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10. Januar

1973

Inhalt
INFORMATION:
93. US-Kongreß vor arbeitsreicher Sitzungsperiode
-Vielzahl außen-und innenpolitischer ProblemeVon Edgar H. de Lesseps
U. Alexis Johnson wird amerikanische SALT-Delegation leiten

DOKUMENTATION:
Verteidigungsminister Laird legt Abschlußbericht vor
-Auszüge aus dem Europa-und NATO-Teil-

WIRTSCHAFT:
EWG-Erweiterung wirft Kompensationsprobleme für US-Farmer auf
Von John Holway
US-Personaleinkommen nähert sich der Billionen-Dollargrenze

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
,i

]

Internationale Datenbank für die Krebsforschung
-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit
von SpezialistenAllergie gegen bestimmte Nahrungsmittel
Schwermetalle als Umweltgift
Fischbestände im Nordostpazifik

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1973

93. US-KONGRESS VOR ARBEITSREICHER SITZUNGSPERIODE
-Vielzahl außen-und innenpolitischer Probleme-

Von Edgar H. de Lesseps

WASHINGTON --(AD)-- Der jetzt wieder zusammengetretene amerikanische Kongreß - der 93. seit Gründung der USA - steht vor arbeitsreichen Wochen
und hitzigen Debatten über eine Vielzahl außen-und innenpolitischer Fragen;
dabei dürften der Krieg in Vietnam sowie die Regierungsausgaben eine zentrale Rolle spielen. Ferner stehen für eine baldige Erörterung die Frage der
Steuerreform, die Verlängerung der Lohn-und Preiskontrollen, das Problem
der Handelspolitik und der Energieversorgung sowie das Auslandshilfeprogramm an.
Präsident Nixon wird seine spezifischen Vorschläge und Empfehlungen
in der jährlichen Haushaltsbotschaft unterbreiten, die dem Kongreß Ende Januar zugeleitet wird; einige Punkte dürften auch schon in seiner Ansprache
anläßlich der zweiten Amtseinführung am 20. Januar angesprochen werden.
Wie während der ersten Amtszeit Nixons wird der Kongreß auch jetzt
wieder von den Demokraten kontrolliert. Der Fraktionsvorsitzende der demokratischen Partei im Senat, Mike Mansfield aus dem Staate Montana, hat als

-1-

�r

als "größtes nationales Anliegen" die Beendigung des Krieges in Vietnam
genannt. Es sei Aufgabe des amerikanischen Kongresses, so erklärte er, sich
dafür einzusetzen,daß ein völliges Desengagement der USA zustandekomme. Er
unterbreitete zwar keine spezifischen Vorschläge zu diesem Ziel, aber die
Vertreter der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus haben sich dafür
ausgesprochen, notfalls die Mittel zur Führung des Krieges zu sperren. Demgegenüber hat das Weiße Haus den Kongreß dringend vor Maßnahmen gewarnt, die
die vertraulichen Vietnamverhandlungen in Paris beeinträchtigen könnten.
Ein weiteres Problem, das aber auch in diesen Fragenkreis hineinreicht,
ist die Machtverteilung zwischen Regierung und Kongreß. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Carl Albert aus dem Staate Oklahomo, hat zu Beginn der
neuen Sitzungsperiode versichert, daß er stärker denn je dafür eintreten werde, daß - wie er sagte - die Respektierung des K0ngresses als gleichberechtigter Partner in der Regierung wiederhergestellt werde.
Seit vierzig Jahren beklagen sich die Mitglieder des amerikanischen Kon-n
gresses über den ihrer Ansiebt nach eingetretenen Verlust an Machtbefugnissen
gegenüber der Exekutive. Eine Reihe von diplomatischen Beobachtern in der amerikanischen Hauptstadt rechnet daher damit, daß dieses Problem während der
jetzigen Sitzungsperiode immer wieder angesprochen werden wird, insbesondere im
Zuge der Vietnamdebatte sowie der Beratungen über die Ausgabenpolitik der
Regierung.
Diese letztere Frage wird zweifellos zutage treten, wenn der Kongreß über
eine neue Gesetzesvorlage für Gesundheit, Erziehung und Soziales für das am
30. Juni ablaufende Finanzjahr 1973 berät, gegen die Präsident Nixon zweimal
sein Veto einlegte, weil er sie für zu weitgehend hält. Die Administration hat
die feste Absicht, sich an die selbstauferlegte Ausgabengrenze von 2.50 Milliarden Dollar für das laufende Finanzjahr zu halten. Der Kongreß hatte 1972 diesen Vorschlag abgelehnt, der den Präsidenten ermächtigt hätte, Kürzungen nach
seinem Ermessen vorzunehmen. Der Kongreß ging dabei von dem Gedanken aus, daß

-2-

�r

daß dadurch sein verfassungsmäßiges Recht der Ausgabenkontrolle beschnitten
würde. Die Führung der Demokraten im Kongreß erwägt nun, ein eigenes Gesetzgebungsprogramm auf die Beine zu stellen, um dadurch dem Programm Nixons entgegenwirken zu können.
Weiter kann mit einiger Sicherheit erwartet werden, daß der beständige
Kampf um die Auslandshilfeprogramme der USA wieder auflebt. Während der vergangenen Sitzungsperiode mußte sich der Kongreß immer wieder mit kontroversen
außenpolitischen Gesetzeszusätzen befassen, über die der Senat und das Repräsentantenhaus keine Einigung erzielen konnten. Bereits 1969 hatte Präsident
Nixon eine Reform des gesamten Auslandshilfeprogrammes gefordert, worauf der
Kongreß jedoch bisher noch nicht reagiert hat. Im vergangenen Jahr konnte sie
der Kongreß nicht über die Bewilligung von Mitteln für das Finanzjahr 1973
einigen. Stattdessen wurde eine Interimsmaßnahme verabschiedet, durch die die
militärische und die wirtschaftliche Auslandshilfe der USA auf dem bisherigen
Stand finanziert wurden. Diese Mittel laufen am 28. Februar aus.
Für das Militärhilfeprogramm ist eine jährliche Bewilligung erforderlich, während sich dieser Zeitraum bei der Wirtschaftshilfe auf zwei Jahre er
streckt, der am 30. Juni abläuft. Der gegenwärtige Kongreß muß also Mittel
für die Militär-und die Wirtschaftshilfe in diesem Finanzjahr sowie für das
kommende Finanzjahr bewilligen. In Beobachterkreisen wird es für möglich gehalten, daß der Kongreß das Auslandshilfegesetz mit einem Zusatz für die Beendigung des Krieges in Vietnam koppelt.
Auch auf wirtschafts-und steuerpolitischem Gebiet stehen einige Probleme
an. Die Ermächtigung Nixons für Lohn-und Preiskontrollen, mit denen der In™
flation Einhalt geboten werden soll, läuft am 30. April aus. Die Forderung
der Regierung nach Verlängerung dieser Ermächtigung wird den Rahmen für eine
weitere frühzeitige Debatte in dieser Sitzungsperiode des Kongresses bilden.
Allgemein

-3-

�Allgemein wird mit einer Modifizierung der amerikanischen Steuergesetzgebung gerechnet. Die Regierung Nixon hat zwar keine spezifischen Empfehlungen unterbreitet, doch hat der Vorsitzende des einflußreichen Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, Wilbur D. Mills aus Arkansas, eine Gesetzgebung angekündigt, die Ungerechtigkeiten korrigieren soll, allerdings
ohne eine wesentliche Zunahme der Regierungseinkünfte oder eine umfassende
Steuersenkung.
Auf dem Gebiet der Handelspolitik erwägt die Regierung eine Gesetzgebung,
die den Präsidenten im Zuge von Handelsabkommen mit anderen Ländern zu Zollsenkungen ermächtigen würde. Dieser Vorschlag würde eine Modifizierung der bestehenden Anpassungsprogramme für importgeschädigte Industrien und Arbeitnehmer bedingen.
Auf dem Umweltsektor werden die Hauptanstrengungen der Regierung auf die
Energiequellen des Landes gerichtet sein. Man rechnet damit, daß die Administration die Schaffung einer neuen Bundesbehörde empfiehlt, die die energiepolitische Arbeit der gegenwärtigen 44 damit befaßten Bundesstellen koordinieren soll, sowie mit einer Beseitigung oder doch einem Abbau der Regierungskontrolle für die Naturgaspreise und einer Förderung der Erdöl-und Erdgasgewinnung vor den Küsten der USA.
Auch auf dem Erziehungs-und Gesundheitssektor kommt große Arbeit auf den
neuen Kongreß zu. Die meisten der vom Bund unterstützten Erziehungsgesetze
laufen 1973 aus, und nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden der Republikaner im Senat, Hugh Scott, beabsichtigt Präsident N-pcon die Vorlage eines
umfassenden Krankenversicherungsgesetzes in diesem Frühjahr.

Die

-4-

�Die Zusammensetzung des 93. Kongresses als Ergebnis der Wahlen im November ist die gleiche wie beim Amtsantritt Nixons: 57 Demokraten und 43 Republikaner im Senat; 243 Demokraten und 192 Republikaner im Repräsentantenhaus. Durch den Tod des Abgeordneten George W. Collins aus Illinois, der
am 8. Dezember gestorben ist, sowie durch den mutmaßlichen Tod der Abgeordneten Haie Boggs aus Louisiana und Nich Bagich aus Alaska, die seit dem 16.
Oktober während eines Fluges über Alaska verschollen sind, vermindert sich
die Zahl der Demokraten im Repräsentantenhaus, zumindestens vorübergehend,
auf 240 Abgeordnete.

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2/1973

U.ALEXIS JOHNSON WIRD AMERIKANISCHE SALT-DELEGATION LEITEN

WASHINGTON--(AD)-- Der bisherige Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, U. Alexis Johnson, ist von Präsident
Nixon als neuer Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT) vorgesehen worden. Er wird die Nachfolge von Botschafter
Gerard C. Smith antreten, der gleichzeitig auch von seinem Posten als
Direktor des Bundesamtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung zurückgetreten
ist, um ins Privatleben zurückzukehren.
Johnson, der den Status eines Sonderbotschafters erhalten wird, soll
nur die Leitung der amerikanischen SALT-Delegation übernehmen, da die zweite Phase der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen als so wichtig und
verantwortungsvoll angesehen wird, daß der Delegationschef der USA auch wegen seiner notwendigen längeren Auslandsaufenthalte kein zweites Amt daneben bekleiden soll. Ein neuer Direktor für die Abrüstungsbehörde soll in
Kürze nominiert werden.
U.Alexis Johnson ist als einziger Berufsbotschafter der ranghöchste
Beamte im Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten.
Am

-1-

�Am 17. Oktober 1908 in Falun im Staate Kansas geboren, studierte
Johnson am Occidental College mit dem Abschluß eines Bachelor of Arts und
dann ein Jahr an der Georgetown-Universität. Im Jahre 1935 trat er in den
auswärtigen Dienst der USA und bekleidete bis 1940 diplomatische Posten in
Tokio, Seoul und Tientsin in China. Beim Eintritt der Vereinigten Staaten
in den zweiten Weltkrieg wurde er 1941 in Mukden

in China interniert und

dann 1942 ausgetauscht. Seine weitere Verwendung fand er bei den amerikanischen Missionen in Rio de Janeiro und auf den Philippinen. Danach war er in
Japan bei der Militärregierung und als Generalkonsul und ab 1950 im Nordostasien-Referat im Außenministerium tätig. Er avancierte 1951 zum stellvertretenden Unterstaatssekretär in der Fernostabteilung und fungierte bei den
Friedensverhandlungen mit Japan in San Francisco als Berater der US-Delegation. 1953 zum Botschafter in Prag ernannt, nahm er 1954 an der Indochinakonferenz in Genf teil und führte dort 1955 Botschaftergespräche mit Rotchina. Johnson wurde 1958 zum Botschafter in Thailand und 1961 zum stellvertretenden Staatssekretär für politische Angelegenheiten berufen. Er ging
1964 als stellvertretender Botschafter nach Südvietnam und kehrte 1965 auf
seinen vorigen Posten zurück. Zuletzt war er von 1966 bis 1968 Botschafter
in Japan.
Johnson ist verheiratet und hat vier Kinder.

(Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von U.Alexis
Johnson zur Verfügung).

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2/1973

VERTEIDIGUNGSMINISTER LAIRD LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR
-Auszüge aus dem Europa- und NATO-Teil-

WASHINGTON --(AD)-- Der aus seinem Amt scheidende amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Lair,d hat dem Militärausschuß des US-Repräsentantenhauses am 8. Januar einen abschließenden Bericht über seine vierjährige Tätigkeit im Pentagon vorgelegt.
Im einzelnen stellt Laird - dessen designierter Nachfolger Elliott
Richardson ist - fest, daß die Vereinigten Staaten heute über eine realistische Abschreckungskraft auf allen Ebenen eines potentiellen Konfliktes verfügen. Trotzdem habe die zahlenmäßige Stärke der US-Streitkräfte
seit 1969 um rund 1,2 Millionen Mann abgebaut und hätten in dieser Zeit
fast eine halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam abgezogen werden können. Die Vereinigten Staaten brauchten nicht länger die Rolle eines
Polizisten zu übernehmen, sondern die befreundeten und verbündeten Länder
könnten solche Aufgaben in wachsendem Maße selber lösen. Südvietnam verfüge
heute über das Potential, sich selbst verteidigen zu können.Und die europäischen Länder könnten und sollten selbst mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken, zumal sie über die Hilfsquellen, Erfahrungen und das technische Wissen hierfür verfügten.
Laird

-1-

�Laird hebt weiter hervor, daß die Vereinigten Staaten in den vergangenen
vier Jahren ihre technologische Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion weiter gehalten hätten. Im Rahmen des vor zwei Jahren angelaufenen realistischen
Abschreckungsprogramms seien veraltete Waffen durch modernere und wirksamere
Ausrüstung ersetzt worden. Auch die Kommando struktur sei verbessert worden.
Das ungerechte Einberufungssystem solle beseitigt werden, und bei dem Übergang zu einer Freiwilligenarmee werde auch der Status der Nationalgarde und
der Reserveverbände verbessert.
In seinem Bericht befaßt sich Laird ferner eingehend mit der Situation
in Vietnam, wobei er es jedoch vermeidet, auf Punkte der Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Hanoi oder die künftige amerikanische Strategie
in Indochina einzugehen, da hierdurch die geheimen Verhandlungen in Paris gestört werden könnten. Gleichzeitig unterstreicht er die Erfolge des Vietnamisierungsprogramms Präsident Nixons. Dieses Programm sei der erste entscheidende
Schritt im Rahmen der Nixon-Doktrin gewesen, die zu einer völlig neuen Formulierung der amerikanischen Politik geführt habe. Diese Politik sei darauf abgestellt, den Freunden und Verbündeten der USA den Weg zur Selbsthilfe zu weisen, die grundlegenden amerikanischen Verpflichtungen einzuhalten und bei allen internationalen Streitfragen eine Verhandlungslösung an Stelle von Konfrontation anzustreben.
Die wichtigsten, Europa und die NATO betreffenden Teile des Berichtes
haben folgenden Wortlaut:
In Europa ist der Rahmen,in dem wir die Nixon-Doktrin zu verwirklichen
suchen, wesentlich anders (als in anderen Teilen der Welt;. Unsere europäischen Verbündeten können und müssen mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken. Ihnen fehlen nicht die Hilfsquellen
dazu. Ihnen mangelt es nicht an Erfahrung und technischem Wissen. Sie müssen
lediglich die strategischen und politischen Realitäten erkennen, denen wir

-2-

�wir alle uns gegenübersehen, und den Willen haben, dementsprechend zu handeln.
Eine ausreichende nukleare Abschreckung wird auch weiterhin den Eckpfeiler der Struktur für die Sicherheit der Verbündeten bilden. Gleichzeitig
verleiht jedoch das Herannahen eines strategischen nuklearen Gleichgewichtes
zwischen den USA und der UdSSR der Notwendigkeit eines ausreichenden konventionellen Potentials vermehrtes Gewicht, um konventionellen Bedrohungen auf
den Ebenen begegnen zu können, auf denen sie auftreten könnten
Den Vereinigten Staaten wird weiterhin die Hauptverantwortung für die
Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung seitens der Verbündeten zufallen.
Und die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin einen beträchtlichen Beitrag zu der konventionellen Abschreckung durch die Verbündeten leisten, Aber
von den USA kann nicht erwartet werden, daß sie die volle Last der nuklearen
Verteidigung und gleichzeitig einen unangemessen hohen Teil der Lasten der
konventionellen Verteidigung tragen. Dies ist weder gerecht noch politisch
richtig. Und es ist nicht mit der Konzeption der Nixon-Doktrin von einer
neuen Partnerschaft zu vereinbaren.
In den vergangenen vier Jahren haben zahlreiche Mitglieder des Kongresses
die derzeitige Aufteilung der Verantwortung für die Verteidigung Europas zwischen den USA und den Verbündeten in Zweifel gezogen. Der Punkt,um den es dabei ging, war meines Erachtens nicht: "warum tun die USA so viel", sondern
vielmehr: "warum tun die Europäer nicht mehr für das, was in erster Linie ihre
eigene Verteidigung ist?".
Auf meinen Zusammenkünften mit meinen NATO^Kollegen zweimal im Jahre
habe ich immer wieder hierauf verwiesen, Sie haben mit Programmen zur Verbesserung der Streitkräfte im Rahmen der Euro»Gruppe geantwortet, die tatsächlich einen wesentlichen Schritt voran bedeuten. Aber mehr - viel mehr - muß
getan werden, wenn wir das volle Potential der von uns auf dem Gebiet der kon-

-3-

�konventionellen Verteidigung bereits unternommenen Investitionen zum Tragen
bringen wollen.
Es besteht natürlich bei einigen Kreisen - und zwar auf beiden Seiten
des Atlantiks - die Tendenz, in der neuen Ära der Verhandlungen einen

Grund

oder einen Vorwand zu sehen, die Verteidigungsanstrengungen zu verringern.
Es muß jedoch allen klar sein, daß die militärische Stärke des Westens dazu
beigetragen hat, diese neue Ära herbeizuführen und zwar dadurch, daß alle
Wege außer dem der Verhandlungen verschlossen wurden. Und es muß genauso klar
sein, daß die Positionen und Interessen des Westens in Verhandlungen nicht
ausreichend geschützt und gefördert werden können, sofern der Westen nicht den
Willen und die Fähigkeit zeigt, seine militärische Stärke aufrechtzuerhalten.
Als ich 1969 Verteidigungsminister wurde, war es klar, daß wir unsere
kollektive NATO-Strategie überprüfen müßten, um festzustellen, ob sie angesichts der neuen Gegebenheiten und Realitäten noch gültig war. Wir wußten,
daß es Schwächen und Ungleichgewichte in dem konventionellen Potential der
NATO, verglichen mit dem des Warschauer Paktes gab. Der Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa war vor 1969 aufgrund unseres erweiterten
Truppenengagements in Südostasien geringer veranschlagt worden. Es war ferner
wichtig, einige der Mißverständnisse zwischen den USA und ihren Verbündeten
zu beseitigen, die sich im Laufe der Jahre ergeben hatten, und gemeinsam
auf die Wiederherstellung des Zusammenhalts des großen Bündnisses hinzuarbeiten.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir innerhalb der NATO eine umfassende Studie der Verteidigungsprobleme des Bündnisses in den siebziger Jahren durchgeführt, in der wir die Gültigkeit unserer derzeitigen militärischen
Strategie bekräftigten und Übereinstimmung über die Art und Weise erzielten,
wie die NATO-Streitkräfte, ihre Bewaffnung, ihr Nachschub, die sie stützende
Infrastruktur wie auch die Möglichkeiten verbessert werden sollten, Konsultationen über ihren möglichen Einsatz in einer Krise zu führen.
Präsident

-4-

�Präsident Nixon hat nachdrücklich die amerikanischen Verpflichtungen
gegenüber der NATO bekräftigt. Er erklärte, daß die USA bei entsprechendem
Verhalten unserer Verbündeten ihre im europäischen Raum stationierten Streit«
kräfte weiter dort belassen und qualitativ verbessern würden. Wir haben dieses Versprechen gehalten.
Was die europäische Seite anbetrifft, so können wir alle mit Recht stolz
auf das Europäische Verstärkungsprogramm (EDIP) sein, das eine Verpflichtung
zu Modernisierungsprogrammen für die nationalen Streitkräfte, Zahlungen
für Flugzeugbunker für die taktischen Luftstreitkräfte der NATO in Europa
und ein Programm für gegenseitige Hilfe vorsieht.
Die Fortschritte bei der Bewaffnung der NATO waren langsam, wenn es
auch besonders bei Panzern, Panzerabwehr und Modernisierung der Marine voranging. Aber der Gesamtprozeß war, offen gesagt, aufgrund der nationalen Bestrebungen, eine Vielzahl ähnlicher Verteidigungsindustrien am Leben zu erhalten, unzulänglich und von Überschneidungen gekennzeichnet. Das Ergebnis ist
nicht nur wirtschaftliche Verschwendung, sondern es ist auch militärisch unerwünscht, denn es verhindert Normung und gegenseitige Einsetzbarkeit. Wir
haben versucht, dieser Entwicklung dadurch zu begegnen, daß wir eine stärkere
Zusammenarbeit und Rationalisierung zwischen den europäischen Ländern der
freien Welt förderten. Wir bieten anderen NATO-Ländern unsere neuesten Entwicklungen an und prüfen ihre Entwicklungen auf eine mögliche Aufnahme in
unsere Streitkräfte hin. Natürlich wird jedes dem Bündnis angehörende Land
im gemeinsamen Interesse etwas nachgeben müssen, wenn wir die beträchtlichen
Ersparnisse erzielen wollen, die eine echte Zusammenarbeit uns bringen kann.
Die Zusammenarbeit der Verbündeten auf dem Gebiet der Logistik läßt
ebenfalls manches zu wünschen übrig; wir hoffen jedoch, daß die Reihe von
Konferenzen internationaler Logistikexperten, die kürzlich begonnen hat,

-5-

�hat, neue Voraussetzungen auf diesem Gebiet schaffen wird. Auch dies ist
ein Gebiet, auf dem beträchtliche Einsparungen erwartet werden können, sobald
die Haltung der einzelnen Länder dies zuläßt.
Die Infrastruktur, das NATO-Programm für den Bau der notwendigen ortsgebundenen Einrichtungen für die NATO-Streitkräfte, bleibt weiterhin ein Gebiet, auf dem die gemeinsame Arbeit der NATO überragende Erfolge erzielt hat,
obwohl sie unter einer unzureichen Mittelzuteilung zu leiden hatte. Während
gegenwärtig das Infrastrukturprograrnm für den Bau von Bunkern für taktische
Flugzeuge der NATO von der Euro-Gruppe (INIT) gefördert wird, sieht sich
die NATO-Infrastruktur bei der Wiederherstellung und dem Umbau früherer
Anlagen wie auch beim Bau neuer Anlagen beträchtlichen Problemen gegenüber,
die durch die Erfordernisse der heutigen Verteidigung entstanden sind. Die
Minister haben vereinbart, das Infrastrukturprogramm für weitere fünf Jahre
fortzusetzen; die Vereinigten Staaten werden in Kürze innerhalb des Bündnisses Verhandlungen über den Umfang des Programms sowie den angemessenen
amerikanischen Beitrag zu diesem letzten Punkt führen. In den vergangenen
Jahren war die Unterstützung, die wir für unsere Streitkräfte aus dem NATOInfrastrukturprograrnm erhalten haben, gut.
Das Fernmeldenetz der NATO für politische Konsultationen sowie für
Befehlsübermittlung und Kontrolle ist im allgemeinen unzulänglich, sieht man
es im Hinblick auf mögliche Erfordernisse einer modernen Kriegsführung. In
den letzten eineinhalb Jahren hat die NATO einen Plan für ein verbessertes
NATO-Nachrichtenverbindungssystem (NICS) ausgearbeitet und vereinbart; sie
hat Mittel für die erste Phase des Programms verfügbar gemacht und den erforderlichen Apparat aufgebaut,um die Entwicklung des Systems zu leiten,Einige
Verbesserungen im Fernmeldenetz der NATO sind bereits offensichtlich, und
wenn das NICS-Programm weiter fortgeführt wird, rechnen wir mit ganz wesentlichen Verbesserungen.
Was

-6-

�Was das Krisenmanagement anbetrifft, so hat die NATO die Kapazität ihrer wichtigsten Einrichtungen im Brüsseler Hauptquartier beträchtlich verbessert, und sie entwickelt und erprobt gegenwärtig Verfahren für mögliche Krisen, damit die NATO-Länder im Falle eines Notstandes sofort umfassende Konsultationen führen und entsprechende Schritte unternehmen können. In den vergangenen vier Jahren haben unsere NATO-Verbündeten Einsatzbereitschaft und Ausbildungsstand ihrer Streitkräfte durch Teilnahme an und Zusammenarbeit bei alliierten Manövern erhöht. Von besonderer Bedeutung in jüngster Zeit waren das im
September 1972 durchgeführte große Manöver "Strong Express", an dem 64 000
Mann, 300 Schiffseinheiten und 700 Flugzeuge beteiligt waren, sowie die Teilnahme der Ständigen Seestreitmacht Atlantik (STANAVFORLANT) an einem alliierten Manöver im Mittelmeer im Mai 1972.
Was die Manöver anbetrifft, so sind jedoch größere Fortschritte vor allem
im maritimen Bereich möglich. Unsere Verbündeten verfügen über beträchtliche
Schiffsreserven, deren Kapazitäten noch nicht voll ausgenutzt werden, weil die
Schiffe einen großen Teil ihrer Zeit im Hafen liegen. Würden bestimmte Verbündete solche Schiffseinheiten vermehrt einsetzen, würden Ausbildungsstand, Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, mit den übrigen verbündeten Seestreitkräften zusammenzuarbeiten, wesentlich gestärkt werden. Dies könnte dann auch zur
Schaffung einer Ständigen Seestreitmacht Mittelmeer führen, die eine Ergänzung zu den in der Vergangenheit so erfolgreichen atlantischen Seestreitkräften bilden würde.
Was die Planung anbetrifft, so sind wir mit dem, was die Nukleare Planungsgruppe der NATO - ein Forum für eine offene Erörterung delikater nuklearer Probleme der NATO - erreicht hat, zufrieden. Ich bin weiterhin überzeugt,
daß die Förderung des Verständnisses unter den Verbündeten und die Planung
für die nukleare Verteidigung der NATO von großer Wichtigkeit sind.
Wenn

-7-

�Wenn wir in die Zukunft blicken, so werden wir die uns verfügbaren Hilfsquellen noch weit wirksamer nutzen müssen - gleichgültig, ob es sich dabei um
Menschenpotential, Technologie, politische Grundsätze oder Dislozierung handelt. Gerade das aber versuchen wir im Rahmen unserer Konzeption der Gesamtstreitkräfteplanung zu erreichen. Die NATO muß ebenfalls alle potentiellen
Aktiva für die Verteidigung in Rechnung stellen, darunter auch die zivilen
Hilfsquellen, und gewährleisten, daß ihr Einsatz voll koordiniert ist.
Wir brauchen zusätzliche gemeinsame Maßnahmen der Verbündeten auf Gebieten wie:
-- Organisation, Kommando und Kontrolle der NATO-Luftstreitkräfte im
Bereich Mitte;
-- bessere Nutzung des Mannschaftspotentials, der Aktiven wie der Reservisten;
-- Forschung und Entwicklung, um eine wirklich effektive Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Bewaffnung zu erreichen.
Wir haben in den letzten vier Jahren die Zusage des Präsidenten eingehalten, die amerikanischen Streitkräfte in Europa zu belassen und qualitativ
zu verbessern. In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren wird es jedoch
nahezu unmöglich sein, eine unverminderte amerikanische Truppenpräsenz in
Europa zu unterstützen, wenn einige unserer Partner die Schlagkraft ihrer eigenen Streitkräfte schwächen - sei es durch Budgetkürzungen, Verringerung ihrer Truppenstärken oder kürzere Dienstzeiten.
Auf der jüngsten Konferenz der NATO-Verteidigungsminister im Dezember
1972 in Brüssel gründete ich meine Hauptargumente auf die Lastenverteilung
sowie auf die Notwendigkeit, diese noch zu erweitern. Über meine Mahnungen
hinaus, daß die Verteidigungsausgaben real wachsen und daß die Mittel wirksamer zur Förderung unserer gemeinsamen Verteidigung eingesetzt werden müßten,
forderte ich die kontinuierliche Weiterführung des Europäischen Verstärkungs-

-8-

�Verstärkungsprogramms (EDIP), eine neue Form der Infrastruktur zur Unterstützung von Truppen, die außerhalb ihres eigenen Territoriums stationiert
sind, sowie einen verminderten Anteil der USA an den Kosten für das Infrastrukturprogramm der NATO. Ich bin mir im klaren darüber, daß es schwierig
sein wird, diese Empfehlungen zu verwirklichen; ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Zeit hierfür reif ist, und daß unsere Verbündeten voll und ganz
die Notwendigkeit einsehen, uns einige der Lasten abzunehmen.
Mit den bereits geschlossenen Abkommen, wie SALT und Berlin, mit den
laufenden Vorbesprechungen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und mit den in Kürze beginnenden ersten Gesprächen
über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) befinden
wir uns schon mitten in der Ära der Verhandlungen. Angesichts dieses Komplexes der Ost-West-Gespräche hört man nun schon viel über eine profunde und
dauerhafte Änderung der Grundhaltung und -einstellung der Sowjets gegenüber
dem Westen. Dies ist verfrüht. Entspannung ohne angemessene Verteidigung ist
eine Selbsttäuschung.
Ich bin mir vielmehr darüber im klaren, daß tiefgehende Differenzen und
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns bestehen bleiben. Diese Differenzen
können nicht einfach dem historischen Zufall oder Mißverständnissen zugeschrieben werden. Sie wurzeln vielmehr in verschiedenartigen Konzeptionen der
Rechte und Pflichten von Menschen und Regierungen sowie in verschiedenartigen
Methoden des Verhaltens zu anderen Nationen.
Wir können auch nicht andere Fakten ignorieren, die sich auf unsere
Hoffnungen auf erfolgreiche Verhandlungen mit dem Osten auswirken:
-- Wir können nicht die großen, gut ausgebildeten und sich ständig verbessernden Streitkräfte des Warschauer Paktes in Europa außer acht lassen;
-- wir können nicht die Augen verschließen vor der raschen und kontinuierlichen Ausweitung der sowjetischen Rüstung und ihrer qualitativen Verbesserung

-9-

�Verbesserung in den letzten Jahren}
-- wir können nicht die weltweite Expansion der sowjetischen Seestreitkräfte und ihrer Aktivität ignorieren;
-- wir können nicht; die wachsende militärische Präsenz der Sowjets sowie ihr Engagement in Gebieten übersehen, die an den NATO-Bereich angrenzen,
wie im Nahen Osten und im Indischen Ozean.
Es ist; einfach eine Tatsache, daß der militärische Aufbau der Sowjets,
auf konventionellem wie auf nuklearem Gebiet, weiter energisch vorangetrieben
wird.
Wenn wir uns nicht über diese strategische und politische Realität im
klaren sind und diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für unsere Verhandlungsbemühungen machen, gefährden wir die Chancen für die Erreichung eines Friedens,
während wir gleichzeitig unsere lebenswichtigen Interessen aufs Spiel setzen.
Dies soll nicht besagen, daß wir nicht darauf vorbereitet sein sollten,
das Eingehen vernünftiger Risiken für den Frieden zu erwägen. Im Gegenteil
sollten wir uns gemeinsam mit unseren Verbündeten darum bemühen, neue Beziehungen zur Sowjetunion und den Ländern Osteuropas anzubahnen - Beziehungen, die
auf beiderseitiger Zurückhaltung und beiderseitiger Anpassung der Interessen
basieren. Solche Beziehungen lassen sich aber nur auf der Grundlage eines
starken und geeinten Westens schaffen.
Es mag zutreffen, daß eine Ära der Verhandlungen in gewisser Weise größere
Anforderungen an uns stellt als eine Ära der Konfrontation; aber ich bin zuversichtlich, daß wir dieser Aufgabe genauso gewachsen sein werden.
Eine solche Aufgabe, vor der das Bündnis gegenwärtig steht, siimd die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR).
Bei MBFR handelt es sich um eine Initiative der NATO, die auf das Jahr 1968
zurückgeht und die ein stabileres militärisches Gleichgewicht auf einem

-10-

�einem niedrigeren Truppenstand erreichen und dadurch das Risiko eines Konflikts in Europa verringern soll. Nach mehreren Jahren von Vorbereitungen und
Versuchen seitens der Verbündeten, die Sowjetunion und andere osteuropäische
Länder in einen MBFR-Dialog hineinzuziehen, haben bestimmte osteuropäische
Länder, unter ihnen die Sowjetunion, jetzt ihre Bereitschaft zu erkennen gegeben, in vorbereitende MBFR-Gespräche einzutreten, die bald aufgenommen werden sollen. Es besteht Hoffnung, daß diese vorbereitenden Gespräche die Aufnahme von Verhandlungen im Herbst 1973 ermöglichen werden.
Die Aussichten auf Fortschritte bei den MBFR-Verhandlungen bedeuten für
das Bündnis Verschiedenes:
—

Unsere umfassende Untersuchung in bezug auf MBFR hat gezeigt, daß

es keinen schnellen und leichten Weg zum Erfolg gibt; daher müssen wir bei
der Verfolgung unserer Zielsetzungen an die MBFR-Verhandlungen mit Klugheit,
Zielstrebigkeit und Entschlossenheit herangehen.
-- Da jede Schwächung der kollektiven Verteidigungsanstrengungen unsere
Position am Verhandlungstisch beeinträchtigen würde, müssen wir vor allen
Bestrebungen auf der Hut sein, die Aussicht auf MBFR als Vorwand entweder für
einseitige Truppenreduzierungen der Verbündeten oder für ein Nachlassen bei
der Verbesserung der Streitkräfte zu benutzen.
-- Wir dürfen nicht etwaige MBFR-Ergebnisse als Anlaß für eine Kürzung
der Verteidigungsausgaben auf längere Sicht betrachten. MBFR wird nicht die
Notwendigkeit beseitigen, unser konventionelles Potential aufrechtzuerhalten
und zu verbessern; im Gegenteil, MBFR wird die Notwendigkeit erhöhen, unsere
Verteidigungshilfsquellen auf wirksamste Weise zu nutzen.
Insgesamt gesehen kann MBFR, sofern die Mitglieder des Bündnisses richtig an die Verhandlungen herangehen, die militärische Ergänzung zu den politischen Bemühungen des Bündnisses bilden, das Ausmaß der Konfrontation zwischen Ost und West abzubauen.
Einige

-11-

�t

Einige haben die Besorgnis geäußert, ob wir MBFR und andere Verhandlungen führen und gleichzeitig im Zuge dieser Verhandlungen den Zusammenhalt
des Bündnisses gewährleisten können. Aber wie groß auch die Aufgabe, vor die
MBFR uns stellt, sein mag, in vieler Hinsicht wird MBFR eine noch weit schwerere Bewährungsprobe für den Osten sein.
Welcher Ar; unsere Probleme hier im Westen auch sein mögen, das gegenseitige Vertrauen, das schon so lange unter uns besteht, wird für uns in den
kommenden Monaten bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern ein großer Pluspunkt sein. Dieses Vertrauen ist tief verwurzelt in gemeinsamen Idealen und
Bestrebungen und in einer Tradition vertrauensvoller Beziehungen zueinander.
Dies ist ein Gut, das alle von uns sorgfältig hüten müssen.
Das Bündnis war in der Vergangenheit eine mächtige Kraft für den Frieden und wird dies auch künftig sein. Ich scheide aus meinem Amt mit der Zuversicht, daß die NATO weiterhin diesem hohen Ziele dienen wird.

