgendes eindeutig klarstellen: Der
Lizensierungsprozeß des Wirtschaftsministeriums ist
so gründlich und sorgfältig wie der aller anderen
Ministerien. Und die Kritiker haben einfach Unrecht,
wenn sie sagen, die Übergabe der Zuständigkeit für

Seite 1

�Kommunikationssatelliten an das Wirtschaftsministerium im Jahr 1996 habe in irgendeiner Weise unsere
nationale Sicherheit gefährdet. Die Wahrheit ist, daß
die Übergabe der Zuständigkeit einen von Präsident
Bush 1990 begonnenen Prozeß abschloß und bei
mehr als einer Gelegenheit vom Kongreß begrüßt
wurde.
Ich möchte in diesem Zusammenhang zwei Hauptargumente anbringen: Jede vom Wirtschaftsministerium seit der Übergabe im Jahr 1996 genehmigte Lizenz
hatte die Zustimmung des Außen- und Verteidigungsministeriums. Die einzige Art, Null Risiko einzugehen,
ist, überhaupt nicht zu exportieren. Und, wie Sie alle
wissen, ist das keine Option, die sich irgend jemand in
der globalen Wirtschaft von heute leisten kann.
Die Verhängung möglichst strenger Restriktionen für
Hightechexporte ist nicht notwendigerweise der beste
Weg zum Schutz unserer Sicherheit. Zur Zeit trägt
unsere Politik den Realitäten dieser globalen Wirtschaft dadurch Rechnung, daß eine Reihe von
Faktoren bei der Kontrolle von Hightechexporten
berücksichtigt werden.
Beispielsweise trägt unsere Politik der Tatsache
Rechnung, daß die Vereinigten Staaten ein Monopol
für sehr wenige Technologien haben. Nach dem
Zweiten Weltkrieg waren wir die einzige Volkswirtschaft, deren Industriebasis nicht durch den Krieg
zerstört worden war. Wir hatten ein echtes Monopol.
Wir hatten auch eine Liste von Ländern, die diese
Technologie auf keinen Fall bekommen sollte.
Heute ist die Situation jedoch sehr viel komplexer. Die
Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle bei
vielen Hightechanwendungen, aber wir haben nicht
länger ein Monopol bei den meisten Produktlinien. Wir
leben in einer Welt der Globalisierung und Gemeinschaftsunternehmen. Es gibt keinen internationalen
Konsens zu einem Programm der technologischen
Eindämmung, das die Folge strenger Kontrollen wäre.
Statt die nationale Sicherheit zu schützen, würden sich
unbeabsichtigte Konsequenzen ergeben.
Die

Opfer wären

amerikanische

Exporteure

und

Arbeitnehmer. Unsere Hightechunternehmen würden
global weniger wettbewerbsfähig und wären weniger in
der Lage zur Herstellung modernster Produkte, von
denen unser Militär und die Privatunternehmen
abhängen. Und manche Firmen würden zweifelsohne

Seite 2

ihre Forschung und Fertigung in andere Länder
verlagern. All dies wäre nicht gut für unsere nationale
Sicherheit.
Ich möchte mit einigen Worten zur Kryptographie
abschließen. Präsident Clinton möchte ein Gleichgewicht zwischen Strafverfolgung, nationaler Sicherheit,
privaten und kommerziellen Interessen herstellen.
Während der vergangenen drei Monate haben wir
konstruktiv mit der Industrie, privaten Gruppen und
Strafverfolgungsbeamten zusammengearbeitet, um
eine ausgewogene Lösung zu finden.
Ich freue mich, von einigen Fortschritten berichten zu
können. Heute gebe ich die endgültigen Richtlinien für
den Export von Kryptographieprodukten bekannt, die
bei amerikanischen Finanzinstitutionen verwendet
werden.
Die Richtlinien beziehen sich auf Produkte beliebiger
Bitlänge, die zur Sicherung privater elektronischer
Transaktionen verwendet werden. Amerikanische
Firmen werden nach einer einmaligen Überprüfung an
in Frage kommende Institutionen in 45 Ländern
Kryptographieprodukte - mit oder ohne Hinterlassungsmöglichkeiten - ohne Lizenz exportieren können.
Die neuen Richtlinien werden Kryptographieexporte für
nahezu 70 Prozent der weltweiten Finanzinstitutionen
betreffen, darunter alle der 100 größten Banken.
Diese Maßnahme gibt unseren Finanzinstitutionen die
erforderliche Flexibilität, um global wettbewerbsfähig
bleiben zu können. Vor allem balanciert sie diese
Erfordernisse mit den Belangen der Strafverfolgung,
nationalen Sicherheit und Außenpolitik aus.
Mit Schritten wie diesem können wir die Entwicklung
eines elektronischen Handelssystems weiterhin
ermutigen, dem die Nutzer vertrauen können. Wir
erwarten, daß die Bestimmungen für seine Umsetzung
bald veröffentlicht werden.
Mit anderen Worten, die Administration tut das, was wir
zu tun angekündigt haben: Sie schafft ein besseres
Umfeld für elektronischen Handel hier und auf der

ganzen Welt.
Die Frage an den Privatsektor lautet: "Tun Sie das
Ihre?" Wenn nicht, ist es jetzt an der Zeit.

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�WELTGERICHTSHOF
29. Juli 1998

Warum die Vereinigten Staaten gegen einen
Internationalen Strafgerichtshof sind
Rede von Botschafter Scheffer

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sonderbotschafter für mit
Kriegsverbrechen in Zusammenhang stehende Fragen und Leiter der amerikanischen Delegation bei der
Staatenkonferenz der Vereinten Nationen über die Gründung eines ständigen Weltgerichtshofs, David Scheffer,
vor dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am 23. Juli 1998 gehalten hat. Darin erläutert
Botschafter Scheffer, warum die Administration sich gezwungen sah, gegen das aus der Konferenz in Rom am
17. Juli 1998 hervorgegangene Statut zu stimmen.

Herr Vorsitzender,
ich danke Ihnen für die Gelegenheit, den Ausschuß
über die Entwicklungen in Rom in diesem Sommer im
Zusammenhang mit der Gründung eines ständigen
Weltgerichtshofs zu unterrichten. Wie Sie wissen,
standen mir während der Konferenz in Rom einige
Mitarbeiter des Ausschusses zur Seite, und ich bin
sicher, daß sie Ihnen ihre eigenen Eindrücke über die
Verhandlungen vermittelt haben.
Herr Vorsitzender, niemand kann ohne tiefe Sorge
über die weltweite Respektierung international anerkannter Menschenrechte Bilanz der Ereignisse dieses
Jahrzehnts ziehen. Wir leben in einer Welt, in der
ganze Bevölkerungen immer noch von nationalistischen Schlächtern und undisziplinierten Armeen
terrorisiert und abgeschlachtet werden können. Das
haben wir im Irak, auf dem Balkan und in Zentralafrika
erlebt. Interne Konflikte dominieren heute die Landkarte bewaffneter Konflikte, und Straflosigkeit schützt zu
häufig die für die abscheulichsten Verbrechen Verantwortlichen vor ihren eigenen Bürgern und anderen.
Als die mächtigste der Rechtsstaatlichkeit verpflichtete
Nation haben wir die Verantwortung, uns mit diesen
Angriffen auf die Menschheit auseinanderzusetzen.
Unsere Antwort besteht in Rechenschaftspflicht, das
heißt, die für Völkermord, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Kriegsverbrechen Verantwortlichen
vor Gericht zu bringen. Wenn wir ihnen Straflosigkeit
für ihr Handeln zugestehen, werden wir nur eine
Fortsetzung dieser Verbrechen bis weit ins nächste

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Jahrtausend einladen. Unser Vermächtnis muß eine
unerschütterliche Verpflichtung zu Gerechtigkeit
demonstrieren.
Aus diesem Grund haben sich die amerikanischen
Unterhändler seit Anfang 1995 durch viele Sitzungen
des Ad-hoc- und des Vorbereitungsausschusses bei
den Vereinten Nationen hindurchgearbeitet in dem
Bemühen, ein akzeptables Statut für einen ständigen
Internationalen Gerichtshof zu erarbeiten, wobei sie
den 1994 von der Internationalen Völkerrechtskommission erarbeiteten Entwurf des Statuts als Grundlage
nahmen. Unsere Erfahrungen mit der Einrichtung und
Arbeitsweise der Internationalen Kriegsverbrechertribunale für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda
haben uns von den Vorteilen der Gründung eines
ständigen Gerichts überzeugt, das schneller für
Ermittlungen und Strafverfolgung zur Verfügung stünde
und in seiner Arbeitsweise kostengünstiger wäre.
Wir wußten jedoch immer, wie komplex das Unternehmen ist, welche Risiken überwunden werden und
welche Geduld wir und andere aufbringen müßten, um
ein Dokument mit dem richtigen Wortlaut zu erarbeiten.
Schließlich waren wir mit der Aufgabe konfrontiert, die
unterschiedlichen Strafrechtssysteme der Nationen
und das jeweilige Kriegsrecht in einem funktionierenden Gerichtssaal zusammenzubringen, in den wir und
andere das Vertrauen setzten, daß die Strafgerichtsbarkeit fair und effektiv behandelt würde. Wir haben
ferner den Entwurf für einen auf einem Vertrag gründenden Gerichtshof erarbeitet, in dem souveräne

Seite 1

�Regierungen zustimmen würden, dessen Gerichtsbarkeit im Einklang mit den Vorschriften seines Statuts als
bindend zu erachten. Daß so viele Regierungen allen
Einzelheiten dieser Vorschriften zustimmen könnten,
würde sich als große Herausforderung erweisen. Als
einige andere Regierungen auf den Abschluß dieser
monumentalen Aufgabe bereits Ende 1995 drängen
wollten, forderten die Vereinigten Staaten erfolgreich
eine methodischere und sorgfältigere Vorgehensweise
für den Entwurf und die Prüfung der Texte.
Die amerikanische Delegation kam am 13. Juni mit
hohen Zielen für den Abschluß des endgültigen Texts
des Statuts in Rom an. Zu unserer Delegation gehörten hoch qualifizierte und erfahrene Rechtsanwälte
und Regierungsvertreter des Außen- und Justizministeriums, des Büros des Verteidigungsministers,
der Vereinigten Stabschefs, der amerikanischen
Vertretung bei den Vereinten Nationen und des
Privatsektors. Amerika kann stolz auf die unermüdliche Arbeit und die wichtigen Beiträge sein, die diese
Einzelpersonen zu den Verhandlungen geleistet
haben.
Unter anderem wurden von uns folgende Ziele in dem
Gerichtsstatut erreicht:
Ein verbessertes Regime der Komplementierung (das heißt, Vorrang der nationalen
Gerichtsbarkeit), das beträchtlichen Schutz
bietet, wenn auch nicht so viel, wie wir angestrebt hatten.
Eine dem UN-Sicherheitsrat vorbehaltene
Rolle, einschließlich der Bekräftigung der
Befugnis des Sicherheitsrats, einzugreifen, um
der Arbeit des Gerichts Einhalt zu gebieten.
Souveräner Schutz von Informationen über
nationale Sicherheit, die vom Gerichtshof
gefordert werden könnten.
Umfassende Anerkennung der nationalen
Rechtsverfahren als Voraussetzung für die
Zusammenarbeit mit dem Gericht.

notwendiger Teil der Arbeit des Gerichtshofs
sein. Wir waren auch nicht bereit, den vorgeschlagenen Wortlaut für ein Kriegsverbrechen zu akzeptieren, das die Umsiedlung
von Menschen in besetztes Gebiet betrifft.
Anerkennung geschlechtsspezifischer Fragen.
Akzeptable Klauseln bezüglich der Verantwortung des Befehlshabenden und der Befehle von Vorgesetzten.
Höchste Qualifikation der Richter.
Annahme des Grundprinzips der Finanzierung
durch den Vertragsstaat.
Eine Versammlung der Vertragsstaaten zur
Überwachung der Verwaltung des Gerichts.
Vernünftige Verfahren für Zusatzartikel.
Eine ausreichende Zahl ratifizierender Staaten
bevor der Vertrag in Kraft treten kann, das
heißt, 60 Regierungen müssen den Vertrag
ratifizieren.
Die amerikanische Delegation versuchte in Rom auch
noch andere Ziele zu erreichen, die unserer Ansicht
nach entscheidend waren. Ich bedauere, berichten zu
müssen, daß bestimmte Ziele nicht erlangt wurden und
wir aus diesem Grund den am 17. Juli erarbeiteten
Entwurf nicht unterstützen konnten.
Erstens. Obwohl wir Initiativen erfolgreich abgelehnt
haben, die den Gerichtshof mit universeller Gerichtsbarkeit ausgestattet hätten, wurde von der Konferenz
trotz unserer energischen Einwände eine Form von
Gerichtsbarkeit über Nichtvertragsstaaten angenommen. Insbesondere spezifiziert der Vertrag, daß als
Voraussetzung für die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs über ein Verbrechen entweder der Staat, auf
dessen Territorium das Verbrechen begangen wurde,
oder der Heimatsstaat des Täters Vertragspartei sein
oder seine freiwillige Zustimmung zur Gerichtsbarkeit
des Gerichts gegeben haben muß. Wir strebten eine

Einbeziehung interner Konflikte, die heute die
große Mehrheit der bewaffneten Konflikte
ausmachen.
Schutz ordentlicher Gerichtsverfahren für
Angeklagte und Verdächtige.
Genaue Definition von Kriegsverbrechen und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit, einschließlich der Einbeziehung von Bestandteilen einer Straftat in das Statut. Wir sind
nicht vollständig mit der Art einverstanden, in
der die Bestandteile in den Vertrag aufgenommen wurden, aber zumindest werden sie ein

Seite 2

Änderung des Textes an, die gefordert hätte, daß
beide dieser Länder Vertragspartei sein müssen, oder
zumindest gefordert hätte, daß nur die Zustimmung
des Heimatstaats des Täters eingeholt werden muß,
bevor der Gerichtshof die Gerichtsbarkeit ausüben
könnte. Wir baten um eine Abstimmung über unseren
Vorschlag, aber ein Antrag, nichts zu unternehmen,
wurde mit der überwiegenden Mehrheit der Stimmen
der an der Konferenz teilnehmenden Regierungen
angenommen.
Wir stehen vor den Konsequenzen, die der Sache der
internationalen Gerechtigkeit nicht dienlich sind. Da
die meisten Greueltaten im jeweiligen Land begangen

AMERIKA DIENST 15

�werden und die meisten internen Konflikte zwischen
kriegführenden Parteien der gleichen Nationalität
stattfinden, können die schlimmsten Verletzter des
internationalen humanitären Rechts sich entscheiden,
dem Vertag nie beizutreten und abgesehen von einer
Übertragung der Sache durch den Sicherheitsrat völlig
außerhalb seiner Reichweite bleiben.
Dennoch
können die in einem Land, das dem Vertrag beigetreten ist, operierenden multinationalen Friedenstruppen der Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs ausgesetzt sein, selbst wenn das Heimatland des jeweiligen
Angehörigen der Friedenstruppe dem Vertrag nicht
beigetreten ist. Daher gibt der Vertrag vor, ein Arrangement zu schaffen, durch das in Übersee operierende amerikanische Streitkräfte von dem Internationalen
Strafgerichtshof verfolgt werden könnten, selbst wenn
die Vereinigten Staaten nicht zugestimmt haben, durch
den Vertrag gebunden zu sein. Das steht nicht nur im
Gegensatz zu den meisten grundlegenden Prinzipien
des Vertragsrechts, sondern könnte auch die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten beschränken, ihr Militär zur
Erfüllung von Verpflichtungen des Bündnisses einzusetzen und sich an multinationalen Operationen zu
beteiligen, einschließlich humanitärer Einsätze zur
Rettung des Lebens von Zivilisten. Andere Staaten,
die Truppen zu friedenssichernden Operationen
entsenden, sehen sich Ähnlichem ausgesetzt.
Herr Vorsitzender, die amerikanische Delegation hat
zweifelsohne die unberechtigte Strafverfolgung durch
den Weltgerichtshof durch unsere erfolgreichen
Bemühungen verringert, eine Reihe von Sicherheitsvorschriften in den Vertrag einzubauen, die nicht nur
uns, sondern auch unseren Freunden und Verbündeten dienen werden. Dennoch bestehen weiterhin
ernsthafte Risiken aufgrund der Klauseln des Dokuments zur Gerichtsbarkeit.
Unsere Position ist klar: Offizielle Aktionen eines
Nichtvertragsstaats sollten nicht der Gerichtsbarkeit
des Gerichtshofs unterliegen, wenn das Land dem
Vertrag nicht beitritt, ausgenommen aufgrund von
Aktivitäten des Sicherheitsrats gemäß der Charta der
Vereinten Nationen. Sonst wäre das Ratifikationsverfahren für Regierungen bedeutungslos. Im Rahmen einer solchen Theorie könnten sich zwei Regierungen zusammentun, um ein Strafgericht zu gründen
und vorzugeben, seine Gerichtsbarkeit auf jeden
überall auf der Welt auszudehnen. Es wird zwangsläufig Fälle geben, in denen dem Internationalen
Strafgerichtshof die Gerichtsbarkeit nicht obliegen
kann und sollte, es sei denn, der Sicherheitsrat trifft
eine andere Entscheidung. Die Vereinigten Staaten
unterstützen seit langem das Recht des Sicherheitsrats, Fälle an den Weltgerichtshof mit zwingender
Entscheidung zu übertragen, das heißt, ein verbrecherischer Staat könnte unter gar keinen Umständen die Gerichtsbarkeit des Strafgerichtshofs
anfechten. Wir vertreten die Auffassung, daß das im
Rahmen des Völkerrechts und der UN-Charta der

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einzige Weg ist, um die Gerichtsbarkeit des Weltgerichtshofs einem Nichtvertragsstaat aufzuzwingen.
In der Tat bekräftigt der Vertrag diese Übertragungs-jewalt des Sicherheitsrats. Die Regierungen, die
diesen Vertrag kollektiv annehmen, akzeptieren
wiederum, daß diese Macht zur Verfügung stünde, um
die Gerichtsbarkeit über verbrecherische Staaten
durchzusetzen.
Zweitens nahmen die Vereinigten Staaten aus politischen Gründen in diesen Verhandlungen die Haltung
ein, daß die Staaten die Möglichkeit zur Beurteilung
der Effektivität und Überparteilichkeit des Gerichtshofs
haben sollten, bevor sie in Erwägung ziehen, seine
Gerichtsbarkeit zu akzeptieren. Gleichzeitig sind wir
uns des Ideals einer umfassenden Gerichtsbarkeit des
Internationalen Strafgerichtshofs bewußt. Daher sind
wir bereit, ein Vertragsregime zu akzeptieren, unter
dem jede Vertragspartei die automatische Gerichtsbarkeit des Weltgerichtshofs bei dem Verbrechen des
Völkermords akzeptieren muß, wie es 1994 von der
Internationalen Völkerrechtskommission empfohlen
worden war. Wir versuchten, die amerikanische
Beteiligung an dem Vertrag mit dem Vorschlag einer
10-jährigen Übergangsperiode nach Inkrafttreten des
Vertrags zu erleichtern, während der sich jede Vertragspartei für die Nichtteilnahme an der Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs bei Verbrechen gegen die
Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen entscheiden
könnte. Wir sind bereit, ein Arrangement zu akzeptieren, mit dem es bei Ende der 10-Jahresperiode drei
Optionen geben würde - die automatische Gerichtsbarkeit des Internationalen Strafgerichtshofs bei allen
wesentlichen Verbrechen zu akzeptieren, aufzuhören,
Vertragspartei zu sein oder einen Zusatzartikel zu dem
Vertrag anzustreben, mit dem der Schutzmechanismus, sich gegen die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs zu entscheiden, verlängert würde. Unserer
Ansicht nach ist eine solche Übergangsperiode wichtig
für unsere Regierung, um die Arbeitsweise des
Gerichts zu beurteilen und bereits frühzeitig viele
Regierungen zum Beitritt zu dem Vertrag zu veranlassen. Obwohl wir die Zustimmung der Ständigen
Mitglieder des Sicherheitsrats zu diesem Arrangement
sowie zu geeignetem Schutz für Nichtvertragsstaaten
gewinnen konnten, waren andere Staaten nicht bereit,
unseren Vorschlag anzunehmen. Am Ende wurde nur
die Klausel der Möglichkeit einer siebenjährigen
Nichtteilnahme für Kriegsverbrechen angenommen.
Aufgrund der außergewöhnlichen Art und Weise, in der
die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs leider in der
letzten Minute formuliert wurde, könnte ein Land, das
bereit ist, Kriegsverbrechen zu begehen, dem Vertrag
beitreten und sich sieben Jahre lang für die Nichtteilnahme an der Gerichtsbarkeit für Kriegsverbrechen
entscheiden, während ein Nichtvertragsstaat seine
Soldaten ins Ausland entsenden könnte und der
Geltendmachung der Gerichtsbarkeit ausgesetzt wäre.

Seite 3

�Überdies können die Vertragsstaaten gemäß den
Verfahren für die Verabschiedung von Zusatzartikeln
verhindern, daß sich die Gerichtsbarkeit auf von ihren
Bürgern oder auf ihrem Hoheitsgebiet verübte neue
oder andere Verbrechen erstreckt. Diese Sicherheit
haben wir erfolgreich erlangt. Aber wie die Klausel
über die Gerichtsbarkeit jetzt formuliert ist, gibt sie vor,
die Gerichtsbarkeit für die gleichen neuen oder andere
Verbrechen auf das Gebiet von Nichtvertragsstaaten
auszuweiten.
Der Vertrag setzt auch einen Vertreter der Anklage ein,
der aus eigenem Antrieb einen Prozeß anstrengen und
aufgrund seiner Befugnisse und mit Zustimmung
zweier Richter Ermittlungen und eine strafrechtliche
Verfolgung einleiten kann, ohne daß eine Überweisung
an den Gerichtshof durch eine Regierung, die Vertragsstaat ist, oder den Sicherheitsrat stattgefunden
hätte. Wir stimmten aus der Sorge gegen diesen
Vorschlag, daß dadurch der Gerichtshof mit Beschwerden und einer Risikostreuung seiner Mittel
überhäuft und in Kontroversen, politische Entscheidungsprozesse und Konfusion verstrickt wird.
Darüber hinaus sind wir über die Behandlung von
Angriffskriegen enttäuscht. Wir und andere argumentieren seit langem, daß ein solches Verbrechen nicht
unter das internationale Gewohnheitsrecht für individuelle strafrechtliche Verantwortung fällt. Ferner haben
wir - ebenso wie die Internationale Völkerrechtskommission 1994 - darauf bestanden, daß es ein
Junktim zwischen einer vorausgegangenen Entscheidung des Sicherheitsrats über aggressive Akte
eines Staates und dem Verhalten eines einzelnen
Bürgers dieses Staates geben soll. Das Statut des
Gerichtshofs erstreckt sich jetzt auch auf Angriffskriege, überläßt die Definition jedoch einem späteren
Zusatzartikel, der sieben Jahre nach Inkrafttreten
verabschiedet werden soll. Es gibt keine Garantie
dafür, daß die entstehende Definition das unerläßliche
Junktim einer vorausgegangenen Entscheidung des
Sicherheitsrats voraussetzt, wenn tatsächlich eine
allgemein akzeptable Definition erlangt werden kann.
Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen um sicherzustellen, daß ein solches Junktim
fortbesteht.
Während der jahrelangen Verhandlungen haben wir
uns gemeinsam mit zahlreichen anderen Ländern der
Einbeziehung von Terrorismus und Drogenkriminalität
in die Gerichtsbarkeit des Weltgerichtshofs mit der
Begründung widersetzt, daß dies effektivere nationale
Bestrebungen unterminieren könnte. Wir behielten mit
dieser Ansicht lange die Oberhand, nur um am letzten
Tag der Konferenz festzustellen, daß die endgültige
Fassung des vom Büro verfaßten Textes plötzlich in
einer von der Konferenz zu verabschiedenden Resolution im Anhang bestimmte, daß Terrorismus und
Drogenkriminalität in die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofs einbezogen werden sollten - lediglich vorbehalt-

Seite 4

lieh einer Definition der betreffenden Verbrechen bei
einer späteren Überprüfungskonferenz. Diese Einfügung in letzter Minute war für uns Anlaß zu großer
Sorge, und wir widersetzten uns der Resolution in
einer öffentlichen Erklärung. Wir argumentierten, daß
wir zwar offen hinsichtlich der zukünftigen Einbeziehung von Terrorismus und Drogenkriminalität sind,
jedoch nicht glauben, daß dies eine Hilfe beim Kampf
gegen diese beiden schweren Verbrechen sein wird.
Im Gegenteil: Die Übertragung der Zuständigkeit auf
den Gerichtshof könnte wesentliche nationale und
transnationale Bestrebungen unterminieren und die
wirksame Bekämpfung dieser Verbrechen tatsächlich
behindern. Das Problem war unseres Erachtens nicht
die Strafverfolgung, sondern die Ermittlung. Diese
Verbrechen verlangen ständige strafrechtliche Verfolgung von kriminellen Vereinigungen und Verbrechensmustern mit polizeilichen und nachrichtendienstlichen
Mitteln. Der Gerichtshof wird nicht ausreichend für die
Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung dieser Art
von Verbrechen ausgerüstet sein.
Schließlich wurden wir am 17. Juli mit einer Vorschrift
konfrontiert, die besagt, daß in dem Vertrag keine
Vorbehaltsklauseln gestattet sind. Wir haben seit
langem Argumente gegen ein solches Verbot vorgebracht und wurden in dieser Frage von zahlreichen
Staaten unterstützt. Wir waren der Ansicht, daß es
zumindest bestimmte Vertragsklauseln geben würde,
insbesondere im Bereich staatlicher Zusammenarbeit
mit dem Gerichtshof, wo nationale verfassungsrechtliche Bedingungen und nationale juristische Verfahren
eine angemessene Gelegenheit für Vorbehaltsklauseln
verlangen könnten, die nicht die Absicht oder den
Zweck des Vertrags zunichte machen.
Herr Vorsitzender, die Administration hofft, daß andere
Regierungen in den kommenden Jahren die Vorteile
einer potentiellen Beteiligung der Vereinigten Staaten
am Vertrag von Rom erkennen und die fehlerhaften
Vorschriften des Vertrags korrigieren.
In der Zwischenzeit bleibt die Herausforderung der
internationalen Gerechtigkeit bestehen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine Führungsrolle
bei der Förderung der gemeinsamen Verpflichtung
aller gesetzestreuen Regierungen übernehmen,
diejenigen vor Gericht zu bringen, die jetzt und in
Zukunft abscheuliche Verbrechen begehen. Die harte
Realität sieht so aus, daß der Internationale Strafgerichtshof keine Gerichtsbarkeit über Verbrechen
haben wird, die vor Aufnahme seiner Tätigkeit verübt
wurden. Aus diesem Grund müssen weitere gerichtliche Ad-hoc-Mechanismen in Betracht gezogen
werden. Ich vertraue darauf, daß unsere Freunde und
Verbündeten bei der Bewältigung der heutigen Herausforderungen ebenso viel Entschlossenheit zeigen
wie bei der Gründung eines zukünftigen Internationalen Strafgerichtshofs.

AMERIKA DIENST 15

�MENSCHENRECHTE
29. Juli 1998

Vereinte Nationen haben entscheidende Rolle
bei der Förderung aller Menschenrechte
Rede von Betty King

NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der amerikanischen Vertreterin beim Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), Botschafterin Betty King, vom 17. Juli 1998 vor dem ECOSOC.

