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Dokumentation

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16. August 1972

33

Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon ersucht Senat um Ratifizierung der Konvention über ein Verbot
bakteriologischer Kampfmittel
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-SenatINFORMATION:
U.Alexis Johnson für Verbesserung der Beziehungen zu Moskau und Peking
-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

•

Freie Information unerwünscht?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen mit Heimempfang
WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon weist auf wirtschaftliche Erfolge hin
-Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Das internationale Währungssystem
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Die amerikanische Zahlungsbilanz 1972
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Initiativen für Handelsverhandlungen
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Volcker würdigt neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons
-WortlautUS-Handelsminister: Wirtschaftsaufschwung und freier Handel
Von unserem Sonderkorrespondenten
Neues Wirtschaftsprogramm Präsident Nixons ein Jahr alt
Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Eine Krankheit wurde entschärft
Immunreaktionen mit fremder Thymusdrüse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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33/1972

NIXON ERSUCHT SENAT UM RATIFIZIERUNG DER KONVENTION ÜBER
EIN VERBOT BAKTERIOLOGISCHER KAMPFMITTEL

-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Senat-

WASHINGTON --(AD)'»- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Senat am 10 August
die "Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung
bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung" zur Bestätigung zugeleitet und damit das Ratifizierungsverfahren
in Gang gesetzt.
Die 15 Artikel umfassende Konvention, die 1971 auf der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und von der UN-Vollversammlung mit überwältigender
Mehrheit den Mitgliedsstaaten zur Unterschrift empfohlen worden war, ist von
den Vereinigten Staaten gleichzeitig mit 73 anderen Ländern am lO.April dieses Jahres unterzeichnet worden. Sie tritt in Kraft, sobald sie von 22 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, ratifiziert worden ist.
In seiner Botschaft an den Senat betonte der Präsident, daß diese Konvention das erste internationale Abkommen seit dem zweiten Weltkrieg ist, durch
das eine ganze Gruppe von Kampfmitteln geächtet wird und die vorhandenen Be-

�Bestände an bakteriologischen und toxischen Waffen bekanntgegeben. Alle für
den Menschen gefährlichen Kampfmittel sind auf amerikanischer Seite bereits
vernichtet worden, während die Vernichtung der Entlaubungsmittel bis zum Ende
dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Die Einrichtungen in Pine Bluff sind
in ein nationales Forschungszentrum zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die menschliche Umwelt umgewandelt worden. Die
ehemalige biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden.
Die Botschaft Präsident Nixons an den US-Senat hat folgenden Wortlaut:
An den Senat der Vereinigten Staaten:
Hiermit lege ich dem Senat die Konvention über das Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Kampfmittel und über deren Vernichtung zwecks Zustimmung und Bestätigung für die
Ratifizierung vor, das am 10. April 1972 in Washington, London und Moskau zur
Unterzeichnung ausgelegt worden war.
Der Wortlaut dieser Konvention ist das Ergebnis dreijähriger intensiver
Debatten und Verhandlungen auf der Konferenz des Abrüstungsausschusses in
Genf und in den Vereinten Nationen. Sie sieht vor, daß die Vertragspartner die
Entwicklung, die Herstellung, die Lagerung, den Erwerb oder die Bevorratung
biologischer Kampfmittel oder Toxine in Formen und Mengen, die für friedliche
Zwecke in keiner Weise gerechtfertigt sind, wie auch von Waffen, Ausrüstungen
und Trägern, die für den Einsatz solcher Kampfmittel oder Toxine für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind, unterlassen. Die Bestimmungen der Konvention sind im einzelnen in dem begleitenden Bericht des
Außenministers erläutert.
Vor etwa zwei Jahren hat die amerikanische Regierung einseitig und bedingungslos auf die Anwendung aller biologischen und toxischen Waffen verzichtet

-2-

�'

verzichtet und bekräftigt, daß wir unsere vorhandenen Bestände vernichten und
unsere Programme auf genau umrissene, defensive Zwecke beschränken werden. Diese
Initiativen waren Ausdruck einer tiefen nationalen Überzeugung, und haben sehr beträchtlich zu dem schließlichen Erfolg der Verhandlungen beigetragen,die zu dieser Konvention geführt haben.
Damals sahen wir dem Tag entgegen, da die Gemeinschaft der Völker gemeinsam
handeln würde, um biologische Kriegführung und biologische Kampfmittel zu ächten.
Gleichzeitig mit unserem Verzicht auf diese Kampfmittel unterstützen wir die
Prinzipien und Zielsetzungen des diesbezüglichen britischen Konventionsentwurfes
von 1968. Am 16. Dezember 1971 wurde die hiermit vorgelegte Konvention, die ein
bindendes internationales Verbot der Waffen ausspricht,auf die wir verzichtet
haben,von der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit
zur Annahme empfohlen.
Diese Konvention stellt das erste internationale Abkommen seit dem zweiten
Weltkrieg dar, das die tatsächliche Vernichtung einer ganzen Gruppe von Kampfmitteln in den Waffenarsenalen der Länder vorsieht. Die sichere Vernichtung der
biologischen und toxischen Bestände (an Kampfmitteln) dürfte in den USA bis zum
Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Alle Bestände in dem Waffenarsenal von
Pine Bluff in Arkansas sind bereits vernichtet worden, und die ehemaligen Einrichtungen für biologische Kriegführung sind in ein neues nationales Forschungszentrum
zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die
menschliche Umwelt umgewandelt worden.
Die ehemalige militärische Biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick,
Maryland, soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden. Andere Länder sind
eingeladen worden, sich an der humanitären Arbeit dieser Anstalten zu beteiligen.
Meines Erachtens wird diese Konvention die Sicherheit der Vereinigten Staaten und der Völkergemeinschaft der Welt stärken. Sie wird dazu beitragen, sicher-

-3-

�sicherzustellen, daß die wissenschaftlichen Leistungen auf biologischem Gebiet
nicht für die Vernichtung der Menschheit, sondern für den Dienst an der Menschheit bestimmt, sind. Sie stellt einen bedeutsamen Fortschritt auf den Gebieten der
Rüstungskontrolle und der Abrüstung dar, und ich empfehle dem Senat,sie umgehend
und positiv zu verabschieden.

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33/1972

U.ALEXIS

JOHNSON FÜR VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZU MOSKAU
UND PEKING

-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten sollten nachdrücklich die Aufnahme
neuer Beziehungen zu Moskau und Peking weiterverfplgen. Dabei dürften jedoch
Verteidigung und Bündnisse der USA in keiner Weise beeinträchtigt werden.
Dies unterstrich der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, U.Alexis Johnson, am 8. August vor einem außenpolitischen Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses im Rahmen der von dem Ausschuß durchgeführten öffentlichen Anhörungen über "die amerikanische Sicherheitspolitik und
die wissenschaftlichen Entwicklungen.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben folgenden
Wortlaut:
Es ist jetzt Mode geworden, unsere Motive und Leistungen in der Zeit nach
dem zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen. Ich finde, daß solche Zweifel völlig
unverständlich sind.
Was

�Was unsere Motive anbetrifft, so möchte ich nur darauf verweisen, daß
Winston Churchill, ein Beobachter mit einiger Erfahrung in solchen Fragen, unsere Bemühungen in den ersten Nachkriegsjähren als das "wohl uneigennützigste
Handeln in der Geschichte" bezeichnet hat.
Meines Erachtens spreche unsere Leistungen für sich selbst:
-- Diejenigen, die vor drei Jahrzehnten unsere bittersten Feinde waren,
zählen heute zu unseren engsten Freunden. Und zweifellos ist es besser,
starke Freunde als starke Feinde zu haben.
— Die entsetzliche Aussicht eines weiteren Weltkrieges, dieses Mal zwischen den kommunistischen und den nicht-kommunistischen Mächten, scheint
heute weiter entfernt zu sein als jemals zu irgendeiner Zeit seit Mitte
der vierziger Jahre.
-- Das amerikanische Volk hatte in dieser Zeit eine Prosperität von noch
nie dagewesenem Ausmaß zu verzeichnen.
--•Im Zuge der bemerkenswerten und größtenteils friedlich sich vollziehenden Liquidierung einer vierhundertjährigen Kolonialgeschichte entstanden
über 60 freie Länder. (Nicht ein einziges dieser Länder hat sich für
das kommunistische System entschieden).
-- Ein neues Gefühl der Interdependenz der Länder ist innerhalb nur weniger
Jahrzehnte erwachsen, das erst eine sehr umstrittene Prämisse war und
jetzt ganz offensichtlich etwas Alltägliches ist.
-- Wir haben das atomare Gespenst unter Verschluß gehalten und bemerkenswerte Fortschritte bei der Festlegung internationaler Begrenzungen gemacht, die die atomare Bedrohung für die Menschheit verringern und die
Möglichkeiten für eine nützliche Verwendung der Atomkraft vergrößern.

-2-

�vergrößern.
-- Wir haben einen einmaligen Beitrag zur wirtschaftlichen Wiedererholung
nach dem zweiten Weltkrieg geleistet und ein Höchstmaß an Prosperität in
weiten Teilen der Welt erlebt.
-- Wir haben zur Schaffung eines internationalen Wirtschaftssystems beigetragen, das zu einer explosionsartigen Entwicklung des zwischenstaatlichen Handels in einem in der Geschichte noch nie dagewesenen Ausmaß
mit riesigen Vorteilen für die Völker der Welt, und im besonderen auch
für unser eigenes, geführt hat.

Ich habe kein Verständnis für das Argument, daß wir als Beitrag zum nationalen Streben nach Frieden unsere militärische Stärke verringern sollten. Nach
meinen Erfahrungen ist militärische Stärke keine Alternative zu einem nationalen Streben nach Frieden. Sie ist vielmehr ein unerläßliches Element dieses
Strebens.
In der Welt, so wie sie heute ist-und sie dürfte so auf unbegrenzte Zeit
hinaus bleiben- sind militärische Stärke und Diplomatie Teile eines Ganzen.Eine
nationale Verpflichtung, nach Frieden zu streben, hinter der keine militärische
Stärke steht, wäre überhaupt keine Politik. Sie wäre eine fromme Hoffnung, ohne
jede Glaubwürdigkeit oder Wirksamkeit.

Herr Vorsitzender, so wie sich die Lage in den USA geändert hat, so hat
sich auch die internationale Situation geändert. Es gibt wohl nur wenige, die
heute die Tatsache bestreiten würden, daß eine monolithische kommunistische
Welt nicht mehr besteht. Wir sollten uns daran erinnern, daß sich der einzige

�einzige militärische Einsatz sowjetischer Truppen nach dem zweiten Weltkrieg gegen die eigenen Verbündeten richtete - Ostdeutschland, Ungarn, die Tschechoslowakei und die Volksrepublik China.
Aber die Tatsache, daß es innerhalb der kommunistischen Welt interne Konflikte gibt, bedeutet nicht, daß sie uns wohlgesonnen ist oder daß "eine Ära
der Verhandlungen" automatisch Erfolg haben muß. Wir haben immer noch echte und
schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion, China und anderen
kommunistischen Ländern, und einige von ihnen könnten durchaus zu einem Konflikt
führen. Natürlich müssen jetzt die früheren Konzeptionen von einer Konfrontation
der Blöcke und von einem monolithischen Kommunismus der Erkenntnis weichen, daß
eine komplexe Vielzahl neuer und sich wandelnder Beziehungen besteht. Der springende Punkt jedoch ist, daß fast nichts in bezug auf diese neuen Beziehungen
sicher ist.
Es mag sein, daß sich jetzt Aussichten für uns eröffnen, wie wir sie sehr
lange nicht gehabt haben. Es gibt konkrete Gründe für die Annahme, daß die
Spannungen zwischen den Großmächten im Laufe der nächsten Jahre vielleicht auf
ein Maß abgebaut werden könnten, wie wir es seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg
nicht mehr erlebt haben. Es beginnen sich Formen der Anpassung zu entwickeln, so
daß die Großmächte, selbst wenn Konflikte zwischen ihnen bestehen, Zurückhaltung
bei der Behauptung und Verfolgung ihrer eigenen Interessen üben und die jeweiligen legitimen Interessen des anderen respektieren. Eine solche Zurückhaltung
öffnet Aussicht auf eine breite Zusammenarbeit in Bereichen, bei denen die Interessen sich ergänzen.
Dies ist jedoch eine unsichere Aussicht - zerbrechlich und vorläufig. Es
wäre töricht, aus dieser Möglichkeit die Attribute einer Gewißheit - oder auch
nur einer Wahrscheinlichkeit - herauszulesen. Denn hier handelt es sich um einen
delikaten Prozeß, den wir eingeleitet haben, ungeschützt gegen zahllose Schwierigkeiten, von denen jede sich als unheilvoll für die sich entwickelnde Struktur
der Zusammenarbeit erweisen könnte. Ja, nur das Bewußtsein der riesigen Vorteile,

-4-

�Vorteile, die allen aus der Zusammenarbeit erwachsen würden, gibt mir die
echte Hoffnung, daß die Schwierigkeiten ausgeräumt werden können.

Was ich herausstellen möchte, ist folgendes: Wir sollten - und wir werden dies natürlich tun - nachdrücklich auf die Eröffnung neuer Beziehungen zur
Sowjetunion und zu China hinarbeiten. Aber es wäre wirklich unklug, wenn wir,
während wir dieses Ziel verfolgen, unsere eigene Verteidigung abbauen oder es
zulassen, daß unsere Bündnisse brüchig werden oder in Verruf geraten.
Wenn wir versuchen, uns auf Kosten unserer Stärke und auf Kosten unserer
Freunde bessere Beziehungen zu den Kommunisten zu erkaufen, dann werden wir
ohne Zweifel letztlich alle drei verlieren.

Herr Vorsitzender, wenn

wir die sich auf internationaler Ebene vollzie-

henden Änderungen untersuchen, müssen wir uns voll und ganz darüber im klaren
sein, daß es bestimmte Dinge gibt, die sich nicht geändert haben. Die Sicherheitsgleichung ist weiterhin bipolar. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind vielleicht nicht die einzigen, die zählen, aber sie sind ganz eindeutig diejenigen, die am meisten z&amp;hlen.
Der

heute bestehende Zustand einer gegenseitigen nuklearen Abschreckung

hat wenig mit der Tatsache zu tun, daß es fünf Atommächte gibt, jedoch viel mit
der Tatsache, daß es zwei sehr große Atommächte gibt. Das ist der Grund, warum
SALT ein bilaterales Vorhaben ist und warum frühere Rüstungskontrollinitiativen
wie das begrenzte Atomversuchsverbot Anfang der sechziger Jahre tatsächlich
bilateral waren.

Ich

�Ich rechne nicht damit, daß die verschiedenen diplomatischen Initiativen,
die zwischen uns - sowie unseren Verbündeten - und den kommunistischen Ländern
im Gange sind, zu einer sofortigen Entspannung oder einem garantierten Frieden
führen werden. Dies ist zwar ein vielverheißender Beginn. Aber nur, wenn wir
ein stabiles Sicherheitsklima bewahren, können wir potentiellen Gegnern das
Ausnutzen von Gelegenheiten verwehren. Und nur unter solchen Gegebenheiten sehe
ich eine realistische Möglichkeit, im Laufe der Zeit zu der Anpassung zwischen
den nationalen Interessen der kommunistischen und der nicht-kommunistischen Welt
zu kommen.

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FREIE INFORMATION UNERWÜNSCHT?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen
mit Heimempfang

--(AD)-- Der sowjetische Vorschlag an die Vereinten Nationen, Fernsehsendungen über Satelliten gewissen Beschränkungen zu unterwerfen, kommt zu einem
Zeitpunkt, an dem die Vereinigten Staaten die Satelliten-Fernmeldetechnik
zum Mittel des freien Meinungsaustausches zwischen den Völkern der Erde entwickeln. Der von der Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte Vorschlag wurde
von Außenminister Andrei A. Gromyko dem UN-Generalsekretär,Kurt Waldheim,unterbreitet. In dem Schreiben fordert die UdSSR, daß sich die 27. UN-Vollversammlung mit den sowjetischen Vorstellungen befaßt.
Die Sowjetunion wünscht eine internationale Konvention, die es den Nationen verbietet, Fernsehsendungen über Satelliten für den Direktempfang durch
Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung des Empfängerlandes
die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat. Die vorgeschlagene Konvention würde
unautorisierte Fernsehsendungen als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates" betrachten. Im Entwurf zu dieser Konvention wird festgestellt, daß das Verbot "zum Schutz der Souveränität der Staaten gegen jegliche

-1-

�I

jegliche Einmischung von außen und zur Verhinderung der Verwendung direkter Fernsehsendungen als Quelle internationaler Konflikte und Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Staaten notwendig ist".
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen war bisher nicht
möglich,weil die heute gebräuchlichen Fernsehsatelliten nicht leistungsstark
genug sind. Die relativ schwachen Signale müssen von sehr großen und kostspieligen Antennen aufgenommen und um ein Vielfaches verstärkt werden. Ahnlich ist
es mit Telefongesprächen oder anderen Nachrichtensendungen via Satellit. Da
jedoch jede neue Satellitengeneration erheblich leistungsfähiger als die vorangegangene ist, kann es nur eine Frage der Zeit sein, wann Satelliten zur Verfügung stehen, die sich auch für den Heimempfang mit kleinen Antennen eignen.
In den Vereinigten Staaten wird gegenwärtig ein solcher Satellit entwickelt.
Er ist für Indien bestimmt, das damit sein Erziehungswesen ausbauen will. Das
Gerät soll von den USA über Indien oder dem Indischen Ozean stationiert werden,
damit die indische Regierung auch die entlegensten Dörfer mit Fernsehprogrammen,
die über diesen Satelliten gesendet werden, erreichen kann. Vor allen Dingen
sollen Informationen über landwirtschaftliche Programme und verbesserte Anbaumethoden, über Säuglingspflege, Familienplanung und Hygiene, über Ernährungsfragen - einschließlich der Konservierung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ausgestrahlt werden. Auch sind Vorbereitungen im Gange, um derartige Satelliten
als Ubermittler von Fernlehrgängen zu benutzen, mit denen den Einwohnern abgelegener Landstriche Lesen und Schreiben beigebracht wird.
Um den "Indien-Satelliten" betreiben zu können, sind Veränderungen an Fernsehempfängern und deren Empfangsantennen erforderlich - aber diese kosten relativ wenig. Weitere Verbesserungen in der Satelliten-Ausrüstung und in den Übertragungstechniken werden eines Tages allgemein Direktsendungen ins Heim möglieh
machen, Nationen, die den Empfang nicht gewünschter Programme durch ihre Bürger

-2-

�Bürger verhindern wollen, hätten dann die Möglichkeit, das Satelliten-Programm
zu stören. Die Sowjetunion hat dies bei Rundfunksendungen viele Jahre hindurch
getan. Dennoch erreichten viele Programme ihr Publikum auch in diesem Land, da
mit technischen Veränderungen am Empfangsgerät die Störversuche neutralisiert
werden konnten.
Vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen schon seit geraumer Zeit Vorschläge, Fernmeldesatelliten für einen weitgespannten Kulturaustausch einzusetzen. Das Verfahren sei, so heißt es, auch geeignet, die internationale Verständigung zu fördern und ethnische Schranken zu überbrücken. Außerdem könnten
Satelliten als Übermittler von Material für die großen Bibliothekn in der ganzen
Welt dienen, das bei Bedarf in kürzester Zeit praktisch an jedem Punkt der Erde
verfügbar ist. Schon heute erfassen

die meisten großen Bibliothekn das bei ihnen

sich ansammelnde Material in Computern. Durch Anwählen bestimmter Nummern über
Telefon könnte sich künftig ein Interessent von einem beliebigen Standort aus
mit Spezialbibliotheken in aller Welt via Satellit in Verbindung setzen.

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PRÄSIDENT NIXON WEIST AUF WIRTSCHAFTLICHE ERFOLGE HIN
Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 197 2"

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat darauf hingewiesen,

daß die neue Wirt-

schaftspolitik der USA, die am 15. August 1971 eingeleitet wurde, zu einer
Reihe bemerkenswerter wirtschaftlicher Erfolge geführt hat. Nixon stellt dies
in dem Vorwort zu einer Broschüre fest, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten herausgegeben hat und die den Titel "Die Wirtschaft Mitte 1972" trägt.
Das Vorwort Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:
I
"Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, seit die neue Wirtschaftspolitik am
15. August 1971 eingeleitet wurde. Seit diesem Zeitpunkt sind Isolide wirtschaftliche Erfolge erzielt worden, die dem Geist der Bevölkerung zu danken sind und
greifbare Fortschritte hinsichtlich des Realeinkommens der Bevölkerung darstellen.

;
'
I

Die Maßnahmen, die am 15.August des vorigen Jahres ergriffen wurden, sollten
frühere Schritte intensivieren, die die Inflationsrate verringert und den wirtschaftlichen Wiederaufschwung eingeleitet hatten. Sie umfaßten einen Lohn-und
Preisstopp, um die Inflation weiter einzudämmen, Steuervergünstigungen, um die
Expansion zu beschleunigen und die Arbeitslosenquote zu senken, sowie Maßnahmen

-1-

�Maßnahmen im internationalen Finanzwesen und im Handel, um die Grundlage für eine
größere Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft zu
legen.
Die seit dem 15. August verfolgte Politik bestand aus Schritten, die die Regierung zu treffen hatte. Aber, wie ich schon damals in meiner Rede sagte, würde
der Schlüssel zum Erfolg in den Händen des amerikanischen Volkes liegen.
Ich ersuchte um die Mitarbeit der Öffentlichkeit aus patriotischen Gründen
-nämlich um der wirtschaftlichen Gesundheit Amerikas willen. Aber ich ersuchte
auch um die Mittarbeit aus Gründen des vernünftigen Selbstinteresses. Nur durch
gemeinsame Aktionen konnten wir aus der inflationistischen Tretmühle herauskommen,
durch die uns allen jahrelang der Genuß der wachsenden Prosperität vorenthalten
wurde,die die amerikanische Wirtschaft zu schaffen in der Lage war.
Der Bericht des Wirtschaftsbeirates zeigt, was seit Aufnahme der neuen
Wirtschaftspolitik geschehen ist. Die Leistungen waren eindrucksvoll:
-- Die Zuwachsrate bei den Lebenshaltungskosten, die vor dem Stopp um ein
Drittel gesenkt worden war, ist nunmehr um die Hälfte gesenkt worden.
-- Heute gibt es 2,5 Millionen ziviler Arbeitsplätze mehr als vor einem
Jahr.
-- Die Arbeitslosenquote hat sich von rund 6 Prozent auf 5,5 Prozent verringert.
-- Unser Wirtschaftswachstum beträgt fast 9 Prozent, die höchste Rate
seit 1965.
-- Der Realnettolohn der Arbeiter pro Woche ist im letzten Jahr um 4 Prozent gestiegen, ein Dreifaches der Durchschnittsrate der Jahre 1960 bis 1968.
-- Wir haben die Welt auf den Weg zu einer internationalen Finanz-und Handelsreform geführt, die wesentlich zu einer Verbesserung unserer internationalen

-2-

�internationalen Wettbewerbsposition und auch zur Stärkung der Volkswirtschaften
anderer Länder beitragen wird.
Ich möchte hier unterstreichen, daß der Erfolg der neuen Wirtschaftspolitik
der Mitarbeit des amerikanischen Volkes zu danken ist.
Diese Mitarbeit ist in vielfacher Form erfolgt:
-- Es war bemerkenswert, wie die Arbeitnehmerschaft, die Wirtschaft,die
Vermieter, die Verbraucher und die Mieter sich freiwillig an den Preis-Lohn-Stopp
sowie dann an die zweite Phase (des neuen Programms) gehalten haben.
— Während des Zeitraums, in dem die zweite Phase des Programms entwickelt
wurde, haben sich die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft sowie der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
in überaus nützlicher Weise mit den zuständigen Bundesstellen konsultiert. In
den folgenden Monaten beteiligten sich zahlreiche prominente Bürger an der Durchführung des Programms.
--

Die Produktivität - Leistung pro Arbeitsstunde - ist im vergangenen Jahr

um 4,3 Prozent gestiegen. Dies ist der größte Anstieg pro Jahr seit Anfang 1966.
Ein solcher Produktivitätsanstieg ist ohne positive und beiderseitige Beiträge
der Sozialpartner unmöglich-.
— Der Bruchteil der aufgrund von Streiks verlorengegangenen Arbeitszeit
war außerordentlich gering.
Die amerikanische Bevölkerung kann sich zu ihren Leistungen im letzten Jahr
beglückwünschen; sie erfreut sich in zunehmendem Maße der greifbaren Vorteile
dessen, was sie und ihre Regierung gemeinsam erreicht haben.
Wir haben jedoch weiterhin wirtschaftliche Probleme zu lösen, und wiederum
liegt der Schlüssel zum Erfolg in den Händen der Bevölkerung. Wir müssen mit
allem Nachdruck für eine niedrigere Inflationsrate sorgen - sowohl in der Praxis
als auch hinsichtlich der Erwartungen der Öffentlichkeit, die ja an der Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft mitwirkt. Wenn wir auch die Inflationsrate um

-3-

�um die Hälfte gesenkt haben, so bleiben doch die Lebensmittelpreise weiterhin
ein Hauptanliegen. Wir müssen die Arbeitslosenquote noch weiter senken. Wir müssen
weiterhin auf eine Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit bedacht
sein, um unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken.
Die Verwirklichung all dieser Dinge erfordert kontinuierliche Anstrengungen
eines jeden, einschließlich der Regierung, damit dem Buchstaben und dem Geist
des Preis-Lohn-Kontrollsystems entsprochen und die Produktivität noch mehr gesteigert wird.
Der entscheidende Punkt, bei dem die Hilfe und das Verständnis des amerikanischen Volkes jetzt erforderlich sind, ist der Bundeshaushalt. Wenn wir es zulassen, daß die Bundesausgaben wieder rapide ansteigen - und zwar über einen Punkt
hinaus, wo die Einnahmen selbst unter Bedingungen der Vollbeschäftigung weit überstiegen werden, wie dies zwischen 1965 und 1968 der Fall war - dann riskieren wir,
daß die bisherigen hart errungenen Erfolge zunichtegemacht werden. Die Folge wäre
ein starkes Ansteigen der Lebenshaltungskosten oder neue hohe Steuern oder beides nacheinander.
Diese Administration ist entschlossen, ihr bestes zu tun, um einem solchen
Kurs entgegenzuwirken, indem der Haushalt unter Kontrolle gehalten wird, und ich
habe mit allem Nachdruck an den Kongreß um Unterstützung appelliert.
Aber das Ergebnis wird vor allem von den Wünschen des amerikanischen Volkes
abhängen: Wenn das Volk auf Ausgaben über die von mir geforderte 250-MilliardenGrenze hinaus besteht, dann werden diese Ausgaben erfolgen. Wenn das Volk jedoch
gemeinsam mit mir darauf besteht, daß die Bundesausgaben niedrig gehalten werden, um ein Wiederaufleben der Inflation jetzt und höhere Steuern bald darauf zu
verhindern, dann wird die Regierung in verantwortungsvoller Weise handeln.

Diese

-4-

�Diese kritische Situation stellt unsere Reife und Entschlossenheit, unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten auf gesunde Weise zu besorgen, auf eine entscheidende Probe. Ich bin überzeugt, daß wir diese Probe bestehen werden und
daß sich unsere Volkswirtschaft,die ja uns alle einschließt, weiterhin zu neuen
Höhen der Prosperität steigern wird."

-5-

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33/1972

DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit dem internationalen WährungsSystem
befaßt.
"Im Juni dieses Jahres haben die britischen Behörden aufgrund des immer
stärker werdenden Marktdruckes die Freigabe des Wechselkurses des Pfundes
Sterling zugelassen, und sein Wert fiel rasch unter den Interventionspunkt der
Europäischen Gemeinschaft und des Smithsonian-Abkommens. Dieser Bruch in dem
Gefüge der Wechselkurse, das im Smithsonian-Institut geschaffen worden war,
wirkte sich in einem Druck auf den Dollar wie auch auf eine Reihe anderer europäischer Währungen aus und führte bei verschiedenen Währungen zu einem vorübergehenden Bruch sowohl der Bandbreiten der Europäischen Gemeinschaft wie auch der
des Smithsonian-Abkommens.
Eine weitere Entwicklung ist die weitverbreitete Anwendung von Devisenkontrollen in einer Reihe der großen Überschußländer in dem Bemühen, den Zustrom kurzfristiger Gelder einzudämmen. Die Ausbreitung der Devisenkontroll-

-1-

�Devisenkontrollmaßnahmen bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Einmal könnte
sie möglicherweise den langfristigen Trend der Nachkriegszeit in Richtung auf
eine Liberalisierung des internationalen Handels und des Zahlungsverkehrs untergraben. Zweitens tendiert sie, durch künstliche Verzerrung der Bewegungen auf den
Kapitalkonten

das Ausmaß der Anpassung der laufenden Konten zu verschleiern,das

für eine Wiederherstellung des zugrundeliegenden Ausgleichs der amerikanischen
Zahlungsbilanz erforderlich ist.
Man muß sich gleichzeitig im klaren

darüber sein, daß große Transaktionen

von kurzfristigen flüssigen Mitteln von einem Land ins andere - vor allem in
Zeiten der Unruhe auf den Devisenmärkten - in einigen Ländern schwierige Probleme
für die Beherrschung der eigenen Währungspolitik mit sich bringen. Es steht zu
hoffen, daß mit der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems Mittel
und Wege gefunden werden, um

mit dem Problem der starken Fluktuationen in kurz-

fristigen Kapitalbewegungen ohne die Anwendung von Kapitalkontrollen fertig zu
werden.
Der durch diese Ereignisse ausgelöste Druck unterstreicht die Notwendigkeit,
mit der langfristigen Reform des internationalen Währungssystems voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten haben eine führende Rolle bei der Planung eines Verhandlungsrahmens für solche Reformen gespielt.
Die kommenden Währungsverhandlungen sollten eine Grundlage für einen erneuten Aufschwung im Sinne einer liberalen Weltordnung bieten, in deren Rahmen jede
Nation eine faire Chance erhält, ohne Behinderung durch ein wachsendes Netz künstlicher Schranken am internationalen Handel und der internationalen Investition
teilzunehmen. Dieses Ziel setzt ein internationales Währungssystem voraus , das
den prompten Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten erleichtert, ohne daß
dadurch die jeweilige nationale Wirtschaftspolitik oder der auf den offenen Markt
gerichtete Fluß von Gütern und Kapital unter allen Nationen auf nicht-diskriminierender Basis gestört wird. Der Anpassungsprozeß sollte die wirksame Verteilung
von Mitteln fördern und darauf abzielen, den Umfang des marktgerichteten Handels

-2-

�Handels und der marktgerichteten Investition auf ein Maximum zu bringen. Wie der
neue Wechselkursmechanismus auch im einzelnen aussehen mag, er wird in seiner
Praxis auf jeden Fall flexibler sein müssen als der bisherige und sowohl Uberschuß-wie Defizitländern nicht nur die Möglichkeit, sondern auch einen Anreiz
bieten müssen, sich rasch und glatt an Veränderungen der Wirtschaftslage anzupassen.
Das bedeutet, daß wir von dem Gedanken loskommen müssen, daß die 'Zahlungsbilanzdisziplin* ausschließlich für Defizitländer gelte. Es bedeutetauch, daß
die Vereinigten Staaten einen größeren Spielraum haben sollten, ihre Zahlungsposition nach außen ins Gleichgewicht zu bringen, ohne unerwünschte Restriktionen
für internationale Transaktionen einführen zu müssen. Eine solche größere
Symmetrie in der Fähigkeit, Korrektivmaßnahmen einleiten und durchführen zu können, würde den Vereinigten Staaten wirksame Mittel in die Hand geben, um eine Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzposition zu verhindern, die eintreten könnte,
wenn bei anderen Ländern eine Tendenz bestünde, angesichts von fundamentalen
Zahlungsbilanzungleichgewichten eher abzuwerten als aufzuwerten.
Das neue internationale WährungsSystem muß auch über wirksame Mittel verfügen, die Ziele der verschiedenen Länder bezüglich der Zahlungsbilanz und der Reserven miteinander zu vereinbaren. Vor allem sollte festgestellt werden, daß der
Nettoüberschuß an Gütern und Dienstleistungen der Industrienationen nicht größer
sein darf als der Nettobetrag an Wirtschaftshilfe und privatem Kapital, die an die
Entwicklungsländer transferiert werden. Ferner würde, wenn eine multilaterale
Kontrolle des Gesamtvolumens der Weltreserveschöpfung wünschenswert werden sollte,
dies Auswirkungen auf das Ausmaß haben, in dem einzelne Länder frei wären, ihre
eigenen Reserveziele zu setzen".

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DIE AMERIKANISCHE ZAHLUNGSBILANZ 1972
-Auszug aus der Brotschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit der Entwicklung der amerikanischen
Zahlungsbilanz im Jahre 1972

befaßt.

"Unterschiedliche zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern im ersten Halbjahr 1972 trugen zu einer Verschlechterung unserer
Handelsbilanz bei. Das Einkommen in den Vereinigten Staaten nahm weiter zu,
da die Regierung eine Politik verfolgte, die auf eine Anregung des realen
Wachstums und der Beschäftigung ausgerichtet war. Die Steigerung der Ausgaben
für den persönlichen Verbrauch mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent vom dritten
Quartal 1971 zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage für importierte Verbrauchsgüter, während gleichzeitig der beschleunigte Wiederaufschwung (der Wirtschaft) die Nachfrage nach importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte. Auf der anderen Seite ging
die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland zurück, da die Bemühungen

-1-

�Bemühungen zur Eindämmung des inflationistischen Drucks in einer Reihe anderer
Industrieländer zu einer wirtschaftlichen Flaute geführt haben. Diese zyklischen
Einflüsse auf die amerikanische Zahlungsbilanz sind einem - wie es scheint einmaligen - Anwachsen des Wunsches der Amerikaner aufgesetzt worden, importierte
Waren zu verbrauchen.
Aufgrund des verschiedenartigen Drucks verschlechterte sich die Warenhandels~
bilanz weiterhin von einem vierteljährlichen Defizit von 1,5 Milliarden Dollar
im letzten Quartal 1971 auf ein Defizit von 1,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 - alles saisonbereinigt. Im zweiten Quartal (1972) erhöhte sich das Defizit im Warenhandel noch weiter auf 2 Milliarden Dollar. Während sich die nominelle Handelsbilanz derart weiter verschlechterte, hat es jedoch eine Reihe von
Hinweisen gegeben, daß diese Verschlechterung zum Teil darauf zurückzuführen sein
mag, daß sich die Änderung des Dollar-Kurses nachteilig auf die Handelsbedingungen
auswirkte. Dieser Effekt läßt sich an dem beschleunigten Anwachsen der Dollarkosten für importierte Güter erkennen.
Von Dezember 1971 bis Mai 1972 stiegen die Importpreise um 5,7 Prozent, die
Exportpreise um 0,9 Prozent. Diese Zahlen deuten auf die Möglichkeit hin, daß
sich die Handelsbilanz real - im Gegensatz zum Geldwert - nicht länger verschlechtert
Es gibt eine Reihe von Gründen für die Annahme, daß sich die Handelsbilanz
nicht nur real, sondern auch nominal bessern wird. Die Veränderungen in der
Preisrelation zwischen ausländischen und einheimischen Gütern, die durch die Neufestsetzung (der Wechselkurse) im Smithsonian-Abkommen herbeigeführt wurden, werden durch divergierende Preistendenzen verstärkt. Großhandels-und/oder Verbraucher
preise tendierten in Europa und Japan zu einem rascheren Anstieg als in den
Vereinigten Staaten. Da Erzeuger und Verbraucher voll auf diese Preissteigerungen
für ausländische Waren - im Verhältnis zu amerikanischen Waren - reagieren, dürfte
sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich das Wachstum der

-2-

�der Exporte beschleunigen wird. Schließlich gibt es Hinweise für ein Wiederaufleben der Nachfrage in einer Reihe unserer Partnerländer, vor allem in Deutschland und in Japan, das zu einer weiteren Steigerung der amerikanischen Exporte
führen dürfte
Die Nettoabflüsse kurzfristigen Kapitals gingen im ersten Quartal 1972 wesentlich zurück. Irrtümer vorbehalten, betrugen die Nettoabflüsse kurzfristigen
Kapitals lediglich 2 Milliarden Dollar gegenüber Abflüssen von 4,3 Milliarden
Dollar im vorangegangenen Quartal und einem durchschnittlichen Abfluß pro Quartal von 5,3 Milliarden Dollar im Jahre 1971 als Ganzera- Obwohl der geringe Nettoabfluß kurzfristiger Gelder eine beträchtliche Verbesserung gegenüber den
großen Abflüssen in den vorangegangenen Quartalen darstellt, war er für diejenigen eine Enttäuschung, die einen wesentlichen Rückfluß spekulativer Gelder un-.
mittelbar nach dem Smithsonian-Realignment der Wechselkurse erwartet hatten
Das Floating des britischen Pfundes (seit Juni 1972) hat Unsicherheit hinsichtlich der gesamten Struktur der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse geschaffen, vor allem bezüglich der Wechselkurse zwischen dem Dollar und
einer Reihe anderer Währungen. Diese Unsicherheiten führten zu einer starken
Verlagerung kurzfristiger Gelder aus den Vereinigten Staaten nach Europa und
Japan, und während der folgendenrfochenkauften europäische Zentralbanken große
Dollarbeträge an, um eine weitere Wertsteigerung ihrer Währungen zu verhindern.
Als die Entschlossenheit der Regierungen zur Verteidigung der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse offensichtlich wurde, hörte die Spekulation allmählich auf. Das Vertrauen in das Smithsonian-Ahkommen wurde weiter gestärkt, als
die Vereinigten Staaten kürzlich auch auf den Devisenmärkten intervenierten und
begrenzte Dollar-Beträge gegen ausländische Währungen ankauften. Diese Aktion
spiegelt den Willen der Vereinigten Staaten wider, auf den Devisenmärkten zu intervenieren, wenn solche Aktionen wünschenswert erscheinen, um dem spekulativen
Druck zu begegnen."

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33/1972

INITIATIVEN FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN
-Auszüge aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit den Initiativen für Handelsverhandlungen befaßt.
"Die Länder der freien Welt haben in der Nachkriegszeit als Folge des
schrittweisen Abbaus der Schranken für den vom Markt gelenkten Güteraustausch
einen Aufschwung erlebt. In letzter Zeit jedoch gab es zunehmende Anzeichen dafür, daß der Abbau der Handelsbeschränkungen einen Stillstand erreicht hat.
Die Regierungen zahlreicher Länder greifen in wachsendem Maße durch Maßnahmen
in die Märkte ein, die den Handelsfluß beeinträchtigen oder verzerren. Ohne
starke neue Verpflichtungen auf multilateraler Basis besteht letztlich die Gefahr, daß durch eine Häufung individueller Maßnahmen die Erfolge allmählich
zunichtegemacht werden, die seit dem zweiten Weltkrieg erzielt worden waren.
Die Aufgabe, vor die die umfassenden Handelsverhandlungen gestellt werden,
ist beträchtlich. In den meisten Fällen sind die Handelsbeschränkungen, die
nach den früheren Runden von Handelsliberalisierungen verblieben sind, derge-

-1-

�dergestalt, daß sie aus innenpolitischen, sozialen oder nationalen Sicherheitsgründen sehr sensitiv sind. Weiter wird sich jede neue Runde im Gegensatz zu
früheren Runden von Handelsliberalisierungen nicht mehr ausschließlich auf den
Abbau der Zölle konzentrieren können, sondern auch ein weites Feld nicht-tarifärer Handelsschranken einschließen. Nicht-tarifäre Handelsschranken sind Maßnahmen, die den Handel verzerren wie zum Beispiel: a) Quoten zum Schutze bestimmter
Sektoren der Wirtschaft, die aus binnenwirtschaftlichen Gründen als besonders anfällig gelten; b)Muster oder Verhaltensnormen, die sich oftmals diskriminierend
gegen ausländische Güter auswirken; c) Restriktive Bestimmungen für Beschaffungskäufe der Regierungen; und d) Exportsubventionen. Verhandlungen, die ein so weites Gebiet von Fragen umfassen, werden aus verschiedenen Gründen schwierig sein:
Die Grenze zwischen einer protektionistischen Handelsschranke und einer legitimen
eigenen

Sozialpolitik ist nicht immer klar; es gibt keine einfache Basis, um

die Reziprozität von Handelsausfällen zwischen einer Form nicht-tarifärer Handelsschranken und einer anderen abzuwägen.
In den Vereinigten Staaten haben zahlreiche Industrieorganisationen, Gewerkschaften und Kongreßausschüsse eine umfassende Prüfung künftiger Möglichkeiten
für eine Handelspolitik und für Handelsverhandlungen aufgenommen. Der Präsident hat
ferner den Bericht seiner Kommission für internationale Handels-und Investitionspolitik erhalten, der weitgehende Empfehlungen für Handelsverhandlungen in den
siebziger Jahren niederlegt. Diesen Empfehlungen ist von der Regierung eingehende
Beachtung geschenkt worden. Frühere Erfahrungen haben den Wert bestimmter allgemeiner, miteinander in Zusammenhang stehender Prinzipien gezeigt.
Erstens sollte ein Handelsabkommen umfassend in dem Sinne sein, daß es alle
Wirtschaftssektoren und alle Formen von Handelsschranken einschließt. Nur ein
umfassendes Abkommen kann eine ausreichende politische Basis, innen-und außenpolitisch, für eine wesentliche Handelsliberalisierung schaffen. Vom Standpunkt der
Vereinigten Staaten ist es besonders wichtig, daß solche Verhandlungen den Agrarwie auch den Industriehandel einschließen. Reiche natürliche Hilfsquellen und

-2-

�und hochentwickelte Technik und Management in der Landwirtschaft geben den Vereinigten Staaten einen erheblichen Vorteil, der unsere Agrarerzeugnisse auf den
Weltmärkten sehr wettbewerbsfähig macht. Trotz der Unterbrechungen aufgrund der
Hafenarbeiterstreiks haben unsere Agrarexporte schätzungsweise im letzten Finanzjahr einen bisherigen Höchststand von wertmäßig 8 Milliarden Dollar erreicht.
Rationalisierung und die Liberalisierung der Agrarpolitik und der damit zusammenhängenden restriktiven Importpolitik., die von den meisten Industriestaaten verfolgt
wird, würden es uns ermöglichen, unser Potential für den Handel auf diesem wichtigen Sektor voll zur Geltung zu bringen.
Die Handelsverhandlungen sollten ferner zu einem System führen, das sich
maximal auf einen vom Markt gelenkten Handel verläßt. Immer wieder hat es sich
gezeigt, daß auf der Marktlage basierende Vereinbarungen am erfolgreichsten waren,
weil sie allgemein zu maximalen Erfolgen für den Handel führten und weil sie am
meisten den Formen der Wirtschaftstätigkeit in den marktorientierten Volkswirtschaften entsprechen. In dieser Beziehung verstößt eine Handelspolitik, die wichtige Wirtschaftssektoren ständig von den Marktkräften und dem internationalen Anpassungsprozeß abschirmt, nicht nur gegen die Prinzipien der internationalen
Leistungsfähigkeit, sondern untergräbt auch den Prozeß einer ordentlichen und
zeitgemäßten Anpassung an das internationale Wirtschaftssystem als Ganzes.
Das Handelsabkommen sollte die realen Kosten der inneren Sozialprogramme
dem Lande auferlegen, das sie durchzuführen beschließt. Nur ein solches Prinzip
kann eine Basis schaffen, um die legitimen Aspekte der eigenen Sozialpolitik von
den Praktiken zu trennen, die sich auf Gebieten wie Umwelt, Sicherheit und Gesundheitsstandard nachteilig für den Handel auswirken» Es muß jedoch anerkannt werden, daß in einigen Gebieten eine stärkere Harmonisierung der Sozialpolitik wünschenswert sein könnte, um den Handel verzerrende Auswirkungen zu vermeiden.
Das erreichte Handelsabkommen sollte ferner ein Sicherheitssystem einschliessen, das in wirtschaftlicher Hinsicht anfälligen Industrien der beteiligten Länder ausreichend Zeit

gibt, sich den schnellen Veränderungen der Produktions-oder

-3-

�oder Verbrauchsformen, den Handel eingeschlossen, anzupassen. Sicherheiten sind
erforderlich in Situationen, in denen die notwendige Anpassung zu umfassend ist,
als daß sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne ohne zu hohe soziale, persönliche
oder politische Lasten durchgeführt werden kann. Ein solches multilateral ausgehandeltes Sicherheitssystem sollte vereinbarte Normen enthalten, um einen vorübergehenden Schutz, ein Verfahren für eine internationale Überprüfung und Bestimmungen zur Verhinderung eines Mißbrauchs des Systems durchzusetzen.
Schließlich sollte das Handelsabkommen eine Vereinbarung enthalten, daß
binnenwirtschaftliche Anpassungsprogramme das Sicherheitssystem ergänzen müssen.
In dieser Beziehung prüfen wir jetzt neue Methoden für eine Anpassungshilfe auf
solchen Gebieten und besonders für solche Gruppenvon Arbeitern, die aufgrund des
Importwettbewerbs außergewöhnlich raschen Anpassungsproblemen ausgesetzt sind.
Wir sind uns ferner bewußt, daß es ein enges und wachsendes gegenseitiges
Interesse zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gibt. Die
Abhängigkeit der letzteren vom Handel ist groß, und ihre Exporte in die Industriestaaten erbringen vier Fünftel ihrer Exporterlöse. Wir sind von ihnen in bezug
auf Rohstoffe abhängig, und wir verkaufen ihnen in immer stärkerem Maße Waren
auf kommerzieller Basis. Somit gibt es gesunde wirtschaftliche Gründe, die sowohl
für die Industriestaaten wie auch für die Entwicklungsländer zwingend sind, daß
sie in Richtung auf ein Welthandelssystem zusammenarbeiten, das allen Ländern angemessene Möglichkeiten bietet. Im Hinblick auf dieses Ziel wollen wir eine Handelspolitik fördern, die den Entwicklungsländern vermehrte Möglichkeiten gibt,
den Wettbewerb auf den Weltmärkten aufzunehmen,
gen Verhandlungen versuchen, dieses

und wir werden bei den künfti-

ihre Exportaussichten am stärksten beein-

flussende Problem wirksam anzupacken.
Die Vereinigten Staaten haben ferner kürzlich eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die bestehenden Schranken für den Handel mit den Ländern des kommunistischen Blocks abzubauen.
Während

-4-

�Während des Moskauer Gipfeltreffens im Mai haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew vereinbart, eine amerikanisch-sowjetische Handelskommission
einzusetzen, die den Apparat für das Zustandekommen einer Übereinkunft über verschiedene grundlegende Fragen der Handelspolitik bilden soll.
Der Handelsminister hat die Vereinigten Staaten auf der ersten Sitzung der
Kommission am 20.Juli vertreten. Die Fragen, die die Kommission lösen muß, damit
der amerikanisch-sowjetische Handel wesentlich expandieren kann, sind unter anderem: Regelung der sowjetischen Pacht-und Leihschulden; die Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse; Kreditvereinbarungen; Einrichtungen für Geschäftsleute in jedem der beiden Länder sowie weitere technische Handelsfragen
wie Schlichtung von Handelsstreitigkeiten, Steuer-, Patent- und Lizenzfragen. Es
wird damit gerechnet, daß endgültige Abkommen bei verschiedenen Fragen noch dieses Jahr bekanntgegeben werden.
Vor seiner kürzlichen Reise nach Peking hat der Präsident die Kontrollen für
amerikanische Exporte nach der Volksrepublik China liberalisiert. Mit diesem
Schritt wurde eine Politik fortgesetzt, die bereits früher aufgenommen worden war,
um die Tür für Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China aufzustoßen. Diese neuen Handelsinitiativen gegenüber der UdSSR und China sowie weiteren kommunistischen Ländern in Osteuropa waren durch die Entwicklungen in den größeren politischen Beziehungen möglich geworden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, eine führende Rolle beim Aufbau eines
internationalen Wirtschaftssystems zu spielen, das den Aufgaben der siebziger Jahre
gerecht werden kann. Das Ziel ist eine Welt, in der alle Länder aus dem internationalen Handel und den internationalen Investitionen ein größtmögliches Maß an
Gewinn ziehen können."

-H-rt-

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33/1972

VOLCKER WÜRDIGT NEUE WIRTSCHAFTSPOLITIK PRÄSIDENT NIXONS

-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker hat anläßlich des ersten Jahrestages des
neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons die Erfolge dieser Politik gewürdigt
und betont, daß die USA heute im Hinblick auf eine Verbesserung des Handels und
der Zahlungsbilanz zuversichtlich sein könnten.
Die Erklärung, die Volcker am 13. August auf einem Wirtschaftsseminar in
Washington abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Wenn wir unsere internationale Politik behandeln, möchte ich gleich zu Anfang einen grundsätzlichen Punkt unterstreichen. Das Paket der Maßnahmen, die Präsident Nixon am 15. August (vorigen Jahres) bekanntgab, stellte eine geschlossene Reihe von innenpolitischen und internationalen Maßnahmen dar. Er war sich
über die fundamentale Tatsache im klaren, daß ein Erfolg bezüglich unserer internationalen Ziele eng mit einem Erfolg auf innenpolitischem Gebiet zusammenhängt. Ohne ein starkes Wachstum und eine größere Preisstabilität in den Vereinigten Staaten selbst können wir nicht mit einem starken Dollar im Ausland oder
einer dauerhaften internationalen Währungsstabilität rechnen.
Die

-1-

�Die Maßnahmen,die wir auf internationalem Gebiet ergriffen, spiegelten bestimmte ganz akute Probleme wieder. Aber sie reflektieren gleichzeitig einige
grundlegende langfristige Probleme,die man anpacken muß, wenn die kurzfristigen
Probleme nicht erneut auftreten sollen.
Wenn wir auf die Situation vor einem Jahr zurückblicken, dann muß festgestellt werden, daß wir damals vor der Tatsache eines ständig wachsenden Zahlungsbilanzdefizits standen. Wir mußten damit rechnen, daß dieses Defizit ohne entsprechende Maßnahmen noch größer werden würde.
Unser einstmals großer Handelsüberschuß - rund sieben Milliarden Dollar auf
dem Höhepunkt im Jahre 1964 - hatte sich im Sommer 1971 in ein Defizit mit einer
Jahresrate von vier bis fünf Milliarden Dollar verwandelt. Nicht nur wurde unsere
Zahlungsbilanz immer schwächer, sondern der wirtschaftliche Druck verstärkte auch
protektionistische Gefühle. Die Spekulation auf den internationalen Finanzmärkten
grassierte.
Diesen an der Oberfläche sichtbar werdenden Symptomen lagen wesentliche Veränderungen in den wirtschaftlichen Beziehungen zugrunde - Veränderungen, die nicht
durch gleichwertige Veränderungen im Währungs-und Handelssystem der Nachkriegszeit
ausgeglichen wurden.
Die amerikanische Wirtschaft war die einzige größere Volkswirtschaft, die
aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges intakt hervorgegangen war. Es war daher
nur richtig, daß wir die Verantwortung für den Wiederaufbau einer vom Krieg verwüsteten Welt übernahmen.
Milliarden von Dollar flössen ins Ausland, um den Wiederaufbau einer Volkswirtschaft nach der anderen zu finanzieren. Wir übernahmen eine unverhältnismäßig
große Verantwortung für die gemeinsame Verteidigung. Gleichzeitig strömten amerikanische Güter - zunächst bei nur geringer Konkurrenz - ins Ausland, wo andere
Länder bestrebt waren, das zu kaufen, was sie selbst nicht produzieren konnten.
Im

-2-

�Im Laufe der Jahre entstand jedoch ein grundlegend neues wirtschaftliches
Kräfteverhältnis in der Welt. In nur einer Generation entwickelte sich beispielsweise Japan aus der Zerstörung heraus zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht in der
freien Welt. Ein ähnlicher und früherer Übergang vollzog sich auch in Europa.
Die Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beschleunigte diesen Prozeß,
und es entstand eine mächtige neue Wirtschaftseinheit.
Im Zuge dieser Entwicklung wurden einstmals schwache Währungen stark. Die
amerikanischen Exporte sahen sich auf den Weltmärkten einer starken ausländischen
Konkurrenz gegenüber. Zahlreiche Länder bemühten sich mit Nachdruck um eine starke
Handels-und Zahlungsbilanzposition und erhielten sie aufrecht. Aufgrund dieser
Entwicklung wurden die Defizite in der amerikanischen Zahlungsbilanz chronisch,
woraus sich unhaltbare Belastungen und Spannungen ergaben.
Der 15. August machte allen klar, daß es so nicht weitergehen konnte. Die
Vereinigten Staaten waren finanziell wie wirtschaftlich überstrapaziert. Ein neues
wirtschaftliches Kräfteverhältnis mußte hergestellt werden - ein Verhältnis, das
die neuen wirtschaftlichen Realitäten der Welt reflektierte und das mit einem liberalen, nach außen orientierten Klima für Handel und Investitionen in Übereinstimmung stand.
Zwei wichtige internationale Maßnahmen wurden im Programm des Präsidenten
vom 15. August angekündigt: die Einführung einer befristeten zehnprozentigen Importabgabe sowie das sogenannte

Schließen des Goldfensters * oder die Aussetzung

der Konvertierbarkeit'.
Das waren harte Maßnahmen, und es waren -aus der Natur der Sache heraus einseitige Maßnahmen. Es waren Maßnahmen einer starken Führung. Sie kündigten die
Notwendigkeit von Änderungen und Reform an. Sie trugen dazu bei, die notwendigen
Sofortmaßnahmen zu fördern.
Auf

�Auf der anderen Seite stellen sie nur einen Anfang dar. Sie bereiteten zwar
den Boden für Änderung und Reform, aber es mußten ihnen weitere Maßnahmen und
Verhandlungen folgen, um den Wandel auf konstruktiven Wegen zu halten.
Dieser Prozeß ist längst vorüber, aber er hat zu wichtigen Verbesserungen
geführt:
- Die Verbesserung unserer Binnenwirtschaftstätigkeit leistet einen wichtigen
Beitrag zur internationalen Währungsstabilität. Kein anderes wichtiges Industrieland kann sich im letzten Jahr mit uns messen, was die Kombination von Wachstum
und Preisstabilität angeht. Was beispielsweise die Verbraucherpreise anbelangt,
so können sich die Vereinigten Staaten mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent
neben Kanada, Italien, Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und
Großbritannien sehen lassen, wo die Raten von 4,3 Prozent bis 6,3 Prozent reichen. Im Vergleich dazu ist unsere Wirtschaftstätigkeit das Grundrezept für einen
starken Dollar und eine starke Zahlungsbilanz.
- Wir haben mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember vorigen Jahres eine
große Neuordnung der Weltwechselkurse erreicht. Durch eine Kombination von Dollarabwertung und Aufwertung ausländischer Währungen haben sich die Währungsverhältnisse mit unseren wichtigen Handelspartnern in Europa und mit Japan im Durchschnitt um etwa 11 bis 12 Prozent versdioben. Dies wird mit der Zeit unseren Exporteuren und unserer Zahlungsbilanz einen starken Auftrieb geben. Im Rahmen des
Prozesses waren wir in der Lage, auf die befristete Importabgabe zu verzichten.
- In bestimmten Fällen ist es gelungen, einen Fortschritt beim Abbau der
Handelsschranken für unsere Exporte zu erzielen.
- Und was für die Zukunft noch wichtiger ist, es sind Einvernehmen darüber
erzielt worden, allgemeine Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform
mit dem Ziel zu führen, eine offene und liberal-orientierte Weltwirtschaft zu
stützen.
Am

-4-

�Am 15. August (1971) herrschte kein allgemeines Einverständnis über die
Notwendigkeit einer Reform - geschweige denn der Wille, damit anzufangen. Es gab
kein internationales Forum,in dem die schwierigen Verhandlungen hätten geführt
werden können. Die wichtigen Länder gaben keineswegs zu, daß ein enger innerer
Zusammenhang zwischen Währungsregeln und Handelsregeln, Investitionspolitik im
Ausland, Steuerpolitik und ähnlichen Dingen besteht.
Heute, so meine ich, sind Einvernehmen, Willen und Forum in weit größerem
Maße vorhanden.
Es wäre töricht,die vor uns liegenden Probleme zu unterschätzen. Wir befinden uns immer noch in einer schwierigen Periode des Übergangs. Die Ereignisse
haben gezeigt, daß die Wiederherstellung unserer Zahlungsbilanz und unserer internationalen Finanzposition einige Zeit braucht. Die Reform des Währungssystems
wird sorgfältiger Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg bedürfen.
Hier und im Ausland zeigt sich bereits Ungeduld.
Von Zeit zu Zeit haben die Devisenmärkte jene Unsicherheit gezeigt,die mit
dem Wandel unausweichlich einhergeht.
Wir haben uns daran gemacht,mit diesen zwischenzeitlichen Problemen fertig
zu werden,indem wir sowohl Sofortmaßnahmen getroffen haben als auch auf umfassende Verhandlungen drängen.
Anders als vor einem Jahr sind wir heute der Überzeugung, daß wir vertrauensvoll auf die Verbesserung unseres Handels und unserer Zahlungsbilanz hoffen können. Nach meiner Ansicht haben wir überzeugende Antworten auf die Argumente jener
gefunden, die unsere externen Probleme dadurch lösen wollen, daß sie sich in eine
schützende Muschel verkriechen. Ich glaube, daß jetzt konstruktive Verhandlungen
für eine Reform auf lange Sicht begonnen haben.

Genau

-5-

�Genau gesehen ist die Aufgabe, die uns der Präsident am 15. August vorigen Jahres gestellt hat, erst halb erfüllt. Aber wir können mit dieser ersten
Hälfte zufrieden sein, ohne daß wir die kommende Aufgabe verkleinern wollen.
Niemand sollte sich Illusionen machen, daß es einen leichten Abkürzungsweg
zu Stabilität, Wachstum und Stärke nach außen gäbe. Aber ich kann Ihnen versichern, daß wir es mit der Bewältigung der Aufgabe ernst meinen."

-6-

�amerika dienst
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US-HANDELSMINISTER:WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG UND FREIER HANDEL
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)— Eine deutliche Wende in der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten ist nach Feststellung des amerikanischen Handelsministers Peter
Peterson eingetreten. Wie Peterson nach einem Jahr des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons erklärte, steigt die Produktion in Industrie und Landwirtschaft stetig an, während gleichzeitig die Preise unter Kontrolle gehalten
werden. Bei einem fairen Wechselkurssystem müßte damit nach Auffassung
Petersons die amerikanische Handelsbilanz wieder günstiger werden.
Der Handelsminister verwies auf die völlig unterschiedliche Situation der
amerikanischen Wirtschaft Ende der sechziger Jahre und heute. In den Jahren von
1965 bis 1970 lagen die Vereinigten Staaten im Wirtschaftswachstum praktisch
hinter allen ihren großen Handelspartnern zurück, während sie im Preisauftrieb
die Spitze hielten. Heute, so betonte Peterson, weist das reale Wirtschaftswachstum der USA eine Jahresrate von 7,4 Prozent auf - und liegt damit höher
als das Japans - während die Preise nur mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent
steigen - was etwa nur die Hälfte des Anstiegs in anderen großen Industrieländern bedeutet.
Folgende

-1-

�Folgende Tabelle gibt einen Vergleich des wirtschaftlichen Wachsturas gemessen an der Veränderung des realen Bruttosozialprodukts (Jahresrate in Prozent):
Land:

1965/70

1960/65

Derzeit

5,3

3,4

7,4

10,0

12,1

6,0

Bundesrepublik Deutschland

5,0

4,6

3,3

Frankreich

5,8

5,8

5,0

Italien

5,3

6,1

3,3

Großbritannien

3,4

2,3

0,3

Kanada

5,5

4,5

5,3

USA
Japan

+)

+) Derzeit heißt für die USA die drei letzten Quartale vor dem 30.Juni 1972,für
die übrigen Länder erstes Halbjahr 1972 gegenüber dem ersten Halbjahr 1971
(•Schätzungen).

Die nächste Tabelle gibt einen Vergleich der Inflationsraten gemessen an dem
Anstieg der Verbraucherpreise (Jahresrate in Prozent):
Land:

1960/65

1965/70

Derzeit

USA

1,3

4,6

2,7

Japan

6,0

5,6

4.8

Bundesrepublik Deutschland

2,8

2,8

5,7

Frankreich

3,8

4,3

5,8

Italien

4,8

2,6

4,8

Großbritannien

3,4

4,6

8,5

Kanada

1,6

3,8

4,4

+)

+) Derzeit heißt für die USA die letzten zehn Monate bis Mai 1972, für die übrigen
Länder die letzten zwei Quartale bis Ende März 1972 gegenüber den letzten zwei
Quartalen bis Ende März 1971.

Die

-2-

�Die Vereinigten Staaten sind, wie Petersen feststellte, noch weit von einer
vollen Kapazitätsauslastung in der Industrie entfernt, so daß genügend Raum für
eine weitere Produkt Jonsausweitung ohne Inflationsgetahr gegeben ist. Leider haben
Rezessionen in anderen Ländern, die traditioneil zu den besten Abnehmern amerikanischer Erzeugnisse gehören, zu einer Verringerung der Exporte der USA geführt.
Während die amerikanischen Exporte langsam wieder ansteigen, gehen die Importe
weiter zurück. Peterson führte hier als Beispiel vor allem die Automobilindustrie
an. Während die Importe ausländischer Kraftwagen nach den USA noch vor einem Jahr
ständig stiegen und schließlich einen Marktanteil von über 20 Prozent erreichten,
ohne daß zunächst ein Ende dieser Entwicklung in Sicht war, sind die KFZ-Importe
jetzt um rund 15 Prozent zurückgegangen. Peterson führte hierfür vier Gründe an:
Die Verkaufssteuer für Autos wurde aufgehoben, die Wirtschaftslage in den USA
besserte sich ganz allgemein, die Arbeitskosten wurden niedrig gehalten und - als
Wichtigstes - der Dollar wurde abgewertet.
Dadurch zogen die Preise ausländischer Wagen der unteren Preisklasse an
- der Datsun um 14 Prozent, der Volkswagen um 8 Prozent. Der amerikanische Pinto
kostete noch vor einem Jahr 185 Dollar mehr als der Datsun, und heute kostet er
15 Dollar weniger. Gerade bei technologisch hochentwickelten Gütern - Autos,Computer n,chemischen Erzeugnissen, Pharmazeutika usw. - hatten die Vereinigten Staaten
immer einen hohen Handelsüberschuß aufzuweisen - manchmal 9 bis 10 Milliarden Dollar im Jahr. Dieser Überschuß wird jedoch gegenwärtig durch das Handelsdefizit
bei Erzeugnissen wie Schuhen, Textilien oder Stahl praktisch aufgezehrt.
Die Situation wurde noch durch die bestehenden unfairen Wechselkurse erschwert, bis der Präsident dann sein dynamisches Programm entwickelte.
Bei Stahl verzeichnete Japan einen außergewöhnlichen Produktivitätsanstieg
gegenüber amerikanischen Stahlwerken. Amerika hat jedoch große Mittel in den Bau
neuer Stahlwerke investiert, und wenn die Produktion in diesen Werken erst richtig
anläuft, dann wird sich die amerikanische Stahlindustrie bei einem fairen Wechselkurs auch wieder behaupten können.
Praktisch

-3-

�Praktisch hat die Neufestsetzung der Wechselkurse nach den Worten Petersons dazu geführt, daß auf dem nicht ausgesprochen technologischen Bereich zahlreiche Erzeugnisse, die bisher nicht wettbewerbsfähig waren, nunmehr den Wettbewerb wieder bestehen können.
Eine dritte Gruppe umfaßt den Rohstoff-und den Energiesektor. Die Vereinigten Staaten benötigen große Mengen an Öl, Kohle usw. und importieren bereits
15 Prozent ihres Bedarfs. Diese Zähl könnte innerhalb von 3o Jahren auf 50 Prozent ansteigen, und das Handelsdefizit könnte damit schnell wieder zunehmen.
Die letzte Gruppe betrifft die Landwirtschaft,wo die Vereinigten Staaten
nach Ansicht des Ministers eine überragende Stellung in der Welterzeugung einnehmen.

Die Produktivität in der amerikanischen Landwirtschaft weist einen so

hohen Stand auf, und die Kosten liegen so niedrig, daß die amerikanischen Agrarerzeugnisse auch bei ungünstigen Wechselkursen oder Handelsschranken - wie bei
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - immer noch voll wettbewerbsfähig
sind.
Peterson warnte vor einer Tendenz, die Einfuhren praktisch auf Null herunterzudrücken. In was für einer Welt würde der Verbraucher leben, gäbe es keine
Importe,so fragte der Minister. Und er fuhr fort: "Ich habe den Eindruck, daß
die meisten von uns froh sind über die Importe. Sie bringen uns ein vielfältigeres Angebot

zu niedrigeren Preisen und besseren Qualitäten oder aber Spezia-

litäten,die wir in den Vereinigten Staaten nicht haben. Da es das Ziel der Wirtschaftstätigkeit ist, den Lebensstandard zu heben, sollten wir uns nicht in eine
Situation drängen lassen, in der wir zu der Auffassung kommen, es wäre herrlich,
wenn die amerikanische Industrie 100 Prozent aller Erzeugnisse herstellt."
Dagegen, so betonte Peterson, müßten die Vereinigten Staaten nach einem
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz streben, damit sie für ihre Importe mit ihren Exporten bezahlen können. Wenn die Wechselkurse flexibel genug sind, so sagte er,
"dann glaube ich,sollten wir uns auf das Wettbewerbssystem verlassen, und der
Verbraucher sollte selbst darüber entscheiden, ob seinem Interesse am besten

-4-

�besten durch den Kauf amerikanischer oder ausländischer Kraftwagen gedient ist
Einer der großen Vorteile eines freien und offenen Handelssystems ist, daß es
durch den Wettbewerb einen starken Anreiz für die Binnenwirtschaft bringt."