+++

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2/1973

EWG-ERWEITERUNG WIRFT KOMPENSATIONSPROBLEME FÜR US-FARMER AUF

Von John Holway

WASHINGTON — ( A D ) — Der jetzt vollzogene Beitritt Großbritanniens, Irlands
und Dänemarks zum Gemeinsamen Markt bedeutet für die amerikanischen Farmer
keineswegs eine gute Nachricht, denn der Absatz ihrer Erzeugnisse in diesen
Ländern wird durch die sogenannten "variabler} Abschöpfungsbeträge" der EWG,
die nahezu prohibitiven Charakter haben, künftig erschwert werden.
Aufgrund einer früheren bindenden Vereinbarung mit Großbritannien war
den amerikanischen Farmern zugesichert worden, daß ihr Weizen zollfrei dorthin eingeführt werden darf. Nachdem diese Vereinbarung nunmehr hinfällig
geworden ist, ergibt sich die Frage, wie der Gemeinsame Markt die amerikanischen Farmer für die ihnen entstehenden Exportverluste kompensieren will.
Diese Frage wird im Mittelpunkt der intensiven Verhandlungen stehen,die
im März in Genf aufgenommen werden sollen und die sich voraussichtlich bis
in den Sommer hinziehen werden. Und ihr Verlauf wird zweifellos beträchtlichen Einfluß auf den Gang der für September anberaumten weltweiten Handelsverhandlungen haben.
Die

-1-

�Die Vereinigten Staaten wie auch andere Weizenexportländer - zum Beispiel Kanada und Australien - werden im Rahmen der GATT-Bestimmungen Kompensationen fordern. Nach diesen Bestimmungen kann eine Zollunion, wie sie der
Gemeinsame Markt letztlich darstellt, errichtet werden; der neue konsolidierte Zolltarif darf jedoch das allgemeine Zollniveau der früheren Einzelstaaten nicht übersteigen. Und selbst wenn dieses allgemeine Erfordernis erfüllt
ist, haben Exporteure aus Drittländern Anspruch auf Kompensationen, sobald
Zölle im Gegensatz zu bestehenden Abkommen oder Vereinbarungen heraufgesetzt
werden.
Anstelle von Zöllen erhebt der Gemeinsame Markt bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen sogenannte variable Abschöpfungsbeträge. Die Höhe dieser Abschöpfungsbeträge ändert sich von Tag zu Tag, um Fluktuationen der Weltmarktpreise bei den einzelnen Agrarerzeugnissen auszugleichen, Wenn auch der Weltmarktpreis für Getreide im Augenblick recht hoch und die variable Abschöpfung
somit relativ niedrig ist, so kann der Abschöpfungsbetrag jedoch jederzeit
heraufgesetzt werden, sobald die Getreidepreise auf den Weltmärkten nachgeben.
Im Gegensatz zu Zöllen,die sich nicht ändern, können die Abschöpfungsbeträge
jederzeit erhöht werden, um Importe fernzuhalten. Und in der Vergangenheit
hatten die EWG-Abschöpfungsbeträge für Getreide zeitweise eine Höhe von bis
zu 70 Prozent des Warenwertes erreichtIn den meisten Fällen werden die Exportverluste nicht so groß wie gerade
bei Getreide sein. Ja, vielfach werden die britischen Industriezölle im Zuge
der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der EWG gesenkt werden. Doch trotzdem bleibt die Frage im Raum, wie die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die höheren Abschöpfungsbeträge bei Getreide kompensiert werden können.
Eine Möglichkeit wäre, daß der Gemeinsame Markt seine Abschöpfungsbetrage für Getreide senkt. Beispielsweise könnte sich die jetzt auf neun
Mitglieder erweiterte EWG bereit erklären, anstelle der bisherigen variablen

-2-

�variablen Abschöpfungsbeträge der früheren sechs EWG-Länder und des von
Großbritannien zugesagten Null-Tarifs die Abschöpfung auf 30 Prozent zu begrenzen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Exportverluste bei Getreide durch niedrigere Zölle bei anderen Agrarerzeugnissen zu kompensieren.
Sprecher des Gemeinsamen Marktes haben zu verstehen gegeben, daß die EWG
einen dritten Weg bevorzugen würde, nämlich die Verluste bei Agrarexporten
durch Zollvorteile auf dem Industriesektor auszugleichen. Von amerikanischer
Seite wurde jedoch bereits angedeutet, daß die USA einen solchen Vorschlag ablehnen würden, da damit den amerikanischen Farmern nicht geholfen sei. Alles
spricht also dafür, daß es in Genf zu harten Verhandlungen kommen wird.
Was geschieht aber nun, wenn diese Verhandlungen auf einem toten Punkt
stecken bleiben? Die Vereinigten Staaten und jede andere geschädigte Partei
könnten den Fall vor das GATT bringen und Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, indem sie entsprechende Konzessionen gegenüber dem Gemeinsamen Markt aufheben.
Das war zum Beispiel 1962 der Fall, als die Abschöpfungsbeträge bei Geflügel
zu einer starken Einschränkung der US-Exporte nach Deutschland führten. Mit
Zustimmung des GATT erhöhten die Vereinigten Staaten damals die Zölle für
Lastwagen und Kognak.
Das wäre jedoch nur ein letzter Ausweg, der letztlich den amerikanischen
Verbraucher träfe, ohne den geschädigten Exporteuren zu helfen. Nach amerikanischer Auffassung wäre es weit besser, wenn eine faire Kompensation der geschädigten Exporteure durch entsprechende Zollsenkungen seitens des Gemeinsamen
Marktes erreicht werden kann.

II III

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US-PERSONALEINKOMMEN NÄHERT SICH DER BILLIONEN-DOLLARGRENZE
WASHINGTON--(AD)-- Das amerikanische Personaleinkommen dürfte in Kürze
die Billionen-Dollargrenze überschreiten. Dies stellt der Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Dr. Harold C. Passer, in der diese Woche
erschienenen neuesten Ausgabe der vom Ministerium herausgegebenen Zeitschrift "Commerce Today" fest.
Wie Dr. Passer betont, hat das Personaleinkommen in den USA in den
vergangenen 12 Monaten eine durchschnittliche monatliche Zuwachsrate von
über 7,5 Milliarden Dollar zu verzeichnen gehabt. Bei Zugrundelegung
dieser Zuwachsrate werde das Personaleinkommen im kommenden März oder
April die Billionen-Dollargrenze überschreiten.
Dr. Passer verweist in der alle zwei Wochen herausgegebenen Zeitschrift
darauf, daß das amerikanische Bruttosozialprodukt bereits vor Jahren die
Billionen-Dollargrenze überschritten und im dritten Quartal 1972
-saisonbereinigt- eine Jahresrate von 1 164 Milliarden Dollar zu verzeichnen hatte. Aber nicht nur das Personaleinkommen, so betont der
Unterstaatssekretär, habe seit Ende des zweiten Weltkrieges einen enormen
Zuwachs aufzuweisen gehabt, sondern auch das verfügbare Einkommen - ver-

• 1 -

�- verbleibende Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben - habe
sich in der Nachkriegszeit - gemessen in Dollar von 1958 - mehr als verdoppelt.
Die Zeitschrift befaßt sich in ihrer neuesten Ausgabe ferner mit der
Errichtung der neuen Abteilung für Ost-Westhandel im US-Handelsministerium,
dessen Leitung Steven Lazarus übernommen hat, sowie den Aussichten für eine
Ausweitung des Handels zwischen den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Welt. Nach Auffassung von Lazarus, so betont das Blatt, dürfe man
von der Schaffung der neuen Abteilung nicht eine plötzliche Ausweitung des
amerikanischen Osthandels um viele Milliarden Dollar erwarten. Fortschritte
in dieser Richtung würden sich vielmehr nur ganz allmählich und in dem
Maße vollziehen, wie von amerikanischen Firmen auf individueller Basis neue
Handelsbeziehungen angebahnt würden.
In einem weiteren Beitrag befaßt sich die Zeitschrift mit einem von dem

amtierenden Direktor des Statistischen Bundesamtes der USA, Dr. Lawrence M.
Kushner, ausgearbeiteten Arbeitspapier über die Auswirkungen eines eventuellen Übergangs zum metrischen System. Damit allein,so stellt Dr. Kushner in
seiner Expertise klar, würden die Handelsprobleme der USA nicht gelöst. Nach
Ansicht von Dr. Kushner wäre ein vernünftiger Weg, einen geplanten Übergang
mit einer verstärkten Mitarbeit der USA bei der internationalen Typennormierung zu verbinden.

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INTERNATIONALE DATENBANK FÜR DIE KREBSFORSCHUNG

-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit von
Spezialisten
--(AD)-- Das Nationale Krebsforschungsinstitut (NCI), das den medizinischen
Bundesforschungsanstalten der USA in Bethesda (Maryland) angeschlossen
ist, bemüht sich um die Schaffung eines weltweiten Informationsnetzes, das
alle Erfahrungen und Resultate erfaßt, die für die Bekämpfung der Krebskrankheiten Bedeutung haben können. Dr. John H. Schneider, der am NCI für
wissenschaftliche und technische Informationen zuständig ist, erläuterte
den Plan zur Errichtung der "Internationalen Datenbank für Krebsforschung"
(1CRDB-International Cancer Research Data Bank) auf der Jahrestagung der
Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAS) Ende Dezember 1972 in Washington. Das Institut will fortlaufend Informationen aus den
USA und anderen Ländern sammeln und katalogisieren und spezifische Daten
bezw. Ergebnisse an interessierte Mediziner und Krebsforscher in aller
Welt weiterleiten.
Einen

�r

Einen derartigen Informationsdienst, der allgemein weiterhelfen könnte,
gibt es bisher nicht. Der Erfahrungs-und Informationsaustausch zwischen den
Institutionen der medizinischen Forschung und speziell der Krebsforschung
innerhalb und außerhalb der USA ist zwar gut eingespielt, reicht aber nach Ansicht Dr. Schneiders nicht aus, um aus den tatsächlichen Bemühungen um

eine

Lösung der zahlreichen Probleme einer wirksamen Krebsbekämpfung das Bestmögliche herauszuholen.
Der Plan zur Einrichtung einer solchen Datenbank ist nicht neu, sondern
bereits in dem amerikanischen Gesetz von 1971, das die rechtlichen Grundlagen
für eine intensivierte Erforschung und Behandlung von Krebskrankheiten in den
USA schuf, erwähnt. Den vorbereitenden Arbeiten von NCI-Vertretern im abgelaufenen Jahr,die auch bereits eine gewisse Übersicht über den in Frage kommenden Benutzerkreis der Datenbank brachten,soll Anfang 1973 die Auswahl des Unternehmens folgen, das auf vertraglicher Basis das Informationszentrum betreibt. Ausschlaggebend für die Erteilung des Auftrags werden Erfahrungen auf
dem Gebiet der Datenerfassung und Datenverarbeitung sein.
Daneben wird, wie Dr. Stephen Carter vom NCI erklärte, die direkte Zusammenarbeit der für die Krebsbekämpfung zuständigen amerikanischen Stellen mit
Institutionen anderer Länder - insbesondere in Europa und Asien sowie mit der
Sowjetunion -weiter verstärkt. So vergab kürzlich das NCI einen Forschungsauftrag an das Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) in Höhe von fast einer
halben Million Dollar. Bei den Untersuchungen wird es vor allem um die Entwicklung besserer Methoden zur Früherkennung von Krebs und um die Erforschung
von Möglichkeiten gehen, Leukämie auf dem Wege über eine Beeinflussung der
Entwicklung von Lymphozyten, die aus dem Knochenmark oder aus dem Thymus
stammen, wirksamer zu bekämpfen.
Mit

-2-

�Mit der Sowjetunion wurde vereinbart, daß Dr. James F. Holland, einer
der führenden amerikanischen Spezialisten in der chemotherapeutischen Krebsbekämpfung

und einer der Direktoren des Roswell Park Memorial Instituts in

Buffalo (New York), ein Jahr lang in Rußland arbeitet. Er hat dort Gelegen-,
heit, sich aus erster Hand über den Stand der Chemotherapie bei Krebs zu informieren und seine eigenen langjährigen Erfahrungen mit sowjetischen Kollegen

und Vertretern der Pharmazie zu erörtern. Gleichzeitig wird Dr. Holland

Seminare über pharmazeutische Forschung abhalten und an der Ausarbeitung von
Behandlungsprogrammen für Magen-Darm-Krebs sowie von Fachartikeln für wissenschaftliche Zeitschriften mitwirken. Er hält sich mit seiner Familie bereits
seit November 1972 in der Sowjetunion auf.

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ALLERGIE GEGEN BESTIMMTE NAHRUNGSMITTEL

--(AD)— Viele Eltern wissen nicht, daß die verschiedensten Symptome wie
Müdigkeit, Unlust, Bauch-oder Gliederschmerzen, auffallende Blässe, Augenringe, chronischer Husten, Niesen und verstopfte Nase bei ihren Kindern
Anzeichen für eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel sein können.
Vor allem Milch, Schokolade, Cola-Getränke, Weizen-und Maisprodukte sind
unter Umständen für solche Erscheinungen verantwortlich, wie Dr. William
Deamer, Professor der Kinderheilkunde an der Universität Kalifornien in
San Francisco, kürzlich berichtete. Natürlich müssen für jedes einzelne
der genannten Symptome auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Aber
nach Meinung Prof.Deamers machen sich zu wenig Ärzte und Eltern Gedanken
darüber, daß eine Nahrungsmittelallergie dahinter stecken könnte.
So wurden ihm z.B. kleine Patienten vorgestellt, bei denen wegen starker Blässe und Müdigkeit Verdacht auf Anämie, wegen Schmerzen in den Beinen
und auffälliger Müdigkeit Verdacht auf eine "rheumatische Erkrankung" bestand und wegen ständiger Kopfschmerzen sogar vermutet wurde, daß ein
Gehirntumor die Ursache sein könne. In allen solchen Fällen könne, so
Prof. Deamer, die Anamnese gar nicht sorgfältig genug durchgeführt werden.
Ist jedoch der Verdacht auf Nahrungsmittelallergie gegeben, so sollte man

-l-

�man drei Wochen lang das Kind auf eine Diät setzen, die bestimmte Nahrungskomponenten - insbesondere Milch, Schokoladen und Maisprodukte - ausschließt.
Denn Hauttests allein genügten nicht, um diese Frage zu klären. In mehr
als der Hälfte der Fälle führe das Weglassen von Milch, Milchprodukten und
Schokoladen (einschließlich der Cola-Erzeugnisse) schon nach kurzer Zeit
zu einem Verschwinden der Symptome.
Die verbreitete Annahme, daß sich eine Überempfindlichkeit des Säuglings gegen Milch, die beispielsweise mit dem Auftreten von Koliken oder
Durchfall zum Ausdruck kommt, mit der Zeit verliere, wenn man die Babynahrung vorübergehend entsprechend ändere, entspricht nach Dr. Deamers Erfahrung nicht den Tatsachen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit seien zwar in
den meisten Fällen nicht mehr die zuerst beobachteten Beschwerden zu registrieren, jedoch äußere sich die gegen bestimmte Nahrungsmittel nach wie
vor bestehende Allergie in anderen und teilweise irreführenden Symptomen,
z.B.chronischem Schnupfen oder Müdigkeit.

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SCHWERMETALLE ALS UMWELTGIFT

--(AD)— Quecksilber, Kadmium, Blei, Zink und Arsen gehören zu den gefürchteten Giftstoffen im Wasser. Für den Menschen wie für Tiere und Pflanzen
können sie selbst in sehr kleinen Mengen toxisch sein. Wie aber kommt es
zu dem Kreislauf von Metallen in der Biosphäre? Wie verbinden sie sich mit
anderen Metallen oder wie gehen sie in Formen über, die für den Menschen besonders schädlich sind? Sind diese Prozesse genau zu ermitteln und unter
Kontrolle zu bringen?
In einem Versuch, diese Art von Problemen besser zu verstehen, nahmen
Laboratorien des US-Handelsministeriums Studien in Angriff, mit denen charakteristische biologische und andere Prozesse geklärt werden sollen, durch
die Schwermetalle in Wasserläufen, Seen, Küstengewässern und in Grundwasser
mobilisiert und transportiert werden. Die bisherigen Erfahrungen vor allem
des "National Bureau of Standards" und das Interesse einer Reihe seiner Mitarbeiter an metallorganischen Verbindungen und an der biologischen Korrosion
von Materialien erleichtert das schwierige Unternehmen.

Es wird z.T. durch

die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz finanziert.

Man

-l-

�Man will in erster Linie herausfinden, auf welchen Wegen elementares
und anorganisches Quecksilber in metallorganische Verbindungen übergeführt
wird, in welchem Umfang dies geschieht und welche chemischen und biologischen Faktoren diese Prozesse unterstützen oder blockieren. Erst auf der Grundlage solcher Untersuchungen ist es möglich, Kontrollverfahren für metallische
Belastungsstoffe der Gewässer zu entwickeln. So ist beispielsweise die genaue
Ermittlung des Umfangs der Bildung von Methylquecksilber eine Basis dafür, um
Aussagen zu maximal zuverlässigen Konzentrationen und die Zeitspanne zu
machen, in der eine Gefährdung durch sie besteht. Andererseits dürfte die genaue Beobachtung der Bedingungen, die für das Ausmaß der Methylierung maßgebend sind, Hinweise auf praktische Möglichkeiten zur Verminderung der
Dauerkonzentrationen erbringen.
Das Einleiten von Quecksilber und anderer giftiger Metalle in freie Gewässer und Sickerräume kann zwar gestoppt werden und wird auch schon unterbunden. Jedoch werden diese Substanzen noch Jahre danach von Pflanzen aus
verseuchtem Boden und verseuchtem Wasser absorbiert. Häufig sind die Konzentrationen der Giftstoffe im Boden, insbesondere in Sedimenten, um ein Vielfaches größer als im Wasser. Die Metalle können immer wieder in lebenden
Pflanzen und in tierischem Gewebe angereichert werden und so Eingang in die
Nahrungskette und in die menschliche Ernährung finden.
Untersuchungen in verschiedenen Laboratorien haben gezeigt, daß Quecksilber und seine anorganischen Salze in Gewässersedimenten durch Mikroorganismen in Methylquecksilber, eine unbeständige Verbindung, und in andere reaktionsfähige Zwischenprodukte umgewandelt werden. Vieles deutet aber auch darauf hin, daß es daneben andere, nichtbiologische Wege der Bildung spezifischer metallorganischer Verbindungen gibt. In umfangreichen und systematischen Laboratoriums-und Feldversuchen wollen Dr.F.E.Brinckman und Dr.W.Iverson vom "National Bureau of Standards" und Prof.R.Colwell von der Universität

�&lt;

Universität Maryland diese Probleme unter Einsatz der modernsten Analysenmethoden angehen. Bisher gibt es keine Methode, um Schwermetalle in der
oberen 50-60 cm dicken Sedimentschicht, wo sie sich ansammeln, auf chemischem Wege zu neutralisieren.
Ein empfindliches, dabei leicht transportables Instrument zur Messung
von Quecksilberkonzentrationen in anorganischen und organischen Proben sowie
in Luft entwickelten Dr. Peter R. Buseck, Dr. Roland C. Hanson und John J.
McNerney von der Staatsuniversität Arizona in Tempe. Seine Arbeitsweise beruht
auf dem Prinzip, daß sich der elektrische Widerstand eines auf eine Chromlage
aufgedampften Goldfilmes mit der -sehr geringfügigen- Menge von absorbiertem
Quecksilberdampf verändert. Auf diese Weise ist Quecksilber bereits in Konzentrationen von 0,05 Nanogramm (Milliardstel Gramm) nachweisbar. Nach Meinung der drei Wissenschaftler wäre das Instrument nach entsprechender Modifizierung auch zum Nachweis anderer giftiger Gase - Z.B.Schwefelwasserstoff geeignet.

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FISCHBESTÄNDE IM NORDOSTPAZIFIK

--(AD)-- Das Überfischen wichtiger Speisefische im Pazifik soll verhindert werden. Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler, die unter
der Leitung von Dr. D.L.Alverson (Direktor der Abteilung Nordwest des
US-Bundesamtes für Hochseefischerei in Seattle, Washington) und Dr. A. S.
Bagdanow (Direktor des sowjetischen Instituts für Fischereiwesen und Meeresforschung in Moskau) Ende 1972 zehn Tage lang in Moskau konferierten,
haben dazu Empfehlungen an ihre Regierungen ausgearbeitet. Betroffen ist
vor allem der Fang von Krabben, Flundern, Kabeljau, Heringen, Barsch und
Seehecht im nordöstlichen Pazifik, insbesondere im Seegebiet vor Oregon,
Washington, Britisch-Kolumbien, Alaska und im Beringmeer. Anfang 1973
sollen Regierungsvertreter beider Länder in Moskau entsprechende Vereinbarungen über Schutzmaßnahmen treffen.

+444

�</text>
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Dokumentation

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17. Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen
-Einseitige Einstellung der Bombardierung
USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigkeit nicht aufgeben
Von Peter Karegeannes

HINTERGRUNDMATERIAL:
Drogenverbrecher in der Defensive
Von Ron Moxness

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn-und Preiskontrollen an
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-KongreßNixon fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut des Schreibens an den US^Kongreß«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung
-Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet
Strahlströme und Erdkrustenbewegur.g

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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3/1973

USA WOLLEN VIETNAM-KONFLIKT ZU ENDE BRINGEN
-Einseitige Einstellung der Bombardierung-

WASHINGTON --(AD)— Der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, betonte
am 16. Januar erneut, das Hauptziel der Vereinigten Staaten bestehe darin,
den Vietnam-Konflikt zu Ende zu bringen. Unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen mit der anderen Seite lehnte Ziegler es ab, zu Einzelheiten Stellung zu nehmen oder sich zeitlich festzulegen.
Der Sprecher bestätigte, daß der amerikanische Verhandlungsführer,
Dr. Henry Kissinger, nach Washington zurückgekehrt sei und bis Ende der Woche
in der amerikanischen Hauptstadt bleiben werde. Präsident Nixon habe nicht
die Absicht, sich vor seiner Amtsantrittsrede am Sonnabend zum VietnamProblem zu äußern.
Am 15. Januar hatte Fräsident Nixon die Einstellung aller Angriffe aus
der Luft oder von See her auf Nordvietnam angeordnet. Diese einseitige
Friedensgeste der Vereinigten Staaten trat am 15. Januar um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft und gilt für den gesamten Bereich Nordvietnams
nördlich des 17. Breitengrades. Wie aus der Bekanntgabe des Weißen Hauses
hervorging, schließt der Befehl des Präsidenten auch eine weitere Verminung

-1-

�Verminung nordvietnamesischer Häfen aus. Die bereits gelegten Minen sollen
jedoch erst nach Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens geräumt
werden.
Der Sprecher des Weißen Hauses hatte am 15, Januar die folgende wichtige
Ankündigung gemacht:
"Aufgrund des Fortschrittes bei den Verhandlungen zwischen Dr. Kissinger
und Sonderberater Le Duc Tho hat Präsident. Nixon angeordnet, daß die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung (der Küsten) von Nordvietnam eingestellt wird. Diese Anordnung trat heute am 15. Januar um lOrOO Uhr Washingtoner Zeit in Kraft.
Die von mir angeführte Anordnung des Präsidenten gilt für Kampfhandlungen
nördlich des 17. Breitengrades, also für ganz Nordvietnam."

-2-

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3/1973

USA WERDEN IN HELSINKI DIE FRAGE DER FREIZÜGIGKEIT NICHT AUFGEBEN
Von Peter Karegeannes

HELSINKI --(AD)-- Wenn die Vertreter von 34 Ländern jetzt in Helsinki zur
zweiten Runde der vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) zusammengekommen sind, dann werden
sie an der Erörterung der Frage der Freizügigkeit von Personen und Ideen
nicht vorbeikommen. Die westlichen Länder und vor allem die Vereinigten Staaten haben die Frage der Freizügigkeit als eines der wichtigen Themen für
eine Konferenz herausgestellt. In der ersten Phase der Vorbereitungsgespräche fanden sie bei den Sowjets und den Delegierten der anderen Staaten des
Warschauer Paktes nur wenig Gegenliebe.
Zwar hat die parteiamtliche "Prawda" die Forderungen des Westens als
"unverschämt" und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer
Staaten bezeichnet, aber doch auf eine vorherige Äußerung von Parteichef
Breschnew hingewiesen, in der dieser die Freizügigkeit keineswegs abgelehnt
hatte. Wie die sowjetische Nachrichtenagentur TASS berichtete, hat Breschnew
am 21. Dezember vorigen Jahres erklärt: "Auch wir sind dafür - natürlich nur,
wenn eine solche Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Souveränität, der
Gesetze und der Gepflogenheiten eines jeden Landes stattfindet und wenn sie

-1-

�sie zur gegenseitigen geistigen Bereicherung der Völker, zu einem wachsenden
Vertrauen unter ihnen und zur Förderung der Ideen des Friedens und guter
Nachbarschaft beiträgt."
Diese Äußerungen können als ein Anzeichen einer größeren Flexibilität
angesehen werden. Inwieweit sich das nun in der Praxis der Vorbereitungsgespräche in Helsinki niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Es wird eine der
Hauptaufgaben der Delegierten sein, dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Die Vereinigten Staaten haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie
einen echten Fortschritt in der Frage der Freizügigkeit von Personen, Ideen
und Informationen als ein konkretes Zeichen dafür betrachten, daß eine KSZE
stattfinden kann. Die USA sind weiter der Auffassung, daß dem Fortschritt
in den Ost-West-Beziehungen durch eine KSZE gedient sei, die sich konkret mit
den Fragen des menschlichen Kontaktes und den dazu notwendigen Maßnahmen beschäftigt.
Die Grundprinzipien der Freizügigkeit liegen längst fest. Damit brauchte
sich eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nicht mehr
zu befassen. Es geht jetzt vielmehr um ganz konkrete Schritte zur Verwirklichung einer größeren Freizügigkeit, die schon in Artikel 19 der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen - und auch in anderen weltweit akzep-r
tierten Konventionen und Vereinbarungen - garantiert wird.
Natürlich enthalten all diese Dokumente sogenannte Vorbehaltsklauseln,
die aber für den echten Ausnahmefall und nicht - wie in den Ländern des Warschauer Paktes - dazu gedacht sind, Buchstaben und Absicht der Erklärung zu
negieren.
Starre Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Menschen tragen zu
Spannung und Mißtrauen bei und stehen einer echten Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Wege. Ein stetiger Abbau dieser Beschränkungen würde

-2-

�•t

würde wesentlich zur Entspannung beitragen und würde den Hoffnungen und Wünschen der europäischen Völker entgegenkommen. Eine KSZE wird sich nach westlicher Auffassung mit der Frage der Liberalisierung nicht nur der kulturellen
Zusammenarbeit befassen müssen, wobei der Westen sicherlich einsehen muß, daß
diese Liberalisierung nur schrittweise kommen kann.

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Hintergrundmaterial

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3/1973

DROGENVERBRECHER IN DER DEFENSIVE
Von Ron Moxness

--(AD)-» Die nahezu 100 amerikanischen Sonderfahnder im Ausland und die
fast 15 000 Angehörigen des amerikanischen Zolls, die sich unter anderem
auf das Aufspüren von Rauschgiftschmugglern konzentriert haben, treffen
den internationalen Rauschgifthandel empfindlich. Von Mitte 1971 bis
Mitte 1972 zum Beispiel wurden aufgrund der Recherchen von Beamten der
amerikanischen Bundeszentrale für Narkotika und gefährliche Drogen
(BNDD) 7 671 Händler festgenommen - 62 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Eine wesentliche Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit von Behörden innerhalb der USA und die Einschaltung ausländischer Stellen in die
Überwachung und Fahndung.
Eine ständig steigende Zahl von ausländischen Händlern und Schmugglern wird an den Grenzen der USA gefaßt. Der amerikanische Zoll verhaftete
- ebenfalls von Mitte 1971 bis Mitte 1972 - 7 820 Personen wegen Verstößen gegen das Rauschgiftgesetz von 1970 und erreichte die Verurteilung
wegen einschlägiger Delikte in 2 200 weiteren Fällen. Gleichzeitig beschlagnahmte er 284 kg Heroin, 23 kg Opium, 171 kg Kokain, nahezu 145 t
Marihuana und fast 5 t Haschisch. Die größte Menge Heroin, nämlich 110 kg,

�110 kg, wurden aus dem Chassis eines nach Puerto Rico gebrachten französischen
Kraftwagens geholt, in das das Rauschgift eingeschweißt worden war. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurden zwei Franzosen festgenommen. Aufgrund eines Tips amerikanischer Rauschgiftfahnder wurde ein zweites Auto aus
Frankreich in Valencia (Spanien) beschlagnahmt. Es enthielt 112 kg Heroin,
Die Schmuggler sind recht einfallsreich und finden immer wieder neue Verstecke. Zwar kam der doppelte Kofferboden noch nicht aus der Mode, aber neuerdings sind auch Schuhe, Wäsche und Toilletenartikel, Kunstgegenstände, Geschenkartikel in Weihnachtspaketen und selbst Elektrogeräte (z.B. Lautsprecher
für Stereoanlagen aus Hongkong) recht beliebt.
Wie amerikanische Beamte von Rauschgiftdezernaten erklärten, ist es vor
allem dem Einsatz von besonders geschultem Personal, von Hunden, die Rauschgift selbst dann noch wahrnehmen, wenn es mit Zwiebelgeruch und anderen "Düften"
getarnt ist, und der intensiven Benutzung von Computer-Karteien zu verdanken,
daß die Risiken der Rauschgifthändler immer größer werden. Auch Diplomatenpässe
sind kein Schutz mehr, wie der Fall eines Bürgers der Philippinen zeigt, der im
vergangenen Jahr wegen Heroin-Schmuggels zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt
wurde.
Aufgrund des amerikanischen Rauchgiftgesetzes von 1970 können auch Personen wegen Rauschgiftschmuggels in den USA vor Gericht gestellt werden, wenn sie
nie zuvor amerikanischen Boden betreten haben. Dies gilt z.B. in Fällen, wo
"zwei oder mehrere Personen Rauschgift oder andere, unter Kontrolle stehenden
Substanzen herstellen oder verteilen mit dem Zweck, sie in amerikanisches Territorium zu verbringen oder verbringen zu lassen." Nach Aussage eines BNDD-Sprechers "verletzt jeder, auch wenn er nie in den USA gelebt hat, das amerikanische
Gesetz gegen Verschwörungen zur Einfuhr und Verteilung von Heroin, der irgendwo
im Ausland - von Marseille bis Hongkong - ein Heroin-Laboratorium betreibt und
das Rauschgift an einen Zwischenträger verkauft, von dem er weiß oder annehmen

-2-

�annehmen kann, daß es dieser in die USA weiterbefördern wird."
Der Handel mit "unter Kontrolle stehenden Substanzen" wie Heroin, Kokain
oder Methadon kann 15 Jahre Haft in einem amerikanischen Gefängnis und Geldstrafen bis zu 25 000 Dollar einbringen. Haschisch-und Marihuanaschmuggel
-Straftaten, in die eine immer größere Anzahl von Personen verwickelt istwerden mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft. Ein ähnliches Strafmaß ist
bei Handel mit Amphetaminen, Barbituraten und Halluziogenen, z.B. LSD, zu erwarten.
Diese gesetzlichen Bestimmungen trugen in letzter Zeit viel dazu bei,
daß einige der berüchtigsten amerikanischen und ausländischen Händler gefaßt
und die großen internationalen Schmuggelringe teilweise zerschlagen werden konnten. Ende November fällte z.B. ein Bundesgericht in New York das Urteil über
20 von BNDD-Beamten überführte Rauschgifthändler - nach ihrer Staatsangehörigkeit Bürger der USA, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Argentiniens und der
Schweiz. Sie hatten Heroin im Verkaufswert von 130 Millionen Dollar in die USA
eingeschmuggelt und abgesetzt. Der Drahtzieher des Unternehmens, Christian
David, bekannte sich am 1. Dezember 1972 für schuldig, 30 kg Heroin empfangen,
versteckt und transportiert zu haben. Er wurde zu 20 Jahren Haft in einem amerikanischen Zuchthaus (ohne Bewährung) und 20 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.
Die brasilianische Polizei hatte ihn festgenommen; wegen des Mordes an einem
französischen Polizeikommissar war er schon von französischen Behörden gesucht
worden.
Mit einer Haftstrafe bis zu 20 Jahren hat der Korse Paul Auguste Ricord
(62) zu rechnen, wenn am 29. Januar 1973 wegen seiner Beteiligung am Einschmuggeln von Rauschgift in die Vereinigten Staaten das Urteil über ihn gesprochen
wird. Er gilt als der Kopf einer Rauschgifthändlerbande, auf die ca. 50 Prozent
des während der letzten fünf Jahre in die Oststaaten der USA eingeschmuggelten
Heroins entfallen. Ricord war im März 1971 in Paraguay festgenommen und von

-3-

�von den Behörden dieses südamerikanischen Staates an die Vereinigten Staaten
ausgeliefert worden. Umgekehrt geht auch das Ausland scharf gegen amerikanische Staatsbürger vor, die wegen Rauschgiftdelikten mit den Landesgesetzen
in Konflikt kommen. Das US-Außenministerium gab kürzlich bekannt, daß 934
von insgesamt 1 460 US-Bürgern, die in 60 Staaten in Gefängnissen sitzen,
wegen Verletzung der Gesetze gegen Narkotika-und Rauschgiftmißbrauch verurteilt wurden.

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3/1973

PRÄSIDENT NIXON ORDNET AUFHEBUNG DER MEISTEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN AN
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongreß»
WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 11. Januar die Aufhebung der
meisten Lohn-und Preiskontrollen angeordnet. Die Botschaft des Präsidenten
über den Beginn der Phase III seines wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
an den amerikanischen Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Im Jahre 1969 betrug die Jahresrate des Preisauftriebs in den Vereinigten Staaten rund 6 Prozent. Während meiner ersten Amtszeit ist diese Rate
fast auf die Hälfte gesenkt worden, und heute haben die Vereinigten Staaten
die niedrigste Inflationsrate aller Industriestaaten der freien Welt,
In den letzten eineinhalb Jahren wurde dieser Rückgang der Inflationsrate von einer schnellen wirtschaftlichen Expansion begleitet. Die zivile
Beschäftigung stieg im letzten Jahr schneller an als jemals zuvor in unserer
Geschichte, und die Arbeitslosigkeit ging erheblich zurück. Wir haben heute
eine der höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten aller Industriestaaten.

