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                    <text>AMERIKA DIENST
V.ON

*

22. Juni

24

1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Dukakis fordert energischen und realistischen Kurs gegenüber der
Sowjetunion
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zweiter genetischer Code entdeckt
Konvention über Erschliessung der Antarktis

* * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
V(0N

Hintergrundmaterial

*

22. Juni L988

24

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DUKAKIS FORDERT ENERGISCHEN UND REALISTISCHEN KURS
GEGENÜBER DER SOWJETUNION
- Ansprache vor dem Atlantic Council -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen von USIA herausgegebenen
Beitrag in einer Reihe von Veröffentlichungen, in denen die amerikanischen
Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre Positionen zur Außenpolitik
und anderen Themen von internationalem Interesse in ihren eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe handelt es sich um den vollständigen
Text einer Ansprache des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael
Dukakis vor dem Atlantic Council am 14. Juni 1988 in Washington:

Vor 40 Jahren erteilte der amerikanische Senat dem Präsidenten den
Auftrag, in einer gemeinsamen Anstrengung mit anderen Nationen deren
Sicherheit und die der Vereinigten
Staaten zu schützen.
Dieser historische Vorschlag, den
der demokratische
Präsident Harry
Truman beantragt hatte, wurde von Senator Arthur Vandenberg - einem Republikaner - unterbreitet. Er wurde
einstimmig verabschiedet. Und er ebnete der NATO den Weg - dem erfolgreichsten Bündnis zu Friedenszeiten
in der Geschichte.
Unser Bündnis muß derzeit - militärisch wie auch politisch - eine
Herausforderung bestehen.
Und zwar
wegen der neuen Führungsspitze in der

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Embassy of the United States of America

Sowjetunion, infolge der Tendenzen
eines
weltverändernden
wirtschaftlichen Wandels, und aufgrund der Notwendigkeit, als Konsequenz aus dem
INF-Vertrag eine gemeinsame Verhandlungsstrategie für nukleare, konventionelle und chemische Waffen zu entwickeln.
In diesem Herbst werden wir einen
neuen Präsidenten der Vereinigten
Staaten wählen. Und in den kommenden
fünf Monaten werden wir eine lebhafte
Debatte über die zukünftige Richtung
unseres Landes führen. Diese Debatte
wird sich mit der Art Führung beschäftigen, die wir benötigen, um den
Wandel zu unserem Vorteil und nicht
zu unserem Nachteil zu nutzen. Wir
werden die Frage erörtern, wie wir
mit wirtschaftlicher wie auch mili-

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Telex: 8-85432

�tärischer Stärke in das nächste Jahrhundert eintreten können.
Und es
wird zur Diskussion stehen, wie wir
gesunden Menschenverstand, Prinzipien
und Respekt für amerikanische Werte
wieder in die Außenpolitik unseres
Landes einbringen können.
Wenn wir uns jedoch mit der Zukunft beschäftigen, sollten wir niemals die Lektionen vergessen, die wir
im und nach dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben. Laßt uns niemals vergessen, welche Stärken wir aus unserer gemeinsamen Verpflichtung - als
Demokraten und Republikaner - für die
grundlegenden Prinzipien von Freiheit
und Demokratie und Achtung vor dem
Rechtsstaat gewonnen haben.
Durch
diese Prinzipien werden unsere Absichten als Nation festgelegt. Dies
sind Prinzipien, die das Fundament
unseres Bündnisses ausmachen.
Und
dies sind Prinzipien, die uns zusammenhalten und unsere Stärke erhalten.
Diese Stärke und Gemeinsamkeit
ist selten deutlicher geworden als in
den vergangenen Wochen. Als Präsident Reagan in Moskau seine Stimme
für die Sache der Menschenrechte und
Demokratie erhob, sprach er für uns
alle hier in den Vereinigten Staaten; für die Hunderte von Millionen
Menschen auf beiden Seiten des geteilten Europa; und für die Milliarden Menschen in der ganzen Welt.
Der INF-Vertrag - das erste Abkommen, das nukleare Waffen nicht nur
kontrolliert, sondern verringert fand bei der breiten Mehrheit des
amerikanischen Volkes Unterstützung.
Er legt Zeugnis ab von der Schaffenskraft eines entschlossenen und geeinten demokratischen Bündnisses.
Seit acht Jahren und im Verlaufe
zweier Administrationen haben wir
Amerikaner und unsere Verbündeten uns
der sowjetischen Aggression in Afghanistan widersetzt; und nun befinden
sich die Sowjets im Rückzug.
Nach vier Gipfeln in drei Jahren
erkennt eigentlich jeder von uns den

Wert regelmäßiger Vier-Augen-Gespräche zwischen den Führern der beiden
Supermächte an. Und wir hegen fast
alle die Erwartung auf einen neuen
und weniger gefährlichen Wettbewerb
mit der Sowjetunion.
Heute aber wollen einige die Zukunft der NATO in Frage stellen, anstatt unsere Einheit zu würdigen.
Einige unter uns sind der Auffassung,
unser Engagement für die NATO würde
sich irgendwie abschwächen und die
Beseitigung nuklearer Mittelstreckenwaffen mittlerer und kurzer Reichweite würde zu einer Änderung amerikanischer Positionen oder einem Nachlassen der amerikanischen Entschlossenheit führen.
Aber all dem kann ich nicht zustimmen.
Unser Engagement für Europa geht
weit über einige hundert Raketen hinaus.
Europas Sicherheit ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit. Darum haben wir über 300 000
Soldaten auf europäischem Boden stationiert; darum werden wir auch weiter die NATO-Doktrin der flexiblen
Reaktion unterstützen.
Unser Ziel ist und bleibt eine
NATO, die so stark und so geeint ist,
daß keine Nation in die Versuchung
geraten könnte, einen Krieg gegen uns
zu beginnen. Und wir glauben, daß
der Friede durch unsere Stärke und
Entschlossenheit
aufrechterhalten
wird.
Die NATO hat seit 40 Jahren ihre
Aufgaben erfüllt.
Dies kann auch
weitere 40 Jahre so bleiben. Allerdings nur, wenn unsere Verbündeten
ihren Beitrag hierzu leisten.
Und
wenn wir damit aufhören, die Dinge im
Alleingang zu bewältigen, wie wir
dies im Verlaufe der vergangenen sieben Jahre allzu häufig getan haben.
Wir sollten niemals wieder radikale
Veränderungen unserer strategischen
Doktrin ankündigen oder entscheidende
neue Positionen bei Verhandlungen
über nukleare Waffen einnehmen, ohne

- 2 -

�zuvor unsere Verbündeten konsultiert
zu haben.
Wir müssen zusammenarbeiten. Und
wenn wir uns den Herausforderungen
der neunziger Jahre dieses Jahrhunderts und denen des kommenden Jahrhunderts stellen, müssen wir ein aktives - kein reaktives - Bündnis
bleiben.
Wir müssen die Initiative ergreifen. Wir müssen gegenüber der Sowjetunion einen energischen, stetigen
und realistischen Kurs verfolgen.
Wir müssen einen koordinierten
Plan zur Beendigung des nuklearen
Wettrüstens und für einschneidende,
beiderseitige und verifizierbare Reduzierungen bei den strategischen
Waffen entwerfen.
Und wir müssen den Warschauer
Pakt dazu drängen, eine Reihe besonderer Schritte zu unternehmen, um das
Risiko eines Krieges in Europa weiter
abzubauen.
Unser Ziel?
Ein Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften, deren Stationierung höhere Sicherheit mit sich bringen und es den
NATO-Partnern gestatten wird, weniger
auf taktische Nuklearwaffen zu vertrauen.
Dazu werden Reduzierungen bei den
Streitkräften erforderlich sein, aber
nicht die von Herrn Gorbatschow erwähnten gleichen Reduzierungen auf
beiden Seiten. Wenn wir die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs so
vollständig wie möglich ausschließen
wollen, müssen wir stärkere Reduzierungen auf der Seite mit den umfangreichsten Streitkräften vornehmen beim Warschauer Pakt.
Solch ein Abkommen wird nicht
über Nacht zustande gebracht. Aber
wir sind stark, beharrlich und einig,
und ich denke, daß erhebliche Fortschritte erzielt werden können.
Der Warschauer Pakt hat bei Pan-

zern und schwerer Artillerie - den
Waffen, die im Hinblick auf einen Offensivschlag
die größte Bedrohung
darstellen - einen erheblichen Vorteil. Und er hat zur Vorbereitung
eines mit chemischen Kampfstoffen geführten Krieges viel mehr getan als
wir.
Aber als Herr Gorbatschow vor
drei Jahren sein Amt antrat, erbte er
zusammen mit all diesen Panzern und
Geschützen ein drittklassiges Wirtschaftssystem. Und er weiß, daß diese Art von Ungleichgewicht nicht aufrechterhalten werden kann.
Seit einiger Zeit spricht er vom
Abbau der Spannungen in Europa; er
hat "ausreichende" Streitkräfte statt
überlegener Streitkräfte ins Gespräch
gebracht; er hat über die Umgestaltung der Streitkräfte zu einer Verteidigungshaltung gesprochen, und er
hat erklärt: "Im Europäiseien Haus
darf sich jede Wohnung gegen Einbrecher schützen, aber nur so, daß dabei
nicht die Wohnung des Nachbarn demoliert wird."
Eine einige NATO kann seine Absichten prüfen. Durch Vorlage eines
detaillierten, phasenweise durchzuführenden Plans für erhebliche Reduzierungen bei den konventionellen
Streitkräften, die bei den einsatzbereiten Panzer- und Artillerieeinheiten des Warschauer Pakts beginnt.
Aber wir brauchen nicht auf ein
umfassendes Abkommen zu warten. In
der Zwischenzeit können wir auch mehrere Schritte unternehmen.
Wir sollten nach neuen Wegen suchen, um zwischen beiden Seiten Vertrauen zu schaffen, etwa durch mehr
Inspektionen von Manövern gemäß der
Vereinbarung von Stockholm.
Wir können das Risiko eines Überraschungsangriffs verringern, indem
wir die Sowjets überreden, einen Teil
ihres modernen Panzergeräts aus Osteuropa und Brückenlegegerät bei ihren
vorne stationierten Divisionen abzu-

- 3 -

�ziehen.
Wir sollten mit den sowjetischen
Spitzenpolitikern offen über die Militärdoktrin, den Aufbau der Streitkräfte und Techniken der Verifizierung reden.
Wir sollten weiterhin mit dem
Warschauer Pakt zusammenarbeiten, um
eine verifizierbare Möglichkeit zur
Abschaffung der Bedrohung chemischer
Kriegführung nicht nur in Europa,
sondern auf der ganzen Welt zu finden.
Wir sollten alles in unserer
Macht Stehende tun, um darauf hinzuwirken, daß die Sowjets ihr beschränktes Kapital in die Reform ihrer Wirtschaft statt in die Aufrüstung
ihres Militärs investieren.
Und wir sollten klarstellen, daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen zur
Sowjetunion von den Fortschritten abhängen, die sie bei der Liberalisierung der Ausreisebestimmungen und
Einhaltung ihrer in der Schlußakte
von Helsinki eingegangenen Verpflichtungen erzielen.
Kurz gesagt, wir müssen tun, was
wir können, um die Sicherheit unseres
Bündnisses mittels Verhandlungen zu
stärken.
Aber neben den Verhandlungen müssen wir ebenfalls das Bündnis stärken
und dabei bei unseren konventionellen
Streitkräften beginnen.
Die Befehlshaber unserer Streitkräfte haben uns wiederholt vor den
sich uns stellenden Gefahren gewarnt.
Rückstände bei der Instandhaltung
werden größer.
Es bestehen ernstliche Defizite bei luft- und seetransportfähigen Ersatzteilen und Munition.
Dazu ein hochrangiger Befehlshaber der Luftwaffe: "Ende des
Jahres werden wir wohl Flugzeuge ohne
Triebwerke haben."
Wir alle wissen, daß der Verteidigungshaushalt - wie immer die Wahlen auch ausgehen - real nicht ansteigen wird, es sei denn in einem

Notfall. Das heißt, der nächste Präsident wird einige sehr schwerwiegende Entscheidungen darüber treffen
müssen, wofür unsere Mittel aufgewendet werden.
Wir brauchen eine starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung, und wir haben diese starke und
überlebensfähige nukleare Abschrekkung.
Aber wir haben weiterhin
ernsthafte Defizite bei unseren konventionellen Streitkräften.
Wir brauchen keine Aufstellung
neuer strategischer Systeme. Wir benötigen eine Verteidigungsstrategie,
die vernünftige Prioritäten setzt,
eine Strategie, die unsere Ressourcen
wirksam einsetzt, eine Strategie, mit
deren Hilfe das Risiko eines Nuklearkrieges und das Risiko eines konventionellen Krieges abgebaut werden
können.
Wir brauchen nicht SDI, sondern
CDI. Wir müssen die von Kongreßabgeordneten vorgeschlagene Konventionelle Verteidigungsinitiative weiterverfolgen, um moderne Technologie für
den Kampf nutzbar zu machen - und um
damit einen konventionellen Krieg gewinnen zu können.
Wir brauchen keine schienengestützten MX-Raketen.
Wir brauchen
eine Panzerabwehrwaffe gegea sowjetische Panzer.
Wir brauchen keine Milliarden von
Dollar für ein Raumflugzeug auszugeben,
das
in
drei
Stunden
von
Washington nach Tokio fliegen kann.
Wir müssen unsere Luft- und Seetransportkapazität ausbauen, damit unsere
Truppen rechtzeitig an einen Konfliktschauplatz gebracht werden können, um eine Schlacht zu gewinnen und
nicht, um ihr nur zuzuschauen.
Es ist an der Zeit, im Bereich
der Verteidigung durchgreifende Entscheidungen zu treffen. Und nach 40
Jahren ist es an der Zeit, mit unseren Verbündeten ehrlich und offen
über etwas zu sprechen, dessen wir

�uns alle bewußt sind - daß die Welt
sich verändert hat. Unsere Pflichten
müssen unserer Fähigkeit zur Erfüllung von Pflichten ebenbürtig sein.
Das amerikanische Volk erwartet von
unseren Verbündeten in Europa - und
es hat das Recht, dies zu erwarten die Übernahme eines fairen Anteils
der wirtschaftlichen wie auch der militärischen Lasten bei der Verteidigung der Freiheit in der ganzen Welt.
Ein wirksamer europäischer Beitrag bemißt sich nicht einfach danach, wieviele Pfund, Franc oder
D-Mark wir ausgeben, sondern darin,
welche militärischen Fähigkeiten wir
mit unseren Investitionen erwerben.
Eine bessere Zusammenarbeit sowohl
innerhalb Europas als auch zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten bei Planung, Ausbildung, Forschung
und Entwicklung - können eine stärkere Verteidigung mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln hervorbringen.
Das Thema der Lastenverteilung
stellt aber nur eine der wirtschaftlichen Herausforderungen dar, denen
sich unser Bündnis in den kommenden
Jahren ausgesetzt sieht.
In vier
Jahren wird der europäische Binnenmarkt die Vereinigten Staaten als
größter Verbraucher und größter Produzent des Weltmarkts ablösen.
Der Grat zwischen Handelspartner
und Handelskonkurrent ist beunruhigend schmal. Wenn sich also Schwierigkeiten ergeben, so müssen wir sie
beilegen - und zwar rasch und gerecht.
Ferner müssen wir jede erdenkliche Möglichkeit zur Zusammenarbeit sondieren - den Handel ausbauen,
starke Volkswirtschaften errichten,
in Forschung und Technologie investieren, die den Lebensstandard des
Arbeitnehmers auf beiden Seiten des
Atlantiks erhöhen werden - wie auch
den Lebensstandard der gesamten Weltbevölkerung.
Schließlich muß unser Bündnis
eine Strategie für die Reaktion auf
den Wandel in Osteuropa entwickeln.
Die vergangenen 40 Jahre waren so

grausam für Warschau und Budapest und
Prag, wie sie für Paris und London
und Bonn angenehm waren. Als Ergebnis ist Osteuropa heute ebenso reif
für die Umgestaltung wie die Sowjetunion selbst.
Natürlich können wir nicht mit
Sicherheit vorhersagen, welche Richtung die sechs osteuropäischen Nationen mit ihrer jeweils eigenständigen
geschichtlichen Entwicklung
- und
einer gemeinsamen Last - einschlagen
werden. Wir wissen aber, daß ihre
Zukunft Auswirkungen auf unsere Zukunft und noch mehr auf die unserer
Verbündeten haben wird.
Als Bündnis müssen wir darauf
hinarbeiten,
Forschritte
zu
mehr
Freiheit in Osteuropa zu unterstützen, die Vielfalt zu ermutigen, Veränderungen zu fördern, so daß wir in
fünf Jahren nicht nur eine Diskussion
über Glasnost aus Moskau vernehmen,
sondern über "Offenheit" in OstBerlin und "verejna informace" in
Prag, daß wir eine Diskussion über
Offenheit und erwachende Hoffnung in
der gesamten Region feststellen.
Meine Freunde, wenn wir über Veränderungen in Osteuropa nachdenken,
während wir uns des Anblicks von
Ronald Reagan erinnern, wie er Arm in
Arm mit Michail Gorbatschow auf dem
Roten Platz spazieren ging, ist es
vielleicht wichtig, uns der Tatsache
zu entsinnen, daß Geschichte ein evolutionärer und kein revolutionärer
Prozeß ist.
Wir werden auch weiterhin grundlegenden
Meinungsverschiedenheiten
mit der Sowjetunion haben. Wir werden weiterhin zu unseren starken und
einigen Bündnissen stehen. Wir müssen weiterhin vorbereitet sein. Und
es wird zwischen uns Meinungsverschiedenheiten geben, so wie dies
auch innerhalb unseres Landes der
Fall ist.
Aber wir haben in vier Jahrzehnten niemals das Ziel aus den Augen
verloren; wir haben die Lehren des

- 5 -

�Zweiten Weltkriegs nicht vergessen;
wir haben nicht zugelassen, daß Meinungsverschiedenheiten uns entzweien
und Irritationen in Zorn umschlagen.
Wir können - und wir müssen - im
selben Geist in die Zukunft schreiten. Denn die Zukunft hängt von uns
ab. Dies galt vor vier Jahrzehnten,
und dies gilt auch heute.

Und wir wissen, wenn wir den
Blick nach vorn richten, daß das
beste Amerika nicht hinter uns liegt;
das beste Amerika liegt noch vor uns.

* * * * *

Wenn wir eine bessere Welt aufbauen wollen, muß unser Bündnis den
Weg weisen, und wenn Amerika stark
ist, müssen wir das Bündnis anführen.
Vor 28 Jahren verkündete ein anderer Sohn von Massachusetts seine
Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. John F.
Kennedy weckete unseren Sinn für das
Mögliche. Er entfachte unseren Idealismus aufs Neue. Und er verstand
den Wesensgehalt nationaler Stärke
und nationaler Sicherheit.

*

"Ich glaube, ein starkes Amerika
ist dasjenige, das die freie Welt
führt", so erklärte er, "nicht nur,
weil wir die Reichsten oder die
Stärksten oder die Mächtigsten sind,
sondern weil wir diese Führungsrolle
für die Sache der Freiheit in der
ganzen Welt ausüben. Weil wir sowohl
agieren als auch reagieren, weil wir
Vorschläge machen wie auch zurückweisen und ... weil wir den Weg des
Friedens gehen."
Meine Freunde, Amerika ist nicht
einfach ein Stück Land oder nur irgendein Land, wir sind eine Nation
der Einwanderer, die hierher kamen,
wo es keine Könige gab, die hierher
kamen, wo es keine Diktatoren oder
Gulags oder Todesschwadronen gab, die
hierher kamen, wo niemand uns sagte,
wo wir zu beten oder was wir zu drukken oder wie wir zu denken hatten.
Wir sind die Erben einer stolzen
und ruhmreichen Vergangenheit. Wir
sind die Teuhänder eines großartigen
und erfolgreichen demokratischen Experiments.
Wir sind Führer, keine
Mitläufer.

f

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2 2 . J u n i 1988

24

ZWEITER GENETISCHER CODE ENTDECKT

Ein
zweiter
genetischer
Code,
d e s s e n E x i s t e n z s e i t langem v e r m u t e t
wurde
und d e r
nur
bei
bestimmten
Schritten
in biologischen
Prozessen
wirksam i s t , wurde am M a s s a c h u s e t t s
I n s t i t u t e of T e c h n o l o g y (MIT) n a c h g e w i e s e n und zum T e i l
entschlüsselt.
Paul Schimmel, P r o f e s s o r
für M i k r o b i o l o g i e , und Ya-Ming Hou, e i n D o k t o rand a u s s e i n e m I n s t i t u t , b e r i c h t e t e n
kürzlich
in
der
britischen
Zeits c h r i f t " N a t u r e " (Ausgabe v . 1 2 . Mai
1988) ü b e r i h r e E n t d e c k u n g .
Der e r s t e , i n den s e c h z i g e r J a h r e n e n t z i f f e r t e g e n e t i s c h e Code s e t z t
entsprechend
den I n s t r u k t i o n e n ,
die
das lange Kettenmolekül
Desoxyribonukleinsäure
(DNS) im Z e l l k e r n
enth ä l t , den Aufbau s p e z i f i s c h e r P r o t e ine a u s Aminosäuren a l s " A r b e i t s m o l e -

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küle" der Z e l l e für d i e Lebensprozesse
i n Gang.
Das j e t z t
entdeckte
z w e i t e System s o r g t d a f ü r , d a ß u n t e r
den zwanzig i n d e r Z e l l e v e r f ü g b a r e n
Aminosäuren d i e j e w e i l s r i c h t i g e Verbindung gefunden
und im wachsenden
P r o t e i n m o l e k ü l an dem vom e r s t e n Code
vorgeschriebenen o r t eingebaut wird.
Eine S c h l ü s s e l r o l l e s p i e l e n d a b e i
die
sog.
Transfer-Ribonukleinsäuren
(t-RNS) im Z y t o p l a s m a , d a s d e n Z e l l kern u m g i b t .
D i e s e b i n d e n d i e Aminos ä u r e n und t r a n s p o r t i e r e n s i e zu den
Ribosomen.
Dabei i s t j e d e r Aminosäur e e i n e t-RNS g a n z b e s t i m m t e r c h e m i scher
Zusammensetzung
zugeordnet.
Bei d e n Ribosomen h a n d e l t e s s i c h um
k l e i n e Z e l l o r g a n e l l e n a u s P r o t e i n und
r-RNS
(ribosonale
Ribonukleinsäure) .
Sie v e r m i t t e l n d i e Verbindung mit der

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�m-RNS
(Boten-Ribonukleinsaure) ,
die
an der - d o p p e l s t r ä n g i g e n - "informat i o n s z e n t r a l e " DNS s y n t h e t i s i e r t wurde und dabei einen bestimmten Abschnitt kopierte.
Nach dem Ablösen
von der M a t r i t z e wanderte s i e durch
die Poren der Kernmembran in das Zytoplasma.
Die von der DNS übernommenen I n formationen für d i e Synthese des Prot e i n s sind bei der in nur einem
Strang vorhandenen m-RNS durch die
Aufeinanderfolge der Nukleotide (Baus t e i n e der Nukleinsäuren) f e s t g e l e g t ,
wobei j e d e s Nukleotid e i n e von v i e r
organischen
Basen
enthält.
Diese
wiederum ergeben a l s s p e z i e l l a r r a n gierte
Dreiergruppen
(als
Triplett
oder Codon bezeichnet)
d i e Anheftung spunkte für d i e s p e z i f i s c h e n Aminosäuren zum Aufbau des Eiweißkörpers.
Die Aminosäuremoleküle können
n i c h t von s i c h aus mit der m-RNS Verbindung aufnehmen, sondern benötigen
dazu das s o g . Anticodon am Ende der
t-RNS, dessen Drei-Basen-Kombination
die Bindung mit dem zugeordneten Codon der m-RNS e r m ö g l i c h t .
Dies ges c h i e h t nach dem e r s t e n g e n e t i s c h e n
Code.
Das andere Ende der t-RNS aber
benutzt den zweiten Code um d i e r i c h t i g e Aminosäure
zu f i n d e n .
Dafür
i s t , wie Schimmel und Ya-Ming Hou e r m i t t e l t e n , e i n s p e z i f i s c h e s Basenpaar
an einem s p e z i f i s c h e n Ort des t-RNSMolekülendes
erforderlich.
Sowohl
das Basenpaar a l s auch s e i n Ort sind
T e i l des Codes.
Er wird von einem
Enzym, d . h . dem bestimmten Typ e i n e s
P r o t e i n s , " g e l e s e n " , das d i e Aminosäure bindet.
Nach Ansicht der W i s s e n s c h a f t l e r
könnte der zweite g e n e t i s c h e Code,
der e i n f a c h e r a l s der e r s t e i s t , d e s sen Vorläufer in der Evolution gewesen und damit ä l t e r s e i n .
Schimmel
bezeichnet das System a l s "ein spektakuläres Beispiel
für
biologische
Logik oder für das von der Natur ben u t z t e l o g i s c h e System.
Je weiter
wir es e n t s c h l ü s s e l n , d e s t o l e h r r e i cher könnte e s für uns werden - s p e -

z i e l l für d i e Konstruktion neuer Computersysteme" .
Dank der neuen E r k e n n t n i s s e e r g i b t s i c h u . a . e i n e zweite S t a t i o n in
der P r o t e i n s y n t h e s e , wo Veränderungen
der
Interpretation
genetischer
Ins t r u k t i o n e n für e i n e Z e l l e möglich
wären.
Dies i s t für d i e Erforschung
bestimmter Erbkrankheiten von großer
Bedeutung - v i e l l e i c h t sogar für Bemühungen, g e n e t i s c h e F e h l e r auszumerzen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

&lt;£

Wissenschaft und Technik

22. Juni 1988

24

KONVENTION ÜBER ERSCHLIESSUNG DER ANTARKTIS

Bislang war nach dem Antarktisvertrag von 1959 die Erschließung von
Bodenschätzen auf dem Weißen Kontinent praktisch tabuisiert. Militärische Aktivitäten sind verboten, Forschung darf betrieben werden.
Vorstöße einzelner Länder, wirtschaftliche Möglichkeiten zumindest zu erkunden, wurden seit acht Jahren durch
ein informelles Moratorium zur Erschließung des Kontinents geregelt.
Am 2. Juni 1988 haben sich jedoch 33
Staaten
in Wellington
(Neuseeland)
über eine Konvention geeinigt, die
das Moratorium ablösen und Maßstäbe
für eine geregelte Erschließung der
Ölund Mineralvorkommen setzen soll.
Der neuen Konvention zufolge muß
von einer Komission der 20 stimmberechtigten Partnerländer des Antark-

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tisvertrages die Öffnung jeder Region
der Antarktis für die Exploration zunächst einmal genehmigt werden. Erst
dann dürfen Öl- und Bergbaufirmen
Lizenzen
zur Exploration
und Erschließung der Bodenschätze in dem
betreffenden Gebiet beantragen. Aufgrund der Konvention sind die Firmen
dann gehalten, einem aus zehn Mitgliedern bestehenden Kontroikomitee,
das für jede Region gebildet wird,
ihre Pläne vorzulegen, Dieses befindet über Genehmigung oder Ablehnung
der Lizenzen und überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Sowohl die
Komission als auch die Kontrollkomitees werden mit Gebühren finanziert,
die die Firmen zu zahlen haben.
Für die Kontrollkomitees ist rotierende
Mitgliedschaft
vorgesehen,

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�jedoch sollen die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion als die Staaten
mit den umfangreichsten Forschungsprojekten
in der Antarktis
darin
ständig vertreten sein. Die Konvention tritt in Kraft, wenn sie von 16
der wegen ihres Forschungsengagements
20 stimmberechtigten Mitglieder der
Antarktisvertrages (18 weitere Staaten sind dem Vertrag als Beobachter
angeschlossen)
ratifiziert
worden
ist.
Schätzungen
des
R.
Tucker
Scully, Unterhändler der Vereinigten
Staaten bei der Konferenz in Wellington, zufolge werden bis zur Ratifizierung zwei bis drei Jahre vergehen.
Scully zufolge hat bisher noch
keine amerikanische Ölfirma Interesse
an der Antarktis bekundet. Das dürfte auch in naher Zukunft nicht zu erwarten sein. Aber "wir wollten etwas
in der Hand haben, wenn sich Interesse an der Erschließung der Antarktis
zeigen sollte".
Die Signatarstaaten
der Konvention müssen gewährleisten,
daß Firmen ihres Landes, die sich auf
dem
Südkontinent
betätigen wollen,
nicht gegen die Vorschriften handeln.

* * * * *

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cimcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

24

WIRTSCHAFT

22. Juni 1994

FLUCHT VOR DER GLOBALEN AUSBEUTUNG
von Robert B. Reich

G-7 ÜBERPRÜFEN HILFSPAKET FÜR
RUSSLAND
Hintergrundinformation für Wirtschaftsgipfel in
Neapel

USA-OSTASIEN

NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE USA
IM PAZIFISCHEN RAUM
Rede von Abteilungsleiter Charles Freeman

USIA

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
UND
ZEITALTER DER DEMOKRATIE
von Penn Kemble

AIDS

FRAUEN UND AIDS
von Jennifer Sutton

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

DAS

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�WlRTSCHAFT
22. Juni 1994

Flucht vor der globalen Ausbeutung
von Robert B. Reich
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist der amerikanische Arbeitsminister. Der nachfolgende Artikel wurde
in leicht gekürzter Version am 22. Juni 1994 im Handelsblatt veröffentlicht.

In welchem Maße sollten die Arbeitsnormen eines
Landes von einem anderen Land überprüft und
beurteilt werden? Diese Frage hat plötzlich erheblich an Dringlichkeit gewonnen. Bei dem jüngsten
Treffen in Marrakesch einigten sich 124 Nationen auf
weitere Schritte zur Öffnung des Handels und die
Gründung einer neuen Welthandelsorganisation.
Eine von den Vereinigten Staaten und Frankreich
angeführte Koalition formulierte ein Abkommen zur
Prüfung der Rolle, die Arbeitsnormen bei der Aufgabenstellung der Welthandelsorganisation spielen
sollten.
Wir haben ehrgeizige Bestrebungen zur Definition
unserer Position zu internationalen Arbeitsnormen in
die Wege geleitet und wollen feststellen, wie sie am
besten gefördert werden können. Die Debatte leidet
jedoch allzuhäufig unter intellektueller Engstirnigkeit.
Ein Extrem ist das Argument, wir sollten uns nicht
darum kümmern, wie ausländische Waren und
Dienstleistungen produziert werden, solange das
Land den globalen Kodex für Dumping, Subventionen und andere Handelsregeln einhält. Das andere
Extrem ist der Vorschlag, wir sollten nur mit uns
ähnlichen Ländern mit den gleichen Arbeitsgesetzen,
Löhnen und Gehältern, Sozialleistungen und politischen Institutionen Handel treiben.
In der Woche vor dem Abkommen von Marrakesch
kam der Londoner Economist - in einer Ausgabe, auf
deren Titelseite ein kleines asiatisches Kind beim
Steineschleppen abgebildet war - dem ersten Extrem
sehr nahe. Die Redakteure des Economist räumten
zwar ein, "Sklaverei... ist schlecht", argumentierten
jedoch, internationale Aktionen zur Eindämmung von
Mißbrauch seien unpraktisch und "die Kosten ...
übersteigen den möglichen Nutzen". Dem Economist zufolge könnte eine Handelsregel über Kinderarbeit einige diese Regel verletzende Nationen aus
der Welthandelsorganisation ausschließen, und
dieser Regel zustimmende Mitglieder, die sie dann
nicht durchsetzen können, wären ein leichtes "Opfer"

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für Sanktionen "jeder Art von Protektionisten reicher
Länder". Mit anderen Worten, gegen dieses Kind mit
den Steinen kann nichts tun.
Ungeachtet eines solchen Laisser-faire-Dogmatismus
müssen wir uns vor unehrlichen Versuchen zur
Einführung engstirniger Tagesordnungen in die
Debatte unter dem Deckmantel hehrer Argumente
hüten. Protektionisten haben eine bemerkenswerte
Bereitschaft an den Tag gelegt, unter jedem vielversprechenden Banner zu marschieren, von nationaler
Verteidigung bis zur Bürde ausländischer Arbeitnehmer - je nach der Richtung der vorherrschenden
politischen Strömung.
Welche Grundlagen gibt es neben Dogmatismus und
Unehrlichkeit für die Definition unserer legitimen
nationalen Interessen?
Mindestens drei wurden
genannt, von denen meines Erachtens einige überzeugender als andere sind:
Nationale Sicherheit. Die Grundprämisse lautet,
daß einige ihre Bürger ausbeutende Staaten früher
oder später den globalen Frieden gefährden werden.
Internationale Arbeitskodizes würden diese weltweit
Geächteten isolieren und ihnen den Handel verweigern, der ihre Volkswirtschaften stärken und die
Position ihrer Herrscher festigen würde.
Unterdrückung im Inland ist jedoch kein genauer
Index für externe Aggressivität, und Wirtschaftssanktionen hatten einen durchaus gemischten Effekt,
Veränderungen bei aufsässigen Regimen zu erzwingen.
Wirtschaftliche Vorteile. Diesem Argument zufolge
müssen Länder mit hohen Arbeitsnormen die Löhne
senken, um mit Produzenten in Nationen mit niedrigen Normen konkurrieren zu können. Aus diesem
Grund wäre es der beste Weg für unter Druck
stehende schlechtbezahlte Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten, die fixen Kosten des Produk-

Seite 1

�stehende schlechtbezahlte Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten, die fixen Kosten des Produktionsfaktors Arbeit durch die Einführung internationaler Arbeitsnormen dem Konkurrenzdruck zu entziehen.
Diese Argumentationsweise verleitet jedoch leicht zu
dem Ruf, die Volkswirtschaften der fortschrittlichen
Länder gegen die billigen Arbeitskräfte im Ausland
abzuschotten. Darüber hinaus ist technologischer
Wandel ein sehr viel größerer Faktor beim Verlust
hochbezahlter Arbeitsplätze für ungelernte amerikanische Arbeitnehmer als der Wettbewerb mit Ländern der Dritten Welt.
Humanitäre Belange. Die moralische Sorge
ausgebeutete Arbeiter in Entwicklungsländern
zweifelsohne gerechtfertigt.
Aber wie groß
unsere Verantwortung? Wie können wir ihr
besten gerecht werden?

um
ist
ist
am

Einige Arbeitspraktiken schließen einfach bestimmte
Länder aus der Gemeinschaft zivilisierter Nationen
aus. Eine vereinbarte Liste von "grundlegenden"
Arbeitsnormen wird sicherlich von Gefangenen,
Sklavenarbeitern oder sehr jungen Kindern hergestellte Waren verbieten. Armut ist darüber hinaus
keine triftige Entschuldigung für die repressive
Einschränkung der Versammlungs- und Koalitionsfreiheit.
Über die kurze Liste mit grundlegenden Arbeitsnormen hinaus müssen die Urteile nuancierter
werden. Wie sollen wir - wenn überhaupt - auf
Entwicklungsländer reagieren, die 14jährige ohne
Einschränkung oder besonderen Schutz arbeiten
lassen, oder in denen der Lohn einen Bruchteil des
Durchschnittslohns in den Industrieländern beträgt
oder wo es um Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz schlechter bestellt ist als amerikanische oder
europäische Gesetze jemals zulassen würden?
Die Entwicklungsländer argumentieren zu Recht, daß
sie reicher werden müssen, um sich amerikanische
oder europäische Arbeitsnormen leisten zu können und zu diesem Zweck Handel treiben müssen.
Diese Beobachtung ist jedoch eine implizite Anerkennung der Tatsache, daß Normen nicht statisch
sein sollten, die Fähigkeit eines Landes zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen sich mit zunehmendem Entwicklungsgrad erhöht und internationale
Erwartungen ebenfalls steigen könnten.
Obwohl es weder fair noch realistisch ist darauf zu
bestehen, daß Entwicklungsländer dieselben Arbeitsnormen wie wohlhabendere Länder haben, kann
man davon ausgehen, daß sich die Arbeitsnormen
im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung verbessern.

Seite 2

Diese Erwartung spiegelt sowohl moralische Bedenken als auch die Tatsache wider, daß wir ein wirtschaftliches Interesse an umfassendem Wohlstand im
Ausland haben. Das Entstehen von Volkswirtschaften mit einer breiten Mittelschicht in den Entwicklungsländern bekräftigt nicht nur unsere Werte,
sondern ist auch gut für die Wirtschaft dieser und
unserer Staaten. Solche Volkswirtschaften bieten
einen Absatzmarkt für die Produkte hochentwickelter
Wirtschaften sowie eine interne, stabile Nachfragequelle für ihre eigenen Produkte. Despotie und
Oligarchie sind unzuverlässige Kunden.
Freier Handel ist ein Mittel, kein Zweck. Das Ziel ist
ein höherer Lebensstandard weltweit. Der Grund zur
Öffnung des Handels ist sein offensichtlicher Beitrag
zur Verbesserung des Lebens der Menschen. Wenn
jedoch ein Land eine Politik verfolgt, die auf die
Einfrierung des Lebensstandards auf niedrigem
Niveau abzielt, wird das Versprechen offenen Handels verkehrt und seiner logischen Grundlage beraubt.
Wenn die Industriestaaten zu Recht erwarten können,
daß Wachstum in der Dritten Welt mit verbesserten
Arbeitsbedingungen einhergeht - wie können diese
Erwartungen dann in Worte gefaßt werden? Ich
möchte einen aus zwei Teilen bestehenden Test
vorschlagen. Der erste Teil betrifft demokratische
Institutionen, der zweite Trends.
Arbeitsbedingungen werden von wirtschaftlichen,
kulturellen und politischen Faktoren bestimmt, deren
Auswirkungen schwer auseinanderzuhalten sind. Die
Existenz demokratischer Institutionen erhöht jedoch
die Wahrscheinlichkeit, daß niedrige Löhne und
schlechte Arbeitsbedingungen durch unglückselige,
jedoch legitime wirtschaftliche Einschränkungen
verursacht werden. Je weniger demokratisch ein
Land ist, desto mehr Anlaß besteht zu Mißtrauen,
daß Arbeitsnormen unterdrückt werden, um engstirnigen kommerziellen Interessen oder einem
fehlgeleiteten merkantilistischen Impuls von seifen der
Eliten zu dienen.
Was geschieht jedoch mit Entwicklungsländern, deren
demokratische Institutionen schwach oder nicht
existent sind? Diesen Ländern bieten Trends bei den
Arbeitsnormen und wirtschaftliche Ungleichheit eine
zweite Art von Meßlatte. Das Leben schlecht bezahlter Arbeitnehmer sollte sich verbessern, nicht verschlechtern, wenn Handel und Investitionen das
Volkseinkommen erhöhen. Wenn ein Land keine
demokratischen Institutionen vorweisen kann und
seine Bürger nicht in den Genuß der Vorteile des
Wachstums bringt, könnten andere Staaten mit Recht
zu der Schlußfolgerung gelangen, daß niedrige
Arbeitsnormen nicht auf Armut an sich zurückzufüh-

AMERIKA DIENST 24

�Mit anderen Worten: Internationale Maßnahmen
sind dort berechtigt, wo eine zivilisierte Wirtschaft
definierende grundlegende Arbeitsnormen verletzt
werden, trotz Wirtschaftswachstums niedrige Arbeitsnormen fortbestehen oder die Schwäche demokratischer Institutionen Grund zu der Annahme gibt, daß
der Lebensstandard durch die Politik, nicht durch die
Armut unterdrückt wird. Dieser vorläufige Rahmen
befaßt sich nur mit der Diagnose, nicht mit der
Behandlung. Welche Antwort sollte die internationale Staatengemeinschaft auf Maßnahmen geben, die
eine Verletzung der von ihr formulierten Normen
darstellen?
Es ist eindeutig vorzuziehen, wenn Maßnahmen
multilateral genehmigt und durchgeführt werden, um
die Expertise globaler Organisationen auszunutzen.
Das würde auch in jedem Land zur Trennung der
Arbeitsnormen betreffenden Fragen von engstirnigen
Motiven beitragen und die Chancen auf den Erfolg
einer Intervention erhöhen. Erforderlich ist auch
eine Vielzahl von Antworten auf Mißbrauch. Hierzu
können allgemeine Handelssanktionen, spezielle
Einschränkungen für bestimmte Sektoren, der
Verlust des Präferenzstatus, die Verweigerung des
Anspruchs auf internationale Kredit- und Darlehensprogramme, Vorschriften zum Aufdecken von Miß-

*

AMERIKA DIENST 24

brauch sowie technische Hilfe zur Förderung von
Verbesserungen gehören.
Das letzte Prinzip, das den beiden anderen Auftrieb
verleiht, ist Pragmatismus. Internationale Maßnahmen, die keine Auswirkungen auf die Normen verletzenden Nationen haben, sind bestenfalls Zeitverschwendung. Eingehende Untersuchung und Analyse muß den Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Verbesserung von Arbeitsnormen vorausgehen. Und wir müssen daran denken, daß Handel selbst - durch die Öffnung einer
Volkswirtschaft für externe Einflüsse sowie die
Förderung eines umfassenderen Interessenspektrums
- bisweilen den Katalysator für progressiven Wandel
darstellen kann.
Wir alle sind zunehmend durch ein weltweites Netz
von Wirtschaft und Kultur verbunden. Durch dieses
Weltdorf läuft das kleine, mit Steinen beladene Kind.
Mit jedem Jahr wird es schwieriger, es zu ignorieren.
Die Definition unserer Verpflichtungen gegenüber
ausländischen Arbeitnehmern ist eine komplexe
Angelegenheit, die uns bis zum Ende des Jahrhunderts und vielleicht sogar darüber hinaus beschäftigen wird. Das ist noch ein Grund mehr, daran zu
arbeiten.

* * *

*

Seite 3

�Wl R T S C H A F T
22. Juni 1994

G-7 ÜBERPRÜFEN HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Hintergrundinformation für Wirtschaftsgipfel in Neapel
WASHINGTON - (AD) - Wenn die Staats- und
Regierungschefs der führenden Industrienationen im
nächsten Monat in Neapel zum jährlichen Weltwirtschaftsgipfel zusammenkommen, steht an oberer
Stelle ihrer Tagesordnung eine Überprüfung der
Volkswirtschaften der Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und des Beitrags der wohlhabenden Länder zur Stützung der stagnierenden Wirtschaftsleistung Rußlands.
Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der
Sieben (G-7) - Vereinigte Staaten, Frankreich,
Deutschland, Japan, Großbritannien, Italien und
Kanada - werden voraussichtlich eine Reihe von
Optionen erörtern, die von zusätzlicher bilateraler
Hilfe bis zu erweiterten Darlehen des Internationalen
Währungsfonds (IWF) zum weiteren Schuldenabbau
reichen.
Der Pariser Club der Gläubigernationen, der von Fall
zu Fall zusammentritt, um einen gemeinsamen
Ansatz zur Umschuldung der offiziellen Anleihen zu
erarbeiten, vereinbarte Anfang Juni eine Umschuldung der russischen Kredite in Höhe von über 7
Milliarden Dollar.
Die Kreditprobleme Rußlands werden jedoch erwartungsgemäß in diesem Jahr nicht abgebaut, und
Verhandlungen über eine mehrjährige Umschuldung
werden amerikanischen Quellen zufolge wahrscheinlich gegen Ende dieses Jahres aufgenommen. Das
gesamte Umschuldungspaket wird voraussichtlich an
ein Wirtschaftsprogramm gebunden, das Rußland in
den kommenden Monaten mit dem IWF ausarbeiten
wird.
Im Rahmen des IWF-Programms könnten Rußland
auch neue IWF-Kredite gewährt werden.
Die Verschuldung Rußlands beläuft sich zur Zeit auf
über 83 Milliarden Dollar, von denen 42 Milliarden
offiziellen bilateralen Gläubigern geschuldet werden,
davon 37,5 Milliarden Dollar den Mitgliedstaaten des
Pariser Clubs. Multilateralen Gläubigern wie dem
IWF und der Weltbank werden über 3 Milliarden
Dollar geschuldet.

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Am 4. Juni 1994 schuldete der Pariser Club 7,2
Milliarden Dollar der offiziellen russischen Kredite um.
Rund 1 Milliarde Dollar werden den Vereinigten
Staaten geschuldet. Der Umschuldungsplan umfaßt:
100 Prozent der 2,49 Milliarden Dollar betragenden geschuldeten Hauptsumme und Zinsen, die
vor dem 1. Januar 1991 vertraglich vereinbart
wurden und in diesem Jahr fällig werden. Dieser
Kredit kann über einen Zeitraum von 15 Jahren
(bis März 2010) zurückgezahlt werden, und vor
September 1997 sind keine Zahlungen erforderlich. Von dieser Gesamtsumme werden ungefähr
75 Millionen Dollar den Vereinigten Staaten
geschuldet.
100 Prozent der 4,13 Milliarden Dollar betragenden geschuldeten Hauptsumme und Zinsen, die im Jahr 1991 vertraglich vereinbart
wurden und in diesem Jahr fällig werden.
Dieser Kredit kann über einen Zeitraum von 10
Jahren (bis März 2005) zurückgezahlt werden,
und vor September 1997 sind keine Zahlungen
erforderlich. Von dieser Gesamtsumme werden den Vereinigten Staaten ungefähr 874
Millionen Dollar geschuldet.
60 Prozent der 700 Millionen in den Jahren 1993
und 1994 für die 1993 erfolgte Umschuldung
anfallenden Zinsen. Die 420 Millionen Dollar an
umgeschuldeten Zinsen werden in 10 gleich
hohen, halbjährlichen, Anfang September 1997
beginnenden Beträgen zurückgezahlt. Von dieser
Gesamtsumme werden den Vereinigten Staaten
ungefähr 20 Millionen Dollar geschuldet.
40 Prozent der im Laufe des Jahres 1994 anfallenden Zinsen in Höhe von 200 Millionen Dollar
für die 1994 durchgeführte Umschuldung. Die 80
Millionen Dollar an umgeschuldeten Zinsen werden in 10 gleich hohen, halbjährlichen, Anfang
September 1997 beginnenden Beträgen zurückgezahlt. Von dieser Gesamtsumme werden den
Vereinigten Staaten ungefähr 15 Millionen Dollar
geschuldet.

