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Dokumentation

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25. Oktober 1972

43

Inhalt

INFORMATION:
Sowjetunion und USA regeln alte Schulden
-Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigtVon John Holway
US-Kongreß beendete 92. Sitzungsperiode

DOKUMENTATION:
USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Handelsabkommen
-Darlegung des Weißen HausesAmerikanisch-Sowjetisches Abkommen zur Regelung der Pacht-Leih-.Ansprüche
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nobelpreis für Medizin, Chemie und Physik
-US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrtPilzkrankheit bei Nadelbäumen
-Bakterien als Nährstofflieferanten der Schädlinge-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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43/1972

SOWJETUNION UND USA REGELN ALTE SCHULDEN
-Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigtVon John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Regelung der Ansprüche aus dem Pacht-und Leih-Abkommen haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jetzt - 27 Jahre nach
Beendigung des zweiten Weltkrieges - ein Problem bereinigt, das der Entwicklung gegenseitiger Handelsbeziehungen in der Nachkriegszeit störend im Wege
gestanden, ja sie praktisch blockiert hatte.
Vor dem Kriege hatte es zwischen den beiden Staaten - trotz ihrer politischen Gegnerschaft - einen regen Handelsverkehr gegeben. Die Vereinigten
Staaten zählten damals zu den wichtigsten Handelspartnern Moskaus, und verschiedene große amerikanische Gesellschaften - wie beispielsweise die Ford-Werke - hatten in der Sowjetunion Werke aufgebaut.
Während des Krieges leisteten die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
Hilfe für die gemeinsame Sache des Kampfes gegen die Aggression, die sich auf
Güter sowohl für den militärischen wie den zivilen Bedarf erstreckte und einen
Gesamtwert von 11 Milliarden Dollar darstellte.
Die

-l-

�Die Phase des kalten Krieges verhinderte nach Kriegsende die Wiederbelebung
der alten Handelsbeziehungen und ließ die Frage der Regelung der sowjetischen
Kriegsschulden praktisch hoffnungslos erscheinen. Versuche, das Problem durch
Verhandlungen zu bereinigen, scheiterten im Jahre 1951 mit dem Ausbruch des
Koreakrieges und im Jahre 1960 durch die unüberbrückbare Kluft zwischen den
von beiden Seiten vertretenen Standpunkten. Bei diesen Verhandlungen hatten die
Vereinigten Staaten die Zahlung von 800 Millionen Dollar zur Begleichung der
Gesamtschuld vorgeschlagen, die Sowjetion sich jedoch nur zur Zahlung von
300 Millionen Dollar bereiterklärt, und somit erschien eine Regelung hoffnungslos. Als dann vor einem Jahr von offizieller sowjetischer Seite ein stärkeres
Interesse an der Wiederbelebung des Handels zwischen den beiden Ländern bekundet wurde, erwies sich dieses ungelöste Problem der Schulden aus dem Pachtund Leih-Abkommen des zweiten Weltkrieges als unüberwindbares Hemmnis.
Die Sowjetunion wünschte für die Wiederbelebung ihres Handels mit den Vereinigten Staaten die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel, das heißt, die
Senkung der Zölle für ihre Handelsgüter auf einen Stand,wie er allgemein auf
die gleichen Produkte der meisten anderen amerikanischen Handelspartner angewandt wird. Die Gewährung einer solchen Zollbehandlung aber bedurfte der Billigung durch den amerikanischen Kongreß, und es war politisch äußerst unwahrscheinlich, daß solche Konzessionen vom amerikanischen Präsidenten gefordert oder vom
Kongreß bewilligt werden könnten,solange die aus dem Pacht-und Leih-Abkommen
herrührenden Schulden unbeglichen blieben.
So wurden denn im April dieses Jahres von beiden Ländern neue Verhandlungen
in dieser Frage aufgenommen, wobei man entschlossen war, zu irgendeiner Regelung
zu kommen.
Am

-2-

�Am 18. Oktober konnte der amerikanische Handelsminister, Peter Peterson,
vor der Presse im Weißen Haus schließlich bekanntgeben, daß in der Kriegsschuldenfrage eine Regelung erzielt worden sei und daß es "eine gute Regelung von
unserem Standpunkt aus und eine faire vom sowjetischen Standpunkt her" sei.
Der letztlich ausgehandelte Betrag - 722 Millionen Dollar - schließt sowohl
das Kapital als auch die Zinsen ein. Hinzu muß man weitere 199 Millionen Dollar
rechnen, die die Sowjetunion bereits für Güter bezahlt hat, die nach Beendigung
der Kampfhandlungen ausgeliefert wurden. Damit ergibt sich ein Gesamtbetrag von
921 Millionen Dollar, der sich unter Umständen noch etwas erhöhen wird, falls
die Sowjetunion von den Aufschüben Gebrauch macht, die ihr bis zum Jahre 2001,
wenn die letzte Zahlung fällig wird, eingeräumt wurden.
Die ganze Frage war für Moskau mit Emotionen beladen. Die Sowjetunion mußte
im zweiten Weltkrieg große Leiden ertragen und war der Ansicht, daß solche Opfer
bei einer Rückzahlung stark ins Gewicht fallen müßten. Die Vereinigten Staaten
haben jedoch niemals eine Rückzahlung für militärische Ausrüstungsgegenstände
verlangt. Es sollten nur solche zivilen Güter ausgeglichen werden, die den Krieg
überdauert hatten, wie Lastkraftwagen, Straßenbaumaschinen, Fertighäuser etc.
Die USA wollten ferner alle jene Güter erstattet haben - und zwar sowohl militärische als auch zivile Güter -,die bereits vor Beendigung der Kampfhandlungen
bestellt, aber erst später, als Frieden war, ausgeliefert wurden.
Präsident Franklin Roo sevelt hatte es 1941, als er zum ersten Mal die Pacht—
Leih-Konzeption verkündete, so formuliert: Wenn das Haus eines Nachbarn in Brand
geraten ist und man selbst über einen Gartenschlauch verfügt, den man dem Nachbarn leihen kann, dann bittet man nicht im voraus um Bezahlung. Wenn jedoch das
Feuer gelöscht ist und der ausgeliehenßSchlauch beschädigt wurde, dann wird ein
guter Nachbar ihn ersetzen. Und wenn man dann einen guten Gartenschlauch zurückbekäme, dann wäre alles in bester Ordnung.
Die

-3-

�Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungspartner nahmen sich das Abkommen
zwischen den USA und Großbritannien über eine Regelung der Pacht-und Leih-Schulden
zum Vorbild, und nach den Worten des amerikanischen Handelsministers nimmt sich
das jetzt erreichte Abkommen recht günstig aus. Großbritannien erhielt etwa zweimal so viel Pacht-Leih-Hilfe wie die Sowjetunion. Unmittelbar nach Kriegsende
verpflichtete sich London in einem Abkommen, einen Teil zurückzuzahlen. Praktisch
werden die britischen Zahlungen, wenn sie abgeschlossen sind, nur etwas weniger
sein

als die Summe, die die Sowjets zurückzahlen.
Der genaue Zinssatz, zu dem die Sowjetunion zurückzahlen wird, wurde nicht

bekanntgegeben, und es wurde auch keine Aufschlüsselung zwischen Kapital und
Zinsen gegeben. Wenn die Sowjetunion jedoch von den vier zugestandenen Zahlungsaufschüben Gebrauch macht, dann beträgt der Zinssatz während dieser Zeit 3 Prozent. Großbritannien zahlt für seine Aufschübe 2 Prozent.
Es war sehr schwierig, zu einer Formel für die Festsetzung des Zinssatzes
zu gelangen. Die sowjetischen Unterhändler verwiesen darauf, daß während der
vergangenen 25 Jahre für sowjetische Waren weit höhere Zölle in den Vereinigten
Staaten erhoben wurden, als dies für britische Produkte der Fall war. Die amerikanischen Unterhändler hielten dem entgegen, daß die Vereinigten Staaten die
sowjetischen Schulden mehr als 25 Jahre lang ohne Zinszahlungen hätten tragen
müssen und daß sich während dieses Zeitraumes weltweit eine beträchtliche Inflation vollzogen habe. Die Sowjetunion hatte ferner um eine fünfjährige Stundungszeit ersucht, wie sie Großbritannien eingeräumt worden war. Handelsminister
Peterson wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, daß die Sowjets praktisch
bereits eine Stundungszeit von mehr als 20 Jahren gehabt hätten und daß es daher
keinen logischen Grund gebe, diesen Zeitraum zu verlängern.

Die

-4-

�Die sowjetischen Zahlungen sind unverzüglich mit einem Scheck über
12 Millionen Dollar angelaufen. Weitere 24 Millionen Dollar werden am 1. Juli
nächsten Jahres und 12 Millionen am 1, Juli 1975 fällig. Danach wird Moskau
rund 24 Millionen Dollar jährlich bis zum Jahre 2001 zurückzahlen.

-5-

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43/1972

US-KONGRESS BEENDETE 92. SITZUNGSPERIODE

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Kongreß hat soeben seine 92. Sitzungsperiode beendet. Nach Ansicht einiger Beobachter war es eine unrühmliche
Sitzungsperiode, andere sprechen von großen Leistungen. Eines ist jedoch
sicher: es war eine ereignisreiche Legislaturperiode.
Die Debatten im Kongreß füllten mehr Seiten der Kongreßprotokolle als
sonst üblich. Der Senat nahm mehr namentliche Abstimmungen vor als in den
letzten 89 Jahren. Und das Repräsentantenhaus befaßte sich mit einer Rekordzahl an Vorlagen.
Nach Ansicht der führenden Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus
war die 92. Sitzungsperiode überaus erfolgreich. Die Republikaner sehen das
anders und verweisen darauf, daß von 318 von Präsident Nixon unterstützten
Regierungsvorlagen nur 141 von dem demokratisch kontrollierten Kongreß während der vergangenen zwei Jahre verabschiedet worden seien. Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Repräsentantenhaus, Gerald R. Ford, sprach in
diesem Zusammenhang sogar davon, daß die 92. Legislaturperiode "die parteipolitischste der modernen Zeitrechnung" gewesen sei, bestimmt von dem Wunsch,
einem Präsidenten der Oppositionspartei nicht zuviel Anerkennung zu zollen.
Mit

-i-

�Mit der Vertagung des Kongresses blieb eine große Zahl anstehender Gesetzesvorlagen auf der Strecke, Ein Teil von ihnen dürfte niemals mehr zur Sprache
kommen. Zwei Tage vor seiner Vertagung verabschiedete der Kongreß allerdings noch
ein "Übergangsgesetz", das die Fortsetzung des amerikanischen Auslandshilfeprogramms bis zum 28. Februar in einer Höhe von 3,6 Milliarden Dollar - das sind
rund 1,5 Milliarden Dollar weniger als von Präsident Nixon angefordert » vorsieht. Es kann jedoch damit gerechnet werden, daß der nächste Kongreß den Betrag für die Auslandshilfe heraufsetzt und daß bestimmte Beschränkungen, die
die Gegner Nixons im Senat in die Vorlage hineingeschrieben hatten, nunmehr
"gestorben" sind, nachdem die ursprüngliche Senatsfassung nicht verabschiedet
wurde.
Die wohl tiefgreifendste dieser Beschränkungen sah vor, daß der Präsident
alle Regierungsabkommen mit anderen Ländern über die Benutzung deren Territoriums
für Militärbasen dem Senat genauso vorlegen sollte wie internationale Verträge,
die, um bindend zu werden, eine Zweidrittelmehrheit im Senat erfordern. Der Senat
und der Präsident konnten jedoch einen großen Teil ihrer Meinungsverschiedenheiten in

der Frage Regierungsabkommen versus internationale Verträge beilegen.

Dies war eine der wenig beachteten, aber doch wesentlichen Leistungen des 92.
Kongresses.
Während der zweijährigen Legislaturperiode des 92. Kongresses hat der Senat
die Ratifikation

von 54 Verträgen gebilligt, was den Vorsitzenden des Außen-

politischen Senatsausschusses, J„ William Fulbright, veranlasste, von einer
"bedeutsamen Verbesserung der Zahl und der Qualität" der dem Senat unterbreiteten
Verträge zu sprechen. Fulbright verwies hier auf die im Rahmen der SALT-Gespräche
erreichten Abmachungen, auf das Meeresbett-Abkommen, auf das Protokoll über die
atomwaffenfreie Zone in Lateinamerika,auf den Okinawa-Vertrag mit Japan sowie auf
den Vertrag gegen die Luftpiraterie.
Während

�Während der jetzt zu Ende gegangenen Sitzungsperiode hat das Repräsentantenhaus häufig den Präsidenten gegen den Senat unterstützt. Dies war der Fall,
als der Senat versuchte, den Abzug der gesamten amerikanischen Streitkräfte
aus Vietnam zu erzwingen, als es um Gesetzeszusätze ging, die umfassende Kürzungen der in Europa stationierten US-Truppen anstrebten, und als der Senat
versuchte, die Vollmachten des Präsidenten in der Frage der Entsendung amerikanischer Truppen zu Kampfeinsätzen ohne vorherige Billigung durch den Kongreß
zu beschneiden. Auch in der Frage Abkommen versus Verträge fand der Präsident
die Unterstützung des Repräsentantenhauses.
Der Senat wiederum wandte sich gelegentlich gegen die Auffassung des Repräsentantenhauses und ergriff die Partei der Regierung. Dies war beispielswsise
der Fall in der Frage des amerikanischen Beitrages für die Vereinten Nationen
und ihre Sonderorganisationen. Das Haus hatte sich für eine sofortige Kürzung
des amerikanischen Beitrages von 31 Prozent auf 25 Prozent.ausgesprochen. Die
Regierung befürwortete dagegen keine überstürzten Reduzierungen und fand hier
die Unterstützung des Senats, wodurch eine Kürzung bis zum 31. Dezember 1973
hinausgeschoben wurde.
In der jetzt abgelaufenen Sitzungsperiode wurden ferner zwei Zusätze zur
amerikanischen Verfassung verabschiedet. Durch den einen Verfassungszusatz
wurde das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt, wodurch 11 Millionen weitere Amerikaner bei den Wahlen am 7. November ihre Stimme abgeben können; der
andere soll die Gleichberechtigung der Frauen sicherstellen. Den das Wahlalter
betreffenden Zusatz haben 38 Einzelstaaten ratifiziert - damit ist die erforderliche Zahl erreicht; 21 Bundesstaaten haben den Verfassungszusatz, der die
Gleichstellung der Frau betrifft, ratifiziert.
Inzwischen

-3-

�Inzwischen haben die meisten Kongreßmitglieder die amerikanische Hauptstadt verlassens um sich in ihren Heimatstaaten um die Wiederwahl in den 93.
Kongreß zu bewerben. Der neue Kongreß tritt am 3. Januar zusammen. Bei der Wahl
am 7. November geht, es um alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus: 33 der insgesamt loo Sitze im Senat müssen neu besetzt werden.

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43/1972

USA ERLÄUTERN AMERIKANISCH-SOWJETISCHES HANDELSABKOMMEN
-Darlegung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Oktober in einer längeren
Darlegung das amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen, die Pacht-Leih-Regelung sowie die gegenseitigen Krqditabmachungen erläutert.
Die Verlautbarung hat folgenden Wprtlaut:
Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind heute die
Verhandlungen über eine umfassende Serie von Abkommen und Vereinharungen erfolgreich abgeschlossen worden. Sie betreffen Handelsfragen, gegenseitige
Kredite für den Handel, die Erweiterung von Geschäftseinrichtungen sowie die
Regelung noch offenstehender Pacht-Leih-Verpflichtungen. Diese Abkommen spiegeln die grundlegenden Prinzipien der Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wider,
die von dem (amerikanischen) Präsidenten und dem (sowjetischen) Parteichef
Breschnew auf der Gipfelkonferenz im Mai dieses Jahres unterzeichnet worden
sind. Der siebte Grundsatz sah vor: "Die USA und die UdSSR betrachten Handels-

-l-

�Handels-und Wirtschaftsbeziehungen als ein wichtiges und notwendiges Element
der Stärkung ihrer bilateralen Beziehungen und werden daher das Wachstum solcher Beziehungen fördern. Sie werden die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen
Organisationen und Unternehmen der beiden Länder und den Abschluß von geeigneten
Vereinbarungen und Kontrakten - einschließlich langfristiger - erleichtern."
Auf der Gipfelkonferenz wurde die gemeinsame amerikanisch-sowjetische Handelskommission ins Leben gerufen, in der der Handelsminister der USA, Peter G.
Peterson, für die amerikanische Seite und der Außenhandelsminister der UdSSR,
N.S.Patolitschew, für die sowjetische Seite den Vorsitz führen. Die Gesamtkommission traf im Juli dieses Jahres in Moskau und in der letzten Woche wiederum in
Washington zusammen. Besondere Arbeitsgruppen der Kommission führten während der
vergangenen Woche spezifische Verhandlungen.
Der Präsident hat heute die Bestimmung unterzeichnet, durch die die Sowjetunion für Kredite der Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten bezugsberechtigt wird. Handelsminister Peterson und der sowjetische Außenhandelsrainister
Patolitschew haben das Handelsabkommen unterzeichnet. Außenminister William P.
Rogers und der Außenhandelsminister Patolitschew haben das Pacht-Leih-Abkommen
unterzeichnet.

Handelsabkommen
In Übereinstimmung mit dem Ziel der USA, einen umfassenden und klaren Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen amerikanische Privatfirmen sich am amerikanischsowjetischen Handel beteiligen können, legt das Abkommen Richtlinien für bestimmte kritische Gebiete fest, um den Handelsfluß zu erleichtern. Das Abkommen sieht
vor, daß gegenseitig ein Handelszugang gewährt wird, der jenem entspricht, welcher den meiste

unserer Handelspartner in der freien Welt gewährt wird; es

sieht ferner den Schutz vor einer Verzerrung einheimischer Märkte vor, die

-2-

�die Erteilung substantieller Aufträge seitens der Sowjetunion für amerikanische
Maschinen, Fabrikanlagen und Ausrüstung, für landwirtschaftliche Produkte und
industrielle Erzeugnisse und für Verbrauchsgüter, die Bereitstellung von Geschäftseinrichtungen in der Sowjetunion, wie sie Vertretern anderer Länder gewährt werden, die Einrichtung eines amerikanischen Handelsbüros in Moskau und
einer sowjetischen Handelsvertretung in Washington sowie die Anwendung eines
durch Drittländer überwachten Schlichtungsverfahrens bei der Regelung kommerzieller Streitfragen. Das Abkommen enthält weiter eine für beide Seiten geltende Ausnahmebestimmung bezüglich der nationalen Sicherheitsinteressen. Über die
amerikanischen Exportkontrollen kann nicht verhandelt werden, und sie wurden
daher auch nicht erörtert. Diese Bestimmungen werden jedoch überprüft, und
dies wird auch weiterhin der Fall sein.

Handelsvolumen

Aufgrund des Handelsabkommens wird damit gerechnet, daß sich der Gesamthandel während der dreijährigen Laufzeit des Abkommens gegenüber dem Zeitraum
von 1969-1971 zumindest auf einen Gesamtbetrag von mindestens 1,5 Milliarden
Dollar verdreifachen wird. Die sowjetische Regierung erklärt, daß sie damit
rechnet, daß substantielle Aufträge in den USA für "Maschinen, Fabrikanlagen
und Ausrüstung, für landwirtschaftliche Produkte und industrielle Erzeugnisse
und für Verbrauchsgüter" plaziert werden. So hat die sowjetische Regierung beispielsweise den Wunsch zu erkennen gegeben, für mehrere Millionen Dollar amerikanische Ausrüstungen zur Herstellung von Geschirr zu kaufen. Ferner haben ameri
kanische Firmen um Exportlizenzen für Ausrüstungen im Werte von weit über einer
Milliarde Dollar nachgesucht in der Annahme, daß sie bei den Kontraktausschreibungen im Zusammenhang mit dem Bau des großen Lastwagenwerkes an der Kama erfolgreich sein werden. Man schätzt, daß bei diesem Projekt Ausrüstungskontrakte
im Werte von 250 bis 500 Millionen Dollar auf amerikanische Firmen entfallen

3-

�entfallen könnten. Überdies werden beträchtliche Getreidekäufe

während der Lauf-

zeit dieses Abkommens erwartet. Die Exporte von Maschinen und Ausrüstung dürften
wesentlich anwachsen. Gegenwärtig belaufen sich die Exporte von elektrischen und
anderen Maschinen auf nur 60 Millionen Dollar (oder 37 Prozent unseres Gesamtexportes in die Sowjetunion im Jahre 1971), obwohl die Gesamtexporte von amerikanischen Maschinen nach allen Ländern im Jahre 1971 rund 11,6 Milliarden Dollar betrugen. Verschiedene große Gemeinschaft-sprojekte sind gegenwärtig im Gespräch
oder es wird über sie verhandelt. Dazu gehören Industrieanlagen für die Produktion von Polystren, Metallbeschlägen, Düngemitteln, Metallschürfung und die Gewinnung und Weiterleitung von Erdgas. Die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten
gegenüber der Sowjetunion war traditionell überaus günstig für die USA und allgemein in einem Verhältnis von drei zu eins. Dieser Trend dürfte während der Laufzeit des Handelsabkommens anhalten und zu einer günstigen Handelsbilanz in der
wahrscheinlichen Größenordnung von mindestens einigen hundert Millionen Dollar pro
Jahr führen. Weiterhin waren die amerikanischen Exporte nach der Sowjetunion
traditionell weitaus arbeitsintensiver als die sowjetischen Exporte nach den USA
- letztere größtenteils Rohstoffe, die sehr viel weniger arbeitsintensiv sind.

Meistbegünstigungsklausel

Das Abkommen sieht vor, daß jedes Land seine Zölle hinsichtlich der Produkte
des anderen auf einen Stand senkt, der allgemein auf die gleichen Produkte der
meisten anderen Länder anwendbar ist. Dies wird Maßnahmen seitens des amerikanischen Kongresses erfordern. Der Präsident plant gegenwärtig, derartige Gesetzesvorlagen zu Anfang der nächsten Legislaturperiode zu unterbreiten. Es wird erwartet, daß das Handelsabkommen nicht in Kraft treten und seine dreijährige Laufzeit
nicht beginnen wird, bevor eine solche Gesetzgebung verabschiedet worden ist.

-4-

�ist. Zwischen 1935 und 1951 wurde auch der Sowjetunion eine solche Zollbehandlung gewährt; sie wurde jedoch im Jahre 1951 während des Koreakrieges durch Gesetz zurückgezogen. Jugoslawien wurde durch dieses Gesetz nicht berührt. Im Jahre
1960 wurde Polen durch eine Gesetzesänderung diese Zollbehandlung zuteil. Wenn
der Sowjetunion jetzt eine solche Zollbehandlung gewährt wird, und zwar in einem
Ausmaß, das allgemein anwendbar auf gleiche Produkte der meisten anderen Länder
ist, dann steht dies voll und ganz in Übereinstimmung mit der Mitgliedschaft der
Vereinigten Staaten im Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT).

Marktverzerrung

Durch staatliche Handelsmonopole kontrolliert die Sowjetunion sowohl die
Einfuhr als auch die Ausfuhr aller Güter. In der sowjetischen Wirtschaft spielen
Kosten und Preise nicht notwendigerweise die gleiche Rolle wie dies in einer
Marktwirtschaft der Fall ist. Demgemäß haben sich die Sowjets mit einem Verfahren
einverstanden erklärt, unter dem sie nach Konsultationen keine Güter nach den
Vereinigten Staaten exportieren werden, die nach Ansicht der amerikanischen Regierung "eine Verzerrung ihres einheimischen Marktes verursachen, eine solche
Verzerrung heraufbeschwören oder zu ihr beitragen werden." Falls die Sowjets
eine Begrenzung der amerikanischen Exporte verlangen, ist die amerikanische Regierung verpflichtet, eine solche Mitteilung der amerikanischen Geschäftswelt
zugänglich zu machen.

Gegenseitige

-5-

�Gegenseitige Handelskredite
Beide Regierungen erklärten sich bereit, einander auf einer Basis der Gegenseitigkeit Handelskredite zu gewähren, wie sie bei der Exportfinanzierung
üblich sind. Der Präsident hat daher bestimmt, daß die Export-Import-Bank der
Vereinigten Staaten in Transaktionen mit der Sowjetunion eintreten kann. Die
Sowjets haben zugesichert, daß die Möglichkeiten der Außenhandelsbank der Sowjetunion sowie die Kreditmöglichkeiten von über 4o sowjetischen Außenhandelsorganisationen amerikanischen Importeuren verfügbar gemacht werden.
Die Sowjets haben mit der Export-Import-Bank ein Durchführungsabkommen ausgefertigt, welches vorsieht, daß sie im Hinblick auf alle Fragen - Höhe des Kredits, Zinssatz, Rückzahlungsbestimmungen - genau so behandelt werden wie jedes
andere Land. Die Bestimmungen der Export-Import-Bank hinsichtlich einer privaten
Beteiligung an Krediterleichterungen sollen zur Anwendung kommen, und alle Kredite, die zehn Millionen Dollar übersteigen, werden Gegenstand der üblichen Überprüfung durch den Nationalen Beratungsausschuß sein.

Erweiterte Geschäfts-und Handelsmöglichkeiten, Handelsbüros
Das Handelsabkommen sieht vor, daß die Vereinigten Staaten ein regierungsgefördertes Handelsbüro in Moskau einrichten, das durch die dortige amerikanische
Botschaft unterhalten wird. Den Sowjets wird die Einrichtung einer Handelsvertretung in Washington gestattet. Das amerikanische Handelsbüro in Moskau wird
die amerikanischen Geschäftsleute mit neuesten Informationen über die sowjetischen
Märkte versorgen, Kontakte zwischen amerikanischen Geschäftsleuten und den zuständigen sowjetischen Ministerien erleichtern sowie zweisprachige Stenographen,
Kommunikationsmöglichkeiten und zur Unterrichtung amerikanischer Geschäftsleute
bezüglich ihrer Käufe und Verkäufe Marktanalysen zur Verfügung stellen. Da die

-6-

�die Mitglieder der sowjetischen Handelsvertretung diplomatische Immunität genießen
werden, wird es ihnen nicht gestattet sein, über irgendwelche Transaktionen zu
verhandeln oder diese auszuführen.

Geschäftseinrichtungen in Moskau
Wie alle ausländischen Firmen dürfen amerikanische Firmen ohne Akkreditierung
seitens der sowjetischen Regierung kein ständiges Büro in Moskau mit dem Recht,
Ortskräfte einzustellen und Büro-oder Wohnraum zu erhalten, einrichten. Bis in
jüngster Zeit waren nur zwei amerikanische Firmen - beide aus der Reise- und
Touristenbranche - akkreditiert. Im Zuge der Verhandlungen wurden zwei Industriefirmen zugelassen, und die Sowjets haben sich bereiterklärt, daß sie in Zukunft
amerikanische Firmen auf einer Basis akkreditieren werden, die nicht ungünstiger
als für die Firmen irgendeines dritten Landes ist. Jedes, Problem, das sich aus
diesen Akkreditierungsverfahren ergibt, wird durch die gemeinsame Handelskommission
geregelt werden. Die Sowjets haben schriftliche Zusagen gegeben, daß akkreditierte amerikanische Firmen die Vollmacht erhalten werden, sowjetisches Personal einzustellen, die erforderlichen Telefon-und Telexausrüstungen sowie andere Kommunikationsmittel ohne Verzug zu erwerben, umgehend die benötigten Ausrüstungen wie
Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Diktier-und Kopiergeräte sowie Automobile und
persönliche Gebrauchsgegenstände wie Möbel und andere Einrichtungsstücke einzuführen, daß sie angemessene Wohnungen erhalten und d^ß die Visaersuchen unverzüglich behandelt werden.

Großes

-7-

�Großes Handelszentrum in Moskau
Die Sowjets haben ferner erklärt, daß sie in Moskau ein großes Handelszentrum
mit Büroräumen, Hotels und Wohnungen errichten werden. Es ist geplant, daß das
Handelszentrum eine beträchtliche Anzahl von Firmenräumen, erstklassige Hotelzimmer und Appartements sowie damit zusammenhängende Einrichtungen enthalten wird.
Dieses Zentrum wird das erste seiner Art in der Sowjetunion sein und dürfte in
den nächsten Jahren voll in Betrieb genommen werden. Die Sowjets werden amerikanische Firmen auffordern, Vorschläge zu unterbreiten und an der Finanzierung und
dem Bau des Handelszentrums mitzuwirken. Die sowjetische Regierung plant ferner
den Bau eines wirtschaftlichen Ausstellungszentrums und hat den Vereinigten Staaten angeboten, einen Pavillon zur Ausstellung amerikanischer Produkte zu mieten.
Die USA werden die Sowjets bei der Einrichtung eines sowjetischen Büros in New
York unterstützen, durch das amerikanische Ausrüstung für das Lastwagenwerk am
Kama gekauft werden soll. .

Schlichtung

Während der letzten 4o Jahre haben die. Sowjets ein Schlichtungsverfahren
unter den Auspizien der Außenhandels-Schlichtungskommission in Moskau angewandt,
die sich aus 15 sowjetischen Staatsbürgern zusammensetzt. Die sowjetische Außenhandelsorganisation stimmte einer Schlichtung durch ein drittes Land nur dann zu,
wenn die westliche Firma in dem Kauf-oder Verkaufskontrakt eine entsprechende
Klausel forderte und durchsetzen konnte. Im Gegensatz dazu sehen die Bestimmungen
des amerikanischen Schlichtungsverbandes vor, daß - wenn eine Partei in einem
Schlichtungsverfahren nicht amerikanisch ist - sie das Recht hat, eine Schlichtungskontrollinstanz aus einem dritten Lande anzurufen. Das Handelsabkommen fördert

�fördert eine Beilegung kommerzieller Streitfälle mit Hilfe einer Schlichtung
nach den entsprechenden Bestimmungen der Wirtschaftskommission für Europa, einer
Organisation der Vereinten Nationen, in einem Lande außerhalb der Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten und mit Schlichtern, die von einer Stelle in einem
Land außerhalb der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten ernannt werden. Den
Kontraktpartnern steht es jedoch frei, sich auch für andere Schlichtungsmöglichkeiten zu entscheiden, "die sie beide vorziehen und die nach ihrer gemeinsamen Ansicht ihren besonderen Erfordernissen am besten entsprechen." Darüberhinaus wird den amerikanischen Firmen das Recht garantiert, sich der Möglichkeiten sowjetischer Gerichte zu bedienen, und den vergleichbaren sowjetischen Organisationen wird ein ähnlicher Zugang zu den amerikanischen Gerichtshöfen zugesichert .

Regelung des Pacht-Leihabkommens

Hintergrund
Die noch offenen Schuldverpflichtungen der Sowjetunion aus dem Pacht-und
Leih-Abkommen sind seit dem zweiten Weltkrieg ein Hindernis für die amerikanischsowjetischen Handelsbeziehungen gewesen. Alle Verhandlungen, die unmittelbar
nach dem Kriege sowie im Jahre 1951 und 1960 geführt wurden, endeten ergebnislos. Das Pacht-und Leih-Statut gibt dem Präsidenten die volle Macht, die Verpflichtungen innerhalb sehr weitgesteckter Grenzen zu regeln. Das Abkommen,
untrer dem den Sowjets Pacht-und Leih-Hilfe gewährt wurde, schloß sich anderen
ähnlichen Abkommen an, insofern es nur in sehr allgemeiner Ausdrucksweise festlegte, wie die Beiträge jeder Seite zu den Kriegsanstrengungen zu regeln seien.

-9-

�seien. Dementsprechend gab die 1945 erfolgte Regelung mit den Briten, den
Hauptnutznießern des Pacht-und Leih-Abkommens, die Richtlinien für die Regelung
mit der Sowjetunion ab, die etwa halb soviel Hilfe wie die Briten, aber über
fünfmal so viel wie alle anderen Länder erhalten hatten. Die Hauptpunkte betrafen die Höhe der Gesamtregelung, die Frage ob und wie hohe Zinsen erhoben werden sollten, die Länge der Zeit für die Rückzahlung, die Stundungszeit und das
Recht zum Aufschub der jährlichen Abzahlungsraten unter bestimmten Bedingungen.
Die Verhandlungen wurden erschwert durch die Länge der Zeit, die seit dem zweiten Weltkrieg verstrichen war, durch den Unterschied zwischen den derzeitigen
Zinssätzen und den zu Ende des zweiten Weltkrieges üblichen,sowie durch die Tatsache, daß sowjetische Produkte in der Zwischenzeit höheren Zollsätzen unterworfen waren als die Produkte der Briten.

Die sowjetische Regelung

Die noch offenstehenden sowjetischen Schuldverpflichtungen aus dem Pachtund Leih-Abkommen werden durch die Zahlung eines

Betrages in Höhe von min-

destens 722 Millionen Dollar über einen Zeitraum, der am 1. Juli des Jahres 2001
endet, an die Vereinigten Staaten von Amerika beglichen. Zwölf Millionen Dollar
werden gegenwärtig gezahlt, weitere 24 Millionen Dollar werden am l.

Juli 1973

und 12 Millionen Dollar am 1. Juli 1975 gezahlt. Die verbleibende Restsumme wird
in gleichen jährlichen Raten - (insgesamt 28 Raten in Höhe von je 24 071 429
Dollar, sofern die erste derartige Zahlung am 1. Juli 1974 erfolgt) - gezahlt,
deren letzte am 1. Juli des Jahres 2001 fällig ist. Die genaue Summe des Gesamtbetrages wird davon abhängen, ob und wie oft die Sowjets von den vier eingeräumten jährlichen Aufschüben der regulären Raten Gebrauch machen. Sollten die
Sowjets von dem ihnen gewährten Recht zu vier Aufschüben schon in der Anfangsperiode Gebrauch machen, so könnten die Zinsen für die aufgeschobenen Zahlungen
bis zu 37 Millionen Dollar betragen und damit die vom heutigen Tage bis zum

-10-

�zum Jahre 2001 zu zahlende Gesamtnettosumme auf 759 Millionen Dollar ansteigen
lassen. Solche aufgeschobenen regulären Raten werden - falls in Anspruch genommen
bis spätestens 1. Juli 2001 nachgezahlt und mit drei Prozent Jahreszins verzinst
werden müssen. Die Briten zahlen zwei Prozent für alle aufgeschobenen Raten und
dürfen für jeden solchen Zahlungsaufschub ein Jahr über die gesetzte Frist des
Jahres 2001 hinausgehen. Der mittlere Zinssatz für die Gesamtzinslast der öffentlichen

Verschuldung zwischen 1946 und 1972 liegt bei 2,867 Prozent, was zufällig

auch der Zinssatz für das Jahr 1959 war. Die Regelung umfaßt auch die noch verbleibenden Beträge auf das "Pipeline-Konto" für Pacht-und LeihrGüter(in Höhe von
ungefähr 45 Millionen Dollar), die den Sowjets unmittelbar nach Beendigung des
zweiten Weltkrieges geliefert wurden und für die sie seit 1954 bezahlen.

Wenn eine Meistbegünstigungsklausel zwischen dem 1. Juni und dem 1. Dezember
eingeräumt wird, dann ist die erste Pacht-und Leih-Zahlung spätestens dreißig Tage danach fällig. Wenn diese Klausel vom 2. Dezember an bis zum 31. Mai des folgenden Jahres eingeräumt wird, dann ist die erste Pacht-Leih-Zahlung am 1. Juli
dieses Jahres fällig. Der früheste Zahlungstermin für derartige Jahresraten ist
der 1. Juli 1974.

Die sowjetische Regelung verglichen mit der britischen Regelung

Es wurde außerdem der Tatsache Rechnung getragen, daß die Vereinigten Staaten die sowjetischen Schulden seit dem Kriege getragen haben, und zwar auf Kosten
der verlorenen Zinsen, die sie erhalten hätten, wenn die Sowjets zur gleichen Zei
wie die Briten es taten, zu einer Regelung gekommen wären - und daß die Zwischenzeit eine beträchtliche weltweite Inflation gebracht hat. Was den vorgesehenen
Zinssatz anbetrifft, so mußte berücksichtigt werden, daß der Prozentsatz von zwei
Prozent für die Briten ein Entgegenkommen gemessen an den im Jahre 1946 üblichen
Zinsen darstellte. Die beiden Regelungen verhalten sich zueinander wie folgt:

-11-

�wie folgt:

Insgesamt geleistete Hilfe (in Dollar)
Gesamte zahlbare Summe

Großbritannien

Sowjetunion

21,5 Milliarden

11,1 Milliarden

895 Millionen

(in Dollar)

+

921 Millionen +)

'

5 Jahre

Stundungszeit

31.Dezember 2005

Letztes Fälligkeitsdatum

1. Juli 2001

(Es könnte der 31.12.
2008 sein, wenn von drei
weiteren der zugestandenen Aufschübe Gebrauch
gemacht wird.)
Jährlicher Aufschub

zugestanden 7} dadurch
wird letztes Fälligkeitsdatum hinausgeschoben

Zinssatz bei Aufschub

2 Prozent

zugestanden 4;
keine Verlängerung

3 Prozent
(verglichen mit der
britischen Regelung,
bei der ein Aufschub
zu einer Verlängerung führt). Der
dreiprozentige Zinssatz für die Sowjetunion ist praktisch
einem vierprozentigen Zinssatz für
Großbritannien vergleichbar. Großbritannien zahlte
2 Prozent.

+) Ohne Aufschub und einschließlich der Zahlungen für Güter, die,bereits auf dem
Wege,erst nach Kriegsende ausgeliefert wurden ("Pipeline-Güter"). Davon wurden
von der Sowjetunion bereits 199 Millionen Dollar zurückgezahlt.
Copyright

-12-

�Copyright-und Steuerverträge
In der Frage der Copyright-und Steuerverträge wurden bedeutsame Fortschritte erzielt, und in besonderen Arbeitsgruppen wird die Arbeit über diese
Themen fortgesetzt. Es wird damit gerechnet, daß weitere wesentliche Fortschritte vor der nächsten Sitzung der Kommission erzielt werden

Die Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Handelskommission
Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern werden von der Gemeinsamen
Handelskommission weiter in ihrem Ablauf verfolgt werden. Die amerikanische
Delegation der Kommission wird von Handelsminister Peter G. Peterson geleitet; ihr gehören ferner an: James T. Lynn, Staatssekretär im Handelsministerium und Stellvertretender Vorsitzender der USA in der Kommission;
Jack F. Bennett, Stellvertretender Staatssekretär im US-Finanzministerium;
Willis Armstrong, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium; und Andrew E.
Gibson, Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium.
James L. Mitchell fungiert als juristischer Berater und Steven Lazarus als
Geschäftsführender Sekretär.

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43/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR REGELUNG DER PACHT-LEIHANSPRÜCHE

-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die
Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 18. Oktober
ein Abkommen über die Regelung der Ansprüche aus dem Pacht-und Leih-Abkommen,
der gegenseitigen Hilfe und sonstiger Ansprüche geschlossen. Das vom amerikanischen Außenminister William P„ Rogers und dem sowjetischen Außenhandelsminister N. Patolitschew unterzeichnete Abkommen hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus der Überlegung heraus, daß eine Regelung der Verpflichtungen aus der
Führung des Krieges gegen die Aggression notwendig ist, um das gegenseitige
Vertrauen und die. Entwicklung von Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen
beiden Ländern zu fördern;

aus

-1-

�aus dem Wunsche heraus, den von den Führern beider Länder auf dem Gipfeltreffen intyosk.auzustandegebrachten Geist der Freundschaft und der gegenseitigen Verständigung zu stärken;
aus der Erkenntnis des Nutzens der Zusammenarbeit heraus, den sie bereits
durch die ßesiegung ihrer gemeinsamen Gegner und die von jeder Regierung der
anderen im Laufe des Krieges gewährten Hilfe gezogen haben; und
aus dem Wunsche heraus,alle Rechte und Verpflichtungen jeder der beiden
Regierungen gegenüber der anderen, die sich aus dem Pacht-und Leih-Abkommen,
aus der gegenseitigen Hilfe oder sonstwie aus der Führung des Krieges gegen die
Aggression ergeben,zu regeln
wie folgt übereingekommen:
1. Dieses Abkommen stellt eine volle und endgültige Regelung aller Rechte,
Ansprüche, Leistungen und Verpflichtungen jeder der beiden Regierungen gegenüber der anderen dar, die sich ergeben aus oder im Zusammenhang stehen mit:
A) dem Abkommen vom 11. Juni 1942 zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über
Grundsätze, die für die gegenseitige Hilfe in der Führung des Krieges gegen die
Aggression gelten, einschließlich der vorherigen und der durch besagtes Abkommen ersetzten Vereinbarungen zwischen beiden Regierungen;
B) dem Abkommen vom 15.* Oktober 1945 zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
bezüglich der Verfügung über Pacht-und Leih-Güter auf Lager oder im Stadium der
Beschaffung in den Vereinigten Staaten von Amerika; und

C)

-2-

�C) allen anderen Fragen bezüglich der Führung des Krieges gegen die
Aggression in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 2. September 1945.

2. Beim Abschluß des vorliegenden Abkommens haben beide Regierungen die
Leistungen und Zahlungen voll anerkannt, die sie beide im Rahmen der in Artikel 1
erwähnten Vereinbarungen bereits erhalten haben. Dementsprechend sind beide Regierungen übereingekommen, daß keine der beiden an die andere irgendwelche weiteren Ansprüche stellen wird, die ßich aus oder im Zusammenhang mit irgendeiner
der in besagtem Artikel 1 erwähnten Fragen ergeben.
3. A.) Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erwirbt hiermit - und soll davon ausgehen dürfen, sie am 20. September 1945 erworben zu haben - alle solchen Rechte, Besitzansprüche und Anrechte, wie sie die
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an allen Pacht-und Leih-Materialien
haben mag, die von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken übergeben wurden, einschließlich jedes Gegenstandes, der (erstens) im Rahmen des oben angeführten Abkommens vom 11. Juni 1942 übergeben wurde; (zweitens) an die Regierung der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes (Public
Law) No. 11 der Vereinigten Staaten von Amerika vom 11. März 1941 übergeben wurde oder im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes an irgendeine andere Regierung übergeben und vor dem 20. September 1945 an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken weitergegeben wurde; (drittens) im Rahmen des oben angeführten Abkommens vo. 15. Oktober 1945 übergeben wurde, oder (viertens) sonstwie
in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 20. September 1945 im Zusammenhang
mit der Führung des Krieges gegen die Aggression übergeben wurde.
B.)

-3-

�B.) Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika erwirbt hiermit
-und soll davon ausgehen dürfen, sie am 20.September 1945 erworben zu haben- alle
solchen Rechte, Besitzansprüche und Anrechte, wie sie die Regierung der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken an allen Gegenständen und Materialien haben mag,
die die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 20. September 1945 an die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika übergeben hat.

4. A.) Die Gesamtnettosumme, die die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zur Regelung aller Angelegenheiten schuldet, wie sie in Artikel 1 dieses Abkommens festgelegt werden, soll 722 000 000 US-Dollar betragen, zahlbar wie in Absatz B.),
C.) und D.) dieses Artikels 4 vorgesehen.
B.) (Erstens) Drei Raten sollen fällig und zahlbar werden wie folgt:
12 000 000 Dollar am 18. Oktober 1972; 24 QOÖ 000 Dollar am 1. Juli 1973; und
12 000 000 Dollar am 1. Juli 1975. (Zweitens) Gemäß Absatz C.) dieses Artikels 4
soll nach dem Datum ("Mitteilungsdatum"), an dem eine Note der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken übergeben worden ist, in der festgestellt wird, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken die
Meistbegünstigungsklausel eingeräumt hat, und zwar zu nicht ungünstigeren Bedingungen, als sie in einem Handelsabkommen zwischen den Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am Datum
der Unterzeichnung eingeräumt worden sind, die Restsumme von 674 000 000 an Zahlungen zur Begleichung von Pacht-und Leih-Konten in gleichen Raten ("regulären
Raten") wie folgt bezahlt werden:

1.)

.4-

�1.) Wenn das Mitteilungsdatum auf den oder vor den 31- Mai 1974 fällt, soll
die erste reguläre Rate am 1. Juli 1974 fällig und zahlbar sein, und die folgenden regulären Raten sollen fällig und zahlbar werden am 1. Juli eines jeden darauffolgenden Jahres bis zum 1. Juli 2001; oder 2.) wenn das Mitteilungsdatum auf
den oder nach dem 1. Juni 1974 fällt, und a) wenn das Mitteilungsdatum in den
Zeitraum vom 1. Juni bis zum 1. Dezember irgendeines Jahres fällt, dann wird die
erste reguläre Rate fällig und zahlbar nicht später als 30 Tage nach dem Mitteilungsdatum, und die folgenden regulären Raten werden dann jährlich fällig und
zahlbar jeweils zum 1. Juli eines jeden darauffolgenden Jahres bis zum 1. Juli
2001; oder b) wenn das Mitteilungsdatum in den Zeitraum vom 2. Dezember irgendeines Jahres bis zum 31. Mai d es darauffolgenden Jahres fällt, dann wird die
erste reguläre Rate an dem 1. Juli fällig und zahlbar, der auf das Mitteilungsdatum folgt, und die folgenden regulären Raten werden jährlich fällig und zahlbar am 1. Juli eines jeden darauf folgenden Jahres bis zum 1. Juli 2001.
C.) In jedem Jahr soll die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf schriftliche Mitteilung an die Regierung der Vereinigten Staaten
von Amerika hin, daß angesichts der dann herrschenden und zu erwartenden wirtschaftlichen Verhältnisse ein Aufschub der nächst fälligen regulären Rate (ausgenommen die erste und letzte reguläre Rate) notwendig ist, das Recht haben, die
Zahlung einer solchen regulären Rate aufzuschieben ("aufgeschobene reguläre Rate").
Ein solches Aufschubrecht darf nicht mehr als viermal in Anspruch genommen werden. Gleichgültig, ob die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
irgendeine spätere reguläre Rate aufschiebt, wird in jedem Falle die aufgeschobene
reguläre Rate fällig und zahlbar am 1. Juli eines jeden Jahres beginnend an dem
1. Juli, der auf das Datum folgt, an dem die aufgeschobene reguläre Rate bezahlt
worden wäre, wenn die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
nicht von ihrem Recht auf Aufschub einer solchen regulären Rate Gebrauch gemacht
hätte, wobei die Schlußzahlung auf die aufgeschobene reguläre Rate am 1. Juli

-5-

�Juli 2001 zusammen mit den Zinsen für den nichtbezahlten Betrag der aufgeschobenen regulären Rate für die offene Zeit zu drei Prozent jährlich zu erfolgen
hat, und zwar zum gleichen Zeitpunkt, an dem die aufgeschobene reguläre Rate
fällig und zahlbar ist.
D.) Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken soll
das Recht haben, zu jeder Zeit die Gesamtsumme oder eine Teilsumme ihrer gesamten
Verpflichtungen im voraus zurückzuzahlen, mit der Einschränkung, daß keine solche Rückzahlung erfolgen darf zu einem Zeitpunkt, an dem eine Zahlung gemäß diesem Artikel 4 nicht an dem Datum geleistet worden ist, an dem sie fällig und
zahlbar war.

5. Beide Regierungen sind übereingekommen, daß sich Rieses Abkommen nur auf
Rechte, Ansprüche, Leistungen und Verpflichtungen der beiden Regierungen bezieht.
Ferner soll nichts in diesem Vertrag dahingehend ausgelegt werden, daß es
die Bestimmungen von Artikel III des oben angeführten Abkommens vom 11. Juni
1942 aufheben würde.

Gegeben in Washington in doppelter Ausfertigung am 18. Tag des Oktober 1972
in englischer und russischer Sprache; beide Fassungen sind in gleicher Weise
authentisch.
gez. William P. Rogers

gez. N. Patolitschew

Außenminister

Außenhandelsminister

für die Regierung der

für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken
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43/1972

NOBELPREISE 1972 FÜR MEDIZIN, CHEMIE UND PHYSIK
-US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrt-

--(AD)-- Entdeckungen, die z.T. schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen,
wurden 1972 mit der Verleihung der Nobelpreise für Medizin, Chemie und Physik
gewürdigt. Und wie schon so häufig sind auch in diesem Jahr die mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten gleichzeitig eine Leistung der chemischen Analyse, während die Arbeiten aus dem Gebiet der Chemie große Bedeutung
für den Fortschritt der Medizin haben. Sie dürften sich bereits in absehbarer
Zeit praktisch auswirken.
In den Nobelpreis für Medizin und Physiologie teilen sich der 43jährige
amerikanische Biochemiker Dr. Gerald Maurice Edelman (Rockefeller-Universität,
New York) und der 55jährige Engländer Dr. Rodney R. Porter (Universität Oxford).
Die Wissenschaftler vermochten biochemische Prozesse aufzuklären, die der Körper in Gang setzt, um Krankheitserreger abzuwehren und Gifte zu neutralisieren. Lange Zeit war es ein Rätsel, wie der menschliche Organismus Fremdeiweiß
oder Fremdgewebe überhaupt "erkennt" und in einer immunologischen Reaktion bekämpft. Er bildet dazu, wie man heute weiß, spezifische Eiweißkörper, die die

-l-

�die Eindringlinge bezw. Giftsubstanzen attackieren.
Bei Infektionen durch Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger ist
eine solche Reaktion sehr erwünscht, denn sie bildet einen wichtigen Schritt zur
Genesung. Ganz und gar nicht erwünscht ist sie dagegen bei Organtransplantationen,
da sie trotz Gegenmaßnahmen die Abstoßung des überpflanzten Organs bewirken
kann.
In vielen Fällen ist nur an Hand des Typs der sogenannten Antikörpers
bezw. Immunoglobuline im Blut herauszufinden, welche Ursache den Krankheitserscheinungen zugrundeliegt. Denn die Struktur der Eindringlinge - als solche
werden übrigens vom Organismus auch entartete körpereigene Zellen und Zellhaufen
(Tumore) behandelt - bestimmt den Typ der jeweiligen Antikörper. Diese geben dem
Menschen die Möglichkeit, mit Milliarden gefährlicher Viren und Bakterien zu leben.
Schon Ende der fünfziger Jahre vermochten Edelman und Porter den biochemischen Prozessen, mit denen der Körper Giftstoffe und Krankheitserreger abwehrt,
auf die Spur zu kommen.

Im Jahre 1969 gelang es dann Dr. Gerald M. Edelman

erstmals, auch die Struktur eines Antikörper-Moleküls in allen Einzelheiten aufzuklären. Es handelte sich um ein Immunoglobulin, das aus Blut und Urin eines
Krebspatienten extrahiert wurde.
Dieses Immunoglobulin mit dem Atomgewicht 150 000, das sich aus 1320 Aminosäuren aufbaut, ist eines der größten Eiweißmoleküle, dessen Struktur bisher erforscht wurde. Besonderes Interesse verdient die Anordnung der Aminosäure-Blöcke
in seinen vier Submolekülen aus zwei kurzen und zwei langen Ketten. Denn jede
der vier Ketten des Großmoleküls besitzt einen stabilen und einen veränderlichen
Teil. Und offenbar hat der variable Abschnitt die Funktion eines chemischen
"Wachhundes". Er bildet das Kernstück in dem

Mechanismus, Fremdzellen und Fremd-

moleküle, sogenannte Antigene, als nicht zu dem betreffenden Organismus gehörig

-2-

�gehörig zu erkennen, während der stabile Teil die Produktion von"Antikörpern"
in Gang setzt und für die Neutralisierung der fremden Moleküle sorgt. Normalerweise dauert dieser Vorgang nur so lange, wie der Reiz durch die Fremdmoleküle
besteht.
Aber es kommt auch vor, daß die Zellen nach Erlöschen des Reizes spezifische
Antikörper weiterproduzieren. Diese stören nach gewisser Zeit das physiologische
Gleichgewicht und können chronische Erkrankungen oder auch Allergien auslösen,
gegen die die Medizin noch weitgehend machtlos ist. Die Kenntnis des Mechanismus
der Antikörperbildung und der dabei beteiligten Faktoren schafft jedoch wichtige
Voraussetzungen dafür, sowohl unerwünschte Abwehrreaktionen als auch die sogenannten Autoimmunkrankheiten und die oft recht gefährlichen Allergien medikamentös zu bekämpfen.

+

Der Nobelpreis 1972 für Chemie ging an Dr. Christian B. Anfinsen (56), einen
Mitarbeiter der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA, sowie an
Dr. Stanford Moore (59) und Dr. William H. Stein (61), beide von der RockefellerUniversität in New York. Sie befaßten sich mit besonderen Problemen der Chemie
von "Schlüsselmolekülen des Lebens", nämlich von Ribonukleinsäure (RNS) und
Desoxyribonukleinsäure (DNS). Im besonderen untersuchten sie die Prozesse des
Aufbaus des Ferments Ribonuklease in der lebenden Zelle sowie dessen Struktur und
biologische Aktivität. Das Ferment ist

einer der Katalysatoren,der im Organismus

lebenswichtige Reaktionen auslöst und in Gang hält. Die durch.die Arbeiten derForscher

gewonnenen neuen Erkenntnisse lassen hoffen, daß eines Tages auch

Fehlsteuerungen in der Zellchemie, z.B. die Entartung von Zellen unter Bildung
von Krebszellen, beeinflußt werden können.