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NEUES WIRTSCHAFTSPROGRAMM PRÄSIDENT NIXONS EIN JAHR ALT
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)— Das von Präsident Nixon zur Eindämmung der Inflation
und zur Wiederherstellung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes verkündete
neue Wirtschaftsprogramm kann in diesen Tagen auf sein einjähriges Bestehen
zurückblicken - Grund genug, um Rückschau zu halten auf das, was sich in den
zwölf Monaten geändert hat.
Als Präsident Nixon am 15. August 1971 im Weißen Haus dem amerikanischen
Volk und der übrigen Welt die Einzelheiten seines neuen Wirtschaftsprogrammes
bekanntgab, herrschte zunächst allgemeine Bestürzung vor. Neben Überraschung
und Verwirrung bestand in den ersten Tagen weitverbreitet die Furcht, daß die
Vereinigten Staaten für immer einen protektionistischen Kurs einschlagen könnten, um ihre internationalen Handels-und Zahlungsbilanzprobleme zu Lösen.
Aber dies geschah nicht. Das verflossene Jahr hat vielmehr das Gegenteil
bewiesen, daß nämlich das neue Wirtschaftsprogramm in erster Linie auf eine
Wiederbelebung des freien Warenflusses zwischen den Ländern abzielt.
Die im August vorübergehend eingeführte Importabgabe wurde bereits im Dezember wieder aufgehoben und dürfte wohl kaum nachhaltige Auswirkungen auf den
Warenfluß gehabt haben. Die amerikanischen Bemühungen zielten mehr auf einen

-1-

�einen Abbau der Handelsschranken für amerikanische Exportgüter als auf eine Einschränkung des Imports ab. Den wenigen Fällen, zum Beispiel bei Textilien, in
denen die Vereinigten Staaten andere Länder aufgefordert hatten, ihren USA-Export einzuschränken, lag die Absicht zugrunde, dem innenpolitischen Druck entgegenzuwirken,

der in den letzten Jahren verschiedentlich beinahe zur Verab-

schiedung stark protektionistischer Gesetze durch den Kongreß geführt hätte.
Der Beschluß Präsident Nixons, die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold
auszusetzen, war als Zeichen für die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung zu werten, den seit über 20 Jahren ständig anfallenden Defiziten in der
US-Zahlungsbilanz ein Ende zu machen und eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems sicherzustellen, und stand in direktem Zusammenhang mit
dem Wunsch, weiterhin die Prinzipien eines liberalen Handels zu unterstützen.
Wirtschaftliche Prinzipien und Anpassungsprozesse, die sicherstellen sollen,
daß der zwischenstaatliche Handel beiden Seiten Gewinn bringt, können nicht wirken, wenn die Wechselkurse unrealistisch sind und das internationale Zahlungssystem nicht richtig arbeitet. Als Folge der Unzulänglichkeiten des alten internationalen Währungssystems vor dem 15. August vergangenen Jahres waren weite
Kreise der amerikanischen Arbeiterschaft wie auch der amerikanischen Industrie
zu der Auffassung gelangt, daß sie durch den schnell wachsenden Import geschädigt
oder in ihrer Existenz bedroht würden, während ausgleichende Gewinne beim Export
oder sonstwo in der Wirtschaft nicht zu erkennen seien.
Die Neufestsetzung der Wechselkurse durch das Smithsonian-Abkommen vom vergangenen Dezember dürfte wesentlich dazu beitragen, diese Auffassung zu entkräften, wenn erst die neuen Wechselkurse im Handel voll durchschlagen, was nach
Ansicht der Experten zwei Jahre und länger dauern kann.
Eine einmalige Neufestsetzung der Wechselkurse wird jedoch nur vorübergehend
Erleichterung verschaffen, es sei denn, daß die Länder sich bei ihrer künftigen

-2-

�künftigen Währungs-und Handelspolitik an akzeptierbare Verhaltensnormen halten.
Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten auch während des vergangenen
Jahres auf umfassende und sorgfältige Studien gedrängt, die zu einem völlig
neuen internationalen Währungssystem, einer neuen Fairneß in Handelsfragen und
einer neuen Runde globaler Handelsverhandlungen führen sollen, in denen der Weg
zu einer gegenseitigen Senkung aller Formen von Handelsschranken geebnet werden
könnte.
Einer der möglicherweise bedeutsamsten Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons ist die Vereinbarung, innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Gruppe von 20 Ländern einzusetzen, die ein neues internationales
Währungssystem konzipieren soll. Da die meisten dieser 20 Staaten Ländergruppen
repräsentieren, werden die Interessen aller IWF-Mitglieder - der Entwicklungsländer wie auch der Industriestaaten, der kleinen Nationen wie auch der wirtschaftlichen Giganten - vertreten sein. Die erste Konferenz soll in der letzten
Septemberwoche stattfinden, wenn der IWF seine reguläre Jahrestagung abhält.
Von ebenfalls potentiell großer Bedeutung ist die Tatsache, daß mehrere andere Nationen sich den Vereinigten Staaten angeschlossen haben,um mit ihnen die vorbereitenden Arbeiten für die vorgeschlagene neue Runde umfassender Handelsverhandlungen zu leisten.
Aber auch die binnenwirtschaftlichen Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons wirken sich auf die außenwirtschaftliche Seite aus. Den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Monaten eine Reduzierung der Inflationsrate
gelungen, und sie stehen auch hier besser als die meisten anderen Industriestaaten da, die ihre natürlichen Konkurrenten auf den Weltmärkten sind.Setzt sich
diese Entwicklung weiter fort, so wird sie zu einer Stärkung der amerikanischen
Handelsposition wie auch der amerikanischen Zahlungsbilanz führen.
Die

-3-

�Die derzeitige starke Wirtschaftsexpansion in den USA, die sich zu einer
Zeit vollzieht,in der sich das wirtschaftliche Wachstum in einigen Ländern verlangsamt hat, die wichtige Absatzmärkte für den US-Export bilden , könnte zu
einem gewissen Hinauszögern der erwarteten Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz führen. Er könnte ferner die Wirkung, die von der Neufestsetzung der
Wechselkurse ausgeht, bei einigen Ländern dämpfen, die anderenfalls nachteilig
betroffen werden gönnten. Auf lange Sicht wird eine starke, nicht-inflationistische Expansion der amerikanischen Wirtschaft mit zur Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz beitragen und zwar dadurch, daß im Rahmen einer stetigen
Ausweitung des Welthandels die Exporte zunehmen, und nicht dadurch, daß die Importe aus anderen Ländern eingeschränkt werden.
Auf all diesen Gebieten - der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems, den Verhandlungen über neue Handelsnormen, der Wiederherstellung eines
gesunden Ausgleichs der amerikanischen Zahlungsbilanz, der Abwehr des protektionistischen Drucks, der Öffnung des Weges für ein gesundes Wirtschaftswachstum

-

sind die Fortschritte bisher recht beachtlich gewesen. Allerdings bleibt noch
viel zu tun übrig. Eine endgültige Bewertung der Ergebnisse des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons muß daher einem späteren Jubiläum vorbehalten
bleiben.

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EINE KRANKHEIT WURDE ENTSCHÄRFT
Intensivtherapie verbessert Prognose bei Lupus erythematodes

--(AD)-- Die Ursache ist noch nicht genau bekannt. Lupus erythematodes, in der
Medizin meist nur mit der Abkürzung SLE bezeichnet, im Volksmund "Zehrrose"
genannt, könnte genetisch bedingt sein. Aber vielleicht spielen bei der Erkrankung auch Viren eine Rolle. Der Organismus des Kranken bildet Antikörper ge
gen Desoxyribonukleinsäuren (Zellkernmoleküle) sowie große Mengen von Gamma
globulin, was auf Abwehrreaktionen schließen läßt. Jedoch scheinen diese Reaktionen auiier Kontrolle zu geraten, weshalb SLE auch zu den Autoaggressionskrankheiten gerechnet wird. Bestimmte Medikamente können ebenfalls zu einem typischen
SLE-Krankheitsbild mit zunächst polyarthritischen Beschwerden, schmetterlings»
förmigen Hautausschlägen - vor allem im Gesicht und an anderen, nicht von Kleidung bedeckten Partien - und, im weiteren Verlauf, zu Organschädigungen führen
Wird diese Allergie im Frühstadium erkannt, ist nach Absetzen der Medikamente
die Ausheilung möglich. Bei der echten SLE-Erkrankung dagegen ist die Prognose
normalerweise ungünstig.
Daß

-l-

�Daß sich der Verlauf dennoch beeinflussen läßt, zeigte ein über mehrere
Jahre durchgeführtes Gruppenexperiment von Dr. Wallace V.Epstein von der Universität Kalifornien in San Francisco. Über das Ergebnis berichtete er auf einer
Tagung der amerikanischen "Arthritis Foundation". In der von Epstein und Mitarbeitern betreuten Gruppe stieg die Uberlebensrate im Fünf-Jahres-Zeitraura von
20-30 Prozent auf 80 Prozent. Die allgemeine Situation der Patienten - in der
überwiegenden

Mehrzahl werden Frauen von der Erkrankung betroffen - verbesser-

te sich in auffallender Weise.
Die 67 Kranken, von denen es bei 31 bereits zu schweren Nierenschädigungen
gekommen war, wurden zu einer sogenannten "Lupus-Gruppe" zusammengefaßt. Mit
häufigen Blut-und Urinuntersuchungen stand jeder einzelne unter äußerst sorgfältiger ärztlicher Kontrolle. Es zeigte sich, daß dann ein neuer Krankheitsschub
bereits in einem Stadium erfaßt und durch entsprechende medikamentöse

Behandlung

zumindest abgeschwächt werden konnte, wenn ihn der Patient noch gar nicht gewahr
geworden war. Vor allem versuchte man bei den Patienten, deren Nieren noch nicht
betroffen waren, die Schädigung dieses Organs zu verhindern - mit beachtlichem
Erfolg. Die wichtigsten Medikamente waren dabei Prednison und Chlorambucil, das
zu den Präparaten zur Unterdrückung von Immunreaktionen gehört.
Die höheren Überlebensraten schreibt Dr. Epstein aber weniger den Medikamenten oder der Dosierung der verordneten Präparate zu, sondern in erster Linie der
fortlaufenden Überwachung der Kranken. Dadurch werden ungünstige Nebenwirkungen
der Medikamente auf ein Mindestmaß reduziert und irreversible Gewebeschädigungen
im größtmöglichen Umfang verhindert. Die "Lupus-Gruppe" kam außerdem zweimal im
Monat zusammen, damit die Patienten untereinander Erfahrungen austauschen konnten und besser lernten, mit der Krankheit zu leben. Anscheinend trug diese Ai*
der Gruppentherapie viel dazu bei, dem einzelnen die Angst vor der Zukunft zu
nehmen. Es gab z.B.keine Selbstmordversuche mehr, die bis dahin relativ häufig
waren. Der Patient wird durch das Gespräch mit Leidensgenossen mit dem klinischen
Verlauf der Krankheit in einer Form vertraut gemacht, die ihn weitaus weniger

-2-

�weniger erschreckt,als wenn er plötzlich Nebenwirkungen oder Reaktionen wie
Haarausfall nur an sich selbst beobachtet. Für ihn ergibt sich dann auch eine
viel bessere Grundlage, um mit den Ärzten im Verlauf der eigenen Behandlung
vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

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IMMUNREAKTIONEN MIT FREMDER THYMUSDRÜSE

--(AD)-- Einem 10 Wochen alten Kind wurde in einer Klinik der GeorgetownUniversität (Washington) eine fremde Thymusdrüse in die Bauchwand implantiert .
Bereits sechs Stunden nach der Operation konnten bei dem Baby Immunreaktionen
festgestellt werden, die vor der Operation völlig fehlten. In den meisten
Fällen sind genetische Ursachen anzunehmen, wenn sich bei Kindern herausstellt, daß die Thymusdrüse nur ungenügend ausgebildet oder funktionsunfähig
ist. Diese spielt jedoch für den Aufbau und die Entwicklung des lymphatischen
Systems und bei der Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle. Sie zählt,
wie Blinddarm und Mandeln,zu den primären Immunitätsorganen»
Das Implantat war in eine Diffusionskammer eingeschlossen, so daß Zellen,
die dem Empfängerorganismus möglicherweise hätten schaden können, nicht ausdringen konnten. Dagegen konnten Nährstoffe aufgenommen werden, die für den
Stoffwechsel der Thymuszellen notwendig sind. Diese vermochten jene Wirkstoffe
zu produzieren, die nach dem Ausdiffundieren aus der Kammer über den Kreislauf
das Immunsystem des Körpers "einschalten" konnten. Die Kammerwandung hatte
die Funktion einer porösen Membran, die nur bestimmte Stoffe nach jeder Richtung
durchläßt.
Dr.

�Dr. Russell W. Steele, der mit finanzieller Unterstützung des "Nationalinstituts für Pädiatrie und menschliche Entwicklung" (ein Institut der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA-N1H) an der pädiatrischen Abteilung
der Georgetown-Universität als Forscher tätig ist und die Implantation durchführte, wies nach, daß in dem speziellen Fall das Fehlen der Thymusdrüse beim Neugeborenen familiär bedingt ist. Ein als Säugling verstorbener Halbbruder des
Babies war ohne Thymus und Nebenschilddrüsen geboren worden, bei der Mutter ist
das Immunsystem erheblich beeinträchtigt. Daraus ergebe sich die große Bedeutung
der Untersuchung aller Familienmitglieder, wenn bei einem Neugeborenen ThymusAplasie festgestellt wird.
Acht Tage nach der Operation starb das operierte Kind infolge von Atemnot,
die mechanische Ursachenhatte. Bei der Autopsie konnte an Hand der Gewebekulturen
keine Infektion festgestellt werden. Nach Ansicht Dr. Steeles gab es keinen Zusammenhang zwischen der Operation und dem Tod des Kindes. Er vertritt die Meinung, daß eine Wiederherstellung der Immunreaktionen nicht nur bei Infektionen,
sondern auch bei malignen Prozessen Bedeutung haben könnte.

+++

�</text>
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Dokumentation

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2 3 . August

1972

Inhalt

INFORMATION:
US-Kongreßausschuß für Gemeinsamen NATO«»Fonds
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-RepräsentantenhausesKulturbrief USA

WIRTSCHAFT:

Einkommenskluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner
Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet
•Erklärung des US-Handelsministeriums-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Weltgefahr Rauschgift
-Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972Boden wandert 2 cm pro Jahr
Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1972

US-KONGRESSAUSSCHUSS FÜR GEMEINSAMEN NATO-FONDS
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses-

WASHINGTON--(AD)-- Der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen des Militärausschusses des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat sich nachdrücklich gegen eine Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa und
stattdessen für die Schaffung eines "Gemeinsamen NATO-Fonds" ausgesprochen,
mit dessen Hilfe die Devisenlasten der USA erleichtert und deren Zahlungsbilanzdefizit verringert werden soll.
Die am 17. August von dem Sonderausschuss dazu herausgegebene Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
"Der Sonderausschuß für Verpflichtungen gegenüber der Organisation des
Nordatlantikvertrages des Militärausschusses des Repräsentantenhauses hat die
Einrichtung eines Gemeinsamen NATO-Fonds empfohlen, der die Vereinigten Staaten
von Zahlungsbilanzdefiziten entlasten würde, die aufgrund der Stationierung
ihrer Truppen in Europa auftreten.
Der Gemeinsame Fonds würde den Lastenausgleich in der NATO auf eine Weise
egalisieren, die für die Vereinigten Staaten am günstigsten wäre, ohne die
militärische Kapazität des Bündnisses zu schwächen, so erklärte der Sonderausschuß.
Der

-l-

�Der Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abgeordneten William J. Randall
(Demokrat, Missouri) sprach sich gegen eine Verringerung der Zahl der amerikanischen Truppen aus, die der NATO assigniert sind, und bezeichnete die in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte als das 'natürliche Bindeglied* der
NATO - als den Leim, der das Bündnis zusammenhalte.
Der Sonderausschuß erklärte, die Debatte über die amerikanische NATO-Verpflichtung habe sich fälschlicherweise auf den zahlenmäßigen Stand der amerikanischen Truppen in Europa konzentriert. Die Verpflichtung müsse auch im Hinblick
auf die Luft-und Seestreitkräfte und die Dollar-Verpflichtung gesehen werden, so
betonte der Ausschuß.
Der Sonderausschuß hat den Tenor seines Berichtes durch die Feststellung
bestimmt, daß 'er bei der Ausarbeitung seiner Empfehlungen die Versuchung meidet, sich für kosmetische Operationen auszusprechen, die möglicherweise die politischen Gefühle in den Vereinigten Staaten beruhigen könnten. Die Möglichkeit
eines Abzuges von Truppen in der Größenordnung von 10 000 oder 20 000 Mann aus
Europa ist eine jener Ideen, die, oberflächlich gesehen, attraktiv sind und deren Reiz in hochpolitischen Zeiten besonders groß wird. Bei einer genauen Untersuchung stellt sich jedoch heraus, daß ein derartiger Schritt Ergebnisse zeitigen könnte, die das Bündnis in einem Ausmaß schwächen könnten, das in keinem
Verhältnis zu der Zahl der abgezogenen Soldaten stehen würde und daß die Einsparungen, wenn überhaupt, außerordentlich bescheiden wären.'
Der Sonderausschuß traf im wesentlichen folgende Feststellungen:
Die Rückführung von Truppen nach den Vereinigten Staaten schwächt das Bündnis. Truppen in den Vereinigten Staaten würden niemals den Abschreckungswert
besitzen wie in Europa stationierte Truppen, und die Kapazität einer raschen
Redislozierung großer Verbände nach Europa wird von jenen stark übertrieben,
die Truppenverringerungen empfehlen, und gelegentlich auch von Verteidigungsplanern.
Eine

-2-

�Eine Rückführung der Truppen nach den Vereinigten Staaten würde zu keinen
Einsparungen im eigentlichen haushaltsmäßigen Sinne führen, wenn diese nicht demobilisiert werden. Wenn die Verbände aufgelöst würden, wäre es unmöglich, der
amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO weiterhin gerecht zu werden.
Wenn die Truppen in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten würden und ein Versuch gemacht würde, die Kampfstärke in Europa aufrechtzuerhalten, dann würde
dies zusätzliche Ausrüstung erfordern, die in Europa bereitgestellt werden müßte,
sowie zusätzliche Luftbrücken-und Seetransportkapazitäten. Abgesehen davon, daß
eine solche Regelung militärisch fragwürdig wäre, würde sie rein haushaltsmäßig
gesehen mehr kosten als die gegenwärtige Regelung der Stationierung der Truppen
in Europa.
Aus diesem Grunde erklärte der Sonderausschuß, daß der beste Weg zu einer
besseren Verteilung der Lasten in der NATO, sowohl vom militärischen als auch
vom Dollar-Standpunkt aus gesehen, die Einrichtung des Gemeinsamen NATO-Fonds
ist. Länder, die aufgrund der Dislozierung von Truppen für die NATO Zahlungsbilanzdefizite haben, könnten aus dem Fonds ziehen, um das Defizit auszugleichen,
und Länder, die aufgrund der Stationierung anderer Truppen in ihrem Lande aus
der Gunst der Umstände einen Zahlungsbilanzvorteil haben, würden in den Fonds
einzahlen.
Der Sonderausschuß, der empfahl, daß der Vorschlag für den Fonds auf die
Tagesordnung der nächsten Konferenz der NATO-Minister gesetzt werden möge, forderte, daß die Vereinbarung flexibel genug sein müsse, daß auch jene Länder, die
keine Truppen auf ihrem Boden stationiert haben, die jedoch von der Stationierung
amerikanischer Truppen in benachbarten Ländern profitieren, ebenfalls Zahlungen
leisten.
Der Vorsitzende des Sonderausschusses, Randall, wies darauf hin, daß der
Sonderausschuß die Bemühungen unterstützt, zu Verhandlungen über beiderseitige
und ausgewogene Truppenverringerungen in Europa zu gelangen, und erklärte:
•Man

-3-

�•Man muß erkennen,daß mit den Berlin-Abkommen, der Erweiterung des Gemeinsamen
Marktes, der Aufwertung verschiedener Währungen und dem Anstoß, den die MBFR-Verhandlungen aus dem Gipfeltreffen in Moskau erhalten haben, gegenwärtig in Westeuropa tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Man muß erkennen, daß die Fortschritte in der europäischen Wirtschaft und die Hoffnung auf eine größere politische Einheit in Westeuropa ohne die militärische Basis der NATO unmöglich wären. Wir sollten besonders vorsichtig sein und keine Veränderungen vornehmen,
die den Fortschritt vereiteln würden, der gemacht wird, oder die die Position
der NATO zu einer Zeit schwächen würden, da Verhandlungen gerade beginnen.'
Dem Sonderausschuß unter dem Vorsitzenden Randall gehören die Demokraten
Samuel S. Stratton aus New York und Les Aspin aus Wisconsin sowie die Republikaner
Alexander Pirnie aus New York und Charles S. Gubser aus Kalifornien an.
Bei der Veröffentlichung des Berichtes des Sonderausschusses fand der Vorsitzende des Militärausschusses, F. Edward Hebert, Worte hoher Anerkennung für
die Mitglieder, die an der umfassenden Studie des Sonderausschusses beteiligt
waren:
•Dies ist die erschöpfendste Studie der militärischen Verpflichtungen der
NATO, die in den 23 Jahren der Geschichte des Bündnisses im Kongreß durchgeführt
worden ist1, so sagte Hebert. 'Der Sonderausschuß hielt 17 Anhörungen in den Vereinigten Staaten und 17 in Übersee ab. Im Verlaufe von zwei Reisen nach Europa besuchte er neun NATO-Länder, sprach mit jedem wichtigen amerikanischen Befehlshaber in Europa und besuchte auch Truppeneinheiten.
Die Mitglieder widmeten diesem Unternehmen außerordentlich viel Zeit und
haben ihre Aufgabe in staatsmännischer Weise angepackt. Sie haben dem Kongreß
einen großen Dienst geleistet.'
Der Bericht des Sonderausschusses widmete den Problemen, die sich an der
Peripherie der NATO entwickeln, besondere Aufmerksamkeit: dem Aufbau der sowjeti-

-4-

�sowjetischen Seestreitkräfte im Mittelmeer, der beachtlichen sowjetischen Flottendrohung an der Nordflanke der NATO, der Möglichkeit beunruhigender künftiger
Entwicklungen in Jugoslawien und der Auswirkung, die der Abzug von NATO-Truppen
auf die Stabilität im Nahen Osten haben könnte.
Der Sonderausschuß sprach sich kritisch gegenüber der Exekutive aus, daß
sie der NATO nicht immer die Priorität eingeräumt habe, die sie in der internationalen Politik verdient, und empfahl, daß eine Konferenz der NATO-Führer und die
Möglichkeit eines Besuchs des Präsidenten bei der NATO ins Auge gefaßt würde.
Der Sonderausschuß erklärte, daß er zu seiner Überraschung einen ernsten
Mangel an langfristiger Planung für künftige Veränderungen in der NATO und ein
mangelndes Interesse seitens einiger amerikanischer Regierungsvertreter für die
ernsten wirtschaftlichen Probleme in den Vereinigten Staaten festgestellt habe.
Der Bericht unterstreicht, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, daß langfristige
Veränderungen in der amerikanischen Verpflichtung nur nach voller Konsultation
und in gemeinsamer Planung mit unseren Verbündeten vorgenommen werden.
Der Sonderausschuß ließ erkennen, daß seine Unterstützung der weiteren Dislozierung von Truppen in Europa sich auf die 260 000 amerikanischen Soldaten erstreckt, die ausdrücklich für die KampfStreitkräfte der NATO assigniert sind.
Er wies darauf hin, daß die oft zitierte Zahl von 310 000 (amerikanischen) Soldaten in Europa rund 50 000 Mann einschließen, die nicht ausdrücklich NATO-Befehlsstellen assigniert sind."

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34/1972

KULTURBRIEF USA

WASHINGTON --(AD)-- August 1972 —

Das John F.Kennedy Center, das am S.Sep-

tember vergangenen Jahres eröffnet wurde, begeht in diesen Tagen den ersten
Jahrestag seines Bestehens. Mit einer Konzertreihe, die vom 30. August bis
10. September unter dem Motto "The Old and the New" stattfindet und 30 Konzerte mit rund 100 Werken von 75 Meistern - von Vivaldi bis Strawinsky, Bartok
und Ives - umfaßt, eröffnet das Center, das erheblich zur Bereicherung des
kulturellen Lebens der amerikanischen Bundeshauptstadt beigetragen hat, die
zweite Spielzeit.
+-HDie Fromm Music Foundation, so genannt nach dem aus Kitzingen (Main) stammenden
Weinimporteur und Philanthropen Paul Fromm, der sie vor zwanzig Jahren gründete,
um dazu beizutragen, "die Kluft zwischen dem zeitgenössischen Komponisten und
der Gesellschaft zu überbrücken", hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten
in ganz besonderer Weise der Popularisierung der musikalischen Avantgarde angenommen. Dies geschah durch die Vergabe von Stipendien und Kompositionsaufträgen
an begabte junge Musiker

sowie durch Beteiligung der Stiftung an der Ausrich-

tung der Tanglewood Festspiele für Neue Musik. Um die Kontinuität ihres Wirkens

�Wirkens zu sichern, hat sich die Organisation jetzt mit Harvard zusammengetan und
wird in Zukunft die Bezeichnung Fromm Music Foundation at Harvard University
führen.

+++
Das Beste, was dem bekannten Newport Jazz Festival passieren konnte, war seine
Verlegung von Newport (Rhode Island) nach New York City. Die Befürchtung, daß
das Festival, dessen Publikumszulauf das kleine Newport nicht mehr bewältigen
konnte, in der Fülle des kulturellen Angebots der Millionenmetropole versickern
würde, war unbegründet. Die Jazztage waren ein großer Erfolg. Die Großen des
Jazz wie Stan Kenton, Count Basie,Woody Herman, Lionel Hampton, Duke Ellington,
Roy Eldridge, Buddy Täte und Charles Mingus spielten oft in überfüllten Sälen,
in denen vielfach nicht einmal mehr ein Stehplatz zu haben war. Es besteht kein
Zweifel daran, daß New York City auch in kommenden Jahren Schauplatz dieses inzwischen weltberühmten und weltweit interessierenden Festivals sein wird freilich, wie man hofft, unter Beibehaltung der alten Bezeichnung.

1,11
TTT

New York City mußte in diesen Wochen einige scharfe Angriffe der Theaterkritiker
über die in den letzten Jahren ziemlich unbefriedigenden Leistungen des Broadway
(den Off-Broadway ausgenommen) hinnehmen. Zweifellos liegt darin ein gutes Teil
Wahrheit. Trotz der Konkurrenz, die ihm von aktiven Theaterleitern in anderen
Teilen der USA gemacht wird, gilt New York noch immer als Amerikas Theaterstadt.
Nummer eins. Dichtauf aber liegen die Bundeshauptstadt Washington und Los Angeles
In Los Angeles wurden vor kurzem zwei neue Theater eröffnet: das Universal

�Universal Studios Amphitheater, eine Freiluftarena mit 3 800 Sitzplätzen und
das Shubert-Theater mit 1 800 Sitzplätzen - ein Faktum, das erstaunliche RückSchlüsse auf die Theaterfreudigkeit in einem Raum zuläßt, der ohnehin schon
über eine Reihe großer und moderner Theaterstätten verfügt, wie etwa das Music
Center, das Hungton Hartford Theatre, das Greec Theatre und die berühmte Hollywood Bowl. Die beiden neuen Theater bieten darüber hinaus mit dem Broadway-Hit
"Follies" (Shubert) und dem Rockmusical "Jesus Christ Superstar" ein echtes
Kontrastprogramm.

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34/1972

EINKOMMENSKLUFT ZWISCHEN SCHWARZEN UND WEISSEN AMERIKANERN
WIRD KLEINER

NEW YORK --(AD)-- Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Familieneinkommen
der schwarzen und der weißen Amerikaner ist in den letzten sechs Jahren wesentlich geringer geworden. Dies stellt der "Conference Board", eines der
größten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt, in einem in der Augustausgabe seiner Zeitschrift "Record" veröffentlichten Bericht fest.
Dem Bericht zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der schwarzen Familien in den USA 1970 mit 6 279 Dollar um 60 Prozent höher als 1965.
Demgegenüber ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der weißen Familien
von 1965 bis 1970 nur um 40 Prozent auf 10 236 Dollar gestiegen. Während das
Durchschnittseinkommen der schwarzen Familien 1965 lediglich 54 Prozent des
Durchschnittseinkommens der weißen Familie ausmachte, waren es 1970 bereits
61 Prozent.
Auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Jahreseinkommen über 10 000
Dollar lag, hat, wie der Bericht zeigt, in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich schneller zugenommen, als dies bei den weißen Familien der Fall war.
Allein in der Zeit von 1965 bis 1970 verdoppelte sich die Zahl der schwarzen

-1-

�*

schwarzen Familien dieser Einkommensgruppe, während sie sich bei den weißen Familien lediglich um ein Drittel erhöhte. Im Jahre 1970 hatten rund 28 Prozent
aller schwarzen Familien und 52 Prozent der weißen Familien Jahreseinkommen
von 10 000 Dollar und mehr.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß gerade Zeiten einer raschen wirtschaftlichen Expansion, wie Ende der sechziger Jahre, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs begünstigen. Am stärksten
hat sich jedoch das Verhältnis der Einkommen von Schwarzen und Weißen 1966 geändert - dem Jahr, in dem die Kommission für gleiche Arbeitschancen erstmalig ihre
Arbeit voll aufnahm.
Der Bericht zeigt aber auch, daß die Schwarzen in immer stärkerem Maße in
gehobenere Berufe Eingang fanden. So hat sich die Zahl der schwarzen Geistesarbei
ter und Techniker in der Zeit von 1960 bis 1971 um 128 Prozent erhöht, die der
weissen in diesen Berufsgruppen um 45 Prozent. Die Zahl der schwarzen Manager,
Unternehmer und Beamten stieg in der gleichen Zeit um 92 Prozent, bei den Weißen
betrug die Zunahme in diesen Berufsgruppen 21 Prozent. Dagegen ging die Zahl der
Schwarzen, die in niedrig bezahlten Berufen wie im Haushalt, als Arbeiter oder
landwirtschaftliche

Arbeitskräfte tätig waren schneller zurück als die der

Weißen. Bei den sogenannten Prestigeberufen sitzen die Weißen allerdings immer
noch in den Spitzenpositionen, während in den untergeordneteren Positionen relativ mehr Schwarze tätig sind. Im Jahre 1971 hatten hier 13 Prozent aller berufstätigen Schwarzen führende Stellungen inne, während es bei den Weißen 26 Prozent
waren. In den untergeordneteren Positionen waren 21 Prozent der berufstätigen
Schwarzen und nur 10 Prozent der berufstätigen Weißen tätig.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Schulbildung einen wichtigen Faktor
für den wirtschaftlichen Fortschritt der Schwarzen darstellt. Im Jahre 1959 hatten die im Berufsleben stehenden Schwarzen im Durchschnitt 8,7 Jahre eine Schule
besucht; für die Weißen betrug die Zahl 12,1 Jahre. Im Jahre 1971 hatten die

-2-

�die Schwarzen im Durchschnitt einen Schulbesuch von 11,9 Jahren und die Weißen
von 12,5 Jahren aufzuweisen.
Aber auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Einkommen unter dem
Existenzminimum - gegenwärtig 3 968 Dollar für eine vierköpfige Familie in der
Stadt - liegt, ist merklich zurückgegangen.

Bei den schwarzen Familien beträgt

sie zur Zeit noch 29 Prozent, bei den weißen Familien acht Prozent.

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WIRTSCHAFTLICHE WACHSTUMSRATE IN DEN USA HOHER ALS ERWARTET
-Erklärung des US-Handelsministeriums-

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Harold C. Passer, hat zu den nunmehr vorliegenden revidierten Zahlen über die Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialproduktes
im zweiten Quartal 1972 eine Erklärung des Handelsministeriums abgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:
Die berichtigten Zahlen zeigen, daß die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal noch größer war,als ursprünglich berichtet wurde.- 9,4 Prozent gegenüber 8,9 Prozent. Dies war zum Teil auf die höheren Zahlen
des Bruttosozialproduktes in US-Dollar und zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die Inflationsrate niedriger war als erwartet - 1,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent. Die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal
von 9,4 Prozent ist seit 13 Jahren nicht mehr übertroffen worden - sie wurde
allerdings im vierten Quartal 1965 ebenfalls erreicht. Die Wachstumsrate von
7,4 Prozent in den letzten drei Quartalen ist die höchste für einen Neunmonatszeitraum seit sechs Jahren.
Der

-1-

�Der Anstieg des Deflators des Bruttosozialproduktes - der umfassendste
Preisindikator - um nur 1,8 Prozent steht neben einem Deflator von 1,5 Prozent
im vierten Quartal 1971, als die Preise durch den Preisstopp niedrig gehalten wurden. Abgesehen von diesem Quartal war der Deflator von 1,8 Prozent der niedrigste
seit dem vierten Quartal 1965.
Wie in einer rasch expandierenden Wirtschaft zu erwarten ist, nahmen die
Gesellschaftsgewinne im zweiten Quartal weiter zu. Nach Abzug der Steuern erhöhten sich die Gewinne um 2,9 Milliarden Dollar und sind damit seit dem von 1966
bis 1970 dauernden Rückgang sechs Quartale lang ständig gestiegen.
Obwohl die Gesamtgewinne im Rahmen des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogrammes steigen dürfen, gibt es Kontrollen für die Gewinnmarge pro umgesetztem
Dollar. Die Gesamtgewinne dürfen also steigen, wenn die Umsätze zunehmen. Man
kann dies in etwa mit den Grenzen vergleichen, in denen die Stundenlöhne ansteigen dürfen, was aber nicht verhindert, daß das Gesamteinkommen eines Arbeiters
sich über diese Grenzen hinaus erhöht, sofern er mehr Stunden arbeitet.
Es gibt jedoch ein freiwilliges Programm zur Beschränkung der Dividenden,
und die Höhe der Gewinne, die bisher in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet
worden sind, hat gegenüber vor einem Jahr um weniger als 3 Prozent zugenommen.
Die Aufwärtsentwicklung der Gewinne ist für die Wirtschaft als Ganzes ermutigend, weil sie sowohl Anreiz zur Ausweitung der Produktion und Hinzunahme
neuer Anlagen bietet, die Arbeitsplätze und Einkommen vermehren, als auch einen
Teil der Mittel hierfür bereitstellt.
Die Fluktuation der Gewinne während eines Wirtschaftszyklus ist groß. In
den ersten Phasen einer Wirtschaftsexpansion steigen sie gewöhnlich stark an
und stabilisieren sich dann oder gehen zurück, während Löhne und andere Einkommensarten weiter steigen. Dabei waren die Gewinne zu Beginn der gegenwärtigen
Wiedererholung ohnehin niedrig, da sie Ende der sechziger Jahre zurückgegangen
waren, obwohl die Wirtschaft weiter expandierte.
Von

-2-

�Von dieser zyklischen Wirkung ganz abgesehen hatten die Gewinne eine langfristige Abwärtsentwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1970 waren die Gewinne nach
allen Maßstäben gemessen - in Prozenten des Volkseinkommens, nach der Ertragsrate des investierten Kapitals, in Prozenten der Einkünfte aus dem Gesellschaftssektor und für die Hersteller in Prozenten des Umsatzes - auf dem niedrigsten
Stand seit dem zweiten Weltkrieg angelangt.
Obwohl die Gewinne auf einer relativ niedrigen Basis begannen, sind sie
nicht so rasch gestiegen wie in anderen Wiedererholungsphasen. In den ersten
sechs Quartalen der derzeitigen Wiedererholung betrug die Zunahme der Gewinne
in Dollar noch nicht 15 Prozent der Zunahme des Bruttosozialproduktes in Dollar
verglichen mit etwa 20 Prozent im gleichen Zeitraum einer typischen Wiedererholungsperiode,
Nach Abzug der Steuern lagen die Gewinne im zweiten Quartal nur 5 Prozent
über dem Stand von 1966, während die Stundenlöhne in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - um 41 Prozent angestiegen sind.
Beide, Gesellschaftsgewinne und Wochenlöhne der Angesteilten,lassen sich
durch Abzug der Einkommensteuerzahlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen
des Preisauftriebs bereinigen. Die Gesellschaftsgewinne nach Abzug der Steuern
sind von 1966 bis 1970 real um über 30 Prozent zurückgegangen und liegen immer
noch um 17 Prozent unter dem Stand von 1966. Auf der anderen Seite war das verfügbare wöchentliche Einkommen 1970 real nur um 1 Prozent niedriger als 1966.
Diese Einkommen sind während des letzten Jahres um 4 Prozent gestiegen und jetzt
um 5 Prozent höher als 1966.

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34/1972

WELTGEFAHR RAUSCHGIFT

Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972

--(AD)-- Der Drogen-Sonderausschuß der US-Regierung, dem Kabinettsmitglieder
sowie der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen und der Direktor des
CIA angehören, gab am 16. August seinen "Welt-Opiumbericht 1972" zur Veröffentlichung frei. Der Bericht orientiert sich im wesentlichen am Welt-Opiumbericht
von 1970, behandelt jedoch sehr viel ausführlicher das internationale HeroinProblem, die Netze des illegalen Rauschgifthandels, die Rauschgiftsituation
in den einzelnen Ländern sowie internationale Probleme, die sich aus dem
Schmuggel mit Heroin und anderen Opiumderivaten ergeben.
Das unter der Leitung von Außenminister Rogers stehende Gremium hat nicht
nur die Aufgabe, alle Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung gegen die
illegale Einfuhr und den illegalen Handel mit Rauschgiften zu koordinieren,
sondern dabei auch alle Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit auszuschöpfen. Seine Arbeit, für die ein Jahresetat von 50 Millionen Dollar zur
Verfügung steht, konzentriert sich auf die rechtlichen Mittel, die unter

-l-

�unter Nutzung der diplomatischen Kanäle und aller erreichbaren Informationsquellen in Zusammenarbeit mit den UN-Mitgliedsstaaten anwendbar sind.
Dem jüngsten Bericht zufolge ist Südostasien eine bedeutsame,aber doch
sekundäre Quelle für Heroin und andere Opiate, die in die Vereinigten Staaten

ge-

langen. Das Gros - ca.80 Prozent - des Heroins stammt derzeit aus türkischen
Quellen, 10-15 Prozent aus Mexiko und 5 bis 10 Prozent aus Südostasien. Zwar
sei das "Goldene Dreieck" (Nord-Thailand, Westlaos und Ostburma) mit ca. 700
Tonnen pro Jahr noch immer der Haupterzeuger von Schwarzmarkt-Opium, jedoch
werde dieses zum allergrößten Teil in dem Raum selbst und in angrenzenden Gebiete^ einschließlich Hongkong) konsumiert. Nur ein kleiner Bruchteil davon werde zu Heroin weiterverarbeitet.
In der illegalen Opium-Produktion folgen mit insgesamt 220 Tonnen Indien,
Pakistan und Afghanistan; die illegale Produktion in der Türkei wird für das Jahr
1971 auf 35 Tonnen geschätzt. Kleinere Mengen stammten aus Mexiko, Bulgarien
und Jugoslawien. Inwieweit Nordafrika und vor allem südamerikanische Länder zur
illegalen Opiumerzeugung beitragen,ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, daß
im Hochland Südamerikas immer mehr Mohn angebaut wird, daß in südamerikanischen
Ländern der Drogenmißbrauch steigt und der internationale Rauschgifthandel in
wachsendem Maße über Südamerika Drogen nach den USA, zum größten Rauschgiftmarkt,
einschleust. Ein Drittel der dort beschlagnahmten

Drogen war jedenfalls über die-

se Kanäle gekommen.
Aber auch Kanada ist ein Land, über das große Mengen Narkotika aus Europa
die Vereinigten Staaten erreichen. Organisierte kriminelle Elemente - einschließlich Mafia und französisch-korsische Banden - kontrollieren einen großen Teil
des Rauschgifthandels. Die kanadische Polizei konnte jedoch, wie der Bericht betont, bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Rauschgifthändler erzielen. Sie
arbeitet eng mit den amerikanischen Behörden zusammen; Beschlagnahmeaktionen und
Verhaftungen nehmen zu.
Eine

-2-

�Eine ähnliche Entwicklung ist in Frankreich zu beobachten, wo die Polizei
in guter Zusammenarbeit mit amerikanischen Fahndungsbeamten hart gegen Händler,
Schmuggler und vor allem die Geheimlaboratorien vorgeht, wo Opium zu Heroin aufbereitet wird. Die wichtigste Nachschubroute für Opium und harte Drogen führt noch
immer von der Türkei über Westeuropa in die USA. Anscheinend sehen sich aber die
Banden aufgrund des Vorgehens der Polizei in Frankreich gezwungen, z.T.auf andere
westeuropäische Länder auszuweichen. Der Preisanstieg für Heroin, der heute zu
verzeichnen ist, "dürfte nicht nur die weit verbreitete Inflation in den Industrieländern, sondern auch die erhöhten Risiken für den Heroinschmuggel

widerspiegeln."

Die legale Produktion und die Verteilung von Opium für medizinische und wissenschaftliche Zwecke (1971: ca. 1 500 Tonnen) steht dem Bericht zufolge im grossen und ganzen unter Kontrolle. In einigen Ländern werde allerdings unter dem
Deckmantel des legalen Mohnanbaues auch Opium für illegale Zwecke abgezweigt.
In der Türkei wird dem in Kürze ein Riegel vorgeschoben, da diese Quelle versiegt,
wenn 1973 das generelle Verbot für den Mohnanbau in Kraft tritt. In einigen asiatischen Ländern jedoch, vor allem dort, wo die geographischen und politischen
Verhältnisse die Regierungskontrolle erschweren oder überhaupt unmöglich machen,
sei diesem Problem vorläufig kaum beizukommen.

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BODEN WANDERT

2 CM

PRO JAHR

-»(AD)-- Nach eingehenden Beobachtungen über einen Zeitraum von vier Jahren
bestätigte jetzt eine amerikanische Wissenschaftlergruppe kontinuierliche Bodenverschiebungen entlang einer geologischen Verwerfung in der Türkei. Ein ähnliches Phänomen war bisher nur von Kalifornien bekannt. Die Bauingenieure
Edwin Zacher und Karl Steinbrugge hatten dort im Jahre 1956 Versetzungen an
Bauwerken entdeckt. Sie rührten von Bodenverschiebungen her - einer Gleitbewegung entlang der San Andreas-Verwerfung.
Wie Dr. Robert D. Nason, Geophysiker am Institut für Erdbebenforschung in
San Francisco, erklärte, gehört die ca. 110 km nördlich von Ankara entdeckte
Gleitzone zu der sogenannten anatolischen Verwerfung, die Teil eines riesigen
Erdbebengürtels ist. Dieser zieht sich vom Mittelmeerraum durch die Türkei,
den Iran, Südrußland, Afghanistan, Pakistan und Nordindien bis nach Indonesienr
Auf dem Hochplateau Anatoliens hatte man vor ein paar Jahren in der Nähe
der Ortschaft Ismetpasha eine sehr gut gebaute alte Mauer entdeckt, die seltsame Versetzungen aufwies. Sie kreuzt offenbar eine Rißstelle in der Erdrinde,
an der Schollen ins Gleiten geraten sind. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist gering, aber doch groß genug, um meßbar zu sein. Dr. Nason errechnete sie für den

�1

den untersuchten Abschnitt mit zwei Zentimeter pro Jahr. Bisher wurde durch Messungen an Ort und Stelle und durch Vergleiche älterer mit neuen Fotos von der Mauer
eine Versetzungsstrecke von insgesamt 16 cm innerhalb der letzten paar Jahre ermittelt. Die Gleitgeschwindigkeit entspricht ungefähr den in Kalifornien gemessenen Werten.
Unter den Wissenschaftlern ist es noch eine Streitfrage, inwieweit solche
Gleitbewegungen in der Erdrinde mit Erdbeben in Zusammenhang stehen. Wenn durch
"Kriechen", wie viele behaupten, Spannungen in der Erdrinde vermindert werden,
so erhebt sich die Frage, in welchem Umfang dies geschieht und wie sich die Verformung möglicherweise auf eine "Entschärfung"großer Erdbeben auswirkt. Manche
Wissenschaftler sind der Ansicht, daß in einer solchen Gleitzone tatsächlich die
Gefahr starker Beben geringer sei. Andere wieder glauben, die Bodenverschiebung
entlang einer Bruchzone sei nur ein Symptom für das Vorhandensein starker Spannungen, die sich in Erdbeben entladen. Dann ist es aber nicht ganz verständlich,
weshalb in anderen, seismisch äußerst aktiven Gebieten wie Japan, Neuseeland,
Alaska oder Iran keine Gleitbewegungen zu beobachten sind.
Die Entdeckung einer zweiten Gleitzone auf der Erdoberfläche ist wegen der
nunmehr möglichen Vergleiche seismischer Aktivität zwischen dem "Testgebiet"
Kalifornien und Anatolien von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Vielleicht ist
auch eher die Frage zu beantworten, welche Zusammenhänge zwischen Gleitbewegungen
im Bereich geologischer Verwerfungen und Erdbeben in Bruchzonen bestehen.
Dr. Nason ist z.B. der Meinung, daß das Gleiten in Bruchzonen durch einen "Schmiereffekt" bestimmter Schiefertone, die unter Spannung ihren Zusammenhalt verlieren,
verursacht werde. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob in den Gleitabschnitten der Bruchzonen in Kalifornien und Anatolien solche Tonarten vorhanden
sind. Erdbeben in Anatolien kosteten seit 1938, dem Beginn einer Periode verstärkter Aktivität mit 13 großen Erdbeben, schon Tausenden von Menschen das Leben.

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BIOLOGISCHE PRÄPARATE UNTER DEM ELEKTRONENMIKROSKOP

—(AD)-- Bei ihren Arbeiten als Gastforscher im "Centre National des Recherches Scientifique" in Toulouse (Frankreich) machten zwei Wissenschaftler des
"Lawrence Berkeley Laboratory" (Universität Kalifornien) die überraschende
Erfahrung, daß biologische Präparate durch die Untersuchung am Elektronenmikroskop selbst bei sehr hoher Beschleunigungsspannung nicht zerstört werden. Bisher galt es als sicher, daß das Elektronenmikroskop für die Biologie
nur begrenzt einsatzbar sei, weil sich die Präparate infolge Hitzeentwicklung
oder Ionisation im Elektronenstrahl zu stark verändern. Die elektronenmikroskopische Untersuchung sei deshalb, so glaubte man, oberhalb einer bestimmten
Vergrößerungsgrenze sinnlos.
Dies gilt, wie Dr. Gareth Thomas, Professor der Metallurgie, und der Biophysiker Dr. Robert Glaeser von der Universität in Berkeley feststellten, bis
zu einem gewissen Grade nach wie vor bei zunehmender Beschleunigungsspannung
bis ca. 1 Millionen Elektronenvolt. Sobald jedoch mit noch höheren Spannungen
gearbeitet wird, nimmt der Zerstörungseffekt mit zunehmender Beschleunigung
der Elektronen rapide ab. Die beiden Wissenschaftler beobachteten dieses
überraschende Phänomen bis zu Spannungen von 2,5 Millionen Elektronenvolt.
Sie sind jedoch der Meinung, daß Untersuchungen auch noch bei Spannungen von
5 Millionen Volt, vielleicht sogar bis 10 Millionen Volt möglich seien.
Die

�4.

Die Präparate - es handelte sich um die beiden Aminosäuren Valin und
Glycin - waren weder gefärbt noch durch Aufdampfen von Metall vorbereitet worden.
Mit ihnen beabsichtigten Dr. Thomas und Dr. Glaeser Elektronen-Beugungsaufnahmen an dem neuen Gerät von Prof. Dupouy und Prof. Perrier in Toulouse vorzunehmen.Es zählt neben einem zweiten 3-Millionen-eV-Gerät in Japan zu den stärksten
der Welt. Das in Berkeley verfügbare Gerät erreicht dagegen nur eine Leistung
von 650 000 eV.
Wie jetzt Dr. Thomas auf der 13. Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft
für Elektronenmikroskopie in Los Angeles erklärte, sei das Phänomen, das nur bei
organischen und biologischen Proben, jedoch nicht bei Proben anorganischer Materie zu beobachten sei, mit den heute gültigen Theorien nicht zu erklären und
erfordere deshalb eine gründliche Erforschung. Es eröffne jedenfalls der Biologie und Biomedizin ganz neue Möglichkeiten für Präparate-Untersuchungen. Denn
je höher die Beschleunigungsspannung, desto kürzer die Wellenlänge des Elektronenstrahls - das bedeutet besseres Auflösungsvermögen, bei der Probe also das
Sichtbarmachen immer kleinerer Einheiten im Molekülverband. Es sei denkbar, daß
bei 2,5 MeV Beschleunigungsspannung Strukturen sichtbar werden, die nur 2 Sngström-Einheiten(ca. ein fünfmillionstel Millimeter) groß sind, verglichen mit
einer Auflösungsgrenze von 25 ÄE unter einem Elektronenmikroskop mit 100 000 eV
Spannung.
Dr. Thomas zufolge dürfte es künftig möglich werden, so empfindliche Präparate wie Nukleinsäuren, Enzyme, Viren, Zellmembranen und andere biologische
"Bausteine" in der tatsächlich vorhandenen molekularen Struktur und ohne die
Komplikationen und Einschränkungen, die sich durch Färben ergeben, abzubilden.
Der Wissenschaftler konzentrierte sich zunächst auf die Untersuchung von Valin
und Glycin, weil die Ergebnisse als repräsentativ auch für Nukleinsäuren und
Proteine gelten können. Was die reine Untersuchungstechnik angehe, so habe
sich in Toulouse gezeigt, daß z.B. der Schaden, der bei einer Spannung von
1 MeV an der Probe angerichtet werde, bei der Beobachtung unter 2,5 MeV Spannung
erst nach zehnmal längerer Beobachtungszeit auftrete.

++++
-2-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 23.08.1972</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Kongressausschuss für Gemeinsamen NATO-Fonds&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kulturbrief USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einkommensluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Handelsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltgefahr Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanischer Kabinettsausschuss veröffentlicht Opiumbericht 1972 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Boden wandert 2 cm pro Jahr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop</text>
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und
Dokumentation

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35

30. August 1972

Inhalt

INFORMATION:
Nixon ordnet weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an
Von unserem Sonderkorrespondenten
Klimaanlagen und Kältetechnik
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in FrankfurtI

HINTERGRUNDMATERIAL:
An der Verteidigung scheiden sich die Geister
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Zentralinstitut für Bautechnik
Strömungsforschung
Gewitterwolken werden geimpft

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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35/1972

NIXON ORDNET WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN

SAN CLEMENTE, KALIFORNIEN - ( A D ) - Präsident Nixon hat einen weiteren Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam angeordnet, durch den die genehmigte Truppenstärke bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert werden soll.
Dies gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 29. August
in San demente bekannt, wo sich Präsident Nixon gegenwärtig aufhält. Ziegler
wies darauf hin, daß die sogenannte genehmigte Truppenstärke normalerweise
etwas höher liege als die tatsächliche. So befänden sich gegenwärtig 37 000
US-Soldaten in Vietnam - eine Zahl, die um 2 000 Mann niedriger sei als die
genehmigte Truppenstärke am 1. September.
Ziegler erklärte vor der Presse, daß eine amerikanische Resttruppe solange in Südvietnam verbleiben werde, bis eine Regelung auf dem Verhandlungswege
erreicht worden sei

oder bis alle Kriegsgefangenen frei gelassen und über die

Vermißten Auskünfte erteilt worden seien. Der Pressesekretär kündigte an, daß
Präsident Nixon vor dem nächsten Zieldatum, dem 1. Dezember, eine weitere Erklärung zur amerikanischen Truppenstärke in Vietnam abgeben werde; diese Mitteilung werde jedoch nicht vor den Präsidentschaftswahlen am 7. November erfolgen.
In

-1-

�In Beantwortung von Fragen unterstrich Ziegler, daß sich die Hauptaufgabe
der noch verbleibenden Truppen auf den Nachschub und die Versorgung erstrecken
werde. Amerikanische Erdkampftruppen seien nicht mehr in Südvietnam.
Die jüngste Ankündigung bedeutet, daß Präsident Nixon bis zum 1. Dezember
die amerikanische Truppenstärke in Südvietnam seit seinem Amtsantritt am 20.
Januar 1969 um 95 Prozent reduziert haben wird. Damals waren 549 500 amerikanische Soldaten in Vietnam stationiert.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses wies darauf hin, daß die USA ihre
Truppen in Thailand sowie die Marineeinheiten vor der Küste Vietnams seit der
nordvietnamesischen Invasion am 30. März verstärkt hätten, um der damit gegebenen Bedrohung entgegenwirken zu können. Nach der massiven Verletzung der entmilitarisierten

Zone durch Hanoi habe Präsident Nixon die Entsendung von wei-

teren 12 000 Mann nach Thailand und die Abstellung von 20 000 Mann für die
Marineeinheiten vor der vietnamesischen Küste angeordnet. Gegenwärtig befinden sich 42 000 bis 44 000 amerikanische Soldaten in Thailand und 35 000 bis
39 000 vor der Küste Vietnams. Diese Einheiten werden von der jüngsten Reduzierung nicht betroffen.

f-H-H-

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35/1972

USA STREBEN GERECHTERE VERTEILUNG DER UN-BEITRÄGE AN
Von unserem Sonderkorrespondenten

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK --(AD)-- Die Vereinten Nationen haben gegenwärtig
132 souveräne Mitglieder, die in der Vollversammlung alle das gleiche Stimmrecht haben. Das Budget der Weltorganisation wird jedoch allein zu 65 Prozent
von fünf dieser Mitgliedstaaten - und zu rund 32 Prozent von einem der Mitglieds
länder, nämlich den Vereinigten Staaten - getragen. Wenn man bedenkt, daß
über 60 der kleinen Mitgliedstaaten nicht mehr als ein Zwanzigstel eines
Prozents des Gesamthaushalts tragen, dann darf es nicht verwundern, daß man
sich in den Vereinigten Staaten - in der Regierung, im Kongreß und in der
Öffentlichkeit - Gedanken darüber macht, ob der hohe amerikanische Beitrag
heute noch gerechtfertigt ist.
Präsident Nixon hat in seinem außenpolitischen Bericht zu Anfang dieses
Jahres darauf hingewiesen, daß es für die Weltorganisation selbst auf die
Dauer nicht von Vorteil sein kann, wenn sie finanziell zu sehr auf ein bestimmtes Mitglied angewiesen ist. Zu dem regulären Haushalt der Vereinten Nationen

i-

�Nationen für das Jahr 1972 haben die USA allein 31,52 Prozent oder 64 Millionen
Dollar beigetragen, und in früheren Jahren betrug der Prozentsatz bis zu 39
Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt begonnen, mit anderen Mitgliedsstaaten über eine Neuregelung der Beitragsveranlagung zu sprechen, wobei man von
amerikanischer Seite eine Maximalrate von 25 Prozent anstrebt, die den heutigen
Verhältnissen sicher angepaßt wäre.
Nixon hat bereits in seinem außenpolitischen Bericht darauf hingewiesen,
daß die Zahlungsfähigkeit eines Landes nicht die einzige Richtschnur sein könne,
da Vernunft und politischer Realismus dagegen sprächen, daß ein Mitglied einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag leiste. Schließlich sei der Mindestbeitrag
auch nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt worden.
Als die Vereinten Nationen zu Kriegsende die Beiträge festsetzten, lag es
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten allein mindestens so viel bezahlen
konnten wie alle anderen zusammen. Jedoch schon damals erkannte man in der
Vollversammlung die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit und setzte das Limit
auf 40 Prozent. Im Jahre 1948 wurde beschlossen, daß kein Land mehr als ein
Drittel des Gesamtbeitrages aufbringen solle und dürfe, und im Jahre 1957 wurde
mit wachsender Mitgliederzahl die Beitragsgrenze schließlich auf 30 Prozent
festgelegt - wobei der amerikanische Beitrag de facto auch weiterhin über diesem Prozentsatz lag.
Die Kommission, die Präsident Nixon für den 25. Jahrestag des Bestehens
der Vereinten Nationen einsetzte, empfahl bereits im Jahre 1971 eine Senkung
der Beitragsrate auf 25 Prozent. Die Empfehlungen der Kommission unter Leitung
des früheren amerikanischen Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry
Cabot Lodge, sind mittlerweile Bestandteil der Außenpolitik der Nixon-Administration geworden. Amerikanische Diplomaten bemühen sich in den Hauptstädten

-2-

�Hauptstädten der Welt und in den Vereinten Nationen um Unterstützung für eine
Reduzierung des Höchstbeitrages - wobei nicht an eine Anhebung des Mindestbeitrages gedacht ist, wie ihn viele der kleinen Mitglieder bezahlen. Der Ausgleich
könnte vielmehr durch eine Erhöhung des Beitrages einiger wirtschaftlich erstarkter Mitgliedsländer erreicht werden.
Eine Neuverteilung der Beiträge müßte natürlich zunächst einmal von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt werden. Zuvor bedarf es eines
Beschlusses des Beitragsausschusses, der im Frühjahr kommenden Jahres zusammentritt und die Beiträge für drei Jahre festsetzt. Diese Entscheidung muß dann
von der Vollversammlung - im Jahre 1973 - bestätigt werden, und die neuen Beiträge würden dann mit dem Jahre 1974 wirksam. Wie aus amerikanischen Kreisen
bei den Vereinten Nationen verlautet, denkt man in dem Ausschuß an eine Aufstockung der Beiträge unter anderem für Japan und Australien. Auch die Volksrepublik China dürfte etwas mehr zur Kasse gebeten werden als das ausgeschlossene
Formosa.
Die Vereinigten Staaten würden auch bei einer Neufestsetzung der Beitragshöchstgrenze auf 25 Prozent bei weitem den größten Beitrag zur Weltorganisation
leisten. Ihr Beitrag würde auch dann noch um 50 Prozent höher liegen als der
des nächsthöheren Beitragszahlers, nämlich der Sowjetunion. Und schließlich darf
man nicht vergessen, daß hier zunächst nur von dem Beitrag zum regulären Budget
die Rede war. Die gewaltigen Zuwendungen der USA zu den verschiedenen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen betragen ein Vielfaches dieses Betrages,und
die Vereinigten Staaten bringen rund 40 Prozent der Mittel für das gesamte System
der Vereinten Nationen auf- Mittel, die schließlich jedes Jahr vom amerikanischen
Kongreß bewilligt werden müssen. So haben die USA im Jahre 1971 die stattliche
Summe von über 433 Millionen Dollar für die Vereinten Nationen insgesamt aufgebracht.
Die

�Die amerikanische Mission bei den Vereinten Nationen hat in diesem Zusammenhang eine interessante Aufschlüsselung des Beitrages der USA veröffentlicht:
1 9

7 1
US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

Vereinte Nationen

56 312

31,5

Ernährungs-u.Landwirtschaftsorganisation(FAO)

10 083

31,6

115

8,1

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)

3 977

31,5

Internationale Zivilluftfahrtorganisation(ICAO)

2 167

30,9

Gemeinsames Finanzierungsprogramm

1 773

39,1

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

3 908

25

Reguläres Budget(Voranschlag)

Zwischenstaatliche Konsultativorganisation für
die Seefahrt (IMCO)

Internationale Fernmeldeunion (ITU)
UNESCO
Weltpostverein
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Weltwetterdienst (WMO)
Gesamt:

703

11,6

12 018

29,8

80

4,2

23 741

30,9

774

23,9

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern

4 800

38,7

19 7 1

-4-

�19 7 1
Freiwillige Beiträge zu Programmen
der Vereinten Nationen

US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

1 550

36,9

Kinderhilfsfonds (UNICEF)

15 886

38,8

Entwicklungsprogramm

86 268

34

Weltlebensmittelprogramm (FAO)

54 56o

51,7

Fonds für Rauschgiftbekämpfung

2 000

70,9

14 500

50

IAEA Betriebskosten

Bevölkerungsfragen

1 000

19,2

Humanitäre Hilfe für Indien

90 875

37,1

Humanitäre Hilfe für Ostpakistan

18 920

UNRWA

23 200

54,3

I n s t i t u t für Ausbildung und Forschung

400

38,3

Freiwilligenprogramm

200

79,1

S o n d e r b e i t r ä g e für Vietnam

950

76,9

Krebsforschung der WHO

312

15,5

Sonderprogramm der WHO

469

36,9

Programme des Hochkommissars für Flüchtlinge

F r e i w i l l i g e s Unterstützungsprogramm der WHO

1 500

Gesamt:

312 59o

Gesamtbeitrag zum regulären Budget

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern
Gesamtaufwendungen der USA

4 800

433 041

nicht ver fügbar

30

�B E R I C H T I G U N G

In der Tabelle: "Freiwillige Beiträge zu Programmen der Vereinten
Nationen" auf Seite 5 muß der letzte Posten richtig heißen:

Freiwilliges Unterstützungsprogramm für den WMO
(Weltwetterdienst)

1 500

30

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35/1972

KLIMAANLAGEN UND KÄLTETECHNIK
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -

--(AD)-- Vom 11. bis 15. September 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Klimatechnik-Kältetechnik" ,
auf der über 30 amerikanische Hersteller Anlagen, Geräte und Bauteile aus
ihren neuesten Produktionsserien zeigen. Die Mehrzahl der ausstellenden Unternehmen, die in Deutschland noch nicht vertreten sind, sucht

Kontakte zu

Vertriebsfirmen bezw. Lizenznehmern. Ein angegliedertes Tagungsprogramm behandelt praktische Anwendungsbeispiele und spezielle Geräteentwicklungen.
Kostenlose Unterlagen können beim US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert werden. Telefon 72 08 Ol,
Telex 416535.