Kurz

-1-

�Kurz gesagt, 1972 war ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft. Ich rechne damit, daß 1973 und 1974 sogar noch besser sein werden.
Sie können in der Tat die besten Jahre werden, die unsere Wirtschaft jemals
gehabt hat, vorausgesetzt, daß wir den Willen haben und klug genug sind,
auf dem öffentlichen wie auf dem privaten Sektor eine entsprechende Wirtschaftspolitik zu verfolgen.
In den letzten Wochen haben Mitglieder meiner Regierung unsere Wirtschaftspolitik überprüft,um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Ich weiß
die fruchtbaren Ratschläge und die ausgezeichneten Anregungen sehr zu
schätzen, die wir in unseren Konsultationen mit dem Kongreß erhalten haben.
Wir sind ferner dankbar für die starke Unterstützung, die uns von hunderten
von namhaften Persönlichkeiten gewährt wurde, die die Gruppen der Wirtschaft,
der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Verbraucher wie auch die allgemeine Öffentlichkeit vertraten. Diese Gespräche waren für uns äußerst
nützlich, um verschiedene grundlegende Schlußfolgerungen über die Zukunft
unserer Wirtschaft zu ziehen.
Ein wichtiger Punkt, der sich herauskristallisiert, wenn wir auf das in
der Vergangenheit Erreichte und die Aussichten für die Zukunft blicken, ist
die zentrale Rolle, die die Währungs-und Haushaltspolitik der Regierung
spielte. Wir können nicht die Inflation unter Kontrolle halten, wenn wir
nicht die Regierungsausgaben unter Kontrolle halten. Aus diesem Grunde habe
ich darauf bestanden, daß unsere Ausgaben im Finanzjahr 1972/73 nicht über
250 Milliarden Dollar hinausgehen und daß unser Haushaltsvoranschlag für das
Finanzjahr 1973/74 nicht die Einnahmen übersteigt, die das derzeitige Steuersystem bei Vollbeschäftigung erbringen würde. Ich hoffe und erwarte, daß der
Kongreß diesen Haushalt mit einer gleichen Auffassung von Haushaltsdisziplin
aufnehmen wird. Die Stabilität unserer Preise hängt von der Zurückhaltung
seitens des Kongresses ab.
Wenn

~2~

�Wenn wir jetzt in ein neues Jahr und in eine neue Amtszeit dieser Regierung eintreten, dann beginnen wir gleichzeitig auch eine neue Phase unseres wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms. Meines Erachtens hat das System
von Kontrollen, die seit 1971 bestanden, ganz wesentlich zur Stärkung unserer
Wirtschaft beigetragen. Heute unterbreite ich dem Kongreß ein Gesetz, durch
das das grundlegende Gesetzeswerk, auf dem dieses System basiert - das Gesetz
zur Stabilisierung der Wirtschaft -, um ein weiteres Jahr bis zum 30. April
1974 verlängert wird.
Auch wenn wir uns der Notwendigkeit einer weiteren Zurückhaltung bei
Preisen und Löhnen auf Seiten der Regierung bewußt sind, so sehen wir doch
den Tag kommen, da wir die Vorteile stabiler Preise ohne die Nachteile einer
solchen Zurückhaltung haben können. Ich glaube, wir können uns auf diesen
Tag vorbereiten und sein Kommen beschleunigen, indem wir das derzeitige
System (von Preis-und Lohnkontrollen) so modifizieren, daß es in einem
stärkeren Maße auf der freiwilligen Mitarbeit des privaten Sektors durch vernünftige Preis-und Lohnentscheidungen basiert.
In der Phase III wird die vorherige Billigung von Änderungen bei Löhnen
und Preisen durch die Bundesregierung nicht mehr erforderlich sein, besonders
problematische Gebiete ausgenommen. Die Bundesregierung wird, nach Beratung
mit Unternehmern und Gewerkschaften, Richtlinien für das private Verhalten
ausarbeiten, die sich selbst tragen. Dies besagt, daß Unternehmen und Arbeiter
künftig selbst entscheiden können, ob ihr Verhalten diesen Normen entspricht.
Zunächst und ganz generell werden wir uns auf die freiwillige Mitarbeit des
privaten Sektors in bezug auf eine vernünftige Beachtung der Normen verlassen.
Die Regierung wird jedoch weiterhin die Vollmacht - und die Pflicht - haben,
einzugreifen und Maßnahmen zu stoppen, die mit unseren antiinflationistischen
Zielsetzungen nicht zu vereinbaren wären. Ich habe als grundlegendes Ziel dieses Programms eine weitere Senkung der Inflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2
Prozent oder noch weniger gesetzt.
Aufgrund

3-

�Aufgrund dieses Programms kann ein großer Teil des Apparates der Bundesregierung, der sich in den Phasen I und II so sehr bewährt hat, abgebaut werden, darunter die Preiskommission, der Lohnausschuß, der Ausschuß für das
Gesundheitswesen, der Ausschuß für Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten und
den Kommunalverwaltungen und der Beirat für Renten. Denen, die als Angehörige dieser Gremien und deren Stäbe so hervorragende Dienste geleistet haben
- vor allem dem Vorsitzenden des Lohnausschusses, Richter George H. Boldt,
und dem Vorsitzenden der Preiskommission, C. Jackson Grayson Jr. - gilt mein
tiefer Dank wie auch der ihrer Landsleute für ihre hingebungsvolle und wirksame Arbeit.
Dieses neue Programm wird von dem Lebenshaltungskostenrat verwaltet werden. Der neue Direktor des Rates wird John T. Dunlop sein. Dr. Dunlop tritt
die Nachfolge von Donald Rumsfeld an, dem, wenn er nun aus diesem Amt ausscheidet, der tiefe Dank des Landes für seine hervorragende Arbeit gilt.
Im Rahmen unseres neuen Programms werden besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Inflation auf Gebieten zu bekämpfen, wo der Preisauftrieb besonders störend war, vor allem, um gegen die steigenden Lebensmittelpreise anzugehen. Unser Anti-Inflationsprogramm wird nicht hundertprozentig
erfolgreich sein, solange seine Auswirkungen nicht auch bis auf die örtlichen
Supermärkte und die kleinen Kolonialwarenläden durchschlagen.
Ich ordne daher an, daß unser gegenwärtiges bindendes System zur Kontrolle
von Löhnen und Preisen mit besonderem Nachdruck bei solchen Firmen fortgesetzt
wird, die mit der Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln zu tun haben.
Ich setze ferner einen neuen Ausschuß für die Überprüfung der Politik der Regierung ein, soweit diese die Lebensmittelpreise berührt, und einen Beirat von
nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten, der andere Wege zur Erreichung von Preisstabilität in den Lebensmittelgeschäften prüfen soll. Ich werde
diesen Beirat ersuchen, seine besondere Aufmerksamkeit neuen Wegen zur Senkung

-4-

�•

Senkung der Kosten und zur Steigerung der Produktivität an allen Punkten der
Kette, von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Verteilung der Lebensmittel, zu schenken. Ferner ist vom Landwirtschaftsministerium und vom Lebenshaltungskostenrat gestern und heute eine Reihe von wichtigen Schritten verkündet worden, um die Lebensmittelpreise so weit wie möglich - durch Steigerung
des Lebensmittelangebotes - niedrig zu halten. Meines Erachtens werden alle
diese Anstrengungen uns in die Lage versetzen, dem Ansteigen der Lebensmittelkosten auf wirksame Weise Einhalt zu gebieten, ohne den wachsenden Wohlstand
der amerikanischen Farmer zu beeinträchtigen. Weitere besondere Maßnahmen, die
zur Bekämpfung der Inflation ergriffen werden, sind die Beibehaltung der gegenwärtigen bindenden Kontrollen auf dem Gesundheits-und dem Bausektor und die
Beibehaltung des gegenwärtigen erfolgreichen Programms für Zinsen und Dividenden.
Die von mir heute verkündete neue Politik kann noch größere Preisstabilität mit weniger restriktiver Bürkratie bringen. Ihr Erfolg wird jedoch jetzt
von einem festen Willen zur Selbstbeschränkung sowohl innerhalb der Bundesregierung wie auch in der allgemeinen Öffentlichkeit abhängen.
Wenn der Kongreß unseren neuen Haushalt mit einem hohen fiskalischen Verantwortungsbewußtsein aufnimmt und wenn die Öffentlichkeit weiterhin den gleichen Geist der freiwilligen Mitarbeit zeigt, der während der Phasen I und II
so wichtig war, dann können wir die Inflationsrate unter 2 1/2 Prozent drücken
und eine noch nie zuvor dagewesene Ära eines umfassenden und stabilen Wohlstandes einleiten . (Ende Botschaft)

-Künftiges Programm basiert auf Freiwilligkeitin einer gleichzeitig herausgegebenen Erklärung betont das Weiße Haus, daß
der Phase III des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms des Präsidenten,
die auf Freiwilligkeit im Kampf gegen die Inflation basiert, umfassende Kon-

-5-

�Konsultationen mit über 400 Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorangingen.
Nach dem modifizierten System wird die Regierung Richtlinien für das private Verhalten aufstellen, die dem nationalen Anti-Inflationsziel entsprechen.
Die Leitzahlen für Löhne werden nach Anhören von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgearbeitet werden. Die Sozialpartner werden künftig selbst entscheiden, ob ihr Verhalten diesen Richtlinien entspricht, und ihre Entscheidungen
bedürfen nicht mehr der vorherigen Billigung. Doch wird erwartet, daß sie sich
an die Richtlinien und Ziele halten. Der Regierung wird eine Nachprüfung ermöglicht werden, ob ihr Verhalten den Richtlinien entspricht. Sie
wird ferner ermächtigt sein, dort bindende Leitzahlen für das künftige Verhalten festzulegen, wo das freiwillige Verhalten den Zielen des Programms nicht
entspricht. Zu diesem Zweck hat der Präsident um die Verlängerung des Gesetzes
zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr nachgesucht. Besondere Programme
werden auf dem Lebensmittel-, dem Gesundheits- und dem Bausektor sowie für
Zinsen und Dividenden beibehalten. Nach Auflösung des Lohnausschusses und der
Preiskommission wird der Lebenshaltungskostenrat allein die Phase III des Programms überwachen.
Als allgemeine Richtlinie für die Preise gilt, daß künftige Preiserhöhungen nicht über die Kostensteigerungen hinausgehen sollen. Aber auch wenn die
Kosten höher liegen, dürfen die Preise nicht erhöht werden, wenn die Gewinne
des Unternehmens die Grundspanne übersteigen. Unabhängig hiervon kann ein Unternehmen bei Kostensteigerungen seine Preise jedoch heraufsetzen, wenn solche
Preiserhöhungen 1,5 Prozent pro Jahr nicht übersteigen. Als Anhalt sollen auch
weiterhin die von der Preiskommission in der Vergangenheit ausgearbeiteten Bestimmungen gelten.
Bei den Löhnen können die derzeitigen Richtlinien des Lohnausschusses als
Anhalt für das Maximum an angemessenen Lohnerhöhungen dienen, solange sie

-6-

�sie nicht modifiziert werden. Ein Beirat der Sozialpartner soll den Lebenshaltungskostenrat dahingehend beraten, ob und inwieweit Modifzierungen vorgenommen werden sollen.
Alle neuen Bestimmungen und Erfordernisse sollen mit sofortiger Wirkung
in Kraft treten.

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NIXON FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut des Schreibens an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat erneut eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert, die zu einem weiteren Abbau der tarifären wie auch der nicht-tarifären Handelsschranken führen sollte. In einem
Begleitschreiben zu dem 16. Jahresbericht über das Programm für Handelsabkommen an den amerikanischen Kongreß gab der Präsident ferner seiner Zuversicht Ausdruck, daß in einem solchen internationalen System der Welthandel
auf einer gerechten Basis für alle Beteiligten ausgeweitet werden kann.
Das Schreiben des Präsidenten an den US-Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Paragraph 402 (A) des Gesetzes über die Ausweitung des Handels
von 1962 unterbreite ich hiermit den 16. Jahresbericht des Präsidenten zu
dem Programm über Handelsabkommen. Dieser Bericht erfaßt die Entwicklungen
in den 12 Monaten bis zum 31. Dezember 1971.
Dieses Jahr bildete einen historischen Wendepunkt in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Die sich immer mehr verschärfenden Krisen
im Frühjahr und im Sommer 1971 zeigten auf dramatische Weise,daß die von

�von uns am Ende des zweiten Weltkrieges entwickelten Regeln und Mechanismen überholt und ungerecht waren. Vor diesem Hintergrund hatte die
Regierung im August eine Reihe von Maßnahmen verkündet, die zu einem Teil
darauf abzielten, eine weitere Schädigung der wirtschaftlichen Position
der Vereinigten Staaten zu verhindern. Noch wichtiger war jedoch, daß Maßnahmen ergriffen wurden, um den Weg für eine Reform des Handels-und des
Währungssystems der Welt durch multilaterale Zusammenarbeit zu öffnen.
Gleichlaufend mit den monetären Konsultationen, die zu dem SmithsonianAbkommen vom Dezember 1971 führten, haben die Vereinigten Staaten bilaterale
Gespräche mit ihren wichtigsten Handelspartnern aufgenommen. Diese Gespräche führten 1972 zu einem Abbau verschiedener ausländischer Handelsschranken für unsere Exporte, der für uns von großem Wert war. Noch bedeutsamer
war jedoch, daß die Vereinigten Staaten, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Japan zu dem Schluß gelangten, daß dauerhafte Lösungen nur auf
dem Wege über umfassende Verhandlungen gefunden werden können. Das Ergebnis dieser Gespräche war eine Vereinbarung, aktiv auf den Beginn einer
neuen Runde umfassender Verhandlungen im Jahre 1973 hinzuarbeiten, die alle
Elemente der Handelspolitik einschließen.
Die Länder der Welt haben jetzt Gelegenheit, eine neue Ära der internationalen Beziehungen einzuleiten, für die Verhandlungen über alle außenpolitischen Fragen statt Konfrontationen charakteristisch sind.
Unsere Hauptziele bei der Reform des internationalen Handelssystems
sind der Abbau der bestehenden tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken für unsere Agrar-wie auch unsere Industrierzeugnisse, die Ausarbeitung
neuer Bestimmungen für eine fairere Abwicklung des Welthandels und die
Erschließung neuer Möglichkeiten für die ärmeren Länder, damit sie sich
die für ihre wirtschaftliche Entwicklung benötigten Devisen verdienen
können. So weitgesteckte Ziele lassen sich nur in einem Rahmen erreichen,

-2-

�erreichen, der eine gerechte Aufteilung der Vorteile und der Pflichten
bietet und der ein Schutzsystem einschließt, das den durch den ausländischen
Wettbewerb geschädigten Industrien Zeit gibt, sich den veränderten Handelsformen anzupassen.
Vorschläge, die den Vereinigten Staaten die Teilnahme an wirksamen
Verhandlungen ermöglichen, werden gegenwärtig innerhalb der Regierung eingehend geprüft. In den kommenden Monaten wird die Regierung eng mit den
Mitgliedern des Kongresses zusammenarbeiten, um zu entscheiden, wie wir am
besten den Aufgaben und der Große der vor uns liegenden Möglichkeiten entsprechen können.
Ich bin zuversichtlich, daß wir einen Rahmen für die Weltwirtschaft
schaffen können, in dem der Handel auf einer für alle Beteiligten gerechten Basis expandieren kann - und so zu Frieden und Wohlstand für alle
Länder der Welt beiträgt.

-H-K

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KOOPERATION - EIN SCHLÜSSEL ZUR UMWELTVERBESSERUNG
- Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"-

--(AD)— Autoausstellungen sind in Detroit nichts besonderes. Aber die Fahrzeuge, die Mitte Januar 1973 beim Jahreskongreß der amerikanischen Kraftfahrzeugingenieure in der "Cobo Hall" gezeigt wurden, hatten eine ungewöhnliche Anziehungskraft für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Zu besichtigen waren die in drei verschiedenen Größenklassen konzipierten Modelle für
das "experimentelle Sicherheitsauto", kurz ESV ("Experimental Safety Vehicle")
genannt - Modelle der in den USA von General Motors und Ford entwickelten
ESV-Fahrzeuge (große Limousinen) und der in Europa von Daimler-Benz, VW und
Fiat gebauten Fahrzeuge der Mittel-und Kleinwagenklasse. Bei dem in Silbergrau und Weiß gehaltenen Mercedes-Modell schien die Verbindung von eleganter
Linienführung und attraktiver Ausstattung mit den rigorosen technischen Anforderungen besonders gut gelungen zu sein. Das Sicherheitsauto soll zum Beispiel einen Frontalzusammenstoß bei 80 km/st ohne Schaden für die Insassen
überstehen und in bezug auf Brems-und Steuerungsverhalten, Betrieb und Bedienung, Beleuchtung und Sicht besondere Sicherheitsmerkmale aufweisen.

In

• 1-

�In Serie werden die in Detroit gezeigten Modelle wohl nie gebaut, dafür
sind sie viel zu kostspielig. Aber die Entwicklungsarbeiten, die auch auf abgasarme Motoren ausgedehnt werden, zeigen Möglichkeiten auf, wie die heute
üblichen Typen unter den besonderen Aspekten von Sicherheit und Umweltschutz
bei tragbaren Kosten verbessert werden könnten.
"Straßensicherheit und Sicherheitsfahrzeug" zählen zu den Projekten, die
vom CCMS-Ausschuß der NATO vorrangig gefördert werden. Denn allein in den
Mitgliedsstaaten der NATO fordern Verkehrsunfälle weit über 100 000 Todesopfer pro Jahr. Elf Mitgliedsstaaten der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft arbeiten mit Japan und Schweden gemeinsam an der Lösung der zahllosen technischen und organisatorischen Aufgaben. Diese erfassen, noch dazu
in Verbindung mit den übrigen CCMS-Modellprojekten wie Wasser-und Luftreinhaltung, Stadtverkehr und Massenverkehrsmittel, Gesundheitswesen, Raumplanung
und Katastrophenhilfe,viel mehr akute Umweltprobleme, als es vielleicht auf
den ersten Blick den Anschein haben mag.
Manchen ist es noch immer unverständlich, daß sich ein NATO-Gremium
überhaupt mit Umweltfragen befaßt. Aber die 1969 geschaffene CCMS-Gruppe
(CCMS = "Committee on the Challenges of Modern Society" - Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft) soll und kann helfen, die mit einem riesigen
wissenschaftlich-technischen und organisatorischen Apparat in der militärischen Zusammenarbeit gesammelten Erfahrungen auch dafür zu nutzen, vordringliche Umwelt-und Gesellschaftsprobleme wirksam anzugehen.
Es ist bezeichnend für die heutige Situation, daß auf dem Programm der
Konferenz von Detroit auch ein Seminar stand, auf dem die "Kosten und Vorteile des Automobils für die Gesellschaft" debattiert wurden. Zum ersten Mal befaßten sich Ingenieure und Vertreter der Autoindustrie, die traditionsgemäß
Fragen wie Antrieb, Leistung, neue Modelle, neue Technologien und Produktionsverfahren am meisten interessieren, mit sozialpolitischen Problemen.
Russell

�Russell E. Train, der Berater Präsident Nixons in Umweltfragen, richtete den dringenden Appell an die Teilnehmer, alles in ihren Kräften stehende
zu tun, um den hohen Preis, den die menschliche Gesellschaft für die Annehmlichkeit der Benutzung von Kraftfahrzeugen zu zahlen habe, zu reduzieren. Die
Toten und Verletzten von Verkehrsunfällen, verschmutzte Luft, das Auswuchern
der Städte, ein völlig veränderter Charakter der Stadtzentren, Verbrauch unvorstellbarer Mengen fossiler Brennstoffe und anderer Naturschätze, und über
all dem der Verlust des Gemeinschaftssinns, des Gefühls, irgendwo wirklich
zuhause zu sein - das alles summiere sich zu einem astronomisch hohen, zu
hohen Preis.
"Technologien müssen auch ein Gefühl für Grenzen, müssen ein gewisses
Verständnis dafür vermitteln, was wir

nicht

haben können...". Dieses

Wort von Daniel P. Moynihan, dem ehemaligen Sonderbeauftragten Präsident
Nixons für Städteplanung, bezeichnete Train als ein unabdingbares Grundprinzip der Technik von heute. Allerdings bedeute es für Öffentlichkeit, Staat
und Industrie in vielen Fällen eine "harte Nuß", sich daran zu orientieren.
Im Zusammenhang mit dem so liebgewordenen Auto erfordere es Konzessionen und
wohl auch die Aufgabe mancher Bequemlichkeiten, wenn soziale Bedürfnisse wie
mehr Sicherheit und weniger Gefahren für die Allgemeinheit und sparsamerer
Umgang mit Energiequellen im Vordergrund stünden, gleichzeitig aber allumfassende Informationen über die günstigsten Verbesserungen oder Alternativen
zum "System Auto und Verkehr" noch fehlen. Die Zeit dränge. Gegenmaßnahmen
könnten nicht so lange aufgeschoben werden, bis alle in Frage stehenden Probleme durchanalysiert seien.
Mr. Train verwies in diesem Zusammenhang auf einen jüngst erschienenen
Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), der die verschiedensten Maßnahmen zumindest für die Lösung einiger
Probleme vorschlägt - Einrichtung von Fußgängerzonen und Zonen mit stundenweisen Sperrzeiten in den Städten für Personen und Lastkraftwagen; ausgeklügelte

3

�ausgeklügelte Vorschriften, Gebühren und Verbote für das Parken^ besondere
Gebühren für Pendler zwischen Vororten und verstopften Stadtzentren^ Anreize
für Personenmitnahme in Pkwsj gleitende Arbeitszeit; besser durchdachte Regional-, Städte- und Verkehrsplanung. Bemühungen um die Durchsetzung von Verbesserungen sollten die Behörden, so Train, im Interesse der Sache durch enge Zusammenarbeit fördern, anstatt wirksame Fortschritte durch Eigenbrötelei, Kompetenzüberlappungen, ja selbst Gegensätzlichkeit der Verordnungen zu blockieren.

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ZELLKULTUREN IN GEWEBEDICHTE GEZÜCHTET

--(AD)-- Eine Wissenschaftlergruppe der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes of Health-NIH' entwickelte ein Verfahren,
das es erlaubt, Zellkulturen mit einer Dichte zu züchten, die nahezu der
von natürlichen Körpergeweben entspricht. Den Schlüssel dafür bildet ein
ausgeklügeltes Netzwerk für die künstliche Zirkulation der Nährlösungen.
Bei Anwendung der heute üblichen Methoden können zwar Kulturen aus vielen Typen menschlicher und tierischer Zellen gewonnen werden. Aber sobald ein
bestimmter Dichtegrad erreicht ist, der allerdings noch weit unter dem des
natürlichen Gewebes liegt, vermehren sich die Zellen nicht mehr und wachsen
nicht weiter. Eine Ursache dafür dürfte in der ungenügenden Zuführung von
Nährstoffen und unzureichender Abführung von Abbauprodukten zu suchen sein,
wofür im normalen Gewebe die Kapillaren sorgen. Auch laufen unter Reagenzglasbedingungen Zellfunktionen anders ab als im natürlichen Gewebe, wo die
Zellen miteinander in Kontakt stehen und ihre Aktivität gegenseitig beeinflussen.
Die natürlichen Bedingungen versucht die Forschergruppe ^Dr. Richard
A. Knazek, Dr. Petro M. Gullino, Dr. Peter 0. Kohler und Dr. Robert L. Dedrick)
dadurch weitgehend nachzuahmen, daß in den Kulturschalen die Nährlösung durch

• 1 -

�I

durch Bündel dünner, poröser Röhrchen gepumpt wird. Die Zellen wachsen an
der Oberfläche und zwischen den Röhrchen, durch die,dem Blut vergleichbar,
ständig die Nährlösung strömt. Die Röhrchen sind porös genug,um Sauerstoff
und Nährstoffe ausdringen zu lassen und Abbauprodukte der Zellen aufzunehmen
und abzutransportieren.
Dr. Knazek und Dr. Gullino, die in der Abteilung Tumorphysiopathologie
des Nationalen Krebsforschungsinstituts arbeiten, hoffen nun, mit Hilfe des
neuen Verfahrens auch auf ihrem speziellen Gebiet weiterzukommen. So könnten
beispielsweise durch eine Veränderung der Hormone und anderer Substanzen in
den Nährlösungen die Bedingungen besser untersucht werden, unter denen das
Wachsen der verschiedensten Typen von Krebsgewebe gefördert oder blockiert
wird.
Die neue Methode erleichtert es außerdem, spezifische Zellprodukte aus
den Kulturen zu extrahieren und so die Auf-und Abbauprozesse bei der Zellentwicklung besser im Detail kennenzulernen, als dies bisher möglich war. Sie
zeigt ferner Möglichkeiten auf, um menschliche Hormone, die derzeit noch
sehr schwer zu gewinnen, für die Behandlung bestimmter Erkrankungen aber
äußerst wichtig sind, in größeren Mengen zu produzieren.

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STRAHLSTRÖME UND ERDKRUSTENBEWEGUNG
«-(AD)— Mit Seismographen des amerikanischen Bundesamtes für Meeres-und
Atmosphärenforschung (NOAA) wurden im Gebiet von Neumexiko wellenähnliche
Bewegungen der Erdkruste von äußerst langer Frequenz aufgezeichnet, die mit
Störungen im atmosphärischen Strahlstrom in ca. 14 000 m Höhe in Zusammenhang gebracht werden. Die Schlußfolgerung, daß Druckwellen, die von Strahlstrom-Störungen ausgehen, direkt oder indirekt zur Erdoberfläche übertragen
werden, untermauerte Alvaro F. Espinosa, Geophysiker an den NOAA-Instituten
von Boulder (Colorado), durch die Meßdaten für den Luftdruck während der betreffenden Zeit und mit theoretischen Modellen für die Beziehungen ErdeAtmosphäre, die ähnliche Effekte voraussagen.
Die seismischen Wellen wurden durch neuartige Seismographen der Erdbebenforschungsstation von Albuquerque registriert, die für schwache Bebenwellen mit sehr langen Perioden besonders empfindlich sind. Die Periodendauer betrug sechs bis zehn Minuten, was noch nie zuvor gemessen worden war.
Angesichts ihrer hohen Empfindlichkeit erfassen diese Seismometer, wie
Espinosa erklärte, Druckbelastungen der Atmosphäre sogar noch genauer als
die für solche Messungen "zuständigen" empfindlichen Barographen.

Auswirkungen

�Auswirkungen in umgekehrter Richtung, nämlich von der Erde zur Hochatmosphäre, beobachtete Dr. Kenneth Davies vom NOAA-Laboratorium zur Erforschung des erdnahen Raumes. Er konnte nachweisen, daij auch zwischen Erdbeben
und Störungen in der Ionosphäre Zusammenhänge bestehen. Espionosa bestätigte,
daß bei Ionosphärenuntersuchungen in verschiedenen Bereichen Störungen ermittelt wurden, die zeitlich mit der Aufzeichnung von Erdbebenwellen zusammenfielen. Er vermutet, daß sich Störungen im Strahlstrom nach oben in die
Ionosphäre und nach unten zur Erdoberfläche fortpflanzen. Auch Wirbelstürme
und atmosphärische Sturmfronten können die Erdoberfläche vorübergehend deformieren, wie bei seismischen Messungen im Sommer 1972 vom Fiat-River-Observatorium in Missouri festgestellt wurde. Aber Strahlströme spielen nach
Meinung Espinosas eine wichtigere Rolle dabei, um über atmosphärische Druckwellen mit Periodenlängen von 6 500 m bis fast 18 000 m periodische Bodenwellen in Gang zu setzen.

-2-

�</text>
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                <text>1. Information&lt;br /&gt;USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einseitige Einstellung der Bombardierung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigeit nicht aufgeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Karegeannes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenverbrecher in der Defensive&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ron Moxness&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wirtschaft&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn- und Preiskontrollen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon fordert Reform des internationalen Handelssystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlströme und Erdkrustenbewegung</text>
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2 4 . Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
Erklärung Präsident Nixons zum Waffenstillstand in Vietnam
-WortlautLyndon B. Johnson-Sein Glaube war Amerika
Minicomputer-Ausstellung im US-Handelszentrum in Frankfurt

DOKUMENTATION:
Die Antrittsrede Präsident Nixons
-WortlautAußenminister Rogers fordert neue Friedensbemühungen im Nahen Osten
-Auszüge aus seiner Anspräche vom 17. Januar-

HINTERGRUND:
Die Wahl zeigt: Die Amerikaner wollen den Wandel
Von Louis Harris

WIRTSCHAFT:
Die kommenden amerikanisch-europäischen Handels-und Währungsverhandlungen
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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4/1973

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUM WAFFENSTILLSTAND IN VIETNAM
•Wort l a u t -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am Abend des 23. Januar (Washingtoner Zeit) in einer Rundfunk~und Fernsehansprache den Abschluß eines Waffenstillstandes in Vietnam bekanntgegeben, der am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time ("28. Januar 0100 Uhr MEZ) in Kraft treten wird.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Guten Abend! Ich habe um diese Sendezeit im Rundfunk und Fernsehen gebeten, um bekanntzugeben, daß wir heute ein Abkommen geschlossen haben, um
den Krieg zu beenden und einen ehrenvollen Frieden in Vietnam und in Südostasien herbeizuführen. Die folgende Erklärung wird zu diesem Zeitpunkt in
Washington und Hanoi veröffentlicht:
'Heute am 23. Januar 1973 um 1230 Uhr Pariser Zeit wurde das Abkommen
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam von Dr. Henry Kissinger im Namen der Vereinigten Staaten und von
Sonderberater Le Duc Tho im Namen der Demokratischen Republik Vietnam
paraphiert.
Das

-1-

�Das Abkommen wird von den Beteiligten der Pariser Vietnam-Konferenz
am 27. Januar 1973 im Internationalen Konferenzgebäude in Paris formell unterzeichnet werden. Der Waffenstillstand wird am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time in Kraft treten.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam bringen
die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieses Abkommen einen stabilen Frieden in
Vietnam garantieren und zur Erhaltung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südostasien führen wird.8
Soweit die formelle Erklärung.
Während all der Jahre der Verhandlungen haben wir auf einem ehrenhaften
Frieden bestanden. In meinen Ansprachen an die Nation vom 25. Januar und
8. Mai legte ich die Ziele dar, die wir als von entscheidender Bedeutung für
einen ehrenhaften Frieden erachteten. Mit der Regelung, der jetzt zugestimmt
worden ist, wurden alle von mir damals gestellten Bedingungen erfüllt.
Ein international überwachter Waffenstillstand wird am Sonnabend, dem
27. Januar um 1900 Uhr Washingtoner Zeit in Kraft treten.
Innerhalb von sechzig Tagen - von diesem Sonnabend an gerechnet - werden alle in Indochina festgehaltenen amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen werden. Über die im Einsatz Vermißten wird eine genauestmögliche
Auskunft erteilt.
Während dieses Zeitraums von sechzig Tagen werden alle amerikanischen
Truppen aus Südvietnam abgezogen werden.
Dem südvietnamesischen Volk ist das Recht garantiert worden, ohne Einmischung von außen selbst über seine Zukunft zu entscheiden.
Aufgrund einer gemeinsamen Absprache werden der volle Text des Abkommens sowie die Durchführungsprotokolle morgen veröffentlicht werden.
Während

�Während dieser Verhandlungen standen wir in engster Konsultation mit
Präsident Thieu sowie mit anderen Vertretern der Republik Vietnam. Diese Regelung entspricht den Zielen und hat die volle Unterstützung Präsident Thieus
und der Regierung der Republik Vietnam sowie aller unserer anderer Verbündeten, die hiervon berührt werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Regierung der Republik Vietnam als die einzige rechtmäßige Regierung von Südvietnam anerkennen. Wir werden Südvietnam im Rahmen des Abkommens weiterhin unterstützen, und wir werden
Bemühungen der Bevölkerung von Südvietnam unterstützen, ihre Probleme friedlich unter sich selbst zu regeln.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Beendigung des Krieges
nur der erste Schritt zum Aufbau des Friedens ist. Alle Beteiligten müssen
jetzt dafür sorgen, daß dies ein Friede wird, der hält, und auch ein Friede,
der heilt - und ein Friede, der nicht nur den Krieg in Südostasien beendet,
sondern zu den Friedensaussichten in der ganzen Welt beiträgt. Das bedeutet,
daß die Bedingungen des Abkommens ganz genau eingehalten werden müssen. Wir
werden alles tun, was das Abkommen von uns verlangt, und wir werden von den
anderen Beteiligten erwarten, daß sie alles tun werden, was es von ihnen verlangt. Wir werden auch von anderen interessierten Nationen erwarten, daß sie
mithelfen, um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten und der Frieden
aufrechterhalten wird.
Da nun dieser lange und sehr schwierige Krieg zu Ende geht, möchte ich
einige besondere Worte an all jene richten, die an dem Konflikt beteiligt gewesen sind.
Der Bevölkerung und der Regierung von Südvietnam möchte ich sagen:
Durch Ihren Mut, durch Ihre Opfer, haben Sie das kostbare Recht gewonnen, ihre
eigene Zukunft zu bestimmen. Und Sie haben die Stärke aufgebaut, dieses Recht
zu verteidigen. Wir sehen der künftigen Arbeit mit Ihnen mit Erwartung ent-

-3-

�entgegen - als Freunde im Frieden, so wie wir Verbündete im Krieg gewesen
sind.
Den Führern Nordvietnams möchte ich, wo wir jetzt den Krieg durch Verhandlungen beendet haben, sagen: Laßt uns nun einen Frieden der Versöhnung
schaffen. Wir unsererseits sind bereit, uns nachdrücklich um die Verwirklichung dieses Zieles zu bemühen. Aber wie Gegenseitigkeit nötig war, um den
Krieg zu beenden, so wird auch Gegenseitigkeit nötig sein, um den Frieden zu
schaffen und ihn zu stärken.
Den anderen großen Mächten, die engagiert waren - wenn auch indirekt möchte ich sagen, daß jetzt die Zeit beiderseitiger Zurückhaltung gekommen
ist, damit der von uns erreichte Frieden von Dauer sein kann.
Und schließlich möchte ich Ihnen allen, die mir zuhören, dem amerikanischen Volke, sagen: Die Standhaftigkeit, mit der Sie unser Beharren auf einem
ehrenhaften Frieden unterstützt haben, hat diesen ehrenhaften Frieden möglich
gemacht.
Ich weiß, Sie hätten es nicht gewünscht, daß dieser Friede gefährdet wird.
Hätte ich, als unsere Geheimverhandlungen vor kurzem in dieser heiklen Phase
waren, öffentlich über unsere Bemühungen zur Sicherung des Friedens gesprochen, dann hätte ich nicht nur unsere Absprache mit Nordvietnam verletzt, sondern dann würde dies auch die Chancen für den Frieden ernsthaft beeinträchtigt
und möglicherweise zerstört haben. Deshalb weiß ich, daß Sie jetzt verstehen
können, warum ich während dieser letzten Wochen keine öffentliche Erklärungen
über diese Bemühungen abgegeben habe.
Es war wichtig, nicht über den Frieden zu sprechen, sondern den Frieden zu
erlangen, und zwar den richtigen Frieden. Dies haben wir getan. Nachdem wir
jetzt ein ehrenhaftes Abkommen erreicht haben, können wir stolz darauf sein,
daß Amerika sich nicht auf einen Frieden einließ, der unsere Verbündeten be-

�betrogen, unsere Kriegsgefangenen aufgegeben oder den Krieg zwar für uns beendet, aber ihn für die fünfzig Millionen Menschen in Indochina fortgesetzt
hätte. Wir können stolz sein auf die zweieinhalb Millionen junger Amerikaner,
die in Vietnam gedient haben - die in Ehren und mit Auszeichnung in einem
der selbstlosesten Unternehmen in der Geschichte der Völker gedient haben.
Und wir wollen stolz sein auf die, die sich opferten, die ihr Leben
hingaben, damit das südvietnamesische Volk in Freiheit und damit die Welt in
Frieden leben kann.
Insbesondere möchte ich noch ein Wort zu jenen tapfersten Menschen, die
ich kenne, sagen - zu den Frauen, den Kindern, den Familien unserer Kriegsgefangenen und der im Kampfeinsatz Vermißten. Wenn andere uns aufforderten, wir
sollten den Konflikt unter allen Bedingungen beilegen, so hatten Sie

en Mut,

für die rechte Art eines Friedens einzutreten, damit jene,die starben und
duldeten, nicht umsonst gestorben seien und geduldet hätten, und damit dort,
wo für diese Generation Krieg geherrscht hatte, für die nächste Generation
Frieden sein sollte. Nichts bedeutet mir in diesem Augenblick mehr als die
Tatsache, daß Ihre lange Prüfung nun Ihrem Ende entgegengeht.
Eben, gestern ist ein großer Amerikaner, der einst dieses Amt bekleidete,
gestorben. In seinem Leben mußte Präsident Johnson die Schmähungen jener ertragen, die versuchten, ihn als einen Mann des Krieges zu zeichnen. Dabei gab
es nichts, was ihm so sehr am Herzen lag, als die Schaffung eines dauerhaften
Friedens in der Welt.
Ich erinnere mich an das letzte Mal, da ich mit ihm sprach - es war genau
der Tag nach Neujahr. Er sprach damals über seine Sorge um das Zustandekommen
des Friedens - wie man zu einem rechten Frieden gelangen könnte. Und ich war
dankbar, daß er mich erneut seiner Unterstützung bei meinen Bemühungen um die
Erlangung eines solchen Friedens versicherte.Niemand hätte diesen Frieden mehr

-5-

�mehr begrüßt als er. Und ich weiß, daß er mit mir zu jenen, die starben, und
zu jenen, die leben, sagen würde: Laßt uns diesem Augenblick seine Weihe
geben, indem wir zusammen fest beschließen, diesen Frieden, den wir erzielten,
zu einem Frieden von Dauer zu machen.
Ich danke Ihnen. Guten AbendJ."

++++

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4/1973

LYNDON B.JOHNSON-SEIN GLAUBE WAR AMERIKA
--(AD)-- Lyndon Baines Johnson, der 36. Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika,ist am 22. Januar 1973 im Alter von 64 Jahren nach einem Herzanfall verstorben - nur 28 Tage nach einem seiner großen Amtsvorgänger,
Harry S. Truman. Wie Truman mußte Johnson nach dem Tode des gewählten Präsidenten als Vizepräsident die Geschicke seines Landes übernehmen, wie Truman
wurde Johnson dann als Präsident gewählt, und wie Truman hat sich Johnson
aus einfachen Verhältnissen mit Begabung und Fleiß zum höchsten Amt emporgearbeitet - und wie Truman glaubte Johnson zutiefst an Amerika und seine
Mission.
"Für Präsident Johnson", so heißt es in dem Nachruf von Präsident Nixon,
"war der 'amerikanische Traum1 mehr als nur ein Schlagwort - er war eine
Realität seines eigenen Lebens. Er glaubte an Amerika - an das, was Amerika
all seinen Bürgern bedeuten kann und was Amerika für die Welt bedeuten kann.
Im Dienste dieses Glaubens gab er sich ganz hin."
Als ein Attentat er am 22. November 1963 in Dallas, Texas, Präsident
John F. Kennedy niederstreckte, übernahm sein noch auf dem Flughafen vereidigter Nachfolger Lyndon B. Johnson unter dramatischen Umständen zwei gewaltige Komplexe: Die Bürgerrechtsfrage und den Vietnamkrieg.

Es ist dem

Geschick und der Beharrlichkeit des Demokraten Johnson aus dem Süden der USA

-1-

�t

l
USA zu verdanken, daß der amerikanische Kongreß wichtige Bürgerrechtsgesetze
verabschiedete, die er Kennedy verweigert hatte. Und es ist letztlich dem
dramatischen Verzicht auf Bombardierung und erneute Präsidentschaftskandidatur für 1968 zu verdanken, daß die Vietnam-Verhandlungen in Gang kamen,
die zu einer ehrenvollen Beendigung dieses Krieges führen.
Der Lebensweg von Lyndon B. Johnson ist ein Spiegelbild dessen, was
man sich unter Amerika vorstellt - oder zumindest vorstellte. Er wurde am
27. August 1908 als Sohn von Samuel Ealy und Rebekah Johnson auf einer Farm
unweit des kleinen Ortes Stonewall in Texas geboren, wo sich seine Vorfahren
in der Pionierzeit als Baumwo11farmer und Viehzüchter niedergelassen hatten.
Die Schule besuchte er in Johnson City, einer Kleinstadt, die sein Großvater
gegründet hatte. Johnson stammte "vom Lande", und daraus rührte wohl auch
seine Vorliebe für seine große Farm am Pedernales-Fluß in Texas - von Freunden
einfach "the ranch" genannt -, auf die er sich nach seinem Ausscheiden aus dem
politischen Leben zurückgezogen hatte.
Das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Texas verdiente Johnson
v

sich selbst, um dann in Houston seine erste Lehrerstelle anzutreten. Aber sein
politischer Ehrgeiz war ebenfalls erwacht, und im Jahre 1932 nahm ihn der
texanische Kongreßabgeordnete Richard M. Kleberg als seinen Sekretär mit nach
Washington. Johnson studierte in seiner Freizeit an der Georgetown-Universität
Jura, um dann drei Jahre später von Präsident Roosevelt als Regionalleiter des
amerikanischen Jugendwerkes nach Texas entsandt zu werden. Bereits 1937 konnte er eine Nachwahl für den Kongreß für sich entscheiden, während er vier Jahre
später eine Nachwahl für den Senat nicht gewinnen konnte - übrigens die einzige verlorene Wahl in seinem Leben. Im Repräsentantenhaus, in das er von 1938
bis 1946 alle zwei Jahre regelmäßig wiedergewählt wurde, war er ein entschiedener Verfechter der "New Deal"-Politik, die Präsident Roosevelt konzipiert
hatte. Soziale Gerechtigkeit war für ihn ein echtes Anliegen, das sich in

-2-

�in seiner eigenen Konzeption von der "Großen Gesellschaft" und dem "Krieg
gegen die Armut" niederschlug, deren Ziel das war, was heute als "Qualität
des Lebens" bezeichnet wird.
Im Jahre 1948 zog Johnson dann als Senator in den Kongreß ein; 1953
wurde er Vorsitzender seiner Fraktion und hatte dieses Amt bis 1961 inne.
Maßvolle Haltung und staatspolitische Klugheit ließen ihn zu einem Politiker
werden, der Aufmerksamkeit erregte. Als er sich 1960 mit John F. Kennedy zusammen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei bewarb,
hatte er einen reichen Schatz an politischer Erfahrung. Wenn auch auf dem
Parteikonvent damals Kennedy zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde,
so wurde Johnson per Akklamation als Mitstreiter und Vizepräsidentschaftskandidat bestätigt.
Sein persönlicher und politischer Lebensweg ist ohne seine Familie nicht
denkbar - nicht ohne seine Frau Claudia Alta - oder besser bekannt als "Lady
Bird" - und seine beiden Töchter und seine Enkelkinder.
Johnsons persönlicher Stil war von Energie und Arbeit geprägt, und sein
Arbeitstag betrug meist 18 Stunden - was eine doppelte Besetzung der Sekretärinnenposten notwendig machte. Den Glanz und das Charisma seines Vorgängers
Kennedy mußte er durch unermüdlichen Einsatz ausgleichen. Dieser Einsatz galt
Amerika und der Gerechtigkeit und der Freiheit. Er glaubte nicht, daß einem
die Dinge einfach zufallen, und so mahnte er seine Landsleute und die Welt in
seiner letzten Botschaft über die Lage der Nation am 10. Januar 1967: "Denken wir bei allem Übel, das uns befällt, bei allen Ängsten, die wir ausstehen
müssen... daran, daß diejenigen, die die Segnungen der Freiheit ernten wollen,
sich wie Männer der Mühe unterziehen müssen, sie zu erhalten."