Es ist mir eine Ehre, heute über die Umsetzung der
Wiener Erklärung und das Aktionsprogramm zu
sprechen.
Vor fünf Jahren versammelten sich die Nationen der
Welt in Wien, um im gesamten UN-System die Aktionen und das Engagement für die Verwirklichung und
den Schutz der Menschenrechte zu verstärken.
Dort bekräftigte die internationale Gemeinschaft
vernehmlich und entschlossen, daß Menschenrechte wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind - ein beständiges und unerschütterliches Anliegen der internationalen Gemeinschaft sind.
In Wien einigten wir uns auf die Schaffung der Position
des Hochkommissars für Menschenrechte mit dem
Mandat für Förderung und Schutz aller Menschenrechte.
Mary Robinson hat dieses Mandat gerne übernommen, und wir sind ihr für ihre Bemühungen zu Dank
verpflichtet. Ich möchte hier klar und deutlich zum
Ausdruck bringen, daß die Vereinigten Staaten die
Aufmerksamkeit begrüßen, die die Hochkommissarin
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten
widmet.
Das Prinzip wirtschaftlicher, sozialer und kultureller
Rechte ist eine starke amerikanische Tradition.
Unsere Nation wurde auf dem Prinzip gegründet, daß
alle Menschen mit bestimmten unveräußerlichen
Rechte ausgestattet sind - darunter dem Recht auf
"Leben, Freiheit und das Streben nach Glück". Leben
und Freiheit sind nach wie vor der Ausdruck der

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bürgerlichen und politischen Rechte des Einzelnen.
Das Streben nach Glück ist nichts weniger als der
Ausdruck des Rechts, einen angemessenen Lebensstandard anzustreben - ein wirtschaftliches Recht.
Über anderthalb Jahrhunderte später, als die Welt in
den blutigsten Konflikt verstrickt war, den die Menschheit je erlebt hat, wurde die Behauptung, daß grundlegende Menschenrechte universell sind und respektiert
werden müssen, in einem Maße auf die Probe gestellt,
wie sie noch zu keinem anderen Zeitpunkt der
Menschheitsgeschichte auf die Probe gestellt worden
war.
Damals sprach der großartige amerikanische Präsident Franklin Roosevelt von den vier Grundfreiheiten,
die jedem Einzelnen zustehen. Er sprach von der
Redefreiheit, der Glaubensfreiheit, der Freiheit von
Angst und natürlich der Freiheit von Not.
Diese vier Freiheiten sind Teil unseres Sozialvertrags
und in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte niedergelegt. Sie alle wurden in den
Menschenrechtsinstrumenten der vergangenen fünf
Jahrzehnte erweitert.
Während der Konferenz über die Vereinten Nationen in
San Francisco im Jahr 1945 erklärte der amerikanische Außenminister Edward Stettinius: "Der Kampf
um Frieden wird an zwei Fronten gekämpft. Die erste
ist die Sicherheitsfront, wo der Sieg Freiheit von Angst
bedeutet. Die zweite ist die wirtschaftliche und soziale
Front, wo der Sieg Freiheit von Not bedeutet. Nur der
Sieg an beiden Fronten kann eine Welt mit dauerhaftem Frieden gewährleisten... Keine in der Charta
niedergelegten Bestimmungen werden den Sicher-

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�heitsrat in die Lage versetzen, die Welt sicher vor
Krieg zu machen, wenn Männer und Frauen keine
Sicherheit in ihrem Zuhause und an ihrem Arbeitsplatz
haben."
Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,
daß wirtschaftliche Rechte und das Streben nach
Glück Grundrechte sind, die nach und nach erkannt
und verwirklicht werden müssen. Ihre Verwirklichung
ist weiterhin ein gemeinsames Unternehmen zwischen
dem Einzelnen und dem Staat.
Jede Einzelperson muß entscheiden, was für sie Glück
bedeutet und mit welchen Mitteln sie dieses Glück
anstrebt.
Jeder Staat hat die Verantwortung, ein Umfeld zu
schaffen, in dem jeder Einzelne diese Ziele verwirklichen kann.
Bestandteile eines solchen Umfelds müssen nicht nur
bürgerliche und politische Rechte sein, sondern auch
die Maßnahmen und Gesetze, die wirtschaftliches,
soziales und kulturelles Wohlergehen fördern.
Der Schutz und die Förderung wirtschaftlicher, sozialer
und kultureller Rechte erfordert Maßnahmen und
Gesetze, die unternehmerisches Risiko ermutigen,
neue Arbeitsplätze schaffen, Arbeitnehmerrechte und
Freiheit von Diskriminierung am Arbeitsplatz garantieren, die Gleichstellung der Geschlechter, die Verbesserung der Stellung der Frau und den Schutz der
Kinder fördern, Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und
Gesundheitsfürsorge bieten, die Umwelt schützen, ein
Sicherheitsnetz und einen Weg zur wirtschaftlichen
Verbesserung der ärmsten Teile der Bevölkerung
bieten und Rechtsstaatlichkeit für alle sicherstellen.
Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte haben
direkte und unmittelbare Bedeutung für den Prozeß der
wirtschaftlichen Entwicklung und müssen auch in
unseren Ansatz bei Diskussionen über das Recht auf
Entwicklung einfließen. Um die Wiener Erklärung zu
zitieren: "Demokratie, Entwicklung und Grundfreiheiten
sind voneinander abhängig und verstärken sich
gegenseitig."
Die Entwicklungsländer haben in den vergangenen 30
Jahren große Fortschritte erzielt. Das jährliche ProKopf-Einkommen ist mehr als 60 Prozent gestiegen.
Der Prozentsatz der in absoluter Armut lebenden
Menschen wurde fast um die Hälfte reduziert, das
Analphabetentum wurde um nahezu 50 Prozent
verringert, und 70 weitere Nationen haben ganz oder
teilweise die Freiheit erlangt.
Es gibt jedoch noch viele schwierige Herausforderungen. Über 800 Millionen Menschen sind immer noch
von Unterernährung bedroht. Rund 70 Prozent der in
Armut lebenden Menschen sind Frauen. 180 Millionen

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Kinder unter 14 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten, und mehr als 100 Millionen Kinder gehen nicht
zur Schule.
Das sind schwierige Herausforderungen, die am
besten bewältigt werden können, wenn Einzelpersonen durch die freie Ausübung ihrer Menschenrechte all ihrer Menschenrechte - Befugnisse verliehen
werden.
Darüber hinaus kann echte Entwicklung - nachhaltige
Entwicklung - nur erfolgen, wenn Menschenrechte und
die Prinzipien der Nichtdiskriminierung vollständig in
den Entwicklungsprozeß integriert sind.
Es ist beispielsweise kein Zufall, daß das phänomenale Wirtschaftswachstum in Lateinamerika im vergangenen Jahrzehnt unmittelbar der Welle demokratischer
Reformen und wirtschaftlicher Liberalisierung folgte,
die die gesamte Region erfaßt.
Zweifelsohne steht die wachsende Respektierung der
Menschenrechte des Einzelnen im Zentrum des
wirtschaftlichen und politischen Erfolgs von Lateinamerika.
Aufgrund unserer eigenen nationalen Erfahrungen sind
wir überzeugt, daß Bildung, Offenheit, Toleranz sowie
bürgerliche und kulturelle Freiheit der Schlüssel für die
Freisetzung des gesamten kreativen Potentials einer
Nation sind. In Kombination mit einem wachstumsorientierten Wirtschaftssystem und einer stabilen,
berechenbaren Rechtsstruktur sind die Möglichkeiten
und Chancen unbegrenzt.
Wenn Rechte des Einzelnen für echte und dauerhafte
Wirtschaftsentwicklung unerläßlich sind, ist es ebenso
klar, daß die wichtigsten Beziehungen im Entwicklungsprozeß die Beziehungen zwischen Regierungen
und ihren jeweiligen Bürgern sind. Die Hochkommissarin äußerte vor kurzem, daß "die Pflicht zum Schutz
und zur Förderungen von Menschenrechten und
Grundfreiheiten zu allererst bei den Regierungen liegt".
Wenn Regierungen der Verpflichtung gegenüber ihrem
eigenen Volk nicht nachkommen, wenn Korruption

oder Vetternwirtschaft vorherrschen, dann ist die
Möglichkeit einer wohlhabenden Gesellschaft ausgeschlossen. Das ist eine Verletzung der Menschenrechte.
Wenn Regierungen andererseits ihre Verpflichtungen
erfüllen, multiplizieren sich die Vorteile; sie bieten
einen Anreiz zum Sparen, zu Investitionen und in der
Tat für nachhaltige Entwicklung in Ländern mit soliden
Wirtschaftsmaßnahmen, guter Regierungsführung und
Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit.
Heute müssen wir uns der Größenordnung der
Aufgabe bewußt werden, das gesamte Spektrum von

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�Menschenrechten und Grundfreiheiten zu fördern und
zu schützen. Bürgerliche und politische Rechte stehen
im Zentrum dieser Freiheiten, aber sie müssen durch
die Verwirklichung wirtschaftlicher, sozialer und
kultureller Rechte ergänzt werden. Die Vereinigten
Staaten verpflichten sich der Förderung aller Menschenrechte und sind der Überzeugung, daß das UNSystem bei der Förderung all dieser Rechte eine
entscheidende Rolle zu spielen hat.

Während wir die Umsetzung der Wiener Erklärung fünf
Jahre nach ihrer Verabschiedung und unsere Verpflichtung zum Recht auf Entwicklung als integralen
Bestandteil grundlegender Menschenrechte überprüfen, müssen wir uns fragen, ob wir bei unserer
Betonung auf makroökonomische Themen und
strukturelle Anpassung den wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Rechten gebührend Aufmerksamkeit
widmen.

Das UN-System beinhaltet viele Organisationen, die
mit wirtschaftlicher Entwicklung und technischer Hilfe
befaßt sind. Was häufig jedoch fehlt, ist die Dimension der Menschenrechte. Diese Organisationen
können und sollten noch effektiver werden, indem sie
Menschenrechte systematisch in ihre Arbeit einbeziehen.

Ich möchte hier und jetzt versprechen, daß sich die
Vereinigten Staaten der Verwirklichung aller Menschenrechte verpflichten und wir der Ansicht sind, daß
das UN-System bei der Förderung all dieser Rechte
eine entscheidende Rolle zu spielen hat.

Diese Organisationen müssen die Erkenntnis der
rechtlichen und moralischen Verpflichtung sowie der
Rechenschaftspflicht von Staaten im Hinblick auf die
grundlegenden Bedürfnisse ihrer Bürger ins Zentrum
ihrer Arbeit stellen.

Wir unterstützen uneingeschränkt die Bemühungen
von Mary Robinson und des Generalsekretärs, die
Förderung der Menschenrechte des Einzelnen in alle
Aktivitäten des UN-Systems einzubeziehen und sie
von den Sphären theoretischer Debatten zur konkreten
Umsetzung zu bringen.
Ich danke Ihnen.

*

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* * * *

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�AUSSENPOLITIK
29. Juli 19998

Die amerikanische Sicherheitspolitik:
Herausforderungen für das 21. Jahrhundert
von Joseph S. Nye

(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Joseph S. Nye, Jr., dem Dekan der John F. Kennedy
School of Government der Harvard University.

Die Welt war während des letzten Jahrzehnts Zeuge
bedeutender Veränderungen der Machtverteilung. Die
Sowjetunion ist zusammengebrochen, und die russische Macht nimmt weiterhin ab. Der Einfluß Chinas
wiederum ist stetig gewachsen und wird wahrscheinlich noch weiter zunehmen. Trotz dieser dramatischen
Entwicklungen ist die zentrale Realität des globalen
Mächtegleichgewichts dieselbe wie 1990: Die Vereinigten Staaten bleiben die einzige Supermacht mit
globalen Vorteilen in allen Machtdimensionen militärischen, wirtschaftlichen und politischen. Wer
noch vor einem Jahrzehnt einen unvermeidlichen
Niedergang der Vereinigten Staaten vorhersagte, wird
eines Besseren belehrt, während die Welt an der
Schwelle zu einem neuen Jahrhundert steht.
Das bedeutet nicht, daß das zweipolige Gleichgewicht
des Kalten Kriegs durch eine einpolige Welt ersetzt
wurde. Es gibt zahlreiche wichtige Ziele in den
Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Politik, die die
Vereinigten Staaten nicht im Alleingang erreichen
können. Und es ist auch nicht richtig, die Welt als
mehrpolig zu bezeichnen, solange es jedem Staat mit
Ausnahme Amerikas an einem oder mehreren wesentlichen Machtmitteln fehlt. Statt dessen wird die Macht
durch ein komplexes Muster verteilt, das in etwa einem
dreidimensionalen Schachbrett ähnelt.
Auf dem
obersten Brett ist militärische Macht großenteils
einpoliger Natur, und die Vereinigten Staaten verfügen
als einziges Land über nukleare Interkontinentalwaffen
und große, moderne Streitkräfte zu Lande, zu Wasser
und in der Luft, die weltweit disloziert werden können.
Auf dem mittleren Brett ist die wirtschaftliche Macht
dreipolig, wobei die Vereinigten Staaten, Europa und
Japan nahezu zwei Drittel der weltweiten Produktion
ausmachen. Das Wachstum Chinas wird die wirt-

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schaftliche Macht zur Jahrhundertwende vierpolig
werden lassen. Auf dem untersten Brett beinhalten die
transnationalen Beziehungen außerhalb staatlicher
Kontrolle so verschiedene Akteure wie Banker und
Terroristen. Hier ist die Macht stark gestreut.
Ebenso wichtig wie diese Veränderungen in der
Machtverteilung sind die Veränderungen in der Natur
der Macht und ihrer Ausübung. Erstens haben die
ökonomischen Instrumente internationaler Macht seit
mehreren Jahrzehnten an Bedeutung zugenommen.
Das sollte jedoch nicht überbetont werden, wie einige
es mit der Bemerkung getan haben, wirtschaftliche
Macht habe die militärische Macht als zentrales
Medium der Weltpolitik ersetzt.
Wirtschaftliche
Instrumente lassen sich im Hinblick auf Zwang und
Abschreckung immer noch nicht mit Streitkräften
vergleichen. Wirtschaftssanktionen allein reichten
nicht aus, den Irak zu einem Rückzug aus Kuwait zu
überreden. Darüber hinaus kann eine einzige regionale Sicherheitskrise zu einem Zusammenbruch der
Börsenmärkte führen und die Investitionstätigkeit
behindern. Wirtschaftliche und politische Sicherheit
sind jedoch eng miteinander verbunden, wie sich bei
der jüngsten asiatischen Finanzkrise wieder gezeigt
hat.
Zweitens haben moderne Waffen die Rolle militärischer Macht verändert. Es gibt zwei widersprüchliche
Trends. Einerseits läßt der Erwerb von Nuklearwaffen
durch die Großmächte seit mehreren Jahrzehnten die
Möglichkeit eines direkten Konflikts zwischen ihnen
unvorstellbar kostspielig erscheinen. Somit dienen
solche Waffen nur dazu, die Muskeln spielen zu lassen
und andere abzuschrecken. Andererseits haben
Veränderungen in der Informationstechnologie (ein-

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�schließlich Computern, Sensoren und Satelliten) eine
neue Generation intelligenter Waffen ermöglicht, die
große Präzision gestatten und dabei minimalen
Schaden anrichten. Diese Trends machen militärische
Macht weniger kostspielig und besser einsetzbar.
Die dritte und vielleicht größte Veränderung in der
Natur der Macht ist die zunehmende Bedeutung
sanfter Macht, die großenteils auf die Informationsrevolution zurückzuführen ist, die die Welt verändert.
Sanfte Macht ist die Fähigkeit, bei internationalen
Angelegenheiten gewünschte Ergebnisse durch
Anziehungskraft anstatt durch Zwang zu erlangen.
Harte Macht, einschließlich des erzwungenen Einsatzes von militärischer Macht oder Wirtschaftssanktionen, zielt darauf ab, andere dazu zu bringen,
das zu tun, was wir wollen. Sanfte Macht zielt darauf
ab, andere dazu zu bringen, das zu wollen, was wir
tun. Solche sanfte Macht kann auf die Anziehungskraft
von Ideen oder die Fähigkeit zurückzuführen sein, eine
Agenda so aufzustellen, daß sie die Präferenzen
anderer gestaltet. Die Vereinigten Staaten bleiben
weltweit führend auf dem Gebiet von Mitteln sanfter
Macht, wie sich an der Bewegung zu Demokratie und
freien Märkten in mehr als 30 Staaten im vergangenen
Jahrzehnt gezeigt hat.
Das Paradoxon amerikanischer Sicherheit und
Außenpolitik im 21. Jahrhundert bleibt jedoch bestehen: Selbst als mächtigster Staat können die Vereinigten Staaten nicht alle ihre internationalen Ziele im
Alleingang erreichen. Dem Land fehlen die internationalen und nationalen Voraussetzungen für die
Lösung jedes Konflikts. In jedem Fall muß seine Rolle
den auf dem Spiel stehenden amerikanischen Interessen und den Kosten ihrer Verfolgung entsprechen.
Daher müssen die Vereinigten Staaten weiterhin
internationale Koalitionen ermöglichen und mobilisieren, um gemeinsame Sicherheitsbedrohungen anzugehen. Der Golfkrieg und die Friedenstruppen in
Bosnien sind hierfür Beispiele.
Das Ende des Kalten Krieges hat die Möglichkeit von
Weltkriegen zwischen den Großmächten verringert,
jedoch nicht beseitigt. Regionale und lokale Kriege
sind wahrscheinlicher als globale Konflikte. Trotzdem
ist die Sicherheit in den zwischenstaatlichen Beziehungen größer, weil territorial definierte Ressourcen unter
den Großmächten an Bedeutung verloren haben. In
der Vergangenheit waren die führenden Staaten
versucht, Land für ihre Grundstoffe, ihr landwirtschaftliches Potential und ihre Industrie oder strategische Bedeutung als Plattform für militärische Angriffe
oder als Puffer gegen Angriffe anderer zu beschaffen.
Diese Motive für den Erwerb von Territorium durch
Zwang sind heute weniger stark.
Die moderne
Wirtschaftsproduktion ist von Humankapital und
Dienstleistungen ebenso abhängig wie von Territorium.
Am wichtigsten ist vielleicht, daß Konflikte zwischen
den Großmächten weniger wahrscheinlich geworden

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sind, weil viele Großmächte bereits Demokratien oder
auf dem Weg dorthin sind, und die Geschichte lehrt,
daß liberale Demokratien einander wahrscheinlich
nicht so schnell bekämpfen. Aus diesem Grund stellen
die Förderung demokratischer Prozesse in Rußland
sowie von Pluralisierung und Menschenrechten in
China sicherheitspolitische und moralische Ziele
amerikanischer Politik dar.
Im Hinblick auf regionale und lokale Konflikte kann die
amerikanische Macht ein wichtiger Faktor bei der
Begrenzung ihrer Häufigkeit und Zerstörungsgewalt
sein. In manchen Fällen ist es sogar möglich, das
Ausmaß von Konflikten bei zivilen und innenpolitischen
Auseinandersetzungen zu verringern. Obwohl die
Vereinigten Staaten nicht der alleinige Weltpolizist sein
können - die amerikanische Öffentlichkeit wünscht eine
solche Rolle nicht - können sie manchmal als "Sheriff
des Aufgebots" fungieren, das sich wandelnde
Koalitionen von Freunden und Verbündeten dazu
veranlaßt, gemeinsame Sicherheitsbelange anzusprechen. Das erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit für die Institutionen und Bündnisse, die der
amerikanischen Macht zusätzlichen Spielraum verleihen. Es erfordert auch Investitionen in Streitkräfte und
Aufmerksamkeit für ihre globale Dislozierung.
Der amerikanische Verteidigungshaushalt wurde um
40 Prozent gekürzt und die Streitkräfte um ein Drittel
ihres Höchststands während des Kalten Krieges
verringert. Dennoch werden weiterhin rund 100.000
Soldaten in Europa stationiert bleiben, weitere 100.000
in Asien und 20.000 im und am Persischen Golf.
Zusammen mit Voreinlagerung von Gerät und gemeinsamen Übungen mit Verbündeten und freundlich
gesinnten Ländern tragen diese Fähigkeiten dazu bei,
das politische Umfeld in diesen entscheidenden
Regionen zu gestalten und damit eine Form von
präventiver Verteidigung zu bilden. Diese Streitkräfte
werden von den größeren Ländern in diesen Regionen
willkommen geheißen. Die NATO hat ihre Popularität
in Europa nicht verloren und paßt ihre Missionen an
eine Welt nach dem Kalten Krieg an. In Asien fürchten
viele Politiker, daß ein amerikanischer Rückzug zu
einem Wettrüsten in der Region und dem Verlust der
politischen Stabilität führen könnte, die eine Grundlage
für das bemerkenswerte Wirtschaftswachstum der
Region ist. Als das Verteidigungsministerium 1995
seinen ostasiatischen Strategiebericht herausgab, in
dem es versprach, seine Bündnisse und Vornestationierung beizubehalten, wurde der Bericht weithin
begrüßt.
Eine entscheidende Sicherheitsbedrohung in der Welt
nach dem Kalten Krieg ist die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Bis heute ist die Nichtverbreitungsbilanz beeindruckend. 1963 sagte Präsident
John F. Kennedy voraus, daß es bis heute Dutzende
von Nuklearstaaten geben würde. Zweifelsohne gibt
es viele Staaten, die zur Entwicklung solcher Waffen

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�fähig sind. Aber die meisten haben sich für einen
Verzicht auf die Bombe entschieden. Im Nichtverbreitungsvertrag von 1970 sind fünf Nuklearwaffenstaaten aufgeführt (die Vereinigten Staaten, Rußland,
Großbritannien, Frankreich und China); Indien und
Pakistan, die vor kurzem Atomtests durchgeführt
haben, und - wie es heißt - Israel. Südafrika, das in
den achtziger Jahren ein halbes Dutzend Bomben
entwickelt hatte, gab sie danach auf. Und verbrecherische Staaten wie der Irak und Nordkorea mußten ihre
Programme einstellen. Die unbefristete Verlängerung
des N W im Jahr 1995 war ein ermutigendes Zeichen,
daß das Nichtverbreitungsregime Bestand hatte.
Die größte Bedrohung im nuklearen Bereich ist heute
das Problem der sogenannten "herrenlosen" Nuklearwaffen - die Gefahr, daß die Staaten der ehemaligen
Sowjetunion die Kontrolle über Bomben oder Nuklearmaterial verlieren könnten, die dann auf den Schwarzmarkt gelangen. Die durch das kooperative Programm
des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur
Verringerung der Bedrohung an Rußland in diesem
Bereich geleistete amerikanische Hilfe ist eine neue
und andere Art der Sicherheitspolitik für eine neue
Welt. Die Nichtverbreitungspolitik in all ihren Dimensionen, einschließlich der Verbreitung von chemischen
und biologischen Waffen und ihren Trägersystemen,
bildet weiterhin das Kernstück unserer Sicherheitspolitik.
Und schließlich gibt es eine neue Dimension des
Sicherheitsproblems, die nicht mit klassischen militärischen Mitteln gelöst werden kann. Es ist die
Bedrohung durch Terroristen, die Massenvernichtungswaffen einsetzen. 40 Jahre lang lebten die
Amerikaner mit der Angst vor einem sowjetischen
Nuklearangriff. Das Ende des Kalten Krieges verringerte die Aussicht auf einen nuklearen Holocaust, aber
ironischerweise haben sich die Aussichten auf eine
Atomexplosion in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich erhöht. Und die Bedrohung ist nicht ausschließlich nuklearer Art. Terroristen haben leichteren
Zugang zu biologischen und chemischen Waffen wie
Anthrax, Rizin oder Sarin als zu Nuklearmaterial.
In den vergangenen Jahren konnten wir vermehrt
einen neuen Typ von Terroristen beobachten, die
weniger an der Verfechtung einer politischen Sache

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interessiert sind und sich mehr auf die Ausmerzung
dessen konzentrieren, was sie als böse bezeichnen.
Ihre Motive sind häufig eine verzerrte Form von
Heligion, und sie erachten Massenvernichtungwaffen
als geeignetes Mittel für ihre Zwecke. Diese stehen
immer leichter zur Verfügung. Die Zunahme von
Mafiaorganisationen in der ehemaligen Sowjetunion
hat eine Zunahme des Schmuggels von Nuklearmaterial bewirkt (glücklicherweise bisher in kleinen Mengen). Chemische und biologische Kampfstoffe können
von Studenten oder Labortechnikern hergestellt
werden. Allgemeine Anleitungen sind im Internet
erhältlich. 1995 ließ eine japanische Sekte Sarin in die
Tokioter U-Bahn einströmen, wobei 12 Menschen
getötet wurden. Sie experimentierten auch mit biologischen Kampfstoffen. Präsident Clinton hat vor kurzem
Direktiven unterzeichnet, mit denen Terrorismus und
Bedrohungen entscheidender Infrastrukturen (einschließlich von Informationssystemen) zur obersten
Priorität der amerikanischen Sicherheitspolitik erklärt
werden.
Abschließend möchte ich feststellen, daß die Welt
nach dem Kalten Krieg gute und schlechte Nachrichten
für die amerikanische Sicherheitspolitik hat. Auf
militärischer und wirtschaftlicher Ebene werden die
Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit wahrscheinlich
weiterhin die vorherrschende Macht sein.
Kein
anderer Staat hat der amerikanischen Stärke etwas
entgegenzusetzen. Die Aussicht auf einen Krieg
zwischen Großmächten ist unwahrscheinlich. Die
Vereinigten Staaten haben die Fähigkeit, zur Gestaltung des Umfelds beizutragen, um die Aussichten auf
künftige Bedrohungen zu verringern. Obwohl das nicht
heißt, daß die Vereinigten Staaten als Weltpolizist
fungieren können (oder wollen) oder in der Lage
wären, alle Konflikte zu kontrollieren, heißt es, wenn
sie sich für Koalitionen mit Verbündeten und gleichgesinnten Staaten entscheiden, besteht eine vernünftige
Aussicht auf die Eindämmung und manchmal Verringerung von Konflikten. Andererseits ist die schlechte
Nachricht, daß auf transnationaler Ebene, wo es viel
Macht gibt und niemand die Kontrolle hat, eine neue
Form der Bedrohung entstanden ist, für die unsere
traditionellen Sicherheitsinstrumente schlecht geeignet
sind. Das ist ein Bereich, der in Zukunft mehr Aufmerksamkeit erfordert.

*

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ST;

cimcrikci
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

14

15. Juli 1998

USA-CHINA

PERSONLICHE FREIHEIT IST MANDAT
DES NEUEN JAHRTAUSENDS
Rede von Präsident Clinton
vor der Pekinger Universität

4. JULI

AMERIKA VOR EINEM NEUEN JAHRHUNDERT
GRENZENLOSER CHANCEN
Proklamation des Präsidenten

TECHNOLOGIE

DAS JAHR 2000-PROBLEM
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

ELEKTRONISCHER HANDEL

INTERNET IST "STARKER
WACHSTUMSMOTOR"
Rede von Ira Magaziner

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-CHINA

15. Juli 1998

Persönliche Freiheit ist Mandat des neuen Jahrtausends
Rede von Präsident Clinton vor der Pekinger Universität

PEKING - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Präsident Clinton im Rahmen seiner
Chinareise am 29. Juni 1998 vor Studenten der Universität Peking gehalten hat.

