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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service

22. A p r i l 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter umreißt Lateinamerika-Politik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WIRTSCHAFT
Das Anti-Inflationsprogramm Carters
- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April 1977

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernstoff Plutonium - Gemeinrisiko für die Sicherheit
- Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp für
kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�3
I 3

Dokumentation
United States Information Service

9/1977

CARTER UMREISST LATEINAMERIKA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. April in einer
richtungweisenden Rede vor dem Ständigen Rat der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) die Lateinamerika-Politik seiner Administration dargelegt. In
kurzen Begrüßungsworten, teilweise in Spanisch, erinnerte Carter an eine Ansprache, die er vor drei Jahren nach einer Lateinamerikareise vor dem gleichen
Gremium gehalten hat. Die anschließenden Ausführungen des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"An jenem Tag in Atlanta vor drei Jahren vermittelte ich Ihnen einige
der Gedanken, die meine Frau und ich im Laufe unseres Besuches in mehreren
amerikanischen Staaten gesammelt hatten. Ich sprach vor allem von der Notwendigkeit ständiger Zusammenarbeit, Konsultation und Harmonie unter den Nationen der westlichen Hemisphäre. Daran glaube ich heute als Präsident der
Vereinigten Staaten noch genau so fest wie damals vor drei Jahren als Gouverneur von Georgia.
Ich freue mich, daß ich hier in diesem schönen Haus der OAS zu Gast
sein darf.

Die Organisation Amerikanischer Staaten stand drei Jahrzehnte

lang für gegenseitige Achtung unter souveränen Staaten, für Frieden und für

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Herrschaft des Rechts in der westlichen Hemisphäre.

Die Charta

der OAS verpflichtet uns zur persönlichen Freiheit und zur sozialen Gerechtigkeit.

Ich bin heute hierhergekommen, um unsere eigene Verpflichtung zu

diesen Zielen erneut zu bekräftigen.
Die Herausforderung, vor der wir heute stehen, erfordert jedoch mehr
als nur eine Bekräftigung dieser Grundsätze.
finden, sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir müssen Mittel und Wege
Wenn wir das tun wollen, dann

müssen wir uns über die Veränderungen in unseren Beziehungen klar werden,
die in den letzten zehn Jahren stattgefunden haben, und wir müssen offen und
ehrlich die Unterschiede eingestehen, die zwischen uns bestehen.
Wir müssen unsere heutige Politik und unsere heutigen Institutionen
an diese Veränderungen anpassen, damit wir unsere Ziele wirksamer verfolgen
können.
Als Nationen der 'Neuen Welt' glaubten wir einst, daß wir in Isolation
von der 'Alten Welt' gedeihen könnten. Aber vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir alle so lebenswichtige Rollen in der Weltgemeinschaft übernommen, daß Isolation heute unseren eigenen besten Interessen und anderen
Ländern schaden würde. Unser Beitritt zum Internationalen Währungsfonds, zur
Weltbank und zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) sind Zeichen
dafür, daß wir das begriffen haben. Dazu gehört auch die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), die Raul Prebisch aus
Argentinien zu einem wichtigen Forum der Entwicklungswelt machte. Venezuela
ist heute Ko-Vorsitzender der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika ist eine Quelle vieler schöpferischer Ideen für die
Entwicklung in der ganzen Welt. Die Führer vieler lateinamerikanischer Staaten
sind eine treibende Kraft zur Verbesserung der Nord-Süd-Verhandlungen gewesen.
Auf all diese Weise gehörten die Nationen Lateinamerikas zu den ersten,
die in unserer sich verändernden Welt erkannt haben, wie wichtig es ist, daß
- 2 -

�daß sich globale Institutionen an die neuen Realitäten von heute anpassen.
Die Probleme und die Aussichten unserer Region sind so vielfältig geworden wie die der ganzen Welt.

Die Volkswirtschaften der meisten latein-

amerikanischen Länder haben sich rasch entwickelt, wenn auch natürlich in
unterschiedlichem Tempo.

Manche haben eine eindrucksvolle Wachstumsrate

aufzuweisen; einige gehören zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt.
Manche verfügen über reichliche Energiequellen; andere leben in einer verzweifelten Energieknappheit.

Manche unserer Länder exportieren nur Grund-

stoffe; andere sind zu wichtigen Exporteuren von modernen Fertigwaren geworden, wieder andere exportieren kaum etwas.

Ihre Probleme des Marktzugangs,

des Technologietransfers und der Schuldenregelung trotzen manchmal selbst
einer regionalen Lösung.
Neben der wirtschaftlichen Unterschiedlichkeit haben wir alle auch vielerlei Formen und Systeme in der Regierung entwickelt.

Diese Unterschiedlich-

keit hat zu Nationalstolz und nationaler Stärke geführt,und in dem Maße, in
dem Sie eine unabhängigere und wichtigere Rolle in der Weltpolitik gespielt
haben, haben wir alle damit begonnen, eine normalere und ausgewogenere und
gleichberechtigte Beziehung aufzubauen.
Im Lichte dieser Veränderungen hätte eine einschichtige amerikanische
Politik gegenüber Lateinamerika wenig Sinn.

Wir müssen die Dinge heute in

einem größeren Zusammenhang sehen und eine flexiblere Haltung einnehmen, zu
der wir in enger Konsultation mit Ihnen gelangen.

Wir werden zusammen Poli-

tiken entwickeln, die der Eigenart und dem Potential einer jeden Nation besser
entsprechen.

Bei diesem Prozeß werde ich besonders darauf bedacht sein, daß

wir nicht versuchen, die Nationen Lateinamerikas untereinander zu spalten
oder Lateinamerika von der übrigen Welt zu isolieren.

Unser Ziel ist, die

Probleme in einer Weise anzupacken, die zu einer produktiven Lösung führt
- global, regional und bilateral.
Unsere
- 3 -

�Unsere neue Haltung wird auf drei Grundelementen beruhen:
Das erste dieser Elemente ist die hohe Achtung vor der Individualität
und Souveränität eines jeden Landes in Lateinamerika und in der Karibik.
Wir werden in anderen Ländern nichts unternehmen, was wir in unserem eigenen
Lande nicht dulden würden.
Das zweite ist unsere Achtung vor den Menschenrechten, eine Achtung,
die so sehr Teil Ihrer eigenen Tradition ist.

Unsere und Ihre Werte verlan-

gen von uns, daß wir gegen Verletzungen der Freiheit des Einzelnen, einschließlich jener, die aus politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit
geschehen, kämpfen.
Daß diese Werte auch unser eigenes Anliegen sind, wird natürlich unsere
Beziehungen mit den Ländern der westlichen Hemisphäre beeinflussen, und Sie
werden unser Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, in der ganzen Welt
bereitfinden, nachdrücklich neben jenen Nationen zu stehen, die die Menschenrechte achten und die demokratischen Ideale fördern.
Das dritte ist unser Wunsch, den großen Fragen zum Durchbruch zu verhelfen, die die Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern berühren. Ihre wirtschaftlichen Probleme sind ebenfalls ihrer Natur
nach global und können nicht allein auf regionaler Basis gelöst werden. Einige unserer eigenen globalen Politiken sind von besonderem Interesse für andere amerikanische Staaten. Wenn auf diesen Gebieten wesentliche Entscheidungen getroffen werden, dann werden wir uns mit Ihnen konsultieren.
Die Vereinigten Staaten werden eine positive und offene Haltung zu Verhandlungen über Abkommen zur Stabilisiemng der Rohstoffpreise, einschließlich
der Einrichtung einer gemeinsamen Vereinbarung zur Finanzierung
von Ausgleichsvorräten (Buffer Stocks), einnehmen, wo diese Bestandteil eines
individuellen und ausgehandelten Abkommens sind.
Wir

�Wir nehmen aktiv an den multilateralen Handelsverhandlungen mit Ihren
Regierungen in Genf teil.

Wir haben uns verpflichtet, Handelsschranken auf

ein Minimum zu senken und die besonderen Handelsprobleme der Entwicklungsländer in Rechnung zu stellen sowie für eine besondere und günstigere Behandlung
zu sorgen, wo dies möglich und angebracht ist.

Wir sind der Überzeugung, daß

dies in unserem gegenseitigen Interesse liegt und wichtige neue Möglichkeiten
für den Lateinamerikahandel bietet.
Unsere eigene Wissenschaft und Technologie kann für viele Ihrer,Länder
von Nutzen sein. So sind wir beispielsweise bereit, Ihre Techniker auszubilden, damit sie mehr Informationen nutzen können, die von unseren Erdsatelliten gesammelt werden, und Sie damit in die Lage versetzt werden, bessere
Entscheidungen im Management ihrer Ressourcen und Ihrer Umwelt zu treffen.
Die Technologie des Weltraumfernmeldewesens kann ferner ein schöpferisches
Werkzeug sein, um Ihnen beim Aufbau Ihrer nationalen Fernsehsysteme zur Förderung der Bildungs- und Kulturaufgaben zu helfen.
Ich habe den Kongreß ersucht, unsere Zusagen für die Interamerikanische
Entwicklungsbank und die anderen multilateralen Kreditinstitute voll zu erfüllen, die einen großen Teil ihres Kapitals an die relativ fortschrittlichen
Entwicklungsländer in Lateinamerika ausleihen.
Und schließlich lenken wir mehr und mehr unserer bilateralen Wirtschaftshilfe in die ärmeren Länder. Wir sind ferner bereit, zusammen mit anderen
Ländern neue Mittel und Wege zu sondieren, wie wir in einem weiteren Bereich
institutioneller, menschlicher Entwicklung hilfreich sein können, sowie technologische Wege, die diese Länder in die Lage versetzen könnten, wirksamer mit
den Problemen der Bedürftigen fertig zu werden. Wir alle tragen eine besondere Verantwortung, den ärmsten Ländern der Welt zu helfen, ebenso wie den
ärmsten Menschen in jedem unserer Länder.
Ich möchte noch kurz etwas über Privatinvestitionen sagen.

Ihre Re-

gierungen sind begreiflicherweise daran interessiert, Regeln festzulegen, die
- 5 -

�die private Investoren dazu ermutigen, eine wichtige Rolle in Ihrer Entwicklung zu spielen.

Wir unterstützen Ihre Bemühungen und sind uns darüber im

klaren, daß es heute einer neuen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bedarf,
wenn ausländische Investitionen in der Kombination von Technologie, Kapitalmanagement und Markterfahrung bei Ihrem Entwicklungsbedarf den größten Nutzen
bringen sollen.

Wir werden auf diesem Gebiet das unsrige tun, um zwischen

Ihren Regierungen und der unsrigen Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnisse zu vermeiden.
Einer der bedeutsamsten Trends unserer Zeit ist das Verhältnis zwischen
den Entwicklungsländern der Welt und den Industriestaaten.

Wir ziehen aus

Ihrem Rat und Beistand Nutzen, und wir zählen darauf, daß Sie Ihre konstruktive Führung einbringen und uns in diesem Nord-Süd-Dialog helfend zur Seite
stehen werden.
Wir hoffen ferner darauf, mit allen Nationen zusammenzuarbeiten, um der
Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernsprengstoff Einhalt zu gebieten.

Die Staaten Lateinamerikas haben vor zehn Jahren die Initiative er-

griffen, als Sie die erste kernwaffenfreie Zone in irgendeinem

bewohnten Ge-

biet der Erde schufen.
Der Vertrag von Tlatelolco ist ein Modell, das unserer Bewunderung würdig ist. Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits unterzeichnen, und ich
werde den Senat ersuchen, das Protokoll Nr. 1 des Vertrages zu ratifizieren,
das die Stationierung von Kernwaffen in Lateinamerika verbietet.
Das Verbot der Ausbreitung von nuklearen Brennstoffen erfordert jedoch
keine Aufgabe der Vorteile der friedlichen Nukleartechnologie. Wir wollen
mit Ihnen allen bei der Entwicklung neuer Technologien für die Nutzung des
Atoms für friedliche Zwecke eng zusammenarbeiten.
Um den kostspieligen Aufbau konventioneller Waffen zu bremsen, streben
wir eine weltweite Politik der Zurückhaltung an.
- 6 -

Wir legen in unserer eigenen

�eigenen Politik in der ganzen Welt Zurückhaltung an den Tag, und wr

werden

mit Liefernationen und in Frage kommenden Käufern über Mittel und *agt sprechen, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten.

Wir sind ferner der Aurfassuriy,

daß regionale Abkommen zwischen Produzenten und Käufern ebenfalls einer solchen weltweiten Anstrengung dienen können.
Ich habe den größten Teil des heutigen Vormittags damit zugebracht, an
einer neuen amerikanischen Politik zur Verringerung der Verkäufe von konventionellen Waffen in der ganzen Welt zu arbeiten.
teinamerika die Führung übernommen.

Auch hier haben Sie in La-

Die Verpflichtung von acht südamerika-

nischen Staaten, den Erwerb von Offensivwaffen in ihrer Region zu begrenzen,
ist ein eindrucksvolles Beispiel. Wenn diese acht Länder ihre Verpflichtung
verwirklichen können, dann werden nicht nur ihre eigenen Völker davon profitieren.

Sie werden eine Norm für andere in der ganzen Welt aufgestellt haben

Das sind unsere Herausforderungen für die Zukunft. Es gibt auch Probleme
aus der Vergangenheit, die uns plagen, und wir müssen zusammenarbeiten, um
sie zu lösen.
Ein Problem, das sich uns stellt, ist der Panama-Kanal.

In den ersten

Tagen meiner eigenen Administration, erst vor ein paar Wochen, habe ich Anweisung gegeben, mit einem neuen Geist an unsere Verhandlungen mit Panama über
einen neuen Kanal vertrag heranzugehen.

Im Lichte der Veränderungen, von denen

ich vorhin gesprochen habe, ist der Vertrag aus dem Jahre 1903, der unser Verhältnis mit Panama bezüglich des Kanals regelt, nicht mehr angemessen oder
sachgerecht.
Ich habe mich fest verpflichtet, so unverzüglich wie möglich einen neuen
Vertrag auszuhandeln, der die legitimen Ansprüche Panamas als souveräner Staatund unsere und Ihre Interessen an einem leistungsfähigen Betrieb des neut^ait-Kanals in Rechnung stellt, der ohne jede Diskriminierung allen Benutzern offen
steht.
Ein
- 7 -

�Ein weiteres Problem, das wir irgendwie gemeinsam anpacken müssen, ist
die Kuba-Frage. Wir sind der Meinung, daß ein normales Verhalten in den internationalen Beziehungen und insbesondere die Beilegung von Differenzen eine
Kommunikation mit allen Ländern der Welt erfordert.

Dieses Ziel vor Augen,

bemühen wir uns festzustellen, ob die Beziehungen zu Kuba auf einer ausgewogenen und beiderseitigen Grundlage verbessert werden können.
Ich trete für Freizügigkeit zwischen den einzelnen Ländern ein.

Ich

habe die Beschränkungen für amerikanische Staatsbürger aufgehoben, die ins
Ausland zu reisen wünschen.
Beschränkungen mehr.

Heute gibt es keine von unserem Lande auferlegte

Heute habe ich ebenfalls ähnliche Reisebeschränkungen

für in den USA ansässige Ausländer aufgehoben.
Wir wollen den internationalen Reiseverkehr fördern, und wir müssen in
diesem Zusammenhang die über die nationalen Grenzen hinausreichenden Probleme
stärker berücksichtigen.

Drogen und internationales Verbrechen, einschließ-

lich des Terrorismus, stellen die traditionellen Konzeptionen der Diplomatie
vor neue Aufgaben.
zusammenarbeiten.

Zum Nutzen unserer Völker müssen wir bei diesen Fragen
Mit jedem weiteren Jahr nehmen diese Probleme einen zentra-

leren Platz in unseren Überlegungen ein.
Seit langem habe ich ein Interesse an der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) gezeigt, und mir liegt sehr daran, daß sie eine immer konstruktivere Rolle spielt.
Die Vollversammlung der OAS ist immer ein wichtiges Forum für den direkten
Meinungsaustausch zwischen unseren Regierungen gewesen. Solche ministeriellen
Konsultationen sind außerordentlich nützlich. Sie setzen uns in den Stand, unsere kollektive Stärke auf politische und wirtschaftliche Probleme zu konzentrieren.
Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte hat wertvolle Dienste
geleistet.

Sie verdient verstärkte Unterstützung für die Wahrung und Förderung
- 8 -

�Förderung der Menschenrechte, und die Vereinigten Staaten werden koordinier
und multilaterale Maßnahmen auf diesem Gebiet anstreben.

Die Vereinigten

Staaten werden die Amerikanische Konvention für Menschenrechte unterzeichnen,
die vor einigen Jahren in Costa Rica ausgehandelt worden ist. und den Senat,
um Billigung ersuchen.

Und wir werden in Zusammenarbeit mit internationalen

Behörden erweiterte Programme zur Unterstützung politischer Flüchtlinge fordern.

Ich fordere diese Organisation und all ihre Mitgliedstaaten nachdrück-

lich auf, eine aktivere Rolle bei der Versorgung, dem Schutz und der Wiederansiedlung politischer Flüchtlinge zu spielen.
Die friedenserhaltende Funktion der OAS ist fest in ihre Charta eingebettet. Ich möchte den Generalsekretär der OAS ermutigen, auch in Zukunft
eine aktive und effektive Rolle in dem Bemühen um friedliche Lösungen verschiedener schon langanhaltender Streitfragen in der westlichen Hemisphäre
zu spielen. Die Vereinigten Staaten werden seine Bemühungen und Initiativen
unterstützen.
Die OAS ist natürlich nicht das einzige Instrument der Zusamnr^arbeit
zwischen den Nationen des amerikanischen Kontinentes. Die Interamerikanische
Entwicklungsbank gehört zu den wichtigsten multilateralen Institutionen für
die Förderung der Entwicklung in der Welt von heute» Dadurch, daß wir Länder
von außerhalb mit einbeziehen, legt die Interamerikanische Entwicklungsbank
Zeugnis für das wachsende Engagement Lateinamerikas gegenüber der übrigen Welt
ab.
Innerhalb der westlichen Hemisphäre arbeiten viele von Ihnen bei der regionalen Integration von Anstrengungen mit - einschließlich der Bemühungen
im karibischen Raum, beim Mittelamerikanischen Gemeinsamen Markt und im AndenPakt.

Wir befürworten solche Anstrengungen.

Sie sind die ersten Schritte

auf dem Wege zur Verwirklichung der Vision Bolivars von einer vereinigten
Hemisphäre.
Lassen

�Lassen Sie mich zum Abschluß eine Sache anschneiden, die mir auf Grund
meines langjährigen Interesses an interamerikanischen Angelegenheiten besonders am Herzen liegt.

Meine Frau und ich haben Mexiko und Brasilien be-

reist, die beiden größten und sich am raschesten verändernden Länder in Lateinam*&gt;rika, und dort viele Freunde gewonnen.

Und wir haben auch andere Län-

der in Mittel- und Südamerika besucht und auch dort zahlreiche Freunde gewonnen.

Meine Frau lernt gegenwärtig Spanisch, zusammen mit der Gattin des Außen-

ministers, und ich selbst habe versucht, meine Spanischkenntnisse, die ich
auf der Schule erworben habe, nicht einrosten zu lassen.

Ich habe mit aller

Deutlichkeit erkannt, wieviel Gutes und welche Bereicherung mein Land durch
die Völker und Kulturen der Karibik und Lateinamerikas erfahren haben.

Wir

sind miteinander verbunden - das sehe ich ganz klar - durch die Kultur, die
Geschichte und durch gemeinsame Zielsetzungen und Ideale.
In den Vereinigten Staaten lebt praktisch die viertgrößte Spanisch sprechende Bevölkerung der Erde.

Ich habe mich bemüht, während meines Wahlfeld-

zuges in den letzten zwei Jahren mit vielen dieser Menschen zusammenzutreffen.
Sie gaben mir ihre Unterstützung, ihre Ermutigung und ihren Rat.

Die Bücher,

die wir lesen, die Musik, die wir hören, der Sport, den wir treiben - dies
alles spiegelt wider, daß wir einander immer mehr bewußt werden.
Dieser Austausch auf geistigem, sozialem, kulturellem und pädagogische'"
Gebiet wird weitergehen - sei es mit oder ohne Regierungshilfe. Es gibt jedoch Maßnahmen, die die Regierungen treffen können, um diesen Prozeß zu beschleunigen und zu intensivieren. Wir planen daher,in den kommenden Monaten
zusammen mit Ihren Regierungen - auf individueller Basis oder hier in der OAS Möglichkeiten für neue "people-to-people" (Volk zu Volk)-Programme, für einen
verstärkten Austausch von Wissenschaftlern und Experten und für andere Wege
zu sondieren, durch die die zwischen uns bereits bestehenden Bande noch verstärkt werden können.
Wir stehen vor der Aufgabe, unsere Institutionen einer sich wandelnden
Welt gegenüber wach und aufgeschlossen zu halten.
- 10 -

Wir müssen unsere Aufmerk-

�-

T

-

Aufmerksamkeit auf die Probleme, denen sich unsere Länder gegenübersehen,
konzentrieren und jede Lösung den einzelnen Problemen anpassen.
Wie Sie wissen, bin ich neu im Amt des Präsidenten.
Menge zu lernen.
amerika.

Ich habe noch eine

Mein Herz und mein Interesse gehören in hohem Maße Latein-

Ich begrüße jede Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und das

Gefühl einer gemeinsamen Zielsetzung und enger Konsultation mit den Staaten
und den Völkern der Karibik und Lateinamerika zu stärken.
Viele von Ihnen hier sind Führer und Repräsentanten

Ihrer Regierung» Ich

bitte Sie um Ihren Rat und um Ihre Unterstützung, wenn wir in der Zukunft gemeinsam Problemen gegenüberstehen werden.

Für unser Land und auch für uns be-

deutet es sehr viel, enge, bilaterale und direkte Beziehungen zu Ihnen zu unterhalten.
Wir sehen in der OAS, die dankenswerter Weise hier in Washington ihr
Hauptquartier hat, eine Verbindungsstelle, über die wir mehr lernen und Ratschläge erhalten und Pläne für die Zukunft machen können.
Simon Bolivar war überzeugt, daß wir unsere Ziele nur erreichen könnten,
wenn unsere Völker frei sind und unsere Regierungen harmonisch zusammenarbeiten,
Ich hoffe, daß die von mir heute umrissenen Maßnahmen und gegebenen Zusicherungen uns zu diesen Zielen des Friedens und der Freiheit hinführen werden.
Ich danke Ihnen!"

+ + + + +

- 11 -

�Wift/chaft
United States Information Service

9/1977

DAS ANTI-INFLATIONSPROGRAMM CARTERS
Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 15. April 1977 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben. Das Programm enthält 19 Punkte und soll dazu dienen,
die Inflation in den USA bis Ende 1979 um zwei Prozentpunkte zu senken.
Wie Carter auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage versicherte, ist
nicht an Lohn- oder Preiskontrollen gedacht, sondern der Präsident erwartet, daß sich Unternehmer und Arbeitnehmer freiwillige Zurückhaltung
auferlegen werden. Daneben ist eine Reihe von Maßnahmen der Regierung
vorgesehen, um unter anderem eine Zurückhaltung in der Ausgabenpolitik,
eine Senkung des Verwaltungsaufwandes und eine Stabilisierung der Rohstoffpreise zu erreichen.
Carter wies auf seiner Pressekonferenz darauf hin, daß das am 20. April
erwartete Energieprogramm der Regierung eine gewisse inflationäre Wirkung
haben könne und daher gegengesteuert werden müsse. Trotzdem werde das
Konjunkturprogramm fortgesetzt. Die am 14. April getroffene Entscheidung,
die Steuerrückzahlung von 50 Dollar pro Person - die zur Belebung der Verbrauchernachfrage gedacht war - nicht durchzuführen, hänge nicht direkt mit

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�mit dem Anti-Inflationsprogramm zusammen, erklärte der Präsident, jedoch
sei die Nachfrage stärker gestiegen als erwartet.

Daher habe man auf

diesen weiteren Anreiz verzichtet.
Wesentlicher Teil des Anti-Inflationsprogramms ist ein Konsultationsmechanismus von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung
konzertierter

- eine Art

Aktion.

Die vom Weißen Haus herausgegebene Erklärung Carters hat in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
Ich gebe heute eine Reihe von Maßnahmen bekannt, die darauf abzielen,
die Inflation unter Kontrolle zu bringen und zu senken.

Dieses Programm

umfaßt folgende Elemente:
•

- Fiskalische Disziplin, um bis zum Hauhaltsjähr 1981 mit einer Rückkehr zu einer normalen Wirtschaft ein ausgeglichenes Budget zu erreichen.
- Ein Abkommen zwischen führenden Unternehmern und Gewerkschaftern, um
den Rahmen für Konsultationen mit der Regierung zu schaffen, wie wir unsere
Ziele der Arbeitsplatzbeschaffung, Inflationskontrolle und anderer wirtschaftlicher Prioritäten erreichen können.
- Bemühungen des Rates für Lohn- und Preisstabilität, Analysen anzustellen und Informationen über die inflationären Verhältnisse auf einzelnen
Märkten und in einzelnen Industriezweigen zu liefern.
- Ein Frühwarnsystem im Rahmen des Rates für Lohn- und Preisstabilität,
das Verknappungen und Engpässe voraussagt und verhütet.
- Wirksame Anreize für die Unternehmer, im Rahmen einer umfassenden
Steuerreform die Investitionen in neue Produktionskapazität zu erhöhen.
- Ein
- 2 -

�- Ein neues Programm, um den Anstieg der Krankenhauskosten zu dämpfen.
- Eine Beschäftigungspolitik, die Nachdruck legt auf fachliche Ausbildung, gezieltere Arbeitsplatzvermittlung und verbesserte Vermittlungsdienste, um offene Stellen mit verfügbaren Arbeitskräften zu besetzen.
- Förderung erhöhter Produktivität in Unternehmen und Landwirtschaft.
- Initiativen, um die starken Schwankungen in der Rohstoffversorgung
abzuschwächen, die die Inflation in den letzten Jahren angeheizt haben.
Das soll durch folgende Maßnahmen geschehen: Lebensmittelreserven beim
Farmer, um die Verbraucherpreise und das Einkommen der Farmer stabilisieren zu helfen... Verhandlungen zur Verringerung der Schwankungen im
Weltmarktpreis von Zucker und Getreide und eine offene Betrachtung der
Möglichkeiten von Preisabkommen für andere Rohstoffe... Zusammenarbeit mit
dem Kongreß, um zu gewährleisten, daß Rohstoffe aus den strategischen Vorräten Amerikas zur Verfügung gestellt werden, wenn es in Friedenszeiten zu
Versorgungsschwierigkeiten kommen sollte.
- Regelmäßige monatliche Zusammenkünfte des Vorsitzenden des Zentralbankenrates, meiner selbst und meiner Hauptwirtschaftsberater, um eine
bessere Koordinierung der Währungs- und der Haushaltspolitik zu erreichen.
- Volle Überprüfung der wirtschaftlichen Kosten wichtiger Regierungsverordnungen durch eine wirksamere Analyse ihrer wirtschaftlichen Auswirkung.
-Größerer Nachdruck darauf, die Einhaltung von Verordnungen durch Anreize
und Verhaltensnormen zu erreichen statt durch detaillierte Festlegung von
Durchführungsbestimmungen, größerer Nachdruck auf Anstrengungen zur Erhöhung der Effektivität und zum Abbau der Bürokratie und der zeitlichen
Verschleppung.
- Reform

�- Reform der Preisbindung, um eine verstärkte Konkurrenz innerhalb
preisgebundener Industrien zu erreichen, einschließlich einer großen
Anstrengung, die Fluggesellschaften und andere Industriezweige, in denen
die Preisbindung den Wettbewerb unnötig hemmt, aus der Preisbindung herauszunehmen.
- Zusammenarbeit mit anderen Ländern, einschließlich einer Unterstützung des Internationalen Währungsfonds, um die weltweite Inflationstendenz zu verringern.
- Benutzung der internationalen Handelspolitik, um Wettbewerbspreise
für den Verbraucher sicherstellen zu helfen, während glächzeitig die
legitimen Forderungen bestimmter amerikanischer Industriezweige und
Arbeiter in Rechnung gestellt werden.
- Ausarbeitung von Verfahren, um kostspielige und unnötige Verzögerungen bei der Erteilung von Baugenehmigungen durch Regierungsbehörden
zu vermeiden.
- Strikte Anwendung der KarteiIgesetze, einschließlich einer Verhinderung von Preisabsprachen und monopolistischen Praktiken.
- Reorganisation der Bundesregierung, um die Regierungstätigkeit zu
straffen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen und sie zu einem wirksameren
Instrument zur Erreichung unserer nationalen Ziele im Rahmen der Haushaltsgrenzen zu machen.
- Eine wirksamere Beschaffungspolitik des Bundes, einschließlich noch
stärkerer wettbewerbsorientierter Ausschreibungen und eines stärkeren und
wachsameren Neuverhandlungsausschusses.
Im vorigen Jahr betrug die Inflationsrate im Durchschnitt sechs Prozent.
Wenn wir diese Inflationsrate senken wollen, dann bedarf dies einer ver-

�vereinten natione&gt;n Anstrengung.
übernehmen.

Die Bundesregierung wird die Führung

Ich habe bereits Haushaltsentscheidungen getroffen, um das

Defizit im Bundeshaushalt zu senken und die Kosten für öffentliche
Programme im Rahmen zu halten, und ich habe überhöhte Zölle und Quoten
für die Einfuhr von Schuhen und Pilzen abgelehnt.

Diese Entscheidungen

waren schwer, aber für das große Ziel der Verringerung der Inflation notwendig.
Niemand sollte von der Regierung leichte Antworten erwarten, denn es
gibt keine. Und die Regierung kann die Aufgabe nicht allein schaffen.
Wir stehen auf dem Gebiet der Energie und auf anderen Gebieten von
nationaler Wichtigkeit vor schweren Entscheidungen.

Ich bin jedoch über-

zeugt, daß Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam, sozusagen
als Zwischenziel, vernünftigerweise eine Verringerung der Inflationsrate
um zwei Prozentpunkte bis Ende 1979 anstreben können, ohne dabei unsere
Verpflichtung zur Vollbeschäftigung aufgeben zu müssen.
Wenn wir die Inflation in den Griff bekommen wollen, dann müssen alle
Teile der amerikanischen Volkswirtschaft zusammenarbeiten. Auf lange Sicht
ist der einzige Weg, der zu mehr Arbeitsplätzen führt, stabile Preise und
ein höheres Realeinkommen für unsere ganze Bevölkerung...
Das Anti-Inflationsprogramm... ist auf die Natur des Problems zugeschnitten, vor dem wir stehen.
Es besteht aus drei Hauptteilen:
Wirtschafts- und haushaltspolitische Maßnahmen, die das Wachstum
fördern und gleichzeitig jede übermäßige Stimulierung vermeiden; spezifische staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation; und freiwillige
Anstrengungen seitens der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Regieruna,
das uns allen gemeinsame Ziel der Bereitstellung von neuen Arbeitsplätzen,
der Förderung eines stetigen Wachstums und der Eindämmung der Inflation TM_
- 5 -

�zu erreichen...
Die Wirtschaft bietet bei Zugrundelegung wirklich objektiver Maßstäbe
hinreichenden Spielraum für eine weitere Expansion, ohne einen NachfrageÜberhang zu produzieren.

Viele Kreise fürchten jedoch, daß die der-

zeitige staatliche Haushaltspolitik einen erneuten inflatorisehen Druck
zur Folge haben wird.

Ich möchte mich diesen Befürchtungen direkt zuwenden.

Unzureichende Steuereinnahmen als Folge einer Stagnation der Wirtschaft nicht aber legitime Ausgabenvorhaben des Bundes - sind die Hauptursache von
Defiziten.

Wir haben heute hohe Haushaltdefizite, weil die schlimmste

Rezession der letzten 40 Jahre noch immer nicht abgeschlossen ist.
In diesem Maße, in dem die Rezession zurückgeht, müssen auch die
Defizite schrumpfen und schließlich gänzlich aufhören.

Wir dürfen es nicht

zulassen, daß die Drivate und die staatliche Nachfrage zusammengenommen
die Produktionskapazität der heimischen Wirtschaft übersteigen, weil dies
mit Sicherheit den inflatorisehen Druck verstärken würde.

Ich habe die

bindende Zusage gemacht, bis zum Haushallsjahr 1981 in einer normalisierten
Volkswirtschaft zu einem ausgeglichenen Haushalt zu gelangen, und ich werde
alles tun, was ich zu tun vermag, um dieses Versprechen zu halten.
Zwei Schritte sind für einen ausgeglichenen Staatshaushalt von entscheidender Bedeutung. Der erste ist eine anhaltende Ausweitung der
privaten Wirtschaft, die eine stetige Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze,
der Einkommen und der Steuereinnahmen des Bundes auslösen wird. Meine
Vorschläge bezüglich der unmittelbaren Schaffung neuer Arbeitsplätze
und der ständigen Verminderung der Steuersätze für die Bezieher niedriger
und mittlerer Einkommen werden uns auf diesem Weg ein Stück voranbringen,
und ich ersuche deshalb den Kongreß dringend, die diesbezüglichen
gesetzgeberischen Maßnahmen unverzüglich zu verabschieden.
Der

- 6 -

�Der zweite Schritt besteht darin, die Zunahme der öffentlichen Ausgaben
in den vor uns liegenden Jahren in engen Grenzen zu halten.

Die Haushalts-

voranschläge, die ich einzubringen gedenke, werden deshalb vertretbare
Ausgaben-Obergrenzen vorsehen, und ich werde unablässig mit allen Regierungsstellen und auch dem Kongreß zusammenarbeiten,um sicherzustellen, daß diese
auch tatsächlich eingehalten werden.
Die Haushaltsvoranschläge, die meine Zustimmung erhalten, werden auf einen
Plus-Minus Null-Ausgleich aller Programme der Bundesregierung gerichtet sein.
Der Kongreß hat in Durchführung der im Haushalt-Reformgesetz niedergelegten
Verfahren seine Sorge um eine verantwortungsbewußte Haushaltspolitik zum
Ausdruck gebracht. Nach meinem Dafürhalten können wir in Zusammenarbeit
sowohl den Erfordernissen unseres Landes nachkommen als auch gleichzeitig
innerhalb vertretbarer Grenzen der Steuerpolitik bleiben.
Ich habe die Reorganisation der Regierung und die Steigerung ihrer
Effektivität zu einer Schlüsselfrage meines Präsidentschaftswahl kämpfes
gemacht.

Ich beabsichtige, die mir inzwischen vom Kongreß erteilten neuen

Reformvollmachten dazu zu benutzen, die Arbeitsweise der Bundesregierung
zu straffen.
Um eine engere wirtschaftliche Konsultation innerhalb des gesamten
Regierungsapparates sicherzustellen, werden wir regelmäßig monatliche
Zusammenkünfte zwischen mir, dem Vorsitzenden des Zentralbankenrates und
einigen meiner Wirtschaftsberater abhalten.
Ein Kurs in der Steuer- und Geldpolitik, wie ich ihn hier umrissen
habe, sollte es dem Zentralbankenrat gestatten, eine Ausweitung der Geldmenge und des Kreditvolumens zuzulassen, die mit mäßigen Zinssätzen und
einem stetigen und nicht-inflationären Wachstum der Beschäftigung und der
Produktion vereinbar ist... Zusätzlich zu einer wohlüberlegten Steuerpolitik
kann die Regierung eine Reihe spezifischer Maßnahmen ergreifen, um unsere
Verletzlichkeit durch neue inflatorische Pressionen zu vermindern und die

- 7 -

�die derzeitigen Inflationsraten zu senken.

Ich schlage Maßnahmen auf

insgesamt elf Gebieten vor
1.

Der Rat für Lohn- und Preisstabilität: Wir werden in unserer Strategie

im Kampf gegen die Inflation den Schwerpunkt auf die Bemühungen legen,
spezifische inflationäre Probleme schon bei ihrem Auftauchen zu erkennen
und sogleich wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

Um dieses Ziel zu erreichen,

- wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität seine Tätigkeit auf die
Erstellung bis in Einzelheiten gehender und zeitbezogener Analysen der
Wirtschaftslage in jenen Industriezweigen und auf jenen Märkten ausrichten,
die für die Stabilisierung der Preise wichtig sind...
- wird der Rat die bereits bestehende Praxis fortführen, sachliche
Informationen in bezug auf Löhne, Preise, Kapazitäten und andere Entwicklungen in besonderen Industriezweigen zu veröffentlichen.

Er wird

ferner künftig gelegentlich im Zusammenhang mit wichtigeren inflatorisehen
Entwicklungen öffentliche Anhörungen vornehmen...
- wird der Rat für die jeweils zuständigen Behörden Analysen spezifischer staatlicher Verordnungen und gesetzgeberischer Maßnahmen auf deren
inflatorische Auswirkungen hin erstellen.
Die gesetzliche Vollmacht zur Tätigkeit des Rates erlischt am
30. September 1977. Ich ersuche den Kongreß, dieselbe um weitere zwei
Jahre zu verlängern. Ich beantrage ferner eine bescheidene Erhöhung
der Haushaitsbewi11igungen für den Rat...
2.

Ein Frühwarnsystem: Ich werde den Rat für Lohn- und Preisstabilität

anweisen, in Einzelheiten gehende Branchen-Studien im Bereich der Industrie
zum Zwecke der frühzeitigen Erkennung sich herausbildender Engpässe,
Kapazitätsknappheiten und anderer Probleme zu erstellen, die, sofern man
nichts gegen sie unternimmt, erhebliche Preissteigerungen zur Folge haben
könnten.

Der Rat wird seine besondere Aufmerksamkeit auf die Grundstoff-

industrien, auf Märkte mit künftig möglichen Verknappungen, auf Märkte von
größerer wirtschaftlicher Bedeutung und auf Märkte richten, auf denen die
- 8 -

�die staatliche Politik beträchtliche Auswirkungen auf die Nachfragesituation
im Inneren zu zeitigen vermag.
3.

Rohstoffvorrats!ager:

Wenn die Preise für Rohstoffe und Nahrungs-

mittel bei steigender Tendenz schwanken, werden davon meist alle Wirtschaftszweige berührt, kommt es doch zu generellen Preis- und Lohnerhöhungen;
ein Nachgeben der Rohstoffpreise hat jedoch keine vergleichbaren Rückwirkungen auf Preise und Löhne.

Eine Verminderung der Ausschläge bei den

Rohstoffpreisen trägt somit zur Eindämmung der Inflation bei. Um ausreichende Rohstoffvorratslager anlegen zu können, müssen mehrere Maßnahmen
getroffen werden:
- Der Landwirtschaftsminister hat, gestützt auf bereits bestehende
gesetzliche Handhaben, ein Programm entwickelt, das eine geregelte, farmseitige Anlage von Futtergetreidereserven in Perioden günstiger Erträge
und niedriger Preise gestattet. Diese Vorräte können unter gewissen Bedingunger, zur Gewährleistung einer stabileren Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten freigegeben werden. Sie können ferner mithelfen,
den Absatz amerikanischer Agrarprodukte im Ausland zu beleben, indem wir
mit ihrer Hilfe den Beweis erbringen, daß wir Lieferverpflichtungen auch
in Zeiten nachkommen können, in denen wir selber schlechte Ernten zu verzeichnen haben.
- Meine Regierung wird in Verhandlungen zum Abschluß internationaler
Getreide- und Zuckerabkommen eintreten, um Preisschwankungen zu vermindern.
Wir werden auch mit Offenheit andere Produkteabkommen in Erwägung ziehen,
die auf eine Verminderung der Preisausschläge abzielen.
- Wir werden mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß
Rohstoffe aus unseren strategischen Vorratslagern dazu benutzt werden,
um Versorgungsschwierigkeiten in Friedenszeiten zu beheben. Um der Industrie
die Beurteilung der künftigen Marktverhältnisse zu erleichtern, sollten alle
diesbezüglichen Anstrengungen jedoch die Verwendung strategischer Vorräte
für Zwecke der allgemeinen Preisstabilisierung ausschließen.
4. Anreize

�4.

anreize für Neuinvestitionen und Kapazitätserweiterung: Das Tempo

der Erweiterung der Produktionskapazitäten muß erhöht werden, um mögliche
Verknappungen zu vermeiden... Wirksame Investitionsanreize werden eine
Schlüssel rolle in der umfassenden Steuerreform dieser Administration
spielen...
5.

Staatliche regulierte Expansionsraten: In der Vergangenheit haben

staatliche Lenkungsmaßnahmen häufig eher dazu beigetragen, die hiervon
begünstigten Industrien zu schützen, statt ihre Leistungsfähigkeit zu
steigern und ihre Kosten zu senken.
eine Tendenzwende einzuleiten.

Wir haben viele Möglichkeiten, hier

Die Neufassung beziehungsweise gänzliche

Beseitigung von Bestimmungen, die nicht länger den nationalen Erfordernissen gerecht werden, kann die Verbraucherpreise senken helfen.
Diese Administration hat bereits zu verstehen gegeben, daß sie für eine
Reform der Bestimmungen zur Regulierung der Luftfahrt eintritt. Wir werden
auch die Möglichkeiten für eine Steigerung des Wettbewerbs in anderen
staatlich reglementierten Wirtschaftszweigen im Auge behalten.
Eine Behörde für Verbraucherberatung, die zu errichten ich den Kongreß
bereits ersucht habe, könnte für den Verbraucher, der ja letztlich doch
die Rechnung zu bezahlen hat, auch insofern eine nützliche Rolle spielen,
als sie schon bei der Abfassung von regulativen Bestimmungen mitwirken
kann.
6.

Andere Bestimmungen:

Es sind Schritte möglich, die Umwelt zu ver-

bessern und die Verbraucher und Arbeiter vor Gefahren für ihre Gesundheit
und Sicherheit ohne übermäßige Kosten und ohne viel Bürokratie zu schützen.
- Ich habe zu Anstrengungen angeregt, unnötige staatliche Bestimmungen
aufzuheben und neu erforderliche staatliche Bestimmungen zu vereinfachen
und mit geringerem zeitlichen Verzug inkraftzusetzen.

Es muß ein Über-

prüfungsverfahren entwickelt werden, um alle zum Erlaß von derartigen
Bestimmungen ermächtigten Stellen zu ermutigen, den wirtschaftlichen Aus- 10 -

�Auswirkungen der Verfügung, die sie treffen, gebührendes Gewicht beizumessen. ..
7.

Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprogramme: Wir können sowohl unsere

Arbeitslosigkeit als auch die Inflation durch Maßnahmen reduzieren, die
die fachliche Ausbildung verbessern, die Effizienz des Arbeitsmarktes
fördern und Arbeitsmöglichkeiten für solche Gruppen einplanen, die unter
sehr hohen Arbeitslosenraten leiden.

Die staatlichen Arbeitsbeschaffungs-

programme, die in meinen Vorschlägen zur Förderung der Wirtschaft enthalten
sind, zielen auf Gruppen und Gebiete mit hoher Arbeitslosigkeit ab...
8. Internationale Handelspolitik: Eine Zusammenarbeit mit den
Regierungen anderer Industrieländer ist von entscheidender Bedeutung für
einen Abbau der weltweiten Inflation.
Meine Administration wird die sich für den Verbrauc1 n.r aus dem Welthandel ergebenden Vorteile in Übereinstimmung bringen mit der Notwendigkeit, störende Einflüsse auf die amerikanischen Arbeiter und Firmen zu
mildern. Der Handel kann eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Inflation
spielen. Er ist ein wirksames Mittel, um die Effizienz zu verbessern und
um einen Wettbewerb innerhalb der amerikanischen Industrie zu wahren.
Wir können in den Genuß der Vorteile niedrigerer Preise und größerer
Produktivität gelangen, wenn wir unsere Produktion bei denjenigen
Industriezweigen erweitern, bei denen wir im Vergleich zu anderen Ländern
einen Wettbewerbsvorteil haben, während wir solche Güter einführen, die
wir bei uns zu teureren Preisen produzieren müßten.
Zoll- und Quotenrestriktionen können manchmal Vergeltungsmaßnahmen des
Auslandes gegenüber unseren eigenen Erzeugnissen auslösen.

Sie haben

Verkaufsverluste und Beschäftigungseinbußen für unsere Exportindustrie zur
Folge und führen dazu, daß die Verbraucher höhere Preise zahlen müssen.
Wir
- 11 -

�Wir werden die Vorteile eines freieren Handelssystems bei den internationalen Verhandlungen unterstreichen.

Insbesondere werden die Ver-

einigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Tokio-Runde von
Handelsverhandlungen drängen.
Gleichzeitig ist es wichtig, daß wir Mittel und Wege finden, um zu
verhindern, daß die Einfuhrkonkurrenz einzelne einheimische Industrien
ernsthaft schädigt, und um dafür zu sorgen, daß die Effizienz und die
Wettbewerbsposition der betroffenen Industrien verbessert werden...
Diese Kombination umsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Maßnahmen, die ich vorgeschlagen habe, wird gegen die Gefahr eines erneuten Anstiegs der Inflation schützen sowie sicherstellen, daß die Regierung selbst
nicht eine Hauptkraft bei der Aufrechterhaltung der Inflation darstellt.
Um jedoch dabei erfolgreich zu sein, die gegenwärtige Inflationsrate abzubauen und Fortschritte auf dem Wege zur Preisstabilisierung zu erzielen,
muß der private Sektor ebenfalls eine wichtige Rolle spielen...
Um Fortschritte ben" der Behandlung dieses Problems zu erzielen, muß
diese Aufgabe langfristia angegangen werden.
nachdrückliche und geduldige Anstrengungen.

Sie erfordert kontinuierliche,
Fs muß eine ganz Serie von

anti-inflationistischen Maßnahmen ergriffen werden, die Arbeitsplätze
schaffen, die Preise stabilisieren und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung des Prinzips der Fairness und der Gerechtigkeit fördern werden.
Wenn dieser Kampf gegen die Inflation Erfolg haben soll, dann bin ich
vor allem davon überzeugt, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen den
Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Regierung erforderlich ist. Diese
kollektive Anstrengung sollte darin bestehen, daß man der Regierung mit
Rat und Tat zur Seite steht hinsichtlich der Zielsetzungen für unsere
Wirtschaft, hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Reduzierung der Inflation sowie hinsichtlich der Wege, die beschritten werden
- 12 -

�werden sollten, um diese Ziele zu erreichen und die Ergebnisse auf einer
kontinuierlichen Basis zu überprüfen.

Und was am wichtigsten ist, diese

gemeinsamen Anstrengungen müssen freiwillig und auf kooperativer Basis
erfolgen und dürfen sich nicht auf zwangsweise oder unnütze Kontrollen
gründen.
Ich habe dieses Problem mit Vertretern der Gewerkschaften und der
Wirtschaft erörtert und habe deren Zusage erhalten, daß sie bei der
Entwicklung einer gemeinsamen anti-inflationistischen Anstrengung voll
und ganz mit uns zusammenarbeiten werden.
Demgemäß habe ich den Präsidenten der AFL-CIO und den Vorsitzenden der
General Electric Company gebeten, bei der Koordinierung dieser neuen
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, Managerent und der Regierung
mitzuwirken. Innerhalb der Regierung habe ich den Vorsitzenden der
wirtschaftlichen Beratergruppe ersucht, im Zusammenwirken mit meinen
anderen wirtschaftlichen Beratern mit diesen Herren sowie mit anderen
Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
um detailliertere Vorkehrungen für die Durchführung dieses Teils meines
Anti-Inflationsprogramms zu formulieren.
Ich rechne damit, daß diese Arbeiten unverzüglich beginnen. Während
diese konzertierte Aktion auf einer permanenten Basis erfolgen sollte,
hoffe ich doch, daß einige konkrete Mittel und Wege für eine Kooperation
hinsichtlich der Verminderung der Inflation auf privatwirtschaftlichem
Sektor innerhalb der nächsten Monate gefunden werden können. Ich werde
persönlich laufend informiert werden und von Zeit zu Zeit - so wie dies
notwendig wird - mit Vertretern der Gewerkschaften und der Wirtschaft
zusammentreffen...
+ + +

- 13 -

�9/1977

KERNSTOFF PLUTONIUM - GEMEINRISIKO FÜR DIE SICHERHEIT
Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp
für kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen

- (AD) - Mehr als zehn Jahre lang war der mit flüssigem Natrium gekühlte
"Schnelle Brüter" (LMFBR) die zentrale Entwicklungsaufgabe im langfristigen
amerikanischen Atomprogramm.

Ende 1983 sollte die erste große Demonstrations-

anlage für eine kommerzielle Anwendung des Verfahrens kritisch werden - die
Station "Clinch River Breeder Reactor Plant" (CRBRP) im US-Bundesstaat Tennessee.

Die Kosten, ursprünglich mit einigen Hundert Millionen Dollar angesetzt,

erhöhten sich von Jahr zu Jahr und wurden zuletzt auf 1,950 Milliarden Dollar
veranschlagt.

Wachsende und ständig weiter vertiefte Informationen und Er-

fahrungen hatten zu erheblichen Änderungen der Schwerpunkte, Methodik und Organisation des LMFBR-Programms geführt.

Seine Befürworter argumentierten je-

doch stets damit, daß ohne diesen Typ eines Schnellbrutreaktors die voraussehbare Verknappung an Uran die tatsächlichen Kosten der Stromerzeugung in
den nächsten fünf Jahrzehnten in die Höhe treiben werde.

Mit dem schnellen

Brüter sei es dagegen möglich, den effektiven Kernbrennstoffvorrat beträchtlich zu erweitern und somit Stromkostensteigerungen als Folge einer begrenzten Uran-Verfügbarkeit weit in die Zukunft zu verlegen.

D-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die beim Schnellbrutreaktor mit Flüssigmetallkühlung angewandte Technologie stellt einen der Wege dar, mit der Kernspaltung nicht nur Strom,
sondern gleichzeitig neuen und noch dazu mehr Kernbrennstoff zu erzeugen,
als für den Prozeß selbst verbraucht wird.

Im LMFBR-Reaktor wird Plutonium

"erbrütet" - ein Material, aus dem auch Atombomben hergestellt werden können.
In den Vereinigten Staaten wurden angesichts dieser Sachlage von politischer Seite und aus Wissenschaftlerkreisen immer mehr Stimmen laut, die
vor einer Forcierung und allgemeinen Anwendung der Schneilbrutreaktortechnologie nach dem LMFBR-System ebenso wie vor einer Ausbreitung der "sensitiven
Technologien" warnten.

Darunter sind kerntechnische Verfahren zu verstehen,

die - beispielsweise über die kommerzielle Wiederaufbereitung abgebrannter
Kernbrennstoffelemente - direkten Zugang zu Plutonium, hoch angereichertem
Uran oder anderen, für die Atomwaffenproduktion geeigneten Materialien ermöglichen.

Die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen, die schon durch

die wachsende Zahl "konventioneller" Atomkraftwerke in aller Welt größer geworden sei, werde durch solche Entwicklungen in untragbarer Weise verstärkt.
Denn auch die Abbrandelemente der Leichtwasserreaktoren, mit denen heute die
meisten Atomkraftwerke ausgerüstet sind, enthalten Plutonium - wenn auch in
wesentlich geringerer Menge,als mit dem LMFBR-Reaktor erbrütet würde.
In der kommerziellen Produktion und der Anwendung von Plutonium als
Kernbrennstoff sei nunmehr, wie Sprecher der US-Regierung erklärten, ein
"Gemeinrisiko für die Sicherheit aller Nationen" zu sehen.

Die Konsequen-

zen, die eine weitere Verbreitung von Kernwaffen oder die Ausweitung der Kapazitäten zur Herstellung von nuklearem Sprengmaterial für die Welt haben
würde, veranlaßten Präsident Carter zu einer Neuformulierung des amerikanischen Atomprogramms.

Wie er im Zusammenhang mit den damit veröffentlichten

Erklärungen erläuterte, werden die Vereinigten Staaten ihre nuklearen Forschungs- und Entwicklungsprojekte so umdirigieren, daß künftig die Arbeit
an alternativen Brennstoffzyklen, d.h. Zyklen unter Umgehung der Erzeugung
von Plutonium oder anderem potentiellem Atombombenmaterial, beschleunigt
wird.
Außerdem
- 2 -

�Außerdem wollen die USA ihre Produktionskapazität für andere, weniger
gefahrenträchtige Kernbrennstoffe vergrößern, "um ausreichend und rechtzeitig Kernbrennstoffe für den Bedarf des In- und Auslandes bereitzustellen".
Für die erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen, die Anqebote auf Kernbrennstoff-Lieferverträge und Liefergarantieen an andere Länder ermöglichten, würden entsprechende Vorschläge ausgearbeitet.

Gleichzeitig wollen sich die

Vereinigten Staaten gemeinsam mit allen anderen Ländern darum bemühen, bessere Lösungen für die Probleme und Risiken der nuklearen Proliferaticn zu
finden.

Zwei wichtige Projekte des bisherigen amerikanischen Atomproqramms sind
von der neuen Nuklearpolitik der US-Regierung direkt betroffen: 1) die kommerzielle Wiederaufarbeitung von Abbrandelementen und die Rückführung des
daraus zu gewinnenden Plutoniums in den Kernbrennstoffzykliis, und 2) der
"Schnelle Brüter" LMFBR.

Auf die kommerzielle Aufbereitung von Abbrand. wie

sie in der industriellen Großanlage von Barnwell (South Carolina) mit der geplanten Jahreskapazität von ca. 1500 Tonnen vorgesehen war, wird völlig verzichtet.

Von Regierungsseite sind zu dem 500-Mil lionen-Dollarprojek1; künf-

tig weder Zuschüsse noch die erforderlichen Betriebsgenehmigungen zu erwarten.

Und das Brüterprogramm wird so umstrukturiert, daß z.B. die ursprüng-

lich als Schneilbrüter-Prototyp geplante Station "Clinch River" in erster
Linie Experimentierzwecken dienen und künftig nur noch wesentlich niedrigere
Zuwendungen aus dem Bundesetat als bisher erhalten wird.

Präsident Carter hob hervor, daß er nicht beabsichtige, alle Arbeiten
am Clinch-River-Projekt einstellen zu lassen, wie dies in der Ende März 1977
veröffentlichten Studie, die 21 namhafte Wissenschaftler und Wirtschaftler
im Auftrag der Ford-Stiftung durchgeführt hatten, empfohlen worden war. Aber
die Weiterentwicklung der Schnellbrutreaktor-Technologie brauche zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht forciert zu werden, weil sowohl genügend Uran als
auch Anreicherungskapazität vorhanden sei, um die jetzige Generation von
Leichtwasser-Reaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.

Diese dürften bis

zum Ende dieses Jahrhunderts ihren Zweck als Stromlieferanten erfüllen.
Bei
- 3 -

�Bei der Erörterung von Alternativen zur Verwendung von Plutonium in
der nächsten Generation von Brutreaktoren, die im nächsten Jahrhundert die
Leichtwasser-Reaktoren ablösen sollen, verwies der amerikanische Präsident
u.s. auf die Möglichkeiten zur Verwendung von Thorium.

Dieses Element ist

zwar von Natur aus nicht spaltbar, kann aber unter Neutronenbeschuß durch
Neutroneneinfang in spaltbares Uran-233 umgewandelt werden.
sich als Kernbrennstoff für Reaktoren.

Dieses eignet

In Versuchsprojekten verschiedener

Länder, darunter der Bundesrepublik Deutschland, wird an dieser Entwicklung
z.T. schon seit Jahren gearbeitet.

In den USA ging der Prototyp für ein

kommerzielles Atomkraftwerk, das Thorium verwendet, im vergangenen Jahr in
Betrieb.

Jedoch sind nach Ansicht amerikanischer Experten noch weitere mög-

liche Kernbrennstoffe oder Brennstoff-Kombinationen für den Einsatz in Brutreaktoren denkbar, die unter dem Gesichtspunkt der Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen sicherer und damit attraktiver wären als Plutonium.

Ein

Gremium der US-Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) ist gegenwärtig dabei, das gesamte Feld der Brutreaktorentwicklung zu prüfen, mögliche
neue Entwicklungen aufzuzeigen und Empfehlungen auszuarbeiten.

