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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltraumforschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strahlenausbrüche im Vorfeld der Erde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beobachtungen mit Messgerät EXPLORER VII&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonne und Mond verändern Satellitenbahnen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusatzraketen zur Steuerung von Flugkörpern im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;New Yorker Haydn-Planetarium erhält neuen Zeiss-Projektor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die stille Revolution&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wandlungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status des amerikanischen Negers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bernhard Berenson und sein Vermächtnis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Apostel der Ästhetik, Fürst unter den Kunstkritikern&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von S. J. Harry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturkurznachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Philosophie auf dem Bildschirm&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2,5 Millionen Fernseher sahen "Medea"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Theaterprogramme einer New Yorker Fernsehstation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das beste Flüchtlingsbuch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quasimodos Werke in englischer Sprache&amp;nbsp;</text>
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22. Januar 1992

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DEUTSCH-AMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN
STAATEN IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung

WEITERVERBREITUNG

USA: BESORGNIS ÜBER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

MARTIN LUTHER KING

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag

GOLFKRIEG

UNTERNEHMEN WUSTENSTURM EIN JAHR DANACH
von Henry E. Catto

WAHLEN '92

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
22. Januar 1992

DEUTSCHLAND UND DIE VEREINIGTEN STAATEN
IM ANGESICHT GLOBALER HERAUSFORDERUNGEN
IN EINER VERÄNDERTEN WELT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
BONN - (AD) - In einer Rede bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn hat sich der Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 21. Januar 1992 für eine
aktivere weltpolitische Rolle Deutschlands ausgesprochen. Er verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten
Deutschland nach wie vor als "Partner in der Führung" betrachten und äußerte sich befriedigt darüber, daß die
Bundesregierung sich zur Übernahme größerer Verantwortung in der Welt bekannt habe.
Botschafter Kimmitt fuhr dann fort: "In den vergangenen Wochen wurde vor allem von 'ungenannten Quellen'
häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt
'assertiveness', besorgt, wenn nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und unmißverständlich feststellen,
daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer
Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters im Wortlaut.

Herr Minister Gerster,
Herr Börner,
Herr Dr. Lübkemeier,
meine Damen und Herren,
vielen Dank für diese freundlichen Einführungsworte.
Ich bin Ihrer Einladung, hier im Rahmen einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu aktuellen Fragen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses Stellung zu nehmen, sehr gerne gefolgt. Gerne deshalb,
weil ich weiß, welche wichtige, ja einzigartige Rolle die
politischen Stiftungen im politischen Leben und in der
politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland
spielen: sei es mit ihrer breit angelegten politischen
und gesellschaftlichen Bildungsarbeit im Geiste der
Demokratie oder in ihrer Funktion als Mittler und
Förderer des internationalen Austausches und - nicht
zu vergessen - im Bereich der Politikberatung und
wissenschaftlichen Forschung. Diese Merkmale zeichnen alle politischen Stiftungen in Deutschland aus,
aber gerade die Friedrich-Ebert-Stiftung als die älteste
deutsche Stiftung dieser Art kann hier natürlich auf
eine besonders lange und erfolgreiche Tradition zurückblicken.
AMERIKA DIENST 3

In den Vereinigten Staaten verfügen wir über Institutionen mit ähnlichen Zielen, die ebenfalls Zuschüsse der
Regierung erhalten. Dazu zählen die vier regionalen
Institute der AFL-CIO, die National Endowment for
Democracy sowie die Stiftungen der Republikanischen
und Demokratischen Partei. Ich hoffe, die sich verändernde Welt wird neue Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation zwischen diesen verwandten
deutschen und amerikanischen Institutionen eröffnen.
Mein Vorgänger, der von mir sehr geschätzte Botschafter Vernon Walters, hat fast auf den Tag genau
vor zwei Jahren hier an dieser Stelle eine Rede zur
deutschen Frage und zur europäischen Sicherheit aus
amerikanischer Sicht gehalten.
Ich erwähne dies deshalb, weil schon an der Themenstellung deutlich wird, mit welch rasanter Geschwindigkeit in den letzten beiden Jahren wahrhaft revolutionäre Veränderungen von welthistorischer Bedeutung
vor unseren staunenden Augen stattgefunden haben.
Das Thema der europäischen Sicherheit stellt sich
heute, nach der Herausbildung demokratisch legiti-

Seite 1

�mierter Regierungen in Mittel- und Osteuropa, nach
der Auflösung des Warschauer Paktes, nach dem
Zerfall der Sowjetunion und nach den Erfahrungen des
Golfkrieges in einem ganz neuen und radikal veränderten Lichte dar.
Die deutsche Frage, das heißt die Wiedererlangung
der staatlichen Einheit Deutschlands, die damals immer
noch auf der internationalen Tagesordnung stand,
aber von einer Lösung noch Jahre entfernt schien, ist
inzwischen bereits Geschichte, wenn auch, zugegebenermaßen, die Vollendung der inneren Einheit noch
viel Geduld und Zeit braucht.
Mein Land ist stolz darauf, daß es Deutschland von
Anfang an bei der Wiedererlangung seiner staatlichen
Einheit in Freiheit tatkräftig und ganz ohne Vorbehalte
unterstützt hat. Wir haben es jedoch dabei nicht
bewenden lassen. Genauso engagiert sind wir dabei,
einen Beitrag dazu zu leisten, daß auch die innere
Einheit Deutschlands in all ihren Aspekten möglichst
bald vollendet werden kann.
100 amerikanische Firmen sind in den fünf neuen
Bundesländern tätig geworden; sie schaffen und erhalten über 20.000 Arbeitsplätze und erzielen ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden DM. Ich weiß Produkte
aus dem Osten persönlich zu schätzen. Meine Eltern
haben im Jahr 1947 in Berlin geheiratet, und ich wurde
exakt neun Monate später in den Vereinigten Staaten
geboren. Ich bin also auch "Made in Germany".
Wie ich am 6. Januar in Neubrandenburg bekanntgab,
haben wir die Mittel für das amerikanisch-deutsche
Fulbright-Programm, den Englischunterricht und andere Austauschprogramme trotz unserer Haushaltsengpässe um über eine Million Dollar aufgestockt. Bei
diesem Besuch in Neubrandenburg habe ich auch der
dortigen Regionalbibliothek 16.000 Bücher eines unlängst geschlossenen amerikanischen Militärstützpunkts
in Gelnhausen übergeben. Die Zahl der von West
nach Ost gespendeten Bände ist damit auf über 100.000
gestiegen. Was wäre besser, um Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln, als eine ganze Bevölkerung
mit den kulturellen, akademischen und anderen Charakteristika eines anderen Landes und Volkes in Berührung zu bringen. Unsere Verpflichtung, die U.S.A.
der Bevölkerung der neuen Bundesländer näher zu
bringen, hat auch dazu geführt, unsere Handelspräsenz im Osten zu verdoppeln, ein neues Konsulat und
bald ein Amerika-Haus in Leipzig zu eröffnen, und die
RIAS Kommission in Berlin zu errichten, die es den
Ostdeutschen erlauben wird, die USA zu besuchen
und Einsicht aus erster Hand in die amerikanischen
Medienerfahrungen zu bekommen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft
Als Präsident Bush in seiner Mainzer Rede vom Mai
1989 zum ersten Mal von Deutschland als Amerikas
Partner in der Führung sprach, wurde diese Geste hier
wohlwollend aufgenommen. Ich möchte jedoch beSeite 2

zweifeln, ob in dieser Aussage in der Bundesrepublik
damals mehr gesehen wurde als nur ein willkommenes
Zeichen dafür, daß unser bilaterales Verhältnis über
die Jahre einen so hohen Grad der Reife erreicht hat,
daß wir damit zu gegenseitig sich vertrauenden und,
wenigstens vom Grundsatz her, gleichberechtigten
Partnern geworden sind. Wer wollte jedoch bestreiten,
daß dieses deutsch-amerikanische Verhältnis heute,
nach der Wiedererlangung der Einheit Deutschlands
und der Wiedergewinnung seiner vollen Souveränität,
nach den dramatischen internationalen Umwälzungen
der letzten zweieinhalb Jahre entscheidender denn je
ist und eine Bedeutung erlangt hat, die von vielen
damals vielleicht noch nicht erkannt wurde?
Partnerschaft in der Führung bedeutet, daß ein jahrzehntelanges enges und freundschaftliches Verhältnis
eine neue Dimension erlangen muss. Ihre erste
Bewährungsprobe bestand diese Partnerschaft bei
der Behandlung und schließlich bei der Regelung der
äußeren Aspekte der deutschen Vereinigung. Der
Zwei-Plus-Vier Prozeß, der es erst ermöglichte, daß
die Vereinigung der beiden deutschen Staaten so
schnell und scheinbar reibungslos zustande kommen
konnte, entstand aus den engen deutsch-amerikanischen Konsultationen. Ich freue mich, daß als angemessenes und aufregendes Zeichen dieser Partnerschaft, der deutsche Astronaut Ulf Merbold - so Gott
will - morgen gemeinsam mit einer amerikanischen
Besatzung zu einem Flug mit der Raumfähre starten
wird.
Präsident Bush hat in Mainz auch darauf verwiesen,
daß der ständige Begleiter der Führungsrolle die Verantwortung ist. Nach seiner Vereinigung hat Deutschland wegen seiner gewachsenen Größe und seinem
gestiegenen Einfluß international eine höhere Verantwortung zu übernehmen. Mit Genugtuung können wir
feststellen, daß Bundeskanzler Kohl und andere führende deutsche Politiker in mehreren öffentlichen
Erklärungen im letzten Jahr Präsident Bushs Angebot
zur Partnerschaft in der Führung dankbar begrüßt und
sich zu der Übernahme größerer Verantwortung in der
Welt bekannt haben.
In den vergangenen Wochen wurde vor allem von
"ungenannten Quellen" häufig gesagt und geschrieben, die Amerikaner seien über das deutsche Selbstbewußtsein, das heißt "assertiveness", besorgt, wenn
nicht sogar beunruhigt. Ich möchte hier klar und
unmißverständlich feststellen, daß wir dieses deutsche Selbstbewußtsein im Rahmen kollektiver Aktionen zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele und Vorstellungen begrüßen und schätzen. Eine Partnerschaft bringt diejenigen mit gemeinsamer Sichtweise
und Orientierung einander näher, die ihre Erfolgschancen durch die Synergie kollektiven Vorgehens verbessern wollen. Ist das Ziel einmal gesteckt, wird von
jedem Partner erwartet - ja gefordert - bei der Verwirklichung dieses Ziels Selbstbewußtsein an den Tag zu
legen. Die Lektion der jüngeren Geschichte lautet, daß
AMERIKA DIENST 3

�uns mit kollektiven Aktionen eher Erfolg beschieden
sein wird als durch nationale Alleingänge. Und mit
wem könnten die Vereinigten Staaten besser gemeinsam vorgehen als mit Deutschland - einem vertrauenswürdigen, verläßlichen Verbündeten, mit dem wir täglich auf der Grundlage von Respekt und Gleichberechtigung agieren, einem Land, das unter aggressiven
nationalen Alleingängen gelitten, sich davon abgewandt und sie durch eine nahezu fünfzigjährige Bilanz
der Konsultationen und des Multilateralismus ersetzt
hat?
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind traditionell stark, und der Ruf nach Partnerschaft ist daher
nur natürlich, weil sie sich auf eine sehr solide Grundlage gemeinsamer Prinzipien und Werte stützen:
Demokratie, freie Marktwirtschaften, Achtung der Rechte
und Freiheit des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit
sowie die Bereitschaft, den Bedürftigen eine helfende
Hand zu reichen. Diese gemeinsamen Interessen
waren die Basis für unsere Kooperation in der Nachkriegszeit, in der NATO, beim Wiederaufbau Deutschlands und Europas, im Handel, im Golfkrieg und bei
einer Reihe anderer Fragen.
Wie ich bereits ausgeführt habe, gibt es zwischen uns
eine breite gemeinsame Basis bei sehr vielen Fragen.
Man kann meiner Ansicht nach mit Sicherheit sagen,
daß die Vereinigten Staaten und Deutschland bei ihren
Ansätzen zu internationalen Problemen vielleicht zu
95 Prozent übereinstimmen. Es ist unvermeidlich, daß
wir von Zeit zu Zeit unterschiedliche Meinungen und
Interessen haben. Aber ungeachtet dieser Differenzen - den 5 Prozent der Themen, bei denen wir nicht
übereinstimmen - ist es ein größerer Beweis unserer
guten Beziehungen, daß wir die Notwendigkeit erkennen, auch in diesen Fällen unsere Ansichten auszutauschen und - mit anderen Worten - einander 100prozentig zu konsultieren. Partner können unterschiedlicher Meinung sein, aber die zugrundeliegenden gemeinsamen Werte - Eckpfeiler der Beziehungen stehen niemals in Frage.
Die Übereinstimmung unserer beiden Länder wird
besonders darin sichtbar, daß wir in den Zielen stets
einig waren. Uneinigkeit gab es nur über Mittel und
Wege, diese Ziele zu erreichen - wie zum Beispiel in
jüngster Zeit im Falle Jugoslawien. Wir streben beide
eine friedliche Einigung in Jugoslawien an, auf der
Basis bestimmter Prinzipien, wie sie in der Schlußakte
von Helsinki und anderen Erklärungen, zum Beispiel
der Pariser Charta, niedergelegt sind.
Trotz unserer Differenzen bei der Anerkennung ist es
jetzt an der Zeit, sich in der EG und in den Vereinten
Nationen auf multilaterale Ansätze zu konzentrieren,
die auf eine Lösung des Konflikts hoffen lassen. Am
vordringlichsten ist die Stärkung der Präsenz internationaler Beobachter, um die Elemente in Jugoslawien
zu stärken, die ihre Streitigkeiten ohne weitere Rück-

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griffe auf Gewalt beilegen wollen. Deutschland, die
Vereinigten Staaten und andere Länder müssen alles
in ihrer Macht Stehende tun, um die notwendigen
Bedingungen für die effektive Arbeit der Friedensmissionen in diesem krisengeschüttelten Land zu schaffen.
Die Vereinigung beider deutscher Staaten bedeutet für
uns außerdem, daß es wieder ein ungeteiltes Europa
gibt, und wir haben unsere bilateralen Beziehungen zu
Deutschland immer als einen wesentlichen Bestandteil des europäischen Integrationsprozesses betrachtet. Was die Weiterentwicklung der Europäischen
Gemeinschaft zu einer wirtschaftlichen und politischen
Union mit einer wichtigen Sicherheitskomponente betrifft,
so sind wir uns Deutschlands Rolle als treibender Kraft
bei der Verwirklichung dieses Zieles wohl bewußt und
wissen diese zu würdigen. Die Vereinigten Staaten
unterstützen die Bestrebungen zur Integration Europas genauso vorbehaltlos und energisch wie bereits
vor 35 Jahren und so, wie sie das Ziel der deutschen
Einheit in Freiheit ohne wenn und aber unterstützt
haben. Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat
positiven Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf der ganzen Welt.
Aber ebenso wie bei der deutschen Vereinigung gewisse Fragen im Rahmen des Zwei-plus-Vier Prozesses in einer alle Seiten zufriedenstellenden Form gelöst werden konnten, gilt es nun, bestimmte Fragen in
Zusammenhang mit der europäischen Integration, wie
es sich unter Freunden gehört, offen zu diskutieren
und einer Lösung zuzuführen. Dies betrifft zum Beispiel die Offenhaltung der EG für den Handel mit
andern Ländern und die Frage, wie die auch von uns
geförderte Schaffung einer europäischen Verteidungsidentität mit der bestehenden NATO-Struktur in Einklang gebracht werden kann.
Dabei müssen wir uns immer vergegenwärtigen, daß
der transatlantische Verbund nichts von seiner Wichtigkeit eingebüßt, sondern im Gegenteil, angesichts
der neuen, nur gemeinsam zu bewältigenden Herausforderungen, noch weiter an Bedeutung gewonnen
hat. Die Vereinigten Staaten sind eine europäische
Macht und haben nicht die Absicht, diese Rolle aufzugeben. Verteidigungsminister Cheney erklärte bei
seinem jüngsten Besuch in Bonn, Amerika würde
erhebliche Streitkräfte in Europa und Deutschland
beibehalten, solange seine Verbündeten dies wünschen. Mit Freude habe ich von praktisch allen offiziellen Vertretern Deutschlands, mit denen ich gesprochen habe, einschließlich der SPD-Führung, starke
Worte der Unterstützung für eine glaubwürdige amerikanische Präsenz vernommen. Aber ein Element der
geteilten Verantwortung, auf das ich bereits verwiesen
habe, ist Deutschlands Pflicht, öffentlich die Gründe
dafür darzulegen, warum eine US-Präsenz immer
noch erforderlich ist.

Seite 3

�Dies trifft nicht nur auf den von mir bereits angesprochenen europäisch-amerikanischen Sicherheitsverbund
im klassischen politisch-militärischen Sinne zu. Wie
wir alle wissen, kann man heutzutage Sicherheit nicht
mehr allein unter diesem Aspekt sehen. Sicherheit in
allen ihren Dimensionen umfaßt auch wirtschaftliche,
ökologische, soziale und kulturelle Gesichtspunkte,
die bei der heutigen Sicherheitsgleichung eine mindestens ebenso große Rolle spielen wie die militärischen.
Gemeinsame Bemühungen in der ehemaligen
Sowjetunion
Wenn wir weiteeWenn wir weiter nach Osten blicken,
stehen wir alle noch unter dem Eindruck der atemberaubenden Entwicklungen, die sich in den letzten
Wochen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion
ereignet haben. Ich weiß, daß dieselben Fragen in
Deutschland sowohl für Politiker als auch für die Öffentlichkeit von großem und unmittelbarem Interesse
sind. Vor ein paar Wochen habe ich zu einer Gruppe
wichtiger Vertreter der Partei gesprochen, der diese
Institution angeschlossen ist, und ich war von dem
starken und intensiven Interesse an den Problemen
der Integration der neuen Demokratien im Osten und
dem Umgang mit der zerfallenden Sowjetunion beeindruckt.
Aus vielen Kommentaren an diesem Tag war herauszuhören, die Vereinigten Staaten täten nicht genug,
um die Probleme in diesem Teil der Welt lösen zu
helfen. Ironischerweise war dies derselbe Tag, an
dem Außenminister Baker in Princeton einen starken
und aktiven Ansatz zu genau diesen Themen darlegte,
auf den ich gleich zurückkommen werde.
Lassen Sie mich deshalb im folgenden einige Zahlen
und Beispiele für die von den USA geleistete wirtschaftliche und humanitäre Hilfe für Osteuropa anführen. Vorausschicken möchte ich, daß ich mir dessen
wohl bewußt bin und es zu würdigen weiß, daß gerade
Ihr Land auf diesem Gebiet bereits enorm viel geleistet
hat und auch weiterhin einen nicht unerheblichen Teil
dieser Verantwortung trägt. Schließlich hat Deutschland klar gemacht, daß es hier schon allein wegen
seiner geographischen Nähe, seiner speziellen Verbundenheit mit den deutschen Volksgruppen im Osten
und auch wegen seiner im Zusammenhang mit dem
Abzug der sowjetischen Streitkräfte übernommenen
Verpflichtungen eine besondere Verantwortung zu tragen
hat.
Die für die Integration der neuen Länder notwendigen
Opfer sind ebenso Teil der Bestrebungen wie die
verschiedenen Formen der Hilfe, die Deutschland und
die Deutschen der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa leisten - von Finanzhilfe bis zu freiwilligen
Nahrungsmittel- und Kleiderspenden. Deutschland
stand an vorderster Front in dem Bestreben, die neuen

Seite 4

Länder Ost- und Mitteleuropas in europäische Foren
wie die Europäische Gemeinschaft und die KSZE
einzuführen und sie enger an die NATO zu binden.
Das jüngste Zeichen dessen war Deutschlands starke
Unterstützung für die Schaffung des Nordatlantischen
Kooperationsrats und seine Initiative, die neuen Republiken der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten in
dieses Gremium einzubeziehen.
Die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten für Mittelund Osteuropa und für die ehemalige Sowjetunion ist
umfangreich und breit gefächert. Die Nahrungsmittelhilfe für die Sowjetunion und ihre Nachfolgestaaten
hatte im Jahre 1991 einen Umfang von vier Milliarden
Dollar. Größtenteils handelte es sich hier um Warenkreditbürgschaften, aber diese Hilfe schließtauch 165
Millionen Dollar an humanitärer Nahrungsmittelhilfe
ein. 1991 schickten die USA 18 Millionen Tonnen
Lebensmittel in die Sowjetunion - mehr als jedes
andere Land. 72 Prozent unserer Nahrungsmittelhilfe
ist bereits freigegeben und geliefert worden. Hinzu
kamen medizinische Hilfsgüter im Wert von rund 25
Millionen Dollar. Die USA sind ebenfalls ein Teilnehmer am Abkommen über eine zeitweise Aussetzung
der Schuldenrückzahlung und unterstützen die schnelle Mitgliedschaft im Internationalen Währungsfonds
und der Weltbank.
Der Gesamtumfang der bilateral vergebenen Hilfe für
die anderen osteuropäischen Länder lag in den Jahren
1990-91 bei rund zwei Milliarden Dollar. Allein die
Lebensmittelhilfe belief sich in diesem Zeitraum auf
218 Millionen Dollar. Die USA haben einen Beitrag von
200 Millionen Dollar zum polnischen Stabilisierungsfonds geleistet und beteiligen sich außerdem an den
umfangreichen Programmen der Weltbank (neun Milliarden Dollar für Osteuropa über einen Zeitraum von
drei Jahren), des Internationalen Währungsfonds (fünf
Milliarden Dollar 1991) und der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (sieben Milliarden Dollar
über fünf Jahre). Der amerikanische Anteil an Kapitalbeiträgen an diese Institutionen ist der Größte aller
Länder und beträgt 20 Prozent an den Internationalen
Währungsfonds, 18 Prozent an die Weltbank und 10
Prozent an die Europäische Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung.
Exportförderung und Entwicklung der Privatwirtschaft
bilden einen Schwerpunkt unseres Hilfsprogramms.
Die Initiative des Präsidenten zur Förderung des Handels
könnte Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei helfen,
ihre Textil-, Käse-, und Stahlexporte in die USA zu
verdreifachen. Für mehrere osteuropäische Länder
gibt es bilaterale Fonds zur Unternehmensförderung,
deren Kapitalausstattung 400 Millionen Dollar übersteigen wird. Allein in polnische und ungarische Privatunternehmen sind bereits über 130 Millionen Dollar
geflossen. Für die CSFR sind 65 Millionen Dollar
vorgesehen, für Bulgarien 50 Millionen.

AMERIKA DIENST 3

�Dies sind einige der größeren Einzelposten unseres
Hilfsprogramms. Neben den staatlichen amerikanischen Hilfsprogrammen laufen auch noch eine Vielzahl privater Initiativen, die die mit öffentlichen Mitteln
geförderten Projekte ergänzen und später oftmals
sogar ersetzen können. Dabei sollte man nicht vergessen, daß die Vereinigten Staaten jahrzehntelang
Hunderte Milliarden von Dollar für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Sicherheit in Europa ausgegeben haben, was im Endeffekt
eine Grundvoraussetzung für die nach 1989 eingetretene Entwicklung gewesen ist.
Doch wenden wir uns nun der Zukunft zu. Die Aufgabe
ist immens, und die Zeit drängt. Wir haben beide viel
geleistet, aber uns allen bleibt noch wesentlich mehr zu
tun.
Wir im Westen, allen voran unsere beiden Länder,
haben dabei eine ganz besondere Verantwortung
wahrzunehmen. Wie Außenminister Baker in seiner
Rede im letzten Monat in Princeton darlegte, erwächst
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums für den Westen die "historische Aufgabe",
seinen Beitrag dazu zu leisten, daß Demokratie und
wirtschaftliche Freiheit in den Nachfolgestaaten der
Sowjetunion und in den anderen Reformstaaten Osteuropas kräftige Wurzeln schlagen und schließlich
blühen und gedeihen können. Gleichzeitig müssen wir
alles daran setzen, daß sich eine Situation, wie wir sie
in den letzten neun Monaten in Jugoslawien erlebt
haben, nicht wiederholt.

anderer moderner Waffentechnologien über die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion hinaus kommt.
Schließlich müssen wir Unterstützung bei der Entmilitarisierung der Wirtschaft und bei der Aufstellung von
Konversionsprogrammen leisten.
Der zweite wichtige Bereich einer koordinierten westlichen Hilfe betrifft den Aufbau stabiler Demokratien
und die Schaffung politischer Legitimität in den Staaten Mittel- und Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im September letzten Jahres hatte
Außenminister Baker fünf Prinzipien definiert, von
denen sich die amerikanische Politik gegenüber diesen Staaten leiten läßt und die nach wie vor gültig sind.
Wir müssen uns dafür einsetzen, daß sie:
das Selbsbestimmungsrecht ihrer Völker achten;
demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien
einhalten;
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes
von Minderheiten gewährleisten;
bestehende Grenzen achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln und mit Zustimmung der anderen Seite anstreben;
und schließlich internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte
von Helsinki und der Charta von Paris.

Deshalb beginnt morgen in Washington auf Vorschlag
von Präsident Bush eine internationale Konferenz zur
Koordinierung der westlichen Hilfsleistungen für die
Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Bereits im
Vorfeld dieser Konferenz hatte Außenminister Baker
die Hauptpunkte eines solchen Aktionsprogramms
gemeinsamer westlicher Hilfe umrissen, insbesondere
die dringend benötigte humanitäre Soforthilfe zur
Deckung des lebenswichtigen Bedarfs, zum Beispiel
an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Wir sind
erfreut, daß Außenminister Genscher die deutsche
Delegation anführen wird.

Wenn das demokratische System in diesen Ländern
dauerhaft verankert werden soll, dann ist es vor allem
wichtig, den Menschen demokratisches Denken und
Handeln nahezubringen, insbesondere bei den Trägern und Repräsentanten staatlicher Gewalt. Ähnlich
wie es hier bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei
anderen deutschen politischen Stiftungen spezielle
Austausch- und Ausbildungsprogramme für Angehörige der öffentlichen Verwaltung aus den Ländern Mittelund Osteuropas gibt, hat auch die United States
Information Agency ihre Arbeit auf diesem wichtigen
Gebiet intensiviert und ausgeweitet.

Darüber hinaus nannte er drei vordringliche Aufgaben,
zu deren Bewältigung ein kollektives Aktionsprogramm
des Westens aufgebaut werden sollte:

Der wirtschaftliche Wiederaufbau und die Einführung
marktwirtschaftlicher Strukturen in den Ländern Osteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
ist der dritte große Bereich, in dem eine koordinierte
westliche Hilfe von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Nach jahrzehntelanger kommunistischer Mißwirtschaft,
die praktisch zu einem Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems geführt hat, ist dies wohl das
schwierigste, aber auch dringendste Problem. Es
erfordert eine gewaltige Anstrengung aller Industriestaaten des Westens, dafür zu sorgen, daß in den
betroffenen Ländern das zarte und gerade erst aufkeimende Pflänzchen der Demokratie nicht wieder im
eisigen Wind wirtschaftlicher Widrigkeiten zugrunde
geht.

Erstens geht es darum, daß wir den Nachfolgestaaten
der Sowjetunion helfen, die militärischen Relikte des
kalten Krieges zu zerstören und zu kontrollieren, insbesondere die atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen. Am besten wäre
es, wenn diese Waffen - wie unlängst in Minsk beschlossen - dauerhaft unter einheitlicher, zentraler
Kontrolle bleiben würden. Wir haben ein elementares
Interesse daran, daß die START- und KSE-Verträge
von den betroffenen Republiken möglichst bald ratifiziert und umgesetzt werden. Genauso wichtig ist es,
daß es nicht zu einer Weiterverbreitung atomarer und
AMERIKA DIENST 3

Seite 5

�Denn die Wendung zur Demokratie und Marktwirtschaft in den Ländern des ehemaligen Ostblocks kann
nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn sie sich von
innen heraus nährt, wenn sie auf Erfolgen aus eigener
Kraft aufbaut. Nur so können sie zu integralen und
vollwertigen Mitgliedern einer euro-atlantischen Gemeinschaft von Staaten werden, die fast die gesamte
nördliche Erdhalbkugel, von Vancouver bis Wladiwostok umspannen und die sich auf die freiheitlichen und
demokratischen Prinzipien der Schlußakte von Helsinki stützen wird. Außenminister Baker hat diese kühne
Vision in seiner Berliner Rede im Juni letzten Jahres
entworfen, und sie ist und bleibt das Leitbild für die
neuen, umwälzenden Entwicklungen in der internationalen Politik am Ende dieses Jahrhunderts bis weit in
das nächste hinein.
Der erste konkrete Schritt auf dem Wege zu dieser
euro-atlantischen Gemeinschaft wurde am Ende des
vergangenen Jahres mit der Schaffung des Nordatlantischen Kooperationsrates getan. Schon wenige
Wochen, nachdem die NATO auf ihrem Gipfel in Rom
das Ziel formuliert hatte, ein stärker institutionalisiertes
Verhältnis der Konsultation und Kooperation in politischen und Sicherheitsfragen zwischen ihren Mitgliedsstaaten und den Staaten Mittel- und Osteuropas zu
entwickeln, konnte das Atlantische Bündnis dieses
Vorhaben in die Tat umsetzen.
An dieser Stelle möchte ich hervorheben, daß gerade
unsere beiden Länder bei der Vorbereitung und Ausarbeitung des sogenannten Liaison-Konzeptes, das dem
Nordatlantischen Kooperationsrat zugrunde liegt, ganz
wesentlich und an führender Stelle beteiligt waren. In
der Tat geht der Kooperationsrat auf eine gemeinsame
Initiative der beiden Außenminister Baker und Genscher vom Oktober letzten Jahres zurück. Hier haben
wir ein gutes Beispiel dafür, wie der von Präsident
Bush geprägte Begriff von der deutsch-amerikanischen Partnerschaft in der Führung erfolgreich in die
Praxis umgesetzt und mit Leben erfüllt werden kann.
Gemeinsame Bemühungen in anderen Teilen der
Welt
Schon in meiner ersten Rede als Botschafter in Deutschland im September vergangenen Jahres habe ich
weitere Bereiche erwähnt, in denen Deutschland und
die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen haben und sich ihnen die Möglichkeit zu einer fruchtbaren
Partnerschaft in der Führung bietet. Dies sind Bereiche, in denen wir unsere diplomatischen, politischen
und wirtschaftlichen Ressourcen zu unserem beiderseitigen Vorteil zusammenlegen können. Insbesondere mit dem Ende der die Nachkriegszeit beherrschenden Ost-West-Konfrontation ist nun für unsere beiden
Länder die Zeit reif, einen neuen, kreativen und umfassenden Kurs in der Weltpolitik in Europa und auch
darüber hinaus abzustecken.
Dazu möchte ich ein paar Beispiele anführen. Mittelamerika ist eine Region, in der diese und andere
Seite 6

deutsche Stiftungen seit langem eine Schlüsselrolle
spielen. Ihre Kontakte zu allen Ebenen und Schichten
dieser Gesellschaften liefern viele Möglichkeiten, um
Ihre Freunde in Gespräche über demokratische und
marktwirtschaftliche Grundsätze einzubeziehen, die
das beste Rezept für die langfristige Stabilität einer
Gesellschaft sind. Mit einer von der UNO vermittelten
Schlichtungslösung in El Salvador und der beginnenden Verankerung der Demokratie in Nicaragua können
wir in bisher einzigartiger Weise moralische und materielle Unterstützung leisten, um den Fortschritt in dieser Region zu fördern.
Deutschland hat beim Eintreten für Menschenrechte in
bestimmten Teilen Afrikas sein erhebliches Gewicht in
die Waagschale geworfen, und seine politischen Stiftungen sind bereits seit langem dort aktiv. In Korea und
Kambodscha bietet die Erfahrung der deutschen
Wiedervereinigung und Aussöhnung eine Hilfe zur
Überwindung der Teilung. Im Nahen Osten werden
Ihre Bindungen und Ihr Einfluß zweifellos zu den Ende
dieses Monats in Moskau beginnenden multilateralen
Gesprächen beitragen. Ob bei EG-Ratssitzungen
oder direkt in den betroffenen Regionen, Ihre Initiative
und Ihr Beispiel können in all diesen Fällen eine
bedeutende Führungsrolle spielen. Aus diesem Grund
betrachte ich den deutsch-amerikanischen Dialog bei
solchen regionalen Konflikten als so wichtig und vielversprechend für die Entwicklung unserer Partnerschaft.
Dasselbe gilt für dringende grenzüberschreitende
Probleme. Dazu gehören der Schutz der Umwelt, die
Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung und
unser gemeinsamer Kampf gegen die Geißel der Drogen.
Dazu zählen ferner die Förderung des freien Handels,
wo im Hinblick auf den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde im Rahmen des GATT für unsere
beiden Länder so viel auf dem Spiel steht.
Ich habe bereits unser gemeinsames Interesse daran
zum Ausdruck gebracht, die Kernwaffen im Osten
unter einer verantwortungsbewußten, zentralen Kontrolle zu belassen und die in den vergangenen Jahren
mit der ehemaligen Sowjetunion so sorgfältig ausgehandelten Abrüstungsmaßnahmen sicherzustellen.
Ebenso stellen jüngste Ereignisse in der gesamten
Welt für uns Herausforderungen für die Nichtverbreitung nuklearer, biologischer und chemischer Waffen
sowie ballistischer Trägersysteme dar. Als technologisch führende Staaten müssen unsere beiden Länder
an vorderster Front der Bemühungen zur Nichtverbreitung stehen, wenn wir die Welt für uns und unsere
Kinder sicherer gestalten möchten.
Dies sind einige Beispiele für unsere Partnerschaft in
der Führung außerhalb des Bündnisgebiets der NATO.
Dieses Konzept basiert teilweise auf der Tatsache,
daß wir den deutschen 'Input' bei diesen Fragen sehr
hoch bewerten. Es liegt aber auch daran, daß wir
wollen, daß Deutschland eine klare und unzweideutige
Vorstellung davon hat, wie wir unsere Interessen defiAMERIKA DIENST 3

�nieren, in der Hoffnung und in der Erwartung, daß die
Bundesrepublik ihren Einfluß geltend machen wird,
damit es zum Aufbau einer stabilen neuen Weltordnung kommen kann.

log" zwischen Europa, Japan und Nordamerika. Sie ist
unentbehrlich sowohl für ein globales wirtschaftliches
Wachstum wie auch für weltweite politische Aktivitäten.

Deutschland sollte die Vereinigten Staaten beim Wort
nehmen. Wir haben die Vereinigung bereits in der
Vergangenheit unterstützt - jetzt unterstützen wir mit
gleicher Kraft eine aktivere weltpolitische Rolle der
Bundesrepublik. Und wir unterstützen eine aktivere
deutsche Rolle nicht, wie einige gemeint haben, nur
aufgrund ihres Scheckbuchs, sondern wegen des breiten
Spektrums von Talenten, die sie für die uns konfrontierenden schwierigen Fragen mitbringt. Ich möchte
hinzufügen, daß wir zusätzlich zu erweiterter Zusammenarbeit bei wirtschafts- und außenpolitischen Fragen ein Deutschland begrüßen würden, das zur Übernahme größerer Verantwortung im Bereich der kollektiven Sicherheit in der Lage ist. Eine solche Entscheidung muß zweifelsohne den deutschen Wählern und
den politisch Verantwortlichen überlassen bleiben. Aus
den jüngsten Bemerkungen schließe ich jedoch, daß
die Debatte über militärische Aktivitäten in bündnisfremdem Gebiet auch innerhalb der SPD vorankommt.

Unsere Vorgänger - und damit meine ich alle Menschen, die in der Nachkriegszeit, gleich ob in öffentlicher Funktion oder auf private Initiative hin, die deutschamerikanischen Beziehungen gefördert haben - diese
Menschen haben in den letzten vierzig Jahren an
dieser Brücke der transatlantischen Partnerschaft gebaut
und sie zu einem beeindruckenden, fast alles überragenden Bauwerk in der Architektur der internationalen
Politik des 20. Jahrhunderts geformt. Genausowenig
- wie ich mir habe sagen lassen - können die Ausbesserungs- und Erhaltungsarbeiten an einem Weltbauwerk wie dem Kölner Dom jemals eingestellt werden,
genausowenig dürfen wir zulassen, daß die Arbeiten
an dieser transatlantischen Brücke jemals zum Erliegen kommen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß
diese Brücke einmal unpassierbar wird.

Mit Beginn dieses Jahres hat die Bundesrepublik
Deutschland den Vorsitz der G-7, der Gruppe führender Industriestaaten übernommen, und es wird auch
im kommenden Juli Veranstalter des Gipfels der G-7 in
München sein. Diese Gipfel verleihen der Koordinierung weltweiter wirtschaftlicher und politischer Fragen
eine wichtige neue Dimension. München wird ein
bedeutendes Forum für die deutsche Führungsrolle
werden. Diese Rolle steht auch in Einklang mit Präsident Bushs Forderung nach einem verbesserten "Tria-

*

AMERIKA DIENST 3

Ich habe bereits darauf verwiesen, daß wir vielleicht
hier eine neue Fahrspur bauen und dort eine neue
Strebe einziehen müssen. Jedenfalls bleibt die Weiterentwicklung und Stärkung der transatlantischen
Partnerschaft, und hier insbesondere der deutschamerikanischen Freundschaft, eine immerwährende
Aufgabe. Ich fordere uns alle auf, wo immer im
einzelnen unser Verantwortungsbereich diesseits oder
jenseits des Atlantiks liegen mag, unseren Beitrag zur
Erfüllung dieses weit ins nächste Jahrhundert hineinreichenden Auftrages zu leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

* * *

*

Seite 7

�WEITERVERBREITUNG
22.Januar 1992

USA: BESORGNIS BEI DER WEITERVERBREITUNG
KONZENTRIERT AUF GUS UND NORDKOREA
CIA-Direktor Gates vor dem Senat

WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft erfolgreich
mobilisiert haben, die Weiterverbreitung von Waffen nach dem Golfkrieg zu bekämpfen, warnt ein wichtiger
Vertreter des US-Nachrichtendienstes vor "einer kontinuierlichen und besorgniserregenden Zunahme der
Weiterverbreitung moderner Waffen".
Der CIA-Direktor Robert Gates erklärte am 15. Januar 1992 im Kongreß, der Zerfall der früheren Sowjetunion
und die aufstrebende neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bedrohe die Stabilität der in Moskau
zentralisierten Führungs- und Kontrolleinrichtungen und könne zu einer Freisetzung von 'Technologien und
Material führen, die bisher streng kontrolliert wurden".
Gates warnte den Senatsausschuß für Regierungsangelegenheiten, "das Potential für technologische Überraschungen in der dritten Welt" steige mit dem Ende des kalten Krieges "da einige internationale Beschränkungen
für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologie gelockert werden".
Der CIA-Direktor verwies auf die große Sorge, mit der die Vereinigten Staaten Nordkoreas Atomwaffenprogramm beobachten. "Pjöngjang besitzt die gesamte zur Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur", erklärte er, "vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung". Die Pir^c Jer Vereinigten Staaten betrifft Gates zufolge nicht nur die koreanische Halbinsel, weil "die
Möglichkeit besteht, daß Pjöngjang mit diesen Waffen und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht".
Gates erörterte darüber hinaus die Verbreitung chemischer und biologischer Waffen durch den Irak, Iran, Syrien,
Israel, Saudi-Arabien, Ägypten, Libyen, Algerien, Indien, Pakistan und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir Gates' Anhörung im Wortlaut.

Wir beobachten eine kontinuierliche und besorgniserregende Zunahme der Weiterverbreitung moderner
Waffen. Heute verfügen mehr als 20 Länder über
nukleare, biologische oder chemische Waffen und ihre
Trägersysteme, sind vermutlich in deren Besitz oder
entwickeln diese Waffen.
Für die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
gibt es verschiedene Gründe. Erstens sind die für
diese Waffen benutzten Technologien freier verfügbar
und von Dritte-Welt-Ländern eher zu beschaffen als je
zuvor. Die Technologie für nukleare und ballistische
Raketen ist, an den Vereinigten Staaten gemessen,
eine Technologie aus den vierziger Jahren. Die Technologie für biologische und chemische Waffen ist noch
älter, und sie ist einfacher und preiswerter zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 3

Zweitens handelt es sich bei den meisten dieser Technologien um Mehrzwecktechnologien - das heißt, sie
können auch zu legitimen zivilen Zwecken verwendet
werden. Das macht es schwierig, den Handel mit
ihnen zu beschränken, weil wir die Fähigkeit der Entwicklungsländer, sich weiterzuentwickeln, beschneiden würden. Zum Beispiel ist ein großer Teil der
Technologie für ein ballistisches Raketenprogramm
dieselbe wie für ein Weltraumprogramm. Die chemischen Verbindungen für Nervengase werden auch bei
der Herstellung von Kunststoffen und der Verarbeitung
von Lebensmitteln eingesetzt. Darüber hinaus könnte
eine moderne pharmazeutische Industrie ebenso leicht
Mittel zur biologischen Kriegführung herstellen wie
Impfstoffe und Antibiotika.

Seite 1

�Ein dritter Grund für die Zunahme besteht darin, daß
Einzelpersonen, Firmen und manchmal auch einzelne
Länder, die sich bei ihren legitimen Geschäften scharfer Konkurrenz ausgesetzt sehen, schnelle Gewinne
durch illegalen Absatz machen wollen.

fen, die diese Raketen erwerben, werden das bereits
im Nahen Osten und Südasien stattfindende Wettrüsten noch ausweiten und beschleunigen.

Länder wie der Irak sind nicht länger zufrieden mit
zweitklassiger Technologie, die ihnen von größeren
Mächten überlassen wird. Statt dessen wollen sie
modernste Waffen, die ihnen Prestige ebenso verleihen wie erstklassige Fähigkeiten. Wenn dieser Trend
anhält und Haushaltskürzungen sowie Rüstungskontrollabkommen unsere Fortschritte einschränken,
werden wir zunehmend technisch ausgereifte Waffen
in der dritten Welt sehen, die für die Verteidigungssysteme der Vereinigten Staaten eine Herausforderung
wären.

Die neunziger Jahre sind gerade erst angebrochen,
aber das Problem der Weiterverbreitung hat bereits
eine neue Dimension. Der Zerfall der Sowjetunion
bedroht die Stabilität der in Moskau zentralisierten
Führungs- und Kontrolleinrichtungen und kann zu einer
Freisetzung von Technologien und Material führen, die
bisher streng kontrolliert wurden. Rußland und die
anderen neuen Republiken sehen sich mit vielfältigen
inneren Krisen konfrontiert - dem möglichen Zusammenbruch der Autorität, einer potentiell großen Unruhe unter der Zivilbevölkerung und sich auflösender
sozialer Disziplin - während sie immer noch über
30.000 Nuklearwaffen verfügen, deren mächtigte auf
uns gerichtet sind.

Wenn schließlich manche Länder Massenvernichtungswaffen erwerben, sehen sich ihre Nachbarn gezwungen, aus politischen Gründen, Stolz und wegen der
Abschreckung vergleichbare Fähigkeiten zu entwickeln.
Lassen Sie mich nun die Bedrohung in ihren Einzelheiten darlegen. Nur China und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten verfügen mit ihren Raketen über die
Fähigkeit, direkt das Territorium der Vereinigten Staaten zu erreichen. Wir erwarten kein stärkeres Risiko
für unser Territorium durch die Waffen anderer Länder
- im konventionellen militärischen Sinne - für mindestens zehn weitere Jahre. Dennoch ist die Bedrohung
für Europa, den Nahen Osten und Asien real, und sie
nimmt zu:
Im Ausland stationierte US- oder multinationale Streitkräfte könnten bis zum Ende des Jahrzehnts einer
zunehmenden Bedrohung durch luftgestützte Atomwaffen ausgesetzt sein. Mehrere Länder verfügen
jetzt über Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen
können, und andere könnten in den nächsten Jahren
ballistische Raketen mit nuklearen Gefechtsköpfen
stationieren. Wenn irgendeins dieser Länder auch nur
wenige nukleare Gefechtsköpfe erwerben könnte, würde
es bald zu einer nuklearen Bedrohung werden können.
Die meisten der wichtigen Länder im Nahen Osten
verfügen über Programme zur Entwicklung chemischer Waffen, und manche von ihnen haben Arsenale,
die gegen Zivilisten oder schlecht verteidigte militärische Ziele eingesetzt werden könnten. Die meisten
Länder haben ihre Trägersysteme noch nicht für
Massenvernichtungswaffen ausgerüstet, aber in den
nächsten zehn Jahren werden viele Länder - von
Nordafrika bis Südasien - dies tun, wenn dem nicht mit
Hilfe internationaler Bestrebungen Einhalt geboten
werden kann.
China und Nordkorea könnten anderen Ländern Raketen größerer Reichweite und die Technologie zu deren
Herstellung verkaufen. Länder mit besonderen WafSeite 2

Die GUS-Dimension

Moskaus zentralistisches Führungs- und Kontrollsystem für die Nuklearwaffen funktioniert weiterhin, auch
wenn die Kontrolle der konventionellen Streitkräfte
sich in die Republiken verlagert. Der Präsident der
russischen Förderation, Jelzin, übernahm am 1. Weihnachtstag von Präsident Gorbatschow die Kontrolle
der strategischen Nuklearstreitkräfte der GUS. Unter
den gegenwärtigen und absehbaren Umständen glauben wir, daß die Nationalen Kommandobehörden in
der Lage sein werden, ihr nukleares Arsenal weiterhin
effektiv zu kontrollieren. Dennoch war dieses ausgefeilte und zentralistische System so konzipiert, daß es
teilweise auf professionelle Integrität baut. Wenn wir
den Zerfall der Führung und des Militärs beobachten,
müssen wir uns um die zunehmende Unzufriedenheit
unter Angehörigen der Streitkräfte Sorgen machen,
auch denjenigen, die für die Bewachung, den Einsatz
und die Wartung von Nuklearwaffen zuständig sind.
Traditionell verfügten die Sowjets über drei Koffer zur
Kontrolle der Atomwaffen, jeweils einen für den Präsidenten, den Verteidigungsminister und den Generalstabschef. Heute scheinen es nur noch zwei zu sein.
Der vorläufige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der
Gemeinschaft (und frühere Verteidigungsminister)
Schaposchnikow erklärte vor zwei Wochen, er und
Präsident Jelzin seien die einzigen mit einem solchen
Koffer. Der dritte befindet sich jetzt in Reserve.
Wir warten immer noch ab, wie Rußland und die
anderen Republiken die Besitzverhältnisse der Atomwaffen ordnen und welche Verfahren sie zu ihrer
Wartung und Kontrolle ausarbeiten. Kasachstan,
Wei ßru Bland und die Ukraine haben erklärt, sie wollten
die auf ihrem Territorium befindlichen Waffen Rußland
zurückgeben, damit sie zerlegt und zerstört werden
können. Sie wollen die Entscheidungen gemeinsam
mit Rußland treffen, aber das Ausmaß, in dem sie die
Entscheidungen beeinflussen können, ist noch nicht

AMERIKA DIENST 3

�klar. Insbesondere wird der Aufbau eines Führungsund Kontrollsystems schwierig sein, das es den politisch Verantwortlichen außerhalb Moskaus gestattet,
an der termingerechten Befehlsausführung teilzuhaben.
Im Hinblick auf die Fähigkeit zur Zerlegung von Nuklearwaffen behaupten Vertreter Rußlands, etwa 1.500
Waffen pro Jahr zerstören zu können. Wir glauben
ihnen schon, daß sie das können, aber es würde über
10 Jahre dauern, wenn sie die 15.000 Waffen zerlegen, die sie zerstören wollen.
Wenn wir uns der Frage der Weiterverbreitung infolge
des Zerfalls der Sojetunion stellen, sehen wir uns mit
einer Reihe von beunruhigenen Möglichkeiten konfrontiert, unter Umständen etwa dem Verkauf von
Material, Waffen oder einer "Abwanderung" von Waffenprogrammen ins Ausland. Als Reaktion darauf gibt
es internationale Bestrebungen unter Führung der
Vereinigten Staaten, aber in Kooperation mit den meisten
Ländern Europas und der GUS, um die Gefahr zu
bannen. Boris Jelzin und die meisten anderen Führer
der Republiken wollen dies ernsthaft verhindern und
haben Maßnahmen angekündigt, um ein solches
Ausbluten zu verhindern.
Wir erwarten Versuche der Rüstungsindustrie der
früheren Sowjetunion, besorgniserregende Mehrzwecktechnologie zu vermarkten, insbesondere für die Nutzung der Kernenergie und für Weltraumraketen. Zum
Beispiel hat sich die Weltraumbehörde Glawkosmos
neu organisiert, um ein gemeinsames russisch-kasachisches Weltraumprogramm zu vermarkten, wozu
Rußland SS-25-Antnebsraketen für Raketenstarts liefert.
Andere LäncL-i -.m ehrgeizigen Waffenentwicklungsprogrammen werden sicherlich die Möglichkeit in
Erwägung ziehen, einige der modernsten Waffentechnologien der Welt und entsprechendes Material zu
Schleuderpreisen zu erwerben.
Uns liegen eine Reihe von Presseberichten vor, denen
zufolge spaltbares Material der Sowjets bereits auf
dem schwarzen Markt angeboten wird. Bis jetzt liegen
uns noch keine Beweise für die Echtheit dieser Geschichten vor. Alles, was wir bisher überprüft haben,
hat sich als falsch herausgestellt. Aufgrund der gro ßen
Nachfrage nach diesem Material, der Schwierigkeit
zur Bestimmung der Herkunft von spaltbarem Material
und der weitverbreiteten Verfügbarkeit kleiner Mengen
Urans und Plutoniums in Forschungseinrichtungen
werden wir erwartungsgemäß noch viel Schwindel
aufdecken. Dadurch wird unsere Arbeit noch schwieriger.
Trotz der Bestimmungen der Gemeinschaft könnten
einige Republiken oder Regionen sich enger an ihre
nicht der GUS beigetretenen Nachbarländer anschließen. Harte Devisen bringender Handel wird voraus-

AMERIKA DIENST 3

sichtlich ermutigt, und Vorbehalte gegen den Handel
mit bestimmten Waffengattungen oder Gerät könnten
schwächer und ganz ausgeräumt werden.
Wir behalten die Abwanderung von Wissenschaftlern
aus den ehemaligen sowjetischen Republiken im Auge.
Die bloße Zahl von mit sowjetischen Waffenprogrammen vertrauten Personen läßt den möglichen Umfang
der Abwanderung erahnen. Unseren Schätzungen
zufolge waren nahezu 1 Million Sowjets auf die eine
oder andere Weise an Nuklearwaffenprogrammen
beteiligt, nur ein- oder zweitausend sind jedoch in der
Lage, Nuklearwaffen zu konstruieren. Und wenige
Tausend verfügen über das Wissen und die Fähigkeiten, biologische Waffen zu entwickeln und herzustellen. Das beunruhigende Problem sind wahrscheinlich
diejenigen, deren Fähigkeiten im zivilen Erwerbsleben
nicht vertreten sind, wie die Konstrukteure von Atomwaffen und Ingenieure, die auf die Waffenausrüstung
mit chemischen und biologischen Wirkstoffen spezialisiert sind. Sie wurden unter dem sowjetischen System gut behandelt und werden Schwierigkeiten haben, jetzt vergleichbare Positionen zu finden.
Die meisten auswanderungswilligen sowjetischen
Wissenschaftler würden es wahrscheinlich vorziehen,
sich im Westen niederzulassen, aber der Westen kann
sie wohl nicht alle aufnehmen. Aufgrund der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in
den achtizger Jahren verfügen Kuba, Indien, Syrien,
Ägypten und Algerien am ehesten über die Kontakte
und bereits im Lande lebende Wissenschaftler, die den
emigrierenden Sowjets behilflich sein könnten. Voraussichtlich möchten Rußland und die anderen Republiken ab einem gewissen Punkt die Abwanderung von
Talenten aufhalten. Aber die Wissenschaftler müssen
das Land überhaupt nicht verlassen, um Spezifikationen oder ihren Rat an Agenten anderer Länder weiterzugeben.
Ich muß hinzufügen, daß wir auch das Durchsickern
von Informationen über hochmoderne aber weniger
kontrollierte "konventionelle" Militärtechnologie und
Waffensysteme aus den ehemaligen sowjetischen
Republiken beobachten könnten. Zu den Anlaß zur
Sorge gebenden Technologien zählen "getarnte"
Systeme und Systeme zu deren Abwehr, Wärmebildtechnologie und elektronische Kriegführung. Bei den
Waffen könnte es sich um Brennstoff/LuftgemischSysteme, präzisionsgesteuerte Munition und moderne
Torpedos handeln.
In den kommenden Jahren wird unsere größte Herausforderung darin bestehen, die Entwicklung ausländischer militärischer Fähigkeiten zu verfolgen. Das
Potential für technologische Überraschungen in der
dritten Welt wächst, da einige internationale Beschränkungen für den ausländischen Zugang zu Mehrzwecktechnologien gelockert werden.

Seite 3

�Die einzelnen Regionen
Irak
Es besteht kein Zweifel, daß die Operation Wüstensturm den speziellen Waffenproduktionsprogrammen
des Irak beträchtlich geschadet hat. Es wird unterschiedlich lange dauern, bis Bagdad die Herstellung
folgender Waffensysteme wiederaufnehmen kann:
Die Atomwaffenproduktion wird wahrscheinlich am
längsten benötigen. Obwohl das technische Fachwissen noch vorhanden ist, muß ein Großteil der Infrastruktur für die Produktion von spaltbarem Material
wiederaufgebaut werden. Wir gehen bei der erforderlichen Zeit jedoch eher von wenigen als von vielen
Jahren aus.
Auch die Infrastruktur zur Herstellung chemischer
Waffen wurde ernsthaft beschädigt und muß wiederaufgebaut werden. Ein Großteil der schwer zu erwerbenden Produktionsgeräte wurde jedoch verlagert und
versteckt bevor die Bombardierung begann und wäre
für den Wiederaufbau verfügbar. Wenn die UNOSanktionen gelockert würden, könnte der Irak unseres
Erachtens praktisch sofort bescheidene Mengen chemischer Wirkstoffe herstellen, es würde allerdings ein
Jahr oder länger dauern, um die bisherige C-Waffenfähigkeit wiederzuerlangen.
Auch das B-Waffenprogramm wurde beschädigt, das
dafür entscheidende Gerät jedoch ebenfalls während
des Krieges versteckt. Da nur eine geringe Menge an
Gerät benötigt wird, könnten die Iraker B-Waffenmaterial in wenigen Wochen produzieren, sobald die Entscheidung dafür getroffen wird.
Unseres Erachtens ist noch immer eine beachtliche
Anzahl - vielleicht Hunderte - SCUD-Raketen und
Condor-Produktionsgerät vorhanden. Zeit und Kosten
der Wiederbelebeung des Raketenprogramms hängen von dem kontinuierlichen Inspektionsregime und
dann davon ab, wie leicht entscheidendes Gerät aus
dem Ausland erworben werden kann.
Aus unserer Sicht wird der Irak - zumindest solange
Saddam Hussein an der Macht bleibt - weiterhin die
größte Bedrohung bei der Verbreitung darstellen. Der
Kader von für diese Programme ausgebildeten Wissenschaftlern und Ingenieuren wird in der Lage sein,
alle ruhenden Programme unverzüglich wiederzubeleben. Zweifelsohne hofft Saddam Hussein, seine
Kompromißlosigkeit würde die internationale Entscheidung zu Sanktionen überdauern. Glücklicherweise ist
die internationale Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung der Sanktionen einschließlich der UNO-Inspektionen weiterhin ungebrochen. Solange dies andauert,
wird Saddam ernsthaft am Wiederaufbau seiner Waffenprogramme gehindert sein.