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Hintergrundmaterial

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35/1972

AN DER VERTEIDIGUNG SCHEIDEN SICH DIE GEISTER
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

CHIKAGO --(AD)-- Der wohl entscheidenste Unterschied in den politischen Auffassungen Präsident Nixons, des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
zur Wiederwahl, und seines demokratischen Herausforderers, Senator George
McGovern,liegt auf dem Gebiet der Verteidigung und der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten.
Die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben der USA liegen bei jährlich 80
Milliarden Dollar, und Präsident Nixon möchte sie in etwa auf diesem Stand halten.
Senator McGovern dagegen möchte sie über einen Zeitraum von drei Jahren um mindestens 30 Milliarden Dollar kürzen. Die Unterschiede in den Auffassungen beider Kandidaten kommen vielleicht am deutlichsten in den Reden zum Ausdruck,die
sie dieser Tage vor dem großen amerikanischen Veteranenverband "American Legion"
gehalten haben.
McGovern führte am 23. August in Chikago unter anderem aus:
"....Die Streitkräfte sind heute in dem längsten Krieg unserer Geschichte
gebunden. Der Höchststand unserer Streitkräfte in Südostasien ist zwar seit 1969
um eine halbe Million Mann gesenkt worden, jedoch wurden im gleichen Zeitraum

�Zeitraum über eine Million Mann dorthin geschickt, um dort zu kämpfen. Und es
sind immer noch zu Lande und zur See über 140 000 Mann....
Amerikaner werden für eine gute Sache kämpfen und sterben; das haben wir
immer getan. Die Armee, die so kämpft, wird ihre Offiziere achten und wird bei
der Bevölkerung in der Heimat geehrt und bewundert werden. Unsere gegenwärtigen
Probleme entstanden aus der Tatsache, daß die Soldaten aufgefordert wurden
- und immer noch aufgefordert werden - weiterhin in einem Krieg zu kämpfen,
an den die Nation nicht länger glaubt.
Ein Krieg ist niemals fair. Wir werden von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften immer mehr fordern, als wir ihnen geben können. Aber als
Mindestes können wir ihnen eine Aufgabe geben, die der Ehre und Würde ihres
Dienstes entspricht - eine Aufgabe, ihrer eigenen Selbstachtung als Menschen
gerecht zu werden - eine Aufgabe, die sie stolz als amerikanische Aufgabe bezeichnen können.
Der Krieg in Vietnam ist keine solche Aufgabe und kann es auch nicht sein.
General Thieu ist keinen weiteren Tropfen amerikanischen Blutes wert oder auch
nur eines Gramms an Leiden und Sorgen seitens unserer Kriegsgefangenen und ihrer
Angehörigen. Und je eher wir der Bombardierung und der Beschießung Einhalt gebieten und unsere Männer nach Hause bringen können, desto eher können sich unsere Streitkräfte wieder den echten Erfordernissen unserer Sicherheit und unseres
Landes zuwenden.
Wir müssen begreifen lernen, daß jeder Dollar, den wir für die Zerstörung
Vietnams ausgeben, uns der Mittel beraubt, die wir zum Aufbau Amerikas brauchen..
Ich bin gegen die Bombardierung Vietnams, nicht nur, weil ich überzeugt bin,
daß sie falsch ist, nicht nur, weil ich der Überzeugung bin, daß sie militärisch
unwirksam ist, sondern auch, weil sie Verschwendung ist....
Laßt

-2-

�Laßt uns aufhören, Asien zu bombardieren, und anfangen, Amerika aufzubauen.
Das ist der einzige Weg, das Töten zu beenden, und es ist der einzige Weg, die
Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Unsere gegenwärtige Politik
befreit die Gefangenen nicht, sie sperrt sie vielmehr noch enger ein und vergrößert jede Woche die Zahl derer, die abgeschossen und gefangengenommen werden...
Es war bisher nicht Tradition, daß Präsidentschaftskandidaten ihre militärischen Vorstellungen im einzelnen darlegten, bevor sie gewählt wurden. Aber das
Militärprogramm hat einen so lebensentscheidenden Einfluß auf unsere Wirtschaft
und nimmt einen so hohen Anteil unserer Regierungstätigkeit in Anspruch, daß die
Öffentlichkeit wissen sollte, welche Absichten ich habe.
Erstens mache ich folgende Zusage: Solange ich Präsident der Vereinigten
Staaten wäre, würde Amerika niemals zu einer zweitklassigen Macht werden. Wir sind
die stärkste Nation der Welt und werden es bleiben.
Ich habe meinen Verteidigungsvorstellungen mehr Zeit und Mühe gewidmet als
irgendeinem anderen Teil meiner Vorbereitungen für die Präsidentschaft. Ich habe
die Sicherheitserfordernisse unseres Landes sorgfältig durchkalkuliert. Es gibt
keine einzige Möglichkeit, die nicht in diese Überlegungen einbezogen worden ist.
Mein Budget hält an einer festen Verpflichtung zur konventionellen Verteidigung
und zur nuklearen Abschreckung fest. Es bietet ausreichende Sicherheit gegen einen
Angriff, indem die Nation mehr und nicht weniger der nuklearen Systeme erhält, auf
die wir für die garantierte Zerstörung jedes potentiellen Gegners angewiesen sind.
Darf ich Ihnen nur ein Beispiel geben: Mein Budget würde uns genug Feuerkraft geben, um Rußland und China gleichzeitig zwanzigfach zu zerstören, und ich
würde selbstverständlich mein Verteidigungsbudget ständig mit unseren militärischen Befehlshabern überprüfen und jedwede Veränderungen vornehmen, die durch
neue Verhältnisse und neue Techniken erforderlich würden.
Ich

-3-

�Ich versichere Ihnen, daß es keiner feindlichen Macht je gelingen wird,
dieses Land zu bedrohen, wenn ich Präsident wäre. Keine ausländische Macht wird
uns herumschubsen. Wir werden immer genügend Macht haben, einem Angriff, der Drohung mit einem Angriff oder der auf diplomatischem Wege vorgenommenen Erpressung
zu widerstehen.
Wer jedoch jemals Soldat war, der weiß, daß unsere militärischen Ausgaben
durch Verschwendung und Unwirksamkeit durchlöchert werden. Wir brauchen eine unbesiegbare und unverletzbare Verteidigung. Aber wir müssen auch den hochfliegenden militärischen Geldausgebern Zügel anlegen, die glauben, daß die Grenze der
Himmel sei, und die in flagranter Weise die Blankoschecks mißbraucht haben, die
ihnen in der Vergangenheit vom Kongreß und von der Bevölkerung ausgestellt worden sind. Wir haben heute mehr Offiziere, um 2,5 Millionen Mann zu befehligen,
als wir im zweiten Weltkrieg hatten, um 12 Millionen Mann zu befehligen, und
manche von uns glaubten damals schon, wir hätten zu viele Offiziere. Die Führer,
die unsere Streitkräfte schwächen würden, sind nicht jene, die die Verschwendung
in unserem Verteidigungshaushalt beseitigen würden. Es sind nicht jene, die Geld
für unsere Städte bereitstellen oder die Steuerlasten des Eigenheimbesitzers
oder des kleinen Geschäftsmannes oder des Arbeiters an der Maschine erleichtern
würden. Die Führer, die unserer Verteidigung schweren Schaden zugefügt haben,
sind jene Männer, die unsere militärische Macht für Zwecke benutzt haben, die
unser Volk abgelehnt hat.
Die Gefahr des Isolationismus kommt nicht von jenen, die eine vernünftige
Politik in Indochina wollen. Die Gefahr kommt nicht von jenen, die daran zweifeln,
ob es notwendig ist, daß unser Land ganz Asien und Afrika und Lateinamerika und
Europa unter der Fuchtel hält. Die Gefahr kommt von jenen, die an einer Politik
festhalten, von der das amerikanische Volk weiß, daß sie in Geld und Leben gemessen

töricht, unnütz und teuer ist. Das sind diejenigen, die einen wahrhaft

katastrophalen Rückzug aus der Welt heraufbeschwören...."
Präsident

�Präsident Nixon führte am 24 August zu diesem Thema unter anderem aus:
"... Meine Richtschnur ist gewesen und wird auch weiterhin sein, daß Amerika
niemals die zweitstärkste Nation der Welt werden wird. Solange ich Präsident bin,
wird Amerika mit unseren Gegnern niemals aus einer Position der Schwäche heraus
verhandeln müssen....
Damit will ich keinen Augenblick sagen, daß wir nicht so viel Geld wie möglich bei unserer nationalen Verteidigung einsparen und so viel Geld wie nur möglich für andere lebenswichtige nationale Erfordernisse bereitstellen sollten.
Wir haben bei unseren Militärausgaben gespart und werden auch weiterhin sparen, wann und wo wir das ohne Gefahr tun können. Aber ich habe niemals die Sicherheit des amerikanischen Volkes unter der falschen Flagge der Sparsamkeit aufs
Spiel gesetzt und werde das auch niemals tun. Ein dauerhafter Friede gründet
sich nur auf Stärke.
Sparsamkeit immer - Schwäche niemals. Sehen Sie sich das bisher Geschehene
an, und Sie werden erkennen, daß wir bereits wesentliche und gefahrlose Sparmaßnahmen eingeführt haben. Es ist uns gelungen, die Verteidigungsausgaben auf ein
sicheres Minimum zu verringern, ohne unsere Sicherheit infragezustellen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen zu verletzen.
Wir haben die Gesamtstärke unserer Streitkräfte erfolgreich um fast ein
Drittel verringert. Wir haben überseeische Stützpunkte geschlossen, die für unsere nationale Sicherheit nicht länger von entscheidender Bedeutung sind, ohne dadurch das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben. Und es ist uns gelungen,
jene Verbündeten dazu zu bewegen, einen größeren Anteil an der Last der Verteidigung der freien Welt zu übernehmen als in der Vergangenheit.
Wenn

-5-

�Wenn Sie einmal die Tatsachen von der Wahlkampfrhetorik trennen, dann werden
Sie erkennen, daß der Verteidigungshaushalt für 1973 nur 6,4 Prozent des geschätzten Bruttosozialproduktes ausmacht - daß er unserem Lande die kleinste wirtschaftliche Belastung durch irgendeinen Verteidigungshaushalt seit über 20 Jahren
auferlegt. Das ist echter Fortschritt.
Ich bin jedoch sicher, daß ich für die große Mehrheit der Amerikaner spreche, wenn ich erkläre, daß ich in unserem Verteidigungsprogramm eine klare Linie
ziehe zwischen Maßnahmen, die ins Fleisch schneiden, und solchen, die das Fett beseitigen.
Wenn wir jedoch - wie manche das vorschlagen - die Entwicklung unserer Minuteman III und der Poseidon-Raketen-Programme einstellen - Programme, die für eine
glaubwürdige Verteidigung notwendig sind und Programme, die bereits vom Kongreß
gebilligt worden sind - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir unsere strategische Bomberstreitmacht um 60 Prozent amputieren wenn wir die Entwicklung des B 1-Bombers einstellen und die Zahl unserer Flugzeugträger von 16 auf 6 verringern - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht
der Welt.
Wenn wir in einer Zeit, da die Sowjetunion aktiv mit dem größten Flottenaufbau in der ganzen Geschichte beschäftigt ist, unsere Flottenstärke drastisch kürzen würden, dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir einen großen einseitigen Truppenabzug der NATO vornehmen - einen Abzug, der unsere Kapazität in Europa und im Nahen Osten ernsthaft schwächen würde dann würden wir das Vertrauen unserer Freunde hintergehen und die Hoffnungen auf
ein Abkommen zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt über beiderseitige Truppenverringerungen zerstören....
Was jedoch am wichtigsten ist, wenn wir einseitig die B 1-und MIRV-Programme
aufgeben würden, wie manche das vorschlagen, dann könnten wir niemals hoffen,

-6-

�hoffen, einen weiteren Fortschritt in der Rüstungsbegrenzung mit der Sowjetunion erzielen zu können. Eine Sowjetunion, die sich einem Amerika gegenübersieht,
das selbst einseitig seine militärische Stärke vermindert, hätte keinerlei Anreiz, ihre eigenen Programme zu verringern.
Schwäche ist ein Risiko, das wir niemals eingehen dürfen. Gerade weil diese
Administration nicht unverantwortlich gehandelt hat, weil diese Administration
in ihrer Verteidigungspolitik ruhig und vernünftig und in ihren Beziehungen zu
anderen Nationen offen und frei geblieben ist, stehen wir heute an der Schwelle
einer friedlicheren und sichereren Ära für die ganze Menschheit
Ich bin dankbar für die Art und Weise, in der das amerikanische Volk und
ganz besonders Gruppen wie die American Legion während der schwierigen, aber erfolgreichen Politik der Beendigung des Krieges in Vietnam auf ehrenhafte Weise
ihre Regierung unterstützt haben. Als Ergebnis ist es uns möglich gewesen, eine
halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam heimzuholen - und wir haben das

getan, ohne unsere Verbündeten zu verkaufen, ohne vor unseren Gegnern zu kapitulieren und ohne unsere Gefangenen und Vermißten aufzugeben....
Wollen wir uns nichts vormachen. Die Freiheit ist noch nicht sicher vor ihren Gegnern, und selbst unter unseren Verbündeten muß noch manche echte Differenz
ausgeräumt werden. Ich habe jedoch Grund zu berechtigtem Optimismus gefunden
- für eine vorsichtige, bedachte Hoffnung für die Zukunft. In Peking, in Moskau
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten in der ganzen Welt habe ich den
Wunsch nach Frieden vorgefunden. Es sind nicht die gleichen Gründe oder dieselben Bedingungen, die in jedem dieser Zentren der Welt den Frieden wünschenswert
machen. Aber er wird in einem solchen Maße gewünscht, daß wir eine Basis haben,
auf der wir aufbauen können, wenn Amerika nicht nachgibt oder schwach wird....

Der

-7-

�Der Frieden wird nicht Wirklichkeit werden, wenn wir den zwar ehrenhaften,
aber fehlgeleiteten Stimmen jener nachgeben, die sagen, wir sollten Amerika heute schwächen und naiv auf Frieden für morgen hoffen. Der Frieden kann jedoch
Wirklichkeit werden, wenn wir weiterhin eine vernünftige, verantwortungsbewußte
Außenpolitik verfolgen, wenn wir Amerika stark genug erhalten, um diese Politik
glaubwürdig zu machen..."

-8-

�" amerika dienst
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ZENTRALINSTITUT FÜR BAUTECHNIK
"National Bureau of Standards" koordiniert Forschung und
Entwicklung auf dem Bausektor

--(AD)-- Beim "National Bureau of Standards" (NBS), dem amerikanischen Bundesamt für Materialprüfung und technische Normen, wurden mit der Schaffung des
Zentralinstituts für Bautechnik in Gaithersburg (Maryland) alle Einzelabteilungen des NBS, die sich in irgendeiner Form mit dem Bauwesen befassen, unter einem Dach vereint. Baustoffe und Materialforschung, Städte-und Regionalplanung, Bodenmechanik, Wohnungsbau, Behörden-und Krankenhausbau fallen ebenso darunter wie die Auswertung Von Modellprojekten, bei denen die fabrikmäßige
Herstellung von kompletten Wohnungen, Büroetagen und Reihenhäusern, die nur
noch montiert zu werden brauchen, eine immer wichtigere Rolle spielt.
Im laufenden Haushaltjahr stellt das US-Handelsministerium 8,7 Millionen Dollar für das Zentralinstitut zur Verfügung, das gegenwärtig etwa 25o
Mitarbeiter hat. Sie vertreten als Spezialisten 2o verschiedene Disziplinen
-vom Architekten, Statiker und Werkstoffphysiker bis zum Soziologen.

Einer

der Schwerpunkte ist gegenwärtig das Projekt FEEDBACK. Dabei geht es um die

-l-

�die Auswertung der Modelle für den Wohnungs-, Siedlungs-und Städtebau, die im
Rahmen der "Operation Breakthrough" (»Operation Durchbruch") errichtet worden
sind. In einer Vielzahl von Interviews werden die Erfahrungen der Herstellungsund Montagefirmen sowie der Bewohner der neuen Städte oder Stadtteile erfaßt,
um Mittel und Wege zu notwendigen und optimalen Verbesserungen zu finden.
Gespannt erwartet man z.B. die Ergebnisse des "Breakthrough" - Modells
von Jersey City. Dort wird der gesamte Strom an Ort und Stelle erzeugt, Abwärme
wird für Wohnungs-und Warmwasserheizung sowie für Kühlzwecke genutzt. Ziel des
Unternehmens: Rationelle Nutzung der Energiereserven, größere Zuverlässigkeit
der Dienstleistungen, weniger Lärm und Verschmutzung.
Die heute üblichen Werkstoffe - vom Bau-und Möbelmaterial bis zu den Haushaltswaren und Anstrichen - werden keineswegs als der Weisheit letzter Schluß
betrachtet. Das Institut für Bautechnik bemüht sich z. B. gegenwärtig, sämtliche
im Handel befindlichen Anstrichfarben auf ihre Giftigkeit (etwa wegen ihres Bleigehalts) oder auf Auswirkungen in der Form allergischer Erscheinungen bei den
Personen zu prüfen, die damit leben. Andere Untersuchungen konzentrieren sich
u.a. auf die Gefahren

der Ausbreitung von Rauch und Feuer, auf die Erstel-

lung von Fundamenten, auf Materialien für Rohrleitungen, Isoliereigenschaften
ganzer Gebäude gegen Wärme und Kälte, Rentabilitätsstudien bei Wohnungsbauprojekten, beschleunigte Alterung von Baukomponenten. Der letztgenannte Punkt ist
im Zusammenhang mit den Bemühungen von Bedeutung, die Entwicklung von Slums
künftig unmöglich zu machen. Die ursprünglichen 22

"Breakthrough"-Projekte

wurden inzwischen offiziell um die Sonderprogramme Qualitätskontrolle, Produktionsplanung, Planung für Verkehrswesen und Transportfragen sowie Kostenberechnung erweitert. Dabei ist es selbstverständlich und notwendig, daß das Zentralmstitut eng mit der Industrie, mit Regierungsbehörden, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Verbrauchern, Normenausschüssen, Medizinern und Forschungsinstituten der Universitäten im ganzen Land zusammenarbeitet. Die experimentellen

-2-

�experimentellen Untersuchungen werden zum größten Teil in den NBS-Uboratorien
von Gaithersburg, manche jedoch auch von mobilen Laboratorien an Ort und Stelle
oder an Spezialinstituten in anderen Bundesstaaten durchgeführt.

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35/1972

STROMUNGSFORSCHUNG
Sprechende Flaschenpost-Farbmarkierung-Tiefenströmung
elektrisch gemessen
--(AD)-- Einfache Treibbojen, die mit Kleinsendern versehen sind, werden am
Ozeanographischen Institut Woods Hole (Massachusetts, USA) entwickelt. Die
nach einem bestimmten Programm abgestrahlten Signale sollen noch im Umkreis
von mehr als 400 km empfangen werden können, so daß festlandnahe Oberflächenströmungen im Meer auch von Küstenstationen aus zu überwachen sind.
Das vom amerikanischen Handelsministerium finanzierte Projekt soll die
Strömungsforschung wirtschaftlicher gestalten. Bisher konnten mit den herkömmlichen Methoden - Suche nach angetriebener Flaschenpost

"in d e r Küste, ihre

zufällige Bergung durch Schiffe oder ihre Lokalisierung mittels Radar von
Schiffen oder Flugzeugen aus - durchschnittlich nur 10 Prozent der Markierobjekte wieder ausfindig gemacht werden. An der amerikanischen Ostküste ist das
Beobachtungsergebnis in der kalten Jahreszeit wegen der starken Nordwestwinde,
die die Behälter aus der Strömungszone treiben,sogar noch magerer. Ein weiterer
Nachteil der einfachen Driftbojen ergibt sich aus der Tatsache, daß sie nach
dem Einsetzen ins Wasser auf ihrem Weg nicht verfolgt werden können. Dies ist
jedoch für viele Einzelprobleme, angefangen von der Überwachung südwärts treibender Eisberge bis zur Klärung der Frage des Transports von Fischlaich durch

-1-

�durch Meeresströmungen, von großer

Bedeutung.

Das geplante neue System der

"sprechenden Flaschenpost" könnte bei geringem finanziellen Aufwand detaillierte Ergebnisse über einen langen Zeitraum bringen.
Es würde allerdings nicht ausreichen, um großflächige Störungen innerhalb
einer Meeresströmung, wie sie z.B. in den letzten Monaten im Golfstrom durch
Kaltwasserwirbel auftraten, zu überwachen. Deshalb wurde von Bord des Forschungsschiffes MT MITCHELL aus einer der riesigen Wirbel mit orangegelbem Farbstoff zusätzlich markiert, nachdem im Zentrum und in den Randzonen bereits Blechfässer
und Kleinbehälter als Treibbojen ausgesetzt worden waren.
Die drei bisher in diesem Jahr ermittelten Kaltwasserwirbel rotieren entgegen dem Uhrzeigersinn und haben 120 bis 160 km Durchmesser. Am schnellsten wandert Wirbel Nr. 2; er zieht mit 3,2 km Geschwindigkeit pro Tag an der Ostseite
des Golfstroms nach Südwesten und befindet sich derzeit im Grenzgebiet der amerikanischen Bundesstaaten Georgia und Florida. Dr. Philip Richardson (Universität
Rhode Island) schätzt, daß die Wassermasse etwa der Wassermenge entspricht,die
der warme Golfstrom in ca. 10 Tagen am Cape Hatteras (Nordkarolina) vorbeiführt.
Die Oberflächentemperatur des Wirbels liegt mit 18 Grad Celsius um 4,5 Grad C
niedriger als die des umgebenden Meerwassers. Wirbel Nr.l, der bereits Anfang
des Jahres beobachtet wurde, reichte nach Schätzung Richardsons von der Wasseroberfläche bis in 3 000 m Tiefe, ehe er am Kontinentalsockel entsprechend der geringeren Abfalltiefe aufzusteigen begann. Anfang April 1972 wurde er vor Kap Kennedy geortet, war jedoch wenig später nicht mehr ausfindig zu machen. Nach Ansicht
der Wissenschaftler entstehen solche Kaltwasser-"Taschen" durch die unvorhersehbaren Änderungen des Weges, den die aus der karibischen See und dem atlantischen
Äquatorialstrom gespeiste warme Meeresströmung vor der Ostküste Floridas und
bis Cape Hatteras nimmt, ehe sie als "Golfstrom" weiter nach Nordosten durch den
Atlantik bis zu den Küsten Europas und Skandinaviens zieht. Warmwasserzungen be-

-2-

�beginnen kalte Wasseraassen aus dem Norden zu umschließen, wobei diese in langsame Rotation geraten

Wenn ein solcher Wirbel den Golfstrom durchbricht, wird

das eingeschlossene kalte Wasser nach Süden bis in die Sarg.sso See transportiert. In mehrjährigen Beobachtungen will man herausfinden, ob bezw. welche Auswirkungen auf Klima und Wettergeschehen an der amerikanischen Ostküste durch
solche Kaltwassermassen zu erwarten sind.
Die Geschwindigkeit einer Tiefenströmung konnte Dr. Robert R. Harvey von
der Universität Hawai erstmals indirekt mit Hilfe eines bei 3 000 m Wassertiefe
südwestlich der Hawai-Insel Oahu am Pazifikboden

verankerten Instruments

durch Messung des vertikalen elektrischen Feldes ermitteln. Dazu wird die elektrische Leitfähigkeit des Meerwassers auf Grund seines Gehalts an Metallionen
und gelösten Salzen in Verbindung mit dem erdmagnetischen Feld genutzt.
Die Bewegungen der Wassermassen mit Flut, Ebbe, Wellen und Strömungen führen
zu einer Art Dynamo-Effekt insofern, als ein elektrischer Leiter (das Meerwasser),
der durch ein Magnetfeld '[Erdmagnetfeld) geführt wird, ein elektrisches Feld in
einer Richtung erzeugt, die senkrecht zur Bewegungsrichtung des leitfähigen Mediums und zum Magnetfeld steht. Dr. Harvey erklärt das Meßprinzip des unter seiner
Mitwirkung konstruierten Geräts folgendermaßen: Die in Ost-West-Richtung sich bewegende Meeresströmung schneidet das in dem betreffenden Raum in Nord-Süd-Richtung orientierte eLdmagnetische Feld. Dadurch wird ein vertikales elektrisches
Feld erzeugt. Mit den Meßdaten für das(durch das Instrument ermittelte) elektrische Feld und der erdmagnetischen Feldstärke ist nach Harvey die Bewegungskomponente der Strömung nach Richtung und Geschwindigkeit rechnerisch zu ermitteln.

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GEWITTERWOLKEN WERDEN GEIMPFT

--(AD)-- Durch das "Impfen" von Gewitterwolken mit dünnen, aluminiumüberzogenen Nylonfäden wollen Wissenschaftler des amerikanischen Instituts für
Physik und Chemie der Atmosphäre-APCL (Boulder, Colorado) versuchen, starke
luftelektrische Spannungen abzuschwächen und Blitzentladungen weitgehend zu
verhindern. Das auf sechs Wochen angesetzte Feldexperiment im Nordosten des
Bundesstaates Colorado basiert, wie Dr, Heinz Kasemir vom APCL erklärte, auf
Erfahrungen, die bei den ersten Versuchen dieser Art in den Jahren 1965-66
gesammelt wurden. Man wird in einem ca. 500 qkm großen Gebiet das Phänomen
der Korona-Entladung, das z.B. auch beim sogenannten Elmsfeuer in Erscheinung
tritt, für die elektrische Abschwächung von Gewitterfronten nutzen. Am Boden
wurde ein Netz von Beobachtungsstationen geschaffen, die die elektrische Feldstärke und jeden Blitzschlag im Umkreis bis zu 80 km registrieren.
Zu einem Blitzschlag kommt es bei der plötzlichen Entladung zwischen zwei
Gebieten mit unterschiedlicher elektrischer Ladung. Wenn dies jedoch geschieht,
ist das elektrische Feld in den "Gewitterzellen" mindestens 500 000 Volt/Meter
stark. Wird nun ein elektrisch leitfähiges Objekt in ein solches elektrisches
Feld eingebracht, entwickelt es einen positiven und einen negativen Pol. Elektrisch geladene Teilchen (Ionen) werden an den Polen gleicher Ladung abgestoßen;

-l-

�abgestoßen; solche Ionenströme erhöhen die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre. Sie verursachen auch, wie dies gelegentlich bei Gewitter zu beobachten
ist, die schwachen Leuchterscheinungen an Tragflächenspitzen von Flugzeugen, an
Schiffsmasten und an Baumkronen. Luft ist ja normalerweise ein sehr schlechter
Leiter, woraus sich auch die Tatsache erklärt, daß sich darin so starke elektrische Felder aufbauen können.
Der mit 10 cm langen aluminisierten Nylonfäden künstlich erzeugte KoronaEffekt wird jedoch vom Erdboden aus nicht sichtbar sein. Er tritt dann auf, wenn
das elektrische Feld stärker ist als 30 000 Volt/Meter. Deshalb setzen die Wissenschaftler, die unterhalb der Gewitterwolken Patrouille fliegen, die Verteiler
für die Nylonfäden erst in Aktion, wenn ihre Geräte höhere Meßwerte anzeigen.
Bei der ersten Versuchsserie im Jahre 1965 gelang es z.B. mit diesem Verfahren,
eine Gewitterzelle von 300 000 Volt/Meter elektrischer Feldstärke völlig zu neutralisieren.

Hill

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                <text>Amerikadienst 30.08.1972</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ordnet weiterhin Truppenabzug aus Vietnam an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klimaanlagen und Kältetechnik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An der Verteidigung scheiden sich die Geister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zentralinstitut für Bautechnik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strömungsforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewitterwolken werden geimpft</text>
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Dokumentation

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7. September 1972

Inhalt
INFORMATION:
USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu
- Wortlaut Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens
- Wortlaut der Verlautbarung Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA
- Wortlaut HINTERGRUND:
Wer im Glashaus sitzt ...
- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe
- Wortlaut des Schreibens WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17
Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 198p
- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur
Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung
Virus-Theorie gewinnt an Boden
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1972

USA ÜBER BLUTTAT VON MÜNCHEN ZUTIEFST BESTÜRZT UND EMPÖRT

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben mit tiefer Bestützung
und Empörung auf die Nachricht von dem arabischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München reagiert und diese verabscheuungswürdige
Bluttat nachdrücklich verurteilt. Der amerikanische Präsident Nixon hat der
israelischen Ministerpräsidentin, Frau Golda Meir, wie auch den Familien der
unschuldigen Opfer sein tiefempfundenes Beileid übermittelt. Gleichzeitig hat
der amerikanische Präsident Außenminister Rogers beauftragt, in Kontakten mit
anderen Regierungen vordringlich zu prüfen, welche kollektiven Maßnahmen gegen
den Terror ergriffen werden können.
Das Beileidstelegramm Präsident Nixons an Frau Golda Meir hat folgenden
Wortlaut:

"Hochverehrte Frau Ministerpräsidentin:
Amerika fühlt zutiefst mit Ihnen, den trauernden Familien und dem israelischen Volk in diesem Unglück, das über Ihre Olympiamannschaft hereingebrochen
ist. Diese

tragische und sinnlose Tat ist ein Anschlag auf alle die Hoffnungen

und Sehnsüchte der Menschheit, die in den olympischen Spielen ihren Ausdruck
finden. In weiterem Sinne ist dies eine Tragödie für alle Völker und Länder der
Welt. Wir betrauern mit Ihnen den Tod Ihrer unschuldigen und prächtigen Athleten, und wir teilen mit Ihnen die Entschlossenheit, daß der Geist der Brüderlichkeit und des Friedens, den sie vertraten, letzlich obsiegen wird.
In aufrichtiger Anteilnahme
Richard Nixon"

�Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, erklärte auf einer Gedenkfeier in New York:

"Als Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und als
Mensch bin ich erschüttert über die gestrigen Ereignisse. Der hinterhältige Angriff, der das Leben dieser Olympiakämpfer forderte, erinnert uns erneut daran,
wie sehr politische Motive selbst diese Arena geführden können, in der nur
Friede und internationale Eintracht herrschen sollten.
Diese paar Männer haben mit ihren Gewalttaten versucht, den Geist der Spiele
für die Tausende von Männern und Frauen aus allen Ländern und die begeisterten
Zuschauer aus aller Welt zu vernichten.
Nirgendwo empfinden wir dies unmittelbarer als in den Vereinten Nationen,
die trotz allem eine große Hoffnung auf internationale Zusammenarbeit und
Frieden bilden.
Der einzige Trost, den ich Ihnen in diesem Augenblick geben kann, ist,
Sie an die Verheißungen des Propheten Jesaja zu erinnern, der einst sagte:
'Den Tod wird er auf ewig verschwinden lassen, die Tränen wird Gott der Herr
von jedem Antlitz abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf der Erde
tilgen'."

Auch der amerikanische Senat hat in einer einstimmig angenommenen Entschließung seiner tiefen Sorge und Bestürzung über diese Bluttat Ausdruck gegeben, der elf israelische Olympiakämpfer zum Opfer fielen, und dem israelischen
Volke sowie den trauernden Familien seine aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen..
Der amerikanische Außenminister Rogers gab ebenfalls seiner Bestützung
und Empörung Ausdruck und forderte vor dem Rechtsausschuß der Organisation für
die zivile Luftfahrt (ICA) entschlossene und unverzügliche Maßnahmen, um
künftige Terrorakte und jede Luftpiraterie zu verhindern.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich

�"Ich danke Ihnen und den Mitgliedern dieser Konferenz für die mir erteilte Gelegenheit, heute hier vor Ihnen zu sprechen.
Ich weiß, daß Sie mit mir das tiefe Gefühl der Empörung und der Trauer
über die sinnlosen und tragischen Geschehnisse teilen, durch die die Olympischen
Spiele so sehr beeinträchtigt wurden. Die von extremistischen Terroristen verübten Morde sind mehr als Verbrechen, die gegen die Bürger eines einzigen Landes
begangen wurden. Es ist der Geist, den die olympischen Spiele verkörpern - der
Geist der Brüderlichkeit und des freundschaftlichen Wettkampfs unter den Völkern
der gesamten Welt - der durch diese Wahnsinnstat aufs schwerste herausgefordert
worden ist.
In dieser Zeit der Trauer müssen sich alle Menschen guten Willens fragen,
was können wir tun, um sicherstellen zu helfen, daß solche Verbrechen nicht
mehr vorkommen? Denn solche Verbrechen gefährden mit Sicherheit die Hoffnungen
auf eine friedlichere Welt. Wir brauchen uns hier auf dieser Konferenz nur
daran zu erinnern, daß die Münchner Attentäter versuchten, ein Flugzeug in ihre
Gewalt zu bekommen, es zu entführen, um damit ihre Flucht zu bewerkstelligen.
Wir brauchen nur daran zu denken, daß Drohungen und Gewaltakte gegen den internationalen Luftverkehr ein Aspekt - aber ein sehr bedeutsamer Aspekt - des
internationalen Terrors sini,der das Leben unschuldiger Personen ohne Rücksicht
auf ihre Nationalität gefährdet.
Die internationale Gemeinschaft muß entschlossene und unverzügliche Maßnahmen treffen, um jede Luftpiraterie wirksam zu verhindern. Wenn uns das gelingt, dann werden wir alle Terroristen und potentiellen Terroristen um eine
ihrer wirksamsten Waffen gebracht und einen entscheidenden Schritt getan haben,
um internationale; Terror und Mißachtung der Gesetze Einhalt zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind in dieser Hinsicht aktiv tätig. Der
Präsident hat mich soeben darüber unterrichtet, daß er heute dem Senat die
Sabotage-Konvention von Montreal zuleitet, mit der dringenden Bitte, sie zu
ratifizieren. Darüber hinaus richte ich einen nachdrücklichen Appell an den
Kongreß, die ihm vorliegende Gesetzesentwürfe unverzüglich zu behandeln, um
unsere Gesetze gegen Luftpiraterie weiter zu stärken und schwere Strafen für

�für Verbrechen gegenüber Diplomaten zu ermöglichen. Es erscheint mir klar,
daß, falls die Regierungen es versäumen, hier zu handeln, wir durch eben dieses
Versäumnis gerade zu solchen Verbrechen ermutigen, die zu bekämpfen wir hier
zusammengekommen sind.
Der internationale Luftverkehr ist ein wichtiges Element der Interdependenz, die in wachsendem Maße für die Welt in der wir leben kennzeichnend geworden ist. Nur eine starke und konzertierte Aktion seitens aller Staaten der
Welt wird die Gewähr für weitere Sicherheit der Flugpassagiere bieten. Ich
bitte sie mit aller Dringlichkeit, dies bei ihren Überlegungen zu bedenken.
Es ist nach meiner Ansicht unbedingt erforderlich, daß diese Konferenz
eine Konvention entwirft, die der Luftpiraterie und dem Terror ein Ende setzt.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen sehr für die mir gegebene Gelegenheit - so kurz sie auch war - hier vor ihnen zu erscheinen, um ihnen die Auffassung meiner Regierung, die Hoffnungen meiner Regierung, darzulegen,daß die
internationale Gemeinschaft wirksame Maßnahmen treffen kann, um solchen Akten
der Piraterie und des Terrors Einhalt zu gebieten.
In einer Welt, die auf so zahlreichen anderen Gebieten, wie Wissenschaft,
Medizin und Technologie, so fortschrittlich ist, erscheint es fast unvorstellbar, daß nicht auch Maßnahmen getroffen werden können, um solchen Untaten Einhalt zu gebieten, und ich weiß, daß Sie hier daran arbeiten, ein Ergebnis zu
erzielen, daß wir alle gerne erreichen möchten. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß wir entschlossene, harte Maßnahmen treffen müssen, um überall auf
der Welt klar zu machen, daß verbrecherische Taten, kriminelle Akte gegen unschuldige Menschen auf gar keinen Fall eine akzeptierbare Methode sind, um irgend welche internationalen Probleme zu lösen, und gerade auf dem Gebiet der
Luftfahrt, die alle Menschen der Welt berührt, die hier betroffen werden können,
müssen wir einen Anfang machen.
Die amerikanische Regierung ist bereit, die entschlossensten und härtesten
Maßnahmen zu ergreifen, wenn die internationale Völkergemeinschaft sich daran
zu beteiligen bereit ist. Wir halten es für unerläßlich, jetzt zu handeln, und

- 4-

�und wir glauben, daß die sich jetzt in München zugetragenen, tragischen Ereignisse die Notwendigkeit eines sofortigen Handelns nur unterstreichen.
Ich danke Ihnen sehr für diese Gelegenheit und wünsche Ihnen für Ihre
weiteren Beratungen alles Gute."

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GEMEINSAME ERKLÄRUNG NIXONS UND TANAKAS VON HONOLULU
- Wortlaut -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Die von Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Tanaka am 1. September

zum Abschluß ihrer zweitägigen

Gespräche herausgegebene gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31. August
und 1. September auf Hawaii zu umfassenden Gesprächen über eine Reihe von
Fragen gemeinsammen Interesses zusammen. Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Herzlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens geführt, die der
langen Freundschaft zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entspricht.
Beide Staatsmänner gaben der Hoffnung Ausdruck, daß ihr Treffen den Beginn
eines neuen Kapitels in der Entwicklung noch engerer Bande zwischen beiden
Ländern ankündigen werde.
2. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die derzeitige
internationale Lage und die Aussichten für eine Verringerung der Spannungen
und eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Probleme der Welt, vor allem was
Asien anbetrifft. Es wurde unterstrichen, daß die Aufrechterhaltung und Stärkung der engen Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen beiden
Ländern einen wichtigen Faktor für Frieden und Stabilität in einer sich ständig
weiter entwickelnden internationalen Situation bedeuten. Beide Staatsmänner bekräftigten die Absicht der beiden Regierungen, den zwischen den beiden Ländern
abgeschlossenen Vertrag über Gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit fort-

- 1 -

�fortzusetzen, und sie vereinbarten, daß beide Länder weiterhin im Rahmen enger
Konsultationen zusammenarbeiten werden, um eine reibungslose und wirksame
Durchführung des Vertrages sicherzustellen.
3. Bei der Erörterung der zunehmenden Anzeichen für Frieden und Stabilität
in Asien haben der Ministerpräsident und der Präsident die kürzliche Aufnahme
des Dialogs auf der koreanischen Halbinsel sowie die wachsenden aktiven Bemühungen der asiatischen Länder um Autarkie und regionale Zusammenarbeit begrüßt, und sie teilten die Hoffnung, daß ein baldiger Friede in Indochina erreicht werden kann. Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß
die kürzlichen Besuche des Präsidenten in der Volksrepublik China und in der
UdSSR einen bedeutsamen Fortschritt bedeuteten. In diesem Zusammenhang teilten
sie die Hoffnung, daß der bevorstehende Besuch des Ministerpräsidenten in der
Volksrepublik China ebenfalls dazu dienen werde, die Bestrebungen um einen Abbau der Spannungen in Asien zu fördern.
4. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die von den Vereinigten Staaten und der UdS.iR kürzlich erreichten Abkommen über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehr (ABM) sowie das Interimsabkommen über die
Begrenzung strategischer Offensivraketen, und sie stimmten darin überein, daß
derartige Maßnahmen einen wichtigen Schritt voran darstellten, um die strategischen Rüstungen zu begrenzen und zum Weltfrieden beizutragen. Sie vereinbarten, Konsultationen über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Kontrolle
der strategischen Rüstungen zu führen.
5. Der Ministerpräsident und der Präsident führten einen Gedankenaustausch
auf einem weiten Gebiet von Fragen, die wirtschaftliche, handelspolitische
und finanzielle Themen betrafen. Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten. Beide Staatsmänner gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß ihre Gespräche zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
bei der Behandlung wirtschaftlicher Fragen bilateraler wie auch weltweiter Natur
führen werden.
6. Der

�6. Der Ministerpräsident und der Präsident teilten die Auffassung, daß
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems notwendig ist.
Sie sajten zu, daß ihre Regierungen schnell auf die Verwirklichung einer solchen Reform hinarbeiten würden. Was den Handel anbetrifft, so bekräftigten
sie die Zusagen beider Länder vom Februar 1972, im Jahre 1973 multilaterale
Handelsverhandlungen aufzunehmen und aktiv zu unterstützen, die sowohl Industrie wie auch Landwirtschaft einschließen. In diesem Zusammenhang wiesen
sie darauf hin, daß die bevorstehenden HandelsVerhandlungen durch Abbau der
Zölle und der nicht zollursächlichen Handelsschranken wie auch durch Bildung
eines multilateralen, nicht diskriminierenden Sicherheitsmechanismus die
Grundlage für eine weitere Ausweitung des Handels schaffen müssen.
7. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin überein, daß
beide Länder sich darum bemühen sollten, einen besseren Ausgleich ihrer
Zahlungsbilanz und ihrer Handelsposition zu erreichen. In diesem Zusammenhang legte der Präsident die von den Vereinigten Staaten ergriffenen Maßnahmen
dar, um ihre Handels- und Zahlungsbilanzposition zu verbessern, und er betonte,
daß die amerikanische Regierung amerikanische Firmen aufgefordert habe, das
Exportvolumen, vor allem nach Japan, durch höhere Produktivität und verbesserte
Marktforschung zu steigern. Der Ministerpräsident deutete an, daß die japanische Regierung ebenfalls versuchen werde, die Importe aus den Vereinigten
Staaten zu fördern, und daß die japanische Regierung die Absicht habe, das Ungleichgewicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes auf ein überschaubareres
Ausmaß zu reduzieren. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin
überein, daß es äußerst wertvoll wäre, wenn weitere Treffen auf hoher Ebene
zur Überprüfung der sich fortentwickelnden wirtschaftlichen Beziehungen stattfinden würden, und daß sie beabsichtigen, möglichst früh im Jahre 1973 eine
Konferenz des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Handels- und Wirtschaftsausschusses abzuhalten.
8. Der Ministerpräsident und der Präsident wiesen auf die Bemühungen beider
Lander hin, in Zusammenarbeit; mit anderen Industriestaaten dazu beizutragen,
den Entwicklungsländern in Asien und in anderen Gebieten der Welt Stabilität
und Prosperität zu bringen. Sie erkannten die Notwendigkeit eines ausreichenden

- 3-

�ausreichenden Maßes an staatlicher Entwicklungshilfe zu angemessenen Bedingungen an. Sie bekräftigten ferner die Absicht beider Regierungen, weiterhin
zur Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen für die wirtschaftliche
Entwicklung der Entwicklungsländer beizutragen.
9. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten weiter die Notwendigkeit, die Bemühungen um eine Verbesserung des Verständnisses zwischen den
Völkern beider Länder für ihre Vergangenheit auf kulturellem, sozialem und
auf anderen Gebieten zu fördern. Sie stimmten ferner darin überein, daß neue
und verbesserte Austauschprogramme auf kulturellem und pädagogischem Gebiet
ein wichtiges Mittel hierzu darstellen. In diesem Zusammenhang unterstrich
der Präsident, er hoffe sehr, daß die Japan-Stiftung, die im Oktober dieses
Jahres ins Leben gerufen werden soll, erfolgreich arbeiten wird.
10. Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Genugtuung von
der wachsenden Zusammenarbeit der beiden Länder auf immer weiteren Gebieten
Kenntnis, die im Rahmen der Gemeinsamen Zielsetzungen erfolgt, Frieden und
Prosperität auf der Welt und den Wohlstand ihrer Landleute zu fördern. Sie vereinbarten, die bereits enge Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Kontrolle
des illegalen Handels mit Rauschgift und anderen Drogen zu verstärken und zu
erweitern, und sie stimmten ferner hinsichtlich der Notwendigkeit überein, die
bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit bei der Erschließung und besseren
Nutzung der Energie- und Mineralvorkommen sowie bei den drängenden Problemen
des Umweltschutzes und der Kontrolle der Luftverschmutzung zu fördern. Sie
sagten zu, über die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen weiterhin geeignete Hilfe zur Lösung der Probleme zu gewähren, die durch den zu
raschen Bevölkerungszuwachs entstanden sind.
11. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die Zusammenarbeit
bei der Erforschung des Weltraumes, darunter auch das von Japan angestrebte Ziel,
einen geostationären Nachrichtensatelliten sowie andere Nutzsatelliten aufzulassen. Der Präsident begrüßte das aktive Interesse und Studienprogramm Japans
bezüglich des Auflassens eines meteorologischen Satelliten zur Unterstützung
des weltweiten atmosphärischen Forschungsprogramms.
12. Der^
- 4-

�*
12. Der Ministerpräsident und der Präsident gaben ihrer Zufriedenheit
über ihre Gespräche Ausdruck und vereinbarten, weiterhin enge persönliche
Kontakte zu unterhalten."

+ + + + +

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36/1972

EINZELHEITEN DES AMERIKANISCH-JAPANISCHEN HANDELSABKOMMENS
- Wortlaut der Verlautbarung -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Präsident Nixon hat das bei seiner Zusammenkunft mit dem japanischen Ministerpräsidenten Tanaka zustandegekommene
Handelsabkommen begrüßt, in dessen Rahmen Japan zusätzlich Waren im Werte
von rund einer Milliarde Dollar in den USA kaufen wird, um den starken
japanischen Handelsüberschuß und damit das amerikanische Defizit abzubauen.
Das Abkommen wurde zwischen dem japanischen Stellvertretenden Vizeminister
für Außenhandel,Tsurumi, und dem amerikanischen Botschafter in Japan, Robert
Ingersoll, ausgehandelt.
Dazu wurden auf Hawaii am 1. September in einer Verlautbarung folgende
Einzelheiten veröffentlicht:
"1. Anläßlich ihres Treffens in Hakone führten die Vereinigten Staaten
und Japan einen Meinungsaustausch über ihre jeweiligen Zahlungsbilanzziele.
In diesem Zusammenhang erörterten beide Regierungen verschiedene, sowohl
kurz- als auch langfristige

Maßnahmen, die zur Behebung ihres gegenseitigen

Handelsungleichgewichtes beitragen könnten.
2. Seit ihrem Treffen in Hakone haben beide Regierungen eng zusammengearbeitet und gemeinsam einen Versuch unternommen, einige ihrer gezielten kurzfristigen Maßnahmen quantitativ festzulegen, über die damals in Hakone gesprochen wurde. Präsident Nixon hat die Gelegenheit seines Treffens mit Mi-

-

I

-

�Ministerpräsident Tanaka benutzt und die folgenden auf einer Reihe von Konferenzen zwischen dem Stellvertretenden Vizeminister Tsurumi und Botschafter
Ingersoll erzielten Resultate begrüßt, einschließlich des Erwerbs amerikanischer Güter und Dienstleistungen im Werte von über einer Milliarde Dollar.
a) Der geschätzte Zuwachs japanischer Einkäufe an landwirtschaftlichen,
forstwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten im Laufe des japanischen Haushaltsjahrs

1972, das am 31.

März 1973 endet, dürfte sich auf etwa 390 Millionen Dollar belaufen. Darüber
hinaus wird damit gerechnet, daß es zu Sonderkäufen von Getreide auf der Basis
günstiger Preise im Werte von etwa 50 Millionen Dollar kommen wird. Der Gesamtwert dieser Käufe liegt um 440 Millionen Dollar über dem Wert der Einkäufe im vorangegangenen Jahr. Damit dürfte sich der Gesamtwert der japanischen
Käufe an land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten für das (japanische) Haushaltsjahr 1972 auf 2,218 Milliarden
Dollar erhöhen, was den höchsten amerikanischen Export solcher Waren in irgendein Land bedeutet.
b) Japanische Luftfahrtgesellschaften planen den Ankauf von Zivilmaschinen, einschließlich Großraumflugzeugen, in den Vereinigten Staaten im
Werte von rund 320 Millionen Dollar. Diese Aufträge sollen in den Haushaltsjahren 1972 und 1973 vergeben werden. Die japanische Regierung wird den Kauf
dieser Flugzeuge beim Abschluß der Kaufverträge erleichtern. Die japanische
Regierung hat ferner die Absicht, soweit die notwendigen Haushaltsmittel bewilligt werden, Hubschrauber und Luftfahrtzubehör im Werte von 20 Millionen
Dollar in den Vereinigten Staaten zu kaufen.
c) Die japanischen Elektrizitätsgesellschaften werden in den Vereinigten
Staaten Uran-Anreicherungsdienstleistungen im Werte von 320 Millionen Dollar
erwerben, wobei die Bezahlung durch die japanische Regierung erleichtert
werden wird.
d) Schließlich wurde von der amerikanischen und der japanischen Regierung
auch vereinbart, daß beide alle Anstrengungen unternehmen werden, um die baldmögliche Einrichtung einer gemeinsamen japanisch-amerikanischen Arbeitsgruppe
- 2 -

�i

Arbeitsgruppe

zu erleichtern, die damit beginnen soll, die Möglichkeit eines

Gemeinschaftsunternehmens für den Bau einer Gasdiffusionsanlage zur Anreicherung
von Uran für friedliche Zwecke in den Vereinigten Staaten zu prüfen, wobei sich
die Gesamtinvestitionen auf schätzungsweise eine Milliarde Dollar belaufen
dürften.
3. Der Präsident nahm ferner mit Befriedigung die jüngsten Entscheidungen der japanischen Regierung zur Kenntnis, den Zugang zu dem japanischen
Verteilersystem zu liberalisieren, indem verbesserte Investitionsmöglichkeiten
in Einzelhandel, Verarbeitung und Verpackung geboten werden, sowie die Entscheidung, größere Verkäufe amerikanischer Computererzeugnisse in Japan zuzulassen."

- 3-

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36/1972

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUR AUFHEBUNG DER WEHRPFLICHT IN DEN USA

-Wortlaut-

SAN CLEMENTE,Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon hat in einer Erklärung die
Aufhebung der Wehrpflicht in Friedenszeiten in den USA bis Juli 1973 angekündigt. Die amerikanischen Streitkräfte sollen sich dann künftig ausschließlich aus Freiwilligen rekrutieren.
Die am 28. August vom Weißen Haus veröffentlichte Botschaft Nixons hat
folgenden Wortlaut:
"Aufgrund des mir heute vormittag von Verteidigungsminister Laird unterbreiteten Berichtes und unter der Voraussetzung, daß der Kongreß die von mir
empfohlenen anstehenden Gesetzesvorlagen verabschiedet, werden wir, wie geplant,
bis Juli 1973 soweit sein, daß eine Einberufung zum Wehrdienst in Friedenszeiten
nicht mehr notwendig sein wird.
Vor vier Jahren verpflichtete ich mich, im Falle meiner Wahl für eine Beendigung der Wehrpflicht sowie für die Schaffung einer Freiwill igenrArmee an
ihrer Stelle einzutreten. Gleichzeitig verpflichtete ich mich, daß ich, solange
die Notwendigkeit für eine Wehrpflicht weiterbesteht, dafür sorgen würde, daß

-1-

�daß diese in ihrer Auswirkung auf das Leben junger Amerikaner gerechter und
berechenbarer gehandhabt werden soll.
Unmittelbar nach der Amtsübernahme begann meine Administration mit der Erfüllung dieses Versprechens, und ich blicke mit großer und besonderer Genugtung
auf den bisher erzielten Fortschritt.
Innerhalb von 18 Monaten trat an die Stelle des alten und überholten selektiven Einberufungsprozesses mit seinem ungerechten Aufschubsystem ein unparteiisches Lossystem. Die durch das Einziehungssystem verursachte Ungewißheit wurde
ferner dadurch verringert, daß der Zeitraum, innerhalb dessen mit einer Einberufung zu rechnen war, von sieben Jahren auf ein Jahr reduziert wurde. Aufgrund
dieser und anderer Reformen wurde das Vertrauen in die Fairneß des selektiven
Wehrdienstsystems wieder hergestellt.
Inzwischen haben wir gleichzeitig daran gearbeitet, eine Freiwilligen-Armee
aufzubauen.
Verteidigungsminister Laird hat mir heute einen ermutigenden Bericht unterbreitet, der sich im einzelnen mit den wesentlichen Fortschritten befaßt, die
wir erzielt haben, um hinsichtlich der Erfüllung der Erfordernisse an Personalstärke die Abhängigkeit von der Wehrpflicht zu reduzieren. Die Erfahrung der
letzten drei Jahre scheint, wie aus diesem Bericht hervorgeht, darauf hinzudeuten, daß eine genügende Anzahl von Freiwilligen für die Streitkräfte gewonnen
werden kann, um das Personalsoll zu erfüllen, und daß ein Verzicht auf die Wehrpflicht mit der Wahrung des Personalstandes und des Bereitschaftsgrades zu vereinbaren ist, die notwendig sind, um unsere lebenswichtigen langfristigen nationalen Sicherheitserfordernisse zu gewährleisten.
Dieser bemerkenswerte Bericht über den Fortschritt beim Abbau unseres auf
der Wehrpflicht beruhenden Systems ist das direkte Ergebnis der starken Unterstützung von seiten des Verteidigungsministers, der Staatssekretäre für ^ie

-2-

�die Teilstreitkräfte, der Chefs der Teilstreitkräfte sowie des gesamten Verteidigungsministeriums. Sie alle können mit Recht stolz auf das Erreichte sein:
- Die Einberufungen konnten von 299 000 im Jahre 1968 auf 50 000 im Jahre
1972 verringert werden - das ist ein Sechstel der früheren Zahl.
- Der Anteil der Rekruten, die als »echte Freiwillige* eintreten - das heißt
all jener, die sich aus eigenem freien Willen zum Militärdienst melden und nicht
wegen des Zwanges der Einberufung - hat sich allein im letzten Jahr von 59 Prozent auf 75 Prozent erhöht.
- Die Qualität der Rekruten ist weiterhin hoch geblieben, ja hat sich sogar
noch etwas verbessert, während sich das wirtschaftliche und rassische Profil
der neuen Rekruten nicht wesentlich geändert hat.
- Unsere militärische Einsatzbereitschaft hat nicht gelitten.
Einige Probleme müssen jedoch noch bewältigt werden, und dazu wird es der
vollen Unterstützung von seiten des Verteidigungsministeriums, des Kongresses
und der Öffentlichkeit bedürfen. Zu diesen Problemen zählen:

- Die Vermeidung potentieller Lücken in der Mannschaftsstärke, zu denen es
kommen würde, wenn das derzeit dem Kongreß vorliegende Gesetz nicht verabschiedet wird, das die seitens der Streitkräfte bereits unternommenen energischen Anstrengungen untermauert, die auf eine rationellere Verwendung der Rekruten und
ihre Weiterverwendung abzielen.
Die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Ärzten und anderer hochqualifizierter Spezialisten in entscheidend wichtigen Sparten.
- Die Beibehaltung der zahlenmäßigen Stärke in der Nationalgarde und der Reserve, die unter dem vom Kongreß vorgesehenen Stand bleiben würde, wenn die anstehenden Gesetzesvorlagen nicht verabschiedet werden.
Ich

-3-

�Ich bin überzeugt, daß man mit diesen Problemen fertig werden kann und
fertig werden wird - sofern der Kongreß unverzüglich über die anstehenden dringenden Vorlagen entscheidet und sofern auch weiterhin von Seiten der Öffentlichkeit und der Streitkräfte eine Unterstützung erfolgt.
Dazu gehören:
- Nutzen und Wert einer militärischen Laufbahn müssen dem amerikanischen
Volk in wirksamerer Weise vermittelt werden, während gleichzeitig alle vier
Teilstreitkräfte auch weiterhin bestrebt bleiben,ihr System in bezug auf die
Personalpolitik und die Verwendung des Personalbestandes zu verbessern. Alle
die, die sich den Militärdienst zu ihrem Beruf wählen, verdienen die Achtung
und die Dankbarkeit der Öffentlichkeit, der sie dienen.
- Der Kongreß muß durch rechtzeitige Verabschiedung der anstehenden Vorlagen dabei mithelfen - das gilt besonders für das Sondergesetzt über die einheitliche Besoldung der Streitkräfte von 1972, das die Zahlung besonderer Zulagen erlaubt, um etwa auftretende Lücken bei entscheidend wichtigen Fachkräften
zu schließen und einen anderen etwa auftretenden Fehlbedarf an Rekruten bei
dem auf Null gestellten Einberufungssystem auszugleichen.
Bei einer solchen Unterstützung werden wir künftig keine Wehrpflicht mehr
brauchen, um die erforderlichen Mannschaftsstärken nach dem Juli 1973 zu erlangen. Das bedeutet, daß es nicht notwendig sein wird, den Kongreß um eine Verlängerung der Einberufungsermächtigung im Rahmen des Gesetzes über den Selektiven
Wehrdienst über Juli 1973 hinaus zu ersuchen; alle weitere Vollmacht zu Einberufungen nach diesem Zeitpunkt würde allein beim Kongreß liegen.
Mit der Erreichung dieses Zieles werden wir endlich - 28 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges - das getan haben,was wir - wie ich im Jahre 1968
sagte - tun müßten: daß wir nämlich unseren Einsatz für die Freiheit dadurch
zeigen sollten, daß wir daran gehen, unseren jungen Menschen ihre Freiheit zu
sichern."
+++I I H M 1-f

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36/1972

WER IM GLASHAUS SITZT
-Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewähltVon unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Wenn ausgerechnet Kuba in den Vereinten Nationen den
"Fall der Kolonie Puerto Rico" wieder einmal aufgreift und einige andere Nationen, wie die Sowjetunion und die Volksrepublik China, im Sonderausschuß der
Vereinten Nationen für Fragen des Kolonialismus das "Recht auf Selbstbestimmung" für die Puertoricaner fordern, dann muß man sich fragen, ob die Bevölkerung in diesen Ländern wohl je die Möglichkeit hatte, sich frei über
ihre politische Zukunft zu äußern.
Der Ausschuß billigte am 28. August - mit 12 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Resolution, in der das Recht der Bevölkerung von Puerto Rico auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit anerkannt wird. Frühere Versuche bestimmter
Staaten, den Status der Insel in den Vereinten Nationen in Frage zu stellen,
waren immer gescheitert.
Die Insel Puerto Rico,die in einer Entfernung von etwa 1 600 Meilen von
New York und rund 1 000 Meilen von Miami (Florida) im Karibischen Meer liegt,
ist mit den Vereinigten Staaten durch einen Commonwealth-Status verbunden.
Was

-1-

�Was nun diesen Status anbetrifft, so haben die Puertoricaner im März 1952
mit überwältigender Mehrheit - 375 000 gegen 83 000 Stimmen - eine neue Verfassung gebilligt, die dann vom amerikanischen Kongreß ratifiziert wurde. Am 25.
Juli 1952 wurde aufgrund dieser Verfassung das Commonwealth of Puerto Rico ausgerufen.
Seither hat es auch auf der Insel Auseinandersetzungen um diesen Status gegeben - aber der Streit ging und geht darum, ob Puerto Rico Commonwealth bleiben oder als 51. Staat voll in die Vereinigten Staaten aufgenommen werden soll.
Für eine Unabhängigkeit hat sich immer nur ein verschwindender Bruchteil der Bevölkerung ausgesprochen - aber selbst diese Wenigen hatten und haben die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern.
Die Puertoricaner sind amerikanische Staatsbürger und können jederzeit zum
amerikanischen Festland reisen. Sie brauchen keine amerikanische Einkommensteuer
zu bezahlen, müssen dafür aber Commonwealth-Steuern entrichten, die im Lande
bleiben und ganz wesentlich zu dem wirtschaftlichen Wachstum in Puerto Rico beigetragen haben und beitragen.
Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1967 stimmten 425 081 für die Beibehaltung des Commonwealth, 273 315 für die Eingliederung als Einzelstaat in die USA
- und ganze 4 248 - oder 0,6 Prozent - für die Unabhängigkeit.
Daß unter diesen Umständen die Vereinigten Staaten die Behandlung des Status
von Puerto Rico im Kolonialausschuß der Vereinten Nationen als eine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der USA betrachten, ist nicht verwunderlich. Der
amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter George Bush,
bezeichnete es als einen "Affront" gegenüber der Weltorganisation. Er habe, so
sagte er, leider noch nie etwas von einer freien Volksabstimmung in Kuba gehört,
während die Bevölkerung von Puerto Rico immer wieder ihre freie Entscheidung habe
treffen können.
Der

-2-

�Der gegenwärtige Gouverneur von Puerto Rico, Luis A. Ferre, ist Vorsitzender
der 1967 gegründeten Progressiven Partei und erhielt bei den Wahlen 1968 rund
45 Prozent der Stimmen. Seine Partei hat die Mehrheit im puertoricanischen Repräsentantenhaus (der unteren Kammer des Parlaments) und tritt für die volle Eingliederung als Einzelstaat in die USA ein.
Die zweite große Partei, die Volksdemokratische Partei unter dem Vorsitz von
Rafael Hernandez Colon, hat die Mehrheit im Senat und tritt für die Beibehaltung
des Commonwealth-Status - mit bestimmten Veränderungen - ein.
Bei den Wahlen im Jahre 1968 erhielten die Kandidaten der Unabhängigkeitspartei nur drei Prozent der Wählerstimmen - alle anderen gingen an den Kandidaten, die den Commonwealth-Status oder die volle Eingliederung befürworten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, daß auch die beiden
großen Parteien in den USA sich in ihrer Wahlplattform mit Puerto Rico befassen.
Die Demokraten "respektieren und unterstützen den immer wieder zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Bevölkerung von Puerto Rico, sich in einer ständigen Union
als unabhängiges Commonwealth frei mit den Vereinigten Staaten zu verbinden."
Die Republikaner haben erklärt, daß sie die volle Eingliederung als Einzelstaat unterstützen wollen, wenn sich eine Mehrheit der Puertoricaner in Zukunft
für eine solche Lösung entscheiden sollte.
Gouverneur Ferre hat im vorigen Jahr die Dinge klar aufgezeigt:
"Nach dem Grundsatz der

Selbstbestimmung wird es die Bevölkerung von

Puerto Rico selbst sein, die letztlich entscheiden wird, welche Art von Beziehung die Insel zu den Vereinigten Staaten haben soll. Als Gouverneur bin ich darauf vereidigt, diese Aspekte der Verfassung zu schützen. Sollte sich die Bevölkerung von Puerto Rico dafür entscheiden, den gegenwärtigen Commonwealth-Status

-3-

�•

Commonwealth-Status beizubehalten, dann wird das für mich verpflichtend sein.
Sollte sie sich für die Eingliederung in die Vereinigten Staaten als Einzelstaat
entscheiden, dann wird sich die Regierung auch daran halten, und das gleiche würde gelten, wenn die Bevölkerung von Puerto Rico aus freiem Entschluß und durch
Mehrheitsentscheid die Unabhängigkeit wählen sollte."

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36/1972

VORBEHALTE EBERLES ZUM BERICHT DER OECD-SACHVERSTÄNDIGENGRUPPE

- Wortlaut des Schreibens -

PARIS - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorbehalte zu dem
Bericht über die Lage des internationalen Handels angemeldet, den die Sachverständigengruppe (Rey-Kommission) der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vorbereitung einer neuen Runde von
Handelsgesprächen veröffentlicht hat.
Der elfköpfigen OECD-Sachverständigengruppe (High Level Group on Trade
and Related Problems) unter Leitung von Jean Rey (Belgien) gehören acht europäische Mitglieder sowie jeweils ein Vertreter Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten an.
Der amerikanische Delegierte, der Sonderbeauftragte für Zoll- und Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, hat den Mehrheitsbericht mit unterzeichnet, jedoch in einem dem Bericht beigefügten Schreiben wichtige Vorbehalte angemeldet.
Der am 5, September in Paris veröffentlichte Zusatz Eberles zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
"Ich unterzeichne diesen Bericht aus einem tiefen persönlichen Gefühl der
Anerkennung heraus für die Ernsthaftigkeit und Offenheit der kollektiven Anstrengungen unseres Vorsitzenden und meiner Kollegen, die komplexen wirtschaftlichen Fragen in den Griff zu bekommen, vor denen wir und die Nationen der Welt

- 1 -

�Welt heute stehen. Ohne jedoch die Bedeutung dessen schmälern zu wollen, was
in dem Bericht steht, kann ich mein Bedauern darüber nicht verbergen, daß der
Bericht, meiner Beurteilung nach, nicht in ausreichendem Maße die Dringlichkeit oder Klarheit erkennen läßt, vor allem was die langfristigen Ziele für
das internationale Handelssystem angeht. Unser Auftrag war es, 'Handelsprobleme und damit zusammenhängende Probleme in einer längerfristigen Perspektive
zu analysieren'. Es ist bedauerlich, daß es uns als unabhängige Experten nicht
gelungen ist, längerfristige Ziele zu setzen, nach denen Regierungen streben
könnten.
Es steht der Gruppe zu, größere kollektive Disziplin und Achtung vor internationalen Regeln zu fordern und zu erklären, daß 'die fundamentale Reform des
WährungsSystems eine dringende Aufgabe ist'. Der Bericht sollte jedoch auch
bedeutsame Veränderungen jener internationalen Handelsregeln und -praktiken gefordert haben, die der Bericht ganz richtig als die Quelle der akuten politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten identifiziert.
Es ist und bleibt meine Auffassung, daß der Mangel an politischem Willen,
direkt und offen jene Handelspraktiken anzupacken, die zu einer Isolierung von
Marktsektoren von dem internationalen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß führen,
diesen Anpassungsprozeß und die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts ernsthaft gefährden. Wenn wir die Ordnung in einem Teil des internationalen Wirtschaftssystems wieder herstellen, müssen wir auch daran gehen, die
Grundsätze des fair play und des vergleichsweisen Vorteils in anderen Gebieten
anzuwenden.
Der Bericht geht davon aus, daß die Landwirtschaft von der Industrie grundsätzlich verschieden sei und daß wir nicht nur viele Jahre warten können, sondern
müssen, bevor Schranken und Verzerrungen im Agrarhandel irgendwie fundamental
angepackt werden können. Ich stimme mit keinem dieser Gedanken überein.
Die Anpassungsprobleme in der Landwirtschaft sind ernsthafter Natur, aber
das gilt in gleicher Weise für die Anpassungsprobleme in bestimmten Industriezweigen, wo Arbeitslosigkeit herrscht und wo Arbeiter ohne Umschulung oder Ortsveränderung keine Arbeitsplätze finden können. Die industrielle und die regionale

- 2-

�regionale Politik vieler Regierungen zielt auf eine Erleichterung der Schwierigkeiten bei Ubergangsanpassungen in der Industrie ab. Eine ähnliche Politik könnte
auch für die Landwirtschaft entwickelt werden, wenn der politische Wille dazu
vorhanden ist. Der Unterschied zwischen Industrie und Landwirtschaft ist also
eher eine Frage der Haltung der Regierungen als eine Frage des fundamentalen
Unterschiedes in der Natur des Problems.
Was ein viele Jahre langes Abwarten anbetrifft, so ist dies meiner Überzeugung nach weder notwendig noch möglich, wenn wir mit der Liberalisierung des
Handels vorankommen wollen. Es ist meine Überzeugung, daß die Liberalisierung
des Handels sowohl zum Wohle der Farmer als auch der Verbraucherin all unseren
Ländern sein wird. Ich kann nicht einsehen, warum Länder, deren vergleichsweiser
Vorteil in der Landwirtschaft groß ist, nicht das gleiche Recht haben sollten,
diesen Vorteil ebenso auszunutzen wie jene Länder, deren vergleichsweiser Vorteil in der Gütererzeugung liegt. Es ist eine politische Grundtatsache, daß ein
wesentlicher Fortschritt im industriellen Welthandel nicht ohne einen Fortschritt
auch auf der landwirtschaftlichen Seite ausgehandelt werden kann. Damit werden
längerfristige Ziele zu einer wichtigen Richtschnur der Zwischenentscheidungen,
die für die Reform notwendig sind und die sowohl für die Industrie als auch für
die Landwirtschaft gelten sollten.
Aus der Überzeugung ihrer Bedeutung heraus und in Übereinstimmung mit den
Auffassungen meiner Kollegen möchte ich die Notwendigkeit für einige solcher
weitreichenden Vorschläge unterstreichen, wie sie im Teil II, Kapitel V für
einen multilateralen Sicherheitsmechanismus gemacht werden. Es ist meine Überzeugung, daß ohne ein Abkommen über einen fairen und wirksamen Mechanismus zur
Behebung abrupter Marktverzerrungsprobleme nur wenig Hoffnung besteht, einseitige
Schutzmaßnahmen zu vermeiden, und die Aussichten für einen allgemeinen Fortschritt der Liberalisierung des Handels würden wesentlich vermindert.
Daß es der Gruppe nicht gelungen ist, einen Konsensus über die Gefahren der
Ausbreitung von Präferenzabkommen und entsprechender Gegenmaßnahmen zu finden,
ist ein wesentlicher Mangel. Es scheint unangemessen zu sein, daß Sonderabmachungen zur Begünstigung einiger, weniger Entwicklungsländer in einem bestimmten Gebiet getroffen werden, während Entwicklungsländer in anderen Gebieten
- 3-

�I

Gebieten diskriminiert werden. Darüber hinaus gibt es keine wirtschaftliche
oder entwicklungspolitische Rationale, die die Ausweitung von 'umgekehrten'
Präferenzen durch Entwicklungsländer gegenüber Industriestaaten in Westeuropa
rechtfertigen könnte. Ich bin besonders darüber enttäuscht, daß die Gruppe kein
Einvernehmen über eine baldige Beseitigung von umgekehrten Präferenzen erzielen
konnte.
Schließlich bedeutet auch unser Unvermögen, einen Konsensus über die Bedeutung der Gefahr zu finden, die andere im Gegensatz zu dem Grundprinzip
der Nichtdiskriminierung stehende Handelsvereinbarungen für die Zukunft der
internationalen Wirtschaftsbeziehungen bilden, eine Enttäuschung für mich.
Der Bericht unterstreicht wiederholt die Tatsache der wachsenden Interdependenz als zentrales Charakteristikum der heutigen Weltwirtschaft. Nachdem wir
übereingekommen sind, daß dieser Trend ermutigt werden sollte, zweifle ich daran,
daß die Ausbreitung diskriminierender Handelsvereinbarungen durch die Europäischen
Gemeinschaften zu rechtfertigen ist. Wir müssen dieses Problem lösen, das zu
einer ernsten Frage in unseren Beziehungen geworden ist.
Diese Probleme werfen nicht nur Fragen bezüglich der Einhaltung bestehender
Regeln auf, sondern es erhebt sich auch die Frage, ob die Regeln ausreichend
sind.
Es ist meine Hoffnung, daß diese Gesamtüberlegungen eher ein Zusatz und
nicht ein Abzug von den vielen ausgezeichneten Ideen des Berichtes sind."