Zu den neueren Entwicklungen zählt beispielsweise der Typ des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors. Im Februar 1977 wurde zwischen den USA
und der Bundesrepublik ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Forschung
und Entwicklung bei diesem Leistungsreaktortyp geschlossen. Es gilt zunächst für zehn Jahre, kann aber auf beiderseitigen Wunsch verlängert werden. Die Vereinbarung hat zum Ziel, Lösungen und Probleme von Konstruktion,
Entwicklung, Bau und Betrieb von Atomkraftwerken mit gasgekühlten Hochtemperaturreaktoren und schnellen Brütern zu finden und wissenschaftlich-technische wie wirtschaftliche Informationen auszutauschen, die sich dabei ergeben. Eine enge Zusammenarbeit der mit den einschlägigen Aufgaben befaßten
Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Spezialisten ist vorgesehen.
Die Verfasser der von der Ford-Stiftung finanzierten Studie zur NuklearPolitik (sie trägt den Titel "Nuclear Power: Issues and Choices") hatten
empfohlen, anstelle

einer mit besonderem Nachdruck betriebenen Schnell- 4 -

�Schnellbrüter-Entwicklung auf der Basis des Plutonium-Brennstoffzyklus eine
größere Flexibilität in der gesamten Reaktortechnologie anzustreben.

Zum

gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe für die Industrieländer kein zwingender
Grund, Plutonium als Kernbrennstoff einzuführen - nicht zuletzt deshalb,
weil die bisherigen Schätzungen der Uranvorräte zu niedrig

angesetzt seien.

Dennoch sollten die Brüterprogramme nicht aufgegeben, sondern unter Berücksichtigung von mehr Aspekten als bisher weitergeführt werden, damit im nächsten Jahrhundert größere Möglichkeiten zum Abfangen zu hoher Energie-Kosten
gegeben sind.
(Zu den Autoren der Studie zählen u.a. der ehemalige Präsident des
"California Institute of Technology" und jetzige US-Verteidigungsminister,
Harold Brown, der ehemalige Leiter der US-Energiebehörde FEA und jetzige Präsident der Universität New York, John C. Sawhill, der Direktor des Linearbeschleuniger-Zentrums der Stanford-Universität, Wolfgang Panofsky, der
Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Kennetz Arrow, und der Vizepräsident der Internationalen Bank für Aufbau und Entwicklung, Hollis B.
Chenery.)

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA halten am NATO-Doppelbeschluss fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Luns über Besuch in Washington befriedigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegierter auf der KSZE-Folgekonferenz legt Menschenrechtsverletzungen dar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;COLUMBIA-Kommandant Young: "Eine unglaubliche Flugmaschine!"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erster Testflug des Raumtransporters ein voller Erfolg -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

2 2 . A p r i l 1907

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Shultz-Besuch ein Beitrag zur Förderung des amerikanischsowjetischen Dialogs
- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

Shultz: "Ziemliche Fortschritte" bei INF erzielt
- Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

Shultz; Die Verbündeten werden die sowjetischen Abrüstungsvorschläge sorgfältig abwägen
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau -

WIRTSCHAFT
WeiBes Haus legt Gründe für Handelsbeschränkungen gegen Japan dar
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pläne für Raumstation revidiert

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'Sw^

Dokumentation
22. April 1987

15

REAGAN:

SHULTZ-BESUCH EIN BEITRAG ZUR FORDERUNG DES
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN DIALOGS

- Erklärung des Präsidenten zu Shultz-Gesprächen in Moskau -

SANTA BARBARA - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 16. April 1987 auf
seiner Ranch bei Santa Barbara, bei den Gesprächen von Außenminister shultz in
Moskau, die "sehr zur Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf einer
Reihe von Gebieten beigetragen haben", seien "wichtige Fortschritte bei der
Rüstungskontrolle" erzielt worden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich habe soeben von Außenminister
Shultz einen vollständigen
Bericht
über seine Gespräche in Moskau und
die Konsultationen mit unseren Verbündeten erhalten. Und wie das normalerweise bei ihm der Fall ist, hat
George unsere Positionen in Moskau
mit Festigkeit und großer Geschicklichkeit vertreten. Es ist mir klar,
daß der Besuch sehr hilfreich bei der
Förderung des Dialogs zwischen unseren Ländern auf .iner Reihe von Gebieten war - Menschenrechte, bilaterale Beziehungen, regionale Probleme
und Rüstungskontrolle.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Kontakte des Außenministers
mit
auseinandergerissenen
Familien,
religiösen Gruppen und Privatpersonen
waren
eine öffentliche Anerkennung
für den Mut derjenigen, die in der
Sowjetunion
für die Menschenrechte
kämpfen. Er verdeutlichte dem ersten
Politiker
der
Sowjetunion,
daß
Selbstbestimmung für Afghanistan und
ein sowjetischer Truppenabzug grundlegende Voraussetzungen für den Frieden sind. Wichtige Fortschritte hat
es bei der Rüstungskontrolle gegeben.
Bei den Mittelstreckenraketen haben

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir den Abstand zwischen uns etwas
verringert.
Nach weiteren Konsultationen mit unseren Verbündeten werden
wir vielleicht neue Ideen anzubieten
haben.
Was ein Abkommen noch in diesem
Jahr angeht, so bleibe ich optimistisch.
Es gab Bewegung bei den Gesprächen über Atomwaffentests und dem
Verbot chemischer Waffen. Beim Abbau
des
strategischen
Potentials
und
Weltraumverteidigung
waren die Gespräche
detailliert
und
nützlich.
Sie werden an Intensität noch zunehmen.
Nach
meiner
Rückkehr
nach
Washington werde ich mit beiden Parteien des Kongresses zusammentreffen,
um den in dieser Woche erzielten
Fortschritt einer Überprüfung zu unterziehen, ich hoffe, daß der gegenwärtig
stattfindende Prozeß weiter
fortschreitet und daß Herr Gorbatschow und ich im Rahmen eines Gipfeltreffens ein historisches Abkommen
für
die
Ost-West-Beziehungen
abschließen können. Und in diesem Zusammenhang werde ich persönlich unsere NATO-Verbündeten zu den weiteren
Verhandlungen und Plänen konsultieren.
Ich möchte noch einmal sagen, daß
ich dem Außenminister sehr dankbar
bin.

Nach Abgabe seiner Erklärung beantwortete der Präsidente einige Fragen anwesender Journalisten:
Frage:
Möchten
Sie
unbedingt
ein
Gipfeltreffen
noch
in
diesem
Jahr, Herr Präsident, unabhängig davon, ob ein Abkommen über INF unterschriftsreif ist?

ein

Präsident:
Ich hoffe,
Gipfeltreffen abhalten

daß wir
können.

Es muß jedoch sorgfältig geplant und
vorbereitet sein und es muß etwas geben, das wir dabei erreichen können.
Frage:
Muß ein Rüstungsabkommen dabei auf dem Tisch liegen?
Präsident:
Es muß einige substantielle Vereinbarungen geben, die
es wert sind, ein Gipfeltreffen abzuhalten.
Frage:
Herr
Präsident,
haben
Sie gerade angedeutet, daß es kein
weiteres Gipfeltreffen geben wird,
außer, wenn eine Vereinbarung über
irgendeine Form der Rüstungskontrolle
praktisch feststeht?
Präsident:
Nein, ich sage nur,
daß es sorgfältig vorbereitet werden
muß und daß Aussichten auf substantielle Vereinbarungen bestehen sollten.

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

22. April 1987

15

SHULTZ:

"ZIEMLICHE FORTSCHRITTE" BEI INF ERZIELT

Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers in Moskau

BONN - (AD) - In einer Pressekonferenz nach seinen besprächen mit sowjetischen Politikern hat Außenminister shultz am 15. April 1987 in Moskau erklärt, daß in der Frage der INF-Verhandlungen "ziemliche Fortschritte" erzielt
worden seien.
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut:

SHULTZ: Ich hatte drei volle und
produktive Arbeitstage hier in der
Sowjetunion, und ich möchte meinen
Gastgebern für ihre Gastfreundschaft
danken. unmittelbar nach meiner Ankunft traf ich bereits Außenminister
Schewardnadse.
nie Treffen mit ihm
dauerten den ganzen Montag über an.
Ich hatte das große Privileg, am Montag abend in der Residenz des amerikanischen Botschafters an einem seder
teilzunehmen. Danach standen weitere
Verhandlungen mit Herrn Schewardnadse
auf dem Programm.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Am Dienstag hatte ich ein besonders interessantes Gespräch mit Ministerpräsident Ryschkow, bei dem wir
vornehmlich Wirtschaftsfragen behandelten. Am Nachmittag fand dann ein
langes Gespräch mit Generalsekretär
Gorbatschow statt, innerhalb dessen
wir ein breites Spektrum von Themengebieten diskutierten und wir meiner
Ansicht nach bei einigen wichtigen
Fragen Fortschritte erzielten.
Außenminister
Schewardnadse
und
ich
trafen
uns dann
nochmals
gestern
abend. nnsere Gespräche konzentrierten sich dabei auf regionale Probleme.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Heute morgen hatte ich die Ehre,
eine außergewöhnliche orthodoxe Kirche in Peredelkino zu besuchen und
kurz an einer Messe in Zusammenhang
mit der Karwoche teilzunehmen.
Außerdem hatte
ich Gelegenheit, das
Grab
des
Schriftstellers
Boris
Pasternak zu besuchen und, dank der
Gastfreundschaft von Frau Bogoslawskaja, eine zweistündige
Diskussion
mit sechs Einzelpersonen - Dichtern,
Schriftstellern und einem Bildhauer zu führen.
Für mich war dies eine
besonders interessante Diskussion, da
sie der Konzeption von Glasnost einen
realen Rahmen verlieh.
Heute nachmittag hielten wir dann noch einige
letzte Treffen allgemeiner Natur mit
Außenminister
Schewardnadse ab und
beendeten unsere Gespräche mit der
Unterzeichnung einer ... (unverständlich, anderen Informationen zufolqe
handelte es sich dabei um die Unterzeichnung
"einer Vereinbarung über
die Zusammenarbeit
bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu
friedlichen Zwecken") Diese Übereinkunft war schon vor einigen Monaten
ausgearbeitet worden, und wir haben
die Gelegenheit dieser Treffen benutzt, um sie zu unterzeichnen.
Im
Verlauf
dieser
Treffen
haben
wir
praktisch alle Fraqen und möglichen
Chancen angesprochen, mit denen sich
unsere beiden Länder konfrontiert sehen. Wir haben die besorgniserregenden nachrichtendienstlichen Probleme
besprochen, die unlängst so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt haben
und die uns sehr stark beschäftigen,
was ich auch ausgedrückt habe. Wie
ich schon sagte, hatte ich einige gute Gespräche über Wirtschaftsfragen
und das neue Denken, über das ich informiert
wurde.
Perestroika
(Umstrukturierung) ist, glaube ich, das
Wort dafür.
Unsere

Gespräche

über

viele

der
- 2

bilateralen Fragen verliefen im Großen und Ganzen recht erfolgreich.
Ich hatte gute und lebhafte Gespräche über Themen in Zusammenhang
mit den Menschenrechten.
und natürlich ergab sich eine weitere Gelegenheit, eine Reihe von Leuten zu treffen, die in dieser Hinsicht auf die
eine oder andere Weise unmittelbar
von der sowjetischen Politik betroffen sind.
Ich war erfreut, heute
nachmittag
von Herrn
Schewardnadse
Informationen
über eine Reihe von
Fällen zu erhalten, die positiv gelöst wurden.
Wir haben über regionale Probleme
gesprochen, wie ich schon erwähnte,
sowie natürlich über eine Reihe von
Fragen in Verbindung mit Rüstungskontrolle.
Lassen Sie mich kurz rekapitulieren, wo wir im Hinblick auf die wichtigsten Fragen der Rüstungskontrolle
heute stehen. zunächst zum Thema der
INF-Verhandlungen, was von den Sowjets als Raketen mittlerer Reichweite betrachtet wird.
Meiner Meinung
nach haben wir ziemliche Fortschritte
erzielt und vielleicht können wir mit
einigen noch vor uns liegenden harten
Verhandlungen Aussichten für die Zukunft feststellen, Aussichten auf einen nahen Abschluß eines Abkommens in
diesem Bereich
Die Grundstruktur dieser Vereinbarung würde zunächst in der Formel
von Reykjavik bestehen, wonach je 100
Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien und auf amerikanischer Seite in den Vereinigten
Staaten
stationiert
würden.
Ich
sollte sagen, daß wir weiterhin die
völlige Abschaffung dieser Waffen befürworten.
Wenn jedoch die sowjetische Seite darauf nicht eingeht, so

�werden wir auch
100 zustimmen.

der

Obergrenze

von

Wir haben den zeitlichen Rahmen
für diese Reduzierung auf ungefähr
vier bis fünf Jahre begrenzt.
Wir
stimmen beide überein, daß diese Vereinbarungen
Bestimmungen über
eine
sehr strenge und peinlich genaue Verifizierung enthalten müssen.
Die amerikanische Seite hat in
Form
eines Vertragsentwurfs
unsere
Gedanken zu dieser Frage in Genf auf
den Tisch gelegt. Und es wurde uns
dort mitgeteilt, daß die Sowjets der
Bedeutung einer strengen Verifizierung zustimmen und daß sie uns ihre
Gedanken vorlegen werden, wenn wir am
21. »pril die INF-Verhandlungen in
Genf wiederaufnehmen.
Ein bedeutendes Problem, das bis heute ungelöst
ist, bei dem wir aber meiner Meinung
nach beträchtliche Fortschritte gemacht haben, betrifft die INF-Raketen
kürzerer Reichweite - die beiden da
bei betroffenen Waffensysteme.
Wir
sind uns einig, daß für die Anzahl
dieser Waffen eine Obergrenze festgelegt wird. Wir stimmen überein, daß
unabhängig von dieser Obergrenze das
einzig
funktionsfähige Konzept ein
weltweites sein muß, da diese Waffen
sehr beweglich sind und leicht transportiert werden können - also muß man
sie in eine globalen Maßstab einordnen.
"nser Verhältnis wird vom Prinzip
der Gleichheit beherrscht, und unserer Meinung nach muß dieser Grundsatz
auch in diesem Bereich Anwendu^q finden. Wenn wir alle Probleme in den
gegenwärtigen
Verhandlungen
lösen
können, schön und gut. Wir gedenken
dieser Frage erste Priorität einzuräumen, wenn wir am 23. April zu den
Genfer Gesprächen zurückkehren.
Die
sowjetische Seite hat uns gegenüber
erklärt, daß sie nach Unterzeichnung

eines
INF-Abkommens
beabsichtigen,
die heute in der DDR und der Tschechoslowakei stationierten Raketen abzuziehen und zu zerstören und daß sie
in den Verhandlungen über die übrigen
Raketen die Position einnehmen werden, daß ein Gleichstand auf Null
richtig wäre.
Dies ist ein neuer
Vorschlag, und heute nachmittag haben
sie noch hinzugefügt, daß Null in einem Jahr erreicht werden sollte.
Wir sind Mitglied eines starken
Bündnisses und antworten auf Fragen
dieser Bedeutung natürlich nicht sofort. Wir konsultieren eingehend unsere Verbündeten, und ich werde diesen Prozeß morgen in Brüssel einleiten. Insgesamt glaube ich jedoch sagen zu können, daß sehr beträchtliche
Fortschritte erzielt wurden und daß
es möglich sein sollte, mit harter
Arbeit und kreativen Bemühungen eine
Vereinbarung in diesem Bereich zustande zu bringen.
Das gleiche kann ich nicht über
Fortschritte in den Bereichen strategische Waffen und Weltraum behaupten.
Es ist aber doch wichtig, festzustellen, wo wir
im Hinblick auf die
grundlegenden Ideen stehen. Wir sind
uns einig über die allgemeine Idee
einer 50prozentigen Reduzierung der
strategischen Waffen.
Wir sind uns
über die dabei zugrundeliegenden Zahlen einig.
Sie sind in der Formel
von Reykjavik einhalten - nicht mehr
als 6 000 Gefechtsköpfe und 1 600 Abschußvorrichtungen.
Wir
stimmten
überein, daß wir nach beiderseits be
friediqenden Wpqen suchen werda"
auch die seegestützten Marschflugkörper einzuschließen. Wir sind uns einig über die Zählweise für schwere
Bomber. Wir sind uns einig, daß die
Verifikationsregelung
zwingend
und
peinlich genau sein muß.

- 3 -

Ich bin sicher, daß unsere Erfah-

�rungen aus den INF-Verhandlungen uns
für die Frage der Verifizierung im
strategischen Bereich eine wichtiger
Leitfaden sein wird.
Und wir sind
uns
darin
einig, die
sogenannten
schweren ICBMs auf die Hälfte - 1 500
- zu reduzieren. Es gibt aber noch
eine Reihe von Gebieten, auf denen
Übereinstimmung noch erreicht werden
muß. Die amerikanische Seite ist der
Überzeugung, daß neben diesen Gesamtzahlen noch eine Reihe von Untergrenzen bestehen, die wir ständig in die
Diskussion einbrachten.
Wir werden
weiterhin
auf diesen verschiedenen
Untergrenzen bestehen, da sie notwendig sind, um diesem Vertrag reale Bedeutung zu verleihen.
Es gibt noch viele weitere The
men, die man ansprechen könnte, aber
dies sind meiner Meinung nach die
wichtigsten.

könnten. Wir haben die als CORRTEX
bekannte Methode vorgeschlagen.
Die
Sowjets
beziehungsweise
Herr
Schewardnadse - sagten, daß ihres Erachtens
die
sogenannte
seismische
Methode besser sei.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, haben wir auf
dem Gebiet der Atomtests Gespräche
geführt und uns geeinigt, diese Gespräche fortzuführen und die Experten
dahingehend zu informieren, daß sie
die Gespräche, die Herr Schewardnadse
und ich über diese unterschiedlichen
möglichen Wege der verbesserten Verifikation hatten, wieder aufnehmen und
weitere Möglichkeiten für zusätzliche
Verifikationsmaßnahmen
ausarbeiten.
Wir erachten dies als eine konstruktive Vorgehensweise.

Im Weltraumbereich haben wir keine großen Fortschritte erzielt. Andererseits finden sehr substantielle
und
entgegenkommende
Verhandlungen
statt. Ich denke, daß eine der Grundideen dabei die allgemeine Ansicht
ist- daß man sich für eine gewisse
Zeit nicht vom ABM-Vertrag zurückziehen
sollte.
Was
die
Vereinigten
Staaten
angeht, so
ist
Präsident
Reagan der Überzeugung, daß die von
uns durchgeführten Forschungsarbeiten
für strategische Verteidigungssysteme
selbstverständlich
im Einklang mit
dem »BM-Vertrag stehen und wir nicht
auf eine Änderung dieses Vertrags aus
sind. Wir glauben, daß Forschung in
voller Übereinstimmung mit dem Vertraq durchgeführt werden kann.

Auch auf dem Gebiet der chemischen Waffen haben wir Gespräche geführt. Wir sind uns über die Bedeutung der Erarbeitung eines verifizierbaren
und
umfassenden
Verbots
chemischer Waffen einig. In der Angelegenheit
der Verifizierung, die
zwingend sein muß, haben wir unterschiedliche Meinungen. Wir haben Gespräche daüber geführt, daß die Vereinigten Staaten eine Vernichtungsanlage für chemische Waffen haben und
die Erwähnung einer solchen Anlage in
der Rede von Generalsekretär Gorbatschow vom vergangenen Freitag zur
Kenntnis
genommen.
Außenminister
Schewardnadse und ich haben uns daher
auf die Entsendung von Experten zur
Besichtigung unserer jeweiligen Anlagen und die Beobachtung des Vernichtungsprozesses als einen Schritt nach
vorne in dieser Angelegenheit geeinigt.

Auf dem Gebiet der Atomtests haben wir einige interessante Diskussionen
über
die
unterschiedlichen
Mittel geführt, mit denen der Test
selbst sowie das Testausmaß besser
eingeschätzt und verifiziert werden

Ein anderer Bereich, den ich erwähnen möchte, sind die Zentren zur
Verringerung des nuklearen Risikos,
nieser Themenkomplex ist bereits seit
einiger Zeit erörtert worden und beinhaltet Vereinbarungen, dank derer

�wir bei der Verringerung des Risikos
in diesem wichtigen Bereich zusammenarbeiten können. Hier haben wir echte Fortschritte erzielt.
In Kürze
werden wir eine weitere Gesprächsrunde abhalten und wir glauben, daß es
insgesamt
wahrscheinlich
ist, bei
diesem Treffen zu einer Einigung zu
kommen.
Sie sehen also, daß unsere Gespräche ein breites Spektrum abgedeckt haben, daß in einigen bedeutenden Bereichen Fortschritte
erzielt
wurden, wenn auch nicht in allen, und
natürlich werden wir diese Bereiche
weiter vorantreiben und in den einzelnen Foren, in denen wir regelmäßig
zusammenkommen, daran weiterarbeiten.
Sollten Sie jetzt Fraqen haben,
bin ich gerne bereit, diese zu beantworten.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
können Sie uns sagen, wo die beiden
Seiten im Hinblick auf ein Mittel
streckenabkommen noch geteilter Meinung sind? Was muß noch getan werden?
ANTWORT:
Wir müssen das Thema
der Kurzstreckenraketen noch endgültig behandeln, und ich habe ausgeführt, wie weit wir dabei gekommen
sind. Wir haben ziemlich große Fortschritte gemacht, aber wir müssen
noch weitere erzielen. Wir haben eine
zwingende
Verifizierungsregelung
im Detail in Form eines Vertrags"
wurfes vorgelegt, und die Sowjets
müssen darauf noch reagieren- und
zwar nachdrücklicher, als nur mit der
Feststellung ihrer Zustimmung, daß es
sich um eine zwingende Verifizierungsregelung handeln muß. Sie haben
uns jedoch ihre Antwort zum Beginn
der Verhandlungen in Genf zugesagt.
Ob dieses Thema zu Meinungsverschiedenheiten
führen wird oder nicht,
kann ich nicht sagen. Es gibt eine

Vielzahl von Aspekten, die in vieler
Hinsicht sehr technischer Natur sind
- zum Beispiel, wenn man von einem
Ungleichgewicht ausgehend über einen
bestimmten begrenzten Zeitraum hinweg
reduziert, wie werden dann die einzelnen Reduzierungsphasen und die Art
und Weise der Durchführung definiert?
Ich möchte versuchen, hier nicht allzusehr ins Detail zu gehen, da dies
von den Unterhändlern ausgearbeitet
werden soll. Natürlich sind wir weiterhin davon überzeugt, daß es aus
vielfältigen Gründen besser wäre, bei
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite den Weg ganz bis zum Punkte
Null zu gehen - also diese Klasse von
Raketen einfach ganz abzubauen - und
die Sowjets ziehen es vor. bei 100 zu
bleiben, wo wir auch enden werden,
wenn wir zu keiner anderen Lösung
kommen.
NITZE:
Wir wollen verhandeln,
müssen jedoch erkennen...(unverständlich) .
ANTWORT:
Ja, Herr
Botschafter
Nitze erinnert mich natürlich daran,
daß - wie ich bereits erwähnt habe die Sowjets während unseres Treffens
einen neuen Vorschlag zum Thema Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite vorgelegt haben, der so gestaltet
ist, daß ich naheliegenderweise unsere
Verbündeten
dazu
konsultieren
möchte und ich werde morgen früh in
Brüssel sein.
FRAGE:
Herr Außenminister, als
Frau Thatcher hier war und zweifelsohne seit dieser Zeit, hat sie öffentlich wie auch privat sehr deutlich gemacht, daß die Briten kein von
Atomwaffen freies Europa wünschen und
daß die Briten die Null-Lösung nicht
auf
Mittelstreckensysteme
kürzerer
Reichweite ausgedehnt sehen wollen.
Die Franzosen stimmen mit ihr sowohl
öffentlich als auch privat überein.

- 5 -

�Erwarten Sie ein Abweichen von diesem
Kurs bei Ihren Gesprächen mit Ihren
Verbündeten in der NATO zu diesem
Thema oder konnten Sie eine gewisse
Flexibilität in Ihren Gesprächen über
den neuen Vorschlag der Sowjets feststellen - daß sie bereit wären, Begrenzungen bei den Mittelstreckensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
zuzustimmen?
ANTWORT:
Nun, natürlich werden
die Sowjets für sich selbst sprechen
müssen. Ich berichte Ihnen über die
Ergebnisse unserer Treffen. Und ich
werde Konsultationen mit den Verbün
deten führen, bei denen wir dieses
neue Angebot berücksichtigen werden.
Und ich kann Ihnen das Erqebnis noch
nicht mitteilen, da wir die Konsultationen noch nicht geführt haben. Es
ist offensichtlich, daß es hier eine
Vielzahl von Meinungen gibt, aber wir
werden einander konsultieren und sicherlich zu einem guten Ergebnis kommen.
FRAGE:
Hat
die
Sowjetunion
Gründe dafür angeführt, warum sie auf
100
Gefechtsköpfen
im
asiatischen
Teil der Sowjetunion besteht?
ANTWORT:
Nun,
das
ist
eine
Frage, die Sie ihnen stellen müssen warum sie sie behalten wollten? wir
würden sie gerne abgebaut sehen, und
wir denken dies aus einer Vielzahl
von Gründen, nicht zuletzt aus der
Sorge um die Länder, auf die sie gerichtet sind und nicht zuletzt aufgrund der äußerst beträchtlichen Auswirkungen auf die Qualität der Verifizierung, die sich daraus ergibt,
wenn man sich mit Null im Vergleich
zu 100 auseinandersetzt. Hier können
sehr
starke
Argumente
vorgebracht
werden. Dennoch haben wir in Reykjavik um diese Themen gerungen und haben eine Einigung erzielt, an die wir
uns halten werden, obwohl wir unserer
- 6

Ansicht
wären.

nach

mit

Null

besser

daran

FRAGE:
(Auf Russisch gestellte
Frage dahingehend, ein Gebiet Mitteleuropas zu einer atomwaffenfreien Zone zu erklären).
ANTWORT:
Ihre Frage bezog sich
auf eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa.
Dieses Thema wurde nicht
angeschnitten oder diskutiert.
Wir
vertreten den Standpunkt, daß das
Thema, auf das wir uns konzentrieren
müssen, der Abbau dieser Nuklearwaffen und die Erlangung des richtigen
Gleichgewichts ist. Und das Problem
ist natürlich nicht, wo sie stationiert sind, sondern wo sie treffen.
Und nach Ansicht des Präsidenten, und
ich gehe davon aus, auch nach Ansicht
des Generalsekretärs, ist der Hauptpunkt, daß es zuviele davon gibt und
daß wir den Prozeß in Gang setzen
müssen, die zahl der Nuklearwaffen zu
reduzieren. Und genau das tun wir.
FRAGE:
Herr
Außenminister,
gibt es Umstände, unter denen Sie
sich im Rahmen des neuen sowjetischen
Vorschlags, den Sie heute und gestern
gehört haben, die Fortführung der
flexiblen Reaktion in Europa vorstellen können, während die Sowjetunion
ihre Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite auf Null reduziert, ohne
daß
das
NATO-Bündnis
irgendwelche
seiner Mittel- oder Langstreckenraketen in Kurzstreckensysteme umwandelt?
Können Sie sich solche Umstände vorstellen?
ANTWORT:
Nun, die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion gibt es
schon seit langem, schon vor der Dislozierung
der
sogenannten
Mittelstreckenraketen, also wird sie auch
weiterbestehen
"s ist eine gute
Strategie.

�FRAGE:
Herr Außenminister, haben Sie, abgesehen davon, daß Sie
Herrn Gorbatschow einen Brief des
Präsidenten
überreicht
haben, die
Aussichten für ein Gipfeltreffen besprochen, oder ist Ihre Position immer noch die, daß der Willkommensteppich ausgelegt und es an den Sowjets
ist, darauf zu reagieren?
ANTWORT:
Nein,
diese
"^ema
wurde zwischen Ihnen und dem Generalsekretär mehr diskutiert als sonstwo
im Stil Washingtoner Pressekon'"
renzen, daß man ihm mit Fragen zurief. Ich sagte ihm, daß er nicht zu
antworten brauche, aber er tat es
trotzdem.
Das Thema wurde kurz angerissen,
aber wie Sie ja sehen können, konzentrierten sich unsere Gespräche mehr
auf die Substanz als auf das Treffen.
Ich glaube, man kann fairerweise sagen, daß sowohl wir als auch die Sowjets die Ansicht teilen, daß ein
solches Treffen mit einem bedeutenden
Inhalt in Verbindung gebracht und daß
es ein gut vorbereitetes Treffen sein
sollte. Und so gehen wir es an.
FRAGE:
Herr Außenminister, die
Stellungnahme der Nachrichtenagentur
TASS über die gestrigen Bemerkungen
Gorbatschows Ihnen gegenüber ließen
auf eine etwas klarere und deutlichere sowjetische Haltung zu der Frage
schließen, welche Forschung für das
SDI Programm akzeptiert werden kann,
interpretieren
Sie
dies
als
eine
vielversprechende Neuformulierung der
sowjetischen Haltung und glauben Sie,
daß sich die sowjetische Haltung zu
SDI im Verlauf ihrer dreitägigen Gespräche geändert hat?
ANTWORT:
Wir haben ein wenig
darüber gesprochen.
Ich kann nicht
sagen, daß sich unsere Position als
Ergebnis der Diskussion sehr verän-

dert hat. Es ist unser Standpunkt,
daß der ABM-Vertrag bestimmte Arten
von Aktivitäten festlegt, die beide
Seiten unternehmen können
und wir
sehen keine Notwendigkeit, den ABMVertrag zu ändern.
unser Programm
ist so ausgelegt, daß es in vollem
Einklang
damit
steht.
Natürlich
überprüfen wir den Vertrag sorgfältig
im Hinblick darauf, was dieser erlaubt. Auf jeden Fall aber sind wir
damit zufrieden, am ABM-Vertrag festzuhalten .
Ich bin mit einigen neuen Vorschlägen auf dem Gebiet der Weltraumwaffen hierher gekommen, aber, wie
gesagt, wir haben dies nicht im größeren Umfang diskutiert.
Wie Sie
wissen, hat der Präsident in Reykjavik einen Zeitraum von zehn Jahren
vorgeschlagen, in dem wir vom ABMVertrag nicht abrücken und während
dem
alle
ballistischen
Flugkörper
vernichtet würden, so daß am Ende des
ZehnJahreszeitraums das, woqegen man
sich zu verteidigen sucht, vernichtet
worden wäre- und daher eine wesentlich verminderte Absicherung
nötig
wäre.
Dieser Vorschlag wurde zurückgewiesen. Also haben wir es noch einmal versucht und trugen einen anderen
Vorschlag vor, diesmal in Verbindung
mit der
50prozentigen
Reduzierung,
die wir bei den START Verhandlungen,
bei den strategischen Waffen, anstreben; und wir haben diesen Vorschlag
mit einer Reihe anderer Fragen verbunden, um eine berechenbares Umfeld
zu schaffen. Tch glaube, daß die Sowjetunion sagte, dies zu wünschen.
Dann haben wir einen Zeitraum von
sieben Jahren vorgeschlagen
in dem
wir vom ABM-Vertrag nicht abrückenalso bis 1994, und haben eine Reihe
weiterer
Dinge
vorgetragen.
Wir
schlugen einen jährlichen Austausch

- 7 -

�von Daten und von Plänen über die
Forschungsvorhaben
für das jeweils
kommende Jahr vor. Wir haben unseren
Vorschlag wiederholt, offene Labors
zu unterhalten, so daß jeder weiß,
was im allgemeinen gerade geschieht.
Und wir haben ebenfalls unseren Vorschlag wiederholt, daß sämtliche Versuche, die in Verbindung mit der Erforschung der strategischen Verteidigung durchgeführt werden, Versuche
wären, die wir beide im jeweils anderen Land beobachten können.
Wir haben uns also mit der sowjetischen
Ansicht
auseinandergesetzt, wonach diese ein berechenbares
Umfeld erwünschten, und dies sind einige der Inhalte dessen, was wir vorgeschlagen haben. Aber, wie gesagt,
wir sind bei der Erörterung dieser
Punkte wirklich nicht sehr weit gekommen. Natürlich stimmen wir darin
überein, daß dies sehr wichtige Punkte sind.
Wir haben ganz besonders
kompetente Unterhändler in Genf, und
wir werden diese Angelegenheit ganz
energisch vorantreiben.
FRAGE:
Herr Außenminister, haben
Sie
die
Handelsbeschränkungen
zwischen den vereinigten Staaten und
der Sowjetunion erörtert, und ist die
derzeitige Regierung dazu bereit, in
der Zukunft einige dieser Beschränkungen aufzuheben, während sich
hoffentlich - die Beziehungen verbessern?
ANTWORT:
Auf
die
Frage
der
Handelsbeschränkungen
wurde
verwiesen, aber sie wurde nicht im Detail
diskutiert. Wie Sie wissen, gehören
zu diesen Beschränkungen Vorbehalte
aufgrund
der
Auswanderungsproblematik, und genau deshalb floß die Angelegenheit in unsere Gesetzgebung ein.
•
t pi" leuchtend, *»" wir die in
allen
Teilbereichen
stattfindenden
interessanten Entwicklungen bei der

Neustrukturierung
der
sowjetischen
Gesellschaft auf vielen Ebenen sehr
genau beobachten, die Herr Gorbatschow angeregt und beschrieben hat.
Und bei den Auswanderungen sehen wir
Beweise für eine Zunahme, zu denen
sich die Sowjets entschlossen haben.
Wir begrüßen diese Schritte und wir
werden sie beobachten.
Die Diskussionen, die ich mit Herrn Ryschkow
geführt habe, gingen mehr auf das Wesen der Veränderungen und deren Art
hier ein, Ihrer Art hier, wie Sie Ihre Wirtschaft organisieren, und ich
fand es sehr interessant, etwas darüber zu erfahren. Wir haben eine Art
Gedankenaustausch über die Aussichten
der Weltwirtschaft gehabt und konnten
diesen Punkt ein wenig erörtern, aber
wir hatten keine Gelegenheit, uns in
diese Materie so detalliert zu vertiefen, wie wir beide es gewünscht
hätten.
FRAGE:
Können
Sie
erklären,
warum die Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Bereitschaft
zur völligen Vernichtung dieses Typs
von
Mittelstreckenwaffen
kürzerer
Reichweite
darauf
bestehen,
diese
Waffen kontinuierlich weiter zu vermehren?
ANTWORT:
Die Antwort ist sehr
einfach und sehr wichtig.
Die Vereinigten
Staaten
sind
Teil
eines
Bündnisses mit einer Anzahl von Ländern, die unsere engen Freunde sind,
die unsere Werte teilen und mit denen
wir zusammenarbeiten, um jede Aggression gegen uns abzuschrecken.
Wir
nehmen dieses Bündnis sehr ernst.
Wenn immer also ein Vorschlag unterbreitet wird, ein neuer Vorschlag und dies ist ein neuer Vorschlag dann reagieren wir nicht einfach darauf; wir versuchen, diesen zu verstehen, und dann gehen wir zurück und
sprechen uns mit unseren Verbündeten
ab, und wir entwickeln gemeinsam eine

�Betrachtungsweise darüber, was zu tun
ist. Wir glauben, daß dies die richtige Art ist, wie man sich unter Verbündeten verhalten sollte. Und dies
ist der Grund, warum wir nicht Hals
über Kopf antworten. Dies ist eine dies hier beinhaltet schwerwiegende
Probleme, und wir möchten diese mit
unseren Verbündeten
sorgfältig betrachten.
Wir sprechen über Themen
von
außerordentlicher
Wichtigkeit,
und wenn wir etwas unternehmen, werden wir es durchdacht haben und uns
daran halten.
FRAGE:
Sie sagten, daß Sie Ihre Ansichten über das Thema Spionage
energisch vorgetragen haben.
Können
Sie uns etwas über diese Diskussion
sagen?
Gab es auf irgendeiner von
beiden Seiten - entweder auf Seiten
der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion - eine Übereinkunft, vielleicht nicht so aggressiv zu sein''
Wie verlief die Diskussion?
ANTWORT:
Es
gab
eine
harte
Diskussion in beide Richtungen. Ich
habe unsere Standpunkte vorgetragen,
wie der Präsident sie dargelegt hat.
Sie haben einige Standpunkte vorgetragen.
Es gibt keine Übereinstimmung irgendwelcher Art. Wie der Präsident erklärt hat, ist natürlich eines ziemlich klar:
bevor wir das
neue derzeit im Bau befindliche Gebäude fertigstellen und beziehen können, müssen wir uns mit den sowjetischerseits zur Verfügung gestellten
Materialien befassen, von denen wir
jetzt wissen, daß sie mit Abhörgeräten gespickt sind. Wir stellen einfach Betrachtungen darüber an, wie
wir damit umgehen sollen. Aber dies
wird ganz offensichtlich einige Zeit
in Anspruch nehmen, und es kann sein,
daß wir gezwungen sind, einige bauliche Veränderungen in dem Gebäude
vorzunehmen. Ich kann dies nicht beantworten.

Natürlich wird es dabei bleiben,
daß wir den Sowjets solange den Einzug
in
deren
neues
Gebäude
in
Washington
nicht gestatten werden,
bis wir in der Lage sind, in eine gesicherte Anlage einzuziehen.
Hier
muß es Gleichheit und Gegenseitigkeit
geben, wie in allen Angelegenheiten.
Da dies die letzte Frage ist,
lassen Sie mich noch eine weitere und
allgemeine
Betrachtung
anschließen.
Dies war eine sehr interessante Reise
für mich. E S ist recht deutlich geworden, daß einige wichtige Veränderungen in der Sowjetunion ablaufen.
Sämtliche politischen Führer und andere Personen, mit denen ich gesprochen habe, haben mir diese Veränderungen beschrieben, und ich war froh,
diese direkte Information bekommen zu
haben.
Wir haben viele Schwierigkeiten,
unsere beiden Länder, aber wir haben
auch eine große Verantwortung.
Es
ist selbstverständlich unsere Verantwortung, diese Schwierigkeiten
auf
eine realistische und direkte Art zu
behandeln, aber es ist auch unsere
Verantwortung, die Bedeutung der kontinuierlichen Suche nach einer konstruktiveren und dauerhafteren Beziehung im Interesse des Friedens in der
Welt im Auge zu behalten.

- 9 -

�«e-VJ5*

1-7

AMERIKA DIENST
Dokumentation

A«

22. April

15

1987

SHULTZ: DIE VERBÜNDETEN WERDEN DIE SOWJETISCHEN
ABRÜSTUNGSVORSCHLXGE SORGFÄLTIG ABWÄGEN
- Erklärung des Außenministers zu den Gesprächen in Moskau SANTA BARBARA - (AD) - Im Anschluß an sein Treffen mit Präsident Reagan,
bei dem Außenminister shultz ihm über seine Moskau-Reise berichtete, erklärte
er am 16. April 1987 vor Reportern, daß das Nordatlantische Bündnis die Vorschläge der Sowjetunion zum Abbau der Atomraketen in Europa trotz der Sorge
über die "überlegene Stärke" der konventionellen Streitkräfte des Warschauer
Pakts sorgfältig in Erwägung ziehen werde. Shultz nahm Berichte zur Kenntnis,
denen zufolge die Vorschläge von Parteichef Gorbatschow zu Raketensystemen
kürzerer Reichweite darauf ausgerichtet seien, die NATO in eine schwache politische und militärische Position zu "boxen".
Nachfolgend bringen wir die Erklärung des Außenministers im Wortlaut:

Ich habe gerade ein außerordentlich fruchtbares Treffen mit dem Präsidenten hinter mir, bei dem ich ihm
über meine Gespräche in Moskau und
über die Reaktionen unserer Verbündeten bei unserem Treffen in Brüssel
berichtet habe.
Ich war erfreut, daß ich dem Präsidenten einen sehr positiven Bericht
geben konnte und verständlicherweise
hatte der Präsident eine Vielzahl von
Fragen, die wir in einer tiefgreifenden Diskussion der Ereignisse erörterten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Lassen Sie mich kurz die größeren
Zusammenhänge
umreißen.
Vor sechs
Jahren entschied der Präsident, daß
wir mit Entschlossenheit und Bereitschaft zu verantwortungsvollem
und
kreativem Fortschritt die Möglichkeiten für eine stabilere, sichere und
offene Welt schaffen könnten.
Auf
diesem Weg sind wir in einem Bereich
nach dem anderen weit voran gekommen
und ich bin davon überzeugt, daß die
Entwicklungen, die wir in dieser vergangenen Woche beobachten konnten, zu
neuen Hoffnungen Raum geben, daß wir

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�uns in unseren Beziehungen mit der
Sowjetunion auf dem Weg zu dieser sichereren und besseren Zukunft näher
kommen könnten.
Amerikas Zielsetzungen sind auf
eine Welt ausgerichtet, in der die
Menschenrechte nicht nur bewahrt sondern auch geschützt werden, in der
Aggressionen, wie wir sie in Afghanistan beobachten
konnten, beendet
sein werden und auf eine Welt, in der
die Menschheit aus dem Schatten eines
Atomkrieges heraustreten kann.
Unsere Gedanken und unsere Entschlossenheit zu allen diesen Themen
kamen in der vergangenen Woche in
Moskau mit einem Höchstmaß an aufzubietender Klarheit und Entschiedenheit zum Ausdruck, denen zudem der
außerordentlich gründliche Vorbereitungsprozeß
unter
der
Schirmherrschaft des Präsidenten zugute kam.
Ich
hatte
Gelegenheit,
viele
Stunden mit Generalsekretär Gorbatschow und Premierminister Ryschkow zu
verbringen und natürlich zu mehreren
Treffen mit Außenminister Schewardnadse.
Und die von uns behandelten
Themenkomplexe
deckten das gesamte
Spektrum der Bereiche ab, die erwartungsgemäß besprochen werden sollten.
Darüber hinaus traf ich während
meines Aufenthalts mit Angehörigen
von
auseinandergerissenen
Familien
zusammen, die auf eine Zusammenführung in Amerika hoffen und konnte an
einem Seder
anläßlich des PassahFestes mit sowjetischen Juden teilnehmen, die in den Westen auswandern
möchten.
Ich
lernte
sowjetische
Schriftsteller kennen, die mir gegenüber
ihre Ambitionen zum Ausdruck
brachten und ich muß sagen, daß ihre
Freude darüber, nun endlich die Dinge
veröffentlichen zu können, die sie
geschrieben hatten, mich wirklich be-

eindruckt hat. Es war für mich ein
höchst
interessanter
Zeitpunkt für
ein Treffen mit ihnen. Ich ging zur
Messe in einer kleinen russisch-orthodoxen Kirche in dem Dorf, in dem
ich auch Blumen auf das Grab von
Boris Paternak legen konnte.
Bei
allen diesen
Gelegenheiten
war ich, glaube ich, von dem Gefühl
geleitet, daß ich dem sowjetischen
Volk und den Hoffnungen für die Zukunft, die es mit uns teilt, Ehrerbietung erweisen könnte.
Zum entscheidenden Themenkomplex
der Rüstungskontrolle hat unsere Bereitschaft zu neuen Ideen im Verlauf
des vergangenen Jahres neue Aussichten auf Fortschritte eröffnet.
Das
Treffen zwischen dem Präsidenten und
Generalsekretär Gorbatschow in Reykjavik war insofern dramatisch, als
hier bedeutende neue Positionen auf
den Tisch kamen, über die beide Seiten eine generelle Einigung erzielten.
Daher haben wir versucht, die
Ergebnisse von Reykjavik weiterzuverfolgen und zu konsolidieren und den
dort gewonnenen Boden vorteilhaft zu
nutzen.
Bei den Treffen in Moskau wurde
das Thema strategische Waffen besprochen - und wir haben kleine Fortschritte gemacht, wenn auch keine
großen. Wir haben das Thema Weltraum
behandelt.
Auch dies war nützlich.
Gerechterweise kann man jedoch sagen
- glaube ich - daß wir im Bereich der
Mittelstreckensysteme jetzt klare Anzeichen eines Fortschritts ausmachen
können, die Kluft allmählich überwunden wird und die Möglichkeit eines
Abkommens für eine einschneidende Reduzierung der Nuklearwaffen in Sicht
ist.
Im Bereich der
Atomwaffentests
konnten
wird
etliche
interessante

- 2 -

�Entwicklungen
beobachten
und vielleicht können wir hier einen Weg zur
Verbesserung
der
Verifizierungsverfahren finden.
Sehr wahrscheinlich
werden wir auch Vereinbarungen ausarbeiten können, dank derer die Sowjets
unsere Vernichtungsanlagen für chemisehe Waffen und unsere Experten ihre
Einrichtungen dieser Art besichtigen
können.
•

»

daß der Präsident - sehr bald zu einer Antwort bereit sein wird.

Insgesamt gesehen war es also eine Reise mit einem breiten Spektrum
und einer Vielzahl von Kontakten. Es
war auch eine sehr interessante Erfahrung, eine halbe Stunde lang im
sowjetischen Fernsehen interviewt zu
werden.
Heute morgen hatte ich die Gelegenheit zu einem Zusammentreffen mit
unseren Verbündeten in Brüssel und
sie waren sich in ihrer Anerkennung
der Ergebnisse der Moskau-Reise einig
und begrüßten die von uns eingenommene Position, als Herr Gorbatschow
während meines Treffens mit ihm einen
neuen Vorschlag über INF-Systeme kürzerer Reichweite auf den Tisch legte,
der als Ergebnis unserer Gespräche
beim Treffen mit Schewardnadse weiterentwickelt wurde.
Dieser Vorschlag steht also jetzt
als sowjetisches Angebot, diese Klasse von Waffen innerhalb eines Jahres
nach Unterzeichnung des INF-Abkommens
weltweit abzubauen.
Wir haben dies
zumindest diskutiert und mehrere mögliche Alternativen und Optionen beleuchtet.
Ich bin der Überzeugung,
daß unsere Verbündeten an diesen Vorschlägen in höchstem Maße interessiert sind und unsere Haltung der
sorgfältigen Konsultationen mit ihnen
sehr positiv einschätzen, sowohl vor
als auch unmittelbar nach dem Treffen
in Moskau. Und natürlich werden wir
sehr gründliche Konsultationen durchführen und ich bin sicher, daß wir - 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
22. April 1987

15

WEISSES HAUS LEGT GRÜNDE FÜR HANDELSBESCHRÄNKUNGEN
GEGEN JAPAN DAR
- Faktenübersicht zur Erhebung von Zöllen -

Washington - (AD) - Die Faktenübersicht des Weißen Hauses begründet die
Erhebung neuer Zölle auf einige japanische Güter durch Präsident Reagan damit,
daß eine Vereinbarung zur Förderung der freien Handels mit Halbleitern nicht
ordnungsgemäß erfüllt worden ist.
Nachstehend geben wir den Text der am 17. April 1987 veröffentlichten Faktenübersicht wieder.

Hintergrund
Am 2. September 198*1 unterschrieben die Vereinigten Staaten und Japan
eine Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern, die zur Förderung des
freien Handels mit Halbleitern nach
marktwirtschaftlichen Prinzipien bestimmt war.
Tn dieser Vereinbarung
verpflichtete sich die japanische Regierung, den Verkauf von in Japan unter den Herstellungskosten produzierten Halbleitern auf Drittmärkten zu
Verhinderung und die Verkaufsmöglichkeiten
für ausländische
Hersteller

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auf dem japanischen Markt zu steigern. Außerdem erklärte sich die japanische Regierung dazu bereit, ein
Dumping in den Vereinigten Staaten zu
verhindern.
Der Teil der Vereinbarung, der
das Dumping in den Vereinigten Staaten betrifft, scheint zufriedenstellend erfüllt worden 2u sein, doch die
Pestimmungen
über
das Dumping
in
Drittländern und über den Zugang zu
Japans Märkten sind nicht ordnungsgemäß eingehalten worden.

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�Im Oktober, November und Dezember
sind Vertreter der amerikanischen Regierung mit ihren japanischen Amtskollegen
zusammengetroffen, um die
Hauptprobleme dieser Vereinbarung anzusprechen. Am 28. Januar 1987 fanden darüber hinaus Dr inglichkeitskonsultationen in Japan statt, bei denen
Beweise für die japanische Nichteinhaltung der Vereinbarung über das
Dumping in Drittländern und die Bestimmungen über den Marktzugang angesprochen wurden.
VJährend der Konsultationen am 28.
Januar haben Vertreter der amerikanischen Regierung die japanische Regierung darüber in Kenntnis gesetzt, daß
die
Vereinigten
Staaten
geeignete
Schritte zur Durchsetzung der Vereinbarung unternehmen würden, wenn das
Dumping in Drittländern nicht innerhalb von 30 Tagen beendet und der
Verkauf von ausländischen Halbleitern
in Japan nicht binnen 60 Tagen ansteigen würde.
Eine vom Handelsministerium erstellte umfassende Analyse der japanischen Preispolitik auf Drittmärkten
beweist endgültig, daß am Stichtag
des 28. Februar immer noch ein beträchtliches Dumping vorgenommen wurde.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die
von Japan produzierten DRAMS
(ein
weiter entwickelter Typ von Halbleitern) für durchschnittlich 59,4 Prozent ihres üblichen Marktwertes verkauft, während EPROMS
(ein anderer
weiter entwickelter Halbleiter) für
63,6 Prozent des üblichen Markwertes
verkauft wurden.
Falls das Dumping
in dieser Größenordnung
fortgesetzt
würde, hätten amerikanische Halbleiter-Firmen keine oder nur eine geringe Chancen, auf überseeischen Märkten
zu konkurrieren.
Der Stichtag zur Verbesserung des
Zugangs zu Japans Märkten für aus-

ländische
Halbleiter
war
der
28.
März.
Die Regierung der Vereinigten
Staaten hat die einschlägigen Daten
analysiert und erkannt, daß sich der
Marktzugang seit Unterzeichnung der
Vereinbarung nicht verbessert hat.

Maßnahmen des Präsidenten
Der
Präsident hat entschieden,
Sanktionen gegen bestimmte japanische
Exporte in die Vereinigten Staaten zu
erheben. Diese Sanktionen bleiben in
Kraft, bis die Vereinbarung über die
Halbleiter ordnungsgemäß erfüllt ist.
Am Montag, dem 30. März wurde im Bundesregister eine Eintragung der möglichen Produkte vorgenommen, gegen
die Sanktionen erhoben werden können.
Nach Ablauf des Zeitraums von 14 Tagen
für öffentliche
Stellungnahmen
und den zwei Tage dauernden öffentlichen Anhörungen am 13. und 14. April, hat die Regierung die Produkte
aus der Liste ausgewählt, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
werden. Mit dem heutigen Datum wird ein
Zollsatz von hundert Prozent auf japanische Produkte im Gesamtumfang von
ungefähr 300 Millionen Dollar wirksam, der die Absatzverluste der amerikanischen
Industrie
ausgleichen
soll.
Durch diese Sanktionen werden den
amerikanischen Konsumenten die Produkte nicht vorenthalten, gegen die
Vergeltungsmaßnahmen
ergriffen
wurden.
Alle Produkte auf der Liste
können von inländischen oder anderen
ausländischen
Herstellern
geliefert
werden.
Die höheren Zölle, die nur
gegen japanische Importe dieser Produkte erhoben werden, werden aufgehoben, sobald eine vollständige Erfüllung der Vereinbarung
festgestellt
wurde.
* * * * * *

,

\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

15

22. April 1987

PLÄNE FÜR RAUMSTATION REVIDIERT

WASHINGTON - (AD) - Die von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA)
ausgearbeiteten neuen Pläne für den Bau einer bemannten Raumstation wurden von
Präsident Reagan gebilligt. Sie sehen den Aufbau in zwei Phasen vor. In der
ersten Phase soll ein vollfunktionsfähiges, aber kleineres System errichtet
werden, als ursprünglich vorgesehen war. Der Kostenaufwand wird auf 10,9 Milliarden Dollar geschätzt. Von 1996 an könnte die Station ständig mit Astronauten besetzt werden. (Der erste Kostenvoranschlag aus dem Jahr 1984 für eine Weltraumbasis ging von acht Milliarden Dollar aus.) Die Station in der
neuen Version ist erweiterungsfähig. Die Vergrößerung wäre Aufgabe der zweiten Aufbauphase, über die jedoch erst später entschieden v/erden soll.