Seite 1

�100 Prozent der 80 Millionen Dollar betragenden
Hauptsumme und Zinsen, die an vor dem 4.
Januar 1992 vereinbarten Krediten mit kurzer
Laufzeit geschuldet werden. Dieser Betrag, der
keine Schulden bei den Vereinigten Staaten
beinhaltet, wird in gleich hohen, halbjährlichen,
Anfang September 1997 beginnenden Beträgen
zurückgezahlt.
Im Rahmen des Plans muß Rußland dem Pariser
Club 3,04 Milliarden Dollar zurückzahlen, einschließlich 100 Prozent der 2,64 Milliarden Dollar betragenden Hauptsumme und Zinsen aus nach dem 1.
Januar 1992 eingegangenen Verträgen, 40 Prozent
(280 Millionen Dollar) der Zinsen für die Umschuldung von 1993 und 60 Prozent (120 Millionen) der
Zinsen für die Umschuldung von 1994.
Bei der Bekanntgabe dieser Umschuldung erklärten
die offiziellen Gläubiger, der Schuldenabbau werde
voraussichtlich durch Finanzierungsgesellschaften zu
vergleichbaren Bedingungen wie den im Pariser
Club vereinbarten vorgenommen.
Finanzierungsgesellschaften werden ungefähr 38
Milliarden Dollar geschuldet, von denen rund 28
Milliarden Dollar Kredite mit mittel- und kurzfristiger
Laufzeit sind, 6 Milliarden Dollar Kredite mit kurzfristiger Laufzeit wie Handelskredite, und nahezu 4
Milliarden Dollar sind Außenstände bei Lieferanten
sowie verspätete Zinszahlungen.
Der sogenannte "Londoner Club" von Finanzierungsgesellschaften ist damit befaßt, eine Umschuldung
der Zahlungen an den Privatsektor auszuhandeln.
Abgesehen von der Verschuldung werden die
Staats- und Regierungschefs der G-7 das vor dem
letzten Weltwirtschaftsgipfel in Tokio vereinbarte
multilaterale Unterstützungsprogramm für Rußland
überprüfen. Dieses Programm konzentrierte sich auf
die Förderung von Strukturreformen und soll dem
Land den Weg zu soliden makroökonomischen
Maßnahmen ebnen.
Von den 43,4 Milliarden Dollar Unterstützungszahlungen an Rußland im Rahmen dieses Programms wurden ungefähr 30 Milliarden Dollar
bereitgestellt. Der volle Betrag wurde nicht gewährt,
weil Rußland noch nicht entsprechende Fortschritte
bei der Durchführung des Wirtschaftsprogramms
erzielt hat.
Das Programm beinhaltet:
14,2 Milliarden Dollar, von denen 10,6 Milliarden
Dollar genehmigt wurden, um Rußland bei der
Privatisierung der Industrie, dem Aufbau von

Seite 2

Marktinstitutionen und der Infrastruktur sowie der
Entwicklung des Energie- und Landwirtschaftssektors behilflich zu sein. Die Weltbank hat der
Bereitstellung von Krediten in Höhe von bis zu 3,4
Milliarden Dollar zugestimmt, von denen 2,3
Milliarden Dollar voraussichtlich bis zum Gipfeltreffen in Neapel genehmigt werden. Die G-7Länder haben ferner die Zuweisung von 10
Milliarden Dollar für Exportkredite vereinbart.
Über 5 Milliarden Dollar dieser Hilfsleistungen
wurden 1993 gewährt, und für 1994 wird eine
ähnliche Summe erwartet.
4,1 Milliarden Dollar als Anschubfinanzierung für
den Stabilisierungsfonds. Dieser Betrag beinhaltet
3 Milliarden Dollar, die Rußland vom IWF im
Rahmen der Systemumgestaltungsfazilität (Systemic Transformation Facility - STF) im Juni 1993
und April 1994 erhalten hat sowie 1,1 Milliarden
Dollar von der Weltbank. Von dieser Summe
wurde die Hälfte bereits ausgezahlt, und ein
zweiter Kredit in Höhe von 600 Millionen Dollar
wird voraussichtlich im Juli genehmigt.
10,1 Milliarden Dollar als Stabilisierungsfonds.
Diese Mittel wurden bisher nicht verlängert. Sie
umfassen einen Sonderkredit des IWF in Höhe
von 4,1 Milliarden Dollar, der Anfang Herbst
ausgezahlt werden soll - wenn Rußland das im
Rahmen des STF-Programms vereinbarte Wirtschaftsprogramm erfolgreich umsetzt. Die G-7
einigten sich darüber hinaus auf die Einrichtung
eines 6 Milliarden Dollar betragenden WährungsStabilisierungsfonds zur Unterstützung des Rubel
sobald Rußland ein rigoroses Sonderprogramm
verwirklicht und mehrere Monate durchgeführt hat.
15 Milliarden Dollar der im April 1993 vereinbarten
Umschuldung.
Darüber hinaus haben sich die Länder der G-7, die
Weltbank, die Internationale Finanzgesellschaft und
die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung auf die Gründung eines Speziellen Privatisierungs- und Umstrukturierungsprogramms (Special
Privatization and Restructuring Programm - SPRP)
geeinigt, um bei der Umstrukturierung von Großunternehmen behilflich zu sein. Das SPRP wird ungefähr
3 Milliarden Dollar an Grundkapital, Anleihen und
Unterstützung der Exportkreditbehörde für die Unternehmensumstrukturierung zur Verfügung stellen. Im
Rahmen dieses Programms wird ein Netz von bis zu
zehn regionalen Gemeinschaftsfonds gegründet, um
Investitionen in russische Firmen zu tätigen. Die
Vereinigten Staaten haben unter dem SPRP 100
Millionen Dollar an Darlehen und 250 Millionen Dollar
als Unterstützung der Exportkreditbehörde beigesteuert.

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�U S A - O S T A S I EN
22. Juni 1994

NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE USA
IM PAZIFISCHEN RAUM
Rede von Abteilungsleiter Charles Freeman
WASHINGTON - (AD) - Nachdem die Sowjetunion im asiatisch-pazifischen Raum nicht länger eine Gefahr für
die Vereinigten Staaten darstellt, sehen diese sich in Nordkorea einer äußerst schwierigen militärischen
Bedrohung sowie komplexen wiederauftretenden und neuen Herausforderungen gegenüber, erklärte der
Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium Charles Freeman.
Vor dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses äußerte Freeman am 15. Juni
1994: "Viele dieser Herausforderungen sind auf den bevorstehenden Übergang in den wichtigsten
ostasiatischen Staaten zurückzuführen - dessen Ergebnis großenteils die Natur des zukünftigen ostasiatischen
Sicherheitsumfelds bestimmen wird."
"Wir sehen uns auch mit der Herausforderung einer Modernisierung der amerikanisch-japanischen
Beziehungen konfrontiert - dem Eckpfeiler unserer Sicherheitsposition in Ostasien und im Pazifik. Die
Interessen sind so gelagert, daß wir eine Strategie der Stärkung bilateraler Beziehungen und der Ermutigung
multilateraler Abkommen verfolgen müssen, während wir in die erforderlichen Ressourcen zur Aufrechterhaltung unserer vitalen Interessen investieren und unsere unerschütterliche Entschlossenheit zum Ausdruck
bringen."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Abteilungsleiter Freeman.

Wie bereits von anderen erwähnt, sind Ostasien und
der pazifische Raum von enormer wirtschaftlicher
Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten. Ostasien ist auch von immenser
strategischer Bedeutung.
In dieser Region ist
weiterhin eine riesige Militärmacht konzentriert,
darunter viele der größten Armeen der Welt. Fünf
unserer Bündnispartner sind in diesem Gebiet
angesiedelt.
100.000 amerikanische Soldaten
fördern dort unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen und vertraglichen Verpflichtungen.
Die Bündnisse mit ostasiatischen Ländern sind für
den Erfolg der amerikanischen Strategie in der Zeit
nach dem Kalten Krieg von entscheidender Bedeutung. Der wachsende Einfluß und die Stärke unserer Freunde und Verbündeten werden ihnen die
Übernahme größerer Verantwortung zum Zwecke
gemeinsamer Sicherheitsziele ermöglichen und die
regionale Sicherheit fördern. Wir haben ein Interesse an der Beibehaltung der Bündnisstruktur als
Grundlage regionaler Stabilität und Kanal für amerikanischen Einfluß. Der Aufbau reiferer Sicherheits-

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beziehungen mit unseren asiatischen Verbündeten
und Freunden fördert langfristige Interessen. Wir
sehen neuen Gelegenheiten zur Erörterung politischer, wirtschaftlicher, umweltpolitischer, sozialer und
sicherheitspolitischer Angelegenheiten im Rahmen
neuer regionaler Sicherheitsarrangements erwartungsvoll entgegen.
Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, daß
die Vereinigten Staaten in der Region eine einzigartige Rolle zu spielen haben. Seit dem Zweiten
Weltkrieg hat unser Land als Förderer des regionalen
Gleichgewichts gedient. Unbelastet von historischen
Rivalitäten oder traditionellen Feindschaften können
die Vereinigten Staaten gleichzeitig mit Japan,
Rußland, China, Korea und allen Staaten Südostasiens ausgezeichnete Beziehungen pflegen. Keine
andere Macht kann diese Rolle übernehmen, und wir
können sie nicht vernachlässigen. Während sich
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das
Kräftegleichgewicht wieder einstellt, wird die Haltung
der Vereinigten Staaten gegenüber Fragen ostasiatischer Sicherheit großenteils darüber entscheiden, ob

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�den Herausforderungen an die regionale Sicherheit
erfolgreich begegnet wird.
Der Bitte des Ausschusses entsprechend möchte ich
auf die heutigen sicherheitspolitischen Herausforderungen in Asien zu sprechen kommen.
Vereitelung des nordkoreanischen Strebens nach
Atomwaffen:
Die potentielle Entwicklung von
Atomwaffen durch Nordkorea ist die unmittelbarste
Sicherheitsbedrohung in Asien. Kim Il-Sungs hartnäckiger Widerstand gegen umfassende Inspektionen und die von ihm angekündigte Politik, Maßnahmen der UNO zur Durchsetzung von Inspektionen
als Kriegshandlung anzusehen, verleiht dieser Frage
überragende Bedeutung für unsere Sicherheitsinteressen in Asien und weltweit. Wie dieser Ausschuß
weiß, arbeiten wir unter anderem eng mit Südkorea,
Japan, China und Rußland zusammen, um dieses
Problem auf dem Wege der Diplomatie zu lösen.
Wir erörtern mit Südkorea, Japan und den vier
anderen Ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats eine Sanktionsresolution und erwarten, daß sie
schnell angenommen wird. Wir haben keine andere
Wahl, als Sanktionen zu verhängen, da Nordkorea
sich nicht an die Vorschriften der IAEO hält.
Verhinderung von Weiterverbreitung: Wir sind
äußerst besorgt über die Möglichkeit wirtschaftlich
und technologisch fortgeschrittener Länder, sich am
Transfer von Waffen und Technologie an Regimes
im Nahen Osten und Südasien zu beteiligen. Wir
streben eine Begrenzung der Gefahren an, die eine
derartige Weiterverbreitung für den Frieden in dieser
wichtigen Region darstellen würde. Neben der
unmittelbaren Sicherheitsbedrohung schafft das
Potential Nordkoreas zur Entwicklung von Atomwaffen die Möglichkeit einer noch größeren und weiterreichenden Bedrohung - daß andere regionale
Mächte zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen getrieben werden, was die Gefahr einer
Auflösung des gesamten weltweiten Nichtverbreitungsrahmens darstellt.
Die Begegnung der konventionellen Bedrohung
durch Nordkorea: Die konventionelle Bedrohung
Südkoreas durch Nordkorea - mit einer zunehmend
gutgerüsteten, äußerst mobilen, eine Million starken
Armee, von der zwei Drittel nahe der entmilitarisierten Zone stationiert sind - bleibt eine weitere Quelle
regionaler Instabilität. Angesichts der Unsicherheiten
aufgrund des derzeitigen politischen Übergangs in
Pjöngjang müssen die Vereinigten Staaten und
Südkorea auf alles, vom internen Zusammenbruch
bis zu verzweifelter Aggression, vorbereitet sein Spannungen, die nicht nur die Zukunft der koreanischen Halbinsel, sondern die Sicherheit der gesamten Region beeinflussen würden. Unsere Fähigkeit

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zur Einflußnahme auf die Entwicklungen in Nordkorea
ist begrenzt. Wir können jedoch durch die Verhinderung aggressiver Optionen für die nordkoreanische
Führung durch unsere militärische Unterstützung
Südkoreas sowie die Zusammenarbeit mit anderen
wichtigen regionalen Partnern in kritischen Punkten
Einfluß auf Korea ausüben.
Eine substantielle
Militärpräsenz auf der nordkoreanischen Halbinsel
bleibt essentielle Vorbedingung für die Übernahme
dieser Rollen.
Stärkung der amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen:
Keine unserer bilateralen
Sicherheitsbeziehungen ist wichtiger als die zu
Japan. Unser Bündnis mit Japan ist sowohl für
unsere pazifische Sicherheitspolitik als auch unsere
globalen strategischen Ziele von grundlegender
Bedeutung. Von unseren dortigen Stützpunkten aus
können wir Konflikte abschrecken, den amerikanischen Einfluß bewahren und vornestationierte Streitkräfte zur schnellen Reaktion auf Krisen postieren.
Die amerikanischen Sicherheitsgarantien für Japan
haben eine angemessene Aufgabenteilung ermöglicht, wobei Japan zur Aufrechterhaltung regionaler
Stabilität auf die Vereinigten Staaten blickt, während
sich das Land auf die Verteidigung seines eigenen
Territoriums konzentriert und ausgezeichnete Stützpunkteinrichtungen sowie als Gastland großzügige
Unterstützung bei der Förderung gemeinsamer
Sicherheitsinteressen gewährt. Die Präsenz amerikanischer Truppen gestattet Tokio die Aufrechterhaltung
der drei Prinzipien: Keine Atomwaffen, keine Streitkräfte zur Machterhaltung, keine Waffenexporte.
Japans starke Unterstützung der Nichtverbreitungspolitik reflektiert seine entschiedene Verpflichtung, auf
Waffenexporte und Atomwaffen zu verzichten.
In den vergangenen Jahren waren die Beziehungen
insgesamt aufgrund der Handelsungleichgewichte
und einer Anzahl bilateraler Wirtschaftsfragen beträchtlichen Belastungen unterworfen. Fortschritte im
wirtschaftlichen und technologischen Bereich sind für
die langfristige Gesundheit der bilateralen Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Alle drei Säulen
des Bündnisses - Sicherheit, Politik und Wirtschaft müssen stark und ausgewogen sein. Die Beilegung
unserer derzeitigen ökonomischen Differenzen ist für
unsere Wirtschaftsbeziehungen und die Weltwirtschaft
von Bedeutung. Gesunde wirtschaftliche Bande
stärken die anderen Säulen des Bündnisses.
Die Integration Chinas als verantwortliche Weltmacht: China ist zur vorherrschenden regionalen
Militärmacht geworden und wird auf wirtschaftlichem
Gebiet bald einen ähnlichen Status erreichen. Die
militärische Aufrüstung des Landes, insbesondere die
Bereitstellung zusätzlicher Gelder für Marine und
Luftwaffe, hat in Nordost- und Südostasien Anlaß zu
der Sorge gegeben, China entwickele neue Fähigkei-

AMERIKA DIENST 24

�ten, die eine potentielle Bedrohung seiner Nachbarn
darstellten. Andererseits hat sich die derzeitige
chinesische Führung um den Aufbau guter Beziehungen zu seinen Nachbarn und zum Westen
bemüht. Die Modernisierung der Wirtschaft ist in
naher Zukunft das Hauptziel Chinas, der Übergang
zu einer Führung nach Deng läßt den zukünftigen
strategischen Kurs des Landes jedoch im unklaren.
Für die Vereinigten Staaten und eine Anzahl interessierter Länder besteht die große Herausforderung
in der Förderung einer verantwortlichen Integration
Chinas in die asiatisch-pazifische Gemeinschaft.
Diese Bestrebungen werden ein entscheidender
Faktor dafür sein, wie China letztlich - und unausweichlich - seine Rolle als Weltmacht definiert.
Unsere größte Chance, beim Entstehen dieser
Weltmacht einen positiven Einfluß auszuüben, liegt
in der Ermutigung von sich in China bereits abzeichnenden Trends, beispielsweise der Bewegung
zu einer Marktwirtschaft sowie größerer Beteiligung
am internationalen Wirtschaftssystem. Kontakte zu
China an allen Fronten, einschließlich des Militärs,
bieten die beste Chance zur Erreichung dieses Ziels.
Ein China mit Interesse am Weltwirtschaftssystem
wird sich wahrscheinlich weniger aggressiv und
unberechenbar verhalten als ein China, das sich von
der Weltgemeinschaft isoliert fühlt.
Vertiefung unserer Beziehungen zum ASEAN:
Die Entwicklung des Verbands Südostasiatischer
Nationen (ASEAN) zu einem zunehmend einflußreichen regionalen Akteur ist eine wichtige positive
Entwicklung. Die 320 Millionen zählende Bevölkerung des ASEAN ist nahezu doppelt so groß wie die
von Japan und Korea zusammengenommen.
Südostasien ist eine Region mit wachsender wirtschaftlicher Stärke, und bis Ende des Jahrhunderts
werden die ASEAN-Volkswirtschaften gemeinsam
voraussichtlich einen Umsatz von 800 Milliarden
Dollar erzielen - 100 Milliarden mehr als China. Die
Vereinigten Staaten teilen das Interesse der ASEANLänder zu verhindern, daß Südostasien ein Gebiet
für strategischen Wettbewerb zwischen den Regionalmächten wird.
Wir versuchen, unser Netz von Zugangsarrangements anstelle von ständigen Stützpunkten in ganz
Südostasien zu erweitern. Derartige Abkommen
werden bilaterale Ausbildung, Manöver und die
Interoperabilität verbessern und damit unsere
Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Verbündeten und
Freunden erweitern.
Verbesserung der Stabilität in Kambodscha: Mit
internationaler Unterstützung und starker Beteiligung
von König Sihanouk am Friedensprozeß ermöglichten die Vereinten Nationen die Wahl einer Regierung

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in Kambodscha. Seit der Gründung der Regierung
hat Kambodscha beachtliche Fortschritte bei der
Einrichtung von Regierungsinstitutionen, Förderung
der Respektierung von Menschenrechten und Einführung einer marktorientierten Volkswirtschaft erzielt.
Trotz dieser Erfolge sieht sich Kambodscha immer
noch mit ernsthaften Herausforderungen beim Wiederaufbau, der Entwicklung und im Sicherheitsbereich
konfrontiert, nicht zuletzt mit den aufrührerischen
Roten Khmer. Die andauernde Unterstützung der
internationalen Staatengemeinschaft einschließlich
der Vereinigten Staaten ist unabdingbar für das
Überleben dieser aufstrebenden Demokratie. Die
Vereinigten Staaten verpflichten sich weiterhin zur
Bereitstellung von Wiederaufbau- und Rehabilitationshilfe sowie humanitärer Hilfslieferungen für das
kambodschanische Militär, darunter IMET, das die
Entstehung eines Berufsheeres fördert, das die
Entwicklung grundlegender demokratischer Institutionen unterstützen, die nationale Verteidigung bereitstellen sowie den nationalen Wiederaufbau und die
Entwicklung fördern wird.
Behandlung der Ansprüche auf die Spratly-Inseln:
In vielen Teilen der Region gibt es strittige Gebietsansprüche, aber der Streit um die unterirdischen
Ölreserven in der Umgebung der Spratly-Inseln ist
kurz- bis mittelfristig eine potentielle Quelle regionaler
Konflikte, die viele Nationen der Region einbeziehen
und das Befahren entscheidender Schiffahrtswege im
Südchinesischen Meer gefährden könnten. Regionale Bestrebungen zum Abbau der Spannungen auf
den Spratlys wie die von Indonesien veranstalteten
"Workshops", die die Kontrahenten zur Konzentration
auf Gebiete der Kooperation zusammenbringen,
verweisen auf den Wert multilateraler Ansätze zu
regionalen Sicherheitsfragen, die nützliche Ergänzungen des traditionellen Netzes bilateraler Bündnisse
sind.
Bekräftigung der kontinuierlichen Bedeutung der
Vornestationierung amerikanischer Streitkräfte:
Die Präsenz vornestationierter amerikanischer
Streitkräfte in der Region ist eine deutliche Demonstration des amerikanischen Engagements, bietet
Abschreckung und psychologische Unterstützung und
dient als Grundlage für regionale Stabilität und
Sicherheit.
Die asiatischen Staats- und Regierungschefs wurden
durch die Reden des Präsidenten in Tokio und Seoul
sowie die Ankündigung der Ergebnisse der grundlegenden Umstrukturierung durch den damaligen
Verteidigungsminister Aspin bestärkt. Aus asiatischer
Sicht waren besonders bemerkenswerte Aspekte der
Umstrukturierung die Konzentration auf rasche
Dislozierung; Modernisierungsinitiativen, die Verbesserungen unserer Luft- und Seetransportfähigkeit

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�beinhalten sowie voreingelagertes Gerät, das die
raschere Dislozierung unserer Streitkräfte bei einer
Krise sicherstellt; nachdrückliche Verbesserungen
unserer Fähigkeit zur Lokalisierung und Zerstörung
gegnerischer militärischer Einrichtungen verleihen
diesen Streitkräften größere Effektivität, und fähigere
Überwachungsplattformen des Gefechtsfelds sowie
moderne Munition machen insbesondere unsere am
ersten eintreffenden Streitkräfte schlagkräftiger.
Militärisches Engagement in der Region hängt auch
von anderen Formen der Zusammenarbeit bei der
Verteidigung ab: Personalaustausch, Austausch von
nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, Besuchen auf
hochrangiger Ebene, Konferenzen, bilateralem
politischem Dialog, IMET, Voreinlagerung von Gerät,
gemeinsamen Manövern und Kontakten unter den
Militärs. Diese Mechanismen gestatten uns die
Demonstration unseres Interesses an der Region,
und in dem Maße, in dem wir sie zur Erweiterung
und Stärkung unserer bilateralen Verteidigungsbeziehungen nutzen können, werden wir die Grundlage des regionalen Sicherheitssystems festigen. In
diesem Zusammenhang möchte ich auf die Ablehnung der Sprachregelung in der Version der Gesetzesvorlage zu ausländischen Operationen des
Repräsentantenhauses durch die Administration
verweisen, die versucht, Indonesien die Ausbildungsbeschaffung zu verbieten.
Anerkennung der Vorteile von Bündnissen: Das
Bündnis zwischen Australien, Neuseeland und den
Vereinigten Staaten (ANZUS) ist weiterhin eine
wichtige Komponente unserer Sicherheitsarchitektur
im Pazifik, obwohl Sicherheitsgarantien für Neuseeland zur Zeit aufgrund der Nichteinhaltung der
Bündnisverpflichtungen durch Neuseeland aufgehoben sind. Australien, mit dem wir eine breitgefächerte nachrichtendienstliche und strategische Partnerschaft unterhalten, ist ein wichtiger Bestandteil
unserer Vornepräsenz in der Region. Unser Ziel ist
die Stärkung dieser Partnerschaft und der Abbau
von Hindernissen gegen die erneute Integration
Neuseelands als vollwertiger Partner in das ANZUS.
Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in ganz
Ostasien gibt es große Übereinstimmung, daß
unsere Bündnisse und andere bilaterale Verteidigungsbeziehungen das Kernstück der bestehenden
Sicherheitsstruktur sind und bleiben müssen. Es gibt
jedoch auch zunehmende Anerkennung des Werts
von multilateralen Sicherheitsinitiativen als ergänzende zweite Stufe eines sich abzeichnenden regionalen Sicherheitsumfelds.
Nutzung der Chancen multilateraler Sicherheitsdebatten: Unsere aktive Beteiligung an multilateralen Sicherheitsdialogen - sowohl offiziell, wie die

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ASEAN-Ministerkonferenz, als auch inoffiziell wie bei
verschiedenen, aus Wissenschaftlern und Regierungsvertretern zusammengesetzten Konferenzen können zur Bekräftigung unserer regionalen Rolle
beitragen sowie bestehende und sich abzeichnende
Sicherheitsprobleme ansprechen, die auf bilateraler
Ebene nicht so leicht behandelt werden können.
In Nordostasien müssen wir uns bewußt machen,
daß zwar unsere bilateralen Sicherheitsbündnisse mit
Japan und Korea weiterhin den Grundpfeiler unserer
Sicherheit bilden, es jedoch auch Chancen für einen
multilateralen Sicherheitsdialog auf staatlicher und
nichtoffizieller Ebene gibt. Unter den sechs führenden nordostasiatischen Mitspielern (Republik Korea,
Demokratische Volksrepublik Korea, Vereinigte
Staaten, Japan, China und Rußland) macht sich
zunehmend die Erkenntnis breit, daß ihre gegenseitige Sicherheit durch einen regionalen Dialog
sowie größere Transparenz bei Waffenverkäufen und
der Verteidigungsplanung verbessert werden kann.
Gleichzeitig sollte man sich vor Augen führen, daß
die Region nicht für weitere tiefgreifende Maßnahmen
wie die Gründung eines regionalen Sicherheitsbündnisses oder die Verabschiedung regionaler Rüstungskontrollabkommen bereit ist.
Das Ausmaß der
Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, der sich
abzeichnende politische Übergang in Japan, die
Belastungen der amerikanisch-chinesischen Beziehungen wegen der M-11-Sanktionen, CTB, Menschenrechten und Yin He sowie das Fehlen politischer Stabilität in Rußland verringern alle die Aussichten auf einen kurzfristigen größeren Durchbruch
bei der nordostasiatischen regionalen Sicherheit.
Schlußbemerkung
Obwohl wir nicht mehr mit der hegemonischen
sowjetischen Bedrohung in Asien und im Pazifik
konfrontiert sind, sehen wir uns noch immer mit einer
der forderndsten militärischen Bedrohungen in Korea
und einem komplexen Gefüge erneut auftretender
und neuer Herausforderungen gegenüber. Viele
dieser Herausforderungen leiten sich aus der bevorstehenden Umgestaltung entscheidender ostasiatischer Länder ab - deren Resultat in hohem Maße die
Natur des künftigen ostasiatischen Sicherheitsumfelds
bestimmen wird. Wir sehen uns auch mit der Herausforderung einer Modernisierung der amerikanischjapanischen Beziehungen konfrontiert - dem Eckpfeiler unserer Sicherheitsposition in Ostasien und im
Pazifik. Die Interessen sind so gelagert, daß wir eine
Strategie der Stärkung bilateraler Beziehungen und
der Ermutigung multilateraler Abkommen verfolgen
müssen, während wir in die erforderlichen Ressourcen zur Aufrechterhaltung unserer vitalen Interessen
investieren und unsere unerschütterliche Entschlossenheit zum Ausdruck bringen.

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�USIA
22. Juni 1994

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT UND DAS ZEITALTER
DER DEMOKRATIE
von Penn Kemble
Der Verfasser des nachfolgenden Artikels, Penn Kemble, ist Stellvertretender Direktor des US-Informationsamts
(United States Information Agency - USIA). Der Artikel basiert auf einer Rede, die Kemble am 8. Juni 1994
bei der vom Center for Strategie and International Studies geförderten Konferenz über Öffentlichkeitsarbeit in
der Bundeshauptstadt Washington hielt.

Jede Diskussion über die Rolle der Öffentlichkeitsarbeit in unserer Außenpolitik muß von einigen
strategischen Prämissen ausgehen: Was geschieht
in der Welt nach dem Kalten Krieg und was sollten
die Vereinigten Staaten zur Förderung ihrer Werte
und Interessen unternehmen?
Heute beklagen sich viele darüber, die Probleme in
der Welt nach dem Kalten Krieg seien so neu und
kompliziert, daß die größte uns

konfrontierende

Gefahr der Impuls zu ihrer Vereinfachung darstelle.
Diese Warnung wurde vielleicht am beredtsten vor
einigen Monaten von dem renommierten George
Kennan formuliert, der den Council on Foreign
Relations vor dem Streben nach einem alles umfassenden Weltbild warnte, das die nach dem
Zusammenbruch der großen Strukturen des OstWest-Konflikts hinterlassene Leere füllen könnte.
Die Warnung Botschafter Kennans fand weithin ein
Echo: Anscheinend ist im heutigen, postmodernen
intellektuellen Umfeld nichts so sehr aus der Mode
gekommen wie Einfachheit und Klarheit. Daher ist
es mir gewissermaßen peinlich zuzugeben, daß die
von mir zugunsten der Öffentlichkeitsarbeit angeführten Argumente, die mir überzeugend scheinen, auf
Prämissen über Amerikas Stellung in der Welt
beruhen, die einfach und direkt sind.
Manche halten den Zusammenbruch des Kommunismus für etwas, das völlig unerwartet geschah - wie
die wundersame Zerschlagung der heidnischen
Armee in einer Bibelgeschichte. Über einen solchen
Eindruck sollte man nicht zu schnell spotten. Es
scheinen jedoch auch unbestreitbar irdischere Kräfte
am Werk gewesen zu sein. Diese könnten folgendermaßen zusammengefaßt werden: Die Ereignisse

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von 1989 und danach wurden durch eine internationale soziale und kulturelle Bewegung zu Demokratie
und Selbstbestimmung ausgelöst, die sowohl die
traditionellen autoritären Gesellschaften der entwikkelten Welt, als auch viele unter kommunistischer
Herrschaft befindliche Gesellschaften erfaßte.
Professor Samuel Huntington bezeichnete dies als
die "dritte Welle" einer weltweiten demokratischen
Revolution, die vor zwei Jahrhunderten begann.
Die Welt nach dem Kalten Krieg wird immer noch von
den Wogen dieser großen demokratischen Welle
geformt, die auf neue Hindernisse stößt, Reaktionen
hervorruft und in neue Domänen einbricht. Die
Vereinigten Staaten sind - mit Absicht und durch ihr
unbewußtes Beispiel - in vielerlei Hinsicht der kulturelle und politische Erzeuger dieser Demokratiewelle.
Wir haben ein starkes Eigeninteresse an ihrer Konsolidierung auf möglichst hoher Ebene.
Einige meiner Kollegen - das weiß ich aus im USInformationsamt geführten Diskussionen - halten die
oben beschriebene Weltsicht für Sehnsucht nach den
geopolitischen Gegebenheiten des Kalten Krieges:
Die bunten Landkarten freier und unfreier Länder, die
strategischen Höhen und Schwachstellen, die
Schlachten um Herz und Verstand. Die Kritiker
bringen einige Argumente an. Ihre Neigung zur
Komplexität und Verweigerung klarer Auswahl kann
auch eine Entschuldigung für Schüchternheit und
Passivität sein. Die Idee kann besänftigend und
beruhigend sein, unsere Probleme seien so neu und
verschiedenartig, daß wir sie nicht wirklich verstehen
können oder alles bis nach weiteren Untersuchungen
hinausschieben.

Seite 1

�Wenn wir jedoch zulassen, daß die internationale
Angelegenheiten definierende Herausforderung die
Aussicht auf diese weltweite Demokratiebewegung
ist, haben wir eine gute Grundlage für die Einschätzung der Wirksamkeit und zukünftigen Strategie
unserer Öffentlichkeitsarbeit.
Nachfolgend kurz
einige bei der Diskussion anzustellende Überlegungen:
1. In einer zunehmend demokratischen Welt, in der
die Kommunikationskultur der Demokratie sich auch
auf viele nichtdemokratische Gesellschaften ausgeweitet hat, muß praktisch jede wirksame Diplomatie
eine "öffentliche" Dimension haben. Die Zeiten sind
vorbei, in denen die angeblichen Nachfolger Talleyrands und Metternichs in Wagenkolonnen herumfahren, in gobelingeschmückten Sälen Demarchen
austauschen und Presse und Öffentlichkeit ausschließen konnten, bis die Zeit zur Ankündigung
einer Übereinkunft in der Öffentlichkeit gekommen
war oder ihre Hilfe bei der Beseitigung von Fehlern
nötig war. Die Diplomatie von heute muß zunächst
ein öffentliches Fundament legen und auf allen
Stufen die Unterstützung der Öffentlichkeit genießen.
Dennoch wird von einigen die öffentliche Komponente der Diplomatie als eine Art Hilfsfunktion oder
nachträgliche Überlegung angesehen. Schon vor
langer Zeit lernte ich die Maxime: "Wenn wir bei der
Bruchlandung dabei sein sollen, müssen wir auch
beim Abheben dabei sein." Erst kürzlich fand ich zum passenden Zeitpunkt - heraus, daß diese
Bemerkung erstmals vom ehemaligen USIA-Direktor
Edward R. Murrow gemacht wurde.
Zu Beginn dieser Konferenz gab Botschafter Gerald
Solomon ein gutes Beispiel dafür, warum strategische Öffentlichkeitsarbeit ein fester Bestandteil jeder
diplomatischen Initiative sein sollte. Unsere Schwierigkeiten mit Nordkorea wegen der Weiterverbreitung
mögen manchen in Asien und sogar hier zusammenhanglos, ominös und daher suspekt erscheinen. Wir
müssen hier und im Ausland größere Gruppen von
Meinungsbildnern mit dieser Angelegenheit betrauen, wenn wir wirksam handeln wollen.
2. Ein weiteres Gebiet, auf dem die Anerkennung
der Bedeutung weltweiter Demokratiebewegungen
von Nutzen sein könnte, ist unsere Neueinschätzung
der Rolle von Auslandshilfe. Die ältere, Entwicklung
in den Mittelpunkt rückende Denkweise ging allzuoft
von der Annahme aus, wir in den Vereinigten
Staaten hätten die Lösungen für die Probleme,
könnten unsere Angebote in Kisten verpacken und
in die unterentwickelte Welt verschicken. Diese
Mentalität führte zu einer "Geber"- und einer entsprechenden "Nehmer"-Kultur.

Seite 2

Es gibt Umstände, unter denen Katastrophen oder
menschliches Leiden die herkömmliche Art von
Auslandshilfe erforderlich machen. Seit langem ist
jedoch offenkundig, daß Fortschritte am effektivsten
erzielt werden, wenn die Menschen die Mittel zur
Lenkung ihrer eigenen Entwicklung beschaffen. Die
Bewegung zu Demokratie und zu freiem Unternehmertum hat den Weg zu rascherer und menschlicherer Entwicklung geebnet, als die meisten Anhänger der Auslandshilfe je für möglich hielten. Die von
uns für diese Bewegung bereitgestellte Unterstützung
ist jedoch nicht eine von Gebern an Nehmer, sondern
vielmehr Solidarität mit mehr Kollegialität und Gleichberechtigung. Statt Dämme zu bauen und Brunnen
für Menschen zu bohren, helfen wir ihnen beim
Aufbau der Institutionen und Kulturen, mit denen sie
diese Dinge selbst leisten können.
3. Eine weitere Stärke leitet sich daraus ab, daß wir
uns selbst als Teilnehmer an einer internationalen
demokratischen Entwicklung sehen, und dies besitzt
sicherlich größere Anziehungskraft für unsere Bürger
als sich selbst als Weltpolizisten oder Sozialarbeiter
zu betrachten. Die Amerikaner sind nicht in der
klassischen isolationistischen Stimmung wie in den
zwanziger Jahren - sie wollen in der Welt engagiert
sein. Die Idee, zur Verankerung der Demokratie in
anderen Ländern beizutragen, hat moralische Anziehungskraft, und - falls dies als zu hochherzig angesehen wird - muß man auch einem äußerst wichtigen
amerikanischen Wirtschaftsinteresse gerecht werden,
indem man auf neueröffnete Märkte geht. Zum
Aufgabengebiet von USIA gehört es nicht, Öffentlichkeitsarbeit unter der amerikanischen Bevölkerung zu
leisten, aber wir können und sollten das amerikanische Volk in die Vermittlung der amerikanischen
Interessen und Werte an andere einbeziehen.
Öffentlichkeitsarbeit in diesem demokratischen
Zeitalter ist das Bestreben zur Förderung der Interessen der Vereinigten Staaten durch Einflußnahme
auf die öffentliche Meinung im Ausland. Es gibt drei
Wege, mit denen wir bei USIA dies tun können:
Bildungsaustausch, Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie die Arbeit unserer Vertreter für öffentliche
Angelegenheiten, Information und Kultur auf ihren
Posten im Ausland.
Der am wenigsten verstandene, aber wertvollste
dieser drei Aspekte ist die Arbeit der USIA-Vertreter
vor Ort im Ausland. Sie sind die Kämpfer für unsere
Außenpolitik. Sie beobachten genau, wie die ausländische Öffentlichkeit auf Themenkomplexe reagiert. Sie engagieren die Presse, Dozenten und
Meinungsbildner. Sie sind uns bei der Gestaltung
unserer Austauschprogramme, Sendungen und
unserer Meinungsforschung behilflich. Heute sind sie
einer Wache vergleichbar, die die interessanteren

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�Aspekte der Welt von heute verfolgt: Die Rebellion
gegen Globalismus. Wie der französische Schriftsteller Regis Debray kürzlich in The New Crlterion
erläuterte: "... der freiere Informationsfluß erzeugt
kulturelles Selbstbewußtsein. Unser Weltdorf ist
gleichermaßen globaler und chauvinistischer. Das
eine bedingt das andere. Aus diesem Grund erleben wir ein Zeitalter des Nationalismus, Separatismus, Irredentismus und des Stammeswesens...
Auferzwungener Globalismus löst vorsätzlichen
Partikularismus aus...".
Unsere Austauschprogramme sind weitverbreitet,
obwohl wir besorgt sind, daß falsche Volkswirtschaften und der Druck auf kurzfristige Ergebnisse bei
allen außenpolitischen Aktivitäten sie schwächen
könnten. Die durch Austauschprogramme gesammelten Erfahrungen haben sich als unser kosteneffektivstes Mittel erwiesen, um potentielle Führungskräfte von einer unvoreingenommenen und sogar
positiven Sichtweise der Vereinigten Staaten zu
überzeugen. Bedenken Sie, daß sowohl F.W. de
Klerk als auch Thabo Mbecki, ehemaliger Präsident
und Stellvertretender ANC-Präsident von Südafrika,
bei Austauschprogrammen in den Vereinigten
Staaten formale Ausbildung erhielten. Oder die
bemerkenswerte Anzahl hochrangiger Vertreter in
der Regierung Salinas in Mexiko, die ihre Modernisierungsideen für die Volkswirtschaft während ihres
Studienaufenthalts in den Vereinigten Staaten
entwickelten.

Wir haben in jüngster Zeit auch gelernt, wie wichtig
Rundfunk- und Fernsehsendungen im Ausland für die
Menschen sind, die um die Bekräftigung der Demokratie in ihren Ländern kämpfen. In Krisen - wie bei
dem Putschversuch in Rußland - waren unsere
Sendungen eine entscheidende Informationsquelle für
die im russischen Weißen Haus belagerten Demokraten. Unsere Sender sind noch immer ein Bezugspunkt für die neuen unabhängigen Medien in Osteuropa oder Südafrika. Wir erhalten endlich Anerkennung für die beeindruckende Zuhörerschaft von
Radio Marti in Kuba und den Wert von Sendungen in
China. Wir leisten bemerkenswerte Ausbildungsarbeit für Rundfunk- und Fernsehleute aus den
Entwicklungsländern und der postkommunistischen
Welt.
Ein demokratisches Zeitalter produziert großen
Hunger nach Informationen, und neue Technologien
sind auf dem Vormarsch, dank deren die Sendungen
zu noch geringeren Kosten umfassender werden.
Interaktive, digitale, direkte Bild- und Tonsendungen
und die Entwicklung des multimedialen Internet sind
äußerst vielversprechend für unsere Sendungen und
Kabelfernsehübertragungen bei USIA.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Öffentlichkeitsarbeit ein Aspekt unserer Bestrebungen bei
auswärtigen Angelegenheiten zu sein scheint, der mit
einem klaren Auftrag und einer im wesentlichen
soliden Struktur das Zeitalter nach dem Kalten Krieg
beginnt. Unsere Aufgabe ist zu ermöglichen, daß
man an das 21. Jahrhundert als Demokratisches
Jahrhundert denken kann, so wie einige das 20.
Jahrhundert einmal als Amerikanisches Jahrhundert
bezeichnet haben.

*

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*

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�AIDS
22. Juni 1994

FRAUEN UND AIDS
von Jennifer Sutton
WASHINGTON - (AD) - Zu einer Zeit, in der jeder achte AIDS-Patient weiblichen Geschlechts ist - eine
beträchtliche Erhöhung im Vergleich zum vergangenen Jahrhundert - konzentrieren sich mehrere Gruppen von
Forschern in den Vereinigten Staaten insbesondere auf die Auswirkungen der Pandemie auf Frauen und die
nur ihnen zugänglichen Präventionsmöglichkeiten.
Die Verfasserin des nachfolgenden Artikels ist Redaktionsassistentin von Brown Alumni Monthly.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Brown Alumni Monthly.

1986 wurde Donna Keegan clean. Sie überwand
ihre Alkoholabhängigkeit, die in ihrer Teenagerzeit
begonnen hatte sowie einen zwölf Jahre währenden
Drogenkonsum, der ihre Welt ins Wanken brachte,
als sie zwischen 20 und 30 war. Die Zeit nach
ihrem 30. Lebensjahr würde - so hoffte sie - glücklicher verlaufen.
Die jetzt 38jährige Keegan hat zu Frieden und
Selbstvertrauen gefunden.
Sie hat eine enge
Beziehung zu ihrer 15jährigen Tochter, und vor zwei
Jahren verliebte sie sich und heiratete erstmals. Die
große kräftige Frau mit den rosigen Wangen, der
modischen blonden Frisur und dem entschiedenen,
selbstbewußten Auftreten sieht aus wie das blühende Leben. Sie spricht schnell und ihre blauen
Augen sprühen, als sie ihre Lebensgeschichte
erzählt.
Eines der jüngsten Kapitel handelt von Keegans
Kampf um angemessene Gesundheitsfürsorge
angesichts einer entsetzlichen Krankheit. Nachdem
sie sich einer Entgiftungskur unterzogen, ihr Leben
wieder in die Hand genommen, erneut die Schule
besucht und einen neuen Arbeitsplatz gefunden
hatte, bekam Keegan eine hartnäckige Pilzinfektion.
Medikamente zur Pilzbekämpfung halfen eine
Zeitlang, aber sobald Keegan eine der vielen verschriebenen Behandlungen beendet hatte, bekam
sie die Infektion erneut. Im Verlauf der nächsten
Jahre litt sie unter weiteren chronischen Krankheiten,
einschließlich einer Nebenhöhleninfektion, Soor (eine
orale Pilzinfektion bei Neugeborenen), Hautausschlägen, Neuropathie (ein Nervenleiden an Händen
und Füßen) sowie Gelenkentzündungen. Ende 1988
wies ein Abstrich auf eine Cervixdysplasie hin, die

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sich innerhalb von fünf Monaten zu Krebs entwickelte
und eine operative Entfernung der Gebärmutter
erforderlich machte.
Obwohl bekannt war, daß Keegan früher drogenabhängig war und ungeschützten Geschlechtsverkehr
hatte, testeten die Ärzte ihres Gesundheitsamtes sie
nicht auf das Immunschwächevirus HIV (Human
Immunodeficiency Virus), das AIDS verursacht. Sie
untersuchten Keegan mehrmals - mit negativem
Ergebnis - wegen Verdacht auf Lupus und behandelten wiederholt ihre Pilzerkrankungen, ohne nach der
Ursache zu forschen. Als Keegan die naheliegende
Frage stellte, warum sie ständig krank sei, versicherten sie ihr, daß es nichts Gravierendes sei.
"Ich war ständig in Arztpraxen, aber die Ärzte hatten
keine Ahnung davon, daß mein Leiden Warnzeichen
einer HIV-Infektion war", erklärte Keegan. "Sie
behandelten mich wie Abschaum. Immer wenn ich
eine Frage stellte, die sie nicht beantworten konnten,
wurden sie sehr distanziert. Schließlich entwickelte
ich eine Abscheu gegen Arztbesuche, denn nach
jedem Besuch fühlte ich mich schlechter als vorher,
wie ein schlechter Patient."
Schließlich vermutete Keegan selbst die richtige
Diagnose. Im Herbst 1990 ging sie in Boston zu
einer Einrichtung für anonyme AIDS-Tests, und das
Ergebnis war in großer roter Schrift auf ein Blatt
Papier gestempelt: positiv.
Da Keegan während ihrer Alkohol- und Drogenabhängigkeit so viele Risiken eingegangen war,
wußte sie nicht, wann und wie das Virus in ihren
Körper gelangt war. Es können unsaubere Spritzen

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�oder ungeschützter Geschlechtsverkehr gewesen
sein oder Bluttransfusionen während ihrer zahlreichen Operationen, bevor die medizinischen Einrichtungen Mitte der achtziger Jahre die Kontrolle
der Blutkonserven begannen.
Ungeachtet dessen, wie Keegan sich HlV-infizierte,
ist sie der Ansicht, daß es mindestens vier Jahre
unentdeckt in ihrem Körper schlummerte. Unglücklicherweise ist ihre Erfahrung typisch für HIV-Trägerinnen. Das Virus hat auf Frauen andere Auswirkungen als auf Männer und manifestiert sich oft in
gynäkologischen Erkrankungen. Obwohl Keegan ein
Schulbeispiel war - chronische Pilzinfektionen, Soor,
Gebärmutterhalskrebs - wird das Lehrbuch erst jetzt
geschrieben. Es wird noch relativ wenig Forschung
über die Auswirkungen von AIDS auf Frauen betrieben, wenn man diese mit der Forschung an Homosexuellen und intravenös Drogen spritzenden Männern vergleicht, und nur wenige Ärzte sind in der
Lage, bei Frauen die ersten Symptome zu erkennen.
Erst im Januar 1993 setzten die Zentren für Seuchenkontrolle und -Verhütung (Centers for Disease
Control and Prevention - CDC) invasiven Gebärmutterhalskrebs auf die offizielle Liste der US-Regierung
von AIDS-typischen Krankheiten.
Nach erfolgter Diagnose hätte Keegan vielleicht
erwarten können, daß sich ihre Behandlung verbessern würde. Als sie jedoch auf ihrem Gesundheitsamt eine Überweisung zur psychologischen Behandlung anforderte, fragte ihr Arzt sie, warum sie meine,
eine Beratung zu benötigen. Als sie sich entschloß,
den Arzt zu wechseln, warnte ihr neuer Arzt sie, er
"wolle nicht als der AIDS-Doktor bekannt werden".
Aus Sorge über die mangelnde Sensibilität der
Gesundheitsbehörde brachten ein Priester und der
ihre AIDS-Beratungsgruppe leitende Sozialarbeiter
sie in Kontakt mit Dr. Charles Carpenter, einem
Professor für Medizin an der Brown University in
Providence (Rhode Island). "Ich hatte schreckliche
Angst", erinnert sich Keegan. "Dies war mein dritter
Arzt, und sollte es dieses Mal nicht klappen, würde
ich mich wirklich wie ein schlechter Patient fühlen."
Im Dezember 1990 ging Keegan zu Carpenter. "Ich
versuchte ihm zu erklären, wie ich mich fühlte und
was geschehen war. Und er hörte mir geduldig zu."
"In den meisten Landesteilen entdecken die Frauen
erst in einem späteren Stadium der Krankheit, daß
sie HIV-positiv sind", erklärt Carpenter in seinem
Büro im Miriam Hospital von Providence, wo er
Chefarzt ist. "Dann kann ihnen meistens schon nicht
mehr viel geholfen werden."

Seite 2

Carpenter ist ein über 1,80 Meter großer, eckiger
Mann im weißen Arztkittel. Seine Stimme macht ihn
weicher: leise und tief mit der Spur eines Südstaatenakzents. Carpenter, der vor der Entdeckung des
HI-Virus Anfang der achtziger Jahre ein renommierter
Fachmann für Cholera-Erkrankungen war, kam 1986
von der Case Western Reserve University in Cleveland (Ohio) nach Brown. Davor war er an der Johns
Hopkins University in Baltimore (Maryland) tätig.
Jetzt teilt er seine Zeit auf zwischen seinen Patienten
in der AIDS-Klinik des Miriam Hospital, Vortragsreisen
im ganzen Land, oft in die Bundeshauptstadt Washington, wo er Vorsitzender des Beratungskomitees für
das AIDS-Programm des Nationalen Gesundheitsdienstes (National Institutes of Health - NIS) der
Vereinigten Staaten ist, und der Überwachung von
HIV-Forschungsprojekten im Rahmen des AIDSProgramms der Brown University (Brown University
AIDS Program - BRUNAP), zu dessen Direktorium er
gehört.
BRUNAP wurde von Dr. Kenneth Mayer, einem
außerordentlichen Professor für Medizin, ins Leben
gerufen. Der für ansteckende Krankheiten im Memorial Hospital im nahegelegenen Pawtucket verantwortliche Arzt, der auch Vorstandsmitglied der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung ist, begann seine
medizinische Karriere in Boston gerade zu dem
Zeitpunkt, als das HI-Virus homosexuelle Männer
befiel. Mayer kam 1983 an die Brown University und
gründete 1988 das AIDS-Programm, um die medizinische Fakultät, die sich auf dem Campus mit HIV und
AIDS befaßte, mit den acht der Brown University
angehörenden Krankenhäusern zu verbinden. Dieser
interdisziplinäre Ansatz ermöglichte dem Programm
eine Kombination des Fachwissens von Forschern,
Psychiatern, Gynäkologen, Kinderärzten, Internisten
und anderen. "AIDS ist ein perfektes Beispiel dafür,
wie Brown am besten arbeitet", erklärt Mayer. "Alle
werden einbezogen. Das Ganze ist stärker als die
Summe der Einzelteile."
BRUNAP ist eine von landesweit etwa einer Handvoll
Forschungsgruppen, die sich mit HlV-infizierten und
an AIDS erkrankten Frauen befassen. Von den unter
der Schirmherrschaft von BRUNAP durchgeführten
gemeinsamen Programmen ist das derzeit größte die
epidemiologische Forschungsstudie zu HIV (HIV
Epidemiology Research Study - HERS), eine Untersuchung des natürlichen Verlaufs von HIV-Infektionen
und AIDS bei mehreren hundert Frauen in Rhode
Island und dem Südosten von Massachusetts. Die
von den Zentren für Seuchenbekämpfung und -Verhütung sowie dem Nationalen Gesundheitsdienst
finanzierte Forschung an der Brown University und
drei anderen Forschungszentren führte zur ersten
Studie ihrer Art, die sich ausschließlich mit Frauen
befaßt.