Ich bin heute hierhergekommen, um zu Ihnen, der
nächsten Generation chinesischer Führungspersönlichkeiten, über die entscheidende Bedeutung einer
starken Partnerschaft zwischen China und den
Vereinigten Staaten für Ihre Zukunft zu sprechen.
Das amerikanische Volk bewundert China wegen
seines jahrtausendelangen Beitrags zu Kultur und
Religion, Philosophie und Kunst, Wissenschaft und
Technologie. Wir erinnern uns gut an unsere enge
Partnerschaft im Zweiten Weltkrieg. Jetzt sehen wir
China in einem Moment der Geschichte, in dem Ihre
ruhmreiche Vergangenheit ihre Entsprechung in Ihren
gegenwärtig stattfindenden tiefgreifenden Umwälzungen und den noch größeren Versprechungen Ihrer
Zukunft findet.
Vor nur drei Jahrzehnten war China praktisch von der
Welt abgeschottet. Jetzt gehört Ihr Land mehr als
1.000 internationalen Organisationen an - die sich mit
Themen von der Luftfahrt bis zu landwirtschaftlicher
Entwicklung befassen. Sie haben Ihre Nation für
Handel und Investitionen im großen Stil geöffnet.
Heute studieren 40.000 junge Chinesen in den Vereinigten Staaten und Hunderttausende in Asien, Afrika,
Europa und Lateinamerika.
Ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Umgestaltung
war noch bemerkenswerter: Von einer geschlossenen
Kommandowirtschaft zu einer pulsierenden, zunehmend marktorientierten Wirtschaft, die zu zwei Jahrzehnten einzigartigem Wachstum führte und den
Menschen mehr Reisefreiheit inner- und außerhalb
Chinas, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen, das
Recht auf Hausbesitz, Wahl des Arbeitsplatzes und
den Besuch einer besseren Schule gibt. Infolgedessen haben Sie buchstäblich Millionen Menschen von

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der Armut befreit. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich
im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Die meisten Chinesen führen ein Leben, das sie sich vor nur 20 Jahren
nicht hätten vorstellen können.
Natürlich haben diese Veränderungen den geordneten
Lebens- und Arbeitsrhythmus gestört und Ihre Umwelt
enorm belastet. Früher wurde jedem in der Stadt
lebenden Chinesen ein Arbeitsplatz in einem staatlichen Unternehmen garantiert. Jetzt müssen Sie sich
auf dem Arbeitsmarkt dem Wettbewerb stellen. Früher
mußte ein chinesischer Arbeitnehmer nur die Forderungen der zentralen Planer in Peking erfüllen. Jetzt
bringt es die globale Wirtschaft mit sich, daß alle es im
Hinblick auf Qualität und Kreativität mit der übrigen
Welt aufnehmen müssen. Für diejenigen, die nicht
über die richtige Ausbildung, Qualifikation und Unterstützung verfügen, kann diese neue Welt furchterregend sein.
Kurzfristig werden zumindest einige rechtschaffene,
hart arbeitende Menschen arbeitslos sein. Und wie Sie
alle sehen können, haben die Entwicklung und der
Energieverbrauch der vergangenen 20 Jahre enorme
Kosten für Umwelt, Wirtschaft und Gesundheitswesen
mit sich gebracht - von der Luftverschmutzung über die
Entwaldung und den sauren Regen bis zur Wasserknappheit.
Angesichts dieser Herausforderungen müssen neue
Ausbildungs- und Sozialversicherungssysteme entwickelt und neue umweltpolitische Maßnahmen und
Technologien mit dem Ziel eingeführt werden, Ihre
Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig die Umwelt zu
verbessern. Alles, was ich über die Intelligenz, die
Erfindungsgabe und den Unternehmungsgeist des
chinesischen Volkes weiß und alles, was ich während

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�dieser Tage in meinen Gesprächen mit Präsident
Jiang, Ministerpräsident Zhu und anderen erfahren
habe, erfüllt mich mit Zuversicht, daß Sie Erfolg haben
werden.
Während Sie ein neues China aufbauen, möchten die
Vereinigten Staaten neue Beziehungen zu Ihnen
aufbauen. Wir möchten, daß China ein erfolgreiches,
sicheres und offenes Land ist, das sich zusammen mit
uns für eine friedlichere und wohlhabendere Welt
einsetzt. Ich weiß, daß manche in China und den
Vereinigten Staaten bezweifeln, ob engere Beziehungen zwischen unseren Ländern von Vorteil sind. Aber
alles, was wir über die Art und Weise wissen, in der
sich die Welt verändert sowie über die Ihre Generation
konfrontierenden Herausforderungen sagt uns, daß
unsere beiden Nationen profitieren, wenn wir zusammenarbeiten anstatt getrennt vorzugehen.
Der verstorbene Deng Xiaoping riet uns, die Wahrheit
in den Fakten zu suchen. Am Vorabend eines neuen
Jahrhunderts sind die Fakten klar. Die Entfernung
zwischen unseren beiden Nationen, ja zwischen allen
Nationen, nimmt ab. Während früher ein amerikanischer Klipper Monate brauchte, um den Weg von
China nach Amerika zurückzulegen, macht die
Technologie uns heute alle zu Nachbarn. Von Laptops
zu Lasern, von Mikrochips zu Megabytes erleuchtet
eine Informationsrevolution das weite Feld menschlichen Wissens und bringt uns alle näher zusammen.
Ideen, Informationen und Geld überqueren den
Planeten durch einen einfachen Tastendruck auf dem
Computer und bieten außergewöhnliche Chancen
Wohlstand zu schaffen, Krankheiten zu verhüten und
zu besiegen und mehr Verständnis zwischen Völkern
mit unterschiedlicher Geschichte und unterschiedlichen Kulturen hervorzurufen.
Wir wissen aber auch, daß diese größere Offenheit
und der schnellere Wandel bedeuten, daß Probleme,
die außerhalb der Grenzen einer Nation ihren Ursprung haben, schnell auf die Nation übergreifen
können - die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, die Bedrohungen durch organisiertes Verbrechen und Drogenhandel, Umweltzerstörung und
schwere wirtschaftliche Erschütterungen.
Keine
Nation kann sich von diesen Problemen abschotten,
und keine Nation kann sie alleine lösen. Wir, insbesondere die jüngeren Generationen in China und
den Vereinigten Staaten, müssen aus unseren gemeinsamen Herausforderungen gemeinsame Sache
machen, damit wir gemeinsam ein neues Jahrhundert
herausragender Möglichkeiten gestalten können.
Im 21. Jahrhundert - Ihrem Jahrhundert - sehen sich
China und die Vereinigten Staaten der sicherheitspolitischen Herausforderung in Asien gegenüber. Auf
der koreanischen Halbinsel waren wir einst Gegner.
Heute setzen wir uns gemeinsam für dauerhaften

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Frieden und eine Zukunft mit weniger Nuklearwaffen
ein.
Während sich die übrige Welt von der nuklearen
Gefahr entfernt, riskieren Indien und Pakistan auf dem
indischen Subkontinent einen neuen Rüstungswettlauf. Wir verfolgen jetzt eine gemeinsame Strategie,
Indien und Pakistan von weiteren Tests abzuhalten
und zu einem Dialog über die Beilegung ihrer Differenzen zu veranlassen.
Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation der
Herausforderung stellen, der Ausbreitung noch
todbringenderer nuklearer, chemischer und biologischer Waffen Einhalt zu gebieten. Wenn sie in die
falschen Hände oder an den falschen Ort geraten,
können diese Waffen den Frieden kleiner und großer
Nationen bedrohen.
China und die Vereinigten
Staaten sind sich in zunehmendem Maße über die
Bedeutung der Nichtverbreitung einig. Aus diesem
Grund fangen wir an, gemeinsam die gefährlichsten
Waffen der Welt zu kontrollieren.
Im 21. Jahrhundert muß Ihre Generation den internationalen Anstieg von Kriminalität und Drogen bremsen.
Weltweit beraubt das organisierte Verbrechen jedes
Jahr die Menschen um Milliarden Dollar und unterminiert das Vertrauen in die Regierung. Amerika weiß
von der Zerstörung und Verzweiflung, die Drogen in
Schulen und Gemeinden bewirken können. China,
das an mehr als ein Dutzend Länder grenzt, ist zu
einem Mittelpunkt für Schmuggler aller Art geworden.
Im vergangenen Jahr baten Präsident Jiang und ich
hochrangige chinesische und amerikanische Strafverfolgungsbeamte, unsere Kooperation bei der
Bekämpfung dieser Verbrecher zu verstärken, der
Geldwäsche Einhalt zu gebieten, den grausamen
Handel mit Ausländern zu stoppen und die Banknotenfälschung zu bekämpfen. Diesen Monat eröffnete
unsere Drogenbekämpfungsbehörde ein Büro in
Peking, und chinesische Suchtmittelbekämpfungsfachleute werden bald von Washington aus tätig
werden.
Im 21. Jahrhundert muß es sich Ihre Generation zur
Aufgabe machen sicherzustellen, daß die Fortschritte
von heute nicht auf Kosten von morgen erfolgen. Das
bemerkenswerte Wachstum Chinas während der
letzten beiden Jahrzehnte hat einen toxischen Preis
gehabt - Schadstoffe, die das Trinkwasser verschmutzen und die Luft verpesten. Der Preis war nicht nur
umweit-, sondern auch gesundheitspolitischer Natur:
Ernsthafte Konsequenzen für die Gesundheit Ihres
Volkes und eine Belastung für das Wirtschaftswachstum.
Umweltprobleme sind zunehmend globaler wie auch
nationaler Natur. In naher Zukunft wird China bei einer
Fortsetzung des gegenwärtigen Energieverbrauchs die

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�Vereinigten Staaten als Land mit dem weltweit größten
Ausstoß von Treibhausgasen überrunden - den
Gasen, die der Hauptgrund für die Erderwärmung sind.
Wenn die Nationen der Welt nicht den Ausstoß der
Gase verringern, die die Erderwärmung verursachen,
wird irgendwann im nächsten Jahrhundert die ernsthafte Gefahreines Klimawandels bestehen, der unsere
Lebens- und Arbeitsweise verändern, einige Inseln
buchstäblich unter Wassermassen begraben und das
wirtschaftliche und soziale Gefüge von Nationen
unterminieren wird.
Wir müssen zusammenarbeiten. Wir Amerikaner
wissen aus Erfahrung, daß Wirtschaftswachstum und
Umweltschutz parallel erfolgen können. Wir müssen
im eigenen und im Interesse der ganzen Welt gemeinsam handeln.

systems sowie von Wachstum und Wohlstand - die
diese gesamte Region erfassen sollten - abzuwehren.
Im 21. Jahrhundert wird Ihre Generation eine große
Chance haben, die Talente Ihrer Wissenschaftler,
Ärzte und Ingenieure beim gemeinsamen Streben
nach Fortschritt zusammenzubringen.
Die durch
unsere Zusammenarbeit bereits erzielten Fortschritte bei Herausforderungen wie der Behandlung von Spina
Bifida bis zur Bewältigung extremer Wetterbedingungen und Erdbeben - beweisen, was wir gemeinsam tun
können, um das Leben von Millionen Menschen in
China, den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt zu verändern. Die Erweiterung unserer Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie kann
eines unserer größten Geschenke für die Zukunft sein.

Auf der Grundlage der von Vizepräsident AI Gore mit
der chinesischen Regierung geleisteten Arbeit suchen
Präsident Jiang und ich nach Wegen, wie wir mit
sauberen amerikanischen Energietechnologien die
Qualität der Luft verbessern und gleichzeitig die
chinesische Wirtschaft ankurbeln können.

In jedem der von mir genannten lebenswichtigen
Bereiche können wir offensichtlich so viel mehr
erreichen, wenn wir zusammen, statt jeder für sich
vorgehen. Aus diesem Grund sollten wir darauf
hinarbeiten, daß sich die produktiven Beziehungen,
deren wir uns heute erfreuen, in dem neuen Jahrhundert zu einer umfassenderen Partnerschaft
entwickeln.

Ich möchte es noch einmal wiederholen - dies steht
nicht in meinem Manuskript: Ihre Generation muß auf
diesem Gebiet mehr tun. Dies ist eine enorme Herausforderung für Sie, das amerikanische Volk und die
Zukunft der Welt. Und sie muß auf universitärer Ebene
angesprochen werden, weil die führenden Politiker nie
gewillt sein werden, umweltpolitische Maßnahmen zu
ergreifen, wenn sie der Ansicht sind, daß sie zu
Massenarbeitslosigkeit oder mehr Armut führen
werden. Es ist offensichtlich, daß das nicht der Fall
sein muß. Sie werden tatsächlich ein größeres
Wirtschaftswachstum und besser bezahlte Arbeitsplätze haben, die bei richtigem Vorgehen zu einem
höheren Bildungs- und Technologieniveau führen.
Aber Sie und die Universität, die Gemeinden in China,
den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
müssen die Führung übernehmen.

Wenn das geschieht, dann ist es äußerst wichtig, daß
wir einander besser verstehen - sowohl unsere
gemeinsamen Interessen als auch unser gemeinsames Streben und unsere offenen Differenzen.
Meiner Ansicht nach kann ein offener, direkter Gedankenaustausch der Art, wie Präsident Jiang und ich ihn
bei unserer Pressekonferenz am Samstag hatten - von
der ich weiß, daß viele von Ihnen sie im Fernsehen
gesehen haben - unsere Meinungsverschiedenheiten
gleichermaßen klären und abbauen. Noch wichtiger
ist, wenn man den Menschen gestattet zu verstehen,
zu debattieren und zu diskutieren, dann können diese
Dinge unseren Völkern ein größeres Gefühl des
Vertrauens vermitteln, daß wir eine bessere Zukunft
gestalten können.

Im 21. Jahrhundert muß sich Ihre Generation auch der
Herausforderung eines internationalen Finanzsystems
stellen, das keine nationalen Grenzen respektiert.
Wenn in Hongkong oder Jakarta die Aktienkurse fallen,
sind die Auswirkungen nicht länger örtlich begrenzt sie sind global. Das pulsierende Wachstum Ihrer
Volkswirtschaft ist aus diesem Grund eng mit der
Wiederherstellung von Stabilität und Wachstum in der
asiatisch-pazifischen Region verbunden.
China hat seine Verantwortung gegenüber der Region
und der Welt während dieser letzten Finanzkrise
entschlossen übernommen - und zur Vermeidung
eines weiteren Zyklus gefährlicher Abwertungen
beigetragen.
Wir müssen weiterhin zusammenarbeiten, um diese Bedrohung des globalen Finanz-

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Von den Fenstern des Weißen Hauses - wo ich in
Washington wohne - aus gesehen, beherrscht das
Monument unseres ersten Präsidenten George
Washington die Skyline. Es ist ein sehr hoher Obelisk.
Aber in unmittelbarer Nähe dieses großen Monuments
gibt es einen kleinen Stein mit folgender Inschrift: In
den Vereinigten Staaten gibt es weder Adels- oder
Königstitel noch ein Erbsystem. Die Angelegenheiten
des Staates werden durch öffentliche Abstimmung
entschieden.
Dadurch wurde eine neue politische Situation geschaffen, die vom Altertum bis zur Gegenwart ihresgleichen
sucht. Wie schön das ist. Diese Worte wurden nicht
von einem Amerikaner geschrieben. Sie wurden von
Xu Jiyu, dem Gouverneur der Provinz Fujian verfaßt
und unserer Nation 1853 von der chinesischen
Regierung als Geschenk überreicht.

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�Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk aus China.
Es beschreibt zutreffend unsere Ideale als ein Volk das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück, Redefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Ausübung der Religion ohne
Einmischung des Staates. Das sind die Ideale, die im
Zentrum unserer Gründung vor über 220 Jahren
standen. Das sind die Ideale, die uns bei unserem
Weg quer über unseren Kontinent und auf die Weltbühne leiteten. Das sind die Ideale, die Amerikaner
heute hochhalten.
Wie ich in der Pressekonferenz mit Präsident Jiang
gesagt habe, streben wir weiterhin danach, diesen
Idealen gerecht zu werden. Die Menschen, die unsere
Verfassung schrieben, wußten, daß wir niemals
Perfektion erreichen würden.
Sie erklärten, die
Aufgabe Amerikas sei stets, "eine perfektere Union zu
werden" - mit anderen Worten, wir würden niemals
perfekt sein, aber wir müßten weiterhin versuchen, es
besser zu machen.
Die dunkelsten Augenblicke unserer Geschichte
kamen, als wir den Versuch aufgaben, es besser zu
machen, als wir unseren Bürgern aufgrund ihrer Rasse
oder ihrer Religion, weil sie neue Einwanderer waren
oder eine unpopuläre Meinung vertraten, die Freiheit
verweigerten.
Die besten Augenblicke unserer
Geschichte kamen, als wir die Freiheit der Menschen
schützten, die eine unpopuläre Meinung vertraten,
oder die Rechte, deren viele sich erfreuten, auf die
wenigen ausdehnten, denen sie zuvor verweigert
worden waren und damit die Versprechen unserer
Unabhängigkeitserklärung und Verfassung zu mehr als
nur verblaßten Worten auf altem Pergament machten.
Wir möchten unsere Vision anderen heute nicht
aufzwingen, aber wir sind überzeugt, daß bestimmte
Rechte universell sind - und nicht amerikanische
Rechte oder europäische Rechte oder Rechte von
Industrienationen, sondern die Geburtsrechte von
Menschen überall auf der Welt, die jetzt in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankert sind - das Recht auf menschenwürdige Behandlung; das Recht, seine Meinung
zu äußern, seine Politiker zu wählen, sich frei mit
anderen zu versammeln und frei seine Religion
auszuüben oder nicht - wie immer man sich entscheidet.
Im letzten Brief seines Lebens schrieb der Verfasser
unserer Unabhängigkeitserklärung und unser dritter
Präsident, Thomas Jefferson, damals, "alle Augen
öffnen sich für die Rechte der Menschen". Ich bin der
Überzeugung, daß in dieser Zeit - endlich -172 Jahre
nachdem Jefferson diese Worte geschrieben hat, alle
Augen sich für die Rechte von Männern und Frauen
auf der ganzen Welt öffnen.

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In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat eine
zunehmende Woge der Freiheit das Leben von
Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessert
und gescheiterte Diktaturen in der ehemaligen Sowjetunion und in ganz Zentraleuropa hinweggefegt, den
Teufelskreis von Militärputschen und Bürgerkriegen in
Lateinamerika beendet und mehr Menschen in Afrika
eine Chance gegeben, das Beste aus ihrer schwer
erkämpften Unabhängigkeit zu machen. Und von den
Philippinen bis nach Südkorea, von Thailand bis zur
Mongolei hat die Freiheit die Küsten Asiens erreicht
und Wachstum und Produktivität Auftrieb verliehen.
Wirtschaftliche Sicherheit kann auch ein unerläßliches
Element der Freiheit sein. Ihr wird in der Konvention
der Vereinten Nationen zu wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Rechten Rechnung getragen. In China
haben Sie außerordentliche Fortschritte bei der Pflege
dieser Freiheit erzielt und die Freiheit von Not verbreitet, so daß sie eine Quelle der Stärke für Ihr Volk
ist. Die Einkommen sind gestiegen, die Armut wurde
bekämpft, die Menschen können zwischen mehr
Arbeitsplätzen wählen, und sie haben die Möglichkeit
zu reisen - die Möglichkeit zu einem besseren Leben.
Aber wahre Freiheit beinhaltet mehr als wirtschaftliche
Freiheit. In Amerika glauben wir, sie ist ein Konzept,
das unteilbar ist.
In den vergangenen vier Tagen habe ich in China
Freiheit in vielen Manifestationen gesehen. Ich habe
die Demokratie in den Dörfern Ihres Herzlands
knospen sehen. Ich habe ein Dorf besucht, das seine
Politiker in freien Wahlen gewählt hat. Ich habe auch
die Handys, die Videogeräte, die Faxmaschinen
gesehen, die Ideen, Informationen und Bilder aus der
ganzen Welt übermitteln. Ich habe Menschen gehört,
die ihre Meinung äußerten, und ich habe mit Menschen
meiner eigenen Glaubensrichtung gebetet. Bei all dem
spürte ich die stete Brise der Freiheit.
Die Frage lautet, wohin gehen wir? Wie arbeiten wir
zusammen, um gemeinsam auf der richtigen Seite der
Geschichte zu stehen? Vor über 50 Jahren sagte Hu
Shi, einer Ihrer großartigen politischen Denker und ein
Dozent an dieser Universität folgende Worte: "Es gibt
Menschen, die mir sagen, Du mußt Deine persönliche
Freiheit opfern, damit die Nation frei sein kann. Aber
ich antworte, der Kampf für persönliche Freiheit ist der
Kampf für die Freiheit unserer Nation. Der Kampf für
deinen eigenen Charakter ist der Kampf für den
Charakter der Nation."
Wir Amerikaner glauben, daß Hu Shi Recht hatte. Wir
glauben es, und unsere Erfahrung beweist, daß
Freiheit die Stabilität stärkt und Nationen bei Veränderungen hilft.
Einer unserer Gründerväter, Benjamin Franklin, sagte
einmal: "Unsere Kritiker sind unsere Freunde, denn sie
zeigen uns unsere Fehler." Nun, wenn das stimmt,

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�gibt es viele Tage in den Vereinigten Staaten, an
denen der Präsident mehr Freunde als sonst jemand in
Amerika hat.
In der Welt, in der wir leben, in diesem globalen
Informationszeitalter, sind konstante Verbesserungen
und Veränderungen für Wirtschaftschancen und
nationale Stärke erforderlich. Daher werden ein
möglichst freier Fluß von Informationen, Ideen und
Meinungen sowie größere Respektierung unterschiedlicher politischer und religiöser Überzeugungen
Stärke und Stabilität beim Weg nach vorne hervorbringen.
Es liegt daher zutiefst in Ihrem Interesse und dem der
Welt, daß junge Chinesen frei sind, um ihr Potential in
seiner ganzen Fülle auszuschöpfen. Das ist die
Botschaft unserer Zeit und das Mandat des neuen
Jahrhunderts und des neuen Jahrtausends.
Ich hoffe, China wird dieses Mandat besser annehmen. Denn trotz all der Größe Ihrer Geschichte bin ich
der Ansicht, daß Ihre größten Tage noch vor Ihnen
liegen. Trotz all der Unbilden des 20. Jahrhunderts hat
China nicht nur überlebt, sondern macht auch dramatische Fortschritte.

*

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Andere alte Kulturen scheiterten, weil sie sich dem
Wandel nicht stellten. China hat die Fähigkeit konstant
unter Beweis gestellt, sich zu ändern und zu wachsen.
Jetzt müssen Sie China für eine neues Jahrhundert
neu ersinnen, und Ihre Generation muß im Herzen der
Erneuerung Chinas stehen.
Das neue Jahrhundert steht vor uns. Alle Blicke sind
auf die Zukunft gerichtet. Ihr Land hat mehr Jahrtausende erlebt als die Vereinigten Staaten Jahrhunderte. Heute ist China jedoch so jung wie jede
andere Nation auf der Welt. Dieses neue Jahrhundert
kann die Geburt eines neuen Chinas sein, mit Stolz auf
Ihre frühere Größe, mit Stolz auf das, was Sie tun und
noch mehr Stolz auf das noch vor Ihnen Liegende. Es
kann eine Zeit sein, in der die Welt erneut auf China
blickt wegen seiner Kraft und seiner Kultur, der Frische
seines Denkens und der menschlichen Würde, die in
seinen Werken ersichtlich ist. Es kann eine Zeit sein,
in der die älteste aller Nationen zur Schaffung einer
neuen Welt beiträgt.
Die Vereinigten Staaten möchten mit Ihnen zusammenarbeiten, um diese Zeit Realität werden zu lassen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 5

�4. J U L I
15. Juli 1998

Amerika vor einem neuen Jahrhundert
grenzenloser Chancen
Proklamation des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft von Präsident Clinton zum Unabhängigkeitstag 1998.

Ich freue mich, den Unabhängigkeitstag gemeinsam
mit meinen amerikanischen Mitbürgern im ganzen
Land und auf der Welt feiern zu können.
Im Verlauf des Jahres haben wir immer wieder Gelegenheit, unserer verschiedenen ethnischen Wurzeln
zu gedenken und sie zu feiern. Aber am Unabhängigkeitstag freuen wir uns alle über unser gemeinsames
Erbe als Amerikaner sowie über die Werte und
Geschichte, die wir teilen.
Wir alle haben von der Weisheit der Gründerväter
unserer Nation profitiert, die einen Plan für die Demokratie ausarbeiteten, der uns seit mehr als 200 Jahren
gute Dienste leistet und die neuen unabhängigen
Nationen auf der ganzen Welt weiterhin inspiriert. Wir
alle sind Erben der Rechte, die in unserer Verfassung
niederlegt sind und von mutigen Männern und Frauen
jeder Generation erneut bekräftigt werden, die für
Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Wir
alle schulden auf ewig den Millionen von Amerikanern
in Uniform Dank, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt

*

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haben, um unsere Freiheit zu verteidigen und unsere
Werte in ganz Amerika und weltweit zu erhalten.
Aber wir Amerikaner sind nicht nur durch unsere
gemeinsame Vergangenheit verbunden, sondern auch
durch eine gemeinsame Zukunft. Wir genießen
Frieden und Wohlstand. Und wir haben die einzigartige Chance, uns auf die Herausforderungen des
kommenden Jahrhunderts vorzubereiten: Dafür zu
sorgen, daß Amerika frei und sicher bleibt, Gesundheitsfürsorge und Bildung zu verbessern, die Chancen
des Informationszeitalters in jede Wohnung und jedes
Klassenzimmer zu bringen und die Bande unserer
nationalen Gemeinschaft zu stärken, während wir in
rassischer und ethnischer Hinsicht noch vielfältiger
werden.
An diesem Unabhängigkeitstag feiern wir unsere
Rechte und Freiheiten und freuen uns auf ein neues
Jahrhundert grenzenloser Chancen. Hillary und ich
möchten Ihnen einen schönen 4. Juli wünschen.

* * *

*

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�TECHNOLOGIE

15. Juli 1998

Das Jahr 2000-Problem
Rede des Stellvertretenden Finanzministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Finanzminister
Lawrence Summers am 6. Juli 1998 bei einer Anhörung vor dem Sonderausschuß des Senats zum Jahr 2000Problem gehalten hat.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder,
das Finanzministerium möchte Ihnen für diese wichtige
Anhörung danken und unterstützt Ihre Bestrebungen
einer Überprüfung des Jahr 2000-Problems sowie
seiner Auswirkungen auf das internationale Bank- und
Finanzwesen. Wird das Jahr 2000-Problem nicht
behoben, wird es jeden Aspekt unseres Finanzsystems beeinflussen, einschließlich der Durchführung
von Finanzgeschäften und routinemäßiger Finanztransaktionen sowie der Geldausgabe an Bankautomaten.
Alle Finanzfirmen sehen sich potentiell einem Risiko
ausgesetzt. Sogar verantwortungsbewußt an der
Erneuerung ihrer Systeme arbeitende Unternehmen
können aufgrund der engen Verflechtung des Finanzsystems immer noch geschädigt werden: Der Bankrott
einer Gegenpartei, eines Anbieters oder Verkäufers
kann negative Auswirkungen auf eine ansonsten
solvente Firma haben. Wenn es häufig zu Bankrotten
kommt, können sie eine Bedrohung zentraler Märkte
wie der Devisenmärkte oder eines Clearinghaus
darstellen.
Die heutige Anhörung zu diesem Thema kommt zum
richtigen Zeitpunkt. In den vergangenen Monaten
konnte man hektische internationale Aktivitäten zur
Behebung des Jahr 2000-Problems beobachten. Vor
zwei Wochen wurde in Großbritannien ein Expertentreffen der Außenminister der G 8 veranstaltet, um das
Jahr 2000-Problem und grenzüberschreitende Probleme zu erörtern. Bei diesem Treffen gab jedes Land
einen kurzen Überblick über seine Bestrebungen und
legte eine Analyse der Fortschritte in anderen Ländern
vor. Andere internationale Foren, darunter die Welt-

AMERIKA DIENST 14

bank, die OECD und regionale Organisationen, leiten
ebenfalls bedeutende Programme in die Wege, um zur
Koordinierung der internationalen Aktivitäten auf
diesem Gebiet beizutragen.
Aufsicht in den Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten haben Finzanzaufsichtsbeamte Schritte unternommen, um die Firmen zur
Inangriffnahme des Jahr 2000-Problems zu ermutigen.
Die amerikanische Bundesbörsenaufsichtsbehörde
fordert jetzt von öffentlichen Unternehmen die Offenlegung der mit dem Jahreswechsel 2000 in Zusammenhang stehenden Probleme in ihren Unternehmensakten. Das kann den Investoren bei der Einschätzung
der Auswirkungen des Jahr 2000-Problems auf den
Marktwert einer Firma behilflich sein. Unter anderem
fordert die Börsenaufsichtsbehörde jetzt von einem
öffentlichen Unternehmen die Bekanntgabe der
Tatsache, daß es noch keine Beurteilung seiner
Probleme im Zusammenhang mit der Computerumstellung im Jahr 2000 vorgenommen hat. Darüber
hinaus muß ein öffentliches Unternehmen materielle
Jahr 2000-Probleme darlegen sowie die Art der
potentiellen Auswirkungen auf die Firma bekanntgeben, einschließlich ihrer generellen Pläne zur
Bewältigung des Problems. Diese Offenlegung, die
potentiell ein sehr stark auf Anreizen basierender
Ansatz ist, soll Druck des Marktes auf öffentliche
Unternehmen bewirken, die geeigneten Korrektivmaßnahmen zu ergreifen.
Entsprechend überprüfen amerikanische Bankaufsichtsbeamte jetzt routinemäßig Jahr 2000-Probleme,

Seite 1

�wenn sie von der Bundesregierung überwachte
Bankinstitutionen prüfen. Diese Überprüfungen sollen:
feststellen, ob die Organisation einen effektiven Plan für die Erarbeitung, Überarbeitung,
Erprobung und Umsetzung einer Lösung für
das Jahr 2000-Problem hat;
die Auswirkungen der Bestebungen zur
Lösung des Jahr 2000-Problems auf die
strategischen und betrieblichen Pläne der
Bank einschätzen;
feststellen, ob die Organisation die Computerumstellung auf das Jahr 2000 effektiv mit ihren
Kunden, Verkäufern und Partnern bei den
jeweiligen Zahlungssystemen koordiniert hat;
die Angemessenheit interner Kontrollen für
das Jahr 2000-Problem bewerten und
feststellen, ob weitere Korrektivmaßnahmen
erforderlich sein könnten.
Bedenken außerhalb der Vereinigten Staaten
In den Vereinigten Staaten und andernorts scheint die
Finanzdienstleistungsindustrie anderen wichtigen
Industriezweigen bei der Inangriffnahme des Jahr
2000-Problems voraus zu sein. Finanzfirmen arbeiten
hart an der Umstellung veralteter Systeme in so
großen Finanzzentren der Vereinigten Staaten wie
New York und Chicago sowie in anderen wichtigen
Zuständigkeitsbereichen wie London und Frankfurt.
Führende internationale Finanzfirmen haben bereits
interne Tests begonnen, und industrieweite Testprogramme sind für nächstes Jahr geplant.
Es ist jedoch sehr schwierig, die Effektivität der derzeit
in jedem Land durchgeführten Umstellungsprogramme
einzuschätzen. Jedes Land sieht sich bei der Suche
nach einer wirksamen Lösung des Problems mit
spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert. In Europa
beispielsweise müssen viele Länder in der Europäischen Union die Umstellung auf den Euro gleichzeitig
mit dem Jahr 2000-Problem bewältigen. Japan nimmt

größere Veränderungen in seinem Finanzsystem vor,
die auch seine Bestrebungen zur Bewältigung der
Computerumstellung im Jahr 2000 beeinflussen
könnten. Andere asiatische Länder müssen sich mit
unmittelbareren Bedrohungen ihrer Volkswirtschaften
befassen.
Außerhalb der wichtigsten Finanzzentren könnten die
durch das Jahr 2000 verursachten Probleme noch
größer sein. In diesen Ländern könnte es schwieriger
sein, die Kosten für die Einstellung von Programmierern zur Behebung des Problems zu finanzieren oder
überhaupt die Systeme auszumachen, die überhaupt
umgestellt werden müssen. Andererseits bedeutet die