Die
Zustimmung
des Präsidenten
bezeichnete Andrew Stofan, einer der
Projektdirektoren
für die amerikanische Raumstation, als "sehr bedeutsam". Die NASA habe während der vergangenen Monate versucht, ein Programm zusammenzustellen, das in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht
den
Ansprüchen
genüge
und
trotzdem der finanziellen Situation
in der angespannten Haushaltslage gerecht werde.
Jetzt hoffe die NASA
auf Zustimmung vom Kongreß, auch hinsichtlich der Aufforderung an die Industrie, Vorschläge zu beiden Phasen

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Embassy of the United States of America

des
revidierten
Projekts
"Raumstation" einzureichen.
Der Nationale
Forschungsrat werde, unabhängig von
den NASA-Berechnungen, bis zum 1.
September 1987 eine eigene Analyse
der Kosten und der technischen Auslegung unterbreiten.
Nach Ansicht Stofans gibt der revidierte Plan der NASA die Basis, um
"alles zu tun, was wir künftig zu tun
beabsichtigen...
auch Missionen zum
Mond oder zum Mars'
Pläne für eine
eingehende Erforschung '"es Planeten
Mars mit Hilfe einer Kombination von

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�Robotern gegen Ende dieses Jahrhunderts v/erden innerhalb der NASA mit
einiger
Zeit erörtert.
Vorgesehen
ist u.a. ein Rover-Fahrzeug, das automatisch Bodenproben nimmt und sammelt, sowie ein Gerät, das die Proben
zur Erde zurückbringt.
Sie könnten
vielleicht Aufschluß darüber geben,
ob es auf dem Mars jemals Leben gegeben hat.
Berichten zufolge planen
die Sowjets Ende der neunziger Jahre
eine ähnliche Mission.
in einer NASA-Verlautbarung von
Anfang April wird darauf verwiesen,
daß in der ersten Aufbauphase für die
kleinere Version der Raumstation Labors und Wohnmöglichkeiten für die
Astronauten
vorgesehen
seien,
"um
wissenschaftliches
Arbeiten,
insbesondere
in der
Werkstoff-Forschung
und auf biologisch-medizinischen Gebieten, in Astronomie und Erdbeobachtung zu ermöglichen und Missionen in
größere Tiefen des Weltraums vorzubereiten" .
Von anderen Ländern beigesteuerte
Elemente sind in die neue Planung
einbezogen.
So wird die Europäische
Weltraumbehörde (ESA) ebenso wie Japan je eines der vier Laboratorien
bereitstellen, die ständig mit der
Raumstation verbunden bleiben.
Außerdem kommt von der ESA eine freifliegende Plattform mit Instrumenten
zur Erdbeobachtung auf polarer Umlaufbahn.
Die europäische
Behörde
befaßt sich ferner mit dem Projekt
eines bemannten Labors, das von der
Raumstation abgekoppelt werden kann
und im Formationsflug mit ihr um die
Erde kreist.
Kanada wird eine weiterentwickelte Ausführung des Robotarms zur Verfügung stellen, der an
Bord des Raumtransporters verwendet
wird.
Für
von der

das Haushaltjahr 1988 sind
amerikanischen Regierung 767

Millionen
Dollar
für
das
Projekt
"Raumstation" angefordert; bis zum
Jahr 1990 sollen sich die Mittel für
diesen Posten im Rahmen der üblichen
Vorausschätzungen halten.
Nach den
Berechnungen der NASA könnte so der
Zeitplan für eine Inbetriebnahme der
Weltraumbasis im Jahr 1996 eingehalten werden.
I

* * * * * *

�</text>
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RÜSTUNGSKONTROLLE

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman

GOLFKRIEG

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTER STREICHT ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon

USA - DEUTSCHLAND

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND - DIE ROLLE
DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt vor dem
American-German Business Club

WAHLEN '92

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von Herbert E. Alexander

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�RÜSTUNGSKONTROLLE
22. April 1992

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman
DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, Botschafter Ronald Lehman,
zufolge besteht die Hauptaufgabe der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg darin, die
"Nichtverbreitungsnormen" zu stärken, "Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten"
zu fördern und "die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren".
Botschafter Lehman hielt am 10. April 1992 eine Rede zum Thema Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg anläßlich der Siebten Internationalen Roundtable-Konferenz in Den Haag.
Lehman erörterte den Beitrag bestehender Rüstungskontrollverträge, wie etwa des START-Vertrags und des
KSE-Vertrags für das Sicherheitsumfeld im Zeitalter nach dem kalten Krieg, die Rolle der Sicherheitsorganisationen wie NATO und KSZE sowie die neue politische und sicherheitspolitische Lage in Europa und der früheren
Sowjetunion.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Lehmans Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr de Vries, verehrte Kollegen und Gäste, es ist mir
eine Ehre, heute abend hier bei Ihnen zu sein. Die
Atlantische Kommission der Niederlande und das Institut
für außenpolitische Analysen haben für die diesjährige
Roundtable-Konferenz ein beeindruckendes Programm
zusammengestellt, und ich bin stolz darauf, daran
teilnehmen zu dürfen.
Wenn ich mir die neuen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre vor Augen führe, werden gemeinsame
Rüstungskontrollbestrebungen eine wichtige Rolle dabei
spielen müssen, den Übergang zum Zeitalter nach
dem kalten Krieg zu bewältigen. Die Rolle der Rüstungskontrolle in dieser Zeit raschen Wandels - wie
ich sie sehe - wird darin bestehen, die Welt sicherer zu
machen
durch die Stärkung von Nichtverbreitungsnormen,
durch Förderung der Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten und
durch unsere Bestrebungen, die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren.
Das neue Rüstungskontrollprogramm erfordert eine
Verschiebung des Schwerpunkts, um den sich verändernden Charakter der Herausforderungen an Sicherheit und Stabilität widerzuspiegeln. Niemand kann
Rüstungskontrolle allein als Bereich bipolarer Politik
zwischen Ost und West oder als auf die Sicherheit
AMERIKA DIENST 16

Westeuropas beschränkt betrachten. Die Probleme,
denen wir uns jetzt gegenübersehen, haben globale
Auswirkungen, obwohl in vielen Fällen regionale Ansätze gefördert werden müssen. Deshalb muß unser
Schwerpunkt breiter gefächert sein. Unsere Bestrebungen müssen kooperativ sein, weil jede Nation
letztlich Interesse am Erfolg des neuen Rüstungskontrollprogramms hat.
Rüstungskontrolle im Wandel
In den letzten vierzig Jahren haben sich viele Experten
daran gewöhnt, Rüstungskontrolle vor allem im Hinblick auf eine Welt zu beschreiben, die durch die
Konfrontation im kalten Krieg geteilt und durch massive, an der (früheren) innerdeutschen Grenze stationierte, nukleare und konventionelle Waffen geprägt ist.
Diese Definition muß sich verändern, weil die vulkanischen Kräfte, die die geopolitische Landschaft verändern, eine neue Politik der Erlangung und Aufrechterhaltung von Sicherheit erfordern.
Unser Rüstungskontrollprogramm diente einer Sicherheitsstrategie, mit der ein Angriff auf Westeuropa
größtenteils dadurch abgeschreckt werden sollte, daß
man im Besitz eines überlebensfähigen nuklearen
Arsenals und hervorragender konventioneller Waffen
war. Wir haben uns darauf konzentriert, diese Streitkräfte einzuschränken und zu reduzieren, die die Sicherheit des europäischen Kontinents am stärksten
bedrohten und die die größten globalen Auswirkungen
Seite 1

�dieser Bedrohung hatten. Der einmalige Erfolg dieses
Programms, ermöglicht durch kontinuierliche politische Veränderungen in der früheren Sowjetunion und
Osteuropa, legte den Grundstein für den Aufbau einer
neuen Sicherheitsordnung. Ich sollte darauf verweisen, daß der Rüstungskontrollprozeß, durch seine
Betonung von Offenheit und Dialog und Beseitigung
der Ausrede einer äußeren "Bedrohung" aus dem
Westen, die den militarisierten totalitären Staaten des
Warschauer Pakts als Legitimation diente, zu diesen
Veränderungen beigetragen hat.
Wir sind die Nutznießer des außerordentlichen Erfolgs
der Rüstungskontrolle in Europa. Auf den INF-Vertrag, den ersten Vertrag, mit dem eine ganze Kategorie
von Waffen beseitigt wurde, folgten unter anderem der
KSE-Vertrag, das Wiener Dokument über vertrauensund sicherheitsbildende Maßnahmen und der Vertrag
über Offene Himmel. Der KSE-Vertrag sollte ursprünglich das Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte in Europa reduzieren und umstrukturieren.
Zusammen mit den stabilisierenden Auswirkungen
des Abkommens über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) bedeutet es mehr als von
Europa die Bedrohung einer großangelegten konventionellen Aggression wegzunehmen. KSE und die
Wiener VSBM haben einen ausgleichenden Einfluß
auf die neuen aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen Staaten, da sie inmitten einer großen
politischen Revolution Probleme ihres relativen militärischen Gleichgewichts zu lösen versuchen. Der kürzlich unterzeichnete Vertrag über offene Himmel ist eine
weitere wichtige vertrauensbildende Maßnahme zur
Förderung von Offenheit und Transparenz bei militärischen Aktivitäten von Vancouver nach Osten bis
Wladiwostok. Sein Beitrag zur Sicherheit wird für die
neuen unabhängigen Staaten genauso groß oder noch
größer sein als für die NATO-Staaten.
Bei der Verwirklichnug dieser Abkommen hat sich
Rüstungskontrolle als wichtiges Instrument erwiesen,
um an der potentiell destabilisierenden Wasserscheide in den internationalen Beziehungen zu vermitteln.
Indem sie sich neuen Herausforderungen anpaßt,
kann Rüstungskontrolle weiterhin auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Förderung von Sicherheit und
Stabilität spielen. Die Verbindung zwischen demokratischen Veränderungen innerhalb einzelner Gesellschaften und der Offenheit, die für eine effektive
Rüstungskontrolle notwendig ist, besteht darin, daß
Fortschritte in einem Bereich Fortschritte in einem
anderen verstärken und fördern. Das ist vielleicht die
wichtigste Lektion, die wir aus über einer Generation
von Erfahrungen in der Rüstungskontrolle ziehen können.
Schließlich müssen wir auch daran denken, daß unsere Rüstungskontrollbestrebungen, einschließlich unseres Programms zur Nichtverbreitung, Mittel zum
Zweck sind, nicht Selbstzweck. Was wir suchen, sind
politische Veränderungen, die unseren Sicherheitsbelangen wirklich gerecht werden. Wir streben die AusSeite 2

breitung der Demokratie an, freie Marktwirtschaften
und Rechtsstaatlichkeit sowohl auf internationaler als
auch auf nationaler Ebene. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir all unsere ausländischen und nationalen Sicherheitsinstrumente einsetzen, auch diejenigen aus unserem Rüstungskontrollprogramm.
START und KSE
Das Inkraftsetzen der START- und KSE-Verträge ist
eine der wichtigsten Angelegenheiten im Rüstungskontrollprogramm, sowohl aus bekannten Gründen
wie auch aus neuen Erwägungen heraus. Diese
beiden Verträge mit ihren detaillierten Zählregeln,
Definitionen und eingehenden Verifizierungsbestimmungen einschließlich Inspektionen sind wichtige
Elemente, um die Grundlage des gemeinsamen internationalen Sicherheitsumfelds nach dem kalten Krieg
zu konstruieren. Ohne sie wird es schwieriger sein, auf
unseren bisherigen Leistungen aufzubauen.
Der START-Vertrag fordert erhebliche, stabilisierende
Reduzierungen - von 30 bis 40 Prozent - bei den
stationierten strategischen Systemen und liefert den
Rahmen, in dem wir zuversichtlich einschneidendere
Reduzierungen verfolgen können, wie sie die Präsidenten Bush und Jelzin vorgeschlagen haben. Dies
dient dem traditionellen Anliegen der Reduzierung des
Risikos strategischer nationaler Konflikte, liefert aber
auch ein Mittel, mit dem die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion Nuklearwarfen von ihrem Territorium beseitigen können. Die bloße Existenz des
START-Vertrags, auch vor seiner Ratifizierung, hat
einen Standard verantwortlichen Verhaltens im Umgang mit Problemen der Führung und Kontrolle von
Atomwaffen und ihrer Beseitigung in diesen neuen
Staaten gefördert.
In ähnlicher Weise bietet der KSE-Vertrag mehr als
Obergrenzen und Reduzierungsanforderungen für fünf
Kategorien militärischer Geräte und Waffen, die offensive Operationen ganz direkt unterstützen. KSE bietet
zusammen mit VSBM auch einen Rahmen für Stabilität und Berechenbarkeit auf dem europäischen Kontinent, der neue Staaten und ihre Nachbarn ermutigt,
ihre Sicherheitsbelange im moderaten Umfeld internationaler Konsultationen und Verpflichtungen zu behandeln. Aus dem Blickwinkel des traditionellen militärischen Gleichgewichts zwischen Ost und West mag
KSE weniger wichtig erscheinen. Von unserem gegenwärtigen Ausgangspunkt, an dem wir Zeugen einer
dramatischen politischen Revolution werden, ist es
wichtiger als je zuvor, daß wir KSE seinen Platz
zuweisen.
Die neue Definierung von Sicherheit in Europa
Im vergangenen Jahr konnten wir das definitive Ende
der Teilung Europas im kalten Krieg beobachten, einer
Teilung, die auf einer feindlichen Ideologie unterstützt
von einer enormen Militärmacht basierte. Dennoch
können wir es uns nicht leisten, mit dieser ErrungenAMERIKA DIENST 16

�schalt zufrieden zu sein, wenn der Prozeß der Demokratisierung in Europa so ungleichmäßig verläuft und
wirtschaftliche Frustration Extremismus und eine nationalistische Politik zu gebären droht. In manchen
Fällen scheinen die Aussichten für eine Umkehr der
demokratischen Errungenschaften die der vorwärtsgerichteten Bewegung wettzumachen.
Es gibt keine eindeutigen oder einfachen Definitionen
einer Sicherheitspolitik für das neue Europa 1992. Die
Quelle der Unsicherheit hat sich tiefgreifend verändert,
von der bekannten Bedrohung der Ost-West-Konfrontation zu weit vielfältigeren Sorgen. Politische und
wirtschaftliche Instabilität, regionale Dispute und ethnische Spannungen bedrohen alle neuen Staaten in
unterschiedlichem Umfang und schwingen auch in
einigen alten mit.
Es bleibt die Frage zu klären, ob Rüstungskontrolle
beim Abbau solch diffuser Bedrohungen eine Rolle
spielen muß. Sicherlich wären Rüstungskontrollbestrebungen allein, ohne damit einhergehende Fortschritte bei der Lösung zugrundeliegender Probleme,
ineffektiv und oberflächlich. Militärische Sicherheit
und Stabilität im neuen Europa wären kurzlebig ohne
gleichzeitige Fortschritte bei Demokratie und einem
gewissen Maß an Achtung der Menschenrechte.
Wirtschaftliche Härten, ethnische Konflikte und sogar
die Aussicht massiver Migration könnten die Sicherheit bedrohen. Damit sollen bestehende Bedrohungen
durch große Streitkräfte und immer noch umfangreiche nukleare Arsenale inmitten großer politischer
Unruhen in ganz Eurasien ebensowenig heruntergespielt werden wie neue Bedrohungen der europäischen Sicherheit durch immer modernere militärische
Fähigkeiten außerhalb des Kontinents. Im Gegenteil
muß unsere Position im Bereich Rüstungskontrolle/
Nichtverbreitung weiterhin mit diesen gefährlichen
Aspekten leben. Dennoch ist und wird Rüstungskontrolle weiterhin ein entscheidendes Element einer
umfassenderen Sicherheitspolitik, wenn wir uns einem
neuen Bündel von Sicherheitsbeziehungen anpassen
und Institutionen errichten, die sich sowohl politischer
als auch sozialer Instabilität widmen sollen. Ebenso
wie "Glasnost" bei der Verifizierung "Glasnost" in der
Politik gestärkt hat und umgekehrt, muß Rüstungskontrolle eingesetzt werden, um Ziele wie Entmilitarisierung, Umwandlung der Rüstungsindustrie, demokratische Reformen und freien Handel fördern zu helfen.
Mehr als jemals zuvor werden umfassende und kontinuierliche gemeinsame Bestrebungen und gemeinsames Handeln in einer Reihe von Foren nötig sein, wenn
wir diesen potentiellen Herausforderungen an die
europäische Sicherheit gerecht werden wollen. Wir
haben bereits begonnen, auf bestehenden Mechanismen aufzubauen und Institutionen auf der Basis politischer Bedürfnisse und nicht aus symbolischen Erwägungen heraus zu gestalten. Die Vereinigten Staaten
haben wiederholt betont, daß wir die europäische
Sicherheit auf den drei Säulen der NATO, der EuropäiAMERIKA DIENST 16

schen Gemeinschaft und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sehen. Die NATO
ist die einzig effektive Sicherheits- und Verteidigungsorganisation in Europa und das einzige effektive Mittel,
um die transatlantische Gemeinschaft miteinander zu
verbinden. Mit der Einführung des Nordatlantischen
Kooperationsrats (NACC) beweist die NATO, daß sie
auch als Forum dienen kann, von dem aus wir früheren
Gegnern die Hand reichen und allseits wichtige Probleme ansprechen. Der Erfolg der ersten beiden NACCTreffen hat der neuen Institution bereits zu Glaubwürdigkeit und Triebkraft verholten. Das jüngst verabschiedete Programm des NACC beschreibt eine Reihe
konkreter Aktivitäten, die es dem Bündnis gestatten,
sein Know-how anzuwenden, um den Liaison-Ländern
beim Umgang mit wichtigen Problemen zu helfen.
Dazu zählt die Umwandlung der Rüstungsindustrie
ebenso wie Programme in Wissenschaft und Umwelt.
Gleichzeitig begrüßen wir die Rolle, die ein zunehmend vereintes Westeuropa in der neuen transatlantischen Partnerschaft spielen kann, um gemeinsame
Ansätze bei aufkommenden Herausforderungen zu
erarbeiten, bei denen sich niemand einen Alleingang
leisten kann. Dies wurde im Golfkrieg deutlich, wo die
Westeuropäische Union unabhängige, aber gemeinsame militärische Aktionen unserer Verbündenten
förderte, um westliche Interessen und globale Stabilität zu verteidigen.
Die Europäische Gemeinschaft ist die herausragendste politische und wirtschaftliche Organisation in Europa.
Darüber hinaus erkennen wir die entscheidenden
Beiträge der KSZE für die europäische Sicherheit, die
in der Erweiterung und Vertiefung des Aktionsradius
der Demokratie zum Ausdruck kommen. Die KSZE ist
das Gewissen Europas und die Richtschnur für die
politische Legitimität und moralische Autorität des
paneuropäischen Einverständnisses. Der jugoslawische Bürgerkrieg und die Krise in Nagomy-Karabach
sagen uns allen unmittelbar etwas über die Notwendigkeit, das Potential des KSZE-Forums so weit wie
möglich auszuschöpfen, um zu verhindern, daß ethnische und nationalistische Spannungen mit tragischen
Konsequenzen zum Ausbruch kommen. Im Auftrag
der KSZE hat der tschechoslowakische Außenminister Dienstbier gerade einen Besuch in Nagorny-Karabach beendet, und es bestehen Pläne, eine Friedenskonferenz für Nagorny-Karabach in Minsk abzuhalten.
Die KSZE spielt darüber hinaus eine wichtige Rolle bei
der Bewältigung neuer Herausforderungen der Rüstungskontrolle in der entstehenden europäischen
Tagesordnung, darunter Konfliktverhütung, Krisenmanagement und Friedenserhaltung. Das neue Forum
für Sicherheitskooperation (FSC) bietet das Potential,
in dreifacher Hinsicht einen einzigartigen Beitrag zur
Stabilität in Europa zu leisten, nämlich

Seite 3

�durch Förderung eines allgemeinen Klimas der
Offenheit und des freien Meinungsaustauschs
über Sicherheitsfragen;

senschaftler und Ingenieure mit produktiven zivilen
wissenschaftlichen und technischen Projekten zu
betrauen.

durch Klärung der speziellen Sicherheitsanliegen jedes der beteiligten Staaten und

Die dramatischen Veränderungen in den amerikanisch-russischen Beziehungen haben ebenfalls beispiellose Aussichten auf zusätzliche Reduzierungen
der Kernwaffen eröffnet. Sowohl Präsident Bush - im
September 1991 und in seinem Bericht zur läge der
Nation im Januar 1992 - als auch Präsident Jelzin
haben diese einmalige Chance aufgegriffen und wichtige Initiativen angekündigt, die sowohl einseitige Schritte
als auch Verhandlungen umfassen. Diese Initiativen
bauen auf den in langen Jahren zäher Verhandlungen
über INF und START gesammelten Lehren auf und
setzen rasch einen Prozeß zur Zerstörung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckensystemen in
Gang, die durch die Umgestaltung der geostrategischen Landschaft überflüssig geworden sind. Diese
Initiativen sind beredtes Zeugnis für das Ende des
kalten Krieges und unsere starke Überzeugung, daß
eine sichere und stabile Welt für uns in greifbare Nähe
rückt, wenn wir nur die Chancen nutzen, die heute für
eine auf Zusammenarbeit gegründete Sicherheit möglich
sind. Wir müssen jedoch das Instrument dem Ziel
anpassen. In einigen Fällen könnten einseitige Schritte das geeignete Instrument sein, in anderen könnten
es formell ausgehandelte Abkommen sein. Wir sollten
die Instrumente einsetzen, die den Zweck erfüllen.

durch Förderung von in demokratischen Staaten vorherrschenden Sicherheitskonzepten und
Praktiken als Modelle für die Staaten, die sich im
Übergang vom Kommunismus befinden.
Diese Bereiche zeigen, wie sich das Konzept der
Rüstungskontrolle verändert.
Einige fragen, ob der Erfolg des einen Forums andere
überschatten könnte, und aus diesem Grund unterstützt manch einer Bemühungen, exklusive institutionelle Rollen und Zuständigkeiten präzise abzugrenzen, um zu verhindern, daß das eine Forum in die
Vorrechte des anderen eingreift. Die Herausforderungen sind jedoch so immens, daß keine einzelne Institution ausreichend ist. Einander ergänzende Instrumente sind erforderlich. Tatsächlich sollten wir die
Möglichkeiten zur Koppelung einer Vielzahl von Aktivitäten untersuchen. So könnte das FSC beispielsweise
eingesetzt werden, um interessierte Staaten in die
Entwicklung von Konzepten einzubinden, wie die
Konversion der Rüstungsindustrie in übermäßig militarisierten Gesellschaften die vollständige Anwendung
der KSZE-Prinzipien fördern kann. Die Aktivitäten der
KSZE in diesem Bereich würden durch den Arbeitsplan des NACC zur Konversion der Rüstungsindustrie
ergänzt, der direkt auf den militärischen Fähigkeiten,
der operativen Erfahrung und den institutionellen
Ressourcen der NATO aufbaut. Ich möchte hier
schlicht die Mahnung Außenminister Bakers beim
Treffen des NACC vom 10. März 1992 aufgreifen, daß
wir Doppelbemühungen und ein gewisses Maß an
institutioneller Überschneidung tolerieren sollten. Beim
Aufbau dieser neuen Ordnung gibt es für alle viel zu
tun.
Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
Die künftige Tagesordnung der Rüstungskontrolle
beinhaltet darüber hinaus noch andere Aspekte, die
sich aus dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion

ergeben. In unserem anhaltenden Dialog mit der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten über die Sicherheit und Kontrolle der Atomstreitkräfte sowie die
Möglichkeit der Weiterverbreitung in anderen Ländern
arbeiten die Vereinigten Staaten kooperativ durch eine
Expertendelegation unter der Führung von Generalmajor Williams Bums daran, den sicheren Transport
sowie die sichere Lagerung und Zerstörung von Kernwaffen zu gewährleisten. Mit anderen besorgten Ländern
richten wir gemeinsam Wissenschafts- und Technologiezentren in Rußland und der Ukraine ein, die als
Clearingstellen für die Entwicklung, Genehmigung,
Finanzierung und Überwachung von Vorschlägen dienen
werden, um an der Waffenentwicklung beteiligte WisSeite 4

Rüstungskontrolle in einer neuen Ära
Wir stehen in der Tat an der Schwelle zu einem neuen
Zeitalter. Die Welt läßt sich nicht mehr einfach in die
Schublade der Bipolarität stecken. Während wir dem
Erfolg der Rüstungskontrolle bei der Unterstützung der
Umgestaltung Europas applaudieren, stellen wir eine
zunehmende Drohung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen in anderen Regionen der
Welt fest. Die allgemeine Drohung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die immer schon
ein wichtiges sicherheitspolitisches Thema und eine
Priorität der Vereinigten Staaten und anderer Länder
war, wird heute verstärkt unter regionalen Gesichtspunkten betrachtet. Deshalb muß die Rüstungskontrolle heute erweitert werden, um als Instrument zur
Förderung der regionalen ebenso wie der weltweiten
Stabilität zu dienen.
Weiterverbreitung und regionale Fragen
Probleme im Hinblick auf die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und moderner konventioneller Technologie in anderen Regionen der Welt
werden immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Dringlichkeit der Eindämmung von
Weiterverbreitungsdrohungen tritt immer stärker hervor, wenn man sie in Zusammenhang mit den beunruhigenden Enthüllungen über die Programme des Irak
zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und
der Gefahr betrachtet, daß neue Atommä chtö entstehen könnten.
AMERIKA DIENST 16

�Unser Ziel in chronischen Spannungsgebieten wie der
koreanischen Halbinsel, Südasien und dem Nahen
Osten besteht darin, die Etablierung neuer Atomwaffenstaaten zu verhindern und die Einführung von Waffen
auszuschließen, die das regionale militärische Gleichgewicht stören. In dieser Hinsicht können die Vereinigten Staaten aufgrund von praktischen Erfahrungen
und dem Beispiel der Erfolge der Rüstungskontrolle in
Europa beratend tätig werden. Aber die Staaten in
jeder dieser Regionen müssen ihre politischen Differenzen und die militärische Bedrohung abbauen, die
sie für einander darstellen. Auf bestimmte Regionen
zugeschnittene vertrauensbildende and andere Rüstungskontrollmaßnahmen können den Dialog unterstützen und ein Instrument zur Prüfung von Absichten
liefern, aber sie allein können Friedensbemühungen
nicht ersetzen.
Der amerikanische Ansatz beim Problem der Weiterverbreitung ist bestrebt, die bestehenden Arrangements und Exportkontrollen gegen die Weiterverbreitung zu stärken und die Mitgliedschaft in multilateralen
Regimen gegen Weiterverbreitung zu erweitern sowie
neue Initiativen voranzutreiben.
Im Bereich der bestehenden Arrangements ist es ein
vordringliches Ziel der Vereinigten Staaten, bei der
Konferenz über die Verlängerung des NPT von 1995
eine unbefristete Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) zu erreichen und das Sicherheitssystem der IAEO auszubauen. Die Führungsrolle und
Unterstützung Europas für diese Ziele werden entscheidend sein. Zur Zeit sind Bemühungen im Gange,
um die in der Konvention über biologische und toxische
Waffen (BWC) zum Ausdruck kommende Norm zu
stärken. Bei der Überprüfungskonferenz zur BWC im
September 1991 wurde ein wichtiges Paket vertrauensbildender Maßnahmen entwickelt, um Offenheit im
Hinblick auf biologische Forschungsaktivitäten zu
verbessern. Auf Anweisung Präsident Bushs bemühen wir uns darüber hinaus im Genfer Abrüstungsausschuß energisch darum, dieses Jahr eine weltweite CWaffenkonvention fertigzustellen, die Entwicklung,
Produktion, Besitz und Einsatz chemischer Waffen
ächtet.
Bei Exportkontrollen liegt unser Schwerpunkt darauf,
die Verfügbarkeit von Material zu beschränken, das
mit Massenvernichtungswaffen in Verbindung steht.
So setzen wir zum Beispiel die Arbeit mit den 21
anderen Partnern der Australien-Gruppe fort, um die
chemischen Grundstoffe zu kontrollieren. Die Mitglieder des Regimes zur Kontrolle der Raketentechnologie (MTCR) - einer freiwilligen Übereinkunft, um die
Verbreitung von Raketensystemen zu beschränken,
die eine Nutzlast von mindestens 500 Kilogramm über
mindestens 300 Kilometer befördern können - haben
sich unlängst verständigt, den Zuständigkeitsbereich
des Regimes auf Raketen zu erweitern, die sämtliche
Arten von Massenvernichtungswaffen transportieren

AMERIKA DIENST 16

können, und sie haben den Anhang zum MTCR überarbeitet, um gemeinsame Interpretationen der aufgeführten Güter und Technologie zu fördern.
Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des
Treffens der nuklearen Lieferantengruppe, das vergangene Woche in Warschau stattfand. Die Verabschiedung gemeinsamer Maßnahmen durch die Gruppe, die die uneingeschränkte Anwendung der IAEOSicherheitsstandards für gegenwärtige und künftige
nukleare Aktivitäten als Bedingung für substantielle
neue Lieferungen erfordert sowie die Kontrolle von
Exporten kernwaffenfähigen Mehrzweckgeräts werden das nukleare Nichtverbreitungsregime wesentlich
stärken. Die Zusammenarbeit zwischen den Lieferländern und die Kooperation innerhalb Europas waren für
die Erzielung dieses positiven Ergebnisses unabdingbar.
Wir sehen der kontinuierlichen engen Zusammenarbeit entgegen, um unsere gemeinsame Haltung zu
Exportkontrollen zu verbessern. So haben die Vereinigten Staaten und einige andere Länder beispielsweise einen Ansatz gewählt, demzufolge eine Genehmigung für Exporte erforderlich ist, bei denen der Exporteur weiß, daß der Export einem Programm dient, das
mit der Weiterverbreitung in Verbindung stehen könnte, selbst wenn der Gegenstand nicht auf der multilateral vereinbarten Liste steht. Dies ist einer von vielen
Bereichen, in dem wir hoffen, daß ein gemeinsamer
Ansatz entwickelt werden kann.
Darüber hinaus arbeiten wir daran, die Beteiligung an
multilateralen Nichtverbreitungsregimen zu erweitern,
um die Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen
einzudämmen. Zu den vielversprechenden Zeichen
gehört die Anzahl der Staaten, darunter Südafrika, die
Baltischen Staaten und mehrere GUS-Mitglieder als
Nichtkernwaffenstaaten sowie Frankreich und China,
die dem NPT entweder beigetreten sind oder ihre
Absicht zum Beitritt bekundet haben.
In speziellen Regionen stimmen wir unsere Ansätze
auf die Bedürfnisse der betroffenen Länder ab. In
Lateinamerika arbeiten wir eng mit Argentinien und
Brasilien zusammen, die beide erklärt haben, sich an
den Vertrag von Tlatelolco, das regionale Kernwaffenverbot, halten zu wollen und die gemeinsam mit der
IAEO ein Sicherheitsabkommen abgeschlossen haben, das ihre Einrichtungen voll und ganz den einschlägigen Sicherheitsbestimmungen unterwirft. Im
vergangenen Jahr hat Argentinien die Einstellung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen
sowie die Absicht verkündet, sich die Richtlinien des
MTCR zu eigen zu machen. Die positiven Entwicklungen in Lateinamerika bestätigen unsere Erfahrungen
in Europa, wonach die Rüstungskontrolle ein Instrument sein kann, um parallel zur Entwicklung demokratischer Regierungen politische Veränderungen zu
bewirken.

Seite 5

�Im Hinblick auf Südasien haben wir Konsultationen mit
Indien und Pakistan sowie anderen interessierten
Parteien durchgeführt, um den Druck zum Erwerb von
Kernwaffen auf dem Subkontinent abzubauen. Wir
haben eine Fünfmächtekonferenz vorgeschlagen sowie
Indien und Pakistan ermutigt, dem NPT beizutreten.
Die keinen lAEO-Kontrollen unterworfenen Atomprogramme Pakistans und Indiens sind seit vielen Jahren
ein ernster Grund internationaler Besorgnis. Pakistansjüngstes Eingeständnis, daß es die Komponenten und das Know-how besitzt, um mindestens einen
nuklearen Sprengsatz herzustellen, räumt jeden Zweifel
daran aus, daß sich Indien - dessen eigene nukleare
Fähigkeit durch seinen Test im Jahr 1974 demonstriert
wurde - heute mit einem Rivalen konfrontiert sieht, der
zur Herstellung von Kernwaffen in der Lage ist.
Auf der koreanischen Halbinsel haben wir gemeinsam
mit der internationalen Staatengemeinschaft die Regierung Nordkoreas gedrängt, seit langem überfällige
lAEO-lnspektionen seiner nuklearen Einrichtungen zu
gestatten. Wir haben femer eng mit der Regierung in
Seoul zusammengearbeitet, um der Republik Korea
zu helfen, ein Inspektionsregime abzuschließen, um
sein Abkommen mit Nordkorea über das Verbot von
Produktion, Beschaffung und Entwicklung von Kernwaffen und der Einrichtungen, in denen nukleares
Material produziert wird, zu verifizieren. Nordkoreas
Besitz von Raketensystemen, die über die Parameter
des MTCR hinausgehen und seine Verkäufe solcher
Raketen und Technologie an andere stellen eine
Bedrohung der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, im Nahen Osten und jedem anderen Ort dar, an
dem solche Raketen beschafft werden.
Wir treiben neue Initiativen voran, wie etwa Präsident
Bushs Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten,
die Bemühungen der fünf führenden Exporteure konventioneller Waffen in den Nahen Osten beinhaltet,
Richtlinien und Beschränkungen zu entwickeln. Die
fünf Staaten - die Vereinigten Staaten, Rußland, China, Frankreich und Großbritannien - werden bald detaillierte Vorschläge zum Informationsaustausch über
Waffenlieferungen sowie Richtlinien für Lieferungen
von Gerät und Technologien unterbreiten, die mit

Massenvernichtungswaffen in Zusammenhang stehen. Die Initiative umfaßte darüber hinaus Vorschläge
für Schritte zur Befreiung der Staaten des Nahen
Ostens von den Gefahren eines Angriffs mit Raketen
sowie nuklearen, chemischen und biologischen Waffen. Die Vereinigten Staaten unterstützten eine Resolution der UN-Generalversammlung vom Dezember
1991, mit der ein allgemeines und nichtdiskriminierendes Register für konventionelle Waffenlieferungen
eingeführt wurde, um zu mehr Transparenz bei Waffenex- und importen zu ermutigen.
Schlußbemerkung
Insgesamt stellen die enormen Veränderungen im
internationalen Sicherheitsumfeld ungeheure Herausforderungen in der Rüstungskontrolle dar, einschließlich der Neudefinierung und Rolle der Rüstungskontrolle. Die Abkehr von einer bipolaren Welt und unser
Erfolg in der Rüstungskontrolle mögen die Drohung
einer konventionellen Aggression großen Stils in Europa beseitigt haben, aber die anhaltenden politischen
Revolutionen infolge jener Abkehr haben Quellen der
Spannung und Besorgnis freigesetzt, die unser Talent
und unsere Findigkeit auf die Probe stellen werden. In
anderen Regionen der Welt spielt die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen als Sicherheitsproblem eine immer größere Rolle.
Bei der Bewältigung des Übergangs zum Zeitalter
nach dem kalten Krieg kann die Rüstungskontrolle
eines unserer effektivsten politischen Instrumente sein,
insbesondere, wenn sie als Teil einer breiter angelegten, integrierten Sicherheitspolitik benutzt wird, die
danach trachtet, die Ursachen von Spannungen und
Instabilität in den Griff zu bekommen. Die Anwendung
unserer Erfahrungen mit der Rüstungskontrolle in Europa
wird für den Erfolg in anderen Teilen der Welt entscheidend sein. Wir alle haben ein Interesse daran zu gewährleisten, daß das Versprechen Europas - daß Rüstungskontrolle zu positiven politischen Veränderungen und Zusammenarbeit unter den Nationen beitragen kann - hier und in der ganzen Welt gehalten wird.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 16

�GOLFKRIEG
22. April 1992

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTERSTREICHT
ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon
WASHINGTON - (AD) - Ein neuer Bericht des Pentagon über den Krieg am Persischen Golf kommt zum Schlu ß,
daß die Streitkräfte der internationalen Koalition nicht nur Saddam Husseins Militär, "sondern seine Strategie"
besiegt haben.
Verteidigungsminister Cheneys Einführung zu dem 1.300-Seiten-Bericht stellt fest, die Strategie der Koalition
habe "sichergestellt, daß der Krieg unter günstigen Bedingungen geführt wurde, die die Stärken der Koalition und
die irakischen Schwächen voll und ganz ausnutzten".

Erführt fünf Hauptlehren auf, die sich aus dem Konflikt
ergeben:

Der Kongreß hat mit Verabschiedung eines Gesetzes
nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands eine
Untersuchung über den Golfkrieg angefordert. Das
Verteidigungsministerium gab bereits im Juli 1991
einen Zwischenbericht heraus, der im Kongreß zahlreiche Fragen aufwarf.

"Die entschlossene Führung des Präsidenten setzte
klare Ziele, gab anderen das Vertrauen in die Entschlossenheit Amerikas und schuf die innenpolitische
und internationale Unterstützung zur Erreichung dieser Ziele."

Der Schlußbericht wurde nach mehrmonatiger Verzögerung schließlich am 10. April 1992 fertiggestellt. Der
1.300seitige Bericht beruht auf einer Million Seiten
Dokumente und Befragungen zahlloser militärischer
Kommandeure, Entscheidungsträger und Soldaten.

"Eine revolutionäre neue Generation hochmoderner
Waffen gab unseren Streitkräften zusammen mit einer
innovativen und wirksamen Doktrin den entscheidenden Vorteil."

Die US-Bundesdruckerei wird eine offene Version des
Golfkriegsberichts zum öffentlichen Verkauf herausgeben. Der Kongreß erhielt eine geheimgehaltene
Version.

"Die hohe Qualität unseres Militärs, von seinen fähigen
cmmandeuren bis zu den äußerst einsatzbereiten,
gut ausgebildeten, mutigen und disziplinierten Männern und Frauen der US-Streitkräfte, ermöglichten
einen außergewöhnlichen Sieg."

Der Bericht ist in drei Hauptteile gegliedert. Der erste
Teil von 418 Seiten umfaßt acht Kapitel zur Invasion in
Kuwait, der Antwort auf die Aggression, der militärischen Operation, wie sie in Operation Wüstenschild
zum Ausdruck kam, der Durchsetzung des Embargos
auf See, zum Übergang in die Offensive sowie zur
Kriegführung in der Luft, zu Wasser und zu Lande. Er
beinhaltet ferner ein Glossar und einen Index.

Der erschöpfende Pentagon-Bericht untersucht, wie
der Krieg geführt wurde und enthält Lehren, die aus der
Erfahrung gezogen werden können.

"In einer äu ßerst unsicheren Welt sind solide Planung,
vorne stationierte Truppen sowie strategisch«? Luftund Seetransportkräfte entscheidend für die Entwicklung des Vertrauens, der Fähigkeiten, internationalen
Zusammenarbeit und Reichweite, die in Krisenzeiten
erforderlich sind."
"Es ist viel Zeit erforderlich, um die qualitativ hochwertigen Streitkräfte und Systeme aufzubauen, und dies
verschaffte uns den Erfolg."

AMERIKA DIENST 16

Der zweite Teil umfaßt 19 Anhänge zu den UN-Resolutionen, zu nachrichtendienstlichen Aspekten, dem
militärischen Bereitschaftsgrad der US-Streitkräfte,
der Stationierung, zu Logistik und Nachschub, medizinischer Unterstützung, Reservestreitkräften, Entwicklung der Koalition, Koordinierung und Kriegführung,
Sonderoperationen, Führungs- und Kommunikationswesen und Weltraum, gegnerischen Kriegsgefange-

Seite 1

�nen, "Freundfeuer", ziviler Unterstützung, Rolle des
Kriegsvölkerrechts, Aufgabenteilung, Verteidigung
gegen chemische und biologische Waffen, zur Rolle
von Frauen auf dem Gefechtsfeld und Medienpolitik.
Er enthält ferner eine Liste der amerikanischen Gefallenen und Kriegsgefangenen.
Der letzte Teil von 230 Seiten untersucht die Leistung
ausgewählter Waffensysteme. Die Kategorien sind
Flugzeuge, Boden-, Marine- und Weltraumsysteme
sowie Munitionsarten. Insgesamt 56 Systeme wurden
berücksichtigt.
Der Bericht enthält Schwarzweißphotographien, im
Golfkrieg benutztes strategisches Kartenmaterial,
Landkarten und Grafiken irakischer Luftabwehrmaßnahmen. Er enthält ferner Anekdoten von Cheney und
anderen.
Zu den wichtigsten Punkten des Berichtes gehören:
Koalitionserfahrungen
Der Bericht geht davon aus, daß die Koalition "die
vielleicht erfolgreichste in der Geschichte war"und daß
der nächste Konflikt möglicherweise nicht so viel Zeit
zur Entwicklung einer Koalition gestatten wird. Darüber hinaus wird festgestellt, daß
die Koalition die Länge des Konflikts und die
Zahl der durch eigenes Feuer Gefallenen verringert hat;
die Vereinigten Staaten als logische Führungsmacht bei künftigen Koalitionen im Golf "und
möglicherweise andernorts" hervorgetreten sind;
die Erfahrung der NATO "unschätzbar" für die
Koordinierung der Kampfeinsätze, Kommunikation und Logistik war;
sich die amerikanische Präsenz am Golf durch
die Bereitschaft der Staaten des Golf-Kooperationsrates auszahlte, "den Vereinigten Staaten
zu vertrauen";
die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte in der Lage waren, sich der islamischen Kultur
anzupassen;
Das System der amerikanischen Waffenverkäufe an
befreundete Staaten den meisten regionalen Partnern
der Vereinigten Staaten saudische Infrastruktur,
amerikanisches Gerät und Ausbildung zur Verfügung
stellte und "bedeutend zur Grundlage der Kooperation
in Friedenszeiten und Interoperabilität beitrug, auf der
die Koalition aufbaute".

Es wird dargelegt, daß es mehr unbeabsichtigte Opfer
unter der Zivilbevölkerung gab "durch Saddam Husseins Versäumnis, routinemäßige Vorkehrungen gegen Luftangriffe zu treffen, um die Zivilbevölkerung zu
schützen, sowie durch seine bewußte Benutzung von
Zivilisten als Schild für militärische Ziele vor einem
Angriff".
Darüber hinaus:
kam es wahrscheinlich zu einigen Todesfällen,
als nichtexplodierte irakische Waffensysteme
"auf die Erde zurückfielen",
war das irakische Stromnetz wahrscheinlich
stärker beschädigt als die Koalition ursprünglich
geplant hatte, zum Teil um sicherzustellen, daß
es "während des gesamten Konflikts unbenutzbar" bliebe und
war nicht immer präzises und zeitgerechtes
nachrichtendienstliches Material für die Bewertung der Bombenschäden verfügbar, was dazu
führte, daß einige Elektrizitätswerke noch Zielscheibe von Angriffen wurden, als sie bereits
außer Betrieb waren.
Nachrichtendienste
Obwohl der Bericht zu dem Schluß kommt, daß die
nachrichtendienstliche Unterstützung für die taktischen
Befehlshaber ausreichte, wird darin auch dargelegt,
daß sie "ebenso an einem Mangel an verfügbaren
Ressourcen litt wie an Schwierigkeiten bei der Sammlung von nationalem nachrichtendienstlichem Mateiial
und solchem vom Kriegsschauplatz". Ferner wird
ausgeführt, die Sammlung taktischen nachrichtendienstlichen Materials sei "durch fehlende moderne
und sichere Kommunikation unter Divisionsniveau"
behindert worden.
Darüber hinaus
gab es unzureichende Informationen über das
"Ausmaß und die exakte Verteilung chemischer,
biologischer und nuklearer Waffenprogramme
und ein schlechtes Verständnis der irakischen
Intentionen",
sind die militärischen Dienste der arabischen
und islamischen Länder "gut in innerer Sicherheit und Spionageabwehr" und
besteht ein Menget an arabischsprechenden
Personen bei den US-Streitkräften, was "die
Arbeit der Nachrichtendienste, Spionageabwehr
und Verbindungsbüros beeinträchtigte".

Bewertung der Bombenschäden

Kriegsgefangene

Der Bericht stellt fest, daß die Koalition eine klare
Unterscheidung zwischen Angriffen auf irakische Militäranlagen und die Zivilbevölkerung getroffen hat.

Die Koalition plante 100.000 irakische Kriegsgefangene in Empfang zu nehmen, über 86.000 wurden durch
saudiarabische Lager geschleust.

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�Logistische Probleme

Ferner
weigerten sich insgesamt 13.418 irakische Kriegsgefangene, bei Kriegsende repatriiert zu werden und blieben in zwei Lagern in Saudi-Arabien.

Der Bericht macht verschiedene Beobachtungen über
logistische Probleme am Golf. Unter anderem
konnte der strategische Seetransport den Anforderungen nach einer schnellen Verlegung
nicht gerecht werden,

Die Regierungen der Koalition vertraten die
Ansicht, diese Iraker "sollten als Flüchtlinge neu
klassifiziert werden" und
das Internationale Rote Kreuz erklärte den Vereinigten Staaten, die Behandlung der irakischen
Kriegsgefangenen durch US-Streitkräfte "spiegelte die beste Einhaltung der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen wider, die es jemals bei einem Konflikt gab".
Der Bericht geht nicht auf das Problem der Anzahl
irakischer Soldaten oder Zivilisten ein, die in dem
Konflikt getötet wurden.
"Freundliches Feuer"
35 Amerikaner wurden im Kampf getötet und weitere
72 zufällig aus den eigenen Reihen verwundet. Eine
Reihe britischer Soldaten mußten durch solches "freundliches Feuer" der Amerikaner ihr Leben lassen.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß im nächsten
Konflikt ein "System, das eigene Fahrzeuge aus der
Luft identifiziert ebenso benötigt wird wie ein System
zur Identifizierung am Boden". Flugzeuge und Fahrzeuge der Koalition waren mit einem umgekehrten"NTSymbol gekennzeichnet, was allerdings im Eifer des
Gefechts nicht immer sichtbar war.
Gefordert werden
über die Welt verteilte Lagerstätten für Landeinheiten und Fahrzeuge und
zusätzliche Bestrebungen zur Verbesserung
optischer und thermischer Sichtgeräte "um den
erweiterten Tötungsradius von Waffensystemen
auszugleichen".

*

AMERIKA DIENST 16

*

sollten Möglichkeiten zur Verbesserung des
Lufttransports und der Vorlagerung von militärischem Gerät eruiert werden und
wurde die Bereitschaftsrate der Einheiten für
besondere Einsätze durch das Fehlen von Ersatzteilen für ihre Hubschrauber behindert.
Waffensysteme
Der Bericht erläutert, daß 282 der 288 Marschflugkörper vom Typ TOMAHAWK erfolgreich von 16 Schiffen
und zwei U-Booten abgeschossen wurden, um eine
Erfolgsquote von 98 Prozent herzustellen. Die Bewertung der Effektivität von Waffen ist jedoch nicht schlüssig aufgrund der mangelnden Fähigkeit zu unterscheiden, welche Schäden von der TOMAHAWK-Rakete
oder "anderweitig" hervorgerufen wurden.
Der Abschnitt über die Patriot-Rakete weist darauf hin,
daß "keine vollständige quantitative Analyse über die
Effektivität von Patriot verfügbar ist".
Der Bericht führt ferner aus, daß der Tarnkappenbomber vom Typ F-117 erfolgreich eingesetzt wurde, um in
den ersten Stunden des Krieges eine "taktische Überraschung" zu erzielen, aber auch an einem "langsamen und ermüdenden Auftragsplanungssystem" leidet.
Schlußbemerkung
Der Bericht geht nicht auf das Thema ein, ob der Krieg
über den 27. Februar 1991 hinaus hätte geführt werden sollen, um Bagdad einzunehmen und Saddam
Hussein zu stürzen. Er verweist lediglich darauf, daß
"seine Position erheblich geschwächt wurde" und die
Welt "ein besserer Ort sein wird, wenn Saddam Hussein den Irak nicht mehr schlecht regiert".
*

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
22. April 1992

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND DIE ROLLE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt
vor dem American German Business Club
BONN - (AD) - In einer Rede vor dem American - German Business Club verwies Botschafter Robert M. Kimmitt
am 15. April 1992 auf das amerikanische Engagement in Ostdeutschland und unterstrich die nicht nurfinanziellen
Vorteile der Beteiligung von US-Firmen in Deutschland. "Handel kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet weden, sondern muß als Teil unserer nationalen Sicherheit gesehen werden", so
Botschafter Kimmitt.
Dem Botschafter zufolge tragen starke Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zur Verbesserung der nationalen Sicherheit beider Länder bei. Botschafter Kimmitt brachte abschließend
seine Zuversicht zum Ausdruck, daß die amerikanischen Wähler die Wahrheit erkennen - "wenn wir zu Hause
stark sein wollen, müssen wir im Ausland stark sein, und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten Staaten sind
untrennbar mit der Deutschlands und Europas verbunden."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.
Es ist mir eine große Ehre, heute als Ehrenpräsident
des American - German Business Club anwesend zu
sein. Ich möchte Paul Cook und all den anderen
meinen Dank aussprechen, die an der Organisation
dieser Veranstaltung beteiligt waren. Meine Mitarbeiter haben sich allerdings gefragt, ob es so klug von
ihrem Botschafter ist, sich am Tag der Abgabe der
amerikanischen Einkommensteuer - dem 15. April - in
einen Raum mit amerikanischen Unternehmern zu
begeben. Bedauerlicherweise bestand die einzige
Alternative in einer Verlegung dieser Veranstaltung auf
den 15. Juni, und auch dann müßte ich mich noch mit
dem Finanzamt befassen - im Zweifel vielleicht sogar
mit Zinsen.
Ich möchte den Club zu seiner jüngsten Namensänderung beglückwünschen. In dem neuen Namen, der
den Horizont des Clubs über Bonn hinaus erweitert,
findet die Wahrscheinlichkeit ihren Niederschlag, daß
einige von uns eines Tages in eine bestimmte andere
Stadt ziehen werden und spiegelt damit eindeutig die
Auswirkungen der Vereinigung wider. Zusammen mit
all den anderen beeindruckenden Veränderungen, die
die Welt in den vergangenen drei Jahren bewegt
haben, hat die Vereinigung unser aller Horizont erweitert. Der neue Name beinhaltet, daß der American
German Business Club sich mit ganz Deutschland
befaßt, und dies wird durch die Aktionen des Clubs
AMERIKA DIENST 16

unterstrichen bis hin zu Ihrem offenkundigen Interesse
an der Entwicklung Ostdeutschlands, Ihrer Unterstützung einer Schule für Taubstumme in Ostberlin sowie
Ihrer Geschäftsreise nach Berlin nur zwei Monate
nach der Vereinigung. Meines Wissens - und darüber
freue ich mich sehr - ist ein weiteres Engagement,
dieses Mal in Brandenburg, geplant.
Die Aktivitäten des Clubs im Hinblick auf Ostdeutschland verlaufen parallel zu den Bestrebungen der Vereinigten Staaten und sind gemeinsamer Beweis, daß
tiefgreifende Ereignisse nicht in einem Vakuum stattfinden. In Zeiten rascher und dramatischer Veränderungen kann ein Gefühl der Kontinuität als Richtschnur
für eine unsichere Zukunft dienen und uns verdeutlichen, was getan werden muß.
In meiner Funktion als Botschafter in Deutschland
werde ich immer wieder auf sehr persönliche Weise an
diese historische Lebensader erinnert.
Als die Familie meiner Mutter Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover nach Amerika
aufbrach, war Deutschland nur ein abstrakter Begriff,
durch rivalisierende Staaten und gescheiterte Revolutionen gekennzeichnet und in der Lage, praktisch alles
außer der Einheit zu erlangen. Ich frage mich, was sie
davon gehalten hätten, daß einer ihrer Nachfahren der

Seite 1

�persönliche Vertreter des Präsidenten in einem vereinigten, demokratischen und wohlhabenden Deutschland ist.
Als sich meine Eltern vor 45 Jahren in Berlin kennenlernten und heirateten, hatte Deutschland inmitten der
Ruinen den Tiefpunkt seiner Ambitionen erreicht besiegt, geteilt, zerstört und abhängig - ein Geächteter
unter den Nationen, verdammt, für die nächsten 45
Jahre zum Brennpunkt internationaler Spannungen zu
werden.
Als sie 15 Jahre später als Angehörige der alliierten
Streitkräfte mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkamen, fanden sie ein rehabilitiertes und vollständig in die Gemeinschaft freier Nationen integriertes
Land. Es ist eine Quelle des Stolzes für alle Amerikaner, daß diese Metamorphose mit Unterstützung einer
kreativen amerikanischen Au ßenpolitik bewirkt wurde,
die zur Entstehung der Vereinten Nationen, der NATO,
dem Bretton-Woods-Finanzsystem, dem Marshallplan,
der Trumandoktrin und der Berliner Luftbrücke beitrug
- alles in einem Zeitraum von fünf Jahren.
Als ich im vergangenen Jahr mit meiner Familie zurückkam, um mein Amt als Botschafter anzutreten,
geschah dies in einem ganz anderen Deutschland als
dem meiner Vorfahren, meiner Eltern, und selbst in
einem ganz anderen Deutschland als dem, das ich als
Kind gekannt hatte. Ich sah ein in Freiheit vereinigtes,
demokratisches und verantwortungsbewußtes Deutschland, das voll Vertrauen zur Übernahme einer konstruktiven Rolle in europäischen und internationalen
Angelegenheiten bereit ist.
Die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Förderung zu Partnerschaft ist einer der
großen internationalen Erfolge dieses Jahrhunderts.
Das amerikanische Engagement, sich die deutschen
Interessen zu eigen zu machen, hat zur Schaffung
einer Atmosphäre des Respekts und der Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen und der echten
Zuneigung zwischen unseren Völkern beigetragen.
Das Programm, das sich die Bundesregierung für die
kommenden Jahre auferlegt hat, kommt unserer eigenen Einschätzung sehr nahe, wo unsere Energien und
Ressourcen eingesetzt werden sollten. Die erfolgreiche Integration Ostdeutschlands in die Bundesrepublik - die Bundeskanzler Kohl als eine der fünf grundlegenden Prioritäten ausgemacht hat - ist daher ein
Ziel, dem auch wir weiterhin aktiv verpflichtet sind.
Wir haben unsere Bestrebungen in den fünf neuen
Ländern auf Handelsaktivitäten, Ausbildung und Information sowie persönliche Kontakte konzentriert.
Über 100 amerikanische Firmen haben Handelsbeziehungen zu den östlichen Ländern aufgegenommen,
viele davon durch ihre deutschen Tochtergesellschaften. Gemeinsam schaffen sie Zehntausende von
Arbeitsplätzen und tragen Sorge, daß nicht weitere
Seite 2

Tausende durch die Anspassung an die freie Marktwirtschaft verloren gehen. Ebeso wichtig ist, daß der
gute Name und das Renomme amerikanischer Firmen
wie IBM, General Motors, McDonalds, Coca Cola und
Procter &amp; Gamble eine Quelle des Vertrauens für
diejenigen darstellt, die in Ostdeutschland tätig werden
wollen.
Die fünf führenden amerikanischen Firmen allein haben
mindestens 2 Milliarden Dollar investiert und direkt
oder indirekt in den neuen Ländern mindestens 20.000
Arbeitsplätze erhalten. Berichten der Treuhand zufolge haben amerikanische Unternehmen 25 ehemalige
ostdeutsche Firmen aufgekauft und sich zu Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden DM in TreuhandUnternehmen verpflichtet.
Ich kann Ihnen versichern, daß diese beeindruckenden Zahlen, die offenkundig als Beweis für das Interesse und Engagement der US-Industrie stehen, konservative Zahlen und das absolute Minimum dessen
sind, was amerikanische Firmen in Ostdeutschland
tun. Es gibt keine Bestimmung, daß US-Unternehmen
uns gegenüber rechenschaftspflichtig sind, daher
beziehen wir unsere Informationen aus Presseberichten, privaten Untersuchungen und persönlichem Wissen. Wahrscheinlich finden sehr viel mehr Transaktionen statt, insbesondere mit kleineren amerikanischen
Firmen, in unerschlossenen Gebieten, oder über
amerikanische Tochtergesellschaften in Deutschland,
über die wir ohne Ihre Hilfe nie etwas hören werden.
Ich würde mich daher aufrichtig freuen, etwas über die
Aktivitäten Ihrer Unternehmen im Osten zu erfahren.
Sofern Sie dies wünschen, werden wir Ihre Informationen vertraulich behandeln. Was ich als Botschafter
benötige, sind Gesamtzahlen, die die gesamte Bandbreite unseres Engagements und damit das Ausmaß
unserer Verpflichtungen widerspiegeln.
Die greifbaren Beweise der Aktiviiäten der US-Industrie in Ostdeutschland bedeuten jedoch nicht, daß wir
als Botschaft die Hände in den Schoß legen dürfen.
Wenn Sie mit meinen Mitarbeitern in der Handelsabteilung sprechen, sei es hier in Bonn oder in ihren sieben
weiteren Büros in Deutschland, werden sie Ihnen
zweifelsohne erzählen, daß Anfragen amerikanischer
Firmen über die Treuhand, Investitionen in unerschlossene Gebiete, die Energiesituation, Telekommunikation und Eigentumsverhältnisse zur täglichen Routine
geworden sind.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß unsere Außenhandelsabteilung offiziell ihr achtes Büro in Leipzig eröffnet hat. Beim
Konsulat in Leipzig vertritt Frau Dr. Birgit Lehne die
Außenhandelsabteilung, und sie wird Geschäftskontakte in Sachsen und Thüringen herstellen. Frau Dr.
Lehne besucht uns gerade in Bonn, und deshalb
möchte ich Sie Ihnen hiermit vorstellen: Frau Dr. Birgit
Lehne, die neue Mitarbeiterin der Außenhartdslsabteilung.
AMERIKA DIENST 16

�Wir teilen Bundeskanzler Kohls jüngst bekundetes
Interesse daran, Deutschlands Lebensfähigkeit als
Zentrum für Wirtschaft und Handel aufrechtzuerhalten. Wenn Deutschland - insbesondere Ostdeutschland - jedoch für US-Unternehmen attraktiver werden
soll, dann möchte ich in aller Offenheit und Freundschaft darauf hinweisen, wie wichtig es ist, daß potentielle Investoren nicht mit Hindernissen konfrontiert
werden, die den Marktkräften im Weg stehen und
damit eine vollständige wirtschaftliche Erholung im
Osten schwierig machen.
Wäre es nicht zum Beispiel für uns alle besser, wenn
die niedrigeren Energiekosten, die sich bei freierem
Wettbewerb ergeben könnten, ein zusätzlicher Anreiz
für Investoren in Ost und West würden? Im Herbst
vergangenen Jahres leiteten wir eine Delegation der
Energiewirtschaft, die unternehmerische Möglichkeiten in Berlin, Magdeburg und Schwerin sondierte. Im
Augenblick arbeiten wir eng mit mehreren US-Energieunternehmen zusammen, um Vorschläge im Umfang
von über einer Milliarde D-Mark durchzusetzen. Einige
der vorgeschlagenen Kraftwerke würden Elektrizität
und Fernwärme für Städte erzeugen, andere Industriekomplexe in Regionen mit sauberer Energie versorgen, die von den wirtschaftlichen und umweltpolitischen Praktiken der vergangenen vierzig Jahren am
härtesten getroffen wurden. Dies könnte der schwierigste Bereich sein, wo sich US-Unternehmen in Deutschland engagieren, und ich habe ihn zu meiner obersten
Priorität erklärt. Energieerzeugung ist nur einer von
vielen Bereichen, in denen ich zu offenem Wettbewerb
nicht nur zum Wohle des Verbrauchers, sondern zum
Wohle der deutschen Wirtschaft und des Welthandels
aufrufe.
Manche Firmen befragen uns über Ostdeutschland,
und wir verfügen über außerordentlich kreative Mitarbeiter, die Antworten auf alle Fragen des Marketing
finden. Wir helfen unseren Firmen regelmäßig bei der
Herstellung von Kontakten und - wie viele von Ihnen
hier wissen - tun alles in unserer Macht Stehende, um
Ihnen beim Absatz amerikanischer Produkte zu helfen. Die grö ßte Herausforderung bei unserer Arbeit im
Außenhandel besteht jedoch darin, die Aufmerksamkeit der Tausenden von US-Firmen zu wecken, die
noch nicht in Deutschland aktiv sind und möglicherweise nicht daran gedacht haben, in den neuen - oder den
alten - Ländern zu verkaufen oder TU investieren.
Unsere Handelsabteilungen betreiben Marktforschung,
sprechen so oft wie möglich Unternehmen und deren
Vertreter an und sind dabei engagierter, als diese
Aktivitäten vermuten lassen. Wir arbeiten mit dem USHandelsministerium, den Bundesstaaten und Organisationen des Privatsektors zusammen, um Vertretern
der US-Industrie die Herausforderungen und Chancen
im Osten nahezubringen. Wenige Wochen nach der
Vereinigung hat unsere Außenhandelsabteilung bereits "Handelstage" organisiert, im Rahmen derer
Vertreter aus US-Industrie und den Bundesstaaten
AMERIKA DIENST 16

Dresden, Leipzig, Chemnitz, Erfurt und andere Städte
besuchten, um dort mit Kollegen und aufstrebenden
Unternehmern zusammenzutreffen. Wir haben USFinnen engagiert, um in Berlin Seminare über Projektplanung und Finanzierung zu veranstalten, und führende US-Firmen im Bereich der Umwelttechnologie
haben sich in Leipzig und Berlin zum Thema Altlasten
geäußert. Eine Delegation von US-Industrie Vertretern, die Franchisepartner suchten, ist gerade aus
Berlin abgereist, und eine Gruppe von US-Betrieben,
deren Eigentümer Frauen sind, wird im Mai nach
Ostdeutschland reisen. Eine Delegation von Umweltexperten wird im Juni folgen, und im September werden Vertreter der Autozuliefererbranche dorthin reisen.
Sie alle können uns helfen, die Kunde an Entscheidungsträger der US-Industrie zu verbreiten, daß man
dort Geld verdienen kann und sie, indem sie ihre
Position in Deutschland und Europa ausbauen, auch
ihre Unternehmen in Amerika stärken. Meine Mitarbeiter in der Handelsabteilung und ich freuen uns immer
über Besuch von Geschäftsführern amerikanischer
Firmen. Diejenigen von Ihnen, die US-Unternehmen
vertreten, möchten vielleicht einen kreativeren Ansatz
wählen und Deutschland auf die Tagesordnung der
Entscheidungsträger Ihrer Stammsitze setzen. Wenigstens zwei führende US-Firmen entsenden ihre
Leiter Ende des Jahres zu Vorstandssitzungen nach
Deutschland. Fluor wählt dabei Düsseldorf und Pitney-Bowes Potsdam. Ich möchte zu beiden Gruppen
sprechen und sie ermutigen, bei ihrem Besuch hier
mehr von Deutschland zu sehen.
Ich möchte noch einen zweiten Vorschlag unterbreiten, der vielleicht etwas außergewöhnlich ist. Er
wendet sich an die heute hier vertretenen deutschen
Unternehmen. Vorstände bieten viele Möglichkeiten,
Geschäftsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland aufzubauen. Es ist nicht
ungewöhnlich, daß US-Firmen mit Aktivitäten in Übersee wichtige ausländische Führungskräfte in ihren
Vorstand aufnehmen. Viele Deutsche sitzen bereits
im Vorstand von US-Unternehmen und sind infolgedessen mit unserem amerikanischen System vertraut,
insbesondere da US-Vorstände zunehmend an der
Unternehmensstrategie und Entscheidungsfindung
beteiligt werden. Es ist jedoch ganz ungewöhnlich,
daß wichtige deutsche Firmen Amerikaner auffordern,
einen Platz in ihrem Vorstand einzunehmen. Vielleicht
ist die Zeit gekommen, daß auch andere Unternehmen
darüber nachdenken. Abgesehen davon, daß der
Firma eine Vielfalt an Erfahrungen und Einsicht in
Vorstandsangelegenheiten zugute kommt, könnte sich
die Einbeziehung amerikanischer Führungskräfte in
Deutschland als eine dieser wichtigen, aber positiven
Entwicklungen erweisen, die in Zukunft die bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland stärken können.