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VORLÄUFIGER ZEITPLAN FÜR DEN FLUG APOLLO 17

- (AD) - Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) rechnet damit, daß
der erste Nachtstart in der Geschichte der amerikanischen bemannten Raumfahrt
noch mehr Besucher als beim Beginn früherer Weltraumexpeditionen nach Kap
Kennedy führen wird. Nach dem jetzt bekannt gegebenen vorläufigen Zeitplan
für APOLLO 17, den letzten Flug der APOLLO-Serie, soll das Raumschiff mit den
drei Astronauten Eugene A. Cernan (Kommandant), Ronald E. Evans (Pilot der
Kommandokapsel) und Dr. Harrison H. (Jack) Schmitt (Pilot der Mondfähre) am
7. Dezember 1972 um 3.53 Uhr MEZ starten (nach der Ortszeit "Eastern Standard
Time" - EST - am 6. Dezember 1972 um 21.53 Uhr).
Mit einer Gesamtdauer von 304 Stunden und 31 Minuten wird APOLLO 17 der
längste Flug des Programms sein. Hauptaufgabe der Mission ist die Landung von
zwei Astronauten in der Nähe der Littrow-Krater am Taurus-Gebirge, in der
Grenzzone zwischen dem Mare Imbrium und dem Mare Serenitatis im nordöstlichen
Mondquadranten. Die Koordinaten des vorgesehenen Landeplatzes werden von der
NASA mit 20 Grad 10 Min. Nord und 30 Grad 45 Min. Ost auf der der Erde zugekehrten Seite angegeben.
Im Verlauf von drei Exkursionen werden Cernan und Schmitt mit Hilfe ihres
Elektrofahrzeugs versuchen, möglichst viele und dabei möglichst unterschiedliche Boden- und Gesteinsproben einzusammeln. Das gebirgige Gelände ist besonders gekennzeichnet von hellem und von dunklem Material - vielleicht zählt
das letztere zu dem "jüngsten" aus Schmelze erstarrten Gestein, das man bisher

�bisher angetroffen hat, weil es möglicherweise erst geraume Zeit nach dem vermuteten Einschlag großer Meteore auf dem Mond vor rund 3,9 bis 3,2 Milliarden
Jahren aus dem Innern ausgequollen ist. Erst nach gründlicher Analyse der Aufnahmen, die APOLLO 15 (Juli/August 1971) zur Erde brachte, wurde der Platz ausgewählt. Mit Harrison Schmitt ist zum ersten Mal ein routinierter Geologe dabei, von dessen Beobachtungen - wie natürlich auch von den späteren Gesteinsuntersuchungen - sich die Wissenschaftler wichtige neue Hinweise auf Geschehnisse
in der Vergangenheit und auf mögliche vulkanische Vorgänge in jüngerer Zeit erhoffen.
Die wichtisten Stationen des Unternehmens APOLLO 17 sind:
Datum

U h r z e i t (MEZ)

Start

7. Dezember 1972

3.53 Uhr

Einschuß in Bahn zum Mond

7.

ii

II

7.14 Uhr

Eintritt in Mondumlaufbahn

10.

ti

ll

20.49 Uhr

Beginn der Landemanöver

11.

M

II

1.06 Uhr

Einschuß in Abstiegsbahn

11.

•i

II

19.54 Uhr

Landung

11.

II

ll

20.55 Uhr

1. Exkursion

12.

II

ll

0 . 3 3 Uhr

2. Exkursion

12.

H

II

23.13 Uhr

3. Exkursion

13.

II

II

22.33 Uhr

Start vom Mond

14.

II

II

23.56 Uhr

Einschuß in Rückkehrbahn

17.

II

II

0 . 3 3 Uhr

Ausstieg im Weltraum

17.

II

19.

II

c a . 20.33 Uhr

Wasserung im Pazifik
(17,9° Süd, 166° West)

+ + + + +

- 2-

II

20.24 Uhr

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36/1972

UMWELTSCHUTZ: 287 MILLIARDEN DOLLAR BIS 1980
-Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor-

--(AD)-- Der Himmel über einigen Industriegebieten Amerikas ist klarer, manche
Flüsse sind sauberer geworden. Der soeben erschienene dritte Jahresbericht des
Beirats für Umwelthygiene Präsident Nixons gibt eine Übersicht über die Fortschritte, die in den vergangenen 12 Monaten erzielt wurden, und umreißt die
Aufgaben, die auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Umweltverbesserung in
naher und fernerer Zukunft zu bewältigen sind.
In welchen Größenordnungen sich diese bewegen, geht schon daraus hervor,
daß die für die Zeit zwischen 1971 und 1980 erforderlichen Aufwendungen auf
287 Milliarden Dollar geschätzt werden.
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen für wirksame Maßnahmen hat sich
in den letzten drei Jahren vieles in positivem Sinne geändert. In allen 50 Bundesstaaten wurden teilweise oder uneingeschränkt die von der Bundesregierung
geforderten Pläne gebilligt, das eigene Vorgehen auf die von Washington aufgestellten Kriterien zur Reinhaltung der Luft abzustimmen. Dabei geht es vor

�*

vor allem um die Bekämpfung von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxiden, Kohlenwasserstoffen, photochemisch wirksamen Verbindungen und Staub.
Durch Koordinierung der Maßnahmen von Bund und Einzelstaaten soll ganz allgemei
die Luftqualität bis zum Jahre 1975 merklich verbessert werden. William D.
Ruckeishaus, der Leiter der Bundesbehörde für Umweltschutz, glaubt allerdings,
daß dieses Ziel in den Großstädten erst 1977 erreicht sein wird. Heute verzeich
nen 139 der insgesamt 247 Kontrollregionen bereits über der Norm liegende Quali
tätswerte hinsichtlich mindestens eines der sechs Schmutz-und Schadstoffe.
170 Millionen Menschen profitieren davon.

-Probleme des IndustriewachstumsObgleich auf die Verbesserung der Luft-und Wasserqualität nach wie vor die
meisten Anstrengungen verwendet werden, befassen sich zahlreiche Bundesstaaten
auch bereits eingehend mit Fragen der Lärmbekämpfung, der wirksamsten Verfahren
zur Müllbeseitigung, der Raumordnung und Bodennutzung sowie der weiteren Verringerung von Risiken, die durch Strahlung und Schädlingsbekämpfung entstehen
können. Mancherorts, so in dem kleinen Staat Delaware an der Atlantikküste,
führte dies bereits zu einer Art Reglementierung des industriellen Wachstums.
In einem 45 km breiten Streifen entlang der Küste dürfen keine weiteren Werke
bestimmter Industrien mehr angesiedelt werden - u.a. Ölraffinerien und Papierfabriken. Außerdem wurde die Errichtung zweier künstlicher Inseln in der
Delaware-Bucht als Öl-und Kohlespeicher untersagt und der Bau eines Hafens
für Supertanker zunächst einmal aufgeschoben. In seiner Antwort auf die Proteste der Industrie bezweifelt Gouverneur Peterson, daß "die alten Maßstäbe"
für den Fortschritt auch heute noch als Orientierung für ein ersprießliches
Dasein güll.ig sein könnten. Das neue "Küstenzonengesetz" macht den Bundes-

-2-

�Bundesstaat jedoch attraktiv für Industrie-und Gewerbezweige, die nicht so
leicht mit den Umweltschützern in Konflikt geraten.
Diese Gruppe ist z.B. in Kalifornien recht aktiv. Sie fordert u.a.ein Gesetz, das die gesamte 1 76o km lange Küste am Pazifik, zumindest aber bestimmte
Gebiete davon, unter Schutz stellt. Denn im Gegensatz zu Oregon weiter im Norden,
wo die Küsten seit langem dem Staat gehören und nicht direkt für kommerzielle
Zwecke genutzt werden können, haben sich in Kalifornien Wirtschaftsunternehmen
aller Art breitgemacht. Möglicherweise erhalten die "Umweltaktivisten" für
die Durchsetzung ihrer Forderungen sogar Unterstützung aus Washington. Der USSenat stimmte kürzlich dem Küstenzonen-Kontrollgesetz zu; für die Staaten am
Atlantik und Pazifik sind 320 Millionen Dollar als Beihilfe für Entwicklungsund Kontrollprogramme im Verlauf der nächsten fünf Jahre bereitgestellt.
Der Neuenglandstaat Maine und der Pazifikstaat Oregon erließen Gesetze, die
die Ausweitung bestimmter Industrien zum Schutze der Umwelt unter Kontrolle
stellen.

In Florida wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Behörden gewisse

Kontrollrechte bei Projekten einräumt, die eine besondere Umweltbelastung darstellen können - z.B. Flughäfen und neue Großsiedlungen. Mit Hilfe einer Anleihe
soll außerdem der Ankauf von Gebieten durch den Staat finanziert werden, die
durch Umwelteinflüsse besonders gefährdet sind oder als Naturschutzgebiet erhalten werden sollen.
Während New Mexico und Pennsylvanien auch durch Verfassungszusätze neue
Garantien für den Umweltschutz zu schaffen suchten, konzentriert man sich in
Oregon zunächst auf gezielte, praktische Maßnahmen. Der ca. 300 km lange
Willamette-Fluß, noch vor nicht allzu langer Zeit einer der am stärksten verschmutzten Flußläufe Oregons, ist wieder sauber geworden - so sauber, daß er
sogar vom Pazifik-Lachs wieder aufgesucht wird. Im Rahmen eines Zehnjahresprogramms zur Verbesserung der Wasserqualität, die heute den strengen bundesund einzelstaatlichen Kriterien vollauf entspricht, wurden die Abwässer und

�:

und Belastungsstoffe um mehr als 90 Prozent vermindert. Zwanzig Städte und 600
Industriebetriebe leiten ihre Abwässer ein; außerdem bildeten landwirtschaftliche Abwässer des Farmlandes rundum früher eine erhebliche Verschmutzungsquelle.
"Überraschenderweise mußte trotz der überaus strengen Bestimmungen in keinem
einzigen Fall gegen einen Verschmutzer gerichtlich vorgegangen werden",

schrieb

im Juni 1972 das "National Geographie Magazine". "Nur ein kleines Unternehmen
zog es vor, den Betrieb zu schließen, anstatt den Auflagen nachzukommen."
Alles in allem gesehen scheinen sich zwischen den Interessengruppen - etwa
den passionierten Umweltschützern einerseits und den Behörden oder der Industrie
andererseits - immer mehr Kompromisse anzubahnen. Es besteht sogar Aussicht,
daß die erstgenannte Gruppe eines Tages doch mit ihrer seit längerer Zeit erhobenen Forderung durchkommt, Gelder aus dem Bundesstraßen-Treuhandfonds für den Bau
von Massenverkehrsmitteln freizubekommen und so zur Entlastung der Straßen vom
umweltfeindlichen Autoverkehr beizutragen. In diesen Fonds fließen aus Steuern,
die auf Benzin,Autoreifen und Lastkraftwagen erhoben werden, jährlich fünf
Milliarden Dollar. Er wird gegenwärtig ausschließlich für den Straßenbau benutzt.
Ein am 10. August 1972 im zuständigen Senatsausschuß eingebrachter neuer Antrag,
seine Verwendung für den Bau von Massenverkehrsmitteln zu verbieten, wurde diesmal mit nur sehr knapper Mehrheit - nämlich 8:7 Stimmen - abgelehnt.

-4-

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36/1972

DEM VERGIFTUNGSMECHANISMUS VON HEXACHLOROPHEN AUF DER SPUR

--(AD)-- Eine durch einen Fabrikationsfehler verursachte Überkonzentration an
Hexachlorophen in Babypuder war, wie sich jetzt herausstellte, die Ursache
für den Tod von mindestens 27 und die Erkrankung von mehr als 60 Säuglingen
in Frankreich. Obgleich dieses tragische Vorkommnis eindeutig auf menschliches
Versagen zurückgeht, ist es doch auch deshalb alarmierend, weil offenbar gefährliche chemische Stoffe zu leicht weit verbreitet, sorglos und unsachgemäß angewandt werden können.
Hexachlorophen galt als wirksames Mittel zur Vorbeugung und Bekämpfung
von Hautinfektionen durch Pilze und Bakterien. Aber Anfang des Jahres warnten
zwei New Yorker Wissenschaftler davor. Sie hatten bei Tierversuchen herausgefunden, daß es die Fähigkeit der Gehirnzellen beeinträchtigt, die für die Gehirnfunktionen benötigte Energie zu produzieren. Aufgrund dieser Warnung verbot
kürzlich die US-Regierung über die zuständige Behörde, die "Food and Drug Administration" (Bundesaufsichtsamt für Kosmetika, Nahrungs-und Arzneimittel),
die weitere Verwendung von Hexachlorophen

als Zusatz zum Badewasser von Neu-

geborenen und Säuglingen. Untersuchungen in der Folgezeit hatten nämlich gezeigt, daß die chemische Verbindung über die Haut vom Körper aufgenommen wird
und mit dem Blut ins Gehirn gelangt.
Eine

�»
»

Eine Anzahl von Herstellerfirmen hexachlorophenhaltiger Mittel arbeitete
inzwischen Anwendungsvorschriften zu einzelnen Präparaten aus, damit verhindert
wird, daß oberhalb bestimmter Konzentrationen die chemische Verbindung von der
Haut oder von Wundflächen absorbiert wird. In der Bundesrepublik gab das Gesundheitsministerium Empfehlungen an Herstellerfirmen, in denen Höchstkonzentrationen für kosmetische Erzeugnisse angeführt sind. Babypflegemittel enthalten nach offizieller Mitteilung überhaupt kein Hexachlorophen mehr.
Die beiden amerikanischen Wissenschaftler berichteten jetzt über Einzelheiten der Ergebnisse ihrer Versuche zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus von
Hexachlorophen. Sie studierten ihn an Mitochondrien (strangförmigen Gebilden im
Zellplasma) aus Gehirn-und Leberzellen von Ratten. Diese winzigen Partikel gelten als "Kraftwerke" der Zellen. Innerhalb der Mitochondrien werden aufgenommene
Nährstoffe in die Verbindung ATP (AdenosintriphosphorpäureI umgewandelt. Sobald
diese Verbindung durch Wasser wieder aufgespalten wird, setzt sie große Mengen
Energie frei.
Bei Anwesenheit von Hexachlorophen sind die Mitochondrien jedoch nicht fähig, ATP zu produzieren - und das kann bedeuten, daß die Zelle abstirbt. Wie
aber Hexachlorophen aus dem Blut in die Gehirnzellen gelangt, war im Detail
noch nicht lückenlos zu ermitteln. Jedoch gab es bei den Tierversuchen eindeutige Hinweise darauf, daß die Verbindung in die Gewebe des Zentralnervensystems
eindringt.

-2-

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36/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROJEKT ZUR KREBSFORSCHUNG
Virus-Theorie gewinnt an Boden

Von G. Weiss

- (AD) - Durch Überimpfen von menschlichen Tumorzellen auf Primaten entwickelte sich bei ca. 200 von 600 Versuchstieren, insbesondere bei Pavianen,
Leukämie. Angesichts dieses Ergebnisses einer langen Experimentierreihe habe,
wie kürzlich ein sowjetischer Krebsforscher anläßlich seines Besuches in den
Vereinigten Staaten erklärte, die Virus-Theorie im Zusammenhang mit Krebs beim
Menschen eindeutig an Boden gewonnen.
Dr. Boris Lapin, der Direktor des Instituts für experimentelle Pathologie
und Therapie in Suchumi (Georgien, UdSSR), der sich mit einer Gruppe von Mitarbeitern seit Jahren mit Leukämieforschung und speziell mit Viren als möglicher Ursache dieser Krankheit befaßt, erörterte jetzt mit amerikanischen
Kollegen vom Nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA in Bethesda
(Maryland) Pläne für gemeinsame Projekte. Wie Dr. John B. Malony, einer der
wissenschaftlichen Direktoren des NCI, auf einer Pressekonferenz in Bethesda
erklärte, werden amerikanische Wissenschaftler mit Gewebekulturen, die von Proben des in der Sowjetunion isolierten "verdächtigen" Materials weitergezüchtet
werden, versuchen, die Krebs verursachenden Partikel zu bestimmen. Dabei muß
Malony zufolge exakt herausgefunden werden, um welches "gruppenspezifische"
Material es sich dabei handelt - ob es wirklich Viren vom Menschen oder aber
von Primaten sind, die bei den Experimenten in der Sowjetunion für die Um-

- I -

�-

Umwandlung gesunder Zellen in leukämische Zellen verantwortlich waren.
Die Klärung dieser Frage würde die Forschung sicherlich ein gutes Stück
voranbringen. Nach Meinung Dr. Malonys geht es dabei nicht nur um Leukämie
und leukämieähnliche Erkrankungen, sondern auch um die in verschiedenen Erscheinungsformen auftretenden Sarkome (bösartige Geschwülste, die aus Bindegewebe hervorgehen). Diese allein machen in den Vereinigten Staaten ca. 38 000
der pro Jahr verzeichneten 640 OOO Neuerkrankungen an Krebs aus.
Wohl kennt man schon seit geraumer Zeit bestimmte Typen von Viren, die
bei Säugetieren (Mäusen, Hamstern, Katzen und Ratten) und einigen Vogelarten
zu Tumoren führen. Jedoch war bisher nicht oder nicht mit letzter Sicherheit
nachzuweisen, daß sie auch beim Menschen Krebs auslösen. Ca. 40 Virustypen,
die zumindest bei niedrigeren Tieren Geschwulstbildungen verursachen, wurden
inzwischen isoliert. Die große Schwierigkeit für die Onkologie (Geschwulstforschung) ergab sich aber bisher aus der Tatsache, daß in menschlichen Krebsgeschwülsten allenf all ? Restbestände oder "Fingerabdrücke" von Viruspartikeln
in der Form von Antikörpern, aber - mit ganz wenigen Ausnahmen - nicht die
verdächtigen Viren selbst nachzuweisen waren.
Anscheinend spielt bei den immunbiologischen Reaktionen, d.h. den vom
Körper entwickelten Mechanismen zur Abwehr von Infektionen, die starke Differenzierung der Organismen eine besondere Rolle. In ihr könnte z.B. einer der
Gründe für unterschiedliche Reaktionen niedriger Lebewesen einerseits und hochentwickelter Spezies andererseits auf körperfremde Partikel, die in die Zellen
eindringen und sich unter Abbau von deren Substanz, einschließlich des Zellkernmaterials, darin vermehren, zu suchen sein. Auf die Bedeutung dieser
Theorie deuten u.a. Versuchsergebnisse einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe vom NCI hin. Dr. Edward M. Scolnick und Mitarbeiter stellten im Verlauf
einer Experimentierreihe fest, daß drei jüngst entdeckte RNS-Virusarten vom
Typ C, die möglicherweise bei Primaten Krebs verursachen, sich in immunologischer Hinsicht von ähnlichen RNS - Viren,die bei Mäusen, Ratten und Hamstern
gefunden werden, unterscheiden.
Dr. Mahony

- 2-

�Dr. Mahony und Dr. Lapin sehen in der Züchtung großer Mengen von Typ-CViren - auch bei dem am Institut Dr. Lapins von leukämiekranken Pavianen
(Papio Hamadryas) gewonnenen Virusmaterial handelt es sich um diesen Typ den allerwichtigsten nächsten Schritt. Nur so könne mit Sicherheit ermittelt
werden, ob es sich dabei um Affen- oder um Menschenviren handelte. Im letzteren
Fall wäre dies ein Beweis, daß das Impfen mit menschlichen Leukämiezellen zur
Erkrankung der Tiere führte. Aber selbst wenn die Viren als Primatenviren identifiziert würden, sei dies, so Dr. Lapin, "äußerst interessant", weil dann die
Demonstration erbracht sei, daß die humanspezifischen Tumorgewebe - insbesondere Leukämiezellen - einen Faktor enthielten, der "im Organismus des Pavian
die genetischen Prozesse aktivierte, durch die Krebszellen entstanden und sich
weiter vermehrten".
In diesem Zusammenhang berichtete Frank J. Rauscher, der Direktor des
Nationalen Krebsforschungsinstituts, daß man in den USA bisher mit den verschiedensten Primaten, aber nicht mit Pavianen experimentiert habe. Jedoch
würde man sich jetzt darum bemühen, äthiopische Paviane für die Krebsforschung
zu bekommen. Der logische zweite Schritt sei dann, wie Dr. Lapin weiter erklärte, der Versuch, Primaten, die mit menschlichen Leukämiezellen geimpft
werden, gegen die Entwicklung der Krankheit zu schützen. Erst wenn dies gelingt, bestehe Hoffnung, einen Impfstoff gegen bestimmte Formen von Krebs
beim Menschen zu entwickeln.

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Verlautbarung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer im Glashaus sitzt ...&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Virus-Theorie gewinnt an Boden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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13. September

Inhalt
HINTERGRUND
Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara
Hanoi stellt sich taub
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WIRTSCHAFT
USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken
Von Eugene Brake
USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit
NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten
Giftstoffe in der Natur
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber
Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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37/1972

GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ BEENDETE KONSTRUKTIVE SITZUNGSPERIODE
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara

GENF - (AD) - Die Genfer Abrüstungskonferenz hat auf ihrer diesjährigen
Sitzungsperiode zwar keine neuen Verträge unter Dach und Fach gebracht, aber
die konstruktive Arbeit dieser Sitzungsperiode läßt Hoffnung auf weitere,
künftige AbrüstungsVereinbarungen.
Der amerikanische Delegierte, Botschafter Joseph Martin, zeigte sich
befriedigt über die Fortschritte auf dem Wege zum Verbot chemischer Waffen,
räumte jedoch ein, daß das zweite große Ziel - ein Verbot der unterirdischen
Nuklearversuche - auch weiterhin Schwierigkeiten bereite. Allerdings, so
meinte er, sei es keineswegs unmöglich, hier zu einem Abkommen zu gelangen.
Auch der sowjetische Chefdelegierte, Alexeij A. Roschtschin, erklärte,
während der diesjährigen Sitzungsperiode habe "eine gründliche und nützliche
Erörterung entscheidend wichtiger Abrüstungsprobleme" stattgefunden.

Ein Verbot chemischer Waffen setzt die Klärung einer ganzen Reihe
schwieriger Fragen voraus. Vor allem muß festgelegt werden, was verboten
werden soll. Zahlreiche Chemikalien, deren Verwendung in der Industrie
absolut legitim und nützlich sind,könnten auch für militärische Zwecke
benutzt werden. Weiter muß geklärt werden, wie ein Verbot ohne ungerechtfertigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes überwacht
werden kann.
Die
- 1 -

�Die Vereinigten Staaten haben am 21. März ein Arbeitsprogramm vorgelegt,
in dem die vielen technischen und wissenschaftlichen Probleme angesprochen
werden, die es zu lösen gilt, ehe die Konferenz zu einem Abkommen über die
Begrenzung chemischer Waffen gelangen könnte. Am 20. Juni haben die USA dann
fünf detaillierte technische Ausarbeitungen unterbreitet, die als Unterlage
für eine sorgfältige Analyse gedacht waren. Ähnliche Schriftstücke wurden
auch von Großbritannien, Schweden, Italien, Japan, Jugoslawien, den Niederlanden und Kanada vorgelegt. Und schließlich reichte auch Finnland, obwohl
nicht Konferenzteilnehmer, ein Arbeitspapier ein.
Am 5. und 6. Juli prüften Experten aus neun Ländern - darunter die USA
und die UdSSR - die technischen Aspekte. Am 8. August schlug Großbritannien
einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen in zwei Stufen vor. In der
ersten Phase sollten die Arsenale an chemischen Waffen vernichtet und die
Produktion, eingefroren werden. In der.zweiten Phase sollte dann die Produktionskapazität beseitigt werden. Der sowjetische Chefdelegierte übte am 5. September
Kritik an diesem Vorschlag, da dabei die Länder ohne Arsenale und Produktionskapazität im Nachteil wären. Botschafter Martin erklärte am 7. September,
die amerikanische Regierung prüfe den britischen Vorschlag.
Was das zweite Problem, das Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche,
angeht, so besteht nach wie vor die amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheit bezüglich der Verifizierungsmethoden. Nach sowjetischer Auffassung genügen heute nationale Ortungs- und Identifizierungsmethoden, um
eine Einhaltung eines Verbots zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten hingegen räumen zwar ein, daß große technische Fortschritte bei der Verifizierung
mit nationalen Mitteln gemacht worden seien, daß jedoch in bestimmten Fällen
nur eine Inspektion an Ort und Stelle eindeutig klären könne, ob es sich um
eine Nuklearexplosion oder um ein natürliches Beben gehandelt hat.
Botschafter Martin wies am 24. August darauf hin, daß selbst bei der
heutigen modernen seismographischen Technik in manchen Fällen ein Zweifel an
der Ursache eines Bebens bleibe und nur die Möglichkeit einer Inspektion
an Ort und Stelle die Gewähr für die Einhaltung eines Verbotes geben könne.
Die
- 2 -

�I
Die Konferenz hat sich darüber hinaus auch noch in eigener Sache beschäftigt: mit der Frage nämlich, ob sie sich neu organisieren und erweitern
solle. Diese Frage war auf der ersten Sitzung am 29. Februar von Mexiko angeschnitten worden.
Hier geht es im wesentlichen um die Beteiligung Frankreichs - das seinen
ihm reservierten Sitz nie eingenommen hat - und der Volksrepublik China.
Nach Auffassung Mexikos und anderer ist die Voraussetzung für eine Beteiligung
der einzigen beiden Nuklearmächte, die in Genf nicht mit dabei sind, die Ablösung des bisherigen Systems des Ko-Vorsitzes der USA und der UdSSR.
Andere Delegationen, an der Spitze die kanadische, warnten jedoch vor
einer Änderung des bewährten Systems, ehe nicht definitive Zusagen vorliegen,
daß Frankreich und China auch wirklich an den Konferenztisch kommen wollen.
Die Konferenz hat natürlich auch ihren Jahresbericht ausgearbeitet, mit
dem sich jetzt die Vollversammlung der Vereinten Nationen befassen wird. Dazu
gehören auch ein sowjetischer Vorschlag für eine Weltabrüstungskonferenz und
eine Würdigung der amerikanisch-sowjetischen Gespräche über eine Begrenzung
der Strategischen Rüstungen (SALT), die von vielen Delegierten in Genf als
ein Meilenstein auf dem Wege zur Abrüstung bezeichnet wurden.
Was die Weltabrüstungskonferenz angeht, so wird sie von den Vereinigten
Staaten zum richtigen Zeitpunkt als durchaus nützlich angesehen,- sie könnte
nach amerikanischer Auffassung jedoch zum heutigen Zeitpunkt leicht zu einem
Forum der Propaganda und der Polemik werden - im Gegensatz zu den ernsthaften
Verhandlungen in Genf.
UN-Generalsekretär Waldheim hat zu Beginn der diesjährigen Sitzungsperiode der Genfer Abrüstungskonferenz bescheinigt, daß sie sich "als das
wirksamste und produktivste Organ für multilaterale Rüstungskontrollverhandlungen erwiesen hat, über die die internationale Gemeinschaft verfügt."

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37/1972

HANOI STELLT SICH TAUB
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Drei Missionare - zwei davon Frauen - waren die
ersten Amerikaner, die von den vietnamesischen Kommunisten während des Krieges
in Südostasien gefangengenommen wurden. Es war am 30. Mai 1962. Seither haben
weder die amerikanische Regierung noch die Familienangehörigen dieser Gefangenen
je ein Wort über ihr Schicksal oder ihren Aufenthaltsort gehört.
Nach der Argumentation des Gegners sind die Missionare als Zivilpersonen
anzusehen, auf die sich das internationale Recht, das Militärpersonen schützt,
nicht erstreckt, so erklärt Frank Sieverts, der Experte des amerikanischen
Außenministeriums für Kriegsgefangenenfragen. Diese drei Amerikaner wurden indessen vor nunmehr bereits mehr als zehn Jahren gefangengenommen und die Liste
derer, die seither dem Gegner in die Hände fielen, ist immer größer geworden.
Ihre Not zeigt den klaren Verstoß Nordvietnams gegen die Bestimmungen der
Genfer Konvention über die Behandlung der Kriegsgefangenen.
Bis zum 26. August verzeichnete das amerikanische Verteidigungsministerium
eine Zahl von 1123 amerikanischen Militär- und Zivilpersonen, die im Indochinakrieg als vermißt gemeldet wurden und 539 in Gefangenschaft geratene Amerik.uu •
insgesamt also 1662 Mann.
Die Freilassung der amerikanischen Kriegsgefangenen ist eines der grundsätzlichen Ziele der amerikanischen Außenpolitik, und man hat in Washington

- 1 -

-

�Washington immer wieder betont, daß die Vereinigten Staaten diese Kriegsgefangenen niemals im Stich lassen würden, um eine politische Lösung des Konflikts erreichen zu können.
Präsident Nixon hat dies vielfach in aller Klarheit ausgesprochen, so
zuletzt am 29. August dieses Jahres. Der Präsident versicherte mit aller Entschiedenheit, daß es solange eine amerikanische Freiwilligen-Streitmacht in
Südvietnam geben werde, "als es noch einen einzigen amerikanischen Kriegsgefangenen in Nordvietnam oder einen Vermißten gibt, über dessen Schicksal nichts
bekannt ist."
Der Präsident unterstrich dabei erneut, daß man Hanoi den "totalen Abzug"
der amerikanischen Streitkräfte aus Südvietnam innerhalb von vier Monaten anbiete - unter der Voraussetzung, daß es zu einer Waffenruhe in Indochina unter
internationaler Überwachung komme und die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen würden sowie eine Aufklärung über das Schicksal der im Einsatz Vermißten erfolge. Diese Bedingungen waren von Präsident Nixon zum erstenmal in
einer Rede am 8. Mai gestellt worden.
Der amerikanische Präsident verwies außerdem darauf, daß die Vereinigten
Staaten alles Erforderliche tun würden, um zu verhindern, daß "dem südvietnamesischen Volk gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung aufgezwungen
wird."
Die gegen die Gebote der Menschlichkeit verstoßende Behandlung der Kriegsgefangenen durch die vietnamesischen Kommunisten hat nicht nur in den Vereinigten
Staaten, sondern in der ganzen freien Welt Proteste hervorgerufen. Die Vereinigten
Staaten haben immer wieder die energischsten Anstrengungen gemacht, um die Freilassung der Kriegsgefangenen zu erreichen. Hanoi aber hat alle auf diesen Zweck
gerichteten Vorschläge konstant abgelehnt.
Wie der amerikanische Außenminister Rogers in seiner Erklärung vom 22.
März hervorhob, sind bisher noch in keinem Krieg, den die Vereinigten Staaten
in ihrer Geschichte geführt haben, amerikanische Soldaten so lange vom Gegner
in Gefangenschaft gehalten worden
Über
- 2-

�Über 130 Staaten, darunter auch Nordvietnam, haben die Genfer Konvention
über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom Jahre 1957 unterzeichnet. Nordvietnam argumentiert nun, daß alle amerikanischen Kriegsgefangenen "Kriegsverbrecher" seien und daher keinen Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen
erheben könnten. Für eine solche Behauptung gibt es im Völkerrecht keine Grundlage - Angehörige der bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die
Uniform tragen, haben ohne jeden Zweifel Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen, wenn sie dem Gegner in die Hände fallen.
Washington betrachtet das Kriegsgefangenenproblem als eine rein humanitäre
Frage. Die Kriegsgefangenen können und dürfen niemals das Objekt eines Kuhhandels werden. Bei den Verhandlungen in Paris wird die Kriegsgefangenenfrage
zwar immer wieder aufgeworfen, aber es wäre nach amerikanischer Auffassung
eine Travestie, wollte man das Schicksal der Gefangenen für politische oder
militärische Ziele einsetzen.
Hanoi erklärt, es werde keinen amerikanischen Gefangenen freilassen, ehe
nicht eine endgültige militärische und politische Beilegung des Krieges erfolgt ist. Die Machthaber in Hanoi räumen ganz offen ein, daß sie die amerikanischen Gefangenen als Faustpfand betrachten - und das ist eine klare Verletzung der Genfer Konvention. Ebenso ist es eine Verletzung dieser Konvention
und jeder humanitären Norm, daß Nordvietnam keine Aufklärung über Gefangene
oder Vermißte gibt. Zu leiden darunter haben die unschuldigen Angehörigen.
Ebenso hat Hanoi auch jeden humanitären Vorstoß Südvi-etnams für den Austausch von verwundeten und kranken Kriegsgefangenen abgelehnt - ja sogar die
einseitige Freilassung von verwundeten Nordvietnamesen einfach nicht zur Kenntnis genommen. Dabei steht in Briefen an diese Gefangenen zu lesen, wie besorgt
man um das Schicksal dieser "heldenhaften" Soldaten sei - man weint ganz offensichtlich Krokodilstränen.
Diese Dinge wurden am 31. August von dem amerikanischen Chefdelegierten
in Paris, Botschafter William Porter,ganz klar ausgesprochen, und er hat Hanoi
sicherlich nicht zu Unrecht der Heuchelei beschuldigt. Auch Porter erinnerte
daran, daß die Vereinigten Staaten niemals vollständig abziehen würden, ehe

- 3-

�ehe nicht die Kriegsgefangenen frei sind.
Im Laufe der Jahre haben die Vereinigten Staaten und Südvietnam eine ganze
Reihe von Vorschlägen für einen Gefangenaustausch gemacht, aber diese verhallten ebenso ungehört wie alle internationalen Appelle. Im Oktober 1970 hatte
Präsident Nixon bereits die Freilassung aller Kriegsgefangenen auf beiden
Seiten vorgeschlagen. Im Dezember folgte Südvietnam mit dem Angebot der Freilassung aller 8500 nordvietnamesischen Gefangenen
alliierten

gegen die Freilassung der

Kriegsgefangenen in nordvietnamesischer Hand,

Im Januar 1971 schlug Südvietnam den Austausch aller verwundeten und
kranken Kriegsgefangenen vor. Im Frühjahr 1971 ging Hanoi schließlich auf
die Freilassung von 570 kranken und verwundeten Nordvietnamesen ein - lehnte
jedoch das Angebot Saigons dann ab, als sich herausstellte, daß nur 13 der
Männer nach Nordvietnam zurückkehren wollten.
Die Mißachtung der Genfer Konvention durch Nordvietnam hat nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch in der ganzen zivilisierten Welt tiefe
Besorgnis ausgelöst. Die Internationale Konferenz des Roten Kreuzes im Jahre
1969 forderte den vollsten Schutz der Gefangenen im Sinne der Konvention und
im Jahre 1971 brachte die Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre Besorgnis über das Schicksal der Kriegsgefangenen zum Ausdruck. Zahlreiche Länder
haben sich als neutrale Gewahrsamsmacht angeboten.
Hanoi hat auf all diese Appelle nicht reagiert. Es hat die Genfer Konvention verletzt, indem es keine neutrale Inspektion der Gefangenenlager zuließ; indem es die Namen von Gefangenen nicht sofort mitteilte - und wenn nur unvollständige Angaben machte, indem es keinen regelmäßigen und garantierten
Postverkehr mit den Angehörigen zuließ, indem es die Gefangenen unzulänglich
ernährt, indem es Gefangene jahrelang in Einzelhaft hielt und noch hält.
Hanoi stellt sich taub.

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37/1972

USA WOLLEN INTERNATIONALE WÄHRUNGSREFORM AN DER WURZEL ANPACKEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der am 6. September
veröffentlichte Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) über "die Reform des Internationalen Währungssystems" dazu beitragen wird, die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen politischen Fragen zu lenken, die gelöst werden
müssen, wenn eine solche Reform durchgeführt und zum Abschluß gebracht werden
soll.
Nach Ansicht maßgebender amerikanischer Regierungskreise haben die früheren,
vom IWF ausgearbeiteten Entwürfe sich zu sehr mit technischen Fragen befaßt und
den grundlegenden politischen Entscheidungen,die von den einzelnen Regierungen
getroffen werden müssan, zu wenig Aufmerkdamkeit geschenkt. Ein wichtiges Ziel
der USA in den Beratungen des IWF-Direktoriums war es daher, sicherzustellen,
daß der endgültige Entwurf der Studie die politischen Auswirkungen der technischen Alternatiworschläge für die folgenden Erörterungen klar aufzeigt.
Der aus den Beratungen der Exekutivdirektoren hervorgegangene, wesentlich
modifizierte Entwurf ist nicht als endgültige Arbeitsgrundlage für die Reform,
sondern lediglich als ein Versuch zu werten, die Regierungen und die Öffentlichkeit mit den Fragen vertraut zu machen, um die es hier geht.
Eine der wichtigsten Fragen, denen sich die Regierungen gegenübersehen,
ist, wie restriktiv oder flexibel die neuen internationalen Verhaltensregeln
sein sollen und wie sie auf internationaler Ebene durchgesetzt werden können.
-

I

-

�können. Diese Fragen müssen, wie von amerikanischer Seite betont wird, gelöst
sein, bevor die Vereinigten Staaten eine Entscheidung darüber treffen können,
welchem internationalen Währungssystem sie letztlich den Vorzug geben werden.
Wenn die neuen Verhaltensregeln für alle gleich und fair angewandt werden,
wenn sie von allen Ländern akzeptiert worden sind und wenn sie in allen Ländern
durchgesetzt werden können, dann könnten die Vereinigten Staaten sich auch bereit finden, ein System zu akzeptieren, das die Handlungsfreiheit der einzelnen
Regierungen stark einschränkt. Wenn jedoch die Möglichkeit offen bleibt, daß
einzelne Regierungen von den angestrebten Verhaltensregeln abweichen können,
dann würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich ein weniger starres System
bevorzugen.
Der neue IWF-Bericht bestätigt, daß sich zwischen den großen Handelsnationen ein Konsensus hinsichtlich einiger wichtiger Prinzipien für eine Reform
des internationalen Währungssystems herausgebildet hat. Aber hinsichtlich der
Verwirklichung dieser Prinzipien bestehen noch schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten und Zweifel.
Es besteht allgemein

Übereinstimmung, daß das neue internationale Währungs-

system symmetrischer sein muß als das alte System von Bretton Woods, an dessen
Stelle es treten soll. Dies bedeutet unter anderem, daß der US-Dollar in stärkerem
Maße die gleiche Behandlung erfahren muß wie die Währungen anderer Länder.
Die meisten Länder müssen, sobald ihre Ausgaben im Ausland ihre Einnahmen
dort übersteigen, das hieraus resultierende Defizit durch Transfer von Reserven seien es Gold, Devisen oder IWF-Sonderziehungsrechte - an andere Regierungen
finanzieren, oder sie müssen sich Devisen beim IWF leihen oder anderweitige internationale Kreditvereinbarungen treffen.
Unter dem alten System konnten die Vereinigten Staaten - da der US-Dollar
von den anderen Ländern in hohem Maße als Reservewährung benutzt wurde - ihre
Zahlungsbilanzdefizite gelegentlich über eine Erhöhung der von den ausländischen
Zentralbanken gehaltenen Dollarbestände finanzieren. Um dieser Asymmetrie ein
Ende zu bereiten,hat der IWF-Bericht die Einführung eines Währungsreserven-

- 2-

�Währungsreserven-Ausgleichsystems (Asset Settlement System), also eine neue
Form der Konvertierbarkeit, vorgeschlagen. Bei einem derartigen System würde
jedes amerikanische Zahlungsbilanzdefizit umgehend - zum Ausgleich - zu einem
Abfluß von Währungsreserven aus den Vereinigten Staaten führen. Gleichzeitig
würde ein neuer Mechanismus geschaffen, der sicherstellt, daß amerikanische
Zahlungsbilanzüberschüsse nicht lediglich - zum Ausgleich -, zu einem Abbau also Rückfluß - von Dollarbeständen des Auslandes führen, sondern den Vereinigten Staaten zusätzliche Reserveguthaben - wie zum Beispiel Sonderziehungsrechte - bringen würden.
Ein solches System des Ausgleichs über die Währungsreserven würde die Vereinigten Staaten sehr schenll dazu zwingen, ein Zahlungsbilanzdefizit direkt
zu bereinigen. Die meisten anderen Länder hingegen hätten, sob ald sie einem
solchen Druck ausgesetzt sind, den Ausweg, den Wechselkurs ihrer Währungen
gegenüber anderen Währungen zu ändern, um so ihr Defizit zu korrigieren. Unter
dem bis zum 15. August letzten Jahres praktizierten Währungssystem (also bevor
Präsident Nixon die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold aussetzte) hatten
die Vereinigten Staaten praktisch keine Möglichkeit, den Wechselkurs ihrer
eigenen Währung wirksam zu steuern. Der internationale Kurswert des US-Dollar
wurde ausschließlich durch die Wechselkurspolitik der anderen Länder bestimmt,
die den Kurswert ihrer Währungen an dem Dollar orientierten.
Ein "Asset Settlement System", also ein System des Ausgleichs über die
Währungsreserven, das den Vereinigten Staaten nicht erlauben würde, zur Korrektur von Zahlungsbilanzdefiziten ebenfalls den Wechselkurs des US-Dollar zu
ändern, würde unter gewissen Umständen die USA zu einer ungeeigneten Binnenwirtschaftspolitik zwingen, die zu Depression und hoher Arbeitslosigkeit führen
könnte.
Daß die Vereinigten Staaten ebenfalls ein gewisses Maß an Kontrolle über
den Wechselkurs des US-Dollar haben sollten und müßten, ist ein zweiter wichtiger Aspekt der Frage der Symmetrie, über die prinzipielle Übereinstimmung
zu bestehen scheint. Wie in dem Bericht hervorgehoben wird, würde eine wirkliche Symmetrie voraussetzen, daß die Vereinigten Staaten nicht nur das Recht
haben müßten, von sich aus Kurswertänderungen vorzunehmen, sondern daß er-

- 3-

�erforderliche Anpassungen der Dollarparität auch nicht durch defensive Anpassungen des Kurswertes anderer Währungen wieder aufgehoben werden dürften.
Nach amerikanischer Auffassung steht ein solches System für einen Ausgleich
der Zahlungsbilanzen in engem Zusammenhang mit der Frage der Wechselkursanpassungen sowie anderen Problemen. Die Vereinigten Staaten wären möglicherweise
durchaus bereit, ein starres System des Zahlungsbilanzausgleiches über die
Währungsreserven zu akzeptieren, wenn auch auf anderen Gebieten des Währungssystems die Einhaltung fester Regeln ausreichend gewährleistet ist. Dazu gehören feste Vereinbarungen über Anpassungsmaßnamen, die Garantie, daß Länder
mit dauernden Zahlungsbilanzüberschüssen ebenso Anpassungen vornehmen müssen
wie Defizitländer, sowie Mittel und Wege, um die Einhaltung der neuen Regeln
im Notfall erzwingen zu können.
Von amerikanischer Seite wird bezweifelt, ob alle anderen Länder bereit
wären, sich einem solchen Gesamtrahmen von festen Regeln zu unterwerfen, wie
sie ein starres "Asset Settlement System" voraussetzt. Bei den Gesprächen der
Exekutivdirektoren haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß diese
und andere Fragen geklärt sein müssen, bevor man iavon ausgehen kann, daß ein
solches System für einen Ausgleich der Zahlungsbilanzen wirklich der beste
Weg ist.
Da all diese Fragen in einem so engen Zusammenhang miteinander stehen,
ist es für die Vereinigten Staaten, wie von amerikanischer Seite unterstrichen
wird, unmöglich, zu irgend einem Aspekt der Reform des internationalen Währungssystems - zum Beispiel den Vorschlägen " ir einen Ausgleich über die Währungsreserven - eindeutig Stellung zu nehmen, so lange sie nicht auch die anderen
Aspekte des neuen Währungssystems kennen.
Und bevor ein solches ineinandergreifendes System von Reformmaßnahmen
akzeptiert werden kann, werden die einzelnen Regierungen einige sehr wichtige
und grundlegende politische Entscheidungen treffen müssen. Sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in den anderen Ländern sind noch längst nicht alle
diese grundlegenden Entscheidungen getroffen worden.
Die

- 4-

�Die Vereinigten Staaten, so betont man in Washington, wollen eine
richtige Reform, und wenn sichergestellt ist, daß sie richtig ist, dann
wollen sie sie auch rasch.

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USA WOLLEN EXPORTKONTROLLEN WEITER ABBAUEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung will - mit Billigung und
auf ausdrückliches Verlangen Des Kongresses - ihr Programm zum Abbau der Exportkontrollen für Ausfuhren nach den kommunistischen Ländern weiter beschleunigen.
Bei :er Verlängerung des "Export Administration Act von 1969" hatte der
amerikanische Kongreß im August dieses Jahres einen raschen Abbau aller einseitigen Exportkontrollen gefordert. Ausgenommen sollten nur solche Kontrollen
sein, die aus Gründen der nationalen Sicherheit für notwendig erachtet werden.
Gleichzeitig hatte der Kongreß die Regierung aufgefordert, innerhalb von neun
Monaten einen Bericht darüber vorzulegen, in wie weit die in den USA bestehenden
Exportkontroi:en sich von denen anderer freier Länder unterscheiden. Seitens der
Regierung, die selbst die Verlängerung dieses Gesetzes beantragt hatte, war bei
diesem Anlaß erneut betont worden, daß alles für einen raschen Abbau der Kontrollen für den Warenexport nach der Sowjetunion, der Volksrepublik China und
den übrigen kommunistischen Ländern getan werden wird.
Das Gesetz kennt drei große

^reiche von Exportkontrollen: Erstens, aus

nationalen Sicherheitsgründen verhängte Exportkontrollen, zweitens, aus anderen
außenpolitischen Erwägungen verfügte Exportkontrollen und drittens, Exportkontrollen zur Vermeidung von Warenverknappungen auf dem Binnenmarkt.
Gera !e
- 1 -

�Gerade auf dem ersten, dem nationalen Sicherheitsbereich, sind die Exportkontrollen ständig liberalisiert worden. Zahlreiche dieser Kontrollen waren in
Übereinstimmung mit den NATO-Verbündeten und Japan verhängt worden. Darüber
hinaus gab es eine von den USA aufgestellte Liste von Exportgütern,deren Ausfuhr einer Kontrolle unterliegt. Diese Liste wird laufend überprüft und ist
ständig verkleinert worden. Wie große Fortschritte hierbei gemacht worden sind,
zeigt allein schon die Tatsache, daß die USA 1971 nach der Sowjetunion Waren
im Werte von rund 160 Millionen Dollar - über die Hälfte davon aufgrund von
Sonderlizenzen - exportiert haben, während in diesem Jahr bereits Sonderlizenzen für die Ausfuhren nach der Sowjetunion von Exportgütern mit einem Warenwert
von 1270 Millionen Dollar ausgestellt worden sind. Allerdings muß hierzu bemerkt werden, daß die tatsächlich realisierten Ausfuhren bei weitem nicht diese
Höhe erreichen, da häufig mehrere, sich um den gleichen Auftrag bemühende
Firmen im Voraus eine Lizenz zuerteilt erhalten. Doch dürfte diese Zahl bereits
eindeutig erkennen lassen, in welchem Maße die Ausfuhr nach der Sowjetunion
liberalisiert worden ist. Unabhängig von den erteilten Sonderlizenzen werden
außerdem zahlreiche Güter aufgrund einer allgemeinen Lizenz exportiert, die
nicht mehr als strategisch wichtig erachtet werden und für deren Ausfuhr daher
keine Sonderlizenz mehr erforderlich ist. Dagegen werden nur relativ wenig
Lizenzanträge aus Sicherheitsgründen abgelehnt; im letzten Jahr belief sich ihr
Wert auf noch nicht sechs Prozent der Gesamtexporte, wobei es sich meist um
Waren handelte, die auch für militärische Zwecke verwandt werden

können. Aus-

schlaggebend für eine Lizenzerteilung - auch wenn es sich um strategisch wichtige
Güter handelt - ist, ob vergleichbare Erzeugnisse anderer westlicher Länder verfügbar und ob diese Güter für eine friedliche Verwendung bestimmt sind.
Der Kongreß ist jedoch um eine noch weitergehende Liberalisierung der Kontrollisten bemüht und hat daher das Handelsministerium beauftragt, innerhalb von
neun Monaten weitere Liberalisierungsvorschläge zu unterbreiten. Bei der Entscheidung darüber, welche Kontrollen künftig entfallen können, soll ein Beirat
der Industrie das Handelsministerium beratend unterstützen. Das Handelsministerium, das für die Durchführung der Kontrollen verantwortlich zeichnet, hat bereits angekündigt, daß es an diese Aufgabe "positiv" herangehen werde, und der
Leiter des Amtes für Exportkontrollen hat betont, daß das Ministerium die Aus-

-

I

-

�Ausweitung des Handels zu fördern und die Beschränkungen auf ein Minimum zu
reduzieren trachte. Das Handelsministerium stimme mit der Wirtschaft darin
überein, daß die Lizensierungsbestimmungen weiter liberalisiert werden sollten.
So sind denn auch die Firmen der Raumfahrtindustrie,der elektronischen und
der

caamischen Industrie aufgefordert worden, dem Handelsministerium Vor-

schläge zu unterbreiten, welche Waren aus der Kontrolliste

genommen werden

könnten. Den Erfolg dieser ständigen Bemühungen des Handelsministeriums zeigt
die Tatsache, daß die Zahl der Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung, die vor
drei Jahren noch fast 600 pro Tag betrug, heute bereits auf die Hälfte zurückgegangen ist.
Im vorigen Jahre hat Präsident Nixon das Exportembargo für Ausfuhren nach
der Volksrepublik China aufgehoben. Damit gelten jetzt für Ausfuhren dorthin
die gleichen Lizensierungsbestimmungen wie

für Exporte nach der Sowjetunion

und den meisten osteuropäischen Ländern. Dagegen bleibt das Exportembargo
für Ausfuhren nach Kuba, Nordkorea und Nordvietnam weiterhin bestehen. Doch
auch hier hat es verschiedentlich Ausnahmen gegeben. So wurden ein medizinisches
Labor sowie Ausrüstungen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung für die Ausfuhr
nach Kuba freigegeben.
Bei dem zweiten Bereich von Exportkontrollen handelt es sich um solche,
die aus außenpolitischen und nicht aus Sicherheitserwägungen verfügt worden
sind. So halten sich die Vereinigten Staaten zum Beispiel an die Resolutionen
des Weltsicherheitsrates über ein Embargo für Warenexporte nach Rhodesien und
für die Ausfuhr militärischer Güter nach Südafrika. Weiter wird von Seiten der
amerikanischen Regierung die Ausfuhr militärischer Güter nach den Ländern des
Nahen Ostens sowie den portugiesischen Besitzungen in Afrika überwacht und
kontrolliert. Aufgrund des Atomsperrvertrages unterliegt ferner die Weitergabe
solcher Güter und technologischen Kenntnisse an andere Länder einer strikten
Kontrolle, die dort für die Entwicklung oder Erprobung nuklearer Waffen verwandt
werden könnten.
In

- 3-

�In den dritten Bereich von Exportkontrollen, um Verknappungen auf dem
amerikanischen Binnenmarkt zu vermeiden, fallen nur wenige Waren. So war in
der Vergangenheit unter anderem die Ausfuhr von Kupfer- und Nickelerzeugnissen
gewissen Beschränkungen unterworfen. Das gleiche galt auch für die Ausfuhr von
Rinderhäuten, doch haben jetzt beide Häuser des Kongresses einem Einspruch der
Viehzüchter stattgegeben, so daß Häute in dem n ?uen Verlängerungsgesetz aus
den Exportkontrollen genommen wurden.

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\T3^ÖSSTER TEILCHEN-BESCHLEUNIGER DER WELT BETRIEBSBEREIT
l/AL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten

- (AD) - Die technischen Schwierigkeiten, die den Beginn der wissenschaftlichen Arbeit am größten amerikanischen Teilchenbeschleuniger fast ein Jahr
lang verzögerten, sind überwunden. "National Accelerator

Laboratory" (NAL -

Nationales Beschleunigerlaboratorium) heißt die riesige neue Anlage der USAtomenergie-Kommission in Batavia, in der Nähe von Chicago im Bundesstaat
Illinois. Für ihren Betrieb ist ein Universitäten-Konsortium verantwortlich.
Es setzt sich aus den Vertretern 51 amerikanischer Hochschulen und einer kanadischen Hochschule zusammen. Zu dem ca. 1000 Personen umfassenden Mitarbeiterstab des Laboratoriums, das Dr. Robert Wilson leitet, zählen viele bekannte
Hoch nergiephysiker. Auch Spezialisten aus anderen Ländern - so aus Westeuropa,
Australien, Israel, Indien und Japan - stehen lie Institute offen, wenn Experimente unter Höchstenergiebedingungen durchzuführen sind.
Die Beschleunigungsleistung der "Maschine" ist auf 500 Milliarden Elektronenvolt (GeV) berechnet, 300 GeV wurden im Juli 1972 erstmals erreicht. Im Vergleich dazu leistet der bisher stärkste amerikanische Protonenbeschleuniger von
Brookhaven bei New York 33 GeV, der stärkste Beschleuniger in der Sowjetunion
76 GeV. im Prinzip geschieht in Batavia dasselbe wie an anderen großen Maschinen
auch: Protonen (Kerne von Wasserstoffatomen, denen das Elektron entzogen ist),
werden in Magnetfeldern, die 1000 Zwanzig-Tonnen-Magnete erzeugen, auf eine Geschwindigkeit gebracht, die fast der des Lichts entspricht. Zu einem Strahl gebündelt richtet mannu.: die Protonen auf ein "Target", d.h. eine Zielsubstanz, in

-

1 -

�in der viele Atome durch den Aufprall der Protonengeschosse zertrümmert werden.
Diese Wirkungen am Target - die Zertrümmerungsvorgänge, die dabei entstehenden Materieteilchen, die freiwerdenden Energien, die Wechselwirkungen von Materie
und Energie sowie von Materieteilchen - genau zu analysieren ist die Aufgabe der
experimentellen kernphysikalischen Forschung. Nicht alle tatsächlich auftretenden
Reaktionen oder Reaktionsketten sind zu beobachten. Auf viele kann nur indirekt
an Hand von Indizien und Berechnungen geschlossen werden. Die Resultate aber
geben Hinweise auf die Struktur der Atomkerne und auf die in ihnen gebundenen
Kräfte.
Vom NAL hoffen die Physiker unvergleichlich bessere Hinweise als von Experimenten mit Maschinen geringerer Leistung insofern zu bekommen, als hier die
Möglichkeit besteht, den Atomkern nach seiner Feinstruktur auszuloten. Denn
ungeachtet der mehr als 100 subatomaren Teilchen, die bis jetzt als Kernpartikel
identifiziert wurden, gibt es viele Lücken und Fragen in bezug auf die Struktur
der Materie und ihre Grundeinheiten.
Die Bauarbeiten für das Beschleunigerlaboratorium in Batavia begannen im
Jahr 1968. Der ursprünglich dafür bereitgestellte Betrag von 350 Millionen
• lar wurde in der Folgezeit vom US-Kongreß um 100 Millionen Dollar gekürzt.
Dies veranlagte Dr. Wilson, eine Anzahl von Änderungen an der gesamten Auslegung
des Projekts vorzunehmen, um dennoch Wege zu finden, die gestreckten Ziele für
die Wissenschaft zu erreichen. Auf einen 2750 Hektar großen Areal wurden insgesamt drei Beschleunigungsanlagen errichtet - ein als Linearbeschleuniger ausgelegter "Injector" zum Einschießen der Protonen, ein Zwischenbeschleuniger
und der Hauptbeschleuniger. Ihre höchsten Energien erreichen die Protonen auf
der ringförmig angelegten Rennbahn, wo sie durch starke Magnetfelder immer
größere Geschwindigkeiten bekommen und gleichzeitig auf Kurs gehalten werden.
Die Ringanlage allein hat 1,6 km Durchmesser.

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GIFTSTOFFE IN DER NATUR
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber

- (AD) - Im Rahmen eines Forschungsauftrags, für den die "National
Science Foundation" (amerikanische Nationalstiftung für die Wissenschaft)
1,2 Millionen Dollar bereitstellte, untersucht eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (Riverside) die ökologischen Auswirkungen von Stickstoffdünger auf Oberflächen- und Grundwasser im Bereich
künstlich bewässerter Kulturen. Stickstoff, wichtiger Pflanzennährstoff und
praktisch unentbehrlich für die Steigerung der Ernteerträge, kann bei übermäßiger Dosierung zu hohen Nitratkonzentrationen in Bächen und Flußläufen,
Teichen und Seen und selbst in unterirdischen Wasserspeichern führen. Die
Studie, an der 20 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt
sind und die ca. sechs Jahre dauert, wird von Dr. Parker F. Pratt, dem
Direktor des Departments für Bodenforschung und Agrartechnik der kalifornischen
Staatsuniversität in

Riverside

geleitet.

Testareal sind die künstlich bewässerten Gebiete Kaliforniens. Die Ergebnisse werden jedoch für alle 17 West- und Südstaaten der USA von großer
Bedeutung sein. Dort befinden sich landwirtschaftliche Flächen in der Ausdehnung von 17,2 Millionen Hektar unter künstlicher Bewässerung. Sie machen
10 Prozent der Anbauflächen in den Vereinigten Staaten aus; auf die betreffende
Bundesstaaten entfällt ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichn Produktion
der USA.
Es

�Es gibt kaum brauchbare Alternativen für die Verwendung von Kunstdänger
auf Stickstoffbasis. Andererseits birgt seine Anwendung jedoch gesundheitliche Gefahren, wenn bestimmte Maximalmengen überschritten werden. Dr. Pratt
verweist insbesondere auf das Risiko des Auftretens einer Blutkrankheit,
der Methämoglobinämie. Dabei kommt es zu einer besonderen Form der Oxydation
des roten Blutfarbstoffs, des Hämoglobins. Es entsteht Hämiglobin, das den
Sauerstoff nicht mehr locker bindet, sondern fest an den Eisenbestandteil
gebunden hält. Unter solchen Bedingungen kann an das Gewebe kein Sauerstoff
abgegeben werden - dies führt zum Erstickungstod. Besonders gefährdet scheinen
Säuglinge im Alter bis zu vier Monaten zu sein, die Flaschennahrung bekommen.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst der USA hat angesichts solcher Gefahren bereits seit längerer Zeit die Höchstkonzentration für Nitrate im Trinkwasser
auf 45 ppm ( = Anteile Stickstoff in einer Million Teile Wasser) festgesetzt.
Beim Einschleusen

von Quecksilber in die Nahrungskette und damit auch

in die menschliche Nahrung dürften nach Ansicht von Dr. Dennis Kenney (Universität Wisconsin) festwurzelnde Wasserpflanzen eine Schlüsselrolle spielen.
Sie nehmen in verseuchten Gewässern aus den Ablagerungen am Boden die für den
Menschen besonders gefährlichen organischen Quecksilberverbindungen auf, die
aus Abwässern von Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben stammen. Auch aus
dem Wasser vermögen Pflanzen direkt Quecksilber zu absorbieren. Dr. Keeney
hält jedoch die Konzentrationen organischer Quecksilberverbindungen in den
Sedimenten, die durch abgestorbene Wasserpflanzen ansteigen können, für besonders gefährlich. Deshalb sollten in Gebieten, in denen quecksilberhaltige
Sedimente nachgewiesen werden, im Boden wurzelnde Wasserpflanzen entfernt
werden.
Daß eine Anreicherung von Quecksilber in Nahrungsmitteln nicht erst eine
Erscheinung des Industrie- und Technikzeitalters ist, zeigen allerdings Untersuchungen an Überresten von Speisefischen, die man bei Ausgrabungen im amerikanischen Mittelwesten und in Peru gefunden hat. Dr. Edwin Wilmsen, Kurator des
Anthropologischen Museums der Universität Michigan, berichtete kürzlich, daß
gelegentlich die Quecksilberkonzentration in Fischüberresten von Abfallhaufen,
die zu 300 bis 2000 Jahre alten Indianersiedlungen gehörten, durchaus mit jener
zu vergleichen ist, die heutzutage in Fischen ermittelt wird.
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37/1972

TEST SIGNALISIERT GEFAHR VON GEHIRNBLUTUNG

- (AD) - Mit Hilfe eines einfachen Tests, der nicht länger als fünf
Minuten in Anspruch nimmt, lassen sich Strömungsbedingungen in bestimmten
Blutgefäßen des Gehirns erfassen, die auf einen bevorstehenden Schlaganfall
hindeuten. Dr. Herbert I. Machleder und Dr. Wiley F. Barker von der Universitätsklinik der Universität Kalifornien in Los Angeles berichteten auf
der Tagung der "International Cardiovascular Society" im Juni in Carmel
(Kalifornien) über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Test. Er erwies
sich als durchaus brauchbar und aufschlußreich, um solche Patienten ausfindig
zu machen, bei denen die Gefahr einer Gehirnblutung oder einer Unterbrechung
der Blutversorgung gewisser Hirnpartien durch Blockierung der inneren Hirnarterie infolge sklerotischer Prozesse bestand. Die rechtzeitige Einleitung
einer Präventivbehandlung kann in vielen Fällen zum Erfolg führen. Allgemein
angewandt, dürfte der Test nach Meinung der beiden Mediziner viele Schlaganfälle verhindern. In den USA allein werden jährlich ca. 1,5 Millionen
Fälle von Gehirnblutung mit mehr oder minder ernsten Auswirkungen verzeichnet.
Nach der Besch jibung Dr. Machleders wird ein hochempfindliches
elektronisches Gerät wie ein Stethoskop auf die Stirn unmittelbar über dem
Auge aufgesetzt. Es mißt und verstärkt die Schallwellen, die das durch eine
Oberflächen, terie strömende Blut erzeugt. Das mit Hilfe eines DoppierStrömungsmessers gewonnene "Schallmuster", das aufgezeichnet wird, läßt zuverlässige Rückschlü- ;e auf die Strömungsbedingungen in der Aorta carotis
interna und in ihren Hauptästen zu.
+ +++ +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi stellt sich taub&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Alle Kriegsgefangenen-Apelle verhallen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Giftstoffe in der Natur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung</text>
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September

1972

Inhalt
INFORMATION:
Nixon: Kampf gegen Drogenmißbrauch hat höchste Priorität
Wortlaut der Ansprache vor der Konferenz über internationale Drogenbekämpfung
Kann die NATO die Liebe zum Auto kurieren?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag
Von Hubert G. Collins
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA treten weiterhin für weltweite Maßnahmen gegen jeden Terror ein
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Ermutigende Fortschritte bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Burns erläutert Zweck der US-Interventionen auf den Devisenmärkten
Von Eugene Brake
US-Zahlungsbilanzdefizit im zweiten Quartal 1972 zurückgegangen
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums Osteuropahandel der USA stieg im ersten Quartal 1972 an
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Drogenkrieg bis zur bedingungslosen Kapitulation
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz
Monitor für Stickstoffoxid in der Luft
Erdbeben verändern Magnetfeld
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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38/1972

NIXON: KAMPF GEGEN DROGENMISSBRAUCH HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
Wortlaut der Ansprache vor der
Konferenz über internationale Drogenbekämpfung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat in einer Ansprache zu Beginn einer
dreitägigen Konferenz über internationale Rauschgiftbekämpfung am 18, September
den Maßnahmen gegen die Drogenseuche höchste nationale Priorität eingeräumt.
An der Konferenz, die im amerikanischen Außenministerium stattfindet, nehmen
die Sonderbeauftragten für Rauschgiftbekämpfung an 55 Botschaften der Vereinigten Staaten in aller Welt teil.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Herr Außenminister, meine Damen und Herren!
Wenn ich die Liste der Teilnehmer an dieser Konferenz betrachte, dann
bin ich mir durchaus darüber im klaren, daß die meisten von Ihnen im Laufe
Ihrer Tätigkeit an vielen Konferenzen teilgenommen haben. Ich nehme an, daß
Sie sich wohl gefragt haben, warum gerade diese Konferenz etwas anderes sein
sollte und warum sie wohl wichtiger wäre als all die früheren Konferenzen.
Ich möchte gleich zu Anfang betonen, daß diese Konferenz mindestens so
wichtig ist, wie all die Konferenzen, an denen Sie je mitgewirkt haben- Ich
betrachte sie auf jeden Fall so wichtig wie jede andere Konferenz, an der ich
in meiner öffentlichen Tätigkeit je teilgenommen habe, weil der Sieg im Kampf
gegen den Drogenmißbrauch zu den wichtigsten Aufgaben - zu den höchsten na- 1 -

�nationalen Prioritäten - gehört, die den Vereinigten Staaten heute gestellt
sind.
Als Präsident der Vereinigten Staaten fühle ich keine größere Verpflichtung, als zum Sieg in diesem Kampfe beizutragen, und Sie alle hier in diesem
Raum, die Sie dieses Land in aller Welt vertreten, könnten keiner besseren
humanitären Sache dienen als dem Sieg in diesem Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Wie wir alle wissen, ist das globale Drogenproblem ungeheuer schwierig.
Hier bieten sich keine Sofort- oder Patentlösungen an. Wenn wir jedoch auf
die letzten drei Jahre zurückblicken, seit ich den totalen Krieg gegen den
Drogenmißbrauch erklärt und das Rauschgift als öffentlichen Feind Nummer eins
Amerikas bezeichnet habe, dann, so meine ich, wird das ganze Ausmaß unserer
nationalen Verpflichtung deutlich. Die Gesamtausgaben des Bundes für diesen
Kampf haben sich gegenüber 1969 um das elffache gesteigert. Sie machen gegenwärtig rund dreiviertel Milliarden Dollar in dem Haushalt aus, der dem Kongreß
jetzt vorliegt.
Was die organisatorische Seite anbetrifft, so haben wir alle Kräfte mobilisiert, um das Problem an allen Fronten anzupacken. Wir haben ein Sonderaktionsamt zur Verhütung von Drogenmißbrauch unter der Leitung von Dr.Jaffe
eingerichtet, das sich mit Therapie und Rehabilitation befaßt. Wir haben auch
im Justizministerium ein neues Amt für den Vollzug der Rauschgiftgesetze eingerichtet, das sich gegen die Verteilung und gegen die Händler im eigenen Lande
richtet. Und ich habe einen Kabinettsausschuß für Internationale Rauschgiftkontrolle

eingesetzt, der unseren weltweiten Kampf zur Unterbindung des Nach-

schubs koordiniert.
Wir packen das Problem also durch unsere verschiedenen Regierungsbehörden
an allen Fronten so wirksam wie nur möglich an.
Ich habe auch persönlich einige Verpflichtungen übernommen. Ich habe, wie
viele von Ihnen hier in diesem Raum wissen, bei meiner persönlichen Aufsicht
über dieses Programm immer wieder ausdrücklich mit der Peitsche geknallt. Und
ich muß zugeben, daß wir einige bürokratische Köpfe zusammengestoßen haben, als
ich im Ostraum (des Weißen Hauses) vor zwei Jahren die Anweisung gegeben habe,

�habe, daß die verschiedenen Regierungsbehörden endlich aufhören sollten, sich
gegenseitig über dieses Problem zu streiten, und endlich anfangen sollten das
Problem selbst zu bekämpfen.
Ich wollte endlich solide Ergebnisse sehen, und zwar in Form der Rettung
des Lebens Tausender junger Menschen, die sonst hoffnungslos dem Rauschgift
verfallen würden. Und heute liegen uns einige dieser Ergebnisse vor. Wir dürfen
sie nicht mit Selbstgefälligkeit betrachten, aber mit einigem Stolz und auch
mit der Entschlossenheit, weiterzumachen, um in Zukunft zu noch besseren Ergebnissen zu gelangen.
Dr. Jaffe berichtet aus seinem Gebiet, daß wir im letzten Jahr mehr mit
Bundesmitteln finanzierte Kapazität zur Behandlung einer Viertelmillion Menschen brauchen, läßt das gewaltige Ausmaß des Problems und die Notwendigkeit
erkennen, es in den Griff zu bekommen - nicht nur was die Behandlung angeht,
sondern auch besonders hinsichtlich der Lieferquellen und des Rechtsvollzugs.
Was den Rechtsvollzug angeht, so hat sich die Zahl der Festnahmen von
Rauschgifthändlern im letzten Haushaltsjahr gegenüber 1969 verdoppelt. Die Beschlagnahme von Heroin und anderen ungesetzlichen Drogen ist auf einem Höchststand angelangt. Aber wie ich denen, die mir erst im letzten Monat darüber Bericht erstattet haben, erklärt habe, ist das noch nicht genug. Wir müssen die
Zahlen verdoppeln und verdreifachen und von da aus zu einem völligen Sieg über
jene gelangen, die diesen Handel betreiben.
Ein sehr starker Preisanstieg bei Heroin im ganzen Osten der Vereinigten
Staaten läßt erkennen, daß der Nachschub austrocknet und daß der kriminelle
Drogenhandel unter Druck geraten ist. Ich darf Ihnen allen, und vor allem all
jenen, die es angeht, versichern, daß wir weiterhin mit allem Nachdruck vorgehen werden, bis die erbärmlichen Profitgeier des menschlichen Elends aus
ihren Schlupfwinkeln vertrieben und in die Gefängnisse gesteckt worden sind,
wo sie hingehören. Diese Anstrengung wird auch nicht an den Grenzen unseres
Landes haltmachen.
Die

�Die Männer und Frauen, die den weltweiten Heroinhandel betreiben, bedeuten
nicht nur eine Gefahr für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit. Diese Menschen sind im wahrsten Dinne des Wortes die Sklavenhändler
unserer Zeit. Sie handeln mit dem lebendigen Tod. Sie müssen bis an die Grenzen
unserer Erde gejagt werden. Ihnen darf keine Operationsbasis in irgend einem
Land bleiben. Ihnen darf nirgendwo in der Welt auch nur ein einziger Unterschlupf oder ein Refugium vor der Gerechtigkeit eingeräumt werden. Darum habe
ich, in Zusammenarbeit mit den Regierungen von über 50 Ländern in der ganzen
Welt, ein aggressives internationales Rauschgift-Kontrollprogramm eingerichtet.
Darum habe ich schon bald nach meinem Amtsantritt das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) angewiesen, alle seine Mittel für den Kampf gegen
den internationalen Rauschgifthandel zu mobilisieren - eine Aufgabe übrigens,
in der es sich hervorragend bewährt hat.
Lassen Sie mich hier ein Wort über diese vielgeschmähte Einrichtung einflechten. Wie ich oft erklärt habe, stellen wir auf dem Gebiet des Nachrichtendienstes immer wieder fest, daß nur die Versager publiziert werden. Die Erfolge
müssen, schon aus der Natur der Sache heraus, immer geheim bleiben, und auf
diesem Gebiet gibt es viele Erfolge, und vor allem Erfolge, auf die dieses
Amt sehr stolz sein darf.
Die höchste Priorität hat hier die Ausschaltung der Händler, wo immer sie
sich befinden mögen - sie durch unsere Rechtsvollzugs- und Nachrichtenorgane
auszuschalten und unschädlich zu machen. Und ich darf Ihnen allen für die ersten
Fortschritte, die wir in diesen Programmen erzielt haben, meine Anerkennung aussprechen.
Frankreich, Paraguay, Laos, Thailand und die Türkei sind nur einige Beispiele für die vielen Länder, wo die Arbeit amerikanischer Regierungsbediensteter
vom Botschafter abwärts in allen Botschaften im Ausland in Partnerschaft mit
örtlichen Regierungsvertretern wichtige Durchbrüche erzielt hat - wie beispielsweise die Beschlagnahme großer Heroinbestände, die Festnahme wichtiger Personen
und, im Falle der Türkei, die mutige Entscheidung, den Opiumanbau selbst ganz
einzustellen. Diese Maßnahme stellt übrigens nicht nur ein großes Verdienst
für die türkische Regierung dar, sondern auch für unsere eigene Regierung und
- 4-

�und vor allem für jene im Außenministerium und in der türkischen Botschaft, die
an diesem Problem gearbeitet haben.
Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und vor allem die jungen Menschen
schulden Ihnen, Ihnen allen hier in diesem Raum, großen Dank. Leider werde ich
keine Gelegenheit haben, mit den meisten von Ihnen persönlich zusammenzukommen,
um Ihnen für das zu danken, was Sie hier geleistet haben. Aber wie Sie alle
wissen, bleibt uns noch sehr viel mehr zu tun, um diesen Krieg zu gewinnen und
wir müssen mit einer noch sehr viel größeren Dringlichkeit als bisher an diese
Aufgabe herangehen.
Ich möchte Sie, die Sie in der ganzen Welt an der Rauschgiftkontrolle arbeiten, bitten, diese persönliche Botschaft von mir an die ausländischen Regierungsvertreter zu übermitteln, mit denen "ie zusammenkommen. Alle Regierungen,
deren Führer an den Tätigkeiten jener beteiligt sind oder sie schützen, die unser
Drogenproblem mit verursachen, sollen wissen, daß der Präsident der Vereinigten
Staaten gesetzlich verpflichtet ist, jede amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe an ein solches Regime einzustellen, und ich werde nicht zögern, diesem
Gesetz entsprechend zu verfahren, wenn irgendwelche Übertretungen vorkommen.
Ich betrachte die Aufgabe, gefährliche Drogen von den Vereinigten Staaten
fernzuhalten, für ebenso wichtig wie die Verhinderung der Landung gegnerischer
Streitkräfte in den Vereinigten Staaten. Gefährliche Drogen, die in die Vereinigten Staaten hereinkommen, können das Leben junger Amerikaner ebenso gefährden, wie eine Invasionsarmee, die in den USA landet. Jede Regierung die
gegen Rauschgift vorgehen will, soll wissen, daß sie seitens unseres Landes
auf unsere volle und nachhaltige Unterstützung dabpi rechnen kann.
Vor drei Jahren watete die globale Heroinseuche in der ganzen Welt praktisch
ohne jede Kontrolle. Für eine ganze Generation unserer Kinder, die potenziellen
Rauschgiftopfer der nächsten Jahre, drohte die Zeit abzulaufen.
Aber dann starteten wir unseren Kreuzzug zur Rettung unserer Kinder, und
heute können wir feststellen, daß dieser Kreuzzug aus der Defensive heraus zur
Offensive übergeht und in einem Land nach dem anderen in der ganzen Welt und
in den Vereinigten Staaten selbst Siege zu zeitigen beginnt.
Was

�Was ist heute unser Ziel? Wir leben heute, wie wir alle wissen, im Zeitalter der Diplomatie, in dem es Zeiten gibt, da eine große Nation sich auf
etwas einlassen muß, was als begrenzter Krieg bezeichnet wird. Ich habe dieses
Prinzip abgelehnt und den totalen Krieg gegen die gefährlichen Drogen erklärt.
Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der Schleichhändler des Todes,
die mit Heroin Geschäfte machen. Unser Ziel ist die totale Verbannung des
Drogenmißbrauchs in Amerika. Es geht um Leben und Zukunft unserer Kinder deshalb muß uns dies gelingen.
Wir werden dieses Übel mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen, und mit
Ihrer Hilfe und mit der Unterstützung durch Millionen engagierter Amerikaner
werden wir siegen."