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�Für Donna Keegan ist solche Forschung längst
überfällig. Während der ersten Jahre, in denen sich
die Epidemie in den Vereinigten Staaten ausbreitete,
war das Verhältnis zwischen an AIDS erkrankten
Männern und Frauen 20 zu 1. Inzwischen beträgt
es 7 zu 1, und in den armen Stadtteilen, im ländlichen Süden und unter Teenagern beträgt es fast 1
zu 1. Dokumenten des amerikanischen Gesundheitsministeriums zufolge kam vor 1987 eine an
AIDS erkrankte Frau auf neun Männer, 1992 war
das Verhältnis 1 zu 3.
Viele dieser Frauen stecken sich durch den Drogenkonsum mit dem HI-Virus an, aber immer mehr
werden von ihren männlichen Sexualpartnern Ehemännern, Freunden, Freiern angesteckt, die sich
Drogen injizierten oder es noch tun. Die Statistiken
sind erschreckend. Vor 1988 waren 22 Prozent der
AIDS-Infektionen unter von den Ärzten der Brown
University überwachten Frauen in Rhode Island und
dem südöstlichen Massachusetts auf heterosexuelle
Übertragung zurückzuführen; seit 1991 sind es 75
Prozent. Mayer prognostiziert, daß die Mehrheit
aller neuen örtlichen Fälle von HIV-Infektionen im
kommenden Jahr auf sexuelle Aktivitäten zwischen
Männern und Frauen zurückzuführen sein wird. Man
kann nicht genau sagen, wieviele Frauen in der
Region mit dem HI-Virus infiziert sind, Carpenter
schätzt jedoch, daß die Ärzte der Brown University
neunzig Prozent behandeln. Die meisten von ihnen
sind arm.

Da die Bevölkerung von Rhode Island überwiegend
aus Weißen besteht, behandeln die Ärzte der Brown
University einen kleineren Anteil von Minderheiten
angehörenden Frauen als die meisten städtischen
Kliniken und Krankenhäuser, wo drei Viertel der
Patienten Minderheiten, vorwiegend aus Afrika und
Lateinamerika, angehören. Die Angehörigen von
Minderheiten im Südosten von Neuengland infizieren
sich zu einem überdurchschnittlich hohen Prozentsatz mit dem Virus: Sie machen ein Zehntel der
Bevölkerung aus, jedoch ein Drittel der HlV-Infizierten.
HlV-infizierte Frauen haben nicht unbedingt häufig
wechselnden Geschlechtsverkehr. Die Patienten
Carpenters, die sich das Virus durch heterosexuellen
Geschlechtsverkehrzuzogen, "rangieren von Universitätsprofessorinnen und Geschäftsfrauen bis zu
sozialhilfeabhängigen Frauen", erklärt er.
"Sie
hatten einfach zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit eine Beziehung zu einem HlV-infizierten Mann."
Die an der HERS-Studie teilnehmenden Frauen, die
sich das Virus durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr zuzogen, hatten in den vergangenen zehn
Jahren im Durchschnitt zwei Sexualpartner.

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Angesichts eines solch gemäßigten Sexuallebens
wissen mit dem HI-Virus infizierte Frauen oftmals
nicht, daß sie gefährdet waren und sehen daher
keinen Grund, einen Test zu machen. Einige mögen
sich der gefährlichen Gewohnheiten ihres Partners
bewußt gewesen sein, aber die Angst vor HIV und
seiner Auswirkungen auf die Familie hielten sie davon
ab, sich einem Test zu unterziehen. Oder sie verließen sich, wie Donna Keegan, auf Ärzte, die so
wenig über die Auswirkungen des Virus auf Frauen
wissen, daß sie keine frühzeitige Diagnose stellen
können.
Beckenentzündungen und wiederkehrende Scheideninfektionen sind mögliche Symptome von HIV, und
die BRUNAP-Gynäkologin Susan Cu-Uvin vom
Miriam Hospital fand heraus, daß bei HlV-infizierten
Frauen die Wahrscheinlichkeit abnormer Abstriche die ein Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium sein können - dreimal so groß ist wie bei
ihren Geschlechtsgenossinnen, die nicht Virusträgerin
sind. Als AIDS und HIV erstmals von den Zentren für
Seuchenbekämpfung definiert wurden, war die
Krankheit erst bei wenigen Frauen ausgebrochen,
und die offizielle Angabe von Symptomen basierte
auf dem männlichen Immunsystem.
Bevor die
Zentren für Seuchenbekämpfung im Januar 1993 ihre
Definition auf den neuesten Stand brachten, wurde
ein unter dem Kaposi-Sarkom leidender homosexueller Mann als AIDS-Infizierter verzeichnet, eine Frau
wie Donna Keegan, die unter Gebärmutterhalskrebs
und jahrelangen Unterleibserkrankungen litt jedoch
nicht.
Die Epidemiologin Sally Zierler, außerordentliche
Professorin an der medizinischen Fakultät der Brown
University, stellt fest:
"Alle Fragen über die von
Frauen gemachten Erfahrungen mit dem HI-Virus
werden vor dem Hintergrund der männlichen Erfahrung gestellt. Dies setzt voraus, daß es nichts
außerhalb der Erfahrungswelt des Mannes gibt, was
einfach nicht stimmt." Zierler, die auch dem Direktorium des AIDS-Programms der Brown University
angehört, meint nicht nur die medizinischen Symptome. Es gibt eine Welt sozialen Drucks, der
Frauen für das Virus und seine Nachwirkungen
besonders anfälllig macht, von denen Männer - falls
überhaupt - nur selten betroffen sind.
Die meisten Kulturen gestehen Männern mehr
sexuelle Freiheiten zu als Frauen. Wenn ein Junge
als Teenager mit mehreren Partnern Geschlechtsverkehr hat, wird er für einen Macho gehalten, während
ein Mädchen wahrscheinlich als Nutte gebrandmarkt
würde. Von Frauen wird erwartet, daß sie sich "gut"
benehmen, ihre Sexualität verstecken. Aber selbst
eine monogame Frau ist nicht sicher vor dem HIVirus. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, sich

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�durch heterosexuellen Kontakt mit dem Virus zu
infizieren, dreimal so hoch wie bei Männern, aber
Frauen müssen sich zur Verhütung einer Anstekkung auf Kondome verlassen - und auf die Bereitschaft des Partners zu ihrer Benutzung. Wenn der
Mann eine heterosexuelle Beziehung dominiert,
fürchtet die Frau vielleicht, daß er Gewalt anwendet
oder sie verläßt, wenn sie auch nur den Vorschlag
zum Schutz vor dem HI-Virus macht. Das gilt
insbesondere für Frauen, die mißbraucht wurden.
"Einer Frau zu sagen, sie solle auf der Verwendung
eines Präservativs bestehen, ist im besten Fall
sinnlos, bisweilen jedoch auch gefährlich", so Zierler.
"Man versteht nicht, was für eine harte Probe das für
sie ist. Es dreht sich alles um die Machtfrage.
Wenn sie sagt, sie wünsche die Verwendung eines
Kondoms, läßt das die Schlußfolgerung zu, sie
ergreife die Kontrolle, was sie eigentlich nicht tun
sollte. Sie legt damit dem Mann eine Beschränkung
auf und äußert sich zu seinem Verhalten. Wenn
man das so interpretiert, daß sie die Entscheidungen
trifft, verletzt sie die Spielregeln."
Die Forscher an der Brown University und im ganzen Land sind der einhelligen Ansicht, daß Frauen
neben Kondomen andere Optionen benötigen. Bei
der internationalen AIDS-Konferenz, die im Sommer
1993 in Berlin stattfand, gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, die Suche nach einer
von Frauen kontrollierten Methode zur Eindämmung
des HI-Virus stehe an oberster Stelle ihrer Prioritätenliste.
Leider sind einige Frauen der Ansicht, ihr Leben sei
es nicht wert, gerettet zu werden. Viele HlV-infizierte Frauen mußten mit verbaler, körperlicher und
sexueller Mißhandlung leben, mit instabilen Beziehungen, Drogen, Alkohol und bisweilen Prostitution.
"Ihr Selbstwertgefühl ist gleich Null", stellt Dr. Robert
Boland fest, der Lehrbeauftragter für Psychiatrie ist
und im Miriam Hospital HlV-Infizierte und AIDSPatienten berät. "Sie hatten sehr viel Pech in ihrem
Leben, und HIV ist nur ein weiteres Übel, mit dem
sie fertigwerden müssen."

In einer 1991 veröffentlichten Studie kam Zierler zu
dem Schluß, Frauen, die in ihrer Kindheit mißbraucht
wurden, neigten eher dazu, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und Drogenkonsum der
Gefahr einer HIV-Infektion auszusetzen als Frauen,
die nie mißbraucht wurden. Sie "entfernen" sich von
ihren Körpern, um mit dem Mißbrauch umgehen zu
können, so Zierler, und es ist für sie schmerzlich zu
lernen, daß ihr Körper Pflege und Aufmerksamkeit
benötigt. Unter Mißbrauch leidende Frauen werden
auch von der Gesellschaft dazu gebracht zu denken,
alles sei ihre eigene Schuld - einschließlich des

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Virus. Boland erklärt: "Homosexuelle Männer haben
generell die Einstellung: 'Warum gerade ich? Womit
habe ich das verdient?' Sie ärgern sich. Frauen
wiederum haben allzuoft das Gefühl, sie hätten das
verdient. Ihnen wurde beigebracht, sie seien schlecht
und hätten den Tod verdient."
Frauen haben jedoch Kinder, für die gesorgt werden
muß. Mehr als 90 Prozent der Patientinnen, um die
sich die Ärzte der Brown University kümmern, haben
Kinder, von denen die meisten nicht mit dem Virus
infiziert sind. Diese Mutterpflichten schaffen einen
enormen Unterschied zwischen Männern und Frauen
beim Umgang mit HIV: "Das Leben der Frauen kreist
um ihre Kinder, bei Männern ist das nicht der Fall",
so Theresa Fiore, Krankenschwester im Miriam
Hospital, die in der AIDS-Klinik arbeitet. "Wenn eine
Mutter niemanden findet, der auf ihre Kinder aufpaßt,
oder sie sich keinen Babysitter leisten kann, wird sie
nicht in eine Klinik oder Beratungsgruppe gehen."
Carpenter stimmt zu, daß dies das größte Hindernis
bei der Versorgung HlV-infizierter Frauen in den
Vereinigten Staaten sei. "Die Sorge um die Kinder
hat Vorrang vor der Sorge um die eigene Person."
Da BRUNAP HIV-positive Frauen als Familieneinheit,
nicht als Einzelpatient behandelt, bemühen sich Ärzte
und Krankenschwestern, Informationen über Kinderbetreuung, Kinderärzte, kostenlose Beförderung und
Sozialdienste zu erhalten. Dr. Peter Smith, medizinischer Lehrbeauftragter und Direktor des Zentrums für
Hämatologie sowie des AIDS-Programms für Kinder
im Rhode Island Hospital, behandelt HlV-infizierte
Mütter und Kinder. Mitte der achtziger Jahre war er
Mitbegründer des FACTS House (Familiy AIDS
Center for Treatment and Support), das kurzfristige
Unterbringung, Kinderbetreuung und medizinische
Versorgung anbietet. Dr. Kevin Vigilante, Lehrbeauftragter an der medizinischen Fakultät und Arzt am
Miriam Hospital, erhielt kürzlich Gelder für die Inbetriebnahme einer ambulanten Klinik in Providence, die
sich um HIV-negative, gerade aus dem Gefängnis
entlassene Frauen kümmern soll. Die kostenlose
medizinische Versorgung der Frauen und ihrer Kinder
sowie soziale Leistungen werden sie von Drogen und
Prostitution und damit letztlich von HIV fernhalten,
hofft er.
Wenn sich eine Frau jedoch mit dem Virus infiziert,
was geschieht dann mit ihren Kindern? Als Donna
Keegan entdeckte, daß sie Virusträgerin ist, galt ihr
erster Gedanke ihrem Kind, nicht der eigenen Person. "Mir schoß sofort durch den Kopf, 'Oh Gott, ich
werde nicht erleben, wie meine Tochter ihr Abitur
macht'", erinnert sie sich. "Erst danach dachte ich,
'Oh Gott, ich werde sterben'".

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�"Meines Erachtens gehen Frauen damit um wie mit
Brustkrebs", meint Carpenter. "Wenn eine Frau, die
Kinder hat, Brustkrebs bekommt, macht sie alle
möglichen Therapien mit, um ihre Kinder durchs
College zu bringen."
Manche Frauen leben jedoch nicht mehr so lange.
In einem 1992 verfaßten Artikel für Scientific
American bezeichneten Carpenter und Mayer AIDS
als "Großmutter-Krankheit", weil in Afrika die an
AIDS sterbenden Frauen oft darauf angewiesen
sind, daß ihre Mütter die Waisen aufziehen. In den
Vereinigten Staaten sind die Großmütter oft nicht
verfügbar, da weniger Großfamilien eng zusammen
wohnen und viele Familien ein HlV-infiziertes oder
an AIDS erkranktes Mitglied ausgrenzen. Marianne
(Name geändert), eine Patientin von Dr. Carpeter,
die sich vor acht Jahren mit dem HI-Virus infizierte,
erzählt, ihre Mutter hätte sie die Treppe hinuntergestoßen und enterbt, als sie ihr von ihrer HIV-Infektion
erzählte. Mariannes Tochter ist 20 Jahre alt, hat ein
Baby und ist unabhängig, ihr 15jähriger Sohn geht
jedoch noch zur Schule und hat keine anderen
Verwandten, die sich um ihn kümmern könnten.
Marianne weiß nicht, was aus ihm werden soll, wenn
sie stirbt. "In diesem Alter ist es für ein Kind so
wichtig, eine Mutter zu haben", äußert sie. "Ich wäre
gerne sicher, daß sich jemand um ihn kümmert, aber
das kann nicht ich sein."

Frauen könnten sich ihrer Krankheit verweigern. Eine
Schwangerschaft könnte ihren Optimismus widerspiegeln. HIV oder nicht HIV - Kinder spielen bisweilen eine Rolle dabei, eine Beziehung realer zu
gestalten, und HlV-Infizierte haben das gleiche
Bedürfnis wie jeder andere Mensch, sich auf der Welt
nicht alleine zu fühlen. Zweifelsohne wollen wir den
von uns behandelten Menschen nicht ihre Menschlichkeit nehmen, wir wollen lediglich, daß sie sich der
Implikationen bewußt sind."
Bis vor kurzem nahm eine Schwangerschaft einer
Frau die Berechtigung auf viele Behandlungen mit
AIDS-Medikamenten und anderen Arzneimitteln,
vorwiegend weil die Pharmahersteller sich vor einen
Prozeß fürchteten, falls ihr Produkt Geburtsfehler
verursachen sollte. Obwohl die Ärzte der Brown
University diese Ansicht verstehen, stellen sie sicher,
daß ihre medikamentöse Behandlung allen offensteht.
"Frauen sollten nicht wegen ihrer Schwangerschaft
bestraft werden", insistiert Cu-Uvin.

Trotz der Tatsache, daß viele HlV-infizierte Frauen

"Unsere oberste Pflicht als Mediziner besteht darin,
das Leben der Frau zu schützen, und sie hat das
Recht auf die Entscheidung, ob sie Medikamente
gegen das HI-Virus nehmen will. Unsere Verantwortung besteht darin, ihr möglichst viel Information zur
Verfügung zu stellen, damit sie auf dieser Grundlage
eine bewußte Entscheidung treffen kann. Darum
geht es uns. Den Pharmaunternehmen geht es nur
um den Schutz ihrer eigenen Interessen", so Mayer.

ihre Kinder nicht mehr aufwachsen sehen, möchten
einige gerne schwanger werden. Ein Viertel der von
den BRUNAP-Ärzten behandelten Patientinnen
gaben an, sie würden eine Schwangerschaft auf sich
nehmen, selbst auf die Gefahr hin, daß ihr Baby
HIV-positiv auf die Welt kommen würde. "Das
überrascht mich nicht, denn wir alle wissen, daß der
Wunsch nach Kindern, nach Familie groß ist", so
Mayer. "Es unterstreicht jedoch, warum es für uns
so schwierig sein wird, diese Epidemie unter Kontrolle zu bringen." Die Statistiken variieren, es
kommen jedoch zwischen einem Sechstel und einem
Drittel aller Babys HIV-positiver Mütter infiziert auf
die Welt. Dr. Gail Skowron, medizinischer Lehrbeauftragter und Experte für ansteckende Krankheiten am Roger Williams Medical Center in Providence
erforscht, warum das Virus von einigen Müttern an
ihre Babys weitergegeben wird und von anderen
nicht, und zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft oder Geburt die Weitergabe erfolgt. "Wir
haben es noch nicht herausgefunden, und ich weiß
nicht, ob wir die Antwort bald haben werden", warnt
sie.

Diese Art von engstirnigem Denken will Donna
Keegan verändern. Sie hat ihre tödliche Krankheit
zum Anlaß genommen, einen Kreuzzug gegen
Ignoranz und Diskriminierung zu führen und wandelte
ihr Elend in Aktivität um. Ihr Terminkalender strotzt
von Zusammenkünften und Verpflichtungen. Sie
besucht High Schools und hält Vorträge über das HIVirus, manchmal alleine, bisweilen in Begleitung von
am BRUNAP teilnehmenden Medizinstudenten.
Ferner vertritt sie die Stadt Massachusetts bei einem
AIDS-Beratungsausschuß des Gesundheitsministeriums und ist im Vorstand der gemeinnützigen AIDSAntidiskriminierungs-Initiative von Massachusetts. Im
Sommer reiste sie nach Washington, wo sie mit
Carpenter an einer Konferenz des nationalen Gesundheitsdienstes teilnahm und gegenüber den
Pharmaforschern die Einstellung des Konsumenten
vertrat. "In Wirklichkeit ist es selbstsüchtig", äußert
sie. "Die Menschen behaupten, es sei so toll, daß
wir das alles unternehmen. Meines Erachtens ist es
eine Art Selbstschutz. Ich weigere mich, mich wegen
etwas zu schämen, um das ich nicht gebeten habe."

Einigen Frauen scheint jedoch die Sache das Risiko
wert zu sein. "Ein Kind zu bekommen, kann etwas
sehr Lebensbejahendes sein", so Mayer. "Die

Keegan ist sich bewußt, daß sie zu denen gehört, die
Glück haben. Ihre Gesundheit ist noch stabil. Sie
nimmt Medikamente gegen das Virus, obwohl sie

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�nicht weiß welche, da sie Teil eines Forschungsprojekts sind. Sie kann mit den gelegentlichen
Kopfschmerzen, Hautausschlägen und Darmproblemen umgehen und bezeichnet sie als "nichts Gravierendes". Und sie spricht mit ihrer Tochter über die
Zukunft. "Während der ersten sechs Monate wollte

sie nicht über meine HIV-Infektion sprechen und mir
nicht einmal zuhören, wenn ich darüber redete", so
Keegan. "Wir sprechen jetzt über bizarre Dinge, etwa
wo ich beerdigt werde und was ich dabei tragen soll.
Es ist unheimlich und schmerzlich, aber es ist gesund. Es ist die Realität."

* * * * *

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan erläutert Nichtweiterverbreitungspolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verbesserung der regionalen und globalen Stabilität erforderlich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanischer NATO-Botschafter fordert stärkere Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von W. Tapley Bennett in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden sich protektionistischen Forderungen widersetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zinssätze sind nicht Hauptursache der Stärke des Dollars&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alternativenergien sind notwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Studie über neue und erneuerungsfähige Energie für UN-Konferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verlockungen der Medizin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mehr Vorsicht in der Anwendung moderner Diagnose- und Therapieverfahren bei älteren Patienten geboten -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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AMERIKA DIENST

26

2 2 . J u l i 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf
- US-Außenminister Shultz vor dem Weltsicherheitsrat -

Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter -

HINTERGRUNDMATERIAL

Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?
•

- Von Kenneth L. Adelman -

HINWEIS: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion
* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

22. Juli 1987

26

UN-RESOLUTION FÜR GERECHTEN UND DAUERHAFTEN FRIEDEN AM GOLF
- US-Außenminister Shultz vor dem UN-Sicherheitsrat VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen Außenminister
Shultz zufolge strebt die internationale Staatengemeinschaft nach einem gerechten und dauerhaften Frieden am Persischen Golf, "ohne Sieger und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers".
In seinen Ausführungen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur
Erklärung der amerikanischen Haltung gegenüber der Resolution zum Konflikt
zwischen Iran und Irak erklärte Shultz am 20. Juli 1987 außerdem, daß der
Krieg "neue und ernste Gefahren für die regionale Stabilität, für das Wohlergehen der nicht am Krieg beteiligten Staaten und in der Tat für den Weltfrieden darstellt".
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin heute aus einem zwingenden Grund zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gekommen: um mich an
seiner entschlossenen Aktion zur Beendigung
des
verheerenden
Krieges
zwischen Iran und Irak zu beteiligen.
Dieser Konflikt hätte niemals begonnen werden dürfen.
Sein Andauern
sollte nicht gestattet werden. Meine
Regierung kann einfach nicht erkennen, wie den Interessen des Irak oder
des Iran oder der internationalen
Staatengemeinschaft durch die Verlängerung dieses gefährlichen und zerstörerischen Konflikts gedient sein

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Embassy of the United States of America

könnte.
Im September wird dieser Krieg in
sein achtes Jahr gehen. Die blutigen
Kämpfe dauern nun schon länger als
der Erste oder der Zweite Weltkrieg.
Sie haben einen außergewöhnlich hohen
Tribut
an Menschenleben gefordert,
über eine Million Menschen - Zivilisten wie auch Soldaten - sind getötet oder verwundet worden.
Städte
sind durch Artillerie und Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht worden.
Chemische Waffen wurden benutzt, und
diese machen keinen Unterschied zwi-

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�sehen Kombattanten und Nichtkombattanten,
wodurch
dem
unendlichen
menschlichen Leid ein weiteres grauenhaftes Element hinzugefügt wird.
Die wirtschaftliche Infrastruktur
beider Länder wurde verwüstet.
Der
Konflikt hat das soziale und kulturelle Gefüge erschüttert, das die Lebensweise der Völker des Irak und des
Iran bestimmt. Dem reichen kulturellen Vermächtnis beider Nationen wurde
schwerer
Schaden
zugefügt.
Keiner
der Kriegführenden kann diesen Krieg
gewinnen, und beide Seiten zerstören
ihren wertvollsten Reichtum, ihre Jugend.
Trotz
jahrelangen
erbitterten
Kampfes kann keine Seite dieses zermürbende Patt durchbrechen. Sein Andauern und die Gefahr einer weiteren
Eskalation bedrohen auch die internationale Staatengemeinschaft im weiteren Sinne. . Der Konflikt stellt neue
und ernste Gefahren für die regionale
Stabilität, das Wohlergehen der nicht
am Krieg beteiligten Staaten und in
der Tat für den Weltfrieden dar.
Denken Sie nur an die zunehmende Zahl
von Angriffen auf die internationale
Schiffahrt im Golf.
Denken Sie an
die vermehrten Terrorangriffe und andere Formen der Aggression, die sich
gegen nichtkriegführende Staaten in
der Region richten.
Diese um sich
greifende Bedrohung darf nicht begünstigt werden.
Zu viele haben gelitten, und zu
viel steht auf dem Spiel. Im Namen
der Menschlichkeit, im Interesse der
kriegführenden und der nichtkriegführende Staaten der Region, im Namen
des Weltfriedens und der Sicherheit
hat sich die internationale Staatengemeinschaft
zusammengefunden,
um
Einhalt
zu gebieten.
Stoppt
den
Krieg jetzt.

- 2

Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen wurde ins Leben gerufen, um
gerade diese Art von Konflikten zu
unterdrücken.
Die heute zur Verabschiedung
vorliegende
Resolution
stellt eine wirkungsvolle Aktion der
internationalen
Staatengemeinschaft
dar, um einen sofortigen Waffenstillstand zu bewirken und den Rahmen für
einen
Friedensschluß
zu
schaffen.
Der Generalsekretär hat bei der Beschleunigung des beispiellosen Prozesses, der zur Verabschiedung dieser
Resolution gemäß den Bestimmungen von
Kapitel VII der UN-Charta führte,
eine
entscheidende Rolle gespielt.
Er hat die ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates aufgefordert, ihrer
besonderen Verantwortung gerecht zu
werden.
Dies haben wir getan, und
der Rat als Ganzes hat in dem kollegialen Geist gearbeitet, wie er den
Vorstellungen der Begründer der Vereinten Nationen bei deren Schaffung
entsprach.
Mit dieser bindenden Resolution
strebt die internationale Staatengemeinschaft
danach,
einen
systematischen Rahmen für einen gerechten
und dauerhaften Frieden ohne Sieger
und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers zu schaffen. Die Resolution ist peinlich ausgewogen.
Deshalb fordere ich die Regierungen der
Republik Irak und der Islamischen Republik Iran auf, ihre Bestimmungen
vollständig und umgehend einzuhalten
- in ihrem eigenen Interesse und in
Erwiderung
des eindeutigen
Mandats
der
internationalen
Staatengemeinschaft.
Die Resolution verlangt einen sofortigen Waffenstillstand, die Einstellung aller militärischen Handlungen und den unverzüglichen Abzug aller Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen. Die Re-

�Solution leitet außerdem einen Heilungsprozeß ein, indem sie den baldigen Austausch von Gefangenen und internationale
Bemühungen
zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem
Krieg fordert. Die Resolution überträgt dem Generalsekretär eine besondere Verantwortung beim Zustandekommen des Waffenstillstandes und des
Truppenrückzuges, der Entsendung einer Beobachtergruppe zur Bestätigung
und Überwachung von Waffenstillstand
und Rückzug sowie zur Beaufsichtigung
der Durchführung anderer Bestimmungen
der Resolution.
Es ist bedeutsam,
daß die Resolution die Entscheidung
des Rats enthält, sich wieder zu
treffen, um weitere Schritte zur Sicherstellung ihrer Befolgung in Betracht zu ziehen.
Als Erstes und
Vornehmstes muß das Töten aufhören.
Sofort.
Die Resolution wird gemäß den
strengsten Verfügungen der Charta der
Vereinten Nationen - Kapitel VII, Artikel 39 und 40 - verabschiedet. Im
Rahmen des Völkerrechts ist ihre Einhaltung daher
bindend.
Schon die
Verabschiedung dieser rechtsverbindlichen Entschließung ist ein historischer Schritt an sich. Und dennoch
ist ihre Annahme erst der Beginn.
Die Verantwortung für die Einhaltung
liegt
grundsätzlich
bei
Irak
und
Iran.
Unterstützt von den Mitgliedern des Sicherheitsrates und allen
anderen Organen der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär - dem
wir volles Vertrauen entgegenbringen
- wirksame Maßnahmen zur Erleichterung
ihrer Durchsetzung
ergreifen.
Präsident Reagan hat dem Generalsekretär
seinen persönlichen Beistand
für die vor uns liegenden entscheidenden Wochen zugesagt. Die amerikanische Regierung ist bereit, sich mit
anderen zur Unterstützung seiner Bemühungen zusammenzutun.

Meine Regierung ist entschlossen,
diese bindende Resolution nicht zu
einer inhaltslosen Hülle werden zu
lassen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinten Nationen als Organisation für den Frieden aufkommen
läßt.
Wir sind voller Hoffnung und
Vertrauen, daß die heutige Entscheidung respektiert wird.
Gleichzeitig
unterstützen wir jedoch auch die entschiedene Anwendung von Maßnahmen zur
Durchsetzung
dieser
Entscheidung,
sollte die eine oder andere Partei
der
Aufforderung
dieses
Gremiums
nicht Folge leisten.
Die Regierungen von Irak und Iran
sind es ihren Völkern, ihren Kindern
und der übrigen Welt eher schuldig,
einen Weg zur Annahme dieser umfassenden Verfügung zu finden als diese
abzulehnen. Wenn sie diese befürworten, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten bis hin zur Rolle der Vereinten Nationen bei der Bewahrung des
Friedens in der Region. Meine Regierung
unterstützt
in vollem Umfang
diese mögliche Rolle der Vereinten
Nationen sowie andere internationale
Bestrebungen, die den Abbau von Gewalt und die Wiederherstellung von
Frieden, Stabilität und der gucen Beziehungen in dieser lebenswichtigen
Region der Welt zum Ziel haben.
Lassen Sie mich hier einige Worte
zur Haltung meiner Regierung gegenüber den sich im Konflikt befindlichen Parteien hinzufügen.
In der
Vergangenheit hatten wir sowohl mit
Irak als auch mit Iran gravierende
Meinungsverschiedenheiten.
Heute
pflegen wir gute Beziehungen mit dem
Irak.
über die von der iranischen
Regierung außerhalb ihrer Grenzen angewandte Politik und Praxis sind wir
ernsthaft besorgt. Zwar respektieren
wir das Recht des iranischen Volkes
zur Bestimmung
der eigenen Regierungsform, aber die Handlungsweise

- 3 -

�der Regierung in Teheran - bis hin
zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten - läuft den Interessen unseres Landes und unserer Bürger ebenso zuwider wie den Interessen anderer
Länder und deren Bürger.
Wir sind
nach wie vor zur Diskussion mit dem
Iran über die gravierenden Probleme
bereit, die uns weiterhin trennen.
Eine positive Antwort des Iran auf
diese Resolution und eine Beendigung
der Aggressionen gegenüber
anderen
Staaten und deren Bürger würden viel
dazu beitragen, zukünftig bilaterale
Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen
zu ermöglichen.

und für den Frieden.
beendet werden.
Der
muß beginnen,

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat die
internationale
Gemeinschaft
einen
kühnen Schritt nach vorne getan. Gemeinsam müssen wir jetzt weitere entscheidende
Schritte
folgen lassen,
bis unsere Ziele - Frieden und Stabilität am Golf - erreicht worden sind.
Wenn je die Notwendigkeit für den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen bestand, Maßnahmen zu ergreifen,
so ist es jetzt an der Zeit. Wir haben die Möglichkeit, das vornehmste
Ziel zu verwirklichen, für das das
System der Vereinten Nationen geschaffen worden ist:
Einen schwerwiegenden
Friedensbruch
beizulegen,
der die Stabilität und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer internationalen Völkergemeinschaft gefährden.
Abschließend möchte ich betonen,
Herr Präsident, daß wir die vorliegende Entschließung unterstützen, da
wir als Ständiges Mitglied des Sicherheitrates die Verantwortung dafür
tragen, eine friedliche Beilegung gewaltsamer Konflikte anzustreben. Wir
unterstützen die Resolution, da sie
die Interessen des Iran wie auch des
Irak gerecht und umfassend anspricht.
Diese Resolution ist gegen den Krieg
r

- 4 -

Der Krieg muß
Heilungsprozeß

Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

22. Juli 1987

26

VERIFIZIERUNG GRUNDLEGEND FÜR REFORM DES AGRARHANDELS
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge ist die Verifizierung des Abbaus von Produktionssubventionen ein
grundlegender Bestandteil der von Präsident Reagan vorgeschlagenen weltweiten
Reform des Agrarhandels.
In einer am 16. Juli 1987 über Worldnet ausgestrahlten Fernseh-Pressekonferenz mit europäischen Journalisten erklärte Yeutter: "Ich bin davon überzeugt, daß wir dazu eine zumindest ausreichend genaue Meßmethode entwickeln
können."
Wir veröffentlichen die Pressekonferenz des US-Handelsbeauftragten in Auszügen :

Auf eine einleitende Frage zur
Bedeutung des am 6. Juli bei den
GATT-Verhandlungen eingebrachten amerikanischen Vorschlags, der den totalen Abbau aller Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich bis zum
Jahr 2000 vorsieht, antwortete Botschafter Yeutter:
"Nun, er ist bedeutend, weil die
Welt des Agrarhandels heute völlig
aus den Fugen geraten ist. Das ist
bedauerlich, aber in einem evolutionären Prozeß hat sich dies in den
vergangenen 20 bis 30 Jahren so ent-

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wickelt.
In vielen Ländern, darunter den
Vereinigten Staaten, hat es sich ergeben, daß Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie andere Arten von
Verzerrungen so weit in den Vordergrund getreten sind, daß bei den meisten Produkten auch nicht annähernd
ein freier und offener Handel besteht.
Dies ist nicht nur eine unglückliche Verzerrung der grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen sondern es fügt außerdem solchen Ländern
großen Schaden zu, die sich dies

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�wirklich nicht leisten können.
Wie Sie wissen, sind die meisten
weniger entwickelten Länder Agrargesellschaften, in denen die Landwirtschaft einen bedeutenden Stellenwert
einnimmt.
Diese Länder müssen landwirtschaftliche Produkte exportieren,
wenn
sie wirtschaftliches Wachstum
erzeugen wollen. Und sie können einfach nicht mit den Staatskassen der
Vereinigten Staaten, der Europäischen
Gemeinschaft und anderer konkurrieren, denen all diese enormen Subventionen zur Verfügung stehen. Von unserem Standpunkt aus betrachtet - dem
der Vereinigten Staaten, der EG und
anderer -, nehmen die Kosten dafür
astronomische Ausmaße an, und das ergibt keinen Sinn.
Zusätzlich zahlen
unsere Konsumenten die Zeche in vielfältiger Weise dadurch, daß Agrarprodukte viel teurer sind als sie sein
müßten, wenn wir einen freien und offenen Handel hätten."
Zum Thema des Abbaus von Unterstützungsmaßnahmen zur Erzielung von
Produktionseinschränkungen und deren
Folgen
für die Landwirte erklärte
Yeutter, daß relativ gesehen die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht
mehr unternehmen als die EG. Solche
Veränderungen seien auch nicht notwendigerweise schädlich für die Landwirte:
"Sie könnten kurzfristig gesehen nachteilig sein, aber ich bin
überzeugt, daß eine
durchgreifende
Reform landwirtschaftlicher Programme
nicht nur für die europäischen Steuerzahler und die europäischen Verbraucher, sondern
langfristig
auch
für viele europäische Landwirte gut
wären."
"Was die Vereinigten Staaten angeht, so werden wir im Jahr 1987 die
Anbauflächen erheblich einschränken weit mehr als in der EG an Anbauflächen eingespart wird.
Deshalb sage

ich, daß
die
Vereinigten
Staaten
schon jetzt einen erheblichen Beitrag
leisten."
Auf die Frage nach der Verifizierung von Subventionen, insbesondere
der versteckten, erklärte Yeutter:
'
"...dies wird
sicher eine der
großen
Herausforderungen
bei
der
Schaffung eines funktionsfähigen Systems
sein.
Mit
anderen
Worten:
Wenn wir eine durchgreifende Reform
der
landwirtschaftlichen
Produktion
in der weltweiten Handelspolitik erzielen wollen, dann bildet die Verifizierung oder die Meßmethode, wenn
Sie so wollen, einen wichtigen Teil
des Gesamtbildes."
Dabei habe die OECD schon einige
Meßmethoden entwickelt und die Regierungen Frankreichs und anderer Länder
befaßten
sich gegenwärtig
intensiv
mit diesem Problem.
Ferner beschäftigten sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium
sowie
einige
akademische Institutionen in den Vereinigten Staaten eingehend mit der
Analyse dieser Frage.
"Ich
bin
überzeugt,
daß
wir
schließlich
zumindest eine hinreichend
genaue Meßmethode
entwickeln
können.
Zugegebenermaßen sind einige
Subventionen
schwierig
auszumachen
und zu quantifizieren.
Wir werden
eben das Beste in unserer Macht Stehende tun müssen.
Die Alternative
ist, gar nichts zu tun, und meiner
Meinung nach ist das einfach eine unannehmbare Lösung."
Auf die Frage, ob er eine Übereinkunft
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und den Europäern über den
Abbau landwirtschaftlicher Subventionen für durchführbar halte, solange
die Preise garantiert blieben, antwortete Yeutter:

�sten kann."
"Nein. Diese Art von Lösung ist
über die Jahre hinweg immer wieder
vorgelegt worden, hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird dies auch
niemals tun.
Ich bin persönlich davon überzeugt, daß wir uns nicht nur mit den
Randgebieten dieses Problems beschäftigen können.
Das Problem ist zu
ernst und zu wichtig für die gesamte
Welt. Wie ich in einer Reihe von Reden gesagt habe, müssen wir bei der
Handhabung des Agrarhandels einen Quantensprung nach vorn machen.
Wenn wir also etwas tun, das lediglich marginale, nominelle oder geringfügige Auswirkungen auf die Lage
hat, dann ist das einfach nicht gut
genug. Ich kann verstehen, warum einige Besorgnis über die Auswirkungen
eines drastischeren Vorschlages bestehen, weil dies offensichtlich in
allen
Ländern,
einschließlich
der
Vereinigten Staaten, eine politisch
sensible Frage.ist. Tatsache ist jedoch, daß es an der Zeit ist, das
Problem am Schopf zu packen.
Und
deshalb ist unser Vorschlag so durchgreifend und revolutionär.
Unserer
Meinung nach ist das, was wir heute
in der Landwirtschaft benötigen."
"Diejenigen in Europa, die sich
heute über den von uns unterbreiteten
Vorschlag Sorgen machen werden noch
viel größere Sorgen wegen des Wirtschaftskrieges haben, der stattfinden
wird, falls wir diese Situation nicht
energisch in den Griff bekommen. Was
nämlich geschehen wird ist, daß wir
in einen Subventionskrieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und vielleicht
anderen
Ländern
eintreten
werden.
Ich glaube nicht, daß die Welt sich
eine Verschlechterung dieser Situation anstatt einer Verbesserung lei-

Auf die Frage nach der Bewertung
der EG-Entscheidung, die Sondersteuer
auf Fette und öle nicht einzuführen,
sowie nach möglichen Gegenleistungen
der Vereinigten Staaten erwiderte der
Handelsbeauftragte:
"Nun, sicherlich begrüßen wir die
Entscheidung...
weil dies zu einer
enormen Konfrontation
zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten
Staaten geführt hätte,
und eine solche Konfrontation liegt
in niemandes
Interesse.
Die Entscheidung, diesen Vorschlag auf den
Tisch zu legen, war also richtig richtig sowohl vom Standpunkt des europäischen Eigeninteresses betrachtet
als auch vom Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Wir sollten diese Art von Programmen einfach nicht anwenden, um
die finanziellen Lasten unserer Agrarsysteme jemand anderem aufzuladen.
Ich wäre ebenso unglücklich, wenn die
Vereinigten Staaten versuchten, die
Last ihrer landwirtschaftlichen Programme auf den europäischen oder den
japanischen Steuerzahler oder ai ? jemand anderen abzuwälzen, wie ich es
über den Versuch der europäischen Regierungen bin, die Last den amerikanischen, brasilianischen oder argentinischen Exporteuren aufzuladen.
Dies ist einfach nicht der Weg,
die Agrarpolitik zu behandeln.
Es
ist ein Symbol für die in diesem gesamten Bereich bestehenden
krassen
Verzerrungen und ein klassisches Beispiel dafür, warum wir eine Agrarreform benötigen.
Die eigentliche Antwort besteht
für die EG darin, den Versuch zu unternehmen, ihren Finanzbedarf irgendwie aus ihren internen Ressourcen zu

- 3 -

�bestreiten bis wir mit Hilfe der Verhandlungen in der Uruguay-Runde zu
einer verbesserten weltweiten Agrarsituation gelangen können... Die EG
muß eine vorübergehende Lösung für
ihre Finanzprobleme finden, während
wir verhandeln.
Was wir tun sollten, ist, diese
Probleme langfristig am Verhandlungstisch zu lösen, so daß die Gemeinschaft es nicht mehr nötig hat, diese
Arten von Einnahmen zu erzielen, um
eine
Reihe
ungesunder
politischer
Maßnahmen zufrecht zu erhalten.
Niemand nimmt für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über jeden
Zweifel erhaben zu sein.
Ich meine
wahrhaftig nicht, daß unsere eigene
Agrarpolitik perfekt ist.
Ganz im
Gegenteil: Ich stehe dem, was in den
Vereinigten Staaten unternommen wird,
genauso kritisch gegenüber wie dem,
was in Europa getan wird. Ich möchte
Reformen überall erleben.
Das ist
die wahre Herausforderung, vor der
wir stehen."
Auf die Frage nach dem wachsenden
protektionistischen Druck in den Vereinigten Staaten antwortete Yeutter:

persönlich vorschlagen."
"Außerdem bin ich nicht so sicher,
daß
der
protektionistische
Druck wahrscheinlich zunehmen wird.
Dies hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Ausmaß von den Handelszahlen ab.
Leider scheinen die
von uns vor zwei Tagen bekanntgegebenen Zahlen für den vergangenen Monat
anzudeuten, daß sich unsere Handelssituation wieder verschlechtert hat.
Ich messe monatlichen Zahlen jedoch
nicht allzu viel Bedeutung bei, weil
sie oft verzerrt sind."
"Das im Senat behandelte Handelsgesetz hat sicherlich eine Reihe von
Mängeln und, würde es in seiner jetzigen Form verabschiedet, würde der
Präsident dagegen sein Veto einlegen.
Ich muß aber sagen, daß ein ermutigender Aspekt des Gesamtbildes darin
besteht, daß die Teile des Gesetzes,
die den Handel betreffen - und dieses
Gesetz enthält eine Menge Vorschläge
von Ausschüssen, die relativ wenig
mit Handel zu tun haben - aufgrund
der Debatte im Senat sogar verbessert
worden sind, woraus ich entnehme, daß
der Protektionismus in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht so
üppig wuchert, wie viele glauben."

"Man sollte den amerikanischen
Protektionismus nicht auf der Grundlage von Vorschlägen im Kongreß bewerten.
Diese Vorschläge sind noch
nicht Gesetz, und wir hoffen, daß
diejenigen,
die
protektionistisch
sind, niemals Gesetz werden."

Auf die Frage nach einer Reaktion
auf die mögliche Abschaffung aller
Subventionen und deren Substitution
durch
untragbare
Zollbeschränkungen
auf ausländische Produkte antwortete
Yeutter:

"Ich bin jedoch hoffnungsvoll,
daß wir jeglichem protektionistischem
Druck aus dem Kongreß widerstehen
können und daß sich letztlich eine
verantwortungsvolle Gesetzgebung herauskristallisiert.
Ist dies nicht
der Fall, dann hoffe ich, daß der
Präsident gegen solche Gesetze sein
Veto einlegen wird.
Ich werde dies

Unser Vorschlag behandelt Importbeschränkungen,
Exportsubventionen
und alle anderen Verzerrungen im Handel und zielt darauf ab, diese allmählich abzuschaffen. Was die Sicherung der Nahrungsmittel betrifft, so
haben daran offensichtlich alle Nationen
ein berechtigtes
Interesse.
Aber es stellt sich die Frage, an

- 4

�welchem Punkt man die Grenze zur unerläßlichen Sicherung der Nahrungsmittel ziehen soll und auf welche Art
und Weise diese erzielt werden soll.
Eine Methode besteht sicherlich
darin, alles im Inland zu produzieren
- auch wenn man dazu enorme Geldsummen in Form von Subventionen bereitstellen muß. Japan mit seinem Reis
liefert ein Beispiel für diese besondere Situation.
Die andere Methode
wäre, sie dort zu kaufen, wo sie rationeller
hergestellt, das Prinzip
des
verhältnismäßigen Vorteils genutzt und gelagert werden können.
Programme zur Lagerung können sicherlich ein Ersatz für die Produktion
sein, oder es wäre eine Verbindung
von Produktion und Lagerung möglich,
die durch langfristige vertragliche
Verpflichtungen ergänzt werden kann.
Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet aber auch: In welchem
Umfang sollte es einem Land gestattet
werden, auf internationaler Ebene die
Produktion und die Regeln des Handels
zu verzerren, um auf einem ihm angemessenen Niveau die Nahrungsmittel zu
sichern?
über dieses wichtige Thema
und darüber, wie und zu welchem Preis
die Sicherung der Nahrungsmittel erlangt werden kann, sollte auch bei
den Verhandlungen gesprochen werden.
Zu den von Botschafter Yeutter
hier angesprochenen Vorschlägen wurde
die Frage gestellt, ob amerikanische
Senatoren im Getreideanbaugebiet der
Vereinigten Staaten diese Vorschläge
so wohl akzeptieren oder ob sie ihre
Annahme ablehnen würden.
Es wurde
ferner die generelle Flexibilität der
Vorschläge angesprochen.
Botschafter
Yeutter
antwortete
darauf, für solche Prognosen sei es
zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh
und gab zu bedenken, die Verhandlungen nähmen eine beträchtliche Zeit-

spanne in Anspruch. "Wir hoffen, sie
in einigen Jahren abschließen zu können - je eher, desto besser.
Die
Welt braucht einen Abschluß bei dieser Art von Verhandlungen.
Je eher
wir auf internationaler Ebene ein Abkommen schließen und mit seiner Anwendung beginnen können, desto besser
für uns und speziell für die Entwicklungsländer, die Verbraucher auf der
ganzen Welt und natürlich für die
Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa".
"Wir wollen
ernsthafte, eingehende und umfassende
Verhandlungen abhalten. Aber ein Urteil können wir erst beim Abschluß
abgeben.
Der Senator
irgendwo in
Iowa wird auf der Grundlage entscheiden, was wir, die Vereinigten Staaten, als Gegenleistung für in diesem
Bereich erbrachte Konzessionen erhalten ."
Zur Flexibilität der Haltung der
Vereinigten Staaten erklärte Yeutter,
es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch zu früh, um diesen Punkt vor der
Welt preiszugeben, die Position sei
jedoch realistisch.
"Wenn wir, das
heißt die ganze Welt, bereit sind,
viel weniger zu akzeptieren als ein
freies
und
offenes
Handelssystem,
können wir ebenso gut bei unserer
jetzigen Position bleiben. Es stellt
sich die Frage, welche Zwischenlösung
es gibt. Mir scheint, daß alle davon
profitieren, wenn wir uns im Bereich
der Landwirtschaft einem freieren und
offenerem
Handelssystem
annähern
könnten".
Botschafter Yeutter ging in seinen weiteren Ausführungen auf die
Rolle des Programms PL-480 ein; das
Programm
'Nahrungsmittel
für
den
Frieden', im Rahmen dessen den Entwicklungsländern
landwirtschaftliche
Produkte als humanitäre Hilfsleistung
zur Verfügung gestellt werden, entweder als Zuwendung - das heißt, sie

- 5 -

�werden kostenlos gewährt - oder als
langfristige Kredite mit sehr niedrigen Zinssätzen, die sicher als Subvention gelten können.

die Europäische Gemeinschaft und andere über die Einstellung ihrer jeweiligen Programme zu verhandeln bereit sind.

Yeutter erklärte hierzu, die Vereinigten Staaten seien nicht bereit,
dieses Programm aufzugeben, weil es
so wichtig für die Entwicklungsländer
ist.
"Wir ermutigen vielmehr andere
Länder dazu, ihre Programme auszubauen. Es heißt, daß einige europäische
Länder wie etwa Frankreich dies tun
wollen, und das würden wir ermutigen". Von den in Genf unterbreiteten
Vorschlägen sind bona fide Hilfsprogramme
ausgenommen.
"Wir glauben,
daß diese angesichts des heute in der
Welt herrschenden Hungers immer noch
einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamtbildes ausmachen.
Man möchte
hoffen, daß sie in 20 oder 30 Jahren,
in einem halben oder einem ganzen
Jahrhundert überflüssig werden. sicherlich sind sie heute notwendig.
Sie sollten ermutigt, angemessen definiert und von dem von uns in Genf
ausgearbeiteten Programm ausgenommen
werden.
Wir sind natürlich bereit,
ähnliche Programme Japans, der Europäischen Gemeinschaft und anderer Industrienationen auszunehmen".

Zur Frage, ob die Vereinigten
Staaten
ihr erhebliches Handelsbilanzdefizit abbauen können, indem sie
nur auf der Exportseite etwas unternehmen, erklärte Yeutter, "der Aufwärtstrend bei den Importen kann meiner Ansicht nach nicht länger anhalten.
Ich glaube, wir werden letztlich eine Verbesserung auf der Importseite erfahren, das heißt, einen
Rückgang beim Dollar-Wert der Importe
in die Vereinigten Staaten.
In den
Statistiken dieses letzten Monats war
dies jedoch nicht der Fall. Die Zeit
wird die Antwort auf diese Frage
bringen..."