Seite 3

�Die Förderung der Beteiligung von US-Firmen in
Deutschland birgt viele Vorteile für beide Länder, nicht
nur die Möglichkeit des finanziellen Gewinns. Handel
kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet werden, sondern mu ß als Teil unserer
nationalen Sicherheit gesehen werden. Einer der
wundersamen Effekte der letzten zwei Jahre ist in den
Vereinigten Staaten und in anderen Ländern eine
Erweiterung des Konzepts der nationalen Sicherheit.
Die meisten von uns haben Sicherheit immer unter den
politisch-militärischen Aspekt betrachtet, wir müssen
aber erkennen, daß das Konzept genauso wichtige
handelspolitische, ökologische und kulturelle Komponenten hat. Während des kalten Krieges traten diese
Komponenten bei der Analyse unserer nationalen
Sicherheit oftmals in den Hintergrund, aber sie drängen jetzt mit Macht nach vorn. Kurzum - starke
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland tragen zur Verbesserung der
nationalen Sicherheit beider Länder bei.
Der Aufbau dieser wichtigen bilateralen Handelsbeziehungen erfordert, daß wir Isolationismus und Protektionismus scharf zurückweisen, sei es im Umgang untereinander, in Gesprächen mit der Europäischen Gemeinschaft, multilateral im GATT oder in der UruguayRunde. Diese Ideologien haben in einer Welt des

Fortschritts keinen Platz, und sie sind Sackgassen. Es
ermutigt mich, daß amerikanische Wähler solche
überholten Doktrinen bei den Vorwahlen um die Präsidentschaft, trotz einer verständlichen Sorge über nationale Belange, verworfen haben. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Wähler die Wahrheit erkennen - wenn
wir zu Hause stark sein wollen, müssen wir im Ausland
stark sein und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten
Staaten sind untrennbar mit der Deutschlands und
Europas verbunden.
Die Aufrechterhaltung und Stärkung der bilateralen
Beziehungen ist natürlich der Hauptgrund, warum es
die amerikanische Botschaft hier gibt und warum der
American-German Business Club sich positiv entwikkelt. Der Club und seine Mitglieder nehmen an der
ganzen Bandbreite von Aktivitäten teil, die unsere
bilateralen Beziehungen ausmachen - Handel, kulturelle Beziehungen oder Verteidigungsangelegenheiten. Aus diesem Grund haben die Botschaft und eine
lange Reihe von Botschaftern Sie seit der Gründung
des Clubs vor über dreißig Jahren unterstützt. Deshalb sehe ich mit solchem Optimismus in unsere
gemeinsame Zukunft. Und ich freue mich auf die
Zusammenarbeit mit ihnen, um diesem Optimuismus
Rechnung zu tragen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�W A H L E N '92
22. April 1992

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von He. bert E. Alexander
WASHINGTON - (AD) - Die gesetzliche Regelung der Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe erfordert dem Autor zufolge ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Integrität des Wahlprozesses und
den Rechten auf freie Meinungsäußerung und Assoziierungsfreiheit. In dem nachfolgenden Artikel erklärt
Herbert E. Alexander, Leiter der Citizens' Research Foundation und Professor für politische Wissenschaft an der
University of Southern California, die Geschichte der Wahlkampffinanzierung und der damit einhergehenden
Reformbemühungen.
"Die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten", so schrieb
John Quincy Adams im Jahr 1828. "war ein Amt, das
man weder anstrebte noch ablehnte. Geld zu zahlen
- sei es direkt oder indirekt -, um es zu erlangen, war
meines Erachtens prinzipiell unkorrekt." Trotz der
hehren Geisteshaltung, die vom sechsten Präsidenten
der Vereinigten Staaten und Sohn des zweiten Präsidenten hier zum Ausdruck gebracht wurde, haben
Kandidaten bei jeder Wahl, seit George Washington im
Jahr 1789 zum ersten Mal dieses Amt antrat, Geld
ausgegeben, um sich die Präsidentschaft zu sichern.
Ausgabemuster
In der Frühzeit wurden politische Gelder hauptsächlich
für Druckkosten ausgegeben. Ein Großteil des Präsidentschaftswahlkampfs fand in Zeitungen und Pamphleten statt, die von den politischen Fraktionen zugunsten des einen oder anderen Kandidaten subventioniert wurden. Im Lauf der Zeit gingen die Kandidaten
zu anderen Mitteln der Verbreitung von Botschaften
über, darunter Wahlkampfbiographien, Ansteckknöpfe ("Buttons") und Transparente sowie persönliche
Wahlkampfreisen per Bahn und Teilnahme an sonstigen Wahlkampfveranstaltungen. Der Rundfunk wurde
zum ersten Mal im Wahlkampf von 1 ^24 eingesetzt,
und im Jahr 1952 trat das Fernsehen als wicmigstes
Medium für die Kommunikation mit dem Wähler in
Erscheinung.
Mit zunehmender Größe und Bevölkerungszahl der
Vereinigten Staaten und Entwicklung der Mittel, die für
Wahlkämpfe eingesetzt wurden, stiegen auch die
Wahlkampf kosten entsprechend. Im Jahr 1860 kostete der Sieg im Präsidentschaftswahlkampf Abraham
Lincoln angeblich 100.000 Dollar, und der Wahlkampf
seines Gegners Stephen Douglas soll etwa 50.000
AMERIKA DIENST 16

Dollar verschlungen haben. Einhundert Jahre später
wurden für den Wahlkampf John F. Kennedys etwa 9,7
Millionen Dollar ausgegeben, während die Kampagne
seines unterlegenen Gegners Richard Nixon etwa
10,1 Millionen Dollar kostete.
In den sieben seit 1960 veranstalteten Präsidentschaftswahlkämpfen sind die Ausgaben kontinuierlich
geklettert. Die Kampagnen wurden technisch anspruchsvoller und deshalb auch teurer. Bei der Wahl
1988, der vierten, für die öffentliche Mittel bereitgestellt
wurden, standen dem Republikaner George Bush 93,7
Millionen Dollar zur Verfügung, einschließlich eines
öffentlichen Zuschusses von 46,1 Millionen. Der
Kandidat der Demokratischen Partei, Michael Dukakis, konnte über 106,5 Millionen Dollar verfügen, ebenfalls mit einem öffentlichen Zuschu ß von 46,1 Millionen
Dollar. Der Wahlkampf von 1988 war der erste im 20.
Jahrhundert, bei dem die Demokraten mehr Geld
ausgaben als die Republikaner. Im Jahr 1988 kam es
ferner zum ersten Mal seit 20 Jahren dazu, daß die
Präsidentschaft offen war, das hei ßt, daß kein Amtsinhaber kandidierte. Aus diesem Grund entstanden in
beiden großen Parteien ebenfalls hohe Kosten bei den
Kampagnen für die Nominierung.
Die Gesamtkosten der Wahl des Präsidenten im Jahr
1988 beliefen sich auf etwa 500 Millionen Dollar. Diese
Summe umfaßt nicht nur die 200,2 Millionen Dollar, die
für die Kandidaten der beiden großen Parteien in der
allgemeinen Wahl aufgewendet wurden, sondern auch
die Mittel, die von allen Kandidaten ausgegeben wurden, die die Nominierung ihrer Parteien bei den Nominierungskonventen anstrebten sowie die Mittel, die
von anderen Parteien und unabhängigen Kampagnen
verbraucht wurden.

Seite 1

�Die Kosten für die Wahl eines Präsidenten betrugen
weniger als ein Fünftel der Gesamtkosten von 2,7
Milliarden Dollar für die Wahlkämpfe des Zyklus 19871988. Die verbleibenden Mittel wurden für die Nominierung oder Wahl von Kandidaten für den Kongreß
(457 Millionen), für die Nominierung und Wahl von
Tausenden von Staats- und Gemeindevertretern (905
Millionen) sowie die Kosten von Abstimmungen über
einzelne Fragen auf Staats- und Gemeindeebene sowie
Verwaltungskosten, Auslagen für Spendenwerbung
und sonstige Kosten von Partei- und parteiübergreifenden Komitees ausgegeben.
Die politischen Ausgaben von 2,7 Milliarden Dollar
müssen jedoch in der Gesamtperspektive gesehen
werden. Im Jahr 1988 gaben Regierungen auf allen
Ebenen in den Vereinigten Staaten - Bund, Bundesstaat, Kreis und Gemeinde - insgesamt Steuergelder
in Höhe von 1,9 Billionen Dollar aus. Die 2,7 Milliarden
Dollar für Wahlkampagnen, deren Resultate darüber
entscheiden, wie diese enormen Summen an Steuereinnahmen verwendet werden, betragen also lediglich
Bruchteile von einem Prozent der gesamten Staatsausgaben. Und diese Summe entspricht in etwa den
Ausgaben, die die beiden führenden Unternehmen
des Landes für Werbeausgaben aufwenden, um die
Nützlichkeit ihrer Produkte kundzutun.
Geldquellen
Bei den ersten Präsidentschaftswahlkämpfen reichten
die Eigenmittel von Kandidaten und von Amtsinhabern
erhobene Umlagen aus, um die erforderlichen Kosten
zu bestreiten. Mit dem Anwachsen der Wahlkampf kosten mußten jedoch andere Finanzierungsquellen
erschlossen werden.
Andrew Jackson, der im Jahr 1828 zum ersten Mal
zum Präsidenten gewählt wurde, wird im allgemeinen
die Schaffung des "spoils System" zugeschrieben, das
diejenigen, die zum Präsidentschaftswahlkampf beigetragen hatten, mit Vergünstigungen und Regierungsposten belohnte. Mit dem Ende des Bürgerkrieges im
Jahr 1865 begannen Großunternehmen und Einzelpersonen, die in der amerikanischen Industrie Vermögen angesammelt hatten, einen großen Teil der Kosten von Präsidentschaftswahlkämpfen zu finanzieren. Diese Quellen nahmen an Bedeutung noch zu, als
der amerikanische Kongreß das Gesetz zur Reform
des Staatsdienstes von 1883 verabschiedete, das es
Beamten oder Angestellten der Vereinigten Staaten
untersagte, untereinander für politische Spenden zu
werden oder solche entgegenzunehmen. Das HatchGesetz von 1939 erweiterte die Einschränkung politischer Aktivitäten, die das Gesetz von 1883 den Angehörigen des öffentlichen Dienstes auferlegte. Davon
ausgenommen sind lediglich etwa 4.000 politische
Entscheidungsträger in den Exekutivorganen der
amerikanischen Regierung.

Seite 2

Reformbemühungen
Nach der Jahrhundertwende führte die Besorgnis über
den Einfluß von Großunternehmen auf den Bundeswahlprozeß zur Verabschiedung einer Reihe von
Vorschriften über die Wahlkampffinanzierung. Das
erste bundesweite Verbot von Unternehmensspenden
trat im Jahr 1907 in Kraft. Vierzig Jahre danach wurde
dieses Verbot dauerhaft auf die Gewerksciifcuien ausgedehnt. Das erste Bundesgesetz zur Offenlegung
der Wahlkampffinanzierung wurde im Jahr 1910 verabschiedet. Dieses Gesetz wurde im Jahr 1911 so
geändert, daß von allen Kandidaten für Bundesämter
finanzielle Erklärungen für Vorwahlen, Konvente und
vor Beginn des Wahlkampfs verlangt und die Summen
begrenzt wurden, die Kandidaten für Repräsentantenhaus und Senat ausgeben durften. In der Folge
wurden die Auswirkungen dieses Gesetzes durch einen
Richterspruch jedoch erheblich gemildert. Im Jahr
1925 wurde im Bundesgesetz über korrupte Praktiken
die Bundesgesetzgebung zur Wahlkampffinanzierung
niedergelegt und überarbeitet, jedoch ohne wesentliche Änderungen. Bis zum Jahr 1972 blieb es das
grundlegende Gesetz zur Wahlkampffinanzierung.
Bei jeder Verabschiedung restriktiver Gesetze entwickelten die Politiker neue Methoden zur Geldbeschaffung. Wie bereits festgestellt, verlagerte sich mit
dem Verbot des Umlageverfahrens für Regierungsmitarbeiter die Aufmerksamkeit auf Untemehmensspenden. Als auch diese ausgeschlossen wurden, warben
Kandidaten und Parteien um Geschenke wohlhabender Einzelpersonen, darunter viele Aktieninhaber und
leitende Mitarbeiter von Unternehmen. Als mit dem
Versuch, den Einfluß reicher Einzelpersonen zu beschränken, der Umfang von Spenden an politische
Komitees durch das Hatch-Gesetz von 1939 begrenzt
wurden, fanden Parteien und Politiker andere Wege
der Finanzierung, darunter Diners zur Spendenbeschaffung und sonstige Veranstaltungen sowie die
Einrichtung politischer Aktionskomitees.
Die Kandidaten haben außerdem um Kleinspenden
geworben. Im Jahr 1964 setzte der republikanische
Präsidentschaftskandidat Postwurfsendungen ein, um
einen erheblichen Teil seiner Wahlkampfgelder aufzubringen. Seitherhaben mehrere Präsidentschaftskandidaten diese Methoden mit gutem Erfolg benutzt,
insbesondere der Demokrat Eugene McCarthy und
der unabhängige Kandidat George Wallace 1968, der
demokratische Kandidat George McGovern 1972 und
Ronald Reagan in seinen Vorwahlkampagnen von
1976, 1980 und 1984.
In den siebziger Jahren kam es auf Bundes- und auf
Staatsebene zu einer neuen Welle politischer Reformvorhaben. Auf Bundesebene schlugen sich diese
Reformbemühungen - und nachfolgende Versuche,
die den Kandidaten und Komitees durch das Gesetz

AMERIKA DIENST 16

»

*

�auferlegten Lasten zu mildern - im Bundeswahlkampfgesetz (Federal Election Campaign Act - FECA) von
1971, dem Einnahmengesetz (Revenue Act) von 1971
und den FECA-Ergänzungen von 1974, 1976 und
1979 nieder.
Staatliche Finanzierung
Die Gesetze sehen optionale, qualifizierten Kandidaten vom Staat zur Verfügung gestellte Mittel für die
Vorwahlkampfzeit bis zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat vor. Um sich für diese Mittel ("matching funds") zu qualifizieren, müssen Kandidaten, die
die Nominierung ihrer Partei anstreben, 5.000 Dollar
an privaten Beiträgen, die sich aus Einzelspenden von
höchstens 250 Dollar in jedem von 20 Bundesstaaten
zusammensetzen, aufbringen. Die Bundesregierung
steuert für jede Spende von bis zu 250 Dollar an
qualifizierte Kandidaten noch einmal die gleiche Summe
hinzu. Diese Subventionen dürfen jedoch die Hälfte
des Ausgabenlimits für den Vorwahlkampf, das im
Jahr 1988 23,1 Millionen Dollar betrug, nicht überschreiten.
Die Bundesregierung stellt ferner öffentliche Mittel
bereit, um die Kosten für die nationalen Nominierungskonvente der zwei größten Parteien zu tragen. 1988
erhielt jede dieser Parteien einen Zuschuß von 9,2
Millionen Dollar. Kleinere Parteien erhalten eine Beihilfe zu ihrem Konvent, wenn ihre Kandidaten bei der
vorherigen Präsidentschaftswahl über 5 Prozent der
Stimmen erhielten.
Bei der allgemeinen Wahl können die Präsidentschaftskandidaten der wichtigsten Parteien zur Finanzierung
ihres Wahlkampfes öffentliche Mittel des Finanzministeriums in Anspruch nehmen. Wie bereits ausgeführt, beliefen sich diese Zuschüsse 1988 auf jeweils
46,1 Millionen Dollar. Darüber hinaus gibt es Bestimmungen für eine öffentliche Teilfinanzierung für Kandidaten kleinerer und neuer Parteien.
Die bei Präsidentschaftswahlkampagnen zur Verfügung gestellten öffentlichen Gelder sollen die Mittel
aufstocken - oder vollständig übernehmen - die ernstnafte Kandidaten benötigen, um sich selbst und ihre
Ideen gegenüber den Wählern darzustellen. Damit
soll die Notwendigkeit verringert oder beseitigt werden, Geld von wohlhabenden Spendern und Interessengruppen annehmen zu müssen
Im frühen Stadium der Kampagne sollen öffentliche
Mittel den Prozeß der Nominierung wettbewerbsorientierter machen und Kandidaten ermutigen, ihre Basis
der Unterstützung durch eine Vielzahl kleiner Spenden
zu erweitem. Die Kandidaten tun dies auf vielfältige
Weise, unter anderem durch persönliche Anschreiben, Ereignisse, bei denen gesammelt wird, wie
Empfänge und Diners sowie die Spendensammlung
freiwilliger Helfer.

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Die Durchführbarkeit öffentlicher Finanzierung hing
bei den letzten vier Präsidentschaftswahlkämpfen von
der Bereitschaft des Steuerzahlers ab, einen kleinen
Teil seines steuerpflichtigen Einkommens - ein Dollar
für Alleinstehende und zwei Dollar für zusammen
veranlagte Ehepaare - für die Präsidentschaftswahl
abzuzweigen, indem sie auf ihrer Steuererklärung
einem entsprechenden Gehaltsabzug zustimmen. Bis
jetzt hat das System genug Geld eingebracht, um die
öffentlichen Mittel abzudecken, die den nominierten
Kandidaten und den wichtigsten Parteien für ihre nationalen Nominierungskonvente zur Verfügung gestellt
werden. Die vom Bundeswahlausschuß bewilligten
Mittel beliefen sich 1976 auf 70,9 Millionen Dollar, 1980
auf 100,6 Millionen Dollar, 1984 auf 133,1 Millionen
Dollar und 1988 auf 177,8 Millionen Dollar.
Der Abzug von einem Dollar des steuerpflichtigen
Einkommens ist seit der Verabschiedung des Steuergesetzes 1971 nicht erhöht worden, trotz der Tatsache, daß der Wert des US-Dollars heute nur noch ein
Drittel des damaligen Werts beträgt. Darüber hinaus
ist der Steuerzahler in immer geringerem Maße zum
Gehaltsabzug bereit.
Dem Bundeswahlausschuß zufolge ist die Unterstützung des Steuerzahlers für den Gehaltsabzug seit
dem Rekordjahr 1980 um 30 Prozent gesunken. Dies
bedeutet einen Rückgang des Gehaltsabzugs vom
Höchststand von 28,7 Prozent der Steuererklärungen
im Jahr 1980 auf 19,9 Prozent der Steuererklärungen
1989. Die Rate für 1990 auf der Basis der Erklärungen
von 1989 ergab 32,5 Millionen Dollar, wobei die Jahresbeträge vier Jahre lang angesammelt werden, um
im Jahr der Präsidentschaftswahlen ausgezahlt zu
werden. Gegenwärtig besteht das Problem darin, daß
die gesunkenen Teilnehmerzahlen zu Fehlbeträgen
führen, die bei den Kampagnen vor der Nominierung
1992 zu einer anteilmäßigen Reduzierung der Mittel
führen könnten.
Beschränkung der Beiträge und Ausgaben
Die Reformgesetze von 1970 verfügen auch Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben für alle Wahlkämpfe für ein Regierungsamt, aber der Oberste Gerichtshof kam zu dem Urteil, daß Ausgabenbeschränkungen nur in öffentlich finanzierten Kampagnen gegenwärtig nur Präsidentschaftswahlkämpfen - zulässig sind.
Einzelpersonen können nicht mehr als 1.000 Dollar pro
Kandidat und Wahl spenden, und Komitees dürfen
nicht mehr als 5.000 Dollar pro Kandidat und Wahl
bereitstellen. Kandidaten um ein Amt in der Bundesregierung, die öffentliche Mittel akzeptieren, dürfen
jedoch keine privaten Beiträge zur Förderung ihres
Wahlkampfes annehmen, obwohl sie private Spenden
bis zu einer bestimmten Obergrenze entgegennehmen können, um die Kosten zu bestreiten, die ihnen
durch die Einhaltung der Wahlgesetze entstehen.

Seite 3

�Mit den Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben sollen große Spenden mit ihrem Potential für Korruption
kontrolliert, finanzielle Ungleichheiten unter den Kandidaten minimiert und Möglichkeiten des Mißbrauchs
reduziert werden. Einzelpersonen und Gruppen können jedoch bei Präsidentschaftswahlen oder anderen
Wahlen für ein Regierungsamt unbegrenzte Ausgaben tätigen - das heißt, sie können unbegrenzt hohe
Beträge für Berichte ausgeben, in denen die Wahl oder
Ablehnung empfohlen wird - solange wie die Ausgaben
ohne Absprache oder Koordination mit dem Wahlkampfkomitee eines Kandidaten stattfinden. Bei der
Nominierung der Präsidentschaftskandidaten und im
allgemeinen Wahlkampf 1980 wurden erhebliche Beträge unabhängig ausgegeben, was dazu führte, daß
einige Teilnehmer die Rechtmäßigkeit und Verfassungsmäßigkeit solcher Ausgaben anzweifelten. Ein
nach der allgemeinen Wahl 1984 verkündetes Urteil
des Obersten Gerichtshofs gab denjenigen Recht, die
unabhängige Ausgaben tätigten. Gruppen und Einzelpersonen gaben 1988 14,3 Millionen Dollar an unabhängigen Mittel aus, um die Wahl oder Ablehnung
eines Präsidentschaftskandidaten zu befürworten.
Einzelpersonen und Gruppen können auf verschiedenen Ebenen Beiträge zu politischen Parteikomitees
leisten. Diese Komitees können wiederum Geld für die
Kandidaten ihrer Parteien ausgeben. 1988 gaben die
Parteikomitees der Republikaner und Demokraten
erhebliche Summen aus, um ihre Präsidentschaftskandidaten bei lokalen Parteiaktivitäten wie Erfassung
der Wähler und deren Animierung zur Wahl zu unterstützen. Weitere wichtige Quellen von Ausgaben im
Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf
waren Gewerkschaften, die Dukakis-Bentsen unterstützten, indem sie für diese Berichte und Zuschriften
veröffentlichten, selbst Wähler registrierten und sie zur
Wahl aufriefen. Obwohl also die Einschränkung öffentlicher Mittel und damit zusammenhängender Aus-

gaben die Ausgaben des Präsidentschaftswahlkampfes kontrollieren sollen, gibt es immer noch zahlreiche
legale Wege, wie erhebliche private Summen eingesetzt werden können, um das allgemeine Wahlergebnis zu beeinflussen.
Schließlich erfordert das Bundeswahlgesetz die vollständige und termingerechte Offenlegung von Einnahmen und Ausgaben für den Wahlkampf. Di» Bestimmungen zur Offenlegung sollen den Wählern helfen,
eine sachlich begründete Entscheidung für einen
Kandidaten zu treffen und es dem Bundeswahlausschuß ermöglichen, die Einhaltung mit den Finanzierungsgesetzen für die Kampagnen zu überwachen.
Ein kontinuierliches Experiment
Das grundlegende Problem derer, die ein System zur
Regulierung der Finanzierung von Wahlkämpfen bei
amerikanischen Wahlkampagnen erarbeiten müssen,
besteht darin, die Integrität des Wahlprozesses zu
schützen und dennoch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zu respektieren,
wie es im ersten Zusatzartikel der amerikanischen
Verfassung verankert ist. Das 1970 eingeführte Kontrollsystem stellt eine sehr ehrgeizige Bestrebung zur
Herstellung dieses Gleichgewichts dar. Aber die
Anstrengungen waren nicht immer erfolgreich. Mit
Hilfe der Vorschriften war es nicht möglich, die Ausgaben der Präsidentschaftswahlkämpfe zu kontrollieren,
und die Abwertung des Dollars - nicht inflationsbereinigt - hat die Einnahmen der Kampagnen verringert, da
die Beitragsgrenzen und die mit den Steuern eingenommene Summe gleich geblieben sind, während die
Wahlkampf ausgaben steigen durften. Aber wie die
amerikanische Demokratie selbst ist das gegenwärtige System zur Regelung der Finanzierung von Präsidentschaftswahlkämpfen ein Experiment, das zweifellos in den kommenden Jahren kontinuierlich modifiziert werden wird.