Seite 2

Tatsache, daß viele Entwicklungsländer noch nicht in
dem Maße automatisiert sind wie die Vereinigten
Staaten, daß es nicht so viele Systeme gibt, die
zusammenbrechen können. Darüber hinaus wurden
die in diesen ärmeren Ländern verwendeten Systeme
vor nicht allzu langer Zeit gekauft und sind daher eher
für die Umstellung ausgerüstet als Computersysteme
in vielen Regionen der modernen Industrienationen.
Mögliche Schritte für andere Länder
Jedes Land wird seine eigene Lösung für das Jahr
2000-Problem auf der Grundlage seiner speziellen
Gegebenheiten, Ressourcen und Probleme einführen
müssen. Es gibt jedoch einige Prämissen, die Experten zufolge jedes Land bei der Computerumstellung
auf das Jahr 2000 berücksichtigen sollte. Insbesondere gibt es drei grundlegende Probleme - Inventur,
Umstellung und Erprobung.
Erstens vertreten Computerfachleute die Auffassung,
daß es für jedes Land hilfreich ist festzustellen, wie
stark es vom Jahr 2000-Problem betroffen ist. Dies
sollte eine Bestandsaufnahme aller Geräte beinhalten,
die eine Umstellung erfordern sowie eine Beurteilung,
welche Umstellungsmaßnahmen ergriffen werden
müssen. In den Vereinigten Staaten bestand das Ziel
in der Sicherstellung, daß alle diese Bestandsaufnahmen und Überprüfungen bis September abgeschlossen sein müssen, und Aufsichtsbeamte überwachen die Finanzinstitutionen, die diese Frist nicht
eingehalten haben.
Zweitens sind sich die Experten einig, daß jedes Land
der Bewertung eine Umstellungsphase folgen lassen
sollte, in der individuelle Softwareprogramme geändert
werden, damit ihre Anpassung an das Jahr 2000
gewährleistet ist. Entscheidend ist, daß die Unternehmen eine Prioritätenliste ihrer Bestrebungen aufstellen,
damit den entscheidenden Anwendungen größte
Aufmerksamkeit gewidmet wird, gefolgt von Softwareprogrammen, die im Falle eines technischen Versagens im Jahr 2000 begrenztere Auswirkungen auf die
Firmen haben. Die meisten Unternehmen in den
Vereinigten Staaten führen derzeit Umstellungsprogramme durch, die im Großen und Ganzen im
Dezember 1998 abgeschlossen sein sollten.
Drittens. Ebenso wichtig ist in den Augen praktisch
aller Fachleute die Erprobungsphase, die einzelne
Länder von Unternehmen in ihrem Zuständigkeitsbereich verlangen sollten. Die Bedeutung solcher
Erprobungsprogramme kann gar nicht hoch genug
eingeschätzt werden, da sogar geübte Programmierer
entscheidende Aufgaben übersehen können. Externe
Erprobungen sollten Erprobungen mit einzelnen sowie
mit mehreren Parteien beinhalten. In den Vereinigten
Staaten beginnen solche Erprobungen voraussichtlich
im Dezember 1998, aber externe Erprobungen setzen

AMERIKA DIENST 14

�die Zusammenarbeit mit Regierungen und Unternehmen anderer Länder voraus.
Die Arbeit in anderen internationalen Foren
Angesichts unserer Besorgnis über die von anderen
Nationen auf dem Gebiet des Jahr 2000-Problems
gemachten Fortschritte leitete das US-Finanzministerium umfassende Bestrebungen ein, das Profil dieser
Frage aufzuwerten und als Katalysator für Aktionen in
zahlreichen Ländern zu fungieren. Das Finanzministerium unterbreitete der G 7 im März 1998
Unterlagen über das Jahr 2000-Problem, in dem die
G 7-Staaten aufgefordert werden, in ihrem jeweiligen
Zuständigkeitsbereich umfassende Jahr 2000-Programme durchzuführen und anderen Ländern dabei
behilflich zu sein. Seitdem arbeiten wir mit anderen
Staaten zusammen um sicherzustellen, daß die Jahr
2000-Frage auf die Agenda des Gipfels in Birmingham
gesetzt wird. Die Schlußfolgerungen des Treffens der
Finanzminister der G 7 am 8. Mai beinhalten die
Aufforderung an internationale Regulierungsbehörden
(das heißt, den Baseler Ausschuß zur Bankenüberwachung, die internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden, den internationalen Verband für
Versicherungsaufsicht und den Ausschuß für Zahlungssysteme und -ausgleich), die Bestrebungen des
Privatsektors zu "kontrollieren" und "alles in ihrer
Macht Stehende zu tun, um eine Computerumstellung
zu ermutigen". Ich werde im folgenden noch darlegen,
daß diese Institutionen die Herausforderung des Jahr
2000-Problems angehen und die Bestrebungen von
Finanzinstitutionen in ihren entsprechenden Industriezweigen sorgfältig bewerten und überwachen, anstatt
nur "das Problembewußtsein zu schärfen".
Am 17. Mai kamen die Staats- und Regierungschefs
der G 8 zusammen, riefen die Länder zur Zusammenarbeit bei der Bewältigung des Jahr 2000-Problems auf
und forderten die internationalen Organisationen,
einschließlich der Weltbank und der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ausdrücklich zur Mithilfe bei der Lösung des
Problems auf.
Das Finanzministerium brachte das Jahr 2000-Problem auch in anderen internationalen Foren auf die
Tagesordnung. Ende Mai diskutierten die Finanzminister im Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) mit Vertretern des
Privatsektors über die Bedeutung der rechtzeitigen
Lösung des Jahr 2000-Problems in den Volkswirtschaften des APEC. Darüber hinaus forderten sie die
Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank auf,
anderen Ländern beim Umgang mit diesem Problem
zu helfen, und die nationalen Überwachungs- und
Regulierungsbehörden in der Region arbeiten gemeinsam mit den internationalen Regulierungsbehörden
Maßnahmen zur Lösung dieses Problems aus. Das
Jahr 2000-Problem fand auch Erwähnung in der

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gemeinsamen Erklärung der Finanzminister beim
gesamtamerikanischen Gipfel vergangenen Dezember
in Chile, und das Finanzministerium ermutigt weiterhin
diese regionale Gruppierung nord- und südamerikanischer Finanzministerien zur Zusammenarbeit mit
ihren Mitgliedstaaten bei der effektiven Lösung des
Problems.
Die Arbeit internationaler Regulierungsbehörden
Die internationalen Regulierungsbehörden haben
einen globalen Jahr 2000-Rat gegründet und ergreifen
Maßnahmen zur Koordinierung der finanziellen
Aspekte der Jahr 2000-Frage. Die Bestrebungen des
Jahr 2000-Rats begannen im April mit einer Konferenz
über das Jahr 2000-Problem in Basel unter Teilnahme
von führenden Politikern aus der ganzen Welt. Diese
Konferenz schärfte das Bewußtsein für die Problematik
der Computerumstellung im Jahr 2000.
Derzeit
bestimmten wir eine Verbindungsperson des Finanzministeriums für den Jahr 2000-Rat, der über dessen
Bestrebungen informiert wird und diese unterstützt, ein
aktives Programm zur Überwachung und Beurteilung
der Situation einzuleiten und angemessene korrigierende Schritte zu unternehmen, wenn offensichtlich ist, daß ein bestimmtes Land oder eine Gruppe
von Ländern mit dem Jahr 2000-Programm im Rückstand ist.
Andere Organisationen, insbesondere die OECD,
beteiligen sich an der Aufgabe, einige der wichtigsten
nichtfinanziellen Aspekte des Jahr 2000-Problems zu
koordinieren, beispielsweise Telekommunikation und
Stromversorgung, da Störungen der Telekommunikationsverbindungen oder Stromversorgung allgemeinen
wirtschaftlichen Schaden verursachen könnten.
Die Rolle der internationalen Finanzinstitutionen
und der multilateralen Entwicklungsbanken
Das Finanzministerium widmet der Rolle der Weltbank
und des Internationalen Währungsfonds sowie der
regionalen multilateralen Entwicklungsbanken, beispielsweise der Asiatischen Entwicklungsbank, der
Interamerikanischen Entwicklungsbank und der
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Jahr 2000-Frage besondere Aufmerksamkeit. Bei unseren Gesprächen mit diesen Institutionen waren wir im allgemeinen zufrieden, daß sie
angemessene Maßnahmen zur Beurteilung und
Umstellung ihrer internen Systeme ergreifen, und wir
begrüßen ihren diesbezüglichen Weitblick. Alle diese
Institutionen haben unter anderem Schritte zur Bewertung der für ihre Aufgabe unerläßlichen Systeme
unternommen, und sie haben gute Fortschritte bei
Umstellung oder Austausch der veralteten Systeme
gemacht, die nicht kompatibel sind.
Ferner ermutigen wir die internationalen Finanzinstitutionen, eine breite Palette von Maßnahmen zu

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�prüfen, die sie zusammen mit den Ländern ergreifen
könnten, die ihre Kunden sind. Wir hoffen, daß bei
allen von diesen Organisationen finanzierten Projekten
und Programmen die Umstellung auf das Jahr 2000
reibungslos erfolgt. Am 15. Juni treffen die Leiter aller
internationalen Finanzinstitutionen zusammen, um
Meinungen und Erfahrungen im Hinblick auf potentielle
Computerprobleme im Jahr 2000 auszutauschen und
Wege zu sondieren, wie sie ihren Mitgliedstaaten
technische Hilfe gewähren können.
Schlußfolgerung
Es gibt kein Patentrezept für das Jahr 2000-Problem.
Wie viele andere Fragen erfordert das Jahr 2000Problem viel Sorgfalt, Planung und harte Arbeit, damit
die Länder verhindern können, daß entscheidende
Systeme ausfallen. Das Finanzministerium ist in
mehreren internationalen Foren tätig, um bei der
Suche nach geeigneten Lösungen zu helfen.
Auch wenn verschiedene internationale Institutionen
und das Finanzministerium bei den in mehreren
Ländern eingeleiteten Bestrebungen zur Lösung des
Problems der Umstellung auf das Jahr 2000 behilflich
sein können, muß letztlich jedes Land seine eigene Lö-

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sung für das Problem finden und die Verantwortung für
Computerausfälle übernehmen. Wir benötigen eine
realistische Einstellung zu der Tatsache, daß das Jahr
2000-Problem etwas Neues ist und wir nicht alle
möglichen Komplikationen voraussehen können. Aus
diesem Grund können wir die Möglichkeit von Störungen des Finanzsystems und anderer Sektoren der
Wirtschaft sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
andernorts nicht völlig ausschließen. Das wichtigste
ist der richtige Umgang mit den Risiken, indem den
Systemen Priorität eingeräumt wird, deren Funktionieren unerläßlich ist, während für andere Bereiche
weniger Mittel aufgewendet werden, und indem
entsprechende Vorkehrungen für den Notfall getroffen
werden, um den Schaden möglicher Ausfälle gering zu
halten.
In den Vereinigten Staaten machen wir dabei gute
Fortschritte, und wir hoffen, daß andere Länder bei der
Umstellung und Erprobung ihrer Computersysteme im
Hinblick auf das Jahr 2000-Problem ähnlich gut
vorankommen. Diese Anhörung ist für diesen Prozeß
sehr nützlich, da sie das Bewußtsein schärfen und
sicherstellen kann, daß alle relevanten Einrichtungen
ihr Bestes zur Lösung des Problems beisteuern.

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�ELEKTRONISCHER

HANDEL
15. Juli 1998

Internet ist "starker Wachstumsmotor"
Rede von Ira Magaziner

BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Ira Magaziner, hochrangiger
politischer Berater Präsident Clintons, am 27. Mai 1998 bei einer Konferenz von führenden Vertretern der
Telekommunikationsindustrie in Brüssel gehalten hat.

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen wirtschaftlichen Zeitalter- ähnlich der Industriellen Revolution vor 200 Jahren. Während der Industriellen
Revolution waren wir Zeuge der Verbindung von zwei
großartigen technologischen Fortschritten: Der
Nutzung der Elektrizität sowie der Entwicklung zuerst
der Dampfmaschine und dann des Elektromotors.
Zusammen veränderten sie jeden Sektor der Volkswirtschaft.
Heute gibt es ebenfalls zwei großartige technologische
Innovationen: Die Fähigkeit, in Lichtgeschwindigkeit
anstatt mit Hilfe von Elektrizität zu kommunizieren und
die Fähigkeit, Informationen in Miniaturform blitzschnell
elektronisch zu verarbeiten. Wenn diese beiden
Innovationen im Internet zusammenkommen, wird das
Potential für eine Revolution von der Größenordnung
der Industriellen Revolution geschaffen.
In den Vereinigten Staaten sehen wir bereits die
Auswirkungen des Internet auf unsere Volkswirtschaft.
Während der letzten drei Jahre entfiel mehr als ein
Drittel des realen Wachstums der amerikanischen
Volkswirtschaft auf die Informationstechnologieindustrie. Dieser wirtschaftliche Aufschwung ist fast
ausschließlich auf den Ausbau des Internet in den
Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Zahl der
Internet-Nutzer ist innerhalb von vier Jahren von
ungefähr vier Millionen auf 100 Millionen angestiegen.
Während dieses Zeitraums verzeichnete die amerikanische Volkswirtschaft ein gesundes Wachstum, das
hauptsächlich durch diese Entwicklung angekurbelt
wurde. Derzeit sind mehr als sieben Millionen Menschen in der Informationstechnologieindustrie beschäf-

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tigt. Die in dieser Branche gezahlten Löhne und
Gehälter belaufen sich im Durchschnitt auf 46.000
Dollar pro Jahr, während sie im Privatsektor bei nur
28.000 Dollar liegen. Wir haben eine signifikante
Schaffung von Arbeitsplätzen mit Löhnen und Gehältern gesehen, die beträchtlich höher - fast doppelt so
hoch - sind als die durchschnittliche Bezahlung in der
Industrie insgesamt. Wir verzeichnen gutes Wachstum
mit niedriger Inflationsrate. Die Inflationsrate in den
Vereinigten Staaten lag im vergangenen Jahr bei nur
2.1 Prozent. Nimmt man jedoch den Absatz der
Computerbranche aus, liegt unsere Inflationsrate bei
3.2 anstatt 2,1 Prozent. Somit ist die sinkende Inflationsrate zu mehr als einem Drittel auf den Preisabfall in der Computerbranche zurückzuführen.
Wir sind Zeugen einer Revolution, die unser Wirtschaftswachstum ankurbelt, und diese Revolution steht
noch am Anfang. Vor dem Hintergrund des exponentiellen Wachstums des Internet während der vergangenen vier Jahre sind wir überzeugt, daß im Jahr 2005
eine Milliarde Menschen Internetzugang haben
werden. Während der letzten vier Jahre hat das
Anwachsen des Internet auf 100 Millionen User einen
Großteil unseres Wirtschaftswachstums angekurbelt,
und die Bedeutung des Internet für unsere Volkswirtschaft nimmt jeden Tag zu.
Wir beobachten neben dem Ausbau der Informationstechnologieinfrastruktur auch den Beginn von elektronischem Handel (E-Commerce). Die von mir gerade
beschriebene treibende Kraft des Wirtschaftswachstums ist schlicht und einfach der Ausbau der Infrastruktur. Es gibt vier allgemeine Bestandteile von
E-Commerce.

Seite 1

�Der erste und umfangreichste Bestandteil ist der
elektronische Handel zwischen einzelnen Unternehmen. Manche Unternehmen fangen an, ihren Einkauf,
ihre Lieferantenbeziehungen, Logistik, Lagerverwaltung, Kundenbeziehungen und ihren Transport ins
Internet zu bringen. Die Unternehmen, die begonnen
haben, das Internet auf diese Weise zu nutzen,
erkennen die enormen Produktivitätsverbesserungen
und Kostenersparnis, die gleichermaßen den Ausbau
des Netzes ankurbeln.
Der zweite Bestandteil von E-Commerce ist die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen. Er ist
noch wenig ausgebaut, wird letzten Endes aber das
umfangreichste Gebiet für elektronischen Handel
darstellen. Er beinhaltet tatsächlichen Verkauf und
Zustellung von Software, Musik, Videospielen, Bankund Versicherungsdienstleistungen, Berufsberatungsdiensten, Bildungsangeboten, medizinischer Diagnostik, Nachrichten und einer Vielzahl anderer Waren
und Dienstleistungen über das Internet.
Diese Art von elektronischem Handel wird von beiden
Seiten durch ein komplexes Spektrum digitaler Produkte angekurbelt. Einerseits führen Kinder das Einkaufen
im Internet zu Hause ein und kaufen Spiele und Musik,
die sie herunterladen. Andererseits werden in den
Vereinigten Staaten im kommenden Jahr sieben
Prozent aller Flugtickets über das Internet verkauft und
zugestellt - im Vergleich zu gar keinen vor zwei Jahren
- weil die Kosten weitaus geringer und die Ersparnisse
signifikant sind. Im nächsten Jahr werden etwa 10
Millionen Amerikaner ihre Bankgeschäfte über das
Internet abwickeln. Während die Einlösung eines
Schecks mehr als einen Dollar kostet, wenn der Kunde
zur Bank geht, den Scheck an der Kasse einreicht und
dann das Geld erhält, kostet es weniger als einen
Penny, diesen Scheck über das Internet einzulösen.
Das ist die treibende Kraft hinter den Einzelkundengeschäften der Banken. In ähnlicher Weise werden
mehr als eine Milliarde Versicherungspolicen über das
Internet verkauft und zugestellt.
Das dritte Gebiet ist die Veränderung beim Handel mit
realen Gütern, wenn der Verkauf im Internet getätigt
und das Produkt im traditionellen Sinne ausgeliefert
wird. Sie wissen wahrscheinlich alle, daß Amazon.Com in den Vereinigten Staaten und jetzt weltweit
Pionierarbeit beim Verkauf von Büchern leistet. Seine
Hauptkonkurrenten in den Vereinigten Staaten Barnes, Noble und Borders - gehen ebenfalls ins
Internet. Unseres Erachtens werden in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr etwa 20 Prozent
aller Bücher im Internet verkauft. Wir beobachten ein
ähnliches Wachstum beim Verkauf von Autos, Blumen,
Kleidung und einer Vielzahl anderer Produkte.
Unternehmen wie Autobytel, die Autos über das
Internet verkaufen, steigerten sich von einem Absatz
von 30 Millionen Dollar im ersten Jahr über 600
Millionen Dollar im zweiten Jahr auf 6 Milliarden Dollar

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im dritten Jahr. Amazon weist ähnliche Steigerungen
auf: Sein Absatz wuchs jedes Jahr um das acht- bis
zehnfache.
Das letzte Gebiet ist eine neue Art von Geschäftstätigkeit, die direktes Marketing und Werbung im Internet
beinhaltet und aufgrund der Effizienz bei der Nutzung
des Internet zu Marketingzwecken wächst. Wenn man
im Internet Gruppen mit Menschen gleicher Interessen
zusammenbringt, kann es für den Inserenten oder
Verkäufer sehr effizient sein, sich direkt an diese
Gruppe zu wenden.
Zusammengenommen verändern die tatsächlich am
Ausbau des Internet beteiligten Unternehmen, die
Informationstechnologieindustrie, der elektronische
Handel zwischen einzelnen Unternehmen, die digitale
Lieferung von Waren und Dienstleistungen sowie die
Einzeihandelsgeschäfte und Direktvermarkter jeden
Aspekt der Volkswirtschaft. Obwohl wir sie noch nicht
genau messen können, sind wir überzeugt, daß die
gesamte Produktivität unserer Wirtschaft, die derzeit
besser dasteht als von allen Ökonomen prognostiziert,
von diesen Investitionen und dem Beginn des elektronischen Handels angetrieben wird. Obwohl wir als
Administration gerne das Verdienst für die Gesundheit
der amerikanischen Volkswirtschaft in Anspruch
nehmen und auch überzeugt sind, daß wir dabei eine
Rolle spielen, sind wir sicher, daß die gute Wirtschaftslage in unserem Land auf das Wachstum dieses neuen
Wirtschaftsbereichs zurückzuführen ist. Und unseres
Erachtens haben die Volkswirtschaften auf der ganzen
Welt dasselbe Potential.
Damit der elektronische Handel prosperieren und sich
die Informationstechnologieindustrie wirklich mit voller
Kraft entwickeln kann, muß unser Eintritt in das neue
digitale Zeitalter von mehreren Prinzipien geleitet sein.
Die Strategie der US-Regierung setzt sich im Großen
und Ganzen aus fünf Prinzipien zusammen.
Das erste Prinzip lautet, daß der Privatsektor beim
Übergang in das neue elektronische Zeitalter die
Führung übernehmen muß. Wir sind nicht gegen die
Regierung - wir sind Demokraten, was in den Vereinigten Staaten bedeutet, daß unsere Partei mehr an
die Regierung glaubt als unser Gegner. Wir sind aber
überzeugt, daß die digitale Wirtschaft sich für die
Gangart einer Regierung zu schnell entwickelt und zu
viel Flexibilität erfordert. Regierungen sind von Natur
aus langsam und für dieses digitale Zeitalter zu
unflexibel. Selbst wenn kollektive Aktionen erforderlich
sind, ziehen wir privates kollektives Vorgehen oder
Selbstkontrolle der Industrie einer staatlichen Regulierung vor.
Das zweite Prinzip legt fest, daß es sich um ein
marktgestütztes System handeln sollte.
Hiermit
meinen wir etwas ganz Bestimmtes: Wie Sie wissen,
werden in den kommenden Jahren Fernsehen, Telefon

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�und Internet immer stärker ineinander übergehen. Das
Internet wird auf ihrem Fernsehschirm sein, Sie
können auf ihrem Computer Fernsehprogramme
empfangen und Telefongespräche von Ihrem Fernsehschirm und Ihrem Bildschirm anmelden. Die Übertragung in Ihre Wohnung kann per Satellit, über Funk,
Fernsehkabel oder Telefonleitung erfolgen. Aber es
wird alles ein und dasselbe Umfeld sein.
Es ist von Bedeutung, wie sich dieses neue, immer
stärker ineinander übergehende Umfeld entwickelt.
Traditionell haben wir in allen Ländern Telefondienste
und Fernsehübertragungen reguliert. Daher hielten
viele Länder, einschließlich der Vereinigten Staaten,
das Internet anfangs für eine regulierte Industrie und
eine Ausweitung unserer Telekommunikationspolitik.

senden Richtlinien oder allgemeingültigen Gesetze für
eine Regulierung erlassen werden sollten, sondern
alles auf der Annahme basieren sollte, daß es keine
entsprechenden Gesetze gibt und wir nur auf sehr
spezifische Weise Gesetze erlassen oder regulieren,
wenn allen klar ist, daß das erforderlich ist.
Maßnahmen der Regierung sollten präzise, auf ein
Minimum beschränkt sein und nur im Notfall erfolgen.
Das basiert auf einer veränderten Einstellung, die
besagt, daß wir keine Gesetze und keine Regulierung
haben. Das ist freie Marktwirtschaft. Es wird jedoch
Fälle geben, wo Regulierung erforderlich ist. Dann
gehen wir sehr präzise vor, anstatt davon auszugehen,
daß wir umfassende Gesetzesbestimmungen oder
Regulierungen benötigen. Wir versuchen zu entscheiden, was erforderlich ist.

Es gibt jedoch ein anderes Modell, das unseres
Erachtens besser funktioniert. Es besagt, daß ein
privater Käufer und ein privater Verkäufer ohne
staatliche Einmischung zusammenkommen
und
Geschäfte tätigen dürfen sollten - zu den Bedingungen,
die sie wünschen. Die Rolle der Regierung in diesem
Umfeld besteht nicht in Regulierungstätigkeit, sondern
vielmehr darin, die Bedingungen für Vertragsabschlüsse und einen einheitlichen Handelskodex für Verträge
zu schaffen. Wenn Käufer und Verkäufer es wünschen, können sie einen rechtsgültigen Vertrag
abschließen. Sie sind aber nicht dazu gezwungen.

Das vierte Prinzip ist am schwierigsten zu verstehen.
Es ist aber entscheidend, da es den derzeitigen
Wandel verkörpert: Unsere Maßnahmen müssen
allesamt die Natur dieses neuen Mediums respektieren. Beispielsweise verändert sich die Technologie
sehr schnell mit dem Internet, und aus diesem Grund
ist jede auf eine spezifische Technologie zeitlich
ausgerichtete Politik vor ihrer Umsetzung sinnlos, da
sich die Technologie so schnell verändert. Unsere
Politik muß technologieneutral sein.

Die Geschichte des freien Unternehmertums lehrt uns,
daß Käufer und Verkäufer in den meisten Fällen einen
Vertrag über ihre Transaktionen abschließen möchten.
Aber die neue Rolle der Regierung ist keine Regulierungstätigkeit. Wir sind der Ansicht, daß in diesem
neuen Umfeld der Markt vertragsorientiert anstatt
reguliert sein sollte. Aus diesem Grund ist eine
komplette Deregulierung von Telefongesellschaften
und Fernsehanstalten erforderlich, und das Internet
darf nicht reguliert werden.

In ähnlicher Weise - und das ist der schwierigste Punkt
- ist das Internet von Natur aus ein dezentralisiertes
Medium, was bedeutet, daß jeder Versuch einer
zentralen Kontrolle sinnlos ist. Solche Versuche sind
zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn es wünschenswert wäre, das Internet beispielsweise einer staatlichen Zensur zu unterwerfen, ist das unmöglich. Das
Leben ist zu kurz, um zuviel Zeit mit unmöglichen
Dingen zu verbringen. Statt dessen müssen wir zur
Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme nach
Wegen suchen, die die dezentralisierte Natur des
Mediums respektieren.