Yeutter wurde weiter befragt, ob
man bereit sei, Programme zur Exportförderung
subventionierter
Exporte
nach Nordafrika und Osteuropa aufzugeben, worauf er erwiderte, man sei
bereit, alle Programme, die in irgendeiner Weise den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten verzerren,
aufzugeben, mit Ausnahme von Zahlungen, die nichts mit der Produktion zu
tun haben und die den Bauern ein Sicherheitsnetz bieten sollen sowie mit
Ausnahme
der bereits
beschriebenen
bona fide Hilfsprogramme.
Im Rahmen
der Verhandlungen über die Einstellung von Subventionsprogrammen wird
Yeutter zufolge erwartet, daß auch

Zum
Export
hingegen
erklärte
Yeutter, "im letzten Monat weisen die
Statistiken einen erheblichen Anstieg
der Exporte auf.
Hier zeigt sich,
daß es auf der Importseite noch erheblich mehr Verkrustungen gibt. Das
heißt, daß Japan und andere Hauptimporteure in die Vereinigten Staaten
die Wechselkursanpassung
absorbieren
und hartnäckig Marktanteile zu gewahren suchen". Zu den zusätzlichen Bemühungen
seitens
der
Vereinigten
Staaten gehören Botschafter Yeutter
zufolge der Abbau des Haushaltsdefizits, während die anderen Industrienationen in ihren jeweiligen Ländern
das Wirtschaftswachstum anfachen müssen. All diese Faktoren sind miteinander verknüpft.
Solange nicht wenigstens eine erhebliche Verbesserung
im
Handelsdefizit
hervorgebracht
wird, werden
sich die Vereinigten
Staaten, so Yeutter, ernsthaftem politischen Druck ausgesetzt sehen, der
eine protektionistische Richtung einnimmt. Man nehme in den nächsten Monaten eine Verbesserung an, die jedoch nicht sehr dramatisch sein wird.

- 6 -

�Auf die Frage, welche praktischen
Schritte zur Anwendung der Politik
Präsident Reagans unternommen werden
sollen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Kontrollen abzuschaffen,
verweist Yeutter auf die gegenwärtig
laufenden Verhandlungen, "wir sollten
das Programm in Genf bei den Verhandlungen der Uruguay-Runde auf den Verhandlungstisch
bringen.
Der
Vorschlag sieht definitive Auslauf-Pläne
für alle Teilnehmerstaaten vor, die
von Produkt zu Produkt oder von Land
zu
Land
unterschiedlich
ausfallen
können. Es gibt Flexibilität bei der
Organisation dessen in einem bestimmten europäischen Land, in Japan, den
Vereinigten Staaten, Kanada oder anderswo, und das muß durch Verhandlungen erzielt werden. Wenn jedoch ein
Abkommen erzielt wird, sollen dieses
Programm oder diese Verpflichtungen
für den Zeitraum einiger Jahre verbindlich sein.
Sie müßten dann dem
Kongreß zur Billigung vorgelegt werden, so daß sie dann etwa im nächsten
Jahrzehnt angewendet und ausgeführt
werden können. Natürlich müßte dies
dann auch bei den europäischen und
allen anderen sich daran beteiligenden Ländern der Welt der Fall sein.
Der Botschafter
wurde befragt,
wie die Vereinigten Staaten vorschlagen könnten, daß die Europäische Gemeinschaft ihre Subventionen an euopäischen
Bauern
einstellen sollte,
wenn der Betrag, den die Vereinigten
Staaten
investieren, um ihre zwei
Millionen Farmer zu subventionieren,
genau dem entspricht, den die EG zur
Finanzierung
ihrer
zehn
Millionen
Bauern ausgibt.
Yeutter bezeichnete
diesen Vergleich
als
bedeutungslos
und erklärte, das Problem bestehe
vielmehr darin, daß beide Seiten zuviel für landwirtschaftliche Programme ausgeben und damit den Welthandel
erheblich verzerren.
Die Korrektur

dessen müsse sich am Verhandlungstisch vollziehen, und beide Seiten
müßten diese Situation erheblich verbessern. Wenn sich eine dramatische
Bewegung
zur
Reformierung
dieser
Praktiken vollziehen soll, müsse diese herbeigeführt werden, weil es im
allseitigen Interesse liege.
Yeutter erklärte, "dies beinhaltet einen schmerzhaften Anpassungsprozeß.
Der Kern unseres Problems
weist darauf hin, daß wir bereits einen größeren Teil dieser Anpassung
vollzogen haben als Westeuropa. Wir
haben in den vergangenen Jahrzehnten
einen großen Teil unserer Farmer zur
Aufgabe ihrer Farmen und Annahme von
Beschäftigungsverhältnissen
in
der
Stadt bewegen können.
Unsere Farmen sind größer und rationeller
geworden.
In Westeuropa
und in einigen anderen Ländern hat
eine geringere Anpassung stattgefunden.
Aber diese Anpassung muß bei
uns allen stattfinden, wenn wir eine
ausreichend effiziente und rationelle
landwirtschaftliche Produktion haben
wollen. Wir erwarten nicht, daß sich
dies in Europa über Nacht vollzieht.
Aus diesem Grund sind wir bereit, den
entsprechenden Zeitrahmen zu diskutieren und darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Wir glauben ganz
einfach, daß es wenig Sinn hat, Millionen von Dollar für landwirtschaftliche Produkte auszugeben, die niemand kaufen will und Millionen Dollar, die die internationalen Handelspraktiken stark verzerren und unseren
weniger
entwickelten
Partnerländern
großen Schaden zufügen".
Der Botschafter wurde weiter befragt, ob die Verhandlungen im Bereich der Landwirtschaft mit anderen
Verhandlungen in anderen Bereichen zu
einem 'Paket' verbunden werden könnten. Yeutter äußerte sich dazu posi-

- 7 -

�tiv und erklärte, "wir würden im Verhandlungsprozeß nicht so viel erreichen, wie ich wünschte, daß wir erreichen würden, wenn die Landwirtschaft von allem anderen abgekoppelt
wird.
Als praktisches Verfahren bestünde der beste Weg und ein Weg, etwas wirklich historisches zu tun und
etwas wahrhaft bedeutungsvolles im
Bereich der Landwirtschaft herbeizuführen, darin, den Bereich mit anderen Bestandteilen der Verhandlungen
zu verbinden. Es wird möglich sein,
ein
Paket
zusammenzustellen,
das
drei, vier oder fünf dieser Verhandlungsgruppen beteiligt und ein bestimmtes Gleichgewicht
unter
allen
Hauptteilnehmern schafft.
Zur Frage der Kontrolle eines
vereinbarten Systems verwies Yeutter
darauf, daß eine solche Kontrolle im
Rahmen des Verhandlungsprozesses erarbeitet werden müsse und teilweise
vom Wohlwollen der Regierungen abhängt.
"Wir hoffen, daß alle von uns in
der entwickelten Welt über Gesellschaften mit ausreichend hohem Entwicklungsstand und Integrität verfügen und daß wir uns mit Hilfe von
Programmen dieser Art auf unsere Verpflichtungen vorbereiten.

könnte kompliziert und eventuell auch
schwierig werden, aber genau das ist
es ja, was den internationalen Handel
eigentlich
ausmacht.
Aus
diesem
Grunde haben wir ja Regierungen und
deshalb entwickeln wir internationale
Organisationen zur Erreichung dieser
Ziele. "
Der Frage, warum die Vereinigten
Staaten
im Textilbereich
Maßnahmen
ergriffen haben, die insbesondere die
Produktion der Europäischen Gemeinschaft und Italiens betreffen, wurde
mit dem Argument widersprochen, daß
die Vereinigten Staaten keine Maßnahmen verabschiedet haben, die Westeuropa Restriktionen auferlegen.
Für
diesen Bereich gebe es Vorschläge des
Kongresses
oder
andere
rechtliche
Verfügungen, von denen jedoch bisher
keine als Gesetz verabschiedet worden
sind.
"Das derzeitige Textilprogramm
betrifft Westeuropa oder die Nationen
der Europäischen Gemeinschaft überhaupt nicht, daher können hier im Moment auch keinerlei Probleme ausgemacht werden."

Aber
abgesehen davon
benötigen
wir eine Art offizieller Berichterstattung - vielleicht Berechnungen auf jährlicher Basis im Hinblick auf
die erzielten Resultate und darauf,
ob die ausgehandelten Abkommen die
Zielsetzungen Jahr für Jahr über einen Zeitraum von 10 oder 12 Jahren
hinweg erfüllen.

"In bezug auf die Halbleiter haben wir Sanktionen verhängt, da Japan
ein mit uns im letzten Herbst geschlossenes Abkommen nicht eingehalten hat.
Unserer Meinung nach ist
ein Abkommen ein Abkommen und wenn
unsere japanischen Freunde sich verpflichten, kein Dumping von Halbleitern gleichgültig auf welchen Märkten
vorzunehmen, dann sollten sie sich
auch daran halten.
Da sie aber das
Dumping von Halbleitern auf Drittmärkten fortgesetzt haben, sahen wir
uns zur Verhängung von Sanktionen gezwungen. "

Im Rahmen des GATT wird ein Mechanismus zur Überwachung dieses Prozesses in der Anpassungsphase erarbeitet werden müssen. Ich sehe hierin keinen beunruhigenden Aspekt. Es

Bezüglich der Maßnahmen zur Lösung des Exportproblems von Nudeln
erklärte Yeutter, daß sich diese noch
im
Verhandlungsstadium
befinden.
Nach dem Besuch seines Amtskollegen

�Kommissar Leclerq und des Landwirtschaf tsskommissars
bei der Gemeinschaft,
Kommissar
Andriesen,
in
Washington, hoffe er, die begonnenen
Verhandlungen sehr bald, das heißt im
Verlauf der nächsten Woche, wieder
aufnehmen und diesen Themenkomplex zu
einem befriedigenden Abschluß bringen
zu können.
"Bedauerlicherweise sind
wir noch sehr weit voneinander entfernt und ich kann zu diesem Zeitpunkt höchstens vorsichtig optimistisch sein."
Auf die Frage nach dem Stand der
amerikanischen
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit
erklärte
der
Botschafter:
"Sicherlich
ist
die
Wettbewerbsfähigkeit eine Herausforderung für die Vereinigten Staaten vor allem in bestimmten Produktbereichen". Einige der amerikanischen Industrien seien Ende der siebziger und
zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Vereinigten Staaten einen großen
Handelsüberschuß hatten, doch etwas
selbstgefällig geworden.
"Der Dollar
war schwach und wir nahmen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als
selbstverständlich hin."
"All dies hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet.
Der Dollar stieg drastisch im Wert
und wir mußten sozusagen über Nacht
feststellen, daß wir
international
bei weitem nicht so konkurrenzfähig
waren, wie wir angenommen hatten zumindest nicht bei diesen Wechselkursen.
Natürlich
verschlechterte
sich unsere Handelssituation gravierend.
Nun stellt sich die Frage:
Können wir all dies rückgängig machen?
Und wenn ja, wie stellen wir
es an?
In gewissem Maße spielen
makroökonomische
Faktorn
wie
die
Steuer- und Währungspolitik eine Rolle"...
"und unsere Regierung oder
die europäischen Regierungen müssen
Antworten
zur
Verfügung
stellen.

Dies ist international gesehen Teil
des
wirtschaftlichen
Umfelds."...
"Wir alle müssen daran mitarbeiten,
zum Nutzen aller Geschäftsleute zusätzliche Stabilität in diesem Bereich zu schaffen...
Niemandem, der
mit internationalen Geschäften befaßt
ist,
gefallen
diese
gigantischen
Wechselkursfluktuationen,
die
Entscheidungen im Hinblick auf internationale Investitionen schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich machen." Trotz
all dieser wichtigen Faktoren müsse
die langfristige Konkurrenzfähigkeit
gewährleistet sein.
"Meiner Meinung nach haben viele
amerikanische Unternehmen in den vergangenen drei oder vier Jahren auf
diese Herausforderung
reagiert und
ihre
Produktivität
enorm
gesteigert."...
"Meine Botschaft an Westeuropa und alle anderen Länder ist
daher: In der Zukunft werdet Ihr mit
sehr viel stärkerer Konkurrenz unserer
Geschäftsleute
rechnen müssen,
denn... wir in den Vereinigten Staaten sind heute sehr viel konkurrenzfähiger, als wir es noch vor zwei
oder drei Jahren waren. Wir in der
Regierung werden dabei so weit wie
möglich behilflich sein, ah r dies
ist eine Herausforderung für den Privatsektor, der meiner Meinung nach
bereits
auf
diese
Herausforderung
reagiert."
Die Frage, ob die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zu Agrarhandelsreformen aus der Überzeugung heraus vorgelegt haben, den Weltagrarhandel dadurch in einigen Bereichen
besser dominieren zu können, wurde
mit dem offenen Bekenntnis beantwortet, daß die Vereinigten Staaten sicherlich keine für sie nachteiligen
Vorschläge vorlegen würden. Alle Beteiligten müßten ihr Eigeninteresse
bei solchen Verhandlungen wahren, von
denen alle Länder in vielerlei Hin-

- 9 -

�Sicht profitieren könnten. Im Zusammenhang mit Agrarreformen solle man
nicht in schwarz-weiß Schemata denken
oder nur von Gewinnern und Verlierern
ausgehen. Von einer umfassenden Agrarreform
würden
Konsumenten
und
Steuerzahler sowie die international
konkurrenzfähigen Bauern - und auch
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen - profitieren, "wenn unsere
Bauern auf die sich bietenden Möglichkeiten reagieren und sich auf das
Verhalten der Bauern in anderen Ländern der Welt einstellen." Der Markt
und die Bauern sollten die Entscheidungen, zum Beispiel über den Standort für Agrarerzeugnisse einer bestimmten
Produktkategorie,
treffen
und nicht die Regierungen, deren Beschlüsse zu der gegenwärtigen verzerrten Situation beigetragen haben.
Auf die Bemerkung, daß diese äussert überzeugende Begründung für eine
landwirtschaftliche
Null-Lösung
jedoch alle Handelsnationen und insbesondere die EG vor unüberwindliche
politische Probleme stellen würde und
die daran anschließende Frage, ob
dieser Vorschlag vor allem in Europa
nicht schlicht als Schachzug bei den
Verhandlungen angesehen werde, antwortete Botschafter Yeutter:
"Wenn
dieser Ansicht in Europa Glauben geschenkt würde, wäre es eine bedauerliche
Fehlinterpretation
unserer
Überzeugungen".
Er sei sich jedoch
dessen bewußt, wie brisant dieses
Thema überall, auch in den Vereinigten Staaten sei, da er selbst sein
ganzes Leben lang mit Landwirtschaft
befaßt gewesen sei und in den vergangenen 15 Jahren Tausende von Gesprächen mit Landwirtschafts- und Handelsministern sowie Agrarfirmen geführt und Europa häufig genug besucht
habe, um mit diesen politischen Problemen vertraut zu sein.
Daher unterschätze er die mit einer Reform
dieser
Größenordnung
einhergehenden

politischen Schwierigkeiten in keiner
Weise. Die Herausforderung liege daher darin, kreative und einfallsreiche Wege zur Überwindung dieser zweifelsohne bestehenden enormen Probleme
zu finden und sich nicht mit halben
Lösungen
zufrieden
zu geben.
Die
Probleme müßten mit Optimismus angegangen werden und es sei keine Zeit
für defätistische Einstellungen, da
in den vergangenen 30 Jahren am Agrarsektor
stets nur
herumgenörgelt
worden sei und die Situation sich
enorm verschlechtert habe. Wir alle,
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft hätten uns dieser Herausforderung bereits vor mehr
als einem Jahrzehnt stellen müssen,
denn damals wäre es einfacher als
heute gewesen. "Dies ist umso bedauerlicher, da wir vor zehn Jahren dieselben Gründe anführten, weshalb wir
die Probleme nicht in Angriff nehmen
konnten - nämlich, daß es politisch
zu schwierig sei. Wenn wir uns jetzt
wieder drücken, dann werden wir in
zehn Jahren zu hören bekommen: 'Wie
sind wir in dieses Chaos geraten?
Warum hat nicht bereits vor einem
Jahrzehnt jemand etwas dagegen unternommen? ' "
Auf die in diesem Zusammenhang
gestellte Frage nach bestimmten Terminen antwortete der Botschafter, daß
definitiv in dieser Woche keine Sanktionen verhängt würden, da dem Verhandlungsprozeß zunächst jede mögliche Chance eingeräumt werden müsse.
Sanktionen würden erst dann verhängt,
wenn die Verhandlungen offensichtlich
aussichtslos erschienen.
Als Termin
sei zunächst der 1. Juli festgesetzt
worden, dann habe man gehofft, in der
vergangenen Woche zu einer Einigung
zu kommen, als die beiden EG-Kommissare in Washington waren, und jetzt
wolle man einen weiteren Versuch unternehmen.
Bezüglich
des
genauen
Termins wolle er keine Angaben ma-

- 10 -

�chen, da er dies persönlich mit Kommissar Leclerq besprechen wolle und
nicht wünsche, daß dies durch die Medien gehe.
Auf die Bemerkung, daß die Beendigung der Subventionen sich vorteilhaft für den Steuerzahler auswirken,
dagegen die mit dieser Politik einhergehenen
unvermeidbaren
Soziallasten den Steuerzahler belasten würden, verwies der Botschafter darauf,
daß man je nach Art der Soziallasten
unterscheiden
müsse,
jedoch
jede
Strukturanpassung soziale Kosten mit
sich bringe, die realistischerweise
in den politischen Entscheidungsprozeß eingebracht werden müßten.
"Unser Vorschlag bietet eine Möglichkeit, diese besonderen Soziallasten in den Verhandlungsprozeß einzubinden.
Daher wurde auch ein Sicherheitsnetz, das nicht an die Produktion gebunden
ist, von unserem
Vorschlag ausgenommen."
Die erforderliche Strukturanpassung "wird sich
nicht über Nacht vornehmen lassen und
sie wird Geld kosten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß in allen Ländern ein Sicherheitsnetz geschaffen
wird, durch das die Soziallasten in
das System eingebracht werden."

* * * * * *
- 11

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

22. Juli 1987

26

WIRD MOSKAU DIE "ECHTE NULL-LÖSUNG" AKZEPTIEREN?
- Von Kenneth L. Adelman -

(Der Autor dieses am 9. Juli 1987 in der New York Times veröffentlichten
Artikels ist Leiter des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. )

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat öffentlich vom Abschluß
eines Abkommens über atomare Mittelstreckenraketen
gesprochen,
das
rechtzeitig zu einem möglichen Gipfeltreffen im kommenden Herbst Zustandekommen solle. Wenn die Sowjets
es mit diesem Zeitplan ernst meinen,
können sie zu dessen Verwirklichung
insbesondere eines tun: mit uns zusammen auf die weltweite Beseitigung
sowjetischer SS-20 und SS-4 Raketen
und amerikanischer Pershing II und
landgestützter Marschflugkörper hinarbeiten.
Diese "echte Null-Lösung"

United States Information Service
Embassy of the United States of America

würde die Verhandlungen beträchtlich
beschleunigen und die Verifizierung
erheblich vereinfachen.
Wie die Dinge heute stehen, würde
es der INF-Vertrag, über den gegenwärtig verhandelt wird, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlauben, 100 Gefechtsköpfe auf diesen
Raketen zu behalten - auf unseren Raketen in den Vereinigten Staaten und
denen der Sowjetunion im asiatischen
Teil
dieses Landes.
Darauf haben
sich Präsident Reagan und Generalsekretär Michail S. Gorbatschow in Reyk-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�javik im vergangenen Herbst verstandigt.
Ein solches Resultat wäre gegenüber der heutigen Situation, insbesondere unter dem zahlenmäßigen Gesichtspunkt, eine erhebliche Verbesserung. Die Bedrohung durch die SS20 würde radikal vermindert, wobei
die Sowjetunion über 400 dieser Raketen mit über 1 200 Gefechtsköpfen
vernichten müßte, die gegenwärtig Europa und Asien bedrohen, sowie über
100 SS-4 (mit je einem Gefechtskopf).
Das ist mehr als das Sechsfache
der Gefechtsköpfe, die auf den von
uns zu beseitigenden Pershing II und
langestützten Marschflugkörpern stationiert sind. Es übertrifft die Anzahl der 572 Gefechtsköpfe, die wir
ursprünglich
nach Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses zu stationieren geplant hatten, um mehr als das
Doppelte.
Außerdem wäre dies das erste Abkommen, durch das die offensiven Nuklearwaffen
beträchtlich
reduziert
würden.
Berücksichtigt man die Tatsache, daß noch vor sechs Jahren Reduzierungen
dieses
Ausmaßes
als
"nicht
verhandlungsfähig"
abgetan
wurden, dann ist der heutige Portschritt ein Verdienst westlicher Entschlossenheit.
"Fast Null" ist gut, und wir sind
bereit, dies als Zwischenschritt zu
akzeptieren. Aber die echte Null-Lösung - die totale weltweite Abschaffung der Raketen - wäre weit besser.
Warum?
Erstens wäre die echte Null-Lösung einfacher zu verifizieren und,
was ebenso wichtig
ist, einfacher
durchzusetzen.
Im allgemeinen

sind Verbote ein-

facher zu verifizieren als Begrenzungen.
Wenn Moskau also der totalen
Abschaffung
der
Raketen
zustimmt,
dann könnte die Verifizierung vereinfacht werden. Insbesondere wären einige der im Falle einer vertraglich
erlaubten Beibehaltung einer geringen
Anzahl von Raketen und Abschußvorrichtungen erforderlichen einschneidenderen
Verifizierungsbestimmungen
in unserem Vertragsentwurf unnötig,
wenn
Produktion, Stationierung
und
Lagerung verboten würden.
Ein totales Verbot würde außerdem
das Vertrauen erhöhen, indem es das
Problem der Vertragseinhaltung vereinfacht. Bei fast Null können immer
wieder Frage auftauchen, ob entdeckte
mobile Raketen zulässig oder unzulässig sind. Bei der echten Null-Lösung
läge jedoch eine eindeutige, jedem
Bürger einleuchtende Vertragsverletzung vor, wenn wir eine Mittelstrekkenrakete
entdecken
würde.
Dies
könnte uns dabei helfen, endlose Kontroversen über die Frage sowjetischer
Betrügereien zu vermeiden. Es sollte
ebenfalls weniger Druck geben - wie
den Druck, dem wir heute aus gewissen
Kreisen ausgesetzt
sind -, sowjetische Vertragsverletzungen zu ignorieren oder hinzunehmen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Shultz vor &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;dem Weltsicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?&lt;br /&gt; &lt;em&gt;von Kenneth L. Adelman&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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# *

22. Juli 1992

0, ^ / &gt;

V

*

NICHTVERBREITUNG

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE ZUR
NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

BESTREBUNGEN ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

RÜSTUNGSKONTROLLE

USA UND RUSSLAND - KONSULTATIONEN
ÜBER GPS
Gemeinsame Erklärung

WAHLEN '92

ARBEITSPLÄTZE, KRANKENVERSICHERUNG,
REFORMEN VORRANGIG FÜR CLINTON
Rede beim Parteikonvent der Demokraten
DIE DEMOKRATEN VERSPRECHEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND FÜHRUNGSKRAFT
Das Parteiprogramm der Demokraten
DEMOKRATEN SOLLEN WACHSTUM,
INVESTITIONEN FÖRDERN
Programmatische Rede von Barbara Jordan

PORTRAT

GENERAL SHALIKASHVILI WIRD
NEUER SACEUR
Porträt des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa Tennessee

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NICHTVERBREITUNG
22. Juli 1992

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVE
ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht über Präsident Bushs Initiative zur Eindämmung der Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen wurde am 13. Juli 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident verwies am 13. Juli darauf, daß "die
potentielle Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung
oder zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen und
deren Trägersystemen eine zunehmende Bedrohung
für nationale Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten darstellt" und kündigte eine umfassende Initiative zur Stärkung amerikanischer Bestrebungen an,
die Verbreitung dieser Fähigkeiten einzudämmen und
vor jeglichem Einsatz dieser Waffen abzuschrecken.
Die Initiative will neue und bestehende Maßnahmen in
einem umfassenden Rahmen integrieren, der die USNichtverbreitungspolitik der nächsten Jahre leiten soll.
Leitlinien
Erstens werden die Vereinigten Staaten auf bestehenden globalen Normen gegen die Nichtverbreitung
aufbauen und sie, wo immer dies möglich ist, stärken
und erweitern.
Zweitens werden die Vereinigten Staaten besondere
Bestrebungen auf die Bereiche konzentrieren, in denen die Gefahren der Verbreitung nach wie vor akut
sind, insbesondere im Nahen Osten, dem Persischen
Golf, Südasien und der Halbinsel Korea.
Drittens ist die US-Nichtverbreitungspolitik um größtmögliche multilaterale Unterstützung bestrebt und will
gleichzeitig weiterhin eine Führungsrolle bei wichtigen
Fragen demonstrieren.
Viertens werden die Vereinigten Staaten das Thema
Verbreitung in der gesamten Bandbreite von Umfeldern ansprechen - Politik, Diplomatie, Wirtschaft,
Nachrichtendienste, regionale Sicherheit, Exportkontrollen sowie mit Hilfe anderer verfügbarer Instrumente.

AMERIKA DIENST 29

Politische Zielsetzungen
Material zur Kernspaltung
Herstellung von Material zur Kernspaltung. Die Vereinigten Staaten werden kein Plutonium oder angereichertes Uran für Atomexplosionen herstellen. Dieser
Schritt soll Länder in Spannungsregionen wie dem
Nahen Osten und Südasien zu ähnlichen Schritten
ermutigen, wie etwa in der Rüstungskontrollinitiative
für den Nahen Osten im Mai 1991 vorgeschlagen. Die
Vereinigten Staaten streben weitere multilaterale
Unterstützung für konkrete Maßnahmen an, um von
der Herstellung oder dem Erwerb von potentiell für
Waffen einsetzbarem Material in Südasien, der koreanischen Halbinsel und anderen Gebieten abzuschrekken, wo sie das Risiko der Weiterverbreitung erhöhen
würden.
Multilaterale Aktionen
Einhaltung internationaler Nichtverbreitungsnormen.
Die Vereinigten Staaten werden die Arbeit anderer
Länder an wichtigen internationalen Nichtverbreitungsnormen berücksichtigen, wenn sie ihre Kooperation
und Beziehungen beim Technologietransfer entwikkeln, und sie werden darüber hinaus Freunde und
Verbündete zu ähnlichen Ansätzen konsultieren.
Durchsetzung internationaler Nichtverbreitungsnonmen.
Die Vereinigten Staaten werden Freunde und Verbündete zu internationalen Maßnahmen konsultieren, die
gegen ernsthafte Verletzungen von Nichtverbreitungsnormen ergriffen werden, zum Beispiel den Transfer
jeglicher Einrichtungen zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen oder anderer wichtiger Waffen,
die Verletzung von Sicherheitsmaßnahmen oder der
bestätigte Einsatz nuklearer, chemischer oder biologi-

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�scher Waffen. Maßnahmen könnten Embargos oder
Inspektionen des UN-Sicherheitsrats umfassen, Hilfe
für Opfer von Angriffen solcher Waffen, Ausweisungsabkommen oder Einwanderungsbeschränkungen gegen
Personen, die wissentlich zur Verbreitung beigetragen
haben.
Unterstützung von Sonderinspektionen und der Zerstörung von Waffen. Die Vereinigten Staaten werden
in Konsultationen mit ihren Freunden und Verbündeten die Einführung multilateraler Finanzierungsbestrebungen erwägen, um gegebenenfalls Sonderinspektionen durchzuführen und einzelnen Ländern zu helfen, bestehende Waffenarsenale zu zerstören.
Harmonisierung von Exportkontrollen. Die Vereinigten Staaten werden abgestimmte NichtverbreitungsExportkontrollisten und deren Durchführung fördern,
femer ein Abkommen unter Lieferanten, ihre Exportbeschränkungsentscheidungen gegenseitig nicht zu
unterlaufen.
Regionale Bestrebungen
Zielgerichtete Ansätze. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin besondere Bemühungen auf die Gefahren der Weiterverbreitung in Südasien, dem Persischen Golf, dem Nahen Osten und der koreanischen
Halbinsel konzentrieren, einschließlich Bestrebungen
für vertrauensbildende Maßnahmen, Inspektionsregime und andere wirtschaftliche, politische und sicherheitsrelevante Maßnahmen.
Die ehemalige Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin mit den zuständigen Stellen in Rußland und den anderen neuen Staaten zusammenarbeiten, um folgende Ziele zu verwirklichen:
Durchführung aller relevanten internationalen
Abkommen wie des Nichtverbreitungsvertrages, der Konvention über biologische Waffen
und - wenn sie zur Unterschrift ansteht - der
Konvention über chemische Waffen.
Effektive interne Aufstellung und physischer
Schutz gegen Diebstahl oder Abzweigung von
nuklearem Material und Gerät.
Effektive Exportkontrollen für chemische, biologische, nukleare und Raketentechnologie im
Einklang mit bestehenden multilateralen Regimen, einschließlich angemessener Gesetze und
Vorschriften, ferner die Ausbildung von Exporteuren sowie Zollbeamten und Polizisten.

Schaffung von Möglichkeiten für Waffenspezialisten und Ingenieure zur Umleitung ihrer Talente in friedliche Unternehmen.
Erwägung von Ersuchen um Hilfe beim Abbau
oder der Zerstörung von russischen Einrichtungen für biologische Waffen oder Umwandlung
dieser Einrichtungen für die Herstellung von
Impfstoffen und anderen pharmazeutischen
Produkten, vorausgesetzt Rußland hält die
Konvention über biologische Waffen voll und
ganz ein.
Globale Normen
Konvention über chemische Waffen. Die Vereinigten
Staaten bestätigen ihren Einsatz für den Abschluß
einer Chemiewaffenkonvention noch in diesem Jahr
und fordern alle Nationen auf, sich zu engagieren, um
Erstunterzeichner zu werden.
Nichtverbreitungsvertrag und Tlatelolco. Die Vereinigten Staaten streben die unbegrenzte Verlängerung
des Nichtverbreitungsvertrages für 1995 und das volle
Inkrafttreten des Vertrages von Tlatelolco bis 1993 an.
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Die
Vereinigten Staaten werden gemeinsam mit anderen
Ländern an der Stärkung der IAEO arbeiten und erforderliche Erhöhungen des Haushalts für Sicherungsmaßnahmen unterstützen.
Konvention über biologische Waffen. Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ebenso auf die allgemeine
Einhaltung der Konvention über biologische Waffen
drängen wie auf mehr Unterstützung für die von den
Parteien bei der Folgekonferenz 1991 vereinbarten
vertrauensbildenden Maßnahmen.
Kontrollregime für Raketentechnologie (MTCR). Die
Vereinigten Staaten wiederholen ihren Aufruf an die
Partner des Regimes, daß alle Regierungen die entsprechenden Richtlinien als Teil ihrer nationalen Politik
verabschieden sollten.
Nachrichtendienste
Nichtverbreitungszentrum. Die Nachrichtendienste,
einschließlich des neugeschaffenen Nichtverbreitungszentrums, werden die Unterstützung für internationale
Nichtverbreitungsregime erhöhen und eine Erweiterung des Stabes erfahrener, gut ausgebildeter Experten anstreben, die sich für die Mission der Nichtverbreitung engagieren.

Sichere Zerstörung nuklearer Gefechtsköpfe
und effektive Kontrolle von atomwaffenfähigem
Material.

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�NICHTVERBREITUNG
22. Juli 1992

BESTREBUNGEN ZUR NICHTVERBREITUNG
Eine Übersicht des Weißes Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht über Bestrebungen zur Nichtverbreitung wurde am 13. Juli 1992
vom Weißen Haus veröffentlicht.

Nichtverbreitungsvertrag (NPT). Im vergangenen
Jahr haben China, Südafrika, Lettland, Litauen, Estland und weitere Länder die Mitgliederzahl (der Unterzeichnerstaaten) auf 149 erhöht. Frankreich wird in
Kürze ebenfalls beitreten. In dem in Lissabon unterzeichneten START-Protokoll haben sich Belarus,
Kasachstan und die Ukraine bereit erklärt, dem NPT
als Nicht-Atommächte beizutreten.
Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO).
Die IAEO bekräfigte ihre Befugnis, "besondere Inspektionen" bei allen nicht ausgewiesenen nuklearen Einrichtungen durchzuführen. Argentinien und Brasilien
haben seit langem besetzte Positionen aufgegeben
und umfangreichen lAEO-Kontrollen zugestimmt. Nach
jahrelangem Zögern hat Nord-Korea eingewilligt, die
NPT-Bestimmungen hinsichtlich eines lAEO-Kontrollabkommens zu ratifizieren und lAEO-Kontrollen akzeptiert.
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial (NSG).
Im April 1992 haben die 27 Lieferanten von Atommaterial zugestimmt, die Nuklearexportkontrollen auszuweiten auf Mehrzweckausrüstung und umfassende
lAEO-Kontrollen als Bedingung für vorhandenes bedeutendes nuklearfähiges Material zu fordern.
Kontrollregime für Raketentechnologie (MTCR).
Das MTCR erweiterte seine Mitgliederzahl auf 22,
brachte seine Liste der Güter, die unter Exportkontrolle
stehen, auf den neuesten Stand und beschloß seine
Arbeit auf alle Raketen auszuweiten, die in der Lage
sind, als Träger von Massenvernichtungswaffen zu
fungieren. China, Argentinien und Israel haben zugesagt, die MTCR-Richtlinien einzuhalten.
Initiative zurerweiterten Kontrolle der Verbreitung
(EPCI). Im Rahmen dieser Initiative haben die USA
ihre Exportkontrollen ausgeweitet auf alle 50 bekannten Grundstoffe für chemische Waffen, auf zur Herstellung chemischer und biologischer Waffen in Frage
kommende Mehrzweckausrüstung, auf komplette
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Chemiefabriken und auf die bekannte Unterstützung
chemischer und biologischer Waffen- oder Raketenprogramme.
Verstärkte nationale Exportkontrollen. Verschiedene Lieferanten haben ihre nationalen Exportkontrollgesetze und diesbezügliche Strafverfolgungsmaßnahmen verschärft. Einige Länder haben Gesetze und
Bestimmungen erlassen, die denen der ECPI entsprechen und die Mitarbeit ihrer Staatsbürger an nuklearen, biologischen, chemischen Programmen und an
Raketenprogrammen einschränken.
Australien-Gruppe. Die Australien-Gruppe erweiterte ihre Mitgliederzahl auf 22 Staaten. Sie folgte der
Vorgabe der USA bei der EPCI und erweiterte ihre
Exportkontrollen auf die 50 Grundstoffe zur Produktion
von Chemiewaffen und auf Mehrzweckausrüstung, die
zur Herstellung dieser Waffen verwendet werden kann.
Die Gruppe hat vor kurzem eine gemeinsame Kontrollliste erstellt mit biologischen Organismen, Toxinen
und Ausrüstung.
Initiative zur Rüstungskontrolle im Nahen Osten.
Im Mai 1991 hat Präsident Bush einen Abrüstungsprozeß initiiert mit den fünf führenden Lieferanten für
konventionelle Waffen: den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China. Im Oktober kamen die fünf
überein, globale Richtlinien im Bereich konventionelle
Waffentransfers zu überwachen und einen Informationaustausch einzurichten. Im Mai 1992 beschlossen
die fünf vorläufige Richtlinien bezüglich des Exports
von Massenvernichtungswaffen. Im Rahmen des
Friedensprozesses im Nahen Osten kamen im Mai
1992 in Washington 23 Delegationen (darunter Israel
und 12 arabische Staaten) zusammen, um regionale
Sicherheit und Rüstungskontrolle zu diskutieren.
Vereinte Nationen. Die Sonderkommission der Vereinten Nationen und die IAEO haben im Irak 39 Inspektionen durchgeführt, zehntausende Teile chemischer
Munition zu zerstören begonnen, sie zerstörten AusrüSeite 1

�stung zur Raketenproduktion und 150 Raketen, legten
ein umfassendes Nuklearwaffenprogramm offen und
überwachten die Zerstörung von Fabriken zur Herstellung von Nuklearwaffen.

Lateinamerika. In Ergänzung zur Annahme umfassender lAEO-Schutzmaßnahmen erklärten sich Argentinien und Brasilien zusammen mit Chile bereit,
biologische und chemische Waffen in ihren Ländern zu
verbieten.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 29

�RÜSTUNGSKONTROLLE
22. Juli 1992

USA UND RUSSLAND KONSULTATIONEN ÜBER GPS
Gemeinsame Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Hochrangige Delegationen der Vereinigten Staaten und Rußlands trafen am 13. und 14.
Juli 1992 in Moskau zu Konsultationen über die Einrichtung eines weltweiten Systems zum Schutz gegen
ballistische Raketen (Global Protection System Against Ballistic Missiles - GPS) zusammen. Nachfolgend
veröffentlichen wir den Text einer vom Außenministerium am 14. Juli 1992 veröffentlichten gemeinsamen
Erklärung.
Hochrangige Delegationen der Vereinigten Staaten
und Rußlands kamen am 13. und 14. Juli in Moskau zu
Konsultationen über die Einführung eines weltweiten
Systems zum Schutz gegen ballistische Raketen
zusammen.
Die Konsultationen waren das Ergebnis einer Vereinbarung der Präsidenten Bush und Jelzin beim Gipfel in
Washington. Beide Präsidenten kamen überein, daß
unsere beiden Länder gemeinsam mit den Verbündeten und anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten sollten, um ein Konzept für ein solches weltweites Schutzsystem als Teil einer Gesamtstrategie zu
entwickeln, um der Verbreitung ballistischer Raketen
und Massenvernichtungswaffen entgegenzutreten.
Beide Präsidenten hatten vereinbart, bei ihren Erwägungen folgenden Bereichen Priorität einzuräumen:
der Möglichkeit, durch die Einrichtung eines
Frühwarnzentrums Frühwarninformationen über
ballistische Raketen auszutauschen;
der Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Teilnehmerstaaten bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien zur Verteidigung gegen ballistische Raketen und
der Entwicklung einer legalen Basis für Kooperation, einschließlich neuer Verträge und Abkommen sowie möglicher Modifizierungen bestehender Abkommen, die notwendig sind, um
ein weltweites Schutzsystem einzuführen.
Die Delegationen führten konstruktive und fruchtbare
Gespräche über alle relevanten Fragen. Sie vereinbarten, daß ihre beiden Länder in ein radikal verändertes Sicherheitsumfeld eintreten, gekennzeichnet von
Veränderungen im Charakter der Bedrohungen für die
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internationale Sicherheit, einschließlich der steigenden Bedrohung der Weiterverbreitung ballistischer
Raketen und Massenvernichtungswaffen an die internationale Staatengemeinschaft. Sie kamen femer
überein, daß sie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten müßten, um Lösungen für
diese neuen Herausforderungen zu finden, indem sie
die möglichen Vorteile eines weltweiten Systems zum
Schutz gegen ballistische Raketen erwägen und stimmen überein, daß es wichtig ist, die Rolle der Verteidigung beim Schutz gegen begrenzte Schläge ballistischer Raketen zu untersuchen.
Beide Seiten vertraten die Auffassung, daß ihre Gespräche eine vielversprechende Basis für künftige
Arbeit liefern. Im Hinblick darauf entschieden sie, drei
Arbeitsgruppen ins Leben zu rufen, in denen Spezialisten unverzüglich die Entwicklung des Konzepts eines
weltweiten Schutzsystems übernehmen.
Eine Arbeitsgruppe für das Konzept eines weltweiten
Schutzsystems würde die Struktur, Modalitäten und
Funktionen eines weltweiten Schutzsystems der Zukunft erwägen. Sie würde das Konzept des Systems
untersuchen und die Beziehungen zwischen seinen
Hauptelementen prüfen. Sie würde gegebenenfalls
Untergruppen bilden, einschließlich solcher zu Analysen und Konzepten, Frühwarnung und Kooperation im
Bereich der Verteidigung gegen taktische ballistische
Raketen.
Eine Arbeitsgruppe für Zusammenarbeit im Technologiebereich würde mögliche Forschungs-, Entwicklungsund Erprobungsprojekte sowie andere Formen technologischer Zusammenarbeit erwägen, die - möglicherweise in Kooperation mit anderen Ländern - zur
Realisierung des Konzepts des weltweiten Schutzsystems führen könnten. In der Arbeit dieser Gruppe
Seite 1

�sollte die Arbeit der Arbeitsgruppe für das Konzept
ihren Niederschlag finden.
Eine Arbeitsgruppe für Nichtverbreitung würde gemeinsame Bewertungen von Tendenzen bei der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer
Trägersysteme durchführen sowie Mittel und Wege
der Stärkung gegenwärtiger internationaler Bestrebungen aufzeigen, um eine solche Verbreitung zu
verhindern und ferner künftige Initiativen in diesem
Bereich untersuchen.

Beide Seiten kamen überein, daß die Arbeitsgruppen
ihre ersten Treffen möglichst bald abhalten sollten.
Darüber hinaus vereinbarten sie, daß der hochrangig e n G m p p e n a c h w j e v o r e j n e R o „ e a)s L e n k u n g s a u s .
s c h u ß zufa(|en soNte
S i e w ü r d e s i c h r e g e |mäßig
Bereiche
anzusprechen,
die die Präsidentreffen u m
|
|
t e n B u s h u n d J e z i n j n i h r e r E r k ä r u n g v o m ^7 J u n i f u r
s i e festgelegt haben. Beide Seiten sind bemüht, den
Regierungen beider Länder frühzeitig einen Bericht
u b e r d e n s t a t u s d i e S e r Bestrebungen vorzulegen.

* * * *

Seite 2

*

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�W A H L E N "9 2
22. Juli 1992

ARBEITSPLÄTZE, KRANKENVERSICHERUNG,
REFORMEN VORRANGIG FÜR CLINTON
Rede beim Parteikonvent der Demokraten
NEW YORK - (AD) - Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bill Clinton hat betont, eine Administration
unter seiner Führung werde der Schaffung von Arbeitsplätzen, dem Gesundheitswesen, der Umwelt und
politischen Reformen Vorrang einräumen.
"Während wir den Kalten Krieg im Ausland gewonnen haben, verlieren wir die Schlachten um wirtschaftliche
Chancen und soziale Gereichtigkeit im Inland. Jetzt, da wir die Welt verändert haben, ist es an der Zeit, Amerika
zu verändern", erklärte Clinton in seiner Rede beim Nationalen Konvent der Demokratischen Partei am 16. Juli
1992, mit der er die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei annahm.
Clinton kritisierte dabei die Wirtschaftspolitik von Präsident Bush und stellte fest: "Ein Präsident sollte eine starke
Kraft für den Fortschritt sein... George Bush, wenn Sie Ihre Macht nicht einsetzen wollen, um Amerika zu helfen,
treten Sie ab, denn ich werde es tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons Rede im Wortlaut.
Gouverneur Richards, Vorsitzender Brown, Bürgermeister Dinkins, unser großartiger Gastgeber, verehrte Delegierte, meine amerikanischen Mitbürger. Ich
bin so stolz auf AI Gore. Er sagte, daß er heute abend
hierher gekommen ist, weil er immer schon einmal den
Einheizer für Elvis spielen wollte. Nun, ich habe mich
dieses Jahr aus einem Grund - und nur aus diesem
Grund - um die Präsidentschaft beworben. Ich wollte
bei diesem Konvent erneut dabei sein und diese Rede
beenden, die ich vor vier Jahren begonnen hatte.
Gestern abend hat uns Mario Cuomo gelehrt, wie eine
echte Nominierungsrede gehalten werden sollte. Er
hat darüber hinaus klargemacht, warum wir unser
Staatsschiff auf einen neuen Kurs steuern müssen.
Heute abend möchte ich zu Ihnen über meine Zukunftshoffnung sprechen, mein Vertrauen in das
amerikanische Volk und meine Vision von der Art von
Land, das wir - gemeinsam - aufbauen können.
Ich grüße die guten Männer, die während des Vorwahlkampfes meine Mitbewerber waren - Tom Harkin, Bob
Kerrey, Doug Wilder, Jerry Brown und Paul Tsongas.
Alles ist in einem Satz der von uns verabschiedeten
Plattform enthalten: "Die wichtigste Familienpolitik,
Städtepolitik, Arbeitsmarktpolitik, Minderheitenpolitik
und Außenpolitik, die Amerika haben kann, ist eine auf
Wachstum ausgerichtete, unternehmerische Volks-

AMERIKA DIENST 29

wirtschaft mit hochbezahlten und anspruchsvollen
Arbeitsplätzen."
Im Namen all der Menschen, die die Arbeit leisten,
Steuern zahlen, Kinder aufziehen und sich an die
Spielregeln halten - im Namen der hart arbeitenden
Amerikaner, die unsere vergessene Mittelschicht bilden, nehme ich mit Stolz Ihre Nominierung für die
Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an.
Ich bin ein Produkt jener Mittelschicht, und wenn ich
Präsident bin, werden Sie nicht länger vergessen sein.
Wir treffen zu einem besonderen historischen Zeitpunkt zusammen, Sie und ich. Der Kalte Krieg ist
vorüber. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und unsere Werte - Freiheit, Demokratie,
Rechte des einzelnen, freies Unternehmertum - haben
in der ganzen Welt triumphiert. Aber während wir den
Kalten Krieg im Ausland gewonnen haben, verlieren
wir die Schlachten um wirtschaftliche Chancen und
soziale Gereichtigkeit im Inland. Jetzt, da wir die Welt
verändert haben, ist es an der Zeit, Amerika zu verändern.
Den Kräften der Habgier und den Verteidigern des
Status quo habe ich eine Nachricht zu überbringen Ihre Zeit ist gekommen und zu Ende gegangen. Es ist
Zeit für einen Wandel in Amerika.