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4/1973

MINICOMPUTER-AUSSTELLUNG IM US-HANDELSZENTRUM IN FRANKFURT

--(AD)-- Eine Ausstellung mit angeschlossener Fachtagung, die ausschließlich
dem Thema "Minicomputer und Peripheriegeräte" gewidmet ist, findet vom 12.16.Februar 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4 statt. Über 50 amerikanische Hersteller von EDV-Geräten werden sich
an dieser Fachausstellung beteiligen, darunter rund ein Drittel, die neu auf
dem europäischen bezw. deutschen Markt sind.
Das Programm der Ausstellung umfaßt unter anderem:
Minicomputer, Terminals mit Sichtanzeigen, Tastatureingabeeinheiten,
Streifenlocher und Leser, Belegleser, Magnetbandgeräte und Kassettenrecorder,
Magnetbandreinigungs-und Wartungsgeräte, Plattenspeicher, Interface-Bausteine,
Datendrucker, Plotter, Mikrofilm-Plotter, Sprachsimulatoren, Signalumsetzer,
Digitalisiereinrichtungen, Videosysteme, Literatur und Software.
Die angeschlossene Tagung dauert vom 13.-16.Februar und befaßt sich mit
Neuentwicklungen sowie Anwendungsmöglichkeiten von Kleinrechnern einschließlich
der dazugehörigen Peripherie.Die Referenten sind EDV-Fachleute aus Europa und
den USA.
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4/1973

DIE ANTRITTSREDE PRÄSIDENT NIXONS

gehalten in Washington am 20. Januar 1973 anläßlich
seiner zweiten Amtseinführung

�Als wir vor vier Jahren hier zusammenkamen, war die Stimmung in Amerika
düster und gedrückt ob der Aussicht auf einen anscheinend endlosen Krieg
in Übersee und einen destruktiven Streit im eigenen Lande.
Wenn wir heute hier zusammenkommen, dann stehen wir an der Schwelle
einer neuen Ära des Friedens in der Welt.

Die zentrale Frage, die sich uns stellt, lautet: Wie sollen wir diesen
Frieden nutzen?
Seien wir entschlossen, daß diese Ära, in die wir jetzt eintreten,
nicht so sein wird, wie andere Nachkriegsepochen es oft waren; eine Zeit
des Rückzuges und der Isolierung, die zu Stagnation im eigenen Lande führt
und neue Gefahren in Übersee heraufbeschwört.

Seien wir entschlossen, daß diese Ära das sein wird, was sie werden
kann: Eine Zeit großer Aufgaben, in Größe gemeistert, in der wir den
Geist und die Verheißung Amerikas erneuern, da wir in unser drittes Jahrhundert als Nation eintreten.

Das vergangene Jahr brachte weitreichende Ergebnisse unserer neuen
Politik für den Frieden.Durch die Neubelebung unserer traditionellen
Freundschaften

und durch unsere Reisen nach Peking und nach Moskau konnten

wir die Basis für ein neues und dauerhafteres System von Beziehungen
zwischen den Völkern der Welt schaffen. Aufgrund der kühnen Initiativen
Amerikas wird man sich an 1972 noch lange als an das Jahr erinnern, in dem
der größte Fortschritt seit dem zweiten Weltkrieg in Richtung auf einen
dauerhaften Frieden in der Welt gemacht wurde.

Der

�Der Friede, den wir für die Welt anstreben, ist kein oberflächlicher
Friede, der nichts weiter als ein Zwischenspiel zwischen zwei Kriegen ist,
sondern ein Friede, der für spätere Generationen Bestand haben kann.

Es ist wichtig, daß wir sowohl die Notwendigkeit als auch die Grenzen
der Rolle kennen, die Amerika bei der Erhaltung dieses Friedens spielen
kann.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, diesen Frieden zu erhalten,
dann wird es keinen Frieden geben.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, die Freiheit zu erhalten,
dann wird es keine Freiheit geben.
Wollen wir uns jedoch völlig im klaren sein über die neue Art der
Rolle, die Amerika aufgrund der neuen Politik spielt, die wir im Laufe
dieser letzten vier Jahre eingeschlagen haben.

Wir werden unsere vertraglichen Verpflichtungen respektieren.

Wir werden nachdrücklich das Prinzip unterstützen, daß kein Land das
Recht hat, einem anderen seinen Willen oder seine Herrschaft gewaltsam
aufzuzwingen.

Wir werden in dieser Ära der Verhandlungen weiter auf die Begrenzung
der Nuklearwaffen und die Verringerung der Gefahr einer Konfrontation
zwischen den Großmächten hinarbeiten.

Wir werden unseren Teil zur Verteidigung von Frieden und Freiheit auf
der Welt beitragen, aber wir werden von den anderen erwarten, daß sie das
Ihre dazu beitragen.

Die

�Die Zeit ist vorbei, da Amerika die Konflikte aller anderen Länder
zu seinen eigenen gemacht hat

oder da es sich verantwortlich fühlte für

die Zukunft jedes anderen Landes oder da es sich anmaßte, den Völkern
anderer Länder zu sagen, wie sie ihre eigenen Angelegenheiten regeln sollten.

So wie wir das Recht eines jeden Landes respektieren, über seine
eigene Zukunft zu entscheiden, so erkennen wir auch an, daß jedes Land
die Verantwortung für die Sicherung seiner eigenen Zukunft trägt.

So wie auf die Rolle Amerikas bei der Erhaltung des Weltfriedens nicht
verzichtet werden kann, genauso wenig kann auf die Rolle jedes einzelnen
Landes bei der Erhaltung seines eigenen Friedens verzichtet werden.
Seien wir entschlossen, gemeinsam mit der übrigen Welt auf den Anfängen, die wir bereits gemacht haben, weiter aufzubauen. Wollen wir fortfahren, die Mauern der Feindschaft einzureißen, die die Welt zu lange getrennt haben, und an ihrer Stelle Brücken der Verständigung errichten auf daß die Völker der Welt, trotz tiefgehender Unterschiede zwischen den
Regierungssystemen, Freunde sein können.
Wollen wir ein Gebäude des Friedens in der Welt errichten, in dem
die Schwachen genauso sicher sind wie die Starken - in dem jeder das Recht
des anderen respektiert, in einem andersgearteten System zu leben - in
dem diejenigen, die andere beeinflussen möchten, dies durch die Stärke ihrer
Ideen und nicht durch die Macht ihrer Waffen tun.

Wollen wir diese hohe Verantwortung nicht als eine Bürde, sondern
freudig auf uns nehmen - freudig, weil die Chance, einen solchen Frieden
zu schaffen, die vornehmste Aufgabe ist, die ein Land auf sich nehmen
kann; freudig auch, weil wir nur dann eine große Nation bleiben werden,
wenn wir mit Größe unseren Verpflichtungen im Ausland nachkommen. Und
nur wenn wir eine große Nation bleiben, werden wir mit Größe unseren Ver-

- 3-

�Verpflichtlingen im eigenen Lande nachkommen können.

Wir haben heute die Chance, mehr zu tun als jemals zuvor in unserer
Geschichte, um das Leben in Amerika zu verbessern - um eine bessere Schulbildung, bessere Gesundheitseinrichtungen, bessere Wohnungen, bessere
Verkehrseinrichtungen, eine sauberere Umwelt zu gewährleisten - um die
Achtung vor dem Gesetz wiederherzustellen, um unsere Gemeinden lebensfreundlicher zu gestalten - um das von Gott gegebene Recht jedes einzelnen Amerikaners auf umfassende und gleiche Chancen sicherzustellen.

Da der Rahmen dessen, was nötig ist, so weit gesteckt ist - da der
Bereich dessen, was möglich ist, so groß ist, - sollten wir kühn sein in
unserer Entschlossenheit, diese Erfordernisse auf neue Weise zu erfüllen.
So wie die Errichtung eines Gebäudes des Friedens in der Welt es
erforderte, daß wir uns von der alten Politik abwandten, die versagt hat,
so erfordert es der Aufbau einer neuen Ära des Fortschritts im eigenen
Lande, daß wir von der alten Politik ablassen, die ebenfalls versagt hat.

In der Welt bedeutete der Übergang von der alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen, sondern vielmehr einen
besseren Weg zum Frieden.

Im eigenen Lande wird der Übergang von einer alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen sein, sondern vielmehr
ein besserer Weg zum Fortschritt.

In der Welt wie im eigenen Lande liegt der Schlüssel zu dieser neuen
Politik in der Verteilung der Aufgaben. Wir haben zu lange mit den Folgen
des Versuches gelebt, alle Gewalt und Verantwortung in Washington zu vereinen.

In
- 4-

�In der Welt wie im eigenen Lande ist die Zeit gekommen, da wir uns
von der herablassenden Politik des Paternalismus - des "Washington weiß
es am besten" - abwenden.
Jemand kann nur verantwortungsbewußt handeln, wenn er Verantwortung
trägt. Dies liegt in der Natur des Menschen. Wir sollten die Menschen im
eigenen Lande und die anderen Völker ermutigen, selbst mehr zu tun und
selbst mehr zu entscheiden. Wollen wir das, was wir für andere tun, nach
dem bemessen, was sie selbst für sich tun.
Das ist der Grund, warum ich heute nicht verspreche, daß die Regierung
schon alle Probleme lösen wird. Wir haben zu lange mit diesem falschen
Versprechen gelebt. Indem wir zu sehr auf die Regierung bauten, haben wir
mehr von ihr gefordert, als sie geben kann. Dies führt nur zu übersteigerten Erwartungen, zu geringeren Anstrengungen des einzelnen, und zu Enttäuschung und Frustration, die das Vertrauen in das, was die Regierung
und was die Bevölkerung leisten können, untergraben.

Die Regierung muß lernen, weniger von den Menschen zu nehmen, so
daß diese mehr für sich selbst sorgen können.

Jeder von uns sollte sich daran erinnern, daß Amerika nicht von der
Regierung, sondern vom Volke geschaffen wurde - nicht durch Wohlfahrt,
sondern durch Arbeit - nicht durch Zurückschrecken vor der Verantwortung,
sondern durch Übernahme von Verantwortung.

In unserem eigenen Leben sollte sich jeder von uns fragen: Was kann
ich selbst für mich tun, und nicht, was wird die Regierung für mich tun.

Bei den Aufgaben, vor denen wir gemeinsam stehen, sollte jeder von
uns fragen: Wie kann ich helfen, und nicht, wie kann die Regierung helfen.

Unsere

�Unsere Bundesregierung hat eine große und entscheidend wichtige Rolle
zu spielen. Ich versichere Ihnen, daß diese Regierung, wo sie handeln
sollte, mutig handeln, und führen wird. Aber genauso wichtig ist die Rolle,
die jeder einzelne von uns spielen muß, als Einzelperson und als Mitglied seiner eigenen Gemeinde.
Von

dem heutigen Tage an sollte sich jeder vpn uns zutiefst in

seinem Herzen verpflichten, seiner Verantwortung nachzukommen, seinen Beitrag zu leisten, seine Ideale zu verwirklichen, so daß wir gemeinsam ein
neues Zeitalter des Fortschritts für Amerika anbrechen sehen und gemeinsam - da wir jetzt den 200. Gründungstag unserer Nation begehen werden stolz sein können auf die Erfüllung des Versprechens, das wir uns und
der Welt gegeben haben.

Wo jetzt der längste und schwierigste Krieg Amerikas seinem Ende
entgegengeht, müssen wir erneut lernen, über unsere Meinungsverschiedenheiten mit Würde und Anstand zu debattieren. Und jeder von uns sollte
sich um jenes kostbare Gut bemühen, das die Regierung einem nicht geben
kann, nämlich um ein neues Maß an Respekt vor den Rechten und Gefühlen
des anderen und um ein neues Maß an Respekt vor der Menschenwürde, die
das kostbare angeborene Recht eines jeden Amerikaners ist.

Und vor allem anderen ist jetzt die Zeit für alle Amerikaner gekommen,
den Glauben an uns selbst und an Amerika zu erneuern.

In den letzten Jahren ist dieser Glaube in Frage gestellt worden.

Unseren Kindern ist gesagt worden, sie müßten sich ihres Landes,
ihrer Eltern, der Taten Amerikas hier im eigenen Lande und seiner Rolle
in der Welt schämen.

Bei jeder Krise sind wir von denjenigen bedrängt worden, die an

- 6-

�an Amerika alles falsch und nur wenig richtig finden.

Aber ich bin zuversichtlich, daß dies nicht das Urteil der Geschichte
über diese bemerkenswerten Zeiten sein wird, in denen wir leben dürfen.

Was Amerika in diesem Jahrhundert geleistet hat, an Verantwortungsbewußtsein, an Großherzigkeit, an schöpferischer Kraft und an Fortschritt
ist ohne Parallele in der Weltgeschichte.

Wir können stolz darauf sein, daß unser System mehr Freiheit und mehr
Wohlstand hervorgebracht und gegeben hat - und zwar für mehr Menschen -,
als irgendein System in den letzten hundert Jahren der Geschichte der
Menschheit.
Wir können stolz darauf sein, daß wir in jedem der vier Kriege, in
denen wir in diesem Jahrhundert gekämpft haben - das gilt auch für denjenigen, den wir jetzt beenden - nicht für eigennützige Vorteile gefochten
haben, sondern um anderen zu helfen, einer Aggression zu widerstehen.

Wir können stolz darauf sein, daß wir mit unseren kühnen, neuen
Initiativen und mit unserem unerschütterlichen Eintreten für einen ehrenhaften Frieden einen Durchbruch erzielt haben, um in der Welt etwas zu
schaffen, was die Welt zuvor noch nie gehabt hat - ein Gebäude des Friedens
nicht nur für unsere Zeit, sondern für künftige Generationen.

Wir treten heute hier in eine Ära ein, die uns vor so gewaltige Aufgaben stellt, wie sie kein Land und keine Generation je zuvor zu bewältigen
hatte.

Wir werden Gott, der Geschichte und unserem Gewissen gegenüber dafür
verantwortlich sein, wie wir diese Jahre nutzen werden.
Wenn
- 7-

�Wenn ich jetzt hier an dieser so ehrwürdigen Stätte der Geschichte
stehe, dann denke ich an die anderen, die vor mir hier gestanden haben.
Ich denke an das, was sie sich für Amerika erträumt hatten, und ich denke
daran, wie jeder von ihnen sich darüber im klaren war, daß er Hilfe benötigte, die weit über seine eigene Kraft hinausging, um diese Träume
Wirklichkeit werden zu lassen. Heute bitte ich Sie, dafür zu beten, daß
ich in den kommenden Jahren Gottes Hilfe haben möge, um die Entscheidungen
zu treffen, die für Amerika richtig sind, und ich bitte Sie um Ihre Unterstützung, damit wir gemeinsam unserer großen Aufgabe gerecht werden können.

Wollen wir gemeinsam das feierliche Gelübde ablegen, die nächsten
vier Jahre zu den besten vier Jahren in der Geschichte Amerikas zu machen,
so daß Amerika an seinem 200. Geburtstag so jung und dynamisch sein wird
wie zu seinem Beginn und ein genauso

leuchtender Hoffnungsstrahl für

die ganze Welt.

Wollen wir von hier aus voranschreiten, zuversichtlich voll Hoffnung,
stark in unserem Glauben aneinander, gestärkt durch unseren Glauben an
Gott, der uns geschaffen hat, und in dem steten Streben, seinen Zielen zu
dienen.

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4/1973

AUSSENMINISTER ROGERS FORDERT NEUE FRIEDENSBEMÜHUNGEN IM NAHEN OSTEN

-Auszüge aus seiner Ansprache vom 17. Januar-

NEW YORK --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat sich
am 17. Januar für neue Friedensbemühungen,vor allem auch im Nahen Osten,eingesetzt. Rogers sprach auf einem Abschiedsessen für den scheidenden israelischen Botschafter Rabin . Nach einigen einleitenden Worten, in denen er die
Verdienste Rabins würdigte, führte der amerikanische Außenminister wörtlich
aus:
"Für die Motivierung der Politik eines Landes gibt es selbstverständlich
kein höheres Ziel als das Streben nach einem gerechten und dauerhaften Frieden. Diesem Ziel hat sich die amerikanische Außenpolitik verschrieben, nämlich eine Welt zu schaffen, in der der Soldat, wie im Falle von Botschafter
Rabin, hinter den Diplomaten zurücktritt. Präsident Nixon hat dies in seiner
ersten Amtseinführungsrede so ausgedrückt: »Wir wollen dort den Frieden
willkommen machen, wo man ihn nicht kennt; wir wollen dort den Frieden stärken, wo er schwach ist; wir wollen dort den Frieden dauerhaft machen, wo er
nur vorübergehend ist.1
In

-1-

�In den letzten vier Jahren haben wir dramatische, wenn auch nicht immer
glatte Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht. Wir werden während
der nächsten vier Jahre, wo immer dies notwendig sein wird, dieses Bemühen
mit allem Nachdruck fortsetzen.
Ohne Frage ist unser Erfolg beim drastischen Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten - zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China - ein wesentlicher Fortschritt in Richtung auf eine Zukunft in Frieden. Langjährige
von Zank und Streit getragene Beziehungen werden zu Beziehungen »einer gegenseitig nützlichen Zusammenarbeit*. Selbstverständlich werden fundamentale
Differenzen bleiben. Aber wir haben die feste Absicht, einen Rahmen beiderseitiger Verpflichtungen zu schaffen,durch den der natürliche Wunsch unserer
Völker nach einer von Krieg freien Welt gestärkt wird.
Für den von uns erzielten Fortschritt waren geduldige, einfallsreiche
und beharrliche Verhandlungen von entscheidender Bedeutung. Wenn wir unsere
realistische Hoffnung auf eine Generation des Friedens verwirklichen wollen,
dann sind weitere Fortschritte notwendig.
Wir werden in den kommenden Monaten jede Gelegenheit benutzen, um in
Richtung auf dieses Ziel weiterzukommen:
- Wir werden versuchen, mit der UdSSR nicht nur eine Begrenzung, sondern
eine Verringerung der strategischen Offensivwaffen zu erreichen. Wir haben bereits die Raketenabwehrsysteme (ABM) begrenzt und vereinbart, sie nicht für
eine Verteidigung unserer nationalen Hoheitsgebiete zu dislozieren. Wir müssen
jetzt danach streben, den Stand der strategischen Offensivkräfte, die die Bedrohung unserer jeweiligen Sicherheit darstellen, de facto abzubauen.
- Wir werden versuchen, eine größere Freizügigkeit von Personen und
Ideen in ganz Europa herbeizuführen. In einer Periode der Interdependenz und
der Entspannung wird ein besseres gegenseitiges Verständnis und ein verstärkter Austausch von Ideen und Menschen von entscheidender Bedeutung für einen

�einen stabilen Frieden sein. In diesem Zusammenhang ermutigt uns die kürzliche Äußerung von Parteichef Breschnew, daß 'die Möglichkeiten hier recht weitgesteckt sind', zu der Hoffnung, daß die kommende Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa einen Fortschritt in dieser Richtung bringen
wird.
- Wir werden eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa anstreben. Im Rahmen einer besser werdenden politischen
Atmosphäre in Europa kann eine beiderseitige Verringerung der Streitkräfte
weiter zum Abbau der Spannungen beitragen, während gleichzeitig die Sicherheit
beider Seiten gewährleistet wird. In den Vorbereitungsgesprächen, die in Kürze
beginnen, werden wir die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen zu diesem Zweck
im kommenden Herbst schaffen.
- Wir werden versuchen, im Jahre 1973 unsere Austausch-und Besuchsprogramme mit der Volksrepublik China auszuweiten und unseren Handel mit diesem Land
mindestens zu verdoppeln. Wir haben unseren Handel mit China bereits von weniger als fünf Millionen Dollar auf über 100 Millionen Dollar gesteigert und haben das erste bedeutsame Besucheraustauschprogramm seit 25 Jahren ins Leben gerufen. Wir sind über diesen Fortschritt erfreut und rechnen damit, daß er
stetig weiter zunimmt.
Es sind nicht große Worte, sondern Leistungen dieser Art, aus denen die
Grundlagen einer friedlichen Welt gebaut werden.
So haben wir eh und je versucht, einen dauerhaften und ehrenhaften Frieden in Vietnam herbeizuführen. Wie Sie wissen, war die Entscheidung des Präsidenten, die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung von Nordvietnam
einzustellen, das Ergebnis eines Fortschritts bei der jüngsten Verhandlungsrunde.
Der Frieden in Vietnam ist natürlich ein Hauptanliegen;es kann jedoch
keine Garantie für eine Generation des Friedens geben, solange es keine dauerhafte Regelung im Nahen Osten gibt.
Die

3-

�Die Vereinigten Staaten haben in den letzten vier Jahren diesem Ziel
ernsthafte und eingehende Bemühungen gewidmet - einem Ziel, das die Welt ein
Viertel Jahrhundert lang nicht erreichen konnte. Die Waffenruhe von 1970 entlang des Suezkanals - das Ergebnis einer amerikanischen Initiative, bei deren
Zustandekommen Botschafter Rabin eine wichtige Rolle spielte -, war ein Vorsignal. Die Kämpfe entlang des Kanals ruhen seit fast zweieinhalb Jahren, was
weiterhin für alle Beteiligten von Vorteil ist.
Noch sind keine Verhandlungen im Gange. Wir sind der Überzeugung, daß
eine Lösung nur durch einen - direkten oder indirekten - echten und bedeutsamen Verhandlungsprozeß erreicht werden kann. Die Entscheidung, in Verhandlungen einzutreten, erfordert keine Änderung der Zielsetzungen oder der Politik.
Verhandlungen setzen nur die Bereitschaft voraus, nach Lösungen zu suchen und
ernsthaft und überlegt die Möglichkeiten einer gegenseitigen Annäherung zu
prüfen. Verhandlungen können die gegenseitige Klärung der Vorstellungen und
die Festlegung

des letztlichen nationalen Interesses bringen, aus denen ein

dauerhafter Frieden erwachsen kann.
Als Präsident Nixon vor vier Jahren die Hoffnung zum Ausdruck brachte,
daß die Welt aus einer Ära der Konfrontation heraus-und in eine Ära der Verhandlungen eintreten werde, sprach er nicht ausschließlich über die Beziehungen
zwischen Supermächten. Er sprach von dem Fortschritt und von der Hoffnung, die
ein solcher Fortschritt für die Regelung von Streitigkeiten zwischen allen Nationen bietet. So haben also ernsthafte und umfassende Verhandlungen nicht nur
zwischen uns und der Sowjetunion und der Volksrepublik China stattgefunden,
sondern auf dem ganzen .Erdball haben Gegner Verhandlungen aufgenommen: die
Ostdeutschen mit den Westdeutschen, die Pakistanis mit den Indern, die Nordkoreaner mit den Südkoreanern. Ich glaube, es liegt auf der Hand, daß die
Politik des Präsidenten zu diesen begrüßenswerten Entwicklungen und zur Verbesserung des Friedensklimas in allen Teilen der Welt beigetragen hat.
Der

-4-

�Der Nahe Osten bildet weiterhin eine Ausnahme in den Bemühungen, Differenzen durch einen aktiven Dialog beizulegen. Das Nachlassen der Spannungen
zwischen den Großmächten, verbesserte Verhältnisse in anderen Ländern des
Gebietes und die Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichtes tragen
zusammen dazu bei, das Jahr 1973 zu einem günstigen Zeitpunkt für Verhandlungen zu machen. Wir sind überzeugt, daß beide Seiten - Araber und Israelis eine Lösung wünschen, die auf der Resolution des Weltsicherheitsrates vom
November 1967 beruht. Daher bleiben nach unserer Auffassung die Türen der
Diplomatie offen.
Wir sind weiterhin überzeugt, daß der realistischste Weg der wäre, mit
Verhandlungen über ein Interimsabkommen über den Suezkanal zu beginnen. Eine
solche Entwicklung würde:
- die militärischen Kräfte beider Seiten auseinanderrücken;
- die Waffenruhe festigen;
- zu einem Teilabzug der Israelis führen; und
- den Suezkanal für den Welthandel öffnen.
Der Abschluß und die Einhaltung des Interimsabkommens würde Vertrauen
schaffen und den Bemühungen um eine endgültige Regelung Auftrieb geben. Das
Zustandekommen des Interimsabkommens wäre nicht der Abschluß eines Prozesses,
sondern ein erster entscheidender Schritt, um Verhandlungen über die Durchführung der Sicherheitsratsresolution Nr. 242 in ihrer Gesamtheit zu erleichtern.
Präsident Nixon hat öffentlich erklärt, daß wir dem Nahen Osten eine
sehr hohe Priorität einräumen werden. Wir werden uns aktiv darum bemühen
festzustellen, ob und wie wir den Beteiligten helfen können, einen echten
Verhandlungsprozeß in Gang zu bringen...."

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4/1973

DIE WAHL ZEIGT: DIE AMERIKANER WOLLEN DEN WANDEL
Von Louis Harris

&lt;

Louis Harris,der Präsident von Louis Harris
and Associates, hat sich in zwei Jahrzehnten einen Platz als einer der bekanntesten
und meist geachteten Meinungsforscher der
Welt erobert. Seine Voraussage des überwältigenden Sieges Nixons traf das Endergebnis um zwei Zehntel Prozent. Diese erfolgreiche, genaue Vorhersage ist jedoch nach
seinen eigenen Worten "nicht das, worum
es bei der Meinungsforschung geht. Der
'Existenzgrund1 für die Meinungsumfragen
ist vielmehr die Erweiterung des Verständnisses für das, was vorgeht hinsichtlich
der treibenden Kräfte bei einer bestimmten
Wahl - und was dies über die Zukunft erkennen läßt". Aus seiner Überzeugung heraus,
daß die Öffentlichkeit ein Recht hat, die
Kriterien und die Methoden zu erfahren, die
seinen Schlußfolgerungen zugrunde liegen,
hat er der amerikanischen Kongreßbibliothek
die kompletten Unterlagen seiner politischen
Meinungsumfragen zur Verfügung gestellt,die
er bei den Wahlen 1968 und 1972 durchführte.

Der entscheidende Punkt bei den amerikanischen Wahlen im Jahre 1972 war
der, daß die Vereinigten Staaten geteilt waren zwischen den Kräften, die für
den Wandel eintraten und den Kräften, die keinen Wandel wollten. Es ging

-1-

�ging nicht um einen Wettkampf zwischen einer ideologischen Rechten und einer
ideologischen Linken mit einer "ausschlaggebenden" Mehrheitsgruppe in der
Mitte.
Nach meiner Auffassung ist es unmöglich zu begreifen, was bei diesen
Wahlen vor sich ging, ohne diese grundlegenden Fakten zu erkennen. Der entscheidende Punkt bei den Wahlen im November vorigen Jahres scheint mir zu
sein, daß Richard Nixon offensichtlich diese Lehre von einer sich verändernden Wählerschaft sehr gut begriffen hat, was die zentrale Frage der Außenpolitik angeht. Und am Ende gelang es ihm, eine Mehrheit zustandezubringen,
die sich aus Anhängern der Gruppe des Wandels und der des "Nichtwandeis"
zusammensetzte.
Die Zukunft des politischen Prozesses in den Vereinigten Staaten, so
wie wir sie heute sehen, kündet mehr Wandel,mehr Unbeständigkeit seitens der
Wählerschaft an als etwa eine Festigung, eine Verhärtung oder etwa eine
neue Mehrheit um einen amorphen Mittelpunkt herum.
Bis 1976 wird sich die für den Wandel eintretende Gruppe, die sich bereits jetzt auf rund 50 Prozent der Wählerschaft vergrößert hat, wahrscheinlich auf 55 Prozent erhöhen.
Eines können wir nach der Wahl von 1972 sicherlich sagen: Die neue,
höchst unabhängige Gruppe, die den Wahlzettel nicht einfach nach der Partei
ausfüllt, sondern die genau differenziert und für den Wandel eintritt, wird
die treibende Kraft in der amerikanischen Politik sein. Und jeder Politiker,
der das ignoriert, wird das zu seinem Nachteil tun.
Lassen Sie mich mit einigen grundlegenden Fakten des politischen Lebens
beginnen, wie sie weitgehend existierten, bevor der Wahlkampf 1972 überhaupt
angefangen hatte,und wie sie sich heute,nachdem das alles vorbei ist, nicht
verändert haben.
Tatsache Nr. 1: Obwohl ein Präsident im Amt mit einem Erdrutsch wiedergewählt worden ist, fühlen sich mehr als vier von zehn Amerikanern im Alter
von 18 Jahren und darüber der Führung öffentlicher und privater amerikani-

-2-

�amerikanischer Institutionen entfremdet. Seit 1966 hat diese Entfremdung in
unserer Bevölkerung dramatisch zugenommen.
Tatsache Nr. 2: Im Brennpunkt dieser Entfremdung stehen nicht entfernt
so stark die vielbehandelten Ziele wie die protestierende Jugend, die militanten Schwarzen oder drogensüchtige Hippies oder Langhaarige, die obszöne
Worte gebrauchen, sondern das Ziel, auf das es hinausläuft, kann am besten
als das "Establishment" bezeichnet werden - die Leute, in deren Händen die
beherrschenden Institutionen in unserem Lande liegen.
Hier ein paar Beispiele dafür, wie sehr das Establishment -das öffentliche wie das private- in der Gunst der Öffentlichkeit im Verlauf der
letzten sechs Jahre gesunken ist: die Medien - Presse und Fernsehen - und
zwar, was das Vertrauen in sie anbetrifft, von 29 auf 18 Prozent; das Oberste
Bundesgericht von 51 Prozent auf 28 Prozent; die Exekutive der Bundesregierung von 41 Prozent auf 27 Prozent; der Kongreß von 41 Prozent auf 21 Prozent; die militärische Führung von 62 Prozent sogar bis auf 35 Prozent; die
Geschäftsleute und Unternehmer von 58 Prozent auf 27 Prozent.
Diese Zahlen weisen warnend darauf hin, daß die amerikanische Bevölkerung - falls sich die Qualität des Lebens in den USA nicht verbessert durchaus gewillt und bereit ist, diejenigen, die jetzt auf dem Thron der
Macht sitzen, von ihren Posten zu verdrängen und zwar sowohl im öffentlichen
wie im privaten Sektor. Und es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Rahmen
des politischen und wirtschaftlichen Systems der Vereinigten Staaten dazu
durchaus die Macht haben.
Tatsache Nr. 3: Aber Veränderungen noch grundlegenderer Art haben in
unserer Wählerschaft seit 1968 stattgefunden - Veränderungen, wie sie sich nie
zuvor in einem vergleichbaren Zeitabschnitt von vier Jahren in unserer modernen Geschichte vollzogen haben. Bei einer Wählergruppe, der ganz besondere
Aufmerksamkeit zuteil wurde, zeigte sich die Tendenz, sich jedem Wechsel in
wachsendem Maße zu widersetzen. Was die Gemüter der Angehörigen dieser Gruppe
erhitzt, sind Fragen wie die Bemühung um rassischen Ausgleich in den Schulen

-3-

�Schulen durch das neu eingerichtete Schulbussystem; Amnestie für landesflüchtige Wehrdienstverweigerer; Straferleichterung für den Besitz von Marihuana,
wobei die Ansicht vertreten wird, daß die Richter und andere Organe des
Rechtsvollzugs in den Vereinigten Staaten schon seit langem hier viel zu
nachsichtig gewesen seien. In dieser Gruppe finden sich unter denen, die
besonders empfindlich auf alle diese Fragen reagieren, vor allem Vertreter der
Altersgruppe über 50, Gewerkschaftsmitglieder; Leute, die überwiegend nur eine
Grundschulbildung besitzen sowie Kleinstadtbewohner und viele aus der Einkommensgruppe zwischen 5 000 und 10 000 Dollar jährlich.
Man hat diese Gruppe Amerikas Mitte - oder auch die schweigende Mehrheit genannt. Das besondere Kennzeichen der in dieser Gruppe vereinigten Wähler besteht aber darin, daß ihr zahlenmäßiger Anteil an der Gesamtheit der Wählerstimmen zurückgeht.
Insgesamt betrug der Anteil dieser Gruppen - die man vielleicht als
Koalition des Patt oder des Status quo bezeichnen könnte - an der Gesamtwählerzahl im Jahre 1968 noch etwa 55 Prozent, im Jahre 1972 aber nur noch 50 Prozent .
Eine ganz andersartige Gruppe findet man bei den Wählern unter 30 Jahren,
unter denen, die sich selbst als unabhängig bezeichnen und sich an keine politische Partei gebunden fühlen. Personen, die in den Vorstädten leben, die
ein gewisses Maß an Collegeausbildung erhalten haben und deren Einkommen in
der Größenordnung von 15 000 Dollar jährlich und darüber liegt.
Das besondere Kennzeichen dieser neuen "Koalition für Wandel und Veränderungen" besteht darin, daß die zu ihr Gehörigen von einer ganz anderen Reihe
von Problemen bewegt und bedrängt werden. Für sie ist die Qualität des Lebens
ein Anliegen besonderer Wichtigkeit, sie wünschen schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Luft-und Wasserverschmutzung. Sie waren bei den 1972er Wahlen führend in der Aufstellung und Propagierung von Referenden für Maßnahmen zum Umweltschutz. Sie befürworten die Legalität der Abtreibung bis zum dritten
Schwangerschaftsmonat; Zwei Drittel von ihnen haben nichts gegen lange Haare

-4-

�Haare und die neuen Formen von Mode und Verhalten bei der Jugend. Vor allem
aber wollen sie zu einer Ära des Friedens gelangen anstelle der Konfrontation,
die die Gefahr birgt, zu einem nuklearen Krieg zu eskalieren. Die Mehrheit dieser Menschen ist prinzipiell für Veränderungen - für konkrete und pragmatische nicht ideologische - aber für reale Veränderungen. Wenn Präsident Nixon eine
"Veränderung, die sich bewährt" in Aussicht stellte, so war das eine Sprache,
die von diesem Menschen verstanden wurde, und viele fanden den Präsidenten
denn auch überzeugend.
Ohne Ausnahme hat diese Koalition, die für Veränderungen eintritt, ihren
zahlenmäßigen Anteil an der Wählerschaft verstärkt. Es ist mehr als genug
über den Einfluß der Jungwähler auf die Gesamtzahl der Wählerstimmen gesagt
worden. Tatsache ist jedenfalls, daß von den geschätzten 18 Prozent bei den
Wahlen im Jahre 1968 zu den 24 Prozent der im Jahre 1972 registrierten Stimmen
ein Zuwachs von 6 Prozent erfolgte.Dies zeigt, daß die Jungwähler keinesfalls
die Wählergruppe waren, die den rapidesten Zahlenanstieg verzeichnete. Die Zahl
der Unabhängigen ist von 16 Prozent bei den Wahlen vor vier Jahren auf 22 Prozent im Jahre 1972 - und damit ebenfalls um 6 Prozent - gestiegen. Die Zahl der
Wähler aus den Vorstädten schnellte von 27 auf 33 Prozent, ist also ebenfalls um
6 Prozent höher. Die Wähler mit Collegebildung machten im Jahre 1968 nur 27 Prozent der Gesamtwählerzahl aus und stiegen um 8 Prozent auf 35 Prozent im Wahljahr 1972. Und die Wähler aus der Gruppe mit einem Jahreseinkommen von 15 000
Dollar und darüber schnellte von 11 auf 20 Prozent und verzeichnete damit eine
Zunahme um neun Prozent.
Als Ganzes genommen stellte diese Gruppe, diese neue Koalition für den
Wandel, im Jahre 1968 rund 45 Prozent der Wählerschaft, aber im Jahre 1972 gehörten ihr schon rund 5o Prozent aller Wähler an: sie hat also mit der Gruppe,
die nicht für den Wandel ist, praktisch gleichgezogen.
In seiner langen Kampagne um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
der Demokraten hat Senator George McGovern von Anfang an eine zwiefältige
Strategie verfolgt: Einmal, daß er einen festen Ankerpunkt als derjenige