+
Zum

3-

�Zum zweiten Mal wurde Dr. John Bardeen (64) von der Universität Illionois
in Urbana mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Er teilt ihn dieses Mal
mit Dr. Leon N. Cooper (42) von der Brown-Universität in Providence (Rhode Island) und Dr. John R. Schrieffer (41) von der Universität Pennsylvanien in
Philadelphia. Die Wissenschaftler vermittelten neue Einsichten in die Natur der
Elektrizität,indem sie eine - nach den Anfangsbuchstaben ihrer Namen als BCSTheorie bezeichnete - wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen der Supraleitfähigkeit zu geben versuchten. Man versteht darunter das nahezu völlige
Verschwinden des elektrischen Widerstandes bei der Abkühlung elektrisch leitfähiger Materialien auf sehr tiefe Temperaturen, die nur wenige Grade über dem
absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius) liegen.
Das von dem

holländischen Physiker Heike Kammerlingh Onnes schon im Jahre

1911 entdeckte Phänomen bedeutet, daß unterhalb der sogenannten Sprungtemperatur
ein in einem Material einmal in Gang gesetzter Elektronenfluß bei der dafür notwendigen Tiefsttemperatur unaufhörlich weiterfließt,ohne daß noch elektrische
Spannung erforderlich wäre. Aber erst ein halbes Jahrhundert später gelang es
den jetzt mit dem Physik-Preis geehrten Wissenschaftlern, die physikalische
Ursache

für dieses Phänomen aufzuzeigen. Sie ist in der Zuordnung von Elektronen

zueinander im Kristall bei Tiefsttemperaturen und der •'Synchronisation" der
Schwingungen solcher Elektronenpaare mit den Kristallschwingungen begründet.
Für die Elektrotechnik, speziell die Erzeugung und den Transport von elektrischem Strom, gewinnt die Nutzbarmachung der Supraleitfähigkeit jetzt große
Bedeutung. Die Suche nach Materialien, deren Sprungtemperatur höher liegt als
die der "klassischen" supraleitfähigen Metalle, wurde in letzter Zeit ungemein
intensiviert. Denn jedes Grad Celsius, das zur Abkühlung auf die Sprungtemperatur eingespart werden kann, bedeutet eine wesentliche Minderung der Kosten des
Verfahrens.
++++

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43/1972

PILZKRANKHEIT BEI NADELBÄUMEN
Bakterien als Nährstofflieferanten der Schädlinge
--(AD)-- Etwa 2,83 Millionen Kubikmeter Nutzholz gehen allein in den amerikanischen Bundesstaaten Oregon und Washington jedes Jahr durch Pilzbefall verloren. Einer Wissenschaftlergruppe der Staatsuniversität Oregon ist es nunmehr
gelungen, aus dem abgestorbenen Gewebe von Fichtenbäumen eine bisher unbekannte
Art von Stickstoffbakterien zu isolieren, die wahrscheinlich eine Schlüsselrolle
bei dem Zerstörungsprozeß spielen.. Sie vermögen Luftstickstoff zu assimilieren
und wandeln ihn in eine Verbindung um, die wiederum für die Pilze, mit denen
sie in Symbiose leben, von großer Bedeutung ist, Nach Ansicht des Pflanzenphysiologen Dr. Harold J Evans (Universität Oregon) kommt es nun darauf an,
die Fähigkeit zur Stickstoffasämilation dieser Bakterienart zu unterbinden.
Dann nämlich hätte man ein Mittel in der Hand, die Pilzschädlinge auszuhungern
und auf diese Weise wirksam zu bei .'impfen
In der Zeitschrift "Journal of General Microbiology" (Ausgabe vom Oktober
1972) verweist Dr Evans darauf, daß der letzte Beweis für eine StickstoffZulieferung durch die Bakterien an den Pilz noch nicht erbracht sei. daß jedoch
ein solcher Prozeß mit Sicherheit angenommen werden könne. Denn der Pilz benötigt
dringend Stickstoff, riei aber im Holz nur in äußerst geringen Mengen zur Verfü-

-i„

�Verfügung steht. Deshalb bleibt kaum eine andere Schlußfolgerung als die übrig,
daß die Bakterien als Stickstofflieferanten fungieren.
Dr. Evans bemüht sich derzeit mit Kollegen um die experimentelle Aufklärung dieses Prozesses. Der Wissenschaftler befaßt sich seit langem mit der
Frage der Stickstoffbindung in der Natur und genießt in Fachkreisen hohes Ansehen. Gegenwärtig führt er im Auftrag der "National Science Foundation" entsprechende Untersuchungen durch. "Wir wissen bereits, welche Art von Verbindungen die Stickstoffbindung verhindern", erklärt er, "aber wir können noch nicht
sagen,ob diese Verbindungen auch geeignet wären, den Pilzbefall von Bäumen
zu unterbinden " Eine dieser Verbindungen ist beispielsweise Kohlenmonoxid.
Zu der Wissenschaftlergruppe gehören Mikrobiologen, Pflanzenpathologen,
Virusforscher und Agrarwissenschaftler

Über spezielle Fachfragen, unter anderem

die Klassifizierung von Bakterien und Vergleiche zwischen verschiedenen Bakterientypen sowie Untersuchungen zur Aufklärung von Stickstoffbindungsprozessen an
Getreide-und Baumwurzeln durch Bodenbakterien fanden sich die Forscher mehr zufällig als gezielt zu dem neuen Projekt zusammen.
Der Pilzbefall von Nadelbäumen, insbesondere von Fichten, ist bereits ein
wirtschaftliches

Problem geworden. Paul E Aho vom US-Forstdienst, der eben-

falls zu der Gruppe gehört, stellte beispielsweise bei Untersuchungen in den
Wäldern der "Blue Mountains" von Oregon fest, daß dort im Verlaufe von vier Jahren der Holzbestand um 35 Prozent vermindert worden ist. Die Holz-und Papierindustrie ist jedoch in zunehmendem Maße auf Fichten angewiesen, weil die bisher bevorzugten Holzarten wie Douglas-Fichten und Ponderosa-Kiefern immer selte ner werden.
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetunion und USA regeln alte Schulden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress beendete 92. Sitzungsperiode&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Handelsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Regelung der Pracht-Leih-Ansprüche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nobelpreis für Medizin, Chemie und Physik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pilzkrankheit bei Nadelbäumen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Baktieren als Nährstofflieferanten der Schädlinge -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

44

3 1 . Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden
-Erklärung des Weißen Hauses-

DOKUMENTATION:
Kissinger erläutert Stand der Verhandlungen mit Hanoi
-Wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei WienLokalisierung von Flugzeugwracks im Meer
Kosmische Gamma-Strahlung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1972

NIXON: WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG MUSS GERECHTER UND OFFENER WERDEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden bei den bevorstehenden Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform "kühne Maßnahmen" für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaftsordnung ergreifen. Dies betonte Präsident
Nixon in einer Erklärung des Weißen Hauses zum kürzlichen EWG-Gipfeltreffen
in Paris, die am 27. Oktober in Washington veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe mit großem Interesse das Kommunique gelesen, das von den Führern
der neun Länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft herausgegeben wurde
und in dem sie erneut ihre Verpflichtung zu einer verstärkten europäischen Einheit zum Ausdruck bringen. Auf diesem wichtigen Treffen haben die Mitglieder der
Gemeinschaft ihre Absicht bekundet, »vor Ablauf dieses Jahrzehnts die Gesamtheit ihrer Beziehungen in eine Europäische Union umzuwandeln.* Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Ziel mit allem Nachdruck. Es ist - und war immer meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa
den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

-1-

�Es ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten und
Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen
Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer progressiven Liberalisierung der tarifären und nichttarifären Handelsschranken auf einer umfassenden
Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr
beginnen sollen.
Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich unsere Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für eine Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten, und zwar in einer Weise, durch die eine
Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen. Die Erklärung der Gipfelkonferenz
vom 21. Oktober ist der Beweis, daß unsere europäischen Partner sich in gleicher
Weise dem Erfolg dieser Bemühungen verschrieben haben. In der Zwischenzeit rechnen wir von ihrer Seite mit kontinuierlicher Unterstützung bei der Förderung
eines Klimas der gegenseitigen Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens
sowie mit einer Demonstration, daß diese Bemühungen durch positive Maßnahmen zur
Lösung dringlicher und unmittelbarer Probleme von Erfolg gekrönt sein werden."

-2-

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44/1972

KISSINGER ERLÄUTERT STAND DER VERHANDLUNGEN MIT HANOI

•wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WASHINGTON --(AD)-- Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 26. Oktober
in Washington den Stand der Verhandlungen mit Nordvietnam erläutert. Dabei gab
er eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren:
Beide Teile Vietnams haben sich nunmehr geäußert, und es ist offensichtlich, daß ein Krieg, der zehn Jahre lang gedauert hat, jetzt zu Ende geht; das
ist eine traumatische Erfahrung für alle Beteiligten. Der Präsident meinte,
es könnte nützlich sein, daß ich Ihnen jetzt einen Bericht darüber gebe, was
wir getan haben, wo wir jetzt stehen und daß ich die verschiedenen Behauptungen und Beschuldigungen in die richtige Perspektive rücke.
Lassen Sie mich zunächst über die Situation sozusagen in drei Teilen berichten:
wo

1-

�wo wir verfahrensmäßig stehen, welches der wesentliche Inhalt der Verhandlungen ist und welches unser künftiger Kurs sein wird.
Ich glaube, daß der Friede in Reichweite ist. Wir sind der Auffassung, daß
ein Abkommen in Sicht ist - ein Abkommen, das sich auf den Vorschlag des Präsidenten vom 8. Mai sowie auf einige Anpassungen unseres Vorschlages vom 25. Januar stützt und das für alle Beteiligten gerecht ist. Es ist unvermeidlich, daß
es in einem Krieg von solcher Komplexität bei der Erreichung einer endgültigen
Lösung gelegentliche Schwierigkeiten gibt, aber wir glauben doch, daß bei weitem
der längste Teil dieses Weges zurückgelegt worden ist; was jetzt einem Abkommen
noch im Wege steht, sind Fragen, die relativ weniger wichtig sind als die Probleme, die bereits geregelt wurden.
Ich möchte zunächst auf die verfahrensmäßigen Punkte eingehen, auf die Argumente hinsichtlich bestimmter Daten für die Unterzeichnung des Abkommens. Wie
Sie wissen, haben wir nahezu vier Jahre lang auf geheimen Sitzungen mit den Nordvietnamesen verhandelt. Wir haben die Gespräche am 19. Juli dieses Jahres wieder aufgenommen. Bisher sind die Verhandlungen immer daran gescheitert, daß die
Nordvietnamesen darauf bestanden, daß erst eine politische Regelung erreicht
werden müsse, bevor über eine militärische Lösung verhandelt werden könne; sie
scheiterten ferner an der damit zusammenhängenden Forderung der Nordvietnamesen,
daß die politische Regelung Vorkehrungen enthalten müsse, die nach unserer Auffassung das politische Ergebnis von vorneherein entschieden hätten.
Wir haben in diesen vertraulichen Verhandlungen von Anfang an den Standpunkt vertreten, dau ein zügiger Fortschritt nur erreicht werden könne, wenn die
politischen und die militärischen Fragen getrennt würden; d.h., wenn die Nordvietnamesen und wir über Mittel und Wege für eine Beendigung des Krieges verhandelten, und wenn die politische Lösung des Krieges einer Erörterung der vietnamesischen Partner unter sich überlassen bleibe. Während vieler langer und

�und vertraulicher Sitzungen während des Sommers blieben diese Positionen im
wesentlichen unverändert

Wie Radio Hanoi heute richtig gemeldet hat, machten die

Nordvietnamesen am 8. Oktober zum erstenmal einen Vorschlag, der uns in die Lage
versetzte, die Verhandlungen zu beschleunigen. Ja, zum erstenmal unterbreiteten
sie einen Vorschlag, der es überhaupt möglich machte, konkret zu verhandeln

Die-

ser Vorschlag ist mit den Erklärungen aus Hanoi korrekt wiedergegeben worden;
d.h. er sieht vor, daß die Vereinigten Staaten und Hanoi sich zunächst einmal
darauf konzentrieren, die militärischen Aspekte des Krieges zu einem Ende zu
bringen, daß sie sich über einige sehr allgemeine Grundsätze einigen, innerhalb
derer die südvietnamesischen Partner dann über die politische Entwicklung

in

Südvietnam entscheiden könnten, was genau der Position entsprach, die wir immer
vertreten haben. Sie ließen ihre Forderungen nach einer Koalitionsregierung fallen, die alle vorhandenen Kräfte absorbieren würde. Sie ließen ihre Forderung
nach einem Veto in bezug auf die führenden Persönlichkeiten und die Struktur der
gegenwärtigen Regierung fallen.
Sie stimmten auch zum erstenmal einer Formel zu, die eine gleichzeitige Erörterung von Laos und Kambodscha gestattete. Kurz gesagt, wir hatten zum erstenmal den Rahmen,innerhalb dessen wir konkret und genau unsere Standpunkte sowie
das, was jede Seite zu geben bereit war, prüfen konnten, statt allgemeine Behaup
tungen aufzustellen und einen Fortschritt daran zu messen, ob bestimmte Klauseln
besonderer Sätze in Winzigkeiten geändert worden seien
Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, daß von diesem
Zeitpunkt an die nordvietnamesischen Unterhändler guten Willen und großen Ernst
zeigten. Dasselbe gilt für uns. Wir haben an der allgemeinen Darstellung der Ereignisse, die von Radio Hanoi gegeben wurde, nichts auszusetzen.

Es

�Es zeigte sich jedoch der erste Anfang eines spezifischen Mißverständnisses. Die nordvietnamesischen Unterhändler machten ihren Vorschlag von der Lösung
des Problems bis zum 31. Oktober abhängig, und sie bestanden beharrlich darauf,
daß wir gewisse Verpflichtungen dahingehend eingehen sollten, daß wir bis zum
31. Oktober den Krieg beilegen und die Verhandlungen abschließen müßten.
Ich möchte hier unterstreichen, daß diese Daten keine Daten waren, die wir
erfunden oder vorgeschlagen haben. Ich möchte ferner unterstreichen, daß meine
Anweisungen seitens des Präsidenten genau diejenigen waren, die er auf einer
Pressekonferenz dargelegt hatte; d.h., daß wir eine Regelung erreichen sollten, die gerecht und unabhängig ist von irgendwelchen willkürlichen Terminen,die
von innenpolitischen Vorgängen bestimmt würden. Um eine abstrakte Erörterung von
endgültigen Terminen zu vermeiden, die zu jenem Zeitpunkt noch überaus theoretisch erschienen, stimmten wir jedoch zu, daß wir eine wesentliche Anstrengung
machen würden, um die Verhandlungen bis zum 31. Oktober abzuschließen; und es
ist richtig, daß wir von Zeit zu Zeit Terminabläufe nannten, durch die dies
vielleicht erreicht werden könnte. Es war jedoch immer klar - zumindest für
uns, und wir dachten, wir hätten dies auch in den Verhandlungsprotokollen klar
gemacht - daß wir ganz offensichtlich kein Abkommen unterzeichnen könnten, bei
dem noch Einzelheiten auszuarbeiten blieben, nur weil wir guten Glaubens erklärt hatten, wir würden uns darum bemühen, dieses Abkommen zu einem bestimmten
Datum abzuschließen.
Es war immer klar, daß wir alles, was ausgehandelt wurde, zunächst in
Washington und dann in Saigon erörtern müßten. Es ist viel darüber geredet worden, ob Saigon ein Veto hinsichtlich unserer Verhandlungen habe, und ich möchte
unseren Standpunkt hierzu darlegen:
Ohne

�•4

Ohne Frage hat die Bevölkerung Südvietnams, die so sehr gelitten hat,
sowie die Regierung Südvietnams, mit der wir verbündet sind, die beide in jenem
Lande verbleiben, nachdem wir abgezogen sind, jedes Recht, sich an der Gestaltung
ihres eigenen Friedens zu beteiligen. Sie haben jedes Recht darauf, daß ihre Ansichten gehört und überaus ernst genommen werden.
Wir behalten uns selbstverständlich unsere eigene Urteilsfreiheit vor und
wir treffen unsere eigenen Entscheidungen darüber, wie lange nach unserer Auffassung ein Krieg fortgesetzt werden sollte. Aber eine Quelle des Mißverständnisses
bestand darin, daß Hanoi der Ansicht zu sein schien, daß wir Saigon irgendeine
Lösung einfach aufzwingen könnten und daß die Beteiligung Saigons nicht erforderlich sei. Ich möchte jedoch auch klar machen, daß die noch zu regelnden Punkte
aus einer ganzen Reihe von Quellen herrühren, und ich werde mich ausführlich mit
ihnen befassen. Saigon, und dies ist allgemein bekannt, hat seine Ansichten mit
dem üblichen Ungestüm sowie öffentlich als auch vertraulich zum Ausdruck gebracht.
Wir stimmten mit einigen dieser Ansichten überein, wir stimmten jedoch nicht
allen diesen Auffassungen zu und wir machten klar, welche wir akzeptierten und
mit welchen wir uns nicht identifizieren können.
Darüberhinaus haben meine Mitarbeiter und ich, während wir in Saigon waren,
auch andere Länder Südostasiens besucht, und wir hatten ausführliche Gespräche mit
amerikanischen Regierungsvertretern. Es hatte hierbei den Anschein, daß es bestimmte Besorgnisse und bestimmte Unklarheiten in dem Abkommensentwurf gab, die nach
unserer Auffassung einer Modifizierung und Verbesserung bedurften. Ich möchte jedoch noch einmal betonen, daß

das, was noch getan werden muß, nur einen Bruchteil

dessen ausmacht, was bereits erreicht worden ist, und wenn jetzt Behauptungen und
Gegenbehauptungen aufgestellt werden, dann müssen wir uns vor Augen halten, daß
wir nach dem bisher Erreichten an dem, was noch geregelt werden muß, nicht scheitern können und nicht scheitern werden.
Lassen

-5-

�Lassen Sie mich nun zunächst kurz die Hauptbestimmungen des Abkommens,
wie wir sie verstehen, umreißen, damit ich dann erläutern kann, was nach unserer
Auffassung noch getan werden muß. Wir sind übrigens der Meinung, daß das, was
noch geregelt werden muß, in einer einzigen weiteren Sitzung mit den nordvietnamesischen Unterhändlern erreicht werden kann, die, so möchte ich meinen, nicht
länger als drei oder vier Tage dauern dürfte, so daß hier nicht die Rede von
einer sehr langen Verzögerung ist.
Lassen Sie mich jetzt noch, bevor ich die noch verbleibenden Fragen behandle, auf jene Punkte eingehen, die in dem Entwurf für ein Abkommen enthalten
sind, und die im großen und ganzen in der Rundfunksendung aus Hanoi sehr fair
wiedergegeben wurden. Ich beziehe micht jetzt nicht auf die beiden letzten rhetorischen Seiten, sondern ich beziehe mich auf die Darstellung des Abkommens.
Die hauptsächlichen Bestimmungen waren und sind, daß eine Waffenruhe in Südvietnam von einem Zeitpunkt an eingehalten wird, über den man sich beiderseits
geeinigt hat - es würde eine Waffenruhe an Ort und Stelle sein; daß die amerikanischen Streitkräfte innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens
abgezogen würden; daß es ein totales Verbot hinsieht der Verstärkung der Truppen
geben würde, d.h., daß eine Infiltration nach Südvietnam, von welchem Gebiet und
von welchem Land aus auch immer, verboten sein würde; die vorhandene militärische Ausrüstung innerhalb Südvietnams könnte - unter internationaler Überwachung auf der Basis Stück gegen Stück durch Waffen ersetzt werden, die die gleichen
Eigenschaften oder eine ähnliche Beschaffenheit haben.
Das Abkommen sieht vor, daß alle gefangengenommenen Soldaten und ausländische Zivilpersonen während des gleichen

Zeitraums, in dem sich der Abzug voll-

zieht, repatriiert werden, d.h. alle amerikanischen Gefangenen, Soldaten wie
Zivilisten, werden innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Abkommens zurückkehren.
Nordvietnam

-6-

�Nordvietnam hat sich verpflichtet, über alle unsere Gefangenen und im Einsatz Vermißten in ganz Indochina Auskunft zu erteilen und alle amerikanischen Gefangenen in ganz Indochina zu repatriieren.
Es gibt da ferner eine besondere Bestimmung, wonach die Zukunft der südvietnamesischen Zivilpersonen, die in Südvietnam festgehalten werden, durch Verhandlungen zwischen den südvietnamesischen Beteiligten bestimmt werden soll, so daß
die Rückkehr unserer Gefangenen nicht von den Vorkehrungen hinsichtlich der vietnamesischen Gefangenen in vietnamesischen Gefängnissen beider am Konflikt beteiligter Seiten abhängt. Was die politischen Bestimmungen angeht, so gibt es da eine
Bestätigung der allgemeinen Grundsätze, die garantieren, daß das südvietnamesische
Volk ein Recht auf Selbstbestimmung hat und daß es über seine politische Zukunft
im Rahmen freier und demokratischer Wahlen unter internationaler Überwachung bestimmt ,
Wie Radio Hanoi ausführte, würden die bestehenden Behörden in bezug auf die
Innen-und Außenpolitik im Amt bleiben. Die beiden Beteiligten in Vietnam würden
über den Zeitpunkt von Wahlen, über die Art der Wahlen sowie über jene Ämter verhandeln, um die es bei diesen Wahlen gehen soll.
Es würde eine als Nationalrat der Versöhnung und Eintracht bezeichnete Einrichtung geschaffen werden, dessen generelle Aufgabe darin bestehen würde, für die
Aufrechterhaltung der Waffenruhe einzutreten und die Wahlen zu überwachen, auf
die sich die Parteien einigen könnten. Dieser Rat würde auf der Basis der Ernennung gebildet werden und würde auf der Grundlage der Einstimmigkeit arbeiten.
Wir betrachten ihn als die Institutionalisierung der Wahlkommission, die wir am
25. Januar in unserem Plan vorgeschlagen haben.
Es

-7-

�Es gibt da Bestimmungen, daß die Disposition vietnamesischer Streitkräfte
im Süden ebenfalls durch Verhandlungen unter den südvietnamesischen Partnern geregelt werden soll.
Es gibt da Bestimmungen, daß die Vereinigung Vietnams ebenfalls auf dem
Verhandlungswege unter den Beteiligten erreicht werden soll, und zwar ohne militärischen Druck, ohne Einmischung von außen, ohne Zwang und ohne Annexion.
Es gibt da ferner ein sehr langes und kompliziertes Kapitel über internationale Überwachung, das sicherlich Studenten höherer Semester noch viele Jahre
beschäftigen wird, und das, soweit ich das übersehe, nur mein Kollege, Botschafter Sullivan, ganz versteht.
Kurz gesagt, es sieht gemeinsame Kommissionen der Beteiligten, je nachdem
mit zwei Parteien oder vier Parteien, für jene Teile des Abkommens vor, die jeweils auf zwei Parteien oder auf vier Parteien anwendbar sind. Es sieht eine internationale Überwachungskommission vor, an die Streitfragen der aus Parteien zusammengesetzten Kommissionen verwiesen würden; die jedoch auch das Recht haben
würde, unabhängige Untersuchungen vorzunehmen, sowie eine internationale Konferenz, die innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens zusammentreten soll, um die Garantien auszuarbeiten und die Beziehungen

der verschiedenen

Parteien untereinander im einzelnen herzustellen.
Da gibt es schließlich ein Kapitel über Kambodscha und Laos, in dem die an
dem Abkommen Beteiligten übereinkommen, die Unabhängigkeit und Souveränität von
Kambodscha und Laos zu respektieren und anzuerkennen, in dem sie übereinkommen,
davon Abstand zu nehmen, das Territorium von Kambodscha und das Territorium von
Laos dazu zu benutzen, die Souveränität und Sicherheit anderer Staaten zu gefährden.
Es

-8-

�Es gibt da ein Übereinkommen, daß ausländische Mächte ihre Streitkräfte aus
Kambodscha und Laos abziehen werden, und es gibt da ein besonderes Kapitel über
die künftigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam, in dem beide Seiten ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß
dieses Abkommen eine neue Periode der Versöhnung zwischen beiden Ländern einleiten wird, und in dem die Vereinigten Staaten ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, daß es in der Nachkriegsperiode zum Wiederaufbau von Indochina beitragen
wird und daß beide Länder ihre Beziehungen auf der Grundlage der gegenseitigen
Achtung und Nichteinmischung in die Angelegenheiten des anderen aufbauen werden,
und daß sie aus einem Zustand der Feindseligkeit heraus in einen normalen Zustand
eintreten werden.
Meine Damen und Herren, angesichts des Standes, den wir erreicht haben, ist
es klar ersichtlich, daß die meisten der schwierigsten Probleme überwunden sind.
Wenn Sie einmal von dem ausgehen, was viele von Ihnen noch vor Monaten für möglich gehalten hätten, und es mit dem vergleichen, wo wir heute sind, dann müssen
wir sagen, daß beide Seiten an dieses Problem mit einem Blick auf die weite Zukunft herangegangen sind - mit der Einstellung, daß wir nicht lediglich einen
Waffenstillstand haben wollen, sondern Frieden - und es ist diese Einstellung, die
trotz des gelegentlichen Auf und Ab, das bei einem Problem solcher Komplexität
unvermeidlich ist, unser Handeln bestimmen wird.
Was verhindert denn nun aber den Abschluß des Abkommens? Warum haben wir
um eine weitere Zusammenkunft mit den Nordvietnamesen ersucht, um den endgültigen
Text auszuarbeiten? Der Hauptgrund ist der, daß bei Verhandlungen, die fünf Jahre
lang auf der Stelle traten und bei denen bis zum 8. Oktober faktisch kein Durchbruch erzielt werden konnte, viele der Grundprinzipien vor diesem Durchbruch klar
verstanden wurden, dann aber bei einem genaueren Eingehen auf den Text viele der
Nuancen, von denen die Verwirklichung letztlich abhängen wird, mehr und mehr zu
Tage traten.
Es

-9-

�Es lag auf der Hand und es war nur natürlich, daß sich bei unseren Gesprächen über den abstrakten Wunsch nach einer Waffenruhe weder die eine noch die
andere Seite so präzise ausdrückte, wie später notwendig wurde, als wir über
Zeitpunkt und Ablauf einer Waffenruhe in einem Lande sprachen, in dem es keine
klare Frontlinie gab. Und auch als wir unsererseits das Beharren der Nordvietnamesen auf einem beschleunigten Zeitplan akzeptierten, bedeutete das, daß der
Text niemals konform gestaltet werden konnte, daß also die englischen und
vietnamesischen Texte hintereinander herhinkten, und daß außerdem Unklarheiten
bei der Formulierung entstanden, deren Klärung eine weitere Zusammenkunft erforderlich machen.
Ich darf Ihnen dafür ein paar Beispiele geben und ich glaube, Sie werden
verstehen, daß wir hier über ein ganz anderes Problem sprechen als das, was uns
in den vielen Konferenzen beschäftigte, die ich mit Ihnen, meine Damen und
Herren, über das Problem des Friedens in Vietnam gehabt habe - Konferenzen,
die die abstrakten Theorien betrafen, welcher Weg zum Erfolg führen könnte.
Wir sprechen hier über sechs oder sieben sehr konkrete Fragen, die mit
einem ähnlichen guten Willen, wie er bereits gezeigt wurde, leicht gelöst werden
können. So ist es beispielsweise für uns klar geworden, daß eine große Versuchung
bestehen wird, mit einer Waffenruhe eine letzte Anstrengung einhergehen zu lassen, um soviel Territorium wie nur möglich in Besitz zu nehmen und die Operationen vielleicht lange genug auszudehnen, um die politische Kontrolle über ein
bestimmtes Gebiet zu erlangen.
Wir möchten die Gefahren des weiteren Verlustes von Menschenleben vermeiden, vielleicht in einigen Gebieten sogar die eines Massakers, das damit gegeben sein könnte, und daher wünschen wir über Methoden zu sprechen, durch die
ein internationales Überwachungsgremium gleichzeitig mit der Verkündigung der
Waffenruhe seinen Platz einnehmen kann.
Unser

-10-

�Unser Außenminister hat bereits vorbereitende Gespräche mit einigen der
Länder geführt, die gebeten werden sollen, diesem internationalen Gremium beizutreten - um dadurch diesen Prozeß zu beschleunigen.
Zweitens, wegen der unterschiedlichen politischen Umstände in jedem der
indochinesischen Länder ist der Zusammenhang zwischen den dortigen militärischen Operationen und dem Ende des Krieges in Vietnam oder der dortigen Waffenruhe zu dem Ende des Krieges in Vietnam ziemlich komplizierter Art, und wir
möchten in konkreterer Weise erörtern, wie man dies zeitlich so stark wie möglich zusammendrängen kann.
Es bestehen ferner gewisse Unklarheiten, die sich aus einem Interview ergeben, das der nordvietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong einer Wochenzeitschrift gegeben hat, in dem er hinsichtlich eines oder zweier Punkte in
einem Irrtum über das, was der Inhalt des Abkommens

ist, befangen zu sein

schien - jedenfalls würden wir das gern klargestellt sehen.
Es gibt auch rein sprachliche Probleme. So bezeichnen wir beispielsweise
den Nationalrat für Versöhnung als ein administratives Gebilde, um klarzumachen,
daß wir in ihm nichts mit einer Koalitionsregierung Vergleichbares sehen. Wir
möchten sicherstellen, daß der vietnamesische Text die gleiche Bedeutung vermittelt .
Ich muß hinzufügen, daß der Ausdruck administratives Gebilde uns von den
Vietnamesen selbst durch die englischen Worte "administrative structure11 vorgeschlagen wurde, so daß es sich hier nicht etwa um ein Manöver von unserer
Seite aus handelt.
Da

-11-

�Da gibt es ferner einige technische Probleme hinsichtlich der Frage, auf
welche Klauseln der Genfer Abkommen man sich in bestimmten Abschnitten des
D&lt; uiments beziehen solle und es gibt außerdem das Problem, das bisher nicht
gelöst wurde, daß nämlich die Nordvietnamesen - wie sie in ihrer Rundfunksendung
betonten - vorgeschlagen haben, daß das Abkommen von den Vereinigten Staaten und
Nordvietnam unterzeichnet werden soll - wir für Saigon; sie für ihre Verbündeten in Südvietnam.
Wir haben stets die Auffassung vertreten, daß es unseren Verbündeten überlassen bleiben sollte, ob sie ein Zwei-Mächte-Dokument wünschten oder ob sie
selbst das Dokument unterzeichnen wollten, das Frieden in ihrem Lande schafft.
Nun ziehen sie es vor, an der Unterzeichnung des Friedens beteiligt zu sein und
es erscheint uns auch als ein durchaus vernünftiger Vorschlag, daß ein Land,
auf dessen Territorium ein Krieg geführt worden ist und dessen Bevölkerung so
schwer gelitten und Opfer gebracht hat, das Recht haben sollte, seinen eigenen
Friedensvertrag zu unterzeichnen.
Das wiederum scheint uns keine unüberwindliche Schwierigkeit darzustellen,
aber die Annahme dieses Vorschlages wird eine Neufassung bestimmter Abschnitte
des Dokumentes erforderlich machen, und das wiederum ist eine Aufgabe, für die
mehrere Stunden Arbeit notwendig sind.
Wir haben die Nordvietnamesen gebeten, mit uns zu einem Zeitpunkt ihrer
Wahl zusammenzukommen. Wir haben - wie schon berichtet - unsere Bombardierungen
eingeschränkt und zwar faktisch auf das eigentliche Kampfgebiet, um damit unseren guten Willen zu zeigen und erkennen zu lassen, daß wir uns im Rahmen der bestehenden Übereinkunft halten.
Wir bleiben auch weiterhin davon überzeugt, daß die von mir erwähnten Fragen in einem sehr kurzen Zeitraum gelöst werden können. Wir haben zugesagt, und

-12-

�und ich wiederhole dies hier in aller Öffentlichkeit, sie auf einem einzigen
weiteren Zusammentreffen zu regeln und dieses Zusammentreffen so lange auszudehnen wie es notwendig ist, um das Abkommen zu einem Abschluß zu bringen.
Das ist also die Situation, in der wir uns im Hinblick auf Hanoi befinden.
Wir verstehen Hanois Enttäuschung, daß ein Zeitplan, für dessen Verwirklichung
es so ernsthafte Anstrengungen gemacht hat, aus Gründen, die außerhalb der Kontrolle irgendeines Beteiligten liegen, nicht eingehalten werden konnte; sie
(die Nordvietnamesen) wissen jedoch oder sie sollten es wissen, und gan* bestimmt müssen sie es jetzt wissen, daß der Friede innerhalb von Wochen oder
noch weniger in Reichweite ist, was davon abhängt, wann das Treffen stattfindet. Und sie wissen auch, daß wir, wenn der Friede einmal erreicht worden ist,
von der Gegnerschaft zu einer normalen Situation gelangen werden und von dort
zur Zusammenarbeit, und zwar mit dem gleichen Ernst, mit dem wir unsere bisherigen weniger glücklichen Beziehungen zu ihnen geführt haben.
Was nun Saigon anbetrifft, so ist es natürlich berechtigt, an der Beendigung
eines Krieges mitzuwirken, der auf seinem Territorium geführt worden ist. Das
südvietnamesische Volk hat vieles erleiden müssen, und die Südvietnamesen werden
dort bleiben, wenn wir das Land verlassen haben. Die südvietnamesischen Ansichten
verdienen großen Respekt. Um die Verhandlungen zu beschleunigen, legten wir ihnen
Ergebnisse vor, über die man in den vier Tagen, die ich in Saigon verbrachte,
offenbar nicht hundertprozentig klarkommen konnte. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß unsere Konsultationen mit Saigon innerhalb des zeitlichen Rahmens, der,
wie ich angedeutet habe, zum Abschluß des Abkommens mit Hanoi erforderlich ist,
zu einer Einigung führen werden, und daß die Verhandlungen nach dem Plan fortgesetzt werden können, den ich dem amerikanischen Volke dargelegt habe.
Wir

-13-

�Wir haben hier sehr oft über die Friedensverhandlungen gesprochen und wir
waren uns der Spaltung und der Sorgen sehr wohl bewußt, die der Krieg in diesem
Lande verursacht hat. Ein Grund, warum der Präsident so bestrebt war, den Krieg
durch Verhandlungen zu beenden, und zwar in einer Weise, die sich mit unseren
Grundsätzen in Übereinstimmung befindet, ist die Hoffnung, daß der Friedensschluß die Einheit wiederherstellen kann, die zuweilen zu bestimmten Zeiten während dieses Krieges verlorengegangen war, so daß das Abkommen heilend wirken
könne statt neue Spaltung zu verursachen. Das bleibt auch weiterhin unsere
Politik.
Wir werden uns nicht in ein Abkommen hineintreiben lassen, bevor die Bestimmungen in Ordnung sind. Wir werden einem Abkommen nicht ausweichen, wenn seine
Bestimmungen in Ordnung sind. Mit dieser Haltung und mit etwas Zusammenarbeit
seitens der anderen Seite glauben wir, daß wir schon sehr bald sowohl den Frieden als auch die Einigkeit in Amerika wiederherstellen können,"

+++

-14-

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INTERNATIONALE "DENKFABRIK" ZUR LÖSUNG SOZIALER PROBLEME
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien-

--(AD)-- Wissenschaftliche Organisationen und Akademien aus zunächst 12 Ländern der westlichen und östlichen Welt haben sich zu einer internationalen
Institution zusammengeschlossen, die sich mit der Lösung weltweiter sozialer
Fragen befassen will. Dabei wird man vor allem auf Methoden der Systemanalyse
zurückgreifen, die beispielsweise die Inangriffnahme und Durchführung technischer Großprojekte wie die Landung von Menschen auf dem Mond ermöglicht
haben. Sitz des "Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse" wird
Schloß Laxenburg bei Wien sein, das die österreichische Bundesregierung gegenwärtig für den neuen Bestimmungszweck renovieren läßt. Der Gründungsvertrag für das Institut wurde Anfang Oktober 1972 in London unterzeichnet.
Die Anregung zu dem neuen internationalen Projekt, das vor allem die
komplexen Folgeprobleme der Industrialisierung in Angriff nehmen wird, gab
schon im Jahre 1966 McGeorge Bundy in seiner damaligen Eigenschaft als Berater von Präsident Lyndon B. Johnson. Bundy wurde kurz darauf mit dem Amt
des Präsidenten der Ford-Stiftung betraut, das er noch heute innehat.

Bundys

-1-

�Bundys damalige Verhandlungen mit Vertretern der UdSSR führten zu einem
ständig weiter intensivierten Gedankenaustausch zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigten Staaten unter der Leitung von
Philip Handler und Repräsentanten der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion. Später wurden auch führende Wissenschaftler anderer Länder in Ost und
West hinzugezogen. Wie Dr. Handler, der Präsident der US-Akademie der Wissenschaften, kürzlich erklärte, wird das jetzt ins Leben gerufene Gemeinschaftsunternehmen "einzigartige Möglichkeiten und Hilfsmittel für Wissenschaftler
vieler Nationen schaffen. Sie können relativ frei von Rücksichten auf nationale Belange direkt miteinander zusammenarbeiten, um einige der schwierigsten
Weltprobleme zu untersuchen, sie zu verstehen und nach Lösungen zu suchen."
Die wichtigsten "Instrumente" zur Bewältigung dieser Aufgabe werden Methoden
der Systemanalyse, des modernen Management und der Computertechnik sein. Nach
Meinung Handlers ist gerade dieses Institut geeignet, Brücken zwischen den
Geisteswelten der Länder von Ost und West zu bauen.
Sein künftiger Direktor, der Wirtschaftsstatistiker und Mathematiker
Prof

Howard Raiffa von der Harvard-Universität in Cambridge (Mass.),wird nach

Wien übersiedeln und dort einen Mitarbeiterstab von zunächst 80, später etwa
100 Wissenschaftlern aus den Mitgliedsländern haben.
Die in Angriff zu nehmenden Projekte konzentrieren sich auf die verschiedensten Aspekte von Umweltverschmutzung, des Wasserhaushaltes der Erde angesichts des rapide zunehmenden Wasserverbrauchs sowie der Verunreinigung und Aufheizung natürlicher Wasserläufe, ferner auf Systeme der optimalen Gesundheitsfürsorge für große Bevölkerungsgruppen, auf Dienstleistungsaufgaben der Großstädte und auf Bauvorhaben größten Stils. Wie Prof. Raiffa erklärte, dürften zunächst Energiefragen im Vordergrund stehen - Versorgung, Bedarf, Erschließung
zusätzlicher Energiequellen, neuartige Technologien der Energieproduktion und

~2-

�und schließlich auch der Gefahren von Produktion und Verbrauch von Energie.
Um jedoch brauchbare Lösungen zu finden, sind nicht nur physikalisch-technische und wirtschaftliche, sondern ebenso gesellschaftliche und menschliche
Faktoren zu berücksichtigen und in das "System" zu integrieren.
Das internationale Institut, in dem die Wissenschaftler aller beteiligten
Länder gleichberechtigt sind, wird sich nur mit friedlichen Forschungsaufgaben
befassen. Von dem erforderlichen Jahresetat von ca. 3,5 Millionen Dollar übernehmen in den ersten Jahren die USA und die Sowjetunion je eine Million Dollar,
in den Rest teilen sich die Vertragsorganisationen der übrigen Länder - in
der Bundesrepublik die Max-Planck-Gesellschaft, in der DDR die Deutsche Akademie der Wissenschaften, ferner Wissenschaftsorganisationen in Frankreich,
England, Italien, Kanada, Japan, Polen, Bulgaren und der Tschechoslowakei.

-3-

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44/1972

LOKALISIERUNG VON FLUGZEUGWRACKS IM MEER

--(AD)-- Die Klärung der Unfallursache nach dem Absturz eines Flugzeuges
ist für die zuständigen zivilen oder militärischen Behörden eine der
kritischsten Aufgaben. In den meisten Katastrophenfällen ist sie, auch wenn
auf die Aussagen von Überlebenden zurückgegriffen werden kann, nur dann
zu erfüllen, wenn der Flugschreiber geborgen wird. Dies aber ist beim Absturz über dem Meer oder einem großen Binnensee oft schon deshalb fraglich, weil die Absturzstelle nicht genau zu lokalisieren ist. Ohne besondere Suchhilfen besteht dann kaum Aussicht, das Wrack unter Wasser zu
entdecken.
Ein Ultraschall- Gerät der amerikanischen Firma Dukane Corporation
(St. Charles, Illinois) hat sich in solchen Fällen außerordentlich bewährt.
Wie Gloria W. Heath, Direktorin von SAR-Assist, Inc. (Greenwich,Connecticut)
- ein Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Rettungsverfahren für
Luft-und Raumfahrzeuge befaßt - kürzlich in Wien erklärte, seien z.B. sämtliche Flugzeuge der NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) sowie zahlreiche
Flugzeuge der US-Marine und vor allem Versuchsmaschinen damit ausgerüstet.

Dank

-l-

�Dank eines solchen Ultraschallsenders an Bord eines Jagdflugzeuges vom
Typ F 14-A war es möglich,die in der Chesapeake-Bucht (Bundesstaat Maryland) abgestürzte Maschine innerhalb von fünf Stunden zu finden. Sie lag in 10 m Wassertiefe. Jedoch war das Wasser, gepeitscht von einem Hurrikan, so trübe, daß die
Sicht gleich Null war. Ein vom nahegelegenen Marine-Testzentrum ausgeschicktes
Suchboot nahm das Peilsignal auf; ein mit einem Empfangsgerät ausgerüsteter
Froschmann vermochte dann innerhalb von Minuten das Wrack zu finden.
Das batteriebetriebene PcLI gerät wird mit dem Augenblick der Wasserberührung aktiviert. Es ist mit einem entsprechenden Empfangsgerät selbst noch bei
6 000 m Wassertiefe auszumachen; je nach den Wasserverhältnissen und der Betriebsdauer ist das Signal in einem umkreis von knapp 2000 bis 4000 m aufzuspüren. Die aktive Lebensdauer wird von Dukane mit 3o Tagen angegeben. Die Betriebsfrequenz liegt bei 37,5 kHz. Das Gewicht des Signalgerätes beträgt ca. 34o g.
Es wurde auch bei Testflugkörpern verwendet,die mit sehr hoher Geschwindigkeit
auf das Wasser aufschlugen. Das Gerät blieb unversehrt und signalisierte den
Lageort, so daß die Bergung in mehr als 95 Prozent der Fälle möglich war.

f+4-i

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44/1972

KOSMISCHE GAMMA-STRAHLUNG

--(AD)-- Die "Kartierung" von Quellen kosmischer Gammastrahlung innerhalb
und außerhalb unserer Milchstraße ist die Aufgabe eines neuen wissenschaftlichen Satelliten, den die NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) mit einer
SCOUT-Rakete von der italienischen San-Marco-Plattform aus Anfang November
1972 zu starten beabsichtigt

Der Abschußplatz befindet sich auf einer stäh-

lernen Insel, ca. 5 km vor der Küste des Staates Kenia im Indischen Ozean.
Er erlaubt die Einsteuerung des Satelliten in qine fast auf Äquatorebene
liegende Umlaufbahn. Bei der vorgesehenen Umlawfhöhe von 555 km ist dies
deshalb von großer Bedeutung, weil dadurch der Durchgang durch ein die
Messungen störendes Feld hoher Elektronendichte

über dem Südatlantik, das

auf eine Anomalie im erdmagnetischen Feld zurückzuführen ist, vermieden
wird.
Der 186 kg schwere Satellit SAS-B (nach erfolgreichem Start wird er die
Bezeichnung EXPLORER 48 führen) ist mit einem Funkenkammer-Detektor ausgerüstet, der über ein Filter von 32 Einzelschüiten auf Gammastrahlung in den

-l-

�'

den Energiebereichen zwischen 25 und 200 Millionen Elektronenvolt anspricht und
außerdem noch die Bestimmung der Richtung, aus der die Strahlen kommen, auf ein
Grad genau erlaubt. Die Lokalisierung der Strahlungsquellen ist somit mit großer
Präzision möglich.
Die Gammastrahlen-Astronomie hat vor allem auf Grund der Ergebnisse, die
mit EXPLORER 42 (auch UHURU genannt) erzielt wurden, große Bedeutung erlangt.
Allein durch diesen Satelliten wurden 125 Quellen von Röntgenstrahlung entdeckt, bei denen es sich z.T. um Binär-Sternsysteme, um die noch rätselhaften
Quasare, um

sogenannte Seyfert-Galaxien und um einen neuartigen Typ von Pulsaren

handelt. Dr. Carl Fichtel vom Goddard-Raumflugzentrum in Greenbelt (Maryland)
nennt dieses neue Gebiet der astronomischen Forschung "einen riesigen Schritt
vorwärts, weil nicht nur wichtige, sondern auch unerwartete Phänomene zu erfassen sind, die direkten Bezug zu den

Hochenergie-Prozessen haben, welche bei

der Evolution der Sterne und Galaxien eine Rolle spielen."
Die kosmische Gammastrahlung - übrigens sendet auch die Sonne Gammastrahlung aus, wie der amerikanische Forschungssatellit OSO 7 im Zusammenhang mit
den heftigen Eruptionen am 4. und 7. August 1972 feststellte - dringt nicht
bis zur Erdoberfläche vor. Aber in ca. 36 000 m Höhe, also im Operationsbereich
von Forschungsballonen, ist sie bereits zu registrieren. Jedoch werden dort die
Beobachtungen durch die Reaktionen kosmischer Partikelstrahlung mit den Luftmolekülen gestört. Deshalb sind Satellitenbeobachtungen außerhalb der Erdatmosphäre
auf jeden Fall vorzuziehen. Von SAS-B erhoffen sich die Wissenschaftler besonders
aufschlußreiche Ergebnisse, weil das dabei verwendete Gamma-Teleskop zehnmal
empfindlicher ist als alle ähnlichen,bisher in Raumfluggeräten verwendeten Instrumente.
Vor

-2-

�Vor allem die wichtigen Prozesse des Transports und der Umwandlung von Energie im Kosmos dürften durch diese Art von Beobachtungen besser verstanden werden.
So erwartet man beispielsweise neue Erkenntnisse über Supernovae - explodierende
Sterne, die in ihrer Masse etwa der Masse unserer Sonne vergleichbar sind. Auch
zur Dynamik des Kräftespiels innerhalb unseres Milchstraßensystems, wo dem Expansionsdruck von kosmischer Strahlung, Magnetfeldern und Teilchenbewegung die
Gravitationskraft der Materie in der galaktischen Ebene entgegenwirkt, dürften
neue Einsichten zu erwarten sein.
Das 11-Millionen-Dollar-Projekt (9 Millionen Dollar davon entfallen auf den
Satelliten) wird von Marjorie R. Townsend (Goddard-Raumflugzentrum) geleitet.
Mrs. Townsend studierte Ingenieurwissenschaften an der George Washington-Universität (in der Bundeshauptstadt Washington) und wurde vor einem Jahr in Anerkennung ihrer hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten bei der Durchführung
komplizierter Projekte mit der Verdienstmedaille der NASA ausgezeichnet.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erklärt Stand der Verhandlungen mit Hanoi &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Erklärung Kissingersauf der Pressekonferenz am 26. Oktober&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Institut für angewandte Problemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lokalisierung von Flugzeugwracks im Meer &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kosmische Gamma-Strahlung</text>
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9 &gt;N o v e m b e r

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1972

Inhalt

P r ä s i d e n t Nixon m i t ü b e r w ä l t i g e n d e r M e h r h e i t
- 6 1 P r o z e n t d e r Stimmen f ü r N i x o n -

wiedergewählt

Demokraten b e h a l t e n K o n t r o l l e ü b e r den Kongreß
Gewinne d e r D e m o k r a t e n b e i d e n G o u v e r n e u r s w a h l e n
P r ä s i d e n t Nixon: T e r r o r i s m u s kann n i c h t g e d u l d e t
- K o n v e n t i o n von Montreal r a t i f i z i e r t Von A l e x a n d e r M. S u l l i v a n
Europäischer

werden

Mikrofilm-Kongreß

DOKUMENTATION:
L a i r d : V e r s t ä r k t e r Nachdruck a u f k o n v e n t i o n e l l e Waffen
- A u s z u g a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z vom 3 1 . O k t o b e r HINTERGRUNDMATERIAL:
Die E r s c h l i e ß u n g d e r W e l t m e e r e a l s i n t e r n a t i o n a l e
- H o f f n u n g e n und G e f a h r e n Von B a r r e t t McGurn

Aufgabe

WIRTSCHAFT:
F r i e d e n i n Vietnam d ü r f t e
führen
Von John Holway

zu w e i t e r e m W i r t s c h a f t s a u f s c h w u n g

s_

i n d e n USA

USA schlagen Beseitigung aller Zölle für Industrieerzeugnisse vor
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Wohngemeinschaft im Korallenriff
"Stoff" wird allmählich knapp
-Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagenNavigation mit Satelliten soll einfacher werden

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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45/1972

PRÄSIDENT NIXON MIT ÜBERWÄLTIGENDER MEHRHEIT WIEDERGEWÄHLT
-61 Prozent der Stimmen für NixonWASHINGTON -~(AD)-- Mit überwältigender Mehrheit hat das amerikanische Volk am
7. November Richard M. Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wiedergewählt. In einem "Erdrutschsieg" konnte Nixon 49 der 50 amerikanischen Bundesstaaten für sich gewinnen.Dies ist einer der größten Wahlerfolge in der Geschichte
der USA. Sein Gegner, der demokratische Senator George McGovern, konnte sich
lediglich im Staate Massachusetts sowie im District of Columbia, dem Gebiet
der amerikanischen Hauptstadt Washington, gegen Nixon behaupten. Nach dem
Stand der Auszählung vom 9. November früh - 96 Prozent der Wahlbezirke - vereinigte Nixon 45 520 507 Stimmen auf sich - das sind 61 Prozent -, während auf
McGovern 28 281 207 Stimmen - das sind 38 Prozent - entfielen. Nach den Stimmen
der Wahlmänner der einzelnen Bundesstaaten, die in den USA letztlich den Präsidenten wählen, bedeutet dies 521 Wahlmänner für Nixon, 17 Wahlmänner für Senator
McGovern.
In einer Fernsehansprache nach seinem Wahlsieg forderte Nixon alle Amerikaner auf, ihn bei dem Bemühen zu unterstützen, "eine Generation des Friedens" mit
der Sowjetunion, der Volksrepublik China und allen Ländern der Welt zu erreichen.
Sein Gegner, McGovern, hatte ihm in einem Telegramm bereits seine volle

-i-

�f

4
volle Unterstützung bei diesem Vorhaben zugesichert. Wörtlich erklärte Nixon
in seiner Fernsehansprache:
"Nachdem die Wahl nunmehr vorüber ist, ist es an der Zeit, mit den großen
Aufgaben, die vor uns liegen, zu beginnen. Ich habe mich während dieses Wahlfeldzuges eines Verhaltens befleißigt, das unser Land nicht spalten sollte...., weil
ich der festen Überzeugung bin, daß das, was Amerika heute vereint, unendlich
viel wichtiger ist, als jene Dinge, die uns trennen. Wir sind alle Amerikaner
- im Norden, Osten, Westen und Süden - wir alle sind uns einig in dem Wunsch
nach Frieden - nach einem Frieden in Ehren, nach einem Frieden, der von Dauer
ist; und wir bemühen uns, dieses große Ziel schnell zu erreichen, nicht nur in
Vietnam, sondern auch im Hinblick auf eine neue Ära des Friedens, in der die
alten Beziehungen zwischen den beiden Supermächten - der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten - und zwischen der Volksrepublik China, dem volkreichsten
Land, und den Vereinigten Staaten

geändert werden, so daß wir uns nunmehr am

Vorabend einer Ära befinden, die zur größten Generation des Friedens für die
gesamte Welt werden könnte, die die Menschheit je gekannt hat.
Dies ist ein großes

Ziel, wichtiger als die Tatsache, ob wir Demokraten

oder Republikaner sind, und es ist ein Ziel, zu dessen Erreichung Sie sicherlich
mit mir zusammenarbeiten werden."
Präsident Nixon will bereits in den nächsten Tagen darangehen, Pläne für
eine Umstrukturierung und Reorganisation des Stabes des Weißen Hauses sowie anderer Teile der Exekutive zu prüfen. Der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, teilte am 8. November vor Journalisten mit, die zweite Amtszeit
Präsident Nixons werde nicht nur eine Fortsetzung bisheriger, sondern auch den
Beginn neuer Programme bringen. Man könne mit einer bedeutsamen Reorganisation

-2-

�Reorganisation von Regierungsstellen rechnen. Ziegler wies in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß alle Kabinettsmitglieder sowie andere vom Präsidenten ernannte
hohe Persönlichkeiten traditionsgemäß ihren Rücktritt einreichen würden. Das
setze den Präsidenten in den Stand, für seine zweite Amtszeit Umstrukturierungen
vorzunehmen. Nixon hat bereits die Abteilungsleiter im Weißen Haus aufgefordert,
entsprechende Pläne vorzulegen.