* * * * *

Seite 4

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                <text>&lt;strong&gt;1. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht über den Golfkrieg unterstreicht Erfahrungen der Koalition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handel in Ostdeutschland - die Rolle der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt vor dem American-German Business Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Herbert E. Alexander&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Herausgeben U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
22. April 1998&#13;
&#13;
08&#13;
&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
ALBRIGHT: WIRTSCHAFTSWACHSTUM&#13;
BLEIBT AUSSENPOLITISCHES ZIEL DER USA&#13;
Rede der US-Außenministerin&#13;
&#13;
NATO&#13;
&#13;
GRUNDE FÜR DIE NATO-ERWEITERUNG&#13;
von Botschafter Alexander Vershbow&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
DIE STÄRKUNG DER GLOBALEN&#13;
FINANZARCHITEKTUR&#13;
Rede von Finanzminister Rubin&#13;
&#13;
UMWELT&#13;
&#13;
INNOVATIONEN IN DEN VEREINIGTEN&#13;
STAATEN UND DAS AMERIKANISCHE&#13;
ENGAGEMENT FÜR DEN UMWELTSCHUTZ&#13;
Rede des Gesandten Michael C. Polt&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
22. April 1998&#13;
&#13;
Albright: Wirtschaftswachstum bleibt&#13;
außenpolitisches Ziel der USA&#13;
Rede der US-Außenministerin&#13;
&#13;
NASHUA - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir unwesentlich gekürzt die Rede, die US-Außenministerin&#13;
Madeleine Albright am 7. April 1998 vor der Nashua Chamber of Commerce (New Hampshire) hielt.&#13;
&#13;
Die grundlegenden Herausforderungen der amerikanischen Außenpolitik sind dieselben wie früher und&#13;
gleichzeitig völlig andere. Seit Thomas Jefferson&#13;
Außenminister war, haben unsere Diplomaten sich&#13;
dafür eingesetzt, die Sicherheit amerikanischer&#13;
Staatsbürger zu gewährleisten, unsere Grenzen zu&#13;
schützen, unsere elementaren Wirtschaftsinteressen&#13;
zu fördern und den Werten von Freiheit und Toleranz,&#13;
die wir hochhalten, weltweit Geltung zu verschaffen.&#13;
Diese Herausforderungen konnten auf die eine oder&#13;
andere Art bewältigt werden, als Amerika ein Land von&#13;
Farmern war, die durch zwei Ozeane geschützt&#13;
wurden, für deren Überquerung selbst die schnellsten&#13;
Schiffe Wochen brauchten.&#13;
Im heutigen Zeitalter geschieht jedoch alles sofort.&#13;
Entfernung hat an Bedeutung verloren. Was morgen&#13;
früh in Bagdad, Bosnien oder Beijing geschieht, könnte&#13;
morgen Nachmittag hier in Nashua große Folgen&#13;
haben. Die daraus resultierenden Auswirkungen sind&#13;
klar.&#13;
Weil Amerika von allem betroffen sein könnte, was sich&#13;
irgendwo auf der Welt ereignet, müssen wir weltweit&#13;
eine Führungsrolle übernehmen. Und das Ziel dieser&#13;
Führungsrolle besteht zusammengefaßt darin sicherzustellen, daß Amerikaner in Sicherheit, Wohlstand&#13;
und Freiheit leben können.&#13;
&#13;
Kontrolle dieser Waffen übernehmen. Damit würden&#13;
wir jedoch die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel&#13;
setzen, wozu wir nicht bereit sind und auch nicht bereit&#13;
sein sollten.&#13;
Aus diesem Grund ist es wichtig, daß Präsident Clinton&#13;
und der russische Präsident Jelzin sich für die Aushandlung eines einschneidenden, aber stabilen&#13;
Abbaus unserer Nuklearwaffenarsenale einsetzen - im&#13;
Vergleich zum Höchststand des Kalten Kriegs um 80&#13;
Prozent.&#13;
Aus diesem Grund ist es wichtig, daß wir den Nichtverbreitungsvertrag unbegrenzt verlängert haben, daß&#13;
das gefährliche nordkoreanische Nuklearwaffenprogramm abgebaut wird und mehr als 150 Nationen einschließlich der fünf Atommächte - einem umfassenden Verbot von Atomtests zugestimmt haben.&#13;
Aus diesem Grund ist es wichtig, daß die Vereinigten&#13;
Staaten einem Abkommen über das weltweite Verbot&#13;
von Chemiewaffen zugestimmt haben. Damit haben&#13;
wir andere Länder - darunter Rußland, China, Pakistan&#13;
und Indien - ermutigt, unserem Beispiel zu folgen.&#13;
All diese Abkommen treffen Vorsorge für die Zukunft.&#13;
Wenn sie vollständig und in gutem Glauben umgesetzt&#13;
werden, machen sie die Welt zu einem sichereren Ort,&#13;
als sie sonst für unsere Kinder - und die Kinder aller&#13;
Menschen - sein würde.&#13;
&#13;
Ich möchte einige Beispiele anführen.&#13;
Der Kalte Krieg ist schon lange von der Weltbühne&#13;
verschwunden, Massenvernichtungswaffen jedoch&#13;
nicht. Wir könnten uns zurücklehnen und darauf&#13;
warten, daß andere Länder die Führungsrolle bei der&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Ein zweites großes Ziel unserer Außenpolitik besteht&#13;
darin, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und&#13;
Sorge zu tragen, daß amerikanische Unternehmen,&#13;
Arbeitnehmer und Farmer ihre Produkte auf offenen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Märkten verkaufen können und gleiche Wettbewerbsbedingungen haben.&#13;
&#13;
müssen wir auch den amerikanischen Werten treu&#13;
bleiben.&#13;
&#13;
In den letzten Jahren hatten wir außerordentlichen&#13;
Erfolg. Seit dem Amtsantritt von Präsident Clinton&#13;
haben wir mehr als 240 Abkommen zur Förderung des&#13;
Handels geschlossen, wodurch die Exporte in die&#13;
Höhe schnellten und landesweit 2,2 Millionen neue&#13;
Arbeitsplätze geschaffen wurden.&#13;
&#13;
Manche behaupten, es sei unsinnig, daß unsere&#13;
Außenpolitik moralische Aspekte in Betracht zieht.&#13;
&#13;
Zu diesen Handelsabkommen zählen das Internationale Technologieabkommen, das neue Märkte für&#13;
unsere Hochtechnologieunternehmen öffnen wird und&#13;
ein globales Telekommunikationsabkommen, das die&#13;
Chancen für Unternehmen in ganz Amerika dramatisch&#13;
verbessern wird.&#13;
Diese Schritte zu freierem und fairerem Handel sind in&#13;
einem Bundesstaat wie New Hampshire besonders&#13;
wichtig, wo Sie sich zunehmend - und mit Erfolg - den&#13;
Märkten im Ausland zuwenden.&#13;
Während der letzten Jahrzehnte ist New Hampshire&#13;
weltweit führend bei Computern, Industriemaschinen&#13;
und elektronischem Gerät geworden. Infolgedessen&#13;
stiegen Ihre Exporte viel schneller an als in fast allen&#13;
anderen Bundesstaaten.&#13;
Sie als Vertreter der Wirtschaft wissen jedoch, daß&#13;
diese begrüßenswerten Trends alles andere als&#13;
zwangsläufig oder automatisch sind. Es findet ein&#13;
erbitterter Wettbewerb um die Weltmärkte statt. Oft&#13;
befinden sich unsere Unternehmen in einem Kopf-anKopf-Rennen mit ausländischen Konkurrenten, die&#13;
direkte Unterstützung von ihren Regierungen erhalten.&#13;
Ich möchte Ihnen versichern, daß unsere Diplomaten,&#13;
solange ich Außenministerin bin, auf ein zunehmend&#13;
faires und offenes globales Wirtschaftssystem drängen&#13;
werden. Unsere Botschaften werden amerikanischen&#13;
Unternehmen jede angemessene Hilfestellung geben.&#13;
Unsere Unterhändler werden sich für Handelsvereinbarungen einsetzen, die mehr und bessere amerikanische Arbeitsplätze schaffen.&#13;
Um sicherzustellen, daß Abkommen auch eingehalten&#13;
werden, werde ich hier - ebenso wie bei allen meinen&#13;
Reisen - darauf hinweisen, daß andere Länder, die&#13;
Geschäfte vor unserer Haustüre tätigen wollen,&#13;
zulassen müssen, daß die Vereinigten Staaten das&#13;
auch bei ihnen tun können.&#13;
Während wir uns in den Vereinigten Staaten auf das&#13;
21. Jahrhundert vorbereiten, sind wir abhängig von&#13;
unseren Streitkräften, starken Bündnissen, einer&#13;
wirtschaftlichen Führungsrolle und einer entschlossenen Diplomatie, die unsere Sicherheit und unser&#13;
Wohlergehen garantieren. Wenn wir aber wirklich die&#13;
Zukunft gestalten wollen, die wir uns wünschen,&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Ich vertrete jedoch die Ansicht, daß eine Außenpolitik,&#13;
die bar moralischer Erwägungen ist, niemals dem&#13;
amerikanischen Volk gerecht werden kann. Denn&#13;
gerade weil wir unseren Prinzipien treu geblieben sind,&#13;
wird die amerikanische Führungsrolle im Großteil der&#13;
Welt nicht nur benötigt, sondern auch begrüßt.&#13;
Aus diesem Grund sollten wir alles in unsere Macht&#13;
Stehende tun, um weltweit die Demokratie zu fördern&#13;
und die Rechtsstaatlichkeit auszuweiten.&#13;
Denn&#13;
Nationen, die sich an internationale Regeln halten, sind&#13;
gute Nachbarn. Denn die Demokratie ist der Vater des&#13;
Friedens. Denn anderen Menschen zu helfen, in&#13;
Freiheit zu leben, ist gut und richtig für Amerika.&#13;
Aus diesem Grund müssen wir einen Krieg gegen das&#13;
internationale Verbrechen führen und ihn gewinnen und denjenigen dauerhaft das Handwerk legen, die mit&#13;
den illegalen Drogen Profite machen, die unsere&#13;
Kinder vergiften.&#13;
Aus diesem Grund werden wir entschlossen gegen&#13;
den internationalen Terror vorgehen und Seite an Seite&#13;
mit den Friedensstiftern gegen die Bombenleger im&#13;
Nahen Osten, in Nordirland, Zentralafrika und anderen&#13;
Krisenherden der Welt vorgehen.&#13;
Aus diesem Grund sind wir so entschiedene Anhänger&#13;
des internationalen Kriegsverbrechertribunals, denn&#13;
wir sind überzeugt, daß die für ethnische Säuberungen&#13;
Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden&#13;
sollten und diejenigen, die Vergewaltigung lediglich für&#13;
eine weitere Kriegstaktik halten, für ihre Verbrechen&#13;
büßen müssen.&#13;
Aus diesem Grund verurteilen wir die Verletzung von&#13;
Menschenrechten, wo immer sie stattfindet, weil wir&#13;
der Auffassung sind, daß alle Menschen die Chance&#13;
haben sollten, frei zu sprechen, zu schreiben, sich zu&#13;
versammeln und ihren Glauben auszuüben - und wenn&#13;
Diktatoren sagen, das geht sie nichts an, sagen wir,&#13;
daß die Respektierung der Menschenwürde jeden&#13;
etwas angeht.&#13;
Und deswegen bin ich der Ansicht, daß die Vereinigten&#13;
Staaten ihre Führungsrolle in den Vereinten Nationen&#13;
bewahren sollten.&#13;
Die Vereinten Nationen brauchen Reformen. Ich habe&#13;
die UN manchmal mit einem Unternehmen mit einem&#13;
185 Mitglieder zählenden Vorstand verglichen, von&#13;
denen jeder aus einer anderen Kultur kommt, jeder&#13;
andere Prioritäten und jeder einen arbeitslosen&#13;
Schwager hat, der Arbeit sucht.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Aber mit der starken Unterstützung des Kongresses&#13;
haben wir die UN zu Veränderungen gedrängt. Und&#13;
die Wahrheit ist, daß sich die Vereinten Nationen&#13;
während der letzten fünf Jahre mehr verändert haben&#13;
als in den vorangegangenen 45. Ihr Budget wurde&#13;
reduziert, die Rechenschaftspflicht verstärkt, und ihre&#13;
Führungsrolle hat sich maßgeblich verbessert.&#13;
&#13;
waren bei der Verfassung ihrer Charta behilflich und&#13;
genehmigten ihre Statuten.&#13;
&#13;
Darüber hinaus haben wir in den Vereinten Nationen&#13;
wichtige Geschäfte durchzuführen.&#13;
&#13;
Die Bezahlung unserer UN-Rechnungen ist nicht nur&#13;
eine Frage von Dollars und Cents. Sie liegt in unserem Interesse und ist ein Litmustest unserer Bereitschaft, das zu praktizieren, was wir predigen. Der&#13;
Kongreß sollte jetzt handeln - ohne Rücksicht auf&#13;
irgendwelche nicht damit in Verbindung stehende&#13;
Themen - und unsere Rechnungen bezahlen.&#13;
&#13;
Während wir sprechen, sind die UN-Inspektoren im&#13;
Irak und helfen uns, mehr über Saddam Husseins&#13;
Giftgas und biologische Waffenprogramme in Erfahrung zu bringen.&#13;
&#13;
Das ist der beste Weg zu weiteren Fortschritten bei&#13;
UN-Reformen. Das ist der einzige Weg, um die&#13;
Führungsrolle der Vereinigten Staaten zu bewahren.&#13;
Und das ist die richtige Entscheidung für Amerika.&#13;
&#13;
Und auf der ganzen Welt arbeiten UN-Behörden auf&#13;
die Förderung der nuklearen Sicherheit, die Bestrafung&#13;
von Völkermord, die Verhinderung von Krankheiten,&#13;
den Schutz von Kindern, frühzeitige Warnung vor&#13;
Hurrikanen und den Schutz der Rechte derjenigen hin,&#13;
die im Ausland Geschäfte tätigen. Das alles zu Kosten&#13;
für den Durchschnittsamerikaner, die ungefähr einer&#13;
Kinokarte entsprechen - demselben Betrag, den Sie&#13;
zahlen müßten, wenn Sie aus irgendeinem Grund&#13;
nochmals John Travolta in Grease sehen wollten.&#13;
&#13;
Ich weiß, daß es kein Patentrezept für die Sicherstellung der Unterstützung der Öffentlichkeit für das&#13;
amerikanische Engagement im Ausland gibt. Und&#13;
manche glauben, daß eine geteilte Regierung in&#13;
Washington heißen muß, die Öffentlichkeit außerhalb&#13;
Washingtons könne sich nicht bezüglich der grundlegenden Politik und Prinzipien einigen, für die Amerika&#13;
im Ausland steht.&#13;
&#13;
Bedauerlicherweise sind die Vereinigten Staaten mit&#13;
ihren Beitragszahlungen an die Vereinten Nationen mit&#13;
nahezu 1 Milliarde Dollar im Rückstand. Das schadet&#13;
Amerika.&#13;
&#13;
Denn der Geist der Überparteilichkeit in der amerikanischen Außenpolitik war vielleicht nie deutlicher&#13;
sichtbar als 1948 - vor genau einem halben Jahrhundert. Es war ein äußerst politisches Jahr mit einem&#13;
hart umstrittenen Präsidentschaftswahlkampf.&#13;
&#13;
Seien es Menschenrechte oder die Erweiterung des&#13;
Handels - jeden Tag argumentieren amerikanische&#13;
Diplomaten in Besprechungen auf der ganzen Welt,&#13;
daß die Nationen ihre Verpflichtungen erfüllen müssen.&#13;
Und jeden Tag werden unsere Diplomaten im Gegenzug gefragt: Nun, wenn das stimmt, wann zahlen die&#13;
Vereinigten Staaten dann ihre UN-Rechnungen?&#13;
Und wenn wir bis Ende dieses Jahres nicht unsere&#13;
Rechnungen bezahlt haben, könnten wir sogar unser&#13;
Stimmrecht in der UN-Generalversammlung verlieren.&#13;
Ich weiß, daß einige der Ansicht sind, die Vereinten&#13;
Nationen seien eine schlechte Organisation. Sie&#13;
vermuten, daß sie eine Flotte von schwarzen Hubschraubern unterhalten, die jeden Augenblick in&#13;
unserem Garten landen und unsere Gartenmöbel&#13;
stehlen könnte. Sie sagen, sie seien auf die Weltherrschaft aus - was absurd ist - und daß wir ihnen nicht&#13;
trauen können, weil sie aus lauter Ausländern bestehe&#13;
- was, ganz offen, in der Natur der Sache liegt.&#13;
Die Wahrheit ist, daß die Vereinten Nationen nicht eine&#13;
ausländische Präsenz auf amerikanischem Boden&#13;
sind. Sie sind "Made in America" - gegründet von&#13;
Menschen mit Namen wie Truman, Acheson und&#13;
Eleanor Roosevelt. Unsere Vorfahren schufen sie,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Ich teile diesen Pessimismus nicht.&#13;
&#13;
Dennoch kamen in jenem Jahr ein demokratischer&#13;
Präsident und ein republikanischer Kongreß zusammen, um den Marshallplan zu verabschieden, das&#13;
Fundament der NATO zu legen, den neu gegründeten&#13;
Staat Israel anzuerkennen, Griechenland und der&#13;
Türkei bei ihrem Kampf behilflich zu sein, auf der Seite&#13;
der Freiheit des Eisernen Vorhangs zu bleiben und&#13;
Berlin während der Blockade mit der Luftbrücke rund&#13;
um die Uhr zu versorgen.&#13;
Außenminister Marshall bezeichnete diese Bilanz als&#13;
brillante Demonstration der Fähigkeit des amerikanischen Volkes, der großen Verantwortung seiner&#13;
neuen Weltposition gerecht zu werden.&#13;
Einige sagen, die Amerikaner hätten sich verändert,&#13;
wir seien jetzt zu selbstgefällig und mit uns selbst&#13;
beschäftigt, um die mit unserer Position einhergehende&#13;
Verantwortung zu übernehmen. Von jetzt bis zum&#13;
Beginn eines neuen Jahrhunderts haben wir die&#13;
Chance, die Zyniker eines Besseren zu belehren. Und&#13;
ich bin überzeugt, daß wir das können.&#13;
Daniel Webster hat einmal geschrieben: "Gott gewährt&#13;
Freiheit nur denjenigen, die sie lieben und immer zu&#13;
ihrem Schutz und ihrer Verteidigung bereit sind."&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Mit Trumans Vermächtnis, das uns leitet, und Websters Worten, die uns inspirieren, wollen wir der&#13;
Versuchung der Selbstgefälligkeit widerstehen und die&#13;
von unseren Vorfahren geschaffene Rolle ohne zu&#13;
Klagen bereitwillig übernehmen.&#13;
&#13;
richtigen sind. Und daß wir, indem wir dem Vermächtnis unserer Vergangenheit gerecht werden, eine&#13;
Zukunft gestalten können, in der wir noch freier und&#13;
respektierter, noch wohlhabender sind und in Frieden&#13;
leben.&#13;
&#13;
Lassen Sie uns nicht Zweifler, sondern Macher sein voller Zuversicht, daß die Werte, die Amerika von&#13;
"Valley Forge" bis "Desert Storm" geleitet haben, die&#13;
&#13;
Dafür verpflichte ich mich, mein Bestes zu geben und&#13;
bitte Sie um Ihre Unterstützung. Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�NATO&#13;
22. April 1998&#13;
&#13;
Gründe für die NATO-Erweiterung&#13;
von Botschafter Alexander Vershbow&#13;
&#13;
(AD) - Der nachfolgende Artikel wurde vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika bei der NATO in&#13;
Brüssel verfaßt und erschien erstmals in der The Washington Post vom 7. April 1998.&#13;
&#13;
Kritiker haben versucht, den Eindruck zu erwecken, es&#13;
hätte nie eine ernsthafte Debatte über die NATOErweiterung stattgefunden und die Vereinigten Staaten&#13;
und ihre Verbündeten hätten sich nicht mit den wichtigen Fragen zu Rußland und dem zukünftigen Sicherheitsumfeld in Europa befaßt.&#13;
&#13;
militärischen Operationen in Bosnien. Und sie entwickeln sich weiter. Es wäre äußerst kontraproduktiv,&#13;
wenn wir Boris Jelzins mutige Entscheidung, mit der&#13;
NATO zu kooperieren, unterhöhlen würden, indem wir&#13;
dem Druck der russischen Hardliner nachgeben. Das&#13;
würde die antidemokratischen Elemente in Rußland&#13;
und den Glauben bestärken, daß die Verbündeten&#13;
&#13;
Mehr als 1.000 in den letzten anderthalb Jahren&#13;
veröffentlichte Artikel haben sich mit allen Aspekten&#13;
der neuen Rolle des Bündnisses befaßt. Mehr als 300&#13;
Konferenzen über die NATO-Erweiterung wurden in&#13;
Europa und Nordamerika veranstaltet, darunter einige&#13;
in Rußland. 12 Anhörungen vor dem US-Kongreß&#13;
während des letzten halben Jahres - mit Berichten von&#13;
mehr als 550 Seiten - haben sich mit den Einzelheiten&#13;
der NATO-Mission und der Bündnismitgliedschaft&#13;
befaßt und die Argumente aus jedem Blickwinkel des&#13;
politischen Spektrums geprüft.&#13;
&#13;
angesichts von Moskaus Einschüchterungsversuchen&#13;
&#13;
Kritiker behaupten, die NATO-Erweiterung würde die&#13;
Beziehungen zu Rußland vergiften. Das könnte&#13;
zutreffen, wenn die NATO eine Isolierung Rußlands&#13;
anstreben würde, aber das Gegenteil ist der Fall. Mit&#13;
der Partnerschaft für den Frieden und dem Ständigen&#13;
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rat hat die NATO ein&#13;
Netz für die Sicherzeitszusammenarbeit geschaffen,&#13;
dem alle Staaten Europas angehören - sogar die&#13;
ehemals neutralen. Die neue NATO gibt Moskau eine&#13;
Chance, von dem alten sowjetischen Muster der&#13;
Konfrontation Abstand zu nehmen und sich einer&#13;
echten Partnerschaft mit Europa zuzuwenden.&#13;
Die Beziehungen zwischen der NATO und Rußland&#13;
sind heute besser und vielversprechender als zu jeder&#13;
anderen Zeit in den vergangenen 50 Jahren. Sie&#13;
umfassen alles von der Planung gemeinsamer Aktionen bei zivilen Katastrophen bis zu gemeinsamen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Zentraleuropa wieder in eine Grauzone der Instabilität&#13;
und begrenzten Souveränität verwandelt haben.&#13;
Während wir auf die bessere Anpassung der NATO an&#13;
das Sicherheitsumfeld des nächsten Jahrhunderts&#13;
hinarbeiten, sind wir uns bewußt, daß wir das wesentliche Merkmal beibehalten müssen, das das Bündnis&#13;
zum erfolgreichsten der Geschichte gemacht hat seine integrierte Militärstruktur und seine Fähigkeit zur&#13;
kollektiven Verteidigung. Die von uns eingeladenen&#13;
drei neuen Mitglieder werden die Verteidigungsfähigkeiten des Bündnisses beträchtlich verbessern. Und&#13;
nachdem sie erst vor kurzem nach Jahrzehnten der&#13;
totalitären Unterdrückung ihre Freiheit wiedergewonnen haben, kann man darauf zählen, daß sie an&#13;
unserer Seite stehen werden, nicht nur bei der Verteidigung des NATO-Territoriums, sondern auch, wenn&#13;
unsere gemeinsamen Werte bedroht sind - wie es&#13;
kürzlich während der Konfrontation mit dem Irak der&#13;
Fall war.&#13;
Als Grund für die Verschiebung der Abstimmung über&#13;
die Ratifizierung um mehrere Wochen gab der Mehrheitsführer im Senat, Trent Lott, an, seine Absicht sei,&#13;
"die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken". Es ist&#13;
richtig, eine faire Debatte dieses Themas zu gewährleisten, aber wie Senator Jesse Helms bei der Übermittlung des Gesetzentwurfs an den Senat feststellte,&#13;
ist es jetzt an der Zeit zu handeln.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Niemand, der Demokratie befürwortet, sollte die&#13;
Beibehaltung der Trennlinien der Sicherheit in Europa&#13;
wünschen, wo Stalin sie 1945 markierte. Die NATO-&#13;
&#13;
Erweiterung ist die richtige Politik für die Vereinigten&#13;
Staaten und die richtige Politik für die Demokratie in&#13;
Europa.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
22. April 1998&#13;
&#13;
Die Stärkung der globalen Finanzarchitektur&#13;
Rede von Finanzminister Rubin&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die US-Finanzminister Robert E. Rubin am 14.&#13;
April 1998 an der Brookings Institution gehalten hat.&#13;
&#13;
Heute möchte ich darüber sprechen, wie das internationale Finanzsystem nach der Finanzkrise in Asien&#13;
aussieht, was wir von diesen Ereignissen über die&#13;
Chancen und Risiken eines globalen Finanzmarktes&#13;
lernen und wie wir die Architektur des internationalen&#13;
Finanzsystems stärken können, um das Potential der&#13;
Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts zu nutzen.&#13;
&#13;
andernorts sind global geworden. Die Entwicklungsländer wurden wichtige Teilnehmer an der globalen&#13;
Wirtschaft; beispielsweise sind sie jetzt Abnehmer von&#13;
mehr als 40 Prozent der amerikanischen Exporte. Die&#13;
Finanzliberalisierung und die technologische Innovation erweitern das Spektrum neuer Dienstleistungen&#13;
und Produkte immer mehr.&#13;
&#13;
Diese Fragen der Finanzarchitektur werden ganz oben&#13;
auf der Tagesordnung stehen, wenn Vertreter der&#13;
globalen Finanzwelt diese Woche hier in Washington&#13;
beim Frühjahrstreffen der G-7 und der Entscheidungsgremien des Internationalen Währungsfonds (IWF) und&#13;
der Weltbank zusammenkommen. Darüber hinaus&#13;
werden Notenbankchef Greenspan und ich eine&#13;
Sondersitzung einer Gruppe von Ministern und&#13;
Zentralbankvorsitzenden aus Industriestaaten, aufstrebenden Volkswirtschaften und Schwellenländern&#13;
einberufen, um über die Architektur zu sprechen. Ich&#13;
werde gleich den amerikanischen Ansatz zu Veränderungen der internationalen Finanzarchitektur&#13;
erläutern, den wir bei diesen Treffen vorstellen,&#13;
während andere Nationen ebenfalls ihre Ideen und&#13;
Vorschläge unterbreiten werden. Ich halte es jedoch&#13;
für wichtig, diese Erörterungen zuvor in einen größeren&#13;
historischen Kontext zu stellen.&#13;
&#13;
Vor einem Jahrzehnt überstieg der Fluß von staatlichem Kapital in die Entwicklungsländer bei weitem den&#13;
Zufluß von Privatkapital. Heute beträgt der jährliche&#13;
Privatkapitalfluß in alle Entwicklungsländer mehr als&#13;
das Siebenfache des Flusses von Staatskapital. 1996&#13;
flössen mehr als 250 Milliarden Dollar Privatkapital in&#13;
die neuentstehenden Märkte - verglichen mit ungefähr&#13;
20 Milliarden vor zehn Jahren. All dies erklärt, warum&#13;
Fluktuationen des thailändischen Bäht oder die&#13;
Hausse der koreanischen Börse jetzt Auswirkungen&#13;
auf Arbeitnehmer, Landwirte und Unternehmer in den&#13;
Vereinigten Staaten und Ländern auf der ganzen Welt&#13;
haben können und täglich Schlagzeilen auf den&#13;
Titelseiten unserer Zeitungen machen. Vor einem&#13;
Jahrzehnt hätte praktisch niemand außerhalb der&#13;
betroffenen Länder davon Notiz genommen.&#13;
&#13;
Während der letzten 10 bis 15 Jahre waren wir Zeuge&#13;
des schnellen Entstehens einer neuen Ära der globalen Wirtschaft und der globalen Finanzmärkte - einer&#13;
Ära, die für Arbeitnehmer, Landwirte und Unternehmer&#13;
auf der ganzen Welt enorme Chancen bietet. Die&#13;
Veränderungen waren dramatisch.&#13;
Eine starke&#13;
Zunahme von Handel, Kapitalfluß, Informations- und&#13;
Technologieaustausch führte zu einer Erhöhung des&#13;
globalen Outputs. Die meisten großen Unternehmen&#13;
sowohl hier in den Vereinigten Staaten als auch&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Die globale Wirtschafts- und Finanzintegration im&#13;
Hinblick auf Handel und Kapitalfluß hat den Vereinigten&#13;
Staaten enorme Vorteile in Form von Exportsteigerungen, besser bezahlten Arbeitsplätzen, einem höheren&#13;
Lebensstandard und niedrigeren Inflationsraten&#13;
gebracht. Der starke Anstieg des Zuflusses von&#13;
Privatkapital in die Entwicklungsländer hat unter&#13;
anderem zur Finanzierung einer großen Zunahme von&#13;
Importen aus den Industrieländern, einschließlich&#13;
unseres Landes, beigetragen. Entwicklungsländer von&#13;
Lateinamerika bis Asien genossen ebenfalls große&#13;
Vorteile, da verstärkte Kapitalflüsse größere Investitio-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�nen finanzierten und einen beträchtlichen Beitrag zu&#13;
den hohen Wachstumsraten in vielen dieser Länder&#13;
leisteten, den Lebensstandard erhöhten und Millionen&#13;
von der Armut befreiten. Die jüngsten Wirtschaftsturbulenzen in Asien sollten beispielsweise nicht von&#13;
dem ablenken, was Asien während der letzten 25&#13;
Jahre erreicht hat. Selbst bei pessimistischeren&#13;
Prognosen wird der Lebensstandard in Korea, Thailand und Indonesien Ende dieses Jahres immer noch&#13;
dreimal so hoch sein wie vor 20 Jahren und die Armut&#13;
weitaus geringer. Trotz der derzeitigen Krise ist das&#13;
Pro-Kopf-Einkommen höher als 1995.&#13;
Wie wir während der letzten Jahre gesehen haben,&#13;
beinhaltet diese neue Ära jedoch nicht nur große&#13;
Chancen und Vorteile, sondern auch neue Herausforderungen und Risiken. Wie effektiv die internationale Staatengemeinschaft diese Herausforderungen&#13;
und Risiken bewältigt, wird in den nächsten Jahren&#13;
große Auswirkungen auf unser wirtschaftliches&#13;
Wohlergehen und das aller Länder haben.&#13;
&#13;
Vor einem halben Jahrhundert, als die Welt einen ganz&#13;
anderen Zeitabschnitt der Geschichte hinter sich ließ,&#13;
forderte Franklin D. Roosevelt die Amerikaner eindringlich auf, ihn bei der Zusammenarbeit mit anderen&#13;
Nationen zur Schaffung internationaler Institutionen zu&#13;
unterstützen, die "den Unterschied zwischen einer&#13;
erneut im Sog von Panik und Wirtschaftskrieg gefangenen Welt... und einer Welt zeigen würden, in der&#13;
alle durch gegenseitiges Vertrauen, Zusammenarbeit&#13;
und Hilfe ein besseres Leben anstreben". Das&#13;
Ergebnis waren die Institutionen von Bretton Woods der Internationale Währungsfonds und die Weltbank denen später noch andere gemeinsame Einrichtungen&#13;
folgten wie die Welthandelsorganisation, Zentralbanknetze und regionale Entwicklungsbanken. Diese&#13;
internationale Architektur unterstützt Wachstum,&#13;
Finanzstabilität und offene Märkte weltweit, was&#13;
Generationen von Amerikanern Vorteile bringt.&#13;
&#13;
Eine große Herausforderung besteht darin, mehr&#13;
Menschen in den Genuß der Vorteile der Weltwirtschaft zu bringen. Trotz des enormen globalen&#13;
Wachstums des vergangenen Jahrzehnts lebt immer&#13;
noch mehr als die Hälfte der Menschen weltweit in&#13;
Armut, und das ist nicht nur ein Problem für die&#13;
betroffenen Länder, sondern für uns alle. Die Entwicklungsländer sind unsere Märkte der Zukunft, und ihr&#13;
wirtschaftliches Wohlergehen fördert das unsere. Hier&#13;
in den Vereinigten Staaten hat die globale Finanzintegration Vorteile für die überwältigende Mehrheit der&#13;
Amerikaner, aber eine oft geäußerte Sorge - die ich&#13;
teile - lautet, daß es in allen Industriestaaten, einschließlich der Vereinigten Staaten, den für den&#13;
Wettbewerb in der globalen Wirtschaft gut Gerüsteten&#13;
immer besser geht, während die nicht so gut Gerüsteten immer weiter zurückfallen.&#13;
&#13;
Während ihrer gesamten Geschichte mußten sich die&#13;
internationalen Finanzinstitutionen an die sich wandelnde globale Wirtschaft anpassen, wobei sie im&#13;
Großen und Ganzen erfolgreich waren. Während der&#13;
letzten Jahre hat sich die Geschwindigkeit des Wandels der globalen Wirtschaft jedoch beschleunigt. Die&#13;
Krise in Asien hat gezeigt, daß äußerst mangelhaft&#13;
funktionierende Finanzsektoren einiger weniger&#13;
Entwicklungsländer und eine unzureichende Risikobeurteilung internationaler Gläubiger und Investoren&#13;
große Auswirkungen auf alle Länder der Erde haben&#13;
können. Früher hätten unsolide makroökonomische,&#13;
finanzpolitische und andere Maßnahmen in aufstrebenden Volkswirtschaften nur wenige Konsequenzen für andere Nationen gehabt. Jetzt kann eine&#13;
unsolide Politik in diesen Ländern Volkswirtschaften&#13;
auf der ganzen Welt schaden - wie es unsere großen&#13;
Haushaltsdefizite in den achtziger Jahren taten -, und&#13;
die Probleme jedes einzelnen Landes sind unser aller&#13;
Probleme.&#13;
&#13;
Die Antwort auf diese Herausforderungen lautet jedoch&#13;
nicht, sich nach innen zu wenden oder die globale&#13;
Wirtschaft zu demontieren, von der so viele profitieren.&#13;
Die Antwort besteht für alle Nationen - einschließlich&#13;
der Vereinigten Staaten - darin, den Benachteiligten&#13;
die erfolgreiche Wiedereingliederung in die Wirtschaft&#13;
zu erleichtern; sich auf Bildung und Ausbildung zu&#13;
konzentrieren, um die Bürger mit den für Erfolg in der&#13;
globalen Wirtschaft erforderlichen Werkzeugen&#13;
auszustatten; Netze sozialer Sicherheit zum Schutz&#13;
derjenigen zu knüpfen, die sonst zurückgelassen&#13;
würden; sich für die umfassende Durchsetzung der&#13;
wichtigsten Arbeitsnormen weltweit einzusetzen sowie&#13;
Demokratie und Menschenrechte zu fördern. Die&#13;
Vorteile der globalen Wirtschaft können nur dann zum&#13;
Tragen kommen, wenn wir und alle anderen Nationen&#13;
im eigenen Land umfassende Unterstützung für eine&#13;
zukunftsorientierte internationale Wirtschaftspolitik&#13;
mobilisieren. Diese Unterstützung wird nur gewährt,&#13;
wenn alle in den Genuß dieser Vorteile kommen.&#13;
&#13;
Aus diesem Grund haben sich die Vereinigten Staaten&#13;
und die internationale Gemeinschaft sogar noch vor&#13;
den Turbulenzen in Asien für eine Stärkung der&#13;
internationalen Finanzarchitektur eingesetzt. Unsere&#13;
Ziele sind klar: Die Förderung von Wachstum in den&#13;
Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen,&#13;
von dem alle profitieren; eine bessere Vermeidung&#13;
zukünftiger Krisen; ihre Bewältigung, wenn sie stattfinden; die Modernisierung der Architektur, damit sie&#13;
an die Märkte angepaßt ist. Die Vereinigten Staaten&#13;
begannen diese Bestrebungen vor vier Jahren beim&#13;
G-7-Treffen in Neapel, und die ersten konkreten&#13;
Schritte wurden in Zusammenarbeit mit anderen&#13;
Nationen beim G-7-Gipfel im darauf folgenden Jahr in&#13;
Halifax eingeleitet. Weitere Fortschritte werden nicht&#13;
den weitreichenden institutionellen Wandel erfordern,&#13;
der 1945 stattfand, aber die internationale Architektur&#13;
muß sich in hohem Maße an die völlig anderen&#13;
Gegebenheiten anpassen, die während des letzten&#13;
Jahrzehnts entstanden und sich umfassend auf die&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Herausforderungen von morgen vorbereiten. Diese&#13;
Anpassung beinhaltet große intellektuelle Komplexität&#13;
und große Komplexität der internationalen Politik. Sie&#13;
wird nicht auf einmal, sondern schrittweise über einen&#13;
längeren Zeitraum erfolgen.&#13;
Es gibt ein ganzes Spektrum von Themen, die sehr&#13;
bedeutend für die Stärke einzelner Volkswirtschaften&#13;
und der globalen Wirtschaft sind - darunter solide&#13;
makroökonomische Maßnahmen, Bildung, Gesundheitsfürsorge und die Umwelt. Ferner gibt es eine&#13;
detaillierte Agenda für Reformen des IWF, die unter&#13;
anderem dessen Kreditvergabeprogramme betrifft.&#13;
Heute möchte ich mich in meinen Ausführungen&#13;
jedoch auf drei Herausforderungen konzentrieren, die&#13;
durch die Finanzkrise in Asien entstanden sind und in&#13;
direktem Zusammenhang mit Finanzstabilität und dem&#13;
Aufbau eines stärkeren globalen Finanzmarktes&#13;
stehen: Erstens die Bereitstellung besserer Informationen durch verbesserte Offenlegung und Transparenz,&#13;
zweitens der Aufbau starker nationaler Finanzsektoren&#13;
und drittens die Schaffung von Mechanismen, damit&#13;
der Privatsektor in größerem Umfang die Konsequenzen seiner Kreditvergabe- und Investitionsentscheidungen trägt, auch in Krisenzeiten.&#13;
&#13;
wirksamen Geschäften auf finanzielle Risiken und&#13;
Verwundbarkeiten besser feststellen und offenlegen.&#13;
Ebenso wichtig wie der Zugang zu guten Informationen&#13;
ist ihr richtiger Einsatz. Risiko- und Kreditbeurteilung&#13;
haben oft nicht mit der Entwicklung neuer Produkte&#13;
und Märkte Schritt gehalten. Tatsächlich waren wir&#13;
während der Krise in Asien überrascht, wie wenige der&#13;
internationalen Gläubiger und Investoren in diesen&#13;
Volkswirtschaften die für die Beurteilung der Risiken&#13;
erforderliche Fachkenntnis und das Wissen hatten.&#13;
Obwohl das in gewissem Ausmaß einfach nur die&#13;
anscheinend unvermeidliche Tendenz der Investoren&#13;
und Gläubiger widerspiegelt, manchmal zu optimistisch&#13;
oder zu pessimistisch zu sein - und manchmal auf&#13;
angemessene Analysen zu verzichten - sollten&#13;
möglichst viele Anreize zu entschiedenem Vorgehen&#13;
gegeben werden, was zumindestens Fragen der&#13;
moralischen Gefahr und Regulierungsmechanismen&#13;
beinhaltet.&#13;
Wenn Gläubiger und Investoren mit&#13;
umfassender analytischer Härte vorgehen, werden die&#13;
Märkte ihre entscheidende Disziplinarfunktion zugunsten einer guten Politik, Offenlegung, starker Finanzsektoren und ähnlichem weitaus effektiver erfüllen.&#13;
&#13;
Das erste wichtige Gebiet sind bessere Informationen.&#13;
Wenn Investoren gut informiert sind, machen sie&#13;
klugen Gebrauch von diesen Informationen, und wenn&#13;
sie davon ausgehen, daß sie die Konsequenzen ihrer&#13;
Aktionen tragen, treffen sie bessere Entscheidungen.&#13;
Das ist gut für sie und kann eine starke Antriebskraft&#13;
für eine solide Außenpolitik sein. Die Politiker einzelner Länder benötigen ebenfalls bessere Informationen, von denen sie sich bei ihren Aktionen leiten&#13;
lassen und die ihnen helfen, potentielle Probleme&#13;
vorauszusehen.&#13;
&#13;
Sogar vor der Krise in Asien beteiligten wir uns an&#13;
intensiven Bestrebungen zur Verbesserung von&#13;
Qualität und Quantität der internationalen Wirtschaftsund Finanzinformationen, einschließlich größerer&#13;
Transparenz des IWF. Viele Länder veröffentlichen&#13;
jetzt als Ergebnis dieser Bestrebungen mehr und&#13;
bessere Daten, und der IWF zeigt mehr Offenheit im&#13;
Hinblick auf seine Analysen. Die Ereignisse in Asien&#13;
haben jedoch die Notwendigkeit zur Stärkung dieser&#13;
Initiativen gezeigt. Wir schlagen hierzu vier Schritte&#13;
vor.&#13;
&#13;
Es gibt jedoch Hindernisse bei der Beschaffung&#13;
wichtiger Informationen über Wirtschafts- und Finanzfragen. Eines ist die Versuchung - im Privatsektor und&#13;
in der Regierung - die Aufdeckung von Problemen zu&#13;
vermeiden. Wie wir in Asien gesehen haben, machen&#13;
sich Probleme jedoch früher oder später bemerkbar und in der Zwischenzeit werden sie nur noch gravierender. In den krisengeschüttelten asiatischen&#13;
Volkswirtschaften wurde das wachsende Ausmaß der&#13;
Probleme durch äußerst effektive Strategien für&#13;
jahrelanges schnelles Wachstum verborgen. In vielen&#13;
Fällen bedeutete der Mangel an Daten, daß niemand&#13;
diesen starken Zuwachs oder die Schwächen dieser&#13;
Volkswirtschaften wirklich verstand.&#13;
&#13;
Erstens müssen weitaus mehr Wirtschafts- und&#13;
Finanzdaten zur Verfügung gestellt werden. Es ist&#13;
insbesondere von Bedeutung, gute Informationen über&#13;
die externen Verbindlichkeiten des öffentlichen und&#13;
Privatsektors zu erhalten. Die speziellen Datenweitergabestandards des IWF sollten von den Ländern&#13;
verlangen, einen vollständigen Überblick über verfügbare Zentralbankreserven zu geben, einschließlich&#13;
aller Terminverbindlichkeiten, Fremdwährungsverbindlichkeiten der Geschäftsbanken sowie der Indikatoren&#13;
für die Gesundheit des Finanzsektors. Die Bank für&#13;
internationalen Zahlungsausgleich sollte ihre Berichterstattung über grenzüberschreitende Bankgeschäfte&#13;
ausweiten, damit bessere, umfassendere und rechtzeitigere Daten über die externe Kreditvergabe an ein&#13;
Land zur Verfügung stehen. Regierungen und internationale Finanzinstitutionen müssen den Investoren&#13;
auch besseren Zugang zu diesen Daten verschaffen,&#13;
insbesondere durch das Internet.&#13;
&#13;
Ein weiteres Hindernis ist die Schwierigkeit, relevante&#13;
Informationen rechtzeitig zu erhalten. Auf den modernen, äußerst komplexen globalen Finanzmärkten&#13;
benötigen Investoren und Politiker eine größere Vielfalt&#13;
von Informationen als je zuvor.&#13;
Beispielsweise&#13;
müssen öffentliche und private Einrichtungen die&#13;
Auswirkungen von Derivaten und anderen bilanzun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Zweitens müssen wir prüfen, wie ein breiteres Spektrum qualitativ hochwertiger Informationen über Fragen&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�des Finanzsektors beschafft und veröffentlicht werden&#13;
kann, die das Risiko von Investitionen in aufstrebenden Märkten betreffen, einschließlich Details über&#13;
Bankenaufsicht, Konkursverfahren, eventuell über die&#13;
Rechtssysteme, Kreditkultur und Qualität des Banksektors. Wir müssen jetzt die zahlreichen schwierigen&#13;
Fragen im Zusammenhang mit diesen Punkten lösen,&#13;
beispielsweise wie sie am besten beschrieben werden&#13;
und wer diese Funktion erfüllen sollte.&#13;
Um diese Bestrebungen zur Offenlegung zu unterstützen, sollte der Privatsektor seine eigenen Gedanken zu den Daten und Informationen unterbreiten, die&#13;
er am nützlichsten erachten würde und Wege aufzeigen, um die umfassendere Nutzung der verfügbaren Informationen sowie die damit einhergehende&#13;
Konzentration auf die Risiken zu ermutigen.&#13;
Drittens muß der IWF seine Analysen und Kreditvergabekonditionen transparenter gestalten. Das&#13;
beinhaltet die häufigere und regelmäßige Veröffentlichung einer Reihe von IWF-Dokumenten, Analysen&#13;
und Absichtserklärungen. Während größere Transparenz unerläßlich ist, um den Investoren zu einem&#13;
fundierten Urteil über potentielle Probleme zu verhelfen, ist die Übertragung der Verantwortung auf den&#13;
IWF, öffentlich offizielle Warnungen vor einer Krise&#13;
auszusprechen, nicht unerläßlich. Obwohl es möglich&#13;
ist, Probleme auszumachen, die sich zu Schwierigkeiten und gelegentlich zu Krisen ausweiten können,&#13;
ist es unseres Erachtens nicht möglich, die Ausweitung&#13;
zu einer Krise zuverlässig vorherzusagen.&#13;
Viertens müssen wir die Anreize für die Länder zur&#13;
Verbesserung der Transparenz erhöhen. Die Disziplin&#13;
des Marktes ist immer der beste und mächtigste Anreiz&#13;
und kann hier auf eine bessere Offenlegung hinarbeiten. Analysten und die Kreditwürdigkeit einschätzende Behörden müssen auch die Verfügbarkeit&#13;
und Qualität von Daten und Informationen im Auge&#13;
behalten, wenn sie über die Kreditwürdigkeit und&#13;
Bereitstellung von Vermögenswerten entscheiden.&#13;
Darüber hinaus sollten der IWF und andere internationale Finanzinstitutionen ihrer Besorgnis über große&#13;
Lücken bei der Offenlegung einzelner Länder öffentlich&#13;
Ausdruck verleihen und in Erwägung ziehen, die&#13;
Vergabe von Krediten an ein Land von seiner Bereitschaft zur Verbesserung der Transparenz abhängig zu&#13;
machen.&#13;
Der zweite kritische Bereich, auf den wir uns konzentrieren, ist die Stärkung der nationalen Finanzsysteme.&#13;
Ein gemeinsames Element der von der Krise in Asien&#13;
betroffenen Länder - und abgesehen davon praktisch&#13;
aller Länder, die Finanzkrisen durchmachen - ist ein&#13;
äußerst mangelhaft funktionierender nationaler&#13;
Finanzsektor.&#13;
Die Entwicklung eines starken Finanzsystems, das&#13;
den Herausforderungen eines globalen Finanzmarkts&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
gerecht wird, ist ein langer und schwieriger Prozeß.&#13;
Die uns in den Vereinigten Staaten zur Verfügung&#13;
stehenden Institutionen und Gesetze für die Aufsicht&#13;
über unser nationales Finanzsystem wurden über&#13;
einen Zeitraum von Hundert Jahren entwickelt und&#13;
müssen konstant auf den neuesten Stand gebracht&#13;
werden. Auch wir hatten enorme Probleme auf dem&#13;
Finanzsektor mit der Krise unserer Spar- und Darlehenskassen in den achtziger Jahren. Diese Krise&#13;
entstand zum Teil aus der mangelhaften Aufsicht über&#13;
diese Institutionen, als sie neue Dienstleistungen&#13;
übernahmen, und der Verzögerung beim Ergreifen&#13;
entschiedener Korrektivmaßnahmen. Der Aufbau&#13;
starker Finanzsektoren wird zweifelsohne der Schlüssel zu finanzieller Stabilität und Wachstum der aufstrebenden Volkswirtschaften sein.&#13;
Angesichts der Auswirkungen, die schwache Finanzsysteme international haben können, ist es an der Zeit&#13;
für einen systematischeren Ansatz zur Stärkung&#13;
nationaler Finanzsysteme, der eine umfassendere&#13;
Einschätzung der Verletzbarkeit nationaler Finanzsysteme und Schritte zur Förderung von Reformen&#13;
beinhaltet. Um dies zu tun, müssen wir in folgenden&#13;
Bereichen aktiv werden.&#13;
Erstens müssen wir eine vollständigere Reihe globaler&#13;
Standards entwickeln, von denen die Bestrebungen&#13;
der jeweiligen Regierungen geleitet werden. Als&#13;
Ergebnis der Initiativen von Halifax hat das Basler&#13;
Komitee jetzt die "Grundprinzipien für effektive Bankenaufsicht" erarbeitet. IOSCO, die Organisation, die&#13;
Vertreter der Regulierungsbehörden aus der ganzen&#13;
Welt zusammenbringt, ist bereits dabei, eine analoge&#13;
Reihe von Prinzipien für die Aufsicht über Wertpapierfirmen zu entwickeln. Unserer Ansicht nach&#13;
sollten die Grundprinzipien jedoch für zusätzliche&#13;
Bereiche erarbeitet und angenommen werden, die die&#13;
Stärke eines Finanzsystems betreffen, einschließlich&#13;
Konkursregimen, Rechnungs- und Offenlegung,&#13;
Klassifizierung von Kreditvergabe und Unternehmensführung insgesamt. Andere Praktiken, die angenommen werden müssen, sind die bessere Handhabung&#13;
von Kreditrisiken, die Inangriffnahme der Probleme der&#13;
direkten und indirekten Kreditvergabe, nicht übereinstimmende Fälligkeiten und Währungen sowie die&#13;
Ermutigung einer starken Kreditkultur und der erforderlichen Qualität des Banksystems einer Nation.&#13;
Verschiedene Länder tun das in unterschiedlicher&#13;
Weise und werden das auch in Zukunft tun, wir&#13;
müssen uns jedoch auf bestimmte international&#13;
akzeptable Standards von hoher Qualität einigen.&#13;
Zweitens müssen wir die Lücke in der heutigen&#13;
internationalen Architektur schließen und eine internationale Überwachung der finanziellen Regulierungsund Aufsichtssysteme der Länder bereitstellen, so wie&#13;
der IWF jetzt die makroökonomischen Maßnahmen&#13;
überwacht. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher&#13;
Wege, dies zu tun - vielleicht über eine gemeinsame&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Initiative mit dem IWF und der Weltbank unter Verwendung des vorhandenen Fachwissens der Vertreter der&#13;
Regulierungsbehörden. Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, den geeigneten Weg zu finden, um&#13;
diese Lücke zu schließen.&#13;
Erweiterte Überwachung wird nationale Behörden&#13;
dazu veranlassen, ihre Praktiken auf international&#13;
akzeptable Niveaus zu bringen, wie ich es in den von&#13;
mir gerade erörterten Standards dargelegt habe, und&#13;
Finanzrisiken verringern.&#13;
Diese Einschätzungen&#13;
können das Fundament für politische Diskussionen&#13;
und gegebenenfalls die geeignete Hilfe des IWF und&#13;
der multilateralen Entwicklungsbanken für Programme&#13;
zur Stärkung der Finanzsysteme legen.&#13;
Darüber&#13;
hinaus sollten Analysen dieser Art in die Schlüsseldokumente einfließen, die der IWF unserer Ansicht nach&#13;
systematischer veröffentlichen sollte. Das würde dann&#13;
die stärkste Initiative - die Märkte - ins Spiel bringen.&#13;
Drittens sollten wir die Prüfung anderer Initiativen in&#13;
Erwägung ziehen, die Einfluß auf die Stärkung von&#13;
Finanzsystemen haben könnten. Die Behörden in&#13;
größeren Finanzzentren könnten beispielsweise ein&#13;
starkes Aufsichtsregime im Heimatland zur Bedingung&#13;
für den Zugang von Banken aus anderen Ländern zu&#13;
ihren Märkten machen, wie es durch die Einhaltung&#13;
der Basler Grundprinzipien demonstriert wird, plus aller&#13;
entsprechenden zusätzlich entwickelten Standards.&#13;
Ich möchte auch noch auf zwei weitere Punkte in&#13;
Bezug auf Finanzsektoren und Kapitalmärkte verweisen. Die Erfahrung lehrt, daß die Stärke von&#13;
Finanzsystemen wesentlich verbessert wird, wenn&#13;
Länder ausländischen Anbietern von Finanzdienstleistungen den Zugang zu ihren Märkten gestatten mit all dem Wettbewerb, Kapital und der Erfahrung, die&#13;
sie mitbringen. Das jüngste WTO-Abkommen über&#13;
Finanzdienstleistungen ist in diesem Zusammenhang&#13;
ein großer Schritt nach vorne.&#13;
Während Versuche zur Begrenzung des Kapitalzuflusses wie Chiles Kontrollen bei kurzfristig angelegtem Kapital darüber hinaus von einigen befürwortet&#13;
werden, ist es von entscheidender Bedeutung unabhängig von den Vor- oder Nachteilen solcher&#13;
Maßnahmen - daß diese Art von Ansatz politische&#13;
Entscheidungsträger nicht von der Umsetzung der&#13;
zugrundeliegenden soliden Maßnahmen ablenkt, die&#13;
die wirkliche Grundlage für Stabilität und Wachstum&#13;
sind. In diesem Zusammenhang könnte es sich als&#13;
nützlich erweisen, niedrigere, vernünftige Zinsobergrenzen für Banken zu prüfen, um eine übermäßige&#13;
Anhäufung von kurzfristigen Fremdwährungsverbindlichkeiten zu verhindern.&#13;
Der dritte und letzte entscheidende Bereich, den ich&#13;
heute erörtern möchte, ist die Entwicklung effektiver&#13;
Mechanismen für Gläubiger und Investoren, damit sie&#13;
die Konsequenzen ihrer Aktionen vollständiger&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
übernehmen. Wir können nicht ganz verhindern, daß&#13;
Krisen entstehen. Wenn Krisen entstehen, wie vor&#13;
kurzem in Asien, ist die Bereitstellung von zeitlich&#13;
begrenzter finanzieller Unterstützung durch den IWF&#13;
unter der Bedingung, daß die Länder eine solide Politik&#13;
verfolgen, unerläßlich für die Atempause, die diese&#13;
Länder zur Stabilisierung ihrer Währungen, die&#13;
Wiederherstellung des Vertrauens in den Markt und&#13;
erneutes Wachstum benötigen. Sie begrenzt das&#13;
Risiko, daß sich die Krise verschärft oder ausweitet.&#13;
Aber - und hier wird es immer schwierig sein, ein&#13;
Gleichgewicht herzustellen - der Privatsektor muß die&#13;
Konsequenzen seiner Entscheidungen in Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Finanzstabilität&#13;
uneingeschränkt tragen.&#13;
Man sollte sich aus zwei Gründen darauf konzentrieren, daß der Privatsektor die Konsequenzen für&#13;
seine Aktionen übernimmt. In einer Welt, in der jeden&#13;
Tag Billionen von Dollar durch die internationalen&#13;
Märkte fließen, wird es einfach nicht genug offizielle&#13;
Finanzmittel für die Krisen geben, die entstehen&#13;
können. Auch bei der internationalen Hilfe gibt es ein&#13;
Risiko, das Ökonomen als "moralische Gefahr"&#13;
bezeichnen. Das heißt, daß die Bereitstellung von&#13;
offizieller Finanzhilfe die Gläubiger und Investoren vor&#13;
den Konsequenzen schlechter Entscheidungen schützt&#13;
und die Saat künftiger Krisen sät. Ein gewisser Schutz&#13;
der Gläubiger könnte ein unvermeidliches Nebenprodukt des übergreifenden Ziels der Wiederherstellung der Finanzstabilität sein, aber dieser Schutz&#13;
sollte so gering wie möglich gehalten werden.&#13;
Wenn Investoren mehr Verantwortung für ihre Aktionen&#13;
übernehmen, haben sie einen besseren Anreiz, die&#13;
Risiken richtig zu analysieren und abzuwägen. Das&#13;
wiederum wird in allen Ländern - einschließlich&#13;
unseres eigenen - eine gute Politik fördern und zur&#13;
Verhinderung von Instabilität und Krisen beitragen.&#13;
Die Märkte sind eine mächtige Kraft, und unser Ziel&#13;
muß im besseren Funktionieren der Märkte bestehen,&#13;
während weiterhin die unerläßliche internationale&#13;
Unterstützung für krisengeschüttelte Märkte und der&#13;
Schutz von einer Ausweitung der Krise bereitgestellt&#13;
werden.&#13;
Der Privatsektor kann auf vielfältige Weise einbezogen&#13;
werden, wenn der IWF in Krisenzeiten Nothilfe für ein&#13;
Land leistet, wie die jüngsten Fälle in Asien gezeigt&#13;
haben. In Korea streckten die internationalen Banken&#13;
einen beträchtlichen Teil der ausstehenden Kredite&#13;
und handelten sie neu aus, während der IWF Korea&#13;
einen Nothilfefonds unter Zuhilfenahme seiner neuen&#13;
Kreditfazilität mit kurzfristigen hohen, an durchgreifendere Maßnahmen gebundenen Zinsen anbot. In&#13;
Indonesien verhandeln die ausländischen Banken jetzt&#13;
mit einem Komitee, das die Unternehmensschuldner&#13;
des Privatsektors vertritt, während das Indonesienprogramm mit dem IWF darauf abzielt, ein stabileres&#13;
makroökonomisches Umfeld zu schaffen.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Obwohl die ganze Frage der Einbeziehung des&#13;
Privatsektors äußerst kompliziert ist - und es gibt viele&#13;
Bereiche, die noch nicht vollständig erforscht sein&#13;
könnten - möchte ich nur einige Anmerkungen zu&#13;
möglichen Mechanismen machen.&#13;
Im allgemeinen würde die Förderung neuer, flexiblerer&#13;
Formen von Schuldenabkommen und -vertragen einen&#13;
Rahmen für direkte Verhandlungen zwischen Gläubigern und Investoren bieten. Darüber hinaus sollte der&#13;
IWF die Kreditvergabe für Zahlungsrückstände&#13;
sondieren - mit anderen Worten, der IWF sollte&#13;
weiterhin die Finanzierung für Länder bereitstellen,&#13;
selbst wenn diese Länder mit der Bezahlung von&#13;
Schulden an private Gläubiger im Rückstand sind - um&#13;
eine Situation zu schaffen, in der Schuldner und&#13;
Gläubiger die Dinge selbst aushandeln. Ein umfassenderes internationales Konkursregime irgendeiner Art&#13;
könnte große Anziehungskraft haben, aber die politischen Hindernisse könnten sich - zumindest beim&#13;
derzeitigen Wissensstand - als unüberwindbar erweisen. Starke Konkursgesetze und -Institutionen, die&#13;
die Beziehungen zwischen Schuldner und Gläubiger&#13;
abdecken, könnten jedoch bedeuten, daß Unternehmenskonkurse eine bessere Chance haben,&#13;
schnell und mit weniger Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt gelöst zu werden. Die Regierungen&#13;
könnten dann den Umfang offizieller Garantien&#13;
verringern, um ein gesunderes Umfeld zu schaffen,&#13;
damit Unternehmensschulden nicht geschützt werden,&#13;
und dort, wo es angemessen ist, Banken in Konkurs&#13;
gehen können. Es wurden auch verschiedene Versicherungspläne für Gläubiger unterbreitet, aber keiner&#13;
der bisher vorgeschlagenen scheint effektiv zu sein,&#13;
und einige könnten eine zusätzliche moralische Gefahr&#13;
darstellen.&#13;
Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich ein wichtiges vordringliches Thema ansprechen. Der IWF hat&#13;
eine zentrale Rolle bei den Bestrebungen zur Wiederherstellung der Finanzstabilität im Hinblick auf&#13;
Krisen in den kommenden Jahren gespielt - Themen,&#13;
die von entscheidender Bedeutung für das wirt-&#13;
&#13;
schaftliche Wohlergehen des amerikanischen Volkes&#13;
sind. Dies alles unterstreicht die Notwendigkeit, daß&#13;
der Kongreß - wie vom Präsidenten gefordert - die&#13;
vollständige Finanzierung des IWF genehmigt. Infolge&#13;
der jüngsten Situation in Asien nähern sich die&#13;
normalen Finanzressourcen des IWF einem historischen Tiefstand. Der IWF könnte nicht die Kapazität&#13;
haben, effektiv zu reagieren, wenn sich die Krise in&#13;
Asien verschärft, sich auf andere Entwicklungsländer&#13;
auf der ganzen Welt ausweitet, oder wenn kurzfristig&#13;
eine neue Krise entstünde. Jeder Tag, an dem diese&#13;
Situation anhält, ist ein weiterer Tag, an dem amerikanische Arbeitnehmer, Landwirte und Unternehmer&#13;
verletzbar sind. Der Kongreß sollte handeln, und zwar&#13;
jetzt. Und unsere Fähigkeit, den IWF zu beeinflussen,&#13;
sich mit diesen neuen Herausforderungen zu befassen, hat wiederum Auswirkungen auf unsere Fähigkeit,&#13;
den IWF mit den erforderlichen Mitteln zu unterstützen.&#13;
Wie ich bereits ausführte, müssen wir viele Schritte&#13;
unternehmen, um eine starke globale Wirtschaft&#13;
aufzubauen, von der jeder profitiert. Aber die Ziele, die&#13;
ich heute umrissen habe - bessere Information, ein&#13;
stärkeres nationales Finanzsystem und Mechanismen,&#13;
damit der Privatsektor die Konsequenzen seiner&#13;
Investitionsentscheidungen in vollerem Umfang&#13;
übernimmt - sind entscheidende Elemente bei der&#13;
Stärkung der Architektur des internationalen Finanzsystems, insbesondere im Hinblick auf die Verhinderung von finanzieller Instabilität und Krisen sowie&#13;
deren Handhabung.&#13;
Fortschritte erfordern Zeit, eine enorme Menge von&#13;
Energie seitens der internationalen Gemeinschaft und&#13;
in unserem Land enge Zusammenarbeit zwischen dem&#13;
Kongreß und der Administration. Aber unser Erfolg bei&#13;
der Bewältigung der Herausforderung einer Stärkung&#13;
der internationalen Finanzarchitektur wird auf Jahrzehnte hinaus entscheidend für den globalen Wohlstand - und das wirtschaftliche Wohlergehen unseres&#13;
Landes - sein.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�UMWELT&#13;
22. April 1998&#13;
&#13;
Innovationen in den Vereinigten Staaten und das&#13;
amerikanische Engagement für den Umweltschutz&#13;
Rede des Gesandten Michael C. Polt&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Gesandte der Botschaft der Vereinigten Staaten&#13;
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, am 20. April 1998 an der Bonner Universität&#13;
gehalten hat.&#13;
&#13;
Ich freue mich über das Interesse an der heutigen&#13;
Veranstaltung. Wenn Sie wüßten, welche Erfahrungen&#13;
ich vor kurzem während der "Woche der Erde" gemacht habe, wüßten Sie, wie sehr ich mich freue,&#13;
heute hier zu sein. Während meiner letzten drei Jahre&#13;
in der Schweiz habe ich zusammen mit einigen&#13;
Kollegen der Amerikanischen Botschaft und des Amts&#13;
für Stadtreinigung in orangefarbenen Overalls bei der&#13;
Säuberung des Ufers der Aare in Bern mitgeholfen.&#13;
(Ja, sogar in der Schweiz gibt es Müll!) Es machte mir&#13;
nichts aus "anzupacken", wie es in den siebziger&#13;
Jahren in dem amerikanischen Slogan gegen die&#13;
Umweltverschmutzung hieß, aber es ist sehr viel&#13;
wichtiger für mich, heute hier zu sein.&#13;
Ich möchte gleich zu Anfang einräumen, daß ich kein&#13;
Umweltexperte bin. Wie viele von Ihnen in diesem&#13;
Raum bin auch ich sozusagen ein "Umweltkonsument"&#13;
- ein Konsument der Schönheit der Natur, sauberer&#13;
Luft und einer gesunden Umgebung. Als Vater von&#13;
zwei Kindern mache ich mir Sorgen über die Auswirkungen, die der Mensch auf den Planeten hat. Und&#13;
als Diplomat bin ich schließlich an der Förderung von&#13;
internationaler Zusammenarbeit und einer Lerngemeinschaft für den Umweltschutz interessiert.&#13;
I. Das US-Außenministerium und Umweltdiplomatie&#13;
Ich freue mich, berichten zu können, daß der Umweltschutz im Jahr 1996 zu einem expliziten außenpolitischen Anliegen der Vereinigten Staaten wurde.&#13;
Damals gab Außenminister Warren Christopher&#13;
bekannt, daß das Außenministerium die Federführung&#13;
bei die gesamte US-Regierung umfassenden Bestre-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
bungen übernehmen würde, die globalen Umweltherausforderungen anzugehen. Christopher formulierte&#13;
das Problem folgendermaßen: "Die Vereinigten&#13;
Staaten übernehmen die Führungsrolle bei der&#13;
Förderung von Frieden und Wohlstand weltweit. Wir&#13;
müssen auch beim Schutz der globalen Umwelt&#13;
führend sein, von der Wohlstand und Frieden letztlich&#13;
abhängen."&#13;
Diese Initiative wurde von Außenministerin Albright&#13;
fortgesetzt und erweitert. Jedes Jahr gibt das Außenministerium am "Tag der Erde" eine auf den neusten&#13;
Stand gebrachte Version seines Berichts mit dem Titel&#13;
Environmental Diplomacy heraus. Dieser Bericht soll&#13;
nicht nur die politischen Entwicklungen, sondern auch&#13;
die Herausforderungen und Prioritäten für das kommende Jahr hervorheben. Sie können ihn in dieser&#13;
Woche auf der Homepage des Außenministeriums und&#13;
der unserer Botschaft lesen.&#13;
Eine weitere Initiative des Außenministeriums ist&#13;
institutioneller Art. Wir haben ungefähr ein Dutzend&#13;
regionaler Zentren eingerichtet, die Umweltthemen in&#13;
die Außenpolitik integrieren sollen. Das sind Büros in&#13;
unseren Botschaften, die sich auf grenzüberschreitende Umweltprobleme konzentrieren - Probleme, die nur&#13;
gelöst werden können, wenn die betroffenen Nationen&#13;
miteinander kooperieren. Obwohl alle Zentren einen&#13;
gemeinsamen Ansatz bezüglich der Hilfestellung für&#13;
andere Nationen bei der Zusammenarbeit haben, wird&#13;
jedes Zentrum die vordringlichsten Umweltprobleme in&#13;
Angriff nehmen, die spezifisch für seine Region sind.&#13;
Beim zentralasiatischen Zentrum in Taschkent liegt&#13;
beispielsweise das Hauptaugenmerk auf den wasserbezogenen Problemen des Aralsees. In Addis Abeba&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�liegt das Augenmerk auf Desertifikation, Entwaldung,&#13;
Artenvielfalt und Wassernutzung.&#13;
&#13;
der Ansicht, daß das Ozonloch sich bald nach der&#13;
Jahrhundertwende zu schließen beginnt.&#13;
&#13;
Dieses System von Zentren spiegelt die Hauptgründe&#13;
wider, aus denen Diplomaten sich für den Umweltschutz engagieren sollten:&#13;
&#13;
In einem weiteren wichtigen Bereich - der Luftqualität bieten die Vereinigten Staaten technisches Fachwissen an und fördern den Export von sauberen Technologien, um anderen Nationen bei der Verbesserung&#13;
ihrer Luft und öffentlichen Gesundheit behilflich zu&#13;
sein. In Osteuropa sind wir besonders aktiv. Dort&#13;
haben Jahrzehnte der Nutzung von Kohlekraftwerken&#13;
zusammen mit mangelnder Umweltregulierung die&#13;
Luftqualität ernsthaft verschlechtert. Zusammen mit&#13;
der EU und Ungarn haben die Vereinigten Staaten&#13;
entscheidend an der Einrichtung des regionalen&#13;
Umweltzentrums für Zentral- und Osteuropa in Budapest mitgewirkt. Dieses Zentrum hat eine führende&#13;
Rolle im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit kommunalen und nationalen Regierungen übernommen,&#13;
sowohl direkt als auch über Nichtregierungsorganisationen, um bei der Erarbeitung strenger Umweltbestimmungen über Luftqualität und der Durchsetzung&#13;
dieser Bestimmungen zu helfen.&#13;
&#13;
Umweltverschmutzung macht nicht vor internationalen Grenzen halt,&#13;
Ressourcenknappheit hat das Potential,&#13;
internationale Konflikte auszulösen und&#13;
Diplomatie kann ein wichtiges Instrument bei&#13;
der Bewältigung der umweltpolitischen Herausforderungen der Welt sein.&#13;
Obwohl dies ein relativ neuer Aufgabenbereich des&#13;
Außenministeriums ist, ist es auch ein ziemlich natürliches Unternehmen für uns. Wir möchten die Dinge&#13;
bewegen und einen maßgeblichen Unterschied&#13;
bewirken.&#13;
II. Die Bilanz&#13;
Die Umweltdiplomatie des US-Außenministeriums ist&#13;
nur ein Teil eines sehr viel größeren Netzes amerikanischer Initiativen zum Schutz der Artenvielfalt,&#13;
Verringerung toxischer Chemikalien, Bekämpfung der&#13;
Auswirkungen des Klimawandels und Pflege von&#13;
Ozeanen und Wäldern.&#13;
Ich möchte einige spezifische Leistungen erwähnen,&#13;
die im In- und Ausland sowohl auf unilateraler Ebene&#13;
als auch im Rahmen eines internationalen Regimes&#13;
erbracht wurden.&#13;
Im Interesse der Artenvielfalt verhängten die Vereinigten Staaten 1994 Sanktionen gegen Taiwan, um&#13;
Tiger und Nashörner zu schützen. Der lukrative&#13;
Handel mit ihren Körperteilen und Produkten hat sie in&#13;
vielen Gegenden an den Rand des Aussterbens&#13;
gebracht - trotz des Verbots dieses Handels gemäß&#13;
der Konvention über den internationalen Handel mit&#13;
gefährdeten Arten. Als Reaktion auf unsere Aktion&#13;
unternahm Taiwan dramatische Schritte zur Eindämmung des gesamten illegalen Handels mit wildlebenden Tieren, einschließlich des Handels mit Tigerknochen und dem Hörn der Nashörner. Taiwans&#13;
herausragende Verpflichtung zur Bewältigung dieses&#13;
gravierenden Problems gestattete den Vereinigten&#13;
Staaten die Aufhebung der Handelssanktionen.&#13;
Die Beteiligung an multilateralen Regimen ist ebenfalls&#13;
ein wichtiger Teil der amerikanischen Umweltpolitik.&#13;
Als Unterzeichner des Montrealer Protokolls von 1987&#13;
haben wir zur drastischen Reduzierung der Emission&#13;
von die Ozonschicht zerstörenden Substanzen in die&#13;
Atmosphäre beigetragen. Aufgrund dieses bahnbrechenden Abkommens sind die Wissenschaftler jetzt&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Durchsetzung ist ein wichtiges Element des&#13;
amerikanischen Ansatzes zum Schutz der Umwelt. Im&#13;
vergangenen Jahr erweiterte das amerikanische&#13;
Umweltschutzamt - das EPA - den Einsatz einer neuen&#13;
Maßnahme beträchtlich, die die Industrie zur Offenlegung und Behebung von Verstößen gegen Umweltvorschriften ermutigte. Aber hier wird mit "Zuckerbrot und&#13;
Peitsche" hantiert: Das EPA unternimmt beispiellose&#13;
Anstrengungen, um der Industrie Hilfe zur Verfügung&#13;
zu stellen und die freiwillige Offenlegung von Verstößen gegen Umweltbestimmungen zu ermutigen.&#13;
Das ist das Zuckerbrot. Gleichzeitig hat das EPA den&#13;
Einsatz der "Peitsche" stark erweitert, um die Einhaltung der Umweltgesetze durch die Industrie sicherzustellen. Die Bilanz des EPA ist beeindruckend: Im&#13;
vergangenen Jahr verhängte das amerikanische&#13;
Justizministerium das höchste Strafmaß insgesamt in&#13;
seiner Geschichte im Zivil- und Strafprozeßrecht für&#13;
Verstöße gegen Umweltvorschriften über einen&#13;
Zeitraum von einem Jahr hinweg.&#13;
Die Durchsetzung ist natürlich unabdingbar. Aber die&#13;
Vereinigten Staaten glauben an die Macht von Anreizen. Vorrangig dabei sind marktorientierte Mechanismen, auf die ich gegen Ende meiner Ausführungen&#13;
im einzelnen eingehen werde. Im Augenblick genügt&#13;
es zu sagen, daß sie zu den innovativsten - und&#13;
vielversprechendsten - Merkmalen der amerikanischen&#13;
Umweltpolitik zählen. Wir haben gelernt, daß die&#13;
Kosten für den Umweltschutz entschieden niedriger&#13;
sind, wenn die Regierung den Umweltschutz für die&#13;
Industrie so attraktiv wie möglich macht.&#13;
Anreize können staatliche Regulierung auch ergänzen.&#13;
Die US-Regierung ermutigt beispielsweise Firmen, in&#13;
ihren Sektoren oder Fachbereichen eine Führungsrolle&#13;
in Umwelttechnologie zu übernehmen. Das EPA hat&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�eine neue Webseite geschaffen, die Erfolgsgeschichten bei der Verhinderung von Umweltverschmutzung&#13;
auflistet. Die Geschichten erzählen von technologischen und verwaltungstechnischen Veränderungen Geschichten, die zur Verbreitung dessen beitragen,&#13;
was sie als einzelne Unternehmen zum Schutz der&#13;
Umwelt tun. Hier in Deutschland weiß man, daß die&#13;
Verbraucher die Unternehmen belohnen, denn das&#13;
war die ursprüngliche Idee hinter dem System "Der&#13;
grüne Punkt" für das Recycling. Damit wird den&#13;
Verbrauchern die Macht gegeben, Hersteller zu&#13;
belohnen, die den Umweltschutz ernst nehmen.&#13;
&#13;
Käufer von extrem verbrauchsarmen Fahrzeugen erhalten einen Steuerfreibetrag von&#13;
3.000 bis 4.000 Dollar.&#13;
&#13;
Hier einige der jüngsten Maßnahmen der Vereinigten&#13;
Staaten beim Umweltschutz. Sie können einer langen&#13;
Liste von Bestrebungen hinzugefügt werden:&#13;
&#13;
Im Lauf von fünf Jahren sollen diese steuerlichen Anreize insgesamt 6,3 Milliarden Dollar&#13;
betragen.&#13;
&#13;
Im vergangenen Jahr haben wir den 25.&#13;
Jahrestag des Gesetzes über die Reinhaltung&#13;
des Wassers gefeiert. Ich möchte nicht so&#13;
tun, als hätten wir nicht eine große Hürde zu&#13;
überwinden gehabt: Einige von Ihnen erinnern&#13;
sich vielleicht, daß der Fluß Cuyahoga in Ohio&#13;
tatsächlich Feuer gefangen hat und der Hudson einen Bakteriengehalt hatte, der um das&#13;
170-fache zu hoch war. Die Amerikaner&#13;
sagten in den siebziger Jahren, "genug ist&#13;
genug", und heute haben sie nicht nur Anspruch auf saubereres Wasser, sondern auch&#13;
auf Beurteilungen der Sicherheit ihres lokalen&#13;
Trinkwassers, die den Verbrauchern von&#13;
ihrem Wasserwerk zugeschickt werden. Und&#13;
erst vor zwei Monaten stockte Präsident&#13;
Clinton seinen Aktionsplan Sauberes Wasser&#13;
um über 500 Millionen Dollar auf. Damit wird&#13;
der Weg zu saubererem Wasser fortgesetzt.&#13;
&#13;
Präsident Clinton stellte ferner 2,7 Milliarden Dollar für&#13;
zusätzliche Forschung und die Entwicklung neuer,&#13;
energieeffizienter Technologien zur Verfügung. Das ist&#13;
von entscheidender Bedeutung. Ich möchte dies&#13;
betonen: Neue Technologien sind von entscheidender&#13;
Bedeutung. Wenn wir Wissenschaft, Technologie und&#13;
Wissen optimal nutzen, können wir unsere Volkswirtschaften ankurbeln und die Qualität der Umwelt&#13;
verbessern. Im vergangenen Jahr wurde ein Durchbruch in der Brennstoffzellentechnologie bekanntgegeben, der den Weg zur Entwicklung von Autos&#13;
ebnen wird, die doppelt soviel Energie sparen wie die&#13;
heutigen Modelle. Da es in unseren Gesellschaften&#13;
einfach nicht möglich ist, auf das Auto zu verzichten,&#13;
birgt diese Technologie große Versprechen. Sie kann&#13;
nicht nur zu einer Verringerung der Verschmutzung&#13;
führen, sondern auch zur Senkung der Kosten des&#13;
Autofahrens.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten waren international&#13;
führend dabei, im Jahr 1975 Katalysatoren für&#13;
neue Autos zur Vorschrift zu machen.&#13;
Und schließlich sagen Sie in Deutschland&#13;
"Recycling", weil es eines dieser typisch&#13;
amerikanischen Phänomene war, das von&#13;
anderen Ländern übernommen und sogar&#13;
verbessert wurde.&#13;
III. Zukunftsorientierte Programme&#13;
Diese Maßnahmen sind wichtig, weil sie uns zeigen,&#13;
wieviel wir getan haben und tun können - ohne das&#13;
Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen. Aber in&#13;
meinem Land gibt es sehr viel mehr zu tun.&#13;
Präsident Clinton hat Anfang dieses Jahres im Rahmen seiner Strategie für den Schutz des Klimas eine&#13;
Reihe von Steuererleichterungen für Verbraucher&#13;
eingeführt, die umweltfreundlich einkaufen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Für neue Sonnenkollektoren auf dem Dach&#13;
zur Erzeugung von Strom oder heißem Wasser kann ein Steuerfreibetrag von bis zu 2.000&#13;
Dollar gewährt werden.&#13;
Mit einem Steuerfreibetrag in Höhe von 2.000&#13;
Dollar wird der Kauf eines energieeffizienten&#13;
neuen Hauses belohnt.&#13;
&#13;
Sauberere Autos sind eine weitere wichtige, zukunftsorientierte Initiative.&#13;
Vizepräsident Gore rief im&#13;
Februar ein Programm für sauberere Autos ins Leben,&#13;
das die Qualität der Luft dramatisch verbessern wird,&#13;
indem es den amerikanischen Verbrauchern bis zum&#13;
Ende des Jahres Fahrzeuge mit saubererer Verbrennung anbietet. Es ist von Bedeutung, daß sich bei&#13;
dieser Initiative das Weiße Haus, das EPA und&#13;
Vertreter amerikanischer und ausländischer Automobilhersteller gemeinsam freiwillig an einem Programm&#13;
beteiligt haben, Autos 70 Prozent sauberer zu machen&#13;
als das Gesetz verlangt.&#13;
Ein für die Vereinigten Staaten sehr wichtiges Gebiet bei dem Deutschland für uns als Modell dient - ist die&#13;
Erneuerung heruntergekommener Stadtviertel. Im&#13;
Rahmen einiger unserer vielversprechendsten Projekte werden Partnerschaften zwischen Kommunalbeamten, Bankern, Geschäftsleuten und Anwohnern&#13;
gegründet. In einem Landkreis in Ohio war ein&#13;
Sanierungsprojekt ein enormer Erfolg. Es verwandelte&#13;
heruntergekommene Stadtviertel in prosperierende&#13;
Gemeinden, führte zur Schaffung von fast 200 Arbeitsplätzen, einer Erhöhung der Steuereinnahmen um&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�mehr als eine Million Dollar, kurbelte die örtliche&#13;
Wirtschaft an und ersparte unerschlossenen Gegenden sogar die Planierraupe. Es ist ein Erfolgsrezept,&#13;
und derzeit laufen in ganz Amerika mehr als einhundert Pilotprojekte zur Sanierung heruntergekommener Stadtviertel oder stehen kurz vor ihrer&#13;
Einleitung. Die Rolle der Bundesregierung besteht&#13;
darin, diese Partnerschaften zu erleichtern, interessante Modelle für Zusammenarbeit zu entwickeln&#13;
und auf kommunaler und Bundesebene einen Pool von&#13;
Begabungen und Ressourcen zu bilden.&#13;
Ferner bemühen wir uns, von den Indianern über den&#13;
Schutz der Artenvielfalt zu lernen. Mit ungefähr 550&#13;
Indianerstämmen in den Vereinigten Staaten können&#13;
wir auf eine breite Palette von Erfahrungen zurückgreifen. Im vergangenen Jahr haben Behörden der&#13;
Bundesregierung mit verschiedenen Stämmen Konsultationen geführt und Fallstudien über den Einsatz von&#13;
einheimischem Wissen beim Umweltschutz und die&#13;
nachhaltige Nutzung der Artenvielfalt in den Vereinigten Staaten gemacht.&#13;
Teile der indianischen Bevölkerung haben eine&#13;
wunderbare Einstellung zum Umweltschutz: Beim&#13;
Umgang mit den natürlichen Ressourcen muß man&#13;
sieben Generationen weit denken. Es ist eine Philosophie, die in den Vereinigten Staaten und andernorts stärker gefördert sollte.&#13;
In den Vereinigten Staaten macht man sich immer&#13;
mehr Gedanken darüber, was der Einzelne zum&#13;
Schutz der Umwelt unternehmen kann. In meinem&#13;
Land ist die Bevölkerung durch den Umweltgipfel von&#13;
Rio 1992 aufgerüttelt worden. Das internationale Jahr&#13;
des Ozeans - YOTO - ist besonders populär, da mehr&#13;
als die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung nur&#13;
wenige Kilometer von einer Küste entfernt lebt. Aus&#13;
diesem Grund rief Präsident Clinton alle Amerikaner&#13;
dazu auf, dies als Gelegenheit zu nehmen, mehr über&#13;
die Ozeane und ihre enorme Artenvielfalt zu lernen&#13;
und sich für saubere Küstengewässer einzusetzen.&#13;
Von besonderer Bedeutung ist die Synergie zwischen&#13;
Gemeinden und nationalen Regierungen sowohl auf&#13;
nationaler als auch auf internationaler Ebene. Präsident Clinton wies Ende März in seiner in Botswana&#13;
gehaltenen Rede darauf hin. Er erklärte: "Auf allen&#13;
Kontinenten werden sich Nationen der engen Verbindung zwischen Umweltschutz und Demokratie bewußt,&#13;
während die Kommunalregierungen sich mit den&#13;
Zentralregierungen die Verantwortung für den Schutz&#13;
von Tieren und Wasser, Wäldern und Ackerland teilen.&#13;
Wenn die Menschen entscheiden können, beschließen&#13;
sie in den meisten Fällen, das zu schützen, was für sie&#13;
kostbar ist."&#13;
Das amerikanische Programm "grüne Gemeinden"&#13;
basiert auf dieser Philosophie. Es wurde vom Umweltsschutzamt ins Leben gerufen und versucht, den&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Gemeinden bei der Abstimmung ihrer umweit-,&#13;
wirtschafts- und sozialpolitischen Entscheidungen zu&#13;
helfen. Der Ansatz ist einfach. Er beginnt mit einem&#13;
online angebotenen Hilfspaket, das den Menschen&#13;
Informationen gibt, die sie nutzen. Ferner beinhaltet er&#13;
technische Hilfe, Informationen und Empfehlungen, um&#13;
Gemeinden, Kommunalregierungen und besorgten&#13;
Bürgern bei der Bewältigung der immer komplexeren&#13;
Anforderungen an Gemeindeplanung und -Verwaltung&#13;
zu helfen. Beispielsweise begann die Stadt York in&#13;
Pennsylvania letztes Jahr mit einem Projekt zur&#13;
Weiterentwicklung des Eisenbahnkorridors der Stadt&#13;
durch Investitionen in Höhe von 50 Millionen Dollar aus&#13;
privaten und öffentlichen Quellen, damit auf 40 Hektar&#13;
dieses Geländes 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen&#13;
werden können. Das Programm "grüne Gemeinden"&#13;
wird jetzt um ein neues Programm erweitert - "grüne&#13;
Gemeinden für Afrika".&#13;
Der Präsident gab vergangenen Monat ferner eine&#13;
neue Initiative bekannt, dieses Jahr mehr als 80&#13;
Millionen Dollar zu investieren, um den Ländern&#13;
Afrikas beim Schutz ihrer schönen Natur zu helfen.&#13;
Und er versprach, die Ratifizierung des Vertrags über&#13;
Desertifikation, den er dem Senat 1996 übermittelte, zu&#13;
einem Bestandteil seines vorrangigen Aktionsplans zu&#13;
machen.&#13;
IV. Nachhaltiges Wachstum und Klimawandel&#13;
Zusammenfassend lautet meine bisherige Botschaft,&#13;
daß wir die Umwelt am besten durch die Schaffung&#13;
von Kreisläufen richtigen Verhaltens schützen können&#13;
- Kreisläufe, bei denen gute Praktiken zu weiteren&#13;
guten Praktiken führen. Wir sollten eine Situation&#13;
anstreben, in der Vision, Forschung, der Markt und&#13;
einzelne Unternehmen sich gegenseitig verstärken.&#13;
Alle diese Elemente sind Bestandteil des Ansatzes der&#13;
Vereinigten Staaten zur Bekämpfung des Klimawandels.&#13;
Aus diesem Grund haben wir uns in Kyoto um ein&#13;
nationales und internationales System handelbarer&#13;
Emissionszertifikate für Treibhausgase bemüht. Im&#13;
Rahmen eines internationalen Regimes für den Handel&#13;
mit Emissionen kann ein Land oder Unternehmen&#13;
seine Emissionsziele erreichen, indem es entweder&#13;
seine eigene Verschmutzung verringert oder Verringerungen anderer Länder und Firmen kauft oder durch&#13;
eine Kombination von beidem.&#13;
Ein System handelbarer Emissionszertifikate ist in den&#13;
Vereinigten Staaten bereits mit großem Erfolg umgesetzt worden und hat den sauren Regen zu einem&#13;
Bruchteil der prognostizierten Kosten dramatisch&#13;
verringert. Man kann jetzt an der Chicagoer Handelskammer mit Schwefeldioxidzertifikaten handeln. Es&#13;
gibt viele Lösungen zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen, von denen alle Seiten profitieren. Diese&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�Lösungen können die Energieeffizienz erhöhen und&#13;
den Verbrauchern Einsparungen bringen.&#13;
Wir halten die Konferenz von Kyoto über den Klimawandel für einen Erfolg. In Kyoto setzten wir uns auch&#13;
für die Aufnahme von sechs anstelle von nur drei&#13;
Gasen in das Protokoll ein. Wir haben viele der in&#13;
Kyoto vertretenen Nationen erfolgreich von der&#13;
Notwendigkeit überzeugt, zusätzliche Gase in die&#13;
Bestimmungen aufzunehmen, die synthetische&#13;
Ersatzstoffe für ozonschädigende FCKW sind, große&#13;
Auswirkungen auf die Umwelt haben und nur schwer&#13;
abbaubar sind. Und ich bin besonders optimistisch&#13;
über die Aufnahme von marktorientierten Mechanismen.&#13;
Das Protokoll von Kyoto gibt durch den Mechanismus&#13;
für saubere Entwicklung einen Anstoß für die Teilnahme von Entwicklungsländern. Auf diesem Gebiet&#13;
muß aber noch mehr unternommen werden. Es bleibt&#13;
ein amerikanisches Schlüsselziel sicherzustellen, daß&#13;
sich die Entwicklungsländer maßgeblich beteiligen.&#13;
Aus diesem Grund hat Präsident Clinton erklärt, daß er&#13;
dem Senat das Protokoll erst dann zur Beratung und&#13;
Annahme vorlegen wird, wenn die wichtigsten Entwicklungsländer sich substantiell beteiligen.&#13;
&#13;
pflichtungen wie Normen für Energieeffizienz und&#13;
Marktreform sowie Aktivitäten im Sinne des Klimaschutzes wie Wiederaufforstung, Modernisierung von&#13;
Kernkraftwerken und Einsatz erneuerbarer Energiequellen.&#13;
Aber wir müssen noch mehr tun. Da die Vereinigten&#13;
Staaten die meisten Treibhausgase emittieren, haben&#13;
sie eine besondere Verantwortung gegenüber ihrer&#13;
eigenen Bevölkerung und der übrigen Welt zu handeln.&#13;
Und wir setzen unsere nationalen technischen Ressourcen ein, um in anderen Gebieten auf der Welt Hilfe&#13;
zu leisten.&#13;
Ein jüngstes Beispiel ist das Projekt der NASA&#13;
für die allererste Umweltstudie im südlichen&#13;
Afrika. Sie soll einen Maßstab für Veränderungen der Umwelt bieten und helfen, die&#13;
Auswirkungen des Klimawandels einzuschätzen.&#13;
Die Vereinigten Staaten planen auch die&#13;
Bereitstellung von einer Milliarde Dollar über&#13;
einen Zeitraum von fünf Jahren, um den&#13;
Entwicklungsländern bei der Bekämpfung der&#13;
globalen Erderwärmung zu helfen.&#13;
&#13;
Während derzeit die Industriestaaten für ungefähr 60&#13;
Prozent der gesamten Emissionen verantwortlich sind,&#13;
steigen die Emissionen der Entwicklungsländer schnell&#13;
an und werden sich im Jahr 2020 auf mehr als die&#13;
Hälfte der weltweiten Emissionen belaufen. China ist&#13;
weltweit bereits für den zweithöchsten Anteil an&#13;
Treibhausgasemission verantwortlich und wird die&#13;
Vereinigten Staaten, die leider noch den höchsten&#13;
Emissionsanteil besitzen, innerhalb der nächsten 15&#13;
Jahren überrunden. Daher ist es dringend geboten,&#13;
daß jeder unserer nächsten Schritte Aktionen der&#13;
Entwicklungsländer und Industrieländer gleichermaßen&#13;
beinhaltet.&#13;
&#13;
V. Ökosysteme und breitgefächerte Ansätze&#13;
&#13;
Diesen November findet in Buenos Aires die vierte&#13;
Konferenz über den Klimawandel statt. Darüber&#13;
hinausblickend arbeiten wir an einer Übereinkunft über&#13;
verschiedene Themen im Zusammenhang mit der&#13;
Umsetzung des Protokolls von Kyoto. Dazu zählen&#13;
Richtlinien für den Handel mit Emissionszertifikaten,&#13;
gemeinsame Programme zur Umsetzung des Protokolls sowie der Mechanismus für saubere Entwicklung&#13;
- eine Initiative zur Ermutigung von Wachstum, und&#13;
zwar sauberem Wachstum, in den Entwicklungsländern. Der Mechanismus für saubere Entwicklung&#13;
gestattet den Industriestaaten den Einsatz von Emissionszertifikaten aus ihrer Tätigkeit in den Entwicklungsländern, die sie sich für die Einhaltung der&#13;
Emissionsziele anrechnen lassen können. Ferner&#13;
fördern wir Mechanismen zur Ermutigung einer&#13;
sinnvolleren Beteiligung der Entwicklungsländer,&#13;
beispielsweise durch die freiwillige Verpflichtung zu&#13;
bindenden Emissionszielen, andere Arten von Ver-&#13;
&#13;
Ich bin optimistisch, daß uns das gelingen wird. Die&#13;
Leiterin des amerikanischen Umweltschutzamts, Carol&#13;
Browner, wird nicht müde darauf hinzuweisen, daß&#13;
jedes Mal, wenn in den Vereinigten Staaten Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit&#13;
ergriffen werden - das Gesetz zur Reinhaltung der Luft,&#13;
das Gesetz zur Reinhaltung des Wassers etc. - diese&#13;
Gesetze von düsteren Prognosen der Industrie über&#13;
eine wirtschaftliche Katastrophe begleitet werden. Die&#13;
Bilanz zeigt jedoch, daß diese Aktionen enorme&#13;
Vorteile mit sich brachten. Und die düsteren Wirtschaftsprognosen haben sich nicht erfüllt. Warum?&#13;
Weil die Industrie letzten Endes die Herausforderung&#13;
meistert und kostengünstigere, innovativere Wege zur&#13;
Erfüllung dieser neuen Standards und Verringerung&#13;
der Verschmutzung findet.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
Da Sie an der Umwelt interessiert sind, wissen Sie,&#13;
daß es unsinnig wäre, ein Umweltproblem wie den&#13;
Klimawandel aus dem Zusammenhang gerissen zu&#13;
diskutieren. Es ist wesentlich, die Dynamik des&#13;
gesamten Systems zu sehen.&#13;
Dasselbe Prinzip sollte auf unsere Aktionen angewandt werden. Wir können Umweltfragen nicht&#13;
unabhängig von der Notwendigkeit behandeln, daß&#13;
unsere Volkswirtschaften weiterhin unsere Bevölkerungen ernähren. Wir müssen ein Gleichgewicht finden.&#13;
&#13;
Tatsächlich kann mit der Umweltschutztechnologie&#13;
Geld verdient werden. Das brauche ich einem deut-&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�sehen Publikum nicht zu sagen, denn Ihr Land ist bei&#13;
diesen Technologien weltweit führend. Die gute&#13;
Nachricht lautet, daß wir ein Klima von Umweltbewußtsein schaffen und gleichzeitig Wettbewerb beim&#13;
Umweltschutz fördern. Das wird uns in Zukunft helfen,&#13;
noch mehr zu bewirken - nicht nur, weil es richtig ist,&#13;
&#13;
sondern auch, weil es in wirtschaftlicher Hinsicht&#13;
sinnvoll ist.&#13;
Und mit diesen optimistischen Worten möchte ich die&#13;
Diskussion eröffnen,&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 08&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Mit Spionage und Einschüchterung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittel der sowjetischen "Diplomatie"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Im "Blair House" wohnen die Gäste der Präsidenten&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Ausländische Studenten photographieren Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Photowettbewerb im Namen der Völkerverständigung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drei Jahre des Fortschritts&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schulintegration im Süden der Vereinigten Staaten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. "Schwarzes Bürgertum"&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Gedenktage im Juni 1957&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künstliche Radioaktivität in der Atmosphäre als Folge von Kernwaffenversuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut eines Vortrags von Dr. Libby, Mitglied der US-Atomenergie-Kommission, den dieser am 26. April 1957 in Washington vor der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft gehalten hat.&lt;/em&gt;</text>
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22. Mai 1974