Seite 1

�Heute abend sind 10 Millionen unserer amerikanischen Mitbürger arbeitslos. Viele Millionen arbeiten
härter für geringeren Lohn. Der derzeitige Präsident
erklärt, die Arbeitslosigkeit steige immer ein wenig
bevor ein Aufschwung einsetze. Es ist jedoch nur noch
ein weiterer Arbeitsloser erforderlich, bevor ein echter
Aufschwung beginnen kann. Und, Herr Präsident,
dieser Mann sind Sie.
Bei dieser Wahl geht es darum, die Macht zurück in
Ihre Hände zu legen und die Regierung wieder auf Ihre
Seite zu bringen. Es geht darum, den Menschen an die
erste Stelle zu setzen.
Sie wissen es, ich habe es im ganzen Land verkündet.
Und wann immer ich dies tue, kommt jemand zu mir,
wie dieser junge Mann vergangene Woche bei einer
Gemeindeversammlung im Henry Street Settlement
auf der Lower East Side von Manhattan. Er sagte zu
mir: "Das klingt gut, Bill. Aber Sie sind Politiker.
Warum sollte ich Ihnen vertrauen?"
Heute abend will ich Ihnen so offen ich kann, erzählen,
wer ich bin, woran ich glaube und wohin ich Amerika
führen möchte.
Ich habe meinen Vater nie gekannt. Er wurde drei
Monate vor meiner Geburt auf dem Weg von Chicago
nach Arkansas zu meiner Mutter bei einem Autounfall
auf einer regennassen Straße getötet.
Danach mu ßte meine Mutter allein für uns sorgen. Wir
lebten bei meinen Großeltern, während sie zurück
nach Louisiana ging, um sich als Krankenschwester
ausbilden zu lassen.
Ich kann sie heute noch ganz genau mit den Augen
eines dreijährigen Kindes sehen, wie sie sich im Bahnhof niederkniete und weinte, als sie mich wieder in den
Zug zu meiner Großmutter in Arkansas setzte. Sie
stand diesen Schmerz durch, weil sie wußte, daß ihr
Opfer der einzigs Weg war, um für mich zu sorgen und
mir ein besseres Leben zu verschaffen.
Meine Mutter hat mich gelehrt. Sie lehrte mich, was
Familie, harte Arbeit und Opfer bedeuten. Sie blieb
über alle Tragödien hinweg standfest. Und sie hielt
unsere Familie, meinen Bruder und mich, durch harte

Zeiten zusammen. Als Kind sah ich jeden Tag, wie sie
das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen, zu einer
Zeit, als es nicht gerade leicht war, arbeitende Mutter
zu sein.
Als Erwachsener sah ich, wie sie gegen den Brustkrebs kämpfte. Und wieder lehrte sie mich eine Lektion
in Sachen Mut. Und immer, immer lehrte sie mich zu
kämpfen.
Deshalb werde ich kämpfen, um gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, damit Eltern es sich leisten können,
heute Kinder aufzuziehen. Deshalb werde ich mich
dafür engagieren, daß jeder Amerikaner den Krankenversicherungsschutz erhält, der das Leben meiner
Seite 2

Mutter rettete und daß die Krankenversicherung von
Frauen denselben Stellenwert erhält, wie die von
Männern. Deshalb werde ich dafür kämpfen, daß
Frauen in diesem Land Achtung und Würde zuteil wird,
ob sie nun zu Hause, außerhalb oder an beiden Stellen
arbeiten.
Sie möchten wissen, woher ich meinen Kampfgeist
nehme? Alles begann mit meiner Mutter. Mutter, ich
danke Dir, ich liebe Dich.
Wenn ich an Chancen für alle Amerikaner denke,
denke ich an meinen Großvater. Er hatte einen
Gemischtwarenladen in unserer Kleinstadt Hope.
Damals gab es noch keine Lebensmittelmarken. Wenn
also seine Kunden - ob sie nun Weiße oder Schwarze
waren -, die hart arbeiteten und ihr Bestes gaben, ohne
Geld in den Laden kamen, dann gab er ihnen auch so
etwas zu essen. Er schrieb nur an. Ich tat desgleichen.
Bevor ich groß genug war, um über die Ladentheke
sehen zu können, lernte ich von ihm, zu Leuten aufzublicken, auf die andere herabblickten.
Mein Großvater hatte lediglich die High School abgeschlossen - also eine einfache Schulbildung. Aber in
diesem Laden auf dem Lande lehrte er mich mehr über
Gleichheit in den Augen des Schöpfers als alle meine
Professoren in Georgetown, mehr über den wahren
Wert jedes einzelnen als alle Philosophen in Oxford,
mehr über die Notwendigkeit der Gleichheit vor dem
Gesetz als alle Juristen in Yale.
Wenn Sie wissen möchten, woher mein leidenschaftliches Engagement kommt, Menschen ohne Ansehen
der Rasse zusammenzuführen - alles begann mit
meinem Großvater.
Auch von einer anderen Person habe ich viel gelernt einer Person, die über zwanzig Jahre lang hart gearbeitet hat, um unseren Kindern zu helfen, die Zeit
geopfert hat, um sicherzustellen, daß unsere Schulen
sie nicht im Stich lassen. Jemand, der ein Jahr lang
unseren Staat bereist hat, um zu studieren, zu lernen
und zuzuhören, der zu Elternversammlungen, Konferenzen der Schulbehörde, Gemeindeversammlungen
gegangen ist und ein im gesamten Land anerkanntes
Schulreformpaket zusammengestellt hat. Und all dies
hat sie getan, während sie eine Karriere als herausragende Juristin aufbaute und eine wunderbare, liebevolle Mutter war. Diese Person ist meine Frau.
Hillary hat mich gelehrt. Sie lehrte mich, daß alle
Kinder lernen können und daß jeder von uns die Pflicht
hat, ihnen dabei zu helfen. Wenn Sie also wissen
wollen, warum ich mich so stark um unsere Kinder und
unsere Zukunft kümmere, so begann alles mit meiner
Frau. Ich liebe Dich.
Offengestanden, ich habe genug von Politikern in
Washington, die uns alle über "die Werte der Familie"
belehren wollen. Unsere Familien haben Werte. Aber
unsere Regierung nicht.
AMERIKA DIENST 29

�Ich möchte ein Amerika, in dem "Familienwerte" in
unserem Handeln zum Ausdruck kommen, nicht nur in
unseren Reden, ein Amerika, das jede Familie einbezieht, jede traditionelle Familie und jede Großfamilie,
jede Familie mit zwei Elternteilen, jede Familie mit
einem Eltemteil und jede Pflegefamilie - jede Familie.
Den Vätern in diesem Lande, die sich dafür entschieden haben, ihre Kinder im Stich zulassen, indem sie
ihre Unterhaltszahlungen einstellen, möchte ich eines
sagen. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kinder, oder wir werden Sie dazu zwingen, denn Kinder
werden nicht vom Staat aufgezogen, sondern von
ihren Eltern - und das sollten Sie tun.
Und jedem Kind im Land, das ohne einen Vater oder
eine Mutter aufwächst, möchte ich heute abend folgendes sagen. Ich weiß, wie Ihr Euch fühlt. Ihr seid
auch etwas ganz besonderes. Ihr bedeutet Amerika
etwas. Und laßt Euch von niemandem einreden, Ihr
könntet nicht werden, was ihr werden wollt. Und wenn
andere Politiker Euch das Gefühl geben, daß Ihr nicht
Teil ihrer Familie seid, kommt und seid Teil der unseren.
Mein größter Zorn darüber, was in den vergangenen
zwölf Jahren falsch gelaufen ist, rührt daher, daß
unsere Regierung den Kontakt zu unseren Werten
verloren hat, während unsere Politiker weiterhin lautstark über sie reden. Ich habe genug davon.

Ein Präsident sollte eine starke Kraft für den Fortschritt
sein. Aber jetzt weiß ich, wie Präsident Lincoln sich
gefühlt hat, als General McCIellan im Bürgerkrieg nicht
angreifen wollte. Er fragte ihn: "Wenn Sie ihre Armee
nicht benötigen, darf ich Sie vielleicht ausleihen?" Und
deshalb sage ich, George Bush, wenn Sie ihre Macht
nicht einsetzen, um Amerika zu helfen, treten Sie ab,
denn ich werde es tun.
Unser Land gerät ins Hintertreffen. Unser Präsident ist
in einer überkommenen Wirtschaftstheorie gefangen.
Seit der Amtszeit von Reagan und Bush sind wir bei
den Löhnen weltweit vom ersten auf den dreizehnten
Platz gefallen.
Vor vier Jahren hat der Kandidat Bush erklärt, Amerika
sei ein besonderer Ort, nicht nur "ein anderes angenehmes Land der Vereinten Nationen irgendwo zwischen Albanien und Zimbabwe". Jetzt, unter Präsident
Bush, hat Amerika eine unerfreuliche Wirtschaft irgendwo zwischen Deutschland und Sri Lanka. Und für
die meisten Amerikaner, Herr Präsident, ist das Leben
viel unsanfter als vor ihrem Amtsantritt.
Unser Land ist so schnell so tief gesunken, daß erst vor
ein paar Monaten der japanische Ministerpräsident
erklärt hat, er empfinde Mitgefühl mit den Vereinigten
Staaten. Mitgefühl. Wenn ich Ihr Präsident bin, wird
der Rest der Welt nicht mitleidig auf uns herabsehen,
sondern wieder respektvoll zu uns aufschauen.

Ich wurde in dem Glauben erzogen, daß der amerikanische Traum auf der Belohnung harter Arbeit basierte. Wir haben jedoch gesehen, wie die Leute in
Washington die amerikanische Ethik auf den Kopf
stellten. Zu lange wurden diejenigen, die sich an die
Spielregeln halten und ihren Glauben bewahren, übers
Ohr gehauen. Und diejenigen, die sich über die Regeln
hinwegsetzen und unsaubere Geschäfte machen,
wurden belohnt. Die Menschen arbeiten härter als
vorher, verbringen weniger Zeit mit ihren Kindern,
arbeiten abends oder an Wochenenden, anstatt zu
Schulversammlungen oder Sportveranstaltungen ihrer Kinder zu gehen. Und ihre Einkommen schrumpfen
weiter, während die Steuern immer noch steigen und
die Kosten für Krankenversicherung, Wohnungen und
Ausbildung jeden Rahmen sprengen. Gleichzeitig
versinken immer mehr unserer besten Leute in Armut,
obwohl sie wöchentlich 40 Stunden arbeiten.

Was tut George Bush im Hinblick auf unsere Wirtschaftsprobleme?

Unsere Menschen befürworten einen Wandel, aber die
Regierung steht dem im Wege. Sie wurde das Opfer
privilegierter Einzelinteressen. Sie hat vergessen, wer
hier wirklich die Rechnungen bezahlt. Sie nimmt mehr
Geld von Ihnen und gibt Ihnen dafür immer weniger
zurück. Wir müssen die völlig phantasielose Politik in
Washington überwinden und unserem Volk die Art von
Regierung geben, die es verdient - eine Regierung, die
für es arbeitet.

Wenn Sie genug von einer Regierung haben, die nichts
tut, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, wenn Sie
genug von einem Steuersystem haben, das gegen Sie
gerichtet ist, wenn Sie genug von explodierenden
Schulden und sinkenden Investitionen in unsere Zukunft haben, oder wenn Sie, wie der verstorbene
Bürgerrechtler Fannie Lou Hamer, einfach genug davon
haben, immer genug davon zu haben, dann schließen
Sie sich uns an, arbeiten Sie mit uns zusammen,
gewinnen Sie mit uns, denn wir können das Land zu
dem machen, was es eigentlich sein sollte.

AMERIKA DIENST 29

Nun, er hat damals 15 Millionen Arbeitsplätze versprochen, und vierzehn Millionen davon stehen noch aus.
AI Gore und ich können das besser machen.
Er hat die Steuern derjenigen erhöht, die Lieferwagen
fahren und die Steuern der Menschen gesenkt, die in
Limousinen gefahren werden. Wir können das besser
machen.
Er hat versprochen, den Haushalt auszugleichen, hat
es aber nicht einmal versucht. Tatsächlich haben
seine dem Kongreß unterbreiteten Haushaltsvorlagen
die Schulden fast verdoppelt. Und was noch schlimmer ist, er hat Milliarden verschleudert und unsere
Investitionen in Bildung und Arbeitsplätze verringert.
Wir können das besser machen.

Seite 3

�George Bush spricht von einem guten Spiel. Aber er
hat keinen Spielplan, um Amerika wiederaufzubauen von den Städten über die Vorstädte bis zu den ländlichen Gebieten - damit wir in der Weltwirtschaft wieder
konkurrieren und erneut gewinnen können. Ich aber
habe einen.
Erschafft es nicht, daß die großen Versicherungskonzerne und Bürokratien die Gesundheitskosten kontrollieren und uns bezahlbare Gesundheitsvorsorge für
alle Amerikaner verschaffen, aber ich schaffe das.
Er führt nicht einmal die Empfehlungen seiner eigenen
AIDS-Kommission durch, aber ich werde das tun.
Er strafft nicht den Bundeshaushalt und verändert
seine Funktionsweise, baut 100.000 Bürokraten ab
und schickt 100.000 neue Polizisten auf die Straßen
der amerikanischen Städte, aber ich werde das tun.
Er hat niemals einen Regierungshaushalt ausgeglichen, aber ich habe das getan -11mal.
Er durchbricht nicht den Würgegriff, den Eigeninteressen auf unsere Wahlen und Lobbyisten auf unsere
Regierung ausüben, aber ich werde das tun.
Er gibt nicht Müttern und Vätern ganz einfach die
Chance, am Arbeitsplatz frei zu nehmen, wenn ein
Baby geboren wird oder ein Elternteil krank ist, aber ich
werde das tun.
Wir verlieren unsere Farmen immer schneller, und er
setzt sich nicht dafür ein, daß Farmen in der Familie
bleiben, aber ich werde das tun.
Er hat viel über Drogen gesprochen, aber er hat den
Menschen an der Front nicht geholfen, diesen Krieg
gegen Drogen und Verbrechen zu führen, aber ich
werde das tun.
Er übernimmt nicht die Führungsrolle beim Umweltschutz und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die
Umwelttechnologie des 21. Jahrhunderts, aber ich
werde das tun.
Darüber hinaus hat er nicht AI Gore - aber ich.
Nur für den Fall, daß Sie es noch nicht bemerkt haben
- Gore schreibt man mit einem 'e' am Ende.
George Bush garantiert Frauen nicht das Recht auf
freie Wahl, ob sie ein Kind austragen wollen, aber ich
tue das.
Verstehen Sie mich richtig. Ich bin nicht für Abtreibung. Aber ich bin voll und ganz für das Recht auf freie
Wahl.
Meiner Ansicht nach sollte diese schwierige und schmerzliche Entscheidung bei den Frauen Amerikas liegen.

Seite 4

Ich hoffe, das Recht auf die Privatsphäre kann geschützt werden, und wir müssen dieses Problem nicht
mehr auf politischer Ebene diskutieren.
Aber ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, wie
es vor dem Urteil Roe ./. Wade war, und ich möchte
nicht in die Zeit zurückfallen, wo wir aus Frauen und
ihren Ärzten Verbrecher gemacht haben.
Arbeitsplätze. Bildungswesen. Gesundheitsfürsorge.
Dies sind nicht nur Lippenbekenntnisse. Sie sind mein
Lebenswerk.
Unsere Prioritäten müssen klar sein. Wir werden die
Menschen wieder an die erste Stelle setzen.
Aber Prioritäten ohne einen klaren Aktionsplan sind
nur leere Worte. Um unsere Worte in die Tat umzusetzen, müssen wir die Art und Weise grundlegend verändern, wie die Regierung funktioniert. Wenn wir das
nicht tun, verschwenden wir weiterhin Milliarden Dollar.
Die Republikaner führen seit Generationen ihre Kampagne gegen eine große Regierung. Aber haben Sie
bemerkt, daß sie diese große Regierung seit einer
Generation führen und überhaupt nichts verändert
haben. Sie wollen die Regierung nicht reparieren. Sie
wollen immer noch eine Kampagne dagegen führen,
und das ist alles.
Aber, meine demokratischen Parteifreunde, es ist an
der Zeit zu realisieren, daß auch wir uns verändern
müssen. Es gibt kein Regierungsprogramm für jedes
Problem. Wenn wir die Regierung einsetzen Wollen,
um den Menschen zu helfen, müssen wir sie wieder
zum Funktionieren bringen.
Weil wir uns, bei diesem Konvent und mit diesem
Programm, für diese Veränderungen einsetzen, sind
wir - um mit den Worten zu sprechen, die Ross Perot
heute gewählt hat - als Demokraten eine neubelebte
demokratische Partei.
Ich bin mir sehr wohl der Tatsache bewußt, daß all
diese Millionen Menschen, die sich für die Sache Ross
Perots eingesetzt haben, Mitglieder einer Armee von
Patrioten des Wandels sein wollten. Heute abend
sage ich ihnen: Schließen Sie sich uns an, gemeinsam
werden wir Amerika neu beleben.
Ich habe auch nicht alle Antworten. Aber ich wei ß, daß
die alten Methoden nicht mehr funktionieren. Eine
Wirtschaft, in der alles versickert, hat ganz sicherlich
versagt. Und große Bürokratien, sowohl private wie
auch staatliche, haben auch versagt. Deshalb benötigen wir einen neuen Ansatz für die Regierung. Eine
Regierung, die mehr Selbständigkeit und weniger
Anspruchsberechtigung bietet, mehr Wahlmöglichkeiten für junge Menschen in den öffentlichen Schulen
und mehr Wahlmöglichkeiten für ältere Mitbürger und
Menschen mit Behinderungen in ihrer langfristigen
Pflege.
AMERIKA DIENST 29

�Eine Regierung, die gestrafft ist, aber nicht geiziger.
Eine Regierung, die die Chancen erhöht und nicht
Bürokratie verstärkt. Eine Regierung, die versteht,
daß Arbeitsplätze aus dem Wachstum eines dynamischen Systems freien Unternehmertums entstehen.
Ich nenne diesen Ansatz einen neuen Bund - eine
noble Vereinbarung zwischen dem Volk und seiner
Regierung, nicht auf der Basis dessen, was jeder von
uns nehmen, sondern was jeder von uns unserer
Nation geben kann.

Aber Sie müssen das Ihrige dazu beitragen. Sie
müssen verantwortungsbewußt handeln. Amerikanische Firmen müssen wieder wie amerikanische Firmen handeln und Produkte, nicht Arbeitsplätze exportieren.

Wir bieten unseren Menschen eine neue Wahl auf der
Basis alter Werte. Wir bieten Chancen. Wir fordern
Verantwortung. Wir werden erneut das Gemeinwohl in
Amerika aufbauen. Die Wahl, die wir anbieten, ist nicht
konservativ oder liberal und in vieler Hinsicht nicht
einmal demokratisch oder republikanisch. Sie ist
anders. Sie ist neu. Und sie wird funktionieren.

Wir werden sagen: Jeder kann das Geld für einen
College-Besuch leihen, aber Sie müssen Ihren Teil
dazu beitragen. Sie müssen das Geld von Ihrem
Gehalt zurückzahlen oder - noch besser - indem Sie
nach Hause zurückgehen und Ihren Gemeinden dienen.

Sie wird funktionieren, weil sie ihre Wurzeln in der
Vision und den Werten des amerikanischen Volkes
hat. Von allem, was George Bush jemals gesagt hat
und womit ich nicht übereinstimme, beunruhigt mich
eins am meisten - wie er die amerikanische Tradition
verspottet und herabsetzt, eine bessere Zukunft zu
sehen und anzustreben. Er macht sich darüber lustig
als "diese Sache mit der Vision".
Aber erinnern Sie sich daran, was die Schrift sagt: "Wo
keine Vision ist, werden die Menschen zugrundegehen."
Ich hoffe, niemand in diesem Saal oder in unserem

geliebten Land geht ohne Vision in die Zukunft. Ich
hoffe, niemand versucht jemals, ein Kind ohne Vision
zu erziehen. Ich hoffe, niemand gründet jemals ein
Unternehmen oder baut Getreide an ohne Vision.
Denn wo keine Vision ist, werden die Menschen zugrundegehen.
Ein Grund, warum so viele Kinder an so vielen Orten in
diesem Land Probleme haben, liegt darin, daß sie so
wenig Möglichkeiten haben, so wenig Verantwortung,
eine so wenig liebende und fürsorgliche Umgebung,
daß sie sich einfach kein Leben vorstellen können, zu
dem wir sie auffordern.
Und deshalb sage ich erneut, wo keine Vision ist,
werden die Vereinigten Staaten zugrunde gehen. Wie
lautet die Vision unseres neuen Bundes?
Ein Amerika mit Millionen neuer Arbeitsplätze in Dutzenden neuer Industriezweige, die voller Vertrauen ins
21. Jahrhundert blicken. Ein Amerika, das Unternehmern und Geschäftsleuten sagt: Wir werden Euch
mehr Anreize und mehr Chancen als je zuvor zur
Entwicklung der Fähigkeiten Eurer Arbeitnehmer bieten und um die amerikanischen Arbeitsplätze und den
amerikanischen Wohlstand in der neuen Weltwirtschaft zu schaffen.

AMERIKA DIENST 29

Das ist es, worum es in unserem neuen Bund geht. Ein
Amerika, in dem die College-Türen wieder den Söhnen
und Töchtern von Stenographen und Stahlarbeitern
offenstehen.

Stellen Sie sich das einmal vor - Millionen energischer
junger Männer und Frauen, die ihrem Land dienen,
indem sie die Straßen bewachen, Kinder unterrichten,
sich um Kranke kümmern, mit älteren Menschen oder
Behinderten arbeiten, junge Menschen vom Drogenkonsum und dem Anschluß an Banden abhalten und
uns allen ein Gefühl neuer Hoffnung und unbegrenzter
Möglichkeiten vermitteln. Darum geht es in unserem
neuen Bund.
Ein Amerika, in dem Gesundheitsfürsorge ein Recht,
nicht ein Privileg ist. Ein Amerika, in dem wir zu allen
Menschen sagen: Ihre Regierung hat endlich den Mut,
den Profiteuren im Gesundheitswesen den Garaus
und Gesundheitsfürsorge für jede Familie erschwinglich zu machen.
Aber Sie müssen das Ihre dazu beisteuern - Vorsorge,
vorgeburtliche Diagnostik, Kinderimpfungen - die
Menschenleben retten, Geld sparen und Familien Leid
ersparen. Darum geht es in unserem neuen Bund.
Ein Amerika, in dem die Einkommen der Mittelklasse
und nicht deren Steuern steigen. Ja, ein Amerika, in
dem die wenigen Wohlhabendsten - die über 200.000
Dollar pro Jahr verdienen - aufgefordert werden, ihren
gerechten Anteil zu leisten.
Ein Amerika, in dem die Reichen nicht gemolken
werden, aber auch die Mittelklasse nicht zum Untergang verurteilt ist.
Verantwortung beginnt oben. Davon handelt unser
neuer Bund. Ein Amerika, in dem wir der bisher
gekannten Art der Sozialhilfe ein Ende bereiten. Wir
werden den Sozialhilfeempfängern sagen: Ihnen wird
- und Sie verdienen es - durch Aus- und Fortbildung,
durch Kinderbetreuung und medizinische Versorgung
die Chance geboten, sich davon zu befreien. Aber
wenn Sie arbeiten können, müssen Sie dies auch tun.
Denn Sozialfürsorge sollte eine zweite Chance sein,
nicht ein Lebensstil. Darum geht es in unserem neuen
Bund.

Seite 5

�Ein Amerika mit der stärksten Verteidigung der Welt,
gegebenenfalls zum Einsatz von Gewalt bereit und
willens. Ein Amerika an vorderster Front der weltweiten Bestrebungen zur Erhaltung und zum Schutz unserer
gemeinsamen Umwelt und bei der Förderung weltweiten Wachstums. Ein Amerika, das von Bagdad bis
Beijing keine Tyrannen duldet. Ein Amerika, das sich
zum Fürsprecher der Freiheit und Demokratie von
Osteuropa bis zum südlichen Afrika und auf unserem
Kontinent von Haiti bis Kuba macht.
Das Ende des Kalten Kriegs gestattet uns eine Kürzung unserer Verteidigungsausgaben bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der stärksten Verteidigung der
Welt. Aber wir müssen jeden bei den Verteidigungsausgaben eingesparten Dollar für die Schaffung von
Arbeitsplätzen hier in unserem Land verwenden.
Ich weiß sehr wohl, daß die Welt ein starkes Amerika
benötigt, aber wir haben gelernt, daß die Stärke im
Inland beginnt.
Der neue Bund ist jedoch mehr als Chancen und
Pflichten für Sie und Ihre Familien. Er handelt auch von
unserer Gemeinschaft. Heute abend weiß jeder von
Ihnen in seinem tiefsten Inneren, daß wir zu sehr
gespalten sind. Es ist an der Zeit, Amerika zu heilen.
Und deshalb müssen wir jedem Amerikaner sagen:
Blicken Sie über die Klischees hinaus, die uns blind
machen. Wir brauchen einander - wir alle brauchen
einander. Wir haben keinen Menschen zu verschwenden. Und dennoch haben die Politiker den meisten von
uns zu lange gesagt, daß es uns gut geht, was wirklich
in Amerika im argen liegt, daran seien die anderen
schuld. Sie - die Minderheiten, die Liberalen, die
Armen, die Obdachlosen und die Behinderten, die
Homosexuellen. Wir sind an dem Punkt angelangt, an
dem wir beinahe nur noch den anderen die Schuld in
die Schuhe schieben. Dem und dem und dem.
Aber dies ist Amerika. Es gibt nicht "die anderen", es
gibt nur uns. Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit
Freiheit und Gerechtigkeit für alle. Das ist unser
Versprechen der Loyalität, und das ist unser neuer
Bund.
Woher weiß ich, daß wir alle zusammenkommen und
diesen Wandel bewirken können? Weil ich es in
meinem eigenen Bundesstaat gesehen habe. In Arkansas arbeiten wir zusammen und erzielen Fortschritte. Nein, es gibt kein Wunder von Arkansas.
Aber es gibt viele erstaunliche Menschen. Und wegen
ihnen sind unsere Schulen besser, unsere Löhne
höher, unsere Fabriken besser ausgelastet, unser
Wasser sauberer und unser Haushalt ausgeglichen.
Wir kommen voran.
Ich wünschte, ich könnte dasselbe für Amerika unter
dem amtierenden Präsidenten sagen. Er hat das
reichste Land der Welt in den Niedergang geführt. Wir

Seite 6

haben einem der ärmsten Bundesstaaten in Amerika
zu Wohlstand verholten.
Und so sage ich zu allen in dieser Wahlkampfsaison,
die Arkansas kritisieren wollen: Kommt zu uns. Besonders, wenn Sie aus Washington sind, kommen Sie
uns besuchen. Zweifelsohne werden Sie uns mit
Problemen kämpfen sehen, die wir noch nicht lösen
konnten. Aber Sie werden auch zahlreiche Menschen
sehen, die Erstaunliches tun. Und Sie könnten vielleicht ein oder zwei Dinge lernen.
Letztlich, meine amerikanischen Mitbürger, fordert uns
dieser neue Bund nur auf, wieder Amerikaner zu sein.
Altmodische Amerikaner für eine neue Zeit. Chancen,
Verantwortung, Gemeinschaft. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird Amerika Fortschritte machen.
Im gesamten Verlauf der Geschichte dieses Landes
konnten wir dies immer wieder beobachten: Wenn wir
geeint sind, kann man uns nicht aufhalten. Wir können
diesen Augenblick ergreifen, es aufregend, belebend
und heroisch machen, wieder Amerikaner zu sein. Wir
können unseren Glauben an den anderen und an uns
selbst erneuern. Wir können unser Gefühl für die
Einheit und die Gemeinschaft wiederherstellen. Wie
die Schrift lehrt, haben unsere Augen noch nicht
gesehen, unsere Ohren noch nicht gehört und unsere
Phantasie hat sich noch nicht vorgestellt, was wir
aufbauen können.
Aber ich kann dies nicht alleine leisten. Kein Präsident
kann das. Wir müssen es zusammmen tun. Es wird
nicht leicht sein und nicht schnell gehen. Wir sind nicht
über Nacht in diesen Schlamassel geraten, und wir
werden nicht über Nacht daraus hervorgehen. Aber
wir können es bewerkstelligen - mit Engagement,
Kreativität, Vielfalt und Dynamik. Wir können es
schaffen.
Ich möchte, daß jeder in diesem Saal Anwesende und
jeder in unserem Land sich uns anschließt bei dem
gro ßen neuen Abenteuer der Gestaltung einer kühnen
neuen Zukunft.
Als Teenager hörte ich John Kennedys Aufruf zur
Bürgerpflicht. Und dann, als Student in Georgetown,
wurde dieser Aufruf von einem Professor namens
Carroll Quigley erläutert, der uns erklärte, die Vereinigten Staaten seien die größte Nation in der Geschichte
der Welt, weil unser Volk stets an zwei Dinge geglaubt
habe - daß morgen besser als heute sein kann und
jeder von uns eine persönliche, moralische Verpflichtung habe, darauf hinzuarbeiten.
Diese Art der Zukunft wurde für mich mit der Geburt
unserer Tochter Chelsea Wirklichkeit. Während ich im
Kreißsaal stand, wurde ich von dem Gedanken überwältigt, daß Gott mir eine Gnade geschenkt hatte, die
mein eigener Vater nie kennengelernt hat - die Chance, mein Kind in den Armen zu halten.

AMERIKA DIENST 29

�In diesem Augenblick wird irgendwo in Amerika ein
Kind geboren. Wir sollten es zu unserer Sache machen, diesem Kind ein glückliches Zuhause, eine
gesunde Familie und eine hoffnungsvolle Zukunft zu
bieten. Wir sollten es zu unserer Sache machen, daß
dieses Kind eine Chance hat, die ganze Bandbreite der
von Gott gegebenen Fähigkeiten auszuschöpfen. Wir
sollten es uns angelegen sein lassen, daß dieses Kind
stark und sicher aufwächst, gewappnet für Herausforderungen, aber niemals allein kämpfend. Mit einer
Familie und Freunden und einem Glauben an Amerika
wird niemand ausgeschlossen oder zurückgelassen.

seine Kinder, seine Gemeinde und sein Land weitergibt. Wir sollten es uns angelegen sein lassen, diesem
Kind ein Land zu geben, das zusammenwächst, nicht
auseinanderfällt, ein Land unbegrenzter Hoffnungen
und endloser Träume, ein Land, das erneut seine
Menschen und die Welt inspiriert. Das sollten wir zu
unserer Sache, unseren Verpflichtungen, unseren neuen
Bünden machen.

Wir sollten es zu unserer Sache machen, daß dieses
Kind, wenn es über Fähigkeiten verfügt, etwas an

Möge Gott Sie und die Vereinigten Staaten schützen.

Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend ende
ich mit dem Wort, mit dem alles für mich begann. Ich
glaube noch immer an etwas namens "Hoffnung".

* *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 7

�W A H L E N '9 2
22. Juli 1992

DIE DEMOKRATEN VERSPRECHEN WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND FÜHRUNGSKRAFT
Das Parteiprogramm der Demokraten
NEW YORK - (AD) - Die Delegierten beim Parteitag der Demokraten stimmten am 14. Juli 1992 mit einer offenen
Abstimmung einem Parteiprogramm zu, das eine Wirtschaft verspricht, die Wachstum und Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten schafft, die wirtschaftlichen Führungsrolle Amerikas in der Welt wiederherstellt und
Demokratie auf der ganzen Welt fördert.
Die Demokratische Partei nennt ihr Programm von Zielen und Hoffnungen "einen neuen Bund mit dem
amerikanischen Volk".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Parteiprogramm.
Das Parteiprogramm der Demokraten - "Ein neuer
Bund mit dem amerikanischen Volk"
I. Chancen
Die oberste Priorität unserer Partei sind bessere Chancen
- ein breit gefächertes, nichtinflationäres Wirtschaftswachstum und sich daraus ergebende Möglichkeiten.
Die Demokraten erachten 1992 nichts als so wichtig
wie eine Wirtschaft, die Wachstum und Arbeitsplätze
für alle bietet.
Investieren in Amerika. Der einzige Weg, um den
Grundstein für einen neuerlichen Wohlstand in Amerika zu legen, besteht in der Förderung sowohl öffentlicher wie privater Investitionen. Wir müssen das
Haushaltsdefizit beheben und die Investitionslücken
schließen. Unsere wichtigsten Konkurrenten investieren viel mehr als wir in Straßen, Brücken sowie in die
Informationsnetze und Technologien der Zukunft. Wir
werden Amerika wiederaufbauen, in dem wir mehr in
Verkehr, Umwelttechnologien, Konversion der Rüstungsindustrie und ein nationales Informationsnetz
investieren.
Zur Einleitung des Wirtschaftswachstums sollten der
Präsident und der Kongreß übereinkommen, daß
Einsparungen aus der Verteidigung produktiv im Inland reinvestiert werden, auch für Forschung, Ausund Weiterbildung und andere produktive Investitionen. Dies wird die mageren neun Prozent des nationalen Haushalts drastisch verbessern, die jetzt für die
Zukunft bereitgestellt werden. Wir werden einen
"Zukunftshaushalt" für Investitionen schaffen, der uns
reicher macht und der von den Teilen des Haushalts
AMERIKA DIENST 29

getrennt bleiben soll, aus denen die Vergangenheit
und die Zukunft bestritten wird. Für den Privatsektor
werden wir statt erheblicher Kapitalerträge für die
Reichen und Spekulanten Steuerfreibeträge für Investitionen und eine Reduzierung der Kapitalertragssteuer für geduldige Investoren in neue Technologien
und neue Unternehmen schaffen.
Unterstützung für Innovationen. Wir werden den Vorteil
abbauen, den Japan und Deutschland jetzt genießen,
die in höherem Maße als die Vereinigten Staaten in
neue Technologien investieren und auch über das
entsprechende Wachstum verfügen. Wir werden die
Steuerfrei betrage für Forschung und Entwicklung zu
einer Dauereinrichtung machen, die Grundlagenforschung in den wichtigsten Technologien für die Zukunft verdoppeln und eine Behörde für zivile Forschung gründen, um die Entwicklung in diesem Bereich zu beschleunigen.
Das Defizit. Die Behebung des Defizits erfordert faire
und gemeinsame Opfer aller Amerikaner zum Wohl
aller. In 12 Jahren der republikanischen Regierung hat
sich eine in 200 Jahren aufgebaute nationale Schuldenlast vervierfacht. Die steigenden Zinsen für diese
Schulden verschlingen nunmehr einen von sieben
Dollar Steuern. Statt der angebotsorientierten wirtschaftlichen Katastrophe der Republikaner werden
Investitionen, wirtschaftliche Umgestaltung und Wachstumsstrategie der Demokraten mehr Erträge aus einer
wachsenden Wirtschaft erzeugen. Darüber hinaus
müssen wir die Ausgaben angehen, indem wir alles auf
den Tisch legen, unproduktive Programme abschaffen, Einsparungen bei der Verteidigung erzielen, HilfsSeite 1

�Programme reformieren, um die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen zu reformieren, die Ausgaben der Bundesregierung vier Jahre lang jährlich um 3
Prozent kürzen, Erhöhungen im "laufenden Haushalt"
auf die Zuwachsrate des durchschnittlichen amerikanischen Gehaltsniveaus begrenzen, strenge stufenweise Regeln für neue nichtinvestive Ausgaben anlegen und die Reichen zwingen, ihren gerechten Anteil
an den Steuern zu zahlen.
Umwandlung des Verteidigungsbereichs. Unsere
Wirtschaft benötigt sowohl die Menschen als auch die
Mittel, die am Ende des kalten Kriegs in der Verteidigung freiwerden. Wir werden den an diesem Kampf
Beteiligten helfen - den Männern und Frauen, die in
unseren Streitkräften dienten und in unserer Rüstungsindustrie arbeiten -, damit sie das Beste aus einem
neuen Zeitalter machen. Wir werden frühzeitig über
Programmänderungen informieren, um Gemeinden,
Unternehmen und Arbeitnehmern genug Zeit zur Planung zu geben. Wir werden unsere Veteranen ehren
und unterstützen. Ausscheidende Angehörige der
Streitkräfte, Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie
und in Zulieferbetrieben werden Umschulungen, Weiterbildung, Hilfe bei Stellensuche und Umzug, Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand von Angehörigen der Streitkräfte und Anreize erhalten, um im zivilen
Bereich etwa als Lehrer oder bei der Polizei zu arbeiten. Umgewandelte nationale Labors und eine neue
Behörde für Forschung im zivilen Bereich werden dazu
beitragen, daß in der Rüstung tätige Wissenschaftler,
Ingenieure und Techniker an wichtigen zivilen Technologien arbeiten können. Kleine Rüstungsunternehmen
werden technische Hilfe sowie Zuschüsse und Kredite
für den Übergang erhalten, die ihnen den Eintritt auf
zivile Märkte erleichtern sollen. Von der Rüstungsindustrie abhängige Gemeinden werden ähnliche Hilfe
bei der Planung und Durchführung der Umstrukturierung erhalten. Wir werden unser ziviles Weltraumprogramm, insbesondere Umweltmissionen, stark unterstützen.
Die Städte. Die Demokraten werden eine neue Partnerschaft schaffen, um nach 12 Jahren der Vernachlässigung durch die Republikaner Amerikas Städte
wiederaufzubauen. Diese Partnerschaft mit den Bürgermeistern wird unter Berücksichtigung der sieben
von den Bürgermeistern unseres Landes vorgeschlagenen Initiativen zum Wirtschaftswachstum erfolgen.
Wir werden Arbeitsplätze schaffen, indem wir bedeutende Ressourcen investieren, um den Menschen
wieder Arbeit zu verschaffen und dabei mit einer
Initiative beginnen, die den Jugendlichen in den Städten Ferienjobs und Ausbildungsprogramme verschafft.
Wir unterstützen ein besseres Programm zur Entwicklung der Gemeinden und zielgerichtete finanzielle Hilfe
für Städte, die diese am dringendsten benötigen. Investitionen in öffentliche Versorgungsbetriebe und ein
Infrastrukturprogramm werden Arbeitsplätze schaffen
und unseren Städten, Vorstädten, ländlichen Gemeinden und dem ganzen Land Auftrieb geben. Wir werden
Seite 2

den Investitionsfluß zugunsten der Entwicklung der
Innenstädte und des Wohnungsbaus durch ausgewiesene Industriegebiete und Anreize für private und
öffentliche Rentengelder fördern, die in städtische und
ländliche Projekte investiert werden sollen. Während
wir gegen "Redlining" (die Praktik von Geldinstituten
und Versicherungen, Bewohnern heruntergekommener Stadtteile aus Risikogründen Kredite und Hypotheken zu verweigern) und Diskriminierung bei der Wohnungsvergabe scharf vorgehen, unterstützen wir ein
neubelebtes Gesetz über Investitionen in Gemeinden,
das Banken herausfordert, Unternehmern und Entwicklungsprojekten Kredite zu gewähren, ein nationales Netz von Gemeindeentwicklungsbanken, das in
Kleinbetriebe in den Städten und ländlichen Gebieten
investiert sowie die Kreditvergabe für Kleinstunternehmer für Bedürftige, die sich als Alternative zur Sozialhilfe selbständig machen wollen.
Landwirtschaft und der ländliche Raum. Eine ausreichende und dauerhafte Agrarwirtschaft kann durch
rentable und vernünftige Programme erzielt werden.
Es ist an der Zeit, die Partnerschaft zwischen Privatmann und Öffentlichkeit neu zu organisieren, um zu
gewährleisten, daß Bauern eine gerechte Entlohnung
für ihre Arbeit und Investitionen bekommen, damit
Verbraucher ernährungsphysiologisch wertvolle Lebensmittel erhalten und notwendige Investitionen in der
Grundlagenforschung, im Bildungswesen, bei der
Ansiedlung von Unternehmen im ländlichen Raum,
Marktentwicklung und Infrastruktur getätigt werden,
um ländliche Gemeinden zu erhalten.
Ein Leben lang lernen. Eine wettbewerbsfähige
amerikanische Wirtschaft erfordert die für die Weltmärkte am besten vorbereiteten und ausgebildeten
sowie die flexibelsten Beschäftigten. Es reicht nicht
aus, mehr für unsere Schulen auszugeben - wir müssen auf Ergebnissen bestehen. Wir sind gegen die
Bestrebungen der Bush-Regierung, das öffentliche
Schulwesen als den Eckpfeiler der Demokratie durch
Eintrittskarten für Privatschulen aushöhlen zu wollen.
Damit Kinder, die in die Schule kommen, lernfähig
sind, werden wir Programme für die Gesundheit und
Ernährung von Kindern ausbauen, allen berechtigten
Kindern das Programm "Head Start" zugänglich machen und allen Kindern qualitativ gute und bezahlbare
Kinderbetreuung garantieren. Wir bedauern die ungeheuren Ungleichheiten unter den öffentlichen Schulen
im ganzen Land und sind der Meinung, jedes Kind im
Land verdient die gleiche Chance auf eine Weltklasseausbildung. Die Umschichtung von Ressourcen
zugunsten diese Ziels muß Priorität haben. Wir unterstützen Bildungsreformen wie die Entscheidungsfindung einzelner Schulen und die freie Wahl der öffentlichen Schule sowie den starken Schutz gegen Diskriminierung. Wir unterstützen das Ziel einer Rate von 90
Prozent Schulabsolventen und Programme gegen
Schulabbruch. Wir werden in Technologie im Bildungswesen investieren und Weltklassestandards in
Mathematik, Naturwissenschaften und anderen BaAMERIKA DIENST 29

�sisfächern erreichen sowie effektive Tests über Fortschritte unterstützen, um dies zu erreichen. In Bereichen, in denen es keine anerkannten Berufsbildungsprogramme gibt, werden wir ein nationales Berufsbildungsprogramm einführen, um Schülern, die nicht
aufs College gehen, den Übergang von der Schule ins
Berufsleben zu erleichtem, damit sie Fähigkeiten erlernen können, die in gutbezahlte Stellen führen. In der
neuen Wirtschaft werden Chancen von lebenslangem
Lernen abhängen. Wir werden das Ziel verfolgen, daß
alle Amerikaner lesen und schreiben können. Wir
werden Unternehmen auffordern, in die Ausbildung
aller Beschäftigten zu investieren, nicht nur in die der
Geschäftsführung.
Ausbildungsförderungsgesetz. In den vergangenen
12 Jahren haben explodierende Kosten und sinkende
Einkommen der Mittelklasse eine Hochschulbildung
für Millionen von Amerikanern in unerreichbare Ferne
rücken lassen. Es ist an der Zeit, die Art und Weise der
Ausbildungsförderung für Studenten zu revolutionieren. Wir wollen das College für alle Studenten bezahlbar machen, die zu dessen Besuch qualifiziert genug
sind, ungeachtet des Familieneinkommens. Mit Hilfe
eines Ausbildungsförderungsgesetzes können alle Amerikaner Geld für das College leihen, solange sie bereit
sind, es über einen bestimmten Zeitraum zu einem
bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens zurückzuzahlen oder durch einen sozialen Dienst abzuleisten.
Bezahlbare Krankenversicherung. Alle Amerikaner
sollten unbegrenzten Zugang zu qualitativ guter, bezahlbarer Gesundheitsfürsorge haben - nicht als Privileg, sondern als Recht. Dies erfordert scharfe Kontrollen der Kosten im Gesundheitsversicherung, die doppelt oder dreimal so schnell steigen wie die Inflationsrate, amerikanische Familien und Unternehmen terrorisieren und Millionen die Fürsorge versagen, die sie
benötigen. Wir werden eine in Amerika einmalige
Reform des Gesundheitswesens durchführen, um die
Kosten zu kontrollieren und Gesundheitsfürsorge
bezahlbar zu machen, Qualität und freie Wahl der
Kostenträger zu gewährleisten, alle Amerikaner abzudecken - ungeachtet von Vorbedingungen, um Verschwendung, Mi ßbrauch und Bürokratie abzuschaffen
sowie vordringliche und präventive Versorgung sicherzustellen - einschließlich der Impfung von Kindern und
Vorsorge vor Krankheiten wie Tuberkulose, die jetzt in
unseren Städten auf dem Vormarsch ist. Femer
müssen wir Aufklärung über das Verhältnis von Ernährung und Gesundheit leisten, den Zugang zur Behandlung psychischer Krankheiten ausweiten, ein Sicherheitsnetz durch die Unterstützung öffentlicher Krankenhäuser schaffen und die gesamte Bandbreite der
Wahlfreiheit bei der Fortpflanzung bieten - durch Aufklärung, Beratung, Zugang zu Verhütungsmitteln und
das Recht auf eine sichere, legale Abtreibung und
Erweiterung medizinischer Forschung. Darüber hinaus müssen wir mehr langfristige Versorgung leisten,
einschließlich der häuslicher Pflege. Die Beendigung
der Ausbreitung von Brustkrebs betrachten wir als
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wichtige Priorität, und wir werden die Forschung zu
Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Eierstockkrebs
sowie Unfruchtbarkeit und deren Behandlung und
anderen besonderen Gesundheitsbedürfnissen von
Frauen ausweiten. Gemeinsam müssen wir AIDS und
HIV-Erkrankungen den Krieg erklären, die Empfehlungen der Nationalen Kommission über AIDS verwirklichen und das Ryan White Care-Gesetz vollständig finanzieren, ferner zielgerichtete und ehrliche Vorsorgekampagnen durchführen, die Diskriminierung von
HlV-Infizierten bekämpfen, allen behandlungswilligen
Abhängigen eine Drogentherapie bieten, Zugang zu
qualitativ guter Versorgung sicherstellen, die klinische
Forschung für Behandlungen und Impfstoffe erweitern
und den Zulassungsprozeß für Arzneimittel durch die
FDA beschleunigen.
Energieeinsparung und umweltverträgliche Entwicklung. Wir widersprechen dem republikanischen Mythos, daß Energieeinsparung und Umweltschutz Feinde des Wirtschaftswachstums sind. Wir werden unsere Wirtschaft effizienter machen, indem wir weniger
Energie verbrauchen, unsere Abhängigkeit von ausländischem ö l verringern und weniger Abfall und Giftmüll produzieren. Wir werden eine koordinierte Verkehrspolitik verabschieden, mit einem starken Engagement für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel,
effiziente Fahrzeuge mit alternativer Energie fördern,
unsere Nutzung sauberen Erdgases erhöhen, Technologie für saubere Kohleverbrennung unterstützen,
in Forschung und Entwicklung zu erneuerbaren Energiequellen investieren, Bestrebungen zur Verhinderung der Luft- und Wasserverschmutzung verstärken,
Anreize für die Erschließung nationaler Ol- und Gasvorkommen schaffen und auf nicht einnahmenabhängige Anreize drängen, die Umweltschutz belohnen, die
Verschmutzung der Umwelt verhindern und Recycling
fördern.
Bürgerrechte und Gleichberechtigung. Wir haben
keinen Amerikaner zu verschwenden. Die Demokraten werden weiterhin führend in dem Kampf sein,
sicherzustellen, daß kein Amerikaner diskriminiert oder
seiner Rechte beraubt wird aufgrund von Rasse,
Geschlecht, Sprache, nationaler Herkunft, Religion,
Alter, Behinderung, sexueller Orientierung oder anderen Merkmalen, die nichts mit seinen Fähigkeiten zu
tun haben. Wir unterstützen die Ratifizierung des
Zusatzartikels über Gleichberechtigung, Gleichstellung von Frauen, stärkeren Schutz des Wahlrechts für
rassische und ethnische Minderheiten, einschließlich
der Berücksichtigung anderer Sprachen beim Wahlvorgang sowie kontinuierlichen Widerstand gegen
diskriminierende Gruppen, die nur Englisch als Sprache befürworten. Wir werden die Attacke der BushRegierung auf die Durchführung von Bürgerrechten
abwehren und statt dessen daran arbeiten, die Maschinerie zur Durchführung von Bürgerrechten wiederaufzubauen und dauernd davon Gebrauch zu machen,
vergleichbare Mittel für Frauen unterstützen, Haßattacken scharf verfolgen, Rechtsberatung für Arme verSeite 3

�bessern, mit anderen Ländern auf eine Weise verkehren, daß keine Amerikaner gleich welcher Herkunft zu
Sündenböcken oder Opfern außenpolitischer Auseinandersetzungen werden, den bürgerrechtlichen Schutz
von Homosexuellen und Lesben leisten und der Diskriminierung durch das Verteidigungsministerium ein Ende
bereiten sowie die Ursprünge der amerikanischen
Kultur und unsere Vertragsverpflichtungen respektieren.
Staatenbünde und Territorien. Wir erkennen den
bestehenden Status des Staatenbundes von Purto
Rico und die starken Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Menschen Puerto Ricos und den Vereinigten Staaten an. Wir versprechen das Recht der
Menschen des Staatenbundes Puerto Rico auf Wahlfreiheit zu unterstützen sowie gemeinsam mit dem USKongreß ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
entweder als verbesserter Staatenbund, als Staat oder
unabhängiges Land.
Wir unterstützen die faire Teilnahme Puerto Ricos an
Bundesprogrammen. Wir versprechen den Menschen
auf den amerikanischen Inseln Samoa, Guam, den
Northern Mariana Islands und den Virgin Islands gerechte und faire Behandlung durch die Politik der
Bundesregierung und Hilfe bei ihrer wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung. Wir respektieren ihr Recht
und das der Menschen von Palau, ihre künftigen
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten frei zu entscheiden und bei sie betreffenden Fragen und politischen Maßnahmen konsultiert zu werden.
II. Verantwortung
Stärkung der Familie. Wir müssen auf nationaler
Ebene scharf gegen gleichgültige Eltern vorgehen, ein
effektives nationales System zur Unterstützung von
Kindern aufbauen und uns systematisch bemühen, die
Vaterschaft jedes Kindes festzustellen. Darüber hinaus müssen wir es Eltern durch gleichen Lohn für
gleiche Arbeit leierner machen, starke Familien aufzubauen. Arbeitsbefreiung aus familiären und medizinischen Gründen wird sicherstellen, daß sich Arbeitnehmer nicht zwischen Familie und Arbeit entscheiden
müssen. Wir unterstützen ein Programm zur Erhaltung der Familie, um den Mißbrauch von Kindern und
Ehefrauen durch Vorsorgemaßnahmen zu reduzieren
und Familien in Not Hilfe zu leisten. Wir befürworten
gute und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten
für berufstätige Eltern sowie einen fairen und gesunden Start für jedes Kind, einschließlich wichtiger Untersuchungen vor und nach der Geburt. Wir unterstützen
die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürger nach einem
produktiven und gesunden Leben, einschließlich der
Bekämpfung von Hunger, Einkommensgefälle, Zugang zu Verkehrsmitteln und Verhinderung von Mißbrauch.
Reform der Sozialhilfe. Sozialhilfe sollte eine zweite
Chance sein, kein Lebensstil. Wir möchten den Kreislauf der Sozialhilfe durchbrechen, indem wir zwei
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einfache Prinzipien zugrundelegen: niemand, der in
der Lage ist zu arbeiten, kann unbegrenzt Sozialhilfe
beziehen, und niemand, der arbeitet, sollte in Armut
leben. Wir werden weiterhin denjenigen helfen, die
sich nicht selbst helfen können. Wir werden den
Menschen, die Sozialhilfe beziehen, einen neuen
sozialen Vertrag anbieten. Wir werden in Bildung und
Weiterbildung investieren und die Kinderbetreuung
und Gesundheitsfürsorge leisten, die sie benötigen,
um zur Arbeit gehen und sich langfristig selbst helfen
können. Wir werden Ihnen die Hilfe leisten, die sie
benötigen, um den Übergang von der Sozialhilfe zur
Arbeit zu leisten und fordern, daß die Leute, die
arbeiten können, es innerhalb von zwei Jahren auch
tun, entweder im Privatsektor oder in der Gemeinde,
um dort zu helfen. Dies wird das Bündnis wiederherstellen, das Sozialhilfe ursprünglich sein sollte: ein
Versprechen der zeitweisen Hilfe für Menschen, die
harte Zeiten durchmachen müssen.
Wahlfreiheit. Die Demokraten stehen hinter dem
Recht jeder Frau auf Wahlfreiheit bei der Abtreibung,
im Einklang mit Roe ./. Wade, ungeachtet ihrer Zahlungsfähigkeit. Wir unterstützen ein nationales Gesetz
zum Schutz dieses Rechts. Es ist eine grundlegende
verfassungsmäßige Freiheit, daß jeder einzelne
Amerikaner - nicht die Regierung - am besten die
Verantwortung dafür übernehmen kann, die schwierigsten und persönlichsten Entscheidungen im Hinblick
auf die Fortpflanzung zu treffen. Das Ziel unseres
Landes muß darin bestehen, daß Abtreibung immer
weniger erforderlich wird, nicht schwieriger oder gefährlicher.
Verantwortung für die Umwelt. Für uns und die nachfolgende Generation müssen wir unsere Umwelt schützen. Wir werden unsere alten Wälder schützen, wichtige Lebensräume erhalten, eine echte Politik der
Nichtaufgabe von Feuchtgebieten verfolgen, unsere
Abhängigkeit von Giftstoffen reduzieren, die wichtigen
Ressourcen Boden, Wasser und Luft schützen, neue
Ölbohrungen vor unseren Küsten bekämpfen, femer
den Abbau von Mineralien sowie die Produktion in den
zahlreichen umweltgefährdeten Gebieten unseres
Landes. Darüber hinaus werden wir die Verschmutzung der Meere angehen, indem wir die Verklappung
von Öl und Giftmüll auf See reduzieren.