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45/1972

DEMOKRATEN BEHALTEN KONTROLLE ÜBER DEN KONGRESS

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon wird trotz seines überwältigenden Sieges
in den Präsidentschaftswahlen während der kommenden vier Jahre weiterhin mit
einem demokratisch kontrollierten Kongreß regieren müssen.
Wie die meisten politischen Beobachter bereits vorausgesagt hatten, ist
es den Republikanern nicht gelungen, im Senat, wo 33 der 100 Senatoren für
eine neue sechsjährige Amtszeit gewählt werden mußten, und im Repräsentantenhaus, dessen 435 Mitglieder alle zwei Jahre neu gewählt werden, die Mehrheit
zu gewinnen. Im Repräsentantenhaus, dem in den vergangenen zwei Jahren 179
Republikaner und 256 Demokraten angehörten, konnten die Republikaner ihre Position um 12 Sitze verbessern, so daß im neuen Repräsentantenhaus nunmehr
191 Republikaner und 244 Demokraten vertreten sein werden. Dagegen konnten
die Demokraten im Senat ihre Position um 2 Sitze verbessern, so daß dem Senat
nunmehr 57 Demokraten und 43 Republikaner - im letzten Senat 55 Demokraten
und 45 Republikaner - angehören werden.
Im Repräsentantenhaus wurden die führenden Abgeordneten beider Parteien
wiedergewählt, unter ihnen der demokratische Fraktionsführer Haie Boggs aus
Louisiana, der zusammen mit dem wiedergewählten Abgeordneten Nick Begich aus
Alaska seit dem 16. Oktober vermißt wird, als sie mit dem Flugzeug eine Wahl-

-l-

�Wahlreise durch Alaska durchführten. Wenn es nicht bald gelingt, die beiden Abgeordneten aufzufinden, werden Neuwahlen zur Besetzung der beiden Repräsentantenhaussitze durchgeführt werden müssen, und die Demokraten werden einen neuen
Fraktionsführer wählen müssen.
Im Senat gewannen die Republikaner 17 der zur Wahl anstehenden 33 Sitze,
die Demokraten 16. Ihnen gelang es, vier bisher von Demokraten besetzte Sitze
hinzuzugewinnen; dagegen konnten die Demokraten sechs republikanische Sitze für
sich gewinnen. So unterlagen die republikanischen Senatoren Gordon Allott
(Colorado), Margaret Chase Smith (Maine), Jack Miller (Iowa) und Caleb Boggs
in
(Delaware) ihren demokratischen Gegnern, In Kentucky und/South Dakota, wo die
republikanischen Senatoren sich nicht zur Wiederwahl gestellt hatten, konnten
die Demokraten diese Sitze hinzugewinnen. Auf der anderen Seite entsandten in
Virginia die Wähler den konservativen republikanischen Abgeordneten William Scott
an Stelle des demokratischen Senators William Spong in den Senat. Desgleichen
konnten die Republikaner die bisher von Demokraten besetzten Senatssitze in
Oklahoma, New Mexico und North Carolina für sich gewinnen.
Dem neuen Repräsentantenhaus werden unter anderem 16 schwarze Abgeordnete
- bisher 13 - angehören, während im Senat der einzige Schwarze, der republikanische Senator Edward W. Brooke (Massachusetts), wiedergewählt wurde. Erstmalig
erhöhte sich die Zahl der aus Südstaaten entsandten Farbigen; in Houston (Texas)
wurde die Negerin Barbara C. Jordan in das Repräsentantenhaus gewählt und in
Atlanta (Georgia) schlug der Demokrat Andrew Young den republikanischen Sitzinhaber.
Die Ergebnisse der Senatswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; (D)=Demokrat; (R)=Republikaner
Alabama

Sparkman (D) (WW)

Alaska

Stevens (R) (WW)
Arkansas

�Arkansas

McClellan (D) (WW)

Colorado

Haskell (D)

Delaware

Biden (D)

Georgia

Nunn (D)

Idaho

McClure (R)

Illinois

Percy (R) (WW)

Iowa

Clark (D)

Kansas

Pearson (R) (WW)

Kentucky

Huddieston (D)

Louisiana

Johnston (D)

Maine

Hathaway (D)

Massachusetts

Brooke (R) (WW)

Michigan

Griffin (R) (WW)

Minnesota

Mondale (D) (WW)

Mississippi

Eastland (D) (WW)

Montana

Metcalf (D) (WW)

Nebraska

Curtis (R) (WW)

New Hampshire

Mclntyre (D) (WW)

New Jersey

Case (R)(WW)

New Mexico

Domenici (R)

North Carolina

Helms (R)

Oklahoma

Bartlett (R)

Oregon

Hatfield (R) (WW)

Rhode Island

Pell (D) (WW)

South Carolina
South Dakota
Tennessee

Thurmond (R) (WW)
Abourezk (D)
Baker (R) (WW)
Texas

-3-

�Texas

Tower (R) (WW)

Virginia

Scott (R)

West Virginia

Randolph (D) (WW)

Wyoming

Hansen (R) (WW)

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GEWINNE DER DEMOKRATEN BEI DEN GOUVERNEURSWAHLEN
WASHINGTON --(AD)-- Während Präsident Nixon die Wahlmänner von 49 der 50 Staaten der Union für sich gewinnen konnte, haben die Demokraten bei den Gouverneurswahlen Gewinne erzielen können. Der amerikanische Wähler hat verstärkt
von seinem Recht

abrauch gemacht, auf dem Stimmzettel jeweils nach der Person

des einzelnen Bewerbers und nicht einheitlich nach der Parteizugehörigkeit abzust immen.
Von den 18 Gouverneursposten, die zur Wahl standen, konnten die Demokraten
elf für sich erringen, sodaß jetzt in 31 der 50 Einzelstaaten Demokraten als
Gouverneure regieren.
Von neun Bewerbern, die sich zur Wiederwahl stellten, waren sieben - vier
Demokraten und drei Re; ublikaner - erfolgreich. Offensichtlich spielten persönliche Qualifikation und örtliche Gegebenheiten eine größere Rolle bei den Gouverneurswahlen als die Parteizugehörigkeit. In Illinois wurde der bisherige republikanische Gouverneur Richard E. Ogilvie von dem Demokraten Daniel Walker
abgelöst - vielleicht nicht zuletzt, weil Ogilvie zum ersten Mal in Illinois
eine einzelstaatliche Einkommensteuer eingeführt hatte. In Delaware verlor der
bisherige republikanische Gouverneur Russell W. Peterson gegen den konserva-

�konservativen Demokraten Sherman W, Tribbitt, und auch in Vermont gewann der demokratische Kandidat Thomas Salmon gegen den republikanischen Kandidaten, In North
Carolina hingegen konnte sich der Republikaner James Holshause'" gegen seinen demokratischen Gegenspieler durchsetzen, wobei zu bemerken ist, daß dieser Staat seit
1896 keinen republikanischen Gouverneur mehr hatte. Einen Rückschlag für die Demokraten gab es auch in West Virginia, wo der Multimillionär John D

Rockefeller IV.

gegen den Republikaner Arch A. Moore verlor.
Die Ergebnisse der Gouverneurswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; CD)=Demokrat; (R)=Republikaner
Arkansas

Dale Bumpers (D) (WW)

Delaware

Sherman W. Tribbit (D)

Illinois

Daniel Walker (D)

Indiana

Otis R, Bowen

Iowa

Robert D. Ray (R) (WW)

Kansas

Robert B. Docking &lt;D) (WW)

Missouri

Christopher S. Bond (R)

Montana

Thomas L. Judge (D)

New Hampshire

Meldrim Thomson, Jr

North Carolina

James Holshauser, Jr.(R)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Rhode Island

Philip Noel (D)

South Dakota

Richard F. Kneip (D) (WW)

Texas

Dolph Briscoe (D)

Utah

Calvin L. Rampton (D) 'WW)

Vermont

Thomas Salmon (D)

Washington

Daniel J. Evans (R) (WW)

West Virginia

Arch A. Moore, Jr. (R) (WW)
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45/1972

PRÄSIDENT NIXON: TERRORISMUS KANN NICHT GEDULDET WERDEN

-Konvention von Montreal ratifiziert-

Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON --(AD)-- Mit der Feststellung, daß die zivilisierte Gesellschaft
den Terrorismus nicht dulden könne, hat Präsident Nixon am 1. November für
die Vereinigten Staaten die Ratifikationsurkunde der Konvention von Montreal
unterzeichnet. Jede Maßnahme, so sagte der amerikanische Präsident,die einen
Diplomaten, einen Regierungsvertreter oder einen unschuldigen Zivilisten zu
einem Faustpfand in einem politisch motivierten Streitfall werden lasse,
unterminiere die Sicherheit eines jeden Bürgers. Für eine friedliche und
stabile Welt sei es erforderlich, daß alle Nationen mit Nachdruck Terrorakte verdammen und unter Strafverfolgung stellen, um eine Wiederholung auszuschließen.
Die Konvention, die am 23. September 1971 in Montreal unterzeichnet wurde, sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung solcher Personen vor, die
sich krimineller Akte wie Flugzeugsabotage oder der Bombendrohung gegen die

-1-

�die Zivilluftfahrt schuldig gemacht haben. Es ist die dritte internationale Konvention, die auf eine Abschreckung vor der Luftpiraterie abzielt. Im Jahre 1963
wurde die Konvention von Tokio unterzeichnet, die die Rückführung von Passagieren und Mannschaft einer entführten Maschine verlangt; ihr folgte im Jahre 1970
die Haager Konvention, die die Auslieferung oder die Strafverfolgung von Flugzeugentführern vorsieht.
Der amerikanische Senat hatte am 3. Oktober dieses Jahres seine Zustimmung
zur Ratifizierung der Konvention von Montreal gegeben. Sie tritt 30 Tage nach
der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch zehn der Teilnehmerstaaten
an der Konferenz von Montreal in Kraft. Unterzeichnet haben die Konvention bisher 54 Länder,, 13 Länder haben sie ratifiziert, und acht Staaten haben bisher
die Ratifikationsurkunden hinterlegt. Großbritannien, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sind die Depositarmächte.
Mit Nachdruck wies Nixon darauf hin, daß noch weitere Maßnahmen erforderlich seien, um die "Geißel des Terrorismus" zu beseitigen. So sollten die Vereinten Nationen und die Zivile Luftfahrtorganisation (ICAO) unverzüglich die
Konventionen verabschieden, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verlangen, die des Angriffes oder der Entführung von ausländischen
Zivilisten beschuldigt werden; ferner sollte Vorsorge dafür getroffen werden,
daß die Zivilluftfahrt nach solchen Ländern ausgesetzt wird, die sich weigern,
Flugzeugentführer oder Saboteure auszuliefern oder zu bestrafen. Ebenso sollte
die Strafverfolgung oder Auslieferung solcher Personen verlangt werden, die in
einem fremden Land Zivilisten verletzen, töten oder entführen mit dem Ziel, ein
Land oder eine internationale Organisation zu erpressen. Die Konvention von
Montreal ist nach den Worten von Präsident Nixon ein "wichtiger Schritt" im
Kampf gegen den Terrorismus. Die anderen Maßnahmen seien jedoch erforderlich,
"wenn wir eine Welt schaffen wollen, in der Menschen und Völker miteinander
leben können, ohne Furcht vor irrationalen und verabscheuungswürdigen Terror-

-2-

�Terrorakten haben zu müssen."
In diesem Zusammenhang wies der amerikanische Präsident auch auf das vor
kurzem in den USA in Kraft getretene Gesetz hin, durch das die Entführung oder
die Ermordung eines fremden Regierungsvertreters zu einem Verbrechen wird, das
auf Bundesebene und nicht mehr lediglich auf der Ebene der Bundesstaaten verfolgt wird.
Amerikanische Beobachter unterstreichen, daß die Unterzeichnung der Ratifikationsurkunde durch Präsident Nixon die von den USA seit langem vertretene
Auffassung widerspiegele, wonach die Luftpiraterie ein internationales Problem
darstellt, das nur durch internationale Maßnahmen und Zusammenarbeit beseitigt
werden kann. In diesem Zusammenhang muß auch der von den Vereinigten Staaten
im September bei den Vereinten Nationen eingebrachte Resolutionsentwurf für
eine Konvention gegen den Terrorismus gesehen werden. Die Resolution sieht
kollektive Maßnahmen seitens der Mitgliedsstaaten der Weltorganisation vor,
um die Luftpiraterie, Angriffe auf Diplomaten sowie andere Verbrechen dieser
Art zu bekämpfen. Bisher ist allerdings in dieser Angelegenheit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen wenig geschehen - was den amerikanischen
Chefdelegierten, George Bush, kürzlich zu der Erklärung veranlaßte, die USA
seien mit dem mangelnden Fortschritt in dieser Frage unzufrieden.

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45/1972

EUROPÄISCHER MIKROFILM-KONGRESS

--(AD)-- In Verbindung mit dem Europäischen Mikrofilm-Kongreß, der vom 14.
bis 16. November 1972 in der Rheingoldhalle in Mainz abgehalten wird, findet
eine von zahlreichen in-und ausländischen Firmen beschickte Fachausstellung
statt. Etwa 25 Unternehmen der einscnfegigen amerikanischen Industrie sind
mit einer Gemeinschaftsschau auf dieser Ausstellung vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf Datenspeicher-und Wiederauffindungssystemen.
Die US-Firmen der Mikrofilm-Branche zeigen u.a. folgende Geräte:
Mikrofilm-Kameras, komplette COM-Systeme mit Teletype-Anschluß, Lesegeräte für Mikrofilm, Microfiche und Rollfilm, Lesegeräte mit Hardcopy-Ausgabe,
Kopiergeräte, magnetische Wiederauffindungssysteme, Datendrucker, Mikrofilmablagen sowie Peripheriegeräte und zahlreiches Zubehör. Darüberhinaus werden
Software-Programme für D kumentation und Klassifikation und die Archivierung
von Nachrichte ., historischen Dokumenten etc. auf Mikrofilm vorgestellt.
Programme für die US-Gemeinschaftsschau sowie weitere Auskünfte sind . :
v/rj.1 US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4
(Telefon 72 08 01, Telex 41 65 35).rhältlich.

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45/1972

LAIRD: VERSTÄRKTER NACHDRUCK AUF KONVENTIONELLE WAFFEN
-Auszug aus der Pressekonferenz vom 31. Oktober

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Laird
hat am 31. Oktober an Bord der USS Mount Whitney in Norfolk, Virginia, eine
Pressekonferenz abgehalten, auf der er unter anderem über die Sitzung der
Nuklearen Planungsgruppe der NATO in London berichtete. Der Minister gab
eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meiner Ansicht nach war der herausragende Aspekt der Herbstsitzung
der Nuklearen Planungsgruppe die Tatsache, daß in dem Maße, in dem wir uns
auf dem Gebiete der nuklearen Waffen auf eine Gleichwertigkeit hinbewegt
haben, die Bedeutung der konventionellen Waffen sehr viel größer wird und
innerhalb der Planung des NATO-Bündnisses zunehmendes Gewicht erhält. Wenn
wir uns im Zuge der SALT II-Verhandlungen, die am 21. November beginnen,
auf die Gleichwertigkeit zubewegen, dann werden wir uns einer Position nähern,
in der es, was die strategischen Waffen anbelangt, eine Parität gibt. Und
wenn wir an die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerung herangehen, die im nächsten Jahr beginnen werden, dann ist es ab-

-l-

�absolut notwendig, daß unsere NATO-Verbündeten zusammen mit den Vereinigten
Staaten sich nachdrücklich darum bemühen, die Situation auf dem Gebiet der konventionellen Waffen zu verbessern - was auch geschieht.
Wenn wir die Gesamtstärke-Konzeption auf das NATO-Bündnis anwenden, diese
Konzeption mit dem Geist einer starken Partnerschaft und einer angemessenen militärischen Stärke verbinden und Verhandlungsbereitschaft zeigen - was der
Grundpfeiler der Nixon-Doktrin ist - dann gelangen wir mit dem Eintritt in die
MBFR-Gespräche zu einer Position, wo auf die Haushalte für die konventionellen
Streitkräfte, die die NATO-Verbündeten ihren Parlamenten für das nächste Haushaltsjahr vorlegen werden, weitaus größerer Wert gelegt werden muß als dies zu
irgendeinem anderen Zeitpunkt der Fall gewesen war. Ich habe meinen Amtskollegen in diesem Bündnis nahezubringen versucht, welch großen Nachdruck wir darauf
legen, daß sie im Rahmen der NATO einen größeren Teil der Lasten für die Verteidigung und die nationale Sicherheit übernehmen.
Ich glaube, daß wir auf der Tagung der EURO-Gruppe, die den Sitzungen des
Ausschusses für Verteidigungsplanung (DPC) in der ersten Dezemberwoche vorausgehen wird, mit einer Steigerung in verschiedenen wichtigen Haushalten des NATOBündnisses rechnen können. Ich bin der Auffassung, daß sich die Partner des Bündnisses darüber im klaren sind, wie wichtig es ist, während dieser bedeutsamen
Zeitspanne vor Beginn der MBFR-Gespräche in dieser Richtung voranzukommen.
Ich habe den Bündnispartnern versichert, daß Präsident Nixon - was unsere
Streitkräfte in Europa angeht - keine einseitigen Reduzierungen vornehmen werde,
obwohl es Leute gibt, die Kürzungen bis zu 170 000 Mann sowie eine wesentliche
Verringerung unserer Flugzeugträger-Streitmacht befürworten. Diese Kreise finden
jedoch nicht die Unterstützung einer Mehrheit der Demokraten im Repräsentanten-

-2-

�Repräsentantenhaus und im Senat; sie finden auch nicht die Unterstützung einer
Mehrheit der republikanischen Mitglieder des Hauses und des Senats. Ich glaube,
ich konnte jede echte Besorgnis seitens der NATO-Verbündeten ausräumen, daß
die USA ihre nachdrückliche Unterstützung der partnerschaftlichen Beziehungen
nicht fortsetzen würden, die wir bisher unterhalten haben und aufgrund deren
es möglich war, den Frieden in Europa seit dem zweiten Weltkrieg zu wahren."

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45/1972

DIE ERSCHLIESSUNG DER WELTMEERE ALS INTERNATIONALE AUFGABE
-Hoffnungen und GefahrenVon Barrett McGurn

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinten Nationen werden in dieser Sitzungsperiode
über Zeitpunkt und Ort einer großen internationalen Meereskonferenz entscheiden. Voraussichtlich im November kommenden Jahres werden sich die Länder dieser Erde mit den großen Chancen, aber auch den großen Gefahren befassen, die
die Ozeane bergen.
Was das Meer zu bieten hat, ist bekannt - wenn auch noch längst nicht
voll erschlossen: Eiweiß in gewaltigen Mengen, um die hungrigen Menschen der
Welt zu speisen. Hier kann der Ertrag des Fischfangs von gegenwärtig 55 Millionen Tonnen pro Jahr ohne Gefahr fJr den Fischbestand auf 100 Millionen Tonnen
gesteigert werden, wobei die Fischzucht eine nicht geringe Rolle spielt.

Die

-1-

�Die Festlandsockel enthalten riesige Mengen von Erdöl und Erdgas, deren Erschließung einer drohenden Energiekrise steuern werden. Allein vor den Küsten de
Vereinigten Staaten werden Öllager in einer Größenordnung von 700 Milliarden
Barrel vermutet, wozu noch Erdgasvorkommen von rund zwei Billiarden Kubikfuß
hinzukommen.
Aus dem Sand des Meeresbodens und dessen Untergrund können seltene Metalle
wie Mangan, Nickel, Kobalt, Zink und Blei in großen Mengen gewonnen werden
- neue Absaug-und Schürfmethoden werden den Abbau wesentlich erleichtern. Aber
auch Stickstoff, Kohlendioxyd, Helium, Schwefel und andere Mineralien harren darauf, geborgen zu werden.
Die riesigen Ozeane mit einer Oberfläche von 260 Millionen Quadratkilometern bergen also ein ungeheures Reservoir für den Menschen - aber auch große
Gefahren der Verschmutzung und der nationalen Besitzergreifung durch ungezügelte Ausdehnung der Hoheitsgewässer. Die fortschreitende Verschmutzung der Meere
droht heute bereits, die so dringend benötigten Reserven zu vernichten. Der berühmte französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau, der durch seine Unterwasserexpeditionen bekannt geworden ist, hat nicht umsonst davon gesprochen, daß
er seit 30 Jahren ein "langsames Sterben" in den Weltmeeren beobachten mußte.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, gibt Cousteau der Menschheit noch 50 Jahre au
diesem Planeten zu leben.
Die Verschmutzung der Ozeane geschieht übrigens keineswegs nur auf direktem
Wege durch den Menschen, sondern auch über die Atmosphäre. So kommen von jährlich 2,2 Milliarden Tonnen gewonnenem Öl rund 10 Millionen Tonnen wieder in
irgendeiner Form ins Meer zurück, zum großen Teil über Rauch und Ruß.
Und

�Und was die nationalen Ansprüche auf die Meere angeht,so hat der Botschafter von Malta, Arvid Pardo, dieses in der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit den kolonialen Eroberungen des vorigen Jahrhunderts verglichen.
Ansprüche auf eine 200-Meilen-Zone vor Küsten können den heutigen Menschheitsinteressen nicht mehr entsprechen. Wenn alle Küstenländer dem Beispiel
Ecuadors in dieser Richtung folgen wollten, dann würden 36 Prozent der Meeresoberfläche für die Handels-und Kriegsmarinen der Welt versperrt bleiben. Selbst
eine 12-Meilen-Zone, die heute weitgehend befürwortet wird, würde über 100 strategisch wichtige Meerengen und Durchfahrten praktisch sperren, darunter auch
Gibraltar, wo die Meerenge nur acht Meilen breit ist, und die Malakka-Straße,
die den Pazifik mit dem Indischen Ozean verbindet. Für die meisten Staaten,
darunter die USA, würde eine solche Einschränkung die Gefährdung ihrer Sicherheit
bedeuten, und keine seefahrende Nation kann eine Beeinträchtigung ihrer Schiffahrt akzeptieren.
Wenn die große Meereskonferenz im nächsten Jahr zustandekommt, dann wird
eine Fülle von Anträgen vorliegen. Die Vereinigten Staaten, die jahrhundertelang
an der Drei-Meilen-Zone festgehalten haben, werden sich der Forderung nach einer
Zone von 12 Meilen nicht verschließen - unter der Voraussetzung, daß die freie
Durchfahrt für Schiffe aller Nationen durch internationale Meerengen gewährleistet
wird.
Was die Erschließung und Ausbeutung der Schätze des Meeres angeht, so haben
die USA eine neue internationale Behörde vorgeschlagen, die die Lizenzen vergeben soll. Diese Behörde wäre praktisch die erste internationale Organisation,
die sich aus den Einnahmen selbst finanzieren und darüberhinaus erhebliche Mittel für die internationale Gemeinschaft - in erster Linie für Entwicklungsaufgaben - zur Verfügung stellen könnte. Um auch die Interessen der Küstenländer in

-3-

�in fairer Weise zu berücksichtigen, sieht der amerikanische Vorschlag vor, daß
diese im Rahmen einer internationalen Vereinbarung größere wirtschaftliche Rechte über den Bereich der Territorialgewässer hinaus erhalten sollen. In dieser
Pufferzone zwischen den Hoheitsgewässern und dem tiefen Ozean würden die Küstenstaaten zu einem Drittel an den Lizenzeinnahmen und Gewinnen beteiligt und
müßten zwei Drittel an die internationale Behörde abführen. Dadurch soll jeder
Raubbau vermieden und gegen Verschmutzung vorgesorgt werden.
Auch auf dem Gebiet der Fischerei wendet sich der amerikanische Vorschlag
gegen jeden Raubbau und strebt eine vernünftige Nutzung und Verteilung der Eiweißreserven der Meere an.
All diese Probleme sind in ihrem Schwierigkeitsgrad durchaus mit der Abrüstung zu vergleichen; hier wie dort geht es letztlich um die Zukunft der
Menschheit, und man kann nur hoffen, daß die Vernunft die Oberhand behalten
wird.

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45/1972

FRIEDEN IN VIETNAM DÜRFTE ZU WEITEREM WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
IN DEN USA FÜHREN

Von John

Holway

WASHINGTON--(AD)— Was bedeutet Frieden in Vietnam für die amerikanische
Wirtschaft? Die meisten Experten glauben, daß die kurzfristigen Auswirkungen
nur sehr gering sein werden,da die bereits expandierende Wirtschaft einen
Frieden in Vietnam weitgehend einkalkuliert hat. Aber auf lange Sicht, so
meinen die Experten, könnten die psychologischen Auswirkungen eines Friedens
der US-Wirtschaft- der Binnen-wie der Außenwirtschaft- starken Auftrieb
geben.
Nach Ansicht der Experten befindet sich die amerikanische Wirtschaft
schon in einer nachhaltigen Aufschwungsphase, die auch das kommende Jahr hindurch anhalten dürfte. Bei den letzten vier Kriegen, in die die Vereinigten
Staaten verwickelt waren, hat der Friede anschließend stets zu einem Wirtschaftsboom geführt. Nach einer kurzen Zeit nicht vorhersehbarer Reaktionen,
folgte immer ein geradezu phantastischer Aufschwung - der wohl stärkste nach
Beendigung des Korea-Krieges.
Die

-1-

�Die Bevölkerung, so wird erklärt, sei bereits wieder kauffreudiger, nachdem
die Wirtschaft schon lange in ihre gegenwärtige Aufschwungphase eingetreten
ist. Allerdings bestehe nicht die gleiche angestaute Nachfrage nach Verbrauchsgütern wie nach früheren Kriegen. Und dies bedeute, daß die Wirtschaft heute
nicht, wie nach früheren Kriegen, einen erneuten Preisauftrieb befürchten muß.
In Fachkreisen ist man sich allerdings darüber einig, daß ein Friede in
Vietnam zu einem Ansteigen der Verbraucherausgaben führen wird. Die Zeitschrift
"Business Week" meint: "Geschäftswelt und Verbraucher dürften wieder kauffreudiger eingestellt sein." So hat sich denn auch die Wirtschaft auf ein überdurchschnittliches Weihnachtsgeschäft eingestellt. Allerdings wird darauf hingewiesen, daß in verschiedenen Bereichen die Verbraucherausgaben bereits recht
hoch sind und für weitere Steigerungen nur wenig Raum ist. So übertreffen beispielsweise die Autoverkäufe alle bisherigen Rekorde. Eine Ausnahme dürfte der
Wohnunbsbau sein. Hier sind ebenfalls alle Rekorde übertroffen worden, doch die
Nachfrage ist weiterhin stark. Und wenn die Bauwirtschaft floriert, dann bedeutet dies auch für zahlreiche andere Industrien eine anhaltend günstige Geschäftsentwicklung.
Hand in Hand mit der Ausweitung der Produktion wird nach Ansicht der Experten ein Rückgang der Arbeitslosigkeit erfolgen, die die Wirtschaftstätigkeit
seit zwei Jahren oder noch länger beeinträchtigt hatte. Aber auch die Produktivität dürfte steigen, wenn die Kapazitätsauslastung in der Industrie wieder zunimmt. Dies wiederum wird zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten, einer Milderung des Druckes auf den
Dollar und einer Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition führen.
So meint die bekannte Maklerfirma"Merrill, Lunch, Pierce, Fenner and Smith",
ein Ende des Krieges in Vietnam könne das Vertrauen in die USA und ihr Potential, mit anderen Handel zu treiben, stärken. Darüberhinaus dürfte aber ein

-2-

�ein Ende der Kämpfe in Indochina auch vermehrten Handel mit der Sowjetunion,
China und anderen kommunistischen Ländern und damit eine weitere Verbesserung
der amerikanischen Handelsbilanz bringen.
Allerdings,so betonen die Experten, gibt es noch keinerlei Anzeichen dafür, daß ein Friede in Vietnam auch ein Ende der Lohn-und Preiskontrollen der
Regierung bedeuten würde. Meinungsumfragen zeigen, daß diese von den Verbrauchern,
zum Teil sogar auch von der Geschäftswelt befürwortet werden. Im kommenden Jahr
stehen einige wichtige Lohn-und Gehaltstarife zur Erneuerung an, und daher dürfte die Neigung zum Abbau solcher Beschränkungen, der vielleicht die Lohn-Preisspirale erneut in Gang setzen könnte, nur gering sein.
Auch wenn die Waffen in Vietnam vielleicht bald schweigen werden, dürften
die Auswirkungen auf den amerikanischen Verteidigungshaushalt nach Ansicht dieser Experten nur gering sein. Sie weisen darauf hin, daß diese Ausgaben für Vietnam bereits von einem Höchststand von 30 Milliarden Dollar im Jahre 1969 auf
nur 7 Milliarden Dollar heute zurückgegangen sind. Eine gewisse Militärhilfe
sowie Gelder für den Wiederaufbau werden auch weiterhin nach Südostasien fliessen. Auftragskürzungen in der Verteidigungsindustrie, wie vor zwei Jahren,
deren Auswirkungen für einzelne Betriebe so schmerzlich waren, dürften sich dieses Jahr nicht wiederholen. Und diese "Friedensdividenden" sind bereits durch
höhere Kosten der Waffenentwicklung sowie höhere Personalkosten der geplanten
Freiwilligenarmee aufgezehrt worden. Geringfügige Einsparungen sind allerdings
möglich. Sie werden zur Einengung des Haushaltsdefizits wie auch zur Eindämmung
des Preisauftriebs beitragen und einem Ansteigen der Zinsen entgegenwirken.
Die größte Enttäuschung brachte die Börse. Die Kurse zogen an, als der
Berater des Präsidenten für Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, letzte Woche
erklärte, der Friede sei in Reichweite. Doch dieser Kursanstieg setzte sich
nicht fort.Einige Beobachter sind der Auffassung, daß die Börse die Auswirkungen

-3-

�Auswirkungen eines Kriegeendes bereits vorweggenommen und damit auf die Gerüchte der letzten Monate reagiert hat. Andere sind der Ansicht, daß die von der
Regierung ausgeübte Kontrolle für Preise und Gewinne auf die Kurse drückt. Und
wieder andere meinen sogar, daß die Kurse im nächsten Jahr nachgeben werden.
Ein namhafter New Yorker Bankier erklärte jedoch gegenüber der New York
Times, die Kurse würden jäh anziehen, sobald es zu einem echten Frieden kommt.
Und wenn erst einmal die Aktienkurse steigen und sich auf dem erhöhten Niveau
behaupten,so betonte er, dann worden dies die ausländischen Investoren als
Signal zum Einsteigen betrachten, Er rechne mit einem erheblichen Kursanstieg,
der seinen Höhepunkt vielleicht im kommenden Frühjahr erreichen werde, wobei
Standardaktien die größten Gewinne zu verzeichnen haben dürften.

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USA SCHLAGEN BESEITIGUNG ALLER ZOLLE FÜR INDUSTRIERZEUGNISSE VOR

GENF --(AD)-- Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß bei den im kommenden Jahr anstehenden neuen Handelsverhandlungen bei industriellen Erzeugnissen das angestrebte Ziel eines zollfreien Handels zwischen den Industriestaaten erreicht werden kann.
Entsprechende Vorschläge hat der stellvertretende US-Sonderbeauftragte
für Handelsverhandlungen, Botschafter William R. Pearce, jetzt den übrigen Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) unterbreitet. Wie
ein Sprecher des GATT betonte, habe Botschafter Pearce darauf hingewiesen, daß
der Industrieausschuß des GATT bei verschiedenen nicht-tarifären Handelsschranken Lösungen ausgearbeitet habe, die den Regierungen zur Billigung vorgelegt
werden könnten, und erklärt, daß bis Ende des Jahres Übereinstimmung über Standardnormen erzielt werden könne. Wörtlich, so fuhr der Sprecher fort, habe Pearce
erklärt: "Der Vorschlag,die künftige Arbeit mit einer Erörterung des zollfreien
Handels mit Industrierzeugnissen zwischen den Industriestaaten zu beginnen, hat
unseres Erachtens wesentliche Vorteile. Bedenkt man, daß kein Mitgliedstaat bisher bereit ist, eine feste Verpflichtung einzugehen, so dürfte ein solches Vorgehen den weitestmöglichen Rahmen für eine Erörterung bieten, bei der auch

-1-

�auch andere Verfahren geprüft und dem jeweiligen Ziel, über das im Laufe des
Verhandlungsprozesses Übereinstimmung erzielt werden kann, angepaßt werden
können."
Auf die engen Wechselbeziehungen zwischen Zöllen, nicht-tarifären Verzerrungen und Schutz eingehend hatte Botschafter Pearce erklärt, daß Art und Umfang
eines Abkommens bei einem dieser Punkte jeweils von den Fortschritten bei den
übrigen Punkten abhingen.
Bei der Landwirtschaft, so führte der Botschafter weiter aus, würden nicht
nur der Schutz an den Grenzen, sondern auch die Erzeugung und Verbrauch beeinflussende Politik Probleme für den Handel aufwerfen. Wörtlich sagte Pearce: "Wir
müssen gewillt sein, die Bedeutung der Subventionspolitik auf den Binnenmärkten
für den Handel zu erkennen und diese notfalls zu modifizieren, um eine Ausweitung des Handels mit Agrarerzeugnissen zu ermöglichen, damit Fortschritte auf
diesem Gebiet gemacht werden können." Dies gelte, so fügte der Botschafter hinzu, nicht nur für die Politik der USA, sondern auch für die Politik der übrigen
Länder.
Die bei der neuen Verhandlungsrunde vereinbarten Verfahren müssen nach Ansicht von Pearce einen Abbau des Schutzes für Importe, eine Beseitigung der Exportsubventionen sowie eine prinzipielle Übereinstimmung einschließen, daß Zahlungen zur Erhaltung der Erzeugereinkommen Erzeugung und Handel so wenig wie möglich beeinflussen dürften.
Über die Rolle der Entwicklungsländer im GATT sagte Pearce, nach Ansicht
der USA sei der langsame Fortschritt beim Studium dieser Frage in den GATT-Arbeitsgruppen nicht nur auf das Fehlen jeglichen politischen Willens, sondern
auch eines Verhandlungsklimas zurückzuführen, das eine Verwirklichung guter Absichten erleichtern würde.
Nach

4.

�Nach Ansicht von Botschafter Pearce braucht ein Abkommen über Richtlinien
für die neue Verhandlungsrunde Zeit. Hierfür sei ein Gremium erforderlich, das
alle Probleme des Agrar-und des Industriehandels zusammen erörtern könne. Es
sei Sache der Mitgliedsstaaten, diese Frage noch während der gegenwärtigen
Sitzungsperiode zu regeln. Diese Sitzungsperiode biete die Möglichkeit, der
Vorbereitungsarbeit für die nächstes Jahr beginnenden wichtigen Handelsverhandlungen neuen Auftrieb zu geben.

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WOHNGEMEINSCHAFT IM KORALLENRIFF

--(AD)-- Eine neue Serie von meeresbiologischen und chemischen Untersuchungen
von einer in 17 m Tiefe verankerten Tauchstation aus begann Anfang Oktober
1972 in der Nähe der Großen Bahama-Insel. Die Studie, an der Wissenschaftlergruppen von fünf amerikanischen Universitäten und zwei Forschungsinstituten
teilnehmen, wird von Bundesbehörden, insbesondere der US-Behörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) finanziert. Das Projekt, für das von der
Perry Foundation, Inc., und der Bahamas Undersea Research Foundation die Unterwasserstation Hydro-Lab bereitgestellt wurde, ist auf neun Monate befristet.
In Gruppen zu je vier Mann werden
grund

die Forscher jeweils sieben Tage am Meeres-

verbringen, um dort vor allem das Leben im Korallenriff zu beobachten

und a^e Einflüsse von Abfallstoffen auf das biologische Gleichgewicht im Meer
zu untersuchen.
Hydro-Lab steht etwa 260 m vor einem Steilhang zur Tiefsee. In einem
solchen "Grenzgebiet" zwischen der verhältnismäßig nahen Küste und dem offenen
Meer ergeben sich für die Wissenschaftler besonders interessante Aspekte.

-1-

�Aspekte. Physikalische Faktoren, chemische Prozesse aller Art und die Herausbildung typischer ökologischer Systeme sind hier auf relativ engem Raum zu
studieren.
Die Bewohner des Korallenriffs, insbesondere die Fische, wird Dr. C.
Lavett Smith vom American Museum of Natural History unter die Lupe nehmen. Ihn
interessiert vor allem die Frage des erforderlichen Lebensraumes für die Tiere,
der Einfluß des tatsächlich vorhandenen Lebensraumes auf die Größe der Kolonien und die Zusammensetzung der überall beobachteten Wohngemeinschaften von
Meereslebewesen, auf Fortpflanzungszyklen, auf Brutpflege und ähnliche Faktoren.
Dr. Thomas J. Bright von der Texas A &amp; M-Universität wird sich mit der
"Sprache" der Riffbewohner befassen. Taucher wissen, daß Korallenriffe und ihre
nähere Umgebung besonders "laute"Plätze unter Wasser sind. Aber von den Verursachern der Geräusche weiß man noch recht wenig.

Man kennt z.B. Klick-und

Knarrgeräusche von Garnelen, die im Stakkato ausgestoßenen Laute vom Sägefisch
oder die typischen Geräusche, die Stachelhummer oder Nassau-Barsch erzeugen,
wenn sie aufgeschreckt werden. Alles in allem ist jedoch über all dies noch
wenig bekannt - etwa über die Technik zur Lauterzeugung, über die Tonhöhen, die
Bedeutung der Geräusche und die Reaktionen der Mitbewohner der Riffe auf sie.
Dr. Bright setzt jetzt Untersuchungen fort, die er beim Unternehmen TEKTITE 11
vor Florida und bei früheren Hydro-Lab-Experimenten bereits begonnen hat.
Dr. William Schroeder (Texas A &amp; M University in College Station, Texas)
wird mit seiner Gruppe die Rolle tierischer Mikroorganismen (Zooplankton) in
der Korallenriff-Ökologie untersuchen. Plankton bildet den Anfang der Nahrungskette im Meer. Noch weiß man

viel zu wenig darüber, ob und inwieweit die

Milliarden und Abermilliarden dieser winzigen Lebewesen durch die Eingriffe des

-2-

�des Menschen in die natürlichen Gegebenheiten beeinträchtigt werden.
In diesem Zusammenhang sind auch die Studien von besonderer Bedeutung,

die

Dr. John Bunt und Richard Curry (beide Universität Miami) sowie Dr. William
P. Muellenhoff (Staatsuniversität Oregon) und Alan A. Allen (Marine Consultants,
Inc., Long Beach, Kalifornien) z. B. zur Konzentration bestimmter chemischer Elemente im Riffgebiet und zu der dort beobachteten biologischen Aktivität - einschließlich des Produktionstempos der Korallentiere für Kalziumkarbonat - und
zur "Verarbeitung" bezw. zum Abbau von ölhaltigem Schlamm, Kohlenwasserstoffen
und Abfällen aus Wohn-und Industriegebieten im Wasser und am Meeresgrund vornehmen. Die meisten Studien, die es bisher zu dieser Frage gab, beziehen sich
in erster Linie auf Auswirkungen der Schmutz-und Schadstoffe an der Küste, an
der Wasseroberfläche und im oberflächennahen Bereich.

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"STOFF" WIRD ALLMÄHLICH KNAPP
Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagen

--(AD)-- Etwa 20 Jahre lang dürfte ein internationaler Rauschgifthändlerring mit Verbindungsstellen in Europa, Lateinamerika und in den Vereinigten
Staaten aktiv gewesen sein, bis es jetzt endlich gelang, ihn zu zerschlagen.
Der Erfolg ist der engen Zusammenarbeit der Fahndungsbehörden in den betroffenen Ländern zu verdanken. Ein Sprecher der amerikanischen Bundesbehörde für
Narkotika und gefährliche Drogen (BNDD) bezeichnete den Ring als "einen französisch-lateinamerikanischen Kanal" und äußerte die Vermutung, daß die Verbrechergruppe mindestens 25 Prozent des Heroins geliefert hatte, das in den Straßen
der Städte in den USA gehandelt wurde.
Nach den Angaben von John E. Ingersoll, des Direktors der US-Zentrale für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, gingen allein der französischen Polizei
von Januar bis August 1972 nicht weniger als 67 "größere Fische" von internationalen Banden ins Netz; im gleichen Zeitraum wurden in Frankreich 1429 Händler
festgenommen. Eine Folge dieser Maßnahmen ist eine erhebliche Verteuerung und

-l-

�und gleichzeitig Qualitätsminderung des in Frankreich noch angebotenen Heroins.
Das gleiche ist schon seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten zu beobachten.
Die französischen Gerichte gehen streng gegen Rauschgifthändler vor

Diese haben,

wenn sie zum ersten Mal straffällig werden, 10 bis 20 Jahre Gefängnis zu erwarten, im Wiederholungsfalle 40 Jahre.
Wie John E. Ingersoll auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
konnten 14 Schlüsselfiguren der internationalen Bande dank des Zusammengehens
der amerikanischen mit den ausländischen Behörden ausgeschaltet, 40 weitere Verbrecher im Zusammenhang damit hinter Gitter gebracht werden. Die 14 wurden entweder verhaftet oder bei Schießereien mit der Polizei verwundet oder getötet.
Zu ihnen gehören, so Ingersoll, u.a. Lucien Sarti. Er wurde in Mexiko City erschossen, als er auf mexikanische Polizisten aus seinem Haus das Feuer eröffnete. Der in Mexiko verhaftete Jean Paul Angelletti wurde an Frankreich ausgeliefert, wo er wegen Mordversuchs gesucht wurde; Francois Chiappe, der "Organisator"
des Ringes in Argentinien, der wegen zweier 1964 in Paris begangener Morde zum
Tode verurteilt ist, sitzt hinter Schloß und Riegel. Der Name des ebenfalls verhafteten Anführers der Bande, "Mr.Big", wurde nicht bekanntgegeben. Der Ring
hatte seine Netze über eine Reihe europäischer Länder, von Italien bis Belgien,
ausgeworfen. Die Hauptkanäle nach Übersee gingen über Argentinien, Brasilien,
Venezuela und Mexiko in die Vereinigten Staaten, dort insbesondere nach Miami
und New York.

-2-

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45/1972

NAVIGATION MIT SATELLITEN SOLL EINFACHER WERDEN

--(AD)— Für Navigationssatelliten erprobt die US-Marine z.Zt.ein neuartiges
Steuerungssystem. Es soll dazu beitragen, die Umlaufbahn des "künstlichen
Leitsterns" für Schiffe so zu stabilisieren,.daß sehr viel exaktere Karten
als bisher mit vorausberechneten Umlaufbahnen für mehrere Tage angefertigt
werden können. Die Schiffe» denen die Daten per Funk übermittelt werden,
wären dann auch mit einfachen Instrumenten in der Lage, ihre Positionsbestimmungen auf Grund der Durchgänge von Navigationssatelliten zu machen, ohne
dabei jedesmal deren Bahnveränderungen berücksichtigen zu müssen.
Die Vorläufer des im September 1972 in einen polnahen Orbit eingeschossenen Versuchssatelliten TRIAD5 der eine Betriebsdauer von höchstens sechs Monaten haben soll, verändern unter der Einwirkung des sogenannten Lichtdrucks
der Sonne und des Bremseffekts von Luftteilchen ständig etwas ihre Bahn. Deshalb müssen die Speicher der Computer, mit deren Hilfe die nächsten Umläufe
vorausberechnet werden, alle 12 Stunden mit neuen Daten gefüttert werden.
Das neue Steuerungssystem DISCOS dagegen soll alle derartigen Störeffekte
erfassen und sie durch die Aktivierung kleiner Düsen am Satelliten sofort mit

-l-

�mit Kurskorrekturen ausgleichen. DISCOS ist die Abkürzung für "disturbance
compensation System" und bedeutet "System zur Kompensation von Störungen". Es
nutzt das Trägheitsprinzip bei einer Flugstabilisierung unter dem Einfluß von
Gravitation. Das Verfahren wurde von Professoren und Assistenten der StanfordUniversität (Kalifornien) in zweijähriger Arbeit entwickelt.
Der 94 kg schwere und insgesamt 7,3 m lange Satellit besteht aus drei
Hauptkörpern, die durch zwei Scherenarme miteinander verbunden sind. Am einen
Ende befindet sich der Radionuklid-Generator, der den Betriebsstrom liefert,
am anderen Ende die gesamte elektronische Ausrüstung, in der Mitte die DISCOSKomponente. Sie ist von den beiden anderen Segmenten des Satelliten, der auf
Grund seiner Länge und Massenverteilung zum Erdmittelpunkt orientiert ist,
weit genug entfernt, um einen Störeffekt durch deren Massen auszuschalten.
DISCOS selbst besteht aus einer 113 Gramm schweren tischtennisgroßen Edelmetallkugel in einem kleinen, goldplattierten Vakuumbehälter, in dessen Innenwandung empfindliche Sensoren eingebaut sind. Sobald die frei schwebende Kugel
infolge einer Störung der Gravitationsorientierung des Satelliten, die unter
der Einwirkung der Korpuskelströme von der Sonne oder des Bremseffektes von
Luftteilchen hervorgerufen werden kann, ihren normalen Platz im Mittelpunkt
des Behälters verläßt und auf die Wandung zutreibt; registrieren dies die Sensoren. Über ein rafi Lniertes elektronisches System werden daraufhin bestimmte
Düsen aus einem ganzen Satz von winzigen Freongas-Düsen aktiviert, um die -wenn
auch nur geringfügige- Abweichung des Satelliten von seiner ursprünglichen Bahn
sofort zu korrigieren

Denn ein Navigationssatellit erfüllt nur dann seinen

Zweck, wenn er auf die Sekunde pünktlich an den erwarteten Bahnpositionen erscheint, damit die Ortsbestimmung, die ein Schiff durch Funkmessung mit seiner
Hilfe vornimmt, nicht zu falschen Ergebnissen führt.

+-H-+

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 61 Prozent der Stimmen für Nixon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokraten behalten Kontrolle über den Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewinne der Demokraten bei den Gouverneurswahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon: Terrorismus kann nicht geduldet werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konvention von Montreal ratifiziert -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander M. Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europäischer Mikrofilm-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird: Verstärkter Nachdruck auf konventionelle Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Pressekonferenz vom 31. Oktober -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erschließung der Weltmeere als internationale Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Hoffnungen und Gefahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Barrett McGurn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden in Vietnam dürfte zu weiterem Wirtschaftsaufschwung in den USA führen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA schlagen Beseitigung aller Zölle für Industrieerzeugnisse vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wohngemeinschaft in Korallenriff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stoff" wird allmählich knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Navigation mit Satelliten soll einfacher werden</text>
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46

15. November 1972

Inhalt
INFORMATION:

Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION:
Eine politische Absichtserklärung Präsident Nixons
WIRTSCHAFT:

1

Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT
-AuszügeUSA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Biologische Experimente
Von G.Weiss
"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig
Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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46/1972

VIER MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG DES INTERNATIONALEN TERRORISMUS
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

WASHINGTON —(AD)-- Die Völkergemeinschaft sieht sich in jüngster Zeit einem
neuartigen bedrohlichen Phänomen - der Internationalisierung des Terrors gegenüber, wobei die Terrorakte in Länder getragen werden, die dem eigentlichen Konfliktsherd weit entfernt sind. Kein Land ist gegen diese Gefahr
immun.
Wir erleben Flugzeugentführungen, Bedrohungen der Handels-und Transporteinrichtungen sowie Entführung und Ermordung von Diplomaten. Ihren dramatischen Höhepunkt hat diese neue Form des Terrors in den entsetzlichen Geschehnissen wie dem Massaker auf dem Flugplatz von Lod und dem Blutbad von München
gefunden.
Präsident Nixon ist energisch entschlossen, diesen Akten eines internationalen Terrors ein Ende zu setzen. Als Mitglied des auf Kabinettsebene gebildeten Präsidialausschusses zur Bekämpfung des Terrors bin ich mit den Ge ~
danken und Sorgen des Präsidenten auf diesem Gebiet bestens vertraut.
Die

�Die Schaffung des Präsidialausschusses stellt lediglich einen von mehreren
Schritten dar, der in den Vereinigten Staaten gegen den Terror unternommen wird.
Der amerikanische Kongreß hat jüngst eine Gesetzesvorlage verabschiedet, wodurch Verbrechen gegen ausländische Diplomaten und offizielle ausländische
Gäste, die den Beziehungen der USA zu anderen Ländern schaden könnten, unter
die Jurisdiktion des Bundes fallen. Gleichzeitig werden alle in die USA Einreisenden einer eingehenderen Kontrolle unterzogen, um Terroranschläge in den
Vereinigten Staaten zu verhindern.
Auf internationaler Ebene gibt es vier konkrete Maßnahmen, die unter den
Auspizien der Vereinten Nationen unternommen werden könnten und unternommen
werden sollten;

1.

Eine Konferenz mit entsprechenden Vollmachten sollte einberufen werden,

um eine Konvention zum Schutz der Diplomaten zu beschließen, die auf der Grundlage des sehr brauchbaren Konventionsentwurfes ausgearbeitet werden könnte, den
die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Entwurf
sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung an Ort und Stelle solcher Personen
vor, die Akte von Gewaltanwendung gegen Diplomaten außerhalb der Rechtsprechung
oder räumlich weit entfernt von dem Land begehen, dessen politische Verhältnisse durch diese Gewaltakte verändert werden sollen. Das Ziel ist es, den Terroristen jede Möglichkeit einer sicheren Zuflucht zu nehmen und damit vor jeder
Art Terror abzuschrecken.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der Rechtsausschuß der UN-VollVersammlung selbst als derart bevollmächtigte Konferenz im Herbst 1973 in Aktion treten und eine solche Konvention beschließen wird.

2.

-2-

�2.

Es sollte eine "allgemeine Konvention" vorbereitet werden, die die Aus-

lieferung oder Strafverfolgung all jener vorsieht, die Terrorakte ausführen,
bei denen unschuldige Privatpersonen zu Schaden kommen können. Die Vereinigten
Staaten haben im September in der UN-Vollversammlung einen vollständigen Entwurf
für einen solchen Vertrag, der diesen Grundsatz umfaßt, zirkulieren lassen. Dieser Entwurf wird im Verlauf der Sitzungen der Vollversammlungen noch diskutiert
werden.

3.

Alle Staaten sollten aufgefordert werden, die Konventionen von Tokio,

Den Haag und Montreal zu unterzeichnen und sich an sie zu halten, die im Rahmen
der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO. der Vereinten Nationen
abgeschlossen wurden und die Auslieferung oder Strafverfolgung von Personen vorsehen, die Flugzeuge entführen oder in anderer Weise die internationale zivile
Luftfahrt stören.

4.

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe der ICAO, den Luftverkehr nach all

jenen Ländern einzustellen, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verweigern, sollten Unterstützung finden.
Die Vereinigten Staaten treten dafür ein, den Bestimmungen der Verträge
gegen Luftpiraterie die notwendige Schärfe zu geben. Sie stoßen in ihren Bemühungen aber bedauerlicherweise auf eine gewaltige Opposition.
Das Traurige an der Sache ist, daß eine solche Opposition nicht nur in
bezug auf die erforderliche Schärfe dieser Vertragsbestimmungen besteht, sondern
auch massiv zu Tage trat, als UN-Generalsekretär Waldheim die Vereinten Nationen
zur offenen Erörterung des gesamten Fragenkomplexes des Terrorismus aufforderte.
Viele arabische Länder vereinten sich in dieser Opposition, weil sie wohl
glauben, daß jede Erörterung des Terrors zwangsläufig zu einem Vorstoß gegen
gewisse palästinensische Organisationen führen würde.
Auch

-3-

�Auch eine ganze Reihe afrikanischer Länder wehrte ;ich dagegen, die Erörterung des Terrors auf die Tagesordnung der Vollversammlung zu setzen, wobei
sie unbeirrt daran festhielten, daß ein solcher Tagesordnungspunkt die Guerillatätigkeiten der "Befreiungs"-Kräfte in Afrika beeinträchtigen würde.
Unsere Aufgabe war und ist es, all diese Länder davon zu überzeugen, daß wir
bei unserem unbedingten Eintreten für den Vorschlag des Generalsekretärs nicht
auf eine bestimmte Gruppe abzielen.
Wir müssen klarstellen, daß wir uns einzig und allein darum bemühen, zu
einem Abkommen zu gelangen, wonach bestimmte Gewaltakte als Terror gekennzeichnet
werden und verurteilt und geächtet werden sollten - Akte wie Luftpiraterie, Versendung von Briefbomben, Entführung von Diplomaten und andere Gewaltmaßnahmen,
wie wir sie in den vergangenen Monaten und Jahren erleben mußten.
Angesichts der weitverzweigten und starken politischen Opposition,die dieses Bemühen bei den Vereinten Nationen findet, bin ich, offen gesagt, nicht gerade optimistisch, daß es uns gelingen wird, zu den konkreten Ergebnissen zu
kommen, die die Vereinigten Staaten so dringend wünschen und die alle zivilisierten Menschen auf der Erde fordern.
Ich kann Ihnen jedoch

versichern, daß wir uns auch weiterhin nachdrücklich

um solche positiven Ergebnisse bemühen werden.

•I-H-H

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46/1972

EINE POLITISCHE ABSICHTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS
Präsident Nixon hat in einem Interview mit
Garnett D. Horner von der amerikanischen Zei-»
tung "Washington Star-News" seine Vorstellungen und Absichten für seine zweite vierjährige Amtsperiode als Präsident der Vereinigten
Staaten dargelegt. Das Interview wurde am 5.
November aufgenommen und am 9 November veröffentlicht. Wir geben hier die Passagen wieder, die die Außenpolitik betreffen sowie die
zusammenfassende Darstellung
Copyright (c) The Washington,D.C.Star-News 1972
Außenpolitik

Das erste Jahr wird sehr bewegt werden. Wir werden zu SALT II kommen. Und
wir werden natürlich zu der Europäischen Sicherheitskonferenz kommen • und auf
einem parallelen Kanal werden wir zu MBFR - der beiderseitigen, ausgewogenen
Truppenverringerung - kommen Wir werden den Dialog mit der Volksrepublik China
fortsetzen, obwohl das ein Prozeß auf lange Sicht ist. Es wird keine plötzlichen
Ereignisse geben. Es wird keine Änderung, keinerlei Änderung, in unserer Politik
gegenüber Kuba geben - es sei denn, Castro ändert seine Politik gegenüber

•

!

•

�gegenüber Lateinamerika und den Vereinigten Staaten - womit ich nicht rechne.
Dem Nahen Osten wird eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden, weil der Nahe
Osten während der letzten Jahre sich zwar in einer Periode einer unsicheren Waffenruhe oder eines unsicheren Waffenstillstandes - wie immer man das bezeichnen
will -. befunden hat, er jedoch jederzeit explodieren kann.
Was nun andere Teile der Welt angeht, so möchte ich nicht den Eindruck erwecken, daß Lateinamerika und Afrika keine Aufmerksamkeit erhalten werden; sie
werden es, denn kein Teil unserer gegenwärtigen Politik wird als heilige Kuh
behandelt werden. Ich werde unsere Lateinamerika-Politik und unsere Afrika-Politik überprüfen, um festzustellen, wie unsere Programme in diesen Gebieten verbessert werden können.
Auf internationalem Gebiet müssen wir uns daran machen, ein stabileres Währungssystem zu bekommen, und wir müssen auf dem Gebiet des Handels etwas tun,
damit die Vereinigten Staaten auch weiterhin in ihren Handelsbeziehungen zu anderen Ländern eine angemessene Chance erhalten können.
Ich möchte daher sagen, daß die nächsten vier Jahre vielleicht nicht so
spektakulär sein werden wie das Jahr 1972 - als wir die Öffnung nach Peking
hatten, das erste Gipfeltreffen mit den Russen und die internationalen Währungsschritte vom 15. August (1971) - daß die nächsten vier Jahre jedoch auf dem aufbauen und sogar mehr erreichen werden, da es sich damals im wesentlichen um die
ersten Schritte handelte, die den Weg für sehr viel größere Schritte in der Zukunft öffneten.
So wird beispielsweise SALT II wichtiger sein als SALT I. Es wird mehr erreichen. Es wird mehr von einer Begrenzung bringen. Das gilt für die Europäische
Sicherheitskonferenz, für den Nahen Osten, für all diese Gebiete. Zu Vietnam
möchte ich folgendes sagen: Wenn ich erk Ire, daß ich absolut zuversichtlich

.2-

�zuversichtlich bin, daß wir eine Regelung erreichen werden, dann dürfen Sie
sich darauf verlassen.
Von der Annahme ausgehend, daß es eine Regelung in Vietnam geben wird, wurde
der Präsident nach der Zukunft Südostasiens in den nächsten vier Jahren gefragt:
Es wird sich um eine Zukunft handeln, in der wir unseren Freunden in diesem Gebiet weiterhin Wirtschaftshilfe gewähren werden - und auch einige Militärhilfe, da die kommunistischen Länder dieselbe Art von Hilfe an Nordvietnam
gewähren werden. Wir werden, wie wir erklärt haben, auch Nordvi,etnam einige
Hilfe auf wirtschaftlicher Basis gewähren.
Unser Interesse besteht nicht nur darin, ein Abkommen herbeizuführen, das
den Krieg jetzt beendet, sondern wir wollen auch einen Einfluß auf die Ereignisse in der Zukunft haben, und es ist sehr viel bessei , zu den Nordvietnamesen eine Beziehung zu haben als keine.