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38/1972

KANN DIE NATO DIE LIEBE ZUM AUTO KURIEREN?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag -

Von Hubert G. Collins

DEN HAAG - (AD) - Wenn der NATO-Ausschuß für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) im November in Brüssel zu seiner Plenarsitzung zusammentritt,
wird er sich mit der wenig dankbaren Aufgabe beschäftigen müssen, Wege zur
Behebung der Verkehrsmisere in den Städten der westlichen Welt zu finden. Verkehrsexperten aus neun NATO-Ländern - Niederlande, Belgien, Kanada, Dänemark,
Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien und Vereinigte
Staaten - kamen vom 14. bis 16. September in Den Haag zusammen, um eines der
Übel des 20. Jahrhunderts, das Verkehrschaos in den Großstädten, anzupacken.
Das Projekt im Rahmen des CCMS steht seit längerem an, und in Nordamerika
wie in Europa haben sich die Fachleute ihre Gedanken gemacht, wie der moderne
Massenverkehr bewältigt werden könnte. Der Leiter der Expertenkonferenz in der
niederländischen Hauptstadt, der Direktor der Planungsabteilung im amerikanischen
Verkehrsministerium Dr. Lee Huff, hat wohl den Kern des Problems berührt, als er
sagte, es gehe letztlich darum, "die Liebe zum Auto" zu kurieren.
In Den Haag ging es nicht um neue

Technologien, sondern um institutionelle

und wirtschaftliche Veränderungen zur Lösung des Verkehrsproblems. Die Vereinigten Staaten hatten bereits im Frühjahr angeregt, ein CCMS-Musterprojekt unter amerikanischer Federführung - einzurichten, um in einem Erfahrungsaustausch über den Atlantik hinweg, neue Wege zum Transport von Personen und Gütern

- 1 -

�Gütern zu finden, die einmal wirtschaftlich und durchführbar und zum anderen
auch umweltgerecht sind. Die Probleme in Amerika und Europa sind mehr oder
weniger die gleichen. Wie kann der Einzelne dazu bewegt werden, öffentliche
Verkehrsmittel zu benutzen und sein Auto zuhause zu lassen?
Die Erfahrungen in Amerika haben gezeigt, daß die "Entmutigung" der Privatfahrer allein - beispielsweise durch drastische Erhöhung der Parkgebühren nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es auch einer entsprechenden Ausweitung der
Kapazität der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch in Brüssel hat sich herausgestellt, daß die Autofahrer dem Appell der Behörden zunächst folgten, daß sie
jedoch bei einem mangelnden Angebot von Bussen und Bahnen bald wieder zum
Privatwagen zurückkehrten.
In diesem Zusammenhang ist ein amerikanischer Vorschlag interessant: Autobusse sollen eigene Strai3en erhalten - auf denen keine Privatautos zugelassen
sind. Dadurch wäre es möglich, stündlich rund 1200 Busse verkehren zu lassen,
die über 60 000 Menschen befördern könnten. Die Zahl der Privatwagen, um eine
solche Menge Menschen zu transportieren ist riesig, und der entsprechende Aufwand für Straßen und Einrichtungen noch gewaltiger. In Amerika sind bereits
Versuche in dieser Richtung gemacht worden, so beispielsweise mit der "Shirly
Highway Bus Lane" in Nordvirginia. Auf dieser Strecke, die ausschließlich von
Bussen befahren werden darf, werden die Menschen zur Arbeit nach Washington gebracht. Sobald die Busse jedoch das normale Washingtoner Straßennetz erreichen,
bleiben sie - wie die Privatwagen - im Berufsverkehr iiängen. Die Bus-Straßen
müssen also auch innerhalb der Städte nach bestimmten Brennpunkten durchgeführt
werden.
Ähnliche Probleme ergeben sich auci für den Güterverkehr. Das wirtschaftlich rationellste System ist nicht immer das umweltfreundlichste. Es ist und
bleibt die Frage, wie die Waren zu ihrem Empfänger kommen, vor allem wenn beispielsweise die Geschäfte in einer Fußgängerzone liegen. Sicherlich verfolgen
die Amerikaner die europäischen Versuche, in den Stadtkernen solche Fußgängerzonen einzurichten, mit großem Interesse.
Eine

�»

Eine wesentliche Rolle bei den Expertengesprächen in Den Haag hat auch
die Voraussage der Verkehrsbedürfnisse und der Verkehrsdichte in den Städten
gespielt. Solche Untersuchungen und Berechnungen sind für die einzelnen Städte
sehr kostspielig, und wenn es dem CCMS gelingt, hier durch Standardisierung der
Methoden sowie durch Vereinfachungen Kosten und Aufwand wesentlich zu senken,
dann dürfte dies ein weiterer echter Fortschritt sein.
Man kann nur hoffen, daß der internationale Erfahrungsaustausch im Rahmen
des NATO-AusSchusses für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) und ein neues
Musterprojekt eine wirtschaftlich tragbare und umweit- und menschenfreundliche
Lösung näher bringen.

- 3-

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USA TRETEN WEITERHIN FÜR WELTWEITE MASSNAHMEN GEGEN JEDEN TERROR EIN
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden weiterhin für eine
weltweite Solidarität gegen Terrorakte jeder Art eintreten und sich für internationale Maßnahmen einsetzen. Präsident Nixon und Außenminister Rogers sowie
andere amerikanische Regierungsvertreter haben unmißverständlich zu verstehen
gegeben, daß sie dieses Problem in nationalen und internationalen Gremien
weiterverfolgen werden.
Präsident Nixon hat in einer Botschaft an den Senat der Vereinigten Staaten
diesen dringend um die Ratifizierung der vor einem Jahr in Montreal unterzeichneten Konvention gegen kriminelle Akte gegen die Zivilluftfahrt ersucht. Nach
der Konvention gegen Luftpiraterie, die im Dezember 1970 in Den Haag verabschiedet und inzwischen von den USA und 39 weiteren Ländern ratifiziert wurde,
soll die zweite Konvention vor Sabotage, Terrorangriffen und sonstigen kriminellen Akten gegen die Zivilluftfahrt schützen.
Die Konvention, so heißt es in der Botschaft Nixons an den Senat, "dient
dazu, die Strafverfolgung von Saboteuren und anderen Terroristen, die Flugzeuge
angreifen, zu sichern, und sie kann dazu beitragen, dieses wachsende Problem
für die weltweite Zivilluftfahrt zu beheben."
Die Vereinigten Staaten haben auch den Entwurf für eine neue Konvention
gegen Luftpiraterie begrüßt, den ein Unterausschuß des Rechtsausschusses der
Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ausgearbeitet hat. Der Ent-

�Entwurf, der jetzt in Montreal dem Rechtsausschuß

der ICAO vorgelegt wird,

sieht unter anderem den Flug-Boykott gegen Länder vor, die Luftpiraten beherbergen. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte dazu, "endlich haben wir eine Formulierung für eine Konvention, die, wenn
sie von der Völkergemeinschaft angenommen, endlich unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Luftpiraterie in all ihren Formen eine echte Handhabe gibt." Der
Leiter der amerikanischen Delegation, Charles Brower, wies darauf hin, daß es
noch zwei Jahre dauern könne, ehe die Konvention abgeschlossen sei, räumte jedoch ein, daß der Fortschritt in den letzten beiden Wochen - gegenüber zwei
Jahren der Untätigkeit - Anlaß zur Hoffnung gebe.
Nicht zuletzt aufgrund der grauenhaften Ereignisse in München wird sich
auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit dem Problem des Terrors
und der Terroristen befassen müssen. Auch hier haben sich die Vereinigten Staaten
mit an die Spitze der Bemühungen gestellt, eine weltweite Zusammenarbeit zu
erreichen, ohne die eine wirkungsvolle Verhütung und Bekämpfung von Terrorakten
kaum möglich ist. Außenminister Rogers, der, wie gesagt, ausdrückliche Anstrengungen in dieser Richtung ankündigte, hält sich zu Beginn der neuen Vollversammlung in New York auf. Er wird sicherlich bei seinen Gesprächen am Rande der
Vollversammlung die amerikanische Initiative gegen den Terror mit den Vertretern
anderer Länder erörtern.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, hat einen ungewöhnlichen Schritt getan und das Thema Terror persönlich auf die Tagesordnung der
Vollversammlung gesetzt sowie Maßnahmen zur Verhütung künftiger Terrorakte gefordert. Die Vereinigten Staaten werden diese Forderungen mit allem Nachdruck
unterstützen.

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ERMUTIGENDE FORTSCHRITTE BEI DEN AFRIKANISCH-SOWJETISCHEN
HANDELSGESPRÄCHEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
sind "sehr wesentliche Fortschritte" erzielt worden, so daß noch bis zum Jahresende mit einem Paket von wichtigen wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen den
beiden Ländern zu rechnen ist.
Dies haben sowohl der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson, wie
auch der Sonderberater Präsident Nixons für Nationale Sicherheitsfragen, Henry
Kissinger, in den letzten Tagen mitgeteilt. Peterson betonte vor der Handelskammer von Baltimore, er sei mehr denn je ermutigt, daß das angestrebte Ziel
des Präsidenten, ein umfassender Handelsvertrag, noch bis zum Jahresende, vielleicht sogar schon früher, erreicht werden kann. Gleichzeitig kündigte der
Minister an, daß Arbeitsgruppen der Gemeinsamen Handelskommission noch in diesem
Monat detaillierte Verhandlungen über einige der offenen Fragen aufnehmen würden.
Kissinger, der auf einer Pressekonferenz über seine Handelsgespräche in
Moskau berichtete, gab der festen Zuversicht Ausdruck, daß "eine befriedigende
Lösung" erzielt w rden wird. Die drei Arbeitsgruppen würden die Themen Handel,
Schiffahrtsabkommen sowie Pacht- und Leihschulden erörtern, die alle drei Bestandteil des großen Gesamtpaketes seien.
Den Schlüssel zu diesem Gesamtpaket dürften die Pacht- und Leihgespräche
bilden. Von einer befriedigenden Lösung auf diesem Gebiet wird es nämlich ab- 1 -

�abhängen, ob der amerikanische Kongreß Regierungskre iten an die Sowjetunion
sowie der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse
zustimmt. Bei den Pacht- und Leihge prächen geht es um die nichtmilitärische
Hilfe, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion während des zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach gewährt haben (für die während des letzten
Krieges gewährte Militärhilfe haben die Vereinigten Staaten nie eine Rückzahlung gefordert). Die endgültige Regelung dieser Schulden wird wahrscheinlich
nur die Rückzahlung eines Bruchteils des unsprünglichen Wertes der Hilfsgüter
vorsehen. Wie Dr. Kissinger auf seiner Pressekonferenz erklärte, hätten beide
Seiten nunme ir einer Formel für die Bewertung der Hilfsgüter zugestimmt. Einzelheiten der Zahlungsmodalitäten, wie Höhe der Raten und Rückzahlungszeitraum,
müssen aber noch ausgehandelt werden.
Weitere Punkte des angestrebten Handelsabkommens sind ein von den USA gewünschter Mechanismus für eine internationale Schlichtung von Streitigkeiten;
die Sowjetunion hat sich bisher stets an ihre eigenen Schiedsgerichte gehalten. Ferner wünschen die USA bessere Arbeitsmöglichkeiten für amerikanische
Geschäftsleute in der So jetunion; unter diesen Punkt fallen Fragen wie Bereitstellung von Büror. um und Telefonanschlüssen, aber auch Kontaktmöglichkeiten
mit potentiellen Kunden. Und schließlich wünscht die Sowjetunion Regierungskredite zur Finanzierung ihrer Käufe in den USA; die USA bestehen darauf, daß
jedes Abkommen auf Gegenseitigkeit beruhen muß und die Sowjetunion nicht besser
als andere amerikanische Handelspartner gestellt sein darf.
Auch in der Frage der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel besteht
noch keine Einigung. Hier geht es unter anderem um den Schutz der amerikanischen
Wirtschaft vor einem Sowjet sehen Dumping, denn beide Länder gehören unterschiedlichen Handelsblöcken an und angesichts des Regierungsmonopols in der
Sowjetunion gibt es dort keine absolute Bez ehung zwischen Kosten und Preisen.
Auch die von den USA seit langem ausgeübte Kontrolle über den Export strategisch wichtiger Güter wirft gewisse Probleme auf. Und letztlich muß jedes Abkommen

' die Einräumung der Meistbegünstigtenklausel vom amerikanischen Kongre

gebilligt werden.
Im

�t

Im Kongreß sind bereits Stimmen laut geworden, die sich gegen die von der
Sowjetunion geübte Praxis wenden, von sowjetischen Juden, die nach Israel auswandern wollen, eine Ausreisegebühr zu fordern. Senator Ribicoff hat dies als
"Kopfgeld" bezeichnet und gleich anderen Abgeordneten und Senatoren damit gedroht, den Handelsvertrag als Druckmittel zu benutzen, um durchzusetzen, daß
die Sowjetunion auf diese Abgabe verzichtet.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Verhandlungen ist ein Schiffahrtsabkommen,
bei dem jedoch, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung unmittelbar
bevorsteht. Mit diesem Abkommen soll eine Reihe von Fragen gelöst werden, die
sich im Gefolge des zu erwartenden verstärkten Warenverkehrs zwischen beiden
Ländern ergeben dürften. Unter anderem muß geklärt werden, welcher Warenanteil
auf amerikanischen und welcher auf sowjetischen Schiffen befördert werden soll
und in welchem Ausmaß Schiffe dritter Länder eingeschaltet werden können. Im
Augenblick sind Schiffe dritter Länder zu 20 bis 25 Prozent am an,^rikanisch••
sowjetischen Handel beteiligt. Da die Betriebskosten amerikanischer Frachter aufgrund höherer Löhne und besserer Sicherheitseinrichtungen höher liegen, als bei
Schiffen anderer Länder, müßten Subventionen gezahlt werden, um sie wettbewerbsfähig zu machen. Von Seiten des amerikanischen Handelsministeriums wurde bereits
betont, daß recht beträchtliche Regierungssubventionen direkt an die Schiffseigner gezahlt werden müßten, wenn ein Engpaß wie bei den Getreideverkäufen des
Jahres 1963 vermieden werden soll.
Ferner muß festgelegt werden, welche Häfen in beiden Ländern für Schiffe
des anderen Landes offen sein sollen und welchen Schiffen ein Anlaufen gestattet
werden soll. Sofern es hier nicht zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommt,
dürfte, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung in all diesen Fragen
innerhalb weniger Jochen nöglich sein.

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38/1972

BURNS ERLÄUTERT ZWECK DER US-INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Verein igten Staaten werden auch in Zukunft nicht
versuchen, durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten einen unrealistischen Wechselkurs des US-Dollar zu stützen.
Das ist das Fazit der öffentlichen Anhörungen, die der Unterausschuß für
Devisen und internationalen Zahlungsverkehr des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses in der letzten Woche durchgeführt hat.
Nicht nur der Vorsitzende des Federal Reserve Boards, Notenbankpräsident Arthur
Burns, sondern auch der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Paul
Volker, gaben vor dem Ausschuß entsprechende Zusicherungen ab. Burns betonte,
daß Interventionen auf den Devisenmärkten ausschließlich auf Initiative des
Federal Reserve Boards (Bundesbank) und nicht etwa auf Initiative anderer Länder
nin unternommen würden. Sie v;ürden auch nur erfolgen, um Auswüchse auf den Märkten
zu verhindern oder ihnen entgegenzuwirken, und dann in einem Umfang vorgenommen,
der ein positives Ergebnis sicherstellte. Auch Swap-Vereinbarungen würden niemals dazu mißbraucht werden, um amerikanische Zahlungsbilanzdefizite mitteloder langfristig zu finanzieren. Genau so wenig stellten sie einen Ersatz für
eine erforderliche Anpassung der grundlegenden Wirtschaftspolitik dar.
Volker wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß das Finanzministerium sich
nicht an Interventionen auf den Devisenmärkten beteilige, um bei Zahlungsbilanzungleichgewichten einen bestimmten Wechselkurs zu verteidigen. Allerdings gab

- 1 -

�gab der Staatssekretär zu bedenken, daß nicht immer im Voraus leicht zu erkennen sei, ob ein Wechselkurs nur vorübergehend unter Druck geraten sei, oder
ob es sich hier um die ersten Anzeichen eines fundamentalen Ungleichgewichts
handele, das früher oder später durch eine Auf- oder Abwertung korrigiert
werden müsse.
Burns wie auch Volcker wandten sich damit gegen Bedenken, die der Ausschußvorsitzende

Henry Reuss, zugleich im Namen verschiedener Zeugen geäußert hatte,

daß nämlich die reaktivierten Swap-Vereinbarungen zur Stützung des Dollarkurses
benutzt werden könnte, solange noch ein grundlegendes Zahlungsbilanzungleichgewicht bestünde. Wörtlich erklärte Burns, "ich kann Ihnen uneingeschränkt versichern, daß dies nicht der Fall sein wird".
Allerdings, so führte Burns weiter aus, mehrten sich jetzt die Anzeichen,
daß die bescheidenen amerikanischen Investitionen auf den Devisenmärkten vom
Juli ihren Zweck erreicht haben. Zusammen mit Maßnahmen anderer Länder, so sagte
Burns, hätten sie dazu beigetragen, der Spekulation Einhalt zu gebieten und
das Vertrauen in den Markt wieder herzustellen. Bei den insgesamt neun seit dem
19. Juli von amerikanischer Seite durchgeführten Interventionen seien ausländische
Devisen - belgische Francs und DM - im Werte von 32 Millionen Dollar abgegeben
und diese Beträge seien durch spätere Käufe wieder voll abgedeckt worden. Die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten diese Swap-Vereinbarungen ausnutzen können,
und dies sei noch nicht einmal in vollem Umfang der Fall gewesen, habe allein
schon genügt, um der Spekulation Einhalt zu gebieten und die Spekulanten zum
Nachdenken zu zwingen.
Auf die amerikanische Zahlungsbilanz eingehend, betonte Burns, es sei völlig
verfrüht, etwa pessimistische Schlußfolgerungen hinsichtlich ihrer langfristigen
Entwicklung ziehen zu wollen. Allerdings, so gab der Notenbankchef zu, vollzögen
sich die erforderlichen Anpassungen zur Korrektur der Ungleichgewichte nicht so
rasch wie erhofft oder angenommen worden sei. Dies gelte im besonderen auch für
die amerikanische Zahlungsbilanz. Man brauche jedoch kein großer Optimist zu
sein, um feststellen zu können, daß zumindest eine Reihe von Faktoren in die
richtige Richtung weisen, um eine wesentliche Verbesserung der US-Zahlungsbilanz zu bewirken. In diesem Zusammenhang verwies Burns vor allem auf die Ent- 2-

�Entwicklung von Kosten und Preisen in den USA, die gegenüber den anderen
Ländern hier weitaus besser abgeschnitten hätten. Auch die Neufestsetzung der
Wechselkurse im Dezember vorigen Jahres, so sagte Burns, werde sich jetzt auszuwirken beginnen und mit der Zeit zu einer Ausweitung des amerikanischen Exports sowie einer Verlangsamung der Zunahme der Importe führen. Ferner werde
sich die in Japan und in Europa im Gange befindliche zyklische wirtschaftliche
Wiedererholung in einer Steigerung der Nachfrage nach amerikanischen Exporterzeugnissen auswirken. Und schließlich werde die starke Expansion der amerikanischen Wirtschaft selbst dazu führen, daß amerikanische Investoren wieder eher
geneigt sind, ihr Geld im eigenen Land statt im Ausland anzulegen.

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US-ZAHLUNGSBILANZDEFIZIT IM ZWEITEN QUARTAL 1972 ZURÜCKGEGANGEN
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das Zahlungsbilanzdefizit der USA ist im zweiten
Quartal dieses Jahres beträchtlich zurückgegangen. Dies stellt das amerikanische Handelsministerium in einer am 13. September veröffentlichten Presseverlautbarung fest, die folgenden Wortlaut hat:
"Die Bilanz der laufenden Konten und die langfristige

Kapitalbilanz

wiesen im zweiten Quartal ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar aus, wie das
Büro für Wirtschaftsanalysen, eine Unterabteilung des Amtes für Sozial- und
Wirtschaftsstatistik des Handelsministeriums heute bekannt gegeben hat. Das
Defizit war damit nur etwa halb so groß wie das (revidierte) Defizit von 3,6
Milliarden Dollar im ersten Quartal. (Alle Zahlen saisonbereinigt).
Nachdem das Handelsdefizit im zweiten Quartal zugenommen hat und der Überschuß bei den Dienstleistungen einen geringfügigen Nettorückgang aufwies, erbrachte die Bilanz der Güter- und Dienstleistungen ein Defizit von 1,5 Milliarden Dollar (revidiert) und die Bilanz der Güter, Dienstleistungen und Remittenten ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar, so daß beide sich gegenüber
dem ersten Quartal um jeweils etwa 350 Millionen Dollar verschlechterten. Die
Bilanz der laufenden Konten allein verschlechterte sich ebenfalls und wies ein
Defizit von 2,4 Milliarden Dollar - gegenüber 2,2 Milliarden Dollar im ersten
Quartal - aus.
Der

�Der Nettofluß langfristigen Privatkapitals verzeichnete im zweiten Quartal
einen Nettozufluß von 660 Millionen Dollar, nach einem Abfluß von 1,1 Milliarden
Dollar im ersten Quartal. Auf der Basis der jetzt verfügbaren, vorläufigen Zahlen
über die direkten amerikanischen Auslandsinvestitionen erfolgte im zweiten
Quartal ein Nettoabfluß von nur 200 Millionen Dollar gegenüber einem Nettoabfluß
von 1,3 Milliarden Dollar (revidiert) im ersten Quartal. Verschiedene besondere
Faktoren, darunter einige sich nicht wiederholende Nettozuflüsse haben wahrscheinlich zu den niedrigen Nettoabflüssen im zweiten Quartal beigetragen. Die Direktinvestitionen des Auslandes in den Vereinigten Staaten nahmen um über 700 Millionen Dollar zu und wiesen damit einen Nettozufluß von 345 Millionen Dollar auf.
Ein guter Teil dieses Zuflusses ist auf den Rückfluß von Geldern zurückzuführen,
die von japanischen Handelsgesellschaften in den USA zuvor aus den Vereinigten
Staaten an ihre Muttergesellschaften transferiert worden waren. Veränderungen
bei anderen privaten langfristigen Kapitalflüssen hoben sich meistens gegeneinander auf.
Die Nettoliquiditätsbilanz verzeichnete im zweiten Quartal ein Defizit von
(revidiert) 2,4 Milliarden Dollar und die Bilanz der offiziellen Reservetransaktionen erbrachte ein Defizit von (revidiert) 865 Millionen Dollar. Die entsprechenden Defizite im ersten Quartal betrugen jeweils 3,1 und 3,3 Milliarden
Dollar."

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OSTEUROPAHANDEL DER USA STIEG IM ERSTEN QUARTAL 1972 AN

WASHINGTON - (AD) - Der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa stellte sich nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums im ersten Quartal 1972 auf wertmäßig 230,3 Millionen Dollar. Von dem Gesamtbetrag
entfielen 158,8 Millionen Dollar auf amerikanische Exporte nach Osteuropa und
71,5 Millionen Dollar auf Importe aus diesem Raum. Im vierten Quartal 1971
hatte sich der gesamte Warenaustausch zwischen den USA und Osteuropa auf 137,7
Millionen Dollar und im ersten Quartal 1971 auf 170,9 Millionen Dollar gestellt.
Der vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichte lOO. Quartalbericht über die Durchführung der amerikanischen Exportkontrollen zeigt weiter,
daß im zweiten Quartal 1972 Lizenzanträgen für Warenexporte nach Osteuropa im
Werte von 119,4 Millionen Dollar stattgegeben wurde

gegenüber Anträgen im Werte

von 432,5 Millionen Dollar im ersten Quartal 1972 und von 119 Millionen Dollar
im zweiten Quartal 1971.
Der höchste Dollarbetrag bei den genehmigten Exportlizenzen entfiel mit
99,1 Millionen Dollar auf die Sowjetunion. Davon waren 77,6 Millionen Dollar
für die Ausfuhr von Ausrüstungen für die sowjetische Autoindustrie bestimmt.
Weiter wurden Lizenzen für die Ausfuhr nach Rumänien in Höhe von 8,9 Millionen
Dollar - meistens Walzwerksausrüstungen -, nach Polen in Höhe von 3,2 Millionen
Dollar - darunter ebenfalls Walzwerkausrüstungen - nach Ostdeutschland in Höhe
von 2,8 Millionen Dollar, nach der Tschechoslowakei in Höhe von 2,3 Millionen

�Millionen Dollar und nach Ungarn in Höhe von 2,1 Millionen Dollar ausgestellt.
Unter anderem haben die USA im ersten Quartal 1972 dem Bericht zufolge,
Mais im Werte von 53,3 Millionen Dollar nach der Sowjetunion, Baumwolle im
Werte von 6,5 Millionen Dollar und Sojabohnen im Werte von 6 Millionen Dollar
nach Polen, Mais im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Ostdeutschland, Baumwolle im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Rumänien, Sojabohnenölkuchen und
Mehl im Werte von 3 Millionen Dollar nach Ungarn sowie Hopfen im Werte von
1,8 Millionen Dollar und Sojabohnenölkuchen und Mehl im Werte von 2 Millionen
Dollar nach der Tschechoslowakei ausgeführt.
Nach den Angaben des Handelsministeriums wurden von den USA im Berichtszeitraum unter anderem Büchsenschinken im Werte von 8,2 Millionen Dollar aus
Polen, Diamanten, Palladium, Platin und Chromerz im Werte von 10,1 Millionen
Dollar aus der Sowjetunion, Raffinerieprodukte im Wert von 3,3 Millionen Dollar
aus Rumänien und Büchsenschinken im Werte von 1,4 Millionen Dollar aus Ungarn
eingeführt.

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38/1': 72

DROGENKRIEG BIS ZUR BEDINGUNGSLOSEN KAPITULATION
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz

- (AD) - Mehr als 2300 kg Heroin, 306 kg Kokain, 70 192 kg Marihuana,
3756 kg Haschisch und 207 Millionen Dosen gefährlicher anderer Drogen haben
in den letzten zwölf Monaten die amerikanischen Rauschgiftfahnder in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Behörden beschlagnahmt. Im gleichen Zeitraum kam es zu 7771 Verhaftungen im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten. Diese
Angaben enthält ein Bericht, der am 17. September 1972 in Washington von der
Rauschgiftzentrale des amerikanischen Justizministeriums veröffentlicht wurde.
John E. Ingersoll, der Leiter der US-Bundesbehörde für Narkotika und gefährliche Dragen (BNDD), nahm ebenso wie Außenminister Rogers, CIA-Chef Richard
Helms und andere führende Vertreter von Regierung und Behörden an der dreitägigen Konferenz im US-Außenministerium teil, zu 3er die Sonderbeauftragten
für Rauschgiftbekämpfung an amerikanischen Botschaften in 55 Ländern nach
Washington gerufen wurden. Die US-Botschaft in Bonn wurde durch Gesandten Frank
Cash vertreten.
Die Konferenz zog eine Bilanz der bisherigen Ergebnisse der Aktionen, die,
wie Präsident Nixon darlegte, vor allem den internationalen Heroinhändlern gilt,
"die eine Gefahr nicht nur für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit bedeuten ... Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der
Schleichhändler des Todes, die mit Heroin Geschäfte machen ..., die totale
Verbannung des Drogenmißbrauchs aus dem Leben in Amerika. Wir werben sie mit

�mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen. Es geht um Leben und Zukunft unserer
Kinder - deshalb muß uns dies gelingen."
Präsident Nixon machte auch kein Hehl aus seiner Entschlossenheit, von
seinem Recht Gebrauch zu machen, Wirtschafts- und Militärhilfe für Regierungen
zu sperren, in denen führende Männer "sich an den Aktionen jener beteiligen
oder sie schützen, die zu unserem Drogenproblem beitragen". Der Versuch, den
Rauschgifthandel allmählich "auszutrocknen", zeitigt in den Vereinigten Staaten
erste Früchte. In New York schnellte in den letzten paar Monaten der Preis für
ein Gramm Heroin von 418 Dollar auf 785 Dollar in die Höhe, die Qualität des
Stoffs Hat sich erheblich verschlechtert. Ähnliches gilt für andere Großstädte
wie Boston und Baltimore. Aber noch bleibt viel zu tun, um wenigstens den Nachschub so weit wie nur irgend möglich zu unterbinden. An den dabei ergriffenen
Maßnahmen beteiligen sich mehr als 50 Länder in aller Welt.
Der Rauschgiftkrieg in Amerika dauert nun fast vier Jahre. In dieser Zeit
wurde, wie Eugene T. Rossides, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, erklärte, an der internationalen Front mehr gegen die Seuche Rauschgift getan als
in den vorangegangenen 35 Jahren. Dank der Initiative des Präsidenten wurden
die Maßnahmen erheblich ausgeweitet und auf eine andere Ebene angehoben - aus
interministeriellen Aktionen gegen den Mißbrauch von Narkotika, Marihuana und
gefährliche!Drogen entwickelten sich internationale Aktionen auf breiter Basis.
Zur besseren Koordinierung der Maßnahmen im In- und Island wurde im vergangenen
Jahr unter dem Vorsitz von Außenminister Rogers der Kabinettsausschuß für internationale Narkotika- und Rauschgiftbekämpfung geschaffen.
Den intensiven Bemühungen ist es u.a. zu verdanken, daß beispielsweise
Frankreich zum ersten Mal die Rauschgiftbekämpfung als Schwerpunktprogramm behandelt und dabei in letzter Zeit auch beachtliche Erfolge erzielte. Der Opiumnachschub aus der Türkei, aus der 70 Prozent des in die Vereinigten Staaten gelangten Rauschgifts kamen, dürfte bald versiegen. Die türkische Regierung hat
nunmehr den Anbau von Mohn zur Opiumgewinnung verboten. Umso mehr wird dann
allerdings der südostasiatische Raum als Zuliefergebiet zu beobachten sein.
Die

- 2-

�Die Erfassung, Behandlung und Rehabilitation Rauschgiftsüchtiger ist eine
besonders wichtige und gleichzeitig sehr schwierige Aufgabe. Die 16 Behandlungsprogramme, die die US-Regierung um die Jahreswende 1968/69 finanzierte, wurden
inzwischen auf 321 erweitert. Für die medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation vor allem der jugendlichen Drogenabhängigen werden alle nur erdenklichen Möglichkeiten sondiert und erprobt. Für diese Zwecke allein sind im
Finanzjahr 197:./73

485,2 Millionen Dollar vorgesehen, der zehnfache Betrag

gegenüber den Ausgaben von 1969. Im Gesetz von 1971 zur Rauschgiftbekämpfung und
gegen Drogenmj.3brauch sind Bestimmungen verankert, die mehr Flexibilität r.'ei
der gerichtlichen Verfolgung von Ersttätern und eine Differenzierung bei Strafen
für Rauschgift-Delikte

insofern vorsehen, als Mißbrauch von Marihuana weniger

streng behandelt wird als von Heroin.
Die Zusammenarbeit der Bundesstaaten mit der Regierung in Washington bei
der Drogenbekämpfung ist selbstverständlich geworden. Sie bekommen von der
Bundesregierung beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt, um an allen Fronten
dagegen vorgehen zu können. Der sich jetzt abzeichnende Erfolg läßt erkennen,
daß dies der richtige Wej ist.

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MONITOR FÜR STICKSTOFFOXID IN DER LUFT

- (AD) - Am "National Bureau of Standards", dem US-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen, wurde eine neue Methode zur quantitativen Bestimmung von Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) in Autoabgasen
und Emissionen von Industriebetrieben, insbesondere Kraftwerken, entwickelt.
Das Verfahren ist einfacher und wirtschaftlicher als die bisher angewandten
Methoden und wird hinsichtlich der Meßergebnisse durch andere Beimengungen wie
Schwefeldioxid oder Wasserdampf nicht gestört. Die Empfindlichkeit für Stickstoffmonoxid beträgt 3 ppm (d.h. Die Verunreinigung wird bei Vorhandensein von
nur drei Anteilen in 1 Million Anteilen Luft erfaßt, also bei einer Konzentration von 0,0003 % ) . Durch eine weitere Verbesserung der Komponenten des
Instruments - insbesondere der Lichtquelle, eines Infrarotlicht abstrahlenden
Kohlenmonoxid-Lasers, und des Infrarot-Detektors- dürfte die Empfindlichkeit
des Geräts sogar auf 0,1 ppm bzw. 0,00001 % zu steigern sein. Dann ließen sich
bereits Milliardstel Anteile von Stickstoffoxid in Luftproben ermitteln.
Das Arbeitsprinzip für das von A. Kaldor, W.B. Olson und A.G. Maki (alle
von der Abteilung Optische Physik des "National Bureau of Standards") entwickelte
Instrument ist die Verschiebung und Aufspaltung von Spektrallinien im Magnetfeld , der sog. Zeeman-Effekt. Als "Richtwert" bei der Ermittlung der NO-Konzentration dient das mit einheitlicher Wellenlänge abgegebene Infrarotlicht
des Kohlenmonoxid (CO)-Lasers, das beim Durchgang durch die zu analysierende
Luftprobe (Absorptionszelle) einen Teil seiner Energie verliert. Dadurch ergibt sich je nach den Bestandteilen der Luftprobe ein Absorptionsspektrum mit
Spektrallinien bei ganz bestimmten Wellenlängen. Die Beimengungen schlucken an
-

1 -

�I

an diesen "Stationen" entsprechend ihrer Konzentration Energie des Infrarotstrahls. Das bewirkt, daß der hinter der Absorptionszelle angebrachte Infrarotdetektor einen plötzlichen Abfall des Meßwertes für das Licht des CO-Lasers
anzeigt.
Die Absorptionszelle befindet sich zwischen den Polen eines Elektromagneten,
der ein Magnetfeld von 750 Gauss Stärke erzeugt. In diesem Magnetfeld erfahren
die •• relativ weit auseinanderliegenden und deshalb voneinander gut unterscheidbaren - Absorptionslinien für NO (Stickstoffmonoxid) und N0 2 (Stickstoffdioxid)
eine Aufspaltung in Zee an-Linien. Durch Anlegen eines zweiten, variablen Magnetfeldes von lO bis 100 Gauss läßt sich die Position der Zeeman-Linie z.B. für
NO im Spektrum verschieben, bis es zu deren stärkster Annäherung an die Spektrallinie für den CO-Las r bzw. zu einer Überlagerung mit ihr

kommt. Aus der dabei

vom Detektor gemessenen Intensität des infraroten Lichts ist durch Extrapolation
die Menge von Stickstoffoxid zu errechnen, die in der Luftprobe vorhanden ist.

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ERDBEBEN VERÄNDERN MAGNETFELD
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

- (AD) - Durch die unterirdische Kernexplosion "Cannikin" vom 6. November
1971 auf der Aleuten-Insel Amchitka wurden nicht nur die Spannungsverhältnisse
im Untergrund, sondern auch die erdmagnetischen Feldstärken verändert. Wie die
Ergebnisse der regelmäßigen Beobachtungen in den letzten zehn Monaten zeigten,
handelt es sich dabei nicht um einan vorübergehenden, sondern um einen bleibenden
Effekt.
Zwar sind die Veränderungen minimal - es wurde z.B. ein Anstieg der Feldstärke um 13 Gamma diesseits einer Gesteinsversetzung, die sich in ca. 1600 m
Abstand vom Explosionsort befindet, dagegen ein Abfall bis zu 11 Gamma jenseits der Versetzung und außerdem ein markanter Abfall um 15 Gamma im Umkreis
von 15 Metern zu beiden Seiten der Versetzungslinie g "sssen. Im Vergleich zu
den je nach geographische

Breite unterschiedlichen Werten für das erdmagnetische

Feld, das im Bereich der Pole eine Feldstärke von ca. 50 000 Gamma (0,5 Gauss)
am Äquator von ca. 30 OOO Gamma aufweist, ist dies gewiß nicht viel. Aber die
Tatsache, daß Spannungsveränderungen im Untergrund das örtliche Magnetfeld meßbar beeinflussen können, gibt der Wissenschaft wahrscheinlich eine Chance, auf
Grund solcher Messungen die Erdbebenvorhersage merklich zu verbessern.
Dem Effekt liegt das Phänomen des Geo-Piezomagnetismus zugrunde, d.h. Veränderungen der magnetischen Eigenschaften von Gestein unter der Einwirkung von
Druck. Es wird schon seit langer Zeit als mögliches Anzeichen für ein bevor-

-

I

-

�bevorstehendes

Erdbeben diskutiert, jedoch gibt es bisher nur ganz wenige

Messungen magnetischer Feldveränderungen im Zusammenhang mit Spannungsveränderungen in der Erdrin ;e. Die Daten vom Cannikin-Experiment jedoch, über
die Dr. W. '. Hasbrouck vom Institut für Erdwissenschaften und J.H. Allen vom
Nationalen Datenzentrum für Geophysik und Solarforschung in Boulder (Colorado)
jetzt berichteten, liefern den Beweis für das Auftreten solcher Magnetfeldveränderungen und bilden eine wichtige Grundlage, um festzustellen, inwieweit
sie als Vorboten von Erdbeben gewertet werden können. Der nächste Schritt bestünde dann in dem Versuch, die Zusammenhänge zwischen Spannungen im Gestein
bzw. der Erdrinde und regionalen oder örtlichen geomagnetischen Effekten
quantitativ zu erfassen. Für die Auswertung des unter bekannten Bedingungen
durchgeführten Versuchs auf der Insel Amchitka bedeutete dies, sagen zu können,
welche nach der Explosion aufgetretenen Spannungswerte den einzelnen Magnetfeldveränderungen zuzuordnen sind.
Im Laboratorium werden entsprechende Versuche mit meßbaren Effekten bereits seit geraumer Zeit durchgeführt. Aber in der Natur waren sie vor
"Cannikin" nur äußerst selten zu beobachten und nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Hasbrouck und Allen werden das Ergebnis ihrer Untersuchungen auf
Amchitka gegen Ende des Jahres im "Bulletin of the Seismological Society of
America" veröffentlichen. Sie benutzten Protonen-Präzessionsmagnetometer, die
noch Feldstärkenveränderungen von 1/8 Gamma registrieren.

- 2-

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Kampf gegen Drogenmissbrauch hat höchste Priorität&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ansprache vor der Konferenz über internationale Drogenbekämpfung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann die NATO die Liebe zum Auto kurieren?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verkehrsexperten tagten in Den Haag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA treten weiterhin für weltweite Maßnahmen gegen jeden Terror ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ermutigende Fortschritte bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgepsrächen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burns erläutert Zweck der US-Internvention auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Zahlungsbilanzdefizit im zweiten Quartal 1972 zurückgegangen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Osteuropahandel der USA stieg im ersten Quartal 1972 an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenkrieg bis zur bedingungslosen Kapitulation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monitor für Stickstoffoxid in der Luft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erdbeben verändern Mangetfeld&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Achitka-Test&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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Nummer

39

Inhalt

28&lt;

September

1972

DOKUMENTATION
Nixon fordert grundlegende Reform des internationalen Währungssystems
Wortlaut der Rede des Präsidenten auf der Jahrestagung des IWF und
der Weltbank
Shultz erläutert US-Vorstellungen zur internationalen Währungsreform
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank
Rede von Außenminister Rogers vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Vereinte Nationen werden sich mit Terrorismus befassen
- Amerikaner unterstützen UN-Generalsekretär INFORMATIONEN
USA und Sowjetunion unterzeichnen Memorandum über Durchführung des
Umweltabkommens
Chromatographie und Spektroskopie
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum
Kulturbrief aus den USA
Literatur - Musik - Film - Museen
WIRTSCHAFT
Die amerikanischen Vorstellungen zur internationalen Währungsreform
- Das Zahlungsbilanzproblem steht im Mittelpunkt Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
APOLLO 16-Proben für deutsche Wissenschaftler
Biochemische Präzisionsmessungen
Strengere Maßstäbe für Standardtests

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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39/1972

NIXON FORDERT GRUNDLEGENDE REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS
Wortlaut der Rede des Präsidenten
auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat in einer Rede auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am 25. September
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems gefordert. Eine
solche Reform müsse auch, so betonte Nixon,Handel und Investitionsmöglichkeiten
einschließen. Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Es ist schon zu einem Brauch geworden, in einer Ansprache vor einem so
bedeutenden internationalen Gremium zu erklären, daß wir gegenwärtig einen
großen Augenblick der Geschichte erleben. Große Augenblicke der Geschichte
lassen sich leicht erkennen - Schlagzeilen erscheinen, und die Welt heftet ihre
Blicke auf die Fernsehschirme, wenn die führenden Staatsmänner der Welt zusammenkommen .
Aber wirklich große Veränderungen in der Geschichte sind weitaus schwerer
zu erkennen, wenn wir mitten drin stehen. Die Ereignisse vollziehen sich viel
langsamer, weniger dramatisch und sind unendlich viel komplexer, so wie die
sich rändelnden Gegebenheiten und die neuen Bedürfnisse der Menschen das Verhalten der Völker verändern.
Ich bin aufgrund der Ereignisse des letzten Jahres überzeugt, daß wir nicht
nur einen großen Augenblick der Geschichte erleben, sondern daß wir Zeuge sind,
wie sich eine tiefgreifende Veränderung in der Geschichte vollzieht, und daß

- 1 -

�daß wir dazu beitragen, sie in Gang zu setzen.
Diese Veränderung führt weg von der Lösung potentieller Konflikte durch
Krieg und weist in Richtung auf ihre Lösung mit friedlichen Mitteln.
Die in diesem Räume versammelten Experten sind nicht so naiv, etwa zu erwarten, daß damit alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt wären. Wir müssen
mit der Möglichkeiten von Konflikten rechnen, solange Menschen und Völker unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Lebensformen und unterschiedliche
Ideale haben.
Wir müssen daher das Außergewöhnliche schaffen, was der Frieden von uns
verlangt. So wie die Gefahr eines bewaffneten Konflikts zwischen den Großmächten abgenommen hat, ist die Möglichkeit wirtschaftlicher Konflikte gestiegen.
So wie die Möglichkeit eines Friedens immer mehr zunimmt, werden einige
der ursprünglichen Bande, die unsere Bündnisse in der Nachkriegszeit zusammenhielten, immer schwächer.
So wie die Länder überall auf der Welt neue wirtschaftliche Stärke erlangen, vermehren sich sowohl die Berührungspunkte für kommerzielle Kontakte
als auch die Möglichkeiten für Meinungsverschiedenheiten um ein Vielfaches.
Aber auch einer anderen Ironie sollten wir uns alle bewußt sein. Mit einer
Ausnahme können die hier versammelten Länder, deren Binnenwirtschaften heute so
gewaltig expandieren, einen Großteil ihres Wachstums nach dem Kriege auf die
Ausweitung des Welthandels zurückführen.
Die eine Ausnahme sind natürlich die Vereinigten Staaten - die Industrienation, deren Welthandel den mit Abstand kleinsten Prozentsatz des Bruttosozialprodukts ausmacht.
Warum aber stehen die Vereinigten Staaten - für die scheinbar am wenigsten
auf dem Spiele steht - in vorderster Front der Länder, die auf eine umgehende
'and durchgreifende Reform des internationalen Währungssystems hinarbeiten - mit
all dem, was dies für die Ausweitung des Handels jetzt und in der Zukunft bedeutet?
Ein

- 2-

�Ein Grund ist natürlich unser nationales Selbstinteresse. Wir wollen,
daß unsere arbeitenden Männer und Frauen, unsere Geschäftsleute eine faire
Chance im Wettbewerb um ihren Anteil an einem expandierenden Handel zwischen
den Ländern haben. Vor einer Generation machten wir uns zielstrebig an die Aufgabe, unseren ehemaligen Gegnern und unseren geschwächten Verbündeten zu helfen,
so daß sie die wirtschaftliche Stärke erlangen konnten, die sie in die Lage
versetzen würde, mit uns den Wettbewerb auf den Weltmärkten anzutreten. Nunmehr
erwarten wir von unseren Handelspartnern, daß sie zur Herbeiführung gleicher
Wettbewerbsbedingungen mit beitragen.
Es gibt noch einen weiteren, viel tiefer gehenden und fundamentaleren
Grund, der die Vereinigten Staaten veranlaßt, auf eine wirtschaftliche und
monetäre Reform zu drängen.
In gemeinsamer Arbeit müssen wir eine Wirtschaftsstruktur schaffen, die
das historische Fortschreiten der Welt in Richtung auf den Frieden fördert und
nicht behindert.
Wir müssen sicherstellen, daß der internationale Handel zu einer Quelle
der Stabilität und Eintracht und nicht zum Anlaß für Spaltung und Animosität
wird.
Ein potentieller Konflikt muß in einen gemeinsamen Wettbewerb übergeleitet
werden.
Das ist der Grund, warum die Struktur des internationalen Währungssystems
und des künftigen Welthandelssystems für uns heute ein so zentrales Anliegen
ist.
Es ist nunmehr die Zeit des Handelns an der gesamten Front der internationalen Wirtschaftsprobleme gekommen. Immer wiederkehrende Währungskrisen, wie
wir sie alle während des letzten Jahrzehnts nur zu oft erlebt haben; unfaire
Wechselkursfestsetzungen und Handelsvereinbarungen, die die Arbeiter eines
Landes gegenüber denen eines anderen Landes benachteiligen; große Unterschiede
im Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, die die Ursache von Verstimmungen
sind; ein Währungssystem, das keine Bestimmungen für die Realitäten der Gegen-

- 3-

�Gegenwart und die künftigen Erfordernisse enthält - dies alles schädigt nicht
nur unsere Volkswirtschaften, sondern schafft politische Spannungen, die die
Sache des Friedens untergraben.
Es muß eine durchgreifende Reform des internationalen WährungsSystems
erfolgen, um den Weg für einen künftigen, gesunden Wettbewerb zu öffnen. Wir
müssen monetäre Reformen als einen entscheidend wichtigen Bestandteil einer
Gesamtreform der internationalen Wirtschaftsprobleme betrachten, die Handel
wie auch Investitionsmöglichkeiten einschließt.
Wir müssen realistische wirtschaftliche Verhaltensnormen schaffen, die als
Richtschnur für unsere gegenseitigen Beziehungen dienen - ein Kodex, der den
Regierungen die Freiheit einräumt, legitime binnenwirtschaftliche Ziele zu verfolgen, der sie aber auch veranlaßt, sich den vereinbarten internationalen Verhaltensnormen zu beugen. Jedes einzelne Land sollte versuchen, beispielhaft zu
sein, was realistisches und ordentliches Verhalten in binnenwirtschaftlichen
Fragen anbetrifft, so daß es seine Erzeugnisse und nicht seine Probleme exportiert.
Wir können alle darin übereinstimmen, daß eine gesunde Weltwirtschaft
und die Stabilität des internationalen Wirtschaftssystems weitgehend auf einem
erfolgreichen Management der Binnenwirtschaft beruhen.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Wichtigkeit einer starken, nicht
inflationären Binnenwirtschaft bewußt, die sowohl den Bedarf der eigenen Bevölkerung deckt und gleichzeitig zu einer starken Weltwirtschaft beiträgt. Wir
haben uns kompromißlos verpflichtet, unsere Ziele - ein starkes Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und Preisstabilität - zu erreichen.
Wir sind ermutigt ob der derzeitigen Leistungen unserer Wirtschaft. Wir
haben gegenwärtig eine der niedrigsten Inflationsraten und eine der höchsten
realen wirtschaftlichen Wachstumsraten von allen Industriestaaten.
Die jüngste Zunahme der Produktivität und der Realeinkommen der amerikanischen
Arbeiter waren ermutigend. Wir beabsichtigen die Politik, die solche Erfolge ge-

- 4-

�gebracht hat, fortzusetzen.
Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß auf lange Sicht die Binnenwirtschaftspolitik allein nicht alle internationalen Probleme lösen kann. Selbst
wenn alle Länder beim Management ihrer eigenen Volkswirtschaften so erfolgreich
sein sollten, könnten sich Belastungen und Spannungen an Kontaktpunkten zu
anderen Volkswirtschaften ergeben.
Wir können uns kein System leisten, das fast jedes Jahr erneut eine Währungskrise herausfordert. Das ist der Grund, warum wir jetzt vor der Notwendigkeit
stehen, Verfahren für umgehende und ordnungsgemäße Anpassungen zu entwickeln.
Das spricht sich so leicht aus: 'umgehende und ordnungsgemäße Anpassungen'.
.Aber diese wenigen Worte fassen die wahren Probleme der arbeitenden Männer und
Frauen, die Ängste und Hoffnungen der Investoren und Manager großer und kleiner
Betriebe und daher auch die Besorgnisse der maßgebenden Politiker aller Länder
zusammen. Keinem Lande sollte die Möglichkeit einer Anpassung verwehrt werden,
noch sollte es von der Verpflichtung, eine Anpassung vorzunehmen, entbunden sein.
Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird es Unterschiede in den Ansichten
und bezüglich der Wege geben. Die unmittelbaren Interessen mögen vielleicht im
Widerspruch zueinander stehen. Es wird Zeiten geben, da sich tote Punkte ergeben,
die zu überwinden, unmöglich erscheinen mag.
Aber die Welt hat in letzter Zeit einige Erfahrungen mit langen und harten
Verhandlungen gesammelt - Beispiele dafür sind die Abkommen über eine Begrenzung
der strategischen Rüstungen, die von der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
unterzeichnet worden sind.
Das waren bilaterale Verhandlungen zwischen zwei Ländern und nicht zwischen
124 Ländern. Aber sie schienen nahezu unendlich komplex zu sein; die Widerstände
hatten sich 25 Jahre lang verhärtet; die Frage der nationalen Sicherheit war ein
so heikles Problem, wie es nur zwischen zwei Weltmächten bestehen kann.
Wir gelangten dieses Jahr mit Moskau zu einem Abkommen, weil die uns einende
Frage - nämlich ein Ende des verschwenderischen und gefährlichen Wettrüstens zu

- 5-

�zu suchen - überwog gegenüber den Fragen, die una trennten.
Wir erreichten ein Abkommen, weil wir erkannt hatten, daß es unmöglich
war, daß eina der beiden Seiten in den Verhandlungen einen Vorteil gegenüber
der anderen erreichen konnte. Nur ein Abkommen, bei dem jeder Seite daran gelegen sein mußte, es auch einzuhalten, war es wert, abgeschlossen zu werden.
Diese beiden Prinzipien können uns als Anhalt beim Aufbau des Währungssystems der Zukunft dienen.
Wir wissen, daß es zahlreiche und schwerwiegende Fragen gibt, die uns
trennen. Aber der Ansporn, der diese Verhandlungen zum Erfolg führen wird, ist
die Kraft,die uns eint: die Notwendigkeit für uns alle, eine gesunde und dauerhafte Grundlage für den Handel zu schaffen, die zu besseren Lebensbedingungen
für alle Menschen in der Welt führt.
Diese gemeinsame Notwendigkeit - nennen wir sie das Interesse der Welt erfordert eine neue Freiheit des Welthandels und eine neue Fairness des internationalen wirtschaftlichen Verhaltens.
Es ist ein Zeichen unserer Reife, daß wir erkennen, daß ein heute in einem
Abkommen erzielter unfairer Vorteil dieses Abkommen morgen untergräbt. Nur ein
System bewährt sich, bei dem jedes Land ein aktives Interesse daran hat, daß es
sich bewährt.
Die Notwendigkeit liegt auf der Hand. Der Wille zur Reform des Währungssystems ist hier in diesem Raum vorhanden. Und es gibt ein Sprichwort - übrigens
fast in jeder Sprache - wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Wir sind hier zusammengekommen, um ein den Erfordernissen entsprechendes
Währungssystem zu schaffen - den Erfordernissen von Stabilität und Offenheit
entsprechend, und den Erfordernissen jedes Landes entsprechend, seinen besonderen
Eigenarten Rechnung zu tragen.
Auf diese Weise bringen wir eine der großen Lehren des Föderalismus zur
Geltung: daß der beste Weg zur Durchsetzung einer vereinbarten Ordnung darin besteht, es jedem einzelnen Mitglied zu überlassen, auf seine Weise solche Maß- 6-

�Maßnahmen zu ihrer Einhaltung zu treffen, die am besten seinen lokalen Eigenheiten, dem Stadium seiner wirtschaftlichen Entwicklung und seiner wirtschaftlichen Struktur entsprechen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika ihrerseits werden weiterhin zu ihren
internationalen Verpflichtungen stehen und gemeinsam mit anderen Ländern eine
moderne Weltwirtschaftsordnung schaffen und in ihr mitarbeiten.
Wir fühlen uns in unserer Unabhängigkeit so sicher, daß wir freiwillig unsere
Abhängigkeit von anderen - unsere Interdependenz - einräumen können. Und dies
sind die Prinzipien,von denen ich zutiefst glaube, daß sie die Vereinigten Staaten
in ihrem internationalen Verhalten leiten sollten und werden:
Wir werden darauf drängen, daß die Welt des Handels gerechter und offener
wird.
Wir werden uns dem Wettbewerb stellen und ihm nicht ausweichen.
Wir werden ein anspornender Handelspartner und ein ehrlicher Unterhändler
sein.
Wir werden uns nicht nach innen wenden und zu Isolationisten werden. Auf
der anderen Seite werden wir von unseren Freunden erwarten, daß sie ähnliche
Zeichen einer Ablehnung des Isolationismus in wirtschaftlichen und politischen
Fragen zeigen.
Wollen wir uns doch entschließen, mit neuen Augen in das Hauptbuch des
internationalen Handels zu blicken - und dafür zu sorgen, daß ein temporärer
Überschuß nicht als Heldentat oder ein temporäres Defizit nicht als Untat betrachtet wird, sondern die Erkenntnis sich durchsetzt, daß ein Fortschritt nur
im Rahmen des Gleichgewichts möglich ist. Hier ist ein kühnes Handeln im Sinne
einer gerechteren und offeneren Welthandelsordnung notwendig.
Wie jeder führende Staatsmann der hier vertretenen Länder,möchte ich dafür
sorgen, daß überall auf der Welt neue Arbeitsplätze geschaffen werden, aber ich
werde den durch eine in das Welthandelssystem eingebaute Unfairness verursachten
Export von Arbeitsplätzen aus den Vereinigten Staaten nicht gutheißen.
Alle
- 7-

�Alle Länder, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium der industriellen
Entwicklung befinden, sollten gemeinsam die Verantwortung dafür tragen, den
Ländern zu helfen, deren wirtschaftliche Entwicklung zurückgeblieben ist - und
der Versuchung widerstehen, diese Hilfe als Instrument für Diskriminierung und
Rivalitäten zu benutzen.
Es geht hier um weit mehr als nur um die Mechanik von Handel und Finanzen.
Es geht um die Chance, dem Leben der Menschen aller Länder zusätzliche echte
Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, um die Chance, weitere Stabilität und Sicherheit für die Ersparnisse und Einkommen von hunderten von Millionen Menschen
zu schaffen, und um die Chance, die Stützen des Friedens wirtschaftlich weiter
zu untermauern.
Ich habe heute morgen ganz allgemein darüber gesprochen, wie wir unsere
wirtschaftliche Interdependenz ausbauen können. Im Laufe der Woche wird Finanzminister Shultz eine Reihe von Vorschlägen erläutern, die die besten Gedanken
meiner maßgeblichen Wirtschaftsberater zusammenfassen. Ich empfehle Ihnen, sie
sorgfältig zu prüfen.
Führt man das Wort 'Ökonomie' auf seinen griechischen Ursprung zurück, so
bedeutet es 'die Hausordnung'.
Das Haus, in dem wir leben, - die Gemeinschaft der Völker - braucht weit
bessere Gesetze, die unser künftiges wirtschaftliches Verhalten regeln. Jedes
Land kann blühen und gedeihen, wenn es im Rahmen einer modernen wirtschaftlichen
Weltordnung arbeitet, an deren Erhaltung es ein Interesse hat.
Von dem, was in diesen Verhandlungen geleistet wird, wird in der breiten
Öffentlichkeit nur sehr wenig verstanden oder gewürdigt werden.
Aber die Geschichte wird in ihren Annalen festhalten, wie entscheidend
wichtig die vor uns liegenden Aufgabe war. Ich bin zuversichtlich, daß die hier
versammelten Experten und Nationen die Gelegenheit ergreifen werden, um ein
'Jährüngs- und Handelssystem zu schaffen, daß sich in der kommenden Generation
bewähren wird - und das dazu beitragen wird, die kommenden Jahre zu einer Generation des Friedens zu machen."
+ + + + +
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39/1972

SHULTZ ERLÄUTERT US-VORSTELLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN WÄHRUNGSREFORM
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers
auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat
am 26. September in einer Rede auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die amerikanischen Vorstellungen bezüglich einer
Reform des internationalen Währungssystems erläutert. Die Rede des Ministers
hat folgenden Wortlaut:

"Die hier versammelten

Länder haben es in ihrer Macht, eine neue Bilanz

in den internationalen Wirtschaftsangelegenheiten zu ziehen.

Das neue Gleichgewicht, von dem ich hier spreche, beschränkt sich nicht auf
die Konzeptionen einer Handels- und einer Zahlungsbilanz.

Die Welt braucht ein neues Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Stabilität
für ihre grundlegende Haltung in geschäftlichen Dingen.

Die Welt braucht ein neues Gleichgewicht zwischen Einheit der Zielsetzung
und Vielfalt der Ausführung, die es den Ländern gestattet, eng miteinander zusammenzuarbeiten, ohne ihre Individualität und Souveränität zu verlieren.

Uns fehlt dieses Gleichgewicht heute. Der Erfolg der Verhandlungen, in denen
wir gegenwärtig stehen, wird daran gemessen werden, inwieweit wir in der Lage

- 1 -

�Lage sind, dieses Gleichgewicht in der Zukunft zu erreichen.

Ich hoffe dabei auf eine enge und intensive Zusammenarbeit mit Ihnen, wenn
es darum geht, unsere besten Ideen zu formulieren und neu zu formulieren, wobei
wir von der Erkenntnis ausgehen müssen, daß die legitimen Ansprüche jedes einzelnen Landes zu einem harmonischen Ganzen zusammengeschmolzen werden müssen.

In diesem Geiste hat mich Präsident Nixon beauftragt, Ihnen bestimmte Vorstellungen vorzutragen.