10

Inhalt

DOKUMENTATION:

Zweiter Bericht Präsident Nixons an den Kongreß über die US-Streitkräfte in Europa
•

HINTERGRUND:

Unterstaatssekretär Hartman erläutert amerikanische Entspannungspolitik
Neue Übereinstimmung über Grundsätze der US-Außenpolitik
- Von Senator Edmund S. Muskie -

INFORMATION:
Ausrüstungen für Hotel und Restaurant
- Fachausstellung im Frankfurter US-Handelszentrum

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1974

ZWEITER BERICHT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS ÜBER DIE US-STREITKRÄFTE IN EUROPA

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 16. Mai dem Kongreß seinen zweiten Bericht über den Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa übermittelt. Diese Berichte müssen nach dem Jackson-Nunn-Amendment (812) (siehe
I&amp;D Nr.5 vom 13. März 1974) des Gesetzes über die Bewilligung des Verteidigungshaushaltes (Defense Appropriation Authorization Act 1974) vierteljährlich vorgelegt werden, da die Zahl der amerikanischen Soldaten in Europa von
der jeweiligen Zahlungsbilanzsituation der USA abhängig gemacht wird.

Der zweite Viertel Jahresbericht hat folgenden Wortlaut:

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Gemäß Abschnitt 812 (D) des Department of Defense Appropriation Authorization Act 1974 (Bewilligung des Verteidigungshaushaltes) habe ich die Ehre,
dem Kongreß den folgenden Bericht über den Fortschritt zu unterbreiten, der
seit meinem vorigen Bericht vom 20. Februar 1974 bei der Durchführung der Bestimmungen von Abschnitt 812 des oben erwähnten Gesetzes erzielt worden ist.
Am

�Am 25. April haben Vertreter der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland ein neues Devisenausgleichsabkommen (Offset-Abkommen) für
die Haushaltsjahre 1974 und 1975 unterzeichnet. Der für diese Zweijahreszeitspanne vorgesehene Devisenausgleich ist in Dollar größer und bietet wesentlichere wirtschaftliche Vorteile für uns als dies je bei einem früheren Offset-Abkommen der Fall gewesen wäre. Bei einem Wechselkurs von 2,669 DM für
den Dollar liegt der Dollarwert des Abkommens bei etwa 2,22 Milliarden Dollar
für den Zweijahreszeitraum.

Die Zusammensetzung des Abkommens ist generell der früherer Offset-Abkommen ähnlich, es enthält jedoch eine Reihe von Punkten, die seinen Wert
für die Vereinigten Staaten beträchtlich erhöhen - darunter wesentliche haushaltsmäßige Entlastungen. Wie früher stellt die'deutsche militärische Beschaffung in den Vereinigten Staaten den größten Einzelposten dar. Im vorliegenden Abkommen beläuft sie sich auf 1,03 Milliarden Dollar (bei einem Dollarkurs von DM 2,669). Andere attraktive Punkte sind die deutsche Bereitschaft,
die Finanzierung der Renovierung von Einrichtungen fortzusetzen, die von amerikanischen Truppen in der Bundesrepublik benutzt werden; im Zusammenhang
mit amerikanischen militärischen Tätigkeiten in Deutschland die Zahlung bestimmter Grundsteuern und Flughafengebühren zu übernehmen; von den Vereinigten Staaten durch die Atomenergiekommission angereichertes Uran, einschließlich der Lohnanreicherung, zu kaufen; und zum ersten Mal im Rahmen eines Offset-Abkommens amerikanisch-deutsche Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie zu finanzieren.
Wie

�Wie im Falle früherer Offset-Abkommen sieht das neue Abkommen deutsche
Käufe von amerikanischen Schuldverschreibungen zu Konzessionsbedingungen
vor. Die wesentlichen Zinseinsparungen, die sich aus einer 843 Millionen
Dollar-Anleihe über sieben Jahre zu 2,5 Prozent ergeben, decken zusammen mit
den oben erwähnten Beiträgen zu unseren Truppenstationierungskosten - wie
etwa durch Renovierung von Truppeneinrichtungen und Übernahme von Steuern
und Flughafengebühren - im wesentlichen die zusätzlichen Kosten, die uns dadurch entstehen, daß wir unsere Truppen in der Bundesrepublik statt in den
Vereinigten Staaten dislozieren.
Die in dem Abkommen enthaltenen Vorteile stellen das wesentliche Element
in dem Bemühen dar, die Bedingungen von Abschnitt 812 zu erfüllen. Das Abkommen ist das Ergebnis viele Monate langer schwieriger Verhandlungen, die
nicht nur unsere von beiden Regierungen ernannten Verhandlungsbevollmächtigten, sondern auch den persönlichen Meinungsaustausch auf höchster Ebene beider Regierungen in Anspruch nahmen.

In meinem vorigen Bericht an den Kongreß habe ich festgestellt, daß die
amerikanischen Ausgaben, die sich aufgrund der Dislozierung von Streitkräften
in NATO-Europa in Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen der Vereinigten
Staaten in der Zahlungsbilanz niederschlagen, im Haushaltsjahr 1974 rund
2,1 Milliarden Dollar betragen werden. Dieser Voranschlag gilt noch immer.

Ich

�Ich gehe davon aus, daß das bilaterale Offset-Abkommen mit der Bundesrepublik Deutschland zusammen mit Vereinbarungen mit anderen Verbündeten die
Bedingungen von Abschnitt 812 erfüllen wird. Dies wird uns erlauben, unsere
Streitkräfte in NATO-Europa auf dem gegenwärtigen Stand aufrechtzuerhalten.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, daß die NATO-Studie über
alliierte Beschaffungspläne, von der ich in meinem vorigen Bericht an den
Kongreß gesprochen habe, erkennen läßt, daß die alliierten militärischen
Beschaffungskäufe in den Vereinigten Staaten im Haushaltsjahr 1974 beträchtlich sein werden, trotz der Tatsache, daß viele unserer Verbündeten eine
Verschlechterung ihrer Handelsbilanz erfahren haben und vor der Möglichkeit
einer noch stärkeren Verschlechterung stehen. Ich werde den Kongreß in
meinem August-Bericht weiter über die Erfüllung der Bedingungen von Abschnitt 812 unterrichten.

+++

-4-

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UNTERSTAATSSEKRETÄR HARTMAN ERLÄUTERT AMERIKANISCHE ENTSPANNUNGSPOLITIK

Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Arthur Hartman, hat am 15. Mai vor
dem Europa-Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
die Entspannungspolitik der Vereinigten
Staaten erläutert und betont, daß die USA
die Entspannung als einen "Prozeß" und
nicht als ein "Bündnis" verstehen. Die Vereinigten Staaten würden weder fundamentale
Prinzipien aufgeben noch die Sicherheitsinteressen ihrer Verbündeten opfern. Hartmann wies in diesem Zusammenhang darauf
hin, daß die amerikanische Regierung sich
immer vor und nach Verhandlungen mit der
Sowjetunion mit den Verbündeten konsultiert und deren Vorschläge berücksichtigt
habe. Das fundamentale Anliegen der USA
bei ihren Bemühungen um eine Normalisierung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sei die Schaffung einer friedlicheren und
stabileren Welt.
Nachfolgend geben wir die Ausführungen Hartmans vor dem Unterausschuß mit unwesentlichen Kürzungen wieder:
Bevor ich über Entspannung spreche, möchte ich kurz versuchen, diesen
Begriff zu definieren. Wörtlich bedeutet Entspannung ein Nachlassen von
Spannungen. Aber dieser Begriff wird heute häufig als Kürzel für einen
komplexen Prozeß der Anpassung benutzt. Es handelt sich nicht um ein statisches Verhältnis oder einfach eine Verhaltensweise, und "Detente" bedeutet nicht "Entente".
I.
-1-

�j
I.
Ich möchte gerne meine einleitende Erklärung dem widmen, was sich die
Administration unter Entspannung vorstellt und mich zunächst dem globalen
Stand der amerikanisch«sowjetischen Beziehungen zuwenden. Dann möchte ich
aufzeigen, wie die Administration an die Verbesserung dieser Beziehungen
herangeht, und schließlich möchte ich auf spezifische Erfolge hinweisen,
die erreicht worden sind, und auf Probleme, die bestehen bleiben.

Die entscheidende Frage der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen seit
dem Zweiten Weltkrieg ist die Frage von Krieg und Frieden gewesen - diese
Frage war entscheidend wichtig in diesen Zeiten wegen der offensichtlichen
Tatsache, daß ein Nuklearkrieg eine gewaltige Zerstörung für die Menschheit
bedeuten könnte.

Daher ist seit über 20 Jahren ein roter Faden in der amerikanischen
Außenpolitik die Suche nach Übereinkommen gewesen,um das Risiko eines Krieges zu verringern. Auf Gipfelkonferenzen und durch geduldige diplomatische
Verhandlungen haben die aufeinanderfolgenden Administrationen versucht, das
Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und Quellen der Spannung abzubauen.

Gelegentlich wurden bedeutsame Durchbrüche erzielt. So hat beispielsweise die Unterzeichnung des Begrenzten Teststoppvertrages vom Jahre 1963
- das erste große Rüstungskontrollabkommen des Nuklearzeitalters * eine
Periode verbesserter Ost-West-Beziehungen eingeleitet. Aber so wie bei dem
kurzlebigen Geist von Genf, dem Geist von Camp David oder dem Geist von
Glassboro hat der Fortschritt auf begrenzten Gebieten keine dauerhaften Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen hervorgebracht.
Um

�Um eine tragfähige Grundlage für eine neue Beziehung zur Sowjetunion
aufzubauen, wählte man eine Methode des schrittweisen Vorgehens:

-- Erstens, durch konkreten Fortschritt beim Abbau spezifischer Quellen
der Spannung, um den Weg für produktive Konferenzen auf höchster Ebene zu bereiten;
-- zweitens, indem man den Schwung, den die Vorbereitung von Gipfelkonferenzen schuf, dazu benutzte, um Verhandlungen über ein breites Spektrum
bilateraler Fragen zu beschleunigen, an denen beide Seiten Interesse hatten;

-- drittens, indem man sich in dem Maße, in dem unsere politischen Beziehungen sich verbesserten, dem wirtschaftlichen Aspekt unseres Verhältnisses zuwandte und versuchte, seit langem bestehende Schranken für einen erweiterten Handel zu beseitigen.

Die Verhandlungen über Berlin - Quelle immer wiederkehrender Krisen in
Europa - begannen im Jahre 1969. Im gleichen Jahr begann SALT - die Gespräche
über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Erst 1971, nachdem in diesen beiden Verhandlungen ein wesentlicher Fortschritt erzielt worden war, erwog die Administration die Möglichkeit eines Gipfeltreffens der amerikanischen
und der sowjetischen Führer.
II
Selbst eine flüchtige Betrachtung dessen, was in den letzten Jahren erreicht worden ist, zeigt nach meiner Auffassung, daß eine wesentliche und viel
leicht sogar fundamentale Änderung in den Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion eingetreten ist:
—

In

�-- In Berlin sind die Rechte der Westmächte anerkannt und bekräftigt worden, und die Stadt ist heute nicht mehr Punkt immer wiederkehrender Spannungen und einer Konfrontation zwischen Ost und West.

-- In den Gesprächen über die Begrenzung der Strategischen Rüstungen
haben wir zum ersten Mal den zentralsten Rüstungen Begrenzungen auferlegt und
wir führen heute den Prozeß weiter, die Verhandlungen über eine ständige und
noch weiterreichende Begrenzung der Nuklearrüstung voranzutreiben.

-- Wir sind über spezifische Maßnahmen übereingekommen, um Zwischenfälle auf hoher See zwischen unseren Marinen zu verhüten, und zwar in dem ersten
Abkommen zwischen den Streitkräften unserer beiden Länder seit dem Zweiten
Weltkrieg. Als Ergebnis dieses Abkommens haben provozierende Handlungen auf
hoher See abgenommen und in regelmäßigen Abständen kommen technische Experten zusammen, um unsere Erfahrung mit dem Abkommen zu überprüfen.

-- Wir haben Abkommen geschlossen, die gemeinsame kooperative Anstrengungen auf einer Reihe wichtiger Gebiete vorsehen. Auf der Erfahrung früherer
kultureller, wissenschaftlicher und technischer Austauschprogramme aufbauend,
erstrecken sich diese Abkommen heute auf so weit verzweigte Gebiete wie Weltraum, friedliche Nutzung der Atomenergie, Wissenschaft und Technologie, Umwelt, Gesundheit und Medizin, Verkehrswesen, Landwirtschaft und Ozeanographie.

-- Die Führer unserer beiden Länder haben sich in einem auf dem Gipfeltreffen 197.2 unterzeichneten Abkommen verpflichtet, sich bei ihrem Verhalten
in auswärtigen Angelegenheiten von vereinbarten Grundprinzipien leiten zu
lassen. Im Rahmen dieses Abkommens haben sie sich verpflichtet, in ihren ge-

�gegenseitigen Beziehungen Zurückhaltung zu üben, ihr Äußerstes zu tun, um
Situationen zu verhüten, die zu einer militärischen Konfrontation führen könnten, und sich aller Anstrengungen zu enthalten, um einseitige Vorteile auf
Kosten des anderen zu erzielen. Im Rahmen eines getrennten Abkommens, das
auf dem Gipfel im Jahre 1973 unterzeichnet wurde, sind wir übereingekommen,
unsere Beziehungen zueinander und zu anderen Ländern so zu entwickeln, daß
der Ausbruch eines Nuklearkrieges ausgeschlossen wird.

Die Entwicklung und Ausweitung der wirtschaftlichen Bindungen zwischen
den beiden Ländern bilden einen integralen Bestandteil dieses Kooperationsgefüges. Der auf der Gipfelkonferenz im Jahre 1972 erzielte politische Aufschwung führte zu einer Formel für.die Lösung des schwierigen Problems unserer Pacht-und Leihkonten - eine Lösung, die wiederum zur Gewährung von Krediten und Garantien durch die Export-Import-Bank führte, die für eine anhaltende Ausweitung des Handels mit der UdSSR notwendig sind. Wir haben ein Seefahrt-Abkommen geschlossen, in dessen Rahmen in jedem Land 40 Häfen für den
unmittelbaren Zugang durch Handels-und Forschungsschiffe des anderen geöffnet
worden sind. Wir haben ein sorgfältig ausgewogenes Handelsabkommen unterzeichnet, das dazu dienen soll, die strukturellen Asymmetrien des Handels zwischen
einer Marktwirtschaft und einer Staatshandelswirtschaft in Rechnung zu stellen. Im Jahre 1973 schlössen wir ein Steuerabkommen und unterzeichneten Protokolle über die Eröffnung von Handelsbüros in unseren jeweiligen Ländern und
die Einsetzung eines gemeinsamen Handels-und Wirtschaftsrates zur Förderung
des amerikanisch-sowjetischen Handels.
Einige

-5-

�Einige wenige konkrete Indikatoren zeigen, wie ich meine, den Fortschritt, der in den letzten Jahren bei der Auffächerung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion und bei der Ausweitung der Kontakte und der Kommunikation
zwischen uns erzielt worden sind.

Von den rund 105 Verträgen und anderen internationalen Abkommen, die sei
Aufnahme der ersten diplomatischen Beziehungen im Jahre 1933 zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geschlossen worden sind,kamen allein
58 seit Ende Januar 1969 zustande. Und 41 dieser Abkommen wurden allein in
den letzten beiden Jahren unterzeichnet.

Insgesamt gesehen haben die bilateralen kooperativen Abkommen - obwohl
sie einzeln für sich nicht unbedingt von entscheidender Bedeutung sind - zu
einem beträchtlichen Fluß von Ideen, Informationen und Einzelpersonen in beiden Richtungen zwischen unseren Ländern geführt. Im Rahmen der acht Spezialabkommen und dem allgemeinen Austauschabkommen sind fast 60 gemeinsame Arbeitsgruppen, davon einige mit zahlreichen Unterprojekten, eingesetzt worden,
um den in den Abkommen vorgesehenen Tätigkeitsbereich weiter zu verfolgen.
Im Jahre 1972 stieg die Gesamtzahl der im Rahmen dieser Abkommen in beiden
Richtungen reisenden Personen auf über 4000,was gegenüber 197}, dem letzten
Jahr vor dem Moskauer Gipfel, eine Zunahme von fast 2 500 bedeutet.

Lassen Sie mich kurz auf einige der gemeinsamen Programme eingehen, die
heute auf solchen Gebieten wie friedliche Nutzung der Atomenergie, Umweltschutz und Wissenschaft und Technologie im Gange sind - Gebiete, die für alle
Amerikaner von Bedeutung sind - nicht nur für die Techniker und Spezialisten
beider Seiten, die diese Projekte planen und durchführen.
Auf

�Auf dem Gebiet der Atomenergie bieten die Mittel, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion für die Nuklearforschung aufbringen können, die
Aussicht, daß bilaterale, kooperative Programme zu größeren und rascheren
Ergebnissen führen können, als dies der Fall wäre, wenn jedes Land für sich
arbeiten würde. So trifft beispielsweise diese Woche eine amerikanische Delegation mit ihren sowjetischen Kollegen in Moskau zusammen, um Pläne für die
Suche nach einer praktisch anwendbaren Thermonuklear-Technologie abzustecken
- Pläne, die, wie wir hoffen, die führenden Nuklearwissenschaftler beider
Länder noch einen guten Teil der verbleibenden Jahre dieses Jahrhunderts beschäftigen werden. Im Rahmen eines anderen Programmes ist ein Team sowjetischer Wissenschaftler etwa auf halbem Wege mit einem Experiment der Hochenergie-Physik, das am Nationalen Beschleuniger-Laboratorium in Batavia im Staate
Illinois durchgeführt wird, und bei dem diese einzigartige Einrichtung in
Verbindung mit einer Apparatur benutzt wird, die in der Sowjetunion entwickelt
und eigens für dieses Experiment nach den Vereinigten Staaten gebracht wurde.

Das auf der Gipfelkonferenz im Jahre 1972 unterzeichnete Abkommen über
Umweltschutz befindet sich jetzt schon im zweiten Jahr seiner Durchführung.
Der Meinungs-und Erfahrungsaustausch beginnt sich zu echten kooperativen Gemeinschaftsprojekten auf 36 Gebieten zu entwickeln, angefangen vom Schutz der
Umwelt in den Städten bis zu arktischen und subarktischen Ökosystemen. Da
beide Länder über große Land-, See-und Binnengewässergebiete, eine Vielfalt
klimatischer Verhältnisse und große urban-industrielle Konzentrationen verfügen, führen solche kooperative

Programme zu einer weit größeren Datengrund-

lage und theoretischen Bezugswelt für die Umweltforschung in jedem Land. Die

�Die aus dem Austausch gewonnenen Techniken können oft direkt auf laufende
theoretische Studien angewandt werden. So wird beispielsweise im LamontDaherty-Geologischen Observatorium der Columbia-Universität bei den gegenwärtigen Arbeiten eine Technik der Erdbebenvorhersage angewandt, die in der
Sowjetunion entwickelt worden ist.

Im Rahmen des Abkommens über Wissenschaft und Technologie, das auf dem
Gipfeltreffen im Jahre 1972 unterzeichnet wurde, streben wir danach, über den
Austausch von Delegationen hinauszukommen, wie er bei der Entwicklung von
kooperativen Projekten während der letzten 15 Jahre stattgefunden hat. So
sind beispielsweise Konsultationen über Normen und über Patent-und Lizenzierungsverfahren und -bestimmungen von direktem Interesse für viele amerikanische Firmen, die in der Sowjetunion ins Geschäft kommen wollen. Auf diesem
Gebiet sind die Regierungsinteressen und die privaten Handelsinteressen eng
miteinander verwoben. Viele der Beteiligten auf unserer Seite sind Vertreter
amerikanischer Firmen und privater, nicht-staatlicher Organisationen wie
etwa der Industrieforschung.

III

Zweifellos ist viel erreicht worden, um unser Verhältnis zur Sowjetunion
zu verbessern. Die grundlegende Frage bleibt jedoch: Welches sind die Dimensionen der Entspannung

nach den Vorstellungen beider Seiten?

Wir haben ständig klarzustellen versucht, daß unsere Bemühungen um eine
Verringerung der Spannungen in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sich

�sich keineswegs auf einer neuentdeckten Vereinbarkeit der nationalen Systeme
begründen. Sie gehen von der Voraussetzung aus, daß die beiden nuklearen Supermächte alles in ihren Kräften stehende tun müssen, um der Menschheit die
Gefahren einer nuklearen Katastrophe zu ersparen. In einer Welt, wie sie heute
ist - nicht wie sie war und nicht wie wir sie uns wünschen - tragen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gemeinsam eine Verantwortung, die Gefahr
eines Zwischenfalls, einer Fehlkalkulation oder eines Mißverständnisses auf
ein Minimum zu verringern, Normen des gegenseitigen Verhaltens auszuarbeiten,
sich über die Wechselbeziehungen ihrer Interessen klar zu werden und die Kommunikation zwischen uns zu verbessern.

Gleichzeitig hat Außenminister Kissinger andere Aspekte unserer Vorstellung von einer Entspannung herausgestellt. Wir werden dem Versuch eines jeden
Landes entgegentreten, sich - weltweit oder regional - eine Position der Vorherrschaft zu verschaffen; wir werden jedem Versuch entgegentreten, eine Politik der Entspannung zur Schwächung unserer Bündnisse auszunutzen; und wir werden dagegen angehen, falls eine Verringerung der Spannungen als Deckmantel dafür benutzt werden sollte, Konflikte in internationalen Unruhegebieten auszuweiten. Meines Erachtens haben die Ereignisse im Nahen Osten im Oktober letzten Jahres gezeigt, daß das letzte dieser Prinzipien nicht mißachtet werden
darf, wenn nicht das gesamte amerikanisch-sowjetische Verhältnis gefährdet
werden soll.

Die Sowjetunion hat ebenfalls ihre Vorstellung von den Grenzen einer Koexistenz klargemacht. Für die Sowjets schließt die Koexistenz nicht das Recht
anderer ein, eine Schwächung dessen anzustreben, was sie als die Einheit des

�des sozialistischen Lagers bezeichnen. Sie darf nicht zur Aushöhlung der
ideologischen Basis des Sozialismus oder zu einer anderweitigen Einmischung
in ihre inneren Angelegenheiten benutzt werden. Genauso wenig bedeutet Koexistenz für die Sowjets irgendeinen Widerspruch zwischen Zusammenarbeit mit
dem Westen auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem, was die Sowjets
als Evolution des Klassenkampfes zwischen Sozialismus und Kapitalismus betrachten - vor allem auf ideologischem Gebiet.

Welche Vorstellungen auch immer von den Dimensionen einer Entspannung
bestehen mögen, so stimmen doch beide Seiten offenbar darin überin, daß Entspannung angesichts der durch die Anhäufung von Nuklearwaffen gegebenen Gefahr
notwendig ist; daß Entspannung notwendig ist, nicht etwa, weil wir keine entgegengesetzten Interessen in zahlreichen Teilen der Welt hätten oder weil
unsere Systeme nicht völlig unterschiedlich wären «. sondern gerade weil diese
Gegebenheiten herrschen; und daß gerade, wenn gelegentlich Interessenkonflikte
auftreten, die Entspannung eine rasche Beilegung ermöglicht und eine gewisse
Zurückhaltung gewährleistet. Und schließlich sind sich beide Seiten offensichtlich darin einig, daß eine Entspannung notwendig ist, weil es einfach
keine andere vernünftige Alternative gibt.

Jede Bewertung von Entspannung muß von Anfang an klar davon ausgehen,
daß grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen uns bestehen und daß
wir und die Sowjets auf viele Weise und an vielen Orten Gegner bleiben.
Gleichzeitig scheint jedoch die gegenwärtige Verbesserung in den Beziehungen
von jeder Seite als ihren eigenen nationalen Interessen dienend angesehen zu
werden und so beiden Ländern einen Anreiz zu bieten, um zu versuchen, die

-10-

�die Folgen ihrer Meinungsverschiedenheiten auf ein Minimum zu verringern und
einzudämmen, den schwierigen Prozeß von Verhandlungen fortzusetzen und jede
vorsätzliche Rückkehr zu Feindseligkeit und Konfrontation zu vermeiden.

IV.
Unser Ziel in den kommenden Jahren ist es, den Prozeß der Verbesserung
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unwiderruflich zu machen. Aber Gewohnheiten, die sich in 20 Jahren der Konfrontation auf beiden Seiten herangebildet haben, sind nicht so leicht abzuschaffen.

Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß es weder in diesem Land noch
in irgendeinem anderen Land eine einheitliche Auffassung von der Bedeutung
des Begriffs Entspannung gibt. Manche Leute meinen, daß eine Zusammenarbeit
mit einem Land, dessen innenpolitisches System in vieler Hinsicht mit den
amerikanischen Traditionen und Werten nicht zu vereinbaren ist, nur auf Kosten
unserer Ideale und moralischen Prinzipien erfolgen könne. Andere erklären,wir
sollten das sowjetische Interesse an Handel und technologischem Wissen nutzen,
um politische Bedingungen damit zu verknüpfen, die grundlegende Änderungen in
den innenpolitischen Praktiken der Sowjets erfordern würden. Die Administration pflichtet dem, wie ich bereits angedeutet habe, nicht bei. Wir begreifen
sehr wohl die natürliche Neigung der Amerikaner, zu wünschen, daß andere
die Rechte und Freiheiten mit ihnen teilen, die wir so hoch schätzen. Wenn
jedoch die Vereinigten Staaten versuchen, mehr Freiheit innerhalb der Sowjetunion zu einer starren Vorbedingung für verbesserte Beziehungen zu machen,
dann würden wir riskieren, keines von beidem zu erreichen - weder verbesserte

-11-

�•

V

verbesserte Beziehungen noch mehr Achtung vor den Menschenrechten in der
Sowjetunion. Wir werden natürlich, wenn wir jetzt verbesserte Beziehungen mit
der Sowjetunion anstreben, unsere Ideale nicht aufgeben. Wir sind jedoch überzeugt, daß unsere Außenpolitik vor allem darauf abgestellt sein muß, die Aussenpolitik anderer Regierungen zu beeinflussen und nicht deren innere Struktur. ...

Außenminister Kissinger hat sich mit dieser Frage in seinen Ausführungen
vor dem Finanzausschuß des Senats am 7. März befaßt, als er erklärte:

"Da Entspannung in der Anerkennung von Unterschieden verwurzelt ist
- und auf der Verhütung der Katastrophe basiert - gibt es scharfe Grenzen dafür, was wir im Rahmen dieser Beziehung verlangen können. Wir haben ein Recht,
von der UdSSR ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten zu fordern
- und wir haben nicht gezögert, dies während der Nahostkrise klar und deutlieh zu machen. Wir haben auch ein Recht, zu verlangen, daß von uns unterzeichnete Abkommen in gutem Glauben eingehalten werden.

Was jedoch grundsätzliche Veränderungen des Sowjetsystems anbetrifft so
geht es nicht darum, ob wir uns mit dem zufrieden geben, was die UdSSR im
eigenen Lande tut - sondern es geht darum, ob und in welchem Ausmaß wir andere Ziele - und vor allen Dingen den Aufbau eines Gebäudes des Friedens - um
dieser inneren Veränderungen willen aufs Spiel setzen können..."

V.

-12-

&lt;

�I
V.
Der Handel ist ebenfalls eine wichtige Komponente unserer Gesamtpolitik
der Entspannung gegenüber der Sowjetunion. Wir gehen davon aus, daß die Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjetunion keine gedeihliche Entwicklung
nehmen

können, wenn die politischen Beziehungen weiterhin von Feindseligkeit

gekennzeichnet sind. Deshalb haben wir auch dann erst, als wir Fortschritte
in der Verminderung der Ursachen

politischer Spannungen im Verhältnis zu der

UdSSR erzielt hatten, Sondierungen im wirtschaftlichen Bereich unternommen.
Wir haben gleichzeitig die Kontrollen beibehalten, die die Ausfuhr von solchen Gütern verbieten, die die sowjetischen Militärkapazitäten direkt zu
steigern geeignet sind. Wenn wir jedoch unsere Handelsbeziehungen zur UdSSR
auf der gleichen Basis wie in den schlimmsten Jahren des kalten Krieges fortführen wollten, würden wir den Sowjets unserer Meinung nach einen wichtigen
Anreiz für eine Verbesserung ihrer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
nehmen.

Die Entspannung hat im übrigen nicht das geringste mit Beschwichtigungspolitik zu tun. Wir verhandeln mit der Sowjetunion nicht aus einer Position
der Schwäche heraus. Ganz im Gegenteil, die Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke ist eine Grundvoraussetzung für die Entspannung. Dafür zu
sorgen, daß unsere militärische Stärke hinter der keines anderen Landes zurückbleibt, stellt die eigentliche Prämisse der nationalen Verteidigung dar,
die für die Vereinigten Staaten einzig und allein je akzeptabel ist. Wir
können nicht erwarten, daß die sowjetischen Führer in ihren Beziehungen zu
uns aus gutem Willen Mäßigung üben, sondern nur aus dem einen Grund, weil sie

-13-

�f

r

sie unsere Stärke respektieren, die die Grundlage unserer Diplomatie bildet.

Wir sind uns unserer Verantwortlichkeit voll bewußt. Verhältnisse aufrechtzuerhalten, die die Stabilität fördern und zu weiteren Anstrengungen ermutigen, die atomare Rüstung zu beschränken. Unser Ziel in den SALT-Verhandlungen ist es, das zu erreichen, was wir als "wesentliche Gleichwertigkeit"
bezeichnen. In Verfolgung dieses Zieles sind wir bereit, unseren Grad der
strategischen Rüstung zu vermindern, beizubehalten oder notfalls zu erhöhen,
wird dieser Grad doch von der Politik und den Entscheidungen der Sowjetunion
beeinflußt. Wir sind nicht willens, uns im Zuge der Bestrebungen zur Erreichung
einer Entspannung mit der Sowjetunion die langfristigen strategischen Erfordernisse unserer Sicherheit abhandeln zu lassen oder sie durch irgendwelche
Kompromisse zu gefährden.
Und eine Politik der Entspannung kann auch nicht in Isolation von unseren
Verbündeten betrieben werden. Um ein internationales militärisches Gleichgewicht aufrechterhalten zu können, müssen wir die Stärke, Integrität und Standfestigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt beibehalten. Dies ist nirgends
wichtiger als in Europa. Das Berlin-Abkommen, das wir in Übereinstimmung mit
unseren britischen und französischen Verbündeten ausgehandelt haben, stellte
nicht nur eine wichtige Stufe in der Entwicklung unserer eigenen Beziehungen
zur Sowjetunion dar; es trug auch zu einer allgemeinen Verbesserung des politischen Klimas in Europa bei, wo wir uns im Verein mit unseren Verbündeten nunmehr an der Konferenz über die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an
den Verhandlungen über gegenseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beteiligen.

Wie

-14-

�Wie Sie wissen, begann die Konferenz über die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - KSZE, wie sie auch genannt wird - im Juli (letzten Jahres)
und tagte den Sommer über bis in den Frühherbst hinein. Herr Vorsitzender,
Ihr Unterausschuß führte im April und erneut im September 1972 eingehende
Hearings über die KSZE durch und nahm zu diesem Zeitpunkt auch die Aussagen
meiner Amtsvorgänger, der ehemaligen Unterstaatssekretäre Hillenbrand und
Stoessel»entgegen. Wir sind auch weiterhin fest überzeugt, daß diese Konferenz
kein Ergebnis zu zeitigen vermag, das die Sicherheitsvorkehrungen, wie sie die
NATO bietet, ersetzen könnte. Diese Konferenz ist vielmehr als ein Element
eines viel umfassenderen und in Entwicklung begriffenen Systems von Ost-WestVerhandlungen zu verstehen, das geeignet ist, die Risiken der Konfrontation zu
verringern und den Weg zu stabileren Beziehungen innerhalb Europas zu eröffnen.
Wir hoffen insbesondere, im Rahmen der KSZE eine Vereinbarung zustandebringen
zu können, die einige der Schranken abbauen hilft, die heute den Strom von
Menschen und Informationen zwischen Ost und West behindern.

Fünf Jahre nachdem die Alliierten beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen auf der Seite des Ostens und des Westens in Mitteleuropa vorschlugen, begannen im Oktober (vergangenen Jahres) die formellen Verhandlungen,
die heute noch andauern. Beide Seiten gehen von der Prämisse aus, daß die Gespräche ein Ergebnis zeitigen sollten, das die Sicherheit aller Teilnehmerstaaten unvermindert läßt. Die Alliierten haben größere zahlenmäßige Verringerungen
der Truppenstärken auf östlicher als auf westlicher Seite vorgeschlagen, um
gemeinsame Höchstziffern für die gesamten Mannschaftsstärken der Landstreitkräfte zu erreichen, bei denen der Warschauer Pakt gegenwärtig ein Übergewicht
von 150 000 Mann besitzt. Die östliche Seite sucht im Gegensatz hierzu das be-15-

�»

bestehende Kräfteverhältnis zwischen den Truppenkomponenten des Ostens und
des Westens zu erhalten.

Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen stehen die unterschiedlichen Auffassungen beider Seiten darüber, was
das entscheidende militärische Gleichgewicht in Mitteleuropa darstellt, zur
Debatte. Es liegen deshalb schwierige Verhandlungen vor uns. Der Zusammenhalt
der westlichen Alliierten ist ausgezeichnet. Beide Seiten verhandeln zudem
ernsthaft, und die bisher geführten Gespräche haben die grundlegenden Fragen,
um die es hier geht, klar hervortreten lassen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte in den vor uns liegenden Wochen, die schließlich zu einem stabileren
Gleichgewicht bei geringeren Truppenstärken entlang der Front im Mittelabschnitt führen werden - in einem Gebiet, das für den Frieden in Europa und
in der Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist.

Diese beiden wichtigen Verhandlungsrunden sind konkrete Beispiele für
unsere Anstrengung, von der Konfrontation zu Verhandlungen überzuleiten. Sie
zeigen beide, daß die Entspannung, soll sie sinnvoll sein, für keine der beiden Seiten zu einer Verminderung ihrer Sicherheit führen darf.

Auf lange Sicht wird die Stabilität unserer Beziehungen zu Moskau davon
abhängen, bis zu welchem Grad wir beide die günstigen Auswirkungen einer Normalisierung als real und nicht illusorisch zu begreifen lernen. Dieser Prozeß
läuft aufgrund der großen Unterschiede in unseren ideologischen und politischen Anschauungen keineswegs automatisch ab. Diese Unterschiede setzen der
Tiefe und Qualität unserer Kommunikation miteinander Grenzen und werden uns

-16-

�uns offensichtlich nicht zu jener Intimität gelangen lassen, wie wir sie in
den Beziehungen zu engen Freunden und Verbündeten erwarten möchten. Aber die
Veränderungen,die in den letzten Jahren in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eingetreten sind, haben uns zu der Auffassung ermutigt,daß wir uns
auch weiter von der starren Feindseligkeit der Vergangenheit entfernen und
zu einem neuen Verhältnis gelangen können, das durch gegenseitige Zurückhaltung und ein höheres Maß an Stabilität gekennzeichnet ist. Das aber ist das
eigentliche Ziel der Entspannung.

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10/1974

NEUE ÜBEREINSTIMMUNG ÜBER GRUNDSÄTZE DER US-AUSSENPOLITIK
Von Senator Edmund S. Muskie

Senator Muskie war 1968 Vizepräsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei.
Er ist Mitglied des wichtigen Außenpolitischen Ausschusses des Senats und
einer der führenden Sprecher seiner Partei
im Kongreß.
Der vorliegende Artikel basiert auf den
Ausführungen des Senators auf der 14.
Außenpolitischen Jahreskonferenz am 23.
April in der amerikanischen Marineakademie.
Die Darlegungen Muskies lassen einen neuen
Trend der "Überparteilichkeit" in der amerikanischen Außenpolitik und die Bereitschaft des Senators erkennen, selbst darauf
hinzuwirken, daß die Außenpolitik der USA
von beiden Parteien im Kongreß getragen
wird.

Die Vereinigten Staaten gehen heute aus einer der schwierigsten Perioden ihrer außenpolitischen Entwicklung hervor. Ich bin überzeugt, daß die
Vereinigten Staaten trotz einer Verwirrung der Wertvorstellungen nach
Vietnam, trotz des gegenwärtigen innenpolitischen Traumas der WatergateAffaire, trotz des gefährlichen Konflikts im Nahen Osten und der neuerlichen Ausweitung der Feindseligkeiten in Indochina, trotz einer offensicht-

�offensichtlichen Abkühlung der Entspannung und einer Erhitzung unserer Beziehungen zu Europa - daß sie trotz all dieser Dinge an einer Schwelle stehen, die zu einem neuen Zusammenhalt in der Außenpolitik, zu einem neuen
Zielbewußtsein und zu einer gemeinsamen Zielsetzung und einer Wiederherstellung der überparteilichen Tradition in den außenpolitischen Beziehungen führen wird.

Der Grund für meinen Optimismus liegt darin, daß ich heute in der Bevölkerung eine breite Übereinstimmung über vier Grundprinzipien der amerikanischen Außenpolitik feststellen kann.

Erstens besteht eine allgemeine Übereinstimmung, daß eine Politik des
Isolationismus keine tragbare und tragfähige Option für Amerika ist. Trotz
der neuen und spürbaren Aversion des amerikanischen Volkes,in marginale
regionale Konflikte verwickelt zu werden, sind die meisten Amerikaner von
einer globalen Interdependenz überzeugt, die notwendigerweise erfordert, daß
die Vereinigten Staaten in den politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsangelegenheiten der Welt eine bedeutsame Rolle übernehmen.
Zweitens finden die Grundsätze der Entspannung allgemeine Unterstützung
- Entspannung im Sinne eines Abbaus der Spannungen und der Normalisierung
der Beziehungen zu unseren Hauptgegnern aus dem kalten Krieg, nämlich der
Sowjetunion und der Volksrepublik China. Unter welchen Bedingungen und in
welchem Tempo die Entspannung vonstatten gehen soll, darüber kann und soll
in der Öffentlichkeit debattiert werden. Die meisten

Amerikaner sind jedoch

im Prinzip für die Entspannung.
i ,...,,

-2-

Drittens

�{

Drittens herrscht weitgehend Einigkeit darüber, daß unsere Bündnisse mit
Europa und Japan bei allen Fortschritten der Entspannung weiterhin lebenswichtig sind und nachdrücklich betont werden müssen. Diese Bündnisse werden in
weiten Kreisen als durchaus mit der Entspannungspolitik vereinbar betrachtet,
und man sieht in ihnen Zielsetzungen, die weit über die gemeinsame Sicherheit
hinausgehen.

Viertens besteht ein neues Bewußtsein der gegenseitigen Abhängigkeit
- der Interdependenz - der Industrienationen und der Entwicklungsländer. Diese
Erkenntnis ist erst jüngst durch das arabische Ülembargo schmerzlich zum Bewußtsein gebracht worden. Diese Dinge haben auch auf der kürzlichen Sondersitzung der Vereinten Nationen sorgfältige Beachtung gefunden, die auf Antrag
des algerischen Präsidenten Boumedienne einberufen wurde, um die kritischen
Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung der Welt zu behandeln. Die Sitzung war
nach meiner Auffassung höchst bedeutsam, nicht zuletzt dank der bemerkenswert
einsichtigen Rede von Außenminister Henry Kissinger über Probleme der Weltwirtschaft und der Entwicklung.

Diese vier Grundsätze bilden nach meiner Meinung die Grundlage für die
wachsende Übereinstimmung über die Richtung unserer Außenpolitik und über unsere fundamentale nationale Zielsetzung.

Was den ersten Punkt angeht, so ist die Vorstellung einer im wesentlichen
isolationistischen Politik schon immer praktisch eine optische Täuschung gewesen. Eine kleine Macht mag sich den Luxus leisten können, sich hauptsächlich

3-

�t

hauptsächlich mit ihrer physischen Sicherheit und der Erhaltung ihrer Unabhängigkeit zu befassen. Aber eine Großmacht kann und darf sich nicht nur über
diese Minimalziele Gedanken machen, sondern sie muß auch an die Schaffung und
Erhaltung eines günstigen internationalen Klimas denken. Das erfordert keineswegs eine Politik der Intervention - einer Politik also, die weder möglich
noch wünschenswert wäre - sondern das bedeutet, daß die Aufgabe unserer grossen Verpflichtungen in Europa und Japan untragbar wäre.

Wenn sich die Vereinigten Staaten von diesen Verpflichtungen zurückzögen,
dann würde dies mit ziemlicher Sicherheit früher oder später die nukleare
Proliferation, d.h. die weitere Ausbreitung von Kernwaffen , bedeuten. Theoretisch würden ein paar Nuklearstaaten mehr die Welt vielleicht auch nicht
weniger stabil machen, und man könnte sogar argumentieren, daß sich die Vereinigten Staaten dann aus einem regionalen Nuklearkonflikt heraushalten könnten, wenn die Stabilität zusammenbrechen sollte. Man könnte sich ein solches
System zwar theoretisch vorstellen, aber die meisten Historiker bezweifeln,
daß sich eine Großmacht wie die Vereinigten Staaten immer aus Konflikten
heraushalten könnte, in die andere große Staaten verwickelt wären - aus Konflikten also, die ohne Frage politische und wirtschaftliche Interessen der
USA berühren würden.

Darüber hinaus muß man einmal ganz realistisch die praktischen Folgen
eines solchen Rückzuges betrachten. Eine unabhängige japanische Nuklearstreitmacht würde wahrscheinlich - einmal von den möglichen Auswirkungen auf
die japanische Gesellschaft selbst abgesehen - eine sich möglicherweise

-4-

�möglicherweise herausbildende Stabilität in Asien sprengen. In Europa müßte
eine totale amerikanische Abwehr von unseren Sicherheitsgarantien außerordentlich destabilisierend wirken. Im gegenwärtigen Stadium der europäischen Entwicklung kann man sich leicht die großen Belastungen vorstellen, denen das
englisch-französisch-deutsche Verhältnis ausgesetzt wäre, wenn man vor der
Notwendigkeit stünde, Mittel und Wege - also eine Art gemeinsamer Nuklearstreitmacht mit einem gemeinsamen Entscheidungsmechanismus

- zu finden, um

den amerikanischen Schild zu ersetzen.

Es liegt auf der Hand, daß die meisten Europäer, und vor allem die Deutschen, die militärische Präsenz Amerikas als von entscheidender Bedeutung für
ihre Sicherheit betrachten. Nicht daß sie eine Aggression im traditionellen
Sinne befürchteten. Sie befürchten vielmehr - und,wie ich meine, zu Recht einen Verlust ihrer Handlungsfreiheit, wenn das europäische Gleichgewicht
wesentlich gestört wird - einen Verlust der Bewegungsfreiheit, die nach ihrer
Auffassung darauf beruht, daß sich die Großmächte auf dem europäischen Schauplatz gegenseitig militärisch paralysieren.

Wir können mit allem Nachdruck über solche Fragen sprechen, wie Lastenverteilung im Bündnis,und - wie ich meine, zu Recht - darauf bestehen, daß
die Europäer einen größeren Anteil an der Verantwortung für die konventionelle Verteidigung ihres eigenen Kontinents übernehmen. Die gegenwärtige Zahl
der amerikanischen Truppen in Europa ist keine magische Formel, und wir können nach meiner Auffassung durchaus über einen wesentlichen Abzug amerikanischer Soldaten sprechen, ohne die fundamentalen Verpflichtungen zu unterminie-

-5-

�f

unterminieren, die wir gegenüber unseren NATO-Verbündeten eingegangen sind.
Aber eine solche Debatte - wie sie auch in diesem Jahr wieder im Kongreß
anstehen wird - wird niemals unsere grundsätzliche Verpflichtung zur Verteidigung Europas in Frage stellen oder den Grundsatz berühren, daß eine bestimmte Zahl amerikanischer Soldaten als Garantie für diese Verpflichtung in
Europa bleiben muß.

Was das zweite Prinzip anbetrifft, so besteht meiner Ansicht nach weitgehende Zustimmung beim amerikanischen Volk in bezug auf die Grundrichtung
der amerikanischen Entspannungspolitik mit der Sowjetunion und China. Aber
auch hier gibt es große Meinungsverschiedenheiten über Form und Grad der
Interdependenz, die wir mit der kommunistischen Welt zu schaffen suchen. Die
Entspannung selbst aber - nach den Worten Außenminister Kissingers - als
ein "Prozeß" angesehen, "wie man Beziehungen zu einem potentiell gegnerischen
Land unterhält, um den Frieden und dabei gleichzeitig unsere lebenswichtigen
Interessen zu bewahren",- findet beim amerikanischen Volk weitgehend Unterstützung.

Entspannung beruht nicht auf einer Übereinstimmung über verbindliche
Werte, sondern eher auf der auf jeder Seite bestehenden Einsicht, daß der
andere ein möglicher Gegner in einem Nuklearkrieg sein könnte. In einer Welt
dieser Art muß das Streben nach Frieden, um nochmals Dr. Kissingers Worte zu
gebrauchen, mit einer pragmatischen Konzeption von Koexistenz beginnen was nicht heißt, mit einer rein pragmatischen Politik, der das Element der
Menschlichkeit und der Vision fehlen würde, sondern mit einer Politik, die

,6-

�die sich von allen moralistischen Überschwänglichkeiten freihält, die der
Verhandlung und Angleichung im Wege stehen.