Seite 4

Sollte die irakische Regierung jemals ernsthaft in
Erwägung ziehen, ihre Fähigkeit zur Produktion von
Massenvernichtungswaffen - wie durch UNO-Resolution 678 vorgeschrieben - aufzugeben, könnte sie für
ihr bisheriges Vorgehen voll und ganz verantwortlich
gemacht werden. Dazu würde eine Bestandsaufnahme des irakischen Nuklearmaterials zählen, femer
eine Beschreibung der Infrastruktur zur Produktion
von Raketen und Gefechtsköpfen, das Eingeständnis,
daß Bagdad in der Tat ein offensives biologischen
Waffenprogramm unterhält einschließlich der Herstellung und Waffenausrüstung mit biologischen Wirkstoffen und vor allem eine genaue Liste der an den
Programmen beteiligten wichtigsten Personen sowie
ausländischen Lieferanten, so daß die Vereinten Nationen die Einstellung verbotener Aktivitäten besser
überwachen können.
Iran
Der Irak ist nicht das einzige Land, das am Golf und im
Nahen Osten Anlaß zur Sorge bereitet. Der Iran hat
übergreifende Bestrebungen zur Entwicklung seiner
Rüstungsindustrie in die Wege geleitet. Diese Bestrebungen umfassen Programme für Massenvernichtungswaffen, nicht nur um sich gegen das mögliche
Wiederauftreten einer Bedrohung mit speziellen Waffen durch den Irak zu wappnen, sondern um die
Vorrangstellung des Iran am Golf und in Südwestasien
zu festigen.
Der Iran kauft nach wie vor auf westlichen Märkten
Nuklear- und Raketentechnologie ein und versucht,
einige der von Teheran in den achtziger Jahren ausgewiesenen technischen Experten zurückzulocken. Der
Iran hat sich jedoch zunehmend an asiatische Quellen
für militärische und technische Hilfe gewandt und hofft,
Kontakte in Kasachstan werden ihm das Anzapfen der
sowjetischen Waffentechnologie gestatten. Teherans
Hauptquelle für spezielle Waffen seit dem iranischirakischen Krieg sind Nordkorea für SCUDs längerer
Reichweite, China für Gefechtsfeldraketen, Marschflugkörper und verwandte Technologien.
China liefert beispielsweise einen Miniaturneutronenquellenreaktor und einen elektromagnetischen Isotopentrenner. Diese Geräte dienen legitimen friedlichen
Zwecken, die öffentlichen Erklärungen des Iran, er sei
im Besitz von Atomwaffen, legen jedoch einen anderen Schluß nahe. Der Iran beansprucht ferner das
Recht auf chemische Waffen angesichts des Einsatzes chemischer Waffen gegen Iran durch den Irak.
Unseres Erachtens hat er diese Option ausgeübt.
Wir haben darüberhinaus Grund zu der Annahme, daß
der Iran mit anderen potentiellen Waffenkonstrukteuren in der Region gemeinsame Vereinbarungen trifft.

AMERIKA DIENST 3

�Syrien
Auch Syrien hat sich an Nordkorea gewandt. Da
Damaskus keine SS-23 von der Sowjetunion erhielt,
beschaffte es eine Rakete mit größerer Reichweite
von Pjöngjang. Ferner wird offensichtlich die Unterstützung Chinas und westlicher Firmen für verbesserte
Fähigkeiten mit C- oder B-Waffengefechtsköpfen
angestrebt. Im nuklearen Bereich verhandelt Damaskus mit China über einen Reaktor.
Israel, Saudi Arabien, Ägypten
Andere Länder in der Region scheinen sich vor kurzem
für die Verstärkung ihrer Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten als Absicherung gegen langfristige
Bedrohungen aus dem Iran und dem wieder erstarkenden Irak entschieden zu haben.
Die Israelis investieren weiterhin in die Entwicklung des Abwehrflugkörpers gegen den taktischen Flugkörper Arrow und erproben ihre ballistischen Raketenstreitmacht.
Die Saudis erweitern ihre CSS-2 Raketenunterstützungseinrichtungen.
Ägypten hat eine Raketenproduktionseinrichtung, die jederzeit den Betrieb aufnehmen könnte.
Libyen
Trotz internationaler Proteste wird das C-Waffenprogramm Libyens in Nordafrika fortgesetzt. Unseren
Schätzungen zufolge hat die Einrichtung in Rabita
einen Bestand von annähernd 100 Tonnen chemischer Wirkstoffe produziert.
Die Libyer haben die Anlage in Rabita gereinigt, vielleicht als Vorbereitung für die lange erwartete Öffnung
der Anlage für die Öffentlichkeit, um ihre angeblich
zivile Produktion von Arzneimitteln unter Beweis zu
stellen. Die Anlage muß jedoch noch umgebaut werden, um die Herstellung chemischer Wirkstoffe auszuschließen.
Selbst wenn Rabita geschlossen wird, beabsichtigen
die Libyer nicht, ihre C-Waffenproduktion aufzugeben.
Einer Reihe von Berichten zufolge bauen die Libyer
eine neue Anlage - von der sie hoffen, sie entgeht der
internationalen Aufmerksamkeit.
Seit einigen Jahren haben die Libyer verstärkte Anstrengungen zum Bau einer B-Waffenanlage unternommen, sind jedoch nicht sehr weit gediehen. Unseres Erachtens benötigen sie Unterstützung von technologisch weiter entwickelten Ländern, um die Einrichtung zu bauen und in Betrieb zu nehmen.

AMERIKA DIENST 3

Anhaltende Bestrebungen, den Libyern den Zugang
zu atomaren und biologischen Waffen sowie der Technologie für deren Trägersysteme zu verweigern, haben zweifelsohne die Weiterentwicklung dieser Programme in großem Umfang vereitelt und Gaddafi
gezwungen, sich weniger weit entwickelter Technologie und weniger vertrauenswürdigen Quellen auf grauen und schwarzen Märkten in den Entwicklungsländern zuzuwenden.
Libyen hat keineswegs sein langfristiges Ziel aufgegeben, seinen militärischen Aktionsradius über den östlichen Mittelmeerraum hinaus auszudehnen. Durch
Rückschläge ist Libyen auf die SCUD-Raketen mit
relativ kurzer Reichweite beschränkt, die sich derzeit in
seinem Besitz befinden. Sowohl Rußland als auch
China haben libysche Kaufanfragen abgelehnt. Tripolis bemüht sich zur Zeit in der ganzen Welt eingehend
um alternative Bezugsquellen, und jüngste Darstellungen Südkoreas deuten darauf hin, daß Nordkorea zum
Verkauf solcher Waffen an Libyen bereit sein könnte.
Algerien
Wie Sie wissen, hat Algerien den Bau eines von China
gelieferten Kernreaktors nahezu vollendet. Sowohl die
Algerier als auch die Chinesen haben uns versichert,
daß der Reaktor nur für friedliche Zwecke eingesetzt
wird. Dennoch machen wir uns aufgrund der Geheimhaltung des ursprünglichen Abkommens und des
Fehlens von Inspektionen Sorgen.
Der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO)
zufolge hat Algerien mit dieser Behörde ein Abkommen über die Sicherheit dieses Reaktors ausgehandelt. Das Leitungsgremium der IAEO wird diese
Vereinbarung bei seinem Treffen im Februar erörtern.
Wir hoffen, daß es eine rasche Inspektion zur Folge
haben und einige unserer Bedenken ausräumen wird.
Indien und Pakistan
In Südasien ist das Wettrüsten zwischen Indien und
Pakistan ein Grund zu starker Besorgnis. Beide Länder unterhalten nicht nur Programme zum Bau von
Kernwaffen und Trägersystemen, sie waren unlängst
auch bestrebt, chemische Waffen zu beschaffen. Diese
Programme sind wegen der ständigen Spannungen
und Konflikte in Kaschmir besonders besorgniserregend.
Wir haben keinen Grund zu der Annahme, daß Indien
oder Pakistan fertig montierte oder stationierte Atombomben besitzen. Solche Waffen könnten jedoch
rasch zusammengebaut werden, und beide Länder
besitzen Kampfflugzeuge, die sich im Krisenfall zu
Trägersystemen umrüsten lassen. Beide haben sich
öffentlich zu gewissen vertrauensbildenden Maßnahmen bereiterklärt, einschließlich des Versprechens,

Seite 5

�die Nukleareinrichtungen des Gegners nicht anzugreifen, und hoffen, daß der anhaltende Dialog Früchte
tragen wird.
Die Vereinigten Staaten lehnen weiterhin Exporte von
Technologie zum Bau von Trägerraketen oder modernen Rechnersystemen an beide Länder durch die
GUS, China oder die MTCR-Partnerab, da eine solche
Technologie mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein
Programm zum Bau ballistischer nuklearer Langstrekkenraketen eingesetzt würde.
Nordkorea
Die Programme Nordkoreas bilden die dringlichste
Bedrohung unserer nationalen Sicherheit in Ostasien.
Die Volksrepublik Korea hat erhebliche Investitionen in
seine Streitkräfte vorgenommen und hängt im Hinblick
auf seine Deviseneinnahmen großenteils von Waffenverkäufen ab. Sie hat sowjetische SCUD-Raketen im
Eigenbau hergestellt und an mehrere Staaten des
Nahen Ostens geliefert. Darüber hinaus hat sie ihre
SCUDs modifiziert, ihnen dadurch eine grö ßere Reichweite verliehen als die der irakischen Raketen und
solche Raketen an den Iran und Syrien verkauft.
Pjöngjang steht kurz vor der Verkaufsreife einer wesentlich größeren Rakete mit einer Reichweite von
mindestens 1.000 km - genug, um nach einer Stationierung in Nordkorea Osaka, Wladiwostok oder Schanghai zu erreichen.
Dem Nuklearprogramm des Nordens gilt unsere größte Besorgnis. Pjöngjang besitzt die gesamte zur
Entwicklung von Kernwaffen erforderliche Infrastruktur, vom Uranabbau über die Wiederaufbereitung von
Kernbrennstoffen bis zur Plutoniumgewinnung. Es hat
zwei Kernreaktoren gebaut, deren einziger Zweck die
Produktion von Plutonium ist. Einer dieser Reaktoren
arbeitet bereits seit vier Jahren, der zweite, wesentlich
größere wird dieses Jahr den Betrieb aufnehmen.
Im Dezember haben Nord- und Südkorea ein historisches Abkommen ausgehandelt, das im Prinzip eine
kernwaffenfreie koreanische Halbinsel vorsieht. Jede
Seite hat sich dazu verpflichtet, Kernwaffen nicht "zu
erproben, herzustellen, zu produzieren, beschaffen,
besitzen, lagern, stationieren oder einzusetzen". Beide Seiten haben sich ferner darauf geeinigt, keine
Einrichtung zur Wiederaufarbeitung oder zur Anreicherung von Uran zu besitzen. Die Verifizierung,
einschließlich von Vor-Ort-Inspektionen, muß jedoch
noch ausgearbeitet werden.
Unseres Erachtens kann die Bedeutung - ja, der Wert
- des Nuklearabkommens zwischen Nord- und Südkorea nur aufgrund des Inspektionsregimes bewertet
werden, dem Pjöngjang letztlich zustimmen wird.
Nordkorea war bis vor kurzem bei diesem Thema nicht

Seite 6

gerade entgegenkommend. Es hatte im Dezember
1985 den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen unterzeichnet und war danach verpflichtet, alle
nuklearen Einrichtungen anzumelden und internationaler Kontrolle zu unterstellen. Aber erst diesen Monat
hat sich Pjöngjang endlich bereiterklärt, bis Februar
eine Kontrollvereinbarung zu unterzeichnen. Wir sind
weiterhin besorgt darüber, wie der Norden seine Pflichten zur Gestattung von IAEO- Inspektionen interpretieren wird. Der Norden hat bisher noch nicht einmal die
Existenz seiner Reaktoren zur Plutoniumgewinnung
und der Wiederaufarbeitungsanlage im Forschungszentrum Jöngbjon zugegeben, geschweige denn diese angemeldet. Er hat konsequent die Fristen für den
Abschluß der einschlägigen Verfahren verstreichen
lassen und für den Beitritt zu dem Abkommen Zusatzbedingungen gestellt.
Unsere Besorgnis über die nuklearen Bestrebungen
des Nordens geht insgesamt weit über die koreanische
Halbinsel hinaus. Wir sind nicht nur über die Konsequenzen für die Stabilität in Nordostasien besorgt,
wenn der Norden Kernwaffen beschafft, sondern
ebenfalls darüber, daß Pjöngjang mit diesen Waffen
und seiner Nukleartechnologie auf den Weltmarkt geht.
China
Als Nachbar Nordkoreas hat China einige wichtige
öffentliche Erklärungen abgegeben, die auf seine Absicht
verweisen, internationale Abkommen zur Verbreitung
von Raketen und Kernwaffen einzuhalten. Beijing
entwickelt gegenwärtig zwei mit Festtreibstoff betriebene ballistische Kurzstreckenraketen - die M-9 und
die M-11 -, die in Reichweite und Nutzlast die Begrenzungen des MTCR (500 Kilogramm und 300 Kilometer) übertreffen. Es hat diese Raketen in der Vergangenheit zum Verkauf angeboten, aber angedeutet,
seine bedingte Verpflichtung zur Einhaltung der MTCRLeitlinien und -Parameter träfe auf beide Raketen zu.
Im vergangenen August verpflichtete sich China zur
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags, und
der Nationale Volkskongreß ratifizierte dieses Abkommen. China ist heute verpflichtet, von allen Abnehmern für Nuklearkomponenten die Einhaltung der IAEONormen zu verlangen. Diese Entwicklung ist wichtig,
weil China seit langem ein Lieferant von Nukleartechnologie in die dritte Welt ist. Obwohl China behauptete,
all diese Exporte dienten lediglich friedlichen Zwecken,
hat es nicht immer von den Empfängern die Einhaltung
von Kontrollbestimmungen verlangt. Trotz seines
Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag sind wir weiterhin besorgt darüber, daß Beijing behaupten könnte,
bestehende Verträge würden Bestandsschutz genießen und seien deshalb von den lAEO-Kontrollen ausgenommen.

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�Westliche Quellen
Bedauerlicherweise muß ich Ihnen berichten, daß
westliche Unternehmen auch weiterhin sensible Technologie an Länder liefern, die Massenvernichtungswaffen entwickeln. Dieser Handel wird teilweise über
Scheinfirmen oder Drittländer an harmlos klingende
Empfänger abgewickelt. Die meisten Verkaufe betreffen Gerät mit teilweise legitimen Zwecken, die Behauptungen von Lieferanten und Exportkontrollbehörden rechtfertigen, sie hätten nicht wissen können, daß
eine bestimmte Lieferung für ein besonderes Programm zur Waffenentwicklung gedient habe. In allzu
vielen Fällen wußten die Exporteure jedoch sehr gut,
mit wem sie es zu tun hatten. Sie hatten sich vielleicht
sogar um solche Geschäfte bemüht und mit dem
Käufer zusammengearbeitet, um die Exportbestimmungen zu umgehen.
Libyen, der Iran und Indien erhalten zum Beispiel
weiterhin modernes Material wie etwa SpezialStähle,
hochreines Graphit und Verbundwerkstoffe für Raketenmotoren aus westeuropäischen Beständen. Der
Verkauf von Präzisionswerkzeugmaschinen mit möglichen Anwendungsbereichen in der Raketen- und
Nukleartechnik bietet besonderen Anlaß zur Sorge.
Internationale Kontrollbestrebungen
Von der Weiterverbreitungsfront sind gute Nachrichten zu vermelden, die zum großen Teil auf die amerikanische Führung zurückgehen. Seit dem Golfkrieg
und den Enthüllungen über Saddams Programme
haben zahlreiche verantwortungsbewußte Staaten ihre
Exportkontrollgesetze verschärft, die Strafen förderen
Verletzung erhöht und die Durchführungsmaßnahmen
verstärkt. Internationale Organisationen und Abkommen, wie etwa die IAEO und das Regime zur Kontrolle
von Raketentechnologie (MTCR), wurden mit neuem
Leben erfüllt. Die Regierungen mehrerer Schlüsselstaaten haben dem US-Außenministerium versichert,
sie hätten Programme zum Bau von Kernwaffen oder
ballistischen Raketen eingestellt. So hat zum Beispiel
*

AMERIKA DIENST 3

*

Südafrika den Nichtverbreitungsvertrag unterzeichnet, und Argentinien und Brasilien haben Schritte
unternommen, die eine Abkehr von ihren nuklearen
Optionen bedeuten. Südkorea und Taiwan, die eine
Entwicklung von Kernwaffen in der Vergangenheit
erwogen hatten, haben beide dieser Option eine Absage erteilt. Die jüngsten Wiedervereinigungsgespräche
mit Nordkorea haben gezeigt, daß der Süden es mit
seinen Bemühungen zur Erlangung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel ernst meint.
Israel hat öffentlich angekündigt, es werde sich an die
Leitlinien des MTCR halten und wird israelischen
Presseberichten zufolge nicht mehr mit Südafrika bei
der Entwicklung ballistischer Raketen zusammenarbeiten. Brasilien hat angekündigt, sein Weltraumprogramm sei unter zivile Kontrolle gestellt worden, und
die argentinische Regierung erklärte, sie überprüfe zur
Zeit das unterbrochene Condor-Il-Programm.
Obwohl die Mitgliedstaaten des MTCR und der Australien-Gruppe - des Regimes zur Kontrolle von C- und BWaffentechnologie - neue Mitglieder aufgenommen
und die Spezifikationen für betroffenes Gerät und
Material verfeinert haben, sind den Leistungen, die wir
von multilateralen Kontrollregimen erwarten können,
Grenzen gesetzt. Einige Länder werden einen Beitritt
niemals als in ihrem Interesse liegend empfinden.
Selbst die Mitgliedschaft ist keine Garantie für positives Verhalten. Handels- und andere Anreize, die auf
eine Mitgliedschaft ausgerichtet sind, könnten einige
Staaten zum Beitritt zwingen, auch wenn sie kaum die
Absicht hegen, sich an die Verfügungen zu halten.
Trotz des geschärften Bewußtseins und verstärkten
Interesses daran, etwas zur Lösung des Problems der
Weiterverbreitung zu tun, deuten die größere Verfügbarkeit einschlägiger Materialien und Technologien,
die schwierige Wirtschaftslage in vielen potentiellen
Lieferstaaten sowie anhaltende regionale Animositäten darauf hin, daß sich das Problem weiter verschärfen wird.

*

*

Seite 7

�MARTIN

LUTHER

KING
22. Januar 1992

BUSH WÜRDIGT VERMÄCHTNIS
MARTIN LUTHER KINGS
Proklamation zum gesetzlichen Feiertag
ATLANTA (GEORGIA) - (AD) - Präsident Bush hat am 17. Januar 1992 das Vermächtnis des ermordeten
Bürgerrechtlers Martin Luther King gewürdigt, weil dieser "mutig für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung
eintrat, obgleich seine Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf hartnäckigen und manchmal sogar
brutalen Widerstand stieß".
King habe gewußt, daß sein "Handeln im Geist der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben konnte",
erklärte Bush in einer Proklamation zum landesweiten gesetzlichen Feiertag am 20. Januar 1992.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

"Ein Mann wird letztlich nicht daran gemessen, welchen Standpunkt er in Zeiten des Wohlergehens und
der Ruhe einnimmt, sondern wie er sich in Zeiten der
Herausforderungen und Kontroversen verhält." Am
63. Geburtstag des Reverend Dr. Martin Luther King,
Jr., ehren wir einen Amerikaner, der mutig für Gerechtigkeit und f^'^berechtigung eintrat, obgleich seine
Botschaft der Harmonie zwischen den Rassen auf
hartnäckigen und manchmal sogar brutalen Widerstand stieß.
Martin Luther King rief uns trotz der grausamen Realität der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten
zu: "Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im amerikanischen Traum verwurzelt
ist. Ich träume davon, daß sich diese Nation eines
Tages erheben und gemäß der wahren Bedeutung
ihres Bekenntnisses leben wird." Er glaubte daran,
daß mit der wahren Erfüllung dieses Bekenntnisses
seine Kinder "eines Tages in einer Nation leben, in der
sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem
Charakter beurteilt werden".
In all seinen Jahren als Führer der Bürgerrechtsbewegung blieb Dr. King der Ethik der Gewaltlosigkeit treu.
Immer wieder appellierte er inständig an seine Zuhörer: "Laßt uns nicht danach streben, unseren Durst
nach Freiheit zu stillen, indem wir vom Kelch der
Bitterkeit und des Hasses trinken. Wir müssen uns
stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin
bewegen." King wußte, daß viel Geduld, Mut und
Tapferkeit erforderlich waren, um angesichts biswei-

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len bitteren Widerstandes einen friedlichen Kampf zu
führen, aber er wußte auch, daß ein Handeln im Geist
der Gewaltlosigkeit das Leiden zur Tugend erheben
konnte. "Der gewaltfreie Ansatz... verändert zunächst
etwas in den Herzen und Seelen derjenigen, die sich
ihm verschrieben haben", stellte er fest. "Er verleiht
ihnen neue Selbstachtung, er fördert neue Reserven
an Stärke und Courage an den Tag, derer sie sich
überhaupt nicht bewußt waren." Dr. King drängte
seine Zuhörer, sich auf die Kraft der moralischen
Wahrheit zu verlassen.
In Anerkennung der erlösenden Kraft von Liebe und
Opfern strebte King danach, die Bürgerrechtsbewegung im Einklang mit seinen hehren Zielen anzuführen. "Man kann Gutes nicht mit schlechten Mitteln
erreichen", erklärte er, "weil die Mittel die Saat und der
Zweck der Baum sind." Dr. King wollte nicht nur
Gesetze ändern, sondern in den Herzen und Köpfen
des amerikanischen Volkes ein neues Gefühl der
Brüderlichkeit wecken.
Kings Ansatz war mehr als die Ablehnung von Bitterkeit und Gewalt - es war die lautstarke Bekräftigung der
Würde und Möglichkeiten jedes einzelnen. Im Vertrauen auf den Glauben, der ihm seit seiner Kindheit
vermittelt worden war, erklärte er, der Schlüssel zu
"Frieden auf Erden und gutem Willen gegenüber den
Menschen ist die ... Bekräftigung der Heiligkeit jeglichen menschlichen Lebens. Jeder Mensch bedeutet
etwas, weil er ein Kind Gottes ist." Diese Botschaft ist
es wert, heute wiederholt zu werden.

Seite 1

�In den vergangenen Jahrzehnten unternahm unsere
Nation enorme Anstrengungen, um gleiche Chancen
für alle zu gewährleisten. Die Bürgerrechtsgesetze
von 1957 und 1964 sowie das Gesetz über das Wahlrecht von 1965 waren nur der Anfang zahlreicher
entscheidender Fortschritte für die Minderheiten angehörenden Männer und Frauen - Fortschritte, die bis
zum heutigen Tag andauern. Obwohl wir das schmerzliche Vermächtnis der Rassentrennung in diesem Land
überwunden haben, sind wir uns bewu ßt, daß nach wie
vor noch viele Herausforderungen bestehen. Zu einer
Zeit, in der zu viele Menschenleben durch Gewalt in
unseren Städten, Drogenmißbrauch oder durch ungenutztes Potential gefordert werden, zu einer Zeit, in der
zu vielen jungen Amerikanern das Vertrauen in sich
und die Zukunft fehlt, sind wir gut beraten, erneut über
Martin Luther Kings zeitlose Botschaft nachzudenken
- eine Botschaft, die die Bedeutung von Glauben,
Familie, Selbstachtung und Achtung des anderen
hervorhebt.

ablehnte, trug Martin Luther King seinen Zuhörern
folgendes auf: "Laßt uns in diesen entscheidenden
Tagen, diesen Tagen der Herausforderung danach
streben, Amerika zu einer besseren Nation zu machen...'' Indem wir uns an diese Worte und an seinen
Traum für Amerika erinnern, wollen wir diesen Gedenktag zum Anlaß nehmen, unsere Verpflichtungen
gegenüber unseren Familien und Mitmenschen zu
erneuern.
Per Gesetz 98-144 ist der dritte Montag im Januar
jedes Jahres zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der mir von
der Verfassung und dem Gesetz verliehen Autorität
Montag, den 20. Januar 1992 zum Gedenktag für
Martin Luther King, Jr.

Unterzeichnet am 17. Tag des Januar, im Jahre des
Herrn 1992 und im 216. Jahr der Unabhängigkeit der
In seiner letzten öffentlichen Rede, gehalten am Abend Vereinigten Staaten von Amerika.
bevor er Opfer der Gewalt wurde, die er so vehement
* * * *

Seite 2

*

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�GOLFKRIEG
22. Januar 1992

UNTERNEHMEN WÜSTENSTURM EIN JAHR DANACH
Von Henry E. Catto
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den der Direktor des US-Informationsamts, Henry E. Catto, zum Jahrestag des Unternehmens Wüstensturm im Golfkrieg geschrieben hat.
Krieg ist niemals etwas, dem Staatsmänner oder Bürger
den Vorzug vor allen anderen Möglichkeiten geben. In
den Monaten nach dem brutalen Einmarsch des Irak in
Kuwait stellte Krieg auch für die amerikanische Regierung die letzte noch verbleibende Möglichkeit dar. In
enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen
schöpfte Präsident Bush jede andere Möglichkeit aus,
um die Krise zu einem friedlichen Abschluß zu bringen.
Bedauerlicherweise erwies sich Krieg als notwendig.
Ein Jahr später gibt es Stimmen, die behaupten, daß
der Golfkrieg kein richtiger Sieg gewesen sei, weil in
der Region immer noch zahlreiche Probleme bestehen. Tatsächlich wurde das Hauptziel des Golfkriegs
jedoch erreicht i ^ d er führte zu mehr Verbesserungen, als dies bei Kriegen gemeinhin der Fall ist. Die
Bilanz ist wie folgt:
Nach einem 43tägigen Luftkrieg, der bemerkenswerterweise nur geringe Verluste unter der
Zivilbevölkerung forderte, und nach einer glänzend geplanten und durchgeführten 1OOstündigen Bodenoffensive wurde Kuwait befreit.
Saddam Husseins Machtposition am Persischen
Golf sowie seine Fähigkeit, diese Region zu destabilisieren, wurden drastisch eingeschränkt.
Die Massenvernichtungswaffen des Irak wurden größtenteils zerstört. Vor einem Jahr stand
der Irak kurz davor, die Fähigkeit zur Herstellung einer Atomwaffe einfacher Bauart zu erwerben. Dem ist bis auf weiteres ein Riegel
vorgeschoben.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
behielten Zugang zu den Ölvorkommen des
Mittleren Ostens. Im Gegensatz dazu hätte der
Irak 20 Prozent der Welterdölreserven kontrolliert, wenn man die Eroberung Kuwaits hinge* *
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nommen hätte, und sogar mehr als die Hälfte,
falls der Irak die Kontrolle über die Vorkommen
in Saudi-Arabien und in dessen schwächeren
Nachbarländern gewonnen hätte.
Indem Amerika von Anfang an mit seinen Verbündeten und anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen kooperierte, trug es dazu bei, eine
bislang einzigartige internationale Koalition gegen
Aggression zusammenzubringen.
Derzeit läuft die bislang einzige multinationale
Verhandlungsrunde, an der sowohl Israel als
auch die arabischen Staaten teilnehmen. Es ist
zwar noch zu früh, um sagen zu können, was am
Ende stehen wird, aber in der Geschichte des
Mittleren Ostens wurde eindeutig ein neues
Kapitel aufgeschlagen.
Der britische Militärwissenschaftler und Autor John
Keegan hat vielleicht am besten erklärt, worin der
Haupterfolg des Golfkriegs besteht. Im Londoner
Sunday Telegraph vom 12. Januar schrieb er, daß es
nun so etwas wie eine neue Weltordnung gebe, in
deren Rahmen Aggressoren nicht nur bestraft, sondern auch entwaffnet werden können, solange die Völkergemeinschaft ihre Entschlußkraft wahrt und solange Amerika und seine Verbündeten bereit sind, kraftvoll und umgehend zu handeln. Die meisten Möchtegern-Saddams scheinen dies begriffen zu haben.
Saddam selbst hat es sicherlich begriffen. Sein Größenwahn ist zunichte geworden, und seine Tage sind
gezählt. Nein, der Golfkrieg hat nicht alle Probleme
des Mittleren Ostens gelöst. Er hat jedoch die Lage in
der Region und sogar auf der Welt insgesamt zu unser
aller Nutzen deutlich verbessert - keine schlechte
Leistung, über die sich einige von denen, die gern alles
rückgängig machen würden, Gedanken machen sollten.
* * *
Seite 1

�W A H L E N '92
22. Januar 1992

DIE LISTE DER VORWAHLEN UND
WAHLVERSAMMLUNGEN 1992
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine chronologische Liste der im Wahljahr 1992
anstehenden Wahltermine. In den Bundesstaaten werden zur Auswahl eines Präsidentschaftskandidaten und
der Delegierten für die Nominierungskonvente entweder Vorwahlen (Primary - P) oder Wahlversammlungen
(Caucus - C) veranstaltet. Innerhalb eines Staates können Demokraten (D) und Republikaner (R) entgegengesetzte Systeme verwenden. In vielen Fällen werden die Kongreßvorwahlen (Kong) später abgehalten als die
Termine zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten.

10. Februar
Iowa (C)
18. Februar
New Hampshire (P)
23. Februar
Maine (C)
25. Februar
South Dakota (P)
3. März

8. März
Nevada (C)
10. März
Delaware (C)
Florida (P)
Hawaii (C)
Louisiana (P)
Massachusetts (P)
Mississippi (P)

Colorado (P)

Missouri (C)

Georgia (P)

Oklahoma (P)

Idaho (D) (C)

Rhode Island (P)

Maryland (P)

Tennessee (P)

Minnesota (D) (C)

Texas (P)

Utah (C)
Washington (C)
5.-19. März
North Dakota (D) (C)
7. März
Arizona (C)
South Carolina (P)

17. März
Illinois (P)
Michigan (P)
24. März
Connecticut (P)
31. März
Vermont (C)

Wyoming (C)

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Seite 1

�9. Juni

2. April

Maine (Kong)

Alaska (C)

North Dakota (R) (P)

7. April
Kansas(P)

South Carolina (Kong)

Minnesota (R) (P)

Virginia (Kong)
21. Juli

New York (P)

Georgia (Kong)

Wisconsin (P)

4. August

11. April

Kansas(Kong)

Virginia (C)

Michigan (Kong)

28. April

6. August

Pennsylvania (P)

Missouri (Kong)

5. Mai

Tennessee (Kong)

District of Columbia (P)

11. August

Indiana (P)

Colorado (Kong)

North Carolina (P)

18. August

Ohio (P)

Wyoming (Kong)

12. Mai
•

25. August

Nebraska (P)

Alaska (Kong)

West Virginia (P)

Oklahoma (Kong)

19. Mai

I.September

Oregon (P)

Florida (Kong)

26. Mai

Nevada(Kong)

Arkansas(P)

8. September

Idaho (R) (P)

Arizona(Kong)

Kentucky (P)

New Hampshire (Kong)

2. Juni
Alabama (P)

Utah (Kong)

Kalifornien (P)

Vermont (Kong)

Iowa (Kong)
Montana (P)
New Jersey (P)

l

Wisconsin (Kong)
12. September
Delaware (Kong)

New Mexico (P)
South Dakota (Kong)

Seite 2

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�15. September
Connecticut (Kong)
Massachusetts (Kong)
Minnesota (Kong)

19. September
Hawaii (Kong)
3. Oktober
Louisiana (Kong)

New York (Kong)
Rhode Island (Kong)
Washington (Kong)

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Seite 3

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                    <text>«fc^v

amcrika

dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

22. Januar 1997

SONDERDIENST

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EIN NEUES VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN FÜR EIN NEUES JAHRHUNDERT
Rede des Präsidenten bei der Einführung
in seine zweite Amtszeit

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�AMTSEINFÜHRUNG
22.Januar 1996

Ein neues Verantwortungsbewußtsein
für ein neues Jahrhundert
Rede des Präsidenten bei der Einführung in seine zweite Amtszeit

WASHINGTON - (AD) - Präsident William Jefferson Clinton legte am 20. Januar 1997 den Amtseid ab und
begann seine zweite Amtszeit mit der Aufforderung an seine Mitbürger, ihren Blick "auf ein Land neuer
Versprechungen" zu richten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine amerikanischen Mitbürger,
bei dieser letzten Amtseinführung eines Präsidenten im
20. Jahrhundert wollen wir unsere Augen auf die
Herausforderungen richten, die uns im nächsten
Jahrhundert erwarten. Es ist unser großes Glück, daß
die Zeit und die Möglichkeiten uns nicht nur an die
Schwelle eines neuen Jahrhunderts und eines neuen
Jahrtausends gebracht haben, sondern auch an die
Schwelle vielversprechender neuer Aussichten für
menschliche Belange. Dies ist ein Augenblick, der
unseren Kurs und unseren Charakter auf Jahre hinaus
bestimmen wird. Wir müssen unsere alte Demokratie
für immer jung erhalten. Geleitet von der jahrtausendealten Vision eines gelobten Landes wollen wir
unseren Blick auf ein Land neuer Versprechungen
richten.

den Globus hinweg Millionen Menschen die Hand, die
sich wie wir nach den Segnungen der Freiheit sehnten.
Auf dem Weg dorthin brachte Amerika eine großartige
Mittelschicht und die Alterssicherung hervor, baute
beispiellose Lerneinrichtungen und öffnete die öffentlichen Schulen für alle, spaltete das Atom und erforschte die Himmel, erfand den Computer und den
Mikrochip, vertiefte den Urquell der Gerechtigkeit
durch eine Revolution der Bürgerrechte für Afroamerikaner und alle Minderheiten und erweiterte den
Kreis der Staatsbürgerschaft, Chancen und Würde auf
die Frauen.

Dann katapultierte sich dieses Versprechen in Aufruhr
und Triumph auf die Weltbühne, um dieses Jahrhundert zum Amerikanischen Jahrhundert zu machen.

Jetzt liegt zum dritten Mal ein neues Jahrhundert vor
uns und wiederum eine Zeit der Entscheidungen. Wir
begannen das 19. Jahrhundert mit der Entscheidung,
unsere Nation von Küste zu Küste auszubreiten. Wir
begannen das 20. Jahrhundert mit der Entscheidung,
die Industrielle Revolution für unsere Werte des freien
Unternehmertums, des Naturschutzes und der Menschenwürde zu nutzen.
Diese Entscheidungen
bewirkten den Unterschied. Beim Anbruch des 21.
Jahrhunderts muß ein freies Volk sich jetzt entscheiden, die Kräfte des Informationszeitalters und der
globalen Gesellschaft zu formen, das unbegrenzte
Potential all unserer Menschen freizusetzen und eine
perfektere Union zu bilden.

Und was für ein Jahrhundert es war. Amerika wurde
zur mächtigsten Industrienation der Welt, rettete in
zwei Weltkriegen und einem langen Kalten Krieg die
Welt vor der Tyrannei und reichte immer wieder über

Als wir das letzte Mal zusammenkamen, schien unser
Marsch in diese neue Zukunft weniger sicher als
heute. Damals haben wir gelobt, einen klaren Kurs zur
Erneuerung unserer Nation zu steuern.

Das Versprechen für Amerika wurde im 18. Jahrhundert aus der stolzen Überzeugung heraus geboren,
daß wir alle gleich geschaffen sind. Es wurde im 19.
Jahrhundert erweitert und erhalten, als unsere Nation
sich auf dem Kontinent ausbreitete, die Union rettete
und die schreckliche Geißel der Sklaverei abschaffte.

AMERIKA DIENST

Seite 1

�In diesen vier Jahren haben uns Tragödien berührt,
Herausforderungen belebt, Leistungen gestärkt.
Amerika steht allein als die unerläßliche Nation der
Welt. Unsere Volkswirtschaft ist wiederum die stärkste
der Welt. Wiederum schaffen wir stärkere Familien,
prosperierende Gemeinden, bessere Bildungschancen
und eine sauberere Umwelt. Probleme, die sich einst
zu verschärfen drohten, weichen jetzt unseren Anstrengungen: Unsere Straßen sind sicherer und eine
Rekordzahl unserer Mitbürger ist nicht mehr von
Sozialhilfe abhängig und hat wieder Arbeit.
Und wiederum haben wir eine umfassende Diskussion
über die Rolle der Regierung für unsere Zeit beendet.
Heute können wir erklären: Die Regierung ist nicht das
Problem, und die Regierung ist nicht die Lösung. Wir das amerikanische Volk - sind die Lösung. Unsere
Gründerväter verstanden dies gut und gaben uns eine
Demokratie, die stark genug war, Jahrhunderte zu
überdauern, die flexibel genug war, um sich unseren
gemeinsamen Herausforderungen zu stellen und
unsere gemeinsamen Träume an jedem neuen Tag zu
verwirklichen.
Ebenso wie sich die Zeiten ändern, muß sich die
Regierung ändern. Wir brauchen eine neue Regierung
für ein neues Jahrhundert - bescheiden genug, um
nicht zu versuchen, alle unsere Probleme für uns zu
lösen, aber stark genug, um uns das Handwerkszeug
zur Lösung unserer Probleme an die Hand zu geben.
Eine Regierung, die schlanker ist, nicht die Ausgaben
überschreitet und mehr mit weniger tut. Doch wo sie
für unsere Werte und Interessen in der Welt eintreten
und wo sie den Amerikanern die Macht geben kann,
einen wirklichen Unterschied in ihrem täglichen Leben
zu bewirken, sollte die Regierung mehr tun, nicht
weniger. Die übergeordnete Aufgabe unserer neuen
Regierung besteht darin, allen Amerikanern eine
Chance zu bieten - keine Garantie, aber eine echte
Chance - ein besseres Leben aufzubauen.

hundert zu entwickeln. Damit jeder von uns Erfolg
haben kann, müssen wir als ein Amerika Erfolg haben.
Die Herausforderung unserer Vergangenheit ist die
Herausforderung unserer Zukunft - werden wir eine
Nation, ein Volk mit einem gemeinsamen Schicksal
sein oder nicht? Werden wir alle zusammenkommen
oder auseinanderdriften?
Die Trennung der Rassen ist der ewige Fluch Amerikas. Und jede neue Welle von Einwanderern ist ein
neues Ziel für alte Vorurteile. Mit dem Vorwand
religiöser oder politischer Überzeugung bemäntelte
Vorurteile und Verachtung unterscheiden sich davon
nicht. Diese Kräfte haben in der Vergangenheit
beinahe unsere Nation zerstört. Sie plagen uns immer
noch. Sie heizen den Fanatismus des Terrors an.
Und sie quälen Millionen Menschen in gespaltenen
Nationen auf der ganzen Welt.
Diese Obsessionen lähmen diejenigen, die hassen
und natürlich diejenigen, die gehaßt werden und
berauben beide dessen, was sie sein könnten. Wir
können und werden den düsteren Impulsen nicht
nachgeben, die überall in den innersten Regionen der
Seele lauern. Wir werden sie überwinden. Und wir
werden sie durch die großzügige Geisteshaltung der
Menschen ersetzen, die sich miteinander wohl fühlen.
Unser Gefüge rassischer, religiöser und politischer
Vielfalt wird im 21. Jahrhundert ein Gottesgeschenk
sein. Diejenigen, die zusammen leben, lernen und
arbeiten sowie neue Bande knüpfen können, die
zusammenschmieden, werden reichhaltig belohnt
werden.

Union von verantwortungsvollen Bürgern abhängt.

Am Vorabend dieses neuen Zeitalters können wir
bereits seine groben Umrisse erkennen. Vor zehn
Jahren war das Internet der mystische Wirkungskreis
von Physikern; heute ist es eine täglich genutzte
Enzyklopädie für Millionen von Schulkindern. Wissenschaftler erforschen jetzt die Grundsteine des menschlichen Lebens. Für die am meisten gefürchteten
Krankheiten scheint Heilung in greifbare Nähre gerückt
zu sein.

Und wir benötigen ein neues Verantwortungsbewußtsein für ein neues Jahrhundert. Es liegt Arbeit vor uns
- Arbeit, die die Regierung alleine nicht leisten kann:
Die Kinder im Lesen zu unterrichten, von der Sozialhilfe abhängigen Menschen Arbeit zu geben, hinter
verschlossenen Türen und verbarrikadierten Fenstern
hervorzukommen, um unsere Straßen von Drogen,
Banden und Verbrechen zu befreien, uns Zeit zu
nehmen, anderen zu helfen.

Die Welt ist nicht länger in zwei feindliche Lager
gespalten. Statt dessen knüpfen wir Beziehungen zu
Nationen an, die einst unsere Gegner waren. Die
wachsende Verbindung von Wirtschaft und Kultur gibt
uns die Chance, den Menschen auf der ganzen Welt
ein besseres Leben zu ermöglichen. Und erstmals in
der Geschichte leben auf diesem Planeten mehr
Menschen in einer Demokratie als in einer Diktatur.

Jeder einzelne von uns muß auf seine Weise persönliche Verantwortung übernehmen - nicht nur für uns und
unsere Familien, sondern für unsere Nachbarn und
unsere Nation. Unsere größte Verantwortung besteht
darin, einen neuen Gemeinsinn für ein neues Jahr-

Meine amerikanischen Mitbürger, im Rückblick auf
dieses bemerkenswerte Jahrhundert fragen wir uns:
Können wir hoffen, die Leistungen des 20. Jahrhunderts in Amerika nicht nur fortzusetzen, sondern
sie noch zu übertreffen und eine Wiederholung des

Davon abgesehen liegt es an uns, liebe Mitbürger, die
Zukunft zu gestalten. Unsere Gründerväter lehrten
uns, daß die Bewahrung unserer Freiheit und unserer

Seite 2

AMERIKA DIENST

�schrecklichen Blutvergießens zu vermeiden, das sein
Vermächtnis besudelt? Auf diese Frage muß jeder
hier Anwesende und jeder Amerikaner in unserem
Land mit einem lauten "Ja" antworten.
Das ist der Kern unserer Aufgabe. Mit einer neuen
Vision der Regierung, einem neuen Verantwortungsbewußtsein und neuem Gemeinsinn werden wir die
Reise Amerikas fortsetzten. Wir werden das Versprechen, das wir in einem neuen Land suchten, in
einem Land neuer Versprechungen wiederfinden.
In diesem neuen Land wird Bildung das höchste Gut
jedes Bürgers sein. Unsere Schulen werden die
höchsten Standards der Welt haben und in den Augen
jedes Mädchens und jedes Jungen den Funken der
Chance entzünden. Und die Türen zu weiterführender
Bildung werden für alle offen sein. Das Wissen und
die Macht des Informationszeitalters werden nicht nur
in Reichweite weniger Menschen liegen, sondern in
jedem Klassenzimmer, in jeder Bibliothek, jedem Kind
zur Verfügung stehen. Eltern und Kinder werden nicht
nur arbeiten, sondern auch Zeit zum Lesen und zum
gemeinsamen Spiel haben. Und sie werden am
Küchentisch Pläne für ein schöneres Zuhause, einen
besseren Arbeitsplatz und die sichere Chance für
einen Collegebesuch schmieden.
Auf unseren Straßen werden wir wieder das Lachen
von Kindern hören, weil niemand mehr versuchen wird,
sie zu erschießen oder ihnen Drogen zu verkaufen.
Jeder Arbeitswillige wird Arbeit finden, und die heutige
ewige Unterschicht wird zur wachsenden Mittelschicht
von morgen. Neue Wunder der Medizin werden
endlich nicht nur die erreichen, die schon heute
Anspruch auf Gesundheitsfürsorge haben, sondern
auch die Kinder und hart arbeitenden Familien, denen
sie allzu lange verwehrt war.
Wir werden für Frieden und Freiheit einstehen und
eine starke Verteidigung gegen Terror und Zerstörung
aufrechterhalten. Unsere Kinder werden ohne Furcht
vor der Bedrohung durch atomare, chemische oder
biologische Waffen schlafen können.
Häfen und
Flughäfen, Farmen und Fabriken werden von Handel,
Innovationen und Ideen strotzen. Und die größte
Demokratie der Welt wird eine ganze Welt von Demokratien anführen.
Unser Land neuer Versprechungen wird eine Nation
sein, die ihren Verpflichtungen nachkommt - eine
Nation, die ihren Haushalt ausgleicht, aber deren
Werte nie aus dem Gleichgewicht geraten. Eine
Nation, in der unsere Großeltern im Alter eine sichere
Rente und Gesundheitsfürsorge haben und ihre Enkel
wissen, daß wir die erforderlichen Reformen durchgeführt haben, um auch sie später in den Genuß
dieser Leistungen kommen zu lassen. Eine Nation,
die die weltweit produktivste Volkswirtschaft unterhält,

AMERIKA DIENST

während sie gleichzeitig den großen Naturreichtum
von Wasser, Luft und majestätischem Land schützt.
Und in diesem Land neuer Versprechungen werden
wir unsere Politik reformiert haben, so daß die Stimme
des Volkes immer lauter ist als der Lärm kleinlicher
Interessen. Die Bürger werden sich wieder an der
Politik beteiligen, und sie wird das Vertrauen aller
Amerikaner genießen.
Liebe Mitbürger, lassen Sie uns dieses Amerika
bauen, eine Nation, die sich der Realisierung des
vollen Potentials aller ihrer Bürger immer stärker
annähert. Wohlstand und Macht sind wichtig und
müssen bewahrt werden. Aber lassen Sie uns eines
nie vergessen: Der größte von uns erzielte und der
größte noch zu erzielende Fortschritt ist der des
menschlichen Herzens. Letzten Endes sind aller
Wohlstand der Welt und tausend Armeen der Stärke
und dem Anstand des menschlichen Geistes unterlegen.
Vor 34 Jahren hielt der Mann, dessen wir heute
gedenken, am anderen Ende dieser Mall eine Rede,
die die ganze Nation aufrüttelte. Wie ein Prophet aus
alten Zeiten sprach er über seinen Traum, daß sich
Amerika eines Tages erhebt und alle seine Bürger als
gleichberechtigt vor dem Gesetz und im Herzen
behandelt. Martin Luther Kings Traum war der Amerikanische Traum. Sein Streben ist unser Streben: Das
endlose Streben, unseren wahren Glauben zu leben.
Unsere Geschichte wurde auf solchen Träumen und
Mühen aufgebaut. Und mit unseren Träumen und
Mühen werden wir im 2 1 . Jahrhundert das Versprechen Amerikas erfüllen.
Ich verpflichte mich, hierzu meine ganze Energie und
die Kraft meines Amtes einzusetzen. Ich bitte die
Mitglieder des Kongresses, sich mir bei diesem
Bestreben anzuschließen. Das amerikanische Volk
hat den Präsidenten einer Partei und den Kongreß
einer anderen wiedergewählt. Zweifellos tat es das
nicht, um kleinliche Politik und extreme Parteilichkeit
zu fördern, die es ja kritisiert. Vielmehr fordert es uns
auf, den Bruch zu kitten und die Mission Amerikas
fortzusetzen.
Amerika verlangt uns große Dinge ab und verdient sie
auch - und alles Große war einmal klein. Erinnern wir
uns an die zeitlose Weisheit von Kardinal Bernardin,
der am Ende seines Lebens erklärte: "Es ist falsch,
das kostbare Geschenk der Zeit durch Bitterkeit und
Teilung zu vergeuden."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir dürfen
kostbare Geschenk dieser Zeit vergeuden.
alle befinden uns auf der Reise des Lebens,
unsere Reise wird einmal beendet sein.
Reise Amerikas muß fortgesetzt werden.

nicht das
Denn wir
und auch
Aber die

Seite 3

�Daher, liebe Mitbürger, müssen wir stark sein, denn
das Risiko ist groß. Die Herausforderungen unserer
Zeit sind enorm und anders als früher. Wir wollen
ihnen mit Glauben und Mut, mit Geduld und einem
dankbaren, frohen Herzen begegnen. Lassen Sie uns
die Hoffnung dieses Tages in das edelste Kapitel
unserer Geschichte verwandeln. Lassen Sie uns
unsere Brücke bauen. Eine Brücke, die breit und fest
genug ist, damit jeder Amerikaner sie auf dem Weg in
ein gelobtes Land neuer Versprechungen überschreiten kann.

werden, von uns sagen können, daß wir unser geliebtes Land in ein neues Jahrhundert geführt haben, in
dem der Amerikanische Traum für alle Kinder wahr
wird - in dem das amerikanische Versprechen einer
perfekteren Union für alle Menschen Realität ist und
Amerikas helle Flamme der Freiheit auf der ganzen
Welt leuchtet.
Lassen Sie uns von diesem Ort und dem Höhepunkt
dieses Jahrhunderts aus die Reise fortsetzen. Möge
Gott uns für die vor uns liegende Arbeit stärken und
Amerika immer segnen.

Mögen die Generationen, deren Gesichter wir noch
nicht sehen und deren Namen wir vielleicht nie kennen

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST

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und
Dokumentation

i

a

I

United States Information Service

22. Februar 1978

INHALT

WIRTSCHAFT
Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?
- Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß William H. Webster - der neue Direktor des FBI
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Müllhalde im Weltraum
- Sicherungsaktion für SKYLAB Feuerwehr per Hubschrauber
- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wift/choft
United States Information Service

22. Februar 1978

SOLLEN DIE VEREINIGTEN STAATEN DEN DOLLAR STÜTZEN?
Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker

Vor jetzt fast fünf Jahren mußten die Industriestaaten erkennen, daß das
Währungssystem von Bretton Woods praktisch zusammengebrochen war. Und so kamen
sie zu dem Entschluß, die Wechselkurse gleiten, oder wie der technische Ausdruck lautet, "floaten" zu lassen. Mit zum Floating gehörte, daß es jedem
Land praktisch freigestellt wurde, selbst zu entscheiden, wann es auf den Devisenmärkten intervenieren wollte. Seither haben alle wichtigen Währungen
ihre Schwankungen nach oben und nach unten erlebt.
Einige Länder, vor allem in Europa und Japan, haben immer wieder interveniert, jedoch meist um eine Aufwertung und nicht eine Abwertung zu verhindern. Andere Länder, an ihrer Spitze die Vereinigten Staaten, haben nur sporadisch interveniert, um auf "Unordnungen" auf dem Markt zu reagieren. Feste
Regeln hinsichtlich der Intervention sind nie aufgestellt worden.
Man ist sich seit langem darüber im klaren, daß ein internationales
Währungsregime ohne anerkannte Regeln leicht zu politischen Konflikten unter
den beteiligten Ländern führen könnte.

Diese Gefahr ist erst kürzlich

durch

den scharfen Anstieg des Wertes der europäischen und der japanischen Währungen
im Verhältnis zum Dollar in den letzten Monaten des Jahres 1977 akut gewor-

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�geworden.

Die derzeitigen Zahlungsbilanzüberschü'sse einiger europäischer Län-

der und Japans stärken deren Währungen, während das große und ständig wachsende Defizit der Vereinigten Staaten private Besitzer von Dollar veranlaßt hat,
in stärkere Währungen zu flüchten.

Abgesehen von einigen gelegentlichen Trans-

aktionen und einer kürzlichen Erhöhung des Diskontsatzes haben die Vereinigten Staaten generell an ihrer Politik festgehalten, die Kräfte des freien Marktes die Wechselkurse bestimmen zu lassen.

Das sich daraus ergebende Wertver-

hältnis der Währungen stellt eine ernste Bedrohung der Exporte einer Reihe von
Ländern dar, die mit höheren Exporten gerechnet hatten, um ihre Wirtschaftsrezession im eigenen Lande zu überwinden.
Diesen Ländern ist es nicht gelungen, die weitere Aufwertung ihrer Währungen durch eigene Intervention zu verhindern.

Praktisch war das einzige Resul-

tat, daß sie auf großen Mengen immer weniger wert werdenden Dollar
blieben.

sitzen

Es war daher nicht verwunderlich, daß diese Länder die Vereinigten

Staaten aufforderten, durch Rückgriff auf die Swap-Vereinbarungen oder Einsatz ihrer eigenen Reserven den Dollar zu stützen.

Obwohl die Carter-Admi-

nistration verständnisvolle Erklärungen abgegeben hat, steht keineswegs fest,
ob die Vereinigten Staaten bereit wären, ihre Politik zu ändern.

Die Haupt-

frage, die hier behandelt werden soll, ist die, ob eine solche Umkehr tatsächlich im allgemeinen Interesse läge.
Wenn die Vollbeschäftigung gesichert wäre, dann läge es im Interesse eines
jeden Landes, daß seine Währung im Verhältnis zu den Währungen anderer Länder
so hoch wie möglich bewertet wäre. Das würde jedes Land in die Lage versetzen,
für seine Exporte das größtmögliche Volumen an Importen zu erhalten, was wiederum das Realeinkommen der Bevölkerung maximieren würde. Wie hoch der Wechselkurs gehen kann, hängt von der Notwendigkeit des Gleichgewichts in der Zahlungsbilanz ab, oder genauer gesagt, von dem Wunsch des Landes, seine internationalen Reserven zu erhöhen oder zu vermindern.
In der realen Welt ist die Vollbeschäftigung jedoch nicht gesichert, und
in der Vergangenheit haben Länder immer wieder versucht, dieses Problem durch

- 2 -

�».

durch einen Exportüberschuß zu lösen.

Eine solche Politik erfordert einen

Wechselkurs, der niedriger liegt als es dem Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz entsprechen würde, obwohl natürlich der gleiche Effekt auch durch Einfuhrbeschränkungen erreicht werden kann.

Ein Exportüberschuß zur Beseitigung

Arbeitslosigkeit im eigenen Lande ist gleichbedeutend mit dem Export dieser
Arbeitslosigkeit.

Diese Praxis, die während der Zeit der floatenden Wechsel-

kurse in den dreißiger Jahren weitverbreitet war, trug nicht zuletzt dazu bei,
daß die Weltwirtschaftskrise damals so schwere Formen annahm.

Diese Praxis

wurde durch das Währungsabkommen von Bretton Woods ausgeschlossen, scheint
aber in den letzten Jahren wieder an Popularität zu gewinnen.

Sowohl Japan

als auch die Bundesrepublik Deutschland zögern beispielsweise, die Binnennachfrage anzuregen, aus Angst, die Inflation wiederzubeleben, und haben stattdessen ihre Hoffnung für den Aufschwung auf die Steigerung der Exporte gesetzt.

Im Falle Japans wird diese Politik noch durch die Aufrechterhaltung

von Einfuhrquoten verstärkt.

Die Vereinigten Staaten dagegen haben die Rezession von 1974/75 weitgehend dadurch überwunden, daß sie eine gemäßigt anregende Binnenwirtschaftspolitik betrieben.

Die Importe der USA sind zum Wohle der anderen Industrie-

länder und der Entwicklungsländer stark angestiegen.

Die Exporte der USA hin-

gegen nahmen wegen der schwachen Nachfrage in den anderen Ländern nur geringfügig zu.

Das große amerikanische Handelsdefizit ist weitgehend eine Mani-

festation der mangelnden Übereinstimmung in den Politiken der Hauptindustrieländer.

Man sollte sich auch darüber im klaren sein, daß ohne das amerika-

nische Defizit die anderen Länder eine noch höhere Arbeitslosigkeit hätten als
jetzt.

Es liegt auf der Hand, daß die Industriestaaten insgesamt ihre Probleme
im eigenen Lande nicht dadurch lösen können, daß sie die Arbeitslosigkeit gegenseitig exportieren.