-5-

�derjenige Demokrat setzen würde, der für den Wandel und für die neue Politik
eintritt, und zum andern ging er davon aus, daß sich die Demokraten der Mitte
bei den Vorwahlen gegenseitig ausschalten würden. Darüberhinaus wollte er
eine Armee junger Leute mobilisieren, die bei den Vorwahlen ihre Stimme in
die Waagschale werfen konnten.
Diese Strategie hat offensichtlich bis zum Parteikonvent der Demokraten
und während des Konvents selbst funktioniert. Hubert Humphrey hat einen beträchtlichen Teil der Stimmen für Muskie auf sich gezogen, und John Lindsay
und Henry Jackson ging der Atem aus. Die große Überraschung der Vorwahlen war
jedoch die Staerke von George Wallace auch außerhalb des Südens. Das Phänomen
Wallace und das Phänomen McGovern zeigte damals eines gemeinsam, nämlich eine
grundsätzliche Anziehungskraft: Beide fanden Anklang bei den 47 Prozent der
Wählerschaft, die entfremdet waren,und beide kamen der Enttäuschung der Wähler
über das Establishment, vor allem das Big Business, und dem weitverbreiteten
Wunsch nach Steuerreform entgegen.
Trotz der übertriebenen Behauptungen der Manager von McGovern, daß dieser
eine Mehrheit unter den eingeschriebenen Demokraten habe, zeigten ihre eigenen
Meinungsumfragen in den Einzelstaaten, in denen Vorwahlen stattfanden, daß
seine Anhängerschaft im Durchschnitt kaum über die 30 Prozent-Marke hinauskam.
Unsere eigene Höchstnotierung für McGovern bei den Demokraten lag bei 27 Prozent. Für Wallace ging sie nie über 22 Prozent hinaus.
Zu Ende der Vorwahlen hatte sich die Demokratische Partei in eine Position
hineinmanövriert, in der ihr nichts anderes übrig blieb, als einen Kandidaten
unter den Minderheitsanwärtern auszusuchen.
Die Verlagerung der Stimmen, die sich von Wallace ab-und Nixon zuwandten
und zwar in einem Verhältnis von 80 zu 20, hat Anfang Juni wahrscheinlich die
Chancen von George McGovern zunichte gemacht, das Weiße Haus zu erobern. Unsere
eigenen Meinungsumfragen zeigten, daß die entscheidende Periode der Stimmenabwanderung von McGovern nicht etwa während oder nach der Eagleton-Affäre lag
(als McGovern seinen designierten Vizepräsidentschaftskandidaten aufgeben mußte,
weil sich dieser früher einer psychiatrischen Behandlung unterzogen und dies

-6-

�dies verschwiegen hatte - d.R.) und sicherlich auch nicht auf den Parteikonvent der Demokraten zurückzuführen war, der bedeutsamer, ansprechender und
interessanter war als der Konvent der Republikaner. McGovern geriet bereits
in der letzten Woche der Vorwahlen in Kalifornien Anfang Juni auf die Bahn
nach unten.. Es war nämlich in Kalifornien, als Senator Humphrey mit seinem
Angriff auf das Steuerreform-Einkommensneuverteilung-Wohlfahrtsreform-Paket
den wunden Punkt seines Rivalen fand. Dieser Vorschlag McGoverns wurde unauslöschlich von dem Versprechen geprägt, jedem Mann, jeder Frau und jedem
Kind einfach 1 000 Dollar im Jahr aus dem großen Topf der Bundesregierung zu
geben. Diese Idee wurde von den Wählern selbst rundweg abgelehnt, und zwar
mit 73 gegen 15 Prozent, und dieser Vorschlag hing McGovern bis zum Wahltag
an. Noch am Wochenende vor dem Wahltag fand eine Mehrheit von 62 gegen 24 Prozent diesen Einkommensneuverteilungsplan einfach zu "radikal".
Man hat heute bereits vergessen, daß McGovern im Mai vorigen Jahres in
unseren Umfragen nur sieben Punkte hinter Präsident Nixon zurücklag - mit
einem Verhältnis von 48 zu 41 Prozent. Er lag im Osten der USA in Führung und
kam im Mittelwesten und im Westen bis knapp an Nixon heran. Er lag in den
Großstädten klar vorn und in den entscheidend wichtigen Vororten nur um wenige
Punkte zurück. Er lag bei der Jugend an der Spitze und bei den Unabhängigen
nur um einen Punkt zurück, und bei der Einkommensgruppe um 15 000 Dollar pro
Jahr und darüber nur um sechs Punkte zurück. Er hatte eindeutig eine goldene
Chance, eine Koalition des lebendigen Wandels zustandezubringen, die ihn praktisch an den Präsidenten herangebracht hätte. Zusammen mit seiner Führung von
vier gegen eins bei den Schwarzen hätte er es im November durchaus schaffen
können.
Nach den Vorwahlen in Kalifornien im Juni fiel McGovern jedoch von sieben Punkten Rückstand auf 16 Punkte zurück. Er war auf 20 Punkte Rückstand
zurückgefallen, bevor der Parteikonvent der Demokraten noch begonnen hatte,
und kam nach der Eagleton-Affaire mit 23 Punkten Rückstand heraus. Die eigentliche Auswirkung der Eagleton-Episode bestand darin, daß er bei den jungen
Menschen unter Dreißig endgültig die Führung verlor, denn mit zwei gegen eine

-7-

�eine vertrat die Gruppe, mit der er so stark gerechnet hatte, die Auffassung,
daß

McGovern in der Frage der geistigen Gesundheit - also einer vernünfti-

gen Frage - einen unvernünftigen Standpunkt eingenommen und sich im übrigen wie
ein Politiker üblichen Stils verhalten habe.
Den letzten Anstoß gab dann das Bemühen McGoverns, die Einheit in den
demokratischen Reihen dadurch wiederherzustellen, daß er bei den Gewerkschaften und den katholischen Wählern mit den üblichen massiven Wahlversprechungen
Boden zu gewinnen versuchte, gleichzeitig gegen die Gesetze für ein Recht auf
Arbeit loszog, sich gegen Lohnkontrollen wandte und für eine Unterstützung
von Konfessionsschulen aussprach und in der Abtreibungsfrage Rückzieher machte.
Langsam aber sicher verlor er immer mehr an Boden bei seinen ursprünglichen Anhängern unter der Koalition für einen Wandel.
Mit anderen Worten, McGovern machte sich selbst zu dem eigentlichen Thema
des Wahlkampfes 1972 und verlor in diesem Prozeß seine eigene Identität.
Aber wenn auch das Problem der Person McGoverns schließlich zum zentralen
Faktor für den Ausgang der Wahlen des Jahres 1972 wurde, so bleibt immer noch
die schwierige Frage: Wie konnte Richard Nixon, der als Präsident im Weißen
Haus saß und von A3 Prozent der Wähler für einen in seiner Grundeinstellung
"Konservativen" gehalten wurde, für einen Mann, den man gleichsam als Symbol
für das Establishment und den Verteidiger des Status quo setzen konnte, wie
konnte dieser Mann die Wahl fast 22 Punkte vor George McGovern gewinnen, der
mehr als jeder andere Demokrat im Jahre 1972 von seiner der Sache des Wandels
verschriebenen Partei nominiert worden war?
Mitte des Jahres, 1971 hatte die Beliebtheit Nixons etwa ihren Tiefstpunkt
erreicht, und es sah ganz so aus, als würde er sich mit einer Amtszeit als
Präsident zufriedengeben müssen. Die günstigste Beurteilung fanden allenfalls
noch seine Bemühungen um den Frieden in der Welt, und hier lag er punktmäßig
etwa bei 48 zu 48. Was die Kriegführung in Vietnam anbetraf, so wurde sie von
61 Prozent negativ beurteilt; zur Steuer-und Ausgabenpolitik äußerten sich
75 Prozent negativ; zur Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sowie zur
Verbrechensbekämpfung 63 Prozent negativ; zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

-8-

�1

71 Prozent negativ; zur Senkung der Lebenshaltungskosten 83 Prozent negativ;
zur wirtschaftlichen Stabilität und Gesundheit 73 Prozent negativ und zu der
Frage, ob er persönlich das Vertrauen ins Weiße Haus stärke, hatten 56 Prozent
eine negative Meinung.
Bei "Probeläufen"gegen die Demokraten lag Nixon bis zu sechs Punkten zurück,und die Demokraten hatten ihre Kampagne gegen ihn noch nicht einmal gestartet. Richard Nixon hatte in der Vietnam-Frage und bezüglich des Problems
Wirtschaft eindeutig Schwächen.
Im Sommer 1971 machte Nixon in seiner Einstellung zum Wähler eine Wendung
um 180 Grad. Er trat für den Wandel ein - nicht ideologisch,sondern sachlich,
nicht theoretisch, sondern praktisch.
In rascher Folge gab er seinen Besuch in Peking bekannt, dann verkündete
er am 15. August die Einfrierung aller Löhne und Preise. Das war der gleiche
Richard Nixon, der einmal gelobt hatte, er werde niemals zu Kontrollen Zuflucht
nehmen, um die wirtschaftlichen Übel des Landes zu beseitigen. Und schließlich
teilte er mit, daß er nach seinem Besuch in Peking auch zu einem Gipfeltreffen
in die Sowjetunion reisen werde. Mit der Präzision eines Chirurgen machte sich
Nixon daran, seine beiden offenkundigsten Angriffspunkte zu beseitigen - den
Krieg und die Rezession - und gleichzeitig erhob er den kühnen Anspruch, die
Wiederwahl als der Kandidat des Friedens zu gewinnen.
Die Ergebnisse dieser Strategie schlugen sich rasch in unseren eigenen
Umfragen nieder und sicherten ihm schließlich die Wiederwahl.
Die Gesamtbeurteilung Nixons im Amt durch die Öffentlichkeit verbesserte
sich von dem Tiefstand von 44 Prozent positiv im Juni 1971 auf 56 Prozent
positiv im Juni 1972 nach seiner Moskaureise und erreichte dann im Oktober
mit 59 bis 60 Prozent den höchsten Stand seit den glücklichen Tagen im Jahre
1969.
Was den Aspekt der Friedensarbeit anbetrifft,so stieg er von einem 48 zu
48 Gleichstand auf einen Vorsprung von 67 gegen 31 Prozent.
Was

-9-

�Was die Wirtschaft angeht, so wandelte sich die Mehrheit von 62 gegen
24 Prozent, die der Auffassung war, das Land befinde sich in einer Rezession,
bis Oktober in eine Mehrheit von 51 gegen 34 Prozent, die glaubte, die Rezession sei endlich vorbei. Die Mehrheit von 56 gegen 29 Prozent, die sich
hinsichtlich des Vertrauens negativ ausdrückte, verwandelte sich zum Zeitpunkt
der Wahl in eine Mehrheit von 51 gegen 41 Prozent, die dem Mann im Weißen
Haus ihr Vertrauen schenkte.
Der Wandel in der Einstellung der Wähler war augenfällig. Statt sechs
Punkte hintan zu liegen, endete Nixon mit einem Vorsprung von 22 Punkten
- was einen Umschwung von 28 Punkten bedeutet. Der Nettogewinn, den der Präsident bei der

Gruppe machte, die keinen Wandel wollte, belief sich auf

rund 16 Punkte, lag also um 12 Punkte niedriger als die Gewinnmarge bei
der Gesamtwählerschaft, die Nixon in den 18 Monaten erzielte. Bei der Gruppe
der für den Wandel eintretenden Wähler - der Jugend, den Unabhängigen, den
Vorstadtbewohnern, der Einkommensgruppe von 15 000 Dollar pro Jahr und darüber und den akademisch Gebildeten - machte die Zunahme die erstaunliche
Zahl von 36 Punkten gegenüber seinem Tiefstand aus - lag also um 8 Punkte
über dem Durchschnitt.
Der entscheidende Punkt ist, daß Richard Nixon aus der Position eines
potentiellen Verlierers im Sommer 1971 die Position eines Gewinners mit überwältigendem Abstand im November 1972 machte. Das bedeutsamste Element dieser Entwicklung ist die Tatsache, daß es ihm gelang, die fast sichere Opposition der Gruppen für den Wandel fest für sich zu gewinnen. Was für einen
Mann, der nie für sich in Anspruch nehmen konnte, daß seine persönliche Wärme
oder sein Charisma besonders angekommen wären, vielleicht noch wichtiger ist,
ist die Tatsache, daß es ihm jetzt zum ersten Mal gelungen war, eine beachtliche Mehrheit zu finden, die ihm die persönliche Fähigkeit zutraute, im
Weißen Haus Vertrauen auszustrahlen.
Es wird zwar heute oft das Gegenteil behauptet, aber die Außenpolitik
- der tiefe und echte Friedenswunsch des amerikanischen Volkes - hat ohne
Frage den Wettlauf zum Weißen Haus entschieden. Den zweifellos größten Vor-

-10-

�Vorsprung vor McGovern hatte Richard Nixon durch seine Fähigkeit und Möglichkeit, mit den Russen und Chinesen zu verhandeln:70 gegen 14 Prozent. Von
Vietnam angefangen bis zu den spektakulären Durchbrüchen in Peking und Moskau
war der dominierende Punkt, von dem aus sich die Wählerschaft ihr Haupturteil
bildete, Friede und Außenpolitik.
Das Urteil des amerikanischen Volkes über Richard Nixon entstand nicht
aus innenpolitischen Fragen, sondern aus der Frage des Friedens heraus nicht aus dem, was er sagte, sondern aus dem, was er tat. Die Öffentlichkeit
sieht seine Handlungen in der Außenpolitik als eine Option für den Wandel,
ja, den radikalen Wandel.
Im Grunde tat das Land bei der Wahl nichts anderes, als daß es Präsident
Nixon ein mächtiges "Mandat für den Wandel"übertrug, was die Friedenspolitik
und die Außenpolitik angeht - aber dem Kongreß ein ebenfalls mächtiges "Mandat
für den Wandel" auf dem Gebiet der Innenpolitik gab. In beiden Fällen bedeutet
das Mandat nach meiner Auffassung einen Auftrag für einen pragmatischen Wandel,
einen "Wandel, der funktioniert", wie Nixon es selbst ausgedrückt hat, und
nicht für den Status quo.
Richard Nixon mag vielleicht keine neue und dauerhafte politische Mehrheit zusammenschweißen. Er war im Jahre 1972 eher so etwas wie eine Brücke
zwischen dem Alten und dem Neuen. George McGovern konnte am Ende weder das
Alte noch das Neue für sich gewinnen - und bisher ist es weder der einen
noch der anderen der beiden großen politischen Parteien - Demokraten und Republikaner - gelungen, sich an und mit der neuen Gestaltung der Wählerschaft
zu messen.
+4-H-

-11-

�amerika dienst
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53

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4/1973

DIE KOMMENDEN AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN HANDELS-UND WAHRUNGSVERHANDLUNGEN
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

NEW YORK --(AD)— Der scheidende amerikanische Handelsminister Peter G.
Peterson, dessen Nachfolge Frederick Dent antritt, hat am 18. Januar vor
dem Conference Board von New York über die kommenden Verhandlungen der USA
mit ihren westlichen Handelspartnern gesprochen. Die Rede, die den Titel
"Die Auswirkung einer sich verändernden Wirtschafts-und Währungspolitik
auf den internationalen Handel: Unsere kommenden Verhandlungen mit unseren
westlichen Partnern"trägt, hat folgenden Wortlaut:
Sie haben mich gebeten, heute abend zu Ihnen über die Frage unserer kommenden Verhandlungen mit unseren westlichen Handels-und Sicherheitspartnern
zu sprechen.
Wenn man von der außerordentlichen Bedeutung, ja dem Schwierigkeitsgrad
der Verhandlungen ausgeht; wenn man von der Tatsache ausgeht, daß noch immer
kritische Studien über alternative Verhandlungsziele und - Strategien entwickelt werden; und wenn man davon ausgeht, daß mein Status als Regierungsbediensteter nur noch auf Wochen begrenzt ist, dann glaube ich, daß ich am

-1-

�besten zwei Dinge tue: Erstens möchte ich unterstreichen, daß das, was ich
hier vortrage, meine persönlichen und vorläufigen Auffassungen sind und keine
amtlichen oder endgültigen. Zweitens möchte ich mich mehr auf die allgemeinen
umrisse einer möglichen Tagesordnung konzentrieren und nicht so sehr auf die
spezifischen amerikanischen Standpunkte, die eingenommen werden könnten.
Es liegt auf der Hand, daß diese Entscheidungen noch nicht getroffen worden
sind und in jedem Fall vom Präsidenten getroffen werden müssen.
Es ist nun einmal eine Tatsache im Leben, ob man dies wahrhaben will
oder nicht, daß jede Beziehung, sei es zwischen Einzelpersonen oder zwischen
Völkern, gepflegt werden muß und im Denken und Fühlen der jeweiligen Beteiligten nicht als zweitrangig deklassiert werden darf, wenn dies nicht zu einer
Verschlechterung führen soll.
Es gibt ernsthafte, denkfähige und besorgte Bürger auf beiden Seiten
des Atlantiks und Pazifiks, die der Überzeugung sind, daß unsere alten und
wertvollen Beziehungen zu den Ländern Westeuropas, zu Japan und Kanada in
Gefahr sind, sich auf diese Weise zu verschlechtern. Diese Leute sagen, daß
wir zu sehr mit den historischen Initiativen des Präsidenten gegenüber der
Sowjetunion und China und natürlich mit dem Vietnamproblem beschäftigt seien.
Diese Leute sagen ferner, daß die Gewinne aus den Initiativen gegenüber
Rußland und China zwar unschätzbar groß gewesen seien, daß jedoch unsere unbeabsichtigte Vernachlässigung Europas und unserer anderen wichtigen Partner das Ganze zu einem nicht ganz reinen Segen werden lassen könnte.
Diese Initiativen drängen offensichtlich vielen Europäern die Auffassung
auf, die Vereinigten Staaten hielten die zugrundeliegenden Motive oder zumindest die ursprünglichen Gründe für das Bündnis - politisch und sicherheitsmäßig gesehen - für nicht mehr so dringend und die Vereinigten Staaten
seien trotz unserer ethnischen, politischen, geistigen und wirtschaftlichen

-2-

�wirtschaftlichen Bindungen indifferent geworden . Es wäre eine Ironie des
Schicksals und ein politischer Verlust von ungeahnten Ausmaßen, wenn wir,
weil wir uns gegenüber dieser möglichen europäischen Schlußfolgerung taub
stellen, uns der Beschuldigung aussetzen würden, zwar die Sowjetunion und
China "zu gewinnen", aber Europa "zu verlieren". Der Präsident ist sich
darüber selbstverständlich völlig im klaren, und ich ganz sicher, daß er
und seine Berater den gleichen Einfallsreichtum und die gleiche Hingabe einsetzen werden, um die unerläßlichen alten Bindungen zu stärken, wie sie sie
benutzt haben, um neue Beziehungen zu China und der Sowjetunion zu schaffen.
Ich glaube, man darf in diesem Zusammenhang jedoch fairerweise auch
sagen, daß einige unserer Verbündeten sich unseren Empfindungen gegenüber
ebenso taub gestellt haben wie wir uns möglicherweise gegenüber den ihrigen.
So haben sie beispielsweise - befangen in ihrem Drang, die Europäische Gemeinschaft auszuweiten - die Ausbreitung von Präferenzabkommen bis zu einem
Ausmaß betrieben, das weit über das hinausgeht, was wir aus unserer ursprünglichen Politik der Unterstützung einer erweiterten Gemeinschaft erwarten
konnten.
Der Gemeinsame Markt, der als ein positiver Schritt zum wirtschaftlichen Wachstum konzipiert wurde, hat mehr und mehr den Charakter eines wirtschaftlichen Schutzwalles angenommen. Es ist nur ein kleiner, aber gefährlicher Schritt von der Vorstellung, daß einen gemeinsame Bande mit einem
oder mehreren Ländern verbinden, zu der leichten, aber trügerischen Fortsetzung des Gedankens, daß die Anerkennung der Bindung eine Form annehmen
kann, die in der Mißachtung der Interessen besteht, welche man mit jenen
außerhalb der Gruppe teilt.
Die Geringschätzung der legitimen Besorgnisse des anderen sowohl seitens der Europäer als der Amerikaner droht nicht nur auf Kosten der Wirtschaft beider Seiten zu gehen, sondern auch auf Kosten des Verlustes

-3-

�Verlustes unseres Gefühls der gemeinsamen Zielsetzung. Wenn diesen Entwicklungen nicht gesteuert wird, dann könnten sie leicht zu verstärkter Bitterkeit und der Forderung nach einseitigen, in wachsendem Maße isolationistischen und, wie ich meine, selbstzerstörerischen Konfrontationen führen. Es
gehört bei uns schon zu den traditionellen Formulierungen bei internationalen
Beziehungen, von unseren "besonderen Beziehungen" zu Westeuropa zu sprechen.
In früheren Zeiten war einigermaßen klar, was wir mit dieser Formulierung
meinten. Heute jedoch, angesichts der kühnen Initiative des Präsidenten gegenüber der Sowjetunion und China und angesichts des raschen Wachstums der wirtschaftlichen Macht des Gemeinsamen Marktes, müssen wir diese besondere Beziehung neu definieren und ihr eine neue praktische und auch menschliche Bedeutung geben. Darüberhinaus ist es so, daß wir, wenn wir dies erfolgreich tun
wollen, mit einigen der herkömmlichen Denkweisen über unsere Beziehungen
brechen müssen. Bisher haben wir traditionsgemäß wirtschaftliche Probleme
ausschließlich durch wirtschaftliche Mittel und Wege behandelt. Heute sprechen beide Seiten erneut von "wachsendem wirtschaftlichem Druck" gegeneinander und zwar in voller Wechselseitigkeit. Die Einstellung war: Quote für
Quote und Zollsatz um Zollsatz. In wachsendem Maße messen Handelsminister Sieg
oder Niederlage nach diesem engen Maßstab, statt von einer umfassenden Gesamtaufrechnung der allgemeinen und beiderseitigen Interessen unseres Bündnisses
auszugehen. Die gleiche Einstellung ist leider auch die Regel gewesen, wenn
es um Verteidigungs-, Währungs- und Entwicklungshilfefragen ging. Nach meiner
Überzeugung kann diese herkömmliche und vielleicht engstirnige Einstellung
in der Zukunft nur magere Ergebnisse bringen.
Ich meine, wir sollten uns überlegen, die Vorstellung von getrennten Konten und getrennten Hauptbüchern aufzugeben, und nach einer Symmetrie in unseren Gesamtbeziehungen streben, statt nach einem Ausgleich auf jedem einzelnen
Konto. Angemessener Vorteil ist die erste Regel eines effektiven Managements

-4-

�1

Managements der Mittel. Das sollte auch für die Beziehungen unter Nationen
auf den Gebieten der Politik, der Sicherheit, der Wirtschaft und des Sozialwesens gelten. Die Teilung der Lasten braucht nicht auf die einzelnen Sektoren
beschränkt zu bleiben, sondern kann über sie hinausgehen. Als Beitrag zu den
gemeinsamen Zielen des Friedens, der Prosperität und der Verbesserung der
Lebensqualität sind Handelskonzessionen, Währungsanpassungen, Militärhilfe,
Auslandshilfe und technologisches know-how in einem gewissen Sinne konvertible
Währungen.
Die Probleme,vor denen wir heute stehen, sind überall bekannte Probleme.
Einige von ihnen gehören zur Tradition: Sicherheit und das Streben nach wirtschaftlicher Prosperität; andere sind relativ neu und sind ironischerweise
aus der Art und Weise entstanden, in der wir in der Vergangenheit unsere mehr
traditionellen Probleme gelöst haben. Zu dieser Kategorie gehören der Raubbau
an natürlichen Hilfsquellen - vor allem der Energie - und die immer drängender
werdenden Probleme der "Qualität des Lebens". Die Hilfsquellen, die uns für
die Lösung dieser Probleme zur Verfügung stehen, sind endlich, aber endlich
bedeutet nicht gleichmäßig verteilt. So wie unsere gerneinsamenProbleme sich
in unterschiedlichem Grade auf eine unterschiedliche Zahl im Bündnis auswirken, so ist auch unsere Fähigkeit, mit ihnen fertig zu werden, unterschiedlich. Schon die Vernunft gebietet deshalb, bei der Aufteilung der Lasten nicht
nach einem bilateralen Ausgleich auf jedem einzelnen Konto zu suchen. Die Beziehung, die wir anstreben, ist eine totale Beziehung - eine Beziehung, bei
der die Beiträge der Partner einander ergänzen, eine Beziehung mit einer echten Aufteilung , eine Beziehung, bei der man nicht von der Frau erwartet, daß
sie die halbe Männerarbeit übernimmt, weil der Mann die halbe Frauenarbeit
übernimmt.
Die Situation, vor der wir stehen, birgt eine ungewöhnliche Herausforderung. Wenn wir sie ignorieren, könnten wir noch weiter von unseren europäischen Partnern wegtreiben. Das Tückische an dieser Art des Wegtreibens ist,
daß man es nicht bemerkt. Es ist nur zu leicht, an einem unerwünschten Ziel

-5-

�Ziel anzukommen, ohne daß man bemerkt hat, daß man an den richtigen Wegweisern
vorbeigegangen ist.
Kriege werden selten geplant, Länder treiben in sie hinein. In ähnlicher
Weise werden wirtschaftliche Konfrontationen selten mit Absicht herbeigeführt.
Niemand wollte, daß die beiden Kriege in den dreißiger Jahren stattfanden, und
doch haben sie stattgefunden, und ihre verheerenden Auswirkungen auf den Welthandel sind erst nach dem zweiten Weltkrieg korrigiert worden.
Wenn wir unseren Bindungen Stärke verleihen wollen, dann wird dies positive Schritte erfordern; es wird die Artikulierung gemeinsamer Entschlüsse, gemeinsamer Ziele, gemeinsamer Projekte und gemeinsamer Interessen erfordern. Darüberhinaus wird es erforderlich sein, daß sie ebensoweit in die Zukunft hinein
abgesteckt werden, wie der Präsident dies bei seinen Initiativen gegenüber
China und der Sowjetunion getan hat.

Mögliche Elemente einer Tagesordnung
Was könnten also die Elemente einer erfolgreichen Methode sein, um erstens
einige der großen Probleme zu lösen, vor denen die Vereinigten Staaten stehen,
und zwar ohne ein Anwachsen eines politisch-wirtschaftlichen Antagonismus gegenüber Europa, Japan und Kanada, der zu einem verstärkten Wirtschaftskrieg und
zu politischer Spaltung führen würde, und um zweitens in unseren Beziehungen
zu unseren Verbündeten wieder kooperative Verhaltensweisen zu schaffen, die
sowohl zu unserem beiderseitigen Wohlergehen als auch zu internationaler Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit in der übrigen Welt beitragen werden.
Wie ich es sehe, müßte wohl eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden.
Diese könnten eine mögliche, jedoch höchst vorläufige Tagesordnung für Verhandlungen abgeben, und ich muß immer wieder betonen, daß all dies vorläufige und
persönliche Überlegungen sind.
Das

-6-

�Das politische Wollen
Um die Lösungen für unsere vielen beiderseitigen Probleme zu finden,
muß irgendwie das politische Wollen auf den höchsten Regierungsebenen angeregt werden. Krieg ist eine viel zu bedeutsame Sache, als daß man sie den
Generalen überlassen könnte, und Handel ist eine zu wichtige Sache, als daß
man sie den Handelsministern überlassen könnte. Und so meine ich, daß die
Kombination all unserer beiderseitigen Probleme eine zu wichtige Sache ist,
als daß man sie jemand anders als den Staats-oder Regierungschefs überlassen könnte. Ich weiß, daß es Leute gibt, die sagen, die Führer Europas seien
zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt - ob es die Inflation
im eigenen Lande ist, die Wirtschafts-und Währungsintegration der Gemeinschaft oder die "Ostpolitik" - um die Führungsrolle zu übernehmen und die
Sache der Welt oder auch nur des Atlantischen Bündnisses zu vertreten. Es
gibt viele, die behaupten, auf der "Europa-Ebene" sei eine Art politischer
Lähmung eingetreten. Und doch hat es jüngst einige ermutigende Erklärungen
von höchster Ebene in Europa gegeben, in denen die fundamentale Bedeutung
unserer totalen Beziehung unterstrichen wurde.

Eine langfristige Betrachtung
Ein zweites Element, dem mögliche Verhandlungen dienen können, könnte
eine langfristigere Betrachtung der Beziehung sein. Wir müssen dem Atlantischen Bündnis eine neue Zielsetzung geben. Aber wir müssen ihm auch ein Gefühl der Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit verleihen.
Als amerikanischer Vorsitzender der Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission war ich in der glücklichen Lage, ein wichtiges Paket von grundsätzlichen und langfristigen Prinzipien für die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auszuhandeln, die der Präsident und

-7-

�und Parteichef Breschnew unterzeichneten. Wenn man also auf beiden Seiten
des Atlantiks bereit ist, langfristige Abkommen und Grundsatzpakete mit der
Sowjetunion ins Auge zu fassen, dann muß man sich fragen, warum keine Abkommen
mit unseren besten Freunden möglich sein sollten.
Man könnte sich vorstellen, daß beide Seiten eine neue und umfassende
Grundsatzerklärung, eine Art Grundkontrakt ins Auge fassen, der für die langfristigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa, Japan
und Kanada gelten würde - ähnlich, jedoch vielleicht noch spezifischer als
das Grundsatzpaket, das der Präsident mit der sowjetischen Führung unterzeichnete. Ich meine, daß es uns mit echter Überlegung und echtem Einfallsreichtum
gelingen könnte, ein wichtiges Grundsatzpaket zustandezubringen. Zu diesen
Grundsätzen könnte eine Definition der Art von Wirtschaftswelt gehören, die wir
wollen (wie etwa die Verpflichtung zu einer Reform des Währungssystems, die
fair ist und einen Ausgleich und ein Gleichgewicht auf beiden Seiten vorsieht);
eine Verpflichtung, Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitfragen im Handel zu akzeptieren. Dazu gehört die ganze Entwicklungswelt, wo es einige sehr
wichtige Gebiete der Zusammenarbeit gibt (wie etwa das ganze Gebiet der Enteignung und der Investitionen); dazu gehören Grundsätze der Sicherheit und
Lastenteilung, kooperative Unternehmen auf dem Gebiet der Energie, der Gesundheit, der Drogen, der Raumfahrt, der Umweltverschmutzung und des Verbrechens.
Alle diese Gebiete verlangen dringend nach mehr Zusammenarbeit.
Kurz gesagt - und wenn es nur darum ist, den Vereinigten Staaten zu helfen,
selbst klarere Vorstellungen zu gewinnen - sollten wir vielleicht prüfen, welche Grundsätze auch immer nach unserer Überzeugung weiterhin unsere Beziehung
zu einer "besonderen" machen sollen.

Sicherheit

-8-

�Sicherheit
In dem Prozeß der Verhandlungen über die Sektoren hinweg, aus dem heraus
ein umfassendes langfristiges Abkommen mit den Europäern entstehen könnte,
ist das vielleicht fundamentalste Element unsere gegenseitige Sicherheit
und der Beitrag, den jeder von uns zur Sicherheit Europas und der Welt leisten
kann.
Unsere militärische Präsenz in Europa ist nun schon von so langer Dauer,
daß sie manchmal als selbstverständlich betrachtet wird. Ein ander Mal mag
sie temporär und unsicher erscheinen. Auf jeden Fall wird sie wohl unterbewertet. Obwohl ich kein Experte für Verteidigungsangelegenheiten bin und auf
diesem Gebiet keinen Namen habe, möchte ich Sie doch bitten, folgende Überlegungen anzustellen:
- Es wird mir erklärt, daß die amerikanischen Verteidigungsausgaben -absolut gemessen - etwa das Dreifache derer unserer westlichen Partner betragen und prozentual zum Bruttosozialprodukt etwa doppelt so hoch sind.
- Es wird mir von einer Vielzahl von Experten erklärt, daß in Europa
Übereinstimmung darüber herrscht, daß jede bedeutsame Veränderung des gegenwärtigen Standes der dort stationierten amerikanischen Truppen jeden schlechter
stellen würde, da die Anfälligkeit der Europäer gegenüber sowjetischem Druck
wachsen würde, da das Gespenst Deutschlands als Nuklearmacht sich erheben würde und fast sicher jede westeuropäische Regierung gezwungen wäre, ihren Verteidigungshaushalt neu zu überdenken und Mittel und Wege zu suchen, um zu vermeiden, daß Gelder für vorwiegend innenpolitische Zwecke anders verwendet werden müssen.
- Es wird mir erklärt, daß die Schaffung eines voll unabhängigen europäischen Verteidigungssystems, bei dem jeder auf konventionelle Waffen begrenzt
wäre, ein Maß an politischer Einheit in Europa erfordern würde, das heute nicht
existiert. Die Kosten einer glaubwürdigen europäischen nuklearen Abschreckung

-9-

�Abschreckung und die politischen Probleme, die es zu lösen gilt (wer trifft
die Entscheidungen?) wären so gewaltig, daß diese Angelegenheit zumindest für
die nächsten Jahre eine akademische Frage ist.
- Es wird mir erklärt, daß für jene Europäer, die noch immer die strategische nukleare Abschreckung als die ultima ratio der europäischen Sicherheit
betrachten, die amerikanische militärische Präsenz von entscheidender Bedeutung ist, um die Abschreckung zu einer wirksamen Abschreckung zu machen. Für
die anderen, die nicht so recht am die Abschreckung glauben und die einen taktischen Nuklearkrieg als eine Katastrophe betrachten, sind die amerikanischen
Streitkräfte die einzige Garantie, daß ein Krieg in Europa noch vor einer totalen Katastrophe eingedämmt werden könnte.
- Es wird mir erklärt, daß die europäische Flottenkapazität im wesentlichen darin besteht, die Handelsschiffahrt zu schützen, während die amerikanische Flotte eine Angriffsstreitmacht sei, und keine von ihnen sehr leicht die
Rolle der anderen übernehmen könne.
Zusammengenommen heben alle derartigen Faktoren die Tatsache heraus, daß
die amerikanische Militärmacht für jetzt und noch für einige Zeit von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit Europas und unsere totale Beziehung bleibt.
Wie mir scheint, müssen wir sehr vorsichtig sein, damit nicht der Eindruck entsteht, daß der Geist oder der Inhalt dieser Verhandlungen die Form von "Erpressung" annimmt, sondern daß vielmehr der Versuch gemacht wird, eine faire beiderseitige Aufteilung der totalen Lasten unserer totalen Beziehung zu erreichen.

Definition unserer wirtschaftlichen Prioritäten
Beide Seiten werden - und vielleicht zu Recht - kritisiert, daß sie sich
nicht gerade auszeichnen, was unseren Zusammenhalt und unsere Übereinstimmung
in der Definition unserer wahren Prioritäten angeht. Und mann kann uns vielleicht auch beiden zu Recht vorwerfen, das Ziel des üblichen Verhandlungsführers

-10-

�Verhandlungsführers zu verfolgen, nämlich viel zu erwarten und nichts aufzugeben. Und schließlich finde ich, daß auf beiden Seiten die Selbstgerechtigkeit
in reichem Maße vorhanden ist. So reden wir beispielsweise unentwegt von der
Agrarpolitik der Gemeinschaft. Das sollten wir auch, denn sie ist ein
Anachronismus. Aber es handelt sich hier um einen alten Anachronismus, der in
den einheimischen politischen Realitäten Europas tief verwurzelt ist, und
wir werden hier einige Zeit brauchen - was einer der Gründe dafür ist, warum
wir ein Paket von langfristigeren Abkommen erörtern sollten. Aber es ist auch
wichtig, daß wir einige unserer eigenen Anachronismen auf dem Agrarsektor
unter die Lupe nehmen - von denen ich allerdings ehrlich glaube, daß sie für
die europäischen Agrarinteressen weit weniger schädlich sind. Aber sie sind
trotzdem vorhanden. Im Grunde sind die meisten unserer echten langfristigen
Interessen tatsächlich die gleichen - nämlich niedrigere Lebensmittelpreise selbst auf dem Agrarsektor.
Wir sprechen auch beide, manchmal recht zungenfertig, von nicht-tarifären
Handelsschranken. Welche spezifischen Schranken sind die wichtigsten? Über
welche sind wir bereit zu verhandeln? Gerade hier hat der Präsident eine intensive Überprüfung angeordnet, und wir dürfen hoffen, daß unsere Handelspartner
das gleiche tun.
Viele von uns, die wir im Geschäftsleben stehen, neigen dazu, sich nur
zu leicht von der Währungsreform bange machen zu lassen, und sind trotzdem nur
zu bereit, sie den sagenhaften Heinzelmännchen zu überlassen, wo immer diese
in unseren Tagen leben mögen. Ich bin erfreut darüber, daß die Währungsreform
einen so wichtigen Platz auf Ihrer Tagesordnung einnimmt, da ich der Meinung
bin, daß die kühnen und umfassenden Vorschläge von Finanzminister Shultz für
ein Gleichgewicht in der Praxis statt einem Gleichgewicht in der Theorie von
ungeheurer Bedeutung und höchster Priorität sind.
Ich

�•'

Ich möchte noch ein weiteres Thema aufgreifen,das ich für höchst bedeutsam erachte: das Problem der Marktverzerrung. Wirtschaftliche und politische Realitäten überall machen klar, daß in einigen Fällen Importe zu stark
und zu rasch hereinkommen, als daß sie wirtschaftlich und politisch verdaut
werden könnten, und daß wir einige neue, beiderseits vereinbarte und zivilisierte Spielregeln brauchen, die den Anpassungsprozeß erleichtern, ohne der
Vorstellung vom Ablauf eines vernünftigen offenen und expandierenden Welthandels eine ständige Krücke anzulegen (oder vielleicht sollte ich besser sagen,
ihm

eine "Verrenkung" zu bringen). Auch hier hat der Präsident eine Vielzahl

von Mitteln und Wegen zur Behebung von Marktverzerrungen - Anpassungshilfen angeregt.
Wenn ich mich jetzt noch kurz einem weiteren Thema auf der wirtschaftlichen Tagesordnung - der Entwicklungshilfe - zuwende, dann möchte ich nur ein
Argument bringen und auf einen Grundsatz zurückkommen, den ich bereits vorher
angesprochen habe: nämlich eine faire Lastenteilung in den Aufgaben der totalen Beziehung. Ich weiß, daß nach den herkömmlichen Erkenntnissen jedes der
Industrieländer den gleichen Prozentsatz des Bruttosozialproduktes in die Entwicklung stecken sollte. In der neuen Welt der wirtschaftlichen Parität unserer westlichen Partner sollten wir fragen: Ist das noch immer eine gültige
Konzeption? Oder ist dies ein Gebiet, wo einige mehr dieser Lasten tragen sollten, während andere mehr die anderen Lasten tragen?