Wenn ich das jetzt tue, so muß ich meine heutigen Ausführungen zwangsläufig
auf monetäre Fragen konzentrieren. Ich bin mir zutiefst bewußt, daß wir, wenn
wir jetzt an diese große Aufgabe einer Währungsreform herangehen, die Erfordernisse der wirtschaftlichen Entwicklung nicht vernachlässigen dürfen. Und ich bin
mir ebenso bewußt, daß der Erfolg unserer Entwicklungsanstrengungen letztlich
und in hohem Maße davon abhängt, daß wir in der Lage sind, ein Währungs- und
Handelsklima zu schaffen und zu erhalten, in dem alle Länder gedeihen und von dem
Fluß von Gütern, Dienstleistungen und Investitionen profitieren können.

Die Bildung des Zwanziger-Ausschusses, in dem die gesamte Mitgliedschaft
des Fonds repräsentiert ist, ist Spiegelbild und Symbol zugleich für die Tatsache, daß wir es hier mit Fragen zu tun haben, die für alle Mitglieder von
großem Interesse sind, und daß vor allem die Anliegen der Entwicklungsländer bei
der Erörterung der Reform des internationalen Währungssystems voll berücksichtigt
werden müssen.

Wenn wir im Rahmen dieser Gruppe die Verhandlungen beginnen, dann haben wir
den nützlichen Bericht des Direktoriums vorliegen, der einige der grundlegenden
Fragen, die zu lösen sind, umreißt und abklärt.
Wir hoffen ferner auf die Mitarbeit anderer internationaler Organisationen,
die jeweils dort mitwirken können, wo sie am besten zu helfen in der Lage sind.
Die vor uns liegende Aufgabe erfordert eine wesentliche Modifizierung der Institutionen und Praktiken auf dem gesamten Bereich der internationalen wirtschaft-

- 2-

�wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Eine Vielzahl von Stellen, öffentlicher wie privater, hat bereits anregende
Beiträge zu unseren Überlegungen geleistet. Ich habe die in den letzten Monaten
von einzelnen anderen Gouverneuren abgegebenen Erklärungen sowie die acht Punkte
mit besonderer Sorgfalt geprüft, die in den Beratungen der Finanzminister der
Europäischen Gemeinschaft erarbeitet worden sind.

Auf diesem Gedankenaustausch und auf dem Smithsonian-Abkommen aufbauend
können wir jetzt nach einer festen Übereinstimmung über neue Währungsvereinbarungen suchen, die uns in den kommenden Jahrzehnten dienen werden. Ja,ich
glaube, daß bestimmte, einer Währungsreform zugrundeliegende Prinzipien bereits
eine weitgehende Unterstützung finden.

An oberster Stelle steht unser gemeinsames Interesse, einen freieren Handel
mit Gütern und Dienstleistungen sowie den Kapitalfluß dorthin, wo er am meisten
zum Wirtschaftswachstum beitragen kann, zu ermutigen. Wir müssen verhindern,
daß die Welt in antagonistische Blöcke aufgespalten wird. Wir dürfen nicht hinter
den Mauern des Protektionismus Zuflucht vor unseren Problemen suchen.

Das Streben nach gemeinsamem Wohl durch mehr freien Handel wird durch einen
alten und immer wiederkehrenden Trugschluß gefährdet. Zahlungsbilanzüberschüsse
werden allzu oft als Zeichen des Erfolges und des guten Managements angesehen statt als Maßstab für die Güter und Dienstleistungen, die ein Land für andere
aufbringt, ohne eine laufende Gegenleistung zu erhalten.

Wir müssen uns natürlich darüber im klaren sein, daß ein freierer Handel
mit der Forderung jedes Landes in Einklang stehen muß, abrupte Änderungen, die
zu ernsthaften Störungen von Produktion und Beschäftigtenstand führen könnten,
zu vermeiden. Wir müssen auf eine Ausweitung der produktiven Beschäftigung in
allen Ländern hinarbeiten - aber diese darf nicht auf Kosten anderer erfolgen.

Ein zweites grundlegendes Erfordernis ist die Notwendigkeit, einen gemeinsamen Verhaltenskodex zu schaffen, um das Gebäude einer freien und offenen inter- 3-

�internationalen Wirtschaftsordnung zu schützen und zu stärken.

Solche Grundregeln wie 'keine wettbewerbsverzerrende Abwertung' und die
'Meistbegünstigungsklausel' haben uns gute Dienste geleistet, aber diese und
andere Grundsätze müssen erneut bekräftigt, ergänzt und auf die heutigen Gegebenheiten zugeschnitten werden. Ohne derartige Regeln für uns wäre eine enge
und fruchtbare tagtägliche Zusammenarbeit nicht möglich.

Drittens müssen wir uns bei der Ausarbeitung dieser Regeln der Notwendigkeit klarer Verbindlichkeiten und Verhaltensnormen für den internationalen Anpassungsprozeß bewußt sein - dies war eine entscheidende Lücke in dem System von
Bretton Woods. In der Debatte über die Ursachen, die zu den Ungleichgewichten
der Vergangenheit geführt haben, sowie über die Verpflichtung zu Initiativen zu
ihrer Korrektur ist die Tatsache zu oft aus dem Auge verloren worden, daß Anpassung an sich ein zweiseitiger Prozeß ist - daß in der Welt insgesamt jedem
Überschuß ein Defizit gegenübersteht.

Die Weigerung der Überschußländer, ihre Überschüsse abzubauen, vereitelt
das Ziel einer Währungsordnung genauso wie das Versäumnis der Defizitländer, die
Ursache ihrer Defizite zu bekämpfen. Jeder Versuch, ein ausgewogenes und gerechtes
Währungssystem zu schaffen, muß dieser einfachen Tatsache Rechnung tragen: Für
jedes dauerhafte System sind wirksame und symmetrische Anreize für Anpassungen
unerläßlich.

Viertens sollten wir, während wir zwar auf der Notwendigkeit von Anpassungen
bestehen, den einzelnen Regierungen eine beträchtliche Flexibilität bei der Wahl
ihrer Mittel für eine Anpassung einräumen. In einer so vielfältigen Welt müssen
gleiche Verantwortung und gleiche Möglichkeiten nicht unbedingt eine starre Einförmigkeit bestimmter Praktiken bedeuten. Sie bedeuten jedoch eine gemeinsame
Verpflichtung auf vereinbarte internationale Ziele. Es ist eine weitverbreitete
Auffassung - und wir teilen diese Auffassung - daß das Wechselkurssystem flexibler
sein muß. So wichtig die Wechselkurse auch sind, so sind sie doch nicht das einzige einer Anpassungspolitik zur Verfügung stehende Instrument, noch werden sie
in bestimmten Fällen unbedingt das wünschenswerteste Instrument sein.
Fünftens
- 4-

�Fünftens stellen unsere Währungs- und Handelssysteme einen in sich zusammenhängenden Komplex dar. Wenn wir eine Reform der Währungsbestimmungen anstreben, müssen wir gleichzeitig auch Anreize für eine Liberalisierung des
Handels schaffen. Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen ohne Frage Mittel und
Wege für eine bessere Integration der Arbeit des GATT und des IWF gefunden werden.
Gleichzeitig sollten wir sicherstellen, daß ein Druck hinter eine ausreichende
Entwicklungshilfe und gegen Kontrollen gesetzt wird, die den freien Fluß von
Investitionen ersticken.

Schließlich, und das ist vielleicht das wichtigste, muß jedes stabile und
gutfunktionierende internationale Währungssystem auf einer gesunden Politik zur
Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität in den
großen Ländern basieren. Dies sind zwingende nationale Ziele für meine Regierung
- und auch für Ihre Regierungen. Gleichgültig, wie gut das von uns entworfene
internationale System sein wird, seine Aussichten auf Bestand werden ohne wirksame Lösung dieser Aufgaben zweifelhaft sein.

Heute ist nicht der richtige Augenblick, um einen detaillierten Entwurf
für eine Währungsreform vorzulegen. Ich möchte jedoch diese allgemeinen Prinzipien
durch bestimmte spezifische und miteinander zusammenhängende Gedanken darüber
ergänzen, wie diese Prinzipien in einem praktisch durchführbaren internationalen
Abkommen niedergelegt werden könnten.

Diese Anregungen zielen auf Stabilität ohne Starrheit ab. Sie gehen davon
aus, daß die meisten Länder im Rahmen festgelegter Wechselkurse arbeiten wollen.
Sie möchten diese Wechselkurse in festgelegten Bandbreiten halten, solange dies
ohne Verzerrung des Handels- und Zahlungsgefüges oder der Entwicklung der Binnenwirtschaft möglich ist. Wir wollen den freieren Fluß von Handel und Kapital
fördern und gleichzeitig die Verzerrungen auf ein Minimum beschränken, die sich
aus dem destabilisierenden Fluß mobilen Kapitals ergeben. Wir möchten die Stimme
der internationalen Völkergemeinschaft, die im IWF zusammenarbeitet, stärken.

Ich möchte diese Gedankengänge unter folgenden sechs Überschriften zusammenfassen, wobei ich mir bewußt bin, daß noch viel Arbeit zu tun bleibt, um für

- 5-

�für jeden Bereich die besten Verfahren zu finden:
Das Wechselkurssystem
Der Reservemechanismus
Der Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß
Kapitalkontrollen und sonstige Zahlungsbilanzkontrollen
Hiermit zusammenhängende Verhandlungen
Institutionelle Auswirkungen

1. Das Wechselkurssystem
Wir sind uns darüber im klaren, daß die meisten Länder einen festen Bezugspunkt für ihre Währungen aufrechterhalten wollen - also einen Mittel- oder Parikurs. Dazu gehört eine Bereitschaft, diese Kurse durch Gewährleistung der Konvertierbarkeit der eigenen Währungen in andere internationale Reserveguthaben aufrechtzuerhalten und zu stützen.

Die Bandbreiten, innerhalb derer die Wechselkurse auf dem Markt um solche
Mittelkurse schwanken können, müssen groß genug sein, um den Anreiz zu kurzfristigen Kapitalbewegungen zu dämpfen und, falls Änderungen des Mittelkurses
wünschenswert erscheinen, den Übergang zu erleichtern. Das Smithsonian-Abkommen
bildete einen wichtigen Schritt in dieser Richtung. Ausgehend von dieser Initiative
könnten im Rahmen eines symmetrischen Systems die zulässigen Ober- und Untergrenzen dieser Bandbreiten bei allen Währungen - einschließlich des Dollars - in
der gleichen Größenordnung festgelegt werden, wie sie heute für den Handel von
Nicht-Dollarwährungen untereinander erlaubt ist.

Wir könnten uns zum Beispiel auch vorstellen, daß Länder, die gerade im Begriff stehen, eine Währungsunion - mit der weitergehenden politischen und wirtschaftlichen Integration, die dies bedingt - zu bilden, untereinander engere
Bandbreiten aufrechterhalten möchten, und dies sollte ihnen gestattet sein.
Darüber hinaus könnten einzelne Länder, vor allem Entwicklungsländer, sich um
die Zustimmung eines wichtigen Handelspartners bemühen, für die gegenseitigen
Wechselkurse engere Bandbreiten zu unterhalten.
Es
- 6 -

�•

Es müssen ferner Bestimmungen für solche Länder getroffen werden, die
eine Freigabe des Wechselkurses (ein Floaten) ihrer Währungen beschließen.
Ein Land, das von der Festsetzung eines Mittelkurses Abstand nimmt, vor allem
wenn dieser Zustand über eine kurze Übergangsperiode hinausgeht, sollte jedoch
gehalten sein, in anderer Hinsicht strengere Verhaltensnormen zu beachten,
damit gewährleistet bleibt, daß sein Vorgehen im Einklang mit den grundlegenden
Erfordernissen der kooperativen Ordnung steht.

2. Reservemechanismus

Wir glauben, daß die Sonderziehungsrechte (SDR) an Bedeutung zunehmen und
zu einem offiziellen Numeraire des Systems werden. Zur Erleichterung seiner Aufgaben sollte dieses Instrument von solchen Hindernissen befreit werden, wie
etwa Rekonstitutionspflicht, Designierungsverfahren und Begrenzung der Bestände Dinge, die in einem reformierten System unnötig wären. Eine Änderung der Menge
der in dem System insgesamt vorhandenen Sonderziehungsrechte wird in bestimmten
Zeitabständen notwendig sein, um den Gesamtbedarf an Reserven zu decken.
Ein 'System von Mittelwerten1 impliziert ge-.visse Fluktuationen der offiziellen Währungsreserven einzelner Länder, um temporären Störungen ihrer Zahlungsbilanzpositionen zu begegnen. Darüber hinaus sollte es jedem Land normalerweise
freistehen, bilateral oder multilateral über den IWF oder auf anderem Wege Mittel
aufzunehmen oder auszuleihen.

Gleichzeitig besteht keine Notwendigkeit, amtliche Devisenbestände allgemein
zu verbieten oder zu fördern. Manche Länder mögen Devisenbestände dahingehend betrachten, daß sie einen nützlichen Flexibilitätsspielraum für die Reservepolitik
bieten, und Fluktuationen dieser Bestände

können dem System als ganzem eine

gewisse Elastizität verleihen, um plötzlichen Bewegungen schädlicher Gelder zu
begegnen. Die Vorschläge für einen Umtausch eines Teiles der derzeitigen Bestände
an Reservewährungen in eine Sonderausgabe von Sonderziehungsrechten auf Option
des Inhabers sollten sorgfältig geprüft werden.
Die

- 7-

�Die vorgeschlagenen Bestimmungen über Mittelwerte und Konvertierbarkeit
implizieren nicht, daß das auf Goldbasis beruhende System wiederhergestellt
wird. Die Starrheit eines solchen Systems, das Imponderabilien wie Goldgewinnung,
Spekulation und Nachfrage der industriellen Verbraucher unterliegt, kann den
heutigen Erfordernissen nicht mehr genügen.
Ich erwarte nicht, daß die Goldbestände der Regierungen über Nacht verschwinden werden. Meines Erachtens stehen ordnungsgemäße Verfahren zur Verfügung,
um den Übergang zu einem internationalen Währungssystem zu erleichtern,in dem
Gold eine geringere Rolle spielt.

3. Der Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß

In einem System der Konvertierbarkeit (der Währungen) und der Mittelkurse
ist ein wirksamer Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß untrennbar mit entsprechenden
Kriterien für Änderungen der Mittelkurse sowie für die angemessene Höhe, Tendenz
und Zusammensetzung der Reserven verbunden. Eine Übereinstimmung in diesen
Fragen wie auch in anderen Elementen eines wirksamen und zeitgerechten Anpassungsprozesses ist unbedingt erforderlich, um ein System praktisch durchführbar und
dauerhaft zu machen.
Gewöhnlich besteht natürlich eine sehr enge Beziehung zwischen Zahlungsbilanzungleichgewichten und Fluktuationen

der Reservepositionen. Länder mit

einer sehr starken Verschlechterung ihrer Reservepositionen mußten im allgemeinen
ihre Währungen abwerten oder andere Maßnahmen zur Stärkung ihrer Zahlungsbilanz
ergreifen. Überschußländer mit einem unverhältnismäßig hohen Zuwachs an Reserven
standen jedoch unter einem weit geringeren Druck, ihre Währungen aufzuwerten
oder andere politische Maßnahmen mit entsprechenden Auswirkungen auf ihre Zahlungsbilanz durchzuführen. Wenn der Anpassungsprozeß in einem reformierten System wirksamer sein soll, so muß diese Asymmetrie korrigiert werden.

Meines Erachtens wäre das am meisten Erfolg versprechende Vorgehen, sicherzustellen, daß ein Übermaß an Reserven einen Druck anzeigt und auslöst, An-

- 8-

�Anpassungen auf der Überschußseite vorzunehmen, so wie ein Verlust von Reserven
dies bereits auf der Defizitseite tut. Hier könnten ergänzende Richtlinien und
verschiedene technische Verfahren geeignet sein und sollten geprüft werden. Es
werden bedeutende Übergangsschwierigkeiten zu überwinden sein. Meines Erachtens
wäre jedoch ein unangemessener Zuwachs oder Verlust an Reserven letztlich der
wohl gerechteste und wirksamste Indikator, den wir als Richtschnur für den Anpassungsprozeß haben.

Wie bereits angedeutet, kann man eine ganze Reihe von politischen Gegenmaßnahmen zur Beeinflussung der Zahlungsbilanz in Erwägung ziehen. Von einem
Land, dessen Reserven unverhältnismäßig stark zurückgehen, würde man erwarten,
daß es korrigierende Maßnahmen ergreift. So würde man einem solchen Land beispielsweise geringfügige Abwertungen ohne weiteres zugestehen. Bei angemessener
internationaler Überwachung hätte ein solches Land an einem bestimmten Punkt
eine glaubhaft erscheinende Begründung für eine stärkere Abwertung.

Während wir uns offen der Tatsache stellen müssen, daß es unter bestimmten
Umständen Grenzen für die Anwendung nationaler währungs- und steuerpolitischer
oder sonstiger innerer Maßnahmen als Mittel zurFörderung internationaler Anpassungen gibt, sollten wir auch einsehen, daß das Defizitland es durchaus vorziehen könnte - und in der Lage wäre - striktere innere finanzielle Disziplin
zu üben statt seine Währung abzuwerten. Direkte Restriktionen sollten einem
Land nur in Ausnahmefällen und auf begrenzte Zeit zugestanden werden, und diese
müssen zudem allgemein und nichtdiskriminierend sein. Die beharrliche Weigerung,
grundlegende Anpassungsmaßnahmen zu treffen, könnte den Widerruf des Kreditanspruchs und des Rechtes auf die Zuteilung von Sonderziehungsrechten sowie anderer
Privilegien zur Folge haben.

Umgekehrt könnte ein Land, das es duldet, daß seine Reserven in unangemessener Weise zunehmen, den Anspruch auf Konvertierung derselben verlieren,
wenn es nicht zumindest eine begrenzte Aufwertung vornimmt oder andere akzeptable
Anpassungsmaßnahmen ergreift. Wenn die Reserven dennoch weiterhin zunehmen und
auf diesem höheren Stand über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten
werden, dann wären nachdrückliche Anpassungsmaßnahmen angezeigt.
Eine
- 9 -

�Eine Änderung des Wechselkurses braucht weder für ein Überschuß- noch für
ein Defizitland die einzige überlegenswerte Form der Abhilfen zu sein. Die verstärkte Bereitstellung von nichtgebundener Entwicklungshilfe, die Senkung von
Zöllen und der Abbau von anderen Handelsschranken sowie die Beseitigung von
Hindernissen für Investitionen im Ausland - unter gewissen Umständen auf Option
des betreffenden Landes - stellen Ergänzungs- oder Alternativmaßnahmen dar.
Solange jedoch eine echt wirksame Kombination von korrigierenden Maßnahmen aussteht, sollte es anderen Ländern letztlich freistehen, ihre Interessen durch Erhebung einer Importabgabe auf Waren aus chronischen Überschußländern zu schützen.

Was Länder angeht, die sich auf dem Wege zu einer Währungsunion befinden,
könnte man die Richtlinien auf kollektiver Basis anwenden, sofern diese Länder
bereit sind, mit einer Stimme zu sprechen und es selbst wünschen, daß sie hinsichtlich der Anwendung der Grundregeln des internationalen Währungs- und Handelssystem-^ als Einheit behandelt werden.

4. Kapitalkontrollen und andere Zahlungsbilanzkontrollen

Das Gesagte impliziert, daß der Anpassungsprozeß meines Erachtens auf die
Förderung eines freieren Handels und offener Kapitalmärkte gerichtet sein sollte.
Wenn in Extremfällen Handelskontrollen aus Zahlungsbilanzgründen vorübergehend
gestattet werden, dann sollten sie in Gestalt von Importabgaben oder einer
linearen Besteuerung verwirklicht werden. Eine Kontrolle der Kapitalflüsse darf
nicht zum Mittel für die Absicherung einer chronisch unterbewerteten Währung
werden. Kein Land darf dazu gezwungen werden, Kontrollen anstatt anderer und
tiefer greifender Anpassungsmaßnahmen anzuwenden.

5. Hiermit zusammenhängende Verhandlungen

Wir begrüßen die Zusagen wichtiger Länder, im kommenden Jahr im Rahmen des
GATT detaillierte HandelsVerhandlungen zu führen. Diese Verhandlungen, die sich
auf spezifische Erzeugnisse und spezifische Restriktionen erstrecken sollen,
brauchen nicht bis zu einer internationalen Währungsreform aufgeschoben zu
werden, und diese wiederum braucht nicht zu warten, bis die Ergebnisse spezi-

- 10 -

�spezifischer Handelsverhandlungen vorliegen.

Diese Verhandlungen und die Ausarbeitung von Regeln des Wohlverhaltens
im engeren Währungsbereich bedürfen der Ergänzung durch Verhandlungen mit dem
Ziel, hinsichtlich der Anwendung von Subventionen und fiskalischer oder administrativer Druckmittel bei Handels- und Investitionstransaktionen zu größerer
Gerechtigkeit und Einheitlichkeit zu gelangen. Ungehörige Praktiken in diesem
Bereich verzerren die Handels- und Investitionsbeziehungen sicherlich ebenso wie
Handelsschranken und Währungsungleichgewichte. In manchen Fällen - wie etwa
bei Zollzuschlägen oder Kapitalkontrollen aus Zahlungsbilanzgründen - ist der
Zusammenhang so eng, daß der Zwanziger-Ausschuß mit dieser Angelegenheit sich
direkt wird befassen müssen. In Ergänzung ihrer eigenen Tätigkeit kann diese
Gruppe auch dazu beitragen, daß andere Gremien ebenfalls ernsthafte Bemühungen
unternehmen, eine Harmonisierung der Praktiken der Länder bezüglich der Besteuerung des internationalen Handels und der internationalen Investitionen,
der Gewährung von Exportkrediten und der Subvention des internationalen Investitionsflusses herbeizuführen.

6. Institutionelle Auswirkungen

Wenn ich in die Zukunft blicke, so scheint es mir mehrere klar umrissene
institutionelle Erfordernisse für eine vernünftige Reform des Währungs- und
Handelssystems zu geben.

Verschiedentlich habe ich heute die Notwendigkeit für einen umfassenden
Rahmen von neuen Währungsregeln unterstrichen. Diese Regeln müssen der Aufsicht des IWF unterstellt werden, der bereit sein muß, eine noch entscheidendere
Rolle innerhalb der Weltwirtschaft zu übernehmen.

Angesichts der Wechselbeziehungen von Handel und Zahlungsverkehr kann diese
Rolle nicht wirksam ausgeübt werden, wenn nicht die Statuten des IWF und des
GATT harmonisiert werden und eine enge Zusammenarbeit zwischen ihnen erreicht
wird.
Schließlich

�Schließlich müssen wir uns dessen bewußt sein, daß wir uns hier zwangsläufig mit Fragen befassen, an denen bestimmte Länder ein wesentliches und
waches nationales Interesse haben. Internationale Entscheidungen werden nicht
glaubwürdig oder wirksam sein, wenn sie nicht von Repräsentanten getroffen
werden, die eindeutig einen hohen Status und großen Einfluß in den Gremien ihrer
eigenen Regierungen haben. Unsere internationalen Institutionen werden dieser
Realität Rechnung tragen müssen, damit die Regierungen der einzelnen Staaten in
den kommenden Jahren an den Beratungen und Prozessen dieser Institutionen eingehend und ständig beteiligt sein werden. Ohne eine Verpflichtung seitens der
Regierungen der einzelnen Länder, ein neues System auf diese Weise arbeitsfähig zu machen, könnten all unsere übrigen Bemühungen zunichte werden.

Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß die Vereinigten Staaten wie auch
andere Länder nicht von heute auf morgen ohne Übergangszeit in neue Währungsund Handelsvereinbarungen eintreten können. Ich kann jedoch versichern, daß die
Vereinigten Staaten nach einer solchen Übergangszeit bereit wären, eine Verpf 1i Jhtung zu übernehmen, im Rahmen eines zufriedenstellenden Systems, wie ich
es vorgeschlagen habe - eines Systems, das eine wirksame und gerechte Durchführung des Anpassungsprozesses gewährleistet - Dollarreserven ausländischer
Regierungen in andere Reserveguthaben umzutauschen. Dieser Beschluß muß natürlich davon ausgehen, daß wir uns während der Übergangsperiode eindeutig in
die Lage versetzt sehen, diese Verpflichtung in bezug auf unsere Reserve- und
Zahlungsbilanzposition erfüllen zu können.

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß wir noch nicht die Stärke erlangt haben, die die Konten unserer Außenbilanz haben müssen. Letztlich kann es
keinen Ersatz für eine solche Stärke geben, wenn es gilt, die Grundlage für einen
stabilen Dollar und ein stabiles Währungssystem zu schaffen.

Ein akzeptables Währungssystem setzt

die Bereitschaft von uns allen vor-

aus, zu dem gemeinsamen Ziel eines uneingeschränkten internationalen Gleichgewichts beizutragen. Ohne ein solches Gleichgewicht wird kein System funktionieren. Das Gleichgewicht kann nicht durch den Alleingang eines Landes erreicht
werden.
Wir
- 12 -

�Wir haben die Erörterung der Handels- und Finanzfragen in dem vollen Bewußtsein der Notwendigkeit aufgenommen, unsere eigenen Anstrengungen zur
Wiederherstellung unseres Zahlungsbilanzgleichgewichts auf breiter Front fortzusetzen. Ich muß hier in aller Offenheit hinzufügen, daß unsere Anstrengungen
zur Verbesserung unserer Zahlungsbilanzposition in mehr als einem Fall durch
das Zögern anderer zunichte gemacht worden sind, eine ungerechtfertigte bevorzugte und stark abgeschirmte Marktposition aufzugeben. Wir können jedoch ohne
einen Erfolg bei unseren Bemühungen unseren erwünschten Anteil an der Bereitstellung von Hilfe nicht aufrechterhalten und unsere offizielle Verschuldung
gegenüber ausländischen Währungsbehörden abbauen.

Wir sind recht stolz auf unsere Fortschritte, die wir im letzten Jahr in
Richtung auf Preisstabilität, Produktivitätsanstieg und rascheres Wirtschaftswachstum erzielt haben. Setzen sich diese Fortschritte auch künftig fort, wie
es sein soll, so wird diese Entwicklung die beste Medizin nicht nur für unseren
Wohlstand im eigenen Land, sondern auch für ein wirksames Funktionieren des
internationalen Finanzsystems sein.

Meine Ausführungen heute spiegeln die lange Tagesordnung wieder, die vor
uns liegt. Ich habe schwierige, komplizierte und kontroverse Fragen angeschnitten.
Ich bin nicht davor zurückgeschreckt aus dem einfachen Grunde: Ich weiß, daß Sie,
wie auch wir, Fortschritte in Richtung auf die vor uns liegenden großen Aufgaben
wünschen.

Wollten wir abwarten, ob wir nicht in Nairobi im nächsten Jahr sagen können,
daß ein neues Gleichgewicht in Sicht und daß Übereinstimmung über die wichtigsten
Grundzüge eines neuen Systems erzielt worden ist. Wir sind uns auch einander
diese Anstrengung schuldig."

+ + + + +

- 13 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

39/1972

REDE VON AUSSENMINISTER ROGERS VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG

- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister William
P. Rogers hat am 25. September vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
folgende Rede gehalten:
"Herr Präsident, Herr Generalsekretär:
Während der letzten Jahre hat die Welt bemerkenswerte Fortschritte in
Richtung auf das Ziel der Charta gemacht 'Toleranz zu praktizieren und miteinander als gute Nachbarn in Frieden zusammenzuleben1.
Allein im Jahre 19 72 haben:
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zugesagt, ihr 'Äußerstes' zu tun,
um militärische Konfrontationen zu vermeiden, die souveräne Gleichberechtigung
aller Länder zu respektieren und Bedingungen zu fördern, unter denen kein Land
Gegenstand 'einer ausländischen Einmischung in seine inneren Angelegenheiten
sein würde';
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten genau festgelegte Beschränkungen für unsere Verteidigung und zumindest für die nächsten fünf Jahre auch
für unsere offensiven strategischen Raketensysteme vereinbart;
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China damit begonnen, die
Verständigung zwischen ihren Völkern auszuweiten, die Beziehungen zwischen uns

- 1 -

�uns zu verbessern - in der Überzeugung, daß dies 'im Interesse aller Länder1
sein würde, und alle Versuche in Richtung auf eine Hegemonie in Asien und eine
Aufteilung der Welt 'in Interessensphären' abzulehnen;
Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
spezifische Bestimmungen vereinbart, um den unbehinderten Verkehr von und nach
Berlin auf dem Straßen-, Schienen- und Wasserwege zu gewährleisten;
die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik
Verhandlungen über einen Vertrag zur Normalisierung ihrer Beziehungen aufgenommen;
Nord- und Südkorea ihre Gespräche intensiviert, um das Los der getrennten
Familien zu erleichtern, sowie vereinbart, einen gemeinsamen Ausschuß zur Prüfung der Probleme eines Zusammenschlusses einzusetzen.
Es gab 1972 zahlreiche weitere Erfolge in Richtung auf die Z iele der Charta.
Ich erwähne diese Beispiele lediglich, um zu zeigen, wie alte Feindschaften beseitigt werden. Wenn dieser Prozeß weitergeht, wird dies schließlich auch seinen
Niederschlag in den Vereinten Nationen finden.
Wir sind ebenso ermutigt von den Forderungen in östlichen wie auch westlichen Hauptstädten nach einem sichereren und offeneren Europa.
Ein Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles wäre die Schaffung eines
stabileren militärischen Gleichgewichts in Mitteleuropa durch Verhandlungen über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen (MBFR). Wir führen gegenwärtig zu diesem Zweck Konsultationen mit unseren Verbündeten und sind der Auffassung, daß vorbereitende Gespräche hierüber in einigen Monaten beginnen könnten.
Wir bauen darauf, daß diese produktiv sein werden.
Genauso wichtig ist es, daß Fortschritte in Richtung auf normalere Beziehungen in Europa gemacht werden - Beziehungen, die seit Ende des zweiten
Weltkrieges nicht mehr bestanden haben.
Hierbei

�Hierbei könnte eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), sofern sie sorgfältig und konstruktiv vorbereitet ist, eine entscheidende
Rolle spielen.
Eine Konferenz, deren Hauptzweck nur darin bestünde, den Stempel der Zustimmung unter die starre Spaltung Europas zu setzen, würde lediglich die gegenwärtigen Probleme auf eine weitere Generation ausdehnen. Eine Konferenz, die
normalere Bez iehungen zwischen allen europäischen Ländern und Völkern fördert,
würde die Bemühungen um bessere Beziehungen auf anderen Ebenen verstärken.
Aus diesem Grunde sind wir der Auffassung, daß die Konferenz praktische
Schritte zur Förderung einer größeren Freizügigkeit für Menschen, Ideen und
Güter auf dem gesamten Kontinent ergreifen muß.
Wir prüfen gegenwärtig auch Alternativen für die bevorstehenden SALT-Verhandlungen. Die Vereinigten Staaten werden dabei die folgenden allgemeinen
Ziele verfolgen:
1) Wir werden uns um Verhandlungen über Offensivwaffen bemühen. Dabei werden
wir den Kreis der strategischen Offensivwaffen, die in die Begrenzungen einbezogen werden, zu erweitern und ein Gleichgewicht bei den wichtigsten Trägersystemen zu erreichen suchen.
2) Wir werden die qualitativen Begrenzungen sorgfältig zu. prüfen wünschen,
die sich fördernd auf die Stabilität auswirken könnten.
3) Wir werden bei den strategischen Waffen auf eine Reduzierung des Rüstungsstandes hinarbeiten. Wie Präsident Nixon 1969 in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung erklärte, besteht unser Ziel darin, 'nicht nur eine Begrenzung des
weiteren Ausbaus der strategischen Rüstung, sondern sogar ihren Abbau zu erreichen. '
Natürlich messen wir auch der Arbeit der Abrüstungskonferenz große Bedeutung
bei, die nunmehr ihr Augenmerk darauf gerichtet hat, das Anlegen von Beständen
an chemischen Waffen für eine Verwendung im Kriege zu verhindern. Die Konferenz
hat lange gebraucht, um einige der wichtigen und komplexen Fragen im Zusammen- 3 -

�Zusammenhang mit möglichen bedeutsamen Beschränkungen auf diesen Gebieten zu
lösen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Prüfung aller Vorschläge beschleunigt/
und wir rechnen damit, bald auf sie antworten zu können.
Aus dem, was ich gesagt habe, wird klar, daß die Vereinigten Staaten der
Auffassung sind, daß ein Vorgehen Schritt um Schritt in der Praxis der beste
Weg ist, um einen echten Fortschritt in Richtung auf eine Abrüstung zu erreichen.
Lassen Sie mich noch auf andere Gebiete der Welt eingehen, wo die Fortschritte beschleunigt werden müssen.
In Afrika muß diese Vollversammlung fortfahren, das Streben aller Völker
aller Rassen nach Menschenwürde, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit zu
verteidigen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin allen diesbezüglichen,
praktisch

durchführbaren Bemühungen ihre volle Unterstützung gewähren.

In Lateinamerika, wo die Wachstumsraten in den letzten Jahren die von der
Allianz für den Fortschritt gesetzten Ziele zwar weit übertroffen haben, ist
die wirtschaftliche Entwicklung immer noch ein Hauptanliegen und oberstes Erfordernis. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin zu einem wesentlichen
Wirtschaftshilfeprogramm stehen und wir werden in anbetracht der großen Bedeutung,
die der Handel für die wirtschaftliche Entwicklung hat, die Teilnahme der lateinamerikanischen und anderer Entwicklungsländer an den bevorstehenden Verhandlungen
über ein neues internationales Handelssystem aktiv unterstützen.
In Vietnam haben die Vereinigten Staaten die Stärke ihrer Streitkräfte von
rund 550 000 auf 35 000 Mann verringert. Präsident Nixon hat eine Waffenruhe
für ganz Indochina unter internationaler Überwachung, einen Austausch der Kriegsgefangenen und einen völligen Abzug aller amerikanischen Truppen vorgeschlagen.
Nach diesem Vorschlag könnte über die politische Zukunft Vietnams von den
Vietnamesen

selbst verhandelt werden. Präsident Nixon hat ferner wesentliche An-

strengungen zugesagt, um beiden vietnamesischen Staaten beim Wiederaufbau nach
dem Kriege zu helfen. Unter diesen Umständen fällt es schwer zu verstehen, warum
die andere Seite hartnäckig bei der Auffassung bleibt, daß der Krieg fortgesetzt
werden sollte.
Und
- 4-

�Und im Nahen Osten muß die Schwungkraft in Richtung auf eine friedliche Regelung zurückgewonnen werden.
Wir sollten von zwei positiven Elementen Kenntnis nehmen. Die Waffenruhe
besteht nunmehr seit 26 Monaten. Das Klima für eine Regelung schien sich im Laufe
des Jahres 1972 immer weiter zu verbessern.
Wir müssen uns jedoch darüber klar sein, daß die Morde in München eine bedauerliche Folge von Aktionen und Gegenaktionen ausgelöst und die Aussichten auf
einen baldigen Fortschritt verdunkelt haben. Trotzdem hat keine der beiden Seiten
die Tür für künftige diplomatische Bemühungen für immer zugeschlagen. Wir glauben,
daß die eine friedliche Regelung begünstigenden Kräfte immer noch die Oberhand
haben. Unsere Aufgabe ist es, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um dafür zu sorgen, daß sie unterstützt werden.
Die gegenwärtig im Nahen Osten bestehende Situation des Nicht-Friede/NichtKrieg kann und wird niemandes Interessen in diesem Raum dienen. Natürlich ist
ein stabiles, gerechtes und dauerhaftes Friedensabkommen auf der Basis der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates auch weiterhin das Ziel der Vereinigten
Staaten.
Aber dies kann nicht erreicht werden, ohne daß echte Verhandlungen zwischen
den betroffenen Parteien aufgenommen werden. Keine von außerhalb aufgezwungene
Regelung könnte lange von Bestand sein. Verhandlungen bedeuten nicht Kapitulation.
Es finden gegenwärtig überall auf der Welt Verhandlungen zwischen solchen statt,
die seit langem Gegner sind. Warum sollte der Nahe Osten eine Ausnahme sein. Wenn
Nordkorea mit Südkorea spricht, wenn die Ostdeutschen mit den Westdeutschen
sprechen, wenn die Inder und die Pakistanis sofort nach dem Kriege und noch vor
einem Abzug der Truppen zusammenkommen können, dann sollte der Nahe Osten bestimmt keine Ausnahme von der allgemeinen Regel sein, daß Meinungsverschiedenheiten durch einen aktiven Dialog zwischen den betroffenen Parteien beigelegt
werden können.
Wir glauben nicht, daß dieser Prozeß unbedingt mit direkten Verhandlungen
beginnen muß. Es bestehen auch andere diplomatische Kanäle. Botschafter Jarring

- 5-

�Jarring steht weiterhin zur Verfügung, um den Parteien bei den Verhandlungen
über die Bedingungen einer Friedensregelung, die im Einklang mit der Resolution
242 des Weltsicherheitsrates steht, zu helfen.
Ein anderer - unseres Erachtens sehr verheißungsvoller erster Schritt - wären
Annäherungsgespräche, die zu einem Interimsabkommen über den Suezkanal führen.
Damit würden die kämpfenden Parteien getrennt und die ägyptische

Verwaltung

des Suezkanals wieder hergestellt werden, dies würde einen gewissen Rückzug der
Israelis bedingen, die Waffenruhe erhalten und weiteren Bemühungen um eine Gesamtlösung neuen Auftrieb verleihen.
Es ist ermutigend, daß beide Seiten übereinstimmen, daß ein solches Interimsabkommen in sich nicht das Ende, sondern nur der erste Schritt in Richtung
auf eine Gesamtfriedensregelung sein würde. Ein solcher praktischer Test für
den Frieden zu Lande läge im Interesse beider Seiten, und die Vereinigten Staaten
stehen weiterhin bereit, dabei mitzuhelfen. Ferner muß eine Gesamtregelung im
Einklang mit der Resolution 242 den legitimen Bestrebungen und Anliegen der Regierungen beider Seiten wie auch des palästinensischen Volkes Rechnung tragen.
Wenn man die großen politischen Entwicklungen der letzten Jahre betrachtet,
dann muß man feststellen, daß die Vereinten Nationen nicht direkt daran beteiligt waren. Diese Tatsache wird in Angriffen gegen die Weltorganisation oft
angeführt.
Wir sind uns natürlich darüber im klaren, daß die Charta nicht darauf abzielt, die Vereinten Nationen zum Mittelpunkt aller Diplomatie zu machen. Immer
noch ist,.jwie;es .der Generalsekretär in seinem Jahresbericht milde formuliert
hat,'der Platz der Organisation in der politischen Sphäre ... ungewiss1. Mit
dieser Feststellung dürften die meisten von uns übereinstimmen.
Wenn wir in die Zukunft blicken, dann sollten wir nicht aus dem Auge verlieren, daß die Lösungen des Problems nicht so sehr in institutionellen Reformen,
sondern im nationalen Willen gefunden werden müssen. So weit jedoch bessere Arbeitsmethoden und realistischere institutionelle Vereinbarungen dazu beitragen
werden, müssen wir auch versuchen, diese herbeizuführen. Dafür einige Beispiele:
Wir
- 6 -

�Wir sind der Überzeugung, daß der Sicherheitsrat, wenn er seinen Einfluß
und seine Autorität behalten will, Wege finden muß, um die Vertretung von Staaten
über die gegenwärtigen ständigen Mitglieder hinaus zu gewährleisten - Staaten,
deren Mittel und Einfluß von wesentlicher Bedeutung für die Weltpolitik sind.
So fällt beispielsweise auf, daß Japan in einer Körperschaft nicht vertreten ist,
die dazu dienen soll, die Verantwortung der wichtigen Mächte der Welt zum Tragen
zu bringen.
Wir sind der Überzeugung, daß größere Mittel für Untersuchungskommissionen,
Vermittlerdienste und für die stille präventive Diplomatie eingesetzt werden
müssen.
Wir sind der Überzeugung, daß die zunehmende Abstimmung nach Blöcken - oft
ohne ein unabhängiges Ansehen der Sache an sich - in zunehmendem Maße zu unrealistischen Ergebnissen führt.
Die Erörterung der Schwächen der Vereinten Nationen bei der Behandlung
politischer Probleme hat ihren Höhepunkt genau zu dem Zeitpunkt erreicht, da
ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur wissenschaftlichen und
technologischen Zusammenarbeit große Fortschritte macht.
Lange bevor die wirtschaftliche Entwicklung zu einem großen internationalen
Anliegen wurde, haben die Vereinten Nationen Bemühungen eingeleitet, um die wirtschaftliche Kluft zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländer zu verkleinern.
Die Vereinigten Staaten haben diese Bemühungen von Anfang an unterstützt. Es
ist eine ermutigende Tatsache, daß während der ganzen letzten drei Jahre das
Produktionswachstum pro Kopf in den Entwicklungsländern eine höhere Rate erreicht hat als in den Industrieländern. Die kürzliche Studie der Weltbank zeigt
jedoch, daß noch immer ein ernstes Problem im Hinblick auf Einkommensverteilung,
hohe Raten der Kindersterblichkeit, hohe Raten des Analphabetentums, der schweren
Unterernährung und des weit verbreiteten schlechten Gesundheitsstandes besteht.
Die Vereinigten Staaten wollen weiterhin der Lösung solcher Probleme ernsthafte
Anstrengungen widmen - durch das verbesserte Entwicklungsprogramm der Vereinten
Nationen und durch andere Mittel und Wege der Wirtschaftshilfe.
Auch

- 7-

�Auch die Tätigkeiten der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der Wissenschaft
und Technologie haben ihre Wirkung Die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt, die als
Meilenstein gelten kann, hat eine weltweite Beobachtung des Verschmutzungsstandes
von 'Wasser, Luft, Erde und Lebewesen' vorgeschlagen* die Messung des Standes
bestimmter Chemikalien wie Kohlenwasserstoff, der die Luft über den Städten der
Welt verpestet. Um diese und andere wichtigen Programme ohne Verzug in Gang zu
bringen, appelieren wir an die Versammlung, das Sekretariat und den geforderten
Fonds von 100 Millionen Dollar für den Umweltschutz einzurichten.
Die Vereinten Nationen können ferner einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Rauschgifthandels, vor allem des Heroinhandels leisten. Eine revidierte zusammengefaßte Konvention über Rauschgifte wird dem Ausschuß für Narkotika die Vollmacht geben, den Mohnanbau und die Opiumproduktion in Ländern zu
verringern, die die Quelle für diesen Handel zu sein scheinen. Der Fonds der Vereinten Nationen zur Bekämpfung

des Drogenmißbrauchs hilft den einzelnen Staaten

die Drogenüberwachung zu verbessern, Polizei-und Zollbeamte auszubilden, andere
Einkommensquellen für Opiumanbauer zu erschließen und die Drogensucht zu verhindern und zu behandeln. Präsident Nixon hat vorige Woche erklärt, daß jede Regierung, die gegen den Drogenmißbrauch vorgehen will, auf die volle Unterstützung
der Vereinigten Staaten dabei rechnen kann.
Erst letzte Woche hat der Generalsekretär bekanntgegeben, daß 1974 das Jahr
der Weltbevölkerung und der Zeitpunkt einer großen Bevölkerungskonferenz der
Vereinten Nationen sein wird. Wir hegen die Hoffnung, daß die Konferenz zur Aufstellung konkreter Ziele hinsichtlich eines verringerten Wachstums der Weltbevölkerung führen wird.
Diese Vollversammlung wird ferner den Fortschritt ihres Meeresbett-Ausschusses bei der Vorbereitung einer Konferenz über das Seerecht prüfen. Es ist
wichtig für uns, diese Gelegenheit dazu zu benutzen, um die Ozeane zu einem
Beispiel der internationalen Zusammenarbeit zu machen und sie nicht zu einem
Gebiet des künftigen Konflikts werden zu lassen.
Tätigkeiten

- 8-

�Tätigkeiten auf solchen Gebieten wie dem Umweltschutz, den Rauschgiften,
dem Meeresbett und der Bevölkerungskontrolle - wo vielfach neue Anwendungsmöglichkeiten der Wissenschaft und der Technologie bestehen - werden in Zukunft
an Bedeutung gewinnen. Wir sind der Auffassung, daß fast alle diese Tätigkeiten
eine stärkere Aufmerksamkeit und höhere Priorität in den Vereinten Nationen erfordern werden.
Ich habe heute von einigen der Schwächen wie auch einigen der Stärken der
Vereinten Nationen gesprochen, weil ich der Überzeugung bin, daß wir diese Organisation realistisch betrachten müssen, wenn wir zu ihrer künftigen Entwicklung
beitragen wollen. In diesem Geiste werden die Vereinigten Staaten die Vereinten
Nationen auch weiterhin unterstützen. Wir bleiben dem Ziel verpflichtet, sie stärker
und wirksamer zu gestalten.
Während dieser Sitzungsperiode werden die Vereinten Nationen die Gelegenheit
und auch die Verpflichtung haben, Maßnahmen von lebenswichtiger Bedeutung für die
internationale Gemeinschaft zu ergreifen. Die Vereinten Nationen müssen sich wirksam und energisch mit kriminellen Akten des internationalen Terrorismus auseinanderzusetzen, die überall in so tragischer Weise in das Leben von Menschen eingreifen - ohne Warnung, ohne Unterschied und ohne Rücksicht auf die Heiligkeit
des menschlichen Lebens.
Vor 20 Jahren bekräftigten die Vereinten Nationen in ihrer Erklärung der
Menschenrechte, daß jeder Mensch ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person hat. Aber wie steht es in der heutigen Welt mit dieser Sicherheit?
In Schweden werden 90 Menschen, die einen internationalen Flug antreten
zu Geiseln gemacht und von kroatischen Terroristen gegen Lösegeld festgehalten.
In London wird ein israelischer Diplomat durch eine Bombe getötet, die ihm
mit der Post zugeschickt wurde. Hier in New York entgehen Kollegen bei den Vereinten Nationen nur knapp einem ähnlichen Schicksal.
Auf Zypern entkommen 95 Personen vieler Nationalität in einem venezolanischen
Flugzeug nur knapp dem Tode, da eine Bombe gerade noch rechtzeitig entdeckt wird.
In
- 9-

�In New York werden Schüsse in die Wohnung eines Mitglieds der sowjetischen
Mission abgegeben, in der Kinder spielen.
In München werden elf olympische Sportler an einem Tag des Schreckens, den
die ganze Welt erlebte, entführt und ermordet.
In der Tschechoslowakei wird ein tschechoslowakischer Pilot getötet und
sein Flugzeug nach Westdeutschland entführt.
In Israel werden 26 Touristen - davon 16 amerikanische Staatsbürger - in
einem wahnsinnigen Angriff auf einen internationalen Flughafen hingemetzelt.
Allein in diesem Jahr sind 25 Flugzeuge aus 13 Ländern erfolgreich entführt
worden und 26 andere solcher Versuche konnten abgewendet werden. Allein in diesem
Jahr wurden 140 Luftpassagiere und Besatzungsmitglieder durch Terrorakte getötet
und 97 verwundet. In fünf Jahren sind 27 Diplomaten aus 11 Ländern entführt und
drei ermordet worden. In New York sind arabische und andere Vertretungen bedroht
worden.
Gibt es einen von Ihnen hier, der nicht anläßlich einer Flugreise von irgendwoher über seine eigene persönliche Sicherheit besorgt gewesen wäre? Gibt es
einen von Ihnen hier, der sich nicht gefragt hätte, welcher Terrorist als nächster
und an welcher Stelle zuschlagen könnte?
Hier geht es nicht um Krieg - Krieg zwischen Staaten, Bürgerkrieg oder
revolutionären Krieg - hier geht es nicht darum, daß Völker danach streben,
Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu erreichen.
Hier geht es vielmehr darum, ob Millionen von Luftreisenden weiterhin
jedes Jahr in Sicherheit fliegen können. Hier geht es darum, ob eine Person
die einen Brief erhält, ihn ohne Angst öffnen kann, in die Luft gesprengt zu
werden. Hier geht es darum, ob Diplomaten ihren Aufgaben in Sicherheit nachkommen können. Hier geht es darum, ob internationale Zusammenkünfte - wie die
olympischen Spiele, wie diese Versammlung - ohne die ständige Bedrohung durch
Gewalt vonstatten gehen können.
Kurz

- 10 -

�Kurz gesagt, hier geht es darum, ob die leicht angreifbaren internationalen
Verbindungslinien, die Luftwege und die Postverbindungen, die diplomatische
Tätigkeit und internationale Tagungen - ohne Störung fortgeführt werden können,
um Nationen und Völker zusammenzuführen. Alle die das angeht, geht es auch an,
entscheidende Maßnahmen zur Unterdrückung dieser wahnsinnigen Akte des Terrorismus zu treffen.
Wir wissen alle, daß viele kriminelle Akte des Terrorismus abgesehen von
den psychopathischen und den rein bösartigen Ursachen auch politischen Ursprungs
sind. Wir sind uns alle darüber im klaren, daß Fragen wie die Selbstbestimmung
auch weiterhin von der internationalen Gemeinschaft ernsthaft behandelt werden
müssen. Aber politische Leidenschaft, so tief sie auch sein mag, kann keine
Rechtfertigung für kriminelle Gewalt gegen unschuldige Menschen sein.
Die Terrorakte, die ich gerade angeführt habe, sind ohne Frage absolut
unannehmbare Angriffe gegen das eigentliche Gefüge der internationalen Ordnung.
Sie müssen weltweit verurteilt werden, ob wir nun die Gründe, die die Terroristen
anführen, für nobel oder schändlich, für legitim oder illegitim ansehen.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um die Entführung von internationalen
Zivilflugzeuge zu verhindern.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um Mordanschläge und Entführungsversuche; gegen Diplomaten zu.verhindern.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um Terroristen daran zu hindern,
Bomben mit der Post zu versenden oder unschuldige Zivilisten zu ermorden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Initiative des Generalsekretärs,
die Frage auf die Tagesordnung zu bringen.
Vor zwei Jahren, noch bevor das Problem seine gegenwärtige Dimension erreichte, unternahm die Vollversammlung den ersten Schritt - den Schritt der
uns jetzt leiten muß. In der Erklärung über freundschaftliche Beziehungen unter
Staaten, die das Recht auf Selbstbestimmung so nachdrücklich unterstrich, hat
die Vollversammlung auch einstimmig erklärt, daß jede Nation die Pflicht hat,

- 11 -

�hat, sich der Unterstützung terroristischer Akte in einem anderen Staat zu enthalten oder sich sonstwie daran zu beteiligen oder innerhalb ihres Territoriums
organisierte Tätigkeiten zu dulden, die auf die Ausübung solcher Akte gerichtet
sind.
Es ist jetzt an der Zeit, dieser Verpflichtung, die diese Vollversammlung
so feierlich ausgesprochen hat, wirklich Sinn und Bedeutung zu geben.
In den letzten zwei Jahren hat die internationale Gemeinschaft bestimmte
Schritte auf dem Gebiet der Flugzeugentführung unternommen. Es sind Konventionen
abgeschlossen worden, die schwere Strafen für die Entführung und die Sabotage
von Flugzeugen vorsehen, und von den Staaten verlangen, Entführer und Saboteure
auszuliefern oder strafrechtlich zu verfolgen. Wir appellieren an alle Staaten,
die diese Konventionen noch nicht ratifiziert haben, dies zu tun.
Wir stehen jetzt vor der dringenden Notwendigkeit, internationale

Gewalt-

verbrechen nicht nur in der Luft, sondern überall in unserer Gesellschaft zu
verhüten und zu bestrafen. Die Vereinigten Staaten fordern dringend, daß diese
Versammlung handelt - und zwar sofort handelt - um dieser Herausforderung zu
begegnen.
Erstens»sollte noch in dieser Sitzungsperiode dieser Versammlung der Entwurf für einen Vertrag über die Strafverfolgung oder Auslieferung von Personen,
die Diplomaten oder Vertreter ausländischer Regierungen oder internationaler
Organisationen angreifen oder entführen, abgeschlossen

und zur Unterzeichnung

aufgelegt werden. Der Vertragsentwurf liegt dieser Versammlung in Dokument
A/8710 vor.
Zweitens, ein Vertrag, der die Aussetzung des gesamten Luftverkehrs nach
Ländern vorsieht, die Entführer oder Saboteure von Zivilflugzeugffi nicht bestrafen
oder ausliefern, sollte sofort abgeschlossen und zur Unterzeichnung aufgelegt
werden. Eine Nation, die Entführern Unterschlupf

gewährt, sollte von der inter-

nationalen Gemeinschaft geächtet werden. Der Entwurf für einen Vertrag in diesem
Sinne ist bereits von einem Unterausschuß der Zivilen Luftfahrtorganisation erörtert worden. Um baldige Maßnahmen zu erreichen, sollte der Prozeß der Be-

- 12 -

�I

Behandlung beschleunigt und ohne Verzug eine diplomatische Konferenz zur Fertigstellung des Vertrages einberufen werden.
Drittens, ein neuer Vertrag gegen den 'Export von internationalem Terrorismus'
sollte so bald wie möglich abgeschlossen und zur Unterzeichnung aufgelegt werden.
Der Vertrag sollte eine weltweite Verurteilung von Personen enthalten, und ihre
Strafverfolgung oder Auslieferung fordern, die unschuldige Zivilisten in einem
anderen Staat zu dem Zwecke töten, ernsthaft verwunden oder entführen, um einem
Staat oder einer internationalen Organisation Schaden zuzufügen oder von ihnen
Zugeständnisse zu erzwingen.

Zum Abschluß eines solchen Vertrages

sollte so

bald wie möglich eine diplomatische Konferenz einberufen werden. Die amerikanische
Regierung bringt heute einen ersten Entwurf für einen solchen Vertrag in Umlauf.
Wir fordern alle Regierungen auf, diesem Entwurf ernste Beachtung zu schenken.
Wir haben diese verschiedenen Vorschläge ferner in einem Resolutionsentwurf niedergelegt, den wir heute morgen dem Sekretariat zur Verteilung übermittelt haben.
Diese Maßnahmen würden einen wesentlichen Fortschritt in dem Kampf gegen
den internationalen Terrorismus bedeuten. Es liegt sicherlich im kollektiven
Interesse jeder hier in dieser Halle vertretenen Nation, dem wachsenden Angriff
auf die internationale Ordnung Einhalt zu gebieten, vor dem wir heute alle
stehen.
Möge diese Vollversammlung die treibende Kraft für die spezifischen und
die nachdrücklichen Schritte sein, die erforderlich sind. Möge sie beweisen,
daß die Vereinten Nationen diese Probe bestehen können. Möge sie den Menschen
überall in der Welt zeigen, daß diese Organisation hier und jetzt in der Lage
ist, die konkreten Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um uns einer Welt
näherzubringen die frei von Gewalt ist - einer Welt, wie sie das große Ziel
der Charta der Vereinten Nationen ist.

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39/1972

VEREINTE NATIONEN WERDEN SICH MIT TERRORISMUS BEFASSEN
- Amerikaner unterstützen UN-Generalsekretär -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Tatsache, daß sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit dem weltweiten Terrorismus befassen und
zumindest Vorschläge zu dessen Bekämpfung hören wird, hat die Vereinigten
Staaten mit Befriedigung erfüllt. Amerika hat von Anfang an die Bemühungen
von Generalsekretär Waldheim unterstützt, den Punkt "Terror" auf die Tagesordnung zu bringen.
Vor dem Lenkungsausschuß, der mit 15 gegen sieben Stimmen, bei zwei Stimmenthalt ;ngen, der Vollversammlung die Erörterung von "Maßnahmen zur Verhütung
von Terrorismus und anderen Formen der Gewalt, die unschuldige Menschenleben
gefährden oder kosten oder Grundfreiheiten in Frage stellen" empfohlen hatte,
legte der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter George Bush, den Standpunkt
seiner Regierung dar. "Die Vereinigten Staaten", so erklärte er, "unterstützen
nachdrücklich die Aufnahme dieses wichtigen Punktes, dieses dringenden Punktes,
auf die Tagesordnung. Die tragischen Ereignisse in weit auseinander liegenden
Gegenden der Erde lassen keinerlei Zweifel daran, daß die Gefahren nicht nur
für die internationalen Beziehungen, sondern auch für unschuldige Zivilisten
überall unmittelbar und ernst sind. Das kann niemand bestreiten ..."
Obwohl jede Nation die Verpflichtung hat, alles in ihrer Macht stehende
zu tun, um das Auftreten von Terrorakten zu verhindern, und obwohl bilaterale
Maßnahmen zu diesem Zweck unerläßlich sind, erfordert die weltweite Natur des

- 1 -

�des Problems Maßnahmen der ganzen Völkergemeinschaft, wenn nicht unschuldige
Zivilisten in zunehmendem Maße Opfer der Gewalt werden sollen".
Die Weltöffentlichkeit sei über den wachsenden Terror alarmiert, so betonte Bush, und dieses Problem in den Vereinten Nationen nicht zu behandeln,
hieße an dem eigentlichen Zwecke der Weltorganisation vorbeigehen.
Auch der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray,
hatte wiederholt unterstrichen, daß die Vereinten Nationen über Maßnahmen zur
Bekämpfung und Unterbindung des Terrors aktiv werden müßten. Die Vereinigten
Staaten hielten dieses Thema für außerordentlich wichtig. Der Sprecher wies
darauf hin, daß das Problem bei bilateralen Gesprächen von Außenminister Rogers
immer wieder angeschnitten worden sei, so unter anderem mit dem französischen
Außenminister Maurice Schumann und dem israelischen Außenminister Abba Eban.
Rogers habe seinem französischen Kollegen gegenüber auch darauf hingewiesen,
daß die Vereinigten Staaten auf harte Sanktionen gegenüber Ländern drängten,
die Luftpiraten und Saboteuren Unterschlupf gewähren.
Der bekannte amerikanische Kommentator James Reston vertrat in einem Leitartikel in der New York Times die Auffassung, daß vor allem die fünf Großmächte
- die fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen eine besondere Verantwortung trügen, das "internationale Banditentum" zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten müßten alles in ihren Kräften stehende tun,
dieses Problem vor die Vereinten Nationen zu bringen - selbst auf die Gefahr
hin, daß dies mit einer Debatte über Vietnam verquickt würde.
In amtlichen Kreisen in Washington hält man die Vollversammlung der Vereinten Nationen für das durchaus geeignete Forum, um praktische Schritte gegen
den Terror zu beschließen. So könnte die Vollversammlung ihre Mitglieder auffordern, sich an die bereits bestehenden Konventionen von Tokio, Den Haag und
Montreal gegen die Luftpiraterie zu halten. Auch könnten die Vereinten Nationen
nach amerikanischer Auffassung eine Konvention über den Schutz von Diplomaten
ausarbeiten.
Die

- 2-

�Die Vereinigten Staaten selbst haben weitere Schritte zum Schutz vor
Terrorakten ergriffen. So hat der Außenpolitische Ausschuß des Senats die
Ratifizierung der Konvention von Montreal empfohlen, und das Plenum des Senats
hat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Aufstellung einer neuen Flughafensicherungspolizei ermöglichen soll.

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39/1972

USA UND SOWJETUNION UNTERZEICHNEN MEMORANDUM ÜBER DURCHFÜHRUNG
DES UMWELTABKOMMENS

MOSKAU - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben in der
friedlichen Zusammenarbeit einen "wichtigen Schritt vorwärts" getan und ein
Momorandum über die Durchführung ihres Umweltabkommens unterzeichnet.
Did am 21. September zum Abschluß der viertägigen amerikanisch-sowjetischen
Gespräche erzielte Vereinbarung ist das erste Ergebnis des von Präsident Nixon
und Präsident Podgorny am 23. Mai in Moskau unterzeichneten Abkommens über
Zusammenarbeit im Umweltschutz.
Der amerikanische Delegationschef, Dr. Russell E. Train, bezeichnete
diese Vereinbarung als die bisher umfassendste, die zwischen beiden Ländern auf
diesem Gebiet je getroffen wurden, und als "einen wichtigen Schritt vorwärts".
Dr. Train und der sowjetische Delegationsführer, E.K.Fedorow,kündigten vor der
Presse an, daß sie die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Projekte auch anderen
Ländern zugänglich machen würden.
Dr. Train, der Vorsitzender des amerikanischen Beirats für Umwelthygiene
ist, betonte, daß die zu untersuchenden Probleme "weltweiter Natur" leien. Der
amerikanische Delegationschef ging auf einige der über 30 spezifischen Gebiete
einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Politikern beider Seiten
ein. So sollen noch in diesem Jahr gemeinsamen mit sowjetischen Wissenschaftlern
Erdbebenstudien in San Francisco durchgeführt werden, während zu einem späteren

- 1 -

�späteren Zeitpunkt zu dem gleichen Zweck eine amerikanische Expertengruppe
nach Zentralasien reisen wird. Als weitere Punkte der Zusammenarbeit nannte
Train

die Bekämpfung der Verschmutzung von Luft und Wasser, die urbane Umwelt

sowie klimatische und landwirtschaftliche Fragen. Diesbezügliche Studien sollen
unter anderem im Rahmen verschiedener Programme in St. Louis und Leningrad, am
Baikal-See und an den amerikanischen Großen Seen sowie in San Francisco und
Atlanta und in Leningrad und wahrscheinlich Wolgograd durchgeführt werden. Eines
der vorgesehenen multinationalen Projekte fußt auf einer anlaufenden Studie
des amerikanischen Handelsministeriums über die Auswirkungen von Überschallflugzeugen auf die Umwelt, für die auch britische, französische und japanische
Daten herangezogen werden.
In einer zum Abschluß der amerikanisch-sowjetischen Gespräche veröffentlichten
Erklärung heißt es, daß die beiden Delegationen "in einer freundschaftlichen
Atmosphäre Beratungen über eine beiden Seiten zum Nutzen gereichende Zusammenarbeit geführt haben".
Die nächsten Beratungen der beiden Delegationen sollen im kommenden Jahr
in den Vereinigten Staaten geführt werden. In der Zwischenzeit werden, wie es
in der Erklärung heißt, Koordinatoren beider Seiten die Kontakte aufrechterhalten, um Fortschritte des Programms sicherzustellen.

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39/1972

CHROMATOGRAPHIE UND SPEKTROSKOPIE
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

- (AD) - Unter dem Titel "Chromatographie und Spektroskopie" zeigen
vom 23. - 27. Oktober 1972 über 40 amerikanische Hersteller im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main moderne Apparaturen und Systeme für die Analytik.
Das Ausstellungsprogramm umfaßt ein lückenloses Geräte-Angebot, das auch alle
wichtigen elektronischen Hilfsmittel für die beiden bedeutendsten Analysenmethoden in der Chemie, in der physikalischen Chemie, Biochemie und Labormedizin umfaßt. Neben den "großen Namen" werden auf der Ausstellung auch
kleinere und noch weniger bekannte Firmen vertreten sein.
Gezeigt werden u.a.: Gas-Chromatographen, Detektoren, FlüssigkeitsChromatographen, Aminosäure-Analysatoren, Elektrophorese-Geräte, Photometer
zur Auswertung von Chromatogrammen und Elektropherogrammen, Spektrophotometer,
Spektrallichtquellen, Monochromatoren, Röntgenfluoreszenz-Spektrometer, automatische Analysengeräte für chemische und klinische Untersuchungen, Blutgasanalysatoren, Geräte für die chemische Metallanalyse sowie Datenerfassungsgeräte und Rechner für analytische

Instrumente..

Angeschlossen an die Ausstellung ist eine Fachtagung vom 24. - 26. Oktober,
auf der deutsche und amerikanische Fachleute über die neuesten Erkenntnisse
der Analysentechnik berichten und fortschrittliche Geräteentwicklungen
diskutieren.
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39/1972

KULTURBRIEF AUS DEN USA
Literatur - Musik - Film - Museen

NEW YORK

- (AD) - Im September 1972 - Alexander Solschenizyns Romane

und Erzählungen sowie die Fülle von Artikeln, die über ihn in der amerikanischen
Presse erschienen sind, machen den Wunsch amerikanischer Leser verständlich,
mehr über das eigentliche Leben dieses Mannes zu erfahren, der 1970 mit dem
Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde und dessen soeben veröffentlichte
Nobelpreisrede diesem Wunsche wieder neue Nahrung gibt. So werden viele Amerikaner das Erscheinen der Solschenizynbiographie von David Burg und George Feifer
begrüßen. Beide Autoren sind hervorragende Kenner der Sowjetunion. Trotz der
Anfeindungen durch sowjetische Behörden - Feifer ist die Einreise in die Sowjetunion auf Lebenszeit untersagt - und trotz der Tatsache, daß Solschenizyn
selbst sich nachdrücklich dagegen verwahrt hat, daß Biographien zu seinen Lebzeiten veröffentlicht werden, haben die beiden Autoren doch ein erstaunlich
objektives Buch vorgelegt. An Hand von Solschenizyns eigenen Schriften - die
ja vorwiegend Autobiographisches enthalten - sowie aus Bemerkungen seiner Freunde
und Bekannten, zeichneten sie das Lebensbild eines Sowjetbürgers, der Krieg,
politische Verfolgung, Arbeitslager, eine bösartige Krebserkrankung und die
Schikanen eines starren Bürokratismus ertragen und überdauert hat. Das Buch
erscheint in einem günstigen Augenblick, nämlich kurz vor Auslieferung der
amerikanischen Ausgabe von Solschenizyns "August 1914", das vom Book-of-theMonth Club in einer ersten Auflage von 100 000 Exemplaren auf den Markt gebracht wird*
Jede

- 1 -

�Jede andere Neueerscheinung wird es im Hinblick auf das Publikumsinteresse schwer haben, sich gegen "August 1914" zu behaupten. Die Verlagsprogramme
für Herbst 1972 lassen außerdem eine gewisse Zurückhaltung auf dem Gebiet der
Romanliteratur erkennen, zumal es immer schwieriger scheint, aufnahmewillige
Märkte zu finden. Herausgegriffen aus dem Herbstangebot etablierter Schriftsteller seien "Museums and Women and other Stories", ein Kurzgeschichtenband
von John Updike; "Marriage and Infidelities" von Joyce Carol Oates; "Transparent
Things" von Vladimir Nabokov und "Chimera" von John Arth.