Als Gruppe sind sie Nettoimporteure von Erdöl, aber

die öl exportierenden Länder haben ihre Gesamtimporte nicht bis zu einem Punkt
gesteigert, an dem sie einen großen Zahlungsbilanzüberschuß auf den laufenden
Kosten vermeiden könnten.

Die Industrieländer müssen daher als Gruppe ein

- 3 -

�ein entsprechendes Defizit haben.

Unter den gegenwärtigen Umständen tendiert

dieses Defizit zu einer Konzentration in den Vereinigten Staaten, was zu
einer Schwächung des Dollar führt. Aber selbst wenn es das ölproblem nicht
gäbe, würde der Versuch einiger führender Industrieländer, ihre Wirtschaft
durch Nettoexporte anzuregen, zu einer ernsten Belastung des internationalen
Währungssystems führen.
Unter dem herrschenden Regime der floatenden Wechselkurse werden diese
Belastungen durch Bewegungen der Wechselkurse geregelt.

Die Überschußländer

finden ihre Exporte potentiell durch eine Aufwertung ihrer Währungen gefährdet, und für die Defizitländer gilt das umgekehrte.

Die Auswirkung dieser

Wechselkurskorrekturen tritt nicht unmittelbar ein und kann kurzfristig sogar umgekehrt sein.

Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen jedoch erkennen,

daß die laufenden Konten auf Wechselkursbewegungen mit einer Verzögerung von
ein oder zwei Jahren reagieren.

In der Zwischenzeit geraten die Wechselkurse

wahrscheinlich in ein solches Durcheinander, daß es durch Interventionen vorstellbaren Ausmaßes nicht mehr bereinigt werden kann.

Ja, es ist sogar so,

daß die Intervention, wäre sie effektiv, in den notwendigen Anpassungsprozeß
eingreifen würde.
Obwohl die Wechselkursbewegungen wahrscheinlich in der Lage sein werden,
nach einem entsprechenden zeitlichen Verzug mit den nicht übereinstimmenden
Wirtschaftspolitiken fertig zu werden, ist dies kein wünschenswerter Weg zur
Wiederbelebung der Wirtschaften der Überschußländer. Ja, es ist so, daß die
Wechselkursbewegungen selbst den Weg zu einer besseren Lösung aufzeigen. Länder mit wertmäßig steigenden Währungen haben bereits ein beträchtliches Nachlassen des inflationären Druckes erfahren, weil die Importpreise zurückgehen.
Diese Länder können daher eine stärker stimulierende Fiskal- und Währungspolitik einführen, ohne fürchten zu müssen, die Inflation wieder anzuheizen.
Durch die Einführung einer solchen Politik tragen sie zur allgemeinen Expansion der Nachfrage und einem Abbau der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und
im Ausland bei. Dementsprechend wird ein Abbau des Handelsdefizits die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, eine weniger expansive Fiskal- und

�Währungspolitik zu betreiben, womit die Gefahr einer weiteren Inflation verringert wird.
Statt sich über die Bedrohung ihrer Exporte durch die Aufwertung zu beklagen, sollten die Überschußländer innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen nach
Mitteln und Wegen für den Wiederaufschwung ihrer Wirtschaft suchen.

Wenn sie

das nicht tun, dann wird der weltweite Anpassungsprozeß nur verlängert und
damit die Gefahr einer noch ernsteren wirtschaftlichen Schwäche hervorgerufen.
Jedes Land, ob groß oder klein, ist in erster Linie verpflichtet, im eigenen
Lande dafür zu sorgen, daß die Dinge richtig laufen, und es kann sich nicht
hauptsächlich auf die Auslandsnachfrage zur Lösung seiner Probleme verlassen.

Wenn man sich dieser Pflicht erst einmal bewußt ist, und die Widersprüche
in den derzeitigen Politiken beseitigt sind, dann dürfte es viel weniger Anlaß zur gegenseitigen Beschuldigungen geben.

Man könnte sicherlich beispiels-

weise einräumen, daß die amerikanischen ölimporte übertrieben hoch sind; aber
es ist ebenso eine Tatsache, daß die amerikanischen Exporte an Gütern und
Dienstleistungen im Jahre 1977 real um weniger als drei Prozent gestiegen sind.
Nur ein geringer Teil des jüngsten Anstiegs des amerikanischen Handelsdefizits
kann wachsenden ölimporten zugeschrieben werden.

Es steht außer Frage, daß

die Einführung von Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit Amerikas von
importierter Energie eine Sache größter Dringlichkeit ist, aber das kann nicht
anderen Ländern als Entschuldigungsgrund dafür dienen, daß diese keine verantwortungsbewußte Binnenwirtschaftspolitik betreiben.

Die Bedingungen für

die Einführung solcher Politiken sind jetzt günstig, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan.

Nur auf diesem Wege kann eine größere

Stabilität auf den Devisenmärkten erreicht werden.

So lange diese Länder zö-

gern, die Binnennachfrage anzuregen - und niemand möchte, daß dies über die
Grenzen der Klugheit hinaus geschieht - läge eine systematische Stützung des
Dollar durch die Vereinigten Staaten nicht im allgemeinen Interesse.

Sie würde

vielleicht eine temporäre Erleichterung der finanziellen Schwierigkeiten bei
der Verwendung des Dollar als Reservewährung verschaffen, aber sie würde auch
den notwendigen Wiederaufschwung der Weltwirtschaft in Frage stellen, und

- 5 -

�und das ist die weit wichtigere Überlegung.
In diesem Zusammenhang sind Beteuerungen, der Dollar sei zu hoch oder
der Yen und die DM seien zu niedrig, von geringer Bedeutung.

Es könnte durch-

aus sein, daß die gegenwärtigen Wechselkurse eine Überkorrektur des früheren
Ungleichgewichts darstellen, und daß in Zukunft wieder eine Gegenbewegung eintritt.

Zum Wohle oder Übel, die Industrieländer haben sich zu den floatenden

Wechselkursen entschlossen, und sie müssen lernen, weiterhin mit ihnen zu leben.

Das befriedigendste Ergebnis dieses Lernprozesses wäre die Einführung

von Politiken im eigenen Lande, die denen der anderen Länder nicht widersprechen, sondern sie stärken.

+ + + + +

�6

22. Februar 1978

US-GESETZ GEGEN WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Der Amerikanische Kongreß erteilte Präsident
Carter die gesetzlichen Vollmachten, um seine Pläne durchzusetzen, die
die Vereinigten Staaten künftig aus allem heraushalten sollen, was zu
einer Ausweitung des Kernwaffenpotentials in der Welt führen könnte. Besonderes
Gewicht hat im Rahmen dieses Gesetzes die Hauptbarriere gegen die nukleare
Proliferation - nämlich die internationale Inspektion aller Aktivitäten
auf nukleartechnischem Gebiet in den Staaten, die keine Atomwaffen besitzen.
Es macht die Akzeptierung von Sicherungsmaßnahmen, die in der Praxis nukleare
Aktivitäten zur Unterstützung von Waffenprogrammen ausschließen, zur Vorbedingung für eine Fortsetzung kommerzielle1- Beziehungen zu den USA auf
nuklearem Gebiet. Das Gesetz, das schon im Herbst 1977 vom Repräsentantenhaus
gebilligt worden war, wurde am 7. Februar vom Senat mit 88 gegen 3 Stimmen
gebilligt.
Das Gesetz ist jedoch darauf ausgerichtet, die Rolle der Vereinigten
Staaten als eines zuverlässigen Lieferanten von Kernbrennstoff gegenüber
jenen Ländern, die ebenfalls für die Nonproliferation eintreten, zu bekräftigen

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu bekräftigen und durch Klarstellungen und eine Vereinfachung der
amerikanischen nuklearen Exportpolitik solche Lieferungen zu beschleunigen.
Außerdem sieht es ausdrücklich die Kooperation und Unterstützung seitens
der USA bei Entwicklungsländern vor, um diesen zu helfen, ihre eigenen
nicht-nuklearen Energiequellen sowie geeignete Technologien zu entwickeln,
damit sie ihren Energiebedarf decken können.
Die "Klauen" im Gesetz sind in dem Abschnitt zu finden, der Aktivitäten behandelt, die zur Einstellung amerikanischer Nuklearexporte in
Staaten ohne Atomwaffenbesitz führen. Solche Exporte würden dann grundsätzlich eingestellt, wenn der betreffende Staat

einen nuklearen Spreng-

satz zündet, eine Sicherungsvereinbarung aufhebt oder deren Gültigkeit
beendet. Auch jedes Land, das einem Staat ohne Atomwaffenbesitz hilft, die
direkte Kapazität zur Herstellung vom Atomwaffen zu erlaben oder anderweitig
in deren Besitz zu kommen, würde unter die Exportsperre fallen. Das gleiche
gälte für jeden Staat, der eine Wiederaufbereitungsanlage exportiert, welche
der staatsrechtlichen Kontrolle eines Landes unterläge, das nicht selbst
Atomwaffen besitzt.
Das Gesetz wurde sehr sorgfältig formuliert, um sicherzustellen, daß
mit seinem Inkrafttreten nicht irgendein Moratorium für amerikanische
Nuklearexporte eintritt. Es wird dort zur Einstellung von Exporten führen,
wo eine offenkundige Gesetzesverletzung vorliegt - z.B. mit der Detonation
eines nuklearen Sprengsatzes -, aber es erlaubt ausdrücklich, eine 18-MonatsFrist für Verhandlungen mit Empfängerländern einzuräumen, bis die Sicherungsklauseln in vollem Umfang angewandt werden müssen. Mit Ausnahme sehr weniger
Staaten akzeptieren bereits alle übrigen gegenwärtigen Empfänger bei allen
ihren nuklearen Aktivitäten Sicherungsmaßnahmen, wie sie die Internationale
Atomenergie-Organisation (IAEO) durchführt.
Ein ganz wichtiger Abschnitt des Gesetzes soll die Rolle der Vereinigten
Staaten als zuverlässiger Kernbrennstoff-Lieferant festschreiben. Das Gesetz
fordert von Präsident Carter, Gespräche mit anderen Nationen zur Errichtung
- 2 -

�Errichtung einer Internationalen Kernnbrennstoff-Behörde (INFA - International
Nuclear Fuel Authority) aufzunehmen, welche Nationen, die sich strikt an
die Regeln der Nicht-Weiterverbreitung halten, mit Kernbrennstoff versorgt,
falls sie plötzlich von ihren normalen Lieferungen abgeschnitten würden.
Das Gesetz sieht vor, daß die USA bis zur Errichtung dieser Behörde aufgrund
einer internationalen Verkaufsvereinbarung einer internationalen Vorratsstelle Kernbrennstoff in einer Menge überweisen, die bis zu 100 ReaktorBetriebsjahre ausmachen kann. Die genauen Bedingungen hierfür wird Präsident
Carter dem US-Kongreß innerhalb der nächsten sechs Monate unterbreiten.
Bei den Kernbrennstoffen handelt es sich übrigens um Uran, das zu
weniger als 20 Prozent mit dem Isotop Uran-235 angereichert ist, während
waffenfähiges Material Uran mit mehr als 20 Prozent Uran-235 erfordert.
Die herkömmlichen Leichtwasserreaktoren, die heute das Rückgrat der kommerziellen Atomkraftwerke bilden, arbeiten mit einem Brennstoff, der ca. 3
Prozent Uran-235 enthält.
Beim Spaltprozeß im Leichtwasserreaktor fällt auch Plutonium an, das
in reiner Form für Atomwaffen benutzt werden kann. Ehe aber daraus ein
Kernsprengsatz zu machen wäre, müßte es von anderen hochradioaktiven Stoffen,
die zusammen mit Plutonium entstehen, chemisch getrennt werden. Somit bedeutete der bisher übliche Einmal-Gebrauch von Kernbrennstoff in einem
Leichtwasserreaktor ohne Wiederaufbereitungsanlage an sich schon eine gewisse
Sicherheit. Das neue Gesetz gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen verbietet die Wiederaufarbeitung auch nicht. Es setzt die bestehende Politik
fort, die verlangt, daß vor einer Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoff
amerikanischer Herkunft die Zustimmung der Vereinigten Staaten eingeholt
werden muß. Außerdem enthält es Richtlinien, die gewährleisten, daß der
Wiederaufbereitung gewöhnlich nur unter Bedingungen zugestimmt wird, die
die Proliferationsgefahr nicht merklich erhöhen. Ein Beispiel für solche
Bedingungen wären wirksame multinationale Vereinbarungen.
In der Senatsdebatte

�In der Senatsdebatte über 'as Gesetz wurde betont, daß die amerikanische Maßnahme den "Londoner Lieferanten-Richtlinien" für Nuklearexporte
mit ihrer speziellen Liste sens.tiver Materialien und Technologien in
Verbindung mit Exportrestriktionen nicht zuwiderlaufe. Man sieht vielmehr
in der Politik der USA eine Ergänzung und Bestärkung der Vereinbarung der
Lieferländer, wobei allerdings von amerikanischer Seite die Dinge strenger
gehandhabt werden.
Die Befürworter des Gesetzes verwiesen auch darauf, daß die Exportkriterien nichts anderes seien als eine Fortsetzung der gegenwärtigen
Politik und somit von den Handelspartnern der USA nicht als lästig betrachtet werden könnten» Obgleich die EURATOM-Länder nicht alle Kriterien
erfüllen, sei für sie bis zum Abschluß von Verhandlungen eine Frist von
zwei Jahren eingeräumt worden, um den Gesetzesbedingungen Genüge zu tun.
Auch die amerikanische Nuklearexportindustrie wird unter dem neuen Gesetz
keine Beeinträchtigung erfahren, weil es sich hinsichtlich der Klärung
und beschleunigten Erteilung von Exportgenehmigungen nur als hilfreich
erweisen kann und die allgemeine Atmosphäre der Unsicherheit beseitigt.

+ + + + +

�United States Information Service

22. Februar 1978

WILLIAM H. WEBSTER - DER NEUE DIREKTOR DES FBI

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundesrichter William H. Webster
ist am 9. Februar 1978 vom US-Senat als neuer Direktor des FBI (Federal Bureau
of Investigation) - des amerikanischen Bundeskriminalamtes - bestätigt worden.
Webster wird der dritte Direktor dieser wichtigen Behörde sein, die im
Jahre 1924 in ihrer derzeitigen Form von J. Edgar Hoover aufgebaut und bis zu
seinem Tode, im Jahre 1972, geleitet wurde. Der zweite und derzeitige Direktor
des FBI, Clarence Kelly, wird am 15. Februar von seinem Amt zurücktreten.
Webster, dessen Amtszeit zehn Jahre beträgt, unterstehen im FBI über 8400
Vollzugsbeamte (Special Agents), deren Aufgabe die Ermittlungen bei Verstößen
gegen die Bundesgesetzgebung (nicht einzelstaatliche oder kommunale) ist.
Der erfahrene Jurist war 1971 von Präsident Nixon in das Bundesdistriktsgericht berufen worden und kam 1973 in das Appelationsgericht.

Er gilt in Fach-

kreisen als hervorragender Rechtsgelehrter von sehr ausgeglichenem Charakter und
"makellosem Ruf".
William H. Webster wurde am 6. März 1924 in St. Louis, Missouri, geboren.
Er hat das Amherst College besucht und seine juristischen Studien an der

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Washington University abgeschlossen.
seinem Heimatstaat Missouri.

Von 1959 bis 1961 war er Anwalt in

Bis zu seiner Ernennung zum Bundesrichter des

Staates Missouri führte er eine private Anwaltspraxis.
Webster ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

+ + + + +

�1
»

15"

Wi/zcn/choft
und Technik
United States Information Service

22. Februar 1978

MÜLLHALDE IM WELTRAUM
Sicherungsaktion für SKYLAB - Nukleare Stromquellen in bruchfester Hülle

- (AD) - Seit Mai 1973 kreist die amerikanische Raumstation SKYLAB
um die Erde. Sie wurde in den Jahren 1973/74 von drei Astronautenteams
28 bzw. 59 und 84 Tage lang als Wohn- und Arbeitsstätte benutzt, blieb
jedoch seitdem ihrem Schicksal überlassen. Ihre "aktive" Lebensdauer war
sowieso nur auf 6 bis 9 Monate angesetzt. Neuen Plänen der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA zufolge sollen jedoch im Oktober 1979 Astronauten
des Raumtransporters noch einmal ein Rendezvous mit dem ehemaligen "Himmelslabor" versuchen, um über Fernsteuerung einen Raketenmotor am Andockstutzen
zu befestigen. Wenn dies gelingt, will man mit Hilfe dieses Triebwerks den
85 Tonnen schweren Koloss (Länge 35 m, Durchmesser 6,6 m) auf eine höhere
Umlaufbahn katapultieren, in der sein Verbleiben im Weltraum bis Mitte der achtzi
ger Jahre gesichert wäre und die Station eventuell noch für RaumtransporterExperimente zur Verfügung stünde.
Entgegen dem ursprünglichen Plan wurde der Zeitpunkt um fast ein Jahr
vorverlegt. Der Grund: SKYLAB nähert sich der Erde schneller, als aufgrund
der Bahnberechnungen nach dem Start zu erwarten war. Die Anomalie ist eine

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D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�eine Folge der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität in den letzten Jahren.
Dadurch hat sich die Hochatmosphäre der Erde aufgebläht, so daß für das
"Himmelslabor" der Luftwiderstand eine größere Rolle spielte, als in den
ersten Berechnungen berücksichtigt werden mußte. Die Raumstation wurde
bereits leicht abgebremst und verlor dadurch ca. 40 km an Flughöhe, die nach
dem Start 435 km betrug.
Möglicherweise können aber die Raumtransporter-Astronauten gar nicht
mehr zu ihrem SKYLAB-Rendezvous, wenn nicht zuvor durch ein besonderes
Manöver das Flugverhalten des Himmelslabors geändert werden kann. Durch
Zünden der Steuerungsdüsen des SKYLAB wollen Ingenieure des Johnson-Raumflugzentrums in Houston (Texas) dem Flugkörper in den nächsten Monaten
einen zusätzlichen Bewegungsimpuls geben, der bewirkt, daß sich SKYLAB
im Orbit ständig langsam in Längsrichtung überschlägt. Auf diese Weise
würde das Absinken in die tieferen Luftschichten verzögert. Anderenfalls
wäre damit zu rechnen, daß SKYLAB in 14 - 18 Monaten in diese eintritt und
dabei in Hunderte von Teilen aufbricht. Die meisten würden in der Luft
verglühen. Aber einige große Bruchstücke könnten bis zur Erdoberfläche
gelangen und in einem 160 km breiten und ca. 4 000 km langen Korridor aufstürzen. Vier Fünftel der SKYLAB-Flugbahn führen allerdings über Meeresgebiete, so daß ein Trümmerabsturz auf Land wenig wahrscheinlich ist. Im
Gegensatz zu dem am 24. Januar 1978 in Kanada abgestürzten sowjetischen
Satelliten

Kosmos 954 befinden sich keinerlei nuklearen bzw. radioaktiven

Ausrüstungen an Bord.
Die Steuerungsdüsen können aber nur dann gezündet werden, wenn zuvor
einige recht heikle Manöver glücken: Zunächst muß der Funkkontakt wieder
hergestellt, die Batterien müssen auf "Laden" geschaltet werden. Ob letzteres
ausreichend geschieht, hängt davon ab, ob die Kollektorplatten nrt den Sonnenzellen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln, noch genügend Leistung geben.
Viele Einzelfaktoren könnten dazu beitragen, daß der Versuch, die Steuerungsdüsen zu aktivieren, scheitert.
SKYLAB ist das
- 2 -

�SKYLAB ist das größte von 4 692 künstlichen Objekten, die zur Zeit
die Erde

umkreisen. Davon sind 928 Satelliten. Alles andere ist "Schrott"

- d.h. es handelt sich um Teile von zerbrochenen Satelliten oder Reste
von Trägerraketen. Seit 1957, dem Beginn des Raumfahrtzeitalters, sind
5 700 Objekte wieder in die Lufthülle eingetreten und verglüht. Einige
Hundert stürzten auf die Erde. In keinem Fall kamen Menschen zu Schaden
oder wurden Ansprüche auf Schadensersatz geltend gemacht. Das größte
Objekt amerikanischer Herkunft war eine Stufe der SKYLAB-Trä'gerrakete, die
im Januar 1975 in die Erdatmosphäre eintrat und in den Atlantik fiel.
Aufgrund des Vorfalls mit Kosmos 954 ist die Öffentlichkeit verständlicherweise besorgt wegen der Existenz von Erdsatelliten, die Energie
aus radioaktivem Material beziehen und eines Tages zur Erde fallen könnten.
In den Raumfahrtprogrammen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
wurden bisher sowohl aktive (wie bei Kosmos 954) als auch passive nukleare
Bordsysteme verwendet. Die erstgenannten sind Kleinreaktoren, die Energie
nach dem Prinzip der Kernspaltung produzieren, wobei auch Gammastrahlung
anfällt. Bei der zweiten Gruppe wird die Wärme des natürlichen Zerfalls
eines geeigneten Radioisotops direkt in elektrischen Strom umgewandelt
und so als Energiequelle genutzt. Man nennt diese passiven Systeme Radionuiklid-Generatoren (im Amerikanischen: radio-isotope thermal electric
generator, kurz RTG).
Das aktive System verwendeten die USA zum ersten und einzigen Mal im
Jahr 1965, als der in eine AGENA-Rakete eingebaute Kleinreaktor SNAP 10
gestartet wurde. Mit 11 kg Uran-235 beschickt, produzierte er 43 Tage lang
Betriebsstrom und schaltete sich automatisch ab, als ein Spannungsregler
ausfiel. Er wurde inzwischen auf eine sehr hohe Umlaufbahn gebracht, in der
er mindestens 4 000 Jahre verbleiben wird. Amerikanischen Beobachtungen
zufolge haben auch die Sowjets ihre Satelliten, die mit Reaktoren ausgerüstet
sind, in höhere Bahnen katapultiert - ein Manöver, das offenbar bei Kosmos
954 mißlang.
Die "passiven"
- 3 -

�Die "passiven" RTG-Systeme werden von den USA inzwischen routinemäßig
eingesetzt: Fünf solcher Stromquellen, die gegen das Ausdringen von Strahlung

sicher abgeschirmt sind, wurden von APOLLO-Astronauten auf dem

Mond installiert. Acht damit ausgerüstete Satelliten befinden sich auf
Erdumlaufbahnen (1 NIMBUS-Wettersatellit, 5 Navigationssatelliten der
US-Marine, 2 Nachrichtensatelliten). Seit einer Konstruktionsänderung,
die nach einem Fehlstart im Jahr 1964 vorgenommen wurde, sind alle diese
passiven Generatoren mit Graphit so ummantelt, daß die Hülle auch beim
Wiedereintritt und Absturz auf die Erde nicht zu Bruch geht. 1964 hatte
ein Navigationssatellit die Umlaufbahn nicht erreicht und verglühte. Als
jedoch 1968 ein mit zwei solchen Generatoren ausgerüsteter NIMBUS-Satell^'t
die Umlaufbahn nicht erreichte und vor der amerikanischen Westküste ins
Meer fiel, konnte man die RTG-Systeme bergen, und zwar unversehrt. Ein dritter
amerikanischer RT-Generator ging mit der Landefähre von Apollo 13 im Südpazifik unter, nachdem diese von dem verunglückten Raumschiff abgesprengt
worden war.
Alle amerikanischen RTG-Erdsatelliten befinden sich auf so hohen
Umlaufbahnen, daß sie erst zur Erde zurückkommen, wenn die radiofktive
Wärmequelle (Plutonium 238, Halbwertszeit 88 Jahre) längst erschöpft sein
wird. Auch Forschungssonden wie VIKING, PIONIER und VOYAGER, die zu den
Sonnenfernen Planeten wie Mars und Jupiter entsandt wurden und von denen
einige in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vordringen werden, beziehen
ihren Betriebsstrom aus RTGs. Ebenso sollen der Orbiter für den Jupiter
(Starttermin 1982) und die Sonde zur Erforschung der Polgebiete der Sonne
(Start Anfang 1983) mit passiven nuklearen Stromquellen ausgerüstet werden.
Alle übrigen US-Satelliten arbeiten mit Sonnenenergie.

+ + + + +

- 4 -

�6

22. Februar 1978

FEUERWEHR PER HUBSCHRAUBER
Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät

- (AD) - Eine "fliegende Feuerwehrspritze" in Verbindung mit einem
Rettungsgerät, das, am Halteseil an einem Helikopter hängend, mit eigener
Kraft manövrieren kann, wird einem Bericht der Zeitschrift "Aviation
Week and Space Technology" zufolge von der Firma McDonnell Douglas entwickelt. Es soll Hilfeleistungen z.B. für Personen in Hochhausetagen
erleichtern und auch den Zugang zu anderen, von einer Katastrophe betroffenen
Objekten und Gebieten erleichtern, die von der Außenwelt abgeschnitten
sind.
Das im Werk St. Louis als Prototyp konstruierte Gerät ist eine mit
einem Gitter teilweise geschlossene Plattform mit ausklappbarem Steg. Sie ist
2,1 x 2,4 m groß, wiegt 900 kg und kann 4 - 6 Feuerwehrleute oder Sanitäter
aufnehmen. Bis zu 16 Verunglückte lassen sich auf ihr transportieren Sie
besitzt ein eigenes Antriebs- und Steuerungssystem - ein Flugzeugmotor erzeugt
die Kraft zur Aktivierung von vier verstellbaren Steuerungsdüsen, aivj an den
vier oberen Ecken angebracht sind. Ihre Orientierung wird vom Kommandostand
in der Plattform geregelt. Das Gerät kann bis zu 76 m weit in der Horizontalen

�1

Horizontalen manövrieren, während sich der Helicopter in einer Position
hält, die frei ist von Rauch, Hitze oder Turbulenzen. Der Führer des
Rettungskorbs steht in Funksprechverbindung mit dem Piloten im Helikopter,
der außerdem über einen Fernsehmonitor mitbeobachten kann, was am tinsatzort geschieht.

+ + + + +

•

2 -

�</text>
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Bush: USA zu Fortschritten mit UdSSR auf allen Gebieten bereit
- Erklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau Reagan:

USA halten am Nahost-Friedensplan fest

- Erklärung des US-Präsidenten nach dem Besuch von Hussein und Mubarak
Die Afrikapolitik der Vereinigten Staaten
- Von Außenminister George Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
( 2)
- Der Fahrplan der Demokratischen Partei

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Produktionsstätte Weltraum
- Kommerzielle Gemeinschaftsprojekte von NASA und Industrie

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wlfd gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: Ö-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

BUSH: USA ZU FORTSCHRITTEN MIT UDSSR AUF ALLEN GEBIETEN BEREIT
- Erklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat in einer
Erklärung in Moskau am 14. Februar die Bereitschaft der Vereinigten Staaten
unterstrichen, auf allen Gebieten der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Fortschritte zu erzielen.

Bush, der sich zur Beisetzung des verstorbenen

Staats- und Parteichefs Juri Andropow in Moskau aufhielt, traf mit dessen
Nachfolger Tschernenko

zu einem Gespräch zusammen, das Bush als "gut" und

im Geiste "ausgezeichnet" bezeichnete.

Dieses Treffen, bei dem er ein Schrei-

ben Reagans überbrachte, sei nützlich und konstruktiv gewesen.
Der amerikanische Vizepräsident gab dazu vor der Presse in Moskau folgende Erklärung ab:
Zum zweiten Mal in 15 Monaten war es meine traurige Pflicht, der Familie eines sowjetischen Führers das Beileid Präsident Reagans und des amerikanischen Volkes zu übermitteln und einem neuen Führer alles Gute für seine
großen Aufgaben zu wünschen, vor denen er steht.
Wir danken unseren Gastgebern für die großzügige Gastfreundschaft und
all die Freundlichkeit uns gegenüber in dieser Zeit der Trauer.

Wir hatten

heute abend ein nützliches und konstruktives Treffen mit Generalsekretär

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Telex: 8-85432

�mit Generalsekretär Tschernenko.

Wenn wir jetzt Moskau verlassen, dann rich-

ten wir unsere Gedanken und Gebete auf die Zukunft und auf die Sache des
Friedens.
Ich überbrachte dem Generalsekretär ein Schreiben von Präsident Reagan.
Ich kann nicht im einzelnen auf dessen Inhalt eingehen, aber ich kann sagen,
daß es die Entschlossenheit des Präsidenten vermittelte, auf allen Gebieten
unserer Beziehungen zu den Sowjets Fortschritte zu machen, und unsere Bereitschaft zu konkreten, produktiven Gesprächen über all diese Gebiete.
Ich begrüßte die gestrige Erklärung des Generalsekretärs vor dem Zentralkomitee, daß die Sowjetunion "für die friedliche Lösung aller schwierigen internationalen Probleme durch ernsthafte, gleichberechtigte und konstruktive
Verhandlungen" sei.
sei

und daß auch wir

Ich erklärte ihm,daß dies auch genau unsere Einstellung
Taten und nicht nur Worte wollen.

Ich unterstrich die

Bedeutung wirklicher Ergebnisse bei der Verringerung der Nuklearwaffen, bei
der Lösung regionaler Streitigkeiten und bei der Verbesserung der menschlichen
Kontakte und der menschlichen Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich noch einige Abschiedsworte an das sowjetische Volk und
die sowjetische Führung richten. Das sowjetische Volk soll wissen, daß das
amerikanische Volk - so wie es selbst und wie Völker überall - ein friedliches
Volk ist. Wir in Amerika sehnen uns ebenso wie Sie nach einem dauerhaften
Frieden - einem Frieden, zu dessen Erhaltung es eines Tages keiner Armeen
und Raketen mehr bedürfen mag.
Die sowjetischen Führer sollen wissen, daß wir ernsthaft und zuverlässig
sind. Wie Präsident Reagan am vorigen Samstag gesagt hat, "sollten wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden, um der Herausforderung, den Frieden zu
bewahren, gerecht zu werden. Unser Leben in diesem Atomzeitalter macht es
zur Pflicht, daß wir miteinander sprechen, unsere Meinungsverschiedenheiten
erörtern und Lösungen für die vielen Probleme suchen, die uns trennen."
Niemand unterschätzt

�Niemand unterschätzt die ernsthaften Unterschiede zwischen unseren Nationen.

Es wird keinen leichten oder raschen Fortschritt geben.

Aber wir

begreifen unsere eigenen grundlegenden Erfordernisse und die unserer Verbündeten, und wir erkennen die der Sowjetunion an.
Wir haben uns der Rüstungsverminderung und dem Frieden in allen Regionen der Welt verschrieben. Und nach meinem Gespräch mit Generalsekretär
Tschernenko werde ich dem Präsidenten berichten, daß er mit der Notwendigkeit übereinstimmt, unser Verhältnis im Interesse des Friedens auf einen
konstruktiveren Weg zu bringen.

+ + + + +

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

8

REAGAN: USA HALTEN AM NAHOST-FRIEDENSPLAN FEST
Erklärung des US-Präsidenten nach dem Besuch von Hussein und Mubarak -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung anläßlich des Besuches von König Hussein von Jordanien und von Präsident Mubarak
aus Ägypten im Weißen Haus am 14. Februar betont, daß die Vereinigten Staaten
an dem Friedensplan für den Nahen Osten festhalten werden, der auf die Initiative vom September 1982 zurückgeht.
Die Erklärung von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Es war mir eine Ehre, König Hussein und Präsident Mubarak begrüßen und
mit ihnen konferieren zu dürfen.

Ihr Besuch ist ein Ausdruck der Freundschaft

zwischen den Vereinigten Staaten und den beiden wichtigen Ländern, an deren
Spitze sie stehen.
Unsere Länder haben ein gemeinsames Interesse, praktische Lösungen
für die Probleme des Nahen Ostens auszuarbeiten.

Der gute Wille und das

Vertrauen zwischen uns versprechen eine solide Grundlage für die Überwindung der gewaltigen Hindernissefür Frieden und Fortschritt in der Region.
Unsere heutigen

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�Unsere heutigen Gespräche haben bekräftigt, daß Ägypten und Jordanien
weiterhin eine führende Rolle bei den Bemühungen spielen werden, dem Nahen
Osten Frieden und Sicherheit zu bringen.
König Hussein und Präsident Mubarak haben Weitblick, Realismus und Entschlossenheit gezeigt, Eigenschaften, die wesentlich sind, wenn der Friedensprozeß Erfolg haben soll.
Wir haben im Detail über die Chancen für einen Fortschritt im Nahen
Osten gesprochen.

Die jüngsten Ereignisse in dem Gebiet machen es umso

dringlicher, den Friedensprozeß ganz allgemein in Gang zu halten.

Die tra-

gischen Ereignisse im Libanon zeigen, daß die Besetzung von Territorium
durch fremde Trunpen nicht zum Frieden führt, sondern eher zu anhaltendem
Konflikt und anhaltender Unruhe.
Ich möchte deshalb heute meine Verpflichtung und die meiner Regierung
zu den Prinzipien bekräftigen, die ich im September 1982 aufgestellt habe und ganz besonders zu dem Prinzip, daß der arabisch-israelische Konflikt
durch Verhandlungen, einschließlich eines Austauschs von Territorium für
Frieden, beigelegt werden muß.

Der ägyptisch-israelische Vertrag beweist,

was erreicht werden kann, wenn Staaten den Willen haben, Risiken für den
Frieden auf sich zu nehmen.

Und ich bin überzeugt, daß weitere Schritte

zum Frieden im Nahen Osten möglich sind.
Die Vereinigten Staaten sind ihrerseits bereit, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um diesen Prozeß voranzutreiben. König Hussein und Präsident Mubarak sind Männer, die ich sehr bewundere. Und ich bin ihnen dankbar, daß sie hierher gekommen sind, um als Freunde mit mir zu sprechen und
unsere gemeinsamen Zielsetzungen in dem andauernden Kampf um den Frieden zu
bekräftigen.

+ + + + +

- 2 -

�22. Februar 1984

DIE AFRIKAPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Von Außenminister George Shultz -

- (AD) - Der amerikanische Außenminister
George Shultz hat in einer Rede vor dem
"Boston World Affairs Council" am 15. Februar 1984 eine grundlegende Darstellung
der Afrikapolitik der Vereinigten Staaten
gegeben. Die Hauptpunkte dieser Politik
seien Hungerhilfe, wirtschaftliche Entwicklung und im südlichen Afrika die regionale Sicherheit, ein unabhängiges
Namibia und ein positiver Wandel der
Apartheidpolitik in Südafrika. Nachfolgend die Ausführungen des amerikanischen
Außenministers im Wortlaut.
Viele Amerikaner haben ein Bild von Afrika,das anachronistisch, voreingenommen und oft falsch ist. Die Vorstellung von Afrika, mit der die meisten
von uns aufwuchsen - unbekannte Länder, irgendwie exotisch und fernab von der
übrigen Welt - hat sich leider in manchen Kreisen trotz der letzten 25 Jahre
der Unabhängigkeit und wachsenden Präsenz Afrikas auf der internationalen
Bühne gehalten.
Es ist

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�Es ist eine falsche Vorstellung, die die zwingenden Realitäten außer
acht läßt.
Anteil wächst.

Jeder achte Mensch auf der Welt lebt heute in Afrika, und dieser
Afrika südlich der Sahara - womit ich mich heute in erster Li-

nie beschäftigen will - nimmt in verschiedener Hinsicht eine immer wichtigere
Rolle ein:
Erstens, wir haben ein wesentliches geopolitisches Interesse an der
Sicherheit des Kontinents und der ihn umgebenden Meere.

Vor seinen Küsten

liegen wichtige Handelsrouten, einschließlich jener, über die der größte Teil
der Energieversorgung unserer europäischen Verbündeten herangeführt wird.

Es

berührt uns, wenn Sowjets, Kubaner und Libyer ihren Einfluß auf den Kontinent
mit Gewalt zum Schaden der afrikanischen Unabhängigkeit und der westlichen
Interessen ausdehnen wollen.
Zweitens, Afrika ist Teil des globalen Wirtschaftssystems. Wenn die Volkswirtschaften Afrikas in Schwierigkeiten sind, dann sind die Rückwirkungen hier
zu spüren. Unsere Exporte nach Afrika sind in den letzten drei Jahren um 50
Prozent zurückgegangen. Amerikanische Finanzinstitute haben den Druck der
Unfähigkeit Afrikas zur Zurückzahlung von Krediten zu spüren bekommen. Und
Afrika ist einer der Hauptlieferanten von Rohstoffen, die für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind.
Drittens, Afrika ist für uns politisch bedeutsam, weil die Nationen Afrikas heute eine wichtige Rolle in der Welt der Diplomatie spielen. Die afrikanischen Länder machen fast ein Drittel der Mitgliedschaft der Vereinten
Nationen aus, wo sie den am festesten gefügten Stimmblock in der Vollversammlung darstellen.
Und schließlich ist Afrika für uns vor allem in menschlicher Hinsicht
wichtig.

Rund elf Prozent der Bevölkerung Amerikas führen ihre Wurzeln auf

Afrika zurück.

Wir alle leben in einer Gesellschaft, die durch dieses mensch-

liche und kulturelle Erbe tief beeinflußt ist.

Die Revolution der Unabhän-

gigkeit Afrikas fiel mit der Bürgerrechtsrevolution in den Vereinigten Staaten

- 2 -

�Vereinigten Staaten zusammen.

Vielleicht war das kein Zufall.

Beide Ent-

wicklungen gehörten zu den größten moralischen Ereignissen dieses Jahrhunderts:

eine Neugeburt der Freiheit, die uns alle zu einer Erkenntnis unserer

gemeinsamen Menschheit aufgerufen hat. So, wie der weitere Fortschritt der
Bürgerrechte für das moralische Wohlergehen unseres Landes wichtig ist, so
ist auch das menschliche Drama Afrikas - seine politische und wirtschaftliche
Zukunft - für jene Art von Welt wichtig, die wir unseren Kindern und Enkeln
vererben wollen.

Die wirtschaftliche Krise Afrikas
Afrika südlich der Sahara umfaßt 45 Staaten mit einer Bevölkerung von
schätzungsweise fast 400 Millionen Menschen auf einer Fläche von über neun
Millionen Quadratmeilen.
licher Vielfalt.

Es handelt sich um einen Kontinent von außerordent-

Und doch befinden sich heute fast alle Länder südlich der

Sahara in einer wirtschaftlichen Krise großen Ausmaßes.

Das ist das drin-

gendste Problem Afrikas.
Die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf der Bevölkerung ist in den letzten
20 Jahren um 20 Prozent zurückgegangen.
heerende Auswirkung.

Eine rasche Inflation hatte eine ver-

Jeder Afrikaner hat in den letzten drei Jahren einen

Rückgang seines Realeinkommens um zwei bis drei Prozent pro Jahr erlebt. Anhaltende Dürre hat eine ökologische Katastrophe über den ganzen Kontinent gebracht - vom westlichen Sahel bis nach Mosambik im Osten. Zehntausende von
Menschen sind von Hungersnot bedroht, und Millionen leiden an Unterernährung.
Die Zahl der Flüchtlinge beträgt rund zwei Millionen oder ein Viertel aller
Flüchtlinge der Welt, wobei eine gleiche Zahl

von Menschen innerhalb ihrer

eigenen Länder von Dürre, Bürgerkrieg oder anderen Leiden vertrieben wurde.
Hier spielt sich eine gewaltige menschliche Tragödie ab.
Die Weltrezession hat sich auf alle Länder ausgewirkt, aber den afrikanischen Ländern hat sie einen ganz schweren Schlag versetzt.

- 3 -

Im Jahr 1970

�Im Jahr 1970 konnte man beispielsweise noch für den Gegenwert von sechs Pfund
sambischem Kupfer ein Barrel ül kaufen; heute muß man den Gegenwert von 43
Pfund Kupfer für ein Barrel öl aufwenden.
Chronische Zahlungsbilanzdefizite - das Ergebnis von niedrigen Preisen
für afrikanische Exporte, verbunden mit hohen Preisen für Importe - haben zu
einer steigenden Verschuldung und dem praktischen Staatsbankrott einiger Länder geführt.

Die in die Höhe schnellenden Preise für öl haben in den letzten

zehn Jahren die Volkswirtschaften der wenigen öl produzierenden Länder des
Kontinents verzerrt und fügten den öl importierenden Ländern verheerenden Schaden zu.

Dabei nimmt die Bevölkerung des Kontinents weiterhin mit einer Rate

von zwei bis drei Prozent pro Jahr zu und dürfte sich bis zum Jahr 2000 fast
verdoppelt haben.
Der Wiederaufschwung in den Vereinigten Staaten und anderen starken
Volkswirtschaften wird Afrika helfen, aber er wird nicht genügen, um die
Situation grundsätzlich zu ändern oder Afrika weniger verwundbar gegenüber
kündtigen Schlägen durch weltwirtschaftliche Kräfte zu machen. Der Grund dafür ist, daß einige der wichtigsten Ursachen für die wirtschaftliche Stagnation Afrikas hausgemacht sind. Ein Bericht der Weltbank stellt ganz unumwunden fest: "Die akute und anhaltende wirtschaftliche Krise in Afrika ist in
erster Linie eine Produktionskrise. Es ist eine Krise, die aus der weitverbreiteten Einführung... ungeeigneter Produktionsanreize herrührt."
Auf eine rasche Entwicklung abzielend, haben die Länder Afrikas versucht, knappe Mittel zu mobilisieren, indem sie sich auf Regierungskontrollen und staatlich unterstützte Industrialisierung stützten.

Aber Subventio-

nen, Preiskontrolle und andere Reglementierungen haben die Staatshaushalte
belastet und die Zuwendung der Mittel auf eine abschüssige Bahn gebracht.
Die Landwirtschaft, das Rückgrat der meisten afrikanischen Volkswirtschaften, litt unter Vernachlässigung, und es gab keinen Anreiz, die Produktion auszuweiten oder zu steigern. Der Privatsektor war häufig staatlichen
- 4 -

�häufig staatlichen Interventionen ausgesetzt und mußte darüber hinaus die
Hauptlast der Steuern tragen, um die sich aufblähende Bürokratie zu erhalten.

In mehreren afrikanischen Ländern verschlingen die Regierungskosten

über die Hälfte des Staatshaushaltes. Die kumulative Wirkung dieser exzessiven Regierungskosten war Stagnation statt Entwicklung.

Höhere Defizitaus-

gaben, höhere Auslandsverschuldung, verstärkte Bevölkerungsbewegung im Lande,
Inflation und rückläufige Investitionen sind das Ergebnis - das wiederum nur
zu den sozialen und politischen Spannungen und einer Verschlechterung des
Klimas für einen materiellen Fortschritt beiträgt.
Afrika ist heute der schwächste Bestandteil unserer interdependenten
Weltwirtschaft. Schrumpfende afrikanische Märkte und wachsende regionale
Zahlungsunfähigkeit sind eine schwere Belastung für den weltweiten Wiederaufschwung, mit einer besonderen Auswirkung auf Europa. Kurz gesagt, der
Westen kann sich den beschleunigten Niedergang der Wirtschaft Afrikas nicht
leisten - und wir werden nicht untätig zusehen.

Die Suche nach Lösungen
Wie können diese gewaltigen Probleme gelöst werden?

Wir müssen dabei

von drei grundsätzlichen Wahrheiten ausgehen.
Die erste dieser Grundwahrheiten ist die, daß die uns verbindende Humanität uns dazu zwingt, auf das Gespenst der Hungersnot im gesamten Afrika
südlich der Sahara zu reagieren. Auf Präsident Reagans Anweisung hin haben
wir bei den Nahrungsmitteln bereits Rekordmengen zur Verfügung gestellt. Derzeit fordern wir vom Kongreß zusätzliche 90 Millionen Dollar für Notlieferungen.

In den ersten vier Monaten dieses Haushaltsjahres haben wir über 200 000

Tonnen Nahrungsmittel übergeben.

Ersuchen für weitere 150 000 Tonnen liegen

von afrikanischen Regierungen vor; Ersuchen um eine gleich große Menge werden
noch für dieses Jahr erwartet.
Ein Blick
- 5 -

�Ein Blick in die Zukunft zeigt zudem die Notwendigkeit, sich gegen den
langfristigen Rückgang an Nahrungsmittel Produktion zu stemmen, der die afrikanischen Volkswirtschaften untergräbt.

Eine Steigerung der gesamten Pro-

duktivität ist notwendig.
Die zweite dieser Grundwahrheiten besteht, anders gesagt, darin, daß all
das, was die Vereinigten Staaten oder andere Geberländer für die Afrikaner
tun können, nur die Hälfte an Wirkung zeigen wird von dem, was die Afrikaner
selbst für sich tun können.

Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dort

Hilfe zu gewähren, wo sie wirksam werden kann; aber ohne eine disziplinierte
Anstrengung seitens der Afrikaner wird nur wenig davon Wirkung zeigen.
Die dritte Grundwahrheit ist die:

Wie es Grenzen für das gibt, was aus-

ländische Regierungen tun können, so gibt es auch Grenzen für das, was nationale Regierungen tun können.

Auch wenn Entwicklung ein komplexer Prozeß ist,

so sind die Grundbedingungen für ein solches Wachstum doch kein Geheimnis:
Afrika wird nur dann aus seiner Stagnation ausbrechen können, wenn Reformen
durchgeführt werden, mit denen die Anreize zur Produktion wiederhergestellt
werden.

Dies bedeutet:

Die Bauern Afrikas müssen wieder für ihre Ernte

das erhalten dürfen, was der Markt wirklich bietet.

Das bedeutet:

Man muß

den Privatsektor das tun lassen, was er kann, und den Staat das, was nur dieser kann.

Und das bedeutet:

eine bessere Steuer- und Währungspolitik.

Glücklicherweise erkennen viele afrikanische Regierungen nunmehr sowohl
den Umfang der Krise als auch die Gründe des Problems; manche von ihnen haben mit der Einführung einer realistischeren Wirtschaftspolitik begonnen.
Die Reagan-Administration beabsichtigt, auf jene zu reagieren, die eben dieses
tun.
Wir haben für das Haushaltsjahr 1985

eine Milliarde Dollar für Nahrungs-

mittelhilfe und Wirtschaftshilfe angefordert.

Dies bedeutet gegenüber dem

Haushaltsjahr 1983 einen Anstieg von 25 Prozent.
programme sind langfristig angelegt.

Unsere Entwicklungshilfe-

Sie sind so angelegt, daß sie Eigen-

- 6 -

�daß sie Eigenständigkeit und lokale Initiativen fördern sollen.

Sie sind

nicht dazu entworfen, in internationalem Maßstab die Abhängigkeit von Regierungen fortzuführen, die gerade erst die Probleme verschärft hat.

Die neue amerikanische Initiative in der Wirtschaftspolitik
Über diese grundsätzliche Hilfe hinaus schlägt der Präsident eine spezielle neue Anstrengung vor:

eine wirtschaftspolitische Initiative für Afrika.

Wie wir am 30. Januar erklärt haben, wollen wir den Kongreß um ein Fünfjahresprogramm in Höhe von 500 Millionen Dollar ersuchen, das im Haushaltsjahr 1985
mit 75 Millionen Dollar beginnt.

Das Programm wird jenen Ländern greifbare

Unterstützung anbieten, die bereit sind, die notwendigen politischen Reformen
zu unternehmen, um die Produktivität zu erhöhen.

Wir werden diese Mittel

nicht im vorhinein zuteilen, sondern werden vielmehr auf konstruktive Reformen reagieren, wo und wann sie durchgeführt werden.
Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, sich uns anzuschließen.
In der Tat müssen die Geberstaaten mehr tun.

Es gibt eine Vielzahl von Pro-

jekten und eine Vielzahl von tätigen Geberstaaten, zwischen denen aber nur
zu oft wenig Koordination besteht und die bisweilen auch schlecht beraten
sind.

In der afrikanischen Landschaft findet sich mehr als ein "weißer Ele-

fant".

Wir drängen die Weltbank, ihre Koordinierungsrolle zwischen den Ge-

berstaaten zu erweitern und zusammen mit den afrikanischen Staaten bei der
Erarbeitung von Reformen in dieser Politik die Führung zu übernehmen.
Neben der Nahrungsmittelhilfe in Notlagen, der laufenden Wirtschaftshilfe und der wirtschaftspolitischen Initiative plant die Administration noch
weitere Maßnahmen, um Afrika dabei zu unterstützen, ein dynamischerer Teil
des globalen Wirtschaftssystems zu werden:
- Wir werden

�- Wir werden auch weiterhin einen starken Akzent auf die Entwicklung
Afrikas durch den Privatsektor legen.

Auf entsprechenden Wunsch hin

werden wir an afrikanische Unternehmer Darlehen vergeben; wir werden
technische Hilfe bieten, indem wir Gesetze und Institutionen entsprechend
anpassen, damit Investitionen angezogen werden.

Daneben werden wir Stu-

dien über die Machbarkeit von Projekten vorbereiten und dabei helfen,
daß der Blick für unternehmerische Möglichkeiten in Afrika geschärft
wird.
- Eine der größten Quellen Afrikas - die Ozeane, die den Kontinent umgeben -, wurde bislang erst unzureichend genutzt.

Wir planen, einigen

westafrikanischen Ländern dabei zu helfen, Fischerei Programme zu entwickeln und zu verbessern, wozu u. B. auch Maßnahmen gehören, um die
Verschwendung zu verringern, durch die oftmals die Hälfte des angelandeten Fangs verlorengeht.
- Der Präsident hat dem Kongreß bereits vorgeschlagen, das Präferenzsystem auszudehnen und die am wenigsten entwickelten Länder von einigen
der drückendsten Bestimmungen des Welthandels auszunehmen. Die Länder
Afrikas brauchen eine Diversifizierung ihrer Exporte, und wir werden
ihnen hierbei behilflich sein. Der Handel wird, so hoffen wir, ein
kraftvoller Wachstumsfaktor sein. Schon jetzt wirken die 6 Milliarden
Handelsdefizit, die die Vereinigten Staaten gegenüber den SubsaharaStaaten Afrikas haben, wie ein gewaltiger Beitrag zur wirtschaftlichen
Expansion Afrikas und sind weit kraftvoller als staatliche oder multilaterale Hilfe.
- Wir werden unsere Unterstützung regionaler Wirtschaftsorganisationen
Afrikas - wie etwa der Afrikanischen Entwicklungsbank und des Fonds verstärken.
- Wir werden unsere über Jahre hinwegreichenden Nahrungsmittelhilfeprogramme fortsetzen und ausweiten.
- 8 -

Diese Programme ermöglichen es

�ermöglichen es den afrikanischen Regierungen, die durch den Verkauf
der Nahrungsmittel eingehenden Einnahmen zur Finanzierung einer lanq
fristigen Landwirtschaftsentwicklung zu verwenden; zudem sind sie an
politische Reformen gebunden, durch die eine höhere Nahrungsmittel produktion vor Ort angeregt wird.

Wir werden uns im Juli dieses Jahres voll an der ICARA II-Konferenz
beteiligen - einer internationalen Anstrengung, dauerhafte Lösungen
für die Flüchtlingsprobleme Afrikas zu finden.

Regionale Sicherheit

Ich habe mich heute auf die Rolle konzentriert, die wir dabei spielen
müssen, wenn Afrikas Wirtschaftskrise angegangen werden soll. Aber ich kann
auch die anderen Probleme nicht ignorieren. Afrika braucht Stabilität und
ein Ende der Konflikte, um sich den wichtigen Fragen der nationalen Entwicklung zuzuwenden. Viele afrikanische Staaten stehen vor echten Bedrohungen
ihrer Sicherheit. Neue und zerbrechliche politische Institutionen sind besonders dann verletzlich, wenn die Volkswirtschaft darniederliegt und es ihnen nicht gelingt, die Grundlagen für die Existenz und die Hoffnungen auf eine
bessere Zukunft zu schaffen, und sich hieraus politische Instabilität ergibt
Das Gedeihen einer Demokratie ist mit Schwierigkeiten verbunden; autoritäre
Lösungen mögen bisweilen attraktiver sein, dienen aber oft nur dazu, die Probleme zu verschärfen, während gleichzeitig die Menschenrechte und die politischen Rechte eingeengt werden.

In solcherlei Umfeld sind äußere Mächte versucht, die Instabilität
auszunützen.

Es gibt keine Entschuldigung für rund 35 000 kubanische Solda-

ten in Afrika - ausgebildet, ausgerüstet, finanziert und transportiert von
der Sowjetunion -, die sich in die lokalen Konflikte einmischen und dadurch
lokale Probleme internationalisieren.

So etwas wie diese sowjetisch-kuba-

nische Einmischung hat es noch nie gegeben; sie stört die Bündnisfreiheit
- 9 -

�die Bündnisfreiheit Afrikas, sie bringt eine Ost-West-Dimension dorthin, wo
es keine geben sollte, und macht damit gerechte Lösungen nur noch schwieriger.
Wir betrachten Afrika nicht durch das Prisma der Rivalität zwischen Ost
und West. Andererseits existiert Afrika"aülSft nicht auf einem anderen Planeten,
Es ist Teil der heutigen Welt. Afrika trägt zur Gestaltung der globalen Struktur bei - durch seine wirtschaftliche Expansion oder seinen wirtschaftlichen
Rückgang, durch sein Gewicht in internationalen Foren, durch sein expandierendes Netzwerk an bilateralen und multilateralen Beziehungen zu den Großmächten und durch seine Konflikte. Gleichzeitig wird es auch durch die globale
Struktur gestaltet - durch die Bewegungen des globalen Mächtegleichgewichts,
durch den sich vergrößernden Markt an Ideen und Technologien und durch die
Bereitschaft von Gegnern oder Partnern, von dessen Entwicklung abzulenken bzw.
dazu beizutragen.

Diese Tatsachen zu ignorieren, ist zu unserem und zu Af-

rikas Schaden.
Wir sind nicht die Gendarmen Afrikas. Aber einfach danebenzustehen und
nichts zu tun,während befreundete Staaten von unseren eigenen Gegnern bedroht
werden, würde nur unsere Glaubwürdigkeit als ein Bollwerk gegen Aggression
untergraben - nicht nur in Afrika, sondern auch andernorts.

Daher sind wir

- zusammen mit anderen - bereit, Ausbildung und Waffen zu stellen, um unseren
Feunden dabei zu helfen, sich selbst zu verteidigen.
Und wir reagieren rasch, wenn es die Situation verlangt. Als im vergangenen Sommer libysche Truppen erneut in den Tschad einfielen, schafften
wir für die legitime Regierung Militärgüter herbei und halfen dadurch, dem
libyschen Vormarsch Einhalt zu gebieten. Die Destabilisierungsversuche Libyens
sind zu einer unglücklichen Tatsache des afrikanischen Lebens geworden. Und sie
sind eine unannehmbare Tatsache. Wir werden auch weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, um den afrikanischen Staaten dabei behilflich zu sein, Gadhafis
offener Aggression und verdeckter Subversion zu widerstehen.
In West- und
- 10 -

�In West- und Zentralafrika sowie am Hörn von Afrika - jenem so überaus
wichtigen Bereich entlang dem Roten Meer - helfen wir unseren Freunden und
schützen unsere eigenen strategischen Interessen.

Wir ermutigen die Parteien

vor Ort, ihre eigenen friedlichen Lösungen für lokale Konflikte anzustreben.
Wir betonen weiterhin, wie dies auch sein sollte, wirtschaftliche und
humanitäre Hilfe gegenüber der militärischen Hilfe. In diesem Jahr beträgt
das Verhältnis auch weiterhin fünf zu eins. Die Sowjets hingegen geben ein
Minimum an Wirtschaftshilfe an die Subsahara-Staaten und nehmen kaum an humanitären Hilfsaktionen teil. Sie versuchen, sich ihren Einfluß in Afrika
über die Bereitstellung von Waffen zu erkaufen. Im vergangenen Jahrzehnt hat
Moskau weniger als ein Prozent der ausländischen Wirtschaftshilfe für Afrika
beigesteuert, aber 75 Prozent der Waffen Afrikas verkauft bzw. zur Verfüqunq
y
gestellt.