Zusammenfassung
Der Präsident hat in seinen Äußerungen oft zu verstehen gegeben, daß er
vor der Geschichte einmal als ein Präsident dastehen möchte, der eine neue Ära
des Friedens eröffnet hat, und er wurde in diesem Zusammenhang gefragt, ob er
auf innenpolitischem Gebiet dies auch wolle.
Lassen Sie mich in Bezug auf den weltpolitischen Aspekt sagen, daß ich
dies ein wenig abwandeln möchte. Ob die Vereinigten Staaten, als die einzige
Nation, die in der freien Welt mächtig genug ist, um diese Rolle zu übernehmen,
sich dieser Aufgabe gewachsen zeigt und auf dem Weg zu dieser neuen Periode
des Friedens vorangeht - das ist die eigentliche Fraget ob wir uns ihr gewachsen
erweisen oder zum Isolationismus zurückkehren.
Das

-3-

�Das ist auch der Grund, warum ich dies als eine der entscheidend wichtigen
Fragen dieses Wahlfeldzuges betrachtete. Ein schwächeres, sich nach innen wendendes Amerika wäre meiner Ansicht nach für die Menschen in unserem Lande nicht
gut gewesen. Darüber aber ließe sich immerhin noch streiten. Für die Welt jedoch wäre dies eine Katastrophe gewesen, weil die kleineren Nationen ohne Mitwirkung Amerikas auf der weltpolitischen Szene in Furcht und Schrecken leben
müßten, weil dadurch ein Vakuum der Macht entstünde. Dieses Vakuum ist gefüllt.
Die Vereinigten Staaten unterhalten jetzt Beziehungen zur Sowjetunion und
zu den Chinesen, von denen die eine eine Supermacht ist und die anderen das Potential für die Zukunft haben. Es ist dies eine gesunde Beziehung, aber auch eine
Beziehung, in der unsere Stärke stets beibehalten werden muß, bis wir zu einem
gemeinsamen Abkommen über ihre Reduzierung gelangen.
Was nun die Szenerie der Innenpolitik anbetrifft: Ich glaube, die Tragödie
der sechziger Jahre besteht darin, daß so viele Amerikaner - und vor allem so
viele junge Amerikaner - den Glauben an ihr Land, an das amerikanische System
und die Außenpolitik ihres Landes verloren haben. Viele wurden dazu gebracht, zu
glauben, daß sie sich über das schämen müßten, was wir in der Außenpolitik getan haben und in der Welt weiterhin tun, daß wir uns zu schämen hätten über das,
was Amerika alles getan hat.
Viele Amerikaner gewannen den Eindruck, daß dies ein häßliches Land ist,
rassistisch, ohne Mitgefühl für den anderen - und der Grund dafür lag zum Teil
in dem Bestreben

einiger, jeden kleinen Fleck bei uns herauszustellen und ihm

das Aussehen eines Krebsgeschwürs zu geben.
Nun, wir sehen ein: dies isp kein vollkommenes Land. Es gibt vieles, was
falsch ist und der Korrektur bedarf. Aber was ich nun sage, sage ich keineswegs
in chauvinistischem Sinne - ich habe die Welt gesehen und ich kenne keinen jungen

-4-

�jungen Menschen im Ausland, der - wenn er die Möglichkeit hätte - nicht lieber
hier als an irgendeinem anderen Olt leben würde.
Es geht nun meiner Ansicht nach nicht einfach darum, in den Amerikanern wieder einen neuen Stolz in ihr Land zu erwecken - die Mehrzahl der Amerikaner ist
stolz auf ihr Land

Sie sehen ja, wie sie reagieren.

Aber sie müssen dies nicht in dem blinden Glauben tun: "Dies ist mein Land,
ob Recht oder Unrecht, es ist mein Land." Wir wollen, daß sie wissen, warum
dieses Land Recht hat. Um das Gebiet der Außenpolitik zu nehmen: wir wollen das
amerikanische Volk dazu bringen, daß es stolz au,f die Rolle ist, die sein Land
auf außempolitischen Gebiet spielt

Ich glaube, daß die Reisen nach Peking und

Moskau in dieser Hinsicht geholfen haben. Ich glaube, das Volk sah, daß die Vereinigten Staaten führend waren in der Welt im Bemühen um Frieden, und daß wir
die einzigen waren, die dies tun konnten. Sie waren stolz auf ihr Land.
Wir werden auch weiterhin eine Führungsrolle dieser Art übernehmen.
Im eigenen Land werden wir - so glaube ich - etwas von dem in den sechziger
Jahren verlorengegangenen Glauben wiedergewinnen, wenn wir uns auf die Chancengleichheit für alle hinbewegen

die freilich nicht über Nacht kommen wird -

aber wenn wir, wie gesagt, auf sie hinarbeiten, wenn wir uns daran machen, die
Probleme der Umwelt in den Griff zu bekommen, handele es sich nun um reine Luft,
um ein besseres Gesundheitssystem oder um Verbesserungen des Erziehungswesens
- wenn wir auf all diesen Gebieten zu Fortschritten gelangen.
Ich glaube, wir sind von ihrer eigentlichen Frage etwas abgeschweift, aber
worüber wir hier meiner Ansicht nach reden, ist, daß wir in diesem Land Ende der
sechziger Jahre eine sehr große geistige Krise durchgemacht haben; viele haben
den Vietnamkrieg dafür einzig und allein verantwortlich machen wollen. Er aber
bildete nur einen Teil des Problems und in vielen Fällen war er auch eigentlich

-5-

�eigentlich mehr eine Entschuldigung als eine Begründung, Wir erlebten aber jedenfalls einen Zusammenbruch in der, wie ich ganz offen sagen möchte, Führungsschicht dieses Landes.
Ich sage dies nicht tadeln, weil viele ihren Glauben in zahlreiche unserer
Institutionen verloren haben. Da ist beispielsweise dieser gewaltige Trend zur
Nachgiebigkeit, der dann zu der Eskalation der Kriminalität und der Eskalation
des Drogenmißbrauchs in diesem Lande führte - all dies war ein Resultat der
Haltung jener unter uns, die im Grunde die Verantwortung und die Aufgabe der
Führung tragen und nicht erkannten, daß man vor allem eins nicht darf: den Charakter eines Volkes schwächen.
Lassen Sie mich versuchen, es andersherum zu sagen. Eine Frage, die Sie
nicht berührt haben, ist der große Komplex der Rechtsprechung . Ich habe mehrfach gesagt, daß ich auch weiterhin konservative Richter an die Gerichtshöfe berufen werde. Ich werde es. Die Gerichte brauchen sie; sie brauchen Männer wie
Rehnquist und Burger und Blackmun und Powell an den Gerichten - nicht reaktionäre
Richter, sondern konservative Männer, die auf dem Boden der Verfassung stehen,
weil der Trend zu weit in die andere Richtung gegangen ist. Ich will damit nicht
sagen, daß es nicht Richter waren, die das beste wollten, aber ich glaube nicht,
daß das der richtige Trend für dieses Land war, und ich bin der Ansicht, daß wir
diesen Trend auf dem gesamten Gebiet des Re;htsvollzugs umkehren müssen.
Was die Drogen und all das anbetrifft - so werden wir auch hier weiterhin
^in sehr energisches Programm fortsetzen, weil diese ganze Ära der Duldsamkeit
und Nachgiebigkeit hier ihren Einfluß gehabt hatNun meine ich mit dem, was ich gesagt habe, nicht, dai&gt; wir uns zur Reaktion
hinwenden. Ich meine nicht, da.j wir nun in eine Haltung verfallen sollten, die

-6-

�die kein Mitgefühl mit denen hat, die keine Schuld für manche ihrer Probleme
tragen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, daß dieses Land ein neues Gefühl der
Selbstdisziplin will - daß diese Wahl zeigen wird, daß das amerikanische Volk
ein solches neues Gefühl der Selbstdisziplin und Verantwortung will, damit
stark sein wird und nicht zu den Vorstellungen der sechziger Jahre zurückkehren
möchte, nämlich, daß es Aufgabe einer Regierung sein sollte, jedes auftretende
Problem zu lösen und die Bevölkerung mehr und mehr von ihr abhängig zu machen,
so daß diese alL ihren Launen nachgibt.
Das Durcheinander bei der Wohlfahrt ist ein Beispiel. Diese zahlenmäßige
Eskalation bei der Wohlfahrt ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
etwas geschwunden ist, was ich als Arbeitsethos bezeichne. Ich weiß, daß man es
als reaktionär betrachtet, wenn gesagt wird, die Leute sollten lieber arbeiten
als Wohlfahrtsempfänger werden. Ich weiß auch sehr wohl, daß es Leute gibt, die
nicht arbeiten können und von der Wohlfahrt leben müssen. Aber auf der anderen

Seite geht es bei dieser Wahl mit darum, ob wir noch mehr Geld an die Leute verteilen und die Menschen mehr und mehr von der Regierung abhängig machen sollen,
ihr
i der ob wir sagen sollen, es liegt an Euch selbst. Die Menschen werden/ Teil an
der Last tragen müssen.
Der Durchschnittsamerikaner ist wie das Kind in der Familie. Man überträgt
ihm eine Aufgabe, und es wird etwas aus ihm. Es wird etwas leisten, Macht man es
auf der anderen Seite völlig abhängig, verwöhnt es und gewährt ihm zu viel, dann
wird es weich und verwöhnt und schließlich zu einem sehr schwachen Menschen
Ich möchte das einfach mit folgenden Worten zusammenfassen: Wenn Sie auf die
kommenden vier Jahre blicken - an der innenpolitischen Front und an der internationalen Front - dann wird das eine erregende Zeit sein: International gesehen, weil wir uns nicht, wie unsere Gegner das befürwortet haben, von der Welt
zurückziehen, sondern auf vielen Gebieten weiterhin eine große Rolle in der Welt
spielen werden, da das der einzige Weg ist, den Frieden zu bekommen, von dem wir
sprechen.
Was

-7-

�Was die innenpolitische Front anbetrifft, so wird die Zeit erregend sein,
weil wir die Dinge anders anpacken werden. In der Vergangenheit ist man immer
davon ausgegangen, die meisten Stimmen bringt, wer am meisten verspricht

Mit

anderen Worten, es ging darum, wieviel man versprach, wieviel Geld man für dies
oder jenes Programm zusagte. Dies war der erste Wahlkampf in der Geschichte,
wie man erleben wird, ja vielleicht der ;rste Wahlkampf eines Kandidaten überhaupt, der nicht mit ein i: ^ack voll Versprechungen herumzog.
ich habe mich an mein Programm gehalten und ich habe nicht einen Haufen
neuer Versprechungen gemacht. Das ist ein Fall, wo das amerikanische Volk
zwischen einem Kandidaten zu wählen hatte, der versprach, Milliarden mehr von
seinem (des amerikanischen Volkes) Geld auszugeben, um letztlich, wie es hieß,
ihm (dem Volk) zu helfen, und einem anderen Kandidaten, der erklärte, nein,
wir versprechen nicht, das zu tun; wir versprechen,Euch

die Chance zu geben,

Euch selbst zu helfen.
Das amerikanische Volk wird sich zu diesem Punkt äußern. Unsere Aufgabe
ist es, einen Weg zur Reform unserer Regierungseinrichtungen zu finden, damit dieser neue Geist der Unabhängigkeit, des Selbstvertrauens, des Stolzes,
den ich im amerikanischen Volke spüre, gestärkt wird. Ich glaube, daß dieser
Geist vorhanden ist.
Ich bin mir durchaus darüber im kl ren, daß das, was ich hier gesagt habe,
in vielen Gegenden Washingtons, beim Cocktail Set in Georgetown, einiges Kopfschütteln hervorrufen wird. Diese Leute glauben ernsthaft, daß die Lösung der
Probleme immer in neuen massiven Regierungsprogrammen zu finden sei. Ich bin
völlig anderer Meinung, kri ichmal bedarf es eines neuen Programms. Was wir jedoch heute brauchen, ist nicht mehr Regierung, sondern bessere Regierung. Ich
bin mir darüber im klaren, daß das ein Klischee ist, aber statt mehr soll
besser stehen, und oft ist das bessere nicht das Umfassendere, sondern das
Magerere .
Wir

-8-

�Wir werden einen anderen Weg gehen. Statt daß die Regierung mehr für

das

Volk tut und das Volk immer abhängiger von ihr macht, stehe ich dafür ein,
daß die Regierung Mittel und Wege findet, es dem Volk durch Regierungsprogramme
zu ermöglichei , mehr für sich selbst zu tun; es ermutigt, mehr für sich selbst
zu tun; es nicht nur ermutigt, sondern ihm auch den Anreiz gibt, selbst mehr
für sich zu tun; ohne Hilfe der Regierung.

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46/1972

EBERLE ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK VOR DEM GATT
-Auszüge-

GENF --(AD)-- Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William D. Eberle, hat vor dem GATT die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik dargelegt. Die wichtigsten Teile der Rede Eberles haben
folgenden Wortlaut:
Beseitigung der Zölle
Was den Handel selbst anbetrifft, so bereitet sich meine Regierung gegenwärtig intensiv auf multilaterale Handelsverhandlungen vor.
Wir erwarten von solchen Verhandlungen, daß sie alle Aspekte der Handelsbeziehungen umfassen.
Das GATT hat auf dem Gebiet der Zölle einen äußerst wichtigen Beitrag zur
Handelsliberalisierung geleistet. Die Bedeutung der Zölle hat sich ganz eindeutig während des letzten Viertel Jahrhunderts -gemessen an der bei anderen
Handelshindernissen und Handelsverzerrungen verfolgten Politik - wesentlich verringert. Aber wir dürfen auch die Bedeutung der Zölle nicht unterschätzen, vor
allem in bezug auf das effektive Maß an Schutz, das sie gewähren. Angesichts
des bereits erzielten bedeutenden Fortschritts beim Abbau der Zölle, dürfte die

-1-

�die Zeit bald gekommen sein, da wir ernsthaft mögliche Programme für ihre phasenweise Beseitigung erwägen werden.

Nicht-tarifäre Handelsschranken
Was die Politik auf dem Gebiet der nicht-tarifären Handelsschranken und bei
anderen Handelsverzerrungen anbetrifft, so sollten unseres Erachtens alle Anstrengungen unternommen werden, diese Quellen der Verzerrung und der Reibungen
in den Handelsbeziehungen zu beseitigen. Wo die Ursache des Problems darin zu
suchen ist, daß die nationale Politik und die nationalen Praktiken voneinander
abweichen oder im Widerspruch zueinander stehen, eine Beseitigung der Kontrollen
jedoch nicht im Einklang mit den sozialen Zielen liegt, sollten unseres Erachtens gemeinsame Verpflichtungen auf gemeinsame Regeln und Verfahren angestrebt
werden. Dies würde die Möglichkeit zumindest verringern oder ganz beseitigen,
daß nicht-tarifäre Maßnahmen zur Begünstigung einer Gruppe gegenüber einer anderen oder eines Landes gegenüber einem anderen angewandt werden. Damit würden wir
alle harmonisierten Konzeptionen von dem, was recht und was falsch ist, unterworfen sein.
Landwirtschaft
Unseres Erachtens ist es unbedingt erforderlich, für eine beträchtliche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu sorgen und die
verschiedenen nationalen Werkzeuge der Agrarpolitik, die zu größeren Verzerrungen
und Störungen führen, unter eine internationale Ordnung zu bringen. Die Notwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiet ist groß. In den Verhandlungen im Laufe
der Jahre ist es nicht gelungen, eine wesentliche Liberalisierung herbeizuführen. Die GATT-Bestimmungen sind unzulänglich, und wo solche bestehen, haben die

-2-

�die Regierungen sie oft ignoriert oder Wege zu ihrer Umgehung gefunden.
Wenn ich die Landwirtschaft besonders heraushebe, so liegt das daran, weil
diese unseres Erachtens eines der deutlichsten Beispiele dafür ist, welche Gefahren Handelspraktiken bilden, die nicht durch gemeinsam vereinbarte Regeln
kontrolliert werden. Industriestaaten und Entwicklungsländer haben in gleicher
Weise ein grundlegendes Interesse daran, die Stärke ihres Agrarsektors aufzubauen und zu erhalten. Dies sollte jedoch nicht in einer Weise geschehen, die
den Bauern anderer Länder Lasten auferlegt, noch auf eine Weise, die auf lange
Sicht das Streben nach größerer Effizienz der Gütererzeugung der Welt zunichte
macht .

Schutz
Wir werden ferner Wege finden müssen, um eine gewisse Harmonisierung der
verschiedenen nationalen Schutzmaßnahmen zu erreichen, die zu einer Verminderung des internationalen Handelsflusses für begrenzte Zeiträume ergriffen worden sind. Unseres Erachtens sollte ein neues internationales Schutzsystem entwickelt werden, das gemeinsame Verfahren für alle Länder vorsieht, sofern sie
besondere Maßnahmen zur Mäßigung des Tempos der binnenwirtschaftlichen Anpassungen ergreifen, die durch plötzliche Veränderungen der Handelsbedingungen
ausgelöst worden sind. Dies würde es einerseits den Ländern gestatten, spezielle Schutzmaßnahmen in besonderen Fällen durchzuführen, in denen ein Druck von
außen zu beträchtlichen binnenwirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten führt.
Und auf der anderen Seite würde dies sicherstellen, daß durch solche Maßnahmen
benachteiligte Länder gerecht behandelt werden und daß die speziellen Maßnahmen
sich an die vereinbarten Bestimmungen und Zeitpläne halten. Dies würde Möglichkeit und Anreiz geben, um sicherzustellen, daß solche Maßnahmen auf eine
langfristige Anpassung an die sich ändernden Gegebenheiten auf den Weltmärkten
abzielen. Ein multilaterales Schutzsystem, das richtig aufgebaut ist, sollte

�sollte den Prozeß der weltweiten Handelsliberalisierung erleichtern, während
gleichzeitig die Unsicherheit der Zugangsbedingungen zu den Märkten verringert
wird, der sich die Exporteure in bestimmten Erzeugergebieten gegenübersehen
könnten.

Diskriminierung
Schließlich sind wir der Ansicht, daß solche Länder, die im Innern Diskriminierungen gegen ausländische Erzeugnisse sowie überholte Formen des Schutzes,
wie sie unter den Bedingungen einer anderen Zeit noch angebracht waren, aufrechterhalten, jetzt bereit sein sollten, ihre Politik wesentlich zu ändern und sich
mit uns zu gemeinsamen Verpflichtungen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß das GATT, wenn wir jetzt Liberalisierung und
Entwicklung neuer Bestimmungen und Verfahren anstreben, als Institution wie
auch als Abkommen über Bestimmungen und Verfahren weiterhin von Wert ist. Trotzdem ist es nunmehr an der Zeit, die Stärke des GATT zu festigen und seine Schwächen zu beseitigen. Es muß anerkannt werden, daß sich seit der Zeit, da die Entwürfe für das GATT erstmals ausgearbeitet wurden, große Änderungen vollzogen haben. Auch innerhalb des GATT haben sich aufgrund täglicher Entscheidungen, oder
gerade weil keine Entscheidungen getroffen wurden, Änderungen vollzogen. Die
Praxis wird zur Regel, wenn sie sich oft genug wiederholt und wenn die Mitgliedstaaten nicht bereit sind, zu den betreffenden Fragen Stellung zu beziehen.
Unseres Erachtens kann es sich das internationale Handelssystem nicht länger leisten, daß wichtige Bestimmungen des Abkommens weitgehend übertreten werden. Es ist daher vordringlich und notwendig, die tägliche Arbeit des GATT zu
beleben und die Verfahren mit dem Blick auf konkrete Entscheidungen anzuwenden.
Wo es für die Vereinigten Staaten zum Beispiel seit langem Importbeschränkungen
gab, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren waren

und sich gegen ihren Handel

�Handel richteten, werden wir jetzt jede einzelne zur Diskussion stellen mit dem
Ziel, eine baldige Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Liberalisierung
oder.Kompensierung zu erreichen. Unseres Erachtens sollten wirksame Maßnahmen
in diesen Routinefragen im Rahmen der normalen Arbeit des GATT - ohne Zögern
und politische Reibungen - ergriffen werden.
Es besteht, wie Sie alle wohl wissen, in meinem Lande eine wachsende Besorgnis hinsichtlich einer etwaigen Aushöhlung der Anwendbarkeit des Prinzips
der allgemeinen Meistbegünstigung. Die Praxis, besondere Vereinbarungen auf
einer diskriminierenden Basis auszuhandeln, die auf die spezifischen bilateralen Probleme zwischen zwei Ländern oder Gruppen von Ländern zugeschnitten sind,
läuft unseres Erachtens dem Geist des GATT zuwider und steht auch im Gegensatz
zu den Bestimmungen von Artikel XXIV. Praktisch betrachten wir dies als eine
eindeutige Bedrohung der Vorstellungen von einem gerechten Wirtschaftssystem,
für das es nur eine Welt gibt und das von denen so stark hervorgehoben worden
ist, die direkt von einer monetären Reform betroffen werden. Wir teilen die
wachsende Besorgnis, daß die Ereignisse uns in eine Aufspaltung der Welt in
Blöcke oder fest abgeschlossene Einflußsphären hineinzwingen werden.
Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des GATT hat es
das GATT vermieden, darüber zu beschließen. Die Praxis, Sondervereinbarungen
auszuhandeln, ist jetzt in den Beziehungen mit der

Europäischen Gemeinschaft

weitverbreitet. Was bedeutet allgemeine Meistbegünstigung jedoch? Gilt sie
nur wahlweise für bestimmte Länder?
Ich könnte das noch fortsetzen. Die Liste würde dann Probleme der Unzulänglichkeit und der Nichteinhaltung von Bestimmungen in der Landwirtschaft,
die Anwendung von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzzwecken, Subventionen und
restriktive Schutzmaßnahmen einschließen. Ich könnte Bereiche nennen, wo der
Handel durch nationale Politik beeinflußt wird, aber die Bestimmungen für die

-5-

�die Bewältigung der aufgeworfenen Probleme nicht ausreichen. Hierunter fallen
die Beschaffungspolitik, administrative Maßnahmen, Innen-und regionale Politik.
Diese Probleme betreffen in der einen oder anderen Weise alle Mitgliedstaaten.
Bei der Vorbereitung von Handelsverhandlungen in den kommenden Monaten werden wir in Konsultationen den Rat unserer Handelspartner suchen, sowohl der
Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer. Wir hoffen, sie werden das
gleiche tun, so daß man die Verhandlungen wirklich als eine gemeinsame Initiative zum gemeinsamen Wohl betrachten kann. Wir werden in diesem Zusammenhang sorgfältig die Ansichten der Regierungen der Entwicklungsländer über die Rolle studieren, die ihnen vorschwebt. Multilaterale Handelsverhandlungen sind für ihre
Interessen von entscheidender Bedeutung. Auf den Handel entfallen 75 bis 80 Prozent ihrer Devisenquellen. Wege zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei
ihren Verhandlungen und Verfahren zur Hinzuziehung von Ländern, die gegenwärtig
nicht dem GATT angehören, sollten in den kommenden Monaten sehr sorgfältig ausgearbeitet werden.
Ja, wir rechnen damit, daß die Probleme der Entwicklungsländer einen wichtigen Punkt der Vorbereitungsgespräche bilden werden, die unseres Erachtens geführt werden müssen.
Bei der Vorbereitung der Verhandlungen sollten Unterschiede zwischen den
Volkswirtschaften der Industriestaaten und der Entwicklungsländer gebührend berücksichtigt werden. Der Gesamtrahmen für die Verhandlungen sollte sicherstellen, daß die tatsächlichen Ergebnisse - was den Handel anbetrifft - die Möglichkeiten für den Zugang der Exporte der Entwicklungsländer zu den Märkten der Industriestaaten verbessern.
Meine

-6-

�Meine Regierung kennt das große Interesse der Entwicklungsländer und auch
das allgemeine Präferenzsystem. Wir werden eine legislative Ermächtigung zur
Ausweitung solcher Präferenzen anstreben. Die Tatsache sollte nicht übersehen
werden, daß auch ohne Präferenzen in der Zeit von 1%2 bis 1969 die Hälfte der
Fertigwarenimporte der Entwicklungsländer aus den Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten entfiel.
Wir haben diesen Punkt offen gelassen in der Hoffnung, daß die Europäische
Gemeinschaft und die ihr beitretenden Länder uns eine umfassendere Darlegung
ihrer Ansichten geben werden, damit wir festlegen können, wie die Prüfung am
besten beschleunigt werden kann. Wir begrüßen die Erklärung des Sprechers der
erweiterten Gemeinschaft, daß die Verhandlungen über Artikel XXIV Absatz 6 bald
aufgenommen werden können. Die Arbeitsgruppe für die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft sollte die Ergebnisse der Verhandlungen genau verfolgen, ihren
Fortschritt von Zeit zu Zeit überprüfen und den Teilnehmerstaaten bei der Ausräumung etwa sich ergebender Schwierigkeiten helfen. Es wäre wünschenswert gewesen,
wenn diese Verhandlungen vor dem 1. Februar 1973 hätten abgeschlossen werden
können, wenn die beitretenden Länder die Bestimmungen des Beitrittsabkommens
anzuwenden beginnen. Ohne uns irgendwelcher Rechte auf Konzessionen zu begeben,
die gebrochen werden könnten, sind wir uns darüber im klaren, daß Neuverhandlungen
nicht vor dem 1. Februar abgeschlossen werden können. Unseres Erachtens sollten
die Verhandlungen im Februar beginnen und bis zu den Ferien im August abgeschlossen sein. Daher muß jetzt ein fester Termin für einen Beginn im Februar festgelegt werden, der für alle Mitgliedsstaaten fair ist, die Vorkehrungen treffen
müssen, damit das für die Verhandlungen benötigte Personal rechtzeitig in Genf
ist. Es müssen konkrete Ergebnisse erreicht werden.

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45/1972

USA LEHNEN GEGENPRÄFERENZEN NACHDRÜCKLICH AB
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -

WASHINGTON --(AD)-- Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat am 6. und
7. November in Brüssel die beabsichtigte Handelspolitik der Gemeinschaft gegenüber den Mittelmeerländern erörtert. Noch vor dieser Tagung hatten die Vereinigten Staaten den Mitgliedern der E,WG gegenüber ihre Besorgnis zu einem
Aspekt der beabsichtigten Handelspolitik - den Gegenpräferenzen - zum Ausdruck
gebracht.
Die Vereinigten Staaten halten Gegenpräferenzen aus zwei Gründen für untragbar. Derartige Vereinbarungen ermöglichen die Einfuhr von Fertigerzeugnissen
aus der EWG in bestimmte Entwicklungsländer zu niedrigeren Zollsätzen, als sie

für Drittländer gelten. Gegenpräferenzen sind somit nach Auffassung der USA diskriminierend für die Exporteure anderer Länder.
Amerikanische Regierungskreise pflichten dem zwar bei, daß die Entwicklungsländer ein legitimes Recht auf Handel haben und auch für ihre Fertigerzeugnisse
besonderen Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erhalten sollten. Eine
gesunde Volkswirtschaft in diesen Ländern ist zu einem erheblichen Teil vom
Außenhandel und den Absatzmärkten abhängig. Gegenpräferenzen begünstigen je-

-1-

�jedoch nicht die Entwicklungsländer, sondern die Industriestaaten Europas und
richten sich gegen die Exportinteressen dritter Länder - Industriestaaten wie
auch Entwicklungsländer. Zum Beispiel stehen die Vereinigten Staaten und andere
Industriestaaten, wie auch bestimmte Entwicklungsländer, bei zahlreichen Fertigerzeugnissen, Werkzeugmaschinen, Chemikalien und elektronischen Erzeugnissen
und bei Halbzeugen in einem scharfen Wettbewerb mit der EWG. Einzeln ausgehandelte Gegenpräferenzen mit Industriestaaten dienen nur dazu, den europäischen Erzeugnissen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und die Märkte gegenüber der
Konkurrenz abzuschirmen. Und die Besorgnisse der Drittländer sind umso verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Märkte für solche Erzeugnisse in den Entwicklungsländern sich noch mehr ausweiten werden, so daß die Diskriminierungen in
den kommenden Jahren eher größer als kleiner werden. Aber auch die zahlreichen
Entwicklungsländer, die nicht der Europäischen Gemeinschaft angehören oder mit
ihr assoziiert sind, werden ihren Export an Fertigerzeugnissen laufend ausweiten. Und diese Länder werden sich dann ebenfalls diskriminierenden Zollsätzen
gegenübersehen.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Ansicht, daß Gegenpräferenzen ein
Hindernis für eine gesunde Entwicklungspolitik in den Entwicklungsländern selbst
darstellen. Wenn ein solches Land von Gegenpräferenzen abgeht, dann kann es
freier unter den Fertigerzeugnissen aller Länder wählen. Der freie Wettbewerb,
und auf lange Sicht niedrigere Preise und ein breiteres Warenangebot auf den
Binnenmärkten, werden damit gewährleistet. Nach Ansicht amerikanischer Regierungskreise sind zahlreiche Entwicklungsländer längst nicht so glücklich über
die Gegenpräferenzen,wie dies die Europäer vielleicht glauben mögen. Mehrere
Länder haben darauf hingewiesen, daß sie die Vereinbarungen über Gegenpräferenzen zwar nicht gut heißen, jedoch glauben, daß sie sie annehmen mußten, um die
Finanzhilfe und die Vorzugszölle zu erhalten, die sie auf den europäischen Märkten brauchen.
Aber

-2-

�Aber auch unter den Entwicklungsländern ergeben sich Probleme. Einige stellen fest, daß sie Gegenpräferenzen akzeptiert haben, während ihre Nachbarn dies
nicht getan haben. Die Folge ist, daß die ersteren beim Import von industriellen
Erzeugnissen an die Länder der EWG gebunden sind, während ihre Nachbarn zwar bevorzugten Zugang zu dem EWG-Markt erhalten haben, ohne daß sie aber den Preis
von Gegenpräferenzen zahlen mußten.
Die Vereinigten Staaten sind besonders besorgt über die ständige Ausweitung
der Zahl solcher Präferenzabkommen, die die Grundlagen des Allgemeinen Zoll-und
Handelsabkommens (GATT) untergraben. So besagt Artikel I des GATT, der grundlegend für das Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung ist, "...alle Vorteile,
Vergünstigungen, Vorrechte oder Befreiungen, die eine Vertragspartei für eine
Ware gewährt, welche aus einem anderen Land stammt oder für dieses bestimmt ist,
werden unverzüglich und bedingungslos für alle gleichartigen Waren gewährt, die
aus Gebieten der anderen Vertragsparteien stammen oder für diese bestimmt sind."
Das grundlegende Ziel der allgemeinen Meistbegünstigung ist es, diskriminierende
Handelsschranken gegen Erzeugnisse anderer Vertragsparteien zu beseitigen. Und
gerade dieses Prinzip wird nach Ansicht der Vereinigten Staaten durch die Präferenzabkommen gefährdet. Demgegenüber ist die Europäische Gemeinschaft der Auffassung, daß Präferenzabkommen und Gegenpräferenzen mit dem GATT zu vereinbaren
sind und zwar nach Artikel XXIV, der Freihandelszonen als Ausnahme zuläßt. Die
wachsende Zahl solcher Abkommen über Präferenzen und Gegenpräferenzen bedeutet
jedoch, daß die Ausnahme zur Regel wird, widerspricht also dem Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung und benachteiligt Drittländer. Das Vorgehen der EWG
muß also der amerikanischen Öffentlichkeit als Versuch erscheinen, für die europäischen Erzeugnisse einen großen Präferenzmarkt zu schaffen. Nach Ende der
Übergangsperiode werden die Erzeugnisse der EWG-Länder zollfrei oder zu Vorzugszöllen Zugang zu den Märkten zahlreicher Entwicklungsländer haben. Bei Importen
aus Drittländern werden dagegen die in diesen Ländern geltenden höheren Zölle
angewandt.
Zwischen

3-

�Zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft besteht grundlegende Übereinstimmung darüber, daß den Entwicklungsländern Handelsvorteile und Wirtschaftshilfe gewährt werden sollten. Die Amerikaner können
zwar die historischen und geographischen Bande akzeptieren, die zwischen den
europäischen Ländern und zahlreichen Entwicklungsländern besondere Beziehungen
geschaffen haben. Es wäre jedoch unmöglich, die amerikanische Öffentlichkeit
und den amerikanischen Kongreß davon zu überzeugen, daß Gegenpräferenzen für
eine gesunde Entwicklungspolitik notwendig und für Drittländer nicht diskriminierend sind. In den Vereinigten Staaten hinterlassen die Gegenpräferenzen
den Eindruck, daß die Europäische Gemeinschaft einen Präferenzhandelsblock für
europäische Waren errichtet. Amerikanische Regierungskreise sind der Auffassung,
daß die europäischen Länder die nachteilige

psychologische und politische Wir-

kung von Gegenpräferenzen auf die amerikanische Öffentlichkeit nicht genügend
berücksichtigen, die das Klima der Zusammenarbeit nachteilig beeinflussen könnten, das für einen Erfolg der bevorstehenden Verhandlungen über Währungs-und
Handelsreformen erforderlich ist.

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APOLLO 17:

46/1972

BIOLOGISCHE EXPERIMENTE
Von G.Weiss

--(AD)i-- Die drei Astronauten Eugene Cernan, Ronald Evans und Dr. Harrison
Schmitt sind nicht die einzigen Passagiere an Bord des APOLLO 17-Raumschiffes. Sie fliegen in Gesellschaft von einem halben Dutzend winziger
Mäuse und rund einer Milliarde von Mikroorganismen sowie Keimwurzeln und
Samen verschiedener Pflanzen. Allerdings wird davon, nichts zur Mondoberfläche transportiert. Sie verbleiben während der ganzen Dauer des Fluges an
Bord der AMERICA, wie kürzlich das APOLLO 17-Team das Mutterschiff taufte.
Bei den sechs Mäusen handelt es sich um eine Spielart der Taschenspringmaus, Gattungsname: Perognathus Lingotnembris. Die Mäuseart wurde deshalb ausgewählt, weil diese Tierchen sehr widerstandsfähig, genügsam und besonders leicht sind. Keines wiegt mehr als neun Gramm. Sie trinken kein Wasser.
Vielmehr beziehen sie die Flüssigkeit, die sie benötigen, aus Samenkörnern
- und davon werden sie auf dem 13-Tage-Flug genug zur Verfügung haben. Jede
Maus .

. lebt in einer eigenen Kapsel, in der sie sich wohl fühlen kann. Die

Kapseln sind in einen Kanister mit eigenem Sauerstoffversorgungssystem eingeschlossen, so daß sich die Astronauten nicht um die Mäusegesellschaft zu kümmern
brauchen. Den Tieren ist am Kopf ein winziger Detektor implantiert, der

-i-

�der kosmische Strahlenpartikel registriert. Nach der Rückkehr zur Erde werden die
Wissenschaftler zunächst die in Schichten konstruierten Detektoren

auf Kernspu-

ren prüfen, die energiereiche Strahlenpartikel beim Durchschlagen der Schichten
erzeugt haben. Einige der Mäuse werden über gewisse Zeit auf mögliche Sehschädigungen oder Reaktions-und Verhaltensveränderungen gründlich beobachtet, während
man bei den anderen sofort die Gehirnzellen auf Schädigungen untersucht, die
vielleicht unter der Einwirkung des Bombardements schwerer Kerne entstanden.
Noch weiß man viel zu wenig über das Phänomen der Zellschädigung, insbesondere der Schädigung von Nervenzellen, um Flüge von längerer Dauer - etwa über
mehrere Monate oder gar Jahre •• planen zu können. Das für 1973 vorgesehene Projekt SKYLAB dürfte hierzu erste ausführliche Informationen bringen; während die
Aufenthaltsdauer der jeweils drei Mann Besatzung im Weltraum von zunächst 28 Tagen beim zweiten und dritten Flug auf 56 Tage ausgedehnt werden soll, wird eine
Anzahl biologischer Präparate monatelang der Korpuskelstrahlung • jsgesetzt sein.
Für die Berichte von Astronauten, bei Flügen im Weltraum selbst bei abgedunkelter Kabine oder bei geschlossenen Augen Lichtblitze wahrgenommen zu haben,
fand die Wissenschaft inzwischen eine Erklärung. Man konnte durch Experimente
nachweisen, daß es sich bei diesen "Blitzen" um physiologische Reaktionen handelt^
die beim Durchgang energiereicher kosmischer Strahlenpartikel durch die Netzhaut
des Auges ausgelöst werden.
Die Raumfahrtbehörde NASA versucht gegenwärtig durch Experimente aller Art,
diesem Phänomen und der Art wie dem Ausmaß der biologischen Auswirkungen energiereicher Strahlung aus dem Kosmos nachzugehen. Deshalb kommt den beim Flug
APOLLO 17 mitreisenden Mikroorganismen und biologischen Materialien besondere Bedeutung zu. Die Versuchsanordnung, die in einem kleinen Kanister hermetisch abgeschlossen ist,trägt die Bezeichnung BIOSTACK II. Sie wurde unter der Leitung
von Dr. Horst Bücker von der Universität Frankfurt entwickelt und soll helfen,

-2-

�helfen, die Untersuchungen fortzuführen, die Dr. Bücker mit BIOSTACK I, einer
"Beiladung" für APOLLO 16, so erfolgreich begann.
Bei der Auswertung von BIOSTACK I hat sich u.a. herausgestellt, daß die
Entwicklungs-und Fortpflanzungsfähigkeit eines Teiles der Organismen und biologischen Materialien, zu denen z.B. Kressesamen, Krebseier, Bakterien und
Bakteriensporen gehörten, durch die Strahleneinwirkung beeinträchtigt worden
war. Inwieweit die Weltraumstrahlung, gegen die das Leben auf der Erde durch
die Lufthülle weitgehend geschützt ist, Mutationen hervorzurufen vermag, ist
eine Frage, zu deren Beantwortung BIOSTACK II manches beitragen kann.

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46/1972

"KÜNSTLICHES

WETTER" IST MELDEPFLICHTIG

—(AD)-- Am 1 November 1972 trat in den USA eine Verordnung in Kraft, derzufolge alle Versuche zur Wetterbeeinflussung innerhalb der Vereinigten Staaten und in «merikanischen Territorien dem US-Handelsministerium gemeldet werden müssen. Durch Regierungsverordnung sollen künftig auch die Behörden, die
sich mit solchen Unternehmungen befassen, in diese Meldepflicht einbezogen werden .
Wie Donald F, Moore von der für die Meldungen zuständigen Bundesbehörde
für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) erklärte, soll damit in keiner
Weise ein Eingriff in Projekte zur Wetterbeeinflussung oder deren technische
Bewertung verbunden sein. Vielmehr gehe es z.B. darum, an zentraler Stelle
Daten über Art und Zweck solcher Vorhaben zu sammeln, welche dann wiederum
den Spezialisten, die sich mit derartigen Projekten befassen, zur Verfügung
stünden. Das Verfahren trage dazu bei, Doppelarbeit und, was unter Umständen
sehr wichtig sein kan• , regionale Überschneidungen in der Auswirkung einzelner
Projekte zu vermeiden. Die NOAA wird in Jahresberichten Zusammenfassungen der
entsprechenden Unterlagen veröffentlichen. Über die einruinon Projekte zur

-l-

�zur Wetterbeeinflussung sollen vor, während und nach dem Versuch Mitteilungen an
die NOAA mit Zwischenberichten und ausführlichen Berichten über die Resultate
gegeben werden.
Unter Wetterbeeinflussung werden alle Aktionen verstanden, mit denen künstliche Veränderungen von Vorgängen in der Atmosphäre, deren

Zusammensetzung und

Dynamik erreicht werden sollen - beispielsweise Impfen von Wolken und Nebelmassen, Nebelauflösung oder Beeinflussung von Luftströmungen unter Feuer-oder Hitzeeinwirkung, Freisetzen von Gasen, Staubpartikeln, Flüssigkeiten oder Aerosolen,
um die Strahlungsbilanz zu verändern, und Besprühen und Bestäuben von Land oder
Wasseroberflächen(auch mit Farben oder anderen Materialien), Freisetzen elektri. ch
geladener oder radioaktiver Partikel oder Ionen in der Atmosphäre, Anwendung von
Druck-und Schallwellen, Erzeugung von Luftbewegung durch Propeller oder Strahltriebwerke, Verwendung von Laserlicht oder anderen Quellen elektromagnetischer
Strahlung.

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SONDERSTIPENDIEN FÜR AUSBILDUNG VON KREBSSPEZIALISTEN

--(AD)-- Mit einem neu aufgenommenen Stipendienprogramm will das "Nationale
Krebsforschungsinstitut", eine Abteilung der Medzinischen Bundesforschungsan •
stalten der USA in Bethesda (Maryland), Assistenzärzten, jungen praktischen
Ärzten und Zahnärzten Gelegenheit geben, sich zusätzlich auf eines der Gebiete der Krebskrankheiten zu spezialisieren. Man hofft, auf diese Weise mehr
Ärzte als bisher außerhalb der Klinik-und Forschungszentren mit dem Rüstzeug
von Spezialisten zu versehen und sie dafür zu gewinnen, an der Früherkennung,
Behandlung und Verhütung von Krebserkrankungen mitzuwirken.
Die Sonderausbildung, die bis zu drei Jahre dauern kann, wird in Kliniken
absolviert, die einen besonderen Ruf als Diagnose-und Behandlungszentren für
Krebskranke haben. Die Stipendiaten brauchen sich dabei nicht auf amerikanische
Institutionen zu beschränken, sondern können sich auch um einen Studienplatz
im Ausland bewerben.

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              </element>
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      </file>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine politische Absichterklärung Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondeten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Biologische Experimente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten</text>
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2 1 . November 1972

Inhalt
WIRTSCHAFT:
Umfassende US-Vorbereitungen auf neue GATT-Verhandlungsrunde
Von Eugene Brake
Amt für Ost-West-Handel im US-Handelsministerium
Die Frage der amerikanischen Lohn-und Preiskontrollen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Sowjetisches Erdgas für amerikanische Wohnungen?
Von John Holway
INFORMATION:
Ausstellung "Pumpen, Kompressoren und Ventile"
I
HINTERGRUNDMATERIAL:
Überangebot an Akademikern in den USA
Von Thomas H. Elliston

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Farbfernsehsendungen aus dem Raumschiff
APOLLO 17: Seismische Untersuchungen auf dem Mond
Affen nehmen Röntgenstrahlen wahr

B E I L A G E
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
-Der Standpunkt der USA-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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47/1972

UMFASSENDE US-VORBEREITUNGEN AUF NEUE GATT-VERHANDLUNGSRUNDE
Von Eugene Brake
NEW YORK --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden sich auf die für Ende
1973 vorgesehene neue GATT-Runde von Handelsverhandlungen eingehend vor«

bereiten und hierzu die vielleicht umfassendsten Erhebungen durchführen, die jemals vorgenommen worden sind.
Dies kündigte der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
dieser Tage auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in New York an.
Über die einzelnen legislativen Maßnahmen hierzu, so sagte Peterson,sei
noch nicht entschieden. Die Regierung habe jedoch die Pflicht, alles
für die Vorbereitung auf diese Verhandlungsrunde Erforderliche zu tun
und auch den Kongreß, wo nötig, einzuschalten.
Die Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT)
haben auf ihrer am 14. November beendeten zweiwöchigen Tagung beschlossen, Ende 1973 eine neue Runde von Handelsverhandlungen aufzunehmen.
Ferner soll ein Vorbereitungsausschuß eingesetzt werden, der allen Mit-

-1-

�Mitgliedsstaaten wie auch allen interessierten Entwicklungsländern, die nicht
GATT-Mitglied sind, offen steht. Im September kommenden Jahres wird eine weitere GATT-Ministertagung stattfinden, die den Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen, einen Verhandlungsausschuß einsetzen und Verhandlungsrichtlinien verabschieden soll.
Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat die Ergebnisse der GATT-Tagung bereits in einer
ersten Stellungnahme begrüiit und als einen weiteren Schritt in Richtung auf
die von Präsident Nixon angekündigte Ära der Verhandlungen bezeichnet. Er rechne damit, so sagte der Botschafter, daß die neue GATT-Verhandlungsrunde innerhalb von 60 Tagen nach Abschluß der Ministerkonferenz im September 1973 beginnen werde. Und es sei durchaus realistisch, wenn man als Ziel für das Ende
dieser Verhandlungen das Jahr 1975 annehme.
. Peterson wies in seinen Ausführungen vor dem Außenhandelskonvent darauf
hin, daß die Vereinigten Staaten zu lange mit einem System von Prioritäten gelebt hätten, in dem politischen und Sicherheitsfragen Vorrang gegeben wurde,
während der Handel nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Die gegenwärtige, weltweite Abkehr von einem Sichverlassen auf militärische Macht sei zu einem
großen Teil auf Präsident Nixons Friedensinitiativen zurückzuführen, durch die
erst wirtschaftliche Fragen mehr in den Vordergrund rücken konnten.
Man werde in immer stärkerem Maße jetzt feststellen, so führte Peterson
aus, daß Wirtschaftspolitik mit anderen Zielsetzungen Hand in Hand gehe. Handelspolitik sei sowohl Außen-wie auch Sicherheits-, Innen- und Energiepolitik,
und nur durch Integration ließen sich die Ziele erreichen, die im nationalen
Interesse der USA liegen.
Aufgabe

-2-

�Aufgabe der Industriestaaten, so forderte Peterson, müsse es

sein, sicher-

zustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem auch für die Entwicklungsländer Prosperität gewährleistet. Die Vereinigten Staaten würden weiterhin zu
ihrer Zusage stehen, im Rahmen ihrer Handelsgesetze auf ein System allgemeiner
Präferenzen für die Entwicklungsländer hinzuarbeiten. Allerdings müßten solche
Präferenzen mit einem offenen Weltsystem, nicht einem Blocksystem, zu vereinbaren sein.
Peterson wie auch der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, sprachen sich in diesem Zusammenhang äußerst kritisch über die Präferenzabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und einigen Entwicklungsländern aus. Insbesondere wandten sie sich gegen die Bestimmungen der Abkommen,
wonach die Entwicklungsländer Importen aus der Europäischen Gemeinschaft bevorzugten Zugang gewähren müssen. Dies stelle eine Diskriminierung der Exporte aus
den USA sowie anderen, nicht der EWG angehörenden Ländern dar.
Volcker, der sich in seiner Ansprache vorwiegend mit Währungsfragen befaßte,
betonte!; daß die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems auch in die bevorstehenden Handelsverhandlungen greifen würden und umgekehrt. Nach Auffassung der USA sollte in die Bestimmungen über Anpassungsverfahren bei Zahlungsungleichgewichten auch ein Anreiz zu einer weitergehenden
Handelsliberalisierung aufgenommen werden. So könnten es Überschußländer oftmals für angebrachter halten, Zölle oder sonstige Beschränkungen abzubauen,
statt die gesamte Anpassung über die Wechselkurse vorzunehmen. Auch vom Standpunkt der anderen Länder könne dies oftmals sehr erwünscht sein.

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47/1972

AMT FÜR OST-WEST-HANDEL IM US-HANDELSMINISTERIUM

NEW YORK --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium wird ein gesondertes
Amt für Ost-West-Handel einrichten, das auch die gegenwärtige Abteilung für
Exportkontrollen umfassen wird.
Dies hat der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Steven Lazarus, auf der Tagung des amerikanischen Außenhandelskonvents in New York mitgeteilt.
Neben der Abteilung für Exportkontrollen wird das neue Amt eine Abteilung für Handelsanalysen haben, die Informationen über das Handelspotential
der osteuropäischen Länder sammeln, Diagnosen und Voraussagen geben und
alle einschlägigen Statistiken und Informationen für den Ost-West-Handel
zusammentragen soll.
Weiter ist ein Handelssekretariat vorgesehen, das die Durchführung von
Handelsabkommen, wie die jetzt mit der Sowjetunion und mit Polen geschlossenen Vereinbarungen, überwachen soll.
Und

-1-

�I

Und drittens ist eine Abteilung zur Entwicklung des Ost-West-Handels geplant, die im besonderen die Förderung des Exports amerikanischer Güter betreiben soll. Sie wird zwei Unterabteilungen umfassen: eine für Handelsmessen
und Ausstellungen, die auch Handelsmissionen nach den osteuropäischen Ländern
entsenden wird, und eine zweite, die amerikanischen Geschäftsleuten bei der
Abwicklung von Geschäften mit den osteuropäischen Ländern helfend zur Seite
stehen soll.

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47/1972

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DIE FRAGE DER AMERIKANISCHEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN
-Einstellung oder Modifizierung ?Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Nach einjährigen Erfahrungen mit dem für Friedenszeiten
ungewöhnlichen Schritt, Lohn-und Preiskontrollen zu verfügen, steht die amerikanische Regierung jetzt vor der vielleicht schwierigsten Entscheidung, der
sich die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren gegenübersehen werden. Was soll geschehen, wenn das Gesetz über die derzeitigen Kontrollen ausläuft. Sollen die Lohn-und Preiskontrollen weiter bestehen bleiben, sollen sie
aufgehoben oder sollen sie in modifizierter Form fortgesetzt werden? Von seiten
der US-Regierung war bisher lediglich zu vernehmen, daß dieser ganze Fragenkomplex gegenwärtig Gegenstand einer eingehenden Überprüfung ist.
Die Öffentlichkeit hat ganz allgemein den Kontrollen ihre Unterstützung
gegeben, die offiziell am 14. November 1971, nachdem man die Preise schon vorher 90 Tage lang eingefroren hatte, eingeführt worden waren. Obwohl die Lebensmittelpreise,die nicht unter die Kontrollen fielen, schneller als erwünscht
gestiegen sind, stimmen die meisten Amerikaner mit dem Vorsitzenden der Preis-

-1-

�Preiskommission, Jackson Grayson, darin überin, daß die Kontrollen das Tempo
des Preisauftriebs wirklich verlangsamt haben. Grayson hatte am 15. November vor
einem Kongreßausschuß betont, daß die Preisauftriebsrate aufgrund der Lohn-und
Preiskontrollen in den letzten 12 Monaten um rund zwei Prozent gesenkt werden
konnte. Die Verbraucherpreise, die seit November vergangenen Jahres um 3,2 Prozent angezogen haben, wären also ohne die Kontrollen um 5,2 Prozent gestiegen.
Die Folge ist, daß zahlreiche andere Länder die Vereinigten Staaten um ihre gegenwärtige Preisauftriebsrate beneiden.
Der Erfolg der amerikanischen Bemühungen um eine Eindämmung des Preisauftriebs wird nach Ansicht maßgebender amerikanischer Wirtschaftsexperten auch Auswirkungen auf andere Länder haben. Sie werden zu einer Stärkung des amerikanischen Dollar und zu einer vermehrten Stabilität des internationalen Währungssystems führen. Und es mag vielleicht wie Ironie klingen, daß gerade die Regierungj die seinerzeit nur sehr zögernd die Kontrollen eingeführt hatte, für ihr
Programm jetzt völlig unerwartet Unterstützung nicht nur von demokratischen
Wirtschaftlern, sondern auch aus Kreisen der Wirtschaftsmanager erhalten hat.
So erklärte der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des verstorbenen Präsidenten
Kennedy, Walter Heller, die Kontrollen hätten wesentlich dazu beigetragen, den
Auftrieb bei Löhnen und Preisen niedrig zu halten; sie sollten daher beibehalten
werden, bis die Arbeitslosenrate auf 4 Prozent heruntergedrückt sei. Die Regierung sehe sich allerdings einer schweren Aufgabe gegenüber, die Vollbeschäftigung ohne Preisauftrieb zurückzugewinnen. Würden die Kontrollen aufgehoben, so
meinte Heller, dann werde die Haushalts-und Währungspolitik diese Aufgabe ganz
allein bewältigen müssen.
Und der Sprecher der amerikanischen Handelskammer, Carl H. Madden, sprach
sich vor dem gleichen Ausschuß ebenfalls für eine Fortsetzung der Lohn- und
Preiskontrollen aus. Gerade angesichts der 1973 bevorstehenden Lohnverhandlungen
in wichtigen Industriesektoren, die leicht zu einem erneuten Aufleben des Lohn-

-2-

�Lohn-und Preisauftriebs führen könnten, komme einer Fortführung der Kontrollen
besondere Bedeutung zu.
Die Gewerkschaften allerdings haben das Kontrollprogramm in der Vergangenheit verschiedentlich scharf kritisiert, weil es die Löhne, aber nicht Preise und
Gewinne einfriere, und George Meany hatte zusammen mit anderen Gewerkschaftsführern den Lohnausschuß verlassen. Trotzdem haben die Gewerkschaften das Kontrollprogramm stillschweigend geduldet, und tatsächlich sind seit Einführung des Programmes Löhne und Wochenarbeitszeit schneller als die Preise gestiegen, so daß
das Realeinkommen der Arbeitnehmer einen Nettozuwachs zu verzeichnen hatte. Und
auch nicht alle Wirtschaftskreise haben die Kontrollen uneingeschränkt unterstützt. Die Wirtschaftszeitschrift Dun*s berichtet über eine Befragung von 300
Wirtschaftsführern, daß die meisten ein Ende der Kontrollen wünschten oder zumindest eine Modifizierung. .Als Begründung wird angeführt, daß Leistung und gutes
Management bestraft und die Wiedererholung der Wirtschaft durch Beschneiden der
Gewinne beeinträchtigt würden.
So haben die Kontrollen ihre Anhänger und ihre Gegner, aber bei weitem am
größten ist die Zahl derer, die ein Beibehalten modifizierter Kontrollen befürworten. Der demokratische Senator William Proxmire möchte die kleineren Betriebe
mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Millionen Dollar ausgenommen wissen.
Stattdessen soll den Großbetrieben schärfer auf die Finger gesehen werden. Auch
der Gewerkschaftsverband AFL/CIO würde eine Verschärfung der Kontrollen für die
Industrie, besonders der Zinsen, Dividenden und Gewinne, gerne sehen. Professor
Heller und andere sprechen sich für eine Aufhebung der Kontrollen bei Renten und
Einzelhandelsumsätzen aus, während der republikanische Senator Jacob Javits für
die Beibehaltung der Kontrollen in diesen Bereichen und die Einbeziehung der
Lebensmittelpreise in das Kontrollsystem eintritt. Dem widerspricht jedoch Preiskommissar Grayson, der gegen eine Kontrolle der Lebensmittelpreise ist, da dies
höchstens zu schwarzen Märkten führen würde. Dann, so sagte er, sei es aber nicht
mehr weit bis zur Rationierung. Grayson möchte das Problem lieber dadurch anpacken, daß das Warenangebot vergrößert wird.
Das

-3-

�Das gegenwärtige Kontrollprogramm will gerade den durch steigende Kosten
ausgelösten Preisauftrieb bekämpfen. In Wirtschaftskreisen bezweifelt man es
daher, ob die derzeitigen Kontrollen auch bei einem von der Nachfrage getragenen
Preisauftrieb wirken würden. So hat Präsident Nixon denn auch zugesagt, bei den
Regierungsausgaben kurzzutreten, damit eine zu hohe Nachfrage nicht, wie Ende
der sechziger Jahre, wieder zur Ursache des Preisauftriebs wird.
Wann aber sollten nun die Preiskontrollen aufhören? Die Regierung hat es
bisher abgelehnt, einen genauen Zeitpunkt hierfür zu nennen. Der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons, Herbert Stein, hat betont, daß die Kontrollen zwar erfolgreich gewesen seien, aber nicht auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden könnten. Im Laufe der Zeit, so meint er, würden sie immer mehr an
Wirkung verlieren. Auf der anderen Seite könne die Regierung sie nicht auf einen
Schlag einstellen und wieder zu freiwilligen Leitzahlen zurückkehren. Dies würde
nur zu einem Wiederaufleben des starken inflationistischen Druckes führen, wie
er in den Jahren 1965 bis 1968 bestand.