Das Energieproblem
Die zu erwartenden Energiehandelsdefizite der Vereinigten Staaten, Japans
und Europas könnten sich bis 1980 auf insgesamt 60 Milliarden Dollar belaufen, wenn die gegenwärtigen Trends nicht geändert werden. Solche massiven Defizite könnten nicht nur traumatische Auswirkungen auf das internationale
Währungssystem haben, sondern könnten dazu führen, daß die westlichen Handels-

-12-

�Handelspartner sich in einen kannibalistischen Kampf nicht nur um Energie,
sondern auch um Exporterlöse stürzen, um dafür bezahlen zu können - eine
Situation, die wohl kaum dazu angetan sein dürfte, unser westliches Bündnis
neu zu gestalten.
Nach meiner Auffassung sollte zu jeder neuen Strategie des westlichen
Bündnisses eine kühne und kooperative Strategie bezüglich unserer beiderseitigen Energieprobleme in den siebziger und achtziger Jahren gehören. Manche
Europäer mögen vielleicht noch nicht erkannt haben, was für ein kritisches
globales Problem dies werden wird. Wenn sie es nicht erkannt haben, dann ist
es unsere Aufgabe, es ihnen klar zu machen.

Andere gemeinsame Probleme
Energie ist nur eines der gemeinsamen Probleme, vor denen wir zusammen mit
unseren Partnern in den nächsten Jahrzehnten stehen werden. Es wird eine Fülle
anderer Probleme geben, einschließlich Umweltverschmutzung, anderer Umweltaufgaben, Bevölkerungskontrolle, Urbanprobleme, Verkehrsprobleme, medizinische
Probleme usw. Die Forderung nach Verbesserung der Qualität des Lebens beschäftigt in zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit der führenden Männer in der ganzen
Welt. Führer der Europäischen Gemeinschaft sprechen heute weniger von einem
wirtschaftlichen Wachstum und mehr von dem, was sie die "Humanisierung" ihrer
wirtschaftlichen Gewinne nennen. Einige führende Leute in Japan entfernen sich
ebenfalls von einer primär wachstumsorientierten Wirtschaft und wenden sich
einer Wirtschaft zu, in der der Nachdruck stärker auf dem Verbraucher und der
Erhöhung des Lebensstandards liegt.
Was wir hier versuchen müssen, ist, solche kooperativen Gebiete mit mehr
Einfallsreichtum und Bedeutung zu erfüllen. Wenn wir Erfolg haben (in der Vergangenheit hatten wir keinen), dann könnte eine solche Zusammenarbeit unserer

-13-

�1

unserer neuen Beziehung zu Europa eine menschliche Dimension geben, die so
technischen und kalten Fragen - und mögen sie noch so fundamental sein - wie
Sicherheit und Währung fehlen.

Ost-West-Handel und Entspannung
Ein weiteres Element auf unserer Tagesordnung für den Neubau des Atlantischen Bündnisses hat weniger mit der Art und Weise zu tun, in der wir an
Europa herantreten, als vielmehr damit, wie sich die Art und Weise, in der wir
an andere herantreten, auf Europa auswirkt. Die Fortschritte, die wir auf den
Gebieten des Handels und der Sicherheit mit China und der Sowjetunion erzielt
haben, sind von historischer Bedeutung und könnten die Grundlage einer langen
und einträglichen Beziehung bilden.
Das wird jedoch nicht der Fall sein, wenn eine Nebenwirkung unserer Entspannung in einer Verschlechterung unserer Beziehungen zu unseren westlichen
Partnern besteht. Die Sicherheit, mit der wir an die ganze Frage der Aussöhnung mit dem Osten herangehen, hat die Solidarität des westlichen Bündnisses
zur Voraussetzung. Wir dürfen diese Voraussetzung nicht vergessen.
Es muß Teil unserer Gesamtstrategie sein sicherzustellen, daß die Herbeiführung der Entspannung sowohl zwischen den Vereinigten Staaten und dem Osten
als auch zwischen den Ländern des Gemeinsamen Marktes und dem Osten gegen Keile
gefeit ist, die uns spalten könnten. Dies bringt mich zu der Auffassung, daß
auf die Tagesordnung unserer Verhandlungen auch eine kooperative Einstellung
zum Ost-West-Handel gehört.

Zusammenfassung

-14-

�Zusammenfassung

Dies sind nach meiner Auffassung die Art von Fragen und die Art von
Einstellungen, über die wir sprechen müssen, wenn wir der Erosion unserer
atlantischen Bindungen Einhalt gebieten und unsere beiderseitigen Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialinteressen bekräftigen wollen.
Ich darf sagen, daß Akademiker und Atlantiker und jene von uns in der
Bürokratie schon sehr lange die Hände gerungen haben, wie ernst unsere europäischen Probleme geworden sind. Aber wir haben alle sehr wenig Vorschläge
gemacht, was wir zu ihrer Lösung tun sollten. In den kommenden Monaten werden wir all diese und noch mehr Probleme mit den verschiedenen Vertretern
der europäischen Regierungen erörtern. Der Präsident ist sich höchst bewußt, wie wichtig es ist, diese historischen Bindungen aufrechtzuerhalten
und zu stärken.
Zu keiner Zeit habe ich ihn je etwas anderes zum Ausdruck bringen hören
als die höchste Anerkennung der Bedeutung der totalen Beziehung. Sie können
damit rechnen, daß er mit der gleichen Kühnheit, Gesamtschau und Sensibilität
im Sinne der langfristigen Interessen und der Sicherheit der Nation handeln
wird, die er bei seinen Initiativen in der Sowjetunion und China und bei
seinem neuen Wirtschaftsprogramm vom 15. August 1971 angelegt hat.

THT

-15-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zum Waffenstillstand in Vietnam &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lyndon B. Johnson - Sein Glaube war Amerika Minicomputer-Ausstellung im US-Handelszentrum in Frankfurt &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Antrittsrede Präsident Nixons &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Rogers fordert neue Friedensbemühungen im Nahen Osten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus seiner Anspräche vom 17. Januar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahl zeigt: Die Amerikaner wollen den Wandel &lt;em&gt;Von Louis Harris&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die kommenden amerikanisch-europäischen Handels-und Währungsverhandlungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York -&lt;/em&gt;</text>
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53

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5/1973

DAS PROBLEIM VIETNAM (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WASHINGTON — ( A D ) — Das Problem Vietnam reicht - politisch gesehen - in
seinem Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Von den sechziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts an bis zur Besetzung durch die Japaner im zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet Indochinas französische Kolonie. Präsident
Roosevelt wollte nach Beendigung des zweiten Weltkrieges Indochina zu einem
internationalen Treuhandgebiet machen, um ihm schließlich die völlige Unabhängigkeit zu geben. Frankreich unter Charles de Gaulle aber wollte das Gebiet zurückhaben und sicherte ihm einen neuen politischen Status in der französischen Gemeinschaft zu.
Japan verlor den Krieg; Präsident Roosevelt starb kurz vor Kriegsende,
und die Franzosen gewannen Indochina zurück. Seither hat das vietnamesische
Volk, das seit langem eine nationale Selbständigkeit anstrebte, praktisch beständig im Krieg gestanden. Nachfolgend einige wichtige Daten aus der leidgeprüften Geschichte Vietnams seit Ende des zweiten Weltkrieges:

August 1945:

-1-

�August 1945: Mit der "August-Revolution" entsteht die Demokratische
Republik Vietnam (DRV), die sich - unter der Führung von Ho Tschi Minh in
Nordvietnam (Tongking), wo Nationalchina die Besatzungsmacht ist, fest
etabliert, dagegen in Zentralvietnam (dem ehemaligen Annam) und Südvietnam
(Kotschinchina) - das unter britischer Besatzung steht - nicht die gleiche
Macht gewinnt. Kaiser Bao Dai dankt zugunsten der neuen Republik ab.
6. März 1946: Frankreich und der Viet Minh einigen sich über die Rückkehr französischer Truppen nach Tongking. Frankreich anerkennt die Demokratische Republik Vietnam als "freien Staat mit eigener Regierung....";
ein Referendum soll darüber entscheiden, ob Teile von Annam und Kotehinchina
zur Demokratischen Republik Vietnam gehören werden. (Von diesem Augenblick
an setzt ein Guerillakrieg im Lande ein, der die Verhandlungen zwischen
dem Viet Minh und Paris wie ein Kontrapunkt begleitet).
5. Juni 1948: Mit Bao Dai an der Spitze bilden die Franzosen den Staat
Vietnam (Annam), dem später Kotehinchina zugefügt wird.
8. März 1949: Durch das Elys£e-Abkommen werden die Staaten Vietnam,
Laos und Kambodscha als unabhängige in der französischen Union assoziierte
Staaten begründet.
18. Januar 1950: Die Demokratische Republik Vietnam wird vom kommunistischen China diplomatisch anerkannt; 12 Tage später erfolgt die diplomatische
Anerkennung durch die Sowjetunion.
7. Februar 1950: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erkennen die
Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha diplomatisch an.
8. Mai 1950: Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, Frankreich
und seinen assoziierten Staaten Militär-und Wirtschaftshilfe zu gewähren.

27.Juni 1950:

�27. Juni 1950: Im Rahmen des an die amerikanischen Truppen ergangenen
Befehls, die nordkoreanischen Invasoren aus Südkorea zurückzudrängen, gibt
Präsident Truman die Anweisung zur Entsendung einer militärischen Mission
nach Indochina und beschleunigt die Unterstützung Frankreichs und seiner
assoziierten Staaten in ihrem Kampf gegen den Druck der Kommunisten.
12. Dezember 1952: Der NATO-Rat erklärt, daß der französische Kampf
in Indochina seitens der Mitglieder der NATO"anhaltende Unterstützung
verdient".
7. Mai 1954: Mit der Eroberung des vorgeschobenen Stützpunktes Dien
Bien Phu nach einer 56-tägigen Belagerung versetzt der Viet Minh dem Selbstgefühl Frankreichs einen schweren Schlag.
20. Juli 1954: Die Genfer Konferenz führt zu einer zeitweiligen Einstellung der Kämpfe - Vietnam wird entlang des 17. Breitengrades geteilt.
21. Juli 1954: In einer gesonderten, aber nicht unterzeichneten Deklaration fordert die Genfer Konferenz die Wiedervereinigung Vietnams durch
Wahlen bis zum 20. Juli 1956. (Diese Wahlen fanden jedoch niemals statt;
Südvietnam stellt die Behauptung auf, daß "gefälschte" Wahlen im Norden
die wahrhaft freien Wahlen im Süden überspielen würden).
August 1954: Über eine Million Vietnamesen flüchten aus dem Norden
und suchen Zuflucht in Südvietnam.
24. Oktober 1954: Präsident Eisenhower ordnet eine direkte Hilfe für
Südvietnam an.
23. Oktober 1955: Bao Dai wird nach Wahlen von den Südvietnamesen als
Staatsoberhaupt abgesetzt. Drei Tage später wird die Republik Vietnam gegründet mit Ngo Dinh Diem als Präsident.
4. Juli 1956: Die im März gewählte Verfassunggebende Versammlung
beschließt eine südvietnamesische Verfassung.
2.Juni 1962:

�2. Juni 1962: Indien und Kanada als Mitglieder der Internationalen Kontrollkommission informieren die Sowjetunion und Großbritannien als die beiden Ko-Vorsitzenden der Genfer Konferenz, daß sich Nordvietnam der Subversion
und der verschleierten Aggression gegen Südvietnam im Widerspruch zu den Genfer Abkommen von 1954 schuldig gemacht habe.
2.-4.August 1964: Präsident Johnson ordnet Luftangriffe gegen Nordvietnam an, nachdem zwei amerikanische Zerstörer außerhalb der Hoheitsgewässer
vor Nordvietnam angegriffen wurden.
7. August 1964: Mit überwältigender Mehrheit beschließt der amerikanische Kongreß, Präsident Johnson freie Hand für alle seiner Ansicht nach notwendigen Maßnahmen zur Förderung des Friedens und der Sicherheit in Südostasien zu geben.
1. Januar 1965: Die Zahl der amerikanischen Militärberater in Südvietnam
ist auf schätzungsweise 23 000 Mann gestiegen.
8. März 1965: Die ersten amerikanischen Trupperiverbände treffen in Vietnam zum Schutze der amerikanischen Anlagen ein.
9. Dezember 1965: Ho Tschi Minh bezeichnet die von Präsident Johnson gemachten Friedensvorschläge als "absolut unannehmbar."
10. Juli 1966: Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt bekannt,
daß die Zahl der amerikanischen Truppen in Südvietnam bis zum Frühjahr 1967
auf 425 000 Mann ansteigen werde. Am Ende waren über 500 000 amerikanische
Soldaten in Vietnam stationiert.
28. März 1967: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen,U Thant, schlägt
eine Feuereinstellung vor - Washington und Saigon nehmen diesen Vorschlag an,
doch Hanoi lehnt ab.

30. Januar 1968:

�30. Januar 1968: Beginn der kommunistischen TET-Offensive, deren erste
Angriffswelle sich gegen etwa die Hälfte aller Provinzhauptstädte in Südvietnam sowie gegen 25 Flugplätze und das amerikanische Botschaftsgebäude
in Saigon richtet.
31. März 1968: Präsident Johnson ordnet die Einstellung der Luftangriffe auf Ziele nördlich des 20. Breitengrades an und verspricht die völlige
Einstellung der Bombenangriffe, wenn Hanoi die Kampftätigkeit einschränkt.
10. Mai 1968: Delegierte der Vereinigten Staaten und Nordvietnams treffen zum ersten Mal zu vorbereitenden Gesprächen über eine Beendigung des
Krieges zusammen.
20. Juli 1968: Präsident Johnson versichert, Washington werde es nicht
zulassen, daß Südvietnam gegen seinen Willen eine Koalitionsregierung unter
Beteiligung der Kommunisten aufgezwungen wird.
31. Oktober 1968: Um den Beginn produktiver Friedensgespräche zu erleichtern, ordnet Präsident Johnson die Einstellung sämtlicher amerikanischer
Luftangriffe gegen Nordvietnam an.
14. Mai 1969: Nach einem Zusammentreffen mit dem südvietnamesischen
Staatspräsidenten Thieu auf den Midway-Inseln ruft Präsident Nixon 25 000
amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
4. August 1969: Der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, beginnt eine Reihe von Geheimgesprächen mit dem Vertreter Hanois, dem nordvietnamesischen Politbüromitglied
Le Duc Tho,in Paris.
4. September 1969: Radio Hanoi meldet den Tod Ho Tschi Minhs.
7. Oktober 1970: Präsident Nixon umreißt die Grundzüge eines Friedensplanes, der eine politische Lösung vorsieht, die den gegebenen Verhältnissen der politischen Kräfte in Südvietnam entspricht, sowie einen Waffen-

�Waffenstillstand, einen Truppenabzug nach einem festgelegten Plan und die
Freilassung der Kriegsgefangenen.
7. April 1971: Präsident Nixon ruft weitere L00 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
31. Mai 1971: Bei einem Geheimgespräch zwischen Kissinger und Le Duc
Tho in Paris bietet Washington die Festlegung eines bestimmten Zeitpunktes
für den Truppenabzug an, wenn Hanoi dafür die Kriegsgefangenen freilassen
würde. Hanoi lehnt diesen Vorschlag für eine militärische Lösung ab und besteht auf einer umfassenden - politischen wie militärischen - Lösung, die
unter anderem den Sturz des südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu vorsieht.
25. Januar 1972: Präsident Nixon gibt die zwischen Kissinger und Le
Duc Tho geführten geheimen Gespräche bekannt und fordert gleichzeitig Hanoi
zu Verhandlungen auf. Der Präsident schlägt einen Waffenstillstand an Ort
und Stelle sowie die Freilassung aller Gefangenen und den Abzug der amerikanischen und alliierten Truppen aus Vietnam vor. Außerdem erklärt Nixon, daß
Staatspräsident Thieu einen Monat vor dem Termin für Neuwahlen von seinem Amt
zurücktreten werde.
30. März 1972: Nordvietnam beginnt mit starken militärischen Kräften
eine Invasion nach Südvietnam über die entmilitarisierte Zone hinweg.
8. Mai 1972: Präsident Nixon ordnet die Verminung der nordvietnamesischen Häfen und Luftangriffe auf militärische Depots an, um den Invasionstruppen den Nachschub abzuschneiden.
29. August 1972: Präsident Nixon kündigt an, daß die amerikanische
Truppenstärke in Südvietnam bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert
werden soll, versichert aber zugleich, daß einige amerikanische Truppeneinheiten solange in Vietnam bleiben würden, bis Hanoi die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen hat.
8.Oktober 1972:

-6-

�8. Oktober 1972: Auf einer geheimen Konferenz Ln Paris erklärt sich
der Vertreter Nordvietnams Le Duc Tho zum ersten Mal bereit, den militärischen Aspekt einer Vietnamlösung von dem politischen zu trennen. Ein Vertragsentwurf wird aufgesetzt, der einen Waffenstillstand an Ort und Stelle
unter internationaler Überwachung, die Freilassung aller amerikanischen Gefangenen und die Schaffung eines Nationalrates der Wiederaussöhnung und Eintracht vorsieht, der unter internationaler Überwachung die Durchführung neuer Wahlen in Südvietnam in die Wege leiten soll.
26.Oktober 1972: Der Entwurf wird von Radio Hanoi bekanntgegeben, wobei
die Vereinigten Staaten gleichzeitig beschuldigt werden, sie wollten sich
an die gegebene Zusage, dieses Abkommen bis zum 31- Oktober zu unterzeichnen,
nicht halten. Dr. Kissinger erklärt, daß gewisse Unklarheiten und Nuancen
im Text des Entwurfes einer weiteren Verbesserung und Klärung bedürften. Nach
seiner Ansicht sollten diese Schwierigkeiten jedoch durch eine weitere Konferenz von drei bis vier Tagen ausgeräumt werden können.
25. November 1972: Nach sechs weiteren Konferenzsitzungen werden die
vertraulichen Gespräche zwischen Kissinger und Tho bis zum 4. Dezember vertagt.
4. Dezember 1972: Kissinger und der Vertreter Nordvietnams Le Duc
Tho kommen erneut in Paris zu vertraulichen Verhandlungen zusammen.
13. Dezember 1972: Die Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho
werden vorerst ausgesetzt; Kissinger fliegt nach Washington zurück.
14. Dezember 1972: Kissinger führt eine Reihe von Konsultationen mit
Präsident Nixon, Vizepräsident Agnew, Außenminister Rogers und Verteidigungsminister Laird.
16. Dezember 1972: Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Kissinger, daß die vertraulichen Gespräche in Paris ausgesetzt wurden, weil

-7-

�weil Nordvietnam sich weigerte, ernsthaft weiter zu verhandeln.
17. Dezember 1972: Der Stellvertreter Kissingers, General Alexander
Haig, fliegt von Washington zu einer sechstägigen Reise nach Südostasien, wobei er auch mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu konferiert.
18. Dezember 1972: Verstärkung des Einsatzes der amerikanischen Luftwaffe gegen strategische militärische Ziele in Nordvietnam entsprechend der von
Präsident Nixon am 8. Mai abgegebenen Erklärung.
30. Dezember 1972: Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Kissinger am 8. Januar zur Wiederaufnahme der geheimen Gespräche mit Le Duc Tho nach Paris zurückkehren wird

und daß am 2. Januar Experten beider Seiten ebenfalls in

Paris technische Gespräche aufnehmen werden. Präsident Nixon ordnet die Einstellung der amerikanischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam jenseits des 20. Breitengrades an.
2. Januar 1973: Die technischen Experten kommen in Paris zusammen.
8. Januar 1973: Kissinger und Le Duc Tho nehmen ihre vertraulichen Gespräche wieder auf.
13. Januar 1973: Kissinger fliegt nach den Vereinigten Staaten zu Konsultationen mit Präsident Nixon zurück.
14. Januar 1973: General Haig fliegt erneut nach Saigon zu Konsultationen mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu.
15. Januar 1973: Präsident Nixon ordnet die einseitige Einstellung der
amerikanischen Luftangriffe, der Beschießung und der Verminung der Häfen Nordvietnams an.
18. Januar 1973: Washington und Hanoi geben gemeinsam bekannt, daß
Kissinger und Le Duc Tho am 23. Januar erneut in Paris zusammenkommen werden, um dem Wortlaut des Abkommens seine endgültige Gestaltung zu geben.

23. Januar 1973:

�23. Januar 1973: Präsident Nixon gibt bekannt, daß an diesem Tage um
12:30 Uhr Pariser Zeit das Abkommen über die Beendigung des Krieges und
die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam von Kissinger und Le Duc Tho
paraphiert worden ist.
27. Januar 1973: Das Abkommen wird von den Außenministern der an der
Pariser Vietnam-Konferenz Beteiligten im internationalen Konferenzgebäude
in Paris formell unterzeichnet.

-9-

�</text>
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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

WASHINGTON — (AD) -- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington
veröffentlichte Protokoll über die Internationalt

Kontroll- und Über-

wachungskommission hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:

Artikel 1

Für die Durchführung des Abkommens sind die Parteien verantwortlich, die das Abkommen unterzeichnet haben.
Die Funktionen der Internationalen Kommission bestehen darin,
die Durchführung der in Artikel 18 des Abkommens erwähnten Bedingungen
zu kontrollieren und zu überwachen. In Ausübung dieser Funktionen soll
die Internationale Kommission:
a)

die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens
- 1 -

�Abkommens durch Kommunikation mit den Parteien sowie durch direkte Beobachtung an den Plätzen verfolgen, wo dies erforderlich wird;
b)

solche Verletzungen der Bestimmungen untersuchen, die unter die

Kontrolle und Überwachung der Kommission fallen;
c)

wenn notwendig mit den Gemeinsamen Militärkonimissionen zusammen-

arbeiten, um Verletzungen der oben erwähnten Bestimmungen zu verhindern
und festzustellen.

Artikel 2
Die Internationale Kommission soll Verletzungen der in Artikel 18
des Abkommens dargelegten Bestimmungen nachprüfen und zwar auf Ersuchen
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission oder der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission oder irgendeiner der Parteien oder im Hinblick auf
Artikel 9 b des Abkommens über allgemeine Wahlen auf Ersuchen des Nationalrates der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht oder in jedem Fall,
wo die Internationale Kommission andere ausreichende Gründe für die Annahme hat, daß eine Verletzung dieser Bestimmungen stattgefunden hat.
Dabei wird davon ausgegangen, daß die Internationale Kontrollkommission
bei der Durchführung dieser Aufgaben mit der Unterstützung und der Zusammenarbeit der betroffenen Parteien, wenn dies erforderlich ist,
arbeiten wird.

Artikel 3
a)

Wenn die Internationale Kommission eine ernsthafte Verletzung bei

der Durchführung des Abkommens oder eine Bedrohung für den Frieden feststellt, gegen die die Kommission keine angemessene Maßnahme treffen kann,
dann soll die Kommission dies den vier Parteien des Abkommens melden,
damit diese Konsultationen wegen einer Lösung abhalten können.
b)

�I

b)

Gemäß Artikel 18 f des Abkommens sollen die Berichte der Inter-

nationalen Kommission seitens der Vertreter aller vier Mitglieder einstimmig unterbreitet werden. Falls keine Einstimmigkeit erreicht wird,
soll die Kommission gemäß Artikel 18 b des Abkommens die von einander
abweichenden Ansichten den vier Parteien oder gemäß Artikel 18 c des
Abkommens den beiden südvietnamesischen Parteien zuleiten; diese werden
nicht als Berichte der Kommission angesehen.
Artikel 4
a)

Das Hauptquartier der Internationalen Kommission soll in Saigon sein.

b)

Es soll 7 regionale Gruppen geben, die in den auf der beigefügten

Karte aufgezeigten Regionen eingesetzt werden und an den folgenden Orten
stationiert sind:
Regionen:

Orte:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Die Internationale Kontrollkommission soll 3 Gruppen für die Region
Saigon-Gia Dinh abstellen.
c)

Es soll 26 Gruppen geben, die in den auf der beigefügten Karte auf-

gezeigten Gebieten tätig und an den folgenden Orten in Südvietnam stationiert
sind:
Region I:

- 3 -

�Region I;

Region II:

Region III;

Region IV;

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Can

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V;

Region Vi;

Region VII;

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh
Khanh Hung
Quan Long

d)

Es soll 12 Gruppen geben, die - wie auf der beigefügten Karte ge-

zeigt - eingesetzt und an den folgenden Orten stationiert sind:
Gio Linh (zur Erfassung des Gebietes südlich der provisorischen militärischen Demarkationslinie)
Lao Bao
Ben Het
Duc Co
Chu Lai
Qui Nhon
Nha Trang
Vung Tau
Xa Mat
Bien Hoa (Flugstützpunkt)
Hong Ngu
Can Tho
e)
- 4-

�e)

Es soll 7 Gruppen geben, von denen 6 zur Verfügung stehen, um für

die Übergangsstellen abgestellt zu werden, die nicht unter obigem Paragraph
d angeführt sind und die die beiden südvietnamesischen Parteien im Zuge der
nach Artikel 7 des Abkommens gestatteten Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial als legitime Übergangspunkte auswählen. Jede Gruppe
oder Anzahl von Gruppen, die für die oben erwähnte Aufgabe nicht benötigt
werden, sollen in Übereinstimmung mit der Verantwortlichkeit der Kommission für Kontrolle und Überwachung für andere Aufgaben zur Verfügung
stehen.
f)

Es soll 7 Gruppen geben, die die Rückführung des von den Parteien ge-

fangengehaltenen und internierten Personals kontrollieren und überwachen.

Artikel 5
a)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der von den

Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 a des Abkommens vereinbart worden ist, soll die
Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine
Kontroll- und Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Vietnam entsenden,
an der die Rückführung der gefangengehaltenen Personen erfolgt sowie zu
den letzten Internierungslagern, von denen aus diese Personen an die
Rückführungsstellen gebracht werden.
b)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der in Süd-

vietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 c des Abkommens ausgeführt ist, soll die Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine Kontrollund Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Südvietnam entsenden, an der die
Rückführung der oben erwähnten gefangengehaltenen und internierten Personen
erfolgt sowie zu den letzten Internierungslagern, von denen aus diese

- 5-

�diese Personen an die Rückführungsstellen gebracht werden.

Artikel 6

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich Artikel 9 b des Abkommens
über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam soll die
Internationale Kommission - wenn notwendig - weitere Gruppen bilden.
Die Internationale Kommission soll diese Frage im voraus mit dem Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht erörtern. Sollten
weitere Gruppen für diesen Zweck erforderlich werden, sollen sie 30 Tage
vor Abhaltung der allgemeinen Wahlen gebildet werden.

Artikel 7
Die Internationale Kommission soll ihre Größe kontinuierlich überprüfen und die Zahl ihrer Gruppen, ihrer Vertreter oder ihres anderen
Personals (oder der beiden) reduzieren, wenn diese Gruppen, diese Vertreter oder dieses Personal die ihnen zugeteilten Aufgaben erfüllt haben
und nicht mehr für andere Aufgaben erforderlich sind. Gleichzeitig sollen
die Ausgaben der Internationalen Kommission entsprechend verringert werden.

Artikel 8
Jedes Mitglied der Internationalen Kommission soll jederzeit die
folgende Anzahl qualifizierten Personals verfügbar machen:
a)

einen leitenden Vertreter und 26 andere für den Stab des Hauptquartiers;

b)

5 Vertreter für jede der sieben regionalen Gruppen;

c)

zwei für jede der anderen internationalen Kontrollgruppen mit Ausnahme

der in Gio Linh und Vung Tau stationierten Gruppen, die jeweils drei Ver-

- 6-

�Vertreter haben werden;
d)

116 Personen, die das Hauptquartier der Kommission sowie ihre

Gruppen unterstützen sollen.

Artikel 9
a)

Die Internationale Kommission und jede ihrer Gruppen soll als

einzelnes Gremium handeln, das sich aus Vertretern aller vier Mitglieder
zusammensetzt.
b)

Jedes Mitglied ist dafür verantwortlich, daß die Präsenz seiner Ver-

treter auf allen Ebenen der Internationalen Kommission sichergestellt ist.
Falls ein Vertreter nicht anwesend ist, soll das betroffene Mitglied unverzüglich einen Ersatzmann bestimmen.

Artikel 10

a)

Die Parteien sollen der Internationalen Kommission volle Zusammen-

arbeit, Unterstützung und Schutz gewähren.
b)

Die Parteien sollen zu jeder Zeit eine reguläre und kontinuierliche

Verbindung zur Internationalen Kommission unterhalten. Solange die Gemeinsame Vierer-Militärkommission besteht, sollen die Delegationen der
Parteien bei dieser Kommission ebenfalls Verbindungsfunktionen zur Internationalen Kommission ausüben. Nachdem die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat, soll eine derartige Verbindung durch
die Gemeinsame Zweier-Militärkommission, durch Verbindungsmissionen oder
durch andere angemessene Mittel aufrechterhalten werden.
c)

Die Internationale Kommission und die Gemeinsamen Militärkommissionen

sollen eng miteinander zusammenarbeiten und sich gegenseitig bei der Durch-

- 7-

�Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen.
d)

Wo immer eine Gruppe stationiert oder tätig ist, soll die betrof-

fene Partei einen Verbindungsoffizier für diese Gruppe abstellen, um mit
ihr zusammenzuarbeiten und sie bei der störungsfreien Durchführung ihrer
Kontroll- und Überwachungsaufgaben zu unterstützen. Wenn eine Gruppe eine
Untersuchung durchführt, soll ein Verbindungsoffizier von jeder betroffenen Partei die Möglichkeit haben, sie zu begleiten, vorausgesetzt, daß
die Untersuchung dadurch nicht verzögert wird.
e)

Jede Partei soll der Internationalen Kommission in einem angemessenen

Zeitraum im voraus Mitteilung über alle beabsichtigten Maßnahmen bezüglich
jener Bestimmungen des Abkommens machen, die von seiten der Internationalen
Kontrollkommission kontrolliert und überwacht werden sollen.

f)

Der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen sind

zum Zwecke der Beobachtung solche Bewegungen gestattet, die vernünftigerweise für die genaue Ausübung ihrer Funktionen, wie dies in dem Abkommen
vereinbart wurde, erforderlich sind. Bei der Ausübung dieser Funktionen
soll der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen jede notwendige Unterstützung und Zusammenarbeit seitens der betroffenen Parteien
gewährt werden.

Artikel 11
Bei der Überwachung der Abhaltung der freien und demokratischen
allgemeinen Wahlen, wie dies in Artikel 9 b und 12 b des Abkommens in
Übereinstimmung mit den Modalitäten, die zwischen dem Nationalrat der
Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und der Internationalen Kommission vereinbart werden sollen, beschrieben wird, soll die letztere
volle Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Nationalrates erhalten.
Artikel 12

�Artikel 12
Die Internationale Kommission und ihr Personal, das die Nationalität
eines Mitgliedsstaates hat, soll sich bei der Ausübung ihrer Aufgaben der
Privilegien und der Immunität erfreuen, wie sie den diplomatischen Missionen
und den diplomatischen Vertretern gewährt werden.

Artikel 13
Die Internationale Kommission kann sich der Kommunikations- und der
Transportmittel bedienen, die zur Durchführung ihrer Funktionen notwendig
sind. Jede südvietnamesische Partei soll der Internationalen Kommission
auf Mietbasis geeignete Büro- und Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen
und sie bei der Anmietung dieser Einrichtungen unterstützen. Die Internationale Kommission kann von den Parteien - nach beiderseitig vereinbarten Bedingungen - die erforderlichen Kommunikations- und Transportmittel erhalten und kann von jeder anderen Stelle die erforderliche Ausrüstung und die Dienstleistungen erwerben, die von den Parteien nicht
erlangt werden konnten. Die Internationale Kommission soll diese Mittel
in Besitz haben.

Artikel 14
Die Kosten für die Tätigkeit der Internationalen Kommission sollen
von den Parteien und den Mitgliedern der Internationalen Kommission gemäß
den Bestimmungen dieses Artikels getragen werden:
a)

Jedes Mitgliedsland der Internationalen Kommission soll die Gehälter

und Aufwandsentschädigungen seines Personals bezahlen;
b)

alle weiteren Ausgaben, die durch die Internationale Kommission ent-

stehen, sollen aus einem Fonds beglichen werden, zu dem jede der vier
Parteien 23 Prozent und jedes Mitglied der Internationalen Kommission zwei
- 9-

�zwei Prozent beitragen;
c)

innerhalb von 30 Tagen nach Inkrafttreten dieses Protokolls soll jede

der vier Parteien der Internationalen Kommission eine erste Zahlung von
umgerechnet 4,5 Millionen französischen Francs in konvertierbarer Währung
leisten; diese Summe soll gegen den von jeder Partei im Rahmen des ersten
Budgets zu entrichtenden Betrag aufgerechnet werden.
d)

Die Internationale Kommission soll ihre eigenen Budgets aufstellen.

Nachdem die Internationale Kommission ein Budget gebilligt hat, soll sie
es allen Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, zur Zustimmung
vorlegen. Erst wenn die vier Parteien des Abkommens die Budgets gebilligt
haben, werden sie verpflichtet sein, ihre Beiträge zu leisten. Falls die
Parteien des Abkommens sich nicht über ein neues Budget einigen können,
soll die Internationale Kommission ihre Ausgaben vorübergehend auf das
vorherige Budget stützen, mit Ausnahme der außergewöhnlichen einmaligen
Ausgaben für ihre Einrichtung oder für den Erwerb von Ausrüstung, und die
Parteien sollen dann ihre Beiträge auf dieser Basis solange entrichten,
bis ein neues Budget gebilligt worden ist.

Artikel 15
a)

Das Hauptquartier soll innerhalb von 24 Stunden nach dem Waffenstill-

stand einsatzfähig und eingerichtet sein.
b)

Die regionalen Gruppen sollen innerhalb von 48 Stunden nach dem Waffen-

stillstand einsatzfähig und an Ort und Stelle sein, und drei Gruppen, die
die Rückführung des gefangengehaltenen und internierten Personals überwachen und kontrollieren sollen, sollen ebenfalls binnen 48 Stunden einsatzbereit sein.

£2
- 10 -

�c)

Andere Gruppen sollen innerhalb von 15 bis 30 Tagen einsatzfähig

und an Ort und Stelle sein.

Artikel 16

Zusammenkünfte sollen auf Einladung des Vorsitzenden stattfinden.
Die Internationale Kommission soll weitere Arbeitsverfahren aufstellen,
die der wirksamen Ausübung ihrer Funktionen angemessen sind und in Übereinstimmung mit der Respektierung der Souveränität Südvietnams stehen.

Artikel 17
Die Mitglieder der Internationalen Kommission akzeptieren die Verpflichtungen dieses Protokolls, indem sie den vier Parteien, die das
Abkommen unterzeichnet haben, Noten der Zustimmung übermitteln. Sollte
ein Mitglied der Internationalen Kommission sich entscheiden, sich aus
der Internationalen Kommission zurückzuziehen, dann kann dies geschehen,
indem das Mitglied drei Monate im voraus den vier Parteien des Abkommens
durch Noten davon Kenntnis gibt; in einem solchen Falle sollen die vier
Parteien untereinander Konsultationen führen, mit dem Ziel, sich über ein
Ersatzmitglied zu einigen.
Artikel 18
Dieses Protokoll soll nach Unterzeichnung durch die bevollmächtigten
Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferen beteiligten Parteien in
Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt
werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.
Für

- 11 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 12 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Duy Trinh

Nguyen Thi Binh

Außenminister

Außenminister

- 13 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DER INTERNATIONALEN KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten
Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontrollund Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-17 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 18
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission soll mit Unterzeichnung
dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der Demokratischen
- 14 -

�Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

+++

- 15 -

�</text>
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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KRIEGSGEFANGENEN
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)-- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:

Die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen
und der ausländischen Zivilisten

Artikel 1
Die Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, sollen die von den
Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen gemäß Artikel 8 a wie folgt zurückführen:
-- alle

�-- alle gefangengehaltenen Militärpersonen der Vereinigten Staaten und
die der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten Länder sollen amerikanischen Stellen übergeben werden;
-- alle gefangengehaltenen vietnamesischen Militärpersonen, ob sie regulären oder irregulären Streitkräften angehören, sollen den beiden südvietnamesischen Parteien übergeben werden; sie sollen derjenigen südvietnamesischen Partei übergeben werden, unter deren Kommando sie gedient haben.