Das südliche Afrika

Unsere Politik, friedliche Lösungen bei regionalen Konflikten zu fördern,
findet in erster Linie auf das südliche Afrika Anwendung. Unsere Strategie
im südlichen Afrika besteht darin, mit den betroffenen Parteien zusammenzuc
jarbeiten, um einen fundamentalen und weitreichenden Wandel auf drei Gebieten
herbeizuführen:

- einen Gesamtrahmen für regionale Sicherheit zu schaffen;
- ein unabhängiges Namibia zustande zu bringen; und
- zu einer positiven Änderung der Apartheid-Politik Südafrikas selbst
zu ermutigen.

Regionale Sicherheit ist entscheidend wichtig, weil unseren Zielen in
dieser Region am besten durch ein Klima der Koexistenz gedient wird, in dem

- 11 -

�in dem Souveränität und die Sicherheit aller Staaten respektiert werden.
Wirtschaftliche Reform und Entwicklung, politischer Pluralismus, Ausschaltung äußerer Kräfte, friedlicher Wandel in Südafrika und die Unabhängigkeit
Namibias können eher unter Bedingungen gestärkter Sicherheit und verminderter Gewalt erreicht werden.
Die Vereinigten Staaten haben keine Militärstützpunkte oder Truppen im
südlichen Afrika - und hatten sie niemals.

In krassem Gegensatz dazu haben

Moskau und Havanna fast 25 000 Mann allein nach Angola entsandt, wodurch das
Problem der Unsicherheit im südlichen Afrika noch komplizierter wird.
Unsere Politik zielt nicht auf schnelle Lösungen oder eine sofortige
Beseitigung komplizierter und tiefverwurzelter Probleme ab. Unsere Rolle
ist die eines Katalysators, eines ehrlichen Maklers. Wir haben klargemacht,
daß wir in Erscheinung treten werden, wo wir erwünscht sind.
es.

Und wir sind

Heute verlangt keiner der Führer der Region - ob in Lusaka oder Pretoria,

ob in Daressalam oder Maputo - daß wir uns zurückziehen.

Sie alle wollen

mehr - nicht weniger - amerikanische Beteiligung bei der Aushandlung von Lösungen.
Es ist noch zu früh, um Durchbrüche vorauszusagen. Das südliche Afrika
befindet sich heute auf dem Weg zu friedlichem Wandel in einem frühen Pionierstadium. Die Länder dieses Gebietes müssen diesen Weg selbst ausbauen; keiner
kann es für sie tun. Es müssen viele Brücken gebaut und tiefe Schliichten des
Argwohns, der Furcht und des Hasses überwunden werden. Aber es gibt ermutigende Zeichen. Wir sehen auf allen Seiten einen wachsenden Realismus hinsichtlich der Risiken, die ein Konflikt ohne Ende für jeden mit sich bringt. Militärische Lösungen bieten keine Hoffnung. Wir entdecken den willkommenen Schimmer an Erkenntnis, daß es in der Tat gemeinsame Interessen gibt, die die Staaten des südlichen Afrikas aneinander binden. Nach Jahren der Spannungen und
der Bedrohungen werden jetzt Friedensmöglichkeiten erkundet und entwickelt mit aktiver und energischer Ermutigung durch die Vereinigten Staaten.
Wir haben

- 12 -

�Wir haben beispielsweise dazu beigetragen, daß ein Dialog zwischen Südafrika und Mosambik in Gang gekommen ist. Wir spielen eine Rolle der Ausgewogenheit, die einzig und allein auf die Einhaltung des Prinzips der friedlichen Lösung und der Achtung der territorialen Integrität und der Souveränität abzielt - Grundsätze, die in der Charta der Vereinten Nationen und in der
Charta der Organisation für Afrikanische Einheit enthalten sind.

Wir haben

es beiden Seiten gegenüber deutlich gemacht, daß unser Ziel die Förderung der
gegenseitigen Sicherheit ist.

In einem solchen Klima sind wir bereit, un-

seren Beitrag zu leisten, um die Entwicklung Mosambiks zu unterstützen und die
Chancen für eine echte Blockfreiheit dieses Landes zu fördern.

Und wir haben

rasch gehandelt, wenn es darum ging, auf die Wirbel stürme und die Dürre zu reagieren, die Mosambik immer wieder an den Rand der Katastrophe gebracht haben.
Unsere verstärkten Beziehungen zu Mosambik haben sich vor dem Hintergrund
konkreter Fortschritte in seinem Dialog mit Südafrika entwickelt. Heute sind
die Führer dieser beiden Länder dabei, eine Grundlage der Verständigung und
der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Sicherheit, des Verkehrs, des Handels,
der Energie und des Tourismus auszuarbeiten.
Lassen Sie mich unterstreichen, daß dies zerbrechliche Anfänge sind.
Aber sie symbolisieren, was einmal zu einem breiteren Rahmenwerk werden kann.
Wir helfen dabei, bereits vorhandene Kommunikationskanäle offen zu halten
oder sie auch mit anderen Nachbarn zu schaffen - Südafrika, Sambia, Zimbabwe,
Lesotho, Malawi, Botswana und Swasiland.
in der Lage, diese Hilfsrolle zu spielen:

Und wir sind in einzigartiger Weise
einzigartig unter den ausländischen

Mächten, denn wir können mit allen diesen verschiedenen Elementen der Region
sprechen.

Das breitere Rahmenwerk

kann errichtet werden, wenn es auf der

Vorstellung geförderter Sicherheit und gegenseitiger Achtung ruht.

Südafrika

hat kürzlich angekündigt, daß es wieder Gespräche mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) über Sicherheitsvorkehrungen für seine kommerziellen
nuklearen Anreicherungsanlagen aufnehmen und sich an die Richtlinien der
Londoner Versorgungsgruppe für

den Export sensitiver Materialien halten wird.

Diese Schritte ergeben sich aus einem Umfeld größerer Sicherheit und können
- 13 -

�und können zur Stärkung dieses Umfeldes beitragen.
Zufall ergeben.

Sie haben sich nicht aus

Sie sind das direkte Ergebnis unserer offenen und aktiven

Politik des konstruktiven Engagements.
Ich habe auf unsere Bemühungen verwiesen, für Namibia die Unabhängigkeit
zustande zu bringen,

wie auch die Respektierung der Grenzen und den Abzug

der kubanischen Truppen aus Angola,

Dies bleiben Hauptziele für uns.

Wir

und unsere vier westlichen Partner - Großbritannien, Frankreich, Kanada und
die Bundesrepublik Deutschland - haben in enger Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen und den Parteien im südlichen Afrika mit
großer Sorgfalt eines nach dem anderen gelöst, wobei die letzten Fragen in
der Resolution 435 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verbleiben.
Dieser Plan wird nach seiner Durchführung Namibia zur Unabhängigkeit führen.
Parallel dazu bemühen wir uns, ein Klima stärkeren Vertrauens und größerer
Sicherheit zu schaffen, das den notwendigen Entscheidungen seitens Angolas
und Südafrikas behilflich wäre, was wiederum den ganzen Prozeß in Bewegung
bringen würde.
Die jüngsten Ereignisse lassen ganz klar eine positive Entwicklung erkennen. Ein Auseinanderrücken der Streitkräfte im südlichen Angola ist im
Gange. Direkt und indirekt tauschen die hauptsächlichen Parteien Ideen und
Vorschläge aus, mit deren Hilfe die Verhandlungen vorangebracht werden sollen. Nachdem wir die Tagesordnung definiert und als Katalysator gewirkt haben, erleichtern wir jetzt einen phasenweisen Prozeß, der zu weiteren Fortschritten führen könnte - und ich unterstreiche "könnte". Wir haben noch
keine Regelung erreicht. Der Fortschritt ist zerbrechlich, und die Situation
ist weiterhin kompliziert. Unsere Aufgabe ist es, das bisher Begonnene zu
konsolidieren und in den vor uns liegenden Wochen und Monaten darauf aufzubauen. Dies ist eine Arbeit beharrlicher und stiller Diplomatie.
Unsere Bemühungen um einen friedlichen Wandel haben auch die Innenpolitik Südafrikas nicht außer acht gelassen.
als "widerlich" bezeichnet.

Präsident Reagan hat die Apartheid

Sie ist auch eine Ursache der Spannung und der
- 14 -

�und der Instabilität in der ganzen Region.

Wir haben daher ein moralisches

und ein praktisches Interesse daran, daß auf friedlichem Wege ein gerechteres System entsteht.

Zu diesem Zweck hat die Administration versucht, mit

friedlichen Elementen im ganzen politischen Spektrum in Südafrika zur Unterstützung eines konstruktiven Wandels zusammenzuarbeiten.
Wir haben dieses Ziel nicht in einem Vakuum verfolgt.

Wir haben unsere

Programme, unseren diplomatischen Meinungsaustausch und unsere Darstellung
der Fakten genau zugeschnitten.

Wollen wir doch offen miteinander sein.

Es

treten Veränderungen ein - in der Bildung und Unterbringung der Schwarzen,
in den Arbeitsgesetzen und in der Gewerkschaftsbewegung, in den Wohnrechten
der Schwarzen in den Städten, in der Ausweitung bestimmter politischer Rechte
auf die farbigen und asiatischen Gemeinden.

Die weiße Wählerschaft Südafri-

kas hat einer Regierung eine solide Mehrheit gegeben, die sich selbst als dem
evolutionären Wandel verschrieben bezeichnet.

Diese Schritte sind selbst

noch keine Lösungen; sie stellen eine Reihe einseitiger Schritte dar und noch
keinen Prozeß der Verhandlung unter den Südafrikanern.

Die Mehrheit der Süd-

afrikaner besitzt noch immer nicht das grundlegende Menschenrecht der Bürgerschaft ihres eigenen Landes.

Den Schwarzen werden nationale politische Rech-

te verwehrt, und sie können in der dynamischen Volkswirtschaft Südafrikas
noch immer nicht mit gleichen Chancen konkurrieren.

Willkürliche zwangsweise

Umsiedlungen haben alteingesessene Gemeinschaften zerstört.

Ich könnte die

Aufzählung der positiven und der negativen Seite der Bilanz fortsetzen.

Aber

es liegt auf der Hand, daß ein Wandel stattfindet.
Wir haben selbst keine Patentlösung für das anzubieten, was an die Stelle
der Apartheid treten sollte.

Das müssen die Südafrikaner selbst ausarbeiten.

Aber wir haben recht, wenn wir sagen, daß der Wandel dringend geboten ist.
Wir haben recht, wenn wir darauf beharren, daß alle Südafrikaner - Schwarze,
Weiße und Farbige - an diesem Prozeß teilnehmen; und es ist unsere Verpflichtung, all jenen unsere Hilfe anzubieten, die den friedlichen Wandel anstreben.
Und wir haben recht, wenn wir sagen, daß wirklich ein Prozeß des Wandels begonnen hat - so unvollkommen er auch sein mag, und so mühsam er manchmal voranzukommen scheint.
ir

Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben versucht, den Prozeß des Wandels zu unterstützen, indem sie die amerikanischen Gewerkschaften ermutigt haben, beim Aufbau schwarzer Gewerkschaften mitzuhelfen; durch Programme der Förderung schwarzer Manager und Unternehmer und durch ein Stipendienprogramm von über 26 Millionen Dollar für junge scharze Südafrikaner.

Wir haben unsere Unterstützung

für Bürger- und Menschenrechtsorganisationen wesentlich erweitert.

Mit Unter-

stützung des Kongresses entwickeln wir neue Programme, um die Rechtseinrichtungen und Rechtskenntnisse zu fördern.

Und wir haben die eindrucksvollen

Bemühungen amerikanischer Firmen unterstützt, für alle ihre Arbeiter ohne
Rücksicht auf Rasse gleiche Behandlung und erweiterte Chancen zu bieten.
Die wirtschaftliche Entwicklung selbst ist ein starker Motor der sozialen und politischen Evolution.

Jene, die für einen Abzug von Investitionen

und für wirtschaftliche Sanktionen eintreten, würden den Teppich unter den
Füßen jener Südafrikaner wegziehen, die die ersten konkreten Schritte in
Richtung auf eine gleichberechtigtere und gerechtere Gesellschaft getan haben.
Im Westen schätzen wir Leben, Freiheit, Fortschritt und Frieden. Der
einzige Kurs, der mit diesen Worten im Einklang steht, ist der, daß wir uns
als Kraft des konstruktiven, friedlichen Wandels engagieren. Es hat keinen
Sinn, die Kräfte der Polarisierung aufzustacheln und die Spannungen anzuheizen, die die gesamte Region destabilisieren könnten. Es ist nicht unsere
Sache, als Zuschauer von den Außenlinien einen Rassenkrieg in Südafrika anzufeuern - oder Trends zu beschleunigen, die unausweichlich einen solchen
Konflikt hervorbringen würden. Wir sollten unsere Grenzen erkennen: Wir
können den Wandel unterstützen und ermutigen, aber wir können nicht einheimische Initiative, Einrichtungen und Weitblick ersetzen.

Die Aufgabe

- 16 -

�Die Aufgabe von morgen
Wenn ich Ihnen eines mit auf den Weg geben darf, dann die Feststellung,
daß Amerika Afrika und seine Probleme ernst nimmt. Wir sehen einen direkten
Zusammenhang zwischen der politischen und wirtschaftlichen Stabilität Afrikas
und der Gesundheit der westlichen Welt. Wir sind verpflichtet, mit unseren
afrikanischen Freunden zusammenzuarbeiten und mit der internationalen Gemeinschaft, um Afrika bei der Überwindung seiner Probleme zu helfen.
Es liegt in unserem Selbstinteresse, daß wir das tun. Und es ist moralisch richtig, und es entspricht der besten Tradition Amerikas.

- 17 -

�22. Februar 1984

8

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 2 )
Der Fahrplan der Demokratischen Partei -

DES MOINES, IOWA - (AD) - Mit den Partei Versammlungen der Republikanischen und der Demokratischen Partei im Bundesstaat Iowa am 20. Februar 1984
hat in den Vereinigten Staaten offiziell die Auswahl der Kandidaten für die
Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr begonnen.
Wie zu erwarten, fand der Anwärter für die Kandidatur bei den Republikanern, Präsident Ronald Reagan, auf einer Partei Versammlung in Waterloo die
begeisterte Zustimmung von über 7000 Anhängern, auch wenn außerhalb der Halle
einige kritische Stimmen laut wurden.
Im Mittelpunkt des Interesses stand die Wahl der Delegierten des Bundesstaates Iowa für den Parteikonvent der Demokratischen Partei im Juli in SanFranzisko.

Hier konnte sich der frühere amerikanische Vizepräsident Walter

(Fritz) Mondale klar gegen seine Mitbewerber Senator Gary Hart aus Colorado,
Senator John Glenn aus Ohio (früherer Astronaut), Senator Alan Cranston aus
Kalifornien, Senator Ernest Hollings aus South Carolina, Reubin Askew (frü-

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�Reubin Askew (früherer Gouverneur des Staates Florida), George McGovern
(Bewerber um die Präsidentschaft 1972) und den farbigen Bürgerrechtler
Jesse Jackson durchsetzen.

Eine endgültige Entscheidung bedeutet dies je-

doch noch keineswegs, denn es stehen noch viele Parteiversammlungen (Caucuses
und Vorwahlen (Primaries) vor dem Parteikonvent, auf dem die Wahl des Präsidentschaftskandidaten getroffen wird, über den dann im November der Wähler
entscheidet.
Der Zeitplan der Demokratischen Partei sieht nach dem Stande vom 20.
Februar 1984 wie folgt aus:

20. Februar
ii
28.
4. März
M
13.
II
13.
II
13.
II
13.
II
13.
n
13.
n
13.
II
13.
M
13.
II
13.
II
13.
II
14.
II
14.
II
15.
II
17.
II
17.
II
17.
M
17.
II
17.
n
17.

(C = Partei Versammlung; P = Vorwahl):

Iowa (C)
New Hampshire (P)
Maine (C)
Alabama (P)
Florida (P)
Georgia (P)
Massachusetts (P)
Rhode Island (P)
Democrats Abroad (P)
Hawaii (C)
Oklahoma (C)
Nevada (C)
Washington (C)
Wyoming (C)
Delaware (C)
North Dakota
Alaska (C)
Arkansas (C)
Kentucky (C)
Michigan (C)
Mississippi (C)
South Carolina (C)
Latin America (Canal Zone)

(C)

�Puerto Rico (P)
Illinois (P)
Minnesota (C)
Kansas (C)
Virginia (C)
Montana (C)
Connecticut (P)
New York (P)
Wisconsin (C)
Pennsylvania (P)
Arizona (C)
Louisiana (C)
Utah (C)
Missouri (C)
Vermont (C)
Guam (C)
District of Columbia (P)
Tennessee (P)
Colorado (C)
Indiana (P)
Maryland (P)
North Carolina (P)
Ohio (P)
Nebraska (P)
Oregon (P)
American Samoa (C)
Idaho (C)
Virgin Islands (C)
California (P)
New Jersey (P)
New Mexico (P)
South Dakota (P)
West Virginia (P)
Parteikonvent in San Francisco
+ + + + +
- 3 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
22. Februar 1984

PRODUKTIONSSTÄTTE WELTRAUM
Kommerzielle Gemeinschaftsprojekte von NASA und Industrie

- (AD) - Das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) gibt der
Industrie die Möglichkeit, zur kommerziellen Herstellung neuartiger Produkte
im Weltraum.

Eine entsprechende Vereinbarung über ein erstes Projekt, das

dieses Ziel anvisiert, trafen im Februar 1984 NASA-Chef James Beggs und der
Vorstandsvorsitzende der Firma "3M Manufacturing Gompany", Lewis Lehr.
Im August 1984 läßt "3M", ein weltbekanntes amerikanisches Unternehmen
mit vielseitigen Produktionsprogrammen außerhalb der Sektoren Luft- und Raumfahrt, Experimente zu neuen Forschungs- und Entwicklungsprojekten vom Orbiter
in den Weltraum befördern.

Wie der Direktor der "3M"-Forschungsabteilung,

Lester Krogh, erklärte, wolle man damit zunächst sondieren, ob und wie sich
im Weltraum Kristalle aus organischen Substanzen züchten lassen, die. auf der
Erde infolge der Schwerkraftwirkung nicht zum Kristallisieren zu bringen sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Entwicklung von Dünnfilmen mit neuartigen physikalischen und chemischen Eigenschaften.

Für solche Dünnfilme seien

vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Elektronik, Abbildungstechnik,
Energieumwandlung und in der Biologie denkbar.
Das Unernehmen

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�Das Unternehmen möchte im Rahmen des auf weite Sicht geplanten Programms
umfangreiche Unterlagen und Erfahrungen sammeln und zur Verfügung haben, wenn
Anfang der neunziger Jahre mit dem Aufbau von Raumstationen begonnen und Materialverarbeitung auf kommerzieller Basis im Weltraum realisierbar werde.
"Unseres Erachtens dürften organische Stoffe in kristalliner Form die nächste
Generation von kommerziellen Produkten darstellen, die in etwa sieben bis zehn
Jahren auf den Markt kommen könnten", meinte Krogh.
Im vergangenen Jahr (1983) wandte "3M" ca. 380 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung auf. Mit der NASA kam das Unternehmen überein, eine
Anzahl von Forschungsinstituten aufzubauen, wo Aktivitäten von Industrie-,
Regierungs- und Universitätsinstitutionen auf den zahlreichen Gebieten langfristig angelegter Grundlagenforschung koordiniert werden.

Das Interesse wür-

de sich dabei, wie Krogh ausführte, auf Projekte konzentrieren, aus denen
kommerzielle Produktionsprogramme im Weltraum hervorgehen könnten.

Die In-

stitute sollen helfen, Prioritäten für chemische und materialwissenschaftliche Forschung in der Schwerelosigkeit zu setzen, aber auch die Arbeit in
anderen wissenschaftlichen Disziplinen unter Gesichtspunkten einer möglichen
kommerziellen Auswertung zu sondieren.

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: USA zu Fortschritten mit UdSSR auf allen Gebieten bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA halten am Nahost-Friedensplan fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten nach dem Besuch von Hussein und Mubarak -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Afrikapolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Außenminister George Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(2)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der Fahrplan der Demokratischen Partei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Produktionsstätte Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommerzielle Gemeinschaftsprojekte von NASA und Industrie -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\ o N

$ &lt;

22. Februar 1989
INHALT

DOKUMENTATION
Die neue Herausforderung für das Atlantische Bündnis
- Ansprache des Gesandten James F. Dobbins -

Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben

.NASA-Etat zu knapp
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats
\
* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

22. Februar 1989
DIE NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS
- Rede des amerikanischen Geschäftsträgers
vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft -

FRANKFURT - (AD) - Der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn, James F. Dobbins, hat in einer Rede vor der Steuben-Schurz-Gesellschaft am 21. Februar 1989 zu Fragen der Verteidigung und Abrüstung Stellung
genommen.
Zum derzeit in der Bundesrepublik lebhaft erörterten Problem der Tiefflüge
unterstrich der Geschäftsträger, "wenn die Piloten der NATO in der Lage sein
sollen, unter realistischen Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur ein begrenzter Teil
dieser Ausbildung in andere Länder 'exportiert' werden". Selbst wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, alle Ausbildungsflüge zu exportieren, würde
damit Sinn und Zweck der Vorneverteidigung durchkreuzt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Geschäftsträgers im V/ortlaut:
Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen, heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen.
Die SteubenSchurz-Gesellschaf t ist sowohl in der
Bundesrepublik als auch in den Vereinigten Staaten als eine der namhaftesten deutsch-amerikanischen Organisationen bekannt, die sich der Erhaltung und Förderung der tiefen und
allgegenwärtigen Bande verschrieben
hat, die unsere beiden Länder verbinden. Sie alle sind beredtes Zeugnis
der Tatsache, daß die Bande zwischen
unseren Völkern und Institutionen sowie unsere gemeinsamen Werte und
Zielsetzungen stabil und beständig
bleiben. Ich beglückwünsche Sie zu
Ihrer Weitsicht und Ihrem unermüdlichen Einsatz und begrüße diese Gelegenheit, einen Beitrag zum deutschamerikanischen Dialog leisten zu kön-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen.
Ich bin gebeten worden, heute
abend über das Thema Verteidigung und
Abrüstung zu Ihnen zu sprechen. Angesichts der derzeit lebhaften Verteidigungsdebatte in unseren beiden
Ländern kommt diese Einladung sehr
gelegen.
Wie Meinungsumfragen eindeutig belegen, erfreut sich die NATO
auf beiden Seiten des Atlantiks nach
wie vor überwältigender Unterstützung
in Politik und Öffentlichkeit.
Es
entbehrt daher vielleicht nicht einer
gewissen Ironie, daß sich das Grundkonzept, auf dem das Bündnis beruht,
wachsender Kritik und zunehmendem
Druck ausgesetzt sieht.
In den Vereinigten Staaten konzentriert sich dieser Druck erneut

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Telex: 8-85432

�auf das Thema Lastenverteilung im
Bündnis. Im Kongreß und in einigen
Kreisen der amerikanischen Bevölkerung herrscht das Gefühl vor, die
Vereinigten Staaten trügen mehr als
ihren gerechten Anteil an der Last
der
gemeinsamen
Verteidigung
des
Bündnisses, und die Europäer sollten
einen
entsprechend
größeren
Teil
übernehmen. Diese Befürworter einer
gerechteren Lastenverteilung streben
keinen Abbau der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
an; ihr Ziel ist schlicht und einfach, die europäischen Mitglieder des
Bündnisses davon zu überzeugen, mehr
zu tun. Gleichzeitig ist es nur allzu verständlich, daß der Druck nach
einseitigem Abbau des amerikanischen
Engagements sich verstärken könnte,
wenn keine Reaktion auf diese Bedenken bezüglich einer gleichmäßigeren
Verteilung der Lasten des Bündnisses
erfolgt.
In der Bundesrepublik Deutschland
kommt die Unzufriedenheit mit dem
Grundkonzept und der dem Bündnis zugrundeliegenden Politik auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Erstens besteht wachsender Unmut über
die physischen Lasten - den Lärm, die
Zerstörung der Landschaft, die Unterbrechung des Tagesablaufs -, die
durch die Präsenz sehr umfangreicher
militärischer Streitkräfte zwangsläufig entstehen. Der Unmut über die
physische Last der Präsenz umfangreicher
konventioneller
Streitkräfte
geht einher mit der erneuten Frage
nach der Notwendigkeit der politischen Lasten zur Aufrechterhaltung
der
nuklearen
Abschreckung.
Und
schließlich wurde die Frage erörtert,
ob die Aktivitäten der verbündeten
Streitkräfte vollständig im Einklang
mit der Souveränität der Bundesrepublik stehen.
Diese auf beiden Seiten des Atlantiks geäußerten Bedenken und kritischen Einwände sollte man im Kontext der umfassenderen Strategie des
Bündnisses betrachten. Fragen, ob es
für die Vereinigten Staaten erforderlich ist ein ziemlich beträchtliches

Potential an Menschen und finanziellen Ressourcen zur Verteidigung Europas bereitzustellen und ob für die
Bundesrepublik die Nowendigkeit besteht, alliierte Truppen aufzunehmen
und die nukleare Abschreckung zu unterstützen, können am besten beantwortet werden, wenn man sich die Erfordernisse der NATO-Strategie vor
Augen hält und fragt, ob diese Strategie nach wie vor Gültigkeit besitzt.
Die NATO-Strategie hängt von zwei
Faktoren ab: der militärischen Bedrohung, wie sie sich durch die
Streitkräfte des Warschauer Pakts
stellt und den geographischen Gegebenheiten des Bündnisses. Unmittelbar an das Territorium des Bündnisses
angrenzend ist ein massives Potential
von Truppen und Gerät stationiert,
die der größten europäischen Macht
unterstehen - der Sowjetunion. Diese
Streitkräfte verfügen über zahlreiche
Panzer, Artillerie und Flugzeuge und
sind so strukturiert und ausgebildet,
daß sie zu schnellen, raumgreifenden
Operationen fähig sind. Die geographische Lage hat zweifache Auswirkungen auf die Strategie des Bündnisses:
erstens ist das industrielle Kernland
des Bündnisses, sein reichstes und
wertvollstes Gebiet - die Bundesrepublik Deutschland - gleichzeitig dessen Achillesferse:
ein leicht erreichbares Ziel für sowjetische Panzer; zweitens
befindet
sich das
Hauptgegengewicht
zur
sowjetischen
Militärmacht - die Vereinigten Staaten - weit von der Sowjetunion und
den
europäischen
Mitgliedern
des
Bündnisses entfernt.
Die Strategie der NATO ist also
darauf ausgerichtet, zwei Aufgaben zu
erfüllen. Die erste besteht darin,
die unmittelbare Verteidigung des exponiertesten - und wertvollsten - Gebiets des Bündnisses, der Bundesrepublik Deutschland, zu gewährleisten.
Der zweite liegt in der Ankoppelung
der amerikanischen Macht an die Verteidigung Europas. Die Strategie des
Bündnisses besteht deshalb aus zwei
Elementen:
Vorneverteidigung
und
flexibler Reaktion. Im wesentlichen

�steht Vorneverteidigung für die Bereitschaft der NATO-Streitkräfte, gegen eine mögliche Invasion des Warschauer Pakts so weit vorne wie möglich Widerstand zu leisten und diese
abzuwehren,
das
heißt,
an
der
deutsch-deutschen Grenze.
Dies erfordert von der NATO die Aufrechterhaltung umfangreicher militärischer
Streitkräfte so nahe wie möglich an
der östlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Alternative
zur Vortieverteidigung - eine Verteidigung in der Tiefe - könnte von vielen Militärexperten bevorzugt werden.
Eine Verteidigung in der Tiefe würde
indessen dem Hauptzweck des Bündnisses zuwiderlaufen, der darin besteht,
allen Mitgliedstaaten gleichen Schutz
für Freiheit, Sicherheit und territoriale Integrität zu gewähren. Eine
Verteidigung in der Tiefe würde bedeuten, daß das Bündnis sich auf die
Führung eines anhaltenden konventionellen Krieges in der Bundesrepublik
vorbereiten würde, in dessen Verlauf
es sich zum Rhein und in die Niederlande zurückziehen würde, um dort
Streitkräfte für einen Gegenangriff
zu sammeln. Die gesamte Bundesrepublik würde als Kriegschauplatz jedes
europäischen Konflikts dienen, wobei
eine Aggression und darauf folgende
Gegenangriffe auf ihrem Territorium
ausgetragen würden. Ein solches Szenarium war in der Vergangenheit nie
eine akzeptable Grundlage für die
Verteidigungsplanung des Bündnisses.
Ich sehe keinen Grund, warum sich
dies in Zukunft ändern sollte.
Die Vorneverteidigung ist darauf
ausgerichtet, das Engagement amerikanischer atomarer wie konventioneller
Streitkräfte für die Verteidigung Europas zu gewährleisten und insbesondere die nukleare Abschreckung auf
ein
Land
die
Bundesrepublik
Deutschland - auszuweiten, das selbst
auf den Besitz von Kernwaffen verzichtet hat. Die flexible Reaktion
zielt darauf ab, durch Androhung einer nuklearen Reaktion selbst auf einen konventionellen Angriff jeden
Krieg zu verhindern - sei er konventionell oder nuklear. Die flexible
- 3

Reaktion bedeutet im wesentlichen,
daß das Bündnis darauf vorbereitet
sein sollte, auf eine mögliche Aggression des Warschauer Pakts auf der
Stufe militärischer Macht zu reagieren, die notwendig und ausreichend
zur Abwendung dieser Aggression und
zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der angegriffenen Nation
erscheint.
Diese
Strategie
setzt voraus, daß das Bündnis - zumindest im Anfangsstadium - mit konventionellen Streitkräften auf einen
konventionellen
Angriff
des Warschauer Pakts antworten würde und
sich die Option offenhält, Kernwaffen
einzusetzen oder ihren Einsatz anzudrohen, falls sich eine konventionelle Reaktion als unzureichend herausstellt.
Die flexible Reaktion bedingt, daß das Bündnis ein angemessenes Arsenal unterschiedlicher Kernwaffen zur Verfügung hat, und zwar in
Europa
stationierte
Nuklearsysteme
und in den Vereinigten Staaten stationierte strategische Systeme. Die
Präsenz der amerikanischen - konventionellen wie nuklearen - Streitkräfte in Europa dient als Bindeglied
zwischen der Verteidigung der europäischen und amerikanischen Gebiete des
Bündnisses und damit der Überwindung
des zweiten von mir beschriebenen
geographischen Nachteils - der Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß sowohl die flexible Reaktion als
auch die Vorneverteidigung darauf
ausgerichtet sind, den Ausbruch eines
Krieges zu verhindern und - falls
dies dennoch geschähe -, die Aussichten für dessen schnelle Beendigung zu
gewährleisten, ohne weite Teile des
Bundesgebiets zu zerstören.
Ich möchte mich nun dem Verhältnis zwischen dieser BUndnisstrategie
und den besonderen verteidigungspolitischen Fragen zuwenden, die gegenwärtig in der Bundesrepublik erörtert
werden.
Zunächst zu den Tiefflügen.

Wenn

�unsere Strategie der Vorneverteidigung wirksam sein soll, muß die NATO
die Fähigkeit besitzen, nach einem
möglichen Ausbruch von Feindseligkeiten die Invasionsstreitkräfte schon
beim Anmarsch auf unsere Grenzen aufzuhalten, ihnen große Verluste zuzufügen sowie die gegnerischen Luftstützpunkte und Versorgungseinrichtungen anzugreifen. Der Besitz dieser Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß die NATO schon
mit konventionellen Streitkräften zur
raschen Abwehr einer Aggression in
der Lage wäre und deshalb nicht auf
den Einsatz von Kernwaffen zurückgreifen müßte. Diese Art der Abriegelungsfähigkeit erfordert jedoch von
den Kampfflugzeugen der NATO das
Fliegen in äußerst niedrigen Höhen,
um das sehr engmaschige Luftabwehr- und Radarnetz des Warschauer
Pakts zu unterfliegen. Um im Konfliktfall zum Tiefstflug in der Lage
zu sein, müssen die Piloten der NATO
regelmäßig in solchen Flughöhen und
über Landstrichen Übungsfüge durchführen, die dem Einsatzgebiet im Fall
eines Krieges möglichst entsprechen.
Ein Teil dieser Tiefflugausbildung
kann andernorts, in Kanada, der Türkei und auf Sardinien durchgeführt
werden - und dies ist bereits der
Fall. Gegenwärtig berät die U.S. Air
Force mit der Bundesluftwaffe und den
Luftwaffen der anderen Verbündeten
über eine weitere Reduzierung der
Tiefflüge in der Bundesrepublik. Ich
bin zuversichtlich, daß wir diese Belastung weiter abbauen können. Wenn
die Piloten der NATO jedoch in der
Lage sein sollen, unter realistischen
Bedingungen zu üben und damit ein angemessenes Niveau der Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, kann nur
ein begrenzter Teil dieser Ausbildung
in andere Länder "exportiert" werden,
in denen andere Witterungs- und Bodenverhältnisse
herrschen.
Selbst
wenn es möglich und finanziell tragbar wäre, all unsere Ausbildungsflüge
zu exportieren, würden wir damit Sinn
und
Zweck
der
Vorneverteidigung
durchkreuzen, denn unsere Streitkräfte können nicht gleichzeitig in Kanada üben und in der Bundesrepublik Ab-

schreckung gewährleisten.
Ein zweites kontroverses Thema in
der Bundesrepublik ist die Stationierung von weiterem hochmodernem und
effektivem militärischem Gerät. Unter der Administration von Ronald
Reagan haben die Vereinigten Staaten
nach einem Jahrzehnt rückläufiger
Verteidigungsausgaben einen anderen
Kurs eingeschlagen und erhebliche
Summen für die Beschaffung neuer Ausrüstung und die Ausbildung der dafür
notwendigen
Bedienungsmannschaften
ausgegeben. Ein Großteil dieser finanziellen Investitionen - etwa bei
Panzern,
Flugzeugen,
Hubschraubern
und Schützenpanzern - war speziell
für unsere Verpflichtungen im Rahmen
der NATO bestimmt. Als Ergebnis dessen besitzen die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die vielleicht
modernste Ausrüstung aller Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent.
Innerhalb der Bundesrepublik gab
und gibt es lokalen Widerstand gegen
die Einführung eines Teils dieser
Ausrüstung.
So wurde vor Gericht
Klage gegen die Modernisierung von
Schießplätzen erhoben, die für die
Ausbildung
der
Mannschaften
des
Schützenpanzers Bradley erforderlich
sind.
Ferner sind wir mit unsere
Plänen zur Stationierung des Panzerabwehrhubschraubers Apache auf Widerspruch gestoßen.
Im Hinblick auf die Strategie der
NATO ist diese neue, von den amerikanischen Streitkräften
in jüngster
Zeit in Europa stationierte Ausrüstung - Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge - von entscheidender Bedeutung
für die Erhaltung der Vorneverteidigung. Zum Beispiel besteht die Rolle
des Panzerabwehrhubschraubers Apache
darin, in einem Konflikt einen sowjetischen Panzervorstoß so früh wie
möglich zum Stehen zu bringen und
zurückzuwerfen.
Das
amerikanische
Volk hat für die Beschaffung, Instandhaltung
und Bemannung dieser
Waffensysteme große finanzielle Opfer
gebracht und wird dies auch in Zukunft tun. Darauf ausgerichtet, den

�Fähigkeiten des Warschauer Pakts im
Bereich der schweren Panzer entgegenzutreten, wurden viele dieser Waffensysteme besonders, in manchen Fällen
sogar ausschließlich, für die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland
konzipiert. Es ist schwer, dem amerikanischen Steuerzahler, der Milliarden Dollar für Ausrüstung und Gerät ausgegeben hat, das nur in Mitteleuropa sinnvoll eingesetzt werden
kann, zu erklären, daß viele der Menschen, zu deren Verteidigung diese
Ausrüstung entwickelt wurde, es nicht
in ihrer Nachbarschaft stationiert
haben möchten.
Ein dritter kontroverser Bereich
steht in Zusammenhang mit militärischen Großmanövern, der Unruhe und
den Schäden, die von diesen verursacht werden können. Die Abschrekkung beruht ebensosehr auf der Qualität wie auf der Quantität der Streitkräfte des Bündnisses, und die Ausbildung ist das wichtigste Mittel zur
Aufrechterhaltung
und
Verbesserung
der Qualität. Im Frieden hat das Militär tatsächlich nur den einen Auftrag - zu üben. Selbstverständlich
tun die Kommandeure der verbündeten
und deutschen Streitkräfte ihr Bestes, um die von den Manövern verursachten Beeinträchtigungen so gering
wie möglich zu halten, und Manöverschäden werden natürlich erstattet.
Die Bundeswehr wie auch die USStreitkräfte sind dabei, neue Ausbildungskonzepte einzuführen, die weniger Großmanöver mit Truppen vorsehen und sich mehr auf Ausbildungsmaßnahmen auf Stabsebene konzentrieren.
Das Ergebnis wird in einer verbesserten Qualität der Ausbildung mit weniger Truppen und insbesondere weniger
Panzern und anderen Kettenfahrzeugen
im Gelände bestehen.
Die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung bürdet uns eine andere Art von Last auf, keine physische - man sieht diese Waffen selten
und hört sie nie -, keine finanzielle
- diese Waffen sind vergleichsweise
billig -, aber eine moralische und
politische.
Die nukleare Abschrekkung bietet der NATO eine Alternative
- 5

zu Krieg oder Kapitulation, aber diese Alternative hat ihren Preis. Wie
in den vergangenen vierzig Jahren muß
das amerikanische Volk akzeptieren,
daß die mögliche Zerstörung der Vereinigten Staaten ein angemessener
Preis ist, um den nuklearen Schutzschild auf die europäischen Verbündeten auszudehnen. Die Völker Europas
müssen akzeptieren, daß um der Glaubwürdigkeit
dieses
amerikanischen
Schutzschilds willen ein Teil davon
auf hiesigem Territorium stationiert
sein muß, zu dessen Schutz er geschaffen wurde. Unsere Völker davon
zu überzeugen, diese Lasten auch weiterhin zu akzeptieren, ist eine niemals endende Aufgabe der politischen
Führung des Bündnisses.
Selbstverständlich unterzieht das
Bündnis die Erfordernisse einer wirksamen nuklearen Abschreckung im Hinblick auf die speziellen Systeme und
die Zahl der in Europa benötigten Systeme dieser Art von Zeit zu Zeit einer Bestandsaufnahme. Seit 1979 hat
die NATO ihre in Europa gelagerten
Kernwaffen um 2 400 Gefechtsköpfe reduziert, weitere Gefechtsköpfe werden
mit der Vernichtung der INF-Raketen
abgezogen. Überdies besteht für die
Zukunft die Möglichkeit zusätzlicher
Reduzierungen dieses Arsenals. Jedoch müssen die verbleibenden Waffensysteme effektiv sein, und deshalb
müssen überholte ältere Systeme durch
neue ersetzt werden.
Eines dieser
Systeme, die Lance-Rakete, wird in
der Mitte der neunziger Jahre ersetzt
werden müssen. Wenn zu diesem Zeitpunkt ein Ersatzsystem zur Verfügung
stehen soll, müssen die Vereinigten
Staaten mit dessen Entwicklung noch
dieses Jahr beginnen.
Sicherlich
lassen sich logische Argumente für
die Beseitigung wie auch für die Beibehaltung jedes beliebigen Kernwaffensystems finden, aber es gibt keine
Argumente für die Beibehaltung von
überholten und unwirksamen Atomwaffen. Vor allem ist es wichtig, daß
die Modernisierungsdebatte nicht nur
die technischen
Fragen behandelt,
sondern auch auf die Grundsätze der
nuklearen Lastenverteilung und die

�Notwendigkeit eingeht, die Strategie
der Abschreckung des Bündnisses aufrechtzuerhalten.
Aus diesem Grund
will sich die NATO diesem Problem im
Kontext eines Gesamtkonzepts für Sicherheit und Rüstungskontrolle zuwenden, das bei einem NATO—Gipfeltreffen
in diesem Frühjahr erörtert werden
soll.
In diese anhaltende verteidigungspolitische Debatte wird der Begriff der "Souveränität" eingebracht.
Eine Reihe der von mir soeben angesprochenen Einzelfragen - insbesondere die Tiefflüge und die sogenannten
Stationierungsprobleme - werden von
manch einem nicht nur im Kontext der
Ost-West-Beziehungen und der Erfordernisse der Abschreckung betrachtet.
Es wird zusätzlich das Argument vorgebracht, die umfangreiche militärische Präsenz und Übungstätigkeit der
Verbündeten in der Bundesrepublik
Deutschland
spiegele
die
eingeschränkte deutsche Souveränität wider, ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit.
Diese Einschätzung läßt historische Tatsachen von entscheidender Bedeutung außer acht.
Am Ende des
Zweiten Weltkriegs zogen die Vereinigten Staaten rasch den Großteil ihrer Truppen aus Europa ab, während
die Sowjets ihre Streitkräfte dort
beließen.
Die Vereinigten Staaten
hofften und erwarteten, daß die Europäer selbst in der Lage sein würden,
ihre Verteidigung - ohne das Engagement der Vereinigten Staaten - zu gewährleisten.
Mit den Jahren wurde
jedoch immer deutlicher, daß die Sowjetunion nicht die Absicht hegte,
ihre militärische Präsenz in Europa
zu verringern, sondern daß sie vielmehr versuchte, diese Präsenz zu nutzen, um ihren Einflußbereich auf dem
Kontinent nach Westen auszudehnen.
Es trat immer klarer zutage, daß es
den Europäern angesichts dieser sowjetischen Bedrohung ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten nicht
gelingen würde, eine eigenständige
lebensfähige
Verteidigungsstruktur
aufzubauen. Das Projekt einer Euro-

päischen
Verteidigungsgemeinschaft,
deren Kernstück eine ausschließlich
europäische Armee sein sollte, scheiterte nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen. Erst dann haben
die Vereinigten Staaten in ihrer
Nachkriegspolitik des Rückzugs eine
Umkehr vollzogen, ihre historische
Ablehnung
von
Verpflichtungen
in
Übersee in Friedenszeiten überwunden
und sich bereiterklärt, ein langfristiges Engagement zur Verteidigung
Westeuropas einzugehen.
Der NATOVertrag, der Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO sowie
das Truppenstatut und andere die Präsenz der BUndnisstreitkräfte in der
Bundesrepublik regelnde Vereinbarungen gehen auf dieses Engagement zurück.
Die wichtigste Grundlage der heutigen Präsenz verbündeter Streitkräfte ist jedoch kein vierzig Jahre altes Abkommen, sondern ein lebendiges,
lebensfähiges Bündnis - eine Partnerschaft
zwischen
Verbündeten
und
Freunden.
Die
Bundesrepublik
Deutschland, die Vereinigten Staaten,
Kanada, Großbritannien, Belgien, die
Niederlande
und
Frankreich
haben
grundsätzlich gemeinsame Interessen
und Werte. Diese gemeinsamen Werte
und Interessen bilden das wahre Fundament für die Präsenz all dieser
Streitkräfte. Ich spreche sicherlich
im Namen aller in der Bundesrepublik
lebenden Amerikaner, wenn ich sage,
wir sind uns der Tatsache bewußt, daß
wir in der Bundesrepublik zu Gast
sind. Wir sind hier als Freunde empfangen worden. Wir werden nur so
lange bleiben, wie wir erwünscht
sind. Wir werden die uns zuteil gewordene Gastfreundschaft niemals mißbrauchen.
Bei der Diskussion über Souveränität wird zugrundegelegt, daß Souveränität und eine starke Verteidigung
sehr unterschiedliche und zuweilen
unvereinbare Konzepte sind. Vielfach
wird argumentiert, die Bundesrepublik
habe einen Teil ihrer Souveränität
"aufgegeben", um ihren Beitrag zur
äußeren Sicherheit zu leisten. Tat-

�sächlich hat die Bundesrepublik einen
wesentlich größeren Teil ihrer Souveränität an die Europäische Gemeinschaft - eine überstaatliche Organisation - abgetreten als an die NATO,
die keine solche ist. Souveränität
und Verteidigung sind in jedem Fall
untrennbar
miteinander
verknüpft.
Souveränität ist schließlich nur Ausdruck der Fähigkeit und des Willens
eines Staates, die Interessen seines
Volkes zu schützen und zu vertreten.
Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, das NATOBündnis und die Präsenz der verbündeten Soldaten seien unabdingbar, um
ihre Sicherheit sowie das Fortbestehen ihrer demokratischen Institutionen und ihres offenen Wirtschaftssystems zu gewährleisten. Die NATO und
die Präsenz der Verbündeten stellen
daher einen wesentlichen Bestandteil
der Souveränität der Bundesrepublik
dar. Dies gilt in der Tat ebenso für
die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der NATO, von denen
viele verbündeten Truppen auf ihrem
Territorium Gastrecht gewähren. Ohne
diese Präsenz und ohne dieses Bündnis
würden wir alle weniger Freiheit und das heißt geringere Souveränität
- genießen.
Das im Harmel-Bericht von 1967
niedergelegte Grundkonzept der NATO
Strategie macht deutlich, das die
Aufgabe der NATO sowohl Dialog als
auch Verteidigung sein sollen.
In
den vergangenen Jahren war das Bündnis ebenso aktiv im Bestreben um Rüstungskontrollabkommen wie beim Versuch, seine Streitkräfte auf dem gebotenen Stand zu halten. Infolgedessen stehen wir heute in dem umfassendsten Dialog, den wir jemals mit
dem Ostblock geführt haben.
Wir haben bereits
Leistungen vollbracht:

beachtliche

Das im Jahr 1986 zum Abschluß der
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm
unterzeichnete Dokument sieht erstmals Vor-Ort-Inspektionen militäri- 7

scher Großmanöver in Ost und West
vor. Das ist zweifelsohne die wichtigste bis heute eingeführte vertrauensbildende Maßnahme.
Der im Dezember 1987 beim Washingtoner Gipfel unterzeichnete INFVertrag ist das erste Abkommen, mit
dem die Anzahl der Nuklearwaffen in
den amerikanischen und sowjetischen
Arsenalen tatsächlich reduziert wird.
Er enthält Bestimmungen für eingehende Vor-Ort-Inspektionen, die an sich
schon sehr wichtig sind und darüber
hinaus die Grundlage für Verifizierungsregeln
künftiger
Rüstungskontrollabkommen über Kernwaffen bilden
werden.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben prinzipiell eine
sehr erhebliche Reduzierung
ihrer
strategischen Kernwaffen vereinbart
und spezielle Obergrenzen für verschiedene Waffenkategorien ausgearbeitet. Obwohl noch schwierige Verhandlungen bevorstehen, haben wir erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion haben Gemeinsame Verifizierungsexperimente auf ihren jeweiligen Atomtestgeländen durchgeführt
und damit wichtige Schritte im Hinblick
auf
die Ratifizierung
des
Schwellenvertrages und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken sowie weitere verifizierbare
Begrenzungen von Atomtests unternommen. Sowjetische Regierungsvertreter
waren bei amerikanischen Atomtests
zugegen und umgekehrt. Vor einigen
Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, daß irgendeine Regierung der anderen den Zugang zu diesen sicherheitsempfindlichen Bereichen gewähren
würde.
Sowohl das NATO-Bündnis als auch
der Warschauer Pakt setzen sich für
die Aushandlung einer verifizierbaren, umfassenden und wirksamen Konvention zur Ächtung chemischer Waffen
ein. Auch bei diesen Verhandlungen
sind große Fortschritte erzielt worden, obwohl noch Probleme bestehen
bleiben.

�Eine weitere große Herausforderung, mit der wir im Bereich der Rüstungskontrolle
konfrontiert
sind,
ist die Schaffung einer verbesserten
Regelung zur Verhinderung der Verbreitung chemischer, biologischer und
nuklearer Waffen sowie von deren Trägersystemen - insbesondere ballistischer Raketen.
Die
internationale
Staatengemeinschaft hat bereits erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung der Weitergabe von Atomwaffen
erzielt, insbesondere durch den Atomwaffensperrvertrag und die Nuclear
Suppliers' Group. Erst in den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit ernsthaft auf die Verbreitung
von chemischen und biologischen Waffen sowie von ballistischen Raketen
konzentriert. Dieses Problem ist in
den vergangenen Wochen in der Bundesrepublik Deutschland besonders intensiv diskutiert worden, es ist aber
nicht zuletzt ein Problem, das alle
hochentwickelten Industriestaaten angeht.
Diese Frage läßt sich nur
durch eine Korabination nationaler
Maßnahmen und internationaler Zusammenarbeit angemessen bewältigen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen deshalb
die Initiative von Außenminister Genscher und der Bundesrepublik Deutschland, in der Europäischen Gemeinschaft engere Zusammenarbeit in dieser Frage anzustreben, um die weitere
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten befürworten zur Bewältigung dieser Aufgabe die enge Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik, der
Europäischen Gemeinschaft und anderen
Industriestaaten.
Schließlich haben die NATO und
der Warschauer Pakt im Rahmen all
dieser Leistungen und Herausforderungen im Bereich der Rüstungskontrolle
ein Mandat für neue Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
In Europa vereinbart, die nächsten
Monat in Wien aufgenommen werden sollen. Vor kurzem verkündete einseitige Reduzierungen des Warschauer Pakts
deuten darauf hin, daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten ihre Überlegenheit
bei
den
konventionellen

Streitkräften in Europa erkannt und
sich der Auffassung gebeugt haben,
daß die stärkere Seite am meisten abrüsten muß. Mit 23 Teilnehmern werden die Gespräche nicht einfach oder
leicht durchführbar sein, aber die
Aussichten für Fortschritte bei konventioneller Rüstungskontrolle waren
niemals günstiger.
Für die Zukunft kann man sich eine Situation vorstellen, in der die
Verteidigung der Bundesrepublik und
des Bündnisses insgesamt auf einem
viel niedrigeren Investitionsniveau
und mit einer geringeren Truppenpräsenz
gewährleistet
werden
kann.
Vielleicht wird sogar einmal der Tag
kommen, an dem sich die Länder Westeuropas nicht stärker von der Sowjetunion bedroht fühlen werden als etwa
die Vereinigten Staaten von Kanada
oder die Bundesrepublik von Frankreich. Um das zu realisieren, wäre
weit mehr als der gegenwärtige neue
Stil in der sowjetischen Außenpolitik
und Reduzierungen bei den sowjetischen Streitkräften erforderlich.
Dazu müßten grundlegende Veränderungen im politischen System der Sowjetunion und in der sowjetischen Grundeinstellung gegenüber der Außenwelt
stattfinden - Veränderungen, die sogar den optimistischsten Prognosen
zufolge viele Jahrzehnte erfordern.
Unter den Regierungen des Westens
hat sich ein deutlicher Konsens gebildet, demzufolge insgesamt gesehen
die Bestrebungen Gorbatschows um Umgestaltung der Sowjetunion in eine
offenere, moderne, effiziente und
verbraucherorientierte
Gesellschaft
begrüßenswert sind. Gorbatschow wird
natürlich von dem Wunsch geleitet,
besser mit dem Westen konkurrieren zu
können, aber wir sind zu einem friedlichen Wettbewerb bereit.
So begrüßenswert Gorbatschows Anstrengungen zur Umgestaltung der Sowjetunion auch sein mögen, sollten
wir doch erkennen, daß er keine große
Aussicht auf Erfolg hat.
Die zu
überwindenden
Probleme
sind
fast
überwältigend. Während sich der Re-

�formprozeß in der Sowjetunion weiterentwickelt, müssen wir im Westen auf
Nummer Sicher gehen.
Wenn Gorbatschow versagt und wenn ein Umschwung
in der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik, stattfindet, müssen
wir nach wie vor in der Lage sein,
uns angemessen zu schützen. Wir haben Jahrzehnte benötigt, um die politische und militärische Struktur des
Bündnisses aufzubauen. Wenige Monate
könnten genügen, um einen abrupten
Umschwung in der sowjetischen Politik
zu bewirken.
Aus diesem Grund müssen wir die
politische und militärische Struktur
des NATO-Bündnisses vollständig erhalten, auch wenn wir jede Gelegenheit wahrnehmen, um Gorbatschows Versprechungen auf die Probe zu stellen
und auf Schritte zu offeneren und
stabileren Ost-West-Beziehungen eingehen. Gerade durch die Aufrechterhaltung der Einheit des Bündnisses
und der Geschlossenheit seiner Verteidigung werden wir Gorbatschows Bemühungen unterstützen, indem wir weiterhin auf Reformen und Offenheit
drängen.
Die Aufrechterhaltung der
Einheit des Bündnisses in einer Zeit
der Hoffnung sowie positive Veränderungen in den Ost-West-Beziehungen
sind die Herausforderungen, vor denen
die NATO in den neunziger Jahren
steht. Es ist eine Herausforderung,
die aus dem Erfolg entstanden ist,
aber es ist immer noch eine Herausforderung.
Es mag in der Tat die
schwierigste sein, mit der wir je
konfrontiert worden sind.