Unserer

Ansicht nach kann die Jugend Amerikas dem Land gut
dienen durch ein ziviles Schutzkorps. Zum Schutz der
Gesundheit aller Menschen werden wir die Umweltsünden in Bundeseinrichtungen beheben und darauf
bestehen, daß private Umweltsünder ihren Giftmüll
und ihre Altlasten beseitigen. Ferner werden wir
Verstöße gegen die Umwelt scharf verfolgen. Wir
werden Bestrebungen der Republikaner bekämpfen,
das Gesetz zur Luftreinhaltung unter dem Deckmantel
der Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören. Wir werden
die Müllberge verringern und die Verwendung von
wiederverwerteten Materialien bei gleichzeitiger Eindämmung des Verpackungsmülls ermutigen. Um die
Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, werden wir
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�aktiv Energiesparmaßnahmen, Recycling und Umweltschutzstrategien unterstützen.
III. Wiederherstellung des Gemeinwesens
Das besondere Talent der Vereinigten Staaten besteht
darin, eine Gemeinschaft gemeinsamer Werte zwischen Menschen mit bemerkenswertem und unterschiedlichem Hintergrund zu schaffen. Als Partei der
Vereinigung sind wir besonders stolz auf die Entstehung unseres Landes als größte und erfolgreichste
multiethnische und multirassische Republik der Welt.
Wir verurteilen Antisemitismus, Rassismus, Furcht vor
Homosexuellen, Bigotterie und Klischees jeglicher Art.
Wir müssen allen Amerikanern helfen, die Vielfalt
unseres kulturellen Erbes zu verstehen. Es ist jedoch
ebenso unabdingbar, daß wir die Bausteine erhalten
und an unsere Kinder weitergeben, die das Mosaik
zusammenhalten, während wir unser Land zu einem
Refugium der Freiheit und Chancen für alle machen.
Die Versäumnisse und Ausgabenprogramme der
Republikaner haben sich als ungeeignet für diese
Herausforderungen erwiesen. Die Demokraten werden einen neuen Kurs einschlagen, der sich auf Arbeit,
Familie und Verantwortung des einzelnen konzentriert
und die Amerikaner in die Lage versetzt, sich aus
Armut und Abhängigkeit zu befreien. Wir verpflichten
uns, die Institutionen der bürgerlichen Gesellschaft zu
fördern und besondere Betonung auf Bürgerinitiativen
zu legen, die Lösungen für die Probleme unserer
Nation anstreben.
Bekämpfung von Verbrechen und Drogenhandel. Um
den Gemeinden in den Vereinigten Staaten mehr
Gewicht zu verleihen, verpflichten sich die Demokraten, die Regierung wieder zum Hüter von Recht und
Ordnung in den von Verbrechen heimgesuchten
Gemeinden zu machen. Der einfachste und direkteste
Weg zur Wiederherstellung der Ordnung in unseren
Städten besteht darin, mehr Polizeistreifen einzusetzen. Die Polizei der Vereinigten Staaten befindet sich
in einem ungleichen Kampf gegen das Verbrechen:
seit 1951 hat sich das Verhältnis zwischen der Anzahl
von Polizeibeamten und der Verbrechensstatistik von
drei zu eins auf eins zu drei umgekehrt. Wir werden ein
Polizeikorps schaffen, dessen Angehörigen ein Collegebesuch als Gegenleistung für mehrere Dienstjahre
in der Polizeiwache eines Bundesstaates oder einer
Gemeinde nach Abschluß der Ausbildung ermöglicht
wird. Mit der Konversion der Rüstungs- zur zivilen
Industrie schaffen wir neue Arbeitsplätze im Bereich
der Strafverfolgung für diejenigen, die aus dem Militär
ausscheiden.
Wir werden Drogenberatung und Therapien für Drogenabhängige erweitem, Bestrebungen zur möglichst
frühzeitigen Aufklärung unserer Kinder über die Gefahren von Drogen- und Alkoholmißbrauch intensivieren und die Nachfrage von der Straßenecke bis zur

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Penthousesuite eindämmen, so daß die Vereinigten
Staaten mit 5 Prozent der Weltbevölkerung nicht länger 50 Prozent der illegalen Drogen der Welt konsumieren.
Waffen. Es ist an der Zeit, die Waffenläden in unseren
Städten zu schließen. Wir befürworten eine vernünftige Wartezeit für die Überprüfung des Kaufs von
Handfeuerwaffen ebenso wie Kontrollen für Angriffswaffen, um den Besitz, Verkauf, Import und die Herstellung dieser todbringenden Angriffswaffen zu verbieten. Wir unterstützen keine Bestrebungen, den
Gebrauch von Waffen für legitime Jagd- oder sportliche Zwecke einzuschränken.
Verbesserung der Lage der Armen und Ausweitung
der Mittelschicht. Wir müssen den im Gesetz zur
Unterstützung der Familie von 1988 festgelegten Kurs
von Subsistenz und Abhängigkeit zu Arbeit, Familie,
Eigeninitiative und Verantwortung weiterverfolgen. Wir
befürworten eine langsamere Abschaffung von Medicaid und anderen Sozialleistungen, um Arbeit zu
ermutigen; besondere Sparkonten zur Vermögensbildung einkommensschwacher Familien, faire Kreditvergabe, indexierte Mindestlöhne, ein erweitertes Job
Corps und ein Ende der Verfügungen im Sozialwesen,
die den Zerfall der Familien begünstigen und Einzelinitiative betrafen wie etwa die Obergrenze von 1.000
Dollar für persönliche Sparguthaben.
Einwanderung. Unsere Nation von Einwanderern ist
wiederholt durch neue Menschen, Ideen und Lebensweisen erneuert worden, die Teil des amerikanischen
Gefüges wurden. Die Demokraten unterstützen eine
Einwanderungspolitik, die Fairness, Nichtdiskriminierung und Familienzusammenführung fördert und in der
unsere verfassungsmäßigen Rechte wie Rede-, Koalitionsfreiheit und Freizügigkeit ihren Niederschlag finden.
Die Künste. Wir befürworten die öffentliche Unterstützung der Künste, einschließlich einer nationalen Stiftung für die Künste unabhängig von politischer Manipulation und fest in dem garantierten Recht auf Redefreiheit des Ersten Verfassungszusatzes verankert.
IV. Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit
Umstrukturierung unserer Streitkräfte
Wir konnten kein Ende der Gewalt, Aggression und
Konflikte beobachten, die eine Bedrohung der amerikanischen Interessen und unserer Hoffnung auf eine
friedlichere Welt darstellen können. Was die Vereinigten Staaten benötigen, ist nicht das Denken des Kalten
Krieges der Bush-Administration in kleinerem Rahmen, sondern eine umfassende Umstrukturierung des
amerikanischen Militärs zur Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen.

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�Militärische Stärke. Die Vereinigten Staaten sind die
stärkste Militärmacht der Welt und müssen es bleiben.
Eine Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte nach dem Kalten Krieg wird maßgebliche Einsparungen über die von der Bush-Administration versprochenen hinaus bewirken, aber diese Umstrukturierung
muß verwirklicht werden, ohne eine Aushöhlung unserer Fähigkeit zur Bewältigung zukünftiger Bedrohungen unserer Sicherheit. Eine Militärstruktur der neunziger Jahre und darüber hinaus muß sich auf vier
Pfeiler gründen: Erstens eine überlebensfähige nukleare Streitmacht zur Abschreckung einer potentiellen Bedrohung, während wir unsere Nukleararsenale
durch Rüstungskontrollverhandlungen und andere
gegenseitige Maßnahmen abbauen. Zweitens konventionelle Streitkräfte, deren Aufgabe auf Machtprojektion verlagert wird, wo immer unsere vitalen nationalen Interessen bedroht sind. Das bedeuet die
Reduzierung unserer Streitkräfte in Europa bei gleichzeitiger Erfüllung unserer Pflichten in der NATO sowie
Stärkung unser schnellen Dislozierungsfähigkeiten,
um die neuen durch abtrünnige Diktatoren, Terroristen, internationale Drogenhändler und lokale bewaffnete Konflikte verursachten neuen Bedrohungen unserer Sicherheit zu bewältigen, die den Frieden ganzer
Regionen gefährden. Drittens Aufrechterhaltung der
zwei Qualitäten, die das amerikanische Militär zum
besten der Welt machen - die Überlegenheit unserer
Soldaten und unserer Technologie. Diese Qualitäten
sind lebenswichtig für die Verkürzung eines Konflikts
und Rettung des Lebens amerikanischer Bürger.
Viertens müssen die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten umdirigiert werden, um sehr viel modernere,
rechtzeitige und genaue Analysen der wirtschaftlichen
und politischen Gegebenheiten zu erarbeiten, die neue
Konflikte schüren können.
Einsatz von Gewalt. Die Vereinigten Staaten müssen
gegebenenfalls zum entschlossenen Einsatz der Streitkräfte zur Verteidigung unserer lebenswichtigen Interessen bereit sein. Die Last der kollektiven Sicherheit
muß in einem neuen Zeitalter gerecht verteilt werden,
und wir sollten die multilaterale Friedenssicherung
durch die Vereinten Nationen und andere internationale Bestrebungen ermutigen.
Verhinderung und Eindämmung von Konflikten. Die
amerikanische Politik muß sich auf die Abwendung
militärischer Bedrohungen ebenso konzentrieren wie
auf deren Bewältigung. Zur Eindämmung der Verbreitung von nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen müssen wir eine Führungsrolle bei erneuten
internationalen Bestrebungen übernehmen, hart gegen Firmen vorzugehen, die mit Technologien zur
nuklearen und chemischen Kriegführung handeln, die
Internationale Atomenergie-Organisation stärken und
strenge Sanktionen gegen Regierungen durchsetzen,
die internationale Einschränkungen verletzen. Ein
umfassendes Testverbot würde unsere Fähigkeit zum
Verbot der Verbreitung von Nuklearwaffen in anderen
Ländern stärken, die die größte zukünftige Bedrohung
Seite 6

unserer Sicherheit darstellen könnte. Wir müssen auf
strikte internationale Einschränkungen der gefährlichen und unnützen Lieferungen konventioneller Waffen in Krisengebiete drängen. Eine amerikanische
Truppenpräsenz sollte so lange in Südkorea aufrechterhalten werden, wie Nordkorea eine Bedrohung für
Südkorea darstellt.
Wiederherstellung der amerikanischen Führungsrolle
Die Vereinigten Staaten können nicht stark im Ausland
sein, wenn sie schwach im Inland sind. Die Wiederherstellung der globalen wirtschaftlichen Führungsrolle
der Vereinigten Staaten muß zum zentralen Element
unserer nationalen Sicherheitspolitik werden. Die Stärke
von Nationen, die einst in militärischen Begriffen definiert wurde, wird jetzt auch an dem Geschick ihrer
Arbeitnehmer, der Phantasie ihrer Manager und der
Macht ihrer Technologien gemessen.
Handel. Unsere Regierung muß an der Erweiterung
des Handels arbeiten und gleichzeitig sicherstellen,
daß der Welthandel fair ist. Sie muß für die Wahrung
der amerikanischen Interessen kämpfen - Förderung
von Exporten, Erweiterung des Handels mit Agrarund anderen Produkten, Öffnung von Märkten für
wichtige Produkt- und Dienstleistungssektoren mit
unseren Hauptkonkurrenten und Erleichterung des
wechselseitigen Zugangs. Dazu sollten auch neue
Befugnisse gehören, um den Hebel bei den ernsthaftesten Problemen anzusetzen. Die US-Regierung
muß darüber hinaus die amerikanischen Gesetze gegen
unfairen Handel rigoros durchsetzen.
Handelsabkommen. Multilaterale Handelsabkommen
können unsere Wirtschaftsinteressen durch Erweiterung der Weltwirtschaft fördern. Sowohl bei der Aushandlung des Nordamerikanischen Freihandelsraums
(NAFTA) als auch beim Abschluß der GATT-Verhandlungen muß unsere Regierung sicherstellen, daß unsere
berechtigte Sorge über Umwelt-, Gesundheits-, Sicherheits- und Arbeitsnormen berücksichtigt wird. Die
amerikanischen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze
betroffen sind, müssen in den Genuß wirksamer
Anpassungshilfen kommen.
Förderung der Demokratie
Die Unterstützung der Demokratie dient unseren Idealen und Interessen. Eine demokratischere Welt ist
friedlicher und stabiler. Eine amerikanische Politik des
Engagements für Demokratie muß folgende Punkte
ansprechen:
Aufstrebende Demokratien. Gemeinsam mit anderen
müssen wir eine Führungsrolle bei den internationalen
Hilfsbestrebungen für die aufstrebenden - und noch
auf schwachen Füßen stehenden - Demokratien in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion beim Aufbau
demokratischer Institutionen und freier Marktwirtschaften, Entmilitarisierung ihrer Gesellschaft und IntegraAMERIKA DIENST 29

�tion ihrer Volkswirtschaften in das internationale Handelssystem übernehmen. Im Gegensatz zur BushAdministration, die zu lange mit der Anerkennung der
neuen demokratischen Regierungen auf dem Baltikum und der Nationen der ehemaligen Sowjetunion
gewartet hat, müssen wir zusammen mit unseren
europäischen Verbündeten entschieden handeln, um
die Freiheit zu unterstützen, ethnische Spannungen
abzubauen und Aggression in den ehemals kommunistischen Ländern wie Bosnien-Herzegowina abzuwehren, die mit dem Übergang vom Kommunismus zur
Demokratie kämpfen. Während der Wind des Wandels auf dem Balkan weht, müssen die Vereinigten
Staaten die Sorgen Griechenlands im Hinblick auf die
Verwendung des Namens Mazedonien berücksichtigen. Und im Zeitalter nach dem Kalten Krieg sollten
unsere Auslandshilfeprogramme in Afrika, der Karibik,
Lateinamerika und andernorts darauf abzielen, Demokratien statt Tyrannen zu helfen.
Bürgerkorps Demokratie. Förderung demokratischer
Institutionen durch die Gründung eines Bürgerkorps
Demokratie, um amerikanische Freiwillige in Länder
zu entsenden, die rechtlichen, finanziellen und politischen Rat beim Aufbau demokratischer Institutionen
benötigen sowie Unterstützung von Gruppen wie der
National Endowment for Democracy, der Asia Foundation und anderen.
Handelsbedingungen mit China. Bevorzugte Handelsbedingungen für China werden von der Respektierung
der Menschenrechte in China und Tibet, besserem
Marktzugang für amerikanische Waren und verantwortungsbewu ßtem Verhalten bei der Verbreitung von
Waffen abhängig gemacht.
Südafrika. Aufrechterhaltung staatlicher und kommunaler Sanktionen gegen Südafrika zur Unterstützung
eines Verhaltenskodex für Investitionen, bestehender
Limits für das Absetzen von an Südafrika gezahlten
Steuern und diplomatischer Druck, bis dort eine unumkehrbare, vollständige und faire Einigung mit der schwarzen Mehrheit beim Aufbau einer demokratischen
Regierung mit uneingeschränkten Rechten für alle
Bürger erzielt worden ist. Wir bedauern die andauernde Gewalt, insbesondere im Boipatong Township und
sind besorgt über den Zusammenbruch der Verhandlungen. Die amerikanische Regierung sollte die Wiedereinführung staatlicher Sanktionen in Erwägung
ziehen. Die Demokratische Partei unterstützt die
Gründung eines südafrikanisch-amerikanischen Unternehmensfonds, der eine neue Interimregierung mit
öffentlichen und privaten Mitteln ausstattet, um bei der
Entwicklung der Demokratie in Südafrika behilflich zu
sein.
Frieden im Nahen Osten. Unterstützung des im Nahen
Osten stattfindenden Friedensprozesses auf der Grundlage der Vereinbarungen von Camp David. Direkte
Verhandlungen zwischen Israel, den arabischen Nachbarländern und den Palästinensern ohne auferzwunAMERIKA DIENST 29

gene Lösungen sind der einzige Weg zur Erlangung
dauerhafter Sicherheit für Israel und vollständigen
Friedens für alle Parteien in der Region. Das Ende des
Kalten Krieges hat keinen Einfluß auf das große Interesse der Vereinigten Staaten an unseren traditionell
besonderen Beziehungen mit Israel, gegründet auf
gemeinsame Werte, gegenseitiges Engagement für
Demokratie und ein strategisches Bündnis, das beiden
Nationen dient. Die Vereinigten Staaten müssen als
ernsthafter Vermittler im Friedensprozeß aktiv handeln. Sie dürfen nicht - wie es der Fall unter der jetzigen
Administration war - eine Seite in der Überzeugung
ermutigen, sie würden einseitige Konzessionen der
anderen Seite bewirken. Jerusalem ist die Hauptstadt
des Staates Israel und sollte eine ungeteilte Stadt
bleiben, zu der Menschen aller Glaubensrichtungen
Zugang haben.
Menschenrechte. Weltweites Eintreten für die Rechte
des einzelnen und Schutz ethnischer Minderheiten vor
repressiven Akten der Regierungen - vor Folter, politischer Gefangenschaft und allen Angriffen auf zivilisierte Normen der menschlichen Freiheit. Dies ist eine
stolze Tradition der Demokratischen Partei, die sich für
Freiheit in Südafrika eingesetzt hat und weiterhin die
Unterdrückung in Kuba ablehnt. Unsere Nation sollte
wieder einmal das Prinzip der Zuflucht für politisch
unterdrückte Menschen auf der ganzen Welt fördern,
seien es die haitianischen Flüchtlinge, sowjetischen
Juden bei Ersuchen um Hilfe der Vereinigten Staaten
bei der erfolgreichen Eingliederung in die israelischen
Gesellschaft oder Vietnamesen, die vor dem Kommunismus flüchten. Die erzwungene Rückführung eines
jeden, der vor politischer Unterdrückung flieht, ist ein
Verrat der amerikanischen Werte.
Humanitäre Bedürfnisse. Unterstützung bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten in den Entwicklungsländern einschließlich der verheerenden Hungersnot in Afrika. Wir dürfen den Ost-West-Konflikt
nicht durch einen Konflikt zwischen Norden und Süden
ersetzen, eine wachsende Kluft zwischen den Industrie- und Emtwicklungsländern. Unsere Entwicklungsprogramme müssen überarbeitet und umstrukturiert
werden, um sicherzustellen, daß ihr Nutzen tatsächlich denen zugute kommt, die Hilfe zur Selbsthilfe
benötigen. Es steht das Leben von Millionen Menschen auf dem Spiel, die hungern und nur allzu häufig
entwurzelt fern ihrer Heimat leben. Die Vereinigten
Staaten sollten spezifische Programme und einen
Zeitplan zur Bekämpfung weltweiter Hungersnöte
erarbeiten.
Zypern. Erneutes Engagement für eine Beilegung des
Zypernkonflikts im Einklang mit den UN-Resolutionen.
Dieses Ziel muß jetzt wieder auf die diplomatische
Tagesordnung der Vereinigten Staaten gesetzt werden.
Nordirland. Eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten bei der Förderung von Frieden und politischem
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�Dialog angesichts der historischen Verbindungen
Amerikas zu den Menschen in Großbritannien und
Irland und im Einklang mit der Verpflichtung unseres
Landes zu Frieden, Demokratie und Menschenrechten weltweit, um der Gewalt ein Ende zu bereiten und
eine ausgehandelte Lösung in Nordirland zu erlangen.
Erhalt der Umwelt
Mit dem Abebben der Bedrohung eines nuklearen
Holocaust sieht sich die Welt durch zunehmende
Umweltprobleme bedroht.
Erwärmung des Erdklimas. Die Vereinigten Staaten
müssen eine Führungsrolle beim Kampf gegen die
Erwärmung des Erdklimas übernehmen und nicht als
Hemmschuh wirken. Wir sollten mit unseren europäischen Verbündeten gleichziehen und vereinbaren, die
für 1990 festgesetzten Obergrenzen von Kohlendioxidemissionen bis zum Jahr 2000 fortzuschreiben.

Abbau der Ozonschicht. Die Vereinigten Staaten
müssen weltweit eine Führungsrolle bei der Suche
nach Ersatzstoffen für FCKW und andere die Ozonschicht auflösende Substanzen einnehmen.
Artenvielfalt. Wir müssen aktiv am Schutz der Artenvielfalt unseres Planeten und dem Erhalt seiner Wälder arbeiten.
Entwicklungsländer. Wir müssen phantasievolle Wege
erarbeiten, um Regierungen und Unternehmen für die
Bestrebungen zu engagieren, die Entwicklungsländer
zum Erhalt ihrer Umwelt zu ermutigen.
Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerungsexplosion
muß durch enge Zusammenarbeit mit anderen Industrie- und Entwicklungsländern sowie Privatorganisationen kontrolliert werden, um eine bessere Familienplanung zu finanzieren.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 29

�WAHLEN

'9 2
22. Juli 1992

DEMOKRATEN SOLLEN WACHSTUM,
INVESTITIONEN FÖRDERN
Programmatische Rede von Barbara Jordan
NEW YORK - (AD) - Die Demokratische Partei, so die ehemalige Kongreßabgeordnete Barbara Jordan aus
Texas, muß sich "von einer angeblich auf Steuern und Ausgaben fixierten Partei zu einer, die Investitionen und
Wachstum fördert", wandeln.
"Wir können die Richtung des Motors der amerikanischen Wirtschaft ändern und wieder wettbewerbsfähig
werden. Wir können diesen Wandel bewirken und stolz auf die Nation sein, die wir sind", erklärte Jordan in einer
der drei programmatischen Reden beim Parteikonvent der Demokratischen Partei am 13. Juli 1992.
Jordan, die bereits beim Parteitag des Jahres 1976 eine programmatische Rede gehalten hatte, stellte fest, der
amerikanische Traum sei nicht gestorben, sondern für zu viele Menschen - Minderheiten, Obdachlose,
Immigranten und Langzeitarbeitslose - in unerreichbare Ferne gerückt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Barabara Jordan im Wortlaut.

Zu dieser Zeit, an diesem Ort und aus dem gleichen
Anlaß habe ich vor 16 Jahren eine programmatische
Rede beim Parteikonvent der Demokratischen Partei
gehalten. In aller Bescheidenheit möchte ich Sie daran
erinnern, daß wir in jenem Jahr -1976 - die Präsidentschaft gewonnen haben.
Warum sollten wir diese Leistung nicht im Jahr 1992
wiederholen? Wir können es schaffen. Was wir
Demokraten tun müssen, ist von unserem Sieg überzeugt sein. Er ist möglich. Wir können es schaffen.
Heute abend haben Sie sehr viel über Veränderungen
gehört. Jeder Redner hat etwas über den Wandel
gesagt. Auch ich möchte mit Ihnen einige Minuten
über Veränderungen sprechen. Aber ich möchte, daß
Sie auf den Titel meiner Ausführungen achten: 'Wandel
- Wohin?". Dieser bis jetzt rhetorische Wandel erfordert Substanz, wenn jeder von uns die öffentliche
Meinung erforscht.

Verlust des Arbeitsplatzes ist zu Langzeitarbeitslosigkeit geworden statt zu saisonbedingter Arbeitslosigkeit. Die öffentliche Meinung lautet: die politischen
Entscheidungsträger haben geringes Ansehen. Mißtrauen herrscht vor.
In einem solchen Umfeld ist es verständlich, daß
Wandel zum Schlagwort dieser Zeit wird. Was sind die
Katalysatoren, die den Wandel bewirken, über den wir
alle sprechen? Ich sage, diese Katalysatoren sind die
Demokratische Partei und unser Präsidentschaftskandidat.

Wie sieht die öffentliche Meinung aus? Im Land
scheint sich einen generelle Besorgnis über die Zukunft breit zu machen. Diese Befürchtungen höhlen
unseren Glauben an den anderen und an uns selbst
aus, unterminieren unser Vertrauen.

Uns allen sind Veränderungen vertraut. Vor zwanzig
Jahren haben wir nach der Watergate-Affäre das
gesamte Land verändert. Das haben wir vor zwanzig
Jahren getan. Wir wissen, wie wir Veränderungen
vornehmen müssen. Wir waren dieses Instrument des
Wandels. Wir wissen, was getan werden muß. Wir
wissen, wie es getan werden werden muß. Wirwissen,
daß wir Maßnahmen verwirklichen können, die das
Bildungswesen, Menschenrechte, Bürgerrechte, wirtschaftliche und soziale Chancen und die Umwelt
beeinflussen. Das sind die Maßnahmen, die in der
Demokratischen Partei verankert sind. Und da sie uns
innewohnen, werden sie nicht so leicht verschwinden.

Die Idee, daß das Amerika von heute morgen besser
sein wird, ist aus dem Gleichgewicht geraten. Sie ist
aus dem Gleichgewicht geraten aufgrund der Rezession und der Konjunkturschwäche unserer Wirtschaft.

Wir als Partei werden nichts tun, um unsere Existenz
zu unterminieren. Das werden wir nicht tun. Aber es
gibt bestimmte Dinge, die wir verändern sollten. Wir
müssen sie verändern. Aber die Tatsache, daß wir

AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�Dinge verändern, sollte keine Befürchtungen in uns
auslösen, weil die Demokratische Partei lebendig und
gesund ist. Sie ist in der Tat lebendig und gesund. Wir
werden Veränderungen vornehmen, um der Gegenwart und der Zukunft Rechnung zu tragen, aber wir
werden nicht sterben. Wir werden uns ändern, aber
nicht sterben.
Warum sich nicht von einer angeblich auf Steuern und
Ausgaben fixierten Partei zu einer, die Investitionen
und Wachstum fördert, wandeln? Wandel. Veränderung. Wirtschaftswachstum ist ein Muß. Wir können
Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Verbesserung
der Umwelt fördern und aufrechterhalten.
Wenn sich das Wirtschaftswachstum verbessert und
wir für unsere Luft, den Boden und das Wasser Sorge
tragen, wird dies unser aller Wohlergehen fördern.
Und wir können all dies leisten. Wenn ich dies sage,
meine ich zweifelsohne nicht den kaum verhohlenen
Rassismus und das elitäre Denken, die eine Art hierarchischer Wirtschaftsentwicklung wären. Ich möchte
Ihnen die Art der Wirtschaft erläutern, von der ich
spreche.
Ich spreche von einer Wirtschaft, in der eine schwarze
Jugendliche oder ein schwarzer Jungendlicher, die in
der Fifth Ward von Houston - meiner Heimatstadt -, in
South Central Los Angeles oder in den Kolonien im Tal
des Rio Grande geboren wurden, ich spreche von
einer Wirtschaft, in der diese Menschen eine öffentliche Schule besuchen und die Fähigkeiten lernen können,
dank derer sie im Leben weiterkommen können. Wir
müssen eine Wirtschaft schaffen, die nicht das Kind
des Wanderarbeiters zwingt, einen ganzen Tag die
Schule zu versäumen, damit er für weniger als den
Mindestlohn arbeiten gehen und die Familie sich dennoch nur eine Mahlzeit am Tag leisten kann. Das ist
der moralische Bankrott einer Wirtschaft mit Sickereffekt. Wandel. Veränderungen.
Wandel. Wir könnsi i die Richtung ändern - wir können
die Richtung des Motors der amerikanischen Wirtschaft ändern und wieder wettbewerbsfähig werden.
Wir können diesen Wandel bewirken und stolz auf die
Nation sein, die wir sind.
Freunde der Demokratischen Partei - der amerikanische Traum ist nicht tot. Er ringt nach Atem, aber er ist
nicht tot. Wir können dieser Aussage applaudieren
und wissen, daß keine Zeit zu verlieren ist, weil der
amerikanische Traum für zu viele Menschen in unerreichbare Ferne rückt - für zu viele schwarze und
braune Mütter und deren Kinder. Der amerikanische
Traum rückt für die Obdachlosen jeglicher Hautfarbe,
gleich welchen Geschlechts, in unerreichbare Ferne.
Und er ist unerreichbar für die Immigranten, die in
Slums ohne Wasser und Kanalisation leben
Der amerikanische Traum rückt für diejenigen in unerreichbare Ferne, die Arbeit haben - eine Arbeit, die
nicht mehr den Verdienst einbringt, dank dem sie leben
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und weiterkommen können, weil Amerika es anscheinend besser beherrscht, Kriegsgerät zu produzieren,
das in Lagerhäusern verrostet als ordentliche Wohnungen. Er wird unerreichbar. Er rückt in weite Ferne.
Der amerikanische Traum entzieht sich den Arbeitern,
die auf unbestimmte Zeit arbeitslos sind, während ihre
Geschäftsführer einen Bonus nach Hause tragen, der
höher ist, als das, was der Arbeiter je in 10,20 oder 30
Jahren verdienen kann. Wir müssen die zerfallenden
Innenstädte zu Orten machen, in denen Hoffnung
wohnt.
Und während wir diesen Wandel in Angriff nehmen,
müssen wir bereit sein, Rodney Kings drängende
Frage zu beantworten: "Können wir es alle schaffen?"
Ich sage, wir beantworten diese Frage mit einem
eindeutigen "Ja".
Wir müssen diese gesundheitschädigende Umwelt
der achtziger Jahre ändern, diese Umwelt, die durch
Neid und Haß und Egoismus der Mega-Fusionen und
einen Schuldenüberhang charakterisiert war - verändern, aber wie? Wir müssen die Umwelt der achtziger
Jahre zu einer Umwelt machen, die durch Respektierung des öffentlichen Interesses, der Dienstleistungen, Toleranz und Liebe gekennzeichnet ist.
Wir sind eins, wir Amerikaner. Und wir weisen jeden
Eindringling zurück, der versucht, uns aufgrund von
Rasse oder Hautfarbe zu spalten. Wir respektieren
kulturelle Identität. Das haben wir stets getan. Und
werden es immer tun. Aber Separatismus ist nicht
erlaubt. Separatismus ist nicht der amerikanische
Weg. Wir dürfen nicht zulasssen, daß Ideen wie
politische Korrektheit uns spalten und uns veranlassen, hart erkämpfte Leistungen bei Menschen- und
Bürgerrechten umzukehren.
Fremdenfeindlichkeit hat in der Demokratischen Partei
keinen Platz. Wir versuchen, die Menschen zu vereinen, nicht sie zu trennen. Während wir die Menschen
vereinen, lehnen wir sowohl weißen als auch schwarzen Rassismus ab. Diese Partei wird Bigotterie - wie
auch immer bemäntelt - nicht tolerieren. Unsere
Stärke in diesem Land gründet sich auf seine Vielfalt.
Unsere Geschichte belegt diese Tatsache. E Pluribus
Unum - aus vielen eins. Das war eine gute Idee, als

dieses Land gegründet wurde und ist auch heute noch
eine gute Idee.
Aus den vielen eins. Das hat auch heute noch Gültigkeit. Wir müssen uns offen zu unserer Mitschuld am
Entstehen des unzumutbaren Haushaltsdefizits bekennen - zu unserer Mitschuld stehen - und, so schmerzlich es auch sein mag, der Tatsache Rechnung tragen,
daß wir bei der ernsthaften Bewältigung dieses Haushaltsdefizits auch die Frage der Ansprüche in Angriff
nehmen müssen. Das ist nicht leicht. Absolut nicht.
Aber wir müssen es tun. Wir müssen es tun, wegen der
Gerechtigkeit zwischen den Generationen, der Idee,
daß die geburtenstarken Jahrgänge - unsere Wähler AMERIKA DIENST 29

�und ihre Nachkommen das Recht auf eine sichere
Zukunft haben. Und dieses Recht haben sie.
Wenn wir jedoch die Sozialhilfeempfänger bitten, Opfer
zu bringen, muß Gerechtigkeit herrschen. Alle müssen Opfer bringen. Dieser Gedanke beinhaltet, daß
wir Opfer für Wirtschaftswachstum bringen, aber jeder
muß sich an diesem Opfer beteiligen, nicht nur einige
wenige. Es bedeutet, daß wir alle gleichermaßen
Opfer bringen. Gleichermaßen. Der Rentner mit
seinen festen Bezügen, der Tagelöhner, der Geschäftsführer, der College-Professor, der Kongreßabgeordnete - sie alle müssen um der Gerechtigkeit willen
Opfer bringen.

Zynikern. Und diese Zyniker verbreiten jetzt überall, es
mache keinen Unterschied, wer zum Präsidenten der
Vereinigten Staaten gewählt wird. Sie müssen diesen
Zynikern sagen, daß sie fortgesetzt einen Schwindel
propagieren. Es macht einen Unterschied, wer Präsident ist.
Ein demokratischer Präsident würde ein Oberstes
Gericht berufen, das die Freiheit schützt statt sie zu
behindern.
Ein demokratischer Präsident würde Prinzipien, Programme und politische Maßnahmen fördern, die uns
Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen.

Eine überfällige Veränderung, über die Sie vielleicht
schon viel gehört haben, findet bereits statt. Sie zeigt
sich in der Anzahl der Frauen, die jetzt die Institutionen
politischer Macht herausfordern, und diese Frauen
fordern die Zentren politischer Macht heraus, weil sie
von männlichen, weißen Politikern dominiert werden.
Und das ist falsch.

Es hat sich jedoch ein anderer Punkt auf der Tagesordnung ergeben. Charakter ist zu einem Punkt auf der
politischen Tagesordnung 1992 geworden. Die Charakterfrage ist berechtigt. Aber wenn Sie eine vernünftige Überprüfung der Charakterfrage vornehmen, werden
Sie feststellen, daß die gesamte Frage eher mit
Emotionen als mit Tatsachen zu tun hat.

Der Horizont der Geschlechtergleichheit ist für uns
unbegrenzt. Und was wir heute beobachten, ist ganz
einfach eine Generalprobe für den Tag, an dem wir bei
einem Konvent zusammenkommen um eine Frau als
Präsidentin zu wählen. Dieses Land kann kaum weiterhin funktionieren, indem es nur die Hälfte seiner
menschlichen Ressourcen nutzt, weniger als die Hälfte seiner kinetischen Energie und weniger als die
Hälfte seines Wissens.

Sie wissen, wie gefährlich es für uns ist, Entscheidungen auf der Basis von Emotionen statt von Vernunft zu
treffen. James Madison, der Begründer und Vater der
Verfassung, hat uns vor den Gefahren gewarnt, sich
auf Leidenschaft und nicht auf Vernunft zu verlassen.

Wir hatten im 19. Jahrhundert einen Besucher aus
Frankreich namens de Tocqueville. De Tocqueville
kam nach Amerika und wurde befragt. "Wenn ich
gefragt würde," so de Tocqueville, "auf welches einzelne Attribut ich den Wohlstand und die wachsende
Stärke des amerikanischen Volkes hauptsächlich
zurückführe, würde ich antworten: auf die Überlegenheit der Frauen." Nun, meine Herren, ich kann dazu
nur sagen, daß das 20. Jahrhundert nicht zu Ende
gehen wird, ohne daß die Präsenz von Frauen deutlich
spürbar würde.
Wenn wir diesen Konvent heute abend verlassen,
dann mit der Entschlossenheit, das amerikanische
Volk davon zu überzeugen, daß es uns vertrauen
kann. Die amerikanischen Wähler müssen davon
überzeugt werden, uns - den Demokraten - wieder die
Regierung anzuvertrauen. Das ist nicht leicht, aber wir
können das leisten. Wir können es vollbringen. Besorgnis und Ängste der Öffentlichkeit über die Zukunft
waren ein sehr fruchtbarer Boden für eine Reihe von

Der verstorbene Herausgeber einer Zeitung in Emporia, Kansas - William White - hat auch etwas über die
Vernunft gesagt. Es ist sehr, sehr zutreffend. Das
Zitat: "Die Vernunft hat den Menschen nie verlassen.
Nur Angst und Unterdrückung haben die Welt zugrunde gerichtet."
Vernunft und nicht Leidenschaft sollte unsere Entscheidungen leiten. Die Frage steht nach wie vor an wer kann dieses Land in diesem Augenblick unserer
Geschichte am besten führen?
Ich schließe meine Ausführungen mit einem Zitat von
Franklin Roosevelt, aus seiner Rede zum Amtsantritt
im Jahr 1933. Franklin Roosevelt hielt diese Rede vor
Menschen, die nach den schweren Tagen und der
Verzweiflung der Großen Depression Veränderungen
herbeisehnten. Er sagte folgendes:
"In jeder dunklen Stunde unseres nationalen Lebens
traf eine Führung der Offenheit und Dynamik auf das
Verständnis und die Unterstützung der Menschen, die
für den Sieg wichtig sind."
Angesichts der Elemente des nationalen Umfelds von
heute sind wir Amerikaner vielleicht - nur vielleicht bereit für ein zweites "Rendevous mit dem Schicksal".
* *

AMERIKA DIENST 29

*

Seite 3

�PORTRAT
22. Juli 1992

GENERAL SHALIKASHVILI WIRD NEUER SACEUR
Porträt des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa
BRÜSSEL - (AD) - Generalleutnant John M. Shalikashvili wurde am 23. Juni 1992 zum Obersten Alliierten
Befehlshaber Europa und Oberbefehlshaber des Europäischen Kommandos der Vereinigten Staaten ernannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Alliierten Befehlsbereich Europa (ACE) veröffentlichten biographischen
Daten von General Shalikashvili.

Am 27. Juni 1936 in Warschau (Polen) geboren, legte
General "Shali" Shalikashvili sein Examen in Maschinenbau an der Bradley University ab und beendete
sein Studium an der George Washington University
mit einem Magister in internationalen Angelegenheiten. Seine militärische Ausbildung absolvierte er unter
anderem am Naval Command and Staff College sowie
dem United States Army War College.
Nach Abschluß der Officer Candidate School im Jahr
1959 wurde er Leutnant der Artillerie. Die folgenden 16
Jahre diente er in unterschiedlichen Kommando- und
Stabspositionen in Alaska, den Vereinigten Staaten,
Deutschland, Vietnam und Korea. 1975 übernahm er
das Kommando des 1. Bataillons der 84. Feldartillerie
in Fort Lewis. Nach einem Kommando an und dem
Besuch des Army War College wurde er als Leiter der
Stabsabteilung Operationen der südeuropäischen
Einsatztruppe nach Vicenza (Italien) entsandt. Im
Anschluß an die Verwendung in Italien übernahm er
1979 das Kommando der Division Artillerie, 1. Panzerdivision in Deutschland. Nach seiner Rückkehr aus
Deutschland wurde er zum Leiter der politisch-militärischen Abteilung im Büro des Stellvertretenden Chefs
des Stabes Operation und Planung im Heeresministerium ernannt. Im Anschluß daran wurde er für die
Beförderung zum Brigadegeneral ausgewählt und
übernahm Aufgaben als Stellvertretender Direktor für

Strategie, Planung und Politik im Büro des Stellvertretenden Chefs des Stabes Operation und Planung.
1984 kehrte General Shalikashvili als stellvertretender
Divisionskommandeur und Kommandeur der Militärgemeinde Nürnberg zur 1. Panzerdivision nach Deutschland zurück. Für die Beförderung zum Generalmajor
vorgeschlagen, kehrte er als Stellvertreter des Leiters
der Stabsabteilung Operation und Planung (Gemeinsame Angelegenheiten) und als Direktor der Abteilung
Strategie, Planung und Politik ins Pentagon zurück.
Von Juni 1987 bis August 1989 war er Kommandeur
der 9. Infanteriedivison (motorisiert) in Fort Lewis,
Washingotn.
Im August 1989 wurde er für die Beförderung zum
Generalleutnant vorgeschlagen, kam erneut nach
Deutschland und übernahm das Amt als Stellvertretender Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa
und 7. Armee. Unmittelbar vor seiner Verwendung als
Berichterstatter des Büros des Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs diente General Shalikashvili
als Kommandeur der Nothilfeoperation Provlde Comfort, dank der Tausende kurdischer Flüchtlinge nach
Nordirak zurückgeführt werden konnten. Im August
1991 wurde er Stellvertreter des Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs.
Er ist verheiratet und hat einen Sohn, der an der
Washington State University studiert.

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AMERIKA DIENST 29

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Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der kernphysikalischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brookhaven National Laboratory&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Arbeitsstätte neun amerikanischer Universitäten zur Förderung der Atomforschung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seeweg London - Tokio um 5000 Meilen kürzer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Pionierfahrt der "Nautilus" und ihre möglichen Auswirkungen auf den gesamten internationalen Handel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Komponisten symphonischer Musik&lt;br /&gt;Über die deutsche Tradition zum eigenen musikalischen Stil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul Henry Lang, Professor für Musikwissenschaft an der Columbia-Universität und Musikkritiker der "New York Herald Tribune", New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Starker Schiffsverkehr durch neue US-Schleusen auf dem St. Lorenzstrom&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Liste der Gedenktage für September 1958&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Foster Dulles: Frieden nur durch Recht und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Ansprache des US-Außenministers vom 18. August 1958 vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes "Veterans of Foreign Wars of the US" in New York&lt;/em&gt;</text>
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32

2 2 . August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:

Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973
-Auszüge zu EuropaUSA werden Kambodscha weiterhin unterstützen
-Erklärung des Weißen Hauses-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklungen in der UdSSR
-Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom
17. August-

WIRTSCHAFT:
US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA
Die Erzhütte am Meeresboden
-Stärkste Anreichung im Zentralgraben des OzeanrückensLASER 73
-US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1973

ROGERS-PRESSEKONFERENZ VOM 20. AUGUST 1973
- Auszüge zu Europa -

WASHINGTON --.(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 20. August eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er zu einer Viel*

zahl von außenpolitischen Fragen Stellung nahm. Er gab ferner bekannt, daß
der Iran offiziell die Einladung angenommen habe, an Stelle von Kanada

*

Mitglied der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission in Südvietnam zu werden. Der amerikanische Außenminister befaßte sich ferner mit dem
"Jahr Europas" und betonte in diesem Zusammenhang, daß die Gespräche der
USA mit ihren europäischen Verbündeten über dieses Thema gut vorangekommen
seien.
Die Fragen und Antworten zu diesem Komplex haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Außenminister, dies ist das Jahr Europas- Nun ist in allen
möglichen Berichten davon die Rede, daß die Antworten der europäischen Regierungen ziemlich langsam eingingen. Sind Sie darüber besorgt, daß die
Antworten nicht termingerecht erfolgten?
Antwort: Nein, wir haben keine Sorge, daß sie etwa nicht termingerecht
geantwortet hätten. Unserer Meinung nach haben sie es sogar. Im übrigen gab
es überhaupt keine Termine für die Antworten, aber wir sind der Ansicht, daß

-1-

�daß die Gespräche, die wir mit unseren europäischen Freunden und Verbündeten
geführt haben, gut vorangekommen sind.
Lassen Sie mich noch etwas zu dem Jahr Europas sagen.
Erstens haben wir - das heißt Präsident Nixon - ausführliche Gipfelgespräche mit zahlreichen europäischen Staatsmännern geführt, die sich meiner Meinung nach gut ausgewirkt haben.
Zweitens haben wir gerade die erste Phase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hinter uns, die ganz anders verlief,
als viele erwartet hatten. Meines Erachtens war sie erfolgreich, und wenn
die zweite Phase der Verhandlungen dieser Konferenz gut verläuft, dann glaube ich, daß einige Aussichten für ein Nachlassen der Spannungen in Europa
gegeben sind.
Drittens haben wir uns auf ein Datum für die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen geeinigt. Diese Verhandlungen
werden am 30. Oktober beginnen. Am 24. September wird meines Wissens die
zweite Phase der KSZE anlaufen und im Herbst die zweite Phase der SALT-Gespräche. Die NATO prüft das Problem des Verhältnisses zwischen dem Bündnis
und den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Europäische Gemeinschaft befaßte sich ebenfalls mit diesem Problem. Wir haben ferner mit verschiedenen
Regierungen zahlreiche Gespräche über das Thema einer Grundsatzerklärung geführt.
Außerdem werden in diesem Herbst - im September - Handelsverhandlungen
in Japan beginnen. In Nairobi werden Verhandlungen über Währungsfragen aufgenommen werden. Und der Präsident plant noch in diesem Jahr eine Reise
nach Europa.
Alle diese Dinge lassen also eine große Aktivität im Zusammenhang mit
dem sogenannten Jahr Europas erkennen.
Wir

-2-

�Wir sind der Ansicht, daß der Meinungsaustausch mit unseren europäischen Freunden und die Gespräche mit Japan - ich habe ja gerade erst an dem
Ministertreffen in Tokio teilgenommen - über dieses Thema gut vorangekommen
sind.
Wir üben keinerlei Druck auf die europäischen Nationen aus; dies muß
ein koordiniertes und kooperatives Vorhaben sein. Wir sind jedoch der Meinung, daß das Zustandekommen dieser Deklaration wichtig ist und wir glauben
an ihren Erfolg.
Frage: Herr Außenminister, welche generellen Gedanken sollten nach Ansicht der USA in eine Grundsatzerklärung aufgenommen werden? Und glauben
Sie, daß es zu einer großen europäischen Gipfelkonferenz kommen wird, wenn
Präsident Nixon nach Europa reist?
Antwort: Was den letzten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich nicht
sicher. Die generellen Gedanken, die wir vorgebracht haben, sind die, die
man wohl erwarten konnte. Sie befassen sich mit der Wechselwirkung zwischen
Wirtschaftsfragen, Sicherheitsüberlegungen - Währungsfragen, politischen
Fragen, Sie befassen sich mit der Notwendigkeit, amerikanische Truppen in
Europa stationiert zu halten, und der Frage, auf welcher Basis sie dort
bleiben werden. Sie befassen sich mit der Frage der Lastenverteilung - was
das eigentlich heißt und was alles dazu gehören sollte -, mit der Haltung
der Vereinigten Staaten gegenüber der Gemeinschaft und mit der Haltung der
Gemeinschaft gegenüber den Vereinigten Staaten, mit einer Bekräftigung der
Respektierung der Souveränität aller Nationen, die diese Deklaration unterzeichnen, und gleichzeitig mit der Anerkennung der Bedeutung der kollektiven
Sicherheit.
Dies sind einige der Dinge. Selbstverständlich gibt es noch eine ganze
Reihe anderer Dinge, die hierher gehören, aber ich meine doch, daß Sie in
etwa eine Vorstellung davon haben, über welche Themen wir sprechen.
Wir

�Wir sind der Auffassung, daß dieses Verhältnis zu Kuropa wichtig ist
und daß es in irgendeinem Stadium - zumindest wahrscheinlich, wenn auch nicht
notwendigerweise gleichzeitig mit Japan - später dann im Lichte der gegebenen
Realitäten geklärt und neu bekräftigt werden muß.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben von der Wechselwirkung zwischen
wirtschaftlichen Fragen und Sicherheitsüberlegungen gesprochen. Wollen Sie da
mit ausdrücken, daß Sie sich in dieser Grundsatzerklärung darum bemühen werden, daß Europa die Verbindung zwischen diesen beiden Komplexen anerkennt und
daß beide Seiten die Probleme des jeweils anderen hierbei anerkennen müssen,
sowie die Tatsache, daß der eine von dem anderen abhängt?
Antwort: Nein, so nicht. Ich meine, daß hier langsam strittige Begriffe
ins Spiel kommen, die die Leute nicht mehr ganz verstehen. Worüber wir sprechen, ist unser Gesamtverhältnis, wie es sich im Lichte der gegenwärtigen
Realitäten darstellt, ohne irgendein Junktim und ohne irgendeinen Versuch,
das eine gegen das andere auszuspielen..."