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47/1972

SOWJETISCHES ERDGAS FÜR AMERIKANISCHE WOHNUNGEN ?
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)-- Das Erdgas, mit dem die amerikanischen Wohnungen beheizt werden, wird eines Tages vielleicht aus der Sowjetunion kommen. Dies
dürfte die Folge des wohl größten Erdgasgeschäftes sein, über das gegenwärtig sechs amerikanische und mehrere japanische Gesellschaften mit der
Sowjetunion Verhandlungen zwecks Erschließung und Nutzung der sowjetischen
Erdgasvorkommen in Sibirien führen. Das unter der sibirischen Tundra liegende Erdgas soll in Pipeline über Tausende von Kilometern an die Küste
gepumpt, dort verflüssigt und dann in Tankern nach Japan und den Vereinigten Staaten gebracht werden.
Amerikanische Verhandlungskreise warnen jedoch vor zu optimistischen
Erwartungen, daß diese Pläne sich bereits bald realisieren lassen würden.
Es seien, so wird betont, noch zahlreiche Hürden zu nehmen. Dies gelte
vor allem für die Finanzierung des Vorhabens, so daß es noch Jahre dauern
dürfte, bis sich diese Pläne verwirklichen ließen.
Die

-l-

�Die Pläne sind sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten
Staaten sehr attraktiv. Für die USA ließe sich so die ständig bedrohlicher werdende Energiekrise leichter meistern. Darüberhinaus könnten durch das Erdgasgeschäft tausende neuer Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen
werden. Aber auch für die Sowjetunion brächten die Pläne zahlreiche Vorteile.
Moskau braucht dringend ausländische Devisen, die das Erdgasgeschäft, wenn
erst einmal die Investitionskosten nach rund 10 Jahren bezahlt sind, erbringen
würde. Daher ist die Sowjetunion an einem schnellen Abschluß interessiert, zumal nach Ansicht zahlreicher Experten im Jahre 2 000 der Atomstrom Erdgas als
Energiequelle verdrängen dürfte. So wollen die Sowjets ihre riesigen Erdgasvorkommen möglichst bald nutzen.
Doch bis zur Verwirklichung dieses Projekts gilt es noch beträchtliche
Schwierigkeiten zu überwinden. In den Vereinigten Staaten fragt man sich, ob
es richtig ist, auf dem Energiesektor in eine zu starke Abhängigkeit von sowjetischen Lieferungen zu geraten. Wenn die sibirischen Erdgaslieferungen erst
einmal laufen, werden sie etwa 6 Prozent des gesamten Energiebedarfs der USA
decken. Auf der anderen Seite glaubt man in Washington nicht, daß die Sowjets
etwa die Lieferungen stoppen würden, da die dafür erlösten Devisen für Moskau
lebenswichtig sind.
GroQe Schwierigkeiten wirft auch das Finanzierungsproblem auf. In Sibirien
müßten bis nach Murmansk, rund 2 400 Kilometer weit, Pipelines verlegt werden.
Dort müßten dann Verflüssigungsanlagen errichtet, und schließlich müßten rund
20 Tanker für den Transport des verflüssigten Erdgases nach den USA gebaut werden, von denen jeder rund 10 Millionen Dollar kosten dürfte. Die Gesamtkosten
würden sich also auf rund 6 Milliarden Dollar stellen.

Bei

-2-

�Bei Beteiligung Japans an dem Projekt würden sich die Gesamtkosten sogar
auf etwa 10 Milliarden Dollar belaufen. Es müßte eine Pipeline über eine Entfernung von 3 200 Kilometern nach Wladiwostok gebaut und dort müßten Verflüssigungsanlagen geschaffen werden. Japan würde etwa ein Drittel des Erdgases erhalten, so daß eine Tankerflotte von 11 bis 16 Schiffen benötigt würde.
Wie das benötigte Kapital aufgebracht werden kann, ist noch nicht geklärt.
Berichten zufolge will sich die Sowjetunion an die amerikanische Export-Importbank wenden und um eine Finanzierung von 5 Milliarden Dollar der Gesamtkosten
nachsuchen. In amerikanischen Wirtschaftskreisen hält man dies jedoch für unrealistisch, denn die größte ausstehende Anleihe der Bank - an Japan - beläuft
sich auf nur 1,3 Milliarden Dollar. Es sei daher äußerst unwahrscheinlich, so
wird erklärt, daß die Bank so kurzfristig 5 Milliarden Dollar der Sowjetunion
zur Verfügung stellen werde, zumal keine amerikanischen Firmen kapitalmäßig beteiligt werden sollen, sondern das von ihnen investierte Geld in Form von Erdgaslieferungen zurückgezahlt werden soll.
Moskau hat bereits angekündigt, daß im kommenden Jahr eine sowjetische
Delegation nach den USA fliegen wird, um dort die Finanzierungsmöglichkeiten zu
sondieren sowie andere Möglichkeiten für eine Ausweitung des amerikanischsowjetischen Handels zu erörtern. So bestände beispielsweise die Möglichkeit,
daß die Sowjetunion die amerikanischen und japanischen Investoren mit Gold auszahlt. Doch zögert Moskau, dies zu tun, da es das Gold für Getreidekäufe benötigt. Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung einer amerikanisch-sowjetischen
Börse
Gesellschaft, deren Aktien an der New Yorker/zugelassen würden. Und schließlich
könnte auch eine Anleihe zur Deckung der Kosten des Projekts auf dem amerikanischen Markt aufgelegt werden.

Nach

-3-

�Nach amerikanischer Ansicht muß die Finanzierung auf jeden Fall multinational erfolgen, wobei etwa aufzulegende Papiere eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren haben könnten. Außerdem, so wird erklärt, müsse sich die Sowjetunion selbst
wesentlich stärker an der Finanzierung beteiligen, als sie dies gegenwärtig
scheinbar will.
Trotz aller dieser Schwierigkeiten gibt man sich auf amerikanischer Seite
optimistisch. Drei amerikanische Gesellschaften hoffen sogar, bereits im
Februar kommenden Jahres zumindest eine prinzipielle Einigung bekanntgeben zu
können. Dagegen hält der amerikanische Handelsminister Peterson Berichte über
eine endgültige Einigung entschieden für verfrüht. Die amerikanischen Gesellschaften, so meint er, müßten erst einmal genaue Kalkulationsgrundlagen erstellen, wie teuer das sibirische Erdgas wirklich kommen

wird. Sie müßten ferner

feststellen, ob die Verwirklichung der Projekte technisch auch durchführbar
ist.

Die amerikanische Regierung hat inzwischen eine sogenannte Erdgasgruppe
eingesetzt, die den gesamten Fragenkomplex prüfen soll.

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AUSSTELLUNG "PUMPEN,KOMPRESSOREN UND VENTILE"
— ( A D ) — Rund 35 amerikanische Hersteller zeigen vom 4.-7.Dezember 1972
im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ein breit gestreutes Ausstellungsprogramm über den Einsatz von Pumpen, Kompressoren und Ventilen
in den verschiedensten Industriezweigen.
Zwei Drittel der ausstellenden Firmen zeigen ihre Produkte zum ersten
Mal in Deutschland oder in Europa; sie sind besonders an Verbindungen zu
Lizenznehmern bezw. Vertriebsgesellschaften interessiert.
Parallel zur Ausstellung wird am 5. und 6. Dezember eine Vortragsreihe veranstaltet, auf der deutsche und amerikanische Fachleute zu aktuellen Fragen auf dem Pumpen-und Ventilsektor Stellung nehmen.
Informationen und AusStellungsprogramm können über das US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert
werden.

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ÜBERANGEBOT AN AKADEMIKERN IN DEN USA
Von Thomas H.Elliston

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten sehen sich auf ihrem Arbeitsmarkt vor ein Problem gestellt, das es bisher in der amerikanischen Geschichte noch nie gegeben hat: Es gibt mehr akademisch vorgebildete Arbeitskräfte als Arbeitsplätze für sie.
Eine der wichtigen Fragen für die Zukunft wird es sein, wie dieses
Problem gelöst und wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Es werden Mittel und Wege gefunden werden müssen, wie die jungen Menschen, die alljährlich die Universitäten und Colleges verlassen, ihre Ausbildung und erworbenen Fähigkeiten auf ihren Fachgebieten zu ihrem und zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen können.
Dieses Überangebot macht sich vor allem auf den Gebieten der Bildung
und Erziehung, der Technik und der Wissenschaften bemerkbar. Und dieses
Problem ist erst in den letzten Jahren aufgetreten, denn früher war gerade
auf den genannten Gebieten die Zahl der offenen Stellen sehr viel höher als

�als die Zahl der qualifizierten Bewerber.
In Regierungskreisen hegt man die Hoffnung, daß sich die Situation wieder
einpendeln wird - wobei die Experten sich nicht ganz einig sind. Manche sind
überzeugt, daß der Ausgleich noch in diesem Jahrzehnt kommen wird, während
andere glauben, daß es noch etwa zwanzig Jahre dauern wird, bis sich die Verhältnisse wieder normalisiert haben. Wer recht hat, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht, daß dem Problem große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erst
kürzlich sind in Publikationen des amerikanischen Arbeitsministeriums zwei bedeutsame Artikel zu diesem Thema erschienen;

der eine, "Akademisch gebildete

Arbeitskräfte und die Wende auf dem Arbeitsmarkt" in der von der Abteilung für
Arbeitsstatistik herausgegebenen Monatsschrift "Monthly Labor Review", und
der andere "Akademisch gebildete Arbeitskräfte und nationale Ziele" in dem
Magazin "Manpower".
Die Wurzeln des Problems sind in zwei verschiedenem Dekaden zu finden.
Zunächst wurden in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg sehr viel mehr Kinder
geboren als in den Kriegsjähren. Und dann kam Ende der fünfziger Jahre der
gewaltige Aufschwung der Weltraumtechnologie.
Diese Entwicklung führte dazu, daß die große Zahl der Neueinschulungen
Anfang der fünfziger Jahre eine starke Nachfrage nach Lehrkräften auslöste und
damit den Lehrerberuf für viele junge Amerikaner s'ehr attraktiv werden ließ.
Als dann Mitte der sechziger Jahre diese zahlenmäßig starken Schuljahrgänge das Collegealter erreicht hatten, bestand auf technischem und wissenschaftlichem Gebiet eine große Zahl offener Stellen und damit ein Anreiz, diese Studieneinrichtungen einzuschlagen.
Infolgedessen

-2-

�Infolgedessen stieg die Zahl der Studenten an den Colleges und Universitä
ten gewaltig an. Bezeichnend dafür ist, daß die Gesamtzahl der an den amerikanischen Hochschulen im Jahre 1970 erteilten akademischen Abschlußdiplome im Jahre
1970 mit 1 0f)5 • 91 Graduierten mehr als doppelt so groß war wie die im Jahre
1960, in dem die Hochschulen 476 704 Diplome erteilten.
Anfang 1970 erreichte die Zahl der technischen und akademischen Berufe in
den Vereinigten Staaten eine Rekordhöhe von etwas über 11 Millionen und begann
dann im Jahre 1971 wieder zu sinken.
Eine Reihe von Faktoren war für dieses Absinken maßgeblich

Einmal ging

die Zahl der Neueinschulungen zurück und verringerte damit den Bedarf an Grundund Mittelschullehrern. Zum anderen führten Einsparungen bei den Forschungsprojekten der Regierung - vor allem auf dem Gebiet des Verteidigungswesens und der
Raumfahrttechnik zu einer geringeren Nachfrage nach wissenschaftlich und technisch hoch qualifizierten Arbeitskräften.
Wie aus den Publikationen der Abteilung für Arbeitsstatistik hervorgeht,
ergibt sich für den akademischen Nachwuchs bis tu den achtziger Jahren jedoch
wieder ein optimistischeres Bild. Schätzungen zufolge werden die Hochschulen
in der Zeit bis 1980 rund 13,o Millionen Qiplome verleihen, aber nur 9,2 Millionen der Graduierten werden in das Berufsleben eintreten. Die Nachfrage nach aka
demisch vorgebildeten Kräften wird in ^ s e r Zeit jedoch wieder steigen, einmal
weil ganz allgemein für viele Berufe, die man bislang auch ohne Hochschulabschluß einschlagen könne -, in Zukunft ein akademischer Grad erforderlich sein
wird, und zum andern weil mit einem weiteren Anwachsen der Zahl offener Stellen für den akademischen Nachwuchs gerechnet werden kann.

Diese

3-

�Diese Faktoren werden statistischen Untersuchungen zufolge bis 1980 9,6
Millionen Stellen schaffen, für die ein Hochschulabschluß erforderlich ist. Daraus ergibt sich, daß das ungefähre Gleichgewicht zwischen der Zahl der Stellen
und der vorhandenen Bewerber wieder hergestellt sein wird.
In jedem Falle - so geht aus den Untersuchungen hervor - wird in Zukunft
die Forderung nach einer hochqualifizierten Ausbildung eher zunehmen als geringer werden,und es wird keine Gefahr bestehen, daß eine Art akademisches Proletariat entsteht, für das es keine seiner Ausbildung entsprechenden Stellen gibt.

II l H

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APOLLO 17:

FARBFERNSEHSENDUNGEN AUS DEM RAUMSCHIFF

--(AD)— Die NASA veröffentlichte einen vorläufigen Zeitplan für die Farbfernsehsendungen, die während des Fluges aus dem Raumschiff APOLLO 17 und
während des dreitägigen Aufenthaltes der Astronauten Cernan und Schmitt auf
dem Mond aus dem Landegebiet vorgesehen sind. Die unten angegebenen Sendezeiten hängen jedoch von der Einhaltung des vorgesehenen Starttermines
(7. Dezember 1972, 3.53 Uhr MEZ) und vom Flugverlauf ab. Sollte der Start
in der Nacht zum 7. Dezember nicht möglich sein, gäbe es noch Startmöglichkeiten am 8. Dezember 1972 und am 5. Januar 1973.
Folgende Sendungen sind geplant:

Tag

-1-

�Iä£

Dauer

7. Dezember

20 Min.

Beginn(MEZ)

Programm

7.59 Uhr

Wenden und Ankoppeln nach Einschuß in
Flugbahn zum Mond. Aufnahmen aus dem
Fenster der Kommandokapsel, während
die Astronauten das Raumschiff um
18o Grad drehen und dann mit der
Spitze der AMERICA an der Mondfähre
CHALLENGER festmachen. Anschließend
wird die gesamte Kombination von
der Oberstufe S-IV B der SATURN VTrägerrakete abgesetzt, um eine
Kollision zu vermeiden. Die S-IV B
stürzt drei Tage später auf den
Mond. Die

Seismometer an vier frühe-

ren APOLLO-Landeplätzen können die
Bodenerschütterungen registrieren.
12.Dezember

5 Std.
30 Min.

1 43 Uhr

Sendung aus dem Taurus-Littrow-Landegebiet, 70 Minuten nach Beginn der
ersten Exkursion von Cernan und Schmitt
Installation der automatischen Meßstation ca.100 m westlich der Landefähre und,ca.300 m davon entfernt,
der Radio-Bodensonde SEP; Auslegen
kleiner Sprengkapseln für spätere
seismische Experimente auf der Fahrt
zu einer Kratergruppe im Südosten,
Einsammeln von Bodenproben.
12.

-2-

�»

Tag

Dauer

Beginn(MEZ)

12.Dezember

6 Std.
30 Min.

23.23 Uhr

Programm
2. Exkursion in südwestlicher Richtung zu Kratern am Fuße eines Zweitausenders und zu einer langgestreckten Felswand.

13.Dezember

6 Std.
30 Min.

22.53 Uhr

3.Exkursion in weitgezogenem Bogen
nach Norden und Osten in ein Gelände
mit vier größeren und zahlreichen
kleinen Kratern.

14.Dezember

25 Min.

23.41 Uhr

Rückstart vom Mond, aufgenommen von
der am Rover Fahrzeug montierten Fernsehkamera. Sie wird von Houston aus
gesteuert.

15.Dezember

6 Min.

1.08 Uhr

Rendezvous mit dem APOLLO-Mutterschiff. Aufnahmen aus der Kommandokapsel.

15.Dezember

5 Min.

1.31 Uhr

Ankoppeln am Mutterschiff. Aufnahmen
aus der Kommandokapsel.

17.Dezember

30 Min.

0.46 Uhr

Aufnahmen vom Mond nach Einschießen
des APOLLO-Raumschiffes in die Rückkehrbahn zur Erde.

17.

�17.Dezember

1 Std.

21.19 Uhr

Ausstieg von Ron Evans. Der Pilot der
Kommandokapsel begibt sich zum rückwärtigen Teil des APOLLO-Raumschiffes,
um Kassetten mit Fotos und Aufzeichnungen zu bergen.
i

18.Dezember

30 Min,

24.00 Uhr

Pressekonferenz der APOLLO 17-Besatzung
mit Journalisten in Houstonwährend des
Rückfluges zur Erde.

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APOLLO 17:
SEISMISCHE UNTERSUCHUNGEN AUF DEM MOND
--(AD)-- Ein wichtiges Verfahren zur Sondierung des Mondkörpers ist das
Studium des Verhaltens von Druckwellen beim Durchgang durch den Untergrund.
Den vier Seismometern, die im Landegebiet von APOLLO 12,14,15 und 16 installiert wurden und noch immer zuverlässig arbeiten, verdankt die Wissenschaft bereits sehr aufschlußreiche Meßdaten. Die Instrumente erfassen
Dauer und Stärke von Bodenvibrationen, die durch Druckwellen von Mondbeben
oder von natürlichen und "künstlichen" Meteoriten beim Einschlag auf dem
Mond und deren Reflexion an Grenzschichten unter der Oberfläche ausgelöst
werden. Außerdem ist es jetzt mit Hilfe der ALSEP-Stationen auf der Nordund Südhalbkugel des Mondes in den meisten Fällen durch Triangulation möglich, den Bebenherd zu lokalisieren.
Wie schon bei den früheren APOLLO-Flügen werden auch bei der letzten
Expedition im Rahmen dieses Programmes die Oberstufe der Trägerrakete
SATURN V und die Oberstufe der Landefähre als künstliche Meteorite benutzt.
Noch vor der Landung von Cernan und Schmitt zerschellt die S-IV B-Oberstufe
auf der Vorderseite. Nach der Rückkehr des Landeteams zum Mutterschiff läßt
man auch die Fähre auf den Mond stürzen. Ferngelenkt aus Houston wird die

-l-

�die 2 200 kg schwere

Aufstiegsstufe etwa acht Stunden, nachdem die Astronauten

den Mond verlassen haben, nur ca. neun Kilometer vom APOLLO 17-Landeplatz entfernt niedergehen. Die Wucht des Aufsturzes an einem Berghang entspricht der
Sprengkraft von ca. 720 kg TNT.
Die auf dem zurückgelassenen Rover-Fahrzeug montierte Fernsehkamera wird
zuvor - ebenfalls von Houston aus - in Richtung des Aufschlagpunktes gedreht.
Man will versuchen, den Ablauf des Ereignisses nicht nur auf Grund von Bodenerschütterungen, die das neu installierte Seismometer erfaßt, sondern auch opti
zu beobachten. Wenn es gelingt, wäre dies das erste Mal. Die Besatzungen von
APOLLO-Raumschiffen in der Mondumlaufbahn bemühten sich bisher vergeblich, den
Aufsturzort auszumachen. Die Entfernung von mehr als 100 km zur Mondoberfläche
ist dafür einfach zu groß.
An die Auswirkungen des Einschlags natürlicher Meteorite kommt aber weder
das Experiment mit der Mondfähre noch mit der fast neunmal schwereren S-IV/BRaketenstufe heran. So erwies sich der Aufsturz eines Meteoriten im Mai 1972
auf der Mondvorderseite als ein Ereignis besonderer Art. Die Einschlagenergie
entsprach der Sprengkraft von 200 Tonnen TNT, die Druckwellen wurden noch aus
mehr als 1 000 km Tiefe reflektiert. Ein zweiter Meteoritentreffer im Juli 1972
auf der Rückseite des Erdtrabanten alarmierte jedoch die gesamte wissenschaftliche Welt - die Druckwellen mußten, da sie von den Stationen auf der Vordersei
registriert wurden, den ganzen Mondkörper durchlaufen haben. Die Auswertungsergebnisse dürften somit auch Hinweise auf den - vielleicht flüssigen - Mondkern
geben.
Von dem bei APOLLO 17 erstmalig angewandten Sprengkapsel-Experiment sind
allerdings nur Aufschlüsse über oberflächennahe Schichten zu erwarten. Auf den
Rover-Fahrten wird Astronaut Schmitt insgesamt acht Sprengkapseln verschiedener
Größe auslegen. Sie werden in 500 bis 3 500 m Abstand von vier Geophonen plaziert, die ihrerseits an den Eckpunkten eines gleichseitigen Dreiecks von

-2-

�von 90 m Seitenlänge und in der Dreiecksmitte zu installieren sind. Erst nach
der Rückkehr zur Erde sollen durch Funkkommandos aus Houston die Sprengkapseln
gezündet werden.
Die Betriebsenergie für die Instrumente der Meß-und Experimentierstation
liefert wiederum eine Radionuklidbatterie, die die Zerfallswärme eines künstlichen Radioisotops in elektrischen Strom umwandelt. Die Lebensdauer einer solchen "Atombatterie" überrascht selbst die Fachleute. Ein Jahr hatte man der
Stromquelle der ALSEP-Stationen gegeben - aber der Radionuklidgenerator an der
APOLLO 12-Station ist nun schon drei Jahre in Betrieb, und nichts läßt darauf
schließen, daß er in absehbarer Zeit ausfallen könnte.

++++

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AFFEN NEHMEN RÖNTGENSTRAHLEN WAHR
--(AD)-- Daß manche Tiere für Schallwellen sehr hoher Frequenz, für die
der Mensch taub ist, sehr empfindliche Aufnahmeorgane haben, ist unter
anderem durch Forschungen mit Fledermäusen und, seit etwa eineinhalb Jahrzehnten, mit Meeressäugetieren hinreichend bekannt geworden. Ähnlich krasse
Unterschiede bestehen vielfach zwischen menschlichem und tierischem Sehund Riechvermögen. Bei Experimenten mit Affen wies nun Dr. Thomas Chaddock
von der Staatsuniversität Florida nach, daß diese Röntgenstrahlungen wahrnehmen können, und zwar sowohl mit den Augen als auch mit der Nase.
Als erstes wurde der Geruchssinn von Affen für Röntgenlicht getestet,
wobei sich die Tiere in einer hell erleuchteten, echofreien Kammer befanden.
Sie reagierten sofort auf jeden Blitz von Röntgenlicht, bis durch einen operativen Eingriff der Geruchssinn ausgeschaltet worden war. Dann führte Chaddock
die Experimente in einer total abgedunkelten Kammer weiter, wobei innerhalb
eines bestimmten

Versuchsabschnitts das Sehvermögen durch vorübergehende

Fixierung der Augenlider beeinträchtigt wurde. Die Tiere reagierten nur, wenn
sie die Lider öffnen konnten. Schließlich stellte Chaddock durch weitere Experimente, bei denen er das Farbensehen testete, fest, daß "Blau" die Farbe
ist, in der den Affen das Röntgenlicht erscheint.

+-H-t-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umfassende US-Vorbereitungen auf neue GATT-Verhandlungsrunde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amt für Ost-West-Handel im US-Handelsministerium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frage der amerikanischen Lohn- und Preiskontrollen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisches Erdgas für amerikanische Wohnungen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausstellung "Pumpen, Kompressoren und Ventile"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überangebot an Akademikern in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Thomas H. Elliston&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Farbfernsehsendungen aus dem Raumschiff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Seismische Untersuchungen auf dem Mond&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Affen nehmen Röntgenstrahlen wahr</text>
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29. November 1972

48

Inhalt
INFORMATION:
Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister
vorgesehen
Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und
Sozialfragen übernehmen
Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt
werden
Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATOVerbündeten
Von Marie H.König

L
DOKUMENTATION:
Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:
USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme
hinarbeiten
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Pakt zum Schutz der Ozeane
-91 Länder einigten sich auf internationale KonventionLaborsynthese von Lanosterin gelungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Ab/1972

ELLIOT L.RICHARDSON ZUM NEUEN AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON --(AD)«- Zum neuen Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten
hat Präsident Nixon am 28. November den jetzigen Gesundheits-, Erziehungsund Sozialminister Elliot L. Richardson vorgesehen. Richardson soll die
Nachfolge von Melvin R. Laird antreten, der das Amt des Verteidigungsmi~
nisters seit dem 20.Januar 1969 innehat.
Richardson war am 24. Juni 1970 von Präsident Nixon an die Spitze des
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen berufen worden, nachdem er seit Januar 1969 Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium
gewesen war.
Am 20. Juli 1920 in Boston, Massachusetts, geboren, hat Richardson an
der Harvard-Universität studiert und dort 1941 den Grad eines Bachelor of
Arts und 1947 den eines Bachelor of Laws erworben. Im Kriege diente er als
Oberleutnant bei der US-Armee und nahm u.a. an der Landung der alliierten
Truppen in der Normandie teil. Nach einer dreijährigen Assistententätigkeit
an einem Bundesberufungsgericht bei Richter Learned Hand und am Obersten

-l-

�Obersten Bundesgericht bei Oberrichter Felix Frankfurter praktizierte er,
seit 1949 Mitarbeiter einer angesehenen Anwaltskanzlei in Boston

und seit

1950 zu den Gerichten von Massachusetts zugelassen, bis 1956 als Anwalt, Zwischendurch war Richardson 1952 an der Harvard-Universität als Lektor und
Chefredakteur der juristischen Fachzeitschrift "Havard Law Review" und 1953
bis 1954 als Referent des republikanischen Senators Leverett Saltonstall tätigIm Jahre 1957 berief ihn Präsident Eisenhower als Unterstaatssekretär
für Gesetzgebungsfragen in das Gesundheits-, Erziehungs-und

Sozialministerium.

Zwei Jahre später übernahm Richardson das Amt des Anklagevertreters der Bundesgerichtsbarkeit in seinem Heimatstaat. 1961 fungierte er kurze Zeit als Sonderreferent im Justizministerium und wurde noch im gleichen Jahr Teilhaber seiner
alten Bostoner Anwaltskanzlei. Von 1965 bis 1969 war er erst stellvertretender
Gouverneur und später Justizminister von Massachusetts, bis ihn Präsident Nixon
kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär und Ministerstellvertreter
ins Außenministerium berief. Elliot Lee Richardson ist verheiratet und hat
zwei Söhne und eine Tochter.

i I I H-

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Elliot Lee
Richardson zur Verfügung.

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48/1972

CASPAR W.WEINBERGER SOLL MINISTER FÜR GESUNDHEIT, ERZIEHUNG
UND SOZIALFRAGEN WERDEN

WASHINGTON --(AD)-- Caspar W. Weinberger, der bisherige Direktor des wichtigen Amtes für Planung und Haushalt, ist von Präsident Nixon am 28. November ausersehen worden, das Amt des Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialministers zu übernehmen. Er wird damit die Nachfolge Elliot L.Richardsons
antreten, der im neuen Kabinett Nixon als Verteidigungsminister vorgesehen
ist.
Weinberger hatte am 16. Mai 1972 das Amt für Planung und Haushalt übernommen, nachdem er seit

1. Juli 1970 stellvertretender Direktor dieses zu

diesem Zeitpunkt neugeschaffenen zusammengefaßten Amtes gewesen war.
Am 18. August 1917 in San Francisco geboren studierte Weinberger in
Harvard, wo er 1938 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb, um
dann 1941 an derselben Universität sein juristisches Examen abzulegen. Er
diente vier Jahre in der US-Armee und wurde 1945 als Hauptmann entlassen. Anschließend trat er in den Justizdienst ein, um dann ab 1947 als Rechtsanwalt
zu praktizieren.
Im

-1-

�Im November 1952 w u r d e er in das Parlament des Staates K a l i f o r n i e n g e w ä h l t und hatte eine führende R o l l e in der republikanischen P a r t e i in diesem
Staat inne. Im S t a a t s p a r l a m e n t befaßte er sich vor allem m i t F r a g e n der R e g i e r u n g s o r g a n i s a t i o n und w u r d e 1955 v o n den P a r l a m e n t s J o u r n a l i s t e n zum fähigsten A b g e o r d n e t e n g e w ä h l t .
Nach einer e r f o l g r e i c h e n T ä t i g k e i t als A n w a l t und P u b l i z i s t v o n 1959
b i s 1968 ernannte ihn G o u v e r n e u r R e a g a n A n f a n g 1968 zum Direktor der Finanzen des S t a a t e s K a l i f o r n i e n . E n d e 1969 w u r d e W e i n b e r g e r in die Bundeshandelskommission berufen.
W e i n b e r g e r ist v e r h e i r a t e t und hat einen S o h n u n d eine T o c h t e r .

I1 H I

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n C a s p a r W.
W e i n b e r g e r zur V e r f ü g u n g .

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48/1972

ROY L.ASH SOLL NEUER DIREKTOR DES AMTES FÜR PLANUNG UND HAUSHALT
WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Der kalifornische Industrielle Roy L. Ash ist von Präsident Nixon zum Direktor des Amtes für Planung und Haushalt in der neuen USRegierung ausersehen worden, die im Januar in ihr Amt eingeführt werden soll.
Ash ist seit 1961 Präsident der Litton Industries Inc. Er gehört zu den
Mitbegründern dieser Gesellschaft und war seit 1953 Mitglied des Direktoriums.
Von April 1969 bis Mai 1971 war Ash Vorsitzender des Beirates des Präsidenten
für die Reorganisation der Regierung. In dieser Zeit hat der Beirat Präsident
Nixor. zahlreiche Empfehlungen für eine Straffung der Regierungsarbeit, darunter auch für die Umbildung des früheren Budgetamtes in das heutige Amt für
Planung und Haushalt, vorgelegt.
Ash wurde am 20. Oktober 1918 in Los Angeles geboren und studierte an
der Harvard Universität Wirtschaftswissenschaften. Von 1936 bis 1942 und von
1947 bis 1949 was Ash für die Bank of America tätig, und von 1949 bis 1953
war er Leiter der Finanzabteilung der Hughes Aircraft Company. Während des
zweiten Weltkrieges diente er bei der amerikanischen Luftwaffe und schied 1945
als Hauptmann aus.
Ash

�Ash ist ferner Direktor der Bank America Corporation, der Bank of America,
der Global Marine Inc. und der Pacific Mutual Life Insurance Company sowie
Ko-Vorsitzender der japanisch-kalifornischen Gesellschaft. Ferner gehört er
dem Kuratorium des California Institute of Technology, des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung und des Urban Institute sowie dem Exekutivausschuß
des amerikanisch-japanischen Beirats an.
Ash ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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48/1972

WASHINGTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER KONSULTATIONEN MIT
DEN NATO-VERBÜNDETEN

Von Marie H.König

WASHINGTON --(AD)-- Weil in Kreisen der Nordatlantischen Versammlung die Ansicht vertreten wird, daß eine Ausweitung der "streng bilateralen Diplomatie" zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion potentielle Gefahren
für die westliche Solidarität mit sich bringen könnte, ist es wichtig, sich da
in die Erinnerung zurückzurufen, was der amerikanische Außenminister William
P.Rogers im Mai in Bonn auf der Ministerratstagung der NATO gesagt hat.
Außenminister Rogers war damals direkt von den Gipfelgesprächen, die
Präsident Nixon in Moskau geführt hatte, nach Bonn gekommen und hatte auf den
geheimen Sitzungen der Minister immer wieder unterstrichen, "daß der Erfolg
unseres Besuches in Moskau nicht im geringsten auf Kosten unserer Verbündeten
gegangen ist". Und ein wichtiger Punkt, den Rogers herausstellte, war, daß die
sowjetischen Gesprächspartner höflich aber fest zurückgewiesen worden seien,
wenn immer die Sowjets Präsident Nixon oder ihm eine Möglichkeit anboten,
einseitig für die NATO zu sprechen. Von amerikanischer Seite sei dabei betont

�betont worden, daß Moskau und Washington nicht über das Schicksal Europas entscheiden könnten. Moskau, so erklärte Rogers damals, sei davon unterrichtet worden, daß die USA mit ihren Verbündeten umfassende und ständige Konsultationen
über alle Fragen führen würden, die die Sicherheit Europas berühren.
Außenminister Rogers bereitet sich gegenwärtig auf eine neue NATO-Ministerratstagung vor, die im Dezember in Brüssel stattfinden wird. Wie der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, dieser Tage vor Korrespondenten betonte, wird Rogers auf der Konferenz eingehende Konsultationen mit den
übrigen Außenministern führen und zwar gerade zu dem Zweck, die Politik der NATO
im Hinblick auf die beiden wichtigen, für 1973 vorgesehenen Ost-Westkonferenzen
aufeinander abzustimmen.
Der amerikanische Außenminister wird zu einem entscheidend wichtigen Zeitpunkt in Brüssel sein, denn die vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über
Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) haben soeben zwischen
Vertretern von 34 Ländern in Helsinki begonnen, und am 31. Januar 1973 sollen
ebenfalls vorbereitende Gespräche für eine Konferenz mit den kommunistischen
Ländern Europas über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung(MBFR)
aufgenommen werden.
Auf eine am 23. November von der Nordatlantischen Versammlung in Bonn angenommene Resolution angesprochen, in der auf potentielle Gefahren für die westliche Solidarität angesichts der amerikanisch-sowjetischen Geheimdiplomatie verwiesen worden war, erwiderte Bray, daß die Vereinigten Staaten gerade dieser Frage,
nämlich Politik und Konsultationen zwischen den USA und den übrigen Mitgliedern
des Bündnisses zu harmonisieren, große Bedeutung beimessen. Bereits während der
ersten Runde der Verhandlungen über eine Reduzierung der Strategischen Rüstungen
(SALT I) hätten die Vereinigten Staaten strikt diesen Weg verfolgt.
Von

-2-

�Von Seiten des amerikanischen Außenministeriums wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß die Nordatlantische Versammlung, die sich aus Paria»
mentarier der NATO-Mitgliedsstaaten zusammensetzt und beratende Funktionen ausübt, offensichtlich nicht auf dem laufenden darüber sei, welche eingehende
Konsultationen Washington ständig mit den europäischen Hauptstädten führe. Zum
Beispiel schließt der stellvertretende amerikanische Außenminister John Irwin
in diesen Tagen in Washington mit den Botschaftern der NATO-Länder eine Gesprächsrunde über die bevorstehenden Verhandlungen für eine Truppenreduzierung
ab. Und im Oktober hatte Irwin in Paris Konsultationen über Amerika und Europa
betreffende Fragen geführt. Während der Moskauer Gipfelkonferenz hat Außenminister Rogers ständig die Botschafter der verbündeten Länder über das Konferenzgeschehen auf dem laufenden gehalten. Präsident Nixon selbst hat in seiner
Rede vor dem amerikanischen Kongreß nach seiner Rückkehr aus Moskau unter anderem erklärt: "...Wir müssen fest zu unseren NATO-Partnern stehen, wenn Verhandlungen mit dem Ziel einer neuen Entspannung und einer beiderseitigen Verringerung
der Streitkräfte in Europa positive Ergebnisse bringen sollen. Die Erhaltung
der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt
ist die Grundlage, auf der alle unsere anderen Initiativen für Frieden und
Sicherheit in der Welt basieren müssen."

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48/1972

SCHREIBEN NIXONS ZUR ERÖFFNUNG VON SALT II
-Wortlaut«
GENF--(AD)-- Präsident Nixon hat in einen» Schreiben an den amerikanischen

Chefdelegierten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Gerard Smith,
seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß SALT II zu einem "erneuten
Erfolg" führen werde. Das zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde in Genf am
21. November veröffentlichte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Botschafter!
Vor drei Jahren sind Sie und Ihre Kollegen in die wohl kritischsten
Verhandlungen in unserer Geschichte eingetreten. Damals bestand nur eine geringe Garantie, daß wir einen gemeinsamen

Boden für Gespräche finden würden,

geschweige denn ein Übereinkommen über Fragen, deren letzter Konsequenz man
sich in der Nachkriegszeit nicht gestellt hatte und die die lebenswichtigen
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion berührten.

Der

-1,

�Der erfolgreiche Abschluß der am 26

Mai unterzeichneten Abkommen war

ein Meilenstein nicht nur in den amerikanisch sowjetischen Beziehungen, sondern
auch in der umfassenderen Anstrengung, eine friedlichere Welt zu schaffen.
Diese abkommen, so wichtig sie auch sind, dürfen nicht Anlaß zur Selbstgefälligkeit sein. Wir haben einen ersten Schritt getan und die Grundlage für
neue Abkommen gelegt. Jetzt stehen Sie vor einer Aufgabe, die in vieler Hinsicht noch komplizierter und schwieriger ist, da beide Seiten jetzt gezwungen
sein werden, in einem endgültigen Abkommen langfristige Verpflichtungen für
ein

stabiles strategisches Verhältnis "ür dieses Jahrzehnt und darüber hinaus

einzugehen.
In meinem Schreiben an Sie vor drei Jahren habe ich darauf hingewiesen,
daß niemand den Ausgang der Verhandlungen voraussehen könne, aber zugleich habe
ich meiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß eine Kontrolle der Rüstungen
im beiderseitigen Interesse unseres Landes und der Sowjetunion läge. Wir haben
in den letzten drei Jahren erfahren, daß solche beiderseitigen Interessen in
der Tat bestehen.
Was durch die SALT-Abkommen und auch durch die Grunds.-^ze er eicht wurde,
die heute unsere Beziehungen zur UdSSR .^stimmen, bringt mich zu der Überzeugung, daß Ihre gegenwärtigen Bemühungen zu e • .iem erneuten Erfolg führen werden.
Wenn Sie und Ihre sowjetischen Kollegen jetzt in eine neue Gesprächsrunde
eintreten, dann begleiten Sie die Hoffnungen des ganzen amerikanischen Volkes
- ja die Hoffnungen der ganzen Menschheit.

uochachtun,gsvoll
gez. Richard Nixon "

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48/1972

USA WERDEN NACHDRÜCKLICH AUF LÖSUNG DER ANSTEHENDEN HANDELSPROBLEME
HINARBEITEN
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)—Amerikanische Regierungskreise stellen bei jeder Gelegenheit heraus, daß die Nixon-Administration in den kommenden Monaten und Jahren
nachdrücklich auf eine Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten
wird.
Die wichtigsten Handelsverhandlungen sind die, die im kommenden Jahr auf
weltweiter Ebene aufgenommen werden und zu einem weiteren Abbau aller Handelsschranken - der zoll-und der nicht-zollursächlichen - führen sollen.

Die ame-

rikanische Regierung hat hierfür umfassende Vorbereitungen in Angriff genommen, und in Kreisen des amerikanischen Handels setzt man große Erwartungen und
Hoffnungen auf diese Gespräche, die das in der Kennedy-Runde der sechziger
Jahre erreichte Maß an Handelsliberalisierung noch wesentlich erweitern sollen.
Dieser weltweiten Verhandlungsrunde werden jedoch andere Handelsgespräche
noch vorangehen. Diese Zollausgleichsverhandlungen sollen im Rahmen des

-1-

�des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) geführt werden und betreffen
die sich aus der Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
ergebenden Fragen sowie die Auswirkungen der besonderen Handelsvereinbarungen
zwischen der EWG und den ihr nicht als Vollmitglied angehörenden Ländern auf
den Handel mit Drittländern.
Wenn ein Land, das einer Zollunion beitritt, deswegen Zölle oder andere
Handelsschranken erhöhen muß, so fordern die GATT-Bestimmungen, daß die NichtMitgliedsstaaten für die Schädigung ihrer Handelsinteressen kompensiert werden
müssen. Da die Vereinigten Staaten gewillt sind, ihre Rechte und die anderer
Nicht-Mitgliedsstaaten zu wahren, dürften harte Verhandlungen bevorstehen. Die
wünschenswerte Lösung der Kompensationsfrage - vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten wie auch der anderen Länder, die mit der EWG hierüber in Verhandlungen
eintreten wollen - wären wahrscheinlich Maßnahmen, um die besondere Situation
zu korrigieren, die diese Probleme geschaffen hat, und das in früheren Verhandlungen geschaffene Gleichgewicht von Rechten und Pflichten wiederherzustellen.
Wo zum Beispiel die Agrarpolitik der EWG die Ausweitung der amerikanischen
Getreideexporte beeinträchtigt hat, könnte eine modifizierte Politik eingeschlagen werden, die das Einkommen der Bauern in der EWG wirksam schützen würde,
ohne daß die Landwirte anderer Länder einen Teil ihrer potentiellen Absatzmärkte verlieren.
Und wo die besonderen Handelsvereinbarungen der EWG mit Nicht-Mitgliedsstaaten zu einer Diskriminierung amerikanischer Waren führen, ließe sich das
Ausmaß solcher Diskriminierung auf verschiedene Weise verringern. Beispielsweise könnten die Gegenpräferenzen in den Abkommen zwischen der EWG und einigen
Entwicklungsländern aufgehoben werden, nach denen diese Länder Industrieerzeugnissen der EWG einen niedrigeren Zollsatz einräumen müssen als gleichen Importen aus den USA, Japan oder anderen Nicht-Mitgliedsländern.
Sollten

-2-

�Sollten die europäischen Länder nicht bereit sein, spezifische, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, so könnten sie auf andere Weise Kompensationen
gewähren. So könnten sie die Zölle für andere Erzeugnisse senken, die für die
USA von besonderem Interesse sind, und dadurch die durch Gegenpräferenzen sich
für den US-Handel ergebenden Verluste kompensieren.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß beide Seiten gewillt sind, ernsthaft
zu verhandeln. Europäische Sprecher scheinen zu akzeptieren, daß sie anderen
Ländern Kompensationen schuldig sind. Allerdings dürfte es darüber, wo und wie
solche Kompensationen erfolgen sollen,harte Verhandlungen geben.
Die Aussicht auf ein konstruktives Ergebnis wird durch die Bereitschaft
aller großen Handelsnationen, im kommenden Jahr eine umfassende, weltweite
Runde von Handelsgesprächen aufzunehmen, nur vergrößert. Ein Abbau oder eine
Beseitigung zahlreicher Handelsschranken auf weltweiter Ebene würde an sich
schon ausreichen, um zahlreiche Klagen über eine Handelsdiskriminierung auszuräumen. Würde bei einzelnen Erzeugnissen überhaupt kein Zoll mehr erhoben
werden, so könnte es bei diesen Erzeugnissen auch keine Diskriminierung durch
Zölle mehr geben.
Die Ergebnisse dieser beiden bevorstehenden Verhandlungsrunden könnten
also die Exportmöglichkeiten aller Länder verbessern, während der Welthandel
sich aufgrund der weltweiten Handelsliberalisierung weiter ausweitet. Und
ein solches konstruktives Ergebnis - nicht eine sterile Konfrontation - streben
die Vereinigten Staaten mit ihrer neuen dynamischen Handelspolitik an.

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PAKT ZUM SCHUTZ DER OZEANE,

91 Länder einigten sich auf internationale Konvention

--(AD)-- Vor zwei Jahren forderte der US-Präsidialbeirat für Umwelthygiene
die amerikanische Regierung auf, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, daß der Verseuchung der Ozeane Einhalt geboten werde. In den Vereinigten Staaten wurden daraufhin Gesetze vorbereitet, die eine weitere Verseuchung
durch das Versenken von Abfällen aus amerikanischen Quellen unterbinden sollten. Die Maßnahmen dienten auf der Stockholmer "UN-Konferenz über die menschliche Umwelt" (Juni 1972) als Modell für ein ähnliches internationales Programmi das bis Ende 1972 Rechtskraft erlangen soll.
Mitte November wurde darüber in London Einigung erzielt. 91 Länder, unter ihnen alle seefahrenden Nationen, stimmten einer globalen Konvention zu,
die Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation, als einen "historischen
Schritt zur Kontrolle weltweiter Meeresverschmutzung" bezeichnete. Aufgrund
dieser Konvention sind die Regierungen dafür verantwortlich, welche Art von
Abfällen in welchen Mengen und an welcher Stelle ins Meer geleitet werden.
Bei

i

�Bei manchen Substanzen besteht ein absolutes Verbot zur Abfallbeseitigung in
den Ozeanen. Zu ihnen gehören z,B

bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel, schwer

abbaufähige Öle und Koststoffmassen, stark radioaktive Abfälle sowie Kadmium und
Quocksilberund deren Verbindungen. Abfälle, die giftige Stoffe wie Blei, Chrom,
Arsen, Zyanide und Fluoride enthalten, dürfen nur mit Sondergenehmigung ins Meer
gebracht werden, alle übrigen Substanzen fallen unter ein allgemeines Genehmigungsverfahren.
Die Vereinbarungen von London berücksichtigen im wesentlichen die Ziele,
die die Vereinigten Staaten zum Schutz der Meere anstreben. So verbietet das
von Präsident Nixon am 28. Oktober 1972 unterzeichnete Gesetz das Versenken oder
Ablassen jeglicher Stoffe für radiologische, chemische oder biologische Waffen
oder stark radioaktiver Abfälle amerikanischer Herkunft im Meere. In den neuen
amerikanischen Bestimmungen ist auch die verschmutzende Wirkung anderer Abfallprodukte berücksichtigt - z.B, von Industrieabfällen, Klärschlamm, festen
Materialien und von Baggergut. Die Ablagerung solcher Produkte wird nach der
Untersuchung ihrer Auswirkungen von der US-Bundesbehörde für Umweltschutz geregelt.
Der "Pakt von London" tritt in Kraft, sobald er von mindestens 15 Signatarmächten ratifiziert worden ist

Diese verpflichten sich, "alle praktikablen

Schritte zu tun, um die Verschmutzung der Meere durch Abfallprodukte und andere
Stoffe zu verhindern, welche zwangsläufig Gefahren für die menschliche Gesundheit schaffen, die Nahrungskette und Lebewesen im Meer schädigen, Naturschönheiten zerstören oder anderweitig die rechtmäßige Nutzung der Meere beeinträchtigen." Wo in Sonderfällen eine Beseitigung gefährlicher Substanzen im Meer
unumgänglich ist, muß dies der Behörde oder Organisation, die beauftragt wird,
Informationen über die Meeresverschmutzung zu veröffentlichen, sofort gemeldet
werden. Die Durchsetzung der einzelnen Punkte der Konvention ist Sache der
Regierungen.
Die

T2-

�Die Konvention allein könnte allerdings die Probleme der Meeresverschmutzung
nicht lösen. Sie muß deshalb zusammen mit den übrigen Abmachungen wirksam werden, die durch internationale Gremien wie IMCO (Intergovernmental Consultative
Organization - Zwischenstaatliche Konsultativorganisation) insbesondere zur
Bekämpfung der Ölpest bereits durchgesetzt worden sind. Die USA stehen derzeit
inmitten der Vorbereitungen für die nächste IMCO-Konferenz im Herbst 1973.
Auf dieser soll eine neue Konvention angenommen werden, die sehr strenge Maßstäbe in bezug auf das Ablassen von Öl und Versenken gefährlicher Substanzen
im Meer sowie für die Konstruktion von Schiffen anlegt, mit denen solche Stoffe
transportiert werden.

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LABORSYNTHESE VON LANOSTERIN GELUNGEN

--(AD)-- Chemikern der Stanford Universität ist es zum ersten Mal gelungen,
eine der kompliziertesten biochemischen Reaktionen unter Laboratoriumsbedingungen zu simulieren. Prof. Eugene van Tamelen und Richard Anderson, einer
seiner Doktoranden, beschreiben in der Zeitschrift der "American Chemical
Society" (Ausgabe vom 15. November 1972) Reaktionsabläufe, die über Lanosterin zur Bildung der pflanzlichen und tierischen Steroide führen.
Bisher glaubte man, die Synthese von Lanosterin sei nur in Anwesenheit
von Enzymen möglich, die im Organismus als Katalysatoren fungieren. Die Natur
setzt ein ganzes System von Enzymen ein, um aus einem verhältnismäßig einfachen Molekül, nämlich Squalenoxid, Lanosterin zu produzieren. Dieses ist
die Muttersubstanz für zahlreiche wichtige Verbindungen - insbesondere für
Cholesterin und eine Gruppe von Körpern, zu der z.B, Vitamin D-Varianten,
Sexualhormone und Nebennierenrinden-Hormone wie Cortison gehören. Normalerweise gewinnt man alle synthetischen Hormone, auch die Bestandteile der Kontrazeptiva, aus natürlichen Steroiden. Nach den Angaben der Stanford-Wissenschaftler ist es bisher bei Abwesenheit von Enzymen nicht gelungen, aus Squalenoxid
Lanosterin aufzubauen. Die beiden Chemiker fanden jedoch ein nahezu identisches
Molekül, ein "Pseudo-Squalenoxid", Dieses Molekül führt in Verbindung mit
Enzymen oder - im Labor - mit einer Reihe von sauren Katalysatoren zum
Lanosterin-System.
Nach

-l-

�Nach Ansicht van Tamelens bedeutet dies einen wichtigen Schritt für die
organische Chemie. "Es gibt wenig Fälle, in denen man in einer einzigen Reaktion
mit so wenig Aufwand so viel erreichen kann", meint er. Die Aufdeckung der Rolle
des Squalenoxids bei der Biosynthese der Steroide ist ebenfalls Arbeiten von
Wissenschaftlern der Stanford-Universität zu verdanken.
Ob den neuen Experimenten und deren Ergebnissen kommerzielle Bedeutung zukommt, vermag van Tamelen noch nicht zu beurteilen. Aber sie lassen nunmehr bemerkenswerte Schlußfolgerungen auf Evolutionsprozesse zu. Höhere Lebensformen
könnten ohne Lanosterin überhaupt nicht existieren. Aus spektrographischen
Untersuchungen ist bekannt, daß es schon vor 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde
Steroide gab. Nach Meinung van Tamelens ist anzunehmen, daß sich diese Substanzen
spontan bildeten - und das bedeutet, daß vorher chemische Prozesse ohne Enzyme
am Werk waren. "Nachdem wir jetzt wissen, was ohne ein Enzym zustandegebracht
werden kann, sind wir auch eher in der Lage, seine reale Bedeutung zu erfassen
und abzugrenzen."
Die neuesten Ergebnisse stellen den Höhepunkt zehnjähriger Forschungsarbeit
dar. Dem Bericht van Tamelens zufolg e wurde das gleiche Verfahren nicht nur bei
Squalenoxid, sondern bei verschiedenen Ausgangsmaterialien angewandt, um mit
einfachen Mitteln noch kompliziertere Verbindungen zu gewinnen als Lanosterin
es ist. Dazu gehörten z.B. Beta-und Deltaamyrin (zwei sehr komplizierte Pflanzenprodukte) und Tetrahymanol, das normalerweise in Protozooen enthalten ist.