* * * * *

- 9

�^°s?&lt;

4

^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^&lt;c

22. Februar 1989

BAKER BEI LOSUNG DER MODERNISIERUNGSFRAGE ZUVERSICHTLICH
- Fernsehinterview mit dem Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - In einem Interview der Sendung *Meet the Press' erklärte der zu seinem achttägigen Besuch der NATO-Hauptstädte befragte Außenminister Baker am 8. Februar 1989, Berichte über Unstimmigkeiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung der Kurzstreckenraketen seien "viel zu sehr hochgespielt worden".
"Wir werden das Problem lösen", erklärte Baker seinen Interviewpartnern.
"Ich bin der festen Überzeugung, daß wir zwischen dem heutigen Datum und Ende
Mai (dem für den nächsten NATO-Gipfel angesetzten Termin) zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen.
Moderator:
Reisen gehört zum Aufgabenbereich
eines Außenministers.
James Baker hat dafür gerade den besten Beweis angetreten und 16 Länder
in acht Tagen bereist. Die Annalen
der Geschichte werden belegen, daß er
mit 15 Ministern, 11 Premierministern
oder Kanzlern, einem NATO-Generalsekretär, einem König und einem Großherzog zusammengetroffen ist. Sein
Besuch der NATO-Staaten war ein Zeichen der engen Verbindungen der Vereinigten Staaten zu diesen Ländern,
aber es stellten sich ihm darüber
hinaus eine Reihe anderer Probleme
und Herausforderungen, die wir im
Rahmen dieser Sendung erörtern wollen.
Frage: Während Sie in Europa weilten, hat in Mittelamerika ein wichtiges Ereignis stattgefunden. Die fünf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Präsidenten Mittelamerikas sind zusammengetroffen und haben ein Abkommen erzielt, das möglicherweise zu
freien Wahlen in Nicaragua sowie der
Entwaffnung und Auflösung der von
Honduras aus operierenden Contras
führen wird. Dies war der Schlüssel
der Nicaragua-Politik unter Reagan.
Unsere Reaktion darauf war recht verhalten. Sind wir für oder gegen das
Abkommen?
Antwort:
Wir befürworten einzelne
Teile des Abkommens. Aber im Hinblick auf den Teil, der die Auflösung
der Contras vorsieht, bleibt abzuwarten, wie das Kleingedruckte aussehen
wird.
Das Abkommen enthält noch
nicht alle Einzelheiten. Es bestand
lediglich eine Verpflichtung, im Hinblick auf die Contras einen Plan aus-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zuarbeiten. Einige Punkte des Abkommens sind vielversprechend, etwa das
Konzept der Demokratisierung in Nicaragua und die Idee der Nichteinmischung Nicaraguas in die Angelegenheiten seiner Nachbarn. Aber diese
Versprechen hat Nicaragua natürlich
schon früher gegeben. Der Schlüssel
wird also in der Verwirklichung liegen. Es muß also - wie wir auch für
die Abkommen von Esquipulas (II) und
Sapoa gefordert haben - einen Durchführungsmechanismus geben, der sicherstellt, daß die Sandinisten die
von ihnen bereits abgegebenen Versprechen einhalten.
Frage:
Aber wollen Sie damit sagen, daß die Vereinigten Staaten
nicht bereit sind, eine sofortige
Auflösung der Contras zu gestatten?
Und heißt das, sie werden den Kongreß
um die sogenannte "humanitäre Hilfe"
bitten, damit sie weiter operieren
können?
Antwort: Meiner An«icht nach haben
wir zumindest moralisch die Verpflichtung, den Contras weiterhin humanitäre Hilfe zu gewähren, wenn diese am 31. März ausläuft. Und meiner
Meinung nach hat Präsident Bush bereits angedeuet, daß er dies tun wird.
Frage: Sie wird also trotz des Abkommens weitergewährt?
Antwort:
Ja, und sie sollte
weiterhin gewährt werden.

auch

Frage: Es ist vielfach darauf verwiesen worden, die Ereignisse in Mittelamerika hätten Sie überrascht.
Alles

ist

während

Ihres

Aufenthalts

in Europa passiert. Der frühere Verteidigungsminister Melvin Laird hat
gesagt, Sie hätten nicht nach Europa
fahren, sondern hier die Geschäfte
weiterführen und sich um Mittelamerika kümmern sollen und daß sie noch
nicht einmal einen Abteilungsleiter
für das Lateinamerika-Ressort ernannt
hätten. Was sagen Sie dazu?
Antwort: Wir haben uns inszwischen
für einen Abteilungsleiter für das

Lateinamerika-Ressort entschieden.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben die vergangenen Tage in Europa
verbracht. Sie haben Gelegenheit erhalten, die Meinung der Europäer zu
hören. Ist es möglich, die nuklearen
Streitkräfte In Europa zu modernisieren und die Bundesrepublik als Verbündeten zu behalten?
Antwort:
Ich denke, das ist möglich. In dieser Angelegenheit werden
wir natürlich zwischen dem heutigen
Datum und einem möglichen NATO-Gipfel
Ende Mai sehr eng mit den Deutschen
zusammenarbeiten.
Das
ist
kein
deutsch-amerikanisches Problem, sondern ein Problem des Bündnisses. Eines der Ziele dieser Reise war sicherlich, Fragen wie diese mit allen
Bündnispartnern zu erörtern, was wir
auch getan haben.
Und wir werden
insbesondere diese Frage noch vor dem
NATO-Gipfel in enger Abstimmung mit
ihnen bearbeiten.
Frage:
Aber
sind
Ihrer Ansicht
nach auch die anderen Europäer so zurückhaltend wie die Deutschen, wenn
es darum geht, alles zwingend Notwendige für die Verteidigung des Bündnisses zu tun?
Antwort:
All unsere Bündnispartner
sind zu bestimmten Grundsätzen verpflichtet, dem Prinzip der flexiblen
Reaktion, dem Prinzip der Vorneverteidigung, dem Prinzip der nuklearen
Ankoppelung, die bei unserer Haltung
in dieser Frage eine Schlüsselrolle
einnehmen. Meiner Ansicht nach haben
sie sich verpflichtet, das sogenannte
"Gesamtkonzept" für Sicherheit und
Abrüstung bis zum NATO-Gipfel zu
vollenden. Daran müssen wir weiterhin arbeiten. Dazu wird es auf beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen geben - tatsächlich sind dazu
gegenwärtig einige Bündnispartner anderer Meinung.
Frage:
Herr
Außenminister,
sind
Sie der Ansicht, daß Sie diese Reise
und Ihren Besuch bei Helmut Kohl mit
einer
hieb- und
stichfesten
Ver-

- 2 -

�pflichtung des
Weiterbetreibung
beendet haben?

Bundeskanzlers zur
der Modernisierung

Antwort: Nein, aber ich habe diese
Reise auch nicht mit dem Anspruch einer hieb- und stichfesten Verpflichtung des Bundeskanzlers angetreten.
Das war nicht der Zweck der Reise, es
war keine Reise zur Entscheidungsfindung, sondern eher eine Reise, auf
der
Tagesordnungspunkte
festgelegt
werden sollten. Ich bin dorthin gefahren, um zuzuhören und zu lernen,
und das habe ich getan. Ihr Einwand
betrifft also nicht den Zweck der
Reise.
Frage:
Aber Kohl hat seine Verpflichtung zu einem Kommunique der
NATO-Verbündeten von 1988 ausgesprochen, demzufolge die Modernisierung
der dort stationierten Nuklearsysteme
als notwendig erwachtet wird. Betrachten Sie dies als Verpflichtung
zur Modernisierung?
Antwot: Er hat - und wir haben gemeinsam - die Verpflichtung des Brüsseler Kommuniques von 1988 bekräftigt, aus dem hervorgeht, daß diese
nuklearen Kurzstreckensysteme auf dem
neuesten Stand gehalten werden müssen.
Ich möchte noch auf einen Punkt
hinweisen. Ich habe im Verlauf meiner Reise niemanden getroffen, der
die Ansicht vertrat, wir hätten uns
auf eine dritte Null-Lösung einigen
sollen und der nicht der Meinung gewesen wäre, daß wir landgestützte Nuklearraketen in Europa beibehalten
sollten.
Frage:
Meiner Ansicht nach zielte
die Frage auf den Punkt ab, welche
Haltung Sie gegenwärtig zu Helmut
Kohl und den Deutschen einnehmen?
Sind Sie mit ihrer Position in dieser
heiklen Angelegenheit zufrieden?
Antwort:
Ja, weil wir großes Verständnis für den heiklen Charakter
dieses Problems aus ihrer Sicht haben.
Ich habe bereits bei meiner
Rückreise darauf hingewiesen, daß Be-

richte über Unstimmigkeiten zwischen
den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik über die Modernisierung
der Kurzstreckenraketen zu sehr hochgespielt worden sind. Es gibt keine
Unstimmigkeiten.
Wir werden dieses
Problem lösen. Wir vertreten unsere
Ansicht. Wir müssen dem Kongreß bestimmte Zusagen machen, wenn
wir
dieses Programm fortführen wollen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß
wir zwischen dem heutigen Datum und
Ende Mai zu einem befriedigenden Ergebnis kommen werden.
Frage: Heißt das, Sie haben jetzt
1991 oder 1992 als Termin für die
Stationierung dieser modernisierten
Systeme akzeptiert?
Antwort: Nein, das heißt es absolut nicht. Es bedeutet vielmehr, daß
wir weiterhin in enger Abstimmung mit
den Deutschen und unseren anderen
Bündnispartnern an dem Problem arbeiten werden.
Frage: Zu den Deutschen möchte ich
noch eine Frage stellen. Bundeskanzler Kohl scheint die Meinung zu vertreten: "Meine politischen Probleme
sind so schwierig, daß Sie sich nach
der nächsten Wahl mit einer ungünstigeren Alternative
abfinden müssen
werden, wenn Sie mich zu sehr drängen." Werden wir auch zum Problem
der chemischen Waffen und Libyen
Stillschweigen bewahren oder es ganz
fallenlassen?
Müßten die Deutschen
nicht die Konsequenzen dafür tragen,
daß sie Libyen wissentlich beim Aufbau einer Chemiewaffenfabrik geholfen
haben?
Antwort:
Die Deutschen sind voll
und ganz auf unsere Besorgnis über
die Unterstützung dieser Fabrik durch
einige deutsche Unternehmen eingegangen. Inzwischen haben Sie ihr Außenwirtschaftsgesetz
erheblich
verschärft. Sie haben die Strafen, die
ihre Unternehmen bei zukünftigen Aktivitäten dieser Art hinnehmen müssen, drastisch verschärft, und ich
denke, sie haben gehandelt - stark
und einmütig gehandelt.

- 3 -

�Sie könnten natürlich argumentieren, das hätte schon etwas früher geschehen können. Das mag sicherlich
zutreffen, aber wir sind mit dem Geleisteten zufrieden.
Frage:
Herr
Außenminister,
ich
möchte gerne den Nahen Osten ansprechen. Die Reagan-Administration hat
den Weg für Kontakte und Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten,
Jassir Arafat und der PLO geebnet.
Sind Sie der Ansicht, daß die PLO ihren Teil des Abkommens während Ihrer
Amtszeit erfüllt hat? Haben sie Ihrer Meinung nach gute Absichten?
Antowrt: Bisher hat es einen Zwischenfall gegeben, den einige als man könnte sagen, Verletzung - oder,
wenn Sie wollen, Rückkehr der PLO zum
Terrorismus bezeichnen würden.
Frage:
Israel hat diese Behauptung
vorgebracht.
Antwort:
Ein Zwischenfall im Südlibanon, der die Vermutung nahegelegt
hat, wir würden den Dialog in der einen oder anderen Weise abbrechen.
Wir haben jedoch andere Konsequenzen
gezogen. Wir sind über unseren Botschafter in Tunis mit der Mahnung an
die PLO herangetreten, daß solche
Vorfälle nicht passieren dürfen und
beendet werden müssen, wenn sie den
Dialog mit den Vereinigten Staaten
fortführen wollen.
Frage: Sie haben also eine Warnung
ausgesprochen?
Antwort: Noch bevor wir den Dialog
mit ihnen eröffneten, haben wir sie
gewarnt, denn wir haben ihnen eindeutig klargemacht, daß wir nicht zum
Dialog bereit sind, solange sie sich
nicht in Worten und Taten vom Terrorismus lossagen.
Frage: Nachdem Sie den Dialog mit
der PLO eröffnet haben und Ihr sowjetischer Amtskollege mit allen Ländern
eigene Gespräche auf seiner derzeitigen Nahost-Reise führt - muß es im
Nahen Osten noch zu weiteren Krisen

kommen, bevor Sie tatsächlich eingreifen und versuchen, das Problem zu
lösen, oder kommt es zum Knall, wenn
noch weitere Krisen auftreten?
Antwort:
Der
Ansicht
bin
ich
nicht. Und ich hoffe es auch nicht,
denn wenn man die Risiken hier abzuwägen hätte, wäre das Risiko eines
vorschnellen Eingreifens größer als
etwas abzuwarten, die Situation zu
analysieren, das Terrain sorgfältig
zu sondieren und sicherzustellen, daß
man zumindest eine vernünftige Aussicht auf Erfolg hat, wenn man eingreift. Und das ist die Botschaft wenn ich es einmal so formulieren
darf -, die wir unseren Bündnispartnern übermittelt haben.
Wir haben zumindest erklärt, daß
wir uns der Bedeutung des amerikanischen Engagements bewußt sind, wenn
wir im Nahen Osten jemals Frieden
herbeiführen wollen.
Wir sind uns
dessen bewußt, sind uns jedoch nicht
sicher, ob dem Friedensprozeß am besten mit einer großen, hochrangigen,
exponierten und zu früh anberaumten
internationalen
Konferenz
gedient
ist.
Unserer Ansicht nach sollten
zunächst Konsultationen unter vier
Augen stattfinden, bevor wir den Gedanken an eine Nahost-Konferenz auch
nur erwägen können.
Frage:
Herr Außenminister, führt
Jassir Arafat auf Vermittlung der Palästinenser und europäischer Diplomaten indirekte Gespräche mit den Israelis?
Antwort:
Kenntnis.

Das

entzieht

sich

meiner

Frage:
Eine persönliche Frage zur
Administration.
John Tower wartet
noch immer auf seine Bestätigung
durch den Senat. Ein mit den Ermittlungen beauftragter FBI-Agent wird
folgendermaßen zitiert:
"Wenn die
Überprüfung eines Bewerbers um einen
Posten beim FBI dieselben Ergebnisse
erbracht hätte wie bei John Tower,
würde er vom FBI nicht eingestellt.
Halten Sie ihn in Anbetracht solcher

- 4-

�Äußerungen für den geeigneten Verteidigungsminister?
Antwort: Ja, und ich habe dem Präsidenten gestern über die Ergebnisse
meiner Reise Bericht erstattet und
kann Ihnen mitteilen, daß der Präsident den gleichen Eindruck hat.
Frage: Wann werden wir unsere Waffenlieferungen an die Rebellen einstellen, nachdem die Sowjets nun ihre
Truppen aus Afghanistan abgezogen haben?

schlicht und einfach, das alles - und
vor allem ein Kopfgeld auf Rushdie
auszusetzen - sei bedauerlich. Das
erscheint mir eine sehr gemäßigte
Antwort auf solch einen gravierenden
Vorfall. Warum so gemäßigt?
Antwort:
Wenn mich nicht alles
täuscht, habe ich auch gesagt, daß
die Vereinigten Staaten nach wie vor
Terrorismus in allen seinen Erscheinungsformen ablehnen, und insbesondere staatlich geförderten Terrorismus.
Frage:

Antwort:
Meiner Ansicht nach vertrauen wir hier auf das Prinzip der
positiven Symmetrie. Die Sowjets Frage:
Da3 ist
ausgedrückt -

sehr

diplomatisch

Antwort:
Es mag sein, daß dies
sehr diplomatisch
formuliert ist,
aber lange Zeit haben wir von negativer Symmetrie gesprochen und aus diesem Grund verwende ich den Begriff
der positiven Symmetrie. Die Sowjets
haben dort sehr viel militärisches
Gerät stationiert, um dieses Marionettenregime zu unterstützen.
Sie
haben immer wieder die Menschenrechte
verletzt und verweigern dem afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung.
Wir vertreten daher den
Standpunkt, daß wir alles in unserer
Macht stehende tun müssen, damit diesem Volk die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gewährt wird.
Frage: Wir lange geben Sie dem Regime noch? Wie lange müssen wir noch
Waffen an die Rebellen liefern?
Antwort:
Ich weiß es nicht.
Ich
möchte mich auf keinen Termin festlegen, denn es würde sich um bloße Vermutungen handeln. Uns liegen nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor,
die ich Ihnen jedoch nicht mitteilen
darf.
Frage: Als im Verlauf Ihrer Reise
der Stein um Salman Rushdie und sein
Buch "Die satanischen Verse" ins Rollen kam, war Ihre Antwort darauf

Aber -

Antwort: Und ich glaube, wir haben
im weiteren Verlauf der Reise hinzugefügt, daß dieses Verhalten eher ungeeignet ist, wenn der Iran wirklich
ernsthaft in Erwägung zieht, wieder
in die Gemeinschaft zivilisierter Nationen aufgenommen zu werden.
Frage:
Aber diese Situation ist
ungeheuerlich.
In den Vereinigten
Staaten wurde das Buch in einigen
Buchhandlungen aus den Regalen genommen. So etwas ist in unserem Land
noch nie vorgekommen.
Antwort:
Ja, ich bin ganz Ihrer
Meinung. Wir können eine solche Situation keinesfalls dulden und müssen
uns dagegen zur Wehr setzen.
Frage:
Versuchen wir mit dieser
realtiv gemäßigten Reaktion - die
Niederländer haben zum Beispiel einen
Besuch ihres Außenministers im Iran
abgesagt - den Iran zu ermutigen,
sich wieder in die "Völkergemeinschaft einzugliedern", um Ihre Formulierung zu gebrauchen?
Antwort:
Wir versuchen nicht, sie
in diesem Verhalten zu ermutigen absolut nicht. Offen gesagt, haben
wir
meiner
Ansicht
nach unseren
Standpunkt klar dargelegt, daß dieses
Verhalten im Grunde die Toleranzgrenze überschreitet. Ohne mir ein Urteil über das Buch erlauben zu wollen, denn das steht uns meiner Meinung nach nicht zu - und ich habe das
Buch weder gesehen noch gelesen und

- 5 -

�weiß daher nicht, was darin steht.
Ich möchte den Buch nicht meinen Segen geben, indem ich das sage.
Frage: Ich möchte Sie kurz auf das
Land ansprechen, das Sie nächste Woche besuchen werden - Asien. Als Finanzministar haben Sie des öfteren
von der Notwendigkeit einer besonderen oder anders gelagerten Beziehung
mit den Japanern gesprochen.
Sind
Sie, nachdem Sie nun dieses Amt übernommen haben, immer noch der Ansicht,
wir sollten eine besondere Beziehung
mit den Japanern anstreben, weil sie
wohlhabend und wir angeblich arm
sind?
Antwort: Meiner Ansicht nach pflegen wir besondere Beziehungen mit den
Japanern. Und was ich als Finanzminiater zun Ausdruck bringen wollte,
vir, offen gesagt, daß wir nicht nur
mit den Japanern einen besseren Dialog anstreben sollten^ sondern auch
mit jenen Demokratien In Asien, die
sich auf dem Wege der Industrialisierung befinden, und zwar Insbesondere
Im Hinblick auf Wirtschafts- und Handelsfragen. Meiner Ansicht nach unterhalten wir ausgezeichnete Beziehungen zu den Japanern. Es ist für
beide Seiten eine außerordentlich
wichtige Beziehung, was meiner Meinung nach durch die Tatsache belegt
wird, daß der Präsident an den Trauerfelerllchkelten für Kaiser Hirohlto
teilnehmen wird.
Frage:
Wird es gravierende Unterschiede zu der Politik der Reagan-Administration geben oder handelt es
sich um eine bloße Wetterführung des
Grundtenors dieser Politik?
Antwort:
In vieler Hinsicht wird
der Grundtenor der Politik der Reagan-Administration
fortgeführt
und
dies sollte meiner Ansicht nach auch
der Fall sein. Die Woge der Freiheit
macht sich überall auf der Welt bemerkbar - ich könnte eine Reihe Von
Beispielen anführen, die meiner Meinung nach Beweis dafür sind, daß es
ein schwerwiegender Fehler wäre, von
den Grundzügen dieser Politik abzu-

Weichen» Auf der anderen Seite wird
es auch Abweichungen geben. Einige
habe ich bereits in meiner Anhörung
vor deöi Auswärtigen Ausschuß des Senats angeführt! Aus Ihrer Sicht handelt es sich dabei vielleicht nicht
um Prognosen, aber ich habe dennoch
über einige dieser Unterschiede gesprochen üttd möchte hinzufügen, daß
es sich hierbei un eine ziemlich ausführliche Erklärung gehandelt hat»
Moderator:
Herr Außenminister» wir
danken Ihnen für dieses Gespräch»
Wir sehen einer Verwirklichung Ihrer
Prognosen in dert kommenden Jahren erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

START DER RAUMFÄHRE "DISCOVERY" VERSCHOBEN

WASHINGTON - (AD) - Um drei Wochen, das heißt bis Mitte März, muß die NASA
(US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die "Mission 29" mit dem Raumtransporter
DISCOVERY verschieben. Der Grund: Bei einer Inspektion der Motoren der Raumfähre ATLANTIS nach ihrem fünftägigen Flug im November 1988 wurden in einem
Turbopumpen-Lager winzige Risse festgestellt. Da diese Teile der Haupttriebwerke typenmäßig mit jenen der Triebwerke der DISCOVERY identisch sind und den
gleichen Fabrikationsprozeß durchlaufen haben, wurde beschlossen, bei den Motoren des Orbiters DISCOVERY sämtliche Turbopumpen gegen neue, sorgfältig geprüfte Einheiten auszutauschen. Denn jegliches Risiko soll ausgeschaltet werden .

Für Montagearbeiten und Tests benötigt die Rocketdyne Division der
kalifornischen Firma Rockwell International Corporation, die die Turbopumpen baut, ca. drei Wochen. Als
Rißursache vermutet man eine belastungsbedingte
Korrosion
des
aus
Hochleistungsstahl gefertigten Lagers
infolge während der Arbeitsgänge beim
Zusammenbau eingesickerter Feuchtigkeit.
Die Raumfähre DISCOVERY, die ursprünglich am 23. Februar starten
sollte und bereits zur Rampe gebracht
wurde, dürfte frühestens an 10. März
startklar sein. Letzter Termin wäre
der 18. März. Wenn er nicht eingehalten werden kann, muß die gesamte
Flugeinheit (d.h. Trägerraketen mit
Orbiter) zum Hangar zurück, weil dann

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Rampe für den Raumtransporter
ATLANTIS gebraucht wird. Er soll die
Venus-Radarsonde MAGELLAN zunächst in
eine Erdumlaufbahn bringen, von der
aus sie die Reise zum Schwesterplaneten der Erde antritt. Das "Startfenster" zur Venus ist 30 Tage lang
geöffnet - vom 28. April bis zum 27.
Mai.
Innerhalb dieser Periode muß
ATLANTIS starten und die Sonde absetzen, wenn das Programm MAGELLAN Erfolg haben soll.
Während des fünftägigen Fluges,
der mit DISCOVERY unter der Führung
von Kommandant Michael Coats mit John
Blaha
als
Kopilot
sowie
Robert
Springer, James Buchli und James
Bagian als Missionsspezialisten unternommen wird, sind zahlreiche wissenschaftliche Experimente vorgese-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hen. Hauptaufgabe ist jedoch wiederum das Absetzen eines Spezialsatelliten flir Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung, kurz TDRS genannt. Als
drittes Gerät dieser Art in der geostationären Bahn (36 000 km über der
Erdoberfläche) vervollständigt er das
Kommunikationsnetz der NASA, um mit
bis zu 28 unbemannten Satelliten
gleichzeitig oder mit einem bemannten
Raumschiff Verbindung zu halten. Für
die Bodenstationen, deren Zahl dann
sogar eingeschränkt werden kann, wäre
diese dann praktisch rund um die Uhr
möglich.
Zu den wissenschaftlichen und medizinischen Experimenten zählt u.a.
ein Versuch mit Ratten, an denen studiert werden soll, ob und wie gut in
der Schwerelosigkeit Knochenverletzungen heilen.
Fragen solcher Art
müssen besser als bisher beantwortet
werden können, wenn man Langzeitflüge
unternehmen will oder ein längerer
Aufenthalt auf einer Raumstation vorgesehen ist. Zur Genüge bekannt ist
ja die Tatsache, daß bei längerem
Aufenthalt im Weltraum das menschliche Skelett Mineralverluste erleidet, die allerdings nach der Rückkehr
zur Erde wieder ausgeglichen werden
können.

Vom 5. bis 7. Februar absolvierte
die Besatzung in voller flugmäßiger
Ausrüstung
eine
Generalprobe
mit
komplettem simuliertem Countdown, aktivierten Bordsystemen im Orbiter und
Erprobung der Prozeduren sowie der
Rettungsausrüstungen für den Notausstieg in verschiedenen Phasen bis unmittelbar vor dem Start. Die Astronauten hatten außerdem Gelegenheit zu
ausführlichen Gesprächen mit der Ingenieurgruppe im Kennedy-Raumfahrtzentrum.
Sie wurden u.a. über den
gegenwärtigen Stand der Umrüstung des
Fluggeräts und über alle Punkte unterrichtet, in denen noch Schwierigkeiten oder unterschiedliche Meinungen bestehen.
Zur Fortsetzung des
Trainings kehrten sie inzwischen nach
Houston zurück und finden sich erst
wenige Tage vor dem Start wieder im
Kennedy-Raumfahrtzentrum
ein.
Die
"Mission 29" ist für die Raumfähre
DISCOVERY der achte Einsatz im Weltraum.

* * * * * *

Eine weitere Aufgabe der DISCOVERY-Besatzung wird die Fotokartierung
der überflogenen Gebiete sein. Mit
leistungsstarken Kameras wird sie
versuchen, Schäden zu erfassen, die
Mensch und Natur dem Planeten Erde
zufügen.
\

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
22. Februar 1989

NASA-ETAT ZU KNAPP
- Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats -

WASHINGTON - (AD) - Das noch von der Regierung Reagan zum Haushaltsjahr
1990 für die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) vorgesehene Budget von
13,3 Milliarden Dollar ist "extrem knapp". Dieser Umstand habe, wie NASA-Administrator Dr. James Fletcher kürzlich vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats erklärte, die Raumfahrtbehörde gezwungen, wichtige Programme
entweder ganz zu streichen oder langsamer anzugehen.

Zwar stünden 2,4 Milliarden mehr
als 1989 zur Verfügung; jedoch liege
der Betrag um über eine Milliarde
Dollar unter den angeforderten Mitteln.
Die 2,4 Milliarden würden
praktisch für die im vergangenen Jahr
bewilligten Programme vollauf gebraucht - mehr Raumtransporterflüge,
Entwicklung einer neuen Feststoffrakete, die das jetzt gebräuchliche
Trägersystem für die Raumfähre ablöst, und Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten für die Raumstation,
die Anfang der neunziger Jahre im
Weltraum zusammengebaut werden soll.
Nach dem CHALLENGER-Unglück vom
Januar 1986, das die sieben Astronauten an Bord das Leben kostete, wurden
1988 zum ersten Mal wieder zwei Raumtransporter-Einsätze
geflogen.
Im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Haushalt jähr 1989 sind fünf, im darauffolgenden Jahr neun Missionen vorgesehen. Dennoch habe man, Fletcher
zufolge "noch einen langen Weg vor
sich, um die NASA wieder in die richtige Spur zu bringen". Der Etat sei
unzureichend und die NASA gerate in
Schwierigkeiten, weil wichtige Programme, die jetzt eingeschränkt werden müßten, ineinandergreifen.
So
werde beispielsweise auch die Entwicklung der orbitalen Manövriereinheit beeinträchtigt.
Dieses unbemannte Gerät (OMV - Orbital Maneuvering Vehicle) werde gebraucht, um
Satelliten und andere Objekte vom
Raumtransporter in höhere Umlaufbahnen zu befördern und "Hilfsdienste"
beim Zusammenbau der Raumstation im
Orbit zu leisten.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�"Das CHALLENGER-Unglück hat uns
eine Menge gelehrt", sagte Fletcher.
"Es lehrte uns, daß wir zu wenig Leute hatten, daß unsere Einrichtungen
veraltet waren, daß wir in Wirklichkeit zu wenig auf Sicherheit achteten. .. Dies alles schlägt in dem beträchtlich höheren NASA-Budget zu
Buche... Wenn wir noch mehr kürzen
müssen, weiß ich nicht, wo wir eigentlich ansetzen sollen, weil alle
NASA-Programme miteinander verknüpft
sind."
Ein weiteres kritisches Problem
sei die Personalsituation.
Anfang
1989 hatte die NASA über 2200 Mitarbeiter zu wenig. Cirka 45 Prozent
der gegenwärtigen Mitarbeiter seien
in einem Alter, in dem sie sich pensionieren lassen könnten.
Da aber
Nachwuchskräfte noch nicht ausreichend geschult seien, hätte das Ausscheiden auch nur eines Bruchteils
der erwähnten 45 Prozent schlimme
Auswirkungen.
Viele der erfahrenen
Mitarbeiter könnten sich angesichts
der kürzlich erfolgten Ablehnung einer 51prozentigen Erhöhung der Bezüge

für Kongreßabgeordnete, Richter und
hohe Regierungsbeamte gezwungen sehen, die Behörde zu verlassen. Unter
den jetzigen Umständen könne die NASA
mit der Privatindustrie nicht konkurrieren.
Teile des Etats für 1990 seien
bei mehreren wichtigen Raumfahrtprogrammen von Investitionen der Privatwirtschaft abhängig.
Auch der Bau
von Ausrüstungen zur Entwicklung und
zum Aufbau der Raumstation gehöre dazu. Alles in allem handle es sich im
Finanzjahr 1990 um 200 Millionen Dollar. "Wir werden unser Bestes tun,
um für die Privatwirtschaft Investitionen für diese Raumfahrtprogramme
attraktiver
zu
machen",
erklärte
Fletcher vor dem Ausschuß.

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue Herausforderung für das atlantische Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten James F. Dobbins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker bei Lösung der Modernisierungsfrage zuversichtlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehinterview mit dem Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start der Raumfähre "DISCOVERY" verschoben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Etat zu knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dr. James Fletcher vor Unterausschuß des amerikanischen Senats&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

07

DATENAUTOBAHN

22. Februar 1995

AKTIONSPLAN DER USA FÜR GLOBALE
INFORMATIONSDIENSTLEISTUNGEN
Zusammenfassung des Berichts
"Agenda für Zusammenarbeit"

TELEKOMMUNIKATION IM INTERNATIONALEN
WETTBEWERB
Rede von Reed E. Hundt

WIRTSCHAFT

WELTHANDEL UND DER AMERIKANISCHE
ARBEITSMARKT
von Kenneth Kasa

KRIEGSVERBRECHEN

RECHTSBERATER SPRICHT ÜBER
KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL FÜR
DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN
Tribunal setzt neue Maßstäbe

FILM

HOLLYWOOD 1994: EIN JAHR STEIGENDER
ERWARTUNGEN FÜR FRAUEN
Bilanz der Filmindustrie

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�DATENAUTOBAHN
22. Februar 1995

Aktionsplan der USA für globale
Informationsdienstleistungen
Zusammenfassung des Berichts "Agenda für Zusammenarbeit"
WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident AI Gore zufolge werden die Vereinigten Staaten allein sowie in
Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern aus der Privatindustrie und anderen Regierungen auf den Aufbau
eines die Welt verbindenden Netzes von Informationssystemen hinarbeiten.
Der Vizepräsident unterstrich dieses Ziel bei einer Veranstaltung am 15. Februar 1995 anläßlich der
Veröffentlichung der amerikanischen "Agenda für Zusammenarbeit", einem Bericht über die Vision der ClintonAdministration zur Entwicklung einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - Gll),
die lokale und nationale Informationssysteme zu einem globalen Informationsnetz verbinden soll.
Gore betonte, die Agenda sei nur der erste Schritt von vielen, "um die Versprechungen der Gll zu erfüllen".
Er verlieh der Hoffnung Ausdruck, alle Nationen würden sich an diesen Bestrebungen der Vereinigten Staaten
beteiligen.
Die Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur werde, so der Vizepräsident, eine soziale Kraft zum
Nutzen aller darstellen. "Wir haben uns um die Aufstellung einer globalen Agenda bemüht", die andere zur
Teilnahme an dieser Informationsrevolution veranlassen wird.
Bei der Vorstellung der Agenda erklärte Wirtschaftsminister Ronald Brown, es sei das Ziel der ClintonAdministration, in dem Bericht "die Gebiete zu identifizieren, auf denen die Regierungen unabhängige Aktionen
durchführen oder in Zusammenarbeit mit anderen konstruktiv die Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur erleichtern können".
Brown ist Vorsitzender der vom Präsidenten eingerichteten Arbeitsgruppe globale Informationsinfrastruktur.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Zusammenfassung der Regierung über die "Agenda für
Zusammenarbeit".

Die Entwicklung einer globalen Informationsinfrastruktur hat für die Clinton-Administration hohe
Priorität. Fortschritte bei Informations- und Telekommunikationstechnologien haben bereits die Anfänge
einer Gll entstehen lassen. Die Clinton-Administration vertritt die Ansicht, daß eine hochentwickelte Gll
- flexibler, vollständig interaktiv, mit größeren Kapazitäten, kostengünstiger als die existierenden Systeme
und mit verbessertem Zugang für die Menschen
weltweit - aufgebaut werden kann und wird.
"Die globale Informationsinfrastruktur: Agenda für
Zusammenarbeit" umreißt die Vision der Administration für die Entwicklung einer Gll, die den Bedürfnis-

AMERIKA DIENST 07

sen von Menschen auf der ganzen Welt entspricht.
Nach Ansicht der Administration sind gemeinsame
Bestrebungen von Regierungen und Industrie zur
Realisierung der Vorteile eines globalen Informationsmarktes erforderlich. Als Hauptquelle für Fachwissen und Kapital sollte der Privatsektor die Technologien auswählen, die Geschwindigkeit der Entwicklung bestimmen, die angemessenen Normen festsetzen und neue Dienstleistungen und Anwendungen für
die Gll entwickeln. Die Regierungen können diese
Aktivitäten durch die Schaffung eines rechtlichen
Rahmens erleichtern, der effiziente Investitionen und
Innovationen sowie umfassenden Wettbewerb auf

Seite 1

�den Telekommunikations- und Informationsmärkten
fördert.
Die fünf Grundprinzipien, die erstmals von Vizepräsident AI Gore bei der von der internationalen
Fernmeldeunion veranstalteten Konferenz über die
Entwicklung des weltweiten Telekommunikationsnetzes im März 1994 in Buenos Aires vorgestellt
wurden, bilden nach Ansicht der Administration die
Grundlage der globalen Informationsinfrastruktur:
1. Ermutigung von Privatinvestitionen
2. Förderung des Wettbewerbs
3. Bereitstellung offenen Zugangs zum Netz aller
Anbieter und Nutzer von Information
4. Schaffung eines flexiblen Regelwerks, das mit
schnellen Veränderungen bei Technologie und
Märkten Schritt halten kann
5. Gewährleistung der Universalität von Dienstleistungen.
Die "Agenda für Zusammenarbeit" erläutert diese
Grundprinzipien und strebt einen internationalen
Konsens über die Annahme, Anwendung und
Förderung dieser Prinzipien auf nationaler, regionaler und globaler Ebene an.
Die "Agenda für Zusammenarbeit" befaßt sich ferner
mit den politischen Fragen, die für eine Ermutigung
zur Nutzung der GM von entscheidender Bedeutung
sind, einschließlich der Informationspolitik und ihrer
Inhalte sowie unterstützender Maßnahmen von
Regierungen und Industrie, die Vorteile der GH durch
innovative Anwendungen unter Beweis zu stellen.
Was ist die globale Informationsinfrastruktur?
Die GH besteht aus einem Verbund nationaler,
regionaler und internationaler Netze. Als entstehendes globales "Netz der Netze" umfaßt die Gll ein
breites Spektrum von Technologien und Produkten,
Information in jeglicher Form, Normen und Nahtstellen zur Förderung der Interoperabilität der Netze,
Maßnahmen und Technologien zur Gewährleistung
ihrer Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie - vor allem
- die Menschen zur Schaffung und Nutzung der Gll.
Die globale Informationsinfrastruktur regt die weltweite Nachfrage nach neuen Informationstechnologien
und -dienstleistungen an und reagiert darauf. Die
Geschwindigkeit, mit der Informationen bereitgestellt
werden - an sich bereits entscheidend für die Gestaltung der Weltwirtschaft - ihre Zugänglichkeit sowie
vielfältige Nutzung werden weiterhin Wachstum und

Seite 2

Entwicklung der Weltwirtschaft antreiben. Durch die
Errichtung eines globalen Informationsmarktes kann
die Gll zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und Märkte
beitragen, den Handel sowie den grenzüberschreitenden Informationsfluß fördern und Mittel zur Erhöhung
der Lebensqualität aller bereitstellen.
Schaffung einer Grundlage für die Gll
In den Vereinigten Staaten wird die Ansicht vertreten,
fünf Grundprinzipien - bei Telekommunikation,
Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsindustrien gleichermaßen angewandt sollten als Grundlage der Gll dienen.
1. Ermutigung von Privatinvestitionen. Investitionen im Privatsektor stellen den effektivsten Weg dar,
Wachstum und Verbesserungen der Infrastruktur
anzukurbeln, die Effizienz bei der Bereitstellung von
Dienstleistungen zu erhöhen und den Bedürfnissen
der Verbraucher besser zu entsprechen. Insbesondere in einer Zeit knapper staatlicher Finanzmittel
stellen Anreize zu Investitionen aus dem in- und
ausländischen Privatsektor oftmals die einzige
realistische Strategie dar, die Entwicklung nationaler
und globaler Informationsinfrastrukturen zu beschleunigen. Die Regierungen müssen angemessene
Reformen bei Vorschriften, Gesetzen und Märkten
vornehmen, um Anreize für Privatinvestitionen im
Telekommunikationswesen, bei Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsmärkten zu
schaffen.
2. Förderung des Wettbewerbs. Der effektivste
Weg zur Förderung einer Gll, die allen Ländern
moderne Produkte und Dienstleistungen liefert, ist
verstärkter Wettbewerb im Telekommunikationswesen, bei Informationstechnologie und Informationsdienstleistungsmärkten auf nationaler und globaler
Ebene. Das Modell zur Liberalisierung dieser Märkte
ist weltweit sehr unterschiedlich. Es reicht von relativ
offenen Märkten für Informationstechnologie und
-dienstleistungen ohne rechtliche Bestimmungen über
Märkte mit konkurrenzfähigen, hochwertigen Endgeräten bis zu Beschränkungen des Marktzugangs zu
den größten und gewinnträchtigsten Marktsegmenten
- öffentliche Fernmeldedienste und die zugrundeliegende Infrastruktur.
Die Aufrechterhaltung von
Wettbewerbshemmnissen in diesen Marktsegmenten
wird die Bereitstellung von Infrastruktur behindern
und die Einführung neuer Telekommunikations- und
Informationsdienstleistungen verzögern, deren
Prosperieren von Wettbewerb beim Zugang zu den
Netzen abhängt.
3. Bereitstellung offenen Zugangs. Die Regierungen sollten ein Klima für Märkte und Bestimmungen
schaffen, das möglichst uneingeschränkten Zugang

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�zu Informationen und deren Verteilung schafft.
Durch die Gewährleistung von offenem Zugang zu
Einrichtungen, Netzwerken und Netzwerkdienstleistungen für alle Anbieter von Informationsdienstleistungen können die Regierungen die Verfügbarkeit
verschiedener Informationsquellen für Verbraucher
drastisch verbessern. Da sich die GM auf viele
unterschiedliche bestehende und entstehende
Komponenten auf lokaler, nationaler und globaler
Ebene stützen wird, ist die Interoperabilität dieser
Komponenten unabdingbar (das heißt, die Verbindung von Anwendung, Dienstleistungen und/oder
Netzwerkkomponenten). Die Administration vertritt
die Auffassung, daß die Entwicklung globaler Normen für einen freiwilligen, offenen und vom Markt
geleiteten Prozeß der Schlüssel für die Interoperabilität der GM darstellt.
4. Schaffung eines flexiblen Regelwerks. Der im
wesentlichen globale Charakter von Telekommunikation, Informationstechnologien und Informationsdienstleistungsindustrien erfordert, daß das nationale
Regelwerk auf den Weltmarkt und technologische
Entwicklungen reagiert. Maßnahmen bezüglich der
Regeln sollten ausreichend flexibel sein, um sich an
die entstehenden Technologien und Märkte anzupassen, den Wettbewerb durch transparente Regeln
und Verfahren zu fördern und dennoch lästige
Bestimmungen zu vermeiden, die Innovationen und
neue Angebote von Dienstleistungen im Keim
ersticken. Die Regierungen müssen sich vor einer
Ausweitung der Regeln auf Marktsegmente schützen, die auf unregulierter Basis ausgezeichnet
funktioniert haben. Entsprechend kann ständige
Regulierung unnötig oder sogar kontraproduktiv sein,
sobald ein Markt von einem Monopol zu einer
Wettbewerbsstruktur übergeht.
5. Gewährleistung der Universalität von Dienstleistungen. Das Ziel "universeller Dienstleistungen",
das sicherstellen soll, daß alle Mitglieder einer
Gesellschaft von den Vorteilen einer modernen
Informationsinfrastruktur profitieren, ist grundlegend
für die Entwicklung der Gll. Die Definition universeller Dienstleistungen unterscheidet sich zwangsläufig
von Land zu Land aufgrund von Unterschieden bei
der Entwicklung der Infrastruktur, der Reichweite und
Fähigkeiten nationaler Netzwerke sowie der Kosten
des Zugangs zu Netzen und Dienstleistungen. Das
Konzept universeller Dienstleistungen ist jedoch
evolutionär und erweitert sich entsprechend der
Fähigkeiten des Netzwerks und der steigenden
Nachfrage nach Dienstleistungen.
Universelle
Dienstleistungen können daher von der Einrichtung
von Zugangspunkten auf Gemeindeebene bis zu
einem breiten Spektrum neuer Telekommunikationsund Informationsdienstleistungen variieren und sich
in dem Maße kontinuierlich weiterentwickeln, in dem

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die Einführung von Wettbewerb und Innovationstechnologien größeren Zugang zu Dienstleistungen
für die Verbraucher gestattet.
Ermutigung der Nutzung der Gll
Wenn die Gll ihr volles Potential entfalten soll,
müssen die Nutzer von Netzwerken und Dienstleistungen sicher sein, daß ihre Rechte durch die
Bereitstellung und Weitergabe von Informationen
sowie den Zugang zu ihnen über die Gll nicht verletzt
werden. Um diese Gewährleistung zu bieten, müssen die Regierungen Probleme in den Bereichen
Privatsphäre, Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie
Schutz geistigen Eigentums ansprechen. Es ist
ebenso entscheidend, daß die potentiellen Vorteile
der Gll durch Anwendung demonstriert werden. Nur
wenn man greifbare Ergebnisse der Anwendung
sieht, lernt man schätzen, wie sie zur Verbesserung
der Lebensqualität genutzt werden können.
1. Informationspolitik und Frage des Inhalts. Die
Gll wird ihr volles Potential nur nutzen, wenn den
Verbrauchern ein möglichst breites Spektrum von
Informationen zur Verfügung steht. Die Entwicklung
einer effektiven Informationspolitik stellt die Regierungen vor die wahrscheinlich größte Herausforderung. Zu den wesentlichen Zielen der Informationspolitik zählt die Gewährleistung, daß die Privatsphäre
von die Gll nutzenden Einzelpersonen und Organisationen geschützt ist, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Netzwerken und der über sie geleiteten
Informationen gewährleistet und das Recht auf
geistiges Eigentum derjenigen geschützt ist, die
Informationen, Bildungs- und Unterhaltungsprogramme bereitstellen. In solchen Partnerschaften untereinander sowie mit Arbeitgebern, Arbeitnehmern,
Wissenschaftlern und Vertretern des öffentlichen
Lebens müssen die Regierungen diese Ziele erarbeiten und umsetzen, um das Wachstum einer
Inf rastruktur sicherzustellen, die den Bürgern der Welt
zugänglich und ihnen gegenüber rechenschaftspflichtig ist.
2. Nutzung der Vorteile der Gll durch Anwendung. Der Wert der Gll wird dadurch definiert, wie
die Menschen davon profitieren. Die Regierungen
müssen die aktive Beteiligung von Verbrauchern und
Unternehmen an der Anwendung neuer Technologien
kultivieren, die die Möglichkeiten der Gll für die
Menschen auf der ganzen Welt in die Praxis umsetzen können. Durch Zusammenarbeit in kreativen
Partnerschaften können der öffentliche und Privatsektor Informations- und Telekommunikationstechnologien auf eine Vielzahl entscheidender und komplexer
Themen anwenden, einschließlich der Verbesserung
von Produktivität und Wirtschaftswachstum, Bereitstellung angemessener Gesundheitsfürsorge, Sicher-

Seite 3

�Stellung von Bildung und Ausbildung, Schutz natürlicher Ressourcen und der Umwelt für weitere tragfähige Entwicklung sowie Schaffung gerechten Zugangs zu Informationen durch öffentliche Institutionen. Die Förderung von Gll-Pilotprojekten und
deren Erprobung durch den öffentlichen und Privatsektor wird dazu beitragen, eine Reihe technischer,
politischer und rechtlicher Hemmnisse für die Verwirklichung der GM auszumachen und zu beheben.
Solche Barrieren werden eher durch eine Strategie
überwunden, die sich auf "learning by doing" konzentriert.
Umsetzung der GH
Die Nutzung des globalen Potentials von Informations- und Telekommunikationstechnologien erfordert
die Zusammenarbeit der Industrien, die über sich
entwickelnde nationale Netzwerke verfügbare Dienstleistungen und Informationen aufbauen, betreiben,
bereitstellen und nutzen. Sie erfordert ferner kooperative Bestrebungen zwischen Regierungen über

*

Seite 4

bestehende internationale und regionale Organisationen sowie auf bilateraler Ebene, um Hindemisse zu
beseitigen, die eine effektive Entwicklung der Gll
blockieren. Durch kollektive Übereinstimmung bei der
Annahme, Förderung und Anwendung der grundlegenden Prinzipien der Gll können Regierungen und
die Industrie die Entwicklung der Gll als grenzenloses
"Netz der Netze" statt einer Flickschusterei inkompatibler Systeme und Dienstleistungen sicherstellen.
Das Ziel der "Agenda für Zusammenarbeit" besteht in
der Förderung der zur Umgestaltung von in Tausende
einzelner Netzwerke und inkompatibler Informationsressourcen aufgespaltenen Regionen in eine durch
eine einheitliche Informationsinfrastruktur vernetzte
globale Gemeinde. Zu diesem Zweck sieht die
"Agenda für Zusammenarbeit" spezifische Vorgehensweisen vor und lädt andere Länder ein, sich den
Vereinigten Staaten bei der Beschleunigung des
Tempos der Entwicklung einer Gll anzuschließen, die
den Bedarf aller Menschen erfüllen kann.

* * *

*

AMERIKA DIENST 07

�DATENAUTOBAHN
22. Februar 1995

Telekommunikation im internationalen Wettbewerb
Rede von Reed E. Hundt
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Vorsitzenden der Federal Communications Commission
(FCC), Reed E. Hundt, am 16. Januar 1995 vor der American Chamber of Commerce in Bonn gehaltene Rede.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich danke der American Chamber of Commerce und
dem Telekommunikations-Unterausschuß für diese
Gelegenheit, Sie alle an meinem ersten Tag in Bonn
treffen zu können. Ich bin zu einer Diskussion über
Telekommunikation nach Bonn gekommen, die
morgen von der Amerikanischen Botschaft mit
hochrangigen deutschen Regierungsvertretern und
Unternehmern veranstaltet wird.
Um die Beteiligung der FCC an der globalen Telekommunikationspolitik zu verbessern, haben wir im
Herbst vergangenen Jahres ein internationales Büro
gegründet. Es wird von Scott Blake Harris geleitet
und hat über 120 hochqualifizierte Mitarbeiter, die
aus unterschiedlichen Abteilungen des Ministeriums,
anderen Regierungsbehörden und dem Privatsektor
zusammengezogen wurden. Es ist eine äußerst
fähige Gruppe.
Die FCC kommt mit einer Politik des Wettbewerbs
auf allen fünf Spuren der Datenautobahn voran. Ich
war in Buenos Aires, als Vizepräsident AI Gore vor
der internationalen Fernmeldeunion eine Rede hielt
und seine Vision einer globalen Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - GM)
umriß.
Ich werde diese Gedanken heute und
morgen mit deutschen Regierungsvertretern diskutieren.
Heute nachmittag führte ich Gespräche mit Dr.
Boetsch, dem Bundesminister für Post und Telekommunikation, und seinem Staatssekretär, Dr. Laufs.
Wir erörterten Pläne für bilaterale Telekommunikationskonsultationen, die wir am 22. und 23. März
1995 in Washington mit deutschen Regierungsvertretern abhalten werden.
Wichtige politische Themen liegen vor uns, darunter:

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Gespräche der Europäischen Union und der G-7
über Liberalisierung und Privatisierung,
die Umstrukturierung der Deutschen Telekom,
Überprüfung der geplanten Sprint-Transaktion
und mögliche Änderungen von Paragraph 310
sowie andere Entwicklungen auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt.
Ich möchte die Themen kurz kommentieren.
Telekommunikation in Deutschland
Ich glaube, jeder ist von dem umfassenden Programm der Deutschen Telekom für eine moderne
Telekommunikationsinfrastruktur in Ostdeutschland
beeindruckt. Nichts kann einen besseren Beitrag zu
künftigem Wohlstand im Osten Deutschlands leisten
als moderne Telekommunikation.
Wir sind auch beeindruckt durch:
die Trennung des Betriebs der Deutschen Telekom vom Mandat des Bundesministeriums für
Post und Telekommunikation,
die Einstellung von Subventionen für postalische
Operationen
und die erste Privatisierungsrunde der Deutschen
Telekom im Jahr 1996.
Die ersten 25 Prozent der zu verkaufenden Aktien
sollen 5 bis 8 Milliarden Dollar einbringen. Die EU
hat jedoch als Datum für Wettbewerb bei Infrastruktur
und Dienstleistungen erst 1998 gesetzt. Das erinnert
mich an eine Football-Geschichte - mit der EU als
Football-Trainer. Es war die letzte Spielrunde, und
der Quarterback, dessen Team am Verlieren war,
blickte hilfesuchend auf den Trainer. Der Trainer

Seite 1

�zuckte die Schultern, also entschied sich der Quarterback selbst für einen Spielzug. Das Team erzielte
ein Tor und gewann das Spiel. Hinterher fragte der
Trainer den Quarterback, warum er sich gerade für
diesen Spielzug entschieden habe.
"Nun, ich wußte, wir brauchen sieben Punkte, also
habe ich sieben und sieben zusammengezählt und
Spielzug 15 eingeleitet", antwortete er dem Trainer.
Als der Trainer ihn darauf aufmerksam machte, daß
sieben und sieben vierzehn ergeben, erwiderte der
Quarterback: "Wenn ich so schlau wie Sie wäre,
Trainer, hätten wir das Spiel nicht gewonnen."
In den Vereinigten Staaten wird die Revolution bei
den Bestimmungen im Telekommunikationssektor in
diesem Jahr weit über das von der EU für 1998
Geplante hinausgehen - mit oder ohne Gesetzesreform.
Wenn Deutschland auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt führend sein will, muß das Land
eine sehr viel schnellere Gangart vorlegen als
Brüssel bisher. Vielleicht kann Deutschland wie
dieser Quarterback vorgehen - sich einfach für
seinen eigenen Spielzug entscheiden, um das Spiel
zu gewinnen.
Entwicklungen in der europäischen und weltweiten Telekommunikationspolitik
Wie Sie wissen, beteiligen sich die FCC sowie das
Außen- und Wirtschaftsministerium an Gesprächen
mit der EU und der G-7.
Als wir im November in Washington mit Vertretern
der Europäischen Kommission zusammentrafen,
waren wir beeindruckt von den Fortschritten, die bei
der Schaffung eines allgemeinen Rahmens für die
Liberalisierung des Telekommunikationswesens
erzielt wurden. Wir befürworten entschieden das
unter der Leitung von Kommissar Bangemann
vorbereitete Grünbuch.
Ferner unterstützen wir nachdrücklich die Absicht der
Europäischen Kommission, das im Februar anberaumte Treffen der Telekommunikationsminister der
G-7 in Brüssel als Forum zu nutzen, der europäischen Öffentlichkeit die Vorteile einer Informationsgesellschaft vor Augen zu führen. Dies steht im
Einklang mit der Vision Vizepräsident Gores von
einer globalen Informationsinfrastruktur mit den
Schwerpunkten Privatisierung, Wettbewerb und
Liberalisierung.
Aus diesem Grund haben wir der Kommission
deutlich mitgeteilt, daß wir uns Sorgen über eine
vorgeschlagene Richtlinie machen, die existierende

Seite 2

Quoten für Auslandsprogramme der Rundfunkmedien
auf Multimedia-Dienstleistungen ausweiten könnte.
Inhaltliche Beschränkungen im Zuge eines Kulturprotektionismus schrecken nur von Privatinvestitionen
ab, die zur Entwicklung neuer Kommunikationsnetze
und -dienstleistungen erforderlich sind.
Der Gegensatz zwischen den gemeinsamen Bestrebungen der G-7 zum Aufbau einer Informationsgesellschaft der Zukunft und der von der Kommission
vorgeschlagenen unilateralen Maßnahme zur Begrenzung der durch Multimedia-Dienstleistungen gebotenen inhaltlichen Vielfalt könnte nicht krasser sein.
Wir werden in den kommenden Monaten hart daran
arbeiten, den richtigen Weg zu finden.
Entwicklungen bei amerikanischen Bestimmungen
Wie bereits erwähnt, arbeitet die FCC in den Vereinigten Staaten an der Festlegung von Wettbewerbsbestimmungen für alle fünf Spuren der Datenautobahn. Der neue Kongreß ist inzwischen mit einer
umfassenden Überprüfung des Gesetzes über das
Kommunikationswesen von 1934 befaßt und hofft,
das neue Gesetz bis zum 4. Juli dieses Jahres
verabschieden zu können.
Als Teil dieser Bestrebungen ist eine Reform von
Paragraph 310 über ausländische Anteile an allgemeinen Lizenzen für Rundfunkanstalten möglich.
Ein erst kürzlich unterbreiteter Vorschlag zielt auf die
Abschaffung von Paragraph 310 ab. Ein weiterer
Vorschlag sieht eine Abänderung von Paragraph 310
durch die Einbeziehung des Prinzips der Gegenseitigkeit vor. Ich kann keine Prognose darüber
anstellen, was mit Paragraph 310 geschehen wird, es
ist jedoch offensichtlich, daß die Idee der Gegenseitigkeit sehr attraktiv erscheint.
Wie Sie vielleicht wissen, liegt der FCC ein Vorschlag
der Deutschen Telekom/France Telecom vor, 20
Prozent von Sprint, dem drittgrößten Fernmeldeunternehmen der Vereinigten Staaten zu erwerben. Unter
dem Gesetz über das Kommunikationswesen ist die
Kommission bevollmächtigt, die allgemeinen Auswirkungen dieser Transaktion auf den Wettbewerb zu
prüfen. Zu den in Frage kommenden Gesetzesbestimmungen zählt Paragraph 310(b)(4), der - falls
dies im öffentlichen Interesse liegt - einen Entzug der
allgemeinen Rundfunklizenzen einer Einrichtung
gestattet, wenn mehr als 25 Prozent ihres Eigenkapitals indirekt in ausländischer Hand sind. Der vorgeschlagene 20prozentige Anteil von Deutsche
Telekom/France Telecom an Sprint, gekoppelt mit
existierenden ausländischen Aktienanteilen, würde
über diese Höchstgrenze hinausgehen.

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�Im Juli 1994 genehmigte die Kommission den
Erwerb von 20 Prozent an MCI durch British Telecom, nachdem das Potential der British Telecom
überprüft worden war, ihre Macht auf dem britischen
Markt einzusetzen, um gegen mit MCI konkurrierende amerikanische Fernmeldeunternehmen Wettbewerbspraktiken einzusetzen. Die Offenheit des
britischen Telekommunikationsmarktes und das
dortige flexible Regelwerk waren entscheidend für
unsere Erkenntnis, daß diese Transaktion im öffentlichen Interesse liegt. Wir stellten fest, daß die
entstehende Konkurrenz für British Telecom einen
Schutz vor Diskriminierung darstellt.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten und der von
Interessenten an der Sprint-Transaktion abgegebenen Kommentare muß die Frage vergleichbarer
Offenheit des deutschen und französischen Telekommunikationsmarktes erwogen werden.

*

AMERIKA DIENST 07

Eine Führungsrolle Deutschlands bei der Liberalisierung würde uns gestatten, gemeinsam bei unseren
Nachbarn in diese Richtung zu wirken.
Schlußbemerkung
Letztlich werden natürlich nicht die Regierungen die
neue Telekommunikationslandkarte entwerfen; die
Kräfte innovativer Technologien sind dafür zu stark.
Sie und Ihre Unternehmen wissen das; Sie stehen an
der Spitze einer Informationsrevolution.
Die Regierungen müssen jedoch eine Rolle übernehmen, und eine unserer wichtigsten Aufgaben
besteht darin, ein flexibles Regelwerk zu schaffen,
das Ihre Bestrebungen auf dem Markt erleichtert. Ich
würde mich über Anregungen Ihrerseits freuen,
welchen Beitrag wir hierzu leisten können. Ich danke
Ihnen.
•

* * *

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
22. Februar 1995

Welthandel und der amerikanische Arbeitsmarkt
von Kenneth Kasa
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Kenneth Kasa, Ökonom an der Federal Reserve Bank of San
Francisco, der erstmals im "Weekly Letter" dieser Bank vom 18. November 1994, Nr. 94-40 erschien.