Zumindest auf drei Gebieten ist die Entspannung erfolgreich gewesen. Sie
hat zu einem Nachlassen der ideologischen Überhitzung geführt. Sie hat zu
einer soliden Lösung der deutschen Frage geführt. Und sie hat zu den Abkommen
von 1972 über strategische Rüstungen geführt. Auf den anderen Gebieten sind
die Entspannungsbemühungen weniger erfolgreich gewesen, und zur Zeit zeichnet
sich in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen eine Tendenz ab, die ernsthafte Zweifel über ihre künftige Weiterentwicklung aufkommen läßt. Es herrscht
Pessimismus in bezug auf SALT II, ferner zeichnet sich eine offensichtlich
härtere Haltung hinsichtlich der Unterdrückung in der Sowjetunion selbst
sowie ein sich in beiden Ländern verstärkendes Bewußtsein ab, daß der Entspannung Grenzen gesetzt sind.

Wir sehen uns gegenwärtig in einem Begriffsdilemma gefangen, was diese
Grenzen der Entspannung anbetrifft. In seinen Darlegungen vor dem Finanzausschuß des Senats argumentierte Außenminister Kissinger kürzlich, daß die Vereinigten Staaten das Recht hätten, von der Sowjetunion ein verantwortungsbewußtes internationales Verhalten zu fordern und zu erwarten, daß Abkommen
treu und ehrlich eingehalten werden. Dann aber zog er die Zweckmäßigkeit des
Jackson-Amendments zum Handelsgesetz in Zweifel,(eine Zusatzbestimmung, die
von Senator Henry Jackson eingebracht wurde und die Zollpräferenzen für die
Sowjetunion von einer Erleichterung der sowjetischen Beschränkungen der
jüdischen Auswanderung abhängig macht) - eine Zusatzbestimmung, für die ich

-7-

�I

ich selbst und drei Viertel aller Senatoren eintreten - indem er argumentierte, daß es fruchtlos für uns sei, auf grundsätzlichen Änderungen im sowjetischen System selbst zu beharren und daß wir dadurch nur andere lebenswichtige internationale Ziele aufs Spiel setzten, die wir^in konstruktiver Weise
zusammen anstreben können.

Von denjenigen, die für das Jackson-Amendment eintreten, wurde dagegen
eingewandt, daß es sich nicht um eine unberechtigte Einmischung in fremde
Angelegenheiten handele, wenn Amerika sich besorgt mit den innenpolitischen
Zuständen in der Sowjetunion befasse. Darin komme vielmehr zum Ausdruck, daß
ein stabiler Friede seine Grundlage auf einem gemeinsamen moralischen Fundament haben müsse. Ohne ein solches gemeinsames moralisches Grundgefüge, so
argumentiert man von dieser Seite, könne eine Entspannung immer nur begrenzt und prekär sein.

Das Jackson-Amendment konfrontiert uns mit einem moralischen und praktischen Dilemma, das sich nicht leicht lösen lassen wird. Aber es besteht
eine gewisse Möglichkeit, daß ein befriedigender Kompromiß Zustandekommen
kann, der eine Normalisierung der amerikanisch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen gestattet, ohne daß wir deshalb denjenigen, die am meisten unter
der sowjetischen Repression im eigenen Lande leiden, den Rücken kehren
müßten. Die Befürworter des Jackson-Amendments haben Bereitschaft zu einem
Kompromiß in bezug auf die Forderung nach völlig freier Auswanderung erkennen lassen, wenn sich dafür die Zahl der Auswanderer beträchtlich erhöht und
die Schikanen gegen die Einzelnen, die Auswanderungsanträge stellen, aufhören. Die Administration hat die Bereitschaft erkennen lassen, das Handels-

-8-

�Handelsproblem und das Auswanderungsproblem vermittels jährlicher Überprüfung
durch den Kongreß miteinander verknüpfen zu lassen. Auch wenn beide Seiten
bislang noch zu keinem Übereinkommen gelangt sind, so besteht doch einiger
Grund zu der Annahme, daß letztlich ein Kompromiß möglich sein dürfte.

Zum dritten Grundsatz möchte ich sagen, daß nach meiner Überzeugung allgemeine Übereinstimmung darüber besteht, daß die amerikanischen Bündnisse mit
Europa und Japan noch immer lebenswichtig sind - welche Fortschritte die Entspannung auch bringen mag.

Wenn die Vereinigten Staaten Klage über Europa führen, dann geht es um
den angeblichen Mangel an ausreichender Konsultation zwischen den neun Mitgliedern des Gemeinsamen Marktes und den Vereinigten Staaten vor Entscheidungen,
die auch die amerikanischen Interessen berühren. Es heißt, in Europa mache sich
in zunehmendem Maße die Tendenz breit, dem Diktum de Gaulies zu folgen, daß
Europa der amerikanischen Beherrschung nur entgehen könne, wenn es seine Entscheidungen ohne Konsultation treffe. Das hat, wie Außenminister Kissinger es
ausdrückte, zu einer Haltung geführt, die europäische Identität im Gegensatz
zu den Vereinigten Staaten zu suchen. In Wirklichkeit, so sagt er, liegt dem
eine innere Schwäche der meisten europäischen Regierungen zu Grunde, die sie
dazu verleitet, sich in antiamerikanische Positionen, die wenig innenpolitisches Risiko bergen, an Paris anzulehnen.

Angesichts der gegenwärtigen Stimmung im Bündnis ist es schwer zu sagen,
wie tief diese Spaltungen tatsächlich gehen. Ich bin da gar nicht pessimistisch, denn ich glaube, daß im Kern das atlantische Verhältnis von einem

-9-

�f

4

einem starken Gefühl der psychologischen und kulturellen Gemeinsamkeit beherrscht wird, das weit tiefer geht als die gelegentlichen Reibereien.
Darüber hinaus sind die Aufgaben, die Amerika, Europa und Japan in der heutigen Welt gestellt sind, so groß, und die Folgen eines Versagens wären so
schwerwiegend, daß sich nach meiner Auffassung in den gemeinsamen Anstrengungen dieser großen modernen Demokratien ein natürliches und grundsätzliches
Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung durchsetzen wird.

Wir alle kennen zur Genüge die hartnäckigen Probleme der Verteilung
der Sicherheitslasten und der wirtschaftlichen Koordination und Integration.
Was eine erneute gemeinsame Anstrengung aller Industrienationen erfordert
- und das hängt mit dem vierten Prinzip zusammen - ist das, was man wohl als
die zwingendste moralische Verpflichtung unserer Zeit bezeichnen darf: Die
Notwendigkeit,die Armut in der Welt zu verringern und ein gerechteres Verhältnis zwischen den reichen und den armen Ländern herzustellen.

Außenminister Kissinger hat in seiner Rede auf der Sondersitzung der
Vereinten Nationen zunächst einmal unterstrichen, daß die Weltwirtschaft mehr
Energie zu vertretbaren Preisen braucht, und die Mitarbeit der Vereinigten
Staaten an allen Anstrengungen zugesichert, der Verschwendung von Energie
Einhalt zu gebieten und neue Energiequellen zu erschließen. Zweitens forderte er die Zusammenarbeit der Erzeuger-und Verbraucherländer bei der Überwindung des Zyklus des Rohstoffüberschusses und des Rohstoffmangels. Dabei wandte
er sich gegen alle Bestrebungen von Kartellen von Rohstofferzeugern, künstlich
hohe Preise auszuhandeln. Drittens sagte er die Mitwirkung der Vereinigten

-10-

�Vereinigten Staaten an einer großen Anstrengung zu, den Entwicklungsländern
bei der Lebensmittelerzeugung und der Bevölkerungskontrolle zu helfen,um ein
stabiles Gleichgewicht zu erreichen, und er forderte eine globale Nahrungsreserve, um Hungersnöten begegnen zu können. Viertens forderte er die besondere
Unterstützung der ärmsten Nationen - jener also, die weder Industrie haben
noch Rohstoffe, noch ausreichend Lebensmittel produzieren können, um sie davor zu bewahren, bei den gegenwärtigen Verhältnissen unterzugehen. Fünftens
verpflichtete er die Vereinigten Staaten zu einer großen wissenschaftlichen
Anstrengung in der Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Technologien, die
produktiv und arbeitsintensiv sind, in der Verbesserung der Mittel der Geburtenkontrolle und in der Ausweitung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiete der Energie. Und sechstens schließlich forderte er ein weltweites Handels-, Währungs-und Investitionssystem, das unsere industrielle Zivilisation
im gegenwärtigen Zeitalter des Mangels erhalten und tragen kann.

Die Kluft zwischen Arm und Reich in weltweitem Ausmaß ist das zentrale
moralische Problem unserer Zeit. Diese Kluft zwischen Arm und Reich öffnet
sich immer weiter und das Bewußtsein dieser globalen Ungleichheit nimmt ebenso zu wie die Entschlossenheit, sie zu beseitigen. Wenn wir uns diesem Problem
nicht ernsthaft zuwenden, dann riskieren wir in gleichem Maße verstärkte soziale Unruhe in der ganzen Welt und eine globale Anarchie.

Das erneute Bewußtsein der globalen Interdependenz kommt zu einem Zeitpunkt, da die Auslandshilfe in ihrem traditionellen Sinn den größten Teil
ihrer einheimischen Befürworter in Amerika verloren hat. Aber die Enttäuschung

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�i
i

Enttäuschung der Öffentlichkeit über unsere bilateralen Auslandshilfeprogramme ist nicht ganz ungerechtfertigt. Was wir jetzt brauchen, ist eine massive
Anstrengung in multilateralem Ausmaß, und zwar nicht nur, um den Entwicklungsländern Kapital zukommen zu lassen oder eine Vielzahl technischer
Hilfsprojekte durchzuführen, sondern um das gesamte System von Hilfe, Handel,
Investitionen und Finanzierung in der Welt zu reformieren, um die vor uns
liegenden historischen Aufgaben realistisch anpacken zu können.

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10/1974

AUSRÜSTUNGEN FÜR HOTEL UND RESTAURANT
-Fachausstellung im Frankfurter US-Handelszentrum-

--(AD)-- Rund vierzig amerikanische Hersteller zeigen ihre neuesten Produkte und Entwicklungen in der Ausstellung "Ausrüstungen für Hotel und
Restaurant ", die vom 18. bis 21. Juni 1974 im US-Handelszentrum in
Frankfurt stattfindet. Mehr als die Hälfte dieser Firmen sind neu auf
dem deutschen bezw. europäischen Markt und suchen hier in erster Linie
Vertretungen, Lizenznehmer und Partner für gemeinsame Projekte.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Automatikherde, Mikrowellenöfen, ein
umfangreiches Programm an Grillgeräten, u.a. vertikale Burger-Grills
und Grilltoaster mit automatischer Butterbestreicheinrichtung, Würstchenwärmer, Dampfpfannen, Frittiergeräte, Eierkocher, Warmhaltespeicher und
-platten für Speisen, Kaffeemaschinen, Bierzapfanlagen, Fruchtsaftausschankgeräte, Behälter und Zapfanlagen für Saucen, Dressings und Konzentrate, Armaturen, Dosiergeräte für Spirituosen, Gefrierautomaten, Kühl-

�V
Kühlgeräte, Geschirrspülanlagen, Topfreinigungsgeräte, Silberputzautomaten,
Portionsgeschirr, fahrbare Geschirrstapel», Transport- und Regalsysteme,
Klimageräte und Luftreiniger, pflegeleichte Bett-und Tischwäsche, mobile
und zusammenklappbare Tanzflächen, Bühnen, Stühle, Tische, raumsparende
Klappbetten, Zimmersafes, künstliche Kaminfeuer, Reinigungsmaschinen für
Fußböden, Teppiche, Möbel und Wände, Staubsauger für Naß-und Trockenanwendung (auch für grobe Abfälle) und Geräte zur Abfallbeseitigung.

Weitere Informationen durch das US=»Handelszentrum, 6 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2-4, Tel.: 720801, Telex: 416535

-2-

�</text>
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22. Mai 1991

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CHEMISCHE WAFFEN

ZUR VERWIRKLICHUNG EINES VERBOTS
CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer
Abrüstungskonferenz

OSTEUROPA

MITTEL- UND OSTEUROPA:
EIN JAHR DANACH
Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger

UMWELT

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZ AMTES
FORDERT ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Mai 1991

EINWANDERUNG

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG
IN DER AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�CHEMISCHE

WAFFEN
22. Mai 1991

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTREICHEN
ENGAGEMENT ZUR VERWIRKLICHUNG DES
VERBOTS CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer Abrüstungskonferenz
WASHINGTON - (AD) - Der Chefunterhändler der Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz
(CD), Botschafter Stephen Ledogar, hat dieses Gremium am 16. Mai 1991 aufgefordert, umgehend den
Vorschlag Präsident Bushs für ein weltweites Verbot chemischer Waffen zu erörtern.
"Angesichts der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen Waffen des Terrors können wir es uns nicht
leisten, unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen", erklärte der Botschafter in einer Rede vor
diesem wichtigsten Weltforum für multilaterale Abrüstungsverhandlungen.
Ledogar räumte ein, daß die Fertigstellung einer Konvention innerhalb von 12 Monaten "erhebliche Anstrengungen" erfordern werde, forderte die anderen Teilnehmerstaaten aber auf "in ihrer Haltung flexibel zu sein" und
"dasselbe Engagement" zur Verwirklichung eines Verbots chemischer Waffen an den Tag zu legen wie die
Vereinigten Staaten.
Ledogar erinnerte daran, daß der amerikanische Vorschlag die Lösung aller ausstehenden Probleme bis Ende
1991 und die ständige Tagung des Ad-hoc-Ausschusses der CD zu chemischen Waffen bis zur Vollendung einer
Konvention im nächsten Jahr vorsieht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Ledogars Erklärung im Wortlaut.

Zu Beginn des zweiten Teils unserer Sitzungsperiode
im Jahr 1991 habe ich das große Vergnügen, Ihnen
eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten an die Abrüstungskonferenz vorzulesen. Diese
Botschaft hat folgenden Wortlaut:
"Der jüngste Konflikt am Persischen Golf hat erneut
das Schreckgespenst des Einsatzes chemischer Waffen
gegen unschuldige Menschen heraufbeschworen. Dies
unterstreicht die Dringlichkeit einer Befreiung der Welt
von diesen Waffen des Terrors. Ich gehe davon aus,
daß die beste Hoffnung auf eine Beseitigung der
Geißel chemischer Waffen in einem vollständigen
Verbot besteht, das Bestandteil der von dieser Konferenz auszuhandelnden Konvention über chemische
Waffen ist. Die Vereinigten Staaten engagieren sich
für einen unverzüglichen, erfolgreichen Abschluß dieser Konvention und ihre wirksame Durchführung. Zu
diesem Zweck habe ich eine Reihe von Maßnahmen
angekündigt, die von den Vereinigten Staaten ergriffen
werden, um die Verhandlungen zu beschleunigen und

AMERIKA DIENST 20

Botschafter Ledogar angewiesen, meine Entscheidung in dieser Sitzungsperiode umzusetzen. Ich hoffe, diese Initiative wird auch andere Nationen dazu
anspornen, sich selbst ebenso für die entscheidenden
Ziele der Konvention zu engagieren und fordere alle
Nationen auf, sich uns bei der möglichst baldigen
Erlangung eines effektiven Verbots chemischer Waffen anzuschließen. Insbesondere rufe ich die Teilnehmer dieser Konferenz dazu auf, für diese Zielsetzung
alles in ihrer Macht Stehende zu tun und sich dafür
einzusetzen, alle noch anstehenden Probleme bis
Ende 1991 zu lösen und die Konvention über chemische Waffen innerhalb von 12 Monaten fertigzustellen.
Um diesen Zeitplan einzuhalten, bitte ich darum, daß
der Ad-hoc-Ausschuß zu chemischen Waffen in Genf
ständig tagt. Ich wünsche Ihnen allen einen raschen
Erfolg."
Präsident Bushs Botschaft enthält den Ansatz, den die
Vereinigten Staaten bei der Vollendung unserer Arbeit
an einem Verbot chemischer Waffen zu verfolgen

Seite 1

�gedenken. Der Präsident geht seit langem davon aus,
daß die beste Hoffnung auf einen Abbau chemischer
Waffen in ihrem völligen Verbot besteht, über das wir
gegenwärtig in diesem Forum verhandeln. Angesichts
der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen
Waffen des Terrors können wir es uns nicht leisten,
unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen.
Zu Beginn dieser Woche hat der Präsident angekündigt, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, eine
Reihe innovativer Maßnahmen zu ergreifen, um die
Aussichten auf den erfolgreichen Abschluß einer
Konvention über chemische Waffen zu verbessern.
Erlauben Sie mir, diese Schritte nun zu erläutern.
Um der Arbeit der CD ein Gefühl von der Dringlichkeit
des Problems zu vermitteln, schlagen die Vereinigten
Staaten die Erstellung eines Zeitrahmens für die Lösung aller noch zur Verhandlung anstehenden Probleme bis Ende 1991 und die Fertigstellung der Konvention innerhalb von 12 Monaten vor.
Um zur Verwirklichung dieser Ziele beizutragen, schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß der Ad-hocAusschuß zu chemischen Waffen von heute bis zur
Fertigstellung der Konvention ständig tagt. Die Verhandlungen würden also während der vorgesehenen
Sitzungspausen im Juli und im Herbst andauern. Damit
würde sichergestellt, da ß keine Zeit verloren und keine
Chance vergeudet wird. Unserem Vorschlag gemäß
sind die Vereinigten Staaten bereit, mich und meine
Delegation in Genf zu belassen und die Delegation
gegebenenfalls zu verstärken, um diesem Zeitplan
gerecht zu werden. Wir rufen andere Staaten dazu
auf, dasselbe Engagement an den Tag zu legen.
Um den Abschluß eines Verbots chemischer Waffen
innerhalb eines Jahres auf den Weg zu bringen, haben
die Vereinigten Staaten entschieden, Maßnahmen zur
Lösung zweier wichtiger Probleme zu ergreifen, die
unsere Verhandlungen behindert haben.
Mit diesen Maßnahmen hoffen wir aufzuzeigen, daß
der einzige Weg zum Abschluß eines Vertrags über
eine flexible Haltung führt. Wir fordern andere auf,
ebenfalls Flexibilität zu demonstrieren. Die Vereinigten Staaten werden insbesondere nicht mehr auf ihrem
Recht auf Vergeltung mit chemischen Waffen bestehen. Die Vereinigten Staaten werden unmittelbarnach
Inkrafttreten der Konvention dem Einsatz chemischer
Waffen aus jedwedem Grund und gleichartiger Vergeltung gegen alle Länder abschwören. Darüber hinaus
werden wir eine Bestimmung für die Konvention vorschlagen, die den Einsatz chemischer Waffen unter
allen Umständen verbietet.
Ferner werden die Vereinigten Staaten ihren Standpunkt aufgeben, daß wir und einige andere Länder
zwei Prozent unseres C-Waffenarsenals behalten dürfen,
bis alle Länder, die chemische Waffen besitzen, der
Konvention beigetreten sind. Die Vereinigten Staaten
Seite 2

werden sich bedingungslos für die innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten der Konvention erfolgende
Zerstörung all ihrer Chemiewaffenarsenale und früheren Produktionsstätten einsetzen. Wir fordern alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
sich uns anzuschließen, indem sie ihre Arsenale und
Produktionsstätten zerstören. Wir werden Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die von allen
Parteien bedingungslose Zerstörung ihrer C-Waffenarsenale und Produktionsstätten nach Inkrafttreten
der Konvention und die Beendigung der Zerstörung
innerhalb von zehn Jahren verlangen.
Verifizierung ist einer der wichtigsten' ungelösten
Schlüsselbereiche der Konvention. Obwohl bei der
Entwicklung des Verifizierungssystems für die Konvention erhebliche Fortschritte erzielt wurden, bleiben
noch wichtige Fragen bestehen. Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihr Engagement für ein starkes und
direktes Verifizierungsregime. Wir werden bald zusätzlich konkrete Vorschläge unterbreiten, um die
zentrale Frage von Ad-hoc-lnspektionen zu kfären.
Wir werden die Abrüstungskonferenz auffordern, sich
unserer Position anzuschließen.
Eine weitere ungelöste Frage ist, wie man die für ein
effektives Verbot entscheidende Beteiligung erzielt.
Wir sind natürlich der Meinung, daß ein vollständiges
Verbot chemischer Waffen erhebliche Fortschritte für
alle Parteien mit sich bringen wird. Wir sind femer der
Ansicht, daß es greifbare Vorteile für diejenigen Länder geben sollte, die der Konvention beitreten - und
bestimmte Strafen für diejenigen, die es nicht tun.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die den Parteien
den Handel mit Material zur Herstellung chemischer
Waffen mit solchen Ländern untersagen, die nicht
innerhalb eines absehbaren Zeitraums nach Inkrafttreten beitreten.
Nach der Konvention werden viele Länder ihre chemischen Waffen zerstören müssen. Dies ist eine sehr
komplexe und technisch anspruchsvolle Aufgabe. Um
die weltweite Beseitigung von C-Waffen zu erleichtern,
werden die Vereinigten Staaten anderen Ländern
praktische und effektive Hilfe leisten und sich an der
schnellen, sicheren und umweltschonenden Zerstörung chemischer Waffen beteiligen, wo immer diese
auch sein mögen. Wir gründen eine Arbeitsgruppe aus
Vertretern der US-Regierung und der Privatwirtschaft,
um Vorschläge zu entwickeln, wie die Vereinigten
Staaten einzelne Ländern bei der Zerstörung chemischer Waffen beraten und ihnen helfen können. Wir
werden Parteien technische Hilfe bei der Zerstörung
leisten, die chemische Waffen auf ihrem Territorium
stationiert haben. Dazu zählen etwa Besuche unserer
Zerstörungseinrichtungen, Pläne und technische Beratung. Als Forum für praktische Zusammenarbeit
schlagen wir die Einrichtung einer technischen Arbeitsgruppe unter der Ägide der Abrüstungskonferenz
vor.
AMERIKA DIENST 20

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Position, daß
es Sanktionen gegenüber Staaten geben sollte, die die
Konvention verletzen sowie besonders strenge Sanktionen gegen jedes Land, das erstmals chemische
Waffen einsetzt. Die Vereinigten Staaten erklären,
Verletzungen der Konvention, insbesondere den Ersteinsatz chemischer Waffen, als extrem gravierenden
Bruch des Völkerrechts zu betrachten und in diesem
Fall angemessene Sanktionen zu verhängen.

Bis zum vollständigen Verbot sind die Vereinigten
Staaten der Meinung, es sei wichtig, die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern. Deshalb sind
die Vereinigten Staaten bereit, allen anderen Verhandlungspartnern umfassende Informationen über unsere
Exportkontrollen für Material und Technologie zur
Herstellung chemischer Waffen - und über unsere
nationalen Gesetze zu deren Durchführung - zur Verfügung zu stellen.

Durch den Verhandlungsprozeß leisten die Teilnehmer der Abrüstungskonferenz alles in ihrer Macht
Stehende, um zu gewährleisten, daß die C-Waffenkonvention den Anliegen und Interessen aller Teilnehmer entgegenkommt. Oftmals sind Kompromisse
erforderlich, um dies zu leisten. Wir vertreten daherdie
Meinung, daß es Pflicht der an den Verhandlungen
teilnehmenden Länder ist, den erarbeiteten Text zu
unterstützen. Die Vereinigten Staaten erklären formell
ihre Absicht, von Anfang an Partei der C-Waffenkonvention zu werden. Wir fordern alle Länder auf,

Wir empfehlen allen anderen Ländern, ähnliche Kontrollen durchzuführen und wollen deshalb bis zur
Ausarbeitung eines vollständigen und formellen Verbots die Weiterverbreitung von C-Waffen einschränken.

öffentlich zu erklären, daß auch sie von Anfang an

beitreten wollen. Darüber hinaus fordern wir alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
unmittelbar nach Inkrafttreten der Konvention dem
Einsatz von C-Waffen aus jedwedem Grund abzuschwören.

AMERIKA DIENST 20

Der Abschluß der Konvention im nächsten Jahr wird
uns allen große Anstrengungen, großen Einsatz und
viel Flexibilität abverlangen. Der Status quo wird nicht
ausreichen. Vielmehr müssen wir alle zusammenarbeiten, wenn wir unser gemeinsames Ziel eines weltweiten Verbots zur Herstellung, Lagerung und dem
Einsatz chemischer Waffen erreichen wollen. Um
allgemeine Einhaltung zu erzielen, sind die Vereinigten
Staaten bereit, alles Erdenkliche zu tun, um eine CWaffenkonvention Wirklichkeit werden zu lassen. Wir
fordern andere auf, in ihren Positionen Flexibilität zu
demonstrieren und dasselbe Engagement für unsere
gemeinsamen Ziele zu zeigen.

Seite 3

�OSTEUROPA
22. Mal 1991

Mittel- und Osteuropa: Ein Jahr danach
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Eagleburger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden US-Außenministers
Lawrence S. Eagleburger bei der Jahreskonferenz der US-Export-Import Bank (EXIM-Bank) am 16. Mai 1991.

Im März 1990 hielt ich bei der letztjährigen Jahreskonferenz der EXIM-Bank zu einer Zeit eine Rede über
Osteuropa, da in dieser Region gerade wahrhaft revolutionäre Veränderungen stattgefunden hatten. Verständlicherweise herrschte damals eine starke Euphorie über den plötzlichen Fall des Eisernen Verhangs
und den Triumph der Freiheit in ganz Mittel- und
Osteuropa. An einem Ende des Spektrums stand die
widersinnige Behauptung, die Geschichte sei zuende
gegangen und am anderen die selbstzufriedene Annahme, die Umgestaltung Osteuropas zu Demokratie
und freier Marktwirtschaft bedeute, daß wir uns nicht
mehr in dem Maße mit Entwicklungen in der Region
auseinandersetzen müßten, wie wirdas in den vergangenen 50 Jahren getan haben.
Nüchternere Beobachter waren sich natürlich bewußt,
wie ungewöhnlich und schwierig die Aufgaben sein
würden, denen sich unsere Freunde in Osteuropa
stellen müßten und wie wichtig ihr Erfolg für amerikanische Interessen ist, aber das Drama ihres Kampfes
war nicht mehr dazu angetan, Schlagzeilen in den
Zeitungen zu machen, insbesondere da man sich mit
den Tagesgeschäften demokratischer Wahlen und der
Gestaltung von Wirtschaftspolitik beschäftigte, was
wir alle nur zu gut kennen. Und in der Zwischenzeit
brauten sich die Ereignisse am Persischen Golf zusammen und lenkten unsere Aufmerksamkeit in eine
andere Richtung.
Wenn es einen Punkt gibt, auf den ich heute noch
einmal hinweisen möchte, dann ist es die strategische
Bedeutung, die Mittel- und Osteuropa in der amerikanischen Außenpoltik in absehbarer Zukunft weiterhin
einnehmen werden. Tatsächlich bin ich der Meinung,

AMERIKA DIENST 20

wir sollten die Revolutionen, die in Osteuropa und
durch den Golfkrieg stattgefunden haben, dahingehend werten, daß beide ein neues Zeitalter in den
internationalen Beziehungen eingeläutet haben, das
wir in Ermangelung einer besseren Bezeichnung das
Zeitalter nach dem kalten Krieg nennen. Diese Ära
wird von zwei Merkmalen gekennzeichnet: erstens
vom weltweiten Übergang von Kommandowirtschaften in freie Marktwirtschaften - eine Bewegung, deren
Ergebnis das Schicksal der ebenfalls stattfindenden
weltweiten Hinwendung zu Demokratie mitbestimmen
wird. Und zweitens-wie wir bei der irakischen Invasion
Kuwaits beobachten konnten - von einer viel größeren
Labilität in den internationalen Beziehungen, da die
historisch ungewöhnliche und vom kalten Krieg auferlegte Disziplin schwindet.
Diese beiden Merkmale eines neuen Zeitalters treten
heute in Mittel- und Osteuropa zutage, wo der Kampf
zur Etablierung von Demokratie und Marktwirtschaft
parallel zur schwindenden Sicherheitsordnung des
kalten Krieges erfolgt ist. Unser Ziel muß eindeutig
darin bestehen, die erfolgreiche Integration der früheren kommunistischen Länder in umfassendere europäische Strukturen zu erlangen und westliche Zusammenarbeit anzuregen, die Frieden und Wohlstand
zwischen solchen Ländern gefördert hat, die sich in
diesem Jahrtausend zumeist gewohnheitsmäßig an
die Gurgel wollten. Niemand wei ß, was ein Fehlschlag
bedeuten würde. Wir wissen jedoch, daß die Natur
kein Vakuum kennt, und da Mittel- und Osteuropa in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts schwach und
instabil waren, prallten die großen Mächte zweimal
aufeinander. Wir müssen also Erfolg haben.

Seite 1

�Das vergangene Jahr: Ergebnisse und Hindernisse
Soviel zu dem, was auf dem Spiel steht. Ich möchte
heute die Fortschritte und Probleme beschreiben, denen
unsere europäischen Freunde im vergangenen Jahr
bei ihren Reformbestrebungen begegnet sind und auf
das eingehen, was die Vereinigten Staaten an Hilfe
leisten.
Wichtige Erfolge wurden vor allem im Bereich der
Sicherheitspolitik erzielt, das demokratische Engagement ist in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und
sogar in Bulgarien unwiderruflich, es wird in Parlamenten, einer freien Presse und rechtlichen Schutzmaßnahmen für die Freiheit des einzelnen und Menschenrechte institutionalisiert. In der Zwischenzeit werden
sowjetische Truppen in diesem Jahr vollständig aus
Ungarn und der Tschechoslowakei abgezogen, und
ein Zeitplan für ihren Abzug aus Polen wird gegenwärtig ausgehandelt. Das vielleicht greifbarste Zeichen
der Veränderung war die einhellige und kostenträchtige Zusammenarbeit mit der internationalen Koalition
gegen Saddam Hussein.
Man muß jedoch kein Raketenspezialist sein, um zu
verstehen, daß die Region wirtschaftlich am Boden
liegt und die noch schwachen demokratischen Institutionen in der nächsten Zeit harte Proben bestehen
müssen. Das letzte Jahr hat eine um sich greifende
Rezession mit sich gebracht, ein Vermächtnis der
veralteten und maroden wirtschaftlichen Infrastruktur,
die die Kommunisten hinterlassen haben und in gewissem Maße ein Ergebnis der Reformbestrebungen zur
Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität. Es
gab eine Reihe unvorhergesehener Erschütterungen:
der Ausfall irakischen und kuwaitischen Öls, der Zusammenbruch des Handels mit der Sowjetunion, die
sowjetische Entscheidung, ihre Waren in harter Währung bezahlen zu lassen und der Verlust des ostdeutschen Marktes.
Glücklicherweise haben diese Ereignisse nicht grundsätzlich das Engagement der Regierungen in der
Region erschüttert, den Übergang zu Marktwirtschaften zu steuern, und sie haben auch nicht ihre Bereitschaftaufheben können, die schmerzlichen Reformen
durchzuführen, um ihr Ziel zu erreichen.
Polen setzt weiterhin den Maßstab bei Reformen. Sein
solides Stabilisierungsprogramm des letzten Jahres erheblich unterstützt von den Vereinigten Staaten und
ihren westlichen Partnern - hat die Inflation erfolgreich
begrenzt, die Zinssätze verringert und den Zloty konvertierbar gemacht. Es ist wichtig, daß damit auch die
Industrieproduktion gefallen und die Zahl der Arbeitslosen gestiegen ist. Aber die Arbeitslosenquote reicht
noch nicht an westeuropäisches Niveau heran, und
zum ersten Mal seit Menschengedenken sind die
Regale in den Geschäften voll und die Warteschlangen verschwunden.

Seite 2

Polens Nachbarn haben in unterschiedlichem Maße
größere Vorsicht bei der Durchführung von Reformen
demonstriert. Dennoch haben sowohl Ungarn als
auch die Tschechoslowakei jetzt Pläne für die makroökonomische Stabilisierung und im Hinblick auf die
kommenden Jahre für die Beseitigung der Verzerrungen durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Bulgarien befindet sich nach der Wahl eines Mehrparteienparlaments im Juni auf dem Weg zu wirtschaftlichen
Reformen.
Offen gesagt, mußten wir in den vergangenen beiden
Jahren zwei Arten von Hindernissen für grundlegende
Reformen in Mittel- und Osteuropa überwinden. Das
erste war die langsame Bewegung von makro- zu
mikroökonomischen Reformen, das heißt, von der
makroökonomischen Stabilisierung zur tatsächlichen
Umwandlung der Kommandowirtschaften in Marktwirtschaften. Das zweite war die Entstehung potentiell
gefährlicher politischer Phänomene, die zusammen
mit den aufstrebenden demokratischen Institutionen in
der Region existieren.
Tatsache ist, daß die Geschichte wenige Beispiele von
Versuchen kennt, eine Volkswirtschaft zu privatisieren, die vollständig vom Staat gelenkt wurde. Es gibt
keine Präzedenzfälle und damit auch keine Richtlinien.
Sie werden sich daran erinnern, daß wir im letzten Jahr
Vorschläge für eine massive Stützungsaktion der osteuropäischen Volkswirtschaften im Stil des Marshallplans von 1947 abgelehnt haben. Es wird immer
wieder vergessen, daß in Westeuropa nach dem Zweiten
Weltkrieg bereits eine Marktwirtschaft existierte, die
das erforderliche Kapital aufnehmen konnte, um der
Nation auf die Füße zu verhelfen. Das trifft auf Mittelund Osteuropa heute ganz einfach nicht zu.
Statt dessen besteht der erste Auftrag für die Wirtschaft in der Region nach der makroökonomischen
Stabilisierung in der schrittweisen Schaffung einer
marktwirtschaftlichen Infrastrukur. Dies war ein umstrittener und verwirrender Prozeß. Grundsatzfragen
müssen entschieden werden: wem gehört das ehemalige Staatseigentum? Wem sollten Staatsbetriebe
verkauft werden? Wie sollte die Entschädigung für
diejenigen aussehen, deren Eigentum von den Kommunisten konfisziert wurde? Welche Industrien sollten
gerettet und welche den Realitäten der Weltmärkte
geopfert werden?
Zur Liste von zur Entscheidung anstehenden Fragen
müssen eine Reihe von zu erwerbenden Fähigkeiten
kommen: Fähigkeiten der Arbeitnehmer, der Führungskräfte, Fähigkeiten in Information und Finanzwesen, um nur einige zu nennen.
Und schließlich muß die Infrastruktur einer modernen
und international wettbewerbsfähigen Wirtschaft geschaffen werden - im Bankwesen, im Informationssektor, bei Transport und Verkehr, im Wohnungsbau und
in anderen Sektoren.

AMERIKA DIENST 20

�Es ist daher nicht überraschend, daß zum Beispiel in
Polen, wo die makroökonomische Stabilisierung am
weitreichendsten war, die erwünschte angebotsorientierte Reaktion nur schleppend erfolgt ist. Die Privatisierung hat sich verzögert, und Staatsbetriebe sind
vom Markt und den Kräften des Wettbewerbs isoliert.
Darüber hinaus können wir die wichtigen psychologischen Hindernisse für mikroökonomische Reformen
nicht außer acht lassen, die aus der kommunistischen
Herrschaft resultieren, das Anklammern an die Sicherheit des Arbeitsplatzes und ganz einfach die Angst vor
Veränderungen und dem Unbekannten schlechthin.
Neue US-Strategie für wirtschaftliche Reformen
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Regierung eine
Lehre aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre
gezogen und ihre Prioritäten im Hinblick auf Hilfe
entsprechend verlagert hat. Das heißt nicht, wir geben
die makroökonomische Unterstützung auf - denken
Sie nur an die von den Vereinigten Staaten angeregte
Initiative im Pariser Club, die Einigung über einen
außergewöhnlichen Schuldenerlaß für Polen hervorgebracht hat. Aber unserer Ansicht nach besteht in
Mittel- und Osteuropa heute größerer Bedarf an mikroökonomischen Reformen, insbesondere die Notwendigkeit zur Stimulierung von Aktivitäten des Privatsektors. Und wir glauben, die beste Möglichkeit,
diesem Bedarf gerecht zu werden, besteht in der
Verbesserung des Handels, besserem Zugang zu
westlichen Märkten und stärkerem Investitionsfluß
aus dem Westen. Demgemäß wird unser neuer Ansatz die folgenden drei Komponenten umfassen:
Erstens ein Schwerpunkt auf technischer Hilfe - Ausbildung für Banker und Führungskräfte, Hilfe bei der
Erarbeitung von Steuer-, Arbeits- und Wirtschaftsgesetzen, mit denen Wettbewerb in die Tat umgesetzt
werden kann, Hilfe von Finanzmittlern, die beim Privatisierungsprozeß helfen, Hilfe bei der Umstrukturierung von Unternehmen und Beseitigung des Würgegriffs der Bürokratien über wirtschaftliche Aktivitäten.
Zusammen mit den Unternehmensfonds für Polen,
Ungarn und die Tschechoslowakei wird die technische
Hilfe in den nächsten Jahren die meisten US-Mittel
erhalten.
Zweitens muß der Handel mit dem Westen ausgebaut
werden - zu einer Zeit, da der Osteuropahandel mit der
UdSSR und Ostdeutschland zusammengebrochen ist,
sind westliche Märkte wichtiger als westliche Hilfe.
Wenn sie nicht ihre Exporte erhöhen, werden die
neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas mehr durch
das Ausbluten des Handels verlieren als sie möglicherweise durch die Transfusion westlicher Hilfe gewinnen
könnten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten eine
Initiative zur Verbesserung des Handels ins Leben
gerufen, die folgende Punkte umfaßt:

AMERIKA DIENST 20

eine erhebliche Erweiterung von Zollfreiheitsprivilegien für Mittel- und Osteuropa im Rahmen
des Allgemeinen Präferenzsystems;
technische Unterstützung in Zusammenhang
mit den US-Handelsgesetzen und -Vorschriften, um Informationshemmnisse für den Handel
überwinden zu helfen;
Entwicklung eines Programms, mit dessen Hilfe
das Wirtschaftsministerium Kontakte zwischen
Unternehmen, und zwar vorwiegend kleinen
und mittleren Firmen, in ähnlich gelagerten
Wirtschaftsregionen der Vereinigten Staaten und
Unternehmen in Mittel- und Osteuropa herstellen wird.
Wir sollten diese Maßnahmen nicht allein ergreifen.
Die Europäische Gemeinschaft, die den größten Markt
für Mittel- und Osteuropa darstellt, sollte - und hat in
der Tat die Pflicht - ebenfalls verstärkt ihren Markt
öffnen, und wir ermutigen sie, dies im Rahmen ihrer
Assoziierungsabkommen zu tun. Wir betonen jedoch,
daß diese Abkommen mit den GATT-Regeln für alle
Bereiche des Handels, einschließlich der Landwirtschaft, in Einklang stehen sollten.
Unsere dritte und letzte Priorität ist der Ausbau der
Produktivkraft der Region und damit des Handels
durch verstärkte Direktinvestitionen in den mittel- und
osteuropäischen Volkswirtschaften. Offengesagt sind
wir von dieser Form der Unterstützung bis jetzt enttäuscht. So hat zum Beispiel Präsident Walesa während seines Besuchs in Washington erklärt, die amerikanischen Privatinvestitionen hätten bisher lediglich
30 Millionen Dollar erreicht.
Das Kernstück dieser Bemühungen bildet unsere kürzlich
eingeleitete Initiative zur Entwicklung des Privatsektors, die das Wachstum amerikanischer Investitionen
in der Region fördern, die Beteiligung amerikanischer
Firmen an der Entwicklung der Infrastruktur verstärken
und das Engagement kleiner und mittlerer amerikanischer Unternehmen im bilateralen Handel ausbauen
soll. Es handelt sich dabei um ein auf zwei Jahre
angelegtes Programm im Umfang von 45 Millionen
Dollar, das vom Amt für internationale Entwicklung
(AID), dem Wirtschaftsministerium, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und dem US-Handels- und Entwicklungsprogramm gemeinsam mit dem Privatsektor
durchgeführt wird. Das Hauptaugenmerk gilt dabei
fünf von den mittel- und osteuropäischen Ländern
identifizierten Schlüsselbereichen, die darüber hinaus
amerikanischen Unternehmen einzigartige Perspektiven bieten: 1. Landwirtschaft und Agrarindustrie, 2.
Energiewesen, 3. Umwelt, 4. Telekommunikation und
5. Wohnungsbau. Die Initiative beinhaltet unter anderem folgende Elemente:

Seite 3

�Ein amerikanisches Wirtschaftszentrum in
Warschau, das in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor gegen Entgeld Büroräume und technische Business-Dienstleistungen anbietet.
Amerikanische Firmenkonsortien in Osteuropa,
um kleine und mittlere amerikanische Unternehmen zu unterstützen, die sich auf dem osteuropäischen Markt engagieren möchten. Amerikanischen Handels- und Wirtschaftsvereinigungen,
die sich in der Region niederlassen möchten,
werden Beihilfen gewährt.
Eine Kapitalentwicklungsinitiative des AID, mit
der osteuropäische Regierungen und Privatfirmen bei der Planung von Infrastrukturprojekten
in einer Art und Weise unterstützt werden, die
dem Engagement amerikanischer Unternehmen
Vorschub leistet.
Wir ersuchen den Gesetzgeber um die Vollmacht, das Eigenkapital-Investitionspilotprogramm der OPIC auf Osteuropa zu erweitern,
damit die OPIC selbst Direktinvestitionen in
aussichtsreichen Gemeinschaftsunternehmen
tätigen kann.
Wir sind uns voll und ganz der Tatsache bewußt, daß
die wichtigsten Hindernisse für Direktinvestitionen in
den Ländern dieser Region selbst zu finden sind. Sie
müssen zusätzliche Schritte ergreifen, um die Hemmnisse für den Handel miteinander abzubauen und
Veränderungen von Gesetzen, politischen Maßnahmen und Institutionen zu bewirken, damit die private
Wirtschaftstätigkeit wirklich gedeihen kann. Insbesondere müssen spezielle Schranken gegen ausländische Investitionen beseitigt werden, etwa die Begrenzung ausländischen Grundbesitzes, Obergrenzen für
ausländische Kapitalanteile sowie rückwirkende Haftung für ökologische Altlasten. Ich möchte dem noch
hinzufügen, daß diese Hemmnisse auch die Entwicklung heimischer Unternehmen behindern, da ausländisches Kapital Technologie und Managementkenntnisse ins Land bringen und zur Umstrukturierung der
Industrie auf eine Art und Weise beitragen können, die
diese Volkswirtschaften nicht mit Schulden belastet.
Die Zukunft der Demokratie in der Region
Ich habe bereits früher festgestellt, daß wir im vergangenen Jahr mit einer zweiten Herausforderung in Gestalt
einiger beunruhigender politischer Tendenzen konfrontiert wurden. Dazu zählte insbesondere das Aufkommen von Nationalitätenstreit innerhalb verschiedener mittel- und osteuropäischer Länder und, in geringerem Maße, nationalistischer Spannungen zwischen diesen Ländern. Während nach dem Zweiten
Weltkrieg die traditionellen Feindschaften Westeuropas offen behandelt und von solchen Faktoren wie
wirtschaftlichem Wohlstand, gemeinsamen demokratischen Institutionen und dem Aufbau einer paneuro-

Seite 4

päischen Identität abgebaut wurden, wurden solche
Strömungen im Osten lediglich durch die kommunistische Herrschaft unterdrückt. Es hätte also eigentlich
niemanden überraschen sollen, wenn diese nach den
Revolutionen von 1989 plötzlich erneut zum Ausbruch
kamen.
Ethnische Animositäten sind nicht das einzige negative Vermächtnis des totalitären Zeitalters. Der Kommunismus gewöhnte seine Untertanen an die Politik
des Absolutismus - einen Glauben an magische Formeln und alles umfassende Pläne und die Tendenz,
Gegner als Feinde zu betrachten und alles schwarz/
weiß zu sehen.
Die Konfrontation mit diesem Vermächtnis muß uns
meines Erachtens zu der nüchternen Schlußfolgerung
veranlassen, daß der Übergang von der Makro- zur
Mikroebene bei den Reformen in der politischen Sphäre ebenso hohe Anforderungen stellen könnte wie dies
im ökonomischen Bereich der Fall ist. Die institutionelle Struktur der Demokratie entwickelt sich, aber die
Verhaltensmuster und die tägliche Praxis der Demokratie - die Tugenden der Geduld, Toleranz und des
Respekts der Vielfalt - müssen im Lauf der Zeit angeeignet werden.
Leider sind diese Tugenden nicht langfristig sondern
bereits heute vonnöten. Tatsache ist, daß die nahezu
allgegenwärtige Erwartungshaltung, derzufolge Demokratie die rasche Erlangung des westlichen Lebensstandards bedeutet, zwangsläufig zu einer Kollision
mit der harten Wirklichkeit der Anpassung an die
Reformen und des Übergangs zur Marktwirtschaft
führen muß. Es besteht deshalb die Gefahr, daß die
Desillusionierung Ungeduld über das bedächtige Tempo
und das unerläßliche Geben und Nehmen der Demokratie hervorrufen und damit zu neuen Arten der Instabilität führen könnte.
Der Beitrag des Westens
Eines, was wir im Westen nicht tun sollten, ist, über
unsere osteuropäischen Freunde zu richten oder zu
versuchen, die Entscheidungen zu diktieren, die diese
alleine treffen müssen. Wir sollten uns schließlich
unserer eigenen historischen Erfahrungen erinnern,
daß die Demokratie schon unter den günstigsten
Umständen die wahrscheinlich anspruchsvollste Regierungsform ist.
Es gibt jedoch gewisse Dinge, die der Westen, insbesondere wir in den Vereinigten Staaten, tun kann, um
dazu beizutragen, daß der sich vollziehende schwierige wirtschaftliche Übergang weder die zerbrechlichen
neuen demokratischen Institutionen noch den Frieden
in der Region insgesamt destabilisiert.
Erstens müssen wir weiterhin Beratung und technische Hilfe beim Aufbau demokratischer Institutionen
bereitstellen. Unsere Freunde in der Region erklären
uns, daß solche Hilfe bis heute absolut entscheidend
AMERIKA DIENST 20

�für die bisher erzielten Erfolge war - die veranstalteten
Wahlen, neuen Verfassungen und so weiter. In Zukunft müssen wir uns auf die Stärkung der Demokratie
an der Basis konzentrieren, insbesondere auf die
Institutionen auf lokaler Ebene sowie diejenigen Gremien, die eine gesunde pluralistische Gesellschaft
schützen und vermitteln - zum Beispiel Gewerkschaften, Presseorgane und Rechtspflege. Unser Ziel muß
sein, zur Schaffung eines Systems beizutragen, in
dem von der obersten bis zur untersten Ebene Debatten und Opposition konstruktiv und demokratisch
kanalisiert werden, ein System, das die unvermeidlichen Erschütterungen der Zukunft abfedern kann.
Zweitens müssen wir sicherstellen, daß der durch das
Ende des kalten Krieges veränderte Gesamtrahmen
der europäischen Sicherheit selbst jeder von Mittelund Osteuropa ausgehenden politischen Erschütterung standhalten kann. Letztlich bedeutet dies konkret
die Schaffung einer neuen europäischen politischen,
wirtschaftlichen und Sicherheitsarchitektur. Darüber
hinaus müssen wir versuchen, die Mittel- und Osteuropäer davon zu überzeugen, daß die Beibehaltung
des demokratischen Kurses die conditio sine qua non
für den Beitritt zur Familie westlicher Nationen darstellt. Die Antwort besteht nicht darin, sie nur wegen
ihrer Investitionsregelungen oder ethnischen Auseinandersetzungen zu belehren. Sie müssen selbst erkennen, daß es zu den politischen und wirtschaftlichen
Freiheiten des Westens keine Alternative gibt, wenn
ihr Ziel die Erlangung westlichen Wohlstands und
gefestigter Freiheiten ist. Daneben müssen sie auch
lernen, das durchaus legitime Recht auf ethnische
Selbstbestimmung und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit mit den Geboten der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in einem Europa in Einklang zu
bringen, das auf rasche Integration und nicht auf
Zersplitterung ausgerichtet ist.
Schließlich müssen wir die psychologische Dynamik
beeinflussen, die heute in Mittel- und Osteuropa am
Werk ist, um sicherzustellen, daß die Euphorie von
Zuversicht und nicht von Verzweiflung abgelöst wird.
Wir können dies tun, indem wir unsere Freunde davon
überzeugen, daß es Licht am Ende des Tunnels gibt

und wir mit ihnen gemeinsam durch diesen Tunnel
gehen, bis sie vollständige Mitglieder der westlichen
Staatengemeinschaft geworden sind.
Dies kann jedoch nicht nur das Werk der westlichen
Regierungen allein sein. Die Nagelprobe unseres
Engagements für Demokratie und freies Unternehmertum in Mittel- und Osteuropa könnte die Bereitschaft unseres Privatsektors sein, sich an diesem
großen Experiment zu beteiligen und damit der Region
zu helfen, die menschlichen Qualifikationen und das
Kapital zu erwerben, die dringend benötigt werden.
Ich bin mir voll und ganz im klaren darüber, daß dies für
die amerikanische Wirtschaft keine Sache der Menschenfreundlichkeit ist. Ich habe mich bei der Beschreibung der Hindernisse für Wandel und Reformen
nicht zurückgehalten, die wir im vergangenen Jahr
angetroffen haben. Trotzdem bin ich ohne zu zögern
bereit, meinen Appell an Sie zu erneuern, in der Region
zu investieren. Ich bin davon überzeugt, daß der
Ertrag, obwohl nicht schnell erreichbar, so doch groß
sein wird.
Ja, der Status von Privateigentum ist immer noch
unklar - aber er wird geklärt werden. Ja, die Investitionsbestimmungen werden nicht allen unseren Erwartungen gerecht - aber dies wird schon bald der Fall
sein. Ja, das Tempo der Privatisierung war langsam aber es gibt einfach keine Alternative zu ihrer weiteren
Vorwärtsentwicklung.
Tatsache ist, daß Mittel- und Osteuropa Erfolg haben
werden, und diese Überlegung sollte bei ihren Investitionsentscheidungen zentralen Stellenwert einnehmen.
Und wenn ich von Erfolg spreche, so meine ich damit
auch, daß sich die Region im Lauf der Zeit sicherlich
dem historischen Prozeß der wirtschaftlichen Integration anschließen wird, der sich gegenwärtig in Westeuropa vollzieht - einem Prozeß, von dem ausgeschlossen zu sein sich die amerikanische Wirtschaft nicht
leisten kann. Mittel- und Osteuropa können gewinnträchtige Tore in das Europa von morgen sein - aber
nur, wenn die amerikanische Wirtschaft bereit ist, die
Risiken in Kauf zu nehmen und sich mit den Hindernissen auseinanderzusetzen, die heute in der Region
bestehen.

*

AMERIKA DIENST 20

*

Seite 5

�UMWELT
22. Mai 1991

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZAMTS FORDERT
ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamts (EPA), William K. Reilly, zufolge sind "Wirtschaft
und Umwelt zwei Bestandteile eines zerbrechlichen Ganzen und interdependent."
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte Reilly am 15. Mai 1991: "Wir müssen unserer
Verantwortung in beiden Bereichen gerecht werden, um sicherzustellen, daß das ökologische System, von dem
alle Aktivitäten des Menschen - einschließlich der Wirtschaftstätigkeit - abhängen, zukünftigen Generationen
erhalten bleibt."
Reilly erörterte vor dem Senatsausschuß die Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der für
nächstes Jahr anberaumten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED). Ziel
dieser Konferenz ist, die weltweite Beeinträchtigung des ökologischen Systems aufzuhalten. Die Zusammenkunft wird im Juni 1992 in Rio de Janeiro stattfinden, dem 20. Jahrestag der Stockholmer Umweltkonferenz von
1972.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Leiters des EPA im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, heute mit Ihnen die
Rolle des Umweltschutzamts bei den Vorbereitungen
der Vereinigten Staaten für die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung im Jahr
1992 erörtern zu können. Wir teilen die vom USAußenministerium geäußerte Einschätzung dieser
Konferenz.
Wie unsere Kollegen in der Exekutive vertreten wir die
Auffassung, daß die UNCED eine einmalige Chance
für die internationale Staatengemeinschaft bietet, einen Konsens zu den wirksamsten Ansätzen bei der
Bewältigung der vordringlichsten umweit- und entwicklungspolitischen Probleme auf internationaler,
regionaler, nationaler und lokaler Ebene zu erarbeiten.

wird und uns veranlaßt, eine auf das Zusammenwirken
von Umwelt- und Wirtschaftspolitik ausgerichtete kollektive Partnerschaft zu schmieden.
Im Februar 1990 erklärte Präsident Bush vor der
Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC): "Ich bin derfesten Überzeugung, daß wir
alles in unserer Macht Stehende zur Förderung weltweiter Zusammenarbeit, für Umweltschutz und Wirtschaftswachstum, intelligente Verwaltung unserer
natürlichen Ressourcen und wirksame Nutzung unserer industriellen Kapazität sowie dauerhafte und
umweltverträgliche Entwicklung - auf der ganzen Welt
- tun müssen."
Ziele und Rolle des EPA bei der UNCED

Der chinesische Philosoph Lao Tse hat einmal gesagt,
eine tausend Meilen lange Reise beginne mit einem
einzigen Schritt. Die Stockholmer Konferenz von 1972
hat Umweltthemen auf die internationale und nationale
Tagesordnung zahlreicher Länder gesetzt. Wir hoffen,
daß die Konferenz von 1992 einen Schritt weiter gehen

AMERIKA DIENST 20

Das EPA sieht seine Rolle bei den Vorbereitungen für
die UNCED darin, den Vereinigten Staaten mit Ideen,
Rat und umfassendem Fachwissen zu den bei der
Konferenz angesprochenen Themen zur Seite zu stehen.
Das EPA verfügt über 20jährige Erfahrungen bei

Seite 1

�Bewertung und Abbau von Risiken, Techniken zur
Verhinderung der Umweltverschmutzung sowie umweltverträgliche technologische Zusammenarbeit, die
von den Vereinigten Staaten bei der Integration von
Umweltschutzmaßnahmen in die Wirtschaftsplanung
und den Entscheidungsfindungsprozeß genutzt werden können.
Das EPA erwartet, daß die UNCED ein - derzeit
Programm 21 genanntes - Aktionsprogramm hervorbringt, das Empfehlungen für bestimmte Programme
und Umweltmedien zur Durchführung auf lokaler,
nationaler und internationaler Ebene enthält. Obwohl
das EPA an praktisch allen Themen der UNCED
interessiert ist, übernehmen wir die Führungsrolle bei
der Abfassung von Positionspapieren zu sieben Bereichen: toxische Chemikalien, Verschmutzung der Meere,
technologische Zusammenarbeit, Sondermüll, Trinkwasserqualität, Umwelterziehung und Austausch von
Informationen. Darüber hinaus spielen wir in zwei
weiteren Bereichen eine führende Rolle, und zwar
Forstwesen und Reform der Vereinten Nationen. Ich
möchte kurz einige unserer Interessensgebiete umreißen:
Toxische Chemikalien
Das EPA unterstützt die laufende Arbeit einer Reihe
internationaler Institutionen zu Pestiziden und toxischen Chemikalien. Wir begrüßen die Bestrebungen
der UNCED zur Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen diesen Gruppen, insbesondere, den Mitgliedstaaten bei der Entwicklung der erforderlichen
menschlichen Ressourcen und technischen Infrastruktur behilflich zu sein, um chemische Risiken wirksam in
den Griff zu bekommen. Das EPA hat mehrere spezifische Initiativen erarbeitet, deren Verabschiedung bei
der UNCED es begrüßen würde:
Internationale Bestrebungen technischer Experten in die Wege zu leiten, um eine Risikoanalyse von Umweltproblemen mit Chemikalien zu
entwickeln, die sich beim Festsetzen der Prioritäten in den Vereinten Nationen und anderen Institutionen als nützlich erweisen würde.
Verständigung auf eine Reihe unverbindlicher
"Prinzipien zur Kommunikation von Risiken."
Verständigung auf Richtlinien für einen neuen
internationalen Verhaltenskodex bei industriellen Chemikalien. In diesem Zusammenhang
würde dem Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) empfohlen, einen unverbindlichen Kodex international vereinbarter Grundsätze für den industriellen Einsatz chemischer
Stoffe aufzustellen, einschließlich Prüfung,
Handhabung, technischen und gesetzlichen
Erfordernissen, Kennzeichnung, Verpackung und
Informationsaustausch.