Ihre anfänglichen Diskussionen ähneln stark den
Diskussionen, die wir in den Vereinigten Staaten
geführt haben. Wir sind aber überzeugt, daß am Ende
dieser Diskussionen die Regulierungsbehörden im
wesentlichen die Kontrolle über das Medium abgeben
müssen. Man kann öffentliches Fernsehen haben,
man kann Inhalte für Kinder öffentlich fördern, man
kann öffentliche Interessen haben - aber das ist etwas
ganz anderes als eine Regulierung. Unseres Erachtens muß dieses Umfeld marktorientiert und
wettbewerbsfähig sein.
Das dritte Prinzip lautet folgendermaßen: Immer dann,
wenn staatliches Vorgehen erforderlich ist - und das
wird auf Gebieten wie Besteuerung, Schutz geistigen
Eigentums oder Einführung eines einheitlichen Handelskodex der Fall sein - sollten die Maßnahmen der
Regierung auf ein Minimum beschränkt, präzise und
transparent sein. Damit meinen wir, daß keine umfas-

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Das Internet ist der erste Weltmarkt, der global entsteht. Aus diesem Grund können wir nicht die traditionelle Art und Weise wiederholen, wie Industriezweige
innerhalb eines Landes wachsen und die Länder
anschließend deren Zusammenarbeit aushandeln.
Das Internet muß von Anfang an ein ineinander
übergehender globaler Marktplatz sein. Aus diesem
Grund benötigen wir internationale Abkommen über
seine Funktionsweise. Unseres Erachtens sollten
diese Abkommen zwischen Regierungen geschlossen
werden, um ein kalkulierbares rechtliches Umfeld für
die Industrie zu schaffen und dieser zuzusichern, daß
die Regierung in bestimmte Bereiche nicht eingreift.
Der von mir gerade beschriebene Rahmen und die
Prinzipien werfen eine Reihe von Themen auf. Wir
befassen uns mit zwölf verschiedenen Themen, um die
Art von Übereinkunft zu schaffen, die unserer Ansicht

Seite 3

�nach notwendig ist, damit der elektronische Handel
prosperieren kann. Ich möchte einige erwähnen.
Erstens sind wir der Meinung, daß keine Zölle auf
elektronische Übermittlung erhoben werden sollten.
Es gelang uns, die Welthandelsorganisation zu
überzeugen, diesem Prinzip mindestens für ein Jahr
zuzustimmen. Wir hatten uns jedoch mehr erhofft. Wir
hatten gehofft, daß es hierüber ein ständiges Übereinkommen geben würde.
Wir benötigen einen nahtlos ineinander übergehenden
Markt. Wir verbrachten 50 Jahre mit dem Versuch der
Abschaffung von Zöllen in der realen Welt; wir sollten
sie jetzt nicht in dieser neuen Welt einführen. Im
Hinblick auf die Besteuerung sollte es unserer Meinung nach keine das Internet diskriminierenden
Steuern geben - keine Steuern auf Bits oder Internettelefonie, keine Besteuerung des Internetzugangs. Wir
würden durch die Erhebung von Steuern unseren
potentiellen Wohlstand aufs Spiel setzen. Wir sind der
Auffassung, daß bestehende Steuern auf der Grundlage von Gegenseitigkeit und Einfachheit erhoben
werden sollten; wenn man in einem Geschäft etwas
kauft, auf das Steuern erhoben werden, sollte dieses
Produkt im Internet ebenso hoch besteuert werden.
Aber wie korrigiert man diese Steuer, damit sie
unkompliziert ist und automatisch erhoben wird? Wir
haben einige Ideen, die zu erläutern heute Morgen zu
lange dauern würde, aber meines Erachtens kann man
Ansätze dazu entwickeln, mit denen die Prinzipien der
Steuerneutralität gewahrt werden. Wichtig sind jetzt
jedoch vor allem keine Zollabgaben und keine diskriminierende Besteuerung.
Im Hinblick auf Themen wie elektronische Zahlungssysteme und technische Standards ist es unserer
Ansicht nach von Bedeutung, daß der Markt - nicht die
Regierungen - die Bedingungen festlegt. Einerseits
könnte es einen gewissen Anreiz haben zu sagen, die
Regierungen müßten sich zusammensetzen und
Standards vereinbaren, weil das die Interoperabilität
verbessert. Aber das ist falsch argumentiert. Es ist
falsch, weil die Regierungen sich unweigerlich für die
falschen Standards entscheiden. Und selbst wenn sie
sich für die richtigen entscheiden würden, würde das
Tempo des Marktes diese Standards rasch veralten
lassen. Es ist viel besser, dem Markt die Festsetzung
der Standards zu gestatten und den Markt die elektronischen Zahlungssysteme entwickeln zu lassen.
Wir sollten alle nichttarifären Hemmnisse abbauen, die
heute für elektronischen Handel bestehen. Es gibt
immer noch zu viele Länder auf der Welt, in denen ein
Internetanbieter, der auf den Markt kommen möchte,
sich erst einmal an das Telekommunikationsunternehmen des Onkels des Ministerpräsidenten wenden
muß, um diesen Marktzugang zu erhalten. Unseres
Erachtens sollte es einen nahtlos ineinander überge-

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henden globalen Markt geben, der zum Nutzen aller
funktioniert. Es sollte keine nichttarifären Handelshemmnisse geben.
Unserer Meinung nach ist der Schutz von geistigem
Eigentum wichtig, denn sehr vieles, das im Internet
verkauft werden wird, ist geistiges Eigentum. Wir
befürworten die Ratifizierung der von der weltweiten
Organisation für den Schutz von geistigem Eigentum
(WIPO) ausgehandelten Verträge über Urheberrecht,
und wir sind jetzt dabei, die technische Verwaltung des
Internet zu privatisieren, um den Schutz von Warenzeichen zu ermöglichen. Aus historischen Gründen und
weil das Internet als ein Forschungsprojekt der USRegierung gewachsen ist, hat die US-Regierung
immer noch die Verantwortung für einige Bereiche der
technischen Verwaltung des Domain-Namens und des
Root-Server-Systems des Internet.
Wir haben die Absicht, diese Funktionen zu privatisieren und die US-Regierung vollständig von der
technischen Verwaltung zu entbinden. Es ist auch
unsere Absicht, im Zuge ihrer Privatisierung eine
Struktur mit einem internationalen Direktorengremium
zu schaffen, weil das Internet jetzt ein internationales
Medium ist, nicht nur ein amerikanisches. Daher sind
wir der Ansicht, daß es eine internationale Organisation mit treuhänderischen Verwahrern geben sollte.
Sie sollte als private gemeinnützige Organisation
konzipiert sein, die diese technischen Verwaltungsfunktionen übernimmt. Wir sind jetzt dabei, ein solches
System in die Praxis umzusetzen.
Ich möchte mich auf zwei weitere Themen konzentrieren. Eines betrifft den Inhalt, weil ich weiß, daß das
in Belgien ein wichtiges Thema war. Ebenso wie Sie
sind wir besorgt, daß Kinder Zugang zu Inhalten
haben, die ihre Eltern als anstößig erachten und
denken, daß die Eltern die Möglichkeit zur Sichtung
der Inhalte haben sollten, die ihre Kinder sehen. Wir
denken jedoch nicht, daß die Regierung diese Inhalte
zensieren sollte, denn selbst wenn das wünschenswert
wäre, ist es im Internet nicht möglich.
Stattdessen befürworten wir den Einsatz der vom
Privatsektor entwickelten Filtersysteme, mit denen die
Eltern von zu Hause aus die Inhalte sichten können,
die sie nicht auf dem Bildschirm haben möchten. Aus
unserer Sicht ist es wichtig, den Menschen die Macht
zu geben, sich selbst zu schützen, statt daß die
Regierung es für sie tut. Staatliche Zensur wird das
Internet lähmen und ihr Ziel sowieso nicht erreichen.
Bei einem weiteren Thema, das sowohl für Belgien als
auch für unser Land sehr wichtig ist, vertreten wir die
Auffassung, daß jeder seine eigene Privatsphäre im
Internet schützen können und Kontrolle über seine
persönlichen Daten haben sollte. Eine Übersicht nach
der anderen belegt, daß die größten Vorbehalte, die
gegen Geschäfte im Internet vorgebracht werden, die

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�Angst vor dem Verlust der Privatsphäre ist. Ebenso
wie in Europa ist man in den Vereinigten Staaten der
Ansicht, daß der Schutz der Privatsphäre ein äußerst
wichtiges Recht des Menschen ist.

beschwert, der denkt, ein Unternehmen habe das
Siegel angebracht, befolge aber die Regeln des
Verhaltenskodex nicht, weiß er, an wen er sich
wenden muß.

Wir sind uns mit der Europäischen Union und anderen
einig, worum es beim Schutz der Privatsphäre geht.
Das heißt, ein Verkäufer sollte einen Käufer darüber in
Kenntnis setzen, was mit den gesammelten Informationen geschieht. Und der Käufer sollte die Möglichkeit
haben zu sagen: "Nein, ich stimme dem nicht zu, ich
möchte nicht, daß Sie diese Informationen einholen,
ich gebe Ihnen nicht die Erlaubnis, das zu tun", so daß
Verbraucher die Verwendung ihrer Informationen
kontrollieren.

Wenn das geschieht, können Industrie und Regierung
zu dem Verbraucher gehen und sagen: "Das Internet
ist ein Freiraum. Sie können gehen, wohin Sie möchten. Aber seien Sie vorsichtig. Wenn Sie auf eine
Seite gehen, die dieses Siegel nicht hat, könnte Ihre
Privatsphäre nicht geschützt sein." Einigen Verbrauchern macht das etwas aus, anderen nicht - aber
Sie haben eine Sicherheitszone geschaffen. Sie
haben die Informationen für die Verbraucher bereitgestellt, wie sie sich selbst schützen, und das geschieht über den Privatsektor und nicht über die
Bürokratie.

Tatsächlich einigen sich der Verkäufer und der Käufer
darüber, was mit den Informationen geschieht beinahe wie bei einem Vertrag. Wir hatten einige
Meinungsverschiedenheiten über die Umsetzung
dieser Schutzmaßnahmen. Wir sind der Ansicht, daß
der Versuch einer Umsetzung über staatliche Gesetzgebung oder Regulierung möglicherweise sehr
bürokratisch und im Hinblick auf elektronischen Handel
im Internet unsicher sein könnte.
Wir glauben auch nicht, daß es gut funktioniert. Jede
Woche werden auf der ganzen Welt Zehntausende
von Webseiten eingerichtet, und sie alle können in
Belgien gelesen werden. Es ist unmöglich, daß
irgendeine staatliche Behörde alle diese Webseiten
überwacht. Wenn man also ein Gesetz erläßt und
sagt, wir schützen Eure Privatsphäre, führt man die
Mitbürger in die Irre, weil man nicht in der Lage ist, es
durchzusetzen.
Stattdessen sind wir dafür, daß die Industrie Verhaltenskodizes erarbeitet, die auf OECD-Prinzipien sowie
auf den von mir beschriebenen Prinzipien der Benachrichtigung und Zustimmung basieren. Der Verhaltenskodex wird jedoch mit einem Siegel versehen, das
man auf den mit ihm in Einklang stehenden Webseiten
anbringt.
Der Verhaltenskodex besagt, ich muß
meinen Kunden benachrichtigen, ich benötige seine
Erlaubnis zur Verwendung von Daten, und die Benachrichtigung muß mit Buchstaben einer bestimmten
Größe erfolgen. Aber es ist ein von der Industrie
entwickelter Kodex, und wenn eine Webseite oder ein
Unternehmen der für die Durchsetzung des Verhaltenskodex zuständigen Organisation beitritt und den
Kodex befolgt, können sie das Siegel anbringen.
Diese Organisation überprüft dann, ob das Anbringen
des Siegels gerechtfertigt ist. Sie kann Collegestudenten anheuern, um im Web nach all den Seiten zu
suchen, die das Siegel haben und sicherzustellen, daß
die Unternehmen den Verhaltenskodex einhalten. Sie
führt von Zeit zu Zeit Anhörungen durch um zu gewährleisten, daß sie die Beschwerden der Verbraucher
entgegennehmen kann. Wenn sich ein Verbraucher

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Das wird auch einen Marktanreiz für Unternehmen
schaffen, die einer dieser Siegel-Organisationen
beitreten möchten, weil es eine Reihe von Verbrauchern geben wird, die nicht auf eine Seite gehen, die
das Siegel nicht hat. Wenn Sie also Ihren Markt nicht
einschränken möchten, werden Sie versuchen, das
Siegel anzubringen. Sie schaffen einen Marktanreiz
für Unternehmen, Maßnahmen zum Schutz der
Privatsphäre zu befolgen, Sie stellen Informationen für
Verbraucher zur Verfügung, und Sie schaffen Sicherheitszonen im Internet für Verbraucher und tun
dies in einer dezentralisierten Weise, die effektiver sein
wird.
Das kann von der Regierung über Bestimmungen
bezüglich Betrug unterstützt werden. Beispielsweise
kann jemand strafrechtlich verfolgt werden, wenn er in
betrügerischer Absicht das Siegel anbringt. Aber der
erste Schritt der Entwicklung und Umsetzung wird vom
Privatsektor unternommen, und wir glauben, daß er in
diesem digitalen Zeitalter weniger bürokratisch und
effektiver sein wird.
Es gibt eine Reihe anderer Themen, auf die ich heute
nicht eingehen möchte. Sie haben mit Sicherheit zu
tun und mit der Gewährleistung, daß eine angemessene Bandbreite zur Verfügung steht.
Das Phänomen, das wir jetzt beobachten, wenn wir die
richtigen Bedingungen schaffen, wird unsere Wirtschaft und die Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten ankurbeln. Es ist ein starker Wachstumsmotor. Aus diesem Grund haben wir die Verantwortung, die richtigen Bedingungen zu schaffen, die
das Entstehen dieser neuen Wirtschaftswelt wirklich
ermöglichen.
In den Vereinigten Staaten hatten wir Glück, weil sich
bestimmte Dinge einander angenähert haben. Zum
Beispiel haben wir einen meines Wissens in Europa
nicht so verbreiteten Risikokapitalmarkt, der das
Wachstum unseres elektronischen Handels und

Seite 5

�unserer E-Technologieindustrien gefördert hat. Jede
Woche werden buchstäblich Tausende und Abertausende mit Risikokapital finanzierte Unternehmen
gegründet.
Wir haben ein generelles Finanzsystem auf dem
Aktienmarkt, das künftigen Einnahmen hohen Wert
beimißt. Das gestattet auf den Markt kommenden
Unternehmen zu investieren, um einen Marktanteil zu
schaffen und im ersten Jahr keine Gewinne machen zu
müssen.
In den Vereinigten Staaten kann unser Finanzsystem
das leisten. Deswegen ist dieses Finanzsystem von
entscheidender Bedeutung, und wir schätzen uns
glücklich, es zu haben.
Wir haben auch eine gute Forschungs- und Entwicklungsbasis in unseren Universitäten, die zum Teil von
unserer Regierung finanziert wurde und zur Schaffung
der Voraussetzungen für das Internet beigetragen hat.
Wir haben uns nicht eingemischt. Wir haben nicht
versucht, sie zu früh zu regulieren, und das war
meines Erachtens sehr wichtig.
In den Vereinigten Staaten gibt es eine gravierende
Unzulänglichkeit, die wir ansprechen müssen, aber
dennoch nicht richtig ansprechen. Unsere Bildungsund Ausbildungssysteme sind der Aufgabe dieses
neuen Informationsmarkts nicht gewachsen. Wegen
des Internet werden Millionen von Arbeitsplätzen
geschaffen, und wegen des Internet gehen Millionen
von Arbeitsplätzen verloren. Die gute Nachricht ist: Es
werden mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut,
weil wir reales Wachstum haben. Eine weitere gute
Nachricht ist, daß diese Arbeitsplätze besser bezahlt
werden als die abgebauten. Der Abbau von Arbeitsplätzen wird im Einzelhandel und bei Vermittlertätigkeiten erfolgen wie Versicherungen, Reisebüros und
so weiter. Die Schaffung von Arbeitsplätzen wird in
den besser bezahlten Informationstechnologien
erfolgen.
Die schlechte Nachricht für alle Volkswirtschaften inklusive unserer eigenen - wird sein, daß unsere
Bürger nicht gut genug ausgebildet sind und wir nicht
genügend Umschulungskapazitäten haben, damit sie
diese Arbeitsplätze übernehmen können. Ich muß
zugeben, daß wir in den Vereinigten Staaten auf
diesem Gebiet noch nicht da sind, wo wir sein sollten.

*

Seite 6

Abschließend möchte ich noch sagen, als der Präsident mich gebeten hat, diese Aufgabe zu übernehmen, habe ich als erstes einiges über die Industrielle
Revolution gelesen. Es war sehr interessant, denn
während der Industriellen Revolution fanden grundlegende Veränderungen in den wirtschaftlichen, rechtlichen und kommerziellen Paradigmen statt. Einige
Nationen waren diesen Veränderungen gegenüber
aufgeschlossen und haben im Hinblick auf wirtschaftliche, kommerzielle und rechtliche Fragen rasch
umgedacht. Andere Nationen taten das nicht. Sie
versuchten, an den alten Zeiten festzuhalten. Sie
hatten Angst vor Veränderungen. Sie können sich die
Korrelationen betrachten - sie stimmen 100 Prozent.
Die Länder, die sich veränderten, hatten im Industriezeitalter Erfolg. Die sich nicht veränderten, hinkten
hinterher.
Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Periode. Bei
unseren Vorbereitungen auf die Gespräche mit
anderen Ländern auf der ganzen Welt haben wir diese
Diskussionen nicht wie Handelsgespräche behandelt,
bei denen wir versuchen, andere Nationen zu zwingen,
dies oder das zu tun, und sie versuchen, uns zu
zwingen, etwas zu tun. Wir halten das für altmodisch.
Es ist nicht neumodisch. Es werden eine Milliarde
Menschen im Internet sein. Wenn ein Land versucht,
das Internet zu drastisch zu regulieren, es zu drastisch
zu besteuern oder es zu zensieren, werden die
Einwohner dieses Landes nicht im Internet sein. Das
wird nicht das Problem der Welt sein, sondern das
Problem dieses Landes.
Deswegen sind wir nicht daran interessiert, irgend
jemanden zu irgend etwas zu zwingen. Wir sind an
Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner interessiert, um zur Schaffung der Architektur für diese
neue Zukunft beizutragen. Denn obwohl wir dies alles
jahrelang studiert haben, verstehen wir nicht, in welche
Richtung das alles geht. Keiner tut das. Jeder, der
sich hinstellt und behauptet zu wissen, wie das alles in
fünf Jahren aussieht, stellt eine falsche Behauptung
auf.
Deswegen möchten wir mit anderen zusammenarbeiten, die an dieser Zukunft interessiert sind, um
eine gemeinsame Architektur zu schaffen, die uns
allen von Nutzen ist.
Ich danke Ihnen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 14

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-China&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Persönliche Freiheit ist Mandat des neuen Jahrtausends&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Clinton vor der Pekinger Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. 4.Juli&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika vor einem Jahrhundert grenzenloser Chancen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Technologie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr 2000-Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Elektronischer Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internet ist "starker Wachstumsmotor"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Ira Magaziner&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^rioN ^

Z12462 C

13

ELEKTRONISCHER HANDEL

I.Juli 1998

DALEY KRITISIERT VORSCHLAG DER EU
ZU ELEKTRONISCHEM HANDEL
Rede des Wirtschaftsministers

LUFTBRÜCKE

DER 50. JAHRESTAG DER
BERLINER LUFTBRÜCKE
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

USA-DEUTSCHLAND

50 JAHRE DEUTSCH-AMERIKANISCHE
PARTNERSCHAFT
von Botschafter John C. Kornblum

WÄHRUNG

DER 50. GEBURTSTAG DER D-MARK
Ansprache von Botschafter Kornblum

HUMANITÄRE HILFE

HUMANITÄRE HILFE ZWISCHEN
ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�£

VEREINTE NATIONEN

GEMEINSAM WENN MÖGLICH, ALLEIN WENN
NÖTIG: DIE VEREINIGTEN STAATEN UND
DIE VEREINTEN NATIONEN
Rede des Gesandten Michael C. Polt

WEITERVERBREITUNG

USA BEDAUERN VERHÄNGUNG VON
SANKTIONEN GEGEN INDIEN UND PAKISTAN
Rede von Karl Inderfurth

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
I.Juli 1998

Daley kritisiert Vorschlag der EU
zu elektronischem Handel
Rede des Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Wirtschaftsminister William Daley am 22.
Juni 1998 vor dem Weltkongreß über Informationstechnologie in Fairfax County (Virginia) gehalten hat.

Ich bin heute hier, um über den amerikanischen Markt
zu sprechen. Das ist eine angenehme Aufgabe, denn
wir haben eine sehr gesunde Volkswirtschaft. Seit
dem Amtsantritt von Präsident Clinton wurden 16
Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben die
niedrigste Arbeitslosenquote seit 28 Jahren und den
kleinsten Bundeshaushalt seit 35 Jahren.
Ich sprach kürzlich mit einigen Praktikanten, die uns in
den Sommermonaten aushelfen und stellte fest, daß
ich selbst Praktikant war, als unser Land zum letzten
Mal einen Haushaltsüberschuß hatte.
Ich weiß, daß sich einige unserer internationalen
Besucher über die Stärke unserer Volkswirtschaft
wundern. Wir haben sie durch die bittere Medizin des
Abbaus und der Streichung von Programmen gestärkt,
und dem Patienten ging es bald besser. Wir hielten
dieses eine Mal die volkswirtschaftlichen Regeln ein,
und der Markt spürte, daß wir es ernst meinten.
Aber Ihnen gebührt ein großer Teil des Verdienstes.
Sie brauchen bloß Business Week oder Fortune zu
lesen - alle schreiben, daß sich die digitale Wirtschaft
in rasantem Tempo entwickelt und das Internet jedes
Unternehmen und die gesamte Industrie in Amerika
verändern wird. Die Absolventen dieser Universität
werden eine Unternehmensgründung wahrscheinlich
mit der Einrichtung einer Webseite anstatt mit der
Anmietung von Büroraum beginnen.
Ich möchte dies mit einigen Graphiken illustrieren. In
den letzten fünf Jahren fand mehr als ein Viertel des
realen Wirtschaftswachstums im Informationstechnologiebereich statt. Ich wiederhole: Während dieses
Zeitraums entfiel mehr als ein Viertel des Wachstums

AMERIKA DIENST 13

auf die Informationstechnologien.
dafür.

Ich danke Ihnen

Wie Sie sehen, macht dieser Industriezweig bereits
mehr als acht Prozent unserer Volkswirtschaft aus doppelt so viel wie vor 20 Jahren.
An dieser Graphik sehen Sie, daß Investitionen in
Informationstechologien 45 Prozent aller Ausrüstungsinvestitionen ausmachen - gegenüber drei Prozent in
den sechziger Jahren.
In Branchen wie
Kommunikations- und Versicherungswesen sowie
Immobilienhandel stellen sie drei Viertel der Ausrüstungsinvestitionen dar.
Hier sehen Sie, daß die fallenden Preise für Informationstechnologieprodukte die Inflationsrate um einen
ganzen Prozentpunkt gesenkt haben. Ich möchte
betonen, wie wichtig das ist: Die Inflationsrate ist so
niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr.
Aus der letzten Graphik ersehen Sie, daß dies sehr gut
bezahlte Arbeitsplätze sind: Das Einkommen liegt 64
Prozent über dem Durchschnittseinkommen des
Privatsektors. Der durchschnittliche Arbeitnehmer im
Informationstechnologiebereich hat ein Jahreseinkommen von nahezu 46.000 Dollar.
Vor fast einem Jahr baten mich Präsident Clinton und
Vizepräsident Gore zu prüfen, wie unser weiteres
Vorgehen beim elektronischen Handel (E-Commerce)
aussehen sollte. Der Präsident möchte nicht, daß die
Regierung durch ihr Vorgehen diesen Erfolg in irgendeiner Weise beeinträchtigt. Infolgedessen beschlossen wir im letzten Jahr, daß der Privatsektor die
Führungsrolle übernehmen soll.

Seite 1

�Offen gesagt ist es auch die Pflicht einer Regierung
sicherzustellen, daß sich die Unternehmen richtig
verhalten. Wir müssen die Verbraucher schützen.
Wir müssen die Kinder schützen. Unternehmen, die
das nicht verstehen, sind kurzsichtig.
Ich werde dem Präsidenten im kommenden Monat
über unsere Fortschritte berichten.
Die Zeit wird knapp. Und es könnten sich noch Dinge
ereignen, die meine Entscheidungen beeinflussen hoffentlich positive Dinge. Ich möchte dem, was ich
dem Präsidenten berichte, also nicht vorgreifen.
Gestatten Sie mir jedoch, einige Bereiche anzusprechen, mit denen wir uns befaßt haben.
Erstens, Schutz der Privatsphäre - der entscheidende
Punkt. Wenn die Verbraucher den Eindruck bekommen, daß andere Einblick in ihre Transaktionen
erhalten, wenn sie ein Flugticket oder Aktien kaufen,
haben sie meines Erachtens zum letzten Mal
Geschäfte über das Internet getätigt.
Morgen werden wir einen Gipfel zu dieser Frage
veranstalten. Wir werden Bilanz ziehen. Ich werde
einige Maßstäbe vorgeben. AI Westin und Harris
werden eine Umfrage veröffentlichen, die - wieder
einmal - zeigt, wie besorgt die Amerikaner über dieses
Thema sind.
Ich will ganz offen sein: Kürzlich habe ich meiner
Besorgnis Ausdruck verliehen, daß die Industrie zu
langsam handelt. Der Gipfel wird ihr eine Gelegenheit
bieten, uns ihre Produkte zu zeigen.
Heute Morgen traf ich mit den Mitgliedern des Bündnisses für den Schutz der Privatsphäre zusammen.
Das Bündnis vertritt 50 Unternehmen und Verbände.
Wir werden seinen Vorschlag in den nächsten Tagen
eingehend prüfen.
Mein erster Eindruck war, daß das Bündnis dem
Schutz der Privatsphäre von Kindern besondere
Aufmerksamkeit widmet - was mir gefällt. Man stimmte
überein, daß von Kindern unter 13 Jahren ohne

Zustimmung der Eltern keine Informationen eingeholt
werden dürfen. Und das Bündnis stimmte zu, daß die
Verbraucher eine Weitergabe ihrer persönlichen Daten
ausschließen können.
Heute Morgen informierten mich die Vertreter des
Bündnisses, daß sie bis zum 15. September brauchen
werden, um einen Vorschlag über die Durchsetzung
der Beschlüsse auszuarbeiten. Offen gesagt bin ich
enttäuscht, daß ich noch warten muß, bevor ich
erfahre, wie die Industrie eine Selbstkontrolle vornehmen will. Ich teilte den Vertretern des Bündnisses mit,
daß es nicht ausreicht, Prinzipien zu formulieren - um
erfolgreich zu sein, braucht man einen besseren Weg

Seite 2

zu ihrer Durchsetzung, damit die Verbraucher Vertrauen haben können. Sie stimmten dem zu.
Alles in allem war das ein Schritt in die richtige Richtung. Viele weitere Schritte werden sich als erforderlich erweisen. Beim morgigen Gipfel werden wir hören,
was andere unternehmen. Beispielsweise habe ich
erfahren, daß das Better Business Bureau heute ein
Programm zum Schutz der Privatsphäre ankündigen
wird. Und ich weiß, daß TRUSTe, das sehr gut
umgesetzt wird, ebenfalls strenge Prinzipien zum
Schutz des Privatsphäre verabschiedet.
Zweitens bin ich besorgt über den unzureichenden
Schutz geistigen Eigentums online. Es ist undenkbar,
daß eines Tages jeder, der einen Computer hat,
sämtliche je gesungenen Lieder, alle je gedrehten
Filme, jede je geschaffene kreative Arbeit herunterladen kann. Und das wird möglich sein, ohne daß die
hinter dieser Arbeit stehende Begabung je einen
Pfennig dafür bekommt.
Wir haben zwei Verträge ausgehandelt, die internationale Standards für den Schutz von urheberrechtlich
geschützten Arbeiten, musikalischen Darbietungen
und Tonbandaufnahmen aufstellen. Sie legen die
Regeln fest.
Vor kurzem verabschiedete der Senat die Gesetze
über die Durchführung mit 99 zu 0 Stimmen. Derzeit
werden sie im Repräsentantenhaus debattiert, und ich
rufe den Kongreß auf, seine Arbeit schnell zu beenden.
Drittens benötigen wir meines Erachtens Standards für
die Authentifizierung von über das Internet abgewickelten Transaktionen. Wie können Sie wissen, wer der
Absender einer E-Mailnachricht wirklich ist? Oder
können Sie sicher sein, daß eine dritte Partei die
Nachricht nicht geändert hat? Unternehmen müssen
wissen, daß die Person, die das Geschäft tätigt,
wirklich diese Person ist.
Die Technologien zur Lösung dieses Problems stehen
zur Verfügung - und es werden mehr. Was die
Menschen benötigen, ist ein berechenbarer rechtlicher
Rahmen. Einige - insbesondere unsere Freunde in
Europa - möchten detaillierte Gesetze. Meine Sorge
ist, daß wir nicht genug über die Entwicklung dieses
Marktes wissen, um zu wissen, wie diese Gesetze
lauten sollten.
Daher haben wir eine internationale Konvention
vorgeschlagen, die die durch den Papierkrieg entstandenen Hindernisse für elektronisch ausgeführte
Transaktionen beseitigen würde. Und sie würden den
Parteien die Befugnis verleihen, rechtlich durchsetzbare grenzüberschreitende Transaktionen in die Wege
zu leiten. Wir hoffen, daß andere Länder zustimmen,
diese Bestrebungen in diesem Monat in den Vereinten
Nationen weiterzuverfolgen.

AMERIKA DIENST 13

�Viertens möchte ich einen weiteren Punkt mit meinen
europäischen Kollegen besprechen.

2000 wird es die volle Verantwortung übernehmen,
und wir gehen in den Ruhestand.

Im Februar unterbreitete die Europäische Kommission
den Vorschlag, daß die Regierungen eine internationale Charta verabschieden, um einen Rahmen für
die Koordinierung des globalen Kommunikationswesens, insbesondere des elektronischen Handels, zu
schaffen.

Siebtens haben wir als Nebenprodukt unserer starken
Wirtschaft eine interessante Chance: Es gibt mehr
Computer-Arbeitsplätze als Menschen mit den dafür
erforderlichen Qualifikationen. In den nächsten 10
Jahren benötigen wir 1,3 Millionen neue Arbeitnehmer
in der Informationstechnologie.

Der Vorschlag war äußerst provozierend. Ich freue
mich, daß ich ihn heute Morgen mit Kommissar
Bangemann erörtern konnte. Offen gesagt, enthält er
viele Probleme. Er sieht Mandate für mehr staatliche
Lösungen vor - statt der Industrie und dem Markt die
Führung zu überlassen.

Meiner Ansicht nach kann die Regierung das Problem
schlaglichtartig beleuchten. Aber - um es nochmals zu
wiederholen - meines Erachtens müssen die Unternehmen das in Angriff nehmen. Sie müssen den Menschen behilflich sein, den Übergang zu sich wandelnden Arbeitsplätzen zu schaffen. Sie müssen zusammenarbeiten, um die Arbeitnehmer umzuschulen.
Sie müssen enger mit führenden Universitäten wie der
George Mason University zusammenarbeiten.

Meines Erachtens haben wir bereits genügend Orte,
an denen internationale Aktivitäten koordiniert werden.
Wir haben die Gremien für internationale Standards,
die OECD, die Vereinten Nationen. Was wir brauchen,
ist eine Industrie, die diese Organisationen aktiver
unterstützt - keine neue Organisation.

Wenn Geschäftsführer Aufträge ablehnen müssen,
weil sie nicht die richtigen Leute finden können, dann
muß es ihnen mit Veränderungen ernst sein.

Im Oktober wird die OECD das Ministertreffen über
E-Commerce in Ottawa einberufen. Das ist der Ort, an
dem die Probleme bei der Besteuerung, dem Schutz
der Privatsphäre sowie die Auswirkungen von ECommerce auf die globale Wirtschaft angesprochen
werden sollten.

Achtens und letztens möchte der Präsident unsere
Computer besser vor Angreifern des Cyberspace
schützen - seien es organisierte Verbrecher, Insider
oder Hacker. Vergangenen Monat hat der Präsident
das Büro zum Schutz entscheidender Infrastruktur ins
Leben gerufen.

Fünftens habe ich vor kurzem über die Kryptographiepolitik unserer Regierung gesprochen. Ich unterstütze
Präsident Clintons Ziel eindeutig. Er möchte ein
Gleichgewicht zwischen Strafverfolgung, nationaler
Sicherheit, Schutz der Privatsphäre und kommerziellen
Interessen herstellen. Aber seit viel zu langer Zeit
haben wir keine Einigung erzielt, wie wir dieses
Gleichgewicht erreichen können.

Das ist keine Schlacht, in der Soldaten das Schlachtfeld kontrollieren. 90 Prozent unserer ComputerInfrastruktur ist in Händen des Privatsektors. Um es
nochmals zu wiederholen: Ich hoffe, Sie werden eine
aktive Rolle spielen. Und das Wirtschaftsministerium und ich persönlich - werden bei der Zusammenarbeit
mit Ihnen eine Führungsrolle übernehmen.