SAN FRANCISCO - (AD) - Während der vergangenen 20 Jahre stagnierte das Wachstum der Löhne
und Gehälter und die Einkommensunterschiede
wuchsen. Das Realeinkommen der Haushalte in
den unteren 40 Prozent der Einkommenspyramide
nahm ab, das der Haushalte in den oberen 40
Prozent leicht zu. Das Realeinkommen der mittleren
20 Prozent wurde im wesentlichen auf dem Niveau
von 1973 eingefroren.
Für diese enttäuschende Entwicklung gibt es mehrere Erklärungen. Insbesondere einer wurde jüngst
viel Aufmerksamkeit gewidmet - daß die abnehmenden Einkünfte der amerikanischen Arbeitnehmer in
gewisser Weise mit der zunehmenden "Globalisierung" der amerikanischen Wirtschaft in Verbindung
stehen. Dieses Argument klingt zunächst plausibel,
da abnehmende Löhne und Gehälter sowie wachsende Ungleichgewichte ungefähr gleichzeitig mit der
zunehmenden Bedeutung des Welthandels auftraten.
Jüngste Forschungen zu diesem Thema lassen
jedoch die Schlußfolgerung zu, das Wachstum des
Welthandels spiele bei diesen Entwicklungen auf
dem inländischen Arbeitsmarkt nur eine nebensächliche Rolle.
Der Trend zu größerer Ungleichheit wird durch eine
wachsende Diskrepanz zwischen dem Einkommen
gelernter und ungelernter Arbeitskräfte gefördert.
Zwischen 1979 und 1988 stieg beispielsweise das
durchschnittliche Einkommen eines College-Absolventen im Vergleich zu dem eines High SchoolAbgängers um 15 Prozent. Bei den Arbeitnehmern
ohne Berufserfahrung war der Unterschied sogar
noch größer. 1979 lag der Stundenlohn eines
College-Abgängers mit einer Berufserfahrung von
weniger als fünf Jahren 30 Prozent höher als der
Lohn eines High School-Abgängers mit ähnlicher
Erfahrung. 1989 war dieser Prozentsatz auf 74
angestiegen. Um diese Erhöhung auf Ungleichgewichte im Welthandel zurückführen zu können,

AMERIKA DIENST 07

benötigen wir daher eine Erklärung, wie der Welthandel Abweichungen zwischen den Löhnen gelernter und ungelernter Arbeitnehmer herbeiführen
konnte.
Der Welthandelstheorie zufolge exportiert eine Nation
Waren, die unter intensiver Nutzung der in ihrem
Land relativ reichlich vorhandenen Ressourcen
produziert werden, und importiert Waren, die ihre
relativ knappen Ressourcen intensiv nutzen. In
gewisser Weise gestatten Handelsgüter, die bestimmte Faktoren in unterschiedlichem Ausmaß umfassen,
den Nationen, indirekt mit dem Faktor Dienstleistungen selbst zu handeln. Angesichts des verhältnismäßigen Überflusses an Facharbeitern in den Vereinigten Staaten sollte das Land dieser Theorie
zufolge Güter exportieren, die unter relativ großem
Einsatz gelernter Arbeitskräfte hergestellt werden,
wohingegen die Importe unter großem Einsatz
ungelernter Arbeitskräfte hergestellt werden.
Da der Handel mit Rohstoffen nur eine indirekte
Möglichkeit des Handels mit dem zugrundeliegenden
Faktor Dienstleistungen ist, tendiert der Welthandel
zu einer Erhöhung der Realeinkommen derjenigen,
die im Besitz der in einer Nation reichlich vorhandenen Ressourcen sind und somit zu einer Senkung der
Einkommen der Besitzer knapper Ressourcen. (Dies
ist als Stopler-Samuelson-Theorem bekannt). Aus
der Sicht eines ungelernten amerikanischen Arbeitnehmers macht es daher kaum einen Unterschied, ob
die Löhne aufgrund gelockerter Einwanderungsgesetze gedrückt werden, die mehr Menschen aus
Niedriglohnländern ins Land lassen oder durch den
Import von Rohstoffen, die unter großem Einsatz
ungelernter Arbeitnehmer hergestellt werden.
Die Einkommen von Facharbeitern - die bereits am
oberen Ende der Einkommenspyramide angesiedelt
sind - steigen im Einklang mit den Exporten, während
ungelernte Arbeitnehmer gezwungen sind, eine

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�Senkung ihrer Löhne zu akzeptieren, um mit importierten Waren konkurrieren zu können.
Eine Untersuchung des Beweismaterials durch die
Ökonomen Robert Z. Lawrence und Matthew
Slaughter zeigt, daß nicht der Handel die treibende
Kraft hinter diesem wachsenden Ungleichgewicht ist.
Die zwei Wirtschaftswissenschaftler konzentrierten
sich auf Preisveränderungen, die den Anreiz zur
Verlagerung der Ressourcen zwischen den Sektoren
bieten.
Industriezweige mit einem Preisanstieg
bemühen sich um eine Expansion, die mit sinkenden
Preisen sind zu Verkleinerungen gezwungen. Da
die Industrien sich der Faktoren jedoch in unterschiedlichem Ausmaß bedienen, wird eine veränderte Zusammensetzung der inländischen Produktion zu einem Überschuß an Nachfrage nach den
Faktoren führen, die in den expandierenden Sektoren intensiv eingesetzt werden, sowie zu einem
Überangebot der Faktoren, die in den schrumpfenden Sektoren intensiv genutzt werden. Dies ist der
Hauptgrund für die Beeinflussung der Einkommensverteilung durch den Welthandel.
Nach der Prüfung von Preisentwicklungen in Dutzenden amerikanischer Fertigungsindustrien fanden
Lawrence und Slaughter nur wenige Beweise dafür,
daß die Preise von Waren, die unter großem Einsatz
qualifizierter Arbeitnehmer hergestellt werden,
proportional zu den Preisen stiegen, für deren
Produktion ungelernte Arbeitskräfte benötigt werden.
Dies läßt Zweifel an der Anwendbarkeit des StoplerSamuelson-Theorems aufkommen.
Ein weiterer Zweifel an diesem Theorem betrifft den
Einsatz gelernter und ungelernter Arbeitskräfte bei
der Produktion. Wenn die Gehälter gelernter Arbeitskräfte tatsächlich auf Kosten ungelernter Arbeitskräfte aufgrund einer Verlagerung der Produktion zu facharbeiterintensiven Industrien in die Höhe
getrieben würden, würden wir feststellen, daß alle

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Seite 2

*

Industriezweige ihren Einsatz ungelernter Arbeitskräfte erhöhen. Da gelernte Arbeitskräfte immer
teurer werden, würden die Produzenten sparen,
indem sie sich auf Produktionsmethoden mit einem
größeren Einsatz ungelernter Arbeitskräfte verlegen.
Lawrence und Slaughter fanden erneut keine Beweise für eine solche Verlagerung. Die verarbeitende
Industrie in den Vereinigten Staaten hat ihren Einsatz
qualifizierter Arbeitskräfte höchstens noch erhöht.
Den Ergebnissen von Lawrence und Slaughter
zufolge erscheint der technologische Wandel als
Quelle des wachsenden Einkommensgefälles in den
Vereinigten Staaten am wahrscheinlichsten. Die
Ängste der Arbeitnehmer im 19. Jahrhundert - sie
würden durch Maschinen ersetzt - kommen der
Wahrheit wahrscheinlich näher als das StoplerSamuelson-Theorem. Verschiedene technologische
Veränderungen - am offensichtlichsten die "Computer-Revolution" Ende der siebziger und achtziger
Jahre - haben den Wert einer Berufsausbildung
erhöht.
Damit in Verbindung stehen Veränderungen im
Multimediabereich bei der Kommunikation und
Telekommunikation. Diese Fortschritte führen zu
einer "Superstar-Wirtschaft, in der die Entlohnung
auf dem Alles-oder-Nichts-Prinzip basiert. Es zeigt
sich in zunehmendem Maße, daß Einkommensungleichgewichte innerhalb der Berufssparten steigen.
Dem Wirtschaftswissenschaftler Avinash Dixit zufolge
verwandeln technologische Veränderungen die
Länder in "Sierra Madre-Volkswirtschaften" - in
Anlehnung an den klassischen amerikanischen Film
"Der Schatz der Sierra Madre" mit Humphrey Bogart.
In dem Film erklärt ein alter Goldsucher, warum
diejenigen, die Goldvorkommen entdecken, so reich
werden: "Weil sie die Löhne derjenigen kassieren,
die ausziehen, um Gold zu suchen, aber keines
finden!"

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�KRIEGSVERBRECHEN
22. Februar 1995

Rechtsberater spricht über Kriegsverbrechertribunal
für das ehemalige Jugoslawien
Tribunal setzt neue Maßstäbe
WASHINGTON - (AD) - Steve Lapper, Oberstleutnant der Luftwaffe und Stellvertretender Rechtsberater der Vereinigten Stabschefs, äußerte bei
einer Pressekonferenz am 14. Februar 1995, das
internationale Kriegsverbrechertribunal für das
ehemalige Jugoslawien sei seit dem Zweiten Weltkrieg die erste internationale Organisation zur
strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechern.
Oberstleutnant Lapper erklärte vor der Washingtoner
Anwaltskammer, die am Vortag von dem Tribunal
gegen 21 bosnische Serben erhobene Anklage
erfolge zum richtigen Zeitpunkt und lenke die weltweite Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Organisation.
Das Kriegsverbrechertribunal wurde am 25. Mai
1993 vom UN-Sicherheitsrat gemäß Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen errichtet. Es besteht
aus drei Hauptabteilungen:
Der Richterschaft, die sich aus 11 Richtern
unterschiedlicher Nationalität zusammensetzt,
dem Büro des Generalstaatsanwalts, der Ermittlungen durchführt und als Kläger auftritt sowie
der Registratur, die Fortschritte bei den Ermittlungen dokumentiert.
Die Rechtsprechung des Tribunals erstreckt sich auf
drei Arten von Verbrechen:
Kriegsverbrechen, die unter die Genfer und
Haager Konventionen fallen,
Verbrechen gegen die Menschlichkeit - nach Plan
verübte Greueltaten gegen die Zivilbevölkerung
sowie
Verbrechen gegen den Frieden - begangen von
den Einzelpersonen, die den Krieg beginnen.

AMERIKA DIENST 07

Oberstleutnant Lapper zufolge fangen die rechtlichen
Schwierigkeiten nach diesen groben Kategorisierungen an. Beispielsweise werden die Kämpfe im
ehemaligen Jugoslawien als "bewaffnete Kampfhandlungen" bezeichnet, um sie von den Kämpfen in
Ruanda zu unterscheiden, den "internen bewaffneten
Kampfhandlungen".
Lapper zufolge sind viele
Rechtsvertreter der Ansicht, diese Unterscheidung sei
juristisch wertlos und führe bereits zu Auseinandersetzungen.
Bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird eine
interne Unterscheidung getroffen: Zwischen wahllosem Morden der Zivilbevölkerung und dem organisierten Versuch, sämtliche Mitglieder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu vernichten, dem Genozid.
Kriegsverbrechen dieser Art stehen mit dem Militär in
Verbindung. Eines der ersten Probleme besteht
darin, daß sich die Ansichten der Vereinigten Staaten
und der Vereinten Nationen über das Kriegsrecht in
mancherlei Hinsicht unterscheiden. Das Tribunal
vertritt die Ansicht, jeder in direkter Verbindung zu
einem Kriegsverbrechen stehende Offizier oder
Soldat müsse angeklagt werden. Das bezieht sowohl
diejenigen ein, die Kriegsverbrechen anordneten, als
auch die Ausführenden.
Die Arbeit des Tribunals hört Oberstleutnant Lapper
zufolge dort jedoch nicht auf. Höhere Offiziere, die
von Kriegsverbrechen wußten und nichts zu ihrer
Verhinderung unternahmen, seien ebenfalls schuldig.
Als Beispiel wurde der japanische General Yamashita
angeführt, auch als "Tiger von Malaya" bekannt, der
am Ende des Kriegs im Pazifik gehängt wurde.
Yamashita behauptete, er hätte nichts von den durch
seine Truppen verübten Greueltaten gewußt. Das
amerikanische Gericht befand, er hätte von den
Vorfällen wissen und ihnen Einhalt gebieten müssen.
Auch das Kriegsverbrechertribunal wird eine solche
Ansicht vertreten, so Lapper.

Seite 1

�Bei juristischen Kontroversen zwischen nationalen
und internationalen Gerichtshöfen haben die Vereinten Nationen das letzte Wort. Nationale Gerichte
können Fälle an das Tribunal der UNO weiterleiten.
Dies ist ein Problem mit großen Konsequenzen, das
gelöst werden muß. Nach dem derzeitigen Stand
hätten bei allen Entscheidungen die Richter des
Kriegsverbrechertribunals das letzte Wort, erläuterte
Lapper.
Die Tatsache, daß Saddam Hussein und seine
Regierung einer Vielzahl von inner- und außerhalb
der irakischen Grenze verübten Greueltaten für
schuldig befunden werden und gro ßenteils der Strafe
entkamen, war dem Oberstleutnant zufolge ein
Weckruf für die Welt, der zeigt, daß ihr solche Dinge
aus der Hand gleiten.
Die Kontroversen beim Kriegsverbrechertribunal
bestehen weiterhin. Beispielsweise ist das amerikanische Rechtsprechungsprinzip bei einer Ver-

urteilung - "schuldig über jeden begründeten Zweifel
hinaus" - nur ein Element, das zusammen mit den
Grundsätzen anderer Länder in den Verurteilungsprozeß hineinspielt. Das Tribunal strebt ein Gleichgewicht zwischen der Vielzahl juristischer Quellen an.
Das Tribunal verhängt keine Todesstrafe. Jeder
Verurteilte kommt ins Gefängnis. Da das Kriegsverbrechertribunal jedoch nicht über ein eigenes Gefängnis verfüge, müßten die Verurteilten in die
Gefängnisse anderer Länder geschickt werden.
Einzelheiten stehen jedoch noch nicht fest.
In einer Fragestunde im Anschluß an die Ausführungen des Oberstleutnants räumte dieser ein, er glaube
nicht, daß die höchsten Vertreter einer verbrecherischen Regierung vor Gericht gestellt würden, außer
in einer Situation, die der nach dem Zweiten Weltkrieg gleichkomme. Lapper fügte hinzu, das Tribunal
akzeptiere keinen Handel mit Anträgen und biete
auch keine Möglichkeiten zur Strafmilderung.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 07

�FILM
22. Februar 1995

Hollywood 1994: Ein Jahr steigender Erwartungen
für Frauen
Bilanz der Filmindustrie
Anfang 1995 blickt Hollywood auf ein Jahr der
Leistungen, Enttäuschungen und bescheidener, aber
dennoch erfreulicher Verdienste für Frauen in der
Filmindustrie zurück.
Im Hinblick auf Gewinne hatte Hollywood die besten
12 Monate seiner Geschichte. Es war auch ein Jahr
bemerkenswerter Themenvielfalt, wie durch die vier
erfolgreichsten Filme des Jahres anschaulich verdeutlicht: Ein gewalttätiges Porträt des Gangsterlebens in Pulp Fiction, den jüngsten Zeichentrickfilm
aus den Walt Disney Studios, Der König der Löwen, einen Krimi um einen außer Kontrolle geratenen Bus in Speed und eine geniale Komödie über
einen furchtlosen jungen Mann, der seine Begriffsstutzigkeit überwindet und ein echter amerikanischer
Held wird in Forrest Gump. Ein von der Kritik mit
hohem Lob bedachtes Projekt war ferner ein Dokumentarfilm über Basketball.
1994 war ein Jahr großer Unsicherheiten. Viele
Studios verloren Geld, weil sie große Summen für
Actionfilme, Komödien und in manchen Fällen zu
intellektuelle Projekte riskiert hatten, die nicht die
Gunst des Publikums fanden. Darüber hinaus
mußten mehrere erprobte Regisseure und berühmte
Darsteller zusehen, wie ihre Filme sang- und klanglos untergingen.
Es gab jedoch auch begrüßenswerte Entwicklungen
im vergangenen Jahr - Überraschungen in einigen
Fällen, Bestätigungen in anderen.
Tom Hanks, der letztes Jahr als AIDS-Infizierter in
Philadelphia eine erschütternde, mutige Darbietung
gab, für die er den Oscar gewann, war in Forrest
Gump ganz anders, aber ebenso beeindruckend.
Paul Newman, einer der zuverlässigsten Schauspieler Hollywoods, porträtierte in dem auf dem jüngsten
Roman von Richard Russo basierenden Film Nobody's Fool überzeugend einen alternden, wütenden
Kleinstädter.

AMERIKA DIENST 07

John Travolta, der Ende der siebziger Jahre zu einer
Popgröße wurde und mit Saturday Night Fever das
Discofieber auslöste, erzielte 1994 mit seiner beeindruckenden Darstellung eines Gangsters in Pulp
Fiction erneut einen Durchbruch. Für Drehbuch und
Regie war Quentin Tarantino verantwortlich, ein
junger Filmemacher, der zum Liebling der Filmindustrie avancierte.
Der von der Kritik am höchsten gelobte, nachdenklichste und eingängigste Film des Jahres war der
dreieinhalbstündige Dokumentarfilm Hoop Dreams.
Das kreative Team von drei Filmemachern in den
Dreißigern - Regisseur Steve James, Cutter Fred
Marx und Kameramann Peter Gilbert - beobachtete
acht Jahre lang zwei in der Innenstadt von Chicago
lebende junge Basketballspieler von ihrer Teenagerzeit über die High School bis zum College mit
einigen ernüchternden Umwegen.
Mit einem Aufwand von nur 500.000 Dollar gedreht
(der durchschnittliche Studiofilm kostet zwischen 30
und 70 Millionen Dollar) und von einem kleinen,
unabhängigen Studio herausgebracht, erzielte Hoop
Dreams nicht nur Punkte wegen der Entschlossenheit und Willenskraft seiner Protagonisten, sondern
auch wegen der deplazierten Werte, die so häufig in
der Welt des Sports zu finden sind. Es bleibt abzuwarten, ob es dieser Film als einer der wenigen
Dokumentarfilme schaffen wird und die Oscarnominierung als besten Dokumentarfilm erhält (die Nominierungen der Akademie werden Mitte Februar
bekanntgegeben).
Wenn 1994 nicht als "goldenes Zeitalter" des Filmemachens im Gedächtnis bleibt, so wird es als das
Jahr zitiert werden, in dem Frauen - vor, und noch
mehr hinter der Kamera - beträchtlichen Einfluß
hatten.
Während das Oscarfieber in den ersten Wochen des
Jahres 1995 - einen Monat vor den Nominierungen
und zwei Monate vor der Oscarverleihung - steigt,

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�lautet interessanterweise eine der häufigsten Voraussagen, daß die Jury Schwierigkeiten haben wird,
genügend gute Darstellerinnen zu finden, um die
fünf Qualifikationen in der Kategorie "beste Schauspielerin" zu erfüllen.

sion von Louisa May Alcotts Little Woman, die einen
Einblick in das Leben von vier Schwestern und ihrer
Mutter vermittelt, die Mitte des 19. Jahrhunderts in
Massachusetts leben, während der Ernährer im Krieg
ist.

Mehrere Frauen hinterließen 1994 mit ihrer Arbeit
einen bleibenden Eindruck.

Der vornehmlich von einem kreativen Team von
Frauen aus Hollywood - darunter Studioleiterin Amy
Pascal und Produzentin Denise DiNovi - konzipierte
und realisierte 15 Millionen Dollar teure Film war so
billig wie eine Studioproduktion in diesen Tagen sein
kann. Die Einnahmen an den Kinokassen lassen
darauf schließen, daß es eines der profitableren
Unternehmen des Jahres wird.

Unter den Schauspielerinnen gaben Jodie Foster
(Neil), Jessica Lange (Blue Sky), Susan Sarandon
(Der Klient, Linie Woman, Safe Passage), Jennifer
Jason Leigh (Mrs. Parker and the Vicious Circle)
und Winona Ryder (Llttle Woman) beeindruckende
Darbietungen. Wahrscheinlich werden drei oder vier
dieser Gruppe - mit ein oder zwei Überraschungen ihren Namen auf den Oscarstimmzetteln finden.
Gleichzeitig spielten weniger bekannte Darstellerinnen - darunter Julianne Moore (Vanya on 42nd
Street) und Linda Fiorentino (The Last Seduction)
sowie die Studioleiterinnen Amy Pascal und Wendy
Finerman - eine bedeutende Rolle in der Filmindustrie.
Allmählich verändert sich das Klima für Frauen in
Hollywood. Die "gläserne Wand" - eine unsichtbare
Barriere für berufliches Weiterkommen - existiert
noch immer in vielen Bereichen, und Schauspielerinnen, insbesondere die sich dem mittleren Alter
nähernden, könnten zu Recht ungehalten über die
wenigen guten Angebote sein.
Dennoch sind
allenthalben Zeichen des Fortschritts bemerkbar.
Der deutlichste Beweis ist auf der Leinwand zu
sehen, wie zwei der mutigsten Projekte des Jahres
1994 zeigen.
In Neil gab Foster - Gewinnerin von zwei Oscars als
"beste Schauspielerin" (Angeklagt und Das Schweigen der Lämmer) - nicht nur eine brillante Darbietung als wilde junge Frau, die alleine in einem Wald
im Südosten der Vereinigten Staaten lebt und eine
nahezu unverständliche Sprache spricht, sondern
auch ihr Debüt als Regisseurin. In dieser Rolle
mußte sich Foster mit der Besetzung, dem Budget
und anderen Dingen befassen, die für gewöhnlich
nicht in die Domäne des Schauspielers fallen.
Von den meisten Kritikern gelobt und beim Publikum
zunehmend populär, zeigt der Film die ersten
Kontakte zwischen der Protagonistin und einem Arzt
(Liam Neeson), der sie zu ergründen sucht und mit
Hilfe einer Psychoanalytikerin erforscht, ob man Neil
ins tägliche Leben entlocken kann.

Little Woman überraschte die Rezensenten und
Kinogänger etwas durch seine lebhafte, glaubwürdige
Darstellung (mit Winona Ryder, Cläre Danes, Trini
Alvarado, Kirsten Dunst und Susan Sarandon), die
ausgezeichnete Regie des Australiers Regisseurs
Gillian Armstrong sowie das gelungene Zeitbild von
Drehbuchautor und Produzent Robin Swicord, das die
Verbindung zwischen heutigen und jahrhundertealten
Gefühlen widerspiegelt.
Mut, Phantasie und sicherer Instinkt waren auch bei
den Rollen offenkundig, für die sich eine Reihe
anderer Frauen der Szene Hollywoods entschieden.
Jessica Lange, die äußerst wählerisch ist, weil sie für
Qualität steht und der wie den meisten ihrer Kolleginnen nicht viel Arbeit angeboten wird, stellt in Blue
Sky die alternde Frau eines Soldaten dar, die sich
weigert, dem Scheitern ihrer Jugendträume passiv
zuzusehen.
Jennifer Jason Leigh, eine junge Schauspielerin, die
bisher das Pech hatte, vornehmlich in Filmen über
die dunkle Seite der Gesellschaft aufzutreten, die
man getrost vergessen kann, nahm die Herausforderung an, die bittere, selbstzerstörerische Schriftstellerin und Gesellschaftslöwin der dreißiger Jahre,
Dorothy Parker, zu spielen. Mrs. Parker and the
Vicious Circle spielt im Algonquin Club, dem New
Yorker literarischen Salon, der zwischen den beiden
Weltkriegen Schriftsteller, Kritiker und Musiker anzog.
Winona Ryder, die jüngste der drei, verwirklichte ihr
Potential in zwei gegensätzlichen Filmen über das
Leben kurz vor dem Erwachsenwerden.
Little
Woman zeigte sie als zielsichere Person, die ihre
literarischen Ambitionen verwirklichen und einen Platz
in der Welt der Männer übernehmen will. In Reality
Bites versucht sie, ihren Platz im Leben als eine
zeitgenössische junge Erwachsene und Angehörige
der sogenannten Generation X zu finden.

Ein in der letzten Woche des Jahres 1994 in den
Kinos angelaufenes Projekt war die vierte Kinover-

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AMERIKA DIENST 07

�Es gab auch einige Überraschungen. Zwei Schauspielerinnen, eine seit Jahren bekannte und ein
relativer Newcomer, waren in spannenden Krimis zu
sehen. Meryl Streep bekämptt tlüchtende Bankräuber und die reißenden Stromschnellen in Am wilden
Fluß, dem ersten Actionfilm ihrer Karriere. Sandra
Bullock übernimmt das Kommando in einem außer
Kontrolle geratenen Bus in Speed, einem Kassenschlager.

,

»

Streep, die im Laufe ihrer Karriere eine Vielzahl von
Frauen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichem Akzent und aus unterschiedlichen
Jahrhunderten spielte, übernahm die Rolle nicht nur,
um etwas anderes zu versuchen, sondern auch, weil
sie feststellte, daß nur wenige Projekte auf sie
zukamen. (Seitdem hat sie zusammen mit Clint
Eastwood The Bridges of Madison County gedreht, die Verfilmung eines populären neuen Romans über die Romanze zwischen einem älteren
Paar, die Mitte 1995 in die Kinos kommt).
Viele Schauspielerinnen setzen sich mit dieser
Realität in unterschiedlicher Weise auseinander.
Shirley MacLaine, Ende fünfzig, hat angefangen,
Charakterrollen für ältere Darstellerinnen zu übernehmen, wie ihre überzeugende Verkörperung einer
Präsidentenwitwe in Guarding Tess beweist.
Sally Field, noch in den Vierzigern, hat alles Verfügbare angenommen - das heißt, daß sie sich 1994 in
Kostüme hüllte und um ungefähr 40 Jahre alterte,
um neben Hanks Forrest Gumps Mutter zu spielen.
Goldie Hawn und Bette Midier, auch in den Vierzigern, arbeiteten überhaupt nicht. Und einige ihrer
jüngeren, etliche Millionen teuren Kolleginnen wie
Julia Roberts und Sharon Stone verbrachten das
Jahr mit Projekten, die von wenigen Kinogängern
gesehen wurden.

Unweigerlich betreten neue Talente die Bühne. Die
besten waren 1994 Fiorentino und Moore. Fiorentino
wurde in einer Reihe von Filmen mit düsterem, eher
gewalttätigem Inhalt zur Gangsterbraut ihrer Zeit und würdige Nachfolgerin von Ida Lupino und Veronica Lake früherer Filmgenerationen.
Moore, eine ausgezeichnete Darstellerin, die 1995
ihren Durchbruch mit der romantischen Komödie
Nine Months haben könnte (ab Sommer in den
Kinos), stand im Zentrum eines wunderschön inszenierten Experiments, einer Übertragung von
Tschechows Drama Onkel Wanja auf die Leinwand die Schauspieler tragen moderne Kleider statt denen
der damaligen Zeit - das in einem dunklen, verrammelten Theater in New York aufgeführt wird. Mit
dem Titel Vanya on 42nd Street stand der Film nach
Meinung vieler Kritiker auf der Liste der besten zehn.
Der Einfluß der Frauen macht sich allmählich auch
hinter der Kamera bemerkbar in Fortsetzung eines
lange vor 1994 begonnenen Prozesses. Und während Frauen wie Lisa Henson, 34, Stacy Snider, 33,
und Pascal, 36, ihren Platz als Richtungsweiser bei
Columbia, Tri-Star und Turner Pictures übernehmen,
werden sie mehr Frauen in den Prozeß einbeziehen.
Eine der beeindruckendsten Geschichten des Jahres
war in der Tat eine Produktion, die nicht ausdrücklich
als Arbeit von Frauen gewürdigt wurde.
Vor fast zehn Jahren verliebte sich Wendy Finerman,
Absolventin einer Ivy League University und Business
School und damals Mitte zwanzig, in einen Roman
von Winston Groom mit dem Titel Forrest Gump.
Eben am Anfang ihrer Karriere im Filmgeschäft
drängte Finerman das Buch allen möglichen Interessenten auf. Hartnäckig und selbstbewußt gelang
ihr schließlich die Verfilmung des Buches.

* *

AMERIKA DIENST 07

*

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�</text>
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und

I

PTIÜ'JIIWIUIT
»

United States Information Service

22. März 1978
I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich INFORMATION
USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab
Botschaft Carters ar die UN-Menschenrechtskommission
WIRTSCHAFT
Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz
- von unserem Korrespondenten John Holway HINTERGRUNDMATERIAL
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•

Die NATO zwischen den Gipfeltreffen
- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Nahrungsmangel und Fehlernährung
- Dritte Welt braucht bessere Verteilung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Behandlung von Entzugssymp';omen mit synthetischem Endorphin
Schutzantrich für Aluminiumboote
SchalIwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse

Um Über/endung von
ßcIcgcKcmpkiren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

Dokumentation
»

United States Information Service

22. März 1978

CARTER: DIE USA STEHEN ZU IHREN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -

WINSTON-SALEM, NORTH CAROLINA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am
17. März 1978 in einer Rede vor der Wake Forest-Universität in Winston-Salem
im Bundesstaat North Carolina einen Oberblick über die Verteidigungsanstrengungen der Vereinigten Staaten gegeben und dabei unterstrichen, daß die USA
immer zu ihren Verteidigungsverpflichtungen stehen werden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor 198 Jahren haben 400 nordkarolinische Milizsoldaten im südlichen
Teil Ihres Staates die Waffen in unserem Unabhängigkeitskrieg erhoben. Gegenüber einer Streitmacht von 1300 britischen Soldaten errang die nordkarolinische Miliz einen Sieg:

und ihre Schlacht von Ramsour's Mill wurde ein

Schritt auf dem Weg zum Sieg von Yorktown ein Jahr später.
Ihre Vorfahren in Nordkarolina, meine in Georgia und Ihre Nachbarn im
ganzen Gebiet der 13 Kolonien errangen ihre Freiheit im Kampf.

Das ist ein

Opfer, da$ Amerikaner in der Geschichte unserer Nation wiederholt zu bringen
hatten.

Wir haben gelernt, daß Stärke der beste Schutz der Freiheit ist.
Das

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Das ist eine Verpflichtung und ein Opfer, die ich so gut verstehe, ist
doch die Tradition des Militärdienstes in meiner eigenen Familie tief verwurzelt.

Mein erster Vorfahr, der sich in Georgia niederließ, James Carter, nahm

am Befreiungskrieg teil.

Mein Vater war Oberleutnant der Armee im ersten Welt-

krieg, und mein ältester Sohn meldete sich als Freiwilliger nach Vietnam.

Ich

selbst brachte elf Jahre meines Lebens als Angehöriger der amerikanischen Marine
zu.

Das ist für viele amerikanische Familien typisch.
Durch die Generationen hindurch blieb der Zweck unserer Streitkräfte der

gleiche:

Unsere Sicherheit zu verteidigen, wenn sie bedroht wird, und durch

erwiesene Stärke die Aussichten zu vermindern, daß wir wieder werden kämpfen
müssen.
Folgende Worte John F. Kennedys leiten uns noch immer in unserem Handeln:
"Der Zweck unserer Waffen ist der Friede, nicht der Krieg - sicherzustellen,
daß sie niemals angewendet werden."
Dieser Zweck ist unverändert der gleiche.

Die Welt aber hat sich verän-

dert, und unser Eingehen auf sie muß sich mit ihr verändern.
Heute morgen möchte ich zu Ihnen über Fragen der nationalen Sicherheit
sprechen:

Wo wir heute stehen, mit welchen Umständen wir konfrontiert sind,

und was wir in der Zukunft tun werden.
Lassen Sie mich eingangs auf einige irrige Vorstellungen hinweisen.
Eine dieser Vorstellungen besagt, daß sich dieses Land irgendwie davon
zurückziehe, seine Interessen und Freunde rund um die Erde zu schützen.

Das

ist nicht der Fall, wie in dieser Rede dargelegt und in unseren Handlungen
als Nation demonstriert werden wird.
Eine andere wiederum besagt, unser Verteidigungshaushalt sei eine zu
große Belastung und beanspruche einen ungebührlichen Anteil an den Einkünften

�Einkünften des Bundes.

Die nationale Verteidigung ist natürlich ein umfang-

reicher und wichtiger Ausgabenposten; er macht jedoch lediglich fünf Prozent
unseres Bruttosozialproduktes aus und nimmt schätzungsweise ein Viertel unseres derzeitigen Bundeshaushalts in Anspruch.
Es wäre auch ein Fehler, zu glauben, daß die Verteidigungsausgaben unseres
Landes in erster Linie auf Interkontinentalraketen oder Kernwaffen entfallen.
Etwa zehn Prozent unseres. Verteidigungshaushaltes entfallen auf die strategischen Streitkräfte für Zwecke der nuklearen Abschreckung,

über 50 Prozent

hiervon ist einfach dafür aufgewandt, die Männer und Frauen in unseren Streitkräften zu bezahlen.
Schließlich meinen einige Leute, wir brauchten angesichts der Tatsache,
daß wir Nuklearwaffen von großer Zerstörungskraft besitzen, weiter nichts mehr
zu tun, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Unsere potentiellen Gegner
haben inzwischen mit konventionellen Waffen - Panzer, Flugzeuge, Infanterie
und motorisierte Einheiten - ausgerüstete Streitkräfte aufgebaut. Diese
Truppen könnten zur politischen Erpressung benutzt werden und unsere lebenswichtigen Interessen bedrohen, sofern wir und unsere verbündeten Freunde nicht
unsere eigene konventionelle Stärke als Gegengewicht verfügbar haben.
Natürlich beruht unsere nationale Sicherheit auf mehr als lediglich
der militärischen Macht. Sie beruht zum Teil auf der Produktionskapazität
unserer Farmen und Fabriken, auf angemessenen Vorräten von Rohstoffen, auf
einem Wirtschaftssystem, das die Freiheit des Menschen über die zentralisierte
Kontrolle stellt, auf den kreativen Ideen unserer besten Hirne, auf harter Arbeit, auf dem Zusammenhalt, der moralischen Stärke und der Entschlossenheit
unseres Volkes und auf der Freundschaft unserer Nachbarn. Unsere Sicherheit
hängt von starken Bindungen zu unseren Verbündeten und davon ab, ob andere
Nationen in Frieden zu leben bestrebt sind und sich des Versuchs enthalten,
die Anliegerstaaten zu beherrschen.
Ausreichende und tüchtige Streitkräfte sind aber noch immer ein wesentliches Element unserer nationalen Sicherheit. Wir haben wie unsere Vorfahren
- 3 -

�i

Vorfahren die Verpflichtung, eine militärische Stärke aufrechtzuerhalten,
die den Herausforderungen der Welt, in der wir leben, angemessen ist.
Lassen Sie uns überprüfen, inwieweit sich die Probleme der nationalen .
Sicherheit in den letzten ein bis zwei Jahren verändert haben.
Die Welt wurde vielschichtiger und geriet in wachsende wechselseitige
Abhängigkeit.

Es bestehen heute Spaltungen unter den kommunistischen Mächten;

die alten Kolonialbereiche sind zusammengebrochen, und viele neue Staaten
sind an ihre Stelle getreten.

Alte ideologische Etikettierungen haben teil-

weise ihre Bedeutung verloren.
Veränderungen sind auch im militärischen Gleichgewicht unter den Staaten eingetreten.

Im Verlaufe der letzten 20 Jahre haben die Streitkräfte

der Sowjetunion beträchtlich zugenommen:

Sowohl in absoluten Zahlen als

auch im Verhältnis zu unseren eigenen.
Es hat sich auch eine unheilvolle Neigung seitens der Sowjetunion gezeigt, ihre militärische Macht einzusetzen - um in örtliche Konflikte mit Beratern, Ausrüstungen und mit voller logistischer Unterstützung und Ermutigung für Söldner aus anderen kommunistischen Ländern einzugreifen, wie wir
dies heute in Afrika beobachten können.
Diese Verstärkung der sowjetischen Militärmacht hält seit langer Zeit
an.

Wenn man die Inflation ausklammert, haben sich die sowjetischen Militär-

ausgaben seit 1960 verdoppelt und steigen weiterhin jährlich um drei bis vier
Prozent, während unser Militärhaushalt heute effektiv niedriger ist als 1960.
Die Sowjetunion, die ihrer Tradition nach keine erhebliche Seemacht darstellte, rangiert heute hinsichtlich ihrer Stärke zur See an zweiter Stelle
in der Welt.
Hinsichtlich ihrer ausgewogenen strategischen Nuklearkapazitäten haben
die Vereinigten Staaten einen wichtigen Vorsprung aufrechtzuerhalten ver- 4 -

�vermocht, dennoch hat aber der stetige sowjetische militärische Aufbau bei
den strategischen Streitkräften zu funktioneller Gleichwertigkeit
mit den Vereinigten Staaten geführt.
Diese Veränderungen machten es erforderlich, daß wir angemessene diplomatische, wirtschaftliche und militärische Gegengewichte aufrechterhalten.
Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte bin ich für die Modernisierung,
Ausweitung und Verbesserung unserer Streitkräfte verantwortlich, wenn immer
unsere Sicherheit solche Maßnahmen erforderlich macht. Wir haben kürzlich
eine wichtige Neubewertung unserer nationalen Verteidigungsstrategie aufgestellt. In diesem Prozeß haben wir einige umfassende Prinzipien erarbeitet,
die dem Zweck dienen, unsere nationale Sicherheit während der vor uns liegenden Jahre zu gewährleisten.
- Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden gegen jede
uns bedrohende Macht durch eine Kombination von Truppen, politischen Bemühungen und wirtschaftlichen Programmen ein Gegengewicht schaffen. Wir werden
es nicht dulden, daß irgendeine Nation die militärische Überlegenheit uns
gegenüber erlangt.
- Wir werden die Mitarbeit der Sowjetunion und anderer Nationen bei
der Verminderung der Spannungsbereiche anstreben. Wir wünschen nicht, militärisch in die inneren Affären anderer Länder einzugreifen oder regionale
Konflikte zu verstärken, und wir werden uns auch der Intervention anderer
widersetzen.
- Während wir unsere militärischen Kapazitäten aufrechterhalten, werden
wir durch verläßliche und verifizierbare Rüstungskontroll Vereinbarungen, wo
immer solche möglich sind, Sicherheit anstreben.
- Wir werden unsere großen wirtschaftlichen, technologischen und diplomatischen Vorteile dazu benutzen, unsere Interessen zu verteidigen und für
unsere Wertvorstellungen einzutreten.

Wir sind bereit, mit der Sowjetunion

- 5 -

�Sowjetunion beispielsweise zur Erreichung gemeinschaftlicher, sozialer,
wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Zielsetzungen zusammenzuarbeiten
- sollte

sie aber hinsichtlich der Raketenprogramme und anderer Truppen-

stärken keine Mäßigung zeigen und auch hinsichtlich der Entsendung sowjetischer oder als Ersatz dienender anderer Streitkräfte in Länder und Kontinente keine Zurückhaltung üben, dann wird eine derartige Zusammenarbeit bei
der Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten keine Unterstützung finden.
Diese Grundsätze bedeuten, daß wir - obwohl wir eine Einigung hinsichtlich der Rüstungskontrollen anstreben - unsere strategischen Systeme modernisieren und unsere konventionellen Streitkräfte mit neuer Stärke erfüllen.
Wir werden unsere Politik auf dreierlei Art und Weise verwirklichen:
- durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts bei den strategischen
Nuklearstrei tkräften;
- durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten zur Stärkung
und Modernisierung unserer Verteidigungsanstrengungen in Europa; und
- durch die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung von Streitkräften,
die ein Gegengewicht für jede Bedrohung unserer Verbündeten und unserer lebenswichtigen Interessen in Asien, im Nahen Osten und in anderen Gebieten der
Erde bilden.
Lassen Sie mich jeden dieser drei Punkte einzeln aufgreifen:
Unsere erste und fundamentalste Sorge geht dahin, einen Krieg mit Kernwaffen zu vermeiden. Die Schrecken eines nuklearen Konflikts und unser
Wunsch, die Arsenale der Welt von furchterregenden Nuklearwaffen zu befreien,
entheben uns nicht der Notwendigkeit, die Situation objektiv zu analysieren
und vernünftige Entscheidungen hinsichtlich unserer Zielsetzungen und der
Mittel zu ihrer Erreichung zu treffen.
Unsere

�Unsere strategischen Streitkräfte müssen - und das muß bekannt sein ein Gegengewicht zu den Möglichkeiten der Sowjets sein.

Diese dürfen nie

in der Lage sein, ihre nuklearen Streitkräfte dazu zu benutzen, unsere Freunde zu bedrohen, Zwang auf uns auszuüben oder uns zu erpressen.
Unsere anhaltenden energischen Bestrebungen in den SAIT-Gesprächen, die
gegenwärtig in Genf stattfinden, sind ein Mittel zur Erreichung des Zieles
der strategischen nuklearen Stabilität. Wir und die Sowjetunion haben in
einigen grundlegenden Punkten bereits Übereinstimmung erzielt, während für andere erst noch eine Regelung gefunden werden muß.
Wir erstreben keine einseitigen Vorteile. Ehe ich jedoch ein SALT-Abkommen im Namen der Vereinigten Staaten unterzeichne, werde ich sicherstellen,
daß es das strategische Gleichgewicht aufrechterhält, daß wir seine Einhaltung durch die Sowjets auf unabhängige Weise verifizieren können und daß wir
in Relation zur Sowjetunion mindestens ebenso stark sind, wie wir ohne ein
solches Abkommen wären. Aber zusätzlich zu den Begrenzungen und Verringerungen eines SALT II-Abkommens müssen wir andere Schritte unternehmen, um das
strategische Gleichgewicht zu bewahren. Im nächsten Jahrzehnt können Verbesserungen an den sowjetischen Raketen unsere landgestützten Raketenstreitkräfte gegenüber einem sowjetischen Erstschlag in zunehmendem Maße verletzlich machen. Ein solcher Angriff käme für die Sowjetunion zwar dem nationalen
Selbstmord gleich; wenn dies auch eine sehr entfernt liegende Möglichkeit
ist, stellt es doch eine Bedrohung dar, vor der wir uns ständig hüten müssen.
Wir haben eine überlegene U-Boot-Flotte, die gegenüber Angriffen relativ
unverwundbar ist, und gegenwärtig befinden sich neue Trident-U-Boote und
Trident-Rakteten im Bau, die unserer U-Boot-gestützten Raketenstreitmacht eine
noch größere Reichweite und Sicherheit gewährleisten würden. Ich habe die
unverzügliche Entwicklung und Dislozierung unserer Marschflugkörper angeordnet, um den strategischen Wert unserer Bomber zu erhöhen.

Wir arbeiten an

der interkontinentalen ballistischen Rakete des Typs M-X und an einer Trident
II-Rakete für U-Boote, um uns mehr Optionen zur Entgegnung auf strategische

- 7 -

�strategische Dislozierungen der Sowjets an die Hand zu geben.

Sollte es not-

wendig werden, die eindeutige Unverwundbarkeit unserer strategischen Abwehrkräfte zu gewährleisten, werde ich nicht zögern, Maßnahmen zu einer Entwicklung und Dislozierung dieses Systems in uneingeschränktem Ausmaß zu treffen.
Unsere strategischen Verteidigungskräfte sind dreifacher Natur:

boden-

gestützte Raketen, seegestützte Raketen und Systeme im Luftraum wie Bomber
und Marschflugkörper.

Durch die von mir umschriebenen Pläne werden alle drei

Elemente dieses Dreiersystems modernisiert und verbessert werden.

Jedes wird

die Fähigkeit beibehalten, einem Gegner vernichtende Vergeltungsschläge beizubringen.
Seit über 30 Jahre sind wir auf die Verteidigung Europas verpflichtet
- gebunden durch das Wissen, daß die Sicherheit Westeuropas entscheidend für
unsere eigene Sicherheit ist. Wir werden auch weiterhin mit unseren NAT0Verbündeten in einer Strategie der flexiblen Antwort zusammenarbeiten und:
dabei konventionelle und nukleare Streitkräfte miteinander verbinden, damit
kein Aggressor das Territorium der Freiheit bedrohen kann, das wir in der
Vergangenheit in gemeinsamem Ringen verteidigt haben.
Seit mehreren Jahren versuchen wir und unsere Verbündeten, mit den Sowjets und den anderen Staaten des Warschauer Paktes über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Streitkräfte in Europa zu verhandeln, aber in der
Zwischenzeit haben die Sowjets ihre Streitkräfte weiterhin verstärkt und modernisiert und zwar über den Stand hinaus, der für die Verteidigung notwendig ist. Angesichts dieses exzessiven sowjetischen Aufbaus mußten wir und
unsere NATO-Verbündeten wichtige Maßnahmen ergreifen, um kurzfristige Schwächen zu beseitigen und um auf langfristige Bedrohungen zu reagieren. -Wir
verstärken die in Westeuropa stationierten amerikanischen Streitkräfte beträchtlich und verbessern unsere Fähigkeit, zusätzliche Land- und Luftverstärkungen in Krisenzeiten beschleunigt zur Verteidigung Europas heranzuführen.
''
Unsere

- 8

�Unsere europäischen Verbündeten, die den Hauptteil der konventionellen
Kampfkraft der NATO stellen, verbessern ebenfalls ihre Einsatzbereitschaft,
ihre Verstärkungskapazität sowie ihre Panzerabwehr-Verteidigung.

Die Regie-

rungschefs der NATO-Länder werden im Mai an einem Gipfeltreffen in den Vereinigten Staaten teilnehmen, auf dem wir uns mit einem langfristigen Verteidigungsprogramm befassen werden, das die Verteidigungspläne der Verbündeten
erweitern und integrieren wird.
Seit vielen Jahren sind die Vereinigten Staaten eine wirklich globale
Macht. Unsere Interessen und Anliegen umfassen seit langem unsere eigenen
Sicherheitsinteressen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde über diese
Hemisphäre und Europa hinaus.
Wir haben eine wichtige historische Verantwortung, den Frieden in Ostasien, im Mittleren Osten, im Persischen Golf und in unserer eigenen Hemisphäre zu fördern. Wir ziehen es in all diesen Gebieten dabei vor, zunächst
zu internationalen Abkommen zu gelangen, die den Gesamtstand der Rüstungen
reduzieren und die Gefahr eines Konfliktes vermindern. Aber wir haben den
Willen - und wir müssen auch die Kapazität aufrechterhalten -, unsere Verpflichtungen zu erfüllen und unsere Interessen in diesen kritischen Gebieten
zu schützen.
Im Pazifik wird unsere kollektive Sicherheit gefördert durch gemeinsame
Verteidigungsverträge mit unseren Verbündeten sowie durch unsere Freundschaft
und Zusammenarbeit mit anderen pazifischen Nationen.
Japan und Südkorea, mit den Vereinigten Staaten eng verbunden, liegen
an geographischen Stellen, wo die lebenswichtigen Interessen von Großmächten
konvergieren. Es ist unbedingt notwendig, daß Nordostasien stabil bleibt.
Wir werden unsere militärische Stärke in diesem Raum aufrechterhalten und
sie sogar noch erhöhen, unsere Stärke zur Luft verbessern, und wir werden
unsere Landstreitkräfte vermindern, so wie die südkoreanische Armee weiterhin
ihre eigene Kapazität modernisiert und verstärkt.
Im
- 9 -

�v

Im Nahen Osten und in dem Gebiet des Indischen Ozeans streben wir nach
ständigem Frieden und nach Stabilität.

Die wirtschaftliche Gesundheit und

das wirtschaftliche Wohlergehen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans hängen von dem kontinuierlichen Zugang zum öl am Persischen Golf ab.
In all diesen Situationen fällt die Haupverantwortung für die Wahrung
des Friedens und der militärischen Stabilität den Ländern dieses Gebietes zu.
Wir werden auch weiterhin mit unseren Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten, uni ihre Fähigkeit zu stärken, Bedrohungen ihrer und unserer Interessen
zu verhindern. '•' Darüber hinaus werden wir jedoch Streitkräfte aufrechterhalten, auf die nötigenfalls zurückgegriffen werden könnte, um gemeinsame Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen.

Auf meine Weisung hin wird der'

Verteidigungsminister schnell-dislozierbare Streitkräfte - in der Luft, zu
Lande und zur See - weiter verstärken und aufbauen, um unsere Interessen
überall auf der Welt zu verteidigen.
Abkommen über die Rüstungskontrolle sind ein wesentliches Ziel als Mittel
unserer nationalen Sicherheit; aber dies wird nur möglich sein, wenn wir eine
angemessene Truppenstärke aufrechterhalten. Wenn wir ausgewogene, verifizierbare Abkommen mit unseren Gegnern erreichen, dann kann dies die Kosten für
die Sicherheit begrenzen und die Kriegsgefahr reduzieren. Aber selbst dann
müssen und werden wir mit jeweils den Rüstungsprogrammen, die unsere Sicherheit erfordert, in wirksamer Weise vorgehen.
Wenn ich dieses Auditorium jetzt verlasse, werde ich der Besatzung
eines unserer modernsten Flugzeugträger im Atlantischen Ozean einen Besuch
abstatten. Die Männer und Frauen unserer Streitkräfte bleiben - gut ausgebildet und als patriotische Amerikaner - dem Ziel unserer gemeinsamen Verteidigung verpflichtet. Sie müssen ständig einsatzbereit sein für den Kampf in der Hoffnung, daß durch Stärke ein Kampf verhindert werden kann. Wir müssen sie in dieser Wachsamkeit immer unterstützen.
Ich habe heute ernst und nüchtern zu Ihnen gesprochen, aber das ist kein
Anlaß, pessimistisch zu sein.

Wir stehen vor einer Herausforderung, und wir
- 10 -

�wir werden alles tun, was notwendig ist, um ihr zu begegnen.

Wir werden

unser Land bewahren und schützen und werden weiterhin bemüht sein, den Frieden in aller Welt zu fördern und aufrechtzuerhalten.
Dies bedeutet, daß wir auch in Zukunft starke und wirksame Streitkräfte
unterstützen müssen.
Für den größten Teil unserer Geschichte haben sich die Menschen vergeblich gewünscht, daß die Freiheit - und die Entfaltung des menschlichen Geistes,
aus der die Freiheit erwächst - letztlich nicht von der Macht der Waffen abhängig sein möge.

Wir wie unsere Vorfahren leben in einer Zeit, wo diejenigen,

die die Freiheit zerstören würden, weniger durch ihre Respektierung der Freiheit selbst davon abgehalten werden als durch ihr Wissen, daß diejenigen, die
sich der Freiheit erfreuen, stark sind.
Wir sind eine große Nation talentierter Menschen. Wir können uns durchaus die notwendigen Kosten für unsere Streitkräfte leisten und auch eine Vergrößerung des Rahmens, wenn dies notwendig ist, um jeden Gegner von einer Unterhöhlung des Friedens auf der Welt abzuhalten. Das Geld, das wir für die
Verteidigung ausgeben, ist nicht verschwendet - genauso wenig wie dies der Fall
ist mit dem Geld, das wir für die Aufrechterhaltung einer örtlichen Polizei
ausgeben, um den Frieden zu erhalten. Durch diese Investierung erlangen wir
die Freiheit, die erstrebenswerten Ziele unserer Nation zu realisieren.
Die SUdstaatler, deren Vorfahren vor einhundert Jahren die Schrecken
eines durch Krieg verwüsteten Heimatlandes kennengelernt haben, sind besonders entschlossen, daß uns ein Krieg niemals wieder heimsuchen sollte. Alle
Amerikaner begreifen die Grundlehre der Geschichte, daß wir entschlossen und
fähig sein müssen, um Drohungen und die Beherrschung durch andere zu verhindern.
Ganz gleich, wie friedlich, sicher und leicht die äußeren Umstände unseres

- 11 -

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unseres Lebens gegenwärtig erscheinen mögen, wir haben keine Garantie dafür, daß diese Segnungen anhalten werden. Deshalb müssen wir immer die Stärke bewahren, die wir - so Gott will - niemals werden anwenden müssen.
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�Dokumentation

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United States Information Service

22. März 1978

CARTER UNTERZEICHNET NONPROLIFERATIONSGESETZ
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1978
das vom amerikanischen Kongress verabschiedete Gesetz zur Verhütung der
Weiterverbreitung von Nuklearwaffen - Nonproliferationsgesetz - unterzeichnet, das die Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der
Lieferung von Nuklearbrennstoff an andere Länder regelt.

Dabei sind

strikte Sicherheitsvorkehrungen und Einschränkungen vorgesehen.

Bei der

Unterzeichnung des Gesetzes sagte Carter, "einige unserer Freunde in
Obersee"werden ihre Politik neu ausrichten müssen.

Er habe, so betonte

der Präsident, dieses Gesetz mit anderen Staats- und Regierungschefs erörtert und er glaube, daß sie die Klugheit der Bestimmungen des "Nuclear
Non-Proliferation Act of 1978" erkennen würden.
Die Vorlage für dieses Gesetz war seit Jahren im Kongress anhängig,
kam jedoch erst zum Zuge, als Carter dieses Problem im Jahre 1976 in
seinem Wahlkampf anschnitt. Präsident Carter hat dann am 27. April 1977
in einer Botschaft an den Kongress die Verabschiedung des Gesetzes

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Gesetzes gefordert, die jetzt mit Unterstützung der beiden großen
Parteien erfolgte.
Die offizielle Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Gesetzes hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, heute das Gesetz Nr. H.R. 8638 - Nuclear NonProliferation Act of 1978 (Nonproliferationsgesetz 1978) - zu unterzeichnen.

Das Inkrafttreten dieses Gesetzes bringt uns der Erreichung

eines Zieles näher, das die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten gemeinsam haben - der Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von
Nuklearwaffen Einhalt zu gebieten, während gleichzeitig die friedliche
Nutzung der Kernenergie weiterhin ermöglicht wird.
Der Kongress hat auf diese Aufgabe mit Sorgfalt und Mut reagiert
und einen Rahmen geschaffen, der gewährleistet, daß wir diese Ziele erreichen.

Meine Achtung und mein Dank gehören den Senatoren Ribicoff,

Glenn und Percy, den Abgeordneten Zabiocki, Bingham und Findley und ihren
Kollegen in den Ausschüssen, die dieses Gesetz ausgearbeitet haben, sowie ihren Mitarbeitern für die Führung, die sie in dieser Frage gezeigt
haben.