"•••;.'';

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32/1973

USA WERDEN KAMBODSCHA WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Die Vereinigten Staaten werden die kambodschanische
Regierung auch weiterhin nachdrücklich gegen aufrührerische Kräfte unterstützen und Kambodscha mit einem Höchstmaß an vom Kongreß bewilligter Wirtschafts-und Militärhilfe versorgen. Dies geht aus einer am 15. August, dem
Tage der Einstellung der amerikanischen Luftunterstützung für kambodschanische Truppen, veröffentlichten Erklärung des Weißen Hauses hervor, in
der es weiter heißt, daß die USA auch in Zukunft auf einen ausgehandelten
Waffenstillstand in Kambodscha drängen werden. Präsident Nixon werde mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen,
sollte Nordvietnam versuchen, die Stabilität von Indochina zu gefährden.
Die Erklärung des Weißen Hauses, die von Pressesprecher Jerry Warren
verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Wie bekannt, ist die Kampftätigkeit amerikanischer Flugzeuge in Kambodscha eingestellt worden. Um unseren Standpunkt hinsichtlich dieser
Aktion unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen und alle Mißverständnisse
seitens anderer zu vermeiden, möchte ich die folgenden Punkte unterstreichen:
-- Wie

-1-

�--Wie der Präsident in seinem Schreiben an die führenden Politiker des
Kongresses vom 2. August mitgeteilt hat, beendet die amerikanische Regierung
die Kampftätigkeit in Kambodscha gemäß einer spezifischen, direkten und verbindlichen Anweisung des Kongresses. Der Präsident hat weiterhin ernste Vorbehalte hinsichtlich der Klugheit dieser Maßnahme der Legislative. Er ist
besorgt darüber, daß der Kongreß durch seine Maßnahme einen wichtigen Anreiz
für eine Regelung auf dem Verhandlungswege beseitigt,

die Sicherheit der

Nachbarn Kambodschas in Südostasien geschwächt und das Gebäude des Friedens
in Indochina,wie in den Abkommen vom 27. Januar dargelegt, unterminiert hat.
Vor allem aber unterminiert diese Maßnahme des Kongresses die Aussichten auf
einen Weltfrieden, indem nämlich bei Freunden und Gegnern gleichermaßen Zweifel hinsichtlich der Entschlossenheit und der Fähigkeit der Vereinigten Staaten wach werden, zu internationalen Abkommen zu stehen, wenn diese durch
andere Parteien verletzt werden.
-- Unter Hinweis auf die durch diese legislative Maßnahme hervorgerufenen Gefahren hat der Präsident nur überaus zögernd den 15. August als Datum
für die Einstellung der Angriffe al.s einen notwendigen Kompromiß akzeptiert,
um eine größere Störung der Tätigkeit der amerikanischen Regierung zu verhindern und der Khmer-Republik mehr Zeit zur Anpassung an die neue Situation
zu geben. Man wird sich erinnern, daß der Präsident zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieses Gesetzes vor der Alternative stand, entweder den 30. Juni
als Datum der Einstellung zu akzeptieren, oder durch ein Veto gegen das Bewilligungsgesetz, dem diese Gesetzesvorlage beigefügt war, jegliche Regierungstätigkeit lahm zu legen. Eine sofortige Einstellung aller Kampfunterstützung für die Khmer-Republik angesichts eines massiven Angriffs des Gegners wäre eine unverantwortliche Aktion gewesen, die die kambodschanische
Regierung der notwendigen Zeit beraubt hätte, Vorbereitungen für die Zukunft
zu treffen. Angesichts dieser extremen Alternativen war der einzig gangbare
Weg,das Datum des 15. August widerstrebend zu akzeptieren.
--Während

�-- Während der jetzt verstrichenen sechs Wochen hat unsere Kampfunterstützung aus der Luft zusammen mit den kambodschanischen Bemühungen um eine
Verbesserung und Verstärkung der kambodschanischen Streitkräfte die KhmerRepubjik in einen besseren Verteidigungszustand versetzt. Wir hoffen, daß die
Regierung in der Lage sein wird, sich selbst zu verteidigen und gegen die
aufrührerischen Kräfte und deren nordvietnamesische Protektoren zu bestehen.
-- Inzwischen werden die Vereinigten Staaten angesichts der gegenwärtigen Herausforderung fest zur Khmer-Republik stehen und ein Höchstmaß an
Wirtschafts-und Militärhilfe gewähren, so wie dies durch die gegenwärtigen
rechtlichen Beschränkungen möglich ist.
-- Wir werden weiterhin mit Nachdruck einen Waffenstillstand durch Verhandlungen zwischen den Khmer-Parteien unterstützen. Unsere Hauptziele in
diesem Gebiet sind eine Beendigung der Kampfhandlungen sowie die Respektierung der Souveränität und Neutralität Kambodschas. Trotz der Bemühungen
zahlreicher interessierter Parteien und des guten Willens der Khmer-Republik
lehnt die kommunistische Seite weiterhin unnachgiebig jeden Kompromiß ab.
-- Ich möchte ferner an die in seinem Schreiben vom 2. August enthaltene Warnung des Präsidenten erinnern, daß die nordvietnamesischen Führer einen
sehr gefährlichen Fehler begehen würden, sollten sie die Einstellung der amerikanischen Kampftätigkeit in Kambodscha als eine Einladung verstehen, in
Südostasien eine Politik der Aggression zu verfolgen. Hanoi sollte sich ganz
klar darüber sein, daß der Präsident mit dem Kongreß zusammenwirken wird, um
die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, sollte Nordvietnam eine Offensive
starten, die die Stabilität in Indochina gefährdet und die Regelungen außer
Kraft zu setzen droht, die nach so vielen Opfern seitens so vieler Menschen
nach so langer Zeit erreicht worden sind."

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32/1973

SCHLESINGER BERICHTET ÜBER NEUE RAKETENENTWICKLUNGEN IN DER UDSSR
-Auszüge a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z

des US-Verteidigungsministers

vom 17.August-

WASHINGTON --(AD)-» Der amerikanische Verteidigungsminister James B.
Schlesinger hat bestätigt, daß die Sowjetunion in den letzten Wochen erfolgreich Raketen mit Mehrfach-Gefechtsköpfen (MIRV) erprobt hat. Die Chance,
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) eine Kontrolle dieser Waffensysteme zu erreichen,
bezeichnete Schlesinger als gering.
Zu Beginn seiner Pressekonferenz sagte Schlesinger unter anderem:
"Wir rechnen verstärkt mit einer Periode,in der sich das Hauptgewicht
der Tätigkeit des Verteidigungsministeriums von den Feindseligkeiten in Südostasien ur.d dieser Region auf die Aufgaben des Verteidigungsministeriums
in dem viel größeren Umfang verlagern wird, wie er in anderen Teilen der
Welt, vor allem durch die NATO, gegeben ist. Ich setze meine Gespräche mit
den Verteidigungsministern der verschiedenen europäischen Länder fort,und
diese Gespräche sind bisher recht gut verlaufen."
Der

-1-

�Der amerikanische Verteidigungsminister teilte dann mit, daß gegenwärtig Verhandlungen mit der thailändischen Regierung über eine Reduzierung der
amerikanischen Truppen in Thailand stattfinden und daß sein Voranschlag für
den Verteidigungshaushalt 1975 voraussichtlich unter sechs Prozent des Bruttosozialproduktes liegen werde„
Zu den strategischen Entwicklungen in der UdSSR sagte er wörtlich:
"Ich weiß, daß einige von Ihnen an der Frage der Entwicklung der strategischen Kapazitäten der Sowjetunion interessiert sind. In den letzten Wochen haben die Sowjets erfolgreich Flugversuche mit Mehrfach-GefechtskopfKapazität (MIRV-Kapazität) demonstriert. Zumindest zwei ihrer Raketen haben
eine MIRV-Kapazität gezeigt. Wie Sie wahrscheinlich wissen, haben die Sowjets
seit einigen Jahren ein aggressives Entwicklungsprogramm verfolgt.
In der Entwicklung befand sich nicht nur die SSNX-8 Rakete für die
Unterseeboote der Delta-Klasse, sondern auch vier Interkontinentalraketen
(ICBM). Zwei davon haben bereits eine MIRV-Kapazität demonstriert. Wir rechnen damit, daß auch die beiden anderen (Typen) mit MIRV-Kapazität ausgestattet werden."

Die Fragen und Antworten zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
l'Frage: Herr Minister, wann könnte die sowjetische MIRV-Kapazität realisiert werden? Sie sagen, sie wurde erprobt. Wann können wir damit rechnen,
daß sie (die Sowjets) sie in ihren Arsenalen haben werden?
Antwort: Ich glaube,man hat einen guten Maßstab,wenn man mit zwei Jahren
von den ersten Versuchsstadien bis zu dem Punkt der eigentlichen Dislozierung rechnet. Es kann etwas länger dauern, aber unsere frühere Schätzung
scheint durchaus angebracht, daß sie (die Sowjets) etwa im Jahre 1975 einsatzbereite,.mit MIRV ausgestattete Streitkräfte disloziert haben dürften.

Frage:

-2-

�Frage: Können Sie uns sage, daß sie (die Sowjets) tatsächlich MehrfachGefechtsköpfe erprobt haben?
Antwort: Ja.
Frage: Herr Minister, um was für Raketen handelt es sich?
Antwort: Die erste Demonstration der MIRV-Kapazität fand mit der SSX-17
statt; in jüngerer Zeit wurde sie mit der SSX-18 demonstriert, die, wie Sie
wissen, die große Rakete ist, die voraussichtlich an die Stelle der SS-9
treten soll.
Frage: Wieviele(Gefechtsköpfe) auf dieser SS»18, Herr Minister?
Antwort: Mindestens sechs.
Frage: Herr Minister, welche Bedeutung kommt dieser Zahl von Gefechtsköpfen auf der SS-18 zu?
Antwort: Mit einer bestimmten

Nutzlast - einer feststehenden Netto-

Nutzlast - sind die Sowjets gezwungen gewesen, die Zahl der Gefechtsköpfe gegen die Stärke der einzelnen Gefechtsköpfe abzuwägen. Das heißt praktisch
- das möchte ich unterstreichen - daß die Sowjets - eines Tages in der Zukunft - über ein Aufgebot an Gefechtsköpfen mit einer Stärke in der Größenordnung von einer Megatonne verfügen werden. Und wenn dann, wie anzunehmeit,
die Treffsicherheit steigen wird, dann kann sich das zu einer wesentlichen
bedrohlichen Gegenmacht zu den in den USA stationierten strategischen Vergeltungsstreitkräften entwickeln.
Frage: Herr Minister, um auf die sowjetische Raketenentwicklung zurück zukommen, wenn Sie von einer möglichen künftigen Bedrohung unserer landgestützten Raketenstreitmacht sprechen, dann klingt das ganz ähnlich wie das,
was Herr Laird (der frühere amerikanische Verteidigungsminister) vor einigen
Jahren gesagt hat, als er erklärte, die Sowjetunion strebe eine ErstschlagKapazität an. Wüerden Sie das, was sie (die Sowjets) jetzt getan haben, nach
solchen Begriffen interpretieren?
Antwort:

�i
Antwort: Ich meine, die Sowjets streben einen strategischen Vorteil an;
sie haben ein aggressives Programm.

Ob sia jemals einen strategischen

Vorteil erreichen werden, wird davon abhängen, ob die Vereinigten Staaten
auf Veränderungen in der sowjetischen Militärposition reagieren oder ob sie
es unterlassen, darauf zu reagieren.
Was nun die Erreichung einer Erstschlag-Kapazität angeht, so kann eine
solche Kapazität, wenn man sie im eigentlichen Sinne als die andere Seite
entwaffnend betrachtet, von keiner Seite erreicht werden, weder von den
Sowjets noch von uns.
Frage: Herr Verteidigungsminister, bedeutet dies, daß Sie sich jetzt
innerhalb Ihres Ministeriums mit Nachdruck für die 'Trident8 sowie für neue
Unterseeboote und neue Raketen einsetzen werden?
Antwort: ... Ich bin ganz allgemein der Ansicht, daß - wenn die Fakten
hinsichtlich der sowjetischen Entwicklungen oder der Entwicklungen irgendwo
sonst vollständig vor dem amerikanischen Volk und dem amerikanischen Kongreß
liegen - diese in angemessener Weise darauf reagieren werden und daß keine
Notwendigkeit für irgendeinen übermäßigen Nachdruck besteht.
Frage: Herr Verteidigungsminister, welche Chancen gibt es Ihrer Meinung
nach für irgendeine Art von MIRV-Kontrollen im Rahmen der gegenwärtigen SALTRunde?
Antwort: Sie haben sich wesentlich verschlechtert.
Frage: Wie meinen Sie das, was ist geschehen?
Antwort: Wenn die Sowjets erst einmal die Flugtestphase hinter sich gebracht haben, ist die Möglichkeit der Verifizierung von Kontrollen wesentlich unterminiert, und in den SALT-Verhandlungen haben wir immer wieder darauf bestanden, daß die Möglichkeit gegeben sein muß, alle Abkommen zu verifizieren, die die amerikanische Regierung eingeht. Wenn wir von der Tatsache
des Beginns der MIRV-Flugteste ausgehen, dann wird also unsere Fähigkeit der

-4-

/

�der Beobachtung schnell, sehr schnell unterhöhlt* Wie Sie wissen ist dieses
Thema bereits früher aufgebracht worden, und ich meine, es ist nur fair, zu
sagen, daß die Sowjets nicht besonders an MIRV-Begrenzungen, an umfassenden,
generellen MIRV.» Begrenzungen interessiert waren. ..
Frage: Herr Verteidigungsminister, wann ist nach den Feststellungen
Ihrer Computer der Punkt erreicht, an dem die Sowjets uns an Gefechtsköpfen
überholt haben werden?
Antwort: Das hängt natürlich von dem Tempo der Dislozierung seitens der
Sowjets ab, nachdem sie - wir wir einmal annehmen wollen - ihre Testperiode
beendet, haben. Wir würden sagen, daß 1975 ein annäherndes Datum für den Beginn, ihrer Dislozierung ist, aber hier würde es sich um InterkontinentalRaketen (ICBM) handeln« Vielleicht würden sie bis 1979 über eine gleiche Zahl
von Gefechtsköpfen für ihre Interkontlnental-Raketen verfügen., Zum gegenwär.»
tigen Zeltpunkt kann ich nicht voraussagen wie schnell sie ihre unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBM) mit MIRV ausrüsten werden, und
daher kann man die Gesamtzahl ihrer Gefechtsköpfe nicht vorhersagen. Wenn die
Sowjets jedoch ihr gegenwärtiges Programm fortsetzen, dann werden sie Anfang
der achtziger oder Mitte der achtziger Jahre über eine ungeheure Kräfte»
struktur verfügen,..
Frage: Vielleicht könnten Sie uns noch etwas über SALT sagen, und awar
hinsichtlich der von den Sowjets jetzt entwickelten MIRV-Kapazität?
Antwort: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gingen aus SALT I
jeder mit gewissen Vorteilen und gewissen Nachteilen hervor. Aber man war der
Ansicht, daß Vorteile und Nachteile sich auf beiden Seiten etwa die Waage hielten. Die Vereinigten Staaten besaßen eine klare und demonstrierbare Überlegenheit hinsichtlich bestimmter technologischer Aspekte - der Qualität der Gefechtsköpfe,, der Qualität der Leitsysteme und überhaupt der MIRV-Technologie im allgemeinen. Die Sowjets besaßen eine Überlegenheit, hinsichtlich der
Netto-Nutzlastkapazität und der Anzahl der ICBM=Abschußvorrichtungen„ Die
amerikanischen Vorteile - und darüber sollten wir uns meiner Meinung nach

-5-

�nach völlig im klaren sein - sind dahinschwindende Vorteile in dem relativen
Sinne nämlichs daß sich die Sowjetunion allmählich die Technologien aneignets
die bisher von den Vereinigten Staaten demonstriert wurden; folglich müßte
die Ausgangsbasis für das SALT I-Abkommen zu einem späteren Punkt überprüft
werden.
Wenn die Sowjets nun die technologische Lücke schließen und über eine
MIRV-Kapazitätä verbesserte Gefechtsköpfe und verbesserte Leitsysteme verfügen, sehen sich die Vereinigten Staaten nicht in der Lages die zahlenmäßigen
oder quantitativen Vorteile zu tolerieren*, die die Sowjetunion gegenwärtig
besitzt,
Ich glaube, das ist der Kernpunkt des Jaickson~Gesetzeszusatzes3 den der
Kongreß im letzten Jahr verabschiedet hat9 daß es nämlich ein in etwa ausgewogenes Gleichgewicht geben müsse.Wenn die amerikanischen Vorteile geringer
werden, dann müssen auch die sowjetischen Vorteile in gleicher Weise geringe!
werdav, so daß die quantitativen Diskrepanzen verringert werden müssens
wenn die Sowjets die qualitative Lücke schließen»

Worüber wir ohne Frage am

meisten besorgt. sindsist die Tatsache, daß die Sowjets ein unverhältnismäßig
hohes Maß an Netto-Nutzlast haben - ihre Netto-Nutzlast steht im Verhältnis
von vier zu eins. Sie verfügen über etwa fünfzig Prozent mehr Interkontinental-Raketena Wenn sie die Technologien, die sie sich jetzt erwerben, mit dem
Nutzlastgewicht verbinden, das sie aufgrund des Interimsabkommens - und ich
betone Interimsabkommen - besitzen, dann könnten sie ein klares Übergewicht
an Gegenschlagkapazität gegenüber den Vereinigten Staaten entwickeln.
Wir wollen es nicht zulassen, daß sich ein solches Ungleichgewicht hinsichtlich der strategischen Kräfte entwickelt; daher wird es Ziel und Zweck
der SALT II-Verhandlungen sein, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und die
Verbindung dieser neu erworbenen Technologien mit den bestehenden zahlenmässigen Vorteilen der Sowjets auszuschließen...
Frage:

-6=

�Frage: Herr Minister, in der Vergangenheit haben die Russen beispielsweise 15 Prototypen von Kampfflugzeugen entwickelt und dann nur zwei oder
drei davon in die Massenproduktion übernommen. Glauben Sie, daß sie alle
vier dieser neuen ICBM produzieren werden?
Antwort: Nein.
Frage: Gibt es irgendwelche Beweise, daß die Produktion von ein oder
zwei dieser Typen bereits aufgenommen worden ist?
Antwort: Es gibt keine Beweise für eine Produktion. Nach unserer Beurteilung sind zwei dieser Raketen (die SSX-17 und die SSX-19) als Nachfolger
für die SS-11 vorgesehen. Wenn diese Annahme stimmt, dann werden sie wahrscheinlich nicht beide dislozieren, sondern zwischen diesen beiden wählen.
Die SSX-18 ist offensichtlich der Nachfolger der SS-9. Der Zweck der
SSX-16 ist uns nicht klar. Die SSX-16 könnte die B asis für eine Dislozierung
mobilpr Raketen sein, aber wir kennen den Verwendungszweck nicht genau. Es
liegt also auf der Hand, daß die Pläne die Dislozierung mindestens zweier
der in der Entwicklung befindlichen Typen erfordern würden.
Frage: Herr Minister, Sie sprachen vorhin, wenn ich Sie richtig verstanden habe, von der Tatsache, daß keine Seite eine Erstschlag-Kapazität erreichen könne. Warum sind die Russen dann Ihrer Auffassung nach an einer Gegenschlag-Kapazität interessiert? Welches sind Ihre Beweggründe oder Absichten für den Besitz einer Gegenschlag-Kapazität mit ihren MIRV?
Antwort:Weil die Entscheidung, einen Schlag gegen Städte zu führen
- einen massiven Schlag gegen Städte - eine Entscheidung ist, die keine der
beiden Seiten ohne weiteres treffen wird. Daher könnte jede Seite in eine
Situation geraten, die genau die Umkehr jener Situation ist, die Verteidigungsminister McNamara in seiner Rede in Athen im Jahre 1962 beschrieben hat, die
dann später die Grundlage für seine Rede in Ann Arbor bildete.
Sie

�Sie werden sich erinnern, was er damals sagte. Er zeigte eine Reihe von
Umständen auf, bei denen die Vereinigten Staaten im wesentlichen mit einer
unverwundbaren Zweitschlag-Kapazität ausgestattet waren und gleichzeitig die
Möglichkeit besaßen, im einzelnen bestimmte sowjetische militärische Ziele
durch den Einsatz der amerikanischen strategischen Streitkräfte zu zerstören.
Die Höglichkeit, die den Sowjets erstrebenswert sein mag, ist die, diese Umstände umkehren zu können, und damit könnten die Sowjets in die Position
kommen, erstens eine unverwundbare Abschreckung zu besitzen, und zweitens
amerikanische oder verbündete militärische Konzentrationen eine nach der anderen zu zerstören. Dies würde insgesamt gesehen zu einem Ungleichgewicht
führen, und wir planen nicht, in eine Position zu geraten, in der wir vor
einem Gesamtungleichgewicht stehen."

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US-ZAHLUNGSBILANZ WESENTLICH VERBESSERT

WASHINGTON --(AD)-- Die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten hat sich
im zweiten Quartal dieses Jahres wesentlich verbessert, wie aus den
vorläufigen Schätzungen hervorgeht, die das amerikanische Handelsministerium am 15. August veröffentlicht hat. Diese Verbesserung wird auf
mehrere Ursachen zurückgeführt, darunter auch Transaktionen, über die
noch keine endgültigen Zahlen vorliegen.
Der Gesamtabfluß von Dollar - sowohl durch den Erwerb von Dollar
durch Privatpersonen im Ausland wie durch die Transaktionen von Zentralbanken - ging von 6,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal scharf auf
1,5 Milliarden Dollar im zweiten Quartal zurück (alles unter Berücksichtigung saisonbedingter Schwankungen)„ Damit ist das kleinste Liquiditätsdefizit seit 1970 erreicht worden.
Der Nettozufluß von kurzfristigen Geldern war im zweiten Quartal
nicht unbeträchtlich und hat Abflüsse ausgeglichen, die Anfang des Jahres
vor der zweiten Abwertung des Dollar und dem Floating der Hauptwährungen
eingetreten waren. Von großer Bedeutung auf lange Sicht ist die Tatsache,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz weiter verbessert und fast einen
Ausgleich erreicht hat. Auf dem Sektor Güter und Dienstleistungen ist im

-1-

�im zweiten Quartal sogar mit einem Überschuß von 706 Millionen Dollar zu
rechnen.
Nach einer heute häufig angewandten Bemessungsgrundlage der Zahlungsbilanz - nämlich nach den Veränderungen in den Reserven und Verpflichtungen
gegenüber ausländischen Währungsbehörden - haben die Vereinigten Staaten
im zweiten Quartal sogar einen kleinen Zahlungsbilanzüberschuß zu verzeichnen. Das amerikanische Handelsministerium hat jedoch vor einer Überbewertung
dieser Berechnung nach dem Stand der offiziellen Transaktionen gewarnt, da
sie durch das weitverbreitete Floating der Wechselkurse in Frage gestellt
werde. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die einzige
massive Intervention auf dem Devisenmarkt im zweiten Quartal von Japan
vorgenommen wurde, das Dollar verkaufte, um den Yen zu stützen. Insgesamt
nahm der Gesamtdollarbetrag in Händen ausländischer Währungsbehörden im
zweiten Quartal ab.

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32/1973

NEUE HÖCHSTGRENZEN FÜR FLUGZEUGABGASE IN USA

- (AD) - Die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) setzte
neue Maximalwerte für Flugzeugabgase fest. Gleichzeitig wurde ein Modifizierungsprogramm für Turbotriebwerke und ein Versuchsprogramm für Bodenkontrollausrüstungen angekündigt. Auf Grund der neuen Normwerte wird die
Emission von Rauch, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden
reduziert. Mit Ausnahme von Helikoptern sind alle

zivilen Flugzeuge davon be-

troffen - von der kleinsten einmotorigen Maschine bis zum größten Passagierflugzeug.

Die Bestimmungen gelten generell für alle Turbinentriebwerke, die nach
dem 1. Januar 1979 gebaut werden. Bei Flugmotoren, die nach dem 1. Januar 1981
zugelassen werden, sind die Abgasvorschriften noch strenger. Für FlugzeugKolbenmotoren, die nach dem 31. Dezember 1979 gebaut werden, gelten in bezug
auf die von ihnen freigesetzten Gas- und Rauchmengen neue Bestimmungen.

Die neuen Maximalgrenzen bedeuten, daß bei allen Turboproptriebwerken
sowie Turbofan- und Turbojet-Triebwerken mit weniger als 3630 kp Schubleistung
die Kohlenwasserstoffabgase um 80 Prozent, Xohlenmonoxid um 60 Prozent und
Stickstoffoxide um 20 Prozent zu reduzieren sind. Zu den Flugzeugen, die solche
Motoren benutzen, gehören z.?. Geschäftsflugzeuge wie Lear Jet, Grumman Gulfstream, Lockheed Jetstar, Lockheed Electra, Fairchild F27 und Convair 540.
Für

-

I

-

�Für Triebwerke über 3630 kp Schub wird ab 1979 eine Verringerung der Abgase um 60 Prozent für Kohlenmonoxid, um 70 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und um 50 Prozent für Stickstoffoxide verlangt. Davon werden die Flugmotoren
der meisten großem kommerziellen Passagierflugzeuge wie Boeing 707, 727, 737,
747 und DC-8 sowie DC-9 betroffen. Bei Kolbentriebwerken ist nach dem 31. Dezember 1979 eine Drosselung der Abgase um 30 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und 50 Prozent für Kohlenmonoxid vorgeschrieben; gleichzeitig wird verfügt,
daß die Mengen von Stickstoffoxiden nicht ansteigen dürfen. Zu dieser Gruppe
gehören die kleineren Geschäfts- und Privatflugzeuge wie Cessna 150, Piper
Cherokee 140 und Beechcraft Queen Air.

Die Hilfsaggregate sind von den Beschränkungen nicht ausgenommen. Bei
ihnen wird eine Reduzierung des Kohlenmonoxids um 30 Prozent und der Stickstoffoxide um 50 Prozent verlangt; die Menge der Kohlenwasserstoffe in den
Abgasen darf die gegenwärtigen Werte nicht übersteigen. Diese Aggregate werden
für den Betrieb von Bordsystemen benutzt, wenn sich die Maschine am Boden befindet und die Triebwerke nicht laufen.

Die EPA schlug außerdem vor, alle vor 1979 gebauten großen Gasturbinentriebwerke in den Herstellerwerken so umzubauen, daß die Abgase die für 1979
festgesetzten Höchstgrenzen nicht überschreiten. Bei der Bestimmung dieser
Grenzwerte wurden die zur Zeit laufenden einschlägigen Forschungsprojekte
innerhalb der US-Luftstreitkräfte und der Raumfahrtbehörde NASA berücksichtigt.
In deren Auftrag befassen sich derzeit Firmen wie General Electric und Pratt &amp;
Whitney damit, mit Hilfe der heute üblichen Triebwerkstypen bestimmte Teile
von Neukonstruktionen zu testen und auf diese Weise die Umrüstung auf
verbesserte Abgassysteme bzw. die Prüfung von deren Funktionsfähigkeit unter
den Gesichtspunkten der neuen Bestimmungen zu erleichtern.

Die EPA verbot jetzt auch das Ablassen von Treibstoff von Gasturbinentriebwerken; außerdem setzte sie für spezielle Triebwerke neue Höchstgrenzen
für Rauchgasmengen fest. So müssen beispielsweise die JT8D-Triebwerke der Maschinen vom Typ Boeing 727 und 737 sowie der DC-9 bis zum 1. Januar 1974 mit
Rauchkontrollen ausgestattet sein. Die entsprechende Umrüstung wurde bereits

�b e r e i t s durch f r ü h e r e Vereinbarungen der F l u g g e s e l l s c h a f t e n mit der Bundesr e g i e r u n g i n Angriff genommen und i s t nahezu a b g e s c h l o s s e n . Am 1. J a n u a r 1976
l ä u f t d i e F r i s t für d i e Triebwerke d e r Boeing 747, DC-10 und L-1011 a b . Da
es s i c h h i e r b e i jedoch um neue Flugzeugtypen h a n d e l t , wurde beim Bau d i e Abg a s r e d u z i e r u n g schon weitgehend b e r ü c k s i c h t i g t . Bei den Flugzeugen vom Typ
Boeing 707 und DC-8 muß d i e Umrüstung b i s zum 1. J a n u a r 1978 beendet
sein.
Die b i s 1990 a n f a l l e n d e n Kosten werden auf 141 Millionen D o l l a r g e s c h ä t z t .
Im Rahmen der m i l i t ä r i s c h e n P r o j e k t e und der Raumfahrtprogramme der Bundesreg i e r u n g d ü r f t e n jedoch Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Zusammenhang
mit diesem P r o j e k t mit 15 M i l l i o n e n D o l l a r Bundesmitteln f i n a n z i e r t werden.
A l l e s i n allem i s t anzunehmen, daß s i c h d i e s e Maßnahmen im F l u g p r e i s nur g e r i n g f ü g i g n i e d e r s c h l a g e n , nämlich mit e i n e r Erhöhung um kaum mehr a l s einem
zehntel Prozent.

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32/1973

DIE ERZHÜTTE AM MEERESBODEN
S t ä r k s t e A n r e i c h u n g im Z e n t r a l g r a b e n d e s O z e a n r ü c k e n s

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a l s man b i s h e r v e r m u t e t e . D i e s i s t d a s

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Forschungsschiffes

DISCOVERER d e r U S - B u n d e s b e h ö r d e f ü r M e e r e s - und A t m o s p h ä r e n f o r s c h u n g
im M i t t e l a t l a n t i k

(NOAA)

z u r Oberfläche g e h o l t wurden. S i e zeichnen s i c h durch

einen

u n g e w ö h n l i c h h o h e n G e h a l t an r e i n e m Mangan a u s , d a s s i c h h u n d e r t Mal s c h n e l l e r
a n g e s a m m e l t h a b e n muß a l s b e i j e n e n m a n g a n h a l t i g e n E r z k n o l l e n ,
a u s g e d e h n t e n T e p p i c h e n am M e e r e s b o d e n g e f u n d e n

d i e i n zum T e i l

werden.

Nach Meinung von Dr. P e t e r A. Rona (NOAA) b e r u h t i n d i e s e m F a l l d e r Anreicherungsvorgang vermutlich aufhydrothermisehen Prozessen.

Das Mangan-

knollen-Vorkommen i n d e r Z e n t r a l s p a l t e e i n e s T e i l e s d e s m i t t e l a t l a n t i s c h e n
Rückens i s t d a s e r s t e d i e s e s U r s p r u n g s t y p s ,

d a s man b i s h e r i n den g r o ß e n W e l t -

m e e r e n g e f u n d e n h a t . Nach Dr. Rona i s t anzunehmen, daß d u r c h ä h n l i c h e

Prozesse

d o r t auch A n r e i c h e r u n g e n a n d e r e r M e t a l l e z u s t a n d e kommen. H y d r o t h e r m i s e h e
t i v i t ä t n e n n t man e i n e n m i n e r a l b i l d e n d e n P r o z e ß , wenn h e i ß e
d i e M e t a l l e i n Lösung e n t h a l t e n ,

Ak-

Flüssigkeiten,

durch F e l s s p a l t e n strömen oder

zirkulieren

und d a b e i M e t a l l m i n e r a l e a b l a g e r n .

Der Vorgang s t e h t w a h r s c h e i n l i c h m i t dem

sogenannten "sea-floor

d e r Ausdehnung d e s T i e f s e e b o d e n s

spreading",

d e r " N a h t s t e l l e n " von E r d k r u s t e n s c h o l l e n ,
unaufhörlich

entlang

i n Zusammenhang. E r v o l l z i e h t

sich

an den m i t t e l o z e a n i s c h e n Rücken, d i e s i c h u n t e r W a s s e r i n e i n e r

- I -

�einer 76 000 km langen Berg- und Gebirgskette durch die großen Meeresbecken
der Erde ziehen. Der Zentralgraben des Mittelatlantikrückens wird als die
Nord-Südachse des Ausdehnungszentrums angesehen, wo geschmolzenes Gestein
aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringt und bei der Erstarrung neuen
Meeresboden bildet.

Die von Dr. Martha Scott und Dr. Robert B. Scott (Texas A&amp;M University)
vorgenommenen Analysen ergaben, daß die Zuwachsrate bei dieser Art von Manganknollen mindestens 180 mm in 1 000 000 Jahren betragen muß; demgegenüber
wachsen im gleichen Zeitraum bisher gefundene Knollen kaum 10 mm. In den
letzten paar Tausend Jahren scheint das Wachstum der Knollen im Zusammenhang
mit regionaler vulkanischer Aktivität noch erheblich beschleunigt worden zu
sein. Es sieht ganz so aus, als wirke sich dieses Phänomen gegenwärtig immer
stärker aus. Die Proben enthalten 40 Prozent ungewöhnlich reines Mangan.

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LASER 73
US-Firmen auf d e r e r s t e n i n t e r n a t i o n a l e n Messe
für o p t o - e l e k t r o n i s c h e Geräte i n München

-

(AD) - Im Rahmen der i n t e r n a t i o n a l e n Messe LASER 73, d i e i n Verbindung

mit Fachvorträgen und Seminaren vom 4. b i s 7. September 1973 i n München abgeh a l t e n w i r d , p r ä s e n t i e r t e i n e amerikanische Firmengruppe e i n e Gemeinschaftsschau mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der L a s e r t e c h n i k i n den
V e r e i n i g t e n S t a a t e n . Die b e t e i l i g t e n Firmen aus den USA t r a g e n zu e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n V e r a n s t a l t u n g i n d e r Bundesrepublik b e i , d i e e r s t m a l i g nur dem Geb i e t der O p t o - E l e k t r o n i k gewidmet i s t .

Die i n den l e t z t e n J a h r e n e n t w i c k e l t e n o p t o - e l e k t r o n i s c h e n

Verfahren

haben b e r e i t s e i n Stadium e r r e i c h t , i n dem s i e a l s m a r k t f ä h i g anzusehen s i n d .
Eine optimale Anwendung i n der Forschung, Technik und I n d u s t r i e e r f o r d e r t

je-

doch e i n g r ü n d l i c h e s Studium d e r denkbaren Möglichkeiten, wofür Begegnung und
Gespräch zwischen Produzenten und I n t e r e s s e n t e n e i n e w e s e n t l i c h e Voraussetzung
bilden.
F e s t k ö r p e r - , Gas- und F l ü s s i g l a s e r ,
Laser s t e h e n

chemische»Ionen- und Metalldampf-

für d i e v e r s c h i e d e n s t e n Anwendungen wie das Schneiden von Mate-

r i a l i e n a l l e r A r t , für m e d i z i n i s c h e Ausrüstungen, für Analysen,

Verfahrens-

k o n t r o l l e , Landvermessung und Höhenmessung, für Nachrichtensysteme,

Datenver-

a r b e i t u n g s s y s t e m e , Warn- und S i c h e r h e i t s s y s t e m e , für m i l i t ä r i s c h e Ausrüstungen,

�Ausrüstungen, holografische und interferometische Systeme, für Schalt- und
Regelkreise mit Licht zur Verfügung. Spezielle Materialien in der Form von
Kristallen, Gläsern, Gasen, Chemikalien und Farben, Ausrüstungen für den
optischen "Pumpvorgang" und Zubehör verschiedenster Art, wie sie auf der Messe
gezeigt werden, stellen die Grundlage der modernen Lasertechnik dar. Sie verdankt ihren außerordentlich hohen Standu. a. Licht- und Strahlen-Detektoren
für den sichtbaren Bereich und die unsichtbaren Teile des Spektrums, Lichtund Strahlenquellen verschiedenster Art, Lichtübertragungssystemen mit optischen Fasern und Speziallinsen, Modulationssystemen, Abbildungssystemen,
elektrooptischen Analysensystemen, Spezialmikroskopen, holografischen Spezialausrüstungen und Kameras, Apparaturen für den Betrieb im Vakuum und in
bestimmten Gasmedien - alles Dinge, die zu den Exponaten der Messe LASER 73
gehören.

In Halle 2 auf dem Münchener Messegelände zeigen die 15 amerikanischen
Aussteller, die 19 US-Firmen vertreten, auch Instrumente, die zum ersten Mal
auf dem europäischen Markt erscheinen. Als Beispiel sei das Modell 3000 der
Firma AVCO EVERETT RESEARCH LABORATORY INC

(Everett, Mass.) erwähnt, bei

dem es sich um einen abstimmbaren Farbstofflaser handelt. Es ist ein kompaktes
Tischgerät mit dem neuesten AVCO-Stickstofflaser als optische Pumpquelle, das
einen außerordentlichen großen Spektralbereich erfaßt, äußerst variabel ist
und dank der Möglichkeiten für eine Einzelimpulsauslösung sehr exaktes Arbeiten
zuläßt.

Die Firma COHERENT RADIATION (Palo Alto, Kalifornien) zeigt u.a. ihr
neues Modell 90, einen einfachen 10 mW Helium-Cadmium-Laser, zu einem erstaunlich niedrigen Preis. Das Instrument arbeitet mit 10 mW Ausgangsleistung auf
der Wellenlänge 4416 8 und erzeugt hohe Lichtenergien für photochemische Experimente und Lichtstreuversuche. Die Wellenlänge 4416 fi (sichtbares Blau) liegt
in dem Bereich, in dem die Photomultiplier ihre größte Empfindlichkeit haben.
In der Datenverarbeitung benutzt man diese Wellenlänge, um Daten auf Film zu
speichern. Auch für die Fluoreszenzspektroskopie sowie holografische Aufzeichnung s verfahren hat dieses Gerät Bedeutung.
+ + + + +
- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden Kambodscha weiterhin unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklung in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom 17. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erzhütte am Meeresboden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stärkste Anreichung im Zentralgraben des Ozeanrückens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;LASER 73&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>22. August 1979

34
INHALT

INFORMATION
Grußadresse Präsident Carters an dieUN-Wissenschaftskonferenz in Wien
Carter entläßt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung
- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen DOKUMENTATION
Schlesinger vor dem Nationalen Presseclub
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers
WIRTSCHAFT
EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zol1 begünstigt
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde
auf die amerikanischen Einfuhren
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert
- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bakterien mit Kompaß
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der
Tierwelt auf der Spur
- Von G. Weiss -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Information
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

34

22. August 1979

GRUSSADRESSE PRÄSIDENT CARTERS AN DIE UN-WISSENSCHAFTSKONFERENZ IN WIEN

WIEN - (AD) - Auf der Eröffnungssitzung der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung (UNCSTD)
am 20. August 1979 in Wien verlas der Leiter der amerikanischen Delegation,
Theodore Hesburgh, die folgende Grußadresse Präsident Carters:
Diese Konferenz ist eine neue Reise in Richtung Fortschritt.
Ihr Bestreben belebt aufs neue den Geist für Abenteuer in uns allen.
Es fordert die Menschheit heraus, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Nach

Jahrhunderten des Fortschritts erforschen wir vielleicht jetzt nicht nur
die Grenzen des Wissens, sondern auch die Grenzen der Gerechtigkeit.
Diesmal dürfen wir nicht dabei scheitern, auf die dringenden Bedürfnisse der Entwicklungsländer mit mehr als nur mit leeren Worten zu antworten. Denn umgekehrt können wir alle aus ihrer Teilnahme an einem neuen und
stärkeren Weltwirtschaftssystem Nutzen ziehen.
Wagen wir es, im starken Geist der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und des Einfallsreichtums die Welt neu zu gestalten und bis zum Jahr

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Jahr 2000 die schlimmsten Auswüchse der Armut zu beseitigen.

Gebrauchen

wir unser Wissen, um die Mittel für die grundlegenden Bedürfnisse aller
Menschen bereitzustellen.

Erfinden wir gemeinsam eine dynamischere Partner-

schaft zwischen Regierungen und Privatinstitutionen, um dem gemeinsamen
Interesse aller Länder zu dienen.
Wir müssen uns schrecklichen Herausforderungen stellen.

Ihre Lösung

fordert ein gemeinsames Wagnis aller Länder.
Dieses Wagnis wird unvermeidlich die Freiheit vergrößern, denn zum
Erfolg sind ungehinderter' Informationsfluß, freier Zugang zum Marktplatz
der Ideen und weitester Spielraum für wissenschaftliche Erfindung und Initiative notwendig.
Breite Beteiligung sollte unser Unternehmen kennzeichnen, denn nichtverbreitetes Wissen ist verschwendetes Wissen.

Die weltweite Verbreitung

technischen Wissens muß ein befreiendes Wagnis sein, an dem alle teilnehmen
und aus dem alle Gewinn ziehen.
Unsere vordringlichste Aufgabe muß darin bestehen, bei der Bildung
wissenschaftlicher und technologischer Potentiale in den Entwicklungsländern
zu helfen. Ihre eigenen Fähigkeiten zur Erfindung und Erneuerung, zur wissentlichen Auswahl der richtigen Technologien und zum Handel auf der Grundlage von Tatsachen und nicht von Träumereien sind der einzig sichere Weg,
um durch die weltweite Verbreitung von Technologie nicht zu einem neuen
System der Abhängigkeit zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits hoffen, durch ein "Institut für
wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit" zu diesem gemeinsamen
Unternehmen beitragen zu können, dessen Einrichtung wir für diesen Herbst geplant haben. Dieses Institut ist eine unserer wichtigsten Neuerungen, um
den Entwicklungsländern zu helfen, die den Wunsch hegen, Technologien zu
schaffen und anzuwenden, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Seine

�Seine Arbeit wird meine ganze persönliche Unterstützung haben.

Ich werde

sicherstellen, daß es eng mit ähnlichen Programmen und Institutionen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeitet.
Ich bin überzeugt, daß unsere wissenschaftliche Gemeinschaft, unsere
Regierungsbehörden und unsere Privatinstitutionen ihre Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen verstärken werden, um die endemischen
Probleme wie Nahrungsmangel, Energiekrise, Bevölkerungsexplosion und Mangel
an angemessener Gesundheitsfürsorge anzupacken - Probleme, die uns alle angehen.
Ich gelobe unsere Bereitwilligkeit, alle praktischen Bemühungen zu
unterstützen, die uns dabei helfen können, diese Probleme zu überwinden
- eine Welt zu schaffen, in der Erziehung jedermann erreichbar ist, die
Hungrigen sich selbst ernähren können, Millionen von tropischen Krankheiten
befreit sind, Volkswirtschaften sich entwickeln, um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, und weltweiter Handel den Fortschritt eines jeden Landes
garantiert.
Diese Konferenz stellt unsere Verpflichtung auf die Probe, die Früchte
des wissenschaftlichen Fortschritts weltweit zu teilen und die Kräfte der
Technik zum Wohl der ganzen Menschheit zu meistern. Ihnen, Frau Präsident,
und allen Delegierten, die diese Hoffnung und dieses Ziel vertreten, übermittle ich meine aufrichtigsten Wünsche für ein erfolgreiches Bemühen.

- 3 -

�mJiJ

1
I

77ÜJ

Infoimcilion
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

CARTER ENTLÄSST SCHWERES ROHÖL AUS DER PREISÜBERWACHUNG
Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 17. August 1979 durch Präsidialerlaß die Preiskontrolle bei schwerem Rohöl mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Präsident kündigte in diesem Zusammenhang an, daß er den Kon-

greß ersuchen werde, schweres Rohöl auch von der geplanten Steuer für ungerechtfertigte Gewinne der ülgesellschaften (Windfall Profits Tax) auszunehmen,
Wie das Weiße Haus anläßlich der Unterzeichnung des Erlasses erklärte,
ist diese Maßnahme notwendig, um einen Anreiz zur verstärkten Nutzung dieser
Ölvorkommen zu geben. Schweres Rohöl ist eine sehr zähflüssige, fast teerähnliche Substanz, die zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren die
Anwendung sehr kostspieliger Technologien erforderlich macht, da diese Art
von Rohöl zur Verflüssigung und Verarbeitung einer stärkeren Erhitzung bedarf.
Die Vereinigten Staaten verfügen über Reserven an schwerem Rohöl in
der Größenordnung von schätzungsweise 10 Milliarden Barrel (159 Liter).
Im Weißen Haus rechnet man damit, daß die Freigabe des Preises von schwerem
Rohöl geeignet ist, die heimische Gewinnung von derzeit 250 000 Barrel pro

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Telex:08-85432

�pro Tag bis 1985 um 200 000 Barrel und bis 1990 um 500 000 auf 750 000 Barrel
zu steigern.

Die bisher bestehenden Preiskontrollen hielten den Preis von

zwei Dritteln der heimischen Förderung an schwerem Rohöl auf rund 6 Dollar
pro Barrel, während der verbleibende Rest zu einem Preis von etwas mehr als
13 Dollar abgesetzt werden konnte. Die Herausnahme einer ölsorte aus der
Preiskontrolle gestattet nunmehr den Verkauf zu Marktpreisen, die nach Angaben des Weißen Hauses mit etwa 16 Dollar um zwei bis drei Dollar unter denen
für leichtere Rohöle liegen.
Die Förderung von schwerem Rohöl zu dem gesetzlich vorgeschriebene^ Preis
war wirtschaftlich gesehen angesichts der hohen Förderkosten kaum vertretbar
und hielt sich deshalb in engen Grenzen. Ohne Freigabe des Preises wäre nach
Auffassung des Weißen Hauses mit einem weiteren Rückgang der Förderung zu
rechnen gewesen.
Bei der Formulierung des neuen Präsidialerlasses hat die Carter-Administration auch die Frage entschieden:
Rohöl" zu verstehen?

Was eigentlich ist unter "schwerem

Der Flüssigkeitsgrad oder, technisch ausgedrückt, die

Viskosität von Rohöl bestimmt sich nach dessen Schwere. Während sehr leichtes Rohöl mit der Viskositätszahl 40 relativ dünnflüssig ist, sind öle mit
niedrigeren Viskositätszahlen schwerer und zähflüssiger und nur sehr schwierig zu fördern und zu verarbeiten.
Die Administration entschied, die obere Grenze für die Herausnahme aus
der Preisüberwachung bei der Viskositätszahl 16 zu ziehen. Damit sind alle
Fördermengen von öl mit Viskosität 16 und darunter von der Kontrolle ihrer
Abgabepreise befreit.
Das amerikanische Energieministerium wird im September öffentliche Einvernahmen zu der Frage abhalten, ob auch schwere öle mit einer höheren Viskositätszahl als 16 mit Rücksicht auf die höheren Förderkosten aus der Preisüberwachung herausgenommen werden können.

Die Befreiung von der Steuer für unge-

rechtfertigte Gewinne aber soll in jedem Falle auf Rohöle mit der Viskositats-

�Viskositätszahl 16 und darunter beschränkt bleiben.
Der größte Teil der amerikanischen Vorkommen von schwerem Rohöl liegt
im Staat Kalifornien.