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6. Dezember 1972

INFORMATION:

Inhalt
William P. Rogers bleibt Außenminister der USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werdenEnger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen
-Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehenGeorge F. Shultz, Finanzminister mit erweitertem Aufgabenbereich
Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Peter M.Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz
in Helsinki
-WortlautWIRTSCHAFT:
Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken
-Von unserem WirtschaftskorrespondentenStellvertreterausschuß nahm Währungsgespräche in Washington auf
-Von Eugene BrakeWISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation
-Von G.WeissNoch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen
Strahlungsausbruch eines Röntgensterns

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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49/1972

WILLIAM P. ROGERS BLEIBT AUSSENMINISTER DER USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden-

WASHINGTON — ( A D ) — William P. Rogers, einer der engsten Mitarbeiter Präsident Nixons, soll auch in der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Außenminister der USA bleiben.
Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 30. November
mitteilte, soll Außenminister Rogers für die nächsten vier Jahre ein "starkes neues Team" zur Seite stehen, damit die sich aus den außenpolitischen
Initiativen der letzten Jahre ergebenden Ziele verwirklicht werden könnten.
Präsident Nixon hat in diesem Zusammenhang noch einmal die hervorragenden Verhandlungsqualitäten von Außenminister Rogers unterstrichen und seine
Befriedigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß Rogers auch in der neuen
amerikanischen Regierung eine "zentrale Rolle" spielen werde. Nixon verwies
auf eine Reihe von Initiativen, bei denen sich Außenminister Rogers besonders
engagiert habe, und nannte hier den Nahen Osten, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Verhandlungen für eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Zweiter

-1-

�Zweiter Mann im State Department und damit Stellvertreter von Rogers soll
der bisherige Stellvertretende Verteidigungsminister Kenneth Rush werden, der
vom Juli 1969 bis zum Februar 1972 Botschafter der USA in Bonn war. Er wird
die Nachfolge von John N. Irwin antreten, der einen hohen Botschafterposten
übernehmen soll.
Rush wurde am 17. Januar 1910 geboren, studierte an der Universität von
Tennessee und in Yale, war lange Jahre als Rechtsanwalt tätig und trat 1936
in den Dienst der Union Carbide Corporation, deren Präsident er von 1966 bis
zu seiner Berufung zum Botschafter in Bonn war.
Für das neugeschaffene Amt des Staatssekretärs für Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department ist der bisherige Leiter des Effekten-und
Börsenaufsichtsamtes, William J. Casey, vorgesehen. Damit soll nach den Worten von Präsident Nixon dem künftigen "intensiven internationalen Wirtschaftswettbewerb" Rechnung getragen werden. Casey habe auf seinem Posten im Effektenund Börsenaufsichtsamt jene Initiative bewiesen, die für das neue Amt benötigt werde. Der 59jährige Casey, von Haus aus Jurist, hatte maßgeblichen Anteil an der Durchführung des Marshall-Planes in Europa,
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im State Department soll der
bisherige Botschafter der USA und persönliche Vertreter Nixons bei den Pariser
Vietnamverhandlungen, William J. Porter, werden. Er wird an die Stelle von
U. Alexis Johnson treten, der mit einer neuen wichtigen Aufgabe betraut werden
soll. Porter leitet die amerikanische Delegation in Paris seit dem 31. Juli
1971. Vorher war er Botschafter der USA in Korea und Algerien sowie Stellvertretender Missionschef in Vietnam. Er gehört dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1937 an.
Das

-2-

�Das Amt des Staatssekretärs für die Koordinierung der Sicherheitshilfeprogramme der USA soll weiterhin von seinem bisherigen Leiter Curtis W. Tarr
geführt werden. Dieses Amt war 1971 durch Gesetz geschaffen worden und ist
seit Anfang 1972 besetzt. Zuvor war Tarr, der 1924 geboren wurde und an der
Harvard-Universität studiert hatte, Direktor der Bundeszentrale für Wehrdiensterfassung .
Alle Neuernennungen müssen vom Senat der USA bestätigt werden.

Rogers: USA werden ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter
verfolgen

Nach den Worten von Außenminister Rogers werden die Vereinigten Staaten
in den nächsten vier Jahren ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter verfolgen und das bisher auf außenpolitischem Gebiet Erreichte weiter ausbauen.
Vor Pressevertretern sagte Rogers am 30. November, hierzu gehörten insbesondere die Phase II der Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT), die vorgeschlagene Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Der Außenminister versicherte, daß er auch in
Zukunft seine ganze Kraft für die Interessen der Vereinigten Staaten einsetzen
werde. Dies habe er bisher getan, und dies werde auch in Zukunft der Fall
sein.
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49/1972
ENGER VERTRAUTER NIXONS ALS NATO-BOTSCHAFTER VORGESEHEN
- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat einen seiner engsten Mitarbeiter
und Vertrauten im Weißen Haus, den ehemaligen Kongreßabgeordneten Donald
Rumsfeld, als Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat vorgesehen. Wenn der Senat nach der Einberufung des neuen amerikanischen Kongresses im Januar nächsten Jahres die Ernennung Rumfelds bestätigt, wird er in Brüssel die Nachfolge von Botschafter David Kennedy antreten, der als früherer Finanzminister und Sonderbotschafter ebenfalls
zu den engen Vertrauten Nixons zählt. Kennedy wird in den Ruhestand treten.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, der die Ernennung am 4. Dezember bekanntgab, betonte, daß der Präsident der"Stärkung und Neubelebung des Bündnisses"höchste Priorität einräume. Dies komme
schon dadurch zum Ausdruck, daß er einen seiner engsten Mitarbeiter im
Weißen Haus für den Botschafterposten bei der NATO in Brüssel ausersehen
habe. Rumsfeld sei wegen seiner vielfältigen Erfahrungen, vor allem auch
auf wirtschaftlichem Gebiet und seines Verhandlungsgeschicks für den Posten
in Brüssel hervorragend geeignet.
Donald

�Donald Rumsfeld gehört seit Mai 1969 dem Kabinett Nixon an; zunächst
war er Leiter des Amtes zur Sicherung des Wirtschaftlichen Fortkommens
(OECf. und Referent im Weißen Haus, um dann Sonderberater des Präsidenten
zu werden.
Als Direktor des Lebenshaltungskostenrates ist Rumsfeld für die
Durchführung der Phase II des wirtschaftlichen Stabilitätsprogrammes des
Präsidenten verantwortlich. Gleichzeitig gehört er wichtigen wirtschaftlichen Beratungsgremien an.
Am 9. Juli 1932 in Chicago im Staate Illinois geboren studierte
Rumsfeld an der Princeton-Universität und diente von 1954 bis 1957 als
Fluglehrer bei der amerikanischen Marine. Anschließend war er als
Assistent für verschiedene Kongreßabgeordnete tätig und wurde dann 1962
selbst zum ersten Mal als Vertreter des Wahlkreises 13 in seinem Heimatstaat Illinois in den Kongreß gewählt. Bis zu seiner Wahl war er für das
Bankhaus A.G.Becker &amp; Co. in Chicago tätig gewesen.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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49/1972

GEORGE P. SHULTZ, FINANZMINISTER MIT ERWEITERTEM AUFGABENBEREICH

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
wird dem neuen Kabinett Nixon mit einem erweiterten Aufgabenbereich angehören.
Präsident Nixon hat Shultz nicht nur in seinem bisherigen Amt bestätigt, sondern ihn gleichzeitig zum Sonderberater des Präsidenten und zum Vorsitzenden
des neugeschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik ernannt.
Damit ist Shultz praktisch zum Gesamtkoordinator der amerikanischen Wirtschafts«
politik geworden.
Shultz, der bereits 1969 von Präsident Nixon zu seinem Arbeitsminister
ernannt worden war und der dann 1970 das neugeschaffene zusammengefaßte Amt
für Planung und Haushalt übernahm, wird dem Präsidenten auch je nach Bedarf
für Sonderaufgaben zur Verfügung stehen. Neben seinem Amt als Finanzminister,
das er am 12.Juni 1972 übernommen hat, wird Shultz als Sonderberater des Präsidenten im Weißen Haus ein eigenes Büro haben, und als Vorsitzender des
neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik wird er dem Präsidenten gegenüber die Gesamtverantwortung für die Finanz-und Wirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten nach innen und außen tragen.
Der

-1-

�Der Präsident selbst hat der Wirtschaftspolitik nach der nationalen
Sicherheit und Verteidigung die zweithöchste Priorität eingeräumt und damit
dürfte Shultz eine besondere Stellung im Kabinett einnehmen.
Geboren am 13. Dezember 1920 in New York wirkte Shultz nach dem Jurastudium an der Princeton-Universität (Bachelor of Laws 1942) und dem Wirtschaftsstudium am Massachusetts Institute of Technology (Doktor 1949) an dessen
wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät als Lektor und, ab 1955, a.o.Professor.
Seit 1957 o.Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und seit 1962 dessen Dekan hat sich Shultz einen internationalen Ruf in Finanz-und Wirtschaftsfragen erworben.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von George P.
Shultz zur Verfügung .

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49/1972

HERBERT STEIN BLEIBT VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, am 1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Stein, der dem wichtigen Beirat seit dem 4. Februar 1969 angehörte,
hat am 1. Januar 1972 dessen Vorsitz von Paul W. McCracken übernommen.
Am 27. August 1919 in Detroit im Staate Michigan geboren studierte
Stein am Williams-College und war von 1938 bis 1945 als Wirtschaftler für
die amerikanische Regierung tätig - bis 1940 bei der Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, 1940-41 bei der Nationalen Kommission für Verteidigungsberatung, von 1941-44 beim Kriegsproduktionsausschuß und 1945 beim Amt
für Kriegsmobilisierung.
Von 1945 bis 1969 gehörte Stein dem Ausschuß für Wirtschaftliche Entwicklung an und war zuletzt Chefwirtschaftsberater.
Im Jahre 1958 promovierte er an der Universität von Chicago in Wirtschaftswissenschaften.
Stein

-1-

�Stein hat sich auch als Wirtschaftspublizist einen Namen gemacht und
verschiedene Bücher und Fachartikel veröffentlicht, darunter ein Buch über
die Preispolitik der Regierung.
Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von
Herbert Stein zur Verfügung.

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PETER M. FLANIGAN BLEIBT VORSITZENDER DES RATES FÜR INTERNATIONALE
WIRTSC HAFTS POLITIK

WASHINGTON -~(AD)-- Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden des
Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan, am
1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Flanigan, der seit dem 16. April
1969 dem Beraterstab des Weißen Hauses angehört, behält auch seinen Status
als Berater des Präsidenten.
Flanigan hatte bereits vor 1969 als ehrenamtlicher Berater der Regierung in Wirtschaftsfragen gewirkt und sich nach seiner Aufnahme in den Arbeitsstab des Präsidenten vorwiegend mit Fragen der Wirtschaft, des Handels und der Finanzen befaßt. Unter anderem hatte er Textilverhandlungen
mit Japan geführt.
Am 21. Juni 1923 in New York geborer

studierte Flanigan an der Prince-

ton-Universität und war im zweiten Weltkrieg Pilot auf einem Flugzeugträger der US-Marine im Pazifik.
Von 1947 bis zu seiner Berufung ins Weiße Haus im Jahre 1969 war
Flanigan bei der New Yorker Investitionsbank Dillon, Read &amp; Co. Inc. tätig. In den Jahren 1949 und 1950 erstellte er Wirtschaftsanalysen für die

-1-

�die Mission des Amtes für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (EAC) in Großbritannien. Ehrenamtlich arbeitete er auch für verschiedene Stiftungen
Bereits seit 1959 hatte er sich in Wahlkämpfen für Richard Nixon eingesetzt und war 1968 bei den Präsidentschaftswahlen Stellvertretender Wahlkampfmanager für Nixon.
Flanigan ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Peter
Flanigan zur Verfügung.

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PETER J.BRENNAN SOLL NEUER ARBEITSMINISTER WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Präsident Nixon hat den Gewerkschaftler Peter J. Brennan
zum Arbeitsminister in seinem Kabinett für die zweiten vier Jahre seiner
Amtszeit ausersehen. Die Nominierung Brennans bedarf noch der Bestätigung
durch den Senat.
Brennan wird damit der erste Gewerkschaftler seit 1953 sein, der dieses Amt übernimmt. Damals hatte Präsident Eisenhower Martin Durkin in das
Arbeitsministerium berufen. Brennan wird die Nachfolge von James Hodgson antreten, der von Präsident Nixon für einen anderen Regierungsposten auf internationaler Ebene vorgesehen ist. Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, in diesem Zusammenhang mitteilte, habe Hodgson eine Entscheidung bezüglich seiner Zukunft noch nicht getroffen.
Brennan wurde am 24. Mai 1918 in New York geboren. Nach Besuch der Handelsschule trat er der Gewerkschaft der Maler und Tüncher bei. Schon während
der Vorbereitung auf die Meisterprüfung und auch während des anschließenden
College-Besuches war er aktiv für die Gewerkschaft tätig. Während des zweiten
Weltkrieges wurde Brennan zur Marine eingezogen und im Pazifik eingesetzt.

Seit

�Seit Kriegsende gehörte Brennan der Bauarbeitergewerkschaft an, zu deren
Präsident er 1957 in

der Stadt New York und 1958 für den Staat New York ge-

wählt wurde. Gleichzeitig ist Brennan Vizepräsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/C10 für den Staat New York.
Neben der aktiven Gewerkschaftsarbeit hat sich Brennan in zahlreichen
kommunalen und karitativen Organisationen betätigt. Von Gouverneur Rockefeller
wurde er ferner in den Beirat für Arbeitsbeschaffung sowie in den Beirat des
Arbeitsministeriums des Staates New York für Sicherheitsbestimmungen berufen.
Und im September 1971 hatte Präsident Nixon ihn zum Mitglied des Nationalen
Beirates für die Förderung geistig und körperlich behinderter Kinder ernannt.
Brennan hat auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene zahlreiche
Auszeichnungen erhalten und sich in seiner Gewerkschaft besonders für die berufliche Förderung von Angehörigen der Minderheiten eingesetzt.
Brennan ist verheiratet und hat drei Kinder und fünf Enkel.

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ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PETERSON AUF DER KSZE-VORBEREITUNGSKONFERENZ IN HELSINKI
-Wortlaut-

HELSINKI--(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Val Peterson,
hat am 4. Dezember auf der Vorbereitungskonferenz für die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) folgende Erklärung abgegeben:
"Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren:
Ich möchte zuerst der Regierung Finnlands und der Stadt Helsinki meinen
tiefen Dank für die Vorbereitung dieser Konferenz aussprechen. Die großzügige finnische Gastlichkeit sollte

zusammen mit den uns zur Verfügung stehen-

den ausgezeichneten technischen Einrichtungen und ihrer hervorragenden Leitung unsere Arbeit wesentlich fördern. Wir sind wirklich dankbar, hier sein
zu dürfen.
In einer kürzlichen Erklärung an das amerikanische Volk hat Präsident
Nixon betont, und ich zitiere, "daß unser Land mit besonderer Dankbarkeit auf
die Ereignisse eines Jahres zurückblicken kann, das mehr Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden gebracht hat als irgend ein anderes Jahr

-1-

�Jahr während der letzten Generation" und daß ,lwir.... den Chancen entgegensehen können, die der Friede bringen wird".
Es bietet sich uns eine neue und einzigartige Möglichkeit, um zu dieser
sich entwickelnden Struktur des Friedens beizutragen. Im Mittelpunkt einer
friedlichen Welt steht ein friedliches Europa. Das ist die Lehre, die wir
alle aus zwei Weltkriegen gezogen haben. Und aus dieser Erfahrung haben die
Amerikaner noch eine weitere Lehre gezogen: Europas Sicherheit ist untrennbar mit der unsrigen verbunden.
Daher sehen wir dem Tag entgegen, da Europa nicht länger mehr gespalten
ist. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß Verständigung unter den
Völkern hierfür von grundlegender Bedeutung ist. Wir streben eine offenere
Welt an - offen für eine engere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte zwischen
den Völkern wie auch für einen freien Austausch von Gedanken und Informationen.
Herr Vorsitzender, wir treten in diese vorbereitenden Gespräche konstruktiv und aufrichtig ein. Wir glauben, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, wenn sie sorgfältig vorbereitet ist, bedeutsame
praktische Schritte ergreifen kann, um die Zusammenarbeit zu verstärken und
die Sicherheit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung jedes einzelnen unserer
Staaten, frei von ausländischer Einmischung zu fördern

- und daß sie damit

einen echten Beitrag zu dem gegenwärtig sich vollziehenden Prozeß einer europäischen Aussöhnung leisten kann.
Es liegt reichlich Arbeit vor uns. Jeder der hier vertretenen Staaten hat
eine wichtige Rolle zu spielen. Wir wollen eine allseits befriedigende Basis
für eine Konferenz auf Ministerebene schaffen, die über einen möglichst weitgesteckten Rahmen verhandeln kann:
Zuerst

-2-

�Zuerst einmal sollten unseres Erachtens allgemein akzeptierte Prinzipien
für das internationale Verhalten ohne jede Einschränkung auf die Beziehungen
zwischen uns allen angewandt werden - und wir befürworten Maßnahmen, die Vertrauen aufbauen könnten, daß militärische Truppenbewegungen und Manöver nicht
Instabilität und Mißverständnis schaffen.
Ferner können wir unseres Erachtens mit gutem Willen ainige der wirklichen Hindernisse für freie Kontakte zwischen unseren Völkern und für einen vermehrten Austausch von Informationen und Gedanken beseitigen.
Schließlich streben wir Maßnahmen an, die eine engere Zusammenarbeit auf
den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Umwelt fördern.
Angesichts der Vielzahl der vor uns liegenden Themen erscheint es nur angebracht und logisch, daß wir jetzt prüfen, wie wir unsere Arbeit am besten
fortsetzen können.

In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, wäre es unseres Erachtens ein Fehler, einfach den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und uns darauf zu
beschränken, nur eine Übereinkunft über Vereinbarungen für eine schließliche
Konferenz anzustreben. Täten wir dies, so würden wir die sich uns bietende Gelegenheit auslassen, eine Konferenz vorzubereiten, die bedeutsame Ergebnisse
zeitigen kann.
Unseres Erachtens wäre für uns der wünschenswerteste Weg, erst eine Übereinkunft über die Punkte einer Tagesordnung für eine Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa anzustreben.
Dies muß unserer Meinung nach zu einer sorgfältigen Prüfung der Bezugspunkte für eine weitere Vorbereitung jedes einzelnen Tagesordnungspunktes führen. Sobald wir einen Punkt erreicht haben, an dem es den Anschein hat, daß ausreichende Übereinstimmung in wesentlichen Fragen erreicht worden ist, so daß
ein weiteres Vorgehen gerechtfertigt wäre, ist es nur natürlich, daß wir unsere

-3-

�unsere Aufmerksamkeit den Verfahrensfragen für spätere Phasen, unter anderem
auch Ebene und Zuständigkeitsbereich der Konferenz selbst, zuwenden.
Herr Vorsitzender, ich sagte zu Beginn, daß sich uns eine neue und einzigartige Gelegenheit bietet. Wir stehen vor einer bedeutenden Aufgabe. Wir
sind damit betraut, sicherzustellen, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa meßbaren Fortschritt in Richtung auf Frieden und
Aussöhnung in Europa bringen wird. Angesichts der vor uns liegenden schwierigen Fragen wird es ein echter Prüfstein für die Diplomatie sein, ob es uns
gelingen wird, diese außergewöhnliche Aufgabe zu bewältigen. Wir sind zuversichtlich, daß konstruktive, verantwortungsbewußte und ernste Bemühungen jedes
Einzelnen an diesem Tisch es möglich machen werden, daß eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zur Schaffung einer Ära der Verhandlungen beitragen wird.

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KOORDINIERUNG DER WIRTSCHAFTSPOLITIK SOLL STELLUNG DER USA
IN DEN KOMMENDEN VERHANDLUNGEN STARKEN
-Von

WASHINGTON —

unserem Wirtschaftskorrespondenten-

Die Ernennung von Finanzminister George P. Shultz zum Vor-

sitzenden des neu geschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik
wird nachhaltige Auswirkungen auf die künftige Binnen-und Außenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten haben. Damit soll vor allem dem seit langem
bestehenden Erfordernis Rechnung getragen werden, die von den einzelnen
Ministerien und unabhängigen Regierungsämtern in Wirtschaftsfragen verfolgte Politik besser aufeinander abzustimmen. In der Vergangenheit vertraten
zum Beispiel Landwirtschaftsministerium, Arbeitsministerium und andere
Regierungsdienststellen häufig etwas andere Ansichten als die für den Außenhandel, die Auslandshilfe und die Währungspolitik der USA unmittelbar Verantwortlichen. Es gab keine zentrale Stelle, die ein einheitliches, auf
einander abgestimmtes Programm in Wirtschaftsfragen für die gesamte amerikanische Regierung abstecken konnte.
Dies

-1-

�Dies soll mit dem neuen Kabinettsausschuß für Wirtschaftspolitik unter
dem Vorsitz von Finanzminister Shultz anders werden. Der Ausschuß wird alle
binnen-und außenwirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung aufeinander abstimmen. Ihm werden die Chefs des Arbeitsministeriums, des Handelsministeriums,
des Landwirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums, des Außenministeriums und des Finanzministeriums sowie der Direktor des Amtes für Planung
und Haushalt und die Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
des Lebenshaltungskostenrates und des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik angehören. Shultz hatte, bevor er Mitte dieses Jahres das amerikanische Finanzministerium übernahm, selbst zwei dieser Ämter inne gehabt - er
war Arbeitsminister und Direktor des Amtes für Planung und Haushalt gewesen.
Auf internationaler Ebene bestätigen die Errichtung des neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik sowie andere von Washington in letzter Zeit
getroffene Maßnahmen eine Entwicklung, die in den letzten Wochen immer deutlicher zutagegetreten ist, nämlich die feste Absicht der Nixon-Administration,
der Außenwirtschaftspolitik einen höheren Rang in der Prioritätenliste einzuräumen und Entscheidungen in Fragen des Handels, der Reform des internationalen Währungssystems oder der Auslandsinvestitionen künftig auf einer höheren
Ebene zu treffen.
Noch vor den Novemberwahlen war bereits in Washingtoner Regierungskreisen
betont worden, daß im Falle einer zweiten vierjährigen Amtszeit Präsident
Nixons den wirtschaftlichen Fragen, und im besonderen den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, ein bedeutend größeres Gewicht zukommen werde. Berichten
zufolge soll Präsident Nixon sogar beabsichtigen, künftig häufiger persönlich
einzugreifen, um einen etwaigen toten Punkt in internationalen Wirtschaftsverhandlungen überwinden zu helfen, so wie der Präsident dies bereits beim
Zustandekommen des Smithsonian-Abkommens vom Dezember vorigen Jahres getan
hatte.
Finanzminister

-2-

�Finanzminister Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds(IWF) im September die Notwendigkeit unterstrichen, internationale Wirtschaftsfragen künftig auf einer hohen Regierungsebene zu behandeln, da es sich hier um Dinge handele, die für die nationalen Interessen
bestimmter Länder von großer Wichtigkeit seien. Internationale Entscheidungen
über solche Fragen könnten nur dann glaubwürdig und wirksam sein, wenn sie von
Politikern getroffen würden, die innerhalb ihrer eigenen Regierung maßgebenden
Einfluß haben. Das Finanzminister Shultz nunmehr übertragene neue Amt verleiht seinen Worten künftig ein solches Gewicht.
Amerikanische Regierungskreise weisen in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen einen gewichtigen Faktor bei der Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen den Ländern bilden. Und Außenminister
Rogers hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Präsident Nixon die Tatsache,
daß wir in einer "interdependenten Welt" leben, in der für alle so viel auf
dem Spiele steht, daß niemand den Frieden zu stören wagen kann, allen ins Bewußtsein zu rufen sucht. Handelsminister Peterson verwies auf dem Außenhandelskonvent in New York darauf, daß Handelspolitik zugleich Außen-, Sicherheits-.
Innen-wie auch Energiepolitik ist und daher im nationalen Interesse auf höchster
Ebene abgestimmt werden müsse. In diesem Sinne ist auch die Schaffung des Postens
eines weiteren Staatssekretärs für Wirtschaftliche Fragen im amerikanischen
Außenministerium zu sehen, für den Präsident Nixon den bisherigen Direktor des
Amtes für Planung und Haushalt, William J. Casey, nominiert hat.

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STELLVERTRETEKAUSSCHUSS NAHM WÄHRUNGSGESPRÄCHE IN WASHINGTON AUF
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Das für die detaillierten Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem zuständige internationale Gremium - die Stellvertretergruppe des Zwanziger-Ausschusses - hat letzte Woche in Washington
seine erste Sitzungsrunde abgeschlossen.
Im Mittelpunkt der Debatten auf dieser ersten Zusammenkunft der internationalen Währungsexperten stand eines der heikelsten Themen, mit denen sich
die Stellvertretergruppe zu befassen hat, nämlich wie im Rahmen des neuen
Systems ständige Zahlungsbilanzungleichgewichte abgebaut werden können, die
das alte, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffene
WährungsSystem in so große Schwierigkeiten brachten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Form des Anpassungsprozesses und die Frage, welche Rolle
Wechselkursanpassungen bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten
spielen können.
Sehr eingehend wurde dabei der amerikanische Vorschlag diskutiert, daß
sich das neue internationale Währungssystem objektiver Indikatoren für die
Entscheidung bedienen müsse, wann eine Regierung Maßnahmen zur Korrektur eines

-1-

�eines internationalen Zahlungsungleichgewichtes ergreifen soll. Nach Auffassung
der USA hat eine Regierung die Pflicht zu handeln, sobald es sich bei einem
Ungleichgewicht um einen Zahlungsbilanzüberschuß oder ein Zahlungsbilanzdefizit
handelt.
Der amerikanische Finanminister George Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September betont, der beste
und objektivste Indikator hierfür sei, wenn sich der Stand der internationalen
Währungsreserven eines Landes -IWF-Sonderziehungsrechte, Gold und harte Devisenverändere. Gerade dieser Punkt wurde jetzt von den Währungsexperten eingehend
erörtert; die Vereinigten Staaten erläuterten ihre Auffassung näher, und die
anderen Staaten legten ihre Ansichten dazu dar. Wie der Vorsitzende der Gruppe,
Jeremy Morse, vor Korrespondenten betonte, bestand allgemeine Übereinstimmung
darüber, daß die angewandten objektiven Indikatoren lediglich die Notwendigkeit

von Anpassungsmaßnahmen seitens der betreffenden Regierung anzeigen sollten,
nicht jedoch von spezifischen Wechselkursänderungen, sobald der Gefahrenpunkt
überschritten ist. Die USA hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt darauf hingewiesen, daß den einzelnen Ländern nach ihrer Ansicht ein, Höchstmaß an Freiheit
hinsichtlich der Wahl der Anpassungsmaßnahmen - beispielsweise Handelsliberalisierung statt Wechselkursänderung, sofern damit das angestrebte Ziel auch erreicht werden kann - eingeräumt werden sollte. Es soll also, wie Morse ausführte, bei Erreichen eines bestimmten Punktes nicht"automatisch"eine bestimmte Maßnahme ausgelöst werden.
Verschiedene Länder waren offensichtlich der Ansicht gewesen, daß den Vereinigten Staaten ein "automatisches System" vorschwebte, als Finanzminister
Shultz die amerikanischen Pläne auf der IWF-Jahrestagung darlegte. Diese Auffassung ist von dem Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, korrigiert worden, der in seiner Rede auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in
New York am 13. November erklärte, daß solche vereinbarten objektiven Kriterien

-2-

�Kriterien nicht unfehlbar auf entsprechende Maßnahmen hinweisen könnten. Sie
könnten lediglich Zeiten schwerwiegender Zahlungsbilanzungleichgewichte anzeigen und zu der Auffassung führen, daß wirksame Anpassungsmaßnahmen vorgenommen
werden sollten. Die betreffenden Länder, so hatte Volcker weiter ausgeführt,
sollten und könnten selbst weitgehend über die Form ihrer Anpassungspolitik
entscheiden. In internationalen Konsultationen werde festgestellt werden, ob
das Kriterium auf eine bestimmte Situation anzuwenden oder der seltene Fall
eingetreten sei, daß das Kriterium ein "falsches Signal" gesetzt habe.
Aber auch ein anderer Punkt wurde auf dieser ersten Sitzungsrunde erörtert,
nämlich inwieweit Druck oder Sanktionen angewandt werden dürfen, falls die internationalen Konsultationen nicht ausreichten, um ein Land zur Durchführung
der erforderlichen Anpassungen zu bewegen. Morse betonte jedoch, daß die Gesprächsteilnehmer zu diesen oder zu anderen Aspekten des Reformpaketes noch
nicht endgültig Stellung beziehen würden, bevor die Stellvertreter alle Fragen
geprüft hätten.
Die Stellvertretergruppe hofft, bereits auf ihrer nächsten Sitzungsrunde
vom 23. bis 25. Januar in Paris die Erörterungen des Anpassungsprozesses abschließen und sich einem weiteren wichtigen Gebiet zuwenden zu können, nämlich
der Rolle, die IWF-Sonderziehungsrechte, Gold, Dollar und andere Reservewährungen in dem neuen System einnehmen werden. Auf der März-Sitzung sollen dann die
besonderen Interessen der Entwicklungsländer zur Sprache kommen. Die Stellvertretergruppe will weiterhin alle zwei Monate zusammentreten, so daß der gesamte
Fragenkomplex einer Reform des internationalen Währungssystems bis zur nächsten
Jahrestagung des IWF im September 1973 in Nairobi behandelt werden kann.

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APOLLO 17:
RÄTSELHAFTE GRAVITATION
Von G.Weiss

.--(AD)-- Als Wirkungskraft ist die Gravitation, die Anziehungskraft zwischen zwei oder mehreren Massen, wohlbekannt, obgleich ihr Wesen noch
nicht restlos aufgeklärt ist. Die Entfernung der Körper voneinander und
ihre relative Größe spielen jedenfalls eine wichtige Rolle. Der englische
Naturforscher Isaac Newton berechnete die Gravitation und wies auf Grund
seiner Beobachtungen von Planetenbahnen um die Sonne schon vor 290 Jahren
nach, daß es sich bei dieser Kraft um eine universale Größe, eine Naturkonstante handelt.
Gravitation ist zwischen allen Massen vorhanden, gleichgültig, wo sie
sich gerade befinden. Sie erklärt, weshalb ein Apfel zu Boden fällt, ein
locker gespanntes Seil durchhängt oder weshalb die Planeten scheinbar unverändert in ihrer Bahn um die Sonne verbleiben. Ihre Eigenbewegung ist das
Resultat eines Gleichgewichtszustandes zwischen Kräften innerhalb eines bestimmten Bezugssystems und im Einflußbereich eines Gravitationsfeldes.
Auch

-l-

�Auch die Erde und ihr Satellit, der Mond, bilden eines der unzähligen
Systeme im Kosmos, dessen einzelne "Glieder" ein gemeinsames Gravitationszentrum haben. Aber die Masse des Mondes greift an den Milliarden und Abermilliarden Materieteilchen, aus denen die Erde besteht, mit unterschiedlicher Stärke
an, weil diese Teilchen verschieden weit von der Masse des Mondes entfernt und
verschieden stark beweglich sind. Daraus erklären sich z.B. Ebbe und Flut oder
auch die Deformation von festem Gestein an oder nahe der Erdoberfläche unter
dem Einfluß der Massenanziehung des Mondes.
Während dabei die Erdkruste stellenweise um Zentimeter oder ein paar Dezimeter verformt wird und, gemessen an der flächenmäßigen Ausdehnung, in
einem normalerweise kaum wahrnehmbaren Ausmaß "pulsiert", können die Höhenunterschiede zwischen Ebbe und Flut an den Meeresküsten sogar mehr als 20 m
betragen. Das ist örtlich ganz verschieden und von sehr vielen zusätzlichen
Faktoren, u.a. vom Wind und vom Stand der Sonne (und damit von deren Massenanziehung als weiterer Komponente) abhängig.
Entsprechende Messungen wurden bisher nur auf der Erde durchgeführt. Beim
Unternehmen APOLLO 17 sollen nun zum ersten Mal Gravimeter auf einem anderen
Himmelskörper eingesetzt werden. Das eine dieser Instrumente, das die Astronauten bei ihren Erkundungsfahrten mitführen, wird absolute Messungen des örtlichen Schwerefeldes im Bereich des Landeplatzes ermöglichen. Das andere dagegen soll über einen längeren Zeitraum relative Werte der Gravitation unter
dem Einfluß der Massenanziehungskraft anderer kosmischer Objekte übermitteln.
Die für dieses Experiment zuständigen Wissenschaftler hoffen,, dabei auch
"Gravitationswellen" aus der Tiefe des Universums registrieren zu können.
Gravitationswellen spielen seit Einführung der allgemeinen Relativitätstheorie durch Albert Einstein im Jahre 1915 in der theoretischen Physik eine
Rolle. Demnach müßten beschleunigte Massen, sofern sie sich nicht gleichförmig

-2-

�gleichförmig parallel, sondern relativ zueinander und deshalb mit veränderlicher Massenanziehung bewegen, Gravitationswellen abstrahlen, die sich mit
Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen. Diese Wellen führen Energie und Kraftmomente mit sich und sind somit in gewisser Weise elektromagnetischen Wellen vergleichbar. Während diese jedoch nur mit elektrischen Ladungen und Strömen in
Wechselwirkung treten, reagieren Gravitationswellen mit allen Formen von Materie
und Energie.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber von der Universität Maryland
versucht seit fast eineinhalb Jahrzehnten, mit empfindlichen Detektoren Gravitationswellen zu erfassen. Durch ständige Verbesserung seiner Apparaturen
und seiner Meßtechnik glaubt Dr. Weber, daß ihm dies in den letzten drei Jahren
auch tatsächlich schon mehrfach gelungen sei und das Milchstuaßenzentrum als
"Strahlungsquelle" ausgemacht werden könne. Viele seiner Kollegen zweifeln
die Ergebnisse und ihre Interpretation an. Dennoch sind ähnliche Experimente
inzwischen an zahlreichen Instituten in aller Welt in Angriff genommen worden;
auch das Max Planck-Institut in Garching bei München befaßt sich damit.
Das größte Hindernis bei derartigen Experimenten ist eben die Tatsache,
daß die Energie möglicher Gravitationswellen für die meisten Objekte auf der
Erde viel zu klein ist, um hier überhaupt gemessen werden zu können. Deshalb
ist Weber schon seit langem dazu übergegangen, Detektoren mehr als 1 000 km
voneinander entfernt aufzustellen und sie durch Telefonverbindung miteinander
zu koppeln. Denn da es sich bei den von ihnen registrierten Vibrationen
- vielleicht - um die Wirkung einer kosmischen Kraft handelt, müßten diese
Vibrationen auf der Erde an vielen Orten gleichzeitig verzeichnet werden
können. Besser wäre es jedoch, sowohl von der Erde als auch einem anderen
Himmelskörper Meßdaten dafür zu bekommen, beide Objekte gewissermaßen als
"Antennen" für Gravitationswellen aus dem Kosmos zu benutzen.
Genau

-3-

�Genau das soll beim Unternehmen APOLLO 17 geschehen. Dr. Weber
schickt ein Oberflächengravimeter mit auf die Reise, dessen Meßdaten
möglicherweise auch über Gravitationswellen, die den Mond durchlaufen,
Auskunft geben. Allerdings wäre der Effekt nur dann als solcher zu erkennen, wenn zur gleichen Zeit Detektoren auf der Erde, wo allerdings
Ebbe und Flut, Druckveränderungen in der Atmosphäre und seismische Aktivität erhebliche Störeffekte ausüben, ihn ebenfalls registrierten.
In erster Linie aber gibt das Webersche Gravimeter, das nach dem
Prinzip einer empfindlichen Federwaage - mit einem Präzisionsgewicht aus
Wolfram und einer Spiralfeder - funktioniert und Schwingungen als Folge
der Aufnahme von Vibrationen in elektrische Meßwerte umsetzt, Auskunft
über den Massenanziehungseffekt der Erde, der Sonne und der übrigen Planeten des Sonnensystems auf dem Mond. Die Kräfte verändern sich ja ständig mit der jeweiligen Position der Himmelskörper zueinander. Jedenfalls
stellt der Mond für diese Art Untersuchungen ein geradezu ideales Experimentierfeld dar. Man erwartet, daß das Oberflächengravimeter etwa
zwei Jahre lang Daten übermittelt.

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49/1972

NOCH MEHR SCHUTZ VOR IONISIERENDEN STRAHLEN

--(AD)-- Eine Gruppe prominenter amerikanischer Wissenschaftler hat vorgeschlagen, die für die allgemeine Bevölkerung zulässige Dosis an ionisierender Strahlung noch mehr zu reduzieren. In einem 470 Seiten umfassenden
Bericht begründet eine Kommission der Nationalen Akademie der Wissenschaften, welche sich speziell mit den biologischen Auswirkungen ionisierender
Strahlen befaßt, ihre vor allem für viele Gebiete der Medizin einschneidende Schlußfolgerung. Die Bedenken der Expertengruppe beruhen auf der Befürchtung, daß bei weiterer Anwendung von Röntgenstrahlen und anderen Quellen
ionisierender Strahlung im bisherigen Umfang die Häufigkeit der Krebserkrankungen und der Erbschädigungen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde.
Die Untersuchungen, die dem Bericht vorausgingen, wurden auf Ersuchen
der US-Bundesbehörde für Umweltschutz und des amerikanischen Bundesministeriums für das Gesundheitswesen durchgeführt. Auf Grund der bisher gültigen
Bestimmungen ist pro Jahr eine Bestrahlungsdosis bis zu 170 Millirem (170
Tausendstel "röntgen cquivalent man" = biologisches Äquivalent von Röntgenstrahlung) zulässig. Diese Maximaldosis, die beispielsweise

durch vier

Röntgenaufnahmen vom Brustkorb Zustandekommen würde, möchte die Kommission
reduziert sehen. Sie befürchtet, daß andernfalls mit der Zeit die Todesfälle
als Folge von Krebs um 2 Prozent jährlich ansteigen würden. Denn die

-i-

�die Strahlenwirkung im Organismus summiert sich im Laufe der Jahre.
Auch in der Natur ist ionisierende Strahlung vorhanden. Sie entsteht
durch kosmische Strahlen oder den Zerfall radioaktiver Bestandteile von
Gestein, beispielsweise im Granit. In manchen Gegenden beträgt diese Dosis
sogar ein Mehrfaches der oben erwähnten Maximaldosis aus künstlichen Quellen.
Angesichts cieser Strahlenbelastung, gegen die sich niemand schützen kann,
sollte nach Meinung der Kommission die Belastung durch künstliche Strahlungsquellen so klein wie nur irgend möglich gehalten werden. In dieser Beziehung
seien noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In dem Bericht werden
u.a. elektronische Geräte und Leuchtzifferuhren als mögliche Strahlungsquellen
erwähnt, bei denen noch mehr als bisher auf eine Verminderung ihrer Strahlen emmission hingearbeitet werden sollte.Die Bemühungen sollten sich jedoch
.rster Linie auf die weitere Verbesserung der Röntgentechnik und auf die
stärkere Beachtung und Entwicklung von Methoden richten, um die Einwirkung
von Röntgenstrahlen auf ein Mindestmaß zu beschränken. So wird u.a. in Frage
gestellt, ob Schirmbild-Massenuntersuchungen, beispielsweise auf Lungenkrebs
und Tuberkulose, tatsächlich im bisherigen Umfang erforderlich und ergiebig
genug seien. Zumindest sollte der Kreis der auf diese Weise zu untersuchenden
Personen durch mögliche anderweitige Tests wesentlich eingeschränkt werden.
Ähnliches gelte für diagnostische Untersuchungen beim Mann und bei Frauen
(z.B. zur Vornahme einer Mammographie), bei denen bereits eine Schwangerschaft
festgestellt wurde oder zu vermuten ist.

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49/1972

STRAHLUNGSAUSBRUCH EINES RÖNTGENSTERNS

--(AD)— Um mehr als das 200fache ihrer normalen Intensität verstärkten
sich Anfang September 1972 die Radiosignale von Cygnus X-3, einer Röntgenstrahlungsquelle im Sternbild des Schwans. Dr. Mark A. Stull und Larry R.
D'Addario beobachteten die "Eruption" von Radiostrahlung über mehrere Tage
mit einem der modernsten Radioobservatorien der Welt - nämlich mit dem
aus fünf Parabolantennen bestehenden Interferometer des radiowissenschaftlichen Instituts der Stanford-Universität. Jede der Schüsselantennen des
Observatoriums hat 18 m Durchmesser.Die Antennen,die auf einer 205 m langen,
von Ost nach West verlaufenden Strecke montiert sind, können auf jede Radioquelle am Firmament gerichtet werden und diese beobachten, solange sie über
dem Horizont steht. Die Oberfläche der fünf Antennen zusammen entspricht
dem Auflösungsvermögen einer Einzelantenne von mehr als 200 m Durchmesser.
Die Meßdaten jeder Station werden separat aufgezeichnet und von einem
Computer wieder zusammengefügt, der auf Befehl den Durchschnittswert für
die Einzelmessungen ausdruckt.
Nie zuvor war ein derartiges Phänomen, das sich einige Wochen später
noch einmal wiederholte und auch von einigen anderen Radioobservatorien
erfaßt wurde, beobachtet worden. Der Ost-West-Durchmesser der unsichtbaren

�unsichtbaren Strahlungszunge betrug den Meßdaten zufolge auf dem 2,8 craBand (10 690 Megahertz) nicht mehr als fünf Bogensekunden. Mit dem optischen Fernrohr ist die Strahlungsquelle, einer der hellsten "Röntgensterne",
der bisher geortet wurde, nicht auszumachen. Niemand weiß genau, wie weit
sie von der Erde entfernt ist oder um was für ein Objekt es sich tatsächlich
handelt. Man glaubt jedoch, daß s_ch Cygnus X-3 in der Nähe eines optisch
gut sichtbaren Sternhaufens befindet, dessen Entfernung auf ca. 6 500 Lichtjahre geschätzt wird.
Cygnus X-3, vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Forschungsrakete entdeckt, eröffnete der Astronomie eine neue Dimension. Inzwischen wurden
-vor allem durch entsprechend ausgerüstete Forschungssatelliten- mehr als
hundert Röntgenstrahler im Kosmos ausfindig gemacht. Eine ganze Anzahl von
ihnen gibt in diesem sehr kurzwelligen Bereich des elektromagnetischen Spektrums viel mehr Energie ab als im Bereich des sichtbaren Lichts oder der
Radiowellen.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;1. Information&lt;br /&gt;William P. Rogers bleibt Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George P. Shultz, Finanzminister mit erweirtem Aufgabenbereich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter M. Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz in Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertreterausschuss nahm Währungsgespräche in Washington auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlungsausbruch eines Röntgensterns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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Nummer

50

Inhalt

Dezember

u

1972

DOKUMENTATION:
Präsident
-Wortlaut

Nixon e r n e u e r t a m e r i k a n i s c h e E u r o p a - G a r a n t i e
d e s S c h r e i b e n s a n d e n NAT0~Rato

INFORMATION:
F r e d e r i c k B. Dent a l s n e u e r a m e r i k a n i s c h e r H a n d e l s m i n i s t e r

vorgesehen

James T . Lynn zum M i n i s t e r f ü r Wohnungsbau u n d S t ä d t e p l a n u n g

nominiert

Claude S. Brinegar s o l l a m e r i k a n i s c h e r Verkehrsminister^ werden
D r . E a r l L . Butz w e i t e r h i n L a n d w i r t s c h a f t s m i n i s t e r
Rogers C.B.Morton w i r d I n n e n m i n i s t e r
Richard Kleindienst

d e r USA

d e r USA b l e i b e n

bleibt amerikanischer

Justizminister

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA b e t r ä c h t e n NATO^-Konferenz a l s e r f o l g r e i c h
Von P e t e r K a r e g e a n n e s
WIRTSCHAFT:
P r ä s i d e n t Nixon o r d n e t S o f o r t m a ß n a h m e n
P r e i s a u f t r i e b s an
US-Wirtschaftsbeirat
friedigt

z u r w e i t e r e n Eindämmung d e s

über w i r t s c h a f t l i c h e

E n t w i c k l u n g im November b e -

US-Handelskammer h o f f t a u f w e i t e r e H a n d e l s l i b e r a l i s i e r u n g
-Von u n s e r e m W i r t s c h a f t s k o r r e s p o n d e n t e n WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nach APOLLO 1 7 : I r d i s c h e P r o b l e m e h a b e n V o r r a n g
Von W a l t e r F r ö h l i c h
Darmgrippe-Erreger
~US..Wissenschaftler
Drüsensekret

gefunden?
isolierten

Kleinstvirus-

a u s dem G e h i r n b e e i n f l u ß t

Depressionen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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PRÄSIDENT NIXON ERNEUERT AMERIKANISCHE EUROPA-GARANTIE
-Wortlaut des Schreibens an den NATO-Rat-

BRÜSSEL —(AD)-- Präsident Nixon hat in einem Schreiben an den Nordatlantikrat erneut versichert, daß die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in
Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht verringern werden, sofern die andere Seite nicht entsprechende Schritte ergreift. Das von dem
amerikanischen Außenminister William P. Rogers am 7. Dezember vor den NATOMinistern verlesene Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Wenn wir jetzt dem Jahre 1973 entgegengehen, stehen wir am Beginn von
Verhandlungen, die uns einem dauerhaften Frieden näher bringen können, der
das Ziel des nordatlantischen Bündnisses ist:
-- Es haben Sondierungen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa begonnen.
-- Es werden in Kürze Sondierungen bezüglich beiderseitiger und ausgewogener Truppenreduzierungen beginnen.
-- Bilaterale Gespräche zwischen einzelnen Verbündeten und Mitgliedern
des Warschauer Paktes über Fragen der Sicherheit und des Friedens
dauern an.
Diese

�Diese Aussichten auf Frieden müssen jedoch auf einer Grundlage fortdauernder militärischer Bereitschaft basieren. Diese konkurrierenden Anforderungen stehen im Wettstreit miteinander um die begrenzten Haushaltsmittel, die jedem einzelnen Verbündeten zur Verfügung stehen. Unsere Völker geben immer mehr den berechtigten innenpolitischen Erfordernissen einer
demokratischen und modernen Gesellschaft nach, während gleichzeitig die
Kosten einer modernen und verbesserten Verteidigung steigen.
Das wird die Stärke und Dynamik dieses Bündnisses auf eine Bewährungsprobe stellen, unsere geraeinsame Verteidigung in solchen Zeiten aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Aber diese Aufgabe muß bewältigt werden.
Was uns anbetrifft, so erneuern die Vereinigten Staaten ihr feierliches
Versprechen, daß wir bei einer entsprechenden Haltung unserer Verbündeten
unsere Streitkräfte in Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht
verringern werden, es sei denn, unsere Gegner ergreifen entsprechende
Schritte.
Wir blicken auf Sie - auf Sie alle -, daß Sie die beachtlichen Anstrengungen fortsetzen, die Sie unternommen haben, um einen größeren Teil der
Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen. Auf seine eigene Weise
muß jeder Verbündete sicherstellen, daß sein Volk die fundamentalen Zusammenhänge versteht, die zwischen einer militärisch starken NATO und erfolgreichen
Verhandlungen bestehen. Ohne dieses Verständnis und ohne die Unterstützung
unserer Völker kann dieses Bündnis nicht überleben. Wenn Sie dies bedenken,
so bin ich zuversichtlich, daß die Staatsmänner und die freien Völker des
nordatlantischen Bündnisses weiterhin unverminderte Verteidigungsanstrengungen jedes einzelnen Mitgliedes unterstützen werden."

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50/1972

FREDERICK B. DENT ALS NEUER AMERIKANISCHER HANDELSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON —(AD)-- Als neuen Handelsminister der Vereinigten Staaten hat
Präsident Nixon den Industriellen Frederick B. Dent vorgeschlagen. Dent,
dessen Nominierung der Bestätigung durch den amerikanischen Senat bedarf,
soll die Nachfolge von Peter G. Peterson antreten, der das Amt des Handelsministers am 27. Januar 1972 übernommen hatte.
Peterson wird temporär den Posten eines Sonderbeauftragten des Präsidenten übernehmen und nach einer Informationsreise durch Europa und Asien
- und möglicherweise auch Lateinamerika - Vorschläge für eine bessere Koordinierung der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten und der wichtigsten Handelspartner der USA ausarbeiten.
Frederick Baily Dent wurde am 17. August 1922 in Cape May im Staate
New Jersey geboren und schloß 1943 seine Studien an der Yale-Universität
ab. Von 1943 bis 1946 diente er in der Reserve der US-Marine.
Anschließend ging er in die Wirtschaft und spielte eine bedeutende
Rolle in der Textilindustrie. Er war Direktor der Firma Joshua L. Baily
&amp; Co. in New York und übernahm 1947 die Textilfirma Mayfair Mills _in

-1«

�in Arcadia im Staate South Carolina als Präsident. Daneben hatte er Direktoren-und Aufsichtsratsposten in mehreren anderen großen Unternehmen, darunter der National Bank von South Carolina, inne.
Dent gehört mehreren bedeutenden Textilindustrieverbänden an und ist
Treuhänder des Instituts für Textiltechnik.
Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und drei Töchter.

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50/1972

JAMES T. LYNN ZUM MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG
NOMINIERT

V/ASHINGTON — ( A D ) — Der bisherige Staatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, James T. Lynn, soll in der zweiten Amtsperiode Präsident
Nixons das Ministerin» für Wohnungsbau und Städteplanung übernehmen. Dies
gab das Weiße Haus am 5. Dezember bekannt. Er wird die Nachfolge von
George Romney antreten, der aus der Regierung ausscheiden will. Die Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden, wenn dieser im
Januar nächsten Jahres wieder zusammentritt.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, wies im Zusammen«
hang mit der Nominierung Lynns auf die jüngsten Erklärungen Präsident Nixons
hin, daß während der nächsten vier Jahre auf innenpolitischem Gebiet große
Fortschritte erzielt werden müßten. Schon während der Amtszeit Romneys seien
wichtige Erfolge erreicht worden, und man erwarte, daß sich diese Entwicklung unter der Amtsführung von Lynn fortsetzen werde.
Lynn, der 45 Jahre alt ist, ist von Hause aus Anwalt. Im Jahre 1969
verließ er eine Anwaltsfirma in Cleveland im Staate Ohio und trat ins amerikanische Handelsministerium ein. Er war zunächst als Rechtsberater dieses
Ministeriums tätig und übernahm im April 1971 den Posten eines Staats-

�Staatssekretärs. Lynn war maßgeblich an den Handelsverhandlungen mit der
Sowjetunion beteiligt und gehörte neben Handelsminister Peterson zu der
amerikanischen Delegation, die die während der Moskauer Gipfelkonferenz
unterzeichnete Erklärung über die amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen ausarbeitete. Er war ferner an führender Stelle an den späteren Verhandlungen beteiligt, die zu einem umfassenden Handelsabkommen zwischen beiden
Ländern führten.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von James T.
Lynn zur Verfügung.

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CLAUDE S.BRINEGAR SOLL AMERIKANISCHER VERKEHRSMINISTER WERDEN
WASHINGTON --(AD)— Zum neuen amerikanischen Verkehrsminister während seiner
zweiten Amtsperiode hat Präsident Nixon am 7. Dezember den 46-jährigen
Industriellen Claude S. Brinegar nominiert. Er soll die Nachfolge von John A.
Volpe antreten, der die Vereinigten Staaten künftig als Botschafter in Italien
vertreten wird. Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt
werden.
Brinegar kommt aus der Ölindustrie. Er trat 1952 in die Union Oil Company
ein, in der er verschiedene hohe Posten - zuletzt den eines Vizepräsidenten innehatte. Außerdem gehört er dem Direktorium des American Petroleum Institute
an.
Zuvor hatte Brinegar an der Stanford-Universität (Kalifornien) studiert
und promoviert. Zu Anfang der fünfziger Jahre arbeitete er als Forschungsassistent am Food Research Institute in Stanford und war für verschiedene
Universitäten tätig.
Brinegar wurde am 16. Dezember 1926 in Rockport im Staate Kalifornien geboren. Von 1945 bis 1947 diente er in der US-Armee als Heeresflieger.
Brinegar ist verheiratet und hat drei Kinder.

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DR. EARL L. BUTZ WEITERHIN LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON --(AD)-- Der bisherige Landwirtschaftsminister der Vereinigten
Staaten, Dr. Earl L. Butz, ist von Präsident Nixon in seinem Amt bestätigt
worden. Butz war im November 1971 anstelle von Clifford M. Hardin an die
Spitze des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums berufen worden.
Während seiner bisherigen Tätigkeit hat sich Butz für die Erhaltung
einer gesunden Struktur der amerikanischen Farmen eingesetzt und sich gegen
die Landflucht ausgesprochen.
Am 3. Juli 1909 auf einer Farm in Albion im Staate Indiana geboren,
studierte Earl L. Butz an der Purdue-Universität in Lafayette, Indiana, wo
er 1937 zum Dr. phil.(Ph.D.) promovierte. Er nahm dann eine Lehrtätigkeit
an dieser Universität an; von 1946 bis 1954 leitete er das Agrarwissenschaftliche Institut. Anschließend wurde er von Präsident Eisenhower als Staatssekretär in das Landwirtschaftsministerium nach Washington berufen. Im Jahre
1957 kehrte er an die Purdue-Universität als Dekan der Landwirtschaftlichen
Fakultät zurück.
Im Jahre 1968 wurde er Leiter der Abteilung für weiterführende Bildung
und Vizepräsident der Purdue-Forschungsstiftung. Dr. Butz leitete auch die

�die amerikanische Delegation auf den Konferenzen der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen in Rom in den Jahren
1955 und 1957.
Als Landwirtschaftsexperte hat sich Dr. Butz einen internationalen Ruf
erworben und 30 Länder in fünf Kontinenten besucht. Er ist Autor zahlreicher
Publikationen auf seinem Fachgebiet.
Dr. Butz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Dr. Earl L.
Butz zur Verfügung.