Auf dem Gebiet der Musik ist Amerika nach wie vor ungeheuer aktiv. Rechnet
man die stattliche Anzahl der Sommerfestivals und Gastspieltourneen großer
Opernensembles und Sinfonieorchester hinzu, hat die Musik in den USA das ganze
Jahr über Saison. Unermüdlich scheint die New York City Opera, die bereits
Ende August die neue Spielzeit mit Donizettis "Maria Stuart" mit Beverly Sills
in der anspruchsvollen Titelrolle eröffnet hat. Vorgesehen sind ferner je
fünf Aufführungen von Mozarts "Don Giovanni" in englischer und italienischer
Sprache - ein Experiment, das viele Opernfreunde begrüßen werden. Mit zu den
rührigsten Opernhäuser Amerikas zählt auch die Santa Fe Opera in Santa Fe,
New Mexiko. Das Haus besteht seit 16 Jahren und hatte auch in diesem Jahr wieder
einen großstädtischen Spielplan aufzuweisen, so u.a. "Don Giovanni" (Mozart),
"Salome" (Richard Strauss), "Madame Butterfly" (Puccini) und die amerikanische
Erstaufführung der Oper "Melusine" von Aribert Reiman (Berlin, , Das Theater
ist eine Art Freilichtbühne mit hervorragenden akustischen Eigenschaften; insgesamt eine Anlage, die sich harmonisch in die zauberhafte Landschaft Neu
Mexikos einfügt. Die Metropolitan Opera eröffnete das Winterprogramm am
19. September mit einer Inszenierung von Bizets "Carmen" von Göran Gentele,
dem leider inzwischen tödlich verunglückten neuen Intendanten der Met. Am
20. September gedachte das New York Philharmonie Orchestra unter der Leitung
seines Chefdirigenten Pierre Boulez im Rahmen eines festlichen Konzerts des
10. Jahrestags der Eröffnung des Lincoln Center.

- 2-

�Die Tatsache, daß drei neue Theater in der kommenden Saison den New Yorker
Theaterplan zusätzlich bereichern, mag als Beweis gewertet werden,daß der
Broadway keineswegs so moribund ist wie einige Kommentatoren dies mit großer
Hartnäckigkeit immer wieder behaupten. Ein weiteres Anzeichen für seine ungebrochene Vitalität ist das Rekordangebot an neuen Musical-Produktionen. Hinzu
kommt die Übernahme außerordentlicher Off-Broadway-Erfolge, einschließlich des
Lustspiels "That Championship Season" von Jason Miller und des Musicals "Jacques
Brei is Alive - and Well and Living in Paris", das in der Off-Broadwayinszenierung
seit Jahren erfolgreich aufgeführt wird und bisher mehr als 1800 Vorstellungen
erreichte.

Das American Film Institute Theater im Washingtoner Kennedy Center ist
zwar noch nicht offiziell eingeweiht, was indes die Manager nicht hinderte,
eben dieses zum Schauplatz einer Art Musikfilmfestival zu machen. Gezeigt
wurden sechs Verfilmungen von Bernsteinkonzerten mit ausgewählten Werken von
Beethoven, Mahler, Verdi und Brahms, die in Tanglewood, London und Wien aufgenommen wurden. Die Vorführungen fanden im Eisenhower Theater des Kennedy
Center statt, das wegen seiner hervorragenden Akustik sich auch für die Aufführung von Kammermusiken und Schauspielen eignet.

Der Jahresbericht der National Gallery of Art (Washington) von 1971 berichtet von 333 Kunstwerken, die 1971 erworben wurden, einschließlich eines
Porträts von Cezanne

sowie Graphiken von Goya, Dürer und Rembrandt. Hinzu

kommen Arbeiten von Künstlern, deren Namen man vor wenigen Jahren in Publikationen der Nationalgalerie wohl vergeblich gesucht haben würde, Namen wie
Morris Louis, Lowell Nesbitt, Andy Warhol und Tom Weselmann. Sie sollen später
in dem noch im Bau befindlichen neuen Flügel der Nationalgalerie, der eine
repräsentative Sammlung moderner Kunst aufnehmen soll, gezeigt werden.
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39/1972

DIE AMERIKANISCHEN VORSTELLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN WÄHRUNGSREFORM
- Das Zahlungsbilanzproblem steht im Mittelpunkt -

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Der Kern des neuen amerikanischen Planes für eine Reform des internationalen Währungssystems ist der Vorschlag, daß die einzelnen
Länder und -er Internationale Währungsfonds (IWF) Veränderungen der Währungsreserven eines Landes daraufhin beobachten, ob eine Anpassung des Wechselkurses seiner Währung nach oben oder nach unten vorgenommen werden sollte.

Der amerikanische Finanzminister George Shultz, der die amerikanischen
Vorstellungen auf der Jahrestagung des IWF am 26. September erläuterte, erklärte hierzu, "ein unangemessener Zuwachs oder Verlust an Reserven" - Währungsguthaben, die von den einzelnen Regierungen zur Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten benutzt werden - "wäre letztlich der wohl gerechteste und wirksamste
Indikator, den wir als Richtschnur für den Anpassungsprozeß haben".

Es wird also von jedem einzelnen Land erwartet, daß es den Wechselkurs
seiner Währung ändert oder gleich wirksame, international akzeptable Maßnahmen
ergreift, wenn immer dieser Indikator klar zeigt, daß eine Wechselkursänderung
notwendig ist.

So könnten Sanktionen gegen Defizit- oder Überschußländer verhängt werden,
die sich weigern, Anpassungen ihres Wechselkurses vorzunehmen, nachdem die
- 1 -

�die Gemeinschaft der Völker der Welt - vertreten durch den Internationalen
Währungsfonds - entschieden hat, daß eine solche Anpassung nicht länger mehr
aufgeschoben werden kann.

Defizitländer würden Währungsreserven verlieren und könnten ebenfalls
ihres Zugangs zu IWF-Krediten oder ihrer Zuteilung von Sonderziehungsrechten
- den vom IWF geschaffenen und verwalteten internationalen Reserveguthaben verlustig gehen.

Länder mit ständigen Zahlungsbilanzüberschüssen, die sich in der Vergangenheit nur einem geringen Druck, zu handeln, ausgesetzt sahen, hätten zwei neue
Arten von möglichen Sanktionen zu gewärtigen:

1. Sie würden das Recht verlieren, die Einlösung fremder Währungen, die
durch Markttransaktionen erworben wurden, von den Ausgabelandern gegen andere
Reserveguthaben zu fordern. Praktisch wären dann von ihnen erworbene Dollar,
Franc, Yen oder andere Währungen nicht mehr konvertierbar.

2. In extremen Fällen würde es anderen Ländern gestattet werden, besondere
Importabgaben bei Gütern zu erheben, die aus solchen Ländern kommen, die sich
weigern, die neuen Bestimmungen einzuhalten.

Obwohl die neuen amerikanischen Vorstellungen nur ganz allgemein gehalten
waren, und absichtlich vermieden wurde, Einzelheiten über die Arbeitsweise des
neuen Systems darzulegen', hat Shultz doch klar zu verstehen gegeben, daß der
amerikanische Plan dem Internationalen Währungsfonds bei der Schlichtung von
Streitfragen, wann und wie die neuen Bestimmungen angewandt werden sollen, eine
wesentlich stärkere Stellung einräumen würde.

Sobald irgend ein System, so führte Shultz weiter aus, das eine Anpassung
von Zahlungsbilanzungleichgewichten gewährleistet, in Kraft tritt, würden die
Vereinigten Staaten wieder Sonderziehungsrechte oder andere Reserveguthaben
zur Einlösung von Dollar anbieten, die von den Zentralbanken anderer Länder erworben worden sind. Sie würden dies allerdings nur nach einer Übergangszeit
tun, in der die Zahlungsbilanzposition der Vereinigten Staaten eine wesentliche
Stärkung erfahren hat.
Noch

�Noch im Laufe der Woche wird sich der neue Zwanziger-Ausschuß des IWF konstituieren, um dann substantielle Verhandlungen über eine Währungsreform aufzunehmen. Wahrscheinlich werden die amerikanischen Pläne dann in diesen Verhandlungen im Detail ausgearbeitet und zusammen mit dem kürzlichen IWF-Bericht über
eine Währungsreform sowie den Vorschlägen anderer Länder erörtert werden. Da die
meisten der 20 Mitglieder des Ausschusses Ländergruppen repräsentieren, werden
praktisch alle Mitgliedsstaaten des IWF direkt oder indirekt bei den Verhandlungen
vertreten sein.

Die Vereinigten Staaten haben zwar neue Bestimmungen vorgeschlagen, die eine
Korrektur grundlegender Ungleichgewichte innerhalb

des internationalen Währungs-

systems sicherstellen sollen, ihr Plan läßt jedoch eine große Vielfalt in der Wahl
der politischen Instrumente zu, die von den einzelnen Regierungen hierbei eingesetzt werden können.

So könnten Länder den Wechselkurs ihrer Währungen innerhalb verhältnismäßig
großer Bandbreiten freigeben. Gleichzeitig würde es aber auch der Europäischen
Gemeinschaft gestattet sein, ihren Plan für eine Verringerung der Bandbreiten
innerhalb der Gemeinschaft durchzuführen. Und ein Entwicklungsland, das sich
großer Wechselkursstabilität rühmen kann, könnte mit seinem wichtigsten Handelspartner vereinbaren, den Wechselkurs seiner Währung eng an den Wechselkurs dieses
Landes zu binden.

Unter bestimmten Umständen würde es Länden erlaubt sein, den Wechselkurs
ihrer Währungen freizugeben. Aber ein solches Floaten würde neuen strengen
Bestimmungen unterliegen - zum Beispiel Bestimmungen, die sicherstellen, daß
wirklich keinerlei offizielle Interventionen zur Beeinflussung des Kurswertes
vorgenommen werden.

Obwohl bei internationalen Zahlur.gsbilanzungleichgewichten allgemein eine
Anpassung der Wechselkurse erwartet wird, können die betreffenden Länder auch
unter einer Vielzahl anderer, international akzeptabler Maßnahmen wählen - bei
Defizitländern zum Beispiel scharfe Beschränkungen auf binnenwirtschaftlichem
Gebiet oder bei Überschußländern ein Abbau der Handelsschranken oder eine Er- 3-

�Erhöhung der zinsgünstigen Finanzhilfe an Entwicklungsländer.

Dadurch, daß der Anpassungsmechanismus verschiedene Alternativen zuläßt,
haben die einzelnen Regierungen eine größere Handlungsfreiheit. Dies dient
aber auch einem anderen wichtigen Zweck. Für die Spekulanten erhöht sich damit
das Risiko, wenn sie auf künftige Auf- oder Abwertungen setzen. Ihnen wird der
Anreiz zu Spekulationen genommen, den, wie einige Experten befürchteten, jedes
auf automatischen und vorhersehbaren Wechselkursänderungen basierende System
geben könnte.

Gleich den meisten anderen Ländern treten die Vereinigten Staaten für eine
Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte in dem künftigen internationalen
WährungsSystem ein, während dem Gold eine mehr untergeordnetere Rolle zugewiesen
werden soll. Offensichtlich würde auch der Dollar nicht mehr eine so wichtige
Rolle für die internationalen Währungsreserven spielen, doch hat Shultz angedeutet, daß Ländern, die ihre gesamten Reserven - oder einen Teil - in Dollar
halten wollen, dies gestattet sein soll.

Der amerikanische Plan sieht ferner eine enge Zusammenarbeit von Internationalem Währungsfonds und Allgemeinem Zoll- und Handelsabkommen (GATT) vor.
Dadurch soll sichergestellt werden, daß Handelsschranken und Subventionen nicht
das Ziel einer Wiederherstellung des Gleichgewichts der Internationalen
Zahlungsbilanzen zunichte machen. Dagegen sind Maßnahmen zum Abbau von Beschränkungen und Kontrollen im Handel und im Kapitalverkehr in dem amerikanischen Plan
nicht vorgesehen.

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APOLLO 16-PROBEN FÜR DEUTSCHE WISSENSCHAFTLER

BONN - (AD) - Neue Boden- und Gesteinsproben vom Unternehmen APOLLO 16
sind in der Bundesrepublik eingetroffen. Sie stammen aus dem Descartes-Hochland, ca. 300 km südlich des Mond-Äquators, wo die Astronauten Young und Duke
insgesamt 97 kg Material einsammelten. Ein Teil davon wird gegenwärtig vom
US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) an einige Hundert "Principal Investigators"
in den Vereinigten Staaten und im Ausland zur Vornahme spezieller Untersuchungen
verteilt.
Meist handelt es sich um Proben von nur einigen Gramm Gewicht, die unter
den verschiedensten chemischen und physikalischen Aspekten analysiert werden.
Die sieben Proben der jetzigen Sendung sind für Prof. Wolf von Engelhardt
(Universität Tübingen), Dr. Heinrich Hintenberger und Dr. Hermann Wanke (beide
Max Planck-Institut für Chemie in Mainz) und Dr. T. Kirsten (Max Planck Institut für Kernphysik in Heidelberg) bestimmt.
Im Vordergrund der Untersuchungen stehen dieses Mal Altersbestimmungen
vom ersten Material aus den lunaren "Kontinenten", d.h. vom Hochland über den
Mare-Becken, sowie chemische Analysen, einschließlich der Ermittlung von Spurenelementen. Die genannten Wissenschaftler beteiligten sich bereits an den Analysen
von Material aus dem Gebiet früherer APOLLO-Landeplätze. So wurden an Gesteinssplittern, Staub und Brekzien von der APOLLO 15-Basis am Apennin und an der
Hadley-Rille u.a. Druckwelleneffekte bestimmt, wie sie nahe der Aufsturzstelle

-

I

-

�Aufsturzstelle eines Meteoriten auftreten können. Ferner befaßte man sich
mit Kristallgitter-Untersuchungen, Kristallverformung unter Druckwelleneinwirkung im Vakuum und bei tiefen Temperaturen, mit dem Gehalt der Proben an
Edelgasen und gewöhnlichen Gasen sowie dem Anteil von deren verschiedenen
Isotopen, mit der Altersbestimmung des Materials sowie möglicherweise eingetretenen KernUmwandlungen unter dem Einfluß der kosmischen Strahlung.

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BIOCHEMISCHE PRÄZISIONSMESSUNGEN

- (AD) - In einem Vortrag vor der Gesellschaft amerikanischer Chemiker
erläuterte Dr. Charles Scott vom Kernforschungszentrum Oak Ridge National
Laboratory (Tennessee) ein neues Verfahren, das die Empfindlichkeit von bestimmten Untersuchung, oiethoden außerordentlich erhöht. Scott nennt es
"Differential-Chromatographie mit sehr hoher Auflösung". Die dabei verwendeten
Instrumente vergleichen Flüssigkeiten und deren Verhalten bei der erzwungenen
Passage fester Stoffe. Diese Feststoffe halten gewisse Elemente zurück und beschleunigen den Transport anderer Elemente. Die quantitativen Unterschiede in
der Zusammensetzung von Flüssigkeiten, die in zwei parallel geschalteten Chromatographen verglichen werden, braucht man dann nur abzulesen.
Das Verfahren eignen sich nach Scott für diagnostische Zwecke in der Medizin,
zur Prüfung der Wirkung von Arzneimitteln und zur Ermittlung von Schmutz- und
Schadstoffen, die wegen ihrer geringen Konzentration schwer zu erfassen sind.
Versuchsweise wurde die Methode auch bei der Krebsdiagnose angewandt. Dabei
zeigte sich u.a., daß Krebs, ranke größere Mengen methylierter Purinverbindungen Elemente des genetischen Materi als der Zelle - ausscheiden, als gesunde Kontrollpersonen. Das Instrument mißt z-B. auch die Wirkung eines Medikaments, indem
die Zusammensetzung des Urins vor und nach der Einnahme bzw. Anwendung des
Präparats qualitativ und quantitativ analysiert wird. Außerdem war es bei Versuchen möglich gewesen, Spuren von Kohlenwasserstoffen in Abwässern vor und nach
deren Behandlung mit Chlor zu bestimmen.

+ + + + +

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STRENGERE MASSTÄBE FÜR STANDARDTESTS

- (AD) - Die amerikanische "Food and Drug Administration" (US-Bundesbehörde zur Überwachung von Lebens- und Arzneimitteln sowie kosmetischen Präparaten) hat angekündigt, daß sie für diagnostische Standardtests strengere Vorschriften und neue bundeseinheitlichen Standardwerte festsetzen werde. Das gleiche
gelte für alle biologischen Produkte, die zur Verhütung und Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
Die amerikanische Bundesbehörde FDA verfolgt damit das Ziel, alle auf dem
Markt befindlichen Artikel, mit denen beispielsweise jedermann selbst den
Zuckerspiegel im Harn prüfen kann, mit denen Frauen selbst einen Schwangerschaftstest vornehmen oder das technische Personal in medizinischen Laboratorien unter großer Zeiteinsparung BlutUntersuchungen unter den verschiedensten
Gesichtspunkten ausführt, zu überprüfen und einer strengeren Kontrolle zu unterwerfen. Nach Aussage von Henry Simmons, des FDA-Direktors für pharmazeutische
Produkte, hat die Herstellung solcher Do-it-yourself-Diagnosehilfen und vorbereiteten Testpräparate eine solche Ausweitung erfahren, daß manche dieser Artikel
sogar ohne Lizenz auf den Markt kommen. Da allgemeine Richtlinien für die Anwendung und die Interpretation der Meßwerte fehlen, sind viele Hersteller und
kommerzielle Laborbetriebe dazu übergegangen, eigene Vorschriften und Maßstäbe
für die Interpretation zu entwickeln. Dies alles soll bis zum Jahr 1973 bundeseinheitlich geregelt und an den von der FDA ausgearbeiteten Vorschriften orientiert werden.
Die

-

I

-

�Die Durchführung von Bluttests und der Blutfaktoren-Bestimmung wird auch
deshalb überprüft, damit die mögliche Gefahr einer Übertragung von Infektionskrankheiten wie Hepatitis ausgeschaltet wird. Ferner will man die Impfstoffe
gegen bakterielle Infektionen und andere biologische Präparate unter die Lupe
nehmen, damit gewährleistet wird, daß sie tatsächlich Antikörper-Reaktionen
gegen die von ihnen zu bekämpfenden Krankheitserreger in Gang setzen.
Die Aktion beginnt bei den Präparaten für die häufig angewandten Glukosetests; als nächstes kommen die Verfahren an die Reihe, mit denen auf einfache Weise Hämoglobin im Blut bestimmt wird.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon fordert grundlegende Reform des internationalen Währungssystems&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des Präsidenten auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz erläutert US-Vorstellungen zur internationalen Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Rogers vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinte Nationen werden sich mit Terrorismus befassen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikaner unterstützen UN-Generalsekretär -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und Sowjetunion unterzeichnen Memorandum über Durchführung des Umweltabkommens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chromatographie und Spektroskopie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kulturbrief aus den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Literatur - Musik - Film - Museen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Vorstellungen zur internationalen Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das Zahlungsbilanzproblem steht im Mittelpunkt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 16-Proben für deutsche Wissenschaftler&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biochemische Präzisionsmessungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strengere Maßstäbe für Standardtests</text>
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40

4. Oktober 1972

Inhalt
INFORMATION
Amerikanisch-sowjetische Abkommen über Rüstungsbegrenzung in Kraft
- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos Hanois "Deichpropaganda" bricht zusammen
Von unserem Sonderkorrespondenten

DOKUMENTATION
Nixon ruft zu gemeinsamen Maßnahmen gegen den Terror auf
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Verteidigung ist auch mit Freiwilligen gesichert
- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht Von Hubert G. Collins

WIRTSCHAFT
IWF-Tagung bekräftigte Wunsch nach Anpassung unterschiedlicher Standpunkte
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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40/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ÜBER RÜSTUNGSBEGRENZUNG IN KRAFT
- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon und der sowjetische Außenminister
Gromyko haben am 3. Oktober in Washington in einer Feierstunde im Weißen Haus
die Ratifikationsurkunden zu dem amerikanisch-sowjetischen Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme sowie zu dem amerikanisch-sowjetischen Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen ausgetauscht. Beide Verträge
treten damit in Kraft. Die von den beiden Staatsmännern aus diesem Anlaß gehaltenen Ansprachen haben folgenden Wortlaut:

Ansprache von Außenminister Gromyko:

"Herr Präsident, Herr Außenminister, meine Damen und Herren:

Der Vertrag und das Interimsabkommen über Fragen der Begrenzung der strategischen Rüstungen, die von Ihnen, Herr Präsident, und von dem Generalsekretär des
Zentralkomitees der kommuni;:_ - &lt;chen Partei der Sowjetunion, Leonid Breschnew,
unterzeichnet worden sind und die heute in Kraft treten, werden in die Geschichte
als ein bedeutsamer Erfolg bei der Einschränkung des Wettrüstens eingehen.

Die öffentliche Meinung der Welt wird die Bedeutung dieses Ereignisses so
bewerten. Die Sowjetunion mißt diesen Verträgen große Bedeutung bei, die eine
Fortsetzung des Prozesses bedeuten, der durch den Abschluß des Atomsperrvertrages
in Moskau, den Vertrag über die Nicht-Weitergabe von Kernwaffen und andere wichtige

�wichtige Abkommen zur Begrenzung des Wettrüstens auf der Welt eingeleitet worden
ist.

Das sowjetische Volk hat den festen Willen, mit der Durchführung des Friedensprogramms fortzufahren, das vom 24. Kongreß der kommunistischen Partei der Sowjetunion gebilligt worden ist. Wir sind überzeugt, daß die Frage der Nicht-Anwendung
von Gewalt in internationalen Beziehungen und das ständige Verbot eines Einsatzes
von Kernwaffen, die wir der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterbreitet haben, ebenso von entscheidender Bedeutung für die
Sache des Friedens sind.

Der Vertrag und das Interimsabkommen, die heute in Kraft treten, basieren
auf der Anerkennung des Prinzips der gleichen Sicherheit der Partner,und sie
bieten keinem einen einseitigen militärischen Vorteil. Gleichzeitig dienen diese
Verträge nicht nur den Interessen unserer beiden Länder, sondern auch den Interessen der internationalen Sicherheit als Ganzem und den Interessen aller Länder,
weil Sicherheit und Friede ihr gemeinsames Ziel sind.

Praktische Schritte zur Begrenzung der Rüstungen bei Nuklearraketen
nehmen mit Recht einen wichtigen Platz unter den sehr realen politischen Veränderungen ein, die sich in den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern vollziehen, und dies bedeutet einen Erfolg für die Politik der friedlichen Koexistenz
und übt eine positive Wirkung auf die gesamte internationale Situation aus.

Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg treten Abkommen in Kraft, die auf
eine Verlangsamung des Wettrüstens bei den destruktivsten Waffenarten abzielen.
Aber jeder Vertrag und jedes Abkommen können nur dann eine echte historische Bedeutung haben, wenn die in ihnen verkündeten Prinzipien und Absichten Inhalt des
praktischen Wirkens der Staaten werden und zu weiteren wichtigen Schritten in
dieser Richtung führen.

Die Sowjetunion für ihren Teil ist fest entschlossen, alles Erforderliche
hierzu zu tun.
Heute

�Heute, wenn diese wichtigen Dokumente in Kraft treten, sollte festgestellt
werden, daß entsprechend dem zwischen unseren beiden Ländern erzielten Einvernehmen, die Verhandlungen fortgesetzt werden mit dem Ziele einer Vertiefung und
Ausweitung der Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen.

Wie der Vertrag und des Interimsabkommen zeigen, die heute in Kraft treten,
zeitigen nachdrückliche Anstrengungen zur Beseitigung der Kriegsgefahr und auf
dem Abrüstungssektor konkrete positive Ergebnisse.
Wir sind überzeugt, daß die Interessen des sowjetischen und des amerikanischen
Volkes und die Interessen der Völker aller Länder der Welt es erfordern, daß die
Anstrengungen zur Begrenzung des Wettrüstens uneingeschränkt fortgesetzt werden
sollten.

Die Ansprache Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:
Herr Vizepräsident, Herr Außenminister, Mitglieder des Kabinetts und Mitglieder des Kongresses sowie alle verehrten Gäste:

Wie bereits gesagt worden ist, tritt mit den von uns unterzeichneten Dokumenten die erste Begrenzung offensiver und defensiver Nuklearwaffen in Kraft, die
jemals vorgenommen worden ist; insbesondere ist es bedeutsam, daß diese Begrenzung zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgt.

Bei dieser besonderen Gelegenheit möchte ich den Mitgliedern des Repräsentantenhauses und des Senats, die in überparteilicher Weise diese historischen
Dokumente billigten und unterstützten, meine persönliche Hochachtung bezeugen und
ihnen den Dank der Nation aussprechen.

Genauso möchte ich den vielen Vertretern beider Regierungen, die hier zwar
nicht mit am Tis .1 sitzen, aber mit den hier Anwesenden bei der Festlegung der
- 3-

�der Einzelheiten dieser Abkommen und ihres Inhaltes fast drei Jahre lang zusammenarbeiteten, meine persönliche Anerkennung aussprechen.
Es wäre nicht angebracht, hier alle oder nur einige Namen zu nennen, aber
ich bin sicher, daß jeder zu würdigen weiß, wenn ich sage, daß ein Name einem
heute besonders vor Augen steht, nämlich der eines ehemaligen Botschafters der
Vereinigten Staaten in der Sowjetunion, der auch zusammen mit Botschafter Smith
der SALT-Delegation der Vereinigten Staaten angehörte: Botschafter Llewellyn
Thompson. Von ihm kann wirklich - wie auch von vielen anderen, die auf diesem Gebiet gewirkt haben - gesagt werden, daß er sein Leben der Sache des Friedens verschrieb.

Bei diesem Anlaß sind wir uns darüber im klaren, daß diese Abkommen den
ersten Schritt bei der Begrenzung der nuklearen Rüstungslasten bedeuten, soweit
dies unsere beiden Länder angeht. Ferner stellen diese Abkommen einen ersten
Schritt beim Abbau der Kriegsgefahr in der Welt und bei der Stärkung der Friedenschancen dar.

Ich habe hier ganz bewußt von einem "ersten Schritt" gesprochen; zwar haben
diese Abkommen eine enorme Bedeutung hinsichtlich des Verbotes defensiver Nuklearwaffen über die in dem Abkommen und dem Vertrag behandelten Punkte hinaus, und sie
haben auch eine enorme Bedeutung in bezug auf die Begrenzung bestimmter Kategorien
von Offensivwaffen, aber dennoch verbleibt eine bedeutsame Anzahl von Kategorien
auf nuklearem Gebiet, die nicht erfaßt worden sind. Deshalb teile ich die Ansicht
von Außenminister Gromyko, daß wir nunmehr von diesem ersten Schritt zu dem
lebenswichtigen zweiten Schritt gelangen müssen, bei dem wir den gesamten Bereich der offensiven Nuklearwaffen erörtern und versuchen müssen, eine Übereinkunft zwischen unseren beiden Ländern auf diesem Gebiet zu finden. Und wenn dann
dieser Schritt erfolgt ist, können wir die Möglichkeit der Reduzierung der Last
der Kernwaffen und schließlich die Möglichkeit von Begrenzungen und Beschränkungen
eines Einsatzes solcher Waffen ins Auge fassen.

Was

- 4 -

�Was wir also heute praktisch miterleben, ist nach unserer Überzeugung der
Beginn eines großen historischen Prozesses, bei dem wir durch die Ausarbeitung
dieser Abkommen, die dem Vertrag über die Nicht-Weitergabe von Kernwaffen und
dem Atomsperrvertrag folgen, gelernt haben, daß wir den Weg zu Fortschritten
auf anderen Gebieten gefunden haben, die schließlich zu dem von uns allen angestrebten Ziel führen können: zu einer Welt, die viel sicherer ist, und insbesondere zu einer Welt, die möglicherweise frei von der großen Gefahr einer nuklearen
Katastrophe ist.

Ich glaube, wir alle sind uns völlig über die Tatsache im klaren, daß die
heutige Unterzeichnung dieser Dokumente sowie die damalige Unterzeichnung der
Dokumente im Kreml die Hoffnungen aller Menschen auf der Welt auf einen Traum
stärken werden, den die Menschheit von Anbeginn der Zivilisation geträumt hat:
auf eine Welt des Friedens, auf eine Welt, in der die Völker mit unterschiedlichen
Regierungen und unterschiedlichen Auffassungen in Frieden miteinander leben
können.

Wir glauben, daß wir einen Beitrag zu dieser Sache und zu der Verwirklichung
dieses Traumes geleistet haben. Und wenn wir nun diesen ersten Schritt tun,
dann blicken wir erwartungsvoll auf die Zusammenarbeit bei den nächsten Schritten;
und wir sind insbesondere darauf bedacht, uns der Hoffnungen der Menschen in aller
Welt würdig zu erweisen. Wir können uns dieser Hoffnungen würdig erweisen, wenn
unsere beiden großen Nationen darangehen können, nicht nur unsere eigenen Rüstungslasten zu begrenzen, sondern auch der Menschheit die Last der Kriegs furcht zu
nehmen.

- 5-

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40/19 72

HANOIS "DEICHPROPAGANDA" BRICHT ZUSAMMEN
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINTTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 28. September einem
Unterausschuß des Senats umfassende Fakten und Zahlen unterbreitet, die eindeutig
zeigen, daß die Beschuldigungen Hanois, die Vereinigten Staaten hätten vorsätzlich und systematisch Bombenangriffe gegen die nordvietnamesische Deiche und
Flußregulierungssysteme geflogen, von Anfang an falsch und verlogen waren.

Der unter dem Vorsitz des demokratischen Senators Edward Kennedy stehende
Unterausschuß hatte den stellvertretenden Unterstaatssekretär für Ostasien und
den Pazifik im amerikanischen Außenministerium, William Sullivan, sowie zahlreiche andere Vertreter der Regierung zu dieser Frage vorgeladen, die alle übereinstimmend die massive nordvietnamesische Propagandakampagne über die angeblichen
amerikanischen Bombenangriffe auf die Deichsysteme Lügen straften und durch die
wirklichen Tatsachen entkräfteten.

In seiner großangelegten intensiven Hetzkampagne hatte Hanoi immer wieder behauptet, die Vereinigten Staaten hätten vorsätzliche Bombenangriffe auf die Deichsysteme geflogen, mit dem Ziele, durch deren Zerstörung eine Überschwemmung weiter
Gebiete auszulösen, was das Leben von vielen Tausenden von Zivilisten gekostet
haben würde. Um den Ernst dieser Situation noch zu unterstreichen, hatte Hanoi
diese falschen Behauptungen immer wieder in die Welt hinausposaunt und ständig
in allen Einzelheiten über solche angeblichen Bombenangriffe und die dabei ver-

�verursachten schweren Schäden berichtet. Westliche Diplomaten, Journalisten und
Kriegsgegner waren immer wieder an solche Stellen geführt worden, wo angeblich
durch amerikanische Bombenangriffe schwere Schäden entstanden sein sollten.

Auf dem Höhepunkt dieser nordvietnamesischen Propagandakampagne hatte im
Juli sogar der Generalsekretär der Vereinten Nationen solche Berichte erwähnt und
seiner ernsten Besorgnis darüber Ausdruck verliehen. Und Senator Kennedy hatte
in einer Rede am 4. August erklärt, wenn diese Deiche nicht halten, kann es zu
einer der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts kommen.

Aber die Regenzeit ist jetzt fast vorbei. Amerikanische Regierungsvertreter
haben dem Kennedy-Ausschuß berichten können, daß die Fluten im Delta des Roten
Flusses um den 1. September ihren Höchststand erreicht hatten

und daß das Hoch-

wasser, falls es nicht noch zu Wirbelstürmen kommen sollte, bereits wieder im
Zurückgehen begriffen sei. Es sei kein großer Deich gebrochen, und es habe in
ganz Nordvietnam dieses Jahr keine größeren Überschwemmungen gegeben. Dagegen
brachten der August und September 1971 riesige Übersc lwemmungen, obwohl es damals
praktisch so gut wie keine Bombenangriffe gegeben hatte. Und an den wenigen
Stellen, an denen es dieses Jahr zu geringfügigen Überschwemmungen kam, ließen
sich diese beim besten Willen nicht mit rein zufällig in der weiteren Umgebung
befindlichen Bombentrichtern in Verbindung bringen.

Aber die Propagandasprecher Hanois haben bei diesen untergeordneten Fällen
noch nicht einmal den Amerikanern die Schuld in die Schuhe geschoben, noch haben
sie den Amerikanern die Verluste von Menschenleben angelastet. Die Deichpropaganda
Hanois hat vielmehr in den letzten Tagen eine völlige Kehrtwendung vollzogen. In
einem Ende August zur Lage in den Deichgebieten veröffentlichten Kommunique wird
nicht mehr von irgend welchen Gefahren in diesem Jahr gesprochen, sondern lediglich erklärt, daß langfristige Schäden aufgetreten seien, die sich erst in späteren
Jahren richtig bemerkbar machen würden.

Die amerikanische Regierung hat immer wieder erklärt, daß sie nicht die
geringste Absicht habe, die Deiche zu zerstören und daß bei den wenigen gelegentlichen Treffern eindeutig militärische Ziele in der Nähe der Deiche oder gar

�gar auf diesen gelegen hätten, wie zum Beispiel wichtige Straßen, Raketen- und
Flak-Stellungen. Auch Präsident Nixon hatte am 28. Juli unterstrichen, daß er
strikte Anweisung gegeben habe, keine Deichanlagen zu bombardieren. Wenn es die
Politik der USA wäre, so fügte der Präsident damals hinzu, die Deiche zu zerstören, so hätte dies praktisch innerhalb einer Woche geschehen können.

Nachdem die Hochwasserzeit fast verstrichen ist, läßt sich nur der Schluß
ziehen, daß es niemals Ziel der amerikanischen Politik gewesen sein kann, die
Deichsysteme zu vernichten. Die Behauptung, daß die amerikanischen Bombenangriffe Verluste unter der Zivilbevölkerung schaffen und Überschwemmungen auslösen
sollten, gehört praktisch in die gleiche Kategorie von

Verleumdungen wie die

Behauptung der Kommunisten, daß die USA im Koreakriege biologische Kampfmittel
angewandt hätten.

Neben Sullivan hatte auch der Stellvertretende Unterstaatssekretär für Ostasien und den Pazifik im Verteidigungsministerium, Dennis Doolin, vor dem Unterausschuß zu den kommunistischen Anschuldigungen Stellung genommen. Doolin unterstrich nachdrücklich, daß das Verteidigungsministerium niemals Anweisungen gegeben habe, die nordvietnamesischen Deiche zu bombardieren.

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NIXON RUFT ZU GEMEINSAMEN MASSNAHMEN GEGEN DEN TERROR AUF
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

NEW YORK - (AD) - Präsident Nixon hat an alle Länder einen nachdrücklichen
Appell gerichtet, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen, um dem unmenschlichen
Terror Einhalt zu gebieten, der nicht nur unschuldige Menschenleben überall auf
der Welt bedrohe, sondern auch die Prinzipien, auf denen die Vereinten Nationen
begründet wurden, in Frage stelle. Die am 27. September in New York veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Am Montag (den 25. September) hat Außenminister Rogers hier in New York
umgehend dreierlei Maßnahmen der Vereinten Nationen gefordert, um der unmenschlichen Terrorwelle entgegenzutreten, die über die Welt hereingebrochen ist. Ich
bin oefriedigt darüber, daß die Vereinten Nationen beschlossen haben, sich vordringlich mit der Frage des Terrors zu befassen, und ich unterstütze nachdrücklichst den Appell des Außenministers im Namen der Vereinigten Staaten und der
Menschenwürde.

Ebenfalls am Montag habe ich in Washington Anweisung gegeben, einen Kabinettsausschuß zur Bekämpfung des Terrors zu bilden, in dem Außenminister Rogers den
Vorsitz übernehmen wird und der die allen zuständigen Regierungsdienststellen
zur Verfügung stehenden Mittel voll für die Aufgabe einsetzen soll, den Terror,
wo immer er auftritt, wirksam zu bekämpfen. Ich habe den Ausschuß angewiesen,
nachdrückliche und sofortige Maßnahmen hierzu zu ergreifen.
Die

�Die Anwendung von Terror ist nicht zu entschuldigen. Der Terror beseitigt
mit einem Schlag in der zivilisierten Welt jede Sicherheit, die die Menschheit
so mühsam in Jahrhunderten geschaffen hat.
Aber der Terror bedroht nicht nur das Leben Unschuldiger. Er bedroht gerade die Prinzipien, auf denen die Vereinten Nationen gegründet wurden. Jedes
Mitgliedsland der Vereinten Nationen, gleichgültig welche Ideologie es vertritt,
wer immer seine Gegner und wer immer seine Sympathisanten sein mögen, ist sich
mit allen anderen Ländern über die Gefahr einig, die der Terror für die Souveränität aller bedeutet. Wenn die Welt sich nicht in ihrer Ablehnung des Terrors
einig sein kann, wenn wir nicht ganz einfache Grundregeln schaffen können, um
der Gesetzwidrigkeit Einhalt zu gebieten, wenn wir kurz gesagt nicht handeln
können, um in unserem eigenen Interesse die Grundprinzipien der nationalen
Souveränität zu verteidigen, auf welcher Grundlage können wir dann ein gutes
internationales Einvernehmen schaffen?

Da sind jene, die uns erklären, daß Terror

die letzte Zuflucht der Schwachen

und Unterdrückten, ein Produkt der Verzweiflung in einem Zeitalter der Indifferenz
sei, und daß er lediglich politische Gerechtigkeit erreichen wolle. Das ist Unsinn. Der Weg, um Gerechtigkeit zu erlangen, sind Verhandlungen. Wir haben uns
in unseren eigenen Beziehungen zu anderen darum bemüht, an die Stelle von Konfrontation Verhandlungen zu setzen. Wir halten dies für den einzigen Weg, wie
Mißständen in einer Weise abgeholfen werden kann, die zu Frieden und Stabilität
beiträgt.

In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie Länder Anpassungen erreichten
und wie sie Meinungsverschiedenheiten beilegten, und wir haben es erlebt, wie
Terroristen mit ihren Aktionen diese Bemühungen vereitelten. Es ist nunmehr an
der Zeit, daß die zivilisierten Nationen gemeinsam handeln, um die Welt von der
Drohung des Terrors zu befreien.

Die Welt sehnt sich nach Frieden. Der Weg dorthin mag vielleicht schwer und
unsicher sein, aber alle vernünftigen und anständigen Menschen sind heute mehr

�t

mehr denn je zuvor entschlossen, diesen Versuch zu unternehmen. Wir wollen
uns nicht durch jene stören oder davon abbringen lassen, die Anarchie über
die Welt bringen wollen; wir wollen uns nicht mit der Barbarei einlassen,
sondern vielmehr etwas tun, um sie zu beseitigen."

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40/1972

DIE VERTEIDIGUNG IST AUCH MIT FREIWILLIGEN GESICHERT
- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht Von Hubert G. Collins

WASHINGTON - (AD) - Wenn Präsident Nixon in einer Erklärung am 28. August
die Aufhebung der Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten bis Juli 1973 angekündigt hat, dann muß man auch seine Erklärung vom 24. August daneben sehen,
daß er es niemals zulassen werde, daß "Amerika die zweitstärkste Nation der Welt"
werden würde.

Bereits am 17. Oktober 1968 hatte der Präsident erklärt, daß in Friedenszeiten die Wehrpflicht in den USA abgeschafft werden sollte, wenn sichergestellt
sei, daß das Land auf anderem Wege eine ausreichende Verteidigung erreichen könne.
Seither hat das amerikanische Verteidigungsministerium in zahlreichen Studien
die Möglichkeit geprüft, die Streitkräfte aus Freiwilligen zu rekrutieren. Der
jetzt vorliegende Bericht des amerikanischen Verteidigungsministers Melvin Laird
vom August 1972 zeigt, daß eine Gesamtstreitmacht von 2,3 Millionen aktiven
Soldaten und einer Million Reservisten aufrechterhalten werden kann, wenn die
notwendigen gesetzlichen Grundlagen für Anwerbung, Besoldung, Unterbringung usw.
gegeben sind.
Jede

- 1 -

�I

Jede moderne, hochtechnisierte Streitmacht steht heute vor dem Problem,
daß Wehrpflichtige bei immer kürzer werdender Dienstzeit kaum die notwendige
Ausbildung erhalten können. Einzelne Teilstreitkräfte, wie Marine und Luftwaffe
und auch technische Einheiten des Heeres»kommen ohne längerdienende Freiwillige
heute schon nicht mehr aus.

Die Grunderkenntnis in den Vereinigten Staaten war also zunächst, daß der
Beruf des Soldaten so attraktiv gemacht werden muß, daß er mit anderen Berufszweigen echt konkurrieren kann. Eine Streitmacht aus Freiwilligen, die sich im
freien Wettbewerb durchgesetzt hat, wird ohne Frage in jeder Hinsicht leistungsfähiger sein als eine Armee von Wehrpflichtigen.

Die Besorgnis, daß in einer Freiwilligenarmee in den USA Söldner, Schwarze
und 'nterprivi legierte ein Übergewicht haben würden, hat sich nach dem Bericht
von Laird als unbegründet erwiesen. Nach den bisherigen Untersuchungen stellen
die Freiwilligen ein fast genaues prozentuales Spiegelbild der amerikanischen
Gesellschaft dar. So liegen beispielsweise die Freiwilligen zu über 50 Prozent
im Bereich der mittleren Begabung, zu über 30 Prozent sind :ie überdurchschnittlich begabt, und nur knapp 20 Prozent liegen unter dem Durchschnitt.

Eine ganz entscheidende Frage ist natürlich die Bezahlung. So ist der Sold
eines unverheirateten Soldaten von durchschnittlich 149 Dollar im Monat im vorigen
Jahr bereits mit 321 Dollar mehr als verdoppelt worden. Auch moderne Wege der
Unterbringung - bis zum Einzelzimmer - dürften den Soldatenberuf attraktiver
machen. Ein weiterer Anreiz sind Stipendien für Offiziersanwärter an Colleges
und Universitäten.

Ein weiterer Punkt ist die effektivere Ausbildung und Verwendung der Soldaten,
wobei unter Wegfall rein formalistischer Gesichtspunkte die Verbreiterung des
Fachwissens den Vorzug hat.

Die bisherige Entwicklung in den USA hat ergeben, daß mit der V rringerung
der Einberufungen - von fast 300 OOO im Jahre 1968 auf rund 50 OOO im Jahre 1972 die Zahl der Freiwilligen nicht ebenfalls abgenommen, sondern vielmehr zuge- 2-

�(

zugenommen hat. Das Verteidigungsministerium plant, von Januar 1973 bis Juli
1973 - wenn das Wehrpflichtgesetz ausläuft - wenn irgend möglich keine Einberufungen mehr vorzunehmen.

Eine gewisse Rolle spielt auch das Handgeld, das bei besonders knappen
Berufssparten - wie auch Militärärzten - dem Freiwilligen einen zusätzlichen
Anreiz bieten soll. Auch das Problem der späteren Versorgung wird neu durchdacht.

Um darüber hinaus die Verteidigungskapazität sicherzustellen, hat das Verteidigungsministerium die Nationalgarde und die Reserve verstärkt. Die Haushalt: mittel für diese Zwecke wurden von 2,1 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1968/69 auf 4,1 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1972/73 erhöht.
Um die genannten und andere Probleme zu lösen, wird der amerikanische
Kongreß die gesetzlichen Grundlagen für ein modernes Management der Streitkräfte
schaffen müssen.

Nicht zuletzt wird auch der psychologische Aspekt eine Rolle spielen,
wenn junge Menschen den Beruf des Soldaten wählen sollen. Aber auch hier verzeichnet der Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums eine positive
Entwicklung, denn immerhin ist der Anteil der Freiwilligen bei den amerikanischen
Streitkräften von 59 Prozent im vorigen Jahr auf 75 Prozent in diesem Jahr angestiegen.

Von ganz wesentlicher Bedeutung für die Verbündeten der Vereinigten Staaten
ist die Tatsache, daß keine Pläne bestehen, Verpflichtungen abzubauen und Truppenstärken zu verringern. Präsident Nixon hat versichert, daß er Amerika "stark genug"
erhalten werde, "um eine vernünftige, verantwortungsbewußte Außenpolitik" auch
"glaubwürdig" zu machen.

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40/1972

IWF-TAGUNG BEKRÄFTIGTE WUNSCH NACH ANPASSUNG UNTERSCHIEDLICHER STANDPUNKTE

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die diesjährige Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, zu der sich die Finanzminister und Notenbankpräsidenten der Mitgliedstaaten in Washington versammelt hatten, endete
am vergangenen Freitag in einer deutlich optimistischeren Haltung, als sie noch
fünf Tage zuvor bei Beginn der Beratungen bestanden hatte.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Beratungen standen die Aussichten für ein
umfassendes Abkommen über ein neues internationales Währungssystem, das künftig
an Stelle der Abkommen von Bretton Woods als Basis für Welthandel, Auslandsinvestitionen und sonstige zwischenstaatliche Transaktionen dienen soll. Zu Beginn der Tagung, am 25. September, bestand eine so weite Kluft zwischen den verschiedenen nationalen Standpunkten, daß vielfach bezweifelt wurde, ob überhaupt
in absehbarer Zeit Fortschritte möglich sein würden. Als sich die Konferenz am
29. September vertagte, herrschte weitverbreitete Übereinstimmung, daß die Länder
die anstehenden Fragen wirklich in den Griff bekommen und allseits akzeptable
Lösungen finden würden. Es lag so etwas wie eine Atmosphäre der Anpassung in
der Luft.

Der Generaldirektor des IWF, Pierre-Paul Schweitzer, betonte auf einer
Pressekonferenz nach Abschluß der Tagung, er sei nunmehr überzeugt, daß alle
Länder wirklich gewillt seien, sich an ernsthaften Gesprächen und Verhandlungen
über eine Reform des internationalen Währungssystems zu beteiligen.
Einer

�Einer der Höhepunkte der Tagung, von dem wohl der stärkste Impuls in Richtung auf ernsthafte Verhandlungen ausging, war die Ansprache des amerikanischen
Finanzministers Shultz am 26- September, in der dieser mehrere Alternativen für
eine Reform des internationalen WährungsSystems aufzeigte, die für die Vereinigten
Staaten akzeptabel sein würden. Shultz war sorgfältig bedacht, die amerikanischen
Vorschläge lediglich als Vorstellungen, die gemeinsam mit anderen erörtert werden
könnten, und nicht als einen detaillierten Plan hinzustellen, den die USA anderen
Nationen etwa aufzudrängen suchten. Die anderen Teilnehmerstaaten verstanden und
begrüßten dies.
Die optimistische Stimmung wurde noch durch die Haltung des französischen
Finanzministers Valery Giscard D'Estaing bestärkt. Gerade Frankreich und die
Vereinigten Staaten waren in der Vergangenheit in Währungsfragen häufig entschieden anderer Meinung gewesen. In seiner Ansprache am 27. September vermied
der französische Finanzminister jede direkte Konfrontation mit den Vereinigten
Staaten und suchte stattdessen die Gebiete einer Übereinstimmung herauszustellen.

Auch andere Reden, sowohl von Vertretern der Industriestaaten wie der Entwicklungsländer, verfolgten das gleiche Ziel. So konnte IWF-Generaldirektor
Schweitzer mit Recht sagen, daß die auf der Jahrestagung gehaltenen Reden "alle
konstruktiv" waren.

Gerade die Vertreter der Entwicklungsländer beteiligten sich aktiv an der
Aussprache über eine Reform des internationalen Währungssystems. Und in dem neu
gebildeten Zwanziger-Ausschuß sind sie ebenso wie die Industriestaaten vertreten.
Darüber hinaus haben die Entwicklungsländer einen eigenen Vierundzwanziger-Ausschuß gebildet, der Fragen einer internationalen Währungsreform prüfen soll.

Von besonderem Interesse für die Entwicklungsländer ist die Frage, inwieweit
das internationale Währungssystem Gewähr dafür bieten kann, daß die reicheren
Länder ihnen künftig mehr Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen werden. Dies
könnte zum Beispiel auf dem Wege über die Zuteilung von Sonderziehungsrechten
geschehen, bei der Entwicklungsländer künftig mit höheren Zuteilungen bedacht
werden könnten, als ihnen aufgrund ihrer nationalen Quote beim IWF zustehen

�zustehen würden. Von Vertretern der Industriestaaten wurden hierzu unterschiedliche Ansichten geäußert, wobei die Frage aufgeworfen wurde, ob eine solche direkte Verbindung zwischen Sonderziehungsrechten und Entwicklungshilfe wünschenswert sei. Weltbankpräsident Robert McNamara betonte dann auch in seiner Schlußrede, er sei,nachdem er auf der Tagung eine wachsende Unterstützung für eine
derartige Verbindung zwischen Sonderziehungsrechten und finanzieller Hilfe festgestellt habe, zuversichtlich, daß diese Frage in den bevorstehenden Beratungen
über eine Reform des internationalen Währungssystems aktiv und wohlwollend erörtert werden würde.

IWF-Generaldirektor Schweitzer äußerte auf die Frage eines Korrespondenten,
ob er dieser Auffassung McNamaras zustimme, man solle bei der Definierung der
Konzeption "Verbindung" vorsichtig sein, doch glaube er, daß Industriestaaten
wie auch Entwicklungsländer darin übereinstimmten, daß etwas zu Gunsten der Entwicklungsländer getan werden müsse, was über den gegenwärtigen Zustand hinausgehe. Hierzu gebe es allerdings verschiedene Wege. Gerade diese Fragen würden
vom Direktorium des IWF in den kommenden Monaten eingehend geprüft werden und
hätten auf ihrer Tagesordnung wie auch im Zwanziger-Ausschuß Vorrang.

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Abkommen über Rüstungsbegrenzung in Kraft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanois "Deichprogaganda" bricht zusammen&lt;br /&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ruft zu gemeinsamen Maßnahmen gegen den Terror auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verteidigung ist auch mit Freiwilligen geischert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;IWF-Tagung bekräftigte Wunsch nach Anpassung unterschiedlicher Standpunkte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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41

11. Oktober 1972

Inhalt

DOKUMENTATION:
Pressekonferenz Präsident Nixons am 5, Oktober 1972
-Auszüge-

*

WIRTSCHAFT:
Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbez iehungen
-Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in KalifornienAussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich
gebessert
Von Eugene Brake
Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz
Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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41/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 5. OKTOBER 1972
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 5. Oktober auf einer kursfristig
einberufenen Pressekonferenz, die vorwiegend innenpolitischen Themen gewidmet
war, auch zur Frage einer Friedensregelung für Vietnam Stellung genommen. Die
Vietnam betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:

Frage: Herr Präsident, sehen Sie eine Möglichkeit für eine ausgehandelte
Vietnam-Regelung noch vor den Wahlen?

Antwort: Die Regelung wird so bald kommen, wie wir eine Regelung erreichen
können, die gerecht ist - gerecht für die Südvietnamesen, für die Nordvietnamesen
und für uns. Es wird eine Regelung sein, die unser Ziel berücksichtigt, nämlich
die gewaltsame Einsetzung einer kommunistischen Regierung in Südvietnam zu verhindern, und natürlich ein Ziel, das uns besonders am Herzen liegt - in humanitärem
Sinne - nämlich die Rückkehr unserer Kriegsgefangenen.

Ich möchte jedoch betonen, daß unter keinen Umständen der Zeitpunkt einer
Regelung, zum Beispiel das mögliche Aushandeln einer Waffenruhe, das mögliche
Aushandeln einer Einstellung der Bombenangriffe oder diesbezügliche einseitige
Maßnahmen - daß unter keinen Umständen solche Maßnahmen durch die Tatsache beeinflußt werden, daß hier in den USA am 7. November eine Wahl stattfindet.
Wenn

�Wenn wir eine richtige Regelung vor der Wahl erreichen können, so werden
wir das tun. Wenn nicht, so werden wir nicht eine falsche Regelung vor der Wahl
eingehen. Wir befanden uns in einer ähnlichen Lage im Jahre 1968, als Politiker
mit den besten Absichten einen sehr, sehr großen Fehler begingen, indem sie die
Bombenangriffe ohne ausreichende Zusagen der anderen Seiten einstellten.

Ich übe hier natürlich keine Kritik, was ihre Motive anbetrifft. Ich erkläre
lediglich, daß wir diesen Fehler nicht noch einmal machen, nachdem wir erlebt
haben, was dann geschah.

Die Wahl, und ich wiederhole dies, wird in keiner Weise das beeinflussen,
was wir am Verhandlungstische tun.

Zweitens ..., die Verhandlungen sind, wie Sie wissen, sehr eingehend über
private Kanäle geführt worden. Wir haben vereinbart, daß keine Seite über den Inhalt dieser Verhandlungen sprechen wird. Ich werde weder in der einen noch in der
anderen Weise darüber sprechen. Ich möchte nur sagen,daß sich die Verhandlungen
in einem sensitiven Stadium befinden. Ich kann nicht voraussagen, und ich werde
dies auch nicht tun, daß sie Erfolg oder keinen Erfolg haben werden. Ich kann
und werde nicht voraussagen, wann sie Erfolg haben werden.

Ich möchte jedoch betonen, daß jeder Kommentar meinerseits zu der Frage, wie
der Verlauf der Verhandlungen ist, nur abträgliche Auswirkungen auf das von uns
angestrebte Ziel haben kann - und dieses Ziel ist eine möglichst baldige Regelung
dieses langen und schwierigen Krieges auf dem Verhandlungswege.

Frage.: Herr Präsident, es ist gesagt worden, daß Hanoi vielleicht mit einer
Regelung bis nach der Wahl wartet, weil es von der Theorie ausgeht, daß es, wenn
ein Demokrat gewählt wird, bessere Bedingungen für sich herausholen kann. Was
können Sie uns darauf antworten?

Antwort: Dies könnte ihr Motiv sein. Es gibt Leute, die der Ansicht sind,
daß sie auch 1968 bis zu einem gewissen Ausmaß von politischen Erwägungen ge- 2-

�r

geleitet wurden, als sie einer Einstellung der Bombardierungen vor der Wahl zustimmten aus dem Gedanken heraus, daß meine Niederlage mehr in ihrem Interesse
liege als die Wahl meines Gegners.

Ich behaupte nicht, daß dies so war. Ich muß sagen, daß sowohl Senator
Humphrey als auch ich uns meines Erachtens recht verantwortungsbewußt im Wahlfeldzug verhielten, indem wir uns jeder Stellungnahme zu dem enthielten, was
damals lediglich vorbereitende Verhandlungen waren, und zwar aus dem Bewußtsein
heraus, daß jede Stellungnahme durch jemand, der Präsident werden könnte, den
Erfolg der Verhandlungen gefährden könnte.

Wenn nun Hanoi alles auf diese Karte setzt, dann besagt dies nur, daß niemand
über das politische Bild in den USA eine Voraussage machen kann. Trotz allem, was
die Meinungsumfragen ergeben haben, und trozt mancher Hinweise auf unserer Seite,
daß wir glauben, gute Siegeschancen zu haben, gibt es viele in den USA und auch
im Ausland, die glauben, daß auch die andere Seite eine Siegeschance hat.

Unter diesen Umständen könnten sie mit einer gewissen Berechtigung zu dem
Schluß gelangen, daß mein Festhalten an dem Vorsatz, niemals einer Regelung zuzustimmen, durch die dem südvietnamesischen Volk direkt oder indirekt eine
kommunistische Regierung aufgezwungen würde, verglichen mit den gegenteiligen
Erklärungen unserer (politischen) Gegner zu diesem besonderen Punkt, eventuell
von Einfluß auf sie sein würde.

Auf der anderen Seite sprechen wir miteinander. Wenn wir die Möglichkeit
dazu haben, werden wir die Gespräche vor dieser Wahl fortsetzen, und wir werden
Hanoi zu überzeugen suchen, daß ein Warten bis nach der Wahl keine gute Taktik
wäre.

Frage: Herr Präsident, unter Ihren Kritikern sind einige, die erklären, die
Bombenangriffe dienten wirklich keinem guten Zweck und seien unnötig.

Welchem

Zweck dienen die Bombenangriffe jetzt angesichts der Tatsache, daß die Verhandlungen nicht zu einer Regelung geführt haben, und angesichts der Tatsache, daß
- 3-

�daß es immer noch ein beträchtliches Maß an militärischer Aktivität im Süden
gibt?

Antwort: Ich glaube, Sie könnten noch weiter gehen. Da gibt es Leute, die
erklären, Bombenangriffe und Verminung dienten überhaupt keinem nützlichen Zweck,
und so sei es auch in diesem Fall. Diese gleichen Kritiker ... waren auch zu
dem Schluß gekommen, daß Südvietnam am Ende sei. Time, Newsweek, die New York
Times, die Washington Post, die Kommentatoren der drei großen Rundfunk- und
Fernsehgesellschaften - ich beziehe mich nicht auf Sie meine Damen und Herren,
die Sie Reporter sind - sie alle haben in unterschiedlicher Lautstärke von dem
Gespenst einer Niederlage sowie von der Hoffnungslosigkeit der südvietnamesischen
Sache geschrieben und gesprochen.

Am 8. Mai handelte ich, um eine solche kommunistische Machtübernahme zu verhindern, die die gleichen Kritiker damals alle voraussagten. Nachdem ich diese
Verminung und Bombardierung angeordnet hatte, sagten die gleichen Kritiker voraus, das (Moskauer) Gipfeltreffen würde dadurch torpediert werden. Einige gingen
sogar so weit, zu erklären, wir riskierten einen dritten Weltkrieg.

Diese Vorhersagen haben sich als falsch erwiesen. Nun erklären diese
gleichen Kritiker, die Bombenangriffe und die Verminung wären nicht notwendig,
sie hätten nichts erreicht und seien künftig nicht mehr nötig. Unter Berücksichtigung ihrer Vorhersagen möchte ich meinen, daß ich dem, was die Kritiker erklärt
haben, nicht viel Glauben schenken würde.

Ich möchte nur sagen, daß die Bombenangriffe und die Verminung notwendig
waren, um eine potentiell verheerende Situation in Südvietnam grundlegend zu
ändern. Das Rückgrat der gegnerischen Offensive ist gebrochen worden. Die Nordvietnamesen halten jetzt überhaupt keine Provinzhauptstädte mehr.

Dies alles hätte nicht erreicht werden können ohne die Bombenangriffe und
die Verminung - und die Verminung und die Bombenangriffe werden fortgesetzt
werden, bis wir auf dem Verhandlungswege irgendwelche Abkommen erreicht haben.
+ + + + +
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41/1972

PETERSON ERLÄUTERT STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN
- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer von Kalifornien -

SAN FRAN«';iSi:o - (AD) - Der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
hat am 3. Oktober vor der Handelskammer von Kalifornien zu dem Thema "Der
amerikanisch-sowjetische Handel - Was bringt er für uns" gesprochen. Die Rede
des Ministers hat folgenden Wortlaut:

"Sie alle wissen sicher, daß die Regierung in den letzten sechs Monaten
fast ständig in Verhandlungen mit der Sowjetunion gestanden hat - Verhandlungen,
von denen wir erwarten, daß sie bald zu Abkommen führen werden, die unseren
beiden Ländern die Wiederaufnahme der vor fast 30 Jahren ausgesetzten normalen
Handelsbeziehungen ermöglichen.

Als Handelsminister und als Leiter der amerikanischen Delegation bei der
amerikanisch-sowjetischen Handelskommission habe ich in den letzten Monaten einen
beträchtlichen Teil meiner Kraft auf diese Verhandlungen verwandt.

Wir machen äußerst ermutigende Fortschritte. Gegenwärtig treffen sich amerikanisch-sowjetische Arbeitsgruppen auf der Ebene der Ministerstellvertreter in
Washington, um die gegenwärtig noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über
ein Seefahrtsabkommen, in der Frage der Pacht- und Leihschulden sowie in Kreditfragen und in bezug auf Handelskonditionen zu beseitigen.
Sofern

- 1 -

�Sofern es zu keinen unvorhergesehenen Ereignissen kommt, möchte ich annehmen,
daß noch vor dem von uns ursprünglich für das Jahresende gesetzten Termin ein
Abkommen erreicht wird. Das soll jedoch nicht bedeuten, daß wir nun unbedingt
nach dem Kalender gehen müssen. Das Hauptziel des Präsidenten bleibt weiterhin,
ein umfassendes Abkommen sicherzustellen, das von vornherein jedem nur denkbaren
Problem Rechnung trägt - und eine Lösung aufzeigt -, das sich im Zusammenhang
mit der Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion ergeben könnte,.
Sollte das einen Monat oder ein Jahr länger dauern, so wäre dies die dafür aufgewandte Zeit durchaus wert.
Es wäre in höchstem Maße unverantwortlich, der politischen Versuchung zu
erliegen, rasch ein Abkommen zu erreichen, das Meinungsverschiedenheiten ignoriert
oder über sie hinweggeht, die sich später als politische Probleme von internationaler Tragweite erweisen könnten. Zur Wiederherstellung normaler Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt bedarf es einer
festen, technisch gut durchkonstruierten Brücke. Was wir nicht gebrauchen können,
ist ein Laufsteg.

Bei einer Reihe von Anlässen und vor den verschiedensten Gremien habe a.ah
darzulegen versucht, was wir uns vom Handel mit den Sowjets erhoffen und warum
gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen Abbau der Schranken ist, die uns
seit Ende des zweiten Weltkrieges getrennt haben.

Das Auditorium hört meist höflich zu, aber nach fünf oder zehn Minuten setzt
eine vorhersehbare Reaktion ein. Die Augen werden schwer und ein merkliches Desinteresse macht sich breit.

Das kommt einfach daher, daß für den Durchschnittsamerikaner und selbst für
den amerikanischen Durchschnittsgeschäftsmann die Aussicht, aus der Erschließung
eines so weit entfernten und so unbekannten Marktes, wie dies die Sowjetunion ist,
große Vorteile ziehen zu können, wenig überzeugend ist. Verstandesmäßig wird der
Gedanke zwar akzeptiert, aber nur zu oft verbindet sich damit die apathische
Frage: 'Was bringt mir das ein'.
Gerade

�Gerade das ist es, worüber ich heute zu Ihnen sprechen möchte - nicht nur,
was es Ihnen einbringt, sondern was für jeden einzelnen Amerikaner dabei herauskommt.
Lassen Sie mich zuerst auf zwei Befürchtungen eingehen, die gelegentlich geäußert worden sind. Die eine ist die offensichtliche Furcht auf Seiten einiger
amerikanischer Arbeiter, für sie könnte dies zu einem Verlust von Arbeitsplätzen,
ausgelöst durch eine Flut billiger sowjetischer Importwaren, führen.
Dafür besteht jedoch nicht die geringste Wahrscheinlichkeit. Als ich im
Juli in der Sowjetunion war, tat ich das, was jeder neugierige Geschäftsmann tun
würde: ich machte einen Bummel durch mehrere sowjetische Läden und Warenhäuser,
um zu sehen, was an Waren angeboten wurde. Wer das gesehen hat, was ich sah, kann
kaum glauben, daß die Sowjetunion eine große Gefahr für amerikanische Produzenten
sein kann, zumindest was den Verbrauchsgütersektor anbetrifft. Charakteristisch
für die in Moskau zum Verkauf angebotenen Waren, waren die geringe Wettbewerbsfähigkeit und die extrem hohen Preise.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen in der Fotoartikelbranche interessierte
ich mich besonders für die zum Verkauf ausgestellten Kameras. Sie waren nicht nur
groß und unhandlich, sondern sie glichen auch den Kameras, wie sie in den USA vor
zehn oder mehr Jahren angeboten wurden. Ich kann Ihnen mit voller Überzeugung versichern, daß sie in den Vereinigten Staaten nicht einmal für einen Bruchteil des
in Moskau geforderten Preises verkauft werden könnten.

Unser Problem wird meines Erachtens nach höchstwahrscheinlich keineswegs
eine Flut von Importen sein, sondern im Gegenteil ein Mangel an sowjetischen
Importen. Ich meine es nicht scherzhaft, wenn ich das als ein Problem bezeichne,
denn es ist wichtig für die Sowjets, daß sie in der Lage sind, nach den Vereinigten
Staaten zu exportieren, damit sie die notwendigen Devisen verdienen, um bei uns
kaufen zu können.

Im Handel mit der Sowjetunion werden für den amerikanischen Arbeiter Vorteile liegen, die über jene hinausgehen, die dem Verbraucher aus der unbehinderten
- 3-

�unbehinderten Anwendung der Gesetze des Wettbewerbsvorteils zufließen. Die Produkte, die die Vereinigten Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach an die Sowjets
verkaufen werden - Werkzeugmaschinen, Maschinen und Ausrüstungen sowie Getreide haben einen beträchtlich höheren Arbeitsanteil als die Rohstoffe, die den Großteil unserer Importe aus der Sowjetunion ausmachen werden. Selbst wenn unser
Handel mit der Sowjetunion ausgeglichen sein wird, dann werden die Vereinigten
Staaten in ganz echtem Sinne Arbeitsplätze importieren. In den ersten Jahren, in
denen wir mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß mit den Sowjets rechnen,
werden die günstigen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze des amerikanischen Arbeiters selbstverständlich noch größer sein. Wir werden also nicht nur einen
Handelsüberschuß haben, sondern auch einen Arbeitsplatzüberschuß.

Eine berechtigte Befürchtung der amerikanischen Arbeiter ist die, daß der
Handel mit der Sowjetunion zu Verzerrungen auf den einheimischen Märkten für
gewisse Erzeugnisse führen könnte, wenn nicht vorher entsprechende Lösungen
ausgearbeitet würden.

Kommerzielle Beziehungen zu einem staatlichen Handelsmonopol werfen einige
schwierige Fragen auf, wie beispielsweise die Anwendung unserer AntidumpingGesetze. In der Sowjetunion steht der Verkaufspreis einer Ware nicht unbedingt
in derselben Beziehung zu den Produktionskosten wie in unserem Lande. Die Möglichkeit des Staates, Preise willkürlich festzusetzen, macht den Test bezüglich
des 'fairen Wertes' bedeutungslos. Die gleichen Faktoren komplizieren die Anwendung unserer Zollausgleichsgesetze, die normalerweise unsere einheimische
Industrie gegen subventionierte ausländische Exporte schützen.

Es sind gerade solche Probleme, die ich meine, wenn ich davon spreche,
daß der Präsident auf einem umfassenden Abkommen besteht.