Kleinere Lagerstätten finden sich auch in Texas,

Louisiana, Oklahoma, Mississippi und Wyoming.
Mit der Unterzeichnung des Schwerölerlasses erfüllt Präsident Carter
eine Zusage, die er am 15. Juli in seiner Rede zur Energielage gegeben hat.
Er nahm die Unterzeichnung einmal mehr zum Anlaß, den Senat zur Verabschiedung des von der Administration vorgeschlagenen Gesetzes zur Besteuerung von
ungerechtfertigten Gewinnen der ülgesell Schäften und zur Ablehnung der Ausnahmebestimmungen aufzufordern, die der Finanzausschuß in Abänderung der Vorlage erwägt.
Die Sondergewinnsteuer ist als eine flankierende Maßnahme zur stufenweisen Aufhebung der Preisüberwachung bei Mineralöl Produkten konzipiert,
die bereits in die Wege geleitet wurde. Mit dieser Steuer sollen alle außerordentlichen Einkünfte der öl gesell Schäften als Folge der Beendigung der
Preiskontrolle weggesteuert werden.

- 3 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

SCHLESINGER VOR DEM NATIONALEN PRESSECLUB
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers -

WASHINGTON

- (AD) - Der aus dem Amt scheidende US-Energieminister

James Schlesinger hat am 16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub
in Washington eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich mit einer
Reihe von Problemen auseinandersetzte, die sich aus der gegenwärtigen
Energiesituation der westlichen Welt ergeben.
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
"The World Crisis" ist der Titel der Geschichte des I. Weltkriegs,
die Winston Churchill geschrieben hat. Rückblickend erscheint uns dieser
Krieg als ein auf seltsame Weise auf Europa begrenzter Streit, obgleich
er letztlich doch einen Eingriff von außen erforderte, um zu einer Lösung
zu führen, was die Europäer, auf sich selbst gestellt, nicht lösen konnten.
Ähnliche Betrachtungen mag man sowohl über den II. Weltkrieg als auch über
den Kalten Krieg anstellen. Seit 1945 benötigte man das standhafte Eintreten der amerikanischen Macht zur Erhaltung der Stabilität und Unabhängigkeit von Westeuropa, Japan und den anderen Ländern, die man früher als die

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�die Freie Welt bezeichnete.

Ohne die amerikanische Macht können die

verbleibenden freien Länder in geostrategischer Hinsicht keine unabhängige
Einheit mehr bleiben.
Seit 1945 hat die Welt eine kontinuierliche Krise durchgemacht, die
jene von Churchill beschriebene winzig erscheinen läßt - eine Krise,
geboren aus dem andauernden Konflikt zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten und deren Verbündeten.

Es ist vielleicht das be-

zeichnendste Element der Energiekrise, wie sie sich seit dem Anfang der
siebziger Jahre entwickelt hat, daß durch sie dem politischen und ideologischen
Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine neue
Dimension verliehen wird - eine Dimension, die sich auf dramatische Weise
durch die sowjetischen Handlungen und Drohungen im Verlauf des Nahostkriegs im Jahr 1973 ankündigte.

Es ist eine größere Dimension, die Themen

wie Benzinknappheit und wirtschaftliche Lage in die richtige Perspektive
rückt, denn sie hat Gewalt genug, um das politische Schicksal der Menschheit
zu bestimmen.
Wir stehen heute einer Weltkrise gegenüber, die größere Ausmaße hat
als jene, die Churchill vor einem halben Jahrhundert beschrieb und die
durch das Olproblem noch unheilvoller wurde.
Der strategische Mittelpunkt dieser Krise liegt jetzt am Persischen
Golf und den angrenzenden Gebieten des Nahen Ostens mit ihren umfangreichen
ölreserven. Deshalb konzentriert sie sich auf eine Region politischer
Unbeständigkeit, die charakterisiert ist durch geschichtliche Feindseligkeiten und durch Nationalstaaten, deren Sozialstrukturen noch nicht genug
entwickelt sind, um den Stößen des raschen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Wandels zu widerstehen. Und doch bleibt der Westen, bleiben
alle freien Länder, ja, bleibt die Freiheit selbst in der nahen Zukunft
angewiesen auf den Zugang zu den Ölquellen dieser unbeständigen Region.
Niemand

�Niemand hat diese aufkommende Abhängigkeit und die darin enthaltene
Verwundbarkeit in ihrem ganzen Umfang vorhergesehen.

In der Architektur

der Nachkriegszeit bildete der NATO-Vertrag die tragende Säule für die
Sicherheit des Westens. Jedoch war er lediglich eine traditionelle Verteidigungsgemeinschaft zum Zweck des Schutzes der territorialen Integrität
der Unterzeichnerstaaten.

Im Licht der anschließenden Entwicklungen ist

er heute eine unzureichende Grundlage für die westliche Sicherheit, da er
selbst keinerlei Schutz der Energiequellen beinhaltet, von denen unser
kollektives überleben abhängt.
Bis vor kurzem noch lieferte die Furcht, die die Macht Amerikas als
solche einflößte, genug Abschreckung vor äußerer Invasion und außerdem ein
Mindestmaß an politischer Stabilität in diesem Gebiet. Nach 1945 konnte
der amerikanische Druck noch Stalin selbst dazu bringen, sowjetische Streitkräfte aus dem Nordiran abzuziehen. Heute geht der Druck Breschnews in
die andere Richtung. Die geostrategische Landschaft hat sich dramatisch
verändert. Die Auflösung der nördlichen Klammer, die politischen Unruhen
in den beiden Jemen und am Hörn von Afrika sowie die Verwundbarkeit der
anderen Golfstaaten - alles deutet auf die Notwendigkeit einer neuen wirkungsvollen Antwort.
Sogar hinsichtlich des militärischen Gleichgewichts ist die Entwicklung
beunruhigend.

Die Sowjetunion befindet sich ganz in der Nähe und bewegt

sich in einer Region, auf die Rußland schon seit den Tagen Peters des Großen
ein Auge hatte.

Ihre

militärische Macht wächst weiterhin - am drohendsten

in Form erhöhter strategischer Beweglichkeit und Stärke ihrer Luftlandedivisionen.

Innerhalb der Region selbst existiert kein Gegengewicht.

Die

Streitkräfte des Schah hätten vielleicht eine bruchstü'ckhafte Verteidigung
ergeben, aber heute ruht die Sicherheit auf dem Schutze Allahs.

Die Kräfte

des Westens in der Region sind gering und befinden sich am entferntesten
Ende langer Versorgungslinien.

Die großen Militärreserven des Westens sind

weit weg - mit allem, was dies für eine rasche Reaktion bedeutet.

- 3 -

Es gibt

�gibt keine dauernde und bedeutsame militärische Präsenz der Vereinigten
Staaten - eine Tatsache, die die Bewohner dieser Region erwägen müssen,
wenn sie sich über die Militärpräsenz Gedanken machen, die im Norden liegt.
Bei den vielen Amerikanern, die durch Vietnam zu dem Glauben gelangt
sind, militärische Schwäche sei eine Form der Tugend und der moralischen
Stärke, erregen diese Bedingungen wenig Unruhe.

Stille Anpassung ist hier

die einzige Verteidigung, und deutliche Hinweise auf das Vernünftige einer
solchen Einstellung finden sich immer.

Kürzlich war Georgi Arbatov, dessen

Beziehungen zum KGB vielleicht nicht so bekannt sind wie seine Fähigkeit,
amerikanische Eliten zu beeinflussen und zu beruhigen, in einem Interview
der Meinung, daß die Sowjetunion "sich sicherlich nicht in die westliche
Ölversorgung einmischen würde", denn dies "wären sehr feinselige Handlungen
nahe einer Kriegserklärung".
läufigen

Zweifellos werden manche Leute solche bei-

mündlichen Garantien völlig beruhigend finden.

Ich stelle

lediglich fest, daß uns die Episode einen Hinweis gibt auf jene Möglichkeiten,
über die die Sowjets nachgrübeln und die sie, wie wir nur hoffen können,
zumindest für den Augenblick verworfen haben.
Für die weniger Selbstgefälligen sind die Folgerungen deutlich:

die

sowjetische Kontrolle des ölhahns im Nahen Osten würde das Ende der Welt
bedeuten, wie wir sie seit 1945 kennen, und das Ende der Vereinigung
freier Länder.
Daraus folgt ziemlich deutlich, daß wir dies auf lange Sicht nicht
hinnehmen können angesichts eines regionalen Obergewichts der sowjetischen
Militärmacht. Ein Mindesterfordernis ist die Errichtung eines annähernden
Gleichgewichts der militärischen Stärke in dieser Region. Ohne ein solches
Gleichgewicht wird es keine abschreckende Kraft geben, die in der Lage ist,
dem langfristigen sowjetischen Druck zu widerstehen - was unvermeidlicherweise eine ständige Aushöhlung des westlichen Einflusses bedeuten würde.
Geht man von der massiven sowjetischen Präsenz gleich jenseits der Grenze

- 4 -

�Grenze aus, so wäre die "Entmilitarisierung des Indischen Ozeans" lähmend.
Einem solchen Schritt sollte man keine weiteren Überlegungen widmen, denn
er würde die Stationierung umfangreicher Seestreitkräfte in diesem Gebiet
ausschließen und dadurch auch die Aufhebung des bestehenden Ungleichgewichts.
Es reicht nicht aus, einfach
Es ist notwendig, es wirkungsvoll
aufzunehmen. Dies ist es, was in
reichtum und unsere Stärke messen

nur einen "Bogen der Krisen" auszumachen.
mit den heute herrschenden Bedingungen
den kommenden Jahren unseren Einfallswird.

Selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und die Kontrolle des ölhahns nicht der entscheidende Punkt der Ost-West-Auseinandersetzung wird sei es durch sowjetischen Verzicht oder durch wirkungsvolle Abschreckung -,
bleiben die Schwierigkeiten beträchtlich. Das Obergewicht und die Nähe
der sowjetischen Militärmacht vergrößern die sowjetische Möglichkeit der
Einflußnahme und der Untergrabung. Im Iran sind das Wiederauftauchen der
Tudeh-Partei (vor allem bei der Organisation der ölfelder) sowie die teils
offene, teils verdeckte Stärkung der prosowjetischen Linken wesentliche
Entwicklungen im letzten Jahr gewesen. Man fühlt, wie allmählich die
Infrastruktur für einen späteren Coup geschaffen wird, parallel zu den
Ereignissen, die in den letzten Jahren aus Afghanistan bekannt geworden
sind. Erst kürzlich auch hat der Irak einen weiteren internen Machtkampf
überlebt, der gekennzeichnet war durch neue Elemente eines religiösen
Schismas, das durchaus auf fortdauernde Instabilität hindeutet - nach
einem langen und anhaltenden Kampf zur Meisterung der internen kommunistischen
Drohung.
Aber sogar wenn wir solche Möglichkeiten äußern Unheils beiseite lassen,
können wir den öl ström aus den OPEC-Ländern noch immer nicht als gänzlich
gesichert ansehen. Das weltweite System der ölförderung und -Verteilung
ist schon jetzt zum Zerreißen angespannt; wenig Entlastung ist in Sicht wenn überhaupt. Jede größere Unterbrechung, gleichgültig, ob sie von

- 5 -

�von politischen Entscheidungen, politischer Instabilität, terroristischen
Akten oder ernsten technischen Problemen herrührt, würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben.
Auf einem so angespannten Markt werden einige der Förderer ein Katzund-Maus-Spiel treiben - entweder aus ökonomischen Motiven (um die Spotpreise hoch zu halten), aus politischen Motiven oder aus reiner Halsstarrigkeit.

Die Durchführung oder die Androhung von Schritten zur Verminderung

oder Umleitung der ölförderung von Staaten wie Nigeria, Libyen und Algerien
beweisen die Verknappung auf dem Markt und zugleich die fortwährende
Verwundbarkeit der Verbraucherländer.
Außerdem bewegt sich der Iran weiterhin am Rande der Anarchie entlang.
Eine neue Unterbrechung der persischen Exporte würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben. Und schließlich beruhen sogar solche begrenzte
Unterbrechungen des öl Stroms auf der Prämisse einer anhaltenden Stabilität
und Unterstützung durch Saudiarabien. Denn der Anteil Saudiarabiens ist
nicht nur kritisch, er ist auch im Ansteigen begriffen. Wenn wir erkennen,
daß die unmittelbare Energiezukunft von einem politisch stabilen Saudiarabien abhängt, müssen wir zugleich erkennen, daß das Königreich heute ein
Land ist, das dem Ferment des sozialen Wandels ausgesetzt ist - ein Land,
in dem das Gespür für Korruption wächst - auf dramatische Weise in den
Nachwehen der Ereignisse im Iran im letzten Jahr. Und wenn wir die mögliche
Bedeutung der Entwicklungen im Iran nicht anerkennen wollen, brauchen wir
nur bei Tocqueville nachzulesen, was er über die Auswirkung eines starken
wirtschaftlichen Wandels auf überkommene Sozial strukturen schreibt. Der
Gegenstand ist so heikel, daß man nur selten darauf anspielt, aber
Zurückhaltung bedeutet kaum, daß der Gegenstand nicht von schwerwiegendster
Bedeutung ist.
Die Kommentare zu diesem Punkt unterstreichen nur, daß der Fluß des
OPEC-Öls unsicher und möglicherweise schweren und unvorhersagbaren Erschütterungen unterworfen ist. Indessen: sogar wenn wir Glück haben und
- 6 -

�und es keine Versorgungsunterbrechungen gibt, wird der Fluß dieses Erdöls insgesamt wahrscheinlich nicht anwachsen.
Die Förderkapazität der OPEC-Länder wird wahrscheinlich nicht zunehmen.
Diese Vorhersage spiegelt die politischen Entscheidungen wider, die wahrscheinlich getroffen werden hinsichtlich der Attraktivität zusätzlicher
Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazität sowie der begrenzt
vorhandenen Rohstoffe. Die OPEC-Produktion wird noch nicht einmal um zehn
Prozent über den derzeitigen Umfang hinaus ansteigen, vielmehr wird sie
in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich abnehmen. Die Produktion der
Länder, die der OPEC nicht angehören, mag vielleicht sogar hinsichtlich
der Prozentwerte deutlich ansteigen; dies geschieht jedoch von einem
verhältnismäßig bescheidenen Ausgangspunkt aus. In absoluten Zahlen werden
diese Steigerungen weniger bedeutsam sein - vielleicht zehn Prozent des
gegenwärtigen Verbrauchs der freien Welt- und werden zu einem großen Teil
von den Entwicklungsländern und den anderen Industrienationen verbraucht.
Die weltweite ölförderung und der weltweite Verbrauch werden nie weit
über 65 Millionen Barrel pro Tag hinausgehen, und wir bewegen uns schon
ganz in der Nähe dieser Schwelle. Erdöl, der erwählte Brennstoff, der die
gewaltige wirtschaftliche Expansion seit dem II. Weltkrieg angetrieben hat,
wird nicht mehr länger in steigenden Mengen zur Verfügung stehen, um ein
weiteres Wachstum der Weltwirtschaft anzuheizen.
Es ist unvermeidlich, daß die Preise den wachsenden Nachfragedruck
vor dem Hintergrund des beschränkten Angebots widerspiegeln.

Der Einfluß

Saudiarabiens auf zurückhaltende Preiserhöhungen im Rahmen der OPEC ist
bereits deutlich geschwunden.

Bei geringer oder bei keiner Oberschuß-

kapazität wird die Preisbewegung unvermeidlich nach oben gehen, außer bei
einer weltweiten Rezession.
Unter diesen Umständen ist es verständlich und kam sogar in Mode,
über das OPEC-Kartell herzuziehen. Ohne Zweifel ist dies rein gefühlsmäßig

- 7 -

�gefühlsmäßig befriedigend.

Aber wir müssen uns darüber im klaren sein,

daß keine noch so laute Beschimpfung oder ein Fäusteschütteln die Realitäten
der Versorgung und des Preises ändern kann.

Die OPEC-Länder besitzen etwa

80 Prozent der nachgewiesenen ölreserven der freien Welt - und dieser
Prozentsatz wird wahrscheinlich ansteigen.

Zudem kontrollieren jetzt

Marktkräfte die Preisbewegungen und treiben den internationalen ölpreis
unerbittlich nach oben.

Tatsächlich haben unsere Nachbarn, Kanada und

Mexiko, sowie die Norseeförderlander Preise festgesetzt, die merkbar über
die der OPEC hinausgehen.

Es wird Zeit für uns, die Realität anzuerkennen -

egal, wie schmerzlich dies sein mag.
Die Energiezukunft ist düster und wird wahrscheinlich im kommenden
Jahrzehnt noch düsterer werden.

Wenn wir tatkräftige und kluge Gegenmaß-

nahmen ergreifen, kann die Zukunft etwas weniger finster werden;

aber im

Licht der geschichtlichen Erwartungen können solche Gegenmittel nur zur
Linderung dienen.
Wie stabil, wie elastisch ist unsere innenpolitische Grundlage angesichts der Schwierigkeiten, die sich für die nationale Sicherheit und
die Wirtschaft durch die Verwundbarkeit und die Zwänge bei der Energieversorgung ergeben? Genug Grund zur Sorge ist sicherlich vorhanden. Nach
Vietnam engagiert sich unser Volk nicht mehr für Themen der Außenpolitik
und der militärischen Sicherheit. Nach Watergate mißtraut man häufig allen
unseren Institutionen.
Ein überraschend hoher Anteil der amerikanischen Bevölkerung gesteht,
daß man nicht an eine echte Energieknappheit glaubt. Dies mag ein
Verteidigungsmechanismus sein, der entwickelt wurde, um den schmerzhaften
Gedanken zu verdrängen, daß ein schmerzhafter Wandel unvermeidlich ist, und
um die tiefere, vielleicht unbewußte Erkenntnis zu verbergen, daß das
Problem wirklich existiert. Aber viele stehen bereit, um Trost zu spenden,
wobei sie vorschlagen, daß man durch diese oder jene institutionelle

- 8 -

�institutionelle Einrichtung das Energieproblem ganz einfach lösen könne.
Die politische Linke schiebt die Schuld auf die Ölindustrie.
Rechte beschuldigt die Regierung.

Die politische

Aber ein solches Verhalten spiegelt nur

die Tendenz nach Watergate wider, auf Institutionen einzuschlagen.

Auf

Institutionen einzuschlagen ist lediglich eine andere Art, dem Problem auszuweichen;

es ist unwahrscheinlich, daß es zu erhöhter Förderung von Rohöl

führt.
Die weitverbreitete Einbildung, die Vereinigten Staaten besäßen enorme
nachgewiesene ölreserven, die nur verborgen seien und von denen niemand
spricht, ist nur sehr schwer zu erklären. Vielleicht fällt sie ganz einfach
unter das Kapitel Psychopathologie. Aber es ist Wasser auf die Mühlen
der paar Gewissenlosen, die die Hoffnungen und Ängste des amerikanischen
Volkes ausnutzen wollen und die auf immer andere Weise behaupten, daß
irgendwo da draußen ein riesiges öllager existiert, das alle anderen
Beschwerden in Nichts auflösen wird. Cenagogie kann nur schwerlich einen
wirkungsvollen Ersatz für Rohöl abgeben.
Was müssen wir tun, wenn wir das Problem der Energieversorgung und
der wirtschaftlichen Rückwirkungen in den Griff bekommen wollen, das sich
daraus ergibt? Erstens müssen wir das Problem in seiner ganzen Tiefe und
Tragweite anerkennen - ohne Ausflüchte.
Zweitens müssen wir die bekannten Allheilmittel beiseite stellen jene Visionen von neuen öl strömen aus Saudiarabien, Mexiko und China, die
verborgenen inländischen Lager oder, als neuestes, synthetische Brennstoffe.
Drittens müssen wir alle unsere Voraussetzungen überdenken: welche
Lieferungen sind wahrscheinlich, welche Preise sind annehmbar, welche
Brennstoffe sind annehmbar, welche Risiken sind annehmbar und welche
Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln funktionieren.
Wir

- 9 -

�Wir sollten erkennen, daß die Inlandsförderung von Erdöl nicht steigen
und wahrscheinlich sogar in den nächsten zehn Jahren sinken wird.

Wenn wir

hart arbeiten und wenn wir in den Grenzgebieten Glück haben, sind wir
vielleicht in der Lage, die Rohölförderung in etwa auf dem derzeitigen Stand
zu halten.

Die Vereinigten Staaten fördern immerhin gegenwärtig so viel

öl wie Saudiarabien.

Aber wir beuten unsere eigenen, nachgewiesenen

Reserven etwa sechsmal so rasch aus.

Dies kann nicht lang so weitergehen.

Glücklicherweise sind die Aussichten für die einheimische Erdgasgewinnung vielversprechender.

Aber es ist unwahrscheinlich, daß wir die

Gewinnung in den nächsten zehn Jahren deutlich über den gegenwärtigen Stand
anheben werden.

Deshalb werden wir insgesamt keine zusätzliche Inlands-

versorgung bei Kohlenwasserstoffderivaten haben.

Wenn sich die öleinfuhren

bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag einpendeln - entweder durch bewußte Einfuhrbeschränkungen oder durch mangelnde Verfügbarkeit -, werden wir woanders
suchen müssen, falls die Wirtschaft auch weiterhin wachsen soll.
Trotz des beträchtlichen und erfreulichen Nutzeffekts der Einsparung
wird für das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zusätzliche Energie benötigt. Der Energiekoeffizient ist nunmehr auf 0,5 oder 0,6 vermindert
worden. Wir sollten darum kämpfen, ihn dort zu halten - und ich bin sicher,
daß wir dies schaffen. Dennoch muß die Nutzung sowohl der Kohle als auch
der Kernkraft steigen - mit einer Rate von sechs Prozent pro Jahr, wenn wir
ein bescheidenes Wirtschaftswachstum beibehalten wollen.
Es ist ganz einfach. Da die Verfügbarkeit der Kohlenwasserstoffderivate
im Grund festgelegt ist, müssen Kohle und Kernkraft, in Prozentzahlen ausgedrückt, von ihrer im Augenblick relativ niedrigen Basis aus rascher anwachsen.
Aber die Verwendung von Kohle wird nicht rasch genug und ausreichend ansteigen, solange die Bedingungen des Gesetzes über die Luftreinheit
("Clean Air Act") unverändert bleiben. Angesichts der gegebenen mechanischen
und gesetzgeberischen Hinderungsgründe ist es wohl möglich, für eine Bei-

- 10 -

�Beibehaltung der Normen der Reinerhaltung der Luft einzutreten, nicht aber
die gebotene verstärkte Nutzung der Kohle zu verwirklichen.

Die wohlbekannten

psychologischen und verfahrensmäßigen Hindernisse gegen den Bau von Kernkraftwerken müssen ebenfalls überwunden werden.
Ganz offen: wenn wir keine größere Verwendung von Kohle und Kernkraft
erreichen, wird es diese Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt womöglich nicht
schaffen.
Längerfristig sollten wir die Produktion synthetischer Brennstoffe
vorantreiben. Allerdings werden synthetische Brennstoffe die Gleichung im
kommenden Jahrzehnt nicht wesentlich beeinflussen. In den neunziger Jahren
könnte eine solche Produktion eine nützliche Zunahme der Versorgung ermöglichen.
Aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn wir jedoch ein solches Programm vor
zehn Jahren in die Wege geleitet hätten, würde der ölmarkt heute nicht so gespannt und nicht so riskant sein, und der Preis des Öls würde vielleicht um
einige Dollar pro Barrel niedriger sein als dies jetzt der Fall ist.
Das Dilemma ist rienlich deutlich. Wir müssen mehr Kohle und Kernkraft
mit den uns heute zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten
verwenden; sonst stehen wir einem verminderten Wirtschaftswachstum und
einer ansteigenden Arbeitslosenquote gegenüber. Die politischen Rückwirkungen einer solchen wirtschaftlichen Stagnation würden die Aufmerksamkeit
von den internationalen Schwierigkeiten ablenken und sie zugleich vermehren.
Kurz: wenn wir unsere Energieprobleme wirksam in den Griff bekommen
wollen, müssen wir eine Anpassung, ja sogar eine Einschränkung unserer
historischen Erwartung in Kauf nehmen. Wie wird die amerikanische Gesellschaft
auf diese Revolution der eingeschränkten Erwartungen antworten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß jedoch, daß nur eine bewegliche und selbstbewußte Gesellschaft in der Lage sein wird, diese widrigen Probleme in den Griff zu bekommen, - ohne grundlegende Veränderung ihrer öffentlichen Insitutionen.

Und
- 11 -

�Und - ich komme auf meine einleitende Beschreibung der Herausforderungen
auf der internationalen Szene zurück - nur eine selbstbewußte Gesellschaft
kann auch weiterhin wirkungsvoll die internationale Verantwortung der
Vereinigten Staaten tragen.
Es gibt noch so viel mehr zu sagen.
einen grundlegenden Punkt hinweisen:

Aber ich möchte zum Abschluß auf

das Energieprogramm muß als Teil eines

viel umfassenderen strategischen Bildes angesehen werden.

Die Energie zwingt

uns, unsere Aufmerksamkeit auf neue Aspekte alter Machtrivalitäten zu lenken
und unsere Aufmerksamkeit neu auf Bereiche der Welt zu konzentrieren, die
außerhalb unserer überlieferten Belange liegen.
gewaltig.

Die Herausforderungen sind

Einerseits müssen wir unsere Volkswirtschaften rasch an die

Bedingung chronischer Knappheit bei der traditionellen Energieversorgung
anpassen;

andererseits müssen wir Umstände vermeiden, in denen unentbehrliche

Energievorräte unter die Herrschaft einer feindlichen Macht fallen.

Von

unserem Erfolg hängt das wirtschaftliche und politische überleben der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ab - und womöglich der Freiheit
selbst.
Wir haben schon einmal solchen Herausforderungen gegenüber gestanden.
Nach dem II. Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten den Weitblick, ihre
Macht und ihr Prestige für die Stärkung Westeuropas einzusetzen. Durch
diese Tat wurden wirtschaftlicher Wiederaufstieg und Sicherheit erreicht.
Heute sind die Umstände und einige der Herausforderungen anders. Doch
einmal mehr werden wir unsere Macht und unser Prestige zur Stützung der
unabhängigen Staaten am Persischen Golf einzusetzen haben, um eine Bedrohung
von außen auszuschließen. Dies ist die unvermeidliche strategische Voraussetzung, um erfolgreich durch diese Periode des Übergangs im Energiebereich
zu gelangen.
Die Geschichte hat diese amerikanische Nation zu einer Supermacht
bestimmt, tatsächlich der einzigen großen Supermacht unter den freien

- 12 -

�freien Ländern.

Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Verantwortung

versagen, würde es andere geben, die - obwohl um einiges weniger dafür
gerüstet - schnell bereit wären, die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen mit dem sich daraus ergebenden Verlust unseres Vermächtnisses der Freiheit.
Wenn das amerikanische Volk es vorzieht, sich abzuwenden, wird die Geschichte
uns nicht vergeben.

+ + + + +

- 13 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

34

22. August 1979

EG-EINFUHREN NACH USA BIS 1987 ZU 70 PROZENT ZOLLBEGONSTIGT
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf
die amerikanischen Einfuhren
- von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Als direkte Folge der Zollsenkungen, die in den
kürzlich abgeschlossenen Multilateralen Handelsverhandlungen der TokioRunde vereinbart wurden, dürften sich die Einfuhren der Vereinigten Staaten
an Industrieprodukten bis zum Jahre 1987 um rund fünf Prozent gegenüber dem
Stand von 1978 erhöhen, schätzen staatliche amerikanische Außenhandelsexperten.
Für sich allein genommen, werden die in Genf ausgehandelten Zollsenkungen mithin keinen sehr nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des
amerikanischen Außenhandels ausüben. Dennoch rechnen die Experten damit,
daß die Zollsenkungen - in Verbindung mit den neuen Regelungen und Verfahrensweisen in bezug auf nicht-tarifäre Handelshindernisse - langfristig
die Wettbewerbsposition der USA bei verschiedenen Gütern erheblich verbessern

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�verbessern und somit eine Erhöhung des amerikanischen Anteils am Weltmarkt
nach sich ziehen werden.
Insgesamt erstrecken sich die Zollsenkungen bei Zugrundelegung des
Standes von 1976 auf US-Einfuhren an Industrieprodukten im Wert von 47,6
Milliarden Dollar.

Dies ergibt sich aus den neuen Zollisten und anderen

Materialien, die das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen soeben veröffentlicht hat.

Auf der Basis der Einfuhren von

1976 haben die Vereinigten Staaten eine Senkung ihrer Zölle im Durchschnitt
um etwa 31 Prozent zugesichert, was die Zollbelastung von Industrieprodukten
von 8,3 auf 5,7 Prozent verringern wird.

Die Zollsenkungen werden sich auf

rund zwei Drittel der amerikanischen Einfuhren von Industrieprodukten
erstrecken; von dem verbleibenden Drittel ist der größte Teil ohnehin zollfrei .
Rechnet man die den Entwicklungsländern gewährten Zollbefreiungen
hinzu, wird das Durchschnittsniveau der Zollbelastung auf die gesamten
amerikanischen Einfuhren an Industrieprodukten dank der Ergebnisse der
Multilateralen Verhandlungen von 6,1 Prozent auf 4,2 Prozent zurückgehen.
Bei den meisten Positionen werden die Senkungen, beginnend 1980, in acht
gleichen Schritten vorgenommen und damit 1987 voll wirksam werden.
Die Europäische Gemeinschaft hat zugesichert, ihre Zollsätze auf
Importe von Industrieerzeugnissen im gleichen Zeitraum von bisher 6,3
Prozent auf 4,6 Prozent durchschnittlich zu reduzieren.
-

Die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, den Anteil an zollfreien
Einfuhren an Industrieprodukten von schätzungsweise 25 auf etwa 30 Prozent
zu erhöhen.
Alle genannten Ziffern berücksichtigten die mit den Industriestaaten
und rund 19 Entwicklungsländern getroffenen Vereinbarungen über Zoll Senkungen.

- 2 -

�Zollsenkungen.

Die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern sind noch

nicht restlos abgeschlossen.

Nach Mitteilung des amerikanischen Handels-

ministeriums werden von den laufenden Zoll Verhandlungen mit Entwicklungsländern nur etwa 100 Zollpositionen aus einer Gesamtzahl von rund 6 000
berührt.

Die Zollsenkungen auf dem industriellen Sektor betreffen in erster
Linie Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte für den Haushalt, Eisen und
Nichteisenmetalle, Textilien, chemische Grundstoffe, Gummi und plastische
Massen, Leder, Messerwaren und Tafelgeschirr, Büro- und Buchungsmaschinen,
nicht-elektrische Maschinen, elektrische Schwermaschinen und wissenschaftliche Instrumente.

Die für Entwicklungsländer wichtigsten Produkte, die von den amerikanischen
Zollsenkungen betroffen werden, sind:

Holzwaren einschließlich Papier,

chemische Grundstoffe, Maschinen, NE-Metalle, Eisen, Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Auf Sektoren, auf denen die Einfuhr von Produkten

aus Entwicklungsländern negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage
in den Vereinigten Staaten haben könnte - Schuhindustrie und Fernsehgerätebau - halten sich die amerikanischen Zollsenkungen in engen Grenzen.

Die Zölle auf Erzeugnisse des Fahrzeugbaus - Personen- und Lastkraftwagen, Busse und Fahrzeugteile - werden um über 20 Prozent auf ein Durchschnittsniveau von 2,6 Prozent sowohl bei den zollpflichtigen als auch bei
den Gesamteinfuhren gesenkt, wobei sich letztere 1976 auf über 7,3 Milliarden
Dollar bezifferten.

Auf dem Gebiet elektronischer Haushaltgeräte - ein-

schließlich Kühlschränke und andere Apparate -

sollen die Zoll Senkungen

sowohl auf die zollpflichtigen als auch auf die Gesamtimporte von 35,2
Prozent auf durchschnittlich 4,1 Prozent verringert werden.

Bei anderen

Gütern wie NE-Metallen und elektrischen Schwermaschinen stehen Senkungen
in der Größenordnung von 42 bzw. 41 Prozent der zollpflichtigen und der
Gesamteinfuhren in Aussicht, während bei Gütern wie Lederwaren einschließlich

- 3 -

�einschließlich Schuhe und Geldbörsen nur Zoll Senkungen in Höhe von 3,8
Prozent vorgesehen sind.
Was elektrische Schwermaschinen angeht, wird die Senkung der amerikanischen
Zölle von der Annahme des in den Multilateralen Handelsverhandlungen vereinbarten Kodex über staatliche Beschaffungskäufe durch die anderen Industriestaaten abhängig gemacht.
Auf dem Sektor der Ausrüstungen für die zivile Luft- und Raumfahrt
haben sich die Vereinigten Staaten und andere wichtige Industrienationen
darauf geeinigt, alle Zölle auf Zivilflugzeuge, Flugmotoren, Flugzeugteile
und Flugsimulatoren abzuschaffen.

Darüberhinaus kamen diese Länder überein,

Käufe für ihre nationalen Fluggesellschaften ausschließlich auf der Basis
von Preis, Qualität und Lieferzeiten zu treffen.
Die an den Genfer Verhandlungen der Tokio-Runde beteiligten Länder
sind ferner übereingekommen, daß gewisse Erzeugnisse, deren Einfuhr die
heimische Wirtschaft gefährden könnte, entweder zum Teil oder gänzlich
von der Zoll Senkung ausgenommen bleiben sollen. Ein Produkt wird dann als
die Wirtschaft des Importlandes gefährdend angesehen, wenn dieses zu der
Auffassung gelangt, schon eine geringfügige Verringerung der Zölle könne
eine große Zunahme der Einfuhr derselben nach sich ziehen und damit die
heimische Industrie ernsthaft schädigen.
Die in Genf vereinbarte generelle Zoll Senkungsformel wurde von den
Verhandlungsdelegationen als eine generelle Richtschnur angesehen, nicht
aber als ein rechtlich-verbindliches Dokument. Beispielsweise hätten
Zoll Senkungen gemäß der allgemeinen Formel auf dem Textilsektor zu einer
Verminderung der Einfuhrbelastung um 57 Prozent geführt. Die tatsächlichen
Zoll Senkungen, die die Vereinigsten Staaten auf diesem Sektor zugestanden
haben, führten jedoch zu einer Senkung um 21 Prozent. In ähnlicher Weise
haben die USA im Bereich der schutzbedürftigen Stahlindustrie geringere

- 4 -

�geringere Zoll Senkungen als die generellen Senkungen nach der allgemeinen
Formel in Höhe von 26 Prozent angeboten.

Auch andere Länder stellten

auf mehreren Bereichen Zollsenkungen in Aussicht, die unterhalb der
Senkungen gemäß der Allgemeinformel liegen.

Die Interessen importgefährdeter heimischer Industrien wurden auch
insofern berücksichtigt, als die Verwirklichung der Zollzugeständnisse in
mehreren Teilphasen erfolgen wird.

Die erste Zollsenkung bei Textilien

und Stahl soll in allen Ländern nicht vor dem Jahr 1982 vorgenommen werden.

Das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen
veröffentlichte des weiteren Dokumente, die zeigen, welche Auswirkungen die
amerikanischen Zollsenkungen auf Entwicklungsländer haben werden.

Wie aus

diesem Amt hierzu verlautet, haben die Vereinigten Staaten den 19 Entwicklungsländern, mit denen die Verhandlungen inzwischen abgeschlossen werden konnten,
für spezifische Produkte Zoll Senkungen von annähernd 27 Prozent und im
Einzelfall sogar um bis zu 60 Prozent angeboten.

Obwohl sich die Agrarverhandlungen größtenteils auf die nicht-tarifären
Handelshindernisse erstreckten, werden die amerikanischen Ausfuhren an
Agrarprodukten - unter Ausschluß von Nahrungsmittel Zubereitungen, die zu
den Produkten der Fertigungsindustrie gerechnet werden - als Ergebnis der
vereinbarten Zollsenkungen um rund 11 Millionen Dollar zunehmen.

Die

Vereinigten Staaten haben gewichtete Senkungen der Agrarzölle um schätzungsweise 50 Prozent vereinbart.

Größere Zollsenkungen sind bei tierischen

Produkten vorgesehen, wobei die wichtigste Konzession eine 60 prozentige
Senkung der Zölle auf Schurwolle bester Qualität darstellt.

Die US-Zoll Senkungen im Bereich der Industrieerzeugnisse resultieren
im Endeffekt in einer Zollbefreiung solcher Waren aus den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft.

Sie werden sich, nach Abschluß des stufen-

weisen Abbaus, wertgemäß auf 3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2,2 Milliarden

- 5 -

�Milliarden Dollar im Jahre 1976 belaufen. Während 1976 rund 50 Prozent
der zollpflichtigen Einfuhren an Industrieerzeugnissen aus EG-Ländern mit
einer Zoll bei astung von weniger als 5 Prozent nach Amerika einströmten,
erhöht das Zollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft deren Anteil auf 70 Prozent.
Amerika hat sich bereit erklärt, die Zölle auf Einfuhren aus EGLändern bei Industriechemikalien um 35 Prozent, bei Gummi und Platikmassen um 30 Prozent, bei Produkten aus Stein, Lehm oder Glas um 34 Prozent,
bei Eisen und Stahl um 26 Prozent und bei Erzeugnissen der Kraftfahrzeugindustrie um 25 Prozent zu reduzieren.

+ + + + +

- 6 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

BESSERE KONTROLLEN FÜR RISIKOCHEMIKALIEN GEFORDERT
Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -

- (AD) - Ergebnisse seiner zweijährigen Untersuchungen legte jetzt der
"Präsidiale Strategie-Ausschuß für Maßnahmen auf dem Gebiet der toxischen
Substanzen" in Form eines Berichtsentwurfes vor, zu dem Fachkreise und die
amerikanische Öffentlichkeit bis zum 30. September 1979 Stellung nehmen und
Änderungen vorschlagen können. Die Kommission, die 1977 von Präsident Carter
ins Leben gerufen wurde und der Vertreter von 18 Bundesbehörden angehören,
empfiehlt neue gesetzliche und andere bundesweite Aktionen, um das ständig
wachsende Problem der Entwicklung und Verwendung toxischer Chemikalien in
den Griff zu bekommen. An der Spitze des Ausschusses steht Gus Speth, der
neue Vorsitzende des Präsidialbeirats für Umweltqualität.
"Industriell hergestellte toxische Chemikalien sind in beachtlichem Umfang als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen anzusehen", erklärt Speth.
Allein bei 20 - 38 Prozent der Krebserkrankungen werde als Ursache die Einwirkung karzinogener Substanzen am Arbeitsplatz angenommen.

Berufsbedingte

Risiken, zu denen auch die Arbeitsunfälle zählen, seien in den Vereinigten
Staaten für schätzungsweise 100 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich zu
machen.

Der Bericht des Strategie-Ausschusses analysiere und bewerte zum

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�zum ersten Mal "systematisch die Probleme und Unzulänglichkeiten in den Forschungsbemühungen und Verordnungen des Bundes, ferner die von der Bundesregierung unternommenen Schritte zur Überwindung solcher Probleme sowie Empfehlungen für Verbesserungen."
Die mehr als zwei Dutzend Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit
toxischen Chemikalien regeln, seien vom Ansatz und Aufbau her gut und geben,
wie es in der Studie heißt, die Kompetenz zu einer fast vollständigen Überwachung bei einer Exposition mit toxischen Chemikalien.

In mindestens vier

Bereichen seien jedoch zusätzliche Gesetze erforderlich:
- mehr Befugnisse des Bundes auf dem Gebiet der Kosmetika;
- Säuberung stillgelegter und z.Zt. nicht benutzter Giftmülldeponien;
- Abbau der Schranken gegen den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und
vertraulichen Daten; und
- Bereitstellung von Bundesmitteln für eine verstärkte Teilnahme der
Öffentlichkeit an der Regelung des Umgangs mit toxischen Substanzen.
Außerdem wird hervorgehoben, daß das Problem der toxischen Chemikalien
sehr viel umfangreicher sei, als es den heute zur Verfügung stehenden Mitteln,
sich mit ihm auseinanderzusetzen entspreche. Es gebe Tausende von Substanzen,
die nicht unter die Gesetze fallen und dennoch auf ihre möglichen Umweltauswirkungen hin untersucht werden müßten. Und es gebe viele akute oder auch
chronische, sich langsam entwickelnde oder diffuse Schädigungen, die vielleicht
durch solche Umweltchemikalien verursacht werden und unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen seien. Die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Koordinierung und Verbesserung der Effektivität behördlicher Aktionen reichten noch nicht aus, um die für die Gesetze gesetzten Ziele zu erreichen. Nur mit direkten Regierungsverordnungen in bezug auf das Freisetzen
von möglicherweise gefährlichen Chemikalien und deren Einwirkung auf Mensch

- 2 -

�Mensch und Umwelt sei ein angemessener Schutz für die öffentliche Gesundheit
und die Umwelt zu erwarten.

Vorbeugung sei der Schlüssel, um Krankheiten

und Umweltprobleme, die durch toxische Chemikalien ausgelöst werden, unter
Kontrolle zu bekommen.

Die aufsichtführenden Behörden müßten bereits handeln

und eingreifen können, wenn Anzeichen für gefährliche Auswirkungen überzeugend
sind, jedoch noch keine gesicherten Beweise vorlägen.
Wichtige Empfehlungen der Kommission:
- Schaffung eines zentralen Datennetzes der Regierung, um einen schnellen
Zugang zu allen Arten von Informationen über chemische Substanzen zu gewährleisten.

Gegenwärtig sind entsprechende Informationen in mehr als 220 Daten-

systemen getrennt gespeichert.
- Abbau noch bestehender gesetzlicher und administrativer Barrieren gegen
den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informatonen
über toxische Substanzen - sowohl von Behörde zu Behörde als auch gegenüber
Kontraktnehmern des Bundes -, ohne dadurch eine angemessene Absicherung wirtschaftlicher Interessen zu beeinträchtigen.

Die Öffentlichkeit sollte eben-

falls mehr Zugang zu vertraulichen Daten über die Auswirkungen von Chemikalien
auf Gesundheit und Sicherheit erhalten.
- Verstärkte Forschung in Bundeslaboratorien auf kritischen Gebieten wie
Epidemiologie und Toxikologie.
- Bundesweit sollen die Möglichkeiten, bei Notfällen wie dem Freiwerden
giftiger Chemikalien oder dem Ausdringen von gefährlichen Substanzen in nicht
mehr benutzten Giftmülldeponien wirksam einzugreifen, durch umfassende neue
Kompetenzen umgehend verbessert werden, um z.B. das Säubern der Deponien und
die Finanzierung solcher Maßnahmen zu sichern.
Da es sich bei der Kontrolle toxischer Chemikalien um weltweite Probleme
handelt, wird den zuständigen amerikanischen Behörden empfohlen, sich um eine

- 3 -

�eine internationale Koordinierung praktischer Maßnahmen und besseren internationalen Informations- und Meinungsaustausch über die Toxizität von Substanzen zu bemühen.
Der Verband der chemischen Industrie der USA kritisierte den Berichtsentwurf der Kommission und forderte, daß "jede neue Regierungsinitiative auf
diesem Gebiet auf reale Bedürfnisse zugeschnitten sein muß und nicht in unnötige Aktionen und kostspielige neue Regierungsprogramme ausarten darf."

+ + + + +

�34

22. August 1979

BAKTERIEN MIT KOMPASS
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen
in der Tierwelt auf der Spur
Von G. Weiss

- (AD) - Bei der Untersuchung von Schlammbakterien aus der Umgebung des
Ozeanographischen Forschungsinstituts Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts
stieß Dr. Richard P. Blakemore (jetzt Staatsuniversität von New Hampshire) im
Jahr 1975 auf Mikroben, die bei der Fortbewegung eine bestimmte Richtung bevorzugen.

Man vermutete bald, daß es das erdmagnetische Feld sei, das dieses

Verhalten beeinflußt.

In der Folgezeit wurden im nordamerikanischen Raum wei-

tere Mikroorganismen mit dieser Eigenschaft entdeckt, und zwar sowohl in salzhaltigem Wasser als auch in Süßwasser.

Durch Experimente konnte dann Dr. Ad. Kalmijn vom Woods Hole-Institut
nachweisen, daß die Bakterien, die nur wenige Tausendstel Millimeter lang sind,
sich an einem Magnetfeld orientieren können und dies in Verbindung mit dem
erdmagnetischen Feld auch tatsächlich tun:
ein.

Sie halten stets die Nordrichtung

In den geographischen Breiten, wo bisher die Untersuchungen vorgenommen

wurden, ist dies gleichbedeutend damit, daß sie so ihren Weg nach unten in

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�in ihren Lebensbereich d.h. in Schlammgründe und Sedimente finden.

Denn die

vertikale Feldkomponente auf der Nordhalbkugel ist in diesen Breiten bereits
stärker als die horizontale.

Die eigene Schwere würde nicht ausreichen, um

die Bakterien rasch absinken zu lassen.

Bringt man sie in ein künstliches

Magnetfeld und polt dieses um, reagieren sie darauf sofort mit Bewegung in
der Gegenrichtung.

Dr. Blakemore vermochte eine solche Bakterienart zu iso-

lieren und in Reinkultur zu züchten.

Diese Mikroben gehören zur Gruppe der

Spirillen (Schraubenbakterien) und erhielten die Bezeichnung "MS-1" (MS für
"magnetotactic spirillum").
Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston, Dr. Richard B. Frankel vom Francis-Bitter-Institut für Magnetforschung,
befaßte sich eingehend mit bisher bekannt gewordenen magnetischen Bakterien,
um herauszufinden, welcher Mechanismus wohl hinter der Nordorientierung stecke,
über die Ergebnisse seiner Arbeiten berichtete er kürzlich in einem Vortrag
in Washington.

Den Schlüssel für das Verhalten bilden, so Dr. Frankel, win-

zige Magnete im Bakterium.

Dabei handelt es sich, wie elektronenmikroskopische

Untersuchungen ergaben, um eine Kette von 22 (manchmal auch etwas mehr) Partikeln von mehr oder weniger kubischer Form, die ähnlich wie die Nadel eines
Kompasses funktionieren.

Sie bestehen aus Magnetit, einer Eisen-Sauerstoff-

Verbindung der chemischen Formel Fe^O,.
Jeder Magnetkristall hat eine Kantenlänge von etwa 500 Angström (1 8 =
1/10 000 000 mm), d.h. von fünf Hunderttausendstel Millimeter. Dies ist eine
kritische Größe, weil dann nämlich unter Raumtemperatur die magnetischen Eigenschaften am günstigsten sind. Wären die Partikel kleiner, würde bei Raumtemperatur die Wärmeenergie ihrer Umgebung ihre magnetische Orientierung verändern. Wären sie sehr viel größer, würden sie ihre Polarität verlieren.
Offenbar entwickelten diese Bakterien einen physiologischen Prozeß, mit
dem sie Magnetitpartikel der günstigsten Größe in der Zelle synthetisieren.
Diese ergeben den Kompaß mit der festen Orientierung, wobei sich der nach Norden weisende Pol an dem Ende befindet, das der zur Fortbewegung dienenden

�dienenden Geißel gegenüberliegt.

Mit Spannung wartet Frankel jetzt auf

Sedimentproben aus Südamerika, die möglicherweise Bakterien enthalten, welche ebenfalls magnetisch sind.

Wie werden sie sich auf der Nordhalbkugel

verhalten?
Chemische Analysen der Magnetbakterien aus Nordamerika ergaben, daß
sie eine um das Zehnfache höhere Eisenkonzentration besitzen als andere Bakterien.

Sie müssen demnach, so Dr. Frankel, ihren Kompaß aus Eisenionen

synthetisieren, die sie gewissermaßen in ihrer Umgebung zusammenkehren.

Wie

sie aber das Größenproblem für die Kristalle gelöst haben, ist unbekannt.
Das wiederum ist eine Frage, die jetzt die Elektronik-Industrie interessiert.
Weitere Entdeckungen auf diesem Gebiet, könnten vielleicht sogar für die Medizin von Bedeutung sein.
Nicht zuletzt aufgrund der Entdeckung magnetischer Bakterien erhielt
die Erforschung des Orientierungssinns der Vögel großen Auftrieb. Im Verlauf
des letzten Jahres wurde bekannt, daß Wissenschaftler an Universitäten in
New York und New Jersey im Kopf der Taube und im Hinterleib der Biene ein
"magnetisches Organ" gefunden hätten, das den Tieren die Orientierung im erdmagnetischen Feld ermögliche.

+ + + + +

- 3 -

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