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ROGERS C.B. MORTON WIRD INNENMINISTER DER USA BLEIBEN

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat im Zuge der Reorganisation seines
Kabinetts für die zweite Amtsperiode den bisherigen Innenminister der Vereinigten Staaten, Rogers CfB. Morton, in seinem Amt bestätigt.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, gab am 5. Dezember bekannt, daß Innenminister Morton nach Auffassung des Präsidenten die
"starken und nachdrücklichen Führungsqualitäten" bewiesen habe, wie sie für
ein Amt von so weitreichendem sachlichen Umfang notwendig seien. Zum Zuständigkeitsbereich des amerikanischen Innenministers gehören vor allem
die Erschließung und Erhaltung der Bodenschätze und natürlichen Hilfsquellen der USA, während Polizei und innere Sicherheit der Aufsicht des Justizministeriums unterliegen.
Rogers C.B. Morton wurde am 19. September 1914 in Louisville im Staate
Kentucky geboren. Nach dem Studium an der Yale-Universität, das er 1937
mit dem Grad eines Bachelor of Arts abschloß, und dem Einsatz auf dem europäischen Kriegsschauplatz als Hauptmann, trat er 1946 als Vizepräsident in
ein familieneigenes Mühlen-und Nahrungsmittelunternehmen in Louisville
ein. Zwei Jahre später zum Präsidenten der Firma bestellt, vollzog er 1956
deren Fusion mit einem Großkonzern. Nach einer einjährigen Tätigkeit als

-1-

�a l s V i z e p r ä s i d e n t der D a c h g e s e l l s c h a f t w u r d e er 1952 in d e r e n A u f s i c h t s rat b e r u f e n . Er erwarb noch im g l e i c h e n Jahr eine Farm in der N ä h e von E a t o n ,
M a r y l a n d , w o er sich v o r allem der V i e h z u c h t w i d m e t e .
Im Jahre 1962 bewarb sich M o r t o n , Bruder des b e k a n n t e n E x - S e n a t o r s
Th,ruston B, M o r t o n , als r e p u b l i k a n i s c h e r K a n d i d a t erfolgreich um einen Sitz
im R e p r ä s e n t a n t e n h a u s , dem er nach v i e r m a l i g e r W i e d e r w a h l bis zur E r n e n n u n g
zum M i n i s t e r im Februar 1971 a n g e h ö r t e . A l s A b g e o r d n e t e r setzte sich M o r t o n
w i e d e r h o l t für eine V e r b e s s e r u n g d e s U m w e l t s c h u t z e s und eine E r w e i t e r u n g des
S y s t e m s der Nationalparks e i n ; er w a r M i t g l i e d m e h r e r e r A u s s c h ü s s e , zuletzt
des H a u s h a l t s a u s s c h u s s e s . Im Jahre 1969 ü b e r n a h m er auf W u n s c h P r ä s i d e n t
Nixons den V o r s i t z im B u n d e s k o m i t e e der R e p u b l i k a n i s c h e n P a r t e i .
Er ist v e r h e i r a t e t und hat eine T o c h t e r und einen S o h n .

1-1 III

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n R o g e r s C.B.
M o r t o n zur V e r f ü g u n g .

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RICHARD KLEINDIENST BLEIBT AMERIKANISCHER JUSTIZMINISTER

--WASHINGTON -.(AD)— Der bisherige amerikanische Justizminister Richard
Kleindienst wird auch in der zweiten Amtsperiode Präsident Nixons das USJustizministerium leiten. Kleindienst wurde am 8. Dezember von Nixon in
seinem Amt bestätigt. Gleichzeitig gab das Weiße Haus bekannt, daß Professor Robert Bork von der Yale-Universität neuer amerikanischer Generalanwalt
werden soll, wenn der bisherige Inhaber dieses Amtes, Erwin Griswold, im
Frühjahr 1973 in den Ruhestand tritt.
Aus dem amerikanischen Justizministerium scheiden fünf höhere Vertreter,
darunter der stellvertretende Justizminister, Ralph Erickson, sowie der Leiter der Abteilung für Bürgerrechtsfragen, David Norman, aus. Beide sollen
mit neuen Aufgaben betraut werden.
Zum stellvertretenden Generalanwalt hat Präsident Nixon die Chicagoer
Anwältin Mrs. Jewel Lafontant vorgesehen. Mrs. Lafontant, eine Schwarze, gehört der amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen an. Sie wird
ihr neues Amt zusammen mit Professor Bork antreten.
Kleindienst gehört dem amerikanischen Justizministerium seit dem 31. Januar 1969 an. Damals wurde er zum stellvertretenden Justizministerium ernannt. Als der damalige Justizminister John Mitchell im März 1972 sein Amt

-1-

�Amt niederlegte, um die Vorbereitungen des Wahlkampfes für Präsident Nixon
zu leiten, wurde Kleindienst vom Präsidenten mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministers beauftragt.
Der in Arizona gebürtige 48jährige Kleindienst war bereits lange vor
seinem E.'ntritt in das Justizministerium im politischen Leben seines Heimatstaates aktiv tätig gewesen. Er wurde in Winsley, Arizona, als Sohn eines
Eisenbahners geboren und besuchte dort auch die Volksschule. Von 1942 bis
1954 diente Kleindienst in der amerikanischen Luftwaffe, aus der er nach
Kriegsende mit dem Range eines Oberleutnants entlassen wurde. Anschließend
studierte er an der Harvard-Universität Jura, legte 1947 sein Examen mit magna
cum laude ab und promovierte 1950.
Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums trat Kleindienst in eine Anwaltsfirma in Arizona ein,und bald darauf wurde er Partner der Anwaltsfirma
Shimmel, Hill, Kleindienst and Bishop. Von 1953 bis 1954 gehörte er dem Abgeordnetenhaus von Arizona an. Im Jahre 1964 unterstützte er aktiv die Präsidentschaftskandidatur von Senator Barry Goldwater, während er sich gleichzeitig,
allerdings erfolglos, um das Amt des Gouverneurs seines Heimatstaates bevarb.
Kleindienst ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Richard Kleindienst zur Verfügung.

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USA BETRACHTEN NATO-KONFERENZ ALS ERFOLGREICH

Von Peter Karegeannes

WASHINGTON — ( A D ) — Die jüngste MinistertagLing der NATO in Brüssel - übrigens
die 50. Sitzung des Nordatlantikrates - wird von amerikanischer Seite als
erfolgreich bezeichnet. Für die Vereinigten Staaten ist und bleibt es wichtig, daß die Bündnispartner an der atlantischen Allianz festhalten, die
über zwanzig Jahre lang den Frieden in Europa gewährleistet hat.
Die Einstellung der USA kommt klar und deutlich in dem Schreiben zum
Ausdruck, das Präsident Nixon an die im Nordatlantikrat tagenden Minister
gerichtet hat. Er spricht von den Vorbereitungen für eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und den Sondierungen für beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) und sonstigen Entspannungsbemühungen. "Diese Aussichten auf Frieden", so heißt es in dem Schreiben
des Präsidenten, "müssen jedoch auf einer Grundlage fortdauernder militärischer Bereitschaft basieren."
Außenminister Rogers hat vor seiner Rückreise nach Washington darauf
hingewiesen, daß bei den Verbündeten eine weitgehende Einigkeit der Zielsetzungen bezüglich KSZE und MBFR herrsche. Auch Rogers unterstrich mit Nachdruck, daß gerade bei einer Verbesserung der Ost-West-Beziehungen das atlan-

-1-

�atlantische Bündnis seine Stärke aufrechterhalten müsse. Die Vereinigten
Staaten, so sagte er in anderem Zusammenhang,würden auf jede einseitige Verringerung der Verteidigungskraft des Westens besorgt reagieren, umgekehrt
hat Präsident Nixon das "feierliche Versprechen" der USA erneuert, daß sie
"bei einer entsprechenden Haltung unserer Verbündeten unsere Streitkräfte in
Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht verringern werden, es
sei denn, unsere Gegner ergreifen entsprechende Schritte."
Der amerikanische Außenminister ließ in Brüssel keinen Zweifel daran,
daß sich die Außenpolitik der USA im Jahre 1973 verstärkt auf Europa richten werde - und er hat am Rande der NATO-Konferenz natürlich auch mit den
führenden Vertretern der Europäischen Gemeinschaft gesprochen und darauf hingewiesen, daß für die bestehenden Probleme zwischen Amerika und der Gemeinschaft im kommenden

Jahr eine Lösung angestrebt werden müsse.

Die Vereinigten Staaten - wie auch Großbritannien und Frankreich - haben
ganz offensichtlich auch mit der Bundesrepublik Deutschland über die künftigen Beziehungen zur DDR Einigung erzielt.
Was die militärische Seite des Bündnisses angeht, so hat; der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird - der aus seinem Amt ausscheidet und
zum letzten Mal als Minister an einer NATO-Konferenz teilnahm - die Einstellung der Bündnismitglieder und den in den letzten Jahren erzielten Fortschritt
einfach als "realistisch" bezeichnet. Das Streitkräfteverbesserungsprogramm
der europäischen Partner (EDIP) lasse einmal erkennen, daß Westeuropa bereit
sei, einen größeren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung zu leisten, und sich
zum anderen klar darüber sei, daß Entspannung nicht ohne Verteidigungsbereitschaft zu haben ist.
Auch Laird warnte vor einseitigen Kürzungsmaßnahmen der westlichen Verbündeten, da durch diese.der Erfolg der MBFR-Verhandlungen gefährdet und die

-2-

�I

die Aussichten von SALT II geschmälert werden würden. Der amerikanische Verteidigungsminister unterstrich die Zusage seines Präsidenten, daß die Vereinig,
ten Staaten ihre Truppen in Europa aufrechterhalten und verbessern wollen
- vorausgesetzt, daß auch die europäischen Partner eine solch entschlossene
Haltung zeigen.

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PRÄSIDENT NIXON ORDNET SOFORTMASSNAHMEN ZUR WEITEREN EINDÄMMUNG
DES PREISAUFTRIEBS AN

WASHINGTON ..(AD)-» Präsident Nixon wird den neuen amerikanischen Kongreß
nach dessen Zusammentreten im Januar im Rahmen der ständigen Bemühungen
der Administration um eine Eindämmung des Preisauftriebs um eine Ermächtigung ersuchen, die Lohn-und Preiskontrollen weiter zu verlängern.
Diese Entscheidung hat der amerikanische Finanzminister George Shultz
jetzt zusammen mit einer Reihe anderer Maßnahmen zur Einschränkung der Regierungsausgaben vor der Presse bekanntgegeben. Nach den Angaben von Shultz
will Präsident Nixon die Bundesausgaben für das laufende, am 30. Juni 1973
endende Haushaltsjahr auf etwa 250 Milliarden Dollar beschränken. Diesbezügliche Gesetzesmaßnahmen waren vom letzten Kongreß jedoch abgelehnt worden.
Als Sofortmaßnahme zur Einschränkung der Bundesausgaben hat der Präsident jetzt einen Einstellungs-und Beförderungsstopp für alle Bundesbediensteten und Angehörigen der US-Streitkräfte angeordnet. Diese am 11. Dezember
erlassene Verfügung soll zumindest bis zur Einbringung des neuen Haushaltes
für das am 1. Juli beginnende Finanzjahr 1973/74 in Kraft bleiben. Sie
schließt auch ein Verbot von Gehaltserhöhungen für Führungskräfte sowie wesentliche Personalkürzungen in dem persönlichen Mitarbeiterstab des Präsidenten

-1-

�Präsidenten ein. Die für Januar vorgesehene lineare Gehaltserhöhung soll davon allerdings nicht betroffen sein. Präsident Nixon hatte es in seinem Erlaß als das Ziel bezeichnet, "eine unnötige und verschwenderische Ausweitung
des Bundeshaushaltes zu verhindern". Gleichzeitig sollen alle Regierungsprogramme auf eine mögliche Straffung hin überprüft werden.
ShultZj der erst kürzlich von Präsident Nixon mit der Gesamtplanung der
amerikanischen Wirtschaftspolitik betraut worden war, teilte weiter mit, daß
gegenwärtig auf Kabinettsebene Konsultationen geführt würden, um die genaue
Form der Kontrollen festzulegen, die am besten die für 1973 erwartete Fortsetzung des Wirtschaftswachstums gewährleisten. Eine Entscheidung darüber, ob
die bisherigen Kontrollen einfach über den 30. April hinaus verlängert oder ob
sie teilweise modifiziert werden sollten, sei noch nicht getroffen worden.
Genauso sei noch nicht entschieden, wie lange die nächste Phase der Lohnund Preisrichtlinien dauern sollte. Es werde jedoch, so betonte Shultz, ein
System von Kontrollen geben, das ein gesetzlich bindendes Element ähnlich
den derzeitigen Bestimmungen - vielleicht auch etwas modifiziert - enthält.
Eine Rückkehr zu freiwilligen Leitzahlen sei damit ausgeschlossen.
Das gegenwärtige wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm enthält gesetzlich bindende Kontrollen für Löhne und Preise« Die Lohnkontrollen werden von
einem Lohnausschuß und die Preiskontrollen von einem Preiskomitee überwacht.

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US-WIRTSCHAFTSBEIRAT ÜBER WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM NOVEMBER
BEFRIEDIGT

WASHINGTON «-(AD)— Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons ist über den
Rückgang der Arbeitslosenquote im November auf 5,2 Prozent befriedigt und
sieht auch in dem relativ stärkeren Anstieg der Preise im Berichtsmonat
keine Beeinträchtigung der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung in
den USA.
Dies geht aus zwei Erklärungen hervor, die der Wirtschaftsbeirat dieser Tage zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie dem Anziehen der Großhandelspreise im November veröffentlichte. Die von dem Vorsitzenden des
Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Der Rückgang der Arbeitslosenquote im November von 5,5 auf 5,2 Prozent
ist als Zeichen der Verbesserung der Beschäftigungslage zu werten, die sich
seit eineinhalb Jahren stetig vollzieht. Dieser Veränderung der Statistiken
innerhalb eines Monats, die auf Stichproben beruht und noch der Ausschaltung
saisonaler Faktoren bedarf, ist an sich keine zu große Bedeutung beizumessen.
Gegenüber einer Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent im November 1971 bedeutet
dieser Rückgang jedoch eine sehr wesentliche Verbesserung, die in Einklang

-1-

�Einklang mit dem stehts was Produktion und Beschäftigtenstand erwarten ließen.
Die Zunahme der zivilen Beschäftigung seit Beginn der neuen Wirtschaftspolitik ist genauso eindrucksvoll und ermutigend«
Die Arbeitslosenquote war im November 1972 niedriger als in allen Monaten seit August 1970, und bei den Haushaltsvorständen war sie mit 2,9 Prozent die niedrigste seit Juni 1969.
Wir haben allen Grund zu der Annahme, daß die gegenwärtig sich vollziehende starke wirtschaftliche Expansion auch in den kommenden Monaten anhalten
und ein weiteres Ansteigen der Beschäftigtenzahl sowie einen Rückgang der
Arbeitslosigkeit mit sich bringen wird. Natürlich wird es in den monatlichen
Statistiken Schwankungen nach oben und unten geben, aber wir sind zuversichtlich, daß die grundlegende Entwicklung weiterhin positiv verlaufen wird."
Die von dem Wirtschaftsbeirat zur Entwicklung der Großhandelspreise im
November herausgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Dem starken Anziehen der industriellen Großhandelspreise im November
waren im September und Oktober sehr geringe Preissteigerungen vorausgegangen.
Wir betrachten den Preisanstieg im November nicht als eine Verschlimmerung der
inflationistischen Entwicklung.
Wir sind besonders ermutigt darüber, daß die Preise der industriellen Erzeugnisse in den letzten sechs Monaten - auf Jahresbasis - nur um 3,2 Prozent
angestiegen sind und in den letzten drei Monaten - auf Jahresbasis - nur um
2,2 Prozent, Die Preise für Agrarerzeugnisse haben aufgrund der gestiegenen
Nachfrage - im Inland und im Ausland - weiterhin schnell angezogen.
Die Preisentwicklung der letzten Monate zeigt, daß zwar Fortschritte erzielt worden sind, daß die Regierung jedoch weiterhin den Preisauftrieb auf
jede nur wirksame Weise bekämpfen muß. Die Regierung ist verpflichtet, dies
zu tun, und betrachtet ihre Bemühungen um eine Kontrolle des Haushalts im gegegenwärtigen Zeitpunkt als einen entscheidenden Faktor in diesem Kampf."
Der

-2-

�Der Index der Großhandelspreise in den USA war im November nach Angaben
des amerikanischen Arbeitsministeriums um 0,6 Prozent gestiegen, was einer
Jahresrate von 7,2 Prozent entsprechen würde. Der größte Teil dieses Preisanstiegs entfiel jedoch auf Agrarerzeugnisse und Lebensmittel, bei denen die
Preisentwicklung oft sprunghaft und unberechenbar ist, während die industriellen Großhandelspreise, die als ein zuverlässigeres Zeichen für die allgemeine
Preisentwicklung anzusehen sind, saisonbereinigt lediglich um 0,4 Prozent
anzogen.

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US-HANDELSKAMMER HOFFT AUF WEITERE HANDELSLIBERALISIERUNG

•Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON -™(AD)-- Die Welt kann in den siebziger Jahren so große Fortschritte in Richtung auf eine weitere Liberalisierung des Handels machen,
daß die in den sechziger Jahren erzielten Erfolge demgegenüber völlig verblassen.
Diese Ansicht vertrat der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer, Arch N, Booth, auf einer Pressekonferenz nach seiner Rückkehr von einer
Reise durch sieben europäische Länder. Er hege nicht den geringsten Zweifel,
so betonte Booth, daß die europäischen und die amerikanischen Geschäftsleute
echte Gespräche über eine Ausweitung des Handels und der Investitionsmöglichkeiten für alle wollten. Seines Erachtens sollten die USA und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Vorverhandlungen bestehende Schwierigkeiten beseitigen und den Weg für die 1973 anberaumte multinationale Runde
von Handelsverhandlungen ebnen. Die erweiterte EWG bedeute für die Vereinig»
ten Staaten einen verstärkten Wettbewerb auf den Weltmärkten, biete aber
auch neue Handelsmöglichkeiten,wenn es gelinge, zu multilateralen Handelsvereinbarungen zu kommen«, Die amerikanische Handelskammer unterstütze einen

-1-

�einen freieren Handel auf der Basis der Gegenseitigkeit.
Allerdings, so fügte Booth hinzu, gelte es noch verschiedene Probleme
zu überwinden. Es müsse ein neues flexibleres Währungssystem mit einer flexibleren Rolle für den US-Dollar geschaffen werden. Die Situation auf den Weltmärkten habe sich geändert, und der amerikanische Geschäftsmann sehe sich
heute, was Handel und Investitionen anbetreffe, einem scharfen Wettbewerb gegenüber.
Auf den Agrarhandel eingehend betonte Booth, daß gerade die landwirtschaftlichen Exporte für die amerikanische Zahlungsbilanz von großer Bedeutung
seien.Die gemeinsame Agrarpolitik der EWG mache es den amerikanischen Getreideexporteuren schwer, im freien Wettbewerb zu bestehen. Er möchte jedoch annehmen, daß einige europäische Länder immer mehr zu Viehzucht übergehen würden und so die Nachfrage nach amerikanischem Futtergetreide in Europa steigen
werde. Die Vereinigten Staaten wie auch die EWG, so erklärte Booth, müßten
beide Anpassungen in ihrer Agrarpolitik vornehmen, und beide Seiten sollten
einige Änderungen akzeptieren, die sich vielleicht nicht sofort, aber doch
auf lange Sicht auswirken würden.
Die Europäer, so führte Booth weiter aus, seien einmal über das Fortbestehen des amerikanischen ASP-Systems (Verzollung nach dem Verkaufspreis) und
zum anderen über die Möglichkeit einer etwaigen Verabschiedung des umstrittenen Burke-Hartke-Gesetzes besorgt. Bei Verabschiedung dieses Gesetzes würden
einmal Importquoten für Einfuhren in die USA verhängt und zum anderen die Besteuerung amerikanischer multinationaler Gesellschaften erhöht, was zusammen
zu einem Rückgang der US^Einfuhren um bis zu 10 Milliarden Dollar führen könnte. In diesem Zusammenhang wies Booth darauf hin, daß die USA keineswegs das
einzige Land mit multinationalen Gesellschaften seien und daß die amerikanische
Wirtschaft ausländische Investitionen in den USA nur begrüßen würde. Allerdings, so räumte Booth ein, stellten die riesigen Kapitalbewegungen der

-2-

�der multinationalen Gesellschaften ein echtes Problem dar., und eine Lösung
hier sei noch nicht in Sicht. Es sollte eine internationale Konferenz zur Erörterung dieser Fragen einberufen werde)., doch sollte man sich hütens auf
einer solchen Konferenz den multinationalen Gesellschaften ein festes System
oder Bestimmungen aufzuzwingen.
Booth hatte mit seiner Delegation auf

3iner fast vierwöchigen Rundreise

durch Westeuropa Großbritannien, Frankreich, die Bundesrepublik, Belgien, die
Schweiz, Italien und Spanien besucht,. Die Delegation plant, ihre Feststellungen
in einem Bericht zusammenzufassen und diesen Präsident Nixon zusammen mit
Empfehlungen für die künftige Handelspolitik der USA vorzulegen.

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NACH APOLLO 17: IRDISCHE PROBLEME HABEN VORRANG
Von Walter Fröhlich

--(AD)-- Der spektakuläre Nachtstart des Raumschiffs APOLLO 17 von der
Atlantikküste Floridas signalisierte das Ende einer Phase im amerikanischen
Raumfahrtprogramm. Präsident Nixon ging in seiner Botschaft an die Astro»
nauten des letzten APOLLO-Unternehmens darauf ein, als er hervorhob, daß
künftige Projekte auf dieser Phase von mehr als zehn Jahren Dauer aufbauen
und "jene, die danach kommen, auf den Schultern der Männer von APOLLO"
stehen werden.
Vielleicht wird der APOLLO 17-Flug zum Mond für das Raumfahrtzentrum
von Houston die letzte Aufgabe dieser Art in unserem Jahrhundert sein. Man
wendet sich dort bereits anderen Projekten zu, bei denen die Erde im Mittelpunkt steht. Seit Monaten ist in einem Kontrollraum, der sich in nichts
von dem unterscheidet, von dem aus das APOLLO 17-Unternehmen dirigiert wird,
das Training für bemannte Flüge im erdnahen Raum bis zum Jahre 1975 in Gang.
Sie haben zum Ziel, die in der ersten Phase gesammelten Erfahrungen für

-l-

�für Gebiete zu nutzen, die der ganzen Menschheit zugute kommen.
In einem dem Kontrollzentrum benachbarten Gebäude proben Austronauten-,
Ingenieur-und Wissenschaftlerteams an einem naturgetreu nachgebildeten Modell von SKYLAB die für das Jahr 1973 vorgesehenen drei Flüge in der ersten
experimentellen Raumstation der Vereinigten Staaten. Die Station soll am
30. April 1973 in eine Erdumlaufbahn gebracht werden. Nach den gegenwärtigen Plänen werden die drei amerikanischen Astronautengruppen mehr Zeit darin verbringen, als alle Astronauten von MERCURY bis APOLLO im Weltraum
und auf dem Mond verbracht haben. Von den SKYLAB-Experimenten, den intensivsten Untersuchungen, die bisher für Weltraumaufgaben erdacht wurden, erhoffen die Forscher neue Einsichten und Methoden für die verschiedensten Gebiete, insbesondere für Medizin und Biologie, Umweltschutz, Erschließung und
Bewirtschaftung natürlicher Hilfsquellen, industrielle Fertigungsverfahren,
Energieproduktion, Vorhersage und Beeinflussung des Wetters,
Zwischen dem Raumfahrtzentrum Houston und den zuständigen Stellen in
der Sowjetunion ist seit einigen Monaten ein lebhafter Besucheraustausch im
Gang. Die Delegationen besprechen die technischen Details des für 1975 vorgesehenen Koppelmanövers eines APOLLO-Raumschiffs mit einem SOJUS-Raumschiff
in einer Erdumlaufbahn. In anderen Abteilungen des Raumfahrtzentrums arbeiten Ingenieure und Astronauten bereits an Einzelprojekten für den wiederverwendbaren Raumtransporter. Die ersten Flüge einer solchen "Fähre" von der
Erde zu Raumstationen und zurück werden Ende dieses Jahrzehnts erwartet.
Schon Anfang der 80er Jahre könnten Passagiere mitgenommen werden, die keine
Astronauten sind. Der Raumtransporter ermöglicht es u. a.,unbemannte Satelliten
anzufliegen, um sie in der Umlaufbahn zu reparieren od,er zu überprüfen und so
den Betrieb unbemannter Geräte zu verbilligen.
Das

�Das Zentrum Houston wird für lange Zeit die wissenschaftliche Zentrale
der Mondforschung bleiben. Hier werden alle Meßdaten gesammelt, die von den
unbemannten automatischen Stationen an den verschiedenen Landeplätzen der
APOLLO-Expeditionen auf dem Mond zur Erde gefunkt werden. Hier laufen auch
alle Informationen zusammen, die Wissenschaftler in aller Welt als Ergebnisse
ihrer Untersuchungen von Boden-und Gesteinsproben vom Mond bekanntgeben. Und
die Forschung wird noch lange damit zu tun haben, dies alles auszuwerten und
zu interpretieren.

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DARMGRIPPE-ERREGER GEFUNDEN ?
- US-Wissenschaftler isolierten Kleinstvirus -

-O»(AD)«~-

"Darmgrippe" ist eine unangenehme, wohl allseits bekannte Er-

krankung. Eine Gruppe von Medizinern in Bethesda (Maryland) glaubt nunmehr, mit Hilfe des Elektronenmikroskops den Erreger dieser auch als
"Reisekrankheit" und "akute infektiöse Gastroenteritis" bezeichneten Erkrankung gefunden zu haben. Es handelt sich offenbar um ein Virus, das
zu den kleinsten überhaupt gehört, die man bisher zu isolieren vermochte.
Wissenschaftler des Instituts für Infektionskrankheiten an den Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA konnten es optisch darstellen, indem sie es zunächst auf das 45tausendfache seiner natürlichen Größe
und, durch weitere fotografische Techniken auf das 250-tausendfache vergrösserten. Es sieht aus wie ein vieleckiger WürfeL.
Die Forscher hoffen, nach diesem Anfangserfolg den Erreger, bei dem
es sich ihres Erachtens kaum um etwas anderes als ein Virus handeln kann,
im Laboratorium in Kulturen zu züphten. Das wäre der erste Schritt, um
eines Tages auch Impfstoffe gegen die Erkrankung zu entwickeln. Allerdings
sind zuvor noch manche Fragen zu klären - u.a. auch die, ob es sich dabei
um das einzige Virus handelt, das die in den meisten Fällen schon nach

„l-

�nach einem oder zwei Tage abgeklungenen Krankheitserscheinungen verursacht,
oder ob mehr Viren beteiligt sind. Wenn letzteres der Fall ist - wie wir es
von den sogenannten Erkältungskrankheiten kennen -, dürften Schutzimpfungen
noch lange Zeit auf sich warten lassen.

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DRÜSENSEKRET AUS DEM GEHIRN BEEINFLUSST DEPRESSIONEN

--(AD)-- Die Biochemie der Depressionen ist noch weitgehend ungeklärt. Aber
die meisten Wissenschaftler sind sich darin einig, daß geistige Störungen
weitgehend auf abnormen neurochemischen Vorgängen im Gehirn beruhen. Manche
Forscher glauben auch, daß u.a. ein Mangel an bestimmten Hormonen oder die
Blockierung der Ausschüttung solcher Hormone - beispielsweise von Noradrena%

lin, das im Nebennierenmark und im gesamten sympathischen Nervensystem gebildet wird - Depressionen verursachen. Die Milderung der Symptome von Depression durch gewisse Pharmaka führen sie darauf zurück, daß unter der Wirkung der Medikamente den Nervenzellen vermutlich mehr Noradrenalin zugeführt
wird.
Zwei Gruppen amerikanischer Wissenschaftler - u.a.Dr. A. Prange und
Dr. I. Wilson von der Universität Nordkarolina, Dr. Kastin (Tulano University) und Dr. R. Ehrensing (Staatsuniversität Louisiana) - kamen jetzt unabhängig voneinander zu der Auffassung, daß mit einem Hormon des Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) und zwar mit TRH (Thyrotropin Releasing Hormone),
Depressionszustände offenbar recht wirksam zu bekämpfen sind. Bei dem
Pepstid TRH handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) dazu anregt, Thyreotropin (TSH) zu produzieren, das seinerseits

-l-

�seinerseits die Schilddrüse veranlaßt, Thyroxin (Schilddrüsenhormon) zu produzieren.
Schon seit geraumer Zeit spielen Hormone, z.B. Hormone der Schilddrüse
und Östrogene, bei der Behandlung von

Depressionen eine Rolle. Bei den Unter-

suchungen und Experimenten der beiden Forschergruppen, deren Ergebnisse mit
sorgfältig durchgeführten Placebo-Versuchen bestätigt werden konnten, hat man
nun zum ersten Mal ein Zwischenhirn-Hormon angewandt. Dr. Prange, Dr. Kastin
und Dr. Ehrensing heben jedoch ausdrücklich hervor, daß ihre Studien noch
nicht abgeschlossen seien und die Effektivität des TRH-Wirkstoffs durch weitere Versuche exakt bestimmt werden müsse. Umfassende künftige Untersuchungen
werden durch den Umstand außerordentlich erleichtert, daß TRH bereits synthetisiert worden ist und in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht.

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-2-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon erneuert amerikanische Europa-Garantie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den NATO-Rat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frederick B. Dent als neuer amerikanischer Handelsminister vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James T. Lynn zum Minister für Wohnungsbau und Städteplanung nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claude S. Brinegar soll amerikanischer Verkehrsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Earl L. Butz weiterhin Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers C.B. Morton wird Innenminister der USA bleiben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Kleindienst bleibt amerikanischer Justizminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA betrachten NATO-Konferenz als erfolgreich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Karegeannes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet Sofortmaßnahmen zur weiteren Eindämmung des Preisauftriebs an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat über wirtschaftliche Entwicklung im November befriedigt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelskammr hofft auf weitere Handelsliberalisierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach APOLLO 17: Irdische Probleme haben Vorrang&lt;br /&gt;Von Walter Fröhlich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darmgrippe-Erreger gefunden?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler isolierten Kleinstvirus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drüsensekret aus dem Gehirn beeinflusst Depressionen&lt;/p&gt;</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

Service

G o de s b e r g 1, P o s t f a c h

8 9 - 3 2 4 0

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

20. Dezember 1972

51

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erklärung Kissingers zum Stand der Vietnam-Verhandlungen
-Pressekonferenz vom 16. Dezember-

INFORMATION:
John A. Scali soll neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen
werden
Sonderprogramm der Fulbright-Kommission für Bildungsexperten im Jahre
1973
WIRTSCHAFT:
Ein Jahr Smithsonian-Abkommen
Von Eugene Brake
1972 brachte nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung für die USA
Von John Holway

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Sonderbonus für die Wissenschaft
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelange ForschungsdatenKalziumbestimmung im Blutserum
Laser-Nachrichtensystem
Die vorliegende Ausgabe von INFORMATION UND DOKUMENTATION ist die letzte
in diesem Jahr.
Wir wünschen allen Beziehern ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches
Neues Jahr.

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

08-85432

51/1972

ERKLÄRUNG KISSINGERS ZUM STAND DER VIETNAM-VERHANDLUNGEN
•Pressekonferenz vom 16.Dezember-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 16. Dezember auf einer
Pressekonferenz im Weißen Haus über den Stand der Vietnamverhandlungen berichtet. Er gab hierzu eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut
hat:
Meine Damen und Herren,
wie Sie wissen, habe ich dem Präsidenten berichtet und mit dem Außenminister, dem Vizepräsidenten, dem Verteidigungsminister, dem Chef des Gemeinsamen Stabes sowie anderen maßgeblichen Regierungsvertretern konferiert.
Ich treffe heute mit Ihnen hier zusammen, weil es unser Wunsch war, Ihnen
über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen Bericht zu erstatten.
Sie werden sicherlich verstehen, daß ich nicht in Einzelheiten bestimmter Fragen gehen kann, aber ich werde Ihnen eine möglichst faire und ehrliche Darlegung des allgemeinen Trends der Verhandlungen geben.
Lassen

-1-

�Lassen Sie mich dies zunächst in drei Teilen tun: erstens, was führte
uns Ende Oktober zu der Überzeugung, daß der Friede bevorstand; zweitens, was
ist seither geschehen; drittens, wie geht es nun weiter?
Ende Oktober hatten wir soeben drei Verhandlungswochen mit den Nordvietnamesen beendet, Wie Sie alle wissen, unterbreiteten uns die Nordvietnamesen am 8. Oktober einen Vorschlag, der - wie sich dann herausstellte - die
Hauptprinzipien zu reflektieren schien, die der Präsident immer als Bestandteil der amerikanischen Position hervorgehoben hatte. Diese Grundsätze besagten, daß es eine bedingungslcse Freilassung aller amerikanischen Gefangenen
in ganz Indochina geben müsse; daß zweitens in ganz Indochina eine Waffenruhe
Zustandekommen müsse, und zwar durch verschiedene, den Verhältnissen der betroffenen Länder entsprechende Mittel; daß wir drittens bereit seien, unter
diesen Bedingungen unsere Truppen innerhalb eines beiderseitig vereinbarten
Zeitraums abzuziehen; daß wir viertens dem politischen Ergebnis der Zukunft
Vietnams nicht vorgreifen, daß wir keine besondere Lösung aufzwingen, daß wir
nicht auf unserer besonderen Lösung bestehen wollten,
Das Abkommen, das sich im Laufe des Ol tober herauskristallisierte, schien
uns diese Prinzipien genau zu reflektieren. Gegen Ende Oktober dann stießen
wir auf eine Reihe von Schwierigkeiten

Weil wir die Atmosphäre, die zu einer

schnellen Regelung führen konnte, erhalten wollten^

erwähnten wir zum damali»

gen Zeitpunkt zwar diese Schwierigkeiten auf unseren Presseunterrichtungen,
gingen jedoch nicht im einzelnen auf sie ein.
Lassen Sie mich nunmehr zusammenfassen;, welcher Art diese Probleme Ende
Oktober waren:
Es wurde deutlich, daß damals eine massive kommunistische Anstrengung vorbereitet wurde, in ganz Südvietnam einen Angriff zu starten, der einige Tage
vor der Verkündigung einer Waffenruhe eingesetzt und noch einige Wochen nach

2-

�nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe fortgedauert hätte.
Zweitens, es gab ein Interview des nordvietnamesischen Ministerpräsidenten, welches besagte, daß die politische Lösung, auf der wir immer als Bestandteil unserer politischen Prinzipien beharrt hatten, nämlich, daß (Südvietnam)
keine Koalitionsregierung aufgezwungen würde, nicht so klar war, wie dies aus
den Verhandlungsunterlagen hervorging.
Drittens, wie keinem entgehen konnte, stießen wir auf einige spezifische
Einwände von Seiten Saigons.
Aufgrund dieser Umstände schlugen wir Hanoi eine weitere Verhandlungsrunde vor, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Wir waren der Überzeugung,
daß diese Schwierigkeiten mit gutem Willen auf beiden Seiten relativ leicht
überwunden werden könnten und daß eine Regelung sich schnell herbeiführen
ließe, wenn wir uns auf beiden Seiten an den Geist der Oktoberverhandlungen
halten würden.
Wir waren überzeugt, daß, wenn wir einen zehnjährigen Krieg beenden wollten, wir dies nicht mit einem Waffenstillstand, sondern mit einem Frieden tun
sollten, der Aussicht auf Bestand hätte. Wir schlugen drei Kategorien der
Klärung in dem Abkommen vor: erstens wünschten wir die sogenannten linguistischen Schwierigkeiten aufgeklärt, damit durch sie nicht der Same für endlose
Dispute und einen erneuten Ausbruch des Krieges gelegt werde,, Ich werde darüber noch gleich sprechen.
Zweitens hatte das Abkommen immer vorgesehen, daß unverzüglich nach Verkündigung einer Waffenruhe ein internationaler Apparat eingesetzt werde. Wir
wollten die praktische Bedeutung des Wortes "unverzüglich" dadurch klarstellen, daß wir die Protokolle ausarbeiteten, die erforderlich sind, um diesen
internationalen Apparat gleichzeitig mit dem Abkommen über eine Waffenruhe
zu schaffen. Dies schien uns weitgehend eine technische Angelegenheit zu sein.
Drittens

�Drittens wünschten wir irgendeinen Hinweis in dem Abkommen, und sei er
noch so vage, verblümt, illusorisch oder indirekt -

einen Hinweis, der klar-

stellen würde, daß die beiden Teile Vietnams in Frieden miteinander leben
würden und daß keine Seite ihre Lösung der anderen mit Gewalt aufzwingen würde.
Dies schienen uns ganz bescheidene Anforderungen, die relativ leicht zu erreichen sein würden.
Lassen Sie mich Ihnen nun die Folge der Ereignisse seit jenem Zeitpunkt
aufzeigen. Wir alle wissen von den Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Saigon und Washington bestanden haben. Diese Meinungsverschiedenheiten sind bis
zu einem gewissen Grad verständlich. Es ist unvermeidlich, daß ein Volk, auf
dessen Territorium der Krieg ausgetragen wurde und das 25 Jahre lang der Zerstörung, dem Leid und dem Terror ausgesetzt war, auf die Aussichten einer Regelung in detaillierterer Weise sieht, mit einem besorgteren Blick,als wir,
die wir 10 000 Meilen vom Schauplatz entfernt sind. Viele Bestimmungen des Abkommens wurden unvermeidlicherweise in Vietnam in einem anderen Zusammenhang gesehen als in Washington.
Ich glaube, man kann mit einiger Berechtigung sagen, daß wir uns diesem
Problem im Hinblick auf beide vietnamesische Seiten gegenübersehen. Das vietnamesische Volk, im Norden wie im Süden, hat nun schon so lange gekämpft, daß
ihm die Risiken und Gefahren des Krieges, so schwer sie auch sein mögen, manchmal erträglicher zu sein scheinen als die Ungewißheiten und die Risiken und
Gefahren des Friedens.
Nun ist es auch kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten nicht allen
Einwänden zustimmten, die von Saigon erhoben wurden. Insbesondere war die
Haltung der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Waffenruhe im Oktober 1970
klargestellt worden. Sie wurde im Vorschlag des Präsidenten vom 25. Januar 1972
erneut klargemacht und dann im Angebot des Präsidenten vom 8. Mai 1972 wiederholt. In keinem dieser Vorschläge war ein Abzug der nordvietnamesischen Streit-

&gt;4*

�Streitkräfte gefordert worden. Daher konnten wir unseren Verbündeten in
Südvietnam nicht zustimmen, als sie den festgelegten Positionen Bedingungen
hinzufügten, nachdem ein Abkommen erreicht worden war, das diese festgelegten
Positionen widerspiegelte. Wie wir in der Pressekonferenz vom 26. Oktober hier
klargelegt haben und wie der Präsident es in seinen Reden immer wiederholt hat ,
werden die Vereinigten Staaten den Krieg nicht einen Tag länger führen, als
dies nach ihrer Ansicht notwendig ist, um ein Abkommen zu erreichen, das wir
als gerecht und fair erachten.
Wir möchten also keinen Zweifel an der Tatsache lassen, daß, wenn ein
Abkommen erreicht worden ist, das den erklärten Bedingungen des Präsidenten
entspricht, falls ein Abkommen erreicht worden ist, das wir für gerecht ansehen, keine andere Seite ein Veto gegen unsere Maßnahmen haben wird.
Ich bin jedoch auch verpflichtet, Ihnen zu sagen, daß diese Frage heute
hypothetisch ist, weil wir bisher noch kein Abkommen erreicht haben, das der
Präsident für gerecht und fair ansieht. Daher möchte ich Ihnen den Gang der
Verhandlungen darlegen, seit sie am 20. November wieder aufgenommen wurden,
und Ihnen erläutern, wo wir heute stehen.
Die drei Ziele, die wir in diesen Verhandlungen anstreben, wurden in der
Pressekonferenz vom 26. Oktober, in vielen Reden des Präsidenten nach diesem
Zeitpunkt und in jeder Kommunikation mit Hanoi selbst dargelegt. Sie dürften
keine Überraschung dargestellt haben.
Lassen Sie mich nun zuerst ein Wort zu dem Komplex sagen, den wir
"linguistische Schwierigkeiten" nannten und die so bezeichnet werden, um die
Situation nicht anzuheizen. Wie entstanden sie? Sie entstanden, weil die Nordvietnamesen uns ein Dokument auf englisch unterbreiteten, das wir dann mit
ihnen erörterten. An zahlreichen Stellen dieses Dokumentes wurde der ursprüngliche Text im Zuge der fortschreitenden Verhandlungen geändert, und die Formulierungen wurden im Vergleich zu den ursprünglichen häufig abgeschwächt.

-5-

�abgeschwächt. Erst als wir den vietnamesischen Text erhielten, und zwar nach
Abschluß dieser Verhandlungen, stellten wir fest, daß zwar der englische Text,
jedoch nicht der vietnamesische geändert worden war.
So befanden wir uns plötzlich in zwei Verhandlungen ~ in einer über den
englischen Tex. und in einer anderen über den vietnamesischen Text. Obwohl
ich zahlreiche Verhandlungen geführt habe, muß ich doch sagen, daß dies eine
neuartige Prozedur war. Dies führte zu der Ansicht, daß es hierbei vielleicht
doch nicht lediglich um linguistische Schwierigkeiten, sondern um substantielle Schwierigkeiten ging. Nun muß ich sagen, daß alle diese Schwierigkeiten mit
einer Ausnahme beseitigt worden sind. Die zweite Kategorie der Probleme betraf
die Schaffung des internationalen Apparates, damit dieser gleichzeitig mit der
Waffenruhe c

10 Arbeit aufnehmen und eine Situation vermieden werden konnte,

in der die Waffenruhe, statt Frieden zu bringen, eine erneute unsinnige Kette
von Feindseligkeiten auslösen würde.
Zu diesem Zweck unterbreiteten wir also am 20. November, dem ersten Tag
der wiederaufgenommenen Verhandlungen, eine Liste dessen, was wir Protokolle
nannten - technische Instrumente, durch die dieser Apparat ins Leben gerufen
werden sollte. Diese Protokolle - und ich möchte mich nicht auf Einzelheiten
hierüber einlassen » sind normalerweise technische Dokumente, und unsere verfolgten ohne Zweifel das Ziel, den normalen Praktiken zu entsprechen, trotz
der Tatsache, daß dies vier Wochen nach dem Zeitpunkt geschah, an dem wir
klar gemacht hatten, daß dies unser Ziel war, und drei Wochen, nachdem Hanoi
uns gedrängt hatte, ein Abkommen über eine Waffenruhe zu unterzeichnen. Die
nordvietnamesische Seite weigerte sich, unsere Protokolle zu erörtern, und
weigerte sich auch, uns ihre Protokolle zu unterbreiten, so daß wir uns der
Frage der Schaffung des internationalen Apparates nicht zuwenden konnten. Wir
sahen die nordvietnamesischen Protokolle erstmalig am Abend des 12. Dezember
- am Abend, bevor ich Paris verlassen sollte, und sechs Wochen, nachdem wir

-6-

�wir unsere Ziele dargelegt hatten, fünf Wochen, nachdem die Unterzeichnung der
Waffenruhe vorgeschlagen worden war - eine Waffenruhe, die bedingte, daß dieser
Apparat umgehend eingerichtet werden mußte.
Bei diesen Protokollen handelt es sich nicht um technische Instrumente ,
sondern es wird eine ganze Liste von Fragen erneut aufgeworfen, die bereits geregelt worden waren oder von denen wir glaubten, daß sie in dem Abkommen geregelt worden seien. Sie enthielten Bestimmungen,die in dem ursprünglichen Abkommen nicht enthalten waren, und es waren Bestimmungen ausgelassen worden, die in
dem ursprünglichen Abkommen standen. Diese Protokolle werden gegenwärtig von den
technischen Experten in Paris erörtert; aber es wird einiger Anstrengungen bedürfen, die politischen Bestimmungen aus ihnen wieder herauszunehmen und ihnen
wieder einen technischen Status zu geben.
Zweitens kann ich mit Bestimmtheit sagen, daß die nordvietnamesische Vorstellung von einem internationalen Apparat und unsere Vorstellung von einem internationalen Apparat in einem krassen Widerspruch zueinander stehen, und das,
meine Damen und Herren, ist eher noch zu gelinde ausgedrückt.
Wir waren der Auffassung, daß ein wirksamer Apparat praktisch eine gewisse
Bewegungsfreiheit bedingt

und nach unseren Schätzungen wären mehrere tausend

Personen erforderlich gewesen, um die zahlreichen Bestimmungen des Abkommens zu
überwachen. Nach der nordvietnamesischen Vorstellung soll sich die Gesamtstärke
auf nicht mehr als 250 Personen belaufen, von denen die Hälfte in den Hauptquartieren stationiert sein sollte ; damit würden sie, was Nachrichtenverbindungen,
Nachschub und auch die physischen Erfordernisse anbetrifft, völlig von der Partei abhängig sein, in deren Gebiet das Hauptquartier seinen Sitz hat.
So würden sie keine eigenen Jeeps, Telefone und Funkgeräte haben;

die Leute

könnten sich nicht ohne Begleitung von Verbindungsoffizieren der Partei bewegen,
die überprüft werden soll, falls diese Partei überhaupt die Jeeps bereitstellen

�bereitstellen würde, um an den Ort des Verstosses zu gelangen, und falls diese
Partei dann die Übermittlung der Feststellungen zulassen würde.
Wir haben den Eindruck, daß die Mitglieder dieser Kommission sich nicht
überarbeiten würden, falls dieses Verfahren akzeptiert werden würde.
Drittens ist da noch der Inhalt des Abkommens. Die Verhandlungen seit dem
20. November haben praktisch in zwei Phasen stattgefunden. Die erste, drei
Tage dauernde Phase fand in dem Geist und der Haltung der Treffen vom Oktober
statt. Wir legten unsere Vorschläge vor. Einige wurden akzeptiert, andere abgelehnt. Aber am Ende des dritten Tages hatten wir sehr beträchtlichen Fortschritt gemacht, und alle von uns glaubten, daß wir innerhalb von einem oder
zwei Tagen die Vereinbarungen abgeschlossen haben würden. Wir kennen die damals
in Hanoi getroffenen Entscheidungen nicht, doch von diesem Augenblick an hatten
die Verhandlungen den Charakter, daß eine Regelung stets nahezu in Reichweite
war, und daß sie uns immer wieder entzogen wurde, wenn wir danach zu greifen
suchten.
Ich halte es nicht für angebracht, auf die Einzelheiten der spezifischen
Fragen einzugehen, aber ich glaube, ich sollte Ihnen einen Eindruck von der allgemeinen Atmosphäre und den befolgten Verfahren geben.
Als wir am 4. Dezember zurückkehrten, glaubten wir in der amerikanischen Delegation, daß die Treffen nicht länger als zwei oder drei Tage dauern würden,
da nur noch zwei oder drei Fragen zu lösen waren. Sie alle wissen, daß die Treffen neun Tage dauerten. Sie begannen damit, daß Hanoi jede Annäherung zurückzog, die in den vorangegangenen zwei Monaten vereinbart worden war.
So verbrachten wir den Rest der Woche damit, dahin zurückzukehren, wo wir
bereits zwei Wochen zuvor gewesen waren. Am Samstag glaubten wir, daß die Fragen so weit angenähert worden waren, daß, wenn die andere Seite einen bereits
zwei Wochen zuvor vereinbarten Absatz akzeptiert hätte, das Abkommen hätte

�hätte abgeschlossen werden können.
An diesem Punkt beorderte der Präsident General Ha ig nach Washington zurück, so daß er für die dann folgende Mission, das Abkommen unseren Verbündeten
vorzulegen, verfügbar sein würde. An dieser Stelle glaubten wir uns einem Abkommen nahe genug, so daß die Experten zusammenkommen und die Texte aufeinander abstimmten könnten, damit wir nicht erneut auf die sprachlichen Schwierigkeiten stoßen würden, wie wir sie zuvor erlebt hatten, und damit wir sicherstellen konnten, daß die im Englischen ausgehandelten Änderungen auch im
Vietnamesischen enthalten sein würden. Als die Experten zusammentraten, wurden sie mit 17 neuen Änderungen in linguistischer Hinsicht konfrontiert. Als
ich wieder mit dem Sonderberater zusammentraf, waren aus dem einen Problem,
das unserer Ansicht nach für Samstag übrig geblieben war, zwei geworden, und
eine neue Forderung wurde präsentiert. Als wir diese akzeptierten, wurde sie
am nächsten Tag zurückgezogen und noch schärfer gefaßt. So verbrachten wir unsere Zeit damit, die 17 linguistischen Änderungen durchzugehen und sie erneut
auf zwei zu reduzieren.
Dann, am letzten Tag der Zusammenkunft, beauftragten wir unsere Experten,
zusammenzutreten und zu vergleichen, ob die 15 geregelten Änderungen von den
17 ursprünglich vorgeschlagenen jetzt in den beiden Texten gleichlautend waren.
An dieser Stelle wurden wir mit 16 neuen Änderungen konfrontiert, darunter vier
wesentlichen, von denen einige jetzt immer noch ungelöst sind.
Nun, ich möchte nicht auf die Einzelheiten oder Vorzüge dieser Änderungen
eingehen. Die Hauptschwierigkeit, der wir uns jetzt gegenübersehen, ist, daß
die in dem Abkommen bereits geregelten Bestimmungen in den Protokollen erneut
in einer anderen Form erscheinen; daß Fragen der technischen Durchführung,die
in dem Abkommen von Anfang an impliziert waren,rieht angesprochen worden waren
und uns erst am letzten Tage einer Reihe von Sitzungen vorgelegt wurden, die
gerade dazu bestimmt waren, diese Fragen zu diskutieren; und daß, sobald eine

-9-

�V

eine Frage geregelt worden war, eine neue Frage aufgeworfen wurde.
Es war für uns sehr verlockend, den Prozeß fortzusetzen, der allen so
sehr am Herzen lag, wie dies aus den zahlreichen Treffen hervorgeht, und auf
große Fortschritte zu verweisen, aber der Präsident entschied, daß wir dem
amerikanischen Volk nicht ständig Rätsel aufgeben könnten.
Wir befinden uns jetzt in der folgenden merkwürdigen Situation: Großer
Fortschritt war gemacht worden, selbst in den Gesprächen. Was lediglich noch
fehlt, ist eine Entscheidung in Hanoi, die verbleibenden Fragen in einer Form
zu regeln, die bereits zwei Wochen zuvor vereinbart worden war. Wir sprechen
also nicht über eine Prinzipienfrage, die völlig unannehmbar ist.
Das Zweite ist, die erforderliche Arbeit zum Abschluß zu bringen für den
Aufbau des internationalen Apparates in einem solchen Geiste, daß beide Seiten
interessiert sind, den Krieg nicht in einer solchen Weise zu beenden, daß dies
lediglich der Anfang einer neuen Konfliktsrunde ist. Wir befinden uns also in
einer Situation, wo der Friede nahe sein kann, wo der Friede jedoch eine Entscheidung erfordert. Dies ist der Grund, warum wir erneut unsere grundlegende
Haltung darlegen wollen.
Was Saigon anbetrifft, so haben wir Sympathie und Mitgefühl mit der Not
seiner Bevölkerung und den Sorgen seiner Regierung. Wenn wir jedoch ein Abkommen erreichen können, das der Präsident als gerecht erachtet, so werden wir damit voranschreiten.
Was Hanoi anbetrifft, so ist unser grundlegendes Ziel in der Pressekonferenz vom 26. Oktober dargelegt worden. Wir wollen ein Ende des Krieges, das
mehr als ein Waffenstillstand ist. Wir wollen von Feindschaft zu Normalisierung
und von Normalisierung zu Zusammenarbeit gelangen. Aber wir werden keine Regelung eingehen, die nur eine verschleierte Form eines fortdauernden Krieges ist

-10-

�ist und die auf Umwegen das herbeiführt, was wir stets als nicht tolerierbar
erklärt haben-.
Wir haben stets erklärt, daß eine faire Lösung unmöglich jeder Seite das
geben kann, was sie sich wünscht. Wir setzen den Krieg nicht fort, um unseren Verbündeten einen totalen Sieg zu erringen. Wir wollen ihnen eine vernünftige Möglichkeit geben, an einer politischen Struktur teilzuhaben, aber
wir werden nicht eine Regelung eingehen, die einen versteckten Sieg für die
andere Seite bedeutet.
Daher befinden wir uns jetzt an einem Punkt, wo wir vielleicht einem Abkommen wieder näher sind, als wir es Ende Oktober waren, sofern die andere
Seite bereit ist, mit uns in gutem Glauben und gutem Willen zu verhandeln.
Aber es geht nicht an, daß an jedem Tag, an dem eine Frage gelöst wird, eine
weitere aufgeworfen wird, daß eine einmal in einem Abkommen geregelte Frage
erneut in einer Absprache aufgeworfen wird, und wenn sie als solche dann geregelt ist, als Protokoll vorgebracht wird. Wir werden uns nicht zu einem Abkommen erpressen lassen. Wir werden uns nicht aus Panik in ein Abkommen treiben
lassen, und wenn ich es einmal so sagen darf, wir werden uns nicht in ein Abkommen hineinschmeicheln lassen, dessen Bedingungen nicht gerecht sind.
Dem Präsidenten und uns allen, die wir mit diesen Verhandlungen befaßt
waren, hat nichts anderes so viel bedeutet, wie der Versuch, den Krieg in
Vietnam zu beenden. Nichts, was ich getan habe, seit ich mich in dieser Position befinde, hat mich so sehr fühlen lassen, der Treuhänder so vieler Hoffnungen zu sein, wie gerade die Verhandlungen, an denen ich in letzter Zeit
teilgenommen habe. Es war oftmals schmerzlich, an die Hoffnungen der Millionen
zu denken und praktisch an die Hoffnungen von vielen von Ihnen, meine Damen
und Herren, die vor den verschiedenen Tagungsorten warteten und mit bedeutsamen Ereignissen rechneten, während innerhalb dieser Tagungsstätten in den
letzten drei Tagen eine geringfügige Frage nach der anderen aufgeworfen wurde.
So

-11-

�So sagen wir Hanoi jetzt, wir sind bereit, mit den Verhandlungen in dem
Geiste fortzufahren, in dem sie im Oktober aufgenommen wurden. Wir sind bereit, ein Abkommen einzuhalten, das die bedingungslose Freilassung aller amerikanischen und verbündeten Gefangenen vorsieht, das keiner Seite irgendeine
politische Lösung aufzwingt, das eine international überwachte Waffenruhe und
den Abzug aller amerikanischen Truppen innerhalb von 60 Tagen bringt. Eine
solche Regelung ist für beide Seiten gerecht, und dies erfordert lediglich die
Entscheidung, bereits akzeptierte Bestimmungen einzuhalten und Prozeduren zu
beenden, die lediglich die Hoffnungen der Menschheit verhöhnen können.
Auf einer solchen Basis können wir einen Frieden haben, der den Hoffnungen der Menschheit wie auch dem Gerechtigkeitsgefühl aller Beteiligten entspricht.