Artikel 2
Alle gefangengehaltenen Zivilisten, die Staatsangehörige der Vereinigten Staaten oder eines der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten
Länder sind, sollen amerikanischen Stellen übergeben werden. Alle anderen
gefangengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen den Stellen ihres Heimatlandes durch eine der Parteien, die dazu bereit und in der Lage ist, übergeben werden.
Artikel 3
Die Parteien sollen heute vollständige Listen der in Artikel 1 und 2
dieses Protokolls erwähnten gefangengehaltenen Personen austauschen.

Artikel 4
a)

Die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten ge-

fangengehaltenen Personen soll innerhalb von sechzig Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens beendet sein und zwar in einem Tempo, das nicht geringer
ist als das des Abzuges der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
anderen in Artikel 5 des Abkommens erwähnten Länder aus Südvietnam.
b)

Personen, die schwer krank, verwundet oder verstümmelt sind, alte Per-

sonen sowie Frauen sollen als erste zurückgeführt werden. Die Übrigen sollen
entweder durch völlige Räumung eines Internierungslagers nach dem anderen

�anderen oder nach den Daten ihrer Gefangennahme zurückgeführt werden, wobei
mit denen begonnen wird, die am längsten gefangengehalten sind.

Artikel 5
Die Rückführung und die Aufnahme der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen soll an Orten erfolgen, die den betroffenen Parteien
genehm sind. Über den Ort der Rückführung soll sich die Gemeinsame ViererMilitärkommission einigen. Die Parteien sollen die Sicherheit des mit der
Rückführung und Aufnahme dieser Personen befaßten Personals gewährleisten.
Artikel 6
Jede Partei soll die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen ohne Verzögerung vornehmen und deren Rückführung
und Aufnahme erleichtern. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung
aus keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß
gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt worden sind.

Rückführung von gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
Artikel 7
a)

Die Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die in Süd-

vietnam gefangengehalten werden und interniert sind, wird durch die beiden
südvietnamesischen Parteien auf der Grundlage der Prinzipien von Artikel 21 b
des Abkommens über die Beendigung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli
1954 geregelt, der wie folgt lautet:
"Der Begriff »zivile Internierte1 ist so zu verstehen, daß damit alle
Personen gemeint sind, die - indem sie in irgendeiner Weise zu der politischen und bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien
beigetragen haben - aus diesem Grunde festgenommen und von der einen

3-

�einen oder der anderen Partei während des Zeitraums der Feindseligkeiten interniert wurden."

b)

Die beiden südvietnantesischen Parteien werden dies im Geiste der natio-

nalen Wiederaussöhnung und Eintracht tun mit der Absicht, Haß und Feindschaft
zu beenden, damit das Leiden gelindert und die Familien wiedervereint werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden alles in ihren Kräften stehende
tun, um diese Frage innerhalb von neunzig Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes zu lösen.
c)

Die beiden südvietnamesischen Parteien werden innerhalb von fünfzehn

Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes Listen mit den Namen der von
beiden Parteien gefangengehaltenen und internierten Zivilisten sowie Listen
mit den Namen der Lager, in denen sie festgehalten werden, austauschen. .

Behandlung der gefangengehaltenen Personen während der Internierung

Artikel 8
a)

Alle von den Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und alle gefan-

gengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den internationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen
vor jeder Gefährdung von Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor
Mord in jeder Form, vor Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung
sowie vor jeder Verletzung der persönlichen Würde. Diese Personen sollen nicht
gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungspartei einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und die
für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.
b)

-4-

�b)

Alle in Südvietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen

Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den inter nationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen vor jeder Gefährdung von
Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor Mord in jeder Form, vor
Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung sowie vor jeder Verletzung
der persönlichen Würde. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung aus
keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt
worden sind. Diese Personen sollen nicht gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungsparteien einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und
die für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung
bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.

Artikel 9
a)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der von den Parteien

gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten beizutragen,
sollen sich die Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten
des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen gefangengenommenes Militärpersonal und ausländische Zivilisten festgehalten werden.
b)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der gefangengehaltenen

und internierten vietnamesischen Zivilisten beizutragen, sollen sich die beiden südvietnamesischen Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen
Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen die
gefangengenommenen und internierten vietnamesischen Zivilisten festgehalten
werden.
Tote
-5-

�Tote und vermißte Personen
Artikel 10
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll die Durchführung von Ar-

tikel 8 b des Abkommens aufgrund gemeinsamer Maßnahmen der Parteien sicherstellen. Wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet
hat, soll eine Gemeinsame Vierer-Militärgruppe beibehalten werden, um diese
Aufgabe fortzuführen.
b)

Hinsichtlich der toten oder vermißten vietnamesischen Zivilisten in

Südvietnam sollen die beiden südvietnamesischen Parteien einander bei der Beschaffung von Informationen

über die vermißten Personen unterstützen, die

Lage der Gräber feststellen und für ihre Erhaltung sorgen und zwar im Geiste
der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht entsprechend den Erwartungen
der Bevölkerung.

Andere Bestimmungen
Artikel 11
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission und die Gemeinsame Zweier-Mi-

litärkommission sind dafür verantwortlich, unverzüglich die Modalitäten
der Durchführung der Bestimmungen dieses Protokolls festzulegen in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Verantwortungen unter Artikel 16 a und 17 a
des Abkommens. Falls die Gemeinsamen Militär-Kommissionen bei der Durchführung ihrer Aufgaben keine Einigung über Angelegenheiten im Zusammenhang mit
der Rückführung der gefangengehaltenen Personen erzielen können, sollen sie
sich an die Internationale Kommission um Unterstützung wenden.
b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll zusätzlich zu den auf

Grund des Protokolls über die Waffenruhe in Vietnam und die Gemeinsamen Militär-Kommissionen geschaffenen Gruppen eine Unter-Kommission für gefangengehaltene Personen und, falls erforderlich, Gemeinsame Militärgruppen für gefangengehaltene Personen bilden, die die Kommission bei ihren Aufgaben unterstützen sollen.

sl
-6-

�c)

Vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des Waffenstillstandes an bis zu dem

Zeitpunkt, da die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Tätigkeit aufnimmt, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei
der Geraeinsamen Vierer-Militärkommission eine provisorische Unter-Kommission
sowie provisorische Gemeinsame Militärgruppen bilden, um ihre Aufgaben bezüglich der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
auszuführen.
d)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen

zur Beobachtung der Rückführung der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls
erwähnten Personen an jeden Ort in Vietnam entsenden, an dem solche Personen
rückgeführt werden, sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden. Die Gemeinsame ZweierMilitärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen zur Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten an
jeden Ort in Südvietnam entsenden, an dem solche Personen rückgeführt werden
sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die
Rückführungsorte gebracht werden.

Artikel 12
Im Zuge der Durchführung der Artikel 18 b und 18 c des Abkommens soll di
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission dafür verantwortlich sein,
die Beachtung der Artikel 1 bis 7 dieses Protokolls zu kontrollieren und zu
überwachen und zwar durch Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen
Militärpersonen, der ausländischen Zivilisten und der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten an jedem Ort in Vietnam, an dem diese Personen rückgeführt werden, sowie an den letzten Internierungslagern,
von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden, sowie
durch Überprüfung der Listen, und durch die Untersuchung von Verletzungen
der Bestimmungen der oben erwähnten Artikel.
Artikel 13

�Artikel 13

Jede Partei soll innerhalb von fünf Tagen nach Unterzeichnung dieses Protokolls den Text des Protokolls veröffentlichen und ihn an alle gefangenengehaltenen Personen weiterleiten, auf die das Protokoll zutrifft und die
von der jeweiligen Partei interniert sind.

Artikel 14
Dieses Protokoll soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiund'
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-8-

�Für die Regierung der

Für die Regierung der Republik

Vereinigten Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

Für

• 9-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-10-

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris
Sonnabend nachmittag, Pariser Zeit
27. Januar 1973

Protokoll
zum Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
über
die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten
vietnamesischen Zivilisten

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung
mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der
ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-13 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 14

�Artikel 14
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam über die Rückführung der
gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie
der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten soll
mit Unterzeichnung dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam, den
Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt
werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokrati-

Vereinigten Staaten von Amerika

sehen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-12-

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE RÄUMUNG DER MINEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)— Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Räumung, Entschärfung oder Zerstörung der
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den
Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph zwei Artikel 2 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam folgendes vereinbart:
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten werden alle Minen, die sie in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam gelegt haben, räumen. Diese Minenräumoperation soll
so erfolgen, daß die Minen durch Räumung, dauerhafte Entschärfung oder Zerstörung unschädlich gemacht werden.

Artikel 2

�»

Artikel 2
Zur Gewährleistung dauernder Sicherheit für den Verkehr von Menschen
und Wasserfahrzeugen und zum Schutze wichtiger Einrichtungen sollen die Minen
auf Ersuchen der Demokratischen Republik Vietnam in den bezeichneten Gebieten
geräumt oder zerstört werden; und wo ihre Räumung oder Zerstörung nicht möglich ist, sollen die Minen dauerhaft entschärft und ihre Lage eindeutig markiert werden.
Artikel 3
Die Minenräumoperation soll am 27. Januar 1973 um 2400 Uhr GMT beginnen.
Die Vertreter der beiden Parteien sollen sich umgehend über die relevanten
Faktoren konsultieren und sich über/frühestmöglichen Zeitpunkt für die Beendigung der Arbeit einigen.
Artikel 4
Die Minenräumoperation soll entsprechend den Prioritäten und dem Zeitplan durchgeführt werden, der von den beiden Parteien vereinbart worden ist.
Daher sollen Vertreter der beiden Parteien zu einem baldigen Zeitpunkt zusammenkommen, um eine Vereinbarung über ein Programm und einen Durchführungsplan
zu treffen. Hierzu werden:
a)

Die Vereinigten Staaten ihren Plan für die Minenräumoperationen zur Ver-

fügung stellen, einschließlich der Lagepläne der Minenfelder und der Informationen über Art, Zahl und Ausstattung der Minen;
b)

die Demokratische Republik Vietnam alle verfügbaren Karten und hydro-

graphischen Pläne zur Verfügung stellen und die verminten Stellen sowie alle
sonstigen potentiellen Gefahren für die Minenräumoperationen angeben, die der
Demokratischen Republik Vietnam bekannt sind;
c)

-2-

�.

c)

die beiden Parteien eine Vereinbarung über die zeitliche Durchführung

jedes einzelnen Teiles des Planes treffen und die Öffentlichkeit rechtzeitig,
zumindest 48 Stunden vor Beginn der Minenräumoperationen in diesem Teile,
unterrichten.

Artikel 5
Die Vereinigten Staaten werden verantwortlich für die Minenräumung auf
den Binnenwasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam sein. Die Demokratische Republik Vietnam wird sich mit aller Kraft aktiv in die Minenräumung einschalten und zwar durch Vermessung, Räumung und Zerstörung sowie mit
Hilfe technischer Beratung durch die Vereinigten Staaten.

Artikel 6
Zur Gewährleistung eines sicheren Verkehrs von Personen und Wasserfahrzeugen auf den Wasserstraßen und zur See werden die Vereinigten Staaten bei
dem Minenräumverfahren rechtzeitig Informationen über den Fortschritt der
Minenräumung in jedem Gebiet sowie bezüglich der restlichen, noch zu zerstörenden Minen geben. Die Vereinigten Staaten werden ein Kommunique herausgeben, wenn die Operationen abgeschlossen sind.

Artikel 7
Bei der Durchführung der Minenräumoperationen soll das an diesen Operationen beteiligte amerikanische Personal die Souveränität der Demokratischen
Republik Vietnam respektieren und sich in keinerlei Tätigkeiten einlassen,
die mit dem Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie mit diesem Protokoll nicht zu vereinbaren
sind. Das an den Minenräumoperationen beteiligte amerikanische Personal soll
für die Dauer der Minenräumoperationen Immunität gegenüber der Gerichtsbarkeit der Demokratischen Republik Vietnam haben.

Die
-3-

�Die Demokratische Republik Vietnam soll die Sicherheit des amerikanischen Personals für die Dauer ihrer Minenräumtätigkeit auf dem Territorium der
Demokratischen Republik Vietnam gewährleisten und diesem Personal jede mögliche Hilfe sowie die in der Demokratischen Republik Vietnam benötigten Mittel
zur Verfügung stellen, wie dies von den beiden Parteien vereinbart worden ist.

Artikel 8
Dieses Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit der Unterzeichnung
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Kraft
treten. Es soll von den beiden Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundr.
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und di e
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-4-

�</text>
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                <text>Protokoll über die Räumung der Mienen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;</text>
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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DEN WAFFENSTILLSTAND UND DIE MILITÄRKOMMISSIONEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Protokoll über den Waffenstillstand in Südvietnam und die Gemeinsamen Militärkommissionen hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3, Artikel 5,
Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam und die Schaffung
einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:

Waffenstillstand in Südvietnam
Artikel 1
Die Oberkommandos der Parteien in Südvietnam sollen umgehend und rechtzeitig an alle ihrem Befehl unterstehenden regulären und irregulären Truppen
und bewaffneten Polizeiverbände Befehl erteilen, die Feindseligkeiten in ganz

�ganz Südvietnam zu dem genauen, in Artikel 2 des Abkommens genannten Zeitpunkt
völlig einzustellen, und gewährleisten, daß diese Truppen und bewaffneten Polizeiverbände diesen Befehlen nachkommen und den Waffenstillstand einhalten.

Artikel 2
a)

Sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist und bis von den Ge-

meinsamen Militärkommissionen Bestimmungen erlassen worden sind, sollen alle
Land-, Fluß-, See-und Luftverbände der Parteien in Südvietnam an ihrem Standort verbleiben; das heißt, um die Einhaltung eines stabilen Waffenstillstandes zu gewährleisten, darf es keine größeren Redislozierungen oder Truppenbewegungen geben, durch die das von jeder Partei kontrollierte Gebiet ausgedehnt würde, oder die zu Berührungen zwischen den gegnerischen Truppen und
etwa erfolgenden Zusammenstößen führen würden.
b)

Alle regulären und irregulären Truppen und bewaffneten Polizeiverbände

der Parteien in Südvietnam sollen sich an das Verbot

der folgenden Betäti-

gungen halten:
1) Entsendung von bewaffneten Patrouillen in von gegnerischen Truppen
kontrollierte Gebiete und Flüge von Bomben-und Kampfflugzeugen
aller Typen, ausgenommen unbewaffnete Flüge für Schulungs-und Wartungszwecke;
2) bewaffnete Angriffe gegen irgendwelche Militär-oder Zivilpersonen
unter Einsatz welcher Mittel auch immer; darunter fallen auch der
Einsatz von Handfeuerwaffen, Granatwerfer und Artillerie, Bombardierung und Beschuß durch Flugzeuge sowie der Einsatz aller anderen
Arten von Waffen oder Sprengstoffen;
3) alle Kampfoperationen zu Lande, auf Flüssen, zur See und in der
Luft;
4) alle feindseligen Handlungen, Terror und Vergeltungjund
5) alle Handlungen, die Menschenleben oder öffentliches oder privates
Eigentum in Gefahr bringen.
Artikel 3

�Artikel 3
a)

Die oben erwähnten Verbote dürfen nicht zu einer Behinderung oder

Einschränkung führen:
1) Des zivilen Nachschubs, der Bewegungsfreiheit, der freien Wahl des
Arbeitsplatzes, der Freiheit der Bevölkerung, Handel zu treiben, sowie des zivilen Nachrichten-und Transportwesens zwischen allen und
innerhalb aller Gebiete in Südvietnam;
2) des Einsatzes militärischer Nachschubverbände, zum Beispiel Pionierund Transporteinheiten durch jede Partei in den von ihr kontrollierten Gebieten zwecks Wiederinstandsetzung und Errichtung öffentlicher
Einrichtungen und für den Transport und die Versorgung der Bevölkerung;
3) der normalen militärischen Ausbildung, die von den Parteien in den
unter ihrer jeweiligen Kontrolle stehenden Gebieten bei angemessener Beachtung der öffentlichen Sicherheit durchgeführt wird.

b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen umgehend Vereinbarungen

treffen über Korridore, Routen und sonstige Bestimmungen für Flüge militärischer Transportmaschinen sowie für Fahrten militärischer Transportfahrzeuge
und militärischer Transportschiffe der einen Partei durch von den anderen Parteien kontrollierte Gebiete.

Artikel 4
Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung normaler Bedingungen
für die Truppen, die direkt in Berührung miteinander stehen, sollen - bis zu
einer Regelung durch die Gemeinsamen Militärkommissionen - die Kommandeure
der an diesen Stellen eines direkten Kontakts sich gegenüberstehenden Truppen
zusammenkommen,sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist, um zu

einer

Vereinbarung über vorübergehende Maßnahmen zur Vermeidung eines Konfliktes
und zur Sicherstellung von Versorgung und ärztlicher Betreuung dieser Truppen
zu gelangen.

Artikel 5

�Artikel 5
a)

Jede Partei soll ihr Äußerstes tun, um innerhalb von 15 Tagen nach In-

krafttreten des Waffenstillstandes die Beseitigung oder Entschärfung aller
Sprengsätze, Minenfelder, Fallen, Hindernisse oder sonstigen gefährlichen
Objekte, die früher gelegt oder errichtet worden waren, zum Abschluß zu bringen, damit Freizügigkeit und Arbeit der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden; dies gilt in erster Linie für Wasserstraßen, Landstraßen und Eisenbahnen
in Südvietnam. Die Minen, die innerhalb dieser Zeit nicht geräumt oder entschärft werden können, sollen eindeutig markiert werden und müssen so bald
wie möglich geräumt oder entschärft werden.
b)

Das Legen von Minen ist verboten, ausgenommen als Verteidigungsmaßnah-

me am Rande militärischer Einrichtungen, an Stellen, wo sie Freizügigkeit und
Arbeit der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den LandStraßen und den Eisenbahnen nicht beeinträchtigen. Bereits gelegte Minen und
sonstige Hindernisse am Rande militärischer Einrichtungen können dort verbleiben, wenn sie sich an Stellen befinden, wo sie Freizügigkeit und Arbeit
der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den Landstraßen und
den Eisenbahnen nicht behindern.

Artikel 6
Ziviles Polizei-und ziviles Sicherheitspersonal der Parteien in Südvietnam, das für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung verantwortlich
ist, soll die in Artikel 2 dieses Protokolls aufgeführten Bestimmungen strikt
einhalten. Bedingt durch ihre Aufgaben, sind sie normalerweise berechtigt,
Pistolen zu tragen. Wenn aber ungewöhnliche Umstände dies erfordern, kann
ihnen erlaubt werden, auch andere Handfeuerwaffen zu tragen.

Artikel 7

�Artikel 7

a)

Die Einbringung von Ersatzwaffen, Munition und Kriegsmaterial, wie

sie in Artikel 7 des Abkommens zugelassen ist, soll unter Überwachung und
Kontrolle der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission und der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und an solchen Übergangsstellen erfolgen,
die ausschließlich von den beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen innerhalb von 15 Tagen
nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes solche Übergangsstellen vereinbaren. Die beiden südvietnamesischen Parteien dürfen bis zu sechs Übergangsstellen auswählen, die nicht in der Liste der Orte angeführt sind, an denen
Gruppen der Internationalen Kontroll-und Überwachungäkommission nach Artikel
4 d des Protokolls über die Internationale Kommission stationiert werden
sollen. Gleichzeitig können die beiden südvietnamesischen Parteien auch
Übergangsstellen aus der Liste der Orte auswählen, die in Artikel 4 d dieses
Protokolls angeführt sind.

b)

Jede der so bezeichneten Übergangsstellen soll nur derjenigen südviet-

namesischen Partei zur Verfügung stehen, die die Kontrolle über diese Stelle
ausübt. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden eine gleiche Zahl von
Übergangsstellen haben.
Artikel 8
a)

Bei Durchführung von Artikel 5 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in Artikel 5 des Abkommens genannten Länder alle ihre
Waffen, ihre Munitionsbestände und ihr Kriegsmaterial mitnehmen. Ein Transfer solcher Gegenstände, bei dem diese in Südvietnam verbleiben würden, darf
nach Inkrafttreten des Abkommens nicht mehr erfolgen, ausgenommen der Transfer von Nachrichten-und Transport- sowie anderem
wendbarem

nicht für Kämpfe ver-

Material an die Gemeinsame Vierer-Militärkommission der Inter-

nationalen Kontroll-und Überwachungskommission.

b)
-5-

�b)

Die Vereinigten Staaten werden die Gemeinsame Vierer-Militärkommission

und die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission innerhalb von fünf
Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die allgemeinen Zeitpläne für den vollständigen Truppenabzug unterrichten, der in vier Phasen von
je 15 Tagen erfolgen soll. Es wird erwartet, daß die Zahl der in jeder Phase
abgezogenen Truppen wahrscheinlich nicht sehr unterschiedlich sein wird,
wenngleich es nicht möglich ist, gleiche Zahlen zu gewährleisten. Die ungefähre Zahl der in jeder Phase abgezogenen Truppen soll der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission rechtzeitig vor dem tatsächlich Abzug angegeben werden, so daß diese
ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang wahrnehmen können.

Artikel 9
a)

Bei Durchführung von Artikel 6 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in diesem Artikel genannten Länder alle militärischen
Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen in diesem Artikel genannten Länder in Südvietnam, einschließlich der Waffen, Minen und sonstigen militärischen Ausrüstungen in diesen Stützpunkten, demontieren und aus Südvietnam entfernen oder zerstören, so daß sie für militärische Zwecke unbrauchbar
gemacht werden.
b)

Die Vereinigten Staaten sollen der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission

und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission die erforderlichen Informationen über Pläne für die Demontage der Stützpunkte geben, so
daß diese Kommissionen ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang
wahrnehmen können.

Die

-6-

�DIE GEMEINSAMEN MILITARKOMMISSIONEN

Artikel 10
a)

Die Durchführung des Abkommens ist Aufgabe der Parteien, die das Ab-

kommen unterzeichnet haben.
Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission hat die Aufgabe, ein gemeinsames
Vorgehen der Parteien bei der Durchführung des Abkommens zu gewährleisten, indem sie als Kommunikationsbrücke zwischen den Parteien dient, indem sie die
Pläne entwirft und die Modalitäten festlegt, um die in Artikel 16 des Abkommens
genannten Bestimmungen zur Durchführung zu bringen, den Ablauf zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren, und indem sie Verhandlungen über alle
die Durchführung dieser Bestimmungen betreffenden Fragen führt und diese regelt.
b)

Die konkreten Aufgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission sind:
1) Die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens durch
die vier Parteien zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren;
2) Verletzungen zu verhindern und festzustellen, sich mit den Fällen
solcher Verletzung zu befassen, Konflikte und Streitfälle zwischen
den Parteien in bezug auf die oben genannten Bestimmungen beizulegen;
3) je nach Erfordernis eine

oder mehrere gemeinsamen Gruppen umgehend

in jeden Teil Südvietnams zu entsenden, um angebliche Verletzungen
des Abkommens zu untersuchen und den Parteien dabei zu helfen, Maßnahmen zu finden, damit das Wiederauftreten ähnlicher Fälle verhindert wird;
4) Beobachtungsaufgaben an Orten zu übernehmen, wo dies für die Ausübung
ihrer Funktionen notwendig ist;
5) Zusätzlich sich stellende Aufgaben, die durch einstimmigen Beschluß
festgelegt werden, auszuführen.
Artikel 11

�Artikel 11
a)

Es soll eine Zentrale Gemeinsame Militärkommission mit Sitz in

Saigon geben. Jede Partei soll umgehend eine militärische Delegation von
59 Personen benennen, die sie in der Zentralen Kommission vertritt. Der
von jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll im Generals- oder
entsprechenden Rang stehen.
b)

Es soll sieben regionale Gemeinsame Militärkommissionen mit Sitz

in den Regionen geben, die auf der beigefügten Karte gezeigt werden und
die an den folgenden Orten stationiert sind:
Region:

Ort:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Jede Partei soll eine militärische Delegation von 16 Personen benennen, die sie in jeder der regionalen Kommissionen vertritt. Der von
jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll jeweils im Rang eines
Oberstleutnants oder Obersten oder einem entsprechenden Rang stehen.
c)

Es soll eine Gemeinsame Militärgruppe für jedes der auf der beigegeben
fügten Karte angegebenen Gebiete/mit Stationierung an folgenden Orten in
Südvietnam:

Region I:

- 8-

�Region I:

Region II:

Region III:

Region: IV:

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Cat

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V:

Region VI:

Region VII:

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh

Cu Chi

Knanh Hung

Tan An

Quan Long

Jede Partei soll vier qualifizierte Persönlichkeiten für jede
Geraeinsame Militärgruppe benennen. Die von jeder Partei als Vorgesetzter
benannte Persönlichkeit soll ein Offizier im Rang eines Majors oder Oberstleutnants oder einem entsprechenden Rang sein.
d)

Die Regionalen Gemeinsamen Militärkommissionen sollen die Zentrale

Gemeinsame Militärkommission bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützen und die Arbeit der Gemeinsamen Militärgruppen überwachen. Die
Region Saigon-Cia Dinh ist der Aufsicht der Zentralen Kommission unterstellt, die Gemeinsame Militärgruppen benennen wird, die in dieser
Region tätig sein sollen.
e)

Jeder Partei soll ermächtigt werden, für ihre Delegationen bei der

Zentralen Gemeinsamen Militärkommission und den Regionalen Gemeinsamen
Militärkommissionen sowie für ihre Mitglieder bei den Gemeinsamen
Militärgruppen Hilfs- und Wachpersonal zu stellen. Die Gesamtzahl des
Hilfs- und Wachpersonals soll für jede Partei 550 nicht übersteigen.

- 9-

�f)

Die Zentrale Gemeinsame Militärkommission kar^n entsprechend den

jeweiligen Erfordernissen Gemeinsame Unterausschüsse, Gemeinsame Stäbe
und Gemeinsame Militärgruppen einsetzen. Die Zentrale Kommission soll
die Zahl des benötigten Personals für die von ihr eingesetzten zusätzlichen Unterausschüsse, Stäbe oder Gruppen festlegen unter der
Voraussetzung, daß jede Partei einviertel der Zahl des benötigten
Personals stellt und daß die Gesamtzahl des Personals der gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen, einschließlich ihrer Stäbe, Gruppen und des
Hilfspersonals 3.300 nicht übersteigt.
g)

Die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien können

durch Vereinbarung provisorische Unterkommissionen und Gemeinsame
Militärgruppen zur Durchführung der ihnen in Artikel 17 des Abkommens
speziell übertragenen Aufgaben einsetzen. Was Artikel 7 des Abkommens
anbetrifft, so können die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-MilitärkommissLon Gemeinsame Militärgruppen an Übergangsstellen nach Südvietnam einsetzen, die für die
Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial gemäß
Artikel 7 dieses Protokolls bezeichnet werden. Für die Zeit vom Inkrafttreten
meinsame

des Waffenstillstandes bis zu dem Zeitpunkt:, an dem die GeZweier-Militärkommission ihre Funktion übernimmt, sollen die

Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommission eine provisorische Unterkommission und provisorische Gemeinsame Militärgruppe bilden, die deren Aufgaben bezüglich der
gefangen gehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten wahrnehmen sollen. Soweit es zu dem obenerwähnten Zweck notwendig ist, können
die beiden Parteien vereinbaren, den beiden südvietnamesischen Delegationen
bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission zusätzliches Personal zuzuteilen.

Artikel 12

- 10 -

�Artikel 12
a)

Im Einklang mit Artikel 17 des Abkommens, der festlegt, daß die

beiden südvietnamesischen Parteien umgehend ihre jeweiligen Vertreter für
die Bildung der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, sollen die
beiden designierten Delegationen der südvietnamesischen Parteien bei der
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission innerhalb von 24 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillands in Saigon zusammenkommen, um so bald wie
möglich eine Vereinbarung über die Organisation und Tätigkeit der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission sowie über Maßnahmen und Struktur zu
treffen, die dem Ziele dienen, den Waffenstillstand durchzusetzen sowie
den Frieden in Südvietnam zu wahren.
b)

Für die Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandsbis zu dem

Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Funktion
übernimmt, sollen auf allen Ebenen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
gleichzeitig auf allen Ebenen die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission zusätzlich zu ihren Funktionen als Delegationen bei
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission übernehmen.
c)

Wenn zu dem Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Vierer-Militärkom-

mission gemäß Artikel 16 des Abkommens ihre Arbeit einstellt, noch keine
Vereinbarung über die Organisation der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission erreicht ist, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien die auf allen Ebenen bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
arbeiten, weiter vorübergehend als provisorische Gemeinsame ZweierMilitärkommission zusammenarbeiten und die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission auf allen Ebenen übernehmen, bis die Gemeinsame ZweierMilitärkommission ihre Funktion übernimmt.

Artikel 13

�Artikel 13
Entsprechend dem Prinzip der Einstimmigkeit sollen die Gemeinsamen
Militärkommissionen keine Vorsitzenden haben, und Sitzungen sollen auf
Antrag jedes Vertreters einberufen werden. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen Arbeitsverfahren einschlagen, wie sie für die wirksame
Erledigung ihrer Funktionen und Aufgaben geeignet sind.

Artikel 14
Die Gemeinsamen Militärkommissionen und die Internationale Kontrollund Überwachungskommission sollen miteinander eng zusammenarbeiten und
sich gegenseitig bei der Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen. Jede Gemeinsame Militärkommission soll die Internationale Kommission über die Durchführung der Bestimmungen des Abkommens unterrichten,
für die diese Gemeinsame Militärkommission verantwortlich ist und die im
Rahmen der Zuständigkeit der Internationalen Kommission liegen. Jede
Gemeinsame Militärkommission kann die Internationale Kommission ersuchen,
spezifische Beobachtungsaufgaben durchzuführen.

Artikel 15
Die Zentrale Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll ihre Arbeit 24
Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Regionalen
Gemeinsamen Vierer-Militärkommissionen sollen die Arbeit 48 Stunden nach
Inkrafttreten des Waffenstillstands aufnehmen. Die Gemeinsamen Militärgruppen, die an den in Artikel 11 c dieses Protokolls aufgeführten Orten
stationiert sind, sollen die Arbeit nicht später als 15 Tage nach dem
Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Delegationen der beiden
südvietnamesischen Parteien sollen gleichzeitig die Aufgaben der Gemeinsamen
Zweier-Militärkommission, wie in Artikel 12 dieses Protokolls vorgesehen,
aufnehmen.
Artikel 16
- 12 -

�Artikel 16
a)

Den Gemeinsamen Militärkommissionen auf allen Ebenen soll von

den Parteien voller Schutz und alle erforderliche Hilfe bei der Durchführung ihrer Aufgaben gewährt werden.
b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen und ihr Personal sollen bei

der Durchführung ihrer Aufgaben die gleichen Privilegien und die gleiche
Immunität wie die diplomatischen Missionen und die Diplomaten genießen.
c)

Das Personal der Gemeinsamen Militärkommission darf Pistolen und

besondere Abzeichen tragen, über die von jeder Zentralen Gemeinsamen
Militärkommission entschieden wird. Das Personal jeder Partei kann für
die Bewachung von Einrichtungen oder Ausrüstungen der Kommission ermächtigt werden, andere individuelle Handfeuerwaffen zu tragen, so wie
dies von jeder Zentralen Gemeinsamen Militärkommission festgelegt wird.

Artikel 17

a)

Die Delegation jeder Partei bei der Gemeinsamen Vierer-Militär-

kommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission soll ihre eigenen
Büroräume, Nachrichtenverbindungen sowie Versorgungs- und Transporteinrichtungen, einschließlich Flugzeuge, falls erforderlich, haben.
b)

Der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Gemeinsamen

Zweier-Militärkommission soll auf allen Ebenen angemessene Büro- und
Wohnräume von jeder der Parteien in den von ihr kontrollierten Gebieten
zur Verfügung gestellt werden.
c)

Die Parteien sollen sich darum bemühen, der Gemeinsamen Vierer-

Militärkommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission mietoder leihweise oder als Schenkung die üblichen Arbeitsmittel, einschließlich der Einrichtungen für Nachrichtenverbindungen, Versorgung
und Transport und auch, falls erforderlich, Flugzeuge zur Verfügung zu
stellen. Die Gemeinsamen Militärkommissionen können die erforderlichen
- 13 -

�erforderlichen Einrichtungen, Ausrüstungen und Dienstleistungen, die
nicht von den Parteien gestellt werden, von jeder anderen Stelle
käuflich erwerben. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen diese
Einrichtungen und Ausrüstungen in Besitz haben und nutzen.
d)

Die oben erwähnten Einrichtungen und Ausrüstungen für den

gemeinsamen Verbrauch sollen an die Parteien zurückgegeben werden,
wenn die Gemeinsamen Militärkommissionen ihre Arbeit beendet haben.

Artikel 18
Die gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
sollen in gleicher Höhe von den vier Parteien getragen werden und die
gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission in Südvietnam sollen in gleicher Höhe von diesen beiden Parteien getragen
werden.

Artikel 19

Diese Protokoll soll mit der Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten
Parteien in Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt
ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für

- 14 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 15 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

- 16 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DES WAFFENSTILLSTANDS IN SÜDVIETNAM UND
DER GEMEINSAMEN MILITÄRKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3,
Artikel 5, Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam
und die Schaffung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-18 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 19
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich des Waffenstillstands in Südvietnam und der Gemeinsamen Militärkommissionen soll mit
Unterzeichnung dieses Dokuments durch den Außenminister der Regierung der

- 17 -

�der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung
der Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokuments gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der
Republik Vietnam, den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik

Südvietnam in Kraft treten. Das Protokoll soll von allen

betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

i l i

- 18 -

�</text>
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United
53

States

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5/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
29. Januar den neuen Haushalt für das am 1. Juli beginnende US-Finanzjahr
1973/74 vorgelegt, der bei Einnahmen von 256 Milliarden Dollar und Ausgaben
von 268,7 Milliarden Dollar ein Defizit von 12,7 Milliarden Dollar ausweist.
Die wesentlichen Teile der Einleitung zur Haushaltsbotschaft des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
" Mit dem Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 wird mein Versprechen erfüllt, die Bundesausgaben niedrig zu halten, so daß sich keine Notwendigkeit
für eine Erhöhung der Steuern ergibt.
Dieser Haushalt wird die Wirtschaft unseres Landes weiter einem Ziel
näher bringen, das sie in fast zwei Jahrzehnten nicht erreicht hat: Hoher
Beschäftigtenstand und hoher Wohlstand für die Bürger Amerikas ohne Inflation
und ohne Krieg....

Seit

-1-

�Seit Mitte der fünfziger Jahre ist der Anteil am Bruttosozialprodukt
des Landes, den die öffentlichen

Verwaltungen in den Vereinigten Staaten

- die Bundesregierung, die Regierungen der Einzelstaaten und die Kommunen für sich in Anspruch genommen haben, von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen. Er muß nicht und sollte nicht weiter steigen.
Die höheren Forderungen, die die Regierung an die Steuerzahler stellte,
waren nicht für Verteidigungsprogramme bestimmt. Tatsächlich ist der Anteil
der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt um ein Viertel zurückgegangen, während der Anteil der zivilen Programme aller Verwaltungen um 75 Prozent stieg, nämlich von 14 Prozent des Bruttosozialproduktes im Jahre 1955
auf rund 25 Prozent im Jahre 1972. Die zivilen Programme der Bundesregierung
sind also keineswegs verkümmert....
In den letzten zwei Jahren, in denen die Kapazitäten der Wirtschaft zu
gering ausgenutzt waren und die Inflationsgefahr nachließ, gingen die Auftriebskräfte, die die Wirtschaft Fortschritte in Richtung auf eine Vollbeschäftigung machen ließen, vom Bundeshaushalt aus. Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 trägt der fortdauernden Verpflichtung der Bundesregierung
Rechnung, durch eine gesunde Währungs-und Haushaltspolitik zur Schaffung der
Bedingungen beizutragen, unter denen die Volkswirtschaft aufblühen wird und
neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Der Haushalt muß jetzt jedoch,
statt in erster Linie nur Auftrieb zu sein, auch vor einer Inflation schützen.
Der sicherste Weg, Inflation oder höhere Steuern oder beides zu vermeiden, ist, daß der Kongreß sich mit mir zu gemeinsamen Bemühungen um eine
Kontrolle der Bundesausgaben zusammentut. Ich schlage daher vor, daß der Kongreß, bevor er irgend welche gesetzlichen Ausgaben billigt, ein starres Ausgabenlimit festlegt, durch das die Gesamtausgaben für das Finanzjahr 1973/74
auf die von mir im Haushalt empfohlenen 268,7 Milliarden Dollar begrenzt
werden.
Ich

�Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk höhere Steuern wünscht,
genauso wenig, wie es Inflation wünscht. Um sowohl höhere Steuern wie auch
Inflation zu vermeiden, schlage ich vor, daß die Ausgaben im Finanzjahr 1973/
74 und im Finanzjahr 1974/75 nicht höher sein sollen als die Einnahmen, die
sich bei einer Vollbeschäftigung ergeben würden.