In den vergangenen beiden Monaten haben wir
konstruktiv mit der Industrie, dem Privatsektor und
Vertretern der Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet, um eine ausgewogene Lösung zu finden.
Ich war erfreut, daß Justizministerin Reno und FBIDirektor Freeh kürzlich mit Vertretern der Industrie
zusammengetroffen sind, um dies voranzubringen.
Die Industrie und die Strafverfolgungsbehörden
müssen eng zusammenarbeiten, um Lösungen zu
finden, die den Erfordernissen der Strafverfolgung und
der nationalen Sicherheit gerecht werden. Ich hoffe,
daß wir bis zum Herbst ein Abkommen erzielen.
Sechstens haben wir Anfang dieses Monats bekanntgegeben, daß wir die staatliche Einflußnahme auf
Internetadressen beenden.
Wir legen sie in die
Hände, in die sie gehört: private. Wir hoffen, daß bis
Oktober ein neues, vom Privatsektor geschaffenes
Unternehmen den Betrieb aufnimmt. Und bis zum Jahr

AMERIKA DIENST 13

Ich habe heute über viele Initiativen gesprochen. Und
es gibt noch mehr. Wir arbeiten an der Abschaffung
von Zöllen und der Zollfreiheit für das Internet. Wir
unterstützen die Entwicklung von technischen Standards durch den Privatsektor.
Unsere Forscher sind der Industrie bei der Verbesserung der Kompatibilität von Technologien und
der Entwicklung der nächsten Generation des Internet
behilflich.
Und ich möchte hinzufügen, daß wir im Wirtschaftsministerium uns meines Erachtens immer wieder mit
den Beschwerden der Industrie über den Schutz der
Privatsphäre, den Personalmangel, die Internetadressen befaßt haben. Um ehrlich zu sein, habe ich
dafür gelegentlich Kritik geerntet.
Manche denken, die Industrie tanzt auf allen Hochzeiten, geht den wirklichen Problemen aus dem Weg,

Seite 3

�spielt auf Zeit - und die Regierung sollte sich der
Sache annehmen.

einmischen, dann muß die Industrie eine Führungsrolle
übernehmen - und zwar eine echte.

Aber schlechte Gesetze lähmen Innovationen. Jeder,
der Washington kennt, weiß, wenn es ein Problem gibt,
wird es besser von Unternehmern gelöst als von
Gesetzgebern. Deswegen sage ich ein letztes Mal,
wenn Sie möchten, daß wir in der Regierung uns nicht

Die Uhr tickt. Schon bald werde ich dem Präsidenten
Bericht erstatten, der wiederum dem amerikanischen
Volk Bericht erstattet. Ich hoffe aufrichtig, daß die
Industrie sich der Sache annimmt,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�LUFTBRÜCKE

I.Juli 1998

Der 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister John
Hamre am 27. Juni 1998 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke bei der Eröffnung des
AlliiertenMuseums gehalten hat.

Diese Woche vor 50 Jahren, als Joseph Stalins
Eiserner Vorhang um ein freies Berlin fiel, wurde das
letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs das erste
Schlachtfeld des Kalten Kriegs.

beeindruckend. Denn hier sehen wir Exponate von
der Schlacht der Ideen, die unser Jahrhundert definierte. Wir sehen historische Relikte eines Kampfes,
der unser Leben definierte.

In den frühen Tagen der Blockade sagte der Berliner
Bürgermeister Ernst Reuter: "Völker der Welt, schaut
auf Berlin."

Als wir Kinder waren, war der Motorenlärm der Berliner
Luftbrücke gerade am verebben. Während des langen
Kampfes im Zwielicht zwischen Tyrannei und Freiheit,
den Berlin verkörperte, wurden wir erwachsen.

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie
sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol - ein
Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit.
Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die
sich fast unüberwindbaren Schwierigkeiten gegenübersahen, Felder zu Rollbahnen machten und die
Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer
Brücke in der Luft entluden.

Wir erinnern uns, daß wir Teenager waren, als Präsident Kennedy vor der Mauer stand und voller
Vertrauen erklärte, daß er sich auf den Tag freue, "an
dem alle die Freiheit haben und Ihre Stadt und Ihr Land
wieder vereint sind, wenn Europa geeint ist und
Bestandteil eines friedvollen und zu höchsten Hoffnungen berechtigten Erdteils ist". Wir erinnern uns
daran, daß Präsident Reagan sagte: "Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder."

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Eine Verpflichtung, die durch den Motorenlärm
ununterbrochener Flüge Realität wurde. Durch über
277.000 Flüge, mit denen mehr als 2,3 Millionen
Tonnen Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente
geliefert wurden.

Der Tag, auf den Kennedy sich freute, ist jetzt vorüber.
Die von Präsident Reagan geforderte Tat wurde
Wirklichkeit. Die Hoffnungen aller freiheitsliebenden
Menschen auf der Welt wurden erfüllt. Und wir stehen
heute in diesem wunderschönen Museum, um den
Triumph dieser Hoffnungen zu feiern und all denen zu
danken, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Die Feierlichkeiten in dieser Woche führen uns zurück
zu dem historischen Augenblick, als einige der dunkelsten Tage der Freiheit zu den größten Triumphen der
Freiheit gemacht wurden.

Heute schauen die Menschen auf der Welt immer noch
auf Berlin nicht nur als eine Stadt. Die neue Hauptstadt eines vereinigten Deutschlands ist weiterhin ein
Symbol der Freiheit. Und dieses Museum wird
künftige Generationen daran erinnern, daß Freiheit
niemals umsonst ist. Es wird Zeugnis für die Tatsache

Dieses Museum ist für uns alle etwas Besonderes,
aber für meine Generation ist es auf besondere Weise

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�ablegen, daß der Geist der Freiheit die machtigsten
Mauern der Unterdrückung niederreißen kann.
Heute lebt dieser Geist fort, inspiriert und nährt das
transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, das Europa der Zukunft zu gestalten. Er ist
lebendig während wir neue Brücken bauen und
Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die
Hand der NATO-Mitgliedschaft reichen. Er ist lebendig
in der Partnerschaft für Frieden und in unseren
Bestrebungen, Grundlagen der Zusammenarbeit mit
Ländern im Übergang - wie Rußland und der Ukraine aufzubauen. Und er ist lebendig während wir gegen
den Haß in Bosnien angehen und versuchen, eine
Eskalation im Kosovo zu verhindern. In der Tat hilft
uns der Geist von Berlin - der Geist der Freiheit - alte
Trennlinien zu überwinden und ein neues Europa für
ein neues Jahrhundert aufzubauen.
In diesem Museum gibt es viele Erinnerungen an
diesen Geist. Eines der Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen der Amerikaner und aller
Verbündeten hat, ist das Wachhaus, das einst der
Checkpoint Charlie war - der letzte Kontrollpunkt auf

der Straße vom Amerikanischen Sektor nach Ostberlin. "Sie verlassen jetzt den Amerikanischen Sektor"
stand auf dem Schild neben dem Kontrollpunkt. An
anderen Übergängen der Alliierten las man: "Sie
verlassen jetzt den Britischen Sektor" oder "Sie
verlassen jetzt den Französischen Sektor.
Jahrzehntelang symbolisierten der Checkpoint Charlie
und andere alliierte Kontrollpunkte sowohl die letzte
Verteidigung gegen Tyrannei als auch den Weg in die
Freiheit. Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem
Museum zu sehen - seine Arbeit als Wachhaus ist
getan.
Jetzt wollen wir uns zum Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies
benötigen. Wir wollen uns zum Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für
Betonmauern und Stacheldraht gibt, um die Menschen
im Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns
zum Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der
Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Und wir wollen uns immer an Berlin als
mächtigstes Symbol dieser Freiheit erinnern.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�USA-DEUTSCHLAND
I.Juli 1998

50 Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft
von Botschafter John C. Kornblum

FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei einem Empfang am 23. Juni 1998 in
Frankfurt am Main aus Anlaß des 50. Jahrestages der Steuben-Schurz-Gesellschaft und der Partnerschaft
zwischen Frankfurt am Main und den Vereinigten Staaten.

Wir sind heute hier, um zwei besondere Aspekte der
deutsch-amerikanischen Freundschaft zu feiern: Den
50. Jahrestag der Steuben-Schurz-Gesellschaft und
die 50-jährige Partnerschaft zwischen Frankfurt am
Main und den Vereinigten Staaten.
Diese beiden Aspekte haben die Partnerschaft zwischen unseren Ländern in praktischer Weise bereichert. Ich bin überzeugter denn je, daß die deutschamerikanische Freundschaft voller Leben und Enthusiasmus ist. Letzten Monat, als Präsident Clinton in
Deutschland war, haben wir deutlich gespürt, welch
großes Interesse Deutsche und Amerikaner aneinander haben. Der Präsident hat die besondere
Bedeutung der deutsch-amerikanischen Partnerschaft
beschrieben, als er sagte: "Es ist schwer, sich einen
besseren Freund oder Verbündeten vorzustellen als
die Bundesrepublik Deutschland."
Das hohe Maß an Verständnis zwischen unseren
Ländern haben wir in vielerlei Hinsicht dem Engagement von Organisationen wie der Steuben-SchurzGesellschaft und den persönlichen Kontakten zwischen Deutschen und Amerikanern hier in Frankfurt zu
verdanken. Ihr Engagement ist eine Verkörperung
unserer Beziehungen - der zwischenmenschlichen
Bande, die unsere beiden Länder in Freundschaft und
Einvernehmen verbinden.
Eine Errungenschaft möchte ich hervorheben:
Dieses Jahr feiern Sie den 50. Geburtstag der
Steuben-Schurz-Gesellschaft. Es gibt keinerlei Anzeichen für eine "Midlifecrisis". Im
Gegenteil: Sie setzen es sich weiterhin zum

AMERIKA DIENST 13

Ziel, die Freundschaft zwischen unseren
Ländern zu fördern und zu festigen.
Meine Damen und Herren, das Fundament der
deutsch-amerikanischen Partnerschaft war nie stärker.
Deutschland und Amerika sind aus verschiedenen
Gründen natürliche Partner geworden. Wir haben in
den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam
eine neue Friedensstruktur in Europa geschaffen - eine
Struktur, die auf der Grundlage neuer Beziehungen
über den Atlantik hinweg ruht.
Die Vereinigten Staaten unterhalten natürlich enge,
kooperative Beziehungen zu zahlreichen Verbündeten
in Europa. Aber es war Deutschland, mit dem wir die
neue Nachkriegsdefinition unserer Welt erarbeiteten.
Deutschland hatte sogar vor 1945 viel mit den Vereinigten Staaten gemein. Unsere natürliche Freundschaft war jedoch von den Nazis zerstört worden und
in einem grausamen Krieg untergegangen. Nach 1945
war es nicht möglich, einfach dort weiterzumachen, wo
wir aufgehört hatten. Wir mußten etwas völlig Neues
schaffen.
Jeder von uns hatte eine wichtige Rolle. Amerika bot
die Vision, die Mittel und die Verpflichtung, sich in der
neuen atlantischen Gemeinschaft weiterhin zu engagieren, die aus dem alten europäischen Gleichgewicht
entstanden war, das durch den Zweiten Weltkrieg
zerstört wurde. Deutschland brachte Energie, Mut und
eine Vision von Demokratie in Deutschland und
Europa ein, die aus der dauerhaften Gemeinschaft
über den Atlantik hinweg erwuchs.
Eine weitere treibende Kraft war, wie Sie wissen,
emotionaler Natur. Kurz nach dem Krieg entdeckten

Seite 1

�wir die große Übereinstimmung von Einstellung und
Ansatz unserer beiden Länder wieder. Deutschland
und Amerika gingen aufgrund der starken Ähnlichkeit
unserer Völker und Gesellschaften eine natürliche
Partnerschaft ein.
Eine historische Errungenschaft dieser Partnerschaft
war die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Rückkehr der Freiheit nach ganz Deutschland schloß ein
leidvolles Kapitel der deutschen und europäischen
Geschichte. Gleichzeitig war dies ein charakteristisches Moment einer neuen und sogar noch hoffnungsvolleren Phase unserer Bestrebungen, eine sogar
noch kraftvollere transatlantische Gemeinschaft
aufzubauen.
Amerika war aus zweierlei Gründen ein wesentliches
Element bei der Wiedervereinigung: Wir glaubten
unbeirrt an das Ziel eines geeinten Deutschlands, und
wir hatten die Mittel, dazu einen Beitrag zu leisten.
Unsere Vision von Deutschland und Europa war nicht
von historischen Ressentiments oder Konkurrenzdenken verdunkelt.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind offene
Gesellschaften, die am Scheideweg des Wandels
stehen. Wir sind, jeder auf seine Weise, ein Magnet
für die neuen und oftmals beunruhigenden Tendenzen
auf der ganzen Welt. Jeder von uns hat die Fähigkeit,
diese Veränderungen zu verarbeiten und sich daran
anzupassen. Wir sind Meister darin, neue Lösungen
vorzuschlagen.
Wir sind nicht immer derselben Meinung. Aber in den
meisten Fällen sind es Deutschland und Amerika, die

bei der Lösung des Problems eine zentrale Rolle
spielen. Wenn unsere beiden Länder diesen pragmatischen Ansatz wählen, können wir beim Umgang mit
den neuen Herausforderungen auf kooperativer Basis
helfen, selbst wenn wir nicht in allen Einzelheiten
übereinstimmen.
Jetzt ist es an der Zeit, über neue Aktivitäten zur
Stärkung unserer zwischenmenschlichen Kontakte und
Ausweitung unserer Vereine und Freundschaften
nachzudenken. Insbesondere jetzt, da die Bürger sich
aufgerufen fühlen, Eigeninitiative zu ergreifen, anstatt
auf eine Führungsrolle ihrer Regierung zu warten,
nimmt die Rolle von Privatinitiativen an Bedeutung zu.
Ich rufe Sie auf, Ihre erfolgreiche Arbeit fortzusetzen,
indem sie neue Möglichkeiten für die Bereicherung der
deutsch-amerikanischen Freundschaft finden.
Heute müssen wir unsere Aufmerksamkeit vor allem
auf die Zukunft richten. Das heißt jedoch nicht, daß wir
die Vergangenheit vergessen sollten. Ich würde mir
wünschen, daß wir uns auf unsere gemeinsamen
Interessen und Werte konzentrieren und gleichzeitig
neue Wege suchen.
Wie Carl Schurz 1881 in einer Rede vor der Chamber
of Commerce in New York erklärte, ruhen die Beziehungen zwischen der Alten und der Neuen Welt "auf
einer sehr einfachen, natürlichen und soliden Basis".
Diese Basis wurde in den vergangenen 50 Jahren in
hohem Maße durch das Interesse verstärkt, das
unsere Länder und unsere Bürger aneinander zeigen.
Wir haben eine starke Grundlage. Darauf müssen wir
aufbauen.
Ich danke Ihnen.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIENST 13

�WAHRUNG
I.Juli 1998

Der 50. Geburtstag der D-Mark
Ansprache von Botschafter Kornblum

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 19. Juni 1998 bei einem Festakt aus Anlaß
des 50. Geburtstags der D-Mark gehalten hat.

Vielen Dank für die Gelegenheit, an der heutigen
Veranstaltung teilzunehmen. Einige von Ihnen mögen
sich fragen, warum ein amerikanischer Botschafter den
Feiern zum 50. Geburtstag der D-Mark beiwohnt.

sie auf die Fähigkeit hin, sich auf pragmatische
Ansätze zu einigen.

Ich habe erst vor kurzem einige interessante Einzelheiten über die Rolle der Vereinigten Staaten bei

Die deutsch-amerikanische Partnerschaft, die im Lauf
der Jahre gereift ist, beinhaltet viele Beispiele für
pragmatische Lösungen schwieriger Probleme. Wenn
wir mit schwierigen Herausforderungen konfrontiert

der Einführung der D-Mark erfahren:

waren, konnten wir unglaubliche Harmonie zeigen.

wie 1947 und 1948 die ersten Banknoten in
den Vereinigten Staaten gedruckt wurden und
den heutigen 50-Dollar-Scheinen stark ähnelten,
wie sie im Rahmen einer Operation mit dem
Decknamen "Bird Dog" tonnenweise nach
Frankfurt transportiert wurden
und wie ein junger amerikanischer Luftwaffenoffizier namens Tenenbaum der D-Mark nicht
nur ihren Namen gab, sondern auch die
Zweifler unter den Alliierten und Deutschen
davon überzeugte, daß eine radikale und
umfassende Währungsreform Deutschland
Wohlstand bringen würde.
Die Einführung der D-Mark war ein kontroverser
Schritt. Sie stellte den Wendepunkt in der Entwicklung
der Bundesrepublik dar, denn sie beendete die
Rationierung und zentrale Planung und bot fast von
einem Tag auf den anderen Anreize zur Herstellung
von Gütern, die für echtes Geld verkauft werden
konnten. Sie machte das deutsche Wirtschaftswunder
möglich.
Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit bei der
Währungsreform 1948 war Vorbote bestimmter
Ereignisse in unseren Beziehungen. Vor allem deutete

AMERIKA DIENST 13

Und diese Harmonie ermöglichte uns, die Arbeit zu
tun.
Die Berliner Luftbrücke ist hierfür ein wunderbares
Beispiel. Jeder wußte, was notwendig war. Jeder
wußte, was getan werden mußte.
Deutschland ist stolz auf den Erfolg der D-Mark. Diese
Erfolgsgeschichte geht Hand in Hand mit der Schaffung von Frieden und Wohlstand in Europa. Und es
sind Frieden und Wohlstand, die es Europa ermöglicht
haben, Schritte zur weiteren Integration zu unternehmen.
Derzeit bereiten Sie mit der Einführung des Euro einen
weiteren mutigen Schritt zur europäischen Integration
vor. Das ist kein Bruch mit der Vergangenheit.
Vielmehr ist es ein Anzeichen von Kontinuität.
Die Integration Europas endet nicht mit der Einführung
des Euro. Die Vollendung Europas steht auf der
Tagesordnung, und das bedeutet die Erweiterung der
Union. Im Idealfall bezieht diese Erweiterung so viele
Länder wie möglich ein. Denn die europäische
Geschichte des letzten halben Jahrhunderts hat
gezeigt, daß das beste Mittel zur Ausweitung von
Freundschaft und Wohlstand unter den Menschen
Europas die Schaffung gemeinsamer Interessen und
Ziele ist. Wie Präsident Clinton letzten Monat in Berlin
erklärte, haben Europa und Amerika "ein gemein-

Seite 1

�sames Schicksal, weil wir uns logischerweise auf eine
gegenseitige Abhängigkeit zubewegen, die für beide
Seiten von Vorteil ist; jede Nation wird stärker und
wohlhabender aufgrund des Erfolgs seiner Nachbarn
und Freunde".
Deutschland kommt eine besondere Rolle zu.
Deutschland hat die einzigartige Fähigkeit, eine Brücke
zwischen Ost und West zu schlagen. Deutschland ist
ein Modell, weil es die unglaubliche Fähigkeit gezeigt
hat, sich zu wandeln und zu erneuern - sei es 1945

oder 1989. Und schließlich hat Deutschland sehr
großes Interesse daran, daß diese Länder prosperieren und sich zu starken Demokratien entwickeln.
Am 50. Geburtstag der D-Mark blicken wir mit Stolz auf
das zurück, was wir trotz aller Schwierigkeiten erreicht
haben und sehen hoffnungsvoll auf alles, was wir noch
leisten können.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�HUMANITÄRE

HILFE
I.Juli 1998

Humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der vom Deutschen Roten Kreuz am 17. Juni
1998 in Berlin veranstalteten Konferenz über humanitäre Hilfe gehalten hat.

Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute Abend zu
Ihnen sprechen zu dürfen. Als Diplomat bewundere
ich oft die Arbeit des Roten Kreuzes in Krisengebieten
auf der ganzen Welt. Als Vermittler mit beträchtlicher
Erfahrung im Krisenmanagement habe ich oft von den
Instrumenten profitiert, die Sie während der letzten 130
Jahre entwickelt haben. Und als Bürger bin ich immer
wieder beeindruckt von der Selbstlosigkeit und
Einsatzbereitschaft, die Sie oft angesichts großen
Elends zeigen.
Dieses Jahr markiert den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der
heutige Tag den 45. Jahrestag der Massendemonstrationen in der DDR - Demonstrationen, die mit
sowjetischen Truppen und Panzern beantwortet
wurden. Dies ist daher ein angemessener Tag,
darüber zu sprechen, wie Menschenrechte in den
Mittelpunkt internationaler Beziehungen gerückt sind
und wie die internationale Staatengemeinschaft am
besten ihre Mittel zum Schutz der Menschenrechte
einsetzen kann.
Ich möchte bei meinen heutigen Ausführungen auf
meine Erfahrungen zurückgreifen. Unser Thema
heute lautet "humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und
Wirklichkeif. Allein durch diesen Titel wird das Thema
schwierig. Was ist humanitäre Hilfe? Sind es Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten für die
Opfer von Flutkatastrophen oder ist es Flüchtlingshilfe
in Kriegszeiten? Ist es die Vermittlung zwischen
Konfliktparteien oder Finanzhilfe für Katastrophenopfer?
All diese Definitionen sind zutreffend, aber das Thema
ist weitaus umfassender. Insbesondere seit dem Ende

AMERIKA DIENST 13

des Kalten Krieges ist die sogenannte humanitäre
Seite internationaler Angelegenheiten bis zur Unkenntlichkeit erweitert worden. Mitarbeiter des Roten
Kreuzes können ganze Bücher über die schwierigen
Situationen schreiben, denen sie sich an Orten wie
Bosnien oder Tschetschenien gegenübersahen und
wo traditionelle Definitionen nicht mehr greifen.
Es gibt gute Gründe für diese dramatische Ausweitung
des Themas. In einer Welt, die in internationaler
Konfrontation erstarrt war, reduzierten sich die sogenannten "menschlichen" Anliegen der Außenpolitik
oftmals darauf, den Notleidenden zu helfen. Tieferliegende Fragen der menschlichen Lebensbedingungen
und Konflikte waren unter der Decke der Ost-WestKonfrontation verborgen.
Das Tauwetter begann Anfang der siebziger Jahre.
Obwohl die Kodifizierung des humanitären Völkerrechts im 19. Jahrhundert begonnen hatte, war dessen
Anwendung bis zum Beginn des Zeitalters der Entspannung fast ausschließlich rhetorischer Natur.
Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in der Tschechoslowakei erkannten Ost und West, daß eine
weitere Verschärfung der Spannungen zu einer
Katastrophe führen könnte. Im vorausgegangenen
Jahrzehnt war in Berlin und Kuba nahezu der Krieg
ausgebrochen. Beide Seiten waren zu einer Entschärfung der Situation bereit.
Neuanfang in Berlin
Die ersten Schritte wurden hier in Berlin gemacht. Ich
hatte die Ehre, an den Viermächte-Verhandlungen
über Berlin teilzunehmen. Dies waren wahrhaftig

Seite 1

�humanitäre Gespräche. Der Hauptgegenstand dieser
Verhandlungen war, die Bedingungen für Ostberliner
zu verbessern und Reisen von Berlin in den Westen zu
erleichtern. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß die
Berliner Verhandlungen eine neue Ära der Außenpolitik einläuteten. Zum ersten Mal in der Geschichte
waren humanitäre Aspekte zentrales Thema von
Verhandlungen der Großmächte.
Die darauf folgenden Jahre zeugten von einem
Strukturaufbau zur Anwendung der Normen des
internationalen humanitären Rechts auf die Gesamtheit
der Beziehungen zwischen Nationen und - was noch
dramatischer war - innerhalb der Nationen selbst.
Der Fortschritt kam nicht über Nacht. Es dauerte mehr
als zehn Jahre, bis man übereinkam, daß humanitäre
Gesichtspunkte ein legitimer Aspekt internationalen
Lebens seien. Der wesentliche Durchbruch kam mit
der Unterzeichnung der KSZE- Schlußakte beim Gipfel
von Helsinki im August 1975.
Dieses Dokument legte nicht nur das Menschenrechtskonzept des Westens fest; es bildete auch ein direktes
Bindeglied zwischen militärischer Sicherheit, wirtschaftlichem Austausch und der Einhaltung anerkannter Normen der Menschenrechte. Die "Operationalisierung" der Menschenrechte, wie wir es in Amerika
nennen würden, war beispiellos.
Wissenschaftler, die das Geheimnis des Zusammenbruchs des Totalitarismus zu enthüllen versuchen,
können durchaus die Schlußakte von Helsinki als
befreiendes Dokument bezeichnen. Sie sandte ein
Schauern durch die sowjetische Welt. Binnen einer
Woche nach der Veröffentlichung der Schlußakte in
Neues Deutschland erhöhte sich beispielsweise die
Zahl der Ausreiseanträge aus der DDR um 200.000.
Verlagerung des Konflikts
Als in den frühen neunziger Jahren der Zerfall der
Sowjetunion begann, zollte sogar der russische
Außenminister Andreij Kosyrew der KSZE und ihrer

Es war, als habe der Kalte Krieg die Welt in dem
Glauben hypnotisiert, die Geschichte sei tatsächlich an
einem Endpunkt angelangt. Sein Ende brach den
Bann. Die Opfer waren nicht die Großmächte. Es
waren die Menschen in weit entfernten, oft entlegenen
Teilen der Welt, die den Schmerz spürten.
Präsident Bush sprach 1989 mutig von der "Neuen
Weltordnung". Keine zwei Jahre danach wurde
schmerzhaft klar, daß die Welt bei weitem nicht bereit
war für die neue Freiheit nach dem Kalten Krieg. Ein
neuer Begriff tauchte auf - die internationale Gemeinschaft. Dieser Terminus, der nicht im entferntesten
klar definiert war, signalisierte eher Hilflosigkeit als
Macht, eher Konfusion als Entschlossenheit. Von
Bosnien bis Somalia, von Afghanistan bis Tschetschenien spielten humanitäre Belange eine zentrale
Rolle.
Auf der Suche nach Antworten
Es ist wichtig zu beachten, daß die internationale
Gemeinschaft angesichts dieser Herausforderungen
nicht untätig geblieben ist. Sowohl bei den Vereinten
Nationen als auch von regionalen Organisationen wie
der NATO, OSZE, der Organisation Amerikanischer
Staaten und der Organisation für Afrikanische Einheit
wurden zahlreiche Instrumente geschaffen, um mit
dieser neuen Art von Konflikt umzugehen. Humanitäre
Organisationen wie das Rote Kreuz waren ebenfalls
kreativ bei der Anpassung an die neue Situation. Auch
die wichtige Rolle der Nichtregierungsorganisationen
bei diesen Anstrengungen möchte ich hervorheben.
Nichtregierungsorganisationen haben in vielen Bereichen unerschrocken humanitäre Diplomatie betrieben,
wo Regierungen nicht tätig werden konnten.
Die Erfahrungen sind gemischt. Auf jeden Erfolg, wie
etwa in El Salvador oder Bosnien, kamen auch
Niederlagen. Neue Instrumente werden oft von denen
abgelehnt, für deren Hilfe sie gedacht waren. Und
bedauerlicherweise verhindern häufig die Zänkereien
zwischen größeren Mächten die Lösungen für die, die
sie am meisten brauchen.

Botschaft der Menschenrechte Anerkennung für den

Zusammenbruch des Kommunismus. Als das neue
Jahrzehnt begann, bestand die Hoffnung, daß das
Ende des Kalten Krieges schließlich auch das Ende
der Konflikte auf der ganzen Welt bringen würde.
Tragischerweise wurde der Konfliktschwerpunkt
verlagert. Ohne die Furcht vor nuklearer Vernichtung
fühlten sich Gruppierungen auf der ganzen Welt
ermutigt, lang unterdrückten Groll wiederzubeleben.
Das Resultat steht uns nur zu deutlich vor Augen.
Plötzlich begannen Gruppierungen und Nationen, alte
Rechnungen zu begleichen, Grenzlinien neu zu ziehen
und Vorteile einzufordern, von denen sie meinten, daß
sie ihnen seit langem zustünden.

Seite 2

Ein Großteil des Problems besteht in der Definition.
Nachdem wir mehr als ein Jahrzehnt darauf verwendet
haben, humanitäre Belange als legitime Aspekte
internationaler Beziehungen anzuerkennen, werden
wir nun mit einer explosionsartig zunehmenden Zahl
von Herausforderungen konfrontiert. Ein Großteil ist
kaum definiert.
Die humanitäre Arbeit des Roten Kreuzes
steht zunehmend mit ethnischen oder regionalen Konflikten im Zusammenhang. Massenmorde in Bosnien waren sowohl Verbrechen
als auch humanitäre Krisen. Der Krieg in
Tschetschenien wurde von Rußland als innere
Angelegenheit bezeichnet. Dasselbe be-

AMERIKA DIENST 13

�hauptet Belgrad vom gegenwärtigen Konflikt
im Kosovo. Zunehmend werden humanitäre
Hilfsleistungen durch militärische Auseinandersetzungen beeinträchtigt.

Salvador sowie die Albanien-Mission unter Leitung
Italiens zeigten, wie die wohlüberlegte Anwendung
militärischer Stärke einen wichtigen Beitrag leisten
kann.