Es war für mich, wie für Außenminister Vance und andere

Mit-

glieder meines Kabinetts, eine Ehre, bei der Ausarbeitung des Nonproliferationsgesetzes 1978 mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Unsere Bemühungen, die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern, begannen vor über 30 Jahren, als wir den Vereinten Nationen das
Angebot machten, bestimmte Aspekte der Kernenergie unter internationalen
Besitz und internationale Kontrolle zu stellen. Die Verabschiedung des
Atomenergiegesetzes von 1954, die Billigung des Nonproliferationsvertrages (Atomwaffensperrvertrages) durch die Vereinten Nationen im Jahre
1968 und dieses Gesetzes hier haben uns auf dem Wege zur Erreichung
unserer Nonproliferationsziele ein gutes Stück weiter gebracht.
Am 7. April
- 2 -

�An 7. April und am 27. April vorigen Jahres habe ich die Politik
und die Programme umrissen, die wir einschlagen wollen, um die Risiken
der Proliferation zu verringern. Heute möchte ich die nachhaltige Verpflichtung dieser Administration zu dieser Politik bekräftigen. Wir
sind uns auch darüber im klaren, daß heute in Betrieb befindliche Kernkrafttechnologien, zu denen keine Wiederaufbereitung des Kernbrennstoffs gehört, eine wichtige Energiequelle für unser Land und für andere
Länder sein können und müssen. Unser gegenwärtiger Brennstoffzyklus
mit einem Durchgang (einmaliger Nutzung) ist ein wichtiger Beitrag zu
unserer Energieversorgung und wird es auch weiterhin sein. Richtig betrieben, kann er ohne eine Erhöhung des Risikos der Proliferation
funktionieren. Unsere Politik schlägt einen verantwortungsbewußten
Kurs ein zwischen einem Verzicht au f d^n Energienutzen der Kernkraft
und einer Verpflichtung zur kommerziellen Nutzung von Plutonium, bevor
wir wissen, ob wir mit den damit verbundenen Risiken überhaupt fertig
werden können.

Ich bin weiterhin dagegen, voreilige und unnötige Zusagen für die
kommerzielle Nutzung des Schnellen Brüters (Brutreaktors) und der
Wiederaufbereitung zu machen, wie sie in den Vereinigten Staaten am
Beispiel der Projekte Clinch River und Barnwell zu finden sind.
Wir und die anderen Nationen der Welt müssen die Zeit nutzen, die
wir heute haben, um sicherere Technologien, bessere institutionelle
Vereinbarungen und verbesserte Sicherheitsbestimmungen zu entwickeln,
die allen Ländern erlauben, ihre Energieziele zu erreichen,und gleichzeitig die Ausbreitung von Kernwaffen verhindern.
über 40 Länder haben sich uns bereits in einer Internationalen
Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus angeschlossen, um herauszufinden,
mit welchen Mitteln wir dieses doppelte Ziel erreichen können. In
dieser Periode der Überprüfung können die weitverbreitet in Betrieb

- 3 -

�Betrieb befindlichen Reaktoren mit Uranbrennstoff benutzt werden, ohne
daß dadurch neue Proliferationsrisiken entstehen.

Wenn unsere gemeinsame

Suche nach verbesserten Institutionen und Technologien jedoch erfolgreich
sein soll, dann müssen sich alle Länder solcher Schritte enthalten, die
das Ergebnis der Internationalen Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus
präjudizieren würden.
Das Nonproliferationsgesetz legt die Bedingungen und Kriterien fest,
die die amerikanische Zusammenarbeit mit anderen Ländern in unseren Bemühungen leiten werden, die friedliche Nutzung der Kernenergie weiterzuentwickeln.

Die Ermutigung zur weltweiten Ratifizierung des Atomwaffen

Sperrvertrages (Nonproliferationsvertrages) ist ebenso ein zentrales Anliegen des Gesetzes wie die Schaffung eines umfassenden Pakets von
Kontrollen, einschließlich der Anwendung der Sicherheitsbestimmungen
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und einer Vereinbarung über
einen stabilen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit und den
Handel auf nuklearem Gebiet.

Das Gesetz wird auch den Prozess für unsere

Exportlizenzierung überschaubarer machen.
Wir werden ferner Schritte unternehmen, um die Sicherheit und die
Sicherung des heute von uns praktizierten Brennstoffzyklus zu stärken
und sicherzustellen, daß er auch weiterhin eine leistungsfähige und zuverlässige Energiequelle für uns im eigenen Lande und für das Ausland
sein wird.
Im Laufe dieses Jahres werden wir umfassende politische Richtlinien für dasManagement und die Entsorgung radioaktiver Abfälle ausarbeiten, einschließlich der Verwirklichung des im vergangenen Oktober
angekündigten Programms für die Einlagerung abgebrannten Brennstoffs.
Um sicherzustellen, daß wir auch weiterhin in der Lage sind, ein
zuverlässiger Lieferant von Uranbrennstoff für jene zu bleiben, die mit
uns die Ziele der Nonproliferation teilen, schreiten wir mit der

- 4 -

�der Errichtung einer neuen Anreicherungsanlage in Portsmouth, Ohio,
voran.
Die Verhütung der nuklearen Proliferation wird nicht leicht sein manche Leute haben es sogar als unlösbare Aufgabe bezeichnet.

Ich bin

jedoch der Überzeugung, daß es einfach zwingend notwendig ist, der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
strengungen nicht nachlassen.

Wir dürfen in unseren An-

Die Angst vor dem Fehlschlag darf nicht

zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.
In dem ersten Jahr unserer Administration haben wir wesentliche
Fortschritte erzielt. Die Nuklear-Lieferländer haben sich auf Richtlinien f!ir den Export von nuklearem Brennstoff und Nukleartechnologie
geeinigt und diese veröffentlicht. Die Internationale Überprüfung des
Kernbrennstoffzyklus ist im Gange. Wenn diese Vorlage jetzt Gesetz
wird, legen wir deutliche Kriterien und Anreize für die nukleare Zusammenarbeit wie auch für Sanktionen gegen Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen fest.
Obwohl ich Vorbehalte gegenüber den zahlreichen Bestimmungen dieses
Gesetzes habe, die feststellen, daß der Kongress durch gleichlautende
Entschließung (Resolution beider Häuser) Handlungen der Exekutive außer
Kraft setzen oder billigen kann, unterzeichne ich es wegen seiner überwältigenden Bedeutung für unsere Nonproliferationspolitik.

Ich möchte

jedoch klarstellen, daß ich durch die Unterzeichnung des Gesetzes nicht
damit übereinstimme, daß der Kongress bewilligte Maßnahmen der Exekutive
durch Verfahre,, wiederrufen kann, die in der Verfassung nicht vorgesehen
sind.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich überzeugt bin, daß die
neuen Kriterien, Anreize und Verfahren dieses Gesetzes zur Lösung des
Problems der Proliferation beitragen werden. Sie werden gewährleisten
helfen, daß der Zugang zu Nuklearenergie nicht von einer Ausbreitung

- 5 -

�Ausbreitung der Fähigkeit begleitet sein wird, nukleare Sprengkörper
herzustellen. Ich räume zwar ein, daß einige dieser Bestimmungen Anpassungen seitens unserer Freunde in Übersee erforderlich machen mögen,
aber diese umfassendere Politik wird die internationale Sicherheit
wesentlich erhöhen. Ich bin überzeugt, daß c^'e erhöhte Sicherheit der
Welt die Schritte rechtfertigt, die wir alle tun i üssen, um das zu erreichen. Die Kontrolle über die Ausbreitung der Nuklearwaffen auf
unserem Planeten ist die überragende Frage unserer Zeit.
Wenn die Welt aus dem großen Potential der Kernkraft Nutzen ziehen
soll, dann müssen wir jetzt handeln, um uns und künftige Generationen
vor ihren schwersten Gefahren zu schützen. Wir in den Vereinigten
Staaten werden unser Fachwissen und unsere technischen Mittel für diese
Aufgabe einsetzen, und wir appellieren an andere Länder, das gleiche zu
tun. Wollen wir weiterhin zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen!

+ + + + +

�IUIiRrTO

ff ! 3 • i

Dokumentation
United States Information Service

8

22. März 1978

REDE GOLDBERGS AUF DER ABSCHLUSSITZUNG DER KSZE-NACHFOLGEKONFERENZ
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -

BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Belgrader
Nachfolgekonferenz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE), Botschafter Arthur J. Goldberg, erklärte auf der Abschlußsitzung am 8. März, diese Konferenz habe ihre Aufgabe erfüllt und
obwohl es manchmal schwierig gewesen sei, könne man sie doch als "erfolgreich" bezeichnen.
Die Ansprache Goldbergs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich möchte unseren jugoslawischen Gastgebern für
die Art und Weise danken, auf die sie während dieser Konferenz für uns gesorgt haben. Das Sekretariat unter der fähigen Leitung von Botschafter
Bozinovic, die jugoslawische Delegation und die Regierung und die Bevölkerung von Jugoslawien haben alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um diese Konferenz zu einem Erfolg werden zu lassen. Ich
möchte meine besondere Hochachtung vor seiner Exzellenz, Botschafter

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Botschafter Pesic, zum Ausdruck bringen.

Seine unerschütterliche Haltung

und Entschlossenheit, selbst wenn unsere Arbeit in ihren schwierigsten
Stunden steckte, war eine Inspiration für uns alle.
Es ist für die amerikanische Delegation eine besondere Genugtuung,
daß sich Präsident Tito gerade in dieser Woche in den Vereinigten Staaten
aufhält, wo Präsident Carter seine persönliche Wertschätzung der einzigartigen konstruktiven Rolle ausgesprochen hat, die Jogoslawien nicht nur
auf der Belgrader Konferenz, sondern während des gesamten Prozesses des
Aufbaus von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gespielt hat.
Ich halte es für angebracht, daß ich in dieser Schlußerklärung frei
und offen die Auffassungen der amerikanischen Regierung hinsichtlich der
Belgrader Konferenz und des KSZE-Prozesses zum Ausdruck bringen, der in
Helsinki begonnen hat und in Madrid und danach fortgesetzt werden wird.
In den vergangenen Monaten hat unsere Konferenz - mit der Unterstützung durch unsere freundlichen und geduldigen jugoslawischen Gastgeber und durch die gewissenhaften Anstrengungen der Delegierten - die
Lebensfähigkeit der Konzeption von Helsinki bestätigt.
Belgrad war der Prüfstein für die Gültigkeit und Anpassungsfähigkeit des KS2E-Prozesses. Es war kein leichtes Unterfangen, aber
wir haben das Ausmaß des Prozesses abgesteckt und ihn weiter vertieft.
Aber vor allem haben wir uns verpflichtet, den Prozess zu erhalten und
sein Gedeihen zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen.
Wir haben den Meinungsaustausch über die Verwirklichung der Bestimmungen und über die Aussichten für verbesserte gegenseitige Beziehungen geführt, wie ihn die Schlußakte vorsieht. Wir haben unsere
eigenen überzeugunaen vertreten und die Meinungen jener angehört, die
nicht mit uns übereinstimmen.
Auf diese Weise
- 2 -

�Auf diese Weise waren wir in der Lage, die Erfolge der Vergangenheit,
die fortbestehenden Mängel und die künftigen Aufgaben nüchtern zu beurteilen.

Wir sind übereingekommen, dieses Gespräch bilateral und im Jahre

1980 in Madrid fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erfüllung der Verpflichtungen der
Schlußakte immer als Teil eines schrittweisen aber ständig fortschreiterden Prozesses angesehen, die Kluft zwischen Ost und West zu überbrücken
und die Segnungen von Sicherheit und Zusammenarbeit auf ganz Europa, einschließlich selbstverständlich Berlins, auszudehnen.
Der Beitrag der KSZE bestand darin, 35 Staaten - unterschiedlich
in Größe und System, Geschichte und Zukunft - für diese lebenswichtige
Aufgabe zu engagieren. Die Rolle der Belgrader Konferenz bestand darin,
dieses Engagement zu vertiefen und das damit erwartete Verhalten zu spezifizieren.
Aus unseren Gesprächen hier hat sich ein klareres Verständnis der
vor uns liegenden Aufgabe entwickelt. Wir dürfen es keinem Lande erlauben, sich bestimmte Abschnitte der Schlußakte zur Beachtung herauszusuchen und andere zu ignorieren, ber Fortechritt auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der menschlichen Beziehungen wie auf dem Gebiete der
Abrüstung und der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen
Zusammenarbeit sind in der Schlußakte unlösbar miteinander verbunden.
Die Bedeutung der Verwirklichung der Schlußakte - und der Überprüfung
ihres Fortschrittes in Belgrad - liegt genau in der Kombination der verschiedenen Elemente der Entspannung in einem zusammenhängenden und zusammengehörenden Ganzen.
Im Oktober vorigen Jahres sprach ich davon, der Entspannung "ein
menschliches Antlitz und ein menschliches Maß" zu verleihen.

Das war

in der Tat eines der Hauptthemen auf dieser Konferenz. Und wenn wir
auch hier sind, um Regierungen zu vertreten, so haben wir doch versucht,

- 3 -

�versucht, die Probleme der l&lt; ansehen ebenso anzusprechen wie die Probleme
der Macht.

Wir haben die Ansprüche von einzelnen abgewogen, nicht nur

die Interessen von Staaten.
So haben wir die in Helsinki gemachten Versprechungen überprüft,
die Rolle des einzelnen und von Gruppen bei der Prüfung der Verwirklichung
der Schlußakte zu achten, die Wunden getrennter Familien zu heilen, das
Recht auf freie Auswanderung zu erleichtern und die Bedingungen zu verbessern, unter denen Wissenschaftler, Journalisten, Gelehrte und Geschäftsleute arbeiten.

Auf einigen dieser Gebiete hat sich ein gewisser,

aber bei weitem nicht ausreichender Fortschritt abgezeichnet, und bedauerlicherweise hat es sogar Rückschläge gegeben.
Unsere Konferenz behandelte natürlich als zentrales Thema ausführlich die Frage der Menschenrechte und Grundfreiheiten: Gedankenfreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit. Die Freiheit der wirksamen
Ausübung der Bürgerrechte - einzeln oder in Gruppen - führte in Belgrad
zur Behandlung heikler Fragen. Daß diese Fragen so heikel waren, läßt
gerade ihre Bedeutung erkennen. Unsere Konferenz war die erste, auf
der diese Fragen von prominenter Seite und legitim in den Rahmen der
multilateralen Ost-West-Diplomatie gestellt wurden.
Das ist eine mächtige Idee, und sie hat in Belgrad mächtige Unterstützung gewonnen. Sie hat auch starke Opposition hervorgerufen. Wir
haben die Behauptung vernommen, die Menschenrechte seien rein innere Angelegenheiten, daß die Erörterung ihrer Einhaltung in einem anderen Lande
die Souveränität dieses Landes verletze und eine Einmischung in Angelegenheiten bedeute, die Außenseiter nichts angingen.
Die Schlußakte weist ein solches Denken zurück.

Die Belgrader

Konferenz hat es unhaltbar gemacht.
Dank des Prinzips

�Dank des Prinzips Sieben sind die Menschenrechte ein direktes Anliegen aller Unterzeichnerstaaten der Schlußakte.

Gemäß den Bestimmungen

der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Menschenrechtserklärung und der Internationalen Konventionen - wie auch der Schlußakte sind sie Thema internationaler Unterfangen.

Sie sind damit ohne Frage

ein geeignetes Thema für die diplomatische Überprüfung und Aussprache,
wie wir sie

in Belgrad vorgenommen haben.

Belgrad weiterhin

Und sie werden auch nach

im Mittelpunkt anhaltender Bemühungen und Stellung-

nahmen bleiben.
Das Streben nach Freiheit ist ein nie endendes Unterfangen des
Menschen und die beste Garantie für seine Sicherheit und den Frieden.
Die Schlußakte verpflichtet uns alle,nach etwas zu streben, was Alexander
Puschkin vor langer Zeit als "eine bessere Art der Freiheit" bezeichnet
hat. Das ist, wie er schrieb, die Freiheit, sein Gewissen, sein Denken
oder seinen Nacken nicht vor Rang oder Macht zu beugen. Die Vorstellung
von der Würde des Einzelmenschen ist heute noch die Vision, die uns die
Schlußakte bietet - die Vision an deren Verwirklichung mitzuarbeiten
wir uns alle verpflichtet haben.
Wir wissen jedoch, daß nicht alle von uns die Verpflichtung ganz
und gar oder in gutem Glauben erfüllt haben. Die amerikanische Delegation hat in Belgrad ganz offen über die gebrochenen und unerfüllten
Versprechen hinsieht Prinzip Sieben und Korb 3 gesprochen. Wir haben
unsere Sorge und unser Bedauern, ja gelegentlich unseren Zorn über Vorfälle geäußert, die sich in direktem Widerspruch zur Schlußakte und
unter tiefer Mißachtung ihrer Bestimmungen auf dem Gebiet der Menschenrechte und Grundfreiheiten ereignet haben.
Unsere Konferenz konnte nicht über solche Episoden hinwegsehen, vor
allem wenn sich die ungerechtfertigte Unterdrückung gegen Männer und
Frauen richtet, deren einziges Vergehen darin zu bestehen scheint, daß sie

- 5 -

�sie lediglich die Bestimmungen und Versprechen der Schlußakte von Helsinki
beobachten, durchsetzen oder verwirklichen wollen.
in der Schlußakte Ermutigung.

Ihre Tätigkeit findet

Sie muß geschützt und darf nicht bestraft

werden.
In ähnlicher Weise konnten wir bei unserer Überprüfung der Verwirklichung nicht einfach über die Not von Männern und Frauen hinwegsehen und können es auch heute nicht -,die wegen ihres religiösen Glaubens verfolgt werden und weil sie diesen Glauben an ihre Kinder weitergeben wollen.
Und wir können heute • wie in Zukunft - ebenso wenig schweigen, wenn Angehörigenvölkischer Minderheiten die Gleichberechtigung, vor allem bei
ihren Bemühungen um die Erhaltung ihrer Sprache und ihrer Kultur, die für
ihre Identität wesentlich sind, vorenthalten wird.
Wir können nicht einfach so tun, als ob solche Fragen für die Verwirklichung der Schlußakte irrelevant, für diese Konferenz störend oder wenn besprochen - der Entwicklung der Entspannung abträglich wären. Wir
leben in der wirklichen Welt und nicht in einer eingebildeten Welt. Wir
können unsere Welt nicht verbessern, wenn wir von ihren Fehlern die Augen
verschließen.
Diese Mängel - genauso wie unsere Erfolge und unsere Möglichkeiten waren das legitime Thema des Belgrader Überprüfungstreffens. Diese
Überprüfung befaßte sich in produktiver Weise mit den wahren Mängeln hinsichtlich der Verwirklichung der Schlußakte (von Helsinki), so daß aus
dieser Überprüfung heraus jeder von uns und wir alle abhelfende Maßnahmen
ergreifen könnten.
Diese Maßnahmen bleiben für uns immer noch notwendig.

Leider werden

sie im Abschlußdokument dieses Treffens nicht detailliert aufgeführt.
Grund hierfür liegt auf der Hand: es kam zu keiner Übereinstimmung, und
dies bedauere ich zutiefst.
Die Bemühungen,
- 6 -

Der

�Die Bemühungen, hier in Belgrad oder im eigenen Land die Wahrheit
zu unterdrücken, werden die Wahrheit nicht ändern.

Und sie werden die

Vereinigten Staaten nicht davon Tbbrin«]en, darauf zu bestehen, daß
Offenheit für die heilsame Entwicklung des internationalen Vertrauens
genauso wichtig ist wie die Respektierung der souveränen Gleichheit und
der Individualität.
Offenheit und Respektierung müssen zusammenwirkende Elemente beim
Streben nach Sicherheit und Zusammenarbeit sein. Die mit der Schlußakte von Helsinki geschaffene Grundlage - verstärkt durch die Bilanz von
Belgrad - sollte uns in die Lage versetzen, eine noch festere Struktur der
Entspannung zu schaffen. Unsere erste Priorität - und dies bleibt immer
die alles überragende Aufgabe - ist auch weiterhin einfach die Verwirklichung der Schlußakte in allen ihren Teilen; und dies muß in gutem
Glauben und mit der gebotenen Ell" erfolgen. Das Anfangstempo ist dabei nicht so wichtig wie die Tatsache einer anhaltenden Vorwärtsbewegung.
Die Vereinigten Staaten haben die Absicht, hier von Belgrad aus
vorenzuschreiten.
Die Leistungen meines Landes sind hier in Frage gestelit worden, und ein Teil dieses Infragestellens war konstruktiv. Dies
wird meinem Lande helfen, seine Bilanz zu verbessern. Ich wünschte,
andere hätten gleiches im Sinne.
Mrine Delegation hat ebenfalls sehr sorgsam Kenntnis genommen von
den ernsthaften Vorstellungen zahlreicher Delegationen über Maßnahmen,
die in Übereinstimmung mit den Impulsen und dem Geist der Schlußakte
stehen. Einige dieser Vorschläge können durch einseitige oder durch
bilaterale Maßnahmen in Gang gesetzt werden. Viele andere können aufgeschoben und fertiggestellt werden f ür eine Entscheidung in Madrid. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, konstruktiv an solchen Maßnahmen teilzunehmen.
Wir bewerten insbesondere die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als Rahmen für einen zunehmenden politischen
- 7 -

�politischen Austausch zwischen Teilnehmerstaaten.

Die zahlreichen und

vielfältigen spezifischen Bestimmungen der Schlußakte bieten eine reichhaltige Palette für dieses Vorhaben.

Die Vereinigten Staaten werden bei

ihrem Bemühen, die politischen Beziehungen zu allen KSZE-Staaten zu vertiefen, auch weiterhin bestrebt sein, diese Möglichkeit in Realität umzusetzen.
So haben wir beispielsweise auf dem Gebiet der vertrauensfördernden
Maßnahmen in der Praxis erlebt, wie Staaten - ausgehend vom Buchstaber,
der Schlußakte - den Geist dieses Dokumentes verwirklichen können.

Durch

die Ankündigung kleinerer Manoever und dadurch, daß diese Ankündigungen
ausreichend informativ gehalten sind und den Beobachtern einen guten
Manoeverüberblick bieten, haben einige Staaten ein Beispiel gegeben, dem
andere in positiver Weise folgen können. Solche Erfahrungen sind konstruktiv.

Sie müssen auf größere Truppenbewegungen angewendet werden.

Darüber

hinaus können wir - ganz allgemein - von neuem über Mittel und Wege zur
"Entwicklung und Verstärkung von Maßnahmen (nachdenken), die auf die
Förderung des Vertrauens abzielen" - eine Möglichkeit, die die Schlußakte
uns ausdrücklich vor Augen führt.

Obwohl die KSZE nicht als Forum für

Abrüstungsverhandlungen konzipiert wurde, sind wir uns doch alle über die
Impulse im klaren, die sie diesem lebenswichtigen Prozess geben kann.
Ferner haben unsere offenen Diskussionen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit ca-&gt; Bewußtsein gestärkt,
daß die bestehenden Handelshemmnisse reduziert - ja, durch gemeinsame
Maßnahmen - beseitigt werden müssen. Das Potential für die Zusammenarbeit
auf diesem Felde ist groß, und die Vereinigten Staaten sind voll und ganz
bereit, die zahlreichen Möglichkeiten für unilaterale und reziproke Maßnahmen zu sondieren.
"°nn das Belgrader Treffen auch bis zu einem gewissen Ausmaß die Bewegungsfreiheit der Menschen in Fluß gebracht hat, so muß doch noch eine

- 8 -

�eine ähnliche Auswirkung hinsichtlich des Flusses von Informationen erfolgen.

Zu viele Staaten behindern immer noch den Zugang zu dem, was

zahlreiche Bürger dieser Länder lesen, sehen und hören möchten.

Schließ-

lich können wir noch viel tun, um die bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit zu fördern, um das Ausmaß und die Qualität der Kontakte
zwischen Wissenschaftlern und Gelehrten, zwischen Männern und Frauen der
Literatur und der Künste zu erweitern und zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin der Frage der
Menschenrechte besondere Aufmerksamkeit widmen. W"&gt;'r sind zutiefst besorgt über jene Personen und Organisationen, die meine Delegation im
Verlaufe unserer Diskussionen nach Namen und'and erwähnt hat und denen man
ihre elementaren Menschenrechte verwehrt. Und sie sind auf keinen Fall
die einzigen. Die Liste derjenigen, die unter der Repression leiden,
ist viel zu lang, und ihr Schicksal gibt zu den größten Besorgnissen Anlaß.
Dr. Martin Luther King hat einmal gesagt, daß "die Ungerechtigkeit
irgendwo auf der Welt der Feind der Gerechtigkeit überall auf der Welt
ist."
Die Schlußakte umfaßt das Konzept der Gerechtigkeit - nicht das
Privileg oder die Macht -,das die Angelegenheiten zwischen Menschen und
die Beziehungen zwischen Staaten beherrscht und regelt. Das Treffen von
Belgrad hat diesen zentralen Punkt im Kontext der Entspannung in Europa
bekräftigt. Wie wir gesehen haben, hängt der Friede von dem gerechten
Verhalten der Nationen gegenüber ihren eigenen Bürgern und unter einander
ab.
Helsinki hat große Hoffnungen wachgerufen. Mancherorts scheint
Helsinki auch große Befürchtungen hervorgerufen zu haben. In Belgrad
haben wir unsererseits offen und aufrichtig versucht, sowohl über die

- 9 -

�die Hoffnungen als auch über die Befürchtungen von Regierungen und
Völkern zu sprechen. Wir erkennen an, daß manche Hoffnungen nicht mehr
so groß sein mögen, wie sie es vielleicht waren, als wir r.a:h Belgrad
kamen. Aber wir waren uns immer der Tatsache bewußt, daß der Weg zum
Frieden, zur Sicherheit und zur Zusammenarbeit lang und mühsam ist.
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, weiterzumachen.
Zwischen heute und Madrid sowie in Madrid und in der Zeit danach werden wir
bemüht sein, die Verwirklichung aller Bestimmungen der Schlußakte zu
fordern. Und wir geloben feierlich, alles in unserer Kraft stehende zu
tun, um die Hoffnungen von Helsinki am Leben zu erhalten.

+ + + + +

- 10 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

USA LEHNEN SOWJETISCHEN ANTRAG AUF VERBOT DER NEUTRONENWAFFE AB

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben auf der Genfer Abrüstungskonferenz einen sowjetischen Antrag auf Verbot der sogenannten
Neutronenwaffe als "einseitiges Propagandamanoever" abgelehnt.
Der sowjetische Konferenzdelegierte Viktor I. Lichatschew hatte
am 9. März 1978 den Entwurf für eine Konvention zum Zwecke des Verbots
vorgelegt.

Der Delegierte der Vereinigten Staaten, Botschafter Adrian

Fisher,bezeichnete diesen Schritt als einen Versuch, die Konferenz von
ihrer eigentlichen Aufgabe, ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen auszuarbeiten, abzulenken.
Die angesprochene - noch nicht dislozierte - Waffe mit verringerter Sprengwirkung und verstärkter Strahlenwirkung (kurz Neutronenwaffe genannt) würde sicherlich zum schrecklichen Tod führen, aber das
gelte genauso

für die bereits dislozierten sowjetischen Waffen, von

denen einige eine mehr als 20 000 fache Wirkung haben, so sagte Botschafter Fisher.

Er wies ferner kategorisch die sowjetische Behauptung

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�Behauptung zurück, die Dislozierung der vorgeschlagenen Waffe würde die
atomare Schwelle senken.
Die Neutronenwaffe sei eine taktische Nuklearwaffe, die eine
Möglichkeit bietet, einem massierten Panzerangriff zu begegnen, so
führte Fisher aus, und es sei angesichts der gewaltigen Panzerüberlegenheit der Sowjets in Europa nur natürlich, daß sich die NATO Gedanken über solche Waffen mache.

Bei der Waffe, die eine unterschied-

liche Wirkung habe, handle es sich auf jeden Fall um eine Kernwaffe,
und die Vereinigten Staaten hofften zutieftst, daß sie - wie alle anderen
Nuklearwaffen - niemals eingesetzt zu werden brauche.
Botschafter Lichatschew beschuldigte die potentiellen Hersteller
der Waffe, deren wahre Natur verheimlichen zu wollen, um damit eine
günstige Stimmung für ihre Legalisierung zu schaffen.

Botschafter

Fisher erklärte darauf, niemand habe je behauptet, die Neutronenwaffe
sei zuträglich oder harmlos.
die Dinge zu reden.

Es sei an der Zeit, einmal offen über

Alle Nuklearwaffen, so betonte Fisher, seien dazu

entwickelt, andere zu töten; "das Antlitz des Krieges ist das Antlitz
des Todes".
Auf eine Reihe von Reden in jüngster Zeit eingehend, in denen die
Sowjetunion und ihre Verbündeten auf der Genfer Abrüstungskonferenz
die Neutronenwaffe angegriffen haben, erklärte der amerikanische Delegierte:
"Ich habe gehört..., daß diese Waffe 'unmenschlich' und barbarisch'
sei.

Ich würde diese Bezeichnungen ohne weiteres akzeptieren, aber sie

auf alle Dinge anwenden wollen, die dazu dienen sollen, menschliches
Leben auszulöschen, ganz besonders auf Nuklearwaffen.'
Aber, so fuhr Fisher fort, "wir warten vergebens darauf," daß die
Sowjetunion und ihre Verbündeten von den Nuklearwaffen in den
- 2 -

�den sowjetischen Arsenalen spräche, wie "die SS-20, eine neue mobile Gefechtsfeldrakete mit Mehrfachgefechtskopf, die in der Lage ist, jedes
Ziel in Europa mit großer Genauigkeit und gewaltiger Zerstörungskraft
zu treffen, und die derzeit in großer Zahl in der Sowjetunion disloziert
wird."
Botschafter Fisher bekräftigte die amerikanische Verpflichtung,
sich für eine ausgewogene Verringsrung des Wettrüstens einzusetzen.
"Die Vereinigten Staaten drängar, weiterhin nachdrücklich auf die Erreichung des Zieies eines umfassenden Nuklearversuchsverbotes", so
sagte er weiter. "Die Vereinigten Staaten unternehmen alle Anstrengungen,
die gegenwärtigen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen
Rüstungen (SALT) zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen."
Er fügte hinzu: "Auf lange Sicht streben die Vereinigten Staaten danach
beiderseits entsprechende Verringerungen der Zahl der Nuklearwaffen
mit dem Ziel einer schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen aus
den Arsenalen der Staaten zu erreichen."
In der Zwischenzeit lehne seine Regierung jeden Versuch ab, "die
Genfer Abrüstungskonferenz in ein öropagandaforum zu verwandeln und
sie von ihren wichtigen Aufgaben ab -.ulenken."

+ + + + +

- 3 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

8

BOTSCHAFT CARTERS AN DIE UN-MENSCHENRECHTSKOMMISSION

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in einer Botschaft an
die Menschenrechtskommission der Vereinigten Nationen die Leistung
dieses Gremiums der Weltorganisation im "Ringen um die allgemeine
Respektierung der grundlegenden Rechte des Menschen" gewürdigt.
Die Kommission, in der 32 Nationen vertreten sind, hat ihre 34.
Sitzung nach fünfwöchiger Dauer am 10. März in Genf beendet. Die
Botschaft Carters, die vom Leiter der amerikanischen Delegation, Edward
M. Mzvinsky, verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Die 34. Sitzung der Menschenrechtskommission der Vereinigten
Nationen findet in diesem Jahr zu einem Zeitpunkt statt, da wir des
30. Jahrestas der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedenken.
Wohl kein anderes Dokument der Vereinten Nationen ist so bekannt
wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Drei Jahrzehnte hindurch ist sie als eine von der internationalen Gemeinschaft abgegebene
Grundsatzerklärung und als ein Symbol der Hoffnung für alle diejenigen

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�diejenigen angesehen worden, die für die Verwirklichung der grundlegenden
Menschenrechte für alle Menschen eintreten.

Zu einem guten Teil ist es

diesem Dokument zu verdanken, daß heute keine Regierung mehr vorgeben
kann, eine Mißhandlung der eigenen Bürger sei lediglich ihre eigene
innere Angelegenheit.

Keine Regierung kann heute noch behaupten, das

Wesen ihrer Verpflichtungen sei ihr unbekannt.
Es bleibt noch viel zu tun, um für alle Menschen die in der
Allgemeinen Erklärung zugesagten Rechte zu gewährleisten.

Die Regierung

der Vereinigten Staaten rechnet damit, daß die Menschenrechtskommission
einen starken Impuls im Ringen um die allgemeine Respektierung dar grundlegenden Rechte des Menschen geben wird.

Es ist meine Hoffnung und die

Hoffnung der amerikanischen Delegation, daß die Kommission ihren Aufgaben und Verpflichtungen in einer fairen und umfassenden Weise nachkommen wird.
Wir sind überzeugt, daß dieses Gremium, in dem sich die Weisheit
aller großen Traditionen der Welt vereint, einen Weg finden wird, um
die höchsten Erwartungen der Menschheit auf Frieden, auf eine Welt
ohne Not, auf Gemeinsamkeit und auf die Würde des Einzelmenschen erfüllen zu helfen.

+ + + + +

�I
I

Ulirl/chofl
United States Information Service

22. März 1978

AMERIKANISCHE ÖLIMPORTE 1978 ZEIGEN SINKENDE TENDENZ
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Nach Auffassung offizieller amerikanischer Kreise
dlirften die amerikanischen ülimporte in diesem Jahr um drei bis vier Prozent
zurückgehen und damit der seit langem bestehende Aufwärtstrend dank der gesteigerten amerikanischen Produktion und den Einsparungsbemühungen sein Ende
finden.
Den Hauptanteil an dieser Produktionssteigerung tragen die ölförderungen im Staate Alaska; aber auch in den anderen Bundesstaaten, in denen Erdöl
gefördert wird, schwächt sich der seit langem bestehende Abfall der Produktionskurve infolge intensiverer Erdölbohrungen ab.
Zwar werden die ülimporte im Jahre 1979 und auch danach wahrscheinlich
wieder ansteigen, doch rechnet man damit, daß sich dieser Anstieg etwa in der
Größenordnung von zwei Prozent im Jahr bewegen wird und damit deutlich unter
dem erwarteten Wirtschaftswachstum der USA liegen dürfte - in jedem Falle aber
weit unter den Importanstiegen von 18 und 20 Prozent, wie sie für die vergangenen Jahre zu verzeichnen waren.
Auf privater Seite ist man mit den Voraussagen sogar noch optimistischer
als in Regierungskreisen.

Hier gehen die Schätzungen bis zu einer fünfpro-

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�fiinfprozentigen Abnahme der ölimporte für dieses Jahr.
Nach Ansicht von Lawrence Goldstein von der Forschungsstiftung der Erdölindustrie "sind die Tage des massiven Wachstums im amerikanischen ölimport
vorüber."
Der Rückgang tritt deutlich zu Tage. So lagen die Importe im Monat Fetbruarunter acht Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit fast 10 Millionen
Barrel im gleichen Monat des Vorjahres. Man räumt dabei jedoch ein, daß der
extrem kalte Winter des Vorjahres als Faktor für die damaligen höheren Importe
zu berücksichtigen ist.
Welche Auswirkungen der amerikanischen Bergarbeiterstreit im einzelnen
auf die ölimporte haben wird, ist noch nicht klar ersichtlich.

Einige Kreise

sagen aufgrund der daraus resultierenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums
voraus, daß die ölimporte sogar noch niedriger liegen würden als ursprünglich
angenommen.

Andere meinen, daß größere Mengen an Heizöl erforderlich sein

und die ölimporte dadurch etwas über den ursprünglich angesetzten Mengen liegen werden.
Insgesamt aber rechnet man allgemein auch weiterhin mit einem Absinken
der Importe für dieses Jahr. Einer der Hauptgründe dafür ist das durch die
neue "pipeline" aus Alaska zufließende öl. Derzeit werden auf den ölfeldern
in Alaska rund 700 000 Barrel öl pro Tag gefördert.
Kürze auf 1,2 Millionen Barrel gesteigert werden.
Natürlich gibt es da gewisse Imponderabilien.

Diese Leistung soll in

So wurde durch die Sabotage

an der Erdölleitung im vergangenen Monat der ölfluß unterbrochen und die erwartete Leistung nicht erreicht.

Hier zeigt sich, wie sehr eine ähnliche Stö-

rung sich auch in Zukunft negativ auf die "ölbilanz" auswirken könnte.
Ein weiterer wichtiger Grund ist die Tatsache, daß das Absinken der Produktion auf den alten Erdölfeldern der amerikanischen Staaten gestoppt wurde.

�wurde.

Mit steigenden Preisen haben die Erdöl Produzenten ihre Bohrtätigkeit

wieder stärker in Gang gesetzt, was dazu führte, daß die Produktion sich heute
etwa stetig auf der Höhe des vergangenen Jahres hält.

Ein dritter Grund sind die Einsparungsmaßnahmen.

Der Benzinverbrauch

wird geringer, und man sieht immer mehr kleinere Autos auf den Fernstraßen
Amerikas. Nach offizieller Schätzung wird der Benzinverbrauch gegen Ende dieses Jahrzehnts nicht weiter steigen, obwohl die Amerikaner in ihren Wagen mehr
Kilometer zurücklegen, als sie es heute tun.

Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, weist die Behauptungen, daß die
Vereinigten Staaten ein riesiges Energiedefizit wegen ihes "verschwenderischen
Ölverbrauchs" haben, zurück.

Der Anstieg der ölimporte in den vergangenen

fünf Jahren ist nach seiner Meinung fast zur Hälfte auf das Absinken der amerikanischen Produktion zurückzuführen.

Für die Zukunft wird nach Ansicht offizieller amerikanischer Kreise viel
davon abhängen, wie sich der Kongreß gegenüber dem von Präsident Carter eingebrachten Energiegesetz verhält.

Eine endgültige Abstimmung über die Gesetzes-

vorlage dürfte innerhalb der nächsten Wochen erfolgen.
Für die Entwicklungen bis 1985 gibt es für die Administration drei Kursmöglichkeiten:

entweder ohne den Plan des Präsidenten oder mit seinem Energie-

plan oder mit dem Plan und zusätzlichen Einsparungsvorkehrungen.

Selbst wenn der Plan Carters vom Kongreß nicht gebilligt werden sollte,
so dürften sich nach Ansicht amtlicher Kreise in Washington die ölimporte
bis 1985 etwa insgesamt auf 11,5 Millionen Barrel pro Tag belaufen.

Das aber

wäre ein Anstieg von nur vier Prozent im Jahr, verglichen mit den jährlichen
Importanstiegen bis zu 20 Prozent in den vergangenen Jahren.

Für die ein-

heimische Produktion wird ein Ausstoß von 10,4 Millionen Barrel pro Tag, das
sind etwa 47 Prozent des gesamten Verbrauchs, vorausgesagt.
Wenn

\

- 3-

�Wenn der Energieplan des Präsidenten jedoch in allen seinen Elementen
gebilligt wird, dann ergäbe sich nach Ansicht der gleichen Kreise ein noch
viel günstigeres Bild.

Die Importe würden auf nur sieben Millionen Barrel

pro Tag zurückgehen, während die Produktion, durch finanzielle Anreize gefördert, auf 10,6 Millionen Barrel - oder 60 Prozent des gesamten Ölverbrauchs ansteigen würde.
Mit zusätzlichen Einsparungsmaßnahmen könnten nach Ansicht der Administration die Importe weiter bis auf 5,8 Millionen Barrel pro Tag gesenkt werden.

Bei gleicher Höhe der Produktion im eigenen Land würden diese 65 Prozent

des gesamten amerikanischen Ölverbrauchs decken.
Das letzte große Problem, über das im Kongreß noch verhandelt wird, ist
die Frage der Rohöl-Ausgleichssteuer.

Auch wenn diese Steuer nicht gebilligt

werden sollte, dürften durch die übrigen in dem Plan vorgesehenen Maßnahmen bis
zu drei Millionen Barrel öl pro Tag bis zum Jahre 1985 eingespart werden - was
für die Zahlungsbilanz eine Einsparung von 15 Milliarden Dollar im Jahre bedeuten würde.
•

+ + + + +

�22. März 1978

DIE NATO ZWISCHEN DEN GIPFELTREFFEN
Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Von Peggy Post

Schon kurz nach seinem Amtsantritt nahm Präsident Carter im Mai 1977 an einem NATOGipfeltreffen in London teil und bekräftigte
dort die amerikanische Verpflichtung auf das
Bündnis. In seiner Rede vor dem Nordatlantikrat schlug er mehrere Initiativen vor,
darunter auch die Einberufung einer weiteren
NATO-Gipfelkonferenz nach Washington für
Mai 1978. Im Verlauf seines Blitzbesuches
in Brüssel Anfang Januar dieses Jahres nahm
der Präsident auf seinen ausdrücklichen Wunsch
hin an einer regulären Sitzung des Nordatlantikrates teil. Er versicherte den Ständigen
Vertretern der Mitgliedstaaten, daß sie bei
der Vorbereitung dieser Frühjahrskonferenz
in Washington seiner Unterstützung gewiß
sein könnten. Botschafter W. Tapley Bennett
der Ständige Vertreter der USA im Nordatlantikrat und persönlicher Freund Präsident
Carters, nimmt in dem nachstehenden Interview, das er einer Mitarbeiterin der Zeitschrift "Commerce in Belgium" im Februar
1978 gewährt hat, zu wichtigen Fragen in
bezug auf die NATO und zum Verhältnis der USA
zur NATO Stellung.
Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift "Commerce in Belgium".

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�FRAGE:

Warum wollte Präsident Carter am NATO-Gipfeltreffen im Frühjahr

1977 teilnehmen?
ANTWORT:

Das war meines Erachtens seinem Wunsch zuzuschreiben, seine

europäischen Kollegen kennenzulernen.

Er hat, wie Sie wissen, damals erklärt

und erst jüngst noch einmal wiederholt, daß die NATO das Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bleibt.

In London tagten unsere engsten Verbündeten -

die Leute, die er kennenlernen wollte.

Darüber hinaus hatte er einige posi-

tive Initiativen entwickelt, die er darzulegen suchte.
FRAGE:

Um welche Initiativen handelte es sich?

Wurden sie durch den

Ausbau der militärischen Kapazitäten der Länder des Warschauer Paktes veranlaßt?
ANTWORT: Es ist meines Erachtens inzwischen vollkommen klar - und wird
auch in allen Bündnisstaaten allgemein so gesehen -, daß die Sowjets ihre
militärischen Kapazitäten sowohl in qualitativer als auch in quantitativer
Hinsicht ständig ausgeweitet haben. Der Westen hatte wohl einen Vorsprung,
ist aber gewissermaßen auf seinem Niveau stehengeblieben, so daß sich die
Erkenntnis durchzusetzen begann, wir müßten uns mehr um unsere Verteidigung
kümmern. Es erhob sich ferner die Frage, wie wir uns in Rücksicht auf die voraussehbaren Entwicklungen im nächsten Jahrzehnt auf die achtziger Jahre vorbereiten könnten. Deshalb lief eine der Initiativen darauf hinaus, eine umfassende Ost-West-Studie zu erstellen. Sie dient dem Zweck, nicht nur die politischen
und wirtschaftlichen Trends im Osten zu bewerten, sondern auch die demographischen und soziologischen Entwicklungen und all jene Dinge zu berücksichtigen,
die geeignet scheinen, die Entscheidungen der Sowjets in der Zukunft zu beeinflussen. Diese Untersuchung wird eine faktische und konzeptionelle Basis für
die Beurteilung der Lage in den achtziger Jahren abgeben.
Eine zweite Initiative bestand darin, ein langfristiges Verteidigungsprogramm zur Stärkung unserer Verteidigungsvorkehrungen auf allen Gebieten
zu initiieren, damit wir in den achtziger Jahren weiter voranschreiten und

�und den Frieden erhalten können.

Die NATO hat große Erfolge erzielt.

Während

es in anderen Teilen der Welt viele Schwierigkeiten gegeben hat, kam es in den
letzten dreißig Jahren in Europa zu keinerlei kriegerischen Auseinandersetzungen.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, diese Initiativen seien aus der Erkennt-

nis der NATO-Mitgliedstaaten bzw. Präsident Carters erwachsen, daß sich die
Waage zugunsten der Sowjets und der Länder des Warschauer Paktes geneigt habe?
ANTWORT:

Nein.

Die Waagschale hat sich nicht geneigt.

Es handelt sich

nur darum, daß sie sich neigen könnte, wenn wir den Dingen wie bisher freien
Lauf lassen.
FRAGE:
Sorge sehen?

Gibt es irgendein Gebiet bezüglich dessen Sie Anlaß zu besonderer

ANTWORT: Nein. Um dem vorzubauen, betrachten wir ja die Ost-WestSituation aus einem so weiten Blickwinkel. Deshalb haben wir das langfristige
Verteidigungsprogramm auf eine Reihe von Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich
mit Teilbereichen des Gesamtkomplexes der militärischen Bereitschaft wie Logistik, Befehls- und Leitstrukturen, Fernmeldewesen, Kampfbereitschaft und Reserven befassen. Alle diese unterschiedlichen Aspekte der militärischen Planung sind Bestandteile auch des langfristigen Programms. Es ist dies das
erste Mal, daß sich die NATO eines Arbeitsgruppensystems bedient. An der
Spitze jeder dieser Gruppen steht ein Delegierter aus einem anderen NATO-Mitgliedstaat. Der Großteil der Arbeitsgruppen arbeitet hier in Belgien, einige
aber auch am Sitz des Obersten Alliierten Befehlshabers Atlantik (SACLANT) in
Norfolk, Virginia, und eine wurde am Sitz des Oberbefehlshabers Ärmelkanal in
England etabliert.
FRAGE:

Was wird aus dem kurzfristigen Verteidigungsprogramm?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Das schreitet sehr rasch voran. Auf dem Gipfeltreffen in

Washington Ende Mai dieses Jahres wird von positiven und unmittelbaren Ergebnissen zu berichten sein.

Sie betreffen die Verstärkung der Panzerwaffe, die

Vergrößerung der Kampfbereitschaft und der Reserven und anderes mehr.

Das

sind in erster Linie Aufgaben von General Haig (für den Befehlsbereich Europa)
und Admiral Kidd (für den Befehlsbereich Atlantik).
FRAGE:

Wenn die NATO gegenwärtig den Schwerpunkt auf den Ausbau der

Verteidigungsvorkehrungen legt, sehen Sie hierzu eine Parallele im Osten?
ANTWORT:

Wir sind der Auffassung, daß der Osten seit langem schon eine

ständige Verstärkung betreibt. Wie in Demokratien üblich, liegen unsere Prioritäten auf sozialem Gebiet, wo es zahlreiche Dinge gibt, die wir lieber täten.

Jetzt aber ist es an der Zeit, uns um unsere Verteidigung zu kümmern.
FRAGE:

Das erinnert mich an die Gespräche über die beiderseitige Ver-

ringerung der Streitkräfte, die die NATO und der Warschauer Pakt im Jahre 1973
in Wien aufgenommen haben.

Wenn andere gesellschaftlichen Prioritäten die

NATO-Länder zu größerer Zurückhaltung bei den Verteidigungsausgaben und verstärkten Bemühungen um eine Verminderung der Truppenstärken bestimmen könnten,
sind ähnlich große Drücke auch in den Ländern des Ostblocks vorstellbar?
ANTWORT:

Auch sie sind an einer Verringerung der Militärausgaben in-

teressiert - schon deshalb, weil sie bisher sehr wenig für ihre Völker getan
haben und dort vom Volk ein wachsender Druck ausgeht, das Verbraucherangebot
auszuweiten. Polen bietet ein glänzendes Beispiel. Dort kam es zu Straßenunruhen, die die Regierung in Gefahr brachten. Sicherlich wäre der Osten
ebenso froh wie der Westen, wenn ein Teil der militärischen Belastungen aufhörte. Alle könnten aufatmen. Es ist an der Zeit, daß der Osten den Ansprüchen seiner Völker mehr Rechnung trägt,statt lediglich den Bedarf des
Staatsapparates zu berücksichtigen.
FRAGE:

- 4 -

�FRAGE:

Welche politischen Realitäten stehen Versuchen entgegen, die

Mitgliedstaaten der NATO zur Bereitstellung von mehr Geld oder mehr Arbeitskräften zu bestimmen?
ANTWORT:

Die Brüsseler Verteidigungsminister-Konferenz vom Mai vorigen

Jahres im Anschluß an die Londoner Gipfelkonferenz einigte sich auf eine Erhöhung des Finanzbeitrags der Länder um real drei Prozent.

Es freut mich,

sagen zu können, daß allem Anschein nach alle Länder dieser Forderung nachkommen werden, bis auf ein oder zwei, denen dies aus verständlichen innenpolitischen Gründen voraussichtlich nicht möglich sein wird.
FRAGE:

Glauben Sie, daß sich die Vereinigten Staaten stärker auf die

NATO ausgerichtet haben, vor allem seit sie keine Verpflichtungen gegenüber
Vietnam mehr haben?
ANTWORT: In hohem Maße sogar. Die Vereinigten Staaten und ihr Präsident sind sehr stark NATO-orientiert. Präsident Carter hat ausdrücklich eine
halbe Milliarde Dollar zusätzlich für den NATO-Haushalt eingeplant. Der amerikanische Staatshaushalt für das Haushaltsjahr 1979 wird in manchen Positionen Kürzungen aufweisen, der Voranschlag für die NATO aber wird erweitert
werden.
FRAGE:

Besteht auch Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit,

die Verteidigungsanstrengungen zu verstärken, dürften doch noch viele Details
umstritten bleiben. Es gab beispielsweise Klagen, eine Ausweitung der Verteidigungskapazitäten bedeute mehr Käufe der Europäer in Amerika. Es scheint
jedoch eine neue Initiative zu geben, die man hier als "zweibahnige Straße"
umschreibt.
ANTWORT:
herausstelle.

Ja, das ist eine weitere Initiative, die ich tatsächlich gerne
Die "zweibahnige Straße" bezieht sich auf das europäische Inter-

esse an amerikanischen Beschaffungskäufen in Europa.

Präsident Carter selbst

sprach auf dem Londoner Gipfeltreffen davon, daß er sich der Notwendigkeit

- 5 -

�Notwendigkeit größerer Käufe bewußt sei; er sagte, er halte sehr viel vom
Prinzip der "zweibahnigen Straße".

Das ganze ist eine Frage der Organisation.

Weil die amerikanische Produktionsbasis um soviel größer ist, müssen die Europäer ihre Anstrengungen zusammenfassen, um wettbewerbsfähig zu sein.

Anfang

Dezember vergangenen Jahres hielten die Europäer eine Tagung zu diesem Thema
ab.

Nunmehr, da sich die Europäer in diesem Sinne zusammentun, kann der trans-

atlantische Dialog beginnen.
FRAGE:

Wir hören sehr viel von Standardisierung, der Verwendung der

gleichen Waffen, Geräte oder Systeme durch alle NATO-Mitgliedstaaten.

Es

ist auch die Rede von der Interoperabilität, der Verwendung baugleicher Ersatzteile und Nachschubgüter für im übrigen nicht vollkommen normierte Waffen,
Geräte oder Systeme aus verschiedenen Herstellungsländern.

Was geschieht in

dieser Hinsicht?
ANTWORT: Dieses Jahr geht es um die Panzerkanone. Es ist eine sehr
wichtige Frage, ob man die amerikanische, die deutsche oder die britische
Version einer solchen Kanone verwenden soll. Eine weitere Frage von echter
Bedeutung betrifft die Fernmeldeeinrichtungen. Als ich beispielsweise im
Herbst letzten Jahres an den Manövern in Deutschland teilnahm, besuchte ich
auch das amerikanische Hauptquartier, dem auch ein belgischer Verbindungsstab
zugeteilt war. Mit diesem konnten wir nicht Kontakt halten, obwohl wir in
benachbarten Abschnitten lagen. Wir konnten sie über Funk nicht direkt ansprechen, weil unsere Geräte nicht aufeinander abgestimmt sind, konnten sie
aber - schließlich leben wir in einem modernen Zeitalter - über Satelliten
erreichen: Die Meldungen wurden an einen Satelliten abgesetzt und von dort
auf die nur drei Meilen von uns entfernten Belgier zurückgestrahlt. Das ist
somit ein weiteres Gebiet, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen.
FRAGE: Handelt es sich bei der Konzeption der Standardisierung der
Waffen nicht um eine langfristige Angelegenheit?
ANTWORT:

- 6 -

�ANTWORT:

Es ist eine Konzeption, an der wir arbeiten.

Ein anderer

Schlüsselbegriff ist der der "Interoperabilität", weil meiner Meinung nach
ohnehin niemand glaubt, daß wir zu einer vollkommenen Standardisierung gelangen werden.

Jedes Land hat seine Industrie, die es mit Rücksicht auf die ei-

genen nationalen Interessen

in Gang halten will.

Es geht somit im Grunde um

die Frage, ob man, wenn man schon nicht alle Waffen normieren kann, nicht
besser interoperable Waffen bauen sollte: diese Granate sollte auch für jene
Kanone passen

usw.

FRAGE: Es sind zwölf Jahre her, daß Frankreich seine militärische Verpflichtung gegenüber der NATO aufgekündigt hat. Glauben Sie, daß dieser Faktor eine Rolle gespielt hat, Präsident Carter zu seinem Frankreichbesuch zu
bestimmen?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß die NATO im Hinblick auf den Be-

such in Frankreich eine besondere Rolle gespielt hat.
wurde neu belebt.

Das alte Bündnis aber

Schließlich machten die beiden Staatschefs ihre gemeinsame

Reise in die Normandie.

Das ist das Gebiet, wo die Amerikaner den Fuß

auf französischen Boden setzten, als sie zum letzten Mal gebraucht wurden, um
bei der Befreiung Frankreichs und Europas mitzuhelfen.

Deshalb glaube ich,

daß die Frage der europäischen Sicherheit in ebenso großem Maße von beiderseitigem Interesse wie von NATO-Interesse ist.
FRAGE:

Zur Zeit der Ford-Administration schienen die Vereinigten Staaten

der Auffassung zu sein, die NATO würde in Gefahr geraten, wenn die kommunistische
Partei in irgendeinem NATO-Land an der Regierung beteiligt werde.
liche Problem lag damals in Italien.

Das eigent-

Sehen Sie ähnliche Probleme wie mit

Italien auch für Portugal oder Frankreich voraus?

Welche Haltung nimmt die

derzeitige Administration zu dieser Frage ein?
ANTWORT:

Die amerikanische Regierung hat klargestellt, daß die Ent-

scheidung eines Landes, kommunistisch zu werden oder Kommunisten zur Regierung
zuzulassen, eine Frage sei, die ihm selbst überlassen bleibe, daß ein solcher

- 7 -

�solcher Schritt aber ernste Rückwirkungen auf das bilaterale Verhältnis und
auch auf Beziehungen innerhalb der NATO haben könnte.
FRAGE:

Man hört immer wieder Schätzungen bezüglich der Kapazität des

Warschauer Paktes, Europa zu überrennen.
drei Wochen.

Es ist die Rede von 48 Stunden bis

Können Sie hierzu einen Kommentar abgeben?

Worin besteht die

eigentliche Bedrohung?
ANTWORT:

Das ist eine Frage, über die manche Leute seltsame Spekula-

tionen des Inhalts anstellen: Wieviel Vorwarnzeit wäre gegeben?

Einer der

Gründe für das langfristige Verteidigungsprogramm, das wir inzwischen in Angriff genommen haben, ist das Bestreben, unsere Verletzlichkeit auf diesem
Gebiet zu verringern und sicherzustellen, daß ausreichende nachrichtendienstliche Erkenntnisse vorliegen und daß entsprechende organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, damit wir rechtzeitig davon erführen, wenn die Gegenseite beginnen würde, Leute nach Osteuropa einzuschleusen - noch ehe sie
bis zur Grenze gelangten.

Es steht außer Frage, daß der Ostblock hinsichtlich

der Panzerwaffe stark im Vorteil ist.
derer sich die Leute sorgen.
und andere Programme.

Das ist einer der Gründe, bezüglich

Aber hierfür haben wir die nukleare Abschreckung

Wir brauchen ebenso starke Truppen und auch ebenso viele

Waffen, wie sie haben - auch wenn wir nicht daran denken, in irgendein
einzufallen.
hätten.