Zusammenfassung des Haushalts 1973/74
Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 bringt - bei Zugrundelegung
einer Vollbeschäftigung - in etwa einen Ausgleich und tatsächlich ein Defizit,
das nur halb so groß wie das Defizit im Finanzjahr 1972/73 ist. Der Gesamthaushalt, den ich hier für das Finanzjahr 1974/75 vorschlage, wird ebenfalls
- bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - ausgeglichen sein. Ein Haushalt
im Finanzjahr 1973/74, der bei Vollbeschäftigung ausgeglichen wäre, unterstützt den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, ohne daß es zu einem Wiederaufleben der Inflation kommt. Ein stärkerer Auftrieb im Finanzjahr 1973/74 wäre
gefährlich und würde für künftige Haushalte nicht mehr tragbare Belastungen
bringen.
Die Haushaltseinnahmen im Finanzjahr 1973/74 werden auf 256 Milliarden
Dollar veranschlagt. Dies bedeutet gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 eine Zunahme um 31 Milliarden Dollar, der den wachsenden Wohlstand, das höhere Persona leinkommen und die steigenden Gesellschaftsgewinne widerspiegelt. Bei den
Einkommenschätzungen wirken sich auch die Steuersenkungen aufgrund des Steuerreformgesetzes von 1969, die neue Wirtschaftspolitik, das Abgabengesetz von
1971 sowie die höheren Abgaben auf Löhne und Gehälter aus, um die gestiegenen
Sozialversicherungsleistungen zu finanzieren.
Die

�Die Haushaltsausgaben im Finanzjahr 1973/74 werden auf 268,7 Milliarden
Dollar veranschlagt. Der Gesamtbetrag wäre ganz erheblich höher gewesen
- wahrscheinlich bei 288 Milliarden Dollar -,wenn meine Regierung nicht
außergewöhnliche Anstrengungen unternommen hätte, um die Haushaltsleitzahl
im Finanzjahr 1972/73 bei einem Maximum von 250 Milliarden Dollar statt, was
sonst der Fall gewesen wäre, bei 261 Milliarden Dollar zu halten und für das
Finanzjahr 1973/74 bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung in etwa auszugleichen.
Aber auch so bringt dieser Haushalt zwangsläufig ein Ansteigen der Ausgaben um 19 Milliarden Dollar gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 oder fast
8 Prozent gegenüber dem letzten Haushaltsjahr. Der Haushalt ist ausreichend
für die Gewährleistung von Sicherheit und Wohlstand in Amerika im kommenden
Jahr.
Das Haushaitsprogramm für das Finanzjahr 1973/74 sieht Ausgaben im
Finanzjahr 1974/75 - bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - von 288 Milliarden Dollar vor, was zusammen mit den Einnahmen nach den gegenwärtigen Gesetzen
Vollbeschäftigung und einen ausgeglichenen Haushalt bedeuten würde....

Die Schaffung eines dauerhaften Friedens
Die Schaffung eines dauerhaften Friedens erfordert mehr als Wunschdenken.
Er kann nur durch geduldige Diplomatie und Verhandlungen, gestützt auf militärische Stärke,erreicht und erhalten werden. Um von Dauer zu sein, muß der
Friede auf einer Grundlage gegenseitiger Interessen und gegenseitiger Achtung
unter den Völkern basieren. Er muß so beschaffen sein, daß diejenigen, die
sonst versucht sein könnten, ihn zu zerstören, einen Anreiz haben, ihn zu erhalten.
Der

�Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 unterstützt die Bemühungen
Amerikas um die Schaffung eines solchen Friedens auf zwei wichtigen Wegen.
Einmal wird die militärische Stärke aufrechterhalten, die wir zur Unterstützung
unserer Verhandlungen und unserer Diplomatie benötigen. Zum anderen bringt er
eine gesunde Haushaltspolitik, die, von einer ergänzenden monetären Politik
unterstützt, zu Wohlstand und wirtschaftlicher Stabilität hier und im Ausland
beitragen wird.
Unsere Stärke

zusammen mit unserer Bereitschaft zu Verhandlungen hat es

uns bereits ermöglicht, mit der Errichtung eines Gebäudes für einen dauerhaften Weltfrieden zu beginnen und zu einer allgemeinen Verminderung der Spannungen auf der Welt beizutragen.
-- Wir haben wesentlichen Fortschritt in Richtung auf eine Beendigung
unseres Engagements in dem schwierigen Krieg in Südostasien gemacht.
-- In den letzten vier Jahren haben wir mehr bedeutsame Abkommen mit
der Sowjetunion abgeschlossen als in all den vorangegangenen Jahren
seit dem zweiten Weltkrieg, darunter auch das historische Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen.
-- Wir haben eine nahezu ein ViertelJahrhundert dauernde beiderseitige
Isolierung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
beendet und können der Entwicklung einer friedlichen Zusammenarbeit
auf Gebieten von beiderseitigem Interesse entgegensehen.
In dieser Atmosphäre haben andere Länder ebenfalls damit begonnen, in
Richtung auf eine friedliche Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten voranzuschreiten.
Eines der Ergebnisse unserer Verhandlungen - zusammen mit dem Erfolg der
Nixon-Doktrin, unserem beträchtlichen Disengagement in Vietnam und der höheren Wirksamkeit neuerer Waffensysteme - war eine wesentliche, aber kluge

�kluge Verringerung unserer Streitkräfte. Die Gesamttruppenstärke ist seit
1968 um etwa ein Drittel verringert worden und wird weiter verringert werden,
wenn wir die Wehrpflicht aufheben und reine Freiwilligen-Streitkräfte haben
werden. Gleichzeitig übernehmen unsere Verbündeten einen wachsenden Anteil
der Lasten ihrer eigenen Verteidigung.
Als Folge hiervon sind die Verteidigungsausgaben etwa gleich geblieben.
Im Finanzjahr 1973/74 werden sie im wesentlichen die gleichen wie 1967/68
sein. In dieser Zeit ist der Gesamthaushalt um 50 Prozent gewachsen und haben die nicht für die Verteidigung bestimmten Ausgaben um 91 Prozent oder
90 Milliarden Dollar zugenommen. Bei Ausschaltung von Lohn-und Preiserhöhungen werden die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1973/74 etwa die gleichen
wie im Finanzjahr 1972/73 sein und etwa ein Drittel unter denen des Finanzjahres 1967/68 liegen.
Wenn es dieser Regierung auch gelungen ist, die unnötigen Verteidigungsausgaben auszumerzen, so ist sie jedoch genau so entschlossen, die für die
nationale Verteidigung erforderlichen Ausgaben zu machen. Unser Haushalt
für das Finanzjahr 1973/74 entspricht diesem Ziel. Er garantiert uns eine
ausreichende Stärke, um unsere Sicherheit zu erhalten und weiterhin als wichtige Kraft für den Frieden zu wirken.
Ein wichtiger Teil unserer Bemühungen um den Frieden ist ein Rahmen für
den internationalen wirtschaftlichen Fortschritt. Ein solider Anfang bei einer
Reform des internationalen Währungssystems ist durch unsere Teilnahme an den
fortdauernden Gesprächen des Zwanziger-Ausschusses gemacht worden. Wir werden
diese Bemühungen im kommenden Jahr mit Nachdruck fortsetzen.
Unsere Auslandshilfeprogramme spiegeln ebenfalls unsere Absicht wider,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens durch gemeinsame Aufteilung von Lasten
und Vorteilen zu schaffen. Amerika wird weiterhin fest zu seiner Unterstützung
befreundeter Nationen stehen, die wirtschaftlichen Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben. Wir erwarten jedoch, daß die anderen Länder ebenso

�ebenso ihren Teil hierzu beitragen, und das Auslandshilfebudget für das
Finanzjahr 1973/74 basiert auf dieser Erwartung.
Unser Ziel ist ein dauerhafter Friede, der von dem Selbstinteresse aller
Nationen getragen ist, ihn zu wahren. Unsere anhaltende militärische Stärke
und unsere Programme für einen internationalen wirtschaftlichen Fortschritt,
wie sie in diesem Haushalt vorgesehen sind, werden uns diesem für uns und
unsere Nachkommen angestrebten Ziel näherbringen.

Erfüllung menschlicher Erfordernisse
Die Programme für menschliche Aufgaben in dem Haushalt für das Finanzjahr
1973/74 spiegeln - wie die drei ihm unter meiner Regierung vorangegangenen meine Überzeugung wider, daß soziales Mitgefühl nicht lediglich durch Zuweisung öffentlicher Gelder bewiesen werden kann in der Hoffnung, so einen NotStand zu beheben, sondern nur dadurch, daß solche Gelder greifbare Verbesserungen für das Leben unserer Bevölkerung bringen. Meine Bemühungen um grundlegende Reformen, durch die die Leistungen der Bundesregierung verbessert werden, sollen in dem kommenden Finanzjahr fortgesetzt werden.
Gegenüber dem Finanzjahr 1968/69 sind die Ausgaben für Bundesprogramme
für menschliche Aufgaben im Finanzjahr 1973/74 um 97 Prozent gestiegen,während die Gesamthaushaltsausgaben lediglich um 46 Prozent gewachsen sind. Infolgedessen machen die Dollar-Ausgaben für menschliche Aufgaben heute fast
die Hälfte des Haushaltes aus, verglichen mit etwas über einem Drittel der
Gesamthaushaltssumme zur Zeit meines Amtsantrittes.
Wir konnten zahlreiche solide Erfolge verbuchen.... Wir können und werden
noch bessere Wege finden, um aus unseren Programmen für menschliche Aufgaben
das beste herauszuholen - durch Partnerschaft zwischen einer umstrukturierten
Bundesregierung und starken bundesstaatlichen Regierungen und Kommunalverwal-

�Kommunalverwaltungen sowie mit Hilfe einer sozial eingestellten Privatwirtschaft, gestärkt durch eine Wiederbelebung der individuellen Initiative und
des Selbstvertrauens der Menschen. Aber nur, wenn wir hier und jetzt unproduktive Programme einstellen, können wir die Mittel erhalten, die wir zur
Durchführung solcher Ergebnisse zeitigenden Programme benötigen."

Internationale Angelegenheiten und Finanzen
Die wichtigsten Teile des Kapitels "Internationale Angelegenheiten und
Finanzen" haben folgenden Wortlaut:
"Mit den Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking, den Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Rüstungen, dem Berlin-Abkommen und dem
Abbau des militärischen Engagements der USA in Vietnam haben die Vereinigten
Staaten entscheidende Schritte getan, um die Nachkriegsära der Konfrontation
zu beenden und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, Unser Ziel
ist ein Netz von Beziehungen und Interdependenz, das jedem Land ein Interesse am Frieden gibt.
Unsere Werkzeuge hierzu sind Diplomatie und Verhandlungen, Auslandshilfe,
Reform des internationalen Währungssystems und Ausweitung des Handels sowie
der Austausch von Personen und Ideen.
Das Budget für internationale Programme im Finanzjahr 1973/74 stellt die
Mittel bereit, um dieses Ziel - den Frieden - im Einklang mit unseren Möglichkeiten und mit dem Minimum an erforderlichen Hilfsquellen anzustreben ...
Wirtschafts- und Finanzhilfe. Die Auslandshilfeprogramme spiegeln unsere Absicht wider, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, wobei Lasten
und Vorteile sich auf alle verteilen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
fest zu ihrer Unterstützung befreundeter Länder stehen, die wirtschaftlichen
Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben; aber wir erwarten auch
von den anderen Ländern, daß sie ihren Teil hierzu beitragen ...
Internationale Sicherheitshilfe. Durch Gewährung von Hilfe an Länder, deren
Volkswirtschaften die Sicherheitserfordernisse noch nicht ausreichend tragen

�tragen können, unterstützen diese Programme befreundete Länder bei der Entwicklung und Erhaltung des Potentials, sich selbst zu verteidigen. Die gesamten Bundesausgaben (in diesem Bereich) im Finanzjahr 1973/74 werden auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt.
Die Militärhilfe, die vom Verteidigungsministerium verwaltet und unter
nationale Verteidigung eingestuft ist, schließt nicht-rückzahlbare Zuwendungen
für Ausrüstungen und Ausbildung wie auch Kreditverkäufe von militärischen Ausrüstungen ein. (Die Militärhilfe an Laos und Südvietnam fällt ebenfalls unter
die Kassenzuweisungen des Verteidigungsministeriums..)
In dem Maße, in dem sich die Volkswirtschaften der Empfängerländer und
die internationale politische Lage bessern, kann auch die Militärhilfe
schrittweise von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen auf Kredit- und Barverkäufe
umgestellt werden. Daher wird für das Finanzjahr 1973/74 mit vermehrten

Kre-

ditverkäufen gerechnet. Die gesamten Bundesausgaben für die Militärhilfe,
einschließlich der Kreditverkäufe an Israel, werden sich im Finanzjahr
1973/74 auf 791 Millionen Dollar belaufen.
Die ergänzende Wirtschaftshilfe, die vom Amt für

Internationale Entwick-

lung (AID) verwaltet wird, soll die politische und wirtschaftliche Stabilität
in Ländern fördern, die außenpolitisch für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind. Die Ausgaben sind im Finanzjahr 1973/74 auf 708 Millionen Dollar
veranschlagt worden ...

Internationale Entwicklungshilfe. Diese Programme fördern das langfristige
wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer sowohl über multilaterale wie
auch über bilaterale Kanäle. Die Ausgaben werden im Finanzjahr 1973/74 auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...
Zur Bereitstellung des amerikanischen Beitrages zu international vereinbarten Kapitalaufstockungen werden für das Finanzjahr 1973/74 folgende Haushaltsermächtigungen beantragt:
— 320
- 9-

�-- 320 Millionen Dollar für die Internationale Entwicklungsgesellschaft
(IDA);
—

193 Millionen Dollar für das Stammkapital der Interamerikanischen
Entwicklungsbank und zusätzlich eine Zahlung von 500 Millionen Dollar an deren Sonderfonds; und

---100 Millionen Dollar an den Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank sowie weitere 109 Millionen Dollar für das Stammkapital der
Bank nach Verabschiedung des Rahmengesetzes.
Der größte freiwillige Beitrag an Internationale Organisationen wird an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen gehen, das technische Hilfsprogramme sowie Erhebungen über Investitionsvorhaben finanziert. Für das
Finanzjahr 1973/74 wird ein Beitrag von 90 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Ferner wird ein Beitrag von 10 Millionen Dollar zu dem neuen Umweltfonds
der Vereinten Nationen vorgeschlagen.
Die bilaterale Hilfe wird in erster Linie vom Amt für Internationale
Entwicklung (AID) verwaltet. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74
auf 871 Millionen Dollar veranschlagt. Der Personalstand des AID wird im
Finanzjahr 1973/74 weiter verringert werden, so daß der Personalabbau seit
dem Finanzjahr 1967/68 insgesamt 44 Prozent ausmachen wird.
Die Interamerikanische Stiftung mit einem Ausgabenansatz im Finanzjahr
1973/74 von 8 Millionen Dollar gewährt in erster Linie gemeinnützigen Privatorganisationen nicht-rückzahlbare Zuwendungen für neue Entwicklungsvorhaben
in Lateinamerika.
Die internationale humanitäre Hilfe, die vom Außenministerium und dem
AID verwaltet wird, gewährt Flüchtlingen und Opfern von Naturkatastrophen
Unterstützung. Sie wird weitgehend aus dem Lebensmittel-für-den-Frieden^Programm, dem Sonderfonds des Präsidenten für Auslandshilfe und aus Sonderbe-

-10-

�Sonderbewilligungen für Unterstützung finanziert. Die Vereinigten Staaten haben erst kürzlich zu der dringend notwendigen Hilfe für Südasien,die Philippinen, Zentralafrika und Nicaragua beigetragen.

Friedenskorps. Der Haushaltsansatz von 78 Millionen Dollar an Ermächtigungen
für die Arbeit des Friedenskorps im Finanzjahr 1973/74, wozu noch wachsende
Beiträge der Gastländer kommen, wird es gestatten, den gegenwärtigen Stand
an Freiwilligen aufrechtzuerhalten.

Lebensmittel-für-den-FrJeden. Durch Verkauf und Schenkung von Agrarerzeugnissen an andere Länder will das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm Hunger
und Unterernährung bekämpfen, das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern fördern und die Exportmärkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erweitern. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74 auf 766 Millionen Dollar
veranschlagt, wovon 500 Millionen Dollar auf Nettoverkäufe und 266 Millionen
Dollar auf Schenkungen entfallen."

Haushaltsübersicht

�•

Haushaltsübersicht
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

Haushaltseinnahmen

208,6

225,0

256,0

Haushaltsausgaben

231,9

249,8

268,7

Haushaltsdefizit

-

23,2

-12-

-

24,8

-

12,7

�Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

Nationale Verteidigung

78,3

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

76,4

81,1

Internationale Angelegenheiten und
Finanzen

3,7'

3,3

3,8

Weltraumforschung und Technologie

3,4

3,1

3,1

Landwirtschaft

7,1

6,1

5,6

Natürliche Hilfsquellen u. Umwelt

3,8

0,9

3,7

11,2

12,5

11,6

Städteentwicklung u.Wohnungsbau

4,3

4,0

4,9

Ausbildung und Arbeitskräfte

9,8

10,5

10,1

Gesundheitswesen

17,1

18,0

21,7

Sicherung der Einkommen

64,9

75,9

82,0

Kriegsveteranen

10,7

11,8

U,7

Zinsendienst

20,6

22,8

24,7

4,9

5,6

6,0

6,8

6,0

—

0,5

1,8

Handel und Verkehr

Allgemeine Verwaltung
Finanzausgleich
Zusätzliche Ausgaben
Interne Transaktionen

-

2,8

3,0

-

3,2

Zinseinnahmen aus Treuhandfonds

-

5,1

5,4

-

6,0

231,9

249,8

-13-

268,7

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer

31. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
-WortlautProtokoll über den Waffenstillstand und die Militärkontmissionen
-WortlautProtokoll über die Kontroll-und Überwachungskommission
-WortlautProtokoll über die Kriegsgefangenen
-WortlautProtokoll über die Räumung der Minen
-WortlautDas Problem Vietnam (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor
«Auszüge aus der Haushaltsbotschaft-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

Telex:08-85432

5/1973
ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Vietnam-Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben im Hin-

»

blick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens
in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes
auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des Friedens in
Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und verpflichten
sich, diese einzuhalten und durchzuführen:
Kapitel I
Die grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder respektieren die Unabhängigkeit, die Souveränität, die Einheit und die territoriale Integrität
Vietnams, wie sie in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954 anerkannt worden
sind.
Kapitel II

-1-

�Kapitel II
Einstellung der Feindseligkeiten - Abzug der Truppen
Artikel 2
Ein Waffenstillstand wird in ganz Südvietnam am 27. Januar 1973
um 2400 Uhr GMT in Kraft treten.
Zur gleichen Stunde werden die Vereinigten Staaten ihre gesamten
militärischen Aktionen gegen das Territorium der Demokratischen Republik
Vietnam durch Land-, See- und Luftstreitkräfte, gleichgültig, wo diese
ihre Stützpunkte haben, einstellen und die Verminung der Territorialgewässer, der Kriegs- und Handelshäfen sowie der Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam beenden. Die Vereinigten Staaten werden alle
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs- und Handelshäfen sowie
den Wasserstraßen Nordvietnams entschärfen oder zerstören, sobald dieses
Abkommen in Kraft tritt. Die völlige Einstellung der in diesem Artikel er
wähnten Feindseligkeiten soll von Dauer und ohne jede zeitliche Begrenzung sein.
Artikel 3
Die Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand einzuhalten und
einen dauerhaften und stabilen Frieden sicherzustellen.
Sobald der Waffenstillstand in Kraft tritt, werden:
a)

die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die der anderen mit den

Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam verbündeten Länder bis zur
Durchführung des Truppenabzugsplanes an ihren jeweiligen Standorten verbleiben.
b)

die Streitkräfte der beiden südvietnamesischen Parteien an ihren je-

weiligen Standorten verbleiben. Die in Artikel 17 erwähnte Gemeinsame
Zweier-Militärkommission wird die von jeder der beiden Parteien kontrollierten Gebiete festlegen und die Modalitäten der Stationierung
bestimmen.

£2
- 2-

�c)

die regulären Streitkräfte aller Waffengattungen und die irregulären

Verbände der Parteien in Südvietnam alle offensiven Aktionen gegeneinander
einstellen und sich strikt an die folgenden Abmachungen halten:
- Alle gewaltsamen Handlungen zu Lande, in der Luft und zur See sind
verboten;
- alle feindseligen Handlungen, Terrorakte und Repressalien beider
Seiten sind verboten.

Artikel 4
Die Vereinigten Staaten werden ihr militärisches Engagement nicht fortsetzen und sie werden sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten Südvietnams einmischen.

Artikel 5
Innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens werden alle
Truppen, alle Militärberater und das gesamte militärische Personal, darunter
auch technische Militärberater und mit dem Pazifizierungsprogramm in Verbindung stehendes Militärpersonal, alle Waffen, Munitionsbestände und Kriegsmaterialien der Vereinigten Staaten und der anderen in Artikel 3 a erwähnten
Länder aus Südvietnam abgezogen werden. Die Berater der oben genannten Länder
bei allen paramilitärischen Organisationen und den Polizeiverbänden werden
ebenfalls in der gleichen Zeit abgezogen werden.

Artikel 6
Der Abbau aller militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und
der anderen in Artikel 3 a erwähnten Länder in Südvietnam soll innerhalb von
60 Tagen nach der Unterzeichnung dieses Abkommens abgeschlossen sein.

Artikel 7

�Artikel 7
In der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zur Bildung
der in den Artikel 9 b und 14 dieses Abkommens vorgesehenen Regierung sollen
die beiden südvietnamesischen Parteien es nicht zulassen, daß Truppen,
Militärberater und militärisches Personal, einschließlich technisches
militärisches Personal, sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial nach Südvietnam gebracht werden.
Den beiden südvietnamesischen Parteien soll es gestattet sein, in
periodischen Zeitabständen Waffen, Munition und Kriegsmaterial, das nach
dem Waffenstillstand zerstört, beschädigt, unbrauchbar geworden oder verbraucht worden ist, auf einer Stück-für-Stück-Basis, bei gleicher Art und
Beschaffenheit, unter der Aufsicht der Gemeinsamen Militärkommission der
beiden südvietnamesischen Parteien und der Internationalen Kontroll- und
Überwachungskommission zu ersetzen.
Kapitel III
Die Rückkehr des gefangengehaltenen Militärpersonals, der gefangenen ausländischen Zivilisten sowie der gefangenen und internierten
vietnamesischen Zivilsten
Artikel 8
a)

Die Rückkehr des von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonals

und der ausländischen Zivilisten soll gleichzeitig durchgeführt werden und
nicht später als an dem gleichen Tage beendet sein, an dem auch der in Artikel
5 erwähnte Truppenabzug abgeschlossen ist. Die Parteien sollen am Tage der
Unterzeichnung dieses Abkommens vollständige Listen der oben genannten, gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten austauschen.

Ol
- 4-

�b)

Die Parteien sollen einander dabei helfen, Informationen über die im

Kampf vermißten Militärpersonen und ausländischen Zivilisten der Parteien zu
erhalten, den Ort der Gräber festzustellen, diese zu pflegen, Exhumierungen
und die Rückführung der sterblichen Überreste zu ermöglichen und alle sonstigen, etwa erforderlich werdenden Maßnahmen zu ergreifen, um Nachrichten über
die dann noch als vermißt Geltenden zu erhalten.

c)

Die Frage der Rückkehr der vietnamesischen Zivilisten, die in Südvietnam

gefangen und interniert gehalten werden, soll von den beiden südvietnamesischen
Parteien auf der Basis der Grundsätze des Artikels 21 b des Abkommens über die
Einstellung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli 1954 geregelt werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden dies in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und der Eintracht mit dem Ziel tun, Haß und Feindschaft
zu beenden, um so das Leid zu mildern und die Familien wieder zusammenzuführen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden ihr Äußerstes tun, um diese
Frage innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstands zu lösen.

Kapitel IV
Die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk

Artikel 9
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam verpflichten sich,die folgenden Prinzipien für
die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk
zu respektieren:
a)

-5-

�a)

Das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung ist heilig,

unveräußerlich und soll von allen Ländern respektiert werden.
b)

Das südvietnamesische Volk soll selbst über die politische Zukunft Südviet-

nams in wirklich freien und demokratischen, allgemeinen Wahlen entscheiden, die
unter internationaler Überwachung durchgeführt werden.
c)

Andere Länder sollen dem südvietnamesischen Volk keine politische Richtung

oder politische Persönlichkeit aufzwingen.

Artikel 10
Die beiden südvietnamesischen Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand zu respektieren und den Frieden in Südvietnam zu wahren, alle strittigen
Fragen auf dem Verhandlungswege zu lösen und jeden bewaffneten Konflikt zu vermeiden.

Artikel 11
Unmittelbar nach dem Waffenstillstand werden die beiden südvietnamesischen
Parteien:
- nach nationaler Wiederaussöhnung und Eintracht streben, Haß und Feindschaft beenden, alle Vergeltungsakte und Diskriminierungen gegen Personen oder Organisationen verbieten, die mit der einen oder anderen Seite kollaboriert haben;
- die demokratischen Freiheiten des Volkes gewährleisten: persönliche Freiheit,
Redefreit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit, Freiheit der politischen Betätigung, Glaubensfreiheit, freier Reiseverkehr, freie
Wahl des Wohnsitzes, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Eigentum und Recht
auf freie Berufsausübung.
Artikel 12

�Artikel 12
a)

Unmittelbar nach dem Waffenstillstand sollen die beiden südvietnamesi-

schen Parteien in einem Geiste der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht,
der gegenseitigen Achtung und der Vermeidung jeglicher gegenseitigen Behinderung Konsultationen miteinander führen, um einen Nationalrat der Nationalen
Wiederaussöhnung und Eintracht zu errichten, der aus drei gleichberechtigten
Gremien besteht. Der Rat soll nach dem Prinzip der Einstimmigkeit verfahren.
Nachdem der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht seine
Arbeit aufgenommen hat, werden sich die beiden südvietnamesischen Parteien
über die Bildung von Räten auf niedrigeren Ebenen konsultieren. Die beiden
südvietnamesischen Parteien werden so bald wie möglich ein Abkommen über die
Regelung der inneren Angelegenheiten Südvietnams unterzeichnen und ihr Äußerstes tun, um dies innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes im Einklang mit dem Streben des südvietnamesischen Volkes nach Frieden,
Unabhängigkeit und Demokratie zu erreichen.

b)

Der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht soll die

Aufgabe haben, die Durchführung dieses Abkommens durch die beiden südvietnamesischen Parteien, die Verwirklichung der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und die Gewährleistung demokratischer Freiheiten zu fördern. Der Nationale Rat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht wird freie und demokratische allgemeine Wahlen, wie sie in Artikel 9 b vorgesehen sind, organisieren
sowie Verfahren und Modalitäten dieser allgemeinen Wahlen festlegen. Über die
Institutionen, für die allgemeine Wahlen abgehalten werden sollen, werden sich
die beiden südvietnamesischen Parteien in Konsultationen einigen. Der Nationalrat für Nationale Wiederaussöhnung und Eintracht wird ferner die Verfahren und
Modalitäten für solche örtlichen Wahlen festlegen, die die beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart haben.
Artikel 13

-7-

�Artikel 13
Die Frage der vietnamesischen Streitkräfte in Südvietnam soll von den
beiden südvietnamesischen Parteien in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung
ohne jede ausländische Einmischung und im Einklang mit der Nachkriegssituation
geregelt werden. Zu den von den beiden südvietnamesischen Parteien zu erörternden Fragen gehören Schritte zur Verminderung ihrer militärischen Schlagkraft
und zur Demobilisierung der zu verringernden Truppen, Die beiden südvietnamesischen Parteien werden diese so bald wie möglich durchführen.

Artikel 14
Südvietnam wird eine Außenpolitik des Friedens und der Unabhängigkeit
verfolgen. Es wird bereit sein, mit allen Ländern ohne Rücksicht auf ihre politischen und sozialen Systeme auf der Basis der gegenseitigen Respektierung
von Unabhängigkeit und Souveränität Beziehungen aufzunehmen und von allen
Ländern wirtschaftliche und technische Hilfe anzunehmen, sofern keine politischen Bedingungen daran geknüpft sind. Die Annahme militärischer Hilfe durch
Südvietnam wird künftig der Entscheidung der Regierung obliegen, die nach den
in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in Südvietnam gebildet wird.

Kapitel V
Die Wiedervereinigung Vietnams und d i e Beziehungen zwischen Nord-und
Südvietnam
A r t i k e l 15
Die Wiedervereinigung Vietnams soll Schritt für Schritt mit friedlichen
Mitteln auf der Basis von Gesprächen und Vereinbarungen zwischen Nord-und Südvietnam, ohne Zwang oder Annektion seitens der einen oder der anderen Partei

-8-

�Partei und ohne ausländische Einmischung erfolgen. Der Zeitpunkt der Wiedervereinigung soll von Nord-und Südvietnam vereinbart werden.
Bis zur Wiedervereinigung sollen:
a)

die militärische Demarkationslinie zwischen den beiden Zonen am 17. Brei-

tengrad nur als provisorische und nicht als politische oder territoriale
Grenze gelten, wie dies auch in Paragraph 6 der Abschlußerklärung der Genfer
Konferenz von 1954 vorgesehen ist.
b) Nord-und Südvietnam die entmilitarisierte Zone zu beiden Seiten der provisorischen militärischen Demarkationslinie respektieren.
c) Nord-und Südvietnam umgehend Verhandlungen mit dem Ziele aufnehmen,wieder
normale Beziehungen auf den verschiedenen Gebieten herzustellen. Zu den Fragen, über die verhandelt werden muß, gehören auch die Modalitäten des zivilen
Reiseverkehrs über die provisorische militärische Demarkationslinie.
d) Nord-und Südvietnam sich keinem militärischen Bündnis oder Militärblock anschließen und es keiner ausländischen Macht gestatten, militärische Stützpunkte, Truppen, Militärberater sowie Militärpersonal auf ihren jeweiligen
Territorien zu unterhalten, wie dies in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954
gefordert worden ist.

Kapitel VI
Die Gemeinsamen Militärkommissionen, die Internationale Kontrollund Überwachungskommission, die Internationale Konferenz
Artikel 16
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien werden umgehend

Vertreter für die Bildung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission benennen,
die die Aufgabe hat, ein gemeinsames Handeln der Parteien bei der Durchführung
der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:

-Paragraph

-9-

�- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden
sind, in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten;
- Artikel 8 b über die gegenseitige Hilfeleistung der Parteien bei der
Beschaffung von Informationen über solche Militärpersonen und ausländische Zivilisten der Parteien, die in den Kämpfen vermißt worden
sind.

b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll nach dem Prinzip der

Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten. Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.
c)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll umgehend nach der Unter-

zeichnung dieses Abkommens ihre Arbeit aufnehmen und ihre Tätigkeit innerhalb
von 60 Tagen nach Abschluß des Abzuges der amerikanischen Truppen sowie der
der
Truppen/anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, und nach Abschluß der Rückführung der von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten, beenden.
d)

-10-

�d)

Die vier Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

das Arbeitsverfahren, die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen treffen.

Artikel 17
a)

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen umgehend Vertreter für die

Bildung einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, die die Aufgabe
hat, ein gemeinsames Handeln der beiden südvietnamesischen Parteien bei der
Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:
Paragraph eines des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen
Parteien;
Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam,
wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
-

Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam und
alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die
in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;

-

Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden Truppen.

b) Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.

c)

-11-

�c)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens soll die Gemeinsame Zweier-Militär-

kommission Vereinbarungen über die Maßnahmen und die Organisation zur Durchführung des Waffenstillstandes und zur Erhaltung des Friedens in Südvietnam
treffen.

Artikel 18
a)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens wird umgehend eine Internationale

Kontroll-und Überwachungskommission geschaffen.
b)

Bis die in Artikel 19 vorgesehene Internationale Konferenz endgültige

Vorkehrungen trifft, wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission
den vier Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung
der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug
genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten
Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind,
in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten.

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll zur Durchführung
ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die vier Parteien sollen umgehend Verein-

-12-

�Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen.
Die Parteien werden ihnen ihre Arbeit erleichtern.
c)

Bis die Internationale Konferenz endgültige Vorkehrungen trifft, wird

die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission den beiden südvietnamesischen Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission
ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam
und alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
- Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten,
die in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;
- Artikel 9 b über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam;
- Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider
südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden
Truppen.
Die Internationale Kontroll-und Überwachungskonimission soll zur Durchführung ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die beiden südvietnamesischen
Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden
sie in ihrer Arbeit unterstützen.

dl
-13-

�d)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll sich aus

Vertretern von vier Ländern zusammensetzen: Kanada, Ungarn, Indonesien und Polen. Der Vorsitz in dieser Kommission wird von den Mitgliedern für bestimmte,
von der Kommission festzulegende Zeiträume der Reihe nach abwechselnd eingenommen .
e)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Aufga-

ben im Einklang mit dem Prinzip der Respektierung der Souveränität Südvietnams durchführen.

f)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll nach dem

Prinzip der Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten.
g)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Ar-

beit aufnehmen, sobald in Vietnam der Waffenstillstand in Kraft tritt. Was
die Bestimmungen von Artikel 18 b über die vier Parteien betrifft, so wird die
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit einstellen,
wenn die Kontroll-und Überwachungsaufgaben der Kommission in bezug auf diese
Bestimmungen erfüllt sind. Was die Bestimmungen des Artikels 18 c über die
beiden südvietnamesischen Parteien betrifft, so wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit auf Ersuchen der Regierung
einstellen, die nach den in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in
Südvietnam gebildet worden ist.
h)

Die vier Parteien werden umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission treffen. Die Beziehungen zwischen der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz werden von der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz vereinbart werden.

Artikel 19

-14-

�Artikel 19
Die Parteien stimmen der Einberufung einer internationalen Konferenz
innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens zu, die die unterzeichneten Vereinbarungen bestätigen, das Ende des Krieges, die Wahrung
des Friedens, die Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung garantieren sowie einen Beitrag zum Frieden in Indochina leisten
und diesen sichern soll.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam werden
namens der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien den folgenden
Parteien vorschlagen, sich an dieser internationalen Konferenz zu beteiligen:
die Volksrepublik China, die Republik Frankreich, die Union der

Sozialisti-

schen Sowjetrepubliken, Großbritannien, die vier Länder der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und der Generalsekretär der Vereinten
Nationen sowie die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien.

Kapitel VII
bezüglich Kambodscha und Laos

Artikel 20
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien sollen die

Genfer Abkommen aus dem Jahre 1954 über Kambodscha sowie die Genfer Abkommen
aus dem Jahre 1962 über Laos, in denen die grundlegenden nationalen Rechte
der Völker von Kambodscha und Laos anerkannt wurden, das heißt die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit und territoriale Integrität dieser Länder, strikt
respektieren. Die Parteien werden die Neutralität von Kambodscha und Laos
respektieren.
Die

-15-

�Die an der Pariser Konferenz beteiligten Parteien verpflichten sich,
das Territorium von Kambodscha und das Territorium von Laos nicht zu benutzen,
um Souveränität und Sicherheit des anderen sowie die anderer Länder zu beeinträchtigen.
b)

Ausländische Staaten sollen jede militärische Aktivität in Kambodscha

und Laos beenden, alle Truppen, Militärberater und militärisches Personal sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial aus diesen beiden Ländern abziehen
und es unterlassen, diese wieder dorthin zu entsenden.
c)

Die inneren Angelegenheiten von Kambodscha und Laos sollen durch das

Volk jedes dieser beiden Länder ohne ausländische Einmischung geregelt werden.
d)

Die zwischen den indochinesischen Ländern bestehenden Probleme sollen

durch die indonesischen Parteien geregelt werden und zwar auf der Basis der
Respektierung der gegenseitigen Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität und der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen.

Kapitel VIII
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam

Artikel 21
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß dieses Abkommen eine Ära der Aussöhnung mit der Demokratischen Republik von Vietnam sowie mit allen Völkern
Indochinas einleiten wird. In Verfolgung ihrer traditionellen Politik werden
die Vereinigten Staaten ihren Beitrag zur Heilung der Wunden des Krieges und
zum Wiederaufbau der Demokratischen Republik Vietnam sowie ganz Indochinas
leisten.
Artikel 22

-16-

�Artikel 22
Die Beendigung des Krieges, die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie die strikte Einhaltung dieses Abkommens werden die Bedingungen für
die Herstellung einer neuen, gleichberechtigten und beiderseitigen nützlichen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam auf der Grundlage der Respektierung der Unabhängigkeit und
Souveränität sowie der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen schaffen. Gleichzeitig wird dadurch ein stabiler Friede in Vietnam
gesichert und ein Beitrag zur Wahrung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südasien geleistet.
Kapitel IX
Andere Bestimmungen

Artikel 23
Dieses Abkommen soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Alle betroffenen Parteien sollen dieses Abkommen und seine Protokolle
strikt durchführen.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischenund
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-17-

�Für die Regierung der Vereinigten

Für die Regierung der Republik

Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

-18-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-19

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika

in Übereinstimmung

mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben im Hinblick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des
Friedens in Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und
verpflichten sich, dieses einzuhalten und durchzuführen:

(Kapitel I bis VIII sind identisch mit obigen Kapiteln)

Kapitel IX
Andere Bestimmungen
Artikel 23
Das Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit Unterzeichnung dieses Dokumentes
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und

-20-

�und den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes gLeichen Inhalts
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von
Amerika, durch den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung von
Südvietnam in Kraft treten. Das Abkommen und seine Protokolle sollen
von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die
vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell

und gleicher-

maßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokratischen

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers
Außenminister

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

I I "I •

- 21 -

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 31.01.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über den Waffenstillstand und die Militärkommission&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kontroll- und Überwachungskommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kriegsgefangenen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Räumung der Minen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem Vietnam (Chronologie)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;</text>
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