Die zweite Befürchtung, die ich gelegentlich höre, ist die, daß unser Land
durch die Wiedereröffnung von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion seine
nationale Sicherheit untergraben könnte. Auch diese Befürchtung ist grundlos.
Strategisch wichtige Industriezweige und durch Importe gefährdete Industriezweige werden weiterhin den gleichen Schutz erhalten wie bisher. Wir haben ferner
- 4-

�ferner gegenüber der Sowjetunion deutlich erklärt, daß wir nicht bereit sind,
über eine Beseitigung unserer Exportbeschränkungen für Güter zu sprechen, die
als militärisch wichtig angesehen werden. Kurz gesagt, die Sicherheit unserer
Nation ist nie Gegenstand von Verhandlungen gewesen und wird es auch nie sein.

Es i$t

meiner Meinung nach sogar so, daß einer der größten Gewinne, die

dem Durchschnittsamerikaner aus der Wiedereröffnung des Handels mit der Sowjetunion erwachsen, darin bestehen wird, daß seine Sicherheit größer sein wird,
Länder, die sich einer für beide Seiten gewinnbringenden kommerziellen Beziehung
erfreuen, haben ein begründetes Interesse daran, Maßnahmen zu vermeiden, die
diese Gewinne in Frage stellen könnten. Handelspartner messen die Kosten von
Feindseligkeiten nämlich nicht nur in militärischen Ausgaben, sondern auch in
ausgefallenen kommerziellen Gewinnen.

Diese begründeten Interessen sind darüber hinaus nicht nur nationaler,

sondern auch persönlicher Natur. Die Bürokratie, die für die verschiedenen Gebiete der gewinnbringenden

Beziehungen verantwortlich sind, haben ein echtes

Interesse daran, daß sie nicht abreißen. Das gilt in unserem System, und das
gilt in noch höherem Maße in der Sowjetunion, wo die Macht und damit die direkte
Verantwortung der amtlichen Stellen noch größer ist. Wenn Sie der Minister für
Schiffahrtsangelegenheiten, für Landwirtschaft, für Technologie, für die Gasversorgung oder für sonst etwas sind und verantwortlich für Erfolg oder Mißerfolg
bei der Erreichung eines verkündeten Zieles, dann werden Sie es sich zweimal
überlegen, bevor Sie etwas tun, was eine Beziehung bedrohen könnte, die Ihnen
bei der Erreichung des Zieles hilft.

Die Welten der internationalen Politik und des internationalen Handels
stehen somit in engem Zusammenhang zueinander. Die Minderung der politischen
und der kommerziellen Spannungen liegt im Sinne beider und wirkt sich auf die
beiderseitigen Beziehungen aus. In dem Maße, wie sich die politischen Beziehungen
verbessern, weiten sich auch die kommerziellen Beziehungen aus. Und in dem Maße,
wie sich die kommerziellen Beziehungen ausweiten, nimmt auch der Anreiz zur Beilegung politischer Meinungsverschiedenheiten zu.
Verbesserte

�Verbesserte Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion werden somit dem Durchschnittsamerikaner auf dreifache Weise Vorteile bringen. Sie werden ihn zum
Nutznießer eines Arbeitsplatzüberangebots machen. Sie werden seine Sicherheit
erhöhen. Und dadurch wird es der amerikanischen Regierung möglich sein, den Prozentsatz öffentlicher Gelder für die Verteidigung zu verringern und die eingesparten Mittel

anderen Aufgaben zuzuführen, die den Lebensstandard des Arbeiters

verbessern.

Während die sowjetischen Verbrauchsgüter für den amerikanischen Arbeiter
kaum eine Gefahr bedeuten, kann dieser wesentlichen Nutzen aus dem Import sowjetischer Rohstoffe ziehen.

Wie Sie wissen, müssen die USA im nächsten Jahrzehnt mit einer ernsten
Energieverknappung rechnen. Aufgrund der jüngsten Maßnahmen steigt der Energiebedarf in den USA so rasch, daß die zur Deckung des Bedarfs erforderlichen Hilfsquellen alle 15 Jahre um das Doppelte steigen. Bei Berücksichtigung unserer gesamten verfügbaren Energiequellen stellte sich unser Energieverbrauch 1970 auf
ungefähr 68 Billiarden BTU's (1 Britisch-Thermal-Unit = 252 Kalorien). Im Jahre
1985 wird sich der Bedarf wahrscheinlich auf fast 125 Billiarden BTU's stellen.

Während die Kapazitäten unserer Industrie wesentlich über denen der Sowjetischen liegen, sind die Rohstoffvorkommen und vor allem die Energiequellen der
Sowjetunion weitaus größer als die unsrigen. Es ist bedauerlich, aber - wie ich
befürchte - wohl unvermeidlich, daß der Bedarf an Energie und Rohstoffen in den
USA im nächsten Jahrzehnt weitaus schneller steigen wird als unsere derzeitigen
Versorgungsquellen. Dieses Ungleichgewicht kann zumindest teilweise ausgeglichen
werden, wenn wir Zugang zu diesen riesigen sowjetischen Vorkommen erhalten.

Die Sowjetunion wird, wenn die jetzt im Stadium der Erörterung befindlichen
Projekte zum Tragen kommen, den Nahen Osten und Venezuela als Lieferquelle für
Erdgasimporte übertreffen. Selbst wenn man Algerien zu diesen beiden Ländern als
Erdgaslieferant hinzunimmt, wird die Sowjetunion immer noch an der Spitze liegen.
Aber noch auf absehbare Zeit hinaus werden wahrscheinlich nicht mehr als 5 oder

- 6-

�oder 7 Prozent unseres Bedarfs, der sich geographisch über ganz Amerika verteilt, von der Sowjetunion gedeckt werden - einfach um die Möglichkeit einer
zu starken Abhängigkeit von der Sowjetunion oder irgendeinem anderen ausländischen
Lieferanten auf ein Minimum zu beschränken.

Die Kosten des Energieverbrauchs treffen vielleicht alle Bürger der USA
gleichmäßiger als die Kosten für andere Güter und Dienstleistungen. Sie treffen
Reiche und Arme in gleicher Weise. Der Durchschnittsbürger kann seinen Energieverbrauch weit weniger einschränken als den Verbrauch anderer Güter. Es liegt
daher ganz eindeutig im Interesse aller, daß der Anstieg der Energiepreise auf
ein Minimum beschränkt bleibt und daß natürlich die Versorgung unseren Bedarf
deckt.

Der Zugang zu den sowjetischen Energiequellen ist auch aus zwei anderen
Gründen ratsam. Er wird unsere Abhängigkeit von den immer unsicherer werdenden
Versorgungsquellen in den OPEC-Ländern verringern. Wenn wir von der Sowjetunion
im Rahmen gemeinsamer Handelsabkommen und nicht in den OPEC-Ländern kaufen, so
wird dies ferner unsere Zahlungsbilanz verhältnismäßig günstig beeinflussen,
denn in diesen Abkommen könnte festgelegt werden, daß die sowjetischen Kredite
in den Vereinigten Staaten auszugeben sind.

Neben diesen Vorteilen für die Bevölkerung im allgemeinen gibt es verschiedene Teile der amerikanischen Bevölkerung, die besonders von einem Handel
mit der Sowjetunion profitieren werden.
Einmal ist dies ganz offensichtlich die Landwirtschaft. Wie die jüngsten
sowjetischen Getreidekäufe zeigen, kaufen die Sowjets, wenn sie das tun, gleich
große Mengen. Angesichts der sowjetischen Getreidekäufe erzielen die Farmer im
Mittleren Westen jetzt Rekordeinkünfte für ihre Ernte.

Aufgrund dieser neuen Auslandsverkäufe wird das Nettofarmeinkommen in den
Vereinigten Staaten dieses Jahr eine Rekordhöhe von 18,4 Milliarden Dollar erreichen. Das sind 14 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und über eine Milliarde
Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 1947.
Ich
- 7-

�Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß die Farmer nicht die einzigen
Nutznießer dieser Ausweitung des Handels sind. Das Geld fließt wieder in die
Läden und Ausrüstungsbetriebe in unseren Landgemeinden und bringt neues Leben
in manche bisher wirtschaftlich darniederliegende Stadt.

Auswirkungen lassen sich aber auch in verwandten Wirtschaftssektoren feststellen. Die Verkäufe von Traktoren liegen um 31 Prozent höher als vor einem
Jahr, und bei Mähdreschern und Heupressen sind sie um 15 Prozent gestiegen.
Nehmen wir ein anderes Glied in der Kette von Transaktionen, so lassen sich
ebenfalls Auswirkungen erhöhter Gewinne in der Landwirtschaft auf andere Wirtschaftszweige feststellen. Auf die Farmer, die nur einen verhältnismäßig kleinen
Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen, entfällt bei Stahl, Kautschuk und
Erdöl ein unverhältnismäßig großer Prozentsatz des Binnenmarktes. Und diese Industrien beginnen ebenfalls die neue Prosperität der Landwirtschaft zu spüren.

Wenn auch die Feststellung nur fair ist, daß die derzeitig

ungewöhnlich

hohe sowjetische Weizennachfrage auf eine schlechte Ernte zurückzuführen ist, so
möchte ich doch damit rechnen, daß die Verkäufe von Futtergetreide an die Sowjetunion auch künftig anhalten.werden, wenn diese ihr Versprechen wahrzumachen
sucht, den Fleischkonsum ihrer Bevölkerung zu steigern.

Ein anderer Grund, warum ich mit weiteren Exporten rechne, ist der starke
Kontrast zwischen der Produktivität in der sowjetischen und der amerikanischen
Landwirtschaft. Im Jahre 1971 betrug die durchschnittliche Erzeugung eines
sowjetischen Bauern nur ein Neuntel dessen, was ein amerikanischer Farmer produzierte. Dies war trotz der Tatsache so, daß die Sowjetunion beträchtliche Kapitalinvestitionen während der letzten Jahre in ihrer Landwirtschaft vorgenommen
hat.

Ein weiterer spezifischer Sektor, auf dem wir uns gerade von einem Handel
mit den Sowjets Vorteile erhoffen, ist der Maschinenbau und die Produktion von
Ausrüstungsgütern. Wenn die Sowjets Maschinen und Ausrüstungen kaufen, so kaufen
sie gleichzeitig auch Dienstleistungen wie technisches Wissen, Installation und
Wartung. Hier handelt es sich für die Vereinigten Staaten um zu 100 Prozent
arbeitsintensive Exporte.
DG IT

- 8-

�Der Export von Maschinen und Ausrüstungen in die Sowjetunion dürfte wesentlich zunehmen. Amerikanische Firmen haben Exportlizenzen für Ausrüstungen
im Werte von über einer Milliarde Dollar beantragt in der Erwartung, daß sie
bei den Ausschreibungen im Zusammenhang mit dem Bau des großen Lastwagenwerkes
an der Kama erfolgreich sein werden. Informierte Geschäftsleute schätzen, daß
amerikanische Gesellschaften bei diesem Projekt Aufträge für Ausrüstungen im
Werte zwischen 250 und 500 Millionen Dollar - je nachdem ob eine Exportfinanzierung zur Verfügung steht - hereinbringen können.

Gegenwärtig sind die Exporte von elektrischen und anderen Maschinen in
die Sowjetunion mit 60 Millionen Dollar oder 37 Prozent unseres Gesamtexports
im Jahre 1971 dorthin nur sehr gering. Die gesamten amerikanischen Maschinenexporte nach allen Ländern stellten sich 1971 auf 11,6 Milliarden Dollar„ Verschiedene große Gemeinschaftsprojekte sind gegenwärtig im Gespräch oder es
wird darüber verhandelt. Hierzu gehören Industrieanlagen für die Produktion von
Polystren, Autogetrieben, Düngemitteln, für die Metallgewinnung und - geht man
etwas in die Zukunft - die Gewinnung und Weiterleitung von Naturgar.

Insgesamt bestehen glänzende Aussichten für unseren Maschinenexport nach
der Sowjetunion in der nächsten Zeit. Wenn wir die Verhandlungen über ein Handelsabkommen erfolgreich abschließen und in der Lage sind, Exportkredite zu gewähren,
können wir wesentlich mehr Maschinen und Ausrüstungen exportieren.

Eine der Fragen, die häufig an mich gerichtet werden, ist, warum wir, wenn
beide Seiten wirklich den Willen haben und die Vorteile für beide so offensichtlich sind, nicht schon viel früher ein Abkommen erreicht haben. Die Antwort
lautet, Bereitschaft und Wissen um die Vorteile machen noch lange kein Abkommen
aus.

Es wäre für den Präsidenten und Herrn Breschnew relativ einfach, ein allgemeines Abkommen über das Prinzip zu erreichen, daß zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion wieder normale Handelsbeziehungen hergestellt werden.
Ich möchte annehmen, wir könnten ein solches Abkommen schon morgen haben. Es
wäre vielleicht sogar politisch nützlich. Aber es wäre nur dann politisch nütz- 9 -

�nützlich, wenn wir, wie ich bereits gesagt habe, eine Vielzahl spezifischer
Fragen einfach ignorieren, die gelöst werden müssen, wenn das Abkommen von wirklicher und dauerhafter Bedeutung sein soll.

Wenn nicht diese Einzelheiten im Rahmen eines Abkommens gelöst sind, würde
die erste Begeisterung über normale Handelsbeziehungen bald Unsicherheit, Enttäuschung und vielleicht noch Schlimmerem weichen.
Ich habe bereits gesagt, daß in einer Welt, in der Wirtschaft und Politik
eng miteinander verbunden sind, verbesserte Handelsbeziehungen zu besseren
politischen Beziehungen führen können. Leider ist es umgekehrt auch so. Handelsprobleme, sofern sie nicht vorhergesehen und abgewendet werden, können zu
politischen Problemen führen.
Daher ist der Präsident der Auffassung, daß im Falle der Sowjetunion nur
ein umfassendes Handelsabkommen angebracht ist, das die Rechte der Partner und
die grundlegenden Rechtsnormen genau definiert und ganz allgemein solche Probleme
ausschließt, die, falls sie nicht jetzt gelöst werden, in ein oder zwei Jahren
zu immer stärkeren Meinungsverschiedenheiten führen könnten.

Lassen Sie mich einige Beispiele dafür geben, was unseres Erachtens vorher
geregelt sein muß.

Da ist einmal die Frage der Kreditbedingungen. Es wäre eine grausame
Täuschung, wenn wir dem amerikanischen Exporteur sagen würden, es stehe ihm
frei, Geschäfte mit der Sowjetunion abzuschließen, und wenn er dann feststellen
würde, daß seine Auffassung von angemessenen Kreditbedingungen und die der
Sowjetunion so weit auseinanderliegen, daß tatsächliche Verkäufe unmöglich
sind. Die Sowjetunion hat, wenn das Gespräch auf Zinssätze und Kreditbedingungen kommt, eine bestimmte Zahl im Auge. Sie wünscht 2 Prozent und 10
Jahre. Mir gefallen diese Zahlen auch. Noch besser wären 1 Prozent und 20 Jahre.

Betrachtet man die ideologische Basis ihres Wirtschaftssystems, so ist
es leicht verständlich, warum sie nicht gerne viel für Kapital zahlen wollen. Es
- 10 -

�Es ist weiter richtig, daß 2 Prozent der Zins sind, den sowjetische Bürger
bei zahlreichen Verbrauchsgütern zahlen müssen. Aber das ist weder ein Zinssatz, der einen Anreiz für eine private Exportfinanzierung in dieses Land
bietet, noch kann die amerikanische Regierung Kredite zu einem solchen Satz
gewähren, ohne daß dies diskriminierend für unsere Verbündeten - und praktisch
auch für unsere Steuerzahlen - wäre.

Exportfinanzierung ist äußerst wichtig, wenn unser Abkommen mit der Sowjetunion mehr als nur ein Stück Papier sein soll. Der Rubel ist eine weiche
Währung, und die sowjetischen Reserven an konvertierbaren Währungen sind äußerst
begrenzt. Außerdem deuten unsere Pläne darauf hin, daß die Vereinigten Staaten
in der nächsten Zeit im Handel mit der Sowjetunion einen beträchtlichen Handelsüberschuß haben werden. Wenn das der Fall ist, werden die Vereinigten Staaten
natürlich auf absehbare Zeit hinaus die Aufgabe übernehmen werden, einen großen
Teil ihrer Exporte zu finanzieren.

Die Kreditfrage ist auch für die voraussichtlichen amerikanischen Importe
an sowjetischen Rohstoffen von besonderer Bedeutung. Einige der hier angeschnittenen
Energieabkommen würden enorme Kredite erfordern. Ich denke nur an zwei Projekte,
die zusammen einen Kapitalbetrag von weit über 5 Milliarden Dollar erfordern
würden. Um Ihnen einen Vergleich zu geben: 5 Milliarden Dollar sind fast ein
Drittel der gegenwärtigen Gesamtausleihungen der Export-Importbank. Das ist
mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Betrages für Direktkredite. Und es ist
fast das Vierfache der Verbindlichkeiten, die die Export-Importbank gegenüber
einem einzelnen Lande eingegangen ist.

Die Kreditfrage wird aber noch durch einen anderen Faktor kompliziert.
Die Sowjetunion ist immer noch das einzige große Land, das seine Pacht- und Leihschulden an die Vereinigten Staaten noch nicht zurückgezahlt hat.

Der Präsident hat den Standpunkt eingenommen, daß die Vereinigten Staaten
der Sowjetunion keine neuen Kredite gewähren werden, bevor die alten Kredite zurückgezahlt sind. Die Pacht- und Leihfrage ist für die Sowjetunion in hohem
Grade emotionell. Sie hat im zweiten Weltkrieg über 20 Millionen Menschen ver-

- 11 -

�verloren und nimmt den Standpunkt ein, daß sie mit Blut bezahlt hat, wofür
wir mit Kriegsmaterial bezahlt haben. Wir verstehen diesen Standpunkt und
stehen ihm mitfühlend entgegen. Aber hier geht es um ein wichtiges Prinzip
der Außenpolitik. Wir können die Bücher über ihre Pacht- und Leihschulden
nicht abschließen, ohne andere Empfänger von Pacht- und Leihilfe zu diskriminieren, von denen viele ebenfalls riesige Verluste erlitten und die alle ihre
Kredite zurückgezahlt haben.

Hier in San Franzisko brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß es ohne Öffnung
der Schiffahrtswege kaum Handel geben kann. Wir führen gegenwärtig intensive
Verhandlungen über ein Schiffahrtsabkommen, in denen wir die wenigen noch verbliebenen Probleme zu lösen suchen. Wenn wir Erfolg haben, wird der wichtige
Hafen von San Franzasko natürlich großen Nutzen daraus ziehen.

Eine andere Frage,die jetzt geregelt werden muß, wenn ein Handelsabkommen
wirklich Bedeutung haben soll, ist die Bereitstellung von Geschäftseinrichtungen.
Wir erhalten häufig von amerikanischen Geschäftsleuten, die mit der Sowjetunion
Handel treiben wollen, Klagen. Sie sind enttäuscht, nicht nur über das ihnen
fremde System als Ganzes, sondern auch über die für sie verfügbaren kärglichen
und unsicheren Einrichtungen. Unzureichender Büroräume, schlechter Telefondienst,
die Unmöglichkeit, Kontakte zu Kunden aufzunehmen, und ungünstige Geschäftslagen
sind einige der Punkte, über die am häufigsten geklagt wird. Selbst wenn man alle
rechtlichen Beschränkungen beseitigt, so bedeutet dies für den amerikanischen
Geschäftsmann nicht viel, solange diese Hindernisse für wirkliche Geschäfte bestehen bleiben.

Ein von uns unterbreiteter Vorschlag ist, in irgendeiner Form neue Einrichtungen zu schaffen, die dem amerikanischen Geschäftsmann den Zugang zu
sowjetischen Handelsbüros, die Benutzung von Telefoneinrichtungen, Büros, Ausstellungsräumen und Hotels erleichtern. Wir wollen ganz bestimmte allgemeine
Regeln, die sicherstellen, daß dem amerikanischen Geschäftsmann auch bei Geschäftseinrichtungen eine entsprechende Meistbegünstigtenbehandlung zuteil wird.
Schließlich gibt es noch eine Reihe rechtlicher Probleme, die im Rahmen eines
umfassenden Abkommens gelöst werden müssen. Die Sowjetunion gehört keiner der
- 12 -

�der Welthandelsorganxsationen an, denen wir angehören. Daher bestehen hier viele
der konventionellen rechtlichen Einschränkungen für den Handel nicht. Nehmen wir
zum Beispiel die Frage der Schlichtung. Wir halten uns traditionell an eine internationale Schlichtung durch eine dritte Partei. Die Sowjets hingegen haben ihre
eigenen Schiedsgerichte. Hier muß irgendeine beiderseits akzeptable Regelung
ausgearbeitet werden, oder wir könnten uns leicht in einem Jahr in einem unerfreulichen und möglicherweise politisch gefährlichen Streit befinden. Genauso
gibt es Meinungsverschiedenheiten in bezug auf Patente, Besteuerung, Lizenzen
und Abdruckrechte.

Dies sind noch längst nicht alle Probleme, die gelöst werden müssen, bevor
ein Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet werden kann, aber ich glaube, sie
vermitteln Ihnen einen Eindruck von dem, was ich meine, wenn ich von einem umfassenden Abkommen spreche.
Dies sind notwendige Schritte, wenn wir unseren Erfolg sichern wollen. Und
es liegt im Interesse aller unserer Bürger, daß er gesichert ist. Denn wenn Sie
die Auswirkungen eines Abkommens mit der Sowjetunion in ihrer Gesamtheit betrachten, dann wird klar, daß es hier um mehr als begrenzte Interessen, um mehr
als einfache Geschäftsfragen geht. Hier geht es um einen Vorschlag, der die Arbeitsplätze, das Wohlergehen und die Sicherheit aller Amerikaner berührt."

- 13 -

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41/1972

AUSSICHTEN AUF REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS
HABEN SICH GEBESSERT

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Der Optimismus, mit dem die diesjährige Jahrestagung
des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank schloß, beruhte zu
einem guten Teil auf der echten und bedeutsamen Annäherung in den Meinungsverschiedenheiten darüber, wie bei einer Reform des internationalen WährungsSystems
vorgegangen werden sollte.

Natürlich bleiben immer noch zahlreiche schwierige Fragen ungelöst - wegen
ihrer Komplexität, weil es hier um wichtige nationale Interessen geht und weil
die Auffassungen in einigen Fällen doch noch recht weit auseinandergehen. Niemand
bestreitet, daß in dem neu gebildeten Zwanziger-Ausschuß des IWF noch hart verhandelt werden muß, wenn das Ziel erreicht werden soll, in den nächsten 18 Monaten
oder zwei Jahren ein neues internationales Währungssystem zu schaffen.

Die Hoffnungen auf allseits akzeptable Lösungen, so läßt sich feststellen,
sind größer geworden, was allein schon die Tatsache zeigt, daß die Regierungen
bereits ein weites Stück voran in Richtung auf die Beilegung einiger besonders
großer Schwierigkeiten gekommen sind.

Noch zu Beginn der fünftägigen Konferenz am 25. September hatte es den Anschein, als ob das Beharren der USA darauf, daß die Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem mit den Verhandlungen über einen Abbau der Handels-

�Handelsschranken verbunden sein müßten, sich als eine besonders umstrittene
Frage erweisen würde. Zahlreiche Länder widersetzten sich dem nachdrücklich.

Bei der Vorlage der amerikanischen Vorschläge für eine Reform des internationalen WährungsSystems am 26. September jedoch regte der amerikanische Finanzminister Shultz ein Vorgehen an, das für die meisten übrigen Länder akzeptabel
erschien.

Shultz begrüßte die von den großen Ländern bereits eingegangene
tung zur Aufnahme

Verpflich-

detaillierter HandelsVerhandlungen im kommenden Jahr, die im

Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens(GATT) geführt werden sollen.
Aber er fügte hinzu, daß diese Verhandlungen, die sich mit bestimmten Erzeugnissen und bestimmten Beschränkungen befassen, nicht bis zu einer Reform des
internationalen WährungsSystems zu warten brauchten, genauso wie eine solche
Währungsreform nicht auf die Ergebnisse solcher spezifischen Handelsverhandlungen
warten müsse.

Der amerikanische

Finanzminister wies darauf hin, daß einige Handelsfragen

- wie Bestimmungen über die Anwendung von Importzuschlägen bei temporären Zahlungsbilanzungleichgewichten - in einem so engen Zusammenhang mit den monetären
Fragen stehen, daß sie direkt von dem Zwanziger-Ausschuß behandelt werden müssen.

Bestimmte andere, Handel und Investitionen berührende Praktiken stehen nicht
in einem so engen Zusammenhang mit den Währungsverhandlungen und werden wahrscheinlich auch nicht in den bevorstehenden GATT-Verhandlungen behandelt werden, auch
wenn sie bei Handel und Investitionen genauso zu Verzerrungen führen, wie dies
Handelsschranken und Währungsungleichgewichte tun. Shultz schlug vor, daß der
Zwanziger-Ausschuß sich zwar nicht direkt mit diesen Fragen befassen sollte, aber
als Katalysator dienen könnte, um Bestrebungen in anderen Gremien, sich damit
zu befassen, zu fördern.

Und mit einem Blick in die Zukunft schlug Shultz eine "Harmonisierung" der
Statuten des Internationalen Währungsfonds und des GATT vor, so daß enge Arbeitsbeziehungen zwischen den beiden internationalen Organisationen geschaffen werden.
Ein
- 2-

�Ein anderer Punkt der amerikanischen Erklärung, der zahlreiche Tagungsteilnehmer beruhigte, war die Zusage, daß die Vereinigten Staaten bei einer
Einigung über ein annehmbares internationales Währungssystem den Dollar wieder
in andere Reserveguthaben konvertierbar machen würden. Dies bedeutet, daß die
Vereinigten Staaten Sonderziehungsrechte des IWF oder andere international
akzeptierbare Guthaben gegen bei ausländischen Zentralbanken liegende Dollarguthaben eintauschen würden.

Die Rückkehr zur Konvertierbarkeit des Dollar würde jedoch nur nach einer
entsprechenden Übergangsperiode erfolgen, in der die amerikanische Zahlungsbilanzposition und die amerikanischen Währungsreserven gestärkt worden wären. Die
anderen Länder verstehen und akzeptieren die Notwendigkeit einer solchen Übergangsperiode. Noch vor der Rede des amerikanischen Finanzministers war keineswegs klar, ob die Vereinigten Staaten jemals wieder zu einer Rückkehr zu dem
System bereit sein würden, das eine volle Konvertierbarkeit des Dollar beinhaltet.

Die Vereinigten Staaten waren keineswegs das einzige Land, das bedeutsame
Schritte in Richtung auf eine Anpassung unternommen hat. Die auf der diesjährigen
IWF-Tagung gehaltenen Reden zeigen, daß die meisten Länder jetzt das Prinzip
akzeptieren, daß die Wiederherstellung des Gleichgewichts der internationalen
Zahlungsbilanzen ein zweiseitiger Prozeß sein muß und daß Länder mit einem
ständigen Zahlungsbilanzüberschuß Maßnahmen zum Abbau dieses Überschusses ergreifen müssen, genauso wie Länder mit ständigen Zahlungsbilanzdefiziten diese
Defizite korrigieren müssen. Selbst Länder mit solchen Zahlungsbilanzüberschüssen
wie Japan akzeptieren jetzt die Tatsache, daß zu hohe Überschüsse irgendwie eingeengt werden müssen.

Aber es bestehen natürlich auch noch Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel
über die Anwendung von Indikatoren, die automatisch anzeigen, wann ein Überschußland zu handeln verpflichtet ist und die Verhängung von Sanktionen das letzte
Mittel gegen Überschuß- wie auch Defizitländer

wäre, die sich den vereinbarten

Bestimmungen zu beugen weigern.

Trotzdem

�Trotzdem ist es ein großer Fortschritt, wenn das Prinzip akzeptiert
worden ist, daß Überschußlander in gewissem Maße verpflichtet sind, zur
Wiederherstellung des internationalen Wirtschaftsgleichgewichts beizutragen.
In der Vergangenheit haben einige Länder darauf bestanden, daß die gesamte
Last der Anpassung dem Land auferlegt werden soll, das ein Zahlungsbilanzdefizit hat.

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41/1972

GÜNSTIGERE AUSSICHTEN FÜR DIE AMERIKANISCHE HANDELSBILANZ
-Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates-

WASHINGTON — ( A D ) — Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge hängt die Stabilität der internationalen Devisenmärkte noch immer in sehr großem Maße von
der Stärke des US-Dollar und den dieser Stärke zu Grunde liegenden Entwicklungen ab, obwohl allgemeine Übereinstimmung herrscht, daß der Dollar in
Zukunft nicht mehr die herausragende Rolle spielen soll wie in der Vergangenheit. Aus diesem Grunde sind die Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz ein entscheidend wichtiger Bestandteil der Stabilität der internationalen
Devisenmärkte und der künftigen Gestaltung des Weltwährungssystems.
Das Smithsonian-Abkommen bot die Grundlage für eine Verbesserung der
amerikanischen Wettbewerbsposition und eine Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanz. Aber obwohl Wirtschaftsgeschichte und politische Realität Anlaß
genug zu der Annahme boten, daß die Wende erst mit beträchtlicher Verzögerung
eintreten werde, sind viele Leute enttäuscht gewesen, wie langsam sich dieser
Umschwung zu verwirklichen scheint. Einige wenige bringen sogar laut ihre Verwunderung zum Ausdruck, ob er je überhaupt eintreten wird oder ob die Regeln
der Wirtschaft durch Entwicklungen in der modernen Welt außer Kraft gesetzt

-1-

�gesetzt worden sind.
Auf kurze Sicht gesehen mußte man natürlich damit rechnen,daß die Abwertung
des Dollar zu einer weiteren Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz
führen würde. Das kommt daher, daß eine Abwertung unmittelbar die Erhöhung der
Dollarpreise für importierte Waren zur Folge hat und damit den Dollarwert eines
unveränderten Volumens von Importen erhöht. Erst später beginnt der echte Handelsfluß auf die relativen Preisveränderungen zu reagieren. Dieser negative
Effekt auf die Handelsbilanz ist offensichtlich eingetreten. Im ersten Halbjahr
1972 stiegen die amerikanischen Importpreise -in Dollar- um 7,0 Prozent, während unsere Exportpreise nur um 2,3 Prozent anstiegen.
Abweichende zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern haben ebenfalls zur Verschlechterung unserer Handelsbilanz beigetragen.
In den Vereinigten Staaten sind die Einkommen weiter rasch gestiegen, da die
Regierung eine Politik verfolgte, die auf einen Anreiz des echten Wachstums
und der Beschäftigung ausgerichtet war. Das Anwachsen der persönlichen Verbraucherausgaben mit einer Jahresrate von 8,6 Prozent vom ersten Quartal 1971 bis
zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage nach importierten Verbrauchsgütern, während die beschleunigte Wiederbelebung auch die Nachfrage nach
importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte.
Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland
zögernd gewesen, da Bemühungen zur Dämpfung des inflatorischen Drucks in einer
Reihe anderer Industriestaaten zu einer wirtschaftlichen Stagnation geführt haben. Diese zyklischen Einflüsse auf die amerikanische Handelsbilanz sind einer
Entwicklung aufgesetzt worden, die sich offensichtlich in einem spektakulären
Anwachsen des Wunsches der Amerikaner ausdrückte, importierte Waren zu konsu
mieren.
Aufgrund

-2-

�Aufgrund dieser verschiedenen Belastungen stieg das Defizit in der Warenbilanz mit einer Jahresrate von 7,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972,
verglichen mit einem Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1.971, und das
amerikanische Defizit in Gütern und Dienstleistungen stieg entsprechend. Diese
Verschlechterung war, wie bereits erwähnt, zu einem Teil ohne Frage auf den negativen Preiseffekt der Veränderung des Wechselkurses des Dollar zurückzuführen.
Ein erster Überblick deutet darauf hin, daß sich das Handelsdefizit zwischen dem
erstenund zweiten Quartal 1972 zwar wertmäßig steigerte, daß jedoch real eine
gewisse Einengung eintrat.
In den letzten Monaten hat sich jedoch das Handelsdefizit auch wertmäßig
zumindest auf seinem Stand gehalten. Das August-Defizit war sogar das kleinste,
das die Vereinigten Staaten seit Januar zu verzeichnen hatten. Und es gibt eine
Reihe von Gründen für die Annahme, daß im zweiten Halbjahr 1972 eine gewisse
Verbesserung eintritt. Die Veränderung der relativen Preise von ausländischen
und einheimischen Waren, die die Smithsonian-Anpassung herbeigeführt hat,wird
durch das hervorragende Verhalten der amerikanischen Wirtschaft auf dem Sektor
der Preisstabilität verstärkt, wenn man es mit dem Verhalten der meisten der
wichtigen Handelspartner Amerikas vergleicht. Da Erzeuger und Verbraucher voll
auf diesen relativen Anstieg der Preise ausländischer Güter im Vergleich zu amerikanischen Gütern reagieren, dürfte sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich der Zuwachs der Exporte beschleunigen dürfte. Und schließlich gibt es Hinweise für eine Neubelebung der Nachfrage in einer Reihe von
Amerikas Partnerländern, vor allem in Deutschland und in Japan, was zu einem
weiteren Aufschwung für die amerikanischen Exporte führen dürfte.
Man darf also, alles in allem,

im Laufe des Jahres eine gewisse Verbes-

serung der amerikanischen Handelsbilanz erwarten. Aber selbst dann werden die
Vereinigten Staaten mit ziemlicher Sicherheit dieses Jahr mit einem Handelsdefizit abschließen, das das Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1971 über-

�übertrifft„ Nicht zuletzt wegen des Standes der amerikanischen Warenbilanz wird
auch wahrscheinlich die amerikanische Position der laufenden Kosten - Regierungszuwendungen ausgeschlossen - in diesem Jahr weniger günstig sein als
1971, als das Defizit weniger als eine Milliarde Dollar betrug.
Die Auswirkungen der Abwertung dürften zusammen mit den Investitionschancen,
die das rasche reale Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im Jahre 1972 bietet, das Klima für eine Verringerung des Nettoabflusses langfristiger Gelder
aus den Vereinigten Staaten begünstigen. Es gibt Hinweise dafür, daß dies tatsächlich der Fall ist, obwohl schwer vorauszusehen ist, in welchem Umfang sich
das in einer Verbesserung der amerikanischen Kapitalkonten-Bilanz niederschlagen wird.
Es besteht ferner wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen Verbesserungen
der Handelsbilanz und der Verbesserung der Kapitalkonten-Bilanz.Wenn die Handelsbilanz definitive Anzeichen bietet, daß man aus der Klemme heraus ist, dann
werden sich ausländische Investoren sicherer fühlen, in den Vereinigten Staaten
Anlagewerte zu kaufen. Jede Verbesserung der Zahlungsbilanz dürfte daher eine
vervielfachende Wirkung auf die grundlegende Zahlungsbilanzposition haben, die
sowohl laufende als auch langfristige Kapitaltransaktionen einschließt.
Die ermutigendste Entwicklung in der amerikanischen Zahlungsbilanz ist die
verbesserte Gesamtzahlungsposition gewesen, vor allem im zweiten Quartal.
Während die grundlegende Zahlungsbilanz-Position weiterhin ein beträchtliches
Defizit aufwies, hat ein bedeutender Rückfluß von kurzfristigen Geldern aus
dem Ausland stattgefunden. Wirtschaftler betrachten solche Rückflüsse gewöhnlich als ein Vertrauensvotum der internationalen Geldmanager in die Stärke des
Dollar.

Über

�Über diesen Punkt hinaus läßt sich eine klare Voraussage nicht machen.
Ohne Frage haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, bevor wir uns sicher fühlen
können, daß der Dollar keinem weiteren spekulativen Druck mehr ausgesetzt sein
wird. Wenn der Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten

einen ausgewogenen

Stand erreichen soll, wird es für die Vereinigten Staaten nötig sein, nicht
nur einen Ausgleich ihrer Position der laufenden Konten zu erzielen, sondern
einen Überschuß zu erreichen, der groß genug ist, um den Abfluß von Zuwendungshilfe und langfristigem Kapital sowie die Rückzahlung von Schulden bei ausländischen Geldinstituten abzudecken.

I i-H 1-

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 5. Oktober 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in Kalifornien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich gebessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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Information
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Dokumentation

08-85432

42

18. Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

USA warnen vor Kontrolle von Satellitensendungen
-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen VorschlagAmerikanisch-sowjetisches Umweltabkommen bringt die Völker einander
näher
Von Hubert G. Collins

HINTERGRUNDMATERIAL:
Fortschritte im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
Von Ron Moxness
Die amerikanischen Einwanderungsgesetze
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr
Mehr Schwarze an amerikanischen Colleges
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young
Das Absinken der Geburtenrate in den USA und seine Folgen
Von Mary Sherwood

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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42/1972

USA WARNEN VOR KONTROLLE VON SATELLITENSENDUNGEN

-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen Vorschlag-

VEREINTE NATIONEN, New York --(AD)-- Die Vereinigten Staaten haben ernsthafte
Bedenken gegen einen sowjetischen Vorschlag geäußert, der eine Kontrolle von
Satellitensendungen vorsieht. Moskau wünscht eine internationale Konvention,
die es jedem Land verbieten würde, Fernsehsendungen über Satelliten für den
Direkt empfang durch Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung
des Empfängerlandes die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat.
Vor dem Politischen Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen
unterstrich der amerikanische Chefdelegierte George Bush dieser Tage, daß der
sowjetische Vorschlag ein fundamentales Prinzip verletzen würde, dem die USA
sowie andere demokratische Länder größte Bedeutung beimessen: den Glauben
an den freien Austausch von Informationen und Gedanken. Dieses Prinzip bilde
eine entscheidende Grundlage für den Fortbestand demokratischer Institutionen.
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen ist zwar im Augenblick noch nicht möglich und dürfte es auch in den nächsten Jahren noch nicht

-l-

�nicht sein, doch nahm die Sowjetunion die diesjährige Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Anlaß, ihren Vorschlag zu unterbreiten und derartige Kontrollen zu fordern.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten gibt es gegenwärtig keine "adäquate
Grundlage" für die Ausarbeitung endgültiger internationaler Abmachungen in bezug
auf Satelliten-Fernsehsendungen. Bush sagte, bevor die Weltorganisation Grundregeln für den Fluß von Informationen festlege, sollte sie einige Fragen untersuchen, die diesem ganzen Komplex zugrundelägen.
"Dazu gehört die Frage", so sagte der amerikanische Chefdelegierte wörtlich,
"ob eine Beschränkung der Freiheit des Ausdrucks mit den fundamentalen Prinzipien
der Menschenrechtserklärung in Übereinstimmung gebracht werden kann. Wir müssen
uns auch fragen, was für internationale Abmachungen erreicht werden können, die
nicht den freien Fluß von Gedanken und Informationen gefährden und die gleichzeitig doch eine angemessene Respektierung nationaler, kultureller, ethnischer
und religiöser Gefühle gewährleistet. Und wir müssen angesichts der Fakten der
sich weiterentwickelnden Technologie prüfen, wie bei den ständig wachsenden Übermittlungsmöglichkeiten unter Nutzung der modernsten verfügbaren Mittel den Interessen aller Länder, der Industrienationen wie der Entwicklungsländer, am besten
gedient wird. Dies sind nur einige der komplexen und wichtigen Fragen, die einer
überaus sorgfältigen Überlegung bedürfen."
Die Vereinigten Staaten,so sagte Bush weiter, würden ein neues technologisches Mittel begrüßen, durch das die amerikanische Bevölkerung andere Kulturen
und Gesellschaftsformen besser kennenlernen könnte. Die Beschreibungen der Erde
aus der Sicht der Astronauten beispielsweise zeige für alle Nationen die Notwendigkeit auf, so viele Informationen wie nur möglich zu erhalten.

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42/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES UMWELTABKOMMEN BRINGT DIE VOLKER
EINANDER NÄHER
Von Hubert G.Collins
WASHINGTON --(AD)-- Der Hauptwert des amerikanisch-sowjetischen Uraweltabkommens
liegt in seiner völkerverbindenden Wirkung, und es spielt keine entscheidende
Rolle, welches Land dabei einen größeren materiellen Vorteil erzielt. Mit dieser
Erkenntnis kehrte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für Umwelthygiene,
Dr. Russell E. Train, kürzlich von einer längeren Informationsreise durch die
Sowjetunion zurück.
Dr. Train, der sich in Umweltfragen einen internationalen Namen gemacht
hat, hat auf seiner fast 17000 km langen Reise durch die UdSSR mit über 100
sowjetischen Experten Umweltfragen - angefangen vom Winterbau bei Dauerfrost
bis zur Luft-und Wasserverschmutzung in städtischen Ballungsgebieten - gesprochen.
Am 21. September haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
Durchführungsabkommen zu dem Allgemeinen Umweltabkommen geschlossen, das Präsident Nixon und der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets, N.V.Podgorny,
am 23. Mai unterzeichnet hatten. Im Rahmen des Durchführungsabkommens sind über
30 spezielle amerikanisch-sowjetische Gemeinschaftsprojekte des Umweltschutzes
vorgesehen.
Auf

-1-

�Auf einer Pressekonferenz am 13. Oktober nach seiner Rückkehr aus der
UdSSR (am 5. Oktober) zeigte sich Dr, Train beeindruckt von der Gastfreundschaft
und der positiven Einstellung, die er in der Sowjetunion vorgefunden habe.
Die USA, so sagte er, seien der UdSSR in der Umwelttechnologie sicherlich
voraus, und die sowjetische Seite werde fraglos die größeren Vorteile haben.
Er habe jedoch in der UdSSR immer wieder darauf hingewiesen, daß die von der
amerikanischen Privatindustrie produzierte Technologie jedermann zur Verfügung
stehe. Das Entscheidende sei jedoch die Stärkung der Beziehungen zwischen beiden
Völkern, da das Abkommen nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsleute einander nahe bringe, sondern auch Institutionen in beiden Ländern.
Podgorny, so berichtete Dr. Train, habe ferner darauf hingewiesen, daß
die Frage des Umweltschutzes nicht nur für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern auch und gerade für die internationale Zusammenarbeit von
Bedeutung sei.
Die Gemeinschaftsprojekte auf dem Gebiet des Umweltschutzes würden sicherlich positive Auswirkungen auf das allgemeine politische Klima haben.
Nach Schätzungen von Dr. Train werden im Zuge der amerikanisch-sowjetischen
Projekte in neun Arbeitsgruppen auf vier Tagungen mindestens tausend Personen
routinemäßig zusammentreffen und zusammenarbeiten.
Dr. Train vertrat aufgrund seiner Reise die Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten beispielsweise auf dem Gebiet der Kontrolle der Luft-und Wasserverschmutzung voraus seien. Dies

habe er vor allem am Baikalsee feststellen

können, wo ein großes Zellulosewerk ernste Probleme für Luft und Wasser mit
sich bringe. Auch was die Festsetzung von Normen fpr die Reinheit von Luft
und Wasser angehe, sei die Sowjetunion noch zurück.

Ferner

�Ferner berichtete Dr. Train, daß ein Besuch bei dem sowjetischen Permafrost-Institut in Jakutsk - dem einzigen Institut dieser Art in der Welt - ebenfalls keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gebracht habe. Die USA selbst hätten
angesichts der geplanten Pipeline durch Alaska umfassende Forschungen auf dem
Gebiet des Bauens unter Dauerfrost betrieben. Amerikanische Ölfirmen hätten jedoch bereits viel von den sowjetischen Erfahrungen beim Bau von Pipelines unter
Dauerfrostbedingungen profitiert.
Die Sowjetunion, so betonte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für
Umwelthygiene abschließend, wolle das Problem des Umweltschutzes im großen nationalen Rahmen angehen. Nach seiner Überzeugung werde das neue Abkommen den
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und der ganzen Welt zum Vorteil gereichen.

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42/1972

FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN RAUSCHGIFTHANDEL

Von Ron Moxness

WASHINGTON --(AD)-- Fast täglich liest man Meldungen über erfolgreiche Schläge
der Polizei gegen Rauschgifthändler, die Präsident Nixon erst kürzlich
Schleichhändler des Todes, genannt h,ato Wie gefährlich dieser Kampf ist,läßt
sich daraus erkennen, daß erst dieser Tage ein Beamter des amerikanischen Bundeskriminalamtes FBI seinen Einsatz in New York mit dem Leben bezahlen mußte
und ein weiterer Beamter schwer verletzt wurde. Auch in der Türkei wurden kürzlich durch eine überraschende Aktion der Polizei große Mengen an Heroin sichergestellt .
Ein Beispiel der verstärkten internationalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung
vor allem der sogenannten harten Drogen nannte kürzlich der Direktor des amerikanischen Büros für die Bekämpfung von Rauschgift und gefährlichen Drogen (BNDD),
John E. Ingersoll. Auf einer Tagung der Internationalen Vereinigung der in der
Rauschgiftbekämpfung tätigen Rechtsvollzugsbeamten in New Orleans, Louisiana,
am 12. Oktober gab Ingersoll bekannt, daß sich die Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet mit lateinamerikanischen Ländern verzehnfacht hat. Vor allem in Brasilien,

"1-

�Brasilien, Argentinien, Peru und Chile habe

die Rauschgiftbekämpfung große

Fortschritte gemacht.
Nach dem Bericht Ingersolls wurden vor kurzem allein in Buenos Aires
45 Kilogramm Heroin beschlagnahmt und 30 Mitglieder eines internationalen Rauschgiftringes verhaftet. Einige Tage zuvor konnte die venezolanische Polizei in Zusammenarbeit mit BNDQ-Agenten 16 Kilogramm Heroin sicherstellen und eine Organisation von Rauschgifthändlern in Caracas und Miami zerschlagen.
Die wachsenden Erfolge der internationalen Zusammenarbeit, so betonte
Ingersoll in seiner Ansprache, seien der Beweis dafür, daß es in dem Kampf gegen
den illegalen Rauschgifthandel keine "Kapitualation" gebe. "Wir führen", so
sagte er, "einen weltweiten Krieg gegen Rauschgift und gefährliche Drogen in
Zusammenarbeit mit fast allen Ländern der Erde, und wir werden diesen Krieg
weiterführen."
Ingersoll gab zahlreiche weitere Beispiele dieses erfolgreichen Einsatzes.
So haben Ende September philippinische Beamte in Zusammenarbeit mit BNDD-Agenten
in Manila über 21 Kilogramm Heroin sichergestellt, die im Endverkauf einen Wert
von fast neun Millionen Dollar hatten. In drei getrennten Aktionen wurde ein
Heroin-Ring zerschlagen, der monatlich rund acht Kilogramm reines Heroin herstellte.
Die Hauptsorge, so betonte Ingersoll, bereite Südostasien. Man habe zwar
eine gute Zusammenarbeit mit den Regierungen von Thailand und Laos erreicht,
jedoch sei eine wirksame Kontrolle des Mohnanbaus im sogenannten "goldenen
Dreieck" - wo die Grenzen von Laos, Thailand und Burma zusammenkommen - bisher
noch nicht möglich. Von den schätzungsweise 700 Tonnen Opium, die im goldenen
Dreieck illegal produziert werden, gelangen nach Ansicht von Ingersoll etwa
200 Tonnen auf die Märkte in Malaysia, den Philippen und Hongkong, während
etwa 100 Tqnnen dem internationalen Markt zufließen. Immerhin hat die thailändi-

-2-

�thailändische Regierung in diesem Jahr

bereits 26 Tonnen Opium vernichtet,

das beschlagnahmt worden war.
Ingersoll konnte auch über Fortschritte in der Organisation der Rauschgiftbekämpfung berichten. Seine Behörde, das BNDD, verfügte im Jahre 1968 über ein
Gesamtpersonal von weniger als 900 Mann, darunter weniger als 600 Agenten, mit
einem Budget von rund 14 Millionen Dollar. Heute, so hob Ingersoll hervor, verfuge er über fast 3 000 Bedienstete, darunter fast 1 600 Agenten, und einen
Haushalt von 74 Millionen Dollar. Großer Nachdruck werde auf die wissenschaftliche und technologische Ausbildung und Ausrüstung der Beamten gelegt.
Wie Ingersoll ausführte, haben nationale Anstrengungen und internationale
Zusammenarbeit zu guten Ergebnissen geführt. In den ersten beiden Monaten des
laufenden Haushaltsjahres seien allein auf dem amerikanischen illegalen Markt
23,8 Kilogramm Heroin und 21,6 Kilogramm Kokain sichergestellt worden. Im
gleichen Zeitraum konnten ausländische Behörden in Zusammenarbeit mit BNDDAgenten 706 Kilogramm Heroin und ähnliche Derivate beschlagnahmen. Im Haushaltsjahr 1971/72 nahmen BNDD^Agenten 4 579 Festnahmen vor und unterstützten
andere Polizeistellen in In-und Ausland bei weiteren 3 092 Festnahmen. Die
amerikanische Zollbehörde nahm im gleichen Zeitraum 7 86o Personen wegen
Rauschgiftbesitz fest und beschlagnahmte 286 Kilogramm Heroin und verwandte Derivate sowie 170 Kilogramm Kokain.
IngersQll wies darauf hin, daß die Tätigkeit von BNDD-Agenten im Ausland
vervielfacht worden sei, und das zahle sich aus. Auch das Abkommen mit der Türkei,
die sich verpflichtete, keinen Mohn mehr anzubauen, werde sicherlich positive
Auswirkungen haben. Früher seien zwischen 50 und 150 Tonnen Rohopium allein aus
der Türkei in den illegalen Rauschgifthandel geflossen. Ein Großteil dieses im
wesentlichen für die Vereinigten Staaten bestimmten Opiums sei in Frankreich

�Frankreich verarbeitet worden. Die französischen Behörden machten jedoch nachdrückliche Anstrengungen, um dagegen einzuschreiten. In diesem Jahr seien allein
auf einem Fischdampfer eine halbe Tonne Heroin sichergestellt und auf französischem Boden fünf Laboratorien ausgehoben worden.
Dies alles, so betonte der BNDD-Direktor, sei ein klarer Beweis für die
immer erfolgreichere internationale Zusammenarbeit.

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42/1972

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DIE AMERIKANISCHEN EINWANDERUNGSGESETZE
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr

WASHINGTON --(AD)-- Über die Möglichkeiten der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika herrschen auch heute noch viele Unklarheiten, und bei
manchem mögen noch die Bilder von Ellis Island - der längst geschlossenen
Einwanderungsstation im New Yorker Hafen - lebendig sein. Die im Jahre 1965
unterzeichneten Einwanderungsgesetze haben jedoch die Verhältnisse grundlegend
gewandelt. Heute ist eine gerechte Verteilung der Einwanderungsbewilligungen
auf fast alle Länder der Erde sichergestellt.
Nach den früheren Bestimmungen gab es nationale Quoten, durch die Einwanderer aus Nord-und Westeuropa begünstigt wurden. Heute werden die Quoten nach
Hemisphären verteilt, wodurch die geographische Streuung breiter und gerechter
geworden ist. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes von 1965 hat die Zahl der
Einwanderer aus Asien sowie aus Süd-und Osteuropa um ein Vielfaches zugenommen,
während die Zahl der Einwanderer aus Nord-und Westeuropa stark zurückging.
Bis zur Wende des 19. Jahrhunderts kamen die Menschen aus fast allen Ländern der Erde - vor allem aber aus Nord-und Westeuropa - in praktisch unbe-

-1-

�unbegrenzter Zahl nach den USA. Mit der raschen Industrialisierung Anfang des
20. Jahrhunderts stieg auch die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa. In
den zwanziger Jahren setzten die Vereinigten Staaten dann mit einer Reihe von
Gesetzen der Einwanderung Grenzen. Auf der Basis einer Volkszählung, durch die
Anteile der ethnischen Gruppen festgestellt wurden, wurden jetzt länderweise
Quoten aufgestellt, wobei die sogenannten "alten Herkunftsländer" in Nord-und
Westeuropa begünstigt wurden.
Ein neues Gesetz im Jahre 1952 bevorzugte weiterhin die Länder Nord-und
Westeuropas, die etwa 80 Prozent der Quotenzahlen erhielten. Bei all diesen Gesetzen war die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre keinerlei Beschränkungen unterworfen.
Im Rahmen des Gesetzes von 1952 erhielten drei europäische Länder - Großbritannien, Irland und Deutschland - allein 70 Prozent des Quotenanteils für
Einwanderer aus Europa, Asien und Afrika. Während Großbritannien

jährlich

40 000 bis 50 000 Visen ungenutzt ließ, betrug die Quote für Italien 5 600,
während über 200 000 Einwanderungsanträge vorlagen.
Nach dem neuen Gesetz vom 3. Oktober 1965 wurden die Länderquoten abgeschafft und mit 170 000 lediglich eine Jahreshöchstgrenze für die Einwanderung
aus der östlichen Hemisphäre (Europa, Asien, Afrika^ festgelegt, wobei kein Land
jährlich mehr als 20 000 Visen bekommen kann. Auch die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre wurde begrenzt. Seit 1. Juli 1968 ist die Höchstzahl der jährlichen Visen für die amerikanischen Länder auf insgesamt 120 000 festgelegt, wobei jedoch keine Begrenzung für die einzelnen Länder vorgenommen wird.
Mit der Abschaffung der Länderquoten hat sich die ethnische Zusammensetzung
der Einwanderer radikal verändert. So nahmen die USA im Haushaltsjahr 1970/71
(das am 30. Juni 1971 zu Ende ging) 103 461 Asiaten auf, verglichen mit

-2-

�mit 20 683 im Haushaltsjahr 1964/65. Die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa betrug in den gleichen Zeiträumen 70 444 gegenüber 40 106.
Während 1964/65 Kanada mit 40 013, Großbritannien mit 29 747 und Italien
mit 10 344 Einwanderern an der Spitze der Herkunftsländer lagen, waren es
1970/1 die Philippinen mit 28 471, Italien mit 22 137 und Kuba mit 21 611.
Auch die berufliche Qualifikation der Einwanderer hat sich geändert.
Während Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem ungelernte Arbeitskräfte in die
USA kamen, haben heute mindestens 40 Prozent eine Berufsausbildung; bei den Einwanderern aus Asien sind sogar rund 60 Prozent technisch oder beruflich qualifiziert. Auch nach dem Geschlecht ist eine Verschiebung eingetreten. Kamen früher
hauptsächlich ledige junge Männer, sind heute etwa die Hälfte der Einwanderer
Frauen - nicht solche, die ihren Männern folgen.
Auch in dem Gesetz von 1965 wird die Tradition fortgesetzt, Angehörigen
von amerikanischen Staatsbürgern den Vorrang bei der Einwanderung zu geben. Ehefrauen und Kinder (ledig und unter 21 Jahren) von bereits in den USA lebenden
Bürgern konnten schon früher ohne zahlenmäßige Beschränkung in die Vereinigten
Staaten einwandern. Im Gesetz von 1965 wurden sogar noch die Eltern von erwachsenen amerikanischen Bürgern in den bevorzugten Personenkreis aufgenommen.
Die Familienzusammenführung hat bei der jährlichen Quote von 170 000 für
die östliche Hemisphäre Vorrang und zwar nach folgendem Prozentsatz:
74 Prozent für (1.) unverheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (2.) Ehefrauen und unverheiratete Kinder von Ausländern, die ständiges Wohnrecht haben, (4.) verheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (5.) Brüder und Schwestern amerikanischer Staatsbürger;

10

-3-

�10 Prozent für (3.) Akademiker und Personen mit außerordentlichen Fähigkeiten auf den Gebieten von Wissenschaft und Kunst (wozu auch Buchhaltung, Architektur, Maschinenbau, Krankenpflege, Pharmazie usw. gezählt werden;
10 Prozent für (6.) gelernte und ungelernte Arbeitskräfte, für die nach
Bescheinigung des Arbeitsministers ein Mangel besteht (dazu gehören Piloten,
Juweliere, Tischler, Modeschöpfer, Schreibmaschinenmechaniker usw.)»
6 Prozent für (7.) Flüchtlinge.
Alle Visen, die nicht unter diesen bevorzugten Kategorien ausgenutzt werden, stehen sonstigen Bewerbern zur Verfügung, die die Einwanderungsbestimmungen
erfüllen.
Interessant wäre noch anzumerken, daß die Zahl der Einwanderer aus
Deutschland von 1964/65 mit 24 045 bis 1970/71 mit 7 519 um 68,7 Prozent abgei

nommen hat.

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42/1972

MEHR SCHWARZE AN AMERIKANISCHEN COLLEGES
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young

WASHINGTON --(AD)-- Erziehung und Ausbildung der schwarzen Bevölkerung in den
USA zeigen stetige Fortschritte. Dies geht aus neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA sowie aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung
des Amerikanischen Rates für Erziehung (ACE) hervor.
Während die Zahl der jungen Amerikaner, die von einer weiterführenden
Schule auf ein College überwechseln, in den letzten Jahren ganz allgemein
ständig gestiegen ist, war die Zuwachsrate von Schwarzen fast fünfmal so groß
wie bei weißen Schülern. Im Studienjahr 1971/72 schrieben sich insgesamt 8,1
Millionen Studierende an 2 543 amerikanischen Colleges und Universitäten ein,
was einer Zunahme um 33 Prozent während der letzten fünf Jahre entspricht. Der
Zuwachs der schwarzen Studenten - auf 680 000 - betrug jedoch während des gleichen Zeitraumes 141 Prozent. Wenn auch der Prozentsatz der schwarzen Studenten
noch hinter der Zahl der jungen Amerikaner in ihrer Gesamtheit zurückbleibt,
so ist doch immerhin ein weiterer Teil der Lücke geschlossen worden.
Die

-1-

�Die meisten schwarzen Studenten sind an nicht nur für Neger vorgesehenen
Institutionen eingeschrieben. Sie machen 6,3 Prozent der amerikanischen CollegeStudenten aus. Diese Ziffer ist zwar niedrig in bezug auf die Gesamtzahl der
Schwarzen in der amerikanischen Bevölkerung (12 Prozent), doch spiegelt auch diese Zahl einen nicht unbeträchtlichen Fortschritt wider.
Mit den besseren und größeren Ausbildungsmöglichkeiten für Schwarze hat sich
auch ihre sozial-wirtschaftliche Position verbessert. Dies wird aus einer Untersuchung des Amerikanischen Rates für Erziehung deutlich, der 1918 ins Leben gerufen wurde, um das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten zu fördern. In
dem Bericht, der den Titel trägt: "Die schwarzen Erstsemester - Charakteristika
und neueste Tendenzen" wird darauf hingewiesen, daß sich der sozial-wirtschaftliche Status der Studienanfänger verglichen mit der Ausbildung, dem Beruf und
dem Einkommen ihrer Eltern zwar leicht verbessert hat, daß jedoch weiterhin
gewisse Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Studenten bestehen.

So ist

der schwarze Student durchweg älter als sein weißer Kommilitone, ärmer, und sein
Vater hat eine weniger gute Ausbildung. Fast 50 Prozent der Väter der schwarzen
Studenten hat eine weiterführende Schule nicht beendet, während weniger als 25
Prozent der Väter der weißen Studienanfänger die Schule vor dem Abschluß verlassen haben. Ferner kommen etwa dreimal so viele Schwarze wie Weiße aus Familien
mit relativ geringen Einkommen, wenn sich auch der wirtschaftliche Status der
schwarzen Familien ständig verbessert. Die schwarzen Studenten sind auch in größerem Maße auf Stipendien und Zuschüsse angewiesen als ihre weißen Kommilitonen.
Mehr als 50 Prozent der Schwarzen beziehen ihre Mittel aus solchen Quellen, während 56 Prozent der weißen Studierenden angeben, daß sie in erster Linie von
ihren Eltern unterstützt werden. Die Studenten des Erstsemesters sind meistens
18 Jahre alt, doch ist ein höherer Prozentsatz von Schwarzen als von Weißen älter
als 18 Jahre.
Schwarze

�Schwarze Studenten sind dem Bericht zufolge durchweg weniger militant als
ihre weißen Kommilitonen.

Obwohl

nahezu die m f t e

der schwarzen

Studenten

(46,5 Prozent) sich als "liberal» oder »weit links stehend» bezeichnet gegenüber
37,5 Prozent der weißen Studienanfänger, neigen die Weißen eher dazu, an Demonstrationen für die Geburtenkontrolle, die Legalisierung von Marihuana und die Abschaffung des Benotungssystems an den Colleges teilzunehmen.
Sowohl schwarze als auch weiße Studienanfänger ließen dem Bericht nach ein
abnehmendes Interesse an dem Besuch von Gottesdiensten sowie von Museen und
Kunstgalerien erkennen. Aber beide Gruppen zeigten ein starkes Interesse daran,
anderen zu helfen und als Lebensziel ein besonderes Fachwissen auf Spezialgebieten zu erlangen. Zwei von drei Schwarzen erklärten, sie würden bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen ihre Stimme abgeben, während bei den Weißen drei

von

vxer d.ese Absicht erklärten. Im Hinblick auf die Kontrolle der Umweltverschmutzung
sowie den Verbraucherschutz war das Interesse auf beiden Seiten etwa gleich.
Die Untersuchungsergebnisse des Rates für Erziehung bestätigten im großen
und ganzen die Feststellungen eines zu Anfang dieses Jahres veröffentlichten Berichtes des National Scholarship Service, einer im Jahre 1946 gegründeten gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, Negern bei der Erlangung einer CollegeAusbildung zu helfen.

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42/1972

DAS ABSINKEN DER GEBURTENRATE IN DEN USA UND SEINE FOLGEN

Von Mary Sherwood

WASHINGTON --(AD)-- Die rasche Bevölkerungszunahme in den Vereinigten Staaten

scheint nach den jüngsten vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Berichten über die Geburtenziffern ihrem Ende entgegenzugehen.
Noch vor fünf Jahren rechnete man mit einem Anwachsen der amerikanischen
Bevölkerung, die damals rund 200 Millionen zählte, auf rund 300 Millionen bis
zum Jahre 2000.

Nach den heutigen Schätzungen wird man bis zum Jahre 2000 mit

30 bis 40 Millionen weniger Geburten rechnen müssen als ursprünglich angenommen.
Es besteht damit sogar die Möglichkeit, daß die Bevölkerungszunahme bei weiter
anhaltender geringer Geburtenzahl den Nullpunkt erreicht - wenn man von der Zahl
der in das Land strömenden Einwanderer einmal absieht.
Eine vom Bundesamt für Statistik im Juni 1972 bei amerikanischen Frauen der
Altersgruppen zwischen 18 bis 24 Jahren durchgeführte umfrage ergab, daß 70 Prozent der Befragten im Höchstfalle zwei Kinder haben wollen. Noch ein Jahr zuvor
hatten nur 64 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe erklärt, daß sie nicht

-1-

�nicht mehr als zwei Kinder haben wollten, und im Jahre 1964 lag die Zahl sogar
bei nur 44 Prozent. Die Durchschnittszahl der in dieser Altersgruppe erwarteten
Geburten fiel in fünf Jahren um über 2o Prozent und zwar von 2,9 im Jahre 1967
auf 2,3 im Jahre 1972.
Alle Voraussagen über den Bevölkerungszuwachs werden immer nur im besten
Falle einen wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeitsgrad beanspruchen können,da
sie weitgehend von Veränderungen in der Grundeinstellung der Menschen zur
Existenz abhängig sind. Dennoch sieht das Bundesamt für Statistik die Resultate
seiner jüngsten Erhebungen als "sehr bedeutsam" an. Bei einer ähnlichen im
Jahre 1960 durchgeführten Umfrage hatte sich bei den Frauen dieser Altersgruppe
ergeben, daß sie im Durchschnitt 3,1 Kinder haben wollten. Die Durchschnittszahl der tatsächlich geborenen Kinder liegt mit 2,9 Geburten um 0,2 unter dem
erwarteten Durchschnitt. Zieht man diese 0,2

von der als Durchschnitt

errechneten Zahl bei den in diesem Jahr befragten amerikanischen Frauen ab,
so käme man auf 2,1 Geburten und damit auf eine Zahl, die den Bevölkerungszuwachs auf den Punkt Null brächte, wenn sie in den nächsten siebzig Jahren beibehalten wird.
Was bedeutet diese Statistik über die Zahl der zu erwartenden Geburten
nun für die Vereinigten Staaten? Als erste Auswirkung zeigt sich heute schon,
daß die Entbindungsstationen in den Krankenhäusern weniger überfüllt sind und
die Zahl der Schulanfänger in den Volksschulen etwas zurückgeht.
In einer Veröffentlichung der Weltbank, die sich ganz allgemein mit den
möglichen Auswirkungen eines geringeren Bevölkerungszuwachses befaßt, heißt
es: "Der sicherste, unmittelbarste und greifbarste Vorteil der Verlangsamung
der Bevölkerungszunahme ist das Anwachsen des pro Kopf-Einkommens. Die Probleme
der Arbeitslosigkeit und der Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen
werden durch einen Rückgang in der Geburtenzahl entschärft."
Ben

-2-

�Ben Wattenberg schreibt in einem in der amerikanischen Zeitschrift "World"
am 8. August 1972 veröffentlichten Artikel über die in den Vereinigten Staaten
sich mehr und mehr durchsetzende Form der kleineren Familie, daß "wir damit
rechnen können, daß die jungen Familien gesünder als heute sein werden - das
heißt, daß sie in der Lage sein werden, mehr Geld für ihre Wünsche als für ihre
direkten Bedürfnisse auszugeben."

Eine kleinere Familie, so fährt Wattenberg

fort, brauche auch nur eine kleinere Wohnung,und außerdem könne die Mutter einer
kleineren Familie leichter eine Beschäftigung finden - was wiederum zur Gründung
kleinerer Familien ermutigen werde.
Außerdem, so betont Wattenberg, werde sich das Verhältnis von "Steuerverzehrern" zu "Steuerzahlern" günstig verändern, da beispielsweise eine wachsende
Zahl von Schulkindern eine immer größere Zahl von Schulen und Lehrern brauche
und damit "Steuerverzehrer" sei.

•H-H-f

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA warnen vor Kontrolle von Satellitensendungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen Vorschlag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Umweltabkommen bringt die Völker einander näher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ron Moxness&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Einwanderungsgesetze&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Faire Behandlung aller ethnsichen Gruppen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Schwarze an amerikanischen Colleges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für Erziehung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Howard W. Young&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Absinken der Geburtenrate in den USA und seine Folgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Mary Sherwood&lt;/em&gt;</text>
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