Land

Natürlich werden sie uns erklären, daß sie das auch nicht vor-

Sei dem, wie es wolle, wir wissen nur, daß der Westen nichts der-

gleichen beabsichtigt.
•

FRAGE:

Gab es irgendwelche neue, Probleme, die der Präsident bei seinem

Zusammentreffen mit der NATO angeschnitten hatsoder ging es ihm in erster Linie darum, die amerikanische Verpflichtung gegenüber der NATO und auch die fortgesetzte Unterstützung der NATO erneut zu bekräftigen?
ANTWORT: Präsident Carters Erscheinen vor dem Nordatlantikrat am 6.
Januar 1978 bot dem Präsidenten einmal mehr Gelegenheit, seine persönliche
Bindung an die NATO zu unterstreichen und herauszustellen, daß die amerika-

- 8 -

�amerikanische Regierung auf eine Stärkung des NATO-Bündnisses als dem Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bedacht ist.

Auf dieser Tagung sprach

der Präsident von der Erhöhung der Haushaltausgaben und der Stärkung der NATOStreitkräfte in Europa.

Er sagte mir persönlich hinterher noch, daß diese

Tagung für ihn sehr wertvoll gewesen sei und daß ihm die dort gebotene Gelegenheit der freien Aussprache und des freien Meinungsaustauschs mit Amerikas
engsten Verbündeten sehr zustatten gekommen sei.

+ + + + +

- 9 -

�22. März 1978

8

NAHRUNGSMANGEL UND FEHLERNÄHRUNG
Dritte Welt braucht bessere Verteilung

- (AD) - "In Indien sterben jährlich 500 000 Menschen an Unterernährung",
besagt eine Verlautbarung des Nationalen Ernährungsinstituts in New Delhi von
Anfang März 1978. Trotz einer stark angestiegenen Nahrungsmittel Produktion
sei der Hunger für große Teile der Bevölkerung nicht geringer geworden. Die
Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist mit 36,1 Prozent sogar
fast ein Prozent höher als 1951. Betroffen sei vor allem die Landbevölkerung,
wo jedes dritte Kind an Vitaminmangel und anderen Mangelkrankheiten leide.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen. In ihrer neuesten Untersuchung
zur Welternährungslage stellt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) Mangelernährung bei einem Drittel der Bevölkerung in 92 Ländern
fest. Die Anzahl der Menschen in der Welt, die durch unzureichende Versorgung
und einseitige Kost unterernährt sind, sei von 400 Millionen im Jahr 1971 auf
455 Millionen gestiegen. Und dies angesichts einer Weltgetreideproduktion von
etwa 1,3 Milliarden Tonnen, die laut Prof. Peter Timm (Cornell-Universität,
New York) ausreichen würde, um jeden Bewohner unseres Planeten täglich mit
65 Gramm Eiweiß und dem Normal bedarf an Kalorien zu versorgen.
Demnach bedürfen die Mechanismen der Verteilung dringend der Verbesserung
und Korrektur. Dies gilt nicht nur für die Verteilung zwischen und innerhalb

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�innerhalb von Regionen, sondern auch innerhalb einzelner Entwicklungsländer,
ja selbst zwischen den verschiedenen Schichten ihrer Bevölkerung und oft genug auch in der Familie.

Die wichtigsten Erzeugerländer für Nahrungsmittel

versuchen nach wie vor, akute Not durch Hilfslieferungen zu lindern - wohl
wissend, daß davon keine Dauerlösungen zu erwarten sind.

So haben sich die

USA kürzlich auf der internationalen Weizenkonferenz, die parallel zur UNKonferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf abgehalten wurde, bereit
erklärt, 1978 mindestens 4,47 Millionen Tonnen Getreide zu der auf 10 Millionen Tonnen angehobenen Gesamtmenge beizusteuern, die die Mitgliedstaaten
der Lebensmittelhilfe-Konvention in diesem Jahr für Entwicklungsländer bereitstellen wollen.

Von den Vereinigten Staaten erhalten 23 der ärmsten

Länder im laufenden Haushaltjahr überdies direkte Nahrungsmittelhilfe im Wert
von 155 Millionen Dollar.
"Grüne Revolution" in der Anpassung
!•

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Aufgrund der Ergebnisse ihrer Untersuchungen fordert die FAO für zahlreiche Entwicklungsländer eine wesentliche Erhöhung der Nahrungsangebote innerhalb der nächsten 12 Jahre. Damit müßten allerdings Maßnahmen einhergehen,
die sicherstellen, daß die zusätzlichen Lebensmittel den am meisten bedürftigen
Bevölkerungsteilen zukommen.
•

Der "Grünen Revolution" mit der Einführung kurzstämmiger, besonders ertragreicher Weizen- und Reissorten war es in hohem Maße zu verdanken, daß seit
Mitte der sechziger Jahre manche Entwicklungsländer ihre Eigenerzeugung an
Nahrungsmitteln drastisch zu steigern vermochten. So konnte Mexiko die Weizenproduktion seit 1950 vervierfachen. Indien und Pakistan verdoppelten sie im
Zeitraum von nur vier Jahren (von 1968 auf 1972). Mexiko, früher auf Importe
angewiesen, wurde in weniger als 15 Jahren zum Getreide-Selbstversorger und
exportiert jetzt sogar in bescheidenem Umfang. In Indien und Pakistan, wo
früher pro Hektar Land jährlich nur etwa 1 Tonne Weizen und 1,5 Tonnen Reis
zu erwarten waren, stieg in einzelnen Gebieten der Ertrag auf 5 Tonnen Weizen
und 7 Tonnen Reis an. Beachtliche Verbesserungen der Weizenernten wurden außer-

�außerdem in China, im Iran, in der Türkei, in Jordanien, Syrien, Ägypten,
Libyen, Tunesien und in Dutzenden anderer Länder erzielt.

Neue Reissorten

brachten den Philippinen, Thailand, Bangladesch und einigen weiteren asiatischen Ländern wesentlich höhere Ernteerträge ein.
Die Zuwachsraten gingen jedoch in letzter Zeit zurück, der Hunger scheint
wieder im Vormarsch zu sein. Dafür gibt es vielerlei Gründe: Die neuen Weizen- und Reissorten, die bei intensiver Düngung auch häufigere Ernten möglich
machen, sind den früheren Kulturen im Ertrag, nicht aber im Nährwert überlegen. Die Gefahr einseitiger Ernährung besteht also weiter. Während die Anbauflächen in Asien und im Nahen Osten nach Feststellungen von Fachleuten des
US-Landwirtschaftsministeriums 1973 und 1974 noch um jeweils 18 Prozent ausgeweitet wurden, lag diese Quote 1975 nur bei 8 Prozent - vermutlich eine Folge der nach der Erdölkrise stark angestiegenen Düngemittel preise. Die neuen
Sorten verdrängten andere Kulturen, insbesondere eiweißreiche Bohnen und andere Hülsenfrüchte, die in zahlreichen Entwicklungsländern für eine ausgewogene
Ernährung notwendig sind. Sie verlangten aber auch vielerorts künstliche Bewässerung, den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen und große Mengen kostspieliger Düngemittel, so daß in erster Linie Großbetriebe und wohlhabende
Grundbesitzer von den neuen Methoden profitieren, die Masse der bäuerlichen
Kleinbetriebe jedoch kaum.
überdies ging in einer Reihe von Ländern die massive Ausweitung der Feldkulturen auf Kosten früherer Wald- und Dschungelgebiete. Die Kehrseite der
Medaille: Weite Gebiete von Indien, Bangladesch und Pakistan werden neuerdings von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, weil es am Fuß des
Himalaya nicht mehr die Wälder gibt, die früher den Wasserüberschuß zum Teil
speicherten. Schwere Regenfälle in den ehemaligen Dschungelgebieten von
Mexiko, Guatemala und Brasilien laugten in kürzester Zeit die dünne Humusschicht aus, der früher durch Busch- und Baumwerk ständig Nährstoffe zugeführt
wurden. Die Sonne tut ein übriges und brennt den Boden aus. Auf den Philippinen hat der massive Gebrauch von Düngemitteln beim Anbau besonders ertragreicher Reissorten zu einem großen Fischsterben in Flüssen und Seen geführt

- 3 -

�geführt - und dies in einer Region, deren Bevölkerung dringend auf Fisch als
Quelle von tierischem Eiweiß angewiesen ist. Alle diese Beispiele zeigen, daß
die Anwendung moderner agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse und Techniken nicht
ausreicht, um den Entwicklungsländern den Weg zur Selbsthilfe zu erleichtern.
Sie müßte vielmehr von Maßnahmen begleitet sein, die ökologische Gleichgewichte
schützen helfen.
Die meisten Menschen in Entwicklungsgebieten sind gezwungen, ihren Eiweißbedarf direkt aus Mais, Weizen, Reis und anderem Getreide zu decken. Pflanzliches Eiweiß trägt dort etwa 62 Prozent, tierisches Eiweiß - Fleisch, Milch,
Eier - dagegen nur 7 Prozent zur Ernährung bei. Pflanzengenetiker und Agrarwissenschaftl er richten deshalb bei der Sortenzüchtung ihr Augenmerk immer
mehr darauf, daß bei höherem Ertrag auch ein höherer Proteingehalt des Korns,
dazu geringere Anfälligkeit der Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten, eine
bessere Klimafestigkeit und gute Trocknungs- und Lagereigenschaften erzielt
werden.

In der Praxis ist es allerdings schwieriger als zunächst angenommen,

diese günstigen Eigenschaften zu kombinieren.
Gleichzeitig wird jetzt in zunehmendem Maße versucht, mit den Neuschöpfungen den jeweiligen Umweltbedingungen aus der Geschmacksrichtung in einzelnen Entwicklungsgebieten bzw. Ländern auch dadurch mehr Rechnung zu tragen,
daß man mit einheimischen Sorten experimentiert, um sie in die neuen Sorten
einzukreuzen. Denn die Neuzüchtungen sollen ja von den Bauern und Verbrauchern
in der Förderregion akzeptiert werden. Dabei spielen Aussehen, Farbe, Konsistenz und Geschmack des Ernteproduktes und der daraus gewonnenen Nahrungsmittel eine nicht unerhebliche Rolle. Der Agrarforschung hat mit Hybridsorten,
an die sich die Einheimischen nicht oder nur schwer gewöhnen, wenig Chancen.
Hinzu kommt, daß ausgedehnte Monokulturen die Wirtschafts- und Sozialstruktur
in Gebieten einschneidend verändern würden, wo von altersher Kleinbauern natürliche Risiken wie Dürre, Hochwasser, Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten durch Mehrfruchtanbau zu verringern oder zu umgehen trachteten. Trotz
der überwiegend positiven Ergebnisse der ersten Phase der "Grünen Revolution"
muß auf solche Traditionen künftig wohl mehr Rücksicht genommen werden. Sie
spielen möglicherweise eine Rolle für die Erreichung des langfristigen Ziels,
- 4 -

�Ziels, in Entwicklungsgebieten jene Bedingungen zu schaffen, unter denen die
benötigten Nahrungsmittel im Lande selbst produziert werden können.
Geburtenzuwachsrate geht zurück
Die Tatsache, daß in Asien und Lateinamerika ein beachtlicher, noch vor
kurzem nicht erwarteter Rückgang der Geburtenzuwachsrate (von 1,9 Prozent im
Jahr 1970 auf 1,7 Prozent im Jahr 1977) zu verzeichnen ist, verschafft den mit
Entwicklungsaufgaben befaßten Wissenschaftlern, Landwirtschaftsexperten und
Wirtschaftlern eine Atempause. Sie brauchen sie dringend, um Planung und Organisation für die Zukunft wirksamer zu gestalten. Und sie wäre ihnen wohl
kaum vergönnt gewesen, wenn die vor zehn Jahren aufgestellten Forderungen der
FAO noch gelten müßten: Damals schätzte man, daß bis 1985 die Nahrungsproduktion um 34 Prozent, bis zum Jahr 2000 um 97 Prozent gesteigert werden müsse,
wenn die Wachstumsrate für die Erdbevölkerung weiterhin jährlich 2 Prozent betrage.
Nach den früheren Vorausberechnungen wären im Jahr 2000 etwa 7 Milliarden
Menschen zu ernähren gewesen.

Hält aber der jetzt beobachtete Trend in Entwick-

lungsländern an (Afrika ausgenommen, wo die Geburtenzuwachsrate weiter steigt),
und verzeichnen die Industrieländer auch künftig nahezu Nullwachstum für die
Bevölkerung ihrer Regionen, dürfte zur Jahrtausendwende nur noch mit 5,5 bis
5,8 Milliarden Menschen auf der Erde zu rechnen sein.

Und dies bedeutete eine

gewaltige Entlastung in Sachen Ernährung.
Für weitere Produktionssteigerungen sind selbst den klassischen Exportländern für Agrarprodukte wie USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Argentinien praktische Grenzen gesetzt - auch wenn, wie z.Zt. in den USA, der Zuwachs für bebautes Land vorläufig noch größer ist als der Landverlust durch
Siedlungs-, Straßen- und Industriebau.

Die Barrieren für eine weitere Expansion

sind eher wirtschaftlicher, finanzieller, ökologischer und transporttechnischer
Natur.
Neuzüchtungen

- 5 -

�Neuzü'chtungen aus der Zelle
•
•

Erst

.

Erfolge mit völlig neuartigen Züchtungsmethoden, an denen jetzt

in vielen Laboratorien in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern gearbeitet wird, und die Anwendung der Ergebnisse auf breitester Basis könnten
die Situation grundlegend verbessern.

Aber vorläufig dürften die Forscher

noch mindestens zehn, wahrscheinlich sogar 20 und mehr Jahre mit Projekten
zu tun haben, bei denen es um die Züchtung von "Superpflanzen" geht.

An die

Stelle der Züchtung mit geschlechtlicher Fortpflanzung tritt die Regeneration
einer kompletten Pflanze aus der Zelle, deren Erbgut man gezielt verändert
hat oder zu verändern sucht.
Diese Art der Übertragung von Merkmalen erfordert die Verschmelzung speziell präparierter Einzelzellen von Pflanzen bestimmter Sorten und sogar Arten. Das Verfahren baut auf Experimenten auf, in denen es amerikanischen Forschern schon in den fünfziger und sechziger Jahren gelungen ist, aus Zellkulturen Pflanzen von Tabak, Zuckerrohr und Karotten heranzuzüchten. Jetzt steuern Pflanzenphysiologen das Fernziel an, aus Zellen von Hafer, Weizen, Kartoffeln, Gerste, Roggen, Reis und anderen Kulturpflanzen mit Methoden der
Biochemie und Genchirurgie Veränderungen hervorzubringen und komplette Pflanzen zu regenerieren, die auf ganz bestimmte Umweltbedingungen zugeschnitten
sind. Ist dieses Verfahren erst einmal ausgereift, wären nach Ansicht von
Dr. Donald Senich (Nationale Wissenschaftsstiftung der USA) Pflanzengenetiker
eines Tages sogar in der Lage, wünschenswerte Merkmale einzelner Pflanzenarten,
z.B. die Fähigkeit zur Assimilation von Luftstickstoff in Verbindung mit Wurzelbakterien, höherer Nährwert, höherer Ertrag, mehr Widerstandsfähigkeit
gegen Krankheiten, Schädlinge oder Kälte, in andere Arten einzuzüchten, die
solche Merkmale von Natur aus nicht besitzen.

Auf jeden Fall würde der normalerweise sehr langwierige Prozeß herkömmlicher Kreuzungsversuche, der bis zur Erzielung einer relativ reinen Linie
mindestens fünf bis acht Generationen (= Jahre) braucht, um Jahre verkürzt.
An die Stelle von Zufallsergebnissen träten schon in der zweiten Generation

- 6.

�Generation

Resultate "nach Plan", s,ofern die neue Technik sich bei der be-

treffenden Pflanze als anwendbar erweist.

Dies im Verein mit Methoden, die

darauf abzielen, den Wirkungsgrad der Photosynthese zu erhöhen (sei es durch
Zuführung von zusätzlichen Kohlendioxid in riesigen Gewächshäusern, sei es
durch Züchtung von Hybridpflanzen mit Blattstrukturen, die Sonnenlicht und
atmosphärisches Kohlendioxid weitaus besser nutzen), könnte zu einer Steigerung des Nahrungsangebots in der Welt um viele Millionen Tonnen führen.
Fehlernährung durch zu reiche Kost
Die Ernährungsprobleme sind allerdings nicht nur solche des Mangels in
Entwicklungsländern. Dr. Moises Behar, Leiter der Abteilung Ernährung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), spricht im gleichen Zuge auch das Problem
der Überernährung in den entwickelten Ländern an. In dem Bericht "Die beiden
Gesichter der Fehlernährung", der vom "Worldwatch Institute", einer unabhängigen Forschungsorganisation mit Sitz in Washington, veröffentlicht wurde,
wird die "Überschußdiät" ziemlich eingehend erörtert. Sie ist dort gang und
gäbe, wo die Einkommen weit über dem Existenzminimum liegen und den Menschen
der Zugang zu den Erzeugnissen eines überaus produktiven Agrarsystems offensteht. Die "überschußdiät" besteht aus großen Mengen tierischer Proteine und
Fette in der Form von Fleisch und Molkereiprodukten, dazu aus stark ausgemahlenem Mehl und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, die an die Stelle grober
Kohlehydrate wie Vollkornbrot, aber auch von Obst und Gemüse getreten sind.
Der Bericht bestätigt die Feststellung Dr. Behars, daß ungeachtet ihres hohen Nährwerts die überschußdiät keineswegs gesund ist. Sie wird vielmehr
als Hauptverursacher z.B. von Diabetes, vor allem aber von Herz- und Gefäßkrankheiten betrachtet, die in den Industrieländern die Hälfte der Todesursachen ausmachen.
Die Lösung dieses Problems wäre einfach, wenn sich die Masse der Bevölkerung dazu bequemen könnte, den beschwörenden Appellen vieler Ernährungswissenschaftler zu folgen und ihre Eßgewohnheiten zu ändern.

In den Vereinig-

ten Staaten hatten solche erzieherischen Bemühungen bereits recht auffällige

- 7 -

�auffällige Erfolge. Dr. Jean Mayer, Ernährungswissenschaftler und Präsident
der Tufts-Universität in Massachusetts, berichtete von einem frappierenden
Rückgang der Sterblichkeitsziffer als Folge von Herz- und Gefäßkrankheiten in
den letzten drei Jahren. Er schreibt dies verbesserten Kontrollmethoden für
erhöhten Blutdruck und vor allem einer bewußten Änderung der Zusammensetzung
der Mahlzeiten zu. Weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben offenbar gelernt, Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an tierischen Fetten zu
meiden.

+ + + + +

8 -

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Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

22. März 1978

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BEHANDLUNG VON ENTZUGSSYMPTOMEN MIT SYNTHETISCHEM ENDORPHIN

- (AD) - Synthetisches Beta-Endorphin, die Nachbildung eines Produkts
der menschlichen Hypophyse, eignet sich möglicherweise zur Bekämpfung schwerer Schmerzzustände und zur Behandlung von Entzugssymptomen bei suchtkranken
Patienten. Zu dieser Hoffnung berechtigen die Ergebnisse erster amerikanischer
Versuche am Menschen, die von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien
durchgeführt wurden. Wie Dr. Don H. Catlin, Assistenzprofessor für Medizin und
Pharmakologie an der Universitätsklinik in San Francisco, auf dem Kongreß
für Endorphin-Forschung in San Juan (Puerto Rico, Dezember 1977) berichtete,
wurde Beta-Endorphin benutzt, das Dr. C.H. Li (Direktor des Hormonforschungsinstituts der Universität) chemisch synthetisiert hatte und das dem menschlichen Bety-Endorphin entsprach.
Catlin wandte das Präparat intravenös bei drei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs zur Bekämpfung der starken Schmerzen und bei zwei Suchtkranken an, die zur Entwöhnung von Heroin auf Methadon umgestellt worden waren
und bei denen sich nach dem Absetzen von Methadon schwere Entzugssymptome bemerkbar machten. Im letztgenannten Fall wurden unter der Endorphin-Behandlung
bemerkenswert gute Ergebnisse erreicht. Zwei der Krebspatienten berichteten
über eine wesentliche Befreiung von ihren Schmerzen, der dritte jedoch nur über
einem leichten schmerzdämpfenden Effekt.
Klinische

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Klinische Versuche weisen außerdem darauf hin, daß Beta-Endorphin
vielleicht auch zur Behandlung von Schizophrenie und Depressionen nützlich
sein könnte. Darüber wurde im September 1977 von Dr. Nathan S. Kl ine, Psychiater am Rockland Research Institute in Orangeburg (New York), und von
Dr. Heinz Lehmann, Psychiater an der McGi11-Universität in Montreal (Kanada),
berichtet, die mit Endorphin-Präparaten von Dr. Li gearbeitet hatten.

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�Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

22. März 1978

SCHUTZANSTRICH FÜR ALUMINIUMBOOTE

- (AD) - Einen neuartigen Schutzanstrich für Kleinboote, insbesondere
für die außerordentlich schwer zu schützenden Boote aus Aluminium, entwickelte
eine amerikanische Firma in New Jersey. Die Anstrichmasse ALUMAGUARD ist
frei von Kupfer, das mit Aluminium reagieren und schließlich das Material angreifen würde. Der Anstrich schützt sowohl gegen mechanische Beschädigungen
wie z.B. Kratzer als auch gegen Muschel-, Algen- und Moosbesatz. Im Gegensatz
zu anderen Präparaten behält er seine Schutzwirkung, wenn das Boot aus dem
Wasser genommen wird, weil er an der Luft nicht oxidiert. Deshalb ist es auch
nicht notwendig, das Boot vor dem Wiedereinsetzen im Frühjahr neu anzustreichen
oder seine Oberfläche gründlich zu reinigen.
(Hersteller: Pettit Paint Company, Dept. CN, 36 Pine Street, Rockaway,
New Jersey, 07866. Preis 1977: 19,50 Dollar/Liter).

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�Wi//en/chcift
und'
United States Information Service

22. März 1978

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SCHALLWELLEN-SPEKTROMETER BESCHLEUNIGT ANALYSE

- (AD) - Die Analyse unbekannter Medikamente und Drogen wird mit Hilfe
eines neuartigen Spektrometers wesentlich vereinfacht und beschleunigt. Während andere Verfahren eine langwierige Vorbereitung der Proben, die vielleicht
gelöst oder verdampft werden müssen, notwendig machen, wird im "photoakustischen Spektrometer" die Probe einfach pulverisiert und Licht ausgesetzt. Dabei erhöht sich ihre Temperatur, die Probenmasse dehnt sich aus. Nach dem
Abschalten des Lichts zieht sie sich beim Abkühlen wieder zusammen. Ausdehnung und Kontraktion werden als Schallwellen wahrgenommen, die von Mikrophonen
erfaßt und registriert werden. Aus dem Schallwellen-Bild ist die Zusammensetzung der Probe nach Menge und Art ihrer Bestandteile abzulesen.
(Hersteller:

Princeton Applied Research Corporation, Dpt. CN,

P.O. Box 2565, Princeton, New Jersey, 08540.

Preis Ende 1977: 34 900 Dollar).

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Telex:08-85432

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz&lt;br /&gt;- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Carters an die UN-Menschenrechtskommission&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von unserem Korrespondenten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John Holway -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO zwischen den Gipfeltreffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nahrungsmangel und Fehlernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dritte Welt braucht bessere Verteilung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Behandlung von Entzugssymptomen mit synthetischem Endorphin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schutzantrich für Aluminiumboote&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schallwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

12

22. Ma*rz 1989

INHALT

DOKUMENTATION
Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO
- Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß

HINTERGRÜNCMATERIAL
Wjilter8_ nimmt Abschied von den Vereinten Nationen
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug
- Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

22. März 1989

12

ANHALTENDE PROBLEME IM WESTEN TROTZ ERFOLGEN DER NATO
Rede des stellvertretenden Außenministers im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats erklärte der stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger am 15.
März 1989, die Erfolge des Nordatlantischen Bündnisses in den vergangenen
vierzig Jahren hätten "chronische Probleme hinterlassen, die in manchen Fällen
zunehmend akut werden".
Eagleburger zufolge seien diese Probleme Ausdruck eines Generationskonflikts, der aufgetreten sei, weil "ein langer Frieden eine gewisse Gleichgültigkeit erzeugt" und weil Unstimmigkeiten über das Problem der Nuklearwaffen
sowie Spannungen im Welthandel bestehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburger's Rede im Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder.
Als ich im Jahr 1957 in den Auswärtigen Dienst eintrat, waren die
Vereinigten Staaten tief in den Kalten Krieg verstrickt.
Der Sputnik
erschütterte unser Vertrauen in Technik und Wissenschaft. Wir hatten gerade die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß sich unsere Verbündeten im
Nahen Osten gegen uns stellten. Wir
sahen uns einem sowjetischen Regime
nach Stalin mit einem dynamischen,
reformorientierten
Führer
an
der
Spitze gegenüber, der offensichtlich
zu neuen Denkansätzen bereit war. In
Asien mußten wir mit der Feindseligkeit der chinesischen Kommunisten und
der wirtschaftlichen Schwäche unserer
asiatischen Freunde und Verbündeten,

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Embassy of the United States of America

einschließlich Japans, fertigwerden.
Die Entwicklungsländer zeigten sich
gegenüber freier Marktwirtschaft und
westlicher Demokratie abgeneigt.
Wer heute in den Auswärtigen
Dienst eintritt, nimmt ganz andere
Gegebenheiten
wahr.
Außenminister
Baker hat Ihnen in seiner Ansprache
einen umfassendesnUberblick über die
Welt gegeben, dem ich nichts hinzufügen muß. Es reicht aus, wenn ich darauf hinweise, daß wir starke und
wohlhabende
Verbündete
haben,
wo
einstmals schwache waren. Viele Entwicklungsländer haben die Vorzüge der
Marktwirtschaft und der Demokratie
für sich entdeckt, und unser sowjetischer Gegner kämpft mit systemimmanenten Schwächen. Die Welt des zuendegehenden zwanzigsten Jahrhunderts

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Telex: 8-85432

�ist In vieler Hinsicht eine freundlichere Welt als die meiner Anfangsjahre im Auswärtigen Dienst.
Diese Veränderungen werden noch
deutlicher, wenn man sie in ihrem geschichtlichen Zusammenhang betrachtet. Barbara Tuchman hat einmal gesagt, daß wir bis ins 14. Jahrhundert
zurückgehen müßten, um ein Zeitalter
zu finden, das von soviel Blut und
Unsicherheit gekennzeichnet war wie
die erste Hälfte unseres Jahrhunderts.
Zwei Weltkriege, eine Große
Depression und die Bedrohung durch
totalitäre Regime belegen ihre These.
Dennoch leitete die Nachkriegszeit im
Gegensatz zu den dreißiger Jahren
kein neues Blutbad ein. Der Grund
dafür ist in der amerikanischen Führungsrolle zu suchen.
Wir haben
nicht immer klug und effektiv gehandelt, bei den wichtigsten Problemen
jedoch immer Erfolg gehabt.
Im Gegensatz zur Sowjetunion ergeben sich unsere Probleme heute aus
unserem Erfolg, nicht etwa aus Mißerfolgen.
In den vergangenen vierzig Jahren
waren wir im allgemeinen bei der Behandlung des Ost-West-Problems und in geringerem Maße - beim Nord-SüdProblem erfolgreich, da die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in
Europa und Asien einigermaßen zusammengehalten haben. Das Ergebnis war
ein Triumph für die politischen und
wirtschaftlichen Werte des Westens.
Das Ost-West-Verhältnis ist weniger
gespannt als noch vor einiger Zeit.
Das Nord-Süd-Problem wird hoffentlich
in allernächster Zeit auf solide und
produktive Art und Weise neu definiert. Mit anderen Worten: die Einheit des Westens hat die Tür zu einer
neuen vielversprechenden Zeit im kommenden Jahrhundert aufgestoßen. Aber
um diese Tür offenzuhalten und diese
Schwelle zu überschreiten, brauchen
wir jetzt ebenso wie in den vergangenen vierzig Jahren einen starken, geeinten Westen.
Das Verhältnis zwischen den west-

lichen Ländern hat sich grundlegend
verändert. Wo noch vor vierzig Jahren die gesamte Initiative und die
meisten Ressourcen aus Washington
stammten, bringen jetzt unsere europäischen und japanischen Verbündeten
einen großen Teil der Inititive und
einen zunehmenden Anteil der Ressourcen auf, was sie auch tun müssen. Es
ist dabei unvermeidlich, daß durch
die Veränderungen im relativen Gewicht und in der Stärke unserer Partner als auch durch die Tatsache, daß
wir ein Bund freier Nationen mit oftmals
unterschiedlichen
Interessen
sind, Spannungen auftreten. Solange
unsere gemeinsamen Werte und unsere
grundsätzlichen
Interessen
gleich
sind - was ich denke - können wir zusammenhalten.
Aber meiner Ansicht
nach müssen wir uns immer öfter vor
Augen führen, daß wir trotz heftig
geführter Diskussionen zu Ubergangslösungen immer noch Partner sind, die
eine Welt aufbauen müssen, die sicherer und demokratischer ist als die
Welt, wie sie uns von einer Generation hinterlassen wurde, die noch die
Jahrhundertwende erlebt hat.
Die NATO begeht bald ihren 40.
Geburtstag, was nach menschlichem Ermessen ein mittleres Alter, in Bezug
auf
internationale
Bündnisse aber
schon sehr alt ist. Je länger das
Bündnis gedauert hat, umso besser
ging es unseren Verbündeten. Das ist
von Vorteil.
Klagen dazu wären
kleinlich. Es wäre jedoch dumm, sich
nach früheren Zeiten zu sehnen, als
wir die ganze Last tragen mußten.
Wir sollten jedoch anerkennen,
daß die Erfolge der NATO chronische
Probleme hinterlassen haben, die in
manchen Fällen zunehmend akut werden.
Eines davon ist der Generationenkonflikt.
Ein langer Frieden erzeugt
eine gewisse Gleichgültigkeit. Weder
unsere Verbündeten noch wir haben genug dafür getan, daß die junge Generation die Leistungen des Bündnisses
anerkennen kann, insbesondere, daß
wir ihr die Möglichkeit für eine einigermaßen glückliche Zukunft geboten
haben. Diese Aufgabe ist jetzt ange-

�sichts einer von den Sowjets wiederentdeckten
sanfteren
Taktik
ganz
wichtig.
Ein zweites Problem trifft die
Nuklearwaffen. Manche nennen es Abneigung, aber es ist tatsächlich nur
eine
ambivalente
Haltung.
Jeder
wünscht sich die abschreckenden Vorteile der Nuklearwaffen, aber die
Menschen sind verständlicherweise zurückhaltend, wenn es darum geht, den
Preis für eine Politik zu zahlen, die
eine Stationierung dieser Waffen auf
ihrem Territorium vorsieht. Wir dürfen nicht dem Trugschluß erliegen,
auf die nukleare Abschreckung verzichten zu können oder daß wir, wenn
wir das täten, die Chancen für einen
Krieg verringern würden. Kriege gab
es schon lange bevor es Nuklearwaffen
gab. Wir dürfen uns auch keinen Illusionen über die ambivalente Einstellung der Öffentlichkeit über diese Nuklearwaffen hingeben, die hier
und in Europa vorherrscht. Sie liegt
den oftmals widersprüchlichen Kommentaren zugrunde, die wir zum INF-Abkommen oder zur Frage der Modernisierung von Kurzstreckenraketen vernehmen. Die Ambivalenz ist real und wir
müssen Möglichkeiten finden, mit ihr
fertigzuwerden.
Dann gibt es Spannungen und Ängste Lm Welthandel. Manchmal wünsche
ich mir, wir könnten all die Hormone,
die Europäer nicht in ihrem Fleisch
haben wollen, nehmen und sie dazu benutzen, unseren gemeinsamen Willen zu
stärken, um einen Kompromiß herbeizuführen, der die Vorteile und die Kosten zum Vorteil der Vereinigten
Staaten,
Westeuropas
und
Japans
gleichmäßig verteilt.
Der Schritt
der Europäischen Gemeinschaft zu ihrem Binnenmarkt Ende 1992 ist der offenkundigste Beweis. Der erfolgreiche Abschluß dieser Bemühungen wird
ein richtungweisendes Ereignis in der
Geschichte des letzten Viertels vom
20. Jahrhundert sein. Ob es zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen oder
Europa eine geschlossene Enklave des
Protektionismus errichten wird, so
werden wir und die übrige Welt darauf

angemessen zu reagieren wissen. Wenn
auf der anderen Seite der neue Markt
ausländischen Waren und Dienstleistungen offensteht, dann wird Europa
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für seine Handelspartner den
Grundstein für ein neues Zeitalter
gelegt haben.
Alle der von mir kurz beschriebenen Probleme sind miteinander verknüpft. Wenn wir keine Vorsicht walten lassen, könnte ein langsamer,
aber stetiger Niedergang einsetzen.
Im Rahmen der Sicherheitsvereinbarungen der NATO und der Arbeit internationaler, von uns nach dem Zweiten
Weltkrieg geschaffener Institutionen
wie dem IWF, GATT, der OECD und der
Weltbank hat Westeuropa einen langen
Weg von seinem verheerenden Zustand
nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgelegt. Wir dürfen das durch diese Institutionen geschaffene konstruktive
Beziehungsgeflecht nicht beeinträchtigen. Jeder Strang dieses Geflchts
mag bisweilen dünn und brüchig erscheinen, aber zusammen können wir
eine große Last tragen. Die gemeinsame Aufgabe des Westens besteht darin, diese Vergangenheit zu bewahren
und auf ihr aufzubauen. Andernfalls
wird sich dieses Netz aufzulösen beginnen, wir werden zunehmend Streitigkeiten unter uns auszutragen haben
und damit die Gelegenheit zur Erlangung größerer Erfolge verspielt haben.
Dies trifft in besonderer Weise
auf Osteuropa zu.
Einfach ausgedrückt sind die marxistisch-leninistischen Ideologien und die auf sie
gegründeten
Volkswirtschaften
bankrott. Ihr Bankrott beruht größtenteils auf innenpolitischen Fehlschlagen, aber nicht auf diesen allein.
Der Widerstand des Westens gegen sowjetische Aggressionen und das Vorbild unserer eigenen erfolgreichen
Gesellschaften haben den Wandel im 0sten sicherlich beeinflußt.
Wir können Michail Gorbatschows
Fähigkeiten bewundern und den Wandel
in der Sowjetunion zur Kenntnis nehmen ohne unsere Verteidigung zu ver-

- 3 -

�nachlässigen. Es ist sogar unerläßlich, dies zu tun, und zwar nicht
nur, um uns zu schützen, falls die
Ref ormbemilhungen fehlschlagen, sondern auch, falls sie erfolgreich
sind. Eine stärkere UdSSR ist nicht
notwendigerweise eine freundlichere
UdSSR.
Das Endergebnis der Perestrojka
kann ich nicht voraussagen. Ich würde gern eine freie, demokratische Sowjetunion sehen, aber dies wäre dann
nicht mehr die Sowjetunion. Gorbatschows Ziel, das einzige Ziel, mit
dem sich seine Politik erklären läßt,
ist die Schaffung einer stärkeren,
leistungsfähigeren Sowjetunion. Gegenwärtig ist eine weniger aggressive
Außenpolitik diesem Ziel am ehesten
förderlich.
In einigen Bereichen,
etwa in Afghanistan, war Gorbatschow
bereit, mit der Vergangenheit zu brechen, wenn eine Fortführung der alten
Politik eine Hypothek für die Zukunft
bedeutet hätte.
Unsere Aufgabe besteht darin, zu
gewährleisten, daß dieser Prozeß anhält und daß letztlich Zurückhaltung
weiterhin im sowjetischen Interesse
liegt.
Es ist offenkundig, daß die Ära
Gorbatschow die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten vor eine wesentlich
nuanciertere
Herausforderung
stellt als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Ob beabsichtigt
oder nicht, diese Nuancen drohen den
Westen zu spalten, insbesondere die
Vereinigten Staaten und Europa und innerhalb Europas - die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten. Dies muß uns natürlich Anlaß
zur Sorge geben, und wir sollten damit so gut wir können fertig werden.
Ich vertrete jedoch die Auffassung, daß unabhängig davon, wie groß
die Probleme des Westens bei der Bewältigung der neuen sowjetischen Herausforderung auch sein mögen, Gorbatschow mit noch
schwerwiegenderen
Problemen zu kämpfen hat. Die kommunistischen Parteien der DDR und der

CSSR haben bereits die meisten innenpolitischen
Reformen
Gorbatschows
verworfen. Die kommunistische Partei
Ungarns ist erheblich über sie hinaus
gegangen.
Wirtschaftspolitische
Zwänge haben die polnische Partei dazu veranlaßt, Ansätze in Erwägung zu
ziehen, die sie noch vor kurzem energisch verworfen hatte. In Rumänien
schließlich herrscht unter dem persönlichen Regiment Ceausescus eine
trügerische Ruhe. In diesen Ländern
wachsen ferner, ebenso wie in Jugoslawien und der Sowjetunion, die nationalen und ethnischen Spannungen.
Wiederum ist es unmöglich, das
Ergebnis vorherzusagen.
Über eines
sollten wir uns jedoch im klaren
sein: Die Krise des Wandels im Osten
wird nur dann zu einer Krise des Westens werden, wenn wir unsere Einigkeit nicht bewahren können. Es gibt
keine einzige Frage, sei es das Einsatzkonzept der NATO, die Verhandlungen über konventionelle Rüstung oder
die Wirtschaftsbeziehungen mit dem
Osten, die nicht am besten durch vereinte Maßnahmen des Westens beantwortet werden kann. Durch Verwirrung,
einseitige Handlungen oder unnötige
Panik über den Zustand der öffentlichen Meinung des Westens, die einem
kürzlich von Sir Geoffrey Howe geprägten Bonmot zufolge zu einem "gegenseitigen Striptease" bei den Waffensystemen
führen
würde,
werden
Chancen in Gefahren verwandelt. Der
Schlüssel zu den Ost-West-Beziehungen
sind deshalb wiederum die West-WestBeziehungen.
Ein weiterer Bereich der Herausforderung und der Chancen ist die Pazifikregion, insbesondere Japan. Die
Welt hat sich daran gewöhnt, daß amerikanische Unternehmer, Politiker und
Regierungsvertreter
das
pazifische
Jahrhundert ausrufen oder Japan zur
wirtschaftlichen Supermacht proklamieren.
Japans Aufstieg zu diesem
Status in den vergangenen dreißig
Jahren, ohne Krieg oder Depression,
ist gewiß eine hervorragende Leistung. Es ist jedoch an der Zeit,
damit aufzuhören, die Vergangenheit

�zu feiern.
kunft.

*

Was zählt, ist die Zu-

Kann Japans Zielstrebigkeit, Engagement und Kreativität im wirtschaftlichen Bereich für die umfassenderen Interessen des Westens nutzbar gemacht werden?
Kann Japans
wachsende weltpolitische Rolle auf
gemeinsame Ziele des Westens gerichtet werden anstatt auf enggefaßte nationale Ziele? Kann Japan eine Neuorientierung seiner Volkswirtschaft
einleiten, um die gegenwärtig bestehenden Ungleichgewichte zu korrigieren, ohne das internationale System
des freien Handels zu zerstören?
Dies sind Probleme für Japan,
aber es sind auch Probleme für den
Westen. Die Antworten werden nicht
nur Japans Sicherheit und Wohlstand
beeinflussen, sondern auch unsere und
die des Westens. Wir können "Lösungen erarbeiten", wie Ministerpräsident Takeshita zu sagen pflegt. Dies
wird
für alle Beteiligten nicht
schmerzlos ablaufen - vor allem für
Japan. Wir müssen jedoch gemeinsam
für Japan eine verantwortungsvollere
Rolle finden, weil die Alternative
unannehmbar ist.
Ich möchte etwas zitieren, was
ich vor einigen Monaten geschrieben
habe:
Eine Möglichkeit ist eine stärkere Einbindung Tokios in Beratungen
des Westens. Das Instrumentarium für
effektive Konsultationen mit Japan
ist nicht so gut entwickelt wie das
zwischen den Vereinigten Staaten und
Westeuropa. Gipfeltreffen der sieben
führenden Industriestaaten sind wichtig aber sie gestatten nicht die Art
von engen und andauernden Gesprächen,
die den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Westeuropas durch die
NATO zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich läßt sich die
Struktur der NATO nicht auf Japan
übertragen; Japan kann auch nicht in
den Konsultationsprozeß des Bündnisses einbezogen werden.
Es sollte

aber möglich sein, einen - auch informellen - Mechanismus zu schaffen,
der es uns erlaubt, regelmäßige Konsultationen über das gesamte Spektrum
politischer, wirtschaftlicher und militärischer Fragen durchzuführen, die
Japan, die Vereinigten Staaten sowie
die westeuropäischen NATO-Mitglieder
und die EG betreffen. Die Realität
der letzten Jahre dieses Jahrhunderts
besteht darin, daß die Welt der Demokratien zunehmend zu einer Welt dreier Machtblöcke wird. Der institutionelle Rahmen für Konsultationen und
Koordination zwischen diesen Machtblöcken wurde dieser Realität bisher
nicht angepaßt."
Schließlich möchte ich kurz auf
ein anderes Problem eingehen, das
durch einheitliche Maßnahmen des Westens am besten gelöst werden kann.
Man bezeichnet es als die Schuldenkrise der Dritten Welt, aber es ist
in Wirklichkeit eine Krise der Demokratie.
Nach und nach entscheiden
sich die Entwicklungsländer Lateinamerikas, der Pazifikregion und nun
auch in Afrika für persönliche Freiheit und politische Demokratie als
ihren Wegweiser in die Zukunft. Leider gibt es, wie ein Wirtschaftswissenschaftler einmal gesagt hat, "kein
Mittagessen
umsonst".
All
diese
freien Mittagessen aus den siebziger
Jahren müssen heute zurückgezahlt
werden. Wie die Ereignisse in unserer eigenen Hemisphäre, sei es in Venezuela oder Mexiko, erschöpfend bewiesen haben, sind Sparpolitik und
"Null-Wachstum" Formeln für Stagnation und echte Schwierigkeiten.
Ich möchte hier nicht auf bestimmte Lösungen eingehen. Der Präsident, der Außenminister und der Finanzminister
haben
übereinstimmend
erklärt, daß der gegenwärtig verfolgte Ansatz modifiziert werden muß. Es
ist jedoch einleuchtend, daß die Vereinigten Staaten das Problem nicht
allein lösen können. Unsere Verbündeten sind Teil der Lösung. Es wäre
gewissenlos, wenn wir andere demokratische Staaten herunterkommen lassen
würden, weil wir nicht genug getan

- 5 -

�haben.
Dies sind einige Beispiele für
Probleme, die teilweise aufgrund von
Erfolgen unserer früheren Maßnahmen
entstanden sind und die uns für die
Zukunft noch größere Erfolge versprechen, wenn sie angemessen behandelt
werden. Dazu ließen sich leicht weitere hinzufügen, etwa die Umwelt.
Durch sie alle zieht sich jedoch ein
roter Faden. Wenn wir im Westen eine
einheitliche Haltung einnehmen können, werden unsere Erfolgsaussichten
überproportional
vergrößert.
Wenn
wir versäumen, das richtige zu tun,
dann könnte uns die erste Hälfte des
21. Jahrhunderts fatal an die ersten
50 Jahre des Jahrhunderts erinnern,
auf dessen Ende wir gegenwärtig zusteuern.
Mit den Worten Benjamin Franklins, der über ein früheres Experiment der Kooperation sprach: Entweder wir ziehen alle an einem Strick,
oder wir werden an diesem Strick einzeln aufgehängt.

* * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

**

22. März 1989

12

WALTERS NIMMT ABSCHIED VON DEN VEREINTEN NATIONEN
- Abschiedsbesuch bei Generalsekretär Perez de Cuellar NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen seit 1985 und designierte
Botschafter der Vereinigten Staaten
in der Bundesrepublik Deutschland,
Botschafter Vernon Walters, hat UNOGeneralsekretär Perez de Cuellar am
15. März 1989 seinen Abschiedsbesuch
abgestattet und ein letztes Gespräch
mit bei der UNO akkreditierten Journalisten geführt. Der Nachfolger von
Walters bei der UNO ist Botschafter
Thomas Pickering.
Bei seiner letzten Zusammenkunft
mit UNO-Korrespondenten nannte Walters als Hauptprobleme, mit denen
Pickering während
seiner Amtszeit
konfrontiert sein werde, die "andauerndem Konflikte, insbesondere den
Nahost-Konflikt, der wahrscheinlich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von allen der komplizierteste ist,
den Konflikt um Zypern; ferner wird
er sicherstellen müssen, daß wir bei
Kambodscha und in der West-Sahara
Fortschritte erzielen."
Während der Amtszeit von Walters
bemühten sich die Vereinten Nationen
erfolgreich um die Herbeiführung eines Waffenstillstands im Golfkrieg,
die Einleitung der Verwirklichung des
UNO-Plans für die Unabhängigkeit Namibias, die Sicherstellung des vollständigen Abzugs der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan sowie die
Durchführung einer Verwaltungs- und
Haushaltsreform.
Dies alles hat in
den Vereinigten Staaten die positive
Stimmung gegenüber den Vereinten Nationen verstärkt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Meines Erachtens haben die Erfolge der Vereinten Nationen bei der Beendigung mehrerer Kriege Wirkung gezeigt", erklärte der Botschafter.
"Ich habe immer gesagt, ich sei das
einzige Kabinettsmitglied ohne Wählerschaft, und jetzt habe ich mir eine herangezogen."
Er lehnte es jedoch ab, sich diese Erfolge als eigenes Verdienst anzurechnen.
"Es hat ein atmosphärischer Wandel
in der Weltpolitik
stattgefunden,
dessen
glücklicher
Nutznießer ich gewesen bin", erklärte
Walters.
Walters führte ferner einen Teil
der Erfolge der UNO auf die neue Aussenpolitik der Sowjetunion zurück,
d!e seines Erachtens bis zu diesem
Wandel "vom amerikanischen Standpunkt
gesehen von nicht-permanenter Konfrontation geprägt zu sein schien".
In den Schlußverhandlungen über Namibia "war die Atmosphäre bei den Gesprächen mit ihnen (den Sowjets) völlig verändert, und ich begrüße dies",
erklärte er.
Des weiteren betonte er besonders
die Einigkeit der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, insbesondere bei der Verabschiedung von
Resolution 598, des UNO-Plans für einen umfassenden Frieden zwischen Iran
und Irak.
Der Botschafter sagte voraus, daß
der Generalsekretär "nach viel Gehabe" seitens des Iran und des Irak in
der Lage sein wird, Resolution 598
vollständig zu verwirklichen, da sowohl der Iran als auch der Irak "sich
für den Frieden entschieden haben,
und ... meines Erachtens ist der
Frieden unumkehrbar".
Auf Fragen zu den von der Sowjetunion vorgeschlagenen Reduzierungen
der
konventionellen
Streitkräfte
meinte Walters, die Europäer "denken,
daß Gorbatschow eine ganze Reihe von
Initiativen eingeleitet
hat.
Sie
sind sich nicht der großen Position
der Stärke bewußt, von der aus er

handeln kann. Er kann zum Beispiel
Reduzierungen in Europa vornehmen, er
hat nämlich 46 000 Panzer gegenüber
12 000 der NATO. Er hat doppelt soviel Artillerie, er hat doppelt soviel Flugzeuge für den Fronteinsatz,
da kann er schon sehr großzügig sein.
Er besitzt den traditionellen Vorteil, daß er seine Truppen nur über
die Weichsel bringen muß, was bedeutend leichter zu bewerkstelligen ist
als sie über den Atlantik zu transportieren."
Walters bezeichnete die "abgeschwächte Konfrontation zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion" als eine der wichtigsten Veränderungen seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, die einen Einfluß auf die
internationalen Beziehungen hatte.
"Es ist nicht nur Gorbatschow allein", erklärte der Botschafter. "Es
mußte auch die Bereitschaft seitens
der Vereinigten Staaten bestehen.
Ich muß ihm jedoch einfach schon deshalb das Hauptverdienst zuschreiben,
weil er derjenige war, der den Menschen das Leben schwer gemacht hat,
und als er damit aufhörte, meinten
die Menschen 'er ist ein großer
Mann', denn er hat aufgehört, uns das
Leben schwer zu machen.'"

* * * *

�v&lt;fc° s &gt;&lt;

VON

*

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

22. März 1989

12

ERFOLGREICHER "DISCOVERY"-FLUG
Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation -

WASHINGTON - (AD) - Mission 28 der bemannten Raumtransporterflüge der NASA
(U.S. Behörde für Luft- und Raumfahrt) ist erfolgreich beendet. Nach dem
Start am 13. März 1989 kehrte der Orbiter mit seiner fünfköpfigen Besatzung Kommandant Michael Coats, Kopilot John Blaha, James Buchli, Robert Springer
und James Bagian als Missionsspezialisten - am 18. März 1989 zur Erde zurück.
DISCOVERY landete um 15.36 Uhr auf einer Piste der Edwards Air Force Base in
Kalifornien. Am Kap Canaveral sind mittlerweile die Vorbereitungen für den
Start der Venus-Sonde MAGELLAN im April angelaufen.

Ungewöhnliche
Druckschwankungen
in einem der drei Wasserstofftanks,
die
die
Brennstoffzellen
der
DISCOVERY versorgten, hatten befürchten lassen, daß der Flug um einen Tag
verkürzt werden müßte. Die Astronauten waren angewiesen worden, den Tank
abzuschalten und den Stromverbrauch
einzuschränken.
In einer Wasserstoffleitung zu einer der Brennstoffzellen, in denen durch eine chemische
Reaktion
zwischen Wasserstoff und
Sauerstoff Strom erzeugt wird, klemmte ein Ventil. Das technische Problem konnte jedoch gelöst, das Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden.
Die wichtigste Aufgabe der Mission, das Absetzen des Kommunikationssatelliten TDRS-D und dessen Start zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

seinem
vorläufigen
"Standort" in
35 680 km Höhe, war bereits sechs
Stunden nach Verlassen des Weltraumbahnhofs Kap Canaveral erledigt. Die
18,5 Tonnen schwere Nutzlast, von der
allein 16,5 Tonnen auf das zweistufige eigene Antriebssystem entfielen,
benötigte anschließend fünf Stunden
für den Aufstieg. Nach Beendigung
der Aktivierungsprozeduren und Funktionstests, die über Hawaii vorgenommen werden, wird das neue TDRS-Gerät
ostwärts zu seinem endgültigen Standort über der Ostspitze von Brasilien
am 41. Längengrad manövriert. Es ersetzt dann den im April 1983 gestarteten ersten TDRS-Satelliten, den man
anschließend über Südamerika am 79.
Längengrad "parken" und so in Reserve
halten will.

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�TDRS-2, im September vergangenen
Jahres beim ersten DISCOVERY-Flug
nach dem Unglück der CHALLENGER im
Januar 1986 gestartet, steht über dem
Zentralpazifik am 171. Längengrad.
Mit Hilfe dieser beiden Kommunikationssatelliten kann die NASA mit bemannten und unbemannten Satelliten in
niedrigen Umlaufbahnen nicht nur zu
85 Prozent der Zeit ständig Verbindung halten, sondern von ihnen auch
erheblich mehr Daten als bisher bekommen. Dies ist zum Beispiel für
die Funkverbindung mit dem HubbleWeltraumteleskop, das noch in diesem
Jahr gestartet werden soll, und erst
recht mit der künftigen Raumstation
von größter Bedeutung.
Durch die
TDRS-Geräte werden einige Bodenstationen überflüssig.
Die Funktionen
von
drei
Stationen
in
Spanien,
Australien und Kalifornien wurden bereits anderen Bereichen übertragen.
Sechs weitere Stationen werden in
Kürze geschlossen oder an andere Behörden abgegeben.
Die Astronauten hatten eine Reihe
von Experimenten zu betreuen, von denen zum Glück keines durch den vorübergehenden Strommangel beeinträchtigt wurde. Das größte Versuchssystem war ein über 15 m langer Temperaturregulator in der Nutzlastbucht,
der auf seine Eignung zur Verwendung
in einer künftigen Raumstation erprobt
wurde.
Weitere
technische
Tests galten unter anderem Neuentwicklungen für den Raumtransporter.
Wissenschaftliche Experimente an
Bord sollten unter anderem spezielle
Fragen der Pflanzenentwicklung, der
Zellteilung bei Pflanzen und der für
ihr Wachstum in Behältern erforderlichen Atmosphäre im Hinblick auf die
mögliche Errichtung
von Mondbasen
klären helfen.
Den Einfluß der
Schwerelosigkeit auf die weitere Entwicklung von Hühnerembryonen wollen
Studenten an den Küken untersuchen,
die aus den 32 Hühnereiernn schlüpfen
werden, die im Mitteldeck des Orbiter
verstaut waren. An vier weißen Ratten, denen an einem Beim ein kleines
Stück Knochen entfernt worden war,

wird man nun den möglichen Einfluß
der Schwerelosigkeit auf den Heilungsprozeß studieren. Dieses Experiment war von der Orthopädischen
Klinik der Universität Südkalifornien
(Los Angeles) gefördert worden.
Viel Zeit verwendeten die Missionsspezialisten auf Filmaufnahmen
von unserem Planeten mit einer 70-mmSpezialkamera
der
Firma IMAX in
Toronto (Kanada). Für eine Umweltdokumentation filmten sie zum Beispiel weite Regionen Afrikas, Südamerikas und der Vereinigten Staaten.
Sie brachten umfangreiche Bildserien
vom Viktoria-See und dem Gebiet um
den Kilimandscharo in Tansania, von
der vordringenden Wüste am TschadSee, der fortschreitenden Entwaldung
des Niger-Deltas sowie von überschwemmten Trockengebieten im Bereich
des Limpopo in Südafrika zurück.
Auch die Auswirkungen der schweren Regenfälle in letzter Zeit in
Peru, Zerstörungen durch den Wirbelsturm Gilbert im September in Jamaika, durch den Ausbruch des Vulkans
Pacäya Anfang dieses Monats in Guatemala sowie durch einen Waldbrand wurden erfaßt, der gegenwärtig in einem
Nationalpark im Südwesten der Vereinigten Staaten wütet.
Mit Fernsehkameras wurden Gewitterfronten samt Blitzentladungen in
der Nähe von Brisbane (Australien)
aufgenommen. Die infolge der starken
Sonnenaktivität während der Flugtage
besonders
auffälligen
Polarlichter
hofften die Astronauten ebenfalls dokumentieren zu können. Die Aufnahmen
sollen zu einem für eine Großprojektion geeigneten Farbfilm zusammengefaßt werden. Das Projekt wird von
der NASA und dem "Nationalen Luftund Raumfahrtmuseum" der Smithsonian
Institution in Washington gemeinsam
getragen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Probleme im Westen trotz Erfolgen der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walters nimmt Abschied von den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abschiedsbesuch bei Generalsekretär &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perez de Cuellar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreicher "DISCOVERY"-Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reiche Ausbeute für Technik, Forschung und Fotodokumentation&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. FBI - Die Bundeskriminalpolizei der USA (II)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der perfekte Doppelgänger hatte andere Fingerabdrücke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Folge einer Serie von sechs Artikeln&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fasermetallurgie eröffnet neue Wege&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Metallfilze" zeichnen sich durch Hitzebeständigkeit, Schall- und Stoßabsorption aus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Robert H. Read&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;30-kW-Reaktoranlage für Raumraketen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Thermoelektrische Materialien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moskauer Institut erhält Radioisotop aus den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Symposium über Zerstörungsfreie Prüfung von Reaktormaterialien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Skulpturen sollen einen Hauch von Ewigkeit in sich tragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vor hundert Jahren wurde der amerikanische Bildhauer Lorado Taft geboren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von H. B. Garland&lt;/em&gt;</text>
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