Als OSZE-Hochkommissar für nationale
Minderheiten hat Max van der Stoel hervorragende Arbeit geleistet. Aber er wird oft
an der Einreise in ein Land mit Minderheitenproblemen gehindert, weil die Landesregierung diese Definition des Problems ablehnt.
So ist das Erreichen eines Konsenses über
die Natur ethnischer und religiöser Konflikte
eine weitere wesentliche Aufgabe.

Es gab jedoch auch deutlich sichtbare Fehlschläge.
Obwohl die Entsendung der UNPROFOR nach
Jugoslawien von wohlmeinenden Absichten getragen
war, erwies sie sich als unbefriedigend sowohl für die
Schutzbedürftigen als auch für die Beschützer selbst.
Obwohl die UNPROFOR aus Streitkräften zusammengesetzt war, war ihre Struktur nicht auf die Erfüllung
einer Militärmission ausgerichtet. Das Ergebnis war
Konfusion und im Falle von Srebrenica eine Tragödie.

Gleiches gilt auch für Flüchtlinge. Ein krasses
Beispiel ist die Weigerung Kroatiens, aus der
Krajina geflohene Serben weder als Flüchtlinge noch als Vertriebene zu definieren. Die
Situation in Zentralafrika entzieht sich jeglichem Verständnis.

Wenn eine Streitmacht erst einmal entsandt ist, stellt
sich die Definition der laufenden Mission als sehr
schwierig dar. Ich war unmittelbar an der Definition der
IFOR-Mission in Bosnien beteiligt. Wir hatten keine
genauen Informationen über die militärische Bedrohung und die Einsatzbedingungen. Die IFORMission begann mit der konkreten Arbeit der Truppenentflechtung. Sie ging schnell zu Aufgaben im
Bereich der öffentlichen Ordnung und des Schutzes
von Flüchtlingen über. Im September 1996 konnte die
IFOR eine zentrale Rolle bei den Wahlen in Bosnien
übernehmen, die vom Daytoner Abkommen vorgeschrieben wurden. Die Rolle der SFOR beinhaltet in
zunehmendem Maße auch allgemeine wirtschaftliche
und humanitäre Aufgaben.

Langsam geht man daran, dieses Problem der gemeinsamen Definitionsfindung zu lösen. Nach einem
fast zehn Jahre dauernden Konflikt über NagornyKarabach scheinen die beteiligten Parteien bereit, eine
gemeinsame Diskussionsgrundlage zu akzeptieren.
Trotz seiner Behauptung, der Tschetschenien-Konflikt
sei eine innere Angelegenheit, gestattete Rußland der
OSZE, eine Vermittlerrolle zu spielen.
Es werden Instrumente erarbeitet. Die OSZE hat bei
der Weiterentwicklung von Methoden der Konfliktprävention und des Krisenmanagements eine Führungsrolle übernommen. Ihre Konfliktpräventionsmissionen erfüllen in mehr als zehn Ländern wichtige
Aufgaben. Ihre Rolle in Bosnien beinhaltete die
Veranstaltung von Wahlen, die Durchführung von
Rüstungskontrollverhandlungen und die Etablierung
von Standards für Menschenrechte. Die UN-Hochkommissarin für Flüchtlingsfragen ist gleichfalls kreativ
gewesen, was den Einsatz ihrer Möglichkeiten für
positive Zwecke betrifft.
Die Rolle der Friedenssicherung
Im Zuge der Intensivierung dieser Konflikte waren die
Parteien bestrebt, sich zum Erhalt der Ordnung auf das
Militär zu stützen. Traditionelle Konzepte der Friedenssicherung entwickelten sich rasch zu einer
Vielzahl militärischer Aufgaben. Die meisten davon
sind neu. Unsere führenden Militärs sind noch nicht
mit ihnen vertraut und zögern, sich auf nicht erprobte
Missionen einzulassen. Die derzeitigen Rollen der
Friedenssicherung variieren - von normaler Beobachtung und Präsenz zu konkreten Kampffunktionen.
Es gab mehrere wichtige Erfolge. Die IFOR/SFOR in
Bosnien, die UN-Truppen in Kambodscha und El

AMERIKA DIENST 13

Dennoch ist ihre Rolle weiterhin umstritten. Die
legitime Funktion der SFOR im Hinblick auf Kriegsverbrecher war kompliziert und kontrovers. Die jüngsten
Erfolge zeigen, daß solche Aufgaben ebenfalls erfüllt
werden können - jedoch nur, wenn sie militärisch
möglich sind.
Die Frage der Kriegsverbrecher veranschaulicht eine
der ständigen Debatten über die Friedenssicherungstruppen. Die führenden Politiker finden es oft nützlich,
die Streitkräfte für verschiedene Aufgaben einzusetzen. Es ist jedoch nicht vertretbar, das Militär zu
Aufgaben heranzuziehen, die nicht innerhalb seiner
Richtlinien erfüllt werden können. Ich weiß, daß
humanitäre Organisationen sich oft eine noch umfassendere militärische Unterstützung wünschen. Ich
kann nicht vorhersagen, wie sich die Rolle des Militärs
entwickeln wird. Wir können von unseren Truppen
jedoch keine Dinge erwarten, die nicht ihren von ihnen
definierten Fähigkeiten entsprechen.
Die zunehmende Integration militärischer und diplomatischer Bestrebungen wirft auch Fragen über die
Legitimität der Truppenentsendung auf. Wann stellen
militärische Aktivitäten eine Aggression dar - wie es
nach Ansicht der internationalen Staatengemeinschaft
in Bosnien der Fall war und jetzt im Kosovo? Und
wann ist die Anwendung von Gewalt zur Selbstverteidigung oder aus Sicherheitsgründen legitim? Die

Seite 3

�Serben definieren ihre militärische Rolle in Bosnien
und im Kosovo zweifelsohne anders als wir.

erneut die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
ein internationales Strafgericht.

Oder was ist mit der Anwendung oder Androhung von
Gewalt durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien
und andere Verbündete, einschließlich Deutschlands,
während der Konfrontation mit Saddam Hussein im
letzten Winter? Es ist offenkundig, daß die Diplomatie
manchmal nur erfolgreich ist, wenn sie vom Einsatz
von Gewalt begleitet wird. Aber welche Maßstäbe
sollen in solchen Fällen angelegt werden?

Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist der internationale Strafgerichtshof ein Tribunal, das sich vorwiegend auf Massenmord und andere, in großem Stil
verübte Greueltaten konzentrieren sollte. Der Gerichtshof soll sich mit den Verbrechen befassen, für
deren Ahndung er geschaffen wird. Darüber hinaus
sollte er nur in den Ländern tätig werden, die nicht über
ein zuverlässiges, funktionierendes Rechtssystem
verfügen. Länder, die die Bereitschaft und Fähigkeit
besitzen, gerichtlich gegen Personen vorzugehen, die
sich dieser Verbrechen schuldig machen, dürfen diese
auch vor Gericht stellen.

Und hier schließt sich der Kreis. Die wesentliche
Verbindung zwischen Demokratie und Sicherheit, die
erstmals in der Schlußakte von Helsinki hergestellt
wurde, dient uns als Maßstab. Der Umgang mit
sogenannten verbrecherischen Staaten ist eine
Aufgabe für alle Demokratien. Er kann jedoch nur
erfolgreich sein, wenn diese Demokratien bei den von
ihnen in solchen Konflikten angelegten Maßstäben
selbst Vorsicht walten lassen.
Aus diesem Grund errichteten die Vereinten Nationen
nach der Tragöde in Bosnien ein Kriegsverbrechertribunal zur Untersuchung und Bestrafung der verübten Verbrechen. Das Mandat wurde später auf
Zentralafrika ausgeweitet. Die Arbeit des Tribunals ist
grundlegend, um diese entsetzlichen Geschehnisse
aufzuklären.

Die Vereinigten Staaten halten es für unklug, den UNSicherheitsrat von der Arbeit des Gerichts auszuschließen. Wir vertreten schon seit langem die
Ansicht, daß der Gerichtshof so beschaffen sein sollte,
daß der Sicherheitsrat Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit die Stirn bieten
kann, wie in der UN-Charta gefordert. Die Arbeit des
Sicherheitsrats und des ständigen Gerichtshofs muß
abgestimmt werden und sich ergänzen. Am wichtigsten ist, daß der Sicherheitsrat das Organ für die
Vollstreckung der Beschlüsse des Gerichts darstellt.
Der Sicherheitsrat kann dem Kläger die politische
Autorität geben, die zur wirksamen strafrechtlichen
Verfolgung von Kriegsverbrechern erforderlich ist.

Der internationale Strafgerichtshof
Das 20. Jahrhundert hat viele Bestrebungen zur
Einführung offizieller Mechanismen zur Konfliktschlichtung gesehen. Es gibt sie jetzt bereits in einer
Vielzahl von Organisationen.
Der Internationale
Gerichtshof in Den Haag und die Konfliktschlichtungsmechanismen der OSZE in Genf sind vertraglich
festgelegte Instrumente, die praktisch nie genutzt
werden.
Das bedeutet nicht, daß wir es nicht versuchen sollten.
Die internationalen Kriegsverbrechertribunale in Den
Haag und Arusha erfüllen eine wesentliche Funktion.
Diese Woche haben in Rom Verhandlungen über
einen ständigen internationalen Strafgerichtshof
begonnen.
Die Errichtung eines internationalen Strafgerichtshofs
stellt fine Priorität der Clinton-Administration dar. Die
Clinton-Administration unterstützt - ebenso wie viele
andere Nationen - bereits seit Aufnahme der Gespräche über dieses Thema bei den Vereinten
Nationen Anfang 1995 einen starken und effektiven
internationalen Strafgerichtshof.
Im vergangenen
September forderte der Präsident in einer Rede vor
der UN-Generalversammlung die Errichtung eines
solchen Strafgerichtshofs bis Ende dieses Jahrhunderts. Und im Frühjahr bekräftigte er in Kigali

Seite 4

Schließlich darf der ständige Strafgerichtshof kein
politisches Forum werden, in dem strittige Aktionen
verantwortungsvoller Regierungen in Frage gestellt
werden, indem ihr militärisches Personal zur Zielscheibe von Ermittlungen und Strafverfolgung wird.
Amerika schreckt nicht vor seiner Rechenschaftspflicht
zurück, aber wir wehren uns gegen politisch motivierte
oder nicht ernst zu nehmende Klagen gegen unsere
Streitkräfte.
Auf dem Weg zu einer neuen Friedensdisziplin
Die Debatte, die in dieser Woche über den Einsatz
militärischer Mittel im Kosovo geführt wird, zeigt das
Dilemma unseres neuen Zeitalters. Ethnische und
religiöse Konflikte führen häufig zum Zerfall der
öffentlichen Ordnung und dem Zusammenbruch
humanitärer Hilfssysteme. Neue Sicherheitsherausforderungen sind häufig eine Kombination wirtschaftlicher, politischer, militärischer und humanitärer Faktoren. Weder für die Probleme noch für die Verantwortlichkeiten gibt es eine klare Definition. Es gibt
keine Befehlskette. Das heißt, daß immer noch
Kontroversen darüber bestehen, wie Entscheidungen
getroffen werden sollten.
Dieses Problem stellt sich der ganzen Welt, ist aber für
die Vereinigten Staaten häufig das schwierigste. Wir
werden als die einzige Supermacht der Welt bezeich-

AMERIKA DIENST 13

�net. Ein Resultat daraus ist die Tatsache, daß man
häufig von uns erwartet, die Rolle eines Polizisten zu
spielen, während gleichzeitig die speziellen Empfindlichkeiten der beteiligten Länder berücksichtigt werden
sollen. Wenn Verhandlungen scheitern, sind wir es,
von denen man die Wiederherstellung der Ordnung
erwartet. Aber unsere militärische Rolle wird oft von
denen kritisiert, deren Interessen nicht mit den unseren
übereinstimmen.
Das ist ein Grund, warum die Vereinigten Staaten
führend darin sind, Strukturen zu entwickeln, die
sowohl Frieden garantieren als auch Instrumente zur
Konfliktbewältigung bieten. Die Entwicklung der NATO
in den vergangenen zehn Jahren war dramatisch.
Neben dem Erhalt seiner militärischen Strukturen ist
das Bündnis zunehmend darauf ausgerichtet, Sicherheit und Kooperation auf die ehemals kommunistischen Gebiete Europas zu übertragen. Konsultationen, gemeinsame Manöver und Friedensmissionen
spielen eine wesentliche Rolle bei der Definitionsproblematik, die ich vorhin erwähnte.
In Europa fällt der OSZE eine Schlüsselrolle zu. Ihre
Kreativität bei der Entwicklung von Instrumenten zur
Konfliktprävention habe ich bereits erwähnt. Die
Konsultationsmechanismen sind ganz wichtig, um die
Kommunikation aufrechtzuerhalten. Die OSZE ist aber
häufig Druck ausgesetzt. Ihre Hilfe wird von denen
abgelehnt, die sie am dringendsten benötigen. Andere
dagegen streben danach, sie zu einem formellen
Durchsetzungsmechanismus zu machen und berauben sie so ihrer lebenswichtigen flexiblen, politischen
Grundlagen.
Die Vereinigten Staaten vertreten hierzu einen von
Prinzipien geleiteten Standpunkt. Organisationen wie
die UNO und die NATO haben formelle Durchsetzungsbefugnisse. Die OSZE formuliert die wesentlichen Standards und Wertegrundlagen, die so interpretiert werden können, daß sie individuellen Bedürfnissen entsprechen. Sie sorgt für einen Entwicklungsprozeß, der durch regelmäßige Durchsetzungsrevisionen überprüft werden kann.
Oft erstaunen mich diejenigen, die mehr Macht für die
OSZE fordern, aber dann das mächtigste Instrument
überhaupt ignorieren - die Vision der Freiheit. Dieses
Problem betrifft insbesondere eine Reihe europäischer
Länder, sowohl im Osten als auch im Westen, die
dieses neue Zeitalter noch nicht verstanden haben.
Unsere Suche nach einer neuen Friedensdisziplin muß
mit grundlegenden Prinzipien beginnen. Komplexe
Strukturen, Verträge oder sogar militärische Mittel
können nicht mit dem Wunsch konkurrieren, ein
selbstbestimmtes Leben zu definieren. Die Sowjetunion hatte diese Lektion zu spät gelernt.

AMERIKA DIENST 13

Durchsetzung kontra Empowerment
Meines Erachtens ist das der Schlüssel zur Beantwortung der bei dieser Konferenz aufgeworfenen
Frage. Eine neue Disziplin des Friedens muß den
Bedürfnissen der Völker gerecht werden, die diese
definieren.
Diese Bedürfnisse sind nicht immer
friedlich oder demokratisch. Sie führen oft zu Konflikten. Aber sämtliche Bestrebungen, eine Beilegung
dieser Konflikte zu erzwingen, sind zum Scheitern
verurteilt.
Erforderlich ist ein neues Konzept. Durchsetzung muß
nach und nach dem Empowerment weichen. Das ist
für viele Europäer ein kompliziertes Wort. Der Begriff
hat etwas leicht Subversives, als ob Kontrollstrukturen
angegriffen würden. Empowerment bedeutet Hilfe zur
Selbsthilfe, was an Aktivitäten an der Basis denken
läßt und daran, wie Bürger entdecken, daß sie auch
auf den Gebieten ein Mitspracherecht haben, die
vorher der politischen Elite vorbehalten schienen.
Empowerment beinhaltet auch, daß die Sicherheit
nicht mehr ausschließlich von den einflußreichen
Staaten bestimmt wird. Jeder Bürger und jeder Staat
hat ein Interesse und ein Mitspracherecht an unserer
gemeinsamen Zukunft.
Präsident Clinton hat von Empowerment als dem
Gegenteil von Durchsetzung gesprochen. Das Ziel ist
das gleiche. Sichere, wohlhabende und freie Gesellschaften. Völker, die in Harmonie miteinander leben.
Traditionell haben politische Systeme versucht, die
Ordnung zu bewahren, indem sie Verhaltensnormen
durchsetzen.
International haben Verträge und
Armeen den Frieden bewahrt.
Moderne Technologie und Kommunikation haben
Durchsetzung in dem Sinn unmöglich gemacht, daß
Ideen nicht kontrolliert und Währungstransfers an
Grenzen nicht gestoppt werden können sowie Nachrichten und Kultur zu jeder Zeit überall verfügbar sind.
Die Gesellschaften, die eine Definition von Kultur oder
Gesellschaft durchzusetzen versuchen, werden
zwangsläufig auf größere Schwierigkeiten stoßen.
Eine Reihe neuer Demokratien in Europa hat diese
Dynamik verstanden. Neue Währungen sind an
stärkere gebunden. Sicherheit wird durch das Streben
nach Solidarität mit anderen erreicht. Kultur wird als
Selbstzweck entwickelt, nicht als Reaktion auf andere.
Das Rote Kreuz hat dieses Konzept praktisch erfunden. Sie verhindern Konflikte, indem sie den Menschen das Empowerment verleihen, ihre eigenen
Bedürfnisse zu erfüllen, in Kontakt miteinander zu
bleiben oder über Grenzen hinweg zu kommunizieren.
Ihr Ansatz führt wegen seines grundlegenden Vertrauens in den Menschen oft zu Konflikten mit den
Behörden.

Seite 5

�Bei internationalen Angelegenheiten mangelt es in
vielerlei Hinsicht noch an Vertrauen. Empowerment
von Völkern ist für viele Menschen beunruhigend. Es
scheint zu unstrukturiert und staatlicher Kontrolle nicht
zugänglich zu sein. Bis wir - die Regierungen - die
Lektionen lernen, die Sie seit mehr als 130 Jahren

zusammengetragen haben, können wir diese neue
Disziplin des Friedens nicht erfolgreich definieren,
Ich kann Sie nur ermutigen, Ihre Bestrebungen
fortzusetzen. Wir können viel von Ihnen lernen. Ich
bin sicher, daß wir Ihnen aufmerksam zuhören werden.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 13

�VEREINTE

NATIONEN
I.Juli 1998

Gemeinsam wenn möglich, allein wenn nötig:
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
Rede des Gesandten Michael C. Polt

KÖLN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Gesandte der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, am 18. Juni 1998 in Köln bei der Konferenz
"Multilateralismus in der Krise? Zur Rolle der USA und Europas in den Vereinten Nationen" gehalten hat.

Ich freue mich sehr, bei der heutigen Konferenz eine
Rede halten zu dürfen, denn es geht hier um ein
äußerst wichtiges Thema. Wir haben die Gelegenheit,
eine Reihe von Fragen über das internationale Engagement der Vereinigten Staaten und Europas zu
erörtern. Obwohl das Ende des Kalten Krieges fast
zehn Jahre zurückliegt, ist der Anpassungsprozeß an
die Welt nach dem Kalten Krieg noch nicht abgeschlossen. Es geht hier nicht nur einfach darum, daß
es keine Konfrontation verschiedener Systeme mehr
gibt. Es gibt eine Vielzahl neuer oder lange vernachlässigter Fragen. Jetzt können wir uns den Luxus
leisten - oder sehen die Notwendigkeit - diese Fragen
auf regionaler oder globaler Basis anzugehen.
Die Natur der Außenpolitik hat sich verändert. Die
Amerikanische Botschaft beteiligt sich an Diskussionen
über die Rentenreform, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Herausforderungen lebenslangen
Lernens - Themen, die traditionell kein Bestandteil der
Außenpolitik sind. Die Diskussionen, die normalerweise innerhalb eines Staates stattfinden, werden jetzt
zwischen den Staaten geführt - insbesondere in der
transatlantischen Gemeinschaft.
Das ist ein Anzeichen für Fortschritte in unseren
Beziehungen. Es ist auch ein Trend, der sich in
Zukunft fortsetzen wird. Wir werden mit denselben
innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert - und
konzentrieren uns darauf. Wir entdecken, daß wir
davon profitieren, wenn wir aus den nationalen
Erfahrungen eines anderen Landes lernen. Alle
unsere Regierungen stehen unter Druck, den Haushalt
und den Regierungsapparat möglichst klein zu halten.
Ferner sehen wir, daß unsere Länder auf vielen
Gebieten enger zusammenarbeiten können; die

AMERIKA DIENST 13

Weltraumforschung ist hierfür ein interessantes
Beispiel.
Das Informationszeitalter hat unsere
Kommunikations- und Arbeitsweise verändert. Hier
und weltweit beobachten wir einen einschneidenden
Öffnungsprozeß.
Das ist der neue globale Kontext. Welche Auswirkungen hat er auf unsere bilateralen und multilateralen Beziehungen und die Arbeitsweise der Vereinten
Nationen und anderer multilateraler Organisationen?
Hierzu könnte man eine Vielzahl von Themen anschneiden. In meinen heutigen Ausführungen möchte
ich mich jedoch auf drei Fragen konzentrieren:
Erstens: Welcher Natur ist der Einfluß der
Vereinigten Staaten bei globalen Angelegenheiten?
Zweitens: Welche Einstellung haben die
Vereinigten Staaten derzeit zu den Vereinten
Nationen?
Und drittens: Wie kann die transatlantische
Gemeinschaft besser zusammenarbeiten?
Die Natur des amerikanischen Einflusses
Wie passen die Vereinigten Staaten in den internationalen Kontext der Zeit nach dem Kalten Krieg? Im
vergangenen Jahr hatte Der Spiegel ein Titelblatt, das
zwei Beine zeigte, die lässig gekreuzt auf einem
Globus ruhen. Sie stecken in Cowboystiefeln, die wie
die amerikanische Flagge gemustert sind - Stars and
Stripes.

Seite 1

�Das ist ein interessantes Klischee. Eine ganz andere
Charakterisierung fand sich vor zehn Jahren auf der
Titelseite des New York Times Magazine: Ein Adler,
der mit unzufriedenem Gesicht in den Spiegel blickt
und sich aufzuplustern versucht.
Die Natur des weltweiten Einflusses der Vereinigten
Staaten hat viele Facetten. Wir sind weder der
Cowboy der Welt noch der unsichere Adler. Aber wir
sind die einzige Macht, die über die vier Attribute einer
Supermacht verfügt: globale militärische Reichweite,
globaler wirtschaftlicher Einfluß, globale kulturelle und
ideologische Attraktivität und globale politische Macht.
Infolgedessen sind wir oft in der Lage, auf eine Weise
und mit einer Geschwindigkeit zu handeln, wie es
anderen Ländern nicht möglich ist. Das beinhaltet
Einfluß, aber auch Verantwortung. Und es bringt uns
viel Kritik ein - entweder wegen unseres Handelns,
oder weil wir nicht handeln. Auf jeden Fall findet sich
eine beliebige Zahl von Ländern und Regierungen, die
sich gerne hinter Taten oder Untätigkeit der Vereinigten Staaten verstecken und somit vermeiden,
selbst Position zu beziehen.
Der Titel meiner heutigen Ausführungen macht
deutlich, daß sogar die Vereinigten Staaten multilaterales Vorgehen vorziehen, wenn nötig aber auch zu
unilateralem Handeln bereit sind, um ein für sie
wichtiges Ziel zu erreichen. Unilateralismus ist nicht
unbedingt mit einseitigen Vorteilen für die Vereinigten
Staaten gleichzusetzen. Im Gegenteil: Es gibt viele
Beispiele dafür, daß die Vereinigten Staaten zur
Vermeidung einer internationalen Krise die Führungsrolle übernahmen - und keine Unterstützung bekamen.
Ich will nur ein Beispiel nennen: Die Imia/Kardak-Affäre
im Januar 1996, als die Vereinigten Staaten äußerste
Anstrengungen unternahmen, um die Spannungen
zwischen Griechenland und der Türkei wegen einer
winzigen Insel in der Ägäis beizulegen. Die Insel - von
den Griechen "Imia", von den Türken "Kardak" genannt
und lediglich von einigen Wildgänsen bewohnt drohte, zu einer Quelle von Konflikten zwischen zwei
NATO-Mitgliedstaaten zu werden. Manche vertraten
die Ansicht, der Konflikt würde in wenigen Stunden
ausbrechen. Es war die diplomatische Intervention der
Vereinigten Staaten, die eine Eskalation der Spannungen verhinderte. Zur damaligen Zeit formulierte es
jemand folgendermaßen: Die Amerikaner arbeiteten
die Nacht durch, und die Europäer schliefen in dieser
Nacht tief und fest.
Die festgefahrene Situation zwischen dem Irak und
den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen Anfang
dieses Jahres ist ein weiteres Beispiel für unilaterale
Drohungen im Dienste des Gemeinwohls. Die Vereinigten Staaten waren zum Einsatz militärischer
Gewalt bereit, um eine Befolgung der UN-Resolutionen
durch den Irak zu erzwingen, obwohl sie keine umfassende multinationale Unterstützung erhielten. Gleichzeitig schlössen sie jedoch nicht die Tür zu bilateraler
oder multilateraler Diplomatie. Die Androhung von

Seite 2

Gewalt ermöglichte Kofi Annan, dem Irak die Zustimmung zu ungehindertem Zugang für alle Inspektoren abzuringen. Unsere andauernde Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt ist weiterhin wesentlich,
um die Befolgung der Resolutionen durch den Irak
sicherzustellen.
Weitere Beispiele finden sich im wirtschaftspolitischen
Bereich, und sie sind noch kontroverser. Das amerikanische Gesetz über die Bekämpfung korrupter Praktiken war ein unilaterales Gesetz, das in den siebziger
Jahren in den Vereinigten Staaten erlassen wurde. Es
verbot die Bestechung von Regierungsvertretern
anderer Länder bei internationalen Wirtschaftstransaktionen. Damals standen ihm viele Menschen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen
Ländern - kritisch gegenüber und bezeichneten es als
nicht durchsetzbar und naiv.
Tatsächlich erwies sich das Gesetz jedoch in vielerlei
Hinsicht als ein Segen. Multinationale amerikanische
Firmen konnten auf das Gesetz verweisen, um Bitten
um Bestechungsgelder aus dem Ausland abzulehnen.
Infolgedessen förderte das Gesetz eine Atmosphäre
der Integrität in amerikanischen Firmen. Noch wichtiger: Dieses Gesetz war der Vorläufer multilateraler
Bestrebungen zur Bekämpfung der Korruption - die
OECD-Konvention zur Bekämpfung von Bestechung.
Die Konvention wurde letztes Jahr unterzeichnet.
Deutschland leistete bei dieser Initiative wertvolle
Unterstützung. Bislang haben 33 Nationen dem Erlaß
von Strafgesetzen zugestimmt, die sich eng an die
Verbote in unseren Bestimmungen anlehnen. Nach
ihrer Ratifizierung und Durchsetzung wird diese
Konvention eine große Errungenschaft der internationalen Rechtsstaatlichkeit darstellen.
•

Ein weiteres Beispiel für unilaterales Beharrungsvermögen, das einen besseren multilateralen Ansatz
ermöglichte, fand sich vergangenes Jahr beim Klimagipfel in Kyoto. Ich weiß, daß die amerikanische
Position hier in Deutschland und andernorts in Europa
so dargestellt wurde, als würden wir den Fortschritt
aufhalten, anstatt ihn voranzutreiben. Ich möchte
diese Ansicht jedoch in Frage stellen. Die Idee
marktgestützter Mechanismen zur Verringerung von
umweltschädigenden Emissionen faßt immer stärker
Fuß, denn die Menschen erkennen, daß es sich hier
nicht um einen Vorwand, sondern um einen effektiveren Weg zum Schutz der Umwelt handelt.
Indem die Vereinigten Staaten auf einer substantiellen
Beteiligung der Entwicklungsländer bestehen, versuchen sie sicherzustellen, daß das Wachstum in den
Entwicklungsländern sauberes Wachstum ist. Wir
versuchen nicht, irgend jemanden zurückzuhalten.
Derzeit entfallen ungefähr 60 Prozent der Gesamtemissionen auf die Industrieländer. Aber die Emissionen der Entwicklungsländer steigen schnell an und
werden im Jahr 2020 mehr als die Hälfte der weltweiten Emissionen ausmachen. Während der kommenden 15 Jahre wird China - derzeit bereits der