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51/1972

JOHN A. SCALI SOLL NEUER US-CHEFDELEGIERTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
WERDEN
WASHINGTON -»(AD)«- Präsident Nixon hat seinen bisherigen Sonderberater
John A. Scali zum neuen Chefdelegierten der USA bei den Vereinten Nationen

nominiert. Er soll die Nachfolge von George Bush antreten, der Vorsitzender
des Nationalen Komitees der Republikanischen Partei wird. Die Ernennung muß
noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Scali bringt für seinen neuen Posten eine fast dreißigjährige Auslandserfahrung mit, die er sich als Journalist von Ruf erworben hat. Bevor er 1971
als Sonderberater in den Stab des Weißen Hauses eintrat, war er zehn Jahre
lang diplomatischer Chefkorrespondent der American Broadcasting Company (ABC)
und davor 17 Jahre lang diplomatischer Berichterstatter der amerikanischen
Nachrichtenagentur Associated Press. Auch als Sonderberater Nixons begleitete er diesen auf vielen Auslandsreisen. So gehörte Scali der Vorausabteilung
an, die den Besuch Nixons in der Volksrepublik China vorbereitete, wobei es
seine Aufgabe war, die Fernsehberichterstattung über diese Reise zu organisieren. Er war auch Mitglied der amerikanischen Delegation beim Gipfeltreffen in Moskau.
Als Reporter hatte Scali sich auf die Berichterstattung über internationale Entwicklungen konzentriert. In dieser Zeit besuchte er fast 80 Länder

-1-

�Länder und war bei allen Auslandsreisen der Präsidenten Eisenhower, Kennedy
und Johnson dabei. Diese Erfahrung veranlasste Außenminister Rogers zu der
Feststellung, daß die Nominierung Scalis das große Interesse Präsident Nixons
an der Weltorganisation manifestiere.
Scali wurde am 27. April 1918 in Canto im Staate Ohio geboren; seine
Eltern sind italienischer Abstammung. Er studierte an der Universität von
Südkalifornien und an der Boston Universität, wo er den Grad eines Bachelor
of Journalism erwarb. Während seiner Tätigkeit als Journalist, die ihn weltweit bekannt machte, wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so beispielsweise für seine Rolle als inoffizieller Übermittler von Botschaften
zwischen sowjetischen Diplomaten und der amerikanischen Regierung während
der Kuba-Krise des Jahres 1962, die er aufgrund seiner engen internationalen
Kontakte ausüben konnte. Dafür zollte ihm der damalige amerikanische Außenminister Dean Rusk ausdrücklich seinen Dank.
Als amerikanischer Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen hat Scali
den Rang eines Botschafters.

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51/1972

SONDERPROGRAMM DER FULBRIGHT-KOMMISSION FÜR BILDUNGSEXPERTEN
IM JAHRE 19 73

--(AD)«.» Die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission, die seit 1962
als zwischenstaatliche Einrichtung von beiden Regierungen getragen wird,
hat Stipendien für ein Sonderprogramm in den Bereichen der Bildungsplanung,
der Bildungsreform sowie der Hochschulverwaltung als "Pilot Project" ausgeschrieben. Die Stipendien finanzieren einen zweimonatigen Aufenthalt in
den USA, der Bewerbern mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung in den
genannten Bereichen die Begegnung mit der Vielfalt amerikanischer Modelle
und Verfahren vermitteln und die kritische Auswertung von Erfahrungen erleichtern soll. Für 1973 wird das Schwergewicht des Sonderprogramms auf
die folgenden Themenkreise fallen: Struktur, Organisation und Verwaltung im
tertiären Bereich ("Higher Education") der USA; Bildungsplanung in den USA;
der Übergang von der Sekundarstufe zur Hochschule. Bewerbungsschluß ist am
15. Februar 1973. Antragsformulare und weitere Auskünfte sind erhältlich
beim Executive Director, Fulbright-Kommission, Bonn-Bad Godesberg, Postfach 208. Ein ähnliches Programm für amerikanische Bildungsexperten zum
Aufenthalt in der Bundesrepublik ist in Vorbereitung.

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51/1972

EIN JAHR SMITHSONIAN-ABKOMMEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON — ( A D ) — Ein Jahr ist seit dem Abschluß des historischen
Smithsonian-Abkommens am 18. Dezember 1971 verstrichen, das der Welt ein
Chaos im internationalen Handel und Finanzwesen ersparen sollte.
Zum ersten Male war hier auf internationaler Ebene in Verhandlungen
eine allgemeine Neufestsetzung der Wechselkurse vereinbart worden. Und, was
langfristig vielleicht noch wichtiger ist, die zehn hier vertretenen Länder vereinbarten, daß umgehend Gespräche über eine Reform des internationalen Währungssystems aufgenommen werden sollten. Aber auch Vorgespräche
über eine Tagesordnung für Verhandlungen über grundlegende Handelsfragen
wurden vorgesehen.
Ein Jahr ist inzwischen verstrichen. Die Welt hat zwar bisher noch kein
neues Währungssystem erhalten, und es ist auch kein neues Handelssystem ausgearbeitet worden.

Doch haben sich die Finanz-und Handelsminister mit die-

sen Fragen befaßt, und blickt man auf das verflossene Jahr zurück, so ist
ganz offensichtlich, daß Fortschritte erzielt wurden.
Einmal wurde ein neues Gremium für die Ausarbeitung neuer Richtlinien
für die Wechselkurspolitik und andere Aspekte der internationalen Währungsbe-

-1-

�Währungsbeziehungen eingesetzt, in dem neben den wichtigen Industriestaaten
auch die Entwicklungsländer und die kleineren Staaten zu Wort kommen können.
Seine detaillierten Aufträge erhielt dieses Gremium auf der Jahrestagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) im September 1972, und auf der kommenden
IWF-Jahrestagung in Nairobi soll es seine Empfehlungen vorlegen.
Die in diesem Zusammenhang von dem amerikanischen Finanzminister George
Shultz unterbreiteten Vorschläge wie auch die Reaktionen der anderen Länder
hierauf lassen auf ein günstiges Klima bei den Verhandlungen der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses rechnen, der im Januar zu seiner zweiten Sitzungsrunde in Paris zusammentreten wird.
Aber auch auf anderen Gebieten des internationalen Währungssystems scheint
weitgehende Übereinstimmung zu bestehen. So wird künftig kein Land mehr damit
rechnen können, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite oder Überschüsse ausweisen zu können. Defizit-wie auch Überschußländer sollen künftig
auf einen Ausgleich der internationalen Transaktionen hinarbeiten, was ein
deutliches Abweichen von dem System von Bretton Woods bedeutet, das bis zum
15. August 1971 praktisch uneingeschränkt in Kraft war.
Das Smithsonian-Abkommen selbst bedeutet bereits eine Anerkennung dieses
Prinzips. Nunmehr bemühen sich die Länder darum, Richtlinien auszuarbeiten,
die prompte Maßnahmen zur Anpassung von Ungleichgewichten sicherstellen, bevor solche Ungleichgewichte ernstlich die Stabilität der Weltwirtschaft beeinträchtigen können.
Weiterhin besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, daß häufigere Anpassungen der Wechselkurse in erster Linie, aber keinesfalls ausschließlich,
ein besseres Gleichgewicht der Geldströme sichern sollen. Daneben, so wird
betont, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um eine weitgehende Stabilität
der Wechselkurse zu gewährleisten. So meinte ein Teilnehmer der letzten Gesprächsrunde der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses, "es besteht eine

-2-

�eine starke Spannung zwischen dem Wunsch nach Stabilität und dem Wunsch nach
Flexibilität, die es zu überwinden gilt."
Auch andere wichtige Fragen sind noch ungelöst. Welche Kriterien sollten
angewandt werden, um festzustellen, wann ein Land handeln muß? Wie weit können
Druck oder Sanktionen angewandt werden, falls sich ein Land weigert, sich den
vereinbarten Regeln zu beugen? Sollten Länder, falls sie dies wünschen, einen
Teil ihrer Reserven in Dollar halten dürfen? Wie würde das neue Währungssystem
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung tragen? Selbst
die optimistischsten Währungsexperten glauben, daß vor Jahresfrist eine Antwort auf alle diese Fragen gefunden werden kann.
Auf dem Gebiet des Handels war die Vereinbarung der GATT-Partner, im kommenden Jahr eine neue Runde von umfassenden und weltweiten Handelsverhandlungen aufzunehmen mit dem Ziele, alle Arten von Hemmnissen für den Welthandel
-zollursächliche wie auch nicht-zollursächliche- abzubauen, eine wichtige positive Entwicklung. Diese Verhandlungsrunde soll sowohl alle Industrie-wie auch
alle Agrarerzeugnisse aus tropischen wie auch aus nicht-tropischen Gebieten einschließen. Auch hier soll wieder den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen werden. Eine Ministertagung im September 1973 soll den
Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen und dann die Verhandlungen in Gang
setzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
von 6 auf 9 Mitglieder unterstützt. Ihre Kritik richtet sich jedoch gegen die
besonderen Handelsvereinbarungen, die die Gemeinschaft mit zahlreichen Nicht-Mitgliedern in Europa, Afrika und dem Mittelmeerraum ausgehandelt hat. In den
meisten Fällen handelt es sich hier um Präferenzabkommen, und die Vereinigten
Staaten wenden sich im besonderen gegen die Gegenpräferenzen,die die Entwicklungsländer dafür einräumen sollen.
Für

-3-

�Für manche Amerikaner hat es den Anschein, als ob die Europäische Gemeinschaft im Begriffe steht, einen riesigen diskriminierenden Handelsblock

zu

errichten, der für die europäischen Industrieexporte auf Kosten der wenigen
außenstehenden Industriestaaten - etwa die USA, Kanada, Japan und Australien einen abgeschirmten Absatzmarkt schaffen würde. Von europäischer Seite sind
solche amerikanischen Einwendungen als unwesentlich zurückgewiesen worden, wobei die Ausweitung ihres Netzes von besonderen Handelsvereinbarungen für die
Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft als notwendig oder aus politischen
Gründen als wünschenswert bezeichnet wurde. In jüngster Zeit mehren sich aller
dings die Anzeichen, daß die EWG bereit sein könnte, den Auswirkungen ihrer
Maßnahmen auf Drittländer mehr Beachtung zu schenken.
In einer Stellungnahme zu dem Treffen der führenden Staatsmänner der neun
länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft hat Präsident Nixon ausdrücklich "die erklärte Absicht der Gemeinschaft begrüßt, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer
progressiven Liberalisierung der tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken auf einer umfassenden Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr beginnen sollen". Und der Präsident fügte hinzu,
daß die Vereinigten Staaten bereit seien, "zusammen mit unseren europäischen
Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu
ergreifen."

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51/1972

1972 BRACHTE NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG FÜR DIE USA
Von John Holway

WASHINGTON _-(AD)-~ Das Jahr 1972 hat für die amerikanische Wirtschaft einen
nacbba] r.i.gan Aufschwung gebracht. Wenn auch nicht alle gesteckten Ziele voll
erreicht sind, so müssen selbst die Kritiker der Regierung das zugestehen,
während die maßgeblichen Wirtschaftsindikatoren dies eindeutig zeigen.
Die industrielle Produktion hatte eine starke Zunahme zu verzeichnen, und
die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten war - nach den letzten verfügbaren
Zahlen - mit 80 Prozent recht hoch. Die Zahl der Beschäftigten erreichte einen
Rekordstand, obwohl die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent noch immer relativ
hoch ist. Die Wochenlöhne der Arbeitnehmer sind weiter gestiegen, und die Regierung hat die Preise in den Griff bekommen. Allerdings liegt die Preisauftriebsrate mit 3,4 Prozent im Oktober immer noch etwas über dem von der Regierung für 1972 angestrebten Ziel von 3 Prozent.
Finanzminister GeorgeShultz faßte die wirtschaftliche Entwicklung des auslaufenden Jahres mit den Worten zusammen: "Wir sind außerordentlich zufrieden.
Die Anzeichen sprechen eindeutig dafür, daß wir uns in einer soliden, starken
Expansion befinden."

Und diese Entwicklung, so fügte Shultz hinzu, dürfte

-1-

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dürfte auch 1973 anhalten.
Allerdings ist man sich in Regierungskrisen der noch nicht voll gelösten
Aufgaben voll bewußt. Wenn auch die Arbeitslosenquote von 6 Prozent auf 5,2
Prozent im November gefallen ist - die Regierung wollte sie bis zum Jahresende
auf 5 Prozent herabgedrückt haben -, so ist dieses Ergebnis noch lange nicht
befriedigend. Zwar wurden 1972 rund 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze in der
Wirtschaft geschaffen - eine Million mehr als in einem normalen Jahr - aber dafür wurden in der Verteidigungsindustrie Arbeitskräfte freigesetzt, und das verfügbare Arbeitskräftepotential nahm doppelt so stark wie üblich zu. In Regierungskreisen rechnet man allerdings damit, daß das Arbeitskräftepotential 1973
nicht mehr so stark ansteigen wird und die Arbeitslosenquote damit auf etwa
4,5 Prozent zurückgehen dürfte.
Ein weiteres Problem ergibt sich auf dem Außenhandelssektor. Nach der
Dollarabwertung im Januar erwartete man in Regierungskreisen kurzfristig eine
Zunahme des Handelsdefizit. Aber erst im Oktober 1972 begann dieses Handelsdefizit wieder zu schrumpfen; die Exporte lagen in diesem Monat sogar doppelt so
hoch wie die Importe. Für das Gesamtjahr ergibt sich jedoch immer noch ein beträchtliches Handelsdefizit. Die Verbesserung der Handelsbilanz im Oktober ist
nach Ansicht der Regierung auf drei Faktoren zurückzuführen. Einmal beginnt die
Neufestsetzung der Wechselkurse aufgrund des Smithsonian-Abkommens jetzt durchzuschlagen. Zum anderen hat die wirtschaftliche Erholung in den anderen Ländern
die Nachfrage nach amerikanischen Erzeugnissen belebt

Und drittens hat die

Sowjetunion große Mengen amerikanischen Weizens angekauft.
Die amerikanische Zahlungsbilanz wies allerdings nicht die gleiche Verbesserung wie die Handelsbilanz auf. Ein Grund dafür waren die Spekulationen gegen das britische Pfund„ Aber seit Juli hat sich der US-Dollar an den internationalen Geldmärkten wesentlich gefestigt. Und die Zahlungsbilanzzahlen für das

-2-

�das dritte Quartal 1972 lassen erkennen, daß das Defizit in der Bilanz der Güter und Dienstleistungen gegenüber dem vorangegangenen Quartal - von 1,6 Milliarden Dollar auf weniger als 900 Millionen Dollar - beträchtlich zurückgegangen
ist. Aufgrund der sonstigen Kapitalflüsse steckt die amerikanische Zahlungsbilanz jedoch weiterhin noch tief in den roten Zahlen.
Ein weiteres Problem bildete der Preisauftrieb. Bis zum Jahresende war die
Regierung dem angestrebten Ziel - einen Preisauftrieb von rund 3 Prozent - beträchtlich nahe gekommen. Die Statistiken für Oktober zeigen eine Zuwachsrate
von 3,4 Prozent - verglichen mit einem Preisauftrieb von fast 6 Prozent Anfang
1970 ist dies ein beträchtlicher Fortschritt. Damit haben die USA die niedrigste Preisauftriebsrate in der nichtkommunistischen Welt zu verzeichnen - ja,
sie liegt nur etwa halb so hoch wie in den europäischen Ländern. Ganz offensichtlich haben die von Präsident Nixon angeordneten Lohn-und Preiskontrollen
sich bewährt, ohne die nach Ansicht führender Experten der Preisauftrieb in den
Vereinigten Staaten 1972 wenigstens fünf Prozent betragen haben würde. Einige
dieser Kontrollen sollen auch über den 30. April 1973 - wenn das gegenwärtige
Gesetz ausläuft - beibehalten werden.
Aber auch die Reallöhne der Arbeitnehmer sind gestiegen, was zu einer Zunahme der Verbraucherausgaben um fast zehn Prozent geführt hat. Die Kreditkäufe
erreichten sogar neue Rekorde, und die Geschäftsinhaber sind mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Die Autoindustrie nähert sich einem Rekordumsatzjähr,
und immer mehr Familien haben drei Wagen laufen. Dabei fällt auf, daß wieder
mehr Käufer von ausländischen Modellen zu amerikanischen Wagen übergehen. Nach
Ansicht der Automobilindustrie wird das Jahr 1973 sogar noch besser werden.
Auch die Gewinne der großen Unternehmen zeigten eine deutliche Tendenz nach
oben - zum Teil betrug der Anstieg bis zu 15 Prozent. Allerdings wirkten sich
hier die Lohn-und Preiskontrollen dämpfend aus. Ganz wesentlich hat sich auch
die Produktivität erhöht, was zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

-3-

�1
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Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten führte. So
wird auch das Bruttosozialprodukt das von der Regierung angestrebte Ziel von
6 Prozent deutlich übersteigen - die Zuwachsrate im zweiten Quartal war mit 9,5
Prozent die höchste für diesen Zeitraum seit 13 Jahren. Nach übereinstimmender
Ansicht der Experten dürfte für 1972 mit einem Zuwachs des Bruttosozialproduktes
um real 7 Prozent zu rechnen sein, was die höchste Zuwachsrate seit 1966 wäre.
Eine weitere Sorge der Bundesregierung gilt dem Haushalt, dessen Ausgaben
250 Milliarden Dollar nicht übersteigen sollen. Damit, so glaubt man, erhält
die Wirtschaft weiterhin genügend Auftrieb ohne das Risiko einer erneuten Inflation. Der Kongreß hatte für das laufende Finanzjahr gegen das Veto des Präsidenten sogar 6 Milliarden Dollar mehr als angefordert bewilligt. Der Präsident will
jedoch dieses Geld nicht ausgeben, sondern bei seinen eigenen Ansätzen bleiben.
So kann Finanzminister Shultz mit Recht zum Jahresende sagen, daß die Wirtschaft weiterhin über starke Auftriebskräfte verfügt und die derzeitige Expansion
uneingeschränkt anhalten wird.

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51/1972
APOLLO 17:
SONDER-BONUS FÜR DIE WISSENSCHAFT
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelang Forschungsdaten-

--(AD)o- Den jungen Menschen der Welt widmeten die APOLLO 17-Astronauten einen
•&gt;

von Dr. Harrison Schmitt gefundenen Stein aus dem Taurus Littrow-Gebiet als
ein Symbol für die Vielfalt in der Einheit. In dem Wunsch, daß die Menschheit
ihre Zukunft in diesem Sinne gestalten möge, stehen Eugene A. Cernan, Harrison
H. Schmitt und Ronald E. Evans, die den letzten APOLLO-Flug zum Mond unternahmen, gewiß nicht allein.
Kommandant Eugene Cernan beschrieb den mehr als faustgroßen Stein als
typisch für das aus verschiedensten Bestandteilen zusammengesetzte Material,
das sie im Landegebiet fanden. Der Stein wird nach der glücklichen Rückkehr
zur Erde aufgeteilt und Museen in den 79 Ländern zum Geschenk gemacht, die
junge Menschen für 14 Tage nach den Vereinigten Staaten entsandt hatten, damit
sie Zeuge des letzten Mondfluges würden.
Die sechste und letzte APOLLO-Gruppe, die eine Mondlandung unternahm,hält
in bezug auf wissenschaftliche Informationen, Bodenproben und Fotos vom Mond
den Ausbeuterekord. Die Astronauten benutzten und installierten eine ganze

-l-

�ganze Anzahl neuer und noch besserer Meß-und Beobachtungsinstrumente als ihre
Vorgänger. Zwar sind Boden-und Gesteinsproben vom Erdtrabanten heute nichts
Seltenes mehr auf der Erde. Zu den 269 kg, die die Expeditionen APOLLO 11,
12,14,15 und 16 erbrachten, kamen jetzt weitere 113 kg hinzu. Um alles mitnehmen zu können, hatten Cernan und Schmitt ihre Fähre CHALLENGER für den
Rückstart zum Mutterschiff sogar um mehr als 10 kg überladen.
Die zweieinhalb Zentner Material aus dem Taurus-Littrow-Gebiet enthalten höchstwahrscheinlich Dokumente sowohl aus der ältesten als auch aus der
jüngsten Mondgeschichte. Vielleicht liefern sie außerdem Beweise für vulkanische Aktivität und für die Existenz von Wasser auf dem Mond - in welcher
Form auch immer es vorhanden gewesen sein mag oder sogar noch vorhanden ist.
Die Sensation des Fluges von APOLLO 17 dürfte orangefarbener Sand und
Gestein mit orange und braun gefärbten Adern sein, die Eugene Cernan und
Jack Schmitt bei der zweiten Exkursion fanden. Dabei könnte es sich um Mineralien handeln, die durch Oxydationsprozesse unter Beteiligung von Wasserdampf bei vulkanischen Vorgängen entstanden. Es wäre denkbar, daß die beiden
auf Überreste dessen stießen, was man auf der Erde als "Fumarolen" bezeichnet. Sie entstehen in der Endphase von Vulkanausbrüchen und stellen eine Art
Ventil dar, aus dem Gase und Dämpfe entweichen. Allerdings werden erst die
Untersuchungen in den Laboratorien zeigen, ob die Vermutung richtig war.
Verständlicherweise galt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nach
der Landung von CHALLENGER den beiden schwer arbeitenden Astronauten im TaurusLittrow-Gebiet. Ronald E. Evans, der mehr als 75 Stunden allein im AP0LL0Mutterschiff den Mond umkreiste, war fast vergessen. Dennoch dürften die Fotos
und die Beobachtungen, die er auf der Vorder-und Rückseite des Mondes machte,
die Meßdaten der Radarsonde und der Infrarot-und Ultraviolett-Sensoren am
Mutterschiff für die wissenschaftliche Analyse mindestens ebenso wichtig wie
die Beobachtungen und die Mitbringsel des Landeteams sein.
Der

�Der Fund im Landegebiet hatte die Astronauten alarmiert, ihren Blick
für Farben vielleicht noch mehr geschärft. Auch Evans entdeckte aus der Umlaufbahn vor allem auf der Mondrückseite orangerote und braune "Flecke"
- Beobachtungen, die der Geologe Schmitt nach der Rückkehr zur AMERICA bestätigte. Außerdem machte der Pilot der Kommandokapsel auf der Rückseite des
Mondes eine Anzahl von Gebilden aus, bei denen es sich wahrscheinlich um Vulkankegel handelt. Die sensationellen Fernsehbilder von einem Teil der Rückseite und vom Südpolgebiet des Mondes, die die Astronauten bei Beginn ihres
Rückfluges zur Erde funkten, vertieften und ergänzten auf eindrucksvolle
Weise das Bild vom Mond, das man sich nun auf der Erde dank des APOLLO-Unternehmens machen kann.
Zu den jetzt vorhandenen Informationen kommen aber noch ständig neue hinzu - nämlich die Meßdaten von den fünf Stationen mit ihren automatisch arbeitenden Instrumenten, die auf der Vorderseite bei den APOLLO»Landungen installiert wurden. Mit Ausnahme eines Magnetometers am Landeplatz von APOLLO 12
arbeiten alle 25 Instrumente einwandfrei. Selbst am Landeplatz von APOLLO 11
ist noch ein Gerät benutzbar. Es ist ein Quarzprismen-Reflektor für LaserStrahlen, die von der Erde aus auf diesen Spiegel gerichtet werden. Diese Experimente dienen einmal der genauen Entfernungsmessung von Erde und Mond. Zum
anderen aber machen sie es möglich, Abstände auf der Erdoberfläche auf Dezimeter, ja Zentimeter genau zu bestimmen.
Von den Signalen der Instrumente an den Mond-Meßstationen im Meer der
Stürme, im Fra Mauro-Gebiet, am Fuß des Apennin-Gebirges, im Descartes-Hochland und im Taurus-Littrow-Gebiet erwarten die Wissenschaftler Informationen
zur Klärung einer Vielzahl von Fragen. Sie betreffen z.B. Magnetfeld, Temperaturen und Wärmefluß im Untergrund, Mondbeben und Reflexion von Bebenwellen
an inneren Schichten des Mondkörpers, Atmosphäre des Mondes, kosmische Strahlung und Mikrometeoriten, Gezeitenbewegungen des Mondkörpers und Gravitationswellen im Kosmos.
Drei

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�Drei Erdstationen - in Kalifornien, Australien und Spanien - fangen die
Signale auf. Keines geht verloren, gleichgültig, welche Seite die Erde dem
Mond gerade zuwendet. Alle Funksignale werden hier auf Magnetband aufgenommen
und per Luftpost sofort zum Raun.fahrtzentrum Houston (Texas) weitergeleitet.
Computer verarbeiten die Daten, Wissenschaftler analysieren sie. Gelegentlich ist es auch erforderlich oder wünschenswert, Meßdaten direkt vom Mond
in den wissenschaftlichen Beobachtungsraum von Houston zu übertragen. Auch
das ist möglich und wird recht häufig getan. Kopien der Meß~und Auswertungsstreifen gehen kostenlos an die Wissenschaftler in vielen Ländern, die sich
bei der NASA als offizielle Mitarbeiter um die Überlassung von Material beworben haben.
Pro Tag kommen durchschnittlich vier neue Rollen je 750 m langer Magnetbänder zu der schon bestehenden Sammlung hinzu - ca. 15 00 Rollen pro Jahr.
Jeder Zentimeter Band enthält 320 "Bits", d.h. Einzel Informationen für den
Computer. Bei der Analyse wurde bisher noch wenig unternommen, um die Auswertung in bezug auf die verschiedensten Gebiete zu koordinieren und Einzelbeobachtungen in Zusammenhang zu bringen. Eine solche "Synthese" erfordert wahrscheinlich viel Zeit. Aber sie wäre nach Meinung der Forscher geeignet, zu
neuen wichtigen Entdeckungen zu führen.

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KALZIUMBESTIMMUNG IM BLUTSERUM

--(AD)-- Eine Methode mit hoher Meßgenauigkeit zur raschen Ermittlung des
Kalziumspiegels im Blutserum entwickelten in den Vereinigten Staaten Wissenschaftler von acht klinischen Laboratorien in Zusammenarbeit mit dem US-Bundesamt für Technische Normen (NBS-National Bureau of Standards). Sie basiert
auf der spektrometrischen Absorptionsmethode von J. Pybus, F.J.Feldman und
G.N.Bowers, jr. Wie jetzt das National Bureau of Standards bekanntgab, konnte das Verfahren zu einer Referenz-Methode ausgebaut werden, mit der die
Konzentration bestimmter Stoffe bezw. die Eigenschaften einer Substanz bis
zu einem exakt definierten Genauigkeitsgrad ermittelt werden.
Bei der Anwendung dieses Verfahrens ist es möglich, den Kalziumgehalt
einer Lösung oder des Blutserums auf plus minus zwei Prozent genau in Konzentrationen von 3-6mVal/l (6-12 mg % Ca) zu messen; das gilt auch dann, wenn
das Präparat physiologische Mengen von Natrium und Kalium enthält. Die beim
Menschen als normal angesehene Konzentration liegt innerhalb dieses Bereiches
Abweichungen davon, insbesondere erhöhte Kalziumwerte, können ein Alarmzeichen für das Vorhandensein schwerer Erkrankungen, z.B. einer Überfunktion
der Nebenschilddrüsen,sein, die eine sofortige Operation erforderlich
machen.
Mit

�r

Mit Hilfe der neuen Referenz-Methode ist es möglich, die Genauigkeit und
Brauchbarkeit von Messungen zu überprüfen, die in der ärztlichen Praxis mit
Routineverfahren erzielt werden. Aufgrund derartiger Vergleiche sind Fehlraessungen oder Ungenau'igkeiten zu eliminieren oder zumindest ausfindig zu machen.
Hauptzweck der Referenz-Messung ist unter anderem:
- den absoluten Kalziumwert in Kontrollseren oder Mischseren zu ermitteln;
• die Kalziumwerte zu kontrollieren, die in den klinischen Fertigpackungen
angegeben sind;
- die Qualität von Kalzium-Normallösungen nachzuprüfen und die Genauigkeit
der zahlreichen Methoden zur Messung des Kalziumspiegels sicherzustellen.

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LASER- NAC HR IC HTENS YS TEME

--(AD)-- Die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation-NSF) vorgab an 20 Ingenieure und Wissenschaftler, die an 14 der bekanntesten amerikanischen Universitäten und Instituten tätig sind, Forschungsaufträge zur "Entwicklung optischer Kommunikationssysteme". Im Mittelpunkt der Projekte wird die Laser-Technik stehen.
Es ist möglich, den Laser-Strahl zu modulieren und zur Übermittlung von
Daten und anderen Informationen zu benutzen. Und da solche Systeme sehr große
Bandbreiten haben, besteht Aussicht, mit Laser-Strahlen ein Vieltausendfaches
an Informationen im Vergleich zu der Trägerkapazität der heute üblichen elektromagnetischen Wellen zu übermitteln, wie sie für Funk und Fernsehen verwendet werden.
Im Hintergrund des neuen NSF-Projekts steht der wachsende Bedarf an
Nachrichtenkanälen und Frequenzen. Zwar bieten die äußerst leistungsfähigen
Bänder im Mikrowellen-und Millimeterbereich vorläufig einen Ausweg aus einer
immer kritischer werdenden Situation. Jedoch ist die Zukunft der Nachrichtentechnik ohne Systeme nicht denkbar, bei denen mit Photonen gearbeitet wird-

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 20.12.1972</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Kissingers zum Stand der Vietnam-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 16. Dezember -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John A. Scali soll neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderprogramm der Fulbright-Kommission für Bildungsexperten im Jahre 1973&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Jahr Smithsonian-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1972 brachte nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung für die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Sonderbonus für die Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die automatischen Messstationen liefern noch jahrelange Forschungsdaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kalziumbestimmung im Blutserum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laser-Nachrichtensystem&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>a m e r i k a dienst
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Dokumentation

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Nummer

3. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erste SALT Il-Verhandlungsrunde abgeschlossen
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

HINTERGRUNDMATERIAL:
US-Energiebedarf wird sich bis zum Jahre 2000 verdoppeln
-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WIRTSCHAFT:

1972 erfüllte wirtschaftliche Erwartungen der Regierung
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick.-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1/1973

ERSTE SALT II-VERHANDLUNGSRUNDE ABGESCHLOSSEN
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

GENF --(AD)— Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben während
der am 21. Dezember zu Ende gegangenen ersten Verhandlungsrunde von SALT II
über den allgemeinen Rahmen der die Offensivwaffen betreffenden Fragen
Übereinstimmung erzielt, die nach Wiederaufnahme der Gespräche am 27, Februar erörtert werden sollen.
Das am 21. Dezember von den beiden Verhandlungsführern unterzeichnete
Kommunique hat folgenden Wortlaut:
"Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen wurden vom 21.November 1972 bis zum 21. Dezember
1972 fortgesetzt.
Die amerikanische Delegation wurde von dem Leiter der US-Abrüstungsbehörde, Gerard Smith, angeführt. Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren Philip J.Farley, Paul Nitze, Harold Brown und
Royal Allison.
Die

i

�Die sowjetische Delegation wurde von dem stellvertretenden Außenminister
der UdSSR, V.S.Semenow, angeführt.Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren K..S. Trusow, P.S. Pleschakow, A..N.Schukin und
0. A. Grinewsky.
Den Delegationen waren Berater und Experten beigegeben.
Gemäß dem im Mai 1972 erzielten Abkommen, die aktiven amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
fortzusetzen, haben die Delegationen sich mit der weiteren Erörterung von Fragen befaßt, die sich auf die Erzielung eines Abkommens über umfassendere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beziehen.
Im Verlaufe dieser ersten Erörterungen wurde ein weiter Bereich von Fragen, die hiermit im Zusammenhang stehen, geprüft. Die Gespräche waren zur Vorbereitung weiterer Verhandlungen im kommenden Jahr für beide Seiten nützlich.
Es wurde eine Übereinstimmung über den allgemeinen Rahmen von Fragen erreicht,
die Gegenstand weiterer amerikanisch-sowjetischer Gespräche sein werden.
Im Verlaufe der Verhandlungen wurde ein Memorandum über die erzielte Übereinstimmung ausgearbeitet und unterzeichnet, das die Einsetzung einer ständigen
beratenden Kommission gemäß Artikel 13 des Vertrages zwischen den USA und der
Sowjetunion über die Begrenzung der ABM-Systeme vorsieht.
Beide Seiten dankten der schweizerischen Regierung für die Schaffung so
günstiger Bedingungen für die Abhaltung der Verhandlungen sowie für die ihnen
gewährte Gastfreundschaft.
Es wurde vereinbart, daß die Verhandlungen zwischen der amerikanischen und
der sowjetischen Delegation am 27. Februar 1973 in Genf wieder aufgenommen werden sollen."
Wortlaut

�Wortlaut des Memorandums:
"Erstens: Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken setzen hiermit eine
ständige beratende Kommission ein.
Zweitens: Die ständige beratende Kommission soll die Zielsetzungen und
die Durchführung der Bestimmungen des Vertrages zwischen den USA und der
UdSSR über die Begrenzung der ABM-Systeme vom 26. Mai 1972, des amerikanischsowjetischen Interi»sabkommensüber die Begrenzung bestimmter strategischer
Offensivwaffen vom 26. Mai 1972 und des Abkommens über Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges zwischen den USA und der
UdSSR vom 30. September 1971 fördern und ihre Befugnisse im Einklang mit den
Bestimmungen des Artikels 13 des besagten Vertrages, des Artikels 6 des besagten Interimsabkommens

un

d des Artikels 7 des besagten Abkommens ausüben.

Drittens: Jede Regierung soll in der ständigen beratenden Kommission durch
einen Beauftragten und einen stellvertretenden Beauftragten vertreten sein,
denen der erforderliche Arbeitsstab beigegeben ist.
Viertens: Die ständige beratende Kommission wird periodische Sitzungen
zu beiderseits über die Beauftragten vereinbarten Zeitpunkten, doch wenigstens
zweimal im Jahr, abhalten. Auf Antrag eines der beiden Beauftragten sollen
Sitzungen ebenfalls sobald wie möglich und nach entsprechender Benachrichtigung
anberaumt werden.
Fünftens: Die ständige beratende Kommission wird in Genf zusammentreten.
Sie kann auch an anderen vereinbarten Orten zusammenkommen.
Ausgefertigt in Genf am 21. Dezember 1972 in zwei Kopien, jeweils in englischer und in russicher Sprache, von denen beide Texte in gleicher Weise authentisch sein sollen."
Das

�Das Memorandum wurde

für die Vereinigten Staaten von Botschafter

Gerard Smith und für die Sowjetunion von dem stellvertretenden Außenminister
Wladimir S. Semenow unterzeichnet.

-4-

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1/1973

US-ENERGIEBEDARF WIRD SICH BIS ZUM JAHRE 2000 VERDOPPELN

-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WASHINGT0N --(AD)-- Der Energiebedarf der Vereinigten Staaten wird sich
bis zum Jahre 2000 mehr als verdoppeln. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Innenministeriums hervor, der zum Jahresende veröffentlicht wurde. Der amerikanische Innenminister Rogers Morton hat im Zusammenhang mit dem
Bericht darauf hingewiesen, daß die USA mit Versorgungsschwierigkeiten rechnen müssen, wenn sie nicht alle nur möglichen Anstrengungen zur Sicherung
ihres Energiebedarfs machen.
Nach Angaben des Berichtes ist mit einer Zunahme des Energiebedarfs
in den Vereinigten Staaten um 3,6 Prozent jährlich zu rechnen. Man geht dabei
von einer Zunahme des amerikanischen Bruttosozialproduktes von 739,5 Milliarden Dollar im Jahre 1971 auf 2 438 Milliarden Dollar im Jahre 2000 aus. Die
industrielle Produktion in den USA dürfte sich in diesem Zeitraum vervierfachen - mit dem entsprechenden Bedarf an Brennstoff und Energie.
Ein entscheidender Faktor wird die Umstellung auf Atomstrom sein. Hier
werden vor allem die sogenannten "Brutreaktoren" eine wichtige Rolle spielen, die mehr Nuklearbrennstoff produzieren als sie verbrauchen. Gegenwärtig

-1-

�Gegenwärtig macht der Atomstrom 2,4 Prozent der gesamten amerikanischen Stromerzeugung aus, jedoch dürfte um die Jahrhundertwende der Anteil auf 51 Prozent
gestiegen sein.
Zu dem etwas schwierigeren Problem der Erdölversorgung heißt es in dem
Bericht, daß gegenwärtig rund 74 Prozent des Bedarfs aus eigener Förderung gedeckt werden können, daß jedoch bis zum Jahre 2000 die Eigenversorgung nur noch
etwa 30 Prozent ausmachen werde. Dabei ist eingerechnet, daß die neuen Vorkommen
in Alaska rund 10 Prozent des Bedarfs decken werden, Innenminister Morton räumt
jedoch die Möglichkeit ein, daß das Öl aus Alaska sogar 15 Prozent des Gesamtbedarfs erbringen wird.
Nach Ansicht der Experten wird es bis 1980 möglich sein, das Defizit in der
Ölversorgung durch Importe zu decken. Über diesen Zeitpunkt hinaus wird jedoch
die Gewinnung von Rohöl aus Ölschiefer und durch die Verflüssigung von Kohle
- aus eigenen Vorkommen - an Bedeutung gewinnen.
Wie es in dem Bericht heißt, wird auch die Erschließung neuer Ölquellen im
Festlandsockel an der Atlantikküste verstärkt vorangetrieben werden. Der Anteil
des Öls an der Gesamtenergieversorgung wird voraussichtlich von 44 Prozent im
Jahre 1971 auf 37 Prozent im Jahre 2000 zurückgehen.
Was die Versorgung mit Gas angeht, so werden bisher 96 Prozent durch Erdgas und künstliches Gas gedeckt. Hier wird bis zum Jahre 2000 ein Rückgang auf
72 Prozent erwartet, wobei etwa 20 Prozent Erdgas über Rohrleitungen aus Kanada
eingeführt werden, und die restlichen acht Prozent durch die Einfuhr von Gas in
flüssigem Zustand gedeckt werden sollen.
Die Kohleversorgung der USA aus eigener Förderung ist nach dem Bericht mehr
als ausreichend gedeckt. Man rechnet damit, daß bis 1980 das Problem des Schwefeloxyds bei der Kohleverbrennung gelöst sein und die Kohle als umweltfreundlicher Brennstoff akzeptiert wird. Obwohl sich der Kohlebedarf bis zum Jahre
2000 verdreifachen wird, werden die amerikanischen Bergleute diesen Bedarf decken
können. Dabei dürften sich die Kohleexporte der USA von 58 Millionen Tonnen im

-2-

�im Jahre 1971 auf 108 Millionen Tonnen im Jahre 2000 fast vcr ' A.peln.
Nach den Erwartungen der Experten wird sich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von gegenwärtig 210 Millionen bis zum Jahre 2000 auf nahezu 280
Millionen erhöhen; dabei dürften jedoch wirtschaftlichere Methoden der Nutzung
der Energiequellen . vor allem durch öffentliche Verkehrsmittel statt Privatwagen - den Energiebedarf relativ verringern. Flugzeuge werden verstärkt für den
Frachtdienst eingesetzt werden, während Eisenbahnen und Lastkähne in ihrer Bedeutung zurückgehen werden.
Wie Innenminister Morton betonte, wird in Zukunft ein Unterstaatssekretär
in seinem Ministerium verstärkt mit Energiefragen betraut werden, und Präsident
Nixon wird Anfang 1973 eine "Energiebotschaft" an den Kongreß richten.

-3-

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1/1973

1972 ERFÜLLTE WIRTSCHAFTLICHE ERWARTUNGEN DER REGIERUNG
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick-

WASHINGTON — ( A D ) » Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons hat in einer
Erklärung zum Jahresschluß die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten während der letzten 12 Monate analysiert, die die Erwartungen
der Regierung erfüllt hätten. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1972 war ein Jahr einer starken wirtschaftlichen Expansion; es brachte einen starken Anstieg der Beschäftigtenzahl, eine wesentliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und eine geringere Preisauftriebsrate. Die im Dezember veröffentlichten statistischen Zahlen für Gütererzeugung, Beschäftigtenstand, Umsätze und Preise, die sich vorwiegend auf den November beziehen,
bestätigen diese Lageeinschätzung. Obwohl die endgültigen Zahlen noch nicht
vorliegen, deuten die jüngsten Berichte darauf hin, daß dieses Jahr das von
der Regierung gesetzte Ziel, eine Steigerung des Bruttosozialproduktes um
100 Milliarden Dollar - bei sechsprozentiger Zunahme der realen Güterererzeugung und 3 1/4 Prozent Preissteigerungen (wie dies der Deflator des
Bruttosozialproduktes

zeigt) - erfüllt hat.
Die

-1-

�Die Arbeitslosenrate im November von 5,2 Prozent lag im Bereich der
Voraussagen der Regierung, daß nämlich die Arbeitslosenrate gegen Ende des Jahres 1972 bei etwa 5 Prozent liegen werde
In den neun Monaten von Ende Februar bis Anfang November 1972, nachdem
der kurze Preisanstieg nach Ablauf des totalen Lohnend Preisstopps überwunden
war, ist der index der Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 3,1 Prozent
gestiegen. Dies liegt noch geringfügig
Ziel, den

über dem von der Regierung gesetzten

Preisauftrieb auf 2 bis 3 Prozent herabzudrücken; allerdings ist

die Preisauftriebsrate nur noch etwa halb so groß wie 1969, Andere wichtige
I idikatoren für die Preisentwicklung sind, wie dies der Deflator des Bruttosozialprodukts und des privaten Verbrauchs zeigt, in den letzten Quartalen
weniger als 3 Prozent angestiegen.
Es gibt zahlreiche Hinweise,die für ein Anhalten des wirtschaftlichen Aufschwungs 1973 sprechen. Die Höhe der Verbrauchsgüterumsätze, die anhaltend
hohen Raten des Baubeginns von Wohnungen und der Auftragseingänge in der Fertigungsindustrie, die Berichte über die Investitionspläne der Wirtschaft, der
stimulierende Einfluß des Bundeshaushaltes und die stetige Zunahme der Geldversorgung - sie alle weisen darauf hin, daß die Auftriebskräfte auf der Nachfrageseite der Wirtschaft ungebrochen sind. Dies sollte zu einer Steigerung von
Gütererzeugung und Beschäftigung führen und die Arbeitslosigkeit weiter abbauen.
Was den Preisauftrieb anbetrifft, so werden die Preis-und Lohnentscheidungen in
einem Klima getroffen werden, das von mehr Vertrauen in das Preisniveau und
einer geringeren Notwendigkeit für größere Lol lerhöhungen, um frühere, jahrelang bestandene Rückstände auszugleichen, gekennzeichnet ist. Somit sind die
Aussichten auf ein weiteres Jahr, das eine schnelle Expansion mit einer rückläufigen Preisauftriebsrate verbindet, gut.
Wenn auch diese Aussichten gut sind, so sind sie jedoch noch keineswegs
gesichert, und das endgültige Ergebnis wird wesentlich davon beeinflußt werden,

-2-

�werden, wie wir als Nation einige schwierige Aufgaben lösen. Zurückhaltung in
der Haushaltspolitik des Bundes wird notwendig sein, um zu verhindern, daß die
gegenwärtige gesunde Expansion sich wieder zu einem inflationistischen Boom
auswächst. Die Entschlossenheit der Regierung in dieser Beziehung ist wohl bekannt; es wird der Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit bedürfen, um das Ziel zu erreichen. Das System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen
wird modifiziert werden müssen, um eine optimale Wirksamkeit zu erlangen, ohne
daß Effizienz und Dynamik der Wirtschaft im Laufe des Jahres 1973 beeinträchtigt werden. Die Regierung hat eingehende Konsultationen mit allen Sektoren der
Wirtschaft über die erforderlichen Änderungen geführt. Die Empfehlungen der Regierung hierzu werden gegenwärtig noch ausgearbeitet; es ist klar, daß in diesem
Bereich ebenfalls eine Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit
notwendig sein wird. Zweifellos werden sich auch noch andere, im Augenblick
noch nicht vorauszusehende Probleme ergeben. Aber die durch die gemeinsamen Anstrengungen allr.r Amerikaner innerhalb und außerhalb der Regierung im Jahre 1972
erzielten ausgezeichneten Ergebnisse geben Grund zu der Zuversicht

daß die

Probleme des Jahres 1973 ebenfalls gelöst werden.
Wirtsc.haftsi ndikatoren für November
Gütererzeugung und Umsätze
Alle wichtigen Wirtschaftsstatistiken für November zeigen, daß die auf einer
breiten Basis aufbauende Wirtschaftsexpansion weitergeht. Der Index der industriellen Produktion stieg im November um 1,1 Prozent und hat damit in den
letzten drei Monaten eine Jahreszuwachsrate von 12,7 Prozer.t erreicht. Der private Wohnungsbau hatte ebenfalls einen weiteren guten Monat zu verzeichnen mit
Bau! eginnen - auf Jahresbasis - von 2,45 Millionen Wohneinheiten, etwa genauso
viel wie im Oktober. In den ersten 11 Monaten des Jahres 1972

lag die Zahl der

neu begonnenen Wohneinheiten im Durchschnitt um 19 Prozent höher als im gleichen

-3-

�gleichen Zeitraum des Jahres 1971. Die Auftragseingänge in der Dauergüterindustrie zeigten im November mit 2,9 Prozent eine ungewöhnlich starke Zunahme
und lagen damit um 21 Prozent höher als vor einem Jahr. Der Absatz von Dauergütern war um 2 Prozent höher,und die Auftragsbestände nahmen im November im
vierzehnten aufeinanderfolgenden Monat zu. Ein

geringfügiger Rückgang der

Einzelhandelsumsätze im November folgte auf einen ungewöhnlich großen Zuwachs
um 3,6 Prozent im Oktober« Die beiden Monate zusammen zeigen, daß die Verbraucherausgaben auch im vierten Quartal dieses Jahres hoch sein dürften,

Beschäftigtenstand
Der Wirtschaftsaufschwung war von einem starken Anwachsen der Zahl der
Arbeitsplätze begleitet. Die Zahl der in der Wirtschaft Beschäftigten lag im
November um 2,2 Millionen höher als vor einem Jahr. Für die ersten 11 Monate
dieses Jahres ergibt sich eine Zunahme der Beschäftigtenzahl gegenüber dem
gleichen Zeitraum des Jahres 1971 um 2,3 Millionen.
Die Arbeitslosenrate verzeichnete im November einen scharfen Rückgang
auf 5,2 Prozent gegenüber der seit Juni verzeichneten Rate von 5,5 Prozent.
Zwar sollte man den Statistiken für einen einzelnen Monat nicht zu große Bedeutung beimessen, aber die beträchtliche Zunahme von Beschäftigtenzahl und
Gütererzeugung, die dieses Jahr festzustellen war, hatte bereits einen Rückgang von der 5,5 Prozentmarke angekündigt.

Löhne und Einkommen
Eine weitere ungewöhnlich starke Zunahme des Personaleinkommens wurde
für November gemeldet, die zum Teil auf die Beschleunigung von Zahlungen an
die Kriegsteilnehmer zurückzuführen ist. Die wichtigste Komponente des Personaleinkommens - die Löhne und Gehälter - erhöhte sich um 4,6 Milliarden Dollar,
was etwa dem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs der letzten sechs Monate

-4-

�Monate entspricht. Verglichen mit dem Vorjahr war das Personaleinkommen um
10,6 Prozent und die Komponente Löhne und Gehälter um 11 Prozent höher.
Die Stundenlohnsätze waren im November unverändert, und die Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter gingen aufgrund einer etwas geringeren Arbeitszeit leicht zurück. Die Stunden-und die Bruttowochenlöhne im November lagen beide um jeweils 6,9 Prozent höher als vor einem Jahr. Angesichts eines
weit langsameren Anstiegs des Verbraucherpreisindexes nahmen die Stunden-und
die Bruttowochenlöhne -nach Ausschaltung des Preisauftriebs-in den 12 Monaten bis Ende November um 2,9 respektive um 3,2 Prozent zu.

Preise
Die Preisentwicklung war im November, wie auch zuvor im Oktober, unterschiedlich. Die Großhandelspreise zogen nach einem relativ geringen Anstieg
in den beiden vorangegangenen Monaten um 0,6 Prozent an. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel standen im November - wie in den
vorangegangenen 12 Monaten - an der Spitze des Preisanstiegs. Der Verbraucherpreisindex zog im November um 0,3 Punkte an. Dieser mäßige Anstieg ist zu
einem großen Teil auf ein starkes Anziehen der Lebensmittelpreise (1,1 Prozent) zurückzuführen; bei den übrigen Erzeugnissen betrug der Preisanstieg
lediglich 0,1 Prozent und bei Dienstleistungen 0,2 Prozent.

Entwicklung auf Jahresbasis

Für den größten Teil des Jahres 1972 liegen nunmehr Statistiken über die
wirtschaftliche Entwicklung vor. Es ist daher nur angebracht, die verfügbaren
Informationen einer Prüfung zu unterziehen, wenn wir uns jetzt dem Ende des
Jahres 1972 nähern. Die Tabellen 1 und 2 geben die bis jetzt verfügbaren Jah-

-5-

�Jahresstatistiken auf zwei verschiedene Weisen wieder.
Tabelle 1 zeigt die jährlichen Veränderungen für den größten Teil des
Berichtszeitraumes, wobei entweder das dritte Quartal mit dem dritten Quartal 1971 oder der November 1972 mit dem gleichen Vorjahresmonat verglichen
werden. Tabelle 1 zeigt weiter diese jährlichen Veränderungen zurückgehend b
1968, so daß die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre mit 1972 verglichen werden kann.
Die in Tabelle 2 aufgezeigten Veränderungen umfassen die ersten drei
vollen Quartale (oder die ersten 11 Monate) 1972 verglichen mit den gleichen
Vorjahreszeitraum. . Sobald die Statistiken für das vierte Quartal und für
den Dezember eingearbeitet werden können, wird ein Vergleich zwischen der
wirtschaftlichen Entwicklung im Jahre 1972 insgesamt mit 1971 möglich sein.
Tabelle 2 zeigt ferner die jährlichen Veränderungen zurückgehend bis 1968
sowie die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren 1960 und
1970.

Wirtschaftsindikatoren

�WIRTSCHAFTSINDIKATOREN
(auf der Basis saisonbereinigter Zahlen)
Tabelle 1: Jährliche prozentuale Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindikatoren, 1968 bis 1972

Vierteljahreszahlen(Änderungen jeweils auf der
Basis des dritten Quartals jedes einzelnen Jahres) 1972

1971

1970

1969

1968

Bruttosozialprodukt

0,1

7,2

4,7

7,6

9,3

Bruttosozialprodukt - real

7,2

2,2

-0,3

2,4

4,9

Bruttosozialprodukt

2,7

4,9

5,1

5,1

4,1

6,1

6,6

7,8

6,7

7,4

2,9

2,2

1,9

1,1

2,9

5,4

2,4

2,0

-0,4

2,5

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,8

1,9

0

2,8

1,8

Verbraucherpreis index

3,5

3,5

5,6

5,7

4,7

Verbraucherpreisindex t hne Lebensmittel

2,9

3,4

6,3

5,6

4,8

Index der Großhandelspreise

5,4

3,2

2,6

4,6

3,2

Index der Großhandelspreise - Industrieerzeugnisse
4)
Freier Wochenlohn - real
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in
Millionen)

3,7
3,7

3,2

3,6

3,9

2,6

4,0

3,9

-1,3

-0,5

-0,2

2,21

1,47

0,01

2,13

1,37

5,2

6,0

5,8

3,5

3,4

Deflator
Lohn pro Arbeitsstunde 2)
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität

'

Monatszahlen (Änderungen jeweils auf der
Basis des Novembers jedes einzelnen Jahres)

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

Tabelle 2:

�Tabelle 2: Prozentuale Veränderungen des Jahresdurchschnitts ausgewählter Wirtschaftsindikatoren 1968 bis 1972 und die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren i960 und 1970
Viertel Jahreszahlen

1972

1971

1970

1969

1968

1960/70

Bruttosozialprodukt

9,3

7,6

5,0

7,6

8,9

6,8

BruttoSozialprodukt-real

6,1

2,7

-0,5

2,7

4,7

4,0

Bruttosozialprodukt-Deflator
2)
Lohn pro Arbeitsstunde
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität '

3,0

4,7

5,5

4,8

4,0

2,7

6,2

7,1

7,2

6,7

7,5

5,2

2,9

2,7

1,2

1,3

3,2

2,3

4,5

3,6

0,6

-0,1

2,9

2,6

Monatszahlen
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,9

0,6

0,9

2,6

2,1

1,8

Verbraucherpreisindex

3,3

4,3

5,9

5,4

4,2

2,7

Verbraucherpreisindex ohne
Lebensmittel

3,0

4,6

6,0

5,5

4,4

2,8

Index der Großhandelspreise

4,3

3,2

3,7

3,9

2,5

1,5

Index der Großhandelspreise Industrierzeugnisse

3,4

3,6

3,8

3,4

2,5

1,4

4,2

2,8

-1,2 -0,4

0,6

0,9

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in Millionen?

2,28

0,49

0 , 7 3 1,98

1,55

1,29

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

5,6

5,9

4,9

3,6

4,7

Freier Wochenlohn -real 4)

3,5

5

&gt;

Fußnoten:

�Fußnoten:

1) Die ersten 3 Quartale (oder 11 Monate) 1972 verglichen mit dem
gleichen Zeitraum 1971
2) Alle Beschäftigten in der Privatwirtschaft - ohne Landwirtschaft
3) Gesamtwirtschaft - ohne Landwirtschaft
4) Arbeiter in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - mit drei
Familienangehörigen
5) Durchschnitt der zehn Jahresraten

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste SALT II-Verhandlungsrunde abgeschlossen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Kommuniqués und des Memorandums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Energiebedarf wird sich bis zum Jahre 2000 verdoppeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Bericht des US-Innenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1972 erfüllte wirtschaftliche Erwartungen der Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick -&lt;/em&gt;</text>
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