Seite 2

Erarbeitung eines Rahmens für die Entwicklung
einer Bestandsaufnahme der Emissionen toxischer Chemikalien in den Mitgliedstaaten ähnlich dem US-Jahresbericht über Emissionen
toxischer Chemikalien.
Meeresverschmutzung
Amerikanische Regierungsbehörden, vertreten durch
das US-Außenministerium, EPA und NOAA (National
Oceanic and Atmospheric Administration), haben sich
auf ein umfassendes Paket von Initiativen verständigt,
die bei der UNCED in Genf zur Diskussion gestellt
werden sollen. Dieses Paket beinhaltet Fragen wie
etwa die Küstenverschmutzung, Überwachung, Sammlung und Austausch von Daten und Informationen,
Aus- und Fortbildung sowie die wirksame Durchsetzung nationaler und internationaler Vorschriften und
Nonnen. Andere Länder haben erhebliches Interesse
an der Entwicklung einer weltweiten Initiative zur Verhinderung und Kontrolle binnenländischer Quellen der
Meeresverschmutzung gezeigt. Die Vereinigten Staaten erwägen eine Reihe von Initiativen, die potentiell
zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit und Kontrolle binnenländischer Verschmutzungsquellen beitragen können.
Technologische Zusammenarbeit und Finanzierung
Fragen der technischen und finanziellen Unterstützung genießen bei der UNCED vorrangige Bedeutung.
Das EPA geht davon aus, daß technologische Zusammenarbeit, und zwar sowohl der Transfer von umweltverträglichen Technologien und Know-how als auch
finanzielle Beihilfen zur Unterstützung dieses Transfers wichtige Elemente bei den internationalen Bemühungen zum Schutz der Umwelt sind. Das EPA ist
aktiv in ein breites Spektrum von Maßnahmen zum
Technologietransfer eingeschaltet, darunter die Entwicklung einer Clearingstelle für Umwelttechnologie
(ENVIROTECH), Entwicklung besonderer Technischer
Informationsprogramme (TIP), Einrichtung regionaler
Umweltzentren sowie technische Zusammenarbeit mit
China, Indien und Mexiko.
Das EPA war befriedigt über die jüngsten Studien des
Büros für Technologiebewertung und der Nationalen
Akademie der Wissenschaften, die zu dem Ergebnis
kamen, daß zahlreiche preisgünstige Technologien
bereits zur Bewältigung der weltweiten Klimaveränderung zur Verfügung stehen. Auf der Grundlage dieser
und anderer Studien gehen wir davon aus, daß Hindernisse bei der technologischen Zusammenarbeit überwunden werden können. Die Entwicklung der Globalen Umweltfazilität (GEF) und anderer finanzpolitischer Mechanismen liefern die erforderliche finanziel le
Unterstützung zur Förderung des Technologietransfers.

AMERIKA DIENST 20

�Die UNCED macht Fortschritte bei der Entwicklung
einer Reihe von Prinzipien zum Technologietransfer.
Zusammen mit anderen US-Regierungsbehörden
bemühen wir uns darum, zur Vorlage bei der UNCED
detaillierte Vorschläge zur technologischen Zusammenarbeit zu entwickeln. Darüber hinaus werden USRegierungsbehörden sorgfältig den vom UNCEDSekretariat erarbeiteten Bericht über technologische
Zusammenarbeit analysieren, um die technologischen
Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu verstehen und
diese Ergebnisse mit der bestehenden bilateral und
multilateral gewährten technischen und finanziellen
Hilfe in Einklang zu bringen.
Die UNCED sollte in der Lage sein, gemeinsame
Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit in
bestimmten Problembereichen zu entwickeln. Unterschiedliche Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit könnten in jedem der sieben Problembereiche
entwickelt werden (Atmosphäre, Forstwesen, Artenschutz, Abfallentsorgung, toxische Chemikalien,
Süßwasser und Meere), die folgende Maßnahmen
zum Inhalt hätten: 1. Bereitstellung einer besonderen
Technologie oder speziellen Know-hows; 2. die Finanzierung dieser Bemühungen aufgrund bestehender
bilateraler oder multilateraler Programme wie etwa der
Globalen Umweltfazilität, des Multilateralen Fonds im
Rahmen des Montrealer Protokolls, der normalen
Geschäftstätigkeit der Weltbank, der Hilfen von AID/
EPA und anderer Programme sowie 3. das notwendige Fortschreibungs- und Unterhaltsprogramm.
Sondermüll
Die Vereinigten Staaten setzen sich vorbehaltlos für
die internationale Zusammenarbeit bei Methoden der
Abfallvermeidung durch saubere Technologien und
Rückgewinnung als Erweiterung ihres nationalen
Programms zur Verhinderung von Umweltverschmutzung ein. Wir gehen davon aus, daß die bei weitem
wichtigste Aufgabe der UNCED im Hinblick auf die
Abfallproblematik die vollständige Anwendung des
Baseler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und
ihrer Entsorgung ist. Zu diesen Bemühungen werden
die Inkraftsetzung der Konvention sowie Zusammenkünfte der Vertragsparteien gehören, um Kriterien für
internationale Transporte zu entwickeln.
Trinkwasserqualität
Die Vereinigten Staaten haben der UNCED empfohlen, die internationale Staatengemeinschaft solle in
diesem Bereich eine geschlossenere Strategie und
intensivierte Zusammenarbeit ins Leben rufen, um
nicht vorhergesehenen unerwünschten Tendenzen in
den neunziger Jahren entgegenzutreten. Darüber
hinaus betonen wir, daß sich die Länder um die Verhinderung von Wasserverschmutzung als dauerhaftes
Entwicklungsziel bemühen sollten.

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Umwelterziehung
Obwohl dieses Thema noch in den Foren der UNCED
behandelt werden muß, unterstützen die Vereinigten
Staaten einen intensivierten und organisierteren internationalen Ansatz zur internationalen Zusammenarbeit bei der Umwelterziehung. Wir gehen davon aus,
daß die UNCED das Potential für folgende Maßnahmen besitzt: 1. Hilfe beim Bau von "Brücken" zwischen nördlichen und südlichen Ländern sowie zwischen südlichen Ländern unter sich; Schaffung kostengünstigerer internationaler Maßnahmen zum Wohle
vieler Industriestaaten und aller Entwicklungsländer
sowie 3. bedeutende Beiträge zu den nationalen und
internationalen Bemühungen, um das Interesse der
Entwicklungsländer am Umweltschutz wiederzubeleben und gleichzeitig dauerhafte entwicklungspolitische Ziele zu verwirklichen.
Informationsaustausch
Die Vereinigten Staaten hoffen, beim Treffen des
Vorbereitungsausschusses im August Empfehlungen
zu diesem Thema vorlegen zu können. Den Vereinigten Staaten zufolge soll eine internationale Politik zum
Informationsaustausch über Themen wie Berechnung,
Genehmigung, urheberrechtlicher Schutz, öffentlicher
Zugang, Austausch von Statistiken und Normen erarbeitet werden. Wir würden die Ausweitung des Informationszentrums (INFOTERRA) begrüßen, um unmittelbaren Zugang zu Informationen und Statistiken
zu gewährleisten. Darüber hinaus sind wir der Meinung, daß sein Frühwamsystem ausgebaut werden
sollte, damit Umweltprobleme früher erkannt werden.
Ferner sollte eine Initiative für regionale Partnerschaften zum Zweck des Informationsaustauschs ins Leben
gerufen werden.
Das EPA spielt auch eine wichtige Rolle bei der politischen Konzeption in den Bereichen Forstwirtschaft
und UN-Reformen. Unser Interesse gilt vor allem
folgenden Punkten:
Forstwirtschaft
Das zweite umfassende Treffen des Vorbereitungsausschusses zeigte breite Unterstützung für ein mögliches eigenständiges weltweites Abkommen zum Schutz
des Waldes. Dennoch sind wenige Länder der Auffassung, daß bis 1992 ein rechtsverbindliches Abkommen oder sogar ein Rahmenabkommen zustande
kommt. Die meisten Länder befürworten bis 1992 und
als ersten Schritt zu einer Konvention die Erarbeitung
einer unverbindlichen Grundsatzerklärung.
UN-Reform
Das EPA hat an der Erarbeitung von Empfehlungen
über konzeptionelle Reformen des UNEP für das USAußenministerium mitgearbeitet. Die Vereinigten
Staaten unterstützen das UNEP und seine regionalen

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�Büros. Wir werden weiterhin mit dem Außenministerium an der Entwicklung der amerikanischen Sicht zu
UN-Reformen für die UNCED zusammenarbeiten.
Pläne des EPA zur Vorbereitung der UNCED
Das EPA hat im Rahmen seiner Sonderabteilung für
die UNCED Arbeitsgruppen gebildet, die Themen
ansprechen sollen, bei denen wir die Führungsrolle
übernehmen oder für die wir innerhalb der US-Regierung eintreten sollen. Die Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit folgenden Themen: Trinkwasserqualität,
toxische Chemikalien, Sondermüll, Technologietransfer, Berücksichtigung des Nationaleinkommens, Informationen über Umweltschutz und Bewußtseinsschärfung zum Umweltschutz.

Koordinierung durch andere multilaterale Foren
Wir arbeiten ebenfalls durch andere multilaterale Foren zusammen, wie etwa die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
die Regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen und die technischen und speziellen UNOOrganisationen, um die Arbeit der UNCED zu unterstützen. Zusammen mit dem Leiter von AID werde ich
die US-Regierung beim Gemeinsamen Treffen der
OECD-Minister für Entwicklung und Umwelt Im Dezember 1991 in Paris vertreten. Bei diesem Treffen
werden die Minister
Aufzeichnungen über UNCED-Vorbereitungen
austauschen,

Beteiligung der EPA an der Erstellung des Länderberichts

Bestrebungen in ihren jeweiligen Ländern erörtern, mit denen Umweltverschmutzung verhindert und der Einsatz natürlicher Ressourcen auf
ein erträgliches Maß reduziert werden soll, um
anderen Ländern ein Beispiel zu geben Und

Das EPA bereitet drei Kapitel des Länderberichts vor
- Wichtige Fragen zu Umwelt und Naturschutz, Umweltkatastrophen und Bewußtseinsschärfung für die
Umwelt - bei denen der Rat über Umweltqualität (Council
on Environmental Quality - CEQ) die Federführung
hat.

Wege besprechen, wie weltweite Umweltprobleme zu lösen sind, etwa durch Förderung der
Umweltschutzinstitutionen in Entwicklungsländern sowie in Mittel- und Osteuropa und mit
diesen Ländern zusammenarbeiten, um umweltverträglichere Technologien zu verbreiten,
zusätzliche Mittel zum Umweltschutz bereitzustellen und unsere Umwelt-, Entwicklungshilfe,
Handels- und Wirtschaftspolitik einheitlicher zu
gestalten.

EPAs Hilfe für das UNCED-Sekretariat
Die EPA-Abteilung für die Verwaltung der Informationsquellen steht mit dem UNCED-Sekretariat in
Verbindung, um zu bestimmen, welche Rolle das EPA
bei der Bereitstellung von Informationen an Entwicklungsländer oder das UNCED-Sekretariat spielen soll.
EPA hat zwei Anfragen des UNCED-Sekretariats bereits
zugestimmt. Zum einen wollen sie unser bereits
funktionierendes INFOTERRA-Netzwerk nutzen, um
auf Anfrage Informationen an Entwicklungsländer zu
liefern, damit diese ihre Länderberichte erstellen können. Zum anderen soll den EPA-Zweigstellen Material
über die UNCED zur Verfügung gestellt werden, damit
sie die amerikanische Öffentlichkeit über die Konferenz informieren können. Das EPA hat allen EPABüros in der Zentrale und in den regionalen Büros an
ECONET angeschlossen, um den termingerechten
Zugang zu Informationen über die UNCED zu erleichtern. ECONET ist das Informationsnetz des UNCEDSekretariats, mit dessen Hilfe Nichtregierungsorganisationen und Regierungen Zugang zu UNCED-Dokumenten und neueste Informationen über die Arbeit des
Vorbereitungsausschusses erhalten.

Die Minister werden ferner erwägen, wie die Zusammenarbeit bei der Integration unserer Entwicklungsund Umweltpolitik nach 1992 aussehen soll.
Zuletzt möchte ich die Dringlichkeit betonen, mit der
wir uns der UNCED widmen sollten. Die Konferenz
1992 findet in dreizehn Monaten statt. Meiner Meinung
nach bietet die Konferenz der internationalen Staatengemeinschaft eine einzigartige Gelegenheit, die Entscheidungsfindung in den Bereichen Umwelt und
Wirtschaft zu vereinheitlichen. Die Bestrebungen der
Vereinigten Staaten werden von entscheidender
Bedeutung sein, wenn es um die Formulierung von
Ergebnissen der Konferenz zum Schutz unserer Umwelt
geht. Wir sollten bereit sein, diese einzigartige Chance
zu nutzen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�GOLFKRISE
22. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Mai 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Mai 1991 fort.

2. Mai

vorgesehene UN-Zivilpolizeitruppe zu prüfen, die Gebiete
im Norden Iraks und in anderen Gegenden mit hohem
Flüchtlingsaufkommen absichern sollen.

Dem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, zufolge haben 347.000 amerikanische Soldaten
oder 65 Prozent der zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen die Golfregion verlassen. Von den
193.000 noch am Kriegsschauplatz befindlichen Soldaten sind 4.000 amerikanische in der entmilitarisierten Zone und weitere 800 im al-Rafa-Camp stationiert.
Hall erklärt, die Meeresblockade zur Durchsetzung
des UN-Handelsembargos bleibe in Kraft.

Das US-Außenministerium gibt bekannt, daß Algerien
in den Vereinigten Staaten die Interessen des Irak
wahrnehmen wird. Der Irak hatte die Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres abgebrochen.

3. Mai

9. Mal

Dem amerikanischen Stellvertretenden Ständigen
Vertreter bei den Vereinten Nationen, Botschafter
Alexander Watson, zufolge erwägen die Vereinigten
Staaten nicht, irakische Vermögenswerte freizugeben
oder der irakischen Bitte zu entsprechen, ö l zur Bezahlung von Nahrungsmitteln zu verkaufen. "Zu diesem Zeitpunkt ziehen die Vereinigten Staaten die
Freigabe (irakischer) Vermögenswerte überhaupt nicht
in Betracht", so Watson.

Der Kongreß billigt die Bereitstellung von 572 Millionen
Dollar, um den Opfern des irakischen Bürgerkriegs zu
helfen. Das Repräsentantenhaus stimmt mit 383 zu 25
Stimmen für den Transfer bereits bewilligter Mittel von
Konten für Auslandshilfe und Verteidigungsaktivitäten
auf Sonderkonten, die für Katastrophenhilfe an Personen errichtet wurden, die vor Saddam Husseins Armee
geflohen waren, als er die Aufstände im Anschluß an
den Golfkrieg niederschlug. Der Senat folgte dem
Repräsentantenhaus einstimmig.

6. Mai
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Vereinten
Nationen "so bald wie möglich" die Verantwortung für
die kurdischen Flüchtlingslager übernehmen, erklärt
der amerikanische Botschafter Thomas Pickering. Das
Ziel sei, die Kurden zur Rückkehr in ihre Heimat zu
bewegen "und ihnen, so schnell dies verwirklicht werden kann, das Gefühl von Sicherheit und Hoffnung
unter dem Schutz der Vereinten Nationen zu vermitteln". Pickering fügt hinzu, er habe Generalsekretär
Perez de Cuellar gebeten, die Einzelheiten für eine

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7. Mai

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, erklärt, die Koalitionsstreitmacht habe 13.140
Tonnen an Nahrungsmitteln und anderen Hilfslieferungen für kurdische Flüchtlinge bereitgestellt. An dem
Unternehmen beteiligen sich 18.229 Mann der multinationalen Streitmacht einschließlich 10.314 US-Soldaten. Australien, das als letztes Land der Sondereinsatztruppe zur Unterstützung der Kurden beigetreten
ist, entsendet fünf der 70 vorgesehenen Personen, die
ärztliche Hilfe leisten und an der Wasseraufbereitung
arbeiten sollen. Andere Länder haben folgendes

Seite 1

�Personal entsandt: Deutschland 219, Frankreich 1.335, wortung für das erste Zeltdorf in Sachu als ersten
Großbritannien 4.110, Italien 604, Kanada 79, die Schritt der allmählichen Übergabe der HilfsoperatioNiederlande 1.017 und Spanien 536.
nen im nördlichen Irak an zivile internationale Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft des Hohen
Einem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
zufolge wird das Abfangen oder Umleiten von Schiffen (UNHCR).
mit für Irak bestimmten Lieferungen fortgesetzt. Vor
Einstellung der Feindseligkeiten am Golf belief sich die 15. Mai
Zahl der abgefangenen Schiffe auf insgesamt 7.645.
Seitdem wurden 1.847 abgefangen, davon 660 seit Ein 34köpfiges Team der Internationalen Atomenergieagentur beginnt gemäß der Bedingungen des Wafdem Waffenstillstand.
fenstillstands, die die Zerstörung nuklearer, chemiDas US-Verteidigungsministerium erklärt, 71 Prozent scher und biologischer Waffen fordern, mit der Inspekder zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen tion der irakischen Anlagen zur Herstellung von Atomseien abgezogen worden. Dem Sprecher des Vertei- waffen.
digungsministeriums, Bob Hall, zufolge bleiben 156.000
am Kriegsschauplatz, um die Verlegung von verbliebe- Irakischen Berichten zufolge sollen gemäß einer vornen Truppen und Gerät zu Stützpunkten in den Verei- läufigen Übereinkunft die alliierten Truppen im Norden
nigten Staaten vorzubereiten oder die noch am Golf des Irak angeblich durch 500 leicht bewaffnete UNPolizisten ersetzt werden, um die kurdischen Gebiete
befindlichen Truppen zu schützen.
zu schützen. Im Rahmen der Übereinkunft würden
etwa 3.300 Soldaten abgezogen, die zur Zeit die
14. Mai
"Schutzzone" kontrollieren.
Der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs, Prinz
Sadruddin Aga Khan, übernimmt offiziell die Verant-

* *

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AMERIKA DIENST 20

�EINWANDERUNG
22. Mai 1991

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG IN DER
AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA
"Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Vereinigten Staaten
ist die Tatsache, daß sie vollständig von Einwanderern
bevölkert werden. Selbst die Indianer kamen ursprünglich
aus Asien. In der gesamten Geschichte dieser Nation hat es
Einwanderungswellen aus Europa, Afrika und - in jüngster Zeit aus Asien gegeben. Jede brachte ihr eigenes Erbe mit, und
diese Verknüpfung unterschiedlicher kultureller Abstammungen
unterstreicht die Dynamik dieses Landes."
T.O. Lee, Nobelpreisträger für Physik

"Nennen Sie mich Tu", sagt der vietnamesische Kellner, der mir im Cafe Dalat Delikatessen wie thit kho
nuoc dua (karamelisiertes Schweinefleisch in Kokosmilch) und bo xao chua ngot (Rindfleisch süß-sauer)
serviert. Die Unterhaltung mit seinen Gästen scheint
ihm Spaß zu machen.
Während er redet, herrscht ein ständiges Kommen
und Gehen von Arbeitern und Geschäftsleuten aus
den nahegelegenen Bürogebäuden. Es ist Mittagszeit. Seine Schwester, eine würdevoll blickende Dame,
kümmert sich um die Bar.
Das Cafe Dalat liegt in Arlington (Virginia) in einem
Viertel, das heute als "Little Saigon" bekannt ist.
Nguyen Van Ly Jewelry and Watch Repair, Mekong
Center Oriental Food and Gifts, der Pacific Oriental
Department Store, Grocery and Restaurant befinden
sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Wände des
Cafe Dalat sind mit Reproduktionen orientalischer
Kalligraphien und Aquarellen vietnamesischer Dorfszenen geschmückt.
"Es war schwer, als wir im Jahr 1975 hier ankamen",
sagt Tu. "Alles war neu - Sprache, Arbeit, Sitten und
Gebräuche, Traditionen, besonders die Traditionen.
Amerikaner und Asiaten sind grundverschieden. Aber
AMERIKA DIENST 20

ich hatte Glück - meine Schwester war bereits hier.
Und da ich in Saigon bei einer Fluggesellschaft gearbeitet hatte, konnte ich bereits etwas Englisch. Ich
habe mich angepaßt. Meine Freunde haben sich
angepaßt."
"Noch schwerer ist es für einige der später gekommenen Flüchtlinge. Sie haben Kommunikationsprobleme. Nicht alle sprechen Englisch", meint er.
Tu erklärt, wenn sich die politische Lage in Vietnam
ändere, würden die alten Vietnamesen nach Hause
zurückkehren wollen - "aber nicht die jüngeren".
"Meine Schwester hat sechs Kinder - fünf Töchter und
einen Sohn. Eines legte sein Examen an der University of Virginia ab, eines an der Howard University, ein
anderes Kind studiert Zahnmedizin, eines an der George
Mason University, eines an der Johns Hopkins Universität in Baltimore und eines an der Georgetown University. Natürlich werden sie ihr Leben lang hierbleiben."
Mi Cha Lee, eine junge Koreanerin Ende zwanzig,
besitzt eine Reinigung in einem Viertel mit eintönigen
Regierungsgebäuden in der Bundeshauptstadt Washington. Sie begrüßt viele ihrer Kunden, zumeist
Regierungsbeamte, mit Namen.
Seite 1

�"In Korea wollte ich Modedesignerin werden", erklärt
sie. "Aber als ich hierherkam, stellte ich fest, daß mein
Englisch nicht gut genug war, um einer solch hochwertigen kreativen Tätigkeit nachzugehen."
"Ich besuche Sommerkurse in Englisch an der University of Virginia, und vielleicht kann ich eines Tages
wieder Kleider entwerfen."
Wie Tu so meint auch sie, daß der Anfang schwierig
war, obwohl ihr Vater, der in Korea ein Uhrengeschäft
besaß, kein armer Mann war. "Als ich dieses Geschäft
einrichtete, arbeitete ich normalerweise bis spät in die
Nacht. Einmal mußte ich sogar bis fünf Uhr morgens
bleiben. Aber heute kann ich es mir leisten, Mitarbeiter
einzustellen und muß deshalb nicht mehr so lange im
Geschäft bleiben."
Mein gesellschaftliches Leben hat stark gelitten", sagt
sie kichernd. "Ich mußte zu hart arbeiten. Aber für
mich persönlich war es das wert." Obwohl zwei ihrer
Schwestern nicht glücklich sind und vielleicht nach
Südkorea zurückkehren werden, möchte Mi Cha bleiben. "Ich mag dieses Land. Es ist frei - man kann hier
frei seine Meinung äußern. Vielleicht gibt es sogar
zuviel Freiheit - nicht genug Rücksicht darauf, was die
Eltern und die Gemeinschaft möchten. Aber es ist frei.
Ich bin glücklich", sagt sie.
"Wenn ich eines Tages Kinder habe, will ich, daß sie
mehr Möglichkeiten haben als ich sie hatte. Ich
möchte, daß sie tun können, was sie wollen. Ich weiß,
daß sie anders denken werden als ich, aber sie werden
auch mehr Wahlmöglichkeiten haben."
Sowohl das ruhige vietnamesische Restaurant als
auch die geschäftige koreanische Reinigung zählen zu
den vielen Anzeichen für die erhebliche und sich rasch
verstärkende asiatische Präsenz in den Vereinigten
Staaten, eine Präsenz, die in allen Lebensbereichen
zunehmend spürbar wird.
Auf den Straßen und in den Schulen gibt es immer
mehr asiatische Gesichter. Die Zahl asiatischer Geschäfte und Restaurants hat sich rapide vermehrt. In
vielen Großstädten ist es kein Problem, indische
Lebensmittel zu kaufen, in Hongkong oder Bombay
produzierte asiatische Videokassetten auszuleihen oder
Dienstleistungen wie Akupunktur in Anspruch zu nehmen.
Zwei neue Zeitschriften, AsiAm und Rice, sind auf die
jungen Leser unter den Amerikanern asiatischer Abstammung ausgerichtet, und asiatische Gesichter sind
in der Kunstszene und im Fernsehen immmer häufiger
zu sehen. Das berühmte Denkmal für Veteranen des
Vietnamkriegs wurde von Maya Lin entworfen. David
Henry Hwang ist der erste erfolgreiche amerikanische
Dramatiker asiatischer Abstammung, dessen Hit "M.
Butterfly" am Broadway aufgeführt wurde. Connie
Chung ist eine landesweit bekannte Nachrichtenmoderatorin beim Fernsehsender NBC.
Seite 2

Im Jahr 1986 belief sich die Zahl der in den Vereinigten
Staaten lebenden Asiaten auf schätzungsweise 3,2
Millionen oder rund 1,5 Prozent der amerikanischen
Bevölkerung. Diese Zahl wird sich bis Anfang des
nächsten Jahrhunderts voraussichtlich verdoppeln. Und
eine im Jahr 1980 durchgeführte Volkszählung ergab,
daß die Mehrzahl der Amerikaner asiatischer Abstammung im Ausland geboren war und gerade erst anfing,
ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft zu
erobern.
In Kalifornien - wo 36 Prozent von ihnen leben -, haben
die Amerikaner asiatischer Abstammung bereits gesellschaftlichen und politischen Einfluß. Die meisten
anderen Amerikaner asiatischer Herkunft leben in
Hawaii oder Illinois, New York und Texas. Es sind
vorwiegend Chinesen, Filipinos und Japaner, aber
auch Koreaner und Einwanderer aus dem indischen
Subkontinent und Südostasien.
Die Asiaten stellen natürlich keine homogene Gruppe
dar, und das Ausmaß ihrer Integration in die amerikanische Gesellschaft sowie ihr gesellschaftlicher und
wirtschaftlicher Erfolg innerhalb dieser Gesellschaft
variiert. Amerikanern chinesischer, koreanischer,
japanischer und indischer Abstammung - von denen
viele einer gebildeten Schicht angehören - ist es am
besten ergangen. Abhängig von der jeweiligen statistischen Quelle sind Amerikaner philippinischer Herkunft
genauso oder etwas weniger erfolgreich. Die jüngsten
Einwanderer aus Vietnam, Laos und Kambodscha
sehen sich aufgrund der Tatsache, daß sie eher politische Flüchtlinge als freiwillige Einwanderer sind, mit
größeren Schwieirgkerten konfrontiert und leiden unter
dem Trauma des Krieges.
Den meisten Asiaten erleichtert jedoch ihre konfuzianische Lehre - die der amerikanischen protestantischen Geisteshaltung harter Arbeit und enger Familienbande entspricht - und vor allem ihr Streben nach
Bildung die Integration in die amerikanische Gesellschaft. Eine jüngste Studie des US-Bildungsministeriums belegt, daß die High School-Schüler asiatischer
Abstammung einen höchst anspruchsvollen Lehrplan
bewältigen.
Obwohl einige Vertreter der Amerikaner asiatischer
Abstammung auf Anzeichen von Ressentiments gegen den Strom asiatischer Einwanderer in einigen
Gegenden verweisen, werden die Asiaten im großen
und ganzen gut aufgenommen. Eine von der amerikanischen Bügerrechtskommission im Jahr 1988 in Auftrag gegebene Studie, die sich vorwiegend auf die
Volkszählung von 1980 stützt, ergab, daß die Einkommen asiatischer Familien im großen und ganzen nicht
durch Diskriminierung am Arbeitsplatz beeinträchtigt
waren.
Als Gruppe genommen entspricht das Einkommen
amerikanischer Familien asiatischer Abstammung dem
in den Vereinigten Staaten geborener weißer Amerika-

AMERIKA DIENST 20

�neroder ist zum Teil aufgrund derTatsache höher, daß
mehr Familienangehörige arbeiten. Eine kürzlich in
Chicago durchgeführte Studie ergab, daß rund 39
Prozent der Asiaten in dieser Stadt in Führungspositionen oder akademischen Berufen arbeiten. Zahlreiche andere sind hart arbeitende Unternehmer und
kleine Geschäftsleute. Insbesondere Amerikaner koreanischer Abstammung haben sich durch den Aufbau
kleiner Geschäfte - Gemüseläden, Reinigungen, Parf ümerien - teilweise in ärmlichen Gegenden der Innenstadt, die von anderen Einzelhändlern vernachlässigt
werden, Ansehen verschafft.
"Es gibt viele sichtbare Erfolgsstories von Amerikanern asiatischer Abstammung", erklärt Michael Woo,
der erste in den Stadtrat von Los Angeles gewählte
Amerikaner aus Asien.
"Viele asiatische Studenten studieren an erstklassigen Schulen und Universitäten. Menschen wie ich
erobern jetzt die Domäne des öffentlichen Dienstes,
und meine Schwester ist Journalistin bei der Los
Angeles Times. Viele Schranken sind gefallen", so
Woo.
In einigen Teilen des Landes, räumt Woo ein, "ist eine
ablehnende Haltung gegen neue Einwanderer aus
Indochina, Taiwan, Hongkong, dem indischen Subkontinent zu beobachten. Dies ist Teil eines Ressentiments gegen die wirtschaftliche Konkurrenz der Japaner
- eine Tendenz, alle Asiaten in einen Topf zu werfen.
Es gab vereinzelt Fälle von Gewalttätigkeiten oder
Vandalismus, aber häufiger werden Asiaten stillschweigend für Probleme in der Gemeinde verantwortlich
gemacht."
Man assoziiert Asiaten nicht mehr automatisch mit
dem Stereotyp des hart arbeitenden Mathematikers,
Wissenschaftlers und kleinen Geschäftsmanns, stellt
Woo fest. "Obwohl sich noch immer zahlreiche Asiaten an technischen oder medizinischen Hochschulen
bewerben, gehen viele in andere Berufe, in Bereiche
wie Journalismus oder Politik, werden Jurist oder üben
Tätigkeiten in Unternehmen aus, die nichts mit Buchhaltung oder Technik zu tun haben", erklärt er.
"Jetzt werden mehr asiatische Richter berufen oder in
Ämter gewählt. Eine wachsende Zahl Amerikaner
asiatischer Abstammung, insbesondere Frauen, gehen zu Rundfunk- oder Fernsehsendern", so Woo.
"Ich denke, die Veränderung ist immens," erklärt Woo
weiter. "Als mein Vater in dieses Land kam, um an der
UCLA (University of California at Los Angeles) zu
studieren, war es für einen Chinesen sehr schwer,
anderswo zu leben als in Los Angeles' Chinatown.
"Es war unvorstellbar, daß irgendjemand chinesischer
Abstammung eines Tages einen größtenteils weißen
Bezirk vertreten könnte, wie das bei mir der Fall ist.
Mein Vater hat diese Veränderungen noch zu seinen
Lebzeiten erfahren," konstatiert Woo.
AMERIKA DIENST 20

"Meine Mutter wuchs in einer ländlichen Gemeinde im
Norden Kaliforniens auf, wo es eine große chinesische
Kolonie gab, deren Mitglieder hauptsächlich Bauern
oder kleine Einzelhändler waren. Auch sie hat viele
Veränderungen mitgemacht. Meine Generation lebt in
dem Bewußtsein, daß uns die Welt offener steht als
unseren Eltern," erklärt Woo.
Ihre sehr erfolgreiche Anpassung bringt für die Amerikaner asiatischer Herkunft auch Belastungen mit sich.
"Ich bin ein Mensch ohne ethnische Zugehörigkeit",
erklärt Woo. "Obwohl ich der erste Asiate bin, der in
den Stadtrat von Los Angeles gewählt wurde, stellen in
meinem Wahlkreis Asiaten nur etwa fünf Prozent der
Bevölkerung. Es ist meine Pflicht, auf die Probleme
der Asiaten einzugehen, weil ich eine exponierte Figur
dieser Gruppe bin, gleichzeitig muß ich aber einen
Weg finden, das zu tun, ohne die restlichen 95 Prozent
meiner Wähler zu verärgern, denen die Probleme der
Asiaten egal sind und die vielmehr die Meinung vertreten, ich sollte meine Zeit für ihre Probleme aufwenden.
Mit diesem grundsätzlichen Dilemma muß ich fertigwerden."
Woo denkt, "der Anpassungsprozeß ist unvermeidlich. Unsicher ist, in welchem Maße die nachfolgende
Generation von Amerikanern asiatischer Abstammung
ein Gefühl ethnischer Zugehörigkeit behält".
"Ich sprach Chinesisch, bis ich in die Schule kam. Ich
spreche es nicht mehr gut. Ich verstehe nur ein
bißchen davon. Dennoch versuchen einige Vertreter
meiner Generation, ihre Wurzeln neu zu entdecken.
Meine Frau wurde in diesem Land geboren und wuchs
auf, ohne Chinesisch zu lernen, aber sie ging nach
Hongkong, um ihr eigenes kulturelles Erbe zu entdekken," erklärt Woo.
Auf die Frage, welchen besonderen Beitrag Amerikaner asiatischer Abstammung zur Kultur Amerikas leisten, führt Woo aus, "Asiaten denken nicht, daß die
USA Anfang und Ende der Weltgeschichte bestimmen. Das kann angesichts der zunehmenden Verflechtung der Wirtschaft und der Kulturen auf der Welt
eine wichtige Erkenntnis sein."
"Asiaten können auch konfuzianische Lehren beitragen: Respekt für die älteren Mitbürger, Respekt vor
der Bedeutung von Bildung und Wissenschaft im allgemeinen," erklärt Woo.
"In Städten wie etwa Los Angeles, New York, San
Francisco trägt die asiatische Kultur in erheblichem
Maße zu der Weitläufigkeit der Städte bei, in denen wir
leben - wenn wir an Restaurants, Paraden, Zeitungen
und Feiern denken", führt Woo aus.
Nicht alle in Amerika lebenden Asiaten gehören der
Mittelschicht an. Bei der jüngsten Flüchtlingswelle aus
Indochina - vielen Boat People - kamen Bauern oder
Stammesangehörige, die sich nur schwer an das
moderne Leben anpassen können.
Seite 3

�Einem Zeitungsbericht zufolge sind die "zuletzt angekommenen Indochina-Flüchtlinge eher arm, arbeitslos
oder Sozialhilfeempfänger als irgendeine andere Volksgruppe in Amerika".

keiten in einer Gesellschaft, in der eher Kreativität als
Disziplin belohnt wird.

Trotzdem scheinen diese Probleme nachrangig im
Vergleich zu dem, was Asiaten den Vereinigten StaaManche leiden an Depressionen und der Auflösung ten zu bieten haben. "Nie zuvor in der amerikanischen
ihrer Familien - aber Beobachtern zufolge zeigen auch Geschichte gab es soviele talentierte Einwanderer, die
Kinder aus diesen Gruppen in der Regel sehr gute in so kurzer Zeit Mittelschichtstatus erreicht haben,"
Schulleistungen, und viele von ihnen werden ihre erklärt Robert Oxnam, der Präsident der Asia Society,
wirtschaftliche Situation in der nächsten Generation einer gemeinnützigen Kulturorganisation in New York.
erheblich verbessern.
"Weil bei den Amerikanern asiatischer Abstammung
Es gibt noch andere Probleme. Wie frühere Einwan- soviele der fähigsten Köpfe eine hochqualifizierte wisderergruppen haben auch die Asiaten ihre eigenen senschaftliche Ausbildung erhalten", erklärt Edward
Spielarten des organisierten Verbrechens mitgebracht. Wagner, Leiter des Instituts für Koreastudien an der
Chinesische, japanische und vietnamesische Verbre- Universität Harvard, "denke ich, man kann ganz erchersyndikate sind für die US-Polizeibehörden eine hebliche Beiträge von ihnen erwarten".
harte Nuß, einmal aufgrund der Sprachbarriere und
zum anderen wegen ihrer extremen Disziplin, ihres "Ganz allgemein betrachtet, handelt es sich hierbei um
Zusammenhalts und ihrer Gewalttätigkeit. Die Behör- eine ziemlich neue und ganz andere Art von Amerikaden halten es nur noch für eine Frage der Zeit, bis diese nern, deren Erfolgsgeschichte anderen Minderheiten
Gruppen einige Geschäfte der traditionellen amerika- als Inspiration dienen sollte, daß dies möglich ist. Sie
könnten es eher und schneller schaffen, die immer
nischen Verbrechersyndikate übernehmen.
noch bestehenden Schranken einzureißen, wenn sie
Obwohl konfuzianische Lehre und amerikanische in die Sitzungssäle amerikanischer Banken oder Unprotestantische Arbeitsmoral einiges gemeinsam haben, ternehmen vorstoßen," erklärt Wagner.
stoßen Asiaten manchmal auf Anpassungsschwierig-

Seite 4

AMERIKA DIENST 20

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                <text>&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;Herausgeben US Information &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;Service Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Verwirklichung eines Verbots chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Ledogar vor der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittel- und Osteuropa: ein Jahr danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiter des US-Umweltschutzamtes fordert Zusammenspiel von Umwelt- und Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Mai 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikaner asiatischer Abstammung in der amerikanischen Gesellschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Malamud, USIA&lt;/em&gt;</text>
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J1 1^

f gl
DlEll

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Juni 1983

25
I
*

INHALT

INFORMATION
PhiTadelphiade - Krefeld 1983
- Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

HINTERGRUNDMATERIAL
Seit drei Jahrhunderten: Deutsche in Amerika
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke - Universität von Nebraska

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�22. Juni 1983

25

PHILADELPHIALE - KREFELP 1983
Auszüge aus dem Festprogramm: 300 Jahre Krefelder in Amerika

Freitag, 24. Juni 1983
18.00 Uhr
Theaterplatz

Das Fest beginnt
Es sprechen Oberbürgermeister Dieter Pützhofen
und Hans Kockers.
Krefelder Fanfarenkorps / Blasorchester und
Spielmannszug TV Jahn Bockum.

18.15 - 21.00

american sound

Theaterplatz

Die Chorgruppen Darktown-Singers, Mikel Singers,
Singing Aspiration und Songs Today eröffnen die
Philadelphiade mit amerikanischen Songs. Mit
Dixie-Band.

19.00 - 22.00

Deutsch-amerikanische Musikschau

Grotenburg-

Mit der 33. US-Army Band Heidelberg, der US-Air

Stadion

Force Band Ramstein, dem Luftwaffenmusikkorps 3
Münster, dem Heeresmusikkorps 2 Kassel, dem Bergmannsorchester von Rheinbraun und einem großen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem großen Musikzug der Polizei Orchester Essen
und Wuppertal. Außerdem: Spezial-Fallschirmspringer der Bundeswehr und der US-Army und die Landesturnriege der nordrhein-westfälisehen Polizei.
Samstag, 25. Juni 1983
10.00 - 13.00

Buntes Programm

Theaterplatz

Armeekorps der 33. US-Army Band Heidelberg, Krefelder Fanfarenkorps, flusikzug des TV Jahn Bockum,
Oberschlesische Volkstanzgruppe, Bläserkorps des
Jagd-Verbandes.

11.00 - 13.00

Festakt

Seidenweberhaus

Mit US-Vizepräsident George Bush, Bundespräsident
Professor Dr. Karl Carstens und Bundeskanzler
Dr. Helmut Kohl.

11.00 - 13.00
Theaterplatz

Konzert
Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

11.00 - 13.00
Innenstadt

Street-Parade
Fahnenschv/enker, Disneyland-Figuren, Planwagen,
New Yorker Feuerwehrwagen, Straßenkreuzer.
Veranstalter: Westdeutsche Zeitung Krefeld.

13.00 - 13.30

I like to be in America

Theaterplatz

Theaterballett-

13.00 - 15.00

Rock Jazz

Theaterplatz

Gruppe Rosewood.
13.30 - 14.00

�13.30 - 14.00

Cowboy-Show

Theaterplatz

1. Majoretten-Corps Krefeld,

14.00 - 15.00

Amerikanische Lieder

Theaterplatz

Girls Chorus San Francisco.

15.00 - 19.00

Jugenddisco
Square Dance, Rock and Roll

16.00 - 17.00

Konzert

Theaterplatz

Combo und Trio der US-Air Force Band Ramstein.

19.30 - 23.30

River-Boat-Shuffle

Uerdingen,

Veranstalter: Rheinische Post Krefeld.

Luwen-Steiger

20.00 - 22.00

Konzert

Theaterplatz

Combo der US-Air Force Band Ramstein,

Sonntag, 26. Juni 1983
10.00 - 12.00

Platzkonzert

Theaterplatz

33. US-Army Band Heidelberg, US-Air Force
Band Ramstein.

12.00 - 13.00

Deutsch-Amerikanische Folklore.

Theaterplatz

12.00 - 14.00

Kutschenkorso

Innenstadt,

70 Kutschen, historische Kostüme.

Stadtwald
15.30 - 18.00

- 3-

�15.30 - 18.00

Seniorenmittag

Seidenweberhaus

Volkstümliches Konzert unter Mitwirkung vieler Krefelder Künstler.

16.00

Hofkonzert

Haus Sollbrüggen,

Girls Chorus San Francisco, Schüler der Musik-

Uerdinger Straße 500

schule Krefeld.

Montag, 27. Juni 1983

KINDER-PHILADELPHIADE

10.00 - 18.00

Auf dem Theaterplatz:
Werkstattecke, Burgspiele, Pfadfinderlager, Kutschenfahrten, Indianerarbeiten, historisches Rol'
lenspiel, Square Dance.

10.00 - 18.00

Im Seidenweberhaus:
Deutsch-Amerikanisches Museum, Filme, Schattenspiel , Talkshow.

18.00 - 19.00

Mini-Steuben-Parade:
Theaterplatz - Königstraße - Gartenstraße Schneiderstraße - Rathaus - Carl-Wilhelm-Straße
- Theaterplatz.

19.00 - 21.00

Jugend-Disco im Seidenweberhaus.

+ + + + +

�25

22. Juni 1983

SEIT DREI JAHRHUNDERTEN: DEUTSCHE IN AMERIKA
- Von Prof. Dr. Frederick C. Luebke Universität von Nebraska

Das Jahr 1983 brachte den drei hundertsten Jahrestag der Einwanderung
von 13 Quäker- und Mennoniten-Familien aus Krefeld nach Pennsylvanien
und die Gründung ihrer Siedlung Germantown, eines ehemals ländlichen Ortes, der heute Teil der Großstadt Philadelphia ist. Zwar gab es auch andere Deutschstämmige, die in dem vorangegangenen halben Jahrhundert in
der einen oder anderen amerikanischen Kolonie lebten, aber sie kamen als
Einzelpersonen und bildeten keine geschlossene Siedlung, wie dies die Krefeider des Jahres 1683 taten.
Während des darauffolgenden Jahrhunderts - bis zur amerikanischen
Revolution - emigrierten annähernd 75 000 Deutsche nach Amerika. Die
große Mehrheit kam aus dem Rheintal und wurde in Amerika gewöhnlich "Palatines" (Pfälzer) genannt. Die Pfalz war in der Tat ein wichtiger Ausgangspunkt, aber viele Menschen kamen auch aus Hessen, Baden und Württemberg. Wieder andere emigrierten aus dem Elsaß und der Schweiz, ebenso wie aus den Gegenden des Niederrheins, einschließlich der Niederlande.
Die deutschen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die deutschen Siedler lebten hauptsächlich in Pennsylvanien sowie
in den benachbarten Bundesstaaten New York, Maryland und Virginia. Einige zogen weiter nach Süden und gründeten dort in North Carolina erste
bedeutendere Siedlungen. Obgleich die Mehrheit - wie die meisten Amerikaner jener Zeit - Bauern waren, lebten einige auch in den Städten, wo
sie sich oft als Ladenbesitzer und Handwerker niederließen.
Die religiöse Überzeugung war für diese frühen Deutsch-Amerikaner
von großer Bedeutung. Die meisten waren Lutheraner oder Reformierte,
aber die Mennoniten, die Böhmischen Brüder, die Tunker oder Brüder und
andere religiöse Gruppierungen zogen aufgrund ihrer besonderen Eigenarten und Überzeugungen viel Aufmerksamkeit auf sich. Obgleich keine dieser Gruppen mit Absicht versuchte, die deutsche Sprache und die deutschen
Gepflogenheiten um ihrer selbst willen zu erhalten, so hielten sie diese
doch für die Bewahrung ihres Glaubens für wichtig. Da sie in so großer
Zahl eingewandert waren, und weil sie natürlich die Tendenz hatten, eng
beieinander zu leben, waren ihre Siedlungen nahezu unvermeidlicherweise
Inseln in einem Meer Englisch sprechender Menschen.
Dennoch paßten sich die meisten deutschen Einwanderer rasch der Kolonialgesellschaft an. Sie lernten Englisch zu sprechen, genug zumindest,
um sich durchzuschlagen, und übernahmen viele englische Wörter in ihren
rheinischen Dialekt, der sich in Amerika schließlich zum "Pennsylvania
Dutch" entwickelte. Auch Namen wurden schnell anglisiert oder übersetzt.
Aus Schmidt wurde Smith, aus Zimmermann wurde Carpenter, auch wenn die
Träger dieser Namen nicht unbedingt sprachlich oder kulturell besonders
assimiliert waren. Gegen Ende der Besiedlungsperiode stellten die Deutschen etwa acht oder neun Prozent der Gesamtbevölkerung.
Nach der amerikanischen Revolution hörte die Einwanderung aus Europa
50 Jahre lang fast völlig auf. Erst in den Jahren nach 1830 stieg die
Zahl der Neuankömmlinge wieder erkennbar an. Wieder kamen die meisten

�die meisten aus den deutschen Staaten des Rheintals, zusätzlich aber
noch eine große Anzahl aus Bayern, Sachsen und Hannover. Im Gegensatz
zu der früheren Bewegung umfaßte diese Emigration auch einen großen
Teil Katholiken.
Die traditionellen Einschiffungsplätze wie Rotterdam und Le Havre
behielten zwar ihre Bedeutung bei, aber mit der Ausweitung der Auswanderungstendenzen nach Norden und Osten zogen die großen deutschen Häfen
Hamburg und Bremen einen immer größeren Anteil dieses "Geschäftes" an
sich. Die meisten deutschen Einwanderer erreichten die Vereinigten Staaten in New York, Philadelphia und Baltimore, aber auch New Orleans entwickelte sich zu einem wichtigen Ankunftshafen, da viele Neuankömmlinge
den Mississippi hinauffuhren, um sich in den gerade erst organisierten
Bundesstaaten Missouri, Illinois, Ohio und Wisconsin niederzulassen.
Wieder andere zogen westwärts nach Texas. Obgleich New York niemals seine Position als

d i e

Stadt mit der größten Anzahl deutschstämmiger

Einwanderer verlor, wurden Städte in dem Mittleren Westen wie Chicago,
St. Louis, Cincinnati und Milwaukee Zentren großer deutsch-amerikanischer Bevölkerungsgruppen.
Während des 19. Jahrhunderts wanderten annähernd fünf Millionen
Deutsche in die Vereinigten Staaten aus. Höhepunkte waren hierbei die
Jahre 1854 und 1882, als in einem einzigen Jahr zwischen 200 000 und
250 000 Deutsche dort ankamen. Wegen der Gefahren, die eine Reise über
den Atlantik zu einer Zeit mit sich brachte, als noch Segelschiffe verwendet wurden, kamen nur wenige Auswanderer jemals wieder nach Europa
zurück; als aber nach 1860 die Dampfschiffe auftauchten, stieg auch die
Zahl der Rückkehrer und anteilmäßig ging auch die Zahl der Familien zurück, die aus Deutschland emigrierten.
Im 19. Jahrhundert hing die Emigration eng mit den wirtschaftlichen
Bedingungen in Europa und den Vereinigten Staaten zusammen. Wegen der

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�Wegen der technischen Fortschritte bei Transport und Landwirtschaft war
Deutschland 1875 zu einem Weizen-Einfuhrland geworden, und andere Staaten
bemühten sich erfolgreich um den deutschen Markt. Diese Entwicklung hatte
verheerende Konsequenzen für die deutschen Bauern wie für die Ladeninhaber und Handwerker der Dörfer, die von dieser Kundschaft abhingen.
Die Folge war in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Auswanderungsflut nach Amerika von noch nie dagewesenen Ausmaßen - besonders
aus den nördlichen und östlichen Gebieten wie Mecklenburg, Pommern und
Ostpreußen. In den neunziger Jahren jedoch ging die Auswanderung drastisch auf durchschnittlich nur 30 000 Personen pro Jahr zurück, da die
industrielle Entwicklung in Deutschland den Bauern und landwirtschaftlichen Arbeitern Beschäftigung bot.
Ende des 19. Jahrhunderts gab es ungefähr 8 Millionen Deutsche der
ersten und zweiten Generation in den Vereinigten Staaten. Das waren rund
zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei Drittel davon lebten in Gemeinden mit 2 500 oder mehr Einwohnern, die übrigen auf Farmen oder in Dörfern.
Hinsichtlich ihrer beruflichen Tätigkeit wurden die Deutsch-Amerikaner besonders vom Molkereiwesen und in den Städten von den verschiedensten Nahrungsmittelindustrien und dem Brauereiwesen angezogen. Auch als Händler
und Facharbeiter waren viele tätig. Andere wiederum fanden im Dienstleistungsgewerbe ihren Platz, viele aber gehörten auch zu der Kategorie
der ungelernten Arbeiter. Es blieb nicht aus, daß die Deutschen in Berufen unterrepresentiert waren, die eine gute Beherrschung des Englischen
erforderten. Am bedeutsamsten war jedoch, daß die Deutschen genau so vielfältig waren wie die amerikanische Gesellschaft selbst - mit Reichen und
Armen, Gebildeten und Ungebildeten, mit Stadt- und Landbewohnern und mit
einer Vielzahl religiöser Überzeugungen. In dieser Hinsicht hatten die
Deutschen einen eindeutigen Vorteil gegenüber anderen ethnischen Gruppen,
die weit deutlicher auf die unteren Berufs- und Einkommensgruppen konzentriert waren.
Mit dem

�Mit dem Ersten Weltkrieg kam eine Zeit der Schwierigkeiten für die
Deutsch-Amerikaner. Es war eine Zeit, als Eürger deutscher Abstammung
belästigt und verfolgt wurden, als das amerikanische Volk von einer Welle antideutscher Gefühle überschwemmt wurde. Tatsächlich gab es für kurze Zeit in den Vereinigten Staaten einen Krieg gegen die deutsche Sprache und Kultur, Dieses Phänomen läßt sich zumindest teilweise durch das
Verhalten deutsch-amerikanischer Kulturchauvinisten erklären - besonders
der Herausgeber und Redakteure deutschsprachiger Zeitungen -, die in der
Zeit der amerikanischen Neutralität von 1914 - 1917 eine überspannte prodeutsche Haltung einnahmen. Im Jahr 1916 opponierten sie nachdrücklich
gegen die Wiederwahl Präsident Wilsons, der ihrer Meinung nach den Alliierten gegenüber große Sympathien zeigte. Als dann die Vereinigten
Staaten 1917 Deutschland den Krieg erklärten, fanden sich viele Amerikaner deutscher Geburt, oder Abstammung dem Verdacht ausgesetzt, unloyal
zu sein. Hunderte deutschsprachiger Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein,
zahllose soziale und kulturelle Vereine lösten sich auf und viele deutschamerikanische Schulen gingen rasch zur Verwendung der englischen Sprache
über.
Nach dem Krieg machten einige Deutsch-Amerikaner Anstrengungen, um
das deutsche ethnische Leben in den Vereinigten Staaten wiederzubeleben,
waren jedoch dabei nicht sehr erfolgreich, auch wenn es zu Beginn der
zwanziger Jahre zu einem gewaltigen Wiederaufschwung der deutschen Einwanderung kam. Erfüllt mit Bitterkeit und Groll nach dem Trauma des
Ersten Weltkriegs versuchten manche, durch vereinte politische Aktionen
die Achtung zurückzugewinnen. Nachdem diese Strategie in den zwanziger
Jahren mehrmals zu keine: Ergebnis führte, wurde die Betonung auf das
Kulturelle verlegt. Aber auch diese Anstrengung schlug fehl, weil sich
die Programme auf elitäre Werte gründeten, die im Widerspruch zu jenen
standen, die der deutsche Durchschnittseinwanderer jener Zeit vertrat.
Während der Großen Depression der dreißiger Jahre trat diese Kulturidee
immer mehr in den Hintergrund, zumal deutsch-amerikanische Nazis mit
ihrer Strategie des Blutes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich

- 5 -

�auf sich zogen. Dieses rassistische Streben nach ethnischer Einheit
war für die große Mehrheit der Deutsch-Amerikaner unannehmbar. Als die
Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eintraten, vermieden sie
sorgfältig die Fehler des früheren Konfliktes. Diesmal wurden nicht wieder deutsch-amerikanische Ressentiments geschürt und auch die Unterdrückung wie zur Zeit des Ersten Weltkriegs wiederholte sich nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine weitere große Welle deutscher Einwanderung nach Amerika. Nahezu 1 Million Menschen kamen an vor allem in den fünfziger Jahren. Sie hofften, den mit dem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wiederaufbau in Europa verbundenen Problemen zu entkommen und in Amerika ein besseres Leben zu finden. Wie
bei der großen deutsch-jüdischen Emigration der dreißiger Jahre umfaßte
diese Nachkriegsbewegung einen unverhältnismäßig hohen Anteil von Wissenschaftlern, Technikern und anderen gut ausgebildeten Personen. Dann
gab es die Bräute amerikanischer Soldaten in Deutschland, wieder andere
waren Vertriebene - Flüchtlinge deutscher Abstammung aus Osteuropa, die
1945 vor den Sowjetarmeen in den Westen geflohen waren.
Wie den Einwanderern der zwanziger Jahre war auch diesen Emigranten aus Deutschland sehr daran gelegen, sich so rasch wie möglich der
amerikanischen Gesellschaft und Kultur anzupassen. Nur wenige wollten
die deutsche Sprache und Kultur in Amerika beibehalten. Daher kam es
auch nicht wie vor dem Ersten Weltkrieg zu einem organisierten Deutschtum. Stattdessen hält sich deutsches Volkstum in örtlichen Vereinen, die
es noch immer in den großen Zentren deutsch-amerikanischer Bevölkerung
- wie New York, Chicago, Cleveland sowie Kalifornien und Florida - gibt.
Solche Organisationen in den Vereinigten Staaten finden die Beteiligung
nur eines kleinen Teils in Deutschland geborener Personen. Gruppierungen
dieser Art bringen Menschen zusammen, deren Bezug zur deutschen Sprache
und Kultur mehr gefühls- als verstandesmäßig ist, mehr gesellschaftlich
als politisch. Sie bieten eine Atmosphäre, in der Deutsch-Amerikaner

�Deutsch-Amerikaner miteinander reden, essen, spielen, singen und tanzen
können, die gleiche Werte und gleiche Einstellungen vertreten.
Die Wirkung von 300 Jahren deutscher Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist insgesamt gesehen gewaltig. Der Volkszählung von 1980
zufolge stammen ungefähr 52 Millionen der insgesamt 226 Millionen Menschen zählenden amerikanischen Bevölkerung von deutschen Einwanderern
ab. Sie sind sicher die größte Einzelgruppe und übertreffen hierbei sowohl die Iren als auch die Engländer. Kein Wunder, daß Amerikaner deutscher Abstammung Männer und Frauen von gewaltiger Bedeutung für das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben hervorgebracht
haben - zu denen berühmte Staatsmänner, Militärs, Wissenschaftler, Bankiers, Industrielle, Musiker, Maler, Schriftsteller und viele andere gehören. Ihr Gesamtbeitrag zum Leben und zur Kultur Amerikas ist unschätzbar.

+ + + + +

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