AMERIKA DIENST 13

�zweitgrößte Verschmutzer weltweit - die Vereinigten
Staaten überrunden, die derzeit bedauerlicherweise
noch für die meisten Emissionen verantwortlich sind.
Daher ist es geboten, daß in Zukunft jeder Schritt die
Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen
einbezieht.
Die globale Interdependenz ist eine Tatsache, und das
zeigt sich immer deutlicher, je mehr die traditionellen
physischen Hindernisse überwunden werden. Es ist
wichtig für jede Nation - einschließlich der Vereinigten
Staaten - mit anderen Ländern an gemeinsamen
Lösungen für regionale und globale Probleme zusammenzuarbeiten. Es gibt in der amerikanischen
Politik viele Beispiele für eine erfolgreiche multilaterale
Zusammenarbeit - seien es die multilateralen Bestrebungen zur Befreiung von Kuwait, unsere Rolle in
globalen und regionalen Handelsstrukturen oder
unsere Mitwirkung in den Vereinten Nationen.
Die Einstellung der USA zur UNO
Das führt mich zu meinem zweiten Thema: Welche
Einstellung gegenüber den Vereinten Nationen ist
derzeit in der US-Regierung und unter den Bürgern der
Vereinigten Staaten vorherrschend? Welche Bedeutung haben die Vereinten Nationen für den außenpolitischen Ansatz der Vereinigten Staaten?
Hier sind mehrere Trends zu beobachten. Einerseits
haben die Amerikaner eine sehr hohe Meinung von
den Vereinten Nationen. Diese verkörpern Ideale, die
den Amerikanern und ihrem Regierungssystem zur
zweiten Natur geworden sind. Die Amerikaner sind
sich bewußt, daß die von den Vereinten Nationen
übernommene globale Rolle im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Andererseits sind auch Stimmen zu hören, die scharfe
Kritik an der gegenwärtigen Arbeitsweise der Vereinten
Nationen üben. Diese Kritik ist in den meisten Fällen
auf eine Reform des UN-Systems und sein effektiveres
Funktionieren ausgerichtet - damit es sich effektiver für
die Ideale einsetzen kann, die vor 53 Jahren in San
Francisco in die UN-Charta aufgenommen wurden.
Sehr kritische Äußerungen stammen von Abgeordneten des Repräsentantenhauses und von Senatoren. Sie spielen eine besondere Rolle bei unserer
Einstellung zur UNO. Der Kongreß kontrolliert die
Ausgaben, und die Gesetzgeber verspüren die
Verpflichtung, die Interessen der amerikanischen
Steuerzahler zu vertreten. Und diese Steuerzahler
müssen einen großen Teil des Haushalts der Vereinten Nationen finanzieren. Unsere Regierung steht
immer unter Druck zu beweisen, daß sie effektiven und
effizienten Gebrauch von öffentlichen Geldern macht.
Die Bürokratie unserer Regierung ist seit Jahren einem
strengen Regime von Haushaltskürzungen unterworfen. Aus Sicht vieler Abgeordneter des amerikanischen Kongresses muß die UN-Bürokratie ebenfalls
schlanker und effektiver werden. Und diese Effektivität

AMERIKA DIENST 13

wiederum bestimmt unsere Neigung, gemeinsam mit
der UNO oder getrennt von ihr zu arbeiten.
Welche Art von Reformen möchten die Vereinigten
Staaten in der UNO durchführen?
Erstens sehen wir die Notwendigkeit, doppelt
vorhandene Funktionen zu kombinieren und
zusammenzulegen - Funktionen, die im Lauf
der Jahre als Reaktion auf spezifische Bedürfnisse entstanden, jetzt aber effektiver erfüllt
werden könnten, wenn sie zusammengelegt
würden.
Zweitens. Anstatt jede globale Frage anzugehen, muß das Hauptaugenmerk auf die
Aktivitäten von hoher Priorität gelegt werden,
die die UNO am besten durchführen kann.
Drittens besteht die Tendenz, ein Wachstum
des UN-Haushalts ohne große Finanzdisziplin
zu gestatten. Der Haushalt der Vereinten
Nationen muß dieselbe Disziplin aufweisen
wie die Haushalte der nationalen Regierungen.
Wir bemühen uns um eine Verringerung der Verwaltungsausgaben - laufende Geschäftskosten,
Wartung der Zentrale und Ausgaben für Konferenzen.
Wir befürworten Kürzungen bei allen großen Organisationen der Vereinten Nationen im Umfang von fünf
Prozent.
Unseres Erachtens sollten die dezentralisierten UN-Organisationen denselben Reformprozeß durchlaufen wie die Zentrale in New York.
Entwicklungsprojekte in den Vereinten Nationen sollten
nicht politisiert werden. Ausgaben und Finanzhilfe der
UNO basieren auf Bedürftigkeit, und das sollte unserer
Meinung nach so bleiben. Gleichzeitig sollten wir
internationale Bestrebungen besser koordinieren. Die
großen Geberländer wie Deutschland und die Vereinigten Staaten, die UN-Organisationen sowie
internationale Finanzinstitutionen müssen Duplizität
vermeiden. Wir benötigen umfassende gemeinsame
anstatt separater Strategien.
Eine Reform der Vereinten Nationen wird auch die
Ausgaben für Hilfsprogramme zugunsten der Entwicklungsländer erhöhen. Wir versuchen nicht, Geld auf
Kosten von Entwicklungsprogrammen zu sparen:
Einsparungen bei den allgemeinen Unkosten sollten
für Hilfsleistungen verwendet werden. Generalsekretär
Annan machte den Vorschlag, die Verwaltungskosten
von 38 auf 25 Prozent zu kürzen und die Ersparnisse
in Hilfsprogramme fließen zu lassen. Die Vereinigten
Staaten begrüßen diesen Vorschlag.
Im Zusammenhang mit der Frage des UN-Haushalts
möchte ich das Thema der amerikanischen Außenstände bei der UNO ansprechen. Die Clinton-Administration nimmt diese Frage sehr ernst. Die Tilgung
unserer Schulden steht ganz oben auf der Liste
unserer außenpolitischen Prioritäten. Der Präsident

Seite 3

�erklärte in seinem Bericht zur Lage der Nation im
Januar: "Schließlich ist es höchste Zeit, unsere
Schulden bei den Vereinten Nationen zu begleichen."
Die Administration setzt sich für die Ideen des sogenannten "Helms-Biden"-Gesetzespakets ein benannt nach den Senatoren Jesse Helms und Joseph
Biden. Diese Gesetze befassen sich sowohl mit
Außenständen als auch mit Reformen. Sie waren Teil
eines Gesetzespakets, das sowohl vom Senat als
auch vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.
Aber - und das ist einfach die Funktionsweise der
amerikanischen Gesetzgebung - das Gesetzespaket
beinhaltet jedoch auch Bestimmungen zu ganz
anderen Fragen, die die Clinton-Administration nicht
unterstützen kann. Der Präsident hat erklärt, er werde
sein Veto gegen dieses Gesetz einlegen, falls es auch
vom Senat angenommen wird.
Vor diesem Hintergrund suchen wir nach einer Lösung
und werden sie auch finden. Wir haben jetzt einen
Punkt erreicht, an dem unsere Möglichkeiten zur
Durchführung von unseres Erachtens notwendigen
Reformen durch unsere Zahlungsversäumnisse
gefährdet werden.
Das beeinflußt die objektive
Einstellung der Menschen zu Reformen und veranlaßt
sie, unsere Beweggründe in Frage zu stellen.
Ein anderes Reformthema, das hier in Deutschland auf
besonders großes Interesse stößt, ist die Erweiterung
des UN-Sicherheitsrats. Die Vereinigten Staaten
unterstützen eine ständige Mitgliedschaft Japans und
Deutschlands im Sicherheitsrat und sind bereit, drei
zusätzliche Sitze für Entwicklungsländer aus Afrika,
Asien und Lateinamerika zu akzeptieren. Die Vereinigten Staaten sähen es gerne, wenn regionale
Gruppen entscheiden würden, ob der ihrer Region
zugewiesene Sitz auf Rotationsbasis besetzt oder
dauerhaft von einer einzigen Nation eingenommen
werden sollte. Der Sicherheitsrat sollte auf maximal 20
oder 21 Länder beschränkt werden, damit er weiterhin
effektiv arbeiten kann.
Was die Frage des Vetorechts betrifft, haben die
Vereinigten Staaten noch keine Haltung zum Vetorecht
für irgendein vorgeschlagenes neues ständiges
Mitglied bezogen. Unseres Erachtens sollte diese
Frage erst dann beantwortet werden, wenn eine
endgültige Entscheidung über die Erweiterung des
Sicherheitsrats getroffen ist. Wir sind entschieden
gegen Veränderungen des Vetorechts der jetzigen
ständigen Mitglieder.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die Vereinigten Staaten die Vereinten Nationen, einschließlich
ihrer dringend benötigten Reformen, entschieden
unterstützen. Eine Modernisierung des UN-Systems
wird die UNO stärker und effektiver machen.

Wie kann die transatlantische Gemeinschaft besser
zusammenarbeiten?
Die Gründungsprinzipien der Vereinten Nationen sind
das Produkt der besten und nobelsten Gedanken in
Europa und Amerika während der letzten beiden
Jahrhunderte. Aus diesem Grund sollte es uns zur
zweiten Natur werden, auch außerhalb des UNSystems instinktiv auf gemeinsame Aktionen zurückzugreifen, wenn die Demokratie gefährdet und die
Menschenrechte bedroht sind. Während unsere
Instinkte jedoch auf die gleichen Dinge negativ reagieren, haben wir manchmal unterschiedliche Ansichten
darüber, wie diese Herausforderungen am besten
bewältigt werden können.
Ich weiß, daß man sich auf dieser Seite des Atlantiks
Sorgen macht, einen Teil der Lasten zu übernehmen,
die derzeit überwiegend von den Vereinigten Staaten
getragen werden. Das Beispiel Bosnien wird immer
wieder als Beweis für zwei Dinge angeführt: Die
Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der amerikanischen Präsenz in Europa und die Notwendigkeit, daß
die Europäer schnell und entschlossen einen Konsens
bilden und Handlungsfähigkeit zeigen.
Bosnien ist nicht das einzige Beispiel: Bei der Krise in
Albanien im vergangenen Jahr wollten die Vereinigten
Staaten und Rußland die OSZE als allgemeinen
Rahmen nutzen. Ein hochrangiger europäischer
Staatsmann wurde als Leiter der OSZE-Bestrebungen
ausgewählt. Anstatt mit der Arbeit zu beginnen,
verbrachten wir einen Monat mit Debatten, ob die
Europäische Union einen OSZE-Rahmen akzeptieren
oder ob sie - ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten
und Rußlands - die Führungsrolle beanspruchen
würde.
Die Ereignisse werden der EU nicht immer die Zeit
geben, den perfekten Mechanismus für eine Konsensbildung zu entwickeln. Ich unterschätze nicht die
Schwierigkeiten der Konsensbildung innerhalb der
Europäischen Union oder in den größeren europäischen und internationalen Gemeinschaften. Aber
beim Umgang mit Krisen und Herausforderungen an
unsere Grundprinzipien muß unsere Aufmerksamkeit
auf Taten und Ergebnissen liegen, nicht auf Arbeitsweise, Prestige oder verpaßten wirtschaftlichen
Chancen.
Die derzeitige Situation im Kosovo stellt uns erneut auf
die Probe. Als Außenministerin Albright im März an
Zusammenkünften über den Kosovo teilnahm, sprach
sie sich dafür aus, Präsident Milosevic eine klare und
überzeugende Botschaft zu übermitteln. Wir verloren
wertvolle Zeit, indem wir im Zweifelsfall zu seinen
Gunsten entschieden. Jetzt versuchen wir das
Versäumte aufzuholen - in einer sich schnell verschlechternden Situation.
Die Bedrohung durch den Irak steht weiterhin auf
unserer gemeinsamen internationalen Agenda. Wir

Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�sollten uns bessere Möglichkeiten für die Bewältigung
der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen in
den Händen verbrecherischer Staaten überlegen,
anstatt über theoretische Herausforderungen an die
praktischen Interessen von Partnern und Freunden zu
argumentieren.
Herausforderungen von außerhalb der transatlantischen Gemeinschaft sind historisch gesehen am
schwierigsten zu meistern. Ich bin jedoch zuversichtlich, daß wir bessere Wege zur Überbrückung der Kluft
finden, die sich manchmal ergibt, wenn wir uns zwar

*

AMERIKA DIENST 13

*

über die Natur des Problems einig sind, aber unterschiedliche Meinungen über die Vorgehensweise bei
seiner Lösung haben.
Letzten Endes sind für uns konkrete Ergebnisse
wichtig und nicht einfach nur die Beteiligung an einem
"ermutigenden" Prozeß der Erörterung möglicher
Ergebnisse. Die Probleme lösen sich nicht von alleine.
Und sie warten auch nicht unsere Beratungen ab. Wir
können sie gemeinsam oder alleine lösen, aber
niemals durch Untätigkeit.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 5

�WEITERVERBREITUNG

I.Juli 1998

USA bedauern Verhängung von Sanktionen
gegen Indien und Pakistan
Rede von Karl Inderfurth

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Abteilungsleiter für südasiatische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Karl Inderfurth, am 18. Juni 1998 vor dem Unterausschuß für Nahostund Südasienfragen des Repräsentantenhauses gehalten hat.

Herr Vorsitzender, ich habe zum letzten Mal vor acht
Monaten, am 22. Oktober 1997, vor diesem Unterausschuß eine Rede gehalten. Damals konzentrierten wir
uns auf die Ausweitung und Verstärkung unseres
Engagements in der südasiatischen Region unter
besonderer Betonung unserer Zusammenarbeit mit
Indien und Pakistan auf den Gebieten Handel und
Investitionen, Wissenschaft und Technologie sowie
Umwelt und Gesundheit. Seit damals hat sich die
Situation in Südasien dramatisch verändert - und zwar
zum Schlechteren. Am 11. Mai nahmen die Ereignisse
in dieser Region eine gefährliche Wende, als Indien
mehrere Atomversuche durchführte, die entsprechende Tests in Pakistan und die Verhängung weitreichender Sanktionen gegen beide Länder durch die Vereinigten Staaten nach sich zogen. Die internationale
Staatengemeinschaft schloß sich den Vereinigten
Staaten bei der Verurteilung dieser Aktionen an, die
eine ernsthafte Gefährdung des globalen Nichtverbreitungsregimes darstellen, die Besorgnis über die
Stabilität in der Region verstärken und das Gefahrenpotential von Spannungen zwischen Indien und
Pakistan beträchtlich erhöhen.
Die Verhängung von Sanktionen
In den sechs Wochen seit den indischen Atomtests
haben wir die benötigten Informationen gesammelt, die
erforderlichen Mechanismen in Gang gesetzt und die
notwendigen Entscheidungen getroffen, um ein
Sanktionsregime gegen Indien und Pakistan gleichermaßen zu verhängen. Wir haben uns bemüht sicherzustellen, daß die Durchsetzung der Sanktionen im
Rahmen des Glenn-Zusatzartikels und anderer
gesetzlicher Bestimmungen entschlossen und korrekt

AMERIKA DIENST 13

erfolgt, daß die Sanktionen von den Regierungen, die
diese Schritte unternommen haben, ihren Preis fordern
aber nicht die Bestrebungen unterhöhlen, grundlegende humanitäre Bedürfnisse zu decken und den
amerikanischen Geschäftsinteressen keinen größeren
Schaden zufügen. Damit senden wir eine überzeugende Botschaft an jeden anderen Staat, der den Besitz
von Nuklearwaffen anstrebt.
Gleichzeitig möchten wir betonen, daß der Zweck
dieser Sanktionen darin besteht, das Verhalten Indiens
und Pakistans zu beeinflussen und nicht, sie um der
Strafe willen zu bestrafen. Wir möchten keines der
beiden Länder isolieren, sondern sie vielmehr zu
Schritten ermutigen, ihr entschlossenes Engagement
für globale Nichtverbreitungsnormen unter Beweis zu
stellen und ihre Beziehungen zueinander zu verbessern.
Der Stellvertretende Außenminister Talbott leitet
derzeit ein Treffen im Außenministerium, bei dem die
wichtigsten Richtlinien für unser Regime zur Durchsetzung von Sanktionen offiziell bekanntgegeben werden.
Der Kern dieser Ankündigung findet sich in einer
Übersicht über die Sanktionsbestrebungen, die ich
Ihnen gerne zur Verfügung stelle. Ich bitte darum, sie
auch ins Protokoll aufzunehmen. Darüber hinaus
erarbeiten die betreffenden amerikanischen Behörden
und Ministerien, einschließlich
des
Finanz-,
Wirtschafts- und Verteidigungsministeriums - um nur
einige zu nennen - detaillierte Aufstellungen über die
technischen Aspekte der Sanktionen. Wir werden
Ihnen diese Papiere zukommen lassen, sobald sie
verfügbar sind. Innerhalb des Außenministeriums
werden unser Staatssekretär für wirtschaftliche,

Seite 1

�unternehmerische und landwirtschaftliche Angelegenheiten, Stuart Eizenstat, und der amtierende Staatssekretär für Rüstungskontrolle und internationale
Sicherheitsangelegenheiten, John Holum, weiterhin die
Führungsrolle im Hinblick auf die Wirtschafts- und
nationalen Sicherheitsaspekte unserer Sanktionspolitik
übernehmen.
Nebenbei gesagt, Herr Vorsitzender, war ein Ergebnis
unserer Verhandlungen über die Durchsetzung von
Sanktionen die klare Erkenntnis, daß diese obligatorischen Sanktionen vorwiegend als Abschreckung
dienen sollen; wir hatten gehofft, daß sie nicht durchgesetzt werden müssen. Wir mußten auf unserem
Weg eine Vielzahl von Problemen behandeln und
Entscheidungen darüber treffen, wie die Sanktionen
bei verschiedenen Programmen und Aktivitäten
Anwendung finden, und werden mit der Tatsache
konfrontiert, daß die Sanktionen unbeabsichtigte,
negative Konsequenzen haben können und es keine
Beendigungsklausel gibt. Obwohl wir erst noch sehen
müssen, welche konkreten Schritte Indien oder
Pakistan unternehmen, die uns Fortschritte gestatten,
möchte ich darauf hinweisen, daß wir beträchtlich in
unserer Fähigkeit eingeschränkt sind, auf zukünftigen
Fortschritt oder positive Schritte dieser Länder zu
reagieren. Wir verfügen auch über wenig Flexibilität
zur Abwandlung der Anwendung von Sanktionen für
den Fall, daß ihre Durchsetzung unbeabsichtigte,
negative Folgen hat. Wir sind uns bereits bewußt, daß
die Sanktionen die Einstellung der Kredite für den
Verkauf von Agrarprodukten beinhalten, was zweifelsohne den humanitären Bestimmungen des Gesetzes
widerspricht.
Jüngste Entwicklungen in der Region
Unmittelbar nach den von Indien und Pakistan durchgeführten Tests machten wir uns ziemliche Sorgen
über die gespannte Atmosphäre in der Region sowie
über provokative Äußerungen und Aktionen von
Regierungsmitgliedern beider Länder, die anscheinend
nur darauf angelegt waren, das Feuer zu schüren. In
einem solchen Umfeld besteht ein besonders hohes
Risiko von Fehlkalkulationen oder dem Bestreben,
dem anderen immer um eine Nasenlänge voraus zu
sein - mit möglicherweise verheerenden Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund drängten die Vereinigten
Staaten - mit dem Präsidenten und der Außenministerin an der Spitze - bei beiden Regierungen und in der
internationalen Staatengemeinschaft auf eine Entschärfung der Spannungen.
In den letzten Tagen haben wir eine Mäßigung der
Rhetorik von Seiten Islamabads und Neu-Delhis
beobachtet und aus beiden Hauptstädten die Aufforderung zur Wiederaufnahme des direkten Dialogs
vernommen. Beide Länder haben ein Moratorium für
weitere Atomtestversuche angekündigt und im Hinblick
auf weitere Entwicklungen ihrer Nuklear- und Raketen-

Seite 2

Programme einen vorsichtigeren Weg eingeschlagen.
Indien hat positive Erklärungen über seine Bereitschaft
abgegeben, an Verhandlungen über einen Vertrag
über das Verbot der Produktion von spaltbarem
Material teilzunehmen. Wir hoffen, daß Pakistan
diesem Beispiel folgt. Obwohl wir uns bewußt sind,
daß die Wiederaufnahme direkter Kontakte auf hoher
Ebene mehr Zeit beanspruchen könnte als wir möchten, ist es unseres Erachtens äußerst wichtig, daß
beide Seiten ihre öffentlichen Erklärungen in einem
verantwortungsbewußteren Ton halten, und darauf
drängen wir.
Der amerikanische Ansatz
Neben unseren fortgesetzten Bestrebungen zur
Bewältigung der Krise, Verhinderung weiterer Tests
und Ermutigung der Einstellung provokativer Erklärungen und Aktionen unternehmen wir auch
konzertierte Anstrengungen, den Rahmen für die
Beendigung des nuklearen und Rüstungswettlaufs in
der Region zu schaffen und die tieferliegenden
Ursachen der Spannungen zwischen den beiden
Widersachern anzusprechen. Wir arbeiten hierbei
aktiv mit der internationalen Staatengemeinschaft
zusammen, denn es ist entscheidend, eine Vielzahl
von Regierungen, Institutionen und Organisationen
einzubeziehen. Es haben bereits zwei wichtige
internationale Zusammenkünfte unter Teilnahme der
US-Außenministerin stattgefunden, denen ich beiwohnte - eine mit den fünf Ständigen Sicherheitsratsmitgliedern in Genf, die andere mit den Außenministern
der G 8 in London. Auf beiden Treffen wurden wesentliche Fortschritte bei der Erarbeitung eines gemeinsamen Ansatzes gemacht, wie die Krise eingedämmt,
weitere Tests und ein Rückfall in einen Rüstungswettlauf verhindert und - was noch grundlegender ist - wie
die Spannungen zwischen den beiden Parteien
beseitigt und sie wieder zur Einhaltung von Nichtverbreitungsnormen veranlaßt werden können. Zusätzlich
verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine scharf
formulierte Resolution, die das Kommunique der P 5
unterstützt und im Einklang mit dem Ansatz der P 5
und der G 8 steht. Ich stelle dem Ausschuß Kopien
der Kommuniques beider Treffen zur Verfügung und
bitte um Ihre Erlaubnis, sie in das Protokoll dieses
Treffens aufzunehmen.
Der vor uns liegende Weg
Wie ich bereits andeutete, Herr Vorsitzender, können
wir nicht einfach Sanktionen verhängen, uns dann
zurückziehen und Indien und Pakistan signalisieren,
daß wir nur auf ihre Bestrafung aus sind. Wir müssen
engagiert bleiben, und obwohl Sanktionen ihren Preis
haben, müssen wir mit beiden Regierungen einen Weg
für die Zukunft ausarbeiten. Diese Zukunft wird im
Idealfall konkrete Maßnahmen beider Regierungen
umfassen, die deren entschiedenes Engagement für
Zurückhaltung bei Nuklearwaffen und Raketen sowie

AMERIKA DIENST 13

�für die Verringerung regionaler Spannungen unter
Beweis stellen. Diese Maßnahmen sollten folgendes
beinhalten: Die bedingungslose Unterzeichnung und
Ratifizierung des CTB-Vertrags, den Verzicht auf
Raketentests, die Zustimmung, keine Raketensysteme
mit Waffen zu bestücken oder zu dislozieren, die
Einstellung der Produktion von spaltbarem Material,
die konstruktive Beteiligung an Verhandlungen über
einen Vertrag zur Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material, das Festschreiben bestehender
Zusagen, keine nukleare oder ballistische Raketentechnologie oder Fachkenntnis zu exportieren oder
weiterzugeben sowie - im Interesse von Stabilität und
Wohlstand in der Region - die Wiederaufnahme des
direkten Dialogs zur Beseitigung der Wurzeln der
Spannungen, einschließlich Kaschmir.
Die Vereinigten Staaten haben großes Interesse an
einer Fortsetzung der Kommunikation mit Indien und
Pakistan. Der Stellvertretende Außenminister Talbott
traf letzte Woche im Außenministerium mit Jaswant
Singh, dem Stellvertretenden Vorsitzenden der
indischen Planungskommission und einem engen
Berater und Vertrauten des indischen Ministerpräsidenten Vajpayee zusammen. Das Treffen wurde
vom US-Außenministerium als "konstruktiv" und "eine
breite Palette von Themen von beidseitigem Interesse
umfassend" beschrieben. Mit anderen Worten: Nach
sechswöchiger Pause führen die Vereinigten Staaten
und Indien wieder Gespräche auf hoher Ebene über
unser weiteres Vorgehen. Derzeit bemühen wir uns,
ähnliche Zusammenkünfte mit einem hochrangigen
pakistanischen Gesandten zu arrangieren.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten müssen
sich auch entschlossen dafür einsetzen, daß sich die
Staatengemeinschaft konzentriert und produktiv mit
diesen Fragen befaßt. Die P 5- und G 8-Treffen waren
kein einmaliges Unternehmen, und wir werden weiterhin mit diesen Institutionen arbeiten und andere
Nationen und Organisationen zur Mitarbeit ermutigen.
Beispielsweise ist es wichtig, mit Ländern zusammenzuarbeiten, die Nuklearwaffenfähigkeiten besaßen,
jedoch darauf verzichteten - wie Argentinien, Brasilien,
die Ukraine und Südafrika. Diese Länder wurden
zusammen mit China und den Philippinen zu einem
Mittagessen beim G 8-Gipfel in London eingeladen.
Ferner beabsichtigen wir eine enge Zusammenarbeit
mit Deutschland und Japan - zwei Ländern, deren
ständige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat wir aktiv
unterstützen und die ihren Status als Weltmacht nicht
durch Atomwaffenversuche erlangten. Wir werden uns
weiterhin auf regionale und Sicherheitsorganisationen
wie die NATO, ASEAN, OAU und die NAM konzentrieren, um nur einige zu nennen. Und wir werden
nach wie vor die Vielzahl unserer bilateralen Austauschprogramme nutzen, wie wir es beim Besuch des
französischen Premierministers in Washington getan
haben und mit Präsident Clintons geplanter Chinareise
fortsetzen.

AMERIKA DIENST 13

Diese Art des Engagements ist nötig, um unsere
fortgesetzte internationale Entschlossenheit zu
demonstrieren, Indien und Pakistan Beispiele für den
Lohn alternativer Vorgehensweise zu geben und die
Kontinuität der an beide Länder gesendeten Botschaften sicherzustellen. Beispielsweise haben wir
uns die bislang abgehaltenen Treffen zunutze gemacht, um in den internationalen Finanzinstitutionen
einen Konsens über das Verhalten gegenüber Indien
und Pakistan zu bilden, der mit unserem eigenen
Ansatz im Rahmen des Sanktionsregimes in Einklang
steht. Die G 8 wird sich weiterhin kollektiv für die
Aufschiebung der Kreditvergabe an beide Länder
einsetzen - mit Ausnahme der zur Deckung humanitärer Bedürfnisse erforderlichen. Allein im Fall Indiens
wurden bislang Darlehen im Wert von mehr als einer
Milliarde Dollar eingefroren, was Auswirkungen auf die
indische Volkswirtschaft hat und das Vertrauen der
Investoren schmälert. Ich muß hinzufügen, daß das
eigentlich nicht das Ziel unserer Interaktion mit Indien
war, die ich am Anfang meiner heutigen Ausführungen
angesprochen habe. Wir hatten auf den Aufbau
starker Wirtschaftsbeziehungen zu Indien und Pakistan
gleichermaßen auf der Grundlage wachsenden
Handelsvolumens und der Bedürfnisse dieser Länder
in den Bereichen Infrastruktur und Investitionen
gehofft. Diesen Hoffnungen wurde ein schwerer
Schlag versetzt.
Herr Vorsitzender, wir müssen in absehbarer Zukunft
unsere Sanktionspolitik entschlossen fortsetzen.
Gleichzeitig müssen wir bereit sein, Indien und Pakistan beim Abbau der Spannungen zu helfen, falls sie
dazu bereit sind. Die Vereinigten Staaten und unsere
Partner in der P 5 und der G 8 haben zugesagt,
unserer Verpflichtung zur Verhinderung destabilisierender Transfers von Waffen und sicherheitsempfindlichen Technologien nach Südasien nachzukommen.
Wir sind bereit, unser Fachwissen und unsere Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, um Indien und Pakistan bei der Überwachung militärischer Aktivitäten und
der Vermeidung von Fehlkalkulation zu helfen - und
vor allem, um beide Länder bei der Beilegung ihrer
Differenzen zu unterstützen. Wir sehen dem im Juli in
Colombo anberaumten Treffen der südasiatischen
Vereinigung für regionale Zusammenarbeit erwartungsvoll entgegen, das den Ministerpräsidenten
Vajpayee und Sharif die Gelegenheit zu persönlichen
Gesprächen unter vier Augen geben könnte. Wir
fordern die beiden Ministerpräsidenten auf, diese
Gelegenheit zu nutzen, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen oder andere Übereinkünfte
anzustreben. Zum Abschluß möchte ich noch einen
wesentlichen Punkt anbringen: Obwohl wir die von
Indien und Pakistan angeführten Erklärungen für den
Besitz von Nuklearwaffen und die Atomtests nicht
akzeptieren und der Überzeugung sind, daß die
Versuche die Sicherheit dieser Länder untergraben,
müssen wir weiterhin anerkennen, daß Indien und
Pakistan als souveräne Staaten legitime Sicherheits-

Seite 3

�belange und -interessen haben und dies bei unserem
weiteren Vorgehen berücksichtigen. Für uns stehen

so viele nationale Interessen auf dem Spiel, daß wir
uns zu diesen Bedingungen engagieren müssen.
Vielen Dank.

* * * * *

»

Seite 4

AMERIKA DIENST 13

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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Elektronischer Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Daley kritisiert Vorschlag der EU zu elektronischem Handel &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Wirtschaftsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Luftbrücke&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;50 Jahre deutsch-amerikansiche Partnerschaft &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter John C. Kornblum&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Währung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der 50. Geburtstag der D-Mark &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Kornblum &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Humanitäre Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und Wirklichkeit &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter John C. Kornblum&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsam wenn möglich, allein wenn nötig: Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Gesandten Michael C. Polt&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Weiterverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Verhängung von Sanktionen gegen Indien und Pakistan &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Karl Inderfurth&lt;/em&gt;</text>
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